Er 91 d ie e r 3 h ge er = Berliner Volks- Tribüne. " Sozial- Politisches Wochenblatt. T. r , Die Berliner Dolks Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnementspreis für Berlin monatlich 50 Pf. pränumerando( frei in's Haus). Einzelne Nummer 15 Pf. t r g e 3, де 14, 50 it r 1. 3. δ m t. Redaktion und Expedition: SO.( 26), Elisabeth- Ufer 55. Ausgabe für Spediteure: Durch jede Post- Anstalt Deutschlands zu beziehen.( Preis viertelj. 1 mk. 50 pf.) ,, Volksblatt", Beuthstr. 3. № 37. Achtung! " Inserate werden die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 20 pf. berechnet. Vereins- Anzeigen: 15 Pf. Arbeitsmarkt: 10 Pf. Inseraten- Annahme in der Expedition: Elisabeth- Ufer 55. Die ,, Berl. Volks- Tribüne" ist unter Nr. 893 der Zeitungs- Preisliste eingetragen Sonnabend, den 13. September 1890. IV. Jahrgang. wie ,, Durch eine Steuerreform, die den Armen nicht nur in der Gesezes motivirung, sondern auch in der That entlastet, durch die staatliche Jnangriffnahme der Woh= nungsfrage, durch eine, die systematische Bekämpfung der sozialen Uebelstände ermöglichende Ergänzung der Reichsverwaltung, durch die Förderung einer zeitge= mäßen Organisation aller Erwerbszweige und ähnliche dem Schuße der Arbeit dienende Bestrebungen müssen zunächst die sozialen Bedingungen für die innere Kräftigung und sittliche Hebung unseres Staatswesens geschaffen werden. Regierung und Arbeiter. Bur Entwicke- wärtige Gesellschaftsordnung ebensowenig wie eine der aus, der das soziale Programm der Regierung lungsgeschichte des Kapitalismus in Deutsch- früheren ewige Dauer haben kann, räumt er voller es der Autor wünscht stizzirt: sehr bezeichnend für land. Die Pravis des preußischen Vereins- Gefälligkeit ein, nur schreibt er die Taktik der modernen Nationalökonomie die ErAmerikanische Schutzollpläne. rechtes I. Der Arbeiterschutz vor dem Kongreß der kenntniß des ökonomischen Werdeprozesses nicht Mary, französischen Gesellschaft für den Fortschritt sondern der sogenannten„ historischen" Schule zu. Was der Wissenschaften. Kongreß der englischen die Herren von Marx übernehmen müssen, weil die Gewerkschaften. Thatsachen allzulaut dafür sprechen, das behaupten sie, Gedicht. Novelle. Aus meinem Bauern- schon immer selbst gedacht zu haben. Dadurch, daß sie das Geburtsattest der Gedanken ein wenig fälschen, meinen Spiegel. Das platte Land und die Sozial- sie vielleicht dieselben von allem revolutionären Gifte zu demokratie III. Die Entwickelung des desinfiziren. Und in der That Ideen mit der Etiquette Es begreift sich danach, daß die Regierung die französischen Naturalismus. Eine Steuer„ vom deutschen Professorenthum erzeugt und approbirt" Broschüre nicht subventioniren konnte. erwecken ein bei weitem größeres Vertrauen, kein Mensch reform, die den Armen nicht nur in der Gesezesmotidenkt sich dabei mehr etwas schlimmes. virung, sondern in der That entlastet! Das hieße ja: " Einst wird kommen der Tag, wo die mächtige Aufhebung der Schutzölle auf die nothwendigen Nahrungsmittel. Nur so kann der Arbeiter entlastet werden. Diejenigen Genossen, welche auf Grund lios dahinsinft." welche auf Grund Ilios dahinſinkt." Auch Herr Brentano muß an den alten homerischen Vers denken, wenn er den stolzen Bau Aber Beseitigung des bestehenden Zollsystems, das bedes Sozialisten- Gesetzes aus Berlin aus der tapitalistischen Wirthschaft betrachtet. Doch meint deutet andererseits wieder Fronde der agrarischen Junker. Bismarck freilich ist gefallen, und die Presse der gewiesen wurden und gewillt sind, zum wärtig müsse man vor allem trachten, politisch- soziale er wohlgemuth, das habe noch lange, lange Zeit; gegen herrschenden Parteien hat bei dem Sturze ihres gefeierten 1. Oktober nach Berlin zurückzukehren, Revolutionen, für welche ein gewisser Zündstoff schon Halbgottes nicht aufzumucken gewagt. Schließlich, er resp. vorübergehend zu dieser Zeit Berlin vorhanden sei, zu vermeiden. Wie es sich empfiehlt für war doch auch nur eine Person; blieb das, was er einen Versöhner, der höher steht, als auf der Zinne der vertrat, jein System unangetastet, so konnte man ihn schon auf dem Altare der Regierungsfreundlichkeit opfern. besuchen wollen, werden hierdurch ersucht, Partei", wird als das lebel solcher Revolutionen nicht aber seit es den Herren so vorkommt, als wolle man die Schädigung der„ Besißenden und Gebildeten", sondern ihre Adressen spätestens bis 20. September die Erschütterung der nationalen Machtstellung und die auch an Bismarcks Werk heran, da ist ihnen ihre Gemüthbrieflich mit Angabe, ob sie in Berlin zu Gefährdung der Kultur hingestellt. Wir befinden uns lichkeit vergangen. Denn Bismards Werk scheint ihnen im Reiche des stillen akademischen Idealismus, weitab das Bollwerk ihres Klasseninteresses. Und so frondiren verbleiben, oder nur vorübergehend zurück vom Rasseln der Maschinenräder und dem wilden Toben der Konkurrenz; nur gedämpft flingt der Schrei des zukehren gedenken, umgehend an Unterzeich wirklichen Lebens in den gemüthlichen Kneipsaal hinein. nete einzureichen, da spätere Meldungen nicht Die Gebildeten, d. h. die Leute mit Abiturienten Zengniß, welche aber keine Kapitalisten sind, sondern sich berücksichtigt werden können. Alle bis dato, den Unterhalt( als Beamte, Techniker, Kaufleute u. s. w. Organe diesem Treiben fern. Sie denkt, es wird ja sowie bis zum 20. September eingehende durch den Verkauf ihrer geschulten Arbeitskraft verdienen, nicht so schlimm werden mit der Sozialreform, diese wird stehen in keinem unmittelbaren Interessengegensage ihren Respekt vor dem Unternehmerprofit nach wie vor Meldungen und Anfragen werden wir mit zum Arbeiter. Sie sind daher nach Brentanos Auf- im treuen Herzen bewahren. Aber gesezt den Fall, es näherer Angabe, in betreff des Empfanges faffung, in erster Reihe dazu berufen, zwischen den beiden werde mit dem Arbeiterschuße Ernst gemacht, sich unmittelbar gegenüberstehenden Interessen der Arbeiter wird auch sie- dem Klasseninstinkte gehorchend- mehr u. s. w. bis spätestens den 22. September und Unternehmer zu vermitteln. Sie sollen die Forder- und mehr in das Lager der Köllnerin übergehen. brieflich beantworten. Otto Klein, Cigarrengeschäft, S., Ritterstr. 15. Carl Wildberger, Tapezierer, S., Kommandantenstr. 60. Gottfried Schulz, Cigarrengeschäft, SO., Kottbuserplatz. Otto Thierbach, Tischler, N., Rheinsbergerstr. 29. Die Parteiblätter werden um dieses Aufrufes gebeten. 4 Regierung und Arbeiter. t THAL & t= Abdruck ferenz, der " sie bereits in ihren Organen, vor allem in der„ Köllnischen Beitung". Die kaiserliche Sozialpolitik wird in der Person Hingpeters, des kaiserlichen Berathers, angegriffen und Die Beseitigung des Sozialistengesezes als der Untergang des Vaterlandes bejammert. Vorläufig hält sich die Mehrheit der bürgerlichen dann ungen der Arbeiter, soweit dieselben berechtigt sind, anerAuf wen soll sich die Regierung dann stüßen? kennen und die öffentliche Meinung dafür gewinnen. Auf die Agrarier? Aber dann muß man die SchußDas Endziel ihres Bemühens müsse eine wirksame Arbeiter- zölle, jene famose„ Steuerreform, die den Arbeiter nur schutzgesetzgebung sein. Durch eine solche Vermittlungs- in der Gesezesmotivirung entlastet", beibehalten! Doch arbeit allein könne man die Gefahr einer sozialistisch dagegen wendet sich ja eben der Aufruf. Wirklich revolutionären Arbeiterbewegung für absehbare Zeit be energischer Arbeiterschuß würde Fronde der industriellen, seitigen. Die Entwicklung der englischen Politik gilt wirklich energische Steuerreform Fronde der agrarischen Brentano in dieser Beziehung als nachahmenswerthes Bourgeoisie bedeuten. Beispiel. Das Königthum, welches mit allen Fasern seines Vergleicht man die Ausführungen Brentanos mit Lebens den herrschenden Parteien angehört, wird sich dem Vorgehen der Regierung mit dem kaiserlichen hüten, ihren Interessen scharf entgegenzutreten. In Februarerlaß, der Einberufung der internationalen Kon- der Theorie von Brentano und Genossen mag die unbeantragten Gewerbenovelle und dem beschränkteste Arbeiterfreundlichkeit herrschen, in der Fallenlassen des Sozialistengesetzes so hat man den Praxis wird man da Halt machen, wo ein Weitergehen Eindruck, der Herr Profeſſor gebe in der Rede nicht nur den energischen Bruch mit der Bourgeoisie bedeuten seine eigene Meinung zum Besten, er spreche gleichzeitig würde. Die Novelle zum Gewerbegeseß, welche ihre als Vertreter der von Seiten der Regierung geplanten Paar Schutzbestimmungen nur um den Preis einer verneuen Sozialpolitit, einer Politik, die durch Entgegen- schärften Strafe für Kontraktbruch der Arbeiter hergiebt, kommen die unzufriedenen Arbeiter zurückzugewinnen sucht. ist so recht typisch dafür. Alle Mächte, die über den Bekanntlich sollte auch zu diesem Zwecke am Barteien stehen", die Kirche", Brentanos„ Gebildete" Ein paar Monate ist es her, da erschien der Vortrag. 1. Oktober eine Broschüre, welche die Ziele der kaiser- und das„ soziale Königthum" scheitern mit ihrer Arbeiterwelchen Professor Brentano vor dem Leipziger Vereine lichen Sozialreform darlegt, erscheinen und massenhaft freundlichkeit" und ihren„ Bekehrungs" versuchen an der Deutscher Studenten" gehalten hatte, im Druck. Er unter den deutschen Arbeitern verbreitet werden. Wie Härte der realen Gegensäße. behandelt die Stellung der„ Gebildeten", d. h. derer, dem„ Volksblatt" berichtet wird, ist aber dem Autor die Härte der realen Gegensätze. welche eine Hochschule besucht haben, zur Arbeiterfrage. staatliche Unterstützung, auf die er gerechnet hatte, verSanft und freundlich gleiten die Worte dahin. Der weigert. Ein Aufruf, welcher in den lezten Tagen als Herr Professor predigt Entgegenkommen, Versöhnung. Birkular an die hiesigen Blätter versandt wurde, stellt Entwickelungsgeschichte des Kapitalismus Von den sozialen Aufgaben der Kirche haben wir schon die traurigen Ueberreste jener traurigen Schrift dar. Er in Deutschland. allzuviel gehört, doch fand die Botschaft immer noch ist ein Extrakt jenes Wunderwerkes, das am 1. Oktober feinen rechten Glauben. Brentano versucht es von einer die deutschen Arbeiter befehren sollte und nun aus M. S. In Deutschland ging die Verwandlung der anderen Seite. Er spricht von den sozialen Aufgaben schnödem Geldmangel nicht gedruckt werden kann. Es mittelalterlichen Gesellschaft in die moderne kapitalistische der Gebildeten. An Stelle des Priesters soll der glück ist eine wunderliche Versöhnungsbrühe, welche der Ver- nicht mit derselben durchsichtigen Klarheit von statten wie in liche Besizer eines Abiturientenzeugnisses, womöglich eines fasser des Aufrufs den deutschen Arbeitern auftischen England. Es mengten sich hier der Entwicklung nebenDoktor- und Referendartitels treten. Daß die gegen- möchte. Am merkwürdigsten nimmt sich folgender Passus sächliche, störende Züge bei, welche ihren Gang vielfach Bur " verschleierten. Jedoch ist der Charakter der alten und| mals für die Verarbeitung ganz neuer Rohstoffe, wie sozialen Klassen fühlen sich als eine große zusammender modernen Wirthschaft in beiden Ländern derselbe. z. B. der Baumwolle, hier fielen also die Beschränkun- gehörige Körperschaft. Damit erweitern sich die InterDaher hat sich auch der Uebergang von der einen zur gen in der Zahl der Arbeiter von selbst hinweg und essen des einzelnen Arbeiters, der Gesichtskreis desselben andern auf gleichen Bahnen vollzogen. Das Kapital fonnte den Betrieb nach Belieben organi- dehnt sich aus. Außerdem führt das entwickelte Verkehrswesen " Für England besitzen wir schon seit mehr als siren"; ferner machte es sich durch die ländliche Haus- dem Arbeiter zahlreiche neue Verhältnisse vor Augen. Seine zwei Jahrzehnten eine für immer mustergiltige Darstellung industrie Massen von Arbeitskräften unterthänig, die Anschauungswelt wird dadurch bedeutend bereichert. der Entstehung und Entwicklung der kapitalistischen Pro- es in einer großen Werkstätte in der Stadt nicht hätte Jetzt wachsen die Generationen nicht mehr unter dem duktion: der Enteignung des englischen Landvolks von vereinigen können. Ferner aber erlag die Zunftverfassung Schatten des bekannten Kirchthurus heran, jezt schließen Grund und Boden zu Gunsten des Großbesizes, der selbst mehr und mehr den Bedürfnissen der neuen Zeit nicht mehr die engen Stadtmauern die gesammte übrige Verdrängung der zünftigen Kleinproduktion durch die und die absolute Staatsgewalt that alles Mögliche, um Welt vor den Augen des Menschen ab. Eisenbahnen emporwachsende, staatlich subventionirte Manufaktur mit dem sich reckenden und streckenden Kapitalismus die Wege und Telegraphen haben jetzt fast die halbe Welt in den ihrer weitgehenden Theilung der Arbeit und des schließ zu ebnen: sie gestattete, die erforderliche" Zahl von Ge- Gesichtskreis des Bürgers hineingezogen. Diese ist ihm lichen Sieges der Großindustrie mit ihren Fabriken und sellen zu halten, Weiber zu beschäftigen, sie verlängerte gleichsam auf Armeslänge nahe gerückt. Man recke nur Maschinen. Wir brauchen kaum erst zu erwähnen, daß die Arbeitszeit und verbot die Arbeiterfoalitionen, sie den Arm nach der naheliegenden Zeitung aus, so liegen wir hier an das unsterbliche Werk von Karl Marx bekämpfte die Arbeiter, während sie die neuen Manufaktur- einem die neuesten Geschehnisse fast aus der ganzen zivilifirten Welt vor Augen. Selbst in ganz ländliche Distrikte denken: die deutschen Arbeiter fennen es, viele durch betriebe mit Geld subventionirte. eigenes Studium, andere durch die zum Theil vortreff So haben wir am Ende des 18. Jahrhunderts in trägt jezt der Telegraph und die Post die neuesten Nach( Folgt eine statistische Zusammenlichen Bearbeitungen, welche die Marrischen Gedanken Stadt und Land in Deutschland vollständig andere richten hinein. und Auffassungen mehr und mehr zu einem Gemeingut Wirthschaftsverhältnisse wie etwa zur Reformationszeit, stellung über die Verbreitung der Zeitungen, die LebFerner aller aufgeflärten Proletarier machen. und Kampffmeyer schildert dann in einem besonderen haftigkeit des heutigen Verkehrs u. s. w.) Für Deutschland fehlt uns ein ähnliches Werk Kapitel die gesellschaftlichen Klassen am Ausgang des wird die falsche, weinerliche Ueberempfindsamkeit der guten noch vollständig; so fleißig hier auch neuerdings auf dem vorigen Jahrhunderts", den herrschenden Adel, den phi Kleinbürger von dem heutigen hartkantigen Leben zerGebiete der Wirthschaftsgeschichte gearbeitet wird, so ver- listerhaften, pfennigfuchsenden Kleinbürger und die noch rieben. In unablässiger Auseinandersolge sieht der Großlieren sich diese Forschungen doch allzusehr in Detail- erst verschwindend kleine Großbourgeoisie. Die Arbeiter städter heute die Menschen kommen und gehen: fragen; sie lassen auch eine richtige allgemeine Aufschaft als Klasse regte sich kaum. Wir kommen nun zu den Reformen nach der franfassung der geschilderten sozialen Entwicklungserscheinungen meistens vermissen. Trotzdem haben die letzten Jahrzehnte zösischen Revolution, und hier zeigt Kampffmeyer( beauch hier eine Fülle werthvollsten Stoffes angehäuft, und sonders an der Hand von Knapp, Meißen, Schmoller), es war schon lange Zeit, daß sich auch hier ein Bearbeiter was der Bauer alles an Land und Geld an den Großfand, der für die deutschen Proletarier dieses Thatsachen- grundbesizer abtreten mußte, um„ frei" zu werden von Leichen- und Hochzeitswagen vorüber, und während er material in allgemeinverständlicher Weise zusammenfaßte dessen angeblichem Obereigenthumsrecht und von den über sich die letzten Athemzüge eines Sterbenden verund nachwies, wie dieselben Gesetze, die Mary an der rechtmäßigen" Leistungen und Diensten an diesen. Mehr nimmt, hört er unter sich den ersten Schrei eines Neuenglischen Volkswirthschaft nachwies und erläuterte, im konnte der Bauernstand zu Gunsten der Rittergutsherren geborenen. Aus den Wolken sentimentaler Schwärmerei Großen auch die deutsche soziale Entwicklung beherrschen, gar nicht geplündert werden, wie durch diese„ Reguli- fällt der Großstädter gar bald auf das harte, platte wie sie aber im Einzelnen durch die besonderen Verhält- rungen“ und„ Ablösungen“. An Land erhielt der alt- Straßenpflaster nieder. Ja dieses moderne Leben ist sehr an Kapitalien real, aber darum nicht etwa unpoetisch. Diesem realen nisse modifizirt werden, unter denen in Deutschland die preußische Adel 1533 050 Morgen, fapitalistische Produktion auffeimte und ausreifte. 