Nr. 241. Erscheint täglich außer Montags. Abonnements= Prets pränum.: Bierteljährlich 3,30 Mt., monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg., Sonntags Nummer mit illuftrirter Sonntags- Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mr. pro Quartal. Unter Kreuzband für Deutschland u. Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Eingetragen = in der Poft Bettungs Preisliste für 1896 unter Nr. 7277. Vorwärts 13. Jahrg. Inferttons Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Bereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Bmt I, nr. 1508. Telegramm Adresse: " Bozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Sonntagsruhe zu gunffen der Kirche. Mittwoch, den 14. Oktober 1896. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3: 2 " Dr. Freifügiges Minimum verloren gegangen ist. Zu den Maß- Ivon der moralischen Gesundheit strohte, die ihm in den erwähnten nahmen, denen eine derartige Tendenz aus den Augen Artikeln zugeschrieben wird. blickt, zählt z. B. das Verbot aller die Sonntagsruhe Der Fall Berchtold und der Eid. Gelegentlich des störenden Belustigungen in Privaträumen oder immer noch fortdauernden Mordprozesses gegen den Maurer Das von ben deutschen Regierungen beliebte Streben, Privatgärten, unter welchen man unter Umständen schon das Berchtold wird uns aus München geschrieben: Momentan bei Regelung der Sonntagsruhe weniger die Wohlfahrt der harmlose Jauchzen und Spielen der Kinder verstehen kann. Spielt sich hier vor dem oberbayerischen Schwurgericht ein Prozeß ab, der in gewisser Beziehung auch an den Essener Mein= arbeitenden Bevölkerungsschichten als die Rücksichten auf die Auch die Auffrischung der Bestimmung, welche das Verbot eidsprozeß erinnert. Angeklagt ist ein Maurer namens Landeskirche zur Richtschnur zu nehmen, fommt beißend klar von Karten- und anderen Spielen während des Haupt- Berchtold, drei Frauen am 14. Februar dieses Jahres in einer gestern erlassenen Verordnung zum Ausdruck, welche gottesdienstes betrifft, ist in diese Kategorie zu rechnen. erwürgt zu haben. Die grauenhafte That erregte hier der Polizeistaat demnächst in traft treten lassen will. Ganz besonders wird aber die Arbeiterschaft von dem Passus großes Aufsehen und die Münchener Neuesten Nachrichten" Amtlich wird berichtet: betroffen, welcher die Abhaltung öffentlicher Versamm fonnten bei ihrem lächerlichen Drang, sich immer wichtig zu Bom 1. November an treten für den Stadtkreis Berlin lungen während der Zeit des Hauptgottesdienstes verbietet. machen, es nicht unterlassen, den öffentlichen Untersuchungsrichter neue Vorschriften über die äußere äußere Heilighaltung ber Eine ganze Rategorie namentlich solcher Arbeiter, die zu spielen, und zwar dadurch, daß sie ihre Spalten jedem Klatsch Sonn- und Feiertage in kraft. Im wesentlichen find Wochentags bis in die Nacht hinein beschäftigt werden, ist öffneten und auch das Bild des muihmaßlichen Mörders brachten. dieselben nur eine Zusammenfassung der hier bereits daher direktion leider nicht sofort gelegt und auch einzelne geradezu darauf angewiesen, ihre gewerkschaftlichen und in dieses Hauswurstengebahren wurde dem Blatt von der Polizeigelang giltigen Polizeivorschriften, enthalten aber auch einzelne neue Bestimmungen über Sonntagsrube. Nach wie vor bleiben das Gebiet der Politik fallenden Angelegenheiten am Sonntag es demselben, einer ziemlichen Anzahl ziemlichen Anzahl von Leuten den an Sonn- und Feiertagen verboten alle öffentlich bemerkbaren Ar- Bormittag in öffentlichen Versammlungen zu besprechen, Kopf derart zu verdrehen, daß sehr viele den Berchtold er vielleicht beiten, sowie alle geräuschvollen Arbeiten in den Häusern und und da ist die Zeit von 10 bis 12 Uhr vormittags aus gesehen haben und kennen wollen, denen Betriebsstellen. Arbeiten, welche in Nothfällen( Feuers, Waffers mancherlei Gründen die einzige, in der die spärlichen Ver- niemals vor Augen fam. Infolge diefes für die Gerichtsthätigkeit gefahr 2c.) unverzüglich vorgenommen, oder zur Befriedigung der sammlungsrechte wahrgenommen werden können. Dies äußerst mißlichen Umstandes sind natürlich die Zeugenausfagen Bedürfnisse des häuslichen Lebens täglich verrichtet werden wird nun anders, nicht in Rücksicht auf das nur mit äußerster Sorgfalt aufzunehmen und daher wurden als müffen, fallen unter das Verbot nicht, ebensowenig Arbeiten, leibliche Wohl ber Bevölkerung, sondern zum besten Sachverständige zwei Psychiater geladen, die sich über bie welche in der Landwirthschaft und Gärtnerei zur Forisehung des der Kirche, die, wie gesagt, fast jeglichen geistigen Serren, Obermedizinalrath Dr. Grashey und Glaubwürdigkeit einiger Zeugen zu äußern haben. Diese Betriebes täglich vorgenommen werden müssen. Das mit ftörendem Geräusch oder Aufsehen verbundene Fortschaffen von Busammenhang mit der großen Masse der Bevölkerung herr v. Schrent Noting, äußerten sich einstimmig dahin, Gachen auf den öffentlichen Straßen und Plägen( z. B. das verloren hat. Es ist wahrscheinlich, daß die Herrschaften, daß ein Zeuge bei einem sensationellen Falle sehr wohl Fahren von Bier- und Rollwagen, der Umzug mit Möbeln die an der seit einer Reihe von Jahren mit unbändigem die fefte Ueberzeugung haben kann, die Wahrheit zu sagen und aus einer Wohnung in die andere und ähnliches) ist fünftig Eifer betriebenen Kirchenbauerei ihre Freude haben, auch dennoch unwahres vorbringt. Wir führen hier zum Beweise verboten, dagegen ist der Transport von Lebens- und Genuß über die neueste Beschränkung des bischen Versammlungs die Gutachten der Sachverständigen bezüglich eines Zeugen an: mitteln sowie von Eis während der für den Handel mit diesen rechts jubeln werden. Die guten Leute täuschen sich Gegenständen freigegebenen Stunden erlaubt. aber gewaltig, wenn sie glauben, daß durch solche auf Auch der Eisenbahn- Berkehr, der Personen Schifffahrts: Aeußerlichkeiten berechnete Maßnahmen etwa den zunehmenVerkehr, das Lobnfuhrwesen für Personen, die Beförderung von den Erfolgen der Sozialdemokratie Schranken gesetzt werden Reisegepäck, der Gewerbebetrieb für Rahnverleiher, Gondelführer, tönnen. Neue Erbitterung auch in Kreisen, die bisder Fahrrad Verleihinstitute, der durchgehende Fracht: Schifffahrts und Fracht- Fuhrwerts- Berkehr bleibt durch die lang noch nicht daran gewacht haben, sich unserer neue Polizeiverordnung unberührt, ebenso der Reichs Post- Partei anzuschließen, wird die Folge von den Maßund Telegraphen- Verkehr und der durch Privatunternehmer nahmen sein, welche deutlich den Anschein erwecken, vermittelte Brief- und Packetverkehr, sofern legterer vor der daß durch sie nicht das physische Wohl der Bevölkerung, Beit des Hauptgottesdienstes( wofür die Zeit von 10-12 Uhr fest sondern das Ansehen einer mit dem Leben und Schaffen gestellt ist) bewirkt und nicht durch Frachtfuhrwerk vermittelt des Volkes äußerst wenig zusammenhängenden Kirche ge= Der Betrieb des Gaft- und Schankwirthschafts- Gewerbes hoben werden soll. Im Kampf für Ordnung, Religion wird fünftig an Sonn- und Feiertagen der Beschränkung unter- und Sitte ist auch in diesem Falle keineswegs die richtige liegen, daß während der Zeit des Hauptgottesdienstes geräusch- Waffe gefunden worden. volle und auffällige Spiele, namentlich das Kegel-, Billard, Karten- und Würfelspiel und andere Vergnügungen und Luftbarkeiten verboten find. Diejenigen Schankwirthschaften, in denen ausschließlich oder vorwiegend der Ausschant von Branntwein betrieben wird, sind während der angegebenen Zeit nach der Straße verschlossen zu halten. Die Konvertirung der 4 prozentigen StaatsDeffentliche Bersammlungen und Aufzüge, welche anleihen wird eine allgemeine. Der Staatsanzeiger für nicht gottesdienstlichen Zwecken dienen, find an Sonn- und Württemberg" kündigt die Konversion von 315 Millionen Feiertagen erst nach der Zeit des Hauptgottes: 4prozentiger Staatsschuld in 3/ aprozentige an, wovon aber Dienstes gestattet. Auch nach Beendigung deffelben darf die Pensionsfonds nicht betroffen werden. Eine weitere in der Nähe von Kirchen Musit nicht veranstaltet werden, Herabsetzung des Binsfußes soll in den nächsten zehn Jahren Leichenbegängnisse dürfen während der Zeit des Hauptgottes dienstes nicht stattfinden. nicht stattfinden. wird. V Politische Neberlicht. = Berlin, 13. Oktober. Dr. Grashen sagte u. a.: Ich bin der Ansicht, daß es, wenn es sich um einen sensationellen Fall handelt, der seit längerer Zeit die Presse beschäftigt hat, und wenn durch letztere aufgefordert wird, daß jeder angiebt, was er weiß, gewissen Personen schwer wird, sich solchen Einflüssen zu entziehen. Solche Individuen halte ich alle für frant. Unter all den Leuten, welche sich gemeldet haben und den Berchtold gesehen haben wollen, mögen vielleicht 20 pCt. solche Individuen fein. Die Aussage des Penninger z. B. macht auf mich aus diesen Gründen keinen glaubwürdigen Eindruck. Penninger fagt mit dem besten Willen die Wahrheit, aber er nimmt gehörtes für gesehenes an. Solche Dr. Frhr. v. Schrent- Nozing bestätigt das von Professor Dr. Grashey Ausgeführte. Der Sachverständige fährt fort: Ich möchte noch weiter erwähnen, daß sogenannte psychische Epidemien große Voltsmassen er= regen können. Massenbewegungen spielen im Leben der Völker eine große Rolle. Daß die Presse außerordentlich große suggestive Gewalt hat, ist außer allem Zweifel. Es erfolgt aber eine Korrektur solcher psychischer Erregungen durch die Gegensuggestion bei Leuten von Erziehung, Bildung, Einfluß. Ich fann nicht leugnen, daß durch die Presse eine gewisse psychische Epidemie in dem vorliegenden Falle hervorgerufen wurde und ich habe die Ueberzeugung, daß eine große Zahl von Zeugen durch die Presse und die gesehenen Bilder in ihren Wahrs nehmungen beeinflußt wurde. So halte ich z. B. den Penninger für beeinflußt. Diese beiden Gutachten beweisen deutlich, daß Zeugen sehr Während der Zeit des Hauptgottesdienstes find ferner vers Auch diese Konvertirung hätte viel früher stattfinden wohl einander direkt widersprechen können und dennoch jeder boten alle Mufitaufführungen, Schaustellungen und theatralische tönnen, war boch der Kurs der 4prozentigen württem- derselben fest überzeugt ist, die Wahrheit zu sagen. Von einem Vorstellungen einschließlich der Proben dazu, ferner Wettbergischen Anleihen an der für sie maßgebenden Frankfurter Meineid kann infolge dessen hier feine Rede sein. Gerade der rennen und alle mit Geräusch verbundenen gesellschaftlichen Ver- Börse am 31. Dezember der Jahre 1886 bis 1895 1043/4, Prozeß Berchtold lehrt, wie vorsichtig man mit der Klage einbarungen und Vergnügungen an öffentlichen Orten, desgleichen 105,60, 105,60, 107,50, 106,50, 104,70, 104,80, 104,80, wäre, das Verfahren in der Essener Affäre nochmals aufzunehmen. erhebung wegen Meineides umgehen sollte und wie nöthig es oder Privatgärten. Drehorgelspieler, Seiltänzer zc. und ähnliche einen Kurs von( Ende 1894) 102,50 und( Ende 1895) alle die Sonntagsruhe störenden Beluftigungen in Privaträumen 103,50. Da aber die 31/ a prozentigen Anleihen schon jetzt wäre, das Verfahren in der Effener Affäre nochmals aufzunehmen. Der Rücktritt Rosebery's von der liberalen Partei Gewerbetreibende, welche Mufitaufführungen, Schaustellungen oder sonstige Luftbarkeiten ohne höheres Intereffe der 102,30 hatten, so wäre die Ronvertirung in 34 oder in England ist mehr als eine persönliche Frage, fie Man erklärt Kunst oder Wissenschaft darbieten, dürfen den Betrieb ihres Ge- 3 pCt. Stüde schon jetzt erwägenswerth gewesen. Desto deckt den Zerfall der Partei offen auf. die Partei brauche im Augenblick feinen werbes erst nach 3 Uhr beginnen. mehr Anstoß muß es erregen, daß eine Konvertirung auf nun, Das Führer. Der Gewerbebetrieb im Umberziehen und der Gewerbebetrieb 10 Jahre ausgeschlossen sein soll. Ueberall die gleiche zarte Bartei in England der offenen Erklärung nahe, daß die kommt bei einer parlamentarischen ber in§ 42 b ber Gewerbe- Ordnung bezeichneten Personen ist an Rücksicht auf das rentenempfangende Publikum in einer Bartei nicht daran glaube, in absehbarer Zeit zur Herrschaft Partei in England der offenen Erklärung nahe, daß die Sonn- und Feiertagen regelmäßig verboten. Zeit, wo man die dringendsten sozialen Reformen als un Tanzmusiken, Bälle und ähnliche Luftbarkeiten in Gasthäusern, burchführbar erklärt. Es lebe die Klassenpolitik! zu kommen und daß eine Erörterung über die Person Schankwirthschaften und sonstigen Vergnügungslokalen auch des künftigen Führers das Auseinanderfallen der wenn sie in geschlossenen Gesellschaften stattfinden dürfen Die Kreuz Zeitung" trat gestern in zwei drolligen Partei zur Folge haben würde. In der liberalen nicht vor 3 Uhr nachmittags beginnen. Für die Charwoche, Artikeln gegen die Deffentlichkeit im Militär den Bußtag, die ersten Tage der drei großen Feste und den dem Strafprozeß- Verfahren auf. Natürlich ist es die Partei in England sind zahlreiche Schattirungen, die sich Andenken der Berstorbenen gewidmeten Jahrestage sind daneben Rücksicht auf den inneren Feind, der die Beibehaltung des lediglich durch Familientraditionen und dergleichen von besondere Bestimmungen vorgesehen. gegenwärtigen Gerichtsverfahrens zur zwingenden Pflicht macht. den am Ruder befindlichen Konservativen und in garvon den mit diesen diesen verbündeten Unionsten Die Vornahme öffentlicher Versteigerungen und Verpachtungen Die Deffentlichkeit bedroht nach dem Junterblatt die un- nichts ift an Sonn- und Feiertagen überhaupt, die Ausübung der umgänglichsten() und heiligften Heeresgüter", fie wird unterscheiden. So wie diese von den Konservativen nicht Jagd während der Zeit des Hauptgottesdienstes untersagt. das Heer von seinen hohen Aufgaben gegen innere unterschieden werden können, so der manchesterliche Theil äußere Feinde So die Verordnung. In ihr ist nichts geändert und ablenten, ja einer au Gefahr der liberalen Partei. Ueber kurz oder lang wird auch machen. Und, an den Bestimmungen, welche geeignet sind, die Arbeits- für den Staat felbft die Haupt- dieser in dem Schooß der großen konservativen Ordnungskraft der großen Masse der Bevölkerung vor der fache, die Deffentlichkeit dient direkt zur Förderung der partei Unterschlupf finden und übrig werden blos bleiben Ausbeutung am Sonntag nothdürftig zu schützen. Es Sozialdemokratie, die, wie wenigstens die Kreuz- Zeitung" meint, von der großen liberalen Partei die Radikalen mit mehr bislang dem Heere nicht hat beikommen fönnen. Den Sozialsei denn, daß man die eine, meist nur die kleinen Leute demokraten", so heißt es,„ böte die Wolfsöffentlichkeit im Militär- oder weniger Anlehnung an die Sozialisten. berührende Bestimmung als Ausdehnung des Arbeiterschutzes Strafprozeß einfach nur eine Vergrößerung der Angriffsfläche, So sehen wir auch in England die Parteizerfegung, gelten ließe, welche für das Umzugsverbot an Sonntagen das Recht selbst würde ihnen nur die Pforte erweitern, durch diese für alle Länder in den letzten Jahr so charakteristische anscheinend keine Ausnahmen mehr zulassen will. Bisher welche die Destruktion auch ins Heer zöge." Leider vermissen wir in Erscheinung! Wer hätte es noch vo fünf Jahren unter machten bekanntlich zur Ümziehezeit wesentlich Arbeiter von dem Artikel statistisches oder sonstiges Material über die Gefahren- dem Ministerium Gladstone für möglich gehalten, daß jetzt der in besonderen Fällen gegebenen Erlaubniß Gebrauch, größe, welche die bayerische Armee, in der doch seit langem Gladstone, Rosebery und selbst der in seinem Ehrgeize unihre paar Siebensachen am Sonntag von der alten in die die Deffentlichkeit im Strafprozeß üblich ist, für den Bestand des verwüstliche Harcourt es ablehnen, die Führung der liberalen Staates mit sich bringen müßte. Das mit Gott für König und Partei beizubehalten. neue Wohnung zu schaffen. Vaterland kämpfende Blatt scheint immer noch nicht zu wissen, Wohl aber sind die Bestimmungen einschneidend, welche daß durch ein derartiges Geschreibsel den heiligsten und un- So traurig diese Entwicklung für die liberale Partei anscheinend bezwecken sollen, der Kirche dort ein äußeres umgänglichsten Heeresgütern" weit mehr geschadet wird, als durch ist, so erfreulich ist sie für die politische Entwickelung des Ansehen zu verschaffen, wo ihr die Fühlung mit der großen die Deffentlichkeit des Strafverfahrens in dem Falle geschehen Landes. Sie schafft Bahn für eine radikale Sozialpolitik Masse der Bevölkerung seit Jahrzehnten bis auf ein gering- tönnte, daß das letzte Bollwerk gegen den inneren Feind wirklich und für den Sozialismus. Chronik der MojestatSveleidigungS- Prozesse. Wege» Majestätsbeleidigung wurde in Straßburg i. E. der Ziegelei-Arbeiter Reinhardt aus Kronenburg zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. Reinhardt, der die Aeußerung in an- getrunkenem Zustande gethan hatte, war von seinem eigenen Sohne angezeigt worden. -1-« Tentsches Reich. Das Ende des FlottensammlungS«Ban! rotts> 1I2V M. 29 Pf., alles, was zur Anschaffung von Kriegsschiffen gesammelt wurde, ist den verunglückten deS„Iltis zugewiesen worden. — Eine neue Verfügung de? Justizminister greift überaus störend in das Strnfrechtsverfahrcn ein. Seit Beendigung der Gerichtsfcrien ist an sämmtlichen preußischen Gerichten ein neues Formular für die Ladung von Zeugen im vorbereitenden Strafverfahren eingeführt worden, welches sich in der Praxis als durchaus unpraktisch erweist. Auf den früher gebräuchlichen Formularen war theils im Druck, »Heils in Handschrift kurz und bündig zu lesen: In der Straf stäche wider N. N. werden St« zu einer Vernehmung als Zeuge (folgt Tag und Stunde, Nummer des Zimmers und Name des RichterS) geladen. Jetzt dagegen beißt es im echten Gerichtsstil Fn einem anhängig gewordenen Ermittlungsverfahren werden Sie zu einer Vernehmung als Zeuge u. f. w. geladen. Theoretisch ist der Unterschied gar nicht so groß, in der Praxis erst zeigt sich die Wirkung der Aenderung. Früher«rsaben die Zeugen sofort aus der Ladung, in welcher Angelegenheit sie vernommen werden sollen, heute ist dies nicht mehr erkennbar gemacht. Früher brachte der Zeuge in den meisten Fällen sein Beweis Material gleich mit zur Stelle, heute spielt sich ein überwiegender Theil der Vernehmungen in der Weise ab. daß der vernehmende Richter auf die an den Zeugen gerichtete Frage:„Was wissen Sie von der Sache?" die Antwort erhält:„Ich bin momentan nicht genügend informirt. Zu Hause habe ich genaue Notizen und schriftliche Beweisstück«, doch habe ich daS Material nicht mitgebracht, weil ich nicht wissen konnte, in welcher Sache ich vernommen werden sollte!" Das Resultat ist dann gewöhnlich, daß der Zeuge zu einem anderen Tage bestellt und ihn» aufgegeben wird, sein Material mit zur Stelle zu bringen. So werden in der Regel statt eines Termines deren zwei erforderlich gemacht und das Schreibwerk wächst ganz bedeutend, obwohl man sonst höheren Ortes stets auf Verminderung desselben bedacht sein will. Nun wird als Beweggrund für die eingetretene Aenderung geltend gemacht, daß es der schnellen Er Mittelung der Wahrheit förderlicher ist, wenn die Zeugen, un- vorbereitet, mit dem Zweck ihrer Vernehmung bis zum Beginn derselben nicht bekannt gemacht würden; praktisch wird das direkte Gegentheil erreicht. Wenn die Zeugen wegen mangelnder Information zu einem neuen Termine vorgeladen werden müssen, »viflen sie genau, auf was es ankommt, und eine Kollusions gesahr, die man vielleicht vermeiden wollt«, kann nun erst recht entstehen.-- — Bei Strafvollstreckungen sollen, wie die „Deutsch. Tagesztg." erfährt, nach einer Verfügung des Jiisttz Ministers nicht nur die Interessen der Arbeitnehmer, sondern auch die der Arbeitgeber und Dienstherren möglichst gewahrt werden; so beispielsweise durch Rücksichtnahme auf die Eintezeit.— Das agrarische Blatt begrüßt diese Verfügung mit Freude und Dank. Sozialdemokratische Arbeiter werden aber, wenn ste wegen ihres Glaubens an die Redefreiheit zu Gefängniß verurtheilt werden, meist unweigerlich zum Strafantritt ge zwungen, wenn sie auch i»it Rücksicht auf ihre Erwerbsverhält nisse»och so dringend um Strafaufschub ersuchen. Mit dem bekannten Rechlsgrundsatze unseres Schönstedt steht diese Praxis nicht im Widerspruche.— — Für die Unterstützung der Wahl deS freisinnigen Kandidaten in Brandenburg-Westhavelland hat der Schutzverein gegen agrarische Uebergrisse 1500 M. beigesteuert. Herausgeschmissenes Geld!— — Herr Dr. Wilhelm Lauser hat nun die Chef' redaklian der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" angetreten. Er will in den Fußstapfen seiner Vorgänger bleiben, also seine Zeitung weiter in dem Ruf des abgebrühtesten und unwissendste» aller Reptile stehen lassen. Er führt sich in der ersten von ihm gezeichneten Nummer folgendermaßen ein: „A u ch unter meiner Leitung whd die„Norddeutsche All gemeine Zeitung" ihrer überlieferten Aufgabe treu bleiben und, gestützt auf zuverlässigste Informationen, in konservativem Sinne für Kaiser, Reich und Landeswohlfahrt eintreten. An die Gönner, Freunde, Leser und Mitarbeiter des Blattes richte ich die Bitte, der„Nordd. Allg. Ztg." auch ferner ihr«erkthätiges Wohlwollen zu erhalten. Dr. Wilh. Lauser." Alle unabhängigen Blätter, drücken Herrn Dr. Lauser zu dieser unglücklichen Einführung ihr tiefgefühltes Beileid aus. Daß die„Nordd. Allg. Ztg." in den alten Geleisen bleibt, beweist schon ihr erster Leitartikel unter der.neuen Chefredaktion. Er beginnt mit folgenden Sätzen: Die sozialdemokratische Presse ist, wie man weiß, im allgemeinen nur das Sprachrohr des Parteivorstandes. Jeder Versuch einer Redaktion, sich einmal selbständig zu regen, wird sofort mit terroristischen Mitteln unterdrückt. Jeder Leser unserer Presse weiß, wie unrichtig diese Be< hauptung ist. Wir hätten ste nicht der Erwähnung wrrth ge- sunden, wenn sie nicht in einem Organe stand, das nie eine eigene Meinung hatte und auch in Zukunft keine haben will.