V-Uls Vrrliner ip:> I:> W V. ü y ribiiiif. Sozial-Politisches Wochenblatt. An öie deutsche Sozial-Demokratie! Parteigenossen! Nach fast zwölfjähriger Dauer endet am 30. September d. I. das Sozialisten-Gesetz. Die Partei hat es siegreich überwunden. Ins Leben gerufen, um sie zu vernichten, ist es an dem Felfen der Partei zerschellt. Stärker und mächtiger als je zuvor ist heute die Partei, stolz auf ihren Sieg und die Niederlage ihrer Gegner, zu weiteren Kämpfen bereit und gerüstet. Immer neuen Boden erobernd, sieht sie immer weitere Kreise ihren Ideen dienstbar werden. Der Sozialismus ist die Frage des Zeitalters geworden, um die sich alles bewegt. Die innere und die äußere Politik, alle Parteien und Gesellschaftsschichten werden von ihm beeinflußt und beherrscht. Er ist der mächtigste Faktor der Gegenwart und wird in nicht ferner Zeit der alles entscheidende sein. Bei diesem siegreichen Fortschreiten unserer Ideen können wir guten Muthes der Zukunft entgegengehen. Parteigenossen! Mit dem Fall des Sozialisten-Gesetzes tritt die Frage nach der Neuorganisation der Partei in den Vordergrund. Diese neue Organisation zu schaffen wird die Hauptaufgabe sein, die der nächste Parteitag, den wir hiermit auf Sonntag, den 12. Oktober d. I. nach Halle a. S. einberufen, zu erledigen hat. Vorbehaltlich der endgültigen Entscheidung des Parteitags setzen wir für denselbeu folgende Tagesordnung fest: Sonntag, den 12. Oktober, abends 7 Uhr: Vorversammlung. Konstituirung des Parteitages und Wahl einer Kommission für die Prüfung der Vollmachten. Montag, den 13. Oktober und die folgenden Tage: 1. Bericht der Parteileitung. Berichterstatter: Bebel. 2. Bericht der Revisoren. 3. Bericht über die parlamentarische Thätigkeit der Reichstags-Fraktion. Berichterstatter: Singer. 4. Die Organisation der Partei. Berichterstatter: Auer. 5. Vornahme der Wahlen auf Grund der angenommenen Organisation. 6. Das Programm der Partei. Berichterstatter: Liebknecht. 7. Die Parteipresfe. Berichterstatter: Auer und Bebel. 8. Die Stellung der Partei zu Streiks und Boykotts. Berichterstatter: Grillenberger und Kloß-Stuttgart. 9. Anträge aus der Mitte des Parteitages. Parteigenossen! Wir haben nicht' nöthig die Aufforderung an Euch zu richten durch zahlreiche Entsendung von Vertretern Euer Interesse für den ersten Parteitag, der seit 13 Jahren zum ersten Male wieder auf deutschem Boden stattfindet, zu bekunden, wir sind überzeugt Ihr thut alles was in Euren Kräften steht, um die Beschickung desselben zu einer allseitigen zu gestalten. Um eine gewisse Gleichartigkeit der Vertretung herbeizuführen, schlagen wir vor, daß die Parteigenossen in den einzelnen Wahlkreisen sich verständigen und für keinen Wahlkreis mehr als drei Vertreter wählen. Sache des Parteitages ist es, endgültig die Art der Vertretung zu ordnen. Die Wahl der Vertreter muß in öffentlichen, für diesen Zweck anberaumten Versammlungen der Parteigenossen vorgenommen werden und sind den Gewählten Vollmachten auszustellen, die das Bureau der Versammlung, in welcher sie gewählt wurden, zu unterzeichnen hat. Bei der Reichhaltigkeit und Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Verhandlungen mindestens 5 Tage in Anspruch nehmen. Berichtet dies und verpflichtet Eure Vertreter bis zum Schlüsse des Parteitages anwesend zu bleiben. Mir empfehle«, die Mahl der Vertreter in ganz Deutschland gleichzeitig und zwar am ersten Tage der..neuen Aera" am 1. Oktober vorzunehmen. Die Adresse des Lokal-Komitees in Halle a. S., bei welchen die Anmeldung der Vertreter zu erfolgen hat, wie das Versammlungs-Lokal werden später bekannt gegeben. Auch erfolgt in Kürze die Veröffentlichung des Organisations-Entwurfs. Darteigenossen! Auf zur Wahl von Vertretern für den Varteitag. Kein Mahlkreis in dem wir eine«ennenswerthe Anzahl AnHanger habe», darf««vertreten bleiben. £)od} die sozial Demokratie! Berlin, den 1. August 1890. Auer. Bebel. Birk. Blos. Bock. Bruhns. Dietz. Dreesbach. Förster. Frohme. Geyer. Grillenberger. Harm. Heine. Hickel. Joest. Kunert. Liebknecht. Meister. Metzger. Molkenbuhr. Schippel. Schmidt-Frankfurt a. M. Schmidt-Sachsen. Schultze. Schumacher. Schwarz. Seifert. Singer. Stadthagen. Stolle. Tutzauer. Ulrich. Vellmar. Wurm. Zum Kongreffe. Der Abgeordnete Bebel hat nun dem„ Volksblatt" eine Niederlage an die Niederlage eurer Hamburger eine Erwiderung gegen jenen Artikel eingesandt: Brüder, die jetzt als Vorhut im Kampfe liegen für das Aus dem eben mitgetheilten Aufrufe geht hervor, ,, Auf einer Reise begriffen, tommt mir nachträglich die Nr. 18 Recht eurer wirthschaftlichen Vereinigungen. Die Hamdaß der einzuberufende Kongreß sich auch mit unserer der Sächs. Arbeiter- 3tg." vom 23. Jule zur Hand, in welcher burger Bourgeoisie, welche schon Heine so schön besang: Parteipresse zu beschäftigen haben wird. Es läßt sich unter der Ueberschrift„ Der 1. Oktober" ein Herr W. einen Artikek„ Sie essen gut, sie trinken gut, sie freuen sich ihres annehmen, daß gerade in diesem Punkte die Geister heftig veröffentlichte, in dem in beleidigender Weise die Parteileitung anaufeinander plazen werden. Gerade in letzter Zeit ist es gegriffen wird. Da ich als Mitglied der Letzteren mich persönlich Maulwurfglücks; und ihre Großmuth ist so groß, als durch denselben beleidigt fühle, werde ich dem Angreifer die passende wie das Loch der Armenbüchs'", diese Bourgeoisie, deren häufig zu Reibungen zwischen der„ Sächsischen Arbeiter Antwort zutheil werden lassen, sobald ich nach Hause zurückgekehrt Ideen der im benachbarten Friedrichsruhe ſizende Kanzler zeitung" und dem„ Berliner Volksblatt" gekommen, die bin, was voraussichtlich Ende dieſer Woche der Fall sein wird. am besten zum Ausdruck bringt, diese Bourgeoisie, sie fich, je länger, je mehr zuzuspißen scheinen. Der Ton Alsdann werde ich auch ein Wort mit der Redaktion der„ Säch hat sich verschworen, um dem Arbeiter das gesetzlich geArbeiter- 8tg." sprechen, die es als ihre Hauptaufgabe zu betrachten der" Arbeiterzeitung" und ihre prinzipiellen Auslaſſungen, scheint, durch fortgeseßte dunkle Anspielungen und Verdächtigungen währleistete Koalitionsrecht wegzueskomitiren. Soll der beides scheint bei der Fraktion Anstoß erregt zu haben. Mißtrauen und Zerwürfnisse in die Partei zu bringen, und es brutalen Macht des Geldsacks gelingen, was dem SozialistenAm 23. Juli erschien in diesem Blatte ein„ Der durch ihre ewigen Taktlosigkeiten glücklich dahin gebracht hat, selbst gesetz nicht gelungen ist? Eine Massenaussperrung von 1. Oktober" überschriebener Artikel, dessen Ausführungen von der gegnerischen Presse als enfant terrible der Partei be- Arbeitern besteht in Hamburg und der Kapitalist als wir hier mit Fortlassung des minder wichtigen, unseren zeichnet zu werden. Lesern zur Kenntniß unterbreiten: nüßen wird, indem sie nämlich Klärung der Köpfe beschleunigt. greife, gestochen zu werden. Glaubt man Grund zu Anklagen zu haben, so soll man die Herr und Gebieter verlangt, daß diese Leute ihren Austritt Personen und Thatsachen bezeichnen, gegen welche sie gerichtet sind, aus den Fachvereinen erklären sollen; sonst bleiben sie damit diejenigen, die es angeht, antworten können. Das iſt die geächtet und arbeitslos. Das ist ein Attentat auf die Kampfweise ehrlicher Männer. Jede andere Kampfweiſe iſt bubenhaft. gemeinsame Sache der Arbeiter. Es handelt sich hier Eisenach, den 27. Juli 1890. A. Bebel. Die beständigen Gerüchte von Spaltungen innerhalb der Sozialdemokratie haben fast ein Theil unserer Genossen angestedt. Mit einer Anwandlung von Zagen blicken daher manche derselben in die nächste Zukunft. Zuweilen vernehme ich die Aeußerung:„ Wir wollen Für die„, Arbeiterztg." trat nur die ,, Magdebg. Arbeiter- nicht um einen Streit der Hamburger, die Arbeiter ganz möglichst schweigen und unsere Differenzen im Verborgenen beilegen; sonst gereichen wir unseren bürgerlichen Gegnern zum Ver- Stimme" muthvoll ein. Jeder Leser kann sich ja selbst eine Deutschlands sind daran betheiligt. Unterliegen die gnügen." Ich bin aber der Meinung, daß wir leßteren immerhin Meinung darüber bilden, was er von dem oben abgedruck Hamburger, so müssen wir gewärtigen, daß das Unternehmerabgedruck- thum auch anderwärts in gleicher Weise vorgehen wird. ihr Bergnügen laffen können, daß wir keineswegs Heimlichkeit der ten Aufſaße hält, ob er in demselben eine persönlich Darum gebe jeder, was er kann! Denkt an die Hamburger Verhandlung nöthig haben, daß im Gegentheil Deffentlichkeit uns gehässige Anzapfung der Fraktion oder den Versuch der Fraktion oder den Versuch Genossen, an die Gerechtigkeit ihrer Sache, an die SoliDrum- möchte ich hier über gewisse delitate Gegenstände mich ein erblickt, die Diskussion über eine der wichtigsten Fragen barität euerer Interessen und denkt auch daran, wie wenig aussprechen, auf die Gefahr hin, als ein ,, enfant terrible" unserer Taktik in der Partei anzuregen. Uns schien das der Partei verschrieen und von den Wespen, in deren Nest ich Lettere der Fall zu sein. Der Artikel ist eine an die Ge- opfermuthig in den schweren Zeiten des Sozialistennossen gerichtete Aufforderung, sich darüber klar zu werden, gesetzes die Hamburger stets gehandelt haben, wie viel Das Gesez, welches am 1. Oktober begraben wird, hat für ob sie eine straff- zentralisirte Presse, deren Haltung durch Zehntausende sie zur Unterstützung von Streiks in das unsere Partei außer den allbekannten Vortheilen und Nachtheilen die Fraktion bestimmt werden soll, wünschen, oder ob Reich geschickt. Es ist noch wenig geschehen bis jetzt. Unter seiner Drohung entzogen sich manche Vorgänge in der sie in dem sozialistischen Zeitungswesen eine freie, durch Holt es nach, so lange noch Zeit dazu. Unsere Genossen Partei der Deffentlichkeit und somit der öffentlichen Kritik. In den keine obere Instanz eingeengte Konkurrenz befürworten. sollen nicht sagen dürfen, daß deutsche Arbeiter sie im Händen einzelner Personen pflegten gewisse Machtbefugnisse zu Welche Beschlüsse der Kongreß fassen wird, läßt sich ja Stich gelassen hätten. Ihr wißt schon jetzt, wie stark die Einigkeit macht. solcher Weise persönlicher Ehrgeiz und private Interessen zuweilen ist nicht ausgeschlossen, daß die Fraktion der Presse Da euere Feinde sich zu Koalitionen zusammenscharren, müßt über Gebühr zur Geltung gelangten, und das hie und da Autori- gegenüber Machtbefugniste erhält, die sie früher nicht ihr euren Bund noch enger flechten. Alle Gewerke müssen täten entstanden blos auf Grund tüchtiger Gesinnung und Zuver- besaß; es ist nicht ausgeschlossen, daß man in erster für eines stehn, wenn ihr fürder siegen wollt. Napoleon lässigkeit oder eines Matyriums, nicht aber auf Grund bewährter Linie gegen die„ Sächs. Arbeiterztg.", dann aber auch gewann seine Schlachten, indem er die ganze Kraft seiner und das dadurch gezüchtete Mißtrauen, so kann man jenem Saße, gegen andere Blätter, welche zuweilen gegen die Fraktion Armee immer auf einzelne Punkte der feindlichen SchlachtWas ist also linie warf; dann, wenn er hier gesiegt, wandte er sich welcher in vielen Gesprächen unterrichteter Parteigenossen gewisser Front gemacht haben, vorgehen wird. maßen den stimmungsvollen Kehrreim bildete, die Berechtigung nicht mehr an der Zeit, als die Aufmerksamkeit der Genossen dem Uebrigen zu. Das muß auch euere Taktik werden. absprechen:„ Das Schlimmste was uns das Sozialistengefeß gebracht gerade auf diese Frage zu lenken und die Stellung, die Die ganze Organisation der deutschen Arbeiterschaft muß hat, ist die Korruption." mobil gemacht werden können und anrücken, wenn irgendwo Wohl vielfach unter dem Zwange des Sozialistengesetzes und man ihr gegenüber einnimmt, offen darzulegen? noch folgende Wirkungen gehabt: ruhen ein Umstand, welcher das persönliche Element vielfach vor das sachliche treten ließ. Es ist nicht zu leugnen, daß in gegenwärtig noch nicht voraussehen, aber die Möglichkeit Geisteskraft. Rechnet man zu dieser Wirkung noch das Spizelthum zugleich unter der Last ihrer parlamentarischen Geschäfte hat unsere Jedenfalls darf unser Urtheil nicht durch das Ur- ein Glied dieser Organisation im gefahrdrohenden Kampfe Fraktion die Arbeiterbewegung in Berlin und auch wohl ander theil unserer Gegner bestimmt werden. Amüsirt es diese, mit dem Feinde liegt. Darum noch einmal, denkt an wärts etwas vernachlässigt. Das war allerdings in gewisser Be- die radikal- schroffen Artikel der„ Sächs. Arbeiterztg" ihren euere Vorhut, denkt an die Hamburger im Kampfe. hierdurch zur Selbständigkeit angeregt wurden. Diese Wirkung ist Lesern aufzutischen und sich darüber weidlich zu entrüsten, und Werkstätten beschlossen, die Arbeit ruhen zu lassen. Und nun, Zur Aussperrung der Hamburger Arbeiter. eine wesentliche Ursache der berüchtigten Uneinigkeit am 1. Mai. so darf uns das doch nicht geniren! Diskutire man In ihrer Selbständigkeit hatten große Arbeitermassen schon viele doch mit dem Blatte, weise man ihm doch die Einseitig- Die Unterschrift, feinem Fachverein angehören zu dürfen, ist Monate vor dem Demonstrationstage in Vereinen, Bersammlungen feiten, die Uebertreibungen, deren es sich schuldig machen an folgende Arbeitergruppen ergangen: Zimmerer, Ewerführer, Küper, Rammer, Maurerarbeitsleute, nachdem die Bewegung flott im Gange war, versuchte die Frattion soll, in anderen sozialistischen Blättern nach, das wird Gipser, Former, Schlächter, Spritarbeiter, Kahnarbeiter, Blätte zu spät die Führung wieder zu erhalten und begann plöglich zu sicher zur Klärung der Ansichten in unserer Partei viel