Berliner ZEITUNES WIEN 이 EXPED Volks- Tribüne Sozial- Politisches Wochenblatt. Die„ Berliner Volks Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnementspreis für Berlin monatlich 50 Pf. pränumerando( frei in's Haus). Einzelne Nummer 15 Pf. Durch jede Post- Anstalt Deutschlands zu beziehen.( Preis viertelj. 1 mr. 50 Pf.) № 35. Redaktion und Expedition: SO.( 26), Elifabeth- Ufer 55. Ausgabe für Spediteure: ,, Volksblatt", Beuthstr. 3. Inserate werden die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 20 Pf. berechnet. Vereins- Anzeigen: 15 Pf. Arbeitsmarkt: 10 pf. Inseraten- Annahme in der Expedition: Elisabeth- Ufer 55. Die ,, Berl. Volks- Tribüne" ist unter Nr. 893 der Zeitungs- Preisliste eingetragen Sonnabend, den 30. August 1890. " IV. Jahrgang. Sonne einer neuen Welt ihren belebenden, frohbegeistern- die ungelernten Arbeiter, die glücklicherweise auch in der Bum Todestag Ferdinand Lasalle's. Das Kapital und die Frauenemanzipation. den Strahl erst in in wenige Köpfe gesendet hatte, auch Harmonielehre der freien Konkurrenz noch ungelernt Zum dänischen Sozialisten- Kongreh. Der damals war er gewiß, daß mit Nothwendigkeit dieses sind, dort die Träger des Neuen werden sollen. Den deutschen Arbeitern wurde das Glück zu Theil, Arbeiterschutz vor dem Kongreß der fran- Gestirn hoch und höher steigen, daß es die Wolfen siegzösischen Gesellschaft für den Fortschritt der reich durchbrechen und neues Leben aus den Ruinen einer daß den Köderungsversuchen eines bürgerlichen Liberalis Wissenschaften. Die Lage der Bäckergesellen. absterbenden Gesellschaft wecken werde. Welche Begeiste- mus von Anfang an die überlegene Kraft eines Laffalle Gedicht. Novelle. Das platte Land rung, welche jauchzende Zuversicht würde ihn heute durch entgegentrat. Mit raschem Blick erkannte er, wo eine und die Sozialdemokratie. Debatte über die zittern, was für wunderbare, hinreißende Worte würde sozialistische Agitation einzusehen habe. Alle Energie, die „ Gefahren des Marrismus“. Aus meinem er, der Rede Meister, für seinen Glauben heute finden ihm zu Gebote stand, verwandte er, um den Lebensnerv und welch brausender Wiederhall tönte ihm dann aus des arbeiterfreundlichen" Liberalismus den Gedanken, Banernspiegel". allen Landen entgegen! daß man im Rahmen der heutigen Gesellschaft, womöglich Doch hält ihn auch der Tod, in seinem Werke, in durch Selbsthülfe, die Noth der Arbeiterklasse heben dem Herzen der zum Klassenbewußtsein erwachten Arbeiter- könne im Proletariat zu zerstören. Das Wahrzeichen schaft, lebt er noch heute fort. Das schlichte Grab auf seiner Agitation wurde das eherne Lohngesez, jene grauTroß wiederholter Bitte, Geldsendungen und dem Breslauer Kirchhof wird sich am 31. August wieder same, der kapitalistischen Gesellschaft inne wohnende Nothmit Kränzen schmücken, mit einfacher Arbeiterspende, an- wendigkeit, welche jeden höheren materiellen Aufschwung Bestellungen nur an dächtigen Herzens niedergelegt. Und überall im deutschen des Arbeiterstandes durch das Spiel der freien Konkurrenz Proletariate wird man an diesem Tage seiner gedenken, unmöglich machte. Er zeigte dem Proletarier die unsicht= und aus seinem Namen Muth zu neuem Wirken schöpfen. baren Ketten, an die er ein modernes Prometheus Denn groß ist der Dank, den wir ihm schulden, und das geschmiedet ist, jene Ketten, die ein wohlerzogener LiberalisProletariat verfährt mit seinen Vorfämpfern anders als mus für nicht vorhanden erklären möchte, weil er sie die Bourgeoisie, die ihren gefeierten Bismard noch zu nicht sehen und betasten kann. seinen Lebzeiten für todt erklärt. Und es ist gelungen. Die Arveiterklasse hat die WeberP. Zur Beachtung! Maurer, Elisabeth- Ufer 55 zu adressiren, werden die meisten Sendungen noch an die alte Firma gerichtet. Wir bitten nochmals, doch immer ja die neue Adresse zu benußen. Uns sowohl wie unseren Spiditeuren erspart die rtige Adressirung viel Zeit und Mühe. des Or It ct Die Expedition. Achtung! Ja, wir gedenken Lassalle's mit Dankbarkeit. Ein zeugung, daß ihre Lage durch das kapitalistische System günstiges Schicksal stellte ihn gerade an den Anfangs- selbst so niedergedrückt wird, in ihrem Herzen aufgepunkt unserer Bewegung. Deutschland war ein zurück- nommen. In ihrer Jugend wurde sie mit sozialistischem gebliebenes Land, der kapitalistische Betrieb entwickelte Geiste getauft und keine Austreibung hat dagegen gesich langsam und die Arbeitermassen, welche in England holfen. Sie trug den großen Gedanken einer nothund Frankreich schon längst in wirthschaftliche oder wendigen Umwälzung der ganzen Produktionsform hinein politische Aftion getreten waren, schienen bei uns noch in die gewerkschaftliche und politische Bewegung der Diejenigen Genossen, welche auf Grund lange ruhen zu wollen. Das deutsche Proletariat hatte folgenden Jahre und machte aus derselben einen Hebel entsprechend der langjamen Entwicklung des deutschen ihrer Klassenemanzipation. Darum gedenken wir auch heute noch mit frohem Sozialisten- Gesetzes aus Berlin aus- Kapitalismus bis zum Auftreten Lassalle's noch keine Geschichte. Aber eben darum, weil es mit dem öffent- Dant Lassalle's, des Mannes, welcher mit zerschmetgewiesen wurden und gewillt sind, zum lichen Leben so wenig in Berührung gekommen war, eben ternder Beredsamkeit die Truggebilde niederwarf und 1. Oktober nach Berlin zurückzukehren, darum war sein Geist noch durch keine wirthschaftlich- politische unserm Auge das gezeigt hat, was Noth thut: die UmPhrase gelähmt. Es gab kein festes Programm, keine gestaltung der gesammten Produktionsweise, die Herbeiresp. vorübergehend zu dieser Zeit Berlin Ueberlieferung, die an den Arbeiter mit Anspruch auf führung einer neuen, besseren Gesellschaft. Er hat sie besuchen wollen, werden hierdurch ersucht, Gehorsam hätte herantreten lönnen. Dieser Umstand nicht mehr geschaut, wie wir sie vielleicht auch nicht hat vielleicht mit am meisten dazu beigetragen, den schauen werden. Aber was wir schauen, und was er ahnte, das ihre Adressen brieflich mit Angabe, ob sie sozialistischen Ideen gerade in Deutschland, das auch jetzt noch in seiner wirthschaftlichen Entwicklung hinter andern ist die rastlose Entwicklung, das Drängen aller VerDaraus saugt in Berlin zu verbleiben oder nur Ländern weit zurücksteht, eine so beispiellos schnelle Verhältnisse dieſem glänzenden Ziele zu. das gehend zurückzukehren gedenken, breitung zu sichern. Unsere Agitatoren konnten ihre Lehren unser Aller Glaube seine Kraft. Die schönen Worte, auf eine noch unbeschriebene Tafel schreiben, sie brauchten mit denen Lenau seinen Albigensersang beschließt an Unterzeichnete einzureichen. fich nicht allzulange damit aufzuhalten, früher Geschriebenes Bürgerthum hat kein Verständniß mehr für sie. Denn aus einem Hebel, ist es ein Hemniß der Fortbewegung mühsam auszulöschen. Otto Klein, Cigarrengeschäft, S., Ritterstr. 15. vorüberumgehend Carl Wildberger, Tapezierer, S., Kommandantenstr. 60. Gottfried Schulz, Cigarrengeschäft, SO., Kottbuserplatz. Otto Thierbach, Tischler, N., Rheinsbergerstr. 29. Das Gegenstück unserer eigenen Entwicklung bildet geworden. Aber die Herzen des Proletariats, der Klasse, England. Dort hatten sich die Arbeiter unter dem ge- die ihre neue geschichtliche Aufgabe mit jugendlicher Bebieterischen Zwange der Umstände schon längst zu einzelnen geisterung erfaßt, klingen bei jenen Worten wieder: Gewerkschaften zusammengeschlossen, um gegen kapitalistische Lohndrückerei und eine unmenschliche Verlängerung der Arbeitszeit Front zu machen. Die Gesezgebung schritt, dem Drängen der Massen nachgebend, ein und stellte die Arbeitskraft, wenigstens der Frauen und Kinder, unter Schuß. Aber die gewerkschaftliche Bewegung innerhalb der einzelnen Industriebranchen ebenso wie die allgemein politische Bewegung des Proletariats vollzog sich dort ohne Verbindung mit dem sozialistischen Gedanken. Man Die Parteiblätter werden um Abdruck wünschte höheren Arbeitslohn, kürzere Arbeitszeit und ein dieses Aufrufes gebeten. Und müssen wir vor Tag zu Asche sinken, Mit heißen Wünschen, unvergoltnen Qualen, So wird doch in der Freiheit goldnen Strahlen Erinnerung an uns als Thräne blinken.... Das Licht vom Himmel läßt sich nicht versprengen, Noch läßt der Sonnenaufgang sich verhängen Mit Purpurmänteln oder dunklen Sutten; Den Albigensern folgen die Hussiteu Und zahlen blutig heim, was jene litten; Nach Huß und Zisfa kommen Luther, Hutten, Die dreißig Jahre, die Cevennenstreiter, Die Stürmer der Bastille, und so weiter. ausgedehntes Wahlrecht, im Grunde hielt man indeß die bestehende Wirthschaftsform doch für die natürlich- richtige. Die sozialdemokratische Anschauung, daß das Elend des Das Kapital und die Frauenemanzipation. Zum Todestag Ferdinand Lassalle's. Arbeiters durch die moderne Wirthschaftsform selbst be- zt. Wer A sagt, muß auch B sagen. Wer die 26 Jahre ist es her, daß Lassalle vom Schauplat dingt wird, daß alle Arbeiterschußgesetzgebung nur wenig von der ökonomischen Entwickelung absolut nothwendig seiner geschichtlichen Wirksamkeit abtreten mußte. 26 Jahre! mildern kann und daß erst eine radikale Umänderung der gemachte Kameradschaft und Kampfesgenossenschaft zwischen Wie würde er staunen, wäre es ihm vergönnt, aus dem Produktionsform dem Proletariat Erlösung zu bringen Arbeitern und Arbeiterinnen zugiebt, der muß auch, wenn dunklen Schooße der Erde noch einmal aufzutauchen und vermag, war noch nicht in die Massen gedrungen, hatte er sich nicht in Widerspruch zu sich selbst stellen und den den Fortgang des Werkes zu betrachten, an welchem er noch nicht alle ihre Gedanken durchtränkt. Nun allerdings erfolgreichen Ausgang des Emanzipationskampfes verals einer der Ersten mitgearbeitet. Gewaltig ist die Be- flopft auch dort der Sozialismus mit eherner Faust an zögern will, für die sozialpolitische Gleichberechtigung der Alle jene gesellschaftlichen Rechte, wegung, der er seine eherne Zunge lieh, angeschwollen. die Thore. Während die alten Gewerkschaften unter dem Frauen eintreten. Breit und uferlos, ein mächtiges Meer von Proletarier Drucke einer Jahrzehnte langen Tradition sich seiner welche in Folge der wirthschaftlichen Entwickelung mit häuptern wogt hinter dem Banner der sozialistischen Lehre zu versperren suchen und durch die Gewöhnung Fug und Recht heute jeder Mann lediglich auf Grund Ideen einher. Kein schönerer Lohn wäre ihm zu wünschen, an liberal- manchesterliches Wortgeklingel alles Verständniß seines Geschlechts zur Vertheidigung und Wahrung seiner als solcher Anblick. Auch damals, als die aufgehende für tiefergrabende Gedanken verloren haben, scheint es, daß Interessen beanspruchen darf, müssen deshalb auch ohne Unterschied auf das Geschlecht ausgedehnt werden. Sie ihrer Feiertage und Feierstunden, er regelt die Höhe 11 " 1 In Anbetracht dieser Umstände ist es auch klar, daß konnten diesem mit einem Schein der Berechtigung vor ihres Verdienstes, er ist verantwortlich für die in der die sozialpolitische Gleichberechtigung des weiblichen Geenthalten werden, solange die Interessen von Frau und Fabrik herrschenden Arbeitsbedingungen, er verlangt nicht schlechts nun und nimmer von der Einsicht, dem WohlMann sich in verschiedenen Sphären konzentrirten, so- nur ihre Kraft und Zeit, auch ihre Unterwerfung, ihren wollen 2c. der gegenwärtigen Gesellschaft zu erwarten ist. lange erstere mit allen Wurzeln und Fasern ihrer Existenz bedingungslosen Gehorsam 2c. So kategorisch, wie der Sie wird errungen werden durch die Macht, welche der in der Familie haftete, nur durch Vermittelung des Jehovah des Moses, kann der Kapitalist zur Arbeiterin zunächst an ihr interessirte Theil, die Arbeiterinnen selbst, Mannes am Leben der Gesellschaft theilnahm, während sprechen:„ Du sollst feinen anderen Herrn haben neben repräsentiren, und durch die Stärke, mit der auch die dieser selbst direkt in der Gesellschaft lebte und webte. mir." Deine Muskelkraft, deine Fähigkeit und Geschick Arbeiter im Interesse des gesammten Proletariats für die Die modernen Wirthschaftsverhältnisse werfen aber wie den lichkeit, deine Jugend und Gesundheit, deine Tage und Forderung eintreten. Sie wird sich aller WahrscheinlichMann so auch die Frau auf den Markt der Deffent- Nächte, Alles was Du bist, hast und kannst, mußt Du feit nach auch nicht mit einem Schlage in ihrer Gesammtlichkeit. Es ist also nur recht und billig, daß sie auch in meinen Dienst stellen, damit ich Alles, wenn es mir heit vollziehen. Die Frauen, d. h. in erster Linie die alle jerre Rechte erhält, welche angethan sind, ihre In- gefällt und wenn es meine Renten vermehrt, bis auf das Arbeiterinnen, werden wohl nach und nach den Männern teressen auf diesem Markt zu schüßen und zn fördern. legte Atom ausnüße. Freilich die Verheißung, damit auf verschiedenen Gebieten des öffentlichen Lebens gleichDie Beobachtung lehrt heutzutage, daß die Inte- Du lange lebest und es Dir wohlergehe auf Erden, fehlt. gestellt werden. Zunächst dürfte jedenfalls ihre Gleichressen der großen Mehrzahl der Frauen gegen- Der Kapitalist ist ein bedächtiger Mann und ein Mann berechtigung innerhalb solcher Institutionen erfolgen, die wärtig nicht mehr vom Manne an und für sich, von Wort. Er fesselt die Arbeiterin nicht durch solche wie Gewerbeschiedsgerichte, Handelsgerichte, Arbeitsräthe, als Oberhaupt der vaterrechtlichen Familie, ab- Verheißungen an seinen Dienst, er geht vielmehr mit Arbeiterkammern, Fabrikinspektion 2c. in unmittelbarstem hängen, sondern vom Kapitalisten. Obgleich die einem freien Menschen(!) einen frei bewilligten und ab- Zusammenhang mit dem wirthschaftlichen Leben stehen. männliche Herrschaft in der Familie, dem Buchstaben des geschlossenen Arbeitskontrakt ein." Laut dieses freien Hier wird die Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts Gesezes nach, noch voll in Kraft steht, so ist sie doch für Kontraktes" verpflichtet die Frau sich, ihm alle Arbeit, Zeit zum Schuße der Interessen aller Arbeitenden überhaupt die breiten Schichten des Volks wo sie auch früher und Kraft zu geben, die er nur von ihr nehmen will, dem Kapital gegenüber eine unumgängliche Nothwendig Die politische Emanzipation, die Verleihung des nicht in ihrer ganzen Schärfe existirte thatsächlich er verpflichtet sich dafür, ihr den von den" Machtver- feit. sehr erschüttert, sobald es die Entwickelung der Produk hältnissen geregelten", d. h. den möglichst niedrigen Wahlrechtes zum Parlament wird folgen. tionsverhältnisse nicht nur der Frau, sondern auch den Lohn zu geben, der nicht einmal zum Leben hinreicht. halbwüchsigen Kindern erlaubte, eigenem, selbständigem Es ist also nur die logische Folge der wirklichen Erwerb außerhalb der Familie nachzugehen. Aber diese Berhältnisse, daß die Frau des Volks den Schwerpunkt thatsächliche Loslösung von der absoluten Gewalt der des Kampfes für ihre gesellschaftliche Befreiung auf ein vaterrechtlichen Famile konnte, von verschwindend wenigen durchaus anderes Terrain verlegt, als die bürgerliche Ausnahmefällen abgesehen, stets nur erkauft werden, in Frauenrechtlerin, daß sie nicht gegen den Mann, daß sie dem die Frau Berufsarbeiterin ward, sich mithin unter gegen den Kapitalisten in die Schranken tritt. Der der die Herrschaft des Kapitalisten beugte. Er ist es, Stampf um die soziale Gleichberechtigung des weiblichen der mit möglichster Berücksichtigung der Harmonie Geschlechts fällt für den bei weitem größten Theil des zwischen den Marktverhältnissen und seinem Profitstreben selben mit dem Klassenkampf zusammen. Die Stunde die fundamentalsten, nämlich die wirthschaftlichen Inte der Frauenbefreiung wird mit der Stunde der allgemeinen ressen der Proletarierin so regelt, wie es seinem Vorthetl proletarischen Emanzipation zusammenfallen. frommt. " " Zum dänischen Sozialistenkongreß. ( Eingesandt.) Kopenhagen, August 1890. Wir sehen uns veranlaßt, wieder einmal die Spalten Volks- Tribüne" in Anspruch zu nehmen. In den Tagen vom 19. bis 23. Juni hielt nämlich die dänische sozialdemokratische Partei ihren vierten Kongreß ab, und da wir der Bewegung hier immer mit Interesse gefolgt sind, die meisten unserer Genossen auch aktiv regen Antheil daran nehmen, so sei es uns erlaubt, den ausländischen Genossen einen Ueberblick über die Verhandlungen des Kongresses zu geben. 