— — Vom Schroeder-Poggelow. Der„Hamb. Korr." schränkt seine frühere Meldung, daß die Ostafrikanische Plantagen- gesellschaft gegen ihren früheren Direktor Dr. Schroeder-Poggelow den Klageweg beschreiten wolle, dahin ein, daß in einer stürmischen Anfstchtsrathssitzung Dr. Schroedcr seine Entlassung«ingereicht und eine Untersuchung gegen sich selbst beantragt habe. Der Aufstchtsrath habe dann eine Untersuchungskommission eingesetzt, die in der Arbeit begriffen sei. Ehe diese Untersuchung beendet fei, könne von einer Klage nicht die Rede sein.— — Eine neue Scylla und EharybdiS ist für den nördlichen Seefahrer der Weg um Skagen als durch den Nord- ostseekanal geworden. Nachdem derselbe drei Wochen lang durch den in demselben gestrandeten und umgekippten Dampfer„Johann Siem" gesperrt war, hat gleich nach seiner Wiederbenutzung ein anderer großer Dampfer eine mit 700 Eisenbahnschienen be- ladene Schute in den Grund gebohrt. Der Kapitän des Dampfers deponirte 7000 M. und setzte seine Reise fort. In- zwischen hat ein neuer Dampfer Kiel als Nothhafe» aufgesucht, um ein Leck dicht machen zn lassen, das ihm im Kanal durch daS Zusammenstoßen mit einem ihm begegnenden Dampfer erzeugt wurde. So setzen Unfälle auf Unfälle, von denen der des„Johann Siem" allein für BergnngSlohn, Reparatur und Verlust der Ladung an S00 000 M. kosten dürfte. Schuld an den vielen Unfällen tragen nicht allein die Kanalverhältniffe, sonder» vielfach auch die Ladeverhältnisse der Schiffe als auch die Beschaffenheit der Schiffe überhaupt. Ob sich wohl die Regierung veranlaßt sieht, um an der Hand des im Nordostsee- Kanals gewonnenen Materials den Schiffen eine strenge staatliche Kontrolle vorzuschreiben? Aber sie wird wohl den Verhältnisse» zum Trotz der Macht deS Kapitals weichen. — Die Wissenschaft und ihreLehre ist frei. sagt die preußische Verfassung. Damit stimmt hübsch überein folgende Notiz aus Kiel: Polizeilich ausgelöst worden ist der Lese- und Diskutirkkub Freiheit, weil er sich mit sozialpolitischen »nd wissenschaftliche» Fragen beschäftigt und Frauen als Mlt- glieder ausgenommen hat.— - Christlich-Sozial zieht nicht! In tiefer Be- kiimmerniß versendet ein Leipziger Verleger christlich- sozialer Schriften eine Bitte, ihn zu unterstützen, da er sein ganzes Kapital in seinen Büchern festgelegt habe. Er stellt die Er- gebnisse des sozialdemokratischen Druckschriften- Vertriebes mit denen seines chnstlich-sozialen Vertriebes zusammen. Der„Bor- wärtS" habe achtzehn neue Druckschriften aufgezählt, von denen 966 000 Stück in einem Jahre verbreitet wurden. Dazu kamen noch dreizehn Neudrucke in Höhe von 73 000 Stück. Der christlich- soziale Verleger aber hat am 19. September sein Berzeichniß von siebzig Schriften an fünfhundert„ausgewählte christlich. soziale Männer" gesandt und darauf ganze zwei Bestellungen er- halten.— Meerane, 10. August.(Eig. Ber.) Unsere letzt« Korrespondenz übt hierorts eine großartige Wirkung und der hohe Gönner und ausgezeichnete Mitarbeiter deS Amts- und Wochenblattes, hat sofort wieder uns den Gefallen gethan und einen fulminanten Gegenartikel lösgelassen, wobei er freilich sein übliches Pech hat. In fieberhafter Hätz sucht er zu beweisen, daß die bismärckischen „Hamburger Nachrichten" keinen Meeranischen Einsender brauche» und haben können. Ob und in wie weit er davon unsere Bürgerschaft überzeugen kann, bleibe dahingestellt. Die ganze Angelegenheit wird allgemein bekannter und das ist von großem Werth für die öffentliche Meinung. Der Vorfall mit der Feuerwehr, den wir nur gelegentlich registrirten, wird ebenfalls bekannter, was sonst nicht geschehen wäre; denn zu solchen geschehenen Dingen schweigt das Amtsblatt aus Ergeben- heit. ES gelingt der verehrten Redaktion des Wochenblattes verzweifelt schlecht, uns Entstellungen nachzuweisen; vielmehr wird unsere Korrespondenz bestätigt und vervollständigt, wofür wir dankbar sein möchten, denn vor allen« wird dadurch nur dokumentirt, was wir meldeten. Der Einsender des Wochenblattes bekennt in seiner Wuth gegen alles Sozial demokratische(woran man den alten Hetzapostel erkennt) mit hochpatriotischem Freimuthe, daß nur die Wahl des Lokals zum Thüringer Hof den Grund des originellen Verbotes abgab womit man die Sozialdemokraten in der Feuerwehr„erfreuen wollte. Auch die Versammlung der Feuerwehr für letztverflossenen treitag, zu welcher der Bote mehr als die erforderlichen timmen gesammelt hatte, wurde wegen des dritten Punktes der Tagesordnung: Stellungnahme zu dem Verbot, nicht gestattet. was ja auch der Schlußpaffus:„Für eine Generalversammlung läge auch gar kein Grund vor" u. s. w. zur Evidenz darthnt.— — Die Hätz gegen die Konsumvereine ist in Sachsen flott im Gange. Bekanntlich sucht die Bourgeoisie diese Vereine im Jntereffe des Kränierthums zu vernichten, und zwar dadurch, daß sie in den Gemeinden eine Steuer auf de» Umsatz der Konsumvereine einführt. An die Konsumvereine der Offiziere und Beamten wagt man sich natürlich nicht. Immerhin hat man sich in einigen Gemeinden soviel Besonnenheit bewahrt. um diesen Unfug nicht mitzumachen. So lehnte der Gemeinde rath von Schönefeld bei Leipzig die Einführung der Besteuerung deS Umsatzes der dortigen Filiale des Neuschöneselder Konsum- Vereins mit 9 gegen 0 Stimmen ab. In P l a n i tz bei Zwickau entschied der Gemeinderath ebenso. Geschröpft sollte hier werden die Filiale des Schedewitzer Konsumvereins mit einem Jahres Umsatz von 390 000 M. Vor diesem Punkte der Tagesordnung wurde beschlossen, für Planitz eine elektrische Licht- und Kraft anlage zu errichten, welche einen Kostenaufwand von über 200 000 M. verursacht; hierzu sollte der Konsumverein blute», hals aber alles»ichtS. Mit 8 gegen 6 Stimmen wurde die Umsatzsteuer abgelehnt.— — Die ReichStagSersatzwahl im 18. württembergischen Wahlkreise(Aalen, Ellwangen, Gaildorf, Neresheim) indet laut amtlicher Bekanntmachung am Dienstag den 17. No vember statt. Außer der Sozialdemokratie hat noch keine Partei ihre Kandidatin nominirt.— — Zum Empfang de? ZarenpaareS in Darm- ladt. Wie der„Zeit" aus Darniftadt gemeldet wird, lehnten die evangelische Etadtgeistlichkeit die Tbeilnahme an dem Empfang des Zarenpares, und die evangelische» Kirchenchöre ihre Mit Wirkung a» der Serenade im Hinblick ans den seinerzeit erfolgten Uebertritt der russischen Kaiserin zum russisch« orthodoxe» Glauben ab.— Mannheim, 12. Oktober.(„VolkSstimme.") Eine ungeheuere Aufreguug verursachte am Sonnabend«ine militärische Schießerei inmitten der Stadt. Gegen 9 Uhr abends transportirten ein Sergeant und ein Gefreiter einen Deserteur vom Bahnhof ins Militärgefängniß. Letzlerer nahm in der Nähe der Tragonerkaserne Reißaus. Als er auf dreimalige? Haltrufen nicht stehe» blieb, gab zuerst der Sergeant, dann der Gefreite je einen scharfen Schuß aus den Flüchtling ab, ohne ihn indeß zu treffen. Auch ein dritter Schuß ging fehl, doch war der Ausreißer durch die Schüsse so erschreckt, daß er den luchtversnch aufgab«nd wieder eingefangen werden konnte. chon auf den ersten Schuß waren auS allen Häusern Leute herausgestürzt, die Straße an und für sich war noch ziem- lich belebt, all' das aber hielt die schnecdigen Krieger nicht ab. ihre Kugeln die Slraßenflucht entlang zu senden, unbekümmert, ob dieselben neben dem Flüchtling auch den einen oder auderen Zivilisten niederstrecken könnten. Soweit wir bis jetzt erfahren konnten, ist glücklicherweise nichts passirt. Aber wie schon gesagt.war die Ausregung des„Zivilpacks" eine ungeheure. Wir sind be gierig, wie sich die Militärbehörde zu der Affäre stellt. Werden )ie leichtfertigen Schützen bestraft, wie es das Rechtsbewußtsein des Volkes verlangt? — Eine merkwürdige RechtSauffassung hat, nach der„Ulmer Zeitung", der Oberamtmann in hingen a. D. kundgegeben. Ein Freiherr in Granheim kam mir einer Gemeinde in Konflikt. Der Baron versuchte, einen öffentlichen, seit unvordenklichen Zeiten bestehenden Fußweg im Dorfe abzusperren, indem er eigenmächtig, ohne jede richterliche Entscheidung, an einem Ende des Fußweges ein tiefes Loch , rabe» ließ, um einen Pfosten einzusetzen. Der Schultheiß der Gemeinde ließ von Polizei wegen das Loch wieder zuwerfen. Kaum war dies geschehen, wurde er vor das Oberamt Ehingen zitirt, woselbst ihn der Oberamtmann mit folgendem Donnerwetter empfing:„Wie kommen Sie dazu, einem königlichen Kannnerherrn so zu begegnen, dem dritte» nach dem König I Sie haben gar nichts gegen den Herrn Baron zu thun. Sie haben ihn nur zu bitten, ihm nichts zu befehlen! l>ie Bauernschultheiß! Sie Pascha von Granheim. Eine solche i irechheit gegenüber einem königlichen Kammerherrn, wenn er «in Loch aufmacht,«S wieder zuzumachen. Eine Reitpeitsche hätte der Herr Baron nehmen solle» nnd ste recht durchpeitschen!" So ging es noch eine Weile fort, und das Endresultat bestand in einem Erlaß des Oberamts an daS Schultheißenamt Granheim, das von Polizei wegen aufgefüllte Loch wieder zu öffnen und in der alten Tiefe herzustellen. Im übrigen wurde die Gemeinde auf den VerwallnngsrechtSweg verwiesen.— Der Ehinger Oder- amtmann entspricht vollkoimnen den Idealen unserer ostelbischen Junker. Fuchsmühl sollte für solch feudale Gesellschaft doch zur Warnung dienen.— Oesterreich. — Ein« Vermehrung der HeereSlasten stellte bei der Berathnng des Rekrntenkontingents im Abgeordneten- Hanse der Landesvertbeidigungs-Minister in Aussicht. DaS Rekrutenkontingent wurde bewilligt und eine Resolutton des Abgeordneten Brzorad, welche die Regierung auffordert, wegen Einsetzung internationaler Schiedsgerichte mct anderen Mächten in Fühlung zu treten, wurden ebenfalls angenommen.— — DaS Wahlreformgesetz ist bekanntlich auch vom Standpunkte seiner Schöpfer ein der Ergänzung bedürfendes Gesetz, da die Provinzialvcrtretungen, die Landtage, über den WahlmoduS— direkte oder indirekte Wahl— zu entscheiden haben. Dies geschah, um vor allem in Galizien die nächsten Wahlen noch indirekt vollziehen zu lassen, weil diese Wahlart die Beeinflussung der Wehlen durch die behördlichen Organe in hohemMaßeerleichtert. Die Politik des ErafenBadeni geht dahin, die Landtage vorAusschreibungderWahl nichtmehr zusammenzuberufen und so die Wähler in den meisten Kronländern, vor allem in Galizien, auf indirektem Wege vornehmen zu lassen. Die Jung- czechen, die den edlen Grafen zwingen wollen, Farbe zu bekennen, haben folgende Interpellation gestellt: Nach den Bestimmungen der Wahlreform-Novelle vom 17. Juni d. I. hängt die Art der Wahl in den Reichsrath zu einem bedeutenden Theile von den über die Art der Wahlen in den Landtag getroffenen respektive zu treffenden Beschlüssen der Landtage ad. Es ist sohin als Konsequenz der Reichs- raths-Wahlreform anzusehen, daß den Landtagen der König- reiche und Länder vor Ausschreibung der Reichsraths- Wahlen die Möglichkeit geboten werde, die Landtags- Wahlordnung in Erwägung zu nehmen und eventuelle Reform- beschluffe zu fassen. Die Interpellanten stellen die Frage, ob der Ministerpräsident bereit sei, dieser Konsequenz der Reichs- ratbs-Wahlordnung Rechnung zu tragen nnd in seiner Kompetenz dahin zu wirken, daß die Landtage der Königreiche und Länder vor Ausschreibung der Reichsrathswahlen aus jeden Fall zu einer Tagung einberufen werden.— — Die Zeugenpflicht der Abgeordneten. Der Jmmunitätsausschuß hielt am 9. Oktober eine Sitzung, in der der Dringlichkeitsantrag des Abgeordneten Dr. Pacak betreffend die Zeugenpflicht der Abgeordneten in Verhandlung gezogen wurde. Zu der Sitzung, der der Jnstzminister Dr. Graf Gleispach beiwohnte, war auch der Antragsteller Dr. Pacak geladen. Justizminister Dr. Graf Gleispach vertheidigte das Gutachten des Obersten Gerichtshofes und brachte dem Ausschuß drei Grundsätze zur Kennmiß, auf grnnd deren er sich eine Gesetzesnovelle, die geschaffen werden müßte, denke, und zwar: 1. Ein Abgeordneter dürfe nur mit seiner Zustimmung über den Inhalt seiner Rede einvernommen werden; 2. Wenn er sich weigere, Zengniß abzulegen, nur mit Zustimmung des Hauses; 3. In Ehrenbeleidignngs-, Verleumdungs- und Ehebruchsachen auch ohne Zustimmung des Hauses.— Hierüber entwickelte sich eine lebhafte Debatte. Mehrere Mitglieder des Ausschusses sprachen sich für den ersten und zweite» Grundsatz mit einigen Abänderungen aus. Die Majorität des Ausschusses hielt jedoch an dem Grnnd- satze fest, daß die Zeiignißpflicht eines Abgeordneten nur mit Zu- ftinimung des Hauses zulässig sei. Es wurde ein dreigliedriges Snbkomitee gewählt, um dem Ausschuß präzise Anträge vor- zulegen. Diese Verhandlungen sind für alle parlamentarischen Körper- schaften von Bedeutung. Bei uns im Deutschen Reiche macht man sich freilich über solche Fragen keinerlei Kopfzerbrechen.— Frankreich. PariS, 13. Oktober. Dem sozialistischen Gemeinderath von Roanne, welcher den Jiussenfestlichkeiten ferngeblieben war, haben die republikanischen Mitglieder einen Protest überreicht, worin sie die Erklärung abgebe», sie würden künftighin den Sitzungen nicht mehr beiwohnen. Fürchterlich für unsere Genoffen!— PariS, 13. Oktober. Die radikalen Blätter verlangen die Veröffentlichung des russisch-französischen Vertrages. Millerand kündigt an, die Sozialisten würden über den russisch-französischen Vertrag Aufklärung verlangen, welche die Regierung mchl verweigern könne. Auf Befragen erklärte Millerand, er glaube nicht, daß der Kaiser von Rußland gekommen ist, um Frankreich beim Wiedererwerb von Elsaß-Lothringen zu helfen.— Paris, 12. Oktober. Ein Artikel der„Lanterne" hatte dem Minister Barth ou vorgeworfen, daß er alS Arbeits- minister gelegentlich der Berathung der den Eisenbahnen zu gewährenden Garantien Finanz- spekulattonen unternommen habe. Die„Lanterne" tbeilt nunmehr mit, daß der Minister Barthou die Bestellung emeS Ehrengerichtes verlangt habe.— Pariö, 11. Oktober. Ein amtliches Telegramm meldet, daß der neue Oberbefehlshaber auf Madagaskar, General Galliern, seine Stellung in Tananarivo am 28. September an» getreten hat. Die Provinzen, in denen die Unruhen herrschen, sind als Militärterritorien erklärt worden. Oberst Gonard hat 40 Kilometer von Tananarivo in der Richtung nach Majunga einen Erfolg über die Aufständischen davon getragen. PariS, 11. Oktober. Die Roya listen haben bei der Abreise des Zaren einen Brief veröffentlicht, den das royalistische Gemeinderathsmilglied Lambelin an de» Zaren gerichtet hat. In demselben wird in dem russischen Kaiser der Ber- treter des monarchischen Erbrechts begrüßt und dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß Frankreich dieses Erbrecht ver» kannt habe. Man hoffe, das Vaterland werde die momentan unterbrochenen Traditionen wieder aufnehmen. Es ist recht begreiflich, daß die Monarchisten die unrepubli- kanische Zarenbegeisterung für sich auszunutzen suchen.— — Die nächste Hochzeit der Orleans, die de» Prince Gamelle. ältesten Sohnes des verstorbenen Thron- Prätendenten, des Grafen von Paris, mit einer öfterreichischen Erzherzogin, die das heirathsfähige Alter schon überschritten hat, wird, dem Wiener Vertreter der„Daily News" zufolge, daS Gepräge einer politischen Demon st ratio» annehmen. All« Prinzen und Prinzessinnen des Hauses, von der Prinzessin Clementine bis zum zwölfjährigen Herzog von Montpensier werden anwesend sein. In der Hoiburg und dem Schlosse Schönbrunn werden alle verfügbaren Räume, selbst die Gemächer des verstorbenen Kronprinzen in Bereitschaft gesetzt. Ueber 30 Cavaliers d'Honnenr werden den fremden Prinzen beigegeben werden. Die französischen Legitimisten werden vollzählig in Wien ersche..ien.— Italien. — Crispi's Sohn. Man schreibt auS R o m: Es ist bekannt, daß Crispi's Sohn, Dr. Lnigi CriSpi, kürzlich in einem Prozesse wegen der Brillanten der Gräfin Celle» eine keineswegs beneidcnswerthe Rolle spielte. Dr. Crispi hat sich inzwischen nach Brasilien gewendet und bald daraus in Rio de Janeiro Ge- legenhcit gefunden, wieder von sich reden zu machen. Wie die in Buenos Aires erscheinenden Blätter melden, ist Dr. Crispi mit der Frau eines der bekanntesten Journalisten Rio de Ja- »eiro's, der ihm freundschaftlich beigestanden hatte, geflohen. DaS Paar hatte auch die beiden Kinder des betrogenen Gatte» mit- genommen, die dieser nur mit Hilfe der Staatsgewalt zurück- erhalte» konnte. Gegen Dr. Crispi wurde die Slrasamtshand- lung eingeleitet. Der ehrenwerthe Luigi scheint sich in seiner Umgebung recht nett herangebildet zu haben.— Spante». Madrid, 9. Oktober.(Eig. Bericht.) Wenn man wahr- nimmt, daß selbst bei der Erfüllung der heiligsten Pflicht, welche die bürgerliche Gesellschaft der Nation auferlegt: das Terrain deS Vaterlandes zu vertheidigen, und mag dasselbe auch auf die unehrenhafteste Weise erworben sein, die Korruption eine groß« Rolle spielt, so darf man es den spanischen Generälen nicht besonders übelnehmen, wenn sie die Korruption bis aufs äußerste treiben. Alle Welt weiß, daß General Marlinez CampoS nach dem kubanischen Kriege in den siebziger Jahren als reicher Mann heimkehrte, obwohl er früher nicht viel mehr besaß als eine arme Kirchenmaus. Und jetzt erhebt man in der Presse gegen den früheren GeneralstabSchef von Kuba, General Ochando, welcher vor etwa einem Monat aus Gesundheitsrücksichten" nach Madrid zurückkehrte, die schwere Be- schuldigung, daß er sich von dem Jnsurgentenführer Antonio Maceo habe bestechen lassen. Schon seit der Rückkehr wurde dies bare ein: " und Gerücht überall mehr ober minber faut ausgesprochen. Die Animofität beftebt, daß manche Genoffen bas alte freund- s Singer Bittet ben Rebner gum Raffenbericht zu sprechen. Riesel erklärt sich gegen den Antrag 94. Presse wollte die Sache vertuschen; aber schließlich ging das nicht schaftliche Verhältniß, das zwischen Genossen bestehen sollte, nicht mehr, da die Spazen es von allen Dächern fangen. wieder haben aufnehmen wollen.( Sehr wahr.) Jedenfalls habe Martitte Hamburg: A13 Bertreter eines SchleswigDie heitle Sache soll sich folgendermaßen verhalten: Der ich niemand durch meine Haltung verlegt. Denken Sie an die holsteinischen Kreises muß ich erklären, weshalb diese Genoffen Oberst Sotomayor befand sich mit feiner Truppenabtheilung in Agrarfrage: der Frankfurter Parteitag nimmt eine Resolution ihre Pflicht Geld an die Parteikaffe au schicken, in gröblicher der Proving Pinar del Rio, Domäne der Aufständischen unter an, die ich für schwächlich, für falsch gehalten habe. Ich Weise vernachlässigen, wie der Parteibericht fich ausbrückt. Ades Maceo, in einer für den letteren sehr ungünstigen Stellung. Um hätte also gegen den Frankfurter Parteitag vorgehen müssen. Nun Geld muß nach dem Vororte, in diesem Falle an die Agitations fich dieser Lage zu entziehen, bot Maceo dem genannten Oberst fommt der Breslauer Parteitag und faft eine umgekehrte Resolution. tomiffion in Neumünster geschickt werden. Albrecht Halle: Wenn Halle nur mit 5 M. im Raffen20 000 Besos oder 80 000 Mart, wenn dieser sich bereit Soll ich da plöglich gegen diese Stellung nehmen? Da hätte erflärte, feine Stellung aufzugeben. Aber der Spanier sich also der Vorwärts" über den Parteitag, über das höchste bericht figurirt, so liegt das an den Kosten der Nachwahl, die lehnte ab. Da bot Maceo das doppelte; aber der Spanier Forum der Partei, stellen müssen! Ift denn im Vorwärts" über 4000 M. betragen haben. Wir haben unser Partei- Organ blieb unzugänglich und theilte bem Boten Maceo's mit, daß er die Diskussion nicht geführt worden? Haben wir nicht alle feit 7 Jahren ohne Unterstützung gehalten. Auch hatten wir im ihn hängen laffen würde, wenn er sich in derselben Angelegenheit Gründe, alles Für und Wider ohne Unterdrückung", alles was letzten Jahre viel Prozeßtosten. Auch dieser Redner wendet sich noch zum dritten Male zeigen sollte. Mun trat aber das wunder- die Partei in der Agrarfrage geleistet hat, im„ Borivärts" zum gegen Antrag 94. Bérard ersucht gleichzeitig ben Antrag 94 abzulehnen, nach Verlauf von einigen Tagen erhielt Oberst Ausdruck gebracht? Sotomayor den Befehl, seine Stellung aufzugeben und zwar kam Derjenige, der von den Parteigenoffen annimmt, daß fie ein weil dadurch dem Hamburger Gefchäft ein großes Defizit ents diefer Befehl vom Generalstabe, also von dem General denkendes Bolt sind, der ihnen in Streitfragen die Stritit über- fiehen würde. Die Kolporteure haben durchaus teinen großen. Ochando. Der Oberst führte den Befehl aber nicht aus, griff läßt, hat doch wahrhaftig eine beffere Meinung von ihnen als Schaden. Ihr Berdienst beträgt noch immer 41 pet. Der vielmehr die Aufständischen an und errang einen für die Spanier derjenige, der sagt, das Individuum, heiße es nun Liebknecht, Kalender ist durchaus nicht schlechter geworden. In diesem günftigen Erfolg. Deffen ungeachtet begab sich der Oberst nach Bebel oder Auer dittire ihnen von oben herab seine Meinung. Jahre ist die Nachfrage außerordentlich groß. Ende September Havannab, um General Weyler Mittheilung von dem Vor-( Sehr wahr.) war die erste Auflage bereits vergriffen. gefallenen zu machen. Bald darauf erfolgte die Demission Meine Stellungnahme bin ich jeden Augenblick bereit, Ihnen Schmalfeld Bremerhafen: Ich habe felber Bedenken Ochando's. Man nimmt nun an, daß letzterer das Geld vorzutragen; das aber zur Sache des Partei Organs zu gegen den Antrag, den ich zu vertreten habe. Wir können aber der Aufständischen