rinnen, Gasarbeiter, Erd- und Zimmerarbeitsleute, Marmorarbeiter, bremsen wohl aus Besorgniß eine Arbeitseinstellung möchte beitragen; es fann ein Hebel unseres Fortschrittes sein. Maurer, Fabrikarbeiter, Glasmacher von Ottensen und Bergedorf, Ausschreitungen hervorrufen, welche Anlaß zur Verlängerung des Wer auf dem Boden des Parteiprogramms steht, und Töpfer. Sozialistengeseẞes geben könnten. Die Zerfahrenheit der deutschen Konflikt am 1. Mai vermieden wäre. Der 1. Mai ist somit für Die Forderung ist ebenfalls an sämmtliche organisirte Gewerke Altona's, Wandsbed's und Ottensen's gestellt. Die in Hamburg eingeseßte Zentralkommission hat die Verpflichtung übernommen, die Unterstüßung für alle Arbeiter jeder Branche in Hamburg, Altona, Ottensen und Wandsbeck zu vertheilen und richtet die Bitte, insbesondere an die Berliner Genossen, um pekuniäre Unterſtügung. Es wurden durch die Kommission bis dato 68 596 Mt. vertheilt, wovon die Hamburger allein ca. 49 000 Mt. anfbrachten. Zur Unterstützung für die laufende Woche müßten, wenn knapp bemeſſen, Arbeiter am 1. Mai ist also, weit entfernt die Schwäche unserer keine Unehrlichkeit begangen hat, der wird auch, wie wir Bewegung zu erweisen, gerade ein Zeichen ihrer Straftsteigerung, hoffen, von unserer Partei nicht geächtet werden! nämlich ihrer beginnenden Selbständigkeit, ohne welche freilich der Also Genossen, denkt über die Frage nach: wollt die Autoritäten und Autoritätsgläubigen unserer Partei eine ihr eine einheitliche Presse, in welcher alle stärkeren Warnungstafel, welche im Verein mit den übrigen seither aufge Meinungsdifferenzen unterdrückt werden, oder wollt Ihr, richteten Täfelchen die Lehre verkündet: Die deutsche Sozialdemo- daß in freier Diskussion jede Ansicht zu ihrem Rechte tratie hat nicht blos an Masse, sondern auch an Selbständigkeit komme? Es ist möglich, daß Euere Vertreter auf dem und geistiger Reife derart zugenommen, daß sie von denjenigen Leuten, welche Einfluß darauf ausüben möchten, anders behandelt Kongreß Beschlüsse zu fassen haben werden, in denen ca. 20 000 Mr. zur Verfügung stehen. werden muß, als dies noch vor fünf Jahren geschehen konnte. ihre Stellung dieser prinzipiellen Frage gegenüber zum alle Anfragen an ,, Anders behandelt werden? Was soll das heißen?" Nun, Ausdruck kommt. trächtigt werde. Wie nach dem Ausspruche eines alten Weisen der Für die Hamburger. NB. Alle Gelder sind an das ,, Hamburger Echo" abzuliefern, zu richten. Julius Penzner, Raboisen 30, Hamburg Die Gewerbegerichte in Deutschland. V. ich meine Folgendes: Von manchen„ Führern" wird eine straffe Unterordnung" verlangt. Wenn aber Unterordnung etwas anderes bedeutet, als Rücksichtnahme auf die Einigkeit unserer Partei und Uebergehen kleiner Meinungsunterschiede, wenn Unterordnung das Am 1. Oktober wird das Sozialistengesez zu Grabe unterwürfige Verschweigen einer von den Führern" nicht ge= billigten, wenn auch innerhalb des Parteiprogrammes befindlichen getragen, das Sozialistengesez, unter welchem" unsere Ansicht bedeutet so ist das Verlangen nach solcher Unterordnung Partei so ruhmvolle Zeiteu erlebte, in dem sie ihre Kraft entweder nur die Aeußerung einer persönlichen frankhaften Gereizt zum Staunen aller anderen Parteien so glänzend er= Die Regierung und die Arbeiter der Staatsbetriebe. heit und Herrschsucht, oder aber eine durchaus falsche Taktik, gegen probte. Arbeiterbataillon schloß sich an Arbeiterbataillon, welche Protest erhoben werden muß. Wir dürfen nicht gestatten, Zu den schlimmsten Befürchtungen giebt auch die daß diejenige Duldsamkeit auf dem Gebiete der Meinungen verlegi unzersprengbar. Man hörte es wieder:„ Der Kerker-für Behandlung der Staatsindustrie- Arbeiter seitens der Rewerde, ohne welche unsere Bewegung aufhört, Sozialdemokratie zu thore dumpf Gefnarr im Norden und im Süden sein. Wir müssen verhüten, daß die Freiheit des Gedankenaus jeden, der zum Volte fleht, das alte Kettenschmieden"; gierung Anlaß. tausches irgendwie, sei es durch Drohung oder Lockung, beein aber Niemanden schreckte es. Keine polizeilichen Auf- ,, Musteranstalten bezüglich der Fürsorge für Arbeiter" Streit der Vater aller Dinge ist, so führt gerade die unbehinderte lösungen, keine Ausweisungen, kein Spigelthum und keine sollten nach dem Februarerlaß des Kaisers die staatlichen Diskussion zum geistigen Fortschritte, während Beeinflussung den Haft vermochte es, dem siegreichen Fortschritt der Arbeiter Betriebe werden, und auch die Eröffnungsrede im preußi selben schwer behindert. Ein Führer", welcher politische Sub- fache ein Hemniß in den Weg zu rollen. In immer schen Staatsrath sprach von deren weiterer Entwicklung ordination verlangt, züchtet sich einen Hofstaat schmeichelnder weitere Proletarierkreise drang das Solidaritätsgefühl, zu Vorbildern einer wirklichen Arbeiterfürsorge". Diese Streber heran, nicht aber freie, offene, muthige Männer, wie wir - und die erste sie brauchen. Und was hier von Menschen gesagt ist, gilt auch die Einsicht, daß nur durch ein Zusammenwirken der Worte klangen sehr verheißungsvoll von Blättern. Unabhängigkeit ihrer Zeitungen thut unserer Partei ganzen Klasse etwas erreicht werden könne. Und sie That der Bureaukratie war, daß sie die Arbeiter„ der dringend noth. Freilich ist ein Zentralorgan sehr wünschenswerth. schlossen sich aneinander, die Arbeiter, und hielten fest Reichs- und Staatsdruckereien, der staatlichen Münz Doch darf die Ausstrahlung gewisser Kundmachungen von einem im wirthschaftlichen Leben an ihren Fachvereinen, im anstalten, sowie der unter der Militär- oder der Marine Zentrum aus nicht in Uniformirung und Intoleranz ausarten. Deßhalb sollten die Genossen, so lange es noch Zeit ist, etwas politischen an der einen, ungetheilten sozialdemokratischen verwaltung oder der Staatseisenbahnverwaltung stehenden durchzusetzen, energisch darauf dringen, daß nach dem 1.. Oktober, Arbeiterpartei. Und nun sinkt dieses Gesetz, nachdem Betriebsanlagen" von der besseren und rascheren der unserer Partei bekanntlich einen Kongreß bescheeren wird, seine Ohnmacht im Kampfe gegen uns aller Welt flar Rechtsprechung in Lohn- und Arbeitsstreitigkeiten aus mindestens diejenigen unserer unabhängigen Organe, welche sich geworden, zu Boden. Die Kraft der Arbeiter, ihr selbst zuschließen beantragte, obwohl bereits 1878 die Reichs bewährt haben, ungeschmälert bestehen bleiben. Dies ist auch aus dem Grunde zu wünschen, weil gerade diese loser Opfermuth ist es, der das Gesetz zur Ohnmacht tagsfommission denselben Vorschlag der Regierung als unabhängigen Organe in löblicher Weise beslissen waren und sind, verurtheilt und so die Abschaffung desselben erzwungen durchaus unzulässig und ungerechtfertigt verworfen hatte. unserer Bewegung neue geistige Anregungen zu geben. Man be- hat. Der erste Oktober stellt den größten Siegestag dar, Noch charakteristischer aber wie die trogdem erfolgte antworte einmal ehrlich die Frage: Welche Blätter sind es, die den unsere Partei bisher erlebt hat. Wiederholung dieser nur von den engherzigsten bureauin einer Zeit, wo unsere Partei an der Ruhe des Sumpfes Das Sozialistengesez sollte den herrschenden Klassen fratisch- militärischen Vorurtheilen eingegebenen Forderung kränkelte, wo der gewerkschaftliche Kampf fast die einzige Lebensthätigkeit war, Anregungen zur Vertiefung unserer Anschauungen nicht nur als politisches, sondern auch als wirthschaft ist die Begründung, die man ihr mit auf den Weg gab. gaben, und welche auch die gegenwärtige Schwüle durch den liches Kampfmittel dienen gegen die Bestrebungen der Die Motive des Entwurfes fanden sich noch ver frischen Windhauch einer prinzipiellen Polemik unterbrechen? Und nun sollen unabhängige Blätter, wie beispielsweise die Arbeiter, durch Fachorganisation und Streiks ihre Lage hältnißmäßig furz mit der Angelegenheit ab und führten Berliner Bolts- Tribüne", die Sächsische Arbeiterzeitung" ver- 3u heben. Die berüchtigten Puttkammerschen Erlasse sind in der Hauptsache aus: schwinden, anderen Blättern zu Liebe, bei denen theils die Un- in guter Erinnerung. Nun, das Gesetz war auch hierin abhängigkeit, theils die Leistungsfähigkeit, theils auch die Zahl der machtlos. Unsere Arbeiter- Organisationen überleben es Leser noch in Frage steht? Das wäre ein Mißgriff! Hoffen wir von dem 1. Oktober oder besser trachten wir siegreich. Doch jetzt in den letzten Tagen des Sozidanach- daß er uns ein derartiges Kututs- Ei nicht ins Nest alistengesezes droht uns neue Gefahr, nicht von ihm lege, sondern im Gegentheil Zustände bescheere, welche das Urselbst. Aber das Unternehmerthum hat sich zusammentheilen und Handeln der Genossen noch selbständiger, den Meinungsgeschlossen; was die Polizei nicht konnte, daran hat sich Austausch noch freier, die Ideen unserer Zeitungen, Schriften und jetzt das Kapital gemacht. 77 Redner üppiger und schwungreicher, dagegen Autoritäten- Herrschaft, Gebt Acht, Genossen, daß euer Siegestag, der Personentultus und Eliquenwesen unmöglich oder doch schwierig machen! 1. Oktober, nicht befleckt wird durch die Erinnerung an Die ausdrückliche Exemtion..... von der Anwen dung dieses Gefeßes rechtfertigt sich theils aus prinzipiellen(!) Erwägungen, theils aus Rücksichten der Disziplin, welche es für die Leiter der mehr militärisch organisirten Betriebe unthunlich machen, vor Gerichten Recht zu nehmen, welche unter Umständen von ihren eigenen Untergebenen besetzt sind. Die Vorschrist hat die doppelte Wirkung, daß einerseits die Streitigkeiten zwischen den Leitern und Arbeitern der bezeichneten Betriebe der Zuständigkeit der Gewerbegerichte entzogen und andererseits diese Personen selbst bei den I Wahlen zu den Gewerbegerichten weder wählbar noch und eine ganz gewöhnliche Zivilbehörde schleppen wollen!| Die Innungen haben bekanntlich bisher gar nichts wahlberechtigt sind.') Man denke nur: ein Offizier, der vor dem Gemeinde zur" Hebung des Handwerks" thun können; was sie an Keine Theilnahme an den Folgen einer sachkundigeren vorsteher seines Ortes Rede und Antwort stehen muß Leistungen aufweisen, ist überhaupt nichts nuzig, oder und rascheren Rechtsprechung, kein aktives und kein passives ein Beamter, dem seine Arbeiter an anderer Stelle ein- fristet nur durch Unterstützungen seitens der Gemeinden Wahlrecht und infolgedessen auch kein Einfluß auf die mal nicht als Untergebene begegnen ein Direktor, oder durch Privilegien seitens der Gesetzgebung sein Gerichte, die der Arbeiter vielleicht schon sehr bald an der sich wie der erste beste Direktor einer Privatfabrit fümmerliches Dasein. Die Innungsschiedsgerichte in rufen muß, weil er freiwillig oder unfreiwillig die Staats zum Beisiger hergeben muß, weil er die Wahl nicht ab- Berlin bestehen z. B. nur unter Mitwirkung eines Bewerkstätte verläßt und in einer Privatfabrik Unterkunft lehnen kann! Wie unerwünscht und wie plebejisch! Frei- amten, der ihnen von den städtischen Behörden unentfindet etwas einnehmender hat man sich das Vorbild lich, auch Standesherrn und Millionäre können sich dem geltlich zur Verfügung gestellt wird¹); in Berlin giebt es einer wirklichen Arbeiterfürsorge" doch wohl gedacht. Gemeindevorsteher nicht entziehen und auch sonst stehen wohl keine einzige Fachschule, welche aus eigener Kraft Der schreckliche Gedanke, vor einem Gericht verhandeln ja die Würdenträger mit zweifarbigem Tuch durchaus der Innungen errichtet oder erhalten wird, noch nicht zu müssen, das unter Umständen mit eigenen Unter- nicht vollständig außerhalb des ganz gemeinen bürgerlichen der zehnte Theil dessen, was diese Fachschulen kosten, gebenen besetzt" ist, war allerdings geeignet, alle bureau- Rechtes auch Direktoren anderer Fabriken können in wird aus den Mitteln der Innungen aufgebracht, die kratischen Zöpfe ins Wackeln zu bringen und so erklärten die Gefahr gerathen, vor Untergebenen feststellen zu lassen, anderen neun Zehntel bezahlt die Stadt, und anderswo denn die Regierungsvertreter wiederholt auch vor der wieviel Lohn irgend einem Lohnsklaven gebührt, auch sie wird es wohl ebenso sein.2) Kommission: werden mitunter zu Beisigern neben ihren Arbeitern entDie betreffenden Staatsverwaltungen legten das UnWenn die Innungsmeister irgend etwas auszeichnet, größte Gewicht darauf, daß sie nicht vor Gewerbegerichten würdigt und mit den gleichen Gründen könnte jeder Auf- so ist es nur ihre Feindschaft gegen die Arbeiter. ihr Recht zu nehmen hätten; sonst könne es vorkommen, daß ſichtsrath einer Aktiengesellschaft das„ nicht als erwünscht" fähig, mit dem Großkapital zu konkurriren, und doch ein Staatsbeamter sich verantworten müsse vor einem bezeichnen. Doch auch das sind am Ende Ueberreste des auch wieder nicht willens, den ungleichen Kampf aufzu Gericht, in dem vielleicht einer seiner untergebenen als 18. Jahrhunderts mit seinem unwürdigen Prinzip der geben, suchen sie durch gesteigerte Ausbeutung der ArBeisiger fungirt. „ Dieser Gesichtspunkt sei in erhöhtem Maße von Be Gleichheit vor dem Geſetz, mit denen die aufgeklärte beiter zu ersetzen, was ihnen an technischen und kaufdeutung für die unter der Militär- und Marine verwaltung Bureaukratie des 19. Jahrhunderts mit seiner Heiligkeit männischen Hilfsmitteln abgeht. Jede Lohnerhöhung stehenden Betriebe. In diesen Betrieben seien vielfach des Privilegs schon aufzuräumen wissen wird. findet an ihnen daher die erbittertsten Feinde, denn sie Offiziere und andere Militärpersonen in Thätigkeit; das Was weiter die" Disziplin" anbelangt, so mussen leben nur von dem, was sie den Arbeitern über das bringe es mit