I Berliner Sozial-Politisches Wochenblatt. Aus der Moche.— Der Soulangismns und die Revolution. IL— Der Banschwindel i» Kerlin.— Die Pariser Arbeitsbörse.— Der englische Rationalreichthum.— Der Utopist Herbka.— Dom Reichstag. Gedicht.— Uovelle.— Bestechung der Preste im Großen.— Die Motive znr Reformatio«. — Die Zölle und die Sozialdemokratie.— Arbeitsruhe und Arbeitszeit. Aus der Woche. -se- Als man einst an einem Montage einen armen Sünder zur Richtstätte führte meinte er in seinem naiven Galgenhumor: Alle Achtung, die Woche sängt gut an. Für die Großen und Mächtigen der Erde hat das heurige Jahr einen Anfang genommen, der ihnen nicht besonders gefallen wird. Aus allen Ecken und Enden kommen Nachrichten, welche darthun, daß das Volk es einmal mit etwas anderem, als der ewig zuwartenden Geduld versuchen will. In Portugal, und zwar in Oporto, einer Stadt, jedem durstigen Geldsack theuer, weil von dorther der schwere, köstliche Portwein kommt, brach in den letzten Tagen des Januar ein republikanischer Aufstand los. Zwei Regimenter Linientruppen und eine Menge„Civi- listen" marschirten nach dem Stadthause und besetzten es. Gleichzeitig sollte auch in anderen Städten die Be- wegung losbrechen. Das war aber nicht der Fall, und so wurde der Aufstand in Lporto in kurzer Zeit nieder- geschlagen, den republikanischen Zeitungen des ganzen Landes das Lebenslicht ausgeblasen, das Kriegsgericht hat seine Thätigkeit begonnen. Noch einmal also hat die Monarchie in diesem Lande triumphirt; sie wird nie mehr in die Lage kommen, Jubellieder anzustimmen. — In Belgien passirte etwas Aehnliches. Einige hundert eingezogene Milizsoldaten aller Waffengattungen fanden, daß man sie zu lange bei der Fahne halte und beschlossen kurzerhand, in ihre Heimath, zu ihrer Arbeit zurückzukehren. Als man ihnen auf de« Brüsseler Bahn- Höfen keine Fahrkarten ausfolgte, zogen sie demonstrirend durch die Straßen und begaben sich nach dem Ber- sammlungslokal der Sozialisten. Die belgische Regierung läßt vermelden, daß sie diesen Frevel in sehr harter Weise bestrafen werde. Mag sein, sie hat ja noch vor- läufig die Macht dazu. Wird aber alles nichts helfen. Und wenn man die Straßen der Weltgeschichte auch noch so sehr mit Menschengebein pflastert und die Geldsäcke leimt mit Menschenblut und Menschenschweiß, die Be- wegung, welche jetzt durch die Lande zieht, wird man nicht« aufhalten. Ten Kopf hoch, Proletarier, dein ist die Welt, trotz alledem. — Bismarck verschwand von dem Piedestal, ans welches ihn deutsche Knechtsseligkeit gehoben, der un- garische Bismarck, Herr von Tisza, folgte unfreiwillig seinem Beispiele, jetzt ist auch Crispi, der Katzelmacher- Bismarck, seinem Vorbilde nachgeflogen. Das italienische Parlament hat den aus einem Revolutionär zum Despoten und Volksverderber Gewordenen einfach davon gejagt. Wenn dem Kleeblatt nicht aller Humor ver- gangen ist, könnte es jetzt gemüthliche Skatabende ver- anstalten, den drei Völkern wird dabei wohler sein, als wenn es„Politik im größten Style" machte. — Mehr Glück, als diese drei gefallenen Größen hat augenscheinlich der Generalfeldmarschall des Zentrums, Herr Windhorst. Er steht politisch noch fest, obgleich kr unlängst im Parlament die Treppe herabgefallen. Er hat sogar eine Standeserhöhung und zwar taxfrei erfahren. Am oy in China fand ein Deutscher ans einer kleinen Felseuinsel, welche den sieben Genien geweiht ist, unter anderen Götzenbildern eine alte zerbrochene Gypsstatue ohne� Füße, welche die schwarze Perle von Meppen in höchsteigener Person darstellt. Welches Gesickck mag der humvrsprudelnde, mit allen Salben geschmierte schwarze Kampfhahn gemacht haben, als er diesen chinesischen „Genie?treich" erfahren? — Es vergeht keine Woche, ohne daß im heiligen römischen Reich deutscher Nation der Säbel haut. Dies mal kommt aus Görlitz die Nachricht, daß dort drei Offiziere einen Kellner in einen Hausen leerer Flaschen geworfen und ihn mit den Waffen bearbeitet haben. Ur fache: der Mann hatte beim Serviren einen der Herren angestoßen und sich dann seiner Haut gewehrt. Wie ist uns denn? Sind Kellner auf einmal auch den Edelsten gegenüber faktivnsfähig? Zu der Haue wird und muß sich auch ein Stiel sinden. Das Volk hat ein Recht zu verlangen: der Soldat hat außer Dienst keine Waffe zu tragen. Und wenn man sie auf der Straße nicht ent rathen zu können vermeint, gut, in öffentlichen Lokalen aber unter jeder Bedingung. Wohin würde das führen. wenn zu einer Tanzunterhaltnng, zu einem Konzert Jeder sein Handwerkzeug mitbrächte? Ich sehe sie schon vor mir, die humoristischen Gestalten mancher Redakteure. An der linken Seite die Notizenscheere, rechts den Kleister- topf, hinterm Ohr den Pinfel. — Auf dem letzte» Ball der Berliner bürgerlichen Presse sind auch einige Herren in seidenen Kniehöschen erschienen. Wollten die Herren nicht die Güte haben. uns zu verrathen, woher sie ihre, zu dieser Kleidung ge- hörigen deutschen Waden bezogen haben? Und zweitens, wo haben sie geruht, ihre Taschentücher zu tragen? Vielleicht wie die Kleinen, zwischen den Knöpfchen hinter- wärts von— TemeSvar? — Den hungernden Webern in Schlesien ist ge- Holsen. Ein Großgrundbesitzer hat an sie die Einladung ergehen lassen, wer Arbeit wolle, solle nur zu ihm kommen. Darauf haben die Leute zur Antwort gegeben, schwere Arbeit könnten sie nicht verrichten, und hungern könnten sie in der Heimath auch. Das ist pure Verstocktheit, denken die Bürger, aber wir werden den Kerlen doch helfen, kost' es, was es wolle. Und sie gehen hin und gründen zu Langenbielau eine Weberschule. Der Staat wird einen Zuschuß geben, und das Elend ist aus der Welt geschafft. Auf ähnliche Weise hilft man dem Hand- werk schon seit lange. Seit zwanzig Jahren werden Fachschulen jeden Kalibers gegründet und noch immer schreien Handwerker und Kleinmeister:„Gott segne Sachsen! Gebt uns was, gebt uns was, oder wir müssen Sozial- demokraten werden." Wird auch dazu kommen, mit oder ohne Sachsen, mit oder ohne Weberschule. — Die spanischen Corteswahlen sind zu Gunsten der konservativen Regierung ausgefallen. Dieses Resultat war vorauszusehen. I» diesem Lande hatte noch jede Regierung die Majorität, welche sie wünschte. Das hindert aber nicht, daß ebendieselbe Regierung vielleicht schon in kurzer Zeit den„Kehraus" tanzen kann. In Spanien ist eben alles normal, der selige Hegel hätte seine Freude dran. — Wie sehr das Kapital alles ausnützt, was es in seine Fänge bekommen kann, hat wieder die Debatte über die Bevorzugung des Wolff'schen Telegraphenbureaus schlagend erwiesen. Die Inhaber dieser Gesellschaft sind millionenweise Börsenleute, trotzdem verschmähen sie es nicht, sich auf Kosten der Allgemeinheit einen Vortheil zuzuschanzen. Das ist mehr als filzig. Und der Staat duldet noch einen solchen Zustand. Ist aber erklärlich. wenn er zufällig eine» Minister der Posten hat, welcher der Meinung ist, es werde heute überhaupt schon zu viel relegraphirt. Wenn Herr Stephan gar so sehr für den beschränkten Unterthanenverstand und gegen den be- schränkten Geldbeutel ist, warum ukast er dann nicht einfürallemal: Telegraphiren darf nur, wer 3000 Mark Einkommen besitzt? Das wäre wenigstens ganze Arbeit, wie sie„Meisler" Bismarck liebte. — Ter Kampf der Schule gegen die Sozial- demokratie macht weitere lustige Fortschrttte. Im an- haltischen Lehrer-Seminar zu Köthen hat eine Disziplinar- Untersnchung gegen Schüler der zweiten Seminarklasse, wegen sozialistischer Umtriebe stattgefunden. Die an- gehenden Lehrer sollen an sozialdemokratischen Versamm- langen Theil genommen und sozialistische Schriften gelesen haben. Dabei ist das Köthener Seminar ein Alumnat mit fast militärischer Kontrole. Wir können dem unter- suchungseifrigen Seminardirektor noch Weiteres verrathen. Nicht blos Seminaristen, auch junge preußische Lehrer kennen wir, welche voll und ganz auf unserem Stand- Punkt stehen. — Wenn die bürgerliche Presse sich etwas Gutes anthun und recht saftig renomiren will, dann spricht sie vom altpreußischen Richterstande. Diese einzige Säule verschwundener Pracht scheint aber auch Risse und Sprünge die Menge zu haben. Im Abgeordnetenhause sprach der Präsident eines Oberlandesgerichtes von ver- soffenen Amtsrichtern. Unlängst wurde ein Gerichts- assessor entlassen, weil er einem Agenten nicht 2000 Mk. zahlen wollte, welche er versprochen hatte, falls er eine Stelle im auswärtigen deutschen Amte erhielte. Der doppeltschlaue Themisjünger hatte sich nämlich noch mit einer zweiten Person in Verbindung gesetzt, welche ihm eine Amtsrichterstelle in Aussicht stellte. Als es zum Klappen kam, konnte er natürlich nur eine Stelle an- nehmen, wollte aber die eine Vermittlergebühr ersparen, und siel so zwischen zwei Stühle. Die Angelegenheit ist im Reichstag zur Sprache gekommen, und der Vertreter der Regierung hat erklärt, solche Dinge könnten nicht passieren. Da haben also die Zeitungen wieder einmal gelogen, wenn so was nicht passieren kann. Wir glau- ben natürlich das, was die Regierung sagt. Aber sie sollte sich doch nicht so ungestraft verleumden lassen, sie sollte doch die„Königsberger Hartungsche Zeitung", welche die Verleumdung zuerst gebracht hat, verklage», und die anderen Zeitungen, welche sie abgedruckt haben, auch!— — Der Präsident der Altonaer Eisenbahndirektion sehnt sich nach Ruhe, ob freiwillig oder unfreiwillig, lassen wir dahingestellt. Er hat vor nicht langer Zeit einen Fackelzug der Eisenbahnbeamten zu Ehren der „alten Racketenkisie" veranstaltet. Das genügt. Die Sünden des verflossenen Reichskanzlers werden gestraft bis in die so und sovielte Rangsklasse. — Auch Waldersee geht. Wenn der neu gegründete Verein gegen den Antisemitismus nun dem Stöcker nicht auf die Strümpfe hilft, dann kann sich der zweite Luther auch schon gleich begraben lassen. — In Oesterreich ist die Wahlbewegung für den Reichsrath im vollen Gange. Auch die sozialdemokratische Partei greift diesmal durch Versammlungen und Flug- blätter werkthätig ein. Auch nur einen ihrer Kandidaten wird sie i» besten nicht durchbringen. Der Census ist zu hoch, nominell 10 Mark, in Wirklichkeit aber mit den Zuschlägen wenigstens 40 Mark. Und das gilt nur für die Städte, die Wähler auf dem Lande wählen gemeinde- weise Wahlmänner und diese erst die Abgeordneten. Trotzdem wird der agitatorische Erfolg für die Sozial- demokratie ein sehr großer sein. Die Schlacht wird diesmal in Oesterreich zwischen Klein- und Großbürger- thum geschlagen, ihr Ausgang wird in absehbarer Zeit das allgemeine, direkte Wahlrecht zur Folge haben. — In Chikago hat sich nach der Meldung eines englischen Blattes(„Trnth") eine Gesellschaft gebildet, deren Zweck die Ausfuhr von heirathssähigen, reichen Amerikanerinnen nach dem Londoner Heirathsmarkte sein soll. In was wird die Gegenleistung der Londoner Bräutigamer bestehen? In Stammbäumen, Gold oder— Oueclsilb.r? Der Koulangismus und die Revolution. Von Mac-Arle. II. sNa'ch'dem 3. Dezember. T """"Nach den' Ereignissen des 3. Dezember,''welche ich nur als charakteristfiche Zeichen für die Entw'ckelung der Volksbewegung eingeslochten habe, ging die revolutionäre Bewegung ihren Gang weiter. Leider hatte sie nicht die festen Wurzeln gefaßt wie z. B. die sozialistischen Ideen in Deutschland und ruhte nur auf einem Instinkt des Volkes. Dieses hatte das unbestimmte Gefühl, daß in sozialer und politischer Beziehung bessere Zustände ge- schaffen werden müßten, aber es hatte von den Formen, in denen das geschehen konnte, keine bestimmten Vor- stellungeu. Unter einem solchen ziellosen Charakter haben mehr oder weniger alle Volksbewegungen in Frankreich zu leiden gehabt. Auch der Sozialismus hat erst bei einer kleinen Gemeinde feste und klare Gedanken schaffen können, und da das französische Volk in seinen breiteren Schichten niemals einen bestimmten Begriff davon gehabt hat, wie die Umwälzung vor sich gehen müßte, da es kein unverrückbares Ziel vor Augen hatte, sondern sich von den verschiedensten Einflüssen des Augenblicks. treiben läßt, so hat es oft eine falsche Richtung eingeschlagen und sich so selbst um den Preis seiner Anstrengungen gebracht. Dies trat auch bei der Bewegung ein, die wir bis zum 3. Dezember verfolgt haben. Sie schlug auch noch an diesem Tage ihre Wogen mit unverminderter Kraft, aber da sie auf ein Unbestimmtes zusteuerte, erlitt sie eine Ablenkung von der ursprünglichen Richtung, sie folgte einem anderen Einfluß, der revolutionäre Berg- ström verwandelte sich mit einem Wort in die nicht minder heftige boulangistische Strömung und glaubte da- durch am kürzesten an sein Ziel, die Befreiung des Volkes, zu gelangen. Wem soll man die Schuld an dieser gefährlichen Schwenkung beimessen? Soll man etwa die sozialistischen Gruppen deshalb anklagen, daß sie den bestimmenden Einfluß, den sie einen Augenblick lang, auf den Marsch des Pariser Proletariats hatten, verloren? Allerdings kann man wohl sagen, daß sie dadurch, daß sie der Welt keineswegs das Bild einer einmüthig geschlossenen Partei boten, manche Sympathien verscherzt haben. Nehmen wir die Blanquisten aus, die ihrer Tradition zufolge sich stets von Streitereien fernhielten, so haben doch die