Berliner Volks- Tribüne = Sozial- Politisches Wochenblatt. Die„ Berliner Dolks Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnementspreis für Berlin monatlich 50 Pf. pränumerando( frei in's Haus). Einzelne Nummer 15 Pf. Durch jede Post- Anstalt Deutschlands zu beziehen.( Preis viertelj. 1 mr. 50 pf.) № 50. Gedicht.- Novelle. Die Bourgeoisie und die Contre- Revolution. Pfui, welche Verhebung. Sieg! Wie's gemacht wird. Die Rücksichtslosigkeit des Kapitals gegen die Arbeiter. Redaktion und Expedition: SO.( 26), Elisabeth- fer 55. Ausgabe für Spediteure: ,, Volksblatt", Beuthstr. 3. -Inserate werden die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 20 Pf. berechnet Vereins- Anzeigen: 15 Pf. Arbeitsmarkt: 10 Pf. Inseraten- Annahme in der Expedition: Elisabeth- Ufer 55. Die ,, Berl. Volfs- Tribüne" ist unter Nr. 893 der Zeitungs- Preisliste eingetragen Sonnabend, den 13. Dezember 1890. 17 I. IV. Jahrgang. Aus der Woche. Zur sozialen Lage der entfallen. Der Präsident ist natürlich mehr werth, er zu thun, er hat beständig für sich arbeiten lassen und Handlungsgehilfen. Die Sozialdemokratie besigt eine Dienstwohnung, damit er nicht als Chambre- nichts gethan, als die irische Revolution zu exploitiren. und die Gebildeten unserer Tage. Mal- garnist zu wohnen braucht. Für diese und für einen So einem feigen Maulhelden ist es schon recht, daß er thus! Konservative Unverschämtheit. Diener werden jährlich 20000 Mark ausgeworfen. Jüngst auf diese Weise abgemacht wird. Kraft- und Saftsprüche von Dr. Martin Luther, sagte ein Fremder zu uns:„ Dieses deutsche Reich ist dem Volksmann. doch ein eigenthümliches Wesen. Jeden seiner Schreiber bezahlt es und jeden Schreiber seiner Schreiber. Seine Bur sozialen Lage der Handlungsgehilfen.') obersten Gesetzgeber aber läßt es leer ausgehen." Freund," sagte ich zu ihm, Sie scheinen wirklich ein Fremder zu sein und ein Sozialdemokrat obendrein. Das geht nicht. Bei uns werden die Gefeße von den Satten leute antreiben muß, das Gehalt ihres Hilfspersonals für die Satten gemacht. Wo fämen wir da hin? Da niedrig zu halten und alle sonstigen Aequivalente für hätten wir ja im Handumdrehen eine ganze Menge dessen Dienste also etwa die gewährte Wohnung, Hungerkandidaten im Reichstag. Und dann. Wir haben Nahrung u. s. w. möglichst billig herzustellen, bedarf zwar ein Budget von weit über einer Milliarde, aber feines Beweises. Nicht so ohne weiteres klar ist dagegen -se- Jm Offenburger Zentrumsblatt läßt sich der eine Million mehr können wir unter keiner Bedingung das Interesse des Kaufmanns, speziell des Detaillisten, Chefredakteur Wacker folgendermaßen vernehmen:" Wenn zahlen. So viel ungefähr würde es fosten, wenn wir an langer Arbeitszeit und Sonntagsarbeit seines Perirgend etwas dazu angethan ist, die Zahl der Diebstähle jedem Abgeordneten auch nur 15 Mart Diäten pro Tag sonals. Aus der Woche. Die Behauptung, daß der Egoismus die Geschäftszu vergrößern, so ist es das Umsichgreifen der sozial- geben wollten." Und ich entfernte mich, stolz wie Putt- Denkt man sich, daß alle Läden gleich lange offen demokratischen Lehren." Der wackere Herr scheint ein famer. sind, so ist meist gar nicht ersichtlich, inwiefern eine Freund von Epigrammen zu sein. Um ihm eine Freude Nichts dauert ewig, auch der Edelste der Nation längere Geschäftsthätigkeit dazu beitragen soll, den Gezu machen, sezen wir zwei hierher: 1. Bei den ultra- wird schäbig. Der eine erschießt sich, der andere prügelt winn zu vergrößern. Die Bedürfnisse des Publikums montanen Journalisten beginnen die Hundstage mit Ein- sich mit Raubgeborenen, spaziert ins Loch und verdirbt sind gegeben; sie werden; mit ganz geringen Ausnahmen tritt des Winters. 2. Die Zahl der unehelichen Kinder sich an der Gefangenenkost schon die ersten vierzehn Tage nicht größer, weil man ihm mehr Zeit zum Einkauf in feinen gräflichen Magen, in Dritter greift zum Schwindel. den Läden läßt. Die Kunden beschaffen sich die bedurften steigt mit der Zahl der Pfarrersföchinnen. Auf welche Weise im Reiche der Gottesfurcht Aus Wien kommt die Stunde von der Verhaftung des Güter bei beschränkter Verkaufszeit einfach innerhalb und frommen Sitte Mehrwerthe zu Stande kommen, hat Grafen von Sickingen. Sein Ahnherr focht mit üürich fürzerer Zeit als sonst, wenn sie wissen, daß später nichts jüngst der Generaldirektor einer der größten Montan- von Hutten gegen Pfaffenherrschaft für Geistesfreiheit, mehr zu haben ist. Aehnlich verhält es sich in der Mehrgesellschaften mit zynischer Offenheit bekannt. Er sagte, er lodte einer Frau 15 000 Gulden heraus und gab ihr zahl der Fälle mit der Sonntagsarbeit. Wenn jeder die Preisfestsetzungen des größten Eisenringes, des Walz- als Sicherheit die Versicherung, er werde in kurzer Zeit Konsument im Voraus weiß, daß am Sonntag Nichts werkverbandes, seien nur nominelle, d. h. erlogene gewesen; Fürst von Bulgarien werden. Vor zwei Jahren jagte erhältlich ist, so wird er seine Wünsche eben schon vorerlogen natürlich zu dem Zwecke der Kurstreiberei. Ein der Herr Graf noch Löwen und Elephanten in Afrika, her befriedigen. Ein ganz anderes Gesicht zeigt die Sache, sobald bürgerliches Blatt bemerkt dazu:" as solche Vereini- Der gungen ersten Ranges thun, ohne es auch nur zu belegt hat er ausgesportet für alle Zeiten. schönigen, das thun ihnen hundert Jobber großen und gewinne zusammen und rühmen sich dessen noch." Die Brüder scheinen einander ja sehr gut zu kennen! - Die bürgerlichen Zeitungsschreiber erlebten in zu auch bloß einige Geschäftsleute ihre Läden länger offen War da ein Vizewachtmeister und der hieß Curt halten als die andern. Dann ist das Publikum nicht fleinen Kalibers nach; sie lügen sich täglich ihre Kurs Abel. Und der sah wie die Leute in den Ferieu- mehr gezwungen, seine Einkäufe in bestimmten Stunden kolonien" geprügelt wurden, sagte es aber nicht seinen Vorgesezten, sondern schrieb es sein sauber auf in Geſtalt 3 besorgen; jene Läden mit langer Arbeitszeit werden Vorgesetzten, sondern schrieb es sein sauber auf in Gestalt daher eben deshalb gern frequentirt werden, und die aneines Tagebuches und gab es dem ganzen deutschen Volke deren Geschäfte werden darunter leiden, bis auch sie der vergangenen Woche einen bösen Tag. Von höchster zu lesen. Das war eine Sünde und ein Frevel an der ihren Kunden die gleiche Annehmlichkeit gewähren. Es Gerechtigkeitsliebe der Vorgesezten. Die Strafe ist ja ist schon vorgekommen, daß in einem Orte auf diese und Hungerkandidaten. Dieses Lob that ihnen natürlich nicht so arg; 14 Tage Arrest und Punktum. Einen Weise ein einziger Detaillist alle Kollegen derselben Der Branche zur späteren Schließung ihrer Geschäfte nöthigte. furchtbar weh, und sie gestatteten sich, natürlich in ge hatte verlernt was Subordination sei. Man gab ihm ziemender Weise, die Rückäußerung, das sei nun nicht so drei Jahre Zeit, das Vergessene nachzuholen. Wir haben hiermit den typischen Hergang, wie er für die allgemeinen Verhältnisse gilt, charakterisirt. ganz richtig, unter ihnen gebe es Leute, die ein größeres Am Montag versammelten sich in Wien die In gewissen andern Fällen aber werden durch die UeberEinkommen hätten, denn ein Minister. Nur einer meinte etwas weniger schüchtern:" So, jetzt haben wir unser Antisemiten zu einem Sterbeeſſen. Aus Deutschland arbeit in der Woche und vielleicht mehr noch durch Attest auch weg, und Johann Hoff, der Malzbierfabri- machte der ungepöckelte Dr. Pöckel das Kraut fett, neben einige Stunden Sonntagsarbeit die materiellen Interessen fant, kann uns nicht mehr über die Achsel ansehen." Wir bei hielt er die Leichenrede. Der Todte aber war das der gesammten Kaufmannschaft eines Ortes in der That beglückwünschen das Bürgerthum zu seiner öffentlichen einzige Organ der österreichischen Judenfresser, das gefördert werden. So kommen gewisse Schichten der „ Deutsche Volksblatt". Möge den Kindern Israels sein Landbevölkerung in manche Städte nur am Sonntag, Meinung. I um dort die für die Woche nothwendigen Einkäufe zu Russische Blätter bringen ein Aftenstück aus dem Hinscheiden nicht allzu schwer fallen. In Paris wurde ein Bernhardiner Hund um machen. Hier müssen daher die Geschäfte wenigstens preußischen Justizminsterium vom 7. Juli 1802, aus dem hervorgeht, daß Preußen damals seine Kapitalverbrecher 52 000 Franks gekauft. Da ist es nur natürlich, daß einige Stunden offen sein, da sonst zu besorgen ist, daß durch gnädige Vermittlung des russischen Herrschers nach die Herren Kapitalisten kein Geld für ihre Arbeiter haben. die Bauern im Laufe der Wache von den Hausirern das Sibirien in die Bergwerke deportiren ließ. Von dem Mögen sie darben und hungern, warum sind sie auch Bedurfte entnehmen werden. In anderen Fällen be kommen die Arbeiter erst Sonnabend Abend oder gar Dokument scheint Bismard während seiner Regierung feine Hunde geworden. Die irische Partei im englischen Parlament ist Sonntag früh ihren Lohn ausgezahlt und können daher auch keine blasse Ahnung gehabt zu haben. Er hätte sonst gewiß bei Gelegenheit einer Berathung über die in zwei Gruppen auseinander gefallen. Die eine größere nur dann ihre nothwendigen Einkäufe machen. Ebenso Verlängerung des Sozialistengesezes nicht umhin gekonnt, befehligt fortan Justin Mac Carthi, die andere ist bei ist an Wochentagen die Frau des Arbeiters vielleicht erst diesem altpreußischen Vorbilde nachzutreten und die so- Parnell geblieben. Anlaß gab die Parnell'sche Skandal zu später Abendstunde im Stande, in die Läden zu gehen, zialistischen Agitatoren nach Sibirien in die Sommer- geschichte. Wie sittlich ist doch der Bürger des neun- weil sie den ganzen Tag in der Fabrik beschäftigt ist. zehnten Jahrhunderts! Weil Parnell einen Ehebruch Wir sehen daraus deutlich den Zusammenhang frische zu senden. Bismarck der Vater sitzt in Varzin oder im begangen hat, so darf er nicht mehr Politifer bleiben. der sozialen Frage im Kaufmannsstande mit der Sachsenwalde wir wissen nicht so genau, die Bulletins Welche Engel müssen die Andern sein, die so streng jenigen des gesammten Arbeiterstandes. bei ihnen passirt so was natürlich nicht, und Daß nun eine durch die bedingenden Verhältnisse Herbert der Sohn richten fließen ja jetzt nur sehr spärlich aber amüsirt sich in Paris, flanirt auf den Boulevards, die Berichte der„ Pall Mall Gazette", die von dem nothwendige oder vom Geschäftsinhaber gewollte überbesucht die Theater und huldigt dem Eislaufsport. Er Mädchenschacher erzählten, der für diese sittlichen Herr mäßige Arbeitszeit in den Detailgeschäften allgemein möge sich nur nicht die Nase erfrieren, die roihe Farbe schaften getrieben wird, die haben natürlich gelogen. üblich ist, zeigt die Erfahrung allenthalben. Ein Beweis Nein, so was giebts nicht! Jeder kann sich an seine durch Zahlen ist aber zur Zeit nicht möglich, da bisher ist in seiner Familie ein gar gefürchtetes Ding. Deutschland besißt die billigsten Reichstags- Brust schlagen: ich habe ein reines Gewissen, aber der gar keine oder nur unzulängliche statistische Aufnahmen Pfui über ihn, abgeordneten, es läßt sie bekanntlich umsonst arbeiten. Parnell, dieser abgefeimte Lüstling 1) Dr. G. Adler: Die Sozialreform und der KaufmannsDie Ausgaben für den- Reichstag, für den Reichstag, für hinaus mit ihm aus unsern reinen, jungfräulichen Kreiſen! ſtand, Mün hen und Leipzig. G. Hirths Verlag. Wir werden AusUebrigens ist Parnell selbst sein Loos zu gönnen. züge Zeitungen, Beamte u. s. w. betragen einige Hunderttausend Mark, sodaß auf den einzelnen Abgeordneten 1062 Wiart Er hat sich immer feige zurückgehalten, wo es galt, etwas ge aus den Erhebungen bringen und dann die Mittel zur AbMark hilfe besprechen. auf diesem Gebiete stattgefunden haben. Das einzige Land, in dem bisher leidlich genügende Untersuchungen darüber vorliegen, ist England, wo vornehmlich dnrch die Enquete, die von der„Shop hours labour league" zu Anfang der 80er Jahre veranstaltet wurde, etwas mehr Licht über unfern Gegenstand verbreitet worden ist. Die genannte Liga besteht aus Gehilfen, Prinzipalen und vielen uninteressirten Elementen, angesehenen Mitgliedern des Ober- und Unterhauses ohne Unterschied der Partei, Bischösen u. s. w.; ihre Unparteilichkeit steht außer allem Zweifel. Ueberdies sind die Resultate dieser Enquete, auf die man sich im Parlament wiederholt berufen hat, — meines Wissens— von keiner Seite bestritten worden. Sie sind in einem vom Vorsitzenden der Liga, Herrn Sutherst, verfaßten umfangreichen Werke mitgetheilt worden. Daneben müssen die Berichte der„Early Closing Association", einer ebenfalls aus unparteiischen Elementen bestehenden Gesellschaft, berücksichtigt werden und schließlich noch die parlamentarischen Untersuchungen über die Arbeitszeit der Haudlungsgehilfein Schon der Bericht der königlichen Kommission vom Jahre 1876 hatte konstatirt, daß die Arbeitszeit der Ladengehilfen in sehr vielen Fällen 84 bis 85 Stunden wöchentlich betrage, so daß also aus den Tag 14 Stun- den und auf den Sonnabend eveut. 15 Stunden kämen. Und eine parlamentarische Kommission, welche 1886 über einen von Sir John Lubbock eingebrachten Antrag zu Gunsten eines Maximalarbeitstages der jugendlichen kaufmännischen Hilfsarbeiter zu berichten hatte, kam— nach Anhörung einer langen Reihe von Prinzipalen, Gehilfen, Aerzten und Fabrikinspektoren— zum Resultat: daß die Praxis, die Lüden regelmäßig und ganz be- sonders am Sonnabend bis zu später Abendstunde offen zu halten, bedeutend überwiege; nur die von den wohlhabenderen Klassen benutzten Läden würden zu verhältnißmäßig früher Stunde geschlossen; dagegen müßten in den vom Ar- beiterstand frequentirten Geschäften alle An gestellten(einschließlich der jungen Personen beiderlei Geschlechts) eine lange' Reihe von Stunden hindurch, gewöhnlich 84 bis 85 an den sechs Wochen- tagen, sich auf den Beinen halten, was— in stark besuchten und schlecht gelüfteten Läden— die Angestellten und vornehmlich die Mädchen unter ihnen gänzlich erschöpfen und ihre Gesundheit oft angreifen, ja ruiniren müßte.