Berliner Volks- Tribüne. Sozial- Politisches Wochenblatt. Die„ Berliner Dolks Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnementspreis für Berlin monatlich 50 Pf. pränumerando( frei in's Haus). Einzelne Nummer 15 Pf. Durch jede Post- Anstalt Deutschlands zu beziehen.( Preis viertelj. 1 mk. 50 Pf.) № 52. Aus der Woche. Zur sozialen Lage der Redaktion und Expedition: SO.( 26), Elisabeth- Ufer 55. Ausgabe für Spediteure: ,, Volksblatt", Beuthstr. 3. Inserate werden die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 20 Pf. berechnet Dereins- Anzeigen: 15 Pf. Arbeitsmarkt: 10 pf. Inseraten- Annahme in der Expedition: Elisabeth- Ufer 55. Die ,, Berl. Volks- Tribüne" ist unter Nr. 893 der Zeitungs- Preisliste eingetragen Sonnabend, den 27. Dezember 1890. Im Gewerkschaftsprozeß zu Magdeburg wurden IV. Jahrgang. In den Vereinigten Staaten scheint sich eine Handlungsgehilfen. III.- Von der Nationa- zwei Angeklagte zu zwei Wochen Gefängniß, drei zu neue kleinkapitalistische Partei bilden zu wollen. Zweifelliften- Bewegung in Amerika. Soziales aus 150 Mart, achtundzwanzig zu 100 Mark Geldstrafe ver- los werden viele Enthusiasten, die zu den guten Kerlen, urtheilt, fünfzehn freigesprochen. Vierzehn der in Frage aber schlechten Musikanten gehören, auf den neuen RumRußland. Zum fortschreitenden Verfall der kommenden Fachvereine sind geschlossen. Wie reimt sich mel hineinfallen, namentlich viele senights of Labor, altė mittleren( besitzenden) Klassen. Aus dem dieses Urtheil mit dem im Berliner Maurerprozeß er konservative Trades- Unionisten, Kleinhandwerker und Eulengebirge. Die lassenen zusammen? Willig o Herr sind Deine Diener, Kleinkaufleute; die verschuldeten Landwirthe dritten, Bürgerliche Moral. Lebenshaltung der Arbeiter. Zahlen. sie thun alles, was Du befiehlst. vierten und fünften Ranges in erster Reihe. Sinniges aus der bürgerlichen Presse. Vom Kriegsgericht zu Königsberg wurde ein Nordamerika bekäme dann eine politische KleinbürgerMaurergeselle, der sich als Reserveunteroffizier durch Partei, welche vielleicht allmählich die besseren Elemente Verbreitung von sozialdemokratischen Schriften, sozial- der Bourgeoisie an sich zieht und die beiden alten Párdemokratischer Umtriebe schuldig gemacht haben soll, zu teien, die demokratische und republikanische, in eine vom sechs Jahren Gefängniß verurtheilt. Es ist etwas großkapitalistischen Interesse geleitete und beherrschte Ungeheuerliches, wenn in einem Staate, der sich mit allem Partei umschmelzen hilft. Gedicht. Novelle. Novelle. Die Bourgeoisie und die Contre- Revolution. IV.- Bei Mama. Zum Kapitel von der Heiligkeit der Ehe. Der Zinsfuß im Alterthum. Die Poft- Abonnenten unseres Blattes erinnern wir daran, ohne Säumen und noch vor Monatsschluß ihr Abonnement zu erneuern, das sonst von der Post als erloschen betrachtet wird. Post- Zeitungskatalog Nr. 893. Breis pro Vierteljahr 1,50 mt. bei Selbstabholung, 1,65 Mt. durch Briefträger ins Haus. Stolze eines Proßen einen Kulturstaat nennt, Bürger Diese neue Fortschrittspartei" wird dem Sozialismit ungleichartigem Maaße gemessen werden, weil der mus nicht minder feindlich, als die Partei der Großeine zufällig, ohne seinen Willen, für kurze Zeit in einem bourgeoisie, gegenübertreten. Sie wird ihre Eugen Richter Rod von anderer Farbe steckt. Und bei dieser Sachlage haben, gerade so gut wie die kleinbürgerliche Fortschrittssollen wir in Deutschland seit den Gurrand- Siegen an partei in Deutschland. Es ist jedoch eine Weöglichkeit der Spiße der Zivilisation marschiren? Hat sich was! vorhanden, daß sie der Sache der Menschheit einen Dienst Marschiert wird allerdings, aber immer im Kreis herum, leistet, zu welchem der Sozialismus bisher in Amerika radibum, wie das Thier in Göthes Faust. nicht befähigt war, da sein Einfluß nicht in die Massen In Deutschland wird noch immer gegen das hineinreichte. Es wäre nämlich möglich, daß diese neue, allgemeine Wahlrecht von den Edelsten der Geburt und des dritte, Kleinbürgerlich- bäuerliche Partei sittlichere Prinzipien dreimal heiligen Besitzes geschürt und gehezt nach Noten. in die Politik und das allgemeine Parteigetriebe einführt Die Majorität des Abgeordnetenhauses in Neu- Südwales und dadurch den amerikanischen Volksgeist vor völligem ( Australien) hat eine Wahlreform- Bill eingebracht, nach Versinken in den Pfuhl der Korruption bewahrt. Wie welcher jede Person, gleichgiltig ob Mann oder Frau, die Dinge jetzt liegen, ist eins der Haupthindernisse für Erst nach Monatsschluß eingegangene Bestellungen wenn sie das 21. Jahr zurückgelegt hat, wahlberechtigt die Ausbreitung des Sozialismus in Amerika in dem sind mit unnüßen Kosten und Zeitverlust verbunden, iſt. Was wohl dazu der eiserne Mann im Sachsenwald Umstande zu finden, daß so viele Arbeiter gewohnt sind, die Politik als eine Geldeinnahme- Quelle anzuganz abgesehen davon, daß eine Nachlieferung der bereits fagen wird? In Cannes ist ein tapferer Vorkämpfer des sehen, und wieder Andere von einer politischen Theorie erschienenen Nummern oft gar nicht mehr erfolgen kann. Proletariats, Dr. Caesar de Paepe seinem langjährigen nichts wissen mögen, die sich wie der Sozialismus Lungenleiden erlegen. Der Verstorbene war ursprünglich ,, nicht rasch bezahlt". Schriftsezer, darbte sich das Brod vom Munde ab, um Die Kreuzband Abonnenten Der gegenwärtige Abstand zwischen dem, ein gestudiren und Arzt werden zu können. Er stellte seine duldiges, langes Warten bedingenden Sozialismus und bitten wir, wenn es irgend angeht, vom 1. Januar ab den Volkes, darum blieb er auch arm sein Leben lang. groß, daß Einen ein Schauder bei dem Gedanken des Kunst vollständig in den Dienst des hungernden, leiden- dem Augenblickserfolg- anbetenden Amerikanerthum ist so direkt von der Postar.stalt zu beziehen. Die Auslagen seiner legten Reise, von welcher er Lin- Ueberspringens dieser Kluft erfassen könnte. derung erhoffte, bestritten seine Genossen, ebenso wie sein Wo Kreuzband aus besonderen Gründen weiter ge Begräbniß. Caesar de Paepe war der Hauptvertreter sie der amerikanischen Jugend lehrt, daß die SelbstWenn die neue Partei diese Kluft überbrückt, indem wünscht wird, bitten wir um umgehende Nachricht; sonst des wissenschaftlichen Sozialismus in Belgien. Möge bereicherung von Individuen durch die Politik ein Vernehmen wir an, daß direkte Bestellung bei der Post ſeine selbstlose Hingabe an unsere Ideen allen Genossen gehen gegen die Gesammtheit erfolgt ist und senden vom 1. Januar ab nicht weiter. ein anfeuerndes Beispiel sein. wenn sie den Arbeitern Wir reiten! Auf allen Punkten und Linien ist Wahlstimme zu persönlichem Vortheil benutzen dürfe nur die einzige infame Idee austreibt, daß man seine Die Expedition. die Sozialdemokratie im Vorrücken begriffen, Verzweiflung wenn sie das Land von der Seuche dieser Korruption und dumpfes Entsetzen schleicht um in den Reihen der wenigstens befreit, dann hätte die neue Partei nicht umGegner. Der Landesgerichtspräsident von Bielefeld, ein sonst gelebt, auch wenn ihre Daseinsfrist nicht auf allzu hochadliger Herr von Kunowski, bejaht in einer Broschüre Zuerst versuchte man es mit der brutalen die Frage, ob die Sozialdemokratie in nächster Zeit lange bemessen wäre. Gewalt. Man unterdrückte die sozialistische Presse, jagte siegen werde. Recht lustig klingt sein Urtheil über die -Ein wunderbares Schauspiel beginnt: ein Konflikt die rührigsten Genossen aus der Heimath ins Elend, und sogenannte„ Sozialreform“:„ Die Gefahr, der wir uns der Sozialreform soll in diesen Tagen einmal recht deutzwischen der Krone und den Konservativen. Dem Staat ließ gegen die Partei die Staatsanwälte auf der ganzen gegenüber befinden, ist ganz neuer Art. Darum ist es Linie los. Nach dreizehn Jahren hatte man mit der von vornherein ein vergebliches Beginnen diese Gefahrlich zu Gemüthe geführt werden, was seine Einbildungen Gewaltpolitik abgewirthschaftet, seit erstem Oktober dieses mit alten Zaubersprüchlein und kleinen Hausmittelchen auf sich haben, als wenn er unabhängig über den ParJahres soll der Kampf nur mit geistigen Waffen geführt beschwören zu wollen." Stimmt! Auch nach unserm teien schwebe. Durch die Arbeiterschußreden hat er sich werden. Aber da stinkt es in der Fechtschule ganz ge- Statechismns. Eine Frage aber wagen wir, in aller unter sich die Gunst der Großbourgeoisie verscherzt, durch die waltig. Mit Ausnahme des Herrn Richter hat sich noch thänigster Bescheidenheit natürlich, an den Herrn Landes- geplante Reform der Landgemeindeordnung, welche den fein reisiger Kämpe gegen die Sozialdemokratie aufgethan gerichtspräsidenten in Bielefeld zu stellen. Würde Herr Großgrundbesitzern wenigstens etwas von ihrer Allmacht und selbst dieser Held hat sich bei näherem Zusehen als von Kunowski auch unter der Regierung Bismarcks, als raubt, die Gunst der Großgrundbesizer. Bleiben nur Popanz für politische Säuglinge entpuppt. Nun ver- Vorsitzender eines Geheimbundsprozesses auch derartig noch übrig die Freiſinnigen und wir. Möge er zu uns sucht man, den geistigen Kampf mit dem Steuereinschäßer geurtheilt haben, oder( Eventualfrage) würde er heute kommen! Wir werden ihn mit freudiger Rührung aufweiter zu führen. Aus Anhalt kommt die Kunde, daß auch auf seiner Ueberzeugung bestehen, wenn etwas mehr nehmen! -seAus der Woche. macht man hervorragendere Genossen mit ganz ungeheuerlichen gefordert würde, als billige Worte? Würde er im Aber im Ernst! Wen die Götter verderben wollen, Steuervorschreibungen überrascht habe. Der Schuhmacher Stande sein, dem Beispiel des Schmalkaldner Kreisblattes, den schlagen sie mit Blindheit. Jeder von unsern GegKoppehl in Niemburg beschwerte sich gegen zu hohe Ein- das 25 Jahre der Regierung gedient, jetzt aber sich an- nern sieht die drohende Gefahr. Der Staat versucht, fchäßung. Nach einiger Zeit tam ihm die Antwort zu schickt, ins Lager der Sozialdemokratie einzuschwenken ihr zu begegnen, indem er den Arbeitern Konzessionen geflogen:" Die Kommission ist der Ansicht, daß Sie das nachzufolgen?... Urtheil: Einstimmig, Nein! wenig genug freilich, aber man sieht doch den fragliche Einkommen von 1200 Mark doch haben, da- Exbismarck ist auf einer Reise durch Berlin ge- Willen. Und die Klassen, welche sich freuen müßten, 1000 Mark allein für Agitation gerechnet werden können." kommen. Am Bahnhof bereiteten ihm seine dankbaren daß der Staat eine für sie so vortheilhafte und relativ Recht nette Helden hat die Sozialdemokratie gegen sich: Kreaturen einen feierlichen Empfang. Exbismarck war weil es ihnen ein paar Pfennige fostet. Der Staat vernünftige Politik einschlägt sie protestiren dagegen, den Polizeibüttel und Lockspizzel, den Zeitungsschmot, sichtlich gerührt und sprach die denkwürdigen Worte: den bakelschwingenden Schulmeister und jetzt auch noch Ist es in Berlin auch so falt gewesen?" soll ihr Büttel sein gegen uns, aber es darf den Gerichtsvollzieher. Wahrlich, Falstaffs Rekruten Jeder der anwesenden Kreaturen hat sich diese erhebende nichts kosten. heiteren Angedenkens waren reine Gardekerle dagegen. Ansprache unauslöschlich ins Herz geprägt. Zur soziale» Kage der Haudlungsgehilfe«. m. Wir haben in den beiden ersten Artikeln in Ans- zügen aus der Adler'schen Broschüre„Die Handlungs- gehilfen und die Sozialreform" die gegenwärtige Lage der Handlungsgehilfen geschildert. In dem zweiten Theile seiner Schrift bespricht der Verfasser die Vor- schlage zur Abhilfe der Roth. Wir sehen sofort, daß wir es mit einem Sozialreformer zu thun haben, und da können wir natürlich nicht so übereinstimmen, wie in dem ersten Theil, wo er nur Thatsachen bringt. ftttsZj den Schilderungen der beiden ersten Artikel geht hervor, daß die nächste Ursache fast aller der trau- rigen Erscheinungen, die übermäßige Anzahl der stellungs- losen Gehilfen ist. Ein Gehilfe, welcher dem Chef nicht zusagt, kann sofort wieder ersetzt werden; auf seine Stelle lauern Hunderte von Stellungslosen; was Wunder, daß der Gehilfe dem Chef gegenüber keinen Widerspruch wagt, sich ohne Murren die schändlichsten und gemeinsten Bedingungen diktiren läßt, für einen Lohn arbeitet, den ein nur einigermaßen besser gestellter Arbeiter mit Ent- rüstung von sich weisen würde, eine sonst fast unerhört lange Zeit hindurch thätig ist und mit den erbärmlichsten