übrigen Gruppen und Schulen lange Zeit in einem beständigen und widerwärtigen Kampf mit ein- ander gelebt oder sie haben sich in einen affektirten Pedantismns gehüllt und für die Leidenschaften des Volkes kein Verständniß gezeigt. Aber das alles waren nicht die wahren Gründe, ans denen sie damals die Führerschaft über die Massen verloren, welche ihnen durch die Umstände einen Augenblick lang in die Hand gegeben ward. Die Umstünde... damit habe ich das Wort ge- uannt, welches uns einen Schlüssel für die eigenthümliche Wendung der Bewegung giebt, sie sind in der That immer die Herren einer Bewegung, wenn sie wie die besprochene, rein Sache des Temperaments ist. Dcktz Volk— das gilt zunächst für das fran- zösische— wird sich in der Regel immer mehr durch aktuelle Vorgänge bestimmen lassen, als durch allgemeine ethische Vorstellungen, es wird auch seinen Denkern, wenn sie sich nur in den abstrakten Gebieten der Theorie be- wegen, lange nicht den Einfluß über sich einräumen, wie denjenigen, welche direkt in sein Leben eingreifen, welche ihm in handgreiflicher Weise Verbesserungen und Er- leichterungen desselben zu verschaffen suchen, welche vor seinen Augen allgemein verständlich agitiren und wirken. Wenn sich ein Mann direkt in den Dienst der je- weiligen, wahren Interessen des Volkes stellt, so wird er immer einen Vorsprung haben gegenüber demjenigen, der durch theoretische Lösung sozialer Probleme vielleicht weit mehr für die Emanzipation der Blassen leistet, der aber erst nach Verlauf langer Zeit verständlich ist und ge- würdigt wird. ps Die bestehenden Verhältnisse richtig zu beurtheilen und auszunutzen, das ist die Kunst jedes Politikers und Agitators. Versteht er es sie zu durchschauen und ge- schickt von ihnen zu profitiren, so sind sie es, welche ihn aus dem Gipfel der Volksgunst erheben können. Diese Verhältnisse, die ganze politische Lage in der französischen Republik, die Stimmung der Bevölkerung gegenüber den regierenden Klassen, die ich in den ersten Abschnitten zeichnete, müssen wir betrachten, sollen wir ein Verständniß für die merkwürdige Rolle Boulangers und für das Verhalten der arbeitenden Klaffen gegen ihn, gewinnen.... Man vergaß eben alles. Alle Auf- merksamkeit, alle Leidenschaften, alles wandte sich ihm zu. Das Volk, das noch immer im Fieber der Re- volution zitterte, sammelte sich in furchtbaren Massen hinter dem General, dessen Person ihnen für die Be- endigung der schmählichsten Zustände in der Republik die beste Bürgschaft zu bieten schien. Der General Boulanger. Ich komme zu dem Hauptpunkt dieser kurzen Studie, dem Stadium der Volksbewegung, die man Boulangismus nennt. Während des Jahres 1885/86 gerieth das opportu- nistische Ministerium derart in Mißkredit, daß man sich in Regierungskreisen nicht stark genug mehr fühlte, es aufrecht zu halten. Man sah sich genölhigt, der öffent- lichen Meinung eine Satisfaktion zu geben und ersetzte es am 7. Januar durch ein radikales mit Goblet an der Spitze. In diesem neuen Ministerium saß auch ein bis dahin unbekannter Mann; dies war Boulanger, der das Portefeuille des Krieges inne hatte. Ueber seine Person und Vergangenheit wußte man nur, daß er die Feldzüge in Afrika und Italien, sowie denjenigen von 1870/71 mitgemacht, daß er ferner gegen die Kommune gekämpft hatte; seine politischen Meinungen waren den weiteren Kreisen unbekannt. Indessen, dieser bis dahin unbekannte Mann ver- stand es eine unerhörte Popularität zu erringen und dadurch bald das ganze Kabinet in den Schatten zu setzen, eine Popularität, die um so höher anzuschlagen war, als sie in dem Herzen des Proletariats, des ar- beitenden Volkes ruhte. Was für eine Ursache hatte dieser eigenartige Enthusiasmus? Beim Suchen nach einer Erklärung darf man zu- nächst nicht unberücksichtigt lassen, daß vor Boulanger alle Kriegsmiuister streng monarchisch gewesen waren. Man hatte sie immer als eine drohende Gefahr für die Republik gefürchtet. Sie waren der Schrecken der demo- kratischen Bevölkerung gewesen. Nun kam Bonlanger. Nicht nur, daß er die Trägheit seiner Vorgänger durch eine energische Thätigkeit ersetzte, schien er auch diese ganze Energie in den Dienst der vorgerücktesten Demokratie stellen zu wollen. Ein demokratischer Kriegs- minister, welche neue, unerwartete Erscheinung! Das ganze repuhlikanische Frankreich athmete erleichtert auf; endlich hatte man den langgesuchten, republikanischen Kriegsminister gefunden. Aber vielleicht wird man die Bewunderung, mit der Bonlanger umgeben wurde, noch besser verstehen, wenn ich einige Züge anführe, durch die er die öffentliche Meinung auf seine Seite zu bringen verstand, das wird uns erklären, weswegen er gerade bei der ultra-demo- kratischen Bevölkerung von Paris so großen Anklang fand. Im Marz 1886 halte sich, wie bereits angeführt, die Bergarbeiterbevölkerung von Döcazeville zu einem allgemeinen Ausstand erhoben, der große Dimensionen annahm. Sie hatten einen Direktor getödtet und waren zu dem Aeußerstcn bereit. Wie gewöhnlich war den Streikenden gegenüber auch Militär aufgeboten und man fürchtete von Stunde zu Stunde, daß es zwischen den aufgeregten Bergleuten und den Soldaten- zu einem ähnlichen Gemetzel kommen werde, wie in der Ricarmarie. Der sozialistische Depntirte Camelinat interpellirte den Kriegsminister am 26. März 1886 über diesen Gegenstand. Dieser antwortete mit den verblüffendsten Worten, welche die Kammer je aus dem Munde eines Kriegsministcrs gehört hatte: „Beklagen Sie sich nicht," so sagte Boulanger, „über die Zahl der Soldaten, welche die Minen be- wachen; die französischen Soldaten theilen ihr Brot mit den Arbeitern, aber greifen sie nicht an." Das war keineswegs ein Redner aus dem sozialistischen Klub, der so sprach, sondern der Kriegsminister der französischen Republik. Welche Wirkung mußte eine solche Sprache auf die ewig revolutionäre Bevölkerung der Fmibourgs von Paris ausüben, die den Kampf der Bergleute so sehr zu ihrer eigenen Sache machten, daß sie Hunderttausende aufbrachten, um den Widerstand der- selben zu stärken! Naturnothwendig mußte ein Gefühl der Dankbarkeit und Anerkennung in ihnen entstehen gegen den Minister, der so ganz anders sprach wie jeder andere an seiner Stelle, der nicht gesagt hatte, die Soldaten würden ihre Schuldigkeit thun, das heißt die Minen- arbeiter massakriren, sondern der sagte: Sie werden ihr Brot mit ihnen theilen. Noch mehr mußte sich dieses Gefühl steigern, als man erfuhr, daß in der Ministersitzung vom 6. Juni 1886 ein Streit ausgebrochen war, weil Boulanger und der alte Garibaldianer Lockroy sofortige Ausweisung sämmt- licher Familienangehörigen der fürstlichen Dynastien ver- langten, die Frankreich beherrscht hatten, ein Verlangen, dem sich die übrigen Minister schroff widersetzten. Bon- langer und Lockroy jedoch verstanden es, den Widerstand ihrer Kollegen zu besiegen und der Kriegsminister forderte dann von der Tribüne der Kammer herab ein diesbezüg- iches Gesetz, allerdings mit der Einschränkung, daß es 'ich nur auf die Häupter der ehemaligen Regentenfamilien erstreckte.. Dies wurde auch angenommen und vergrößerte das Ansehen Boulangers in den Augen des Volkes bedeutend. Ich kann unmöglich auf alle die Regierungshandlungen Boulangers des Näheren eingehen, die ihn auf den Gipfel der Volksgunst hoben, ich kann nicht einmal die wichtigsten 'treffen, ich habe z. B. nicht einmal von dem Gesetz ge- prochen, das den Militärdienst auf drei Jahre reduzirte, eine Forderung sämmtlicher radikaler Programme, die auch Boulanger aufgenommen hatte. Man könnte mir vielleicht einwenden, daß versäumt hätte, auf seinen chauvinistischen Charakter hinzuweisen, der ihm viele Sympathien erworben haben mochte, doch ist demgegen- über zu bemerken, daß derselbe Chauvinismus allen vorhergehenden Ministerien innegewohnt hat, ohne daß ie dadurch populärer geworden wären. Sicher ist es dagegen, daß die Thätigkeit, welche der General für die Reorganisation der Armee auszuüben schien, dem Volk nicht gleichgültig blieb und dieser Punkt giebt mir noch zu einigen Bemerkungen Anlaß. Ich habe schon gesagt, daß man von der großen Masse nicht dasselbe Maaß philosophischer Einsicht er- warten darf, wie von Einzelnen. Wenigen, daß sie im Gegentheil mehr der Spielball ihrer Leidenschaften ist. Wenn wir daraus warten wollten, daß sie sich für ein philosophisches Ideal der gesellschaftlichen Umwälzung in Bewegung setzt, wenn wir sie verdammen wollen, wenn ie sich einmal nicht ganz in Uebereinstimmung mit unserem sozialen Evangelium befinden, so werden wir niemals etwas erreichen. Volksbewegungen müssen noth- wendig immer einen mehr instinktiven Charakter tragen, sie bedürfen einzelner Männer, die wissen was sie wollen und die eine Bewegung in die richtigen Bahnen leiten. Neben den philosophischen Gründen giebt es auch Gründe der praktischen That, das dürfen wir nicht vergessen. Nun ist das Pariser Proletariat dasjenige, das am tiefsten das Gefühl der Brüderlichkeit, der Jnrernationalität in sich aufgenommen hat. Es hat immer für die europä- ische Demokratie gekämpft. Im Jahre 1848 wollte es die provisorische Regierung zwingen, dem ganzen mo- narchischen Europa den Krieg zu erklären' und zweifelsohne hat es heute noch dieselbe Empfindung. Auch heute noch steht dem demokratisch-empfindenden französischen Volke das halbe streng monarchische Europa gegenüber, es fühlt sich bedroht durch das letztere und will sich vertheidigcn. Dieses demokratische Nationalgefühl erklärt uns den Chauvinismus des französischen Volkes und erklärt uns auch das Gefühl der Anerkennung, das es Boulanger für seine Reorganisation des Heeres zollte. Gewiß ist es nicht der stärkste Grund gewesen, der dem General zu seiner Popularität verhalf, daß man ihn für einen geschickten Militär hielt, er hat mit vielen anderen aber dazu beigetragen. Als am 17. Mai 1887 Bonlanger seinen Posten niederlegte, sah man wie groß diese Volksthümlichkeit unter den Vorstadtbewohnern von Paris war, man sah es besonders am 8. Juli, als er nach Clermont abreiste. Ein furchtbares Menschenmeer fluthete am Lyoner Bahnhof, es mögen wohl mehr wie 150 000 Menschen gewesen sein, die zu allem bereit waren. Die Massen warfen sich auf die Schienen, um die Abfahrt des Generals zu verhindern. Wenn er auch nur die allergeringste revolutionäre Ader gehabt hätte, so brauchte er nur ein Zeichen zu geben, um die Herrschaft der bürgerlichen Finanzwelt wie Glas zu zerschmettern. Allerdings war er nicht die Persönlichkeit, etwas Besseres an deren Stelle setzen zu können, ein Gedanke aber, der dem vertrauungsvoll auf ihn hoffenden Volke nicht kam und nicht kommen konnte. Der Kauschwindel in Kerlin. N. K. Die Berliner Bauhandwerker, das ist, die größeren oder kleineren Unternehmer, hielten in letzter Zeit zwei Versammlungen ab und beschlossen, die Gründung eines Vereins als Schutzmittel gegen drohende Verluste von Seite der Bauunternehmer. Wer gewohnt ist, häufig Arbeiterversammlungen beizuwohnen, auf den machte das Aeußere dieser Versammlung einen eigenthümlichen Ein- druck. Man sah glänzende Glatzen, gerundete Bäuche, blühende Gesichter, schwere goldene Ketten und feine Pelze. Und doch klagten alle Anwesende über ihre schlechte wirthschaftliche Lage. Es sei so weit gekommen, meinte der Referent, daß Handwerker nach 20— 25 jähriger Thätigkeit im Baufache gezwungen wären, sich selbst zu morden. Wir fühlen nicht den Beruf in uns, für diese gemästeten Herren in die Bresche zu treten. Wenn wir im Nach- stehenden den Bauschwindel aufzudecken versuchen, so geschieht dies erstens, weil viele unserer Genossen im Baufache thätig sind, also ein Interesse daran haben, zu erfahren, wie die Sachen liegen; zweitens, weil die ganze bürgerliche Presse wie auf Kommando den Sachverhalt tvdtschweigt, es für uns Sozialisten aber nur von Vor- theil sein kann, den Gegner, so wie er ist, voll und ganz kennen gelernt zu haben. Fast alle Berliner Wohnungsbauten werden im Auftrag von Leuten hergestellt, welche in den meisten Fällen kein Kapital und wenn, dann auch nur wenige tausend Mark besitzen. Das Geld zum Bau erhält der Bauunternehmer von einem einzelnen Kapitalisten oder von einer Vereinigung derartiger Leute. Für einen Ouadrat-Fuß bewohnbarer Fläche rechnet man als noth- wendiges Gelderforderniß 27 Mk. Der Bauunternehmer erhält diesen Betrag aber nie ganz von seinem Geldgeber, sondern höchstens 20— 22 Mk. Würde der Kapitalist 27 Mk. aufwenden wollen, so würde er selbst bauen und brauchte keinen Mittelsmann. Von diesen 20— 22 Mk. für den Quadrat- Fuß sollen bezahlt werden: die Zinsen an den Geldgeber, der nöthige Grund und Boden, die Materialien und die Handwerkerlöhne. Der Bauunter- nehmer will indessen auch leben, und er lebt gut, danfft der Kredit keinen Abbruch erleide. Mit 20 Mk. kann man aber keine Sache herstellen, die unter allen Umständen 27 Mk. kostet. Ist das Haus nun wirklich fertig gebaut, so muß es unter diesen Verhältnissen eine Menge Leute geben, deren Forderungen nicht oder nur mit einem Akzept des Bauunternehmers beglichen sind, das oft nicht den Werth eines Pfennigs besitzt. Die Baugelder sind an erster Stelle vorgemerkt, dann folgen die