Berliner Volks- Tribüne " 11/010 J Sozial- Politisches Wochenblatt. Die Berliner Dolfs Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnementspreis für Berlin monatlich 50 Pf. pränumerando( frei in's Hans). Einzelne Nummer 15 Pf. Durch jede Poft- Anstalt Deutschlands zu beziehen.( Preis viertelj. 1 mr. 50 pf.) № 47. 1979 Redaktion und Expedition: SO.( 26), Elifabeth- ufet 35. Ausgabe für Spediteure: ,, Volksblatt", Beuthsir, 3. Inserate werden die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 20 pf. berednet Vereins- Anzeigen: 15 Pf. Arbeitsmarkt: 10 pf. Inseraten- Annahme in der Expedition: Elisabeth- Ufer 55. boss Die ,, Berl. Dolfs- Tribüne" ist unter Nr. 893 der Zeitungs- Preislifte eingetragen Sonnabend, den 22. November 1890. IV. Jahrgang. Von diesen Grundsätzen ausgehend, erstrebt die soziaAus der Woche. Zur Diskussion über fönnen. Dem preußischen Landtag ist ein ganzes Bündel auf dem Wege zu unserem Endziel schon im heutigen unser Parteiprogramm. Ein Appell an die Vorlagen zugegangen, die sich alle mehr oder weniger Staate und der heutigen Gesellschaft durchsetzen wollen. reaktionäre Male". Der Krach in London. mit der wirthschaftlichen Entlastung des mittleren Bürger- Im Folgenden sollen die Hauptbedenken, welche der erste, Der Staat das And Wir. Der Sonnabend thums und des Großgrundbesizes beschäftigen. Die der theoretische Theil, bei dem Verfasser hervorruft, kurz der Premièren.- Freie Volksbühne.- Klassensteuer und die qualifizirte Einkommensteuer sollen angedeutet werden. Die betreffenden Säße in dem alten Gedicht. Novelle.- Ans meinem Bauern- zu einer einheitlichen Steuer vereinigt werden, die Defla- Programm lauten: Die Arbeit ist die Quelle alles Reichthums und Spiegel. Gloffen zu Richters Irrlehren". I. rationspflicht eingeführt, die Gewerbesteuer bei kleineren Die Koch'sche Heilmethode. Der Sozialismus Betrieben herabgemindert, die Landgemeindeverfassung aller Kultur, und da allgemein nußbringende Arbeit nur und das Volksschulgesez geändert werden. Auch den durch die Gesellschaft möglich ist, so gehört der Gesellim deutschen Heere. Arbeitern ist etwas Süßes zugedacht. Es wird eine schaft, das heißt allen ihren Gliedern, das gesammte Vermehrung der Aufsichtsbeamten und eine Neuregelung Arbeitsprodukt, bei allgemeiner Arbeitspflicht, nach gleichem Aus der Woche. ader Gewerbe- Inspektion vorgenommen. Die Durchführung Recht, Jedem nach seinen vernunftgemäßen Bedürfnissen. " In der heutigen Gesellschaft sind die Arbeitsmittel Diesseits und jenseits des Wassers ist großes dieser Maßregel soll gleich mehrere Jahre in Anspruch Jammergeschrei auf der einen Seite, gellendes Jubel- nehmen. Ja, nur immer gründlich meine Herren! Dem Monopol der Kapitalistenklasse; die hierdurch bedingte geschnatter auf der anderen Seite losgebrochen. Die Börse arbeitenden Volte wird auch gleich noch eine zweite Abhängigkeit der Arbeiterklasse ist die Ursache des Elends gleicht einem Bienenstock, die Coullissiers schreien, als Freude bereitet werden. Eine Forderung von 22 Mil- und der Knechtschaft in allen Formen. Die Befreiung der Arbeit erfordert die Verwandstecke jeder an seinem eigenen Spieß, die Galopins rennen lionen Mark für einen Dombau in Berlin wird dem wie die Windhunde, über die Gesichter der Banfiers Landtag zugehen... lung der Arbeitsmittel in Gemeingut der Gesellschaft und Früher meinte man, dem gemeinen Mann sei die genossenschaftliche Regelung der Gesammtarbeit mit huscht ein Verlegenheitslächeln nach dem andern. O weh, und drei mal wehe. Der Riese, der seine Hände über Bildung nothwendig. Jetzt scheint man es zur Ab- gemeinnüßiger Verwendung und gerechter Vertheilung des die ganze Erde streckte, das Gold nach Tonnen maß, wechslung wieder einmal mit Schule und Kirche ver Arbeitsertroges. " Die Befreiung der Arbeit muß das Werk der und mit einem Federstriche Tausende himmelhoch jauchzend suchen zu wollen. Auch die Schule soll an der Bemachte oder zu Tode betrübte, er ist nicht mehr. Hun fämpfung der Sozialdemokratie theilnehmen, indem sie Arbeiterklasse selbst sein, der gegenüber alle anderen Klassen dert und zwanzig Jahre ward er alt, da sank er hin. die künftigen Staatsbürger befähigt, die sozialistischen nur eine reaktionäre Masse sind. Er ermöglichte Gambetta seinen Verzweiflungskampf, Irrlehren als solche zu erkennen." Da wird eine schöne borgte Rußland, war der Wahlbankier der englischen oft hetauskommen. Wenn hon die Koryphäen der tistische Arbeiterpartei Deutschlands mit allen gesetzlichen Konservativen und hatte ganz Südamerika in der Tasche. bürgerlichen Parteien, siehe den„ Tödter" Eugen Nichter, Mitteln den freien Staat und die sozialistische GesellUnd jetzt? Schlagt an die Brust, ihr Börsenspieler, in sozialistischen Dingen von einer solchen bejammerns- schaft, die Zerbrechung des ehernen Lohngefeßes durch Fixer, Kipper und Wipper, euer Oberster ist dahin, das würdigen Unbeholfenheit und Unbildung sind, wie soll Abschaffung des Systems der Lohnarbeit, die Aufhebung Haus Baring Brothers in London ist pleite. Rothschild da ein einfacher Volksschullehrer die Kleinen lehren? der Ausbeutung in jeder Gestalt, die Beseitigung aller hat Glück seit einigen Jahren. Es stand Bontour wider Der wird sich hüten, gescheidter zu sein, wie seine Vor- sozialen und politischen Ungleichheit." ihn auf und gründete die„ Union generale". Und es gesezten. Nun, wir fürchten den Schullehrer der neuen Wer, von diesen Säßen ausgehend, sich ein Bild regnete Geschäfte in Desterreich, Serbien und der Türkei. Mera ebensowenig, wie wir den Polizist der alten ge- unserer Agitation und unserer Presse machen wollte, würde durchaus fehlgehen. Gewisse Grundgedanken, welche Rothschild wartete. Da fiel es Bontour bei, eine Dumm- fürchtet haben. Deutschland ist wieder einmal im Munde der überall in unserer Partei durchflingen, welche im höchsten heit zu machen. Sein Gegner griff zu und drehte ihm Es war in Frankreich eine Bank und ganzen Welt. Es hat zwar kein fremdes Volk zu Boden Maße charakteristisch und beſtimmend für unser ganzes den Kragen um. die hieß„ Comptoir Escompte". Sie borgte Rußland geschlagen, keine Milliarden gewonnen, auch keine seiner Verhalten sind, werden von dem Programm auch nicht und anderen Herrschaften und batte beinahe den ganzen Landessöhne ausgewiesen: Brof. Robert Koch hat ein einmal mit einem Worte gestreift. Ich denke hier an und anderen Herrschaften und hatte beinahe den ganzen Mittel gegen die eigentliche Arbeiterkrankheit, die Tuber- die materialistische Geschichtsauffassung und ihre Anostasiatischen Handel monopolisirt. Weil Rothschild ihre Konkurrenz nicht einfach niederschlagen konnte, machte er fulose, gefunden. Das ist zwar feine Großthat nach wendung auf die gegenwärtige Gesellschaftsepoche. Es in Gemeinschaft mit ihr ein Geschäft. Der Kupferring ritterlichen Begriffen, aber die Nachwelt wird mit ihr müßte so scheint mir furz ausgesprochen werden, wurde geschmiedet und als er auf einmal zersprang, war rechnen, mehr als mit drei gewonnenen Kriegen und daß wir die kapitalistische Gesellschaft selbst als die Erdas„ Comptoir Escompte" gewesen und Rothschild streckte 30 Schlachten. Es ist eigenthümlich, daß auch diese zeugerin der sozialistischen Arbeiterpartei betrachten; daß Millionen vor, damit den Aktionären wenigstens einige epochemachende Entdeckung nicht von einem gelehrten die Entwicklung dieser Gesellschaft durch die Expropriation Haare blieben. Nobel muß der Mensch sein! Nun" Zunftbruder," ſondern von einem Mann aus dem Volke, des Kleinbürgerthums, durch die Geschäftskrisen und die waren noch die Barings übrig, sie allein vermochten einem self- made- Mann in des Wortes bester Bedeutung, unvermeidliche und immer zunehmende Arbeitslosigkeit gewaltiger Proletariermassen das Bewußtsein von dem noch Rothschild Konkurrenz zu machen. Jetzt sind auch gemacht wurde. Herr Lucius, der Landwirthschaftsminister, ist Widersinn der bestehenden Ordnung unablässig Tag für He hinabgestiegen in die Unterwelt und frei und ungehindert gebietet Leviathan über die Lande. Die segens- gegangen. Möge ſeinem Nachfolger nicht der Kalauer Tag in weitere Kreise trägt; daß sie, welche den Widerreiche Rapitalaffumulation wird der Welt an einem Bei- 3 Ohren kommen: weh, der Römer( Lucius) ist ge- spruch der Ausgebeuteten stetig schärft, auch die Ausspiel gezeigt, wie es sich kein Volkswirth form- und fach- gangen, aber der Heyde( n) iſt geblieben. Der Wunsch sichten auf den Sieg dieser sich gegen das Kapital zugemäßer vorstellen kann. -des Volkes ist furz: 800 Wir wünschen, daß bis zum nahen Christ Abgeschafft der Brazoll ist. Auch sollen wieder herein Ochsen und Schwein'. ID 498910 sammenballenden Armeen je länger desto deutlicher hervortreten läßt. Denn diese Entwicklung selbst ist es, Das Sozialistengefeß ist in Deutschland mit welche den Kreis der großen Kapitalisten stetig verengert dem 1. Oftober gefallen. Wenn anders aber das Berund sie tiefer und tiefer von der übrigen Bevölkerung liner Tageblatt in seiner Gescheidheit das Gras wachsen hört, so scheint der Geist Krüger's nun in die Engländer Salts may besondert, während andererseits die Anhäufung des Kapitals in wenigen Händen, die durch Aktiengesellschaften und gefahren zu sein. Das genannte Blatt erzählt die Thatsache, daß Kurt Toeppen, der frühere Vertreter der Austis Trusts sich vollziehende Konzentration der Industrie einer übersichtlichen, einheitlich geleiteten und wahrhaft geselldeutschen Witugesellschaft, weil er angeblich die Ermorschaftlichen Organisirung der Produktion, wie die Soziadung Künzels und seiner Leute nicht gehindert habe, listen sie erstreben, sichtlich vorarbeitet. Im unmittelvon den Engländern in Haft genommen worden sei. Die Debatte über das Gothaer Programm unserer baren Anschluß hieran wäre zu bemerken, wie wenig die Am Schlusse der Verdachtsgründe folgt die Bemerkung, daß Kurt Toeppen in Deutschland wüthender Sozial- Partei ist eröffnet. Allgemein hat sich die Ansicht verjeßige Eigenthumsform mit ihren dauernden Absatzbreitet und erst letthin auf dem Hallenser Kongreß stockungen die Fortschritte der Technik auszunuzen im demokrat gewesen. Das muß durchschlagen. Bur Diskussion über unser Partei-programm. Die Wittwe des schottischen Naturforschers wurde sie wieder mit der größten Deutlichkeit ausge Stande ist, während die sozialistische Organisation eine Jameson, der in Afrika ein Mädchen abschlachten ließ sprochen, daß wir unsere Prinzipien sowohl als unsere ungeahnte Erhöhung der Produktivität in sichere Ausund nach früheren Nachrichten dafür 12 baumwollene im Rahmen der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung er sicht stellt. Als Relief dieser Bemerkung dient der Taschentücher gegeben, hat eine Berichtigung dahin er- füllbaren Forderungen genuer und beſſer formuliren historische Hinweis, daß noch jedesmal in der bisherigen gehen laffen, daß es nur 6 Taschentücher gewesen seien. können, als es durch jene Programm vom Jahre 75 Geschichte veraltete Eigenthumsformen, welche den Fortschritten der Produktion hemmend im Wege stehen, verKann stimmen! Frage: Wenn eine Wilde" 6 Taschen- geschehen ist. tücher werth ist, was notiren dann die Jameson und " Das Gothaer Programm zerfällt in zwei Haupt- nichtet und durch neue, der technischen Fortentwicklung Konsorten und was ist eine Kultur werth, die solche theile, einen allgemeinen, wehr theoretischen, in welchem angepaßte Formen ersetzt wurden. die sozialen Grundanschauungen und das Endziel unserer Diese Gedanken, welche das 1847 erschienene fomScheufale als„ Blüthen" treibt? Jonathan, Jonathan, freue dich! Bald wirst Partei skizzirt wird, und in einen vorwiegend praktischen, munistische Manifest bereits in klassischer Weise ausspricht, du das Bürgerthum als Jubelliedersänger bewundern der die politisch- sozialen Errichtungen aufzählt, die wir sind heutzutage bei den sozialistischen Kerntruppen durchSTR " 11 " weg anerkannt und bilden das allgemeine Gedanken-| staatsbedrohende Elemente" an den Pranger gestellt versöhnen könnte, ohne den stolzen kapitalistischen Bau material, in dem und mit dem sie arbeiten. Die agita- wurden, kann uns gleichgiltig sein, das ist in Mode und für immer zu gefährden, es giebt keine Hoffnung in der torische Kraft desselben ist gewaltig, und es liegt nicht beweist auch nur, wie wenig unsere Gegner mit dem Aera des Kapitals. Nicht Menschen und Regierungen der mindeste Grund vor, diese Ideen, auf welchen unser Wesen und Ziel unserer Bewegung vertraut sind. Und kämpfen gegeneinander, sondern zwei Weltanschauungen, Siegesglaube doch schließlich sich auferbaut, in unserem daß die Vernichtung der Sozialdemokratie durch Steuer-, die sich gegenüberstehen wie Nacht und Tag. offiziellen Programme zu übergehen. Schul- und Landgemeindenreformchen unausbleiblich ist, Hie:" Kapitalisten aller Länder vereinigt Euch", Das Gothaer Programm thut aber noch mehr. Es davon sind wir so sest überzeugt, wie von der Lösung Hie:„ Proletarier aller Länder schließt Eure Reihen", weist nicht allein nirgends auf unser der materialistischen der sozialen Frage" durch Volksküchen und ähnliche das sei die Losung von heute. Geschichtsauffassung entlehntes Rüstzeug hin, es stellt soziale Wassersüppchen. sogar einen Satz an seine Spize, welcher dem modernen Einen Werth hatte die Rede dennoch unzweifelhaft, sozialistischen Bewußtsein entschieden widerspricht: sie hat die politische Parteilage einmal unzweideutig Der Krach in London.*) „ Die Arbeit ist die Quelle alles Reichthums und geklärt. n. Das kapitalistische Wirthschaftsgetriebe gleicht aller Kultur, und da allgemein nugbringende Arbeit nur Schon damals, als unser einstiger Genosse", der einem einzigen, ungeheuren Schlachtfeld. Die Großen durch die Gesellschaft möglich ist, so gehört der Gesell- jezige preußische Finanzminister, Herr von Miquel, noch und Starken zerschmettern die Kleinen und Schwachen, schaft, das heißt allen ihren Gliedern, das gesammte das sorglose Leben eines kommenden Mannes" träumte, um sich dann selbst zu zerfleischen. Alle Kräfte sind in Arbeitsprodukt, bei allgemeiner Arbeitspflicht, nach gleichem wurde ihm eines schönen Tages der Ausspruch in den Gewitterspannung und unaufhörlich zuckt das drohende Recht, Jedem nach seinen vernunftgemäßen Bedürfnissen." Mund gelegt, daß die gegenwärtigen Parteigruppirungen Wetterleuchten der Krisen und Katastrophen über dem Was heißt das? Man folgert die Berechtigung und vollständig veraltet seien. Am andern Morgen bereits Chaos des Kampfes. Zuweilen auch schlägt ein BlizNothwendigkeit des Sozialismus aus einem ohne Beweis war der tiefe Orakelspruch zur allgemeinſten 3nfrieden- strahl in das wilde Gewühl, einige Sekunden das laute aufgestellten allgemeinen Moraljaße. Warum muß das heit gelöst. Jede der bestehenden politischen Parteien Toben der Schlacht überbrüllend und selbst die Verganze Arbeitsprodukt der Gesellschaft gehören? Weil bewies einfach haarscharf in einem begeisterten Leitartikel, wegenſten mit Schrecken durchzitternd. Doch nur einige alles, was einer hervorbringt, ihm von Rechtswegen ge- daß ihr und nie und nimmer einer anderen die Zukunft Augenblicke, die Schlacht rast weiter. hört und weil, was die Gesammtheit Aller hervorbringt allein gehöre. Doch halt!