sich, daß die militärische Organisation in vollem Maße herrsche, auch gegenüber den Arbeitern. Es müsse für es die Arbeiter ganz energisch zurückweisen, daß diese Niveau der großindustriellen Löhne hinaus abzwacken; einen Offizier ganz besonders peinlich sein, wenn er auf ihre Kosten erreicht wird. Das genaue Ineinander die Arbeitszeit in ihren Werkstätten ist die längste, weil vor einem seiner Untergebenen Recht nehmen müsse".) greifen aller Theile ist auch für das verwickelte Räderwerk sie aus ihren Lohnsklaven noch die Leistungen der MaDie grellste Bloßstellung des in der Leitung der eines Privatgroßbetriebes unbedingt nothwendig; auch schine herauszupressen suchen, die im Großbetriebe neben Staatsbetriebe heute noch maßgebenden Geistes boten jede Privatfabrik hat Zeiten, wo ganz außergewöhnliche dem Arbeiter steht; sie verfolgen die gewerkschaftlichen aber erst die Reden der Bundeskommissare in der zweiten Anforderungen an die Arbeiter, sowohl an ihren Fleiß Organisationen mit dem verbissensten Ingrimm, sie verLesung. Besonders die Rede des Vertreters der Militär- wie ihre Willigkeit und Leistungsfähigkeit gestellt" werden, langen am gierigsten nach Arbeitsbüchern und Ausnahmeverwaltung verband in seltenster Weise einen vollständig und eine Stockung im Betriebe von Bahnen, Kohlen- gefeßen zur Zerstörung des Koalitionsrechtes, weil sie es verknöcherten Kasten- und Mandarinengeist mit einer un- bergwerken und Gasanstalten, in der Einbringung der mit ihrem Untergange bezahlen müßten, wenn der Arglaublichen Verständnißlosigkeit für die wirklichen Ver- Ernten kann ebenfalls zur größten öffentlichen Kalamität beiter fähig würde, sich seiner Haut zu währen. Dazu hältnisse in der Staats- wie in der Privatindustrie. werden. Aber wer wollte darum Sonderrechte für Auferstreben sie diese Rechtlosigkeit der Arbeiter nicht etwa Wir heben nur folgendes hervor: sichtsräthe, Grubenlords und Großgrundbesizer verlangen? aus dem drückenden Bewußtsein der eigenen Nothlage wenn vielmehr ( Weil die militärischen) Fabriken auf Erwerb nicht wünscht der Staat zuverlässige und ständige Arbeiter, heraus, sondern mit dem ganzen Dünkel und der ganzen arbeiten. ist auch die Stellung des Leiters einer mili- so hat er dieselben zu gewinnen wie jeder Industrielle: Ueberhebung des„ Herrn und Meisters", der als Recht tärischen Fabrik und des Fabrikherrn einer Privat- durch günstige Arbeits- und Lohnverhältnisse und durch beansprucht, was doch höchstens als Aft der Nothwehr fabrit eine wesentlich andere. Der Fabrikherr arbeitet Dem gegenüber machen aber die anständige Behandlung. Wenn man die Arbeiter der erklärlich, wenn auch nicht verzeihlich ist. Die Innung auf Gewinn. militärischen Fabriken Ueberschüsse nicht und dürfen militärischen Fabriken freilich nicht einmal soweit gegen verhandelt mit den öffentlich gewählten Lohnkommissionen solche nicht machen. Die Anordnungen und Ent- plößliche Entlassung schützt, wie es die Gewerbeordnung der„ Gesellen" nicht darum nicht, weil ihr die Zugedurch Festsetzung der 14 tägigen Kündigungsfrist erstrebt, ständnisse der Großindustriellen unmöglich sind, sondern um den Regierungsvertreter wieder weil sie es unter ihrer Würde" findet; wenn sie die zu zitiren die Mehrzahl der Arbeiter ohne Gesellen nicht aus Kost und Logis entlassen will, so jegliche Kündigungsfrist angenommen wird",) so entschuldigt sie sich nicht damit, daß sie einen anständigen ist das allerdings das denkbar schlechteste Mittel, um sich Geldlohn, der alle Lebensbedürfnisse deckt, nicht zu erVertrauen" und einen Stamm ganz zuverlässiger und schwingen vermag, sondern sie deklamirt, daß der Untererprobter Arbeiter" zu sichern. gebene wie ein Schulknabe der Zucht und Aufsicht" des Schon die eben erwähnte Thatsache zeigt zur Ge- Meisters bedürfe. militärischen Fabriken treten zu kritischen Zeiten, zu Zeiten nüge, daß der Leiter einer Staatsanstalt durchaus nicht der Kriegsgefahr oder bei Ausbruch eines Krieges mit ihrer So ist es gekommen, daß die Arbeiter fast instinkdenkbar größten Leistungsfähigkeit in Thätigkeit; sie müssen in erster Linie die Interessen des Reiches und seiner tiv eine Abneigung, ja einen wahren Abschen haben gegen dann an ihre Arbeiter ganz außergewöhnliche Anforderungen Arbeiter im Auge" hat, und beides läßt sich auch gar alles, was von der Innung kommt und mit der Innung stellen, sowohl an ihren Fleiß, wie ihre Willigkeit und nicht vereinigen, weil die Interessen des Staates als zusammenhängt. scheidungen( des Direktors einer militärischen) Fabrik haben in erster Linie nur die Interessen des Reichs und seiner Arbeiter im Auge. Die Ausübung des Richteramts( feitens) des Direktors ist auch insofern nothwendig, weil dadurch das Ansehen und das Vertrauen des Direktors bei seinen Arbeitern sehr wesentlich bestärkt wird. Ein derartiges Bertrauen ist aber ein unbedingtes Erforderniß in den militärischen Fabriken, wenn dieselben diejenigen Aufgaben erfüllen sollen, welche an sie gestellt werden müssen. Die " 11 Leistungsfähigkeit, wenn sie denjenigen Anforderungen recht Arbeitgebers und die seines Angehörigen als Arbeit- Schon darum muß es in weiten Kreisen geradezu zeitig nachkommen wollen, welche im Falle einer nehmen kann, wenn 11 Mitglieder einer Innung, für welche ein Schiedsgericht machung an sie gestellt werden müssen. Von der recht nehmers genau so gegensäßlich sind wie die Erbitterung hervorrufen, wenn nach dem neuen Gesetz zeitigen Lieferung des Armeematerials hängt aber die des Privat kapitalisten und seines Lohnarbeiters. die Innungen ihre besonderen Schiedsgerichte Schlagfertigkeit des Heeres und der Gang der kriegerischen Gewiß, der Staatsbeamte spekulirt nicht auf seinen nicht nur für geringere Fälle, wie etwa die LehrlingsOperationen ab. Der Direktor trägt somit für die Leistungs- mit der Ausbeutung der Arbeitskraft steigenden Privat- streitigkeiten, behalten sollen, sondern wenn alle Gehilfen, antwortung, welche er nur dann im ganzen Umfange über- gewinn, aber je mehr aus dem Staatsarbeiter heraus- die bei Innungsmeistern arbeiten, vor dem Innungser einen Stamm ganz zuver- geschlagen wird, desto größer ist der Geldüberschuß oder Schiedsgericht klagen müssen und nur zu diesem wählen lässiger und erprobter Arbeiter hat, und diese ihm die fertig gestellte Produktenmenge für das Reich das und gewählt werden dürfen. Das Gesetz bestimmt nämlich: ihr volles Vertrauen entgegenbringen. Dieses Ber: Grundverhältniß ist also im Staats- wie im Privatbetrauen muß aber in hohem Grade erschüttert § 79. werden, wenn dem Direktor und den militärischen Betriebe dasselbe und es muß daher auch zu denselben KonseDie Zuständigkeit der Innungen zur Entscheidung von Streitighörden die Befugniß genommen wird, in allen im vorquenzen führen und dieselben Schußmaßregeln für den teiten zwischen Arbeitgebern und ihren Lehrlingen( Gewerbeordnung liegenden Gefeßentwurf vorgesehenen Fällen die Streitig Arbeiter nothwendig machen. Verwirft man es also§ 97 Nr. 4,§ 100e Nr. 1), sowie die Zuständigkeit der Innungsteiten zwischen den Arbeitern und den Angestellten des und wer wollte das nicht verwerfen?-daß die Direk Schiedsgerichte( Gewerbeordnung§ 97a Nr. 6,§ 100i Absatz 2), Instituts selbstständig entscheiden zu können, und erleiden durch dieses Gesez keine Einschränkung. wenn der Arbeiter berechtigt ist, selbst aus dem ge- toren oder Aufsichtsräthe von Aktiengesellschaften alle Durch die Zuständigkeit einer Innung oder eines Innungsringsten Anlaß, feinen Direktor vor ein Gericht zu gewerblichen Streitigkeiten zwischen den Arbeitern und schiedsgerichts wird die Zuständigkeit eines für den Bezirk der laden, statt wie bisher die Entscheidung des Vorgesezten den Angestellten des Instituts selbständig entscheiden Innung bestehenden oder später errichteten Gewerbegerichts anzurufen. Das Ansehen und die Autorität des Direktors wird fönnen", so wird man das gleiche Verlangen auch für ausgeschlossen.... § 13. aber in bedenklichem Grade erschüttert, wenn seine An- die Staatsbetriebe zurückweisen müssen. Und wäre es ordnungen und Entscheidungen einer Prüfung oder gar wahr, daß die Disziplin in einer Fabrik erschüttert errichtet ist, sowie deren Arbeiter sind( für das Gewerbegericht] einer Verwerfung durch ein Gericht ausgesetzt werden müsse, wenn die Entscheidungen des Direktors weder wählbar noch wahlberechtigt find, welches von den Ortsbehörden eingefeßt und be-„ einer Prüfung oder gar einer Verwerfung durch ein Die direkte Provokation der Arbeiter, die in den zahlt(!) wird, dessen Vorsitzender und Stellvertreter von den Ortsbehörden ernannt wird, und in welchem die Gericht ausgesetzt sind" nun, dann mache man nur letzten Festsetzungen liegt, ist um so unbegreiflicher, als eigenen Arbeiter des Direktors als Richter sizen, gleich einen Strich durch das ganze Gesetz, denn dann sie nur zu Irrungen und Wirrungen, ja schließlich sogar oder wenn der Direktor gezwungen wird, mangels eines müßte es die ganze gewerbliche Ordnung über den nur zu einer Schädigung der Innungsmeister selber Schiedsgerichts seine Anordnungen und Handlungen vor Haufen werfen. führen kann. dem Gemeindevorsteher zu vertheidigen. Zunächst wird es die Behörden mit den umständlichsten Streitigkeiten zwischen seinem Direktor und dessen Ar- vertreter die Gewerbegerichte für ihren Machtbereich Schreibereien belasten, jeden Arbeiter daraufhin zu verbeitern entscheiden. Außerdem werden durch die Anwendung zurückgewiesen haben, hat Herr v. Stumm die Arbeiter- folgen, ob er etwa bei einem Innungsmeister in Bedieses Gesetzes die militärischen Fabriken unter die Orts ausschüsse als Eingriff in die Autorität des absoluten schäftigung tritt, weil er dadurch das Recht, zum Gewerbebehörden gestellt. In denjenigen Fällen, wo die Fabrikmonarchen bekämpft. Die Regierung wird daher gericht zu wählen und dort Veisiger zu sein, verliert, Arbeiter der militärischen Fabriken in einem Gemeindebezirk in der Mehrzahl sind, werden sie naturgemäß die Beisiger gut thun, auch einmal gründlich vor der eigenen oder ob er etwa von einem Innungsmeister zu einem aus ihren Reihen wählen, und somit der Fall eintreten, Thüre zu fegen, wenn die Kölnische Zeitung" nicht außerhalb der Innung stehenden Unternehmer übergeht, daß die Leiter der militärischen Fabriken unter den Richter Recht behalten soll mit ihrem bösen Worte, daß es leicht weil er dadurch alle Rechte innerhalb der Innung einspruch ihrer eigenen Arbeiter gestellt werden Es iſt nicht ausgeschlossen, daß in den Bezirken, in sei,„ auf Kosten Anderer den Hochherzigen zu spielen." büßt und die Rechte für das allgemeine Gericht gewinnt. welchen neben den militärischen Fabriken keine Großindustrie Der Reichstag änderte die Regierungsvorlage Welch eine Scheererei für die Behörden, aber auch welch besteht, der Direktor einer solchen Fabrik von den wenigstens dahin ab, daß nur die unter der Militär- eine Unsicherheit für die Arbeiter, von denen in großen übrigen Arbeitgebern als Beisiger gewählt wird im Hinblick oder Marineverwaltung stehenden Betriebsanlagen der Städten unter zehn kaum einer weiß, ob der Meister, darauf, daß die militärische Fabrik die größte Zahl von Sphäre der Gewerbegerichte entzogen bleiben. Arbeitern beschäftigt. Der Direktor wird in einem solchen Falle nach den Bestimmungen des Gesezes nicht in der Lage sein, diese Wahl ablehnen zu können. So sehr es nun auch einerseits im Interesse der Institute liegt, wenn die Direktionen Einfluß auf die Entscheidung des Schiedsgerichts haben, so kann es doch andererseits nicht als erwünscht bezeichnet werden, denselben neben ihren Dienstgeschäften auch noch die Funktionen eines Beifikers In solchen Fällen wird dann der Untergebene die Mit denselben Gründen, mit denen die RegierungsVI. " bei dem er in Arbeit steht, einer Innung angehört oder nicht, weil die Meister selber es oftmals gern verschweigen.³) Und weiter: welch eine Entrechtung der Arbeiter liegt in diesen Vorschriften! Der Abgeordnete Auer4) führte hierüber schlagend aus: Die Regierung und die Innungsprivilegien. Nicht nur die Militär- und Marineverwaltung will Wenn Sie den Paragraphen, wie ihn die Kommission be ihren alten Zopf nicht ablegen, auch die Innungsmeister es wird darauf hinauskommen, daß Sie den Arbeitern in schlossen hat, annehmen, was wird die Folge sein? Meine Herren, sollen ihre Privilegien haben, obwohl damit die ganze Wirklichkeit das Wahlrecht überhaupt nehmen, daß Sie In der That, wie konnte man auch am Ende des Grundverfassung der neuen Gewerbegerichte durchbrochen ihnen die Möglichkeit nehmen werden, die ihnen geeignet er19. Jahrhunderts uniformirte Beamte gleich einem ge- und den schlimmsten Feinden der Arbeiter eine neue, scheinenden Beifizer zu wählen. wöhnlichen Bürgerlichen vor ein ganz gewöhnliches Gericht freilich, wie wir sehen werden, recht zweischneidige Macht1) Drucksachen 5, S. 40. 3) Drucksachen 51, S. 34, 3) Berhdl. S. 519 u. 520. verstärkung zugeführt wird. 1) Vrhdlgn. S. 522. Abg. Meyer, Verhdl. S. 20. 3) Abg. Eberty, Verhdl. S. 454. 