eventuellen orderungen der Lieferanten, des Maurermeisters und immermeisters, die Guthaben der Kleinhandwerker kommen an letzter Stelle. Der Entwurf des neuen bürgerlichen Gesetzbuches läßt gar nur ein Pfandrecht aus Waaren gelten, welche in der eigenen Werkstatt des Handwerkers liegen. Ist die Sache soweit gediehen, dann macht der Geldgeber die Klappe zu, kündigt sein hergeliehenes Kapital und bringt das Haus zur Subhastation. Ein im Zwangswege versteigertes Gut geht meistens unter dem Schützungswerthe fort. Die betheiligten Handwerker können, weil sie kapitalschwach sind, nicht mitbieten, der Geldgeber braucht in den meisten Fällen nicht einmal bis zur Höhe seiner Forderung zu gehen, erhält den Zuschlag, die durchgefallenen Handwerksmeister haben das Nachsehen. Im Jahre 1890 sind auf diese Weise die kleinen Hand« werker gering gerechnet um 6�/z Mill. Mark betrogen. I' Das ist der einfache typische Fall. Besitzt der Bau- Unternehmer soviel Kapital, um die Differenz von 22 zu 27 zu decken, den Bau fertigzustellen und das Haus zu vermiethen, dann fällt für ihn ein Gewinn ab. Die Bau- geldgeder lieben aber solche Bauunternehmer nicht, die tauglichste Person für sie ist die, welche garnichts besitzt. Zwischen die Baugelder läßt nämlich der Kapitalist auch noch Forderungen eintragen, für welche keine Valuta gegeben wurde, d. h. es wird eine Forderung, welche eigentlich gar nicht besteht, verbucht in der Absicht, andere Gläubiger zu schädigen. Die Leute nun, auf deren Namen diese Forderungen eingetragen sind, werden, nach- dem es zum Klappen, also zur Feilbietung kommen soll, veranlaßt, die Forderung an den Baugeldgeber für eine Entschädigung abzutreten Forderungen dieser Art von 20 000 Mk. werden um 200— 300 Mk. zedirt. Eine dritte Art von Geldgebern ist noch schlauer. Sie will den Schein wahren und durchaus nicht als Wucherer und Blutsauger gelten. Sie bringt also das Haus nicht zum Verkaufe, der Bauunternehmer bleibt nomineller Eigenthümer, muß aber die ganze einfließende Miethe an dem Baugeldgeber abtreten. Für diese Haus- dienerdienste erhält er eine Entschädigung von monatlich hundert Mark. Danebenher laufen die manigfachsten Schiebungen. Ein Unternehmer hat ei» Haus fertig gebaut. Der Geld- geber hat den Handwerkern versprochen, die Baugelder in Raten abzutragen, bricht aber seine Zusage. Eine Exekution bleibt erfolglos. Nun wird das Haus gegen ein anderes umgetauscht, oder ein großes unbebautes Grundstück gekauft und 10 000 Mk. angezahlt. So, und nun können sich die Handwerker vermerken lassen. Ihre Entschließung wird beschleunigt durch das Urtheil von Sachverständigen. Ist es das eines gerichtlichen, wo- möglich eines Dozenten an der Hochschule, um so besser. Aber Geld bekommen die Handwerker trotzdem keinen Pfennig. Es ist ein ganzer Rattenkönig von Betrügereien, Durchstechereien und Uebervortheilungen. Einer der Hauptmacher begann seine Laufbahn als Bureauvorsteher eines Berliner Rechtsanwaltes. Der betreffende Rechts- anwalt führt sehr viele dieser Bauprozesse. Oft steht zwischen Bauunternehmer und Geldgeber noch ein Agent, an dessen Fingern auch so manches kleben bleibt und in sehr vielen Fällen haben die Geldgeber unbekannt bleiben wollende Hintermänner. Den Handwerkern ist nicht zu helfen. Sie haben zwar in ihren Persammlungen beschlösse», künftighin nur an solche Unternehmer zu liefern, die kapitalkräftig sind. Wie viele Handwerker und Kleinmeister giebt es aber, die selbst von der Hand in den Mund leben. Diese werden sich an die Erlässe des Bauhandwerkervereins einfach nicht kehren, sondern zu erschnappen suchen, so viel sie immer können. Einen Theil zahlt ja der Bau- Unternehmer immer; fallen die Raten aus, so zahlt man einfach den eigenen Lieferanten nicht weiter, einige Zeil hat man sich aus diese Weise doch durchgefrettet. Mehr wie ein Fretten ist ja das ganze Handwerk nicht mehr. Auch den Handwerkern wird erst die sozialistische Ge- sellschaft helfen. Jetzt stellen sich die Herrep noch protzig und pochen auf ihr ehrsames Handwerk. Nur gemach. Noch bricht Eisen. Mit einem Verein, und säßen zehntausend Jnnungsbrüder darin, hält man die wirthschaft- Uche Entwicklung nicht auf. Die Uariser Arbritsborse. lieber die neue Zentral-Arbeitsbörse in Paris ent- nehmen wir verschiedenen bürgerlichen Blättern folgende Angabe: Das Gebäude zählt fünf Stockwerke und hat einen mit Glas gedeckten Hof, der einen Versammlungssaal bildet, welcher 10 Meter Höhe, 24 Meter Länge und 19 Meter Breite hat und aus stufenweise hintereinander stehenden Sitzen für 1500 Personen Platz bietet. Der Fußboden des Saales, gleichfalls aus Glas, und zwar aus dicken, matten Tafeln, wird von vier eisernen Säulen getragen und dient zugleich als Decke eines unterhalb sich befindlichen Saales, der einen Flächenranm von 426 Metern hat und für Tagelöhner und sonstige Arbeiter bestimmt ist, die sich gewöhnlich an bestimmten Straßen- ecken oder Plätzen einfinden, um auf Arbeit zu warten. Nebst diesem Saale werden im Erdgeschosse auch noch die für Luftheizung, elektrische Beleuchtung und Ventilation nöthigen Vorrichtungeu und Maschinen, Unterkunft sin den. Ebener Erde, rechts vom Vestibüle, werden sich die Hausmeisterwohnung und das Auskunfts- Bureau, links das für den ausschließlichen Gebrauch der Arbeitsbörse bestimmte Post- und Telegraphenamt sammt Telephon befinden. Der erste Stocf ist für das General- Sekretariat, die Verwaltungs- und die statistische Kommission sammt ihrem Hilfspersonal bestimmt und wird überdies einen Bibliotheks- und Lesesaal im Ausmaße von 72 Metern enthalten. Die übrigen vier Stockwerke zählen außer vier ziemlich geräumigen Konferenzsälen, jedes 33 theils kleinere, theils größere Bureaux, also im Ganzen 132 Bureaux. Dieselben werden den verschie- denen Pariser Gewerkvereinen, je nach ihrer Anmeldung, zur Verfügung gestellt werden. Das neue Haus kostet die Stadt Paris ca. 3 Millionen Francs. Die Arbeitsbörse wird selbständig durch die Arbeiter- verbände verwaltet. Die einzelnen schlichen Vereint- gungen betreiben in ihr durch Vertreter die Arbeits- vermittelung; sie wählen Delegirte, die chas sogenannte Generalkomitee bilden, das die Geschäfte der Verwaltung der Börse theils unmittelbar, theils mittelbar durch einen von ihm bestellten ausführenden Ausschuß aus- übt. Der Pariser Gemcinderath, welcher die Mittel zur Erhaltung der Arbeitsbörse hergiebt, hat sich nur ein Aufsichtsrecht vorbehalten, sowie die oberste Gewalt bei gewissen grundlegenden Fragen, so beispielsweise bei Er- lassung der Geschäftsordiinng und Aehnlichem. Die Mittel sind übrigens nicht unbeträchtlich, kostet ja jetzt schon die jährliche Verwaltung 20 000 Francs, und werden voraussichtlich noch bedeutend steigen; zusammen- genommen mit den Kosten der Gebäude selbst ergiebt dies ganz nenneuswerthe Summen, mit denen sich wohl Etwas erreichen läßt. Die Arbeitsbörse ist aber auch weit mehr als ein bloßes Arbeitsvermittelungsinstitut, sie iit gleichzeitig ein Vereinignngspuukt der Arbeiter- syndikate(Gewerkvereine)— wenn auch nicht aller— und giebt diesen damit eine zusammenfassende Organi- sätion, was sie zum Range einer Interessenvertretung der Arbeiter, überhaupt einer Art Arbeiterkammer erhebt. Zu den Vereinen zählen nicht nur solche, die blos aus ausgelernten oder etiva nur aus Handarbeitern be- stehen, sondern auch solche, die aus ungelernten sowie aus sogenannten Kopfarbeitern gebildet sind. So findet sich daselbst u. A. je ein Fachverein von Buchhaltern, Handlungsgehilfen und Handlungsreisenden, sowie je ein Verein von Straßenkehrern und Hausknechten. Jeder dieser Vereine— es sind deren gegenwärtig 150— wählt alljährlich einen Delegirten, die zusammengenommen das Generalkomitee der Arbeitsbörse bilden, das sich in acht verschiedene Kommissionen theilt, die sich mit all' jenen Fragen zu beschäftigen haben, welche die Arbeiter- schaft direkt oder indirekt berühren. Aus diesem Komitee geht die aus einundzwanzig Mitgliedern bestehende Exekutiv-Kommisston hervor, die sich alljährlich einer Neuwahl zu unterwerfen hat. Die Exekutiv-Kommisnon theilt sich ihrerseits in fünf Unterkommissionen ein, Ver- waltungs--, Finanz-, Propaganda, Redaktions- und statistische Kommission, und wählt aus ihrer Mitte zwei Sekretäre, einen Kassirer, einen Archivar und den Redakteur des offiziellen Organs der Arbeitsbörse, das gegenwärtig einmal wöchentlich erscheint. Außer Arbeitsvermittlung und Organisation der Arbeiter hat die Arbeitsbörse noch eine dritte Aufgabe. gewissermaßen die Arbeiten zu leisten, welche die arbeits- statistischen Aemter der Vereinigten Staaten, sowie das schweizerische Arbeitersekretariat erfüllt, d. i. die Unter- suchungen aller jener Verhältnisse vorzunehmen, die auf die Lage und Forderungen der Arbeiterklasse Bezug haben und aus den sich ergebenden Schlüssen legislative Maßnahmen zu schöpfen, bezw. mit dem ihr vorliegenden Material zu begründen. Die beiden Sekretäre haben theils die Korrespondenz und die Sitzungsprotokolle zu führen, welch' letztere im Bulletin veröffentlicht werden, theils die statistischen Arbeiten zu zentralisiren. Ihr Gehalt, sowie das der übrigen Beamten wird nach Stunden— ä 1 Fr. pro Stunde— berechnet, so daß die beiden Sekretäre, welche vorschriftsmäßig acht Stunden täglich, mit Ausnahme des Sonntags, in ihrem Büreau zu sein haben, bei vollem Einhalten ihrer Arbeitszeit jährlich 2504 Fr. beziehen, während der Redakteur des Bulletins, der Kassirer und der Archivar, die nur wenige Stunden wöchentlich— zumeist Abends oder Sonntags— beschäftigt sind, das Budget der Arbeitsbörse jährlich nur mit zirka 450 Francs beziehungsweise 300 und 100 Francs, also zusammen mit kaum 900 Francs be- lasten. Hinzugefügt sei noch, daß sämmtliche Mitglieder der Exekutiv-Kommisston für jede Sitzung, die sie ab- halten— dieselben währen gewöhnlich von 9 Uhr Abends bis gegen Mitternacht— einen Franc erhalten. Zur Ueberwachnng der Exekutive ist eine aus dem General- Komitee hervorgehende Kontrol-Kommission bestellt, die aus 9 Mitgliedern besteht, welche ebenfalls für jede Sitzung einen Franc erhalten. Zur Bestreitung dieser Ausgaben, sowie der Herstellungskosten des Bulletins und des Jahrbuches der Arbeitsbörse dient eine bisher auf 20000Frs.festgesetzteJahreSsubventiondesMunizipalraths. Als Arbeitsvermittlungsinstitut waren die Erfolge der Börse bisher, in ihrer alten Wohnung, recht mäßig. Eine wirkliche genaue Uebersicht über diesen Punkt ist übrigens deshalb nicht möglich, weil eine vollständige Statistik des bewerkstelligten Verkehrs von sämmtlichen an ihr betheiligten Verbänden bisher nicht zu erlangen war. Für das Jahr 1889 wurden als vermittelt aus- gewiesen: 8270 Stellen und 4129 Aushilfsplätze, ins- gesammt 12 399 Plätze. Diese Zahlen sind jedoch, wie bemerkt, nicht vollständig; aber selbst wenn wir ein gutes Stück auf Rechnung der Lücken zugeben, so bleiben sie noch immer sehr geringfügig im Vergleiche zu dem that- sächlichen Ar', eitswechsel inParis. Ganz vernachlässigtjedoch erscheinen jene Funktionen, die man etwa sonst von einer Aräeiterbörse erwarten könnte und die gerade den ersten Vertretern der Idee einer solchen Einrichtung hauptsächlich vor Äugen geschwebt haben, nämlich die Besorgung und Verlautbarung von Nachweisungen über den Stand des Ardeitsmarktes und die damit bewirkte Ausgleichung von Ueberfluß und Mangel an einzelnen Orten oder in den verschiedenen Erwerbszweigen. Da nicht einmal eine Statistik der angebotenen und nachgesuchten Stellen ver- öffentlicht wird, so werden eben keinerlei Uebersichten über die Lage des Arbeitsmarktes, geschweige denn irgend welche andere Daten geboten. Die Ursache liegt in erster Linie �in dem Mangel an den hierfür nöthigen Bureaux in den alten Räumlichkeiten. Das alte Gebäude enthält nämlich außer einem großen und einem kleinen Versammlungssaal, welche zur Ab- Haltung von Generalversammlungen, allgemeinen Gewerk- Versammlungen und Kongressen dienen, nur noch 21 kleinere Bureaux. Da in einem derselben das Sekretariat untergebracht ist, bleiben für sämmtliche Vereine blos 20 Bureaux. Einzelne Fachvereine haben darum gar keinen Sitz in der Arbeitsbörse, viele, um im General- komitee vertreten zu sein, einen mehr nominellen Sitz, wie dies ja kaum anders denkbar ist, da wo oft 10 bis 14 Vereine ein gemeinsames Bureau besitzen. In zweiter Linie kommen hierbei noch die Kassen- verhällnisfe der verschiedenen Bereine in Betracht. Durch- schnittlich ca. 400 Mitglieder zählend, haben die Vereine, unter welchen mehr als ein Viertel blos 50— 100 Mitglieder zählt, nur zu einem geringen Theile die Mittel, eine ständige Arbeitsvermittlung zu unterhalten. Viele Vereine beschäftigen sich darum blos an einzelnen Abend- stunden oder blos Sonntags mit der Arbeitsvermittlung, während sich andere gar nicht damit befassen und nur wenige Gewerkvereine eine ständige Arbeitsvermittlung haben. Der erste Uebelstand wird mit der Eröffnung der neuen Arbeitsbörse, die, wie erwähnt, 132 Bureaux enthält, beseitigt sein. Was aber den letzteren anbelangt. könnte demselben unter den gegebenen Verhältnissen nur dadurch abgeholfen werden, wenn das für eine ständige Arbeitsvermittlung