angenommen habe und dem Oberst den Befehl machen, zu sagen, das allein ist gut richtig, doch wohl wie früher fünfzig Pfennige für den Kalender der Dann ist gesagt, Vorwärts" nehmen. Er ist sehr gut. gab, feine Stellung aufzugeben; und man will wissen, daß der das geht nicht. Das würde anch im Interesse in Frage stehende Oberst die Sache in Privatbriefen feinen führe die Partei nicht, überlasse das den Lokal der Partei- Buchhandlungen und Partei Kolporteure liegen. Freunden mitgetheilt haben soll. blättern. Ich habe mir gedacht, daß es das höchste Wenn Bremerhafen und Umgegend in dem verfloffenen General Ochando leugnet dies natürlich auf das aller Prinzip einer demokratischen Regierung set, daß sie mit dem Jahre weniger als sonst in die Parteitaffe gesteuert haben, so liegt entschiedenste. Es wird Zeit, den tubanischen Aufstand Bolte mitgeht, daß sie die Strömungen im Volfe fennen lernt. bas daran, daß wir die Norddeutsche Boltsstimme" in Geeste zu beendigen, da das das spanische Bolt der Erschöpfung Das andere ist der monarchistisch- zäfaristische Standpunkt, daß münde, die bisher in Privatbesit war, in Barteiregie genommen schon sehr nahe ift. Mehr als 200 000 Mann Landes- die Meinung von oben diktirt wird. Unsere Organisation ift haben. Das erforderte immerhin 8-9000 m. Ein Schlußantrag wird angenommen. tinder stehen auf Ruba und werben zum größten Theile demokratisch, und da ist es nöthig, daß die Richtung aus der Im Schlußwort bemerkt erisch: Genosse Grenz hat Opfer des schrecklichen Klimas. Seit Anfang des Krieges find Maffe heraus tommt. Wenn ich je einen Gedanten fonfequent 165 551 Mann nach Ruba gefandt worden, ohne die Erfah- und zäh durchgeführt habe, so ist es der, zu verhindern, daß ein der Parteileitung vorgeworfen, daß sie nicht ein paar Wir haben Ieute zu rechnen, welche die zahllosen Verluste des bisherigen Leithammelthum in der Partei aufkommt( Lebhafter Beifall), tausend Mark für Leipzig geopfert hat. Bestandes zu decken hatten. Man macht sich keiner Ueber denn das ist das Verderben jeder Partei, und das ist aber aus den Ziffern, die er anführte, gesehen, daß es sich um treibung schuldig, wenn man die Zahl der nach Kuba entfendeten mir als Schwäche ausgelegt worden, daß ich in einer Lebens einige sehntausende gehandelt hat. Wir hatten allen Grund, dies Menschen auf mindestens 250 000 Mann annimmt; nur zu gut frage der Partei feft geblieben bin! Den Mann will ich sehen, Verlangen zurückzuweisen, denn was wir Leipzig bewilligt hätten, weiß man hier, daß viele Regimenter vollständig aufgerieben der sich hinstellt und sagt: Ich habe in der Agrarfrage die allein hätten wir auch anderen Städten nicht abschlagen tönnen. worden sind und von den ursprünglichen Leuten nur noch sehr richtige Meinung. Sie fehen, daß ich hier nicht oberflächlich und was die weiteren Borwürfe anlangt, so habe ich nur erklärt, daß wenige besigen. Aber man hat an diesen Opfern noch nicht ohne Prinzip verhandelt habe. man sich auf Leipzig nicht berufen kann, weil dort die Verhältnisse genug: im November gehen weitere 45 000 Mann als Schlachtanders liegen und weil die Leipziger Genossen bei der Fülle vieh nach Kuba; und nur wenige werden ihr Vaterland wieder dessen, was ihr Organ bietet, sich vielleicht überlegen müßten, sehen. Und was toftet der Krieg? Täglich etwa 2 Millionen ob nicht eine Erhöhung des Abonnementspreises angebracht wäre. Pesetas; und wozu all diese Opfer? Ein Machtwort der VerDaraus ist dann in dem Bericht über den westfälischen Parteitag entstanden, es sei zweifelhaft, cb einigten Staaten und die spanische Rolonialherrschaft hat die Deutung wenigstens auf amerikanischem Boden für immer ein Ende. Leipziger Blatt profperirt. Zum Schluß bitte ich nun noch, daß die Parteigenoffen unsere zarten Winke beherzigen und die Ueberschüsse an uns abführen mögen, damit es nicht nöthig ist, sie im nächsten Jahre wieder an ihre Pflicht zu erinnern. Dänemark. Der dänischen Boltsvertretung sind durch Die Regierung drei neue Geseganträge zuge gangen. Ueber das eine Gefet betreffend den Ge werbebetrieb ist im Ausschuß des Follethings bisher noch teine Einigung erzielt. Wichtig ist der zweite Gefeßentwurf, der die Bewirthung und den Handel mit Brannt wein, Wein und steuerpflichtigem Bier behandelt. In diesem wird bestimmt, daß die Gasthöfe nur Reifende auf nehmen dürfen und daß für den Ausschant von Spirituosen eine befondere Konzession erworben werden muß. Ferner foll in 3u funft das Recht zur Ausübung des Wirthschaftsbetriebes vom Minister des Innern nachgesucht werden, eine Bestimmung, die der Regierung wohl einen weiteren politischen Einfluß verschaffen soll. Das Recht zur Veranstaltung von Tanzvergnügungen und zur Einrichtung von Billard fälen und Kegelbahnen kostet eine besondere Abgabe von 10 bis 100 Kronen. Rußland. - Die zahllosen Opfer der Berfolgungswuth ber ruffischen Regierung veranlaßten unsere Petersburger Genossen, ben folgenden Aufruf zu veröffentlichen: An die russische Gesellschaft! Wir wenden uns an alle diejenigen, welchen die Intereffen der russischen arbeitenden Klaffe theuer find, die nicht theilnahme Ios dem großen Kampfe gegenüberstehen, welchen die Arbeiter gegen das schwere Joch des Kapitals begonnen haben. In diesem bentwürdigen Jahre hat der russische Arbeiter sich dem sozialistischen Weltkampfe offen angeschlossen. Die Streits dieses Jahres find Euch bekannt. Mögen Euch auch die tausende von Opfern bekannt werden, welche in Gefängnisse geftedt, verbannt, ausgewiesen und auf jede Weise ins Unglück gestürzt sind. Die Zahl der Kämpfer Arbeiter, welche nur während des legten Petersburger Streits der 18 Fabriken verhaftet wurden, übersteigt 1000 Mann. Wir rufen jene von Euch an, welchen die Leute der That, und nicht der Worte, theuer find, wir rufen Euch an, nach Kräften Hilfe zu leiften. September 1896. Der Verein für den Kampf um die Befreiung der arbeitenden Klasse. Türkei. Ich wiederhole: meine Person wird niemals ein Hinderniß sein. Es ist ein hartes Wort gefallen: indem man dem Liebfnecht die Zeitung des Vorwärts" gab, hat die Partei einen Fehler gemacht; an dem leidet sie jetzt. Ich bin nicht verheirathet mit dem Vorwärts". Ich bin jeden Augenblick bereit zurückzutreten, ich verschlimmere meine Lage dadurch nicht. Ob es aber ein Fehler war, ob es nicht besser ist, den Vorwärts", so wie er jegt ist, zu lassen, statt ihn zu einem Parteivorstandsorgan zu machen, möchte ich doch sehr beweifeln. Eins steht feft: ich habe mich stets bemüht, meine Schuldig teit im Interesse der Partei zu thun( Beifall). So lange ich auf dem Poften stebe, werde ich meine Schuldigkeit thun im Jnteresse der Partei.( Lebhafter Beifall.) Ich verweise nicht auf meine Bergangenheit, das fällt mir nicht ein. Ich habe schon vor 8 oder 9 Jahren in einer Boltsversammlung in Mannheim gesagt: Wenn ich merke, daß ich der Rampfaufgabe nicht mehr gewachsen bin, dann trete ich zurück. Denn länger in einer Bewegung im Vorkampfe zu sein, als die Kräfte reichen, das ist thöricht. Mir braucht man feinen Stoß zu geben, um mich von meinem Blaze zu entfernen. Glauben Sie, daß ich mich nicht auch manchmal nach Ruhe gefehnt habe? Aber ich habe noch keinen gefunden, der es besser macht als ich, und nun fchließe ich mit der Hoffnung, daß die Besprechungen auf diesem Parteitage dazu führen werden, den Vorwärts" so zu gestalten, daß den unerquicklichen Verhältnissen ein Ende gemacht wird. ( Lebhafter Beifall, Händeklatschen.) " B Ein erneuter Antrag auf Schluß der Debatte wird nunmehr mit großer Mehrheit angenommen. Schleicher Mülhausen stellt feft, daß er, obgleich feit gestern gemeldet, nicht zum Wort gelassen wurde. Er habe einen wichtigen Antrag für Elfaß- Lothringen zu begründen. In persönlicher Bemerkung nimmt Timm Berlin seine scharfen Ausdrücke gegen Quard zurück. Schmidt- Magdeburg erklärt, daß er einen persönlichen Vorwurf Liebknecht nicht habe machen wollen, er habe nur die Anschauung vieler Parteigenossen zum Ausdruck gebracht, daß Liebknecht an der Spitze des" Borwärts" nicht auf dem richtigen Plaze sei. Auer erklärt, er fei jeden Augenblick bereit, für jede Zeile, die im Berlaufe der Polemik in der Sache Quarck im Bor wärts" gestanden habe, ausdrücklich die Verantwortung zu übernehmen, wenn Quard es wünschen sollte. " In einem Schlußworte zu dem Punkt Presse" giebt Pfanntuch die Erklärung ab, daß die Anträge 42 bis 44 von den Hamburgern zurückgezogen seien, da die Absicht, ihre Wünsche, die sie in bezug auf die Neue Welt" hatten, in Gegenwart ihres Redakteurs zur Sprache zu bringen, erfüllt sei. Die -Dermatebonische Bandenführer Gula Grutas Verhandlung hat gezeigt, daß Genosse Steiger guten Rathwurde bei einem gestern stattgehabten Zusammenstoße mit türki- fchlägen ja auch zugänglich ist. Die Zukunft wird lehren, ob schen Truppen getödtet, und fein Kopf im Triumphzuge nach die Neue Welt" weiteren Anlaß zu Klagen geben wird. Die Grevena gebracht. Seine Bande rückt inzwischen in der Richtung erforderliche Klärung hinsichtlich der Verhältnisse im„ Borwärts" auf Siatifta vor. ift ja nunmehr erfolgt. Konstantinopel, 18. Oftober.( Rölnische Zeitung.") Die 74 abgelehnt. italienische Botschaft hat an die Pforte eine in nachdrucksvollem Tone gehaltene Note gesandt, in welcher der türkischen Regierung Vorstellungen betreffend die Ermordung eines jungen Italieners gemacht werden, der bei den Megeleien ums Leben tam. Die gemacht werden, der bei den Megeleien ums Leben kam. Die Note fordert zum Schluß Bestrafung der Schuldigen und Bezahlung einer Entschädigungssumme. bas Die Abstimmung ergiebt die Ablehnung des Antrages 94. Der Antrag Meister, dem aufgelösten Parteivorstand und dem an seine Stelle getretenen Ausschuß Decharge zu ertheilen, wird mit großer Mehrheit angenommen. Schluß 6 Uhr. Dersammlungen. Der Sozialdemokratische Agitationsverein für ben Wahlkreis Stralsund Franzburg- Rügen hielt am 4. Oktober seine Generalversammlung ab. Die Einnahme betrug im letzten Quartal 62,55 M., die Ausgabe 19,35 M., somit ist ein Bestand von 43,20 M. vorhanden. An gelesenen Beitungen und Broschüren wurden 45 Kilogramm gesammelt. Die Neuwahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Schulze, Borsigender; Sump, Kassirer; Oswald, Schriftführer; Werner, Beisiger; als Revisoren wurden Behrends und Klüber gewählt. Die Vereinssihungen werden jeden Sonntag nach dem 1. und 15. im Monat, vor mittags 10 Uhr, bei Linte, Jüdenstr. 36, abgehalten. Eine öffentliche Versammlung der Glaser, die am Montag in den Arminhallen abgehalten wurde, erklärte den Streik für beendet, da, wie aus den Darlegungen der Streitkommission hervorging, die hauptsächlichste Forderung, der Neunstundentag, im allgemeinen als durchgeführt betrachtet werden kann. Ueber folgende Werkstellen, die noch nicht bewilligt haben, wurde die Sperre verhängt: Franz Becker, Wahl u. Sohn, Iglisch, Fachmann, Schelzti, Protoft, Ganter, Schmidt, Langestraße, Rohrlack. Die Versammlung beschloß ferner, den wöchentlichen Beitrag zum Streitfonds auf 50 Pf. herabzufeßen und wählte als Revisoren der Streitkommission die Kollegen Fiegel, Majewski, Peters, Grabow. Steglit. Am 9. d. M. fand in Stegliß eine öffentliche Protestversammlung gegen den Ausschluß der Frauen vom Vergnügen der Arbeiter statt. In letzter Zeit weht in Steglit ein besonders scharfer polizeilicher Wind, die Behörde macht jedoch, natürlich, ohne daß sie davon eine Ahnung hat, für uns durch ihre Verbote die beste Agitation, indem sie das schöne preußische Bereinsgefeß jezt schon auf einen einzelnen Bürger, der zu fällig auch Mitglied eines politischen Vereins ist, in Anwen dung bringt. Die Laffallefeier wurde dem Genossen Mohr erst bescheinigt und bewilligt. Nachdem bereits die 9,50 Steuern dafür bezahlt waren, wurde das Bergnügen insofern illusorisch gemacht, als die Theilnahme der Frauen untersagt wurde. Ebenso fand das In der Abstimmung werden die Anträge 84, 45, 49, 50, 51, Vereinsgesetz Anwendung auf beide im Orte bestehende Gefangvereine. Dem einen wurde ein Eisbeineffen als Versammlung aufgelöft Zur Annahme gelangen die Anträge 81, 47, 52, 98 von dem anderen verlangt man dagegen obendrein, nachdem dere und 98. Der lektere ist von Bebel gestellt und lautet: der selbe schon verschiebene Jahre besteht, die Statuten und die Parteitag wolle beschließen, die Parteileitung zu beauftragen, zu Mitgliederliste. Bu obiger Protestversammlung waren der Amtsuntersuchen, durch welche Maßnahmen das Defizit der Neuen vorsteher, sowie sämmtliche Gemeindevertreter eingeladen, jedoch Welt" auf ungefähr 25 000. herabgebracht werden kann. nur ein Gemeindevertreter, Herr Schebesta, war erschienen. Es erfolgt nunmehr die Diskussion zu dem Kassenbericht. Derselbe gab zu, daß er diesen Druckt seitens der Behörde nicht Dazu liegt der Antrag 94 vor: Der Parteitag wolle be- für angemessen halte, er erklärte jedoch, felbst nicht in moralischem schließen, daß der finanzielle Ausfall, der durch die Berbilligung Sinne auf eine Aenderung einwirken zu können. Das Referat in bes Neuen Welt- Kalenders entstanden, nicht wie bisher von den dieser Bersammlung hatten Genosse Wagner und Fräulein Kolporteuren, sondern von der Verlags- Buchhandlung getragen Ottilie Baaber übernommen. In scharfen Worten fritisirten Marottanifches. Nach einer Depesche des wird. die Redner die Maßnahmen der Behörde. Es Madrider Blattes Liberal" aus Tanger haben der französische Grenz: Vor zwei Jahren wollten die Leipziger Genoffen eine Resolution angenommen, welche in schärfster Weise und der spanische Gesandte eine gemeinsame Reklamation an aus ihrer Parteizeitung Der Wähler" ein anderes größeres zu dem Vorgehen der Behörde Stellung nahm, ferner wurde das die marottanische Regierung wegen des von maurischen Piraten Organ schaffen. Das tostete natürlich Geld. In Berlin war Bureau beauftragt, diesbezügliche Anträge bei der Gemeindes auf eine französische Bart und ein spanisches Schiff ausgeführten der Parteivorstand, an den fie fich wandten, bis an den Hals vertretung zu stellen. Des ferneren würde dem anwesenden Angriffs gerichtet. zugeknöpft und gab teinen Groschen. Für Leipzig wäre es doch Herrn Gemeindevertreter vor Augen geführt, daß ein in Der Eingeborenenausstand in Transvaal am allerwenigsten gefährlich gewesen, einmal ein paar fommunalen Diensten stehender Steinschläger auf einem an der dehnt sich weiter aus. Sechstausend Ausständische versuchen die tausend Mark zu geben. Vom Wähler" war noch ein Rest- Straße gelegenen offenen Grundstücke übernachten müsse und Arbeiter mit Gewalt einzuschüchtern. Militär wird zusammen- bestand von 8000 m. da. Es mußten also Darlehen aufgenommen zwar, indem derselbe das Schußbrett einfach gegen den benach gezogen. Die meisten Bediensteten sollen angeblich den Streit werden: 18 000 m., davon 6000 von privater Seite und 10 000 barten Baun stellt. Der betreffende Arbeiter ist 77 Jahre alt. unterstützen, weil sie fürchten, ihr Lohn werde herabgesezt von Gewerkschaften. 2500 M. sind schon zurückgezahlt, 3000 M. Ob dieser Arbeiter bei dem geringen Verdienst wohl im stande werden. tamen durch Geschenke als Preßfonds zusammen und das ist, sich eine Schlafstelle zu miethen, dürfte von jedermann stark Leipziger Agitationskomitee der Partei gab 5000. Da trat bezweifelt werden. Die Polizeistunde war selbstverständlich auf aber das ganz unerwartete ein, daß das neue Blatt einen 10 Uhr festgesetzt. Die Versammlung wurde mit einem stürmischen foloffalen Aufschwung nahm. Der Abonnentenstand des Wählers" Hoch auf die internationale Sozialdemokratie punkt 10 Uhr ge verdoppelte sich und das erforderte natürlich wieder eine Vergrößerung schloffen. - In Konstantinopel bauern die Verhaftungen von jungtürkischer Umtriebe verdächtigen Personen fort. Afrika. Parteitag " wurde der sozialdemokratischen Partei des Geschäfts und neue Mittel. Wieder mußte geborgt werden. Das Depeschen und letzte Nachrichten. Deutschlands. ( Schluß aus der 1. Beilage.) Agitationsfomite gab 9000. und in diesem Jahr noch 2700 N. Nun außerhalb Berlins giebt es ja auch noch Leute, die verstehen, ein Unternehmen zu leiten. In der kurzen Zeit von zwei Und da komme ich zu dem anderen Punkte, von dem Bebel Jahren ist es den Leitern des Leipziger Geschäfts schon gelungen, gesprochen hat. Er tadelt es, daß ich in der Polemit, 14 000 m. zurückzuzahlen. Es ist nun mit überwiegender Majorität in der ich verwickelt wurde, gesagt habe, wenn der von den Leipziger Genossen beschlossen worden, 1000 m. an die Partei Borwärts" in solchen Fragen scharfe Stellung genommen abzuführen, aber erst nach dem Parteitage, weil es unmittelbar hätte, so wäre eine Spaltung möglich gewesen." Eine vor dem Parteitage zu toll aussehen würde. Die Möglichkeit Spaltung in dem Sinne, daß die deutsche Sozialdemokratie nicht hätten wir dazu schon jetzt gehabt.( Beifall.) Kiesel Berlin: Wir sind der Meinung, daß die einzelnen mehr als Ganzes zusammen steht, halte auch ich selbstverständlich für undentbar. Aber die Dinge haben sich so zugespigt, daß eine Städte mit ihren Parteibeiträgen nicht so im Rückstande bleiben ganze Menge der hervorragendsten Genossen in Bayern derartig dürfen, wie es in den letzten Jahren geschehen ist. Berlin hat gereizt waren, daß eine vorübergehende Spaltung wahrscheinlich, 36 000 m., Hamburg 25 000 m. abgeliefert. Auch in den großen ja gewiß gewesen wäre.( Zustimmung.) Aber das sind Ansichts- Städten ist es nicht so leicht, solche Summe zusammenzubringen. fachen. Ich weiß, daß aus jener Zeit noch eine derartige Aber wir thun unsere Schuldigkeit. Frankfurt a. M., 18. Ottober.( B.$.) Die Frankfurter Beitung" meldet aus Mannheim: Der Sparkassenrechner Konrad aus Waibstadt wurde wegen Unterschlagung im Amt zu 41/2 Jahren Gefängniß und 4 Jahren Ehrverluft verurtheilt. Straßburg i. E., 18. Oftober.( W. T. B.) Wie die Straßburger Poft" meldet, ist das bischöfliche Gymnasium wegen einer unter den Schülern start auftretenden Darm- Erkrankung auf 8 Tage geschlossen worden. Die Krankheit wird ausdrücklich als nicht gefährlich bezeichnet. Tanger, 12. Ottober.( Melbung des Reuter'schen. Bureaus.) Der frühere Vezier Djamai, der sich wegen einer Verschwörung zu gunsten Muley Mohammed's in Tetuan im Gefängniß befindet, wurde todt in seiner Zelle aufgefunden. Seine blutbefleckten Kleider deuten auf einen gewaltsamen Tod hin. - Merrtzvirhten. Bon der Agitation. Nach fast ziveijähriger Pause konnte im ultramontanen Münster in Westfalen»vieder eine von unserer Seite einberufene Volksversammlung abgehalten werden Mau hatte sich große Mühe gegeben, den Sozi das Lokal abzu treiben, aber der Wirth blieb seinem gegebenen Worte treu. Auch daß der ultramontane„Münsterische Anzeiger" die Versamm- lungsanzeigen nicht brachte, half nichts. Die Versammlung ging vor sich und der über 400 Personen fassende Saal des Herrn Weppelmann war bis auf den letzte» Platz besetzt. Das Referat Dr. L ü t g e n a u' s, der die Bestrebungen unserer Partei au grund des Parteiprogramms darlegte, wurde von der Versammlung obwohldie Gegnerzahlreichvertreten waren, mitgroßemBeifallausi genommen. Der Vorsitzende forderte dann die Gegner wiederholt aus das Wort zu nehmen, wobei er ihnen unbeschränkte Redefreiheit zw sicherte, aber die Schwarze» schwiegen still. Aus dem Hinterhalt läßt sich ja auch leichter kämpfen, als Mann gegen Mann. Der ultramontane Reichstags-Abgeordnete Professor Hitze, der zu der Versammlung brieflich eingeladen war, glänzte überhaupt durch Abwesenheit. So blieb der Sozialdemokratie unbestritten das Terrain. Es ist nun Pflicht der aufgeklärten Arbeiter in Münster, den Wirth Weppelmann durch ihren Besuch so viel wie möglich zu unteistützen, denn es versteht sich, daß die Schwarze» Himmel und Hölle in Bewegung setzen werden, um uns das neu- gewonnene Lokal wieder abzutreiben. Auf seiner Agitationstour durch Württemberg sprach Reichstags-Abgeordneter S t a d t h a g e n in den Orten Heil bronn. Schwäbisch Hall, Schwäbisch Gmünd, Göppingen, Ül»v Eßlingen, Stuttgart, Kannstatt. Schwenningen und Schramberg I» diesen Versannulunge», die sich des regsten Besuches er- freuten, bildete die Klassengesetz-Natur des Bürgerlichen Gesetz buches das Vortragsthema. Ueberall wurden Stadthagen's Aus führungen mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die anwesenden Gegner traten, trotz Aufforderung, nirgends auf den Plan, um ihre Ansichten darzulegen. Auf Veranlassung der Genossen in Krim mitschau unternahm, wie uns von dort geschrieben wird, Genosse Dr. Q u a r ck aus Frankfurt am Main in der Zeit vom 29. September bis 4. Oktober eine Agitationsreise durch das sächsische Vogtland. In Plauen, Netzschkau und Reichen dach sprach er vor großen Volksversammlungen au Wunsch über„christlichen und wissenschaftlichen Sozialismus", in M e e r a n e über„moderne Arbeiterbewegung und Geiverk schaften". In letzlerer Versammlung erklärten gegen SV Personen ihren Beitritt zur Gewerkschaft. Die in K r i m m i t s ch a u geplanten beiden Versammlungen, wo außer Quarck Reichstags� Abgeordneter Seifert spreche» sollte, wurden verboten. Zuletzt sprach Genosse Quarck in der thüringischen Stadt S a a l f e l d Über die Aufgaben der Gewerkschaften. Das zu Oldenburg gehörige Fürstenthum Birke nfeld in der Rheinprovinz mag der Aufmerksamkeit unserer rheinische» Parteigenossen htermit empfohlen sein. Bei der letzten Landtags- Wahl scheinen dort die Arbeiter so gut wie gar nicht gewählt zu habe», wenigstens ist, wie das„Norddeutsche Volksblatt" schreibt, lein einziger Arbeiter zum Wahlmann gewählt worden Von den 90 Wahlmännern, die zu wählen waren, sind 33 Lehrer. 