11 Gerade weil sich die wichtigsten Interessen der großen Die Herrschafft des Mannes in der Familie über Masse der Frauen im Gegensaße zu der jetzigen Gesell die Frau ist heutzutage, wenn diese nicht aus ererbter schaftsordnung befinden, halten die Besitzenden und So leid es uns für unsere gute Sache thut, so oder anerzogener Unterwürfigfeit ganz widerstandslos ist, Herrschenden unserer Tage daran fest, das weibliche können wir doch nicht verhehlen, daß der Kongreß eher meist nur noch eine löschpapierene Theatersouveränetät. Der Geschlecht in seiner sozialpolitischen Rechtlosigkeit zu be- einen Rückschritt als einen Fortschritt für die Bewegnng in wahre, über Wohl und Wehe der arbeitenden Frau entlassen. Anscheinend thun sie dies in grenzenlosem Un- Dänemark bedeutet und daß der kleinbürgerlich- possibilistische scheidende Herr und Gebieter ist der Kapitalist, welcher verständniß der durchaus veränderten Verhältnisse, unter Charakter derselben für die Eingeweihten längst offenihr Arbeit giebt, oder besser gesagt, von ihr Arbeit denen die Frau in der modernen Gesellschaft lebt und bar nun auch für Fernstehende klar und unverhüllt nimmt, und der Dank der gesellschaftlichen Verhältnisse thätig ist. In letter Instanz ist es jedoch nur das mehr blosgelegt ist. mit dem größten Absolutismus in ihr Leben eingreift. oder weniger bewußte Klasseninteresse, das aus ihrer Doch die Genossen anderwärts mögen selbst urEs ist deshalb ungemein thöricht und naiv und Haltung spricht. Zumal das liberalisirende, sich so gern theilen. spricht für eine findlich oberflächliche Auffassung der Ge- mit seiner Erhabenheit über alle Vorurtheile brüstende Die Verhandlungen übrigens mit einer durch die sellschaft, wenn gewisse Frauenrechtlerinnen für die soziale Bürgerthum kann Niemandem ein X für ein U vormachen, hiesigen Verhältnisse ganz unmotivirten Geheimnißkrämerei Emanzipation des weiblichen Geschlechts eintreten, indem wenn es in seiner Verlegenheit an den alten Kirchenfaz: umgeben schleppten sich tagelang in unfruchtbaren sie voller moralischer Entrüstung gegen den männlichen Die Frau schweige in der Gemeine" appellirt, um das Diskussionen und Haarspaltereien über ProgrammEgoismus poltern urd in ihm den Urheber alles Uebels Gespenst der weiblichen sozialen Emanzipation zu bannen. änderungen hin; Aenderungen, die anstatt das an Widererblicken. Die Befreiung der Frau, kann nun und Der Klerikalismus sererseits hat bisher noch nie vor sprüchen ohnehin schon sehr reiche Programm zu klären, nimmer das Werk eines Kreuzzuges gegen die der Intervention von Frauen in öffentlichen Angelegenheiten den prinzipiellen Standpunkt desselben nur noch mehr Männerwelt und deren Vorrechte sein, sie steht zurückgeschreckt, sobald dieselben, nur ihren Einfluß verwässerten. und fällt vielmehr einzig und allein mit der ad majorem gloriam Dei, zum Ruhm und zum Vor- So wurde z. B. im theoretischen Theil des ProEmanzipation der Arbeit vom Kapital. theil der Kirche, geltend machten. Man denke nur, mit gramms der Passus von der„ reaktionären Masse" dahin ... alle Parteien, die diese Aufgabe Gerade so thöricht ist es auch, wenn hin und wider welchem behaglichen Schmunzeln die Hierarchie zugesehen, gemildert: Arbeiter in Nichtachtung der vollzogeneu gesellschaftlichen wenn sich die großen Kourtisanen der Könige und Herren( Befreiung der Arbeit) nicht als Zweck des Staats(!) Umwälzungen den Ausschluß der Frauen aus der In- in die Staatsgeschäfte mengten, fobald sie nur recht- anerkennen, sind Gegner des Sozialismus." Der Grund zur Milderung dieses Passus wár jedendustrie, ihre Rückkehr zu der alten häuslichen Thätigkeit gläubige Töchter der rechtgläubigen Kirche" waren. fordern, in ihnen nur Konkurrentinnen, nicht aber SchickAber das weibliche Geschlecht schlägt man, die falls die logische Erkenntniß, daß es doch nicht gut jals- und Kampfesgenossinnen sehen. Nicht der Kampf Proletarierin meint man. Kein einziger Reaktionär anging, seine liberalen Alliirten im Prinzip als reaktionär zwischen den Geschlechtern, sondern nur die volle und fürchtet, daß die bestehende Gesellschaftsordnung über den zu stempeln und nachher auf der Wahltribüne sich von bewußte Bethätigung im Klassenkampf fann beiden Seiten Haufen falle, wenn etliche Hunderttausende von Klein- ihnen unter den Arm nehmen zu lassen. Nun fagt man Hilfe schaffen, die Frau wie den Mann von der letzten bürgerinnen und Zehntausende von Großbürgerinnen einfach, ja, die Leute sind zwar Gegner des Sozialismus, Herrschaft, der Herrschaft des Kapitals, befreien. durch Verleihung der sozialpolitischen Rechte Antheil am aber sie haben den Widerstand gegen Estrup mit uns geDie Interessen der Frauen fallen mit den verschie öffentlichen Leben bekommen. Die sozialpolitische Bethätigung meinsam und so müssen wir zusammengehen. Hierauf beruht faktisch die Allianz der dänischen denen Klassen der Gesellschaft zusammen, denen sie an dieser beiden Schichten von Frauen wird sicher nicht so gehören. Die Interessen der Frauen der arbeitenden groß sein, daß sie einen Umschwung der bestehenden Sozialdemokratie mit den Liberalen; die Führer befürKlasse, der Regel nach selbst Arbeiterinnen, oder wie die Verhältnisse bewirken könnte. Die Kleinbürgerinnen sind worten sie und die Massen folgen. Und von ForderunMehrzahl der Kleinbürgerinnen bestimmt, Arbeiterinnen zu im Allgemeinen zu stumpfsinnig, die Großbürgerinnen zu gen der Sozialdemokraten an die Linke, deren Kandidaten werden sind am tiefgehendsten und ausschlaggebendsten genußsüchtig, als daß fie einen umfassenden und energischen in vielen Kreisen nur mit Hilfe von Arbeiterstimmen nicht durch den Umstand beeinflußt, daß sie Frauen, Gebrauch von neuen gesellschaftlichen Rechten machen durchkommen, ist gar nicht die Rede. sondern daß sie Proletarierinnen sind. Nicht das würden. Dazu kommt noch ganz besonders, daß sie durch Doch zurück zum Programm. Der oben erwähnte Geschlecht, sondern die Klassenlage giebt den thatsächlich ihre Interessen darauf angewiesen sind, für die Erhaltung Passus desselben enthält einen klaren Widerspruch. Der bestimmenden Ausschlag für die Gestaltung der Existenz. der bestehenden Ordnung einzutreten. Vordersaz sagt:„ Es ist die Aufgabe der SozialDie Frauen der Bourgeoisie, ja auch die des Kleinbür- Gerade umgekehrt aber würde sich die Sache bei den demokratie, die Arbeit von dem ausbeutenden Kapigerthums können sich momentan über die Thatsache Arbeiterinnen entwickeln. Ihre Klassenlage rüttelt sie talismus zu befreien" und im Nachsaz wird dies als täuschen. Sie, die nicht der Abhängigkeit vom Kapitalisten aus der Stumpfsinnigkeit empor und läßt sie auch nicht Zweck des Staats" bezeichnet. Dann sind ja alle unterworfen sind, empfinden nur die Herrschaft des Gefahr laufen, ihre Kräfte in Genußsucht zu verzetteln. die( hoffentlich recht zahlreichen) Sozialdemokraten, welche Mannes, die für sie, soweit sie nicht durch die Sitte und Die Gesammtheit ihrer materiellen Interessen zwingt sie die Befreiung der Arbeit nicht für den Zweck des individuelle Verhältnisse gemildert ist, noch in Kraft steht, geradezu, einen möglichst aktiven Antheil am öffentlichen Staats" halten, als Gegner des Sozialismus gestemweil sie sich noch nicht ökonomisch durch ihre Arbeit von Leben zu nehmen, möglichst entscheidend in dessen Ge- pelt! Noch schlimmer sieht es aber in dem mehr prakihm emanzipirt haben. Die Idee, den Kampf um die staltung einzugreifen. Sie müssen nothwendig nach dem tischen Theile des Programms aus, den man den heisoziale Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts im Aufbau einer neuen sozialen Ordnung, wie sie durch die mischen Verhältnissen anpassen wollte. Namen des moralischen Gleichheits- und Gerechtigkeits- Entwickelung der Produktionsverhältnisse geboten ist, Der charakteristischte Punkt des 28 Nummern prinzips gegen den männlichen Egoismus, die männlichen streben. Die sozialpolitische Emanzipation der zählenden praktischen Theils( Forderungen an den heuPrivilegien- vom Wahlrecht an, bis zum Recht, Hosen Arbeiterinnen muß also nothwendigerweise für tigen Staat) des dänischen Programms ist Absatz 10, zu tragen, Bigarren rauchen 2c. herab zu führen, die existirende kapitalistische Gesellschaft ver- der von den Reformen zu Gunsten der Landarbeiter konnte nur vom Gehirn der Groß- und Kleinbürgerinnen hängnißvoll werden, so gut wie es die sozial- handelt und vor dem Kongreß folgendermaßen lautete: ausgeheckt werden, welche die moderne Klassengesellschaft politische Emanzipation des Arbeiters geworden a) Fideikommisse und Pfarrländereien werden einausschließlich von ihrer angenehmen Seite her, als Herr- ist. Da sich nun unter den heutigen Verhältnissen die gezogen und verkäufliche Landbesitzungen durch den schende und Genießende, kennen lernten. Die Frau des politische Mündigkeitserklärung des weiblichen Geschlechts Staat angekauft. werkthätigen Volkes dagegen, die von Jugend auf in das als Ganzes und nicht mehr nach den Klassen vollziehen b) Haiden und andere nnbebaute Areale werden moderne Wirthschaftsleben hineingerissen wird, lernt sehr kann, wie dies für die Männerwelt geschehen, und da vom Staate in Besitz genommen, bepflanzt und bebaut." bald unterscheiden, wo sie der Schuh drückt. Die That die Mehrzahl der Frauen Proletarierinnen sind, so haben e)„ Auf den, dem Staate gehörenden Landgütern sachen drängen die Herrschaft des Mannes über sie sehr die Anhänger der kapitalistischen Gesellschaft alles Inter- wird gemeinsamer Betrieb angestrebt unter Aufsicht des entschieden in den Hintergrund, wogegen die Abhängig effe daran, sich der Gleichberechtigung der Frauen zu Staats." feit vom Kapitalisten um so stärker hervortritt. Es giebt widerseßen. Dieselbe muß den Zusammenbruch der alten d)„ Der Staat schafft landbesitzenden Landarfeine Seite ihrer Existenz, kein Verhältniß ihres Lebens, Ordnung bedeutend beschleunigen, nicht, weil sie die beitern das nothwendige Betriebskapital zu billigen Bein dem sie nicht mit dem Willen und der Macht des Frau überhaupt, sondern weil sie die Proletarierin dingungen." Von einer Abtheilung in der Provinz war nun ein Kapitalisten zu rechnen hätte. Nicht sie, der Kapitalist entscheidet in letter Instanz tarier für den Kampf gegen den Kapitalismus ausrüstet, Antrag eingelaufen, den Passus d zu streichen, mit der über die Wahl des Berufs, die Industriebranche, in der wodurch die Macht des Proletariats bedeutend verstärkt prinzipiell ganz richtigen Motivirung, daß dadurch ein Mittelstand geschaffen und erhalten würde, der der Zu sie thätig ist, der Kapitalist bestimmt die farge Zahl und gehoben wird. emanzipirt, sie mit den gleichen Waffen wie den Prole" angenommen: a) Wie oben, mit Streichung von„ werden eingezogen". b) Wie oben. tommen." 