nöthige Personal aus dem Gemeinde- säckel entlohnt, d. i. die vom Munizipalrathe gewährte Subvention um die hierfür nöthige Summe erhöht würde. Das würde zwar einige Ausgaben verursachen, allein die Unternehmer hätten ja doch auch Nutzen davon, nicht allein die Arbeiter; und außerdem, wenn Staat und Gemeinde schon sonst nichts für die Arbeitslosen thun können oder wollen, so sollten sie ihnen doch wenigstens nicht noch die Kosten der Arbeitsvermittlung aushalsen. Mit der Arbeitsstatistik, wie sie von der Arbeits- börse geübt wird, ist es noch ziemlich arg bestellt. Ist auch die Fragestellung, wie sie in den beiden vorliegenden Jahrbüchern enthalten ist, im Großen und Ganzen als eiue ebenso richtige als umfassende zu bezeichnen, sind doch die Autworten zum Theil so lückenhaft und von so zweifelhaftem Werth, daß das Ergebniß, namentlich in seinen wichtigeren Theileu, völlig unbrauchbar ist, wie es bei dem Vorgange, der dabei beobachtet wurde, auch nicht anders möglich ist. Man hat sich nämlich blos an die Gewerk- und Fachvereine gewendet, deren Ausschüsse, bezw. Sekretäre die Antworten nach ihrem persönlichen Wissen abgaben, und die darum Alles, nur nicht das Resultat von Einzelangaben sämmtlicher Mitglieder der betreffenden Vereine sind. Aber selbst in letzterem Falle wäre nicht viel gewonnen worden, da die Vereine, namentlich in den bedeutenderen Industriezweigen, kaum fünf Prozent aller hierzu gehörigen Arbeiter zu ihren Mitgliedern zählen. - Erfolgreicher ist die Thätigkeit der Arbeiterbörse, insofern sie die Organisation der Arbeiter unterstützt. Sie stellt den Arbeiterverbänden Bureaux und Ver- sammlungssäle unentgeltlich zur Verfügung; aber noch höher als diese ist die Propaganda, die moralische Be- einslussung anzuschlagen. Der Zusammenhang, den die Arbeitsbörse zwischen den einzelnen Syndikaten geschaffen hat, wirkt offenbar güifftig auf ihre Festigung im Innern und ihre Stellung nach Außen hin; denn unleugbar ist heute schon die Arbeitsbörse ein Faktor, mit dem man im öffentlichen Leben zu rechnen hat. Die Arbeitsbörse verfügt ferner über eine gewisse Anzahl schrift- und redegewandter Personen; ihr Bulletin vermehrt die Ar- beiterpresse; sie unterstützt die Arbeitseinstellungen, ver- anstaltet zu propagandistischen Zwecken Vorträge und erstreckt durch Entsendung von Rathgebenden und Vor- tragenden ihren Einfluß auch aus die Provinz. Sie verfehlt nicht, über Gesetzentwürfe, welche die Interessen der Arbeiter berühren, ihre Stimme zu erheben und wird jetzt um solche Aeußerungen von der Regierung sogar direkt angegangen. Sie hat mit Hilfe eines vom Pariser Gemeinderathe bewilligten Kredites zur Zeit der Welt- ausstellung die Vertreter auswärtiger Arbeitergruppen empfangen, und hofft ein wichtiges Bindeglied zur inter- nationalen Einigung der Arbeiter zu werden. Der englische Untionulreichthum. Das rapide Steigen des englischen Nalionalreich- thums wird durch die nachfolgende Tabelle veranschau- licht. Zugleich zeigt die Tabelle die Vermehrung der Bevölkerung an. nommen in den 300 Jahren. Aber noch schneller war der Zu- wachs des Reichthums; wenn 1600 auf den Einzelnen nur 22 Pfund Sterling entfielen, so fallen 1885 270 Pfund auf ihn, mehr wie das zwölffache. Aber dieser ganze Zuwachs ist nur einigen Wenigen zu Gute gekommen, welche immer reicher geworden sind. Die Masse des Volkes, die Arbeiter, stehen sich nicht besser, sondern schlechter, ihnen hat diese berauschende Fülle des Reichthums nur Elend gebracht. Je frucht barer ihre Arbeit geworden ist, desto geringer wurde der Antheil, den sie von ihr erhielten; je reicher das Korn auf den Feldern schwoll, desto größer wurde bei ihnen die Hungersnoth; je eilfertiger die Maschine Kleiderſtoffe webte, und je gefüllter die Magazine wurden, desto elender wurden ihre Lumpen, und aus dem schwelgerischen Ueberfluß, den ihre Arbeit hervorbrachte, entstand nur immer härtere Noth. Der Utopist Herkka Telephons Jedem zugänglich machen würde. Auch der Herab-| eine Arbeitstrafe gesetzt wird. Redner greift sodann das Anklagesegung der Gebühr für Zeitungstelegramme würde er nicht zu- monopol der Staatsanwälte an. In Bezug auf den Wucher führt stimmen. So gern er eine der Allgemeinheit zu Gute kommende er aus, daß nicht die Juden die größten Wucherer seien, der größte Maßregel unterſtüßen möchte, so wenig wünscht er eine besondere Wucher werde vielmehr von den städtischen Leihanstalten Begünstigung der Zeitungsverleger. Der Redner richtet an den getrieben, die 60 Prozent Binsen nehmen. Auf diesen Staatssekretär die Bitte, eine allgemeine Verfügung über die Wucher sollte man mehr seine Aufmerksamkeit richten. Redner be= jährlichen Beurlaubungen der Postunterbeamten zu erlassen. End- lagt schließlich, daß in der Kommission für Ausarbeitung des End- flagt lich rügt er, daß eine neue Kategorie von„ Beamten auf bürgerlichen Gesetzbuches keine Vertreter der arbeitenden Klassen widerruf" geschaffen sei, um die Hilfsarbeiter der sigen, es sollten auch sozialdemokratische Juristen zugezogen werden. Post von der Alters- und Invalidenversicherung aus- Es dürfte auch nicht länger zugelassen werden, daß die Zuzuschließen und die Beiträge der Postverwaltung zu gehörigkeit zur Sozialdemokratie von den Gerichten als strafverschärfend angesehen werde. ersparen. Edel sei der Mensch hilfreich und gut). Direktor Fischer: Daß diese Maßregel eine solche Auslegung Abg. Stadthagen( Soz.). Der schlimmste Wucher werde finden würde, wie bei dem Herrn Redner, darauf war ich nicht nicht bei der Beleihung getrieben, sondern bei der Ausbeutung der gefaßt; gewiß wird diese Auffassung aber von keinem der durch Arbeitskraft. Redner bedauert sodann die Gesezes beſtimmung, diese Maßregel betroffenen Beamten anders als eine Wohlthat wonach Beamte nur mit Genehmigung der vorgefeßten Behörde Zeugenaussagen machen dürften. Das habe in vielen Prozessen, aufgefaßt.( Getränkte Unschuld). namentlich in Sozialistenprozessen, lediglich zur Verhüllung der Abn. Schädler( Bentr.): Ich möchte an den Herrn Staats- Wahrheit gedient. Es sei zu vermuthen, daß die Genehmigung in sekretär einige Fragen wegen der Privilegien des Wolff'schen Tele- jenen Paragraphen deswegen versagt worden sei, weil sich dann grapher.bureaus richten. Die gelben Telegraphenformulare genießen den Vorzug vor allen anderen Depeschen. Dadurch ist die vielleicht herausgestellt hätte, daß die preußische bezw. deutsche Regierung mit Elementen in Verbindung stehe, mit gesammte Presse von Wolff abhängig. Außerdem soll das Bureau denen anständige Menschen sonst nicht anknüpfen. Das einen eigenen Rohrpoststrang haben und einen besonderen Dienst Ansehen der Behörde werde dadurch untergraben. Die Verantraum im Postlotal. Es soll ferner Bürstenab üge des Reichs- wortlichkeit der Richter und Staatsanwälte jei keine fattische. Wer anzeigers" erhalten und es liegt die Vermuthung nahe, daß bei fann den Staatsanwalt anklagen, wenn er einen Verstoß gegen der Zusammenseßung der Aktionäre das, was in amtlicher Weise das Gefeß begeht? Selbst würde er sich doch nicht anklagen. mitgetheilt wird, einen Einfluß auf Finanzzwecke haben könnte. Redner fragt die Regierung, ob sie in dieser Beziehung eine Re( Aber wie fann man so was denken, daß solche Jobberei vorkommen kann bei uns, in unserem sittlichen Deutschland, wo die Leute alle so ehrlich find! Psui, welche Verleumdung!) 54. Sihung( Fortsetzung). medur eintreten iassen werde. Ein Fehler sei es ferner, daß die höheren Richterstellen für die Staatsanwälte reservirt würden. Redner bezeichnet ferner die Behandlung der Untersuchungsgefangenen in Preußen als eine ganz ungefeßliche, Beschwerden fönnten gar nicht eingereicht werden, denn es sei unflar, an wen sie zu richten seien. Man verwehre ihnen sogar, mit dem Vertheidiger sich zu berathen. Den politischen Gefangenen seien in Plößensee beim Strafvollzug eiserne Masten angelegt worden, da sei doch die Frage angebracht, ob die Bezustimmungen der Strafprozeßordnung genügen. macht wirklich Ernst mit seinem sozialen Staat in Afrika. Er schreibt an die„ Frf. 8tg.". " Zur Verwirklichung des in Theodor Herzka's" Freiland" entwidelten Planes- Schaffung eines Gemeinwesens auf Grundlage vollkommener sozialer Gerechtigkeit und Freiheit haben fich während der letzten Wochen zahlreiche Vereine und Lokal- Gesellschaften gebildet. Derlei Vereinigungen existiren bisher in Wien, Budapest, Prag, Berlin, Hamburg, Braunschweig, Frankfurt, Breslau, Basel und in mehreren anderen Städten wird ihre Konstituirung vorbereitet, wie denn überhaupt kaum ein Tag vergeht, bg. Münch( dfr): Das Briefgeheimniß wird in[ vielen ohne daß Zustimmungs- Kundgebungen oder Beitritts- Erklärungen Fällen nicht gewahrt. an den Verfasser von Freiland" gelangten. Auch aus England Abg. Vollrath( dfr.) Die fiskalischen Interessen müssen verund den Ver. Staaten von Nordamerika haben sich Anhänger geschwinden gegenüber den höheren, die Post soll ein Verkehrsinstitut meldet, die jedoch das Erscheinen der englischen Ausgabe von sein und nicht ein Institut, um die Ueberschüsse des Staates " Freiland" abwarten wollen, ehe sie auch ihrerseits in die Aktion vermehren. treten. Die Absicht der Freiländer" geht dahin, im kommenden Frühjahr aus den inzwischen unablässig zu vermehrenden und zu vergrößernden Ortsgruppen eine große internationale Gesellschaft zu bilden, deren Aufgabe dann die Gründung von Freiland" sein soll. Abg. Schmidt( Soz.) bemängelt die niedrigen Löhne in der Abg. Richter deckt wieder eine niedliche Jobberei auf: Reichsoruckerci, die hinter denen in den Privatdruckereien zurückDas Privilegium des Wolff'schen Telegraphenbureaus hat für ständen. In dieser Beziehung sei die Reichsdruckerei ebensowenig gewisse Börsenfirmen nicht blos eine Bedeutung für die Verwerthung eine Musteranſtalt wie in Bezug auf die Ueberstunden. Die Reichsder Aktien der Gesellschaft. Der Leiter des Bureaus untersteht in druckerei habe es abgelehnt, mit ihren Gehilfen über den vom gewisser Beziehung dem Einfluß der Regierung, ist aber zugleich Buchdruckerverband aufgestellten Tarif zu verhandeln. Das stehe Als Ort des zufünftigen Gemeinwesens, in welchem es abhängig von Börsenfirmen. Nun bedenken Sie blos, was es be- in Widerspruch mit den Anschauungen, welche Herr von Berlepsch feinerlei Eigenthum an Boden und an Produktionsmitteln geben, deutet, wenn ein solcher Leiter des Bureaus das Telegramm, im Abgeordnetenhause Namens der Regierung kundgegeben habe. trotzdem, oder wie Hergla behauptet gerade deshalb aber welches ihm infolge des Privilegiums vielleicht 2 Stunden früher unbeschränktes Selbstbestimmungsrecht jedes Einzelnen herrschen zugeht als irgend eine andere Firma in Berlin dies Telegramm [ 56. Sihung.( Fortsetzung.), soll, ist, wie dies in seinem Buche ausführlich nachzulesen, das haben kann, während der Börsenzeit ein solches Telegramm ein- Abg. Stolle( Soz.) fragt an, weshalb das Auswärtige Amt Alpenland des äquatorialen Zentral- Afrika gedacht. Da sich unter zelnen Börsenfirmen früher zugänglich macht, von denen er ab- bisher noch nicht die Auslieferung des M llionenschwindlers Winkelden bisher insgesammt ungefähr 200 Köpfe zählenden Mitgliedern hängig ist, welche Spekulation darauf gestützt werden kann, zu Un- mann aus Leipzig von der argentinischen Regierung durchgesezt zahlreiche wohlhabende, ja reiche Herren und Damen befinden recht anderer Firmen. Die Abhängigkeit des Leiters des Bureaus habe. Das sei doch ohne Kaltwasserstrahl und ohne eine Niederan der Spize einiger Freiland- Komitees stehen die Inhaber von von gewissen Börsenfirmen kann sich auch dahin äußern, daß die brennung von Dörfern wie in Samoa möglich gewesen. Bankhäusern die dem Unternehmen zum Theil sehr bedeutende Telegramme den Sonderinteressen diesen Börsenfirmen entsprechend Für wissenschaftliche Bestrebungen zur Erschließung CentralSummen zu widmen gesonnen sind, halten die Leiter der Be- gefärbt werden. Die Telegramme werden ja in redigirter Form afrifas werden 200 000 Mart verlangt. Die Freiſinnigen suchen wegung die rasche Aufbringung der zur Einleitung des Unter- veröffentlicht. Wenn nun z. B. eine Krisis in Argentinien statt- 50 000 Mark abzuhandeln, da die wissenschaftlichen Bestrebungen" nehmens nothwendigen einen Million Mark für unzweifelhaft. findet, und ein Kabeltelegramm dies mittheilt, so hat das Wolff'sche nur Vorwand für kolonialpolitische Zwecke sein. Für die SozialKeineswegs sollen die gezeichneten Beträge eingehoben werden, Telegraphenbureau es in der Ha d, das Kabeltelegramm ent- demokraten sprach Vollmar, der erklärte, daß er für wirkliche bevor nicht erstens die große internationale Freiland- Gesellschaft sprechend den Börseninteressen zu färben, die Sache günstiger oder wissenschaftliche Zwecke das Geld bewilligen werde. mit sammt ihrem dirigirenden Ausschusse konstituirt, und zum ungünstiger darzustellen, und bevor noch irgend eine Konkurrenz57. Sikung. Zweiten der volle, zur Durchführung des Unternehmens erforder- firma durch ihre Telegramme die Sache berichtigen kann, können liche Betrag gesichert ist. Als Zentral- Organ der unterschiedlichen in Folge dieser gefärbten