18 544 766 Thaler, an jährlichen Geldrenten 1 599 992 Leben entspringt die Poesie des Realismus und NaturaWie ist in Deutschland der alte unabhängige Thaler, dann erl, ielt er in natura 249 436 Scheffel lismus, eine Poesie voller starker moderner Leidenschaften Bauer verschwunden, der mit eigenem Ackergeräth Roggen und 10 638 Scheffel in Hafer, Weizen und und Kämpfe. Sanfte, klagende Rohrpfeifen kann diese seinen Grund und Boden bearbeitete wie ist er erst Gerste. Dafür wurden 70 582 freie Eigenthümer ge- Poesie allerdings nicht zur Wiedergabe des Lebens in Leibeigener und dann proletarischer ländlicher Lohnarbeiter schaffen und 289 651 Bauern abgelöst. Sie befreiten unserem eisernen Maschinenalter gebrauchen..... geworden wie ist der Großgrundbesitz entstanden, der sich von 5 978 295 Spanndiensttagen und 16 869 824 die leibeigene und freie Arbeitskraft ausbeutete? hierzu? über die alten Kleinmeister? " Handdiensttagen. Diese großen Opfer hatten die Bauern Geburt und Grab, Ein ewiges Meer, Ein wechselnd Weben, Ein glühend Leben. Da ziehen vor seinen Augen in derselben Minute Wie hat sich unter und neben den Zünften aufzubringen, nm nur einen Theil des Landes wieder Die Praxis des preußischen Vereinsrechtes. zu erhalten, das ihnen einstmals vor dem Zeitalter des I. Einleitung. Was ist ein Verein? mit ihren Einschränkungen der Zahl der Arbeiter Bauerlegens erb- eigenthümlich gehört hatte, und um sich Da nach dem Fortfall des Sozialistengesezes das und damit der Größe des Betriebes die Groß von Lasten frei zu machen, die ihnen meist erst unter Vereins- und Versammlungsrecht wieder auf die produktion emporringen können, wie spielte sich dem Einfluß der sich entwickelnden Geldwirthschaft auf Grundlage der bestehenden Vereinsgeseße gestellt wird Der Kampf zwischen alter und neuer Produktionsform gebürdet waren. Und dabei„ befreite" die preußische und die Geseze den Arbeitern und ihren Organiab und welche Stellung nahmen die deutschen Regierungen Agrargesezgebung nur einen Theil der Bauern, erſt fationen gegenüber nach der bekannten Anweisung des 1848-1865 löste sich der größte Theil der kleineren Welche Bedeutung hat die„ Bauernbefreiung" Bauern ab. So ist auf dem Lande der bäuerliche Klein- Herrn Miniſters Herrfurth in der allerſtrengsten Form unseres Jahrhunderts für das Verhältniß von Großbetrieb dezimirt worden, und was von ihm übrig blieb. angewendet, werden sollen, so halten wir es für nothwendig, daß die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen und ihre grundbesiz und bäuerlichem Kleinbetrieb gehabt? Wie zerwaschen und zersetzen soeben die Fluthen der kapitali praktische Anwendung so viel wie möglich zur allgemeinen ist die Maschinen- Großindustrie in Deutschland stischen Großproduktion. Kenntniß gebracht werden. Die etwas gehobene Stimmung heimisch geworden und welches Martyrium verhängte sie Die Schrift schildert uns sodann die industrielle anläßlich des Fortfalls des Sozialistengesetzes und die Entwicklung Deutschlands bis 1848, die dagegen sich Nothwendigkeit, manchen politischen und gewerkschaftlichen aufbäumende Reaktion der untergehenden Handwerker, Organisationen für die Zukunft neue Formen zu geben, die ihrer Todesangst in den schrullenhaftesten Reform haben schon jetzt eine lebhafte Bewegung hervorgerufen, vorschlägen, zuweilen aber auch in kleinen Revolten Luft die nach dem 1. Oktober zu vielen Vereinsbildungen machen. Wir erhalten endlich ein Bild der damaligen führen wird. Damit man hierbei nicht sehr unangenehme unentwickelten Arbeiterbewegung, die von Schlagworten, Erfahrungen macht, ist es nöthig, den Boden, auf dem wie das„ Recht auf Arbeit“ und kleinbürgerlichen und man sich bewegen muß, genau auf seine gefährlichen utopistischen Plänen, wie Landvertheilung, staatliche Lohn Stellen hin zu kennen. Wir wollen zuerst das Preußische praktische regulirung, Genossenschaftsproduktion zehrt. Die Großindustrie macht mit allen diesen Projekten Vereinsrecht behandeln. Sowohl die Ausdehnung gründlich Kehraus; wir erhalten von ihrer Ausbreitung seines Geltungsgebietes als auch die Uebersichtlichkeit und ihrer heutigen Entwicklung ein treffendes Bild, an seiner Vorschriften machen es zum geeigneten Ausgangsdas sich dann zulegt einige Ausführungen über die punkt der Betrachtung. Die abweichenden Rechtsvor Umgestaltung der menschlichen Gefühls- und Denkweise schriften in den anderen deutschen Bundesstaaten sind durch die kapitalistische Wirthschaft" reihen. dann leicht zu überblicken. Welche Umwälzungen aller Lebensverhält nisse, der gesammten Gefühls- und Denkweise der Menschen, welche öffentlichen, politischen Strömungen hat die allmähliche Umwälzung der Produktionsweise hervor gerufen? Diesen Fragen wendet sich, auf Grund eines reichen historischen und statistischen Materials, eine eben er schienene Arbeit von Paul Kampffmeyer zu, und da sie für Arbeiter beſtimmt ist, so wollen wir in diesem Arbeiterblatte eine furze Uebersicht ihres Inhaltes geben, in der Hoffnung, daß diese zu recht fleißiger Lektüre der Schrift selber anregen möchte.*) " 1 " Der mittelalterliche Bauer steckte noch ganz in der Naturalwirthschaft; er verkaufte nicht, was er produzirte, und er faufte nicht ein, was er brauchte;„ er Wir geben zum Schlusse aus diesem Abschnitt eine Als Grundlage des Vereins- und Versammlungsmachte sich noch in allem felbst fertig", wie der alte Stelle wieder um die Schreibweise des Verfassers zu rechtes in Preußen besteht das Gesetz vom 11. Mai 1850. Justus Möser es sehr treffend bezeichnet: er baute sein fennzeichnen: An Alter ist ihm in Deutschland nur das bayrische Getreide und verzehrte es, er zog seinen Flachs und ver" Im Jahre 1840 wohnte in der alten preußischen Vereinsgefez um einige Monate überlegen. Es datirt spann und verwebte ihn, und seine Frau schneiderte ihm Monarchie ca. 1/10 der Bevölkerung in Städten mit über aus einer Zeit der ärgsten politischen Reaktion und entdaraus seinen Leinentittel zurecht. Der adelige Herr be- 10 000 Einwohnern, 1880 dagegen ca. 14. Große hält deshalb schon ursprünglich sehr engherzige Beanspruchet nun allerdings vom Bauern seine Dienste und Massen der Bevölkerung sind demnach in die Groß- und ſtimmungen. Diese Bestimmungen wurden aber durch Naturallieferungen, aber da er die bäuerlichen Produkte Fabrikstädte hineingeworfen worden. Da entwickelt sich die spätere Rechtsprechung erheblich verschärft. nicht in Geld umseßen kann, muß er sie selbst verzehren aber vor ihren Augen ein ganz anderes Leben wie vor- Es soll hier nur von den Vorschriften gesprochen und verbrauchen, sein Magen ist bald gesättigt und damit her: ein Hasten, ein Jagen, ein Kämpfen um die Eriſtenz. werden, die sich auf Vereine beziehen, von den Vorwaren der Ausbeutung des Bauern ziemlich enge Grenzen Nicht schleichen die Tage einförmig und ruhig mehr schriften also, welche die äußere und innere Form einer gesetzt. Erst mit der eindringenden Geldwirthschaft und dahin. Das Leben bewegt sich nicht mehr auf demselben jeden Organisation regeln müssen, während die für„ Verder Produktion für den Markt bekam es für den Grund- gleichen Niveau, es kennt jetzt Höhen und Tiefen. Und sammlungen" im allgemeinen, also auch für die Verherrn einen Sinn, mehr aus den Bauern heranszupressen, als er selber verbrauchen konnte; jedes Mehrprodukt sezte gerade weil es diese kennt, so empfindet der Arbeiter einsversammlungen geltenden Bestimmungen Es geschieht dies, um sich jetzt in mehr Geld um, und der Hunger nach Geld fach unangenehm und schmerzhaft. Dasselbe unveränder- den Stoff zu begrenzen und dadurch übersichtlicher zu jede Verschlechterung seiner Lebenslage doppelt und drei- unserer Betrachtung wegbleiben. ist bekanntlich unersättlich. So begann der Adel, der liche graue Elend wird schließlich gar nicht mehr gefühlt. gestalten. nach Einführung der Feuerwaffen in einen Zustand Jetzt wechseln die„ hungrigen und fetten" Tage und vollkommener Ohnmacht zu versinken drohte, mit Wochen miteinander ab. Die Ueberarbeit folgt der Ar- festgestellt. Die Rechtsprechung hat im Laufe der Zeit der Absicht möglichst großer Geldeinnahmen zu pro- beitslosigkeit, Lebensfreude dem Lebensüberdruß. Die die duziren. Die Zersplitterung seines" Landes in viele abspannende Arbeit, der betäubende Lärm der Maschine kleine Hörigenhöfe erschwerte ihm die Produktion auf macht ferner den Arbeiter nervös, er wird leicht erregbar, großer Stufenleiter: er rundete daher sein Wirthschafts- in Haß und Liebe gleich heftig. Die Gleichgültigkeit, gebiet ab, er vertrieb, er" legte" die Bauern, die nöthigen der Stumpfsinn, die Interesselosigkeit, welche der Land- Dem Begriff der„ Dauer" ist durch ReichsgerichtsArbeitskräfte sicherte ihm die Leibeigenschaft, das Brand- bewohner vielleicht noch mit in die Stadt gebracht hat, Entscheid das sehr dehnbare Beiwort" längere" hinzumarken und Beitschen der Entlaufenen; die Ausbeutung verschwindet gar bald unter dem Einfluß des bewegten gefügt. Es genügt also eine längere Dauer", die der„ Gutsunterthanen" stieg und stieg, die Macht des Stadtlebens. Hier heißt es jetzt:„ Aufgepaßt, nehmt Gure unbestimmte Dauer schlechtweg braucht nicht erwiesen Großbesizes stieg und stieg. fünf Sinne zusammen und fort mit dem Stumpfsinn, zu sein. aus Der Begriff„ Verein" ist im Gesetze selbst nicht Begriffserklärung folgendermaßen aufgefaßt: Ein Verein ist jede dauernde freiwillige Vereinigung mehrerer Personen zu einem gemeinsamen Zwecke unter einer Leitung. In der Stadt war die Zunftverfassung zunächst sonst verschlingt Euch der weitgeöffnete Rachen des Im bestimmten Falle ist sogar eine von einer Versammnoch eine Schranke für das Emporkommen größerer Be- jozialen Elends." Hier gilt es stets, seine Interessen lung eingesetzte Kommission, die die Versammlung selbst triebe. Aber einmal galt die alte Zunftverfassung nie wahren, da aber diese mit denen anderer Berufs- und überdauert, als dauernde Veceinigung" angenommen. Auch auf eine gewählte Kommission findet die *) Die Schrift bildet Heft 5 und 6( Doppelheft) der II. Serie Klaſſengenossen eng verwachsen sind, so kann man diese der„ Berliner Arbeiter bibliothek." 84 Seiten. Preis 25 Pf. nur schüßen, indem man die Interessen jener schützt. Das Bezeichnung freiwillige Vereinigung" Anwendung, Vergl. auch Inserat. Gefühl der Solidarität entwickelt und kräftigt sich. Die weil, wie das Reichsgericht sagt, nicht die Wahl allein, sondern die Annahme derselben, die freiwillig ist, die Mitgliedschaft bedingt. Ueber den Begriff der„Mehrheit" der Personen ist in Preußen keine Meinungsverschiedenheit entstanden. Es kommt aus die größere oder geringere Zahl der Mitglieder nicht an; drei Personen bilden ohne Zweifel schon eine Mehrheit. In bestimmten Fällen sind Kommis- sionen von fünf bis sieben Mitgliedern ohne jeden Wider- spruch, wenn sonst die Bedingungen vorhanden waren, als„Vereine" behandelt worden. Die Gemeinsamkeit des Zweckes'� verlangt nach der bestehenden Praxis der Rechtsprechung aber nicht, daß die Mitglieder, die der Aufforderung zum Beitritt in einen Verein Folge leisten, eingehende Äenntniß be- sitzen von den speziellen Zielen und der Art und Weise, wie. und den Mitteln, mit welchen diese Ziele verfolgt werden sollen. Es kommt nur darauf an, daß eine Organisation zur Verwirklichung eines Vereinszweckes besteht. Der Begriff„Leitung einer Vereinigung" ist nicht ganz bestimmt umschrieben, doch ist es— so viel steht fest— nicht nöthig, daß die„Leitung" durch besondere Förmlichkeit eingesetzt sei. Es genügt die Thatsache, daß eine oder mehrere Personen den Auge- legenheiten der Vereinigung vorstehen. Ja, man ist in vorliegenden Fällen sogar so weit gegangen, eine sozusagen „moralische" Leitung anzunehmen und der Staatsanwalt hat damit bei den Gerichtshöfen Zustimmung gefunden. Anderseits haben freilich die Gerichtshöfe immer den bestimmten Beweis verlangt, daß die von der Anklage- behörde bezeichnete Person wirklich die Leitung der Vereinigung ausgeübt haben. Gelingt der Anklagebehörde dieser Beweis nicht, so hat sie nach dem preußischen Vereinsgesetze keine Person, die strafrechtlich verantwortlich gemacht werden kann, da nicht die Mitglieder eines Vereins für Uebertretuug des Vereinsgesetzes bestraft werden können, sondern nur die Vorsteher, Ordner und Leiter. Von der Staatsanwaltschaft ist zwar wiederholt der Versuch gemacht, den Begriff der„Leitung" umzukehren und ihn so aufzufassen, daß der Verein durch seine Be- schlüsse die Handlungen seiner Mitglieder„leite"; die Gerichte haben sich aber dieser Auffassung nicht ange- schloffen. Wohl schon aus dem Grunde nicht, weil sie sich strafrechtlich nicht verwerthen läßt. Man müßte dann bei jedem Vereinsbeschluß