Wohnungseinrichtungen fürlieb nimmt. Die Existenz einer Zahl Stellungslosen, welche ge- nögend ist, die geschilderten Folgen zu erzielen, ist de- kanntlich überhaupt eine Nothwendigkeit für die kapi- talistische Produktionsweise. Das ist die sogenannte Reservearmee. Die Reservearmee ist überall vorhanden, wo kapitalistisch produzirt wird; da aber nicht nur der eigentliche Produzent im engeren Sinne des Wortes Kapitalist ist, sondern auch derjenige, der die Funktion hat, die Waaren zirkuliren zu lassen, so hat der Kauf- mann eben so gut wie der Fabrikant die Reservearmee nöthig. Nun weist allerdings das kaufmännische Proletariat vor dem eigentlichen Arbeiterproletariat zwei große Unter- schiede aus. Erstens, es ist qualifizirte Arbeit, welche die Gehilfen leisten; man muß erst gelernt haben, ehe man Gehilfe sein kann;, und zweitens ist dem Kaufmanns- gehilfen bedeutend leichter Gelegenheit geboten, sich selbst- ständig, zu machen und selbst Kaufmann zu werden. Durch diese beiden Umstände schienen die Handlungs- gehilfen einen Vortheil voraus zu haben; denn durch den Umstand, daß eine Lehrzeit nothwendig ist, wird die Zahl der Gehilfen beschränkt; sie kann nicht wie beim ungelernten Arbeiter ins Ungeheure vermehrt werden. Und die Hoffnung, einmal ans der Misere herauszu- kommen, ein Mädchen mit ein paar tausend Thalern zu Heirathen, und dann selbst einen kleinen Laden aufzuthun, ist doch auch etwas Werth. Aber das sind nur scheinbare Vortheile. Gewisse Verhältnisse haben die Beschränkung der Anzahl durch die Nothwendigkeit einer Lehrzeit illusorisch gemacht. Es besteht, namentlich bei den Kleinbürgern in den kleinen Städten ein sehr großer Drang zum Kaufmannsstand, da derselbe aus irgend welchen Gründen für nobler gilt als das Handwerk. Die Chefs haben ein starkes Interesse an der Lehrlingszüchterei. da die Lehrlinge billig arbeiten, und schließlich ivinkt eben das Ideal einer künftigen Frau„mit etwas Vermögen" und eines kleine» Geschäftes, das Einen behaglich und friedlich ernährt. So kommt es, daß die Nothwendigkeit einer Lehrzeit nicht beschränkend auf die Zahl der Gehilfen wirkt; jahraus, jahrein werden neue Gehilfen ztzgezüchtet; und da ein gelernter Kaufmann sich nur sehr schwer dazu herbeiläßt, zu einer anderen Beschäftigung über- zugehen, die ihm nicht standesgemäß vorkommt, so findet eine Verminderung fast nur durch die Sterbefälle statt, und wenn sich Einige selbstständig machen. Die Andern aber bleiben, drücken auf den Markt und bringen den Stand immer mehr herunter. Das Ideal der selbstständigen kleinen Geschäfte ist ja, wenigstens bei uns, noch nicht so ganz unerreichbar. Zwar drückt die Konkurrenz des Großkapitals auch hier. Das große Geschäft kann billiger und besser einkaufen und hat im Verhültniß die Nebenausgaben billiger; und so kommt es, daß das sogenannte bessere Publikum, das eine feinere Waarenkenntniß hat, fast ausschließlich die großen Geschäfte frequentirt, und nur gelegentlich dem kleinen Kaufmann, der näher wohnt, eine Kleinigkeit zu- kommen läßt. So bleibt für ihn hauptsächlich nur das kleine Publikum, das die Unterschiede in den Waaren nicht so herausfindet und das nicht Zeit genug übrig hat, wegen der Quanten, die es kauft, immer nach dem entfernten großen Geschäft zu laufen. Außerdem haben die mittleren und kleineren Geschäfte doch auch in den kleineren Städten, wo sich kein großer Unternehmer halten kann, den Raum allein. Indessen, da die Anzahl derjenigen, welche ein eigenes Geschäft begründen wollen, doch sehr groß ist, ist natürlich auch die Konkurrenz unter den kleineren Geschäften selbst sehr groß, sodaß schon dadurch die Lage der Einzelnen prekär wird. Nun haben zwar früher die Kausleute in den kleinen Städten meistens Trusts und Corners en miniature gebildet; ich selbst kann mich z. B. aus unserer Vaterstadt sehr gut einer solchen Vereinigung erinnern; allein diese Ringe werden gesprengt durch die Konsumvereine und die Versandt- geschäfte. Die großkapitalistischen Versandtgeschäfte können heute den kleineren Geschäften noch nicht so sehr schaden wegen verschiedener Mängel im Verkehrswesen; wenn aber erst einmal z. B. eine gründliche Portoreform statt- findet, die ja doch nur eine Frage der Zeit ist, so werden Tausende dieser kleinen Krämer bankerott werden. Die Aussichten für das„Selbstständigwerden" sind also sehr trübe und die ganze Sache ist jedenfalls die Opfer nicht werth, die ihr gebracht werden. Adler hat nun zwei Rathschläge: Erstens, der Staat soll sich erbarmen, einen Normalarbeits- tag konstitu iren?c.; und zweitens, die Gehilfen sollen sich nach Art der Arbeiter in Fachvereinen organisiren, um dann selbst ans die Chefs Einfluß zu bekommen. Als Mann der Sozialreform ist Adler natürlich überzeugt, daß der Staat ein sehr moralisches Wesen ist, dem das Gewissen schlägt über die Roth der armen Ge- Hilfen, und der dann aus gutem Herzen Abhilfe schafft. Wir Sozialdemokraten haben darüber andere An- schauungen; wir glauben: Der Staat will nicht, wenn er nicht muß. Der Staat will nicht, wenn er nicht muß; d. h. die Gehilfen müssen ihn durch irgend welche Mittel zwingen. Adler giebt natürlich solche Mittel nicht an. Wir wollen ihnen eins sagen, das ganz unfehlbar hilft: Sie sollen Sozialdemokraten werden. Sind sie Sozial- demokraten, so wird der Staat schon selber kommen und ihnen Anträge auf Verbesserung ihrer Lage macheu„um der Sozialdemokratie den Boden zu entziehen". So lange sie geduldig sind und sich scheeren lassen ohne Klage, so lange wird ihnen Niemand helfen. Aber sie sollen nur erst Spektakel macheu! Und gerade jetzt wäre der Augenblick ganz besonders günstig; gerade jetzt, wo mau am lebhaftesten Experi- mentiren mit dem„Boden entziehen" ist, würde man einer Klaffe, die eben erst anfinge, sich der Sozialdemo- kratie zuzuneigen, am ersten entgegen kommen. Also nichts von Petitionen, von„Gewinnen ein- slußreicher Personen", von Klagen, nichts von Loyalität und konservativem Sinn— die Sozialdemokratie muß die Losung der Kaufmannsgehilfen werden. Ach, wir wissen: Der Rath, den wir geben, ist gut; aber die Undankbaren werden ihn nicht befolgen. Es ist ziemlich aussichtslos, diesen Leuten die Sozialdemokratie klar zu macheu. Noch winkt jedem die dereinsüge„Selbst- ständigkeit", die Hoffnung, aus dem Ambos einmal Ham- mer zu werden; noch ist der bürgerliche Dünkel zu stark vorhanden, um so stärker, je gegenstandsloser er ist, und es wäre ja eine Erniedrigung für den Stand, mit den Arbeitern zu gehen. Sie sind ja keine Arbeiter, diese Herren! Sie sind ja Kaufleute, viele haben ein Gym- nasium oder Realgymnasium besucht und sind bis zur Tertia gekommen— welche Schande, Sozialdemokrat zu sein! Noch hat man seine Eltern. Anverwandten und Zugewandten, alle in ehrbaren kleinbürgerlichen Ver- hältniffen— pfui, ein Sozialdemokrat! Nein, dazu sind wir zu gebildet, zu anständig, zu fein, das paßt nicht ftir uns! Nun, und so mögen sie denn mit Herrn Professor Adler auf das gute Herz des Staates vertrauen. Aber Adler hat noch ein zweites Mittel: eine Or- ganisation. Abgesehen davon, daß es in einem Staat, wie der unsrige, etwas komisch ist, davon zu sprechen, weil die Organisation der Arbeiter durch allerhand halb mittel- alterliche Gesetze beschränkt wird— sieht man doch jetzt gerade au den Trade« Union«, die doch das Höchste er- reicht haben, was Arbeiterorganisationen überhaupt er- reichen können, wie kläglich die Sache endet. Etwas durch die Gewerkschaftsbewegung zu erreichen, wird von Tag zu Tag unmöglicher, weil von Tag zu Tag die gelernte Arbeit zurückgedrängt wird; die ungelernte Arbeit aber zu organisiren und dem llnterneh- merthum entgegenzustellen, das wäre ein Unter- nehmen, das über den bisherigen Rahmen weit hinausginge und nichts weniger als den Beginn einer sozialen Revolution bedeutete. Nun kann man freilich den Kommis nicht durch Maschinen ersetzen, welche nur Heizer und Wärter nöthig haben; die Arbeit des Handlungsgehttlfen wird qualifi- zirte Arbeit bleiben müssen; also wenn die Gewerkschafts- bewegung auch in anderen Zweigen wenig Aussicht hat, so könnte sie doch gerade bei den Handlungsgehilfen Er- folg haben? Aber eine nur Sinigermaßen werthvolle Gewerkschaftsbewegung würde voraussetzen, daß die Zahl der Be- schäftiguugslosen bedeutend vermindert wäre; denn wie die Dinge jetzt liegen, würde jede Aktion durch die un- geheure Reservearmee unmöglich gemacht. Adler verlangt wieder, daß zu diesem Zweck der Staat eingreifen soll; das wird er aber vermuthlich schön bleiben lassen. Irgend ein anderes Mittel ist nicht auszufinden. Hinderlich ist ferner der Charakter der Gehilfen: sie fühlen sich eben nicht als Proletarier, und deshalb fühlen sie sich nicht solidarisch; es käme also im besten Falle nur eine Mi- norität in Frage, welche sich der Bewegung anschlösse, und die nützt nichts. Wie man auch die Sache wenden mag— den Leuten ist nicht zu helfen. Nur ein Mittel giebt es: der Anschluß an die Sozialdemokratie. Und sie brauchen ja nicht alle zu uns zu kommen; wenn nur ein kleiner Theil, der tüchtig von sich reden macht, sich zur Sozialdemokratie bekennt, so wird der Staat eben die nöthige Angst bekommen und thun, was er kann, ohne sich zu sehr anzustrengen, um die Lage der Handlungsgehilfen zu bessern. Wir rathen also ganz ernsthaft und ohne alle egoistische Hintergedanken für unsere Partei: Werdet Sozialdemokraten! Non der Uationalisteu-Kewegung in Amerika. Im Anschluß an das ja auch unseren Lesern be- kannte Buch von Bellamy„Looking Backward" hat sich in den Vereinigten Staaten eine große Partei ge- bildet, welche sich als Ziel die Durchführung der Bel- lamy'schen Utopie gesetzt hat. Der Natur der Sache nach sind es hauptsächlich Enthusiasten und Weltver- besserer aus den mittleren Ständen, welche sich an der Bewegung betheiligeu. Indessen scheint die Bewegung doch auch für die Arbeiter Werth zu bekommen; vielleicht dient Bellamy als eine Art Vorbereitung zur eigentlichen Sozialdemokratie, die ja in Amerika lange nicht so entwickelt ist, wie man annehmen sollte. Wir entnehmen einem Artikel eines amerikanischen sozialistischen Blattes folgenden Passus: „Die Nationalisten, welche sich meistens aus der Mittelklasse der Bevölkerung rekrutiren, bildeten sich ein, das Mittel entdeckt z» haben, das bestimmt ist, das amerikanische Volk mit einem Schlage von den Ketten der Lohnsklaverei zu befreien. Man gab sich Trau- mereien hin, ähnlich wie Bellamy, als er seinen vortreffliche« Roman schrieb, und man kalkulirtc, daß binnen zehn Jahren die soziale Frage bereits gelöst sein müsse. Doch so schnell schießen auch die Amerikaner nicht.„Looking Backward" wurde wohl in Hunderttausenden von Exemplare« verbreitet und regte ebenso viele Menschen zum Nachdenken über die soziale Frage an Taufende von Amerikanern erklärten sich offen für Nationalismus und scheuten sich nicht, eine offene Shm- pathie für die Sozialisten zur Schau zu tragen, aber zwischen Theorie und Praxis ist ein weiter Schritt. Die Nationalisten, un- erfahren wie sie auf dem sozialen Kampsgebiet waren, glaubten durch praktische Agitation die Verstaatlichung der Bahnen, Tele- graphen, Telephone, Straßenbahnen, Gaswerke n. s. f. binnen kur- zer Zeit durchgesetzt zu haben. Daß die- nicht so leicht durchzu- führen ist. haben die Nationalisten bereits ausgefunden. Daß die Wogen der Rationalisten-Bewegung nicht mehr so hoch gehen, wie vor Jahresfrist, muß zugegeben werden. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Nationalismus im Abnehmen be- griffen ist. Im Gegentheil; es werden täglich dem Sozialismus durch ihn neue Rekruten geworben, und dazu trägt„Looking Backward" nicht wenig bei. Dem Beobachter wird die Thatsachc nicht unbekannt sein, daß sich die bedeutend- sten Nationalisten, welche es mit ihrer Sache ehrlich meinen, den Sozialisten immer mehr nähern oder sich diesen direkt anschließen. Die Stellung, welche z.B. die Chicagoer Nationalisten-Clubs der internationalen Arbeiterbewegung gegenüber einnehmen, liefert den besten Beweis für obige Angabe. Die Nationalisten waren die Ersten, welche den sozialistischen Vor- sdstag, 1893 einen internationalen Arbeiter-Kongreß in Chicago abzuhalten. Ihatlräftig unterstützten. Der Nationalismus ebnete den Weg und verschaffte dem Sozialismus Eingang beim amerika- nischen Volk." Der amerikanische Schriftsteller, welcher ja doch die Verhältnisse kennt, wird gewiß nicht unrichtig gesehen haben. Freilich, da der Ausgangspunkt eine Utopie ist, so drohen ihr viele Gefahren aus einer unrichtigen Schätzung der Dinge. So z. B. versuchen die Leute gegenwärtig eine Kolonie nach dem Plan Bellamys zu gründen. Wir entnehmen einem Artikel der„Frankfurter Zeitung" einige Notizen über das Unternehmen: „Es war im Jahre 1884, als aus Veranlassung von Burnette G. Haskell in San Francisco eine Versammlung stattfand, in wel- cher die Gründung einer Kolonie beraihen wurde, deren Ange- hörige, auf genossenschaftlicher Grundlage mit einander verbunden, gewillt wären, zu kolonisiren, nicht um dabei zu verdienen, sondern um sich Heimstätte» zu errichten, sid> eine unabhängige Existenz zu begründen, für sid> und ihre Familien die Furcht vor Mangel zu beseitigen, und sid, moralisch, geistig und Physisdi zu erziehen und zu vervollkommnen. Alles, was auf genossenschaftlichem Wege am besten gearbeitet werden kann, soll auf demselben gethan, aber die Individualität und die Freiheit des Hauses sollen nicht beeinträch- tigt werden. Für die geleistete Arbeit sollen Checks aus- gegeben werden, gültig zur Entnahme von allen her- gestellten Erzeugnissen aus dem Lager der Kolonie. Diese Idee, fiel auf sruditbaren Boden; von den 86 Theil- nehmern jener Versammlung sdstoß sich eine Anzahl eng zu- sammen, um sie zu verwirllichcn. Zunächst galt es, eine für die Kolonie geeignete Landfläche ausfindig zu machen, und zu dem Ende besuchte Haskell im Oktober 1885 den im südlichen Kali- fornien gelegenen Tulare-Distrikt. Diese Ländercien waren bis dahin noch nicht erschlossen worden; zu ihnen gehörte ein Theil des„Riesen-Waldes" im Tulare-Distrikt. Das von der Gesellschaft okkupirte Terrain liegt an der nördlichen Gabelung des Kaweah- Flusses, etwa 35 englische Meilen östlich von der Stadt Visalia, wo sich zur Zeit noch das Verwaltungs-Bureau der Gesellschaft befindet. Das Gcsammt-Areal beträgt ungefähr 10 englische Quadratmeilen; es steigt bis zu einer Höhe von 8000 Fuß an. Jener„Ricsen-Wald" nimmt in einer Höhe von 7000 Fuß ein äußerst günstig gelegenes Terrain ein. Die Vegetation gehört der halbtropischen an; da, wo in Höhe von 2000 Fuß die erste An- siedclung geschaffen ist,, gedeihen der Weinstock und die edleren Lbstsorten ganz vorzüglich. Weiler hinauf, wo die zweite An- sicdelung gePlaut wird, tritt während ein paar Monaten der Winter in milder Form ein. Zum Gebiete der Kolonie gehören n. A. Marmorbrüche, welche nicht nur gutes, sondern auch viel- artiges Material liefern. Im März 1888 endlich konstituirte sich die Genossenschaft auf Grundlage der Bellamyschen Thedrien unter der vorbezeichneten Firma mit beschränkter Haftbarkeit als eine„Joint Stock Company". Die Konstitutions-Akte enthält über den Zweck des Unter- nehmens und seiner Durchführung die folgenden Bestimmungen: „Die allgemeine Art und Weise, wie das Geschäft zu leiten ist. besteht in der Erzeugung und Verlheilung von�Gülcrn, in dem Ansammeln und Heranbringen von Rohmaterial, seiner Vcrar- beitung durch Hand- und Maschinenkrafl zu Waaren, in Viehzucht und Ackerbau, in der Erzeugung von Nahrungsmitteln, Kleidung, Obdach, Maschinen und von allen anderen Gebrauchsgegenständen, von Luxusbedürfnissen, in der Festsetzung von geeigneten Verthet- lungs-, Transport- und Lagermethoden, in der Einrichtung von gerechten und zweckmäßigen Kredit-, Nahrungs- und Wechsel- Systemen, in dem Bau von Däusern für die Mitglieder und ihre Fannlien, in deren genossenschaftlicher Verwaltung, in der Bei- legung von Streitigkeilen unier den Mitgliedern, in der Ausübung richtiger Systeme einer sozialen Ordnung, in der eigenen Erziehung und»er der Kinder nach geeigneten physikaltsdien, geistigen, mo- ralischen. einsichtsvollen und künstlerischen Grundsätzen, in der Er- höhung der Gesundheit, in der Sicherung der Glückseligkeit und in der Vervollkommnung der Wohlfahrt des Einzelnen und aller Mitglieder. Nicht minder in der Ausbreitung und Verkündigung der Ideen der universellen und richtigen genossenschaftliche» Thätigkeit." Die Verwaltung der Genossenschaft wird von den Mitgliedern| Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit erachtet die Gesellschaft es unheimlich! Wenn man in einer Gegend, wo mit so primitiven gewählt; sie besteht aus fünf Vertrauensmännern. Die General- als ihre ursprüngliche Mission, ihre Mitglieder vor Mangel oder Werkzeugen gearbeitet wird, wo der Arbeiter so elend entlohnt versammlung bestimmt das Reglement, nach welchem die Geschäfte Furcht vor Mangel zu bewahren und harmonische soziale Be- wird, nur acht Stunden arbeiten läßt, so darf das als unbestreitzu leiten sind, wobei maßgebend ist, daß die Verwaltung nach ziehungen unter ihnen zu fördern und zu unterhalten. Die reli- barer Beweis gelten, daß eine längere Arbeitszeit dazu führen reinen demokratischen Grundsägen in der Weise so weit als möglich giöse Ansicht eines Mitgliedes bleibt Jedem selbst überlassen. Für würde, Leichen anzusammeln. Hinzuzufügen ist noch, daß man sich zu führen ist, daß die Organisation einer Gesellschaft gesichert die Gesellschaft gilt nur der Grundsatz: Handle so gegenüber den bei dieser Beschäftigung nicht aufhalten kann! Man dreht und dreht werde,„ innerhalb welcher es zwischen den Mitgliedern ungefeßlich Andern, wie Du willst, daß sie gegenüber Dir handeln." Und den ganzen Tag. Der 8 stündige Arbeitstag, der überall in Europa sein soll, Zinsengewinn oder Rente zu nehmen, wo alle Arbeit weiter stellt sie es als eine Bedingung zur Erreichung irdischer gefordert wird, bedeutet darum in diesem Falle die Hölle! Es nach Grundsägen geregelt, und nach ihrem vollen Werthe be- Glückseligkeit hin, zu erkennen, zu lieben und zu schaffen. Dem- wird in Schuppen gearbeitet, wo es selbst am Tage finster ist. zahlt, und wo alle Erzeugnisse den Mitgliedern zu entsprechend sind dem„ Departement für die Erziehung der Kinder Ein anderes Bild! Wir befinden uns im Gouvernement ihrem Gebrauche zum kostenpreise geliefert werden und Erwachsenen" und dem„ Departement für Belustigungen und von Nischni- Nowgorod, angesichts jener Hausindustrie, die hier den sollen; wo die Geschäftsverwaltung demokratisch und durchaus Erholungen" die Gruudlinien gegeben und vorgezeichnet, nach wel- poetischen Namen der Busch"-Industrie trägt. Warum Buschunter der Kontrole der Gemeinschaft stehen soll, eingeschlossen die chen der Schulplan und die wissenschaftlichen Vorträge wie über- Industrie? Weil der Arbeiter bei sich daheim, isolirt wie im Busch, Initiative, das Veto, das Referendum( wonach die Gesammtheit haupt alle der geistigen Entwicklung und Wohlfahrt zu widmenden. arbeitet. Diese Arbeiter( hauptsächlich Metallarbeiter, Messerschmiede, jede von den Beamten der Genossenschaft ausgegangene Maßnahme Veranstaltungen einzurichten sind. Schlosser 2c.) kennen nicht die Fabriksdisziplin. Es giebt wohl richten, annehmen oder verwerfen kann) und die Minoritäts- Ver- Wenige Monate nach Konstituirung der Gesellschaft begaben einige größere Werkstätten, aber nur wenige, und es geht dort tretung, wo die Gesellschaft über Sie Streitigkeiten zwischen ihren sich die ersten Mitglieder etwa 20 Familien nach jenem ziemlich patriarchalisch zu. Was giebt es denn Besseres? Man Mitgliedern durch Schiedsgerichte entscheiden und geeignete Bußen Tulare- Gebiete, um die Kolonisation ins Werk zu setzen. Es galt bleibt bei sich zu Hause, umgeben von der eigenen Familie, man auferlegen und über die Aufnahme, die Suspendirung und den vor allen Dingen, einen brauchbaren zu den Wäldern führenden gleicht einem Künstler, der im eigenen Atelier arbeitet! Das ist Ausschluß von Mitgliedern Bestimmungen treffen kann." Weg herzustellen, denn das Gelände bildete eine Wildniß, die nur schön und entspricht der menschlichen Würde. Manchmal haben mühsam auf Pferden und zu Fuß auf einer gefahrvollen Fährte zu diese Arbeiter thatsächlich etwas vom Künstler an sich. Sie lieben durchdringen war. Indessen, trotz der beschwerlichen Arbeit, die ihr Handwerk und bemühen sich es zu vervollkommnen und es zu zu bewältigen war, machte man sich entschlossen aus Werk und verbessern. Schließlich ist ja selbst der Kohlenbrenner Herr im nach Verlauf von 2½ Jahren waren schon an 20 englische Meilen eigenen Hause. der schönsten Bergstraße hergestellt. Inzwischen ist dieselbe fast Aber was sind das für Schatten, die sich lange vor Sonnenganz vollendet; die erste feste Ansiedelung in 2000 Fuß Höhe ist aufgang nach einem bestimmten Orte hin bewegen? Kleine Tische im Bau begriffen, und binnen Kurzem werden Gasthäuser, Ver- werden aufgestellt, Lichter angezündet; dann hört man das Geräusch waltungs- und Lagerhäuser errichtet sein. Die Zahl der aktiven von Metall. Verschiedene Gegenstände werden auf den Tisch gelegt Mitglieder ist auf 200 gestiegen und es muß als ein bedeutsames und manchmal sogar mit Unwillen hingeworfen. Die Gesichter der Zeichen hervorgehoben werden, daß unter ihnen stets die größte Leute, die hinter den Tischen stehen, sind meist sehr finster. Es Eintracht herrschte, da sich Jeder für die Aufrechterhaltung der sind dies die guten Geister der Gegend, die Zwischenhändler. Was sozialen Wohlfahrt und des Wohlergehens der Gesellschaft verant- tönnte man ohne sie anfangen? Es genügt nicht, Messer und wortlich fühlte. Schlösser zu fabriziren, man muß sie auch verkaufen. Wo? An wen? Pavlow ist keine Stadt, troßdem seine Ausdehnung größer ist als die vieler Städte. Die ganze Einwohnerschaft dieses großen Dorfes beschäftigt sich mit der Metallindustrie. Hier an diesen Tischen erfährt man sehr interessante Dinge: Die Preise sind wieder gefallen. ,, 80 Kopelen, nicht wahr, wie das letzte Mal?"„ Nein, lieber Freund, Du irrst Dich, es giebt blos 50 Kopelen"., Ach, was Teufel!"" Ja, ja, nicht ich bin's, der die Preise macht", sagt der Zwischenhändler! u. 1. w. Das Leben wird immer theuerer, die Preise sinten immer mehr und statt der Spiele und des Lachens, lamentirt und weint man. Die Weiber natürlich. Das zunächst aufzubringende Kapital wurde auf 250 000 Dollars in 500 Antheilen von je 500 Dollars statutenmäßig festgesezt. Ueber dessen Erhöhung oder Herabsegung beschließt die Generalversammlung. Jedes Mitglied ist zur Uebernahme eines Antheils verpflichtet und darf auch nur einen Antheil erwerben. Bei der Aufnahme sind 10 Dollars sofort zu erlegen; sobald das Mitglied 100 Dollars eingezahlt hat, tann es Anspruch auf Wohnung und Beschäftigung auf dem Terrain der Gesellschaft erheben; seine Einreihung in die Zahl der thätigen Mitglieder erfolgt nach der Reihenfolge der Meldungen und Einzahlungen. Der Rest der Antheilsumme kann in monatlichen Raten von fünf Dollars, jei es in Baar sei es in„ Arbeit oder annehmbarem Material" eingebracht werden. Dabei gilt der Grundsaß, daß jedes Mitglied gleiche Gelegenheit haben soll, für die Kolonie in derjenigen Gruppe zu arbeiten, für welche es sich am besten eignet. Das gilt sowohl für Männer als für Frauen, welch lettere in Betreff des zu übernehmenden Antheils gleiche Pflichten und gleiche Rechte wie jene haben. Ein Ehepaar besißt demnach zwei Antheile, wovon der eine burch den Mann, der andere durch die Frau vertreten wird. Für Alles, was ein Mitglied von der Gesellschaft erhält, hat dasselbe den Werth sei es in Arbeit, Geld, Material oder Dienstleistungen zu vergüten. Alles Land, Gebäude, Vorräthe, Ernten, Maschinen, Waarenhäuser, Werkzeuge und sonstiges Eigenthum, ausgenommen Privatgebäude und Privat- Effekten sowie sonstiges Hab und Gut, das vom Besize der Gesellschaft ausgeschlossen ist, wird gemeinschaftlich von den Antheilsinhabern gehalten. Jedes Mitglied hat Anspruch auf ein Grundstück von nicht weniger als 150 Fuß im Quadrat, worauf es sich ein Wohnhaus errichten und das es zu seinem eigenen Nutzen so lange benußen darf, als seine Mitgliedschaft dauert. Es ist Niemanden gestattet auf dem Grund und Boden der Kolonie Handel zu treiben; die Gesellschaft wird für die Mitglieder Verkaufshallen errichten, in denen sie Gebrauchsartikel aller Art gegen die von ihnen erhaltenen Arbeits- BeitCheques und zwar zum Kostenpreise einkaufen können. SUALES " Der Bau feuer riesigen Bergstraße