2 3, Je n n Fr 0, g に it 1, d r 8 r 0 t t I t e t e t ! Berliner 713 Volks- Tribüne " in de = Sozial- Politisches Wochenblatt. Die Berlinerrodiks Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnementspreis für noch monatlich 50 Pf. pränumerando( frei in's Haus). dahere Nummer 15 Pf. Durch jede Post- Anstalt Deuts № 33. Redaktion und Expedition: SO.( 26), Elisabeth- User 55. Ausgabe für Spediteure: zu beziehen.( Preis viertelj. 1 Mk. 50 Pf.) Volksblatt", Beuthstr. 3. enk 5b Inserate werden die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 20 pf. berechnet. Vereins- Anzeigen: 15 Pf.- Arbeitsmarkt: 10 pf. Inseraten- Annahme in der Expedition: Elisabeth- Ufer 55. Die Berl. Volks- Tribüne" ist unter Nr. 893 der Zeitungs- Preisliste eingetragen Sonnabend, den 16. August 1890. IV. Jahrgang. Arbeiter gedenkt der ausgesperrten Hamburger Genossen! Die bisherigen Angriffe gegen den Organi- durch die beständige Erregung des Verdachtes eines solchen.[ nur der Gerechtigkeit. Sodann wäre es völlig falsch, den Vorstand Tations- Entwurf. Das Heimathsrecht in Verschonen wir also die Fraktion mit einer so bedenk- von der Fraktion beaufsichtigen zu lassen. Die Frattion sei eine Prenken. Ist die Arbeit die Quelle alles lichen Aufgabe und erhalten wir sie ungeschmälert ihrem Körperschaft, deren Zahl nicht einmal feststeht, die heute 36, im nächsten Jahre nach einer etwaigen Auflösung trop 2 Millionen Reichthums? Stimmungsbilder aus Böhmen. und Hingebung bedarf. Die nothwendige Ueberwachung zerfalle in Agitation, Bresse und Barlamentarismus. Wenn der -Wie ein Züricher Regierungsrath spricht.aber übertragen wir wieder einem ausschließlich zu diesem von dem Kongreß gewählte Parteivorfland die Aufsicht über Agitation und Presse habe, wäre es nur fonsequent und logisch, den Die Budgets der europäischen Staaten.- Pro- Zwecke geschaffenen Ausschusse, welcher am richtigſten Parteivorſtand nicht von der Fraktion, sondern umgekehrt die nicht unter den gleichen Umständen, vom selben Wahl- Fraktion von dem Vorstand beaufsichtigen zu laffen. Nach der körper wie die zu beaufsichtigende Körperschaft gebildet Diskussion wurden zwei Resolutionen im Sinne des Vortragenden wird, sondern aus der unmittelbaren Wahl der Ge- und der meisten Redner gegen drei Stimmen angenommen und der Vorstand verpflichtet, die Resolutionen der Fraktion einzusenden. Oekonomisches nossen eines Parteiortes hervorgeht." Die„ Magdeb. Volksstimme" endlich tritt für eine möglichst weitgehende Dezentralisation ein, welche allen Elementen unserer Partei, insbesondere der fortgeschrittenen großstädtischen Industriebevölkerung, freien Ellenbogenraum lasse. duktion und Technik. Gedicht. Novelle.. Gewerkschaften und Sozialismus in England. aus Rußland. Die bisherigen Angriffe gegen den Organisationsentwurf. gleichfalls auszugsweise mittheilen: Die Volksversammlungen, in denen die proletarischen Forderungen am unmittelbarsten zum Vorschein kommen, Die„ Sächsische Arbeiterzeitung" geht in ihrer Kritik weiter. Auch sie tadelt es, daß der Fraktion durch die Kontrollbefugniß, welche sie über den Parteivorstand ausübt, eine zu große Macht anvertraut sei. Die Reichs tagswahlen hingen sehr vom Zufall ab; ihr Ergebniß entwurf iſt jegt allmählig in Gang gekommen. Wir die ganze Organisation zu gründen. Der Kongreß müſſe müßten die eigentliche Basis der sozialdemokratischen DrDie Diskussion über den sozialistischen Organisations- sei schwankend und nicht bedeutsam genug, um darauf sammen. Genosse Vollmar, ein altes Fraktionsmitglied, ferner nicht von der Fraktion, sondern vom Kongresse Verfasser in einer Reihe von Artikeln später darlegen. tellungen, welche man bisher gegen ihn erhoben hat, zustimmigkeit wählen. Das Gehalt des Parteibeamten sei ganiſation werden. In welcher Weise ouf dieser Grundlage die Organisation aufgebaut werden föunte, will der leitet seine, in der„ Münchener Post" erschienene, Kritit festzuseßen. Die Beschickung des Kongresses dürfe nicht Die sozialistische Parteileitung hat erklärt, daß sie sich in die Diskussion über den Entwurf nicht einmischen ein, die wir ihres allgemeinen Interesses wegen hier Bahl der Delegirten müsse sich bestimmen nach der Menge werde, es sei Sache der von der Fraktion gewählten mit einigen allgemeinen Bemerkungen über die Fraktion allen Wahlkreisen gleichmäßig offen stehen, sondern die zahlender Parteimitglieder, die jeder Kreis aufweist. Referenten, die Gründe klarzulegen, welche die Mehrheit Es ist vielen Genossen bekannt, daß ich mit den Auffassungen Schließlich müsse Klarheit darüber geschafft werden, was veranlaßt haben, das Statut in der vorliegenden Form der Fraktionsmehrheit mehr als einmal im Widerspruch war und der§ 14 besage, laut welchem der Parteivorstand die zwar zumeist darum, weil mir das Demokratische in unserer Be prinzipielle Haltung der Parteiorgane zu kontrolliren tuſſion ſehr erwünscht, daß nicht Mitglieder der Parteiabzufassen. Sicher wäre es aber im Interesse der Dismit der Zeit jedoch davon überzeugen lassen müssen, daß es im habe. Es sei die Frage, was Parteiorgane sind, ob man leitung, wohl aber Genossen, die zur Fraktionsmajorität wegung über Gebühr zu kurz zu kommen schien. Ich habe mich stehliche Macht der Verhältnisse waren, welche das zentraliſtiſche, ſtehe, oder ob der Vorstand in Verbindung mit der gehörten, die Statutenbestimmungen( besonders den vorautoritäre Element in unserer Partei zu stärkten. Wir waren unter Fraktion darüber bestimme, welche Zeitung als Partei- geschlagenen Wahlmodus) eingehend erläutern und die wichtigsten der für denselben sprechenden Gründe mitbem Sozialistengeseße ein vor dem Feinde im Kampfe auf Leben theilen. und Tod ſtehendes Heer. Lange Verhandlungen waren selten organ, welche nicht dafür anzusehen sei. Im Wesentlichen waren es dieselben Punkte des möglich, Meinungsäußerungen und Abstimmungen der Genossen Was der Leipziger„ Wähler" bis jetzt zur Verunficher in ihrer Bedeutung. Da war eine stramme Leitung und Entwurfs, die am Dienstag in einer Versammlung des theidigung des Wahlmodus angeführt hat, eine nicht verjagende Disziplin Hauptsache. Bildeten sich je, in 6. Berliner Wahlkreises angegriffen wurden. Wir lassen doch außerordentlich wenig überzeugend. Er behauptet, Folge längeren Andauerns einer Spannung oder bei einer besonderen Gelegenheit, schärfere Gegensäge heraus, so bewirkte der hier einen kurzen Bericht folgen: „ Herr Bruno Wille erhielt das Wort zu seinem Vortrage gerade das demokratische Prinzip verlange es, jedem äußere Drud durch die verfolgende Gewalt bald das Wiederzuſammenſchließen der Reihen, und schließlich mußte auch der Gedanken über die Taktif unserer Partei." Der Referent führte Kreise die gleiche Vertreterzahl zuzubilligen, damit nicht Wiederstrebendste seine abweichenden Wünsche dem höheren Ziele ungefähr folgendes aus:" Unsere Partei ist jeßt nach Fall des die Minoritäten durch die Majoritäten erdrückt würden. war während des Ausnahmezustandes im großen Ganzen eine liftische Reichstagsfraktion habe diese Thatsache auch dadurch an Barteitag hat Beschlüsse zu fassen; und jetzt man den opfern. Die Fraktionsbiltatur, wenn ich mich so ausdrücken soll, Sozial iſtengefeßes an einen Wendepunkt angelangt. Die sozia- Von einer Erdrückung fann indeß nicht die Rede sein. Der Wesentlichen viel weniger individuelle Wünsche, als die unwider alle von Genossen redigirte Arbeiterblätter darunter ver durch die Umstände geschaffene Nothwendigkeit. " erkannt, daß sie den Genossen einen Entwurf zu einer nenen was wirft Von dem Augenblick an aber, wo man mit dem Erlöschen Organisation der Partei vorlege. Der Entwurf ſtehe nun der Parteitag so zusammen, daß die Minderzahl der sozialdes Ausnahmegesezes und dem Wiederinkrafttreten des gemeinen Kritik der Genossen offen und thatsächlich sei er in mehreren demokratischen Wähler die Mehrzahl majorisiren kann, Rechtes als einer Thatsache rechnen konnte, war in der Fraktion Punkten angreifbar. Bor allem wäre der von der Fraktion vor- so ist das eben das strikte Gegenstück des demokratischen selbst, soweit ich mich davon überzeugen konnte, nicht eine abgeschlagene Wahlmodus nicht den Prinzipien der Partei anweichende Meinung darüber, daß von nun an die Stellung der gemessen, da ein Wahlkreis der viele Genoffen aufweiſe, nicht Prinzips. Darüber kann doch keine Frage sein. Auch „ Wählers" ist schwer beFraktion eine durchaus andere werden müsse, daß wieder regel- stärker auf dem Kongreß vertreten sei als ein Wahlkreis, der zweite Grund des Es genüge unsern Kritikern die Er mäßige, unſeren demokratischen Grundsägen entsprechendere Ein- der nur wenige sozialistische Stimmen enthalte. Ebenso müsse greifbar. unter Kontrolle der öffnung, daß es das Bestreben gerade der Sozialrichtungen zu treffen seien. Es sollte an die frühere, vor dem man sich darüber klar werden, Ausnahmezustande in Wirkung geweſene Organiſation wieder an- nur einer solchen Stontrolle zustimmen, die sich darauf beschränke, demokraten der großen Städte ist, die Genossen geknüpft werden, bezw. dieselbe mit den durch die Erfahrung gebotenen Verbesserungen wieder in Kraft treten. Wie wenig in der Zeitung, die einen mit unseren Prinzipien nicht übereinstim- der Provinz, welchen die leichtere Kommunikation Fraktionstreifen eine bewußte Absicht herrschte, von der vorhan- menden Artikel Aufnahme gewährte, eine Berichtigung einzusenden, der Großstädte fehlt, immer fester an die Partei zu fügen; Autorität und ist dazu geeigneter, als die direkte Befassung stand hinüberzunehmen, dafür fann ich einen Beleg beibringen. Bentralorgan befannt zu geben, wenn diese Zeitung die Aufnahme mit den nächsten Parteifragen, die der Parteitag verAls über die Neugestaltung unserer Preßverhältnisse verhandelt der Berichtigung verweigerte. Jede weitergehende Berechtigung wurde, war es gerade der jezt mehrfach angegriffene Genoffe B., des Parteivorstandes würde eine Uniformirung der Presse zu Folge handelt." welcher darlegte: jetzt, wo wir eine große Partei, jei an die Leitung haben, gegen die man Front machen müsse. Sodann gebe der werden wohnen. Und Niemand widersprach dem. Wer läugnet, daß die Betheiligung der Landdistrikte mehr zu denken, die örtlichen Parteiorgane hätten selbstständig zu ſichtigen, ja abzusehen. Diese Mad tefugnisse der beige der gesammten Bresse von einem Orte aus selbstverständlich nicht Entwurf der Fraktion das Recht, den Parteivorstand zu beauf- am Parteitag wünschenswerth sei? Aber folgt daraus, wir müßten uns an eine offene und freie Stritit ge- viel zu weitgehend. Es ist auch nothwendig, daß die Besoldung daß die kleinen Kreise dieselbe Vertretung wie die großen des Parteivorstandes von dem Kongreffe festgesetzt werde, jede beanspruchen dürfen? Wo ist da der Zusammenhang? Geheimthuerei müsse vermieden werden. Die parlamentarische Will ein Theil der Genossen Delegirte mit gebundenem Troy alles guten Willens trägt, Vollmar's Meinung Thätigkeit sei einzuschränken, da wir nicht hoffen dürften, durch den Mandat auf den Parteitag schicken, so muß man über nach, der Organisationsentwurf doch noch die Eierschalen Barlamentarismus etwas Nennenswerthes zu erreichen, sollten wir die Auslegung und die Gründe des Entwurfes schon vor des Ausnahmezustandes an sich. Das zeige sich in den unsere agitatorische Thätigkeit erhöhen." Es begann nun eine sehr lebhafte Diskussion, in welcher zwei der Delegirtenversammlung eingehend unterrichtet sein. Bestimmungen, welche der Fraktion eine Kontrolbefugniß über den Parteivorstand zuschreiben. Es müsse die alte Redner gegen den Referenten auftraten, während 7 Redner sich Hoffentlich wird das in reichlichem Maaße geschehen. Einrichtung von 1878, die eine besondere Kontrolkom- e Sinne des Bortragenden äußerten. Sie sagten etwa folgendes: Wir werden die Beweisführung der Freunde des DrDer Organisations- Entwurf sei anzugreifen. Der Wahlmodus ganisationsentwurfes dann ebenso der Kenntniß unserer mission über den Parteivorstand setzt, wieder eingeführt wäre völlig verfehlt. Unter Bugrundelegung der Statistik werden. Die jetzt geplante Regelung würde beide Theile, der lezten Reichstagswahlen müßte man je 5000 sozialistischen Leser unterbreiten. Stimmen das Recht geben, einen Kongreßdeputirten zu wählen, Parteivorstand und Fraktiou, in ihrer Wirksamkeit hindern damit nicht der 4. Reichstagswahlkreis z. B. nur soviel Bertreter habe, und schädigen: jenen durch eine gedrückte unwürdige Stellung, wie etwa ein Wahlkreis mit einigen 100 Stimmen; dann würde diese einmal durch Versuchung des Mißbrauchs und weiter allerdings Berlin 25 Deputirte erhalten, das entspräche aber auch Das Heimathsrecht i» Vreutzen. [] Die Ausweisung des Genossen Janiszewski aus Berlin und neuerdings aus einer großen Anzahl der umliegenden Orte auf Grund des preußischen sogenannten „Freizügigkeits- oder Heimathsgesetzes" vom 31. Dezember 1842(Gesetzsammlung 1873 S. 5), giebt wohl Veranlassung die Bestimmungen dieses Gesetzes etwas näher anzusehen, da es vielleicht ausersehen ist, die Aus- weisebefugniß des Sozialistengesetzes wenigstens theilweise zu ersetzen. Der§ 1 des angezogenen Gesetzes sagt: Keinem selbständigen preußischen llnterthanen darf an dem Orte, wo er eine eigene Wohnung oder ein Unterkommen sich selbst zu verschaffen im Stande ist, der Aufenthalt verweigert oder durch lästige Bedingungen erschwert werden. Die Bestimmung wird durch§ 2 Abschnitt 2 in der Art eingeschränkt; daß die Landespolizei, wenn sie es sür nöthig findet, einen entlassenen Sträfling vom Ausenthalt an bestimmten Orten ausschließen kann; doch ist sie nur in Ansehung solcher Sträflinge hierzu be- fugt, welche zu Zuchthaus, oder wegen eines Ver- brechens, wodurch der Thüter sich als ein für die öffentliche Sicherheit oder Moralität gefähr- licher Mensch darstellt, zu irgend einer anderen Strafe verurtheilt wurde, oder in einer Korrek- tionsanstalt eingesperrt gewesen ist. Ueber die Gründe einer solchen Maßregel ist die Landespolizeibehörde nur dem vorgesetzten Ministerium, nicht aber dem Auszuweisenden Rechenschaft zu geben schuldig. Es mag hierbei gleich bemerkt werden, daß der letzte Abschnitt in der Praxis der Polizei aufgegeben ist, und daß sie dem Ausgewiesenen die„Gründe", aber freilich meistens nur in ganz allgemein gehaltenen Be- merkungen, angiebt. Das Gesetz vom 31. Dezember 1842 ist, ivie es in der oberflächlichen Behandlung der Gesetzesvorlagen in unseren Parlamenten häufig vorkommt, von welcher Oberflächlichkeit wir noch im