Berliner Volks- Tribüne " = Sozial- Politisches Wochenblatt. Die Berliner Dolks Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnementspreis für Berlin monatlich 50 Pf. pränumerando( frei in's Hans). Einzelne Nummer 15 Pf. Durch jede Post- Anstalt Deutschlands zu beziehen.( Preis viertelj. 1 mr. 50 Pf.) № 34. Redaktion und Expedition: SO.( 26), Elifabeth- Ufer 55. Ausgabe für Spediteure: ,, Volksblatt", Beuthstr. 3. Inserate werden die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 20 Pf. berechnet. Dereins- Anzeigen: 15 Pf. Arbeitsmarkt: 10 Pf. Inseraten- Annahme in der Expedition: Elisabeth- Ufer 55. Die ,, Berl. Volks- Tribüne" ist unter Nr. 893 der Zeitungs- Preisliste eingetragen Sonnabend, den 23. August 1890. " IV. Jahrgang. Zum Organisationsentwurf.- Ein Skandal. auszuüben, mit dem Parteivorstande in Verbindung, so Parteigenossen eines einzelnen Ortes, ist doch wohl anHat sich die Lage der arbeitenden Klaffen sei zu befürchten, daß die Polizei darin eine Verbindung zunehmen. verbessert? politischer Vereine mit einander sähe, und beide AusArmenpflege und Vagabundage schüsse auf Grund des preußischen Vereinsgesetzes auflöse. Fraktion einen Ausschuß von„ Geschäftspolitikern" und ,, Das können nur diejenigen bestreiten, die in der in Frankreich. Die soziale Frage in Ungarn. Produktion und Technik, Es fragt sich indeß doch immer, ob nicht die Gefahr forrumpirten" Genossen erblicken. dieselbe bleibt, wenn man der Fraktion das Kontrolamt„ Es scheint bei einem kleinen Theil unserer Genossen Gedicht. Börsenspiel und überträgt. So lange diese Möglichkeit nicht durch dahin gekommen zu sein, daß sie einen der Ihrigen, sobald Kapitalismus. Oekonomisches aus Rußland. juristische Beweisführung sicher widerlegt ist, werden die er Reichstags- Abgeordneter geworden ist, mag er auch Zur Lage des deutschen Schuhmachergewerbes. Gegner des Entwurfes von ihrem Widerspruche nicht vorher für einen der tüchtigsten und besten Genossen gelaffen wollen. Denn außer dem juristischen ist noch kein golten haben, nunmehr für einen Parteigenossen sachlicher Grund, der gegen eine besondere Kon- 12. Klasse ansehen, dem jede Niederträchtigkeit trollkommission spräche, vorgebracht. und Schlechtigkeit zuzutrauen ist, und der desNovelle. Achtung! Bebel, der in der Mittwochsnummer des„ Berliner halb unter Kurate! gestellt und für unfähig Diejenigen Genossen, welche auf Grund Volksblatt" den Organisationsentwurf vertheidigt, legt erklärt werden muß, in Parteiangelegenheiten des Sozialisten- Gesetzes aus Berlin aus- Fraktion ebenso befähigt zur Kontrole sei wie eine Werthe eines Abgeordneten der Partei die maßgebende das Schwergewicht seiner Argumentation darauf, daß die ein entscheidendes Wort einzusprechen. „ Sollte diese etwas sonderbare Ansicht von dem gewiesen wurden und gewillt sind, zum besonders zu diesem Zweck vom Parteitage eingefeßte Werthe eines Abgeordneten der Partei die maßgebende 1. Oktober nach Berlin zurückzukehren, warum vermeidet man denn nicht Kommission. Wenn sie aber nur ebenso befähigt ist, werden, dann wird es für jeden ehrenhaften Mann, der falls es die Rück Abgeordneter ist, schließlich Pflicht, sein Mandat niederresp. vorübergehend zu dieser Zeit Berlin ſicht anf die preußische Gesetzgebung nur irgend erlaubt zulegen. Ich bin aber überzeugt, daß gerade ein Theil lieber den ganzen Streit und läßt vom Parteitage derjenigen, die heute am lautesten gegen die Fraktion besuchen wollen, werden hierdurch ersucht, selbst einen besonderen Ausschuß für die Kontrole des schreien, am eifrigsten sich dazu drängen wird, ihre Adressen brieflich mit Angabe, ob sie Bebel's Ausführungen über diesen Punkt. Er be Rorporation zu werden. Bei gar Manchem ist eben Vorstandes wählen? Wir geben hier im Folgenden Mitglied der von ihnen zuvor heruntergerissenen in Berlin zu verbleiben oder nur vorüber- fämpft vor allem das Mißtrauen, welches gegenüber der die Fraktion nur so lange der Ausbund aller NiederFraktion und ihrer Machtstellung an verschiedenen Stellen trächtigkeit, als er selbst ihr nicht angehört. gehend zurückzukehren gedenken, umgehend aufgetaucht ist: an Unterzeichnete einzureichen. Otto Klein, Cigarrengeschäft, S., Ritterstr. 15. Carl Wildberger, Tapezierer, S., Kommandantenstr. 60. Gottfried Schulz, Cigarrengeschäft, SO., Kottbuserplatz. Otto Thierbach, Tischler, N., Rheinsbergerstr. 29. Die Parte blätter werden um dieses Aufrufes gebeten. " Man sagt, daß die Fraktion ihrer Natur nach nicht die oberste Parteibehörde sein könne, da sie selbst wieder unter der Kontrole der Partei stehe. Des weiteren wendet man ein, daß sie auch keineswegs dazu eo ipso befähigt sei, da nicht gesagt werden könne, daß sie die eigentliche Intelligenz der Partei repräsentire. Es sei mancher, der bei der Wahl durchgefallen, weit befähigter, wie Viele, die gewählt wurden, und so bewahrheite sich auch hier das Wort Schillers: " Ohne Wahl vertheilt die Gaben Ohne Billigkeit das Glück. Daß die Wahl hier als eine Art Lotteriespiel hingestellt wird, das mögen Diejenigen mit sich ausmachen, die diese Auffassung theilen. Daß bei der Wahl mancher Abdruck Befähigte durchfällt und mancher weniger Befähigte geNoch einmal die Debatte über den Organisationsentwurf. ,, Nach unseren bisherigen Ausführungen kann es für unterliegen, daß die Befähigung zur Kontrolle die einen objektiv denkenden Genossen einem Zweifel nicht Fraktion mindestens ebenso besißt, wie jede andere ge= wählte Kontrolbehörde. mäßigkeit, bei welcher prinzipielle Gründe gar keine Die ganze Frage ist eine Frage der reinen ZweckRolle spielen. behörde den Parteivorstand beeinflussen und durch die Die anderen Einwände, daß die Fraktion als KontrolNormirung des Gehaltes sogar von sich in eine Art Abhängigkeitsverhältniß bringen könne, zeigen, daß diejenigen, die dergleichen Anklagen erheben, sich gar nicht in das Wesen der Partei, wie es sich in Zukunft gestalten wird, zu denken vermögen. ,, An sich hat der Parteivorstand dadurch, daß er vou der höchsten Instanz der Partei, dem Parteitag gewählt wählt wird, ist unzweifelhaft wahr, ändert aber nichts an der wird, schon eine besonders hervorragende Stellung inne. Thatsache, daß das Durchschnittsmaß der Intelligenz der Man darf auch annehmen, daß die Männer, die auf Fraktion mindestens ebenso groß ist, wie das Durch diese Weise in ihre Stellung gelangen, sich derselben schnittsmaß der Intelligenz jeder andern Körperschaft in bewußt sind und gegen jeden unberechtigten Einder Partei, die durch Wahlen zusammengesetzt wird. griff der Fraktion beziehentlich ihrer Kommission, ,, Obendrein verkennt man die Stellung einer fon- fich energisch wehren. In der vorigen Nummer stellten wir die Einwürfe trolirenden Behörde vollkommen und nur das soll die ,, Kämen dennoch Uebergriffe vor, so appellirte der zusammen, die man gegen den Entwurf von Seiten Fraktion dem Parteivorstande gegenüber sein. Diese Vorstand an die Genossen, die in ganz Deutschland durch unserer Parteigenossen erhoben hatte. Vor allem wurde braucht nicht einmal ein besonderes Maß von Intelligenz ihre Preßorgane und durch Hunderte von Versammlungen die Kontrolbefugniß der Fraktion gegenüber dem Partei- zu besitzen, um einzusehen, wenn die Parteileitung oder die nöthigen Mittel besigen, den Uebergriffen der Fraktion, vorstande, der geplante Wahlmodus und theilweise auch einzelne Mitglieder derselben sich grobe Pflichtwidrig beziehentlich ihrer Kommission, entgegenzutreten. Schlimmder auf die Presse bezügliche Paragraph angefochten. feiten zu schulden kommen lassen, oder um die Geschäfts- sten Falles hat der Vorstand das Recht, einen außerWesentlich Neues hat die Kritik seither nicht gebracht, führung der Parteileitung zu überwachen. ordentlichen Parteitag einzuberufen und kann nur ist von einer Seite noch bemängelt worden, daß die„ Gesetzt den Fall, der Parteitag würde dem Wunsche dort als Ankläger gegen die Fraktion auftreten. dauernde materielle Unterstützung der Partei die Voraus der Opponenten gerecht und beschließe, was in dem der ,, Giebt es in der Partei auch nur einen Genossen, jegung der Parteigenossenschaft sein soll.§ 1 sagt Fraktion vorgelegten ersten Entwurf bereits ent- der glaubt, daß gegenüber diesen Machtmitteln des Parteinämlich: Parteigenosse ist jede Person, die das Partei- halten war, aber aus rein praktischen Gründen, die vorstandes und der Parteigenossen in ganz Deutschland programm anerkennt und die Partei dauernd materiell Auer neulich anführte, beseitigt wurde, nämlich, daß eine die Fraktion oder ein Theil der Fraftion es wagen unterstützt. Man müsse, wird entgegnet, mit den wirth besondere Kontrollommiffion eingesezt würde, welche die dürfte, den Parteivorstand zu vergewaltigen? Das hieße schaftlichen Verhältnissen rechnen, die es auch dem Eifrigsten Parteigenossen desjenigen Ortes, an dem sie ihren Siz doch ein verwünscht geringes Vertrauen in den Geist und und Besten vielfach und längere Zeit hindurch unmöglich hat, zu wählen hätten, so wird doch kein Mensch be die Macht der Partei setzen. machen, Beiträge für Parteizwecke zu leisten. Es sei un- haupten wollen, daß diese so zusammengesezte Kommission statthaft, solchen den Ehrennamen eines Parteigenossen ein ganz besonderes Maß von Intelligenz gegenüber der Fraktion doch wohl noch so viel Charakter wenigstens „ Endlich werden auch die heftigsten Aufläger der abzusprechen. Fraktion besize. Einzelnen ihrer Mitglieder zutrauen, daß, falls die MehrFür den Organisationsentwurf sind vor Allem ,, Bei einer Kontrolkommission handelt es sich darum, heit der Fraktion den Parteivorstand vergewaltigen Auer und Bebel eingetreten; Auer erklärte im Volksblatt, daß sie die nöthige Geschäftskenntniß besißt und Garantie wollte, sie einem solchen Versuch mit aller Macht entdie Absicht, die Kontrolbefugniß über den Parteivorstand für unparteiisches Verfahren, wenn sie als Schieds- gegentreten. der Fraktion anzuvertrauen, habe nicht in irgend welchen richterin angerufen wird, gewährt. Ganz und gar hinfällig aber ist der Einwand, daß diftatorischen Machtgelüsten der Fraktion, sondern in" Daß nach beiden Seiten hin eine Kommission der durch die Festseßung des Gehalts für einzelne Parteibloßen Zweckmäßigkeitsrücksichten ihren Grund. Werde Fraktion sicher eben so viel Garantie bietet, wie eine in Vorstandsmitglieder denn schließlich handelt es sich eine besondere, aus wenigen Mitgliedern bestehende Kontroll- Magdeburg, Hamburg oder München gewählte fünf- nur um 2 oder 3, die Bezahlung erhalten, z. B. die fommission gewählt, und trete diese, um ihre Kontrole oder siebengliederige Kommission aus der Mitte der Schriftführer, die ihre ganze Arbeitskraft und Zeit in " " 1 " den Dienst der Partei zu stellen haben die Fraktion Großstadt Berlin. Und Vollmar hat den Vergleich noch| treter des platten Landes auf dem Parteitag majorisirt einen besonderen Einfluß ausüben könne. etwas weiter getrieben, indem er an der Stimmenzahl werden könnte. Die Befürchtung ist vielleicht gänzlich Die Fraktion bewilligt nicht ihr Geld, sondern das der einzelnen Landwahlkreise seiner altbayerischen Heimath gegenstandslos, aber warum soll man nicht durch einen Geld der Partei; hierüber hat sie Rechenschaft abzulegen nachwies, in welch großem Mißverhältniß diese z. B. zur demokratischen, auf die Kopfzahl berechneten Wahlmodus und der Parteitag ist als oberste Instanz jeden Stimmenzahl des 4. oder 6. Berliner Wahlkreises ständen. auch dem Schatten einer solchen Gefahr begegnen? Augenblick berechtigt, auch über die Köpfe der Gewiß ist es auf den ersten Blick ein schreiendes Indeß würde dann nicht die agitatorische Absicht Fraktion hinweg die Gehaltsfragen zu regeln, Unrecht", wenn 27 oder 100 Stimmen in einem Wahl- Bebels, der gerade die Landbevölkerung zum Parteitag falls er mit den getroffenen Maßnahmen nicht zufrieden freis soviel„ Recht" haben sollen, wie die 40 000 oder heranziehen will, erfüllt! Wäre es nicht aber möglich, sein sollte. 