Berliner Sozial-Politisches Wochenblatt. Die ersten Tage de» fozialistische« Kon- grestes.— Spießbürgerliche Reformideen xnr Lösung der sozialen Frage. II.— Einiges über die Lage der im Berliner Papier Uerarbeitnngs- Gewerbe beschäftigten Ar beiter.— Strindberg's..Dater".— Natura lismns und Sozialismus. Gedicht.— UoveUe.— Der Kapitalwerth des ländliche» Grundbestbes. II.— Die Zncker indnstrie nud ihr Proletariat.— Ans meinem Kaneruspiegel. Die ersten Tage des sozialistischen Kongresses. Donnerstag, den 16. Oktober. Der erste Kongreß, welcher wieder auf deutschem Boden im vollen Lichte der Oeffentlichkeit stattfinden durfte, nimmt einen glänzenden Verlauf. Groß und imposant, wie unsere Partei in den Wahlkamps des 20. Februar hineinschritt, bewährt sie sich auch in den Verhaudlungen des Parteitages. Ein tiefer demokratischer Zug geht durch alle Verhandlungen. Die Meinungen treten einander kämpfend gegenüber,— aber jeder Gedanke an die von der bürgerlichen Prefie mit so viel Behagen prvphezeihte Spaltung ist lächerlich geworden. Die Partei hat ihre Einigkeit zum Aerger ihrer Feinde dokumentirt— und diese Einigkeit war nicht das Pro- dult irgendwelchen blinden Autoritätenkultus. Das zeigte sich überall, besonders auch in der— berechtigten oder unberechtigten— Polemik, niit der sich ein Theil der Genossen gegen das Verhalten der Fraktion in der Mai- seier und bei den Stichwahlen wandte. Die Verhandlungen begannen mit den Ansprachen unserer ausländischen Gäste. Holland, Belgien, Oester- reich, Schweven. die Schweiz. Italien und Frankreich hatten Repräsentanten ihrer proletarischen Bewegung nach Halle geschickt. Und die Worte internationalen So- lidaritätsgefühls, welche da an die deutsche Arbeiter- Partei, die Vorhut der gesammten Sozialdemokratie, ge- richtet wurden, sie gaben nur der wirklichen Gemeinschaft, die uns alle verbindet, den richtigen Ausdruck. Der mächtige Mahnruf, in welchen das kommunistische Manifest ausklingt— er ist zur Wahrheit geworden. »Proletarier aller Länder vereinigt Euch", diese Parole, welche in riesigen Lettern über der Bühne des Sitzungs- saales prangte, überall in den Reihen des Proletariats hat sie Widerhall gefunden. Jeder unserer ausländischen Genossen trat aus, um dafür Zengniß abzulegen. Das wichtigste Ereigniß der Montagssitzmig war der Rechenschaftsbericht der Parteileitung, welchen Bebel dem Kongresse vorlegte. In kurzen Worten zeichnete er die Wucht der Verfolgungen, die unsere Partei zu erdulden bntte. Etwa 80 Genossen wurden in den ersten zwei Jahren des Sozialistengesetzes gezwiuigen, Deutschland zu verlassen und keiner derselben ist zurückgekehrt. Keine andere Partei hätte einen solchen Aderlaß, wie er damals a» uns vorgenommen wurde, ertragen. 1500 Genossen hat das Sozialistengesetz in das Gefängniß geworfen, ahne darum unsere Agitation und die Schaar unserer Jinhäiiger auch nur im mindesten zurückzudrängen. Von 103 000 Stinimen. die wir vor dem Ausnahmegesetz hatten, sind wir zu anderthalb Millionen bei der letzten Reichstagswahl emporgestiegen— unaufhaltsam, unüberwindlich. Unsere Presse, her unscheinbare, tägliche, nie ermüdende Agitator des sozialen Gedankens— gedeiht vortrefflich. Sie wird durch 104 Blätter mit zusammen etwa 600 000 Abonnenten repräsentirt. Aber auch in dem Punkte, welcher von Vielen für den wichtigsten bei jeder Kriegführung gehalten wird, haben wir die wunderbarsten Erfolge. Unsere Kassen sind so wohl gefüllt, daß der Agitationssonds unserer Gegenparteien zur Lächerlichkeit daneben zusammen- schrumpft. Wahrlich, die Zablen Bebels sprachen eine ergreifende Sprache. Wir, die Partei der Proletarier, der lumpigen, hungernden Habenichtse— wir besitzen als Partei weitaus das meiste Kapital. Unsere Genossen wissen von ihrer Armuth Opfer zu bringen, vor denen der Reichthum der staatserhaltenden Parteigänger zurück- schreckt! Das Vermögen, das blos in den Händen der Parteileitung konzentrirt ist, beträgt augenblicklich 171 830 Mark. Auch von dem Agitationsplan, der sich für die Partei jetzt nach Aufhebung des Ausnahmezustandes empfehle, sprach Bebel. Man müsse energisch gegen den Ultramontanismus vorgehen, ihm ein Gebiet nach dem andern ivegerobernd. Ferner sei für die gesammte Land- bevölkerung ein besonderes Blatt zu gründen, desgleichen für die lvhndrückende polnische Arbeiterschaft und die Elsaß-Lothringer. Auch die Einrichtung eines Bureaus für sozialstatistische Arbeiten sei im Interesse der Partei sehr zu wünschen. Zeigen wir unfern Gegnern, so schloß die treffliche Rede, daß unser Ruf trotz alledem ist: Vorwärts, vorwärts, vorwärts! Im Verlauf der DiSkussiau.rmrdc dann von-Berlin aus der Antrag gestellt, es möchte zur Schlichtung der zwischen Fraktionsmitgliederu und Berliner Genossen schwebenden sachlichen oder persönlichen Differenzen eine Kommission gewählt werden. Der Antrag wurde ab- gelehnt; nachdem jedoch Werner, der Vertreter der Opposition, sich über die Beschwerden, die er gegen Fraktivnsmitglieder, insbesondere gegen Grillenberger, vorbringen müsse, verbreitet hatte, nachdem Grillenberger, Liebknecht und Bebel ihm geantwortet— wurde von allen Seiten die Einsetzung einer solchen solchen Kommission befürwortet. Die Wahl derselben wird auf die nächsten Tage verschoben. Im Uebrigen drehte sich die Debatte um die Mai- feier und den Beschluß des St. Gallener Kongresses, der bei Stichwahlen den Genossen Stimmenthaltung anempfohlen hatte. Es wurde von den verschiedensten Seiten der Vorwurf erhoben, daß die Fraktion niit ihrer Mahnung, bei der für den 1. Mai geplanten Arbeitseinstellung vorsichtig zu sein, nicht rechtzeitig hervor- getreten wäre. Dadurch sei Unentschlossenheit unter den Arbeitern entstanden und diese Unentschlossenheit habe das Fiasko der Maifeier und die darauf folgenden Arbeitermaßregelungen verschuldet. Es wurde ferner ge- tadelt, daß die Fraktion bei den letzten Stichwahlen, entgegen dem ausdrücklichen Beschlüsse des St. Gallener Kongresses, ein Eintreten für die freisinnigen Kandidaten befürwortet habe. Bebel wies in seinem Schlußwort diese Angriffe zurück. Weit dem St. Gallener Kongresse habe sich eben die politische Situation geändert. Räch dem Ausfall der Wahlen vom 20. Februar hätte man hoffen können, die Reihen der Opposition bei der Stichwahl so zu stärken, daß eine Verlängerung des Sozialistengesetzes ven der Majorität des neuen Reichs- tages abgewiesen werden würde. Darum habe die Fraktion jenen nicht mehr zeitgemäßen Beschluß, der auch von den Parteigenossen im Lande jetzt als Fessel empfunden wurde, gebrochen und sei dafür eingetreten, die Opposition schlechthin— also auch die freisinnige— bei den Stichwahlen zu unterstützen.— Was die Maifeier betreffe, so habe man einen Fraktionsbeschluß über dieselbe deshalb hinausgeschoben, weil man allgemein eine sehr viel frühere Einberufung des Reichstages, welcher die neue Fraktion vollständig in Berlin versammelt hätte, erwartete. Man konnte nicht wissen, daß dieser Termin so weit hinausgeschoben werden wRrde. Materiell müsse aber die Haltung der Fraktion durchaus gebilligt werden. Die Industrie ging schlecht und unser Unternehmerthum hätte mit Vergnügen ungezählte Arbeiterschaaren auf's Pflaster setzen können, Die Fraktion, welche bei einer solchen Lage Oel hi's Feuer goß, habe sehr viel gutes gewirkt, indem sie durch ihren Beschluß die Zahl der Feiernden und damit die Masse der Aussperrungen ver- minderte. Am Dienstag reserirte Singer über die parlamen- tarische Thätigkeit der Fraktion. Er erläutert die ablehnende Haltung unserer Partei dem Militarismus, der Steuerpolitik, der Kvlonialpolitik und der offizieller Sozialreform gegenüber. Der Parlamentarismus sei eine unentbehrliche Waffe des Proletariats, nicht nur in den Agitation bewähre sich die parlamentarische Taktik unserer Partei, sondern auch in dem moralischen Drucke, welchen �sie ans die übrigen Parteien ausübe. Das kleine Bischen Sozialrefvrm, das wirklich Nutzen für den Arbeiter bringe, sei nur durch unsere parlamentarische Thätigkeit Erreicht. Verschiedene Redner schließen sich den Aus- sührungen Singers an und sprechen ihre vollkommene Zu- stimmnng zu der bisher von der Fraktion im Reichstage befolgten Taktik aus. Als einziger Opponent tritt Werner auf. Seiner Meinung nach hätten sich unsere Abgeordneten zu tief in die parlamentarische Thätigkeit eingelassen. Die Wichtigkeit des Arbeiterschutzes werde bei weitem übertrieben. Das eherne Lohngesetz mache alles, was man auf dem Wege des Arbeitcrschutzes ge- Winne, null und nichtig. Er führt dann im Besonderen einige bestimmte Fälle an, in denen er-ine rnnzipielle Haltung der Fraktion, besonders Bebels, nicht habe er- blicken können. Die stürmische Agitation, die Prokla- mining unserer Prinzipien, die stäte Bearbeitung der großen Masse— das sei auch für unsere parlamen- tarischen Vertreter die eigentliche Aufgabe. Darauf nahm Bebel zur Erwiderung das Wort. Er widerlegte sehr eingehend und überzeugend die spezialisirten Einwürfe, die Werner gegen ihn und die Fraktion erhoben. Er rügte scharf die Unklarheit in den allgemeinen ökonomischen Ausführungen Werners, durch welche er die Nutzlosigkeit einer Arbeiterschutzgesetzgebung habe beweisen wollen. Beim Wahlkampf habe Werner diese radikalen Ansichten noch keineswegs geäußert, er würde dann nicht ein Drittel der thatsächlich auf ihn entfallenen Stimmen erhalten haben. Die Taktik unserer Partei, schon in der gegen- wärtigen Gesellschaft alles für die Arbeiterschaft praktisch Erreichbare anzustreben, sei die einzig richtige. Ohne sie würden uns die Massen nie folgen. Aehnlich spricht sich Singer im Schlußwort aus. Am Nachmittag erhielt Auer zu seinem Referat über den Organisationsentwurf das Wort. Er tadelte die Heftigkeit, welche in der Kritik des Organisations- eutwnrfes hier und dort zu Tage getreten sei. Der Ent- wurf nehme möglichste Rücksicht auf die bestehenden gesetz- lichen Verhältnisse; man wolle es für's Erste trotz der Vereinsgesetze mit einer allgemeinen Organisation versuchen, werde man aufgelöst, so werde es der Partei— dieser unzerstörbare Substanz— am Ende auch nichts schaden. Die Forderung, daß nur der im engeren Sinne als Parteigenosse gelten solle, welcher die Partei auch dauernd materiell unterstütze, könne man eventuell fallen lassen, weil dieser eine Paragraph schon genüge, uns als»Ver- ein" zu kennzeichne» und uns so der Gefahr einer Auf- lösung auszusetzen. Die andere Bestimmung, daß, wer ehrlose Handlungen verübt habe, von der Parteigenossen- schaft auszuschließen sei, müsse aber jedenfalls festgehalten werden. Nicht darauf, ob jemand bestraft sei, auf die moralische Oualität seiner Handlungen komme es, wenn mau über seinen eventuellen Ausschluß zu entscheiden habe, an. Irgend eine gegen die großen Städte gerichtete Tendenz liege dem Paragraphen, welcher die Delegirten- zahl jedes Kreises auf das Maximum von drei beschränken wolle, nicht vor. Hauptzweck des Parteitages sei doch, die Genossen zu weiterer Arbeit anzufeuern, auf den Wahlmodus komme wirklich nicht sehr viel an. Dafür, daß die Fraktion und nicht der Parteitag die Gehälter der mit der Parteileitung betrauten Personen festzusetzen habe, spreche die einfache Thatsache, daß der Kongreß doch nicht im Voraus die Arbeitslast und damit die nothwendigen Entschädigungen der Vorstandsmitglieder werde berechnen können. So niedrig solle man doch nicht denken, in den diesbezüglichen Paragraphen des Entwurfes ein Geschäftsmanöver zu wittern. Eine zen- tralisirte Kontrolle der Presse durch den Parteivorstand empfehle sich als Abwehr gegen unlautere Privatspeku- lationen und Blätter, welche dem Partei-Jntcresse ent- gegenarbeitein Daß die Fraktion die Kontrollbefngniß über den Parteivvrstand erhalte, sei aus reinen Zweck- mäßigkeitsrncksichten vorgeschlagen, könne ja aber auch geändert werdein Zum Schlüsse ging der Redner aus- führlich auf die Gründe ein, welche das„Berliner Volks- blatt" als besonders geeignet erscheinen lassen, die Rolle eines offiziellen Parteiorganes zu übernehmen. Am nächsten Tage, am Mittwoch, begann die Dis- kusssion über den Entwurf. Wollmar wünscht, die Kon- trole Über den Parteivorstand