hat einen Aufwand von mehreren hunderttausend Dollars Arbeitszeit erfordert, nur ein Drittel vou den Kosten, die der Bau unter gewöhnlichen Arbeitsverhältnissen beansprucht haben würde. Die Genossen, welche diese schwierige Arbeit ausführten, haben die obenerwähnten Zeit- Checks erhalten, genießen aber in der That jezt nach deren Bollendung den vollen Lohn der aufgewendeten Arbeitszeit. Daß Alle, der Sekretair, der Drucker, der Schreiber, der Landmann, der Arbeiter und die Hausfrau den gleichen Stundenlohn erhielten, das ist schon oben erwähnt worden. Neben dem Bau der Bergstraße wurden Sägemühlen erbaut, Tausende von Weinstöcken und Obstbäumen Uebrigens sind diese Leute nicht die Einzigen, die unter dem gepflanzt, Bewässerungs- Anlagen geschaffen und Gemüse und Korn Sinken der Preise zu leiden haben. Wenn die Maurer am Ende zum eigenen Bedarf gebaut. Die Gesellschaft tritt aus der ersten der Saison Petersburg und seine Umgebung verlassen, haben sie und härtesten Versuchsperiode mit entschiedenem Erfolg heraus und oft nicht genug Mittel, um ihre Heimreise zu bestreiten. Für diese es eröffnen sich ihr in der That die besten und verheizungsvollsten Arbeiter ist der Sommer die Saison. In der lezten Sommersaison Aussichten. Getragen von dem echten und rechten genossenschaft- bekam ein guter Maurer 15 Rubel( 30 M.) monatlich, während lichen Geist ihrer Mitglieder, die durchdrungen sind von der hohen er früher 30 bis 40 Rubel verdiente und außerdem das Essen Bedeutung, welche ihr einzig in der Welt dastehendes Unternehmen vom Arbeitgeber erhalten hatte. Es giebt genug Ziegelfür die Menschheit hat, verdieut die„ Kaweah Cooperative Com- decker, die solide leben, teine Säufer sind und doch pany" wohl die Anerkennung und Beachtung aller derer, denen teinen Heller besigen, um ihre Heimreise zu ermög die Lösung der unsere Gegenwart bewegenden sozialen Fragen am lichen. Bei ihrer Abreise aus der Heimat, bekamen sie vom Der Arbeitstag währt 8 Stunden; vorläufig wird als Herzen liegt." Unternehmer die Hälfte der Summe, die sie den Sommer über Basis für den Gegenwerth der geleisteten Arbeit der Man sieht, die Verhältnisse werden sehr bestechend verdienen sollten a conto. Auch für dieses Gewerbe ist nur der Gag von 30 Cents pro Stunde festgestellt, und zwar geschildert. Allein der Versuch ist schon früher gemacht 40 Rubel. Dafür wird vom 1. Mai bis 30. August gearbeitet. Sommer die Saison. Die ganze Summe beläuft sich auf 30 bis sowohl für die Arbeit, welche ein Mitglied der Gesell- und stets fehlgeschlagen. Vielleicht tönnen wir in einer Für Kost sorgt der Unternehmer. Aber was für Stoſt! Bis zu Von den Jahresüberschüssen sollen 25 pCt. zurüdgelegt und späteren Nummer wieder einmal auf die Sache zurück dem glüdlichen Moment, wo man junge Erdäpfel bekommt, das ist zur Förderung des genossenschaftlichen Systems und zum Nußen kommen und die Unhaltbarkeit des Plans ausführlich dar- Mitte Juli, muß man abscheuliche Dinge essen. Es giebt teinen Kohl, der Menschheit verwendet werden. Der Rest wird unter die Zeit- legen, soweit man nach dem Artikel ein Urtheil fällen feine Erdäpfel. Etwas altes eingepöckeltes Fleisch und verdorbenes Cheques- Inhaber nach Maßgabe der Arbeitszeit vertheilt. Sauerkraut. Das Brot ist noch das einzig Genießbare, und Grüße, licher Kündigung frei. Es wird ihm das von ihm eingezahlte großer Vorsicht aufnehmen müssen, manches scheint uns von allen Seiten, hauptsächlich von Minst, Witebst und dem Rapital zurüdgegeben, und der Werth seines Wohnhauses nach einfach phantasiert zu sein.) Für jetzt nur so viel. Gouvernement Nowgored? Sie sind Gutsbesizer. Sie haben Abschäzung vergütet. Die kapitalistische Produktionweise schafft ihre Produkte irgend einen Streifen Landes, oft eine Kuh, ein Pferd und Was nun die vorerwähnte Bezahlung der von den Mitgliedern als Waaren. Der Werth der Waare wird bestimmt durch selbst noch mehr als das. Aber der Ertrag ihres Bodens für die Gesellschaft geleisteten Arbeit durch Zeit- Cheks anbetrifft, die gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit, welche ihre 8 Rubel jährlicher Steuer hernehmen? Um diese zahlen zu ernährt sie nur unzulänglich. Wo sollen sie überdies die so verhehlt man sich keineswegs, daß dadurch ein streng gerechtes Berhältniß nicht geschaffen werden kann. Denn man gesteht offen Herstellung fostet. Der Produzent, der Arbeiter, erhält fönnen, laffen fie fich nach Petersburg engagiren. Die ein, daß immerhin der Eine in derselben Zeit mehr arbeitet als aber nun nicht ein Aequivalent des gesammten Werthes, Familie. Das deckt die Steuern und es bleibt noch etwas, um a conto Bahlung, die der Unternehmer giebt, läßt man der der Andere, daß aber trotzdem Beiden die volle Zeit angerechnet den er geschaffen hat, sondern in Form des Lohns nur Brot zu kaufen, denn das eigene Mehl reicht kaum bis Weihwerden soll. Indeffen glaubt man darin einen Ausgleich zu finden, eine Quote. Dieser Zustand erscheint Bellamy unge- nachten. Ist das nicht ein absurdes Bild. die Besizer von daß einestheils die arbeitenden Mitglieder unter sich eine gewisse Kontrole ausüben, indem sie den Lässigen antreiben oder ihn, recht" und er will die Arbeit nach ihrem vollen Werth" Grund und Boden in einem ausgesprochen agrifolen wenn Ermahnungen nicht helfen, einfach aus der Gesellschaft aus- bezahlt wissen. Lande können ihr eigenes Brot nicht während des schließen, und daß anderntheils für leichte Arbeit die Arbeitsstunden vermehrt und für gefahrvolle und ungesunde Arbeit der Waarenproduktion bleibt, und das wird ja auch gesagt. Dieses Ideal setzt aber voraus, daß die Produktion ganzen Jahres essen! Aber nicht allein da ist es so, sondern das Gleiche findet man in den kornreichsten Landstrichen." Minutenpreis" erhöht wird. In Kaweah liegen die Verhältnisse so, daß die dortigen Ar- Er denkt sich nun, daß inmitten der kapitalistischen beiten mit Bezug auf die Gesundheit der Arbeiter fast alle auf Waarenproduktion seine Kolonie, ein glückliches Eiland Bum fortschreitenden Verfall der mittleren schaft, als für die, welche diese jenem leistet. Jedem Mitgliede steht der Austritt nach zuvoriger dreimonat- tann.( Uebrigens wird man die Schilderung mit sehr wenn es welche giebt. Warum tommen eigentlich diese Dachdecker " f ( besitzenden) Klassen. Die Kreuzzeitung" bringt folgenden interessanten gleicher Stufe stehen; die Anwendung der Zeit- Bahlung" erscheint Bellamyscher Waarenproduktion, existiren kann der deshalb zum praktischen Gebrauch durchaus zweckmäßig. Nur die Kopf- Arbeiter" fommen dabei etwas zu furz, aber ihre höhere wahre Nonsens, wenn man bedenkt, wie Alles durch tauBegabung muß sie geneigter machen, ihren Mitgenossen Opfer zu fend Fäden miteinander verknüpft ist, wie der Kapita- Artikel: bringen. Freilich, zur Aufnahme als Mitglieder sind nur solche lismus sich mit Allem verschlingt. Es giebt eben keine Mit wahrhaft mörderischer Gewalt hat die einseitige AusBersonen geeignet, welche von der gewaltigen sozialen Bewegung Inseln im kapitalistischen Meer. ergriffen und begeistert sind, und die den festen Willen haben, durch die That zu beweisen, daß die soziale Frage auf dem Wege Wenn die Sache geändert werden soll, so muß sie der Kaweah- Genossenschaft zu lösen ist. Bis auf Weiteres wird gründlich geändert werden, dann muß auch der Waaren- in der Industrie zertrat ebenso vielen fleinen Gewerben das glüddie„ Minute Arbeitszeit" einem Werthe von ½ Cents gleichgestellt, charakter des Produkts verschwinden, dann muß eine wenn die Gesellschaft verpflichtet ist, dem Mitgliede für einen Beit- universale sozialistische Produktionsweise vorhanden sein, Chef" baares Geld zu geben. Im Uebrigen lauten die Chets nur wo nicht mehr getauscht" wird, und wo man nicht mehr auf bestimmte Anzahl von„ Minuten", wofür man von der Gesellschaft Waaren und Produkte zu einem Werthe, dem die zu ihrer für den Markt arbeitet, sondern für den gesellschaftlichen Erzeugung aufgewendete Arbeitszeit zu Grunde gelegt ist, erstehen Bedarf. tann. Ein solcher Zeit- Chet" hat den folgenden Wortlaut: Soziales aus Rußland. beutung der Dampftraft in unserem mittleren Wohlstande gewüthet. die Einführung der Bahnen hat zahllose Opfer von Fuhrherren, Gastwirthen, fleinen Handbetrieben verschlungen. Der Dampfbetrieb liche Heim, und die Dampskraft, welche die Meere überbrückt, hat unserer Landwirthschaft und gerade ihrem mittleren Stande einen fast vernichtenden Stoß gegeben. Offenbar weil die Regierungen überrascht wurden von der Schnelligkeit, mit welcher die große Triebtraft die Arbeit und deren Gewinn in die Hände Einzelner spielt und in demselben Augenblicke die freien Bürger zu Lohnarbeitern, die Besizenden zu Besitlosen, die der Scholle zugethanen, Nr.- Serie Zweihundert Minuten. Kaweah, California, daher staatserhaltenden Elemente zum Proletariat erniedrigt, am 1. August 1888 ist diese Note oder Zeit- Chef von der Kaweah welches, erbittert, geneigt ist, jeder Aenderung der Dinge, also auch Cooperative Colony. limited, a joint stock Company of Kaweah, jeder Revolution, sehnlichst entgegenzusehen. Tulare Co., Cal. gegen Dienste ausgestellt und ausgegeben worden, In Rußland mit seiner ungemein niedrigen Stufe Eine ähnliche Katastrophe scheint sich heut auf einem kleineren, welche von einem Mitgliede dieser Company geleistet sind, und der industriellen Entwicklung kann man noch alle jene begrenzteren Gebiete vollziehen zu sollen. bekundet, daß dieses Mitglied oder sein Nachfolger, der Juhaber, Scheußlichkeiten gegenwärtig beobachten, die in fortgefahrzeuge nicht über 2000 Zentner, schon weil die Strom- und Bisher war die durchschnittliche Leistungsfähigkeit unserer Stromwenn derselbe auch ein Mitglied ist, für die Gesellschaft die ober: bezeichnete Anzahl von„ Minuten" Arbeit vollbracht hat, wogegen schritteneren Ländern schon zur Vergangenheit gehören, Kanalprofile nicht viel größere Lasten zuließen. Diese Größe ist er als Zahlung entweder einen gleichen Zeitbetrag irgend einer weil hier die Arbeiter bereits zum Selbstbewußtsein er- auf der Strecke Hamburg- Berlin schon auf die Höhe von 8000 bis Arbeit, die ihm von der Gesellschaft geleistet werden kann, oder wacht sind und durch ihren Widerstand wenigstens das 10 000 Bentner Last gestiegen und wird, sobald der Oder- SpreeWaaren zum Kostenpreise, welche die Gesellschaft zu jenem Beit- Gröbste verhindern. Kanal Frühjahr 1891 eröffnet sein wird, sich dort ebenso betrage zum Verkaufe stellt, oder Anweisungen auf Mitgliederlöhne, oder Gutschrift auf Antheile in Gemäßheit der von der Gesellschaft hoch steigern. Nun war bisher einmal dem Kahnschiffer, welcher Wir bringen einige turze Schilderungen nach einem fein Handwerk treibt, die Möglichkeit gegeben, sich, meist in Böhmen und der Verwaltung erlassenen Bestimmungen, zu empfangen sich Bericht in den„ Sozialdemkrat. Monatsheften": im Unterbau hergestellte, Kähne von 2000 Zentnern allmälich selbst bereit erklärte. Unabhängig von diesem Certifikate werden die Werfen wir z. B. einen Blick auf die Salinen. Die Salinen zu erdienen und dieselben mit einer Hand" und seiner Familie jährlich auf die Arbeitszeit zu vertheilenden Dividenden zu Gunsten sind nicht etwa Kohlenminen! Man arbeitet auf der Oberfläche selbst zu bedienen. Zu dem Kaufe eines größeren Schiffsgefäßes des Mitgliedes gezahlt, welches die Arbeit that und nicht an den der Erde, in freier Luft. Hier sind die ersten Werke, welche sich aber gehören nicht leicht zu erschwingende Mittel, auch erheischt die Inhaber dieses Certifikates. Dies Certifikat ist ungiltig in den unseren Augen darbieten. Drei Schöpfwerke sind da, um das Salz Führung desselben nicht nur mehrere Hände, sondern auf vielen Händen eines Nichtmitgliedes der Gesellschaft und ist nicht über- aus einer Tiefe von 75 Saginen( russisches Längenmaß, eine Sagine Strecken auch die Beihülfe von Dampskraft. Genug, mit Eintragbar an Personen außerhalb derselben." hat 7 Fuß) heraufzuholen. Nebenan machte man eine nere führung dieser Fahrzeuge kann der Kahnschiffer mit den großen Künftig, sobald die Gesellschaft erstarkt genug sein wird, ge- Bohrung, aber nicht mittelst Dampf, sondern mittel ,. eines horizon- Gesellschaften nicht mehr fonkurriren, er geht einfach in der Fluth denkt man auch Chefs auszugeben, welche