Weiteren ein schlagendes Beispiel geben werden, sozusagen aus„Versehen" in Rechtskraft geblieben. Obgleich sich das ganze Strafsystem, der Begriff „Verbrechen", das Recht zur Stellung unter Polizei- liehe Aufsicht, die Befugniß der Landespolizei zur Unter- sagung des Aufenthaltes an einzelnen Orten, ja die ganze deutsche Freizügigkeit und die bürgerlichen Rechte der Preußen durch die Verfassung geändert haben, ist dies Gesetz vergefl'en geblieben, bis ein findiger Polizei- mann es ausgrub und, da es nie ausdrücklich auf- gehoben ist, wieder in Anwendung brachte. Das preußische Abgeordnetenhaus erklärte zwar schon in seiner Sitzung vom 4. Oktober 1862 das Gesetz einstimmig für nicht mehr zu Recht bestehend, aber bekannt- lich hat das preußische Abgeordnetenhans in Preußen nichts zu sagen. Die Regierung kehrte sich nicht daran und rief die Entscheidung der Gerichte und besonders des Oberverwaltungsgerichtes an; diese erklärten das Gesetz sür zu Recht bestehend, und damit war der Be- schluß des Abgeordnetenhauses beseitigt, das Gesetz konnte weiter angewendet werden. Nachdem das Oberverwaltungsgericht auf mehr- fachen Anruf immer in demselben Sinne entschieden hat, halten wir bei dem bei uns einmal bestehenden Ver- sassungsrechte es für ganz aussichtslos, die Rechts- beständigkeit des Gesetzes vom 31. Dezember 1842 noch ferner anzugreifen, wenn wir die dafür vorgebrachten Gründe auch nicht als zutreffend anerkennen. Oberflächlich angesehen, erscheint der oben angezogene § 2 Abschnitt 2 auch nicht so arg gefährlich. Er spricht von bestraften„Verbrechern", die durch ihr Ver- brechen sich als für die öffentliche Sicherheit oder Moral gefährliche Menschen dargestellt haben. Man denkt dabei an den heutigen Begriff für„Verbrechen", dessen Er- klärung im Z 1 Abschnitt 1 des Strafgesetzbuches so gegeben ist: Eine mit dem Tode, mit Zuchthaus, oder mit Festungshaft von mehr als fünf Jahren be- drohte Handlung ist ein Verbrechen. Danach sind also sämmtliche, nur mit Gefängniß bedrohte Handlungen ein Vergehen, und fallen scheinbar nicht unter den§ 2 Abschnitt 2 des Gesetzes vom 31. Dezember 1842. Diese Annahme ist aber ein Jrrthum. Das alte Rechtssystem kannte den Unterschied zwischen Ver- brechen, Vergehen und Uebertretung nicht. Jede Handlung gegen das Gesetz hieß„Verbrechen." Da knüpft die heutige Polizeipraxis an, und in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 19. April 1887 erklärte der Vertreter der Regierung, der Geheime Ober- regierungsrath Dr. Heyer ganz ausdrücklich: Es muß das Wort Verbrechen im§ 2 des Gesetzes vom 31. Dezember 1842 üt jenem weiteren Sinne verstanden werden, und folgt für die vor- liegende Frage daraus, daß von der in dem er- wähnten Gesetze der Landespolizeibehörde gegebenen Ausweisungsbefugniß Gebrauch gemacht werden kann, wenn die Bestrafung wegen eines Verbrechens, Vergehens oder einer Uebertretung erfolgt ist, vor- ausgesetzt, daß der Thäter sich als ein für die Sicherheit oder Moralität gefährlicher Mensch darstellt. Es ist also in Preußen augenblicklich folgender kauin glaublicher Rechtszustand feststehend: Jede Person, die irgend in ihrem Leben einmal, sei es vor noch so langer Zeit, irgend einer ftras- baren Handlung wegen, und sei es wegen einer ein- fachen Uebertretung einer Polizeivorschrift, mit irgend einer Strafe, sei es eine Geldstrafe von einer Mark, bestraft worden ist, und die von der Polizeibehörde für eine der Sicherheit oder der Moral gefährliche Person angesehen wird, kann aus ihrem Wohnorte ausgewiesen werden, wenn sie sich nicht bereits länger als zwei Jahre in demselben aufhält. Hierin liegt die einzige Beschränkung der Aus- weisungsbefugniß der Polizei: da wo der„Verbrecher" seinen Unterstützungs-Wohnsitz hat, aus dem jOrte kann er nicht ausgewiesen werden. Wir glauben nicht, daß. Rußland ausgenommen, ein solches Gesetz in dieser Schärfe noch in irgend einem Kulturstaate besteht. Sogar das Sozialistengesetz ist bei Weitem milder. Man kann nach demselben nicht mehr ausgewiesen werden(§ 22, Abschn. 2), wenn man seit sechs Monaten einen Wohnsitz inne hat. In Preußen wäre es aber durchaus erlaubt gewesen, den auf Grund dieses Paragraghen Bestraften auch später auszuweisen auf Grund des„Freizügigkeits-Gesetzes." Die un- gemeine Härte in der Anwendung dieses Gesetzes vom 31. Dezember 1842 gegen einige Parteigenossen bestimmte im Jahre 1887 einige Genossen in Magdeburg dazu, dem Abgeordnetenhause eine Petition um Ab- änderung des bestehenden Gesetzes einzureichen. Diese Petition war durchaus maßvoll gehalten. Sie gab es von vorne herein aus, gegen die Rechtsbeständig- keit des Gesetzes anzukämpfen, sie erkannte auch an, daß gewissen Verbrechen und Vergehen gegenüber der Polizei- behörde ein Recht zur Beschränkung des Aufenthaltes des Thäters einzuräumen ist, sie meinte aber, daß diese Fälle bestimmt abgegrenzt und die Anwendung des Gesetzes der Verjährung unterliegen müsse. Die Petition hatte das seltene Glück, am 19. April 1887 wirklich im Hause zur Verhandlung zu gelangen. Das Haus ging über dieselbe zur Tagesordnung über. Die Verhandlung bot ein lehrreiches Bild, wie solche Sachen in unseren Parlamenten behandelt werden. Mit großer Buchstabengelehrsamkeit stritt man sich um eine Doktorsrage; das Gesetz selbst schien Niemand sich dabei angesehen zu haben. Als Herr von Rauch- Haupt mit sittlichem Pathos sagte: Meine Herren, es handelt sich eben bei Aus- führuug der betreffenden gesetzlichen Bestimmungen darum, einen Verbrecher aus den Wurzeln, aus den Heimstätten, in denen er seine Verbrechen verübt, herauszureißen, wo möglich sür immer, damit er nicht dort sein Wesen wieder treiben kann. da war nicht einer der weisen Rechtsgelehrten so mit dem Gesetze vertraut, um ihm zu erwidern:„Aber lieber Herr Kollege, da sind Sie ja im dicksten Jrrthum. Das Gesetz ist ja gerade bestrebt, den Verbrecher in der Heimstätte, in welcher er seine Verbrechen verübt, festzuhalten, denn diese Heimstätte, falls er sie zwei Jahre inne hatte, ist der einzige Ort, aus dem er nicht ausgewiesen werden kann. Er kann seiner Vergangenheit, seinen alten Genoffen nicht entsiiehen, selbst nicht, wenn er es will. Er wird immer wieder in seine alte Heimath zurückgewiesen, in die alten Beziehungen hineingestoßen." Sie hatten alle es nicht für nöthig gehalten, das Gesetz zu lesen. Der Herr Regierungs-Kommissar widersprach sich selbst in seiner Ausführung sehr erheblich, ohne daß einer der Herren Landboten das rügte oder merkte. Er sagte: „Es kann von derselben(der Ausweisungsbefug- niß) in allen Fällen Gebrauch gemacht werden, wo eine derartige Bestrafung erfolgt, daß durch dieselbe der Thäter sich als ein für die öffentliche Sicherheit und Moralität ige- fährlicher Mensch darstellt, und wenige Augenblicke darauf: „wenn die Bestrafung wegen eines Verbrechens, Vergehens oder einer Uebertretung erfolgt ist, vorausgesetzt, daß der Thäter sich als ein sür die Sicherheit und Moralität gefähr- licher Mensch darstellt." Auch hier merkte kein Landbote den sehr erheblichen Unterschied in den beiden Aeußerungen. Wenn es nun als vergeblich bezeichnet werden muß, gegen die Rechtsbeständigkeit des Gesetzes vom 31. Dezember 1842 cmzukämgfeil, so wird in den vorkommen- den Fällen nach der ersten Erklärung des Regierungs- Kommissars die Beschwerde sich darauf zu beschränken haben, daß bestritten wird, der Thäter sei durch die Bestrafung als ein u. s. w. Mensch dargestellt. Es wird das leicht möglich sein, wenn die Bestrafung sehr weit zurückliegt und man damals von dem Gesetze gegen ihn keinen Gebrauch gemacht hat, oder wenn die Straf- that überhaupt nur eine sehr unbedeutende ist, aus der man nicht auf Gefährdung der �Sicherheit und Moralität schließen kann. Ist die Arbeit die(Quelle alles Reichtbams? Von einemZArbeiler.) „Die Arbeit ist die.Quelle alles Reichthums." Diesen Satz hört man oft in Arbeiterversammlungen als feststehenden erwähnen; auch wird in Resolutionen auf ihn Bezug genommen. Doch nicht nur hier, sondern auch in sozialistischen Blättern, sogar in solchen, die als maßgebend gelten, findet man ihn; meistentheils wird er angewandt, um damit die Forderungen der Arbeiter auf angemeffeue Befriedigung ihrer Bedürfnisse, als ge- rechtfertigte hinzustelleu. Ist denn aber die Arbeil wirklich die Quelle alles Reichthums? Der wisseuschaftliche Sozialismus verneint diese Frage. Reichthum ist eine Ansammlung von Ge- brauchswerthen." Unter Gebrauchswerthen sind hier Produkte, ganz gleich ob Naturprodukte, oder durch menschliche Thätigkeit umgestaltete Naturprodukte gemeint, welche dem Menschen durch eine ihnen anhaftende Eigen- schaft nützlich sind, die er in Folge dieser Eigenschaft sür begehrenswerth hält. So hat der Stuhl sür uns Gebrauchswerth als Sessel, die Hoseu als Bekleidungsstück und die Erde, ein Naturprodukt, als Mittel zur Gewinnung nahrhafter Pflanzen. Das letzte Beispiel zeigt deutlich, daß etwas Gebrauchswerth haben, und somit Theil vom allgemeinen Reichthuin sein kann, ohne daß in ihm menschliche Arbeit verkörpert ist. Marx sagt im ersten Kapitel SeS Kapitals;„ Der Gebrauchswerth verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion. Gebrauchsoerth� bilden den'toff- lichen Inhalt des Reichtums, welches auch seine ge- sellschaftliche Form sei."(gliebt es nun Reichthum, in welchem keine menschliche Arbeit steckt: und zieht man außerdem in Betracht, daß, die Produkte, welche durch menschliche Thätigkeit ihren Gebrauchswerth erhalten haben, ursprünglich als roher, unbearbeiter Stoff schon in der Natur vorhanden sein mußten, so sieht man, daß die Arbeit nicht die alleinige Quelle alles Reichthums ist, neben menschlicher Thätigkeit wirkt die Natur an jener Erzeugung von Gebrauchswerthen mit. Der Satz„die Arbeit ist die Quelle alles Reich- thums", wird nun Karl Marx nicht bloß von Arbeitern, bei denen dies zu entschuldigen wäre, um der geringen Gelegenheit willen, welche dieselben haben, die Marx'schen Theorien zu studireu, untergeschoben, sondern auch von „wissenschaftlichen" Gegnern. Sollte man, um Jemand wissenschaftlich zu widerlegen, nicht mindestens das kennen, was der Gegner geschrieben? Hätten jene Herren, welche behaupten, Marx übersah die Mitwirkung der Natur bei der Produktion, das„Kapital" sich etwas gründlicher angesehen, sie hätten folgenden Satz ge- funden:„Die Arbeit ist also nicht die einzige Quelle der von ihr produzirten Gebrauchswerthe, des stofflichen Reichthums. Die Arbeit ist sein Vater, wie William Petty sagt, und die Erde seine Mutter." Derartige Kritiken beruhen aus einer platten Ver- wechseluug der Begriffe. Reichthum wird mit Werth verwechselt, und doch haben diese beiden Begriffe mit einander garnichts gemein. Reichthum hat es schon immer gegeben; natürlich war die gesellschaftliche Form desselben, den verschiedenen Produktionsweisen angepaßt, immer eine andere: während der Begriff Werth in dem Sinne, wie ihn Marx aufgefaßt wissen will, bloß in einer bestimmten Periode der menschlichen Kultur, bloß unter einer bestimmten Produktionsweise, der Waaren- Produktion, d. h. der Produktion nicht sür eigenen, sondern für fremden Bedarf, entsteht. Reichthum ist jeder existirende, stoffliche Gebrauchswerlh; man kann denselben mit den menschlichen Sinnen wahrnehmen. Werth dagegen ist ein abstrakter Begriff, d. h. der Ausdruck für etwas sinnlich nicht Wahrnehmbares, daß nur in einem bestimmten Verhältniß zum Vorschein kommt und zwar beim Austausch der Waaren. Der Ausdruck Werth hat nur so lange Bedeutung, als es Waaren- Produktion giebt. Reichthum und Werth sind also ganz und gar nicht dasselbe. Wie schon gesagt, mau hat Reichthuin mit Werth verwechselt. Der obige Satz, welcher Marx fälschlicher Weise unterschoben wird, hieße nun abgeändert:„Die Arbeit ist die Quelle des Werthes." Io sagt nun zwar Marx mcht, sondern„die Arbeit schafft den Werth". Es ist hier, um Konfusionen vorzubeugen, angebracht, auf die Marx'sche Werththeorie kurz einzugehen. Der Gebrauchswerth einer Waare wird geschaffen durch die besondere Art, in welcher menschliche Arbeitskraft auf das zu verarbeitende Material einwirkt. Es treten uns so als Gebrauchswerth schaffende Arbeiten, die durch Thätigkeit unserer Sinne genau zu unterscheidende Tischler-, Schlosser-, Maurer- u. s. w.-Arbeit entgegen. Sehen wir aber vom Gebrauchswerth der Waaren ab, so sehen wir auch von der speziellen Art der Thätigkeit, mittelst welcher Naturprodukten Gebrauchswerth verliehen wird, ab, und wir haben nur noch Produkte unterschiedsloser, allgemein menschlicher Thätig keit vor uns. Arbeitsprodukte in der gesellschaftlichen Rolle einer Waare sind als Resultat der Anwendung unterschiedsloser, menschlicher Arbeit Wert he. Marx sagt:„Ein Gebrauchswerth oder Gut hat also nur einen Werth, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegen ständlicht oder materialksirt ist. Wie nun die Größe seines Werthes messen? Durch das Quantum(Menge) der in ihm enthaltenen„werthbildenden Substanz" der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst mißt sich an ihrer Zeitdauer und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Maßstab in bestimmten Zeittheilen, wie Stunde, Tag, u. s. w.... „Es könnte scheinen, daß. wenn der Werth einer Waare durch die während ihrer Produktion verausgabte Arbeitsmenge bestimmt wird, je sauler oder ungeschickter ein Mann, desto werthvoller seine Waare, weil er mehr Zeit zu ihrer Verfertigung braucht. Die Arbeit jedoch, welche die Substanz der Werthe bildet, ist gleiche. menschliche Arbeit, Verausgabung derselben menschlichen Arbeitskraft. Die gesaimnte Arbeitskrast der Gesellschaft, die sich in den Werthen der Waarenwelt darstellt, gilt hier als ein und dieselbe menschliche Arbeitskrast, obgleich sie. aus zahllosen einzelnen Arbeitskrästen besteht. Jede dieser einzelnen Arbeitskräste ist dieselbe menschliche Arbeitskraft, wie die andere, soweit sie den Charakter einer gesellschaftlichen Durchschnittsarbeitskraft besitzt. und als_ solche gesellschaftliche Durchschnittsarbeitskraft wirkt, also in der Produktion einer Waare, die im Durchschnitt nothwendige oder gesellschaftlich nothwendige Arbeitskraft braucht.— Gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt um irgend einen Gebrauchswerth mit den vorhandenen, gesellschaftlich- normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaft- lichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen.— Nach der Einführung des Dampf- Webstuhls in England z. B. genügte vielleicht halb so viel Arbeit wie vorher, um ein gegebenes Quantum Garn in Gewebe zu verwandeln. Der englische Hand- Weber gebrauchte in der Dhat nach wie vor dieselbe Arbeitszeit, aber das Produkt seiner individuellen Arbeits- Jwube stellte jetzt nur noch eine halbe gesellschaftliche Arbeitsstunde dar und fiel daher auf die Hälfte seines früheren Werthes." „Es ist also nur die Menge gesellschaftlich noth- wendige Arbeit oder die zur Herstellung eines Gebrauchs- Werths gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit, welche feine Werthgröße bestimmt".— Der Werth der Waaren, ber denselben weder anzusehen noch anzufühlen— tritt Jwer nur beim Austansch derselben in Erscheinung. 9} le5 9cht vor sich in einem bestimmten zahlenmäßigen �erhältniß, indem so und so viel von einer Waare 3rgen eine bestimmte Menge einer anderen Waare aus- rauschbar ist. Die Eigenschaft einer Waare, sich in be- fnmmten Verhältniß mit einer anderen Waare austauschen Zu lassen, nennt man ihren Tauschwerth. Da derselbe nach Art und Zeit wechselt, hat es den Anschein, als ob vm- �was willkürlich bestimmbares sei, während er in -rvlrklichkeit die äußere Erscheinungsform des Werths, b>e in den betreffenden Waaren enthaltenen gesellschaftlich uothivendigen Arbeit ist. . Soviel über die„Werththeorie". Es war nöthig Plf dieselbe einzugehen, um über den Begriff„Werth" Klarheit zu erhalten.— Ebenso wie der Satz„die Arbeit W die Quelle alles Reichthums" von sozialistischen Ar- vettern oft unrichtiger Weise benutzt wird, uni die Forde- rung ber Arbeiter auf vollberechtigte Theilnahme an allen Genüssen des Lebens, zu rechtfertigen, ebenso ge- fchieht das auch mit dem Satze„die Arbeit schafft alle Gerthe". Die sozialistischen Forderungen aber mit Hin- Weisung auf die Werththeorie zu begründen, ivie das eine folche Auslegung thut, ist vollständig sinnlos, utopistisch. wcarx ist das niemals eingefallen; er hat die Werththcorie nur als grundlegendes Gesetz der heutigen privat- Kapitalistischen Produktionsweise betrachtet. Erst ans der Arkenntniß der privatkapitalistischen Produktionsweise wnn man wahrhast begreifen, daß sich dieselbe zur ge- MMchastlichen entwickeln muß, daß die Bedingungen für dieselbe in ihr enthalten sind. Der Sozialismus ist keine eigentliche Forderung der �soral, wie es oft den Anschein hat und oft betont wird: , dürfen nicht folgern, weil du die Werthe schaffst. w">;t du dieselben für dich ungetheilt erhalten. Der Sozialismus fordert, nicht weil seine Forderungen moralisch, sondern weil sie realisirbar, in die Wirklichkeit "�vsetzbar sind. Die geschichtliche Entwicklung hat ihn wtt Nothwendigkeit erzeugt! die heutige Gesellschaft enthält o>e Vorbedingung des Sozialismus; darum muß man vor allem die heutige Produktionsweise und ihre Gesetze "Annen und die so gewonnene Einsicht hinaus in alle Welt tragen. Alles utopistisch Anrüchige muß bei der Agitation unterbleiben, wir dürfen unseren Gegnern keine Gelegenheit geben, uns als wirthschastlich und politisch voreif hinzustellen! Stimmungsbilder aus Kähmen. J. T. Unten, an der süchsisch-böhmischen Grenze. liegen, nur getrennt durch die Elbe, unter gewaltigen, ruit Bäumen bewachsenen Felsenmassen, die beiden fried- "chen Städtchen Bodenbach und Tetschen. Außer seinen Hotels zur Beherbergung von Touristen und Badegästen besitzt Tetschen auch eine Zeitung, ein Käseblättchen, die „Tetschen-Bodenbacher Zeitung", die von Zeit zu Zeit badurch Aufsehen erregt, daß sie als williges Organ den Fabrikanten dient, die im böhmischen Gebirge meistens Glashütten und Knopffabriken besitzen und ihre Arbeiter und Arbeiterinnen in unerhörter Weise ausnutzen. Am 18. Juli nun erschien in dem Organ der dortigen Unter- nehmer folgendes Eingesandt: Offene Erklärung der Arbeiter der Firma D. E. Fischet Söhne in Nienies. Durch die in der letzten, verflosseneu Sonntag abge- haltencn Monatsversammlung des Arbeiterbildungsvereines „Eintracht" vorgefallenen, wicklich skandalösen und die In- teressen der Arbeiter tief schädigenden Vorgänge, hervor- gerufen durch die beispiellos unverschämte» und infamen Auslassungen des bekannten Hetzers und Aufwieglers Schiller nebst Konsorten aus Rcichenberg, sehen wir uns veranlaßt. hiemit öffentlich zu erklären, daß wir, die gesammte Arbeiter- schaff mit einigen wenigen Ausnahmen, die nicht werth sind, Arbeiter der Herren D. Ä. Fischet Söhne zu sein und die von unseren Chefs sofort vor das Thor gesetzt werden sollten, nicht nur nicht einverstanden sind mit den infamen Angriffen, die seitens Schiller und Konsorten auf unseren Chef, Herrn Arthur Fischel, unbegründet und gänzlich un- gerechtfertigt unternommen worden sind, sondern dieselben' aufs entschiedenste verdammen und tief bedauern, daß dies vorgekommen ist. Ebenso erklären wir, daß wir das Vorgehen der Leitung des Vereines„Eintracht" entschieden verdammen müssen, denn der Verein, welcher zur Pflege der Geselligkeit, Eintracht und Bildung der Arbeiter gegründet wurde, scheint es darauf abgesehen zu haben, nicht Eintracht, sondern Zwie- tracht unter die Niemeser Arbeiterschaft zu bringen. Dies dürste ihm aber schwerlich gelingen, denn soweit aufgeklärt sind wohl alle Arbeiter, um zu wissen, daß ihnen von Schiller und Konsorten kein Bissen Brod gereicht würde, wenn es dieselben durch ihre Hetzereien soweit brächten, daß die Arbeiterschaft von Niemes brodlos würde. Weiter erklären wir, daß wir jederzeit mit dem Borgehen unserer Chefs vollkommen zufrieden waren und speziell unserem Herrn Arthur Fischel für die schon so oft bewiesene Arbeiterfreundlichkeit nicht genug danken können. Wir erklären denn auch, daß es nie und nimmer solchen Provisionshetzern& la Schiller und Konsorten gelingen wird, das bisherige gute Einvernehmen zwischen uns und unseren Chefs zu vernichten und hegen wir nur den einen Wunsch, diese sauberen Hetzer möchten uns recht bald wieder das Vergnügen machen, sie hier begrüßen zu können, was dann allerdings in einer handgreiflichen Weise geschehen und ihnen das Wiederkommen sehr verleiden würde. Darum ein vielhundertfaches„Hoch" unserem Herrn Arthur Fischel und ein ebenso vielfaches„Verdammen" Schiller und Konsorten. Niemes, 8. Juli 1890. Die Arbeiterschaft der Firma D. G. Fischel Söhne in Niemes. lEs folgen über 500 Unterschriften.) Sollen wir dieses Schriftstück noch kritisch zerlegen, ein Schriftstück, das damit beginnt, diejenigen zu denun- ziren, die Klagen gegen den Fabrikanten vorzutragen haben, die nicht der Meinung sind, daß Herr Arthur Fischel Arbeiterfreundlichkeit bewiesen hat und die mit ihrer wirthschaftlichen Lage nicht zufrieden sind. Aus jedem Satz der Erklärung geht hervor, daß sie von keinem Arbeiter verfaßt worden ist und daß diese Erklärung auf Geheiß des Fabrikanten selbst verfertigt wurde. Wahrlich, es gehört ein gut Theil Protzenthum und dünkelhafte Uebertreibung dazu, eine Erklärung zu befehlen oder auch nur zuzulassen, die besagt, daß die Arbeiterschaft eines Orts von ihrem Fabrikanten das Brod empfängt. Ist denn bei dieser Auffassung auch nur der geringste Unter- schied zu finden zwischen dem mittelalterlichen Gutsherrn und dem modernen Fabrikanten? Eine solche Erklärung haben 500 Arbeiter unterschrieben voller Furcht, daß, wenn sie sich weigern, auch sie zu denen gehören,„die vor das Thor gesetzt werden sollen". Und wenn Herr Arthur Fischel eine Reihe von diesen unzufriedenen Arbeitern entläßt, so erfüllt er ja nur den Wunsch seiner Arbeiter. Diese Erklärung ist eine Unverschämtheit vom Beginn bis zum Schlußsatz, der den Redner Schiller mit den Fäusten der Arbeiter bedroht. Herr Arthur Fischel droht hier mit der Gewalt, doch die Gewalt ist ein zwei- schneidiges Schwert, das sich oft gegen diejenigen richtet, die es gezogen. In derselben Nummer dieser Zeitung steht folgender Bericht: Reichenberg, 16. Juki. Die Exzesse im Jser- gebirge. Vor dem hiesigen Kreis- als Strafgerichte be- gann heute der für zehn bis zwölf Tage anberaumte Prozeß gegen 87, zumeist der Glasbranche angehörende Arbeiter ans den Ortschaften Wiescnthal, Neudorf, Mvrchcnstern, Zasada, Labau, Schwarzbrunn, Schumburg u. s. w. wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit(u. A. Wider- stand mit Waffen, Erpressung von Geldern, boshafte Be- schädigung fremden Eigenthums, Zusammenrottung, gewaltsame Handanlegung gegen obrigkeitliche Personen u. s. w.), wegen der Mitschuld an demselben, des Diebstahls, Auflaufs, Aufreizung gegen die Staatsgewalt, versuchten Diebstahls, Plünderung, gefährlicher Drohung u. s. w. Bei der großen Menge der Angeklagten, welche sämmtlich vor ein Vier- richterkollcgium gestellt werden, nachdem bei keinem derselben die Kriterien eines Schwurgerichtsfalles vorhanden waren, mußte zur Durchführung der Verhandlung derj Schwur- gerichtssaal in Anspruch genommen werden, um so mehr, als zu derselben nicht weniger als 67 Zeugen vorgeladen sind. Der ganze große Saal zeigte sich außerdem vom Publikum Kopf an Kops gefüllt. Die 87 Exzedenten sind speziell angeklagt, am 29. Januar d. I. das Haus des Glaswaarenerzeugers Heinrich Wanke in Neudorf und die Schleiferei, sowie das Wohnhaus des Glaslieferanten Ludwig Breit in Wicsenthal geplündert, die daselbst auf- gestellten Sprengmaschinen zerstört und die Perlenvorräthe vernichtet zu haben, in Folge dessen diese beiden Glas- waarenerzeuger einen Schaden von 25 000 fl. erlitten. Die beiden Kundgebungen sprechen eine deutliche Sprache. In derselben Gegend werden diejenigen, die die Arbeiter über ihre ivirthschaftliche Lage aufklären und sich gegen das Treiben der Fabrikanten wenden, von den Arbeitern selbst angegriffen, aber diese selben Arbeiter sind auch zu Putschen geneigt, zur Zerstörung von Fabriken und zur Plünderung. Beides fällt fort, wo die Sozialdemokratie festen Fuß gefaßt hat. Sozialistische Arbeiter würden es mit Entrüstung zurückweisen, eine solche entwürdigende Erklärung zu unterschreiben, aber ebensowenig würden sie Maschinen und Produkte zer- stören, da sie wissen, daß nicht die Maschinen und Pro- dukte, sondern die herrschende Produktionsform ihr Feind ist. Sind die Arbeiter fähig, auf Herrn Fischels Rath seine Widersacher thätlich anzugreifen, so könnte es ihnen auch einmal hinfallen, seine Kraft an ihm und seinen Freunden zu mesfen. Das eine wäre nicht schlechter als das andere. Wie ei« Züricher Regierungsrath spricht.�> Stenre, du Schweizer, im Völkerorkan, Muthig, wie Tell ihn gesteuert, den Kahn' So Hai ver Dichter Georg Herwegh am eidg. Schützen- feste in Zürich im Jahre 1850 dem Volke der Eidgenossen zugerufen. *) Vorstehender Toast wurde beim Jahresseste des schweize- rischen Grütlivereins vom Züricher Regierungsrath Dr. Itoeßel gehalten. Regierungsrath ist der Titel für die kantonalen Minister der Schweiz. Heute tobt nicht wie damals ein Krieg au unfern Grenzen. Aber mächtiger als je wogt bei uns und ander- wärts der Kampf der Geister. Unverkennbar ringt eine neue Zeit nach Gestaltung, und. das Losungswort dieser neuen Zeit heißt: Gleichberechtigung im Kampfe um die Existenz für Alle, die Mens chenantlitz tragen. Daß den Rechten, wie immer auch Pflichten gegen- überstehen, ist selbstverständlich. Durch die Einräumung einer bessern Rechtsstellung soll aber gerade für die Un- bemittelten die richtige Erfüllung der Pflichten gegen Familie und Staat ermöglicht werden. Im Schweizerlande sind zwar die Privilegien des Adels, der Geistlichkeit und der Städte gefallen; aus dem Gebiete der sozialen Gleichberechtigung aber — wer wollte dies bestreiten, bleibt noch sehr viel zu thun übrig. Wenn in diesem Kampfe der schweize- rische Grütliverein in erster Linie steht und sich deshalb schon viele Gegner zugezogen hat, so darf er sich das zur Ehre anrechnen. Es ist auch dieser Kampf bisher weder ein Nachtheil für die Ausdehnung des Vereins, noch für seine innere Kräftigung gewesen.„Leben" heißt „kämpfen". Und in politischen, religiösen und sozialen Dingen sind-es immer die sogenannten„unruhigen Köpfe" gewesen, welcheWelt und Menschen vorwärts gebracht haben. Mögen sie auch ein Aergerniß sein, diese„unruhigen Köpfe" für Diejenigen, welche glauben, Ruhe sei des Bürgers erste Pflicht, Ruhe und immer wieder Ruhe; wie auch die Verhältnisse sein oder sich gestalten mögen. wir werden uns daran erinnern, daß es nicht das ruhige Unterthanenblut war, sonderst die frische That, welche uns die schweizerische Freiheit eroberte. Besser, tausendmal besser ist eine selbst etwas stürmische Freiheitsthat, als ruhige, träge Gleichgültigkeit, die nicht blos nicht vorwärts kommt, sondern sich oft noch nehmen läßt, was schon Freiheitliches und Gutes da ist. Was die Mittel des Kampfes anbetrifft, ist es nicht allzuschwer, den Gegnern in der Noblesse nicht nachzu- stehen, ja sie darin sogar zu übertreffen! Glücklicherweise berechtigen die öffentlichen Jnsti- tutionen der Schweiz, den Kampf mit wirksamen Mitteln zu führen, und es wird dies noch mehr als gegenwärtig der Fall sein, wenn hoffentlich in Bälde das Recht der Initiative auch für den Erlaß und die Aufstellung von Bundesgesetzen Eingang gefunden haben wird, Unsere öffentlichen Institutionen berechtigen uns aber nicht blos, sondern sie verpflichten uns geradezu. der Wohlfahrt Aller, auch der vom Schicksal wenigst Begünstigten, unsere eingehende Sorge zu widmen; denn die Republik beruht nicht auf der brutalen Macht der Bajonette, deren Verwendung zur Unterdrückung be- rechtigter politischer oder sozialer Begehren freilich auch anderwärts nicht mehr so leicht wie ehemals durchzuführen wäre; nein, die Republik beruht auf der Gleichberechtigung, besteht in dem forlgesetzten Bestreben, einem Jeden eine menschenwürdige Existenz zu sichern. Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird die Schweiz über Dasjenige hinaus, was sie in den zehn Jahren ge- leistet hat, weitere bedeutsame Schritte in gleicher Richtung thun. Reichen Bund und Kantone sich die Hand, werden die idealen und materiellen Interessen der sämmilichen Staatsbürger durch Verwirklichung entsprechender In- stitutionen so gefördert, wie die Ehre der Republik dies verlangt, so können Viele von uns noch erleben, daß die Schweiz nicht blos ein Wanderziel sein wird für Die- jenigen, welche die Großartigkeit unserer Gebirgswelt und die Schönheit unserer Seen und Ströme bewundern, sondern auch für Alle, welche Interesse nehmen an den Bewohnern des Landes und an den zu ihren Gunsten bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen. In diesem Sinne ersuche ich Sie, mit mir einzu- stimmen in ein kräftiges dreifaches Hoch auf unser liebes schweizerisches Vaterland! Die Kudgets der europäischen Staaten. Der italienische Statistiker Cerboni, Generaldirektor des römischen Rechnungshofes, hat kürzlich über die Blldgets der größten Staaten Europas eine vergleichende Studie veröffentlicht. Aus dem Auszüge der„Franks. Ztg." heben wir die interessantesten Daten in Folgendem hervor. Die verglichenen Staaten sind die sechs Groß- mächte Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Italien, Frank- reich, England und Rußland, sowie Spanien; das ge- wählte Budgetjahr ist 1887, wobei natürlich der Verschiedenartigkeit des Beginns die entsprechende Rech- nung getragen wurde. Die Einheitsziffer ist der Lire (= 80 Pfennigen.) Das größte Budget in seiner Gesammtziffer hat Deutschland; dasselbe übersteigt 4 Milliarden (es sind etwa 4300 Millionen Mark). In dieser kolossalen Summe kommt natürlich die Vielköpfigkeit des deutschen Reichs-Regiments und seiner Einzelstaaten zum Ausdruck, denn in dem angegebenen Budget sind diejenigen der Einzelstaaten inbegriffen. Das Reichsbudget beträgt rund 1200, das preußsiche rund 2400, das bayerische 320 Millionen(Franken) u. s. w Nach Deutschland kommt Rußland mit nahezu vier Milliarden, Frank- reich mit Obst Milliarden, England mit ungefähr ebenso viel. Das kleinste Budget hat Spanien mit 850 Mill. Doch Ausgaben und Einnahmen decken sich nicht überall mit der genannten Summe. Fünf Staaten arbeiten mit Defizits, darunter hat Oesterreich das größte: 125 Millionen. Ein Vergleich zwischen 1882 und 1887 führt| Rußland 6-700, Frankreich 1020 Millionen. ebenfalls zu interessanten Ergebnissen. In dieser diesem Punkte ist Deutschland am besten, Frankreich am Zeit sind die Budgets aller Staaten gewachsen, mit Aus- schlechtesten gestellt. nahme Frankreichs; das französische Budgets ist vielmehr von 3 Milliarden 500 Millionen auf 3 Milliarden 250 Millionen gesunken. Es war die Zeit, wo die Republik anfangen mußte, zu sparen. Am meisten gewachsen ist das deutsche Budget: um eine ganze Milliarde, während in der gleichen Zeit das englische nur um 11 Millionen zugenommen hat. Produktion und Technik. In es die Berliner Kammmacher bereits gethan haben. Eine Organisation unserer eigenen Branche wird nicht möglich sein, weil wir nicht stark genug werden können, deswegen müssen wir uns an die uns am nächsten stehenden Branchen anschließen. Ueberdies kommen die Arbeiter immer mehr zu der Einsicht, daß ein Unterschied in der Art der Arbeit nicht auch einen Unterschied zwischen dem Bestreben der Arbeiter bedingt, und werden sie durch den Zusammen= Den Widerspruch mit sich selbst, in den der manchester- hingewiesen, alle Branchen- Unterschiede fallen zu lassen und eine schluß des Kapitals( Unternehmerverbände) immer schärfer darauf li che Kapitalismus durch die Trust geräth, nagelt der New- einige geschlossene Masse zu bilden, denn nur so sind sie in der Yorker Sozialist in folgenden Säßen scharfsinnig feſt: Die Truſts Lage, dem immer schroffer auftretenden Unternehmerthum Widersind 1. die äußerste Konsequenz des Manchesterthums als eine stand zu leisten. Darum, Kollegen, laßt alle kleinlichen Schranken freie, ohne jeden staatlichen Zwang hergestellte Vereinigung von fallen, lernt Eure Lage erkennen und bemüht Euch, dieselbe zu Rechnet man verschiedene Summen zusammen, so individuellen Produktivkräften, und sie sind 2. im höchsten Grade verbessern. Bedenkt, daß derjenige, welcher feiner Organisation ergiebt sich, daß in der genannten Budgetperiode( 1882 antimancheſterlich, weil sie jeden Anderen vom" freien Wettbewerb" angehört, ein Feind der Arbeitersache, ein Feind seiner eigenen bis 1887) an indirekten Steuern und Verzehrungs- Seite bewegen fich aber in einem ähnlichen Widerspruche. Sie vertreten ist, Rahlstellen der Vereinigung der Drechsler Deutschausschließen. Die kleinbürgerlichen Trustgeguer auf der anderen Familie ist, und bildet in allen Orten, in denen unsere Branche Abgaben Rußland den höchsten Saz erhoben hat: verlangen 1. vom Staate, den Trusts gegenüber seine manchester- lands. Alsdann wollen wir uns in Verbindung seßen, um dar9 Milliarden; dann kommt gleich Frankreich mit 81/4 liche Nachtwächterrolle zu spielen und den freien Wettbewerb zu über zu berathen, wie wir unter den unserer Branche eigenthüm Milliarden, während Deutschland 3½ Milliarden schüßen, und gerade damit muthen sie ihm 2. ein staatliches Ein- lichen Verhältnissen eine möglichst schnelle Besserung unsere Lage erhob. greifen in die Produktion zu, welches gänzlich außerhalb des herbeiführen können. Besonders nothwendig ist, daß wir mit unmanchesterlichen Programms liegt.- Dieses Delemma von Wider- feren französischen Kollegen eine Verständigung betreffs gemeinsamen In den Ausgaben für den Krieg( für die sechs sprüchen lösen nur die Sozialisten, welche die Trusts als eine Vorgehens suchen und bitten wir alle Kollegen, welche diesJahre 1882 bis 1887) nimmt Rußlaud mit 4851 Uebergangsstufe zum Sozialismus ansehen. Millionen die erste Stelle ein; dann kommt Frankreich bezügliche Adressen angeben können, dieses zu thun. Die industrielle Entwicklung der Vereinigten Staaten mit 4205 Millionen, Deutschland mit 3162 Millionen. Mit kollegialischem Gruß Für den Unterricht gab Frankreich das Meiste aus: 958 Millionen; dann kommt Deutschland mit 894 Mill. In diesem wichtigen Punkte marschirt jetzt also Frankreich wirklich an der Spitze der Zivilisation. Wenn man die Ausgaben mit der Kopfzahl der Bevölkerung in Beziehung setzt, so ergiebt sich, daß Frankreich die größte Belastung hat, nämlich für den Kopf 82,32 Fr., während diese Zahl für Deutschland 57.06, für England 58,86, für Italien 51,97 beträgt. Ein besonderes Kapitel widmet Cerboni der Finanzlage der einzelnen Länder. Am schlimmsten steht nach ihm Desterreich, doch hat sich dort in den letzten Jahren Manches gebessert. Die Finanzlage Deutschlands ist gut. Am besten ist unstreitig England daran. Die Haupteinnahme liefert dort die Einkommensteuer( income taxe) ferner die Zölle auf Thee, Tabat, Alkohol, Wein, Kaffee, getrodnete Früchte, sowie die Abgaben des Konsums und der Fabrikation von Bier und Spirituosen. wird gut illustrirt durch die rasche Zunahme der Produktion von Roheisen daselbst. Dieselbe betrug: Tonnen Tonnen 1881 4 144 000 1882 4* 623 000 1886 5 683 000 1887 6 417 000 1883 4 596 000 1884 4 098 000 1888 1889 6 490 000 7 606 000 die Berliner Kollegen. J. A.: R. Klotzsch, Berlin O., Koppenstr. 73, Queraebäude I. An die deutschen Metall- Arbeiter aller Branchen! Genossen! In Anbetracht des noch immer nicht beendeten monatelangen Hamburger Klaffenkampfes, den das proßige Unternehmer1885 4 045 000 thum in der frivolſten Weise provozirt hat, und in Anbetracht des gleicher Höhe. Von da an schnellt sie rasch empor, von 4 045 000 Kongresses, Streits inszenirt bezw. in nächster Zeit in Aussicht Von 1881 bis 1885 hielt sich die Produktion so ziemlich auf Branchen in einzelnen Städten, trotz der Beschlüsse des letzten Umstandes, daß von den Angehörigen verschiedener Metallarbeiterauf 7 605 000 Tonnen. Das ist eine Vermehrung von 88 pet. in gestellt worden sind, sahen sich die Unterzeichneten gezwungen, zu5 Jahren. das überhaupt das meiste Roheisen in den Vereinigten Staaten rathung waren folgende einstimmig gefaßten Beſchlüſſe: 1. Zunächſt Am stärksten war die( absolute) Zunahme in Pennsylvanien, beschlüsse durchgeführt werden können. Das Resultat dieser Besammenzutreten, um darüber zu berathen, wie die gefaßten Kongreßproduzirt. 1888 erzeugte es 3 204 000, 1889: 3 733 000 Tonnen. Die ganzen Kräfte auf Hamburg zu konzentriren und zu dieſem Bemerkenswerth aber ist, daß nächst Pennsylvanien das größte Bwede 2. alle gesammelten Gelder zur Unterſtüßung der Hamburger Anwachsen der Roheisenpaoduktion ein Südstaat aufzuweisen hat, Gemaßregelten nur den betr. Vertrauensmännern zuzusenden; die daselbst 1884: 401 300 Tonnen, 1889 bereits 706 600 Tonnen 3. durchaus keinen Angriffsstreit mehr zu unterstüßen, bevor der rajchem Anwachsen begriffen. Sie lieferten 1887: 829 000 Tonnen, streit zu warnen, selbst wenn in der betreffenden Branche in ganz betrug. Ueberhaupt ist die Eisenproduktion der Südstaaten in Kampf in Hamburg gänzlich beendet ist; 4. vor jedem Angriffa1888: 1011 500, 1889: 1398 000. Die Eisenproduktion der Nord- Deutschland fein Streit schwebt; 5. für Abwehrstreiks nur in dem staaten wuchs von 1887 bis 1889 um 11 pCt., die der Südstaaten Falle einzutreten, wenn es sich ebenfalls um Angriffe der Unterdie die vorliegenden Zahlen aufweisen. Aus Kunden wurden die werden sollen, aus ihrem resp. Fachverein auszutreten; 6. die um 69 pCt. Das ist wohl die bemerkenswertheste Erscheinung, uehmer auf das Koalitionsrecht handelt und die Arbeiter gezwungen Südstaaten zu Konkurrenten der Nordstaaten und müssen diese gegenwärtig schwebenden, unbeendigten Streiks sind so schnell wie über kurz oder lang zwingen, auf dem Weltmarkt Ersatz für den möglich zu einem Abschluß zu bringen; 7. davor zu warnen, irgend zusammengeschrumpften inneren Markt zu suchen, was vielleicht welchen Mittheilungen über die Hamburger Verhältnisse 2c., welche Staaten nach sich ziehen würde. eine totale Revolution der bisherigen Zollpolitik der Vereinigten nicht von den Unterzeichneten ausgehen, Glauben zu schenken, indem dadurch nur Konfusion und somit Zersplitterung der Kräfte herbeigeführt werden würde, und werden wir daher sofort über fede Veränderung der Sachlage berichten. Genossen! Wir richten einmüthig an Euch die dringende Aufforderung, den von Euren und uns in die Lage zu verfeßen, in wirksamerer Weise als es Delegirten in Weimar einstimmig gefaßten Beschlüssen nachzukommen bisher geschehen konnte, zur Entscheidung des schweren Kampfes, den die Hamburger Arbeiter jezt auszufechten haben, eingreifen zu tönnen. Es handelt sich dabei, wie schon so vielfach von uns und unterliegen die Arbeiter- nun dann Ade Organisation! betont wurde, um Vertheidigung gesetzlicher Rechte und Freiheiten Baumwolle 225 Wolle Kammgarn 192 Leinen 167 444 164 333 124 453 90 153 465 190 105 554 169 172 Mit kollegialischem Gruß m. Segiz, Vertrauensmann der Metall- Arbeiten. C. Breder, Vertrauensmann der Schlosser u. Maschinenbauer. Th. Schwarz, Vertrauensmann der Eisen- u. Metallgießer. E. Goldbach, Vertrauensmann der Feilenhauer. W. Mezger, Vertrauensmann der Klempner. In allen Staaten, Rußland ausgenommen, haben die direkten Steuern von 1882 bis 1887 zugenommen, in England am meisten, um 17,41 pCt., in Frankreich am wenigsten um 7½ pCt. Die Verzehrsteuern wurden in Frankreich um 8,02 pCt. erhöht, während sie in England um 1,95 pCt. herabgesetzt wurden. Auch in Die Frauen- und Kinderarbeit in der Textilindustrie diesem Punkte feunzeichnet sich die gesunde Finanzpolitik Englands. Das Gewerbedepartement des englischen Handelsder Engländer; während alle übrigen Staaten die ministeriums hat fürzlich eine Lohnstatistit herausgegeben, Verzehrsteuern erhöhen und die direkten Steuern Fabrikanten geliefert; dasselbe giebt Auskunft blos über ein Biertel die die Textilindustrie umfaßt. Das Material wurde von den zu vermindern streben, erhöht England seine der beschäftigten Arbeiter; die Zusammenstellung der Zahlen be birekten Steuern in größtem Maßstabe und seßt sorgte Giffin. Da ist fanm zu erwarten, daß diese Statistik zu die indirekten Steuern herab, und dabei hat es so verlässiger sein wird, als Lohnstatistiken überhaupt zu sein pflegen, blühende Finanzen, wie fein anderer Staat sie aufweist. felben, einfach unbrauchbar ist. Am interessantesten erscheinen uns Das heißt, man darf annehmen, daß sie, wie die Mehrzahl der Am belehrendsten sind noch einige Ziffern über die Zahlen, welche die Ausdehnung der Frauen- und Kinderarbeit Heer und Marine. In den sechs Jahren von 1882 in der englischen Textilindustrie veranschaulichen. Sie seien hier bis 1887 haben die Ausgaben für das Heer zuwiedergegeben. Von je 1000 Arbeitern waren 1886: genommen: in Frankreich um 3,13, in Italien um Männer Jungen Frauen Mädchen 35,78, in Desterreich um 43,82, in Deutschland um 54,09 pŒt. Deutschland nimmt auf dieser Leiter die höchste Stelle ein; es hat seine Ausgaben für das Militär in sechs Jahren um mehr als die Hälfte vermehrt, und seit 1887 ist es bekanntlich auf diesem Wege immer schneller vorwärts gegangen. Von den gesammten Militärausgaben trifft auf den Kopf am meisten in Frankreich, nämlich 19,56 Fr., dann kommt Deutschland mit 15,54, die übrigen Staaten mit 10 bis 11 Fr. Von sämmtlichen Ausgaben sind dem Militär gewidmet: in Spanien, England, OesterreichUngarn und Italien durchschnittlich 20 pCt., in Frankreich 23,73, in Rußland 26,27 und in Deutschland 27,24 pCt. Also auch in dieser Beziehung steht Deutsch- beschäftigten Arbeiter Deutschlands. Kollegen! Wollen wir unsere An die Rammmacher und sämmtliche in der Kamutbranche land auf der äußersten Stufe. Diese Zahlen wachsen gedrückte Lage verbessern, dann genügt es nicht mehr, wenn wir indeß noch um ein Erkleckliches, wenn man bedenkt, daß uns in Kleinen Lokalvereinen zusammenthun, sondern wir müssen die meisten Staaten riesige Schulden verzinsen müssen, suchen, möglichst große und starte Organisationen zu bilden. Nicht die vornehmlich von Kriegen und Kriegsrüstungen her- sehen, auch mit unseren ausländischen Kollegen in Verkehr zu nur national müssen wir uns organisiren, sondern wir müssen rühren. Die Schulden der sechs Großstaaten be- treten, denn auch die billigere Einfuhr der Fabrikate unseres Getragen, in runden Milliarden( Mark) ausgedrückt: werbes vom Auslande ist nur dadurch möglich, daß, abgesehen von Deutschland 8, Desterreich- Ungarn und Italien je 9, besseren Fabrikations- Einrichtungen, unsere dortigen Kollegen gleich- liefert Rußland und England je 15 und Frankreich 30, was falls darauf nicht dringen, einen menschenwürdigen Lohn von dem an jährlicher Verzinsung verlangt: Deutschland 300, eine Organisation, die" Bereinigung der Drechsler Deutschlands", Unternehmer zu verlangen. Für unser Gewerbe besteht bereits Desterreich- Ungarn und Italien 430-460, England 470, und fordern wir Euch auf, dieser Vereinigung beizutreten, wie bringen wir in der nächsten Nummer. Am verbreitetsten ist die Fraueuarbeit in der Leinenindustrie. Die Ausbeutung unreifer Arbeitskräfte wird am schwunghaftesten Arbeiter Kinder und junge Bersonen sind. Die Bahl der er in der Kammgarnindustrie betrieben, wo mehr als ein Drittel der wachsenen Männer beträgt überall, mit Ausnahme der Wollindustrie, weniger als ein Biertel sämmtlicher Arbeiter, in der Leinenindustrie nur ein Sechstel. Gewerkschaftliches. Allgem. Versammlung der sozialdemokratischen Parteigenossen Berlins und Umgegend. Mittwoch, 20. August, Abends 8 Uhr, im Saale der Brauerei Aktien- Gesellschaft Friedrichshain ( früher Lips). Tages Ordnung: 1. Die Angriffe auf die Taktik der sozialdemokratischen Fraktion. Referent: Reichstagsabgeordneter Paul Singer. 