5) Tuzauer Verhdl. S. 447 4) Verhdl. S. 462. die Innungsschiedsgerichte. Also, meine Herren, haben es thatZur Lage der Kaufleute. Wann werden die kaufmännischen Gehilfen ihre Meine Herren, wie steht denn die Sache eigentlich? In der Wir sahen, wie die Regierung in ihrer Stellung zu betreffenden Bestimmung der Innungsparagraphen in der Gewerbe- den Wahlen noch hinter die Bestimmungen des Reichsordnung heißt es ausdrücklich, daß die Beifizer bei den Innungswahlrechtes von 1867 und 1871 zurückging, wie sie die schiedsgerichten nur aus den Gesellen genommen werden können, die bei Innungsmeistern arbeiten. Werden also die Innungs- Verarmung und die Beweglichkeit der millionenköpfigen Proletarierſtellung mit klarem Auge erkennen und sich schiedsgerichte in dem Umfange, wie hier vorgeschlagen, beibehalten, Masse ganz im Stile einer alten, kleinbürgerlich wohl den Reihen der kämpfenden Arbeitern anschließen? Ihre so verliert der Gefelle in dem Moment, wo er bei dem Innungs- häbigen und seßhaften Zeit auffaßte, wie sie die Lage" kaufmännischen Presse" bringt wieder einen trefflichen soziale Lage drängt sie dazu. Die lezte Nummer der meister aus der Arbeit tritt, ſeine Befähigung zum Beifizer für und die Bedürfnisse der hunderttausendköpfigen weiblichen Beleg für die proletarische Unsicherheit dieses schlechtge" kaufmännischen Preſſe" bringt wieder einen trefflichen sächlich nicht etwa die Innungsgesellen in der Hand, sich die Bei- Arbeiterwelt nach Erinnerungen aus Großmutters Jugend- Beleg für die proletarische Unsicherheit dieses schlechtgefißer zu wählen, die sie für die geeigneten halten, sondern die tagen beurtheilte, wie sie den Staatsarbeitern gegenüber löhnten, überarbeiteten Standes. Innungsmeister haben darüber zu entscheiden, wer als noch unter das Niveau des Herrn v. Stumm sich stellte, Man hat, schreibt das genannte Blatt, bekanntlich Kreiſen der Innungsmeister gegen jede selbständige Regung der und wie sie durch die Privilegirung der Innungen ohne in Deutschland für diejenigen armen Reisenden, welche keine Arbeit finden können und deshalb auf das„ Fechten" Arbeiter sich herausgebildet hat, ist 99 gegen 1 zu wetten, daß Noth die Arbeiter beleidigte. jeder selbständige Beisitzer, sobald er sich den Innungs- Die erste Schöpfung der neuen Aera beweist daher angewiesen sind, sog.„ Arbeiterkolonien", jezt über 20 an meistern unangenehm macht, einfach entlassen wird, schlagend, daß die heutige Büreaukratie, die einer Politit der Zahl, eingerichtet. Hier finden diejenigen stellenund daß die übrigen Jnnungsmeister ihn nicht mehr in Arbeit der Sozialreform im Interesse der Arbeiter dienen losen Arbeiter Aufnahme, die gar nichts mehr ihr eigen soll, noch nicht einmal fähig ist zu einer aufgeklärten nennen, und zwar unter Umständen für Wochen und Bourgeois politik. solcher fungiren soll. Bei der Gehässigkeit nun, die in weiten nehmen werden.( Sehr richtig! links.) Beisiger war, verliert auch diese Befugniß. Freie Volksbühne. in der Kolonie 1. Berlin N. Nun, ist das eine Art, wie man die Grundlagen zu einem solchen Gesez, das zur Versöhnung der Arbeiter beitragen soll, macht? Monate. Um den armen Reisenden den Aufenthalt aber Aber auch der weitere Fall ist denkbar. Auch bei den Ge nicht gar zu angenehm zu machen und in ihnen den werbegerichten, die durch dieses Gesetz eingeführt werden Trieb wachzuhalten, wieder fortzuwandern und anderswo follen, hängt die Fähigkeit für den Gefellen, Beisitzer Arbeit zu suchen, ist die Zucht in den Arbeitskolonien zu werden resp. zu bleiben, schließlich von seinem Meister ab. In dem Augenblick nämlich, wo der Meister in eine Innung Unsere Gegner, die in Unkenntniß der geistigen eine sehr strenge und fromme, die Arbeit hart und wenig eintritt, verlieren seine Arbeiter das Recht, zu den Gewerbe- Bestrebungen des Industrieproletariates die soziale Frage lohnend und die Verpflegung ziemlich primitiv, sodaß die gerichten, wie sie die Vorlage will, zu wählen, und ein Arbeiter, als eine bloße Magenfrage, die Sozialdemokraten als meisten Arbeiter froh sind, entweder um die Kolonien der bis dahin in einem Gewerbegericht nach Maßgabe der Vorlage eine nur materiellen Genüssen nachstrebende Rotte darstellen, herum oder bald wieder aus ihnen heraus zu kommen. Es hängt also nur von dem Unternehmer ab, darüber hätten Freitag Abend die Versammlung im Böhmischen Wenn unter solchen Umständen auch Kaufleute als Bezu entscheiden, welcher Art gewerblicher Gerichte seine Arbeiter Brauhause besuchen sollen, wo trotz des heißen Sommer- sucher dieser Kolonien auftreten und zwar nicht blos verunterstellt sind, und für welche sie als Wähler sowohl wie auch tages einer der größten Säle Berlins vollgefüllt wurde von einzelt, sondern als regelmäßige Gäste und in gewissen als eventuelle Beisiger in Betracht kommen. Es steht dem Meister ganz frei, und er braucht sich blos an die Innung anzuschließen. Proletariern und Proletarierinnen, die nach des Tages Zahlen, so ist doch wohl der Beweis geliefert, daß der Wer wählt also die Beisiger zu den Gewerbegerichten schweren Mühen sich zusammenfanden, um die Gründung Versicherungszwang für Handlungsgehilfen allerdings und für die Schiedsgerichte? Wer anders zwar nicht eines volksthümlichen Kunst- Institutes zu beschließen, wo eine Nothwendigkeit ist. Nun veröffentlichen die Koloauf direktem, aber thatsächlich auf indirektem Wege als die von der Tribüne schlichte Arbeiter durch ihre Ausfüh- nien alljährlich, allerdings immer etwas spät, sodaß für Unternehmer, die Meister? Meine Herren, das ist doch ein rungen bewiesen, daß in ihnen ein klar zum Bewußtsein 1888/89 noch gar keine Nachweise vorliegen, Berichte Zustand, der geradezu himmelschreiend ist. Himmelschreiend gegen die Arbeiter und dabei noch gekommener Trieb nach fünstlerischem Genuß wach ist. über ihren Besuch. Wir haben dieselben nachgesehen und in letter Linie schädlich für die Innungen selber! Denn Es waren keine ästhetischen Thees, die uns aufgetischt gefunden, daß in demjenigen für 1885/86 auch die Kaufwenn jetzt schon die Arbeiter die Innungsmeister meiden, wurden, aber treffliche Beweise für einen oft noch nicht leute besonders aufgeführt sind. Später ist dies leider so tritt nunmehr zu den vielen Ursachen der Abneigung abgeklärten, für Wahrheit empfänglichen Kunstsinn und unterlassen. Nach unseren Auszügen waren nun unter als weitere noch hinzu, daß die Arbeiter hier eine viel gelungene Kritiken des Theaters der Bourgeosie. Doch den armen Arbeiterkolonisten mangelhaftere Rechtsprechung im Falle eines Streites zu was bedeuten die Ausführungen Einzelner gegen das erwarten haben: das Gericht ist viel weniger aus ihren lebhafte Interesse vieler Hunderte, die stundenlang mit Vertrauensleuten zusammengesezt, das Innungsschieds- lebhaftestem Interesse den Reden horchten, was gegen die 2. Wilhelmsdorf gericht entscheidet ferner nicht end giltig, wie das brausenden Hochrufe auf das eben zu Stande gebrachte 3. Ridling i. Weſtf. 4. Friedrichswille die Gewerbegericht bis zum Werthe von 100 mt. thun, Werk, auf die Gründung der freien Volksbühne. Dieses 5. Seyda i. Sachs. sondern nach§ 79 steht gegen seine Entscheidungen stets und das Verlangen nach Kunst ist nicht das Vorrecht 6. Käftorf die Berufung auf den Rechtsweg offen, durch Erhebung einer Proletariergemeinde, in einer Reihe deutscher 7. Meierei i. Pommern der Klage bei dem ordentlichen Gericht; der Arbeiter steht Städte wurde der Wunsch rege, Theater für das Pro- 8. Wunscha i. Schlesien 9. Neuulrichstein i. Hessen 16 10. Dauelsberg i. Old. hier also im Streitfalle von neuem vor all den Plackereien, letariat zu gründen. Aber nicht das traditionelle Theater Bourgeoisie, nicht 11. Karlshof i. Ostpr. den Kosten und Schwierigkeiten, die man ihm durch die Gewerbegerichte gerade abnehmen wollte. die Dümas und Sardous mit ihren raffinirten und leeren 12. Schneckengrün i. Sachs. manchen Uebergriff der Meister erleichtern, wird aber gehebruchsdramen, keinen Ausstattungspomp und kein Possen- 13. Dornahof i. Württ. zweifellos ihr Verhältniß zur Arbeiterklasse noch mehr Eflingel wird die freie Bühne dem Volke vorführen; sie 15. Ankenbud i. Baden erschweren, als es alle bisherigen Privilegien und An- huldigt der Kunst der Wahrheit, jener in moderner Zeit entstandenen Kunst, welche in ernſtem Bemühen das leute und zwar, wie aus der letzten Rubrit unserer Ta Das sind im ganzen nicht weniger als 368 Kaufmaßungen schon thaten. Wirkliche, so wie es lebt, zu gestalten bemüht ist. Wie merkwürdig fällt dies Aufwachen des prole belle ersichtlich, meist junge und arbeitskräftige Kaufleute, tarischen Kunstbedürfnisses mit dem Streben moderner wir die vollständigen Nachweise für alle Kolonien, statt die bis zu den Arbeiterkolonieu herabsanken. Hätten Künstler, ihre Kraft dem Volfe zu widmen, ihre Stoffe aus dem Leben des Volkes zu ziehen, zusammen! Sehen blos solche für fünfzehn, so würde wahrscheinlich die wir da nicht eine neue Epoche der Kunst anbrechen, wo Bahl 500 erreicht werden. So steht es bereits um die die Dichter und Künstler, nicht mehr im Gehorsam Gehilfen, die nicht für Nothfälle sorgen! Man beachte ersterbende Diener der Mächtigen und Reichen, sich als auch, wie regelmäßig die Erscheinung wiederkehrt, daß Mitarbeiter an der geistigen und sittlichen Bildung des die Kaufleute 5 bis 7 pCt. aller Besucher stellen; baraus fann geschlossen werden, daß es sich nicht um AusnahmeDas mag Waren die früher erwähnten Bestimmungen des Gefeßes engherzig gegen die Arbeiter, so sind die Innungsbestimmungen unklug gegen die Arbeiter und die Innungen zugleich. VII. Prozent davon waren Kaufleute der Besucher unter 35 Jahre 52 15% 28 52 6% 29 45 6% 28 41 5% 22 41 6% 22 31 60 15 28 6% 23 23 7% 15 5%% 9 12 5% 7 200 6 7% 3 1% 4 4% 3 1% 1 9755 1 Wir sind am Schlusse und können uns darauf be schränken, das Gesagte kurz zusammenzufassen. Wir zeigten, daß die Gewerbegerichte in feiner Form die Klassen interessen der Bourgeoisie zu schädigen Volkes fühlen werden? vermögen und daß daher ein mangelhaftes oder ganz zu Ein idealer Zug wie nie vorher, geht heute durch fälle an vereinzelten Orten handelt, sondern um ein allverwerfendes Gesetz seinen Ursprung nicht in Rücksichten die Tiefen der Gesellschaft. Die Bourgeoisie hat ihren Ide- gemein auftretendes Symptom. auf Interessen haben kann, die für jede Bourgeoispolitik alismus, ihr Streben nach den höchsten Gütern verloren, Könnte man nun die einzelnen Kaufleute, welche nun einmal maßgebend find. das Proletariat schickt sich an, die Bourgeoisie auch dergestalt subsistenzlos geworden sind, fragen, was sie so Die weitherzig freie oder reaktionär verkümmerte hierin zu erseßen, den befruchtenden Boden zu bieten, weit herunterbrachte, wie viele würden die alte traurige Ausgestaltung eines solchen Gesezes ist daher ein nicht damit die von den großen Geistern ausgestreuten Keime Geschichte erzählen: ich wurde in der Beschäftigung frant, verlor meine Stelle, blieb ohne hinreichende Unterstüßung, genug zu unterschäßender Prüfstein dafür, wieweit eine fröhlich aufschießen und gedeihen! Regierung überhaupt Verständniß hat für die Bedürf- Die alte Dichtkunst ist tot, eine neue im Werden! weil ich nicht in einer Kasse war, bekam infolgedessen nisse der Arbeiterklasse und für die ganz neuartigen Mag sie Eingang finden in die Herzen des Proletariats! ein reduziertes Aeußere, das mir bei jeder Bewerbung Lebensverhältnisse der modernen großkapitalistischen Zeit, Ferd. Lassalle sprach das stolze Wort:„ Die Wissen- um eine neue Stelle hinderlich war und stand schließlich oder wie weit sie an ganz moderne Fragen mit ganz schaft und die Arbeiter! Mag man einst in demselben in meiner Noth den armen Reisenden gleich, die froh veralteten Vorstellungen und mit Vorurtheilen herantritt, Sinne sagen können: Die Kunst und die Arbeiter! sind, wenn sie die untergeordnetſte Beschäftigung erhalten. die in längst versunkenen Zuständen wurzeln. 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Uferhin in langer Kette Stehen Deich und Damm gethürmt, Daß in dem verengten Bette Murrend fort die Woge stürmt. Und rings schaffen sie und bauen Noch zu bändigen die Flut, Wagen nicht dem Schuß zu trauen Wider jenes Stromes Wuth. Und was soll er denn bewahren? Schaut umher! Ein dürftig Feld Von geschäft'ger Menschen Scharen Karg mit targer Frucht bestellt. Karge Frucht? Und Millionen, Welche Tag und Nacht sich mühn? Sklaven find es, die hier fronen, Und da kann kein Segen blühn. Doch dazwischen Prachtpaläste, Golden prunkend Saal an Saal, Wo beim Feste wen'ge Gäste Schlemmen in dem üpp'gen Mahl. Bettler drängen an den Thüren, Bleichen Hunger im Gesicht. Doch die Herren dort verlieren Keinen Blick auf ,, das Gezücht". Laßt das Volt sich doch geberden, Sie nach Brot und Rechten schrein! Wagt ,, das Pack" zu frech zu werden, Nun sperrt sie ins Zuchthaus ein! Gräßlich Bild! Doch in der Ferne, Schimmert's prangend nicht herauf? Winken dort nicht goldne Sterne Wo verschwimmt des Stromes Lauf? [ Rachbruck verboten.] Rückfall von August Strindberg. Deutsch von Gustav Lichtenstein. ( Schluß.) Sonnabend, den 2. August 1890. Die internationale Sozialdemokratie. Erde beut dort ihren Söhnen Schöne Haine, reiche Aun; Bunte Fluren weit sich dehnen, Wie ein Paradies zu schaun! Führt uns dorthin keine Brücke? Bleiben ewig wir verbannt? Nein, auch ihr habt Theil am Glücke, Folgt dem Strom ins Zukunftsland! Tretet ein in unsre Reihen, Völker all' vom Erdenrund! Soll das große Werk gedeihen, Fehle teins in unserm Bund. Fort, was uns bisher geschieden, Völkerhaß und Neid und Krieg! Sei gegrüßt uns, Völkerfrieden, Fei're jezt den schönsten Sieg. Nieder stürzt die alten Schranken! Gegen uns ist nur ein Feind. Wider ihn kämpft ohne Wanken; Wir vernichten ihn vereint. Fort mit Deichen, fort mit Dämmen! Schwacher Hände schwaches Werk Kann der Zeiten Strom nicht hemmen, Treibt ihn nie hinauf zum Berg. Keiner widersteht dem Strome. Wenn ein Weltall vorwärts strebt, Reißt es mit sich die Atome, Mit sich, was am Alten