n g 122 e e n 5= & mt Ots f. 3= pie リー m ent r. t. ia Berliner Volks- Tribüne. = Sozial- Politisches Wochenblatt. Die„ Berliner Dolks Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnementspreis für Berlin monatlich 50 Pf. pränumerando( frei in's Haus). Einzelne Nummer 15 Pf. Durch jede Post- Anstalt Deutschlands zu beziehen.( Preis viertelj. 1 mr. 50 pf.) № 9. Amerika. -se.Novelle. Vom Reichstag. Redaktion und Expedition: SO.( 26), Elifabeth- Ufer 55. Ausgabe für Spediteure: ,, Volksblatt", Beuthstr. 3. Inserate werden die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 20 Pf. berechnet. Dereins- Anzeigen: 15 Pf.- Arbeitsmarkt: 10 Pf. Inseraten- Annahme in der Expedition: Elisabeth- Ufer 55. Die ,, Berl. Volfs- Tribüne" ist unter Nr. 893 der Zeitungs- Preisliste eingetragen. Sonnabend, den 28. Februar 1891. 11 V. Jahrgang. Ein netter Aus der Woche.- Die innerpolitische Lage. Daß diese Bethätigung eines echt nationalen Strebens Der frühere Polizeikommissar Schön aus SommerDas wahrscheinliche Fiasko der neuen 3pro- gerade mit der Zeit zusammenfällt, in welcher die Grenz- feld wurde vom Schwurgericht zu Guben wegen wiffentzentigen Doppelanleihe und dessen Ursache. sperre eingetreten war, dafür können natürlich die armen lichen Meineides in zwei Fällen zu 6 Jahren Zuchthaus Die Hausbesitzer. Aus Japan. Die indu- Großgrundbesizer nichts. In Berlin giebts feinen Noth- verurtheilt. Derselbe verbüßt zur Zeit eine vierjährige Brielle Entwicklung Rußlands. Die ver- stand, darüber sind wir belehrt worden. Vom 1. April Zuchthausstrafe wegen desselben Deliktes. änderte Politik der amerikanischen Sozialisten. bis Ende Dezember 1890 find hier 21 799 Rinder, Wächter der Zucht und frommen Sitte. Vielleicht wäre Ueber die Brodpreise in Berlin. Lite- 8 808 Kälber und 34 797 Hammel weniger geschlachtet es interessant zu erfahren, wie sich der Herr während des rarisches. worden als im Vorjahre. Der Fleischausfall für das Sozialistengefeßes benommen hat. Gedicht. Der russische vergangene Jahr beträgt 7 400 000 Kilogramm. Warum Bourgeoismoral. Ein junger Arzt wünscht Markt. III. Fortschritt der Technik und die Berliner Arbeiter wohl so wenig Fleisch gegessen sofort ein freundliches Mädchen zur Aufwartung und Kapitalkonzentration. Aus dem freien haben? Aus reiner Bosheit natürlich. Oder vielleicht zum Empfang von Patienten in seiner Abwesenheit. Beaus einem anderen Grunde? Wir erinnern uns im dingungen: Schreibgewandtheit, hübsches Aeußere und " Lokal- Anzeiger" gelesen zu haben, daß heuer die Hasen keine groben Hände. Täglich zwei Stunden." Der Aus der Woche. so billig waren. Das wirds sein. Diese Feinschmecker Mann, der dieses Inserat erließ, war kein Arzt, sondern Gallerie militärischer Schindersknechte. werden sich wahrscheinlich an das Rezept gehalten haben, ein Kaufmann und wie sagen wir doch nur gleich. In Zittau ließ der Unteroffizier Franz einen das einmal eine höhere Tochter" gab:" Was die Leute um nicht in die Fangeisen des Konfiszirapparates zu Soldaten beim Exerzieren ein großes Stück Eis auf jammern, daß sie keine Brot hätten? Sollen sich Butter- tommen Mädchenfänger. Er wurde in seinem Absteigden Kopf legen. Dasselbe mußte so lange auf dem wecken kaufen!" quartier auf frischer That ertappt. Nebstbei besaß er Kopfe des Soldaten liegen bleiben, bis sich die KopfDer Ausstand der Wiener Schuhmacher ist zu noch eine zweite Wohnung, welche er zeitweilig seinen rundung durch das Schmelzen des Eises darin eingedrückt Gunsten der Arbeiter mit einer Lohnerhöhung beendet Freunden überließ. Auf seine Annonze waren 127 Anhatte. Nach der in Leer erscheinenden„ Ostfriesischen worden. Die Streifzeit war glücklich gewählt. Die gebote eingelaufen. Das deutsche Reich war nicht im Post" sagte der Hauptmann Beyer zu den für zehn Frühjahrssaison beginnt und die Wahlbewegung ist im Stande, die Auslieferung des Leipziger Millionendiebes Tage einberufenen Landwehrmännern:„ Ihr ochsigen Oft vollen Zuge. Um diese Zeit strahlen alle liberalen Winkelmann zu erreichen. Jetzt kommt aus Buenos- Ayres friesen fühlt euch am wohlsten, wenn ihr 4 Stunden auf Arbeitgeber" nur so von Arbeiterfreundlichkeit. Sie die Kunde, daß der Fuchs, der bis dahin auf der dortigen eurem Mist und 4 Stunden auf eurem Torf sigt. Nächstens hätten ihr ganzes Wahlgeschäft verdorben, hätten sie sich Börse gespielt und ein flottes Lebemannleben geführt, aus werde ich euch Ochsen auf die Rindviehausstellung ziehen, den Forderungen der Schuhmacher gegenüber bockbeinig der Stadt verduftet sei. Wird sich vielleicht ein brafiwo ihr die goldene Medaille erhalten werdet." Die erwiesen. Die österreichische Wahlbewegung zeigt sonder- lianisches Rittergut beigelegt haben. Die guten Leipziger Landwehrmänner haben also ihr Fett wegbekommen. bare Erscheinungen. Die Liberalen gehen mit„ Sozial- aber können ihre Forderungen endgiltig in den Rauchfang Was der Herr Hauptmann zu kriegen kriegt, darauf sind reform nach deutschem Muster" auf den Stimmenfang, schreiben. wir neugierig. Bis jetzt hat es immer geheißen, daß auf in Antisemiten zersplittern in ein halbes Schock Fraktionen.-x Wieder einer! Der mysteriöse Tod des belgischen den Viehausstellungen die Herren Ochsenzüchter die Preise Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die antisemitischen Kronprinzen soll durch die Kugel eines eifersüchtigen Kleinbürger und Handwerker im sozialistischen Lager zu Herrn herbeigeführt sein, der den zukünftigen König bei In Durham( England) feiern 10.000 Bergleute. finden sein werden. Die Anhänger Schönerers nehme seiner Maitresse traf. Ein Kronprinz soll nicht so Die Erregung unter den Kohlenleuten stieg besonders ich hier aus; das sind in der Wolle gefärbte Reaktionäre. knickerig sein, und seine Maitresse selber bezahlen. dadurch, daß Londonderry die Feiernden allsogleich aus Die hauptsächlich in Nordböhmen, Wien und einigen Theilen der Alpenländer lebenden revolutionären Sozialisten haben Stimmenenthaltung proklamirt. bekommen. ihren Wohnungen werfen ließ. Wieder ein Beweis dafür, welchen Werth das Gesalbader vom„ eigenen Heim" für " Die innerpolitische Lage. den abhängigen Arbeiter eigentlich hat. Trotzdem werden Im Lande Sachsen, wo sonst die scharfen Verordalle Philantropen" fortfahren das Arbeiterhaus weiter nungen wuchsen, scheint ein anderer Wind zu wehen. land schnelle Schritte gemacht. Unter Bismark und dem In dem letzten Jahre hat die Geschichte in Deutschals Allheilmittel der sozialen Noth auszuposaunen. Gegen Die Kreishauptmannschaften haben zwei zu Grimma und alten Kaiser war die Entwicklung langsam, sehr langsam deutsche Professoren kämpfen Götter selbst vergebens. Pirna erfolgte Verbote sozialdemokratischer Versammlungen vor sich gegangen. Gänzlich ohne Verständniß der Ver" nicht dreist und dreister, Seßt nicht den Respekt bei Seiten Vor den hohen Obrigkeiten Und dem Herren Bürgermeister;" Was kann aus Finsterwalde Helles kommen? als nicht gerechtfertigt erklärt:„ Es sei doch nicht schlecht- hältnisse hatte Bismarck weiter nichts gewußt, als das In selbem Städtlein hat die Polizeiverwaltung ein in hin undenkbar, daß sozialdemokratische Lehren und Grund- Proletariat mit der Knute niederzuhalten und für sich einer gegnerischen Versammlung auf die Sozialdemokratie fäße auch einmal in einer Weise vorgetragen würden, und seine Klassengenossen aus dem allgemeinen Säckel ausgebrachtes" Hoch" mit 15 Mark Strafe belegt. Pön" von denen sich nicht ohne Weiteres behaupten lasse, daß Extraprofite einzustreichen. Das war die ganze Staatsnennt man so etwas in Finsterwalde, und vermuthlich sie zu Gesezesübertretungen oder Unsittlichkeit auffordern, kunst gewesen. meint man, jetzt sei man voll und ganz zur altdeutschen oder eine hierauf gerichtete Tendenz sofort augenfällig Unzweifelhaft hätte man nach diesem Rezept nicht Rechtssprechung zurückgekehrt. Ist dem so, dann haben erkennen ließen. Alsdann, freut euch, Arbeiter, in Sachsen mehr länger weiter regieren können. Namentlich die wir Hoffnung das Wiederauferstehen der hochnothpein- hat man eine gute Meinung von euch! lichen Halsordnung Karolus des V. zu erleben. Eine Vertheuerung der Lebensmittel war es, welche auch den Die sozialdemokratische Fraktion hat Verstaat- ruhigsten und demüthigsten Proletarier empörte. Zwar Frage: Ist in Finsterwalde der Cantus verboten:" Daß lichung des ganzen Apothekerwesens beantragt. Wie ge- der fromme, biedere Deutsche wird ja in Wald finster ist, machen die Tannäst'." rechtfertigt dieses Vorgehen ist, erhellt aus folgenden In Serbien ist das bisherige Ministerium ab- Thatsachen. In Krefeld und Langendreer wurden je eine getreten, Nicola Pasitsch hat die Neubildung des Kabinets Apotheke, die eine zu 350 000 Mart, die andere zu übernommen, in welches Tauschanovic als Minister für 360 000 Mark verkauft. Wer macht aber diese Apotheken und so äußerte sich diese Empörung nur in der denkbar Volkswirthschaft eingetreten ist. Beide Männer sind zu so profitfetten Geschäften? Die Arbeiter, die kranken Sozialisten.( Werden's jetzt wohl nicht mehr lange sein. Arbeiter. Gerade durch das Krankenkassengefeß ist der devoteſten Form des ungeheuren Anschwellens der sozialV.. Red.) Wenn Påſitſch in den letzten Jahren Verwerth einer Apothekentonzeſſion geſtiegen. Die Inhaber demokratischen Stimmen bei der Wahl. Aber gerade bindungen mit den Panſlaviſten angeknüpft hat, so haben jetzt durch die Staſſen eine Garantie, daß sie Be dieſe ruhige, ſchweigſame, sich den Gesezen streng fügende reſultirt dies aus der eigenthümlichen politischen Stellung zahlung erhalten müſſen. Und die Arbeit, die sie leisten Empörung mußte einen mächtigen Eindruck in den Serbiens. Die zwei neuen Minister haben deutsche Hoch- mußten, um diesen„ Mehrwerth" einzustreichen? regierenden Kreisen machen. Man kennt ja dort das schulen besucht. Pasitsch ist von Haus aus Ingenieur, Volt nicht; man weiß nicht, wie zaghaft und geduldig Tauschanovic Journalist und Nationalökonom; den ersteren über die Noth der Weber im Eulengebirge. Nach den Welt trägt, jedes Selbstbewußtsein geraubt hat; und da Pastor Ernst Klein veröffentlicht folgende Daten es ist, wie ihm die Last, welche es seit Beginn der ließ König Milan zum Tode verurtheilen, der lezte Untersuchungen der Kommissionen, welchen er angehörte, die Furcht und das böse Gewissen der Reaktionäre auf schmachtete lange im Gefängnisse. Wie die Dinge jezt verdienten von den Hauswebern: liegen, sind die Tage des serbischen Herrscherhauses ge- 30% in 8 Arbeitst.7,50 M. Brutto, 5,85 M. Netto, also in 1 Lage= 73ẞf. anderen Seite in der Geschichte der großen Revolution der einen und ihre berechnende Verleumdung auf der D. zählt. ein 1. tg. 4,35" 50%" 8 " 6,-" " 2,50 1,25 " 1 = 54 " " " " " 1 " " Die Agrarier behaupten, daß durch die Viehzölle 20%, 5 = 25 ein gruseliges Schreckbild aufgestellt hat, so pflegen und die Viehsperre, die Fleischpreise in keiner Weise in" Von dem Bruttolohne ist" der Lohn" des" Spulers die Regierungen hinter jeder Volksbewegung in unheimdie Höhe geschnellt wurden. Nun kommt aus Neustadt abzuziehen. Die Arbeitszeit dauert von früh 5 Uhr bis licher Freischüßbeleuchtung diese blutdürftigen Ungeheuer in D.- Schl. die Nachricht, daß dort im Jahre 1890 nachts 10 Uhr. Die Familie rechnet Klein durchschnitt zu erblicken, wie sie in der offiziellen Geschichte dargestellt 333 Pferde geschlachtet wurden, mehr Stücke als Ochsen lich zu 6 Köpfen. Sie sollen alle von dem Hungerlohne werden. und Stiere zusammengenommen. Die Neustädter haben satt werden. So zu finden zwei Dezennien nach den Zwar das, was sie„ Revolution" nennen, nämlich sich wohl erinnert, daß sie echte Germanen sind und glorreichen Jahren 1870 und 1871, im sechsten Jahre ein Butsch, wäre ihnen gar nicht unangenehm. Da wollten es in Pferdefleischessen ihren Vorfahren gleichthun. Der Sozialreform. hätten sie die einfachste Lösung von der Sache. Die Soldaten würden auf das Volk geschickt, und nach der zweimal erprobten Taktik der französischen Bourgeoisie würde man„die revolutionäre Kanaille" durch einen gut applizirten und starken Aderlaß zur Ruhe bringen. Aber für diese Art Revolution waren eben die Arbeiter nicht zu haben. Sie waren so ruhig, sie ließen sich alles gefallen, sie äußerten ihre Empörung nur durch die Stimmenzahl. Die psychologischen Gründe kannte man nicht; und da man doch selbst genau wnßte, welchen Schwindel der ganze Parlamentarismus vorstellt, und da man auch wohl den Arbeitern'zutrauen mußte, daß sie die Komödie durchschauten— so konnte man sich die gauze Sache bloß durch eine besondere Tücke und Hinterlist des Proletariats erklären. Der große Bismarck, schlau wie immer, kam zuerst auf den geistreichen Ge- danken: die Arbeiter thun jetzt blos so, damit wir sie nicht fassen können; aber sie wollen blos so lange warten, bis sie genug Leute haben und dann schlagen sie los, bauen Guillotinen und fangen an mit dem Theilen. „Sie warten blos, bis sie genug Leute haben", das war die Erklärung und das war der Gedanke, der Allen die bleiche Furcht einflößte. Um Himmelswillen! Wenn sie erst genug Leute haben, so wird die französische Revolution von Professor Schmidt noch einmal auf- geführt. Schrecklich! Was soll man machen! Das Bismarck'sche System hatte die Gefahr nur noch beschleunigt, statt sie zurückzuhalten. Das Sozialisten- gesetz, so furchtbar es uns auch geschädigt hat, und eine so vorzügliche Waffe es gegen uns gewesen wäre— es wurde in seiner Wirkung unschädlich gemacht durch den immer stärker werdenden sozialen Druck. Die Logik des Hungers siegte über die Logik des Gefängnisses. Wären die zwei Jahrzehnte nach dem Krieg in eine Zeit des wirthschaftlichen Aufschwungs gefallen und hätte eine weniger engherzige Gesetzgebung den Arbeitern die Mög- lichkeit nicht genommen, an diesem Aufschwung Theil zu nehmen, so würde das Sozialistengesesetz Wunder gewirkt haben. Aber als Deutschland mit auf den Plan der großkapitalistischen Länder trat, war schon die goldene Zeit der Geschäfte vorüber; der Markt begann sich bereits zusammenzuziehen, und die älteren Länder mit ihrer Produktion hatten ihn bis jetzt vollkommen be- friedigt. Daß Deutschland überhaupt in Konkurrenz zu ihnen treten konnte, wurde nur durch die erbärmlichen Löhne ermöglicht, welche durch die deutschen Unternehmer gezahlt wurden; mit diesen ging natürlich schlechte Waare Hand in Hand. Ein besonderer Aufschwung der Ge- schäfte trat bei der Lage des Marktes nie ein; es herrschte eine