17 Kaufleute und 17 sonstige Gewerbetreibende, IS Land leute, S Schöffen, k Gemeindebeamler, 1 Fabrikverwalter und 1 Apotheker. Wie wenig qualifizirt der Antisemit G l ö ß in Dresden ist, gegen die A r b e i t e r v e r t r e t e r in der dortigen Orts krankenkasse Vorwürfe zu erheben, ergiebt sich, abgesehen von der Unstichhaltigkeit fetner Behauptungen, noch aus folgender Thatsache. Er sollte als Vorstandsmitglied insgesamml an 49 Sitzungen theilnehmen. In 19 davon fehlte er(davon in 7 unentschuldigt) und in den übrigen 30 Sitzungen kani er m- i st zu spät. Polizeiliches, Gerichtliches ir. — In Finsterwalde ist jetzt schon ein Hoch ans die internationale Sozialdemokratie„grober U n f u g". Der Vertranensmann Paul W i n k l e r hat ein solches Hoch in einer öffentlichen Versammlung ausgebracht, er empfing dafür einen aus sieben Tage Haft lautenden Strasbefehl und das Schöffengericht bestätigte denselben, setzte aber gnädigerweise die Strafe auf drei Tage herab. Begründet wurde das Urtheil damit, daß z» der Versammlung auch Nichtsozialdemokrate» Zu- tritt gehabt hätten, die— wie man annahm— durch das Hoch unzweifelhaft belästigt worden wären. Da heutzutage nicht nur die Arbeiter, sondern sogar schon die Agrarier inter- national sind, so wird die Berufung?- beziehentlich die Revisions- instanz wohl nicht umhin können, das Finsterwalder Schöffeir gericht zu belehren, daß ein Hoch aus die internationale Sozial demokratie wohl oder übel straflos bleiben muh. — Genosse S ch w e r i ck e ans Deetz hatte bei der Maifeier der Genossen aus L e h n i n zur Landpartie des Arbeitervereins auf seinem Wagen Bier mitgebracht und selbiges gegen vorher gelöste Marken an die Vercinsmitglieder abgegeben, Er mußte sich dieserhalb am Donnerstag vor dem Brandenburger Schöffen gericht verantworten. Obwohl der Gendarm beschwor, ein Bauer aus Göhlsdorf habe dem Angeklagten Geld für das Bier in die Hand gedrückt, wurde derselbe doch freigesprochen, da ein persönlicher Vorthcil in dem Bierausschank nicht gefunden wurde; auch hatte der Bauer beschworen, daß er kein Geld ge- geben habe. — Beim Waldfest de? Sozialdemokratischen Vereins in Frankfurt a. M. waren auf dem Festplatze Karten dazu ver- kauft worden. Der Vorsitzende des Vereins wurde deshalb vom Polizeipräsidium in 100 M. Strafe genommen. Das Wies- badener Regierungspräsidium hat jetzt diese Verfügung auf- gehoben, weil nicht nachgewiesen sei, daß der Vorsitzende de» Kartenverkauf veranlaßt oder doch in schuldhaster Weise geduldet hat.„Es wird", so heißt es in dem Wiesbadener Bescheide, „Sache des Polizeipräsidiums sein, durch andere Mittel, wenn nöthig durch Beschränkung oder völlige Versagung der be- treffenden Erlaubuiß, ein« derartige Umgehung der für nöthig erachteten Erlaubuiß Bedingungen künftig zu verhindern." — Der Landrath in Melsungen bat auf das abermalige Verlangen unseres Genossen Huhn in Kassel, ihm die in zwei Orten konfiszirten„Hessischen Volkskalender" herauszugeben oder gegen ihn Strafantrag zu stellen, u. a. erwidert, daß die Be- fchlagnahme zu recht erfolgt sei, zumal in vielen Orlen die Verlheilung von Ker Straße auS, durch Hineinschieben der Kalender unter der Hauslhür, erfolgt wäre. Das Strafverfahren werde gegen diejenigen Verbreiter eingeleitet werden, deren Persönlichkeit sich Hobe ermitteln lassen. Es wird sich ja nun herausstellen, ob der Herr Landrath jetzt im Recht ist. Zur Konfiskation der Kalender hat er aber die Ortsbehörden schon aufgefordert, bevor noch die Agitationstour begonnen hatte. Damals also war er unserer Ansicht nach bestimmt nicht im Recht. — Genosse Keil, der verantwortliche Redakteur des „Sächsischen V o l k s b l a t t s" in Zwickau, ist wegen eines Artikels über die Wahlrechtsschmälerung vom dortigen Land- gericht wegen Beleidigung des sächsischen Ministeriums zu vier Monaten Gefängniß verurtheilt. Diese Strafe ist jetzt rechts- kräftig, da das Reichsgericht die gegen das Urtheil eingelegte Revision verworfen hat. — Die sächsische Polizeipraktik treibt eine Blüthe nach der andern. In Mittweida sollte Genosse Sindermann aus Dresden über das Thema sprechen: Die Arbeiter- presse. Der Stadlrath aber verbot die Versammlung, weil •der angekündigte Referent wegen Aeußerungen in Versamm- lungen mehrfach bestrast sei und weil„auch hinsichtlich des zum Vortrage geivählten Themas" die An- ,>ahme„gerechtfertigt" erscheine, daß die Versammlung dazu dienen solle, Gesetzesübertretungen zu begehen oder dazu geneigt zu machen./ Achtung, Schuhmacher! Der Streik in der B a l l s ch u h- Fabrik von Michaelis u. K o. in Hamburg dauert unverändert fort. Wir ersuchen die Kollegen. speziell die von Berlin und Dresden, falls dort Arbeit für die genannte Firma gemacht wird, dieselbe zurückzuweisen. Ferner bitten wir. den Zuzug nach Hamburg streng fernzuhalten. I. A.: T i tz e. Verband der Möbelpolirer. Heute Abend s Uhr findet Andreasstraße 26 eine Sitzung der Fachkommission statt. Be schwerden und Mißstände aus den Werkstätten sind daselbst vor- zubringen. Im Auftrage des ZentralberbandeS der deutschen Maurer macht gegenwärtig Genosse S t a n i n g k aus Hamburg eine Agitationstour durch Baden, Elsaß und die P f a l z Tie Buchbinder Dresdens beschlossen, alle Vorarbeiten zu treffen, damit bei Eintritt der günstigen Geschäftszeit in die Lohnbewegung eingetreten werden kann. In der betreffenden Versammlung wurde nach dem Bericht der„Sächs. Arb.-Ztg." u. a. folgendes mitgethcilt: Die Aktiengesellschaft fü Kartonnage»-Industrie in Losch witz vertheilt 20 pCl. Dividende. Sie berichtet alljährlich an die Handels kammer:„Das Betragen der Arbeiter ist musterhaft; die Löhne blieben unverändert." Das Lob haben die Arbeiter verdient, denn von 20 männlichen und 400 bis S00 weiblichen Arbeitern sind nur 8 organisirt! Der Lohn beträgt für Gehilfen 25— 33 Pf. pro Stunde, im Akkord wöchentlich 13—24 M. Die Arbeiterinnen haben 15—13 Pf. Stundenlohn, im Akkord 9—12 und 15—13 M. Die Arbeitszeit währt von 7—6 Uhr bei nnr halbstündiger Mittagspause. Die Aufsichtsbehörde ertheilte Dispensation vom§ 137 der Gewerbe-Ordnung, obgleich die kurze Mittagspause bei der überlangen Arbeitszeit äußerst schädlich wirkt. Die Lohnivoche schloß früher am Mittwoch ab jetzt gar schon am Dienstag, und am Sonnabend giebl's erst Geld. Strafen in Höhe eines halben und ganzen Tagelohnes sind vorgesehen. Ost arbeiten mehrere Arbeiter Sonntags. Die Behandlung seitens einzelner Werksührer ist unwürdig. Be zeichnend für den herrschenden Geist ist, daß um jede Lohw zutage schriftlich gebeten werden muß. Von den zirka 220 Drechsler« Leipzigs haben Ivo die Forderungen bewilligt bekommen, 30 stehen wegen Ver- Weigerung derselben im Streik. Zuzug ist deshalb streng fernzuhalten. Die Schriftgiesier Leipzigs stehe» mit den Prinzipalen wegen des Entwurfs eines Tarifs in Unterhandlung, der den Neunstundentag und eine durchschnittlich zehnprozentige Lohn erhöhung vorsieht. Die Prinzipalskommission hat sich dem Ent- würfe nicht abgeneigt gezeigt,». a. auch den Neunstundentag akzeptirt, bei einigen Lohnforderungen kam es aber nicht zur Einigung, wobei sich die Prinzipalsvertreter auf die niedrigen Arbeitspreise der Gießereien in Frankfurt a. M. und Stuttgart beriefen. Eine Schriftgießervcrsammlung beschloß jedoch, auch an den beanstandeten Forderungen festzuhalten und den neuen Tarif am 1. November einzuführen. Die Gehilfenkommission erhielt den Auftrag, weitere Verhandlungen einzuleiten und über das Resultat in der nächsten Versammlung zu berichten. Die Kutscher Nürnbergs beschlossen in einer Versammlung. den geplanten Streik vorerst noch zu vertagen, sich der Ver- einigung der Hilfsarbeiter des Handels- und Transportgewerbes anzuschließen und in einer späteren Versammlung die Frage zu entscheiden, was zur Abschaffung der Uebelstände zu thun ist. über die sie sich beklagen. An Libau in Kurland standen die Hafenarbeiter rm Streik. Sie haben denselben insoweit gewonnen, als die Exporteure eine Ivprozentige Lohnerhöhung bewilligten Die Forderung jedoch, diese Erhöhung durch Kontrakt zu einer bindenden Verpflichtung für die ganze Saison zu gestalten, haben die Exporteure mit der Motivirung zurückgewiesen, daß die Arbeiter für ihre Person keine Sicherstellung bieten könnten, woraus die Arbeiter davon abstanden. Die sehr wichtige Forderung, daß der Lohn nicht mehr in den Schänken ausgezahlt werden soll, ist ebeufavs noch nicht durchgesetzt, da erst eine Wartehalle für die Hasenarbeiter gebaut werden soll. AToKales. (Siehe auch 2. Beilage.) Fest der sozialdemokratische« Fraue« und Mädchen. Unsere Leser und namentlich auch unsere Leserinnen bitten wir uni Beachtung des in der Donnerstag- Nummer enthaltenen Inserats. Es ist das erste von den sozialdemokratischen Frauen und Mädchen arrangirte Fest und soll neben seinem unter- haltenden Zweck auch dazu dienen. Mittel zur Agitation flüssig zu machen, welcher durch den bürgerlichen Frauenkongreß und die dadurch erfolgte Aufrüttelung weiterer bis jetzt indifferenter Kreise der Boden aufs beste bereitet wurde. Ein sehr reich haltiges Programm wird allen Ansprüchen Genüge leisten. Der Besuch des Festes sei daher hiermit angelegentlichst empfohlen. Magistrat und Gasarbeiter. Uns wird geschrieben: Die Vertreter des Magistrats gaben vor dem Eiuignngsamt in Sachen der ausgesperrten städtischen Gasarbeiter das Versprechen ab, die Ausgesperrten, so weil angängig, wieder einstellen zu wollen. Dieses Versprechen wurde in dem Vertrage, der zwischen den beiden streitenden Parteien zu stände kam, schriftlich nieder gelegt; dieser Vertrag ist dann ja auch vom Magistrat an- erkannt worden. Trotzdem nun schon eine Woche seil dem Zu tandekowmen des Vertrages vergangen ist, hat man bis jetzt auch noch nicht-inen der ausgesperrten Arbeiter wieder eingestellt, und als am vergangenen Sonntag die Ausgesperrten um ihre Wiedereinstellung vorstellig wurden, erwiderte man ihnen, daß auch in den nächsten 14 Tagen Einstellungen nicht erfolgen würden. In den Kreisen der Gasanstaltsarbeiter sagt man sich, wenn auch, wie wir annehmen, mit unrecht, daß dieses Verhalten der städtischen Behörden den Anschein gewinnt, als ob sie den wortbrüchigen Berliner Konsektionären nacheifern wollen, oder aber, was nicht viel besser, daß die Verwaltung eine AuShungernng der ausgesperrten Arbeiter beabsichtige. Daß die erste Annahme betreffs des Wort- und Kontraktbruchs viel ür sich bat, wird durch einige Thatsachen bewiesen, die erst jetzt u den Ohren der Ausgesperrten gekommen sind. Bekanntlich träubten sich die Vertreter des Magistrats vor dem Einigungs- amt dagegen, alle ausgesperrten Arbeiter wieder einzustellen, da man soviel Arbeiter augenblicklich nicht gebrauchen könne. An diesem selben Tage jedoch wurden in den Berliner Gasanstalten eine größere Anzahl andere Arbeiter eingestellt. Sieht dies Gebahren nicht aus, als ob man planmäßig vor- gegangen ist, um die nöthigen Arbeitskräste, welche die vergrößerte Gasproduktion in den Wintermonaten erforderte, früher herbei zu schaffen, als— eine Einigung erfolgt ist? Sieht es nicht aus. als ob man hierdurch die Ausgesperrten nie wieder einstellen wollte? Man hat einfach die Motivirung, daß Arbeilskräsle nicht gebraucht werden! Eines noch. In den letzten Tagen der vergangenen Woche hat in der Anstalt Danziger- straße ein Schreiben unter den Arbeitern zirkulirt, dessen Verfasser sich mit den Abmachungen vor dem Einigungsamte, mit der Beseitigung der 13 stündigen und Einführung der 15stündigen Sonntagsschicht nicht einverstanden erklärt und die Beibehaltung der 18stündigen Sonntagsschicht verlangt. Dieses Schreiben soll angeblich von Arbeitern aus« gegangen sein. Wer es auf höhere Winke aufgesetzt oder diktirt hat, ist zu unserer Kenntniß noch nicht gekommen.— Wir wollen hoffen, daß der Magistrat refp. die Verwaltung der Gaswerke Ii» allernächster Zeit die auSaesperrten Arbeiter wieder einstelle« wird, um den vorhandenen Verbackt deS beabsichtigten Vertrags- bruches von sich abwälzen zu kocien. Die KanalisationS- Kommission hat gestern das Projekt für die Kanalisation des Radialsystems XI., wie es von dem Geh. Baurath Hobrecht vorgelegt worden ist, genehmigt und be- schloffen, es den städtischen Behörden zur definitiven Zustimmung zu unterbreiten. In der gestrige« Stadtverordneten-Ersatzwahl für den 36. Stadlbezirk ist Dr. Paul einstimmig(81 Stimmen) zum Stadtverordneten gewählt worden. Die Vollendung des Tunnels unter der Spree ist, der „Voss. Ztg." zufolge, vorab wohl nicht zu erwarten, denn er wird, wie man uns mittheilt, nur noch bis zum 15. Oktober unter Preßluft gehalten werden und dann vorläufig wieder in der Arbeitsstrecke voll Wasser laufen. Frauen an der Berliner Universität. Während bisher nur mehrere Damen einzelne Kollegia belegt hatten, ist es jetzt einer Berlinerin, Fräulein Marie Raschle, gelungen, als ein- geschriebene Hörerin zugelassen zu werden, und zwar hat die Dame die Absicht, einen vollständigen, mindestens dreijährigen Studiengang durchzumachen, um ihre juristischen Kenntnisse als Lehrerin der Gesetzeskunde in Mädchen- und Fortbildungsschulen zu verwerthen. Kolonialmusenm. Hiesige Blätter berichten: Die viel» besprochene Frage der Errichtung eines Kolonialmusenms geht einer Lösung entgegen. Der Vorstand der deutschen Kolonial- ausnellung, in dem auch die hiesigen königlichen Museen ver- treten sind, hat in seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen, den Uebersckuß sowie die vorhandenen Bestände der Kolonial- ausstellung für ein Kolonialmuseum zu verwenden. In demselben sollen hauptsächlich der Handel, die wirlhschaftliche Erschließung der Kolonien und der Verkehr zur Gellimg gelangen. Dieser Beschluß ist einstimmig, also auch von den Vertretern der könig- lichen Museen, gefaßt worden. Demnach sind die von dieser Seite gegen die Existenz eines solchen Museums bestehenden Be- denken behoben woiden. Eine Gesellschaft, welche die Lösung der Aufgabe im speziellen übernehmen will, ist bereits in der Bildung begriffen. Aus dem Staate der Sozialreform. Bürgerliche Blätter berichten: In große Roth ist die junge Wittwe des Eisenbahn- arbeilers Buchholz aus der Brunhildstraße in Schöneberg ge- rathen. Buchholz, der auf dem Anhalter Bahnhos beschäftigt war, ist vor einiger Zeit tödtlich verunglückt; es wurden ihm beide Beine abgefahren, und er blieb auf der Stelle todt. Die Frau hat nun außer drei kleinen Kindern auch noch eine alte Mutter von 70 Jahren zu ernähren. Eine Pension erhält sie nicht, da ihr Mann noch nicht fest angestellter Beamter war, ihr Anspruch auf Unfallrente aber ist noch nicht erledigt. Die Begräbnißkosten hat, da die Wittwe ganz mittellos ist, der Berein ehemaliger Eisenbahn-Pioniere bestritten, die namhafte Unterstützung, die er außerdem noch gewährte, hat wohl für eine zeitlang geholfen, kann aber für die Dauer dem Elend nicht steuern.— Was sagt die Behörde zu dieser Anklage? Die Konfiskation einer Theaterprogramm-Zeitnng ist seitens der Charlottenburger Polizei erfolgt. Es handelt sich um ein Theater-Journal, welches unter anderem auch das Programm des„Theater des Westens" enthielt. Zwei Verleger konkurrirten um den Druck dieser Programme, bis die Direktion mit einem derselben abschloß. Der andere glaubte auch daS Programm drucken zu dürfen und ließ dasselbe ebenfalls vor dem Theater verkaufen. Dort wurde nun auf ergangene Anzeige die ganze Auflage konfiszirt. Es scheint demnach, daß die Charlotten- bnrger Polizei zum ersten Mal die neuen gesetzlichen Be- stimmungen über„unlauteren Wettbewerb" auch auf das Preß- gesetz angewandt hat. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Gestern früh fiel der 73 Jahre alt« Arbeiter Wilhelm Hersing aus Rixdorf auf dem Mariannenplatze infolge eines Fehltrittes hin und zog sich einen Bruch des linken Knöckelgelenkes zu. Nach Anlegung eines Ver- bandes wurde er nach dem Krankenhause am Urban gebracht.— Vor dem Hause Neue Königstr. 25 kam vormittags der sechzig» jährige Arbeiter Karl Schmidt beim Besteigen eines Pferdebahn- wagens zu Falle, gerieth unter die Räder eines gerade vorüber- kommenden GesckSftswagcns und erlitt eine schwere Verletzung am Oberarm, sodaß seine Uebersührung in das Krankenhaus am Friedrichshain erforderlich wurde.— Der mit seinem Dreirade übermäßig schnell über die Waisenbrücke fahrende Bote der Berliner Privatpost Otto Baumann stürzte beim Einbiegen in die Stralaner Straße von seinem Gefährt und gerieth unter einen Pferdebahnwagen der Linie Küstriner Platz— Zoologischer Garten, der indessen über ihn hinwegfuhr, ohne ihn zu verletzen. Das Schwungrad einer Lokomobile, die sich auf dem Grundstück Wiesenstr. 27 a befand, ist gestern plötzlich, während die Lokomobile arbeitete, zersprungen. Durch die umherfliegenden Eisenlheile wurde die Mauer des gegenüberliegenden Grundstücks beschädigt und ein Schaufenster im Nachbarhause zertrümmert. Durch den Unfall direkt sind Menschen nicht zu Schaden ge- kommen, indeß lief ei» fünfjähriger Knabe, der bei dem Vor- gange zugegen war, in seiner Angst über den Straßendamm gegen die Pferde eines Arbeitswagens und trug dabei außer einer leichten Verletzung im Gesicht eine Quetschung am linken Knie davon. Vevntipchkes- Talbot". Wie dem„R. B." auS Halifax gemeldet wird, ist der englische Kreuzer„Talbot", von dem das Gerücht verbreitet war, er sei untergegangen, in Halifax angekommen. An La Ferrol ist der belgische Dampfer„Princesse Henriette" mit dem norwegischen Schooner„Winrufrie" im Schlepptau eingetroffen. Die Mannschaft befand sich nicht auf dem Schooner, man glaubt, daß dieselbe ums Leben gekommen ist. I» Kalkutta find drei leicht« Fälle von Beulenpeft vor- gekommen. WitternngSiiberficht vom IS. Oktober k8SS. Wctter-Progiiose für Mittwoch, den 14. Oktober 189«. Ruhig, theils heiter, theils nebelig. Nachts kühl, am Tage mild ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berliu. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen. L Beilage zum„Vorwärts" Berliner VoWIatt. Zlr. 241. Mittwoch, den 14. Oktober 1896. 13. Iichrg Parteitag dev soziAldetnokratifchen VAvkei DeutfichlÄNds. Zweiter Verhandlungstag. Gotha. 13. Oktober 1336. Vormittagssihung. g>/4 Uhr. Den Vorfitz führt Singer. Bei Eröffnung der Sitzung heißt Singer den Telegirten der österreichischen Bruderparlei, Genossen S chuni ei er, wilikonimen. Wir freue» uns umso mehr über seine Gegenwart, als wir wissen, daß die österreichischen Gen offen, name» liich d iejenigen, die durch das Vertrauen der Genoffen mit der Führung der Geschäfte der Partei betraut sind, jetzt in einer Thätigkeit begriffe» sind, die zu unierbrechen, um hiilherznkommen, ihnen zu schwer ist. Die österreichischen Genossen befinden sich in der Vorbereitung der Reichsralh-wahlen. Wir hoffen und wülischen, daß die Erfolge bei denselben der tapferen, energischen Agitation der österreichischen Soffaldeinokraiie. ihren Anstrengungen und ihrer unermüdlichen Thätigkeit entsprechen werden. Und wir sind sicher, daß, wenn die österreichische Sozialdemokratie in den Rcichsralh eintritt, die große Sache, der wir gemeinsam dienen. erheblich gefördert wird. Auch im österreichischen Parlament wird der bürgerlichen Gesellschaft die Wahrheit gesagt werden, wird olles gethan werden, um in den gegenwärtigen Verhältnissen fllärimg und Besserung zu schaffen.(Bravo!) Ich heiße nochmals de» Genossen Schnmeier willkommen und erfülle seinen Wunsch, indem ich ihm das Wort ertheile. S ch u m e i« r: Werlhe Parteigenossinnen und Genoffcn! Im Namen der österreichische» Sozialdemokratie entbiete ich dem Parteitage Gruß und Handschlag. Wenn die Vertretung von unserer Partei heute so klein ist, wie auf keinem der frühere» Parteitage, so liegt das an der schwierigen Lage, in der wir uns gegenwärtig befinden. Wir i» Oesterreich haben einen weit schwereren Stand, als Ihr. Unser Bürgerlhum steht so tief, es bekämpft uns seit Jahren mit so schmutzigen Mitteln, daß wir ihnen nicht mit gleichen Waffen dienen können. Wenn ich Ihnen sage, daß Dr. Lueger, der Vizcbürgermeister unserer Reichs- Hauptstadt, wo doch die Intelligenz zusammen sein sollte, als Theilnehmer angemeldet war zu dem Anlifreimaurer- Kongreß, der des Teiisels Unterschrift prüfen wollte und auch geprüft hat(Heiterkeit), so werden Sie begreifen, wie tief unser Bürgerlhum steht. Wir müssen es ruhig mit ansehen, daß aus den österreichischen Provinzen russische Slaate» gemacht werden; ich weise nur aus die Zu- stände in Galizien hin. Wenn Sie ferner bedenken, daß bei uns die Uebenvacher von Versammlin gen verbieten, Bier zu trinken (Ruf: Bei uns auch! Heiterkeit), so können Sie sich ein Bild von den österreichischen Verhältnissen machen. Ich kann nicht alle Dummheiten unserer Bezirkshauptleute auszählen, die weil dümmer sind, alS anderswo.(Heiterkeit.) Wenn erst Mitglieder unserer Partei ins österreichische Parlament einziehen, so wird auch rücksichtslos gegen die vorgegangen werden, die tagtäglich das Gesetz mit Füßen treten. Wir sind jetzt in der Arbeit begriffen, und im Frühjahr wird es sich entscheiden. Ich bin überzeugt, daß Ihr an unseren Erfolgen ein ebenso lebhaftes Interesse nehmi, wie wir stets an den Eurigen. Je stärker die Sozialdemokratie in Oesterreich ist, desto besser steht es auch in Deutschland und umgekehrt. A» Muth und Tbaikraft hat es uns»och nie ge- fehlt, wohl aber an Geld(Heiterkeit), und wen» uns nirgends mehr eine Quelle offen stand, so haben wir es gemacht wie Moses, nur daß dieser an den Felsen klopfte, während wir immer kräftig bei Euch anklopfen.