die Mehrheit, die ihm zustimmte, als„Leiter" der Vereinigung ansehe» und verantwortlich machen! Doch soweit sind wir noch nicht. Die Dauer, die Freiwilligkeit, der Zweck der Vereinigung oder der Mehrheit der daran betheiligten Personen und die gemeinsame Leitung genügen, um das Bestehen eines Vereins als nachgewiesen zu betrachten. Alles Andere konunt nicht in Betracht. Es ist z. B. ganz gleichgültig, ob ein Statut vorhanden ist oder nicht, ob der Verein ein Theil eines größeren Vereines ist oder ob er selbständig besteht. So bilden namentlich die Mitglieder eines großen, über mehrere Orte sich erstreckenden Vereines, wenn sie an einem oder mehreren Orten eine besondere Vereins- thätigkeit entwickeln, eben so viele besondere Vereine. Als solche besondere Vereinsthätigkeit wird aber schon die Einsetzung einer örtlichen Gcschäftsleitung, das Ab- halten einer Mitglieder-Versammlung am Vereinsorte, die Vornahme einer Wahl angesehen, selbst dann, wenn der Zentralvorstand die örtlichen Mitglieder zusammenberuft und die Versammlung leitet. Wenn in diesem Falle auch vielleicht eine Auflösung ans Grund der§§ 8 und 16 nicht erfolgen könnte, so müßten doch Statuten und Mitgliederverzeichniß unbedingt der betreffenden Ortspolizeibehörde eingereicht werden. Das Einsetzen einer Stelle zur Entgegennahme von Beiträgen durch den Zentralvorstand gilt indessen nicht als Gründung eines besonderen Vereins, wenn die betreffende Person weiter keine andere Thätigkeit im Vereinsinteresse ausübt. Die Herausgabe einer Zeitschrift, das Vertheilen von Druckschriften gelten jedoch schon als„Vereinsthätigkeit", wenn es geschieht, um den Zweck des Vereins zu fördern. Man sieht hieraus, daß bei einem großen, sich über mehrere Orte erstreckenden Verein die Mitglieder an den «nzelnen Orten außer dem Bezahlen von Beitrügen weder'» ihrer Gesammtheit noch durch Beauftragte irgend welche thätigkeit zur Förderung der Vereinszwecke unter- nehmen dürfen, wenn sie nicht als besonderer Verein im Sinne des preußischen Vereinsgesetzes angesehen werden Welche Folgen der letztere Umstand hat, werden wir im nächsten Artikel darlegen. Gustav Keßler. Amerikanische Schutzzollpläne. C. Ö. New-Aork, Anfangs August. Mit Recht hat die neue amerikanische Zollgesetz- gebung überall im westlichen Europa, und in dem industriell so weit entwickelten Sachsen besonders, so großes Aufsehen erregt. Handelt es sich doch für europäische Fabrikanten und in zweiter Linie auch für europäische Industriearbeiter um den Verlust der Kundschaft eines kaufkräftigen Volkes von rund 65 Millionen Seelen, welches sich seit Beginn seiner nationalen Entwickelung in je 25—30 Jahren an Seelenzahl verdoppelt, seinen sogenannten Nationalreichthum jedoch in derselben Periode immens vervielfältigt, und ihn besonders während der Lebensdauer der jetzigen Generation in kurzer Zeit auf sabel- haste Höhe gebracht hat. Liegt doch ferner kein Grund gegen die Annahme vor, daß die Bewohnerzahl dieses Landes sich in den nächsten dreißig Jahren nochmals verdoppeln wird und daß die Entwickelung des Nationalreichthums, also des Großkapitals, fernerhin in noch riesigerem Maßstabe fortschreiten wird, als dies bisher der Fall war. Im Gegentheil, die Konjunktur ist äugen- blicklich den riesenhaftesten Spekulations-Unternehmungen günstig, neue großartige Projekte schließen sich den bereits in Ausführung begriffenen, wie z. B. dem Nicaragua- Kanal, an und die Börse hat goldene Zeiten. Die Re- gierungsmaschine befindet sich unbestritten in den Händen des Jndustrie-Kapitals und des mit ihm verbündeten Transport-Monopols, und diese Zentral-Machffaktvren im Haushalt der Nation wissen die Klinke der Gesetz- gebung ebenso gut zu ihren Gunsten auszunützen, wie die herrschenden Klassen anderer Länder, etwa die Krautjunker Deutschlands. Amerika war bisher ein Kolonial- Land. Seine Ausfuhr bildeten zum größten Theil Farm- und Plantagen-Produkte, Lebensmittel und Baumwolle. Die Industrie war noch nicht exportfähig, noch im Unab- hängigkeits-Kampfe gegen England, Deutschland, Frank- reich begriffen. Sie brauchte Zölle, sich vor der Kon- kurrenz zu schützen. Die republikanische Partei, die Partei des Industrie- und Eisenbahn-Kapitals, war auch diejenige des Schutzzolls. Die oppositionelle„demokrati- sehe" Partei, die Partei des Großgrundbesitzes und des Großhandels, also der Plantagen-Barone und Importeure, neigte sich stets den Freihändlern zu, und als sie im Jahre 1884 ihren Prüsidentschafts-Kandidaten Cleveland mit geringer Mehrheit erwählte und auch sonst einem großen Einfluß auf die Gesetzgebung erlangte, wurde ein Ansturm auf die Zölle inscenirt und eine ziemlich allge- meine Reduktion derselben fand statt, zumeist allerdings eine Reduktion der Zölle aus Rohprodukte und Halb- fabrikate. Seit 1888 aber befinden sich die Republikaner fester als je im Sattel. Die Zahl der Staaten, welche im Kongreß vertreten find, ist von 38 auf 44 gestiegen und die Zunahme ist den Republikanern ganz allein zu Gute gekommen. Außerdem wird, wie man allgemein erwartet, die soeben vollendete Volkszählung eine unver- hältnißmäßig große Zunahme der Bevölkerung der Nord- staaten, in denen die republikanische Partei herrscht, er- geben, während in den südlichen Staaten, wo seit etwa zehn Jahren die Industrie sich mit von Jahr zu Jahr steigender Schnelligkeit entwickelt, die Zunahme der Be- völ'kerung zum Theil ebenfalls den Republikanern, also den Schutzzöllnern, zu Gute kommt. Die Mc. Kinley-Bill ist der Willensausdrnck des siegreichen und sich fest im Sattel fühlenden Fabrikanten- thums, welches sich anschickt, in seinem Vaterlande nicht nur politisch, sondern auch wirthschaftlich die Allein- Herrschaft anzutreten, um— und dieser Umstand ist in Europa noch nicht genügend in Exwägung gezogen— dann seinen Welterobernngszug anzutreten. Die Mc. Kinley-Bill ist, so parvdox dies im ersten Augenblick klingen mag, der erste zimperliche Schritt in der Richtung zum Freihandel, der aber nicht etwa der euro- päischen Bourgeoisie und den europäischen Industrie- Arbeitern zu Gute kommen wird; zu einem Freihandel. der beiden Klaffen das Leben noch weit saurer machen wird, als der Schutzzoll bis aufs Aeußerste, wie ihn die Mc. Kinleh-Bill vorläufig darstellt. Die Mc. Kinley- Bill, das Ideal der Schutzzöllner aus Prinzip, ist näm- lich nicht mehr das Ideal der Großfabrikanten und Eisenbahn-Monopolisten im Allgemeinen. Nicht die ge- sammte republikanische Politiker-Gemeinde ist mit einer so einfachen, sozusagen groben Maßregel im Interesse der Landes-Jndustrie zufrieden. Der kühnere und weiter- sehende Theil, und zwar auch derjenige Theil, der die größte materielle Macht, d. i. die Macht des in großen Massen konzentrirten Kapitals repräsentirt, geführt von seinem geistigen Leiter, dem Staatssekretär Blaine, hat weitergehende Pläne, welche zugleich schutzzöllnerisch und freihändlerisch, jedenfalls aber höchst agressiv gegen die europäische Konkurrenz sind. Blaine und seine Gefvlg- schüft will nichts geringeres, als den ganzen westlichen Kontinent wirthschaftlich für die Vereinigten Staaten er- obern; das bedeutet Aufhebung aller Zölle auf Waaren, die aus den Ländern des amerikanischen Kontinents kommen, vorausgesetzt, daß auch diese Länder ihre Zölle auf Waaren. die in den Vereinigten Staaten hergestellt wurden, aufheben, und dagegen noch mehr erhöhter Schutzzoll gegen alle Waaren europäischer Nationen vorerst in den Vereinigten Staaten, dann womöglich auch in den andern Ländern des Kontinents; kurz man will eine chinesische Mauer von Prohibitiv-Zöllen um den ganzen Kontinent und die dazu gehörigen Inseln ziehen, um ein Ländergebiet, welches sich, sowohl was Bevölke- rungszahl als auch materiellen Reichthum anbelangt, mit beispielloser Schnelligkeit entwickelt. Dieser kolossale Plan ist bte_ Ursache, daß die Mc. Kinley-Bill heute noch nicht Gesetz ist. Blaine will die Zölle auf Waaren, welche von den Zentral- und Südamerikanischen Republiken produzirt und exportirt werden, noch höher als Mc. Kinley festsetzen, um dadurch diesen Ländern ein größeres Angebot für ihren Beitritt zu dem gesummt- amerikanischen Zollverein machen zu können. Besonders Rohzucker und Kaffee sind Haupt- Produkte, deren Import aus den Ländern der alten Welt durch Zölle so gut wie unmöglich gemacht werden soll. Vorläufig ist noch zweifelhaft, ob die Mc. Kinley'sche oder die Blaine'sche Politik in dieser Kongreßsitzung siegen werden, oder ob nicht die Frage ganz und gar auf die nächste Session verschoben werden wird; eS scheint jedoch, als ob die Blaine'sche Politik nicht weit von ihrem endlichen Siege entfernt sei. Bereits sind Gelder für Vermessungs- und sonstige Vorarbeiten einer pan-amerikanischen Bahn, d. h. einer Eisenbahn, welche sämmtliche Bahn-Systeme des ganzen amerikanischen Kontinents mit einander in Verbindung bringen soll, bewilligt worden. Außerdem ist die Sub- sidirung von Dampferlinien, welche die Häfen des west- lichen Kontinents mit einander verbinden sollen, in Aus- ficht genommen. Allerdings kämpft England mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln gegen die Verwirk- lichung dieses Planes, und in manchen südamerikanischen Ländern, besonders in dem unternehmenden und auf seine letzten kommerziellen und kriegerischen Erfolge stolzen Chile ist die Opposition dagegen eine heftige, im großen Ganzen aber scheint die Stimmung dem Unternehmen sehr günstig. Sollte dieser Plan Erfolg haben, so ist kein Zweifel, daß die Spekulation großartige Orgien feiern wird, daß die Industrie plötzlich eine riesige Ausdehnung erfährt und das Maschinenwesen sprunghaft in immer größerem Maße zunimmt. Doch wenn die Periode der sich über- stürzenden Spekulation dann zu Ende geht, wird ein ungeheurer Krach erfolgen. Amerika geht dann vielleicht zum Freihandel über und wirst sich mit verdoppelter Gewalt auf Europa. Armes Europa, welches statt der Maschinen Kanonen gießt, welches den Feind im Osten, im zarischen Rnß- land, statt im Westen sieht, welches sich gegen das Kosackenthum waffnet, statt sich zu rüsten gegen ein Staatswesen, welches seine Invasionen nicht mit Kanonen und Kartaunen, sondern einfach mittelst der Billigkeit seiner Waaren ausführt. Was sind die Kanonen, welche ihre Geschosse meilenweit werfen, im Vergleich zu den Maschinen, welche ihre Geschosse, d. h. ihre billigen Waaren, über tausend Meilen breite Meere schleudern? was das Kosackenthum, welches den Leib der west- europäischen Gesellschaft, den Staat, tödten kann, die Seele jedoch, den Jndustrialismus, nicht tödten mag, gegen das Iankeethum, welches zwar den Leib bestehen läßt, aber die Seele zu vernichten droht? Europa mag bald seine Kanonengießereien und Gewehrfabriken in Maschinenwerkstätten umwandeln, sonst kommt ihm der gierige amerikanische Adler über Nacht und raubt ihm nicht allein die Handels-Suprematie über den westlichen Kontinent, sondern geht ihm auch in seinem eigensten Kolonial-Gebiet, in Asien und Afrika, ja sogar in seinen eigenen Hauptstädten ernstlich zu Leibe! Der Arbeiterschutz vor dem Kongreß der franzöftschen„Gesellschuft fllr den Fort- schritt der Wissenschaften�. i. Was die Frage der Berufsgefahren und der Arbeits- räume anbetrifft, so erklärt Herr Dr. Napias, daß die bestehenden Haftpflichtgesetze gegen Arbeitsunfälle, sogar wenn sie bindende Kraft besitzen, durchaus unzureichend für den Schutz der Arbeiter sind. Die betreffenden Gesetze sind voller Widersprüche und müßten zunächst noch- wendiger Weise durch Bestimmungen über Vorsichts- und Präventivmaßregel resp. Einrichtungen ergänzt werden, die sich auf das Gutachten eines hygienischen Komitee's stützen. Gewiß sind viele Industriezweige dadurch weit ge- sunder geworden, daß die Maschine an Stelle der Hand- arbeit getreten ist. Aber die diesbezügliche Besserung gilt nicht für alle Industriezweige in gleicher Weise, auch ist sie durchweg und stets noch weit davon entfernt, zu- friedenstellend zu sein. Sogar die Branchen, welche am meisten in dieser Beziehung gewonnen haben, lassen noch unendlich viel zu wünschen übrig. Andererseits hat die Maschinenarbeit neue Gefahren für die Arbeiter geschaffen. Was an Gesundheitsschutz durch Verwendung der Ma- schine gewonnen worden, ging zum Theil an Sicherheit verloren; der mechanische Betrieb ist mit einer, den Ar- beiter bedrohenden Unsicherheit verbunden, die um so mehr und öfter Opfer fordert, als die mechanische In- dustrie nicht mehr die Muskelkraft als unerläßliche Vor- aussetzung hat, Kinder und junge Leute verwendet, die in Folge der ihrem Alter eigenthümlichen Unvorsichtigkeit und Zerstreutheit den schlimmsten Gefahren ausgesetzt sind. Es ist deshalb unbedingt nöthig, daß für die industrielle Arbeit sowohl Gesundheit und Sicherheit gesetzlich ge- schützt werde. Es ist schon ein Gemeinplatz geworden, gegen die Trunksucht zu predigen und die Gefahren des Alkoholis- mus zu zeigen. Nach Dr. Napias würden gesunde Arbeitsräume und Arbeitsbedingungen diese Gefahren weit besser bekämpfen als alle langathmigen Predigten und philosophischen Systeme. Zur Illustration seiner Ansicht führte er folgende von ihm selbst erlebte Anekdote an. Er wollte eines Tags einem seiner Freunde, einem philisvphirenden Arzt, der sich viel mit sozialen Studien beschäftigte, begreiflich machen, daß der von der Hitze und anstrengenden Beschäftigung durstig gewordeneArbeiter es beim Verlassen der Werkstatt um so weniger eilig hat nach Haus zu kommen, als seine Wohnung oft ungesund und unreinlich ist. Der Freund wollte diese Gründe nicht gelten lassen. Anhänger der Theorie vom freien menschlichen Willen und Gegner der Lombroso'schcn Schule, blieb er bei der Behauptung:„Wenn man nicht trinken will, so trinkt man nicht, ich anerkenne nur eine pathologische Entschuldigung dieser Sucht, nämlich die Die diesbezüglichen Maßregeln sollten sämmtlichen Ar- der Interessengemeinschaft eine Verschmelzung gefunden haben. Zuckerkrankheit." Als Beispiel für die Richtigkeit seiner beitern, Männern, Frauen und Kindern zu Gute kommen. Wenn man die sechstägige Arbeit des Arbeiterparlaments in Liverpool mit dem Resultat der parlamentarischen Verhandlungen Behauptung führte er sich selbst an. Er erzählte, daß Die Arbeitsbedingungen für Frauen und Kinder müssen im Westminsterpalast vergleicht, so muß man zugeben, daß die er bei Jagden oder bei Ausflügen des Alpenklubs oft außerdem noch durch eine besondere Arbeiterschutzgesez- lepteren, welche sieben volle Monate dauerten, ein erbärmliches anstrengende Märsche ausgeführt und dabei stets dem gebung