11 000 " 1 " 1 " " 1 " 1 der Provinz. einen Punkte Regelung der Arbeit erwachsener Männer durch jene Halbheit charakterisirt, welche das Kainsmal ist, das die in der kapitalistischen Gesellschaft zur Waare gewordene Wissenschaft oft an der Stirn trägt, so bietet er doch im Allgemeinen treffliche Gründe zu Gunsten eines umfassenden Arbeiterschutzes. In Frankreich, meint Napias, habe man sich schon seit langem um das Wohl der Massen gekümmert. Viele Reformideen, welche man heutzutage eingehenden Studiums für würdig erachte, seien in Frankreich geboren und mußten in Frankreich geboren werden, bei den Söhnen der Encyklopädisten und der Männer, welche die ganze Revolution getragen haben. spigung der Klassengegensäße und der wirthschaftlichen Da aber nach der Meinung des Sprechers, die Entwickelung entgegenarbeite und den Sieg des Sozialis- fachlichen Organisationen in vieler Beziehung mit den mus nur hinauszuziehen geeignet sei. Der Antrag fiel, politischen zusammenwirken, so müßten dieselben, meinte dagegen wurde der ganze Absatz 10 zur Umarbeitung an er, mitgezählt werden und zwar: einen Ausschuß verwiesen( in dem bezeichnenderweise kein 81 Fachver. mit ca. 20 000 Mitgl. in Kopenhagen ca. 200 Delegirter saß, der für Streichung des Passus d stimmte) und nach mehrmaliger Vorlage und längeren 3uj.: 281 Fachver. mit ca. 31 000 Mitgliedern, Diskussionen im Plenum endlich in folgender Fassung was also zuſammen 390 Organisationen mit ca. 45 000 Mitgliedern ergiebt. Dies wäre ja eine ganz respektable Stärke der Partei, aber ganz abgesehen davon, daß in den Fachvereinen notorische Gegner des Sozialismus und In e und d)„ Der Staat uberträgt die Bebauung der differente nicht zählen, so mußte der Geschäftsführer wissen, ihm gehörigen Ländereien an Landarbeiter und hilft daß die meisten der in den politischen Vereinen stehenden In den Diskussionen und Beschlüssen der hygienischen diesen, in den Besitz der nothwendigen Betriebsmittel zu ihrer resp. Fachvereine, mithin Doppelgänger sind. also die klassenbewußten Arbeiter auch Mitglieder Kongresse von 1876, 1878, 1880, 1882, 1884 und 1887 hatte die industrielle Gesundheitspflege ihren Plaz; „ Der Staat sucht dem Betrieb von Landgütern aufMit blinden Regimentern zu rechnen, darf vielleicht 1880 ward auf dem Kongreß zu Turin beschlossen, die zuhelfen und den Uebergang des Bodens in Staats- einem Heerführer im Kriege erlaubt ſein; Genossen aber Regierungen aufzufordern, unter einander Verträge zum eigenthum zu erleichtern durch von Hypothekbanken ge- im Frieden Selbsttäuschung in dieser Weise beizubringen, Schutz der Arbeiter abzuschließen. Die in Wien 1887 halten wir für unehrlich und schadet in unsern Reihen angenommenen Thesen findet man unter den wichtigsten gebene Prioritätsanleihen." Der Staat sucht in größtmöglichster Ausdehnung durch Ueberschäßung mehr, als es Gegnern gegenüber Beschlüssen der Arbeiterkongresse von 1889 wieder, be= gemeinsamen Betrieb im Ackerbau in solcher Weise her- vielleicht nüßen könnte. Merkwürdigerweise gefielen sich sonders was das Verbot der Nachtarbeit der Frauen und vorzurufen, daß die Ausbeute den dabei beschäftigten Ar- die Kongreßmitglieder in den schönen Zahlen so gut, jungen Leute und die Festseßung eines Ruhetages pro beitern zufällt, mit Abzug eines an die Gesellschaft zu daß sie die doch sehr naheliegenden Korrigirung derselben Woche angeht. Der hygienische Kongreß zu Turin hat leistenden Beitrags." vergaßen. zur Folge, daß die Schweiz bei den europäischen Re, Ein Theil der dem Staate gehörigen Ländereien Noch zu bemerken sei, daß einem Genossen, dem Journa- gierungen vertraulich anfragt über die Angemessenheit werden zu Versuchsgütern benußt, für dessen Rechnung. listen Sterky vom„ Sozialdemokraten" in Stockholm, der Zu einer internationalen Arbeiterschußkonferenz. Die Schweiz Ebenfalls errichtet man Ackerbauschulen, deren Besuch für tritt zu den Kongreßverhandlungen verweigert wurde( derſtützt sich später auf die Beschlüsse des Kongresses zu Häusler und Landarbeiter gratis iſt." selbe hatte sich nämlich in früheren Korrespondenzen etwas Wien 1887, um auf die Frage zurückzukommen, welche Wie man sieht, hat der Absatz 10 an Klarheit nicht abfällig über die hiesige Wahlbewegung geäußert und vom Kaiser von Deutschiand aufgegriffen wird und zur gewonnen, und mit den sozialistischen Prinzipien hat er bekam nun seine„ wohlverdiente" Strafe dafür!); doch Berliner internationalen Konferenz führt. nichts zu thun. Es würde zu weit führen, den Absatz wurde beschlossen, an die Redaktion des Stockholmer Was die Arbeit der Kinder anbelangt, so ist man eingehend zu behandeln, wir halten es für einen groben, Blattes und ebenso an fremde Parteiorgane, welche dies in fast allen Ländern einig darüber, dieselben gegen die taktischen Fehler, sucht man die Landleute durch solche wünschen sollten, einen Abdruck der Verhandlungen zu verfrühte und übermäßige Arbeit zu schügen. Daher Forderungen zu fangen. die Festsetzung einer Altersgrenze und eines MaximalDer einzige Trost dabei ist ja, daß die Forderungen Die Fragen, die gegenwärtig die Arbeiter aller arbeitstages für Kinder. Bei der Reglementation der nur auf dem Papiere stehen; der heutige Staat realisirt Länder interessiren sollten, der Pariser Kongreß und Kinderarbeit steht nicht blos das Interesse des Kindes, sie doch nicht und ist die Zeit zum Sozialismus reif, dessen Arbeiterschutzgesetze, sowie die Maidemonstration sondern des ganzen Landes im Spiele. dann hat ein solches Flickwerk erst recht keine Aussicht, und die zukünftigen Maßnahmen in diesen Angelegen= heiten, wurden auch nicht mit einer Silbe erwähnt. dagegen die Meinungen noch vielfach getheilt. In Bezug auf den Schuß der Frauenarbeit sind realisirt zu werden. Minder wesentlich, aber doch bezeichnend für die Man scheint hier zu meinen, wenn man das Programm Die zu erst auzustrebende und erreichbare Reform in Tendenz des Kongresses war die Behandlung folgender voll von Reformen hat, dann kann man sich ruhig Vorschläge: schlafen legen und mit einem gelegentlichen Hoch auf die dieser Hinsicht ist nach Dr. Napias das Verbot der internationale Sozialdemokratie hat man den internati- Nachtarbeit der Frauen. In der Frage einer Reduktion der Arbeitszeit eronalen Forderungen Genüge gethan. Ein Antrag vom Hauptvorstande, den Parteivorstand durch den Kongreß wählen zu lassen, erhielt 16 Stimmen von 52. Angenommen wurden folgende Vorschläge: " Die Amtsdauer des Hauptvorstandes gilt von Kongreß zu Kongreß. Der Hauptvorstand bestimmt die Zeit der Abhaltung des nächsten Kongresses." " Zeitungen, Schriften 2c. dürfen nur dann als Organe der Sozialdemokratie anerkannt werden, wenn sie vom Hauptvorstande gebilligt sind." senden. 1 Hiermit wollen wir unsere Bemerkungen über den wachsener Männer spricht sich dagegen Herr Dr. Napias Kongreß schließen. Uns trennt von unsern Gegnern weniger bestimmt aus. In Folge ökonomischer und allhauptsächlich unsere Stellung zur Landarbeiterfrage, und gemeiner nebenbei bemerkt höchst oberflächlicher und wir sind nach wie vor der Ueberzeugung, daß es keine flacher Erwägungen, glaubt er, daß eine Durchführung speziellen Forderungen für Landarbeiter in einem sozi- des achtstündigen Normalarbeitstages augenblicklich nicht alistischen Programm geben darf, und daß dieselben ohne nicht möglich sei. Indessen muß er, auf physiologische lockende aber undurchführbare Versprechungen auf dem Thatsachen gestützt, zugeben, daß auch für den erwachsenen allgemeinen Boden des proletarischen Sozialismus für Mann eine Beschränkung der Arbeitszeit nothwendig sei, " Anträge die zur Verhandlung auf einem Kongresse unsere Sache gewonnen werden müssen. Wir halten auch und als Physiolog bedauert er aufrichtig den Vorbehalt, kommen sollen, müssen von dem betreffenden Vereine trog mannigfacher bitterer Erfahrungen in dieser Be zu dem er sich als Nationalökonom verflichtet fühlt. In dem nun folgenden und bei weitem interessan= dessen Mitglieder sie stellen ziehung- an dem alten Grundsaße fest, daß alle VorDaß Anträge, die in dem betreffenden Verein keine gänge im sozialistischen Lager zur Diskussion und Kritik testen Theile seiner Arbeit führt er eine Reihe von Thatsachen und Experimenten an, welche die Mehrzahl finden können, dadurch vollständig unterdrückt gestellt werden müssen und durch Meinungsaustausch zu Nothwendigkeit einer Beschränkung der Arbeitswerden, sollte doch Jedem einleuchtend sein; troßdem ver- klären sind. gebilligt(!) sein." wahrten die Vertheidiger dieses Antrages sich entschieden Da nun der internationale Karakter des Sozi dagegen, daß man die Minderzahl dadurch beeinträchtigen alismus immer mehr hervortritt und betont werden muß, stellen. wolle, man beabsichtige nur, den Kongreß vor einer Ün- so haben auswärtige Genossen ein Recht darauf, zu masse von Anträgen zu behüten! wissen, wie die Prinzipien, die uns aneinanderketten, in Ein von der Proving gestellter Antrag, Agitations- den einzelnen Ländern gehandhabt werden, denn daraus schulen zu errichten, um jüngere Kräfte zu tüchtigen fann man nur lernen und Gefahren vermeiden. Agitatoren heranzubilden, wurde besonders von hiesigen Führern bekämpft mit der Motivirung, daß dadurch nur theoretische Sozialisten geschaffen würden, während " Der Arbeiterschutz vor dem Kongres die Bewegung selbst die beste Schnle se.." Der Antrag der französischen ,, Gesellschaft für den Fortfiel leider mit 39 von 52 Stimmen. Schritt der Wissenschaften". zeit für erwachsene Männer über allen Zweifel Die Kräfte, welche der Mann bei der Arbeit in der Werkstatt verausgaben kann, haben Grenzen, welche berechnet werden können. Pettenkofer und Voit stellten in ein fest geschlossenes Glaszimmer einen fräftigen Arbeiter, der eine gemischte Nahrung, ebensoviel als er gewöhnlich zu sich nimmt, erhielt. Der Mann mußte ein Rad drehen, auf welches sich eine Kette aufrollt, die ein Gewicht von 25 Kilo trägt. Als man von dem Tagewerk des Mannes die durch Mahlzeit und Ruhe verursachten Unterbrechungen der Arbeit abzog, ergab sich, daß er neun Stunden Daß Agitationsschulen resp.-Klubs, die den wisseneine recht mühsame Arbeit geleistet hatte. Ehe der schaftlichen Sozialismus studiren und diskutiren, doch Arbeiter das Glaszimmer betrat, und sobald er dasselbe nur fördernd für die Bewegung sein können, sollte doch Seitdem die Arbeiterbewegung aller industriell ent- verließ, ward er gewogen, seine Nahrungsmittel wurden wirklich keinem Zweifel unterliegen, denn bei Arbeitern wickelten Länder die Forderung nach einer das Proletarier gleichfalls gewogen und analysirt, die Luft des Zimmers ergänzt die Praxis tagtäglich die Theorie. Einseitig fann leben schüßenden gesetzlichen Regelung der Arbeit erhoben ward bei seinem Eintritt und Austritt einer genauen es aber nur genannt werden, will man allein„ praktische" hat, wie sie mit dem industriellen Fortschritt bei privat- Analyse unterzogen. Es ergab sich, daß der Mann Agitatoren haben; denn Leute, welche breitgetretene Ge- fapitalistischer Wirthschaft eine unabweisbare Noth- bei einem neunstündigen Tagewerk in Form meinpläge fleißig wiederholen, aber unsere sozialistischen wendigkeit geworden, gehört die Frage des Arbeiterschußes von Kohlensäure 192 Gramm Sauerstoff mehr Schriftsteller nur dem Namen nach kennen, giebt es wahr zu den brennendsten Tagesfragen. Arbeiter, Industrielle, ausgeathmet hatte, als er in der gleichen Zeit lich mehr als genug. Der wahre Grund des Wider- Aerzte, Hygieniker und Gesetzgeber sind gezwungen, an einathmen gekonnt. Das bedeutete ein Defizit, zu standes dürften aber wohl die Erfahrungen sein, die der die Erörterung derselben heranzutreten. So wenig auch dessen Ausgleich der Mann ungefähr 20 pCt. des SauerHauptvorstand mit dem hiesigen Diskussionsklub Karl noch bis heute an wirklich umfassendem Arbeiterschuß stoffs aufbrauchen mußte, der in seinem ganzen Körper Mary" machte, der sich nach der berühmten Exkluſion geleistet worden, so viel war derselbe doch von Anhängern vertheilt und aufgespeichert war. Glücklicherweise gewinnt der revolutionären Partei anschloß. und Gegnern diskutirt. Die Forderung, welche noch vor der Mensch während der Nacht und des Schlafes mehr " I. Einer der heifelsten Punkte der Tagesordnung war faum zwanzig Jahren für eine schemenhafte Utopie ge- Sauerstoff, als er verausgabt; da jedoch die Thätigkeit der von zwei Provinzabtheilungen gestellte Antrag, die halten wurde, steht heute überall in voller Diskussion; der Athmungsorgane eine schwächere als bei Tage ist, so vorjährige Ausschließnng rückgängig zu machen, eine Ver- der Kampf um ihre Verwirklichung drängt sich immer konnte der Arbeiter nicht die ganze verausgabte Masse einigung mit der revolutionären Partei herbeizuführen mehr in den Vordergrund des politischen Lebens, alle Sauerstoff ersetzen. Das Schlußresultat ist und und„ Arbejderen" als populär- wissenschaftliche Wochen- Fragen rein politischer Natur, die nicht mit dem Klassen bleibt also ein Mehr an verausgabter Kraft, ein schrift, unterstützt von der Partei, fortzuseßen. fampf Um unliebſamen Erörterungen vorzubeugen, wurde am zusammenhängen, bei Seite schiebend. Die Dis- Defizit an Kraft und Gesundheit. fussion für und wider den Arbeiterschutz ist bereits das Bettenkofer und Voit nehmen an, daß bei einer sehr der Antrag so lange als möglich hinausgeschoben und Barlamentiren, welches der Kapitulation vorangeht, zu anstrengenden Arbeit eine Nacht der Ruhe nicht ausdann in der vorletzten Sigung auf Antrag des Haupt- der die Bourgeoisie sich entschließen muß und um so reicht, um den bei der Tagesarbeit erlittenen Verlust an vorstandes durch„ Uebergang zum nächsten Punkt der früher entschließt, je stärker das klassenbewußte Proletariat Sauerstoff zu ersetzen. Bei schwerer Arbeit kann der Tagesordnung" abgethan. Durch die Unversöhnlichkeit an die Thore der kapitalistischen Festung pocht. des Hauptvorstandes ist also die Spaltung offiziell antägliche Sauerstoffverlust 10, ja 20 pCt. betragen. erkannt und konstatirt, daß innerhalb der Partei eine der Wissenschaften" auf ihrem am 8. August zu Limoges Experimente und Ziffern gestützt, um die Nothwendigkeit Auch die französische Gesellschaft für den Fortschritt Dr. Hoegler in Basel hat sich auf die betreffenden Opposition nicht existiren darf! Was nicht ungerügt bleiben kann, ist die vom zusammengetretenen Jahreskongreß hat sich mit der Frage der Sonntagsruhe zu beweisen. Er zeigt mittelst einer kann, ist die vom des Arbeiterschutzes beschäftigt und ihre Verhandlungen Kurvenlinie, daß, da jeder Tag bei anstrengender Arbeit Geschäftsführer der Partei mitgetheilte Statistik über die verdienen volles Interesse. Herr Doktor Napias aus trotz der Nachtruhe ein Defizit an Sauerstoff hervorruft, Stärke der Organisationen. Danach zählt die Partei 10 polit. Ver. mit ca. 6000 Mitgl. in Kopenhagen 35 5000 11 " " " 1 " 1 Provinzstädten 64 3000 " " " " auf dem Lande. Zuf.: 109 pol. Ver. mit ca. 14 000 Mitglieder. Paris, einer der bekanntesten und besten französischen es wöchentlich eines vollen Ruhetages bedürfe, um die Hygieniker, hatte Auftrag erhalten, dem Kongresse einen für den täglichen Verbrennungsprozeß nöthige Quantität Bericht über die Arbeiterforderungen vom hygienischen Sauerstoff zu erhalten. Standpunkte aus" vorzulegen. Wenn sich der Bericht Die betreffenden Experimente gelten für eine be= auch in den Schlußfolgerungen, zum Mindesten in dem stimmte und schwere Arbeit, von weniger schwerer, aber in München lang dauernder Arbeit oder von solcher, die eine an-[ für ihn da. Wie groß die Arbeitszeit bei den Bäckern iſt, gestrengte Aufmerksamkeit fordert, wird das Gleiche gelten. davon hier einige Beispiele. Dieselbe währt nach Bericht Außerdem muß auch der Ungesundheit, der Arbeitsräume des„ Sächsischen Wochenblattes": und der schlechten Atmosphäre Rechnung getragen werden. Es ist jedenfalls besser, zwölf Stunden ziemlich angestrengt in freier Luft zu arbeiten, als auch nur acht Stunden in einer von schädlichen oder giftigen Gasen und Staubarten verdorbenen Atmosphäre. im Plauenschen Grunde in Köln... . . 