42 000 im 4. bezw. 6. Berliner Wahlkreis. Sehr viel beides zu vereinigen: erstens, nach der Kopfzahl zu Man sieht also, daß die angeblich so bevorzugte kleiner würde dieses„ schreiende Unrecht" freilich auch wählen und zweitens, den schwachen Wahlkreisen außerStellung der Fraktion bei Licht betrachtet nicht existirt. nicht sein, wenn man jedem der Wahlkreise, der unter dem Mittel zur Verfügung zu stellen, damit sie nicht Man kann alles, was gegen die Fraktion als Kontrol 5000 Stimmen warf, 1 Vertreter einräumte und den er mehr Vertreter denn sie sind schon vertreten behörde gesagt wird, genau auch gegen eine außerhalb wähnten Berliner Wahlkreisen je 8 oder 9. aber mehr Vertrauensmänner auf den Kongreß " auch nur machen könnten. Ein Skandal. der Fraktion gewählte Kontrolkommission sagen, und„ Der Fehler der Gegner liegt in ihrer absurden An- senden tönnen. Diese Vertrauensmänner dürften nur hier wie dort ist es in letter Instanz der or dent- nahme, daß thatsächlich die„ obskuren pommerschen, ober- berathende, nicht beschließende Stimme in den Verhandliche oder außerordentliche Parteitag, der jeden schlesischen oder altbayerischen Wahlkreise" von dem lungen haben; auch eine solche Art der Theilnahme Augenblick einberufen werden kann und kann und die ihnen eingeräumten Recht Gebrauch machten oder würde wohl genügen, um die persönliche Verbindung oberste Entscheidung trifft. mit den kleinen Orten anzuknüpfen und agitatorisch auf Man betrachte doch nur nüchtern die Dinge vom ,, Vollmar wird doch nicht behaupten wollen, daß wir sie einzuwirken. Standpunkt der thatsächlichen Verhältnisse aus, und das Vergnügen hätten, nunmehr auch wirklich sämmtliche man wird, wenn man ehrlich gegen sich selbst und andere altbayerische Wahlkreise 3 Mann starf in Halle vertreten sein will, sagen müssen, daß die vorgeschlagene Kontrole zu sehen, weil 3 Mann wählen dürfen. Sehr wahrHerr Liebknecht behauptet in dem„ Volksblatt", er sich sehr wohl vertheidigen läßt und sicher das nicht scheinlich ist, daß von all den als abschreckendes Beispiel von der„ Sächs. Arbeiterztg." niedriger dahinter zu suchen ist, was die heftigsten Kritiker dahinter angeführten Wahlkreisen auch nicht einer nur mi, habe in seiner sehen, eine Vergewaltigung des Parteivorstandes und einem Mann vertreten ist, geschweige mit dreit gehängten*) Korrespondenz an den dänischen„ Sozial der Partei." die sie wählen dürften. Ich bin sogar sehr im demokrat" das Wort„ räudige Schafe" nicht gebraucht. Dann wendet sich Bebel gegen den zweiten Haupt- Zweifel, ob selbst die Hauptstädte Altbayerns, München Das ist nebensächlich, jedenfalls geht aus seiner Erklärung einwurf, welcher den Wahlmodus betrifft. Auch in und Augsburg, von den andern zu schweigen, von ihrem unzweideutig hervor, daß er die betreffende Korrespon der Fraktion habe man den Vorschlag gemacht, nach Recht Gebrauch machen und sechs beziehentlich drei Ver- denz, welche von gehässigen und unbewiesenen Anschuldigungen stroßt, verfaßt hat. Wir nehmen darum Köpfen abzustimmen, indessen sei dieser als zu schwer- treter nach Halle senden. fällig verworfen worden. Sicherlich! wollte man, daß Das Recht der Vertretung ist in erster Linie eine feinen Anstand mehr, einen uns in voriger Woche aus je 5000 oder 10 000 Wähler einen Delegirten senden, Geldfrage. Unter all den Wahlkreisen, über deren un- Kopenhagen zugesandten Brief zu veröffentlichen. Herr so würden, da viele Wahlkreise unter dieser Zahl zurück gerechte Bevorzugung man flagt, ist nicht einer, der Liebknecht kann daraus ersehen, welchen Eindruck seine bleiben, andere sie übersteigen, große Schwierigkeiten bei von dem Rechte, drei Mann zu wählen, Gebrauch Schreibart im Auslande hinterläßt: der Abstimmung entstehen. Der Vorschlag indessen: alle machen kann. Die meisten werden garnicht verWahlkreise, die bis 5000 sozialistischen Stimmen haben, treten sein, wenn nicht ein großstädtischer Parteisollen einen, die bis 10 000 Stimmen zwei Deputirte genosse bei ihnen ein Mandat sich holt. Dann ist wählen können und für jedes weitere Zehntausend käme aber die Großstadt, nicht die Provinz vertreten. ein neuer Deputirter hinzu, dieser Vorschlag rechnet„ Andere besser mit Geldmitteln Ausgerüstete unter durchaus mit der bestehenden Wahlkreis- Geometrie; er diesen Wahlkreisen werden mit Ach und Krach einen ist nicht schwerfälliger als der von der Fraktion an- Vertreter senden können; so bilden also in Wahrheit und genommene Modus und sichert der Majorität der Wähler ohne weitere Begünstigung schon jetzt auf dem Parteitag auch die Majorität des Parteitages. Gegen ihn kann die Vertreter der großen Städte und der großen der Vorwurf, unpraktisch zu sein, nicht erhoben werden. Industriebezirke die Majorität. Damit sind also Bebel erinnert an die alte Organisation, die jedem die Einwürfe von unberechtigter Bevorzugung der ProOrte( Mitgliedschaft), ohne Rücksicht auf seine vinz über den Haufen geworfen.... Größe, das Recht zusichert, bis fünf Delegirte zu„ Es ist gerade das Große an unserer Partei, daß diese Gegensäge zwischen Stadt und Land, welche eine Damals hatte also das große Berlin mit seinen so erhebliche Rolle in dem Parteileben unserer Gegner sechs Wahlkreisen nur das Recht, höchstens fünf Delegirte spielen wie die Kämpfe der legten 12 Jahre zeigen bei uns nicht existiren. Oder giebt es auch im wählen zu können, die der kleinste Ort ebenfalls wählen durfte. Die Folge war, daß die kleineren Orte in der Reichstag unter unseren Abgeordneten Beispiele, daß die Nähe des Kongreßortes in Regel ziemlich stark vertreten einen mehr die Interessen des platten Landes und der waren und einen erheblichen Theil der Delegirten stellten. fleineren Städte, die anderen die der Großstädte ver„ Trotzdem ist es niemals vorgekommen, dar treten? U. A. w. g. über zu klagen, daß die großen Orte durch die kleinen majorisirt würden, das Land die Städte erdrücke. wählen. " Dagegen giebt es einen durchschlagenden Grund, der es sogar wünschbar machte, daß gerade das platte Land recht start auf einem Parteitag vertreten „ Man lese alle Kongreßprotokolle der damaligen Zeit wäre, wenn sich dies überhaupt erzwingen ließe. Das durch, und man wird nicht ein Wort der Klage über ist die Nothwendigkeit, die Agitation aus den jene Vertretungsungleichheit zu lesen bekommen, geschweige, Städten auf das platte Land hinauszutragen. daß man Sorge vor einer Majorisirung der Städte Eine starke Vertretung des platten Landes auf einem durch die Provinz hatte. Parteitag betrachte ich nicht bloß als ein ausgezeich„ Dies kam daher, daß man damals etwas netes Agitationsmittel, sondern als das ausgezeichnetste, mehr Vertrauen in den„ demokratischen Geist" das sich denken läßt, und weit entfernt die Vertretung der Gesammtpartei hatte, den jezt manche Leute des platten Landes zu erschweren, sollte die Partei nur für sich glauben in Anspruch nehmen zu in wohlverstandenem Interesse sie erleichtern, dürfen, und daß an einen Gegensaz in der Aus- indem sie den schwachen Wahlkreisen Mittel fassung über die Parteiprinzipien und die Parfür ihre direkte Vertretung zur Verfügung teitaktit zwischen den großen Städten und der stellte. Das wäre die einzig richtige Politik für eine Provinz tein Mensch glaubte, weil er sich nie im Partei wie die unsere. Denn daß diese schwachen WahlParteileben irgendwo gezeigt und bemerkbar freise ab und zu durch Städter vertreten werden, hat gemacht hatte." für sie so gut wie gar keinen Werth. Umgekehrt würden Die Absicht die man mit der alten Organisation, wir von den Vertretern des platten Landes vieles erwelche jedem Orte 5 Delegirte zubilligte, verfolgte, war: fahren, was wir heute gar nicht wissen, weil uns die die kleineren Flecke, welche um den Ort des Parteitages genaue Kenntniß der Zustände auf dem platten Lande fehlt. herumlagen, möglichst enge heranzuziehen. Es zeigt sich also auch hier, daß dem vorliegenden Man ging in der alten Partei von der Ansicht aus, Organisations- Entwurf ein sehr gesunder Gedanke zu daß die Kongreßverhandlungen ein geeignetes Mittel seien, Grunde liegt, der in der angedeuteten Richtung statt aufklärend und anfeuernd zu wirken, und daß einer bestritten noch weiter entwickelt werden sollte. solchen Aufklärung und Anfeuerung die fleinen Orte am meisten bedürften. Als in der Fraktion die Bestimmungen über die Vertretung berathen wurden, ist es keinem Redner bei" Zu diesem Zwecke sollten ihre Vertreter gekommen, in den vorgelegten Vorschlägen Absichten zn möglichst zahlreich auf dem Kongreß sich ein- entdecken, wie sie jetzt zum Gegenstand der Anklage finden, um Anregungen zu empfangen. gemacht werden, denn sie sind im höchsten Grade unGeehrte Redaktion! Deutsche Sozialisten in Kopenhagen, welche den Lauf der Arbeiterbewegung Deutschlands mit großem Interesse und in lezter Zeit mit gesteigertem Interesse verfolgen, beauftragen mich, Ihnen folgende Notiz zur Veröffentlichung zu übersenden. In Anbetracht der in den legten Nummern der„ Vol 3- Tribüne", beziehungsweise Sächsischen Arbeiterzeitung" stattgefundenen Polemif glauben wir, daß diese Notiz nicht so ganz wenig Beachtung verdient, da sie gewissermaßen einen Einblick giebt, wie hochgeachtete und geschäßte Parteigenossen in ausländischen Blättern forrespondiren. Es handelt sich hier um eine Korrespondenz im„ Sozialdemokraten",( Hauptorgan der dänischen Possibilisten, oder Reformsuchenden Sozialdemo fraten, wie man hier gewöhnt ist, sie zu nennen); dieselbe ist von Liebknecht geschrieben und datirt vom 30. Juli. Ich sende Ihnen die betreffende Nummer im Original, er laube mir nur die beachtenswerthesten Stellen hervorzu heben. Liebknecht schreibt unter anderem, nachdem er zuvor den Stand der verschiedenen politischen Parteien beleuchtet, folgendes:.... In der Sozialdemokratie kann keine Rede sein von inneren Kämpfen. Man kann höchstens denken, daß dies oder das andere reudige Schaf sich eingeschlichen hat, gerade so wie sich mitunter Spione einschleichen, und ein solches reudige Schaf kommt eben so schnell hinaus, wie es hineingefommen ist. Partei kämpfe bestehen da nicht. Daß es solche reudige Schafe giebt, kann nicht geleugnet werden, aber diese sind weit seltener und noch weit einflußloser als die reudigen Schafe, die uns heimsuchten vor dem Sozialisteugeset. Ich habe fein Recht über gewisse innere Parteiverhältnisse öffentlich zu sprechen, aber das kann ich den dänischen Genossen auf Ehre versichern: die paar zweifelhaften Elemente, welche eine Zeit lang ihr Wesen getrieben in der „ Berliner Volks- Tribüne" und„ Sächsischen Arbeiterzeitung", find zusammen, verglichen mit einem Haffelmann, von geradezu komischer Unbedeutendheit. Wenn es heute zu einer Parteiabstimmung käme, über das Auftreten und Handeln der Parteileitung, so würden von 2 Millionen Stimmen nicht zehn gegen die Parteileitung gehen, und diese zehn würden schwerlich eine Kritik ausstehen, bezüglich ihrer Stellung als Mitglied der sozialdemokratischen Partei. Ich wiederhole es, niemals ist Deutschlands sozialdemokratische Partei so einig gewesen, wie sie es im jezigen Augenblicke ist. ,, Ich brauche wohl den Lesern der Volks- Tribüne" nicht erst zu versichern, daß eine Korrespondenz, die in solchem Style abgefaßt ist und eine solch' hervorragende Person, wie Liebknecht zum Verfasser hat, in hiesigen Kreisen Anstoß erregen, ja überall die größte Indignation hervorrufen mußte. Wir wollen uns vorläufig allen weiteren Bemerfungen enthalten, erwarten jedoch bestimmt von Herrn Liebe fnecht, fich offen und ehrlich als Verfasser dieser Korrespondenz zu bekennen und dieselbe entsprechend zu motiviren, oder aber, falls sich hier die Redaktion des„ Sozialdemokrat" hat Fehler zu Schulden kommen lassen, die Berichtigung derselben zu erwirken. Mit sozialistischem Gruß im Auftrage der deutschen Lesegesellschaft in Kopenhagen. * * W. W. * Die Kongreßvertretung von vor 1878 ging also von gerecht. Es handelt sich auch hier um eine reine Was Liebknecht sich in einem auswärtigen, den ganz entgegengesetzten Ansichten aus wie diejenigen, die wedmäßigteitsfrage, über welche die Meinungen deutschen Parteigenossen unzugänglichen Organe leisten heute bestrebt sind, die schwachen Wahlkreise getheilt sein können. Sache des Parteitages ist's, zu zu können meint, das wird indeß durch die unerhörten möglichst von einer Vertretung auszuschließen, entscheiden, nachdem er das Für und Wider gehört, die Denunziationen, die Grillenberger mitten in Deutschland weil sie das Unglück haben, schwach an Mitteln ihm am besten erscheinenden Vorschläge in die Organi- zum besten giebt, noch um mehrere Haupteslängen überund an Kräften zu sein. sation aufzunehmen, und dem, was beschlossen wird, troffen. Oder ist es nicht ein Skandal sonder „ Welcher Auffassung der wirklich sozialdemokratische wird sich Jeder fügen." gleichen, wenn besagter Herr in einer Nürnberger VolksGedanke mehr zu Grunde liegt, ob derjenigen Auffassung, Die Thatsache wird man Bebel zugeben müssen, versammlung sich folgendermaßen vernehmen läßt: die im Interesse der Partei die agitatorische Wirkung daß es bis jetzt zu einem Gegensaz von Großstadt, der Parteitage auch künftig nach Möglichkeit den schwachen Kleinstadt und Land in unserer Partei noch nicht geWahlkreisen zu Gute fommen lassen will, oder jene, die kommen ist. Ebenso sest steht doch aber auch, daß die darauf bedacht ist, diese Wirkung nach Kräften abzu- Aufklärung und die Organisation der Massen in den schwächen, weil sie Majorisirung" oder die Herrschaft großen Industriezentren das, was in der Kleinstadt und der„ geringeren Intelligenz" der Provinz befürchtet, über- auf dem platten Lande geschehen konnte, weit hinter sich lasse ich getrost dem Urtheil der Genossen. läßt. Daraus folgt doch aber auch wieder, daß die „ Eine Oberflächlichkeit ersten Grades nenne ich es, richtige Auffassung unserer wahren Ziele dort bei weitem wenn die Kritiker des Organisations- Entwurfs nachzu verbreiteter ist als hier. Und dieser Unterschied eröffnet Durch das Auftreten des Herrn Wille wird man unwilltürlich an jene Studenten und Literaten erinnert, die vor dem Jahre 1878 die Sozialdemokratie gewissermaßen als Sport betrieben, beim Erscheinen des Sozialistengesetzes aber urplöglich von der Bildfläche verschwanden und nun, beim bevorstehenden Ablauf desselben, Morgenluft witternd, wieder auftauchen und mit allen Mitteln danach streben, in der Partei eine dominirende Stellung zu erlangen. Den „ Geschäftssozialismus", von dem Hr. Wille spricht, habe derselbe wohl durch seinen Freund Wilhelm Es ist weisen versuchen, daß es och der Gipfel aller Ungerechtig die Möglichkeit eines allmählig sich entwickelnden Gegen- selbst ist uns durch ein Versehen leider nicht zugegangen. *) Die betreffende Nummer der Sächsischen Arbeiter- Zeitung" teit sei,„ 6 obſturen