klebt. Mögen sie den Fluthen wehren! Sie verlieren Kraft und Zeit. Was nicht nachfolgt unsern Heeren, Ist dem Untergang geweiht. Strömt zusammen, Millionen, Und zu Kampf und Siege zieht, Die in Nordens Eise wohnen, Die gezeugt der heiße Süd! Brüder in demselben Streite, Brüder in demselben Ziel, Alle Armen sind es heute, Sind es, bis das Heute fiel. IV. Jahrgang. Frei wogt dann der Strom zu Thale. Folgt den Bahnen, die er wies! Schaut, hell dehnt im Morgenstrahle Sich um uns ein Paradies! Schöne Fluren rings sich zirken, Bieten Schaffens reichsten Zins. Freie Menschen darauf wirken, Freun sich üppigen Gewinns. Und dazwischen Helle Haine Boller Lust und Seligkeit, Wo in innigem Vereine Man der Schönheit Opfer streut. Alle Künste reich gedeihen, Alle ihrem Dienst sich weihn. Und die schönste Zierde leihen, Höchsten Adel sie dem Sein, Seht ihr diese Götterwonne? Sehnt ihr euch nach solchem Glüc? Wohl! so strebt zur neuen Sonne, Laßt die alte Nacht zurück! Lebt in allen dieser Wille, O, so ist das Werk nicht schwer! Denn ihr wißt, der Tropfen Fülle Sammelt schwellend sich zum Meer. Und so ist das Ziel errungen, Wenn die ganzen Scharen nur Aller Völker, aller Zungen Schreiten fort auf unsrer Spur! Tretet ein in unsre Reihen, Völker all vom Erdenrund! Soll das große Werk gedeihen, Fehle keins in unserm Bund! Fort, was uns bisher geschieden, Völkerhaß und Neid und Krieg! Sei gegrüßt uns, Völkerfrieden, Fei're fezt den schönsten Sieg! Sind wir eins, fällt leicht die Schanze, Drin der Feind sich feige barg. Strebet all' zum Morgenglanze! Nur die Einigkeit macht stark! P. M. dieses Leben, das ihm ohne sie eine Qual schien. Für Auf dem Verdeck des Schiffes setzte er sich nieder die Zukunft hatte er genug gethan, mehr als Andere, Er empfand das Bedürfniß, etwas zu thun und holte und er glaubte erst an ein Resultat nach vielen Ge- sein Notizbuch heran, um zu schreiben. Er schrieb bis schlechtern. Als sich die erste Beklommenheit gelegt hatte, sie nach Evian kamen. In einem anspruchslosen Gast seßte er sich, auf den Balkon. Er glaubte freier zu haus nahm er ein Zimmer, von wo er die Aussicht über athmen. Er brauchte da nicht mehr die ermüdende Auf- den See und den Schweizerstrand hatte. Er las, was merksamkeit auf sich, seine Worte, sein Betragen. In der er soeben geschrieben hatte und wurde fröhlich dabei, Einsamkeit dachte er klarer. Und wie er fühlte, daß seine denn es enthielt eine ganze Menge neuer Gedanken, und Seit jener Unterredung, in welcher Annischka Paul Gedanken ihren Weg frisch vorwärts gingen, ohne anzu- er fühlte, daß sein Kopf frei, ohne störenden Druck gedarum gebeten hatte, in die Taufe des Neugeborenen stoßen, da wuchs sein Muth und seine Hoffnung. Er arbeitet hatte. Sein ganzes Wesen schwoll gleichsam an. einzuwilligen, fühlte sie sich bedrückt. Sie wußte, daß empfand die Möglichkeit, sich aus dem Labyrinth heraus- Er blickte hinaus nach dem jenseitigen Ufer, er sah die er ihretwegen ein schweres Opfer gebracht hatte, daß sie zudenken, in welches die Erziehung ihn eingemauert hatte. Kathedrale in Lausanne und den Thurm in Duchy. Aber von nun an in seiner Schuld stand. Die Zweifel verdunsteten, und er erblickte in den zarten er empfand kein Unbehagen. Das große, blaue Wasser Ihre Seele war unfrei, denn sie hatte sie verpfändet. Banden eben nur die Bande. Dent' an den Tag, an lag zwischen ihm und dem Vergangenen. Er war über Aber sie vermochte von der Taufe des Kindes nicht ab- welchem Anna verlangen würde, die Kinder in die Schule einen Abgrund geschritten, hatte die Brücke abgerissen zustehen, die Skrupel waren zu stark. Paul wiederum zu schicken, in die Schule, wo sie lernen würden, und die Trümmer in die Tiefe geschleudert. Es gab fühlte, daß etwas zwischen sie getreten war, das er nicht ebenso schlecht zu werden, wie er einst war! Daß sie teine Rückkehr. Einen Augenblick erbebte er, aber er entfernen konnte; darüber sprechen war unmöglich. Es dies verlangen würde, hatte er Veranlassung zu befürchten. that sich Gewalt an und ging hinab in den einfachen war ganz einfach geschehen und da stand es. Die Furcht Da mußte er aufs Neue seinem Gewissen oder ihrem Speisesaal. An einem Tische saßen zwei französische zu verlegen, Verdacht zu erregen, schreckte ihn zurück Willen Gewalt anthun. Aber hat eine Mutter nicht das Bürger, die Kaufleute in der Stadt zu sein schienen. und so wurde er verschlossen. Und nun hatte er ja keine Recht, dafür zu arbeiten, was sie als das Wohl ihrer Paul setzte sich und begann eine Unterhaltung mit ihnen. Garantien mehr, daß er nicht einmal auch anderen An- Kinder betrachtete? Jawohl! Also würde er genöthigt Sie sprachen über Handel, Zölle, über Politik, und Paul sichten von älterem Datum begegnen könnte, die plötzlich sein, ihr Gewissen zu vergewaltigen. Das fonnte er nicht. merkte nicht, daß er ganz nach alter Art redete. Er bei Anna hervortraten. Anna fühlte sich noch schuldiger Er, der für Alle die Freiheit des Gewissens erstrebte, fah die Dinge vom alten Gesichtspunkt und widersprach durch Paul's Zartgefühl, und je zartfühlender er war, sollte mit der Vergewaltigung ihrer Gewissensfreiheit den den Männern nicht einen Augenblick. Er empfand ein desto mehr erhöhte sich die Schuld. Täglich, stündlich Anfang machen? Nein! That er es nicht, dann würde gewisses, warmes Wohlbehagen, als er seine Stimme sich seinen Gläubiger sehen und wissen, daß man von seiner ja nimmer das Neue, das kommen soll, beginnen! Und im vertraulichen Gespräch mit andern Stimmen mischen Barmherzigkeit lebte, erweckte in ihr eine Art fühles machte er mit seinen Kindern nicht den Anfang, wer hörte; es war dasselbe warme Gefühl, wie wenn man Gefühl, das sich dem Unwillen gegen Paul näherte. sollte es denn? Er würde weiter arbeiten für die Ver- alte Freunde, die man lange nicht gesehen, wiederfindet. Andererseits schien es Anna, daß sie gleichsam einen Theil änderung der Gesammtheit, für die Veränderung der und der Kopf arbeitete ohne Anstrengung, ohne Bevon sich selbst wiedererhalten hatte durch die Wiederkehr Ansichten, dann würde schon Einer nach dem Andern wachung; die Zunge redete ungebunden, und er fühlte alter Empfindungen und Ansichten. Das Bewußtsein kommen. Und die Hoffnung, den Anfang mit den sich stark zu diesen Menschen hingezogen. Er war gerade gereichte ihr fast zur Freude, einen Gedanken zu besigen, Seinigen zu machen, mußte er im Stiche lassen um der mitten in den Schutzöllen, in denen er eine nüßliche den Paul nicht theilte, denn er war ihr ausschließliches Gesammtheit willen. So würde es werden! Er würde Seite, eine humane Tendenz entdeckt hatte, als die Thür Eigenthum, etwas, was sie nicht von ihm erhalten, denn seinen Weg, seinen einsamen, entseßlichen Weg gehen, geöffnet wurde und ein Knabe eintrat, den ein Priester alle neuen Gedanken hatte sie von ihm. Daß sie die wohin er auch führt. Es gab keinen andern Ausweg. mit unterwürfiger Miene begleitete. Nachdem sie Plaz alten Gedanken von Anderen empfangen hatte, von Eltern So würde er etwas Großes, Nüßliches vollbringen können: genommen hatten begann der Knabe im Bädeker zu lesen, und Lehrern, das bedrückte sie nicht, denn sie kamen nicht Ja, man mußte sich trennen von dieser Frau, dieser während der Priester auf dem Tische vor dem Knaben von ihm, und das schien ihr die Hauptsache. lieben, guten, die aber dem Alten doch noch immer nicht alles in Ordnung stellte und ein Stück Teppich unter Der Tag, an dem die Taufe stattfinden sollte, war entsagen kann. Es war ein grausames Opfer, eine bittere seine Füße schob. Es lag etwas von weiblicher Zärtlichherangebrochen. Bernhard war Taufzeuge. Der Kleine Enttäuschung; aber das Schicksal ruft! Wenn er jedoch keit in der Art, wie er seine Dienste that, aber der war mit einem schönen Tauffleide gepußt. Paul tam ohne Straft wäre, wenn er stürzte? Dann müßten Andere Bögling nahm diese kleinen Aufmerksamkeiten stolz und aus dem Garten hinauf und half die Mädchen ankleiden. einrücken. Jedenfalls mußte ein Versuch gemacht werden, undankbar entgegen. Endlich holte er den Ueberrock, den Dieser Edelmuth machte auf Anna einen neuen, unbehag er mußte sich prüfen, ob er ohne die Seinen würde leben er mit milder Gewalt um die Schultern seines Schützlichen Eindruck. Sie versuchte darin einen Hohn zu er- fönnen. blicken, vermochte es aber mit dem besten Willen nicht. lings legen wollte. Dieser aber warf den Rock zur Erde. Sie waren fertig. Anna sagte ganz kurz Lebewohl. schrieb auf ein Stück Papier:„ Ich verreise auf einige legte ihn auf einen Stuhl neben den jungen Herrscher. Er ging zum Schreibtisch in Anna's Zimmer und Der Priester hob ihn lächelnd auf, stäubte ihn ab und Paul küßte die Kinder. Er wollte ihnen sagen, nur recht Tage. Bis dahin lebe wohl! Dein Paul." Darauf Paul, der den Pfaffen im Allgemeinen nicht sehr gewogen auf den Kleinen Acht zu geben, änderte aber seinen legte er einige Sachen in einen Koffer und wollte gehen. war, weil sie so viel Böses thun, konnte sich einem GeEntschluß. Das würde Anna trotzdem thun. Und so Aber in der Thüre drehte er sich noch einmal um. Da fühl der Empörung nicht erwehren, als er diese zärtliche stand die leere Wiege, da Vera's Bett, da Sophie's. Fürsorge zurückgestoßen sah. Paul stand ganz auf Seite fuhren sie. Paul blieb im Zimmer. Es war Nachmittag. Es Wie eine schwarze Wolfe schimmerte es vor seinen Augen, des Priesters. Als er endlich aufstand, um sich zur wurde ganz ruhig und Paul, der früher nicht allein zu aber er ging hinunter an die Dampferbrücke, um den Ruhe zu begeben, empfand er die größte Sympathie für Hause gewesen war, kam das ganz sonderbar vor. Sie Dampfer zu erwarten, der ihn nach Evian am Savoyer- die Pfaffen, die doch wenigstens auch Gedanken besaßen waren verreist; alle, die ihn an das Leben festhielten, an strand bringen sollte. für etwas Anderes, als irdischen Erwerb. Und er legte sich nieder, fiel in einen schweren Schlaf und erwachte um 4 Uhr des Morgens. Er sprang aus dem Bette. Was war geschehen? Seine Gedanken vom gestrigen Abend kamen zum Vorschein. Er hatte die Ansichten von Spießbürgern getheilt und mit einem Priester sympathisirt. Wie war dies znge- gangen? Hatte sein Gehirn, das vorher so frei gewesen, den Halt verloren? Vielleicht war eine Schraube los- gegangen? Was war geschehen? Er hatte Frau und Kinder verlassen, weil der Kopf seiner Frau nach körper- licher Erschütterung in das gleiche Abenteuer gerathen war wie der seinige. Ihn fröstelte. Er empfand eine Leere, als wäre er nur eine Schaale ohne Inhalt. Er fühlte sich an einen elastischen Faden gebunden. Gestern hatte sich dieser Faden, soweit es ging, ausgedehnt, aber er fing an, sich zusammenzuziehen. Kann er reißen? Nein, nein! Er war über den See gereist und hatte seinen Verstand, den Kopf mitgenommen, aber das Herz war am jenseitigen Ufer geblieben. Und nun war der Kopf leer, da das Herz ihn nicht mit Blut versah. Er hatte gestern geglaubt, sein Kopf sei frei, aber er war nur leer. Welch thörichte Gedanken hatte er auf eigene Faust ge- dacht! Was hatte er gestern Abend bei den einfältigen Bürgern gesucht? Blut für sein leeres Gehirn. Und er hatte altes, schwarzes, geronnenes, ausgebranntes Blut erhalten.j Er kleidete sich an und ging hinunter an den Strand. An erstorbene Nußbäume festgenagelt standen die Wein- Höfe wie ganze Wälder Golgathas da; und mit diesen tobten Baumstämmen waren die jungen, lebensfrischen Weinranken„vermählt", wie die Römer es nannten. Und in einem Monat werden die schwarzen, unheimlichen Baumleichen sich mit frischem Weinlaub bekleiden. Paul fühlte sich wie ein entwurzelter Baumstamm, der noch nicht gegrünt hatte: er wußte, daß er höchstens von außen das Grüne würde leihen können, denn aus sich selbst konnte er keinen Sproß mehr treiben, da man die Wurzel in seiner Jugend mit Schwefelsäure begossen hatte. Aber er konnte doch auch ein solches zusammen- genageltes Spalier werden, eine Stütze, um die die jungen Ranken sich empor zur Sonne winden können. Nun hatte er, todt wie er war, auf eigene Faust ausgehen und Jungholz spielen wollen, aber dazu taugte er nicht. Aber er war doch nothwendig. Wurde er ge- fällt, so verödete auch der ganze Weinberg und ver- faulte am Boden. Und hielten die schwachen Ranken nicht auch ihn aufrecht? Er empfand es nun, daß er nicht allein stehen konnte, daß er mit ganzer Seele den Seinigen gehörte. Die Wirklichkeit mit allen Einzelheiten drängte auf ihn ein. Der Garten steht ohne Pflege, Unkraut wird emporschießen, die Rosenstämme treiben wilden Sproß, die Bienen schwärmen und fliegen fort! Und dann die Kinder! Wer sollte das Haus leiten, Brot schaffen? Wie thöricht, wie romantisch thöricht war er gestern gewesen! Ganz wie in einem Roman, in dem man einen Koffer nimmt und davon reist. Paul klingelte der Kellnerin und verlangte seine Rechnung. Er wollte seine Romantik nicht weiter aus- dehnen und einen thörichten Brief schreiben. Er wollte nicht noch einen Tag hier sitzen und sich das Leben ver- bittern, während die Seinigen am andern Ufer saßen und sich grämten. Nein, er wollte mit dem ersten Boot zurückfahren, direkt zu Anna gehen und sagen: Ich habe mich dumm betragen!.... Am Nachmittage des folgenden Tages saßen Anna und Paul im Garten und sprachen von der Vergangen- heit. Paul hatte sich ihr so nahe wie möglich gesetzt, als wollte er sich bei ihr verbergen, bei ihr wärmen, und legte seinen Arm in den ihrigen, als sollte sie ihn führen. „Unser schlimmster Feind, Anna," sagte er,„ist unser natürlicher Mensch, der sich mit allen Individuen dergleichen Art verwandt fühlt; er bricht unserm großen, berechtig- ten Hasse die Spitze ab, er verleitet uns zum Mitleid mit unseren Feinden, er macht uns schlaff, wo wir zuhauen sollen, er flößt uns Reue ein, wenn der Schlag schon gefallen, Reue, bedenke doch, über eine schöne Handlung. die uns für Jahrhunderte freimacht. Nichts schmerzt uns mehr als der Verlust der Sympathie von Unseresgleichen. Hast Du es einmal empfunden, wie das Herz erstarrt, wenn Du dem eisigen Blicke eines früheren Freundes begegnest, der Dich nicht mehr kennen will; Du weißt, daß er Unrecht hat und Du Recht, aber in diesem Augen- blicke giebst Du ihm doch Recht und Dir Unrecht. Niemals werde ich die Zeit vergessen, Anna, als ich erst halb erwacht in Moskau schriftstellcrte. Du weißt, wie das einschlug, mein Buch! Niemand vermochte seine Wahr- hastigkcit zn verleugnen, aber Niemand wagte die Sache ernst zu nehmen. Da kam man auf den Gedanken, das Ganze als eine Dichtung aufzunehmen, und nun zwang man sich zu dem Ausweg, das Ganze in einen littcrari- schen Erfolg zu verwandeln. Die Taktik war klug genug. Und man überbot sich im litterarischen Lobe, wie gut die Schilderungen wären u. s. w.