(Heiterkeit). Wir gehen nickt gern betteln, denn das ist kein angenehmes Geschäft, aber wir Oesterreicher san grade Kerls, ich rede frei von der Leber weg und ich sage Euch offen: Wir werden wieder klopfen kommen.(Große Heiterkeil). Für die«Wiener Arbeiterzeitung' werden wir nicht mehr klopfen, wohl aber für den Parteifonds, damit es uns gelingt, zum Frühjahr ein Dutzend Genossen ins Parlament zu schicken.(Beifall.) Bei uns sind nur die großen Städte roth. aber alles andere ist schwarz, und wir werden mit der klerikalen Partei hart zu kämpfen habe». Ich bitte Sie also, uns nicht zu vergessen, wenn der Ruf an Sie ergehen sollte. Sobald erst Oesterreich einmal in die Reihe der Kulturländer eingerückt ist, wird auch bei uns die Bettelei ein Ende haben.(Heiterkeit.) Ihr lacht darüber, aber das, was wir heute durchmachen, habt Ihr vor 2S Jahren auch durchgemacht, nur mit den, Unterschied, daß Ihr nirgends habt anklopfen können. Ich sehe nickt ein, ivarum wir die Unterstützung einer so mächtigen Bruderpartei verschmähen sollen, und wenn ich mtt meiner Begrüßung das Angenehme verbinde und Euch die Ueberzengung beibringe, daß das Geld, was Ihr nach Oesterreich schickt, in würdige Hände kommt, so habe ich meinen Zweck vollständig erreicht. (Große Heiterkeit.) Ich bin zu Euch geschickt, um von Euch zu lernen. Die Sozialdemokratie Deutschlands hat uns gelehrt, wie man Sozialistengesetze überwindet, sie wird uns auch lehren können, wie man Bezirke erobert und den Gegnern das Hest aus den Händen reißt. Ich wünsche Euch zu Euren Beralhungen den besten Erfolg.(Lebhafter Beifall.) Eine Reihe von Begrüßu, g schreiben sind eingelaufen. Vor Eintritt in die Tag sordnung wird der Bericht der MandatSprüfungs- Kommission entgegengenommen. den A n t r i ck- Berlin erstaltet. Hiernach sind ISS Delegirte erschienen. Gegen das Mandat des Genoffcn Götze-Meeraue ist ein Prolest eingelaufen. Die Kommission beantragt über de» Protest zur Tagesordnung überzugehen, da die in ihm enthaltenen Gründe der Wahrheit nicht entsprechen. Ein zweiter Protest richtet sich gegen das Mandat der Genossin Heinrich-Sagan, der darin vorgeworfen wird, daß sie ihr Mandat erschlichen habe. Auch diese Angaben haben sich nicht bewahrheitet und die Kom- Mission beantragt gleichfalls Uebergang zur Tagesordnung über diesen Protest. Bei-dieser Gelegenheit möchte die Komniission noch ein ernstes Wort an die Genoffen im Lande richten. Es hat sich nack und»ach das Prolestmachen gegen Parleitagsmandate alS grober Unfug ausgebildet. Aller Stank und Zank, selbst wenn er vor S, 10 Jahren in den einzelnen Partei-Orlen vorgekommen ist, wird i» Gestalt von Protesten vor den Parteitag gebracht. Wir muffen demgegenüber die Genosse» auf die§{5 1 und 2 unseres Organisationsstatuts hinweisen, worin ausdrücklich steht, daß über die Parteizugehörigkeit die Genossen des«inzelnen Ortes entscheiden. Es gehl nicht an, daß der Parteitag beständig damit belästigt wird, einzelne längst abgethane Streitigkeiten zu untersuchen.(Zustimmung.) Der Antrag der Mandatsprüsungs- Kommission, sämmtliche Mandate für giltig zu erklären und über die beiden Proteste zur Tagesordnung überzugehen, wird debattelos angenommen. Singer: Ich höre, daß auch ein Delegirte» unserer holländischen Bruderparlei, Genosse Vliegen, anwesend ist. Wir wissen die schwere» Kämpfe, in denen unsere Genossen in Holland stehe», vollauf zu würdigen, und freuen uns, daß sie trotzdem einen ihrer ältesten und tapfersten Genosse» hierher geschickt haben. Ich heiße ihn willkommen und hoffe, daß er aus unseren Verhandlungen die Ueberzeugung mitnehmen wird, daß wir bereit und gewillt sind, die Thätigkeit, welche unsere Genossen in Holland namentlich auch gegen den Anarchismus entwickeln, mit Ausmerksamleit und Dank zu ver- folgen. Wir sind der sicheren Ueberzeugung, daß es ihnen ge- lingen wird, die Interessen der Sozialdemokratie in erfolgreicher Weise zu vertreten und die Sozialdemokratie zu reinigen von den Elementen, die bewußt oder unbewußt die Interessen der bürjjer- lichen Gesellschaft vertreten, indem sie die Thätigkeit der Sozial- demokratie stören und verhindern.(Lebhafter Beifall.) B liegen: Werthe Genossen! Der Vorstand der sozial- demokratischen Arbeiterpartei Hollands hat mich hierher gesandt, um Sie zu beglückwünschen wegen Ihres steten Vordringens in Ihrem Kampfe, und Ihnen die Versicherung unserer brüderlichen Solidarität zu bieten.(Beifall.) Sie wissen aus Ihren Partei- blättern wohl etwas über die Parteiverhältnisse in Holland. Vor 3 Jahren ist die ganze sozialdemokratische Organisation, der frühere sozialdemokratische Bund in Holland, mit Sack und Pack zum Anarchismus übergegangen. Sie wissen aus Erfahrung, wie es die Thätigkeit der Partei stört, wenn eine Minderheit zum Anarchismus übergeht; wenn es aber die große Mehrheit ist, mit der ganzen Organisation, der ganzen Presse, dann iönnen Sie sich denken, daß das eine noch viel größere Verwirrung geben muß, und das ist bei uns der Fall gewesen. Die alte Partei ist durch ihren Uebergang zum Anarchismus zerstückelt und zerbröckelt und zerfallen; sie hat nicht mehr etwas zu bedeuten. Während noch vor drei Jahren fast in jedem Dorf im ganzen Lande eine Abtheilung der Partei vorhanden war. z. B. im Norden der Provinz Groningen 27 Ablheilungen, cMiren dort jetzt nur noch 3 oder 4. So soll es überall gehen, wo der Todeshauch des Anarchismus über die proletarische Bewegung hingeht. Wir sind zwar dagegen eine kleine, junge Partei, aber wir sind gefestigt und wisse», was wir wollen. Wir wissen, daß wir nicht durch große Worte, durch Barrikadenreden der Sache der Sozialdemokratie dienen, sondern durch Erziehung und Organisation des Proletariats.(Beifall.) Wir begrüßen Sie nicht als eine kräftige Schweste» partei, sondern als ein jüngerer, schwacher Bruder, der von Ihnen lernen will, und Ihre Stütze braucht. Wir wollen uns an Sie anlehnen, aus Ihren Erfolgen lernen für die schweren Kämpfe, in die wir für die kommende» Wahlen im Frühjahr zum ersten Male unter dem neuen Wahlrecht eintreten. Unser Zeichen ist die Jnternationalität; der Kapitalis» mus rückt uns zusammen, er schmiedet die Bande, die sich um uns schlingen. Ich schließe mit der Ver- sicherung und Hoffnung, daß unsere Begrüßung Ihnen Freud- gemacht hat, und daß dieser Ihr Parteitag zur Stärkung der Partei, zur Stärkung der internationalen Sozial- demokratie beitragen möge.(Lebhaster Beifall.) Nunmehr wird in die Tagesordnung eingetreten. Die Ver- Handlung über den Punkt„Presse" wird fortgesetzt. F r 0 h m e: Genosse Steiger hat die Redezeit um das fünf- fache überschritten, hat sich aber aus seiner Position eines An- aeklagten nicht herausbringe» können. Er hat eine hübsche Rede über die Bedeutung der Kunst und der Er- ziebung zur Kunst gehalten, es aber weislich unter- lassen, auf die Vorwürfe einzugehen, die wir ihm gemacht haben. Er hat uns vorgeworfen, wir hätten bei der Vorlegung des Materials an den Parteitag seine beiden letzten Artikel nicht mit vorgelegt. Wir habe» das nicht gethan, weil sie noch nicht erschienen waren, als wir das Material zur rechtzeitigen Fertig- stellnng drucken lassen mußten. Mit meinen Begriffen von Ehr- lichkeit in der Kritik verträgt sich ein derartiges Verhallen nicht. (Oho!) Er suchte es so darzustellen, als ob die Mißstimmung gegen die„Neue Welt" eine Mache der Hamburger Redaktion sei. Die Mißstimmung herrscht aber in ganz Deutschland, in den weitesten Kreisen. Auf daS, worauf es ankommt, ist Steiger gestern nicht mit einem Wort eingegangen. In der„Mutter Bertha" wird geschildert, wie Mutter Bertha mit einem Begleiter geht. Sie bleibt plötzlich stehen:„Ach, Herr Fritz,... ich... ach..."„Was, Fräulein?" sagte er, der sie nicht verstand.„Ich möchte mal'... ach, verstehen Sie mich doch!"...„Ach so... pardon!..."„Sie müssen ent- schuldigen... ja, ja... Verzeihen S'e... Bitte, bitte..." Eine blntrothe Verlegenheit durchschoß sein Gesicht. Dann sagte er:„Ist es Ihnen vielleicht recht, wenn wir irgendwo ein- treten?"—„Ja doch, aber blos ein bischen schnell!" (Heiterkeit.)— Und nun bleibt es der freundlichen Leserin überlassen, Mutter Bertha in das intime Gemach zu begleite» und die geheimsten Regungen ihrer Seele zu belauschen.(Große Heiterkeit.) Wenn die naturalistische Kunst glaubt, eS rechtfertigen zu können, derartige absolute, stinkende Schweinereien in Romanen bieten zu dürfen(Beifall und Unruhe), dann hört einfach alles auf. Auf alles das ist Genosse Steiger mit keinem Wort ein- gegangen. Es ist uns garnicht eingefallen, gegen die Freiheit der Kunst, gegen die naturalistische Kunst an sich uns zu wenden. so lange sie sich in den Grenze» des Anstandes hält. Ich weiß ja, es giebt eine Menschensorle, die es schon als ein Verbreche» ansteht, wenn man das Wort Moral und Anstand nur in den Mund nimmt. Es wird mir doch niemand glauben machen. daß eine Kunstrichtung. die sich als eine Erscheinung des Uebergangs- Zeitalters, eines tollen menschlichen Karneval? selbst giebt. die echte, wahre Kunst ge- nannt werden könne. Genosse Steiger hat auch gester» wieder von sozialdemokratischen Traklätchen gesprochen. Alles, was nicht seiner Neigung entspricht, pflegt er einfach als Traklätchen zu bezeichnen, aber die uns Hamburgern gemachten Vorwurfe find nicht begründet. Es ist sehr leicht, ein Phrasenragout an- zurichten, wie es Steiger gethan hat. Darüber darf man sich doch nicht täuschen, daß es leichter ist, hier eine Rede über die Bedeutung der Kunst zu halten, als auf die Streitpunkte einzu- gehen. Wir haben nicht gegen Windmühlen gekämpft, sonder» Auswüchse, die thatsäcklich vorhanden sind, auszurotten versucht. Wenn Steiger von der Erziehung des Volkes zur Kunst spricht, so betritt er ein Gebiet, auf dem er leicht straucheln kann, denn von der Erziehung des Volkes zur Kunst in dem abstrakten Sinne, wie es Steiger meint, kann keine Rede sein. Ohne die feste Grundlage einer materiellen Existenz redet man vergebens von der Erziehung des Voiles zur Kunst. Der Behauptung in dieser Allgemeinheit kann höchstens ein Mensch bei- pflichten, der nicht weiter denkt, als seine Nase reicht. Emporhebung des Volkes! Ja, hat die Sozialdemokratie nicht jeher daran gearbeitet! Entkräftet bat Steiger unsere Angriffe nicht. Was er über die Bedeutung der Kunst sagte, unterschreibe ich Wort für Wort. Aber das ist garnicht der Streitpunkt. Und es ist sehr wenig ehrlich von ihm, daß er es so hinstellt, als seien wir Vandnle», die gegen die Kunst wnthen, während wir nur die Auswüchse des Naturalismus bekämpfen.(Beifall.) Schreck- Bielefeld: Der„Vorwärts" steht an Aktualität weit hinter der„Leipziger Volkszeitung" und der„Sächsischen Arbeiterzeitung" zurück. Was die„Nene Well" betrifft, so ver- misse» wir Arbeiter populäre Unterhaltungslektüre in ihr. Der Ziveck der„Neuen Welt" soll sein, erzieherisch in sittlicher Beziehung zu wirke». Aber Genosse Frohme gebt in seiner Kritik viel zu weit. Wenn er die von ihm verlesene Stelle aus der„Multer Bertha" schon als„stinkende Schweinerei" bezeichnet, dann soll er lieber in ein Kloster gehen. (Große Heiterkeit.) Steiger hat selber zugegeben, daß ihm Fehler bei der Auswahl des Stoffes passirt sind. Hoffentlich läßt er in der„Neuen Welt" nun auch den sittlichen Idealismus zum Wort kommen, der uns in unserem schweren Kampf aufrichtet. Weinheber- Hamburg: Der Antrag des zweiten Ham« burger Kreises über die„Neue Well" ist schon vorher in einer Vertrauensmänner-Versammlung berathen worden. Die„Neue Welt" soll ein Unterhaltungsblatt, ein Familienblatt sein, das auch agitatorisch wirkt. Es darf aber nicht einer ein- seiligen literarischen Richtung dienen. Wir wollen die Frauen gewinnen. Das ist der„Neuen Welt" unter der Redaktion Steigers gewiß nicht gelungen. Dafür sind die 48 000 M., die darauf gelegt werden, denn doch zu schade. Dem Volke muß die Kost gegeben werden, die es verdauen kann. Täglich lausen Be« schwerden über die„Neue Welt" ein. Ein Wandel muß ge» schaffen werden. Und wenn Genosse Steiger Befferung verspricht, dann sind wir Hamburger ja zufrieden. Die Auswahl des Stoffes muß eine gediegenere werden. Dazu sollte unser Antrag die An- regung geben. Wenn Sie die Reduktion des Umsangs der „Neuen Welt" von 12 auf 8 Seiten nicht wollen, so werden wir uns auch damit zufrieden geben. Wir machten den Vorschlag nur, um das Defizit zu vermindern. Der Wunsch, daß der Re- dakteur des Blattes in Hamburg wohnt, beruht auf rein ge- schäftlichen Gründen und enthält keine persönliche Spitze. Steiger: Den gegen mich von dem Genossen Frohme erhobenen Vorwurf der unehrlichen Kampfesweise muß ich ent- schieden zurückweisen, denn ich bin nicht aus eigenem Antriebe hierher gekommen, um für meine Ideen Propaganda zu machen, sondern aus ausdrückliche Ansforderung des Partei-Ansschuffes. Ich stimme dem Genossen Frohme darin bei, daß die Erziehung des Volkes zur Kunst ohne die Grundlage einer materielle» Existenz ein Unding sei und daß unsere heutigen ökonomischen Verhältnisse nicht besonders dazu geeignet sind; aber ich will es trotzdem versuchen, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Bedenken Sie doch, daß gerade die größte» Kunstepochen die Zeiten sind, wo eine alle Welt zu gründe geht! Wenn Frohme an der von ihm ver- lesenen Stelle aus„Mutter Bertha" Anstoß nimmt, so hat er keinen Sinn für Komik. Die Komik liegt eben darin. daß der Mensch in dem Augenblick, wo er in den schönsten Gefühlen schwelgt, plötzlich durch die einfachsten natürlichen Bedürfnisse aus allen Himmeln gerissen werden kann. Daß ich mich in dem Inhalt manchmal vergriffen habe, gebe ich zu, und was an mir liegt, den Inhalt der„Neuen Welt" zu verbessern, werde ich thun; unterstützen Sie mich in diesem Streben, so gut Sie können! Molkenbuhr: Da Steiger in seiner Broschüre nur seine eigenen Artikel veröffentlicht und dadurch ein schiefes Bild gegeben hat, so war es nöthig, die verschiedenen Artikel gegen- überzustellen. Steiger wird es mir glauben, daß die Abdrücke unserer Broschüre bereits unterwegs waren, als sein vierter Aufsatz in der„Leipziger Volkszeitung" erschien, und daß er überhaupt einen derartigen Verdacht erhob, ist schon?in Beweis für die eigenthümlichen Mittel, mit denen er kämpft. In dem Artikel„Die Erziehung des Volkes zur Kunst" behauptet Steiger, daß die Kunst im sozialdemokratischen Lager ganz falsch behandelt ist, daß das arbeitende Volk bisher keine Gelegenheit hatte, sich mit der Kunst zu be- schäftige». Wenn Steiger so etwas behauptet, so zeigt er nur. daß er nicht weiß, wie es im arbeitenden Volke aussteht. Wo sind denn die großen billigen Klassikerauflagen geblieben, wer be- sucht die Gallerien in großen Städten, wer stellt das Haupt- konlingent zu den billigen Theatervorstellungen? Doch Leute aus der Arbeiterklasse, die sich schon vorher mit der Kunst be» schäftigt haben. Es ist eine Ueberhebung, wenn Steiger meint, daß bis zur Uebernahme der Redaktion durch ihn nichts ge- schehen ist. Die„Neue Welt" hat doch vorher schon annähernd 20 Jahre bestanden, und auch in ver- schiedenen Feuilletons unserer Parteiblätter sind schon vorher bedeutende Erzeugnisse unserer modernen Literatur veröffentlicht worden; ich weise nur auf Zola's Germinal hin, der dadurch in weiten Kreisen des Volkes bekannt wurde. Das alles übersieht Steiger, und dabei weiß er ganz genau, daß er für den Theil der Kunst, den er pflegen will, nur ein ganz geringes Publikum hat. Die Abonnentenzunahme ist doch kein Beweis, denn man kann die„Neue Welt" nicht abbestellen, ohne gleichzeitig sein Parteiorgan abzubestellen. Darin liegt ja gerade das eigen- thllmliche, daß für 200 000 Menschen ein Blatt heraus- gegeben wird, von dem der Redakteur weiß, daß für seinen Inhalt nur eine ganz geringe Jüngerschaar vorhanden ift. Und deshalb ist es Um so gewissenloser, daß Steiger trotzdem Woche für Woche einen Stoff bringt, für den sich die Mehrheit der Leser nicht interessirt. So massenhafte Klagen sind noch über keine Zeitschrift erhoben worden. sq Genosse Steiger preist die moderne Kunst. Meint er damit etwa den„Neuen Gott" von Hans Land? Einen unglücklicheren Griff konnte er garnicht machen. Steiger preist die Schilderung der Modernen, er vergißt aber, daß die Stimmung den Leser oft daran hindert, das Kunstwerk wirklich zu genießen. Die Schilderung der Leiden eines Krüppels mag für einen Gesunden ein Kunstgenuß sein, nicht aber für den Krüppel, der dadurch noch mehr an seine Leiden erinnert wird. Der Arbeiter, der mit Noth zu kämpfen hat, der in Zeiten der Arbeitslosigkeit schon zu einer gewissen Miß- stimmung geneigt ist, kommt nicht zum Genuß der Kunst, wenn die Roth in den allerkraffesten Farben geschildert wird, im Gegen- theil, eS wird dadurch eine Art Selbstmordstimmung bei ihm hervorgerufen.(Sehr richtig!) Ich will offen anerkennen, daß Steiger in der Auswahl der Illustrationen einen glücklichere» Griff gethan hat, als seine Vor- gänger, aber es macht einen eigenthümlichen Eindruck, wenn ein Nachfolger sich soweit über seine Vorgänger überhebt. Wir sind nicht aus Animosität gegen Steiger aufgetreten, sondern weil wir es für unberechtigt hallen, daß man nur eine bestimmte Richtung pflegen will. Das ist ungeschickt und ruft Opposition hervor. Auch in Nürnberg sind, wie Grillenberger neulich unter der Hand mitgetheilt hat, 9/io der Leser mit dem Inhalt der „Neuen Welt" nicht einverstanden. Das weiß Steiger genau, und deshalb ist es um so verwerflicher, so zu handeln. Die „Neue Welt" muß so gestaltet werden, daß das arbeitende Volk davon Nutzen hat. Auch in der Auswahl der popular-wissen» schaftlichen Artikel könnte Steiger vorsichtiger sein und belehrender wirken, damit die„Neue Welt" ihren Zweck erfüllt. Er hat einige arge Schmarren gebracht. Für literarische Experimente ist das arbeitende Volk am allerwenigsten zu haben.(Lebhafter Beifall.) Echoen lank: Genosse Molkenbuhr hat soeben dem Ge- noffen Steiger— sicherlich nicht in böser Absicht, sondern nur, weil er den Ausführungen Steiger's nicht volle Aufmerksamkeit geschenkt hat— unterstellt, er hätte behauptet, erst mit seinem Eintritt in die Redaktion der„Neuen Welt", habe die Erziehung des Volkes zur Kunst begonnen. Das hat Steiger nicht gesagt. Er hat nur betont, und das müssen wir ohne weiteres alle zu- geben, daß die Kunst in unserer Presse stiefmütterlich behandelt wird. Wenn Molkeubuhr behauptete, daß die Schilderung des Elends auf die Arbeiter niederdrückend wirke, so ist das doch im Grunde dieselbe Auffassung, wie sie die Spießbürger von der Kunst haben; er verlangt sozialdemokratische Marliltiaden, das arbeitende Volk aber verlangt Wahrheil und nichts als die Wahrheit. Wenn Molkenbuhr recht hat, dann hätte auch Goethe die Leiden des jungen Werther nicht schreiben dürfen, weil einige junge Narren durch die Lektüre znm Selbstmord veranlaßt wurden. WaZ die von Frohme verlesene Stelle aus der„Mutter Bertha* betrifft, so meine ich auch, der gute Steiger hätte hier ein bischen retouchiren sollen.(Sehr richtig.) Aber wir sollten doch nicht so überaus empfindlich sein:(naturslia non sunt turpia(natürliche Dinge sind nicht schändlich, nicht zu verwerfen). In Brüssel steht das herrliche Kunstwerk, das„Manneken süß".(Große Heiler» keit.) Bor 80 Jahren wollte eine verspießerte Stadtverwaltung es in den Archiven verschließen. Genosse Frohme scheint ahn liches zu wollen. Er schlägt dieselbe Saite an, wie die Klerikalen Münchens gegen den sogenannten Buberlbrunnen angeschlagen haben. Die Feigenblatt-Politik taugt uns weder in der Politik noch in der Literatur.(Beifall.) Die„Leipziger Volkszeitung*' hat seinerzeit das Meisterwerk Claude Tillier's, den„Onkel Benjamin* abgedruckt. In dem humoristischen Roman führt der Dichter mit Schneidigkeit und Glanz. Humor und Witz, den Kampf der aufstrebenden Bourgeoisie gegen den verrotteten Feudalismus. Der Held des Romans ist ein herrlicher Mensch, aber, was Genosse Bsrard gewiß sehr bedauern wird, auch ein bischen Weinschlauch.(Heiterkeit.) Der Höhepunkt des Romans ist nun, wie Onkel Benjamin von dem Marquis gezwungen wird, ihn auf die Stelle seines Körpers zu küssen, wo man nur zu fitzen pflegt(Heiterkeit) und wie er dann in gleicher Weise Revanche nimmt. Kein Leipziger Arbeiter, keine Leipziger Arbeiterfrau hat daran Anstoß genommen. Ich würde mich keinen Augenblick bedenken, diesen Roman meinem Kinde in die Hand zu geben.(Beifall.) Das Hohelied von der Kunst, das Frohme anstimmt, ist eben nichts anderes als das Hohelied von der ewigen Wahrheit der bürgerlichen Gesellschaft. Nein, Genosse Frohme, es giebt keine andere Kunst mehr als die moderne Kunst. Genosse Frohme ha» den Steiger hingestellt als einen Verbrecher, der die Seele des Volks vergiftet. Er stand hier oben auf der Tribüne, wie vor vielen hundert Jahren ein Mann im römischen Senat, der eine Anklage donnerte gegen Catilina und ausrief: Wie lange wirst Du noch unsere Geduld mißbrauchen! Aber mein lieber trohme: der Parteitag ist kein römischer Senat. Steiger ist kein atilina, und Du bist kein Cicero!(Stürmische Heiterkeit und Händeklatschen.) Frohme und Berard haben gestern einen Artikel eines mir nicht bekannten Kunstkenners verlesen, der sich in ihrem Sinne aussprach. Gut, ich gebe zu, es giebt verschiedene Geschmäcker Ich theile Ihnen ebenfalls eine Stelle aus einem Briefe an mich mit, von einem Parteigenossen, den wir alle aufs höchste schätzen und dem niemand bestreiten kann, daß er ein vorzüglicher Sachkenner ist, vor dem sich auch die Autorität des Genossen Börard beugen wird(Heiterkeit), aus dem Juli, als noch nicht der Sturm wegen der„Neuen Welt" durch den Parteiblätterwald brauste, als durch das„Hamburger Echo* und die„Leipziger Volkszeitung* noch nicht das geringste Säuseln ging.