pommerschen oder oberschlesischen ſatzes. Es wäre bedauerlich, wenn die großstädtische möglich, daß der von uns mitgetheilte Brief auch dieſem Blatte Wahlkreisen" gerade so viel Recht einzuräumen, wie der aufgeklärtere Majorität späterhin einmal durch die Ver- eingesandt und von ihm veröffentlicht ist. Werner tennen gelernt. Gewisse Leute in Berlin| arbeitenden Klassen deßwegen zu, weil die arbeitenden und einen Fortschritt des allgemeinen Wohlstandes hätten das Bestreben, das dortige„ Voltsblatt" an Klassen die ungeheure Masse des Volkes bilden. Wir darin erblickt. Er ruft nämlich emphatisch aus: sich zu reißen, das sei mißlungen, da das„ Berliner 11 Voltsblatt" zum Zentralorgan der Partei bestimmt wurde, verstehen unter diesem Thermometer die Zahl der Ehen. Wie anders sollte sich denn bei den gegebenen Beund hauptsächlich daher und auch wegen der Aeußerung Gerade für die Eheschließungen ist die wirthschaftliche völkerungs- und Wirthschaftszuständen ein erwünschter Bebel's, daß die Berliner Führer in den letzten Jahren Lage der Einzelnen außerordentlich maßgebend, und auf Fortschritt des allgemeinen Wohlstandes bemerken lassen, Dummheiten gemacht, der Aerger über die bisherige Partei die Gefahr hin, idealistische Gemüther zu verlegen, möchten als daß Jahr für Jahr eine wachsende Zahl von Familien leitung!. Wenn der Vorwurf erhoben wird( wer erhebt ihn, Herr Grillenberger?), die Parteileitung sei schuld daran, wir behaupten, daß das wirthschaftliche Wohlbefinden bei in höhere Stufen einrücken und daß diese somit im daß Leute wie Gördi, Krohm c. innerhalb der Partei Schließung der Ehe der ausschlaggebende Faktor ist. Verhältniß zum Gesammteinkommen eine steigende Quote existiren konnten, so ist daran zu erinnern, daß es doch ge- Die Behauptung läßt sich durch folgende Thatsache aufweisen." rade die Parteileitung war, welche die Schröder, Haupt begründen: und sonstige Spigel entlarvte und alle unsauberen Elemente, Gemach, Herr Professor, Sie gestatten, daß wir sobald sie als solche entlarvt waren, ausschied. Wenn nun Das Jahr 1847 war bekanntlich ein sehr schlechtes anderer Meinung sind. Wenn das Einkommen einzelner solche Verdächtigungen seitens Parteigenossen sich nennender Getreidejahr, die Lage der arbeitenden Klassen eine außer Familien sich vergrößert, so beweist das nur, daß diese Männer erhoben werden, und zwar zu einer Zeit, da die ordentlich schwierige; in diesem Jahr kamen in Deutsch- Familien einen für sie sehr erwünschten Fortschritt gePartei sich anschickt, sich neu zu organisiren, so kann man land auf je 10000 der mittleren Bevölkerung 72 Eheschlüsse. macht haben; wenn sich aber zugleich nachweisen läßt, das Gefühl nicht unterdrücken, daß dabei unehrliche Ele= mente die Hände im Spiel haben, die vielleicht den Die Jahre 1872/73 brachten einen enormen Aufschwung daß sich das Einkommen dieser Familien dadurch verAuftrag haben, die Partei einer Katastrophe entgegen- der Industrie, starke Erhöhung der Löhne; auf je 10000 der größert, daß das Einkommen anderer zahlreicher Familien zuführen. mittleren Bevölkerung famen 103 resp. 100 Eheschlüsse. stark zurückgegangen ist, so beweist das keinen Fortschritt Wir bedauern, daß es gegenwärtig zu solchen persön- Giebt man aber den Einfluß der wirthschaftlichen des allgemeinen Wohlstandes, sondern das pure, glatte lichen Auseinandersetzungen kommt. Aber wir fühlen Verhältnisse auf die Schließung der Ehen seitens der Gegentheil, nämlich einen Rückschritt. Wenn sich nachuns verpflichtet, ein so nichtswürdiges Ehrabschneiderthum arbeitenden Klassen zu, dann ist in den letzten 10 Jahren weisen läßt, daß die Einkommensquote der obersten Klassen öffentlich zu brandmarken. Bebel hat einmal das Wort eine außerordentlich mißliche Lage dieser Klassen zu kon- besonders dadurch sich vergrößert hat, daß die Ein„ bubenhaft" gebraucht. Wir überlassen es unsern Partei statiren, dann haben die zahlreichen neuen Erfindungen kommensquote der unteren Klassen zurückgegangen ist, so genossen, ob sie diesen Ausdruck nicht für sehr geeignet der letzten 30 Jahren nicht gebesserte materielle Ver- werden Sie zugeben müssen, daß wir ein Recht halten, um ein Vorgehen, wie Herr Grillenberger es be- hältnisse gebracht, sondern eine starke Verschlechterung. haben zu sagen, daß unsere wirthschaftlichen Verhältnisse liebt hat, zu kennzeichnen. Auf je 10 000 der mittleren Bevölkerung kamen trog Steigerung des Gesammteinkommens für die benämlich in den Jahren:*) deutende Mehrheit des Volkes nur Nachtheile bringen. Hat sich die Lage der arbeitenden Klassen verbessert? Mädchen in den Dienst und lernte bei einer ehrenwerthen 1841/50 81 Ehen 78 1851/60 " 1861/70 85 " 1871/77 90 " 1878 77 " 1 1879 75 " 1880 75 " 1881. 75 " 1882. 77 PP 1883 77 11 1884 78 " 1885 79 1886 79 " 1887 78" 1 Stellen wir einmal fest, wen wir zu den wirth schaftlich Schwachen zu rechnen haben. Auch Professor Soetbeer wird zugeben müssen, daß der Satz von 2000 Mt. hoch gegriffen ist.( Wenn wir einen niedrigeren Satz annehmen, so würden sich alle Folgerungen noch verschärfen.) Wir hatten festgestellt, daß das Gesammteinkommen der Bevölkerung Preußens im Verhältniß zur Bevölkerung um 1½ Prozent gewachsen ist. Nun beträgt indessen der Prozentsatz vom ganzen Nationaleinkommen, der auf die Klassen von 2000 Mark und darunter entfiel: 1876: 72,28 Prozent( Gesammteinkommen dieser Klassen Mt. 5 679 127 600); 1888: 68,17 Prozent( Gesammteinkommen dieser Klassen Mt. 6 455 492 878). Das Einkommen dieser Klassen ist also im Verwachsen, sondern um mehr als 4 Prozent gefallen. Bei hältniß zum Gesammteinkommen ganz und gar nicht gepflichtigen, die ein Einkommen von 2000 Mark und noch deutlicher. Das Durchschnittseinkommen der SteuerBetrachtung der Durchschnittssummen wird das Verhältniß barunter bezogen, betrug: 1876 1888 nur Mt. 708,40 689,70. 11 Heißt das ein erwünschtes Fortschreiten der Gesammtheit? J. T. Wieder und immer wieder taucht die Frage auf: Hat sich infolge der neuen Erfindungen, infolge der Vergrößerung des Maschinengetriebes die Lebenslage der arbeitenden Klassen verbessert? Hat die Aufschließung der Verkehrswege, die Vermehrung der Transportmittel einen günstigen Einfluß auf die Lage derer gehabt, deren ununterbrochener Arbeit und Anstrengung wir alle Produkte verdanken? Der zahlungsfähige Bürger mit der satten Moral ist wie stets schnell bei der Hand, diese Frage zu bejahen." Früher trug jedes Mädchen ein Kattunkleid jetzt sehen Sie einmal, wie die Mädchen des Sonntags in Atlas und Wollkleidern, die Männer in guten Luchanzügen stolziren. Früher ging. jedes ist der Zufall fast gänzlich ausgeschlossen. Da wir einen Zeitraum von 50 Jahren übersehen, Familie, bekam 20 Thaler Lohn pro Jahr, jetzt läuft sollen uns die Auswanderungen dienen. Wohl spielen Als zweiter Messer für die wirthschaftliche Lage fie in die Fabrik und verdient 20 Mark pro Woche." bei dem Entschluß, auszuwandern, vielfache Motive mit, Natürlich wird dann gleich eine Geschichte von einer aber die materiellen Bedürfnisse sind auch bei diesem Bekannten erzählt, die sich durch fleißiges Nähen Hunderte Entschluß ausschlaggebend. Zu beachten ist aber, daß von Mark erspart habe. Andere Wortführer der heutigen Gesellschaft begehören, daß nur diejenigen auswandern können, die im die Auswandernden fast nie zu den gänzlich mittellosen antworten die Frage etwas weniger oberflächlich, doch Besitz einer wenn auch kleinen Summe sein müssen. ohne der Wahrheit irgendwie näher zu kommen. Gleich dem seligen Thiers und dem Kreditapostel Schulze- Delitzsch und seinen Freunden bejahen sie die Frage und führen sofort die Billigkeit der Produkte an. Früher tostete das Porto eines Briefes so viel, daß nur wenige sich den Seit einiger Zeit beschäftigt man sich in Frankreich Luxus zu forrespondiren erlauben durften, jetzt wäre das mit dem Plan einer„ Reform des Armenwesens". Die Korrespondiren billig; früher mußten die Handwerksburschen von Dorf zu Dorf gehen, jezt wäre das Fahren Nothwendigkeit derselben sucht der Direktor des französtauf der Eisenbahn so billig, daß sich jeder Ausflüge geschen Armenwesens, Henry Monod, durch folgende statten könne. Dieselbe Rolle wie die Verkehrsmittel statistische Mittheilungen darzuthun: Im Jahre 1885 sind 184 Millionen Franks*) für„ Wohlthätigkeitszwecke" läßt man dann auch die Maschinen spielen, indem ausgegeben und zwar wurden davon 95 Millionen aus man auf die Billigkeit der Industrieprodukte hinweist, Ist bei dieser ungeheuerlichen Verstärkung der Aus den eigenen Mitteln der Wohlthätigkeits- Anstalten, auf die Billigkeit der Anzüge, Möbel, Stiefel 2c. Aber wanderer der Schluß abzuweisen, daß sich die materiellen Stiftungen u. s. w. bestritten und 89 Millionen durch alle Anhänger dieser Theorie sprechen stets von den indu- Verhältnisse auch derjenigen, die für die Auswanderung den Staat, die Bezirke und Gemeinden aufgebracht. striellen Produkten und lassen die Nahrungsmittel und in Betracht kommen, ganz wesentlich verschlechtert haben? Von diesen 89 Millionen trug der Staat nur Wohnungen, die in dem Budget der Arbeiterfamilien die Wir wenden uns nun zur Betrachtung der that- 612 Millionen bei, die Bezirke 22 Millionen, die Hauptrolle spielen, außer ihrer Betrachtung. Und gerade sächlichen Einkommen, nicht spezieller Arbeitergruppen, Gemeinden 60 Millionen. Die Gemeinde ist auch in die Nahrungsmittel und Wohnungen sind diejenigen Pro- sondern des ganzen preußischen Voltes, nach den vom Frankreich die Hauptträgerin der Armenlasten. In ganz dukte, die zum größten Theil theurer, nicht billiger ge- Finanzministerium herausgegebenen Listen, da uns die Frankreich kommt auf den Kopf der Bevölkerung eine worden sind. Zahlen der andern deutschen Staatent nicht zur Ver- durch Steuern aufzubringende Armenlast von Frks. 2,33, Es sind ausgewandert aus Deutschland: 1873 103 638 1881 210 547 1874 45 112 1882 193 869 1875 30 773 1883 166 119 1876 28 368 1884 1877 21 964 1885 1878 24 217 1886 1879 33 327 1887 1880 106 190 1888 143 586 107 238 79 875 99 712 98 515 393 589 1872/80 1881/88 1 099 461 Armenwesen und Vagabundage in Frankreich. Wieder Andere lassen die Billigkeit der Produkte fügung stehen. Es liegt auch kein Grund vor, nur die in Paris allein Frks. 13,54, in Frankreich ohne Paris aus ihrer Rechnung fort und heben das Steigen der Arbeiter, speziell die industriellen Arbeiter zu behandeln. Frks. 1,60. Ein Vergleich mit England ergiebt, daß Löhne hervor. Natürlich nennen diese Herren stets einige Die kleinen Meister, die kleinen Geschäftsleute, die Land- Paris und London in dieser Hinsicht fast ganz gleich, bevorzugte Gruppen von Arbeitern und bemerken andere arbeiter, die niederen Beamtengruppen, die Frauen leiden daß aber die Länder sehr ungleich sind. In England Gruppen, deren Löhne und Einkommen gefallen sind, gar und dulden unter demselben wirthschaftlichen Mechanis- und Wales kommen nämlich an Armensteuern auf den nicht. Hervorragend sind bei diesen Betrachtungen die mus und müssen jede Drehung seiner Räder wohl oder Kopf der Bevölkerung Frks. 7,82, in London allein Bauarbeiter betheiligt. Ueber die Löhne der Bauarbeiter übel miterdulden. sind die ungeheuerlichsten Märchen im Gange. Hat sich doch sogar der Landtagsabgeordnete Meyer- Arnswalde zu der Behauptung verstiegen: Heutzutage würde er seinen Sohn lieber Maurer als Assessor werden lassen. Die Bevölkerung Preußens hatte sich also in den Daß die Maurer wochen- und monatelang feiern müssen letzten 12 Jahren um 17,1 Prozent vermehrt. Das geund dann gar kein Einkommen beziehen, scheint der Herr seßlich geschätzte Einkommen betrug: trop seines Alters nicht zu wissen. Die Methode aus dem Steigen und Fallen der Löhne allein auf die Lebenslage der arbeitenden Klassen Die Bevölkerung Preußens betrug im Jahre: 24 832 784 Einwohner 28 374 035 1876 1888 1876 1888 11 Mt. 7857 Millionen 9332 " " T Frts. 13,60, in England ohne London Frks. 6,77. In Deutschland beträgt die Armenlast auf den Kopf der Bevölkerung Frks. 2,34, also fast genau so viel wie in Frankreich. Staat zuerst tritt ein bei außerordentlichen Nothständen, Wofür werden nun diese Gelder verwendet? Der Epidemien und Unglücksfällen, er unterstützt eine Reihe nationaler Wohlthätigkeits- Anstalten für Blinde, Taubstumme, Kranke u. dgl., tritt ein für die Landarmen, zu schließen, ist die allergefährlichste. Stets vergißt man mehrt um 18,6 Prozent. Also das Gesammteinkommen Beiträge für die Erziehung und gesundheitliche UeberDas gesetzlich geschäßte Einkommen hatte sich ver- für ausländische Flüchtlinge und gewährt namentlich die stetigen Pausen, die die Angehörigen der einzelnen hatte sich relativ vermehrt im Verhältniß zu der wachung gefährdeter Kinder. Berufe von Zeit zu Zeit machen müssen, in Berechnung Zahl der Einwohner; es ist um 12 Prozent schneller zu ziehen oder man beachtet nur den Geldlohn, ohne gewachsen als die Einwohnerschaft. Die Bezirke haben die hauptsächlichsten Ausgaben zu bedenken, daß die Ausgaben für Nahrungsmittel und gewachsen als die Einwohnerschaft. für Geisteskranke und hilfsbedürftige Kinder, ferner Innerhalb der einzelnen Einkommen haben sich nun sorgen sie für Wöchnerinnen, Kranke, Greise und UnMiethen, Schulgeld, Steuern erheblich gestiegen sind, daß infolge der kapitalistischen Vertheilungsweise ganz bedeu- heilbare, Taubstumme, Blinde, arme Reisende, ferner die Arbeiter wohl nominell besser gelohnt sind, aber dabei tende Aenderungen vollzogen. Es haben sich vor allem auch für verwahrloste Kinder, Epileptiker, Idioten, für schlechter leben können; oder man denkt nur an einzelne unsere gefeierten Größen, die Millionäre, sehr stark Laien- und Freischulen, für Krüppel, für entlassene Arbeitergruppen, ohne die Lage der Gesammtheit ins vermehrt. Auge zu fassen. Es gab Besizer eines Einkommens von Gefangene, für Kranke in Kurorten und Bädern, alte 100 000 Mark und darüber: 1876 1888. 