- Eine Partei hielt sich Ein solcher Blitzschlag, und zwar einer der furchtbarsten nämlich das gesammte Arbeitsprodukt in Folge reservirt, für sie war das dunkle Räthsel eben keine und wirkungsvollsten seit Bestehen der kapitalistischen dessen der Gesellschaft von Rechtswegen gehört. Eine orafelhafte Auslassung, sondern nur eine einfache Wieder- Kuitur überhaupt, hat Ende voriger Woche in London zweifelhafte Logik das, ein Gedankengang, der sich auf holung dessen, was sie schon tausendmal behauptet hatte. gezündet und heillose Verwirrung selbst in die Reihen Dogmen stützt und von allen Seiten angegriffen werden Herr von Miquel hat seinen„ Mary" einst gründlich der stärksten Kapitalsriesen getragen. kann! Wahrlich, wenn wir uns vor dem Richterstuhle studirt," das war Alles. Drohende Sturmwolfen am amerikanischen Börsender Geschichte auf keinen andern Schein berufen könnten, Und in der That, wie hätte die Sozialdemokratie, himmel hatten das Unwetter einige Tage vorher an so würde unsere Sache bald von ihrer Tagesordnung welche den Lebensmechanismus der kapitalistischen Wirth- gekündigt. Dort ließ der reichste New- Yorker Eisenbahnabgesetzt sein. schaft so gründlich zergliedert und blosgelegt hat, nur fönig Jay Gould, als Häuptling einer Vereinigung von Daß wir eintretend für das Interesse der un- jemals einen Augenblick über die gegenwärtige und zu- nordamerikanischen Börsenmagnaten, seit Wochen schon sein endlich großen unterdrückten Majorität an das Ge- fünftige Konstellation der politischen Parteien in Zweifel ichwerstes Geschütz gegen ein Konsortium von Eisenbahnrechtigkeitsgefühl aller billig Denkenden appelliren können, sein können. Im Zeitalter der kapitalistischen Produktions- spekulanten, die sogenannte Villardgruppe, spielen, welches das wissen wir und wir machen Gebrauch davon. Aber form, deren letzter und höchster Endzweck die Mehr feine Papiere mit Hilfe überspannter Hoffnungen, die wir sind uns wohl bewußt, daß nicht die Gerechtigkeit, werthserzeugung mit Hilfe gekaufter fremder Arbeitskraft alle Preistreiber der Börsenwelt auf das Zustandekommen sondern eben das Interesse das Triebrad in der historischen ist, beruht das herrschende Wirthschaftssystem auf einem der amerikanischen Silbervill setzten, in schwindelhafte Bewegung ist, daß, mit anderen Worten, das von uns unüberbrückbaren Gegensatz der beiden Produktionsfaktoren Höhe getrieben hatte. Die Bill brachte eine Enttäuschung, vertretene Proletariat siegen wird, nicht darum, weil Kapital und Arbeit, der wieder in dem Klassengegensatz die Aftien der Villardianer erlitten einen Preissturz, der seine Forderungen gerecht, sondern weil sie-in der zwischen den Trägern dieser Faktoren, dem Besiger der eine haltlose Panik auf den Börsen Amerikas und des ökonomischen Entwicklung selbst wurzelnd mächtig, Produktionsmittel und dem der Arbeitskraft, also dem Kontinents hervorries. Gould triumphirte, Millionen unwiderstehlich sich hervordrängen werden. Wollen wir Kapitalisten und Arbeiter, zum Ausdruck fommen muß. waren gewonnen und verloren, ein halbes Duyend unser Parteiziel wirkungsvoll begründen, so müssen wir und unabänderlich müssen sich alle geistigen, daher auch Börsenjobber war dem Wahnsinn nahe, ja einen von auf den oben sfizzirten Gedankenkreis der materialistischen die politischen Ideen und Anschauungen um diese ökono- ihnen trug man in New- York mit zersprungener Ader Geschichtsauffassung zurückgreifen. Ein Hinweis auf das mischen Gegensäße gruppiren, denn wirthschaftliches Klassen- vom Plage, ein Viertelhundert großer und kleiner BankMenschheiterlösende, Gute und Gerechte unserer Sache, interesse und politischer Klasseninstinkt sind untrennbar. häuser wankten tötlich verwundet schließe sich an, aber nicht in dieser dogmatisch- deduziren- So lange veraltete Wirthschaftssysteme oder eine Aber die Kanonen und Mordwaffen des Kapitals den, unverständlichen, Proudhonistischen Form:„ da allgemein noch unvollkommene Betriebstechnik das Uebergewicht und tragen ihre Geschosse tausendmal weiter, als die besten nugbringende Arbeit nur durch die Gesellschaft möglich die Verallgemeinerung der rein kapitalistischen Produktions- Stahlgeschütze die ihrigen. In London standen die Hilfsist, so gehört der Gesellschaft, d. h. allen ihren Gliedern, weise das Gleichgewicht halten, ist eine radikale und end- truppen der Villard'schen Spekulantenpartei. das gesammte Arbeitsprodukt" u. s. w. gültige Sichtung der politischen Parteispaltungen noch richteten Gould und Genossen jetzt ihr mörderisches Feuer. Nach dem Gesagten wäre also so scheint es mir nicht zur Reife gelangt. Auf den überlebten oder noch und auch hier mit einem Erfolge von so beispielloser etwa folgender Gedankengang in dem allgemeinen schwachen ökonomischen Grundlagen können noch eine wirkung, daß selbst den muthigsten Börsenhelden das Programmtheil zu entwickeln: Die sozialdemokratische Zeit lang veraltete und unreife, materielle wie geistige Blut zu Eis erstarrte, daß sie noch heut wie vom NervenPartei vertritt als solche in politischer wie sozialer Be Sonderinteressen die politischen Parteien des Klassen- schlage gelähmt stehen. Wie? Was? M Dorthin ziehung durchweg das Interesse des städtischen wie staates dugendfältig zersplittern Erst die dominirende Unmöglich! Unglaublich! ländlichen- Proletariats. Sie ist aber der uner- und unumschränkte Machtfülle des zentralisirten Kapitals Baring Brothers, die älteste und angesehenste Bantfirma schütterlichen Ueberzeugung, daß die endgültige Eman- macht dem ein Ende. Mit der Revolutionirung der Englands, Baring Brothers, deren Reichthum den Familienzipation der Arbeiterklasse die Beseitigung der ganzen alten, der Aufsaugung der kleinen Kapitale fallen die gliedern Pairs- und Lordstitel eingetragen hatte, Baring auf Privateigenthum und freier Konkurrenz beruhenden Existenzbedingungen feudal- agrarischer, zünstlerischer, reli- Brothers, deren Vermögen man auf 500 Millionen Mark, bürgerlichen Gesellschaftsordnung zur Vorausseßung hat, giöser und nationaler Sonderbestrebungen. Das riesen- zeitweise auf eine Milliarde schäßte, Baring Brothers, einer Gesellschaftsordnung, deren eherne Geseze den Ar- hafte Wachsthum der Großfapitale, welches gleich die stolzesten Nebenbuhler Rothschilds, stehen vor dem beiter unabänderlich der kapitalistischen Ausbeutung zeitig die Tendenz verfolgt, dem Faktor Produktions- Banterott? Unglaublich unmöglich! anheim geben. Erst die sozialistische Besizergreifung und mittel ein ganz unverhältnißmäßiges Uebergewicht über Und wie? Was? Die„ Bank von England", Verwaltung der Produktionsmittel kann diesen Zustand den Faktor Arbeitskraft zu verleihen, hellt die Stellung der die größte der Welt, deren Reichthümer und Schäße alle von Grund aus ändern. Wir halten dieses unser Ziel Gesellschaftsklassen in nicht mißzuverstehender Weise auf. Märchen aus" Tausend und eine Nacht" in Schatten für erreichbar und sehen in den weiter oben dargelegten Er- Auf der einen Seite eine sich ununterbrochen ver- stellen, jene„ Bank von England", die als die Grundscheinungen den Beweis dafür, daß Tag für Tag die ringernde Minderheit von Monopolisten aller Produktions- mauer des ganzen kapitalistischen Riesenbaues gilt, diese ökonomischen Vorbedingungen unseres Planes sich träftiger mittel und Reichthümer, auf der anderen eine fortgesezt Bank von England" muß bei jener Frankreichs um einen gestalten. Hieran hätte sich eine kurze Bemerkung zu anschwellende, unübersehbare Armee hungernder Proletarier Vorschuß bitten, ja muß- unglaublich! selbst den fügen, über das, was wir bereits heute über das Wesen deren einziger Besiz, die Waare Arbeitskraft, fast dauernd russischen Finanzminister um 60 Millionen Mark„ andes fünftigen Zustandes mit Bestimmtheit meinen aus unter ihrem Preis bezahlt wird ja zum Theil gar keinen pumpen"? sagen zu können. Den Schluß würden, wie jetzt, die in Käufer findet. Auf der einen Seite ein tolles überreiztes Der Zusammenbruch des ganzen kapitalistischen Bauder heutigen Besellschaft von uns erstrebten Forderungen Raffinement aller Kulturgenüsse, ein Ueberfluß von un- werks hätte faum betäubender auf die Bourgeoisie der bilden. geahnter Größe, auf der anderen die absolute Hoffnungs- Kulturwelt wirken können, als diese Thatsachen. Die losigkeit der Armuth und des Elends. Volle Speicher im Solde des Kapitals stehende Presse" log und verund Hungertot, das ist die Signatur unserer Zeit! drehte, beruhigte und vertuschte bis zum legten AugenEin Appell an die„ reaktionäre Masse". Und diese Gegensätze sollen im politischen Partei- blick, aber es half nichts, das Fallissement von Baring 88. Die große, von allen Bourgeoisparteien span- leben nicht endlich voll und ganz zum Ausdruck kommen? Brothers und der Krach" waren unausbleiblich. nungsvoll erwartete Programmrede", welche der neue Den klassenbewußten, fest zusammenhaltenden Mehrwerths- Wie war das möglich geworden?- Baring Brothers, Reichskanzler anläßlich der Eröffnung des preußischen aneignern sollte sich das zielbewußte, vom Hunger eisenfest eine der größten und solidesten Bankfirmen der Welt, Landtages hielt, brachte in ihrem ersten Theile eine all- zusammengeschweißte Heer der Arbeitsmänner nicht endlich deren Ansehen und Machtstellung für unvergänglich galten, gemeine Enttäuschung. Die„ freisinnigen" Minister- gegenüberstellen? hatten seit Jahren ein fabelhaftes Vermögen in Argenkandidaten fanden zu wenig„ neue Aera", die„ könig- Ja gerade in Deutschlard, wo das zentralisirte tinische und Uruguaysche Spekulationspapiere und nordsozialistischen" Feudalherren zu viel Reformen". Und Kapital von Stunde zu Stunde sein Herrschaftsgebiet amerikanische Eisenbahnwerthe gesteckt. wer weiß, welch' furchtbare„ Konflikte" nicht schon der erweitert, der Hungertyphus au den großen Latifundien Südamerikas schienen sie monopolisirt zu haben. Da erste Sigungstag heraufbeschworen haben würde, hätte Oberschlesiens und der Weberditrikte chronisch geworden erschütterte die jüngste Revolution in Argentinien das nicht der zweite Theil der ministeriellen Auslassung durch ist, der Kleinmeister und Kleinbauer mit Riesenschritten Vertrauen des Kapitals in die Zukunft dieser Republik, seinen Hinweis auf das schreckliche„ rothe Gespenst" und dem Ruin entgegenstürmen, sollte sich das Proletariat die Papiere derselben gingen unter dem enormen Druck Gleichzeitig soll die seinen Mahnruf an die blaffe Furcht der„ reaktionären länger für die Interessen der„ Krautjunker" und Schlot- der Goldvaluta tief herunter. Masse" den Anfangs verdugten Landboten aufs Unzwei- barone" begeistern und hinter der schwarzen Fahne des russische Regierung, welche von den Baring'schen Engagedeutigste dargethan, daß der Kurs unwiderruflich der Zentrums oder der ausgewa'chenen des Freisinns her- ments Kenntniß erhalten hatte, ihr Depot von 100 Mill. alte bleibt. laufen? Mark zurückgezogen haben; auch andere Gläubiger sollen Nein Folgte der beruhigenden Versicherung, daß das Herr von Miquel durch die umherschwirrenden Gerüchte beunruhigt dasselbe Sozialistengeset zwar todt. aber seine Auferstehung gar hat Recht, diese Parteien haben ich überlebt, die Scheidung gethan haben. Wie dem auch sei, es bedurfte nur des nicht ausgeschlossen sei, ein frenetischer Beifallssturm, so der Schafe und Böcke hat das herrschende Wirthschafts- bereits erwähnten Preissturzes der Villard'schen Eisenwollte der Jubel und das Händeflatschen schier kein Ende system vollzogen. Kapitalist bleibt Kapitalist, er mag bahnaftien, um die Schwierigkeiten des mächtigen Handelsnehmen, als Herr von Caprivi seine Ausführungen in als junkerlicher Agrarier auf dn Rittergütern des Ostens hauses akut zu machen. Baring Brothers fonnten Ende den ungefähren Schlußsaz zusammenfaßte:„ Kapitalisten oder als„ liberaler" Manchetermann in den Riesen- voriger Woche ihre Verbindlichkeiten nicht mehr erfüllen Deutschlands vereinigt Euch!" etablissements der Industriezentren" sparen", und Pro und wandten sich hilfesuchend an die„ Bank von England", Das war nun freilich nichts Neues, aber es zündete letarier bleibt Proletarier, er mag in Ostpreußen zu welche wieder erst mit Hilfe französischer und russischer und beweist, daß Herr Miquel nicht nur Finanzminister, wenig Fleisch oder in Fabrikänagazinen zu viel Staub Vorschüsse die„ Kollegin" einige Tage über Wasser halten sondern der wirklich gekommene Manu" geworden ist. schlucken. Es giebt keine Brück, die über den gähnenden *) Bei der großen Bedeutung dieses schon in der Wochenschau Daß die Sozialdemokraten neber.her als„ Umstürzler", Abgrund zwischen Beſizenden und Beſizloſen führt, es gewürdigten Ereignisses, bringen wir hier noch eine eingehende „ Reichs- und Vaterlandsfeinde" gebrandmarkt und als giebt keine Staatsgewalt, die desen schroffen Gegensatz Darstellung desselben, welche unsere Leser sicher intereffiren wird. " und abermals riu! Alle Anleihen 11 fonnte. Später trat unter dem Vorsiz Rothschilds eine| können, stehen die zwar zahllosen aber ehrlichen und da, um sich um ihren Oberleib zu schmiegen, und die Versammlung der ersten englischen Bankhäuser zusammen, mittellosen Arbeiter mit ihren bescheidenen Forderungen niedlichen kleinen Ballerinen sind eigens zu dem Zweck welche unter der Bedingung, daß Baring liquidire, einen und Wünschen vorläufig völlig machtlos gegenüber und erschaffen worden, um ihnen ihre wohlgeformten Beine Garantiefond von 300 Millioren Mark aufbrachten und das ganze Volt seufzt unter ihrem schweren Joche. zu zeigen. Die Raubmorde kann man vernünftigerweise die Einlösung der heut auf 430 Millionen geschätzten Die Standard Dil Co." nun, der mächtigste aller nicht anders erklären, als daß sie ihnen Gelegenheit bieten Verbindlichkeiten übernahmen. Rothschild und Konsorten Ringe", die unter verschiedenen Namen alle möglichen sollen, ab und zu einer sensationellen Gerichtsverhandlung belehnten die jetzt sehr billigen Argentinier", Baring Industrien und Erwerbszweige kontrolirt, hat sich in beizuwohnen, und den Vollblutpferden bliebe nichts übrig, Brothers aber streckten die Waffen. Ein Waffenstrecken war den Besiz von 2000 Acker werthvollen kupfer- und nickel- als sich um eine Anstellung als Droschkengäule zweiter es in der That, ein Waffenstrecken vor dem Sieger Rothhaltigen Landes im Sudbury Distrikt, Kanada, gesetzt, Güte zu bewerben, wenn nicht diese Menschen erster Güte schild, der bereits heute als derjenige genannt wird, die sie unter dem harmlosen Namen„ Canadian Copper zufällig ein solches Faible für das Derby- Rennen besäßen. welcher in Zukunft die Finanzen Argentiniens mit seinem Company" ausbeutet. Um nun aus diesen Erzen den So ist alles auf's Beste für sie eingerichtet und wohlSchuße" beglücken wird. Dies lettere erklärt alles, die größtmöglichen Vortheil zu erzielen der auf dem gemuth legen sie sich jeden Abend um 6 Uhr Morgens Hilfsbereitschaft der Bank von Frankreich und jene Ruß- europäischen Markte, infolge der dortigen Konkurrenz, schlafen und erwachen jeden Morgen gegen Mittag in der lands, vor allem auch die Wirksamkeit des Jay Gould- nicht zu erlangen ist, muß sich der Ring einen Markt sicheren Erwartung, daß die Welt ihre Schuldigkeit thun schen Schnellfeuers. Rothschild, der Bundesgenosse Jay suchen, welchen er zu beherrschen im Stande ist, und und es so einrichten wird, daß ihnen die Erfüllung ihres Gould's, theilt die Beute; der erbitterte Kampf, den er dieser Markt sind die Vereinigten Staaten. Da jedoch Lebensplanes nach Möglichkeit erleichtert werde. Und mit feit Jahren gegen den ihm ebenbürtigen Rivalen Baring Nickel sehr hoch, wie wir gesehen haben mit 300 Doll. dem unerschütterlichen Selbstbewußtsein, mit dem sie ihre führte, ist zu Ende, vorläufig heißt es: Halt auf der pr. Tonne, und Kupfer nicht niedrig, nämlich mit hohe Mission erfüllt, wandeln sie in der Großstadt umher, ganzen Linie. 