Berliner Sortal-Politisches Wochenblatt. Zum Sturze Bismarcks.— Die Arbeiter- klaffe und das Genosfenschaftswesen.— Unsere Junker und der Schutz der landwirthfchaftlichen Arbeiter.— Stumm'sche Zwanghaus-Orduuug. — Temperenz-Spitzel in Amerika.— Die Groß- bourgeoisie bekommt wieder Muth.— Partei verhältniffc im neuen Reichstag.— Aufforderung zum Kontraktbruch. RoDelle von Schtfchedrin.— Ein kapitalistischer Spaziergang.— Zur Philosophie des Elends.— Geschichte eines Spinners von Lille. — Die Petition der Berliner Maurer. Der heutigen Nummer liegen S. 25— 40 der Rcichs- tagsbroschürc bei. Neuhinzutrctende Abonnenten erhalten die RcichstagSbeilage gratis nachgeliefert. Wir müssen nochmals dringend bitten, uns alle größeren Einsendungen bis Mittwoch, alle Vereins- notizcn bis spätestens Donnerstag Mittag zu über- senden. Zum Sturze Bismarcks. § Der Sturz btß Fürsten Bismarck kam dem deutschen ReichLphilister sicherlich unerwartet. Aber ob jener nun unerwartet kam oder nicht, der letztere hat sich bereits vollständig darüber beruhigt, und seine Seele schwimmt wieder behaglich in dem glatten Strom der gewohnten Sicherheit. Das Herabfallen der Figur von ihrem Postamente verursachte zwar eine Wolke von Staub und Moder, die darin gesessen hatten; aber als die Wolke, die aus einen Moment den freien Blick zu hindern schien, sich verzog und eine neue Figur mit nicht viel anderem Ausdruck in ihrer Haltung zum Vorschein kam, suhlte sich der ängstlich erschrockene Philister wieder beruhigt, im Grunde sogar vergnügt darüber, daß er einmal etwas Ordentliches erlebt hatte, was ihm reichlichen Stoff zu einer interessanten Bicrtischunterhaltung bot. Und den Rest von Unbehagen, der etwa noch zurückgeblieben war wegen der drohenden neuen Sozi alresorm, beeilte sich die Regierung baldigst zu zerstreuen durch die Bekanntmachung der Vorlage, welche sie dem Reichstage zuzustellen gedachte. So ist alles im alten Geleis und in bester Ordnung, und weder das philoktetische Geschrei noch die sentimentalen Deklamationen über die geschwundene Herrlichkeit, welche man auf dem Umweg über Hamburg aus Friedrichsruh vernimmt, vermögen den sicheren Bürger zu schrecken oder zu rührern� � unsere Bourgeoisie heute vernünftig und selbstverständlich, natürlich und richtig findet, früher hätte sie es nicht gefunden. Man braucht nur daran zu denken, mit welchen Augen und welchen Gefühlen die deutsche Nation, das heißt die deutsche Bourgeoisie, zu ihrem Reichskanzler aufschaute. Man erinnere sich nur, in welchen Kultus der Verhimmelung und Begeisterung gegenüber der„Heldengestalt" Bismarcks sie sich hinein- gefaselt hat, wie sie vor ihm als dem Begründer oder Wiederhersteller von Deutschland Einheit in tiefster Ehr- furcht erstarb, wie sie ihn als den Jnszeneur weltbewegen- der diplomatischer und kriegerischer Aktionen und hundert anderer historischer Großthaten, die man in den Werken von Geschichtsf-- orschern ersten Ranges, wie Sybel und Treitschke, des Breiteren nachlesen kann, anbetete und in den Himmel erhob, und wie sie ihn zum Dank für seine Mühen und Thaten mit Dotationen und Ehrengaben überhäufte. Wie oft ist es nicht ausposaunt worden, daß das Schicksal von Kanzler und Nation unauflöslich mit einander verknüpft sei, daß beide unmöglich von emander lassen könnten, daß Deutschland mit ihm stehe und falle. Die schnöde Wirklichkeit hat diejenigen, die solche Reden etwa für baare Münze nahmen, gar sehr enttäuscht, und sollte ihr Opfer auch zu diesen Leuten gehören, so würde sein Fall nur um so tragikomischer sein. Jene Redensarten haben sich jetzt herausgestellt als das, was sie faktisch waren, als leere Phrasen. Es hat sich gezeigt, wie fest die deutsche Bourgeoisie zu ihrem vergötterte» Kanzler gestanden hat. Zwar, der Exkanzler beweist fast täglich von neuem schwarz auf weiß, daß er von der deutschen Nation und— seiner früheren Stellung nicht lassen mag, aber von dem Umgekehrten, daß nämlich die Nation auch von ihm nicht lassen mag, ist wenig zu verspüren. Man fragt sich unwillkürlich: Wo ist denn die Liebe und Begeisterung für den großen Kanzler geblieben? Man fragt sich: Wo bleibt denn da der gerühmte deutsche Patriotismus und die sprichwörtliche deutsche Treue? In der That, ein besserer Beweis konnte schwerlich geliefert werden, was für hohle, taube Nüsse diese Begriffe sind. Wäre der Sturz der Person Bismarcks zugleich ein Sturz des Systems Bismarck gewesen, hei, hei, da wäre ein Entrüstungssturm flammender patriotischer Be- geisterung für den großen Mann durch die deutschen Lande gefegt. Aber der Sturz gast nicht dem System, sondern nur dem Kanzler, und das war freilich etwas ganz anderes. Als im Frühjahr, merkwürdiger Weise gerade vier- zehn Tage vor den Reichst�qswahlen, die Sozialreform- posaune ihre schmetternden SrnM- hören ließ. M w'tte? te das bürgerliche Preßgelichtcr dahinter sogleich einen An- griff auf den geweihten Kanzler und verlheidigte denselben in wüthendcn Preßartikeln, allen voran die„Kölnische Zeitung", weil eben diese Presse wußte, daß sie damals in dem Kanzler— wie uneigennützig und ausopfernd patriotisch!— die Interessen ihrer eigenen Klasse vertheidigte. Als sich dann aber— nach den Wahlen — herausstellte, daß die Befürchtungen der bürgerlichen Presse gegcnstandlos gewesen waren, daß dem deutschen Bourgeois kein Härlein gekrümmt worden, sein Geldbeutel ein verschlossener Sesam bleiben sollte, für dessen Oeffnung einen Zauberspruch zu finden, alle Groß- und Kleinveziere der Regierung vergeblich sich ihre Köpfe zerbrachen, da fühlte sich der patriotische Deutsche bei dem wirklichen Sturze seines Kanzlers kaum bewogen, den kleinen Finger für ihn zu rühren, weil— ja weil von oben augenschein- lich keine Gefahr mehr für seinen Geldbeutel drohte. So steht es in der That: auf dem Grunde der Börse des Bourgeois liegt das Geheimniß der patriotischen Kanzler- bcgeistcrung von ehemals und auch das Geheimniß seines sang- und klanglosen Sturzes von gestern begraben. Nicht dem Kanzler, dem Diplomaten, dem„Einiger" Deutschlands, dem Vollbringer so und so vieler rühm- reicher Thaten, sondern dem unentwegten Vertreter der Bourgeoisinteresscn, dem erbitterten Gegner der deutschen Arbeiterklasse, dem Todfeinde jeder freiheitlichen Regung auf politischem wie wirthschaftlichem Gebiet hat die Be- gcisterung und der Patriotismus der Bourgeoisie gegolten. Wäre dies jemals ungewiß gewesen, die jüngsten Ereig- nisse hätten es außer Zweifel gestellt.»So hat sich die Begeisterung für den großen Kanzler als die Begeisterung für den eigenen Geldbeutel entpuppt. Und da Bismarck seine Mission als Geschäftsführer der kapitalistischen Klassen getreulich erfüllte, so konnten sich dieselben auch von ganzem Herzen zu der Gegenliebe verstehen, ihm Erfolg über Erfolg auf allen Gebieten an- zudichten und ihn auch da zu lobhudeln, wo nicht gerade etwas für ihre Taschen abfiel. Ja, bei ihrer Feigheit ließ:» sie es sogar ruhig geschehen, daß er über die Stränge schlug, und der Großgrundbesitzerklasse, den Edelsten der Nation, von der Gcsetzgebungsmaschine die fettesten Bissen servirt wurden, eine Episode, welche nicht gerade zu den ruhmreichsten der deutschen Bourgeoisie gehört. Daher endlich fand dieselbe das Schicksal der deutschen Nation mit dem ihres großen Kanzlers auch nur so lange unauflöslich verknüpft, als sie durch ihn ihr Interesse voll- kommen gewahrt wußte, und bei seinem Ablritt von der politischen Bühne war ihr patriotisches Herz auch nur so lange ängstlich bedrückt, als die Zukunft ein wenig unsicher schien. Aber diese Wolken— die auch wohl nur in der Einbildung bestanden haben— verzogen sich, und damit war das ideale Feuer des Kanzlerpatriotismus überflüssig geworden. Marx sagt einmal irgendwo, man könne die ganze Plattheit der Bourgeoisie an dem Kaliber ihrer große« Geister ermessen; wir möchten hinzufügen, den schmutzigste» Egoismus der Bourgeoisie kann man nirgends besser er- messen als an dem Sturze ihrer großen Geister. Die Arbeiterklalsr und das GenossenschaftsWese«. i. Gegenwärtig, wo in Frankreich wie in allen industriali- sirten Ländern die Proletarier mehr und mehr klaffen- bewußt ihr Haupt heben und die Abschlagszahlung einer umfassenden Arbeitsschutzgesetzgebung vom Staat fordern, da hat auf einmal die französische Bourgeoisie ihren Sold- schreibern die Ordre gegeben, die Bethäligung der Staats- gewalt, die ihr so natürlich und wohlthätig erschien, so lange dieselbe ausschließlich zu ihrem eigenen Vortheil monopolisirt, auch nur zu ihrem eigenen Gunsten geübt ward, als etwas wesentlich Unheilvolles zu malen, sobald sie sich zu Gunsten der Arbeiter manifestiren soll. So lange sich der ouüe S.and Mit der Menschheit identifizirtc, seine Interessen für die Interessen aller Gesellschaftsklassen hielt, sich sozusagen als dw Ge- sellschaft par excellence vorkam, da war es in der Ordnung und löblich— weil einträglich—, daß der Staat seine Gewalt in allen Verhältnissen„zum Wohle der Gesellschaft" pur excellence in die Wagschale warf. Kaum aber fängt das Proletariat an, die Rolle des Staats als Vertreter der gesummten Gesellschaft ernst zu nehmen und ihm zuzurufen:„auch wir sind Gesellschaft, auch wir sind Staat"—, so werden andere Saiten auf die Guitarre gezogen. Der behufs Besserung der Lage der Arbeiter geforderten Intervention der Staatsgewalt durch eine Arbeitsschutzgesetzgebung wird das allein selig- machende Heil der Selbsthilfe durch Kooperation(Genossen- schaftswesen) rc. gegenüber gestellt. Wie in Deutschland in jüngster Zeit die Hirsch- Duncker'schen Steifleinenen aufmarschirt sind und sich gegen Regelung der Arbeitszeit und Arbeitslöhne er- wachsener männlicher Arbeiter auf gesetzlichem Wege erklärt haben, weil sie alle diesbezüglichen Reformen nur durch die freie Initiative der Gewerkschaften errungen wissen wollen; wie sich in England erkaufte oder verbohrte Führer der Trades-Unions gegen die Intervention des Staats zu Gunsten der Proletarier sträuben, so lassen es sich in Frankreich Jules Simon, Leroy-Beaulieu, Say zc. angelegen sein, die Rolle des treuen Eckardt zu spielen, welcher die Arbeiterklasse nicht auf die„gleitende und gleißende Bahn einer Arbeitsschutzgesetzgebung gelangen lassen will, die direkt zum Staatssozialismus und damit zur Negation aller individuellen Initiative und Freiheit führt." Und um den Proletariern diese köstliche individuelle Initiative und Freiheit, die für Millionen heutzutage nur die Freiheit des Hungers und Kummers bedeutet, zu er- halten, flöten die Herren das einschläfernde Lied der Selbst- Hilfe, der Produktivgenossenschaflen, der Konsumvereine, kurz lauter sozialer Pflästerchen und Tränklein, die schon längst bei der Arbeiterschaft als arge Quachalbereien in Mißkredit gerathen sind. Es liegt System darin, daß die Bourgeoisie überall die Forderung einer Arbeilsschutzgcsetzgcbung damit ab- zuwehren sucht, daß sie die Schalten eines Tobten, das Gespenst eines todtgebornen Prinzips, beschwören läßt. Freilich wird die bei dem Geschäft aufgebotene Liebesmühe umsonst verschwendet sein. Die Erfahrung hat die Arbeiter- schäft so gewitzigt, die sozialpolitische Propaganda hat sie derart aufgeklärt, daß das Prinzip der bloßen Selbsthilfe nicht einmal durch Galvanisation für einen Moment lang dem Anschein nach in's Leben zurückgerufen werden kann. Aber diese Bemühungen der Gegner zwingen trop Todesstrafe gezwungen, fich in ,, Arbeiter" zu verwandeln, tragsbruches, der keineswegs bloß vom wirthschaftlichen, alledem die Sozialisten, hin und wieder auf Fragen zurück- also das eigentliche Heer der Arbeit zu vergrößern; Und sondern noch mehr vom fittlichen Standpunkte mit allem zukommen, mit welchen sie schon längst fertig geworden da ihre Zahl mehr als eine halbe Million beträgt, und Nachdruck bekämpft werden muß. Rückhaltlos treten wir find. So ist auch der nachstehende, im„ Combat" 1) ver- da die unbeschäftigten Hände" sich schon jetzt nach Hundert- deshalb für die hierauf bezüglichen Bestimmungen der Voröffentlichte Artikel Jules Guesde's eine Antwort auf tausenden berechnen, muß da nicht diese neue und unver- lage ein. Wer sich auf einen anderen Standpunkt stellt, die im„ Temps" feilgebotenen Lobpreisungen des Koope- meidliche Konkurrenz zu einer weiteren bedeutenden Zu- ist entweder ein bewußter Revolutionär oder ein rativismus durch den Jesuiten der Sozialreform, Jules nahme der Arbeitslosigkeit, zu einem weiteren Sinken der Weichling, der in seiner Rührseligkeit den ärgsten Schaden Simon. Löhne führen? Was die zu Konsumvereinen u. f. w. stiftet, wo er" human" zu wirken glaubt. Wenn das Der Artikel unsres französischen Genossen ist der an- zusammengetretenen Arbeiter als Konsumenten reaktionär" ist, nun gut, dann sind wir es und rühmen gedeuteten Tendenz der Bourgeoisie aller Herren Länder haben gewinnen" können, das und mehr noch uns dessen vor jedermann." gegenüber auch für die deutschen Arbeiter von Interesse. II. Guesde schreibt unter dem Titel„ Die Kooperation": Es gab eine Zeit, ehe die Blize des Kongresses zu Marseille 2) die Augen unsres Proletariats geöffnet hatten, wo man nur von der Kooperation sprach, von der Koopevation träumte. Das war die gute, die schöne Zeit des Jules Simon und Konsorten, welche sich nicht über ihr Verschwinden auf Nimmerwiedersehn trösten können. werden sie in der Folge als Produzenten ver- Die Kreuzzeitung" steht also, was die Landwirthlieren. Entweder werden sie von denen, die sie vom schaft angeht, auf ganz demselben Standpunkt wie der Ladentisch expropriirt haben, nun ihrerseits aus den Werk- Industrie gegenüber die von ihr so oft im Bruſtton ftätten getrieben, oder sie müssen sich das Sinken der Ar- christlicher Entrüstung abgekanzelte„ Rölnische Zeitung". beitslöhne gefallen lassen, welches die nothwendige Folge Gegen den Arbeiterschutz und für den Schutz der des Ueberschusses des Angebots von Arbeitskraft sein wird. Unternehmer das ist die Parole der„ Kreuzztg." Eine andere und nicht geringere Gefahr würde daraus ent- fogut wie der Köln. Ztg.", wenn es an den eigenen springen, daß die zu verwaltenden genossenschaftlichen Kon- Geldbeutel geht. fumvereine die befähigten und entwickelten Arbeiter sozusagen konfisziren und aufsaugen würden. Hat man sich überlegt, Damals konnten die„ papiernen Verbesserer der Lage welche Verausgabung von Zeit, Thätigkeit, Energie und einiges Material bei zur Kennzeichnung der patriarchalischen Die„ Frankfurter 3tg." bringt unterdeß wieder der arbeitenden Massen" den