1940 2930 Wenn wir nun diese Frage von einem andern Standpunkte aus behandeln, so geschieht es nicht, nm ein abschließendes Urtheil zu fällen, sondern nur um Beiträge Diese Familien haben sich also um 51 Prozent vermehrt. zur Erforschung der Frage zu liefern. Es giebt nämlich ein Thermometer, das, wenn auch in Conrads Jahrbuch für Nationalökonomie und Statistit**) Der liberale Professor Ad. Soetbeer veröffentlicht nicht genau, so doch annähernd den Stand der wirth eine längere Arbeit, in der er diese Thatsache feststellt schaftlichen Verhältnisse eines Volkes angiebt. Eines ganzen Volkes, nicht allein der arbeitenden Klassen; doch läßt dieses Thermometer Schlüsse auf die Lage der *) Stat. Jahrbuch für das deutsche Reich. S 14. Berlin 1889. **) Jena 1889. Soldaten, alte Dienstboten, für die Familien der zu Uebungen eingezogenen Reservisten, für Elsässer und Lothringer, die Franzosen geblieben sind, u. dgl. mehr. Fast ganz dieselben Posten finden wir unter den noch die Armenbegräbnisse und Unterstützungen besonderer Armenausgaben der Gemeinden wieder, nur daß etwa lokaler Anstalten und Vereine gemeinnüßiger Tendenz hinzukommen. *) 1 Frant= 80 Pfennig. = dem auf einer Insel liegenden New- Yort blos durch den East Die Ansprüche an die Armenunterstügung wad, en wären, als in einer sem ischen dann, aber nicht aus der Asche empor. Heute ist( zweitgrößte Stadt der Vereinigten Staaten und ganz das erste Korndepot von Jahr zu Jahr. England, das industriellste Land, früher, würden wir unsere Meirung ändern. der Erde, eine der bedeutendsten.dustriestädte der Welt. New= hat sehr bezeichnend- das relativ größte Armen- Die Kleinmeister, welche ihren Nothschrei an die york mit seinen 1 627 000 Einwohnern behauptet nach wie vor den budget( 7,82 Frts. pro Kopf). Daneben gilt als weiteres Gewerbebehörde richten, damit sie diesen himmelschreienden ersten Play. New- York hat seit 1880 blos um die Kleinigkeit von ficheres Zeichen der fortschreitenden Verschlechterung der Zuständen steuern, sind alle sogenannte Judenschneider; 421 000 Menschen zugenommen. Eigentlich sollte zu New- York wirthschaftlich sozialen Zustände das Wachsthum der das ist wahr. Sind aber die hunderte von Näherinnen, jedoch auch Brooklyn mit seinen 930 000 Einwohnern und mehrere andere Städte, wie Hoboken, Jersey City, gezählt werden, die von. Bagabundage. Schon vor etwa einem Jahre kam diese welche mit Nähen von Kommiswäsche ihr elendes Dasein Thatsache zum ersten Male in der französischen Kammer fristen, auch Judenschneiderinnen? River und den Hudson getrennt sind. Namentlich Brooklyn gehört zur Sprache. Kürzlich nun hat Georges Michel eine Ist das Loos jener Jammergestalten, welche gut zu New- York, mit dem es auch durch eine gewaltige Brücke verArbeit über die„ Vagabundenfrage" veröffentlicht. Da- christlich ungarische Arbeit erhalten, vielleicht beneidens- bunden ist, wie Ofen zu Pest gehört. Nimmt man aber Brooklyn, nach liefern für die Zunahme der Vagabundage die werther, als das Loos derjenigen, welche für Juden oboken 2c. hinzu, so erreicht New- York eine Einwohnerzahl von ungefähr 3 Millionen. Und vor jeßt einem Jahrhundert hatte Zahlen der Verurtheilungen einen zifferngemäßen Beweis. arbeiten? Kurz, es lassen sich tausend und tausende New- York 23 131, Brooklyn 1603 Einwohner, während Hoboken, Während in den Jahren 1831 bis 1840 die Polizei- Beweise liefern, welche alle konstatiren, daß das Groß- Jersey City 2c. noch gar nicht bestanden oder elende Dörfer waren. gerichte jährlich im Durchschnitt 2537 Vagabunden ver- kapital, ob in Juden- oder Christenhand, die besißlose Mit New- York, dem Riesentrichter, durch den die Menschen und Waaren der alten Welt in die neue einströmen, läßt sich gegen= nrtheilten, stieg diese Zahl z. B. im Jahre 1879 auf Arbeit ausbeutet und unterdrückt. wärtig nur noch London vergleichen; Paris, Wien, Berlir sind überholt. 9110, im Jahre 1882 auf 1469, 1884 auf 16 110, Die hiesigen Kleiderhändler, welche die zugeschnittene 1885 auf 18 433, und zwar sind in diesen Zahlen die Waare an die Kleinmeister hinausgeben, zahlen als AnVerurtheilungen wegen Bettelns nicht inbegriffen, welch' fertigungslohn lettere z. B. im Jahre 1886 auf 14 025 sich beliefen. für 1 Winterrock 1 Gulden 60 fr. • • " 1„ Mikado" 1 10 • • " " " 1 Hose. 50 " 1 Weste. 35 " " T für 1 Winterrock 1„ Mikado" " 1 Hose " " 1 Weste. 90 fr. 55 " 25 " 22 " Zur Frauenbewegung in Amerika. Den Angaben des Bureaus für Arbeits- Statistiken in Massachusetts über die Theilnahme der Frauen in jenem Staate an industriellen und geschäftlichen Unternehmungen entnimmt die„ New- Yorker Handelsztg." Folgendes: Von 28 294 Associés in 83 Firmen, die industrielle Etablissements betreiben, gehören 1760 dem weiblichen Geschlechte an. Von 42 731 Aktionären sind 11 752 Mädchen und Frauen. Tausende von Frauen sind außerdem als Künstlerinnen( Malerinnen, Bildhauerinnen u. s. w.), Schriftstellerinnen. Kosthauswirthinnen, Wahrsagerinnen, Buchhalterinnen, Kleidermacherinnen, Bugmacherinnen, Näherinnen, Aerzte, Lehrerinnen u. s. w. beschäftigt. Man sieht, auch in der Bourgeoisie schreitet die ökonomische Emanzipation der Frau rasch vorwärts. Literarisches. Der Verfasser erklärt, daß das Vagabundenthum allmälig den Charakter einer wahren Landplage angenommen habe. Nicht allein die Zahl der Vagabunden aber hat sich erheblich vermehrt; was viel mehr von Den- Diese Preise zahlten sie bis zum Frühjahr; jeßt jenigen, welche sich mit der Angelegenheit befassen, als wollen sie aber den Arbeitslohn noch mehr herabdrücken ein„ beunruhigendes Symptom" betrachtet wird, ist die und zwar: Umwandlung, welche sich in den Sitten und Gewohnheiten der Landstreicher vollzogen hat. Vormals, so versichert Michel, habe die Mehrzahl der Vagabunden und Bettler aus alten und schwachen Leuten bestanden, welche, außer Stande, ihren Lebensunterhalt dnrch Arbeit Infolge dieser elenden Hungerlöhne ist die Arbeitsfich zu verschaffen, das öffentliche Mitleid in Anspruch zeit bei dieser Branche eine ungewöhnlich lange, täglich Jm Monate Oktober d. J. wird erscheinen: ,, Almanach nahmen. Heute dagegen seien die meisten Vaga 16 bis 18 Stunden, das Leben ein elendes. Die Arbeiter de la Question Sociale"( Jahrbuch des internationalen Sozialismus), Herausgegeben von P. Argyriadès. bunden robuste, arbeitsfähige Leute. Das ist leben die ganze Woche ausschließlich von Brod, Wurst Kalender ist auf ganz neuer Grundlage verfaßt und wird folgende die unausbleibliche Folge der zunehmenden und eventuell Schnaps. Zum Ausfertigen der Hosen Abschnitte enthalten: 1. Eine Studie über die Abänderungen des " Freiseßung" von Arbeitskraft, von Arbeitskraft, des Wachs- und Westen werden Mädchen verwendet, weil ihre Arbeits- Kalenders; 2. Berichte über alle sozialistischen Parteien Europas thums der„ industriellen Reservearmee" Und kraft billiger ist, als jene der Männer; nicht selten und anderer Welttheile: 3. Aeußerst interessante statistische Notizen; 4. Eine ausführliche und erschöpfende Arbeit über den wissenschaftdagegen wird auch in Frankreich wie in anderen kommt es vor, daß die zur Arbeit beſtimmten Tuchreste lichen Sozialismus; 5. Artikel über verschiedene ökonomische Gegen„ Kultur"-Staaten nur eine gründliche wirth- und Stoffe zugleich auch die Schlafstelle für die bedauerns- stände; 6. Noch ungedruckte Dichtungen von Eugène Bottier, Louise schaftliche Umwälzung helfen. Michel u. A.; 7. Anekdoten, Wahrsprüche, geflügelte Worte u. s. m.; werthen Geschöpfe bilden. Wird solche mühevolle, alles nothwendige zum Leben 8. Eine methodische Zusammenstellung aller Zeitungen, Zeitschriften, welche sich mit Sozialökonomie beschäftigen. Das Ganze wird entbehrende Arbeit noch lange das Ausbeutungsobjekt einen stattlichen 80- Band bilden. Preis für Frankreich 1 Fr. 2 Ct., des mühelos schwelgenden Kapitals sein? So lange, für das Ausland 1 Fr. 50. Damit der Herausgeber von vorn91 Produktion und Technik. Dieser herein die Anzahl der Druderemplare bestimmen fann, wird gebeten, die Zahl der abzunehmenden Exemplare sofort dem Administrator: 5 Boulevard St. Michel- Paris bekannt machen zu wollen. Alle Subskribenten erhalten als Prämie zu gleicher Zeit mit dem Kalender, eine interessante Broschüre den sozialistischen Dichter Pottier darstellend. Der Subskriptionspreis wird erst nach dem Empfange des Kalenders entrichtet. Gewerkschaftliches. Die soziale Frage in Ungarn. Aus Preßburg in Ungarn schreibt ein dortiger bis die Arbeiter zur vollständigen Erkenntniß ihrer Sozialist: Ein tückischer Zufall war es, daß gerade im Interessengemeinschaft kommen und in der Einigkeit ihr " Grenzbote", der zu wiederholten Malen die bösen Heil erkennen. Sozialdemokraten für das rapide Zugrundegehen des Mittelstandes verantwortlich machte, vor einigen Tagen Ein Nothschrei der weißen Sklaven Preßburgs" erschien. Die Kleinmeister der Kleidermacher- Branche waren es, Wie die amerikanischen Blätter mittheilen, wurden welche die Grossisten bezw. die Konfektionäre und Kleider soeben die ersten Ergebnisse der Bevölkerungsaufnahme in den größten Städten des Landes festgestellt. Danach besigen die Verhändler anklagten, daß sie von den Hungerlöhnen, welche einigten Staaten jest drei Städte mit mehr als einer Million Verein der in der Schäftefabrikation beschäftigten ihnen für die Arbeit gezahlt werden, kein menschen- Einwohnern: New- York mit 1 627 000, Chicago mit 1 100 000 und Arbeiterinnen. Versammlung am Sonnabend, den 23. August, würdiges Leben mehr führen können. Ja, sie finden die Philadelphia mit 1040 000. Den wunderbarsten Aufschwung von Abends 8 Uhr, bei Scheffer, Juselstr. 10. Vortrag des Herrn Zustände in der einstigen Sklaverei und späteren Leib- diesen Städten hat seit dem legten Census vor zehn Jahren Chicago Max Baginsky. Diskussion. Verschiedenes. Herren haben Zutritt. eigenschaft beneidenswerther, als ihre heutige Lage. Das genommen. Seine Einwohnerzahl ist seither um nicht weniger als Nach der Versammlung geselligen Abend. 600 000 gestiegen, denn 1880 wurde es erst von rund einer halben Verein zur Wahrung d. Interessen d. Schuhmacher ist doch eine deutliche Sprache. Wer die Verhältnisse Million Menschen bewohnt. Chicago bietet überhaupt das merk- u. verw. Berufsgenossen. Versammlung am 25. ds. Mis.,. dieser bedauernswerthen„ Meister" kennt, wird auch zu würdigste Beispiel, wie eine Stadt unter den amerikanischen Ver- Abends 8% Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20. stimmen, daß die Anklage gegen das Kapital eine nur hältnissen ohne eine politische Umwälzung, einfach auf die eigene Vortrag des Herrn Vogtherr über: Bellamy's Rückblick aus dem zu gerechtfertigte ist. Leider anerkennt das Kapital keine Thatkraft seiner Bürger gestellt, zu entstehen und aufzublühen ver- Jahre 2000. Diskussion. Verschiedenes. mag. Noch vor sechszig Jahren war von dieser Stadt so gut wie Am 24. Juli legten sämmtliche Cigarren- Arbeiter und Berechtigung, sondern nur eine kalte Berechnung. nichts vorhanden; vielleicht daß an ihrer Stelle einige Blockhäuser Arbeiterinnen der Köhlan'schen Cigarren- Fabrik in Stettin die Der„ Grenzbote" meint freilich unter Kapital nur standen von Fischern, die auf den Michiganſee hinaus auf Beute Arbeit nieder, weil es denselben trop fleißiger Arbeit nicht möglich ausfuhren. Der Census von 1840 ergab noch ganze 4479 Ein- war, ihr Brod zu verdienen. Bitte den Zuzug streng fernzuhalten. das jüdische bezw. nur die jüdischen Zwischenhändler; wohner. Bon da an begann sich die Stadt allerdings zu reden Sendungen erbeten an die Adresse: Robert Werner, Stettin, diese wären es, welche sich auf Kosten des Konsumenten und zu strecken, sie wuchs bis auf nahezu 300 000 Einwohner im Baumstraße 24, per Adr. E. Genz. und des Arbeiters bereichern und die fleißige Arbeit Jahre 1870. Da brach jene verheerende Katastrophe über Chicago zur Lohnsklavin herabdrücken. Wenn wir die volks- herein, welche buchstäblich die halbe Stadt vernichtete; auf Jahrzehnte hinaus schien der furchtbare Brand vom 8. und 9. Oktober 1871 wirthschaftliche Entwicklung der gegenwärtigen kapita- die Entwickelung der Stadt lahmgelegt zu haben. Aber der fennt listischen Produktionsweise nicht besser kennen gelernt amerikanische Geschäftsleute schlecht, der glaubt, sie wären im 6.- 29. Zur Stellung von Anträgen seitens der Abgehätten, wenn nur das jüdische Kapital allein die Kraft Stande, einen Platz" aufzugeben, von dem sie einmal erkannt, ordneten des Reichstages sind fünfzehn Unterschriften nothwendig.. J. K. Zu dem Thema: Gefahren des Marxismus, ist eine hätte, die besiẞlose Arbeit zu drücken, oder wenn z. B. die daß er eine Bracht"-Lage für den Welthandel besize. HundertAus Raummangel Arbeitsbedingungen in der antisemitischen Druckerei des der Straßen und Pläße, der Geschäftshäuser, Fabriken und Ge- sehen wir uns leider genöthigt, die Veröffentlichung derselben auf tausend Hände arbeiteten Tag und Nacht an dem Wiederaufbau ganze Reihe interessanter Zuſchriften ergangen. „ Westungarischen Grenzboten" auch nur theilweise bessere treidespeicher, und wahrhaft wie ein Phönix stieg das neue Chicago die nächste Nummer zu verschieben. Bilder von Marr u. Lassalle in Oelfarbendruck genau nach Original 28X21 Ctm. Größe empfiehlt die Volksbuchhandlung von 3. Kralok, München, Hochbrückenstraße 10. Wiederverkäufern hoher Rabatt. ur Volksblatt, " Berliner Arbeiter- Bibliothek. 