— In den Engros- Geschäften würden die mit dem Verpacken und Auf- notiren beschäftigten Kommis oft bis tief in die Nacht hinein aufgehalten, zumal während der geschäftlichen Saison. Und die Arbeit— zu der vornehmlich Lehr- linge und andere junge Personen verwendet würden — fände noch dazu ost in Kellern statt, die selbst am Tage der Gasbeleuchtung bedürsten. Daher sei auch diese Arbeit von der Kommission als ganz besonders angreifend und gesundheitsschädlich befunden worden.— Ferner bemerkte jene Kommission, daß in Läden mit daranstoßenden Werkstätten junge Personen, die in den letzteren über die gesetzlich vorgeschriebene Stundenzahl hinaus nicht beschäftigt werden durften, in das Verkaufs- lokal hineingerusen wurden, um dort nach Beendigung ihrer Werkstätten-Arbeit noch verwendet zu werden.— Endlich gelangte noch zur Feststellung, daß der äußere Schluß des Geschäfts nicht ein definitiver sei, sondern daß die Angestellten und besonders die Lehrlinge und junge Personen nach Schließung der Läden zurück- gehalten wurden, um wegzuräumen, Rechnungen zu schreiben u. dergl. in.; und in vielen Füllen mußten grade diese jungen Personen am Morgen früher als die andern auf dem Platze sein, um in den Läden Alles für das Tagesgeschäft herzurichten. Die„Early Closing Association" weist ihrerseits in ihrem Berichte vom Jahre 1881 nach, daß es— trotz ihrer Bemühungen, die Ladeninhaber zur Herab- setzung der Arbeitszeit zu bewegen— noch in London allein nicht weniger als 30 000 Läden mit ungefähr 100 000 Gehilfen, welche Tag für Tag 12 bis 14 Stunden ohne irgend eine Erholung arbeiten müßten, gäbe. Und der gleiche Zustand sei in anderen Städten vor- herrschend. So hätten große Massen von Menschen gar keine Gelegenheit zu gesunder Bewegung, geistigem Fortschritt und religiöser Erbauung. Hinter zahllosen Ladentischen, ausgeschlossen von der Ocffentlichkeit, arbeiteten sie sich bis zu den mitternächt- lichen Stunden ab. und oft sogar würden sie, die in der ganzen Woche sich plagten, durch ihren Beruf gezwungen, bis in den Sonntag Morgen hinein thätig zu sein, um ihr Wochenpensum zu Ende zu bringen. Die„Shop hours labour league" schließlich kommt nach einer ganz überaus gründlichen Enquete— der weitaus umfäffendsten, die jemals irgendwo in Sachen des kaufmännischen Hilfspersonals veranstaltet worden ist — zu dem Ergebniß, daß von den Detaillisten die.Ge- Hilfen der Tuchhändler und Pfandleiher die kürzeste Arbeitszeit haben, nämlich, gewöhnlich von 8 Uhr Morgens bis 8 oder 8V% oder 9 Uhr Abends, während die über- lauge, regelmäßige Arbeitszeit von 7 Uhr Morgens bis 9, 10, 11, HVa oder 12 Uhr Nachts sich findet bei: Materialisten, Käsekrämern, Kleiderhändlern, Schneidern. Schankwirthen. Hutmachern. Schuhmachern. Papierhänd- lern, Fleischern, Droguisten, Tabak- und Obsthändlern. Ausdrücklich behauptet die Liga, daß diese Arbeits- zeit, die ja auch für alle weiblichen Angestellten Geltung hat. außerordentlich zur Beförderung der Prostitution beiträgt. Die meisten Gefallenen hätten irgend einmal alo Ladengehilfinnen ge- dient und wären dann durch die Einsperrung ins Geschäft, die lange Stundenzahl und die Mo- notie ihrer Arbeit der Prostitution in die Arme getrieben worden.(Hier fehlt unserer Ansicht nach der Hinweis auf den zu geringen Lohn so vieler Gehilfinnen.) Aus dieser wichtigen Enquete seien die folgenden ein- gehenderen Angaben gemacht. Die in den meisten Detailgeschäften übliche lange Arbeitszeit, während derer der Kommis in der Regel stehen oder gehen muß, wirkt um so unheilvoller, als Va— 2/3 aller Gehilfen weniger als 21 Jahre alt ist. Ganz besonders groß ist die Üebcrarbeit am Sonnabend, wo die Gehilfen oft bis tief in die Nacht hinein, ja bis 1 Uhr Morgens thätig sein müssen, so daß sie dann also 17 bis, 18 Stunden hinter einander ab- strapazirt werden. Da zudem noch die Arbeit meist in schlecht gelüfteten Räumen vollbracht wird, io werden alle Bedingungen der Hygiene verletzt, und Krankheit jeder Art muß die Folge sein. Ebenso ist klar, daß Leute, welche auf die angegebene Art physisch bis zur gänzlichen Erschöpfung in Anspruch genommen sind, sich auch geistig nicht weiterbilden können, ja bald dem Stumpfsinn verfallen müssen. Man höre z. B. die folgende Schilderung eines Geschäftsführers eines großen Etablissements, der 26 Jahre in Liverpol, Manchester, Birmingham und London kauf- männisch thätig gewesen war: Ich arbeitete nie weniger als 80 Stunden wöchentlich, aber recht oft deren 90. Am Sonntag bin ich vor Müdigkeit den größten Theil des Tages im Bett geblieben. Die lange Arbeitszeit und die für Mahlzeiten ganz ungehörig kurze Zeit haben mich physisch gebrochen; 40 Jahre alt halte ich meine Gesundheit für ruinirt und mich in der That für einen allen jungen Mann. Mit Arbeit und Tyätigkeit isl's vorbei— ich bin jetzt zu gar nichts mehr nütze.— Ich bin aber durchaus nicht etwa eine Ausnahme. Alte Leute giebt es nirgends in einem solchen Geschäft. Die Majorität der Angestellten beiderlei Geschlechts ist stets jünger als 21 Jahre, eine ziemliche Anzahl sogar jünger als 16. Alle haben viel zu arbeiten und fühlen auch die Wirkungen der Arbeit, und natürlich die weiblichen Personen mehr als die männ- lichen. In einigen Geschäften, in denen ich gedient habe, ist man am Sonntag Morgens nie vor 2 Uhr ins Bett gekommen, auch jetzt noch giebt es eine ganze Reihe von Läden, die am Sonnabend bis 12 Uhr Nachts geöffnet sind. An den Wochentagen dauerte die Arbeitszeit ge- wöhnlich bis 91 2 oder 10 Uhr Abends. 20 Minuten ist das Maximum der für die Mahlzeit bewilligten Zeit; und dann heißt's: zurück in den Laden. Und wie sieht es hier oft genug aus! In demjenigen, wo ich äugen- blicklich thätig bin, wird auch am Tage Gas gebrannt; die Decke ist so niedrig, daß ein Mann von gewöhnlicher Größe sie berühren kann; und in dieser heißen und un- reinen Luft arbeiten 15 junge Leute zusammen!— Hunderte habe ich zusammenbrechen sehen. Und wie sollte es anders sein? Keine frische Luft, keine körperliche Be- wegung, kein Sonnenschein, schnell heruntergeschlungene Mahlzeiten, keine Zeit für Lektüre oder religiöse Er- bauung! Was kann man denn noch nach 10 Uhr Abends anfangen? Die jungen Leute, erhitzt durch die heiße Luft und den Staub und ermüdet vom Stehen, vertreiben ihre Schläsrigkeit gar zu gerne durch Trinken, und leider denken die armen Mädchen ebenfalls nur zu ost, daß es etwas Angenehmeres als Ladenarbeit giebt.— Niemand wagt sich zu beklagen, ans Furcht, ohne Zeugniß entlassen zu werden. Die Wirkungen der Ladenarbeit, wie sie jetzt in den englischen Detailgeschäftcn üblich ist, speziell auf die Ge- hilfinnen, wird von Herrn Rechtsanwalt Sutherst. dem Herausgeber der von der„Shop hours labour league" veranstalteten Enquete, auf Grund der Resultate der letzteren, wie folgt, geschildert. Die jungen Mädchen, die vom Lande her frisch und gesund ankommen, werden durch das Stehen und die schlechte Luft malt und krank; ihre Farbe wird gelb und ungesund; die Augen verlieren ihren Glanz und werden müde und schläfrig; die Füße schwellen an, der Rücken krümmt sich, die Luftröhre wird verstopft und das Nervensystem angegriffen. Das arme Opfer dieses unseligen Systems sinkt entweder früh- zeitig ins Grab oder aber es bringt den übrigen Theil seines Lebens unter schweren körperlichen Leiden zu. Daß diese Darstellungen keineswegs übertrieben sind, wurde durch die Prinzipale selbst, die von der„Shop hours labour league" als Zeugen vernommen worden sind, konstatirt. Diese sagen in der Sache selbst ähnlich aus wie die Gehilfen und Ladenmädchen, nur bezeichnen sie als Ursache der langen Arbeitszeit die habsüchtige Konkurrenz einzelner Geschäftsleute sowie die Gewohnheit des Publikums, viele Artikel erst spät am Abend ein- zukaufen. Ferner stimmen die von 14 Aerzten durch die Liga eingeforderte Gutachten darin überein. daß die überlange Arbeitszeit moralische und intellektuelle, vor allem aber schwere physische Schäden hervorbringe, z. B. werden durch die allzukurze Mittagszeit die Verdauuugsfunktionen empfindlich gestört, durch die mangelhafte Luft und die schlechte Ventilation die Respirationsorgane. Bei Frauen ist das lange Stehen für die Sexualorgane verderblich und Ursache vieler Frauenkrankheiten. Späterhin hat zudem noch eine von über 300 Lon- doner Aerzten an das Unterhaus gerichtete Petition die übliche Arbeitszeit in den Läden für überaus gesundheits- schädlich, zumal für Frauen erklärt. In nicht minder scharfer Weise treten gegen das bestehende System die Geistlichen auf, welche der„Shop hours laboür league" Berichte über diese Frage ein- gesendet haben. Auch hier ist durchgängig von den schlimmen Wirkungen der allzu langen Arbeitszeit, wie sie jetzt Usus ist, die Rede. Daneben werden selbst- verständlich die schlimmen moralischen Konsequenzen, welche über die Gehilfen hereinbrechen, betont: daß diese so selten in der Lage wären, die Kirche zu besuchen, und, falls sie dennoch erschienen,„selbst bei guten Predigten" schläfrig würden; daß sie durch Ueberarbeit stumpfsinnig würden und daher gegen harmlose und edle Vergnügungen eine entschiedene Aversion bekämen, umsomehr aber zu Aus- schweifuugen neigten; daß gar viele Gehilsen keine hohe moralische Festigkeit zeigten, und viele Ladenmädchen einen unsittlichen Lebenswandel führten, Die Sonaidemokratie und„die Gebitdete« unserer Tage". i. Unter dem Titel:„Sind wir Sozialdemokraten? An die Gebildeten unserer Tage" erscheint eben eine kleine Broschüre, die in mancher Beziehung ein inter- essantes„menschliches Dokument" ist. Der Verfasser meint, daß ein großer Theil der jüngeren Generation unter den„Gebildeten" der Sozial- demokratie angehört. Wir theilen zwar die Illusion nicht, allein wir können doch seine Ausführungen deS Interesses wegen anhören: „Selbstverständlich gehören wir und gehört Ihr mit zur Sozialdemokratie, denn wir gehören durchaus mit zum Proletariat,%ßer das nicht einsieht, der ver- kennt seine wahren Interessen mehr als der simpelste Arbeiter. Ihr werdet genau so geknechtet, genau so aus- gesogen wie jene. Es ist zwischen euch und jenen nicht ein Unterschied der Art, sondern nur des Grades. Zu- mal geistige und materielle Arbeit beständig in einander übergehen und noch mehr in einander übergehen würden, hinderte nicht die erstarrte Sitte und Satzung ein Hin- über- und Herüberfluthen. Wie immer eure Thätigkeit beschaffen ist, ihr seid Knechte, und betrachtet man e» genaner, so ist ein Herr über euch und über dem Pro- letariat, das Kapital. Den günstigsten Fall angenommen, daß ihr in einer sogenannten nnabhängigen Stellung, als Advokaten; Aerzte, Schriftsteller und dergl. euer Leben fristet, wie ist es denn da in Wirklichkeit mit der Unabhängigkeit bestellt? Man hetzt euch auf einander und zwingt euch zu einer schnöden Konkurrenz, in der ihr euch gegenseitig schädigt, ja vernichtet. Da das An- gebot stets die Nachfrage übersteigt, so hat es das Kapital in seiner Hand, euch sich dienstbar zu machen. Ihr müßt ihm zu Willen sein, oder ihr bleibt seitwärts am Wege liegen und habt die Selbständigkeit des Geiste» mit Sorgen und Entbehrungen zu erkämpfen. Jeden- falls, wer nicht dem Kapital in geschickter Weise zu frohnden versteht, der wird nie diejenige Stellung er- reichen, die ihm nach Maßgabe seiner Bildung und seiner Arbeitskraft vielleicht gebührt. Denn wer kommt heute obenauf? Sind es etwa die Tüchtigsten? Oder sind e» nicht vielmehr diejenigen, die am meisten Reklame machen, am meisten schreie»? Und was ist denn Reklame anders als ein Lobhudeln und Wettkriechen vor dem Kapitalis- mus? Die sogenannte freie Konkurrenz züchtet die Ge- sinnnngslosigkeit und Gesinuungsgemeinheit. Selbst der Kamps gegen dieselbe ist gefährlich für die Reinheit und den Adel des Känipfenden. Denn wie anders soll er sich der erdrückenden Macht des Kapitalismus entgegen- stellen, als indem er sich selbst zu der Kampfesweise herabläßt, den Ringen des Kapitals die Kliquenwirth- schaft entgegensetzt, der brutalen Ausbeutung eine schwindelhaste Preistreiberei und einen ekelhaften Schacher mit seinem geistigen Können und seiner erworbenen Kraft? Denn es entwürdigt im Grunde, wenn ein Arzt seine Kunst verkaufen muß, wenn ein Advokat einen Un- schuldigen vertheidigt, weil er dafür bezahlt wird, wenn ein Schriftsteller schreibt, um hohe Tantiemen heraus- zuschlagen. Ihr Männer der geistigen Arbeit, ihr seid nichts anderes als Knechte des Kapitalismus! Ihr Künstler seid es, die ihr bei dem Schaffen eurer Werke beständig darauf Rücksicht nehmen müßt, nicht ob sie denen gefallen, deren Urtheil ihr achtet, nicht ob sie euren eigenen Idealen entsprechen, sondern ob sie einen kapitalkräftigen Käufer finden. Ihr Dichter seid es, die ihr dem verdorbenen Geschmack des vornehmen PöbelS schmeicheln müßt„ wenn ihr nicht hungern wollt. Ihr Rechtsanwälte seid es, die ihr die Gewaltthaten und Niederträchtigkeiten reicher Schurken vertheidigen müßt. Ihr Aerzte seid es, die ihr dem Jammer und der Roth des Armen hilflos zusehen und euch den alberuen Launen eingebildeter Kranker unterwerfen müßt, die diese Launen bezahlen