geregelt werden. Der von der französischen Resultat zu Tage gefördert haben, während der Arbeiterkongres Durste widerstanden habe, beim dringendsten Bedürfniß Kammer in jüngster Zeit eingeschlagene und von der mit überraschender Einmüthigkeit rasch und geschäftsmäßig wichtige seien ihm etliche Tropfen Wasser genug gewesen. Man Konferenz zu Berlin angedeutete Weg ist weiter zu ver- verstand. Der Tag ist vielleicht noch ferne, wo das englische Untersollte auch nie während der Mahlzeit trinken, alle Wirth folgen. Was den erwachsenen männlichen Arbeiter an- haus nur noch dazu da ist, um, wie John Burns in seiner Rede schaften, Läden, 2c., wo Getränke ausgeschänkt werden, betrifft, so wäre es zwar sehr wünschenswerth, daß seine sagte, den Beschlüssen des Arbeiterparlaments gesetzgeberische Kraft müßten geschlossen werden. Dr. Napias befand sich mit Arbeit auf 10 Stunden pro Tag beschränkt würde, allein zu verleihen; aber ein Anfang dazu ist gemacht worden und die seinem Freunde auf dem Wege zu einem großen industriellen das Gesetz thue besser, nicht in die Regelung seiner Arbeitsgesprochen, daß die Senatoren sich nicht länger die Ohren verProletarier auf dem Mons Sacer haben mit so lauter Stimme Etablissement, als letzterer die obigen Erklärungen abgab. verhältnisse sich hineinzumischen. Damit das Kind längere schließen können. Das Etablissement vermittelt motorische Kraft an Klein- Zeit in der Schule und die Frau längere Zeit im Hause ver- Von Anfang an machte sich augenscheinlich auf dem Kongreß industrielle, Handwerker 2c. Es ist eine massive Kon- bleiben könne, müsse es dem Mann ermöglicht werden, das Gefühl geltend, daß alle anderen Gegenstände, so wichtig und ſtruktion, ein ungeheuer großer Bienenstock, der in einzelne, sogar in einer etwas übermäßigen Anstrengung frei und interessant sie sein mochten, in den Hintergrund treten mußten vor sehr kleine Zellen getheilt ist, welche an Arbeiter oder unbehindert eine Ergänzung an Lohn zu suchen. dem achtstündigen Arbeitstag. Die Debatte über diese Frage, zog welche am Donnerstag stattfand, markirt den Hochwasserstand der Kleinmeister vermiethet werden, die hier ihre Drehbank Die lettere Schlußfolgerung zeigt, daß man ein Arbeiterbewegung in England. Das Ergebniß war, soweit prafoder sonst eine Maschine einstellen und mittelst über- guter Mensch, aber ein schlechter Musikant, ein vorzüg- tische Resultate in Betracht kommen, nicht ganz befriedigend; aber tragener Kraft bewegen lassen Dr. Napias und sein licher Hygienist, aber ein übler Nationalökonom sein kann. es ließ sich nichts Anderes erwarten. Als am 4. Mai d. J. im Hyde Park die großartige Demonstration von 250 000 Arbeitern Freund besuchten nach einander sämmtliche Zellen, hier wäre dem nicht so, Herr Dr. Napias hätte als logische stattfand, legte man sie in verschiedenen Kreisen so aus, daß alle sahen sie Werke der Goldschmiedekunst, dort Perlmutter Konsequenz seiner eigenen phystologischen Ausführungen Arbeiter Londons einen achtstündigen Arbeitstag wünschten. Das poliren, sie sahen Buxbaum und Horn drechseln, Glas auch für erwachsene männliche Arbeiter den achtstündigen war nicht richtig. Wenn die Londoner Arbeiter einen solchen schleifen, Metalle glätten und poliren. Sie athmeten Normalarbeitstag fordern müssen. Es wäre ihm nicht wünschten, so tönnten sie ihn mit vereinigten Kräften sofort durchEs wäre ihm nicht seßen. Dem Druck einer Viertelmillion Arbeiter kann Niemand Nitratdämpfe und verschiedene Arten von Staub in einer in den Sinn gekommen, eine Besserung der Arbeits- Widerstand leisten. Die damalige Demonstration drückte jedoch heißen und dumpfen Atmosphäre ein. Nach einer zwei- bedingungen für Frauen und Kinder durch eine größere blos die Sympathie aller Arbeiter mit den Bestrebungen der stündigen Wanderung durch die Arbeitsräume verließen Belastung der männlichen Arbeiter erkaufen zu wollen. ienigen ihrer Standesgenossen aus, welche einen 8stündigen Arbeitssie sehr müde und mit vielfarbigem Staub bedeckt das Er hätte es nicht nur als Physiolog gefordert, sondern tag wünschen. Die Beschlüsse des Kongreſſes in Liverpool gingen thatsächlich über diesen Standpunkt wenig hinaus. Paterson's Etablissement. Die Zunge der Besucher war trocken, als Nationalökonom in der Ordnung gefunden, daß eine Antrag, welcher von einer Majorität von 6 Stimmen verworfen die Kehle brannte. Wo ist ein Kaffeehaus?" frug Besserung der Arbeitsbedingungen aller Proletarier, ohne wurde, erklärte sich grundsäßlich für den 8stündigen Arbeitstag, beplötzlich der Temperenzapostel Herrn Dr. Napias, und Ausnahme des Alters und Geschlechts, erfolgen müsse, schränkte ihn aber auf solche Gewerke, welche ihn wünschen und gleich darauf scheiterten alle seine schönen Theorien an und zwar einzig und allein auf Kosten des Kapitals, 30g es vor, den Normal- Arbeitstag durch die Gewerkschaften selbst zu erlangen, statt ihn auf geſeggeberischem Wege durchzuseßen. einem Glase Bier. Der Staub, der ihn so durstig auf Kosten des ungeheuren, von den Arbeitern geschaffenen Dieser Antrag fonnte unterstüßt werden von solchen Arbeitern, gemacht hatte, wirkt auf, die Gesundheit der Arbeiter und von den Unternehmern eingeſäckelten Mehrwerths. welche überhaupt feine legislative Intervention wünschen, höchst schädlich. Entweder ist er an und für sich, in Auch das wäre ja erst ein kleiner Schritt auf der Er- solchen, welche den Normal- Arbeitstag für die Grubenarbeiter allein verlangen, von solchen schließlich, welche ihr Heil nur auf Folge seiner Herkunft gesundheitsschädlich und giftig, oder lösungsbahn des Proletariats. die Aktionen der Gewerkvereine sezen. Der Umstand, daß der als fremder Körper reizt und verwundet er die Schleim- Die Bourgeoispresse entdeckt anläßlich des Berichts Antrag Marks( London), welcher den gesetzlichen 8stündigen Arbeitshäute, er öffnet sozusagen schweren Krankheiten, wie der des Herrn Dr. Napias nochmals Amerika. Sie konstatirt tag für alle Industrien verlangte, nur durch eine Majorität von Schwindsucht, Thür und Thor und erlaubt ihnen, in den nämlich voller Erstaunen, derselbe„ zeige die sonderbare 38 Stimmen angenommen wurde, bedeutet aber anderseits, daß die Frage in den Arbeitertreisen selbst noch tüchtig durchgesprochen Organismus einzudringen. In den viel Staub abson- und wenig bekannte Thatsache", daß die Sozialisten einen werden muß. Denn es läßt sich nicht behaupten, daß der Kongreß dernden Industrien ist die Schwindsucht der Arbeiter eine Theil ihres Programms aus der Wissenschaft der in Liverpool alle Arbeiter Englands und alle Gewerke vertrat. häufige Erscheinung, wie Dr. Napias durch eine Tabelle Hygienisten entlehnen. Wenn die Bourgeoispresse die Und es ist unwahrscheinlich, daß eine gefeßgebende Versammlung nachweist, an deren Spitze die Feuersteinschneider, Nadel- Thatsachen nicht durch die Brille der Klasseninteressen schleifer, Feilenhauer, Schleif- und Mühlsteinhauer stehen. betrachten wollte, so würde sie finden, daß auch der Der vegetabilische und animalische Staub erweist sich im andere Theil des sozialistischen Programms auf streng Allgemeinen als weniger gesundheitsschädlich wie der logischen Lehren auf den Lehren einer vorurtheils mineralische Staub. Unter den Arbeitern von Industrien, losen und wahrhaft freien Wissenschaft beruht. in denen viel mineralischer Staub abgesondert wird, sind die Bürstenmacher am meisten der Schwindsucht ausgesetzt. diese Frage in die Hand nimmt, so lange die Arbeiter selbst noch sind. Wahrscheinlich wird die parlamentarische Attion in England, in fast gleich großen Theilen verschiedener Meinung über dieselbe wenn sie überhaupt stattfindet, in Folge der leider immer noch zwiespaltigen Haltung der Arbeiter in der Weise vorgehen, daß sie für bestimmte Gewerke, z. B. die Grubenarbeiter, die Dockarbeiter u. s. w. eine Einschränkung der Arbeitszeit dekretirt. Während die alten Parteileiter politischen Trugbildern nachjagen, ist unversehens eine neue Ordnung der Dinge entstanden. Eine andere Tabelle zeigt, wie ein industrielles Ver- Der Kongreß der englischen Gewerkschaften. Neue Bedürfnisse werden geäußert, neue Fragen, neue Probleme fahren, welches den Staub beseitigt, eine hygienische Besserung herbeiführt und das menschliche Leben schüßt. Straßen von Liverpool seinen Abschluß fand, war Dieser Kongreß, der mit einem großartigen Umzug durch die für die abgedroschenen politischen Fragen der alten Schule nicht so schreibt erwärmen kann. Ob die Demokratie Leiter finden wird, um sie Dr. Napias schlägt den Gesetzgebern im Namen der ein Bürgerblatt, wie die Frankfurter Beitung" die zahlreichste zum Siege zu führen, wird die Zukunft weisen. Versammlung englischer Arbeiter, die je zuvor stattgefunden hat. Hygiene folgendes Programm vor: Nur einmal, und zwar im Jahre 1874, als der Kongreß in Aufruf an sämmtliche Bau- und gewerblichen HilfsDem Arbeiter muß eine reine und gesunde Wohnung Sheffield abgehalten wurde, war die Zahl der vertretenen Arbeiter arbeiter Deutschlands! Kameraden in allen Orten Deutschlands! gesichert werden, in welcher er sich während der Mahl- über eine Million. Das war zur Zeit, als Joseph Arch, ein ein- Vom Kongreß der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter Deutschzeiten und Ruhetage heimisch und behaglich fühlt und in facher Landarbeiter, seine Berufsgenossen in England und Schott- lands, welcher vom 8-11. April in Hannover tagte, wurde unterland in einen Gewerkverein organisirt hatte. Der Kongreß in zeichnete Kommission beauftragt, über ganz Deutschland eine rege die genügend Luft eindringt. Die Versuche Pettenkofers Sheffield war daher der erste, auf welchem sogenannte ungelernte Agitation zu entfalten, um neue Organisationen zu gründen und haben gezeigt, daß der Arbeiter während seines Tagewerks Arbeiter vertreten waren und an den Verhandlungen der gelernten die bereits bestehenden zu festigen. Wir ersuchen die Bau- und einen Theil des in seinem Organismus befindlichen Arbeiter theilnahmen. Auf dem diesjährigen Kongreß war das gewerblichen Hilfsarbeiter an allen Orten Deutschlands, wo die Vorraths an Sauerstoffs aufzehrt und dann der Nacht- bedeutsamste Zeichen ebenfalls das Erscheinen von sogenannten un- Absicht besteht, eine Vereinigung in's Leben zu rufen, die Adresse schlaf kaum genügt, den Vorrath wieder herzustellen. Es gelernten Arbeitern, d. H. von Vertretern der Dockarbeiter, Tage- eines zur Uebernahme der hierzu erforderlichen Vorarbeiten geneigten löhner u. s. w. Gerade derjenige Theil der englischen Arbeiter Kameraden an C. Lange, Hamburg, Gr. Neumarkt Nr. 24, IV. ist deshalb unbedingt nöthig, daß das Zimmer, in bevölkerung, welcher seit 1874 den Verhandlungen fern geblieben einzusenden. Nur so wird es möglich sein, wirksam vorzugehen. welchem der Arbeiter ruht, genügenden Sauerstoff enthält war, spielte dieses Jahr eine hervorragende Rolle. Man war all- Es kann dann von hieraus korrespondirt werden, es läßt sich das und daß die Luft nicht durch üble Gerüche und Aus- gemein darauf gespannt, zu erfahren, wie der sogenannte neue Nöthige, wie Bestimmung eines Tages, Einberufung einer öffentUnionismus, d. h. die sozialistisch gefärbten Verbände, welche nach lichen Versammlung zur Gründung einer Organisation im Voraus dünstungen verdorben wird, welche aus den engen dunklen dem legtjährigen Dockstreit ins Leben gerufen worden sind, sich regeln, damit dann der Referent, welcher für die erste VersammHöfen emporsteigen, aus denen die armseligen Wohnungen mit den älteren fossileren Gewer vereinen vertragen würden. lung von uns gestellt werden wird, sofort an seine Aufgabe gehen angeblich Luft und Licht erhalten. Ein Gesetz muß jene Die Verhandlungen der letzten sechs Tage haben bewiesen, und die Verwirklichung der geplanten Gründung eines Vereins unbeschreiblichen Wohnungen verschwinden machen, welche daß die Differenzen zwischen den neuen und alten Verbänden vornehmen kann. Nun, Kameraden Allerorts, wo ihr noch nicht Dr. Du Mesnil in seinem Buch über die„ Wohnungen weder so groß, noch so zahlreich sind, als daß sie ernstlich das organisirt seid, beherzigt unsern Ruf, organisirt Euch und schließt Der erste Kongreß Resultat des Kongresses beeinträchtigt hätten. An harten Aus- Euch Euren schon organisirten Kameraden an. der Armen in Paris" geschildert hat. Von Gesezeswegen fällen hüben und drüben hat es nicht gefehlt; in der Hiße der wurde von 23 Städten beschickt, der zweite von 53, möge sich auch muß bei dem Bau von Wohnungen eine Reihe von Debatte wurden persönliche Angriffe gemacht, bie man nicht immer diesmal zum nächsten Kongreß die Zahl der vertretenen Städte hygienischen Maßregeln beobachtet werden, wie sie auf Rechnung der augenblicklichen Aufregung segen konnte. Aber verdoppeln. Also nochmals Kameraden aller Orte Deutschlands: Dr. Martin seinerzeit dargelegt hat. die Einmüthigkeit, mit der die Versammlung den Beschluß faßte, Organisirt Euch! J. A. der Agitationskommission der BauEbenso muß ein wirksames und umfassendes Gesetz den Ausständigen in den australischen Häfen sofortige und aus- und gewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. giebige Geldhilfe zu gewähren, darf als Beweis dafür angeführt C. Lange, Gr. Neumark 24, IV, Hamburg. die Gesundheit und Sicherheit der Arbeit garantiren. werden, daß die scheinbar widerstreitenden Elemente auf dem Boden Understützung f.die 10 PE Gemassre regelten Kiel Vert deutsch Zimmerleute 25 Unterstutzungsiona Quittungsmarken& Kautschukstempelfabrik von Conrad Müller Schkendih- Leipzig empfiehlt sich allen Arbeitervereinen, Krankenkassen u. s. w. Ausführung sauber und schnell. Preislisten gratis und franko. Für Redaktionen! Intell. ig. Buchdrucker, militärft., prakt. Stenograf u. journalistisch geb., seith. Berichterst., Corrector, befähigt, den tech. Theil einer Druckerei selbstst. zu leiten, sucht an arbeiterfrdl. Zeitung Stellung als Berichterstatter oder zweiter Redakteur. Geft. Off. unt. A. M. 100 an d. Exped. d. Bl. Cigarren. Tabake reichhaltiges Lager von 0. Klein, Ritterstraße 15. Daselbst Zahlstelle der Gürtler und Broncenre( E. H. 60.) Berliner Arbeiter- Bibliothek. 2. Serie. Sammlung Sozialpolitischer Flugschriften. 