2. Serie. Heft 1. Der Mythus von der Gründung des Deutschen Reiches. Von Hans Müller- Rostock.( 40 Seiten. Preis 15 Pfg.) Heft 2. Zur Naturgeschichte der antisemitischen Bewegung in Deutschland. Von Gerhard Krause.( 32 Seiten. Preis 15 Pf.) Heft 3. Soziale Frage und Bodenverstaatlichung. Von Dr. Conrad 3 Berl. Bolts- Tribüne, des Wahren Sales Schmidt- Berlin.( 32 Seiten. Breis 15 Bi.) Vereinsblatt empfiehlt sich den Genossen C. Marzahn, Zeitungs- Spediteur früher: H. Rajchke Berlin N., Wiesenstraße 17, 1. Seitenfl. IV. Bestellungen auf sämstl. Arbeiter- Bibliotheken. Mülheim a. RH. 99 Abonnements auf die Berliner VolksTribüne" ,,, Berliner Arbeiter- Bibliothek", ,, Wahren Jakob"," Deutscher Bauernkrieg", Geschichte der Erde" und alle Schritten von J. H. W. Dies in Stuttgart, nimmt entgegen und besorgt pünktlich in's Haus Josef Alferding, Mülheim a. Rh.. Danzigerstraße 51. Allen Freunden und Genossen empfehle mein Soeben erschien: Geft 4 Die deutschen Arbeiter und das Gewerbegerichts- Gesetz. -( 36 Seiten. Preis 15 Pf.) Von Mar Schippel- Berlin. der Arbeiter. Briefkasten. Nur I Mark Klagen. 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Meiner Ziffern todte Taxusreihn Kniden wunderlich die fahlen Glieder; Riesenmassen schütteln Fleisch und Bein, Millionen Zahlen zuckend schrein: . Dichter, weckt dein warmes Blut uns wieder? Fühle, fühle deiner Zahlen Pein, Uns'rer Qualen hochgesummte Summen! Wühle, wühle sie zum Hirn hinein, Daß wir nimmer- nimmermehr verstummen. Sieh die Linie, wie sie Zickzack steigt, Hunger, Wahnsinn und Verbrechen zeigt! Bandle sie, die dunklen Spuren! Sei dem Geisterlumpentroß, Dieben, Mördern, Lustlemuren, Spießgesell und Mordgenoß! Wo der Fleischtopf üppig dampft, Reibt die Tugend" sich den Wanst, Mägen, die der Hunger trampft, Hält der Teufel schlau umschanzt. Wie sie grinsen, meine Zahlen, Nackt und spindeldürre hupfen, Aus zerschoss'nen Idealen Federn über Federn rupfen! Sieh, nun reihen sich zwei Lager, Hier die Guten, dort die Schlechten, Meistens sind die Sünder" mager, Fett sind meistens die„ Gerechten". Habe nie den Gott ergründet, " Der von Schuld und Unschuld weiß, Besser scheint mir schon verkündet: „ Gott ist der Getreidepreis". Und in toll und tollerm Ritte Ueberschlagen sich die Laster, Wuchert Reichthum, welkt die Sitte, Mordometer der Kataster. Anbeilbar. Von Uspenki. Deutsch von Styczinski. ( 2. Fortsegung.) 1. Sonnabend, den 23. August 1890. 33 Statistik. Von Karl Henckell( Zürich). Wie die Branntweinfluthen schwellen! Wie die Brenner Bismarck grüßen! Kahlgeschorene Gesellen Müssen fahl im Zuchthaus büßen. Kindesunschuld, wüst geschändet, Wirbelt in der Hölle Strudel, Bürgerbauch stolzirt verblendet, Wie ein wohldressirter Pudel. 3 Ach, der gute, der honette Rentner, Unbescholten strahlt er weiß wie Schnee, Trostlos schleppt der Strolch den Schicksalszentner, Ehrlos frißt er in sich Wuth und Weh. ,, Arbeit! Arbeit!" Seine Faust sie zittert, Klirrend schmettert sie durch's Ladenfenster. Gott Gesellschaft hält ihn gut vergittert, Gott Gesellschaft fettet die Gespenster, Gott Gesellschaft, Gott Jehovah, Sein Gebot dräut unerbittlich Lady Shocking auf dem Sopha Gähnt gesetzlich, schämt sich sittlich. Sittlich vornehm schlürft sie theuren Brändy, Süß in's Mündchen quillt der feine Schläuchlein Zugelt hold ein Stückchen Zuckerkändy, Legt sich schlummern auf ihr-- shocking- Bäuchlein. Aber fern den Lustpalästen, Aus der Vorstadt finsterm Schoß, Wo die Ratten auf den Resten Schmuz'ger Noth die Luft verpesten, Ringt der Schrei der Scham sich los. Wimmernd winden Millionen Zahlen Schwer sich fort, ein Mammuthsungeheuer, Plößlich aus erloschnen Blicken strahlen Der Erlösung Freiheitsfeuer. Schwarz umrauscht es die Tribünen, Gläubig lauscht's dem neuen Heil, Das die herrlichen, die kühnen Führer mit dem Rettungsbeil IV. Jahrgang. " Bahlen regieren die Welt. Mindestens zeigen sie, wie die Welt regiert wird." ( Goethe.) Rosig durch die Nothnacht lichten Hell durch's Dickicht kracht der Keil, Freude blüht den Gramgesichtern, Die noch tauern scheu und schüchtern, Wollen nimmermehr verzichten, Leben leuchten Millionen Zahlen, Glühend wallt's zu neuen Jdealen. Wie sie das Voltsblatt vom Haken raffen! Wie sie hohnlachend die Ziffern durchmessen! " Zählt ihr den Ueberfluß, den wir schaffen, Den sie aus Knochen und Mark uns pressen? Zählt ihr des Geldlad- polypen Profite? Zählt ihr den Eiweißgehalt uns'rer Nahrung? Ist das Gerechtigkeit? Ist das Sitte? Ist das die christliche Offenbarung? Zählt ihr die Würmer, die täglich sterben, Kläglich aus gottserbärmlicher Noth? Zählt ihr die Frauen, die nächtlich verderben, Preisgegeben um's liebe Brot?" Die der Schönheitsbonzen stolze Muse Mit dem keuschen Heuchelblick nicht nennt Milde Fee, versteinernde Meduse, Dich verklärt, wer deine Kraft erkennt. Schmerzstarr übergraun mich deine Züge, Massenzahl verzehrten Menschenglücks Heil, Statistit, Heil! Du höhlst die Lüge, Missest der Gerechtigkeit Gefüge, Schön einst lenkst du Wogen des Geschicks. Deiner Zahlarmeen Donnerzungen Schmettern Wälle grauen Wahns zu Staub, Um die Pfeiler, die dein Maß geschwungen, Kränzt die Menschheit frisches Siegeslaub. Götterlos, nach deinen Grundgesezen, Wie der Weltallsfreude Rhythmus schwillt! Die Dreieinheitsrechnung fliegt in Feßen. Und des Denkers Sehnsucht wird gestillt Zahlen, die das Ziel der Schönheit suchen, Segnen laßt euch! Laßt die Pinsel fluchen! Aus der Monatsschrift ,, Moderne Dichtung". er Meiner Meinung nach ist es so: immer die Wahrheit . und alles mit reinem Gewissen... So ist's jezt. und früher hieß es: auf anderer Kosten sich mästen!... elenden Daseins, da verspürte ich so schreckliche GewissensDaran stirbt man auch!" „ Wieso denn?" " Vater Diakon!" rief ich endlich, weil ich es nicht mehr aushalten konnte. Kommen Sie, bitte, zu mir!" Die Theilnahme eines Dritten machte der Szene sofort ein Ende. Das Gesindel ist feige.... Sobald sie nur ,, Denn man lebt nicht in der Wahrheit, sondern in die Stimme eines Dritten hörten, verloren sie den Muth, der Lüge und das Gewissen kommt noch dazwischen. wagten sie keinen Laut mehr von sich zu geben und und die Liebe zur Schweinerei auch noch dazu. gingen nach und nach auseinander. 14 " Sie glauben's nicht? Wie denken Sie denn? Dorfe mein Vater, auch ein Diakon, ein alter, sehr Was sind die neuen Zeiten? Sagen Sie's!" alter Diafon. Als ich seine Thränen erblickte, „ Ich weiß nicht,- Sagen Sie's!" erfuhr, daß ich mich habe ersäufen wollen, als ich an sein ganzes Leben dachte.. an die erbettelten Pirogi), an die Tauffeste, an alle die Qualen seines bisse, daß ich habe sterben wollen. Ich kann es gar nicht sagen! Nicht etwa, weil ich wieder Lust zum Leben bekommen, weil mir der alte Vater leid gethan hätte nein: mich verließ nur jene Unruhe, welche mich in die unbegrenzte Weite fortzog und es kam mir, als ich an das Leben meines Vaters dachte, plötzlich so vor, daß Schweine seid Ihr, nicht Menschen!" rief der„ Was denn sonst? Ich sehe das alles, kann aber auch ich ebenso leben müsse, daß auch für mich dieses Diakon und kam mir näher." Versteht Ihr das nicht, nichts thun. „ Versteht Ihr das nicht, nichts thun.... Und weßhalb leiden wir? Weil wir 2008 bestimmt sei.... Ich wurde ruhig und begann Zunächst daß Ihr Schweine seid? Ich weiß das ganz gut! jezt ein Gewissen haben! Das Gewissen ist in unserer das Leben, wie es mein Vater führte. Elendes Pack!" Seele erwacht und hat wie eine Quelle, die unter einem heirathete ich natürlich, Misthaufen hervorsprudelt, den Dreck über den ganzen um halt eine Frau zu haben; von Liebe war da keine Als ich meine Braut Hof getragen und den Schmutz überall hervorgewühlt. Spur, Das soll man nicht sterben! Und es sterben auch viele, zum ersten Male sah, gefiel mir ihr Gesicht gar nicht. Irgend ein Schatten von Träumen zog durch meinen sehr viele...." Kopf; nicht so sah die Braut aus, die ich mir vorAber das dauerte nicht lange. gestellt hatte. Er war ganz blaß und zitterte am ganzen Leibe, als er zu mir auf's Zimmer fam. " Die Liebe!!" Davon bin ich ja krank geworden... von dieser Schweine- Natur. Und wovon furire ich mich? Doch nur von diesem schweinischen Element! Barmherziger Gott! Väterchen, wolltet Ihr mir nicht vielleicht erzählen, Nicht bloß geschlagen hab' ich meine Frau, ich habe noch viel was für ein Unglück Euch zugestoßen ist, und wie das Schlimmeres gethan! Es genügt, wenn ich nur daran alles gewesen ist?" unterbrach ich ihn. denke... und ein ganzes Schnapsmeer würde nicht" Wie's gewesen ist?" fragte er und wurde nachgenügen, mein Elend zu ertränken." aus!" Seßen Sie sich, Vater Diakon, sagte ich. denklich." Sie meinen, wie das Gewissen in mir erwacht ruhen Sie ist, und wie der Schmutz aufgewühlt wurde." ,, Gott!. Ich habe ja nicht einmal:„ guten Abend" gesagt. Wo hab' ich nur meine Gedanken! Nein, das ist schrecklich." Bauu. Er setzte sich an den Tisch, stützte den Kopf auf find die Irm und athmete schwer. 11 Was fehlt Ihnen?" 11 ,, Ja, erzählen Sie mir alles, was Ihnen passirt ist!" ,, Das heißt, überhaupt über meine Krankheit?" ,, Nun ja." nur Schweinerei. denn das war so Sitte, ,, Sie hat ein Haus!" wurde mir gesagt, und es wurde mir leichter auf dem Herzen... Es wurde mir leichter, und damals erwachte in mir noch etwas anderes: an der Braut gefiel mir weder das Gesicht, noch die Augen, aber es begann mir etwas anderes zu gefallen: die fleischigen Schultern, der weiße Hals, die dicken Arme. Ich will gegen Sie ganz offen sein und alles gewissenhaft erzählen... ,, D, bitte, bitte!" ,, Hm, wie ich krank geworden bin?... Sehen Sie, die Sache war so. Zunächst müssen Sie wissen, „ Also ja! Ich hatte noch gar nicht mit ihr ge= daß mir das vor fünf Jahren passirt ist. Damals war sprochen und schon fühlte ich, daß ich sie umarmen ich noch nicht solch ein Bummler, Trunkenbold und möchte und etwas wollüstiges floß angenehm durch meine Ach, mir fehlt sehr viel,... schrecklich viel!.. Die Seele ist eben schweinisch bei unser einem und da usjäßiger, wie jeßt, sondern war, wie es sich für einen Adern... kurz und gut: das Schwein in mir wurde ordentlichen Vater Diafon geziemt: ehrwürdig, solide. groß und siegte über den Menschen... das war das quält man sich zu Tode. Das ist ja der Grund, Ich trug meine Rjaffa*) mit dem gebührenden Anstand, erste. Das zweitemal äußerte sich das schweinische Eleweßhalb ich die Eisenpillen einnehme... auch die hatte eine junge, gesunde Frau, las die Kirchenchroniken ment, als ich die Weihen empfing. Auch hier erschienen Bücher lese ich deßhalb... alles deßhalb...." mit vielem Genuß, mit einem Worte: ich dachte gar mir solche Dinge, wie das Haus, die guten Einnahmen, " Weßhalb denn?" nicht daran, daß ich einmal ein so verkommener Mensch die ich als Diafon haben würde, wichtiger als der Um" Ich sag's ja: meine Schweine- Seele will ich zu werden könnte. Als ich noch als siebzehn-, achtzehnjähriger stand, daß mein neues Amt mir Pflichten und eine einer Menschen- Seele machen das ist die ganze Junge das Seminar besuchte, fühlte ich manchmal so moralische Verantwortung auferlegte. Ich weiß, als ich Seche... da lese ich nun die Bücher. Indier, etwas trauriges, schweres auf der Seele, was mich hin- geweiht wurde, da kam mir der Gedanke: Ist das nicht Affen aller Gattungen... ausgegrabene Töpfe, oder auszog in die Freiheit, in die weite Welt. Aber wie die Dinge heißen. Das hilft aber alles nichts! ein anderes Gefühl, das ich damals noch nicht verstand, ich sofort wieder an das Haus denken und an den eine Sünde? Ist das nicht gewissenlos?" Aber da mußte Das schweinische Element rottet man damit nicht aus... und das sich später als das schweinische Element heraus fetten Leib... solch' feinen jungen, warmen Leib Man nimmt sich vor, die Kur durchzuführen, trinkt aber stellte, hielt mich zurück.... Ich hatte keine Ruhe, und meiner Frau und alle Zweifel zerstreuten sich. vor dem Essen und nach dem Essen, manchmal war es mir so unsäglich traurig zu Muthe, können sehen, wie klein das Gewissen in mir war! Aber bis einem der Gedanke kommt, wieder eine Schweinerei daß ich z. B. einmal beim Baden plößlich die Lust verdenken Sie nicht, das andere mehr Gewissen hatten als zu machen und dann geht's so, wie vor zwei spürte, unterzutauchen, auf dem Grund zu bleiben und ich! Alles was um mich her lebte, war daran gewöhnt, Tagen: man betrinkt sich und schickt alle und alles zum nicht mehr emporzuschwimmen. Ach, das ist es, was das Haus, ein Stück Acker, das Geld höher zu schäßen, Teufel. Aach! Schrecklich! Eine sonderbare Gewalt mir noth thut", dachte ich mir- ,, wie schön wäre als die Wahrheit und das Seelenheil.. dieses Gewissen! Und wie viele Menschen kommen es, nicht mehr zu leben." immer weiter in unserer Zeit seinetwegen um!" Aber man zog mich Sie „ Ich hab' in mein Stübchen gebracht irgend eine nichtswürdige