17-18 Stunden. 16-18 12-14 " 1 " 1 straße 15. Literarisches. Berliner Arbeiterbibliothek. Achtung! Arbeiter des Süden und Westen Berlins.. Gelesene Arbeiterblätter zur besseren Agitation in den Provinzen werden in folgenden Sammelstellen entgegengenommen: D. Klein, Ritterstraße 15, im Laden; C. Rezerau, Heim- und Bergmann= straßen- Ede, im Restaurant Ammer; Paul Sucer, Fichtestraße 26; W. Werner, Bülowstraße 64; P. Schröder, Kreuzbergstraße 15. Fast in allen Gegenden Deutschlands übersteigt die Diejenigen Genossen der Provinzen, welche Arbeiterblätter zur Arbeitszeit 12 Stunden. Wo dies nicht der Fall ist, Bertheilung in ihren Kreisen zugesandt haben wollen, mögen ihre Außerdem muß man wissen, daß bei gleich langer Dauer wie zuweilen auf dem Lande, muß der Geselle noch auf Adressen an Herrn Otto Klein, Zigarrenhändler, Berlin S., Ritterdie Arbeit um so ermüdender, ja sogar gefährlicher ist, dem Felde arbeiten, oder, wie im Rheinlande, wo die Straße 15 abgeben. Die Kommission. J. A.: Otto Klein, Ritterje mehr Kraft sie fordert und je weniger Abwechslung Meister vielfach Kolonialwaaren- Handel haben, noch in ste bietet. Die Abwechslung ermöglicht etwas, wie eine diesem Geschäft den Hausdiener ersetzen. Von einem allgemeine Wiederherstellung der von dem Organis- freien Sonntag ist bei den Bäckern keine Rede. Einige mus erlittenen Verluste. Da die sich gleich bleibende Ausnahmen kommen wohl im Rheinlande oder in Bayern Arbeit immer einzig und allein die nämlichen Muskel- vor, weil dort die Bevölkerung katholisch ist. In den gruppen anstrengt, können dieselben auch leicht verfümmern meisten Städten muß aber der Geselle noch 3-4 Stunden und verkrüppeln. So hat man z. B. öfters bei Schmieden länger arbeiten als sonst in der Woche. Die Arbeit eine besondere, lokalisirte Lähmung beobachtet, welche auf beginnt schon am Sonnabend um 6 oder 7 Uhr und eine aus der Arbeit resultirende Verkümmerung der dauert dann oft bis Sonntag Nachmittag 2-3 Uhr. Deltamuskeln zurückzuführen ist. Und was erhält der Geselle für Lohn? In Bayern, Unberechenbar, aber deswegen nicht weniger reell Hessen 3-5 Mark, ebenso in Schlesien, im Rheinlande; ist der Schaden, welcher für die Gesundheit des Arbeiters in größeren Städten, wie Berlin, Hamburg, mag wohl daraus erwächst, daß die körperliche Ueberanstrengung der Lohn etwas höher sein, doch kommt dies betreffs eine höchst gefährliche Prädisposition( Empfänglichkeit) der dortigen Verhältnisse gar nicht in Betracht. Die für Krankheiten erzeugt. Der durch übermäßige Arbeit Arbeitszeit kommt derjenigen im Schuhmachergewerbe erschöpfte Organismus ist allen Ansteckungsstoffen im mindestens gleich und wird zudem bei großer Hize verhöchsten Grade ausgesetzt. richtet. Wer indeß noch viele andere Mißstände im Bäckergewerk kennen lernen will, den verweisen wir auf die neue Broschüre:„ Untersuchungen über die Lage der Bäckergehülfen," zusammengestellt von August Bebel. Bur Lage der Bäckergesellen. ( Von einem Arbeiter.) In der letzten Nummer der„ Berliner Volfstribüne" sind die Mißstände im Schuhmachergewerk beleuchtet worden. Wenn wir auch zugeben müssen, daß Uebel, Soziales und Arbeiterbewegung. ,, Die Versammlung erklärt die von verschiedenen Seiten aufgestellte Behauptung, die sozialdemokratische Reichstagsfraktion sei korrumpirt, sie beabsichtige, die Partei zu vergewaltigen und sei bestrebt, die freie Meinungsäußerung in der Parteipresse zu unterdrücken, für eine durch nichts bewiesene schwere Beleidigung der Fraktion beziehentlich der Parteileitung. In der Brauerei„ Friedrichshain" im Norden Berlins wie die in dieser Nummer geschilderten, wirklich grauen- fand am vergangenen Montag eine von Tausenden besuchte Volksvoll sind, so stehen sie doch noch hinter dem Elend des Versammlung statt, in welcher der Abgeordnete Bebel über die Bäckergewerkes zurück. Es herrscht hier fast Sklaverei. gegen die Reichstagsfraktion erhobenen Vorwürfe sprach. Die Wir wollen hierfür nur einige Beispiele anführen. In Versammlung nahm die Ausführungen des Redners mit dem Deutschland existiren wenig unverheirathete Bäckergesellen, größten Beifall entgegen und stimmte mit erdrückender Majorität welche ein eigenes Logis haben; und wie die Schlafstellen der von ihm eingebrachten Resolution zu: bei den Meistern beschaffen sind, zeigt wohl schon die eine Thatsache, daß in Berlin Bäckergesellen in Hänge matten schlafen mußten. Das dürfte wohl genügen. Ueberhaupt giebt es wohl sehr wenige Gesellen, welche wissen, wieviel Logisgeld ihnen vom Lohn abgezogen wird. Wie reinlich die Betten sind, das läßt sich denken, wenn man weiß, daß Bäcker mii mehligem durchschwitzten Hemd sich ins Bett legen und dann oft noch zu zweien schlafen müssen; das kommt selbst in Städten wie Berlin vor. Stehen die Gesellen auf, so legt sich oft noch der Hausdiener, ehe das Bett kalt wird, hinein. Auch im Bäckergewerbe ist die Nahrung der Wohnung entsprechend. Zwar ist Backwaare ja genug vorhanden, denkt man, doch giebt es Meister, bei denen jedes Brödchen gezählt und mit Argusaugen bewacht wird. Will ein Geselle ausgehen, so darf er um Himmels Willen nicht zu spät nach Hause kommen; er muß immer in Angst leben, sich zu verspäten, sonst ist aus der Reservearmee oft schon Ersatz Die Beleidigung gegen Herrn P. Pukke nehme ich zurück. A. Jaenemann. Sagard auf Rügen. Ein Haus mit Stall unter günstigen Bedingungen zu verkaufen. Passend für Seiler, weit feiner am Ort. Anzahlung 1350 Mt. Auskunft Fr. Schmidt. Sagard a. Rügen. ertheilt Freunden, Bekannten und Genossen empfehle mich zur Anfertigung von Herrngarderoben nur nach Maaß. Falls persönliches Erscheinen unmöglich, bitte geft. Aufträge durch Postkarte zu richten, worauf ich bereit bin, zu jeder Zeit mit Mustern in der Wohnung zu erscheinen. P. Aronowski, Lüzowstr. 12. Dortmund. Eine Besprechung über Gründung einer DruckereiGesellschaft zur Ausgabe einer Tageszeitung findet am Sonntag, Nachmittag um 3 Uhr, im Lokale des Herrn Eichhof, Rheinischestr. 32, statt. Interessenten sind hiermit freundlichst eingeladen. Dortmund, den 26. August 1890. Das Komitee. Allen Freunden und Genossen empfehle mein Weiß- und Bairisch- Bierlokal. H. Köhn, Nannyenstr. 83. Allen Freunden und Genossen empfehle mein Restaurant. Internationales Weiß- und BairischBier- Lokal. Rennthaler. Grannseer- Straße Nr. 1. Verein der Sattler und Fachgenossen. Am Dienstag, 2. September, Abends 8½ Uhr, in Deigmüllers Salon, Alte Jakobstr. 48 a Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über Heinrich Ibsen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Die Versammlung erklärt ferner die gegen die bisherige parlamentarische Thätigkeit der Fraktion gerichteten Angriffe für ungerechtfertigt. Die Versammlung ersucht die Parteigenossen, alle und jede persönliche Polemit in der Presse und in Versammlungen einzustellen und die Streitfragen der Entscheidung des Parteitages zu unterbreiten." Sammlung sozialpolitscher Flugschriften. Herausgegeben von Max Schippel. II. Serie. Die ,, Berliner Arbeiterbibliothek hat es sich zur Aufgabe gestellt, sowohl brennende Tagesfragen wie auch die Hauptpunkte der sozialistischen Theorie und wichtige Erscheinungen des allgemeinen Wirthschaftslebens für die Arbeiter Deutschlands zu behandeln in verständlichster Form und zu möglichst niedrigen Preisen. Die I. Serie bot demnach Abhandlungen über die Arbeiterinnenfrage, die soziale Frage auf dem Lande, die Hausindustrie, den internationalen Arbeiterschuß, die Bedeutung der Gewerkschaften, die Geschichte des französischen Sozialismus u. s. w. Auch die kürzlich begonnene II. Serie bleibt ihrem Programm treu und sei allen Lesern, besonders den politischen und Bildungsvereinen, sowie den Leseklubs nochmals bestens empfohlen Heft 1. Der Mythus von der Gründung des deutschen Reiches zeigt in großen Zügen, wie die früheren Verfassungszustände und deren Aenderungen aus wirthschaftlichen Ursachen zu erklären sind und schildert dann die Einheitsbestrebungen der Bourgeoisie, die Stellung der Fürsten und Staatsmänner sowie des Proletariates hierzu. Heft 2 behandelt die Antisemitenbewegung in Deutschland, die Stellung der Juden im Wirthschaftsleben der Vergangenheit und Gegenwart und verfolgt dann unter scharfer Kritik die Wurzeln des heutigen Antisemitismus in's Einzelne. Heft 3 wendet sich ebenfalls einer der brennendsten Tagesfragen zu: der Bodenverstaatlichungs- Bewegung in Deutschland. Die Jllusionen der Flürschheim George'schen Bodenreformer finden hier ihre Zurückweisung. = Heft 4 kritisirt die Stellung der Regierung und der Parteien bei der Ausgestaltung der Gewerbegerichte in Deutschland und kommt zu dem Schlusse,„ die erste Schöpfung der neuen Aera beweise schlagend, daß die heutige Büreaukratie, die einer Politik der Sozialreform im Interesse der Arbeiter dienen soll, noch nicht einmal fähig ist zu einer aufgeklärten Bourgeois politik." Heft 5 und 6( sehr starkes Doppelheft) werden eine Geschichte der Entwicklung des Kapitalismus in Deutschland bringen: werks in der Stadt, der großen technisch- ökonomischen Umwälzungen des Untergangs der Kleinbauern auf dem Lande und des Handin den letzten 100 Jahren, sowie der daraus hervorgegangenen Veränderungen aller Lebensverhältnisse der Bevölkerung. Das Buch das am 5. September zur Ausgabe gelangt sollte bei keinem deutschen Arbeiter fehlen. Der Preis des Heftes beträgt 15 Pf., von 10 Exemplaren ab 10 Pf. Jedes Heft ist einzeln zu beziehen. Vereinzur Wahrung der Interessen der Schuhmacher. Bestellungen richte man an die bekannten Filial- raditionen Ausflug nächsten Sonntag, den 31. d. M. Treffpunkt: Alexander- und Kolporteure oder direkt an die Expedit der Berliner platz am Brunnen früh 7½ Uhr. Um zahlreiche Betheiligung Arbeiterbibliothek, Berlin SO., Elifabedies fer 55. und pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Zur Beachtung! Der letzte Halbjahrgang der Volkstribüne"( die Nummern von Januar bis 1. Juli 1890 enthaltend), ist in mehreren gut erhaltenen und vollständigen Eremplaren von der Expedition unseres Blattes, Elisabeth- Ufer 55, zu beziehen. Der Preis des ungebundenen Eremplars beträgt 1,50 mt. DOE Nachdruck verboten. 900 Marke deutscher Control Gesetzlich Arbeiter Hurmacher geschutzl Ausgegeben von der Arbeiter Control Commission in Berlin Jean Holze Markenfabrik Hamburg Solidarität! Arbeiter! Nur Hüte, welche nebenstehende Marke unter dem Schweißleder tra gen, bieten Garantie, daß ben Berfertigern gerechter Lohn wurde! De Kauft nur Hütte mit dieser Marke! !!! Aufruf!!! an alle zielbewußten Arbeiter Deutschlands! Wer ohne finanzielle Opfer helfen will, daß den Arbeitern der Hutbranche gerechter Lohn werde, wer daran helfen will, daß ohne Streits im Hutgewerbe der achtstündige Arbeitstag eingeführt werde und dadurch Plazz geschaffen wird für Tausende von Arbeitern, welche jetzt elend auf der Landstraße verkommen, kaufe in Zukunft nur Hüte, in denen obige Marke eingeklebt ist. Das Einkleben der Marke beim Kaufen ist Betrug, die Marke muß schon vorher im Hute kleben. Wir bitten, genau auf den Tert der Marke zu achten. Berlin, 1890.. Für die Arbeiter der Hutindustrie: Die Kontrol- Kommission. Allen Freunden und Genossen empfehle mein Weiß- u. Bairisch- Bier- Lokal. 1 Saal zu Versammlungen und 2 Vereinszimmer stehen zur Verfügung. Herrmann Wuttke, Friedrichsbergerßr. 20 pt. Den Genossen zur gefl. Nachricht, daß die neuen Gruppen- Bilder eingetroffen sind. Größe 54 X 62 Ctm. Bestellungen nach auswärts brieflich. Karl Scholz Wrangel- Straße 32 part. de Arbeiter Buch andlung. Don R. Baginski. Dresdenerstraße 52/53( Cith- Paffaae). Arbeiter- Vereinen zur Anschaffung für die Bibliothek empfohlen: Archiv für Sozialgesetzgebung, herausgegeben v. Dr. Heinr. Braun, Viertelj. Schrift à 4,-Mt. Jdee der Entwickelung v. Leop. Jakoby, 2 Bd. 4,50 Mr. Engels, Der Ursprung der Familie 1,- W. Dodel- Port, Moses oder Darwin? 1, Mt. Karl Marx, Das Kapital, 1. Bd. 9,- Mt., 2. Bd. 8, Mk. Der 18. Brumaire 1,- Mt. Internationale Bibliothek, 7 Bde., herausgegeb. von Dieß 16,- Mf. Tolstoi, Die Macht der Finsterniß, Drama 1,-Mt. " " Kreutzersonate 1, . Krieg und Frieden, realistisch- historischer Roman, statt 15,- Mt. nur 8,- Mt. Tschernischewski, Was thun? Erzählungen von neuen Menschen 6,- Mt. Bellamy, Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 " 0,20 Mr. Frl. Ludingtons Schwester, Roman über die Unsterblichkeit 2,- Mt. G. Hauptmann, Vor Sonnenaufgang, soziales Drama 1,50 Mt. Jbsen, Gespenster, Nora, Volksfeind, soziales Drama à 0,20 Mt. Ritter der Arbeit, Roman aus dem amerikanischen Gewerkschaftsleben, übers. v. Liebknecht 0,50 Mt. Sämmtliche Schriften aus dem Dietz'schen Verlage( Stuttgart) sind vorräthig. Cigarren. Tabake reichhaltiges Lager von 0. Klein, Ritterstraße 15. Dafelbft Bahlstelle der Gürtler und Bronceure( E. H. 60.) Albert Auerbach, Berlin S., Kottbuser Damm 7. Schuh- und Stiefel- Lager für Herren, Damen und Kinder. Reelle Bedienung. Fette Preise. nicht zu verwechseln mit Carl Wuttke früh. Weberstr.10 Verantwortlicher Redakteur: Conrad Schmidt, Berlin. Drud und Verlag: Maurer, Werner& Co., Berlin SO., Elisabeth- Ufer 55. —-— g* Uciblatt zur Oerlmer Dülhs-driliünc. 35. Sonnabend, den 30. August 1890. IV. Jahrgang. Keim Kegräbniß Ferdinand ßajfalle's. Wohl mag den Blick ein Trauerflor umfangen. Wohl mag die Wehmuth diesen Sarg umstehn. Hier ziemen Thränen selbst auf Männerwangen, Und Eisenbrüste muß der Schmerz durchweh».— Hier, wenn nur je, rechtfertigt sich die klage. Stimmt denn zum ernsten Trauerklang die Saiten, Laßt weh' erzitternd sie bei jedem Schlage, Bis sie versttimmen, Grabeslöne läuten. Ar seinem Grabe werden Massen klagen. Weh' unsrer Zeit, wenn sie sich's nicht bewußt, Taß Nichts ihr tief're Wunden konnte schlagen, Als dieses einz'gen Heldenarm's Verlust! Das kommende Jahrhundert wird bedauern, Daß er so früh in's Nichtsein hingesunken, Die Nachwelt wird als Vater ihn betrauern, Zu Flammen fachen seines Geistes Funken. Ihr, die ihr stets als Freunde um ihn weiltet, Die seiner Größe eure Kniee gebeugt, Die ihr des Daseins Freuden mit ihm Iheiltet, Die er mit seines Geistes Milch gesäugt, Wer von euch hat noch Recht, ihn sein zu nennen? Wer schmeichelt noch in's Antlitz ihm in's bleiche? Jetzt, wahre Freunde, gebt Euch zu erkennen! Dem Proletarierthum gehört die Leiche. Dem Proletarierthum, dem schmerzgebeugten, Für dessen Rechte er den Giftkelch trank, Sie, die gefesselt stets im Joche keuchten, Sie zollen willig dem Befreier Dank. Will denn kein Meister ihm die Denkschrift setzen!? Den Griffel her!