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An eisern klapperndem Webstuhl Der Philipp geschäftig sich regt, Am Haspcl Johanne, sein Bräutchen Paßt auf, daß der Faden sich legt. Der Philipp und seine Johanne Seh'n oft verstohlen sich an: Aus schattenden Augenhöhlen Grinzt sehnender Liebeswahn. Verdienen Woche für Woche Sich ein Paar Thaler schwer, Nun kommt bald auch die Hochzeit, Was wollen die Glücklichen mehr? Doch zwischen Beiden unmerklich Bon welker Myrthe bekrgnzt, Steht bleich, durchsichtig und stierend Der Sorge nächtig Gespenst. Ludwig Scharf. HlnHeU'bcrr. Von Uspenki. Deutsch von Styczinski. (Schluß.) Es war das erste Mal, daß wir— ich und meine Frau — einander so wild in die Haare geriethen. Ich schimpfte und sie blieb mir die Antwort nicht schuldig; darin stand sie mir nicht nach, in den allergemeinsten Ausdrücken schelten zu können. Es war noch gut, daß ich in diesem Augenblick zu unserer Gutsherrin gerufen wurde, ein Gebet abzuhalten: sie reiste in's Ausland und ließ für Geld den lieben Gott um eine glückliche Reise bitten. Das rettete mich, denn sonst wäre ich noch wüthender geworden und hätte vielleicht in der Wuth etwas gethan, was ich später bereut hätte. Beim Gebet heulte ich wie verrückt. Vater Iwan und die Gutsherrin sahen mich einige Male erstaunt an, denn ich schwang das Weihrauch- faß so heftig, daß ich beinahe den Anwesenden damit in's Gesicht schlug.... Und was denken Sie, gab mir wohl die Ruhe wieder?... Sas Geld!... Sobald ich in der Hand zwei Rubelscheine fühlte, wurde ich sofort von einem sonderbar innigen, angenehmen Gefühl ergriffen: es wurde mir so warm.... Und ich kani auch sofort wieder zur Vernunft. Ich denke nur: Was sind das für Dumm- heiten, die ich da gemacht habe— zu welchem Zwecke? Ich wurde ruhig. Auch mit der Frau machte ich Frieden. Etwas hatte mein Schimpfen übrigens genutzt: sie war noch sehr erzürnt, hatte aber ein reines Kleid an und im Zimmer war es aufgeräumt. Auch auf sie hatte die Geschichte der Frau Abrikossowa Eindruck gemacht, welche ihr Haus und ihre Läden so wenig schätzte!.. Sie sehen also, was für einen beruhigenden Einfluß aus mich der materielle Gewinn ausübte. Es dauerte nicht volle zwei Wochen und ich wurde wieder gemein und hatte mich beruhigt.... Dank den zwei Rubeln, die ich erhalten. Leider konnte ich mich aber— wie sehr ich es auch wünschte— nicht ganz beruhigen und auch nicht bis zu demselben Grade von Gemeinheit herabsinken, wie früher. Dieser häusliche Schmutz, den ich ganz zufällig im Augen- blick großen Kummers aufgewühlt hatte, zwang mich dazu, über meine Lage nachzudenken. Tausende von Kleinig- leiten, welche mir lange nicht mehr als etwas Böses auf- gefallen waren, denn ich hielt sie eben für unumgänglich nothwendig, wie vieles andere auch, tausende dieser Kleinig- leiten begannen mich aus irgend einem Grunde zu ängstigen.„So geh' doch endlich schlafen, wie lange denkst Du denn noch zu sitzen?" sagt mir manchmal meine Frau und davon wird es mir so schrecklich elend zu Muthe,... eigentlich doch ganz ohne Grund, denn früher passirte mir so etwas niemals. Und meine Seele ergriff eine merkwürdige Oede... und den ganzen Körper Schwäche: ich mußte immer gähnen. Ich mochte weder schlafen, noch essen, noch trinken. Es mochte jemand sagen, was er wollte, mir war es nie Recht. Wie ich es mir aber wünschte, wußte ich auch nicht. Da wurde es jeden Tag schlimmer mit mir.... Einmal kam mir der Gedanke:„Wie wär's, wenn Du Dir vielleicht ein Buch zum lesen nähmest?" Ich entschloß mich, zu der Lehrerin zu gehen, von ihr ein Buch zu leihen. Ich ging also... Ich komme; sie sitzt und schreibt.„O, ich störe wohl?"„Nein, nein." sagt sie,„ich werde noch fertig. Ich bin müde, will ein wenig ausruhen... Wollen wir zusammen ein Glas Thee trinken?" Sie machte sich am Samowar zu schaffen und mir wurde es besser zu Muthe. Ich sehe, sie ist mir gar nicht böse. Sie stellte den Samowar zurecht und sagte:„Heute bin ich sehr zufrieden, da kann ich mich ein wenig gehen lassen."„Womit sind Sie so zu- frieden?" Ich liabe heute viel gearbeitet. Das ganze Heft da habe ich vollgeschrieben. Dafür werde ich zwanzig bis fünftindzwanzig Rubel bekommen. Ist das nicht schön?"„Ja, das ist viel Geld!"„Ich bin so froh: jetzt kann ich für die armen Kinder Bücher, Hefte, Mappen kaufen... vielleicht reicht es auch noch für kleine Geschenke aus. Ach. wenn ich nur mehr Arbeit bekommen könnte. Dann sollten wir's gut haben! Strümpfe würden wir uns machen und Schuhe kaufen; auch neue Hemden nähen! Und hier begann sie zu klagen, daß sie keine Arbeit habe; höchstens hin und wieder, etwas aus dem Ausländischen, sagte sie, und auch das sei so schwer zu bekommen, denn es werde sofort von Anderen in Beschlag genommen. Es sei noch gut, sagte sie, daß sie Bekannte in Moskau habe, die ihr manchmal etwas zusenden, denn sonst bekäme sie garnichts.„Ich weiß nicht, sagte sie zuletzt, wie ich sonst die armen Kinder ansehen könnte; ich glaube, ich könnte es nicht lange mit ansehen, wie sie Roth leiden, ohne daß ich ihnen helfen könnte." Unterdes wurde der Thee fertig. Wir tranken ihn zusammen. „Erzählen Sie mir doch, Vater Diakon, etwas über die Bauern! Sie müssen ja die Leute doch kennen!" Halt," sagte ich,„ich begreife eigentlich gar nicht, wieso Sie auf den Gedanken gekommen sind, sich mit alledem zu plagen. Sie quälen sich so ab, und Sie haben es doch gar nicht nöthig."„Ach, Väterchen," sagte sie,„ich glaube für uns alle ist die Arbeit das Ziel des Lebens. Wozu sollten wir denn sonst leben?"„Wozu?" sagte ich.„Man erzähkt doch, Sie haben ein eigenes Haus und einen Laden. Da brauchen Sie doch keine Roth zu leiden und haben mit der Wirthschaft genug zu thun." Und ich erklärte ihr weiter, daß man in der Hauswirth- schast Sorgen und Arbeit genug habe. Wozu sich dann noch mit den Bauernkindern abmühen?(Beinahe wäre ich herausgeplatzt:„mit den schmutzigen Ferkeln.") Sie lächelte und seufzte dann.„Nein Väterchen, es wäre eine Sünde, um die eigene Wirtschaft zu sorgen in einer Zeit, wo"..... Gehört denn das Haus wirklich Ihnen?" „Ja."„Der Laden auch?"„Auch der Laden und die Schenke."„Dann verstehe ich Sie nicht!" Vor Neid empfand ich einen Schmerz in den Fingerspitzen.„Wie kann ich etwas nehmen," sagte sie,„was nicht mir ge- hört? Alles das haben mein Vater und der Vater meines Vaters durch anderer Händearbeit erworben, wie sollte ich dieses Geld für mich in Anspruch nehmen? An diesem Gelde klebt doch Anderer Blut und Schweiß!"... Bei diesen Worten leuchteten ihre Augen auf und nun begann sie eifrig, wie vom Fieber� ergriffen, alles das auseinanderzusetzen. Eine ganze Stunde sprach sie wohl und mir leuchtete es immer mehr ein, daß sie Recht hatte.„Wo bleibt denn das Gewissen bei all den Menschen, die noch im Stande sind, so etwas zu thun? Ich kann nichts thun, wozu mein Gewissen nicht„ja" sagt. Deshalb habe ich das Haus und die Läden ver- lassen..." Und alles war so klar, so einfach, daß ich ihr nicht mit einem Worte entgegentreten konnte.„Und ihr Mann?" sagte ich.„Den habe ich deshalb im Stich gelassen, weil ich ihn nicht liebte..."„Ja, aber wo bleibt denn die Ehe?"„Ja, sagte sie. ohne Liebe ist keine Ehe möglich. Was soll ich thun, wenn ich ihn nicht lieben kann und nicht lügen mag."„sie sind also deshalb weggegangen?"„Ja, deshalb."„Auf ihre Mit- gift haben Sie auch verzichtet."„Auch auf die Mitgift. Ich habe alles dem Manne gelassen, damit er nur mich gewähren ließe. Außerdem verdient auch er sein Geld nicht mit ehrlicher Arbeit, ist also ebenfalls mein Feind." „Also deshalb haben Sie es gethan? wirklich, deshalb?" „Ja, ich habe meinen Mann nicht geliebt, es war mir zuwider, das ganze Leben hindurch zu lügen, ich haßte das Geld, das durch Lüge erworben war, deshalb warf ich es von mir. Ich habe eingesehen, daß man alles für den armen Nächsten hingeben müsse, deshalb thue ich für ihn, was in meinen Kräften liegt... Aber leider kann ich nicht viel thun. Wenn Sie nur wüßten, wie auch das quält!"„Weshalb quälen Sie sich also?" fragte ich noch einmal.„Weil ich es nicht mit ansehen kann, daß meine Nächster Noth leiden und ich so wenig für sie thun kann."„Das ist der einzige Grund?" „Sie glauben wohl, daß das meine Qualen nicht Werth ist?"' Das erstemal fühlte ich Mitleid im Herzen... Alles, was sie da erzählte, hatte ich unzähligemale ge- sehen, aber niemals ist es mir in den Sinn gekommen, mir darüber Gedanken zu machen. Ich hielt alles das für selbstverständlich, für nothwendig... Und da hatte sie es mir plötzlich in ein anderes Licht gerückt. Ich saß und hörte zu und hätte wohl so einige Stunden sitzen können, wenn man mich nicht zum Unglück nach Hause gerufen hätte: ich mußte zu einem Sterbenden. Und das war mein Unglück. Ich mußte immer an ihre Worte denken und hätte beinah heulen mögen vor Schmerz, als ich in der dunklen Bauernstube war, in der ein alter Bauer im Sterben lag. Die ganze Familie erwartete seinen Tod. Nur mit Mühe gelang es den Bauern, weinerliche Gesichter zu machen, denn ihre Gedanken waren ganz wo anders. Sie dachten daran, wer das neue Pferdegeschirr, wer die Bienenstöcke bekommen würde und wem es gelingen würde, den jungen Rappen zu be- haupten. Vater Iwan las mit milder, gerührter Stimme die Todtengebete und dachte daran(ich konnte es ganz gut an seinen Augen ablesen), wie viel er für seine Mühe bekommen werde. Schwer keuchend lag auf seinem ärmlichen Lager der alte Bauer, der sein ganzes Leben hindurch, an die Scholle gefesselt, in ehrlicher Arbeit sein Brot verdiente. Es rasselte im Hals und in der Brust, zeitweise versagte ihm die Stimme ganz. Aber er nahm sich zusammen und lispelte mit leiser Stimme seinen letzten Willen kundgebend„Das Geschirr... soll — Iwan bekommen," brachte er mit heiserer Stimme hervor,„daß ihr wegen des Pfluges nicht zankt!..." Er konnte nicht mehr zu Ende sprechen: erstarb. Dieser Tod,— ich hatte in meinem Leben tausend ähüliche ge- sehen,— dieser Tod versetzte mir einen Messerstich mitten in's Herz. Wieviele sterben mit dem Gedanken an ein Geschirr, oder einen Pstug, als an etwas sehr kostbares, das man mit vieler Arbeit, vielem Schweiß erkaufen müsse. An diesen Schweiß mußte ich denken, dessen Früchte ich ebenso, wie hunderte anderer Schma- rotzer, ohne Mühe und Arbeit einzustreichen suchte. Daran mußte ich denken und der Athem stockte in meiner Brust. Selbst das Geld, das ich bekam, machte mir keine Freude. Es kam mir vor, als schleppte ich eine Last fort in der Tasche, in der das Geld versteckt lag, obgleich es nicht viel war: zwei Zwanzigkopekenstücke. Ich war tief ergriffen und schwieg den ganzen Weg hindurch, als ich mit Vater Iwan in einer Telega nach Hause fuhr... Jetzt äußerte sich mein Seelenschmerz nicht mehr in Magenbeschwerden; jetzt sah ich klar, wozu man lebt!... Ja, mein Herr, Frau Abrikossowa lebt im Namen der Wahrheit und unsereins im Namen der Lüge... Das hatte ich ganz klar begriffen! Auf diese Weise, mein bester Herr, kam in meine Seele die Noth, die Qual,... die Krankheit. Uner- wartet, unverhofft fiel ein göttlicher Funke in meine Schweineseele, und quälte mich halb zu Tode... Und woher kam nur alles das?... Woher der Einfluß der Frau Abrikossowa auf mich?... Bei Gott, ich sage ihnen die Wahrheit, sie hatte durchaus kein Interesse für mich, war auch gar nicht hübsch und doch... Es zog mich etwas zu ihr hin... Ich glaube, das war das Gewissen, welches um diese Zeit überall erwachte, selbst an Orten, an denen man es nie erwartet hätte.... Nehmen Sie doch nur z. B. meine Seele... die schien doch für das Gewissen ein ganz unfruchtbarer Boden zu sein— und doch kam es! Und ähnlich muß es auch über Frau Abrikossowa gekommen sein... und hat es auch sie aus ihren Palästen hinausgejagt.... Es ist halt so eine Zeit!... Wie das gekommen ist, weiß ich nicht, aber eins ist sicher: in meinem Kopf setzte sich der Gedanke an die Wahrheit fest... da begann ich ganze Nächte hindurch zu wachen und nachzudenken... Ich ging sogar ohne Abendbrod zu Bette. Und das hat in unserem Schweine- leben viel zu bedeuten: ohne Abendessen zu Bett zu gehen!.. Ganze Nächte hindurch schläft man nicht... Man kratzt sich ohne Unterlaß... So verändert einen der Ge- danke!... Und endlich kam ich dahinter, daß sich in mir kein Staubkörnchen Wahrheit befindet... Hatte es mir etwa das Gewissen diktirt, in den geistlichen� Stand zu treten? Nein! Erfüllte ich etwa gewissenhaft die Pflichten einer geistlichen Person, oder auch nur die Pflichten eines gewöhnlichen Menschen, dem Gott Herz und Gewissen gegeben hat, erfüllte ich etwa meine Pflichten gegen den Nächsten? Nein, tausendmal nein! Habeich mein Gewissen befragt, als ich die Ehe schloß? Wieder nein! Ich schluchzte, ich fühlte einen Schmerz im Herzen, wie ich ihn noch nie im Leben gefühlt hatte. Und dieser Schmerz wurde immer heftiger, immer böser, denn ich mußte immer weiter und weiter denken... Wie gern hätte ich weniger denken mögen, wie sehr wünschte ich mir von ganzer Seele, überhaupt nicht zu denken, dann wär's ja ganz ausgezeichnet! Aber nein! Es quälen mich die Gedanken immer mehr und mehr ohne alles Erbar- men... Ich höre nicht, was man mir sagt, ich nicke nur mit dem Kopfe, ich stehe in der Kirche mit dem Weihrauchsaß in der Hand wie ein Verrückter und weiß gar nicht, was ich halte... Ach, es war ganz furch- terlich, was ich alles erdulden mußie um diese Zeit! Wie lange das dauerte, weiß ich nicht mehr genau, aber ich dachte ohne Unterlaß nach und kam der Sache bis auf den Grund, bis auf die Wurzel. Es folgte daraus, daß ich alles im Stiche lassen müsse, im Schweiß meines Angesichts mein Brod mir erarbeiten müsse... Das war mir klar und ließ keinen Zweifel zu, klar, wie Schwarz auf Weiß. Wollte ich redlich sein, so mußte ich mein Bündel schnüren, alles thnn, wie ich gesagt habe,... wie es aus meinen Gedanken folgte, meine ich... und damit Basta! Da erwachte in mir wieder das schweinische Element. Wenn ich aber, dachte ich mir, Steine klopfen oder Holz schlagen muß, um durchzu- kommen?.. Ei, ei, da zeigte es sich wieder, was für ein Schwein ich war. Bist Du verrückt geworden, sprach eine Stimme in meinem Innern, jetzt hast Du ein Haus, hast Ruhe, es geht Dir gut und nun mit einem Male willst Du alles zum Teufel schicken und davongehen! Tagelöhner willst Du werden? Und so lächerlich stellte mir diese Stimme alles dar, daß ich mich hätte kugeln mögen vor lauter Lachen... Ha-Ha-Ha! Nein, was für ein Esel bin ich doch! Weshalb, wozu beraube ich mich der Ruhe? Ich begann wieder daran zu denken, wie schön es zu Hause se?, zusammen mit der Frau u. s. w. Auch Vater Iwan erschien mir jetzt als unschuldiges Lamm,— sonst konnte ich ihn gar nicht ausstehen— und alles erschien mir in so rosigem Licht, daß es wahrhaftig eine Eselei sonder- gleichen gewesen wäre, davonzugehen. Nein, so was Dummes! Ich wurde wieder lustig, bekam Appetit und war immer so guter Laune, daß ich es gar nicht be- schreiben kann. Das war also das Ende vom Liebe: stark war das Gewissen in mir, quälte mich eine ganze Woche hindurch und ließ mir keine Ruhe, aber noch stärker war das schweinische Element in mir. Hier fing aber auch die eigentliche Krankheit an. Ich hatte mich gefreut, daß ich das Denken los geworden war, daß ich nicht mehr so unruhig war, wie früher, wo das Gewissen sich in mir zu regen begann. Ich hatte gedacht, nun geht es wieder gut, einstweilen will ich andern das Vergnügen überlassen, so zu leben, wie die Lehrerin... aber in Wirklichkeit wurde es noch schlimmer mit mir. Immer schwerer und schwerer... Ich verließ weder mein Haus, noch gab ich meine geistliche Stellung auf: ich lebte, wie bisher. Aber jetzt wußte ich, daß ich gewissenlos handelte. Ich suhlte mich nicht nur als einen Menschen mit rein thierischen In- stinkten, sondern als einen ganz gemeinen Betrüger, als Bauernfänger, und auf meiner Seele sammelte sich so viel Unrath, daß ich es gar nicht sagen kann. Von Tag zu Tag wurde das schlimmer, widerlicher, denn das Gewissen erhob immer lauter und lauter die Stimme, aber auch das Schwein in mir wahrte seine Rechte. Das Gewissen erhob mich manchmal, bald aber zog mich das schweinische Element wieder in den Staub.... Ich fühlte mich krank, geplagt, unendlich krank... Nichts war doch einfacher, scheint es, als so zu handeln, wie es die Wahrheit verlangte, wie es Frau Abrikossowa gethan hatte: alles von sich zu werfen, was mit dem Gewissen nicht stimmte! Aber nein! das Schwein in mir erweckte solche Neigungen, daß ich gar nicht einmal im Ernst daran denken konnte, den neuen Weg einzu- schlagen. Das Gewissen dauerte eben nie lange und war nicht mächtig genug.