nicht der Fraktion, sondern einem zu diesen Zweck gewählten Ausschuß des Partei- tages zu übergeben. Werner schließt sich diesen Aus- führungen an. Er schlägt vor, der Kongreß inöge einen Vorstand von 16— 20 Personen wählen; ein Theil der- selben habe dann die Geschäftsleitung zu übernehmen. Die übrigen kontroliren aber diese Geschäftsleitung. Er wünscht serner statt des Centralorgans eine lithographirte Parteikorrespondcnz, die an die Lokalblätter zu versenden sei. Das Berliner Volksblatt müsse den Berlinern ver- bleiben. Keßler erörtert vom Standpunkte des Preuß. Vereinsgesetzes den Entwurf und empfiehlt den Berliner Antrag als den juristisch am wenigsten anfechtbaren. Eine Menge von Abänderungsanträgen zum Organi- sationsentwurf wird im Laufe der Debatte eingereicht. Am Nachmittag hielt Liebknecht seine mit stürmischem Beifall aufgenommene Rede über das Programm der Partei. Aus der großen Zahl seiner Ausstellungen sei hier nur ein Punkt hervorgehoben: Die Forderung der Produktivgenossenschaften mit Staatskredit müsse als veraltet gestrichen werden. Der Klassenstaat werde sich nie dazu bequemen und zudem könne das Privatknpital bei seiner jetzigen Zentralisation aller solcher Genossen- schaften spotten. Der Passus dagegen, welcher die Re- ligion zur Privatsache erklärt, müsse unverändert stehen bleiben. Die Sozialdemokratie thue am besten daran, die Kirche links liegen zu lassen und alle Kraft im politisch-ökonvinischen Kampfe zu kvnzentriren. Unsere Partei müsse zudem auch jeden Schein von Intoleranz vermeiden. Dies ini kurzen Umriß der Gang der bisherigen Verhandlungen. Am Dienstag Abend hatten die Hallenser Genossen den Kongreß zu einem Feste eingeladen. Eine vieltausendköpfige Menge, Männer und Frauen, füllten den Saal. Und als die letzten Worte des Prologs ver- klnngen waren, da erhoben sich mitten aus der Ver- sammlung mit elementarer Gewalt die brausenden, alt- bekannten Weisen der Arbeitermarseillaise: Nicht fürchten wir den Feind, Nicht die Gefahren all'— Wenn der deutsche Proletarier, dessen unbeugsame Kraft den Martern des Sozialistengesetzes getrotzt hat, diese Worte singt— dann ist das keine Phrase. Er hat es bewiesen, daß er den Feind nicht fürchtet. Spiehbürgerttche Reformideen zur Koj'nng der sozialen Frage. ii. §. Das heuchlerische Spießbürgerthum begrüßt den Vegetarismus als eine willkommene Handhabe, dem un- zufriedenen Proletariat in geeigneter Form das Evangelium der Entsagung und Enthaltsamkeit zu predigen, ihm alle die Tugenden anzuempfehlen, die es selbst nicht besitzt und auch gar nicht besitzen möchte. Das kapitalistische Pharisäerthum vermag so wenig seine wahren Hinter- gedanken bei diesem Borschlage zu verbergen, daß es neben der Bedürfnißlosigkeit auch Arbeitsamkeit und Sparsamkeit in einem Athemzuge als Erfordernisse der „naturgemäßen Lebensweise" aufzählt. Diese Sophisterei ist indessen glücklicherweise so plump und durchsichtig, daß ihr Resultat kein anderes sein kann, als in jedem Proletarierhcrzen den bittersten Ingrimm über die nichts- würdige Heuchelei solcher angeblichen Svzialreform zu entflammen. Die fortgesetzt sich bemerkbar machenden Versuche unseres Ausbeuterthums, chinesische Kulis zu importiren, zeigen zur Genüge, wie gering bis jetzt die Aussicht ist, die Lebenshaltung der einheimischen Arbeiter vollends zu der Niedrigkeit und Stumpfheit jener von Heller so gepriesenen„Kulturträger" herabzudrücken. Obwohl daher Heller nicht müde wird, der er- wachsenen Generation den Vegetarismus der schlesischen Leineweber als die Krone aller Tugenden anzupreisen, hält er es für sicherer, bei der heranwachsenden Generation anzufangen und derselben schon in der Schule die Prin- zipien der„naturgemäßen Lebensweise" einzupflanzen: „Ein Meer von Licht kann von der Schule ausströmen, damit jeder die Kunst verstehen lerne, sich in be- scheidensten Verhältnissen rationell zu ernähren." „Eine praktische Gesundheitslehre, das Verständniß, mit geringen Mitteln ein menschenwürdiges Dasein zu führen und nicht minder wirthschaftliche Kenntnisse sollten ein Gemeingut aller werden. Die wirthschaftliche, auf Entwicklung der guten Triebe des Herzens und des Sinnes für Thätigleit und Ordnung gerichtete Schulbildung ist eine nothwendige Ergänzung der Religionslehren. Sie muß lehren, Einnahmen und Ausgaben in allen Fällen des Lebens mit einander in Einklang zu bringen, und sie sollte auch den Sinn für die Einfachheit und Anspruchslosigkeit schon der Jugend anerziehen, damit nicht stets die Wünsche den Verhältnissen weit vorauseilen." Wie man sieht, geht der Herzenswunsch unseres Autors dahin, die Tugend der Enthaltsamkeit der Jugend durch besondere Lektionen so fest einzuprägen, daß sie später das denkbar beste Ausbeurungsmaterial bietet. Und das nennt Heller schönfärberisch Lösung der Magenfrage. Daß es sich in der That um nichts anderes handelt, als der Kapitalistenklasse das brauchbarste Äusbeutungsmaterial heranzuerziehen, indem man in der Arbeiterklasse den kulinarischen Genüssen der Kulis zur weitesten Verbreitung und Anerkennung verhilft, zeigt sein günstiges Urtheil über die böhmischen Arbeiter, das er am Schluß des Buches nicht unterdrücken kann:„In Oesterreich nimmt, was Arbeitskraft anbetrifft, der tschechische Volksstamm den ersten Rang ein. Die österreichische, auch die Wiener Industrie verdanken ihre Blüthe der Arbeitsamkeit und Anspruchslosigkeit der böhmischen Arbeiter. Böhmen ist aber das klassische Land der verschiedenen Mehlspeisen, Knödel und Kartoffeln." „Ein freies Leben führen wir, Ein Leben voller Wonne", so sang ja auch schon Karl Moor's Bande in den böhmischen Wäldern. Wie ob der Mehlspeisen, Knödel und Kartoffeln dem deutschen Arbeiter das Wasser im Munde zusammenlaufen muß, und erst recht den Profit- hungrigen Kapitalistenseelen. Diese idyllischen Zustände, die in den Gefilden der Seligen, wollte sagen der Böhmen herrschen, setzten natürlich auch niedrige Löhne voraus. Denn„es ist zu befürchten, daß die Erhöhung der Löhne die breiten Volksschichten zur Völlerei verführt, wodurch der letzte Rest jener kernigen Kraft verloren geht, welche jetzt vorhanden ist." Jedes Wort eine infame Lüge. Durch die Einführung des Vegetarismus ist für untern trefflichen Spießbürger die Magenfrage als erster Hauptpunkt der vielgestaltigen sozialen Frage erledigt. Sein nächster Vorschlag besteht in„landwirth- schaftlichen Investitionen" und Dezentralisation des Grund und Bodens", womit einerseits die land- wirthschaftliche Misere, andrerseits die industrielle Ueberproduktion kurirt werden soll. Gar schnurrige Be- griffe find es. die der Verfasser über die Ursache und die Abhilfe der sozialen Frage auf dem Lande hegt. Beini Anblick einer vergleichenden Statistik über die Be- wegnng der landwirthschaftlichen Arbeiter findet er, daß ihre Anzahl einen erheblichen Rückgang aufzuweisen hat. Die Antwort ist schnell zur Hand:„Die einseitige unpraktische Bildung", welche„die Armuth und die Un- zufriedenheit begünstigt, treibt die Menschen in die großen Städte,... sie entvölkert die Dörfer, Marktflecken und kleinen Städte und ist Schuld am Rückgange der ackerban- treibenden bäuerlichen Bevölkerung." Solche alberne, rein aus der Luft gegriffene Behauptung soll eine Er- klärung einer so gewaltigen, umfassenden und tief greifenden Erscheinung vorstellen, wie der Zug der agrikolen Bevölkerung nach den größeren Städten in der That ist. Es fällt Heller nicht im Traume bei, daß es ganz gewaltige, furchtbare Ursachen sein müssen, welche den ländlichen Bewohner von seiner Scholle losreißen. Zu wissen, welche Rolle das gewaltsame Bauern- legen und die Aufhebung der Leibeigenschaft?c. gespielt hat, wie also früher der Zug nach den Städten be- fördert worden ist, das wollen wir dem Verfasser gar nicht zumuthen. Indessen sqine Ignoranz über die sich gegenwärtig vor unseren Augen abspielenden Vorgänge ist etwas stark. Welche vorsintfluthlichen Vorstellungen entwickelt er über die heutigen ländlichen Zustände: „Tie Landwirthschast entbehrt noch das Nothwendigste. Tie Bauten sind in schlechtem Zustande. Es fehlen Aufbewahrungsmagazine für das Obst, für das Getreide, für Gemüse und für das Viehfutter; es fehlen reinliche Viehställe, gut gehaltene Wirthschaftsgebäude und Höfe, Scheunen, gute Maschinen und Werkzeuge, Möbel und warme Winterkleider." Der Verfasser spricbt hier von„der" Landwirth- schaff. Man sieht jedoch, was er unter„der" Land- wirthschast versteht. Es ist der Kleinbauer, welcher im Schweiße seines Angesichts sein Stückchen Land bebaut und gleichwohl auf keinen grünen Zweig kommt. Daß das Gegenstück dieses allmählig zu Grunde gehenden Kleinbauernthums, der riesenhafte Großgrundbesitz, welcher mit allen Hilfsmitteln der modernen Technik die Land- wirthschast betreibt, auch zu„der" Landwirthschast ge- hört, seine Existenzbedingung und Ergänzung bildet, ist ihm nicht bekannt, lind von dem Vorhandensein eines schlimmer als das Vieh vegetirenden ländlichen Taglöhner- thnms, welches noch zahlreicher ist, weiß er nun schon gar nichts. Und was die schlimmen Zustände bei dem Klein- banernthnm anbetrifft, so ist dasselbe nach Heller selbst daran schuld; jene brauchten keineswegs zu existiren, wenn nicht seine Dummheit und sein Geiz wäre:„Der Bauer verkauft seine Produkte, aber er tauscht den Erlös nicht gerne in gewerbliche Erzeugnisse um, er macht keine produktiven Investitionen, er liebt das Geld des Geldes halber. Das erlöste Geld wandert in die Geld- t ruhen, besten Falls in die Sparbanken." Wie unsere kleinen Bauern stch /reuen werden, wenn sie von den wohlgefüllten Geldtruhen und Sparbanken erfahren werden, welche der Verfasser ihnen freigebig schenkt. Sie selbst werden sich bisher darnach vergeblich umgesehen haben. Nun aber fällt Heller ein, daß, falls die Dinge wirklich so liegen, eine ländliche soziale Frage gar nicht vörhanden ist, und er benutzt diese günstige Gelegenheit, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Die glänzenden Mittel, über die der Bauer nach ihm ver- fügt, machen diesen ja in hohem Grade kaufkräftig und lassen die Abhilfe der industriellen Ueberproduktion kinder- leicht erscheinen. Dem entzückten Auge eröffnet sich die großartigste Perspektive eines neuen industriellen Aufschwunges. die Ueberproduktion wird im Handumdrehen zu einer Unterproduktion werden. Welch' ein Hohn aus die thatsächlicsten bäuerlichen Verhältnisse. Wahrscheinlich finden in jedem Jahre nur deswegen Tausende von Subhastativnen ländlicher Grund- stücke statt, weil der Bauer in seiner Habsucht seine „Geldtruhen" zum Sprengen bringen will. Wenn Heller- einige dieser bäuerlichen Geldtrnhen in einer Schaubude für allerhand Raritäten ausstellen wollte, so könnte er damit ein gut Stück Geld verdienen, lieber diese ver- trockneten Bauernschädel, die sich durchaus ihrem eigenen Glücke und dem der Industrie entgegenstemmen -vollen! In der That ist der Prozentsatz der Bauern, welche sich einer leidlichen Existenz erfreuen, relativ gering. Die Existenz der meisten kleinen Bauern schwebt beständig um den Hnngerpnnkt. Dabei sind sie bis über die Ohren verschuldet, und die Gefahr, von Haus und Hof gejagt zu werden, grinst sie so lange aus unheimlicher Nähe an, bis sie zur Wirklichkeit wird. Und ein Wunder, wenn es anders wäre. Der kleine Bauer produzirt das nämliche wie der Großgrundbesitzer. Wie er aber die Konkurrenz des letzteren aushalten soll, ist unerfindlich. Dampspflüge, Mäh- und Dreschmaschinen:e. kann er sich einerseits wegen seines Unvermögens nicht anschaffen, andererseits würden sie sich bei seinem kleinen Grund- besitz überhaupt nicht rentiren. Ter landwirthschaftliche Maschinenbetrieb ist eben das eigenste Kind der modernen Großproduktion. Trotz der bedeutend höheren Produk- tionskvsten seiner Erzengnisse muß aber der kleine Bauer in Folge der Konkurrenz dieselben zum gleichen Preise losschlagen wie der Laudmagnat. Die Kornbörse be- rechnet den Preis des Korns nicht nach dem Schweiß, der in jedem besonderen Falle daran klebt. Und so kommt es. daß die kleinen Bauern allmählig von den Großgrundbesitzern aufgefressen werden. Vom ländlichen Proletariate gar