(Heiterkeit.) Da heißt es:„Wer gezwungen ist, sich dem Auffassungsvermögen des großen Puplikums anzupassen, dem geht i» kurzer Zeit der Witz aus. Darüber wird Steiger sehr bald ein bitteres Lied singen. Aber Steiger macht seine Sache gut; er soll sich nur nicht verblüffen lassen. Genossen, Steiger wird sich nicht verblüffen lassen; lassen Sie sich auch nicht ver» blüffen, lmd entscheiden Sie so, wie es der Sache der Sozial- demokratie und den Fortschritten auf dem Gebiete der Kunst ent- spricht.(Lebhafter Beifall.) Stadthagen: Frohme's Ausführungen habe ich nichts hinzuzufügen. Wenn Schoenlank von dem Kuß auf eine bestimmte Stelle gesprochen hat, so nehme ich nicht an, daß das so an- schaulich geschildert ist, wie es unsere Naturalisten thun würden, die die herausgesteckte Zunge und alles andere deutlich schildern würden.(Heiterkeit.) Ich empfehle Ihnen die Anträge zur Annahme, die eine Verbesserung des Inhalts unserer Presse verlangen. Die Leiter des„Vorwärts" sollten bedenken, daß es sich um eine Waare handelt, die sie auszugeben haben. Es ist eine Schande, daß das Brunnenvergiftungs-Blatt, der„Berliner Lokal- Anzeiger" in Berlin 130 000 Abonnenten hat. der„Vorwärts" nur 46 000. Gs muß der„Vorwärts" seinen Lesern dasselbe bieten, wie die bürgerlichen Blätter. Wir leben in der bürgerlichen Welt und haben uns um alle ihr« Erscheinungen zu kümmer». Der„Vor- wärts" bietet nicht ein Spiegelbild aller literarischen und nicht- politischen Erscheinungen; er ist in dieser Beziehung weit hinter der bürgerlichen Presse zurückgeblieben. Die Redaktion muß ver- mehrt werden; es ist eine bessere Vorbildung der Mitarbeiter und frößer« Selbstdisziplin der Genossen erforderlich. Es dürfen nicht die Lidersprüche vorkommen, die sich jetzt fast in jeder Nummer des „Vorwärts" finden, wo auf der ersten Seite das Gegentheil von dem steht, wie auf der dritten. Unser verehrter alter Liebknecht ist unmöglich im stände, wo er fortwährend herausgerissen wird, wo er allerorten von den Genossen gerufen wird und deshalb häufig von Berlin fort muß, jederzeit die mechanische geschäft- lliche Thätigkeit in der Hand zu haben, so daß alles aus einem Guß kommt. Er muß sich eine journalistische Hilfskraft nehmen, die ihn in dieser geschäftlichen Redaklionsthätigkeit, stlbstverständlich unter seiner Oberleitung, uuterstützt. Dem„Bor- wärts" liegt ja ein weit größeres Arbeitsgebiet vor, wie der bürgerlichen, wie der Provinzpresse. Als politisches Blatt ent- spricht er durchaus allen Anforderungen. Es ist nicht wahr, Genossen, daß andere Partei- Zeitungen ihn überflügelt haben. So vorzüglich auch die„Leipziger Volkszeitung", tie„Sächsische Arbeiterzeitung" und die anderen Blätter auch sind, so sl-hr der„Vorwärts" doch meterhoch über ihnen als politisches Blatt. Aber im übrigen muß sein Inhalt besser werden. Ich möchte unseren verehrten Liebknecht bitten, davon auszugehen, daß man von dem Arbeiter nicht verlangen kann, neben dem„Vorwärts" noch ein anderes Blatt zu lesen. Der„Vorwärts" muß alles bieten und alle Blätter ersetzen können. Ich hoffe, daß eS dieser Anregung nur bedürfen wird «lnd daß es möglich sein wird, Inhalt und Auslage des„Vor- wärts" zu vermehren. Was die Quarck- Seite anlangt(Heiterkeit), so bitte ich dringend um Ablehnung des Antrags, der ein Mißbilligungsvotum für die Redaktionen des„Vorwärts" und der„Magdeburger Volksstimme* verlangt.(Beifall.) Ich bedauere sehr, daß Genosse Schmidt gestern weit über das Ziel hinausgegangen ist. (Sehr richtigst Wodurch aber fühlt sich Quarck beleidigt? Daß von dem Frankfurter Pfadfinder ganz allgemein die Rede ist? Ja, ist denn Quarck eine hysterische Jungfrau? Und die Aus- Führungen über den„sozialpolitischen Reformer" behandeln doch nur die Frage, inwieweit die Eierschalen seiner Vergangenheit Quarck noch anhaften. Es ist ja nur verlangt worden, daß dieses Sewerkschastspolitische Streben nicht die Hauptsache sein darf. >aS soll die Redaktion nicht sagen dürfen? Deswegen«in Mißbilligungsvotum? Das wäre die ärgste Reaktion, die größte Ungerechtigkeit, eine Knebelung der Preßfreiheit!(Widerspruch und lebhafte Zustimmung.) Ich hätte es nicht für nothwendig gehalten, den Quark so breitzutreten.(Heiterkeit.) Was mich empört hat an der Sache, daS war nur das Verhalten einiger Redakteure des Blattes, die es für nothwendig hielten, in eigener Sache die Erklärungen zu erlassen. Diese Sache ist ja erledigt. Der Parteitag hat sich nicht mehr damit zu befassen. Aber daß Quarck verlangt, daß nicht ihm, sondern den Redaktionen des„Vorwärts" und der„Volksstimme" ein Mißtrauensvotum ertheilt werde, das verstehe ich nicht.(Beifall.) A g st e r- Stuttgart spricht zu dem badischen Antrag 50 und bittet darum, diese Frage nicht vom allgemeinen Gesichtspunkte aus zu betrachten, sondern die speziellen Verhältnisse ins Auge zu fassen. Im badffchen Oberland erscheint nur dreimal wöchent- lich ein Organ. Das kann absolut für die Genoffen, die namenttich die parlamentarischen Verhandlungen verfolgen wollen, nicht genügen. Dazu kommt, daß diese? Blatt nicht in der badischen Kqpitale erscheint, sondern draußen in einem kleinen Orte. Da ist es nicht wunderbar, daß eS nicht die Verbreitung hat, die es haben sollte und haben würde, wenn es täglich erscheinen würde. Allerdings hat es jetzt nur 4500 Abonnenten; bei täglichem Erscheinen würde es aber eben einen größeren Abonnentenstand haben und sich rentiren. Jetzt wird es vielfach durch auswärtige Blätter ersetzt, die doch hin- sichtlich der lokalen Fragen in keiner Weise genügen können. Ich bitte Sie also, nehmen Sie Rücksicht auf die badische Bewegung und denken Sie nicht lediglich daran, daß jede Neugründung eines Blattes ein gewagtes Experiment ist. Wir verlangen ja nicht, daß die Mittel gänzlich aus der Parteikasse entnommen werden sollen, fondern wir sammeln in Baden einen Preßfouds und wünschen nur einen Darlehnszuschuß. A n t r i ck- Berlin: Die äußere Ausstattung der„Neuen Welt" ist bedeutend besser geworden. Wenn Genosse Steiger erklärt, in Zukunft etwas vorsichtiger in der Auswahl des Stoffes zu sein, so können wir uns wohl damit zufrieden geben Weit wichtiger als diese Angelegenheit ist unsere Stellung zum „Vorwärts". Mit dem Redakteur muß ein ernstes Wort ge sprochen werden. Wieviel hat der„Vorwärts" nicht in den letzten Jahren gesündigt. Zu den brennenden Parteifragen nimmt er entweder gar keine Stellung, oder er schwankt in seiner Haltung hin und her, wie bei dem Streit der sächsischen Genossen über die Taktik gegen die Wahlrechtsverschlechlerung.— In der äußeren Politik des„Vorwärts" sieht es noch viel schlimmer aus. Hier werden uns geradezu ungeheuerliche Dinge geboten. Vor allem fehlt jede klare Darstellung der Thatsachen. Dazu kommen beständige Widersprüche. Die Darstellung der englischen Verhältnisse, wie sie der englische Korrespondent des„Vorwärts" giebt, ist ganz verschieden von der Darstellung, die die Redaktion des„Vorwärts" denselben Vorgängen giebt. Ebenso ist es mit der Darstellung der Vorgänge in Italien. Am schlimmsten aber ist das, was der„Vorwärts" über Frankreich schreibt. Da ver- öffenllicht er Sieges- Bulletins über die Wahlerfolge der französischen Genossen bei den Genieinderaths- und Parlaments wählen. Wenn man sich nun jetzt das Verhalten dieser angeblichen Genossen bei den jüngsten Vorgängen in Paris ansieht, bekommt man eine ganz andere Ansicht. Am 25. August brachte der„Vorwärts" es fertig, zu behaupten, die französische Ziegierung empfände ein Grauen vor dem Besuch des Zaren. Vom Chauvinismus sei keine Rede, von ein paar Irrsinnigen abgesehen, die Franzosen seien überhaupt die besten Leute. Wenn diese Behauptung wahr wäre, dann müßten die Irren Häuser in Frankreich bedeutend erweitert werden und es würden wenige Franzosen draußen bleiben.(Heiterkeit.) Vier Wochen später hat der„Vorwärts" wieder das gerade Gegentheil geschrieben. Da bringt er einen Artikel, vermuthlich von dem selben Verfasser:„Die neue Kosackcnrepublik", die das Gegen- theil von dem sagt, was am 25. August behauptet wurde. Das schädigt das Ansehen des„Vorwärts" und der Partei. Das sind nur zwei Nummern. Ich könnte Ihnen noch mannigfache Belege für meine Be- hauptung bringen. Wenn solche Dinge sich im„Vorwärts" ab- 'pielen, dann ist es endlich an der Zeit, daß die Partei sich wie ein Mann gegen diese Zustände erhebt, die der Würde der Partei nicht entsprechen. Acht, auch zehn Tage später, als sie datirt sind, erscheinen die auswärtigen Korrespondenzen im Vorwärts". Häufig genug haben sie dann an Aktualität ver- loren. Für jede Zeitung ist eine möglichst schnelle, ausgiebige Berichterstattung von größter Wichtigkeil. Auch hier muß Wandel 'Haffen werden. Von einem Zentralorgan verlange ich, daß an der Spitze der Partei steht und ihr Direktiven giebt. Ge nosse Stadthagen hat die Kalamität schon angedeutet und auf unseren allverehrten Genossen Liebknecht bezug ge nommen. Auch ich bin der Ueberzeugung, daß Liebknecht, der als Journalist, Abgeordneter und Agitator menschenmögliches leistet, trotz seiner großen Arbeitskraft die Aufgaben, die die Chefredaktion des„Vorwärts" stellt, nicht vollkommen erfüllen kann. Ein Mann muß mit der Direktion des Blattes betraut werden, der seine ganze Zeit dem Blatte widmen kann. Der „Vorwärts" muß anders werden. Unsere Genossen können nicht 3, 4 Blätter daneben halten, um sich über die thatsächlichen Vor zänge in der Politik zu unterrichten. Wenn wir die Massen irre ühren, so kann das gefährliche Konsequenzen haben. Wir haben alle Ursache, das Volt über die thatsächlichen wirthschaftlichen und sozialen Verhältnisse aufzuklären.(Beifall.) K o l b- Karlsruhe betont die Nothwendigkeit, die Preß Verhältnisse Badens besser zu gestalten. Die Abonnentenzahl geht in vielen Städten zurück, namentlich in der Umgegend von KarlK ruhe. Um den Angriffen der nationalliberalen Presse entgegen� Zutreten, müsse ein Parteiblatt geschaffen werden, das aus der )öhe der Zeit steht; schaffe man ein täglich erscheinendes Blatt, würden bei der nächsten badischen Landtagswahl neue Siege erfochten, sonst sei an Erfolge nicht mehr zu denken. In dem Antrage se» ja nur davon die Rede, daß der Parteivorstand die badischen Genossen eventuell unterstützt, wenn die eigenen Mittel nicht ausreichen. Das Geld werbe, wenn möglich, auf Heller und Pfennig zurückerstattet werden. Liebknecht: Vor 20 Jahren wurden bereits dieselben Vorwürfe erhoben wie heute, und gerade weil sie so häufig vor- zebracht werden, macht ein großer Theil der Ausstellungen einen ehr geringen Eindruck aus mich. Wir müssen uns doch darüber klar sein, daß, wo derartige Beschwerden regelmäßig wieder- kehren, tiefere Gründe vorliegen müssen, die es verhindert haben. daß das Ideal von einer Presse, wie es den Parteigenossen vor- chwebt, sich bisher nicht verwirklicht hat. Wollte ich irgend ein anderes Parteiblatt mit demselben Maßstabe messen, der an den Vorwärts" gelegt ist. so würde kein Blatt besser ahren. Das weiß jeder vernünftige Genosse. Aber das . Zentralorgan wird einfach als eine Domäne betrachtet, die man ohne weiteres schlecht machen kann, ohne das Gute hervorzuheben. Ich bedauere es, daß der Punkt„Presse" nicht als besonderer Punkt auf die Tagcsorduung des Parteitages mit einem Referenten und Korreferenten gesetzt ist, und es sollte mir leid thun, wenn der Parteitag nicht einen Beschluß faßte, ur das nächste Jahr ein Referat und Korreferat darüber entgegen- zunehmen. Ich habe die Stellung eines Chefredakteurs niemals so auf- gefaßt, wie«S gewöhnlich in Deutschland der Fall ist. Man versteht darunter einen Mann, der die ganze Zusammenstellung besorgt und für alles verantwortlich ist. Ich habe nicht die Zeit dazu, von Morgens bis Abends in der Re- daktion zu fein, und ich würde mein Amt niemals übernommen, und meine Freunde würden eS mir garnicht angeboten haben, wenn das von mir verlangt wäre. In Frank- reich versteht man unter Chefredakteur«inen Mann, der in politischen und sonstigen Dingen die Maschinerie der Redaktion leitet. Clemenceau, der jetzige Chefredakteur der„Justice* chreibt dafür Leitartikel, und im übrigen wird das Blatt von Leuten in seinem Geiste redigirt. Wenn uni das noch nicht ge- lungen ist, so liegt das daran, daß wir eine hierfür geeignete Persönlichkeit noch nicht gefunden haben. Unsere Presse dezentralisirt sich immer mehr, und wenn von einem der Vor- redner aus die Nothwendigkeit der Zentralisation hingewiesen ist, so halte ich dem gegenüber eine Zentralisation für das größte Unglück für die Partei. Die Partei hat eine große Presse, die « immer mehr zu entwickeln sucht, und was an Talenten in der Zartei da ist, übernimmt eine selbständige Stellung. Der„Vor- värts" befindet sich in einer ganz eigenthümlichen Lage, er ist Z ugleich Zentralorgan und Lokalblatt, und das hat große Schwierig- eiten im Gefolge. Es ist davon gesprochen, daß manche Artikel o lange liegen bleiben, aber der Raum des„Vorwärts* ist zu beschränkt. Uns steht nicht so viel Platz zu Gebote, wie etwa der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung", eS macht uns schon eine große Mühe, das hineinzubringen, was hineinkommen soll. Es ist ferner gesagt worden, der„Vorwärts* soll aus einem Guß hergestellt sein: Ja. daS sollte er sein, aber er ist es nicht, weil verschiedene Strömungen darin zur Geltung kommen. Man wirft dem„Vorwärts* vor, daß er oft keine Meinung hat und nicht zu allen Fragen Stellung nimmt, aber darin zeigt sich ja gerade der Unterschied zwischen einem Zentral- und einem Lokalblatt. Wäre ich Redakteur eines Lokalblattes, so wäre ich sicher der erste, der zu jeder Frage entschieden Stellung nimmt. Das Zentralblatt hingegen gehört der ganzen Partei, und wenn in der Partei verschiedene Strömungen herrschen, so halte ich als Chefredakteur des Zentralorgans mich nicht für berechtigt, meine Meinung als die leitende Meinung der Redaktion hinzustellen. Ich habe es stets für meine Pflicht gehalten, den verschiedenen Strömungen Rechnung zu tragen, so in der Agrarfrage und in der bayerischen Landtagsfrage. Hätte ich damals Stellung genommen, so hätte ich damit einen Theil der Genossen beleidigt. Ich habe nicht das Gefühl der Unfehlbarkeit, ich glaube ja in manchen Dingen ebenso gut wie ein anderer in der Partei richtig urlheilen zu können, aber ich bin nicht im stände, immer das Richtige zu finden. Ich war z.B. bei der Agrarfrage, wo die Geister aufeinander platzten, nicht in der Lage, zu sagen, was das Richtige war, und ich würde eine Partei verachten. wenn sie sich das gefallen ließe. Die Redaktion des Zentralblattes kann als Redaktion zu derartigen Fragen nicht Stellung nehmen. Wir haben nun das Abkommen getroffen, daß die Redaktion nach der Majorität Stellung nimmt. Dann kann aber die Minderheit kommen und das Gegentheil sagen, und das wäre einfach Unsinn.(Sehr richtig!) Es könnte dann in einem Artikel das Gegentheil von dem zu stehen, was im Leitartikel in derselbe» Nummer enthalten ist. Da sieht man. mit welchen Schwierigkeiten wir zu kämpfen habe». Bei den Provinz-Partei- blättern weiß jeder sofort: das hat der Schoenlank geschrieben. Aber im Zentral-Organ halte ich mich nicht für verpflrchlet, so zu verfahren. Ich bin zu jedem Abkommen bereit, nur darf die Minderheit nicht vergewaltigt werden. Das Zentralorga» darf nicht der große Nürnberger Trichter sein, der die Weis- heit den Genossen eintrichtert. Gerade dadurch, daß wir nach allen Richtungen hin selbständige Organe geschaffen und die Arbeiter geistig gebildet haben, sind wir den Gegnern im Kampfe überlegen. Aus welche Weise soll denn auch der„Vorwärts" zu allen Fragen Stellung nehmen? Der eine Redakteur denkt so, der andere so; es �bleibt also schließlich nur der mechanische Weg der Abstimmung übrig, und das wäre das allerverkehrteste.(Sehr richttg.) Es ist mir vorgeworfen, daß ich bei der Frage der sächsischen Landtags-Wahlen nicht mehr eingegriffen habe. Ich bin ja oft diktatorischer Gelüste bezichtigt worden, aber ich habe doch so viel demokratisches Gefühl, daß ich den Genossen in einem Lande, wo die Sozialdemokratie so entwickelt ist, wie in Sachsen, nicht von Berlin aus Direktiven geben will, wofür sie sich auch bestens bedankt hätten. Das Verlangen, von oben herab alles zu diktiren, kann nur jemand ausstellen, der wirklich nicht fähig ist, die Dinge vollständrg zu überschauen. Muß ich denn, wenn ich eine andere Meinung habe, gleich den Gegner für einen Esel halten und auf ihn losgehen?(Heiterkeit und Beifall) Nein. das darf nicht sein. Ich habe da. wo es galt, die Partei zu- sammenzuhalten, stets zu vermitteln gesucht, und ich habe die Parteikämpse in Frankreich und England gesehen und die Er- sahrung gemacht, daß dort die Partei in ihrer Entwickelung gestört worden ist, weil der Versuch zu vermitteln unterblieb. Wenn ich nicht alles so durchführen tonnte, wie ich's wollte, so liegt das daran, daß es an ausreichenden Kräften fehlt. Bei einem so großen Blatt, wie der„Vorwärts", bei dem das, was man nicht sieht, die größte Arbeit verursacht, ist unsere Stellung eine sehr schwierige. Wenn man nur die ungeheure Kor- respondenz, die der„Vorwärts* führt, betrachtet, und wen» man die Schwierigkctt der Aufgabe mit den zur Verfügung stehenden Kräften vergleicht, so wird man uns nicht Mangel an Arbeitslust oder Arbeitskraft vorwerfen können Ich werde ja demnächst in der Redaklionskonferenz gründliche Vorschläge machen, um den Konflikt zwischen Zentral- und Lokalorgan zu beseitigen. Genosse Antrick wirft dem„Vorwärts* vor, daß sich im politischen Theil häusig Widersprüche finden. Wenn man aber die beiden Notizen, die er anführt, richtig auffaßt und nicht Chauvinismus mit dem Ruf nach Krieg identifizirt, so findet man keinen Widerspruch in den beiden Artikeln, die von mir selbst ge- schrieben sind. Allerdings hatte die französische Regierung große Angst vor dem Besuch« des Zaren. Sie wußte nicht, was seitens einiger Anarchisten geschehen könnte, und es bestand eine große Besorgniß. bei Deutschland Anstoß zu erregen. Mit größter Aengstlichkeit wurde jede Demonstration vermieden, die kriegerisch aussehen konnte. Der französischen Regierung fiel eine Zentner- last vom Herzen, als der Zar wieder fort war. Das widerspricht nicht der Thatsache, daß die Re- publik sich Rußland in die Arme geworfen hat. Wir sollen falsch über die Bewegung im Auslande berichten! Hierbei ist dem Genossen Antrick der Schnitzer unterlaufen, daß er annimmt, der Pariser Gemeinderath besteht aus Sozialisten. (Zuruf von Antrick: Ist mir nicht eingefallen.) Aber das ist doch Ihre Voraussetzung. Niemand hat vom Pariser Gemeinde- rath ein anderes Vorgehen erwartet. Und glauben Sie. daß ich es lobe, wenn unsere Genossen, die darin sehr schwach vertreten sind, nicht mit der Energie protestirt haben, wie die sozialistischen Gemeinderäthe von Lille und Bordeaux. Der Widerspruch zwischen den Korrespondenten deS Auslandes und den redaktionellen Notizen rührt daher, daß ich auch andere Meinung aufkommen lasse. Ich halte die Leser des „Vorwärts" nicht für so dumm, daß sie nicht aus verschiedenen Anschauungen das richtige herausfinden können. Ich glaube. daß meine Toleranz eher Lob als Tadel verdient. Die wissenschaftliche Beilage, die gewünscht wird, ist bisher aus Mangel an Raum und aus dem Grunds nicht zu stände ge- kommen, weil Konrad Schmidt, den wir dafür in Aussicht ge- nommen hatten, zu dieser Arbeit keine Zeit hatte. Er hat sich aber jetzt bereit erklärt, je, nachdem es beschlossen wird, ein- oder zweimal wöchentlich eine derartige Uebersicht zu geben, uyd ich kenne keinen Mann in der Partei, der dazu befähigter wäre. Was die Polemik mit Quarck betrifft, so müssen wir einen Unterschied machen zwischen einer Polemik mit Gegnern und mit Genossen. Ich bin dagegen, daß die Polemik mit Genossen per- sönlich betrieben wird.(Lebhafte Zustimmung.) Ist das aber der Fall, dann muß die Person, die den Angriff unternimmt, sich auch nennen.(Sehr richtig!) Und wenn sie sich genannt hat, dann ist eS mir vollständig gleichgiltig, wer die Polemik führt. Boransgefetzt, daß in dem Streit nicht etiväs absolut Uuanstän- diges vorkommt, oder etwas, was gegen die Parteidisziplin ver- stößt, kann man der Polemik keine Grenze setzen.(Sehr richtig!) Man darf aber niemals versuchen, einem Genossen die Partei-Ehre abzuschneiden.(Beifall.) DaS sind meine Grundsätze, die wohl von jedem gebilligt werden.(Lebhafte Zu- stimmung.) Ich habe es bedauert, daß gestern mein Kollege Schmidt Dinge gegen Quarck geäußert hat, die besser nicht gesagt wären.(Lebhafte Zustimmung.) Wenn man eine» Mann wie Quarck hinstellt als einen Menschen, der noch kein richtiger Genosse ist, sondern erst fertig werden muß. so bedauere ich das. Ich muß entschieden dagegen protestiren, daß in dieser Weise von verkrachten bürgerlichen Existenzen gesprochen worden ist. (Bravo.) Diese verkrachten bürgerliche» Existenzen haben wir bei uns; das kann man aber nicht aus Quarck anwenden. Der Mann hat sich normal entwickelt, und wenn er in Zwiespalt gerathen ist zu seinen früheren Anschauungen, so ist das begreiflich, aber kein Tadel. Quarck ist aus einer Partei herausgegangen, die ihm eine bessere Stellung hätte geben können, als wir.(Sehr richtig.) Wir klagen über Mangel an Talenten und dabei wird jeder niedergeknüttelt, der aus bürgerlichen Kreise» u uns kommt.