— Und es that so weh, so schrecklich weh!... Was sollte ich thun? Womit den Schmerz lindern? Natürlich!— Nicht ich bin schuld an der ganzen Sache, Andere sind schuld. Auf diese Art und Weise kam ich dazu, den„Andern" Alles in die Schuhe zu schieben. Und da war meine Frau die erste, die mir am nächsten stand, also mußte sie her- halten. Dann kam Vater Iwan an die Reihe, dann die Bauern... Am meisten hatte natürlich die Frau von mir auszustehen. Nun fühlte ich aber, daß ich selbst von allen am schuldigsten war, daß ich ihr zum großen Theil dazu verHolsen hatte, ein Thier zu werden, wie ich eins war, ich fühlte das und— trank Schnaps, um mich zu trösten. So fing bei mir die Trunksucht an... Bald verließ mich meine Frau. Da hatte ich den letzten Halt verloren und nun wurde es noch schlimmer. Ich habe es vergessen zu sagen, daß ich von Zeit zu Zeit, wenn ich nicht gerade krank war oder mit meiner Frau mich zankte, zur Frau Abrikossowa ging, um ihr mein Leid zu klagen. Sie nahm mich immer theilnahmsvoll auf, und weil mein Leben so schwer war, ging ich öfters zu ihr, um Trost bei ihr zu suchen... Meine Frau aber mit der ich in ewigem Streit war, verstand das nicht und dachte, ich hätte mich in die Lehrerin verliebt. Das kränkte und ärgerte sie furchtbar und sie wurde noch tausendmal unerträglicher, als früher. Na, von mir hatte sie auch genug auszustehen, das muß ich sagen! Alles das was in mir schlecht, gemein war, alles das entdeckte ich an ihr und schalt sie deshalb. Später zeigte es sich, daß das für sie von großem Nutzen war, im ersten Augenblick aber verlor sie all ihre Geduld, wollte zum Archijarej*) gehen, sich über mich beklagen, und drohte, daß sie Frau Abrikossowa bei der ersten besten Gelegen- heit mit eigener Hand züchtigen werde für die Schande, die sie ihr anthue. Unser gegenseitiger Haß war tödt- lich, denn ich nahm Frau Abrikossowa in Schutz, was meine Frau nur noch mehr gegen mich aufbrachte. So kam es denn eines Tages, daß meine Frau nach einem fürchterlichen Auftritt aus dem Hause lief und geradeaus zu Frau Abrikossowa eilte. Sie war gewiß mit der Absicht gegangen, die Lehrerin durchzuprügeln, aber ihre Wuth verflog wohl allmählich unterwegs und sie begnügte sich damit, der ahnungslosen Frau eine schöne Portion Schimpfworte an den Kopf zu werfen.„Meinen Mann verführst Du!... Dem Archijerej werd ich's sagen!" u. s. w. Natürlich wurde auch Frau Abrikossowa wnthend(denn das war zu schändlich und ungerecht) und wollte meine Frau davon jagen... Aber sie ging nicht, sondern begann zu jammern, zu weinen und zu heulen. Sie begann ihr Leid zu klagen, der Lehrerin zu erzählen, wie schlecht und gemein ich sei, und die Lehrerin nahm sich ihre Klagen so sehr zu Herzen, daß sie ganz gerührt wurde und auch anfing zu weinen und meine Frau zu beruhigen und zu küssen. Von dieser Zeit an wurden sie unzertrennbare Freundinnen. Beide ließen mich laufen. Ich blieb allein zurück mit meinen thierischen Neigungen und meinem Schnaps... Meine Frau, welcher ich so arg zugesetzt hatte, war mir jetzt sogar sehr dankbar für mein Schelten, durch welches ich sie auf ihre Gemeinheit aufmerksam *) Erzpriester. gemacht hatte. Mein Schelten hatte sie den Lehren der Frau Abrikossowa zugänglicher gemacht. Sobald sie aber alles begriffen hatte, ging sie aus meinem Hause. Sie war eben jünger als ich, auf ihre Seele war nicht so viel Schmutz, und von diesem war durch mich einiges hinweg geräumt worden. So ging sie denn— nm zu lernen... Das versetzte mir den letzten Stoß, ich sank zu Boden... Es wird mir schwer, daran zu denken, das zu erzählen. Die Gesellschaft des Vaters Iwan und seiner prak- tischen Bekannten sagte mir nicht mehr zu. Sollte ich weggehen? Dazu hatte ich den Muth nicht. Ich blieb also und log weiter. Von Zeit zu Zeit betrank ich mich, dann sagte ich alles, was mir auf dem Herzen lag und zankte mit ihnen. Was mich am meisten betrübte, war der Umstand, daß es mir immer klarer wurde, daß ich nie und nimmer von meinem bisherigen Wege abkommen werde. Ich hatte Lust zu sterben... Sobald ich aber einsah, daß dies der einzige Aus- weg für mich sei, daß ich sterben müsse, da wollte ich um jeden Preis leben. Nun stürzte ich mich blindlings in alle Sünden, lief Weibern nach u. s. w. Ich wurde denunzirt. Ich sagte dem Vater Iwan ordentlich meine Meinung, als ich einmal wieder betrunken war, machte bei einer Hochzeit Schweinereien mit einem Weibe, führte in der Kirche einen greulichen Skandal auf. Ich wurde davongejagt und eingesteckt. Anfangs, als ich im Kloster saß, wurde ich ein wenig vernünftiger und es wurde mir jetzt klar, daß es nur einen Ausweg für mich giebt: zu sterben oder mein Leben von neuem zu beginnen. Und da bin ich auf den Gedanken gekommen: Wäre es nicht vielleicht möglich, auf irgend eine Weise gründlich meinen Leib und meine Seele zu kuriren? Den Leib mit Medizin, die Seele mit Lektüre? Wie denken Sie über die Sache? Wär' es nicht möglich, durch diese Mittel ein neuer Mensch zu werden, um ein redliches, wahres Leben zu beginnen? Mit dieser Frage beendete der Diakon seine Er- zählung. Ich überlasse die Lösung der Aufgabe Spezia- listen und Sachverständigen. Als gewöhnlicher Beob- achter der Sitten des Volkslebens habe ich nur die Auf- merksamkeit der Leser auf das Vorhandensein einer Krank- heit lenken wollen, die bis jetzt in diesen Schichten und mitten in den kulturell am meisten zurückgebliebenen Provinzen noch nie beobachtet worden ist. Diese Krank- heit ist— der Gedanke. Mit leisen Schritten, auf ver- borgenen, kaum bemerkbaren Pfaden dringt er in die verstecktesten Winkel Rußlands ein, fällt oft auf den scheinbar unfruchtbarsten Boden. Mitten in dieser schein- bar lautlosen Ruhe, in diesem tiefen Schlaf verändert sich allmählich, langsam, unbemerkbar der geknechtete, verwilderte russische Geist und nimmt eine neue Form an. Und diese Veränderung geht, was die Hauptsache ist, im Namen der allerstrengsten Wahrheit vor sich. Aus meinem„Kauern spiegel". Von Willibald Nagl(„Deutsche Worte"). (2. Fortsetzung.) n. Die brave Verstellung. 1. Wir haben die sittlichen Normen und Grundsätze, welche unserem Bauer als die richtigen gelten, kennen gelernt. Wir wollen dieselben noch im Einzelnen kritisch beleuchten und daraus die Konsequenzen ziehen; dies wird später geschehen. Aber wir brauchen blos hinzuweisen auf die in jenem Moralsystem enthaltene Vernachlässigung, ja Bedrückung des Körpers, aus die Verdrängung aller feineren Sinnlichkeit, die Verpönung einer weiter gehenden Verstandesentwicklung und des freien Urtheiles,— und wir werden sagen müssen, daß die menschliche Natur sich mit diesem System nicht abfinden kann, am wenig- sten, wo sie ursprünglich so derb und kräftig ist. wie im bairisch-österreichischen Stamme. Durch äußere Faktoren ist unseren Bauern diese„Sittlichkeit" ausoktroyirt wor- den, und wenn er sich nach ihr richtet, so ist es nicht Erziehung, sondern Dressur, nicht freie Entschließung, sondern angezwungene Manier. Dieses Moralsystem also, welches schon zur Zeit seiner Einführung nur ein provisorisches sein konnte, wenn auch damals vielleicht pädagogisch gefordert war; welches dann von lebens- und entwicklungsfeindlichen Elementen noch weiter entstellt worden ist nnd unter dem Mantel der Religion noch fortwährend auf dem Nacken unserer Bauernschaft lastet— ist das geistige Medium, in welchem die„reif" gewordenen Landleute leben, weben und sind. Nur was in diesem System gedacht und gewollt ist, darf sich in die Oeffentlichkeit wagen, daher greift es auch in das innerste Sinnen und Treiben des Bauern hinein, — ja beherrscht es wohl auch ganz, wenn dieser nur ein armes inneres Leben hat und sich bewußt nicht mehr denken kann, als er nach außen braucht. Dieses System ist für das Landvolk daher schon eine zweite, krankhafte Natur geworden, die den ganzen Menschen überwuchert, und in der er sich nun schon von selber, auch ohne anderweitigen Einfluß und Zuspruch, ver- vollständigt und ausbildet— zu seinem Verderben. Da- neben wird aber doch die echte, wahre Natur immer wieder unverfälscht in jedem Kinde geboren. Sie wird zwar stets wieder zurückgedrängt, aber sie bleibt, ob- wohl nach außen abgesperrt, obwohl oft nur mehr auf das unergründliche Meer der unbewußten Seelen- Vorgänge beschränkt, und— artet aus. Die Bewunderung des Schönen und Guten an Anderen erzeugt den Trieb der Nacheiferung; wird jedoch diese Bewunderung als eitles Gefühl hingestellt, versumpft der angeregte Wille in Trägheit,— dann geht diese Bewunderung, der aus ihr resultirende nicht benutzte Trieb der Nacheiferung in Mißgunst und Neid über, und der Neid ist ein elementarer Grundzug der geheimen Bauernnatur, und je näher die bewunderte Person den Verhältnissen des Bauers steht, je stärker ihn also diese Bewunderung antreiben will, Aehnliches zu erstreben, desto heftiger wird sein willensträges Herz vom Neide„versucht"(d. i. überwältigt, mit der Einschränkung, daß der Maniermensch nicht seine äußer- liehe Sanktion hinzugiebt). Läßt z. B. ein Bauer seinen Sohn„etwas lernen", und es geht gut vorwärts, so darf er, ohne selbst dem besten Bekannten Unrecht zu thun, annehmen, daß in aller Dorfbewohner Herzen, d. i. in ihrem natürlichen Ahnen und Fühlen, der Neid vorhanden ist: will der Sohn Priester werden, dann wird dieser schlummernde Neid vom frommen Maniermenschen, der in allen lebt, niedergehalten und die ganze Ge- meinde opfert diesen Jüngling Gott auf; gleichzeitig fühlt der, Naturmensch in den Landleuten, daß die Priester- würde wegen der geschlechtlichen Entbehrungen nicht recht angenehm ist, und diese Wahrnehmung dämpft im Ge- Heimen den geheimen Neid. Wird aber dieser Student kein Geistlicher, sondern etwas anderes Angesehenes,— dann hat der bäuerliche Maniermensch kein hinreichendes Mittel zur Bewältigung des natürlichen Neides, und der heimliche Naturmensch keinen Ersatz gegen das be- neidete Gute an diesem Studenten, und der Neid bricht in allerlei Aeußerungen, in Begegnungen, in Verur- theilungen und Verdächtigungen der boshaftesten Art allüberall zu Tage. Ich habe dies an mir selber erlebt. Dieser Neid fiele ganz weg, wenn die Bauern ihre Ver- achtung alles Neuen und„Herrischen" ablegen, ihre Trägheit überwinden und ihre Söhne gleichermaßen, etwa an eine landwirthschaftliche Schule, oder doch zu Hause durch sorgfältigere Anweisungen, durch liebevolle Erziehung u. s. w., zu etwas Tüchtigerem heranbilden möchten. Aber der alte Maniermensch läßt dies nicht zu, und der Neid im Herzen ist der Lohn dafür. Aehnlich geht es dem Bauernvolk mit dem geschlecht- liehen Trieb. Mit einem Mädchen freundlich sein, es zu lieben, ihm herzlich unter die Augen zu sehen, würde sich der junge Bauernbursch vor anderen schämen und ob solchen Treibens auch von der ganzen Dorfschaft als „kindisch",„läppisch" und„leichtsinnig" verlacht und ge- tadelt werden; gehen doch' selbst die Brautleute wie zwei Holzstöcke nebeneinander zum Altar. Weil aber der Geschlechtstrieb nicht an die Oeffentlichkeit darf, um sich in der edleren Liebe zu zerstreuen, so wuchert er mit der sinnlichsten Gluth im Geheimen fort, wird ärger und ärger; wer nicht mit irgend Einer zufällig zum Äeußer- sten Gelegenheit findet, befriedigt sich wahrscheinlich auf unnatürliche Weise, wenigstens weiß ich, daß bäuerliche Individuen bis zum Laster der Bestialität herabsinken, — wozu freilich das trockene, peinliche Moralsystem der Bauern, welches ein schönes Weib zu begehren als das ärgste Verbrechen hinstellt, welches allen Idealismus, allen Sinn für das Schöne über Bord wirft, erleich- ternd mithilft. Ein Städter könnte doch wenigstens das Grausen nicht überwinden!— Ich will die Aus- artungen der einzelnen, von Natur aus edlen, aber durch das bäuerliche Sittensystem unterdrückten Triebe nicht weiter aufzählen und verfolgen; es wird sich jeder selbst eine Vorstellung machen, in welcher Art die zurück- gedrängte, unterbundene Natur sich nach nothwendigen, psychischen Gesetzen von selber in Mißbildungen entwickelt; freilich werden auch die Regungen dieser so verbildeten, verdorbenen Natur, und zwar noch schärfer als die der gesunden, von dem aufgeimpften Moralsystem verpönt, und viele Bauersleute sind noch so stark, auch über die die verdorbene Natur in den hervorragendsten Punkten Herr zu werden; in manchen Individuen wieder ist die Natur, auch die verdorbene, bereits so schwach, so ver- kümmert, daß sie hierzu gar keine merkliche Mühe brauchen. Aber dieses Moralsystem reicht nicht aus für das ganze Leben des Menschen bis hinein in alle seine Details und es wird dem stillen, aber allgemeinen Wirken und Wellenschlagen der verdorbenen Natur in der Bauern- weit so wenig entgegenzuwirken vermögen, als man etwa einen Wasserschwall mit einem Fischernetze auffangen kann. Wir haben demnach in jedem Bauernmenschen, wo dieses Moralsysleiii herrscht, ein Doppelwesen vor uns: einen mehr oder minder„ordentlichen" Manier- menschen und einen minder oder mehr verdorbenen Naturmenschen. Das ist die erste Grundregel bei der richtigen Würdigung unseres Bauerncharakters. 