zu Zahlungen im talen Wellbaumes. Mehrere Arbeiter drehen, indem sie sich mit unter und wird aus einem freien Besißer, der unabhängig und Außenverkehr benußt werden können; sie werden Anweisungen auf ihrer Brust aufstemmen, den Wellbaum. Sie drehen ununterbrochen wohl in seinem kleinen beweglichen Heim sich befand, ein besigErzeugnisse der Gesellschaft bilden und dergestalt eine Art von 8 Stunden in dieser Weise. Dies ist die Tagesschicht, nun kommt und heimathsloser Lohnknecht. An seiner Stelle häufen einzelne Tauschhandel einleiten zwischen dem Händler oder Verkäufer außer die Nachtschicht, welche ebenfalls 8 Stunden dauert, mit anderem Unternehmer natürlich viel Juden unter ihnen Reichthümer halb und den Mitgliedern der Gesellschaft, zunächst dann aber auch Personal. Diese 8 stündige Dreharbeit, welche an die Strafen in über Reichtgümer aus. zwischen den außerhalb stehenden Händlern untereinander. Dantes Hölle gemahnt, wird mit 25 Sopeken( 50 Pf.) gezahlt. Wir können von unserem Standpunkt aus nur bedauern, Alle diese Maßnahmen und Einrichtungen wurzeln in dem Man hört da blos das Schnarren dieser primitiven Maschine und daß man gerade so treffliche, fleißige und ordentliche Familien, wie von der Gesellschaft vorangestellten Grundsaße, daß derjenige, den schweren Athem der Arbeiter. Ihre Gesichter spotten jeder die der märkischen Kahnschiffer es sind, die einen fräftigen Grundwelcher Arbeit leistet, auch den vollen Werth derselben Beschreibung. Das ist nicht blos Ermüdung, Erschlaffung, es ist stamm für unsere staatserhaltende Gesellschaft bildeten, in erernten soll. Kaweah ist also feine kommunistische Gesellschaft; ein Taumel des Schmerzes. Nach dieser 8 stündigen Arbeitszeit schreckender Masse zu opfern im Gange ist; denn mit der röffnung die Individualität wird dort gewahrt, denn Jeder arbeitet für sich, gleicht ein solcher Arbeiter einem Jdioten. Die Thatsache der des Oder- Spree- Kanals ist die lezte Aussicht der Schiffer vernichtet, wenn auch wieder zum Besten Aller. Auf der Grundlage von 18 stündigen Arbeitszeit allein ist genügend beredt, ich würde sagen mit ihren üblicher Kähnen den großen Gesellschaften gegenüber auch nur eine nothdürftige Existenz behaupten zu können. Dem Baterlandsfreunde geht es nahe, wenn er sehen muß, wie der Moloch des Großhandels wieder eine neue Hekatombe glücklicher Heimstätten vernichtet und der Sozialdemokratie ebenso viel neue Refruten zuweist. Wir bewundern die Einsicht, welche die„ Kreuzztg." in der Beurtheilung dieses Prozesses beweist. Aber nachdem sie das alles so klar und deutlich angegeben hat, welche Schlußfolgerungen sollte sie denn daraus ziehen? Soll man den Oder- Spree- Kanal nicht eröffnen, soll man alles zuschütten, was man schon gebaut hat, soll man darauf verzichten, die Kraft der Natur sich in einem höhern Maße dienstbar zu machen, menschliche Arbeit zu sparen, soll man sich die Leute weiter quälen lassen mit ihren unbeholfenen, plumpen Kähnen, oder soll man an ihre Stelle leichte Dampfboote fahren lassen, welche eine einfache Bedienung erfordern? " Ausgaben der Familie pro Woche. 1. Wohnungsmiethe und Zinsen 2. Feuerungsmaterial 3. Beleuchtungsmaterial 4. Kommunal- und Schulsteuer und Rente 1,04 0,34 0,51 " " errungen; hier liegt der Grund auch ziemlich klar vor: 1,50 Mt. die Industrie machte Riesenfortschritte, die Unterneh mungen vergrößerten sich immens und die Nachfrage nach Arbeitern war so groß, daß nur geringe ArbeitslosigSumma 3,39 Mt. feit existirte. Hier konnten die Arbeiter, wenn auch nur in gewissen Grenzen, Bedingungen stellen und sich einen hohen standard of life erringen. " 5. Bleibt auf Bekleidung und Lebensmittel der Familie 5,81 Mt. 6. Also pro Kopf und Woche 83 Pfennige! Ueber Bürgerliche Moral. Mr. Dodge, Vizepräsident der volkswirthschaftlichen Abtheilung der American Association for the AdvanceProstitution und Abolitionismus" ist von ment of Sciences hielt auf dem letzten Meeting zu InB. Tarnowsky eine Schrift erschienen, welche wieder ein- dianopolis eine Vorlesung über die Lebenshaltung in den mal die bürgerliche Moral in ihrem schönsten Lichte zeigt." Vereinigten Staaten". Nach dem letzten Zensus gab „ Centralblatt für Klin. Medic." folgende Ausführungen: Wir entnehmen einer Kritik von A. Blaschko in dem es in der Union 1,32% Arme, wogegen in England , Centralblatt für Klin. Medic." folgende Ausführungen: und Wales der pro mille- Sat 18,8 ist. Per Kopf be" Von Grund aus verfehlt erscheint mir aber die höchst trägt der Fleischkonsum in Amerika 175 Pfund; nur in eigenthümliche Auffassung T.'s vom Wesen der Prostitution, England übersteigt er die Ziffer 100, während er in Gewiß, es werden glückliche Heimstätten vernichtet, freie und selbständige Menschen werden in Lohnarbeiter nach welcher diese keineswegs die Folge irgend welcher vielen anderen Ländern unter 50 sinkt. Der Konsum sozialen Bedingungen, sondern der natürliche Ausdruck von Cerealien von Seiten der Menschen und Thiere verwandelt, und was sie verlieren, häuft sich bei einigen angeborener Lasterhaftigkeit ist. Dieser Gedanke, welcher ſtellt sich im Verhältniß zur Bevölkerung in den VerReichen auf. Aber was ist die Ursache? Wir erhöhen sich als leitender Faden durch die gesammten Ausführungen einigten Staaten auf dreimal so viel, als in Europa; die Produktivkraft der Arbeit, wir zwingen die T.'s hindurchzieht, erscheint in der krassen Form, wie T. er beträgt durchschnittlich in den letzten zehn Jahren für Natur, unsere Arbeit zu thun wenn das die Folge hat, daß Tausende unglücklich und elend in fast auf jeder Seite seiner Schrift hervortreten läßt, jede Bevölkerungseinheit in Amerika 45 Bushels, in geradezu als eine Ungeheuerlichkeit. Weder Unbekannt- Europa nur 16. In Amerika entfallen auf den Kopf werden nun, so muß doch irgendwo ein Umschaft mit den Grundsägen der Moral und Religion, fast 5 Bushess Weizen, 3 Mais und 1 Hafer; in Europa Unglück verhandelt! An sich kann das doch diese Folge noch Mangel an Erwerb, noch Obdachlosigkeit, noch trost werden nur 5½ Bushels Weizen konsumirt. Aehnliches Unglück verhandelt! An sich kann das doch diese Folge lose Armuth.... nicht die äußeren Lebensverhältnisse, gilt von der Bekleidung, Amerika produzirt mehr als nicht haben! An sich iſt doch der Fortschritt nicht ver- sondern ihre innere Organisation selbst, ihre lasterhafte die Hälfte sämmtlicher Baumwolle, wovon ein Drittheil derblich, er kann es doch erst werden unter irgend welchen Veranlagung.... ist es, was diese Weiber ihrem in Amerika und für Amerika verarbeitet wird. Ebenso Verhältnissen, welche ihn verderblich machen! Und wird direkten Vortheil, Verstand und allen Warnungen ent- in Betreff der Wolle. stand verhanden sein, welcher dieses Glück in dann nicht das Einfachste sein, wir verändern diese gegen zu diesem„ verfluchten" Leben hinzieht.".... Die Wenn die Arbeiter einmal eine so hohe LebensVerhältnisse, die jeden Segen für uns in Fluch Grundlage der T'schen Anschauungen bilden offenbar die haltung errungen haben, so sind sie freilich nicht so leicht verwandeln? Wir schaffen Verhältnisse, wo anthropometrischen Untersuchungen von Dr. Pauline wieder herunter zu bringen. Die Bedürfnisse sind eben Segen Segen sein wird? Tarnowsky, welche zu dem Ergebniß geführt haben, daß vorhanden und müssen befriedigt werden. Aber die besten 11 Zahlen! Wir leben ja in dem glücklichen Reiche, wo den Arbeiteru Forderungen des Proletariats erfüllt. Leider sind ihm ja die bald wird der ſittliche Staat über sie triumphiren. Vorläufig beschränkt er seine Sozialreform auf diejenigen Wenn die Kähne und Schiffe nicht Privateigenthum die professionellen Prostituirten auffallend häufig Zeichen Zeiten sind für das amerikanische Proletariat wohl vorsind, sondern Eigenthum der Gesellschaft; wenn nicht, physischer Entartung zeigten, woraus wieder geschlossen über, und es wird bald erbitterte Kämpfe kosten, das nachdem der neue Kanal gebaut ist, irgend ein Mensch, wird, daß dieselben meist krankhafte, oder in ihrer Ent- Erworbene fest zu halten. Von Unterbevölkerung kann sei er nun beschnitten, oder unbeschnitten, sagen kann: wicklung gehemmte, mit ungünstiger Heredität behaftete jetzt keine Rede mehr sein, denn gegenwärtig werden schon „ ich habe Geld genug, die theuren Schiffe zu kaufen, Geschöpfe sind; sie weisen unzweifelhaft physische und eine Menge Arbeitslose mehr auf den Arbeitsmarkt drücken, welche die kleinen überflüssig machen; ich werde jetzt die psychische Degenerationszeichen auf, und ihre Abweichung und die neuen Organisationen des Kapitals, die Truſts, Schiffer bankrott machen und auf meinen Schiffe arbeiten von normalen Weibern prägt sich am deutlichsten in dem machen das Kapital erstens viel stärker in dem Lohnlaffen, damit ich Profite machen kann" sondern wenn mangel ethischer Vorstellungen und in der Geschlechts- kampf, und machen zweitens eine Menge Arbeiter überdie Gesellschaft sagt:„ wir haben einen Kanal gebaut, funktion aus. Die Untersuchungen bedürften vor flüssig, die dann die bekannte Rolle übernehmen müssen, der die Arbeit erleichtert und ertragsreicher macht; ihr Allem einer anderweitigen Nachprüfung; die gewonden Lohn ihrer Genossen zu drücken. werdet jetzt weniger arbeiten und mehr genießen fönnen" nenen Resultate fordern bei näherem Hinsehen doch nun, dann ist doch der Segen wirklich Segen! mannigfache Bedenken heraus; die Eigenschaften, welche Und weshalb, wenn sie einsieht, daß unter den gegen T. sämmtlich auf eine im Grunde lasterhafte Veranlagung" wärtigen Verhältnissen der Segen Fluch wird, weshalb zurückführt, sind in den meisten Fällen erst die unaus- die sozialreformatorischen Tauben gebraten in den Mund fliegen; sieht die„ Kreuzztg." dann nicht ein, daß die Verhältnisse nur bleibliche Folge der Prostitution, sind die Symptome eines wir leben in dem Reiche, das an der Spize der Humanität marſhirt, geändert zu werden brauchen, um Alles richtig zu machen? moralischen Verfalls, der mit dem ganzen recht- und das den Sozialismus friedlich überwindet, indem es die„ berechtigten" Weil die Leute der„ Kreuzztg." selbst Profitchen schußlosen Dasein der Prostituirten, ihrem vogelfreien und Hände noch gebunden. Die bösen Unternehmer, welche diese hohe machen; nur daß sie ihre Profitchen von den Land- unsicheren Leben, vor Allem aber mit der tagtäglich sich Moralität nicht einsehen wollen, sträuben sich immer noch. Bald arbeitern machen, und nicht von den Schiffern; deshalb wiederholenden Prostitution ihres Körpers naturgemäß wird freilich auch für sie die Zeit kommen, wo sie nachgeben müſſen, beneiden sie diejenigen, die ihre Profitchen von den Schiffern eintreten muß." machen und sehen den Splitter im Auge ihres Nächsten; Da haben wir ganz die übliche bürgerliche Moral, Unternehmungen, die er selbst in der Hand hat; so zum Beispiel und weil sie ihren Balfen nicht sehen, so sehen sie auch die Moral, die uns überall vorgezetert wird. An allem auf die Eisenbahnen. Seit die Eisenbahnen verstaatlicht sind, nicht ein, daß man die Verhältnisse blos zu ändern Schlechten, an allem Unheil, an allem Elend, sind nicht werden die Arbeiter natürlich besser bezahlt, haben kürzere Arbeitsbraucht; denn wenn die Verhältnisse geändert würden, so die Verhältnisse schuld, die guten, die lieben Verhältnisse, zeit, werden nicht so angeſtrengt, und können in Folge deſſen die würde bei ihnen auch was geändert. Gefahren, mit welchen gerade der Eisenbahnbetrieb den bei ihm welche es bewirken, daß sich die Taschen der Bürger beschäftigten Arbeitern droht, besser überwinden; es werden nicht füllen nein, die Menschen sind schuld, die Menschen so viel Unglücksfälle stattfinden, und wenn solche stattfinden, so sind niederträchtig! Wenn Einer hungert, das fommt werden nicht so viele mit tötlichem Ausgange sein. nicht davon, daß ihn ein Unternehmer aufs Pflaster geworfen hat, um mehr Profit zu machen das kommt davon, daß er faul ist und nicht arbeiten will. Wenn Einer anfangt zu saufen, das kommt nicht davon, daß man sein Leben so elend und jammervoll gemacht hat, dag er im Saufen den einzigen Trost findet sondern davon, daß er einmal so ein Saufschivein ist. Wenn Einer ein Brod stiehlt, so hat die Schuld nicht die Gesellschaft auf dem Gewissen, die ihn umkommen läßt, sondern er hat einen Großvater gehabt, der die Anlage zum Brodstehlen auf ihn vererbt hat. Und wenn ein Das ist doch sonderbar! Wie kommt das nur! Das kann armes Weib, das sich nicht anders ernähren kann, zur doch nicht möglich sein, daß das praktische Christenthum Prostituirten wird die Dirne! ihre lasterhafte Ver- beiter noch mehr ausschindet, wie die Unternehmer, des sozialreformatorischen deutschen Reiches die Aranlagung hat sie getrieben, nicht der Hunger, nicht die sodaß noch mehr Todesfälle stattfinden, wie früher? von 2-17 Jahren Noth, nicht das Elend! Und wenn dann in diesem schmachAus dem Eulengebirge. I. Erwerbsverhältnisse bei Weber Karl Helbig in Friedrichsgrund. Arbeit des Mannes. 