zu schweigen. Die riesigen Auswanderungsziffern, die immer weiter um sich greisende Sachsengängerei und endlich die überall sich sich hervorwagenden Bestrebungen der Großgrundbesitzer, die Freizügigkeit der ländlichen Lohnarbeiter womöglich gesetzlich zu erdrosseln, sind wahrlich nicht inißzirdeutende Zeichen der Zustände, welche bei den Letztgenannten herrschen. Alle die Thatsachen existiren für unseren hoffnungs- vollen Sozialreformer nicht. Und dieser Typus eines räsonnirenden Weißbierphilisters will anderen gute Rath- schlüge geben! Schließlich kommt ihm die Kühnheit seiner eigenen Darlegung, wonach bie soziale Frage aus dem Land nur ein Phantom ist, zum Bewußtsein, und darüber erschrocken, schlägt er unter dem Bormande, der Ueberproduktion zu steuern,„Dezentralisirung des Grund und Bvdens"v»r. Er versteht darunter„Parzellirung der übergroßen Grundstücke in solche Wirthschasten, deren Ertrag zur Existenz einer fleißigen Familie aus- reicht. Ein liberales Pachtsystem, also eine- Pacht, die den Bearbeiter deS Bodens leben läßt, scheint leicht aus- führbar." Leider hüllt Heller seine Gedanken über den Weg zur Ausführung dieser Reform in tiefes Ge- heimniß. Es gäbe in der That nichts Unsinnigeres, als den jetzigen Großgrundbesitz in Parzellen zu zerschlagen und die alte miserable Zwergwirthschaft, die heute fortwährend Fiasko macht, von vorn anzufangen, um schließlich am selben Resultat anzukommeu. Ein reaktionärerer Vorschlag ist kanm denkbar. Denn für diese Parzellen gilt einfach dasselbe, was oben über die Kleinbauernwirthschaften gesagt ist. Verwendung der landwirthschaftlichen Ma- schinerie ist bei den, Kleinbetrieb unbedingt ausgeschlossen. Die Produktionskosten würden gewaltsam in die Höhe geschraubt werden, d. h. derselbe oder ein geringerer Bodenertrag mit bedeutend größcrem Arbeitsaufwand gewonnen und kein Schutzzoll würde groß genug sein, um amerikanisches und indisches Getreide abzuwehren. Es ist auch nicht abzusehen, wie die verpachtenden Groß- grnndbesitzer sich zu einer Maßregel verstehen sollten die sie ihre altgewohnten hohen Einnahmen kosten wurde. Man müßte sie denn dazu zwingen, sie expropiiren. Aber daran kann doch im Ernst nicht zu einer Zeit ge- dacht werden, wo das Privateigen lhum, die geheiligste Institution, das„Palladium des sittlichen Staates" ist, wie Heine sagt. Will man aber, um den jetzigen land- wirthschaftlichen Großbetrieb nicht umzustürzen, die Par- zellcn so groß bemessen etwa wie die jetzigen Gutsbezirke, so bliebe ja alles beim Alten, an die Stelle des Guts- inspektors träte der Pächter, nur die Namen würden ge- wechselt und kein Mensch befände sich besser daran.' Ein iveiterer„Reformvorschlag" nennt stich Dezentralisation der Bevölkerung. Die gegenwärtigen dichtbevölkerten Industriezentren und vor allem die mo- dernen Großstädte stellen sich nach Heller als ein großes Uebel dar. Die Großstädte sind die Zentralpunkte des Massenelends, und da dieselben rapide wachsen, so wächst auch das in ihnen hausende Elend. DaS aber bezeichnet Heller als eine furchtbare Gefahr. Daher wird„die Dezentralisation der Bevölkerung im zwanzigsten Jahr- hundert durch alle Maßregeln, auch durch künstliche, gefördert werden müssen, nni die Gefahren abzuwenden, welche aus der Anhäufung von Elend entspringen. Ge- fahren, für wen, wird uns nicht gesagt. Nun, offenbar für das ruhige und friedliebende Spießbürgerthum. Und wie beseitigt man diese Gefahr? Etwa durch die Be- e 11 It = e r e r C= nn 16319 e e g It t e 3 e . h 1, = e nt r e 2 3, D n e 五 ch h De 3= )= it if d. er d g 1, 8= ie 8= 0 n e= I D D n g th = 1. je r I, 1. B= n e. 1. e= te t, D= e, 39 e= [= D= 23 it et ie r= e, It, e= IT d e= 11 seitigung ihrer Ursache, des Elends? Um Gottes Willen!| die meist leichterlernbare Arbeitsmethode sich anzneignen.| Buchbinder und„ verwandter Berufsgenosse", wie die Das macht sich viel einfacher und weniger kostspielig Eine besondere Art der Arbeitsvergebung ist die: An Branchenarbeiter zusammen genommen genannt werden, durch Dezentralisation der Bevölkerung", man vertheilt einen Arbeiter, welcher mit einer Arbeiterin Hand in von vornherein als Schwindsuchtskandidat gilt. eben das in den Großstädten so dicht angehäufte und Hand arbeitet, wird ein bestimmtes Quantum Arbeit zu Da die Galanterie-, Album-, Leder- und Spielwaarensich verbündende Elend gleichmäßig im ganzen Lande; einem bestimmten Preise vergeben. Da nun der fixirte branchen ihren größten Absatz in Nordamerika hatten, dann ist es durch seine Zersplitterung ohnmächtig und Preis so normirt wird, daß der Arbeiter nur mit größter wirft auf die Entwicklung derselben die neue Schußzollungefährlich gemacht. Anstrengung das zum Lebensunterhalt Nöthige für sich, Gesetzgebung, welche sich Nordamerika gegeben, mächtig nach Abzug eines bestimmten, zwischen 9 und 15 Mt. zurück. Das Geschäft ist ziemlich brach gelegt. Die variirenden Wochenlohnes für das Mädchen, erringen Zahl der in den betreffenden Branchen beschäftigt gewesenen tann, so ist er außer zur Dranseßung aller eigenen Kraft Arbeiter, welche jezt arbeitslos sind, ist eine etwa noch gezwungen, die Mitarbeiterin zur größtmöglisten doppelt so große, wie in früheren Jahren. Anstrengung anzuhalten. Will er dies nicht; mun, so Um sich wieder einmal recht zu blamiren, weist Heller thut es ein Anderer;„ es läuft ja genug solch Zeug auf auf China, das Land seiner Sehnsucht hin.„ Wir er- der Straße herum!"( Thatsächlicher Ausspruch eines innern an die Chinesen, welche alles durch Geseze regeln, Berliner Fabrikanten.) Als ob es in Menschenmacht stünde, den zentralisirenden Zug unseres Wirthschaftssystems durch irgend welche Maßregeln aufzuhalten! Es ist prächtig, wie tief der Glaube an die Polizei und ihre Maßnahmen unseren Philistern in den Knochen steckt. Strindberg's„ Vater". O. E. Den Lesern dieses Blattes, sowie des„ Berliner bei denen die Kriege sehr selten sind und sozialer Die Arbeitszeit beträgt durchschnittlich zehn Stun- Volksblattes" ist August Strindberg nicht unbekannt. Friede herrscht, und welche bei einer sehr starken Beden; doch wird auch schon 91/2 und 9 Stunden gearbeitet. Sie kennen ihn als den strengen Wirklichkeitsfanatiker, völkerung doch ungleich weniger Noth kennen als die in der Saison treten die sogenannten Ueberstunden in dessen kaltes, durchbohrendes Auge unter der oherflächeuropäischen Staaten, welche sich an der Spitze der Kraft. Dieselben betragen oft 3 bis 4 pro Tag, und so lichen Hülle der Dinge tiefe und schreckliche Abgründe Civilisation befinden." wird aus der 9- bezw. 10 stündigen täglichen Arbeitszeit sieht. Dem Blicke dieses Auges müssen wir folgen und Auf deu sozialen Frieden in China sollte sich der eine 13- bis 14stündige. Hin und wieder wird auch des so sehen, was er sieht. glückliche Erfinder ein Patent geben lassen; und die Nachts durchgearbeitet; doch ist das, speziell in dieser Dieser tieferdringende und zwingende Ernst des chinesischen Riesenstädte sind ihm böhmische Dörfer, ob Branche, selten. Meist wird die Ueberstundenarbeit mit Naturalisten Strindberg tritt bei keiner seiner Dichtungen wohl letztere ihm bei seiner Vorliebe für das glückliche demselben Betrag bezahlt, wie die gewöhnliche"; theil so deutlich, so schrecklich deutlich hervor, als gerade in Böhmen sehr wohl bekannt sind, vor allem Warnsdorf, weise mit einem Aufschlag von 15 bis 20%; sehr selten dem Drama, welches die Freie Bühne"*) am vorigen welches ihm als das Ideal eines vernünftig angelegten mit einem größeren. Daß eine, wenn auch blos ein oder Sonntag aufgeführt hat. 71 Ortes erscheint, weil die dortigen Fabriken jo angenehm zwei Monate anhaltende tägliche Arbeitszeit von 13, Eine scheinbar durchschnittliche Bourgeoisehe, in mit dem saftigen Grün der Wiesen kontrastiren, und resp. 14 Stunden nicht gerade fördernd auf dem Körper ihrer ganzen gewöhnlichen Langweiligkeit und inneren Warnsdorf somit eine liebliche Mischung von Stadt und wirkt, ist klar. Es könnte nun scheinen, als müßten bei Dede zeigt er uns. Ein Rittmeister, der nicht einmal Land bietet. Die Auflösung der großen Städte in je dieser Ueberarbeit in der Saison wenigstens alle sonst dem Namen nach bezeichnet ist, so sehr will ihn Strindeinige Dutzend kleine Städtchen würde nach seiner Ansicht Arbeitslosen beschäftigt sein. Auf der einen Seite eine berg offenbar blos als Gattungswesen hinstellen, eine die schönen böhmischen Zustände herbeiführen. Ueberanstrengung der Arbeitskräfte bis in die Nacht Frau, welche die Hosen anhat" und eine halbwüchsige Nichts ist charakteristischer, als dieser legte Vor- hinein; auf der anderen Seite aber thatsächlich ein immer- Tochter, um deren Erziehung man sich zankt: Das schlag, für die Betrachtungsweise des Spießbürgerthums hin noch ziemlich großes Kontingent von Leuten, welche ist die„ Familie", in welcher das Strindberg'sche Trauergegenüber der sozialen Frage. Es sieht in ihr nur seine gern arbeiten möchten, indeß keine Gelegenheit dazu finden! spiel vor sich geht. eigene Existenzfrage, nicht diejenige des Proletariats und Der größte Theil der Fabrikaten ist eben- darin liegt Der Vater" will die Tochter in seinem Sinne bei löst sie in die Frage auf, sich das unbequem werdende die Erklärung nicht in der Lage, sich für die kurze einem Freidenfer in der Stadt modern erziehen lassen, Proletariat auf eine möglichst rationelle Weise vom Halse Zeit der periodisch wiederkehrenden Saison den Verhält die Mutter und ihr weiblicher Anhang im Hause zu schaffen. Das ist die friedliche Lösung der sozialen nissen entsprechende größere Räumlichkeiten und erweiterte( Schwiegermutter, Amme, Gouvernante 2c.) wollen Frage", wie sie der Spießbürger sich denkt. Produktionsanlagen zu schaffen; man läßt daher, um den das nicht. 11 Einiges über die Lage der im Berliner Papier- Verarbeitungs- Gewerbe beschäftigten Arbeiter. Von einem Arbeiter. Bestellungen gerecht zu werden, länger arbeiten. Findet Die Mutter ist eines jener Weiber, denen jedes man auch in der Saison eine geregelte Arbeitszeit, so ist Mittel, ihren Willen durchzusezen, recht ist. Ste dies nur in Betrieben besonders kapitalfräftiger Unter- wollen. Sie wollen nicht etwas, sondern sie wollen nehmer der Fall. Es giebt natürlich auch eine ganze wollen. Ihr Bruder erzählt von ihr: Als sie noch ein Menge von Kapitalisten, die, obgleich sie es könnten, ihre Kind war, pflegte sie, um ihren Willen durchzusetzen, Betriebe doch nicht erweitern, weil das in dieser Er- oft wie todt dazuliegen. Und wenn sie erhalten hatte, weiterung angelegte Kapital für einen großen Theil des was sie wünschte, gab sie es wohl mit der Erklärung Jahres sich nicht verzinsen würde. zurück: sie habe nicht den Gegenstand, sondern nur ihren Willen haben wollen." Zu denjenigen Industrieen, welche im lezten Jahrzehnt hauptsächlich in Berlin einen ungeahnten Aufschwung Bis jetzt ist hier blos von den Fabriken gesprochen genommen haben, gehört auch die. welche sich mit der worden; werfen wir nach einen Blick auf das KleinBei dieser Charaktereigenschaft, welche wir in ihrer Herstellung von Papier-, Leder-, Plüsch- Artikeln u. s. w. meisterthum. verkümmerten Erscheinung im täglichen Leben mit ,, Eigenbefaßt. Es sind zum weitaus größten Theil Luxussachen, Irgend ein Galanteriearbeiter, welcher etwas Geld sinn" bezeichnen, welche andererseits in großen Verhält hauptsächlich Papeterien, Albums, Spielwaaren, sogenannte in der Tasche hat, will sich selbstständig" machen. nissen und bei sonst großen Menschen das eigentliche " feine" Lederwaaren, Luxuskartonagen u. s. w. in allen Direkt für den Markt kann er, der Lage nach, nicht Wesen des" Genies der That" ausmacht, ist es der möglichen Formen. Ursprünglich wurden alle diese arbeiten; er ist also gezwungen, sich von einem Fabrikanten Mutter schlechterdings unmöglich dem Willen des Mannes Sachen in den Buchbindereien„ so nebenbei" mitverfertigt; Arbeit zu schaffen. Mit Ausnahme einiger kleinerer den ihrigen unterzuordnen. Sie kämpft. Sie bildet sich jetzt dagegen, besonders in Berlin, werden sie mit einigen Buthaten erhält er von diesem das zur Arbeit nöthige vielleicht ein, daß sie für das Wohl ihres Kindes