Lohnarbeitern, welche ihr Aufopferung den besten, intelligentesten und fähigsten Pro- Herrschaft auf dem Lande. Wohl am rücksichtslosesten wachsendes Elend den wachsenden Profiten der Unternehmer letariern die Verwaltung und Führung dieser Handels- heißt es da unter anderem wird gerade hier die Und die armen Teufel, welche nichts als ihre Arme * * " * gegenüberstellten, ernst und würdig antworten: Ihr beunternehmungen foften würde? Die Sache der Arbeit Verwüstung der kindlichen Lebenskraft betrieben. flagt euch, und nicht ohne Grund, daß ihr um so ärmer würde in der Folge einen Verlust erleiden, der ebenso un- 3u manchen Arbeiten werden überhaupt nur Kinder verseid, je mehr ihr produzirt, weil ihr für einen Arbeit erseglich wäre wie der Aderlaß, den sie im Mai 1871 wendet, z. B. für das Rübenzupfen", das Herausziehen geber arbeitet. Wohlan, nichts ist einfacher, als dem ab- erlitten. Nur die Stüßen und Schooßkinder der heutigen der überflüssigen kleinen Rüben. Man denke sich Kinder zuhelfen! Seid eure eignen Arbeitgeber. Bildet Produktiv- kapitalistischen Ordnung könnten lachen und sich die Hände von 6 bis zu 14 Jahren täglich 12-18 Stunden auf genossenschaften, in denen der Faktor Arbeit und der reiben, denn sie wären die thätigsten Kämpfer aus dem Boden Hockend, vornübergebeugt, so daß ihnen das Fattor Kapital, weil sie beide von ein und denselben den Reihen der Lohnarbeiter losgeworden, die mit Blut zum Kopf schießt. Ein Erwachsener hält diese Bersonen geliefert werden, das ganze Produkt ohne irgend ihren Forderungen im genossenschaftlichen Senf, Mehl und Stellung keine zehn Minuten aus; was Wunder, welche Theilung, ohne irgend welchen Abzug in den Zucker verschwunden wären. wenn die Kinder nach Schluß der wochenlangen Arbeit Händen der nämlichen Personen lassen müssen." Außerdem darf niemand übersehen, daß unter der geistig anormal zurückkommen, ganz abgesehen von den ihr eigen nannten, und welche man hieß, diese ihre Arme Herrschaft des Lohnſyſtems der Preis der Arbeit vom Krankheiten, die sie sich durch die Feuchtigkeit des Bodens ihr eigen nannten, und welche man hieß, diese ihre Arme Preis der Unterhaltungskosten geregelt wird. holen, der sie unmittelbar ausgesetzt sind. Und zu dieser mit einem durch seine Abwesenheit glänzenden Kapital zu Hohen Preisen der Eristenzmittel entsprechen auch hohe Arbeit geben die Schulen noch Ferien, die soge= affoziiren, von dem auch nicht der erste Heller in ihrem Löhne und müssen ihnen entsprechen, wenn nicht die für nannten„ Rübenferien"! Schlimme Wirkungen für die Befiz war, gaben sich ohne ein Wort der Erwiderung zu Verwerthung der Kapitalien der Herren Kapitalisten un- Gesundheit der Kinder haben auch fast alle übrigen länd= dieser Dunstmacherei her, welche eine der größten Dunst- entbehrliche Arbeitskraft verschwinden soll, weil sie sich lichen Arbeiten, selbst die scheinbar leichtesten, wegen der machereien des Jahrhunderts ist. Heutzutage wären schlechte Wihe von so grobem ursachen niedrige Preise der Lebensmittel auch niedrige das Hacken des Unkrauts, auch wegen der Monotonie der nicht erhalten und wieder erzeugen kann. Genau so ver- übermäßig langen Arbeitszeit; gewisse Arbeiten, wie z. B. Kaliber nicht mehr am Plaze. Bei der ersten Anpreisung Löhne. Und wenn erstere je verallgemeinert, von einzelnen Bewegungen, welche die gleichmäßige Entwickelung der der Produktivgenossenschaften würden deren Apostel von Individuen auf die ganze Arbeiterklasse ausgedehnt werden Glieder hindert. Allgemein bekannt ist ferner die Uebertausenden sozialistischer Arbeiter unterbrochen werden, welche sollten, so würden die Ronfumvereine, weil sie die Existenz- bürdung der erwachsenen Landarbeiter. Es kommt ihnen wie mit einer Stimme zuriefen:„ Sorgt euch nicht fosten des Arbeiters herunter schrauben, die Unternehmer sehr oft vor, daß der Tagelöhner um drei Uhr des Nachts länger, gute Leutchen! Wir sind ganz und gar für diese veranlassen, ja dieselben unter der Herrschaft des Kon- zur Arbeit geht und um acht Uhr des Abends erst wieder Art der Produktion, und wir streben mit allen Kräften, kurrenzkampfes zwingen, den Lohn der Arbeit zu ver- zurückkommt.... Auf einer Gutsherrschaft des Lübener fie zu verwirklichen, aber allerdings in der Art, daß die mindern. selbe keine Utopie bleibt, indem wir nämlich das Kapital Streises bekommen die Hofeweiber pro Tag 45 Pfg. Dies ist so richtig, daß überall da, wo es keine Kon- Arbeitslohn. Die Arbeit beginnt früh um 6 Uhr und dort, wo es sich findet, bei den Kapitalisten, nehmen oder fumvereine seitens der Arbeiter giebt, wie in Decazeville, dauert bis 7 Uhr Abends, also 13 Stunden, wobei eine richtiger zurücknehmen, um es in den Händen der Ge- Anzin, Bessèges, Fives- Lille und Commentry, die Unter- einstündige Mittagspause und zwei halbstündige Pausen sellschaft und unter ihrer Kontrolle mit der Arbeit zu ver- nehmer immer häufiger Konsumvereine gründen, damit zum Frühstück und Vesper in Abrechnung kommen. Die einigen, welche wir allein repräsentiren." die Lohnarbeiter zu niedrigeren Preisen ernährt und in Arbeitsfrauen arbeiten also 11 Stunden und erhalten der Folge niedriger entlohnt werden können. Die Koope- dafür 45 Pfg. Lohn oder 4/11 Pfg. pro Stunde! Kann ration ist ohne Zweifel fruchtbar und ausgiebig; aber für man sich dabei satt essen? Vier Pfund Brod koften 50 Pfg. wen? Für diese wahren Industrieritter- Unternehmer ge- Wenn eine Arbeiterin sonst nichts zu essen hat, dürfte sie nannt, ganz gleich ob individuelle oder kollektive Unter- die vier Pfund Brot wohl verzehren; doch das darf fie nicht, denn dann kommt sie schon über den Etat mit Arme greift. Und wenn von Zeit zu Zeit noch die bürger- unter gewissen Bedingungen und in gewiffen Händen die kaffengeld u. s. w."? Dies will jedoch nicht sagen, daß ausnahmsweise, 5 Pfennigen. Wo bleibt Kleidung, Wohnung, Krankenliche Philantropie aus alter Gewohnheit die Wohlthaten Konsumvereine den Arbeitern keine Dienste leisten könnten. der Kooperation" rühmt, so meint sie die auf den Konsum Um sich vom Gegentheil zu überzeugen, braucht man nur schlecht zu seinem Recht". Da kommt allerdings das unmittelbar Menschliche" oder den Handel beschränkte Rooperation. den Nutzen ins Auge zu fassen, den der flamländische Sozialismus aus ihnen zu ziehen verstanden. Um die, Selbst das Stöcker'sche Bolt", das sonst mit der man könnte fast sagen über die Kooperativbäckerei des Kreuzztg." ein Herz und eine Seele ist, muß die entsetzVooruit zu Genf hat sich eine bewundernswerthe sozia- liche Lage und Ausbeutung der Landarbeiter zugestehen. listische Bewegung emporgehoben. Aber warum und wie Es schreibt an leitender Stelle:„ Auf dem herrschaftlichen Es ist sicher, daß nichts die Arbeiter verschiedener hat man hier ein solches Ergebniß erreicht? Weil unter Dominium in Trachenberg erhält der ländliche Arbeiter, Städte hindern kann, sich zu affoziiren, um ihre eignen dem Einflusse von Sozialisten, wie Anseele und van Beveren der von früh 5 Uhr bis Abends 7 oder 7½½ Uhr Lieferanten zu werden; und indem solche Konsumvereine ihren die Geschäftszwecke des Unternehmenszwecken der Pro-( 1/2 Stunde Frühstücks- und Vesperpause und 1 Stunde Mitgliedern die Waaren entweder zum Kostenpreis liefern paganda Plaz gemacht haben. Das billigere Brot war Mittagspause), also 12 Stunden täglich, angestrengt arbeitet, oder zum üblichen Marktpreis verkaufen und dann die oder zum üblichen Marktpreis verkaufen und dann die nur ein Mittel, die Leute zu vereinen und die Ideen zu pro Tag 60 Pfg. Lohn, ohne jegliches Deputat an Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis jedem verbreiten, die gemachten Profite dienten dazu, eine für Kartoffeln, Getreide oder Wohnung, die ArbeiteEinzelnen oder der Gesammtheit gutschreiben und aus die Emanzipation der Arbeiter kämpfende Zeitung zu rinnen für dieselbe Zeit 50 Pfg., ebenfalls ohne jegliches zahlen, gewinnen die Arbeiter in der That den Unterschied gründen und zu erhalten. zwischen Engrospreis und Detailpreis profitiren, den sie jetzt Deshalb ist es auch aus, ganz aus mit den aus dem Nichts zu schaffenden Kooperativwerkstätten. Sogar die Gläubigen der Arbeiterproduktivgenoffenschaften", wie der von Berlin zurückgekehrte Delahaye, wollen nur noch von ihnen unter der Voraussetzung sprechen hören, daß der Staat ihnen mit Millionen und Millionen unter die Auf diesem Gebiet hört das kooperative Prinzip alles ist heutzutage Prinzip auf, in der heutigen Gesellschaft eine Chimäre zu sein und kann durchgeführt werden. an dritte Personen zahlen müssen. nehmer. Derart verstanden und derart praktizirt Deputat. * Die Behandlung der Leute ist echt wird russisch. Bei dreien von den hier ansässigen OberamtRooperation eine Waffe des Proletariats, die nur leuten ist aktenmäßig festgestellt, daß sie ihre Zeute den Feind verwundet. Allein wenn die Sache durchführbar ist, wenn sie sobie gar an Unsere Junker und der Schutz der landwirthschaftlichen Arbeiter. Die Kreuzzeitung" das Organ der Großich nehme die Ziffern der Gegner widerspruchlos für die Bäckereien allein einen Gewinn von 20 bis 24 pCt. darstellt, so folgt doch daraus noch nicht, daß sie von„ offenbarem Interesse" für die Arbeiterklasse sei. Weit gefehlt; für den, der weiter sieht als bis zur Kasse des Unternehmers, für den stellt dieses Werkzeug des billigen Einkaufs" nur ein Werkzeug der Lohnbrückerei grundbesitzer adligen und bürgerlichen, christlichen und dar, und es kann gar nichts anderes sein. Wie der„ Temps" z. B. zugesteht, haben es die genossenschaftlichen Konsumvereine auf den Kleinhandel abgesehen", fie ftreben darnach, ihm seine Kundschaft zu entziehen", d. h. in einer gewissen Zeit Bäckern, Fleischern, Krämern 2c. den Garaus zu machen. prügeln und zwar so, daß einer derselben kürzlich vom Schöffengericht wegen schwerer Körperverlegung zu 400 Mr. Strafe verurtheilt wurde; bei den anderen in Frage stehenden Oberamtleuten wagen die Gemißhandelten gar nicht, sich Recht zu suchen, troß alles Zuredens und Rathgebens." jüdischen Ursprungs- verwahrt sich auf das Entschiedenste Um den empörenden Eindruck der Stummdagegen, daß auch die landwirthschaftlichen Arbeiter gefeßlich zu schüßen seien, dagegen müsse ihr Kontraktschen Zwangshaus- Ordnung bruch bestraft werden! Das edle Blatt schreibt: " mit ihrem Ehekonsens seitens des modernen Feudalherren ,, Natürlich wäre es falsch, sich eine Schablone zu abzuschwächen, hatten sächsische Blätter behauptet, daß auch bilden und die landwirthschaftlichen Verhältnisse an englische Gewerkschaften mitunter die Verheirathung Nun können wohl diese Händler ohne Handel, diese dem Maßstabe der industriellen zu messen. Auch auf ihrer Mitglieder von der Genehmigung des Gewerkdurch den Bankerott aus ihren geschlossenen Läden ge- dem Lande ist das Moment des Patriarchalischen" zwar schaftsvorstandes abhängig machten. worfenen Krämer für Leroy- Beaulieu überflüffige Zwischen Stelle getreten. Dennoch sind diese Beziehungen lange ob man beeinflußt wird von einem selbstgewählten, jedervielfach geschwunden, äußerliche Beziehungen find an seine Nun ist es immer noch ein himmelweiter Unterschied, personen" Parafiten" sein, oder nach dem liebenswürdigen Ausspruch des Herrn Jules Simon" Camelots"( Hauſirer, noch nicht so kalt und rein formell, als sie sich in zeit absetzbaren Vorstand, welcher derselben Klaffe und welche Ramsch, Ausschuß und Schleuderartikel feilbieten), der Fabrik darstellen; schon deshalb nicht, weil die Zahl darum demselben Interessenkreis angehört, oder ob dieser aber wenn man ihnen nicht gleichzeitig mit ihren Eristenz der Leute, mit denen man im einzelnen Falle zu thun hat, Einfluß zwangsweise ausgeübt wird von einem unummitteln diese Existenz selbst nimmt, sind dieselben doch bei durchschnittlich weit geringer ist, so daß das unmittelbar schränkten Herrscher, der als Angehöriger einer ganz anMenschliche noch zu seinem Rechte kommen kann und, deren Klasse ganz andere Interessen zu vertreten hat. 1) Der Combat" ist ein seit ca. zwei Monaten bestehendes wie jeder Kenner der Dinge weiß, auch wirklich Aber auch mit der Genehmigung seitens der Unionstägliches sozialistisches Organ, das in Paris erscheint und an dem kommt. Vor der Hand steht es in weiten Gebieten vorstände ist es nichts. Herr Prof. Brentano, gewiß Guesde den thätigsten Antheil nimmt. noch so, daß die Uebertragung von Einrichtungen, wie sie kein Stürmer und Dränger in der Behandlung der Ar2) Der Kongreß zu Marseille brachte die Niederlage der im Gewerbe unerläßlich scheinen, in der Landwirth- beiterfrage, aber einer der besten Kenner der Trades Unions, Nichts alsgewerkschaftler, von der sie sich nie erholt haben. Das Resultat war der Kampagne Guesde's und seiner Freunde von der schaft keinem wirklichen Bedürfnisse entsprechen. erwiedert auf die dreisten Vertuschungsversuche der sächsischen Beiden gemeinsam dagegen ist der Uebelstand des Ver- Amtsblätter: " Egalité" zu verdanken. t Η „6g ist mir nie etwas vorgekommen, was die in der „Leipziger Zeitung� ausgesprochene Behauptung rechtfertigen könnte. Wohl aber weiß ich, daß die englischen Arbeiter eine Zumuthuug, wie sie hier ausgesprochen ist, mit derselben Entrüstung zurückweisen würden, wie wenn sie vom Arbeitgeber ausginge. Und wenn ein Arbeitgeber ihnen eine solche Zumuthung stellen wollte, wäre die Folge ein Schrei der Entrüstung »on einem Ende des Landes zum andern? es würde nicht einmal zum Srreik kommen, denn der betreffende Arbeitgeber würde ganz außer stände sein, seine Zumuthung angesichts der öffentlichen Meinung auftecht zu erhalten. Aber eine solche Zumuthung würde dort niemals gestellt werden können. Der Arbeitgeber, der sie stellen würde, wäre zeit- lebens ein Gegenstand höhnender Entrüstung." Als der freisinnige Abg. Hirsch im Reichstage die Stumm'sche Klause! zur Sprache brachte, entgegnete ihm der väterliche Selbstherrscher aller Neunkirchener, daß der Dr. Hirsch ihn nicht beleidigen könne. Vielleicht hat der Fabrikkönig dem angesehenen Gelehrten gegenüber ein weniger dickes Fell. Vielleicht aber auch nicht! Temperenz-Spchel in Amerika*). In der Legislatur von New Dork hat der Deutsch Amerikaner Endres von Bussard einen Gesetzvorschlag ge macht, um dem namentlich in New 3)ork üppig wuchernden Temperenz-Spitzel-Unwesen ein Ende zu machen, und man darf gespannt darauf sein, wie sich die Mitglieder der Gesetzgebung zu der Vorlage stellen werden, ob sie trotz der Anstrengung der Prohibitions-Fanatiker oder-Heuchler den Muth finden, einem der traurigsten Auswüchse des amerikanischen Strafrechts das wohlverdiente Ende zu bereiten. Amerikanische Blätter geben der Nachricht folgende Bemerkungen mit auf den Weg: Von allen Menschen ist der verächtlichste der Angeber Wenn auch in den Zoll- und Steuergesetzen des Bundes sowohl als in unseren Strafgesetzen der Staaten das Spitzclsystem ausdrücklich anerkannt wird, so gilt dock der Spitzel immer als trauriger Tropf. Man liebt auch hier den Verrath und haßt den Verräther. Es ist klar, daß das Spitzelunwesen die gemeinsten Instinkte und Charakier- züge eines Menschen zur Entfaltung bringt, und traurig genug ist es, daß dies sogar legalisirt wird. Die„gesetz- liche Anerkennung" und Billigung des Spitzel-Unfugs hat im ganzen Lande schon böse Früchte gelragen und die Moral des Volkes schon mehr vergiftet, als alle Verletz- ungen der Sonntagsgesetze und anderer Gesetze zusammengenommen. Ein Beweis für diese Vergiftung der öffentlichen Moral sind die sog.