2. Diskussion. Der Einberufer. Die Versammlung der Berl. Buchdrucker u. Schriftgirker hat am Mittwoch Abend zum zweiten Male 1000 Mk. Bei der Bewilligung wurde besonders hervorgehoben, daß gerade für die Hamburger Arbeiter bewilligt, insgesammt 2300 Mk. die Mitglieder des Unterſtüßungsvereins der Deutschen Buchdrucker die Freiheit der organisirten Arbeiterschaft mit allen zu Gebote ein hervorragendes Interesse haben, einem solchen Kampfe gegen stehenden Mitteln entgegenzutreten. Neben dieser Bewilligung ist vom Vorstande dieses Vereins noch eine freiwillige Sammlung fortwährend im Gange, und soll dieses Ergebniß, wenn noth wendig, ebenfalls nach Hamburg entsendet werden. Außerdem haben viele größere Druckereien namhafte Beträge noch extra. gesteuert. liche Schuhmacherversammlung in Feuersteins Salon, Alte Montag, den 18. August, Abends 82 Uhr große öffent Jakobstr. 75. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom Streit; 2. Bor trag des Herrn Bruno Bille; 3. Diskussion. Briefkasten. ebenso. Eger. Für die Hamburger empfangen 4,55 Mt. und abge D. M. R. 50 Mt. P. K. Ihr Eingesandt zu der zur Diskussion gestellten Frage Große öffentliche Volksversammlung für Männer und Frauen am Montag, den 18. Auguft, Abends 8 Uhr in Schneider's Salon, Belforterstraße 151. Vortrag über: Die Ursachen der Armuth". 2. Diskussion. Referent: Mar Baginsky. Zur Dedung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Verein d. Sattler u. Fachgen. Dienstag, d. 19. August, Ab. 8% Uhr, bei Deigmüller, Alte Jakobstraße 48a Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag: Bellami's Roman, im Jahre 2000. Referent: Vogtherr. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Einberufer: Max Biringer. Den Genossen zur gefl. Nachricht, daß die neuen Gruppen- Bilder eingetroffen sind. Größe 5462 Ctm. Bestellungen nach auswärts brieflich. Karl Scholz Wrangel- Straße 32 part. Bei Bedarf von Sonn- u. Regenschirmen, Billets zum Sommernachtsball sind in be- sowie Anfertigung sämmtlicher Reparaturen schränkter Zahl, zum zweiten Dampfer, bei Janz, halte mich den Parteigenossen bestens empfohlen. Bigarrenladen, Jannowißbrücke 1, zu haben. Gustav Fritz, S., Fürstenstr. 11. Berantwortlicher Redakteur: Conrad Schmidt, Berlin.- Drud und Verlag: Maurer, Werner& Co., Berlin SO., Elisabeth- Ufer 55. ſa= vir die ten in Be= en= ruf ine ber er= len zu on en the ch= IT= m= ge n= en 3= t! e= r= 28 r= 11 ht 1= st It e e δ e 8 Beiblatt zur Berliner Volks- Tribüne. Nr. 33. Russischer Verbannten- Zug. Motto: Nach einer Kaiserlichen Verordnung vom 12. März 1882 ist der Minister berechtigt, Personen, welche der öffentlichen Ordnung ,, nachtheilig" sind, auf administrativem Wege( d. h. ohne Prozeß und Urtheilsspruch!) einen bestimmten Wohnsiz anzuweisen." Die geringste Kleinigkeit genügt schon, als„, noblagonadezhui"( unzuverlässig) zu erscheinen und das furchtbare Loos der Verbannung auf sich zu ziehen. Georg Kennan: Sibirien. Durch die Ebenen Rußlands schleppt sich Ein Verbannten- Trupp zu Paaren: Männer, Frauen, jugendkräftig, Greise auch in grauen Haaren. Nebenher auf mageren Gäulen Lässig die Kosaten traben Lieder von der Dnieprheimath Singend zum Gekrächz der Raben. Dumpf klirren die Ketten. Langsam schreiten die Gefangenen, Alle stumm zu Boden schauen: Auf den Angesichtern wuchtet Schwer des Schicksals düstres Grauen. Denn mit jeder Werst gen Ostert Und mit jedem Wandertage Rückt die Heimath immer ferner, Wilder toben Schmerz und Klage Dumpf flirren die Ketten. Doch bevor sie schreckdurchschauert Asiens Steppenraum betreten, Rasten sie, zum legten Male An dem Grenzstein, fromm zu beten. Auf die heißgeliebte Erde Brünstig sie die Lippen pressen; Und die Luft erhebt von Seufzern Und von Klagen, unermessen. Dumpf flirren die Ketten. Wem noch nicht das Herz gebrochen Brechen muß es hier beim Scheiden, Wenn des Führers ,, Bildet Reihen!" Streng gemahnt zum Weiterschreiten. Noch ein Segensgruß der Stätte, Krampfhaft Schluchzen, Händefalten Und vorbei am Grenzstein wanken Schmerzdurchwühlte Schredgestalten Dumpf klirren die Ketten. In des Nordens Winteröde Schleppen jie des Lebens Scherben, Um dort elend, unbetrauert Den Verzweiflungstod zu sterben. * * Dulde, armes Volk, die Fesseln, Die du schuldlos stets getragen Anch zu dir wird einst die Freiheit Ihre goldenen Brüden schlagen! Eine Himmelsbotin wird sie Deiner Knechtschaft Ketten brechen, Und dich von Despotenwillkür Ewig los und ledig sprechen. Aber aus dem Erz der Ketten, So dir Hand und Fuß umschließen, Wird sie Friedenssäulen formen, Wird sie Glockenspiele gießen. Wecken soll ihr Klang die Todten, Die schon längst im Grabe modern, Und es wird die starren Leiber Neue Lebensgluth durchlodern! Aus Sibiriens Schneegefilden Und des Urals Gifterz- Gängen Werden alle freudig folgen Freiheit, deinen Siegsgefängen; Denn vor deinen Sturmeswettern Bricht die Tyrannei zusammen, Und aus Schutt und Asche schlagen Hell des Weltenfrühlings Flammen. Ernst Kreowsti. Anbeilbar. Von Uspenki. Deutsch von Styczinski. ( 1. Fortsetzung.) Sonnabend, den 16. August 1890. ,, Nein, das ist zu leichte Lektüre" " recht. Und Sie wollen lieber etwas recht ernsthaftes? Ja?" " Ja, ja, so etwas recht... wie soll ich sagen. . gesundes." ,, Hm! etwas recht gesundes!" Der Doktor durchstöberte die Bücher und brummte: Etwas recht gesundes,... meinen Sie!... Wollen nicht etwa den Schlosser?... ich denke, das wird gesund genug sein!" Sie 11 Was ist das, Schlosser?" Geschichte" IV. Jahrgang. " Chiliasten. fragte er. Iwan Jwanitsch, was ist das?" „ Chiliasten?" " Hier steht es geschrieben: Ebenso wie das tausendjährige Reich für die Chiliasten"... " Das heißt.. wie ist das zu verstehen, ebenso, wie .. lesen Sie mal den ganzen Saß!" Der Diafon las eine lange, unverständliche Periode und blieb alle Augenblicke stecken, als ginge er über ein ungepflügtes Feld und fiele immer wieder um. Als er zu Ende war, begann der Doktor nachzu,, Bitte, wollen Sie es mir geben, das ist etwas, denken, der Diakon siand aber geduldig da, schwieg und was ich mir gewünscht habe" ,, Nun, dann nehmen Sie's!" " Ich möchte nur, Iwan Iwanitsch, von Anfang an beginnen" „ Nun ja, da haben Sie's. Der erste Theil:„ Die Griechen." Das ist der Anfang" .. ,, D, ich danke sehr.. Aber, wie meinen Sie das mit dem Anfang? Fängt das Buch mit der griechischen Geschichte an?" " Ja, mit der griechischen.. Und was wollten Sie?" Und vor den Griechen gab's nichts?" " Gewiß, gab's etwas! Da ist z. B. die Geschichte der Inder, das ist noch vor den Griechen." " Giebt's nichts, was noch eher anfängt?" " Ich wüßte nicht.. Aber wozu wollen Sie das?" " Ja, sehen Sie, ich möchte schon von Anfang an, direkt an der Wurzel beginnen." ,, Kommen Sie schon wieder mit Ihren Wurzeln?" " Ja, freilich, Iwan Iwanitsch! Ich kann doch nicht vom Ende anfangen! Wenn man sich bessern will, soll man es gründlich machen. Man soll direkt an der Wur... Wurzel anfangen.. Warum lachen Sie? Es ist doch so! Habe ich etwa nicht Recht?" " Gewiß, gewiß, haben Sie Recht... Nur weiß ich nicht, was ich aussuchen soll. Da ist ein Buch: Bis zum Menschen". Vielleicht wollen Sie das?" " „ Ist das solch' ein Buch?" Ein Buch .. verstehen Sie!- Bis zu! Das ist doch die Wurzel selber" „ Ja, ja. ja! das ist so etwas," flüsterte der Diafon mit wahrem Wohlbehagen.„ Bis zu! Ja, das ist es! Fängt das an, noch ehe etwas war?" " Ja, noch ehe etwas auf der Welt war." „ Ach, das wird das richtige Buch sein... direkt".. „ Ja, ja, direkt!.. Bitte, nehmen Sie es!" " 1 Gott gebe Ihnen alles Gute dafür! Ich will mich sofort daran segen!" " Freut mich sehr!" " Ich danke schön! Was sollte ich mit den Zeitschriften anfangen?.. Wenn ich etwas thun will, so muß ich's direkt" „ Schon gut, schon gut!" Er bedankte sich und stotterte noch einige mal das selbe, daß„ wenn man daran denkt, sich zu bessern, man es gründlich machen müsse!" Er entfernte sich eilig mit der augenscheinlichen Absicht, sofort an's Werf zu gehen, denn er hatte das Buch aufgemacht und hielt es dicht unter der Nase. Mein Freund fam wieder zu mir in's Zimmer. , Stell Dir nur vor," sagte er,„ daß ich solche und ähnliche Gespräche mit ihm fast jeden Tag führen muß. Dringt es auch ein?"" Und wie denken Sie über die Seele?" u. f. w. Der Teufel soll ihn holen! Manchmal tyrannisirt er mich zwei volle Stunden und das Ende vom Liede ist, daß er weggeht und sich noch an demselben Abend betrinkt und irgend einen Standal auf führt. Schrecklicher Mensch!" " wartete. Das weiß der Teufel! Freund.„ Ach, lassen Sie nur fach aus." „ Ja, so recht auslassen! " sagte endlich mein immer so etwas einDas scheint mir nicht „ Na, ich weiß es selbst nicht... Kann Ihnen nicht helfen!... Lesen Sie weiter, es wird schon stehen, was das bedeuten soll!" " Hm!" machte der Diakon, blieb noch eine Weile stehen und ging dann, ohne etwas zu sagen. Ein anderes Mal hielt er den Iwan Jwanitsch an, als dieser gerade in's Städtchen gehen wollte, um seine Krankenbesuche zu machen. ,, Seh'n Sie mal, Herr Doktor!" begann er und zeigte eine Stelle in dem geöffneten Buche, oder, warum ist ein erwachsenes Thier besser als ein neugeborenes?" Warum, Iwan Iwanitsch?" " Was? Was für ein Thier?" ,, Ueberhaupt wird hier gesagt zum Beispiel so, daß ein Ei zum Beispiel. Da! Seh'n Sie nur: oder was ist besser in einem neugeborenen Thier?" Geben Sie mal das Buch her! Wo steht das?" Der Diakon reichte ihm das Buch, zeigte die Stelle und wartete. 11 Fünf Minuten las Iwan Iwanitsch die gezeigte Stelle, blätterte in dem Buche hin und her und sagte endlich: " So kann ich Ihnen das nicht erklären. Das geht nicht, irgend einen Saß aus dem Zusammenhange herauszureißen... Weiß der liebe Himmel, was das bedeuten mag! So geht das nicht." " Hm!" machte auch diesmal der Diakon. " Ich muß wenigsteus einige Seiten im ZusammenKommen Sie morgen hange lesen. Irgend ein Ei.. nach dem Mittagessen, wir wollen's zusammen lesen." Der Diakon schwieg, blätterte einige Seiten zurück und stellte dann noch eine Frage: ,, Und was bedeutet dies hier?„ Kombination der Formen'." .. Das " Jetzt habe ich keine Zeit", unterbrach ihn der Doktor. Ich muß sofort gehen. Kommen Sie morgen Abend! Wir wollen das Buch zusammen lesen." Sie sind sehr freundlich, Herr Doktor Buch ist aber auch schrecklich schwer geschrieben." , Es wird sich schon machen!" sagte Iwan Jwanitsch, froh, daß er ihn los wurde." Kommen Sie nur morgen!" " " Der Diaton schrieg, blätterte noch eine Weile in dem Buche, ging dann in seine Wohnung und versicherte, daß er auf jeden Fall kommen werde. An dem für die gelehrte Unterhaltung bestimmten Abend ereignete sich aber etwas, was durchaus nicht im Programm stand. Wir hatten wie gewöhnlich einen Spaziergang unternommen und ganz und gar vergessen, daß heute Abend" der Diakon kommen sollte. Als wir zurück famen, war beinahe die Nacht schon eingebrochen. Wir gingen sofort in unsere Wohnung. In dem Zimmer war es schon dunkel. Durch die offenen Fenster drangen vom Hofe her die Töne einer seltsam heftigen Unterhaltung ein. ,, Scheint ein sonderbarer Patron zu sein!" Er trinkt, bummelt.. hat jezt mit der Polizei zu thun, seine Frau ist ihm durchgegangen, und er will sich bessern und zwar direkt an der Wurzel anfangen." Er versucht's mit Pillen und Büchern. Wenn's uur direkt in den Punkt.. in die Ader ginge!" Entsetzlich!„ Geschimpfe" gab. Wollen wir nicht ein wenig spazieren gehen?" " 1 Es stellte sich heraus, daß es draußen ein arges In dem Alltagsleben eines kleinen, russischen Nestes, Bald darauf trat ein blasser, abgehärmter Mann in einem fadenscheinigen Rock in die Stube ein und folgte Wir machten einen längeren Spaziergang und kamen das sich„ Stadt" schimpft, giebt es, glaube ich, den ganzen schüchtern, auf den Zehen, dem Iwan Iwanitsch in sein erst spät nach Hause. Es war ein schwüler Sommer- Tag über kaum eine einzige so lästige, unangenehme Kabinet; als er durch den Saal ging, fielen mir vor abend. Während des ganzen Spazierganges verließ mich Stunde, wie diejenige, welche man am Abend zum„ AusSie sahen halb nicht für einen Augenblick der Gedanke an den armen, ruhen nach der Arbeit", zum„ Plaudern in der Abendallem seine eigenthümlichen Augen auf. begeistert, halb erschreckt, dabei aber auch irrsinnig aus unglücklichen Menschen, der seinen Seelenschmerz mit ruhe" auswählt, welche man dem„ Nichtsthun" weiht. und belebten das blaffe, noch nicht alte Gesicht mit lan- Büchern und Pillen zu heilen gedachte. Was mag das Ueberall, selbst in den entlegensten Vierteln der großen gem hellblonden Haupthaar und einem kleinen Bärtchen, wohl für eine Wunde sein? Wer, was hat die Wunde europäischen Städte, wo wahres Leben pulsirt, das er fortwährend zupfte, als er auf den Zehen durch geschlagen? Alles das interessirte mich sehr. Ich beschloß mag dieses Leben auch noch so traurig, schwer und den Salon ging. Seine unsichere Haltung und sein auf jeden Fall eine Gelegenheit zu suchen, mit ihm zu freudlos sein, in den Vierteln, wo die Fabriken vornüber gebeugter Körper im Verein mit dem franken, sprechen, ihn auszuforschen. erschrockenen Gesicht und dem irren Blick, in dem etwas eigenthümlich Belebtes lag, machten den Eindruck trostlosen Elends und flößten Mitleid ein. * * es stehen und die Arbeiter wohnen, sind die Abendstunden in der That die Zeit der Ruhe, nach einem langen, schweren, thätigen Tage. Und mag der Tag der Arbeit Während der nächsten zwei oder drei Tage nach auch noch so schwer sein, der Abend ist lustig oder doch „ Das ist alles, was ich habe. Wählen Sie sich, der Unterredung mit meinem Freunde, war der Diafon wenigstens ruhig Ganz anders in einem russischen was Sie wollen!.. Was für ein Buch möchten Sie fast gar nicht zu sehen. Er war so fleißig an der Arbeit Städtchen. Das Nest, das auf irgend wessen Befehl die haben?"