— in Proletarier-Händen Wird um so schärfer er die Züge ätzen, Untilgbar leuchtend an der Welten Enden. So eint euch denn, ihr Treuen, um die Bahre, Das Banner hoch, das seiner Hand entfiel, Laßt's muthig weh», daß rings sich zu uns schaare, Wer mit uns kämpfen will für gleiches Ziel. Die Rechte Hoch, die starke, eisenfeste, Geschickt zur Kunst, gestählt zum Tagewerke! Laßt frei ertönen unfern Schwur zur Beste, Daß Jeder neu zum weitern Kampf sich stärke. So hör' es nun, wir schwören, deine Rächer: Was du begonnen, soll nicht untergeh'n! Wir spielen weiter. Her den Würfelbecher! Wir wollen fest trotz allen Stürmen steh». Wir haben dich, du nicht dein Spiel verloren; Nur näher brachte uns dein Fall zum Ziele. Wird gleich kein zweiter uns, wie du, geboren, Wir können Nichts verlieren bei dem Spiele. Wir schwören, dir ein Denkmal zu errichten, Wie k>,.x�noch auf Heldengräbern stand, Von nicht, noch prunkenden Gedichten, Gemodi. � it von fremder Künstler Hand! Dies Dc�tH al sei das Werk, wozu dein Hammer Das FuffriKient gelegt mit mächt'gen Schlägen, Wir bam. weiter nun mit Axt und Hammer Und woll te nie die Arbeit niederlegen! Und bis's» steht, bis weit in starken Bogen, Der Bau. sich über unfern Häuptern hebt, In seinen Schatten all' die Müden zogen, Der Geist der Freiheit durch die Räume schwebt, Soll nimmer Zwietracht unfern Bund berühren, Dein Banner uns zum starken Ganzen einen, Dein Vorbild uns zum Kampf und Siege führen! Dies schwören wir, dies halten wir, die deinen. G. Herwcgh. MnHeMcrr. Von Uspenki. Deutsch von S t y c z i n s k i. (3. Fortsetzung.) Hatte ich Lust, mich zu unterhalten, dann ging ich zum Vater Iwan, da konnte ich gewiß sein, die Zeit gut zu verbringen... Da saß dann nun bei ihm irgend ein Gast, einen Lederriemen um die Taille, mit sonnenver- branntem Gesicht, offenbar ein praktischer Mensch(die Freunde des Vaters Iwan waren alles praktische Leute) und unterhielt sich mit ihm z. B. in der Weise: „Da begann er— weil doch der Teich von der Ueberschwemmung sich gebildet hatte und Gemeingut war — im Kahn auf ihm herumzufahren und Fische zu fan- gen. Der Teich lag aber auf meiner Wiese... Also denke ich mir: die Wiese gehört mir, also ist auch der Teich mein, obgleich er Gemeingut ist, denn er liegt auf meiner Wiese und folglich gehören auch die Fische mir. Hatt' ich nicht Recht?" „Natu— ü— rlich! Selbstverständlich!" sagte�Vater Iwan im Brustton der Ueberzeugung. „Al— so, denke ich mir, meine Herren, kann ich hier etwas profitiren. Aber wie?.. Soll ich für die Fische etwas verlangen? Oder, soll ich ihn pfänden? Nein, das geht nicht.. das wäre Vergewaltigung.. soll ich an sein Anstandsgefühl appelliren? Da giebt er keinen Groschen! Nun, wie denkst du, wie Hab' ich's gemacht?" Wir hielten in solchen Momenten zusammen mit dem Vater Iwan den Athem an. Wir erwarteten etwas Wunderbares, Uebernatürliches.. Und was uns in solche Extase versetzte, war die Kunst, einen Rubel herauszu- Pressen, wo' doch scheinbar gar nichts herauszupressen war.— „Nun, was denkst Du? Ich bin doch auf eine Idee gekommen!" Hier hielt der Erzähler inne; er wußte, daß er uns einen Genuß bereitete und daß es angenehm ist, den Genuß zu verlängern) er hielt also inne. Die Popadja*) schwitzend von der Hitze und dem Thee, füllte von neuem unsere Gläser; Väterchen schloß die Thür des Zimmers, damit die Hühner und Küchen uns nicht störten; wir warteten alle, neugierig, was da kommen werde und im Halse kitzelte es uns vor Freude über den bevorstehenden Genuß. Endlich fährt der Erzähler langsam fort: „Jchhdachte nach� und überlegte mir die Sache.. Aber es wollte nichts Vernünftiges dabei herauskommen, pfände ich ihn, so falle ich herein, mach ich's so, dann lacht er mich aus. Was thun? Ich fragte diesen, fragte jenen um Rath, ging zu einem Advokaten, zahlte ihm drei Rubel, aber keiner wußte mir etwas zu rathen, da kam ich endlich selbst auf eine Idee".. Es folgte wieder eine Pause; alle lauschten er- wartungsvoll seinen Worten. „Ich pflanzte," erzähltes der),Gast weiter, langsam, als wäre jedes Wort Tausende werth,„ich pflanzte also Aepfelbäume auf der Wiese.. fünf Stück waren es." „A— a— a!" flüstert der Vater Iwan und blinzelte mit den Augen, denn er begann zu verstehen. „Und als ich fertig war, da hatte ich," sagte der Erzähler ebenfalls flüsternd und mit den Augen blinzelnd, „da hatte ich... einen Garten, einen Obstgarten." „Hha!" ruft Vater Iwan, wie einer, der an heißen Tagen kühles Brunnenwasser zu trinken bekommt. „Als nun die Ueberschwemmung kam," sprach der Erzähler weiter mit immer lauterer Stimme,„und er in seinem Kahn über meine Wiese fuhr, da stieß er an einen der Bäume an und beschädigte ihn." Die letzten Worte sprach der Gast ganz laut, denn sie bedeuteten den Sieg. „Na, dann"... Er beendete seine Erzählung nicht. Es war auch nicht nöthig, denn wir konnten uns das Ende hinzu- genken:„Na, dann".. bedeutete, daß er einen Prozeß anstrengte wegen Demolirung eines Obstgartens und— wir wollen sagen— einhundertfünfzig Rubel und drei- undfünfzig Kopeken Entschädigung verlangte. „Und wieviel haben Sie bekommen?" fragte Vater Iwan. „Fünf— zig Rubel!".. „Donnerwetter!" Wir tranken Thee und lachten lustig über die kuriose Geschichte. Mit wahrer Wollust unterhielten wir uns darüber, wie„er" nicht zahlen wollte, wie er sich wand, wie er endlich doch zahlen mußte u. s. w. Was uns aber noch besondere Freude machte, war der Umstand, daß er nicht nur fünfzig Rubel Entschädigung, sondern noch einmal so viel Kosten hat bezahlen müssen. Wenn ich jetzt daran denke, so wird es mir schrecklich zu Muthe, wir waren ja wahre Räuber, Erzhallunken!.. Solche und ähnliche Gespräche führten wir immer. Und ich machte mir kein Gewissen daraus.. denn mein Gewissen war damals umnachtet und sagte mir, daß nur der Rubel, ein voller Magen und die Frau Nachts im Bette Werth haben und Genuß bringen, alles Andere aber„dummes Zeug" sei. Wie schändlich es auch ist, aber ich will es Ihnen doch gestehen: meine Pflichten im Dienste betrachtete ich auch nur von diesem Standpunkte aus.. Die Schule, dachte ich, ist nur zum Scheine da. nicht deshalb, daß man in ihr die Bauernkinder unter- richte, sondern daß man dabei etwas„herausschlage." Auch der Inspektor und andere Herren von der Behörde kommen nur zum Scheine hin, um Geld herauszuschlagen ... Daß der Bauer arbeitete, hungerte und fror, kam mir selbstverständlich vor und ich fand das ganz in der Ordnung. Darüber machte ich mir keine Gedanken, denn auch der Bauer war an seine Roth gewöhnt und hielt sie für etwas nothwendiges. Wie hätte ich auch damals auf solche Gedanken kommen sollen, ich— mit meinem umnachteten, verrosteten Gewissen. Ich zwang ihn ja nicht dazu, daß er mir seine Hühner, sein Brot, seine Pirogi**) gäbe, ich zwang ihn nicht dazu, daß er gegen die Feldmäuse ein Gebet abhalten lasse; er that es frei- willig und war gar nicht einmal böse, wenn das Gebet nichts half. Ich that meine Pflicht, bekam dafür Geld und kümmerte mich um alles Andere nicht. Ich hatte keine Gewissensbisse über mein Verhalten, denn auch der Bauer machte mir keine Vorwürfe, wenn mein Gebet nichts half. Im Gegentheil: er, der Bauer, schrieb die Schuld seiner Sündhaftigkeit zu, hielt sich selbst für einen schlechten Menschen, unwürdig der Barmherzigkeit Gottes, ich aber, der Diakon, und der Vater Iwan, wir legten Fürsprache für ihn ein bei Gott und waren gute Men- schen.„Die himmlischeKönigin hat uns nichterhört", sprach der Bauer, wenn dennoch eine Mißernte kam.„Ja," pflegte dann Vater Iwan zu antworten und machte ein recht trauriges Gesicht,„das kommt davon, daß ihr den lieben Gott nicht fürchtet, ihm nicht dienen wollt... *) Frau des Popen. **) Eine Art Fleischkuchen. Zu Beispiel— Du selbst! Hättest Du den lieben Gott im Herzen, dann kämst Du auch manchmal zu Deinem geistlichen Vater und thätest ihm hin und wieder einen Gefallen, dann wäre auch der liebe Gott besser auf Dich zu sprechen.. aber das ist es ja.. erst dann, wenn ihr Gott schon sehr erzürnt habt und er zu strafen an- sängt, erst dann kommt ihr zu mir."—„Das ist wahr!" sagte der Bauer.„Na, ja! Geh' mal in den Wald und fahre mir das Holz in den Hof, dann sollst Du sehen, ob's nicht besser wird."—„Gut, gut, wenn's nur hilft!" Und er geht mit dem größten Vergnügen an die Arbeit und glaubt fest daran, daß er dadurch Gottes Zorn beschwichtigt. Und wenn man die Bereitwilligkeit sieht, mit der er für Einen Holz aus dem Walde holt oder Steine herbeischafft, dann glaubt man zuletzt selbst daran, daß man der Vermittler sei zwischen Gott und dem Bauer und findet alles in Ordnung. Nach fünf, sechs Jahren war keine Spur mehr von Herz oder Gewissen in mir. Ich achtete fast niemanden, denn ich sah, daß alle so waren, wie ich— nur auf das eine bedacht, möglichst viele zu betrügen, um selbst, so viel wie möglich, zu stehlen. Und ich freute mich, daß ich in der Reihe der Hallunken nicht das letzte Glied war, daß auch ich einen Winkel auf Erden hatte und nicht mit leeren Händen ausgehen brauchte. Ich dachte und glaubte an niemanden und nichts, nur an das, was gemein und niederträchtig war. Und in solch' einer ver- kommenen Seele erwachte plötzlich das Gewissen.. Ist das nicht ein wahrer Fluch?".............. Es geschah dies ganz unerwartet... Wäre alles noch ein oder zwei Jahre in der alten Weise fortgegangen, dann hätte sich mein Gewissen mit einer so dicken Rinde überzogen, daß man mit einer Kugel nicht hätte durchschießen können. Aber es kam anders. Es kam zu uns in's Dorf eine Lehrerin, die an der von der Gemeinde gegründeten Schule angestellt wurde. Es war dies eine Person von nicht gerade sehr ange- nehmem Aeußern, sehr rege und eine von den„Neuen". Dieses letztere machte uns— mir und dem Vater Iwan — viel Spaß. Wir waren zu sehr daran gewöhnt, alle menschlichen Thaten nur als Versuche zu betrachten, irgendwie und von irgend jemandem einen Rubel heraus- zubringen, und konnten und deshalb gar nicht vorstellen, daß jemand anders darüber dachte, als wir. Wir lachten also über sie... Außerdem kam uns überhauvt alles „Neue" sehr albern vor. Wir hatten Gutsbesitzer ge- sehen, welche die„neue Ordnung" auf ihren Gütern ein- führten und elend bankerott wurden: für ihre guten Ab- sichten wurden sie von allen Nachbarn und allen er- fahrenen Leuten mit Hohn belohnt. Wir hatten vor Augen tausende von Neuerungen, dte von der Regierung ausgingen und im Sande verliefen, oder auch uns in unserer Theorie bestärkten, daß sie nur zum Schein ein- geführt waren und nur als Vorwand dienten, um in ihrem Namen Geld zu verdienen in Form von Staats- Zuschüssen, Gratifikationen, Reisespesen, Belohnungen und Auszeichnungen(wenn möglich in klingender Münze) u. s. w. Auch die ganze Geschichte mit der neuen Schule kam uns so vor.„Na, das kann höchstens fünf Rubel einbringen", sagte Vater Iwan und kennzeichnete damit den Zweck der Schule, sowie sein Verhalten ihr und allen Menschen gegenüber, die mit ihr in Verbindung waren. Sie können sich denken, wie lächerlich uns Frau Abrikvssowa vorkam, die in's Dorf zog, von einem Ende zum andern eilte, überall redete, überall flüsterte und etwas ganz Ungewöhnliches von den Bauern zu fordern und zu erwarten schien. Es war klar: sie wollte wieder irgend eine„Neuerung" einführen und wir mußten lachen, wenn wir sahen, wie unsere Bauernschaft sie aufnahm, sie zum Narren hielt und ihr die ärgsten Streiche spielte, denn auch die Bauern sahen die Neuerungen mit den- selben Augen an, wie wir. Wir kicherten also lustig, so oft wir beim Thse auf die neue Lehrerin zu sprechen kamen. „Was will das Frauenzimmer nur! Sie sollte froh sein, daß sie ihre zehn Rubel bekommt, und ruhig sitzen!" sagten wir. „Was will sie mehr? Zehn Rubel ist doch ein Haufen Geld!" sagte Vater Iwan. „Gewiß! Für nichts und wieder nichts!" „Solch' einen fetten Bissen möchte auch ich nicht verschmähen", sagte Vater Iwan,„bei Gott! die ganze Geschichte besteht doch jblos darin, das Geld einzustecken". So dachten wir über Frau Abrikossowa. Auch ihr Aeußeres war,_ wie gesagt, nicht so, daß man... na, Sie wissen ja schon, was ich meine... Sie war uns also auch sonst vollständig gleichgiltig. Ich weiß nicht mehr, wie und bei welcher Gelegenheit das geschehen war: genug, ich besuchte sie einmal. Die Gemeinde hatte ihr ein feuchtes, halbdemolirtes Zimmer zugewiesen, in dem weder Tische noch Bänke standen, überhaupt nichts eingerichtet war, obgleich es längst ver- sprochen war. Ich fand sie in folgender Position vor: sie saß auf der Diele, auf der eine Art Tuch, oder Teppich ausgebreitet war, in Lumpen eingehüllt und um sie herum zehn Kinder— Knaben und Mädchen. Auch diese waren in alte, zerfetzte Tücher eingehüllt. Die Tücher gehörten wohl ebenfalls der Frau Abrikossowa, denn sie sahen nicht bäuerlich aus. So saßen sie und lernten etwas. „Womit kann ich Ihnen dienen, Vater Diakon?" fragte sie mich. „Ach Gott... so!.. „Entschuldigen Sie mich einen Augenblick! Ich yabe jetzt keine Zeit..." und sie unterrichtet weiter. Das wurmte mich. Es war doch auch nicht schön von ihr... ich komme zu ihr zu Besuch und sie empfängt mich in dieser Weise... Ein guter Mensch— was wir einen guten Menschen nannten— hätte sofort alle die kleinen Jungen und Mädchen auseinandergejagt, einen Ssamowar aufgesiellt, Thee, ein Gläschen Schnaps vor- gesetzt... Es wurde mir ungemüthlich. Ich setzte mich, ich weiß garnicht wie auf die Diele und wartete. Ich war ganz verwirrt, wußte gar nicht, was ich ansangen sollte. Und was macht sie? Denken Sie sich, volle zwei Stunden läßt sie mich sitzen und spricht kein Wort mit mir— sie unterrichtet nur die Kleinen— sie spricht und erklärt, wiederholt zwanzig Mal dasselbe und erzählt den Kindern etwas, was ich garnicht verstehen kann. Ich wurde müde vom Zuhören; ich konnte es kaum noch aus- halten. Ich begann auch hungrig zu werden: einen Häring hätte ich gerne gegessen, ein Gläschen Schnaps dazu getrunken— im Magen wurde es so wüst und leer, und sie kümmert sich nicht um mich und ochst und ochst. Ich wollte aufstehen, weggehen... aber ich konnte nicht; ich war ganz verwirrt von der ungewohnten Aufnahme. Die Glieder thaten mir weh, ich schwitzte, ich ärgerte mich. Und eine Wuth ergriff mich gegen alle diese Bengel: — ich hätte alle am liebsten am Kragen genommen und sie zur Thür hinausgeworfen. Endlich— endlich war die Stunde zu Ende.