50 Doll. pr. Tonne, verzollt werden mußte, um hier mustern mit einem eigenthümlich blasirt- erwartungsvollen Die„ Hohe Finanz" beider Welten, das zentralisirte zugelassen zu werden, dieser Zoll aber die Produktion Blick Menschen und Dinge, wohlgenährte Gestalten, diskret Großkapital, dem zuletzt doch alle Siegeserfolge in den dieser Metalle unprofitabel machte, so verstand es sich in der Kleidung, extravagant in hundert Nebendingen, Schoß fallen, stimmt ein Freudengeheul an. Wieder sind für die Standard Oil Co. von selbst, daß der Zoll zu in ihren Hüten, ihren Stöcken, ihren Kravatten, ihren einige Gegner zermalmt, die Bahn ist freier denn je, auf beseitigen sei, und er wurde beseitigt. Handschuhen, manchmal freilich vor der Zeit gealtert, H zu neuen Schlachten! Aber den Viertelsgrößen der Die Arbeiter sollten es übrigens endlich einsehen, vornüber gebeugt, Lastthiere des Genusses Handelswelt, dem Heer der Börsenkleinen schlottern die daß die ganze Zollpolitik der modernen Regierungen Das Theater betrachten sie als ihre vornehmste Knie. Das dunkle Gefühl drohenden Unheils, neuer nicht im Interesse der ersteren, sondern in dem der Domäne. Denn was wäre das Theater ohne sie? Daß Katastrophen lastet auf ihnen, denn jeder fürchtet unter Bourgeoisie, der Kapitalisten und Fabrikanten, betrieben es Leute giebt, die es für eine Bildungsanstalt halten, den Scherben zu sein, die dem gestürzten Gößen nach- wird. Nun sind aber die sehr einflußreichen Senatoren davon haben sie keine Ahnung. Und wenn sie's hörten, fliegen müssen. Sherman und Paine Mitglieder der Standard Oil Co., so würden sie's nicht verstehen. Das mag für die Gallerie Man sieht die„ Krisen" nehmen kein Ende. Der ferner hat diese Company sehr viel Geld, und deshalb seine Richtigkeit haben, allenfalls für die hinteren Reihen französische Kupfer-, der amerikanische Silber- und jezige mußte es ihr ein Leichtes sein, ihre Interessen bei der des Parquet. Aber daß Theaterbesucher, die 4-5 Mark englische Geldkrach sind sich schnell gefolgt, da bleiben Revision des Tarifs zur Geltung zu bringen, was ihr für das Billet bezahlen, mangelhaft gebildet sein könnten, nur noch die russischen Staatspapiere übrig, die jetzt auch, wie gezeigt wurde, gelang. Sie hat die Tarif- das würde ihnen nie einleuchten. Nein, für die erste bis gerade in Paris neu zur Zeichnung aufgelegt werden kommission gekauft, sie hat die Mehrzahl der Senatoren zehnte Parquetreihe ist das Theater keine Bildungs-, follen. Das Kapital ist wirklich zu bedauern. Nun und Abgeordneten gekauft und der Zoll auf Nickel fiel sondern eine Verdauungsanstalt. So lange es Theater die kazenjämmerliche Stimmung der Spekulanten wird und der auf Kupfer wurde erniedrigt. Jezt können die giebt, haben sie da am besten verdaut. Und ihre Vernicht lange andauern. Der Fluch der Existenzunsicherheit, Herren ihr berghoch aufgehäuftes Erz auf den Markt dauung ist ihnen heilig. welcher im fapitalistischen Zeitalter ununterbrochen auf bringen, denn jezt erst bezahlt sich die Geschichte. Um Darum sind sie empört über die Theaterdirektoren dem Lebensglück von Millionen Proletariern lastet und jedoch gleich eine anständige Reklame zu haben, hat die Berlin's. Und ihrem Vorgehen vom letzten Sonnabend heut zur Abwechselung einmal die Reihen der oberen geriebene Bande ein Manöver veranstaltet, das ihrem legen sie die frevelhaftesten Motive unter. Denn nichts Zehntausend durchbebt, wird der Bourgeoisie den Glauben Scharfsinn und ihrer Unverschämtheit alle Ehre macht. vermag ihre Verdauung so entschieden zu fördern, wie an die„ beste aller Welten" nicht nehmen. Im Gegentheil, Sie wußte nämlich das neulich in allen Zeitungen be ein Blick auf das eigentliche Schlachtfeld muß alle sprochene Probeschießen in Annapolis zu veranlassen, profitdürstenden Herzen mit Entzücken erfüllen. Die Opfer dieses Börsenkampfes sind ja auch gar nicht die Barings und Villards oder jene Mandel Börsianer, die tot oder wahnsinnig vor Aufregung die Wahlstatt bedecken. Die wirklichen Opfer verbluten wo anders. die Emotionen einer Première. Diese Handlungsweise der Berliner Theaterdirektoren, die sie mit einem Schlage welches, auf Bestellung natürlich und gegen gute Bezah- um ein paar Premièren gebracht hat, betrachten sie daher lung der maßgebenden Persönlichkeiten, das Resultat er als ein unfühnbares Verbrechen, als eine Verlegung ihrer gab, daß die amerikanische Nickelpanzerplatte dem modernen zartesten Empfindungen, als eine bewußte und beabsichtigte Geschüß wirksamer zu widerstehen vermag, als alle übrigen Verdauungsstörung! Fabrikate. Als eine bewußte und beabsichtigte VerdauungsSobald dieses Resultat gefigt war, mußte der Kon- störung! Nach den leider auch für sie geltenden NaturDie furchtbare„ Krise", welche jenes gewissenlose greß bestimmt werden, 1 000 000 Doll. zum Ankauf von gesegen konnten sie ja nur einer Première vom Anfang Würfelspiel der Börsenkönige den Gesezen der kapitalistischen Nickel zu bewilligen und dem Marineminister das Ver- bis zum Ende beiwohnen. Das war den Theaterdirektoren Wirthschaft zufolge unabänderlich nach sich ziehen muß, fügungsrecht über diese Bewilligung in die Hand zu wohl bekannt! Und dennoch setzten sechs von ihnen die trifft vor allem die Arbeiterklasse. Hunderttausende von geben. Auch dieser Schwindel gelang. Der Marine- Aufführung ihrer neuen oder neueinstudirten Stücke für Arbeitskräften werden die fallirten Eisenbahngesellschaften minister, der, wie überhaupt die ganze republikanische" einen und denselben Tag fest! Ist da noch ein Zweifel und verkrachten Unternehmungen auf das Pflaster werfen, Maschine, ein williges Werkzeug der Standard Oil Co. an ihrer bösen Absicht zulässig? D, was haben sie geneue Hunderttausende Arbeitsloser werden das riesengroße ist, weiß, was er zu thun hat. litten, diese armen Lastthiere des Genusses an diesem " " Gebrochen verließen sie das Haus. Gebrochen eilten sie zu Uhl oder Dressel. Gebrochen tranten sie ein paar Flaschen Sekt. Gebrochen umarmten sie die nach der ewigen Ordnung der Dinge immer in ihrer Nähe befindlichen weiblichen Wesen. Gebrochen legten sie sich schlafen. Gebrochen schliefen sie ununterbrochen zehn Stunden. Heer der industriellen ,, Reservearmee verstärken. Für An diesem Beispiel, das sicherlich nicht allein steht, fürchterlichen Sonnabend! das Kapital wird es eine Kleinigkeit sein, der jetzt um ist die Phrase von der Regierung durch das Volk und Für welches Theater auch immer sie sich entschieden so widerstandsloseren, millionenköpfigen ,, überschüssigen für das Volk zu messen. Habgierige, nimmersatte Kapi- haben mochten, immer erfüllte sie der fürchterliche Gedanke: Arbeitskraft neue Mehrwerthsgoldströme zu entpressen und talisten handhaben die Regierungsmaschine in allen ihren in den fünf anderen kannst du ja nicht sein! Jegt wird die Verluste doppelt und dreifach zu ersetzen. Der nun Theilen zu ihrer eigenen Bereicherung auf Kosten des in fünf anderen Theatern gezischt und du zischest nicht folgende Aufschwung" wird dem Großfapital zu gute ganzen Volkes. Diesen neuen eklatanten Beweis für die mit! Jetzt wird in fünf anderen Theatern der unvertommen, so gut wie ihm die ,, Krise" allein Vortheil Richtigkeit unserer Behauptung: der moderne Staat sei meidliche Foyer- Wiz gemacht und du kolportirſt ihn nicht! gebracht hat. nichts anderes als die Organisation der besitzenden Klasse D, sie boten einen erschütternden Anblick dar, die Die Zeche dieser Börsenorgie zahlt das Proletariat zur Exploitirung der Volksmasse, verdanken wir der armen Lastthiere des Genusses! Man sah ihnen die denn nicht um Millionen von Goldstücken wurde in Indiskretion eines kapitalistischen Zeitungsschreibers. Wie Revolutionen an, die in ihrem Innern stattfanden. Man Wahrheit gespielt, sondern um Hunderttausende von viele ähnliche Fälle sich im Laufe eines Jahres ereignen, fonnte ganz genau bemerken, wie jenes erhabene Gefühl Arbeiter- Existenzen. entzieht sich jeder Berechnung. ihrer Menschenwürde, das sich auf dem Bewußtsein aufAber wenn immer unsere Regierung von ihrer baute, joeben eine zarte Hammelfotelette gegessen und Existenz Zeugniß ablegt, geschieht es im Interesse der dazu Rüdesheimer getrunken zu haben, stetig schwand und Der Staat das sind Wir. fapitalistischen Klasse und zum Nachtheil der besiglosen. einer Depression Platz machte, wie sie der Genuß von Eine Gesellschaft unstrupulöser Geldmenschen, die unter Die besigende Klasse hat sich aller Machtmittel der Ge- Sauerkohl mit Bratwurst bei allen feiner organisirten dem Namen„ Standard Oil Company" die Beraubung sellschaft, die sich in großartiger Weise organisirte und Naturen zur Folge hat! Sie waren zu zerstreut, um des amerikanischen Voltes in großartigem Maßstabe betreibt, entwickelte, bemächtigt. Sie wendet sie in ihrem Inter- den Vorgängen auf der Bühne zu folgen. So kamen hat es mittelst ihres Geldes fertig gebracht, den Kongreß esse an, denn sie ist die Gesellschaft". Erst dann, wenn sie auch noch um die einzige Première, der beizuwohnen zu bewegen, eine Bewilligung von 1 000 000 Doll. zum ber herrschenden Klasse die Grundlage ihrer Existenz. die sie sich entschlossen hatten. Ankauf von Nickel zur Herstellung von Panzerplatten modernen Produktionsmittel, entrissen und in den Dienſt für unsere„ herrliche Kriegsflotte" zu machen, eine Be- der Gesammtheit gestellt werden, erst dann wird es auch willigung, die obiger Ring ausschließlich auszunußen mit ihrer Herrschaft zu Ende sein, und nicht früher. ( Chikagoer„ Vorbote".) beabsichtigt. Um letzteres möglich zu machen, mußte sich unsere Volksvertretung auch noch dazu verstehen, den Einfuhrzoll auf Nickel, der 300 Doll. pr. Tonne betrug, abzuschaffen, und den auf Kupfer, der 50 Doll. pr. Tonne betrug, auf 10 Doll. zu erniedrigen, was auch durch die Auch unsere Leser wird die folgende hübsche Satire Mac Kinley Bill geschah. Es war dieses deshalb nöthig, auf eine besondere Spezies der oberen Berliner Zehnweil sich die Nickel- und Kupfergruben der Standart tausend, welche die" Freie Bühne“ legthin brachte, amüDil Co. im Auslande und zwar in Kanada befinden. siren. Wir lassen den kleinen von Heinrich Kana verDie Standard Oil Co. ist wohl der reichste und faßten Artikel hier folgen: darum auch der mächtigste Bourgeois- Ring der Welt. Zwei, drei Premièren hat es neulich am Sonnabend In allen Legislaturen und sonstigen Volksvertretungen" in Berlin gegeben. Außerdem gingen ein paar neu ein- Noch einmal ,, Vor Sonnenaufgang" und das hat er seine gutbezahlten Agenten, die immer das Inter- studirte Stücke in Szene. Ein furchtbarer Tag für jene esse ihrer Auftraggeber zu wahren wissen. Man kann echt großstädtische Bevölkerungsklasse, für die Leute, die Publikum der„ Freien Volksbühne". vor feinem Gericht gegen diese Gesellschaft mit Aussicht überall dabei sein müssen. Das ist bekanntlich eine gar In der vorigen Nummer hatten wir ein Referat von Hartauf Erfolg flagbar werden, denn sie kauft Staatsanwälte, erlauchte Aristokratie. Ihre Mitglieder verzieren zwar bracht und, unsere eigenen abweichenden Eindrücke ſfizzirend, den Richter und Geschworene, wie es ihr gerade am zweck ihren Namen durch kein volltönendes Prädikat und tragen Wunsch ausgesprochen, gerade aus Arbeiterfreisen möchten uns mäßigsten erscheint. feinerlei besonderes Abzeichen. Dennoch sind sie sofort Buschriften zugehen über die Art und Weise, wie das HauptDie schändlichen Praktiken, die dieser Ring zur und überall kenntlich. Schon äußerlich. Und wenn sie mann'sche Stück auf das Publikum der Freien Volksbühne“ geWahrung seiner gemeinen Interessen allenthalben mit den Mund aufthun, dann verräth sie sogleich der wirkt habe. Wir sind in der Lage, heute zwei derartige ZuErfolg anwendet, liefern uns immer wieder den Beweis, charakteristische Adel ihrer Weltanschauung. Ihre ahnungsschriften, beide von Arbeitern verfaßt, veröffentlichen zu können. daß es die Bourgeois sind, die den Staat kontroliren lose Mitwelt erfährt dann binnen fünf Minuten den Herr Hartleben sagt in seiner Kritik der lezten Vorstellung der und daß die Regierung im Grunde nichts anderes ist, geheimen Daseinszweck aller guten Dinge hienieden. Die als die jederzeit gehorsame Magd dieser edlen Gesell- sind alle ihretwegen da, ihretwegen ausschließlich. Die schaft. Den Verschwörungen solcher Ringe gegenüber, feinen engliſchen Kammgarnstoffe zum Beispiel sind dazu die einfach jeden kaufen, auf dessen Dienste sie reflektiren, bie alles prostituiren, was sie für ihre Zwecke verwenden Der Sonnabend der Premièren.