schleichende Krise, zuweilen unterbrochen durch eine kleine Besserung, aber eben so oft ausartend zur akuten Krise. Rechnet man nun noch zu diesen niedrigen und unsicheren Arbeitslöhnen den Druck der Steuern, nöthig »wegen des Militarismus und zur privaten Bereicherung einzelner Gesellschaftsklassen, so ergiebt sich natürlich, daß das Proletariat nicht ruhig sein konnte; auch wenn man den Sozialdemokraten durch das Gesetz den Mund schloß, die eigene Lage zwang die Proletarier zum Nach- denken; denn so weit waren sie schon gebildet, daß sie durch ihr Elend nicht zum Stumpfsinn, sondern zur Revolution getrieben wurden. Und so kam es denn, daß trotz aller Verfehmung der Partei bei den letzten Wahlen sich anderthalb Millionen Wähler zur Sozial- demokratie bekannten. Gewiß, wir sind die Letzten, das zu überschätzen. Wir wissen genau, daß der bei weitem größte Theil dieser Leute nicht Sozialdemokraten sind, daß unsere Lehren bei der großen Masse nicht durchdachtes geistiges Eig.nthum sind, daß der Anschluß an uns bei den Meisten nur die Form ist, in der sie ihre revolutionäre Em- pörung zum Ausdruck bringen. Nun, und mit dem Wahlzettel macht man keine Revolution; es geht der herrschenden Gesellschaftsordnung, wie weiland König Ernst August: „Weit besser, als alle Trabanten Thut ihn beschützen der mangelnde Muth Von unsern lieben Bekannten". Aber trotz alledem hat diese harmlose Aeußerung des unterthänigsten Unwillens außerordentlichen Eindruck gemacht. Bismarck, der Vertreter der Klassenpolitik. mußte fallen, mag nun der äußere Anlaß gewesen sein, wie er will; und die Regierung beschloß einen unfrei- willigen Witz zu machen und nicht mehr Jnteressenpolitik für die bevorrechteten Klassen zu treiben, sondern nur für sich selbst, was man„sozialmonarchisch" nennt. Sie bildete sich ein, sie könne über den beiden streitenden Parteien stehen; und wenn sie auch nicht spekulirte, daß sie den Knochen selber verzehren werde, während sich die beiden anderen Hunde umher stritten, so hoffte sie doch wenigstens ihn„gerecht" zu theilen, wobei sie auch ein Stück bekam. Etwas Aehnliches hatte ja freilich schon Bismarck gemacht mit seiner Sozialreform. Aber man muß doch unterscheiden, daß Bismarck bewußt demagogische Absichten hatte und selbst an seine Sache nicht glaubte, während es der neue Kurs jedenfalls ehrlich und aufrichtig meint. Natürlich stellte es sich sofort heraus, daß eine Stellung der Regierung über die Parteien unmöglich ist. Der Staat ist eben Klaffenstaat, der preußisch-deutsche sogar noch schlimmer als Klassenstaat; und aus dieser Haut kann er nicht fahren, so gern er es auch möchte. Gegen Bismarck gab es keine Fronde. Selbst bei seiner „Sozialreform" sah man sich mit verständnißinnigem Lächeln an und klatschte Beifall; denn Fürst Bismarck vertrat überall die Interessen des Geldsackes, des agra- tischen wie des industriellen; er vertrat sie mit einer Virtuosität, die Niemand vor ihm erreicht hat, sodaß er sogar die an sich feindlichen Brüder fast zu einem Herz und einer Seele zusammenschmelzen konnte im Kartell Aber der neue Kurs rief sofort eine Fronde hervor; fast instinktiv fühlten diese Leute, daß die Zeiten andere ge- worden waren; die Arbeiterschutzvorschläge, so geringfügig sie waren, �und so gänzlich ohne mennenswerthe Opfer sie durchgesetzt werden konnten, riefen schon eine lebhafte Opposition hervor; die Opposition richtete sich eben nicht gegen die Sache, die man sich vou einem Bismarck hätte ruhig gefallen lassen, sondern gegen'den Geist. In der That, was ist zu machen? Irgendwie muß man doch dem Kapital an den Kragen gehen, wenn man das gegenwärtige Programm vertritt! Man muß sich von der Schutzzollpolitik lossagen. Aber das trägt die tödtlichste Feindschaft der konservativen Grundbesitzer ein, die mindestens zur Hälfte ruinirt würden durch eine solche Maßregel. Und schon bekommt ja auch die„Kreuz- Zeitung" allerlei sonderbare Anwandlungen, welche ihre Köuigstreue in wunderlicher Beleuchtung erscheinen lassen. Die alte Treue reicht eben blos so weit, als sie den Geld- beutet füllt; wir, als Materialisten, wissen das, und erwarten daher nichts anderes; aber schlimm, wenn man sich idealistischen Illusionen hingiebt und weiter aus sie rechnet.— Man darf nicht unthätig zusehen, wie sich die Großindustrie aus Kosten des Volkes bereichert; also gleichfalls Beseitigung der Zollschranken und namentlich Verbot der Kartelle; aber hier ist dieselbe Sache. Diese Leute waren ja früher größtentheils Republikaner;� sie wurden erst monarchisch gesinnt, als sie sahen, daß sie im Reiche so gut verdienen konnten. Und solange sie ihre Profite bezogen, machten-sie ihre Bücklinge und eckten Speichel. Nun, wir sehen, wie ihr Rücken steif wird, und wie sie mit edlem Mannestrotz vor den Königsthron treten und sagen:„Sire, gebt uns Profit- freiheit"; auch bei ihnen ist die Treue nur ein Beziehungs- begriff zum Geldbeutel.— Man muß endlich die söge- genannten„berechtigten Forderungen" der Arbeiter unter- tützen. Aber damit bekommt man das Proletariat noch nicht zum Freund, denn desto dringender verlang! es natürlich die Erfüllung seiner„unberechtigten Forderungen" — und wir versprechen, daß wir unser Bestes thun, um diese Forderungen lebendig zu erhalten; und außerdem vermehrt man wieder die Feindschaft der Kapitalisten, denen jeder erfüllte Wunsch der Arbeiter als ihnen ab- gezwackt erscheint. So herrscht eine völlige Verwirrung. Die so Harm- lose Empörung des Proletariats am 20. Februar check die Folge gehabt, daß die Regierung ganz dekonzentrit ist. Bis jetzt sind die Gegensätze noch nicht schroff hervor- getreten. Vielleicht lenkt sie noch wieder in die alten Bahnen ein, welche seit Bismarcks Abgang verlassen sind. Fährt sie aber auf ihrem Weg fort, so wird ein all- gemeiner, furchtbarer Kampf zwischen ihr und den„staats- erhaltenden" Parteien entstehen. Viel kann das heilige deutsche Reich preußischer Nation jetzt ohnehin nicht mehr vertragen. Ein solcher Kampf würde es einfach an den Rand des Abgrundes bringen. Wer bei dem allgemeinen Chaos den Vortheil haben wird, das sind aber wir; die Zerstörung aller Autoritäten, die Vernichtung aller Macht wird nur allein uns zu gute kommen. Das Wahrscheinliche Fiasko der neuen 3proz. Doppelanleihe und dessen Ursache. M. M. Nichts konnte den Verfall des Staatskredits deutlicher illustriren als das reformatvrische Vorgehen des Finanzministers bei der Ausgabe von 450 Millionen Zprozentigen Anleihetiteln, wie es in den letzten Tagen beobachtet werden konnte. Noch nie zuvor hat man zur Unterbringung einer deutschen oder preußischen Anleihe einen solchen Apparat in Bewegung gesetzt wie gegen- wärtig Herr Miguel. Wer bei Aufrichtung des Deutschen Reiches in Versailles prophezeit haben würde, daß schon nach zwei Dezennien Anleiheoperaiiouen des Reiches auf Schwierigkeiten stoßen würden, den hätte man auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen. So unantastbar sahen die Machthaber jederzeit den Kredit des Deutschen Reiches an. In dieses Dogma ist nun seit der Kreditoperation vom Jahre 1&90, welche den winzigen Betrag von 129 Mill. SVa Proz. und 170 Mill. 3proz. Reichsanleihe umfaßte, Bresche gelegt worden, und die Maß- nahmen des neuen Finanzm'inisters zur Wiederaufrichtung des gesunkenen Staatskredits legen vollends Zeugniß ab von der mißlichen Lage der deutschen Finanzen. Zwar, an sich betrachtet, kann nicht gerade behauptet werden, daß die Finanzlage des Reiches eine bedenkliche wäre, denn im Vergleich zu fremden Staaten ist die Belastung desselben eine relativ niedrige. Beträgt doch die Schulden- last Frankreichs mehr als 25 mal soviel, diejenige Eng- lands mehr als das 14 fache unserer Anleihen, und selbst diejenige Portugals nahezu das Doppelte der unserigen. Allein die Art der Schuldenkontrahirung, welche das Reich bisher beobachtet hat, ist das Bedenkliche. In solchem Galopptempo hat kein Staat noch Schulden au' Schulden angehäuft wie das Deutsche Reich. Betrugen doch die Gesammtschulden des Norddeutschen Bundes nach Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges nur etwas über 341 Mill. Mark und, zuzüglich der verzinslichen Schatzanweisungen, 691 Mill. Mark, und reichte der Fünsmilliardensegen aus der sranzösischen Kriegskontri bution doch bis zum Jahre 1877 hin, um das Reich vor Schulden zu schützen. Von nun an jedoch gerieth der Kredit auf die schiefe Ebene. Während die Reichsschuld 1878 erst 72 Millionen und zehn Jahre später nur 486 Millionen betrug, schwoll sie im Jahre darauf auf 721 Millionen an, und gegenwärtig hat sie unter Ein- chluß der neuen Anleihe die Höhe von ca. 1626 Millionen Mark erreicht. Das ist, wie jeder unbefangen Urtheilende zugeben muß, doch ein zu hitziges Tempo auf der ab- ...üssigen Bahn des Schuldenmachens, um nicht Bedenken bei den Gläubigern zu erregen. Und wofür werden solche Summen gebraucht? Für das Reichsheer und für die Reichsmarine, also für unproduktive Zwecke. Entsprechend der Zunahme der Schulden ist auch die Ausgabe für militärische Zwecke ins Riesenhafte gewachsen. Sie betrug im Jahre 1874 nur 287,52 Millionen Mark. Im Etat von 1891/92 aber figurirt dieser Posten schon mit 455,37 Millionen Mark. Bei solch Ungeheuern Auf- Wendungen für den Kriegsmoloch ist es fast selbstverständ- ich, daß es ohne Erschütterung des Reichskredits nicht o weiter gehen' kann. Von einer Amortisirung der Schulden kann selbstredend keine Rede sein, so lange solche Posten im Militärbudget figuriren. Nun liegt es aber ganz lar, daß Niemand auf die Dauer eine ziellose Anhäufung von Schulden betreiben darf, wenn er nicht gleichzeitig mindestens auch eine Amortisirung der älteren Schulden damit Hand in Hand gehen ließe. Kein Privatmann dürfte sich solche Praxis erlauben. Es würde einfach Bankerott macheu. Wie es in der Privatpraxis beschaffen ist, so auch bei den großen Gemeinwesen, den Staaten. Wir finden es daher ganz und gar nicht absonder- ich, daß der Kredit des Deutschen Reiches in die Brüche geht, und mögen die Blätter, welche in Patriotismus machen, noch so sehr die Unantastbarkeit des deutschen Staatskredits loben und haarklein beweisen, daß der deutsche Kredit eigentlich der beste der Welt sei und daß der Reinertrag der Staatsbergwerke, Eisenbahnen, Forsten und Domänen mehr als den vollen Betrag der Zinsen decke, mit anderen Worten, daß die Reichsschuld noch voll 'undirt sei, so ist das nichts als eitel Spiegelfechterei. Die Thatsache, daß das Reich eine wahnsinnige Summe mr Zwecke der Heeresausrüstung, für konsumptive Zwecke, Jahr ein Jahr aus ausgiebt, steht unumstößlich fest, und eine unabweisbare Konsequenz dieser Wirthschaftspolitik ist und muß der Verfqll des Staatskredits sein. Diese Einsicht hat sich offenbar bereits weiten Kreisen im In- und Ausland mitgetheilt. Sonst wäre es trotz aller kleinen Ungeschicklichkeiten bei Begebung der letzten Anleihen einfach unmöglich, daß die Unterbringung der- elben auf Schwierigkeiten hätte stoßen können, sonst wäre es undenkbar, daß der Kredit kleiner überseeischer Staaten, wie Egyptens z. B., oder halbbarbarischer und unzivili- irter Staaten, wie namentlich Rußlands, denjenigen des mächtigen Jungdeutschland hätte überflügeln können. Statt die Ursachen dieser traurigen Thatsache einzusehen und zu beseitigen, sucht man die Quelle des Uebels überall, nur nicht am richtigen Ort. Nun, möglich ist es ja immerhin, daß der Minister mit all seinen kleinen Mitteln und Mittelchen vor der Hand einen Erfolg erzielen wird. Wir glauben an denselben nicht. Vielleicht wird die Anleihe speku- lativ gezeichnet, effektiv untergebracht wird sie so wenig werden wie es die französische Anleihe trotz angeblich 16maliger Ueberzeichnung jüngst wurde. Ja selbst an deni spekulativen Erfolg zweifeln wir. Mau ruft jetzt den Patriotismus der Millionäre an, aber man irrt sich, wenn man unseren Millionären und Geldmännern Vater- ländisches Interesse zumuthet. Das Vaterland hat ihnen fortgesetzt die Zinsen verkürzt, und deshalb werden sie sich nicht geniren, dem Staate gegenüber nur Geldmann zu sein. Wenn unsere Geldleute gegen beste Hypo- thek 41/4 pCt. Zinsen bekommen können, so werden sie sich schön hüten, dem Staate gegen 3Va pCt. Zinsen Anleihen abzunehmen. Auch die Regierung scheint sich gar keinen Illusionen darüber hinzugeben, datz die An- leihe zu dem ihr verordneten Kurse nicht plazirt werden kann. Daher hat man die Vorsicht gebraucht, in London an drei Stellen Kouponskassen für diese Anleihe zu er- richten, daher hat man Alles mobil gemacht, was sich zur Spekulation zählt. Nicht nur den Emissionskurs hat man 2 pCt. unter dem jeweiligen Tageskurs fixirt, nicht nur hat man den Kurs der 3VaProzentigen Konsols durch die Seehandlung„präparirt", d. h. in 10 Tagen um 2 pCt. hinaufbugsirt, sondern auch in der Abnahme der Stücke hat man alle Facilitäten geschaffen, welcher die Spekulation zu ihrer Bethätigung unbedingt bedarf. Die Strategen im Finanzministerium haben nach dieser Richtung also alle Finessen spielen lassen(Ausgabe von Scrips k.) Daraus ergiebt sich zur Evidenz, daß die Veranstalter des ganzen Subskriptionsscherzes von vorn- herein nicht im Unklaren über die Natur der Zeichnungen sind, auf welche gerechnet wird, daß man selbst kein Vertrauen zu der Unterbringnngsfähigkeit der An- leihen hat. Vielleicht wird es in den ersten Tagen nach der Subskription den Anschein haben, als hätte Herr Miquel einen vollen Erfolg errungen, denn sicher darf man an- nehmen, von einer kolossalen Ueberzeichnung zu hören. Wir erwarten dies ganz bestimmt. Nach den strategischen Kniffen und technischen Hilfsmitielchen, deren sich Herr Miguel bei Subskription der neuesten Anleihe bedient hat ist anzunehmen, daß er die Praxis der Finanz- größen ganz genau kennt und nach berühmten Mustern bis zum End» arbeiten wird. Doch von einem wirk- lichen Gelingen der Anleihe kann nicht ernsthast ge- sprachen werden, wenn wirklich die Spekulation eine so große Rolle spielen wird, wie sie ihr vom Ministerium zuertheilt worden. Die bloße Spekulation vermag wohl r f It e e e d r g t it D= t er e z g g It n ch ent 1. T= Je ent er B en ent ei. ne Ee, το Cif en 乌 en er= re 11, ( i= es II. en n, Cer er U= ig ich an ẞt ch, er= ent ſte nn 00= Ste en ich InDen on eine vorhandene und in Aftion befindliche Kapitalskraft Zweite Etage. Wenn zu derselben sich keine| mindestens 50-60 000 Arbeitslose geschaffen, von denen zu fördern und zu elektrisiren, aber eine überhaupt nicht