„Law and Order Societies" (Vereine für Gesetz und Ordnung), welche allenthalben im Lande entstehen, welche mitunter die angeblich achtbarsten Bürger zu ihren Mitgliedern zählen und nur durch Be- Nutzung des Spitzelthums ihren Zweck erreichen. Dieselben Leute, welche ihr„Vaterunser" alltäglich so inbrünstig beten, besolden Leute, um andere in Versuchung zu führen, alles zur höheren Ehre Gottes oder im Namen von Gesetz und Ordnung. Der Polizist, welcher am Sonntag sich Eingang in eine Wirthschast verschafft und dem gut- müthigen Wirthe vorjammert, daß er todtkrank sei und einen Schnaps haben müsse, der aber sofort, nachdem er das Gewünschte erhalten, sich umdreht und den Wirth wegen Uebertretung des Gesetzes verhaftet, ist nicht ausschließlich in New Dork zu finden, man kann ihn allent- halben ini Lande antreffen, und viele Richter und Fromme feiem eine solche Gemeinheit noch als eine verdienstliche That. Nur wenige Richter in Amerika haben, wie Richter Bedford in New York, den Muth der Ueberzeugung, ein solches Verfahren' niederträchtig zu finden und zu brandmarken. Richter Bedsord sagte bei einer Gelegenheit: „Als die Gesetzgebung dieses Akzise-Gesetz annahm, beab- fichtigte sie durchaus nicht, daß die Behörden irgend jemanden speziell dazu verleiten sollten, das Gesetz zu ver- letzen. Es war niemals beabsichtigt, daß jemand sich in ein Wirrhshaus eindrängen sollte, um Geld dort nieder- zulegen und wenn man ihm Getränke verabreicht, sofort sich als Mann des Gesetzes zu entpuppen und den Mann zu verhaften." Es ist nur zu bedauern, daß die öffentliche Meinung noch nicht auf der Stufe steht, um die Legali- sirung des Spitzelunwesens abscheulich zu finden. Die Großbourgeoisie bekommt wieder Muth. Im Börsen- Wochenbericht der„Nationalztg." lesen wir:, Allmählich hebt sich der Geist der Spekulation aus der Starre, die ihn lange Zeit gefesselt hielt, und er ver- sucht, freilich noch etwas schüchtern ünd zaghaft, seine Schwingen zu regen.... Das Kapital hielt sich während einer geraumen Zeit, fast ein halbes Jahr, ganz abseits und apathisch. Theils war es durch die harten Schlage der Kourskalastrophe auf dem Markt der Dividenden- Papiere schwer getroffen und geschwächt, dann aber wurde es durch die von allen Seiten gegen dasselbe gerichteten Angriffe erschreckt. Es gab Augenblicke der Erregung, dies be- sonders nach den kaiserlichen Erlassen und während der Wahlkampagne des deutschen Reiches, da man zu vergessen schien, daß die Kraft des Kapttals den Kreislauf der Güter beherrscht und leitet, daß es der Souverän unserer rastlos produzirenden Zeit ist..... *) In amerikanischen Staateil hat man bekanntlich vielfach die denkbar härtesten Gesetze gegen den Ausschank alkoholischer G-- tränke(Prohidüionsgesetze). Tie Tempercnz-(MabigkeltS-) Be- wegung ist dort eine ganz andere wie bei uns. „Die Ankündigung des„großen Tages", 5 Weltfeiertags, den die europäischen Arbeiter am 1. Mai zu arrangiren gedachten, an welchem sie in geschlossener Phalanx zwar noch nicht im Feuer exerziren, aber doch vor der bürgerlichen Gesellschaft defiliren sollten, um ihren Forderungen an dieselbe den Nachdruck einer wohl diszi- plinirten, unbesiegbaren Großmacht zu verleihen, war ge- eignet, Befürchtungen zu wecken und die Zurückhaltung der ökonomischen Thätigkeit zu verschärfen.... Es galt, so schien es, eine Machtfrage jetzt schon zu erledigen, einen Entscheidungskampf zu bestehen, und die sogenannten „Privilegirten von heutzutage", der„großindustrielle Feuda lismus", welche die Reserve zur Wahrung der kulturellen Errungenschaften stellen, schloffen sich ohne besondere Ber- abredung zusammen, um den Kampf aufzunehmen und auszutragen. „Die Vereinigungen der Arbeitgeber in allen Groß- städten und in den Centren der Industrie zum passiven Widerstand durch Schließung der Werkstätten, die Bereit- Haltung der staatlichen Macht zur Abwehr aller Gewalt- thäligkeiten, ein Beweis, daß die bisher den Arbeiterver- Hältnissen gewidmete staatliche Hilfe vielfach mißverstanden worden war, machte einen tiefen Eindruck auf die Massen und sprengte ihre Phalanx. Der große Tag ging vorüber, ohne eine Spur in dem gesellschaftlichen Leben zurückzulassen..... „Von jenem Tage an daürt ein Aufathmen, eine Beruhigung innerhalb der industriellen und kapitalistischen Kreise; die Erkcnntniß, daß die Sozialpolitik des Staates, welche unter dem Geleit Aufsehen und Unruhe erregender Erscheinungen inaugurirt wurde, gelernt haben dürfte, vorsichtigen Fußes einherzuschreiten, wei sie den Abgrund sah, der unter ihren Füßen lauerte, trug nicht wenig zur Beruhigung der Gemüther bei. Der Enthusiasmus der öffentlichen Meinung für eine rasche Umgestaltung der Arbeiterverhältnisse war in den Berathungen und Beschlüssen der Arbeiter- schutz-Konferenzen verdampft, und als Niederschlag der großen Bewegung ergaben sich einige Prinzipien, die gewiß allseitig Anklang finden und, wenn durchgeführt, der Entwickelung der Industrie keinen Abbruch lhun, eher dienlich sein werden. Der politische Parteilärm mit seinen oft prahlerischen Ansprüchen, Illusionen und Ver- sprechungcn ist kleinlaut geworden angesichts der Haltung der Regierung, die keinen neuen Kurs einzuschlagen gedenkt." Schärfer hat es die deutsche Bourgeoisie einem Monarchen wohl noch nicht zu verstehen gegeben, daß nicht er, sondern das Kapital der„Souverän" unserer Zeit ist. *** Die Großbourgeoisie in ihrer Stellung zur Sozial- reform charakterisirt auch der„Reichsbote" in seiner neuesten„Wirthschaftlichen Rundschau" folgendermaßen: „Eine Zeit lang lebte die Finanzwelt in großer Furcht, daß die Anarchie, die bislang auf dem wirthschaftlichen Gebiete geherrscht hat, unter dem neuen Regime ein schnelles Ende finden würde. Die Kaiserlichen Erlasse, Bismarcks Rücktrittt, die revolutionären Vorstöße der Arbeiter— in dem allen sah man die drohenden Anzeichen eines Umschwunges, die Vorboten einer gesetzlichen Regelung des gesammten Erwerbslebens. Da aber der erste Mai ruhig verlief und die Furcht vor einer Revolution von unten her als übertrieben sich herausstellte, weicht auch allmählich die Furcht vor einer Reformation der wirth- schaftlichen und sozialen Zustände von oben her. Es ist Thatsache: in weiten Kreisen der Kapitalisten und In- dustriellen hält man den Träger der Sozialreform für eingeschüchtert, den Enthusiasmus für die Besserung der Arbeitcr-Berhältnisse hält man für verdampft. Ueber die Dartewerhaltnisie im neue« Reichstage schreibt der deutsche Corrcspondent der Wiener„Arbeiter- zeitung" ganz zutreffend: Die Stimmung des„oppositionellen" Reichstages ist eine außerordentlich friedliche. Mit Ausnahme der sozial- demokratischen Partei sind alle Parteien bereit, der Regierung auf den verschiedenen Gebieten nach Kräften cnt- gegenzukommcn und sie zu unterstützen. Dadurch wird es geschehen, daß dieser Reichstag im Laufe seines Be- stehens Bewilligungen macht und Gesetzen seine Zustimmung giebt, die mit den Absichten und Wünschen seiner Wähler sich nicht decken, ja, ihnen vielfach schnurstracks entgegenstehen. Ebenso gefällig wie der so heftig befehdete Kartellreichstag wird sich auch dieser Oppo.sitionsreichstag erweisen. Es heißt: Der alte Kartellreichstag ist tobt; ja wohl, aber sein Geist lebt fort und beherrscht die gegenwärtige Parlamentsmehrheit, wie er die frühere beherrscht hat. Gewählt als Protest gegen den Kartellreichstag, handelt er genau so, wie sein Vorgänger gehandelt hat. So erweist sich schon jetzt die Wahl vom 20. Februar als eine ungeheure Duperie der Wähler. Die Erklärung für diese Thatsache ist naheliegend. Seitdem die Regierung die Kulturkampfpeitsche weg- gelegt hat, ist der Demokratismus des Zentrums, der immer sehr dünn war, verflogen. Er lebt nun fort in einigen kleinbürgerlichen Vertretern Süd- und West- deutschlands, die geistig fast ausnahmslos Nullen sind und nicht wagen, gegen die feudal-aristokratisch-reaktionäre Führerschaft sich aufzulehnen.... Ganz ähnlich verhält es sich mit den Deutsch- Frei- sinnigen. Ihrer sozialen Stellung nach sind sie Ver- treter der Bourgeoisie par excellence, die, entweder unzufrieden mit der Schutzzollpolitik der Regierung, dieser opponiren, oder noch aus einem letzten Rest von bürger- lichem Liberalismus sich auf die Verwirklichung bestimmter konstitutioneller Formen und Forderungen steifen und im übrigen, geärgert durch die ihnen bisher widerfahrene schleckte Behandlung, sich als zahnlose Parlamentslöwen aufspielen. Die Oppositionsstimmung der Freisinnigen ist aber durch zwei Umstände mächtig gedämpft worden. Einmal durch das gewaltige Anschwellen der sozialdemo- kratischen Stimmen, das ihnen mehr Angst einjagte, als ihre eigenen Siege ihnen Freude bereiteten, dazu das immer Wichligerwerden der Arbeiterbewegung überhaupt; dann der Abgang Bismarcks, der sie so tödtlich haßte— er wußte vielleicht selbst nicht warum— und die durch dessen Abgang in ihrer Brust erwachte Hoffnung, doch endlich noch regierungsfähig zu werden. Diese beiden„Oppositionsparteien" hat die Regierung nicht mehr zu fürchten, am allerwenigsten bei an- ständiger Behandlung, ein prophylaktisches Mittel, das sie, im Gegensatz zu Bismarck, jetzt anwendet und dabei ausgezeichnet fährt. Thatsächlich ist also die Regierung unbestritten Herrin der Situation. Das bestätigen auch die ver- gnügten Gesichter der Herren an den Bundesrathstischen. Die Temperatur ist so angenehm, daß fast kein Tag vergeht, an dem der neue Reichskanzler sich nicht blicken läßt, was bei seinem Vorgänger eine große Seltenheit war. Diese für die Sozialdemokratie scheinbar so un- günstige Situation, ist thatsächlich die denkbar günstigste. Tritt sie stets und überall fest und entschieden auf, nur auf ihre Wähler, auf die Arbeiterklasse blickend, so wird sie sehr bald auch den jetzt ihr noch fernstehenden Massen als die einzige Vertreterin des Volkes erscheinen, und eine Menge von Personen und Stimmen wenden sich von den anderen Parteien ab und ihr zu. Ihre Stellung ist also in Wahrheit nie günstiger gewesen als gegen- wärtig und es ist ihre Aufgabe, diese Gunst der Lage und der Umstände aufs beste auszunützen. Die öffentliche Aufforderung zum Kontraktkruch ist, wie die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung"— offenbar zur Aufmunterung für alle Widerstrebenden— mit- theilt, schon jetzt nach dem Uttheil des Reichsgerichtes strafbar. Unter dem 3. Dezember 1889 entschied dieses: „Ob der einzelne Arbeitgeber seine Arbeiter entlassen, der einzelne Arbeiter die Arbeit einstellen will, ist— die Wahrung der gesetzlichen oder vertragsmäßigen Kündignngs- frist vorausgesetzt— Sache der freien Entschließung des Einzelnen. Das gemeinschaftliche Vorgehen mehrerer Arbeitgeber oder Arbeiter in dieser Richtung ist aber ge- eignet, die Willensfreiheit des einzelnen Theiles zu be- schränken. Von diesem Gesichtspunkte aus, also als Röthigungsmittel, wurden dergleichen Verabredungen durch die§§ 181, 182 der preußischen Gewerbeordnung von 1845 unter Strafe gestellt, ohne daß zum Thatbestand des Vergehens eine an sich widerrechtliche Arbeitseinstellung erfordert wurde, welche letztere vielmehr durch§ 184 an den Arbeitern besonders bestraft wurde. „Während nun die Strafe des Vertragsbruchs in der Reichsgewerbeordnung von selbst in Wegfall gekommen ist, find die Verbote von Verabredungen und Vereinigungen zum BeHufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeits- bcdingungen, insbesondere mittels Einstellung der Arbeite« oder Entlassung der Arbeiter, durch§ 152 ausdrücklich aufgehoben. Es steht also jetzt den Arbeitern, wie den Arbeit- gebcrn frei, ihren Ansprüchen, deren Forderung und Bewilligung an sich von dem freien Willen der Bethciligten abhängt, durch das Mittel der Vereinigung(Koalition) größeren Nachdruck zu geben. Dieses bisher verbotene Mittel ist nun ein erlaubtes. „Nicht erlaubt, gesetzwidrig, wenn auch nicht unter Strafe gestellt, bleibt Entlastung oder Arbeitsein- stellung vor Ablauf der gesetzlichen oder verttagsmäßigen Kündigungsfrist. Soweit Verabredungen und Vereint- gungen durch§ 152 erlaubt sind, also insbesondere zur Einstellung der Arbeit oder Entlassung der Arbeiter behufs Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen, so- weit sind auch die Aufforderungen zu derartigen Ver- abredungen und Vereinigungen, die den gewöhnlichen Aus- gangspnnkt derselben bilden, straffrei. «Neben diesem strafrechtlichen Privilegium, welches nach Geschichte und Wortlaut des Gesetzes nur in der Be- seitigung der bis dahin geltenden besonderen Strafbestimm- ungen für Gewerbetreibende und Arbeiter besteht, bleiben aber die allgemeinen Strafgesetze in Kraft." Nach dieser Entscheidililg ist also die Arbeitsein- kellung vor Ablauf der Kündigungsfrist gesetzwidrig aber straflos, die„Aufforderung" hierzu hingegen gesetzwidrig und strafbar. Volttische». Die belgischen Abgeordneten Janson, Houzeau, Hanssens und Casse haben der Kammer den Entwurf eines Gesetzes überreicht, welches die Unfallversicherung regeln 'oll. Die Grundzüge des 27 Artikel umfassenden Gesetzes äffen sich nach der„Voss. Ztg." wie folgt zusammenfassen: Die Jndustriechefs und Patrone find verpflichtet, ihre Arbeiter beiderlei Geschlechts gegen die Gefahren der Unfälle, welchen sie während ihrer Arbeit ausgesetzt sind, zu versichern. Die Versicherung erfolgt durch GesamiMheitcn von Pa- troncn oder Chefs einer und derselben Industrie oder gleich- artiger Jndustrieen. Diese Gcsammthciten bildet die Re- gicrung auf Vorschlag der Industrie- und Arbeitsräthe. Die Jndustriechefs oder Patrone können ihre Arbeiter bei einer Versicherungsgesellschaft versichern, doch muß die letztere der Staatskasse eine Kaution von mindestens 5 100 000 Francs, welche mit 3'/» pCt. verzinst werden, einzahlen. Jede Gesammtheit umfaßt mindestens 10 000 Arbeiter. Werk-, welche mehr als 2000 Arbetter beschäftigen, dürfen " " selbst ihre Versicherung regeln. Verlangt aber ein Drittel liche und zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit des allgemeinen| trauensmann von den Textilarbeitern für Cottbus gewählt und dieser Arbeiter den Anschluß an eine Gesammtheit, so muß und gleichen Wahlrechts zu bestreiten." find Briefe und Anfragen an ihn zu richten. fich der Besizer der Werke dem fügen. Geschieht die Ver- Vermehrung der Geistlichen gegen die Vermehrung Wegen groben Unfugs hat das Amtsgericht Magdeburg ficherung durch diese Werke selbst, so muß an die Staats- der Sozialdemokraten empfehlen neuerdings alle, die dabei für den Buchdruckereibesizer Fr. Meyer in Hamburg zu vier Wochen tasse eine Staution von mindestens 50 000 Frcs., welche mit sich und ihresgleichen Pfründen erhalten. Ein Hauptführer der Haft verurtheilt. Den groben Unfug" hat das Gericht darin ge= 32 pet. verzinst werden, abgeführt werden. sächsischen Positiven", Herr Luthardt in Leipzig schrieb in dieser funden, daß in dem Meyer'schen Blatt" Der Kupferschmied" eine Jede Gesammtheit bildet ihre Versicherungskaffe und be- Beziehung vor kurzem: Aeußere Mittel beschwören jene( fozial- Annonze erschien, mit folgendem Wortlaut:„ Oschersleben. Der stimmt unter föniglicher Genehmigung die für jeden ver- demokratische) Gefahr nicht. Das vermag nur eine moralische Buzug nach hier, Werkstelle hier, Werkstelle des Herrn H. ist bis ficherten Arbeiter zu zahlende Prämie. Von dieser Prämie Macht, welche zugleich eine soziale ist. Diese moralische Macht auf Weiteres fernzuhalten. Die Lohnkommission der Filiale zahlen 7/10 die Industriechefs oder Patrone, o der Arbeiter, ist allein die Religion, das Christenthum. Die soziale Wirkung Magdeburg."