*) *) Première: die erste Aufführung eines neuen Stückes. Seither ist in ihrem seelischen Zustand keine Wendung empört. Sie protestiren gegen die Vergewaltigung ihrer zum Besseren eingetreten. Sie sind beunruhigt und altehrwürdigen Privilegien. Und sie erwarten eine Erflärung. leben über die zweite Vorstellung der Freien Voltsbühne" ge= erste Einsender schreibt: Freien Voltsbühne“, das Publikum habe Hauptmanns„ Bor Sonnenaufgang" nicht verstanden. Es ist, meiner Meinung nach, das Stück auf das Bublikum gemacht hat, schlechtweg vom Publikum von vornherein falsch, bei Beurtheilung des Eindruckes, welchen im Allgemeinen zu sprechen, aus dem einfachen Grunde, weil die Auffassung des Stückes beim Publikum eine verschiedenartige war. Gewerkschaftliches. Von den verschiedenen Gewerkschaften sind zentra Frage bejahen zu müssen! Der Vertreter des selbstsüchtigen Unter- lisirt die Bäcker, Barbiere, Bergarbeiter, Bildhauer, Böttcher, nehmerthums fürchtet naturgemäß die Beleuchtung der im Berg- Buchbinder, Buchdrucker, Bürstenmacher, Dachdecker, Drechsler, werksbetriebe Lefindlichen Schäden und ist bemüht, dieses Ziel Fabritarbeiter, Fabrikarbeiterinnen, Gärtner, Glaser, Glasarbeiter, womöglich zu hintertreiben. Derselbe, obwohl mit der Thatsache Goldarbeiter, Graveure, Hafenarbeiter, Handschuhmacher, Holzvertraut, daß die Familie des erwähnten Krause dem Trunte arbeiter, Hutmacher, Korbmacher, Kürschner, Kupferschmiede, Loh fröhnt, ging materieller Vortheile halber eine Ehe mit einer gerber, Maler, Mechaniker, Müller, Blätterinnen, Sattler, Schiffer, Tochter Krause's ein, deren Unzuträglichkeiten ihms für die Folge Schiffszimmerer, Schloffer, Schmiede, Schneider und Schneideschwer im Magen liegen. rinnen, Schriftgießer, Schuhmacher, Steinbrügger, Steindrucker, Zu bedauern ist es nur, daß sich dieses schöne, an Abwechs- Steinmezen, Stellmacher, Tabatarbeiter und Tabalarbeiterinnen, lung reiche Stüd auf der Vererbungstheorie aufbaut, ja jogar mit Tapezirer, Tischler, Vergolder, Weißgerber, Werftarbeiter, Zigarrenderselben deren Richtigkeit wohl noch anzufechten steht und sortirer, Ziegler und Zimmerer. Nicht zentralisirt sind fällt. Für die Temperenzlerei, die in diesem Schauspiel ziemlich die Bauarbeiter, Stuckateure, Maurer, Textilarbeiter, Töpfer und kräftig zum Ausdruck gelangt, spricht der Umstand, daß in dem schlesi- Metallarbeiter. Ge wertschaftsorgane erscheinen in Altenschen Dorf, dem eigentlichen Schauplag des Stückes, ein bischen burg( Hutmacher, Weißgerber, Mühlenarbeiter), Arnstadt( HandTemperenz, in Anbetracht der meist im Uebermaße verbrauchten schuhmacher), Berlin( Bildhauer, Fahrer, Dachdecker, Maler und alkoholischen Getränke, am Blaze ist. Vergolder, Bäcker, Hausdiener und Fabrikarbeiter, Böttcher, PanHerrn Hartleben ist es ja nicht zu verdenken, daß er das Geistes-| heit einer Gesellschaftsschicht zu geben, und will dabei auch den leben der Arbeiter, welche ja doch einen Theil, vielleicht den Vertreter einer gerechteren Weltordnung zur wirkungsvollen Dargrößeren des Pubifums der Freien Boltsbühne" bilden, nicht so stellung bringen. Ist ihm dieses gelungen? Ich glaube diese fennt, wie der Handarbeiter selbst, und daß er somit nach dem äußeren Eindruck urtheilt. Dieser äußere Eindrud war auch für mich theilweise ein übler. Und auf einen Theil des Publikums, aber eben auch nur auf einen Theil angewandt, muß ich das von Herrn Hartleben über das ganze Publitum gefällte Urtheil zu dem meinigen machen. Andererseits bin ich der festen Ueberzeugung, daß viele der Zuschauer, unter ihnen ein großer Theil Handarbeiter, die Vorzüge und Schwächen des Stückes und der Darstellung richtig zu würdigen wußten, und daß es auf sie nicht nur seiner Tendenz wegen Eindruck machte. Die Frage, ob derartige Stücke, wie das Hauptmann'sche, in der Freien Volksbühne" am Plaze seien, kann ich nur bejahend beantworten. Hierbei ist für mich maßgebend, daß wohl mindestens die Hälfte der Mitglieder der Freien Volksbühne" für die in diesem Stücke lebende naturalistische Kunst begeistert ist und sie auch versteht und daß ferner die Freie Volksbühne" gerade eine Stätte der Erziehung sein soll für diejenigen ihrer Mitglieder, welche einem solchen Verständniß noch sehr fernstehen. Noch einige Worte über die legte Vorstellung. Zu verurtheilen habe ich da. ebenso wie Herr Hartleben, daß bei den drastischen Stellen des Stückes gelacht wurde. Hier, wo das Einwirken besonderer Verhältnisse auf das ganze Wesen der Menschen, auf ihr Thun und Lassen, ihr Benehmen und so fort gezeigt wird, ist ein Lachen nicht am Plaze, noch viel weniger beim Heraustritt des alten Bauern aus der Schente. Gerade hier soll ja das Saufen mit seiner verthierenden und den Menschen zur Bestie machenden Wirkung gezeigt werden, und doch machte sich an mehreren Orten in meiner Nähe ein Richern bemerkbar. Aber wie gesagt, aus solchen Einzelheiten den Schluß zu ziehen, das ganze Publikum würdige die großartigen Schönheiten des Stückes nicht, wie es der Referent gethan, halte ich für falsch. * s10 15 stus Die zweite Buschrift lautet: Bezugnehmend auf die Kritif des Herrn Hartleben, betreffs der Aufführung des Dramas:„ Vor Sonnenaufgang" im Verein Freie Boltsbühne", will ich es unternehmen, meinen Standpunkt obigem Drama gegenüber darzulegen. Zunächst will ich den Aufbau des Stückes kurz sfizziren. Der Held, ein„ Anwalt der Enterbten", taucht in einer durch Ausnuzung des Kohlenreichthums ihres Heimathsortes emporgekommenen Bauernfamilie auf; argwöhnisch wird er dabei von dem technischen Leiter der Kohlengruben, feinem ehemaligen Jugendfreunde, beobachtet. Der ausgesprochene Zweck des Arfenthaltes des Helden, Alfred Loth, in diesem Distrikt ist es, statistische Erhebungen betreffs der Verhältnisse der dort in den Bergwerfen befchäftigten Arbeiter anzustellen. Derselbe beschränkt sich aber zunächst darauf, die in den zerrütteten Familienverhältnissen des Bauerngutsbesizers Krauſe ſich höchst unbehaglich fühlende Tochter Helene halb und halb zu seinen Ansichten zu bekehren, zugleich mit derselben ein zartes Verhältniß anknüpfend. Bereit, mit dem Mädchen auf deren Drängen zu fliehen, erfährt er in legter Stunde durch den Arzt der Familie, einen ehemaligen Studiengenossen, daß die Familie Krause durch Generationen dem Trunte ergeben sei und daß alle derzeitigen Mitglieder derselben diesem Laster fröhnen. Loth, selbst Mäßigkeitsvereinler, auf die Vererbungstheorie schwörend, löst dieses Verhältniß, sich auf seine bisher nie von ihm verleugneten Grundfaze berufend. Sodann folgt der tragische Ausgang des Dramas. Nun zu der Meinung des Herrn Hartleben und seines Vorgängers, tinenmacher), Braunschweig( Vereinsblatt für Maurer, Töpfer, daß Arbeiter und moderne Kunst so ziemlich unvereinbar seien, Steinmeßen und Stuckateure). Burgstädt( Textilarbeiter), Gotha daß Berstehen, Genießen eines modernen Kunstproduftes geschärfte( Schuhmacher), Hamburg( Tischler und Korbmacher, Maurer, Sinne verlangt, daß die Liebe zur Kunst um ihrer selbst willen Schiffer, Werft- und Hafenarbeiter, Wagenbauer, Kupferschmiede, und der Genuß derselben eine Arbeit ausmacht, die vorläufig nicht Schmiede, Barbiere, Schlosser und Maschinenbauer, Drechsler, Jeder zu leisten im Stande ist! Ohne Zweifel liegt diesen Sägen Lohgerber, Gärtner, Goldarbeiter, Mechanifer, Bauarbeiter, Schneider eine Wahrheit zu Grunde. Daß aber in der legten Aufführung und Schneiderinner, Ziegler, Schiffszimmerer, Zimmerer, Kürschner, in der Freien Volksbühne" die Freude am rohen Stoff allein den Holzsäger), Leipzig( Tabafarbeiter und Tabafarbeiterinnen, Buch durchschlagenden Erfolg verschuldet haben sollte, scheint nach meinem drucker), Löbtau( Glasarbeiter), Nürnberg( Metallarbeiter), SchfenDafürhalten mehr als zweifelhaft. Ich Trunksuchtsscene, ein Gefühl des Gels babe 3. B. bei jener rohen diz( Steindrucker), Stuttgart( Buchbinder), Wiesbaden( Glaſer), empfunden, das sich bei Zwickau( Bergarbeiter). Wiederholung derselben am erschütternden Ausgang des Stückes An alle Arbeiter Deutschlands! Die Erfurter Schuherheblich steigerte. Man begreift so recht, was der Dichter wollte, macher find in den Ausistand getreten, durch das rücksichtslose Vorman begreift die kulturgeschichtliche Mission der naturalistischen gehen des Fabrikantenthums dazu gedrängt. Etwa 2000 Arbeiter Kunst, durch Vorführung der nackten Wahrheit, wenn dieselbe auch der Schuhbranche sind nunmehr auf das harte Brod der Unterabstoßend, eine erziehliche Wirkung auszuüben. Und gerade in stützung angewiesen. Aber troßdem sind wir fest entschlossen, in lezteren Umstand hat der Naturalismus seine tiefe Berechtigung. diesem Kampfe auszuharren nur die äußerste Noth wird uns Wenn an manchen Stellen die Heiterkeit durchbrach, wo dieselbe zwingen fönnen, uns der Fabrikanten- Willfür zu unterwerfen. nicht am Blaze, so muß man diesen Umstand auf das Konto Arbeiter aller Branchen, wir richten unsere Hoffnung auf Euch, des Ungewohnten, der natürlichen Komik jener Szenen schreiben. helft uns in dieser schweren Stunde, denn mit unserer Niederlage Im Ernst, hätte sich ein Publikum aus den Kreisen der Bour- wäre auch die Eure verknüpft und unser Sieg ist Euer Sieg. E geoisie verständnißvoller gezeigt? Unmöglich kann man so hoch lebe die Solidarität der Arbeiter! Hoch die moderne Arbeitergeschraubte Erwartungen an die Mitglieder eines jungen Vereins bewegung. Das Streiftomitee. stellen, welche sich aus dem der dramatischen Kunst entfremdeten Proletariat zusammenseßen. Nach meiner Auffassung kann es nicht die Aufgabe der naturalistischen Dramatiker sein, ihre Erzeugnisse nur für einen fleinen Kreis bürgerlicher Jdeologen und solcher, deren verwöhnter Gaumen vorübergehend an Dramen gesellschaftsfritischen Charakters Gefallen findet, zu schaffen. Nein, gerade das Publikum der Freien Volksbühne“ ist das Forum, das sind die geborenen Vertheidiger der modernen Kunst; der Sinn für dieselbe wird natürlich bei Bielen erst wachzurusen sein. NB. Alle Unterstüßungen sind zu richten an W. Wernede, Gotthardtstraße 44, Erfurt. Achtung! Handlungsgehilfinnen! Sonntag, 23. November, findet in Gratweils Bierhallen, Kommandantenstraße, eine öffentliche Versammlung aller weiblichen Angestellten statt. Die TagesAlbert Auerbach. Es ist Pflicht jeder Gehilfin in dieser Versammlung ordnung lautet: Die Mißstände im laufmännischen Beruf, Referent zu erscheinen, wo sich alle über das, was sie bedrückt, offen und frei aussprechen können. Der Verein der in der Schäftefabrikation beschäftigten Arbeiterinnen. Sonnabend, den 22. Nov., Abends 8 Uhr, Vortrag des Herrn Gabriel über„ Das Recht auf Faulheit". Diskussion. Verschiedens. Daß die radikal klingenden Phrasen, die der Held des Stückes vom Stapel ließ, neben der Tendenz die zündende Wirkung hervorgerufen haben sollen, scheint mir nach meiner individuellen Meinung nicht wahrscheinlich. Vielmehr hätten die paar Redensarten neben der Tendenz das Stück, falls es schlecht wäre, nicht am Durchfallen verhindert. Uebrigens bin ich der Meinung, daß die Berliner Freireligiöse Gemeinde. Rosenthalerstr. 38. Sonntag, Arbeiter recht gut in der Lage sind, Parteidisziplin von ihren Ver- den 23. November, Vormittags 10 Uhr, ein Vortrag des Herrn gnügungen und geistigen Genüssen zu trennen, zumal dieselbe dort G. Vogtherr: Zum Todtenfest. Zweiter Vortrag Gr. Frankfurterüberflüssig erscheint, resp. werden sie sich bei ihrem Urtheil in solchen straße 117, 10 Uhr, von Herrn Dr. Bruno Wille über ,, Den Tod Angelegenheiten durch die Liebe zur Arbeitersache nicht beirren vom freireligiösen Standpunkte. Gäste sehr willkommen. Der Dichter hat es in diesem Schauspiel unternommen, auf lassen. 150 stamm tot 15 tilsie as der Bühne ein Spiegelbild der seelischen und sittlichen Zerfahren Empfehle allen Genvssen und Freunden meine Glajerei n. Bildereinrahmung. Berliner Arbeiter- Bibliothek. 2. Serie. Besonders empfehlenswerth als WeihnachtsSinnsprüche, GruppenGeschenke: bilder in fauberer und geschmackvoller Einrahmung. Lassale und Marx in Lebensgröße( Kreidezeichnung) sauberster Ausführung u.s.w. Um pünktlich liefern zu können, bitte die Beftellung rechtzeitig machen zu wollen. Bestellungen nach Auswärts brieflich. Karl Scholz Wrangel Straße 32 part. = Brillenreiniger! 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Unterzeichneter hat sich an den lesten Wahlen agitatorisch start betheillot and ist in Folge dessen seitens der Gegner ge maßregelt worden, so daß er derartig in Noth 1980erieth, daß er kaum mehr das liebe Brod hatte. Am nicht das Feld räumen zu müssen, habe ich den Verkauf von Prämienlesse übernommen und bitte die Parteigenossen allerorts bei Bedarf folche Loose von mir entnehmen zu wollen. Fr. Schmidt, Sagard a. Rügen. Prospekte versende gegen 10 Pf.- Marte. Schuh- u. Stiefelwaaren- Lager Don Ernst Grossmann. Große Auswahl in Herren-, Damen- und Kinder- Schuhen und Stiefeln jeder Art.sinor rout Billige Preise AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA Reelle Bedienung. Im Verlage der ,, Magdeburger Volksstimme" ist soeben er= schienen und für Berlin durch die Buchdruckerei von Maurer, Werner& Co., SO., Elisabeth- Ufer 55, zu beziehen: Die Entschädigungsansprüche der Arbeiter bei Anfällen. Zusammenstellung der nach den Entscheidungen des Reichsversicherungsamtes den Verlegten bewilligten Rentensäge, umfassend die Zeit vom 1. Juli 1886 bis 13. Juli 1889, nebst Einleitung enthaltend die wesentlichsten Bestimmungen des UnfallversicherungsGesetzes. Alphabetisch nach Berufsklassen geordnet. Herausgegeben von Hans Müller. Preis 30 Pfg. Für Kolporteure hohen Rabatt. Empfehle Freunden und Genossen mein reich haltiges Lager von Cigarren u. Tabake. Daselbst Zahlstelle des Metallarbeiter- Verein und der Gürtler- Hilfskaffe. Haupt- Agentur der Berliner Feuer- Versicherung. boat Otto Klein Rottbuser Damm 14, früher Ritterstr. 15. W. Gründel's Restaurant ( früher: R. Wendt.) Dresdener- Strasse 116. Arbeitsnachweis und Verkehr der Buchbinder, Schlosser, Drechsler, Maler, Töpfer, Stellmacher, Sattler und Gärtner. Reichhaltiger Frühstücs-, Mittags- und Abendtisch. Borzügliches Weiß- und Bairisch- Bier. 2 Billards. Saal zu Bersammlungen. Fernsprech- Anschluß. Amt 9a. Nr. 578. Berantwortlicher Reda teur: Conrad Schmidt, Berlin. Berleger und Drucker: Maurer, Werner, Dimmick, sämmtlich in Berlin SO., Elisabeth- User 55. UciMatt zur berliner Vok���Triöüne. iRr. 47. Sonnabend, den 22. Noveinber 1890. IT. Jahrgang. Unsere Frauen I Und schnell und immer schneller modert Am allen Bauwerk Wand um Wand,.. So ist denn auch in Euch erlodert Zum Sonnenlicht der Eehnsuchtsbrand! So kommt auch Ihr zum offnen Streite, Ter Langmuth Thränenkrug zerschellt,.. Und dann, glückauf an unstet Seite, Du pslichtbcwustte Frauenwelt! Wir haben dreißig Jahr gerungen, t'lroß war die Qual und schwarz die Nacht, Blntgeißeln hat der Feind geschwungen, Wir blieben doch auf unstet Wacht. Und sank auch mancher aus den Rasen, Sein Tod verdarb uns nicht den Muthi Wir haben unentwegt geblasen Das Wetterhorn gerechter Wuth. Tos dröhnte hin... da scholl, erst leise, Ein zaghaft Echo durch die Nacht,... Und lauter mahnte unsre Weise: Da ist es zwiesach laut erwacht... Und wieder rief es:„Krieg den Drohnen!" Und immer wilder Antwort klang, Und heute dröhnt durch alle Zonen Der Proletarier Schlachtgesang, Nun reckt auch Ihr die bleichen Stirnen, Aus Euren Augen leuchtet Gluth, Verkündend einer Löwin Züriien, Die schützend springt vor ihre Brut. Ja, zeigt Euch löwenkühn, Ihr Frauen, Und zeigt dem prassenden Geschlecht: Ihr wollt nicht länger müssig schauen Den schnöden Griff in Euer Recht, Ihr darbt wie wir in harten Banden, Euch peitscht wie uns des Hungers Schlag, Die Freiheit, die sie uns entwanden, Auch Euch erhellt sie nicht den Tag, Ihr fühlt wie wir des Frohndiensts Zangen, Habt auch für andre Gold geschürft: Ihr habt ein Recht zu dem Verlangen, Daß Ihr im Rath mithandeln dürft. Ihr habt ein Recht, der Faust zu wehren, Die in den Schmutz Euch fühllos stößt, Die achtlos ruht, wo das Entbehren In Eure Brust Verzweiflung flößt. Ihr habt ein Recht, die Faust zu schlagen, Das heilgc Recht der Mutterpflicht, Daß nicht die Frucht, die Ihr getragen, Kraftlos vor Euch zusammenbricht, Ja, bäumt Euch aus, wie wir uns bäumten! Gewappnet kommt in unsre Reihn! Das Glück, von dem wir hoffend träumten, Ein cw'ger Traum soll es nicht sein. Kämpft mit uns für des Lebens Schöne, Und reift nicht uns der Mühen Frucht, Dann sollen Töchter doch und Söhne Einrudern in der Freude Bucht, Franz Diederich. // 3ccncn aus Arohg's„Albertine «Aus dem Norwegischen übersetzt von E. Wetter.)