— man verwandelte einen gut gezielten Schuß in eine Rakete, die gerade in die Lust geworfen w;ro, um hier in einem schön gefärbten Feuerregen zur Lust des Publikums zu zerplatzen. Man ging noch weiter. Man nahm mich in einen litterarischen Klub auf. Das war das Klügste, was man hätte thun können. Niemals werde ich den Abend ver- gessen. Hier traf ich unsere sämmtlichen Feinde von Angesicht zu Angesicht; alle, die Glück gemacht, die als talentvoll in Wissenschaft und Kunst bekannt waren. Es war hell und warm; die Wände waren mit Bildern behängt, die Dielen mit reichen Teppichen belegt, die Decken vergoldet, die Tische brachen fast unter der Wucht der Speisen und Getränke. Keine zornigen Blicke; man nickte mir freundlich zu, als wollte man mir sagen: „wir verstehen uns, Du wirst einer der Unsrigen werden, und wir sprechen nicht mehr von der Sache." Ich, der plötzlich aus meiner dunkelen Kammer, aus Entbehrungen und Mißachtung hervorgezogen wurde, ich war einer der Ihrigen geworden. Und nun in der Nähe, wie menschlich, wie klein waren sie. Mein unerfahrener Sinn ward geblendet, und ich fand sofort Sophismen, um jene zu vertheidigen. Sie kommen zusammen, so dachte ich, nicht um einander zu bewundern, sondern um in dem Talent die freigebige Natur zu verehren, denn ich war ja so erzogen, daß ich noch an das Genie glaubte. Hätte ich schärfer hingesehen, so wäre es mir nicht ent- gangen, daß sie alle gleichsam wie genirt umhergingen, als ob sie sich selbst fragten: Was habe ich gethan? Bin ich auch ein Genie? Und Mancher mochte mit Grund fragen: Was thue ich hier? Nach dem Aben�- essen, als wir in intimster Unterhaltung waren— ich sprach gerade mit zweien unserer ärgsten Feinde über die Emanzipation und mußte die humane Art bewundern, mit der jene die Frage behandelten— erhob der Redakteur der Starowna Wolga, unser Erbfeind, wie Du weißt, sein Glas und bat die Anwesenden, mich in ihrer edelen Gesellschaft willkommen zu heißen. Mit Wärme sprach er von meinem Talent— stets vom Talent!— und berührte mein Buch nicht im Geringsten. Man saß wie auf Nadeln, denn man erwartete irgend einen unan- genehmen Ausbruch, eine Enthüllung. Aber nichts davon. Die Worte des Redners wirkten erwärmend auf mich: ich freute mich darüber, von einem Feinde edele, mensch- liehe Gedanken zu hören, ich schämte mich meines unge- rechten Hasses und— bereute meine Schläge. Bereute, � Anna! Als die Rede zu Ende war und alle mir zu- getrunken hatten— Niemand weigerte sich— erhob ich mein Glas mit Rührung, aufrichtig froh über die Güte der Menschen, als ich mitten über dem Tische, in einer Gruppe düsterer Gesichter, zwei brennende Augen auf mich gerichtet sehe! Es war Iwan, der Maler. Er lächelte mitleidig, beleidigend. Ich verlor die Fassung, dankte kurz für den Toast und fühlte mich mißmuthig. Als ich das nächste Mal den Klub besuchte, war ich noch mehr eingenommen als früher. Ich sah, wie die Feinde sich umarmten, wie Redakteure feindlicher Zeit- schriften, die gegen einander schrieben, friedlich bei ein- ander saßen und über brennende Themata sprachen, K!ünstler, die einander auspfeifen ließen, sangen zusammen, tranken zusammen und küßten sich bis tief in die Nacht hinein. Was ist das? Ist das Schwäche des Charakters? Nein, es ist der Naturmensch, der hervorbricht, wenn der Gegenstand und die Ursachen des Streits für ein paar Stunden vergessen sind. Sind sie falsch? Nein, in diesen Stunden sind sie wahr, denn sie glaubten, was sie dachten, sie meinten, was sie sagten. Sie freuten sich wie ich, daß sie für einen Moment Menschen, klein, einfach sein durften, denn hier war kein unwissendes Publikum zu dupiren. Sie lachten wie Auguren über ihre abgelegten Mönchskappen, aber sie lachten gut. Und morgen werden sie wieder Auguren, wilde Thiere sein. Beim Nachspiel hatte ich mein Glas ergriffen, um etwas zu sagen, ich wußte nicht was, denn mein Herz war voll, als eine starke Hand mir das Glas fortnimmt und Jemand mir ins Ohr flüstert:„nimm Dich in Acht, Paul Petrowitsch! Genieße, aber nimm Dich in Acht! Höre, aber sprich nicht! Du bist ein Uebergangsmensch, aber Du sollst den Uebergang machen, keinen Rückgang! Du sollst Dein Herz verhärten, Du sollst in die Ein- samkeit hinausgehen und hassen, � denn wer, wie Du, lieben kann, der kann auch hassen. Es war Iwan, den wir den„Schrecklichen" nannten. „Weshalb soll ich hassen?— fragte ich, noch warm von meinen Gefühlen." „Du sollst die Lüge hassen, damit Du die Wahr- heit lieben kannst! antwortete er." „Sind diese Menschen jetzt Lügner?"— fragte ich." ..Jetzt nicht, Paul, jetzt sind sie wahr, klein, liebens- würdig, aber morgen, wenn Du sie nicht siehst, sind sie Lügner!". „Morgen— dachte ich. Was macht sie denn morgen zu Lügnern, Iwan?" „Die bindenden Fesseln, die wir lösen sollen. Paul! Die Du lösen sollst!" Ich verließ den Klub mit Iwan. Wir wanderten die ganze Nacht umher, später ging ich nie mehr in den Klub, denn ich fühlte meine Schwäche. In diesem Augenblicke klopfte es. Es war der Briefbote, der schweigend einen Brief in Pauls Hände legte und sich dann mit kurzem Gruß entfernte. Sein Gesicht, welches eben noch bei der Erinnerung an seinen alten Moskauer Genossen freudig gestrahlt hatte, wurde ans einmal aschgrau. Er ließ sich kraftlos auf einen Stuhl niederfallen, und schob den Brief mit einer matten Handbewegung seiner Frau zu:„Da—— lies." Annischka blickte hinein. Wirklich, da stand es schwarz auf weiß: „Lieber Paul! Unser alter Freund Iwan— Du kennst ihn ja auch noch von Moskau her— ist ein Schuft geworden. Wahrscheinlich brachten ihm Geldverlegenheiten dazu. Doch das ist gleichgültig. Kurz, hier in Zürich wurde er soeben entlarvt. Wir suchten bei ihm nach und fanden Instruktionen der russischen Polizei in seinem Zimmer. Er hat sich bereits aus dem Staube ge- macht. Sehr möglich, daß er Dich nun aufsucht und Parteigeheimniffe aus Dir herauszuziehen sucht. Nimm Dich in Acht. Dein Alexandrowitsch. „Mein armer, lieber Paul!" flüsterte Annischka zu ihrem Manne und umschlang ihn. Er drückte einen langen Kuß auf ihre Lippen, dann seufzte er noch einmal auf:„Ja, das ist schwer. Annischka. Iwan, den ich so hoch--- den ich so verehrte. Auch er kein neuer Mensch-- ein Schurke—— ein--- komm', laß uns in den Garten gehen. Die Lust ist hier so schwül. Daß uns das Alte so von allen Seiten einengt!" Lange gingen sie so auf und ab. Endlich blieb Annischka stehen;„hoffst Du denn überhaupt noch?" flüsterte sie. Paul schwieg einen Augenblick.„Ich muß es", sagte er dann mit fester Stimme. Und wieder wandelten sie auf und nieder, Arm in Arm. Dunkelheit brach ein. Die Savoyer-Alpen standen da wie eine schwarze Wand, wie ein Haus von vielen hundert Wohnungen. Da wurde ungefähr sechshundert Treppen hoch ein Licht in dem Riesenhause angezündet, das durch die Finsterniß blinkte. „Siehst Du das Licht", sprach Paul,„dort oben in den Alpen: je dichter das Dunkel niederfällt, desto klarer leuchtet es; wie schön!" „Es sind die Bergwanderer, die den Morgen ab- warten, um den Sonnenaufgang zu begrüßen", sagte Anna. „Wenn die Lawine sie nicht verschütten wird." „Aber laß sie stürzen, laß sie die ersten muthigsten Wanderer in ihre eisige Umarmung begraben! Dann ist der Weg den andern frei und gefahrlos. Der Weg hinauf ins Licht." Die beiden Gatten umarmten sich. Die Sachsengimgrrei. n. Das Anwerbesystem durch die Agenten-Aufseher hat eine ganz Reihe von Mißbräuchen erzeugt. Der Agent erhält für jeden angeworbenen Wander- arbeiter gewöhnlich 3 Mark, jedoch erst am Ende der Kampagne zahlbar, wenn der Arbeiter bis dahin beim Auftraggeber ausgehalten hat; hin und wieder wird die Hälfte schon beim Antritt des Dienstes ausgezahlt. Außer diesem Werbegeld vom Arbeitgeber erhält der Agent ge- wohnlich noch ein solches von den angeworbenen Leuten selbst im Betrage von 50 Pfg. bis ebenfalls 3 Mark. Der Agent mache sich kein Gewissen daraus, Leute, die sich kontraktlich bereits anderweitig verpflichtet haben und. von denen ihm dies bekannt ist, seinerseits anzuwerben. Der Kontraktbruch ist in dem Grade zu einer gewöhn- lichen Erscheinung geworden und wird von den Leuten selbst so wenig als rechtswidrige Handlung angesehen, daß jeder Agent von vorneherein etwa 20— 30 pCt. mehr Leute anwirbt, als er beauftragt ist; und selbst dann hat er oft noch Mühe, zur Fühjahrszeit die ver- langte Anzahl zusammen zu bringen. Im Frühling müssen sie sich dann beeilen, daß die Leute an Ort unv Stelle kommen, aus Furcht, sie könnten ihnen von andern Agenten weggekappert werden. Darum wird an den Auftraggeber mit eindringlichen Worten geschrieben, sie möchten doch um Gottes Willen die Leute, wenn möglich durch telegraphische Ordre einberufen, man sei nicht mehr im Stande, sie zu halten, ein Trupp nach dem anderen ziehe bereits fort und bei jedem neuen Wegzuge werde den Zurückbleibenden das Herz schwer. Man beruft sie also früher ein und beschäftigt sie alsdann zunächst mit andern Arbeiten. Die fortdauernde Ausdehnung der Rübenkultur be- wirkt in jedem Jahr eine sich vermehrende Nachfrage nach Aufsehern. Aeltere, in diesem Geschäft schon erfahrene Leute machen sich diesen Umstand zu Nutzen, indem sie theils durch Annonzirung in Zeitungen, theils durch persönliche Erkungigungen sich eine Mehrzahl von Aus« trägen zur Beschaffung von Arbeitern und von Arbeits- kontrakten zu verschaffen wissen und diese nun an jüngere Aufseher oder an ältere schon häufiger in die Rüben gegangene Arbeiter verkaufen. Der Kaufpreis eines solchen Kontraktes kann sich bis aus einige Hundert Mark belaufen, da der gewöhnliche Satz 5 Mk. pro Kopf der anzuwerbenden Arbeiter beträgt. Alsdann schreibt der Agent im Frühling seinem Auftraggeber, der vorausgesetzt hat, dieser würde die Aufficht selbst übernehmen, es thäte ihm sehr leid, aber es sei ihm unmöglich, seinen Verpflichtungen nachzukommen- Er erlaube sich daher, ihm dafür einen höchst zuverlässigen Menschen zur Vertretung zu empfehlen, von dem er über- zeugt sein könne, daß er seinen Pflichten als Aufseher ebenso gut und vielleicht noch besser wie er selbst nach' kommen könne zc. In den meisten Fällen und namentlich, wenn der Beginn der Rübenarbeiten direkt vor der Thfl� steht, bleibt dem Gutsherrn nichts anderes zu thun,# i sich zu fügen.] Das Agentenwesen hat aber noch viel größere Miß' bräuche entwickelt. In den polnisch sprechenden Gebieten Oberschlesiens tc. kommt es bisweilen vor. daß die Agenten die Leute über den Inhalt des Arbeitskontraktes täusche" und bessere Bedingungen angeben, als er enthält. Groß« Agenten und Wiederverkäufer von Aufträgen schämen si� nicht, ihren Kontraktabkäufern falsche Abschriften Z" verkaufen, die ebenfalls günstigere Bedingungen enthalten, Ver abe> bun ergi Näh Aue nich sow toff schl. an UNt! Arb der Per Hee weil sich solche Aufträge alsdann viel leichter verkaufen lassen. Wenn der Termin der Abreise gekommen ist, strömen die von den Agenten für einen Gutshof des Westens geworbenen Leute zunächst aus einer im Voraus bestimmten Eisenbahnstation zusammen; der Transport dahin geschieht mit großen, auf gemeinschaftliche Kosten gemietheten Leiter- wagen, welche mit den schweren hölzernen Truhen� und den mitgeführten dicken Federbetten der Mädchen, sowie mit den Körben und Koffern der Männer beladen sind. Auf der Station empfängt sie der Agent, besorgt mit Geld, welches ihm vom Arbeitgeber zu diesem Zweck übersendet worden ist, für die ganze Gesellschaft Fahr- karten und quartirt sie sammt ihren Gepäckstücken in Wagen 4. Klasse ein. Von der Endstation werden sie mit den Gutsfuhr- werken abgeholt und nach ihren„Kasernen" gebracht, d. h. Gebäuden, die eigens zur Aufnahme der Sachsen- gänger eingerichtet worden sind. Früher(und nach dem Zeugntß des Verfassers auch noch heute im Oderbruch) gab es dergleichen nicht. Irgend welche gerade leeren Räume wurden mit einer Lage Stroh versehen, wo man dann die fremden Arbeiter, Männer und Frauen, Burschen und Mädchen alle zusammen ohne Trennung der Ge- schlechter einquartirte. Seit dem Jahre 1874, wo auf dem Verordnungswege ausführliche Bestimmungen über die Unterbringung dieser fremden Arbeiter getroffen werden, sollen wenigstens die Zustände in der Provinz Sachsen besser geworden sein und den Anforderungen der Hygiene und der Sittlichkeit im allgemeinen entsprechen. Die„Hausordnung", d. h. das Reinhalten der Wohn- und