Herrschaft findet, wird diese Etage, in der sich häufig Tausende keine Wohnung, troß der 9000 leer stehenden vorhandene ersetzen, das kann sie nicht. Der modus lange Korridore finden, die zu verschiedenen Wohnungs- Wohnungen, besißen und Unterkunft im städtischen Asyl procedendi, die Vertheilung der Einzahlungen bis zum piecen führen, die aber auch so eingerichtet ist, daß sie suchen müssen. Und angesichts dieses wagen es dennoch November, die Ausgabe von zirkulationsfähigen Scrips im Ganzen vermiethet werden kann, an verschiedene Fa- gewisse Leute, wie zum Hohn zu sagen: In Berlin an Stelle der schwerfälligen bisherigen Interimsscheine, milien vermiethet. Der Hausbesizer ist hier noch höflich, existirt kein außerordentlicher Nothstand! Freilich, das Alles deutet darauf, daß man sich auf ein Feuer- aber vergiebt sich durchaus nichts von seine Bourgeois das Asyl nimmt einige Hunderte oder Tausend für einige werk einrichtet, aber selbst nicht an mehr als einen würde. Ist sein Rücken von der ersten Etage noch Nächte auf; aber das Asyl ist keine Wohnung und mit Augenblickserfolg glaubt. Per Saldo aber kann aus trumm, so wieder in dieser augenblicklich ferzengerade Asylen wird die Wohnungsfrage nicht gelöst. Dunst nur Dunst kommen. und steif. Der Miethspreis für eine Familie, deren gewöhnlich vier diese Etage bewohnen, beträgt 360 bis 400 M. Dritte Etage. Der Herr Hausbesitzer hat nicht Aus Japan. Anmerkung d. Red. Vorstehender Artikel war uns so spät zu gegangen, daß wir ihn in voriger Nummer nicht mehr aufnehmen konnten. Da die Ausführungen desselben auch heute noch das gleiche Interesse beanspruchen dürfen, so bringen wir den Artikel zum Abdruck. Inzwischen ist bekannt geworden, daß die Anleihe Beit, sich mit all den Leuten abzugeben, die hier woh- Die kapitalistische Gesellschaft breitet sich immer ca. 42 Mal überzeichnet worden. Dies Resultat ist nur scheinbar nen; er sieht sie nur bei seiner„ Arbeit", beim Ein weiter aus; bis jetzt nur auf die kaukasische Rasse be= glänzend. In Wahrheit rekrutiren sich die Zeichner zum über- streichen des Miethzinses und vergißt deshalb, da er sie schränkt, zieht sie jetzt auch schon die mongolische in sich wältigend größten Theile aus sogenannten Konzertzeichnern", d. h. aus Leuten, die in der Erwartung eines sicheren Brofites die nicht kennt, zuweilen in dieser Etage ihren Gruß zu hinein. Das Land, welches hier den Anfang macht, ist zugetheilte Waare sofort nach erfolgter Butheilung losschlagen. erwidern; Rücken forporalsmässig steif. Der Miethzins Japan. Einem eben erschienenen Buch von Erner entDadurch wird der Kurs dann wieder zurückgedrängt und die klas beträgt für jede Familie, deren gewöhnlich vier diese nehmen wir folgende kurze Schilderung der politischen firung des Materials noch ers ywert. Wenn Herr Miquel der Etage bewohnen und die gleich der zweiten eingerichtet Revolution, welche in Folge dessen dort stattfindet. Reichbank und Seehandlung nicht einen Wink ertheilen sollte, den ist, 300 bis 330 M. ,, Aus seinem, auf alt- feudale Einrichtungen begrünKurs der 3 prozentigen Renten zu poussiren resp. zu halten, so gegen wird aller Wahrscheinlichkeit nach späterhin die Menge schwimmen- Vierte Etage. Sie ist hinsichtlich der Zahl der deten Staatswesen trat Japan im Jahre 1871 heraus. den und effektiv nicht untergebrachten Waterials den Markt be- Wohnungsgelegenheiten so eingerichtet, wie die zweite und Von der Zentralregierung in Tokio abhängige Präfekte drücken. Und zwar um so sicherer, als die großen Patrioten des und dritte Etage. Was das Benehmen des Hausherrn übernahmen die Verwaltung des Landes nach fran" Preußenfonsortiums", welche noch aus lezter Rentenemission her enorme Bestände in den Tresors liegen hatten, diese Gelegenheit die Miether dieser Räumlichkeiten anlangt, zösischem Muster, aber schon im Jahre 1875 geschah benugt haben, ihre bislang unverkäufliche Waare an den Mann so fennt er dieselben gar nicht. Der Miethszins wird durch Errichtung des heute noch bestehenden Senats mit zu bringen. Nunmehr hat sich zu erweisen, ob die Maßnahmen mit abgewandtem Gesicht von ihm im Empfang genom- berathender Stimme und einer konsultativen Präfektendes ehemaligen Inhabers der Disconto- Gesellschaft, Miquel, welcher men, es ist überhaupt nur seiner besonderen Humanität versammlung der erste Schritt zu einer Dezentralisation. burch Stauf kleiner überschießender Teilchen den Rertenturs präzu verdanken, daß er solche Leute noch in sein Haus Im Jahre 1881 stellte der Kaiser Mutso Hiko, welcher parirt hatte, den Boden tragfähig genug für die Aufnahme so deutenden Effektenmaterials gemacht haben. Diesem Versuche hat aufnimmt und sie darin wohnen läßt. Troßdem genirt der Entwicklung der japanesischen Staatseinrichtung nach Herr Miquel ja durch seinen neuen Einzahlungsmodus eine Frist es ihn nicht, von jeder diese Etage bewohnenden Familie europäischem Muster ein lebhaftes Interesse entgegenbon 9 Monaten gewährt. Immerhin ist der Materialzuwachs ein einen Miethszins von 270 bis 280 M. einzustreichen. brachte, den Erlaß einer Verfassung im liberalen Styl so starter, daß uns Zweifel an dem Gelingen der ganzen Emission mit ihren Schiebungen gestattet sein werden. Die Hausbesiker. Ein Beitrag zur Wohnungsfrage. Ist in dem Hause noch eine fünfte Etage vor- für das Ende des laufenden Jahrzehnts in Aussicht, ein handen, so ist diese ähnlich wie die vorgenannte Etage Vorgang, der in ganz Europa und Amerika Aufsehen vermiethet, und werden deren Miether von dem Herrn erregte. Mit dem Auftrage, die Verfassung der größeHausbesitzer in derselben, womöglich in noch nichtachten- ren europäischen Staaten zu studiren, wurde der Minister derer Weise behandelt, wie die die vierte Etage be- Graf Jto abgesandt. Als das Ergebniß seiner Studien wohnenden. Der Miethspreis in dieser Etage beträgt darf die Einführung der im Jahre 1885 in das Leben getretenen Reformen des inneren Staatswesens gelten, die J. E. P. Die Zeit, wo der Kleinbürger sich von 240 bis 250 M. für jede Familie. seinem Ersparten oder Ererbten ein behagliches ein- oder Außer diesem an der Straße liegenden Hauptgebäude, in der Begründung selbstständigen Ressortministerien zweiſtödiges Haus baute, ist für die Großstädte vorbei. befindet sich auf dem Grundstück ein etwa 5 bis 6 Dua- gipfelten. Die Hausbauten hier sind Unternehmungen für große dratruthen großer, von zwei Seiten und einem Quer- In den nächsten fünf Jahren folgten andere, dem Kapitalisten oder Spekulanten, und das Haus ist nicht gebäude eingeschlossene Hof. In diesen Gebäuden, welche Geist der Zeit entsprechende Umgestaltungen und Neuerunmehr, wie früher, eine Wohnung für den Besizer, von in derselben Höhe, wie das Hauptgebände erbaut sind, gen. Das Heerwesen wurde einer Reorganisation unterder ein Theil an Miether abgegeben wird; sondern ein befinden sich ebenfalls eine nicht unbeträchtliche Zahl von 3ogen, die Polizei anders organisirt, die Ablegung von Unternehmen, in das man Geld hineinsteckt, und von dem Wohngelegenheiten, die ebenfalls, jedoch zu etwas gerin- Staatsprüfungen ward obligatorisch, endlich schritt man geren Miethspreisen, wie in jenem vermiethet werden. zum Erlaß einer Gemeindeordnung, eines Handelsgesetzman seine Profite zieht. Profit zu schneiden ist schon von Anfang an die Bu bemerken ist, daß sich in diesen Hofgebäuden sehr buches, einer Civilprozeßordnung, eines bürgerlichen GesezHauptsache, und das„ Geschäft" beginnt schon lange häufig kellerwohnungen befinden, die an Habenichtje buches und einer Provinzialordnung. Früher schon, als vorher, ehe noch das Haus gebaut wird, mit den Bau- und ganz arme Handwerker vermiethet werden, die eigent- sie in Aussicht gestellt war, d. h. im Jahre 1889 fand stellenschacher. lich, wenn die Herren Hausbesizer wiederum nicht so die Verkündigung der Verfassung des Kaiserreiches statt. Wie einträglich dieser Baustellenschacher ist, zeigt human wären und ihnen ihre stinkenden, dumpfen und-Diese lettere, welche als das Werk des Grafen Ito 3. B. ein Geschäft der Berliner Baugesellschaft für Mit feuchten Kellerlöcher überließen, gar keine Wohnung haben gilt und an welcher auch deutsche Politiker durch Mittelwohnungen. Diese hat in letterer Zeit ein Terrain müßten. Bei der geringsten„ Störung der Hausord- arbeit Antheil haben, ist im Wesentlichen den Verfassunbon 228 Quadratruthen für 280 M. für die Quadrat nung" werden sie mit bekannter Humanität unerbittlich gen von Preußen, Bayern und Desterreich nachgebildet; ruthe und ein an einer ungepflasterten Straße belegenes auf die Straße geworfen. Der Miethspreis für eine aber auch andere Staaten haben Material dazu geliefert. Terrain von 22 Quadratruthen für 165 M. für die solche Kellerwohnung beträgt gewöhnlich 120 bis 150 m. Sie besteht aus 76 Artikeln und ist auf eine durchaus Quadratruthe verkauft. Diese beiden Terrains stehen nur Während bei jedem anderen Geschäft der Ver- konservative Basis gestellt. Es mit 52 M. pro Ruthe zu Buche, die Gesellschaft hat täufer sich nach dem Willen des Käufers zu richten hat, Dem Kaiser ist der Schwerpunkt und die Machtfülle mithin bei dem Verkauf der 228 Ruthen 51 984 M. ist es bei der Hausmiethe gerade umgekehrt; der Haus- der Regierungswahl in vollem Umfange in Händen geund der 22 Ruthen 2486 M., zusammen 54 470 M. besiger stellt oft die sonderbarsten Anforderungen. So lassen. In der gesetzgebenden Gewalt ist er durch das verdient. Der Kurs der Aktien dieser Gesellschaft ist dem hält es eine gute Anzahl frömmelnder Hausbesitzer für Barlament beschränkt, dessen Zustimmung er nur dann Gewinne entsprechend ein hoher, er beträgt 633 Prozent." unsittlich", einzelnen Damen Wohnungen zu geben und zeitweise entbehren darf, wenn es sich um eine öffentliche Ein gleiches ist bei der Baugesellschaft Moabit" verbietet es den Miethern in den mit diesen geschlossenen Gefahr handelt. Die außerordentlich stark ausgestattete der Fall; auch sie macht ein gutes Geschäft." Sie hat Miethsverträgen unter Androhung sofortiger Ermission, souveraine Gewalt des Herrschers entspricht dem alten im Rechnungsjahre 1888/89 33 Parzellen von zusammen solche in ihren Wohnungen aufzunehmen. Die un- orientalischen Grundsatz, daß der Name des Monarchen 26 609 Quadratmeter gegen 18 Parzellen mit 13 042 bescholtensten Damen kommen dadurch oftmals in nicht überhaupt nicht genannt werden darf. Im Lichte euroDuadratmeter im vorigen Rechnungsjahre verkauft. Der geringe Verlegenheiten. Fast alle Hausbesiger haben eine päischer Auffassung erscheint dies als eine überspannte, Nußen aus dem Verkauf der 33 Parzellen beträgt große Abneigung gegen Miethsleute mit Kindern, namentlich unnatürliche Auffassung, welche den realen Verhältnissen 401 450 M. Die Preise waren gegen das Vorjahr stei mit vielen Kindern. Wenn es nach den Hausbesitzern nicht entspricht und deshalb beim ersten Kaiser kaum zu cend und insofern für die Gesellschaft vortheilhafter. als ginge, müßte die Lehre des Pfaffen Malthus zum Staats- erhalten sein wird. Das Parlament besteht aus zwei fie nur bei wenigen Parzellen Prioritätsrechte einräumen grundgesez erhoben und die Kindererzeugung aufs Aeußerste gleichberechtigten Häusern und bildet ein Ganzes. mußte. Der sämmtliche Reingewinn beträgt für dieses beschränkt, oder besser ganz und gar unmöglich gemacht nimmt an der Gesetzgebung Antheil, übt aber keine SouJahr 485443 M.; nach einer Zuschreibung von 20 859 M. werden, und das nur dazu, damit fein fremdes Kinder- veränität aus. Außer dem Antheil an der Gesetzgebung zum Reservefonds ist an die Aktionäre eine Dividende geschrei oder das Lärmen spielender Kinder an die Hoch- übt es auch Kontrolle über die Staatsverwaltung und von 7 Prozent vertheilt. Daß die Lichterfelder und die wohlgeborenen Ohren des Herrn Hausbesizers schlage hat das Petitionsrecht, das Recht, dem Kaiser VorKurfürstendamer Gesellschaften ebenso glücklich operiren, und ihn in seiner beschaulichen Ruhe store. stellungen zu machen, das Recht an die Regierung Anbeweist der Kurs ihrer Aktien. Die ersteren werden mit Eine der schönsten Tugenden der Hausbesizer ist das fragen zu stellen, und das Recht der Finanzkontrolle. 259 Prozent, letztere mit 179 Prozent notirt. Erhöhen der Miethspreise, in Berlin Steigern" genannt. Dem Oberhause gehören gewählte Vertreter aus dem Aus dem so hochgeschacherten Boden muß natürlich Gewöhnlich gegen den Schluß des Quartals oder auch Fürsten-, Grafen- und Freiherrnstande, ferner Personen, jeder nur mögliche Tropfen Gewinn ausgepreßt werden, zu Neujahr kommt der Hausherr, gratulirt, wenn er nicht die das besondere Vertrauen des Kaisers besißen und eine und da der Raum über dem Boden umsonst zugegeben zu hochmüthig ist, zu letzterem, jammert dann über die Anzahl gewählter Vertreter aus den Höchstbesteuerten der wird, so werden die Häuser wie Thürme in die theuren, stets steigenden Preise aller Lebensbedürfnisse, drei städtischen und der 42 ländlichen Bezirke an. Höhe gebaut, so hoch, wie es nur denn möglich ist, die durch die Streiks und die bösen Sozialdemokraten Abgeordnetenhaus zählt 300 Deputirte, die vom Volk daß die Fundamente nicht zu theuer kommen. So ent- immer mehr in die Höhe getrieben worden seien, meint, erwählt werden. Das aktive Wahlrecht ist jedem unbeſtehen unsere Weiethstasernen mit einem Stockwerk über er könne mit seinem„ Verdienst" nicht mehr auskommen scholtenen Japaner verliehen, der, mindestens 25 Jahre dem andern und mit so wenig Hofraum, als sich nur und schlägt„ in Gottes Namen" auf jede Wohnung etwa alt, wenigstens 100 Mark jährliche direkte Steuern zahlt. eben lassen läßt, ohne daß die Zimmer dunkel wie Steller 30, 50, 100 Mark und darüber auf den Miethszins Ausgeschlossen von der Wahl zum Abgeordneten sind die Jeder Fuß Erde hat eben Geld gekostet, und drauf. Gott wird ja weiter helfen. Wehe den Beamten, Beamten, Priester, Offiziere und die Häupter der Adelsdeshalb muß er auch wieder Geld bringen. den Arbeitern, die etwa eine Gehaltszulage oder eine familien". werden. er= ich irs irt, ols gen me her arf. ser Don die rn= gen Fein Inder uel ancent. hen eng und flein err ent nz ern irtge= so cum ohl Das Im Parterregeschoß befinden sich gewöhnlich Lohnaufbesserung erhalten haben und das in ihrer Herzens- Japan hat eine Konstitution! Das hätten sich die zwei bis drei Läden mit großen Schaufenstern, die an freude ihrer Familie allzu laut mittheilen. Der Haus- Liberalen von 48 wohl nicht gedacht, daß man so wenige Kaufleute