*) VI. Sie hatte lange dort gesessen und an alles wieder gedacht, was er gesagt hatte— und nun konnte sie es auswendig, und die Worte kamen ihr von selbst auf die Lippen— wieder und wieder. Sie hörte Schritte— vielleicht kam er wieder zu rück und sagte, daß es nicht wahr wäre, daß das Alles nur dummes Zeug wäre— aber es war ja doch auch kein dummes Zeug,— Er hatte ja Recht.— Und es war ja überaus gut von ihm, wie er gegen sie gxwesen war, und das war ja auch durchaus richtig— denn es konnte ja gut damit enden, daß sie sich ordentlich in ihn verliebte, und dann hätte es wohl geschehen können, daß es ihr schlecht ging, sie hätte Oline Nr. 2 werden können, kenn das begriff sie, und das hatte sie heute schon allzu gut begriffen, daß es ihr schwer fallen würde, zu etwas nein zu sagen, was er wollte, sie könnte nicht— nein— ja wäre es noch dabei geblieben, so wäre es wohl dahin gekommen, daß sie selbst gewollt hätte— dachte sie. Darum war es gut, wie es war. Ah! Die Schritte hatten sich wieder entfernt, aber dort kam wieder jemand, o wäre er es doch, er! Sie konnte nicht fortsehen— sie wußte ganz genau wie es durch die Bäume aussehen würde, wenn er es war— natürlich war er es, das mußte er ja sein, er, der so gut war, er konnte ihr nichts Böses thun wollen — das war er. Nein, das würde allzu herrlich sein.— Sie sah fort. Du großer Gott— das war der Polizeiinspektor. Ob er gesehen hatte, daß Helgesen sie küßte— viel- leicht durfte sie hier nicht sitzen!— Ach Gott, ob er sie wohl gleich auf das Bureau mitnahm. Ach, ja, das konnte ihr nun übrigens auch schon alles gleich sein— er hatte keine Uniform an.— Sollte sie davonlaufen— noch war es Zeit— es war doch * Als Buch erschienen bei Grimm in Budapest. es fabelhaft, was er für krumme, Beine hatte— noch war es Zeit— du großer Gott.— Ja, er sah sie.— Ach ja— das war nun schon alles akkurat— akkurat dasselbe— und sie hörte gleichsam im Ohr Helgesens Stimme, die sagte:„Das würde ja auch sehr schlecht von mir sein, der aus dich auspaffen sollte."— Er stand vor ihr, der Polizeiinspektor Winter. Ihr war so bange und zugleich so ruhig. „Guten Abend, Albertine! So spät bist Du noch draußen.— Warum sitzest Du hier und wartest?— Ich begegnete Helgesen droben in der Straße." So hatte der Polizeiinspektor gesehen, daß sie ihn hier draußen geküßt hatte— und nun sollte sie wohl mit aus das Bureau.— Ach ja, das war nun auch schon ganz gleich.— Er dachte wohl, daß sie von Helgesen„ausgehalten" wurde? „Welcher Helgesen?" fragte sie und sah auf, aber dann sofort wieder nieder. „Thu doch nicht so," sagte Winther und lachte. „Weißt Du nicht, daß es nicht recht ist, so spät draußen zu sein? Die Uhr ist gleich zwölf. Es ist woh am besten, wenn ich ein Bischen mit Dir reden kann Mit ihr reden? „Geh nun nach Hause und lege Dich hin, und dann komme morgen Abend um acht Uhr zu mir hinau Toldbodgaffe 5, dritte Etage. Wie geht es der Oline? Sie erhob sich schnell und ging die Allee entlang.— Ach ja, nun konnte ja alles gleich sein. Toldbodgaffe 5, dritte Etage.— Sie hatte die ganze Nacht nicht geschlafen und den ganzen nächsten Tag saß sie bei ihrer Nähmaschine ohne zu nähen mit etwas Großem, Bösem, Dunkeln vor sich vor dem sie sich graute— bis zum Abend. Ja, sie hatte ja gewußt, daß es einmal kommen mußte, daß einmal kommen würde, und nun war es gekommen o ja, das konnte ja gleich sein— und die ganze Zeit hörte sie die laufende Dachrinne draußen und der Regen schlug in dicken Tropfen an die Scheiben und der Wind heulte im Schornstein. Die Alte war wach geblieben, weil sie so spät nach Hause kam. Nun sähe sie, daß sie verloren wäre, hatte sie gesagt O ja, das konnte sich nun auch schon alles gleich bleiben. Ach, wenn sie nur wüßte, wie sie fortkommen sollte Tvldbogaffe 5, dritte Etage. Sie mußte noch froh sein, daß sie nicht auf das Bureau sollte.— Vielleicht ging es noch so durch.— Als der Konstabler vorbeiging bekam sie Angst, denn sie erkannte ihn nicht sogleich tro:( all' der grauen Regentropfen, die auf der Scheibe waren und aufhörlich wiederkamen. Die Alte sah sie den ganzen Tag ab und zu an und fing au ihr etwas Amüsantes von Olsa erzählen zu wollen und that, als wenn sie vergnügt wäre, aber sie begriff ganz gut, daß es nur geschah, weil sie bange war sollte sie ihr Alles sagen und sie bitten mitzukommen? — Es war ihr, als wenn sie den französischen Shaw aus der Schublade herausnehmen sah— nein das wollte äe nicht sehen— es war ja vielleicht nur eine Ver- Warnung. Sie wünschte fast, daß es schon Zeit wäre— aber dennoch war ihr bange, als es Mittag wurde— denn da war es mit eins viel näher. Sollte sie zu Oline gehen und sie um Rath fragen, was sie thun sollte? Die Alte sah, daß sie nichts aß, obwohl es Erbsen gab, was doch sonst ihr Leibgericht war.„Heute Morgen gast du ja auch nicht gegessen. Was fehlt dir denn Mädchen?" Eine Stunde später sagte die Alte wieder: „Am nächste» Donnerstag kommt der Vater." Sie antwortete nicht. „Ich hoffe, daß Eduard lebt, bis er kommt." Sie antwortete nicht. Um fünf Uhr zog sie sich an und ging. Sie konnte nicht länger ruhig sitzen. „Ich gehe, um nach Eduard zu sehen", sagte sie. Vor Olinens Thür ging sie lange auf und ab einmal war sie schon bis zur Entreethüre droben und las die Visitenkarte.— Nein— nein.— Sollte sie nnt Helgesen reden— er kannte ja Winther?— Nein, dazu war es zu spät. zu Endlich hatte sie geklingelt, um der Sache ein Ende machen— sie war zu müde und elend und verweint und wund unter den Fußsohlen, um noch länger auf Karl-Johann auf- und abzugehen. Winther öffnete selbst— auf einer Kleiderknagge hing seine Uniformmütze und sie ging daran vorbei in Stube. Ein starker Duft von Eau de Lubin erfüllte das ganze Zimmer. Mitten auf dem Boden stand ein Tisch mit feiner dicker Tischdecke darauf und Wein, Kuchen, Mandeln und Rosinen. Er hatte wohl Gesellschaft. „Lege ab, Albertine." Links war eine Thür mit grünen Portieren davor, und durch dieselben kam ein rother Schein. „Mir scheint, du siehst elend aus." Sie setzte sich auf die Ecke eines Lehnstuhls— er schenkte aus der Karaffe ein— es hing eine kleine Silber- platte an einer Kette um den Hals der Karaffe, worauf „Sherry" stand— sie sah wieder auf die Tischdecke, ja die war dick und weich und fein mit rothen Blumen und gelbbrauner Borte. Dürfte sie sie wohl anfassen? Sie war niemals in einem so seinen Zimmer gewesen. — Daneben hatte sie aber das Gefühl von etwas Bösem, das langsam und sicher emporwuchs— wie eine murrende Furcht. Er legte Mandeln und Rosinen auf eine» Teller und begann selbst Mandeln zu knacken und zu plaudern, während er die Mandeln verzehrte, aber sie hörte nicht viel davon, denn sie wartete aus das, was da kommen sollte.— „Es ist garstiges Wetter heute", sagte er.„Es ist fast, als wenn es Herbst werden sollte." „Ja." „Du Albertine", sagte er„das war es, was ich dir eigentlich sagen wollte, du solltest nicht so viel mit Jossa zusammengehen.— Jossa ist vorgeladen worden— sie muß auf Ansage zur Untersuchung erscheinen." Weiter wollte er nichts sagen? „Ja"— sagte sie„nicht wahr— das muß ich nicht— Jossa ist nicht anständig, sie ist von der Polizei vermahnt worden, aber ich bin seit mindestens zwei Mo- naten nicht mit Jossa zusammengewesen. Es könnte mir auch nicht einfallen mit Jossa zusammen zu sein, ich habe ihr das geradezu in's Gesicht gesagt.— Du bist nicht anständig Jossa, sagte ich, du bist es nicht und du mußt schon entschuldigen, aber es ist das Allerbeste, ich sage es dir aus einmal, sagte ich,— und nein— das könnte mir nicht im Traum einfallen mit Jossa zusammen zu sein, weder mit ihr auf der Straße zu gehen noch sonst wo und auch nicht mit Valeria Eriksen, denn die ist sicher noch schlimmer, als die Jossa, sie ist rein öffentlich." „Ja— Valeria— die muß alle acht Tage kommen. Sie ist auch im Krankenhause gewesen— in Fila—." „Ist sie dort gewesen— ja das konnte ich mir denken, daß es so mit ihr gehen würde— nein dafür halte ich mich für viel zu gut, um mit solchen zusammen- zugehen— sie hatte einmal von mir erzählt, daß ich ein- gesperrt wäre!— Ja— ja— das war der Valeria ganz recht, da sie sowas von mir gesagt hat. Finden Sie, daß Valeria wenigstens hübsch aussieht?" „Oh— nein—" „Auch hat sie so'n gräßlichen Geschmack— und kleidet sich so häßlich— so—" Sie redete eifrig. Winther schenkte ein Glas aus der Karaffe ein und legte ihr Mandeln und Rosinen vor. Es war schön Wein zu bekommen und sie wurde ein wenig muthiger, aber entsetzlich schläfrig— und sie nahm ein Glas, um wieder munter zu werden. „Setze dich besser auf den Stuhl, Albertine," sagte er. Er hatte eine Weile gesessen und Mandeln geknackt. Nun sah er von seinem Teller auf. -- Sie war eingeschlafen— der Kopf lag zur Seite, die bleiche Wange gegen den dunkelgrünen Plüsch unter dem warmen Oberlicht von der Hängelampe. Eine große Muskel, die sich anspannte, hob sich kräftig auf der Rundung des Halses ab, und breit und jugendlich hob sich die Brust unter der dichtanschließenden mit Schnur ausgenähten Jerseytaille.— Sie war hintenübergesunken— tief hinein in den weichen dunkelgrünen Plüsch. Er blieb sitzen und sah sie an. Gerade und schmal, wie mit einem Lineal gezogen, ging der leuchtende Scheitel mitten über die feine Kops- orm durch das dunkle Haar! „Sie hat wirklich schönes Haar!" Die Stirnlocke hatte sich ein wenig getheilt— ein Dreieck von der Stirn schimmerte hervor— er erhob ich vorsichtig und theilte es ein wenig mehr. Unter den Augenbrauen waren tiefe Schatten und aus ihnen rundeten sich die geschlossenen Augenlider )ervor, fest geschloffen über das Auge mit einem müden, eidenden Emailleschimmer darüber. „Lange Wimpern!" Er setzte sich wieder. Wo die bleiche, ovale Linie der Wange verschwindend gegen den Hals herabglitt, verlor sich das warme gelbe Licht ohne jede Grenze in den Schatten unterhalb des Ohres und kam dann zum letzten Male wieder auf der vorgestreckten Muskel des Halses vor. Dann siegte der Schatten und verlor sich in unmerkbarem Uebergang mit dem grundlosen, dunklen Abgrund im Plüsch. Er wünschte, daß er ein Maler wäre oder einen Maler hier hätte!— Wie hübsch sie war— eine förm- ' iche Schönheit— ja er konnte ruhig das Wort Schönheit gebrauchen! „Die Schultern ein wenig zu breit." Aber das machte nichts, nach seiner Meinung— und die Hand ein wenig zu groß, aber die Partie über dem Gelenk dennoch sehr fein. Helgesen war ein großer. großer Dummkopf, wenn es wahr war, was er ihm er- zählt hatte, daß er sie nicht berührt hatte— ein großer, großer Dummkopf. Er beugte sich vvr und sah sie recht genau an. Sollte die Nai'e ein wenig zu spitz sein— nein— Hel- gesen war ein großer Dummkopf. „Hübscher als Oline." Er erhob sich vorsichtig und ging hinter die Portieren in den röthlichen Schimmer hinein und rumorte darin vorsichtig mit etwas herum. Er war wieder hereingekommen und setzte sich wieder, um sie zu betrachten und murmelte: „— ein großer Dummkopf." Er hatte lange gesessen— zuletzt nahm er eine Mandel und knackte sie auf. Sie schlug die Angen auf, sah sich verwundert um und richtete sich schnell und ver- legen in ihrem Stuhle auf. „Gott— es ist gewiß spät— nun muß ich gehen, — entschuldigen Sie— ich war so furchtbar müde, ich habe heute Nacht nicht geschlafen." „Sitze noch ein wenig und nimm zuerst ein Glas Wein, du siehst so elend aus." Ihr wurde von dem Wein sonderbar im Kopf und zugleich gleichsam freudig. Winther schenkte noch ein Glas aus der Karaffe ein und fing wieder an Mandeln zu knacken. Sie trank.— Aber plötzlich wurde ihr bange — sie konnte leicht dazu kommen etwas zu thun, was recht verkehrt war und es war ihr, gleich als wenn alles umgedreht und das Verkehrte richtiger als das Rechte war— sie erhob sich und bat, ob sie gehen dürfte. Sie bat, wie man einen Lehrer bittet— und es war etwas an ihm, gleich als wenn er ein recht strenger Lehrer war. „Kann ich nun gehen—?" Aber es war ihr, als wenn sie um etwas Verkehrtes bat. und sie schämte sich fast es zu thun— und sie wußte, während sie bat, daß sie die Erlaubniß nicht bekommen würde. Sie sah seinen kurzgeschnittenen, dunklen Scheitel, über die Mandeln gebeugt, die kurzen weißen Hände, welche die hellrothe Schale vorsichtig ablas. „Nein," sagte er, setz' Dich wieder hin. Es lohnt nicht, daß Du jetzt gehst, denn dann wirst Du auf- gegriffen."— Er sah nach der Uhr.—„Nein— es lohnt nicht— es lohnt durchaus nicht— denn dann könnte geschehen, daß Du arretirt wirst.— Setze Dich nur wieder."— Er nahm die Karaffe und füllte ihr Glas. Sie wollte dort nicht bleiben— da würde sie eher noch vorziehen aufgegriffen zu werden, aber es war wohl am besten, wenn sie sich zuerst wieder setzte, wie er ge- boten hatte. Sie setzte sich und trank ein wenig Sherry. Plötzlich erinnerte sie sich wieder an gestern Abend — und sie wurde mit einmal so müde, so gräßlich müde, daran zu denken. Er legte ihr ein paar Mandelkerne hin. „Iß davon, Albertine— sie sind gut— sehr gut. sehr gute Mandeln." Sie nahm eine— es war, als wenn sie nicht mehr essen durfte.„Trinke Sherry!" Nein, nun wollte sie gehen— nun wollte sie sich erheben und fragen, ob sie nicht gehen dürfte. „Kann ich jetzt gehen?" Sie hatte sich erhoben— das war ja die reine schwarze Pelzmütze, die er auf dem Kopf hatte— aber einiges graues Haar dazwischen. „Setz' Dich," sagte er, ohne aufzusehen. Ja— nein— sie wollte nun gehen, ganz gewiß, aber sie konnte ja auch noch ein wenig warten, wie er gesagt hatte, und sie setzte sich wieder hin. Er knackte Mandeln und sie setzte sich, um die feine, grüne, weiche Tischdecke mit den rochen Rosen darin und der gelbbraunen Borte rundum anzusehen— es war ihr, als wenn sie sie bereits sehr genau kannte— was die wohl kosten mochte?