-Was doch nicht alles als grober Unfug aufgefaßt 1/10 die Kaffe des Unterstüßungswohnsizes oder der Staat. des Christenthums aber beruht in der Kirche; denn die Kirche ist werden kann! Der Arbeiter hat kein Recht auf irgend eine Ent- die Organisation des Christenthums. Die Kirche aber übt ihren Vom Landgericht in Zwickau wurde ein Bergarbeiter, schädigung, wenn der Unfall ausschließlich und augenscheinlich Einfluß durch die Kirchen und Parochien. Hier liegt der ent- weil er in einer öffentlichen Versammlung einem Bergwerksdirektor durch seine eigene Nachlässigkeit, grobe Unvorsichtigkeit scheidende Punkt.... Vermehrte Kirchspiele mit ihren Wortbruch vorgeworfen hatte, zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt!! oder verbrecherische, ſträfliche Handlungen herbeigeführt Geistlichen und Kirchen das allein kann gründlich Die Höhe der Strafe wurde dadurch begründet, daß der Angeklagte worden ist. Ist der Unfall augenscheinlich durch einen helfen."- Derselben Ansicht gab der konservative Abgeordnete ein Agitator" jei. Fehler oder durch Nachlässigkeit des Unternehmers hervor- Freiherr v. Friesen seiner Zeit auf der sächsischen Landessynode 100 Schrauben Facondreher find in Berlin noch gerufen, so kann die Gesammtheit im Namen der Opfer Ausdruck, daß nämlich dem Umsichgreifen der Sozialdemo= immer ohne Arbeit. Sendungen an Voigtländer, Berlin, Manteuffelgegen ihn auf Schadersaz klagen. Der lettere dient fratie in Sachsen nur dann wirksam begegnet werden straße 46. theils zur Erhöhung der gesetzlichen Entschädigung, theils könne, wenn man sich entschließe, noch etwa 200 neue Kirchen zu fließt er der Versicherungskasse zu. Fachverein der Steindrucker und Lithographen. erbauen.... Um der sozialen Noth der Zeit abzuhelfen, empfahl 81/2 Aerztliche Hilfe muß stets, mag die Ursache des Unfalles auch das evangelisch- lutherische Landeskonsistorium des Königreichs Vereins- Versammlung Sonnabend, den 31. Mai, Abends 8 Uhr, sein, welche sie wolle, den Opfern unentgeltlich gewährt Sachsen vor allem eine Erweiterung der speziellen Seelsorge, die in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28, statt. durch Zertheilung der Massenparochien und Vermehrung der geist= Geselligkeitsverein„ Vorwärts". Sonnabend, d. 31. Mat Abends 9 Uhr, Blumenstr. 78, bei Wollschläger, Versammlung. Die Geldentschädigung soll bei vollständiger Ar- lichen Kräfte erreicht werden soll! beitsunfähigkeit 80 pCt. des durchschnittlichen Tage- Konservative Angriffe gegen konftitutionelle Rechte Fachverein für Schlosser und Maschinenbauarbeiter Lohnes des letzten Arbeitsjahres betragen. des Volkes. Zu den mecklenburgischen Verfassungszuständen Berlins und der Umgegend. Sonnabend, den 31. Mai, schreibt man der Nordd. Allg. 3tg.":" Der kleine Mann, der Abends 81/2 Uhr, in Teichert's Salon( Zentral- Schüßenhaus, Große Versammlung. Handwerker, der Tagelöhner, trägt kein Verlangen danach, noch Tegeler Chaussee), Scharnweberstr. 4: mehr zu wählen als bisher und begreift den nicht, welcher ihm Vortrag des Herrn Türk über: Die Lage der ländlichen Arbeiter. erzählt, daß eine Aenderung der Verfassung nothwendig die ZuDie Kranken- und Begräbnißkasse des Vereins stände bessern würde.... Er wird beruhigt darüber sein, daß bei sämmtlicher Berufsklassen, Verwaltungsstelle Berlin L. dem rapiden Anwachsen der Sozialdemokratie für die Anhänger Sonnabend, den 31. Mai cr., Abends 8 Uhr, Blumenst.: 78, bei dieser Lehre bei den hiesigen verfassungsrechtlichen Zuständen kein Wollschläger: Versammlung. Feld der Thätigkeit auf dem Gebiete der Gesetzgebung ist, und daß es deshalb gerade in den heutigen Zeitläufen durchaus unklug wäre, die Verfassung zu ändern und den Umstürzlern Siz und Stimme in einem mecklenburgischen Parlament zu geben." werden. Ist durch den Unfall der Tod verursacht, so erhält die Wittwe 35 pt. und jedes Kind, bis zum 14. Jahre 10 pCt. des durchschnittlichen Tagelohns des letzten Arbeitsjahres, doch darf die Gesammtentschädigung nicht 65 pet. dieses Lohnes übersteigen. Die Wittwe verliert bei Wiederverheirathung jede Entschädigung. War der verstorbene Arbeiter nicht verheirathet, aber die Stüße der Familie, so ist der Letzteren eine Entschädigung bis 40 pt. dieses Lohnes zu gewähren. Bei theilweiser aber dauernder Berufsunfähigkeit beträgt die Entschädigung 10 bis 50 pt., bei zeitweiser Unfähigkeit während deren Dauer 65 pCt. des Tagelohnes. Alle Entschädigungen find fällig von dem Tage nach dem Unfalle ab. " Gewerkschaftliches, Vereine. Verein zur Wahrung der Interessen der Schuhmacher. Dienstag außerordentliche General- Versammlung im Königstadt- Kafino, Holzmarktstr. 72, Abends 812 Uhr. Freie Vereinigung der Zimmerer Berlins. Montag, den 2. Juni, Abends 81/4 Uhr, Hochstr. 32a: Generalversammlung. Ist die gewerkschaftliche Bewegung von der politischen zu trennen. Ein aus drei Patronen und zwei Arbeitern gebildeter Verwaltungsrath leitet die Finanzverwaltung der Ge- Deutschlands wenden sich die Kopenhagener Maurergesellen. Sie An die gesammten Maurer und übrigen Arbeiter Referent Aug. Taeterow. Achtung! Sozialdemokratischer Wahlverein des fammtheit, beaufsichtigt auch die Vorsorge- Maßnahmen zur führen zur Zeit einen Kampf um die Durchseßung eines neun- 4. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Den Mitgliedern zur Abwendung der Unfälle. Jeder Gesammtheit steht ein aus drei Patronen und drei stündigen Arbeitstages und eines Stundenlohns von 50 Dere( etwa Nachricht, daß, so lange die Biersperre besteht, weder MitgliederArbeitern gebildetes Schiedsgericht zur Seite, welchem 60 Pf.). Der Streit begann am 12. d. M., nachdem beinahe zwei noch Generalversammlungen stattfinden können, da uns Sale un Arbeitern gebildetes Schiedsgericht zur Seite, welchem Jahre hindurch mit den Meistern über diese Sache verhandelt war. entgeltlich nicht zur Verfügung stehen. Wir ersuchen daher die die Regierung einen von ihr außerhalb der Gesammtheit ge- Brüder und Genossen, so schließt der Aufruf, wir hoffen, daß ihr Mitglieder, die Beiträge an nachfolgenden Stellen zu entrichten: wählten Vorsitzenden zuordnet. Dieses Gericht entscheidet über die Entschädigungen und etwaigen Streitigkeiten zwischen Wege zum achtstündigen Arbeitstag, für welchen 50 000 Kopen- Reſtaurant; M. Pohl, Frankfurterſtr. 8b, Hof 5 Tr.; C. Scholz, über die Entschädigungen und etwaigen Streitigkeiten zwischen unsere Forderung anerkennen werdet, als den ersten Schritt auf dem Fr. Zubeil, Naunynſtr. 86, Restaurant; O. Heindorf, Langestr. 70, Batronen und Arbeitern; das Verfahren iſt unentgeltlich; hagener Arbeiter am 1. Mai demonstrirten. Wir bitten Euch daher, Wrangelſtr. 32, Glaserei; G. Schulz, Admiralſtr. 40a, Zigarrendie Entscheidungen sind endgiltig; die Verhandlungen find nicht nach Kopenhagen zu reisen, ehe der Streit beendigt ist, und handlung. öffentlich. rechnen auf euere Unterstüßung. Gedenkt, daß etwa 2500 Familien Fachverein sämmtl. an Holzbearbeitungs- Maschinen des Streifs wegen brodlos find. Zugleich bitten wir Euch, uns beschäftigten Arbeiter. Generalversammlung den 2. Juni, mitzutheilen, ob es bei Euch so reichliche Arbeit giebt, daß einige Abends 8 Uhr, Landsbergerstr. 37, bei Benzki. unserer streifenden Genossen dort Arbeit bekommen können. In der Medizinal- Unterstützungsverein der Tabackarbeiter, Die Gesammtheiten können besondere Hilfskassen für Hoffnung, daß die Sympathie aller flaffenbewußten Arbeiter in deren Ehefrauen und Tabakarbeiterinnen zu Berlin Krankheiten und Pensionen errichten, aber die durch die diesem Kampfe uns zur Seite steht, zeichne mit kollegialischem Gruße( E. H. Nr. 88). Sonnabend, den 31. Mai, Generalversammlung Arbeit entstandenen Krankheiten werden den Un-: Rasmussen, Geſchäftsführer des Maurerverbands in Dänemark, bei A. Frize, Elisabethstr. 30. Stingosgade 6, 3. Sal, Kopenhagen V. Dänemark. Sendungen Die Arbeitermitglieder des Verwaltungsraths und Schiedsgerichts erhalten für jede Sigung eine Entschädigung. Der Staat, die Provinzen und Gemeinden haben ihre Arbeiter zu versichern. fällen gleich gerechnet. Wir werden später auf die Schicksale dieses Entwurfes zurückkommen. Nationalliberale Angriffe auf das allgemeine Wahlrecht. Die Köln. 3tg." machte aus ihrem Haß gegen das allgemeine Wahlrecht schon längst kein Hehl mehr. Jetzt schreibt sie wieder: Ueber keine Frage besteht in den gebildeten Kreisen der deutschen Nation eine solche Einmüthigkeit des Urtheils wie über die Verwerflichkeit des allgemeinen und gleichen Stimmrechts. Niemand macht auch nur den schüchternsten Versuch, die handgreifbitte an P. C. Olsen, Nomersgade 22, St. Kopenhagen, Dänemark. In Gera ist Wilhelm Fink in einem Alter don 57 Jahren gestorben. Als Beamter der Genossenschaftsdruckerei in Leipzig hatte derselbe den Schriftenvertrieb zu besorgen und ist in Folge dessen in seinem Verlage eine große Anzahl Broschüren und Zeitungen erschienen. Durch seine mit Bebel und Liebknecht 1881 erfolgte Ausweisung aus Leipzig war er wirthschaftlich ruinirt und hatte bis zu seinem Ende mit Noth und Sorge zu kämpfen. Briefkasten. Berichte über die verschiedenen GewerkschaftsKongreffe der Pfingstwoche in nächster Nummer. Stettin. Fachvereine dürfen sich recht wohl mit politischen Fragen beschäftigen, nur dürfen sie dann mit Vereinen gleicher Art Cottbus. In einer am 21. Mai hier abgehaltenen öffent- fich nicht in Verbindung setzen", da das nach preußischem Vereinslichen Versammlung wurde Herr Rudolf Schiemenz zum Ver- gesetz politischen" Vereinen nicht gestattet ist. „ Berliner Arbeiterbibliothek. II. Serie: 1. Heft: Der Mythus von der Gründung des Deutschen Reiches. Von Hans Müller- Rostock. 露 36 36 Seiten. Preis 15 Pf. Die Schrift schildert in großen Zügen die Organisation des alten Reiches und dessen Untergang, die Entwickelung der kapitalistischen Wirthschaft in Deutschland und die daraus folgenden Einheitsbestrebungen der Bourgeoisie, deren Bekämpfung durch die Regierungen und die schließ= liche Einigung. Zu beziehen durch d. bekannten Kolporteure u. Filialen, sowie durch d. Expedition d. ,, Berliner Volks- Tribüne," Berlin S.0., Oranienstraße 23. Heft 2: Der Antisemitismus erscheint nächsten Dienstag.( 32 S. Br. 15 Pf.) Oeffentliche Versammlung d. Möbelpolirer Berlins u. Umgegend am Dienstag, den 3. Juni, Abends 8 Uhr, bei Venzki, Landsbergerstr. 37. Tages Drdnung: 1. Wie stellen sich die Möbelpolirer zur Zentral- Streit- Kommission. 2. Wahl von Delegirten hierzu. 3. Der Streit der Möbelpolirer und welche Vortheile haben die Kollegen der Nähmaschinenbranche. 4. Verschiedenes. Um das Erscheinen aller Kollegen bittet Der Einberufer: H. Schulz. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Mittwoch, d. 4. Juni, Abends 8½ Uhr, im Lokale des Dentschen Volkstheater, Schönhauser Allee: Große Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Th. Glocke:" Gesellschaftliches und Privat- Eigenthum". Grim@nglis tuffion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste sehr willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Grosse Versammlung des Berliner Arbeiter- Bildungs- Vereins am 3. Juni, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Faustmann, Invalidenstraße 144. Tages Drdnung: = 1. Vortrag des cand. philos. Herr Péus. 2. Diskussion.- 3. Verschiedenes und Vereinsangelegenheiten. 4. Fragekasten. Gäste find willkommen. Um zahlreichen Besuch ersucht Cottbus. Der Vorstand. Cottbus. Zur gefälligen Beachtung! Zum Einrahmen der Bilder aller Art( Banner der Humanität u. s. w.) empfiehlt sich den Lesern dieses Blattes unter Garantie guter Arbeit, billigste Preise. 756 Paul Böttcher, Vergolder- und Glasergeschäft, Cottbus, Sandow Dissenchener Weg 81. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein NB. Für Weißbier und Selterwasser ist gesorgt. E. M. Wilschke, Junkerstraße 1. Cigarren und Tabak- Fabrik. Den Genossen bestens empfohlen. Auf gute Wiener Spizen mache aufmerksam. Avis für Raucher! Von heute ab versende ich wieder regelmäßig meine vielbeliebte echte BahiaCigarre in herm. verschlossenen Risten zum alten Preise von 5 Mt. pro 100 Stück, unter Nachnahme oder vorherige Einsendung. Von 500 Stück an franko Zusendung. Chr. Ad. Busch Cigarrenfabrik, Oranienstraße Nr. 191. Der Vorstand. 2. Dis Central- Kranken- n.Sterbe- Kaffe der Töpfer. Den Mitgliedern zur Kenntniß, daß am 19. Mai d. J. sämmtliche Kassengeschäfte den jezigen Saffiret Otto Greier, Köpnickerstr. 