könnan. Ihr alle seid es, die ihr mit eurem geistigen Pfunde wuchert; nicht der Menschheit dient ihr, wie ihr euch einreden möchtet, sondern der kleinen Min» derheit, den unwürdigen Vertretern des Kapitals. „Noch schlimmer ist es, wenn ihr direkt von diesen Vertretern abhängig seid. Hier ist erst recht die Ausbeutung in ein System gebracht. Ihr müßt schmeicheln und kriechen, wollt ihr eine Stellung finden, und ihr müßt kriechen und schmeicheln, wollt ihr sie euch erhalten. Der kapitalistische Unternehmer hat infolge der unge- heuerlichen Konkurrenz beständig eine so große Auswahl unter den Bewerbern um einen bestimmten Platz, das) er ganz nach Belieben seine Bedingungen euch vor- schreiben kann. Diese Bedingungen sind oft demüthigen- der, das Einkommen ist oft kärglicher als bei denjenigen, auf die ihr als auf Proletarier herabzusehen gewohnt seid. Denn diese sind schon aus dem Schlummer er- wacht. Der gewaltige Ruf: Proletarier aller Länder vereinigt Euch! ist an ihr Ohr gedrungen und hat sie aufgeweckt. Sie haben allmählich sich eine menschen- würdigere Stellung ertrotzt, haben im gemeinsamen Vor- gehen eine ungeahnte Quelle der Kraft gesunden und fangen an, dem Unternehmerthum Bedingungen vorzu- schreiben. Ihr dagegen werdet niedergedrückt aus den allerniedrigsten Satz, bei dem noch eben eine Lebens- führung möglich ist, ja ihr werdet viel öfter als jene mit Hungerlöhnen abgespeist. Auch für euch giebt es nur eine Rettung: Fühlt euch als Proletarier! Ver- einigt euch, wie Jene, und mit ihnen! Kämpft gemein- sam den Kampf, den sie schon lange zu kämpfen be- gönnen haben! Mit ihnen allein könnt auch ihr steigen und frei werden, ohne sie verfallt ihr einer immer schimpflicheren Knechtschaft. „Endlich, findet ihr Verwendung im Staatsdienste, so ist allerdings euer Leben geregelter. Der Lohn für eure Arbeit mag gering sein, aber er wird doch in den meisten Fällen ein erträgliches Dasein ermöglichen. Auch ist, wenn ihr einmal in den ruhigen Hafen eingelaufen seid, ein plötzlicher Wechsel zum Schlimmen kaum zu befürchten. Ihr werdet anständiger behandelt und besser versorgt, als im Dienste des blutsaugerischen Kapitals. Aber dafür müßt ihr das größte Opfer bringen, das ein freier Mensch bringen kann, euch selbst. Was man von euch verlangt, das ist Verleugnung eures eigenen Willens und aller eigenen Erkenntniß, Mit dem Augen- blick, da ihr Staatsdiener werdet, hört ihr auf, freie Menschen zu sein und werdet zu Maschinen. Die Auto- rität tritt an die Stelle des eigenen Willens und der selbst erworbenen Erkenntniß. Nichts straft der Staat so hart, nichts verfolgt er so unnachsichtlich, als wenn es seinen Dienern einfällt, selbst zu denken. Ob ihr subaltern seid, oder in hohem Amte steht— und es ist für ein feines Gefühl fast noch demüthigender, seines- gleichen zu kommandiren, als sich von ihnen komman- diren zu lassen— immer seid ihr die Diener der Auto- rität, des Herkommens, Sklaven einer überwundenen Weltanschauung! Denn darüber ist doch ein Zweifel nicht möglich, der heutige Staat ist der Ausdruck einer längst überwundenen Kulturepoche. Die allermeisten Beamten des Staates sind in ihren Privatanschauungen darüber hinaus. Sie theilen weder seine Moral noch seine Politik. Sie müssen sich künstlich in diese ver- witterten Anschauungen hineinleben, die sie zu vertreten haben. So klafft zwischen ihrer offiziellen und ihrer privaten Meinung eine unübersteigliche Kluft, die erst allmählich im Laufe der Jahre sich ausfüllt, indem ein Theil ihres selbständigen Denkens nach dem andern darin verschwindet, bis am Schluß eine goldene Brücke der Mittelmäßigkeit hergestellt ist, die sich über dem Grave ihrer Selbständigkeit und Freiheit wölbt. „Zu dem allen kommt endlich noch die Ungleichheit. die durch die verschiedene soziale Stellung der Eltern hervorgerufen wird. Während der eine sich mühsam durch die Studienzeit hindnrchgeschlagen hat und am Ende derselben auf das Einkommen angewiesen ist, das er sich selbst erwerben muß, darf es sich der andere er- lauben, seine eigene Thätigkeit nur als Sport zu be- trachten und seinen Verdienst als Taschengeld anzusehen, da er in der Wahl seiner Eltern oder Schwiegereltern die nöthige Vorsicht beobachtet hat. Der eine arbeitet, um zu leben, der andere, um die Zeit tobt zu schlagen und eine höhere soziale Stellung zu erreichen. Mit anderen Worten, das Kapital reißt den Stand der Ge- bildeten auseinander, indem es selbst seine Vertreter hinein entsendet. Wie ist da ein Wettkampf unter den gleichen Bedingungen möglich? Muß nicht der Unbe- mittelte gewaltsam zurückgedrängt werden? Wird sich nicht unter normalen Verhältnissen der kapitalkräftige Konkurrent, der warten kann, zuletzt immer in den Vor- dergrund drängen? Und auf wessen Kosten sonst, als auf die seiner mittellosen Mitbewerber? So entstehen gerade im Stande der Gebildeten diese krassen Unterschiede, diese Höhen und Tiefen, die nur zum aller- kleinsten Theile in der verschieden großen Fähigkeit und Tüchtigkeit ihre Begründung haben. So schwelgen die einen im Uebcrfluß, während die andern darben. Die heutige Gesellschaftsordnung begünstigt die Vorlauten und Gewissenlosen auf Kosten der Ehrlichen und An- ständigen, sie begünstigt die aus höherem sozialen Stande hervorgegangenen auf Kosten derjenigen, die sich mühsam emporgearbeitet haben, sie begünstigt die Knechtsseelen auf Kosten der Mannesseelen. So wird durch die ver- kehrte soziale Einrichtung das beste Wollen erstickt, die beste Kraft vergeudet; mit all eurem Arbeiten und Schaffen erreicht ihr nicht den zehnten TheU von dem. was erre cht werden würde, falls die Gesellschaft auf eine neue Grundlage gestellt und der wirthschaftlichen und sozialen Entwickelung gemäß gestaltet würde. „Nun wohl, die Sozialdemokratie beseitigt alle diese Ungleichheiten. Sie macht die materielle Ueberlegcnheit unmöglich; sie nimmt der Konkurrenz ihren Stachel, indem sie euch vor materieller Entbehrung schützt. Sie macht euch unabhängig, denn sie beseitigt die Zwangs- jacke. die euch der Staat, und die viel härtere, die euch das Kapital anlegt. Sie macht das ziellose Widerstreben der Kräfte unmöglich: sie ordnet alles einem großen Zwecke unter. Wenn ihr heute oft nur für wenige Aus- erlesene, vielleicht nur für die Laune eines Einzelnen arbeitet, werdet ihr dann das große Bewußtsein haben, wirklich für die Gesammtheit zu schaffen. An Stelle des chaotischen Gewirrs des gegenwärtigen Staates tritt die harmonische Ordnung eines großen Organismus, in dem ein jeder ein nvthwendiges Glied ist und so mithilft, eine immer höhere Vollendung zu schaffen. Ja, in dem sozialdemokratischen Staate findet auch ihr Erlösuug von der gegenwärtigen Knechtschaft." Ter Verfasser plaidoyirt sehr gut. sieht man, aber, wie gesagt, es werden sich unter den Angehörigen seiner Klasse wohl nicht Viele finden, die ihm beistimmen. — Durch die Eröffnungsrede des Kaisers zur Schul- konferenz ist eine andere Seite im Loose der„Gebil- beten" in den Vordergrund getreten, die Existenz der eigentlichen geistigen, dort sogenannten„Abiturienten- Proletariat". Der Kaiser wies auf die Gefahren hin, welche der bestehenden Gesellschaft von Seiten des Pro- letariats„drohen", und hier wäre scheinbar ein An- knüpfungspunkt für uns, den der Verfasser der Broschüre außer Acht gelassen hat. „Die sämmtlichen sogenannten Hungerkandidaten, namentlich die Herren Journalisten, das sind vielfach verkommene Gymnasiasten, das ist eine Gefahr für uns". Das hier genannte Abiturientenprolelariat umfaßt alle sogenannten verfehlten Existenzen alle Diejenigen, welche nicht in die Lage gekommen sind, ihre Kenntnisse in dem Beruf, ans den sie vorbereitet wurden, zu ver- werthen. Das hier gemeinte Proletariat steht zu den ent- sprechenden übrigen bürgerlichen Elementen in einem ähnlichen Verhältniß, wie die industrielle Reservearmee und das Lumpenproletariat zum eigentlichen Proletariat. In der That, wir haben es mit der Reservearmee der bürgerlichen Berufe zu thun. Das Unternehmerthum, nicht zufrieden damit, den Arbeitslohn auf das Minimum gestellt zu sehen, muß nothwendig auch danach streben, das Gehalt seiner an- gestellten Beamten, der Techniker, Ingenieure u. s. w. auf den möglichst niedrigsten Punkt zu drücken. Schließlich sind diese Leute überhaupt ja doch nichts anderes, als qualifizirte Arbeiter, ßu diesem Zwecke ist eine Reserve- armee nöthig, und sie wird geschaffen, indem durch Gründung von möglichst viel Gymnasien eine große Menge überschüssiger Gebildeter produzirt werden, die dann um jeden Preis Arbeit suchen und die Ansprüche herunterdrücken. Das Zugrundegehen des Kleinkapitals liefert die uöthigen Rekruten; der Kleinbürger, welcher den Untergang seiner kleinen Unternehmung vor Augen sieht, möchte seinem Sohn ein besseres Schicksal bereiten, indem er ihn studieren läßt; und so bezieht jetzt Mancher die Universität, der zu der Zeit des„goldenen Bodens" Handwerker oder Kaufmann geworden wäre. In Ueber- einstimmung mit dem Lumpenproletariat besitzt dieses Proletariat auch kein Solidaritntsgefühl, so daß das Unternehmerthum seine Pläne bei ihm vollständig erreicht. Das Lumpenproletariat ist den bestehenden Ge- walten niemals gefährlich gewesen; im Gegentheil es hat sich ihnen immer als Landsknecht verkauft und auch von diesem Proletariat ist nichts für die bestehende Ordnung zu befürchten. Das ist fast alles Gesindel, und das Ge- sindel ist noch nie revolutionär gewesen. Es verkauft sich; und um gerade von den Journalisten zu sprechen, so ist das größte Pack jedenfalls aus der konservativen Seite zu finden, weil sieh in Konservatismus augenblicklich das beste Geschäft machen läßt. Aber auch wenn das nicht der Fall wäre— die Bourgeoisie hat billige Arbeitskräfte nöthig, das Klein- bürgerthum will sich in die Klasse der Gebildeten retten, und so verlangt unter der Bildungsphrase jetzt jeder Krähwinkel sein Gymnasium, und welcher Krakehl wird entstehen, wenn diesem„Bildungseifer" nicht genügt wird! Malthus! Der Kapitalismus hat für seine Erhaltung die Existenz der industriellen Reservearmee nöthig, das heißt die Existenz einer Anzahl überschüssiger Arbeiter, welche keine Verwendung finden, und, da sie um jeden Preis Arbeit haben müssen, um nicht zu verhungern, den Lohn auf das möglichst niedrige Niveau drücken. Wo eine solche industrielle Reservearmee noch nicht existirt, da wird sie künstlich geschaffen, indem man den Landarbeitern ihren Boden wegnimmt, sie dadurch arbeitslos und er- werbslos macht und vermittels des Hungers zu den Fabri- kanten treibt. Natürlich genirte das Einen, wenn man das so offen heraus sagen sollte. Das geht doch nicht, daß man erzählt: damit wir unsere Profite machen können, müssen Taufende von Proletariern jährlich auf der Landstraße umkommen. Nein, das ging nicht. Man mußte die Schuld an dem Elend den Arbeitern selbst in die Schuhe schieben. Und da hatte der Pfaffe Malthus den guten Einfall: die unmoralischen Arbeiter machen eben zu viele Kinder. So sollten weniger Kinder machen, dann wäre das Elend gehoben, dann würden blos fo viel Arbeiter existiren, wie Arbeit bekommen können. In Frankreich fand Malthus Glauben. Die Franzosen fanden, daß er Recht hatte, wurden moralisch und be- kamen von nun an immer blos zwei Kinder. Freilich, die industrielle Reservearmee wurde dadurch in Frankreich nicht aus der Welt geschafft, sie existirte nach wie vor. Aber allmählig machte sich dafür eine andere Folge bemerkbar: das Land entvölkerte sich. Nun wäre ja die Entvölkerung an sich kein Fehler für den Bourgeois, wenn nur die Profite bleiben. Aber sie hat die fatale Folge, daß sie das Land militäruntüchtig macht. Der Militarismus aber läßt nicht mit sich spaßen. Die„Magdeburger Zeitung" bringt folgende Notiz: „Verhältniß der Geburten zu den Todesfällen in Preußen und Frankreich. Wir ersehen aus diesen Zahlen die bedeutsame That- fache, wie Preußen an Zahl der Geburten Frankreich weit voraus ist, während die Zahl der Todesfälle in Frank- reich weit größer ist, als in Preußen. Während die Einwohnerzahl Frankreichs nur sehr langsam zunimmt, finden wir in Preußen eine stetige Zunahme, die Frankreich weit überflügelt. Folgende Tabelle zeigt den Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle in Preußen und Frankreich. Ueberschuß der Geburten über die Tadesfälle:< Preußen Frankreich 1880.... 335967 62940 1881.... 330425 108229 1882.... 335476 97027 1883.... 317348 96803 1884....332 801 78 974 1885.... 347 542 87 661 1886....331 565 52616 1887.... 398825 50536 1888.... 425 789 44 772 1889.... 411 785 85 646 Wir erkennen hieraus, wie sehr in späterer Zeit Preußen gegenüber Frankreich bei einem Revanche-Kriege im Vortheil sein würde; je später der Krieg, desto größer die Mannschaft Preußens gegenüber der Frankreichs". Hier ist wieder einer der Punkte, wo sich die Jnter- essen der besitzenden Klassen gegen einander kehren— eine nothwendige Folge der allgemeinen Anarchie unserer Zustände.