Schlasräume, ist in der Regel der Frau des Aufsehers übertragen, das Ordnen der Betten aber liegt den Arbeitern selbst ob. Neben Kasernen mit guten Zuständen sollen freilich noch häufig Schlafräume ge- troffen werden, die nur„Schmutz und Unordnung, Ueberfüllung der Schlafräume und Wanzen" enthalten. Die Arbeitszeit beginnt im Westen überall um 5 Uhr Morgens und endet nach einer halbstündigen Frühstücks-, einer einstündigen Mittags- und einer halb- slündigen Vesperpause, um 7 Uhr Abends. Jedoch be- dingen die Arbeitskontrakte überall die Ansehung von Ueberstunden aus(namentlich für die Erntezeit), die alsdann mit 12Vs—-15 Pf. an die Männer und mit 8—10 Pf. an die Weiber besonders ausgezahlt wird. Als normalen Tagelohn für die westelbischen Ge- biete bezeichnet der Verfasser 1 Mk. 50 Pf. für die Männer, 1 Mk. 25 Pf. für die jungen Burschen und 1 Mk. für die Weiber. In der Erntezeit erhöht sich dieser Lohn um 25—50 Pf. Jedoch ist der Akkordlohn sehr verbreitet, um nicht zu sagen das Vorherrschende, wobei indessen die vorhin angeführten Tagelöhne als Minimalsätze garantirt werden. Mit Akkordlohn stehen sich die Leute durchschnittlich besser, und bisweilen ganz bedeutend besser, als mit dem Tagelohn. Bei einigen Arbeiten waren die höchsten Sätze für Männer 5 und für Mädchen 3 Mark, eine Anzahl von Durchschnittsberechnungen ergeben für Männer 4,08, 3,74, 3,20 Mk., jedoch nur für Erntearbeiten, bei Mädchen 2,35, 2,15, 1,70 Mk.; niedrigste Sätze für Männer 2,25 Mk.. für Mädchen 1,17 Mk. Die Ergebnisse wechseln von Jahr zu Jahr und sind von Gut zu Gut verschieden. Aus den Lohnlisten eines Gutes geht hervor, daß das Gesammtergebniß der für die ganze Rübenkampagne(34 Wochen) gezahlten Zeit- und Akkord- löhne für Männer im Minimum 495,53 Mark, im für Mädchen 369.74. resp. Maximum 586,41 Mk.. 4-4,02 Mk. betragen hat. Außer der Wohnung und dem Geldlohn erhalten die Leute noch bestimmte Lebensmittel, Feuerung und Beleuchtung geliefert, so in Sachsen, Hannover un 0Mu,ffchm«g regelmäßig 12V, Kilo Kartoffeln m der Woche. In Anhalt treten noch 6—8 Pfd. Brob, 3 Pfd. Gerstenmehl, 2—3 Liter Hülsenfrüchte k. hinzu, so daß also die Höhe der Geldlöhnung nicht allein maßgebend ist, und thatsächlich ist diese in den Gebieten mit so umfangreicher Naturallöhnung auch überall bedeuten niedriger, als z. B. in Sachsen..„ Die Kartoffel und ein dünner Kaffee(aus �urro- guten hergestellt) machen überall den Hauptbestandtheii der Nahrung. Die elendeste Lebenshaltung zeigen aber überall die Öberschlesier und sie geben die, elb� auch nicht auf, selbst wo sie Gelegenheit dazu haben, eae itranben sich ebenfalls von allen Wanderarbeitern am meiste» gegen gemeinsames Abkochen und gegen�die Verpflegung vom Gutshof aus, wo man diese im �ntereffe der.lr beiter selbst hat einsühren wollen. � In einer Kaserne der Provinz Sackffen, erzählt der Verfasser, war der Hungertyphus aasgebrochen, hat aber, obwohl Oberschlesierinnen und Elchsfelderinnen bunt durcheinander lagen, einzig und allein die ersteren ergriffen, was dafür spricht, daß Zie die schlechte Er» nährung, welche schon in ihrer Heimath so oft zum Ausbruch jener Krankheit führt, auch in der Fremde nicht durch eine bessere ersetzen. Geht das doch'ogar soweit, daß in dem Falle, wo die Leute außer den Kar- toffeln noch Erbsen, Mehl und dergl. erhalten, die �-ber- schlesierinnen häufig diese Naturalien verkaufen, oder an ihre Verwandten nach Hause schicken. Dafür kochen sie selbst ab, oder vielmehr sie besiellen unter sich eines der Mädchen als„Kochweib." Die Arbeit derselben besteht jedoch nicht in der Zubereitung der Speisen, sondern darin, daß sie die ihnen von ,eder Person zum Kochen fertig überlieferten Töpfe auf den Heerd stellen und aufpassen, daß der Inhalt nicht etwa anbrennt oder überläuft. Für diese Arbeit, sowie für die ihnen obliegende Reinhaltung der Kaserne erhalten sie den üblichen Tagelohn, der in der Zeit der Akkord- arbeit gewöhnlich au, den durchschnittlichen Tagesverdienst erhöht wird. Die wöchentlichen Ausgaben für die Beköstigung bei den Mädchen belaufen sich auf 3,50— 4,50 Mk., bei den Männern auf 5— 7 Mk., die Öberschlesier bringen es aber mit der„Sparsamkeit" noch weiter. Als durch- schnittliche Ersparnisse für die ganze Saison werden 150 Mk. angegeben und es sollen in seltenen Fällen 210 bis 170 Mk. erreicht worden sein. Die Aufseher, deren Praktiken als Agenten wir schon früher kennen gelernt haben, benutzen den großen Ein- sluß, den ihnen ihre Stellung giebt, zu vielen Ungehörig- leiten und Betrügereien. Nachdem ihnen z. B. in Sachsen verboten worden ist, Krämergeschäfte zu betreiben und ihre Waaren den unterstellten Leuten aufzunöthigen, werden diese jetzt vielfach angehalten, bei einem bestimmten Kauf- mann, Höcker, Krämer:c. zu kaufen, wofür dieser dem Aufseher eine Provision von 7— 8 pCt., meist 25 Pf. vom Thaler der Verkäufer, zahlt. Nur bisweilen sind die Kaufleute ehrlich genug, solche schmutzige Geschäfte abzulehnen. Gegenüber Arbeitern, die sich dagegen auf- lehnen, mißbraucht der Aufseher ebenfalls seine Stellung. Er benachtheiligt sie entweder bei der Vertheilung der Arbeiten(ungünstige Akkorde), oder verläumdet sie beim Arbeitgeber. Da die Aufseher auch die Vertheilung des Lohnes zu besorgen haben, so haben sie fast nirgends der Ver- suchung widerstehen können, die Leute um einen Theil desselben zu betrügen. Ja, als dieser Mißbrauch ab- gestellt werden sollte, haben sie sogar die Frechheit ge- habt, zu verlangen, daß ihnen in Zukunft ein kleiner Prozentsatz der gezahlten Löhne rechtmäßigerweise zu- fallen solle. Man hat. also mit diesen Aufsehern die nämlichen Erfahrnngen gemacht, wie mit jenen zahlreichen und zweifelhaften Zwischen- und Mittelgliedern, die sich bei der Hausindustrie zwischen die Arbeiter und Unter- nehmer hineindrängen, und aus denen(namentlich in früherer Zeit) viele Verleger und Großkaufleute hervor- gegangen sind, von denen man rühmt, daß„sie sich selbst gemacht haben". Der Kontraktbruch ist nach begonnener Arbeit ebenso wie vor dem Abmarsch sehr häufig; daran soll zum großen Theil die Konkurrenz der Unternehmer selbst schuldig sein, weil sie während der Saison alle, auch die Arbeiter, die ihren Kontrakt anderswo gebrochen haben, anstellen. Es fehle, meint Kärger, dem Stand der Landwirthe durchaus das Gefühl der Interessen- solidarität, es sei sogar vorgekommen, daß ein Land- wirth, der einen andern aufgefordert habe, die von ihm zu jenem entwichenen Arbeiter wieder zurückzuschicken, die Antwort erhalten habe: er müsse kindliche Vor- stellungen von den hiesigen Arbeitsverhältnissen haben, wenn er ein solches Verlangen stelle. Trotzdem, daß die Arbeiter überall einen Theil des Lohnes anstehen lassen müssen, scheint doch das heimliche Entweichen in großem Maßstabe vorzukommen. Die Hauptschuld daran trägt die Praxis der Aufseher- Agenten, die Kontraktbedingungen günstiger darstellen, als sie in Wirklichkeit beschaffen sind. Es kommt zuweilen auch zu Massenstreiks aller Arbeiter eines Gutshofes, entweder wegen Unzufrieden- heit mit dem Arbeitgeber oder Zerwürfniß mit dem Aufseher. Alsdann miethen sich die Leute einfach eine Anzahl von Wagen und ziehen mit Sack und Pack am hellen Tage vom Hofe weg. Solche Streiks auf d«m Lande sollen nach dem Zeugniß des Verfassers gar nicht so selten sein, wie man vielleicht in den Städten, wo man nur von gewerblichen Arbeitseinstellungen sprechen hört, zu glauben geneigt sei. Unfall- und Krankenverftcherung in der Schweiz. = Jin Oktober d. I. werden die stimmberechtigten Schweizer Bürger, d. h. alle Schweizer in bürgerlichen Ehrenrechten, welche das 20. Lebensjahr erreicht haben, an die Stimmurne treten, nicht um Abgeordnete in das Parlament zu wählen, sondern um abzustimmen, ob der Bund befugt werden soll, im Wege der Gesetzgebung die obligatorische Unfallversicherung einzurichten, ob er im weiteren befugt werden soll, üoer die Krankenversicherung gesetzliche Bestimmungen zu treffen und für sämmtliche Lohnarbeiter den Beitritt zu einem Krankenkassenvcrband verbindlich zu erklären. In der S-chweiz kennt man eben den beschränkten Unterthanenverstand nicht mehr, lieber jede Aendernng der Verfassung muß das Volk abstimmen, über jedes Gesetz kann eine verhältnißmißig geringe Zahl von Bür- gern die Abstimmung durch das Volk verlangen. Was Wander, wenn ein solches Land von Bismarck und seinen Schreiberknechten ein wildes Land genannt wurde! Es mag Leser geben, die erstaunt sein werden, daß das Schweizer Volk erst jetzt zu diesen Fragen Stellung nimmt, während das deutsche Reich heute eine vollständig ausgeführte Gesetzgebung über die Arbeiterversicherung besitzt. In der Schweiz hat man eben eine rationellere Reihenfolge sozialpolitischer Maßregeln beliebt. Gleich nachdem durch die Revision der Bundesverfassung im Jahre 1874 der Zentralgewalt das Recht ertheilt wurde, die Fabrikgesetzgebung für die gesammte Schweiz zu regeln, ging man an's Werk, und nach verhältnißmäßig kurzer Zeit besaß die Schweiz ein Arbeiterschutzrecht, das nicht nur das aller Kantone, sondern selbst das Eng- lands, des Musterlandes sozialpolitischer Entwickelung, hinter sich ließ. Man hatte eben gemeint, es sei wichtiger und dringender für die gesunden Arbeiter zu sorgen, als für die kranken; man griff trotz allen Jammers und Wehklagens der Unternehmer in den Arbeitsvertrag ein, bestimmte, daß in Fabriken nicht länger als 11 Stunden, nicht von Personen unter 14 Jahren, dann nur unter sehr erschwerenden Bedingungen Nachts und Sonntags gearbeitet werden kann:c.:c. Außerdem fügte man dem Gesetze weitgehende Haftpflichtbestimmungen ein, welche man nachher noch durch ein besonderes Haftpflichtgesetz ersetzte, das zu Gunsten der in ihrem Berufe verun- glückten Arbeiter noch tiefer die Interessen der Unter- nehmer beschnitt und vor allem durch die Bestimmung, daß es auch für Berufskrankheiten den Unternehmer hast- pflichtig machte, das weitgehendste Haftpflichtgesetz der Welt wurde. Da nun außerdem auch das eidgenössische Obligationsrecht weitgehende Bestimmungen über die Haftpflicht der Unternehmer enthielt, so war für die durch Unfälle verunglückte Arbeiter, wenn auch nicht in durchaus befriedigender Weise, gesorgt. Unterdessen wurde auch durch die Kantone, Arbeitervereine und die zahl- losen gemeinnützigen Vereine der Schweiz so manches für die kranken Arbeiter gethan. Doch konnte das nicht ganz genügen; das Bedürfniß an Stelle der die Unternehmer oft schwer drückenden Haftpflicht und der Versicherung der Arbeiter bei privaten Unfallversicherungsgesellschaften eine allgemeine staatliche Versicherung zu setzen, trat in immer entschiedenerer Form hervor. Ebenso wurde der Wunsch rege, das Krankenkassenwesen einheitlich zu machen und jeden Arbeiter zum Beitritt zu einer Krankenkasse zu verpflichten. Der raschen Erfüllung dieser Wünsche stellte sich aber eine sehr bedeutende Schwierigkeit entgegen. Der schweizerischen Bundesregierung sind nämlich bis jetzt weit weniger Befugnisse eingeräumt als der deutschen Reichsregierung. Während letzterer durch die Verfassung des norddeutschen Bundes und nachher durch die Reichs- Verfassung die ganze Gesetzgebung über Handel, Gewerbe und Versicherungswesen überantwortet ist und die Einzel- staaten sich in Bezug auf diesen Theil der Gesetzgebung fast aller Befugnisse begeben haben, mußte in der Schweiz den Einzelstaaten, d. i. den kleinen Kantonen, das Recht der Gesetzgebung über diese Gebiete erst nach und nach abgerungen werden. Hierzu waren stets Aenderungen der Bundes- Verfassung nothwendig, deren Ergebnisse bei den vielen hierbei in Frage kommenden wirthschaftlichen und Poli- tischen Interessen nicht leichtfertig unternommen werden konnten. Deshalb hielt man es für vortheilhaft, zuerst das eidgenössische Fabrikgesetz vollständig einleben zu lassen und das Bedürfniß nach Regelung der Unfall- und Krankenversicherung zur vollen Reife kommen zu lassen, bevor man an die als Vorbedingung hierzu noth- wendige Verfaffungsrevision ging. Dies geschah nun iu der letzten Session der schweizerischen Bundesversammlung. Der Nationalrath(unserem Reichstage entsprechend) sprach sich fast einstimmig, der Ständerath(unserem Bundes- rathe entsprechend) ganz einstimmig für die Eingangs unseres Artikels erwähnte Verfassungsänderung aus, welche aber erst dann in Rechtskraft treten kann, wenn im Oktober d. I. das souveräne Volk in seiner Majorität diesen Beschlüssen beigepflichtet haben wird; was aber kaum in Zweifel gezogen werden kann. Dann erst werden die gesetzgebenden Behörden der Schweiz an die Aus- arbeitung von Kranken- und Unfallversicherungsgesetzen gehen können. Es werden also wohl noch ein bis zwei Jahre verstreichen, bevor man beurtheilen kann, ob die Schweiz auch in diesem Theile sozialer Gesetzgebung die Interessen der Arbeiter entschiedener wahren wird, als das deutsche Reich. Doch dürfte dies kaum bezweifelt werden, wenn man die bisherige Entwickelung der deutschen und schweizerischen Haftpflicht- und Fabrik- gesetzgebung mit einander objektiv vergleicht. Die Regierungsorgane der Schweiz haben sich schon theoretisch mit den Grundlinien der Arbeiterversicherung beschäftigt und ihre Anschauungen hierüber in einer Botschaft an die parlamentarischen Vertretungskörper niedergelegt. Die wichtigsten Punkte dieser freilich nach keiner Seite bindenden Borarbeit seien hier dargelegt. lieber die innere Berechtigung der geplanten Reform äußert sich die Denkschrift des Bundesrathes folgender- maßen: Staat und Gesellschaft haben ein allgemein