Telegramme Tausende von Millionen an freiländischen Ortsgruppen dient Herzfa's" Zeitschrift für Staats- der Börse gewonnen oder verloren werden. Solche Zustände werden und Volkswirthschaft" in Wien, in welcher von Mitte Dezember durch dies Privilegium begünstigt. Es hat ja nur ein histo= ab eine besondere Rubrik Freiland" fortlaufende Nachrichten über risches Interesse, daß diese Börsenfirmen zugleich die die freiländische Sache bringen wird." Privatbantiers des Fürsten Bismark gewesen sind. Es wird ein Zuschuß zur Bestreitung der Verwaltungsausgaben im südwestafrikanischen Schußgebiet in der Höhe von 292 300 Mark verlangt. Die Freisinnigen bieten blos 268 800 M. Abg. v. Vollmar( Soz.): Jezt stellt sich heraus, daß in Südwestafrika, das früher als Paradies, als Goldland bezeichnet wurde, gar nichts zu holen ist. Ich kann nicht verstehen, wie Wir wünschen den Unternehmern viel Glück, und wünschen Abg. v. Vollmar( Soz.): Herr Singer hat bei seiner Stellung man angesichts einer solchen Lage nicht nur das Bisherige, sondern den zahlreichen wohlhabenden, ja reichen Herren und Damen", nahme zur Ermäßigung der Telegraphengebühren für Zeitungen nur noch mehr bewilligen will. Eine traurigere Lage als die, welche daß sie die soziale Gerechtigkeit und Freiheit, die ihnen gegenwärtig seine persönliche Ansicht ausgesprochen. In der Fraktion ist darüber die Schußtruppe dort einnimmt, fann man sich kaum denken. Die Inversagt ist, in" Freiland" vollauf zu Theil werde. Es ist ihnen nicht verhandelt worden. Ich persönlich bin für diese Ermäßigung struktion der Regierung ist durchaus zu billigen, aber wozu ist ja zu gönnen, diesen Unterdrückten und Ausgebeuteten, dieser im Interesse der Allgemeinheit. Es steht daraus eine Erhöhung denn diese Schußtruppe dort? Man schließt Verträge mit den Einarmen Bourgeoisie, die von dem niederträchtigen Proletariat auf's der Einnahmen zu erwarten, aber selbst bei einem Ausfall würde geborenen und hält sie nicht: das deutsche Prestige muß dadurch Gemeinste geknechtet wird, daß auch sie endlich einmal sich in Ge- ich im Interesse der Erleichterung des Verkehrs auf diesem Boden vernichtet werden. Man hofft auf ein gutes Gedeihen der Landrechtigkeit und Freiheit der Genüsse freuen können, die ihre schwie- stehen. Die Sache verhält sich hier ebenso wie bei der Errichtung wirthschaft dort. Nach den bisherigen Erfahrungen, die wir mit lige Faust produzirt hat. neuer Gymnasien, welche ebenfalls den oberen Zehntausend zu gute den Versprechungen der Gesellschaft und der Regierung gemacht fommt, und auch mit dem allgemeinen Interesse motivirt wird. haben, fönnen wir aber kein Vertrauen dazu haben. Und wie Nicht die Verleger werden einen Nußen haben, sondern das verträgt sich das mit Ihren Ansichten über die Noth der deutschen Publikum, nicht die großen Zeitungen, sondern gerade die kleineren Landwirthschaft? Sie schaffen sich ja selbst eine Konkurrenz, vor Zeitungen, die jest teine Telegramme benußen tönnen. Die Herab- der Ihr Patriotismus wahrscheinlich sehr bald verschwinden wird; segung der Telephongebühren würde eine große Entwicklung des die südwestafri anischen Schafe werden Sie in Deutschland nicht Verkeh's zur Folge haben und auch die Benutzung durch die ärmere hineinlassen wollen. Durch die Bewilligung dieser Summe wird Bevölkerung ermöglichen. die Regierung weiter engagirt, und das will ich nicht. Deshalb werde ich gegen die Positon stimmen. Wir fönnen nichts besseres thun, als unsere südwestafrikanischen Besißungen möglichst bald losschlagen. Herr Hammacher scheint die Pflicht einer großen Nation dahin aufzufassen, daß, wenn sie einmal eine Dummheit gemacht hat, sie noch eine weitere machen muß. Ich habe von der Größe und der Aufgabe der deutschen Nation eine andere AufVom Reichstag. 53. Sihung. Fortsetzung der zweiten Etatsberathung. enorme Abg. Scipio( nlib.): Die Einnahme der Postverwaltung hat sich im verflossenen Jahre bis zum Dezember um 21 Millionen gegen das Vorjahr erhöht. Das beweist eine Steigerung in der Benuzung der Post seitens des Publikums. ( Eine solche Steigerung darf natürlich nicht dazu benutzt werden, die Tarife billiger zu machen, sondern das überflüssige Geld muß nebst dem anderen, dem Kriegsgott geopfert werden) Redner behauptet dann weiter, daß die Postbeamten etwas entlastet seien. ( Wenn es wahr ist, so wäre es ihnen sehr zu gönnen). Abg. Wilisch( dfr.) tritt für Herabseßung der Gebühr für Zeitungstelegramme ein, damit die armen Teufel von Zeitungsverlegern einen größeren Schnitt machen.' 3 Geschäft bringt's mal so mit sich. Abg. Singer( Soz.): Den weniger betheiligten fleinen Gewerbetreibenden sei am besten geholfen durch die von sozialdemo fratischer Seite empfohlene Einrichtung, welche den Gebrauch des 55. Sikung. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Berathung des Etats der Reichsjustizverwaltung. Abg. v. Buol( 3tr.): Die kurzzeitigen Freiheitsstrafen, welche ießt die Praxis zu bilden scheinen, ſeien vielfach wirkungslos, ſie seien nicht abschreckend genug, besonders für die jugendlichen Arbeiter. ( Und eine solche Verhöhnung des gleichen Rechts für Alle findet im Reichstag statt!!) fassung. Briefkasten. Abg. Böckel( Antis.): Die Wucherprozesse müßtem dem Schwurgericht übergeben werden. Und welche erstaunlichen Urtheile wurden in letzter Zeit in solchen Prozessen gefällt. So seien einem Wucherer Rudolf B. a. Ihren Brief habe ich erhalten und freue mich in Frankfurt a. M. in einem solchen Prozeß mildernde Umstände über unsere beiderseitige Uebereinstimmung. zugebilligt worden, weil er von Jugend an solche inge Die Nr. 15 vom Jahrgang 88 der„ Volfstribüne" wird zu gewöhnt gewesen und nichts Unrechtes darin gesehen habe. faufen gesucht. Wir bitten unsere Leser, wenn Jemand noch die Abg. Heine( Soz.) regt eine Aenderung des Geldstrasensystems Nr. haben sollte, dieselbe dem Arbeitsnachweis der Töpfer, Desdener dahin an, daß bei Zahlungsunfähigkeit an die Stelle der Haftstrafe Straße 116, übersenden zu wollen. Im Verlage der Freien Verlagsanstalt"( P. Maurer), Elisabeth- User 55, ist foeben erschienen: soziale Gedichte nebst einem Vorspiel von 1) Einsiedler und Genosse, Bruno Bille. Wolfs- Ausgabe. Preis 65 Pf. 2) Die Jugend, eine Schrift zur Unterhaltung und Belehrung für Söhne und Töchter des arbeitenden Volkes. Herausgeg. von Bruno Wille. Pr. 20 Pf. Ferner ist durch dieselbe Verlagsanstalt zu beziehen: Die Entschädigungsansprüche der Arbeiter bei Unfällen. Zusammenstellung der nach den Entscheidungen des Reichsversicherungsamtes den Verlegten bewilligten Rentensäge. Herausgegeben von Hans Müller. Preis 30 Pf. Für Kolporteure hohen Rabatt. Große öffentliche Versammlung für Frauen und Männer am Sonntag, den 8. Februar, Abends 6 Uhr, in den Zentralsälen, Oranienstraße 180. Tagesordnung: 1. Vortrag Referent: Th. Meßner. 2. Disfussion. 3. Verschiedenes. Geselliges Beisammensein. Zu recht zahlreichem Besuch laden Genossen und Genossinnen ein Die Beauftragten. Verantwortlicher Redakteur: Paul Ernst, Berlin. Sozialdemokratischer Wahlverein des 2. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Montag, 9. Februar, Abends 82 Uhr Versammlung in Kellers Hofjäger, Hasenhaide, Bergmann- Straße 51. Tagesordnung: 1. Vortrag: Die Arbeiter Bewegung und ihre kulturgeschichtliche Bedeutung." Referent: Reichstags- Abgeordneter Förster. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragefasten. Diejenigen Mitglieder, welche noch mit ihren Beiträgen restiren, werden ersucht, dieselben zu entrichten. Zugleich machen wir darauf aufmerksam, daß in dieser Versammlung die neuen Statutenbücher verabsolgt werden. Gäste haben Zutritt. Um rege Betheiligung ersucht Cigarren u. Tabak in vorzüglicher Qualität empfiehlt B. Stabernack, Wrangelstraße 85. Der Vorstand. Allen Parteigenossen empfehle mein Weiß- u. Bairisch- Bierlokal Potsdamer Bier. August Insinger Krautstr. 48. Verleger und Drucer: Maurer Werner, Dimmick, sämmtlich in Berlin SO., Elisabeth- User 55. Beiblatt zur Berliner Volks- Tribüne. Nr. 6. Für kleine Kinder. Der alte Flötenspieler Pan, Der lehrte mich das Dichten; Ein Volk und ein Stückchen Marzipan Bestehen aus zweierlei Schichten. Die eine schlürft Austern und baut sich Kohl Und macht in Vaterlandstreue, Und fühlt sich kannibalisch wohl, Die andere spielt tagtäglich va banque Wie Goethes fünfhundert Säue. Und kleidet sich in Lappen Und führt ihr ganzes Lebenlang Einen Hungerknochen im Wappen. Fettkugel. Arno Holz. Von Guy de Maupassant.( Nachdr. verboten.) ( 2. Fortsetzung.) Sonnabend, den 7. Februar 1891. V. Jahrgang. solchen Befehles sein könne. Der Graf trat zu ihr heran um Schaden anzurichten! Wahrlich, ist es nicht eine und sagte: Schmach, die Menschen hinzumorden, seien es nun Preußen „ Sie thun unrecht, Madame, denn Ihre Weigerung oder Engländer oder Polen oder gar Franzosen? kann ganz bedenkliche Schwierigkeiten herbeiführen, nicht Wenn man sich an Jemandem rächt, der einen beleidigt allein für Sie, sondern sogar für alle Ihre Reisegefährten. hat, so wird das als Verbrechen betrachtet und man Man darf den Mächtigeren nie widerstehen. Jene Maß- wird verurtheilt; aber wenn jene die Söhne unseres regel kann sicherlich gar keine Gefahr bringen, es handelt Landes wie wildes Vieh niedermeßeln, so wird das als sich dabei ohne Zweifel nur um irgend eine vergessene etwas Lobenswerthes betrachtet, denn derjenige, welcher Formalität." am meisten zerstört, wird mit Orden geschmückt. Nein, sehen Sie, so etwas werde ich nie begreifen lernen!" Jetzt erhob Cormudet seine Stimme und erklärte mit gewichtiger Miene: Alle waren dieser Meinung, und man drang solange in sie, bis sie sich endlich bereden ließ, denn alle hatten eine Höllenangst vor den Unannehmlichkeiten, welche ein hartnäckiges Benehmen im Gefolge haben würde. So äußerte sie denn schließlich: " Ich thue es aber nur Ihnen zu Gefallen!" Die Gräfin drückte ihr hocherfreut die Hand und erklärte: „ Wir sind Ihnen dafür zu großem Dank verpflichtet." Sie ging hinaus, und man wartete einstweilen mit dem Souper, bis sie zurückkehren würde. Ein jeder von Neben dem Kutscher stand, von der Laterne voll ihnen fühlte sich betrübt, daß er nicht anstatt dieses beleuchtet, ein deutscher Offizier, ein schlanker junger Mann leidenschaftlichen Weibes verlangt worden war, und sann mit blondem Haar und von außerordentlich dünnen schon auf diese oder jene nichtssagende Bemerkung, für Körperformen, in seine Uniform eingeschnürt wie ein den Fall, daß man ihn an ihrer Stelle rufen werde. Mädchen in ein Korset, während er seinen niedrigen glänzenden Helm auf die Seite geschoben hatte, was ihm eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Jagddiener eines englischen Hotels verlieh. Sein übermäßig langer Schnurrbart endete nach beiden Seiten so spiz, daß man die Enden desselben gar nicht erkennen konnte. Allein nach Verlauf von zehn Minuten kam sie wieder, ganz außer Athem, und nur mühsam ihre Leidenschaft unterdrückend, stammelte sie: " „ Der Krieg ist eine Barbarei, sobald man einen friedlichen Nachbar angreift; es ist aber eine heilige Pflicht, wenn es sich um die Vertheidigung des Vaterlandes handelt." Die alte Frau senkte den Kopf und entgegnete: " Ja, wenn man sich vertheidigt, ist es etwas anderes; aber sollte man nicht lieber alle die Fürsten todtschlagen, welche nur zu ihrem Vergnügen Krieg führen?" auf, Nach dieser Bemerkung flammten Cormudets Blicke und er rief: " Bravo, Bürgerin!" Herr Carré- Lamadon war tief in Gedanken versunken. Obwohl er ein eifriger Verehrer ruhmgekrönter Häupter war, wurde er, durch die gesunden Ansichten dieser einfachen Frau bewogen, dennoch nachdenklich und überlegte, welchen Wohlstand einem Lande so viele un„ D, diese Kanaille! diese Kanaille!" Alle drängten sich um sie herum, den Sachverhalt benutzte und für die Folge nur schädlichen Kräfte bringen zu erfahren; allein sie sagte nichts, und als dennoch würden, wenn man sie zu großen industriellen Arbeiten In steifem Elsässer Französisch lud er die Reisenden der Graf in sie drang, antwortete sie endlich mit großer verwendete. Würde: Unterdessen hatte Loiseau seinen Platz verlassen und ein, den Wagen zu verlassen, indem er sagte: ,, Wollen die Herrschaften gefälligst aussteigen?" " Nein, das betrifft Sie nicht; ich kann nicht davon unterhielt sich ganz leise mit dem Wirth. Dabei lachte, sprechen." hustete und räusperte fich der dicke Mann; sein riesiger Die beiden frommen Schwestern gehorchten zuerst Hierauf setzte man sich an den Tisch, auf dessen Bauch zitterte vor Freude über die Scherze seines Nachmit jener Fügsamkeit von Klosterjungfrauen, welche an Mitte eine hohe Suppenschüssel stand, welcher ein starker bars, und schließlich erklärte er sich bereit, ihm für das alle möglichen Demuthsübungen gewöhnt sind. Hierauf Duft nach Kohl entströmte. Troßdem es so schnell nächste Frühjahr, nach Abmarsch der Preußen, sechs erschienen der Graf und die Gräfin, hinter ihnen der Fabrikant mit seiner Frau und darnach Loiseau, seine gegangen war, ließ das Souper doch nichts zu wünschen Fäßchen Bordeauxwein abzukaufen. übrig. Der Cider war gut und wurde aus Sparsamkeits- Kaum war das Souper zu Ende, als