oder Restaurateure entweder mit oder ohne herr hörts, oder es wird ihm von solchen Miethern, die Jahre später selbst in Japan schon konstitutionell regieren Wohngelegenheit vermiethet werden. Der Preis einer sich seiner Gunst erfreuen oder dieselbe erwerben wollen, werde! Ja, die Geschichte schreitet in unserm Jahrhundert solchen Lokalität, wenn sich eine Wohnung, die meist hinterbracht, und bad kommt eine Hiobspost, die den mit Siebenmeilenstiefeln. ist, dabei befindet, beträgt gewöhnlich Miethszins erhöht und die Gehaltszulage bezw. die Lohn- Schon beginnen die ostasiatischen Völker uns mit 3000 bis 3600 m. Ist keine solche dabei, etwas aufbesserung entweder ganz oder doch zum größten Theil ihren Industrieprodukten Konkurrenz zu machen. Zwar weniger. verschlingt. ist diese Konkurrenz in den meisten Branchen jetzt noch In der ersten Etage wohnt eine„ Herrschaft",„ die In Berlin stehen gegenwärtig, da die Herren nicht gefährlich; aber sie wird es in wenigen Jahren sein. es sich leisten kann" und welcher der Herr Bourgeois Bauspekulanten meistentheils Paläste erbaut und darin Entwickelt sich doch schon die Eisen- und Kohlenindustrie und Hausbesizer dehalb ungeheure Bücklinge macht, denn nur große und mittlere, aber nur selten kleine Wohnungen in Indien! Und mit Ostasien fann Europa nicht auf der Herrschaft, die Geld genug hat, ist es gleichgültig, eingerichtet haben und dafür unverschämte Miethpreise die Dauer konfuriren; auf diesen Grad der Bedürfnißob sie alljährlich im Miethzinse mit 100 bis 150 Mt. fordern, 9000 Wohnungen leer. Der diesjährige harte losigkeit ist der europäische Arbeiter nie herunterzuschrauben, erhöht wird oder nicht. Der Miethzins für diese Etage Winter und die herannahende, sich immer schärfer zu- und diesen reichen Naturschäßen hat Europa nichts Aehnbeträgt gewöhnlich 1800 bis 2100. spigende allgemeine Krise haben neben unsäglichem Elende liches an die Seite zu sehen. " Bestimmt sie irgend ein persönliches Interesse zu derartige Vorurtheile gegen mich herrschen, so sind dieselben absolut unbegründet. Unsere Freilassung ist keine Frage des Rechts, sondern eine Machtfrage. Eine Arbeiterbewegung, die im amerikanischen Volke wurzelt und eine Macht repräsentirt, kann uns die Thore öffnen, sonst nichts. Daß eine solche Bewegung noch nicht da ist, beweist die einfache Thatsache unseres Hierseins". „ Glauben Sie daß eine derartige Bewegung in absehbarer Zeit erstehen wird?" Japan ein konstitutionelles Reich! In Japan die päischen Länder zu Grunde. Die soziale Revolution,| moderne Zeit eingezogen! Japan weiter, als Rußland! von unserer Bourgeoisie so gefürchtet, wird die dieser Anschauung?" Durchaus nicht. Ich stelle es Ihnen frei, öffentlich Jetzt fehlt nur noch China; in Indien sind die alten einzige Rettung sogar für sie sein. rechtlichen Verhältnisse durch die Engländer umgewälzt, Eine andere Zahlenreihe aus derselben Zeitschrift: zu konstatiren, daß ich von Niemandem verlange, daß er in Japan durch die neue politische Gestaltung, mit Die Naphta- und Petroleumproduktion Rußlands seine Ueberzeugung meinetwegen verleugne. Falls draußen welcher die bürgerliche Revolutionirung der Besitzverhältnisse betrug in Millionen Pud: Hand in Hand geht, und wenn China erst noch zu den beiden tritt, so wird Europa erliegen müssen, und wenn nicht in der Zeit die soziale Revolution kommt, so wird Europa bald das Schicksal der alten Kulturländer theilen, wie Assyrien und Aegypten; wo jest große Weltstädte stehen, werden sich wieder Urwälder erheben, und die Nachkommen derer, welche jetzt mit Pinzenez und Sonnentnicker unter den Linden flaniren, werden wieder auf Bärenfellen schlafen, Meth trinken und auf die Auerochsjagd gehen, bis zuletzt wieder schlißäugige Chinesen sich einen Weg zu ihnen bahnen, Kolonien anlegen und ihnen gegen ihre Felle Nordhäuser verkaufen, um sie wieder zu zivilisiren. Aber Hand in Hand mit der bürgerlichen Entwicklung geht auch die Vorbereitung zur sozialen Revolution, die Konzentrirung des Kapitals. Einer französischen Zeitung entnehmen wir folgende Zahlen, die uns zu guter Legt trösten mögen! Die Zahl der berechtigten Wähler betrug 1880: 1 800 600 1887: 1488 107; also eine bedeutende Abnahme der Personen, welche Sabita Betroleum 1881 40,5 12,8 1882 50,5 13,8 1883 60,4 15,1 1884 90,8 22,0 1885 117,1 30,0 1886 151,2 35,0 1887 166,0 44,3 1888 1889 194,0 51,0 205,5 61,0 In neun Jahren hat sich die Produktion verfünffacht! Was wollen dagegen alle„ wirtschaftlichen Aufschwünge" bei uns besagen! wünschen, daß der Sozialismus " Ganz gewiß. Und eben deshalb kann ich nur ich meine hier vor Allem die ökonomischen Grundsäge desselben- eifrig und unentwegt propagirt wird. Alle ehrlich strebenden Daß hier nicht bloß einige besonders frappante Zahlen herausgegriffen sind, zeigt eine Zusammenstellung Genossen, ob sie nun bezüglich ihrer Zukunftsideale nach der russischen Gesammt- Aus- und Einfuhr, welche die der anarchistischen oder staatssozialistischen( sozialdemo kratischen) Seite hinneigen, sollten in diesem einen Punkte Kreuzztg." aus der„ Nowoje Wremja" übersetzt: mindestens einig sein und Hand in Hand gehen". 11 Ausfuhr Mill. Rubel 1885 498 1886 437 1887 569 1888 728 1889 687 Einfuhr Mill Rubel 380 383 333 332 374 Eine bedeutende Steigerung der Ausfuhr, um 2/5, 100 Mark Steuern bezahlen können. Die eingeschriebenen mit einem, allerdings nicht so großen Rückgang der EinArmen betrugen fuhr verbunden!* 1880: 6 047 1887: 15 199. Daran sieht man den Fortschritt der Zivili- Die veränderte Politik der amerikanischen sation. Die industrielle Entwickelung Rußlands. Die Ausführungen des Artikels„ Der russische Markt" flingen vielleicht etwas übertrieben; man wird es nicht für so leicht möglich halten, daß Rußland so in ein paar Jahren soll die ganze Geschichte des übrigen Europas nachholen können, und in Jahren, höchstens Jahrzehnten, die Entwickelung von Jahrhunderten durchmachen. . Allein man muß bedenken, daß Rußland, sobald es einmal die Vorbedingungen für die kapitalistische Kultur geschaffen hatte, einfach alle Errungenschaften des weſt lichen Europa herübernehmen konnte; es fonnte Europa als Versuchsstation betrachten, wo erst Alles geprüft war in langer Arbeit, damit Rußland sich das Beste aus suchen konnte. So ist jener unheimlich schnelle Aufschwung leicht zu erklären. Um diesen Aufschwung durch einige Zahlen zu illustriren, entnehmen wir dem„ Deutschen Handelsarchiv" folgende Aufstellung über die Verminderung der Einfuhr von Zündhölzern in Rußland: 1884 über die europ. Grenze über Finnland über die asiat. Grenze Pud 32 126 1885 22 814 1886 13 656 1887 5 136 1888 1889 343 194 Pud 4.393 1520 654 104 52 Pud 6 184 6 673 5.906 3546 1 432 178 Sozialisten. Ueber die Brotpreise in Berlin in den letten vier Jahren veröffentlicht das Mitglied des Statistischen Amtes der Stadt Berlin, Dr. E. Hirschberg, in Prof. Conrads Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik" eine Reihe von Uebersichten, welche sich, wie die früheren Tabellen, auf die von den städtischen Behörden regelmäßig vorgenommenen Ermitte lungen stüßen. Danach betrug der durchschnittliche Preis für 100 Kg. Roggenbrot seit 1887: 1887 Mt. 20,65, das ist gegen das Vorjahr 0,7 pct. weniger 1888 1889 " " 1890 21,22, 24,72, 27.18, 2,8 " " " " " " mehr 16,5 " " " " " 1 10,0 " " " " " 17 " " Gleichzeitig betrug das Gewicht eines Fünfzig- Pfennig- Brotes Ein Haupthinderniß für die Entwicklung des Sozia- im Durchschnitt 1887 2,42 g. 1888 2,36, 1889 2,02, 1890 1,84. lismus in Amerika sind bisher immer die korrupten poli- Das Gewicht eines Fünfzig- Pfennig- Brotes ist also im Jahre 1890 tischen Verhältnisse gewesen. Die Arbeiter sind bei den mehr als ein Pfund geringer gewesen als im Jahre 1888.„ Rechnet man", bemerkt Dr. Hirschberg, den Roggenbrot- Verbrauch pro Wahlen nie selbstständig aufgetreten, sondern haben sich Stopf auf 100 Kg., pro Haushaltung auf 400 kg., so betrug die immer, theils im Ganzen, theils als Einzelne an die Ausgabe 1887. 82,60, 1888 84,88, 1889 98,88, 1890 108,72, bürgerlichen Parteien angeschlossen; die Einzelnen haben also 1890 mehr: M. 9,84 gegen 1889, Mt. 23,84 gegen 1888 und Mt. 26,12 gegen 1887. Es ist dies eine fühlbare Steigerung, ihre Stimmen für ein Trinkgeld verschachert, und die welche die Unzufriedenheit mit den Getreidezöllen wohl erklärt, Korporationen für irgendwelche Zugeständnisse. noch besonders fühlbar in Verbindung mit der in Berlin stattEs scheint, daß sich die amerikanischen Arbeiter von gehabten Steigerung der Fleischpreise. Es ist übrigens möglich, diesen unwürdigen Verhältnissen befreien werden; auch daß die Steigerung der letzteren auch auf die Brotpreise erhöhend die Anarchisten, von denen auswärts immer geglaubt bleibt immerhin nach wie vor der Roggenpreis als Hauptfabriwird, daß sie sich prinzipiell von den Wahlen enthalten, tationsstoff, wenn natürlich auch andere Faktoren, wie Löhne, sind für eine fompromißlose sozialistische Wahlpolitik. Miethe, Arbeitsverhältnisse eine vollständige Parallelität veider Interessant ist hierfür ein Gespräch, welches ein Redakteur Preise verhindern." Und dazu werden die Löhne fortwährend herabgesetzt. der, Chicago Arbeiterzeitung" kürzlich mit einem der Märtyrer in Joliet, dem Anarchisten Schwab hatte. 11 Welches Vertrauen seßen sie in die kompromißlose sozialistische Wahlpolitik?" Da man den Hebel doch irgendwo einfeßen muß um mit dem amerikanischen Volke Fühlung zu bekommen, so sollten einer rein sozialistischen Klassenbewegung zu Wahlzeiten von feinem vernünftigen Menschen Hindernisse in den Weg gelegt werden". „ Halten sie dafür, daß sich die anarchistisch gesinnten Arbeiter Chicagos dieser Bewegung gegenüber ablehnend verhalten sollten?" Literarisches. Seit dem 1. Februar d. J. erscheint in Berlin eine kauffür die Interessen der kaufmännischen Angestellten. Bollständig auf männische Fachzeitschrift: ,, Kaufmännische Rundschau", Organ dem Boden der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung stehend, vertritt das Blatt in politis her wie gewerkschaftlicher Beziehung die Interessen derjenigen Proletarier, denen ein bedauerlicher Standesdünkel einerseits, sowie übermäßig lange Arbeitszeit andererseits, noch immer ein Hinderniß waren, sich über ihre Klassenlage ge nügend aufzutlären. Mit der„ Kaufmännischen Rundschau" ist ferner ein Blatt geschaffen, das rückhaltslos und unabhängig von der Gunst der Prinzipale, alle vorhandenen Schäden im fauf männischen Berufe aufdeckt und somi ein Echo aller Klagen aus dem Handlungsgehilfenstande bildet. Redakteur ist Genosse Albert wilde, Böchstr. 21, Hof 4 Tr. Der Abonnementspreis beträgt für Februar- März 1891 70 Pf., per Post unter Kreuzband bezogen 80 Pfennige. ,, Wahlagitation ist eine Frage der Taktik, nicht des Man sieht, wie der Import in 6 Jahren beinahe Prinzips. Selbst Männer, wie der bekannte Senator auf Null gesunken ist, daß sich also in dieser kurzen Zeit Ingalls, glauben nicht, daß die soziale Frage in diesem die russische Zündholzindustrie derartig entwickelt hat, daß Lande in Washington oder in den Legislaturen der versie den eigenen Bedarf des Landes völlig befriedigt. In schiedenen Staaten gelöst werden wird. Allein in kleinen gelangten soeben folgende Bände zur Ausgabe( Nr. 20 Bfg.): In der Philipp Reklam'schen Universal- Bibliothek weiteren 6 Jahren werden wir eine Ausfuhr haben, welche abgeschlossenen Vereinszirkeln und Debattirklubs, die gelangten soeben folgende Bände zur Ausgabe( Nr. 20 Pfg.): Nr. 2771. 2772." Gracian's Hand- Orakel und Kunst der Weltsämmtliche Länder mit russischen Zündhölzern versorgt. obendrein Zeit ihres Lebens exotische Pflänzchen bleiben, flugheit." Aus dem Spanischen von Arthur Schopenhauer. Das ist einfach aus der Erde gestampft; und da kann erst recht nicht. Die Wahlagitation der Sozialisten sollte Nr. 2773. Henrik Ibsen, Hedda Gabler." Schauspiel in vier uns Europäern selbst fast unheimlich zu Muthe werden; freilich nichts mit der Politik nach dem Muster der alten Aufzügen. Eine billige Ausgabe des vor einigen Wochen be sprochenen neuesten Drama's von Jbsen, die wir allen denen wenn nicht bald die kapitalistische Produktionsweise durch Parteien zu thnn haben, sondern müßte das Haupt- empfehlen, welchen die große Ausgabe, die 1,50 Mt. toſtet, zu die sozialistische abgelöst wird, so gehen sämmtliche euro- gewicht auf die Verbreitung der Idee verlegen". Große öffentliche Versammlung für Frauen und Männer am Sonntag, den 1. März, Abends 6 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79. Tages- Ordnung: 1. Vortrag, Referent: Genosse Auerbach. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Geselliges Beisammensein. Zu recht zahlreichem Besuch laden Genossen und Genossinnen ein Die Beauftragten. Fachverein der in Buchbindereien und verw. Betrieben beschäftigten Arbeiter. Montag, 2. März, Abends 9 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstraße 75 Vereins- Versammlung. " Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Päus über Zeit- und Stücklohn". 2. Verschiedenes und Fragekasten. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. Jm Verlage der Freien Verlagsanstalt"( P. Maurer), Elisabeth- Ufer 55, ist foeben erschienen: soziale Gedichte nebst einem Vorspiel von 1) Einsiedler und Genosse, Bruno Wille. Bolts- Ausgabe. Preis 65 Pf. 2) Die Jugend, eine Schrift zur Unterhaltung und Belehrung für Söhne und Töchter des arbeitenden Volkes. Herausgeg. von Bruno Wille. Pr. 20 Pf. Ferner ist durch dieselbe Verlagsanstalt zu beziehen: Die Entschädigungsansprüche der Arbeiter bei Unfällen. Zusammenstellung der nach den Entscheidungen des Reichsversicherungsamtes den Verlegten bewilligten Rentensäge. Herausgegeben von Hans Müller. Preis 30 Pf. Für Kolporteure hohen Rabatt. theuer- ist. Große öffentliche General- Versammlung der Maurer Berlins und Umgegend Montag, den 2. März 1891, Abends 8 Uhr, in der Brauerei Friedrichshain( Lips). Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu der auf der Bauhandwerker- Konferenz gestellten Resolution, sowie entgültige Beschlußfassung über die Frage: Lokal- oder Zentralisation? 2. Stellungnahme zum 1. Mai. 3. Gewerkschaftliches. Ein jeder Kollege wird gebeten, wegen der hochwichtigen Tagesordnung in dieser Versammlung zu erscheinen. Allen Parteigenossen empfehle meine Destillation. Weiß- und Bayrisch Bier- Lokal. Große Zimmer für Gewerkschaften stehen zur Verfügung. 6 T L Carl Weisse, Tegelerstr. 