100 übertragen sind, die Geschäftsleitung bleibt vorläufig wie bisher. Mit kollegialischem Gruß Karl Habank, Kesselstr. 20. Sozialdemokratischer Leseklub ,, Lessing." Jeden Montag, Abends 9 Uhr, Markusstr. 6. ( Restaurant Spiekermann). Vorlesung und Diskussion. Berantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Berlag: F. Posekel, Berlin 8. O., Dranienfraße 28. Ifiiidtt!>r Kerliner Uolks Tridune. M 22 Sonnabend, den 31. Mai 1890. IV. Jahrgang Der treue Euro. Märchen von Schtschedrin. (Aus dem Russischen übersetzt von T. und Z.) (Schluß.) Aber Caros's hervorragendster Charakterzug war ein vollständiger Mangel an höherem Ehrgeiz. Es ist unbekannt geblieben, ob er einen Begriff von Feiertagen und der Sitte hatte, daß die Kauflcute zu ihrem Namenstage ihre treuen Diener beschenken. Sowohl am Tage des heiligen Nikanor(„sein" Namenstag), wie am Tage der heiligen Anstffa(„ihr" Namenstag) sprang Caro wie an gewöhn- lichen Wochentagen an der Kette hin und her. „Schweig, sei doch still, Du Tropf!" pflegte ihn Anfiffa Karpowna anzuschreien:„Weißt Du denn nicht, welcher Tag heute ist!" „Laß ihn doch bellen", gab Nikanor Lerujonitsch scherzend zur Antwort;—„Er gratulirt zum Namenstag. Belle, Cäro, belle!" Nu.: einmal in seinem Leben war etwas ähnliches wie Ehrgeiz in Caro's Brust erwacht. Das war, als man der stößigen Kuh der Frau Kriechling auf Ansuchen des Stadthirten eine Glocke um den Hals gehängt hatte. Offen gestanden, hatte sie Caro heftig beneidet, als sie läutend über den Hos schritt. „Sieh, sieh, was für ein Glück Dir zu Theil ge- worden! und wofür!" sagte er in bittcrem Tone zu Frau Kriechling.„Deine ganze Leistung besteht ja nur darin, daß man täglich einen halben Eimer Milch aus Dir her- ausmelkt, und, um die Wahrheit zu sagen, was ist das für ein Verdienst! Daß du Milch hast, hängt ja nicht von Dir ab! Füttert man Dich gut, so giebst Du viel Milch, füttert man Dich schlecht, so hörst Du auf, Milch zu geben. Du rührst auch nicht einen Finger, um dem Herrn dienstbar zu sein, und dennoch wirst Du so belohnt, während ich mich ganz aus eigenem Antriebe, motu proprio, Tag und Nacht plage, nicht fertig esse, nicht ausschlafe, mich schier heiser belle; und nicht einmal eine armselige Schelle wird mir verliehen; man sagt nicht: Da, nimm, Caro, und wisse, daß man Derne Dienste anerkennt."—„Und die Kette?" erwiderte Frau Kriechling. Da erst ging dem treuen Caro ein Licht über die Bedeutung der Kette auf. Bis dahin hatte er geglaubt, daß die Kette eben eine Kette sei, jetzt erst verstand er, daß dieselbe eine Art Freimaurcrzeichen sei. Indem ihn Worotilow an die Kette gelegt, hatte er ihn also schon im Voraus belohnt, noch ehe er etwas verdient hatte. Jetzt blieb ihm also nur übrig von Einem zu träumen, daß man ihm nämlich die alte verrostete Kette, die er sogar schon einmal zerrissen halle, abnehmen und durch eine neue stärkere ersetzen möchte. Es war, als ob der Kaufmann Worotilow den Herzenswunsch von Caro's bescheidenem Ehrgeiz errathen hätte, denn als Caro's Namens- tag kam, kaufte er ihm eine funkelnagelneue, prachtvoll geschmiedete Kette und nietete ihm dieselbe als Ueber- raschung an's Halsband.„Bell', Caro, belle!" Und Caro brach in jenes gutmüthige, hclltönendc Bellen aus, das Hunde auszustoßen pflegen, die das Wohlsein ihrer eignen Hundeexistenz nicht von der Unan- tastbarkeit des Speichers, an den sie des Herrn Wille stellte, zu trennen vermögen. Im Allgemeinen ging es dem treuen Caro recht gut, obgleich es auch ihm von Zeit zu Zeit nicht an Kummer fehlte. In der Welt der' unde wie in der Welt der Menschen spielen Schmeichelei, Mnke und Neid oft eine Rolle, die sie durchaus nicht spielen sollten. Nicht selten ward Caro von Neid gequält, aber er blieb stark im Bewußtsein der gethanenen Pflicht und fürchtete sonst nichts. Und dieses Gefühl seinerseits hatte durchaus nichts mit Eigendünkel gemein. Umgekchrt, Caro wäre herzlich gern bereit ge- wesen, Amt und Würden dem ersten neuerschienenen Packan abzutreten, der bewiesen hätte, daß er ihm selbst an guten �Eigenschaften überlegen war. Nicht selten grübelte er sogar voller Unruhe darüber nach, wer eigentlich seine Stelle einnehmen sollte, wenn Aller oder Tod seiner unermüdlichen Thätigkeit ein Ende machen würde. Aber ach! Unter der ganzen großen Zahl verkommener und entarteter Hunde der Nachbarschaft konnte er beim besten Willen keinen einzigen entdecken, von dem er mit gutem Gewissen hätte erklären mögen: „Das ist mein Nachfolger!" Ja, wenn eine Jntrigue den Zweck verfolgt hatte, Caro um jeden Preis in den Augen des Kaufmanns Worotilow herabzusetzen, so würde sie nur ein durchaus unerwünschtes Resultat gezeitigt haben. Sie hätte nämlich einzig und allein aufgedeckt und bewiesen, wie arm die Hundewelt an echten Hundetalenten geworden. Mehr als einmal schon hatten die neidischen Packan einzeln oder in kleinen Gruppen Worotilow's Hof besucht, sich in geringer Entfernung von Caro niedergesetzt und diesen zu einem Wettkampf herausgefordert. Es erhob sich dann ein furchtbares Hundegekläff, dem die Dienerschaft neugierig zuhorchte, weil jeder verstand, daß die Zeit herannahe, wo Caro einer Stütze benöthigt sei. In dem lobenden Hundcchor ließen sich verschiedene nicht übte Stimmen vernehmen, aber von einem Gebell, daS vor Furcht Leibschmerzen verursachte, konnte keine Rede fem. Mancher Hund legte recht ungewöhnliche Fähigkeiten an den Tag, nur geschah es stets, daß er sich entweder überbellte oder unterbellte. Während dieser Wettkämpfe pflegte Caro anfangs in tiefem Schweigen zu verharren, als ob er sozusagen seinen Gegnern die Möglichkeit geben wollte, ihr Leistungsvermögen zu zeigen. Aber wenn es ihm am Ende zu toll wurde, so fügte er zum allgemeinen Gekläff, dessen einzelne Noten ohne Ausnahme eine müh- sam erzwungene Anstrengung verrierhen, sein ungezwungenes weithin tönendes Bellen hinzu. Vor diesem Gebell mußten sofort alle Zweifel schwinden. Sobald es der Köchin zu Ohren kam, stürzte sie aus der Küche und brühte sämmt- liehe Rädelsführer der Jntrigue mit kochendem Waffer ab, Caro aber bekam Spülicht. Nichtsdestoweniger hatte der Kaufmann Worotilow Recht, wenn er behauptete, daß unter dem Monde nichts ewig währe. Als eines schönen Morgens Worotilow's Kommis an der Hundehütte vorüberging, fand er Caro schlafend vor. Etwas Aehnliches hatte sich noch nie er- eignet. Niemand wußte, ob der Hund jemals schlief oder nicht, denn Niemand hatte ihn je schlafend getroffen. Der Kommis verfehlte nicht zu erzählen, was er gesehen. Worotilow ging in eigener Person zu Caro hinaus, schaute ihn an, und als er konstatirte, daß dieser schuld- bewußt mit dem Schweife wedelte, als wolle er sagen: „Ich weiß selbst nicht, wie ich mir so etwas zu Schulden kommen lassen konnte", sagte er theilnchmend:„Nun, Alter, willst wohl nach der Küche? Bist Du alt und schwach geworden? Wohlan, Du kannst auch in der Küche nützlich sein." Jedoch beschränkte man sich vor der Hand darauf, Caro eine Stütze zu suchen. Die Aufgabe war durchaus nicht leicht. Nichtsdestoweniger gelang es nach vieler Müh' und Plage, in der Vorstadt einen gewissen Arapka aufzufinden, dessen Reputation schon ziemlich fest be- gründet war. Ich will nicht beschreiben, wie Arapka der Erste war, Caro's Autorität anzuerkennen, wie er sich ihm ohne Widerrede unterordnete, wie sich beide befreundeten, wie Caro mit der Zeit endgültig pensionirt und in die Küche verbannt ward und wie er dessen ungeachtet oft zu Arapka lies, um ihn uneigennützig in allen Kunstkniffen eines echten Kansmannshnndes zu unterrichten. Ich will nur Eins hervorheben: weder die Muße, noch der Ueberfluß an Leckerbissen, noch die Nähe von Minka ließen ihn jene begeistcrungsvollen Minuten vergessen, die er in langen Winternächten, an der Kette liegend, vor Kälte zitternd, verbracht hatte. Indessen die Zeit verfloß, und Caro ward älter und älter. Er bekam einen Kropf, der seinen Kopf zur Erde zog, so daß er sich kaum auf den Füßen halten konnte, die Augen waren fast erblindet, die Ohren hingen mibe- weglich herab, das Fell ward zottig und das Haar fiel büschelweise aus, der Appetit verschwand, und die beständig empfundene Kälte zwang den armen Hund, stets neben dem Ofen zu hocken. „Wie Sie wolle», Nikanor Semjonitsch; Caro wird räudig", bemerkte eines Tages die Köchin zu Worotilow. Der Kaufmann erwiderte kein Wort darauf. Die Köchin ließ es jedoch mit der ersten Bemerkung nicht gut sein und sagte nach einer Woche abermals: „Wenn nur die Kinder nicht angesteckt werden! er ist ganz räudig." Aber auch diesmal blieb Worotilow noch taub. Zwei Tage darauf stürzte die Köchin ganz erbost ins Zimmer und erklärte, sie wolle keine Minute länger im Dienste verbleiben, wenn nicht Caro aus der Küche ge- schafft werde. Und da die Köchin meisterhaft Spannferkel mit Grützbrei zu bereiten verstand, und Worotilow dieses Gericht leidenschaftlich gern aß, so war Caro's Loos entschieden. „Ich hätte ihm ein besseres Ende gegönnt," sagte der Kaufmann Worotilow mit Gefühl. „Das Sprichwort scheint doch wahr zu sein: Ein Hund soll wie ein Hund sterben. Mag man ihn ersäufen!" Und Caro ward in den Hof geführt. Die ganze Dienerschaft eilte herbei, um dem Todeskampf des treuen Hundes beizuwohnen; auch die Kinder der Herrschaft drückten dip Gesichter gegen die Fensterscheibe». Arapka war gleichfalls zugegen, und als er seinen alten Lehrer erblickte, wedelte er grüßend mit dem Schweife. Caro konnte kaum vor Alter die Füße heben und verstand augenscheinlich nicht, was vorging. Als er sich dem Thore näherte, verließen ihn die Kräfte, und er mußte am Genick fortgeschleift werden. Was sich weiter ereignete, verschweigt die Geschichte, nur steht fest, daß Caro nicht zurückgekehrt ist. Und bald darauf hat Arapka Caro's Bild ganz und gar aus Worotilow's Herzen vertrieben. Gin kapitalistischer Spaziergang. B W. Jüngst— es war Mitte Mai— machte ich mich auf, um den mir lieb gewordenen sozialistischen Spaziergang zu thun. Als ich so— die Feder als Spazierstock— dahinschlenderte und gerade nachzudenken begann— es betraf den 1. Mai, den„Arbeiierfciertag" — begegnete mir ein Mann, welcher gleich mir eine Feder in der Hand hielt. Da wir also offenbar Kollegen waren, so begrüßten wir uns. „Mein Name ist Wallsee, Mitarbeiter der„Ham- burger Nachrichten" stellte sich der Mann vor. „Ah!... also ein Kollege vom Erkanzler-Blatt! Nun, wie befinden sich denn Sr. Durchlaucht der Eiserne?" „Danke! den Umständen gemäß", meinte der Kollege kühl.- „Darf ich fragen, wohin Sie Ihr Weg führt?" wagte ich zu bemerken. „Ich... äh.... mache einen kapitalistischen Spaziergang." „Einen kapi...? Ei, der Tausend! das ist mir interessant. Da würden Sie mich sehr verbinden, wen» Sie mir gestatten wollten, Sie zu begleiten." „Angenehm" erwiderte der Kollege von der andern Richtung höflich, wenn auch nicht herzlich. „Und wohin zielt denn Ihr kapitalistischer Spazier- gang?" „Es handelt sich darum, dem Proletariat eins aus- zuwischen. Ich möchte zeigen, daß die aus Arbeitsver- kürzung, Lohnerhöhung und Streiken erpichte Arbeiterklasse nichts anderes, als ein faules, rohes, undankbares Gesindel ist. Und ich möchte zeigen, daß unser Bürgerthum, unser braves, besitzendes Bürgcrthum, nicht— wie die Sozialdemokraten behaupten— die ausbeutende, sondern die ausgebeutete Klasse ist, und daß also die gegenwärtige Regierung geradezu sündhaft handelt, wenn sie dem be- währten schneidigen System Bismarck-Puttkamer den Lauf- paß giebt und mit der Arbeiterbewegung liebäugelt." „Das ist ja außerordentlich interessant, versetzte ich; und wie gedenken Sie denn, dieses Beweis-Kunststück fertig zu bringen?!" „Habe ich schon fertig gebracht. Soeben habe ich eine Geschichte ersonnen, welche in faßlicher einschmeicheln- der Form jene Gedanken darstellt. Ich befinde mich auf dem Wege zur Redaktion, um daselbst die Geschichte zum Drucke zu fördern. Begierig sprach ich:„Dann würden Sie mir keine größere Freude erweisen können, fals die, Ihre Geschichte, die ja reizend sein muß, jetzt unterwegs zu vernehmen. Wie ist denn ihr Titel?" „Im Zeichen der Streiks. Ein Zeitbild.— Ein Arzt hat von seiner steinreichen Tante ein Hau? geerbt...." „Aber bitte, unterbrach ich den kapitalistischen Dichter, erzählen Sie doch nicht so kurz uud trocken, sondern an- schaulich, gerade so, wie Sk schreiben werden; sonst geht mir ja der Hauptgenuß verloren." Es sei! entgegnete der Dichter des Exkanzler-Blattes, schwieg ein Weilchen, um die Begeisterung so recht über sich kommen zu lassen, und begann dann:„Also, wie ge- sagt, der Arzt hatte das Haus geerbt— und nun würde ich in dichterischer Form folgendermaßen erzählen:') Das Haus war, von innen und von außen besehen, wenig mehr als ein muffeliger alter Kasten, mit dem einzigen Unterschiede, daß darin statt der Motten die Menschen aus- und einliefen. Nur der große Garten mit seinen dickstämmigen Blutbuchen und den gut gepflegten, sammetwcichen Rasenplätzen, war allzeit gleich schön und anheimelnd. Und so waren es denn vornehmlich dieser Schatten und diese Rasenplätze, die den Arzt bestimmten, seine Wohnung nach dem ererbten Gnindstiicke zu verlegen, denn er ist Vater von drei hübschen kleinen Kindern, und man weiß, kleine Kinder und schattiger Rasen gehören zu einander. Vor der Ucbersiedlung sollte das Haus jedoch durch einen ausgiebigen Umbau so behaglich eingerichtet werden, als es nur iuimer angehen wollte. Ein Bauunternehmer war bald gefunden, die Kostenfrage bald gelöst und die Anfangs- wache des April 1890 als Termin für die Fertigstellung des Neu- baucs kontraktlich vereinbart. Der neue Grundbesitzer interessirte sich aus zwei ganz besonderen Gründen für diesen Termin. Zu-- nächst hatte er seine bisherige Wohnung bereits gekündigt, sodann wollte er als galanter Ehemann den Geburtstag seiner Frau, der in die Anfangswoche des April fiel, schon in dem neuen Hause feiern.