— Nun wollte sie gehen. „Trink— trinke Sherry— Prosit— trink sage ich— Du siehst elend aus. Es ist am Besten, Du gehst dort hinein und ruhst Dich ein wenig auf dem Bette drinnen aus. Und er zeigte mit einer Wendung des Kopfes nach den Portieren. Es war dunkel hinter ihnen mit einem röthlichen Schimmer. Sie erhob sich langsam— Gott wie müde sie war, — und so wüst im Kopf.— Sie wunderte sich über sich selbst, als sie sich auf der Thürschwelle sagen hörte: „Ja, aber ich lege meine Kleider nicht ab." „Ja!" antwortete er ohne auszusehen—„es ist am besten, wenn Du Deine Kleider ablegst.— Ja, das ist am besten." Die Wände waren dunkel und es lag ein röthliches Halblicht von einer Ampel darüber ausgebreitet. Das Zimmer war schief— die Wand zur Rechten war viel kürzer als die zur Linken— das erschien ihr sonderbar. Das Bett stand an der schrägen Wand gerade gegenüber der Thür. Sie hatte gut gesehen, da» es so stand und von Mahagoni war. Sie hörte, daß er sich drinnen er- hob. Er ließ zuerst die eine, dann die andere Portiere nieder. Es blieb ein langer leuchtender Streifen in der Mitte zurück. Auf dem Boden lag ein großer Teppich. Sie kleidete sich aus, es war, als wenn es so sein sollte— und sie legte ihre Strümpfe unter die anderen Kleioer, denn sie erinnerte sich daran, daß Löcher darin waren. Sie war gräßlich müde. Wozu er wohl all' die Flaschen brauchte? Ach, das war gewiß Odelübeng— sie war zu müde, um hinzugehen und nachzusehen. Sie stieg in das Bett und legte sich tief hinein— und wippte wieder empor. Ja so— das war, was man eine Sprungfedermatratze nannte. So hatte sie niemals geruht. Es war schön, dort zu liegen, und ihr Haupt sank nach und nach tiefer in das weiche Kissen— im Anfang war es, als wenn sie nicht recht dürfte. Gott, wie grob und gries ihr Hemde gegen all' das seine Weiße war! Plötzlich verschwand der hellgelbe Streifen zwischen den Portieren und es kam jemand hinein. Es kam jemand und klopfte ihr auf den Kopf und küßte sie auf die Stirn. Eau du Lubin! Jemand kleidete sich aus— zuerst stieß ein Stiefel auf den Bodenteppich und kurz darauf ein zweiter. Sie hörte eine Uhr aufziehen und dann wurde dieselbe an der Wand über dem Bett: aufgehängt. Sie bekam einen Kuß auf die Stirn, und sie bog den Kops hintenüber, um den feinen Duft besser einathmen zu können— und da bekam sie einen langen Kuß auf den Mund— und noch einen— und dann noch viele lange, heiße, glühende hintereinander. Plötzlich wurde ihr Alles klar und sie kratzte und schlug und biß und schrie. „Pst, halt's Maul," sagte eine heisere Stimme dicht neben ihrem Ohr.— Es wurde ein Kampf wie auf Leben und Tod, aber zwei Eisenarme hielten sie fest und sie schloß die Augen. Eine Weile darauf drang ein flackernder Schein durch ihre Augenlider. Ein Streichholz wurde angezündet und sie sah Winther vor dem Waschbecken stehen mit einer Stearinkerze daneben. Das Haupt mit dem schwarzen, kurzgeschvrenen Nacken war vornübergebeugt.— Gott, wie sie ihn haßte! Aus meinem„Kauernspiegel�. Von Willibald Ragl(„Deutsche Worte'). (12. Fortsetzung.) Wir wenden nun unsere Aufmerksamkeit den Aeuge- rungen des durch die Manier vermittelten Wohlgefallens oder Mißfallens zu. Vielleicht findet man es für un- wahrscheinlich, daß thatsächlich innere Gefühlsvorgänge durch die Manier verursacht werden könnten, vielleicht meint man, die Manier könne eben mir Worte machen. Allein dann müßte man einen absoluten und vollstän- digen Widerspruch zwischen der Rede und dem gleich- zeitigen Gefühlszustand annehmen, eine Voraussetzung, die ich nicht bestätigt finde. Allerdings regt sich in den Bauern gewiß oft ein der Manierrede widersprechendes Gefühl, aber dieses wird, als ungehöriges und unbe- rechtigtes, zurückgehalten und unterdrückt, und die der Manierrede vorausgehende Geistesarbeit erzeugt nackt Innen zurücktvirkend das entsprechende Maniergesühl, während sie nach Außen gleichzeitig die Rede ausschickt. So stimmt also Gefühl und Aeußerung doch wieder zu- sammen. Diese Maniergefühle, speziell die des Wohl- gefallens, werden sich um so leichter einstellen, als die natürlichen Gefühle des Wohlgefallens größtentheils ver- schwiegen und dadurch allgemach ertödtet werden, so daß eine gewisse Unbestimmtheit, eine gewisse Leere sich ein- stellt, welche man dann, gelegentlich der manierhasten Wohlgefallensäußerungen, durch die diesen entsprechenden Gefühlsakte auszufüllen strebt. Diese erworbene Fähig- keit zu Maniergefühlen wird bei verschiedenen Individuen verschieden sein, größer bei älteren Leuten, geringer bei jüngeren; die einzelnen manierhaften Gesühlsvorgänge selbst werden ebenfalls bei den Arbeitern tiefer gehen als bei den Jungen, die erst 10—15 Jahre im bäuerlichen Manier- und Moralsystem leben, weben und sind,— Dies sei vorausgeschickt, dem Leser zur Gewißheit, daß wir es im Folgenden thatsächlich mit„Aeuße rungen", d. i. mit der sprachlichen oder sprachähnlichen äußeren Wiedergabe wirklich vorhandener innerer Vorgänge zu thun haben. Dabei leugnen wir indes nicht, daß einzelne Personen in ihren Manierreden auch bloße Heuchelei und Verstellung ausüben, So lange aber nur ein leiser Gefühlsakt der Manierrede entspricht, dürfen wir— trotz eventuell gleichzeitigem und entgegengesetztem natürlichen Gefühle— immer noch von einer wirklichen „Gefühlsäußerung" sprechen. Die Aeußernngen manierhaften Wohlgefallens werden nur in gewisser, meist stereotyper(feststehender) F»rm, nur bei gewissen Gelegenheiten oder nur über gewisse Objekte gethan. Form, Gelegenheiten und Objekte sind durch das bäuerliche Maniersystem fixirt. Das Wohlgefallen an sich, ohne sonstigen Zweck, wird auch in der Manier nur selten und in sehr mäßigen Ausdrücken geäußert. Der Zweck kann religiöse Er- bauung sein, die man Gott, den Engeln, den Heiligen, den Geistlichen oder der eigenen Seele zum ewigen Heile thut; oder aber, man will durch eine?leußerung des Manier-Wohlgefallens einem anderen Menschen eine Ge- fälligkeit erweisen in Lob oder Dank. Besprechen wir hier einstweilen nur das manierhafte Lob, den manier- haften Dank. Ein Bauernpaar— Mann und Weib— gehen am Pfingstmontag auf Besuch zu ihren Gevatterleuten, die in einem 2— 3. Stunden entlegenen Dorfe ansässig sind. Sagen wir, die Gäste heißen Döbler und ihre Gevatter- leute, welche den Besuch erhalten, heißen Windbacher. „Da schaut's, da schaut's, der Döbler— die Döblerin", so schallt es beim Eintreten der Gäste,„ja, das ist ja gar was Seltsams! G'halt auf, g'halt auf, Döbler, seid's ja auf keinem fremden Ort! Setzt's enk her da gleich auf die Lehnbank,— wir sein just mit dem Mittagmahl fertig geworden, hm." Damit ist ein Nach- mittag inszenirt, der ausschließlich im geflissentlichsten Kulte der Manier zugebracht wird. Da muß es ein- mal Lob regnen. Die Windbacherin ruft zum Fenster hinaus:„Wo sein denn die G'sindl(Kinder)? Sepperl, Hanni, kemmt's einer(herein)!" Die Kinder kommen verdutzt herein.„Sein ja so viel nixnutzig, ganzen Tag gassenhauen möchten s', ich muß mich oft so viel Horben mit dö G'sindl.— Na, so geht's doch handpaschen dem Göd und der Godl!" Nun kommen die Gäste zu Worte. „Ja, die sind ja gar als wie brav," sagt gedehnt der Döbler, und die Döblerin fügt hinzu:„Da muß man ihnen ja gleich ein Kipferl geben einem jeden. weil's gar so brav sein." Die Mutter wettert d'run- ter:„Seid's nit so ung'schickt, thut's den Finger aus dem Maul!— wenn's nur nicht gar so dumm wär'n!" „Aber nein," beschwichtigt wieder der Döbler,„sie sein ja ohnedem als wie., als wie.. als wie—" und heftet, in Ermanglung eines passenden Wortes, den wohlwollendsten, vielsagendsten Blick auf die sprachlos dastehenden Hascher. Die Hauswirthin macht sich, schein- bar unbemerkt von den Gästen, in der Küche zu schaffen, und bald bringt sie frischen Kaffee und ein„Schöberl". Dazu bringt der Windbacher einen Krug Aepfelmost aus dem Keller, oder Wein, wenn er solchen baut. Da brechen die Gäste in fast unwillige Ausdrücke des Stau- nens aus über diese große„Aufwartung".„Wie haben Euch nie'was Gescheidtes fürzustellen, wenn Ihr zu uns kommt; und Ihr macht so viel Umständ' da mit uns!" Bissen für Bissen lassen sie sich nun nöthigen,„ehren", aber sie zahlen die Ehre auch Bissen für Bissen mit den schönsten Lobeserhebungen bar zurück.„Ich weiß nicht." sagt die Döblerin,„ich kann halt nicht so gut um- gehen mit Schmalzsachen; ich nähmet eh'(ohnehin) Eier genug und das bessere Mehl, es wird halt nicht so gut." Mit solchen Worten setzt sich die Döblerin selbst herunter, damit die Hausfrau desto höher steige. — direkt sagt man auch in der Manier einem Er- wachsenen das Lob nicht gern in's Gesicht.„Ja freilich", ironisirt die Geschmeichelte,„weil auch weiter so viel d'ran ist?!"„Wohl wohl," bestätigt die andere,„Hab' mein Lebtag noch-nie kein so gutes Schöberl 'gessen." Und so geht es fort. Mittlerweile ist die „Aufwartung" verzehrt— bis auf einen gewissen Reff, welcher der gastlichen Wirthin besagen soll, sie habe reichlich aufgetragen. Nun geht es an die Besichtigung der Wirthschaft. Jetzt ist das Loben an ihm, dem Döbler. Der Herr des Hauses begleitet ihn als Cicerone. Im Keller halten sich die beiden etwas länger auf,— dort fängt der Döbler erst an, beredt und seiner nun folgenden Auf- gäbe gewachsen zu werden, während er sich bisher ziemlich passiv und schweigsam verhalten.„Sackerlot", sagt er kostend,„von diesem Faßl, der ist schon sakrisch geistig. steigt einem beim ersten Schluck ordentlich in'n Kopf" --„und der isi noch besser wie der frühere"—— „nein, aber so, wie der jetzt ist, haben's bei uns drüben nirgends einen!" Und so lobt der Döbler jetzt weiter, den Keller hindurch hinauf in die Scheune. in den Stall, in die Getreidekammer u. s. w. Ja, er sagt dem Windbacher wolfl gar direkt:„Du mußt Dich halt dennoch in allen Dingen viel besser zu lenten(orientiren) wissen, wie ich." Nicht nur ein Besuch,— überhaupt schon ein nä- heres Zusammentreffen mit Leuten aus fremden Häusern ist ein Anlaß zum Manierlob, wenn man diesen Leuten nicht allzu nahe steht oder vielleicht gar von Neid gegen sie erfüllt ist. Es wird daher ein Bauer oder Bauernsohn viel mehr Lob und Anerkennung hören zu Beginn eines Unternehmens, wo der Erfolg noch zweifelhaft isi, als später, wenn das Unternehmen schon allem Anscheine nach gelingen wird. Hanptanlässe zum Manierlob sind aber Hochzeiten auch Kinds taufen und ähnliche Festlichkeiten, bei denen Diejenigen, welche die wesentlichen Kosten einer solchen Festlichkeit zu tragen haben, be- sonders reichlich mit Lob bedacht werden. Freilich redet man dann hinter ihrem Rücken oft das Gegentheil, weil ein Extrem, wo es besonders zugespitzt wird, nothwendig sich durch das andere Extrem ergänzt, Die Form des Manierlobes ist in obigen Beispiele« schon einigermaßen angedeutet. Die meisten Lobes- äußerungen sind nur Formeln,— und der auf dem Lande besser versirte Leser wird gewiß manche von den oben angeführten bereits kennen. Die Ausdrücke sind nicht sehr reich an Abwechslung, besonders ist ein Ein- gehen ins Detail des zu lobenden Gegenstandes eine Seltenheit, weil es einige Mühe für das Denkvermögen ist, wenn man die Details erstens hervorheben, dann außerdem noch über jedes derselben ein Urtheil, und zwar ein günstiges, fällen soll. Der Bauer ist gar nicht originell in seinen Beobachtungen und Ausdrücken. Doch kommt's wohl auch öfter zur(bloßen) Nennung der Details,— die freudezeigende Miene und Stimme hat dabei als jenes„günstige Urtheil" zu gelten. Sachen und Einrichtungen lobt man rückhaltlos mit den höchsten Ausdrücken, welche die allerdings beschränkte Auswahl jener stereotypen Phrasen zur Verfügung stellt. Personen lobt man, wie erwähnt, auch in der Manier selten in'S Gesicht, und nie, ohne durch eingeschaltetes „dennoch",„wögn dem"(trotzdem),„halt doch" u. s. w. ein scheinbares inneres Widerstreben mit unterlaufen zu lassen.„Du mußt Dich halt dennoch in allen Dingen viel besser zu lenten wissen, wie ich." Ich sage absicht- lich„ein schein bares Widerstreben," denn das„dennoch" wird nur künstlich eingefügt, als ob man durch den äußeren Thatbestand sogar wider Willen zur Anerkennung gezwungen wäre. Objekt des Manierlobes kann bei den erwähnten Anlässen Alles sein, was nicht manierwidrig ist. gleich- giltig. ob es positiv Lob verdient oder nicht. Es giebt aber auch Objekte, welche durch die Manier so geheiligt sind, daß sie regelmäßig, auch ohne jeden manier- mäßigen Anlaß, gelobt werden, so oft auf sie die Rede kommt. Freilich sind dies meist religiöse Dinge, oder Tugenden, welche die Bauernreligion empfiehlt u. s. w. So wird Jeder leicht Anerkennung finden, der sich als „Zufriedenen" bethätigt, d. h., der es den andern in nichts zuvorthut, der seine Wirthschaft, seine Haushaltung, Wohnung, Ernährungsweise u. s. w. auf demselben klag- lichen Standpunkt beläßt, wie die andern; diese„Zu- friedenheit" ist ja eine hochgehaltene Bauerntugend. „Das ist ein zufriedener Mensch, der Niemand was in den Weg legt," dies sagt man über einen Solchen bei jeder Gelegenheit, wo man auf ihn zu sprechen kommt.— allerdings ihm nicht ins Gesicht, denn das würde die Reservirtheit nicht erlauben.— Auch die Predigt ist ein Gegenstand, der manierrichtig immer zu loben ist. Nach dem Lobe haben wir noch über die manier- haften Aeußerungen des Dankes zu reden. Das rein förmliche Danken hat in den Städten viel mehr eingerissen als auf den Dörfern.„Danke", sogar„Danke sehr" sagt mancher Kommis oder Zahlkellner hundert-, ja oft tausendmal des Tages, ohne dabei wirklichen Dank zu fühlen. Aber der Städter sagt es auch zu seinem besten Freunde, zu seinem vertrautesten Kameraden, und gerade hiebei gewinnt das„ich danke" wieder an Natürlichkeit, an Gefühl, freilich nur im Berhältniß zu der Größe der vorhergehenden Leistung; dies ist aber just das Richtige. Bei unseren Bauern ist dies anders. Gerade unter den- jenigen Personen, die sich am nächsten stehen, z. B. in der Familie, hört man kein Wort des Dankes, selbst wenn wirklich ein triftiger, ein überwältigender Grund vorhanden wäre: Da bleibt der Bauer stumm und fühlt dabei auch die innerliche Dankesverpflichtung unan- genehm, die sich natürlicher Weise ihm aufdrängt. Nur die Kinder werden in manchen Häusern dazu abgerichtet, „gelt's Gott" zu sagen nach dem Essen. Dagegen be- dankt man sich Fremden gegenüber um so eifriger. Man bedankt sich oft überschwänglich, wenn man zur Erntezeit am fremden Brunnen einen Krug Wasser geschöpft hat; man bedankt sich für einen Rechen, den man eine halbe Stunde zu leihen genommen; kurz, man bedankt sich für jede Kleinigkeit.