(Lebhaste Zustimmung.) Könne» wir denn warten. >is aus der Arbeiterklasse Redakteure herauswachsen? Die ehr- liche Gesinnung ist eine selbstverständliche Voraussetzung, aber damit allein redigirt man doch keine Zeitung. Ich gebe zu. haß wir die schlechtesttn V«rsammluug»b«richt«ftaU« haben» das kommt daher. weil wir nicht auf die Fähigkeit sehen können, sondern auch aus die Genossen Rücksicht nehmen müssen. Ich, der ich Quarck vielleicht am besten kenne. proteftire dagegen, daß man den Mann so beschimpft.(Beifall.) Nun komme ich aus die„Neue Welt". Es hat mich im ganzen sehr gefreut, daß wir zum erste» Mal eine Preßdebatte gehabt haben, in der man versucht hat, einen höheren Flug zu nehmen; es ist wirklich einmal von der Kunst gesprochen worden. Nun muß ich sagen, daß ich theoretisch mit den gestrigen Aus- führungen Steigcr's durchaus einverstanden bin, aber das, woraus man ihm einen Vorwurf macht, wird dadurch garnicht getroffen. Ueber die Grundsätze der naturalistischen Kunst sind wir alle einig, wir finden sie schon ausgesprochen bei Schiller, ja schon bei Aristoteles. Der Fehler in der„Neuen Welt" ist der, daß Steiger glaubt, es sei jetzt die neue Kunst, die fertige Kunst entdeckt worden, und das sei die Richtung des „jüngsten Deutschland". Darin kann ich Steiger allerdings nicht folgen. Es ist richtig: vaturslla von sunt turxia; aber es giebt Dinge, die man in anständiger Gesellschaft nicht sagt und thut. (Sehr richtig!) Wenn jemand das natürliche Bedürsniß, das die Bertha gehabt hat, hier in diesem Saale verrichten würde, dann würde jeder sagen, das ist zwar natürlich, aber es ist äußerst unanständig(Große Heiterkeit); und ob ich das in diesem Saale oder vor eineni Leserkreis von 200 000 Familien thue, so ist das gar kein Unterschied.(Sehr richtig! Steiger ruft: Nur bis an die Thüre!) Der richtige Naturalist thut eine große That, wenn er ein derartiges natürliches Bedürsniß gewissermaßen der übrigen Menschheit zum Trotz, nur um seine eigene Hypermenfchlichkeit zu wahren, direkt vor den anderen und ihnen ins Gesicht ver- richtet!(Große Heiterkeit.) Das ist das, wogegen die Arbeiter protestirt haben. Nun kommen wir aber auf etwa?, was von größter Be- deutuna für das Proletariat ist. Das jüngste Deutschland hat infolge der Deladence eine gewisse prickelnde Lust, alle sexuellen Dinge auszumalen. Und nun sage ich:— ich bin wahrhaftig nicht prüde, in meiiier Gegenwart kann man sehr vieles sagen; aber wenn vor heranwachsenden Kindern— die „Neue Welt" soll ja Familienblatt sein— diese Dinge behandelt werden, wie wirkt denn diese Erregung der Lüsternheit auf die Kinder! Das Proletariat wird heute schon so zu gründe gerichtet durch soziale und ökonomische Verhältnisse; sollen wir noch dazu beitragen, Körper und Geist der Kinder des Proletariats zu ruiniren? Wenn die Arbeiter von diesem Ge- sichtspunkte aus sich widersetzen, dann haben sie vollkommen recht. Steiger wird das auch anerkennen: Die Schweinerei gehört in die„Neue Welt" nicht hinein! Ich habe mit einem Manne, der vielleicht den bekanntesten Namen in unserer modernen Romauliteratur hat, in diesem Sinne eine Polemik gehabt. und er mußte mir schließ- lich zugeben, daß das, was ich unter gebildeten Leuten nicht sage und nicht thue, auch nicht gesagt werden darf in Heilungen, Unterhaltungsblätiern u. s. w. Ich bin mit der Ansicht Sleiger's in bezug auf das jüngste Teutschland auch nicht einverstanden. Ich glaube auch nicht, daß Hauptmann der große Mann ist, als welchen er ihn hingestellt hat; es ist sehr viel Kleines und Häßliches darin, und vor allem ist nichts Revolutionäres darin, nein, spießbürgerlich- reaktionäres zum größten Theil.(Beifall und Widerspruch.) Und die Griechen. die doch auch etwas von Kunst verstanden und große Realisten waren, ließen alle diese grausigen Sachen, statt sie auszumalen, hinter der Thür verrichten. In der„Kunst der Poesie" des Horaz wird das ausdrücklich gelehrt. Der größte aller Realisten, das war ein gewrsser Homer(Heiterkeit); ihn wird Steiger als Autorität ja auch gewissermaßen anerkennen. obgleich das jüngste Deutschland keine anderen Autoritäten kennt, als ihre eigenen Wichtigkeiten.(Heiterkeit.) Da kommt eine wunderschöne Stelle vor, welche ich Freund Steiger bitte zu lesen, ehe er an seine Redaktionsarbeit geht Als die Götter sich streiteten um das Geschick von Troja, als schließlich die Juno eutschlossen ist. die Trojaner zu vernichten, sucht sie den Jupiter für sich zu gewinnen, und es gelingt ihr auch;— aber der große Realist Homer läßt eine Wolke um beide verbreiten; und dies« Wolke empfehle ich Freund Steiger.(Stürniische Heiterkeit). Und ich erinnere ihn noch an ein Sprichwort, das za lateinisch ist und das ich des- halb zitiren kann: cacntuni non est picturn!(Stürmische Heiterkeit und Händeklatschen.) Fischer(Berlin): Die Haltung de? Genoffen Liebknecht zur.Vorwärtsfrage" ist nicht einladend, dieses Thema fort- zusetzen. Wenn der Mann, der an der Spitze des„Vorwärts" stehtz gegenüber den Vorwürfen, die gegen das Blatt erhoben werden, nichts anderes zu sagen weiß, als daß er sie seit 25 Jahren höre, und daß sie auf ihn keinen Eindruck machen, so ist es überflüssig, darüber zu diskutiren. Ich ziehe den entgegen- gesetzten Schluß von dem. den er gezogen hat; ich meine: weil seit 25 Jahren die Vorwürfe immer wieder erhoben werden, deshalb muß etwas Richtiges an ihnen sein.(Sehr richtig!) sLiebknecht: Habe ich auch gesagt!) Wenn die Partei die ChefredaktionSstelle nach französischem Muster einrichtet, und er die Chefredakleurftelle noch beansprucht, obwohl er daS halbe Jahr nicht in Berlin ist, und wenn er einen Gegensatz macht zwischen Zentralorgan und Loknlorgan. und daß er deshalb absolut außer stand- sei. dem„Vorwärts" den Beruf erfüllen zu lassen,-in unterrichtendes, aktuelles Organ zu sein— gewiß. der Stoff ist sehr ausgedehnt; das Blatt erscheint aber auch 2 bis 4 Boge» stark; und nicht das Ueberwuchern des lokalen Theiles hat die Veranlassung zu den Klagen gegeben, sondern der übrige Tbeil, der Mangel dessen, was nicht drin steht. Wenn Liebknecht sagt, es sei die Ausgabe des sührcuden Organs, überhaupt nicht Stellung zu nehmen, so steht er, glaube ich. damit einzig in der Partei da. Deshalb hat nian ja ein Zentralorgan, deshalb hat man ja einen Mann von Liebknecht'S Bedeutung zum Chefredakteur gemacht, daß er Stellung nimmt, daß er die Führung übernimmt; sonst brauchte man kein Zentralorgap, da haben wir ja die kleine Provinzpresse, dann wäre ja die ganze Aufgabe des Zcnlralorgans, alles ge- mütblich zu registriren— dafür braucht man kein solches Budget! (Beifall.) Ader daran wird ja nichts geändert werden.der„Vorwärts" wird nach wie vor nichts sein, als das Spiegelbild der literarischen und politischen Zerfahrenheit der Parteipresse, als das Organ leerer raisonnirender Redensarten(Unruhe). Wir dürfen nicht empfindlich sein. wir müssen jedem die Freiheit des Urtheils überlaffen, so„st kommen wir zu nichts, als zur Waschlapperei! (Sehr richtig') Wenn der„Vorwärts" nicht führt, nicht unterrichtet, s» ist das ja kein Vorwurf gegen Liebknecht. Was für ein Esel wäre der Parteigenosse, der Liebknecht Mangel an Arbeitslust und Arbeits- kraft vorwerfen würde! Der Fehler liegt in der Individualität Liebknechl's. Sie haben ihn auf«inen Posten gestillt, der sich mit seiner Jndtvidualität nicht verträgt. Er kann den Posten nicht ausfüllen(Sehr richtig! und ledhafter Widerspruch); und seine Ardeilskrast ist für die Partei viel zu kostbar, als daß man sie in diese mechanische Zieh- und Pflügarbeit hinein- spannt! Nicht der Mangel an Leuten, an Intelligenzen ist es, der ihm fehlt— nein, du Sache ist anders, neben Liebknecht können die geistigen Kräfte der Mitarbeiter sich nicht entfalten, sich nicht auswachsen. haben sie keinen Spielraum; an Material fehlt eS nicht, selbständigen Existenzen ist es aber überhaupt nicht möglich, neben Liebknecht zu arbeuen(Beifall und Unruhe). Ich verweise nur aus Echocnlank; wie vorzüglich ist die„Leipziger Volkszeitung", die„Sächsische Arveiter-Zeuuiig" redigirt, wie ist die sächsisch«, die bayrische, die Agrar-.die Gewcrkschaftsfrage behandelt! — Der„Vorwärts" dagegen hat nie de» Muth ver eigenen Meinung bekundet. Berlepsch ist gegangen, der Kriegsini, lister ist gestürzt— der„Vorwärts" schreibt keine Zeile! Diese Dinge sind ja alle neben- sächlich, aber ein führendes politisches Blatt muß doch dazu Stellung nehmen.(Beifall.) WaZ nun die„Neue Welt" angeht, so lasse ich dl- Frage „Realistik".„Kunst".„Klassizität" unberührt, solche Fragen werden nicht durch Abstimmungen gelöst. Aber die Art und Weise, wie man auf die„Neue Welt" loshaut, kann man nicht billigen.(Leb- hafter Beifall.) Auch ich halte die Wahl des Romans von Hans Land„Der neue Gott" für einen Mißgriff; auf der anderen Seile mache ich aber daraus keinen großen Vorwurf— wir i» Berlin sind auch durch den Feuilletontheil des„Vorwärts" zur Resignation und zun, Verzeihen erzogen worden (Heiterkeit und Beifall). Aber daß in diesen, Roman die Sozialdemokratie verhöhnt wird, wie Berard sagt, das ist nicht wahr. Mit einer solchen Kritik, wie Berard es gelhan hat, soll man nicht an die Kritik eines große» Romans herantreten. Richtig aber ist es. in den weitesten Ar- beiterkreisen ist ein gewisses Mißbehagen gegen die„Neue Welt" vorhanden, und Steiger thut gut, das zu berücksichtigen und zu ändern. Es handelt sich hier nicht um eine Moralsrage. nicht nm ein Kunstprogramm, sondern darum, daß Steiger viel zu wenig beachtet hat, daß die„Nene Welt" nicht blos ein Bildungsorgan ist. sondern auch ein Familienblatt, das jeder seinen Kindern in die Hand geben will.(Sehr richtig!) Ich bin gewiß kein Moralsex. aber man läßt sich doch nicht im Kloset photographire».(Stürmische Heiterkeit.) Das sind Kleinig- keilen, die aber das Mißbehagen der Genosse» hervorgerufen haben. Mehr als nothwendig wird das sexuelle Problem behandelt, und zwar nicht das psychologische Geheimniß, sondern der einfache mechanische Vorgang(Sehr wahr!), und dagegen bäumt man sich auf. Die Szenen, die Schoenlank aus Claude Tillier's Roman„Onkel Benjamin" anführte, sind«in ganz prächtiges Beispiel; wenn in der„Neuen Welt" das dargestellt wäre, so bin ich überzeugt, daß der Schriftsteller nicht die Situation, sonder» den häßliche» Körpertheil geschildert hätte.(Heiterkeit.) Das ist der große Unterschied zwischen Meister und Pfuscher. Das muß Steiger beseitigen, dann wird das Mißbehagen verschwinden. Denn das steht fest: Im übrigen ist die„Nene Welt", an geistigem Gehalt. an Aielseiligkeit weitaus Keffer geworden.(Lebhafter Beifall.) Aus diesen, Grunde muß der Antrag abgelehnt werde», sie wieder auf 8 Seilen zu reduziren, denn damit kann man kein gutes Blatt machen. Ebenso lehnen Sie den Berliner Antrag ab. der„Neuen Welt' den Charakter einer Beilage zu nehmen! Wie wollen Sie bei den heutigen Verhält,, iffen mit den bürger- lichen Blättern konkurriren? Dann müßten Sie vielleicht 30 000 bis 40 000 Mark ä ftmäs perdu hineinschustern.(Beifall.) Eichhorn- Dresden: Meine Beschwerde richtet sich gegen den Neuen Weltkalender; er ist bedeutend schlechter geworden. (Widerspruch.) Die Verbilligung des Kalenders ist auf Koste» der Kolporteure erfolgt, und das finden die Genossen nicht schön. Die„Neue Zeit" ist verlheuert worden; sie arbeitet mit einem bedeuten- den Defizit. Es wird deshalb schon davon geredet, die„Neue Zeit" wieder in«ine Monatsschrift zu verwandeln. Den, Genossen Dietz ist nicht zuzumuthen, das Defizit auf die Dauer zu tragen. Ich möchte dem Parteivorstand deshalb empfehlen, sich näher zu überlegen, wie der„Neuen Zeit" zu Hilfe zu kommen ist. Die „Neue Zeit" hat leider nur 4000 Abonnenten; die Partei muß das lebhafteste Interesse für die Existenz ihres wissenschaftlichen Organs haben. Vielleicht empfiehlt es sich, die„Neue Zeit" i» direkte Parteiregie zu nehmen. Redner empfiehlt weiter eine Wochenausgabe deS„Vorwärts" als Ersatz für den„Sozial- demokrat" und bringt einen diesbezüglichen Antrag ein. R a u e- Iserlohn: Die„Nene Welt" kann auch den Kindern ruhig in die Hand gegeben werde». Kinder lesen etwas An- stößige? garnicht heraus, sie verstehen es garnicht. Wenn Frohme so überaus empfindlich ist, soll er doch beantrage», daß die Figuren auf der Lustgarten brücke in Berlin Badehosen be- kommen.(Heiterkeit.) Einzelne Beschwerden gegen die„Neue Welt" sind gewiß berechtigt, aber deshalb braucht der Parteitag noch keine Scheiterhaufen zu erbauen und Steiger und die„Neue Welt" da hinauf zu setzen. Redner tritt für de» Antrag 34 ein, der dahin abgeändert werden könne, daß nach jeder Verabschiedung einer Gesetzesvorlage im„Vorwärts" deren Text in einer besonderen parlamentarischen Beilage bei- gegeben wird. Folgender Antrag ist eingegangen: Der Parteitag möge beschließen, eine Wochen-Ansgabe des„Vorwärts" herauszugeben. — Der Antrag findet jedoch nicht die nöthige Unterstützung. Nunmehr tritt die Mittagspause ein. Nachmittags-Sitzung. (Privatdepeschen de�„Vorwärts".) Singer eröffnet um 2 Uhr die Sitzung. In der wiedereröfineten Diskusston nimmt Schmidt» Magdeburg unter lebhaftem Beifall die Notiz in der„Volks- stimm« gegen Quarck als unbegründet zurück. Quarck hat schon oft experimentirt, aber seinx Experimente niemals zum Abschluß ge- bracht. Es ist meine Ueberzeugung. daß er durch seine Projekte die alte Polemik zwischen Ge>verkschafts- und politischer Bewegung wieder angefacht hat. In manchen Orten sind Genossen, die einen Unterschied zwischen Gewerkschasts» und politischer Be- wegung nicht kennen, als Gegner der Gewerkschaftsbewegung ge- kennzeichnet worden. DaS hat mich, der ich ein temperament- voller Mensch bin(Große Heiterkeit), empört und da kann es schon vorkommen, daß einmal einem die Feder aus. rutscht. Das passirt auch anderen.(Heiterkeit und lebhafter Bei- 'all.) Zu meiner Ansicht, daß Quarck seine Arbeit aus Geldrücksichte» nicht vollendet hat, bin ich durch eine» Ausspruch von ihn, in der ersten Sitzung der Agrarkommission veranlaßt worden. Leider ist es damals nicht zu einer Aufklärung des Mißverständ- nisses gekommen. Ich mußte damals annehmen, daß Quarck meinte, daß er nicht entsprechend peknniär für die Arbeit ent- lohnt fei(Quarck ruft: sehr nobel!) Nobel ist es gewiß, aus einem Herzen keine Mördergrube zu machen.(Lebh.BeifaU.) Ich habe mich als Verfasser des Artikels bekannt. Quarck hat hier eine große Vertheidigungsrede gehalten, als ob ihm nicht die Presse offen stände. Nun. die persönlich beleidigenden Vorwürfe habe ich zurückgenommen, aber Quarck ist zweifellos ein Man», der über die ganze Taktik der Partei in äußerster Unklarheil sich befindet.(Sehr richtig!) Im„Vorwärts" war die Kommission für Arbeilerstatistik scharf angegriffen worden, in einem anderen Artikel wurde sie in Schutz genommen. Es stellte sich heraus, daß der Verfasser dieser beiden Artikel sich aus die eine und die- elbe Person deS Genossen Quarck verdichtet.(Heiterkeit und hört! hört!— Quarck ruft: unwahr l) Dann widerlegen Sie mich. Wie ist die Haltung Quarck's in seiner„Kaufmännischen Presse"! Die antisemitische Partei stellte er als eine Volkspartei neben der sozialdemokratischen Partei bin. I» einem anderen Artikel konstatirt er mit großer Freude die Verleihung des Kronenordens an jemand! Welche Mätzchen macht er gegenüber den Thüringer Genossen. Von sozialdemotratischemThüringerGruß hat er da geredet! Das alles zeigt doch, daß er die Bewegung offenbar gar nicht io erregt nimmt.(Lebhafter Beifall.) Ich habe diese Aus- prache auf dem Parteitage lebhaft gewünscht, denn sie ist sehr dienlich: einmal wird sie Veranlassung, daß in der Presse— und damit bin ich einbegriffen— anständiger geschrieben wird (große Heiterkeit), und sodann wird sie hoffentlich auch Quarck belehren, daß«r etwas sachlicher aufzutreten und sich den An- chauungen und der Taktik der Partei etwas mehr anzupaffen hat.(Beifall.) Damit verlasse ich den Quarck. Die Ausführungen Fifcher's unterschreibe ich. Wir wollen die Kraft Liebknecht'S nicht missen, aber wo er jetzt steht, kann er sie nicht völlig entfalten. Er ist gebunden und das Band muß ihn, genommen werden. Liebknecht ist nicht der Mann, der von 'rüb bis abends auf dem Sessel sitzt. Er gehört draußen hinaus in die Agitation und in das Parlament. Da nützt er der Partei ganz anders. Suchen Sie ihn in den Berichten über die Parlamenlsverhand- lungen. Sie finden ihn nur bei der Etatsberathung und da bat er kein« Zeit gehabt, den Etat zu studiren.(Sehr wahr!) N»n� haben wir den Vorschlag gemacht— wir wollten»S im Fraktions. kreise besprochen wissen-, eS solle Liebknecht unter«elassung eines Jahresgehalts die Milarbeiterschast am„Vorwärts" gesichert sem und wir fallen uns dann bestreben, einen Mann zu finden, der den„Vorwärts" nach dem Muster der„Leipziger Volkszeitung gestaltet, nach Eintheilung, Ausstattung und Eingehen auf die n u e n t b e h r l i ch st e n Fragen.(Beifall und Widerspruch.) Jetzt schöpfe» die Genossen aus der„Leipziger Volkszeitung" ,hre Nahrung.(Widerspruch.) Aus Fifcher's Worten klang ,a heraus: So lange Liebknecht an dieser Stelle ist, ändert sich am„Bor- wärts" nichts; ist es nicht so?(Lebhafte Zustimmung.) Dann ziehen Sie auch die Konsequenzen daraus. Bezüglich der„Neuen Welt bitte ich Sie dringend, an ihr nichts zu ändern, weder nach Inhalt noch nach der Seitenzahl. Wir in Magdeburg fmd mit chr zufrieden. Die besprochenen Mängel wird Steiger ja ab- stellen.(Beifall.) m Bebel: Ich hatte nicht die Absicht, zur„VorwSrts".Frage zu sprechen. Ich bedauere lebhast, daß diese Verhältnisse hier besprochen werden. Ich würde auch trotzdem darauf nicht ein- gegangen sein, wenn Liebknecht selbst nicht auch Dinge m,tgethe,lt hätte, von denen ich annahm, daß sie vorläufig im internen Kreise bleiben follten, und wenn nicht die Erörterung von ihm in einer Weife geführt wäre, die mich zwingt, im Namen der- jeniyen, die damals den Verhandlungen beiwohnten, eine kurz« Erklärung abzugehen, weil unser Schweigen zu auffällig wäre. Liebknecht hat den Beschluß, daß. wenn in solchen Fällen, wo künftig eine Stellungnahme deS„Vorwärts" in Fragen, die die gesammte Partei bewege», nothwendig sein sollte. innerhalb der Redaktion Meinungsverschiedenheiten bestehen, die Mehrheit der Redaktion entscheiden solle, welche Stellung einzunehmen sei.«inen einfachen Unsinn ge- nannt. obgleich der Beschluß mit seiner Zustimmung einstimmig gefaßt worden ist.(Hört! hört!) Wir alle wußten, daß jener Beschluß aus einer langjährige» Nothlage hervorgegangen ist. wir hatten uns in einer großen Masse von Konferenzen, in un- erquicklichen Verhandlunge» mit der Sache beschäftigt; wir haben Liebknecht nicht überzeugt, Liebknecht hat uns nicht überzeugt. Wir stehen uns noch heute gegenüber. wie bereits seit Jahren. und es ist ein Verhältniß. das für uns alle, für ihn zweifellos ebenso wie für uns, so geworden ist, daß wir froh sind. ivenn wir überhaupt nicht über diese Dinge zu sprechen haben. Ob es gelingen wird, in der Preßkonferenz, wie er angedeutet hat, einen gemeinsamen Boden zu finden, weiß ich nicht. Ich bin nicht gewillt, dieses für mich unerquickliche Thema auszudehnen. Dann muß ich noch auf eine zweite Bemerkung von ihm kommen. Als er neulich bei den Angriffen auf die„Sächsische Arbeiterzeitung" erklärte, er habe bei der Auseinandersetzung zwischen Bollmar und mir vor zwei Jahren keine Stellung nehmen wollen, weil es zu einer Spaltung der Partei geführt haben würde, habe ich nicht geantwortet, so nahe es auch mir gelegen hätte. Ich habe mich privatim mit ihm auseinandergesetzt. Nachdem er aber heute wieder erklärte, daß diese seine NichtParteinahme — die beiläufig bemerkt, doch eine Parteinahme war— statt- gefunden habe, um die Partei aufrecht zu erhallen, muß ich erklären: Das hatte weder Liebknecht noch irgend ein ander«» Genoss« in der Partei nothwendig gehabt. Parteigenosse»! Ich habe die felsenfeste Ueberzeugung. daß es keinen Mann in der Partei giebt. er möge noch so mächtig und angesehen sein, ob er Liebknecht, ob er Singer, ob er Auer, ob er Vollmar heißt, der im stände wäre, die Partei anseinanderzureiße».(Stürmischer Beifall). Derjenige. der sich beikommen ließe, den Versuch zu machen, der wäre der erste, der aus der Partei herausfliegt!(Ülnhaltender Beifall). Die Partei ist so in sich gefestigt, es ist bis auf den letzte» Mann in unseren Reihen daS Bewußtsein von der Roth- wendigkeit treuen Zusammenhaltens ein so bedeutendes, so für nothwendig erkannt, daß da niemand auch nur denken kann, einen anderen Geist in die Partei hineinzubringen(Lebhafter Betfall), damit verlasse ich dieses Thema. Ich bitte Sie zunächst den Antrag 34, den Scheidemann befürivortete, als»naussührbar und den Antrag 74. weil er etwaS Selbstverständliches enthält, abzulehnen. Ferner ebenfalls abzulehnen den Antrag 95, der auf eine Ehren- und Rechtfcrtigungserklärung für Quarck hinausläuft. Ich habe dem ganzen Streit in der Presse zur gewerkschaftlichen Bewegung fern gestanden. Quarck kann mir keine Animosität gegen ihn vorwerfen. Er war im vorigen Jahre mit mir zusammen in der Agrarkommission, wo ich an seiner Seite die Schläge mit- bekommen habe.(Heiterkeit.) Sie haben ihn deshalb vielleicht weniger geschmerzt, weil gelheilter Schmerz halber Schmerz ist. Hier aber muß ich erklären, daß er gar keinen Grund zu solchen Rekriminationen hat, wie er sie gemacht hat. Wenn wir solche Erörterungen anf dem Parteitage machen wolle», könne» wir die ganze Woche damit zubringen und würden nicht fertig werden.(Sehr wahr!) Ich habe die Artikel mit großer Sorgfalt mehrmals gelesen und muß erklären. daß der erste Artikel, den die Redaktion deS„Vorwärts" ein- leitet mit de» Worten„Man schreibt uns", Quarck nicht die niiiideste Veranlassung hat geben können, sich verletzt zu fühlen. Wenn einer dazu Grund gegeben hat. war es niemand anders als Quarck selbst.