kämpft Ausnahmen in sich gegenseitig ausschließenden Fabrikations- Material, meist schon zugeschnitten, geliefert. Als Arbeits- thatsächlich kämpft sie nur um zu kämpfen: weil zweigen hergestellt. raum wird die Küche mitbenutzt, wenn es hoch kommt, sie nicht nachgeben kann. " 1 Wie ist nun die Lage der in dieser modernen wird auch extra eine Stube dazu hergerichtet. Wer Sie steht dabei so sehr unter dem Zwange eines Papier- Galanteriewaaren- Branche" beschäftig- weiter strebt, schafft sich( auf Abzahlung) die nöthigsten übermächtigen Instinktes, daß sie in völligem moralischen Maschinen( Beschneidemaschine, Pappscheere) an. Diese Wahnsinn auch vor den perfidesten Waffen nicht zurückten Arbeiter? In diesem Fabrikationszweig sind zum größten Theil„ Meister" leben unter ziemlich traurigen Verhältnissen. schreckt. Sie kennt kein Völkerrecht und ihr sind der vergelernte Buchbinder beschäftigt; d. h., was man unter Um Arbeit zu erhalten, müssen sie diese oft zu giftete Dolch und die Dynamitbomben gerade recht. „ gelernt" versteht: Leute, welche vier Jahr beim Meister einem geringeren Preise herstellen, wie die in Sie weiß, daß ihr Mann, nervös überreizt, cholerisch als„ Lehrlinge" beschäftigt wurden, sich im ersten oder der Fabrik beschäftigten Gehilfen, und sie haben in- und ohne rechten inneren Halt der Gefahr, gemüthskrank auch in den beiden ersten Jahren im Gänge gehen" soweit noch schlechtere Bedingungen, als sie sich den Arbeits- zu werden, ausgesezt ist. Sie erfährt von einem Arzte, üben mußten, hierauf auf einen Theil der Arbeit ausraum und vielerlei Arbeitsmittel, wie Leim 2c. selbst daß bei einem solchen Zustande nichts verhängnißvoller gebildet und dann entlassen wurden, um ihr Glück" wo halten müssen, was in der Fabrik der Unternehmer trägt. wirken kann, als die Erregung eines unbestimmten, anders zu versuchen. Der Lohn variirt zur Zeit in den Sehr oft ist die Frau eines solchen Meisters" gezwun- quälenden Argwohns und Zweifels. 11 " Das ist etwas anderes, da waltet kein Zweifel über Vaterschaft, entgegnet er. 11 Wenn nun aber die Gattin untreu wäre?" Meisterhaft war es, wie Emanuel Reicher, welcher am vorigen Sonntag die Rolle des Rittmeisters in genialer Weise spielte, bei dieser Frage seiner Frau stuẞte und sie befremdlich anjah. Fabriken zwischen 12 und 20 Mk. wöchentlich; durch- gen, mitzuarbeiten. Fast immer findet man 1 oder 2 Gerade diesen sucht sie nun ihrem Mann einzuflößen. schnittlich werden 15 bis 18 Mt. gezahlt; doch kommen Lehrlinge", sowie noch schulpflichtige Jungen( diese Der Zufall will es, daß bei Gelegenheit einer Alimentenauch höhere Lohnfäße, wenngleich selten, vor. Wie Nachmittags) hier beschäftigt. Ist viel Arbeit vorhanden, forderung, welche ein Küchenmädel an einen Soldaten überall, so ist auch hier das Aequivalent, welches die so werden auch einige Gehülfen, oder, wenn es die Arbeit gestellt hat, die Rede auf die Unsicherheit der Vaterschaft Arbeiter im Lohn für die Anwendung ihrer Arbeitskraft gestattet, Mädchen eingestellt. Die Arbeitszeit dauert in solchen Fällen kommt. Der Rittmeister sagt paradox: erhalten, in den größeren Etablissements ein allgemein gewöhnlich länger als in den Fabriken, und die Ent- Kluge Leute behaupten, daß man niemals wissen könne, höheres, wie in den kleineren. Meistentheils wird die lohnung steht niedriger wie dort. Die Luft in diefen wer der Vater eines Kindes sei. Arbeit in„ Akkord" vergeben. In der ersten Zeit, als Arbeitsräumen ist oft eine unerträgliche; wie nicht anders Aber in der Ehe? fragt seine Frau. dieser Fabrikationszweig aufzublühen anfing, war es das zu erwarten, wenn in einer zweifenstrigen Stube bis Ideal einer Masse von Arbeitern,„ auf Afford zu arbeiten." acht Personen manchmal tagsüber sind. Die Fenster die Wochenverdienste von 30 bis 50 Mt. waren zu jener dürfen im Winter nicht geöffnet werden, sonst erstarrt Zeit bei Affordarbeitern nichts seltenes; d. h. nur bei der Leim und stört dadurch den Arbeitsprozeß. Haben sogenannten„ eingefuchsten", solchen, welche fortwährend die Arbeiter Feierabend gemacht, so arbeitet der„ Meister" ein und denselben Artikel oder wenigstens immer Aehnliches oft noch bis in die Nacht hinein. machten. Diese Zeiten sind nun vorüber. Wie auf alle Ueberall dieselben Schäden der kleinindustriellen aufblühenden Produktionszweige warf sich auch bald auf Hausarbeit: Gesundheitsschädliche Arbeitsräume, niedrige Von diesem Augenblicke aut, bohrt sich in seine Seele diesen ein Konkurrentenheer von Unternehmern und Ar- Entlohnung der ev. beschäftigten Arbeiter, resp. Arbeite der marternde Zweifel: bin ich der Vater meines Kindes? beitern. Die Unternehmer unterboten sich bei ihren rinnen, Ausbeutung der jugendlichen Arbeiter unter dem Er selber bohrt ihn immer tiefer. Abnehmern, wie es die Konkurrenz mit sich bringt. Je Deckmantel der Lehre 2c. Die geschilderten Verhältnisse Und wenn er selbst wirklich einmal inne hält mit weniger sie verdienten, je weniger ließen sie selbstver- sind zugleich maßgebend für die in der ganzen Berliner eigner Hand, mit selbstquälerischer Gier in dieser Wunde ständlich auch den Arbeitern zukommen; Lohnreduktionen Papierverarbeitungs- Industrie herrschenden; natürlich nur seines Gehirns zu wühlen dann treibt seine Frau und Reduktionen der Akkordpreise waren an der Tages- in ihren Grundzügen. Jede der besonderen in ihr ent- wieder mit taltem Geschick den Stachel hinein und ordnung. Das Heer der Arbeitslosen zwang die Arbeiter, haltenen Branchen hat selbstverständlich etwas Eigenartiges. hindert Heilung und Vernarbung. sich den neuen Bedingungen zu fügen. Jetzt verdient" Dadurch wird indeß der gemeinsame Charakter nicht ver- Sie will ihn seiner Vaterrechte berauben; da ste es der geübteste Affordarbeiter nur noch so viel, um einiger- wischt. nicht anders zu können glaubt: indem sie ihm seinen maßen leben zu können. Es kommen, nicht nur bei Ein paar Worte noch über die Wirkung dieser Arbeit Verstand raubt, um ihn dann entmündigen zu lassen. einzelnen, sondern bei vielen sogenannten schwachen Akkord- auf die Gesundheit! Die besondere Art. und Weise der Dies gelingt ihr nur zum Theil: die Natur ist arbeitern wöchentliche Verdienste" von 12 bis 15 Mt. Arbeit bewirkt außer dem unvermeidlichen Herunterschlucken gütiger als sie. Als der Vater glücklich so weit gebracht vor, und dies bei größter förperlicher Anstrengung. massenhaften Staubes, daß die Lunge zusammengepreßt ist, daß er in seiner Tobsucht, in seinem VerfolgungsDie Frauenarbeit greift immer mehr um sich. wird und sich infolge dessen nicht entwickeln kann. Ein wahn ein Attentat auf das Leben seines Kindes begeht, Der Lohn der Arbeiterinnen beträgt durchschnittlich Blick auf die Jahresabrechnungen der„ Orts-", sowie als ihm dann die Zwangsjacke angelegt ist, da endet ein 9 Mk.; doch sind höhere Löhne nicht ausgeschlossen. Es Freien Hilfstasse der Buchbinder 2c." zeigt uns, daß *) Die Freie Bühne", im vorigen Jahre in Berlin gegründet, " 11 werden gern Arbeiterinnen angelernt; d. h. sie müssen mindestens zwei Drittel der im Gewerbe vorgekommenen ist ein Bersuchstheater für naturalistische Stüde. Ihre Organisation einige Monate sich für ein geringes Entgelb( wöchentlich) Sterbefälle ein Lungenleiden( Schwindsucht) zur Ursache hat der Freien Volksbühne" in vielen Beziehungen als Muster 4 bis 6 Mt.) ausbeuten lassen, um in 8 bis 14 Tagen haben. Typisch für das Gewerbe ist schon, daß jeder gedient. D. Red. Schlagfluß sein Leiden: er stirbt. Die Frau hat gesiegt. sich mit all dem Wust von alten Vorurtheilen, Vor-| Kunst, die wahr und recht, mit allen ihr zu Gebote In dem Gefühle der befriedigten Machtgier schließt sie stellungen und Anschauungen aufräumen, um zur gestehenden Mittel nach geistiger Vertiefung streben wird, ihr Kind in die Arme und ruft:„ Mein Kind mein schlossenen Einheit zu gelangen. Ganz erreicht hat diese eine Kunst, die wirklich den kulturellen Fortschritt fördern Kind!" Irgend ein Pfaffe sagt Amen. noch keiner. Alte Gözen haben ein zähes Leben, zehn- und das eine glänzende Ziel der Zukunft mit anstreben Zu beiden hat es das Recht, weil es die Macht hat. Naturalismus und Sozialismus. ( Eingesandt.) Gewerkschaftliches. Produktion und Technik. Einem parlamentarischen Ausweise zufolge sind im verflossener Jahre in London, der reichsten Stadt der Welt, 27 Personen buchstäblich verhungert. Der Wahrspruch der Leichenschau- Jury lautet entweder auf Tod durch Hunger oder Tod beschleunigt durch Hunger. Welche Rieseneinkünfte dabei die schottischen Beers aus dem heimathlichen Erbtheil des Voltes, welches dem selben dort mit brutaler Gewalt abgenommen wurde, erzielen, zeigt folgende Tabelle, welche sich in einer der lezten Nummern der Londoner Wochenschrift„ The Commonweal" findet. Herzog Sutherland " Hamilton Argyle " 1 Das ist der Inhalt dieses ebenso großartigen wie mal glaubt man, sie nieder- und entzweigeschlagen zu wird. Und diese Kunst, sie wird nicht von Oben herab fürchterlichen Dramas. Wenn ich Nerven hätte von der haben, aber immer wieder erstehen sie. Auch die jüngeren ihre Weisheit zum Besten geben, sondern schlicht und Qualität eines transatlantischen Kabels würde ich das Naturalisten huldigen noch der Anschauung, der Dichter einfach in Reih und Glied marschireu, als vollberechtigte Anschaun eines solchen Trauerspiels einen ästhetischen sei ein höherbegabtes, ganz anders geartetes Wesen, als Erscheinungsform deutscher Kultur. Genuß" nennen. So begnüge ich mich, zu konstatiren, ein anderes Menschenkind; ihm gebühre eine Ausnahms- Im sozialen Naturalismus liegt die Zukunft der daß ich auf das Tiefste ergriffen, aber auch entsetzlich stellung und er habe die Pflicht, immer wieder auf diese deutschen Literatur. niedergedrückt und gequält das Theater verließ und mich seine Eigenschaften und gerechten Ansprüche hinzuweisen. allmälig mit Vergnügen erinnerte, daß gottlob nicht Aber diese Anschauung versteht das Volk nicht, und diese allzu häufig solche Stücke geschrieben werden. Anschauung ist auch eine schiefe, entsprungen dem GrößenAllgemeine Kranken- und Sterbekasse der MetallDas letztere schon aus dem Grunde, weil ein Genie wahn. Ueber die geistige Entwickelung seines Volkes Arbeiter( E. H. 29. Hamburg) sowie der Central- Krankenhäufig ist. Ein fann kein Dichter hinaus, er kann nur das Vorgefundene und Sterbekasse ,, Vulkan"( Filiale Berlin 5). Versammlung wie das Strindberg's nicht allzu solches Genie hat das Recht uns zu zerschmettern und in möglichst vollendeter Form zusammenfassen, auf sich Sonnabend, den 18. d. M., Abends 9 Uhr, Münzstr. 