„Dank Dir Gott fleißi fleißi, jetzt Hab' ich mich recht derletzt(erquickt) bei En- kerem(Euerem) Brunn'!" Diese Worte werden mit einer solchem Emphase des Satztones gesprochen, daß sie noch dreimal mehr zu besagen scheinen, als sie ihrer eigentlichen Bedeutung nach ohnehin schon besagen. Und das ist eben das Eigenthümlichc der Bauernmanier, daß sie gerade Fremden gegenüber und bei geringen An- lässen in jene Formeln ein außerordentliches Gefühl hineinzulegen sich abmüht, während der Städter im gleichen Falle Formeln eben als Formeln giebt und annimmt, ohne seinen Gefühlen dabei Gewalt anzuthun. Am leichtesten gelingt es dem Bauer, ein wirkliches Gestihl an den Manierdank zu knüpfen, wenn der Anlaß des letzteren eine empfangene materielle Wohlthat, etwa ein geschenkter Gabeß- oder Rübenfamen und dgl., war; auch für einen ärztlichen Rath bedankt er sich bei dem alten Weibe oder dem Winkeldoktor, der solchen ertheilt, mit ausrichtigerem Gefühle. Aber fast ganz hohl und reine Manierbethätigung ist so ein Dank, wenn er für einen rein geistigen Dienst erfolgt. Nicht, als würde der Bauer niemals das Bedürfniß nach einer Belehrung u. s. w. fühlen: diese erscheint ihm nur unstofflich u»d irreell, daß er nicht recht einsieht, warum er für dieses „Nichts" danken soll, welches deni Andern gar nichts kostet.„Ich dank schön für die Auskunft"— dabei rückt Bäuerlein in der Stadt sein Hütlein so verlegen, weil es auch überdies nicht recht verstanden hat,— ein lächerlicher Moment für Denjenigen, der das Bauern- gemüth kennt. Tie sprachliche Form, in der sich der Dank aus- drückt, ist natürlich noch eine weit eintönigere, als beim Lob. Eine freie Wiedergabe des Dankes, ohne Gebrauch der Dankformeln, fällt den Durchschnittsbauer zu schwer. Es wird kaum Jemand sagen:„Lieber Nachbar, Du hast mir Deine Ochsen vorgespannt,— ich sehe ein und fühle, daß Du mir dadurch einen unbezahlbaren Dienst erwiesen hast. Ich wäre sonst bei der steilen Straßenwendung mit meinem Scheiterwagen unfehlbar über den Abhang gestürzt!" Der Gerettete wird nur sagen:„Dank Dir Gott fleißi fleißi für die Vorspann,— bin wohl recht froh"; ob er aber die Bedeutung der überstandenen Ge- fahr und des Dienstes würdigt, darüber wird er den Nachbar im Zweifel lassen, was die herzliche Gegenseitig- keit immerhin in etwas stören muß.— Glosse« zu Kichter's„Irrlehr,»'! l. Herr Richter und die Arbeit. Freisinnige Geschichtsauffassung. Der Neichlhum der Arbeiter. J. T. Eugen Richter ist ein großer Held. Er ist nicht wählerisch in seinen Angriffen, wo ihm Gelegenheit *) In der vorigen Nummer beschäftigten wir uns mit dem Rechenexcmpel des Herrn Richter; was unsere, am Anfang jenes Artikels beiläufig angestellte Gegcnrechnung betrifft, sei hier noch ausdrücklich bemerlt, daß die Durchschnittsfamilic, wie wir uns nachträglich überzeugten, aus weniger als 5 Kopsen besteht, daß also im Durchschnitl aus die Familie weniger als 1470 M.— das war die auf eine sünflöpfige Familie entfallende Summe— kommen würde. Wir erwähnen dies nur. um Herrn Richter die Möglichkeit zu nehmen, nach dieser Richtung hin auszuweichen, falls er überhaupt noch zu antworten gedenkt.— Der oben abgedruckte Aufsatz, dem ein Schlußartikel folgr, greift aus dem schwärm Richter'schcr Fehlsprüche da und dort etwas Charakteristisches her- aus und trägt iiiancherlei zur Ergänzung des Gesammtbildes dieses neuesten Ritters von Geist und Sozialistentödters bei. D. Red. zmn Einhauen gegeben wird, da haut er zu, nur schade, daß er in seiner wilden Wuth oft sein Ziel verfehlt und der Hieb ihm den eigenen Arm verrenkt. Aber er ist auch zarter Empfindungen fähig, wie schön kleidet ihm nicht das weiße, einfache Gewand der verfolgten Unschuld, das er jüngstens angelegt. Obgleich während der Zeit des Sozialistengesetzes fast kein Tag verging, an dem die,.Freisinnige Zeitung", das Organ des edlen Helden der freisinnigen Partei, die Sozialdemokratie nicht angegriffen hätte, erklärte Herr Richter frank und kurz vor Erlöschen des Sozialisten- gesetzes: Jetzt ist die Zeit gekommen, da ich die Sozial- demokratie vernichten werde. Früher schmachtete sie unter den Banden des Ausnahmegesetzes, da durfte man sie nicht angreifen, weil sie sich nicht hätte vertheidigen können— o dieses dreimal reinen Mannes!— jetzt sei das Sozialistengesetz gefallen und nun keine Schonung mehr— fort init ihr. Und was geschieht? In der „Freisinnigen Zeitung" erscheinen nach dem Erlöschen des Sozialistengesetzes eine Reihe von Artikeln, die die„Irr- lehren der Sozialdemokratie" zum Inhalt haben. Und da diese Artikel ihrem Verfasser und seinen Gesinnungs- genossen außerordentlich gefallen, überarbeitet er sie und läßt sie in einer Brochüre erscheinen. Dem armen Verfasser der Artikel ist es nicht gut ergangen und er erzählt uns mit der Miene der ge- kränkten Unschuld, daß die sozialdemokratischen Zeitungen ihn mit allerhand üblen Ehrentiteln begabten, wie „Narr, krasser Ignorant, Petrefakt, Museum für Anti- quitäten" u. f. w. Herr Richter aber weiß sich zu helfen, er sagt nämlich, daß diese Worte nicht nur die Hilf- losigkeit, nein„die jämmerliche Hilflosigkeit" der Sozialdemokratie beweisen. Nachdem die„Tribüne" in der vorigen Nummer das Richter'sche Hauptargument— die Armuth bei sozialistischer Organisation— vermöbelte, ist es vielleicht, um weitere Belege unserer„jämmerlichen Hilflosigkeit" Herrn Richter gegenüber zu erbringen, nicht unangebracht, einen kleinen Spaziergang durch die übrigen Pfade des großen Jrrlehrengartens anzutreten und da und dort eine der schönsten Früchte zu bewundern— nur im Vorübergehen. Der gestrenge Richter der Sozialdemokratie räumt gnädigen Sinnes ein, daß Arbeit die Quelle des Reichthums ist, genau das, was die Sozialdemokratie in ihrem Programm behauptet, setzt aber hinzu:„Nicht jede Arbeit schafft Reichthum und nicht die Arbeit allein bedingt die Produktivität." Und wohin zielt diese erläuternde Anmerkung? Natürlich auf das Unternehmerthum. Sie behaupten nämlich, daß es Sache des Unternehmers sei, die Arbeit nach dem Gebrauchsbedürfnisfe des Publikums einzurichten, und schieben uns dabei unter, wir verschwiegen diese That- fache, weil wir den Unternehmergewinir als Ausbeutung darstellen. Wir sollen gar die Thoren sein, die meinen, die Arbeit als Reichthum erzeugende Kraft könne einer planmäßigen Leitung entbehren. Sicher nicht. In dem von Ihnen angeführten Satze unseres Programms heißt es ja doch klar und deutlich,„allgemein nützliche Arbeit ist nur durch die Gesellschaft möglich, da haben Sie die offene Anerkennung, daß es einer Organisation der Produktion bedarf, um sie allgemein nützlich zu machen. Wir leugnen durchaus nicht, daß „falsch geleitete" Arbeit große Verluste schafft. Im Gegentheil, wir weisen ja täglich darauf hin, daß unsere kapitalistische Produktionsweise, die diese Leitung der Arbeit einzelnen Unternehmern zuweist, eine Vernunft- widrige ist, weil diese einzelnen Unternehmer die ganze Produktion zu überschauen garnicht im Stande sind, weil die einzelnen Unternehmer derselben Industrie sich hemmend und störend begegnen. Nur wenn die Produktion von einem Unternehmer, in diesem Falle von der Ge- sellschaft geleitet wird, dann ist Gewähr gegeben, daß die Arbeit richtig geleitet, richtig organisirt wird und keine Verluste entstehen. Sie sehen, Herr Richter, Ihr Hieb ist abgeprallt, Sie wollten hinterrücks die absolute Nothwendigkeit der Privatwirthschaft und des Privat- Unternehmerthums beweisen, diese Nothwendigkeit in die Diskussion hineinschmuggeln und haben nur bewiesen, daß die Sozialdemokratie Recht hat, wenn sie behauptet, durch falsch geleitete Arbeit können ungeheure Verluste entstehen. Die Erläuterung des zweiten� Theiles Ihrer oben genannten Behauptung ist noch besser. Nicht die Arbeit allein ist die Quelle alles Reichthums, nein,„es sind auch von Wirksamkeit die Naturkräfte und Arbeitsmittel, wie Werkzeuge, Maschinen, Rohstoffe, Hilfs- stoffe und Norräthe für den Unterhalt des Arbeiters." Aber die Naturkräfte müssen doch von uns angewandt werden. Wodurch? Doch wieder durch jene Arbeit, welche alle Werthe erzeugt. Und dann die Hilfs- mittel. Begreisen Sie denn nicht, daß alle diese Hilfs- mittel wieder Produkte sind, durch Arbeit erzeugt? Und die Vorräthe,. die die Arbeiter brauchen bis zur Her- stellung neuer Produkte, sind doch auch wieder nichts als durch Arbeit erzeugte Werthe.—... Schon im nächsten Satz geht Herr Richter zur Er- klärung des Kapitals über und wieder im nächsten sagt er, daß die Behauptung:„In der heutigen Gesell- schaft sind die Arbeitsmittel Monopol der Kapi- talistenklasse" unwahr sei. Sie sind ein Tausendsassa, Herr Richter, wahrhaft bewunderungswürdig ist es, wie schnell(Sie große Probleme entscheidender Geschichts- Perioden beurtheilen. Nun, wenn Sie auch Lassalle und Marx in der Richtigkeit nicht über sind, in der Fixigkeit sind Sie, ein ächter Unkel Bräsig, ihnen gewiß über. Also die heutige Gesellschaft scheidet sich nicht in eine„Kapitalistenklasse und eine„Ar- beiterklasse" Und warum nicht? Weil es wenig Arbeiter giebt, die nicht auch Arbeitsmittel besäßen. Die Näherin, die eine Nähmaschine besitzt, der Tischler, der einen Hobel sein eigen nennt, der Schrift- steller, der mit eigenem Papier, mit eigenem Federhalter arbeitet, sie sind nach Richters Wort alle vollgiltige Kapitalisten.— Und Klassenkämpfe? Unsinn, fast alle Glieder der Gesellschaft sind ja Kapitalisten. Haben Sie also entgegengesetzte, materielle Interessen? Nein. Reiche mir die Hand, Bruder Kapitalist, wir haben so lange gekämpft, aber jetzt wollen wir uns versöhnen. Eugen Richter hats gesagt. „Allerdings bestehen Unterschiede in dem Umfang des Besitzes von Arbeitsmitteln oder Kapital." Also wirklich? Aber giebt es eine Abhängigkeit der minder großen Kapitalisten von den großen? Durch- aus nicht.„Die Abhängigkeit ist eine Wechsel- seit ige". Der ganze unjere Zeit füllende Kampf der besitz- losen Klassen gegen die besitzenden ist mit einem Schlage ausgelöscht, der soziale Kampf unserer Zeit, der der Inhalt unserer Geschichte ist, dieser Kampf sinkt bei Herrn Eugen Richter zu einer Zänkerei herab, die zwei Brüder einmal aus böser Laune aufführen, bei dem bald der eine, bald der andere gewinnt. Das heißt frei- sinnige Geschichtsauffassung. Und diese Auffassung ist es auch, die Herrn Richter dazu treibt, den wunderbaren Satz niederzuschreiben (S. 8):„Wenn aber die sozialdemokratische Weltordnung überhaupt möglich und besser wäre als die heutige, so müßte man geradezu fordern, daß sie mit einem Schlage ins Leben trete. Denn das allmälige Uebergangsverhältniß wäre gerade das allerverderblich sie." Wissen Sie, Herr Richter, so klein Sie in Ihrer Geschichtsauffassung sind, so gigantisch sind Sie in Ihren Forderungen. Daß Sie glauben, die Sozialdemokratie wolle eine neue Weltordnung einführen, ist ja für uns sehr schmeichelhaft; wir wären schon zufrieden, wenn sich die Gesellschaftsordnung der Kulturländer auf der Erde ändert, die Wüste Sahara und noch manches andere gute Stück Erde lassen wir vorläufig bescheidentlich bei Seite, man muß nicht zuviel verlangen. Sie indessen — das blanke Richtschwert auf den Knieen— fordern von uns Armen außerdem, daß diese Aenderung mit einem Schlage geschehe. Ebenso können Sie verlangen, daß ein Embryo von vier Monaten zur Welt käme. Vielleicht wissen Sie, daß die zu früh geborenen Kinder sterben. Jedes neue Wesen will reifen, und wenn der Embryo neun Monate alt ist, dann sprengt er seine Hülle und kommt zur Welt. Die Abschaffung der Zunft- organisation in Frankreich dauerte 175 Jahre. In den ötats gönöraux von 1614 wurde bereits der erste An- trag gestellt und erst in der Nacht vom 4. bis zum 5. August 1789 wurde dekretirt, die Zunftorganisationen überall aufzuheben. Also, Herr Nichter, Ihren gigan- tischen Forderungen, bedauern wir, voraussichtlich nicht entsprechen zu können, meinen indeß, daß wir auch, ohne ihnen zu entsprechen, ans Ziel gelangen werden.—... Setzen wir unseren Spaziergang fort. Auf S. 13 sagen Sie:„Die Gehilfen, Tagelöhner und Lohn- arbeiter sind zu einem großen Theile im Besitz von Sparkassenguthaben und sonstigen Werth- papieren.— In Preußen kamen durchschnittlich auf die Sparkasseneinlage 1886 552 Mark, das i st auf den Kopf der Gesammtbevölkerung 86,50 Mark. Herr Richter, Sie scheinen mir ein sehr gutmüthiger Mensch zu sein. Sie denken, da es nun doch eine ganze Menge von preußischen Bürgern giebt, die kein s>par- kassenbuch besitzen, so berechne man zum Trost derselben, wieviel von den gesammten Sparkasseneinlagen auf den Kopf der Gesammtbevölkerung entfällt.— Wie reich sich jetzt alle Armen und Aermsten vorkommen werden! Aber Ihre Gutmüthigkeit wird übertrumpft von der Sicherheit, mit der Sie Behauptungen aufstellen. In der„Zeit- schrift des Kgl. Preuß. Stat. Bureaus"*) findet sich fol- gender Satz: „Was den Zuwachs der größeren Konten betrifft. so ist es unter Kundigen ziemlich ausgemachte Thatsache, daß hier in den letzten Jahren bei dem Zugange an Sparkassenbüchern zahlreiche wohlhabende Personen und Korporationen betheiligt sind; ebenso sind es zweifellos häufig gerade diese Bücher, welche eine bedeutende Zu- nähme des Einlagebestandes der Kasse bewirken." Nun, und wie groß ist der Antheil der größeren Konten, sagen wir der Konten von 300 Mark und darüber? Dr. Bruno Schönlank berechnet ihn**) auf 88,38 pCt. Halten Sie es selbst bei allem freisinnigen Optimismus für möglich, daß Arbeiter mit einem Ein- kommen von 600, 700 Mark jährlich ein Sparkassenbuch, lautend auf 300 Mark und darüber, besitzen, Arbeiter, deren Existenz unsicher ist, die in jedem Jahre Pausen haben, in denen die mühsam gemachten Ersparnisse sofort aufgezehrt werden? Schönlank geht in seiner Arbeit mit Recht viel weiter, er behauptet***), daß das durch- *) 29. Jahrgang 1889, I. Halbjahr. **} Neue Zeit, Stuttgart 1889, Siebenter Jahrgang, S. 409. ***) S. 404. schnittliche Guthaben der kleinen Sparer 30 Mark wäre, I giebt es nun verschiedene Grade der bakterientödtenden Es ist nur eine natürliche Entwickelung der Dinge, daß nur die unterste Kontenklasse bis 60 Mark als Be- Kraft, welche bedingen, daß zwar einige der Eindring- wenn, wie es heißt, die deutsche Reichsregierung beabsichsigthum von Arbeitern zu rechnen wäre. Dann aber linge zu Grunde gehen, während inzwischen die übrigen tigt, ein großes bakteriologisches Institut zu gründen, um gehörte Arbeitern im Jahre 1886 nur 1,61 pt. des sich die umgebende Körperstelle nach ihren Bedürfnissen daselbst nicht nur die Ursachen der Krankheiten erforschen gesammten Sparkassenguthabens an. Und Sie, Herr umformen, soweit bis eine Entwicklung der Bakterien an zu lassen, sondern auch das Mittel zu deren Heilung Richter, behaupten rund und klar:„ Der bei weitem dieser Stelle möglich ist. Mit dieser Entwicklung hat ausfindig zu machen. Zu solchen Ausgaben werden größte Theil der Sparkasseneinlagen gehörte die Krankheit ihren Anfang genommen. Von diesem die Arbeiter leichter zu haben sein, als für Krupp'sche einfachen Arbeitern. Milliarden von Erspar- Augenblick an vermehren sich die Bakterien und sondern Kanonen, Panzerschiffe und rauchloses Pulver, zumal nissen sind bei Vorschußvereinen, Volksbanken, allerhand für den Körper giftige Stoffe ab, welche Ent- wenn was bei weiterer Fortentwickelung ja unausKonsumvereinen oder in Staats- und Kom- zündung, Fieber 2c. erzeugen und welche der Körper bleiblich- die Abgabe der Heilstoffe von Staatswegen munal papieren und selbst in Aktien angelegt."