— Konservative Unverschämtheit. Die„Kreuzzeitung" vom 4. Dezember schreibt: '„In Wirklichkeit ist das Verhältniß umgekehrt. In Preußen ist nicht die sogenannte Verfassung Quelle des Königlichen Rechts, sondern das Königliche Siecht Quelle der Verfassung. Se. Majestät hat in Preußen im Jahre 1850, als der revolutionäre Janhagel zerstoben war, allergnädigst auf einen Theil der Allerhöchsten Siechte verzichtet." Das ist doch wirklich stark erlogen„Mit Gott für König und Vaterland"! Die Kreuzzeitung, welche ja 1848 begründet wurde— sie hieß damals noch allgemein „Galgenzeitnng"— sollte doch den wirklichen Hergang der Sache wissen! Man läßt sich nicht gern an Stunden erinnern, wo man einmal schwach gewesen ist, und deshalb ist es für eine Zeitung immer eine kitzliche Sache, die alten Srevolutionscrinnerungen heraufztlbeschwören. Aber zu- fällig haben wir einen Zeugen, einen ganz unverdächtigen Zeugen, Siodbertus, den loyalen Rodbertus, den Vater der gegenwärtigen Sozialpolitik, den Junker, das Ideal unserer gesammten gegenwärtigen Strebergenerativn. In einer Schrift„Mein Verhalten in dem Konflikt zwischen Krone und Volk", sagt Siobertus:„Es war vielleicht eine zu hochherzige, eine zum welt- liehen Gelingen übertriebene sittliche Idee, als das Preußische Volk, im mächtigen Vertrauen zu seinem Königs gefchlecht, im März, in den Tagen, wo die Exekutivgewalt in Betäubung dalag(nämlich, wo das Volk das Schloß, in dem der König war, besetzt hielt und den König zwang, die Mütze vor den gefallenen Revolutionshelden abzuziehen—) s e l b st sie wieder in ihrer ganzen Vollgewalt aufrichtete, und sich über die Verfassung mit dem Gegner nur vereinbaren wollte." Für diese„hochherzige, übertrieben sittliche Idee", hat das Volk nun die Genugthuung, von der Galgen- zeitung als„Janhagel, welcher zerstiebt", beschimpft zu werden. Kraft- und Saftsprüche von Dr. Marti« Luther» dem DolKsmann. „Die Schrift nennt die Obrigkeit Stockmeister, Treiber und Anhalter, durch ein Gleichniß. Wie die Eselstreiber, welchen man allezeit muß auf dem Hals liegen und mit den Ruthen treiben, denn sie gehen sonst nicht fort; also muß die Obrigkeit, den Pöbel, Herrn Omnes treiben, schlagen, würgen, henken, brennen, köpfen und radebrechen, daß man sie fürchte und das Volk also in einem Zaume gehalten werde. Denn Gott will nicht, daß man das Gesetz dem Volke allein fürhalte, sondern daß man auch dasselbe treibe, handhabe und mit der Faust ins Werk zwinge. Denn so man es allein für- hielte dem Volle und nicht triebe, so würde nichts daraus." Als Treiber des Gesetzes müsse die Obrigkeit den..rauhen, ungezogenen Herrn Omnes(den großen Haufen) zwingen und treiben, wie man die Schweine und wilden Thiere treibt und zwinget". (Sämmtl. Werke 33. 380.) ** * " Der gemeine Mann müsse mit Bürden beladen erschlüge! Ihr habt das Beste, nämlich Nuz, Brauch, Kohle nicht viel beitragen, kann wohl als feststehend betrachtet sein, würde auch sonst zu muthwillig." Saft aus den Weintrauben und lasset den Fürsten die Hülsen und Körner." ( Klapp, Kleine Nachleje I., 281.) * * ,, Knechte, Mägde und ander Vieh." * * * „ Einem Bauern gehört Haberstroh. Sie hören nicht das Wort, so müssen sie Büchsen hören, und geschieht ihnen recht. Es ist Zeit, sie zu erwürgen wie die tollen Hunde; die Obrigkeit soll zuschmeißen, würgen und stechen, öffentlich oder heimlich; die Obrigkeit hat ein gutes Gewissen und rechte Sachen. Darum, liebe Herren, steche, schlage, würge, wer da kann. Bleibst Du darüber kalt, wohl Dir, seligeren Tod kannst Du nimmer überkommen." * * ( Sämmtl. Werke 24, 284.) * " Ich, Martin Luther, habe im Aufruhr alle Bauern erschlagen, denn ich habe sie heißen todtschlagen; all' ihr Blut ist auf meinem Hals. Aber ich weise es auf unseren Herrn Gott, der hat mir das zu reden befohlen." ( Sämmtl. Werke 59, 284.) Sämmtl. W. 36, 175. Produktion und Technik. Literarisches. Dr. Georg Adler. Die Sozialreform und der Kaufmanas werden, die Ursache der billigen Kohlenpreise in diesen beiden Ländern liegt also ziemlich offen zu Tage; es sind einfach die Hungerlöhne, die den Kohlenarbeitern Deutschlands und Dester reichs gezahlt werden. Es seien aus dem genannten Buche übrigens noch folgende, die Kohlenproduktion betreffende statistische Daten zitirt: Die größte Kohlenproduktion hat England aufzu weisen, das 169 935 219 Tonnen im Jahre 1888 lieferte. Es Die Gegenden, welche in den letzten Tagen in Folge der folgen die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit 169 548 844 heimgesucht wurden, sind ein trauriges Warnungszeichen für unsere ſteht an vierter Stelle mit 23 647 000 Tonnen, nach ihm folgt erst ungeheuren Regengüsse von Neuem mit Ueberschwemmungen Tonnen, sodann Deutschland mit 81 873 848 Tonnen. Desterreich offiziellen Kreise, die sich noch immer nicht zur Jnangriffnahme Frankreich mit 22 602 894 Tonnen. Die geringste Produktion er einer rationellen Wasserwirthschaft im Großen zu entschließen ver- reichte Rußland mit 3 580 223 Tonnen. In Frankreich betrug mögen. Kaum hat die Menschenhand die Spuren der großen 1888 der Kohlenkonsum 854 kg auf den Kopf der Bevölkerung, flächlich verwischt und schon darf das nasse Element wieder Hab amerita 2945 kg, in Belgien 2400 kg, in Deutschland 1600 kg. Wasserkatastrophen vom Anfang September dieses Jahres ober- in England 4550 kg, in den Vereinigungen Staaten von Nordund Gut Tausender mit verderblicher Regelmäßigkeit vernichten. Die Zahl der in England durch Unglücksfälle in Bergwerken ums und wie erbärmlich die gegen diese Schäden getroffenen Maßregeln Leben gekommenen Bergleute betrug in den Jahren 1851-1861 ſein müssen, geht daraus hervor, daß diesmal die mit den Winter- 407 per Jahr, 1871-1880 223, 1881-1887 199. stürmen verbündeten Regengüsse weniger Tage bereits genügt haben, fast in allen Theilen Deutschlands Schaden anzurichten, während es sich im September um viel andauerndere und heftigere Entladungen der Wolken handelte. Warn wird angesichts dieser Dinge endlich die Meinung gehört werden, die, seit Jahren vertreten, erst bei der letzten Wasserkatastrophe so vielfache Zustimmung gefunden hat, freilich„ nur“ in der Preſſe und in der öffentlichen stand. München und Leipzig.( Besprechung vorbehalten.) Meinung, nicht in den Bureaux der betreffenden Zentralverwaltung? Bibliothek politischer Reden, Heft 2, die Rede Castelars Die deutschen Staaten müssen sich endlich dazu aufraffen, nach ge- über„ Republik und Monarchie" enth. Preis 20 Pf. meinsamem Plane und nach dem mustergiltigen Vorgange Frank- Von der ,, Neuen Zeit"( Stuttgart, J. H. W. Dieß' Verlag) reichs, welches allein seit 1880 etwa 30 Millionen für diesen Zweck ist soeben das 10. Heft des 9. Jahrgangs erschienen. Aus dem ausgegeben hat, die Wasserläufe von oben herab durch Wildbach- Inhalt heben wir hervor: Tolstoi's Kreuzersonate. Von Robert verbauung und Aufforstung systematisch zu reguliren. Alle Schweichel. Deutsche und amerikanische Zollpolitik.( Schluß.) Regulirungsarbeiten am Mittel- und Unterlauf der Flüsse sind von Karl Kautsky. Literarische Rundscheu. Notizen. Blick- und Stückwerk. Seit Beginn dieses Jahrhunderts liegt diese Feuilleton: Töchter unserer Zeit. Roman aus dem modernen Weisheit auf dem Markte. Oder soll sich in die Bevölkerung der Gesellschaftsleben von F. v. Csta.( Fortseßung.) Glaube noch tiefer einfressen, daß der Militarismus für friedliche Kulturaufgaben nur selten und nur dann etwas übrig hat, wenn von Thiele. Konrad Ethel, Freidenkerkatechismus. Leipzig, Berlag politische Nebenabsichten damit erreicht werden?( Frtf. Ztg.) Wir warnen unsere Leser vor diesem seichten Gewäsch. Wochenschrift berechnet die jährliche Rente von sieben schottischen Wie macht sich Reichthum belohnt. Eine Londoner Beers auf 14 444 220 Mart. Das heißt: sieben schottische Groß- An die Topfer Deutschlands! Zuzug ist fernzuhalten grundbesizer beziehen jährlich blos für die ungeheure Arbeit", nach Bukarest, Strasburg R.-M., Rothenburg D.-L., Cölln daß sie Grund und Boden befizen: 14 444 220 Mark deutsche bei Meißen, nnd ersuchen wir, etwa Durchreisende( Wandernde) Reichswährung. Das ist gewiß ein einträglicheres Geschäft äls davon in Kenntniß zu setzen. stoffe zu weben, daß einem die Schwarten krachen". Oder nicht? mit einem Wochenlohn von 82 Kreuzer 15 Stunden täglich OxfordDaß in Deutschland und Oesterreich die Streiks der Bergarbeiter vollauf gerechtfertigt sind, dafür legt der französische Ingenieur Couriot in einem fürzlich veröffentlichten Buche über " Die Bauern sind in besserer Lage als die Fürsten. den Bergbau der Welt ein vollgiltiges Zeugniß ab. Er giebt neben zahlreichen anderen den Bergbau betreffenden Daten auch Ich bin sehr zornig auf die Bauern, die da selbst die Gestehungskosten der Kohle in den einzelnen Ländern an. In wollen regieren und die solchen ihren Reichthum nicht Frankreich kam die Kohle am theuersten zu stehen, hier lost ete di erkennen, daß sie in Frieden ſizen durch der Fürsten Tonne durchschnittlich 10,31 Franks, am billigsten in Oesterreich, Schutz und Hülfe. Ihr ohnmächtigen groben Banern die Tonne 5,23 Franks und in Deutschland, wo sie 5,83 Fres. tostete. Daß die maschinellen Einrichtungen in den Kohlenbergund Esel, wollt ihr's vernehmen? Daß euch der Donner werten Desterreichs und Deutschlands zur Verwohlfeilung der * " Den Bauern müßte man die Ohren auffnäufeln mit Büchsensteinen, daß die Köpfe in die Luft sprängen. Barmherzig hin, barmherzig her, wir reden jeẞt von Gottes Wort, das will den König geehrt und die Auf rührerischen verderbet haben. Darum soll mein Büchlein( nämlich die Schrift wider die Bauern) recht sein und recht bleiben, und wenn alle Welt sich darum ärgerte. Wie ich dazumal geschrieben habe, so schreibe ich noch: der halsstarrigen, verstockten, verblendeten Bauern erbarme sich nur Niemand, sondern haue, steche, würge, schlage drein als unter die tollen Hunde, wer da kann und wie er fann." Sämmtl. W. 33, 389. * * * Allen Männern der Arbeit empfehle mein Restaurant ..Bum rothen Meer". „ Zum W. Haugh, Boeckh- Straße 12. Der Arbeits- Nachweis der Klavier- Arbeiter befindet sich jetzt Naunynstr. 78, im Restaurant Winker. Die Adressen- Ausgabe findet jeden Abend von 8-9 Uhr u. Sonntags Vormittags von 10-11, Uhr an Mitglieder wie an Nichtmitglieder unentgeltlich statt. Die Arbeitsvermittlungs- Kommission. Zigarren und Tabake von E. Liefländer Mariannen- Straße 5. W. Gründel's Restaurant ( früher: R. Wendt.) Dresdener- Strasse 116. Arbeitsnachweis und Verkehr der Buchbinder, Schlosser, Drechsler, Maler, Töpfer, Stellmacher, Sattler und Gärtner. Reichhaltiger Frühstücs-, Mittags- und Abendtisch. Vorzügliches Weiß- und Bairisch- Bier. 2 Billards. Saal zu Versammlungen. Fernsprech- Anschluß. Amt 9a. Nr. 578. Allen Freunden und Genossen empfehle mein Weiß- u. Bairisch- Bier- Lokal. 1 Saal zu Versammlungen und 2 Vereinszimmer Kehen zur Verfügung. Herrmann Wuttke, Friedrichsbergerstr. 24 pt. Albert Auerbach, er in S., Rottbuser Damm 7. Schuh- und Stiefel- Lager für Herren, Damen und Kinder. Reelle Bedienung. Feste Preise. Empfehle Freunden und Genossen mein reichhaltiges Lager von Cigarren u. Tabake. Daselbst Zahlstelle des Metallarbeiter- Verein und der Gürtler- Hilfskasse. Haupt- Agentur der Berliner Feuer- Versicherung. Otto Klein Kottbuser Damm 14, früher Ritterstr. 15. | Verzeichnisse der Gattungen, sowie die Zahl der Werkstellen der Die Kollegen der Scheibenbranche allerorts werden ersucht, die einzelnen Orte recht bald an den Kollegen A. Hübner in Königsbrück, Kamenzerstr. 6, einzusenden, worauf dann die Schemas zur Aufstellung des Gattungen- resp. Lohntarifs, sowie die Statistit bogen nebst Erläuterung zugesandt werden. Zugleich wird um die genaue Adresse der Vertrauensmänner gebeten. Mit kollegialischem Gruß Der General- Ausschuß der Töpfer Deutschlands. J. A.: Ferdinand Kaulich, Vorsitzender. Giebichenstein bei Halle a. S., Triftstraße. Verein zur Regelung der gewerbl. Verhältnisse der Töpfer Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 17. Dezember 2c., Abends 5½ Uhr, in Feuersteins Salon, Alte Jakobstr, 75 Außerord. General- Versammlung. Tages Ordnung: = 1. Die fernere Gestaltung des Vereins event. Berathung des Statuts. 2. Abrechnung vom Stiftungsfest. 3. Verschiedene Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimirt. pünktlich zu erscheinen. NB. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Mitglieder ersucht, zahlreich und Der Vorstand. Fachverein der Tischler. Am 1. Weihnachtsfeiertag, Dormittags 11 Uhr, im„ Konzerthaus Sanssouci", Kottbuserstraße 4a: Matinée. Berlag v. Hans Czermak, Wien, I., Am Bergl 1. Am 15. Dezember erscheint das Gedenklatt zur Arbeiterbewegung des Jahres 1890 tünstlerisch ausgeführte Allegorie von Genossen F. Kasteline. Preis: Für Deutschland, mit freier Postversendung intl. Emballage 0,90 Mt., 10 Exemplare 8 Mt. Versendung an Unbekannte nur gegen Nah nahme. Rolporteure entsprechenden Rabatt. Empfehle allen Freunden und Genossen mein Weiß- u. Bayrisch- Bier- Lokal auch passend zu Zahlstellen. Oskar Schmidt Gubenerstr. 59. Rum, Punsch, Glühwein Flasche 1,50 Mr. Ingwer, Pommeranzen, Luft Liter 1,- Mr. Mediz. Ungarwein Fl. 1,50 u. 2 Mf. Am 3. Weihnachtsfeiertag, in der Brauerei Lips, am Friedrichshain, Roth- und Portwein Fl. 1,50 Mt. Nachmittags 5 Uhr: Concert, Gesangsvorträge, Kinder- Weihnachtsbescheerung und BALL. Billets find auf allen Zahlstellen des Vereins und bei folgenden Vereinsmitgliedern zu haben: Apelt, Sebastianstr. 27/28; Gerife, Lausiẞerstr. 52, 3 Tr.; Wiedemann, Wendenstr. 2, vorn 4 Tr; Miende, Wienerſtr. 37, vorn 2 Tr.; Wichert, Grimmſtr. 38, v. i. Steller; Feſt, Stallschreiberstr. 43a; Monien, Kreuzbergstr. 9, Quergeb. 3 Tr.; Ahrens, Kottbuserstr. 6a, v. 4 Tr.; Schulz, Brizerstr. 42, b. 4 Tr.; Miele, Adalbertstr. 9, v. 4 Tr.; Haberland, Reichenbergerstr. 161, v. 2 Tr.; Hoffmann, Straußbergerstr. 36, Hof 4 Tr.; Rambow, Dieffenbachstr. 70, v. 2 Tr. bei Mehnke; Bolengowski, Zoffenerstr. 40, Hof part.; Witte, Invalidenstr. 21, v. 2 Tr.; Lenz. Dieffenbachstr. 67, b. 1 Tr. bei Balthe, of 2.; Brose, Rizdorf, Berlinerstr. 114, 1 Yr., 24. Schmidt, Grüner Beg 105; Invalidenstr. 