Gewissenlosigkeit zu entschuldi" Wie meinen Sie das: in unserer Zeit? Und heraus. Ich weiß das noch ganz genau. Ich wurde enigstens ein Haus, wenigstens Geld", sagt Jeder, um früher?" " Früher gab es so etwas nicht. Das ist noch nicht " So?!" lange her!" halb todt und wie zum Unglück kam gerade an diesem Tage aus dem *) Das Kleid der russischen Popen und Mönche: mit sehr weiten Aermeln. *) Die russischen Popen und Diakone bekommen bei allen Tauf-, Hochzeitsfesten u. s. w., Geschenke in Form von Brot, Pirogi sind eine lang, Kuchen, Braten, Klößen und anderen Speisen. Art Kuchen, inwendig mit Fleisch gefüllt. gen. Und Niemand wunderte sich darüber... Jetzt ist es gerade umgekehrt... ich will aber erst Alles erzählen — der Reihe nach... Sobald ich mich also auf diese Weise mit dem Gewissen abgefunden hatte, scheerte ich mich nicht mehr viel um die Wahrheit. Nur einmal,— als ich mit meiner jungen Frau nach der Weihe und der Trauung in's Dorf fuhr,— passirte mir etwas ähn- liches, wie früher: ich verspürte die alte Unruhe. Ich schaute sie an(wir fuhren zusammen in einer Telega) und dachte mir:„Wozu das?" Ich will ihr etwas sagen, ich sehe aber, daß es nicht geht... denn es kommt mir vor, als sitze ein ganz fremder Mensch mit mir zusammen. Ich machte mir Gedanken darüber und da wurde es mir so schwer, so unendlich schwer... Ich umarmte sie aber und es wurde wieder leichter... Das passirte nur ein einziges Mal; später, als wir nach Hause kamen und uns einrichteten, ging alles ganz gut. Mein Vorgesetzter, Vater Iwan, ein Pope*), beruhigte mich vollends und legte mir den wahren Sachverhalt dar... Der Rubel, das Goldstück, der Schein, mit einem Worte das Geld in allen seinen Formen und Eigenschaften— das war sein Gott, sein Glaube, seine Hoffnung. Liebe und seine Allweisheit... Alles! Er, der Vater Iwan, war nur ein Geldbeutel— ich glaube, er kam sich auch selbst vor, wie ein beseelter Geldbeutel. Und wenn er sich selbst vielleicht nicht als solchen vorstellte, so würde er doch nichts dagegen gehabt haben, wenn man ihn so genannt hätte, und alles, was auf Erden sich befindet, alles zwischen Himmel und Erde, kam ihm vor, als Fleisch gewordenes großes und kleines, silbernes- und Papier-Geld, von dem ein Theil in ihn, den Geldsack Vater Iwan, übergehen mußte. Und wenn irgend ein Geldstück in seine Tasche fiel, dann war er glücklich und znfrieden und fühlte, daß sein Leben ein vernünftiges Ziel habe. Es war eine reine Wonne, seine kleine Augen anzu- schauen, wenn in seinen Händen ein Rubel oder gar ein Fünfrubelschein sich befand... Er selbst war klein, sehr schmutzig, sehr fett und scheinbar gegen alles gleichgiltig; fühlte er aber ein Geldstück in der Hand, dann ver- schwand mit einem Male der Schmutz, der Speck, das Fett mit dem seine Gestalt gesättigt war und nach dem er von weitem roch; alles schmolz, verklärte, belebte sich von der seelischen Wärme. Schon diese aufrichtige Freude beim Anblick des Geldes wirkte beruhigend auf mich; meine Weltanschauung nahm feste, deutliche Formen an, umsomehr, als alle herzlichen, aufrichtigen Unter- Haltungen mit Vater Iwan nur über das Geld Handel- ten und ihre Wirkung natürlich nicht verfehlten.... „Wieder eine Feldmaus!" sagte er manchmal und meinte damit den Rubel, den er von den Bauern für ein Gebet gegen die Feldmäuse erhalten hatte und den er dann in seinen Geldschrank einschloß. Und mir wurde es so leicht um's Herz, wenn ich ihn so sah. In der That: wie hätte die Feldmäusegeschichte anders enden sollen? Wer hatte da Recht? die Bauern, welche den Vater Iwan baten, gegen sie zu beten und ihm dafür Geld zahlten, oder er, der den Rubelschein in den Schrank einschloß? Natürlich er... Ich werde Ihnen, glaube ich, kaum alles genau erzählen können, wie er seinen ganzen Verstand in der einen Richtung anstrengte,... nämlich: auszuwittern, wo, wie, von wem er wohl eine Kopeke herauspressen könnte... Und was für ein Talent hatte er dazu!... Wie leckte er dem Panjuschtschik**) den Speichel, was für eine ernsthafte, traurige Miene konnte er machen, wenn er den Banern ermahnte, gottes- fürchtiger zu sein, wie meisterhaft verstand er es, vor den Behörden Komödie zu spielen, um einen Zuschuß von der Regierung für die angeblichen Reparaturen an der Dorfschule zu erbetteln; wie herzlich und dabei giftig konnte er lächeln, wenn er das Geld vom„gnädigen Herrn" in den Schrank einschloß, mit welcher Selbst- Zufriedenheit griff er sich in den Bart, wenn der büß- fertige Bauer zum Beweise seiner Gottesfurcht einen ganzen Tag hindurch dem Vater Iwan Holz aus dem Walde in den Hof fuhr. Es ist schwer, alles zu er- zählen; aber das muß ich sagen: mit seinen festen, un- erschütterlichen Ansichten über die Welt und die Menschen, die für ihn nur den Werth von so und soviel Rubeln oder Kopeken hatten, namentlich aber durch die Aufrich- tigkeit seiner Ueberzeugungen machte er auf mich einen großen Eindruck. Allmählich begann auch ich, die Mög- lichkeit zu verlieren, die Welt mit anderen, als mit des Vaters Iwan Augen anzusehen: Alles war nur deshalb da, um mir— und nicht nur mir, sondern auch allen anderen— Geld einzubringen. Die Arbeit bestand nur im Aussinnen der Mittel, das Geld zu bekommen, das Leben— im Ausruhen mit der Frau, im Essen, im Schlafen... das war alles!... In materieller Hin- ficht war meine Lage gar nicht schlimm: die Frau hatte ein Haus und Geld; wir lebten allein, denn ih* Vater war in ein Kloster gegangen, um dort den Rest seiner Tage zu verleben. Daß ich auf jede Kopeke sehr verpicht gewesen wäre, kann ich nicht sagen, denn ich brauchte sie ja auch nicht sehr nöthig... Ich konnte sogar— ja, wie soll ich es sagen,... vom liberalen Standpunkt auf die Theorie des Vaters Iwan herabsehen, aber an der Richtigkeit seiner Theorie zweifelte ich nicht mehr. „Ich wurde ganz ruhig... „Ich war glücklich und zufrieden, wenn ich die ganze Nacht hindurch mit der Frau im warmen Bett geschlafen hatte, dann früh aufstand, in die Kirche ging, mich satt aß und satt trank... Ich sage es ganz im Ernst, das Essen— das Fressen— machte mir ein ganz beson- ♦) Russischer Pfaffe.**) Russischer Landjunker. deres Vergnügen. Denken Sie sich: ein Glas Schnaps. dann ein gutes Mittagessen und dann sich hinlegen und ausruhen... Pfui, was für ein erbärmliches Leben!"... ■BRflBsc--- 4 Korsensprel und Kapitalismus.� � Zu den größten Utopistereien, die aber immer w ieder und wieder auftauchen und speziell in konservativen und antisemitischen Kreisen unausrottbar sind, gehört die Ansicht, daß die wesentlichen Schäden des kapitalistischen Systems in der Börse, die doch nur eine Begleiterscheinung dieses Systems darstellt, ihren Ursprung haben. Es läßt sich dann gegen den„Giftbaum", insbesondere gegen die „verjudete" Börsengesellschaft, ganz vortrefflich losdonnern; die moralische Entrüstung nimmt sich so hübsch„arbeiter- freundlich" aus, imponirt dem Kleinbürger und lenkt die Austnerksamkeit von dem eigentlichen Klassengegensätze, welcher dem ganzen ökonomischen Ueberbau zu Grunde liegt, von dem Gegensatz zwischen Lohnherr und Lohn- arbeiter ab. Ein amerikanisches Blatt beleuchtet dies Verhältniß treffend in einem Arttkel:: Was geschieht bei den Transattionen der verschieden Börsen?— Betrachten wir zunächst das Wesentliche in Geschäften der sogen. Produkten-Börsen, im kapitalisti- scheu Kauderwälsch deshalb so genannt, weil daselbst keine Produkte gekauft oder verkauft werden. Die hier üblichen Scheinumsätze von Weizen, Mais, Schweine- fleisch zc. find in Wahrheit nichts weiter als Wetten. Es wird darbet von dem Börsenspieler„A" auf das Steigen, von„B" auf das Fallen der Preise gewettet. Gegenstand des Handels ist immer nur die am Zieltage sich ergebende Differenz zwischen dem von der Börse fest- gestellten Preise und demjenigen, auf welchen die Wettenden sich einigten. DieserVorgang ist wesentlich der gleiche, wie bei irgend einer andern Art von Hazardspiel zwischen Privat- Personen. Geld wechselt den Besitzer. Aber, was ist dieses Geld, welches„A", als Verlierender, dem„V" zahlen muß?— Es ist das durch den kapitalistischen Staat legalisirte Austausch-Aequivalent für Werthe, die durch Arbeit, und nur durch Arbeit erzeugt worden sind. Diese Werthzeichen, welche von einem Börsenspielcr zum anderen übergehen, repräsentiren also Ergebnisse der Exploitation, welche unter dem Schutze des kapitalistischen Staates tagtäglich von den Besitzern der Produktions- mittel an der Arbeiterklasse verübt wird. Ein neuer Akt dieser gesetzlichen Exploitation der Produzenten durch die Aneigner der Produkte findet hierbei nicht statt. Insoweit ist das Spielen und Wetten an der Börse vom Standpunkte des wahren Produzenten, des Arbeiters, ein ebenso gleichgiltiges Nebenwerk des kapitalistischen Systems, ivie das Spielen und Wetten auf den Renn- Plätzen u. s. w. Für den Konsumenten allerdings kommt der Umstand hinzu, daß durch die Spekulation in Preis-Notirungen doch gelegentlich auch die wirklichen Preise der be- treffenden Produkte für ein paar Tage in die Höhe ge- trieben werden. Da aber eine blos auf Schcin-llmsätzen beruhende Preissteigerung immer nur eine kurzlebige sein kann, sind die Zwischenhändler, von denen die Massen des Volkes einkaufen, meistens durch die unter ihnen obwaltende Konkurrenz verhindert, eine Preiserhöhung für die fraglichen Maaren durchzusetzen. Wo immer und so lange noch unter den Brodsabrikanten und Bäckern genug Konkurrenz vorhanden ist, wird durch Börsen- transaktionen in Weizen nur ausnahmsweise und schnell vorübergehend der Preis des Mehls und des Brodes für die Bevölkerungsmassen gesteigert werden. Um letzteres Resultat zu bewirken, mußte Auflauf von wirklichem Getreide stattgefunden haben. Ein„Trust" in Wetzen, Korn?c. ist hierzu die Voraussehung. Aber fragen ivir uns. worauf eine solche gelegentlich vorkommende Schädi- gung der Volksgemeinschaft durch wucherischen Handel in Lebensmitteln beruht, nun, dann werden wir wieder auf jenes Grundübel hinzeigen müssen: auf de» kapita- listischen Staat, der mit der Abhängigkeit des Produzenten und Konsumenten vom Besitzer der Produktionsmittel und Produkte auch diese Form der Uebervortheilung heiligt. Immerhin wird der Produzent als solcher— der Lohnproletarier— durch die herrschende Wirthschaft in mehr als zehnfach größerem Maße benachtheiligt, als der Konsument, das Publikum im Allgemeinen. Zum Theil anderer Natur ist das Geschäft der Altien-Börse. Erst hier, wie wir sehen werden, erweist sich der Börsenspieler zugleich auch unzweideutig als Aneigner von Lohnarbeit. Während das Geschäft in der Produkten Börse darin besteht, daß man auf die künftige Preisgestaltung be- stimmter Produkte wettet, wird auf der Aktienbörse der Kurs der Aktien-Papiere festgesetzt. Man sucht den reellen Werth, die Dividenden, welche die betreffenden Eisen- bahnen, Fabriken, Bergwerke künftig an die Aktionäre zur Vertheilung bringen werden, im Voraus zu errathen und bemißt danach den Preis, welchen man für die Aktien zu zahlen bereit ist. Woher aber kommen diese Dividenden?— Nim, woher sonst könnten sie kommen, als aus dem Ertrag von Lohnarbeit, der den Arbeitern.vorenthalten wird. Im Aktien-Unternehmen, dieser unaufhaltsam überhand- nehmenden klassischen Form der kapitalistischen Produtt tionsweise, gelangt ja erst der rein arbeitslose Erwerb zum Ausdruck. Der Aktionär, gleichviel ob er, von einem Dividendentermin zum anderen, kauft und verkauft, oder sich von der Börse fernhält, erntet Kapitalprofit, so oft er im Schweiße seines Angesichts Koupons ab- schneidet. Wie wir nun sehen, haben wir es hier auf der Aktien-Börse mit zwei wesentlich verschiedenen, aber parallel sich vollziehenden Vorgängen zu thun: Da ist erstens im Handel um die augenblicklichen Kursdifferenzen der nämliche bloße Handwechsel von bereits annektirtem Kapitalprofit, genau so wie an der Produktenbörse. Hierbei also findet ein neuer Akt der Ausbeutung des Arbeiters nicht statt. Auch dein kon- sumirenden Publikum kann dieser Vorgang absolut gleichgiltig sein; denn es kann daraus nicht die Möglich- keit einer Vertheuerung der Lebensmittelpreise resultiren. Was sich da abspielt, das ist nichts weiter als eine Familienaffäre kapitalistischer Aneigner unter sich, bei der, wie es in der heutigen„Ordnung" üblich, die Kleinen von den Großen zerfleischt und aufgefressen werden. Gleichzeitig aber wird zweitens in der wirklichen Attien-Dividende auch neuer, durch Arbeit erzeugter Werth angeeignet. Hier in diesem Vorgange ist der Börsianer, ebenso wie der nicht-speknlirende Attionär, ein- fach regulärer Kapitalist, Aneigner von Lohnarbeit. vorausgesetzt, daß und insoweit als ihm zeitweise irgend- welcher Betrag an Dividenden zufließt. Letzterer Vorgang allein ist von Interesse für das Publikum im Ganzen und für das arbeitende Volk im Besonderen. Fragen wir uns nun: woher kommt es denn, daß an der amerikanischen Börse ein paar Dutzende von Kouponabschneidern im Stande sind, die Arbeitsfrucht der Eisenbahn- und Telegraphen-Angestellten im ganzen Lande, der Bergleute von Pennsylvanien bis Neu-Mexiko und von Alabama bis Montana, der Spinner und Weber von Fall-River, Mass., wie auch von Manchester in England u. s. w. an sich zu reißen und zu ver- prassen? Woher dies kommt?— Daher, weil der Arbeiter als Klasse vom Besitze der Arbeitsmittel getrennt ist,— ein Zustand, den der kapitalisttsche Staat sanktionirt und ausrecht erhält.