11 bei Zemter. Arbeiterinnen der Schäftebranche. Am Sonnabend, zu zermalmen wie es das Recht hat, uns zu beseligen Entwickelndes hinweisen. und zu beglücken. Der deutsche Dichter! Was ist er denn jezt? Der den 18. Oktober cr. findet eine Versammlung bei Beyer, Neue Grünstraße 14, im Gartensaal, stati. Vortrag des Herrn H. Krause, Bajazzo, Vergnügungskommissar der satten Zehntausend, sowie Ausgabe der Billets zum Stiftungsfest am 1. November. der Hanswurst, der nur dann kommen darf, wenn man Nachdem: Gemüthliches Beisammensein. Der Vorstand. ihn braucht. Seit einem Menschenalter hat die ganze Dichterei zum fulturellen Fortschritt des deutschen Volkes Der deutsche Naturalismus von heute hat noch nicht einen Deut beigetragen. Die Entwickelung aufzuUnd das halten versucht, um ihrem Publikum gefällig zu sein, sehr viel Gekünsteltes, Gequältes an sich. ist auch nicht anders möglich. Er ist nicht frei und das haben die deutschen Dichter. Sie sind zu Berr selbstherrlich entstanden wie in anderen Ländern, sondern und Spottbildern jener Ausnahmemenschen geworden, als erst rein theoretisch ausgeklügelt, dann in Thaten, Werke die sie sich so gern betrachten und feiern lassen. umgesetzt worden. Die deutschen Naturalisten schaffen Der deutsche Naturalismus hat nur dann eine Zunicht frei aus sich heraus, sondern immer in Hinblick funft, wenn seine Vertreter sich voll und ganz auf den auf die Theorie, darum haben auch alle ihre Werke noch Boden der sozialistischen Weltanschauung stellen und aus etwas Schielendes; sie sind nicht etwas natürlich Gewor dieser Anschauung heraus ihre Werke schaffen. Auf denes, sondern Kunst- und Tendenzprodukte. Interesse etwas Morsches, Zerbröckelndes, Zergehendes baut man haben sie bis jetzt nur erregt in Kunst- und Fachkreisen, fein neues Gebäude, und der Liberalismus im weitesten in der Welt der Schriftsteller, als Mode- und Zeiterscheinung Sinne, als Weltanschauung, ist überm Sterben und muß hie und da in dem Mischmasch, den man„ Gesellschaft" zu Grunde gehen. Das fühlt der deutsche Philister selbst ja nur zu gut, deshalb sein Haß und seine Wuth gegen nennt, beim Volte nicht. Der neue amerikanische Tarif ist in Folge seiner ZollDer Naturalismus ist eine Gährungserscheinung des Alles, was nach Wahrheit riecht, gegen Alles, was ihn abfaulenden Bürgerthums. Grade die Besten, Verstän- aus seiner duseligen Ruhe aufschrecken könnte, gegen den erhöhungen, welche thatsächlich vielfach einem Einfuhrverbot gleichtommen, ein harter Schlag auch für die deutsche Exportindustrie digsten dieser Klasse haben eingesehen, daß es mit der Naturalismus. Nicht als Kunstform wird der Natura namentlich in Sachsen und Thüringen. Die deutsche Ausfuhr nach bisherigen Verlogenheit, Heuchelei und allgemeinen Kor- lismus von dieser Seite gehaßt, sondern als soziales den Vereinigten Staaten von Nordamerika hatte im Jahre 1888 einen Umfang von 325 968 Tonnen. Darunter befanden sich ruption nicht mehr weiter gehen kann, da sie sich aber Agens. politisch und volkswirthschaftlich in dieser Richtung nicht Das aber darf und soll die konsequenten Vertreter 107 415 Tonnen an Fabrikaten und 218 553 Tonnen an Rohstoffen und einfach bearbeiteten Gegenständen. Die wirtliche Ansbethätigen konnten, ohne ihre Gristeuzberechtigung in des Naturalismus nicht hindern, vonständig auf Seite fuhr aber dürfte noch erheblich größer sein als die vorstehenden Frage zu stellen, so warfen sie sich auf die Literatur. des Volkes zu treten. Sie dürfen auch nicht fürchten Biffern ergeben, da diese nur die ausdrücklich als Ausfuhr nach Auf diesem Gebiete hatte man so ziemlich freien Ellbogen- zurückgestoßen oder falt empfangen zu werden. Es ist den Vereinigten Staaten deflarirte Ausfuhr umfassen, und viele raum, und ging die Geschichte einmal schief, nun, so einiges Mißtrauen vorhanden, das ist nicht zu leugnen, deutsche Waaren nach den Bereinigten Staaten über Großbritannien, Belgien oder die deutschen Zollausschlüsse ausgeführt werden. Die konnte man ja immer noch einlenken. Die meisten aber es wird sofort schwinden, wenn man ernſtes und werk deutsche nach den Vereinigten Staaten von Amerika deklarirte AusVertreter des deutschen Naturalismus gehören bürger- thätiges Mitstreben gewahrt. Die Probe darauf wird fuhr hatte einen Werth von 236 Millionen Mart. Davon ent lichen Parteien an und sie werden auch nie in anderen bei der Freien Volksbühne" gemacht werden. Voll- fielen 138 Millionen auf Erzeugnisse der Textilindustrie( darunter Bahnen wandeln. fommen nach jeder Richtung wird diese Bühne nicht aus für 91 Millionen Mark Zeugwaaren und 21 Millionen Mark Strumpfwaaren), 21 Millionen Mart auf chemische Fabrikate, In letzter Zeit hat sich unter den jüngeren Natura- der Schale springen, sie muß erst werden. Sie fann 17 Millionen Mart auf Eisenwaaren, 16 Millionen Mart auf listen allerdings eine Gruppe zusammengefunden, welche nicht gleich von allem Anfang an das vorführen, was Lederwaaren u. s. w. der sozialistischen Weltanschauung huldigt, aber auch sie will, sie muß erst nach dem Anschluß suchen. Und diese Schriftsteller tragen noch, und wohl für geraume als solcher wurden„ Die Stüßen der Geseuschaft" geZeit, die Eierschalen ihrer Entwickelung mit sich herum. wählt, welche Sonntag den 19. Oftober in Scene gehen Sie alle tamen und kommen von der Bourgeoisie her. werden. An das werkthätige Volk aber tritt die Pflicht Das ist bei dem heutigen Stande unseres höheren Schul- heran, das Streben der Freien Volksbühe" nach Kräften unterrichtswesens nicht anders möglich. Darum vielleicht war zu unterſtüßen. In seine Hand ist es gegeben, ob wir es für sie unmöglich, bis jetzt etwas Tüchtiges zu schaffen. in Bälde eine Kunst besitzen werden, deren Um und Auf Ihre Arbeit war eine mehr negative, sie mußten erst in nicht in leerem, faden Sinnenfizel bestehen wird, eine Der Arbeits- Nachweis der Klavier Arbeiter befindet sich jetzt Naunynstr. 78, im Restaurant Winter. Die Adressen- Ausgabe findet jeden Abend von 8-9%, Uhr u. Sonntags Vormittags don 10-11 Uhr an Mitglieder wie an Nichtmitglieder unentgeltlich statt. Die Arbeitsvermittlungs- Kommission. Empfehle meinen werthen Freunden und Genossen sowie den Lesern dieses Blattes mein Cigarren- Geschäft. Carl Lehmann, Brunnenstr. 83, dicht am Humboldthain. ichtstrahlen Blätter für volksverständliche Wissenschaft. 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Soziale Studie von Minna Kautsky( Fortsetzung). Im Verlage der Germania, Aft.- Ges. für Verlag und Druckerei, Berlin C., Stralauerstr. 25 ist soeben erschienen: Zwölf Jahre Sozialistengesetz. Ein Beitrag zur Geschichte des Sozialistengesetzes und der sozialdemokratischen Bewegung in Deutschland. Gr. So, 100 Seiten. Preis I Mark. Freunder und Genossen empfehle mich zur Anfertigung von Herren- Garderoben nach Maaß. Auf Wunsch komme ich mit Mustern ins Haus. E. Weiland. Kirchbachstraße 13 part. Als Nachschlagebuch wird dieses Wert für Politiker jeder Parteistellung von hohem Werth sein. Bahlreiche Anlagen, enthaltend die auf die Materie bezüglichen Attenstücke, erleichtern den Ueberblid. Die Gegen Einsendung des Betrages versenden wir portofrei. Rum, Punsch, Glühwein Flasche 1,50 Mt. Ingwer, Pommeranzen, Luft Liter 1, Mt. Mediz. Ungarwein Fl. 1,50 u. 2 Mt. Roth- und Portwein Fl. 1,50 Mt. empfiehlt Franz Beyer Prinzessinen Straße 15. Filiale: Elisabeth- Ufer 47, Ecke der Waldemarstraße. 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Oktober, Abends 8 Uhr, General- Versammlung im Restaurant Königshof, Bülowstr. 37. Tages- Ordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Neuwahl für den Vertrauensposien. 3. Abrechnung vom Stiftungsfest. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Erscheinen sehr nothwendig. Gäste willkommen. Mitglieder werden in der Versammlung aufgenommen. Die Bevollmächtigten. Under Stutzung f.die 10PF Gemassregelten Kiel Verb deutsch Zimmerleut 25 Unterstützungsfond Quittungsmarken& Kautschukstempelfabrik von Conrad Müller Schkendih- Leipzig empfiehlt sich allen Arbeiter vereinen, Krankenkassen u. s. w. Ausführung sauber und schnell. Preislisten gratis und franko. Allen Freunden und Genossen empfehle mein Velten! Arbeiterbuchhandlung v. 3.Mühler, Friedrich Straße 25 a empfiehlt: Die Entwicklung des Sozialismus 45 Pf. Unsere Biele 40 Pf. Sozialdemokr. Liederbuch geb. 50 Pf. Lezteres war in voriger Nummer irrthümlich mit 40 Pf. annonzirt, bittet dieses geft. beachten zu wollen. 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Die Zentren der Hausindustrie liegen überall in Gebieten mit klein- bäuerlichem oder zwerghaftem Grundbesitz, und zwar hat die Hausindustrie sowohl in Folge dieser Verhältnisse hier Eingang und Ausdehnung gefunden, als auch ist sie ihrerseits selbst hinwiederum die Ursache einer noch weitergehenden Vertheilung und Zerstückelung des Bodens. Weil nämlich die Besitzer jetzt nicht mehr auf den Be- trag ihrer kleinen Güter angewiesen sind, ist die Möglich- keit gegeben, dieselben beim Erbgange zu theilen, und so sieht man die Zerstückelung des Bodens fortschreiten, bis man zu der Kleinheit des landwirthschaftlichen Betriebes gelangt ist, die alle Hausindustriellen Gebiete kennzeichnet. Man bebaut dann die übrig gebliebene Parzelle blos noch mit Kartoffeln und einigen Gespinnstpflanzen. Das merkwürdige dabei aber ist, daß die Hausindustrie nur dazu dient, den„Reinertrag" und demzufolge den Kapitalwerth des Bodens zu erhöhen. Aus dem Ertrag der Hausindustrie werden nämlich die Bedürfnisse der Hanshaltung bestritten, die sonst aus dem Ertrag des Landes hätten gedeckt werden müssen und alsdann ist der angebliche„Reinertrag" des Gutes um so größer. Darum stehen die Grundwerthe in Hausindustriellen Gebieten am höchsten und weil in weiterer Linie die hypothekarische Verschuldung im näm- liehen Maaßstabe wächst, so ist die Lage der haus- industriellen Bevölkerung auch die elendeste. Die Löhne mögen noch so niedrig sein, die ganze Familie bis zum Kind von 5— 7 Jahren mag sich ganze Tage und halbe Nächte abmühen, zuletzt dient ein großer Theil vom Er- trag der Hausindustrie nur zur Verzinsung der Hypo- thekenschuld und die Lage der Bevölkerung ist gerade wegen der Mehrarbeit, welche der Hausindustrie gewidmet wird schlechter, als in Gebieten ohne Hausindustrie. Es ist natürlich, daß dann jede Stockung im Geschäftsbetrieb die Leute, welche sich den Nebenverdienst allmälig zum Hauptbetrieb gemacht haben, mit ihrer unmittelbaren Gewalt drückt, weil das Land, das sie noch bebauen, nur noch einen kleinen Theil des Lebensunterhaltes decken kann. So wenig ist die Einführung der Hausindustrie ein gutes Mittel zur„Abhilfe der landwirthschaftlichen Nothlage", daß sie vielmehr das kleinbäuerliche Elend nur noch weiter erschwert. In hausindustriellen Gebieten enthält der Kapital- Werth des ländlichen Grundbesitzes noch ein besonderes fremdartiges Moment: einen Theil des kapitalisir- ten Ertrages der Hausindustrie. Auch landwirthschaftliche Taglöhne und Hand- Werkslöhne können kapitalisirt in den Kapitalwerth des Grundbesitzes eintreten, so daß sie vom ansässigen Tage- löhner oder Handwerker zur Verzinsung der Hypotheken- schuld ihres Grundbesitzes theilweise weggegeben werden müssen, eine Erscheinung, die schon in Rußland kon- statirt ist. Von allem Grund und Boden erzielen jedoch einzeln verkaufte Parzelle»(Stücke) die höchsten Verkaufs- preise. Wenn z. B. ein Bauerngut in Folge von Sub- Hastation parzellenwcise verkauft wird, so benutzen reichere Bauern,„die oben auf kommen", diese Gelegenheit zur Abrundung ihres Gutes. Oder sie kaufen freihändig ein Stück Land, das ihnen gut gelegen ist. Solche einzeln verkaufte Grundstücke erzielen die höchsten und bisweilen exorbitant hohe Preise. Der Bauer rechnet, wenn er dieses Grundstück erwerbe, werde er doch nicht mehr bezahlte Arbeiter anzustellen brauchen. Vielleicht hat er heranwachsende Söhne, oder er will in der „strengen Zeit" noch länger arbeiten und so sieht er den ganzen Rohertrag des Grundstücks als Rein- ertrag an und berechnet demzufolge den Kapitalwerth entsprechend hoch. Er bringt nicht nur zu wenig Be- stellungskosten in Anschlag, sondern überhaupt keine. Er überlegt nicht einmal, daß er auch gelebt haben müsse, während er das neu erworbene Grundstück bearbeitet; oder wenn er diesen Faktor in's Auge faßt, so sagt er, er müsse dennoch gelebt haben, auch wenn er das Grund- stück nicht kaufen würde. Man sieht, was für ein kolossaler Fehler begangen wird, wenn man aus einer Anzahl von ermittelten Kauf- abschlüssen, welche einzelne Grundstücke betreffen, den Durchschnittswerth des ländlichen Grundbesitzes berechnen oder gar statistisch den Gesammtwerth alles landwirth- schaftlich bebauten Bodens in einem Lande feststellen will. Alsdann kommen die ungeheuerlichen Zahlen heraus, mit denen eine unwissenschaftliche Statistik früher ge- arbeitet hat und womit mau das„Steigen des National- reichthums" nachweisen wollte. Der hohe Kapitalwerth des Bodens ist nur vom privatökonomischen Standpunkt aus Reichthum, vom Standpunkt der ganzen Volkswirthschaft aus zeigen die hohen Güterpreise im Gegentheil die Armuth eines Landes an fruchtbarem Boden au. Sie haben außer- dem niedrige Arbeitslöhne und eine niedrige Lebens- Haltung der Bebauer zur Voraussetzung und treffen für Europa und andere alte Kulturländer zn, während Amerika im Verhältniß niedrige Landpreise, dafür aber hohe Arbeitslöhne und eine hohe Lebenshaltung der Be- bauer aufweist. Schon 1884 schrieb ein englischer Pächter im Der- byshirc Advertiser, der Werth des Grund und Bodens in England müsse so tief sinken, bis er auf das Niveau Amerikas gesunken sei. Das ist etwas zuviel gesagt, denn die amerikanische Konkurrenz hat