87, Hof Tr.; Tr.; A. J. Theurich, Chausseestr. 76, v. 4 Tr.; Benschneider, Sorauerstr. 27; Rosenfeld( Neu- Weißenfee), Langhanssir. 100; E. Peters, Trestowstr. 29a; Häusler, Schulstr. 51; Bogasch, Friedenſtr. 89, 3 Tr; Hein( Neu- Weißensee), Charlottenstr. 56; Reichert, Fürbringerstr. 25, Hof I., 2 Tr.; Bruhns, Wrangelstr. 61; Hegeler, Brizerstr. 40; Stens, Görligerstr. 71; Grunert, Manteuffelstr. 64, 2. Hof 4 Tr.; Koblenzer, Adalbertstr. 96; Franz. Chorinerstr. 18. Kolporteure gegen hohen Rabatt gesucht für die( im redaktionellen Theil) empfohlene Freie Verlags- Anstalt. In diesem Verlage erschienen: 1) Die Jugend, eine Schrift zur Unterhaltung und Belehrung für Söhne und Töchter des arbeitenden Volkes. Herausgegeben von Dr. Bruno Wille. 1.( abgeschlossenes) Heft. Preis 20 Pf. 2) Einsiedler und Genosse, soziale Gedichte von Dr. Bruno Wille. VolksAusgabe. Preis 65 Pf. Als Weihnachts- Geschenke sind diese Schriften dem geistig- strebsamen Proletariat, insbesondere den Eltern, warm zu empfehlen. Nachfragen und Bestellungen beliebe man zu richten an die Expedition der Freien Verlags- Anstalt, Berlin SO., Elifabeth- fer 55. empfiehlt Franz Beyer Prinzessinen Straße 15. Filiale: Elisabeth- Ufer 47, Ecke der Waldemarstraße Empfehle allen Genossen und Freunden meine Glaserei n. Bildereinrahmung. Geschenke: Sinnsprüche, GruppenBesonders empfehlenswerth als Weihnachtsbilder in fauberer und geschmackvoller Einrahmung. Lassale und Marx in Lebensgröße( Kreidezeichnung) sauberſter Ausführung u.ſ.w. Um pünktlich liefern zu können, bitte die Bestellung rechtzeitig machen zu wollen. Bestellungen ſtellung rechtzeitig machen zu wollen. Bestellungen nach Auswärts brieflich. Karl Scholz Wrangel Straße 32 part. Kranzbinderei u. Blumenhandlg. von J. Meyer Nr. 1, Wiener Straße Nr. 1, ( in der Ecke bei der Manteuffelstraße). Guirlanden 15 Pfg. pro Meter. Doppelbügelige Lorbeerkränze von 50 Pf. an. Topfpflanzen, Bouquets 2c. gut u. billig. Fernsprecher, Amt IX, 9482. H. C. David SO., Laufherstr. 51 am Lausther Play empfiehlt den Genossen seine selbstgefertig.en Herren-, Damen- und Kinder- Schirme. Reparaturen gut und billig. Verantwortlicher Redakteur: J. B.: Paul Ernst, Berlin. Verleger und Drucker: Maurer, Werner, Dimmick, sämmtlich in Berlin SO., Elisabeth- Ufer 55. Meiökatt zur Nr. 50. St. Meter und der Streikbrecher. (Eine Legende.) Ein Streikebeecher, hu, hu, hu! Fand hier auf Erden keine Ruh; Und wie er nun zu Petrus kam, Der sirenge in's Verhör ihn nahm. Herr Petrus sprach:„Was willst Du hier? Du warst aus Erden keine Zier, Du hast verletzt das Christenlhum Und nun im Himmel keinen Ruhm; Wer will das Paradies gewinnen, Der muß vor Ällem stets sein Sinnen ?kur aus die Bruderliebe richten Und niemals halten mit den Wichten, Die ängstlich krieche,. ans dem Bauch: Ein solcher Kriecher bist Du auch! Der Herr, als er aus Erden ging. War auch geachtet nur gering, Er trat mit seinem Worte rein Siels nur für die Enterbten ein, Drum soll'n die Armen alleweil Zu ihrem eig'nen Seelenheil Als Brüder hallen treu zusammen; Wer's nicht Ihut, den muß ich verdammen. Und weil Tu bist zu Kreuz gekrochen Und hast zuerst den Streik gebrochen, Verfüg' ich laut Artikel vier, Kraft meines heil'gen Amtes hier, Daß Du sährst wieder auf der Stelle Zum„reichen Manne" in die Hölle. Der heil'ge Petrus d'raus im Nu Blies auf dem Schlüssel:„Bu, bu, bu!" Drei Teufel kamen:„Wu, wu,>vu!" Und sprachen:„Herr, was wünschest Du?" Herr Petrus sprach:„Hier den schleppt fort Hinab an einen sichern Ort, Es ist ein ganzer arger Schacher, Ein ganz gemeiner Streikebrecher! Führt ihn hinweg zum finslern HadeS, In's Fegefeuer dritten Grades, Und siedet ihn in Pech und Oel, Zu strafen seine schwarze Seel'!" *** Und die Moral von dem Gedicht Ist:„Breche niemals Streike nicht! In Liebe, Treu' und Einigkeit Halt' zu den Brüdern jeder Zeit, Dann wird Dich Petrus nie verdammen. Du wirst ihm sein willkommen. Amen'" Der Großvaier. Ich erinnere mich seiner nur dunkel und lange hielt ich ihn für einen höchst sonderbaren Menschen, der meiner kindlichen Einbildungskraft ehrerbietige Furcht einflößte. Erst mit den Jahren, als der ihn einhüllende Nebel zer- floß, verstand ich ihn,— verstand ihn, als er leider nicht mehr unter den Lebenden weilte. So geschieht es wohl oft, daß wir die uns umgebenden nächsten Blenschen, mit denen wir leben, täglich zusammen sind, erst dann wahr- hast kennen lernen, wenn sie schon im Grabe ruhen. Ich erinnere mich eines herrlichen Wintertages. Der Schnee schillerte silbern unter den Strahlen der Sonne, thaute und floß in einem Wasserstrahle vom Kirchthurme herab, um die Pfützen flatterten Tauben und badeten in ihnen. Die Spatzen ließen ihr fröhliches Geschrei ertönen. Vor den Fenstern unseres Hauses ging jemand vorüber, schlug den Bärenpelz auseinander und athmete mit sichtlichem Wohlbehagen die vorzeitige frische Frühlingsluft ein. Ich saß auf dem Fensterbrett, hatte die Füße nach türkischer Art über einander geschlagen und blickte auf die Straße, betrübt, daß man mich nicht spazieren gehen ließ. Dieses Bild des herrlichen, sonnigen Tages wird mir stets im Gedächtniß bleiben... In's Zimmer trat die alte Njana�). Sie hieß Dmitrewna. ging beständig in sogenannten„Kotü"'0 einher, kleidete sich in dunkel punktirte Kattunstoffe und hatte einen„Poweunok"�) auf, welcher auf der Stirn in zwei herumflatternde, nach verschiedenen Seiten ge- wundene Hörner auslief. Dmitrewna gab mir einen Wink, vom Fenster herunter- zukommen. Ich bildete mir ein, daß die Erlaubniß zum Spaziergange ertheilt wäre und eilte auf sie zu. „Pawluschenka, weißt Du, was ich Dir zu sagen habe? Wir haben einen Gast bekommen!" flüsterte sie mir geheimnißvoll zu. In der Kindheit war ich immer, ich weiß selbst nicht warum, gegen Gäste eingenommen. Ich intercssirte mich deshalb auch nicht im mindesten für diesen Besuch und fragte nur, wann wir spaziren gehen würden. .Wollen Sie denn den Großvater nicht sehn?" fragte Dmitrewna vorwurfsvoll. .Wessen Großvater?" .Wie wessen? Den Vater Ihrer Mutter." Die Mittheilungen über einen Großvater, den ich nie gesehn, von dem ich sogar niemals hatte sprechen hören, setzten mich in Erstaunen. .Wo ist er denn?" fragte ich. *) Kinderfrau. *) Lederne Bauernschuhe. Kopfputz russischer Frauen. Merliner ü Sonnabend, den 13. Dezember 1890. „Er sitzt in der Küche. Ueber die Hintertreppe ist er gekommen. Ist ja auch in Bauernkleidung." Ich schaute auf Dmitrewna's aufgerissenen Mund. „Der Großvater" in„Bauernkleidern"— dies war alles so unwahrscheinlich, so seltsam, daß ich den brennenden Wunsch empfand, mich durch den Äugenschein von der Wahrheit der eben gesagten Worte zu über- zeugen. Natürlich mußte ein Mensch in Bauernkleidern über die Hintertreppe kommen und in der Küche sitzen. Unser Hausmeister, Xenofont,— ein Mann von ungewöhnlicher Wichtigkeit,— war zu sehr von Achtung zu seiner grünen mit ungeheuren Metallknöpfen besetzten Livree und seinem Tresfenhute durchdrungen, als daß er einen Menschen in Bauernkleidern die Haupttreppe hätte hinauf- geh'n lassen. Eben dieser Xenofont zog bei der Be- grüßung meiner Mutter ehrerbietig den Hut und sprach: „Ich wünsche Ew. Excellenz einen guten Morgen" und der„Großvater" in„Bauernkleidung" war doch Mamas Vater,— wie ging das also wohl zu? Mit diesen Fragen wandte ich mich an Dmitrewna, doch konnte sie mir keinerlei Aufklärung geben. Zuckte nur mit den Achseln und sagte tief aufseufzend: „Da hast Du's!" Ich äußerte den lebhasten Wunsch, den Großvater zu sehn, da man uns Kinder aber nicht in die Küche hineinließ, so mußten wir zu irgend einem Hilfsmittel unsere Zuflucht nehmen. Dmitrewna ersann eine List. „Weißt Du, Pawluschenka," flüsterte sie mir in obiger Art geheimnißvoll zu,„nach der Küche zu gchn, daran ist gar nicht zu denken: wenn es Mamachen er- fährt, befördert sie mich in die Ewigkeit. Wir wollen es so machen. Sie gehen in das leere Eckzimmer, stellen steh hinter die Thür, öffnen dieselbe ein wenig, nicht ganz, nur so, daß eine Oeffnung bleibt, und durch diese sehen Sie durch! Ich gehe dann nach der Küche, öffne gleichsam absichtslos die Thür und auf diese Weise werden Sie alles sehn". Gesagt— gethan. Ich huschte in das Gemach. stellte mich neben die Küche und begann durch die Thür- ritze zu schauen. Ich besinne mich, wie ausgeregt ich war; der geheimnißvoll? Großvater war in meiner Ein- bildungskraft ein gewissermaßen sonderbares Wesen und seine Erscheinung selbst in unserm Hause verknüpft sich mit etwas Schrecklichem, die Zukunft Bedrohendem. Dmitrewna ging an mir vorüber und öffnete weit die Thür. In dieser Entfernung � übersah ich die ganze Fläche und in erster Linie auf einem Tabouret neben dem Küchentisch einen hochgewachsenen Greis mit langem, schwarzem Barte und ungewöhnlich lebhaften dunklen Augen. Er trug einen alten, an vielen Stelleu ge- flickten, kurzen Pelz und hohe geschmierte Stiefel. Um den Hals hatte er einen einfachen Shawl geschlungen und auf den Ümeeti lag eine große Pelzmütze, wie sie gewöhnlich die Kutscher tragen. Neben dem Großvater stand, den Rücken gegen den Tisch gelehnt, mit aufge- stützten Händen, unser Koch Silant, in Schürze und weißer Mütze. Der neben dem Herde stehende Küchen- junge wusch in einem Waschbecken das Geschirr, schielte oft nach dem Großvater hinüber, pustete so eigenthümlich und zeigte die milchweißen Zähne. In die Küche tretend, grüßte Tmitrewna ehrerbietig und schweigend den Groß- vater, nahm dann ein Tabouret und setzte sich an den Tisch, das Gesicht der Thüre zugekehrt. „Die Herrin bittet, ein Weilchen zu warten", sagte sie.„Sie ist sogleich fertig." Der Großvater antwortete nicht, ja, schenkte sogar, schien es mir. dem Gesagten keine Aufmerksamkeit und setzte sein Gespräch mit dem Koch fort. „Wie viele Bediente seid Ihr?" fragte der Groß- vater. „Ja, wieviel... des Herrn Diener, Fedor— eins, der Herrin Kammermädchen, Fekluscha— zwei, die N'ana— drei, dann ich. der Kutscher und der Küchenjunge. Es werden wohl im Ganzen sechs sein... Hm!"(Ter Großvater streichelte den Pelz seiner Mütze). „Du selbst bist woher?" „Ich? Ich bin ein Soligalikscher." „So so. Ich war auch in Eurem Bezirk. Kennst Du das Kirchdorf Kowschowo?" „Gott, das versteht sich von selbst— von uns sind es gerade 5 Werst bis dorthin... über den Fluß am Espeuwald vorbei.... Unser Kirchdorf ist Ananjowo." „Auch in Ananjowo war ich. Besinnst Du Dich auf Moisfei Potapitsch? Kaum! Du bist noch sehr jung!" „Ich bitte Sie, über 30 Jahre!" erwiderte in be- beleidigtem Tone der Koch„und was Mdiffei Potapitsch betrifft, so erinnere ich mich seiner noch sehr gut. Er ist ein ganz kleiner Greis, der aus Sibirien zurückgekehrt ist. Seine Tochter ist mit Polikar Semjonowitsch, einem Gerber, verheirathet. Ein prächtiger Greis!" „Wann gedenkst Du wieder in das Dorf zu gehen?" fragte der Großvater. „Ja. diesen Sommer werde ich bei der Herrschaft um eine Woche Urlaub bitten,— ich war schon lange -Crißune. IV. Jahrgang. nicht dort. Doch ich weiß nicht....." antwortete der Koch. „Nun, wenn Du also im Dorfe sein wirst, so sei nicht faul, geh' zu Potapitsch hin und überbringe ihm meinen Gruß." Silant fuhr mit der Handfläche nachdenklich über das glatt rasirte Kinn. „Und wie soll ich ihn... eigentlich... bestellen?" fragte er. a, „Sage nur: Iwan Morou grüßt." Der Großvater erhob sich und es zeigte sich, daß er von noch stattlicherem Wüchse war, als ich vermuthete. „Geh' nur. N'anuschka", wandte er sich an Dmi- trewna,„sage der Herrin: Meine Zeit ist sehr knapp bemessen." „Sofort, gnädiger Herr!" erwiederte sie ehrerbietig und wandte sich zur Thüre. Ich sprang aus meinem Versteck hervor und eilte in das Gastzimmer, wo meine Schwester mit der Puppe spielte. „Weißt Du was, Natascha?" begann ich erregt zu erzählen.„Unser Großvater ist da. Er ist groß, hat einen scharzen Bart und ist wie ein Bauer gekleidet." Natascha machte große Augen. „Hast Du ihn gesehen?" fragte sie. „Ja, er sprach in der Küche mit Silant. Und weißt Du, er kommt sofort hierher." Wie unerwartet diese Nachricht ihr auch sein mußte, so machte sie auf meine 5jährige Schwester doch gar keinen Eindruck. Sie wandte sich mit der größten Ruhe von mir ab, ergriff die Riesenpuppe, und sie nach sich schleppend, tanzte sie durch das Zimmer. Jetzt kam auch die Mutter aus ihrem Boudoir heraus. Ihr Gesicht schien mir aufgeregt und die Augen verweint. Ich lief ihr entgegen und wollte ihr von dem ivunderbaren Großvater erzählen, als derselbe plötzlich selbst in der Thüre erschien. „Guten Tat}, Lisa!" sagte er. Meine Mutter näherte sich ihm, er drückte ihr einen Kuß auf die Stirn. „Sind Sie gesund, Papa?" fragte sie. „Nicht ganz" antwortete er.