27. It 30 b m L δι Wendt's Salon Röslinerstraße 17, früher Brandenburgstr. 33. Empfehle allen Freunden und Genossen meinen Ball- Salon. Sonntag, den 1. März Adolph Flick, Gr. Tanz und geselliges Beisammensein. ge Rudolph Wendt. Verantwortlicher Redakteur: Paul Ernst, Berlin. Verleger und Drucer: Maurer, Werner, Dimmick, sämmtlich in Berlin SO., Elisabeth- Ufer 55. SW., Simconsstr. 23. zur berliner i)üllis-(Erilnine. 9. Sonnabend, den 28. Februar 1891. V. Jahrgang Gin Herr ans gutem Hause. Von P. I. Börangcr. Uebersetzl von Rubens Aufs neue soll mein Haus sich heben. Mein scl'ger Valcr»ar Baron. Ich bin sein Bastard und bin eben Als solcher meines Vaters Sohn. Führ' ich euch durch der Vorzeit Bahnen, Soll niemand mich der Lüge zeihn. Js stamm' direkt von meinen Ahnen,' Gott laß die Edlen selig sein. Die Mutter, die ich nie vergesse, War Sängerin zuerst, darnach Erhob sie sich zur Baronesse, Und ward zur Gräfin allgemach, Zuletzt Marquise; denn zu täuschen Und groß zu thiin verstand sie fein. Gott lasse sie bei meinen keuschen Großmüttern allen selig sein. Mein edler Vater— billig tritt er Vor allen andern aus im Reihn— Trieb Industrie, der edle Riller, Und niemand dürft' ihn drum vcrschrcin; Ließ Kreuz und Lrdensbänder schauen, Und wahrte stets den guten Schein. Er lebt' aus Kosten schöner Frauen, Gott laß den Edlen selig sein! Mein Großpapa hat, tief versunken In Schulden, sich auss Land gemacht; Dort saß der Edelmann betrunken Bei seinem Pfarrer manche Nacht. Die leeren Krüge schlug in Scherben Er aus dem Kops dem Bäuerlein. Uns hinterließ er nichts zu erben, Gott laß den Edlen selig sein! Der Graf, mein Urahn, war versessen Aufs Jagen und er traf sein Ziel. Ließ später sein Gewehr zerfressen Vom Rost und legte sich auss Spiel. Das Glück war ihm nicht stets gewogen, Die Münzen flogen, groß und klein. Sie haben nackt ihn ausgezogen, Gott laß den Edlen selig sein! Mein Ururahn, Fürst von Geblüte, Regierte trefflich, wie es heißt, Und war zuweilen voller Güte, Besonder« wenn er gut gespeist. Die Bauern kamen kaum zu Odem, Die Steuern drückten ungemein; Zuletzt verkaust' er Grund und Boden. Gott laß den Edlen selig sein! Jedoch wozu der alte Kutter? Ich selber, seh' ich recht mich«n, Ich gelte wohl, was Vater, Mutter, Was Ahn, Urahn und Ururahn; So muß mein Recht doch endlich siegen. Von Adel bin ich, mein Gebein Soll einst im Chor der Kirche liegen. Gott laß dereinst mich selig sein. L e t t k u g e l. Von Guy de Mau passant.(Nachdr. verboten.) (Schluß.) Loiseau traf wieder den Nagel auf den Kopf, indem " erklärte: »Es ist nur schade, daß es hier kein Pianoforte i'ebt; sonst könnten wir gleiey eine Quadrille tanzen." Cormudet jedoch hatte weder ein Wort gesprochen, 'och irgend eine Bewegung gemacht; er schien sogar in lehr ernste Gedanken versunken zu sein und zupfte zu- eilen wütend an seinem großen Barte, als wollte er en selben noch länger machen. Endlich gegen Mitternacht, f*s die Gesellschaft sich allmählig trennte, trat Loiseau ishwankend auf ihn zu, klopfte ihm auf den Bauch und immmelte: „Sie sind ja heute Abend recht verstimmt, Bürger; ürum sagen Sie gar nichts?" t... Da erhob Cormudet plötzlich den Kopf und, die Ge- leUschost niü einem schrecklichen funkelnden Blicke durch- ll�gend, rief er: ,„Ich erkläre hirmit Ihnen Allen, daß Sie mir so- kn eine bittere Schmach bereitet haben!" Dann stand r auf und ging nach der Thür, wo er nochmals wieder- holte:„Ja wohl, eine Schmach!" und verschwand. « Zuerst starrten alle einander verwundert an, und oheau war ganz verblüfft; allein bald hatte er seine vüffung wieder gewonnen, und schließlich wollte er sich or Lachen fast wälzen, indem er wiederholt ausrief: „Ja, die Trauben sind noch sauer, Alter, sie sind uoch sauer." r Da man den Sinn dieser Worte nicht verstand, er- i hue er die„Geheimnisse des Korridors," was eine un- andige Heiterkeit hervorrief. Die Damen amüsierten sich 'e närrisch, während dem Grafen und Herren Carrs- kfa",. Oor Lachen die Thränen in die Augen traten, schien ihnen fast unglaublich. „Wie! sind Sie ihrer Sache sicher? Er wollte..." r t"�enn ich Ihnen sage, daß ich's mit eigenen Augen Althen habe." „Und sie hat sich geweigert?..." „Weil der Preuße im Nebenzimmer war'" „Nicht möglich!" „Ich schwöre es Ihnen." Der Graf konnte vor Lachen kein Wort sagen, und der Fabrikant hielt sich mit beiden Händen den Bauch Loiseau fuhr fort: „Nun, und jetzt begreifen Sie wohl, warum ihm heute Abend die Sache nicht spaßhaft vorkam." Schließlich gingen auch diese drei, hinauf, halb kran vor Lachen. Oben trennte man sich. Aber Frau Loiseau, als sie mit ihrem Alaune zu Bette ging, bemerkte, daß das „kleine schnippische Ding," die Carr« Lamadon, den gan zen Abend gelacht habe, und fügte hinzu: „Weißt Du, wenn die Frauen nur eine Uniform sehen, ob dann ein Franzose oder ein Preuße darin steckt das ist ihnen gleich. H.rrgott! es ist doch zu traurig." Die ganze Nacht hindurch aber war auf dem sinstern Korridor ein leises Geräusch zu vernehmen, ähnlich wie Athemzüge, bald wieder, als ob ein paar nackte Füße über den Boden glitten oder als ob ein Gegenstand leise knarrte. Sicherlich schlief man erst sehr spät ein, denn noch lange sah man Licht unter den Thüren hervor- schimmern. Ja, der Champagner bringt eben solche Wirkungen hervor; er stört, wie man sagt, den Schlaf... Am nächsten Morgen warf die reine Wintersonne ihre blendenden Strahlen auf das glitzernde Schneefeld. Der Wagen war endlich angespannt und wartete vor der Thür, während eine Schaar weißer Tauben in ihrem dicken Federkleid und mit ihren zarten roten Augen stolz zwischen den Hufen der sechs Pferde umherspazierten und in dem rauchenden Koth ihre Nahrung suchten. Der Kutscher, in seinen Schafpelz gehüllt, brannte sich auf dem Bock seine Pfeife an, und alle Reisenden, deren Gesichter sämmtlich vor Freude strahlten, ließen sich schnell noch einigen Proviant für den Rest der Reise ein- packen. Man wartete nur noch auf Fettkugel, die denn auch endlich erschien. Etwas verwirrt und beschämt ging sie zögernd auf ihre Reisegefährten los, melche sich sämmtlich wegwandten, als ob sie sie gar nicht bemerkt hätten. Der Graf bot mit würdiger Miene seine Frau den Arm, um sie von dieser unreinen Berührung fernzuhalten. Verblüfft blieb die fette Dirne stehen; schließlich faßte sie Much und grüßte die Frau des Fabrikbesitzers mit einem bescheiden gemurmelten:„Guten Tag, Madame." Die andere nickte nur verächtlich mit dem Kopfe, wobei sie ihr einen ent rüsteten Blick zuwarf. Jedermann schien mit seinen An gelegenheiten beschäftigt, und man hielt sich von ihr fern, gerade als ob sie in ihren Kleidern das Gift einer an steckenden Krankheit trüge. Hierauf eilte man nach dem Wagen, wo sie ganz allein zuletzt anlangte und schwei- gend denselben Platz einnahm, auf welchem sie während des ersten Theils der Fahrt gesessen hatte Man schien sie weder zu sehen, noch zu kennen; aber Frau Loiseau, welche sie von weitem mit verächtlichen Blicken betrachtete, sagte leise zu ihrem Manne: „Gott sei Dank, daß ich nicht neben ihr sitze." Jetzt spürte man einen Ruck im Wagen; die Fahrt begann, Anfangs wurde kein Wort gesprochen, und Fett- kugel wagte die Augen garnicht auszuschlagen. Einer- seits empfand sie einen bittern Unwillen gegen alle ihre Nachbarn, anderseits fühlte sie sich erniedrigt, insofern sie nachgiebig gewesen und jetzt von den Küssen jenes Preußen besudelt war, dessen Armen man sie erst durch allerlei Ränke überliefert hatte. Bald aber brach die Gräfin dies peinliche Schweigen, indem sie sich an Frau Carre-Lamodoil wandte und dieselbe frug: „Sie kennen doch, glaube ich, Frau von Etrelles?" „Jawohl, sie zählt zn meinen Freundinnen." „Es ist doch eine reizende Frau, nicht wahr?" „Entzückend! Eine wahre Musterdame, übrigens hochgebildet und Küustlerin durch und durch; sie singt bezaubernd und ihre Zeichnungen sind jedes Meisters würdig." Der Fabrikbesitzer plauderte mit dem Grafen, und mitten in dem klirrenden Lärm der Fensterscheiben hörte mau zuweilen ein Wort: Coupon— Wechsel— Prima— Sicht." Loiseau, welcher aus dem Wirthshause das alte Spiel Karten hatte mitgehen heißen, das bereits fünf Jahre in Gebrauch und infolge dessen ganz fettig war, begann mit seine Frau eine Partie Mariage. Die frommen Schwestern nahmen den Rosenkranz aus ihrem Gürtel, bekreuzten sich zusammen, und plötzlich begannen ihre Lippen lebhaft zu wackeln, ein Oremus nach dem andern ableiernd, und von Zeit zu Zeit küßten sie eine Medaille, bekreuzten sich von neuem und begannen hierauf wieder ihr hastiges unterbrochenes Gemurmel. Cormudet saß unbeweglich und sinnend da. Nachdem man drei Stunden gefahren war, raffte Loiseau seine Karten zusammen und sagte: „Jetzt bekomme ich aber Appetit." Da zog s.ine Frau ein zusammengeschnürtes Packet hervor, aus welchem sie ein Stück kalten Kalbsbraten nahm. Sie zerschnitt dasselbe sauber in dünne Scheiben und beide begannen zu essen. „Wir möchten dasselbe thun," sagte die Gräfin. Man willigte ein, und so packte sie den Proviant für sich und ihren Mann und das Fabrikbesitzer-Ehepaar aus. Es war eines jener langen Gefäße, dessen Deckel mit einem Hasen aus Steingut verziert ist, um anzudeuten, daß das Gefäß für eine Hasenpastete bestimmt ist, eine leckere Fleischspeise, bedeckt mit einer weißen Fettschicht und mit andern feiugehackteu Fleischsvrten durchmischt. Die beiden frommenSchwestern enthüllten ein Stück Knoblauchwurst, und Cormudet, mit beiden Händen zu gleicher Zeit in die weiten Taschen seines Sackpaletots fahrend, zog aus der einen vier hart gesottene Eier und aus der andern ein Stück Brot hervor. Er löste die Schale los, warf dieselbe vor sich auf den Boden und begann hiernach in die Eier einzubeißen, wobei verschiedene Brocke» Dotter auf seinen großen Bart herabfielen und darin wie Sternlein erschienen. Fettkugel hatte in der Eile an nichts denken können und schaute verzweifelt, vor Wut fast erstickend, allen den Leuten zu, welche ruhig speisten. Zuerst ergriff sie eine solche Aufregung, daß sie jenen beinahe mit einer Flut von Schmähungen ihr Unrecht ins Gesicht geschrieen hätte; allein sie konnte nicht sprechen, die Aufregung lähmte ihr die Zunge. Niemand blickte sie an, niemand dachte an sie. Sie fühlte sich jetzt wie ertränkt in der Verachtung dieser ehrenhaft sein wollenden Hallunken welche sie erst geopfert und dann wie einen unsaubern unnützen Gegenstand bei Seite geworfen hatten. Hierauf dachte sie an ihren großen Korb, welcher mit allerhand Leckerbissen gefüllt gewesen war und den jene, vom Hunger gepeinigt, geleert hatten, au ihre beiden Brathühner, an ihre Pasteten, Birnen und die vier Flaschen Bordeaux; darüber steigerte sich ihre Entrüstung bis zum Weinen. Sie gab sich zwar alle Mühe, ihr Schluchzen zu unterdrücken, allein schon wurden ihre Augenwimpern feucht, und bald rollten zwei dicke Thränen langsam über ihre Wangen herab. Andere folgten ihnen schneller, herabstießeud wie die von einem Felsen rieseluden Wassertropfen und in regelmäßigen Zwischen- räumen auf ihren schwellenden Busen träufelnd. Dabei blieb sie mit festen Blicken und ernsten bleichen Zügen aufrecht sitzen, in der Hoffnung, man werde sie nicht be- merken. Allein der Gräfin war es nicht entgangen, und sie setzte durch einen Wink ihren Mann in Kenntnis. Die- ser zuckte mit den Achseln, als wollte er sagen:„Nun, das ist nicht meine Schuld." Frau Loiseau zeigte ein verstohlenes triumphierendes Lächeln und murmelte: „Aha, sie weint über ihre Schande." Die beiden frommen Schwestern hatten den Rest ihrer Wurst in ein Papier gewickelt und wieder ange- fangen zu beten. Cormudet, welcher seine Eier verdaute, streckte seine laugen Beine auf die gegenüber befindliche Bank, lehnte sich mit gekreuzten Armen zurück, lächelte wie ein Mann, der einen guten Witz gefunden hat, und begann die Marseillaise zu pfeifen. Aller Gesichter verfinsterten sich dabei; diese Volks- melodie schien seinen Nachbarn sicher nicht zu gefallen. Sie wurden nervös und ärgerlich, gleich als wollten sie heulen wie Hunde, die Musik hören. Er bemerkte dies zwar, ließ sich aber durchaus nicht stören und trällerte zuweilen sogar die Worte vor sich hin: Arnour sacre de la patrie! Die Fahrt ging jetzt schneller, da der Schnee fester war; und bis nach Dieppe, während der langen Stunden der Reise, auf den holprigen Stellen des Weges, während der hereinbrechenden Nacht und schließlich trotz der tiefen Finsterniß im Wagen fuhr Cormudet hartnäckig fort, in einförmiger Weise seine Rächermelodie zu singen, die er- müdeten nnd verzweifelten Gefährden zwingend, dem Ge- sauge von Anfang bis zu Ende zu folgen und sich jedes Wort desselben ins Gedächtniß einzuprägen. Fettkugel aber weinte immer noch, und zuweilen, wenn der Säuger zwischen zwei Strophen eine Pause machte, hörte mau in der Finsterniß einen schluchzenden Ton, den die Dirne nicht hatte unterdrücken können. Der russtsche Markt» Eint weltwirthschaftlicht Umschau. III. Von 1873 bis 1875 bemühte sich unsere kleine Reformergruppe, aus dem freihändlerisch-desorganisirten Wirthschaftssystem heraus zu kommen durch eine Politik, Me ich später im Wiener„Vaterland" als jene des sozialen Schutzzolles" und schon im„Emanzipations- ampf" als die des„sozialen Königthums" bezeichnet habe, bestimmt, das nationale Einkommen von Kapital und Arbeit gleichmäßig zu heben. Dagegen war die Strömung siegreich, welche auf Hebung aller Renten durch den allgemeinen Schutzzoll hinauslief. Da sich die Arbeiter eine solche Politik nicht freiwillig hätten ge- üllen lassen, mußten sie ihrer Freiheiten durch das Sozialistengesetz beraubt werden. Nun war ihre Koalitions- freihcit gelähmt und sie waren es im Kampfe um den„mtt der nationalen Produktivität mitsteigenden Lohn." Als Fürst Bismarck schon den Boden unter sich wanken fühlte, ließ er durch Herrn von Poschinger Dokumente über seine Sozialpolitik veröffentlichen. Schon was darin gedruckt ist, zeigt sich bezüglich der Arbeiter als eine demagogische. Vom Waldenburger Strike an wird mit ihren Wünschen kokettirt. Nachdem sie 1866 und 70/71 ihre Schuldigkeit gethan und neue Kriege nicht in Aussicht standen, schlägt der Ton um und ver- stummt endlich. Allein die Kollektion ist unvollständig. Namentlich fehlt die Episode, welche durch Geheimrath Wageners Sendung zum Katheder-Sozialistenkongreß in Eisenach bezeichnet ist, wohin ich diesen begleitete; es fehlt Wageners Bericht. Wagener war gegen die kriminelle Bestrafung des Koutraktbruches, wenn