„Geht nun nach Hause und Abends kommt wieder, ich werde euch in Märchen vorlesen."— „Gut, wir kommen alle!" riefen die Kleinen und küßten ihre Lehrerin.„Ach, wie gut sind Sie, Marja Wassiljewna". Die Kleinen liebten sie wie eine Mutter. Auch das ärgerte mich, war mir unangenehm, schien mir nicht in der Ordnung, nicht gut zu sein. Ich kann eigentlich nicht sagen, daß ich es nicht für gut hielt... aber... unan- genehm war's mir doch... Nicht nur auf der Seele, nein — auch im Magen hatte ich dieses unangenehme Gefühl, denn damals äußerte sich meine Stimmung immer im Magen. Es war solch ein eigenthümliches... kitzliges Gefühl... Die Kinder gingen.—„Jetzt habe ich Zeit, wollen Sie vielleicht näher treten?" Ich folgte ihr. In ihrem Zimmer stand ein Bett und ein Tisch. Auf dem Tische lagen Bücher, das Fenster war ganz verschneit. „Hier arbeite ich selbst".„Das ist eine sehr schlechte Wohnung. Sie sollten sich schriftlich über„sie" beklagen („sie" waren natürlich die Bauern)!" Sie lachte. Ich fühlte mich erleichtert, freier. Mit einer gewissen Unge- zwungenheit fuhr ich also fort:„Warum sollten Sie sich um „sie" scheeren. Denen muß man gründlich auf's Fell rücken! Wenn die llntersuchungskommission kommt und alles durchstöbert, dann wird's schon gehen! Anders geht das nicht, da hilft nur der Stock". Sie lacht immer noch. Da wurde ich nun ganz offen und begann ihr, ganz ausrichtig, so im humoristischen Tone, Sie wissen schon, zu erzählen, wie wir, ich und Vater Iwan, dem lieben Gott und Christus dienen; ich wollte ihr begreiflich machen, daß man selbst in unserem geistlichen Stande ohne diese Hilfsmittel nichts ausrichten könne.„Man kommt manchmal zu einem Bauern", erzähl' ich ihr,„zu Besuch, die Kirchenabgaben einzuziehen. Der Wirth ist schlau gewesen und hat sich versteckt, im ganzen Hause ist niemand zu finden. Mit einem Male sieht man: er steht hinter der Thür".„Ei. ei, lieber Freund, so ehrst dn deinen geistlichen Vater?"—„Entschuldige, entschuldige, Väterchen! Es war nicht böse gemeint, aber ich habe nichts, ich kann nichts geben." Unterdcß sieht man wie ein Huhn durch den Hausflur eilt, der Bauer lügt also offenbar, denn er hat ein Huhn. Natürlich ist man in solchem Falle nicht sentimental, fängt das Huhn ein und geht seiner Wege. Nur auf diese Weise kommt man zu seinem Gelde."— Das platte Land und die Sozialdemokratie. i. n. Obwohl die Bourgeoisie dem 20. Februar mit einigem Unbehagen entgegengesehen hatte, würde derelbe, trotz des gewaltigen Wahlerfolges der Sozialdemokratie, doch nicht so nachhaltig gewirkt haben, wäre das Anwachsen der sozialistischen Stimmen ausschließlich auf die in- dustriellen Bezirke beschränkt geblieben. Man hatte sich längst gewöhnt, die großstädtischen Arbeiter als„hoff- nungslos-verführt" anzusehen, und die Art, wie man den Paar hunderttausend Fabrikproletariern seit lange gegen- über trat, bewies auch, daß„ man hier aus jeden„Be- kehrungsversuch" verzichtete. Da tauchen plötzlich die verhaßten Stimmzettel der „Umstürzler" in ganz beängstigender Masse auch auf dem Lande auf, und noch dazu in weltentlegenen Dörfern, an deren Bewohner unser Spießbürgerlein immer mit einer gewissen Beruhigung denkt, sobald ihm das in- dustrielle„rothe Gespenst" eine Gänsehaut über den Leib treibt. Die Ueberraschung war groß— um so größer, als die schönen Redensarten, daß der Einbruch sozialistischer Ideen in das platte Land immer an dem„gesunden Sinne" seiner Bevölkerung oder, wie sich Herr Schäffle so �geistreich ausdrückt, an dem„antikollektivistischen Bauernschädel" scheitern werde, ein klägliches Fiasko erlebten. Wie immer, wenn der„gesunde Menschenverstand" der Bourgeoisie, der nie tiefer in den Kern einer Sache eindringen kann und stets an der Oberfläche haften bleibt(das ganze Verhalten der Sozialdemokratie ist typisch hierfür), einem ernsten unableugbaren sozialen Thatbestande gegenüber gestellt wird, entstand in ihren Reihen kopfloses Staunen und lautschreiende Angstmeierei. Die Krautjunker klagten in ihrem Kreuzzeitungs- organ, als ob die Getreidezölle in Gefahr wären und brachten es durch ihren Hinweis aus die drohende„so- zialdemokratische Armee" im Handumdrehen dahin, daß ihre„Gegner", die Schlotbaroue'�und„liberalen" Man- schestermänner, sich mit wunderbar harmonischen Akkorden ihrem Angstgesange zugesellten. Der Refrain lautete immer:„Die politischen und gesellschaftlichen Rechte des arbeitenden Volkes müssen auf ein Minimum beschränkt werden." Kurz, die„reaktionäre Masse" der gesammten Bonr- geoisie drückte sich wieder einmal ihre biederen Hände. Es giebt eben keinen Gedanken, der beäng- stigender auf das Gemüth des Bürgerthums wirken könnte als der, daß auch das Proletariat des platten Landes znm Klassenbewußtsein er- wachen und somit zum entschiedenen Anhänger der Sozialdemokratie werden könnte. Warum, ist ja sehr erklärlich. Wie und wodurch, das ist die Frage, die uns hier beschästigen soll, konnte der Sozialdemokratie jener so gefürchtete Erfolg gelingen, was bedingt es, daß ihr Vormarsch auf dem platten Lande in naher Zukunft noch viel schleuniger sein wird? Die materialistische Geschichtsauffassung giebt die Antwort. Die moderne proletarische Arbeiterbewegung, die Sozialdemokratie, ist von der privatkapitalistischen Waaren- produktionsform untrennbar. Sie ist grundverschieden von den Klaffenkämpfen des Alterthums und der Feudal- zeit. Selbst die utopisch sozialistischen Ideen in den Kinderjahren des Jndustrialismus haben wenig mit ihr gemein. Diesen allen fehlte, ganz abgesehen davon, daß die erste Vorbedingung der kapitalistischen Waaren- Produktion, die historische Scheidung in Besitzer von Produktionsmitteln und solche bloßer Arbeitskraft, noch nicht allgemeiner vollzogen war, vor allem die moderne Kontraktfreiheit des Arbeiters. Der Sklave ist nach kapitalistischen Begriffen nur ein Produktionsmittel wie jede thierische Arbeitskraft, denn er ist persönliches Eigenthum seines Herrn mit Haut und Haaren. Alle seine Arbeitsprodukte gehören dem Herrn. Anders ist die Stellung des„freien" Lohnarbeiters von heute im Produktionsprozeß. Er ist persönlich frei und tritt auf dem Markte dem Besitzer der Waare Produktionsmittel als Eigenthümer der Waare Arbeits- kraft äußerlich gleichberechtigt gegenüber. Was er verkauft und jener bezahlt ist nicht seine Person, sondern nur seine Arbeitskraft auf eine bestimmte Zeitdauer. Seine Arbeit als Bildnerin von Werth kommt bei diesem Waarenaustausch nur als Gebrauchswerth, als Beweggrund des Kaufens, in Betracht, hat daher keinen Einfluß auf den Preis. Dieser ist nur der Werth- ausdruck der Arbeitskraft und wird wie der jeder an- deren Waare durch die jeweiligen Produktionskosten be- stimmt, ist also für gewisse Verhältnisse ein gegebener. Angebot und Nachfrage nivelliren bald etwaige Schwan- kungen. Dagegen wechselt die Produktivkraft der Arbeit ununterbrochen. Dadurch nun, daß der Besitzer der Produktions- mittel, d. h. der Nichtarbeiter, die Waare Arbeitskrast kauft, aber nicht deren volle Bethätignng, die Arbeit bezahlt, kommt er in die Lage, sich fremde Arbeits- Produkte, einen Mehrwerth, anzueignen. Will er diesen vergrößern, kann er es auf die Dauer nur durch Erhöhung der Produktivität der Arbeit. Jeder Versuch dies ausschließlich durch Verlängerung der Ar- beitszeit zu erreichen, muß an den natürlichen Grenzen des Arbeitstages scheitern. Die Produktivität der Arbeit wird in erster Linie durch die Fortschritte der Technik, durch die Entwicklung des Maschinenwesens, bedingt. Indem die Maschine als natürliche Konkurrentin des Arbeiters auftritt und die Anwendung der Frauen- und Kinderarbeit ermöglicht, da sie den Kapitalisten von der handwerksmäßigen Geschick- lichkeit der Lohnarbeiterklasse unabhängig macht, schafft sie eine überschüssige Arbeiterbevölkerung, die sogenannte „Reservearmee", das beste Machtmittel, um die Arbeiter dauernd niederzuhalten. Jedes Massenangebot drückt den Marktpreis der Waare; je größer der Konkurrenzdruck der„Reservearmee", um so geringer der Preis der Arbeitskraft, um so aus- sichtsloser die einzelnen Lohnkämpfe der Arbeiterklasse. Diese Machtfülle ermöglicht es dem Kapital, nun alle Vortheile der Plusmacherei auszunutzen. Mit der Ver- vollkommnung der Maschinentechnik geht eine übermäßige Verlängerung des Arbeitstages Hand in Hand. Ja selbst eine allgemeine Entkräftung und eine gesteigerte Sterb- lichkeit der Arbeiterklasse verliert ihren Schrecken; es sind ja doch immer genug Arme vorhanden; man kann da mit dem„Menschenmaterial" schon verschwenderisch um- gehen. Gleichzeitig' drängt die Maschinenanwendung zu immer beschleunigterer Reproduktion und Zentralisation des Kapitals. Je mehr dadurch aber sein Uebergewicht steigt, um so offener treten jetzt alle Schäden seiner Produktionsform zu Tage. Wirthschaftlich äußern sie sich in einer fortwährend zunehmenden Produktions- anarchie, die zu einer chronischen Absatzkrise ausartet, moralisch in einer Zerstörung aller hergebrachten kultu- rellen Rechts- und Sittlichkeitsanschauungen. Aber dieser erbarmungslose Druck erzeugt bald einen Gegendruck. Die im Zeitalter einer fortgeschrittenen Zivilisation jammervoll unterjochte Arbeiterklasse wird zur Verfechterin der Kultur und der Menschheitsideale. Ihre Wider- standskrast wächst durch dieses moralische Element, vor allem indessen dadurch, daß sie auch die wirthschaft- liche Haltlosigkeit des Kapitalismus, seine unbewußte Fortentwickelung zum Sozialismus, klarlegt. Eine Orga- nisation der Arbeiterklasse zum Zwecke des Kampfes und der Neugestaltung tritt auf die Weltbühne. Und diese Organisation muß von der� Industrie auf das platte Land hinübergreisen. Ist die Bewegung des industriellen Proletariats in erster Reihe ein Produkt der herrschenden kapitalistischen Wirthschaftsweise in der Industrie, so wird von dem Stadium, das letztere in der Landwirthschaft und auf dem Laude überhaupt erreicht hat, auch die Entwickelung einer ländlichen Arbeiterbewegung abhängen. Und ist ferner im Besonderen die Werkzeugsmaschiue der wirthschaftlich und moralisch revolutionärste Faktor des ganzen kapitalistischen Jndustriesystems, so wird auch die Intensität aller ländlichin sozialen Umwälzungen vornehmlich dadurch bestimmt werden, inwieweit die Maschine in der Ackerbauproduktion Anwendung gefunden hat Die feudale Wirthschaftsweise hat sich bekanntlich im Ackerbaubetriebc am längsten erhalten. Die Scheidung in Besitzer von Produktionsmitteln und solche bloßer Arbeitskraft mußte sich hier somit bedeutend langsamer als in der Industrie vollziehen. Und wenn auch Kirche, König und Adel durch Kauf und Gewalt die alte kom- munislische Markenverfassung dadurch vernichteten, daß sie immer größere Ackerstrecken als Privateigenthum an sich brachten und die auf Frohndienst und Leibeigenschast beruhende sogenannte Dorf- und Hufverfassung an deren Stelle setzten— was nur Hand in Hand mit einer Expro- priation des Kleinbesitzes, d. h. Bildung„freier" Hände, vor sich gehen konnte— so blieb dies doch zunächst ohne Einfluß auf die ländliche feudale Produktionsform selbst. Das freigesetzte Proletariat strömte den Manufakturen der Städte zu, sofern es nicht als Landstreicher oder als Kriegsknecht sein Dasein fristen konnte. Selbst dann, als gegen Ende des vorigen Jahr- Hunderts ein erhöhtes„Bauernlegen" die besitzlose Masse immer mehr anschwellen ließ, und die Sturmglocken der Revolution von Frankreich her das Ende der feudalen Wirthschaftsweise verkündeten, war in der deutschen Landwirthschaft an eine kapitalisttsche Waarenproduktion noch lange nicht zu denken. Einmal war die Industrie noch nicht genügend mit Menschen übersättigt uno andererseits wurden die rechtlichen Schranken der Feudalperiode nur wenig erschüttert. Beides trat erst ein, als das kapitalistische Bürgerthum zum Mittelpunkt der Staatsgewalt geworden war und auch in der Land- wirthschaft ein ergiebiges Ausbeutungsobjekt witterte. Bisher hatte das Bürgerthum seinen Einfluß zur Lösung der feudalen Zwangsgesetze auf dem Lande nur dann geltend gemacht, wenn es neue Proletariermassen für die Industrie brauchte. Jetzt fühlte es das erhebende Bedürfniß, die Segnungen seines„Liberalismus" möglichst allgemein zu verbreiten. Das Jahr 1848 brachte die agrarische Gesetzgebung endlich wieder in Fluß. Die alten feudalen Schranken, die den Bauer an den Boden fesselten, wurden weggeräumt. Der Anstoß zu einer energischen Proletarisirung des Kleinbesitzes war gegeben. Die Aufhebung der Freizügigkeitsbeschränkung, die aller- dings faktisch schon in dem Augenblicke eingetreten war. als kein Besitz die Expropriirtcn mehr an die Scholle fesselte, wurde nun auch formell bestätigt. Die Vorbedingungen der kapitalistischen Waaren- Produktion auf dem Lande waren jetzt erfüllt, äußere Gewalt hatte ihr den Boden geebnet, Sache des Kapitals wurde es jetzt, seine Mission auch auf dem platten Lande allein zu Ende zu führen. Debatte über die„Gefahren des Marxismus".