doch. immerhin mit den Frachtkosten zu rechnen. Jedenfalls ist aber eine Schutzzollpolitik, welche den Kapitalwerth des ländlichen Grundbesitzes künstlich hoch halten will und sich damit zugleich ein Präjudiz schafft, daß bei einer späteren Auf- Hebung dieser Schutzzölle die Grundeigenthümer vom Staat eine Entschädigung verlangen können, ein ver- hängnißvoller Jrrthum*unb ein kaum wieder gut zu machender Fehler. Die Zucker-Industrie und ihr Proletariat. n. Deutschland nimmt unter allen Rübenzucker pro- duzirenden Staaten seit langem die erste Stelle ein. Von den 55 076 880 Zentnern der europäischen Gesammt- Produktion im Jahre 1889/90 entfielen beispielsweise auf dasselbe allein 19 812 000 Zentner. In seinen 500 Zuckerfabriken sind jährlich ununterbrochen 20 bis 30 Tausend Arbeiter und während der eigentlichen„Kam- pagne"— in den Monaten Oktober bis Februar— deren mehr als 100 Tausend beschäftigt. Es ist also ein gewaltiger, wie die fetten Dividenden und Jubelhymnen der Handels- und Börsenblätter be- weisen, zugleich„blühender" Industriezweig, den wir vor uns sehen und der wohl verdient, daß auch wir uns einmal mit ihm beschäftigen. Die kapitalistische Produktionsweise ist unter dem Druck der historisch-ökonomischen Gesammtentwickelung auch auf dem platten Lande mehr und mehr zur Herr- schaft gelangt. Die riesenhaft fortschreitende Zentrali- sation der landwirthschaftlichen Kapitale hat die feudale und kleinbäuerliche Wirthschaftsform immer entschiedener verdrängt und damit die Grundlage der bisherigen länd- lichen Gesellschaftsverhältnisse zerstört. Die überlegene Technik des Großbetriebes erdrückt den kleinen Besitzer und schleudert ihn erbarmungslos in die Reihen des Proletariats. Zwischen diesem aber und dem prosit- gierigen Kapital gähnt, an Stelle des ehemaligen patri- archalischen Arbeitsverhältnisses, die unüberbrückbare Kluft des Lohnsystems. Neue, moderne Ideen und Geistes- anschanungen sind auf diesen jungerstandenen wirthschaft- lichen Grundlagen erwachten und reißen tausendfache Breschen in die finstere, mittelalterliche Denkweise des platten Landes. Unzählig waren die Bäche ökonomischer Neubil- düngen, welche den mächtigen Strom der ländlichen kapi- talistischen Kultur, der heut alle herkömmlichen Verhält- nisse unterwäscht, bilden halsen. Das Hinübergreifen der Großindustrie auf das flache Land war einer von ihnen und nicht der unscheinbarste. Als die technisch-maschinellen Revolutionen die ge- sammte Produktionsweise der Landwirthschast von Grund aus umgestalteten, die verbesserten Verkehrswege unb Transportmittel alle Märkte und Absatzgebiete dicht an- einanderrückten und endlich die ausländische und über- seeische Getreidekonkurrenz den Körnerbau immer unren- tabler gestaltete, warf sich das landwirthschaftliche Groß- kapital mit voller Wucht auf den intensiven Acker- baubetrieb in Verbindung mit technischen Neben- gew erben. Die Schnaps- und Zuckerfabriken schössen wie Pilze aus der Erde und deren reichlich fließende Dividenden gössen heilenden Balsam auf die beginnenden Schmerzen der„landwirthschaftlichen Nothlage". Besonders die Zuckerfabrikation in engster Gemein- schaft mit einem oder mehreren landwirthschaftlichen Be- trieben erwies sich als eine der stärksten Stützen für unseren„armen" Großgrundbesitz. Der letztere ist auch thatsächlich der fast alleinige Aktionär und Besitzer aller deutschen Zuckerfabriken und nur eine verschwindend ge- ringe Anzahl derselben sind rein industriell-kapitalistische Unternehmungen. Ein laudwirthschaftlicher Großbetrieb, der seine Rüben in der eigenen Fabrik verarbeiten läßt, läuft auch nie Gefahr, ohne Profit zu arbeiten. Er giebt höchstens auf der einen Seite, was er auf der anderen womöglich doppelt nimmt. Erntet er zum Beispiel, infolge trockenen Wetters, kleine Rüben, die meist sehr zuckerreich sind, so wird zwar der Gewinn aus dem Rohprodukt ge- schmälert, aber eine hohe Fabriks-Dividende(das Resultat des sehr zuckerhaltigen Rübenmaterals) liefert ihm einen ausgleichenden Gegenwerth. Und umgekehrt deckt ein hoher Bodenertrag den etwaigen Ausfall des Fabriks- Überschusses, der durch die geringe Zuckerausbeute großer Rüben erwachsen kann.(Eingeschaltet sei, daß die Rüben meist unter strenger Kontrolle der Fabrik in genau fixirten Zwischenräumen„gepflanzt" werden müssen, um die Nährkraft des Bodens voll auszunutzen. Der Ertrag eines Ackcrstückes bleibt somit einzig von der Größe der angebauten Rübenraffe abhängig.) Bei einem Anbau von Rübenvarietäten, die neben einem anständigen Rohertrage auch einen solchen an Zuckergehalt garantiren, gewinnt der Zucker produzirende Großgrundbesitzer doppelt. Durch sorgsame, wissenschaftlich betriebene Zucht und Auswahl sind längst große und zugleich 16 bis 18 pCt. zuckerhaltige Rübenrassen gewonnen, neben denen sich die ursprünglich verwendete Runkelrübe mit ihren 7 bis 8 pCt.- haltigeu Zuckersaft recht armselig ausnimmt. Auf alle Fälle aber sorgt die freigebige Unterstützung. welche.der Staat unserem„nothleidenden Großgrund- besitz" zn Theil werden und die er auch dem armen Zuckerproduzenten durch eine reichlich bemessene„Export- Prämie" angedeihen läßt dafür, daß die Zuckerfabriken, trotz der„schlechten Zeiten", noch recht hübsch rentiren. Ter Umstand, daß von den oben genannten 19 812 000 Zentnern der 1889/90» deutschen Gesammtproduktion 12 300 000 Zentner, also ganze zwei Drittel exportirt wurden, macht jeden Kommentar überflüssig. Das Aus- land konsumirt in Folge dieser„staatlichen Fürsorge" den deutschen Zucker um fast die Hälfte billiger als wir, denn durch die Zurückzahlung von ca. drei Vierteln der 100 pCt. betragenden Rohmaterialsteuer sind unsere Zuckerproduzenten in den Stand gesetzt, ihr Produkt im Auslande um fast die Hälfte billiger zu verkaufen. Ein weiterer Vortheil, der einer Großwirthschaft aus der Betheiligung an einer Zuckerfabrik erwächst, ist die Gewinnung eines guten, billigen und leicht konservir- baren Viehsutters aus dem Rübenkraut und den Rüben- rücksländen, den sogenannten„Schnitzeln". Die Woll- und Fleischschaafhaltung, sowie die Anlage von Milch-, Butter-, und Käsewirthschaften wird dadurch begünstigt. Der kleine Grundbesitzer geht auch hier leer aus. Von den reichen Fabriksdividenden fließt kaum etwas in seine Tasche und falls wirklich sein Acker die zur Kultur der Zuckerrübe nöthigen natürlichen Beschaffenheiten hat, fehlt ihm das Kapital, welches der intensive Betrieb einer Rübenwirthschaft erfordert. Verarbeitet eine Fabrik in Folge günstiger Konjunkturen noch„Kaufrüben" von kleinen Wirthschaften, d. h. Rüben, die sie aus dem von ihr gelieferten Samen durch kleine Grundeigenthümer anbauen läßt, so kann der letztere direkten Schaden er- leiden, wenn etwa die Rübenernte quantitativ gering ausfällt. Die Zuckerindustrie hat auf sdie Betriebsweise der Landwirthschaft in revolutionärster Weise zurückgewirkt. Die rationelle Rübenkultur erfordert einen beträchtlich größeren Aufwand an Kapital, Bodenverbefferung, Düngung, lebendem und todtem Inventar und besonders an Maschinen und menschlichen Arbeitskräften, als jene des Getreides und der Kartoffeln. Vornehmlich dem Zuckerrübenanbau verdanken wir das rapide Anwachsen der Frauen- und Kinderarbeit im landwirthschaftlichen Betriebe, die Beweglichkeit der Arbeitermassen innerhalb derselben, die sogenannte„Sachsengängerei", die immer strengere Durchführung des reinen Geldlohnsystems, das übermächtige Anwachsen der kapitalistischen landwirth- schaftlichen Großbetriebe, aber auch die vollständige Neu- gestaltung des ländlichen Proletariats. Der Tagelöhner, welcher im Sommer auf dem Felde und im Winter in der Zuckerfabrik arbeitet, wird unwiderstehlich in den Strudel der kapitalistischen Geistcswelt hineingeriffen. Der Ackerbaubekrieb wird durch die Aushungerung des Bodens, wie solche die„freie", auf Spekulation und nach Bedarf arbeitende„Wirthschaft" naturgemäß mit sich bringt, fortwährend zu immer größerer Jntensivität angespornt. Die wissenschaftliche Methode der landwirth- schaftlichen Produktion wird durch die Anlage von Samenzüchtereien, Versuchsstationen ic. immer strenger durchgeführt. Das Großkapital heimst allein alle diese Vortheile ein, die Stellung des Kleinbauern wird täglich unhaltbarer. Er kann nicht, wie jener, dem Anprall der ausländischen Konkurrenz ausweichen und zu industriellen Nebengewerben greifen, sondern muß sein theures Brod entweder selber essen oder um jeden Preis losschlagen. Unter der Last der Hypotheken, der Ueberarbeitung und unter den wuchtigen Schlägen der raffinirten Betriebs- technik des Großbetriebes bricht er zusammen, wie der Kleinmeister unter dem Druck der Großindustrie. Manchem unter ihnen mag diese Einsicht wohl aufdämmern, wenn er. zuni Bettler und Zuckerfabriksarbeiter geworden, an sich selbst erfahren lernt, wie geschickt sein übermächtiger Gegner auch nebenbei aus Menschenknochen Geld zu pressen versteht.„Ja, Bauer, das ist was Anderes." Ein neugieriger Blick in die großgrundherrliche Alchymistenwerkstatt einer Zuckerfabrik lohnt in der That. Es ist Anfang Dezember, die Fabrik in vollem Betriebe. Auf den Rübenfeldern liegt hoher Schnee, Über die Landstraße rast der Wintersturm und jagt die dichtfallenden weißen Flocken wieder zum Himmel empor. Mühsam arbeiten sich die schwerbeladenen Rübenwagen, von frierenden, durchnäßten Arbeitern slankirt, durch die Schnceberge und das Unwetter. Vor dem Hofthor der Fabrik, deren Lichter phantastisch durch die leichten, von allen Sesien aufsteigenden Dampfwolken und das Schnee- gestöber schimmern, macht die Wagenkaravane Halt. Die Geschirrführer suchen, dicht an die Mauer oder die Ge- spanne gedrückt, Schutz gegen Wind und Schnee, denn nur in längeren Pausen rückt Wagen um Wagen vor- wärts auf die am Eingangsthor befindliche Fabrikwaage. Hier wird das Rübengewicht festgestellt, worauf der Inhalt des Wagens in die großen Rübenbasfins, die mit der Wäscherei in Verbindung stehen, entleert wird. Elevatoren befördern die gereinigten Rüben alsdann nach dem oberen Stockwerk der Fabrik, wo sie in Wagen verladen und zuerst dem Steuerbeamten zur Gewichts- notirung vorgeführt werden. Während die Rüben hierauf nach den Zerkleine- rungsmaschinen transpvrtirt werden, um von da aus später in die Saftpressen, Koch und Siedekessel u. s. w. zu gelangen, betrachten wir das merkwürdige, lebhaft arbei- tende Durcheinander der Eisenkonstruktion nm und über uns. Den neugierigen Fragen macht ein schmerzhaftes Prickeln in unseren Gliedern ein Ende. Wir haben noch gar nicht beachtet, daß eine beklemmende Wärme unser durchfrorenes Blut wieder in Wallung gebracht hat. In den Trocken- und Siederäumen steigert sich diese Hitze bis zu 40 Grad. Nun fällt uns auch auf, daß die Arbeiter, welche schweißtriefend die Rübenkarren an uns vorbei schieben, zwischen dem Gewirr der Schwungräder, Transmissionsstangen und Kessel auftauchend die Ma- schinen bedienen, zum Theil fast nackend gehen. In den Siederäumen droht uns die glühende Temperatur den Athem zu nehmen. „Können es denn Menschen in dieser Glut stunden- lang aushalten?" so fragen wir. „Stundenlang?"— antwortet unser Gegenüber lächelnd—„viele von ihnen kommen während der vier Saisonmonate kaum auf einen Tag in eine andere Atmosphäre". Ein Schichtwechsel findet zwar nominell alle 12 Stunden statt, da aber die Fabrik meist nicht die genügende Zahl von Arbeitern findet, zum Theil auch hier zu spare» sucht, außerdem die elendesten Hunger- löhne zahlt, ist eine hinter einander laufende Schicht von 18 Stunden die übliche. Diese Verwüstung und Aus- beutung der Arbeitskraft legt in die Brust Abertausender den Todeskeim. Hierzu kommt, daß die Ernährung schlecht und unregelniäßig ist. Die übergroße Hitze reizt den Magen nicht zur Aufnahme fester Nahrung, sondern zum Trinken. Die Hälfte des Lohnes muß der Arbeiter für letzteres verwenden. Alle Mahlzeiten nimmt er während den kurzen Ruhepausen in der Fabrik zu sich. Sie bestehen selten aus etwas anderem als Brot und Schmalz oder Speck und werden ihm meist von dem Budiker des Etablissements schlecht, theuer und auf Borg geliefert. Kein Wunder, daß er am Schlüsse der Saison nicht nur abgemagert bis auf's Skelett, sondern auch ebenso arm und elend als vor Beginn derselben auf der winterlichen Landstraße steht. Mancher, der in der Nähe ansässig ist, tröstet sich bei dem Gedanken an Weib und Kinder vielleicht mit Hoffnung auf die Zuckerfabriks- kampagne des nächsten Jahres. Der Thor!