sie gegen Arbeiter allein Anwendung finden sollte. Landrath Tiedemanu aus Metmann sprach dort dafür,„man müsse die Ar- beiter die Macht des Staates wieder fühlen machen, und der Staat habe sich nicht um den Inhalt eines Arbeits- kontraktes zu kümmern, sondern nur seine Erfüllung zu erzwingen." Diese, mit dem deutsch-christlichen Recht des Mittelalters im schroffsten Widerspruch stehende An- ficht gewann des Fürsten Bismarck Beifall, Wageners Ungnade war von da ab besiegelt und Tiedemann wurde in's Reichskanzleramt berufen. Alle Akten über diese Episode und andere ähnlich interesfante fehlen in der tendenziösen Kompilation von Poschingers. Um die Wende der Jahre 1874 75 arbeitete ich einen Entwurf aus, den Rodbertus mit Noten versah, der dann von Wagener zu einer Eingabe an den Fürsten Bismarck benutzt wurde. Hierin wurde empfohlen, dein gesetzlichen Normalarbeitstag von zehn Stunden in Deutschland einzuführen und bei Abschluß von Handels- Verträgen mit anderen Mächten, in erster Linie mit Frankreich und Belgien, diese Staaten zu veranlassen, dieselbe Verpflichtung einzugehen, somit die Handels- Verträge in Handels- und Produktionsverträge zu erweitern. In den Akten, welche Herrn von Poschinger zugänglich waren, muß sich also aus jeuer Periode schon ein Dokument finden, welches den Grundgedanken der weltgeschichtlichen Proklamation Kaiser Wilhelm's II., durch die er eine internationale soziale Konferenz in Berlin einleitete, daß die Interessen der Arbeiter durch internationale Verträge zu sichern seien, enthält. Seit Ende des dreltzigstihrigen Krieges hat in Europa eine rein materialistische Volkswirthschaftspolitik begonnen. Im Innern der Staaten werden die wirthschaftlichen Institutionen des Mittelalters zerbröckelt, welche„der Arbeit ihren vollen Ertrag sicherten", die Gesetze werden ignorirt oder aufgehoben, welche die UnProduktivität des Kapitals sicherstellen sollen, und Einrichtungen geschaffen, die den Zweck haben, die Produktivität des Kapitals zu schaffen und zu mehren. Die Staatsverträge sorgen dafür, Kriege, Handelskriege werden zu diesem Zwecke geführt. Die kapitalistischen Unternehmer agglvmeriren viele Arbeiter in einzelnen Unternehmungen; dies ist die erste Veranlassung zur Entstehung jenes„Mehrwerths", der uns die Plutvkratie und ihr natürliches Korrelat, die Sozialdemokratie geschaffen hat, während der klassische Entwickler der Alehrwerthsthevrie, Dr. Karl Marx, dem Mittelalter nachrühmt, daß— bezüglich der Gewerbe — das auch damals vorhandene(Kaufmanns-) Kapital keine Arbeit kaufen konnte. Eine große, große Revolution das, eine blutige auch, welche dem Jutcresse des Kapitals über die Arbeit zum Siege verhalf! Auch ein großer Monarch, auch ein Wilhelm, bezeichnet mit seinem Namen den Sieg dieses Prinzips, es ist der Oranier, der die nichtkapitalistische Dynastie der Stuarts stürzt, die Allianz des holländischen und englischen Kapitals herstellt und als ihr Monument die noch heute bestehende Bank von England gründet. Endlich dringen auch die Unternehmer in den Konferenzsaal der Diplomaten: der Teppichfabrikant Cobden schließt 1860 mit Napoleon III. den Freihandelsvertrag, den Bismarck ein paar Jahre daraus zur prin- zipiellen Grundlage seines Vertrages mit Napoleon III. machte. Von diesem Wege weicht Bismarck 1877/78 nur in so weit ab, als er wieder durch Schutzzoll das nationale deutsche Kapital auf Kosten dessen der übrigen Welt zu heben sucht; rein kapitalistisch ist auch diese Politik. von den Interessen der Arbeiter ist keine Rede; sie werden sogar noch durch Freiheitsbeschränkungen und Lebensmittelzölle geschädigt. Da tritt ein anderer Wilhelm, der Zweite von Deutschland, auf und inaugurirt die Politik der Ver- tretung von Kapital und Arbeit bei internationalen Verhandlungen; er beruft neben die Kapitalisten Arbeiter in seinen internationalen Kongreß nach Berlin. Damit fängt eine neue Zeit an. Doch zurück zu 1877/78! Das Beispiel, welches Fürst Bismarck den besitzenden Klassen der andere Länder gab. lag zu sehr in ihrem Interesse, um nicht von ihnen nachgeahmt zu werden. Damals wurde Bismarck für eine europäische Autorität gehalten, und man machte gern anderwärts nach, was er gethan hatte. Wenn dagegen Bismarck damals die Politik des„sozialen Schutzzolles" angenommen hätte. würden viele Sta. ten sich dem ansteckenden Beispiele nicht habe» entziehen können; die Sozialdemokratie in Europa würde jetzt ganz unbedeutend und— Fürst Bismarck auch noch deutscher Reichskanzler sein.„Es hat nicht sollen sein!" Aber der letzte Ueberlebende des Kreises. woraus ihm jene Politik rechtzeitig empfohlen wurde, hat ein Recht, heute auf jene Vorgänge hinzuweisen, ohne den Vorwurf der Rachsucht zu befürchten, da dies Bismarck jetzt nicht mehr schaden kann So sind wir nun in eine Auflösung der vor 1877 vertragsmäßig, ziemlich ungenirt durch niedrige Schutz- zölle, mit einander handeltreibenden zivilisirten Staaten- welt hineingerathen, in der jeder Staat sich mit einer chinesischen Mauer umgiebt, alle seine Waarenbedürfnisse selbst zu produziren und womöglich davon noch an die Nachbarn zu verkaufen sucht. Schutzzölle und Export- Prämien bezeichnen dies System, das die Waarenproduktion über den Bedarf stimulirt hat. Fürst Bismarck mußte sich 1877/78 sagen, daß das, was ihm recht, Anderen billig sein werde, daß wahr- scheinlich die anderen Staaten sein Beispiel befolgen würden. Wenn er nun fähig gewesen wäre, diesen Gedankenprozeß zu Ende zu denken, oder geduldig genug. einen unterrichteten Mann über dies Thema bis an's Ende anzuhören, so würde er zu der Anschauung gelangt sein, daß Teutschland in eine arge Lage kommen müsse, wenn die Nachbarn sein Beispiel befolgten. Deutschland befand sich damals schon in der Lage, in der sich England einige Dekaden früher befunden hatte; es mußte alljährlich Lebensmittel einführen und um sie und die Kolonialwaaren bezahlen zu können. mußte es mehr Maaren aus- als einführen. Ein solches Land muß verständiger Weise im Allgemeinen frei- händlerisch sein, und das ist England denn auch. Ein geringer Schutzzoll gegen einige englische Konkurrenz- artikel war damit für Deutschland wohl verträglich, aber nicht der adoptirte, hohe, fast allgemeine Waarenschutzzoll und nun gar der Getreide- und Fleischzoll, der nicht einmal als Schutzzoll wirkte, da er den Getreidebau kaum förderte. Natürlich mußten diese letzteren� Zölle die Vereinigten Staaten und Rußland, deren Einfuhr nach Deutschland dadurch beschränkt wurde, zu Re- Pressalien reizen, und somit liegt in Bismarcks Schutzzoll- Politik seit 1878 eine direkte Veranlassung zur Mac Kinley-Bill und zu dem Prohibitivzoll, mit dem sich Rußland gegen uns abschließt. Mit Ausnahme der Balkanstaaten und von Oester- reich durch seine ungarischen Länder befindet sich heute ganz Europa in derselben Lage, wie England schon seit dreißig bis fünfzig Jahren. Der ganze große westliche Theil von Europa prvduzirt nicht Lebensmittel genug für den Bedarf seiner Bevölkerung, aber die meisten Staaten desselben produziren Waaren im Ueberschusse, die sie, in ganz Amerika und Rußland namentlich, ab- setzten. Wenn sie diese Märkte definitiv verlieren sollten, wohin sollen sie ihre Waaren absetzen? Man theilt Afrika und will sich dort einen neuen Waarenmarkt schaffen, einen Kolonialmarkt. Kolonien haben in der Vergangenheit, soiveit Neger als Arbeiter verwendet wurden, durch Sklavenarbeit Produkte prvduzirt, mit denen sie europäische Waaren bezahlten. Jetzt soll nun die Sklaverei in Afrika.durch internationale, Vertrags- mäßige Aktion unterdrückt werden. Womit also sollen die Zieger unsere Waaren zahlen, da sie freiwillig nicht arbeiten? Welche Bedürfnisse nach Waaren haben sie übrigens, in einem Klima, in dem ein Hemde und allen- falls noch eine Badehose als Kleidung fast schon lästig sind? Meiner Ansicht nach werden die afrikanischen Kolonien, wenigstens so lange wir, die wir heute schon Männer sind, leben, unsere Zahlungsbilanz verschlechtern, ohne unsere Handelsbilanz auch nur im Verhältniß zu verbessern, das heißt, Afrika wird mehr kosten, als es einbringt. Daß wir die Vereinigten Staaten nicht zwingen können, ihren Prohibitivzoll zu ermäßigen, wird zu- gegeben. Doch freut man sich, daß der auf Blaine's Einfluß zurückzuführende panamerikanische Kongreß zu Washington anscheinend keinen Erfolg hatte. Nun, wie viele Jahre hat es gedauert, bevor der Zollverein erstens überhaupt einen Anfang nahm, endlich seine volle Aus- dehnung erlaugte? In Amerika wird sich die Sache übrigens auf demselben„geschäftsmäßigen" Wege machen, auf dem Texas einmal annektirt wurde: Texas war tief verschuldet. Hundert Dollar texanische Staatsanleihe kosteten zehn Dollar baar. Da kauften die Abgeordneten und Staatsmänner des texanischen sowohl wie des Washingtoner Parlaments fleißig solche Fonds und als sie genug davon besaßen, votirten beide Parlamente die Einverleibung von Texas in die Vereinigten Staaten, worauf plötzlich ein Staatsschuldschein über hundert Dollars texanischer Anleihe auf über pari hinaufschnellte, denn nun wurde sie von den Vereinigten Staaten übernommen. Der Krach in Argentinien bezeichnet den Anfang eines solchen Prozesses. Die Geldherrscher in Europa haben in London konferirt, auf welche Weise sie die argentinischen Finanzen„saniren" könnten und die Idee hat nahe gelegen, den argentinischen Republiken eine europäische Finanzkontrole, wie sie die Türkei und Aegypten hat, anzubieten, und wenn sie sich weigern sollten diese anzunehmen, sie ihnen durch einen Koupon- krieg, wie ihn Aegypten auszuhalten hatte, und in dem Oesterreich und England die Exekutionstruppen für die Geldfürsten lieferten, aufzuzwingen. Allein die Kon- ferenzcn in London scheiterten. Baron Hansemann und Gras Cohn d'Anvers verließen London unverrichteter Sache. Es stellte sich heraus, daß die Vereinigten Staaten eine bewaffnete Intervention europäischer Mächte zu Gunsten europäischer Geldfürsten nicht dulden würden. wie sie der mexikanischen Intervention Napoleon's III. zu Gunsten des Staatsgläubigers Jecker ein Ende gemacht hatten. Somit wird sich eine panamerikanische Zollunion mit der Zeit zum Ausschluß europäischer Waaren schon bilden, und bereits schränkt die durch Ueberschnldung der Staaten geschwächte Kaufkraft Südamerikas unseren Handel dorthin von selbst ein. Handelsprosite sind dort vorläufig wenig zu machen und an den Schulden, welche südamerikanische Geschäftsleute und Staaten in Europa kontrahirt haben, werden die europäischen Gläubiger Ver- luste erleiden. Was also den Waarenexport von Europa nach Amerika, Nord und Süd, sowie nach Afrika an- belangt, so können wir einmal einen dicken Strich durch jene Seiten unseres Hauptbuches machen, wo Platz für Handelsprofite von dort her ist. Unser Handel mit China und Indien war und bleibt passiv. Australien schafft sich auch schon eine Industrie und kauft sonst von England. Es besagt nicht viel. Bleibt Rußland! Welcher Markt jetzt schon und welcher in Zukunft! Und eine andere Seite an ihm: er ist uns verschlossen, aber Rußland ist angreifbar und kann von uns, was bei Amerika nicht der Fall ist, gezwungen werden, uns seine Märkte zu öffnen, aber nur solange, als es aus der europäischen Macht, die über Küsten au zwei Meeren mit Eisenbahnverbindungen zu denselben verfügt, sich nicht in eine Weltmacht mit Küsten an drei Meeren, die auch alle Eisenbahnen be- sitzen, entwickelt hat. Nach Vollendung der sibirischen Bahnen bis an's Stille Meer ist Rußland unbesiegbar. Wir müssen aber Nußland zwingen, nicht nur uns Waaren abzukaufen, sondern auch uns Lebensmittel zu verkaufen. Dies ist eine neue Seite und bei ihrer Ent- deckung habe ich ein wenig mitgewirkt. Die Trusts in den„Vereinigten Staaten". Einen sehr interessanten Artikel über dieses Thema bringen die Conrad'schen„Jahrbücher" aus der Feder eines amerikanischen Nationalökonomen. Wir haben be- reits öfter das Thema berührt, so daß unsere Leser über das Allgemeine der Frage so ziemlich unterrichtet sein werden; wir beschränken uns daher daraus, einige der interessantesten Stellen, welche Thatsachenmaterial enthal- ten, herauszuheben. — Die Tendenz der Trusts, arbeitsparend zu wirken und die Produktion zu konzentriren. zeigt klar die Thatsache, daß nach erfolgter Bildung des Trust zwölf Brennereien, welche mit vollem Betrieb arbeiteten, eben so viel produzierten, als achtzig Brennereien zu der Zeit, wo diese ihre Fabrikation wegen der Ueberproduktion einschränken mußten. — Ein lehrreiches Beispiel für die Art, wie die Trusts sich durchsetzen, liefert die Staudard Oil Co. Zwischen der South Jmprovenement Co.(ein ande- rer Name für die St. O. Co.) und der Penn. R. R. wurde einmal ein Uebereinkommcn dahin getroffen, daß erstere für jedes Barrel Oel, das sie verlud, einen um 40 Cts. größeren Rabatt als alle ihre Konkurrenten I zugebilligt erhielt für Verladungen von irgend einem I bekannten Ort nach Cleveland oder Pittsburgh, und j einen Rabatt von 1 Dollar für Verladungen an die I Meeresküste, und zivar nach New-Dork, Philadelphia. 1 Boston oder Baltimore. Noch drückender aber wirkte| es, daß der gleiche Betrag der Standard Oil Co. seitens| der Eisenbahn gezahlt wurde für alles von ihren Kon- kurrenten verfrachtete Oel, gerade wie für ihre eigenen Verladungen. Nach den Aussagen mehrerer Zeu-| gen und dem Ausweis der Kontrakte ergab sich aufs 1 klarste, daß nicht in einem, sondern in zahlreichen Fällen j die Standard Oil Co. bedeutende Rabatte bekommen! hatte, sowohl aus ihre eigene Frachtzahlungen, als auf die| anderer Verfrachter In einigen Fällen wurde als Ur-! fache der Besonderheit angegeben, die St. O. Co.: handle als Agent bei der Verthcilung der Verladungen l unter drei oder vier Eisenbahnen, welche übereingekommen I waren, sämmtliche Petroleumladungen aus den Oelgegenden| zur Meeresküste unter sich zu theilen. Wenn für irgend j einen Monat die Berichte der Eisenbahnen ergaben, daß j eine dieser letztern mehr Oel zum Trausport empfangen I hatte, als das zugebilligte Prozeutverhältniß ergab, so i hätte die St. O. Co. so viel Oel von den Linien dieser j auf die der andern Gesellschaften innerhalb des Pool_ herüber zu leiten, daß dadurch die Zahlungen aus- 1 geglichen wurden. Für diesen Dienst als„Evener"(Aus- 1 gleicher)— eine Leistung, welche die St. O. Co. bei j ihrem ausgedehnten Geschäft thatsächlich ohne eigene Un-> kosten verrichten konnte— erhielt sie diesen ungeheuren! Rabatt. Ein anderer für jene ungleiche Behandlung an-- geführter Grund war der, daß der St. O. Co. wegen; ihres ausgedehnten Geschäftes niedrigere Sätze bewilligt! werden konnten. In einem der Verträge wird ausdrück- i lich gesagt, daß die der St. D.