*) Es ist wohl unzweifelhaft, wenn man eine Sache falsch auffaßt, so muß sie zum Uebel ausschlagen. Dieser Gedanke, der in dem obengenannten Aufsatze ausgeführt wird, ist ja sehr wahr, nur nicht sehr neu. Wenn aber der Marxismus solchen Jrrthum, wie P. E. ihn ausführt, besonders begünstigt, so giebt es nur zwei Erklärungen: entweder ist die Sorge für rechte Erkenntniß der Marxschen Lehren innerhalb unserer Partei zu gering, oder diese Lehre ist von ihrem Begründer so unklar ausgesprochen, daß ihre richtige Auffassung besondere Schwierigkeiten bereitet. Das erstere darf die deutsche Sozialdemokratie wohl getrost von der Hand weisen: nur ihre bornirtesten Feinde können es leugnen, daß sie, wie keine Partei vor ihr, dahin wirkt, ihre Wahrheiten, das ist den Marxismus, der Auffassung ihrer Scharen zu erschließen und diese nicht etwa mit Schlagwörtern abzuspeisen, welch' letztere Methode der HerrVerfasser vielleicht unter seiner Aeußerung ♦) Der in Nr. 32 erschienene Aussatz:„Gefahren des Niarxis- mus" wurde von uns zur Diskussion gestellt. Es ist uns eine Reihe von Zuschriften— fast ausschließlich aus Arbeiterkreisen— zugegangen. Wir beginnen hier mit der Veröffentlichung. versteht von begeisterten Phantasten, von Illusionen Uno von Eigenschaften des Gemuthes, die uns unsere An- Hänger gewinnen. In der That, wäre das letztere der Wahrheit gemäß — es könnte keine schärfere Verurtheilung der Sozial- demokratie geben als dies. Begeisterungsduselnde Phan- tasten, die gar nicht wissen dürfen, für was sie eigentlich kämpfen, weil sonst ihr Idealismus und damit ihre Thatkraft erlischt— solche Leute sollen eine Sache zum Ziele führen, die stolz darauf ist, wie P. E. selbst sagt, mit vollem Bewußtsein ihrer Aufgabe ihre Aufgabe zu erfüllen? Allerdings zählt die Sozialdemokratie— das wird kein ehrlicher Beobachter, der nur einen kleinen Kreis von Parteigenossen kennt, bestreiten,— noch so manchen Bekenner, der ihr nur aus instinktivem, noch nicht aus wissenschaftlich begründetem Klassenbewußtsein zugehört; bewiese das aber vielleicht, daß sie ohne rechte Aufklärung bestehen kann? Nein! Nur ein Proletariat, das die soziale Lage aufs klarste überschaut und zwar nicht durch das Auge einiger Erlesener,„der wenigen Charaktere, die im Stande sind, Marxist zu sein und doch frei von den Gefahren des Marxismus zu bleiben": jeder muß zielbewußt kämpfen, jeder sehen, was er will und soll; dann ist unser nächstes und zugleich umfassendstes Ziel erreicht. Es wäre nun zu fragen: verschließt sich denn der Marxismus so ganz besonders der Einsicht des mittel- mäßigen Menschenverstandes, der nicht zu jenen Auser- wählten zählt, von denen schon die Rede war?— Ich meine doch: nein! Klarer, leichter begreiflich kann doch nur Weniges sein: Der Einzelne vermag nichts; die ökonomischen Verhältnisse bedingen ihn in seinem Wollen und Handeln. Diese ökonomischen Verhältnisse liegen doch aber wieder in der Gesammtheit der Menschheit begründet; Entwicklung jener Verhältnisse und Entwicklung der Menschheit sind eins. Darum sind wir auch zur Regelung der ersteren fähig, sobald das Menschengeschlecht in seiner Ganzheit Einsicht in ihre Gesetze gewinnt.— Und wer nun etwa meint, seine Mithilfe sei unnöthig, da so viele andere vorhanden seien, die seinen Platz ausfüllen können, er sei nur eine Welle, deren Verschwinden nicht zu be- merken ist, der sieht doch wohl leichtlich ein, daß gewöhn- lich, wenn alle Wellen fehlen, auch kein Fluß vorhanden zu sein pflegt. Und diese einfache Ueberlegung wider- streitet dem befürchteten Jndifferentismus. �eder ist nöthig: mit dem Recht, mit welchem sich der Einzelne ausschließt, überlassen sich Alle der trägen Ruhe, ohne sich um das Geschick der Mitmenschen, und die Zukunft zu bekümmern. Solche träge Masse aber, die alles mit sich geschehen läßt, die zu des Herren Fußtritt noch selig ist, müßte mindestens das Eintreten der kommunistischen Produktionsweise sehr weit hinausschieben. Und auf diese hoffen wir doch als Erlösung aus dem heutigen Elend. Es könnten also im Allgemeinen nur schwache Köpfe und schwache Charaktere den Gefahren des Marxismus erliegen; daran wäre nicht zuviel gelegen. Bei allen besseren Elementen muß die nöthige Aufklärung auch nothwendig genügen, sie vor jenen Gefahren zu be- hüten. Hier sindet unsere Partei einen wichtigen Beruf, ein Feld reicher Thätigkeit. Das ist edler, als den Leuten mit utopistischen Narrheiten das Hirn umnebeln zu wollen! Die bei verständigen Köpfen verhältnißmäßig geringe Gefahr ist ganz gut zu vermeiden. Der Marxismus ist keine Lehre für eine kleine Zahl von Geistesaristokraten, die dem Pöbel ein Paradies im Wolkcnknkuksheim malen, um ihn nach ihren Wünschen zu lenken; wir wollen „durch das Volk", nicht nur„für das Volk" zur Zukunft streben, das wenigstens war bis jetzt das Ziel der Partei. — Jene aber, die wirklich nicht zu vernünftiger Einsicht zu bringen sind— entweder aus unzureichender �Ber- standesgabe oder ans vollkommenem Mangel an That- kraft— die werden auch durch Vorspiegelung erlogener Ideale nicht sonderlich weiter zu bringen sein. Bei diesem Theil der Menschheit muß man wohl auf ein allmähliches Aussterben rechnen. Mithin: die Gefahren sind lange nicht so bedeutend, wie�P. E. sie hinstellt, und können zudem durch eine richtige agitatorische Thätigkeit fast ganz vermieden werden. Und was wir mit so geschulten Massen erreichen, ist uns sicher; darauf können wir uns verlassen; was unklare Schwärmer uns schaffen, ist ein glänzender Palast auf morschen Fundamenten, der, heute vollendet, morgen wo- möglich schon zusammenbricht. Wahre Wissenschaft log noch keinem.— Und wieso sollen nicht Berstandsmenschen, sondern begeisterte Phantasten die großen Thaten geleistet haben?— Man sehe sich doch die französische Revolution an! Die begeisterten, ihres Ziels unklaren Phantasten, die in den letzten Phasen der großen Bewegung hervor- traten, was erreichten sie? Ihre Schöpfungen vergingen mit den Schöpsern! Ferner wirft der Verfasser die Frage auf, was denn für Arbeit dem Marxisten, d. h. dem rechten Sozialisten, bleibt. Er selbst antwortet: Aufklärung und Organisation der Massen. Sehr wahr! Das ist sicherlich das einzige Ziel, das die Sozialdemokratie verfolgen kann. Die Revolution vollziehen unsere Gegner. Wenn die kapita- listische Gesellschaft in sich zusammenstürzt, so muß das Proletariat bereit sein, ihre Erbschaft anzutreten. Dazu gehört, daß dasselbe geistig auf einer Höhe steht, um jene allgemeine Revolution, Morderei, Sauferei und Rauferei unmöglich zu machen, von der unsere Gegner stets faseln; um im Gegentheil in aller Ruhe, mit kaltem Zielbcwußtsein und eifriger Arbeit über den Trümmern die neue Ordnung errichten zu können. Das ist unser Streben für die Zukunft; darum Aufklärung der Massen! — Zweitens sind es äußerst herbe Zeiten für das Pro- letariat, die dieser Uebergang aus einer Aera in die andere hereinführt. Schon jetzt empfinden wir sie mit Grausen. Dieses Elend möglichst zu mildern und zu kürzen, ist ferner das Ziel; darum Organisation gegen- über dem Kapital. Und endlich wird uns vielleicht noch die Aufgabe, das Kapital, wenn es in den letzten Krämpfen liegt, aus der Welt zu schaffen, wie man dem schwind- süchtigen Sterbenden das Kiffen unter dem Kopfe weg- zieht, um ihm den Todeskampf zu kürzen. Ob das nöthig, wird ja die Zeit lehren.— Was der Herr Ver- fasser sonst noch für Anforderungen an die Sozial- demokratie stellt, ist mir und wahrscheinlich noch manchem unklar. Zu diesen letzteren, wie es scheint, ganz besonderen Aufgaben sollen nun Kämpfer nöthig sein, die durch be- sonders große, ideale Gedanken begeistert sind. Also klare, wissenschaftliche Erkenntniß reicht hier nicht aus, falsche Ideale treten an deren Stelle!— Zunächst leugne ich ja jene Aufgaben. Aber sicherlich ist bei den heutigen Verhältnissen schon die Arbeit, die uns ohne jene noch bleibt, so mühselig, der Weg, den unsere Vorkämpfer gehen, so dornenreich, daß allerdings eine etwas erhabe- nere Aussicht auf die Zukunft dazu gehört, sich hier begeistern zu lassen, als der pessimistische Ausblick, den uns P. E. eröffnet. Müßten wir also wirklich zum Schwindel greifen, um diese Kräfte der Partei zu erhalten, und neue zu gewinnen?— Wird die Zukunft wirklich nie„die Garantien der Harmonie und Freiheit bieten?" Und— selbst zugegeben, daß wir diese Bollendung nicht sogleich, selbst angenommen, daß wir sie ganz und völlig nie erreichen— haben wir nicht die Gewißheit, daß wir diesem Marx'schen„Ideale" einen gewaltigen Schritt näher kommen? Wir wissen, die Menschheit erringt sich in unserer und den nächstfolgenden Zeiten ein Dasein, herrlich und erhaben, wie es in der Geschichte derselben nicht seinesgleichen hat. Marx selbst behauptet das am Schluß seines„Kapital". Was er hier sagt, was Bebel in seiner„Frau" ausführt, das sind keine utopistischen Albernheiten, das ist greifbare Wahrheit. Wir sind nicht in vollkommener Unkenntniß über die positive Gestaltung der Zukunft, im Großen und Ganzen können wir ihre Umrisse schon ziemlich genau zeichnen. Hat man es doch schon versucht(im„Rückblick aus dem Jahre 2000"), die Periode der kommunistischen Produktion auf's Ge- naueste darzustellen— und sicherlich sind viele Linien dort durchaus richtig gezogen, wenn auch so manches verfehlt ist, eben weil wir nicht bis auf's Genaueste und Einzelnste die Entwicklung voraussehen können. Das ist aber auch unnöthig. In großen Zügen steht sie vor uns. Wenn wir uns jeder träumerischen Ausmalung enthalten, so sehen wir doch schon, daß wir ohne Zweifel Großes und Würdiges erreichen müssen. Das ist besser als aller Jdealdunst und alles phantastische Wolken- wandeln. Wir haben Ideale, wenn auch nicht in dem gewöhn- liehen Sinne des Wortes— nein greifbare und erreich- bare Ideale. Warum sollen wir denn sinnlose Schwär- mereien bei uns großnähren? Das kann uns nie und nimmer weiter helfen, denn die Phantasie ist eine un- getreue Dienerin. Verstoßt nicht die Wissenschaft, haltet nicht die große Masse ihrer für unreif! Lebt in ihrem Dienste, so habt Ihr Arbeit vollauf und braucht nicht „aus eigene Hand Quacksalberei zu treiben." Gemüth- volles Schwärmen nach Unerreichbarem kann uns nur hemmen; was es etwa uns bietet, ist ein Danaergeschenk; nur strenges Wissen leitet uns zum Siege! Der in Nr. 32 der„Berl. Bolks-Trib." unter dem Titel„Gefahren des Marxismus" enthaltene P. E.-Artikel veranlaßt mich, auch meine Anschauung über dieses Thema zu äußern. Daß die materialistische Geschichtsauffassung, wenn nicht„falsch aufgefaßt", niemals die bezeichneten schweren Gefahren hervorrufen kann, hat P. E. selbst aufs bestimmteste erklärt, und daß die ganze organisatorische Thätigkeit unseres genialen Marx, welche in dem auf der ganzen zivilisirten Welt widerhallenden Ruf:„Arbeiter aller Länder vereinigt euch" ihr Motto findet, uns über unser Verhalten keinen Augenblick im Zweifel lassen kann, möchte ich hier noch hinzufügen. Es bliebe nach P.E. nur noch die Frage: 1. Uebt die materialistische Geschichtsauffassung wirklich den angegebenen hemmenden und lähmenden Einfluß auf unsere Kampfesfrendigkeit und auf das Feuer unserer Begeisterung aus? 2. Ist es nur die Illusion, was uns zur Begeisterung fortzureißen und zu großen Thaten zu entflammen vermag?— Wenn die materialistische Geschichtsauffassung mit ihrer, auf die kapitalistische Produktionsweise angewandten Logik auf das Klarste zeigt, daß auf die kapitalistische die sozia- listische Wirthschaft mit eherner Nothwendigkeit folgen muß, so setzt sie dabei Menschen voraus, welche diesen Entwicklungs- Prozeß vollständig begriffen haben, denselben mit that- kräftiger Hand fördern und unterstützen. Würden jedoch die Arbeiter, denen in erster Linie diese Aufgabe zufällt, unthätig, gleichgiltig, sich auf das„eherne Naturgesetz" verlassend, die Hände in den Schooß legen und alles ruhig seinen Gang gehen lassen, so würden sie schließlich von dem immer höher und höher sich aufthiirmenden Elend erdrückt, sie fielen in den Zustand des asiatischen Kulithums hinunter. Die geschichtliche Entwicklung würde sodann zu ganz anderen Resultaten, als zur sozialistischen Ge- sellschaft führen. Und eben die Erkenntniß dieser That- fachen ist es, welche uns stets zu ununterbrochener Thätigkeit anfeuert, unsere Ausdauer stählt und zur Begeisterung entflammt. Daß wir uns oft in die sonder- bare«Lage versetzt sehen, gegen die„revolutionären" Handlungen unserer Gegner zu Protestiren, geschieht ein- fach deshalb, weil wir die Konzentration des Kapitals, die wir ja so schnell als möglich wünschen, in Bahnen gelenkt haben wollen, unter denen wir so wenig wie möglich zu leiden haben; also nicht etwa Schutzzölle an- erkennen, die uns physisch schwächen, unsere Feinde aber stärken. Hieran wäre auch die, übrigens nicht spezifisch- anarchistische, sondern ursprünglich bürgerlich- liberale Phrase von dem gegendruckerzeugenden Druck zu messen. Dies alles zeigt uns klar und deutlich: Unser Eingreifen in die ökonomische Entwickelung ist unumgänglich nottz- wendig. Wir brauchen als treibende Kraft keine Jllu- ston, wo uns die nackten Thatsachen stets zur Thätigkeit anfeuern. Was nun die„Illusion" als solche anbetrifft, so muß ich ihr die zugeschriebene Eigenschaft, irgendwen zum Handeln zu treiben, ihm Kraft zu verleihen, voll- ständig absprechen, weil es nach meiner Ansicht eine ge- gebene, eine bewußte Illusion überhaupt nicht giebt. Das von den sozialistischen Utopisten ausgedachte Gesell- schaftsideal erschien ihnen keineswegs als Illusion, sondern als unumstößliche Wahrheit, die nur allgemein erkannt zu werden braucht, um zur Durchführung zu kommen. Das Streben, dieses Ideal zu verwirklichen und die un- erschütterliche Zuversicht, mit der sie an die Verwirk- lichnng desselben glaubten, das waren die Triebfedern ihrer Handlungen. Daß dieses alles Illusion war, konnte sich erst dann herausstellen, als durch die Ent- deckung der materialistischen Geschichtsauffassung die Er- kenntniß Platz griff, datz nur die ökonomische Entwicke- lung die reale Basis bildet, auf der allein wir im Stande sind, eine nothwendige, eine mögliche und durch- sührbare Wirthschaftsform zu finden und aufzubauen; daß daher rein aus dem Kopf konstruirte Gesellschafts- ideale niemals ihre Realisirung finden können, also Illusionen sind. Wir sehen somit hier zwischen dem Phantasten oder Utopisten und Marxisten einfach den Unterschied, daß für jenen der Glaube das treibende Motiv bildet, für diesen aber das Wissen und Erkennen. Ob nun Letzteres in seiner Eigenschaft, zur Thätigkeit anzufeuern, hinter Ersterem zurücksteht, das zeigt uns ein Blick auf die moderne Arbeiterbewegung. Aus meinem„Dauernspiegel". Von Dr. Willibald Nagl(Graz). Unter diesem Titel erschienen in den österreichisch en, von Pernersstorfer herausgegebenen„Deutschen Worten" eine Reihe äußerst interessanter Aufsätze, denen man nur die weiteste Verbreitung wünschen kann. Was uns hier geboten wird, ist eine wirkliche Sittenschilderung. Die Psychologie, die seelischen Aeußerungen einer bestimmten Klasse lassen sich von der Statistik, die nur äußerlich sichtbare Erscheinungen zu zählen vermag, nicht faffen. Und doch ist für die soziale Erkenntniß gerade das Un- zählbare, der Statistik Unfaßliche von der'größten Wichtigkeit. Die überlieferten Anschauungen, was man für schicklich, nützlich und moralisch hält, die Art zu urtheilen und sich im Verkehre, anderen Menschen gegen- über, zu