— er ahnt nicht, daß bis dahin hundertfache technische Verbesserungen des Produktionsverfahrens auch seine Arbeitskraft über- flüssig gemacht haben können, oder der„Aufschwung" der Zuckerindustrie in das Stadium der Krise getreten sein kann. Die Fortschritte der Technik haben sich gerade in der Rübenzuckerfabrikation in den letzten Jahren überstürzt und die„freie Konkurrenz" der Fabriken läßt das Ende derselben gar nicht absehen. Es tritt hinzu, daß die„Ueberproduktion" in diesem Artikel auch die fetten Dividenden schon merklich herunter- geschraubt hat und die eine Zeit lang zurückgedrängte Rohrzuckerkonkurrenz Asiens und Amerikas, welche mehr und mehr mit der verbesserten Maschinerie Europas zu arbeiten beginnt, wieder drohender geworden ist. Die Zuckerringe und Trusts können, wie der vorjährige Magdeburger Zuckerkrach beweist, nur uoch durch die gewagtesten Spekulationen die Preise halten. In dem Falle, daß das kapitalistische System einen so bedeutenden Industriezweig wie die Rübenzucker- sabrikation von Krise zu Krise schleudert, würde es sich aber gar nicht blos um die Existenzvernichtung der 100 000 Arbeiter dieses Gewerbes, sondern um noch unendlich viel mehr handeln. Hinter der Zuckerindustrie steht der Ackerbaubetrieb, der durch dieselbe eine totale Umgestaltung erfahren hat und dessen Wohl und Wehe heut vielfach aufs Engste mit dem jener verknüpft ist. Die Krisen können auf die Landwirthschaft so wenig ohne Rückwirkung bleiben als der ehemalige„Auf- schwung". Trotzdem hat auch dieses trostlose Bild seine Licht- seite. Je schneller das landwirthschaftlich- industrielle Großkapital seine zersetzenden Tendenzen verwirklicht, je unerbittlicher die wirthschaftliche Anarchie auch auf dem flachen Lande den Kleinbetrieb vernichtet, je radikaler das stumpfsinnige ländliche Proletariat aus seiner Existenzsicherheit gerissen und durch die Arbeitermassenanhäufung sein Solidaritätsgefühl großgezogen wird, um so schneller und unaufhaltsamer wird auch dort der Zu- sammenbruch des herrschenden Systems sein. Jetzt finden wir auch die Leichenbläffe auf den vom Elend gestempelten, ausgemergelten Gesichtern dieser Armen erklärlich. Aber noch etwas anderes fällt uns auf, eine große Ungleichheit der Physiognomien, wie solche einer bunt zusammengewürfelten Menschenschaar von verschiedener geistiger Veranlagung und„gelellschaft- licher Stellung" eigen ist. Wir fragen. Der erste erzählt uns, daß er als Tagelöhner bei einem Bauern, der jedoch im Winter nur wenig Beschäftigung für ihn hat, im Dienst steht, weshalb er die Fabrikskampagne„mitnehmen" muß. Ein zweiter ist als„Sachsengänger" in die Gegend gekommen und verspürt keine Neigung nach Ostpreußen zurückzukehren. Ein dritter staninit aus einer kleinen Stadt in der Nachbarschaft, wo sich infolge industrieller Unternehmungen, die meist alle„verkracht" sind, ein be- trächtliches Proletariat angesammelt hat, das sich nun auf die verschiedenste Weise durchschlagen muß. Der übrige, größte Theil aber gehört jener großen Klasse des Landstraßenproletariats an, welches die wirthschastlichen Krisen unaufhörlich von Stadt zu Stadt schleudern. Stellenlose Kaufleute,„Hanvwerksburschen", Schauspieler, Industriearbeiter, ehemalige Kleinmeister und andere, alle hat der Zufall und das Elend hier zusammengeführt. Die Strophen ihrer Klagelieder sind verschieden, der Refrain immer derselbe. Die wirthschaftliche?lnarchie unserer hochgepriesenen kapitalistischen Kulturperiode hat alle diese Unglücklichen als Bettler auf's Pflaster ge- warfen. Wochen- und monatelang haben sie hungernd, frierend und zerlumpt die Landstraße» durchwandert, sind sie arbeitsuchend und bettelnd von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf gezogen, ununterbrochen von der Roth und den Gendarmen verfolgt. Sie haben sich glücklich geschätzt, als sie die schwere und schlechtgelohnte Arbeits- gelegenheit in der Zuckerfabrik gefunden hatten. Ihre Nahrung während der„Kampagne" ist zwar jämmerlich, ihre Wohnung besteht zwar nur in einem Bund Stroh und einer Decke in der Fabrikskaserne oder auf denr Trockenboden der Fabrik selbst, aber der Gedanke an die Hungermonate und die eisigen Regen- und Schneestürme der Landstraße läßt ihnen die Gegenwart paradiesisch er- scheinen. Ein Seligkeitsgefühl durchrieselt ihren elenden Körper, wenn sie sich nach der aufreibenden Arbeitsschicht todtmüde auf ihr Lager strecken, das die heiße Luft des Fabrikbodens umschläfert. Diesen Arbeitermassen gegenüber haben die Zucker- fabriken einen sehr leichten Stand. Der Lohn erreicht fast nie den ortsüblichen der Landtagelöhner. In der Provinz Sachsen, der Hochburg der deutschen Zucker- industrie, beträgt er im Durchschnitt Mk. 1,30 täglich. Allerdings liefert die Fabrik den fremden Arbeitern auch noch die erwähnte„freie Wohnung", allein sie verlangt auch etwas für diese„anständige" Bezahlung. In einer tropischen Temperatur schwere Lasten tragen, Karren schieben, die Maschinen und Kessel bewachen ist keine Kleinigkeit, um so weniger, als der Arbeiter leicht Gefahr läuft auf den vom Rübensafte schlüpfrig gehaltenen Boden auszugleiten und seine Glieder zu brechen. Auch Ver- brühungen durch den kochenden Syrup und Unglücksfälle, durch die Maschinen herbeigeführt, sind keine Seltenheit! Entgeht der Arbeiter dem allem, dem Rheumatismus entgeht er bei jahrelang fortgesetzter Zuckerfabriks- beschästigung sicher nicht.— Aus meinem„KuuerulViegel". Von Willibald Nagl(„Deutsche Worte'). (7. Fortsetzung.) Die freie Wissenschaft führt zum Hochmuth, und Hochmuth kommt vor dem Falle. Die Wissenschaft muß dem Glauben untergeordnet bleiben: nicht nur die geist- liehe Wissenschaft, sondern auch die weltliche. Ist ja auch der Lehrer weniger als der Geistliche. Im Geistlichen ist Würde und Wissenschaft zu vollkommener Einheit verschmolzen, die ihn weit über alle andern Menschen erhebt. Er gebraucht aber seine Wissenschaft nicht zum Aufbringen neuer Meinungen und Lehren, von denen kein Hungriger hcrunterbeißen kann, sondern zur Ver- theidigung der christlichen Religion in der Predigt. Es ist schon eine wahre Freude, so einen Missionär(Wander- Prediger) anzuhören, wie er's ihnen(den neuen Auf- klärern) hineinsagen kann. Die Missionäre(Jesuiten) sind ja viel höher ausgestudirt. In Solchen erhält die Wissenschaft erst ihre rechte Weihe. Wie klar es also ist, daß dem Priester die Wissen- schaft gebühre, ebenso klar ist es auch, daß sie der Bauer nicht braucht und nicht brauchen kann. Den Glauben hat ja dieser nicht zu vertheidigen; und wenn es auch sein Schönes hätte, so gelegentlich einem„Lutherischen" einen rechten„Brocken hinauszuschmeißen"— so kommt ja der Bauer kaum in diese Lage, da weit und breit bis selbst in's Gebirge hinein. alles„christlich" ist. Es giebt wohl auch so überspannte Bauern, die gescheidt und ge- lehrt sein wollen-- aber es hat sich noch allemal gezeigt, daß bei solchen Menschen nicht viel dahinter ist. Dieses letztere Urtheil, das wir aus der Anschauung des Land- Volkes gefällt haben, trifft in der That meistens zu; denn die ganze„Gelehrsamkeit" eines derartig„Gescheidten" entspringt gewöhnlich auS einem alten Buch, welches der gute Landmann ererbt oder zufällig irgendwoher bekommen hat, und welches nicht so„hoch geschrieben" und auch nicht so„lutherisch" ist. wie die meisten heutigen Bücher, von denen der Bauer nichts wiffen will. Solche alte Codices, die auf dem Lande noch in einigen ehrwürdigen Exemplaren angetroffen werden, find etwa ein Thesaurus herbarum, d. i. Gantzes Kräutter-Magatzin, mit an- gehängter nutzlicher Verwendtung deren gemeinen Kräut- teren nach Plinius und Isidoras Hispalensis, unterspickt mit allen möglichen Fabeln und Mythen, oder eine Legende aller Heilig en mit entsetzlichen Marterbildern, oder: ,,?. Martini Cochem Leben und Leiden Christi" mit einer populären astronomischen Einleitung, nach welcher die Sonne noch 260.000„teutsche" Meilen per Stunde zurückzulegen hat, um ihren Umlauf um die Erde täglich zu vollenden, und mit einer gräßlichen Darstellung der vier letzten Dinge als Schluß. Aus einem derartigen Buch nun holt so ein„gelehrter" Bauer zu- gleich seine ganze Geographie, Naturkunst. Arzneiwissen- schaft, hochdeutsche Stilistik, soweit er eine solche in der Wiedergabe seines gelehrten Wissens malträtiren muß. und sogar noch einige lateinische Brocken drüber. Ein solcher auf sein Wiffen stolzer Bauer ist dann ein wahres geistiges Scheusal, und beweist seiner Umgebung durch sein abschreckendes Beispiel erst recht, daß der' Bauer ..beim Pfluge" zu bleiben und sich von allen: Wiffen ferne zu halten hat. Aus dem nun besprochenen Verhältnisse ergeben sich nothwendig hje zwei nachstehenden Folgerungen.' Erstens: Das Wissen ist nicht für die Bauern,' sondern nur für die„Hohen"; u7id auch unter diesen macht nur der Geistliche den richtigen Gebrauch davon, denn bei allen Andern ist das Wissen nur ein gefährliches Instrument, mit dem sie gar leicht die Religion untergraben oder doch in hoffärtiger Ueberschätzung ihrer selbst sonst irgend- wie schädlich wirken und Aergerniß geben können. Daher ist jedes Studium, das nicht aus einen Geistlichen zielt, dem Bauer unsympathisch, nmsomehr, als die weltlichen Beamten und„Gelehrten" alle vom Steuergulden leben. Zweitens: Da aber die Wissenschaft doch in sich schon etwas Erhabenes, Anerkennung Erzwingendes hat: da der beim Landvolk so hoch stehende Klerus die Wissenschaft gleichsam repräsentirt und ihr eine religiöse Weihe verleiht, so muß der Bauer immerhin eine gewisse Achtung vor dem Geistigen, vor dem Wissen, haben. Da ihm aber die Wissenschaft nie für seine Auffassung und seine Bedürfnisse zurechtgelegt und selbst in unserer Zeit niemals in seinem Interesse ausgebeutet worden ist— ohne daß nicht Andere den Löwenantheil des Nutzens ihm vorweg genommen hätten— so hat er keine innere Ueberzeugung und Anschauung von der Zweckmäßigkeit des Wissens und von der Realität des Geistigen, so daß jene„gewisse" Hochschätzung der Wissenschaft nicht in der Natürlichkeit, sondern nur in der Manier des Landvolkes wurzelt. Wir wissen bereits, wie wenig hierauf zu geben ist, und werden jetzt die Aeußerungen des Bauers über Wissenschast und Studium aus den eigentlichen Werth zu reduzkren im Stande sein. „Ja ja, ein Kopf gehört dazu, wenn Einer studiren will," sagt Bäuerlein bewundernd,„ein Kops gehört dazu!" und dabei wiegt es mit bedeutungsvoller Miene das Haupt. Diese Manier-Aeußerung auf die natürliche Denkweise des Bauers projizirt, heißt:„Zum Lernen ist unter Tausenden kaum Einer berufen, der nämlich, welcher ganz außerordentlich hierzu talentirt ist. Ich bin eigentlich froh, daß ich nicht so talentirt bin, sonst hätte ich vielleicht auch so viel lernen müssen— ja, wenn man aus einmal ein studirter Herr sein könnte, dann ließ' ich mir's gefallen!" Oft hört man von Landleuten die, anscheinend von lauter Bescheidenheit und Bewunderung für die„Hochstudirten" diktirte Phrase:„Das versteh'n wir nicht, dazu sind wir zu wenig gelehrt." Man möchte ihnen z. B. erklären, warum das Steuerzahlen nothwendig ist, oder wie ein sonst religiöser Mensch aus reinen Ueber- zeugungsgründen aus dem Kloster treten kann:„Das versteh'n wir nicht." Diese Antwort bedeutet in reinem Deutsch:„Es ist uns gar nicht der Mühe Werth, darüber nachzudenken, oder Dich anzuhören; denn Steuerzahlen müssen wir, ob wir's wissen oder nicht. und betreffs eines Menschen, der aus dem Kloster tritt, bleiben wir lieber beim verdammenden Urtheil, weil dieses unseren Traditionen besser entspricht." Dieselbe Geringschätzung, wie gegen alles Geistige, bekundet der Bauer konsequent auch gegen alle ungewohnte wirthschaftliche Spekulation. Es gicbt einige ehrennolle Ausnahmen. Einzelne— sehr wenige— Bauern wissen durch Holz- oder Hühnerhandel sich Erkleckliches zu er- werben, ihre Kinder auf gute Häuser zu verheirathen; und durch Kauf und Zucht von Stieren und Ochsen versteht fast jeder Bauer, sich jährlich sein Wein- und Tabakgeld zu erobern. Aber im Allgemeinen bewegt sich der Bauer im althergebrachten Geleise— jeder selbständigen Spekulation und Berechnung entsagend. Lieber plagt er sich, wie das liebe Vieh, bevor er über- legt, wie er mit weniger Plage dasselbe leisten und produziren könnte. Dies ist sehr begreiflich.