- Co. bewilligten Rabatte; jedem andern Verfrachter gleichfalls zugestanden werden; lullten,„welcher gleiche Frachtmengen liefern und An- 1 lagen, Mittel und Erleichterungen zum Betrieb unv zur Förderung des Petroleumhandels besitzen und anwenden; würde, welche denjenigen gleichkämen, die von der Gesell-• schuft besessen und angewandt werden." Es war natür- lich von vorn herein sicher, daß kein anderer Verfrachter über derartige Erleichterungen verfügen konnte. Tie Wirkungen dieser Rabatte liegen auf der Hand> �ie Konkurrenten der St. O. Co. fallirten ent- weder, oder wurden von ihrem siegreichen Riva- len zu niedrigeren Preisen ausgekauft. Zeuge sagt aus, daß er für ein Etablissement, welchch 85 000 Dollar gekostet hatte, 45 000 erhalten habei dasselbe sei seitdem von der St. O. Co. mit Erfolß betrieben, geradeso, wie von seinem frühern Besitzer vot on der ren ort che ора Ser= opa an= rch für mit lien von und = er und ist, ber iber зи mit be chen bar. uns 311 Ent ema Feder beüber sein der thalози flar Trust teten, der ftion e die 5. ande E. R. daß Tum centen einem und n die Iphia, wirfte ¡ eitens Kon thre Zeu aufs Fällen mmen auf die 3. Ur . Co. ungen mmen jenden irgend , daß fangen ab, so dieser Bool aus ( Aus 10. bei te Un heuren ng an wegen willigt sdrück labatte werden id Annd zur wenden Gesell natür frachter Hand. n ent Rivas Ein welches habe; Erfolg er vor In einer amerikanischen Zeitung finden wir gleich zeitig eine Notiz. welche die Moral dieser Großkapitalisten noch schöner ins Licht seit: der Abmachung der Co. mit den Eisenbahnen. Derselbe Der Liter Milch fand also eine Verwerthung von Ruhepausen, existiren nicht für ihn dieselben„ FabrikZeuge liefert ferner eine Liste von 74 Delraffinerien im durchschnittlich 10,60 Pf., die Verwerthung durch Butter ordnungen", wird er nicht Sonntags sogar in die Arbeit Staate Pennsylvanien, welche von der St. D. Co. ge- und Magermilch stellte sich aber auf 11 Pf. gezwängt, während der Sklave sich wenigstens in seiner fauft, gepachtet, oder zur Liquidation getrieben wurden. Das waren die direkten Verkäufe der Genossenschaft Belle ausruhen fann, wäre er nicht manchmal überglücklich, Die Eigenthümer glaubten, daß sie durch unredliche in einem Vierteljahr, nun haben aber Mitglieder der Ver- wenn er blos 11 Stunden den Tag zu arbeiten brauchte? Mittel ruinirt seien." einigung auch direkt Milch nach Berlin geliefert und Und endlich, hat nicht der Sklave wenigstens immer die zwar 961.968 Liter in derselben Zeit. Die Gesammt- Gewißheit, daß er so viel zu essen bekommt, wie er kosten der Führung des Unternehmens stellen sich dabei nöthig hat, um nicht krank und arbeitsunfähig zu werden, auf ¼ Pf. für das Liter Milch. Der Preis stieg aber während der Arbeiter nicht weiß, ob er nicht morgen " Der mordbrennerische Schnapstrust ist endlich er von 9 Pf. im Vorjahre bis 1. Januar 1881 auf 10 bis hungern muß? wischt worden. Er warb einen Mann an, welcher die 104 Pf. ab Angermünde. Da die Fracht mit Einrechnung Schufeld'sche Raffinerie in die Luft sprengen oder in aller Spesen nahe an 2 Pf. beträgt, so beträgt der Preis Brand stecken und dafür 25,000 Dollar erhalten sollte. frei Berlin 12 Pf. und für die von der Genossenschaft Diese Rafffnerie gehört nämlich nicht zum Trust und ist gelieferte Milch 13 Pf.- natürlich nur für den Händler. 70. Sihung.( Fortjehung der Berathungen über die Sonntagsruhe.) ihm ein Dorn im Auge. Schon zweimal zuvor soll ein Also auch die Landwirthschaft kann nur dann gröähnliches Attentat geplant gewesen sein. Die Beweise im Bere Profite erzielen, wenn sie intensiv, mit Maschinenvorliegenden Falle scheinen komplett zu sein. Aber ob technik im Großen betrieben wird. Die Kapitalschwächern die Verschwörer auch wirklich ins Zuchthaus kommen müßen auch hier zurückbleiben, immer weitere Strecken werden, das ist eine ganz andere Frage. Wir erinnern des Grundbesitzes gehen in immer weniger Hände über, an eine ähnliche Mordbrennerei der Standard Oil Com- schließlich tritt der Kollektivbesiz an Stelle des Einzelpagnie in Buffalo, für die einige untergeordnete Beamte besitzes. mit Geldstrafen belegt wurden. Die armen Tschechen, die in Chikago lediglich in Besitz von Dynamit betroffen wurden, hat man lange Jahre ins Zuchthaus geschickt. Nun wollen wir einmal sehen, was mit den reichen " Anarchisten" vom Schnapstrust geschieht." Natürlich haben wir feine Ursache, über dieser„ Unmoral" zu jammern; das ist aber einmal so; in Geld sachen giebt es keine Gemüthlichkeit; wenn wir Urtheile fällen, so können wir das nur insofern, als wir sagen, ob unsere Ziele gefördert werden oder nicht. Und daß diese rapide und ſtrupellose Kapitalstonzentration, trotz dem sie allerdings die Macht des Kapitals gegenüber dem Proletariat ungeheuer stärkt, doch die soziale Revolution außerordentlich erleichtert, ist klar. Fortschritt der Technik und Hapitalkonzentration. Aus dem freien Amerika. In Jowa besteht noch die fromme Sitte„ Verbrecher" lung zu vermiethen, ein schöner Beweis von der Freiheit, zur Strafe als Sklaven auf die Dauer ihrer Verurtheidie der Bourgeois„ meint." Einem amerikanischen Blatt entnehmen wir folgende grauenhafte Schilderung: Ein Bürger ist schuldig befunden, irgend eines Mannes Kuh, oder Börse mit 20 Dollar darin, gestohlen zu haben. Nun muß das Opfer vor den Auktionsstand marschiren und es wird gefragt:" Wie viel bietet man mir für die Knochen und Muskeln, den Schweiß und das Blut, die Nerven, den Körper und die Seele dieses Stücks Menschheit für die Zeit von drei Jahren, falls dieser Sklave nicht vorher getödtet wird? Und ein Eis zapfen- Shylock von einem Menschen, Kontraktor genannt, welcher im Handel mit Menschen mehr Geld zu verVom Reichstag. Motto: Kunibert und Kunigunde, Kunigunde und Kunibert. Kunigunde und Kunibert, Kunibert und Kunigunde. Nach§ 105i sollen die Bestimmungen über die Sonntagsruhe auf Gast- und Schankwirthschaften, Musik- und Theateraufführungen u. dgl., sowie auf das Verkehrsgewerbe keine Anwendung finden. Ein Antrag Auer will den Arbeitern in diesen Gewerben eine ununterbrochene Ruhezeit von 36 Stunden in der Woche gewähren, die in jeder vierten Woche auf einen Sonn- oder Festtag fallen muß, ein Antrag Dr. Gutfleisch- Hähnle den Arbeitern im Verkehrsgewerbe an jedem dritten Sonntag 36 Stunden Ruhezeit. Abg. Stolle( Soz.) befürwortet den Antrag Auer. Die dienst verpflichtet, obgleich sie von ihren Arbeitgebern feine BeKellner hätten dasselbe Recht wie andere Arbeiter auf gefeßlichen Schuß. In Berlin würden die Kellner kontraktlich zum Sonntags= zahlung erhielten, sondern darauf angewiesen seien, durch Trinkgelder sich ihren Tagelohn zu verdienen. Vielfach wü.den die Kellner als Dienstboten betrachtet. Selbst in der Reichstagswirth= schaft würden die Kellner nicht einmal bezahlt, obgleich der Wirth sämmtliche Stühle u. s. w. umsonst erhielte. reichender Schutz der Arbeiter gesichert werden, namentlich auch für Abg. Bebel( Soz.): Für das Schantgewerbe müsse ein ausdas weibliche Personal. Hier wie im Verkehrsgewerbe sei die Arbeitszeit eine übermäßige. Da eine allgemeine Besserung dieser Verhältnisse auf keinen Fall vor Ablauf von Jahren eintreten werde, fönnte der sozialdemokratische Antrag auch troß der Ertlärung des Ministers v. Berlepsch nicht zurückgezogen werden. Minister Frh. v. Berlepsch erwidert, daß der Bundesrath schon jetzt in der Lage sei, einer zu langen Arbeitszeit am Sonntage auch in diesen Gewerben entgegenzutreten.( Thut's aber Abg. Vollrath( dfr.) hebt die überlange Arbeitszeit der Störung des Pferdebahnbetriebes durch einfache Einstellung von Abg. Schmidt( Elberfeld, dfr.) hat die Erfindung gemacht, Ein Antrag Dr. Guifleisch( dfr.)-Hähnle( Volksp.) will das N. K. Welcher Unterschied zwischen einen gewöhne dienen hofft, als im Vieh- und Waarenhandel, kommt nicht.) Es liege fein Anlaß vor, der Spezialgefeßgebung vorzulichen Handbutterfaß und einer Dampfmolkerei. Dort ein vorwärts und sagt:„ Mr. Staat, ich will dir 45 Cents greifen. Holzgefäß mit Deckel, darin ein Stock mit gelochter für ihn geben." Der Hammer des Auktionators fällt Abg. Möller( nl.) ist ebenfalls der Ansicht, daß die Anträge Scheibe, hier eine mit Dampf betriebene Maschinenanlage nieder. Der Handel ist abgeschlossen. Der Staat stedt Auer und Gutfleisch unnöthig seien.( Natürlich). Scheibe, hier eine mit Dampf betriebene Maschinenanlage 45 Cents in seinen Säckel, unbekümmert um das Schick- Pferdebahnbeamten sowohl in Berlin, wie in Breslau hervor. Von mit Vollmilchbassin, Vorwärmer mit Rührwerk, Separa- Bon toren, Pasteurister Apparaten, Magermilchkühler, Rahm den neugekauften Sklaven beim Kragen faßt und ihn in Breslau im Dienſt aushalten und dürften nicht einmal einen toren, Pasteurisier- Apparaten, Magermilchkühler, Rahm sal des Sklaven, und geht ab, während Eiszapfen- Shylock Morgens 5 bis Nachts 12, 1 Uhr müßten die Angestellten in fühler, Buttermaschinen, Butterkneter, Käsewanne u. s. w. u. 1. w. Das Bäuerlein, das eine derartige Anlage den Zwinger abführt, damit er hier mit anderen Sklaven, Augenblick im Wagen Plaz nehmen. Man fönne auch ohne jede zum erstenmale sieht, müßte Mund und Ohren aufsperren, welche ihm vorangegangen sind, für den Käufer arbeite. mehr Personal den Angestellten eine Sonntagsruhe verſchaffen. an die Brust schlagen und gestehen: Herr da kann ich Der Unglückliche ist jetzt in eine Dienstbarkeit ein- Die meisten Pferdebahngesellschaften seien finanziell dazu sehr wohl nicht mit, mit meinem Butterfaß. Bei mir muß die getreten, welche drei lange Jahre währt. Er hat für im Stande, die wenigen, die schlecht daran wären, seien verfehlte Magd eine Stunde lang buttern, dann habe ich etwa seinen Herrn 11 Stunden täglich während 311 Tagen Spekulationen und müßten den Schaden tragen. ein Pfund Butter, sie ist aber nicht rein, es steckt noch aus 365 zu arbeiten. Die zwei Feiertage und 52 Sonn- gebrachte Sparsystem der Verkehrsgesellschaften, dem das Haus eine ganze Menge Molten darin und der muß erst heraus- tage, welche er frei hat, bringt er in seiner kleinen 3 Fuß durch Annahme des Antrages Auer ein Ende machen möge. Bei gefnetet werden. Nun habe ich aber nicht alle mal die breiten Zelle zu, und wenn er Geld hat, kann er sich den Eisenbahnen, besonders in Sachsen, hingen die Unfälle nicht gleiche Wienge Vollmilch, ich muß also ältere und jüngere etwas Extraes zu essen faufen, wenn nicht, was meistens zum geringsten Theil von dieser zu großen Sparsamkeit ab. zusammensparen. Natürlich wird da die Butter ungleich. der Fall ist, dann nicht. Das gewöhnliche ungeschriebene daß der Arbeiterschutz kein Verdienst der Sozialdemokratie sei. Ich muß aber auch die Butter zusammensparen, die Sklavengesetz giebt dem Sklaven nur einen Meister, und Der allerdings nicht. Butterfrau tommt nicht alle Tage. Auf diese Weise er auch die Bibel sagt:„ Niemand kann zwei Herren dienen" 71. Sihung. Fortsetzung der Arbeiterschußgefeßdebatte. hält die ältere Butter einen scharfen Geschmack, ich aber aber unter dem Code von Jowa hat der Sklave 4-5 8 107( endlich ist die Sonntagsruhe abgethan, Gott sei Dank) gestattet, die Beschäftigung minderjähriger Personen nur, wenn bekomme weniger Geld dafür. Gern würde ich mir so Herren und Meister: den Verwalter, Doktor, Kontraktor, fie mit einem Arbeitsbuche versehen sind, welches bei der eine Maschine anrichten, aber ich hab fein Geld dazu Wächter und Vormann, welchen allen er unbedingt und Lösung des Arbeitsverhältnisses auf Verlangen ihrem Vater oder und die andern Bauern haben auch keins. ohne Widerrede zu gehorchen hat, denn wenn er nur im Vormund auszuhändigen ist.( Das gehört nämlich auch zum ArIn den letzten Jahren ist in Deutschland be Geringsten ihre Befehle mißachtet, so wird er bestraft. beiterschuß, daß man ökonomisch selbständige Menschen fünstlich sonders in Norddeutschland die Milchaufbereitung sehr und wie bestraft! Der Sklave hat keine Wahl in der unter der efterlichen Fuchtel festhält; eigentlich sollte der Absa heißen: Arbeiterschuhrie gelei). starf konzentrirt worden, es hat eine Anzahl Unterneh- Art der Arbeit, welche er am besten und leichtesten zu mer sogenannte Dampfmolkereien in Betrieb gesezt, und thun glaubt, oder welche er, ohne Schaden zu leiden, es sind einige hundert Molkereigenossenschaften entstanden. verrichten fann. Er muß die Arbeit leisten, welche man Lettere sind entweder reine Wolkereien oder Milchhandels: von ihm verlangt, und sollte sie ihn in einer Stunde genossenschaften. Es giebt keine Ruhepausen für ihn von der Zeit an, Nach Berlin werden jeden Tag ungefähr 1/2 Millionen Kilogramm Milch geliefert, das einemal mehr, das wenn er des Morgens zu arbeiten beginnt bis in die den industriellen Gegenden entgegen.( Sunibert.) anderemal weniger. Diese Schwantungen haben die Un- Nacht hinein, wenn er aufhört. Nur 20 Minuten werden ein. Die Arbeiter müssen bevormundet werden, solange sie noch ternehmer stugig gemacht, und da sich überschüssige Milch ihm zum Mittagessen erlaubt. Indem er die Maschine minderjährig seien( nachher auch, denkt er bei sich), es handele sich in Berlin sehr schwer verwerthen läßt beitslöhne, höhere Weiethen u. s. w., so sind sie auf einen der Kontrole der Maschine steht, steht er unter der Herr- der Eitern gegen den Leichtsinn ihrer Kinder.