-durch die Nieren auszuscheiden, in der Leber, im Blut unentgeltlich an Jedermann erfolgen wird. Wie lange Und bei allen diesen großen Milliardenvermögen und bei und in den Körpergeweben zu verbrennen sucht. Nun noch wird es dauern, und die Apotheken, welche so all' den Zinsen, welche von den Arbeitern nach Eugen kommt alles darauf an, wer von beiden Gegnern stärker manchen schönen Arbeitergroschen für oft unbrauchbare, Richter bezogen werden müssen, haben doch 8 261 810, ist, der Mensch, welcher seine Zellen aus den Blutgefäßen nicht selten gar schädliche Arzneien eingetauscht haben, mit ihren Angehörigen 22 227 983, Personen ein Ein- schickt, um die Bakterien zu fressen, oder die Bakterien, werden von der Bildfläche verschwunden sein, und auch kommen unter 900 Mark jährlich. welche Stoffe absondern, um diesen Vorgang zu ver- die Herren Doktoren, welche heute gezwungen sind, in Sie sind ein grandioser Rechenkunstier, Herr Rich- hüten. schnödem Privatinteresse ihre Patienten oft unter den ter, auf S. 13 berechnen Sie das Vermögen der Arbeiter Ist die Krankheit gutartig, so gewinnen die Körper- ungünstigsten hygienischen Bedingungen, ohne jede Ausnach Milliarden, und auf S. 15 stellen Sie das Gesammtzellen die Oberhand, in anderen Fällen unterliegen sie, sicht auf Erfolg, zu behandeln, werden dann als uneinfommen aller Bürger des preußischen Staates so und der Mensch würde unzweifelhaft zu Grunde gehen, interessirte Diener der Gesellschaft in den großen staatniedrig dar, als es Ihnen uur immerhin möglich ist. wenn nicht glücklicherweise in dem Maße wie die Batlichen Heilinſtituten allen Leidenden ihre Hilfe angeJe nachdem es gilt, den Arbeiter mit der heutigen Ge- terien und ihre Gifte sich vermehren, auch die Fähigkeit deihen lassen. Nicht im Jahre 2000, sondern wahrsellschaft auszusöhnen oder ihn von der sozialistischen ab- der menschlichen Körpersäfte, die Bakterien zu tödten, scheinlich schon vor 1900 wird dieses Zukunfsbild zuschrecken, machen Sie Sonnenschein und Regen, lassen zunähme. wenigstens in Erfüllung gegangen sein. Das ist's ja, lockende Reichthümer entstehen und verschwinden, Herr Richter. Die Koch'sche Heilmethode. Die Batterien bereiten sich auf diese Weise selbst was unsern Glauben so start, unser Hoffen so freudig, ihr Grab; die Stoffe, die sie absondern, ändern die unsere Ueberzeugung so fest macht: jeder Schritt, den chemische Zusammensetzung der Körperzellen so, daß die die Wissenschaft vorwärts thut in das Reich des bisher von denselben abgesonderten Säfte ein immer mehr und noch Unerforschten, führt uns sichtlich unserm Ziele näher; mehr für Batterien ungeeigneter Nährboden werden, sie ist unser mächtiger Bundesgenosse, mag fie auf natioab. Acht Tage sind verflossen, seit Robert Koch d. H. die bakterientödtende Kraft der Körpersäfte wird mit nalökonomischem Gebiete die Gesetze der menschlichen Geseine Untersuchungen über ein Heilmittel gegen Tuber- jedem Krankheitstage größer. Von nun ab beginnt die sellschaft ergründen, in der Naturwissenschaft die Ertulose" in der ,, Deutschen Medizinischen Wochenschrift" Krankheit abzunehmen; die Bakterien können sich nicht rungenschaften der Physik und Chemie für die Technik veröffentlicht hat. Noch gehen die Wogen der Erregung, mehr so enorm vermehren, ihre giftigen Absonderungen verwerthen oder als Heilwissenschaft sich in den Dienſt welche sich der gesammten zivilisirten Welt bemächtigt verringern sich und der Körper gelangt nun auch wieder der leidenden Menschheit stellen. Und nur in ihrem hat, so hoch, daß es unmöglich ist, aus den überschwäng- in den Besitz seiner ihm inzwischen abhanden gekommenen Beichen werden wir siegen! lichen Berichten, von denen die medizinischen Zeitschriften Waffe: seine Freßzellen"( Phagocyten) fönnen wieder ebenso wie die Tagesblätter erfüllt sind, mit kühler Ruhe in Wirksamkeit treten und die Krankheit beenden. und unbefangenem Blicke das thatsächlich Feststehende Nun kommt aber noch eine sehr eigenthümliche Erherauszusondern und die ganze Tragweite dieser groß scheinung nach beendeter Krankheit bleibt dem Körper Vor einiger Zeit brachte ein amerikanisches Bourgeoisartigen Entdeckung für die Entwicklung der Medizin meist die während derselben erlangte bakterientödtende sowie für die Geschicke der Menschheit ihrem vollen Kraft seiner Körpersäfte erhalten, und wenn später ein- blatt, die„ Ill. Stsztg." einen Artikel über die AusUmfange nach richtig zu würdigen. Soviel scheint jeden- mal derselbe Bazillus denselben Menschen anfällt", so kann breitung des Sozialismus im deutschen Heere. Sie sprach falls festzustehen, daß es dem großen Berliner Gelehrten sich die Krankheit überhaupt nicht entwickeln, der Mensch ist, sich selbst Muth zu und meinte, so schlimm wie viele gelungen ist, eine Substanz darzustellen, welche, in den wie man sagt, gegen eine zweite derartige Krankheit auf Blätter es machen, sei die Sache doch nicht." Der ArKörper des gesunden Menschen eingeführt, so gut wie lange Zeit immun", d. i. geschützt. So erklärt es sich, tikel schloß mit den Worten: " Die drei Jahre bei der Fahne heilen sie von allen wirkungslos ist, während dieselbe tuberkulöses Gewebe daß, mit wenig Ausnahmen, der Mensch nur einmal mag dies nun in den Lungen, den Knochen, dem von den Pocken, Masern, Scharlach, Syphilis c. be- sozialdemokratischen Ideen, falls sie bei ihrer Einkleidung Kehlkopf oder in der Haut des Menschen befindlich sein fallen werden kann; auf gleiche Weise erklärt sich die etwa solche hegten, und so wird es auch wohl noch lange in allerkürzester Zeit vernichtet; die nicht tuberkulös sogenannte Schußimpfung, wie sie z. B. bei den Pocken Zeit im deutschen Heere bleiben, mögen sich die Umstürzler erkrankten Organe desselben Individuums verändern sich vorgenommen wird. auch noch so große Mühe geben, Fühlung mit demselben und viele andere " Der Sozialismus im deutschen Heere. unter dem Einflusse des Mittels nicht im geringsten. Diese höchst phantastisch erscheinenden Vorstel zu gewinnen." Dem Blatte wird darauf von berufener Seite, d. h. Diese scheinbar zauberhafte Wirkung ist für den, welcher ungen sind nun aber nicht, wie man vermuthen die Entwicklung der medizinischen Wissenschaft in den könnte, reine Phantasiegebilde, sondern sind gegrün- von Jemand, der es praktisch mitgemacht hat, folgenderlegten Jahren genauer verfolgt hat, keineswegs so räthsel- det auf eine große Zahl zum Theil sehr fein- maßen ein Licht aufgesteckt und zwar in der„ Ill. Stsztg." haft, als es auf den ersten Blick scheint; und wir wollen sinniger Experimente, welche deutsche, französische, italie- selbst. Nach diesem Schlußsaz, schreibt der Einsender, daher unsern Lesern, um ihnen nicht nur die Wirkungs- nische und russische Forscher, besonders in den letzten weise des seiner Zusammensetzung nach noch unbekannten 3 Jahren angestellt haben. Versuche, welche, um nur Emil Dierenfeldt, ehemals Obergefreiter im Fuß- ArtillerieKoch'schen Mittels, sondern auch die ganze Ideenrichtung, eins anzuführen, auch dargethan haben, daß die Immu- Regiment Nr. 11, scheint ihr Berichterstatter auch nicht von der die Untersuchungen dieses Forschers geleitet nität, d. h. der Schutz gegen eine Jufektionskrankheit viel Fühlung mit dem deutschen Heere, wenigstens soweit wurden, klar zu machen, in furzen Grundzügen aus erzielt werden kann, nicht nur durch das voraufgegangene es die Gemeinen betrifft, zu haben, und erlaube ich mir, einandersezen, zu welcher Auffassung des Wesens und Ueberstehen der gleichen Krankheit, sondern daß es ge- Ihnen in Folgendem meine während meiner Dienstzeit im der Ursachen der Krankheiten, insbesondere der soge- nügt, einem Thiere die Säfte einzusprigen, welche eine preußischen Heere von 1886-1888 darüber gewonnenen nannten Infektionskrankheiten, die moderne Medizin in Sorte Bacillen abgesondert hat, um dasselbe für fürzere Ansichten mitzutheilen. der allerneuesten Zeit gelangt ist. oder längere Zeit immun gegen diese eine Art Bacillen Diese gipfeln darin, daß die Armee mit ihrer jezigen Behandlung der Soldaten eine Pflanzstätte der SozialMan weiß seit etwa 10 bis 15 Jahren, daß ein zu machen. großer Theil aller Krankheiten, namentlich alle die wichtigen Und so scheint denn auch das Koch'sche Mittel demokratie genannt werden könnte. Denn, wie richtig und verheerenden Seuchen, welche das Menschengeschlecht gegen die Tuberkulose ein von den Tuberkelbazillen gesagt, der größte Theil der Rekruten kommt ohne eine bedrohen- Bocken, Cholera, Typhus, Diphteritis, selbst bereiteter Saft, in irgend einer besonderen Ahnung von Sozialdemokratie zum Militär, und recht Schwindsucht( Tuberkulose), Syphilis, Masern, Scharlach Weise modifizirt oder abgeschwächt", zu sein, der, in wenig Sozialdemokraten sind darunter, aber wenige der durch mikroskopisch kleine Pilze, den menschlichen Körper gebracht, an den Stellen, wo entlassenen Reservisten gehen nach Hause, ohne mit den Bazillen oder Bakterien, verursacht werden, welche durch sich schon tuberkulöses Gewebe befindet, eine heftige ent- Lehren der Sozialdemokratie etwas bekannt geworden zu sein. Von der Behandlung der Soldaten brachten Sie in die Haut, den Darmkanal oder die Lungen in den zündliche Reaktion und das Austreten zahlreicher Freßmenschlichen Körper gelangen. Für gewöhnlich ist der zellen veranlaßt, welche in furzer Zeit das oft jahrelang Ihrer geschäßten Zeitung ja schon manche Probe, und Körper geschützt: auf der Haut durch die fest zusammen bestehende tuberkulöse Gewebe zur schnellen eitrigen so will ich keine Fälle anführen, obgleich ich im Stande Wir werden, wäre, Ihnen Namen und Daten von Vorkommnissen zu hängende Decke der verhornten Oberhaut, im Darm und Schmelzung und Vernichtung bringen. in den Lungen, auf deren Schleimhaut beständig zahlreiche nachdem Koch die Zusammenseßung seines Mittels vergeben, die man als Verbrechen bezeichnen müßte, und nur Batterien als mehr oder weniger willkommene Schmaroßer öffentlicht hat, unsern Lesern noch eine genauere Auf- bemerken, daß ja Schlagen mit Seitengewehr, Stöcken, leben, durch besondere Zellen, welche die etwa eindrin- klärung über dessen Wirkungsweise geben; für heute Anlauffnüppeln, Stoßen mit dem Kolben, das Kneifen genden Bakterien verschlingen, auffressen und so unschädlich wollen wir nur noch einige Fragen allgemeineren Inhalts, beim Turnen an der Tagesordnung sind. Die von ihrem Berichterstatter angeführten Reize machen. Kommt mun ein giftiger Bazillus etwa durch welche sich an die Kochsche Entdeckung knüpfen, mit der Kameradschaftlichkeit bestehen für Viele auch leider eine Hautwunde in unser Blut, oder sind durch irgend wenigen Worten berühren. einen besonderen Umstand- sagen wir Erkältung, Ueber- Es unterliegt feinem Zweifet, daß nicht nur die nur in Korporalschaftsprügeln, d. h. Jemand, der nach anstrengung, Entkräftung, Schreck die an den inneren theoretische, sondern auch die ausübende praktische Medicin Ansicht des Korporalschaftsführers etwas begangen hat, Schleimhäuten poſtirten Zellen nicht im Stande, die durch die Aufschlüsse, welche uns die moderne Wissen wird von seinen Kameraden unter Befehl oder auch MitEindringlinge unschädlich zu machen, so entwickelt sich schaft und ihr jüngstes und glänzendstes Ergebniß, die hilfe des Unteroffiziers durchgeprügelt. Wenn dann die Soldaten so gemißhandelt, abgeheßt, ein sehr eigenthümlicher Kampf zwischen dem Men- Kochsche Heilmethode giebt, binnen wenigen Jahren übermüdet, mißmuthig und in Verzweiflung ins Quartier schen und den Pilzen, ein Kampf, in welchem dem von Grund aus umgestaltet sein wird. Nicht Menschen zwei Waffen zu Gebote stehen, erstens die mehr in den Mörsern und Krufen der Apotheker wird kommen, dann stellt sich freilich kein Sozialdemokrat auf bakterientödtende Kraft, welche seine Säfte entwickeln, man Stoffe zusammenbrauen und ihre Wirkung an den den Tisch und redet über Menschenrechte( wie Ihr Herr und zweitens die Fähigkeit, an der Stelle, wo die Körpern franker Menschen ausprobiren; in batterio- Berichterstatter anzunehmen scheint), aber im Stillen Bakterien sich ansammeln, Zellen aus den Blutgefäßen logischen Laboratorien wird man in Reagenzgläsern und wird geflüstert, und jedes Wort, jede Silbe fällt dann heraustreten zu lassen, welche die Batterien fressen und Thierkörpern die Bacillen solche Stoffe bereiten lassen, auf den denkbar fruchtbarsten Boden, und der dumme Landrekrut( welcher ich als Hinterpommer auch war), dadurch vernichten. Aber auch die Bakterien haben eine welche den in den menschlichen Organismus eingedrungenen der vordem sich bei den Namen Bebel, Liebknecht u. s. w. mächtige Waffe, das ist ihre Fähigkeit, diese fressenden Bazillen den Garaus machen; auf der sicheren Basis des Zellen zu lähmen, unschädlich zu machen, ihren Austritt Thierexperiments wird man Schritt für Schritt weiter befreuzte, kommt dann doch oft zu der Einsicht, daß diese gehen und das Menschengeschlecht von einer Seuche nach kleine Nachhilfe und Anregung im Zivilleben, und ein fixer Leute doch wohl ein Bischen Recht haben; und eine aus den Blutgefäßen zu hindern. Die bakterientödtende Kraft der menschlichen Körper- der andern befreien. Sozialdemokrat ist fertig. säfte ist nun für die verschiedenen Bakterien sehr ver- Kein Zufall ist es, daß alle diese Versuche, auf Und darum immer weiter auf der beschrittenen Bahn schieden. Ist sie sehr groß, so können sich die Bakterien welche die moderne Medizin so stolz ist, in staatlichen im deutschen Heere; je schlechter die Soldaten behandelt gar nicht entwickeln, der Mensch ist kein geeigneter Instituten und mit staatlichen Mitteln angestellt sind: werden, desto sicherer mehrt sich die Sozialdemokratie, Nährboden" für sie, es entsteht keine Krankheit. Ist die nur der Staat, die organisirte Gesellschaft, kann ein solches wie ja die Wahlen zeigten und auch ferner zeigen werden. bakterientödtende Kraft der Körpersäfte gering, so ent- Interesse an der Erforschung und Vernichtung der Krankwickeln sich die Bakterien schnell und es kann in wenigen heiten hegen und dasselbe durch die erforderlichen großen Stunden zum Tode kommen( Blutvergiftung). Dazwischen Geldmittel bethätigen. Berantwortlicher Redakteur: Conrad Schmidt, Berlin.- Berleger und Druder: Maurer, Werner, Dimmick, sämmtlich in Berlin SO., Elisabeth- Ufer 55. Ub Du ta ltr bi ift 21 18 an zu S bis m fto de Fi fei w th V V be ru th tö be m fo D A P n b b et n P g f ย e S