sich schon eine dicke Ehehälfte vor sich herschiebend. Als letzterer glück- rücksichten von Herrn und Frau Loiseau, sowie den derartige Müdigkeit geltend machte, daß man schleunigst lich auf festem Boden stand, begrüßte er den Offizier beiden frommen Schwestern genossen. Die übrigen schlafen ging. " mit einem:„ Guten Tag, mein Herr," wahrscheinlich mehr bestellten Wein, und nur Cormudet verlangte Bier. Er Loiseau jedoch, welcher den stillen Beobachter gespielt aus Vorsicht, als aus Höflichkeit. Der andere aber, un hatte eine sonderbare Manier, die Flasche zu entkorken, hatte, ließ seine Frau zu Bett gehen, während er selbst, verschämt wie alle Leute, welche die Macht in ihren die Flüssigkeit schäumend einzuschenken und ihre Farbe sich nach der Thür schleichend, bald das Ohr, bald das Händen haben, blickte ihn an, ohne zu antworten. dabei prüfend zu betrachten, indem er das Glas vor die Auge ans Schlüsselloch hielt, um, wie er zu sagen pflegte, Fräulein Fettfugel und Cormudet, obwohl sie der Lampe hielt. Wenn er trant, schien sein großer Bart, die Geheimnisse des Korridors" zu entdecken. Thür zunächst saßen, stiegen doch zuletzt aus, dem Feinde welcher die Farbe seines Lieblingsgebräus trug, vor Ungefähr nach Verlauf einer Viertelstunde hörte er gegenüber eine ernſte, hochmüthige Miene annehmend. Wohlbehagen zu zittern, dabei schielte er beständig auf ein Rascheln; schleunigst spähte er durchs Schlüsselloch Die fette Dirne suchte ihre Entrüstung zu beherrschen seinen Schoppen, um denselben ja nicht aus den Augen und bemerkte Fräulein Fettkugel, welche in einem blauen, und ruhig zu bleiben; der Demokrat strich mit tragischer zu verlieren, und es gewann den Anschein, als sei er mit weißen Spigen besetzten Kaschmirmantel noch dicker Geberde über seinen Bart, ohne dabei ein gewisses Bittern nur für diese Heldenthat, für das Trinken, geboren. aussah als gewöhnlich. Einen Leuchter in der Hand verbergen zu können. Sie wollten eben ihre volle Würde Man hätte glauben können, daß er dabei in seinem Geist tragend, wandte sie sich nach der nummerirten Glasthür zur Geltung bringen, da sie begriffen, daß bei einem eine Annäherung, ja eine Verwandtschaft zwischen den ganz hinten auf dem Gange. Plößlich ging eine Seitenberartigen Zusammentreffen jeder einzelne einen Theil beiden Leidenschaften zu entdecken suchte, welche sein ganzes thür auf, und als die Dirne nach einigen Minuten seines Vaterlandes repräsentirte, und in gleicher Weise Leben beschäftigten, zwischen dem Bier und der Revo- zurückkehrte, kam hinter ihr her Cormudet in Hemd und über die Gefügigkeit ihrer Reisegefährten aufgebracht, lution, und sicherlich konnte er feines von beiden genießen, Hosen. Beide sprachen leise zusammen und blieben suchte Fettfugel noch mehr Stolz zu zeigen, als ihre ohne dabei an das andere zu denken. schließlich stehen. Fettkugel schien den Eintritt in ihr vornehmen Nachbarinnen, während Cormudet, wohl Herr und Frau Follenvie speisten ganz am Ende Zimmer durchaus nicht gestatten zu wollen. Unglücklicherfühlend, daß er mit gutem Beispiel vorangehen müsse, des Tisches. Der Mann, welcher röchelte wie eine weise konnte Loiseau ihre leisen Worte nicht verstehen; in seiner ganzen Haltung ununterbrochen seine hohe geplakte Lokomotive, hatte zu viel mit seiner Athemnoth aber schließlich, als sie lebhafter sprachen, hörte er, wie Aufgabe des Widerstandes bekundete, welche er damit be- zu kämpfen, als daß er beim Essen hätte sprechen können; Cormudet, welcher auf seinem Wunsche bestand, sagte: gonnen hatte, daß er vor Rouen die Straße zerstörte, die Frau hingegen war ununterbrochen redselig. Sie" Nein, Sie sind doch zu komisch, was kann Ihnen furz sich alle Mühe gab, den Feind zu schädigen. erzählte, welche Eindrücke die Preußen auf sie hervor- denn das schaden?" Schließlich begab man sich in die geräumige Küche gebracht hatten, alles was die Feinde sagten und thaten, Sie aber entgegnete unwillig: des Gasthauses, und der Deutsche, nachdem er sich die indem sie dieselben zugleich verwünschte, erstens, weil sie ,, Nein, mein Lieber, es giebt Augenblicke, wo so vom Generalfommandanten unterschriebene Reisevollmacht ihr Geld fosteten, und zweitens, weil sie selbst zwei etwas nicht angeht, und zumal hier müßte ich mich ja hatte vorzeigen lassen, auf welcher die Namen, das Söhne bei der Armee hatte. Vor allem wendete sie sich zu Tode schämen." Signalement und die Beschäftigung aller Reisenden ver- an die Gräfin, da sie sich geschmeichelt fühlte, mit einer zeichnet standen, musterte lange Zeit noch die ganze vornehmen Dame plaudern zu können. Gesellschaft, die einzelnen Persönlichkeiten mit den schrift- Alsdann sprach sie in geheimnißvollem Tone von lichen Notizen vergleichend. allerhand Dingen delikater Natur, so daß ihr Mann sie von Zeit zu Zeit mit der Bemerkung unterbrach: " Höre, Frau, Du würdest besser thun, zu schweigen." Sie aber ließ sich nicht stören und fuhr fort: " Er schien dies durchaus nicht einzusehen und frug: Warum denn?" Aufgebracht darüber, sagte sie mit noch lauterer Stimme: " Warum? Sie begreifen nicht, warum? Nun, weil Preußen im Hause sind, vielleicht gar im Nebenzimmer!" Er schwieg. Dieses patriotische Schamgefühl einer Darauf sagte er barsch:„ Es ist gut" und verschwand. Jetzt erst athmete man wieder auf, und da der Hunger immer noch fühlbar war, wurde das Souper bestellt. Eine halbe Stunde verging mit den Vor-" Ja, Madame, jene Menschen thun die ganze liebe Dirne, welche in der Nähe des Feindes durchaus nicht bereitungen, und während zwei Mädchen sich damit Zeit über weiter nichts, als daß sie heute Kartoffeln mit ihre Liebe preisgeben wollte, schien in seinem Herzen die beschäftigten, besichtigte man die Zimmer. Dieselben Schweinefleisch und morgen Schweinefleisch mit Kartoffeln schwankende Würde wieder zu erstarken, denn, nachdem befanden sich sämmtlich auf einem langen Korridor, den verschlingen. Dabei darf man aber feineswegs denken, er sie nur noch einmal gefüßt hatte, schlich er nach eine nummerirte Glasthür abschloß. daß sie sauber sind. Onein! Ueberall verunreinigen seinem Zimmer zurück. " Ist Fräulein Elisabeth Rousset hier?" Fettkugel drehte sich zitternd um und antwortete: " Ich bin's." " 1 Endlich setzte man sich zu Tische, als der Besitzer sie sich. Entschuldigen Sie, daß ich mir diese Bemerkung Loiseau, durch dieses Schauspiel aufgeregt, verließ selbst erschien. Es war ein ehemaliger Pferdehändler, erlaube! Und nun sollten Sie erst einmal ihr ewiges das Schlüsselloch, machte vor Freude einen Luftsprung ein dicker Mann, welcher beständig hustete und räusperte. Exerziren sehen. Alle sind sie draußen auf einem Felde in seinem Zimmer, setzte seine Nachtmüße auf und hob Sein Vater hatte auf ihn den Namen Follenvie vererbt. versammelt, und da wird vorwärts marschirt, es wird die Decke empor, unter welcher die schwere Masse seiner Er stellte die Frage: rückwärts marschirt, bald drehen sich sich nach dieser, Ehehälfte lag, die er durch einen Kuß aufweckte, indem bald nach jener Seite. Wenn sie in ihrem Lande doch er flüsterte: lieber ihre Aecker richtig bestellten oder vernünftige Straßen Liebst Du mich, meine Theure?" bauten! Nein, ich fann Ihnen die Versicherung geben, Hierauf wurde es im ganzen Hause still. Aber bald Madame, dieses Militär nüßt keinem Menschen etwas! erhob sich in einer unbestimmten Richtung, welche es Ist denn das arme Volk nur dazu da, diese Faullenzer unentschieden ließ, ob die betreffende Stelle im Keller zu ernähren und schließlich weiter nichts zu lernen, als oder auf dem Heuboden lag, ein gewaltiges Röcheln, ein Menschen zu morden? Ich bin nur eine alte Frau, dumpfes langgezogenes Geräusch, gerade als ob ein Kessel die keine große Bildung genossen hat, das ist wahr, aber unter hohem Dampfdruck ächzte: es waren die Schlummerwenn ich sehe, wie jene sich schinden und bloß von früh töne des Herrn Follenvie. " Mein Fräulein, der preußische Offizier will Sie sofort sprechen." „ Mich?" " Ja, wenn Sie Fräulein Elisabeth Rousset sind." Bestürzt überlegte sie einen Augenblick lang; erklärte sie furz: dann " Es ist schon möglich, aber ich lasse mich nicht stören." Diese Szene rief allgemeine Aufregung hervor, und ein jeder sann darüber nach, was wohl die Ursache eines bis Abends umhertrampeln, sage ich mir: Wenn es Leute Da man beschlossen hatte, am nächsten Morgen um giebt, welche so viele Entdeckungen machen, um der acht Uhr abzureisen, so befand sich die ganze Gesellschaft Menschheit zu nüßen, wie können andere dann nur so zur bestimmten Zeit in der Küche; allein der Wagen, dumm sein, daß sie sich in dieser Weise abmühen, bloß dessen Dach mit einer Schneedecke überzogen war, stand noch mitten auf dem Hofe, und weder Pferde noch Kutscher ließen sich erblicken. Vergebens suchte man diesen in den Ställen, den Heuschuppen und den Wagen remisen, sodaß schließlich sämmtliche Herren sich vornahmen vorläufig einen Spaziergang zu machen. Sie gingen und befanden sich bald auf dem Marktplatze, der in einiger Entfernung die Kirche trug und zu beiden Seiten von niedrigen Häusern eingefaßt war, in denen man mehrere preußische Soldaten bemerkte. Der erste, welchen sie zu Gesicht bekamen, schälte Kartoffeln. Der zweite scheuerte den Laden des Friseurs. Ein anderer mit mächtigem Barte schäkerte mit einem kleinen Schreihals und schaukelte ihn auf seinen Knieen, um ihn zu beruhigen; während dicke Bäuerinnen, deren Männer bei der Armee waren, durch Zeichen ihren gehorsamen Siegern die Hausarbeiten andeuteten, welche zu machen waren. Der eine hackte Holz, der andere kochte Suppe, ein dritter mahlte Kaffee; einer wusch sogar die Wäsche seiner Wirthin, eines ganz arbeitsunfähigen alten Mütterchens Der Graf, darüber erstaunt, befrug sich bei dem Küster, welcher eben ans dem Pfarrhause kam. Diese alte Kirchenwanze antwortete: „O! die sind gar nicht bösartig; das sind keine Preußen, wie es heißt. Sie stammen weiter her, ich weiß nicht genau mehr, aus welcher Gegend. Alle haben sie Frau und Kinder zu Hause, und der Krieg macht ihnen durchaus kein Vergnügen. Ich bin sicher, daß ihre An- gehörigen ebenso gut um ihre Männer weinen, und daß der Krieg dort ebensoviel Jammer stiftet, wie bei uns. Hier ist man gar nicht unglücklich, weil jene keinem Menschen etwas zu Leide thun und arbeiten, als wenn sie in ihrer Heimuth wären. Sehen Sie, mein Herr, arme Leute müssen einander behilflich sein... Nur die Vor- nehmen haben Lust zum Kriegführen." Cormudet, welcher sich über dieses herzliche Ein- vernehmen zwischen Sieger und Besiegten ärgerte, kehrte um und ging wieder ins Wirthshaus. Loiseau bemerkte scherzend: „Sie vermehren die Bevölkerung wieder." Herr Carrö-Lamadon aber entgegnete ernst: „Sie machen den Schaden wieder gut." (Fortsetzung solgt.) Bestechungen der Presse im Großen. G. K. Die Presse, das Zeitungswesen, ist eine Macht, die ihre Gewalt nach dem heutigen Wirthschastssysteme ge brauchen oder mißbrauchen kann und der Erfahrung gemäß auch oft mißbraucht. Da wird z. B. ein Prozeß verhandelt, in dem einzelne Personen, es brauchen gerade nicht die Angeklagten zu sein, recht bedenkliche Rollen spielen. Werden ihre Namen bekannt in weiteren Kreisen, so ist für sie nicht gerade Vortheil zu erwarten. Der Zeilen schindende Reporter kann sich unmöglich den fetten Bissen entgehen lassen. Würde er die Prozeßverhandlung ganz verschweigen, so würde das Blatt, das ihn bevor- zngt, den Bericht von einem anderen Zeilen schindenden Reporter aufnehmen. Er kann also dem zahlungs- fähigen Betheiligten nicht die vollständige Unterdrückung des Berichtes über den Prozeß gewährleisten; der Betheiligte kann nicht sämmtliche Zeitungs-Reporter kaufen; man muß also zufriedenjl sein mit Unterdrückung des Namens im Berichte. Da kann der bevorzugte Reporter für„sein Blatt" einstehen. Wir finden also, daß öfters bei Berichten über Prozeßverhandlungen die Namen einzeln er Betheiligten nicht ausgeschrieben sind, während die der anderen Betheiligten mit voller Personen- bezeichnung genannt werden. Daß diese Personen- bezeichnung in der Regel stattfindet, darin besteht eben das„Geschäft"; denn würde man in der Regel die am Prozesse Betheiligten nicht nennen und davon nur in solchen Fällen eine Ausnahme machen, in welchen wirklich ein öffentliches Interesse an die Nennung des Namens geknüpft ist, so gebe es eben kein„Geschäft" für die Reporter. So haben wir in der letzten Zeit einen Bericht über einen ziemlich skandalösen Prozeß durch die Berliner Zeitungen laufen sehen, in welchem von den beiden Be- theiligten der erstere, reiche, nur mit einem Buchstaben, der zweite mit vollem Namen bezeichnet war. Eine weitere Erklärung braucht diese Verschiedenheit nicht, das„Geschäft" brachte es so mit sich. Solche„Geschäfte" machen natürlich nur unter- geordnete Zeilenschinder, die Redaktionen halten da ihre Hände von. Pfui, das wäre auch zu gemein. Aber ganz ungerupst läßt man diejenigen, auf die Gunst der Presse angewiesen sind, deshalb doch nicht. Wir wollen nicht davon reden, daß auch Redaktivns- stuben den Verlockungen der„Gründer" und Börsen- jobber nicht immer verschlossen sein sollen, nein, wir sprechen von der