2. Objektiv genommen wäre demnach das Treiben aller dieser Leute Verstellung, da sie sich im Verkehr und in der Oeffentlichkeit anders geben, als sie im Ge- Heimen sind. Aber dieses Urtheil wäre doch zu hart. Weil nämlich das Moralsystem das ganze äußere Leben, den ganzen Verkehr und alles mit diesem zusammen- hängende Denken und Wollen beherrscht, somit fast alles Bewußte nur im Rahmen dieses Moralsystems auftritt, so ist das Natürliche ganz oder doch zum weitaus größten Theil in's Bereich des Unbewußten zurückgedrängt und steht den bäuerlichen Maniermenschen eigentlich als un- bekannte Macht gegenüber, fast als ein feindliches Bereich, dessen Einflüssen man sich, wo man solcher gewahr wird, entziehen müsse. So sieht denn der Bauer in der Ver- leugnung des Natürlichen ein Verdienst; und wenn auch diese unbestimmten(nach der Manier)„unordent- lichen" Regungen der Natur Gestalt annehmen und der Buuer schon weiß, worauf sie eigentlich zielen, so muß er sie doch, Charakters halber, wenigstens vor den an- deren Menschen niederkämpfen und verleugnen. Nur eine Kleinigkeit als Beispiel. Unter dem Titel der Zurück- Haltung und Bescheidenheit verlangt die Manier unter anderem auch, daß man an einem Ort, wo man auf Besuch ist, womöglich nichts annehmen soll, seien es nun Speisen, die aufgestellt werden, oder sonstige Kleinig- leiten. Andererseits gebietet die Manier wieder Dem- jenigen, der Besuch erhält, daß er seinen Besuchern mit etwas„aufwarte" und, wenn sie sich„dagegen spreizen", sie zur Annahme des Vorgelegten nöthige. Dieses Röthigen nennt man auf der Bäuerei par excellence„Heren". Es ist höchst ergötzlich, zuzuschauen und zuzuhören, welch lächerliche Szene sich abspielt, wenn nun die gastliche Wirthin irgend ein schmackhaftes Bißlein, etwa eine lange, dampfende Bratwurst, vor den Besucher auf den Tisch stellt. Der Besucher möchte heimlich gewiß recht gerne zugreifen, er ist ja zu Hause so sparsam, und hier bekäme er etwas umsonst; aber auch an sich reizt ihm der fette Wohlgeruch den allezeit vorhandenen Appetit. Aber „man soll nicht," sagt die Manier. In diesen Wider- spruch leuchtet so trostvoll die Zuversicht hinein, daß ihm das Würstlein nicht entgehen kann, die Hauswirthiu muß ihn ja„ehren". Und da sündigt er nun recht darauf los, weigert und wehrt sich, als kostete es das Leben; die Wirthin darf's nicht dulden, es entspinnt sich «in Wortwechsel, grobe Höflichkeiten und höfliche Grvb- hellen sogar fliegen hin und her:„Gelt's so seid's Ihr, wann Ihr zu uns kommt's, ist Euch nix recht von uns, wir sollen aber allezeit bei Euch essen und trinken" und dergleichen mehr. Endlich wird's der Besucher schon müde und setzt sich, noch immer halb unwillig, zum Teller.„Na, wann Jhr's schon nicht anders thut's (gelten lasset)", sagt er, und ißt ein wenig.„Aber Du ißt ja nicht, so iß doch— ich weiß gar nicht— so iß doch", sagt fast mit thränenweicher Stimme die Wirthin und begleitet mit dieser„ehrenden" Musik die angenehmen Gaumenempfindungen des endlich besiegten, nun verschämt schmausenden Widerparts. Das platte ßand und die Sozialdemokratie. in. Wie hat sich nun das Leben des ländlichen Proletariers mitten in diesen großen technischen Um- wälzungen gestaltet? Wenn Jemand an einem sonnigen Frühlingsmorgen, am offenen Koupeefenster eines Schnellzuges sitzend, durch die grünen, mit erquickender Luft erfüllten Fluren des Platten Landes fliegt und im Vorbeijagen jene armseligen Land-Tagelöhnerschaaren betrachtet, die einen Augenblick rastend dem Dahineilenden nachstarren, mag er dieselben vielleicht bei dem Gedanken an unser Jndustrieproletariat glücklich schätzen; aber er würde ganz anderer Ansicht >kin, wenn er selbst seit Morgens 4 Uhr in gebückterStellung gsgraben oder gehackt, gemäht oder Garben gebunden hätte. Vollständig bekehrt jedoch wäre er, wenn er an rinem eiskalten März- oder Oktvbertage mit eiweisleerem Magen gepflügt, Rüben eingemiethet oder gar an heißem �ugusttage, während die Sonnengluth wie eine athem- �rklemmende Staubwolke auf der Ebene lagert, nur eine halbe Stunde lang die reifen Aehrenfrüchte geschnitten hätte. Nicht zu reden von solchen Tagen, an denen die �ffgen Hagel- und Regenschauer des Frühlings und Herbstes die Arbeitenden bis auf die Haut durchnässen und ein schneidener Nordost die Trocknung vornimmt. . Der Tagelöhner, welcher, die Eßpausen abgerechnet, täglich 14 Stunden lang hinter dem Pfluge hergeht und von den harten Erdschollen wie ein Spielball hin und her geschleudert wird, kommt des Abends wie gerädert nach Hause. Die Arbeit des Mähers, Garbenauf- und Abladers, Sackträgers und Rübenraderers ist nicht minder anstrengend. Dasselbe gilt noch mehr von der Arbeit der Frauen und Kinder, die Garben binden, in knieender und gebückter Stellung Feldfrüchte hacke», Unkraut jäten, Körner stecken oder Kartoffeln und Rüben ernten. Hier kommt dazu, daß die fortwährende Berührung mit dem keuchten und kalten Erdboden leicht rheumatische Leiden, und das stundenlange Verharren in unnormalen Körper- stellungen Gebrechen wie Verkrüppelungen u. s. w. erzeugt. Hauptsächlich werden die in der Entwickelung begriffenen Kinder hiervon heimgesucht. Was alle diese Arbeiten «och besonders aufreibend macht, ist die ungewöhnlich lange und meist sehr intensive Arbeitzeit. Extraarbeits- kräfte stellt der Grundbesitzer nur bei günstigem Wetter, das natürlich auch aufs äußerste„ausgenutzt" wird, und während der Saison ein. Außerdem ist die schöne Praxis des Akkordlohnsystems längst für alle größeren und dringenden Arbeiten im landwirthschaftlichen Betriebe eingeführt. Die Anwendung der Maschine ändert wenig. Gegen die Unbilden der Natur schützt sie überhaupt nicht, raubt dagegen, wie z. B. bei Maschinendrusch, meist dem Arbeiter noch die gesunde Arbeitsbedingung der staubfreien Luft. Die ländliche Arbeitszeit beträgt durchschnittlich 14 bis 16 Stunden. Sie beginnt der Jahreszeit ent- sprechend um 4 oder 5 Uhr Morgens und endet um 8 oder 10 Uhr Abends. In der eigentlichen Bestell- und Erntezeit, wo außerdem du Arbeitskraft am inten- sivsten ausgenutzt wird, erfährt sie noch eine beträchtliche Verlängerung. Die richtigen Eß- und Ruhepausen werden selten, in den Zeiten der Saison fast nie, voll eingehalten. Der größte Theil des ländlichen Proletariats arbeitet außerdem auch dann, wenn seine offiziellen Arbeitsstunden vorüber sind, noch weiter. Theils um die Massen künstlich an die Scholle zu fesseln, theils auch, um möglichst niedrige Löhne zu zahlen, hat der Grundbesitz das Benefizium des„Kartoffelackers" ein- geführt. Es ist dies ein Stückchen Feld, das der Tage- löhner zur pachtfreien Benutzung in Form von Lohn- zahlung erhält. Ein Theil des ländlichen Arbeiterheeres ist heut selbst noch Eigenthümer einer kleinen Ackerparzelle. Allerdings ist die Zahl dieser sehr im Abnehmen be- griffen. Bei dem Stande der heutigen Produktion, wonach die Unrentabilität mit der Kleinheit des Betriebes wächst, haben sie eben die ungünstigsten Chancen. An schönen Erntetagen nun, wenn der Grundherr alle seine Leute braucht und Niemand, um sein eigenes armseliges Besitzthum in Ordnung zu bringen, wegbleiben darf, sind dieselben auf die Nachtstunden angewiesen. Nach- dem die„Häusler" und„freie" Tagelöhner im fremden Dienste tagüber halb zu Tode gehetzt worden sind, quälen sie sich mit Weib und Kinll bis tief in die Nacht dann noch auf ihrem„Eigenthutm"... Der Lohn des ländlichen Proletariats ist geradezu Erzeuger einer chronischen Hungersnoth. Leider ist es bei dem Fehlen jedes zuverlässigen statistischen Materials und in Folge der schwankenden Naturalzahlungsmethoden der verschiedenen Distrikte ganz unmöglich, seine Höhe genau festzustellen. Wir berufen uns hier auf unsere Gegner. Der Kongreß deutscher Landwirthe veranstaltete in den Jahren 1873 und 1874 Ermittelungen über die Lage der ländlichen Arbeiter. Darnach betrug, nach den Zusammenstellungen des Prof. von der Goltz, der Durchschnittstagelohn des Mannes im ganzen deutschen Reiche: während des Sommers.... 1,64 M. „„ Winters.... 1,24„ im Durchschnitt des ganzen Jahres 1,44„ In Preußen und Schlesien ist die Löhnung noch niedriger, nur etwa 80— 90 Pfennige. Das war im Jahre 1873, heute dürfte eine Enquete ganz anders ausfallen, denn seitdem hat sich die Lage der Landwirthschaft gewaltig geändert. Die Löhne sind noch weiter gesunken. Der mit Riesenschritten seinem Ruin entgegengehende Kleinbetrieb sucht sich durch mög- lichste Niederschraubung derselben zu halten, und der mehr und mehr kapitalistisch gewordene Großbetrieb folgt in Lohnfragen nur den Gesetzen der Plusmacherei. Der Tagelöhner zahlt die Zeche in beiden Fällen. Was heißt aber M. 1,44 pro Tag und auf 5— 6 Köpfe vertheilt anderes als ein langsames Hungersiech- thum! Oder will man etwa einwenden, daß die Mit- arbeit von Frau und Kind diesen Betrag doch noch beträchtlich erhöht? Es wird deshalb gut sein, die Lohnverhältnisse dieser sogleich in Betracht zu ziehen. Hier ist das Auffinden eines Maßstabes nicht schwer.*) Die Hälfte des Männerlohns für arbeitende Frauen und ein Viertel deffelben für größere Kinder sind Normen, von denen fast nirgends abgewichen wird. So jämmerlich diese Löhne erscheinen mögen, so wäre es doch unleugbar ein großer Vortheil, wenn wenigstens noch dieser kleine Mehrverdienst tagaus tagein in die Taschen unserer Tagelöhnerklasse flösse. Dies ist aber durchaus nicht immer der Fall- Einmal sind nur ältere Eheleute in der beneidenswerthen Lage, ihre Kinder in das Arbeitsjoch zu spannen, und dann findet die Frauen- und Kinderarbeit in der Landwirthschaft nur periodenweise Verwendung. Hinsichtlich der Lohn- ausgaben ist der Landwirth eben sehr an Sparsamkeit gewöhnt und nur dringende Saisonarbeiten können ihn zu solchen bestimmen. Zudem müssen, wir Sommer- und Winterlöhne streng auseinanderhalten. Die letzteren stehen pro Tag immer um 10—30 Pfennig niedriger als erstere. Dieser Lohnausfall ist um so fühlbarer, als in die kalte Jahres- zeit gerade die größeren Ausgaben für Hetzung, Licht und wärmere Kleidung fallen. Aber wir vergeffen ja die Naturallöhnung, zu der man auch die eventuelle freie Wohnung(ein ähnliches „Benefizium" wie der Kartoffelacker, um die Mafien in die Abhängigkeit vom Kapital zu bringen) und die Acker- lieferung rechnen kann! Die Naturallöhnung, durch welche die Leute vor dem Verhungern und der Obdachs- losigkeit, kurz allen Zufällen, die dem Industriearbeiter sehr leicht zustoßen können, geschützt sind, wie unsere Agrarier ruhmredig ausposaunen. Wir freilich können uns für Lohnleistungen, die so offenbar ihr Dasein dem Interesse des Kapitalisten verdanken, nicht erwärmen. Schon Bezeichnungen wie „Leuteroggen",„Leutebrod" u. s. w. lassen gar keinen Zweifel darüber, daß der Grundbesitzer auf äußerst ge- ringe Qualität dieser Leistungen sieht. Welche„Wohlthat" für den Tagelöhner der Kartoffel- acker ist, war bereits ausgeführt. Nicht minder traurig liegen die Wohnungsverhält- nisse. Knechte und Mägde„logiren" vielfach im Pferde- oder Kuhstalle. Die Gemeinde-Dominial- und Privatkasernen, *)„Der durchschnittliche tägliche Geldlohn für ständig be- schästigte weibliche Arbeiter(Frauentagelohn), schreibt v. d. Goltz, bewegt sich in den einzelnen Theilen des deutschen Reiches zwischen 1,18 und 0,43 M. und beträgt im Durchschnitt des ganzen Reiches 0,73 M., also 52,5 0/o des durchschnittlichen Mannestagelohnes." in denen der größte Theil des ländlichen Proletariats haust, paffen ihrer jämmerlichen äußeren und inneren Ausstattung nach wunderbar zu dem ganzen trostlosen Bilde ihrer Lage. Schmutz und Elend herrschen darin. In diesen überfüllten, oft mit dem Vieh getheilten Räumen sind Licht und Luft ebenso unbekannte Dinge, wie Behaglichkeit und Familienglück. Unfrieden, Roheit, Zank und Klatsch gedeihen üppig. Der auch auf dem Lande immer weiter um sich greifende Schnapskonsum hat in dem heutigen„Heim" des Proletariats feinen festesten Beschützer. Diese traurige materielle Lage des ländlichen Proletariats muß die Hoffnung auf seine baldige geistige Emanzipation allerdings sehr herabmindern. Er- wägen wir aber, daß die Jndustriearbeiterklaffe ehemals kaum in besseren Verhältnissen lebte, ja zum Theil heute noch lebt und sich trotzdem ihre jetzige moralische Macht- stellung errungen hat, so liegt gar kein Grund vor, einen Anschluß des ländlichen Proletariats an die moderne Arbeiterbewegung für ganz aussichtslos zu halten. Gewiß, die stumpfe Gleichgiltigkeit, mit der noch Hunderttausende von Lohnarbeitern ihr grausames Geschick ertragen, hemmt schwer ihre Organisation, aber endgiltig verhindert kann diese doch nicht werden. Nimmt die wirthschaftliche Entwickelung des platten Landes weiter ihren bisherigen Verlauf, woran auch gar nicht zu zweifeln ist, so wird der Kapitalismus dem geistigen und besonders politischen Leben der Landarbeiter unbedingt dieselbe Prägung geben, die in der Industrie heut fast fertig vorgezeichnet liegt.... Freilich, wäre die Sozialdemokratie nichts weiter als ein Produkt von„Agitatoren", wie die Bourgeoisie behauptet, dann wäre wenig Aussicht für uns. Durch Agitation allein wird man die ländliche Proletarierklasse, die leider noch vielfach in einer an Verthierung grenzenden geistigen Nacht von Unwiffenheit und Aberglauben lebt, die bedürfnißlos bis zum Hungertyphus, stumpf und gedankenlos, ohne Wunsch und Wollen dahinvegetirt, wohl kaum zum Klassenbewußtsein erwecken. Für den jedoch, welcher, wie wir, ohne den ungeheuren Einfluß der Agitation zu unterschätzen, jede erfolgreiche geistige Entwickelung von einer vorhergegangenen materiellen bedingt sieht, bleibt der unaufhaltsame Zusammenbruch der heutigen Gesellschaftsordnung auch auf dem platten Lande eine unerschütterliche Gewißheit, da auch dort der große Revolutionär Kapital mit dämonischer Macht die alten wirthschaftlichen Verhältnisse zu zertrümmern be- gönnen hat. Wir sahen bereits, wie ungestüm die landwirch- schaftliche Produktion zur Verallgemeinerung des Groß- betriebes, zur Zentralisation des Kapitals drängt, wie hartnäckig die Maschine die alte Arbeitsordnung unter- minirt, wie die Klassengegensätze sich immer feindlicher zuspitzen. Den Riesenfarmen Amerikas muß die deutsche Land- wirthschaft, wenn sie konkurrenzfähig bleiben will, eben solche entgegenstellen. Diese wieder, mit ausgesprochen