- fragte mein Freund, als sie schon im Kabinet und mit der Lektüre des Buches" Bis zum Menschen" Stelle einer Stadt spielen muß, zwingt alle seine Bebeschäftigt. Nur zwei- oder dreimal kam er an das offene wohner zum Komödiespielen. Die Behörde- mit sammt Fenster heran( er wohnte im Hofe in einem Neben- dem Herrn Bürgermeister und den Tschinowniks spielen " Ich möchte etwas recht gründliches haben" da ist eine Zeit gebäude), richtete an meinen Freund eine flüchtige Frage Komödie, ihre Verordnungen nehmen sich wie PoffenWählen Sie sich nur aus und ging wieder weg. spiel aus, Wollen Sie vielleicht die Zeitschrift?" aus dem einfachen Grunde, weil es in waren. schrift. solch' einem Neste nichts zu bewachen und nichts zu regieren und befehlen giebt. Der Lehrer spielt Komödie, denn er weiß sehr wohl, daß er nicht viel lehren kann und sein Lehren keinen Nutzen bringt und so alle anderen der Reihe nach. Und alle diese Schmarotzer, welche sich sagen müssen, daß der ganze Tag nur eine Lüge war. daß ihre ganze Thätigkeit nur darin bestand, auszusinnen, wie man den Tag am besten totschlagen könnte,— fühlen am Abend, wenn eiu Tag wieder glücklich totgeschlagen ist, das Bedürfniß, ihre Seele zu erleichtern, die Maske der lügenhaften Thätigkeit, des lügenhaften Lebens hinweg zu Wersen... Aeußerlich— herrscht überall Ruhe: überall sind die Thore geschlossen, überall die Lichter ausgelöscht, man könnte glauben, das Städtchen ruhe in tiefem Schlaf. Doch nein,— im Gegentheil! Ueberall auf den Plätzen vor den Häusern, wohin die ehrbaren Bürger sich nach dem Abendbrot flüchten, beginnt die emsigste Arbeit, welche, als leises Flüstern sich äußernd, unternommen wird im Namen des Bedürfnisses, die Seele zu erleichtern, und in dem Hervorkehren all' des geistigen Schmutzes und in dem gegenseitigen Bewerfen mit Koth besteht.„Der hat mich schön betrogen!" flüstert eine junge Frau.—„Was er sich nur denkt? Als ob ich als Braut nicht Freier genug gehabt hätte! Da wär's doch wahrhaftig besser gewesen, sich gleich in's Kloster einsperren zu lassen!"—„Und um wessen willen quäle ich mich so ab? Doch nur um euretwegen, ver- dämmte Rangen! Wäret Ihr nicht, dann brauchte ich hier nicht zu sitzen!" flüstert in einer anderen Ecke ein ärgerlicher Familienvater.— Dort in dem einen flüstern Winkel trinkt einer und flucht über sein Loos; dort in dem anderen trinkt ein zweiter und schweigt... Ueberall hinter den geschlossenen Thoren, auf den Ruheplätzen, unterm freien Himmel wird das Handwerk des Klatschens, des Ehrabschneidens eifrig betrieben. Da bearbeitet einer den andern in leisem, kaum hörbarem Geflüster, leise wie das Klingen der Säge, mit welcher der Arzt einem Kranken die Rippe aussägt. Ein ähnlicher Feierabend wurde heute auch in unserm Hofe gefeiert. In der beschriebenen Weise„ruhte" nach den Mühen des Tages die ganze Familie Antonow aus. Unter dem allgemeinen, gegenseitigen Schelten dieser Thiere war die Stimme des Diakons lauter als alle anderen. In ihr war keine Spur der früheren Schüchtern- heit. Im Gegentheil tönte sie in allerlei groben Schimpf- Worten. Der Diakon mußte in hohem Grade berauscht sein. „Was ist das?" fragte Iwan Jwanitsch, da er bie bekannte Stimme vernahm.„Ist er etwa wieder einmal betrunken?" Er begann auftnerksam zuzuhören. Der Diakon schimpfte über die Frau Antonow Und ihre Schwieger- söhne, seine Frau, die Bücher, Zeitungen,— mit einem Worte über alle und alles in der gröbsten, unfläthigsten Weise und in der verworrenen Unordnung, in welcher die Gedanken ihm in den Kopf kamen. „Hebamme will sie werden!" schrie er.„Hebamme! Hat sich was schönes herausgesucht! Einen tüchtigen Stock sollte man nehmen und sie durchprügeln! Ach diese verdammten Hebammen!" „Um Gotteswillen, Vater Diakon, was ist das? Habt Ihr Euch wieder betrunken?" unterbrach ihn Iwan Jwanitsch. „Jawohl!" sagte trotzig der Diakon. „Das ist wieder einmal schön von Ihnen!" „Sehr schön! Gewiß! Sie dachten wohl, Sie haben einen Esel vor sich, der alles mit sich machen läßt! Zwei Pulver— eins vor dem Mittagessen— das zweite Abends. Da haben Sie sich gründlich geirrt." Er machte eine Grimasse und zeigte Iwan Jwanitsch die Zunge. Iwan Jwanitsch wußte nicht, was er machen sollte. Er antwortete ihm kein Wort, stand noch eine Weile am Fenster und schwieg. „Ach, ihr Gelehrten alle! Der Teufel hole euch! So lange man von euch nichts haben will, seid ihr alle klug, fragt man aber etwas, dann wißt ihr alle zusammen nichts. Was wißt ihr? Pulver, Pillen... Dumm seid ihr, dumm, wie die Ochsen! Die Seele thut einem weh und sie, die Esel, rathen, man soll..." „Machen wir das Fenster zu!" sagte Iwan Jwa- nitsch und war offenbar sehr böse geworden.„So geht's halt immer! Und morgen kommt er wieder!" Lange noch hörten wir, wie im Hofe der betrunkene Diakon schrie:...„Ach, die verdammten Hebammen!" ...„Eisenpillen sollte man euch geben, ihr Spitz- buben, vielleicht würdet ihr dann aufhören zu stehlen!" —„Verfluchte Heliasten!"...„Lies einmal im Buckle nach, was der darüber sagt, du Schwein!"... „Bismarck sollte kommen und euch Raison beibringen!"... «Jetzt rede ich aber nicht mehr mit ihm. Er soll mir ein für alle Mal vom Halse bleiben!" sagte Iwan Jwanitsch entschieden.„Nun ist meine Geduld erschöpft." Am nächsten Tage erwartete Iwan Jwanitsch den Diakon und bereitete sich vor. ihm wegen seines gestrigen Betragens ordentlich die Leviten zu lesen. Aber dieser zeigte sich nicht. Auch am Abend hörte ich ihn nicht. Die Familie Antonow fand für ihre Zanksucht kein Opfer und zankte nur untereinander. Erst am dritten Abend sah ich ihn wieder. Er war noch mehr abgemagert, konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, traurig und krank. Lange saß er schweigend auf der Schwelle seiner Wohnung, ohne auch nur mit einem Worte auf die boshaften Witze zu antworten, mit denen ihn die Familie Antonow über- schüttete. Die letztere sah, daß der Diakon heute noch ohnmächtiger war, als sonst und dieser Umstand spornte sie nur noch mehr an. Der ganze Haß. den die Mit- glieder der Familie gegen einander empfanden, machte sich Luft in den bösen Späßen über den Unglücklichen. „Was meinst Du dazu, wenn ich eine Pille ein- nähme, vielleicht würde ich vom Gericht freigesprochen!" meinte einer von den„Ausruhenden". „Weiß ich? Aber versuch's doch! Sieh' mal, der Vater Diakon nimmt auch Pillen ein und es geht ihm immer besser!" „Ja, ja! Besonders vor drei Tagen, da ist es ihm brillant gegangen!" „Er hat nicht die richtige Proportion genommen! Er sollte immer einen Schnaps trinken und dann gleich ein Pulver einnehmen,— einen Schnaps... ein Pulver... Nun hat er sich aber geirrt und immer nur auf sechs Schnäpse ein Pulver genommen... Davon ist die Geschichte gekommen..." „Sonst wär's aber gut gegangen? meinst Du." „Und wie! Sogar die Frau will wieder zu ihm kommen." „Ach! das ist ja eine Wunderkur!" „Glaubst Du es etwa nicht? Bei Gott, ich lüge nicht!... Väterchen Diakon habt die Güte, erzählt es selber!... Nicht wahr, es geht ausgezeichnet, wenn man sich mit Lektüre befaßt und nur vier Schnäpse trinkt?" Vor Lachen kann er nicht zu Ende sprechen. Sie kichern noch lange. Der Diakon schweigt und reibt sich die Stirne. „Wie steht's mit Ihrer Frau? Kommt sie recht bald wieder?' „Was?" fragt der Diakon. „Ich frage, ob Ihre Frau Gemahlin nicht bald wiederkommt." „Wozu sollte sie, meinen Sie. in diesen Schweine- stall wiederkommen?" „Aha! Sie haben also die Frau hinausgejagt, damit sie nicht in solch' einem Schweinestall zu wohnen brauche..." „Nur deshalb haben Sie sie geprügelt, damit sie fortginge?" „Wollt ihr nicht bald aushören, ihr Schurken!" schrie plötzlich der Diakon, außer sich vor Wuth, mit kreischender Stimme und sprang von seinem Platze auf. „Was geht das Euch an! Barmherziger Gott, wann be- freist Du mich von diesen Lumpen! Ich habe sie ge- schlagen, ja! ich habe sie geschlagen! Davon bin ich auch so kra— ank. Ach dieses Gesindel!" Das Lachen wollte gar nicht aufhören. Das Ge- sindel fühlte sich thatsächlich als Gesindel und übte in seiner Niederträchtigkeit kein Mitleid. „Prügelt seine Frau und ist selbst krank! Was mag das nur für eine Krankheit sein?" „Barmherziger Gott!" „Ha-Ha-Ha!" GeWerkschafte» und Sozialismus in England. Eine amerikanische Arbeiterzeitung(das St. Louis Tageblatt) brachte neuerdings zwei eingehende Artikel über die Entwickelung des Sozialismus in England. Besonderes Interesse hat, was der Verfasser über den un- sozialistischen Charakter der englischen Gewerkschafts- bewegung und über ihren Gegensatz zur deutschen Fach- Vereinsbewegung bemerkt. Er schreibt: Die Kämpfe der englischen Arbeiter in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts waren eine natürliche Reaktion gegen die Einführung der Maschinenarbeit, sie waren sozusagen eine unbewußte Reflexbewegung gegen den Druck des Kapitals. Denn noch waren die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise nicht erkannt, sie wurden als etwas unabänderlich Gegebenes hingenommen. Und so beschränkte sich der ganze Kampf auf die Erzielung besserer Löhne, die nur durch festen Zusammenschluß in Fachorganisationen erreicht und festgehalten wurden, und um deren Anerkennung sich schließlich alles drehte. Die Einführung der Maschine hatte aber noch eine andere Folge. Sie verschürfte nicht nur den Klassenunterschied überhaupt, sie theilte auch die Arbeiterklasse in sogenannte qualisizirte und unqualifizirte, in gelernte und ungelernte Arbeiter mit der steten Tendenz, die letzteren durch Ein- reihung von Frauen und Kindern zu vermehren. Wie immer die Führung im Kampf dem Stärkeren zufällt, so auch hier. Die qualifizirten Arbeiter wurden die Träger desselben. Sie waren es, die die ersten und stärksten Organisationen schufen und sie waren es auch naturgemäß, die die ersten und besten Früchte des endlich errungenen Sieges einheimsten. Und damit erwachte ihr Egoismus. Sie sahen und merkten bald, daß sie eine bevorzugte Stellung sich errungen und daß sie diese bevorzugte Stellung nur durch Niederhaltung ihrer minder glücklichen Arbeitsgenossen bewahren konnten. Diese Be- strebungen, erst unklar und versteckt, treten immer be- stimmter hervor, bis sie in letzter Zeit zur offenen Feind- schaft gegen die Organisationsversuche der ungelernten Arbeiter sich steigern. Am deutlichsten trat diese Feindschaft bei dem vor- jährigen Streik in der Gummi Elasticum und Gutta- Percha-Fabrik in Silvertown zu Tage. Der Streik war gewonnen, sobald die große Union der vereinigten Maschinenbauer zugab, daß die in den obigen Werken beschäftigten Maschinisten daran theilnahmen. Trotz aller Bitten und Vorstellungen versagte der Vorstand seine Einwilligung und die Folge war, daß nach dreimonat- liehen, unglaublichen Entbehrungen die streikenden Männer und Frauen zu Kreuze kriechen mußten. Eine solche, vom Arbeiterstandpunkte aus völlig unbegreifliche Hand- lungsweise ist nur erklärlich durch einen vielleicht nicht einmal klar bewußten Gedankengang, der auch den Schlüssel giebt zu dem ganzen Verhalten der Trades Unions in letzter Zeit. Die Engineers sagten sich: Wir haben, wie über- Haupt, so auch in Silvertown, gute Löhne. Das ist aber nur möglich so lange, als die anderen, die unge- lernten Arbeiter, schlechtere Löhne beziehen. Es ist also gegen unser Interesse, dem Strike beizutreten, wie es überhaupt gegen unser Interesse ist, den Organisations- bestrebungen der unter uns stehenden Arbeiterschichten beizustehen. Ohne Zweifel ist das eine selbstsüchtige, ja brutale Folgerung, aber jedenfalls folgerichtig bei Leuten, die auf dem Boden der heutigen Gesellschaft stehen und und diese Gesellschaftsform für unabänderlich halten. Sie ziehen nur die Konsequenzen aus dem unerbittlichen Vernichtungskrieg Aller gegen Alle. Der rasche Er- folg der Sozialdemokraten in Deutschland ist vielfach dem Umstände zuzuschreiben, daß die sogenannten qualisizirten Arbeiter sich noch keiner exceptionellen Stellung zu erfreuen und folglich auch noch keine zu vertheidigen hatten. Vor dem Rückfall in die engherzige Anschauungsweise ihrer englischen Kollegen aber bewahrt sie die richtige Benrtheilung der bestehenden Gesellschaft, und die gleiche Erkenntniß wird sie auch vor allen uto- Pistischen Lockungen bewahren, kommen dieselben von rechts oder von links, die nach Ablauf des Ausnahme- gesetzes mehr als je zu erwarten sind. Es zeigt sich hier einmal so recht der Werth einer richtigen theorethischen Erkenntniß und wie ober- flächlich die Ansicht ist, daß die sozialdemokratische Ar- beiterpartei Deutschlands auch ohne Karl Marx das geworden wäre, was sie heute ist; eine Ansieht, der man hie und da selbst noch in unseren Reihen begegnet. Ganz einverstanden— wenn eben ein Anderer uns die inner- sten Vorgänge der kapitalistische» Produktionsweise aufgedeckt und klargelegt hätte. Gerade weil dem englischen Arbeiter diese theoretische Erkenntniß bis dato fehlte, gingen seine Forderungen nie über einige Lohnerhöhungen hinaus, fiel es ihm nicht ein. politisch selbständig vorzugehen, sondern begnügte er sich, hinter der liberalen Partei herzutrvtten; wendet er sich endlich in gänzlicher Berkennnng seines Klassen- interesses gegen die unter ihm stehenden Klassengenossen und bildet damit die kräftigste Schutzwehr für den natürlichen Feind seiner Klasse, den Kapitalisten., Die kluge englische Bourgeosie aber erkannte rasch den ungeheuren Vortheil, den dieser Antagonismus für sie hatte und den sie nach Kräften zu befördern strebt. Was liegt ihr d'.ran, wenir sie einige Hunderttausend Arbeiter besser l.'.ahlen muß und dafür Millionen um so schamloser u..) ungestörter ausbeuten kann. Man liebt es, aus die hohen Löhne in England hinzuweisen. Ja, dieselben sind verhältnißmäßig gut, aber doch nur für den kleinsten Theil der Arbeiter. Was Wunder, wenn die früher so grimmig befehdeten Trades Unions Gnade gefunden, wenn sie als das kleinere Uebel mit in den Kauf genommen und schließlich noch gar als ein Segen für die menschliche Gesellschaft hingestellt werden.— Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen kommt der Verfasser auf den vorjährigen großartigen Dock- arbeiterstreik zu sprechen, der das Kampfsignal für die ungelernten Arbeiter gab. Wohl Niemand war von dem Ausbruch dieser un- erwarteten Bewegung mehr überrascht, als die alten Gewerkschaften und deren Führer. Gewöhnt, die ungelernten Arbeiter als eine un- gefüge, unkrollirbare und hilflose Masse zu betrachten, lsielten sie jede selbständige Regung derselben für völlig ausgeschlossen. Noch kurz vor Ausbruch des großen Streikes wiesen die Führer der alten Trades-Unions die Aufforderung zurück, die Organisation der Dock- arbeiter und ähnlicher Branchen in die Hand zu nehmen, oder sie doch wenigsteus mit ihren Rathschlägen und Er- fahrungen zu unterstützen. Man wollte nichts von ihnen wissen, und man trieb sie damit nur in die geöffneten Arme der Sozialisten, die sich mit wahrem Feuereifer ihrer Sache annahmen und überall an die Spitze traten. Und so sprang der neue Trades-Unionismus, von dem jetzt in England so vielfach die Rede ist, in's Leben. Neue Trades-Unions in der That! Nicht etwa, weil sie neu gegründet, oder neue bisher indifferente Arbeiterschichten umschließen, sondern weil ein neues Leben in ihnen pulsirt, ein neuer Geist in ihnen herrscht. Sie sind, was die ersten Arbeiter-Verbindungen sein sollten und auch waren, Kampforganisationen, eine Waffe nicht nur zum Schutz gegen die Uebermacht und Uebergriffe des Kapitals, sondern auch zum Angriff bei passender Gelegenheit. Dazu aber gehört Bewegungsfreiheit und dazu war es vor allem nöthig, mit dem System der Kranken- und sonstigen Unterstützungskassen zu brechen, welches die Trades-Unions aus jener Zeit mit hinübergenommen, wo sie als illegal sich unter der Maske von Unter- stützungsvereinen(Friendly Societies) verstecken mußten. Was erst ein Nothbehelf, eine Deckung gegen will- kürliche Unterdrückung sein sollte, war zur Hauptsache geworden. Die Verwaltung und Kontrolirung der ver- schiedenen Kassen absorbirte nicht nur die besten und tüchtigsten Kräfte, der Besitz des Geldes lähmte, schreckte vor jeder Aktion zurück und entfremdete die Trades- Unions immer mehr ihren eigentlichen. Zwecken. Die Führer der neuen Bewegung, selbst langjährige Mitglieder gerade der bedeutendsten Gewerkschaften, kannten die Mängel und den positiven Schaden dieses Unter- stützungswesens aus eigener Erfahrung nur zu gut. Sie hüteten sich daher wohl in den gleichen Fehler zu ver- fallen. Kein neuer Fachverein ist mit Unterstützungs- lassen beschwert. Alle haben eine einzige Kasse, eine Kriegskasse wenn man will, lediglich dazu bestimmt, etwaigen Forderungen den gehörigen Nachdruck zu geben. Eine zweite sehr wichtige Verbesserung ist die Auf- Hebung des Grundsatzes, nur strikt Fachgenossen in die gleiche Organisation aufzunehmen; eine Beschränkung, die allerdings durch Amalgamirung ver- wandter Berussarten(Amalgamated Engineers z. B.) auch schon früher theilweise durchbrochen war. Der Titel oder Zusatz zum Titel„Allgemeine Arbeiter"(General Labourers) der meisten neuen Unionen zeigt an, daß sie Jedem, auch dem Geringsten, geöffnet sind und ihm Zuflucht und Schutz gewähren.*) Nur dadurch war es möglich, die untersten Schichten, die Gelegenheitsarbeiter, die ohne bestimmten Beruf heute dies und morgen das je nach der sich bietenden Gelegen- heit ergreifen müssen, zu organisiren. Selbstverständlich wurden Eintrittsgelder und wöchentliche Beiträge so niedrig als möglich gestellt. Man sieht, welch' frischer Hauch die neuen, auf breiter demokratischer Grundlage aufgebauten Unionen belebt und durchdringt. Der Erfolg war ein ungeheurer. Nicht nur sprossen und sprießen noch immer zahlreiche neue Gewerkschaften nach allen Richtungen empor, einige davon wie die Gas- arbeiter, die Dockarbeiter, die Eisenbahnarbeiter hatten in kurzer Zeit Mitgliederzahlen, die von den ältesten und bestorganisirten Trades-Unions nicht erreicht werden. Die Vereinigung sämmtlicher Arbeiter einer Branche, oder gar die sämmtlicher verwandter Berufe in eine Union, das so lang erstrebte und nie erreichte Ziel, der nie erfüllte Traum der„gelernten" Arbeiter, die „ungelernten" Dock- und Gasarbeiter haben es nahezu erreicht und die Eisenbahnarbeiter sind auf dem besten Wege dazu. Welche Machtfaktoren damit geschaffen, weaden die nächsten großen Streiks zeigen. Wohl mancher Sozialist wird geneigt sein, die jetzige gewaltige Regung in der englischen Arbeiterwelt als bloße Gewerkschaftsbewegung zu unterschätzen. Man täusche sich da nicht. Ein jedes Land hat seinen eigenen durch Geschichte und Tradition bedingten Entwickelungsgang. Das noch heute verkümmerte Stimmrecht und die ungeheuren, beinah unerschwinglichen Wahlkosten schreckten bisher die Arbeiter- klaffe in England von einem selbstständigen politischen Kampfe zurück, während das unumschränkte Koalitions- recht, die vollständige Bewegungsfreiheit und das Beispiel und der Erfolg der früheren Trades Unions auch dies- mal aus die gewerkschaftliche Organisation hinweisen. Eine reine, oder auch nur überwiegend politische Bewegung hätte nie die Arbeitermassen in gleichem Grade ergriffen und in Fluß gebracht. In Deutschland führte umgekehrt das ein- geengte Koalitionsrecht, der Mangel an Bewe- gungsfreiheit, aber das zu gleicher Zeit be- stehende allgemeine Stimmrecht und die größere Freiheit während des Wahlkampfes zuerst auf die p olitische Or ganisation, der die gewerkschaft- liche erst jetzt in größerem Maße folgt. Man bedient sich eben zunächst der Waffe, die man vorfindet. Wie in Deutschland die Fachorganisation die politische, so wird in England die politische Organisation die gewerk- schaftliche ergänzen. Denn es ist kein Zweifel, daß die heutige Bewegung eine bloß gewerkschaftliche nicht bleiben wird und schon jetzt es nicht mehr ist. Die veränderten Anschauungen über die Ausgabe der Arbeiterklasse machen sich nicht nur in den neuen Trades Unions fühlbar, auch die alten Unions werden mehr und mehr von dem Zuge der Zeit ergriffen. John Burnett, der Bericht- erstatter über Arbeiterangelegenheiten an das Handels- Ministerium, früher selbst Arbeiter und langjähriger Gewerk- schaftler, behauptet, daß der Sozialismus bereits in den meisten Gewerkschaften Fuß gefaßt habe. Vermöge seiner Stellung und seinen Erfahrungen ist dieser Mann in der Lage, ein kompetentes Urtheil zu fällen. Daß die Gründer, Organisatoren und Führer der neuen Trades Unions meist ausgesprochene Sozialisten und dabei Mitglieder der alten sind, beweist die Richtigkeit des obigen Aus- spruches. Aber ein anderes bedeutsames Zeichen des Umschwunges in der Arbeiterwelt ist die total veränderte Haltung der zahlreichen Arbeiterklubs. Früher mit wenigen Ausnahmen blinde Nachfolger der liberalen Partei, durchtränkt von dem öden Manchesterthum, zeigen sie heute eine ganz andere, weit selbstständigere Physiog- nomie. Es war das dankbarste Feld für die sozialistische Propaganda, dessen spezieller Beackerung Frau Aveling und Andere jahrelang sich unterzogen. Wenn man bedenkt, daß die intelligentesten Arbeiter in diesen Klubs vereinigt, daß die große Mehrzahl zu- gleich Mitglieder und jedenfalls nicht' die unthätigsten in den Gewerkschaften sind, dann wird man die Wichtigkeit dieser stillen und lautlosen Agitation begreifen. Man braucht nur die angekündigten Themata der heutigen Vor- lesungen und Diskussionen mit denen von noch vor einigen *) Die 55 000 Mitglieder der Dockarbeiter-Union z. B. um- fassen 25 verschiedene Berufe. Die General Railway Wolters- Union wahrscheinlich noch mehr. Jahren zu vergleichen, um den vollen Umschwung zu würdigen. Ja, die heutige ökonomische Situation drängt zu einer Aenderung; sie ist ganz dazu an- gethan, den englischen Arbeiter neuen Ideen zugänglich zu machen. Wie Engels schon im Jahre 1885 aus- führte, schwindet die exzeptionelle Stellung Englands auf dem Weltmarkt langsam und damit auch die exzeptionelle Lage der gelernten englischen Arbeiter. Die Ausdehnung der gewerkschaftlichen Organisation bis in die untersten Schichten hinein bedroht diese Sonderstellung noch rascher. Der Zeitpunkt muß bald kommen, und die anmarschirende wirthschaftliche Krise wird ihn beschleunigen, wo auch der blödeste Arbeiter einsieht, daß der rein gewerkschaftliche Kampf nicht genügt. Er wird dem Beispiel seiner kon- tinentalen Brüder folgen müssen und eine unabhängige politische Partei außerhalb der Trades Unions bilden. Bei dem durch lange Zeit geübten und vererbten Organi- sationstalente, bei der Gewohnheit am öffentlichen Leben theilzunehmen, wenn auch bis jetzt nur im Gefolge An- derer, ist die Bildung einer politischen Arbeiterpartei keine allzu schwere Aufgabe. Es wird sich dann der große Vortheil der im sozialistischen Geiste gegründeten Unionen offenbaren. Diese Hunderttausende, die früher stumpfsinnig dahin vegetirten und erst durch die Organi- sationen zu neuem Leben und neuen Hoffnungen erweckt wurden, werden sich wie ein Mann mit Begeisterung einer politischen Arbeiterpartei zuwenden. Das englische Prole- tariat wird dann wieder mit an die Spitze der modernen Klassenbewegung treten und ihr einen mächtigen, un- widerstehlichem Impuls verleihen. Die Einsichtsvolleren in der liberalen Partei fürchten etwas Derartiges. Sie wissen, daß sie ohne die Unter- stützung der Arbeiter den Konservativen nicht gewachsen und genöthigt sind, in politischer Hinsicht weitgehende Zu- geständnisse zu machen, um die Arbeiterklasse auch ferner- hin an sich zu fesseln. Das allgemeine Stimmrecht, die Uebernahme der Wahlkosten auf die Gemeinde, kürzere Parlamentsperioden, vielleicht auch Diäten, alles das sind Reformen, denen sich die Liberalen bei ihrem demnächst sicher zu erwartenden Regierungsantritt nicht mehr länger entziehen können. Und damit werden sie zu Todten- gräbern ihrer eigenen Klaffe. In keinem Lande der Welt ist die Eroberung der politischen Macht der Arbeiter- klaffe so leicht gemacht, als in England. Es ist das einzige Land, wo die Bevölkerung der Städte diejenige des platten Landes überwiegt und in allen Städten geben die Arbeiterstimmen nicht nur den Ausschlag, son- der» sind auch im Stande, ihre eigenen Kandidaten allen anderen gegenüber durchzubringen. Zudem giebt es einen Kleinbesitz an Grund und Boden bekanntlich schon lange nicht mehr; das Gegengewicht des„antikollektivistischen Bauernschädels" fehlt somit gänzlich. Das allgemeine Stimmrecht in den Händen einer zielbewußten sozial- demokratischen Arbeiterpartei in England bedeutet das Ende der Bourgeois-Herrschaft. Geleonomisches ans Rußland. 0. Der russischen Zeitschrift„Der Sozialdemokrat" ist eine Reihe von Thatsachen und Schlußfolgerungen über die wirthschaftliche Lage Rußlands zu entnehmen, die auch für den westeuropäischen Leser Interesse haben, und umsomehr Interesse, da fast alles, was seitens der russischen Revolutionäre über das Moskowitenreich bisher geschrieben ist, nur die„volksthümlichen" Anschauungen wiedergiebt. Demgemäß erscheint Rußland als ein Land, welches von Natur aus für den Sozialismus bestimmt sei, so das es nicht nöthig habe, erst noch diejenigen Stufen durchzumachen, welche bedingen, daß die Ent- Wicklung Europa's jetzt dem mit der Emanzipation der Arbeiterklasse unauflöslich verbundenen Sozialismus zu- strebt. Rußland soll eine Art europäisches China sein, das um jeden Preis vor den unglückseligen Folgen der kapitalistischen Entwicklung, vor dem Proletariat und vor dem modernen Elend behütet bleiben müsse. Der So- zialismus in Rußland müsse sich andere Wege bahnen, sich andere Mittel suchen, als in Europa. In Rußland bestehe schon thatsächlich der gemeinsame Besitz an Grund und Boden, der russische Bauer sei darum schon jetzt Mitglied einer Gemeinschaft, die bei aller ihrer Unvoll- kommenheit durch vernünftige Einrichtung des Staates sich zu einer vollkommenen sozialistischen Organisation fortbilden könne. Es müsse nur das richtige geschicht- liche Genie kommen, und die gegenwärtige Lage würde umschlagen und sich im raschen Lause auf die sozialistische Gesellschaft hinbewegen. In der Person des kämpfenden Theils der russischen Intelligenz sei dieses Genie er- schienen. Die Umsetzung dieser Theorie in die Praxis ist indeß mißlungen. Nach einem erbitterten, heroischen, ja nicht- dagewesenen Kampf sind die Kräfte der nihilistifchen In- telligenz gebrochen und mit ihnen die sich an ihre Rolle anknüpfenden schönen Hoffnungen gescheitert. Eine Pe- riode der Gährung ist gekommen, neue Ideen brechen sich Bahn. Andre Zeiten— andre Vögel Andre Vögel— andre Lieder. Es wäre wohl überflüssig besonders darauf hinzu- weisen, daß in einem Lande, dessen Produktion auf länd- lichem, wenn auch gemeinschaftlichem Kleinbetrieb beruht, von einem direkten Uebergang zur sozialistischen Gesell- schaft ebensowenig die Rede fein kann, als in Persien, Indien oder bei den primitiven Völkern. Interessant dagegen ist es zuzusehen, ob Rußland wirklich noch das Land des patriarchalischen Idylls oder ob es bereits auf die Bahn der kapitalistischen Ent Wicklung gerissen und damit den immanenten Gesetzen der kapitalistischen Entwicklung unter- warfen ist? Auf diese Frage werden wir Antwort in der genannten„Rundschau" suchen. Bevor wir aber in die Besprechung eintreten, müssen wir den Leser darauf aufmerksam machen, daß er in derselben weder ein umfassendes Bild des ökonomischen Lebens Rußlands, noch eine eingehende Kritik der sozialen Theorien finden wird, die beim revolutionären Theile der russischen Intelligenz vorherrschen. Schon vor einigen Jahren ist beides geboten worden und zwar in glänzender Weise in einem Werkchen von G. Plechanow, „Unsere Kontroversen" betitelt. Dem Werkchen liegt zu Grunde die Kritik eines Artikels des feit zwei Jahren im Himmel des Zaren selig gewordenen Herrn Ticho- mirow„Was ist von der Revolution zu erwarten?", eines Artikels, in dem alle volksthümlichen Theorien(von Bakunin und Tkatschew) treuen Widerhall gefunden haben. Indem Plechanow das von Tichomirow mit großer Mühe errichtete Gebäude spielend zerschlägt, führt er unter anderem aus, daß eine geschichtliche Umwälzung nur da stattfindet, wo die ökonomischen Bedingungen dafür vorhanden sind. Von einer Revolution im Sinne des Sozialismus könne also nur dort die Rede sein, wo die ursprüngliche Naturalwirthschaft und der Kleinbetrieb von der kapitalistischen Produktion, respektive der Groß- Industrie, weggefegt worden ist, wo sich die Produktions- mittel unaufhörlich konzentriren, wo die immer breitere, gemeinsame Produktion ökonomische Nothwendigkeit wird, große Städte entstehen und die Armee der Proletarier daselbst angehäuft wird. Rußland könne mithin von der ländlichen Gemeinde nicht zu einer sozialistischen Ge- sellschaft übergehen, ohne im Wesentlichen dieselbe dialek- tische Bewegung durchgemacht zu haben, die sich in Eu- ropa vollzogen hat. Dies solle übrigens nicht heißen, daß sich Rußland genau nach europäischem Muster und mit der Langwierigkeit des Westens entwickeln müsse. Der Zersetzungsprozeß der Gemeinde könne sich in kür- zester Zeit vollziehen, je nach den inneren und äußeren Verhältnissen, unter denen sich die wirthschaftliche Ent- wicklung Rußlands gestalten wird. Die Statistik beweise, daß die russische Naturalwirthschaft im Begriffe sei, in die kapitalistische überzugehen; alle ökonomischen Faktoren wirken dahin, die Auflösung der Gemeinde zu beschleu- nigen und so zwei Klaffen zu schaffen: Reiche, die sich zur ländlichen Bourgeoisie entwickeln, und Arme, die sich in Proletarier verwandeln. Das ländliche Gewerbe werde zu einem System der tapitalistischen Ausbeutung durch Vermittler und Aufkäufer. Das Werk von Plechanow war die erste konsequente Anwendung der Theorie des modernen Sozialismus und der von Marx und Engels aufgestellten materialistischen Auffassung der Geschichte auf die russischen wirthschaft- lichen Verhältnisse. Sehen wir nun zu, inwieweit seine Ausführungen von den in der„Rundschau" gebotenen Thatsachen be- stätigt werden. Der Autor konstatirt zuerst, daß die Zersetzung der alten Formen des wirthschaftlichen Volkslebens schon durch den mechanischen Druck des Staates gefördert wird. So liegen Nachrichten aus dem Gouvernement Smolensk�) vor, daß daselbst in den letzten Jahren die Bauern ihre Grundstücke sehr oft vor Ablauf des Ablösungstermins freikaufen.