„Und Du? Du siehst so bleich aus. Nach den Kindern frage ich gar nicht. Ich sehe ja, sie wachsen und gedeihen." „Setzen Sie sich, Papa" sagte sie mit einladender Handbewegung. „Ich habe keine Zeit, meine Liebe, ich habe keine Zeit. Ich komme nur für eine Minute und zwar in geschäftlicher Angelegenheit. Du weißt wohl schon? Immer dasselbe, meine Liebe." „O mein Gott!" flüsterte meine Mutter, mitleidig und ängstlich den Großvater aublickeud. „Hast Du 20 Rubel bei Dir? Aber sofort, diese Minute? Ich brauche sie uvthwendig." „Ach, Papa, wie kannst Du nur? Mir thut das Herz so weh. so weh!... Ich schwebe in beständiger Angst. Der Großvater runzelte die Stirn. „Ach, dummes Zeug! Fürchte nichts. Lisa!" „Nicht für mich, Sie verstehen"... begann die Mutter, sah dann nach der Ecke, wo die Schwester und ich mit weitgeöffnetem Munde standen, und sagte: „Kinder, geht in Euer Zimmer! Spielt dort." Es blieb uns nichts anderes übrig als zu gehorche«, und wir entfernten uns sachte aus dem Gastzimmer' Was dann geschah, weiß ich nicht, aber als ich, von Neugierde gequält, wieder in's Gastzimmer trat— war der Großvater bereits fort. Die Mutter stand am Fenster und schaute auf die Straße. Ich näherte mich ihr. Sie drehte sich um(in den Händen hielt sie ein Taschentuch) umarmte und küßte mich leidenschaftlich; Thränen standen ihr noch in den Augen. „Wo ist denn der Großvater?" fragte ich. „Fortgegangen, mein Herzchen!" antwortete sie. „Kommt er wieder?" „Nein, er kommt nicht wieder." „Warum ist er in Bauernkleidung?" „Es gefällt ihm so!" erwiderte sie ausweichend. Zu Mittag kam der Vater aus dem Departement nach Hause. Er war sehr heiter und scherzte mit unS, was bei ihm selten vorkam. Wir erzählten ihm natür- lich, daß der Großvater bei uns gewesen. Er wurde plötzlich sehr ernst und blickte strenge auf die Mutt.'r. Diese saß mit gesenkten Augen da. „Ein unglaublicher Mensch!" rief der Vater, die Serviette zusammenknitternd und fortwerfend,„ich glaubte, daß er nicht mehr existirte." „Reist er denn fort?" fragte ich. „Schweige!" schrie er mir grimmig zu, wandte sich dann an die Mutter, fragte sie etwas in französischer Sprache. Jene antwortete. „Dieses hättest Du unterlassen sollen!" stieß er schneidend hervor.„Du weißt nicht, was daraus ent- stehen kann. Die Mutter sprach französisch, der Vater erwiderte heftig und jähzornig; sie sprachen sehr aufgeregt und die Mutter verließ unter Thränen den Tisch. ein ver ( Fortsetzung solgt.) 1. Aus Proßnitz. Dies alles war so anziehend geheimnißvoll, erweckte die Rancüne einer alten Gesellschaftsepoche vertrat; eine geoisie in ihrem Kampfe gegen die feudale Gesellschaft so sehr meine Neugierde, daß ich, wie gewöhnlich, wenn nicht zum Durchbruch gekommene Schicht des alten Staats, und deren Krone unter der Firma des Volks in Anspruch im Hause Dinge vorfielen, die ich nicht verstand, mich durch ein Erdbeben an die Oberfläche des neuen Staats zu nehmen sich gezwungen sah. Assoziationsrecht, Preßan Dmitrewna um Aufklärung wandte. geworfen; ohne Glauben an sich selbst, ohne Glauben an freiheit 2c. mußten sie nicht zerbrochen werden in den Aber auch diese wußte, wie es sich erwies, sehr das Volk, knurrend gegen oben, zitternd gegen unten, Händen eines bethörten Volkes, das sie nicht mehr für wenig, doch unterließ sie nicht, mir dieses Wenige in egoistisch nach beiden Seiten und sich ihres Egoismus die Bourgeoisie zu führen brauchte und gegen sie zu geheimnißvoll flüsterndem Tone, immer nach der Thüre bewußt, revolutionär gegen die Konservativen, konservativ führen bedenkliche Gelüste kund gab? blickend, mitzutheilen. Ihren Erzählungen nach war der gegen die Revolutionäre, ihren eigenen Stichworten mißGroßvater einst Offizier gewesen; es ereignete sich dann trauend, Phrasen statt Ideen, eingeschüchtert vom Weltetwas, er wurde zum Soldaten degradirt und nach dem sturm, den Weltsturm exploitirend, Energie nach keiner Kaukasus geschickt; dann tauchte er aber plöglich in Si- Richtung, Plagiat nach allen Richtungen, gemein, weil Pfni, welche Verhekung! birien auf. Es folgte eine Reihe phantastischer Aben- sie nicht originell war, originell in der Gemeinheit Unsere Leser mögen selbst urtheilen. Wir wollen sie teuer, die sie nicht geordnet erzählen und deren ich mich schachernd mit ihren eigenen Wünschen, ohne eigene nicht beeinflussen. nicht deutlich erinnern fonnte. Nur ein Umstand prägte Initiative, ohne Glauben an sich selbst, ohne Glauben Die Monatsschrift für christliche Sozialreform", sich mir seiner Driginalität wegen ein: Der Großvater an das Volk, ohne weltgeschichtlichen Beruf, herausgegeben von Freiherrn v. Vogelsang, druckt in wurde plötzlich Kutscher und fuhr mit einem weißen maledeiter Greis, der sich dazu verdammt sah, die erſten ihrem siebenten Heft folgende zwei Berichte ab: Pferde, Waßka genannt, durch die adt. Wozu der Jugendströmungen eines robusten Volkes in seinem eigenen ohn' Großvater dies alles getrieben, konnte Dmitrewna mir altersschwachen Interesse zu leiten und abzuleiten Die Vorgänge, die sich in den letzten Wochen in nicht ordentlich erklären und ich selbst zu jener Zeit nicht Aug'! ohn' Ohr! ohn' Zahn, ohn' Alles so fand sich verstehen. die preußische Bourgeoisie nach der Märzrevolution Proßnig abgespielt haben, veranlaßten uns, Nachforam Ruder des preußischen Staates. schungen zu pflegen, deren Resultat wir hiermit unseren Die Vereinbarungstheorie, welche die im Mi- Lesern vor Augen führen. nisterium Camphausen zur Regierung gelangte Bour- In Proßniß und Umgebung wird die Schneiderei geoisie sofort als„ breiteste" Grundlage des preußischen nicht handwerksmäßig, sondern hausindustriemäßig ge= Schließlich entfiel mir ganz die Existenz des Groß- contract social( Gesellschaftsvertrag) proklamirte, war trieben, und zwar wird für Exporteure und für Großkonvaters in Bauernkleidern", umsomehr, als er sich nicht feineswegs eine hohle Theorie; sie war vielmehr gewachsen fektionäre gearbeitet. mehr bei uns zeigte und seiner niemals Erwähnung auf dem Baum des" goldenen" Lebens. Alles näht, Männer, Weiber, Kinder, Alt und Jung, gethan wurde. Nach zwei, drei Jahren war die Mutter Die Märzrevolution hat den Souverän von Gottes gelernte Schneider, Taglöhner, Bauern, kurz Alles, was mehrere Tage lang sehr zerstreut, weinte viel, fuhr täglich Gnaden keineswegs dem Volkssouverän unterjocht. Sie dort lebt, näht. ohe Wissen des Vaters aus und ließ sich, zurückgekehrt, hat nur die Krone, den absolutistischen Staat, gezwungen, Gehilfen feine. Gearbeitet wird von 4 Uhr Morgens Die Schneider haben vier bis sechs Lehrlinge, lange Zeit nicht blicken. es war im Winter sich mit der Bourgoisie zu verſtändigen, sich mit ihr zu bis 11 Uhr Nachts, also durch 19 Stunden. Nicht genug Und siehe da, eines Morgens sagte mir die Mutter, daß der Großvater sehr frank Die Krone wird der Bourgegisie den Adel, die damit. Zweimal in der Woche wird die ganze sei, daß sie ihn besuchen und sich von ihm verabschieden Bourgeoisie wird der Krone das Volk opfern. Unter Nacht hindurch gearbeitet, wenn die Arbeiten dringverdienen" verdienen! Welche Ironie! wollen. Die Stoffe werden zugeschnitten Ich war natürlich sehr erfreut über die Gelegen dieser Bedingung wird das Königthum bürgerlich und die lich sind und die Leute etwas Bourgeoisie königlich werden. heit, von Neuem den geheimnißvollen Großvater zu sehen, Nach dem März giebt es nur noch diese zwei Mächte. aus der sogenannten" Fabrik" geholt. Zwirn, Seide muß Sie dienen sich wechselseitig als Blizableiter der Re- in der" Fabrik" gekauft werden. Zwei bis drei Familien wohnen in einer und volution. Alles natürlich auf„ breitester demokratischer Wir traten aus dem Hause, nahmen eine Droschke, Grundlage." derselben Wohnung, bestehend aus Zimmer und Küche!! In meinem Gedächniß war er lange Zeit ein sagenhafter Mensch, der fortwährend etwas wie etwa einen Schatz sucht, sich deshalb auch immer verkleidet und vor den Menschen versteckt. fahre; wenn ich wolle, könnte ich sie begleiten. und vor Freude über das Versprechen umarmte und füßte ich stürmisch meine Mutter. vereinbaren. # 1 fuhren sehr lange und gelangten endlich zu einem sehr Das war das Geheimniß der Vereinbarungs- Kurz, das Elend ist unbeschreiblich, die Noth entseßlich. " fleines eine große Zeughose kleine " " " große Weste fleme 77 Zeuganzug 11 russischen Segelanzug " 1 " 11 feinere Gattung. Lichte Waare: Stadtschneider 15 fr. 10" 12 " 6 bis 8 " 12 " " 6 bis 8 30 bis 35" 1 38 11 45" 30 35 bis 40 60 70 bis 75 großen, düstern Gebäude mit kleinen Fenstern. Ich wollte gern wissen, was für ein Gebäude es sei und die theorie. Die Del- und Wollhändler, welche das erste Um so wohler fühlen sich aber die„ Unternehmer". Ministerium nach der Märzrevolution bildeten, gefielen Folgende Preise werden gezahlt für: Mutter nannte es Krankenhaus. Da ich nicht die ge- sich in ihrer Rolle, die blosgestellte Krone mit ihren ein großes Zeugsacco( Rock) ringste Vorstellung von einem Krankenhause hatte, so schaute ich mit der größten Verwunderung auf die Schild- plebejischen Fittigen zu decken; sie schwelgten in dem in Hochgenusse, hoffähig zu sein und widerstrebend, von wache vor dem Thore, auf die Leute in Uniform, welche von der Mutter einen Schein verlangten, sie von allen ihrem rauhen Römerthum aus reiner Großmuth ablassend -von dem Römerthum des vereinigten Landtags Seiten beschauten, zum Fenster tretend beriethen, die die Kluft, welche den Thron zu verschlingen drohte, mit einen ganzen Bengamang Mutter nach etwas fragten, und uns schließlich durch dem Leichnam ihrer ehemaligen Popularität zu vereinen gewölbten Korridor führten, in welchem das Echo schließen. Wie spreizte sich der Minister Camphausen unserer Schritte dumpf wiederhallte, was mich sehr be- als Wehmutter des konstitutionellen Thrones. Der ein Sacco dem Dorfschneider. lästigte. brave Mann war offenbar über sich selbst, über seine einen Ueberzieher dem Dorfschneider Wir gingen sehr lange, wendeten uns bald rechts, eigene Großmuth gerührt. Die Krone und ihr Anhang bald links und gelangten endlich in ein großes, helles Dnldete widerstrebend diese demüthigende Protektorschaft, eine Hose Zimmer, in welchem eine Reihe Betten aufgestellt waren, sie machte bonne mine à mauvais jeu( gute Miene auf denen Leute in Schlafmügen lagen. Unter ihnen fand ich, allerdings nur schwer, den Großvater heraus. zum bösen Spiele) in Erwartung befs'rer Tage. Die halb aufgelöste Armee, die für ihre Stellen und Er war sehr heruntergekommen, ja, schien sogar kleiner Ordinäre Röde von Loden: geworden zu sein, der Bart war ergraut, nur die Gehalte zitternde Bureaukratie, der gedehmüthigte Feudalstand, dessen Führer sich auf konstitutionellen Studien- ein Loden: Jaquet mit 2 Reihen Knöpfen, wattirt, schwarzen Augen erglänzten, wie früher. gesteppt, per Stück. detto, sehr fein gearbeite Als er uns erblickte, freute er sich sichtlich, machte reisen befand, ¹) übertölpelten leicht mit einigen süßen Worten eine Anstrengung sich zu erheben, drückte meiner Mutter, den Bourgeois Gentilhomme.2) Die preußische Bourgeoisie war nomineller Besizer wie gewöhnlich, einen Kuß auf die Stirn, während sie sich herabbeugte, um seine bleiche, welke Hand zu küssen. der Herrschaft, sie zweifelte keinen Augenblick, daß die Dann zog er mich ans Bett heran und fuhr mir leicht Mächte des alten Staats ohne Hinterhalt sich ihr zu Gebote gestellt und in ebenso viele devote Ableger ihrer streichelnd über die Haare. eigenen Allmacht verwandelt hätten. " Dank Lisa, besten Dank!" sagte er, nervös die äußersten Ecken der wollenen Decke mit den Fingern zerknitternd ,,, bitte, set' Dich hierher." Sie wollte sich auf's Tabouret seßen, doch er wies auf das Fußende seines Bettes hin, ergriff ihre Hand und hielt sie lange mit beiden Händen fest. ( Schluß folgt.) Nicht nur im Ministerium, in dem ganzen Umfang der Monarchie war die Bourgeoisie von diesem Wahn berauscht. " " " Stadtschneider Weste " einen weißen Piquet- Ueberzieher eine weiße Hose Weste " 11 " einen Menczifoff, sehr fein gearbeitet ein Sacco, in den Aermeln wattirt Stoffarbeit, mittelfein: zweireihig, fein gearbeitet, für Winter. einreihig, für Herbst( fingerdick) für Sommer einen fleinen Menczikoff, fingerdick im Stoffe detto, größer " f " 1 " 1 " " 18 • 18 30 bis 40 12 15 " " 12 15 " 22 480 488 APROBARE4 ニニニニ 40 bis 45 r. 90 " " 1 90 11 60 fr. 1 fl. 15" 70 bis 80 N 60 70 " 1 " 1 fl. 20 " " " eine Stoffhose aus fingerdidem Stoff 1 fl. 70 fr. Winterrock, zweimal gesteppt, wattirt 1 ,, 60 detto, feinste Qualität, Atlasfutter 2 bis 1 80 # 1 W 80 " 17 " 2 20 " 11 " " " 18 bis 20 30 35 " 11 " 1 " 40 46 11 " " " mittelfein feinste Gattung • Die einzigen Heldenthaten der preußischen Bourgeoisie nach dem März, die oft blutigen Chifanen- der Bürgerwehr gegen das bewaffnete Proletariat, fanden Westen werden wie Hosen gerechnet, für sie nicht in der Armee, in der Bureaukratie und selbst einen schwarzen Rock elegant.. in den Feudalherren willig unterwürfige Helfershelfer? eine schwarze Hose oder Weste I fl. 80 fr. bis 2 fl. fr. 40 bis 45 Die Bourgeoisie und die Contre- Revolution Die einzigen Kraftanstrengungen, wozu sich die lokalen Die Gehilfen bekommen zwei Drittel der Preise, von Karl Marx. Vertreter der Bourgeoisie aufschwangen, die Gemeinde- welche die„ Meister" erhalten. Für ein Mittagessen werden ( Abdrud aus Nr. 165, 169, 170, 185 der„ Neuen Rhein. 