kapitalistischem Charakter, bedingen vor allem eine leicht anziehbare und abzustoßende Proletarierarmee, die be- weglich zwischen Industrie und Landwirthschaft pendelt und nichts mehr mit jenen fest ansässigen Tagelöhner- schaaren gemein hat, die einst auf der Scholle starben, auf der sie geboren, die in der Unwissenheit verkümmerten, in welcher sie durch Erziehung und Abgeschlossenheit von der Außenwelt gehalten wurden. Die Anfänge dieser Bewegung sind bereits in Fluß. Das zeitweise Zurückflutyen des industriellen Proletariats nach dem platten Lande ist eine bekannte Thatsache. Die industriellen Krisen schleudern einen großen Theil der abgestoßenen Arbeitskräfte als Bettler auf die Land- straße. Diese zieht das landwirthschaftliche und land- wirthschaftlich-industrielle Kapital begierig an sich. Aus ihrer Mitte rekrutirt sich eine beträchtliche Zahl der Ernte-, landwirthschaftlichen Saison-, Zuckcrfabriks- und Brennereiarbeiter. Der Grundbesitz verfügt somit jetzt schon über eine bedeutende Armee von Arbeitskräften, die er nicht das ganze Jahr über festzuhalten braucht. Dieselben Verkehrswege, die einst den Fortzug vom Lande begünstigten, erleichtern die Rückkehr. Noch unendlich mehr ist aber innerhalb der Land- wirthschaft selbst die Beweglichkeit der Arbeitermassen gewachsen. Die„freie Konkurrenz" der landwirthschaft- lichen Profit-Kapitale unter einander hat jene Bewegung geschaffen, die unter dem Namen„Sachsengängerei" bereits die Regierung beschäftigt. Schon ihr bloßes Vorhanden- sein zeigt die bereits unaufhaltsame Auflösung der herkömmlichen Verhältnisse des platten Landes. Kein Besitz kettet die Massen mehr fest genug an die heimathliche Scholle, die Armuth hat sie wirklich„frei" gemacht. Und mit jedem Jahr wächst die Zahl dieser Sturm- schwalben einer kommenden Zeit, die wie das Vieh ver- flachtet bei beginnendem Frühling aus dem Osten nach Westen wandern und im Herbste die Keime neuer Lebens- gewohnheiten und Anschauungen in die heimathliche Bedürfnißlosigkeit und Geistesnacht tragen oder— die Heimkehr für immer vergessen, d. h. die unkultivirten und indifferenten Gegenden entvölkern Helsen. Die Guttttickelmig des franMsche« Naturalismus. Eine eiaenthümliche Erscheinung weist gegenwärtig das französische Literaturleben auf. Wenn man ge- wöhnt ist. die Literatur nicht als ein von dem übrigen Gesammtleben der Nation Losgelöstes zu betrachten, wenn man die feinen Zusammenhänge verfolgt, welche ein Starker oder ein Schwacher; und alles, was er thut, die Kunst mit dem sozialen Untergrund verbinden, so ist Ausfluß dieses seines Charakters. 11 Balzac ist der erste Naturalist, d. h. der erste Künstler, der die Menschen aus den sozialen Verhältnissen wird man in den Wandlungen der französischen Literatur Aber die Menschen haben nicht solche„ Charaktere." heraus darstellt. So start kommt das bei ihm zum ein höchst charakteristisches Moment erblicken. Da giebt es nichts flares, unabänderliches, da fließt Ausdruck, daß es ihm sogar selbst ins Bewußtsein tritt; Der französische Naturalismus kann als die künst- und bewegt sich alles. Mag ein Mensch mit einer be- er definirt seinen künstlerischen Plan als eine Darstellung lerische Frucht der großen Revolution betrachtet werden. stimmten, hervorstechenden Eigenschaft geboren sein, das des sozialen Frankreich seiner Zeit. Schon vor dem Ausbruch der Revolution begann die ist schon eine Ausnahme; aber in den tausendfältigen Etwas zurück tritt das soziale Moment bei den un Wandlung. Die Dichter des ancien régime waren Beziehungen des äußeren Lebens, und unter dem ewig mittelbaren Nachfolgern Balzacs, bei Flaubert und den Schmaroßer an den Höfen und bei den Adeligen gewesen; wechselnden, ewig anders kombinirten Einfluß der übrigen Goncourts; der Angelpunkt wird es erst wieder bei Zola. ihre Aufgabe war gewesen, ihre Mäcene zu preisen; und seelischen Umstände, wird er doch stets schillernde Hand- Dieser gilt dafür aber auch schon als höchst ge= wie die Maler der Epoche etwa den König als Jupiter lungen hervorbringen. Nicht, wie diese Kunst meint, der fährliche Erscheinung. Mochte zu Balzacs Zeit die büroder Imperator darstellten, so mußten auch die Schrift- innere Charakter" der Menschen ist es, welcher die gerliche Gesellschaft schon korrumpirt sein; immerhin war steller ihre Auguste und Mäcene in mythologischer und Handlungen der Menschen verursacht. Die Handlungen noch der Abglanz der vergangenen, tüchtigen Zeiten vorantiker Verkleidung loben. Es war die Zeit der idea- sind das Resultat des Zusammenkommens von Außenwelt handen. Zola aber hat nur die Zeiten der Bonapartes listischen Kunst. Die Menschen wurden in der Dar- und Mensch. Und bei diesem Zusammenkommen über- und Boulangers erlebt. Mochte man zu Balzacs Zeiten stellung zu Ueberlebensgröße erhoben, und in der Dichtung wiegt der Einfluß der Außenwelt, die ja im letzten schon das beginnende Regen des Proletariats spüren, hallte der Kothurn. Grunde auch den ganzen Menschen erst geschaffen hat. mochten sich schon die trüben Wirkungen des Kapitalismus Die sich entwickelnde bürgerliche Literatur stellte sich Die Bedeutung der Außenwelt, das wäre also das für die Arbeiter zeigen; das alles meldete sich doch erst Darum finden wir auch in Balzacs spöttisch diesem hohlen Pathos gegenüber. Namentlich nächste Problem der bürgerlichen Kunst, nachdem sie ein schüchtern an. durch englischen Einfluß geschah es, daß die Götter, mal den Idealismus verlassen hatte und sich auf dem Schriften keinen Arbeiter. Aber Zola lebt in der Zeit der Sozialdemokratie, der Kommune und der großen Könige und Helden aus der Kunst verschwanden und Boden des Realen bewegte. der simple Bürgersmann an ihre Stelle trat; daß man Aber wie will man die Außenwelt fassen? Soll man Streifs; und bei ihm bildet die Schilderung des Prole die hochgespannten, idealen Gefühle aufgab, und die alle diese tausend Erscheinungen, aus denen sie sich zutariats eine Hauptpartie seiner sozialen Gemälde. Der Naturalismus war dem Bürgerthum angenehm schlichten, bürgerlichen Anschauungen auch in die Kunst sammensett, in das Kunstwerk bringen? Soll man das einführte. Die Dichter des erwachenden Bürgerthums Kunstwerk zum Konversationslexikon des Lebens machen? gewesen, so lange er ihm nicht allzu unangenehme Sachen waren Literaten, die von ihrer Arbeit lebten, Idealisten schilderte; schon bei Flaubert und den Goncourts wurde Das geht offenbar nicht; man müßte vielmehr suchen, die Sache bedenklich; aber ganz unausstehlich wurde ihm und Ideologen, welche ihren Kampf mit Begeisterung die Maschinerie dieser Außenwelt zu entdecken; man müßte die naturalistische Poesie bei Zola. Und wenn es auch führten. die Momente der Außenwelt herausgreifen, welche das anfangs den Lesern einen gewissen pikanten Genuß be Aber diese Anfänge der bürgerlichen Kunst unter- übrige bedingen, von denen alles andere abhängt. Durch reitet hatte, die Sachen alle so ohne Feigenblatt zu sehen, schieden sich fast durchweg nur im äußerlichen von der Auffindung des allgemeinen Causalnexus hätte man alles schließlich wurde die Sache doch unangehm, peinlich, urd alten Kunst. Nur die Personen etwa hatten gewechselt; vereinfacht. man fand, daß er Einem eigentlich zu viel zumuthete. nur, daß man jetzt Bürger an Stelle der Könige sah. Es ist klar, daß das, was von der Außenwelt uns In neuester Zeit tritt denn auch eine literarische Aber die Auffassungs- und Darstellungsart war nicht am meisten und folgenschwersten bedingt, die sozialen Reaktion gegen seine Art der Sozialschilderung auf. Sie Verhältnisse sind; vom sozialen Gesichtspunkte aus ge- wird verlassen, man vertieft sich mit Vorliebe in die Das Wesentliche dieser Art der Darstellung war: sehen, lösen sich alle diese verwirrten Erscheinungen in psychologische Detailmalerei; man kommt wieder beim die Isolirung des Menschen, sein Fertigsein, seine abstrakte einer einfachen und schlichten Harmonie auf, erscheint die Individuum an. Es wird verkündet, daß man nur sich Charakteristik. Der Mensch wird aufgefaßt als ein freies Außenwelt in voller Klarheit und Durchsichtigkeit. selbst genügend kenne, daß man nur durch Selbststudium Wesen, von den ihn umgebenden äußeren Verhältnissen, Aber ehe man darauf kommen konnte, die Welt vom zur psychologischen Erkenntniß kommen fann; und wie dem sogenannten Milieu, unabhängig. Es dreht sich sozialen Gesichtspunkte aus zu betrachten, mußte man vormals wird die Darstellung der sozialen Zusammenalles um den„ Helden." Dieser Held erlebt oder macht durch die Schule einer ökonomischen Revolution hindurch- hänge außer Acht gelassen. Das einzelne, komplizirte eine Geschichte; er hat einen bestimmten, feststehenden gehen; als der Klassenkampf in seiner unverhüllten Nackt Individuum bleibt als einziges Objekt der Kunst übrig. Charakter; das ganze Kunstwerk ist in sich geschlossen heit auftrat, verschwanden alle idealen Mäntelchen und Die neueste Phase der französischen Literatur ist bereits und begründet, bildet einen völligen Kreis, in den weiter Decken; und hinter diesen Verhüllungen erblickte man das ein entschiedener Verfall gegenüber dem von Zola ernichts hineingehört. Er ist etwa ein Geizhals oder ein einfache soziale Getriebe, welches alles bestimmte, die reichten Niveau. Verschwender, ein Sanftmüthiger oder ein Jähzorniger, Geschichte, das Leben, die Kunst, die Wissenschaft. verändert. Sozialdemokratischer Wahlverein des 2. Berliner Reichs-| Sozialdemokratischer Wahlverein des 4. Berl. Reichstagstags- Wahlkreises. Donnerstag, den 18. September 1890, Abends 8 Uhr Große Versammlung in der Bockbrauerei, Tempelhofer Berg. Tages Ordnung: 1. Vortrag über: Die politische Lage.( Referent: Albert Auerbach). 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um recht zahlreichen Besuch bittet Alten Freunden und Genossen empfehle mein Weiß- u. Bairisch- Bier- Lokal. 1 Saal zu Versammlungen und 2 Vereinszimmer stehen zur Verfügung. Herrmann Wuttke, Friedrichsbergerstr. 20 pt. nicht zu verwechseln mit Carl Wuttke früh. Weberstr.10 Albert Auerbach, Berlin S., Rottbuser Damm 7. Schuh- und Stiefel- Lager für Herren, Damen und Kinder. Reelle Bedienung. Feste Preise. Kranzbinderei u. Blumenhandlg. bon J. Meyer Nr. 1, Wiener Straße Nr. 1, ( in der Ecke bei der Manteuffelstraße). Guirlanden 15 Pfg. pro Meter. Doppelbügelige Lorbeerkränze von 50 Pf. an. Topfpflanzen, Bouquets 2c. gut u. billig. Empfehle meinen werthen Freunden und Genossen sowie den Lesern dieses Blattes mein Cigarren- Geschäft. Carl Lehmann, Brunnenstr. 83, dicht am Humboldthain. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Wahlkreises Montag, den 15. September 1890, Abends 8 Uhr Mitglieder- Versammlung int ,, Elysium" Landsberger Allee. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Paul Singer. 2. Diskussion. 3. Vereins- Angelegenheiten. 4. Fragekasten. Gäste sind willkommen. Fachverein für Schlosser und Maschinenban- Arbeiter Berlins und Umgegend. Montag, den 15. September, Abends 8 Uhr Grosse Versammlung in Feuerstein's Salon, Alte Jakobstraße 75. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Pfarrer emer. Kendziora über Punkt 6 des sozialistischen Programms: " Religion ist Privatsache". 2. Discussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht sämmtlicher Mitglieder, in dieser Bersammlung zu erscheinen. Gäste willkommen. !! Achtung!! Der Vorstand. Wiederholt ist mir die Mittheilung geworden, daß Cravatten mit Lassalle- und Marxbildern, die von hiesigen Bourgeoisie- Firmen angefertigt werden, als aus meinem Geschäft stammend. in den Handel gebracht wurden. Ich erfläre hiermit, daß die Form, womit die Bilder hergestellt werden, mein Eigenthum ist und feine andere hiesige Firma eine solche besiẞt. Wenn dennoch Cravatten mit Mary- und Lassallebildern von anderen Fabriken geliefert werden, o sind dieselben mit meiner Form hergestellt und hat die Fabrit, der ich die Form zum Zwed Anfertigung der Bilder anvertraut habe, mein ihr geichenktes Vertrauen mißbraucht. Ich bitte daher die Genossen, welche einen derartigen Shlips kaufen, sich bei dem Händler nach dem Namen des Fabrikanten zu erkundigen, anderenfalls mir Mittheilung zu machen. Mit sozialdemokratischem Gruß Carl Wesch, Crefeld, Cravattenfabrikant. Adresse genügt! Freunden, Bekannten und Genossen empfehle mein langjähriges W. Gründel's Restaurant Herren- und Knaben- Garderoben- Geschäft ( früher: R. Wendt.) Dresdener- Strasse 116. Arbeitsnachweis und Verkehr der Buchbinder, Schlosser, Drechsler, Maler, Töpfer, Stellmacher, Sattler und Gärtner. auch halte stets ein großes Stoff- Lager zu Bestellungen nach Maaß, welche in eigener Werkstatt angefertigt werden. Für guten Sitz wird garantirt. J. Sax | Deutscher Sumorist.- satyr. Der Vorstand. SüdPostillon sikblatt Dieser flotte, überall gern gesehene Junge in Bereits 9 Jahre alt und sprüht von lebensfroher Heiterkeit. Der ,, Süddeutsche Postillon" bringt scharfpointirte ins Schwarze treffende Leitgedichte und schwingt die Geißel der Satire über die politischen und sozialen Schäden. Der Süddeutsche Postillon" pflegt forgfältig ben fernigen, herzerfrischenden Humor, mit der gleichen Schneid lenft er jem Gefährt durch die Nebeng lände der Dichtung und die blühenden Niederungen der Prosa. Ein Stab ausgezeichneter Mitarbeiter steht dem ,, Süddeutschen Postillon" zur Seite und die besten Zeichner, die trefflichsten Künstler schmücken ihn mit prächtigen Bildern, geholt find. die aus dem öffentlichen und privaten Leven herausDer ,, Süddeutsche Postillon" versäumt nie den An schluß, kommt stets ans rechte Ziel und ist der Liebling aller Bassagiere. Der ,, Süddeutsche Postillon" erscheint monatlich 1 mal und kostet frei ins Haus vierteljährlich 40 Pf. Jede einzelne Nummer 10 Pf. Eingetragen im deutschen Postzeitungskatalog unter Nr. 5872 im bayer. unter Nr. 661. Redaktion und Expedition: München, Senefelderstraße 4. Allen Freunden und Genossen empfehle mein Restaurant. Internationales Weiß- und BairischBier- Lokal. Rennthaler. Granseer- Straße Nr. 1. Schuh- und Stiefel- Lager 2. Geschäft: Brangefftr. 44 eigener Fabrit empfiehlt Reichhaltiger Frühstücks-, Mittags- und Abendtisch. Borzügliches Weiß- und Bairisch- Bier. 2 Billards. Saal zu Versammlungen. Fernsprech- Anschluß. Amt 9a. Nr. 578. Verantwortlicher Redakteur: Conrad Schmidt, Berlin. Verleger und Drucker: Maurer, Werner, Dimmick, sämmtlich in Berlin SO., Elisabeth- Ufer 55. 1. Geschäft: Köpnickerstr. 127 ( nahe der Adalbertstraße). ( Ecke Lübbenerstraße). A. Manthey, Linienstraße 245, nahe der Neuen Königstr.