1. Benennung der Waare. 2. Länge der ganzen Kette( in Metern) 3. Arbeitsdauer dafür 4. Tägliche Arbeitsdauer 5. Arbeitslohn pro Kette( incl. Weben und Spulen. · Arbeit der Frau. 6, Benennung der Waare. 7. Länge der Kette( in Metern) 8. Arbeitsdauer dafür 9. Tägliche Arbeitsdauer( neben der Häuslichen Arbeit) 10. Arbeitslohn pro Kette( incl. Weben und Spulen 11. Kopfzahl der Familie 12. Alter der Kinder. 13. Zahl der arbeitenden Kinder. 14. Benennung der Arbeit der Kinder. 15. Summa des ganzen Verdienstes der Familie.. Barchent 100 Meter 8 Arbeitstage 17 Stunden 5 cf. 50 Pf. Barchent 100 Meter 10 Arbeitstage 14 Stunden 5 Mk. 6 1 Spulen 10 Mt. 50 Pf. Ausgaben der Familie pro Woche. 1. Wohnungsmiethe 0,75 Mf. 2. Feuerungsmaterial 1,13 " 3. Beleuchtungsmaterial auf Lebensmittel und Bekleidung der 4. Kommunal- und Schulsteuer 0,34 0,23 8,02 Mf. Natürlich! Da veröffentlicht gerade unser sittliches Reich im statistischen Jahrbuch die Unfallstatistik. Danach trafen auf je 100 Unfälle 1880/81 7,0 1881/82 7,2 1882/83 8,6 1883/84 8,9 1884/85 9,1 im Dienst getödtete Bahnbeamte und Bahnarbeiter. 1885/86 8,4 1886/87 8,1 1887/88 10,9 1888/89 13,0 Sinniges aus der bürgerlichen Presse. * vollen Gewerbe, unter den fortgesezten Beleidigungen und Beschimpfungen schon die Bezeichnung des Ge,, Es drängt sich da auf's Neue die Frage auf, ob denn die werbes ist eine unter den Brutalitäten, dem Schmutz Strafgeseze nur für die kleinen Schwindler und Bankerotteure und Koth, der Angst, der Noth, der Krankheit wenn gelten und nicht auch für die großen". Deutsches Tagebl."( konj.). da die Armen frech und verkommen werden, an ihrem Die Erwerbsfreiheit ist zur Zügellosigkert, die Verstand Schaden leiden und zu dem werden, wozu man Konkurrenz zur Anarchie ausgeartet. Man hat der Form " sie macht, zum Thier." Seht da!" ruft der entrüstete nach allen das gleiche Recht gegeben, sich am Wettbewerb zu be " Bürger, sagte ichs nicht? Nicht die äußeren Lebens- theiligen; aber der Sache, den Mitteln nach waren die TheilSumma 2,45 Mt. verhältnisse, ihre lasterhafte Veranlagung ist schuld. nehmer im wirthschaftlichen Existenzkampf sehr ungleich. Und so Wir wünschen Niemandem Böses. Auch diese bürger- waren von allem Anfang an die Schwächeren und Be liche Heuchelei hat ihre sozialen Ursachen und die Menschen siglosen verurtheilt, eine Beute der Kapitalfcäftigen und Besitzenden zu werden. Während man sich berauschte werden zu ihr gezwungen; man kann ja nicht von Jedem an dem goldenen Glück der Freiheit und Gleichheit, wurde die ethischen Heldenmuth verlangen. Aber das wünschten ökonomische Ungleiheit und Abhängigkeit immer größer. Die wir doch einmal, daß diese Pharisäer an ihren eigenen Entwidlung, welche mit der liberalen Aera begonnen, geht mit Weibern und Töchtern einmal unterfua, en sollten, ob Nothwendigkeit dahin, die Reichen immer reicher, die Armen Der manchesterliche Indivi" nicht die äußeren Lebensverhältnisse, sondern dualismus, dessen Vertreter glücklicherweise immer jeltener werden, ihre lasterhafte Veranlagung diese Weiber zu meinte zwar, man dürfe die freie Entfaltung der Kräfte nicht diesem verfluchten Leben hinzieht." hindern und man nannte diesen ungleichen Interessenkampf mit einem musikalischen Ausdruck: ,, Harmonie der Interessen", natürlich mit demselben Recht, wie wenn man ein Kazenkonzert eine romantische Oper nennt." ,, Das Volt"( tons.). 5. Bleibt Familie 6. Also pro Kopf und Woche 1 Mart und 34 Pfennige! II. Erwerbsverhältnisse bei Weber Gustav Hase in Steinseifersdorf. Arbeit des Mannes. 1. Benennung der Waare 2. Länge der ganzen Kette in Metern 3. Arbeitsdauer dafür 4. Tägliche Arbeitsdauer. 5. Arbeitslohn pro Kette( incl. Weben und Spulen Arbeit der Frau. 6. Benennung der Waare 7. Länge der ganzen Kette in Metern 8. Arbeitsdauer dafür. 9. Tägliche Arbeitsdauer( neben der häuslichen Arbeit) 10. Arbeitslohn pro Kette( incl.. Weben und Sputen) 11. Kopfzahl der Familie. 12. Alter der Kinder 13. Zahl der arbeitenden Kinder 14. Benennung der Arbeit der Kinder 15. Summa des ganzen Wochenverdienstes der Familie Baumwoll- Barchent 90 Meter 4 eine Woche 15 Stunden 5 Mr. 40 Pf. Baumwoll- Barchent 120 Meter 14 Tage 8 Stunden 5 Mr. 40 Pf. 7 Personen von 2-13 Jahren 2 Spulen 8 Mt. 10 Pf. immer ärmer zu machen.. * * Die Lebenshaltung der Arbeiter. Die Lebenshaltung der Arbeiter ist in den verschie Ein vorzügliches Dokoment für die Heiligkeit der Ehe" ist denen Ländern verschieden; sie wird durch eine Reihe folgende Annonze aus dem Frankfurter General- Anzeiger" vom von Umständen bestimmt: Ob eine starke Arbeiterorgani- 8. November:„ Eine gute Bartie kann jeder Herr oder Dame machen, auch wenn solche nicht vermögend sind, wenn sie ihren sation vorhanden ist, welche erfolgreiche Kämpfe gegen Bedarf an Kleidungsstücken bei mir auf Kredit entnehmen. die Bourgeoisie führen kann, ob die Nachfrage nach J. Steinberg, Börnestraße 49 I., an der Markthalle." Arbeit das Angebot überwiegt, oder umgekehrt, und so fort. * * ,, Es war zwar keine Kneipe, aber man sollte es meinen, Die höchste Lebenshaltung von allen Arbeitern erniedrigt, zum niedern Bolt zu sprechen. wenn man hört, wie ein Hosschulprofessor vom Katheder sich haben wohl die Proletarier in den Vereinigten Staaten" ,, Badische Landeszeitung"( liberal). Verantwortlicher Redakteur: J. V.: Paul Ernst, Berlin.- Verleger und Drucker: Maurer, Werner, Dimmick, sämmtlich in Berlin SO., Elisabeth- Ufer 55. " 1 Beiblatt zur Berliner Volks- Tribüne. Nr. 52. Lockspikel- Lied. ( Melodie etwa:„ Der freuzfidele Kupferschmied"). Dreitausend Mark, heidi, per Jahr Von Seiner Exzellenz Wie schirmt der Himmel wunderbar Rockspizels Existenz! Rein Gentleman, kein Gentleman, Als wär' das ein Malheur, So bin ich denn und bleib' ich denn Agent provocateur! Spiß, spip: die Ohren aufgeknöpft! Horch, horch nach links und rechts! Bum bum! Und alles wird geköpft Tyrannischen Geschlechts!" Fällt mir dann so ein Tölpel' rein Und brüllt:„ Den Teufel ja!" Das muß ein Anarchiste sein, Ein Anarchist, hurrah! Genosse, prost!" begleite ihn, Schüttl' ihm als Freund die Hand Und melde schleunigst nach Berlin: Ein frischer Fisch brillant. Aus deutschem Reichsfonds stell' ich flugs Das süße Mordsblatt her, Die Freiheit folossaler Jur! Ex'lenz, was willst du mehr? Ach, als ich noch kein Spigel war, Welch kreuzerbärmlich Los! Dreitausend Reichsmark jedes Jahr, Das macht sich ganz famos. Mitunter bupperts mir von fern: ,, Du Schuft!" Herrjeh, ich bin Ein treuer Diener meines Herrn Und schlag' mir's aus dem Sinn. Ich bin ein Werkzeug der Gewalt Von Gottes Gnaden nur, Ein unentbehrlich Nädchen halt In der Regierungsuhr. Spiz, spiz, horch, horch! Kein Gentleman! Als wär' das ein Malheur, So bin ich denn und bleib' ich denn Agent provocateur! Karl Hendell. Der kluge Phylay. Eine Höhenmessung. Von Kristian Winterhjelm.*) Ja, Sie können glauben, es war ein kluger Hund, mindestens so klug wie ein Mensch. Ich lernte ihn bei dem Förster auf dem großen Gute Slavadaska kennen, das dem reichen Branntweinbrenner oder besser gesagt, dem früheren Branntweinbrenner gehörte, der es auf der Auktion von dem ruinirten Grafen gekauft hatte. " Sonnabend, den 27. Dezember 1890. IV. Jahrgang. Die dumme Gans", sagte sie erbittert zum König, müssen sie ja dann und wann bei uns sehen, da Du wenn eins zum andern kommt, gehört sie selbst ja nur Geschäfte mit ihm hast, aber die Oberkreisrichterin würde einer jüngeren Linie an, und es ist doch noch sehr die es uns niemals vergeben, wenn wir ihr die einfache Frau Frage, was höher rangirt, ob meine ältere Linie eines vorstellten. Gott mag wissen, wie er dazu gekommen ist, jüngeren Hauses oder ihre jüngere Linie eines älteren solch ein Bauerumädchen zu heirathen! Ich sage Dir, ich Hauses. Bah! sie ist albern!" übernehme die Verantwortung für etwas so Taktloses in Der König antwortete nicht; er hatte das drückende meinem Hause nicht." Gefühl, daß der König von Illyrien ihm vielleicht nicht Und die Frau maß ihren Gatten mit einem Blicke, den heißersehnten fürstlichen Orden, die„ goldene Magen- den er nur allzu gut kannte. Dieser Blick sagte ihm, binde" anbieten würde. daß er sich niemals an den Taft und die Etikette gewöhnen könne, welche sie von ihrer Mutter, die die Tochter einer ruinirten Offizierswittwe war, geerbt hatte. Notabene hatte die Mutter sich nur aus Noth mit einem wohlhabenden Handwerker verheirathet. In diesem Augenblick trat die kleine, fette, runde Oberhofmeisterin ein, verneigte sich tief vor den Majestäten, und wandte sich zur Königin. 11 , Ew. Majestät wollen gnädigst bestimmen, was mit der neuen Baronin geschehen soll, die " Ich weiß, ich weiß," antwortete die Königin, sie muß ja leider vorgestellt werden, aber es geht nicht gut an, daß es im Coursaal vor den alten Familien des Landes geschieht; es muß so zufällig im Laufe des Abends geschehen." Die Oberhofmeisterin verneigte sich abermals tief, zweimal, und trippelte wieder von dannen. ,, Gott sei Dank, daß wir doch noch in einem zivilisirten Lande leben", murmelte sie vor sich hin. Der Distriktsvogt hatte gerade an diesem Morgen die Klagen seiner Frau anhören müssen. " Die dumme Gans", sagte sie, ist es vielleicht besser, Kaufmannsfrau zu sein als Beamtenfrau? Denn Beamter bist Du nun doch einmal. Ich kann mich noch des Tages erinnern, wo ihre Mutter auf dem besten Wege war zu verhungern; damals, als sie Lehrerin an der Zahlschule war, die ich besuchte." Und der Distriktsvogt saß auf dem Bureau und sann über all die unbegreifliche Ungleichheit auf dieser Sie dachte mit Grauen an das Nachbarland, wo der Welt nach. Wie dumm einzelne Menschen doch waren. Vater der Baronin Baron geworden war. Er war nur Seine Frau hatte vollkommen Recht; diese Ungerechtigkeiten ein hervorragender Mann gewesen, aber als er sich und Kränkungen verlegten auch ihn tief. Aber Gott sei ein ungeheures Vermögen dadurch geschaffen, daß er den Dank, er dachte nur immer an den inneren Werth und Weg für einen kolossalen Roggeneyport gebahnt, welcher die Tüchtigkeit eines Menschen. auch den großen adeligen Gutsbesißern zu Gute kam, da Da meldete der Schreiber, daß die beiden Förster fand man sich darein, seine Verdienste mit dem Barons- draußen seien und mit dem Herrn Distriktsvogt zu sprechen titel zu belohnen, um so mehr, als die adeligen Guts- wünschten. Denn es war jetzt wirklich ein Förster auf befizer ihn oft um Rath befragen mußten und einem dem gräflichen Gute angestellt worden. Manne, der weiter nichts war, als hervorragend, nicht Der alte Förster erbleichte vor Kränkung, als er, gern so viel Höflichkeit erweisen wollten, als doch noth- der schon seit elf langen Jahren mit dem Distriktsvogt wendig war. verhandelte, nun draußen im Vorzimmer stehen und Die große Vorstellung war längst vorüber. Zwischen warten mußte, während der neugebackene, junge, gräfliche zwei Tänzen winkte Podoliens Königin die Oberhof- Förster eingelassen wurde. Und dann hörte er, wie dem neuen Manne ein meisterin zu sich und sagte:„ Jezt können sie mit der Roggenbaronin kommen." Stuhl hingerückt wurde und man in verbindlichen, höf Diese war über die Zurücksetzung sehr beleidigt. Sie lichen Ausdrücken mit ihm sprach, während er selbst, als hatte den Adel des Vaters geerbt, und den konnte man er endlich eingelassen wurde, stehen mußte und mit den ihr nicht nehmen, aber ihr Mann war nicht von Adel. gewöhnlichen, herablassenden Worten abgefertigt wurde, Indessen war er ein ausgezeichneter Mann und Geheim- diesmal vielleicht gar noch mit einem Anstrich von Verrath, was in Podolien jedoch nur mit dem Obersten drießlichkeit. rangirte; es war also eine Art Unregelmäßigkeit, daß er auf Grund des Adels und des großen Vermögens seiner Frau mitgekommen war. Die Baronin verwünschte den Tag, an dem sie dem Wunsche ihres Vaters uachgegeben und den Geheimrath geheirathet hatte. 