— Im Februar lud mich der Arzt, mit dem ich befreundet bin, ein, gemeinsam mit ihm die Fortschritte des Umbaues in Augen- schein zu nehmen. Er war förmlich in gehobener Stimmung. Es sei ein merkwürdig Ding um so einen Flecken Erde als Eigen- thum, sagte er unterwegs mit ganz glückseligem Gesicht. An jeden Regen, der niedergeht, knüpfe sich ein ganz besonderes Empfinden, jeder Sturm, der über die Dächer braust, wecke ein ausgeprägteres Gefühl, jeder Sonnenblick, der das winterliche Grau durchdringt, wecke eine besondere Art Hoffnung bei dem Grundeigenthümer. Wird der Regen die Keime fördern, wird der Sturm dein Dach verschonen, wird die Sonne die Triebkraft deiner Bäume wecken, — das fragl sich zwar auch der zur Miethe Lebende, doch auf eine ganz andere Art als der Grundbesitzer, der in einem so ganz be- sonderen Bezüge zu der Natur stehe, zwar erhöhte Lasten auf- geladen habe.... „�er arme Kapitalist!" warf ich ein, worauf der Erzähler fortfuhr: „Aber auch das Bewußtsein eines erhöhten Empfangene mit sich trage." „Das wollte ich meinen!" So sprach er auf mich ein und ich gab ihm recht. Ob er wirklich im Rechte, können wohl nur wieder Grundbesitzer entscheide«, zu denen Schriststeller bekanntlich nicht gehören. Der Wagen hielt. Obwohl der Himmel grau, war es noch leidlich hell, die Straßenlaternen sogar noch nicht einmal ange- brannt. Gleichwohl feierten in und vor dem Hause meines Freundes alle Hände, richtiger gesprochen, mau sah überhaupt keinen Menschen am Bau. ') Der Mann hat Wort gehalten. In den„Hamb. Nachr.' vom 18. Mai steht die folgende Erzählung Wort für Wort. „Welche Unverschämtheit von den Händen!" Die Fensterhöhlen, die Thören, die Souterainöffnungen, alles klaffte schwarz oder war mit Brettern verlegt. Man hätte an eine stattgefundene Beschießung denken können, aber mit recht großen Kugeln. Wann wird denn hier Feierabend gemacht? wandte sich mein Freund an einen Mann im Arbeitskittel, der scheinbar gleichgültig bei unserer Annäherung herangekommen und stehen geblieben war. Der Befragte sah den Anderen groß an, wie Einen, mit dem man wegen seiner bodenlosen Unwissenheit nur Mitleid haben könne.— „Und da hatte er nicht so Unrecht!" Dann sagte er kurzweg:„Weet So denn nich, min leve Mann, dat de Muurlüd streickt?" Richtig. Ich hatte ja davon gelesen, nur nicht daran gedacht, meinem Freund jedoch, in seiner Melbeschästigung, war die Sache neu. Sie machte großen Eindruck auf ihn. „Begreiflicherweise! Denn nun war es ja mit der Geburtstags-Bowle Essig." Wortlos traten wir an die Umzäunung des Gartens und stellten uns auf die Fußspitzen, um wenigstens zu sehen, wie es im Hintergebäude aussieht. Doch auch hier war das Aussehen nicht weit her. Glich das Haus dornen einem beschossenen Kastell, so war es hinten herum um nichts besser bestellt. Der einzige Unter- schied bestand darin, daß das Haus vornen wie mit Vollkugeln, hinten aber wie mit Sprenggeschossen behandelt aussah. Mein Freund suchte den Bauunternehmer auf. Wie wird es mit dem Beziehen meines Hauses im April werden? redete er ihn an. Der Unternehmer zuckte die Achseln. Es ist Aussicht auf Beilegung des Streiks vorhanden, sagte er kleinlaut. Im Uebrigen habe ich für Sie ohnehin mehr gethan, als für irgend einen uieiner Auftraggeber. Denn während bei allen anderen gefeiert wird, wird bei Ihnen wenigstens im Innern des Hauses gearbeitet. Im Inneren? Ei, davon haben wir aber gar nichts gesehen, obwohl wir rund um das Haus herum gegangen sind. Das glaube ich Ihnen gerne, gab der Unternehmer zurück, die zwei zuverlässigen älteren Leute, die in dem Treppen- hause Kacheln legen sollen, fangen überhaupt erst zu arbeiten an, wenn die Anderen zu Bette gehen, oder sicher in der Kneipe sitzen. Haben Sie denn nicht den Streikerwachtposten gesehen, der in der Nähe Ihres Hauses tagsüber aufpaßt, obJemand zur Arb eit kommt? „Sie sind ja ein wahrer Künstler, unterbrach ich den kapitalistischen Dichter. Welch ein ergreifendes Bild: Das rohe Arbeitsvolk ist widerspenstig gegen seine Brotherren, will keine zehil Stunden arbeiten und obendrein nichi dulden, daß andere— wie sie sagen, zuverlässige ältere Leute— für den Unternehmer schuften. Drum stellt es Posten aus, die den Streik überwachen sollen. Aus Angst vor diesen gefährlichen Individuen, die ja zu Allem fähig sind, halten sich die arbeitslustigen„zuverlässigen, älteren Leute" dem Schauplatze des Streiks fern. Aber heimlich, bei Nacht und Nebel, während das rohe arbeitscheue Pack — wie Sic treffend bemerken—„sicher in der Kneipe sitzt" oder die faulen Knochen im Bette wälzt, schleichen die Biedermänner— sonst Streikbrecher genannt— herbei, um sich für den lieben guten Unternehmer abzurackern.— Das haben Sie sein ersonnen! Thränen des Mitleids mit sich selbst müssen bei dieser Vorstellung dem Kapitalisten ins Auge treten; und zugleich muß dieses Auge grollen über einen Staat, welcher das Sozialistengesetz abschaffen will und den eisernen Kanzler sowie den schneidigen Streik- Erlasser und Beschirmer„pflichttreuer" Beamten hat gehen heißen.--— Aber verzeihen Sie diese Unterbrechung und fahren Sie gütigst in Ihrer Erzählung fort. Also der Streikwachtposten!" Der Streikerwachtposten! Das also war der Mann, der bei unserer Anfahrt vor dem Hause meines Freundes anscheinend so gleichgültig an uns herangetreten war! Mein Freund bat den Unternehmer, seinen Leuten nach Kräften entgegen zu kommen und ans ihre Forderungen einzugehen, damit zu dem bedungenen Termine das Haus wenn schon nicht bis auf den letzten Wasserspeier fertig, so doch überhaupt beziehbar ge- macht wäre. Die Mehrkosten wolle er gerne tragen. Der Unter- nehmer zuckte die Achseln. Er sei ohnehin schon weiter gegangen in seinem Anerbieten als einer seiner Kollegen, doch die Arbeiter erklärten abtheilungsweisc Vereinbarungen durchaus nicht eingehen zu könnnen. Alle für Einen, oder u. s. w. u. s. w. Hier pustete der kapitalistische Dichter, als versagten ihm vor Entrüstung die Worte. Dann fuhr er fort: Im März trafen wir uns wieder.—„Das Haus dürfte am Gebuttstage meiner Frau mit Ach und Krach gerade fertig sein, rief mir mein Freund schon von weitem zu, aber eben nur das Haus. Dafür ficht es mit dem Garten gräulich aus. Da haben sie Alles von Unterst zu Oberst gekehrt und just da die Gärtner damit beginnen sollten, das Oberste wieder nach Unten zu legen, hat Die wiederum die Streiktarantel gestochen!" Also die Gärtner! Das ist zwar unangenehm, aber kein Un- glück. Am Ende kann man ja auch ohne Magnolien leben und ohne Rosen fröhlich sein. Das fand auch mein Freund und mit den Worten„und nun erst recht auf ein ftöhliches Wiedersehen bei der Gcburtagsbowle meiner Frau!" gingen wir auseinander. „Ich merke schon— warf ich ein— es ist eine Geburtsrags-Bowle mit Hindernissen. Wie wär's, wenn Sie als Titel wählten:„Im Zeichen der Streikes oder die Geburtstags-Bowle mit Hindernissen"? — Trotz dieser Hindernisse aber behält der wackere Bourgeois den Kopf oben und verzichtet„nun erst recht nicht" auf die Bowle." Das ist brav!— Aber bitte, fahren Sie fort. Aber schon nach einigen Tagen kam eine Postkarte mit einer unumwundenen Absage:„Die Geburtstagsfeier im neuen Hause ist endgültig aufgegeben. Die Gärtner sind zwar wieder angetreten, dafür aber haben jetzt Maler und An- streich er die Arbeit eingestellt und das Haus sieht aus, wie ein Hase, dem man theilweise das Fell abgezogen hat. Wir wollen dafür nachträglich um so vergnügter sein, doppelt ver- gnügt, nicht wahr, mein Alter?" so schloß der Brief. „Ihr Bourgeois erhält allmählich einen geradezu heldenhaften Anstrich. Erst streiken die Maurer, dann die Gärtner und nun drittens die Anstreicher. Der Bourgeois muß also das Feld räumen. Aber der Held verzichtet keineswegs auf die Geburtstags-Bowle, sondern denkt: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und hinterher ist man doppelt vergnügt." Ich beeilte mich, meinem Freunde zu betheuern, daß er unbedingt aus mich zählen könne. „Das war edel von Ihnen! Sie haben Recht: einen Freund läßt man nickt im Stich, am allerwenigsten bei einer feinen Geburtstags-Bowle." Nebenbei war ich jedoch nicht frei von Sorge. Wir standen ja am Ausgang des März, wenige Wochen also noch vor dem, diesmal in doppeltem Sinne so unerfreulichen Mai- termine. Die alte Wohnung war gekündigt, und wenn die neue noch nicht beziehbar gemacht, wohin sollte mein Freund sich wenden? Der aber beruhigte mich mit seinem guten Humor._„Das Dach sitzt auf und Thören und Fenster klappen auch. Somit wird Mitte April eingezogen und wenn es Schusterjungen regnen sollte!" Das waren seine Abschiedsworte und dabei blieb es. Und als wir uns so um den Zwanzigsten herum wieder trafen, zwinkerte er gar lustig mit seinen treuen hellen Aeuglein und, indem ein vergnügtes Lachen sein gMes breites Gesicht überlief, rief er mir zu:„Sitzen schon innen. Famose Bude das. Meine Rangen schlafen wie die Möpse in ihrer neuen Stube und meine Nenni(Nennt ist nämlich das Jntimitäts-Diminutiv für die Frau Doktor!) auch. Nächsten Sonntag also die bewußte Bowle! Wird ein Hauptspaß werden Kommen alle möglichen Leute. Also gleichfalls pünktlich kommen und durchaus nicht im Nobelflaus. Bitte mir das entschieden aus. Straßentoitette Bedingung, einzigste aber unumstößlich!" Und damit war er mit einem stillen und vergnügten Lachen, das etwas von einem Schelmen an sich hatte, dem ein gar feiner Streich gelungen ist, wieder um die Ecke. Und so kam der Sonn- tag. Wider Willen hatte ich mich verspätet und kam zu einer Stunde, die schon zu spät war für das Mittagessen, aber immer noch früh genug für die Bowle. Das Haus war nicht wieder zu erkennen, so schmuck sah es aus. Aus dem Rahmen des ersten Grüns, das die hellen Wände von allen Seiten umgab, guckte es heraus, wie ein frisches Mädchenangesicht aus einer nagelneuen Morgenhaube. Ich klingelte. Eine niedliche Magd öffnete. „Ei, Sie Schäker Sie! Sie haben wohl gar die Scköne in die Backen gekniffen? Ja, so gehört es sich! Wenn man in ein seines Haus geladen wird, weshalb soll man dann blos Augen für die prunkvolle Einrichtung haben? Ist nicht solch eine niedlicke Magd oft die Perle des Inventars? Also die niedliche Magd öffnete; erzähle» Sie weiter!" Die Herrschaft zu Hause? Alles im Garten. Unnütze Frage, das liiitte ich mir selber sagen könne», denn von der Gartenseite her erscholl lautes Gelächter und ein Gcwirre von Stimmen. Die Geister der Bowle waren also schon am Werke. Ich durchschritt den Korridor. Hübsch wie das Aeußerc war auch das Innere des Hauses. Alles ge- täfelt, der Boden parkettirt, an den Wänden gute Kupferstiche, selbst hier im Durchgehraume,— ei, der Mensch versteht zu wohnen. „Da läuft Ihnen wohl das Waffer im Munde zusammen?" Beim Eintritt in den Garten empfing mich ein überraschendes Bild. Da war ein Dutzend männlicher und weiblicher Personen in Arbeitskitteln, mit Farbtöpfcn in der einen, und schweren Anstreicher- pinseln in der anderen Hand in emsiger Thätigkeit. Die Einen waren beschäftigt, das Gitterwerk mit Schwarz zu überziehen, die Andern überstrichen Gartcubänke und Tische mit dem giftigsten Schweinfurtergrün- Zwei Männer standen auf Leitern und Pinselten an den Fenstersimsen— und alles das geschah in der lustigsten Weise, unter Scherzredcn und neckenden Zurufen, und unter häufig wiederkehrenden Hciterkeitsausbrüchen. Einen Augenblick schien es, als wäre ich in eine ambulante Anstreicher- und Malertruppe mitten hineingerathen, die eben erst die Zusage einer löOprozcn- tigen Lohnerhöhung gegen ein dreistündiges Maximal- arbeitsmaß zugesichert erhalten hat, und nun daran ist, ihren Arbeitgeber weidlich zu verlachen. „Haha! Famoses Bild! Das wirkt, das hetzt so recht gegen die verfluchten Arbeiter.. Kos! Kss!— Sie sind ein brillanter Agitator! lööprozenlige Lohner- höhung... dreistündiges Maximalarbeitsmaß.. Arbeitgeber weidlich verlachen... großartig!" Einer der beiden Männer in vielfach bekleckstem Drilchkittcl, eine blaue, kühn aufs Ohr geschobene Papievmlltze auf dem Kopfe, der auf einer der Leitern gestanden, kam jedoch mit einem wahren Ungethüm von einem Borstenpinsel in Händen, sogleich auf mich zu und führte mich lachend in die Wirklichkeit ein. Es war der Arzt, mein Freund, der Hausherr selbst.„Nimm mir den Spaß nicht übel", rief er, mir seine blau-grau-grün besprenkelte Rechte zum Willkommen entgegenhaltend,„aber der Spaß ist für mich im Grunde verteufelter Ernst. Die Maler und Anstreicher streiken nämlich noch immer und wer weiß für noch wie lange. Da habe ich gedacht, wozu hätte man denn Freunde, wenn sie einem nicht in der Roth aushelfen sollten, und so war die Einladung zur Bowle eigentlich nichts anderes als eine maskirte Einladung, mir meinen nackten Garten ein wenig auf den Glanz herstellen zu helfen. Es war, wie ich ja reuig zugeben will, das gewiß eine recht niedrige That von mir, aber wir leben leider nun einmal im Zeit- alter des Gemeinen..." Und dabei lachte der Schalk, daß es ganz unmöglich gewesen wäre, ihm gram zu sein, auch wenn man es hätte wollen, was mir aber begreiflicherweise ganz und gar nicht in den Sinn kam. Und die Anderen, nämlich die Genossen des lustigen„Reinfalles" ringsumher lachten mit, und ich beeilte mich, in die Heiterkeit mit einzustimmen, und als spät am Abend die Sonne sank, da hatte ich die rückwärtige Seite einer Sitzbank, die bei meiner Ankunft noch ganz holzbraun gewesen, so wunder- schön grün angestrichen, daß ich empfand, wie auch ich ein volles Anrecht erworben habe, theilzunchmen an der allgemeinen Lohn- aufbesserung, die unser Arbeitgeber aus freien Stücken in Gestalt' einer Extrabowle anrücken ließ. Der Sonntag hatte sich schon recht ansehnlich dem Montag genähert, als wir auseinander gingen.„Wir Gcgenwarts- menschen sind viel zu weichlich und viel zu verwöhnt geworden", sagte unser launiger Gastfreund zum Abschiede. „... Und das war sehr gut gesagt von dem Herrn Doktor. Ja wohl, wir Bürger sind die eigentlichen Gegen- wartsmenschen. Die millionenköpfige Masse zählt gar nicht. Drum wollen wir immer stolz sagen: Der Staat, das sind wir— die Bourgeoisie!— Doch verzeihen sie die Unterbrechung. Wie sagte denn der Herr Doktor weiter?" Bei allen Fortschritten, die wir in der Wissenschaft und auch sonst gemacht, haben wir uns in ein Abhängigkeits-Verhältniß hinein- gelebt, wie es unsere Altvordern sich niemals haben träumen lassen. Zu allem, was wir für unsere Bequemlichkeit und Nothwendigkeit brauchen oder doch zu brauchen vermeinen, rufen wir immer erst fremde Hülfe an. Thäten wir es in manchen Dingen so, wie wir es heute mit den Mal- und Anstreichearbeitcn gethan, bücken wir unser Brot selbst im Hause, webten unser Zeug, nähten unsere Leinen und so fort, es sollte den Herren Streikregisseuren wahrhaftig nicht so leicht werden ihr Unwesen so wie jetzt zu treiben."