aner- kanntes Interesse an der Fürsorge für die Arbeiter. Aufgabe der Gesetzgebung ist es, eine Regelung herbei- zuführen, welche mindestens alle Lohnarbeiter gegen die ökonomischen Folgen der sie treffenden Unfälle in mög- lichst weitem Umfange sicherstellt, ohne Industrie, Gewerbe und Landwirthschaft mit zu schweren Opfern zu belasten und das Verhältniß zwischen Arbeitgebern und Arbeitern zu verschärfen. Da nun die Haftpflicht- gesetzgebung aus allgemein bekannten Gründen dieser Aufgabe nicht völlig genügen kann und mit manchen Unzuträglichkeiten für Arbeiter wie kapitalschwache Unternehmer verknüpft ist, was in der Denkschrift aus- führlich dargelegt wird, empfiehlt der Bundesrath die Einführung der obligatorischen Unfallversicherung für die Schweiz. Bezüglich der Krankenversicherung hält es der Bundesrath nicht für angezeigt, daß dieselbe in eine staatliche Organisation aufgehe, sondern daß sie auch in Zukunft auf den bestehenden freien und örtlichen Ver- bänden beruhe. Die zahlreichen lokalen und kantonalen Krankenkassen dürften also prinzipiell erhalten bleiben und bei der allgemeinen Krankenversicherung mitwirken. Man ist überhaupt für dezentralisirte und nicht für staatDer soziale Pöbel. viren, indem sie einen unerhört niedrigen Betrag dreist als normalen Arbeitslohn bezeichnen und von dieser Basis Kräftige Worte gegen den sozialen Pöbel finden aus mit„ billigen" Gründen die Unverschämtheit der liche Krankenversicherung, da man sich dadurch eine wir in der" Freien Bühne“, einem Journal, welches mit arbeitnehmerischen Forderungen beweisen. Aehnlich beEinschränkung der Simulationen und billigere Verwal- großem Geiſte die Sache der modernen naturalistischen klagte eine Hamburger Patrizierin mir gegenüber einmal tung verspricht, doch soll die Gesetzgebung die Vor- Literatur gegen die konventionelle Schönfärberei der so- den Uebermuth der Arbeiterinuen, weil eine Wittwe nicht schriften aufstellen, nach denen sich die Krankenkassen zu genannten idealistischen Schule vertritt. Der literarische für Speifung und fünfzig Pfennige pro Tag bei ihr richten hätten und auf Grund derer vor allem, die ver- Naturalismus strebt die Dinge zu sehen und darzustellen hatte arbeiten wollen. Daß sich die pöbelhafte Verfennung fremder Lebensansprüche unabhängig zeigt von ficherungstechnischen Grundlagen geprüft werden sollen. wie sie sind. Kein Wunder, daß seine Erzeugnisse Die Frage, in wie weit den Krankenkassen die kleineren wenn auch frei von aller aufdringlichen Tendenzmacherei der sozialen und politischen Parteistellung( wenn eine - dennoch einen sozialdemokratischen, einen revolutionären solche überhaupt in Frage kommt), das versteht sich Unfälle zur Last fallen sollen, wird offen gelassen. Zu Man denke an Zolas„ Germinal", von selbst. wenig scheinen uns die Vortheile größerer Verbände für Geist athmen. Die Garborgs„ Männerwelt", Krohgs„ Albertine." Wir kommen zu jener Varietät des sozialen Pöbels, die Versicherungsinstitut hervorgehoben zu sein. Daß man die Frage der Einführung der Arbeiter- Dinge sehen, wie sie sind, heißt schon halb und halb die von der sozialen Ungleichheit schon so viel, aber noch versicherung viel ernster auffaßt als im deutschen Reiche, sozialistisch sehen. Wir theilen aus dem„ Sozialer Böbel" so wenig begriffen hat, daß sie das Mißverhältniß durch geht schon aus dem Umstande hervor, daß zahlreiche überschriebenen Aufsatz jener Literaturzeitung einiges mit, Almosen materiell und geistig heben zu können glaubt. statistische Vorarbeiten von der schweizer Regierung an- um den unbefanaenen Ton des Blattes zu charakterisiren: Nach Millionen zählen bei uns die Menschen, die den geordnet wurden, um die Unfall- und Krankenversicherung Einen gesunden Magen soll man nicht fühlen. nothleidenden Arbeiter durch öffentliche Lesezimmer und auf durch die Statistik gefestigter Grundlage sicher und ein gesunder Magen kann sich einen franken so durch abendliche Theegesellschaften mit Biermusiß verorganisiren zu können. wenig vorstellen, wie ein Erdbewohner einen Mars- söhnen wollen. Um keinen Preis möchten wir dies gewährt hat. Auch zwei amtlich eingeforderte Gutachten von menschen. Die anthropologische Unwissenheit, auf die Streben an sich verurtheilen; jede versöhnliche Thätigkeit Fachmännern liegen vor, denen der schweizerische Bundes- der soziale Pöbel ein besonderes Recht hat, stellt sich ist als solche ehrenwerth und willkommen zu heißen. rath( entsprechend unserem Reichskanzleramte) große Be- fogar, weil der eigene Magen unfühlbar funktionirt, den Aber den schärfsten Spott verdient ein solches deutung beilegt und welche sich durch weitgehende Forde andern Menschen ganz ohne Magen vor. Das ist das Streben, wenn es in dem hochmüthigen, blinden rungen zu Gunsten der Arbeiter auszeichnen. Es kann wesentlichste Merkmal und das große Glück des sozialen Wahne geschieht, daß man durch dergleichen bei dem heutigen Stande der Frage nicht unsere Auf- Pöbels: er hat ganz den naiven Egoismus des Kindes, Mittelchen die Arbeiter ihrer tausendfachen Nöthe gabe sein, auf die Einzelheiten dieser Gutachten einzu- bas, seitdem es unbewußt die erste Muttermilch in ruhigen vergessen machen könne. Der besitzende Mob nimmt es für Bildung, wenn gehen, doch sei hervorgehoben, daß sie zum Theil weit Zügen einsog, seine Ernährung für das selbstverständmehr fordern, als die deutsche Gesetzgebung den Arbeitern lichste und einfachste Ding von der Welt hält. Jeder seine Mitgtieder aus Mangel an körperlicher BeschäftiKenner der kindlichen Natur weiß, daß selbst gereiftere gung eine zarte Haut bekommen. Für Bildung nehmen Wenn wir uns die Entwickelung der schweizerischen Kinder für die materiellen Sorgen ihrer Eltern selten sie es, wenn sie über einen schlechten Roman dammes Fabrikgesetzgebung ins Gedächtniß rufen, uns erinnern, ein Verständniß haben. Der Unterschied zwischen Kin- Zeug reden und einen Moser- und Schönthan- Darſteller wie man zuerst nur die Kinderarbeit gefeßlich regeln bern und Erwachsenen besteht hier nur darin, daß eine einen Lorbeerkranz auf die Bühne werfen dürfen. Für wollte und dann dazu kam, Normalarbeitstag und solche Naivität bei ersteren eine berechtigte Eigenthüm Bildung nehmen sie es, wenn sie den Zucker mit der andere weitgehende Bestimmungen einzuführen, dann Bange ergreifen und ein ungrammatikalisch redender Heldentenor sie seines Umgangs würdigt. Ihr Plus an kann die Erwartung nicht unberechtigt erscheinen, daß lichkeit, bei letzteren eine große Gemeinheit ist. Das Recht zur Theilnahme am Genusse bestreitet Besiß, das auf die Kapitalkraft zurückzuführen wenigstens wenn schon die Vorarbeiten weiten Blick und Verständniß für die Bedürfnisse der Arbeiter nicht vermissen lassen, aber der soziale Pöbel dem Arbeiter entschieden. Er einigen Sinn hat, leiten sie gern aus der„ höheren, weil im Laufe der weiteren Vorbereitungen und Berathungen giebt den Jahreslohn eines Arbeiters und Familien- geistigen Arbeit" des Unternehmers her, und gerade sie vaters für ein Diner aus, geräth aber in pharisäische sind es, die den spezifisch geistigen Arbeiter, den Künstler ein gutes Gesetz zu Stande kommen wird. Daß die Ausbildung der schweizerischen Demokratie, Entrüstung über die Immoralität des Kontraktbruches,( den hohen- und Trapezkünstler natürlich ausgenommen), die weitgehenden Kontrollrechte des Volkes, die unbe- wenn der Arbeiter in der höchsten Noth zur Waffe des den Dichter und Gelehrten über die Achsel ansehen, die schränkte Diskussionsfreiheit und die Voltsabstimmungen Streifes greift. Gewiß, nicht alle Gegner des Streikes Tdge ausgenommen, da sie ihn als Unterhaltungsmöbel den Staatsmännern ein Ansporn sind, gute soziale sind so roh wie ein mir bekannter Kapitalist( zugleich an ihren Tisch rücken. Sie klassifiziren sich wieder unter Gesetze zu machen, scheint uns selbstverständlich. In ein feinsinniger und gefühlvoller Beethoven- und Mozart sich mit einem Reichthum und einer Regelmäßigkeit der Deutschland meint man freilich, daß die von einem Interpret), der zu Beginn der großen westfälischen Streik Abstände, wie man sie bei einer progressiven Steuerskala Geseze betroffenen nichts hineinreden sollen, daß die bewegungen jagte:" Wenn's nach meinem Willen ginge, nicht besser findet. Fähigkeit zur gesetzgeberischen Thätigkeit nur einzelnen legte man die Kerle einen nach dem andern über die Bureaukraten innewohnt. Wer kann sich da über den Bank und zählte ihnen fünfundzwanzig auf." Aber auch niedrigen Stand unserer Gesetzgebung im Vergleich zur hier fragt es sich wieder, ob diese Ehrlich- Brutalen nicht G.. ,,, Arbeiterzeitung", Wien VI, Gumpendorferstr. 60. ungefährlicher sind als die wohlanständigen Herren, die A. H. Mit der Veröffentlichung unserer Schuldner beginnen schweizerischen wundern. mit fluger Berechnung die Gunst der Unwissenden kapti- wir in nächster Nummer. 2 große öffentliche Versammlungen für Männer und Frauen am Sonntag, den 3. August 1890, Abends 8 Uhr. 1. in May's Festsälen, Beuthstraße 22, I. 1. Vortrag über: Gesundheitsschädliche Gewerbe. Referentin: Frau Schumme- Chaim. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein. 2. in den Central- Festsälen, Oranienstr. 180. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Lüttgenau über: Henrik Ibsen und die moderne Poefie". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein. Große Versammlung des Berliner Arbeiter- Bildungsvereins am Dienstag, den 5. August 1890 in Beimann's Volksgarten, Badstr. 55-56. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk über: Die Frauenbefreiung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4, Fragekasten. Gäste find willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. J. A.: Kaasch, Fürstenbergerstr. 11. Grosse öffentliche Versammlung der in der Granit- und Marmorbranche beschäftigten Arbeiter am Dienstag, den 5. Auguft, Abends 8 Uhr im Lokale des Herrn Deigmüller, Alte Jakobstr. 48a. Tagesordnung: 1. Welches ist die günstigste Organisation für die in unserer Branche beschäftigten Arbeiter? Referent: Buchdrucker W. Werner. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Es ist Pflicht eines jeden in der Marmor- und Granitbranche beschäftigten Arbeiters, als Steinmeßen, Steinbildhauer, Schrifthauer, Marmor- und Granitschleifer, in dieser Versammlung zu erscheinen. Verein zur Regelung der gewerblichen Verhältnisse d. Töpfer Berlins u. Umgeg. Dienstag d. 5. August, bds. 71 Uhr Der Einberufer. W. Gründel's Restaurant ( früher: R. Wendt.) Dresdener- Strasse 116. Gr. Mitglieder- Versammlung Arbeitsnachweis und Verkehr der Buchbinder, im Wedding- Park, Müllerstraße 178. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Otto Klein. 2. Diskussion. 3. Verschiedene Vereins- Angelegenheiten. Gäste haben Zutritt. den aufgenommen. Neue Mitglieder werDer Vorstand. Schlosser, Drechsler, Maler, Töpfer, Stellmacher, Sattler und Gärtner. Reichhaltiger Frühstücks-, Mittags- und Abendtisch. Vorzügliches Weiß- und Bairisch- Bier. 2 Billards. Saal zu Versammlungen. Fernsprech- Anschluß. Amt 9a. Nr. 578. = Briefkasten. Verein der Sattler und fachgenossen.= Sonnabend, den 2. August, Abends 8 Uhr: Versammlung bei Deigmüller, Alte Jakobstr. 48 a. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen R. Bombin über: Frauenemanzipation. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um regen Besuch bittet Sonnabend, den 16. August: Der Vorstand. Grosser Sommernachts- Ball in der Borussia- Brauerei zu Nieder- Schönweide. Abfahrt: Abends 9 Uhr von der Jannowißbrücke. Rückfahrt: Sonntag, Morgens 9 Uhr. Billets intl. Tanz 75 Pf. sind in der Versammlung und bei sämmtl. Vorstandsmitgliedern zu haben. Arbeiter- Buchhandlung R. Baginski Berlin( 14), Dresdenerstr. 52-53, City- Passage. Blos, Französische Revolution, 20 Hefte à 20 Pf., eleg. geb. 5,50 M.- Bommeli, Geschichte der Erde, 22 Hefte à 20 Pf., eleg. geb. 5,90 M. Zimmermann's Bauernkrieg, in Heften à 20 Pf. Köhler, Weltschöpfung und Weltuntergang, 2. Aufl., in Heften à 20 Pf. Dr. H. Braun, Archiv für soziale Gesetzgebung und Statistik, 1. und 2. Jahrg. à 12 M. Bellamy, Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf 1887, geh. 40 Pf., geb. 80 Pf. Krieg und Frieden, russischer realistischer Roman, 3 Bde., statt 15 M. nur 6 M. Protokoll des Internationalen Arbeiter- Congresses zu Paris, 50 Pf. Neue WeltKalender 1891, 50 Pf. Kürschner, der deutsche Reichstag, broch. 40 Pf., geb. 1 M. Sämmtliche Schriften aus dem Verlage von J. H. W. Dietz, Stuttgart, auf Lager. Ab Dur aner Berf Schul stüß derse oder an freise der Art zelne eine beste jeden alljä mtein gena eiue wahl vorst Part der 1 fo m Tolstoi, sich 1 vor i orga Einl in 8 tags der( der i durch Abh nur 15 2 ständ Berliner Arbeiter Bibliothek. Socben erschien: II. Serie 3. Heft: Soziale Frage und Bodenverstaatlichung. Boden Bon Dr. Conrad Schmidt- Berlin. Inhalt: Der Mehrwerth. Die Grundrente. Die Polemik gegen die Grundrente. verstaatlichung und Zins. Bodenverstaatlichung und Ueberproduktion.- Bodenverstaatlichung und Sozialismus. Preis 15 Pf. zu beziehen durch die bekannten Kolporteure und den Verlag der Berliner Volks- Tribüne Empfehle meinen werthen Freunden und Allen Freunden und Genossen empfehle mein Genossen sowie den Lesern dieses Blattes mein Weiß- u. Bairisch- Bier- Lokal. Cigarren- Geschäft. Carl Lehmann, 1 Saal zu Versammlungen und Herrmann Wuttke, Friedrichsbergerstr. 20 pt. Brunnenstr. 83, dicht am Humboldthain. 2 Vereinszimmer sehen zur Verfügung. 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