„Besser ein Spatz in der Hand, als neun Tauben auf dem Dache," denkt sich der Bauer— und da fast jede Spekulation mit einem augenblicklichen Nachtheil(Aufwand) verbunden ist, der erst durch den künftigen Nutzen mehrfach auf- gewogen werden soll, der Bauer aber alles Künftige für irrell zu halten geneigt ist, weil es nicht mit Händen gegriffen werden kann und nur durch das geistige Band der Berechnung an die Gegenwart geknüpft ist — so leuchtet ein, daß sich der Bauer zu keiner Spekulation erheben kann. Umsonst würde ich meinen Landsleuten predigen:„Laßt den Getreidebau in Eurer Gegend— Ihr könnt ja ohnehin das Korn nicht verkaufen; die großen Einfuhren gehen heute von Ungarn, der Hanna und dem Marchfelde in die Hauptstadt, um Euer Bischen kümmert sich lein Unternehmer! Verlegt Euch mehr auf Viehzucht, Obst- und Gemüsebau, denn derlei Artikel bringt Ihr besser an den Mann!" Wer wollte da einen größeren Stall bauen, Aecker zu Wiesen stehen lassen, oder Obstbäume pflanzen!? So viel Aufwand für einen Nutzen, der vielleicht lange aus sich warten läßt!— Diese Unbeholfenheit geht aber oft bis ins kleinste Detail der täglichen Beschäftigung herab— und nun bedenke man, wie viel Kraft die Bauernschaft im Ganzen vergeudet. So platt ist der Bauer an das eben Bestehende ge- bunden, daß er gar nicht glaubt, es könne auch anders sein, und daß er sogar jeden Versuch, eine Aenderung und Besserung herbeizuführen, mit Verdruß und hämischem Aerger wahrnimmt. Mein Großvater setzte Obstbäume längs der sonnigen, staubigen Straße, wo sein Acker an diese stieß.„Da wachst nix," war die unberufene Be- merkung der Vorübergehenden.„Freilich wachst nix, wenn man nichts ansetzt," gab er zur Antwort.„Ja," meinten Andere,„da stehlen ja die Bettler und Hand- werksburschen Alles, neben der Straße!"„Besser, sie können mir'was stehlen, als wenn ich nichts Hab'," argumentirte jener ganz richtig, aber überzeugen konnte er doch Niemanden damit." Daß bei dieser Geringschätzung aller Spekulation, alles Geistigen überhaupt, die geistigen Fähigkeiten immer stumpfer werden müssen, leuchtet wohl ein. Es stellt sich schließlich jene eigenthümliche Dummheit ein, welche darin besteht, daß der Mensch nicht einmal die gegen- wältigen Vorgänge, die sich in und um ihn voll- ziehen, richtig auffassen und beurtheilen kann. Solche Leute tappen dann wie blind durch das Leben und fallen Schritt für Schritt sich und Andern zur Last. Es wäre doch, meint man, nicht so schwer, zu beobachten, daß ein Kranker gerne heitere Gesichter um sich sieht — nicht ausgelassene, sondern heitere— und daß er es gerne hört, wenn man seinen Zustand möglichst günstig darstellt. Da kommen aber diese andächtigen Betteln mit all' ihrer hohläugigen Frömmigkeit daher an's Krankenbett, wundern sich in wiederholten Ausdrücken, wie der Kranke schlecht aussieht:„Mein Gott, Kathl, ich hätt' Dich bald nicht erkannt, so bist Du entstellt — muß Dir wohl recht schlecht sein, gelt Kathl?"— ja, sie sind gleich bereit, den Patienten sür's Aeußerste „gefaßt" zn machen. Eine Betschwester litt schwer an Bauchtyphus und Unterleibsentzündnng. Ich suchte sie heim und traf sie im Zustand größter Verzagtheit. Man ließ sie oft lange allein liegen, um auf dem Felde der Arbeit»achzugehen, und redete ihr, wenn man zu Hause war, noch„zu hören", wie nothwendig sie jetzt zu thun hätte!„Wenn der Mensch nur nicht gar so dumm wäre," seufzte dann die Kranke, und meinte damit ihren langjährigen Eheherrn. Ein Zustand fort- währender Aufregung und Aergerlichkeit, hervorgerufen durch die unerquickliche menschliche und sachliche Um- gebung, hemmte die Genesung. Der Arzt— auch gerade kein Genie— gab die Hoffnung auf, und, als eine andere Betschwester desselben Dorfes ihn auf der Straße um das Befinden der Kranken befragte, eröffnete er ihr seine ernstliche Besorgniß. Die fromme Seele eilte so- fort zum Krankenbette und theilte ihrer lieben geistlichen Schwester brühwarm mit,„was ihr der Doktor heut' g'sagt hat," damit sie sich bereit halten könne. Ein schöner Trost! Nur den Kranken nicht aufregen!— Die Arme hat aber eine starke Natur und wagt, während ich dieses schreibe, schon die ersten Gänge ins Freie. Eine schwächere Natur hätte müssen den Fehlern der Behandlung erliegen, und der liebevolle, betschwester- liehe Todesengel würde dann gesagt haben:„Js halt doch gut gewesen, daß ich sie früher Hab' gesaßt gemacht drauf;" wollte man aber die andächtige Hexe wegen ihrer Uebereiltheit jetzt zur Rede stellen, so würde sie antworten:„Ist sie denn ohnehin gesund geworden wieder, kann ihr ja doch nicht so stark geschadet haben." — Selbst die einfachste Diätik kommt solchen Leuten bei ihrer Dummheit abhanden, und wieder ist es der Kranke, der am meisten darunter leidet. Im März d. I. lag ein sechzehnjähriger Vauernbusch, Sohn eines reichen Wirthschaftsbesitzers, an der Lungenschwindsucht schwer darnieder. Man hatte fast alle Hoffnung schon aufgegeben; da trat eine Wendung zum Besseren ein, die etliche Tage anwährte. Plötzlich kam die Mutter des Bettlägerigen bestürzt zu uns und klagte: „Heute ist er wieder gar so schlecht geworden über Nacht, ich weiß nicht warum— gestern hat er nach Wein ver- langt, und da haben wir ihm kalten„Most"(d. i. Aepfel- wein) zu trinken gegeben; kann sein, daß er etwa gar von diesem so schlecht ist!" Lungenschwindsucht und — kalter Aepfel wein, der noch viel dicker und unreiner ist, als schlechter Traubenwein! Etliche Tage darnach war der Bursche eine Leiche. Zu einer Frau, die von der Dorsbewohnerschaft vielseitig um ärztliche Rathschläge angegangen ivird/ kam unlängst eine Dienstmagd mit einem fürchterlich aufgeschwollenen Finger, an dem sie sich drei Monate vorher verwundet hatte. Ein großes starres Pechpflaster hüllte den kranken Finger seit seiner Ver- wundung ein! Die Frau hieß sie dieses Pflaster sofort enffernen und den Finger waschen und rein halten, worauf er schnell heilte. So ertödtet ist in solchen Menschen der unbefangene, natürliche Sinn für das nächstliegende Richtige— wie es in diesem Falle das Reinhalten der Wunde wäre— daß sie von dem Arzte, der ihnen_ so einfache Mittel anempfiehlt, ganz trostlos und enttäuscht weggehen, weil sie dieselben für nichts achten und vom Arzt lauter Wunderkuren erwarten. Je abenteuerlicher ein Mittel ausfällt, desto mehr bauen sie auf dessen Wirksamkeit, und diese ihre Neigung wird von aber- gläubischen oder verschmitzten Wunderdoktoren fortwährend reichlichst befriedigt und genährt. Es ist noch ein ver- hältnißmäßig harmloser„Bauern-Orz", der in Rosegger's „Tannenharz und Fichtennadeln"(2. Aufl.) blos mit „Warmhalten",„Umschlägen" u. dgl. kurirt. Es wäre gewiß von großem Interesse, alle die zahlreichen Volks- Heilmittel, wie sie auf dem Lande gebräuchlich sind, und unter denen übrigens manche ganz vernünftige angetroffen werden, übersichtlich zusamMnzustellen, nach den Motiven, aus welchen man die einzelnen— oft nichtssagenden, oft abergläubischen, oft buch schädlichen— Hausmittel für wirksam befunden haben mochte. Da sich aber der'Sinn für das Richtige und Wahre zunächst an der Beobachtung und getreuen Auf- fassung des Gegenwärtigen, Naheliegenden üben soll, diese Uebung aber, wie aus dem Gesagten erhellt, größtentheils abhanden gekommen ist, so mußte sich noth- wendig ein Zustand einstellen, in welchem das Landvolk, des inneren Maßstabes für die Richtigkeit und Wahrheit der Dinge entbehrend, in rathlose Unsicherheit und Ueber- zeugungslosigkeit verfällt, die es wieder dem Autoritäls- glauben und dem Dogma selbst in jenen Dingen über- antwortet, wo, wie in kleinen und großen Wirthschafts- angelegenheiten, in Behandlung und Beurtheilung der Mitwelt, im Verhalten gegen neue Anschauungen, Er- findungen und Einführungen, der praktische Verstand zu entscheiden hätte. Wir fassen hier das Wort Dogma nicht vom kirchlichen Standpunkt: Dogma ist uns eben Alles, was der Mensch, wo ihm unmittelbare Ueber- zeugung und lebendiges Urtheil fehlt, auf Grund irgend einer Autorität— sei es nun Standestradition, Volks- anschauung, öffentliche Meinung u. s. w.— als Norm seines Denkens und Handelns annimmt. Unser Bauer lebt nun fast in lauter Dogmen. Er kann selbst jene Erscheinungen des Lebens, die sich täglich vor ihm ent- rollen, nur in den allergröbsten Zügen auffassen, für die feinere Beurtheilung derselben, ebenso wie für die Auf- fassung aller komplizirteren und ihm etwas ferner stehenden Vorgänge fehlt es ihm vollends an Verständnis. Es ist schwer für denjenigen, der durch Verwandschaft- liehe Beziehungen oder sonstige Interessen an dieses Volk gebunden und unter ihm zu leben genöthigt ist, gegen den Strom dieser Dogmen zu schwimmen. Er kann sein ehrliches Schaffen und Thun, wo es gegen die Tradition ist, durch Argumente vertheidigen, wie er will— er kann das Verdikt, welches die Umgebung über ihn verhängt, in den ihm eben gegenüberstehenden Personen momentan zurückdrängen: im Allgemeinen besiegen aber nicht. Die ganze Hoffnung muß der Volksfreund auf die Jugend setzen, die immer verhältnißmäßig unbefangener und natürlicher ist. Selbst junge Leute in den Zwanziger- Jahren können noch von dem Druck der Dogmen befreit werden, wenn man sie der ländlichen Umgebung entrückt. Es ist merkwürdig, wie sich diese, mit pietätvoller An- hänglichkeit an die heimathliche Anschauungsweise, auch noch in der Fremde um ihre Dogmen wehren: sie streiten lange und kapituliren schließlich nicht ausdrücklich. Aber innerlich ist das Dogma durch das sonnige Wort natür- licher Wahrheit geschmolzen, und findet es nicht neue Auffrischung im sonstigen Verkehr, so wird es allmälig aus dem Herzen dieses Menschen verschwinden. Bald wird er, zunächst wo es sein neuer Lehrmeister nicht merkt, in dem Sinne handeln, welchen er jenem gegen- über so eifrig bestritten hat. Wir werden uns jetzt nicht mehr täuschen oder be- irren lassen, wenn ein Bauer emphatisch betheuert:„Ich bin davon überzeugt!" Er hat ja in der Regel gar kein Gefühl für Ueberzeugung, er weiß nicht, wie das ist, wenn man überzeugt ist. Seine„Ueberzeugung" beruht meist auf einer vorgefaßten Meinung, auf einer Selbst- täuschung zu Gunsten einer liebgewordenen Ansicht, oder auf einer allmächtigen Autorität. Ost sagte ich Bauers- leuten:„Aber wie kann denn eine Hexe die Milch aus deiner Kuh bringen, ohne in den Stall zu kommen!" oder„Was soll denn das kreuzweise Herumfahren mit kalten Steinchen aus den Gliedern eines Gichtkranken diesem helfen!" und erhielt die gereizte Antwort:„Wenn ich aber überzeugt bin!" Dann folgte gewöhnlich eine Aufzählung von Beispielen, in denen diese Mittel augenscheinlichst und ganz unbestreitbar geholfen hätten. So ist auch die Betschwester und der Betbruder„über- zeugt", d. i. fanatisch eingenommen von seinen falsch- religiösen Ideen, die er auf Grund einer kirchlichen Autorität sich zu glauben auferlegt findet. Albert Auerbach, Kerlin S., Kottbuser Damm 7. Schuh- und Stiesel-Laan für gerre», Dame»«nd Kinder. Reelle Bedienung.— Feste Kreife. Kranzbinderei«. Ktumenhandlg. von J. Meyer Nr. 1, Wiener Strafe Nr. 1, (in der Ecke bei der Manteuffelstraße). Gnirlanden 15 Rfg. pro Meter. Doppelbügclige Lorbeerkränze von 50 Pf. an. Topfpflanzen. Bouquets k. gut u. billig. Die seit 1877 bestehende, weltbekannte Uhrenfabrik von MAX BUSSE 157. Invaliden-Strasse 157, neben der* Markthalle, verkauft jetzt shmnitliehe Uhren zu bedeutend herabgesetzten Preisen, Für jede Uhr wird reelle Garantie geleistet. Grosse Abschlüsse mit Pforzheimer und Hanauer Fabrikanten ermöglichen derselben Firma den Verkauf von Gold-, Silber-, Granaten- und Korallenwaaren zu fabelhaft billigen Preisen. Spezialität: Ringe. 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