11 Als er heimkam, erfuhr ich, welch ein großartiger Narr der Distriktsvogt stets gewesen. feiten zu erfahren. Es war deutlich zu sehen, daß er Lust hatte, seine Erbitterung an einem ooer dem andern auszulassen; und nun traf es den treuen Phylax, der ihm unglücklicher„ Die dumme Gans von einer Oberhofmeisterin weise in den Weg kam, als er mit großen Schritten im ihre podolische Majestät lasse ich natürlich ungenannt" Zimmer auf und ab ging. Dieser Förster war der einzige in der Gegend und sagte die Baronin, als sie nach Hause fuhren. „ Wenn Phylax wurde mit einem sehr ungnädigen Fußtritt führte sich daher sehr groß und würdig; auf dem gräflichen eines zum andern kommt, so gehört sie strenge genommen zur Thüre hinausgestoßen. Nachbargute Slavalenka, das viel kleiner war, hatte man auch nur dem jüngeren eingewanderten Adel an und erst ihr Ich habe bereits konstatirt, daß Phylax ein sehr inEr wußte sehr wohl, daß so nämlich keinen Förster, und die größte Furcht meines Vater ist Graf geworden. Sie ist eine Närrin! Als wenn telligenter Hund war. Wirthes war, daß sich das Gerücht bestätigen würde, ich nicht ebenso gut wäre wie all die armen Baroninnen etwas wie das eben Geschehene nur vorkommen konnte, welches erzählte, daß der Graf wirklich auch daran denke, aus dem grünen Kalender! Man erinnert sich kaum ihrer wenn er sich entweder etwas hatte zu schulden kommen Namen!" lassen oder wenn der Förster betrunken war. sich einen Förster anzuschaffen. Der Geheimrath antwortete nicht; wo von Rang und Er sah ein, daß dieses Mal jedoch keins von beiden Ich war ausgeschickt, um eine Eisenbahntraçe auszustecken, und meine Station, meine Instrumente befanden Würden die Rede war, durfte er niemals mitſprechen. der Fall war. Aber er war mit im Vorzimmer des sich bei dem, im Ganzen genommenen, liebenswürdigen Er dachte an die Mittagsgesellschaft, welche sie selbst Distriktsvogtes gewesen, er hatte die Hosen des neuen Förster. Hier war es also, wo ich Phylag kennen Tags darauf geben wollten, und die Einladungsgeschichte, Försters beschnüffelt und gefunden, daß sie vornehm lernte; es war ein langhaariger braun und weißer Jagd- welche sie vor einigen Tagen gehabt hatten, peinigte ihn rochen und nachher hatte er fortwährend die Mienen seines Herrn beobachtet. Ihm war also alles klar. hund. Seine Intelligenz war unbedingt menschlich, von mehr als die Zurücksetzung der Baronin. Er sollte nämlich seine alten Freunde, die Kaufmanns- Das Geheul, welches Phylax ausstieß, als er h.nausder besten Art; Sie werden es sogleich hören. familie nicht bei sich empfangen, wo er als Junggeselle gestoßen wurde, rief inzwischen zwei andere Hunde herbei, Aber wir müssen mit dem Anfang beginnen. welche gleich draußen auf der Landstraße gestanden und Die Königin von Podolien war in der aller- täglich ein- und ausgegangen war. Es ist unmöglich", hatte die Baronin gesagt, sie einander mit mißtrauischen Blicken und gesträubtem Fell miserabelsten Laune; das Unglück war um so größer, da fie gerade in voller Toilette mit allen podolischen Dia müssen warten, bis wir die Bürgerlichen einladen. Sie betrachtet hatten. Jetzt fanden sie sich ein, um Neuigmanten geschmückt dastand, um mit ihrem Gemahl in die ist ja die Tochter eines Handwerkers. Und vielleicht Bruntgemächer des Schlosses zu treten. Es war der Ge- würde ich noch den Muth haben, einen der Herren zu aber ihn burtstag des jungen Königs, und man hielt großes bitten, daß er sie zu Tische führen würde eine Baronin führen zu lassen unmöglich! Die Dame, Reinigungsfest, d. h. man hatte die Einladungslisten von allen im Laufe des Jahres vorbeigegangenen Namen, ent- welcher ich ihn gäbe, würde es als eine furchtbare Zurück weder Adelige oder bis zum Generalmajorsrang, ge- fegung empfinden und uns niemals vergeben." Wir sind also nicht eingeladen", sagte der Kaufreinigt. Wenn man diesen Rang nicht hatte, so konnte man am podolischen Hofe nicht vorgestellt werden und mann, das ist natürlich die hochnasige Baronin." " Die dumme Gans", sagte die Frau,„ ihr Vater ohne vorgestellt zu sein, fonnte man kaum bei dem großen Hingegen ging er zum gräflichen Försterhund, und Reinigungsfest, viel weniger noch bei den intimen Zirkeln war nichts anderes als Kaufmann, geradejo wie Du, es ist geradezu lächerlich, er verkaufte Korn wie Du, obgleich dieser eigentlich nur Halbblut war, leckte er seinem anwesend sein. Aber die Königin von Podolien war in der aller- und nun soll doch noch ein Unterschied gemacht werden; neuen Gast die Schnauze, was in der Hundewelt noch miserabelsten Laune. Sie hatte gerade von der Kaiserin als ob wir vor unserm Herrgott nicht Alle gleich wären. eine viel größere Höflichkeit ist, als unter den Menschen. Ja, der Hund besaß vollkommen menschliche Intelligenz. von Galizien ein Antwortschreiben entgegengenommen, Mich dünkt, die alte Freundschaft sollte bei dem Geheimworin diese die Königin„ meine innig theure und gute rath doch auch mehr gelten als solche dummen VorSchwester" titulirte, und nicht meine innig theure und urtheile. Aber weißt Du was? Er steht elend unter herzgeliebte Schwester". Dies zeigte, daß sie die Königin dem Bantoffel, ja, er wagt nicht zu muchsen, das ist Die Bourgeoisie und die Contre- Revolution nicht ganz zu dem intimsten Range fürstlicher Familien schändlich. Ich muß gestehen, so etwas könnte ich nicht rechnete; denn„ gute" ist ein offizieller Ausdruck, während thun; wenn aus feinem anderen Grunde, so aus dem, herzgeliebte" privater Natur ist. Dabei ließ sich nichts daß es albern wäre." thun, denn alle offiziellen Formen waren gewahrt; es ärgerte die podolische Königin nur, daß sie selbst" herzgeliebte" geschrieben hatte. Sie empfand es so bitter und Semüthigend wie eine Abweisung. Intermezzos von Kristian Winterhjelm, Leipzig, Phil. Reclam fun. Breis 20 Pf. " Während einer ganzen Woche war ihre Laune sehr schlecht; es war um so unangenehmer, da ihr Mann ihr eines Tages vorschlug, den Distriktsvogt zu der großen Gesellschaft einzuladen, welche sie dem Oberkreisrichter zu Ehren veranstalteten. Der eine dieser Hunde gehörte dem neuen, gräflichen Förster, der andere war der Pudel des Pförtners. Der intelligente Phylax hatte eine unverdiente Kränkung erlitten, und das schmerzte ihn mehr als der Stiefel des Försters. Als er jedoch zwei fremde Hunde auf seinem eigenen Dominium sah, stürzte er auf den simplen Pudel los und jagte ihn mit der größten Verachtung hinaus. Von Karl Mary. IV. Gehen wir nun von dem Programme des Ministeriums der That zu seinen Thaten über. Mit der Drohung der„ verstärkten Staatsmacht" gegen die„ Anarchie", d. h. gegen die Arbeiterklasse und alle Fraktionen des Bürgerthums, die nicht ,, Bist Du wahnsinnig? Was fällt Dir ein?" sagte bei dem Programme des Herrn Hansemann stehen blieben, seine Gattin höchst ungnädig." Weißt Du was, wir wurde Ernst gemacht. Man kann sogar sagen, daß mit Ausnahme der Erhöhung der Rübenzucker- und Brannr weinsteuer, diese Reaktion gegen die sogen. Anarchie, d. h. gegen die revolutionäre Bewegung, die einzige ernsthafte That des Ministeriums der That war. Eine Menge von Preßprozessen aus Grund des Landrechts oder, in Ermangelung, des Code pönal, zahb reiche Verhaftungen auf derselben„genügenden Grund- läge"(Formel von Auerswald), die Einführung Kvnstablerinstituts zu Berlin, wonach auf 2 Häuser 1 Konstabler kam, die polizeilichen Eingriffe in die Assoziationsfreiheit, Loslassen der Soldateska auf über- müthig gewordene Bürger, Loslassen der Bürgerwehr auf übermüthig gewordene Proletarier, beispielsweise Belagerungszustand, alles das lebt noch von der Olym- piade Hansemann's herein frischem Gedächtniß. Es be- darf keiner Details. Kühlwetter resümirte�diese Seite der Bestrebungen des Ministeriums der That in seiner Aeußerung:„Ein Staat, der recht frei sein wolle, müsse ein recht großes Polizeipersonal als exekutive Macht haben", wozu Hansemann selbst die bei ihm stabil gewordene Glosse murmelte:„Es werde dies auch zur Herstellung des Vertrauens, zurBelebung der darniederliegenden Handelsthätigkeit wesentlich beitragen." Unter dem Ministerium der That„stärkten" sich also die altpreußische Polizei, das Parket, die Bureau- kratie, die Armee— weil im Solde, auch im Dienste der Bourgeoisie, wähnte Hansemann. Genug, sie„stärk- ten" sich. Die Stimmung des Proletariats und der bürger- lichen Demokratie dagegen wird durch ein Faktum cha- rakterisirt. Weil einige Reaktionäre, einige Demokraten in Charlottenburg mißhandelren stürmte das Volk das Hotel des Ministerpräsidiums in Berlin. So populär war das Ministerium der That geworden. Am andern Tag schlug Hansemann ein Gesetz gegen die Zusammen- rottungen und öffentlichen Versammlungen vor. So schlau intriguirte er gegen die Reaktion. Die wirkliche, greifbare, populäre Thätigkeit des Ministeriums der That, war also eine rein polizeiliche. In den Augen des Proletariats und der städtischen Demokratie vertrat dies Ministerium und die Vereinbarer- Versammlung, deren Majorität im Ministerium vertreten war, und die preußische Bourgeoisie, deren Majorität in der Vereinbarungsversammlung die Majorität bildete, nichts anderes als den alten, wieder aufgefrischten Polizei- und Beamtenstaat. Die Erbitterung gegen die Bourgeoisie war hinzugekommen, weil die Bourgeoisie herrschte und in der Bürgerwehr zu einem integrirenden Theil der Polizei sich herangebildet hatte. Das war die„Märzerrungenschaft" in den Augen des Volks, daß auch die liberalen Herren von der Bour- geoisie— polizeiliche Funktionen übernehmen. Also eine verdoppelte Polizei! Nicht in den Thaten des Ministeriums der That, sondern in seinen organischen Gesetzvorschlägen tritt es erst hervor, daß es die„Polizei", den letzten Ausdruck des alten Staats nur im bürgerlichen Interesse„stärkte" und zu Thaten anspornte. In den von dem Ministerium Hansemann vorgelegten Entwürfen zur Gemeindeord- nung, den Geschwornengerichten. demBürgerwehr- gesetze, ist der Belitz in einer oder der anderen Form stets die Gränze zwischen dem gesetzlichen und dem ungesetzlichen Lande. In allen diesen Gesetzvorschlägen sind der königlichen Macht zwar die servilsten Konzessionen gemacht, denn nach dieser Seite hin glaubte das bürger- tiche Ministerium einen unschädlich gewordenen Bundes- genossen zu besitzen, aber zur Entschädigung tritt die Herrschaft des Kapitals über die Arbeit desto rücksichts- loser hervor. Das Bürgerwehrgesetz, das die Vereinbarungsver- sammlung sanktionirt hat, ist gegen die Bourgeoisie selbst gekehrt worden und hat den gesetzlichen Vorwand zu ihrer Entwaffnung abgeben müssen. Allerdings sollte es in ihrer Einbildung erst wirksam werden nach Erlaß der Gemeindeordnung und der Promulgation der Verfassung, d. h. nach Befestigung ihrer Herrschaft. Die Ersahrnn- gen, welche die preußische Bourgeoisie mit dem Bürger- Wehrgesetze gemacht hat, mögen zu ihrer Aufklärung bei- tragen, sie mag daraus ersehen, daß sie einstweilen alles, was sie gegen das Volk zu thun nieint, nur gegen sich selbst thut. Für das Volk also resümirte sich das Ministerium Hansemann praktisch in dem altpreußischen Polizei- büttelthum, theoretisch in belgisch beleidigenden Unterscheidungen zwischen Bourgeois und Nichtbourgeois. Gehen wir zum anderen Theil des ministeriellen Programms über, zu der Anarchie gegen die Re- aktion. Nach dieser Seite hin hat das Ministerium mehr fromme Wünsche als Thaten aufzuweisen. Zu den frommen bürgerlichen Wünschen gehört der parzellenweise Verkauf der Domänen an Privatbesitzer, die Preisgebung des Bankinstituts an die freie Kon- kurrenz, die Verwandlung der Seehandlung in ein Privat- institut u. s. w. Das Ministerium der That hatte das Unglück, daß seine ökonomischen Angriffe gegen die feudale Partei alle unter der Aegide der Zwangsanleihe auftraten und seine reformirenden Versuche überhaupt als blos finanzielle Nothbehelfe zur Füllung der Kasse der erstarkten„Staats- macht" in den Augen des Volkes erschienen. Hansemann erntete so den Haß der einen Partei, ohne die Auer- kennung der