sogenannten«anständigen" bürger- lichen Presse. Diese veranstaltet in Berlin alle Jahre ein großes Kesseltreiben, bei welchem alle die bluten müssen, die auf ihre Gunst angewiesen sind. Bist Du Maler oder Bildhauer oder größerer Geschäftsmann für Kunstindustrie, hast Du ein Interesse daran, daß Deine Erzeugnisse lobend erwähnt werden, daß Tadel zurückgestellt oder unterdrückt wird, nnd kannst Du nicht, wie irgend ein neu eröffnetes oder neu deko- rirtes Vergnügungslokal, durch ein„Probeessen" für die Herren Vertreter der Presse der„anständigen" Richtung, Dir die Gunst der Herren erkaufen, so vergiß es ja nicht, zum„Balle der Presse" Deinen Beitrag zu senden. Sonst wehe Dir! Wundere Dich dann nicht, wenn man bei der nächsten Ausstellung mit einem gönner- haften„Hm! Hm!" an Deinem Erzeugnisse vorbeigeht, um sofort in den höchsten Ausbrüchen des Phrasenreich- thums Deinen Nachbar loben zu hören. Du meine Zeit! warum warst Du bei der auf solche Schnorrerei begrün- beten„Tombola des Vereins Berliner Presse" nicht würdiger betheiligt! Weißt Du nicht, daß die Presse den Ruf macht? daß der blinde Hödur in der Redaktions- stube den Mispelzweig des Todtschweigens auch gegen einen Baldur der Kunst abschießen und selbst den Gott tödtlich treffen kann? Also, selbst wenn Du ein„Künstler von Ruf" zu sein glaubst, versäume es nicht, beizusteu rn zur „Tombola des Vereins Berliner Presse". Der Klingel- beute! geht um, ziere Dich nicht. Es ist doch so ver- lockend für den Ballbesucher, die Möglichkeit zu haben, für seine 10 Mark Eintrittsgeld vielleicht die erschnorrte Farbenskizze eines hervorragenden Künstlers vom zwanzig- bis dreißigfachen Werthe als„Andenken", das sich auch zur Roth gut versilbern läßt, nach Hause zu tragen. Ihr Künstler und Künstlerinnen aber, die Ihr nicht „Werke" herstellt, die sich in die Hand nehmen lassen, die sich verloosen lassen, Ihr versäumt es nicht, in Per- son zu erscheinen, um Euch begaffen zu lassen, wie die Elephanten in der Menagerie. Diese Erwartung, gefeierte Schauspieler, Sänger u. s. w. dort ganz in der Nähe, nicht fürs Theater, sondern wie im gewöhnlichen Leben geschminkt zu sehen, ist ein angenehmer Nervenkitzel unserer genußgesättigten Bourgeoisie. Viele nehmen nur in dieser Erwartung die Billets zum Balle des Vereins Berliner Presse. Auf diese Einnahmen ist man aber angewiesen, um das Fest mit Glanz durchführen zu können. Dafür werdet Ihr dann auch in besonderen Berich- ten attestirt erhalten, daß Ihr„bekannte Schönheiten" seid, Ihr Armen, und man wird den Reichthum der Lappen beschreiben, die Ihr da als Abzahlung für künf- tige Reklame auf dem Balle der Berliner Presse hinter Euch her schlepptet. O nein, die Herren von der„anständigen" bürgerlichen Presse sind nicht so kleine Lumpen, wie manche Zeilenichinder, die über Skandalprozesse berichten, deren Hände muß man ganz anders waschen, wenn man wieder Handwaschungen haben will. Also knausert nicht, Ihr, die Ihr auf das Wohlwollen der Presse rechnet. Was Ihr zur Tombola des Vereins Berliner Presse thut, wird Euch nicht vergessen werden. Dabei werdet Ihr Alle Euch noch nicht von kleinen Privatleistungen im Interesse hoch„anständiger", versteht sich, höchst„anständiger" Kunstkritiker ent- bunden erachten können, wenn man Euch zum„Mit wirken" oder„Beisteuern" ferner privatim auffordern wird. Ihr werdet lebende Bilder stellen oder stehen, je nach Eurem Beruf, mimen, deklamiren, malen oder kleben für Wohlthätigkeit, Patriotismus oder sonst zu einem beliebi- gen Zweck, wo und wenn es das Interesse der Herren von der Presse gerade verlangt. Denn vielfältig sind die Wege, auf welchen man zu einem guten Verhältniß mit der„Preise" gelangt, und klug sind die, die sie wandeln. Die Motive zur Reformatio». Es war bekanntlich nicht die Sehnsucht nach einem „reineren Glauben", welche die Fürsten bestimmte, der Reformation beizutreten, sondern die Aussicht auf die fette Beute, die sie durch das Einzieheil der Klöster zu machen hofften. Ein neulich erschienenes Werk veröffentlicht elne Aufzählung des fabelhaften Raubes an Ländereien und Baargeld. die Heinrich VIII. von England machte, als er reformirte. Die jährlichen Einkünfte ans den Ländereien der eingezogenen Klöster beliefen sich auf vier Millionen Mark in jetzigem Gelbe, und diese Summe würde wohl nach dem heutigen Geldwerth einer solchen von vierzig Mil- lionen, also einem Kapital von etwa einer Milliarde ent- prechen. Der König behielt von diesem ungeheuren Landbesitz für die Krone so viel zurück, daß daraus ährlich ungefähr eine halbe Million Mark in seine Kasse flössen; das Uebrige verkaufte er. und zwar zu Schleuderpreisen. Für die Ländereien einer Abtei, welche ast 2000 Pfund im Jahre einbrachten, wurden nur 5000 Pfund bezahlt; für diejenigen' einer anderen, welche 'ährlich 400 Pfund eintrugen, wurden 1500 Pfund bezahlt. Trotz dieser niedrigen Preise belief sich doch die aus dem Verkauf solcher konfiszirten Ländereien erzielte Summe auf 150 bis 200 Millionen Mark nach jetzigem Gelde. Von allgemeinerem Interesse sind die Angaben, welche wir über die Kostbarkeiten finden, die aus den geplünderten Klöstern» und Kathedralen in die Königliche Schatzkammer oder zur Eiuschmelzung in die Königliche Münze übergeführt wurden. Wie außerordentlich der Reichthum war, den die englischen Mönche im Laufe der Jahrhunderte an goldenen und silbernen Gegenständen und Edelsteinen aufgespeichert hatten, geht zur Genüge aus den Schilderungen von Augenzeugen hervor. Ein Italiener, der im Jahre 1500 England besuchte, schrieb von dort, daß der Reichthum des Landes besonders in den beispiellosen Schätzen der Geistlichkeit zu Tage trete. Man könne im ganzen Lande kaum eine Kirche und anm ein Bettelmönchskloster finden, wo nicht alle Kirchen geräthe von reinem Silber wären. Die Werth- gegenstände der reicheren Orden spotteten jeder Be- chreibung, und einen Ort gab es in England, der in dieser Beziehung überhaupt wohl nicht seines Gleichen in der ganzen Christenwelt hatte, das war die Grab- stätte des Erzbischofs Thomas a Becket in der Käthe- drale von Canterbury, der hier mm 29. Dezember 1170 sein Leben unter Mörderhand ausgehaucht hatte. Seit der Zeit war er als Heiliger verehrt worden und aus allen Weltgegenden sandten die Gläubigen die kostbarsten Schmucksachen zur Zierde seines Grabes. Der Italiener schrieb-darüber:„Das Grabmal des heiligen Thomas, des Märtyrers, Erzbischofs von Canterbury ist von un- glaublicher Pracht. Trotz seines großen Umfanges ist es mit Platten aus reinem Gold bedeckt, und doch kann man kaum das Gold sehen, da es von den herrlichsten Edelsteinen, wie Saphiren, Rubinen, Emeralden und Diamanten übersäet ist. Und zu diesen natürlichen Schönheiten hat sich die Kunst gesellt, denn die goldenen Platten sind mit wunderbar geschnitzten Gemmen und Achaten und Onyxen und Kameen in Relief ausgelegt. Einige Kameen sind von solcher Größe, daß ich diese nicht nennen mag, aber alle Kostbarkeiten werden von einem Rubin in der Größe eines Daumnagels über- troffen, der an der rechten Seite des Altars angebracht ist. Die Kirche ist etwas dunkel, besonders an der teile, wo das Grabmal steht, und als wir uns dort befanden, war die Sonne dem Untergange nahe und der Himmel bewölkt; trotzdem sah ich den Rubin so deutlich, als ob ich ihn in meiner Hand hielt. Man sagt, daß ein König von Frankreich denselben geschenkt hat."— Eine französische Dame, Frau von Montreuil, welche die Grabstätte Thomas a Becket's unmittelbar vor deren Plünderung besuchte, erklärte, daß sie niemals an eine solche Ansammlung von Schätzen an einem Orte geglaubt haben würde, wenn sie sich nicht mit eigenen Augen davon überzeugt hätte. Der Appetit kommt bekanntlich, beim Essen, und man wird sich deshalb nicht darüber wundern, daß Heinrich VIII. wenige Jahre nach der Aufhebung der Klöster seine goldgierige Hand auch nach den in der Kathedrale von Canterbury aufgespeicherten Kostbarkeiten ausstreckte. Im Herbst des Jahres 1538 wurde Thomas Becket zum Verräther erklärt und sein Grabmal gründlich geplündert. Was den Werth der Edelsteine anbetrifft, die dadurch in den Besitz des Königs über- gingen, so läßt sich derselbe auch nicht annähernd be- stimmen, weil einige der Juwelen von unschätzbarem Werth waren. Von der Menge des dabei erbeuteten Goldes und Silbers kann man sich jedoch nach folgen- den, urkundlich verbürgten Angaben einen genauen Be- griff machen. Nicht weniger als 5000 Unzen Gold und 5300 Unzen Silber, außerdem noch 4400 Unzen vergoldetes Silber flössen aus der Kathedrale von Canter- bury in die Königliche Schatzkammer, nnd was die Silberschätze anbelangt, so wurde jene noch von der Kathedrale von Winchester übertroffen. In dieser wurden nicht weniger als 14 000 Unzen Silber'erbeutet, dagegen freilich nur 1000 Unzen Gold. Im Ganzen belies sich das Gewicht der geplünderten Kloster- nnd Kirchenschätze auf 14 500 Unzen Gold, auf 129 000 Unzen vergoldetes Silber und auf 67 600 Unzen reines Silber. Der Gewichtswerth dieser gewaltigen Massen Edelmetall wurde auf ungefähr 90000 Pfund Sterling geschätzt, nach heutigem Geldwerth gegen eine Million Pfund Sterliug, also 20 Millionen Mark.— Vielleicht wird es nicht überflüssig erscheinen, wenn wir zum Schluß noch einige Worte über die Verwendung der ungeheuren Summen, die auf diese Weise in die Koffer des Königs flössen, hinzufügen, so weit seine persönlichen Bedürfnisse in Betracht kommen. Vom Jahre der Aufhebung der Klöster(1536) bis zum Todesjahr Heinrich's VIII.(1547) wurden allein aus dem Kirchen- gutsfond für den Königlichen Haushalt 270 000 Lstrl. (nach heutigem Geld 50— 60 Millionen Mark) ausgegeben. für Geschenke 14 000 Lstrl. und für die König- lichen Schlösser 60 000 Lstrl.— für jene Zeit in der That unerhörte Summen. Die Konfiskation der reichen Klostergüter hatte sehr wichtige Folgen für die Entwicklung des Kapitalismus. Die Klosterländereien wurden von den neuen Herren anders bewirthschaftet; sie wurden statt zum Anbau von Korn zur Schafzucht verwendet, wodurch die Bewohner, die sich früher dort hatten nähren können, von der Scholle vertrieben wurden, und um dem Elend der Land- straße zu entgehen, ihre Arbeitskraft um jeden Preis der eben entstehenden Industrie verkauften. Denn auch die letzte Zuflucht der Armen war mit den Klöstern ge- schloffen; es gab jetzt keine Organe der öffentlichen Armenpffege mehr. Die Zölle und die Sozialdemokratie. „Ein offenes Wort' nennt die„Kreuzztg." einen Ausspruch der„Sächs. Arbeiterztg.",„daß es bei dem Kampf um die Getreidezölle der Hauptsache nach darauf ankomme, den Grundbesitz, vornehmlich seine gegenwärtigen Vertreter, die man sich immer noch als„Junker" vor- stellt, in eine möglichst drückende Nothlage zu bringen und sie dadurch politisch wehrlos zu machen." Es passirt uns ziemlich oft, daß unsere Gegner, da sie sich gewöhnlich nicht die Mühe geben, die Sozial- demokratie genauer zu studiren, ganz verwundert sind über manche Aeußernngen, die eigentlich ganz selbstver- 'ländliche Folgerungen aus unseren Anschauungen sind. Da wir doch danach streben, die politische Macht in unsere Hände zu bekommen, so müssen wir natürlich die- [eilige Klasse, die sie jetzt in den Händen hat, zu schwächen suchen. Das ist doch einfach. Erwachsene. Kindergeschichten für Die Zölle haben den Lebensunterhalt des Arbeiters| Schulzes, Abrahams und Isaaks oft genug in die Familien[ da dieselben bei ihrer leichten Verständlichkeit eine sehr bequeme vertheuert. Einen Ersatz dafür in höheren Löhnen hat gekommen ist. Der Junker sitzt nicht in den Stiefeln Einführung in das philosophische Studium bilden.) er fast nirgends erreichen können. Wir haben aber die und Sporen, sondern im Charakter, und er äußert sich in vier Aufzügen. Regie- und Soufflierbuch des Stadttheaters in Nr. 2766. Wilhelm Henzen, Schiller und Lotte. Lustspiel Verpflichtung, doch die Arbeiter unter den bestehenden auch natürlich nicht mehr wie vor hundert Jahren, er Leipzig mit dem vollständigen Scenarium. Verhältnissen möglichst zu schützen. Eine Aufhebung der kann sich sogar sehr modern äußern. Nr. 2767. E. Henle, Entehrt. Original- Schauspiel in fünf Zölle würde die Lebenshaltung steigern; und wenn es Wenn es gelingt, die Zölle zu vernichten, so sinkt Aufzügen. Verfasserin des Preislustspiels:" Durch die Intendanz". Bühnenbearbeitung. gelingt, ein etwaiges Sinken des Lohnes zu verhüten, so der Preis der Güter wieder, der durch die Einführung Nr. 2768. A. Noël, Kleines Volt. ist das doch von der größten Wichtigkeit für Gesund- der Zölle künstlich gesteigert war. Damit wird aber der heit und Leben der Arbeiterklasse. nicht lebensfähige Theil der Großgrundbesizer mit einem Das ist das eine Motiv zum Kampf gegen die Schlage vernichtet; die Strudelwiß und Brudelwiz müssen Lebensmittelzölle. von ihren Höfen ziehen, und an ihre Stelle treten bürger Aber der Schutz der Arbeiterklasse unter den gegen- liche Unternehmer, welche das nöthige Kapital in der wärtigen Verhältnissen ist nur der eine Theil unserer Hand haben, um einen wirklich modernen Landbau zu Aufgabe. Wir sind eine revolutionäre Partei; und unsere treiben. zweite Aufgabe ist, die Geburt der Revolution zu befördern. Literarisches. Nr. 2769. Arthur Achleitner, Geschichten aus den Bergen. Dritter Theil. Mit dem Bildniß des Verfaſſers. einem Aufzug. Nr. 2770. Ludwig Fulda, Die Aufrichtigen. Lustspiel in ist soeben das 18. Heft des 9. Jahrgangs erschienen. Aus dem Von der ,, Neuen Zeit"( Stuttgart, J. H. W. Diez Verlag) Inhalt heben wir hervor: Zur Kritik des sozialdemokratischen Parteiprogramms. Aus dem Nachlaß von Karl Marx.