�) Im Distrikt von Juchnow haben bis 1887 nicht weniger als 167 Personen 760 Grundstücke losgekauft, im Distrikt von Gschatsk bis 1886, 221 Per- sonen 629 Grundstücke, im Distrikt von Stytschewsk in demselben Zeitraum 174 Personen 489 Grundstücke und in dem von Wiasemsk 74 Personen 222 Grundstücke. In den übrigen Distrikten des Gouvernements sind die Loskaufungen weniger zahlreich. Bemerkenswerth ist, daß die Mehrzahl der losge- kauften Grundstücke in unfruchtbaren Distrikten liegt, in denen nur geringe Bodenkultur getrieben wird und deren Bevölkerung das ganze Jahr hindurch nicht selbst erbautes, sondern gekauftes Brod ißt, dessen Anschaffung durch den Verdienst ermöglicht wird, dem fast die ganze Bevölkerung außerhalb der Gemeinde nachgeht. Der Widerspruch, daß die Bauern werthloses Land loszu- kaufen suchen, erklärt sich dadurch, daß auf dem bäuer- lichen Grundbesitz so schwere Lasten ruhen, daß sie die Einkünfte weit übersteigen. Weit davon entfernt, daß das Grundstück den Wohlstand des Bauers fördert und sichert, wird es umgekehrt zur Quelle aller Art von Lasten. Der Bauer kauft es also sobald als möglich los, um es sich vom Halse zu schaffen. Dann müssen die Leute doch Geld haben; es haben die Steuern also ihren Wohlstand doch nicht untergraben! Dieser neue an- scheinende Widerspruch erklärt sich ebenfalls sehr einfach. Die Beobachtungen zeigen, daß es die wohlhabenden Bauern sind, welche für die ärmeren Gemeinde- Mitglieder die Grundstücke loskaufen, damit letztere nicht zu ihren Grundstücken geschlagen ') Wir werden hier wie weiter die Quellen nicht angeben, aus denen der Autor geschöpft hat, weil dieselben für die deutschen Leser unzugänglich sind. Die russisch Lesenden werden dieselben im russischen„Sozialdemokrat" finden. e) Für die Leser, denen die Bedingungen des bäuerlichen Grundbesitzes in Rußland unbekannt sind, muß hinzugefügt werden, daß bei der Befreiung der Leibeigenen dem Bauern Grund und Boden unter der Bedingung gewährt ward, daß er in einem Zeit- räum von 40 Jahren durch Theilzahlungen losgelaust sei. Die Ab- lösung kann aber auch erfolgen vor Ablauf der Frist durch Ent- richtung der dem Werth des Grundstücks entsprechen'""' Summe, in welchem Falle der Bauer Eigenthümer seines Grundstückes wird. werden und dadurch ihre eigenen Lasten ver- Diese Assoziationen die immer das Produkt einer Bildung was sie auch mit beneidenswerther Energie und in immer mehren.) Wo aber das Verhältniß zwischen den zu von zwei Schichten innerhalb der Dorfbevölkerung sind, größerem Maaßstabe betreibt. Und das Resultat? Der zahlenden Lasten und den Einkünften ein umgekehrtes ist, ihrer Theilung in Reiche oder wenigstens Wohlhabende Bissen, den die Regierung dem Bauernstand überhaupt werden die Loskaufungen oft von den ärmsten Bauern und in Proletarier, haben mehr als die Hälfte des mit zuwerfen wollte, kommt nur einem Theil desselben vorgenommen, die das Geld dazu von den Dorfwucherern Hilfe der Bank 1888 gekauften Bodens erworben. Die zu gute, und zwar der wohlhabenden Schicht, während ( Kulaki) bekommen, bei denen sie mit Leib und Seele wohlhabenden Bauern, die schon früher im Dorfe die die Armen dadurch noch ärmer werden und sich immer verschrieben sind. Oberhand hatten, erhalten somit neue Mittel um die mehr in Proletarier verwandelu. Was auch immer die Ursachen der Loskaufungen Armen des Dorfes auszubeuten. Dadurch wird die Wie könnte man auch dieser Armuth helfen! Sichervon bäuerlichen Grundstücken sein mögen, so fördern die- Klassenbildung im Dorfe nur gefördert. Will man sich lich nicht durch derartige Bankunternehmungen. In einer selben die Zersegung der Gemeinde schon allein dadurch, aber damit trösten, daß wenigstens der kleinere Theil des Untersuchung des Herr Nikoforow„ Ueber die Ursachen daß die Grundstücke in den Privatbesitz der Bauern über- gekauften Bodens Dorfgemeinden zugefallen ist, so wird der Verarmung der Bauern im Gebiete von Wolga und gehen und bei den weiteren Vertheilungen des kommunalen der Trost bedeutend durch die Ziffern verringert, die den Kama" werden Dinge erzählt, die den hartnäckigsten Grundbesizes unverändert bleiben. Der Eigenthümer Umfang charakterisiren, in dem die Bank den drei ver- Optimisten zur Vernunft bringen könnten. Man erfährt wird der Verkleinerung des losgekauften Grundstückes nur schiedenen Gattungen von Käufern zu Hilfe kommt. Von z. B., daß in dieser ganzen Gegend, in diesem„ Speicher in dem Falle beistimmen, wenn die Steuern den Werth dem erworbenen Boden kommen pro Kopf: bei den Dorf- Rußlands", die Bauern ungemein unter dem Mangel an desselben übersteigen. In diesem Falle aber wird es für ihn gemeinden 1,88, bei den Bauernassoziationen 2,92 und Grund und Boden leiden, daß dort Tausende und Aberam vortheilhaftesten sein, sich des Grundstückes überhaupt bei den einzelnen Käufern 4,51 Deßjatinen. Somit erwirbt tausende weniger als zwei Deßjatinen Land pro Kopf ganz und gar zu entäußern, was er in seiner Eigenschaft die Dorfgemeinde, die von den drei Kategorien diejenige befizen. Solcher Bauern gibt es im Gouvernement von als Eigenthümer sicherlich thun wird." Der heutige ist, welche die meiste Aufmerksamkeit und Hilfe verdient, Drenberg bis 58,9 pCt., in den Gouvernements von Mir" wälzt auf den Bauer eine solche Masse von Lasten viel weniger Boden als die anderen. Noch mehr, der Samara und Saratom bis 42 pCt., von Kasan und und Verantwortlichkeit ab, daß sich die armen Leute das Durchschnittspreis des von den Gemeinden gekauften Ufa bis 32 pCt. u. s. w. Alle diese Bauern sind sichere Grundstück, die wohlhabenden aber wenigstens sich die Bodens ist viel niedriger als der des von den Assozia- Kandidaten für das Proletariat, und der Druck des Gemeinde vom Halse zu schaffen suchen." Im Distrikt tionen erworbenen, daher auch die von der Bank ausge- Staates ist es, der ihren Sturz in die Reihen desselben von Elisabethgrad des Cherson haben Bauern Gesuche gebenen Darlehen fleiner. Und wird denn durch die beschleunigt. Nach den Berechnungen des Herrn Nikiforow eingereicht, um in die Kategorie der Privateigenthümer 1,88 Deßjatinen pro Kopf des Gemeindemitgliedes das übersteigen die Steuern sammt Schulden, die auf dem einregestrirt zu werden. Die Gemeinde stand fest, alte Wirthschaftssystem gerettet? Nein. Erstens, weil Grund und Boden lasten, den Werth des Ernteertrags: so lange ihre Existenz im Interesse der Mitglieder ein solches Fetchen Land überhaupt nichts retten kann, im Gouvernement von Twer fast ums Zehnfache( mehr war. Jezt aber, wo dieselbe alle Vortheile ver- und zweitens, weil man einen Grund hat zu vermuthen, als 991,6pCt.), in dem Gouvernement von Wjatka um mehr loren hat und zum Mittel der Unterdrückung des daß es nur zur weiteren Auflösung der Gemeinde bei- als drei und einhalb Mal( 350 pCt.), im Gouvernement Bauernstandes wird, geht sie rasch ihrer Auf- tragen wird. Wie der von den Gemeinden erworbene von Kostroma ums anderthalbe( 154 pCt.); im Gouvernelösung entgegen." Boden unter den Mitgliedern vertheilt wird, darüber ment von Jaroslaw übersteigen die Lasten den Werth 11 " Nachdem wir gesehen, in welcher Richtung der Druck fehlen die Nachrichten, man kann sich aber denken, daß des Ernteertrages um 121 pCt., im Gouvernement von des Staates auf die ländliche Gemeinde wirkt, werfen es in den meisten Fällen, wie bei der Vertheilung der Saratow um 93 pCt., von Samara um 72 pCt., von wir einen Blick darauf, welchen Einfluß es hat, wenn losgekauften Grundstücke vor sich geht, d. h. wer mehr Nischni- Nowgorod um 69 pCt., von Kasan um 54 pt.; der Staat sich entschließt, derselben seinen Schutz zuzu Geld zahlt, bekommt mehr Boden. Einmal dieses Prinzip im Gouvernement von Orenberg bleiben nach Verkauf der wenden. Eines Tages hatte sich nämlich der russischen eingeführt trägt es nicht nur indirekt zur weiteren Klassen- Ernte die laufenden Zahlungen nicht nur ungedeckt, Regierung eine moralische Schwäche bemächtigt. In diesem bildung im Dorfe bei, sondern untergräbt durch seine sondern es fehlt noch für die Versorgung der Bevölkerung Moment beschloß sie eine Bodenkreditbank zu gründen, Wirkung in ganz direkter Weise die Sitten der Gemeinde, Getreide im Werth von 1 380 000 Rubel. Der Mangel deren Vorschüsse den Bauern ermöglichen sollten, dem sie die der Herrschaft der Natural- und nicht der Geld- zwingt die Bauern, ihre Höfe zu verlassen und andern Orts brückenden Mangel an Grund und Boden abzuhelfen. wirthschaft entstammen. Erwerb zu suchen. Die Zahl der außerhalb der Gemeinde Von allerhöchster Höhe sollte dem verhungernden Bauern gnädig ein Bissen zugeworfen werden. Sehen wir zu, in wessen Mund der Bissen kommt. Die Tendenz der Assoziationen, die Gemeinden in arbeitenden Bauern ist im fortwährenden Steigen beden Hintergrund zu drängen, kam nicht erst im Jahre 1888 griffen. In vielen Dörfern bleibt im Sommer buchstäbzum Vorschein. Sie war auch früher bemerkbar, wenn lich kein einziger arbeitsfähiger Bauer zurück. auch in schwächerem Maffe. Das Blatt bemerkt dazu: Dabei wird der Boden zu einem Schleuderpreis verMit jedem weiteren Jahre äußert sich immer mehr die pachtet, zu einem Preis, der nicht einmal ein Tendenz der Bank, den Assoziationen als Käufern zu Viertel der darauf lastenden Zahlungen ausmacht. 11 Aus dem Bericht über die Thätigkeit der Bank im Jahre 1888 ist zu ersehen, daß in diesem Jahre für 1057 Käufe Darlehen gemacht wurden. Als Käufer treten auf 25 187 Bauern, die insgesammt 190 463 Deß- helfen." jatinen Land erworben haben. Davon find 100 000 Deß- Endlich ist der Umstand nicht zu vergessen, daß die Somit wird dem Bauer das Grundstück zur Last jatinen, also mehr als 52pCt., von Bauernassoziationen Baueru nicht immer den Boden, den sie erworben haben, und nicht minder wird ihm die Gemeinde zur Bürde. erworben, 87 000 oder 46 pCt. von Dorfgemeinden behalten können, weil sie öfters nicht im Stande sind die" Der Bauer als Gemeindemitglied wird unter dem Einund 3000 oder 2 pCt. von einzelnen Bauern. Aus was Schuld bei der Bank regelmäßig abzuzahlen. Die Bank fluß der Stadt Individualist und kommt ins Dorf um für Elementen bestehen die Bauernassoziationen? Selbst- schießt dem Bauer nur einen Theil, wenn auch den die Autorität des„ Mir"( der Gemeinde) auszulachen", verständlich immer aus Mitgliedern der Gemeinde, aber größern, der nöthigen Summe vor, der andere Theil beklagt sich traurig Herr Nikiforow." Er fann, nicht aus solchen, die sich durch höheren Wohlstand auszeichnen muß vom Käufer selbst bezahlt werden. Diese Zahlungen mehr mit den Eltern und mit dem älteren Bruder unter und unter sich behufs Einkauf von Grund und Boden sind es, die oft den Grund der Verarmung des Bauern einem Dache verweilen, deren Autorität ihm, den Sondergruppen bilden, weil sie ihre Interessen mit denen legen. Um den Bedingungen des Kaufes nachkommen zu individualisirten Vagabunden, unerträglich wird. Daher der ärmeren Gemeindegenossen nicht verbinden wollen. fönnen, verkauft der Bauer sein Inventar für ein Spott- fommen vielfach Theilungen des Familienbesizes vor, denen geld. Die Folge davon ist, daß er das gekaufte Land dann auch die Vertheilung des Gemeindebodens auf die 1) Die Grundsteuern werden in Rußland dem Staat nicht nicht bebauen und somit seine Schuld bei der Bank nicht einzelnen Wirthschaften folgt. Die Gemeinde zersetzt sich. vom Individuum, sondern von der Gemeinde gezahlt. Wenn somit ein Grundstüd verlassen wird, fällt es sammt den darauf decken kann. Der Blank bleibt nichts übrig, als den ruhenden Lasten den übrigen Gemeindemitgliedern zu. Besiz der zahlungsunfähigen Schuldner zu verkaufen, Kranzbinderei u. Blumenhandlg. von J. Meyer Nr. 1, Wiener Straße Nr. 1, ( in der Ecke bei der Manteuffelstraße). Guirlanden 15 Pfg. pro Meter. Doppelbügelige Lorbeerkränze von 50 Pf. an. Topfpflanzen, Bouquets 2c. gut u. billig. Empfehle meinen werthen Freunden und Genossen sowie den Lesern dieses Blattes mein Cigarren- Geschäft. Carl Lehmann, Brunnenstr. 83, dicht am Humboldthain. Achtung! ( Schluß folgt.) Empfehle Freunden und Genossen mein reichhaltiges Lager von Cigarren und Tabake. Allgem. Metallarbeiter- Verein Berlins und Umgegend. Benno Stabernack, Wrangelſtr. 85. Sonnabend, den 16. August 1890, Großes Sommerfest verbunden mit Sommernachts- Ball in der Brauerei Friedrichshain( früher Lips) am Königsthor. 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Große Mitglieder- Versammmlung des sozialdemokratischen Wahlvereins des 4. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Mitwach, den 20. d. M., Abends 8½ Uhr in Uebel's Salon, Naunynstr. 27. P.Schmidt, Sagarda. Rügen. auf: a Allen Freunden und Genossen empfehle mein Weiß u. Bairisch- Bier- Lokal. Zimmer mit Pianino für Vereine u. Vorstände Für steht noch zur Verfügung. Fr. Zubeil, Naunynstr. 86. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes und Fragen. e neuer Mitglieder. B. Die restirenden Mitglieder werden aufgefordert, die Beiträge zu begleichen. folgenden Stellen werden Mitglieder auf, sowie Beiträge angenommen: fir den Often bei: Otto Heindorf, Langestraße 70, Gustav Tempel, Breslauerstraße 27. Südosten bei: Karl Scholz, Eisenbahnstraße 32, Fritz Zubeil, Naunynstr. 86, Gottfried Schu, Admiralstraße 40 a, am Kottbuser Plaz. Verantwortlicher Redakte Conrad Schmidt, Berlin. Der Vorstand. G. Krüger, Sagard, Insel Rügen. 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