( Kunibert). Ausweg verfallen. Man suchte nach Orten, an welchen schaft der Vorleute und Wächter. Diesen Sklaven wird zeug, welches die Arbeiter willenlos und den Intereffen der Untergrößern Mengen Milch auf dem Transport zusam- nicht erlaubt, mit einander zu sprechen; wodurch sie sich nehmer dienstbar mache. Es sei nichts, als der Ersaz für den menfommen. Ein solcher Plaz ist Angermünde. Hieher von allen übrigen Stlaven unterschieden, die es in der Paßzwang. Dieser Paragraph sei wieder nichts anderes, als eine kommen auf der Reise nach Berlin täglich 30 000 kilogr. Welt giebt; sie können nicht mit ihren Familien ver- Ausnahmebestimmung gegen die Arbeiter. fehren, nicht ihre Sonntage verleben, wie es ihnen beliebt. Milch, von welchen in Berlin ungefähr 6000 Kilogr. Nicht einmal die Galeerensklaven waren so unfrei und unter Umständen feine Verwendung finden können. Diesem Umstande verdankt die Mild handels- und unglücklich wie sie. Molkereigenossenschaft Angermünde ihr Entstehen. Mit Es ist ein tägliches Vorkommniß, daß Vormänner dem Ueberschuß wird spekulirt. Erstens nöthigt man der verschiedenen Werkstätten mit Stücken Arbeit in die durch das Zurückhalten den Berliner Händler nicht, die Deputy's Office laufen, um die Sträflinge wegen fleiner lich an Fracht und Spesen, und der Produzent kann jeden Der Delinquent mag zum erstenmal mit einer Warnung daß die Arbeitsbücher eine Abhilfe gegen das Schwinden der elter Preise zu drücken, zweitens erspart man 100 Mart täg Fehler oder Pfuschereien an der Arbeit zu verklagen. Tag das gleiche Quantum Milch an die Genossenschaft davonkommen, aber niemals das zweitemal. Geſetzt, der senden. Diese Genossenschaften sind also im Grunde ge Arme kann sich nicht helfen; gesezt, er ist dumm von nommen nichts, als Preishinaufschrauber, sie bieten immer Natur, unbeholfen, ungeschickt, nicht an solche Arbeit nur so viel an, als verlangt wird. Es liegt uns ein gewöhnt-nügt Alles nichts, Andere thun die Arbeit, Ausweis der Angermünder Genossenschaft vor. Nach folglich muß er sie auch thun. größere Ar tödten. Arbeitsbuch nur für Personen unter 18 Jahren, ein sozialdemo= fratischer Antrag Auer nur Personen unter 16 Jahren vorschreiben. geber die Bestimmung gern allen ließen, aus Faulheit, da sie ihnen Abg. Dr. Hirsch meint sehr charakteristisch; daß die Arbeitzu viel Schreibereien verursachte. Aba. Winter( nl.) tritt dem Verfall des Familienlebens in Abg. Frhr. v. Stumm( p.) tritt für die Kommissionsfassung bedient, kann er sich nicht schonen, und wo er nicht unter hier nicht um den Schuß unreifer Arbeiter, sondern um den Schuß Abg. Wurm( Soz.) sieht in dem Arbeitsbuche nur ein Werkin Geheimrath Dr. Königs: Elterliche Autorität.( Kunibert). Abg. Dr. Hartmann bringt den ersten originellen Gedanken wohlhabenden Ständen seien die jungen Leute auch bis zum 21. Jahre vollkommen abhängig von ihren Eltern, hier ist also doch nicht von einer Ausnahmegesetzgebung gegen die Arbeiter die Rede.( Dann soll er nur dafür sorgen, daß die Arbeiter thren Stindern einen monatlichen Wechsel schiden tönnen, wie es bie „ wohlhabenden Stände" pflegen, dann sind wir auch zufrieden). die Debatte, der weder Kunibert, noch Kunigunde iſt: in den Abg. Wöllner( dfr.): Kunigunde; er widerlegt die Anschauung, lichen Autorität sein werden. Abg. Grillenberger( Soz.): Weshalb mache man nicht ein Gefeß. daß die Lieutenants, die zu 17, 18 Jahren schon Lohn erhielten, ihren Lohn an den Herrn Papa abzuführen haben? Die Bestimmung des Paragraphen sei nichts als eine wirthschaftliche Beschränkung der jugendlichen Arbeiter. Die Diskussion wird geschlossen und§ 107 unter Ablehnung der Anträge Auer und Dr. Gutfleisch gegen die Stimmen der Freidemselben wurde die Thätigkeit am 1. Oftober 1890 be Ferner: der Vormann mag ihn aus irgend einer gonnen. Lis zum 1. Dezember wurde die Milch mit Ursache, mit oder ohne Grund, nicht leiden, wie es ja 10 Pf., von da ab mit 11 Pf. frei Angermünde abgege- stets Menschen giebt, die einander nicht riechen können.nnigen und Sozialdemokraten angenommen. ben. Im ersten Vierteljahr wurden umgeseßt: 50.880 Liter Milch à 10 Pf. mit Zuschlag für Kühlen der Milch 34.879 Liter Wiilch á 11 Pf. mit Zuschlag für Kühlen der Milch 501 Liter pasteurisirter Milch à 13 Pf. 22.587 " Milch wurden verarbeitet, daraus gewonnen u. vertauft 1432 Pf. Butter 22 Kg. Rahm 22.231 Mager- u. Buttermilch " 108.847 Liter Milch eingeliefert u. bezahlt mit = M. 5189.60 Dann Wehe dem Sklaven! Wenn es irgend einen harten Platz in der Werkstätte giebt, so bekommt er ihn, und dann folgen Strafen auf Strafen. Die Vorleute sind in der Regel die härM. 3836.59 testen Sflaventreiber, weil sie ihren Herren, den Kon65.13 traftoren, beveisen wollen, daß sie wachsam, erfahren und M. 1704.07 geschickt in der Arbeitererpressung sind." " " = " 17.60 Diese Schilderung ist gewiß schrecklich und für 743.30 jeden freiheitlich empfindenden Menschen empörend. Aber M. 11538.75 geht es denn dem„ freien" Arbeiter besser? Hat er Die folgenden§§ 108 bis 112( nähere Bestimmungen über die Arbeitsbücher) werden ohne Debatte angenommen. § 113 bestimmt, daß die Arbeiter beim Abgang ein Zeugniß über Art und Dauer ihrer Beschäftigung, auch über ihre Führung und Leistungen fordern dürfen. Den Arbeitgebern ist untersagt, die Zeugnisse mit Merkmalen zu versehen, welche den Zweck haben", den Arbeiter in einer aus dem Wortlaute des Zeugnisses nicht ersichtlichen Weise zu kennzeichnen. Ein Antrag Auer will auch Merkmale verbieten, wenn sie " geeignet" sind, den Arbeiter ungünstig zu kennzeichnen. sehenen Zeugnisse überhaupt für durchaus überflüssig, da eine wirtAbg. Molkenbuhr( Soz) hält die im Paragraphen vorgeliche Befähigung des Arbeiters dadurch doch nicht nachgewiesen sei. Es würde aber außerdem damit ein großer Mißbrauch getrieben, indem man durch nicht ersichtliche Merkmale die Zeugnisse zu Verrufserklärungen benußt. Man müsse wenigstens die Grenzen so eng wie möglich ziehen, um diesem Mißbrauch durch die Unternehmerkoalitionen entgegenzutreten. Abg. Frhr. v. Stumm( Rp.) hält dte Kommissionsfassung für genügend, um einen Mißbrauch zu verhindern.( Ueberhaupt Mißbrauch! Fällt gar keinen Menschen ein! Abg. v. Stumm schlägt an seine Männerbrust. Nun, man möge doch die ehrliche Unternehmerschaft nicht noch länger durch ein derartiges Mißtrauen tränken. Man traue doch ihrem ehrlichen Gesicht!) Abg. Dr. Gutfleisch( dfr.) ist Optimist. Er meint, durch die Vorlage werde das Trucksystem vollständig beseitigt. Die Vorlage wird unter Ablehnung des Antrags Auer angenommen. 73. Sikung.( Fortsetzung). § 116, wonach nicht vorschriftsmäßig gezahlte Löhne in erster Linie der Hilfskasse, welcher der Arbeiter angehört, event. einer anderen Arbeiterkasse oder der Ortsarmenkasse zufallen, wird angenommen. 74. Jikung. Die zweite Berathung des Arbeiterschußgefeges wird fortgesezt mit der Abstimmung über§ 119a( Verbot von Lohneinbehaltungen). Der§ 119a wird unter Ablehnung der Anträge Auer und Hähnle angenommen. Arbeitern. § 119b dehnt die Bestimmungen über Verbote von Trucksystem und Lohneinbehaltungen mit den dabei zugelassenen AusNach§ 117 sind Verträge, welche dem§ 115( Verbot des nahmen auch auf die im fremden Auftrage arbeitenden HausTrucksystems) zuwiderlaufen, nichtig. Dasselbe gift von Verab- industriellen aus. Ein Antrag Stadthagen( Soz.) verlangt das Abg. Molkenbuhr erwidert, die Arbeitgeberverbände würden redungen zwischen den Gewerbetreibenden und ihren Arbeitern ausnahmsloie Verbot der Lohneinbehaltungen für diese Klaſſe von von den Verrufserklärungen nicht lassen. Der Hamburger Arbeit über die Verwendung des Verdienstes derselben zu einem anderen geberverband z. B. verstoße sogar in seinen Statuten direkt geaen Bwed als zur Betheiligung an Einrichtungen zur Verbesserung Möglichkeit zur Bewuchernng der Arbeiter. Die Arbeiterinnen Abg. Stadthagen( Soz.) sieht in dem Paragraphen die das jezige Vereinsgesez, ohne daß ein Staatsanwalt einschreite. der Lage der Arbeiter. Abg. Grillenberger( Soz.) behauptet, daß die Eintragung Ein Antrag Auer untersagt auch Lohneinbehaltungen für würden durch solche Lohneinbehaltungen zur Prostitution gezwungen. von Merkmalen in Zeugnisse schon jegt einen enormen Umfang Wohlfahrtseinrichtungen. Durch die Lohneinbehaltungen würden die Schwindler unter den angenommen habe. Viele Arbeiterführer seien geradezu vogelfrei Abg. Bebel will durch diesen Antrag dem Arbeiter das Recht Unternehmern in Schutz genommen gegen ihre Arbeiter, denen gemacht. Die Koalitionen der Arbeitgeber würden unbehelligt ge- wahren, über seinen wohlverdienten Lohn vollständig frei zu ver- man in der barbarischsten Weise die Existenzmittel entziehe. lassen, aber gegen jede Koalition der Arbeiter trete sofort die fügen. Die Heranziehung der Arbeiter zu sogenannten Wohl- Uebrigens seien auch Unternehmer oft kontraktbrüchig, das beweisen Staatsanwaltschaft auf. Die Hamburger Regierung stelle in ihrer fahrtseinrichtungen sei nichts als ein Zwang und eine Bevormun- die Schienenkartelle. Der Paragraph sei entsprungen dem leidenParteinahme für die Arbeitgeber beinahe Sachsen in den Schatten. dung. Solche Einrichtungen seien meist nur dazu bestimmt, den schaftlichen Haß gegen die Arbeiter, nicht der Humanität, sondern Abg. Möller( natl.) tritt für den Hamburger Unternehmer- Arbeiter an die Fabrik zu fesseln, und für die Unternehmer ein einem rohen Kannibalismus. verband ein, dessen Vorgehen nur ein Aft der Nothwehr sei. gutes Geschäft Das zeigten die Zwangssparkassen, die den aus§ 119b wird unter Ablehnung des Antrags Stadthagen an( Sonderbare Begriffe von Nothwehr. Ist das Nothwehr, wenn der Arbeit entlassenen Arbeitern die Beträge nicht zurückzahlten, genommen. man Einem die Pistole auf die Brust sett und ruft: la bourse das zeigten die Arbeiterhäuser, wo die Arbeiter, weil sie jeden§ 120 verpflichtet die Gewerbeunternehmer, ihren. Arbeitern ou la vie?) Redner befürwortete im Uebrigen die Kommissions- Augenblick der Kündigung auf die Straße geworfen werden können, unter 18 Jahren die erforderliche Zeit zum Besuche von Fortfaffung, die genügende Gewähr gegen Mißbrauch des Arbeits- dem Unternehmer gegenüber vollkommen willenlos seien. Dieses bildungs- oder Haushaltungsschulen zu gewähren, und sieht eine Mittel sei bei den lezten Streils auch von dem Frhr. v. Stumim eventuelle Verpflichtung männlicher Arbeiter unter 18 Jahren zum Die Diskussion wird geschlossen und unter Ablehnung des An- und bei den Wahlen von Krupp und auch von der Kgi. Berg- Besuch der Fortbildungsschule durch Orts- oder Kommunalstatute trages Auer§ 113 angenommen, ebenso ohne Debatte§ 114 werksverwaltung in Saarbrücken angewandt worden, um die vor. Im Uebrigen enthält§ 120 eine Begünstigung der Innungs( fosten- und stempelfreie Bescheinigung der Behörde über Arbeits- Arbeiter ihrer politischen Rechte zu berauben. oder sonstigen Fach- oder Fortbildungsschulen gegenüber den buch und Zeugniß). Abg. Leuschner( Rp.) erklärt, die Bergwerksarbeiter wollten Gemeindefortbildungsschulen. Der Unterricht während des Sonnvon den Sozialdemokraten nichts wissen, Leute mit gesundem tagsgottesdienstes ist untersagt. Menschenverstand ließen sich von den sozialdemokratischen Agita toren nicht das Fell über die Ohren ziehen.( Mögen sich das unsere Leser merken und von jezt ab feine sozialdemokratischen Blätter mehr lesen, sondern bloß noch das Kreisblatt). buches biete. 72. Sihung. Die zweite Berathung des Arbeiterschutzgesetzes wird fortgesetzt bei den Bestimmungen über die Lohnzahlung. § 115 wendet sich gegen das Trucksystem. Er sieht die Baarzahlung der Löhne vor und verbietet den Arbeitgebern, ihren Arbeitern zu kreditiren, ferner Naturalleistungen zu höheren als den durchschnittlichen Selbstkostenpreisen, Wohnung und Landnuzung über den üblichen Mieths- und Pachtpreisen zu berechnen. Die Auszahlung der Löhne darf ohne Genehmigung der unteren Verwaltungsbehörde nicht in Gast- und Schantwirthschaften oder Verkaufsstellen erfolgen. Ein Antrag Auer verbietet den Arbeitgebern auch den Verkauf" von Waaren an ihre Arbeiter, sieht zweiwöchentliche Lohnfristen und wöchentliche Abschlagszahlungen vor und verbietet die Lohnzahlung an Sonnabender, Sonn- oder Festtagen. Abg. Grillenberger( Soz.) sieht in den Kommissionsbeschlüssen und noch mehr in dem Kompromißantrage eine sehr große Abschwächung des Verbots des Trucksystems. Der Antrag Auer fichere allein vor Umgehungen dieses Verbotes und beseitige die Kreditirung von Waaren. Der Antrag, die Hergabe von Rohstoffen an Affordarbeiter zu höheren Preisen zu gestatten, sei durch aus unannehmbar, denn dadurch werde die allerschlimmste Ausbeutung und Bewucherung der Arbeiter sanktionirt werden. § 119a bestimmt, daß Lohneinbehaltungen zur Sicherung gegen Schaden durch Kontrattbruch bei den einzelnen Lohnzahlungen ein Viertel des fälligen Lohnes, im Gesammtbetrag den Betrag eines durchschnittlichen Wochenlohnes nicht übersteigen dürfen, und sieht eine ortsstatutarische Festsetzung den Fristen der Lohnzahlung ( zwischen ein und vier Wochen) und eine regelmäßige Mitwirkung der Eltern resp. des Vormund- s bei Löhnung der Minderjährigen vor. Ein Antrag Auer will den ganzen Paragraphen streichen. Abg. Payer( Volksp.): Wenn man auf patriarchalische Zustände zurüdgehen wolle, wer bürge dafür, daß die Arbeitgeber auch das Zeug zum Patriarchen haben? Abg. Molkenbuhr( Soz.) empfiehlt die Streichung des Paragraphen. Der Arbeiter brauche sich Abzüge von seinem Lohn nicht gefallen lassen. Durch eine solche Lohneinbehaltung würde man Strifes nicht verhindern können. Man provozire aber dadurch gerade die Arbeitgeber, die Arbeiter um einen Wochenlohn zu betrügen, denn ein Mittel würde sich immer finden lassen, die Arbeiter zur Niederlegung ihrer Arbeit zu veranlassen. Ein Antrag Auer will die Bevorzugung der Innungs- und Fachschulen beseitigen, den Unterricht an Werktagen in die Arbeitszeit der jungen Leute legen und auch den Besuch der Fortbildungsschule durch die Arbeiterinnen durch Ortsstatut obligatorisch machen. Abg. Dr. Schädler( 3tr.) ist mit der Verlegung des Unterrichts der Fortbildungsschulen in die Arbeitszeit der jungen Arbeiter einverstanden, erklärt sich aber entschieden gegen den obligatorischen Besuch der Haushaltungsschulen für die weiblichen Arbeiter. Für dieje sei die beste Schule das Haus und die beste Lehrerin die Mutter. In den Haushaltungsschulen könnten die jungen Mädchen leicht durch andere Schülerinnen verdorben werden.( Die Haushaltungsschulen helfen ja natürlich doch nichts: der Umstand, daß fie nöthig werden, beweist eben, daß die alte Form des Haushalts vernichtet wird. Interessant ist aber die pfäffisch- bourgeoise Geistreichigkeit des Redners:„ Die beste Lehrerin ist die Mutter" weil aber die Mutter den ganzen Tag in der Fabrik arbeitet, kann sie ja eben ihrer Tochter nicht das Kochen lernen! Und„ in den Haushaltungsschulen können die Schülerinnen verdorben werden"; wenn sie die Fabrikarbeit ohne Schaden für die Unschuld ertragen müssen, so könnten sie das doch auch!) Herren- u. Knaben- Garderobe, Arbeitssachen, Bestellungen nach Maaß, empfiehlt wie bekannt in reellster Ausführung und allerbilligsten Preisen J. BAER, Berlin N., Gesundbrunnen, Badstr. 18, Ecke der Stettinerstrasse. Albert Auerbach, Berlin S., Rottbuser Damm 7. Schuh- und Stiefel- Lager für Herren, Damen und Kinder. 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