verhalten, machen den Charakter einer Gesell- schaftsschicht aus und spiegeln sich in ihren öffentlichen, ihren sozial-politischen Bestrebungen wieder. Eine Schilderung, die es sich zur Aufgabe macht, nicht nur die ökonomischen Daseinsbedingungen einer Klasse, sondern auch den darauf gegründeten Ueberbau von Gedanken, Empfindungen und Lebensgewohnheiten darzustellen, ist bisher nur selten unternommen. Das Beste in dieser Beziehung hat man bisher in der Form des Romans, ich denke hier vor allen an Zola's Germinal, erreicht. Zola beschäftigt sich da mit ganz bestimmten, ökonomisch abgegrenzten Bevölkernngsschichten und sucht die charak- teristischen Züge derselben in poetischer Form heraus zu arbeiten. Er zeigt uns die typischen Konflickte, in welche die Menschen durch ihre ökonomische Lage hineingestoßen werden, und vertheilt die Züge, welche er an der Berg- arbeiterschaft wahrgenommen, aus eine Reihe einzelner Personen. Ein Bild von dem Gesammtcharakter dieser Klasse erhält man. wenn man die von Zola geschilderten Denk- und Handlungsweisen der Einzelnen zusammen- faßt. Jede Person stellt eine besondere Art der öko- nomischen Gattung:„nordfranzösischer Bergarbeiter" dar; die Personen sollen also einander zu einem vollständigen Bilde dieser Gattung ergänzen. Dies ist zum mindesten das Streben Zolas gewesen, ein Streben, welches auch in seinen übrigen Romanen immer deutlich erkennbar hervortritt. Der Dichter schildert die Sitten, indem er Gedanken, Worte und Handlungen einzelner Menschen, die ihm als Vertreter einer Klasse erscheinen, wiedergiebt. Er sagt nicht, die und die Eigenschaften, die und die An- schauungen sind unter den Leuten verbreitet. Das ist ist ein Schluß, den der Leser selbst zu ziehen hat. Der Dichter erzählt nur die unmittelbaren Aeußerungen, die wirklichen Vorgänge des Lebens, aus denen wir uns dann, vermöge unseres Verstandes, ein Urtheil über Eigen- schaften, Gewohnheiten und Charakter des Menschen, sowie der durch ihn vertretenen Klasse bilden mögen. Anders verfährt der soziale Schilderer, der auf eine poetische Gestaltung des von ihm gesammelten Beobachtungs- Materials verzichtet. Er ordnet seine Beobachtungen»ach Begriffen; er sucht nach den allgemeinen Eigenschaften und zählt diese, sie durch eine Reihe einzelner Beob- achtungen erläuternd und belegend, nach einander auf. Er erzählt nicht Handlungen, in poetischer, er beschreibt Gewohnheiten in wissenschaftlicher Form. Die Auszüge. * daß die wir aus dem ganz vortrefflichen„ Bauernspiegel"| Liberale- meist unsere Fabriksbesitzer auf dem Lande will er alles besser wissen, alles Krumme grad machen hier abdrucken, zeigen eine meisterliche Handhabung dieser sammt ihrem größtentheils ausländischen Kanzleipersonale) und sich nimmer plagen. Da paßt schon ein Untäuglicher Methode, die hoffentlich in immer weiterem Umfange zur befinden sich nur darum viel wohler, wissen mehr durch-( nicht Afsentirter) besser für unsern Stand, wenn er nur Anwendung kommen wird. Niemals vielleicht ist das zusetzen, gedeihen besser, als die„ christlichen" Landleute, ausdauernd ist und recht arbeiten mag. Auf's GeInteresse an dem wirklichen Leben der Masse, an den weil sie ihren Lohn schon auf Erden empfangen, die wand soll ein Bauersmensch gar nichts halten, Gesezen, durch die es beherrscht wird, so lebhaft wie heute ewige Seligkeit aber darangegeben haben; nur durch ein man just nicht zerrissen daher geht, so viel läßt sich schon gewesen. Die Sittenschilderung der verschiedenen Gesell- Gnadenwunder können sie dem ewigen Verderben ent machen, und übrigens, bei der Arbeit ist was Zerrissenes schaftsschichten ist darum eine eminent moderne Aufgabe. gehen. Im christlichen( d. i. römischkatholischen) auch gut. Was haben da diese Herrischen für ein Vor allem wird es darauf ankommen, den Einfluß öko- Glauben muß man vor allem sich selbst be- Trachten und Maulwegen beim Schuster, daß er ihnen nomischer Faktoren auf Sitten- und Seelenleben der zähmen, man muß gegen sich selber strenge sein. ja die Stiefel ganz passend mache, wir wollen wieder einzelnen Gesellschafts- Schichten und damit eine wesent- 2. So darf man nicht seinem Fürwiß freien alles kommod haben, lieber einen Finger oder zwei zu liche Seite der materialistischen Geschichtsauffaffing" Lauf lassen, man braucht nicht gescheidter zu sein und groß, als zu fnapp. Ein solcher" herrischer" Brauch ist zu prüfen. Wir lassen jetzt den Verfasser reden. sein zu wollen, als andere: namentlich sind die vielen auch das Baden. Für einen großen Menschen schickt weltlichen Artikel außer was man gerade zur sich ja das nicht mehr, daß er nackend im Wasser herumDer Bauernstand ist die Wurzel einer Natiou. Aus Wirthschaft braucht lauter Spielerei und zu wissen springt, müßt sich einer ja doch in die Haut hinein ihm ergänzt sich die Bevölkerung der Städte, und es ist unnöthig; es ist ohnehin ein hinausgeworfenes Geld, schämen. Bei den„ Gesindeln" so bis 12 oder 14 Jahren daher von großer Tragweite für die Kenntniß der Kultur das für so viele Schullehrer aufgeht, die nichts arbeiten. kann man das noch hingehen lassen; die müssen ja alleeines Landes, und somit auch von großem Werth für Man soll darum gar kein Kind studiren lassen,-aus- weil ein Bischen was Kurioses haben, sind übrigens die Bildner des Volkes, in das oft schwer zu ergrün- genommen auf einen Geistlichen, denn das himmlische auch schon genug ersoffen dabei, wie man hört. Was dende Denken und Fühlen des Bauernvolfes einzudringen, geht noch über das tägliche Brot. die andern Geschichten sind, die jetzt auf einmal aufnicht nur weil es numerisch die Zahl der sonstigen Lan- 3. Den Willen und das Begehren muß man kommen, Turnen, Springen und was es da alles desbewohner übertrifft, sondern auch, weil der von den einschränken: sonst kann der Mensch nicht zufrieden sein. giebt so soll man nicht einmal die Gesindel dazu Dörfern in die Städte nachströmende Zuwachs auch hier Die Zufriedenheit geht über Alles. Was nüßt es mir, lassen, ist lauter Leichtsinn, wie bald bricht sich einer oft dem Leben eine gewisse Färbung verleiht. wenn ich so und so viele Mezen Weizen mehr erbaue, was dabei. Sollen zu Haus turnen beim Mistauffassen In meinem als Manuskript fertig vorliegenden wenn ich aber fortwährend dabei zu sorgen und zu oder Schrollenzerschlagen. Ueberhaupt sind wir christliche Bauernspiegel bemühte ich mich, die katholische Land- denken habe und nicht zufrieden sein kann? Der Mensch Landleut keine solche Narren mit unserem Körper; wenn bevölkerung Niederösterreichs, besonders im südöstlichsten soll überhaupt nicht so viel nach dem Irdischen streben, wir nur genug zu essen haben, braucht nicht lauter GeTheile dieses Landes, ihrem Kulturleben nach fritisch zu sonst vergißt er noch ganz das Jenseits. Es ist besser, schmalzenes zu sein, nicht lauter Sterz und Nudel, oder beleuchten. Manches Bittere, manches Verblüffende, mehr in die Kirche zu trachten, als sich in die Sorge gar Fleisch, das Fleisch entbehren wir leicht die ganze manches Unglaubliche wird in den folgenden Bruchstücken ums Irdische vertiefen. Der Bauer darf ja nichts Wochen. Unsere Weiberleut haben bald was fertig: Nur meines Werkes zu lesen sein; aber für die Wahrheit Besseres verlangen, als er hat: das wäre Uebermuth, eine ordentliche„ Rein" voll( ein Kochbecken) muß es bürge ich, da ich nur Selbsterfahrenes, meist sogar Selbst denn es gebührt ihm das Hohe und Schöne nicht. Wenn sein, mit einer solchen Spazzenmenage, mit solchen Hasengefühltes verzeichnet habe. Ich beginne zunächst damit, er nur arbeitet und sich plagen mag, das ist dr... knöderln, wie's die Herrischen kochen, könnt' das Ideal des richtigen und rechten Mannes, wie es genug; aber plagen muß er sich, und wer sich unser einer nicht arbeiten. Und den Körper hat man den Bauern vorschwebt und- glücklicher Weise nicht nicht plagen mag auf der Bäuerei, der ist ein ja im Grund nur zum Plagen und daß man sich einmal in allen Punkten erreicht wird, darzustellen, bezw. selbst Taugenichts. Das ist der rechte Willen: nicht ab- das Himmelreich damit verdienen fann. reden zu lassen. Wir unterscheiden vorderhand noch lassen im Plagen. Aber auch zum Sparen muß man 6. Der Gehorsam ist Christenpflicht. Freilich hat nicht, was davon löblich, was verwerflich ist. sich entschließen können, und ja jeden Kreuzer um und der Bauer nicht viel Gelegenheit, einen Gehorsam zu ansehen, bevor man ihn ausgiebt, Auf Unnöthiges zeigen: in die Wirthschaftssachen redet uns niemand 1. Der Mensch muß eine Manier haben und darf man gar nichts hinauslegen. Ich komme schon drein, versteht's auch niemand besser, als wir selber; den christkatholischen Glauben. Die Manier be noch darauf zu reden, was alles unnöthig" ist. Das und sonst hat ja der Bauer nichts zn thun und an nichts steht darin, daß man sich anderen gegenüber in allem andere geht uns alles nichts an, haben sich die alten zu denken auf der Welt. Das Steuerzahlen ist halt, einschränkt, allen anderen den Vorrang läßt, bescheiden Bauern auch um nichts weiter bekümmert. und wenn ein Bub zum Militär muß: was wollt' man und gehorsam ist; daß man Niemanden beleidigt und 4. Die Herrischen"( d. i. die Stadtleute) sind oft da auch machen, man muß wohl gehorsam sein, sonst mit Jedermann gut auskommt; auch muß man sich zu gar so kindisch; es gefällt ihnen das Grüne in Busch kommen die Gendarmen. Aber mit der Steuer wird's benehmen wissen, wenn man irgendwohin kommt: man und Wald; mit ihren Kindern zeigen sie eine närrische uns wohl beinah' schon zu dick: sitzen eine Masse Herren muß überall sagen, ich bitt'," und ich dank', meine Freude und lassen dieselben bei der Spielerei aufwachsen, beisammen in Wien, lassen den Kaiser nimmer regieren Herren"; man muß den Hut abnehmen, wenn man ohne ihnen einen Ernst zu zeigen; über etwas Schmutz und bringen immer neue Steuern auf. Man hört auch irgendwo eintritt, nicht selben aufbehalten, wie zu Hause; oder Häßlichkeit entsetzen sie sich gleich und wollen das nichts, wozu sie's brauchen( weil man zu faul ist, sich man soll nicht laut lachen, nicht disputiren, sondern wo- Garstige", wie sie sagen, sofort bei Seite schaffen, kurz, Einsicht zu verschaffen). Die Kinder können ihnen auch möglich zu allem ja sagen; man muß wissen, daß die sie sind so empfindsam und kindisch, daß man es nicht nicht lang genug in die Schule gehen. Dem Kaiser sind Herren viel mehr sind, als ein Bauer, vor allem aber anhören und ansehen kann. Da ist ein ordentlicher wir gern gehorsam, aber dem herrischen Volt in Wien die Geistlichen: der Soldat und der Beamte sind Diener Bauersmann viel gesezter: uns ist das alles eins, ob sind wir's nicht schuldig. Wenn nicht der christliche wir Bauern hätten ohne die andern des Kaisers, aber der Geistliche ist der Stellvertreter was lieb ist oder häßlich, schön oder wild( d. i. garstig), Gehorsam wär', Gottes. Was er sagt, das ist wahr, denn er allein wenn man's nur zu etwas brauchen kann; bei uns haben auch zu leben, wir stünden auf gar Niemand an. will das wirklich Gute für das Volf: wenn ein anderer in dieser Hinsicht die Gesindel( d. i. Kinder) schon mehr Da kann man halt immer noch zu den Geistlichen Herr etwas anderes sagt, so will er die Menschen irre Ernst, als in Märkten und Städten die großen Leute, ein besseres Zutrauen haben. Müßt ein schlechter Mensch führen und wird von Gott für diesen Frevel gestraft weil sie auch von uns mehr zur Arbeit als zum Faullen- sein, der ihnen nicht folgt. Sie geben ja ohnehin selten werden, wenn schon nicht in dieser, so doch gewiß in zen und Spielen angehalten werden. Die Buben und was heraus. Zur Kirche geht man so wie so alle Sonnder andern Welt( wo man nichts mehr davon hört). Dirnen in den Zwanziger Jahren wären freilich gut und Feiertage, das ist man schon gewohnt; nur hin und Freilich sind die Geistlichen heutzutage auch schon viel aufgelegt bei einander, aber das darf man nicht angehen wieder ein Bittgang wird noch extra veranstaltet, da leichtlehriger geworden, und man soll zur Sicherung lassen, da kommt nichts Braves heraus. Wer nach dem geht immer von jedem Haus wenigstens eine Person mit; seiner Seligkeit wo möglich mehr fasten und beten, auch gehen möchte, was ihm gefällt, der könnt' bald ein oder wenn ein Ablaß ausgeschrieben wird, da schaut man mehr auf das Alte( d. i. Aberglauben, Gespenster- Lapp, ein Lump, ein nichtsnußiger Mensch werden; die schon auch dazu, daß man ihn nicht versäumt. Und furcht u. s. w.) halten, als einem die Geistlichen heute größte Sünde, die es giebt,- die Uebertretung beim Beichtengehen ist's ja ebenfalls leicht abzukommen auferlegen, sonst wird noch der ganze Glauben schlecht. des 6. Gebotes hat im Gefallen ihren Grund. mit ihnen: sie lassen einen faum recht ausreden, so wird Der christkatholische Glaube besteht hauptsächlich Ueberhaupt ist der Bauerumensch dem Gefühl nicht so man schon absolvirt, und werden einem höchstens 5 Vaterdarin, daß er mehr auf das Strenge hält, als z. B. untergeben, wie das leichtsinnige Stadtvolk. unser Buß aufgetragen; wer mehr friegt, ist eh' gewiß die evangelische Religion; alle„ Lutherischen" sind einzig 5. Was das Körperliche anbelangt, so sind wir ein Roßdieb. Im Fasten wird's jetzt schon so leicht, deshalb vom christlichen Glauben abgefallen, weil ihnen soweit gesund,- mehr brauchen wir nicht. Mit daß man schon lieber beim Alten bleibt, die Geistlichen derselbe zu schwer war, und so haben sie sich denn einen schönen Leuten heißt es ohnehin nichts. Kommt ihre nehmen's etwan doch gar zu leicht. leichteren zusammengestellt. Die„ Lutherischen"( als da Zeit, so werden sie ins Militär gesteckt, dort schlagen sie sind: Calviner, Reformirte, Evangelische, Freimaurer, ganz aus der Art; kehrt dann so ein Urlauber heim, so 1. Der ordentliche Mensch. " Zein möbl. 2 fenstr. Vorderzimmer sofort billig zu vermiethen Brüderstr. 32 II. Fein Empfehle meinen werthen Freunden und Genossen sowie den Lesern dieses Blattes mein Cigarren- Geschäft. Carl Lehmann, Brunnenstr. 83, dicht am Humboldthain. Bur Erinnerung an den 25- jährigen Todestag Lassalle's. In meinem Verlage erschien soeben: Portrait Ferdinand Lassalle's Größe: 28X21 Ctm. In Oelfarbendruck Preis nur 30 Pfg. Wiederverkäufer hoher Rabatt. Probebild franko gegen Einsendung v. 40 Pf. in Briefmarken. 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