„Die" Aktiengesellschaft als solche, nebenbei: zugleich die Grundform der Trustbildung, kon- trolirt ja wahrscheinlich, schon mehr als vier Fünftel aller Produktions-, Handels- und Trausport-Erforder- nisse in Amerika und Großbritannien, vielleicht auch schon in Deutschland und insoweit als die Aktten dieser Korporationen an den Börsen verkaust werden, sind Börsianer die Aneigner des durch die Arbeit in allen jenen Etablissements und Betrieben erzeugten Mehr- werthes. Diesen positiv-kapitalistischen Charakterzug der Börse vermag der Kleinbürger aber nicht zu erfassen, und des- halb kann er in den Börsianern nichts anderes als Spieler, einen Haufen irregulärer Existenzen erkennen. Um nun schließlich das Verhältniß des Börsenspiels in seiner Unwichtigkeit gegenüber dem Kapitalismus im Ganzen uns mös':hst klar zu vergegenwärtigen, wollen wir folgenden Fi setzen: Abgeschafft, faktisch beseitigt.— so unterstellen wir — ist die Börse überall, und Aktien von irgend welchen Korporationen, wenn übertragbar, sind dies nur zu solchem Preise, der genau der zuletzt tvirklich ausgezahlten Quar- tals- oder Halbjahrs-Dividende entspricht; alle in Wider- spruch mit diesem Gesetze stehenden Kontrakte sind als- ungiltig erklärt. Damit hat alles Spielen und Wetten um künftige Kurs- Differenzen gänzlich aufgehört. Also, was dann?— Werden dann die Lohnarbeiter der Eisenbahnen-, Telegraphen-, Bergwerks- und Manufaktur-Kompagnien, deren Aktien jetzt an der Börse notirt werden, irgendwie besser dran sein als jetzt? Wird das Publikum hierdurch ge- Winnen? Offenbar nicht im Mindesten! Weiter: was kann für den Zweck der Reinigung des politischen Lebens dabei herausspringen, wenn man blos das Börsenspiel beseitigen, den Kapitalismus aber. — das System der Ausnutzung des Menschen durch den Menschen überhaupt— ruhig beibehalten will? Würden die großen kapitalistischen Kompagnien und Trusts deshalb, weil deren Mitgliedschaft nicht mehr, wie jetzt, täglich an der Börse wechselt, weniger im Stande sein, Legislatur- und Stadtraths-Mehrheiten, Präsidenten, Gouverneurs und Bürgermeister sowie die nöthigen Gerichte zu erkaufen?— Könnte hierdurch die Seuche der Stimmgeber-Prostitution eingeschränkt werden? Lächerlich!— wieso denn? Die Konzentration und damit die politische Kor- ruptionsmacht des Kapitals würde sich durchaus nicht vermindern. Im Gegentheil: abgesehen von der an sich fortdauernd wachsenden Kauf- und Verführungsmacht des großen Geldsacks, ist es sehr wahrscheinlich, daß gerade bei einer etwas festeren Mitgliedschaft die Kor- porationen noch weit mehr Geld für„Beeinflussung" von Stimmgebern, Beamten, Legislatoren und Richtern in Anwendung bringen würden. JnSumma: Das Börsenspiel ist nichts weiter als ein Auswuchs des auf arbeitslosen Erwerb beruhenden kapitalistischen Systems; der Bör- sianer aber, als Aktienbesitzer und Dividenden- schlncker, gehört sogar zu den hervorragendsten Repräsentanten desselben. Der Boden des arbeitslosen Erwerbs ist zugleich die Existenzbasis aller Politischen Korruption. Spieler. Zollhausdefraudanten, betrügerische Ban- kerotteure, Besitzer von Lasterhöhlen u. dergl. beanstanden, aber dabei vor dem kapitalistischen Systeme selbst beide Augen zudrücken, das heißt„Mücken feigen und Kameele verschlingen"._ Gek anomisches aus Rußland. (Schluß.) 0. In den Ortschaften, in denen die Bauern be- sonders wenig Boden besitzen, hat der Zersetzungspr�zeß der Gemeinde einen frappirend scharfen Charakter an- genommen. So haben laut Bericht des Gouverneurs vom Gouvernement Jaroslaw den Grund aus die ein- zelnen Bauernhöfe vertheilt: im Jahre 1880, 13 Gemeinden. 1881, 49, 1882, 77 und im Jahre 1885 gar 100 Gemeinden. In dem Maße, wie sich die Familie zerstückelte, ging auch die Bildung von Klassen im Dorfe, die den Bauern unbekannt gewesen, vorwärts. Nasch entstand ein Proletariat, und andererseits tauchte der Dorfwucherer auf, welcher der Gemeinde die um ihren Hals geworfene Schlinge zuzog. Es begann die Knech- tung der armen Bauern durch die wohlhabenden, die zu einem selbständigen Faktor im Zersetzungsprozeß der Gemeinde wurde. Die Gemeinde ist unrettbar verloren.„Sie muß untergehen, weil ihre Existenz keinen ökonomischen Sinn mehr hat. Heutzutage ist sie in den Händen der Wuche- rer und des Staats zu einem Mittel der Ausbeutung des Volkes geworden, aber auch als solches ist sie ver- altet, darum werden auch weder der Staat noch.die Wucherer an ihr lange festhalten.�— � In Bezug auf die Erhaltung der alten wirthschäft- lichen Formen hat man stets viel von der Auswanderung der Bauern nach weiten entlegenen Gebieten Rußlands erwartet. Die öffentliche Meinung, welche Ansichten sie auch sonst vertreten mochte, erklärte sich stets zu ihren Gunsten. Nur die Gutsbesitzer, die den Abfluß der billigen Arbeitskräfte und den Verlust williger Pächter ihres Bodens fürchteten, sahen die Auswanderung mit scheelem Auge an. Unter ihrem Einsluße wurde die Organisation der Auswanderung durch die Regierung immer und immer wieder aufgeschoben. Da aber dieselbe von allen anderen Seiten gefordert ward, so kam die Regierung endlich mit einem diesbezüglichen Gesetz(vom 13. Juli) nieder, das der Auswanderung aber gerade nicht zu günstig ist. Angenommen jedoch den Fall, die Auswanderung sei durch die Verordnung so gut als möglich organisirt, sie erhalte die größte Ausdehnung. welche Wirkung wird dies auf � die«wirthschaftlichen Lebensformen der Bauern ausüben?j_ „Bei der Untersuchung dieser Frage muß man vor allem die wirkliche Lage des modernen Rußlands ins Auge fassen. Es gab eine Zeit, wo die Auswanderung die damals hauptsächlich aus der Initiative des Volkes hervorging und sehr oft sogar gegen den ausdrücklichen Willen der Regierung bewerkstelligt wurde, wirklich die alte Ordnung des bäuerlichen Lebens befestigt. Wenn Sibirien, das Transwolgasche Gebiet, Reurußland u. s. w. nicht in denselben Beziehungen zu Zentralrußland standen, wie die europäischen Kolonien zu deren Mutterstädten, so lag der Grund davon darin, daß wie in Zentral- rußland, so auch in den von russischen Emigranten be- völkerten Ortschaften der Ton des wirthschaftlichen Lebens von den Bauern angegeben ward, die unter Naturalwirthschast lebten. Die modernen Beziehungen der Kolonien zu den Mutterstädten haben die Waaren- Produktion und eine weite Arbcitstheilung zur Voraus- setzung. Verhältnisse, die dem bäuerlichen Rußland ganz unbekannt waren. So war es einst. Aber die Entwicklung des russischen Kapitalismus hat jetzt den Auswanderungen einen ganz anderen Cha- rakter aufgedrückt. Aus dem Buche„Sibirien als Ko- lonie" ist zu ersehen, daß der Zufluß von Auswanderern aus den zentralen, industriellen Gouvernements Ruß- lands ganz unbedeutend ist. So sind in der Periode von 1846 bis 1878 in das Gouvernement von Tobolsk eingewandert: aus dem Gouvernement von Wadimir 91 Personen, Moskau 22, Tula 429, Jaroslaw keine einzige Person, während aus den ackerbauenden Gou- vernemcnts in derselben Periode eingewandert sind: Woronjesch 5427. Pensa 2312, Witebsk 2343, Kursk 5337, Pskow 7031. Wenn man sich die Mühe giebt die Aus- Wanderungsbewegung in der periodischen Presse zu ver- folgen, so überzeugt man sich leicht, erstens, daß die Auswanderer ausschließlich aus den Ackerbauenden Gou- vernements stammen, und weiter, daß sich dieselben nicht aus dem ärmeren Theil der.Bauern rekrutiren, sondern aus der mittleren Dorfschicht, die auf Grund und Boden Werth legt, aber keinen genügenden Grundbesitz hat. Die ärmeren Bauern des Dorfes denken auch i» diesen Ort- schaften nicht mehr ans Auswandern und suchen ihren Lebensunterhalt als Taglöhner auswärts zu erwerben. Was die zentralen, industriellen Gouvernements an- betrifft, so denkt dort fast Niemand ans Auswandern, weil daselbst nicht ländliche, sondern industrielle In- teressen vorwiegen. Daher kommt es, daß selbst eine um- fassende Organisation der Auswanderung keinen unmittel- baren Einfluß auf die ökonomischen Verhältnisse der Gouvernements ausüben könnte. Wahr ist es, daß ihr mittelbarer Einfluß bedeutend sein würde. Erstens, würde sie zu der Bildung neuer Märkte an den Grenz- gebieten führen und zweitens, die Kauffähigkeit der Be- völkerung der ackerbauenden Gouvernements, die jetzt in Folge des Mangels an Grundbesitz sehr daniederliegt, gehoben haben. Die gesteigerte Nachfrage nach den Pro- dickten der industriellen Gegenden Rußlands müßte theil- weise die Nachfrage nach Arbeitskräften steigern, wodurch die Lage der armen Dorfbevölkerung, die auswärts dem Enverb nachgeht, verbessert, theilweise auch eine Ver- vollkommnung der Produktionsmittel herbeigeführt würde. All dies wäre freilich sehr schön, würde aber dadurch die Entwicklung des Kapitalismus verhindert werden? Umgekehrt, sie wäre gefördert worden und mit ihr auch die Zersetzung der alten Produktionsformen. So kommen alle Projekte, durch welche die Volksthümler gegen den Kapitalismus ankämpfen wollen gerade diesem zu gute. Könnte man auch etwas anderes von Ländern erwarten, die schon dem Einfluße der natürlichen Gesetze der ka- pitalistischen Entwicklung unterliegen?" Die Anhänger der alten Dorfgemeinde haben für ihre Erhaltung ebensoviel von der ländlichen Hausindustrie, wie von der Auswanderung und der Bodenkreditbank, gehofft. Aber wie der bäuerliche Kleinbetrieb verfällt, so geht auch die ländliche Hausindustrie Schritt für Schritt zu Grunde. Die Kräfte der„Kustari"(läud- liehe Hausindustrielle) reichen immer weniger aus, um gegen die Aufkäufer und Fabrikanten anzukämpfen. Von den vielen veröffentlichten Berichten über die Haus- industrie wird derjenige von Stange an„die Ge- sellschaft znr Förderung der russischen Industrie und des Handels" angeführt. Zur Karakteristik des berühmken Dorfes Pawlow heißt es darin, daß der äußere Wohl- stand, den man noch jetzt konstatirt, nur ein Ueberrest des früheren Gedeihens sei. Jetzt„nähren sich viele Familien Monate lang nur von Brod, und auch davon haben sie nicht genug, und doch arbeitet die ganze Familie— Frau, Mutter und Kinder— von 1 Uhr morgens an bis spät abends. Die Hütte bleibt ungeheizt, die Beleuchtung besteht aus einem Kienspan, die Arbeiter sind fast nackt." Die Quelle dieses Elends sieht der Berichterstatter in der schädlichen Wirkung der Zwischen- Händler, welche die Produkte zu Spottpreisen auskaufen und dadurch den Verdienst auf ein sehr niedriges Niveau herabdrücken.„Seit sieben Jahren", erzählt eine Zeitung, „ist der Kampf zwischen den Zwischenhändlern und den „Kustari" für Erstere günstig ausgefallen. Diese haben eS verstanden, die„Semstwo"(Landstände), die öffent- lichen Gewalten zu hintergehen, jede von außen den Kustari zugedachte Hülfe zu konfisziren, und dieselben fast verhungern zu lassen." Die armen Kustari hatten bei der Regierung ein Gesuch eingereicht, das von mehr als 500 Familienvätern unterschrieben wurde, die um schnelle Hülfe flehten. Es hieß, daß der Finanzminister und der Minister der Staatsgüter dem Gesuch ihre Sympathien zugewendet hätten, auch von Seiten der Semstwo wurden den Bittstellern alle möglichen Ver- sprechungen gemacht. Bleibt nur die Kleinigkeit zu wissen übrig, wann die Versprechen erfüllt werden. Gesetzt aber auch, daß die Versprechen gehalten werden, was kommt dabei für die Kustari heraus? In Rußland zählt man bis 7 Millionen Menschen, die in der ländlichen Hausindustrie beschäftigt sind. Um keiner Uebertreibung geziehen zu werden, nimmt der Autor an, daß ihre Zahl nur 3 Millionen beträgt. Trotz alledem wird man jedenfalls zugeben müssen, daß viel, sehr viel Geld erforderlich wäre, um ihnen auch das Mini- INN IN der nöthigen Hille zu gewähren. Angenommen aber, wenn auch ohne jeden triftigen Grund, daß der Staat die so bedeutenden Summen zu Gunsten der Kustari verausgabt, was können die Leute damit an- fangen? Offenbar nur das, was ihnen ihre wirthschäft- liche Lage vorschreibt, welche durch folgende Merkmale charakterisirt wird: 1. Der Kustar arbeitet in seiner Werkstatt durchaus nicht gänzlich unabhängig, 2. er produzirt nicht aus Bestellung, wie der Handwerker, sondern für den großen inneren und theilweise auch für den ausländischen Markt, dessen Forderungen ihm jedoch unbekannt sind, und 3. seine Produktionsmittel sind sehr zurückgeblieben und unvollkommen. Der ländliche Hausindustrielle arbeitet darum nicht gänzlich selbstständig, weil in der That nicht selten einige Arbeiter in seiner Werkstatt beschäftigt sind, die ihrerseits baldigst unabhängig zu werden hoffen. Was wäre nun die Folge, wenn eine Kreditbank für die Hausindustriellen eröffnet würde? Um gegen die Großproduzenten mit Erfolg kämpfen zu können, müßten sich die Kustari voll- kommenere Produktionsmittel anschaffen. In der Mehr- zahl der Fälle wäre dies jedoch unmöglich, weil nepe Produktionsmittel nur in großen Werkstätten zur Ver- Wendung gelangen können. Wir wollen annehmen, daß manche Kustari sich iu Artelli(Assoziationen) organi- siren, um gemeinschaftlich größere Werkstätten und neue Produktionsmittel zu beschaffen. Allein nicht alle Kustari werden den Organisationen beitreten, und was werden die außerhalb der Artelli gebliebenen beginnen? Während erstere mit neuen Produktionsmitteln arbeiten, werden sie noch mit den alten weiter produziren. Dies die erste Ursache zur Förderung der Ungleichheit zwischen den Kustari. Aber bei dieser ersten Ungleichheit