- Zuckersteuer und Zuckerindustrie. I. Von Max Schippel. Brief aus Berlin. Von Wilh. Liebknecht. Notizen. Feuilleton: Wir sehen ein mächtiges Hinderniß in der Macht, welche bei uns noch eine nur erst halb modernisirte gelangten soeben folgende Bände zur Ausgabe( pro Nr. 20 Pf.): von F. v. Osta( Fortsetzung.) In der Philipp Reclam'schen Universal- Bibliothek Töchter unserer Zeit. Roman aus dem modernen Gesellschaftsleben Aristokratie hat. Gewiß, diese Leute sind noch Junker, Nr. 2761-2765. Arthur Schopenhauer's sämmtliche Werke Wir erhalten soeben Heft 17-20 von Dr. W. Zimmerund wenn sie auch schon den Destillirkolben im Wappen in sechs Bänden. Herausgegeben von Eduard Grisebach. Erster mann's Großer deutscher Bauernkrieg, illustrirte Volksführen und auf die„ Landwirthschaftliche Presse" abon- Band: Die Welt als Wille und Vorstellung.( Obgleich wir keine ausgabe, herausgegeben von Wilh. Blo3( Stuttgart, J. H. W. Diet' nirt sind. Sie sind keine Bourgeois- Grundbesizer, und doch denjenigen unserer Leser, die sich über Philosophie unterrichten Anhänger der Schoppenhauer'schen Philosophie sind, können wir Verlag. wenn auch die Töchter und das Geld Müllers und wollen, die nunmehr billigen Werte von Schoppenhauer empfehlen, Heft enthält an Text zwei Bogen Großoktav. Das Werk erscheint in ca. 26-28 Lieferungen à 20 Pf. Jedes Arbeitsruhe und Arbeitszeit. Der Leipziger Zeitung" entnehmen wir eine sehr übersichtliche Zusammenstellung der Bestimmungen über die Arbeitszeit nach dem jezigen Gesez, der neuen Regierungsvorlage, den Beschlüssen der zweiten Lesung und den sozialdemokratischen Anträgen. Jeziges Gesetz Neue Vorlage Beschlüsse 2. Lesung Sozialdtmokratische Anträge I. Arbeitszeit Erwachsener. 1) Die Maximalarbeitszeit männlicher Arbeiter( über 14 Jahre) beträgt täglich: 2) Die Maximalarbeitszeit weiblicher Arbeiter( über 16 Jahre) beträgt: II. Sonstige Bestimmungen über die Arbeitszeit weiblicher Arbeiter. 1) Nachtarbeit ist verboten(§ 137 Abs. 1 und 2) 2) Die Arbeitspausen betragen a) im Allgemeinen(§ 137,3) b) für Arbeiterinnen, die ein Hauswesen zu besorgen haben(§ 137,4) 3) Die Beschäftigung von Wöchnerinnen ist nach der Niederkunft ausgeschlossen auf die Dauer von 4) Gänzlich verboten oder nur bedingt gestattet kann die Beschäftigung weiblicher Arbeiter werden 5) Ausnahmen von den geseßlichen Beschränkungen können eintreten: a) für Arbeiterinnen über 16 Jahre wegen ungewöhnlicher Arbeitshäufung(§ 138a Abs. 7) b) wegen Naturereignissen oder Unglücksfällen(§ 139 Abs. 1) tönnen Ausnahmen bewilligt werden c) Nachtarbeit fann gestattet werden. d) für Spinnereien, Fabriken mit ununterbrochenem Feuerbetrieb 2c. können Ausnahmen gestattet werden == 3 Wochen(§ 135,5) aus Gründen der Gesundheit oder Sittlichkeit vom Bundesrath für gewisse Fabrikationszweige(§ 139a Abs. 1) auf die Dauer von 4 Wochen durch die höhere Verwaltungsbehörde, auf längere Zeit durch den Reichskanzler, auf 14 Tage in dringenden Fällen durch die Ortspolizeibehörde 11 Stunden(§ 137) von 8 Uhr Abends bis 5% Uhr früh an Sonnabenden und Vorabenden von Feiertagen nach 51/2 Uhr Abends mindestens 1 Stunde Mittags 1 Stunde( fie sind ½ Stunde vor der Mittapspause zu entlassen) 4 Wochen unverändert die untere Verwaltungsbehörde kann diesfalls 1) eine Beschäftigung von'täglich 13 Stunden auf die Dauer von 14 Tagen, innerhalb Jahresfrist von 40 Tagen, gestatten 2) die Vornahme von Reinigungs-, Reparatur 2c. Arbeiten(§ 105 c Abs. 1 Pft. 2 u. 3) Sonnabends nach Uhr, dafern sie kein Hauswesen zu besorgen haben(§ 138a Abs. 5) unverändert 5 für gewisse Fabrikationszweige, wo sie bisher üblich war, durch den Bundesrath(§ 139a Abs. 1 pkt. 2) durch den Bundesrath(§ 139 a Abs. 1 Btt. 3) durch die höhere Verwaltungsbehörde (§ 139 Abs. 2) 11 Stunden; an den Vorabenden der Sonn- und Festtage nicht über 10 Stunden wie in der Vorlage wie in der Vorlage wie in der Vorlage fält weg 4 Wochen; während der folgenden 2 Wochen nur gegen ärztliches Zeugniß unverändert 1) wie in der Vorlage; darüber hinaus fann die höhere Berwaltungsbehörde gehen, wenn die tägliche Dauer im Jahresdurchschnitt nicht überschritten wird(§ 138a, Abs. 2) 10 Stunden, vom 1. Januar 1894 ab 9 Stunden, vom 1. Januar 1898 ab 8 Stunden. Bei Arbeiten mit Tagund Nachtschicht und unter Tag darf die Arbeitsschicht 8 Stunden einschließlich der Ein- und Ausfahrt nicht übersteigen(§ 136a). 10 Stunden; an den Vorabenden der Sonn- und Festtage nicht über 9 Stunden von 8 Uhr Abends bis 6 Uhr früh nach 5 Uhr Abends wie in der 2. Lesung 6 Wochen; im Uebrigen wie in der 2. Lesung unverändert 1) fällt weg; event. sind statt 13 Stunden 11 zu setzen 2) wie in der Vorlage, jedoch nicht über 2) fällt weg Uhr Abends 8 unverändert fällt weg wie nach der Vorlage. Jedoch sollen die Spinnereien wegfallen(§ 139 a, Abs. 1, Pft. 2). Auch soll die Arbeitszeit in diesen Fällen 64 Stunden, in Biegeleien 69 Stunden nicht überschreiten, die Nachtarbeit in zwei Wochen nicht über 60 Stunden, in 24 Stunden nicht über 10 Stunden betragen und jede Schicht durch Pausen von zusammen mindestens i Stunde unterbrochen sein(§ 139 a, Abs. 2) unverändert unverändert fällt weg fällt weg unverändert e) die Pausen können anders geregelt werden III. Die Beschäftigung von Kindern und jugendlichen Arbeitern (§ 135) 1) ist ausgeschlossen bei Kindern bis zum Alter von 2) Im Uebrigen ist sie beschränkt 3) Zeit der Beschäftigung(§ 136) 4) Dauer der Pausen für Kinder(§ 136) für jugendliche Arbeiter(§ 136) 5) Unzulässig ist die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter außerdem(§ 136 Abs. 3) 6) Untersagt werden fann die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter 7) Ausnahmen von den gesetzlichen Bestimmungen können eintreten 12 Jahren a) bei Kindern von 12-14 Jahren auf bei nicht schulpflichtigen Kindern über 6 Stunden b) bei jungen Leuten von 14-16 Jahren auf 10 Stunden 5 Uhr früh bis 8 Uhr Abends 12 Stunde Mittag 1 Stunde, Vor- und Nachmittag ½ Stunde an Sonn- und Festtagen, und während des Confirmanden- und Katechumenen= Unterrichts aus Gründen der Gesundheit und Sittlichkeit vom Bundesrath für gewisse Fabrikationszweige(§ 139 a Abs. 1) a) wenn Naturereignisse oder Un- wie oben zu Nr. II. 5b. glücksfälle dies nöthig machen (§ 139 Abs. 1) 13 Jahren 13 Jahren unverändert 14 Jahren 13 Jahren auf 6 Stunden, mit Ermächtigung des Bundesraths 10 Stunden. bei Personen über 14 Jahre auf 10 Stunden auf 10 Stunden unverändert unverändert unverändert 6 Uhr früh bis 7 Uhr Abends unverändert unverändert unverändert unverändert unverändert unverändert unverändert unverändert das Verbot erstreckt sich auch auf Arbeiter bis 18 Jahre und auf Nachtarbeit unverändert nnverändert unverändert unverändert unverändert unverändert b) in Spinnereien und Fabriken mit ununterbrochenem Feuerbetrieb durch Bundesrathsbeschluß(§ 139 a Abs. 2) Jeßiges Gesetz die wöchentliche Arbeitszeit darf jedoch diesfalls für Kinder 36 Stunden, für junge Leute 60 Stunden, in Spinnereien 66 Stunden nicht übersteigen Neue Vorlage wie im Geseze, jedoch in Spinnereien nicht über 64 Stunden, in Ziegeleien nicht über 69 Stunden(§ 139 a Abs. 1 Bunkt 3) Beschlüsse 2. Lesung Spinnereien kommen in Wegfall; die Arbeitszeit darf für Kinder nicht über 36, für junge Leute nicht über 60 Stunden, in Ziegeleien nicht über 69 Stunden betragen. Wegen der Nachtarbeit gilt dasselbe wie oben sub II. 5 d.(§ 139a, Abs. 1, Pkt. 2 und Abs. 3) unverändert Sozialdemokratische Anträge fällt weg unverändert 216 Dr di 译 faß im bef ein geid eine e) Eine anderweitige Regelung der Pausen kann durch die höhere Verwaltungsbehörde erfolgen(§ 139 Abs. 2) 8) Höchste Dauer der Arbeitszeit für Lehrlinge(§ 126) IV. Die Sonntagsruhe dauert (§ 105 b) 1) für einen Sonn- und Feiertag 2) für zwei aufeinanderfolgende Festtage 3) Weihnachten, Ostern und Pfingsten 4) die Sonntagsruhe beginnt jedoch darf die tägliche Beschäftigung 6 Stunden nicht überschreiten, wenn nicht Pausen von zusammen mindestens einstündiger Dauer gewährt werden unverändert 24 Stunden 36 Stunden 5) die Sonntagsarbeit im Handelsgewerbe(§ 105b) dauert 6) die Sonntagsruhe im Schant- und Verkehrsgewerbe(§ 105 b) dauert 7) die Sonntagsruhe bei Reparatur-, Reinigungsarbeiten 2c., bei Saisongewerben, Fleischern, Bäckern 2c. (§ 105 c Abs. 2 und 3,§ 105 d, § 105 e) dauert 8) Ausnahmen zur Verhütung eines unverhältnißmäßigen Schadens kann die untere Verwaltungsbehörde verfügen (§ 105f) Fachverein für Schlosser und Maschinenbauarbeiter Berlins u. Umgegend. Montag, den 9. Februar, Abds. 8½ Uhr, in Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75. Gr.Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Regierungs- Baumeister a. D. Keßler über: Kapital und Arbeit. 2. Diskussion. 48 Stunden frühestens Abend 6 Uhr spätestens früh 6 Uhr 5 Stunden polizeiliche Verlängerung der Arbeitszeit in der Weihnachtszeit 2c. ist zulässig. am dritten Sonntag 24 Stunden, oder am zweiten Sonntag von früh 6 Uhr bis Abends 6 Uhr für bestimmte Zeit mindestens 24 Stunden 36 Stunden 48 Stunden 12 Uhr Nachts; bei Tag- und Nachtschicht frühestens Abends 6 Uhr, spätestens früh 6 Uhr; bei zwei Feiertagen dauert sie bis 6 Uhr Abends des zweiten Tages 5 Stunden; an den ersten Feiertagen der drei hohen Feste ruht die Arbeit ganz nur bis zu 10 Stunden 36 Stunden; im Uebrigen wie in der Vorlage unverändert 10 Stunden; Lehrlinge unter 17 Jahren dürfen nicht von Abends 8 Uhr bis früh 5 Uhr beschäftigt werden mindestens 36 Stunden mindestens 60 Stunden spätestens Abends 6 Uhr 3 Stunden; die Arbeit ruht nach 12 Uhr Mittags und bei anderweiter statutarischer Feststellung nach 6 Uhr Abends wöchentlich 36 Stunden, die in jeder vierten Woche auf einen Sonntag fallen müssen 36 Stunden; am 2. Sonntage minde stens 24 Stunden von spätestens früh 6 Uhr ab auf höchstens 14 Tage der Schuhmacher. Sozialdemok. Wahlverein des 6. Berl. Reichstagswahlkreises. Verein zur Wahrung der Interessen Große öffentl. Versammlung am Dienstag, den 10. Februar, Abends 812 Uhr im Lokale des Herrn Müller, Müller- Straße Nr. 178. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Richard Baginski über: Rußland und die Nihilisten. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragefasten. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. der Agitations- Nummern Berliner Volks Tribüne" stehen unseren = 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung Freunden gratis zur Verfügung. der Beiträge. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Gäste willkommen. Der Vorstand. Der Arbeits- Nachweis der Klavier- Arbeiter befindet sich jetzt Naunynstr. 78, im Restaurant Winker. Die Adressen- Ausgabe findet jeden Abend von 8-92 Uhr u. Sonntags Vormittags von 10-11 Uhr an Mitglieder wie an Nichtmitglieder unentgeltlich statt. Die Arbeitsvermittlungs- Kommission. Genossen! Soeben erschien das JanuarHeft der in unserem Verlage erscheinenden 40 Pf. Zeitschwingen 40 Pf. Monatsschrift für Volksbildung und Aufklärung. ( Nach der Konfiskation zweite Auflage). Heraus gegeben von Josef Branet. Dieselbe ist in Berlin zu beziehen durch die sozialdemokratische Buchhandlung von Th. Mayhofer Nachf., Weinbergsweg 15b, dicht am Rosenthaler Thor. Wiederverkäufer erhalten daselbst hohen Rabatt. Mit Brudergruß Die Administration der ,, Beitschwingen", Reichenberg( Böhmen). Gips Büsten Marx, Laffalle sowie Partei- Bilder ein- und ungerahmt, sind, soweit der Vorrath reicht, wegen Aufgabe dieses Artikels billig zu verkaufen. Näheres durch A. Hoffmann, Zeit, Hospitalstraße 39. Allen Freunden und Genossen empfehle mein Weiß- und BayrischBier- Lokal. Vorzügliche Speisen und Getränke in großer Auswahl. Vereinszimmer steht zur Verfügung. 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Versammlung der Vereinigung der Maler u. s. w. Filiale 1( Süd) am Dienstag, den 10. Februar 1891, Abends 8 Uhr, in Hoffmann's Lokal, Oranienstr. 180. Tages Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Bevollmächtigten. Durch unterzeichnete Expedition ist zu beziehen: Komplette Jahrgänge von 1890 der Berliner Volks- Tribüne". Preis pro Jahrgang, ungebunden 3 Mark. Ebenso I. und II. Halbjahr einzeln à Halbjahr 1,50 mark. Sämmtliche Nummern sind in tadellosem Zustande und sieht zahlreichen Bestellungen entgegen die Expedition der„, Berl. Volks- Tribüne". Berlin SO. 26, Elisabeth- Ufer 55. Kranzbinderei u. Blumenhandlg. von J. Meyer Nr. 1, Wiener Straße Nr. 1, ( in der Ecke bei der Manteuffelstraße). Guirlanden 15 Pfg. pro Meter. Doppelbügelige Lorbeerkränze von 50 Pf. an. Topfpflanzen, Bouquets 2c. gut u. billig. Fernsprecher, Amt IX, 9482. Empfehle Freunden und Genossen mein reich haltiges Lager von Cigarren u. Tabake. 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