— „Bravo! Das ist eine geniale Idee! Das wäre in der That ein Mittel, um das begehrliche Proletariat kirre zu machen. Wohlan, Kapitalisten, emanzipirt Euch von Euren Arbeitern! Arbeitet selber! Baut eigenhändig eure Häuser, webt und näht eure Kleider, dreht eure Maschinen- räder! Dann seid ihr unabhängig von den Streikregisseuren; dann kann es vom Pöbel nicht mehr heißen: „Alle Räder stehen still, Wenn dein starker Arm es will" Man stimmte dem resoluten Manne bei und schied mit dem Versprechen, am Abend des zweiten Montags im Mai sich wieder zusammenfinden zu wollen, an dem an Stelle der verschobenen Ge- burtstagsbowle der Frau Dottor eine solche Bowle zu Ehren des Geburtstages des ältesten Söhnleins, der auf diesen Tag fiel, nach- geholt werden sollte. „Das ist wahrhaft rührend! Ja, in unserm Bürger- thum steckt eine sittliche Hoheit, die wohlthuend absticht gegen die pöbelhafte Gesinnung des Proletariats." Zur Uhilosophie des Elends. P. E. Eine beliebte Hebung des moralischen Spießbürgers ist es, über das Elend in der Welt zu jammern. Wie entsetzlich! Er hat einen anständigen Rock, und wie viele, viele Menschen giebt es, welche keinen anständigen Rock haben! Er ißt gut und trinkt gut, und wie viele Menschen haben gar nichts zu essen zu trinken! Es macht keinen Unterschied, ob das Jammern von den entsprechenden Handlungen begleitet ist oder nicht; der eine beschränkt sich auf seine sentimentalen Redensarten, der andere ist außerdem noch„wohlthätig"; die Wohl- thätigkeit ist indessen ein Luxus, den sich verhältnißmäßig nur wenige gestatten. Der Effekt ist, wie gesagt, in beiden Fällen derselbe; denn weder durch das Jammern, noch durch die Wohlthätigkut kann man das Elend aus der Welt schaffen; und das Ganze hat meist weiter keinen Zwecks als die eitle Persönlichkeit des Spießbürgers an's Licht zu stellen. Es ist überhaupt die Frage, ob ein Grund vorhanden ist, über das Elend zu jammern; mit andern Worten: Ist das Elend ein Ucbel? Der schlaue Bourgeoisphilosoph ist natürlich gleich bei der Hand.„Natürlich ist es ein Uebel! Das Glück besteht in Lustempfindungen. Das Elend hemmt aber die Lustempfindungen und verursacht Unlustgefühle." Selbst wenn man diesen Beweis für richtig hielte— und er ist unrichtig— so märe doch damit nur bewiesen, daß das Elend für den Einzelnen ein Uebel wäre. Damit ist noch nicht gesagt, daß es auch ein Uebel für die Gesellschaft ist. Freilich, wenn man nach der Manier der bürgerlichen Philosophie die Gesellschaft als die Summe aller Einzelnen auffaßt, so kann man sagen: Was für den Einzelnen gilt, das gilt um den betreffenden aliquoten Theil auch für die Gesellschaft; was dann sehr hübsch mathematisch und hauptbuchmäßig ist. Aber die Gesell- schaff ist etwas anderes, als die Summe der Einzelnen. ie ist ein selbstständiger Organismus, welcher eigenen Gesetzen gehorcht und eigene Empfindungen hat; sie ge- horcht nicht den Gesetzen, welchen der Einzelne unterthan ist, und hat nicht die Empfindungen der Einzelnen. Das Elend, gesellschaftlich betrachtet, ist der Antrieb zum Fortschritt. So lange es dem Menschen gut geht, hat er natürlich keine Veranlassung, sich nach Veränderung zu sehnen, er ist„zufrieden". So jst das Vieh ans der Weide auch zufrieden. Es wird des Morgens ausgetrieben, des Abends eingetrieben, dann wird es gemolken, und am Ende geschlachtet. Das ist sein Loos, und darin fühlt es sich zufrieden. Elend unter den satten Hausthieren existirt nicht. Sobald der Mensch Elend empfindet, ist ihm auch der Grund gegebe», weiter zu streben. Das Elend ist das rcvolutionirende Element in der Geschichte, der Antrieb zum Fortschritt, das Bewegende des geschichtlicheil Lebens, es macht die Geschichte. Der Spießbürgerinstinkt ist bewunderungswürdig, wie er in seinem unklaren Drange das Richtige trifft. Das Elend bejammern und lindern, ihm möglichst seinen Stachel, seine revolutionäre Kraft rauben, ohne doch an seiner Grundlage etwas zu ändern— welche bessere Politik kann es für diese Leute geben? Wäre es möglich, sie möchten eine Klaffe sich glücklich fühlender Kulis schaffen. Das Huhn im Topfe ist zuweilen ein besseres Unterdrückungs- mittel wie der Gensdarm. Das Huhn im Topfe kostet den Bürger freilich Geld und er möchte gern die Sache so billig wie möglich haben. Und ein feiner Psycholog, wie er ist, sobald es fich um seine Interessen handelt, kommt er bald auf die richtigen Sprünge. Das Elend ist nichts Objektives, nichts, was da ist und nun, empfunden wird; es ist nur eine Relation, eine Beziehung; eine Beziehung des Menschen zu seinen Ver- Hältnissen. Was ein Rothschild Elend nennt und als Elend empfindet, ist etwas ganz anderes, als was der Arbeiter als Elend empfindet. Das Huhn im Topfe versucht nun eine Bestimmung auf die eine Seite des Verhältnisses auszuüben. Wenn die umgebenden Bedingungen besser werden, so verschwindet das Elend. Eben so gut kann man aber auch auf die andere Seite des Verhält- nisses einwirken: man kann eine Veränderung im Menschen zu stände bringen, so daß er das nicht mehr als Elend empfindet, was er vorher empfunden hat. Man nennt das „dem Arbeiter Zufriedenheit mit seiner Lage verschaffen." Die Huhn-Methode und die Zufriedenheitsmethode erscheinen beide gleich geeignet, zum Ziel zu führen. Beide nehmen dem Elend seinen geschichtlichen, gesellschaftlichen| eine Vollarbeiterin schaffen, erhält aber nur das Drittel Werth, seine Kraft. oder die Hälfte von deren Verdienst. Die Mittel, durch welche man die Menschen zufrieden 1881 verdient also der Vater pro Woche 27 Fres., macht, sind verschiedenartig. Am billigsten sind die Hoff- die älteste Tochter 6 Frcs. und der Sohn, welcher als nungen; diese bringen sogar zuweilen noch etwas ein; Drucker lernt, 4 Frcs. 50 Cts., macht zusammen 37 Frcs. wenn z. B. der christliche Staat noch immer Lotto spielt, 50 Cts. trozdem die moralische Entrüftung der gesammten Spieß- Diese Summe muß den Unterhalt von 8 Personen bürgerschaft ihn deßhalb verurtheilt, so weiß er ganz genau, decken, so daß auf den Kopf pro Tag 66 Cts.( 50 Pf.) was er thut. Das Lotto ist ein Mittel, das Elend ab- kommen. a) Die Ausführungen bei städtischen Bauten werden fernerhin, mit Umgehnng von Unternehmern und ohne Submission, von Arbeitern und Arbeiter= gruppen unmittelbar unter Leitung von städtischen Baubeamten ausgeführt. b) Die Bezahlung dieser Arbeiten erfolgt nach festen, mit den Arbeiterförperschaften auf Grund eines Mindest= lohnes vereinbarten Preisen. c) Es wird für die Ausführung der Arbeiten ein neunstündiger Arbeitstag als Regel angenommen und eingehalten. Von dieser Petition ist seit der Zeit nichts mehr zu zustumpfen; und ein Arbeiter, der sich dem Lotteriespiel In Folge der fünfjährigen Krankheit einer 1879 ver- hören gewesen. Weder ist dem Einsender der Petition ergeben hat, wird so leicht nicht Sozialdemokrat werden. storbenen Tochter hatte die Familie Schulden machen und eine Antwort geworden, noch hat man gehört, daß in den Wenn die Bourgeoisie seit einigen Jahrzehnten wieder Unterstützung von der Armenpflege annehmen müssen. Aber städtischen Körperschaften über dieselbe irgendwie verhandelt fromm geworden ist, so hat sie dafür gleichfalls ihre sehr auch nach dem Tode des Kindes waren Schulden unver: worden ist. Doch scheint uns die Sache von so großer guten und vernünftigen Gründe; denn mit den Hoffnungen meidlich, wie folgende Uebersicht der laufenden Aus- Wichtigkeit, daß sie wohl einer sehr eingehenden Erwägung auf ein jenseitiges Glück kann man gar manchen Unzu- gaben zeigt: werth erscheint. friedenen vielleicht zufrieden machen. Auch der Schnaps, Wohnungsmiethe pro Woche( 2 Zimmer für namentlich der fuselhaltige, preußische ist ein vorzügliches Zufriedenheitsmittel. So lange der Proletarier sein Glend Brot( 28 Kilo à 35 Cts.) Fleisch( 7 Kilo à 1 Frc. 60 Cts.). im Schnaps vergißt, denkt er an keine Sozialdemokratie. Gemüse 8 Personen) Wenn man uns mit einem ganz tödtlichen Vorwurf Staffee, Zichorie, Zucker, Salz, Pfeffer treffen will, so wirst man uns vor, daß wir die Arbeiter Kohlen und Petroleum mit ihrer Lage unzufrieden machen. Das ist das ist das wäsche,( Seife, Soda) Ausgaben. Einnahmen • 68132213 Was die Petition verlangt, ist durchaus nichts Neues Ets. oder Ungewöhnliches. Es ist einfach die Rückkehr zum Regiebau, wie er früher sehr viel üblich war, und erst feit neuerer Zeit zu gunsten des Unternehmerbaues mehr und mehr verlassen würde. Wir glauben nicht, daß das zum Vortheil der Bauausführungen oder der städtischen Interessen geschehen ist, und wird dies in der eingereichten " 6 Fres. 80 " " 20 " " 50 " 50 " 11 25 " " " " 25 " " 22. Summa 39 Fres. 50 Cts. Petition des Ausführlichen begründet. 39 Fres. 50 Cts. + 37 50 " " Schlimmste, was man von uns zu sagen vermag. Denn Milch, Bier, Eier, Schmalz, Butter, Tabak. natürlich, so ist die bürgerliche Logik, wer unzufrieden ist, fühlt sich unglücklich; es ist aber besser, wenn der Mensch fich glücklich fühlt( der Mensch, nämlich der abstrakte Bourgeois), also sind die Sozialdemokraten sehr schlechte Die Ausgaben für Nahrung, Wohnung und Wäsche Menschen; und Huhntheoretiker und Zufriedenheitstheoretiker ergeben also ein wöchentliches Manto von 2 Frcs., ein bleiben sich um die Wette, über uns herzufallen. jährliches Defizit von 106 Frcs. Wir sind aber nichts als die Werkzeuge der Geschichte; wir wollen nichts, als die Steine wegräumen, die dem rollenden Wagen im Wege liegen. Und zu dem Zweck ist es allerdings nöthig, die Verkleisterungen zu entfernen, welche von den herrschenden Klassen über die Dinge gelegt werden. II. Unser Spinner M. H.... ist 1830 in Lille von Liller Eltern geboren. Sein Vater mar Spinner, seine Mutter Wicklerin, beide arbeiteten in der nämlichen Spinnerei. H. hatte kaum das vierte Jahr erreicht, als sein Vater starb, mit 5 Jahren trat er in eine Fabrik ein und verdiente bei einer Arbeitszeit von 16 Stunden pro Tag 1 Fres. 50 Cts.') pro Woche. Die Leiden seiner Lehrjahre sind mit Stillschweigen übergangen, aber es ist leicht, sich dieselben nach den obigen Ausgaben vorzustellen. Defizit von. 2 Fres. 4 Wenn zur Zeit, als die Zunftordnung noch bestand, gewisse Bauarbeiten nur von zünftigen Meistern ausgeführt werden durften, so war damals keine große Gefahr dabei, weder für städtische Finanzen noch für das Wohl der Arbeiter. Die Bauausführungen geschahen in der Regel in Tagelohn, so daß die bei den Bauten beschäftigten Und wo bleiben die unvermeidlichen Ausgaben für Arbeiter von Beamten genau kontrollirt wurden und der Kleidung, wo bleiben die durchaus berechtigten Ausgaben Meister den ortsüblichen Lohn neben einem gebräuchfür Erholung, Zerstreuung, Belehrung? lichen Meistergelde erhielt. Die Gesellen arbeiteten 1888 tritt eine neue Verschlimmerung unserer Arbeiter- nicht auf Stücklohn, hielten aber durch ihre nicht zu verfamilie ein. Im November dieses Jahres erkrankt der achtende Zunftorganisation auf das Innehalten von Lohn Vater an einer theilweisen Lähmung des Beines, welche und Arbeitszeit. Daß dabei manche Mißbräuche untereine Folge der für Kaiser und Vaterland erhaltenen Ver- liefen bei Vergebung der Arbeiten an besonders begünstigte Die Geschichte eines Spinners von Lille. wundung ist. Er muß 6 Monate lang das Bett hüten, Meister, ist nicht zu leugnen, und um diese Uebelſtände und der Kapitalist, für dessen Fabrik er 28 Jahre lang zu beseitigen, entwickelte sich dann schon damals eine Art gearbeitet hat, läßt sich nicht einmal nach seinem" rgehen Submissionswesen, bei dem aber nur ein engerer Kreis erkundigen. Von Unterstützung ist natürlich noch weniger der Zugelassenen in Betracht kam und das seinem ganzen die Rede: Stirb oder verdirb, was geht das dem Brot Wesen nach, was die Maurer- und Zimmererarbeiten herrn an, der seine Pflicht durch pünktliche Auszahlung betraf, nur eine gerechtere Vertheilung der Arbeiten unter des jedesmaligen Wochenlohnes erfüllt hat? die einzelnen Meister bezweckte. Vielfach nahmen sie diese Erft 1889 läßt ihm der Fabrikant vorschlagen, seine Regelung in ihren Zunftstuben vor, so daß eine gewisse Arbeit wieder aufzunehmen, vorausgesetzt jedoch, daß er Reihenfolge bei den Arbeiten eingehalten wurde. Die dies unverzüglich thue. Da es dem Mann absolut un- Erdarbeiten und andere Arbeiten, die einem zünftigen Gemöglich war, nach der Fabrik zu gehen, ließ er den Herrn werbe nicht zugesprochen werden konnten, wurden immer bitten, ihm die Arbeit zu Hause verrichten zu lassen; der von der Bauverwaltung in Regie ausgeführt, indem man Kapitalist wollte hierauf nicht eingehen und so blieb der sie an Arbeiterkolonnen ohne Zwischenunternehmer vergab. Für Maurerarbeiten galt es auch als Grundsaß, daß Arbeiter ohne Beschäftigung. 1850, 20 Jahre alt, avancirte er zum Spinner mit Was soll nun aus dem Manne werden, der 28 Jahre folche Arbeiten, auf deren gute Ausführung es besonders einem täglichen Verdienst von 3 Frcs. 95 Cts. Bald lang für die nämliche Fabrik gearbeitet hat, ohne sich auch ankam, immer in Regie und auf Tagelohn ausgeführt darauf mußte er dem ,, Vaterlande", d. h. der Kapitalisten- nur einen einzigen Verstoß, ein einziges Vergehen zu wurden. Die Baumaterialien bezog die Bauverwaltung Klasse, seine Blutsteuer entrichten. Er ward unter die Schulden kommen lassen? dabei immer aus erster Hand selbst. Was ihr die Güte Soldaten gesteckt, nahm an den Feldzügen theil, durch Die Familie, welche er groß gezogen, zersplittert sich und Preiswürdigkeit der angelieferten Matertalien ohne welche Bonaparte der Kleine seinen Banditenstreich vermehr und mehr und kann fast nichts für ihn thun. Sein Zweifel ganz sicher garantirte. geffen machen wollte, und kehrte 1858 verwundet in die 24 jähriger Sohn hat sich verheirathet, seine Frau sieht Erst ziemlich spät wußte sich das Privat- Unternehmerihrer Niederkunft entgegen, und bei einem Tageíohn von thum auch bei uns in Deutschland der Bauausführungen Heimath zurück. In Folge seiner Verwundung, die ihn zum Krüppel 4 Frcs. ist es ihm unmöglich, dem Vater zu Hilfe zu zu bemächtigen, wie es schon lange in England der Fall machte, konnte er sein altes Metier als Spinner nicht wieder kommen. Auf Unterstützung der beiden ältesten Töchter gewesen war. aufnehmen, er fand jedoch als Spuler auf Stückarbeit zu von 26 und 22 Jahren, beide Schneiderinnen, kann der Dort hatte die Entwicklung des Bauwesens überhaupt Hause Beschäftigung und verdiente pro Tag 2 Frcs., Mann auch nicht rechnen, da dieselben im Begriffe stehen, einen ganz anderen Gang genommen, als bei uns in später 2 Frcs. 50 Cts. 1861 verheirathete er sich. sich zu verheirathen. Im Hause bleibt noch eine Tochter Deutschland. Bei uns war und ist noch heute der Staats= von 19 Jahren, Korsettmacherin, eine Tochter von 13 baubeamte, der seine Studien in der vorgeschriebenen Jahren, welche ihre Lehrzeit durchmacht, und ein 9 jähriges Art für den Staatsdienst gemacht und seine Eramen abMädchen, das noch die Schule besucht. gelegt hat, der Regierungsbaumeister" der eigentliche Bei seiner Verheirathung besaß er nichts, als die Kleider, welche er auf dem Leibe trug. Seine Braut, ein ehemaliges Dienstmädchen, nannte jedoch etwas Wäsche, Kleider und Möbel ihr eigen, die zusammen einen Werth von 225 Frcs. repräsentirten. Das erste Jahr der Ehe war gut. Mann und Frau arbeiteten zusammen, schlugen sich nicht nur bei bescheidensten Ansprüchen durch, sondern schafften etwas Wäsche an, ge statteten sich den Lurus von Vorhängen und konnten sich dann und wann eine Landpartie gönnen. 