andern zu ernten. Und es läßt sich nicht läugnen, daß er nur da einen ernsteren Angriff auf die Feudalprivilegien wagte, wo die dem Finanzministcr zu- nächst liegende„Geldfrage", wo die Geldfrage im Sinne des Finanzministeriums sich aufdrängte. In diesem engherzigen Sinne rief er den Feudalen zu! „Meine Herren! In Geldfragen hört die Gemüthlichkeit auf." So trugen selbst seine positiv bürgerlichen Bestrebungen gegen die Feudalen dieselbe polizeiliche Färbung, wie seine negativen Maßregeln zur „Belebung der Handelsthätigkeit". Die Polizei heißt nämlich in der politischen Oekonomie Fiskus Die Erhöhung der Rübenzucker- und Branntweinsteuer die Hansemann bei der Nationalversammlung durchsetzte und zum Gesetz erhob, empörte die Geldbeutel mit Gott für König und Vaterland in Schlesien in den Marken in Sachsen, in Ost- und Westpreußcn u. s. w. Während diese Maßregel aber den Zorn der industriellen Grund eigenthümer in den altpreußischen Provinzen herauf- beschwor, erregte sie nicht minderes Wkißvergnügen unter den bürgerlichen Branntweinbrennern der Rheinprovinz, die sich dadurch in noch ungünstigere Kvnkurrenzbedin- gungen den altpreußischen Provinzen gegenüber versetzt sahen. Und um das Maaß voll zu machen, verbitterte sie die Arbeiterklaffe der alten Provinzen, für die sie nichts bedeutete und nichts bedeuten konnte, als: Ver- theuerung eines unentbehrlichen Lebensmittels Es blieb also nichts von dieser Maßregel übrig als Füllung der Kasse der„gestärkten Staatsmacht!" Und dies Beispiel genügt, denn— es ist die einzige That des Ministeriums der That gegen die Feudalen, die wirklich zur That, der einzige Gesetzvorschlag in dieser Richtung, der wirklich zum Gesetz wurde. Hansemann's„Vorschläge" wegen Aufhebung der Klassen- und Grundsteuerbefreiungen, wie sein Pro jekt einer Einkommensteuer, rief Taranteltänze unter den Grundherrlichen Schwärmern für„Gott, König und Vaterland" hervor. Sie verschrieen ihn als— Kommunisten und noch heute bekreuzt sich dreimal die preußische Kreuzritterin bei Nennung des Namens— Hansemann. Er klingt ihr wie Fia Diavolo. Die Aufhebung der Gruudsteuerbefreiung, die einzige bedeutende Maßregel, die während der Herrlichkeit der Vereinbarerversammlung von einem preußischen Minister vorgeschlagen wurde, sie scheiterte an der prinzipiellen Bornirtheit der Linken. Und Hansemann selbst hatte diese Bornirtheit berechtigt. Sollte die Linke dem Ministerium der„ge- stärkten Staatsmacht" neue finanzielle Hilfsquellen er- öffnen, bevor die Verfassung fabrizirt und beschworen war? So unglücklich war das bürgerliche Ministerium par excellence, daß seine radikalste Maßregel durch die radikalen Glieder der Vereinbarerversammlung paralysirt werden mußte. So dürftig war es. daß sein ganzer Kreuzzug gegen die Feudalität sich in eine Stenerer- höhung verlief, allen Klassen gleich gehässig und daß sein ganzer finanzieller Scharfsinn in einer Zwangs- anleihe abortirte. Zwei Maßregeln, die schließlich nur Subsidien zu dem Feldzuge der Kontrerevolution gegen die Bourgeoisie selbst verschafften. Die Feudalen aber hatten sich von den„böswilligen" Ab- sichten des bürgerlichen Ministeriums überzeugt. So bewährte sich selbst in dem finanziellen Kampfe der preußischen Bourgeoisie gegen den Feudalismus, daß sie in ihrer unpopulären Ohnmacht Geld sogar nur gegen 'ich selbst einzutreiben wußte, und— meine Herren! In Geldfragen hört die Gemüthlichkeit auf! Wie es dem bürgerlichen Ministerium gelungen war, das städtische Proletariat, die bürgerliche Demokratie und und die Feudalen gleichmäßig gegen sich zu erbittern, s» wußte es selbst die vom Feudalismus unterjochte Bauern- klasse sich zu entfremden nnd zu verfeinden, aufs Eis- rigste darin unterstützt von der Bereinbarerversamm- lung. Man vergesse überhaupt nicht, daß während der Hälfte ihrer Lebensfrist diese Versammlung in dem Mi- nisterium Hansemann ihren sachgemäßen Repräsentanten fand und daß die bürgerlichen Märtyrer von heute, Hansemann's Schleppträger von gestern waren. Der unter Hansemann durch Patow vorgelegte Entwurf zur Befreiung von den Feudallasten war das jämmerlichste Machwerk ohnmächtigsten bürgerlichen Ge- lüstes, die Feudalprivilegien, diese mit der„neuen Staats- Verfassung unverträglichen Verhältnisse" �abzuschaffen, und bürgerlicher Angst, sich revolutionär an irgend einer Sorte des'Eigenthums zu vergreifen. Der jämmerliche, bange, engherzige Egoismus verblendete die preußische Bourgeoisie in dem Grade, daß sie ihren nothwendi- gen Bundesgenossen— die Bauernklasse— von sich zurückstieß. Am 3. Juni stellte der Abgeordne Hanow den Antrag,„daß alle schwebenden Verhandlungen behufs der Auseinandersetzung der gutsherrlich-bäuerlichen Verhält- nisse und behufs der Dienstablösungen bis zum Erlasse eines neuen, auf billigen Grundsätzen gebauten Gesetzes über diese Angelegenheit sogleich auf einseitigen Antrag eingestellt werden möchten." Und erst Ende September, also 4 Monate später, unter dem Ministerium Pfuel, nahm die Vereinbarungs- Versammlung den Gesetzentwurf wegen Sistirung der ob- schwebenden gutsherrlich-bäuerlichen Verhandlungen an, nachdem sie alle liberalen Amendements verworfen und es beim„Vorbehalt interimistischer Festsetzungen der laufenden Leistungen", wie der„Beitreibung der streitigen Abgaben und der Rückstände" belassen hatte. Im August, wenn wir nicht irren, erkannte die Vereinbarerversammlung Renstiel's Antrag auf„so- fortige Aufhebung der Robotdienste für nicht dringlich"— und die Bauern hätten es als dringlich erkennen sollen, sich für dieselbe Vereinbarerversammlung zu schlagen, die sie hinter den faktischen Zustand, den sie nach dem März erobert hatten, zurückschleuderte! Die französische Bourgeoisie begann mit der Le- freiung der Bauern. Mit den Bauern eroberte sie ganz Europa. Die preußische Bourgeoisie war so sehr in ihren engsten, nächstliegenden Interessen befangen, daß sie selbst diesen Bundesgenossen verscherzte und zu einem Werkzeuge in der Hand der feudalen Contrerevolution machte. Die offizielle Geschichte von der Auflösung des Bürgerministeriums ist bekannt. Unter seinen Fittichen war die„Staatsmacht" so weit„erstarkt", die Volksenergie so weit niedergedrückt. daß die Dioskuren Kühlwetter-Hansemann schon am 15. Juli eine Ermahnung an sämmtliche Regierungs- Präsidenten der Monarchie gegen die reaktionären Um- triebe der Verwaltungsbeamten, speziell der Landräthe, erlassen mußte, daß später eine„Versammlung des Adels und der großen Gutsbesitzer zum Schutze" ihrer Privilegien neben der Vereinbarerversanimlung in Berlin tagte, daß endlich der sogenannten National- verjammlung gegenüber ein aus dem Mittelalter über- kommener„Kommunal-Landtag zur Wahrung der be- drohten Eigenthnmsrechte des Grundbesitzes" in der Ober- lausitz auf den 4. September sich znsammenberief. Die Energie, welche Regierung und sogenannte Nationalversammlung gegen diese immer bedrohlicher werdenden contrerevolutionären Symptome aufbot, äußerte sich angemessen in papierenen Ermahnungen. Bayonette, Kugeln, Gefängnisse und Büttel hatte das Bürger- Ministerium nur für das Volk„zur Herstellung des gestörten Vertrauens und zur Belebung der Handelsthätigkeit." Die Vorfälle zu Schweidnitz, wo die Saldateska direkt die Bourgeoisie in der Bürgerwehr meuchelmordete, erweckten endlich die Nationalversammlung aus ihrer Apathie. Am 9. August raffte sie sich zu einer Helden- that auf, zu dem Stein-Schulze scheu Armeebefehl, dessen letztes Zwangmittel das Zartgefübl der preußischen Offiziere war. Welch' ein Zwangsmittel! Und verbot die rvyalistische Ehre den Offizieren nicht, auf die bürger- liche Ehre zu hören? Einen Monat, nachdem die Bereinbarerversammlung den Stein-Schulzescheu Armeebefehl gefaßt hatte, am 7. September beschloß sie abermals, daß ihr Beschluß ein wirklicher Beschluß und von den Minister» ausgeführt werden müsse. Hansemann weigerte sich und dankte ab am 11. September, nachdem er sich selbst zum Vankdirektor mit 6000 Thlr. jährlichem Gehalt ernannt hatte, denn— meine Herren! In Geldfragen hört die Gemüthlichkeit auf. Am 25. September endlich nahm die Vereinbarerversammlung dankbar aus Pfuel's Munde die gänzlich abgeschwächte Anerkennungsformel des Stein-Schulzeschen Armeebefehls entgegen, der unter- dessen durch den parallell laufenden Wrangel'schen Armee- lefehl und die um Berlin kvnzentrirten Truppeninassen zu einem schlechten Witze herabgesunken war. Man braucht die eben gegebenen Daten und die Geschichte des Stein-Schulze'schen Armeebefehls nur mit einem Blicke zu überfliegen und man überzeugt sich, daß jener Armeebefehl nicht der wirkliche Grund von Hansemann's Abdankung war. Hansemann, der vor der Anerkennung der Revolution nicht zurückschauderte, hätte vor jener papierenen Proklamation zurückschaudern ollen? Hansemann, der das Portefeuille jedesmal wieder aufhob, so oft es ihm entfallen war, hätte es diesmal aus biedermännischer Gereiztheit auf der Ministerbank zum Ausgebot liegen lassen sollen? Nein, unser Hanse- mann ist kein Schwärmer! Hansemami wurde einfach düpirt, wie er überhaupt die düpirte Bourgeoisie dar- teilte. Man ließ ihn glauben, die Krone werde ihn niter keinen Umständen fallen lassen. Man ließ ihn den letzten Schein der Popularität verlieren, um ihn endlich den Rancünen der Krautjunker hinopfern und ich von der bürgerlichen Vormundschaft befreien zu önnen. Ueberdem erforderte der mit Rußland und Oesterreich verabredete Feldzugsplan einen von der Kama- rilla außer der Vereinbarer- Versammlung ernannten General an der Spitze des Kabinets. Unter dem Bürger- Ministerium war die alte„Staatsmacht" hinreichend„er- tarkt", um diesen Koup wagen zu dürfen. Man täuschte sich in Pfuel. Der Sieg der Kroaten zu Wien machte selbst einen Brandenburg zu einem brauchbaren Werkzeuge. Unter dem Ministerium Brandenburg wurde die Vereinbarer-Versammlung schmählich auseinander gejagt, gefoppt, verhöhnt, gedemüthigt, verfolgt und das Volk blieb gleichgiltig im entscheidenden Augenblicke. Ihre Niederlage war die Niederlage der preußischen Bougeoisie, der Konstitutionellen, also ein Sieg der demokratischen Partei, wie theuer diese den Sieg auch bezahlen mußte. Aber die oktroyirte Verfassung? Einst hieß es, nie werde ein„Stück Papier" sich zwischen den König und sein Volk drängen. Jetzt heißt es: Nur ein Stück Papier soll sich zwischen den König und sein Volk drängen. Die wirkliche Ver- nssung Preußens ist der— Belagerungszustand. Die oktroyirte französische Verfassung enthielt nur einen § 14, der sie aufhob. Jeder Paragraph der oktroyirte» preußischen Verfassung ist ein§ 14. Die Krone oktroyirt durch diese Verfassung neue Privilegien— nämlich sich selbst. Sie giebt sich selbst frei, die Kammern in indefinitnm aufzulösen. Sie giebt den Ministern frei, in der Zwischen zeit beliebige Gesetze(auch über Eigenthum u. drgl.) zu erlassen. Sie giebt den Deputirten frei, die Minister deswegen anzuklagen, auf die Gefahr hin, als„innere Feinde" in Belagerungszustand erklärt zu werden. Sie giebt endlich sich selbst frei, wenn im Frühling die Aktien der Kontre-Revolution hoch stehen, nm die Stelle dieses in der Luft schwebenden„Stück Papiers" eine aus den mittelalterlichen Ständeunterschieden organisch heraus- wachsende christlich-germanische Magna-Charta zu setzen oder das Verfassungsspiel überhaupt aufzugeben. Selbst in dem letzten Falle würde der konservative Theil der Bourgeoisie die Hände falten und beten: Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's ge- Kommen, der Name des Herrn sei gelobt! Die Geschichte des preußischen Bürgerthums, wie überhaupt des deutschen Bürgerthums von März bis Dezember beweist, daß in Deutschland eine rein bürger- liche Revolution.und die Gründung der Bourgeois- Herrschaft unter der Form der konstitutionellen Monarchie unmöglich, daß nur die feudale absolutistische Kontrerevolution möglich ist oder die sozialrepubli- kanische Revolution. Daß aber selbst der lebensfähige Theil der Bour- geoisie wieder aus seiner Apathie erwachsen muß, dafür bürgt uns vor allem die Monstrerechnung, womit die Kontrerevolution ihn im Frühling überraschen wird und— wie unser Hansemann so sinnig sagt: Meine Herren! In Geldfragen hört die Ge- müthlichkeit auf! Ze! Mama*) von Arne Garborg. J. T. Norwegens Dichter mehren sich in letzter