3tg". räthe deren zudringlich servile Gemeinheit von einem 10 fr. bezahlt. Windischgräz, Jelachich und Welden³) später in ange= Am Sonntag Morgen, wenn die Wochenarbeit zu II. messener Weise befußtrittet wurde die einzigen Helden- Ende ist, müssen die Lehrlinge noch den Fußboden in der thaten diese Gemeinderäthe nach der Märzrevolution, Werkstätte aufreiben. Die deutsche Bourgeoisie hatte sich so träg, feig und langsam entwickelt, daß im Augenblicke, wo sie gefahr ihre patriarchalisch- ernsten Warnungsworte an das Volk, Die Unglücklichen fallen um wie die Mücken und drohend dem Feudalismus und Absolutismus gegenüber wurden sie nicht angestaunt von den verstummten Re- schlafen mit der Bürste in der Hand ein! stand, sie selbst sich gefahrdrohend gegenüber das Prole- gierungspräsidenten und den in sich gegangenen Divisions= So entseßlich niedrig diese Preise schon sind, so giebt tariat erblickte, und alle Fraktionen des Bürgerthums, generalen? Und die preußische Bourgeoisie hätte noch es" Unternehmer", welche noch um ein Drittel von deren Interessen und Ideen dem Proletariat verwandt zweifeln sollen, daß der alte Groll der Armee, der Bu- den obigen Preisen weniger zahlen. sind. Und nicht nur eine Klasse hinter sich, ganz reaukratie, der Feudalen, in ehrfurchtsvoller Ergebenheit So sieht es in Proßnig aus. Europa sah sie vor sich. Die preußische Bourgeoisie vor dem sich selbst und die Anarchie zügelnden groß- In Wien werden ähnliche Preise gezahlt. Anzüge war nicht wie die französische von 1789, die Klasse, müthigen Sieger, der Bourgeoisie, erstorben sei? für Knaben im Alter von zwei bis neun Jahren werden welche die ganze moderne Gesellschaft den Repräsentanten Es war klar. Die preußische Bourgeoisie hatte nur im Dnßend gemacht und werden per Dugend mit 6 fl. der alten Gesellschaft, dem Königthum und dem Adel noch eine Aufgabe, die Aufgabe, sich ihre Herrschaft be- bis 8 fl. 20 fr. bezahlt. Für eine Eisenbahn- Uniform gegenüber vertrat, sie war zu einer Art von Stand herabgesunken, ebenso ausgeprägt gegen die Krone als quem zu machen, die störenden Anarchisten zu beseitigen, werden 1 fl. 50 fr. bis 1 fl. 90 fr. bezahlt. Ruhe und Ordnung" wieder herzustellen und die Zinsen 2. Aus Nürschan. gegen das Volt, oppositionslustig gegen beide, unent- wieder einzubringen, die während des Märzsturms verschlossen gegen Jeden ihrer Gegner einzeln genommen, loren gegangen waren. Es konnte sich nur noch darum Als wir die Nachrichten von den in der Umgebung weil sie immer beide vor oder hinter sich sah; von vorn handeln, die Produktionskosten ihrer Herrschaft und stattgehabten Krawallen erhalten hatten, bei welchen das herein zum Verrath gegen das Volk und zum Compromiß der sie bedingenden Märzrevolution auf ein Minimum Militär einschritt und zahlreiche Opfer fielen, bemühten mit dem gekrönten Vertreter der alten Gesellschaft geneigt, weil sie selbst schon zur alten Gesellschaft gehörte; nicht zu beschränken. Die Waffen, welche die preußische Bour- wir uns, etwas über die in den Nürschauer Kohlenrevieren gebräuchlichen Lohnsäße zu erfahren. Mit vieler die Interessen einer neuen Gesellschaft gegen eine alte, 1) Der Prinz von Preußen, der nachmalige Kaiser Wilhelm, Mühe befamen wir die nöthigen Ausfünfte und Belege sondern erneute Interessen innerhalb einer veralteten Ge- mußte vor der Wuth des empörten Volkes nach England flüchten und säumen nun nicht, unseren Lesern das Ergebniß sellschaft vertretend; nicht an dem Steuerruder der und konnte nur zurückkehren, nachdem er zum Abgeordneten ge- unserer Nachforschungen bekannt zu geben. Revolution, weil das Volk hinter ihr stand, sondern weil wählt war und durch sein Mandat geschüßt wurde. Camphausen das Volk sie vor sich herdrängte; nicht an der Spize, stellte die Flucht als eine„ Studienreise" dar. 2) Der Bürger als Edelmann. weil sie die Initiative einer neuen, sondern nur weil siel 3) Die kontrerevolutionären Henfer in Ungarn. Zunächst haben wir zu bemerken, daß die Einholung von Informationen sehr schwierig ist, weil die Arbeiter sich ungemein hüten müssen, in den Verdacht zu kommen daß sie Mittheilungen an die Außenwelt gemacht haben. Dieselbe ist jedoch immer auf das Möglichste gering| kann, wo die Luft von Pulverqualm und Kohlenstoff Sie laufen sonst Gefahr, sofort entlassen oder durch Zu- bemessen. verdorben ist, bei einer Arbeit, die den Bergmann langtheilung von schlechter Arbeit, bei der sie nichts verdienen, Die Auszahlungen der Arbeiter erfolgen allmonatlich sam hinmordet 16 Mark und 7 Pfennige! chikanirt zu werden, daß sie selber die Arbeit verlassen, und es werden den Arbeitern im Laufe des Monates Pfui, wie fann man so Etwas schreiben! wodurch sie aller ihrer Einzahlungen an die Bruderlade Vorschüsse gegeben. und ihrer Ansprüche auf die Altersversorgung verlustig Um den Lesern einen Begriff zu verschaffen, was werden. Diese Altersversorgung, so ungemein farg sie die Arbeiter thatsächlich verdienen, bringen wir hier auch ist, bildet den Kitt, der die Arbeiterschaft an die einige Lohnzettel. Unternehmer bindet, und sast fühlt man sich versucht. diese Altersversorgung als ein teuflisch raffi nirtes Werkzeug des Spekulanten zu bezeichnen. Doch zu den nackten Thatsachen: 38 Nr. I. 27 Wagen Stücfohle à 40 fr.. 14 Meter Arbeit in taubem Gestein à fi. 2, Wüfeltohle à 20 fr. Für Wasserhinderniß Davon werden abgezogen: Bruderlade Es liegen uns 35 Lohnzettel vor, welche sich auf die Anna, Franz-, und Concordiagrube beziehen und bis zum Jahre 1884 zurückreichen. Die Arbeiten sind einzutheilen in solche, wo bei Kohle gefördert wird, und in solche, die Schmiedekosten( Werkzeugreparatur) in taubem Gestein durchgeführt werden müssen. Dynamit, Zünder und Kapseln Del Für eine Hade Summa Sieg! Unsere Ideen brechen sich Bahn. Nur noch ein paar Wochen, und der soziale Staat ist da. Die 7,60 Christlich- Sozialen fangen schon an. Das„ Volk" bringt 28,- folgendes Eingesandt: fl. 10,80 " 1 " 7, " „ Herr von Kleist- Rezow hat vor Kurzem gejagt, fl. 53,40 daß die heutige( kapitalistische) Gesellschaftsordnung kein Glaubensartikel unserer christlichen Religion sei und wir fl. 2,14 sie nicht zu vertheidigen brauchten. Wie wahr und 1,47 richtig dies ist, geht aus der Bibel selber hervor. Denn in der Apostelgeschichte„ St. Lucä" wird berichtet, daß -60 Alle aber die gläubig waren geworden, waren bei einSumma f. 8,13 ander und hielten alle Dinge gemein. " " " " 2,31 1,61 Es kommt nämlich vor, daß die Kohlenflöze plötzlich aufhören, und es ist dann Sache des Bergmannes, in dem sogenannten tauben Gestein Gänge herzustellen, die Somit verbleiben von obigen 53 fl. 40 fr.- 45 fl. 27 fr. zu neuen Flözen führen. Begreiflicherweise kommt dabei viel auf die Erfahrung an, die sich der Bergmann nur Das ist der Verdienst von zwei Arbeitern in in längerer Zeit zu eigen machen kann. Er muß aus einem Monat. Macht pro Arbeiter und Monat der Beschaffenheit des Bodens beiläufig beurtheilen 22 Gulden und 632 Kr. oder 40 Mark und fönnen, ob er die Strecken nach dem neuen Flöz nach 74 Pfennige. aufwärts oder nach abwärts treiben soll. Er muß beurtheilen können, nach welcher Richtung er arbeiten muß, um mit Vortheil zu arbeiten. Auch kommt es vor, daß Strecken( Gänge) von einem( Arbeits-) Orte zum andern getrieben werden müssen. Die ersteren Arbeiten werden als Verdienst von zwei Arbeitern für die Arbeit in war( Kap. 4, Vers 32-35)." nach Wagen( Hunden) berechnet, letztere werden per lau- einem Monat. Macht pro Arbeiter und Monat fenden Meter im Affordwege( bergmännisch gesprochen: 16 fl. 59 fr. oder 29 Mart 76 Pfennige. im Gedinge) vergeben. Ihre Güter und Habe verkauften sie und theilten sie aus unter Alle, nachdem Jedermann noth war( Kap. 2 V. 44, 45). Die Menge aber der Gläubiger war Ein Herz und Eine Seele; auch keiner sagte von seinen Gütern, daß sie seine wären, sondern es war ihnen alles gemein. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte, ehnlich wie oben ausgewiesener Verdienst in Summa fl 40,45 denn wie viele ihrer waren, die da Aecker oder Häuser Siervon werden abgezogen: für Büchsengeld, Sprenghatten, verkauften sie dieselben und brachten das Geld 7,26 des verkauften Gutes und legten es zu der Apostel Somit verbleiben fl. 33,19 Füßen, und man gab einem Jeglichen, was ihm noth Die Arbeitszeit ist eine elfstündige. mittel und Del Verdienst Del. Mr. II. Nr. III. " " fl. 34,30 " $ 3,60 6,47 Verbleiben fl. 27,83 Um 5 Uhr Morgens wird in den Gruben der Abzüge: Büchsengeld, Schmiedetosten, Sprengmittel fl. 2,87 Prager Eisenindustrie- Gesellschaft eingefahren, und um 5 Uhr Abends erst dürfen die Arbeiter die Grube verlassen. Während dieser zwölf Stunden, die der Arbeiter als einmonatlicher Verdienst für drei Arbeiter. ununterbrochen in feuchten, finsteren, von seinem Lamp- pro Arbeiter und Monat 9 fl. 28 kr. chen matt erhellten Räumen zubringen muß, sind ihm 16 Mark 7 Pfennig. nur zwei Pausen gestattet. eine um 9 Uhr Morgens Nr. IV. 16,17 Sieht das etwa aus wie eine Vertheidigung der heutigen liberalen kapitalistisch- jüdischen Wirthschaftsund Gesellschaftsordnung? Und wo wären die Arbeiter wohl besser aufgehoben als bei dem Christenthum, das Obiges ausspricht? Nur der Jude hält die Arbeiter davon zurück, sich dem Christenthum zuzuwenden, das es so gut mit ihnen Macht meint! Unsere Geistlichen und Laien werden wissen, oder was zu thun, trotz der Verhetzungen seitens der Juden". Und nun, Herr, sieh an ihr Drohen und gieb Deinen Kuechten mit aller Freudigkeit zu reden Dein Wort!" fl. 70,15( Kap. 4, Vers 29.) Ein Christlich- Sozialer." Nun, wann fangen die Christlich- Sozialen an mit dem Theilen? Wann wird Herr von Kleist- Rezow seine 9 Uhr Früh tritt eine halbstündige Pause ein und um als Verdienst von fünf Arbeitern in einem Monat. Güter verkaufen und geben einem Jeglichen, was ihm halb 12 Uhr wird die Grnbe auf eine Stunde verlassen. Macht pro Mann und Monat 10 fl. 79 kr. oder noth ist( wir können hier mit Adressen dienen). Wann Um halb 1 Uhr Nachmittags beginnt dann die Arbeit 19 Mart 15 Pfennige. wieder und dauert bis 3/46 Uhr. zum Brotessen, die zweite, einstündige, zu Mittag. Das Verdienst Essen wird ihm in die Grube geschafft. Bei Albert Abzüge ähnlich wie oben. Seifert dagegen wird um 5 Uhr Morgens eingefahren, Die Arbeitszeit ist also bei Albert Seifert etwas Verdienst länger, dennoch ist diese Einrichtung eine humanere, weil Abzüge die Mittagspause thatsächlich eingehalten wird, während No. V. " Verbleiben fl. 53,98 fl. 45,72 7.53 Verbleiben fl. 38,19 " bei der vorhin erwähnten Arbeitseintheilung die ein- als Monatsverdienst von drei Arbeitern. Macht pro stündige Mittagspause wenig Werth hat, weil die Ar- Mann und Monat 12 fl. 73 fr. oder 22 Mart beiten alle im Akkord geschehen und daher die Arbeiter 91 Pfennige. bei den auf's Aeußerste reduzirten Löhnen ihre Mittagspausen nur zu oft nicht einhalten. Nr. VI. Um uns nicht den Vorwurf zuzuziehen, wir hätten Die Kohlenflöze haben bei der Prager Eiſenindustrie- nur ungünstige Lohnliſten veröffentlicht, wollen wir beGesellschaft eine Mächtigkeit von 30 bis 36 Boll, bei merken, daß wir unter den Lohnzetteln auch einen besitzen, Alb. Seifert eine solche von 20 bis 26 Zoll. Die Ar welcher einen Monatsverdienst von 30 fl. 49 kr.( 54 Mt. beiter haben daher mit großen und vielen Schwierigkeiten 88 Pf.) bei 27 Arbeitstagen für einen Arbeiter aufweist. zu kämpfen und müssen theils in knieender, theils in ge- der sub I bis V gefennzeichneten Grenzen. Die übrigen Lohnzettel alle bewegen sich innerhalb bückter, theils auch in liegender Stellung arbeiten. Die Luft ist eine schlechte, gesundheitswidrige, und Bevor wir zur Erörterung der Kohlenpreise überwird der Stöcker seinen zweiten Rock aus dem Schrank nehmen und ihn dem schenken, der ihn darum bittet? 11 " Wie's gemacht wird. Das St. Louis Tagebl." bringt folgenden Bericht über die jüngsten Vorfälle an der New- Yorker Börse: Um sich einen Begriff zu machen von den Unsummen, die in der ersten Hälfte dieses Monats verloren und gewonnen wurden um eine Vorstellung zu bekommen, wie reich die Reichsten innerhalb weniger Tage wurden, muß man einen Blick auf die Aktienliste werfen. Betrachten wir zunächst die Werthpapiere, in deren kontrolirenden Besiz Gould und seine Kumpane durch die Panik und den Aktiensturz gelangt sind. " daher ist es begreiflich, daß die Bergleute sehr schlecht gehen, wollen wir noch bemerken, daß wir uns der Mühe am 1. November waren sie 74 notirt, am 17 ten 57; dies aussehen und sehr selten ein hohes Alter erreichen. Daß die Arbeit in der Grabe mit vielfachen Gefahren verbunden ist, braucht nicht erst besonders versichert zu werden. Die Beleuchtung muß der Arbeiter liefern, und es wird ihm von Seite der Unternehmung großmüthig freigestellt, entweder heller zu beleuchten, um besser zu sehen und den sich hierdurch möglicherweise ergebenden besseren Verdienst durch den größeren Delfonsum zu paralysiren, oder sein Lämpchen matter leuchten zu lassen und den hierdurch möglicherweise verursachten Verdienstentgang durch Delersparniß auszugleichen. Aber nicht nur die Beleuchtung der Grube fällt dem Arbeiter zur Last, auch seine Werkzeuge, sowie die Reparatur derselben hat der Arbeiter zu bezahlen. Die Sprengmittel, als da sind: Pulver, Dynamit, Zünder, Kapseln, muß gleichfalls der Arbeiter bezahlen. Kurz, dem Arbeiter ist alle Sorge für Werkzeug, Beleuchtung, Sprengmaterial 2c. auferlegt. Die Abzüge, welche den Arbeitern aus den vorhin angeführten Umständen erwachsen, belaufen sich, wie wir später nachweisen, auf 15 bis 20 Prozent des Lohnes. Folgende Löhne werden gezahlt: Bei Albrecht Seifert: Da sind zunächst Northern Pacific"," preferred"; bedeutet eine Gesammtabnahme jener Northern Pacifie Aktien um Doll. 3 000 000. unterzogen haben, zu untersuchen, in welchem Verhält nisse die Löhne für das Fördern brauchbarer Kohle zu jenen für Bewältigung des tauben Gesteines, überhaupt Atchison fiel vom 1. bis 17. November von 34 auf 24; direkt unverkäuflicher Arbeitsleistungen, stehen. eine Gesammtabnahme des Werths der Atchison- Aktien Das Resultat unserer Berechnungen ist, daß die um Doll. 7 Millionen. letteren Sorten ungefähr 40 bis 60 Prozent der ersteren betragen. Die Kohlen werden von der Prager EisenindustrieGesellschaft verkauft per 100 kilo: 1889 1890 fr. fr. Stückkohle 72 84 Großwürfel 66 78 Kleinwürfel 62 70 Nußkohle 54 60 Schmiedkohle 44 50 Löschkohle 18 22 Das sind Detailpreise ab Grube. Die Werthe von 16 anderen Kompagnien meistens Eisenbahngesellschaften- verloren innerhalb jener kurzen Frist insgesammt Doll. 115 Millionen; nämlich NorthAmerican sank von 34 auf 7; Pullman von 210 auf 175; Delaware und Hudson von 1384 auf 12512; Delaware, Lackawanna und Western von 145 auf 124; Northwestern von 108 auf 103; Chicago Burlington- Quincy von 91 auf 84; die Edison Co. von 97 auf 77; Richmond Terminal von 19 auf 13; Louisville- Nashville von 77 auf 67; Rock Jsland von 76 auf 66; Missouri Pacific von 69 auf 60; Zuckertrust von 68 auf 49; Pacific Mail von 39 auf 32; New York Central von 112 auf 98; Als Engrospreise konnten wir ermitteln pro 100 Stilo: Lake Shore von 107 auf 94, Alles in Allem ein fr. Stückfohle. 