bleibt es nicht. Indem die projcktirte Bank Vorschüsse gewährt. kann sie dem Kustari nicht das Recht nehmen, mit Hilfe von Lohnarbeitern zu produziren. Das vorgeschossene Geld könnte also nicht selten dazu benutzt werden, mehr Arbeiter zu engagiren. Dies wäre eine zweite Ursache, welche die Ungleichheit fördern müßte. Aber weiter: Die Kustari produziren nicht auf Bestellung, sondern für einen ausgedehnten, theilweise den ausländischen Markt, dessen Forderungen ihnen unbekannt bleiben; sie pro- duziren auf gut Glück los, gerade wie die großen Unter- nehmer. Wohin muß die Unbekanntschaft mit den Ver- Hältnissen des Marktes und überhaupt die moderne Anarchie in der Produktion führen? Die Schwachen werden zu Grunde gerichtet, die Starken bereichert. Die Bank, anstatt die Kustari vor dem Einfluß des Marktes zu schützen, wird umgekehrt dadurch, daß sie ihnen auf dem Markte eine thätigere Rolle sichert, ihre Abhängigkeit von seinen Gesetzen noch größer machen. Man kann also wohl mit allem Recht behaupten,„daß die Bank auch auf dem Gebiete der Hausindustrie, wie im Ackerbau, die Klassenbildung nur fördern kann. Dies will heißen, daß der industrielle Kredit, wie der Bodenkredit, anstatt die Entwickelung des Kapitalismus zu hindern, seinen endgültigen Triumph nur rascher herbeiführen wird." Wir machen hier Halt. Weitere Erörterungen würden überflüssig sein, denn die angeführten Thatsachen sprechen für sich. Zum Schlüsse nur noch einige Worte. Es gab eine Zeit, wo die russischen Revolutionäre bei ihren wenig geklärten sozialen Theorien die Frage stellen konnten, ob Rußland die Phase des Kapitalismus passiren müsse oder nicht, und wo sie das Letztere hofften und wünschten. Die materiellen Verhältnisse haben sich aber stets stärker erwiesen, als die frommen Wünsche der bestgesinnten Menschen. Die materiellen Verhältnisse sind es also, die jetzt den russischen Sozialisten kategorisch die Frage stellen: wollt ihr mit oder gegen uns gehen? Die nähere Zukunft der revolutionären Bewegung Ruß- lands wird von der Antwort hieraus abhängen. Ein Theil der russischen Sozialisten, die russischen Sozialdemokraten, haben sich, wie wir oben bereits sahen, entschieden. Nachdem alle alten Theorien und die aus denselben abgeleiteten praktischen Programme ihre Ohnmacht be- wiesen haben, nachdem die alte Bewegung nach einem ungeheuren Kraftaufwand zersplittert und verfallen ist, müssen sich neue Kräfte unter neuem Banner in Reih' und Glied auf den Kampfplatze stellen. Das Feld ist jetzt frei._ Dieses Bewußtsein gelangt auch in der„Rundschau" zum Ausdruck, in der es zum Schluß heißt: „Einige Jahre zurück, bestand die nächste und wichtigste Aufgabe der russischen Sozialdemokraten in der theore- tischen Entwicklung und Verbreitung ihrer Auffassungen unter den revolutionären Ideologen. Jetzt kann diese vorbereitende Arbeit als beendet betrachtet werden. Jetzt können und müssen die russischen Sozialdemokraten ihre praktische Thätigkeit unter den Arbeitern aufnehmen. Der Boden ist von der Geschichte genügend vorbereitet, wir haben ihn nur zu bearbeiten. Und es wäre geradezu schändlich, nicht alle dazu erforderliche Energie anzu- spannen, nmsomehr da uns diejenigen Strömungen des sozialen Lebens Rußlands nicht verwirren können, vor welchen die früheren Revolutionäre in Verlegenheit standen. Wir fürchten nicht die rasche Entwicklung des Kapitalis- mus: wir verstehen, daß er uns unserm Ziel nähert. Auch fürchten wir nicht den zeitweiligen Triumph der Reaktion: wir sehen, daß die unbeugsame Logik der Ge- schichte die Reaktionäre selbst zwingt, durch ihre Wirth- schaftspolitik, diejenige Basis zu zerstören, auf der das so abscheuliche Gebäude des russischen Absolutismus ruht. Wir kennen die unüberwindliche Kraft der geschichtlichen Bewegung und vermögen daher mit fester und ruhiger Energie an unsere Arbeit gehen." Zur Lage des deutschen Schuhmachergewerdes. § Auf Schritt und Tritt macht sich der Mangel an eingehender Kenntniß und zuverlässigem statistischen Mate- rial über die soziale Lage der Arbeiter in den einzelnen Berufszweigen fühlbar. Regierung wie Volksvertretung in Deutschland haben sich in Bezug auf die Klarstellung der thatsächlichen Arbeitcrverhältnisse schwerer Unter- lassungssünden schuldig gemacht. Und das Geringe, was durch Spezialenqueten und die Berichte der Gewerbe- iuspektoren darüber zu Tage gefördert worden ist, ver- liert noch dadurch an Werth, daß die gesetzeskundigen und ordnungsliebenden Büreaukraten, durch deren Hände solche Berichte vor ihrer endgiltigen Abfassung gehen, wie Personen, so auch Thatsachen, die zum Klassenhaß aufreizen, thunlichst zu beseitigeu suchen. Unsere Herr- schende Klasse kann noch immer nicht einsehen, daß es viel mehr in ihrem eigenem Interesse liegt, durch gründ- liehe und unbeeinflußte statistische Erhebungen ein un- geschminktes, klares Bild von den tieferen Gesellschafts- schichten zu erhalten, als darüber einen dichten Schleier zu decken. Die englische Bourgeoisie ist hierin der deutschen, wie in manchem anderen, bedeutend überlegen. Mit Genngthuung ist es daher zu begrüßen, wenn diesem Mangel von anderer Seite abgeholfen wird, wenn sich in den einzelnen Branchen selbst Leute finden, welche, von Sachkeuntniß und Erfahrung nnterstntzt, unter Herbei- bringnng genügender statistischer Angaben eine eingehende Darlegung der Lebensverhältnisse der im gleichen Berufe thätigen Arbeiter vornehmen. In dieser Hinsicht hat sich eine soeben bei Bock in Gotha erschienene werthvolle Broschüre über bie Ver- Hältnisse im Schuhmachergewerdes ein anerkennenswerthes Verdienst erworben, zumal da sie die Lage der Schuh- macher direkt aus den verschiedenen in diesem Gewerbe angewandten Methoden der Produktion herzuleiten weiß. ; Der Verfasser der Schrift behandelt die Zustände im Schuhmacherkleingewerbe, in der Großindustrie und der Hausindustrie für sich besonders, indem er die ver- schieden schattirten grauenvollen Verhältnisse, in welchen heute die Schuhmacher existiren, in Zusammenhang bringt mit der verschiedenen Art und Weise, nach welchen die ') Die Lage der deulschen Schuhmachergehilfen und deren Aufgaben für die nächste Zukunft. Von L. Freiwald.(Bock, Gotha, 1890). 49 Seilen. Produktion geschieht. Mit unerbittlicher Hand reißt er den Schleier von den patriarchalischen Verhältnissen im ihre Kleingewerbe, und wahrhaft himmelschreiende Dinge find es, die dabei zu Tage treten. Das patriarchalische Verhältniß, welches von Innungsbrüdern und sentimentalen Betschwestern unter den Reaktionären stets als idyllisch beweihräuchert wird, entpuppt sich als eine unverhüllte Form moderner Sklaverei. Namentlich in kleinen Ortschaften und Städten, in denen das Kleingewerbe existirt, wird der Schuhmachergehilfe direkt oder indirekt ge= zwungen, bei dem Geschäftsinhaber unter den schlechtesten Bedingungen zu logiren und sich von jenem beköstigen zu lassen, natürlich unter den empfindlichsten Abzügen vom Lohn. Hier einige Beispiele dafür: wohnen, wofür ein Logisgeld von 2 Mk. bis 2,50 Mt. erhoben wird."( Wandsbecker Bericht.) Und die Arbeitszeit? Hier einige Angaben über Zahlen; welch' ein Elend und welcher Jammer liegt tägliche Durchschnittslänge: in ihnen.¹) In Ortheim( Rhöngebirge) 15-17 Stunden Wandsbeck " • " " Dessau 12-16 13-14 " " Elmshoru Eberswalde " PP Neumünster. 138/4 1312 13 " " Lübeck 125/6 " Pirna M " Flensburg 12 12 11 " 80 pCt. sämmtlicher Schuhmacher werden noch im Kleingewerbe beschäftigt, die übrigen 20 pCt. in der Großindustrie und der Hausindustrie. Etwas anders gestaltet sind die Verhältnisse in der Großindustrie. Dort sind bessere Arbeitslokalitäten und durchschnittlich fürzere Arbeitszeit zu finden; der Logirzwang und die ständige persönliche Abhängigkeit fallen natürlich fort. Der Lohn indessen ist auch hier unmenschlich niedrig. Nach der 1885 von 56 deutschen Berufsgenossenschaften für Unfallversicherung aufgenommenen Lohnstatistik beträgt das Ueber die Lage der schlesischen Schuhmacher wird durchschnittliche Jahreseinkommen eines Angehörigen der folgendes berichtet:„ Die Arbeitszeit ist selten fürzer als Bekleidungsindustrie, wozu auch das Schuhmachergewerbe " Trotz des schlechten Verdienstes und der langen 14 Stunden täglich, jedoch in den meisten Fällen länger; gehört, 492 Mart. Und von diesen lächerlichen Löhnen Arbeitszeit herrscht hier noch der Logiszwang, der von wenn viel zu thun ist, wie z. B. vor den Feiertagen gehen noch unter Umständen 10 pCt. für vom Arbeiter Seiten der Geschäftsinhaber in der umfangreichsten Weise oder bei zu anderer Zeit vorkommendem guten Geschäfts- zu beschaffende Zubehörartikel ab. Hier findet sich auch ausgenugt wird, denn es sind zum größten Theil nur gange, dann dürfte in den meisten Fällen eine Arbeits- die liebliche Blüthe der Kinderarbeit vor. Die Broschüre Löcher, die kein anderer Arbeiter bewohnen würde." zeit von 120 Stunden pro Woche und darüber zusammen- giebt Belege an, nach welchen z. B. in Bayern 14 bis ( Wandsbecker Bericht.) kommen. Es geht, wie sich dann von selbst versteht, 15jährige Kinder äglich 11/2 Stunden arbeiten mußten. Die Mehrzahl der Gesellen muß unter den Dächern, aus dem Bett auf den Schemel, vom Schemel Die gräßlichsten Zustände finden sich, wie gewöhnwo der Wind und Schnee durchweht, oder im dumpfen ins Bett." lich, in der Hausindustrie, in derjenigen Form der JuKeller, oder in einer sonst nicht verwendbaren Ecke Stunden, in Altona 13½, in München 11-14, in die Nacht hinein 14-16 Stunden täglich, den Sonntag In Mainz ist die durchschnittliche Arbeitszeit 14 duſtrie, in der die vollendetste Freiheit herrscht. Mann, Weib und Kinder arbeiten zusammen von früh bis in Düsseldorf 132, in Dresden 12 Stunden. Sonntags nicht ausgenommen, oft in Räumen, die als Wohnung, Wenn man die Schlafräume der Schuhmacher in arbeit gilt als etwas Selbstverständliches. In Berlin z. B. Werkstatt, Küche und Schlafzimmer zugleich dienen. Betracht zieht, so darf man wohl die Aeußerung thun, wird Sonntags 4-6 Stunden gearbeitet. daß die Schuhmacher kein menschenwürdiges Dasein Genaue statistische Thatsachen über die einzelnen EinDen Arbeitslokalen mangelt Raum, Ventilation und kommen fehlen hier leider. Aber was darüber gesagt führen, denn die große Mehrzahl der Gehilfen wohnt Reinlichkeit. Dabei hat der Gehilfe seinen Arbeitsplatz wird, deutet zur Genüge an, daß hier die schlimmsten hier direkt unter Dächern oder in sonst nicht verwendbaren Ecken, die kein anderer Arbeiter bewohnen würde." u bezahlen, mit 30-60 Pfennigen wöchentlich. Ferner BZustände herrschen. Die Zahl der hausinduſtriellen baren Ecken, die kein anderer Arbeiter bewohnen würde." muß er Zubehörartikel wie Garn, Wachs, Spiritus, Schuhmacher wird anf 20 000 veranschlagt, d. h. auf ( Neumünsterscher Bericht.) Aehnlich lautet ein Düsseldorfer Bericht. An Rein- welche 5-10 pet. seines Wochenverdienstes betragen. Borsten, Glaspapier u. s. w. auf eigene Kosten stellen, ebensoviel, als in der Großindustrie beschäftigt sind. lichkeit lassen die Schlafstätten oft viel zu wünschen übrig. Daß die Zustände sich durch die schnell wachsende Dazu kommt, daß die Gesellen häufig zu zweien in einem Diese Extra- Ausgaben bedeuten für den Gehilfen ein Konkurrenz der Großindustrie stetig verschlechtern, ist klar; Bett schlafen müssen, deren mehrere übereiandergestellt Kapital gegenüber dem Wochenverdienst. Denn dieser wie die Schrift, die uns vorliegt, ausführt, liegt aber sind, in den kleinsten Räumen ohne Luft und Licht. beläuft sich im Durchschnitt in Flensburg auf 13,40 Mart, in dieser zugleich der Rettungsanfer des SchuhmacherAuf dem 1886 in Berlin abgehaltenen Schuhmacher- in Berlin( 1886) 12,45, in Neumünster 11,50, in Magde- gewerbes. Der Verfasser fordert daher mit Recht namentInnungstage sagte der Meister Lütke:„ daß die Gefäng- burg 11,38, in Budau 11,08, in Neustadt 11,84, in lich das Verschwinden der Hausindustrie. niffe zu human und wohnlich eingerichtet seien, und sich Altona 11,30, in Lübeck 11, in Dresden( Herrenarbeiter) Was andere werthvolle und interessante statistische die ärmeren Schuhmacher im Gefängniß sorgenfreier und 11,( Damenarbeiter) 10, und( mittlere Arbeiter) 8,50, Angaben anbelangt, so müssen wir unsere Leser auf die behaglicher fühlen als zu Hause." in München 10,87, in Elmshorn 10, in Wandsbeck 10 genannte Schrift verweisen. Sie bietet in der That so " zu Die von dem fürsorglichen Vorsteher der patriarcha- bis 13, in Eberswalde 9,70, in Hannover 9,61, in Pirna viel, daß sie nicht nur die Aufmerksamkeit jedes Schuhlischen Familie gelieferte Nahrung entspricht vollkommen 7,60-9,20, in Dessau 8 Mart. machers zu verlangen berechtigt ist, sondern auch auf ein der Wohnung." Zu der materiellen Ausbeutung des Bei Wochenarbeitern, die Kost und Logis haben, größeres Publikum rechnen kann. Gesellen in jeder Form tritt außerdem die moralische ist der Lohn in Magdeburg 5 Mark, in Buckau 5,50, und intellektuelle Unterdrückung. In seiner freien Zeit, in Neustadt 4,50, in Altona 4,95, in Flensburg 4,90, den Schuhmachern 33 Jahre beträgt. wenn er überhaupt welche hat, muß er sich die Aufsicht in Hannover 4,61 Mark; der durchschnittliche Stundenund Kontrolle seines Arbeitgebers gefallen lassen. Empfehle Freunden und Genossen mein reichhaltiges Lager von Cigarren und Tabake. Benno Stabernack, Wrangelstr. 85. 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