1863 hat der Mann es auf einen Wochenverdienst von 18 Frcs.( noch nicht 15 Mark) gebracht, die Frau verdient als Wäscherin pro Woche 9 Fres. Bei 27 Frcs. wöchentlichen Einkommens gelingt es den Leutchen eine kleine Summe zurückzulegen, mittelst der sie sich eine Obligation der Stadt Brüssel kaufen. " Die berühmte Obligation der Stadt Brüssel ist ver- Träger der Intelligenz im Bauwesen. Mit Ausnahme kauft worden, um die Kosten der Verheirathung und Ein- ganz vereinzelnter Personen, die sich bei sehr hervorrichtung des Sohnes zu bestreiten. An Einkünften ver- ragender Begabung für einzelne Spezialfächer gleichfalls bleiben der fünfköpfigen Familie die 10-12 Frcs. Wochen- eine maßgebende Bedeutung erworben haben, sind alle verdienst der Korsetmacherin und 2 Frcs. der dreizehn- anderen ,, Baumeister", die diesen Bildungsgang nicht durchjährigen Tochter, im günstigsten Falle also 14 Frcs., d. h. gemacht haben, bei uns als mehr oder weniger ,, minder40 Cts. pro Tag und pro Person. Unnöthig ist wohl, hinwerthige" Elemente zu bezeichnen. zuzufügen, daß weder das neunjährige Kind, noch die durch In England ist die Sache anders. Die Ingenieure die vielen Geburten und harte Arbeit gealterte Mutter etwas und Baumeister erhalten dort ihre Ausbildung im Privatverdienen.dienste und werden, soweit Staat und andere Körperschaften besondere Techniker gebrauchen, zu diesen Aemtern aus der Privatpraxis herangezogen. Dort fißt der Schwerpunkt der Intelligenz in der Privattechnik. Was bietet der Fabrikant, welcher die Kräfte des Mannes 28 Jahre hindurch abgenutzt hat, was bietet die Gesellschaft der Familie? Offenbar nichts als den Bettel sack in dieser oder jener Form. 1863 wird die Frau schwanger und kommt 1864 Es ist ganz ohne Zweifel, daß auf beiden Wegen mit einer Tochter nieder, so daß ihre Arbeitskraft etwas In ihrer Einfachheit bilden diese dürren, nackten sehr brauchbare und hervorragende Baumeister und Invermindert ist. Troßdem gelingt es der Familie die nöthige Thatsachen aus einem Proletarierleben ein beredtes De- genieure zu erziehen sind. Es wird sich hauptsächlich um Kinderwäsche, Bettwäsche und einen Sonntagsanzug für menti der Phrase, daß jeder durch Muth, guten Willen, die gestellten Aufgaben handeln, denn nirgends wie im Arbeitsamkeit und„ gute Führung" seines Glückes Schmied Bauwesen kann man so sehr sagen: Es wächst der Mensch den Mann anzufchaffen. Sie sind nur eine Seite aus Mit einer zweiten Schwangerschaft 1865 und der sein könne. aus dem mit seinen Zwecken. Der Ingenieur macht sich seine AufGeburt eines Knaben 1866 nimmt der Verdienst der Frau großen Schuldbuch, wo das Soll und haben des Prole- gaben nicht selbst, sondern sie werden ihm von den äußeren fühlbar ab. Die Pflege zweier Kinder verhindert sie so tariats geschrieben steht. Und dieses Blatt ist mit Blut Verhältnissen gestellt. Die Folge der Verschiedenheit war aber, daß, so wie gut wie ganz am Arbeiten, allein da der Mann dieses und Thränen geschrieben, und dieses Blatt ist kein verJahr ausnahmsweise 4 Frcs. pro Tag, also 24 Frcs. einzeltes Blatt, es wiederholt sich vielmehr hundert und bei uns der Regiebau vorherrschend war, in England von ( noch nicht 20 Mark) pro Woche verdient, so schlägt sich tausend, ja hunderttausend und millionen Mal. Anfang an die großen Gesammtunternehmer die Arbeiten ausdie Familie so gut oder schlecht es geht durch, ohne Aber wie erscheinen Thatsachen dieser Art gegenüber führten. Es ist daher für den Unternehmerbau in England Schulden zu machen. Da jedoch die Ausgaben größer, die Theorien der. Duncker, Hirsch und anderer Unterdie Einnahmen kleiner geworden sind, so kann weder vom Schulze- Delitzsche von Selbsthilfe und Sparen? MünchAnschaffen von Kleidern, noch Sparen die Rede sein. Die haufiaden, welche glauben machen möchten, daß sich jemand Lage wird noch bedeutend verschlimmert durch die Geburt an seinem eigenen Zopfe aus einem Sumpfe ziehen kann! von Töchtern in den Jahren 1868, 1871, 1874( dieses Kind stirbt nach fünfjähriger Krankheit), 1877, 1881. 1881 verdient der Bater 4 Frcs. 50 Ets. pro Tag, die Mutter ist durch die Pflege der Kinder ausschließlich in Anspruch genommen und kann gar nichts zur Vergrößerung des Wochenbudgets beitragen. Die älteste Tochter hat das Schneidern erlernt und Die Petition der Berliner Maurer. ( Eingesandt.) manches anzuführen, was bei uns nicht zutrifft. Bald begann aber auch bei uns dieses System sich mehr und mehr zu verbreiten und fand bei den deutschen Baumeistern willige Förderer und Vertheidiger hauptsächlich wohl darum Grunde mit, weil es für die Bauverwaltung das bequemere ist. Man hat mit den massenhaften Arbeiten, die die Organisation einer Baustelle macht, und die häufig sehr Im Mai v. J., also jetzt vor einem Jahre, wandte aufreibend und sehr ärgerlich sind, nichts zu thun, man sich die Freie Vereinigung der Maurer und Fach hat es viel einfacher, den vornehmen Mann zu spielen, genossen Berlins"( Mitgliederzahl damals 4000) an wenn man einen Unternehmer dazwischen schiebt, dem man ist sogenannte„ Halbarbeiterin", d. h. fie muß so viel wie den Magistrat der Stadt Berlin mit folgender Petition: die unangenehmen Arbeiten überläßt, den man dafür aber Die städtischen Behörden mögen beschließen und an- auch sehr hoch bezahlen muß. ¹) 1 Frc.= 80 Pf., 50 Centimes 40 Pf. ordnen: = Was für die Vertheidigung des Unternehmerbaues angeführt wurde und noch heut angeführt werden kann, der Regel zum Schaden der Bauausführung sich entscheidet, Weizenerport aber um 4 111 pet. gestiegen ist!- Blicken wir auf ist in der Petition der Berliner Maurer in folgenden und um so eher sich so entscheidet, je mehr Fähigkeiten die österreichische Landwirthschaft, so zeigt sich bei ihr ein ge= Säßen aufgeführt: der Unternehmer mitbringt. Sie sind keine Stüße für daß sie die Martikonjunktur bald erkannt und den weniger lohnenden wisser Umschwung, und man muß in mancher Hinsicht einräumen, 1. Es soll der Unternehmerbau mit vorhergehendem die Bauleitung, sondern eine Gefahr. Körnerbau zu gunsten intensiverer Kulturen nach Kräften einAusgebot an den Mindestfordernden ein Mittel sein, Der Hegiebau sett freilich ein von der Bauverwaltung geschränkt hat. Desterreich( Cisleithanien) erntete an: die nothwendigen Arbeiten mit den geringstmöglichen zu stellendes größeres Aufsichtspersonal voraus. Da aber Kosten in der verlangten Zeit auszuführen. Gegen Ende der Fünfziger Jahre im Durchschnitte 9,58 Min. hl 30,42 2. Es soll sich bei dem Kontraktabschluß mit einem das Personal auch beim Unternehmerbau vorhanden ist, leistungsfähigen Unternehmer der Vortheil ergeben, daß man nur vom Unternehmer bezahlt wird, der sich die Kosten Weizen die Kosten der Ausführung von vorne herein mit dafür doch mit Zinsen anrechnet, so ist dieser Vortheil nur Kartoffeln Sicherheit übersehen kann. 3. Es soll an dem mit der Ausführung betrauten Unter- scheinbar. Außerdem geht aber jüngeren Technikern der Futterrübe nehmer eine technische Kraft, ein Mitverwalter ge- Bauverwaltung das Bildungsmittel, das der Regiebau Buckerrübe wonnen werden, der dem Unternehmer in seiner Ausführung ihnen giebt, verloren, sie kommen nicht enge genug mit zu Nußen kommt und die Kenntnisse und Fähigkeiten der der Praxis zusammen, was sich später rächt. Baubeamten ergänzt. Der von den Berliner Zünstlern gemachte Einwand, 4. Es sollen die Baubeamten durch die Thätigkeit des Unternehmers von den vielen Einzelarbeiten entlastet daß die" Meister" ein Recht auf die Arbeit hätten, weil und ihre Kräfte mehr für die Hauptsache erhalten werden, sie eben ,, Meister" sind, ist nicht besonders berücksichtigt, wodurch man an Aufsichtspersonal zu sparen hofft. weil es eine Widerlegung nicht erfordert. . 8,09 " q Im Jahre 1868 7,27 Mill. hl 29,70 q 10,39 Im Jahre 1888 18,27 Mill. hl " 81,19 q " q 23,85 " q " 40,09 " 1 18,22 Mill. Seelen 20,39 " " 22,14 " " Die Bevölkerung Cisleithaniens betrug: Im Jahre 1857. " " 1869. 1880. • " " . So sehen wir, daß sich ganz unverhältnißmäßig gegenüber der Bevölkerungszunahme und der Steigerung der Weizenernte der Gesammtertrag an Kartoffeln und Rüben( übrigens auch an Hopfen) Die Petition widerlegt nun diese vier Gründe, die So verlangt die Petition mit Recht die Wieder zunahm, deutet auf das Verlassen der alten Dreifelderwirthschaft erhöhte. Daß aber gerade die Kartoffel- und Rübenkultur so für ten Entreprisebau angeführt werden können, in kurzer, einführung des Regiebaues in die städtische Bauverwaltung, und auf die innige Verbrüderung von Landwirthschaft und Induſtrie, aber vollständiger Art. Sie zeigt, wie die angebliche die mit Vortheil für den Stadtsäckel verbunden wäre. in den Hauptvertretern der landwirthschaftlichen Industrie, Brennerei Billigkeit der Bauten, die durch das Herabbieten bei Daß man die Petition so lange ohne jede Be- und Zuckerfabrikation hin." den Submissionen erzielt wird, eine Selbsttäuschung ist, antwortung läßt, scheint zu zeigen, daß sie den städtischen den internationalen Charakter der heutigen Wirthschaft und das Auch diese trocknen Angaben zeigen wieder recht anschaulich wie dadurch Pfuscharbeit, Betrug und oft gar noch Behörden wohl zu denken gegeben hat. Wohlwollen bringt unaufhaltsam fiegreiche Vordringen der kapitalistischen, alle herkömm Schlimmeres großgezogen wird, wie vor allem das Subman bei der ausgesprochenen kapitalistisch- manchesterlichen lichen Verhältnisse rasch umwälzenden Technik bis in die konser missionswesen auf die Lage der Arbeiter geradezu Richtung dieser Behörde der Petition nicht entgegen, man bativsten Länder und Gewerbe hinein. verhängnißvoll einwirkt. Auch die vielen Beschwerden wird aber doch eine Entschließung nicht vermeiden können, aus Unternehmerkreisen, die man vergeblich zu beseitigen die dann von den Berliner Maurern schon richtig gesucht, zeigen das Schädliche des Submissionswesens. würdigt werden wird. Produktion und Technik, Statistisches. Konservenfabrikation. Der Staat Maryland ist der größte Produzent von Konserven in der Welt; in diesem Industriezweige ist ein stapital von 10 000 000 Dollars angelegt, und zirka 75 000 Personen beschäftigt. In den Konservenfabriken Marylands wurden im Jahre 1888 im Ganzen 24 000 000 Büchsen mit Austern, 20 000 000 mit Obst und 36 000 000 mit Gemüse zum Versandt fertiggestellt. Besonders gerügt wird noch das Verfahren, das z. B. in Berlin bei der Ausführung der Kanalisation und auch anderen Arbeiten vorkommt, und welches man geradezu als ,, Unfug" bezeichnet hat, daß nämlich die Beschaffung von solchen Arbeitern, die die städtische Bauverwaltung im Tagelohn bezahlt, an den mindest fordernden Zwischenunternehmer vergeben wird. Man sezt hier geradezu eine Prämie auf die Herabdrückung der Lebenshaltung der Arbeiter. Dann wird gezeigt, wie die Vorherbestimmung der Landwirthschaft. Interessante Angaben über die Entwicklung Die ökonomisch- technischen Umwälzungen in der Kosten nur von der Güte und Vollständigkeit der Vor- der amerikanischen Landwirthschaft und den Einfluß ihrer arbeiten abhängt, wie eine Submission und ein Vertrag Konkurrenz auf die österreichische Bodenkultur bringt das mit dem Unternehmer erfahrungsmäßig bei unvoll- Handelsmuſeum". ständigen Vorarbeiten kein Schutz gegen ganz gewaltige von den 1731 Mill. Bushels) des Jahres 1860 und den 287-7 Die Weizenproduktion der Vereinigten Staaten stieg Ueberschreitungen der für den Bau vorgesehenen Mill. Bushels des Jahres 1870 bis 1880 auf volle 459-5 Mill. Summen ist. Bushels; die Bevölkerung nahm unterdessen derart zu, daß, während Ferner ist nachgewiesen, daß der Unternehmer, wenn in den Jahren 1860 und 1870 pro 100 Seelen 550, respektive er bei uns überhaupt technische Fähigkeiten in's Feld führen analog ergaben. Innerhalb des Dezenniums 1870-80 wuchs der 633 Bushels Weizen entfielen, sich im Jahre 1880 schon 916 Bushels kann, was nicht die Regel ist, diese Fähigkeiten zu seinem dortige Weizen- und Weizenmehl- Export von 52-2 Mill. Bushels Vortheil und nicht zum Vortheil der Bau- auf 180-3 Mill. Bushels an. Ja, gehen wir auf den Beginn der ausführung ausnußt; daß sich naturgemäß bei den Sechzigerjahre zurück, so sehen wir, daß die Weizenernte der Verdurch Submissionen herabgedrückten Preisen ein Kampf einigten Staaten Ameritas innerhalb 20 Jahren um 154 pt., der zwischen Bauleitung und Unternehmer entwickelt, der in 1) 8 Bushels 1 Quarter( q)= 2,9 Hektoliter( hl) Empfehlung! Unterzeichneter empfiehlt sich zum Verkauf der selbstverfertigten Portraits von Bebel und Liebknecht in Seide gewebt. = 1 Die deutsche Auswanderung nach den überseeischen Ländern hat im Jahre 1889 eine Verminderung gegenüber den zwei vorhergehenden Jahren erfahren. Die Gesammtsumme war im Jahre 1889: 90 332 Personen 1888: 103 951" 1887: 104 787 21 769 waren Kinder unter 14 Jahren, 19 313 jugendliche Personen von 14 bis 21 Jahren. aus den mitteldeutschen Staaten, 57 957 aus Preußen, 5974 aus 22 776 Emigranten tamen aus Süddeutschland, 3425 aus den übrigen norddeutschen Staaten, bei 127 ist die Herkunft unbekannt. Die Vertheilung nach Berufen zeigt nachfolgende Tabelle: unter je von 100 Ein100 Aus- wohnern gehören wanderern diesem Berufe an Land- und Forstwirthschaft Industrie, Bergbau, Bauwesen Lohnarbeit wechselnder Art und DienstHandel und Verkehr, Gastwirthschaft. boten 15.8 4 16.7 9.0 24.9 32.1 41.5 34.8 9.4 50 46 47 Freie Berufsarten, öffentlicher Dienst. 1.5 Ohne Beruf und Berufsangabe durch Auswanderung verloren. Seit 1851 hat Deutschland mindestens 3 051 618 Einwohner Briefkasten. Warnsdorf. Ueber einen Herrn Albert Graf aus Berlin ist uns nichts bekannt. Vielleicht kann uns aber ein Leser über ihn informiren. Berliner Arbeiterbibliothek. 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