68 Mittel ohle 64 Großwürfel 60 Kleinwürfel 54 20 Löschtohle. Wenn man nun diese Preise mit den Arbeitslöhnen Für einen Wagen( Hund) à 350 Kl. Stückfohle, Großwürfeltohle 40 kr. vergleicht, wird man die Ursachen des jüngsten NürKleinkohle, Griestohle, Kleinwürfelfohle, " " " Nußkohle Es kommen jedoch auch Wagen à 5 fr. vor. Bei der Prager Eisenindustrie- Gesellschaft: Für einen Wagen( wie oben I) 20" schaner Strifes einigermaßen verstehen. Werthsturz um 125 Millionen, in welche sich Diejenigen theilten, welche, wie Gould, die Vanderbilts, die Rockeseller und etliche Dußend Andere, Millionen von Dollars in Baarem oder ohne Verlust umsetzbaren Werthen liegen hatten und„ auftauften"; zunächst natürlich erwarben die Großkapitalisten solche Aftien, mit welchen ihre eigene Firma identifizirt ist; so taufte Gould selbstverständlich gefallene Missouri Pacific zunächst und Vanderbilt ge= Mit einer Ausbesserung von 5 fr. per Hund wären junkene New York Central auf; sobald diese Leute vor die Grubenarbeiter befriedigt und die traurigen Auftritte einer nicht tiefbegründeten Panik stehen, helfen sie die 30 tr. vermieden worden; ob es den Unternehmern durch die Werthe tiefer hinabdrücken, indem sie selber als„ Ver10, internatio: ale Konkurrenz unmöglich gemacht war. diese fäufer" auftreten, ein gewisses Quantum von Aktien in Doch kommen auch Wagen mit Mittelfohle zu 20 bis Aufbefferung zu bewilligen, lassen wir dahingestellt sein." den Markt werfen, und wenn sie dann finden, daß Nun, was soll man da sagen! Solche Berichte die Börse genügend demoralisirt ist und ein weiterer Für Arbeiten im tauben Gestein werden bei Albrecht zu drucken! Ist das nicht schändlich, ist das nicht Kourssturz gefährlich werden könnte, grabschen sie plößlich Seifert verschiedene Preise gezahlt, welche von 50 fr. eine Verhegung sonder Gleichen, eine Aufreizung zum alle gesunkenen Werthe auf, heimsen sie ein und die bis 3 fl. 50 fr. per laufenden Meter schwanken. Die Klassenhaß, und noch dazu von einem Freiherrn und in Panit" ist vorüber, die Papiere steigen wieder, weil das Preise sind jedoch so niedrig bemessen, daß die Arbeiter einer christlichen Monatsschrift! Zu welchen Schlüssen Großkapital Zutrauen genug zu ihnen besaß, sie zu kaufen. troß angestrengtester Thätigkeit sehr oft in die Lage muß man kommen, wenn man so Etwas liest! Was Natürlich sind solche Experimente sehr gewagt; wer fommen, faum 60 bis 70 fr. im Tage zu verdienen. muß man sich dabei denken! Pfui, wie kann man nur! nicht immens reich ist und das Steigen der PaDann wird ihnen unter irgend einem Namen, z. B. Ein Monatslohn von 16 Mark und 7 Pfennigen bei piere abwarten kann, riskirt Alles. Wassergraben, Wasserhinderniß, Flözstörung u. dgl. eine elfstündiger Arbeit unter der Erde in engen und niedrigen Nach und nach kommen nun die Berichte über die Entschädigung gegeben. Gängen, wo man sich nur gebückt oder liegend aufhalten Gewinne und Verluste Einzelner, die an der Börse eine " T " 1 25 fr. vor. " (" II) " hervorragende Rolle spielen. Morosini, Jay Gould's| Das genügt. Um ein paar Groschen zu sparen, zu dem Weinhändler gegenüber und trank gleichgültig ein Vertrauens- Agent, verdient" eine Million; die Brüder werden die gefunden Glieder der Arbeiter geopfert. Wie- Glas, während die Stahlklinge noch im Auge der Leiche Rockefeller haben mit dem Ankauf von Doll. 100 000 viel Groschen ist denn einem Unternehmer ein Finger eines zitterte. Ja, mein Freund, das habe ich gesehen in letter Northern Pacific Aktien und anderen Papieren mehrere Arbeiters werth? Die Rechnung ist einfach: Nehmen Woche; Ernst Pichio und Andere noch sahen es wie ich; Millionen gemacht", der" Bären"-Hauptmann Adison wir an, daß das Rauhmachen des Trittes 50 Pfennige ich habe den Triumph der Ordnung gesehen." Cammack Doll. 1 Million. Die Kleinen", welche unter fostet, und daß der Unternehmer endlich beim fünften Und plöglich schauderte Gill, André Gill, und die Doll. 500 000 gewonnen oder verloren haben, werden in Mal dem Uebelstand abgeholfen hat, so finden wir, daß Arme gegen den Himmel erhoben, das Gesicht verzerrt, der Sieges-, wie in der Verlustliste kaum erwähnt. Henry dem Unternehmer ein Arbeiterfinger 10 Pfennige Schaum vor dem Munde und das Auge voll Blut, stellte Villard soll heute um Doll. 9 Millionen ärmer sein, als werth ist. er sich vor mich hin, schreiend, oder vielmehr bellend, er vor 4 Wochen gewesen, da man ihn auf Doll. 10 Milliheulend wie ein zu Tode gehezter Hund: onen schätzte. Es mag übertrieben sein, daß wie ein New Yorker Börsen- Berichterstatter nach Chicago schreibt- Jay Gould dreißig Millionen Dollars aus dieser Affaire gegrabscht " André Gills Wahnsinn. Von Léon Cladel.) " 1 , Ah! Das ist Vergnügen; meine Damen, das ist Vergnügen. Thun Sie sich gütlich!..." Wieder einmal unsere ,, nationale" Schutzollpolitik. Wo, wann und wie erhielt er den Hammerhabe, den zehnten Theil der Gesammtabnahme aller schlag? So fragt sich häufig die Welt, wenn sie hört, Börsenpapierwerthe in New York seit letztem Juni. Aber daß Dieser oder Jener den Verstand verloren hat. Gestern, das Eine wird allenthalben zugegeben, daß eine beträcht- als man mich in dieser Weise fragte, in Betreff des beliche Verschiebung" stattgefunden, die Allerreichsten noch fannten Karrikaturenzeichners, den man eben im Asyl von bedeutend reicher geworden und viele kleine Vermögen Charenton untergebracht hatte, erinnerte ich mich, daß ich Exbismard gemacht werden, davon bietet der Jahresbericht Wie die Profitchen unter der Hochschuzzollpolitik des zum Teufel gegangen sind. ihn schon einige Jahre zuvor verrückt gesehen hatte. Er des„ Hörder Bergwerfvereins" ein hübsches Beispiel. Denn 300 Millionen Dollars sind seit letztem Juni irrte damals durch das von den guten Aposteln der Veraus den Taschen der Mehrheit der Börsenjobber New sailler terrorisirte Paris. Ich gebe wieder, was er mir Generalversammlung dieser Aktiengesellschaft konstatirte der In der am 22. d. M. zu Köln stattgefundenen Yorks in die einer kleinen Minderheit gewandert." nahe der Rue Soufflet erzählte, eines Abends, als die Vorsitzende Herr von der Zypen im Namen des VerDas ist einmal ein tüchtiger Ruck! So wird die Mitrailleusen der Ruraux) im Garten des Luxembourg waltungsraths, bei dem genannten Unternehmen habe im soziale Revolution gemacht! Es leben Morosini, Cammack schubweise die besiegten Bürger niedermähten, verurtheilt leßten Geschäftsjahre die Fabrikation von Schienen und und Gould, und mögen sie noch viele ähnliche Geschäfte ohne Richterspruch und ohne Appellation. machen! Sie sind unsere Pioniere, die besten und arbeitsamsten Genossen, die wir haben können. Sie sollen nur " grabschen", und wenn sie genug gegrabscht" haben, so werden wir schon ernten, was diese Edlen im Schweiße ihres Angesichts säen. Die Schwellen für das Inland einen Ueberschuß von " Der Tag neigte sich seinem Ende zu und ich hielt 600 000 Mart, die für das Ausland aber einen es nicht mehr aus. Es waren, mein Lieber, sechsund- Verlust von 360 000 Mark ergeben. Das zeigt dreißig Stunden, wo ich im Keller des Theaters de Cluny also, wie die„ Demokratische Correspondenz" ausführt, lebte oder vielmehr nicht lebte. Plötzlich klang das Echo erstens, daß die zollgeschüßte deutsche Schienen- und von tausend fröhlichen Stimmen an meine Ohren und ich Schwellenindustrie, beziehungsweise die Hörder Werke, fletterte auf einen Haufen von Dekorationsgegenständen, thatsächlich im Auslande nicht konkurrenzfähig sind, daß um zu versuchen, durch das Gitter eines Luftlochs zu befie ferner, um ihren Produktionsüberschuß absetzen zu Die Rücksichtslosigkeit des Kapitals gegen obachten, was draußen vorging. Ach! Ich werde das tönnen, mit Verlust in's Ausland arbeiten, die Arbeiter. niemals vergessen! Mein Gehirn dreht sich um, wenn ich um aber diesen zu decken, einen um so höhe daran denke, und mein Kopf brennt! Später werde ich ren Preis im Inland verlangen müssen. Die gänzliche Nichtachtung von Leben und Gesund es vielleicht malen, dieses Bild! Stelle Dir vor, daß auf Hörder Werke haben per Saldo 240 000 Mart profitirt, heit der Proletarier gegenüber dem Profit illustrirt sich dem das Gebäude, in welches ich mich geflüchtet hatte, ihre deutschen Konsumenten, das heißt im letzten Grunde vielleicht am besten in dem brutalen Außerachtlassen der begrenzenden Trottoir etwa zwanzig von Kugeln zerfleischte die Arbeiter, die es ja bezahlen können, aber haben ihnen gewöhnlichsten und billigsten Vorsichtsmaßregeln. Der dies- Föderirte( Kommunards) ausgestreckt lagen. Um ihre Körper einen Profit von 600 000 Mark bezahlen müssen. Wer jährige Bericht der österreichischen Gewerbeinspektoren er- belustigte sich Mac Mahon's und Galliffet's Soldateska hat von den restlichen 360 000 Mart den Nuzen gezogen? zählt folgenden Fall- leider ist der betreffende Unter- mit folgendem Spiel: Sie ließen, nachdem sie lange ge- Einen Theil das Ausland, welchem die Hörder Werke die nehmer nicht genannt und an den verdienten Pranger zielt hatten, ihre Bajonette in die verglasten und starren Schienen und Schwellen, troz großer Frachtkosten, noch gestellt: Ein anderer Fall sträflicher Sorglosigkeit betrifft es; manchmal glitt der Stahl von der Hirnschale ab und selbst vermochten, und den andern Theil der zollgeschützten Augen der Kommunards fallen. Nicht jedesmal gelang billiger abgegeben haben, als die ausländischen Werke cs den Unternehmer einer Metallwaaren- Fabrik, in welcher schlug dann mit dumpfem Ton, der mir durch Mark Hände lange Kette, durch welche das Rohmaterial gegangen bei einem Fallwerk turz nacheinander 4 Arbeiter und Bein ging, auf den Asphalt, und man spottete laut ist, bis es seine letzte Form, die der Schiene oder Schwelle, auf ganz gleiche Weise an den Fingern ver- lachend über den ungeschickten. legt wurden. Die Manipulation besteht einfach darin, daß der zwischen zwei vertikalen Gleitstangen sich bewegende blanken Waffe sich in das gebrochene Auge eines Todten einzelt da. Wie Hörde arbeitet, so arbeitet auch Bochum, „ Wenn aber gut gezielt war und die Spize der nehmer. Der Fall der Hörder steht durchaus nicht verangenommen hat, die armen deutschen hungernden UnterKloz( Fallgewicht) durch Auftreten des Arbeiters auf dem bohrte, beglückwünschten alle Mitspielenden denjenigen und wie Bochum, so Krupp, und wie Krupp so auch die Fußhebel gehoben und das zu stanzende Metallstück mit ihrer Kameraden, der sich durch seine Geschicklichkeit aus- Anderen. Krupp z. B. verlangt für die Tonne Stahlden Händen in das Gesente gelegt wird, worauf dann gezeichnet hatte, und auf das in den Taschen des Hin- schienen von durch Heben des Fußes der Klotz niederfällt. Die wieder gerichteten gefundene und neben ihm hingelegte Geld Frankfurt a. M. 144 Mt., während er sie den der königlichen Eisenbahndirektion holten Unfälle wurden nun dadurch veranlaßt, daß der zeigend, schrien sie:„ Gewinner, Du wirst uns zu trinken Fuß in Folge der Glätte des Trittes vom Hebel abrutschte bezahlen, Kerl!" Und wirklich, man begab sich insgesammt Frachten, franko Galat, um einen erheblich gerinrumänischen Bahnen troß der ganz bedeutenden und der Klotz vorzeitig niederfiel, bevor noch der Arbeiter seine Hände zurückziehen konnte. Der Unternehmer 1) Diese Skizze ist im Almanach de la Question sociale geren Preis, 111 Mart 60 Pfennige, anbietet. hätte bei einiger Ueberlegung den Fehler herausfinden enthalten. Das nennt man Patriotismus: die deutschen über's Chr und denselben durch Rauhmachen des Trittes beseitigen 3) Ruraux( Bauern) wurden von den Kommunards die Depu- hauen und mit dem Profit die Konkurrenz im Ausland fönnen; er nahm jedoch ohne weiteres an, daß der tirten der in Versailles tagenden Nationalversammlung genannt, unterbieten. Unfall jedesmal durch die Ungeschicklichkeit des Kreise das Uebergewicht über die fortgeschrittenen Städte hatten weil bei deren Zusammenseßung die ländlichen, monarchistischen Verlegten herbeigeführt wurde." und es in jeder Weise ausnutten. Es lebe der Patriotismus! Die seit 1877 bestehende, weltbekannte Berliner Arbeiter- Bibliothek. 2. Serie. Sammlung Sozialpolitischer Flugschriften. Soeben erschien Heft 8: Fort mit dem Dreiklassen- Wahlsystem Jedes Heft der in Preußen. Von Max Schippel- Berlin. 36 Seiten. Preis 20 Pfennig. Berliner Arbeiter- Bibliothek" ist einzeln zu beziehen. Die Preise sind niedriger gestellt wie bei allen anderen Unternehmungen. Bestellungen richte man an die be annten Kolporteure oder an die Expedition der ,, Berliner Arbeiter- Bibliothek." Berlin SO., Elisabeth- Ufer 55. Kolporteure gesucht und gebeten, sich an die Expedition zu wenden. Hoher Rabatt. 64. Waldemar- Straße 64. Schuh- u. Stiefelwaaren- Lager bon Ernst Grossmann. Große Auswahl in Herren-, Damen- und Kinder- Schuhen Reelle Bedienung. und Stiefeln jeder Art. Empfehle meinen werthen Freunden und Genossen sowie den Lesern dieses Blattes mein Cigarren- Geschäft. Carl Lehmann, Brunnenstr. 83, dicht am Humboldthain. 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