(Sehr wahr!) Aber wie steht es mit dem Antrage? Wissen die 20 Delegirten, was sie unterschrieben haben? Nicht nur ein« persönliche Ehrenerklärung wird da für Quarck verlangt, sondern zugleich die Erwartung ausgesprochen, daß feiner sachlichen Stellungnahme in der Gewerkschaftsbewegung die Zustimmung ertheilt wird! der Parteitag thut am besten, wenn er den hier gestellten Antrag einfach ablehnt. Was die Erörterungen über die„Neue Welt" betrifft, so ist der unter Punkt 3 im Antrag 44 ausgesprochene Wunsch, daß die Redaktion sich an, Druckort des Blattes befinden soll, durchaus berechtigt und erklärlich. Es wundert mich aber. daß Genosse Börard diesen Antrag mit veranlaßt hat, denn er weiß ganz genau, daß von den 4 Redakteuren, die die„Neue Welt" in den letzte» 5 Jahren gehabt hat, 3 nicht geneigt waren, nach Hamburg zu gehen und daß der eine, den ivir mit Müh« und Nolh nach Hamburg gebracht haben, es nicht als das größte Un- glück seines Lebens betrachtete, daß er wieder nach Berlin kam. Bei einem politischen Blatt muß der Redakteur am Orte wohnen, bei einem Unterhaltungsblatt wie die„Neue Welt", ist eS vielleicht wünschenswerth, aber nicht nothwendig. Genosse Steiger ist auch nicht geneigt, nach Hamburg zu gehen und feine Be- Ziehungen in Leipzig aufzugeben, sondern er würde eS dann vorziehen, die Redaktion niederzulegen. In«ine ähnliche Lage würden wir auch mit anderen Genossen kommen. Lehnen wir deshalb diesen Punkt ab. ES wird weiter beantragt, den Um- 'ang des Blattes auf acht Seiten zu reduziren. Bedenken Sie aber, wie lebhaft früher darüber Klage geführt wurde, daß das Blatt nur acht Seiten hat und deshalb zu wenig bietet. Daß das Defizit sehr groß ist, ist richtig. aber als wir im Vorjahre Steiger zur Annahme der Redaktion bewogen und den Umfang auf zwölf Seiten erweiterten und auch Börard und Babing als Sachverständige zuzogen, damit wir«in vergrößertes und gutes Unterhaltungsblatt bekommen, so ist das Blatt für die Partei 25 000 M. mehr werth. Wenn daS Defizit jetzt etwa 43 000 M. beträgt, so kommt daS daher, daß wir nicht an den Abonnentenzuwachs dachten und bei der Berechnung außer acht ließen, daß jedci neue Tausend uns 4 M. kostet. Das Defizit ist aber nur ein rechnerisches(Sehr richtig!), denn die 7—8000 M. Prosite der Druckerei fließen ja wieder in die- selbe Kasse zurück, und um diese Summe rednzirt sich das Defizit. Da aber nach meiner Meinung daS Defizit nicht mehr als 25— 30 000 M. betragen darf, habe ich folgenden Antrag gestellt: Der Parteitag wolle den Antrag 44 ablehnen und beschließen, die Parteileitung zu beaustragen, zu unter- suchen, burch welche Maßnahmen das Defizit " " " Zum Schluß die verkrachten Eristenzen. Ich muß diese Aeußerung einfach als eine Ungezogenheit gegen Genoffen bezeichnen, die sich selbst richtet. Ich bin aus der bürgerlichen Klaffe zur Sozialdemokratie gegangen, weil mich die Logik der Thatsachen dazu zwang, und nicht weil ich dort feine Stellung gehabt hätte. Ich konnte sie lohnender haben als bei der Sozialdemokratie, habe aber trotzdem niemals nach einer Parteistellung verlangt und fühle mich als unabhängiger Schriftsteller, indem ich meine Pflicht für die Partei thue, außerordentlich wohl. Ein Redner hat gesagt, ich würde aus der Debatte gelernt haben. Ich denke, umgekehrt trifft es ebenfalls zu, und man wird von jetzt ab persönliche Stänkereien unterlassen, die den Genossen im Lande nur ein schlechtes Beispiel geben können. ( Beifall.) Singer theilt mit, daß der Antrag 95 in Sachen Quard zurückgezogen ist. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird abgelehnt, um Liebknecht noch zum Wort zu laffen. der schlägen folgt? Das mußte ich zurückweifen, und da ruft Quard, er fie nicht mehr zurückweisen tönnen. Jezt haben wir in Neuen Welt" auf ungefähr 25 000 m. herabgebracht werden werde verfolgt und verlangt Genugthung. Ich bin persönlich Frankfurt a. M. meinen Verein, der auf dem Boden des kann. Ich habe mich in den letzten Wochen mehrfach mit Sach- längst bereit, ihm Genugthuung zu gewähren. Nur für den Klassenkampfes steht. Das wäre nicht möglich, wenn nicht die verständigen unterhalten und glaube, daß es möglich ist, dem ersten und zweiten Artikel tomme ich auf. Was nachher ge- Kämpfe vorher stattgefunden hätten. Der Handlungsgehilfenkongreß Antrage gerecht 811 werden, fei es, daß wir das schehen ist, ist ohne mein Zuthun geschehen, aber auch dazu muß steht mit seinem Beschluß, daß die Handlungsgehilfenvereine Format des Blattes vergrößern, sei es, daß wir die ich sagen, daß Quarck hier wieder seiner alten Neigung gefolgt politisch sein müßten, ganz vereinzelt da. Die Vereine in Ham besseren technischen Einrichtungen uns nuzbar machen. ist und in der Polemik die Dinge anders dargestellt hat, als sie burg, Frankfurt, Stuttgart, Nürnberg, Fürth, München und ( Sehr richtig!) In bürgerlichen Unternehmungen sind heute thatsächlich liegen. In dem Redaktionsartitel steht nicht, daß Chemnitz sind im Gegentheil darüber einig, daß auf gewerkRotationsmaschinen in Thätigkeit, die zwar eine enorme Summe Quard zu einer Schicht bürgerlicher Sozialpolitiker gehört, sons schaftlichem Boden gekämpft werden muß. fosten, die uns aber in wenigen Jahren das Defizit vom Halse dern daß er aus dieser Schicht hervorgegangen ist. Das ist Singer: Ich habe dem Redner einen sehr weiten Spielschaffen. Nehmen Sie meinen Antrag an, damit die neue Partei- doch ein großer Unterschied. Genosse Quarc ist furchtbar em raum gelassen zur Erörterung der gegen ihn gerichteten persönleitung der Frage näher treten fann! Ueber den Inhalt und pfindlich und ich muß gestehen, nichts ist mir langweiliger und lichen Angriffe. Ich kann aber nicht zugeben, daß er in diesem die Haltung der Redaktion der„ Neuen Wett" brauche ich nur abgeschmackter als ein weinerlicher Gegner.( Heiterkeit und Augenblicke die Diskussion über die Handelsangestellten in Berlin wenig zu sagen. Ich erkläre rund heraus, daß ich die Neue Beifall.) Ich brauche einen Kerl, der sich tüchtig mit mir herum- und die sonstigen taufmännischen Bereine führt. Das gehört Welt" unter der Redaktion Steiger's ihrem Inhalt und ihrer schlägt, dann stelle ich meinen Mann.( Heiterkeit und Beifall.) nicht hierher. Haltung nach für eine ganz bedeutende Verbesserung halte. Genugthuung will ich Genossen Quarck gerne geben. Ich schlage Quard: Die Gewerkschaftskommission in Berlin habe ich ( Sehr richtig.) Freilich hätte Steiger gut daran gethan, mit deshalb ein Schiedsgericht vor und verzichte meinerseits darauf, beim Handlungsgehilfen Kongreß in Berlin nur darauf hingrößerer Energie seinen Rothstift zu benutzen. Ich will hier die Hälfte der Schiedsrichter zu ernennen. Quarc soll sie alle gewiesen, daß sie die Vorarbeiten für den Gewerkschaftskongreß nicht auf die Mutter Bertha", auf dieses arme Weib ftellen. Ich bin überzeugt, daß sie mir recht geben werden. abgelehnt habe und daß man deshalb in Berlin uns Frankfurtern zurückkommen. Wenn sie nicht inzwischen gestorben ist., so( Beifall.) nicht Mangel an Solidarität vorwerfen solle. ift sie heute sicher todt geredet worden.( Heiterkeit.) Aber ge- Im weiteren erklärt sich Redner gegen den Antrag aus wiffe Stellen können ganz gut ohne Gefahr für den übrigen in Iserlohn( 34), weil er nicht durchführbar ist, weil der Nürnhalt gestrichen werden. Die Debatte hat für Steiger das eine berger Trichter fehlt, mit dem den Genossen das Verlangte ein Gute gehabt, daß er jetzt weiß, woran er ist, daß er das hier getrichtert werden soll. Gehörte sich zu Herzen nehmen und in Zukunft uns ein Blatt Der Antrag 45 ist überflüssig. Wenn es nothwendig ist, liefern wird, mit dem die Partei mehr als bisher zufrieden sein Berichte über Parlamentsverhandlungen zusammen zu stellen und tann. Darin, daß das Blatt wesentlich besser geworden ist, stimmt zum Selbstkostenpreise abzugeben, geschieht es noch heute. auch Genosse Ruegg, der Redakteur der Züricher Bost", mit Der Antrag der Karlsruher Genossen, daß die Partei die mir überein, der doch gewiß eine urtheilsfähige Person ist. Verpflichtung der Erhaltung eines täglichen Parteiblattes in Andererseits habe ich am allerwenigsten, und mit mir die gesammte Karlsruhe übernehmen soll, muß abgelehnt werden. Denn was Parteileitung verkannt, daß Steiger mit seinen neuen Ideen einen Karlsruhe recht wäre, müßte für ein Duhend anderer Städte schweren Stand in der Partei haben wird. Ich habe ihm das billig sein. Nicht die Bedürfnißfrage muß in den Vordergrund oft gefagt und ihm manchmal, wenn er mir einen neuen Plan gestellt werden, sondern die Geldfrage. Die Partei lebt in den mittheilte, den Rath gegeben, nicht zu stürmisch vorzugehen, letzten Jahren in der Hauptsache von den Ueberschüssen des sondern daran zu denken, daß wir in der Partei Elemente haben, Borwärts" und des Echo's" und den Parteibeiträgen die politisch und ökonomisch auf dem radikalften Standpunkte ber Genoffen der großen Städte, Den Berlinern wäre ftehen, daß es aber bei uns auch Leute giebt, die in bezug auf es auch lieber, wenn sie zehn Pfennige monatlich für das Blatt Literatur und Kunst durchaus konservativ find( fehr richtig), die weniger zu zahlen hätte.( Sehr richtig.) Aber aus diesen zehn durch das Fernyalten von jedem geistigen Genuß an Genüffe ge- Pfennigen sett fich der ganze Ueberschuß zusammen. Aehnlich wöhnt sind, die himmelweit von dem Jdeal Steiger's entfernt find. liegt es in Hamburg. Den badischen Genoffen aber sage ich zum Es wird darauf hingewiesen, daß auch Kinder die„ Neue Schluß: Die Süddeutschen sollten sich doch nicht von den Preußen Welt" zu lesen bekommen; ja, wenn die Neue Welt" vorzugs- ein Blatt zahlen lassen!( Große Heiterkeit und Beifall.) weise für Kinder redigirt werden soll( Widerspruch), so gründe Dr. Quard: Meine Beschwerde von gestern hat ja man doch ein Kinder- Unterhaltungsblatt. Auch ich freue mich, theilweise Erfolg gehabt. Was ich vorgebracht habe, geschah nicht wenn die Kinder eine gute Lektüre haben, aber, seien sie sich doch aus der Lust am persönlichen Bank, sondern aus fachlichen Gründen darüber klar, daß wir uns auch auf dem Gebiete der Kunst und und im Partei Interesse. Witchen, die sich auf meinem Namen Literatur heute in einer großen umstürzlerischen Bewegung be- beziehen, find Zeugnisse großer Geistesarmuth. Im Intereffe der finden, in einer Bewegung, wo das Neue mit dem Alten fämpft. Genossen, die solche Wize lieben, sollte man wünschen, daß auf Eine Partei, wie die unserige, die reformirend in alle Gebiete den Parteitagen viele Genossen mit dem Namen Ochsenkopf er eingreift, tann noch nicht auf dem Gebiet der Kunst und Literatur scheinen, damit sich ihr Wig an solchen Namen üben fann. einen Standpunkt vertreten, der nach und nach als ein veralteter Zimm hat gesagt, ein Arbeiter würde ausgelacht werden, wenn angesehen wird.( Sehr war!) Die meisten von uns, ich selbst er mit solchen Beschwerden wie ich vor den Parteitag tritt. Ich nicht ausgenommen, find infolge ihrer Thätigkeit garnicht in der glaube das nicht. Ich meine, daß mit solchen Aeußerungen Lage, sich um die Entwickelung auf fünstlerischem und literarischem ein bischen Demagogenthum hier getrieben wird. Ich nehme jür Gebiet zu kümmern. Ich habe Illustrationen in der Neuen mich selbstverständlich kein anderes Recht, als es für den Arbeiter Welt" gefunden, die zweifelsohne bei Vielen Anstoß finden, über auch gilt, in Anspruch. Auch die Zweifel an meiner Erklärung, bie ich mich aber herzlich gefreut habe. Andererseits sollen wir daß Genosse Sydow die Frankfurter Artikel verfaßt hat, finde uns doch daran erinnern, daß unsere Bourgeois- Söhne ich charakteristisch. Man sucht niemanden hinterm Busch, hinter auf Gymnasien den Aristophanes, den Lucian, den Ovid den man nicht selbst gesteckt hat. zu lesen bekommen, in deren Werken sich Stellen finden, an die die anstößigen Stellen der Neuen Welt" nicht entfernt heranreichen, in deren Werken sich in bezug auf das geschlechtliche und sexuelle Leben Schilderungen finden, die weit das übertreffen, was man in Deutschland zu sagen oder zu drucken wagt. Diese Literatur wird anstandslos unter den Gymnasiasten verbreitet, aber für den Arbeiter soll das fittlich gefährlich sein. Wir haben gar nicht nöthig, auf das Alterthum zurückzugehen. Auch bei Heine finden sich Stellen, die man Rindern nicht anstandslos in die Hände giebt.( Sehr richtig!) Eine ganze Reihe von Familienvåtern sehen sich auch erst den Inhalt des Süddeutschen Postillon" und des Wahren Jacob" genau an, bevor sie die Blätter ihren Kindern in die Hand geben. Ich fasse mich dahin zu sammen, daß wir, da eine Aenderung nothwendig ist und Steiger sich bereit erklärt hat, sein Bestes einzusehen, über die ganze Streitfrage am besten hinwegkommen, wenn sie den von mir formulirten Antrag möglichst einstimmig annehmen. ( Beifall.) " " Der inzwischen eingereichte Antrag Bebel wird, da er die nöthige Unterstüßung findet, mit zur Debatte gestellt. Auer: Zunächst ein paar Bemerkungen über den Vorwärts". Ich hätte mich nicht geäußert, wenn nicht Liebknecht mit einer gewiffen Nonchalance erklärt hätte, er höre die Klagen über die Presse schon seit 25 Jahren und mache sich nicht viel daraus, daß die Klagen seit 25 Jahren gehen, und im internen Kreise noch heftiger, wie draußen; das stimmt, aber eine Diskussion wie diesmal haben wir doch noch nie gehabt, und das zeigt mir, daß ein Krug doch so lange zum Brunnen gegangen ift, bis er zu zerbrechen droht. Nicht Liebknecht soll anders werden, das will feiner von uns; aber feiner tann alles leisten und sei er noch so leistungsfähig. Liebknecht muß auf die Freundesworte hören und dem Wunsche des Parteitages Rechnung tragen. Dann werden die fünfundzwanzigjährigen Klagen auf einmal verstummen. " Bunte wiederholt seine Vorwürfe in der Dortmunder Breß Angelegenheit gegenüber der Parteileitung. Die Dortmunder protestiren gegen ihre Behandlung als unmündige Kinder, sie lassen sich nicht an der Nase herumführen. " Liebknecht: Ehe ich auf den Born ärts" eingehe, habe ich zu dem Antrag der Hamburger Genossen zu er flären, daß sie ihren Zweck durch den Verlauf der Debatte für vollständig erreicht haben. Es ist ihnen nicht eingefallen, in bezug auf die Kunst einen anderen Standpunkt einnehmen zu wollen, Benfur üben zu wollen, sondern sie haben sich nur gegen das gewendet, was Steiger selbst als Auswüchse anerkannt hat. Sodann habe ich zunächst sachlich einiges zu berichtigen. Es ist gesagt worden, ich hätte erklärt, daß ich alle Vorwürfe in den Wind schlüge; das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, daß ich mich an solche Angriffe so gewöhnt habe, daß sie mir nicht wehe thun; und ich habe die Hoffnung hinzugefügt, daß in den Preßtonferenzen auf dem Parteitage ist das nicht möglich gelingen werde, ein Vers hältniß berzustellen, das die Uebelstände beseitigt. Dann ist von Fischer erklärt worden, ich sei sechs Monate im Jahre abwesend. Ich bin in diesem Jahre länger abwesend gewesen Nun zu Auer. Er hat sich als das unschuldige Lämmlein als in einem anderen Jahr, und das war im ganzen 11 Wochen; hingestellt, das fein Wässerchen trüben kann. Ich soll den per- und das war die Folge meiner Reise nach England, die fönlichen Ton hineingetragen haben, aber weder er noch gestern ich unternehmen mußte, weil ich glaubte, dort unentbehrlich Genosse Schmidt haben aus meinen Artikeln persönliche Stellen zu sein. Auf diese Weise habe ich 5 Wochen allerdings verloren. trotz allen Suchens mittheilen können. In Wahrheit liegt die Ich glaubte aber, daß sie der Partei sehr nüßlich gewesen sind. Sache so, daß der Vorwärts" zuerst gar teine Notiz( Beifall.) Die übrige Zeit habe ich auf dem Kongresse zu von meinen Vorschlägen nahm und dann Auer gegen die gebracht auf Verlangen der Partei und meine Ferienwochen felben polemifiren ließ, ohne daß die Leser meine Vorschläge benutzt, um 1½½2 Dußend Volksversammlungen abzuhalten. Bu hätten kennen lernen tönnen. Ich habe mich auch nicht auf meiner Erholung habe ich nur 8 bis 4 Tage gehabt, die ich hier geregt, wie Genosse Auer meint, sondern lediglich festgestellt, daß in Gotha zugebracht habe. Diesen Angriff muß ich entschieden mir mehr als persönliche Beziehungen zu bürgerlichen Reformen zurückweisen. vorgeworfen wurden. Den Beweis dafür ist mir Auer schuldig geblieben. Er hat erklärt, daß die Beschuldigung nicht von ihm stamme. Diese Feststellung genügt mir. Ich habe ferner fest gestellt, daß mir vorgeworfen wurde, ich verbreite fortgefeßt falsche Darstellungen über das Verhältniß der politischen Partei zu den Gewerkschaften. Hier hat Auer den Nachweis durch ein Bitat versucht, hat es aber gerade an der Stelle abgebrochen, wo ich ausdrücklich sage, daß ich die besten Absichten bei ihm vorausseße. " Dann ist es gewissermaßen als eine Art Bertrauensbruch bezeichnet worden, daß ich jenes Beschlusses der Konferenz erwähnte. Da aber ein Antrag hier vorlag, war die Erwähnung des Beschluffes ja selbstverständlich und zum Verschweigen gar fein Grund. Wir haben eine Einigung nach dieser Richtung hin getroffen. Wenn ich gegen diese Art und Weise der redaktionellen Stellungnahme mich hierbei ausgesprochen habe, man das in und brachte, Widerspruch damit daß ich dafür gestimmt habe, so muß ich bemerken: Ja, habe Genosse Schmidt in Magdeburg hat seinen Vorwurf des ich dafür geftimmt, nachdem man erklärte, der folle man selbstverständlich gerecht werden. Geldes zurückgenommen. Das genügt mir und ich dante ihm dafür. Minorität In der Agrarkommission habe ich bezüglich der Sache nichts Die Sache tommt ja dann vollständig auf meinen früheren anderes mitgetheilt, als in der Berichtigung an Schmidt in Standpunkt hinaus. Wenn es heißt Redaktion, so ist es ganz Magdeburg in der dortigen Voltsstimme". gleich, ob Liebknecht oder Braun. Dann ist gesagt: Ich hätte Es ist unwahr, daß ich im Vorwärts" und im Sozial- eine Individualität, gegenüber welcher ein anderer nicht Es ist doch merkwürdig, daß diese politischen Zentralblatt" die Thätigkeit der Reichstommission für auffommen tann. Arbeiterstatistik verschieden beurtheilt habe. Schmidt soll die Individualität in mir entdeckt ist, seitdem ich in Berlin bin Artitel anführen, er tann es aber nicht. Der Sozialpolitiker, Ich bin 25 Jahre in Leipzig gewesen. Dort ist aber in mir eine auf den er sich berief, hat mir auf eine Anfrage brieflich mit despotische Natur, ein imperatorischer Geist nicht entdeckt worden. getheilt, daß er die ihm zugeschriebene Aeußerung über die Sache Und wer mich kennt, wird zugeben, daß diese Dinge nicht in der niemals gethan habe und mich ersucht, den Mann an ihn zu Persönlichkeit liegen, sondern daß es sich um Verhältnisse handelt, weisen, der den Klatsch verbreitet hat. Ich thue dies hiermit. die abzuändern ich leider nicht in der Lage bin. Es liegt Die Gewerkschaftsfrage an und für sich ist ja wohl erledigt, nicht in meiner Kraft, Konflikte, die aus dem Charakter ich will nur noch Bebel gegenüber bemerken, daß ich auf diesem des Vorwärts" als offizielles Partei- Orgau und gleichzeitig als Wäre ich Nun zu der Angelegenheit des Genoffen Quard. Ich habe Standpunkt schon länger stehe, daß ich der füddeutsche Mitarbeiter Berliner Lokalorgan entstehen müssen, zu vermeiden. eine Erklärung abzugeben: Der Verfasser der ersten Artikel im war, der schon nach dem Kölner Parteitag mit ihm über die Frage Redakteur eines Lotalblattes wie der Leipziger Volkszeitung", Vorwärts" in dieser Angelegenheit ist bisher nicht genannt polemifirt hat. Ich bin immer offen mit meiner Meinung so wäre ich in der Wahl meiner Mitarbeiter vollkommen frei. dies, ja Parteigenossen, dann würde ich worden, man hat ihm hier sogar Feigheit und ähnliche Dinge hervorgetreten und habe mich mit Bebel friedlich auseinander hätte ich vorgeworfen. Ich kann Ihnen jetzt den Verfasser dieser gesetzt. Damals ist es nicht zu einem Krawall gekommen. fehr bald Ordnung gemacht haben. Aber ich bin nicht der die Schuld. Es Ich werfe auf niemand Artikel vorstellen: Ich bin es gewesen.( Heiterkeit. Rufe: Es ist dann auch die Handlungsgehilfenfrage angeschnitten freie Herr. Wußten wir schon.) Sie wußten es also nnd auch worden. liegt einfach in den jezigen Verhältnissen. Jedenfalls aber liegt Genoffe Quard war von Anfang an darüber unterrichtet. Singer: Jch muß den Redner unterbrechen. Genoffe es nicht in meiner Person. Ich bin bereit zu jeder Konzeffion. ( Quarck: Reine Spur Ja offiziell wußten Sie nichts. Quarct spricht zu dieser Sache schon das zweite Mal und hat Jch bin bereit, alles zu thun, was diese Reibungen unmöglich ( Große Heiterfeit.) Aber inoffiziell war es Ihnen fein macht. Aber in den jezigen Verhältnissen wird es nicht möglich Geheimniß, daß ich der Verfasser war. Trotzdem hat sich Gesein. Es sind aber andere Arrangements zu treffen und darüber noffe Quarck hingestellt und hat gerufen: Heraus mit dem Buschwerden wir ja später das Nähere verhandeln. In gewisser BeIch bin flepper, der es wagt, mich, den Dr. Maximus Quard, an ziehung bin ich ja nicht imperatorisch aber hartköpfig. in gewiffen Dingen anderer Ansicht als andere, und da gebe sugreifen.( Stürmische Heiterfeit.) Nun, ich kann dem Genossen Quard versichern, daß ich keine Angst vor ihm empfinde: Vor Quard: Ich habe bisher noch feine Gelegenheit gehabt ich allerdings nicht nach. Und ich meine, die Partei hat Ihnen fürchte ich mich noch lange nicht. Sie aber wollten eine auf diese Angriffe einzugehen. Auch darf ich wohl dasselbe auch gerade gewollt, als sie mir diese Stelle gab, ஒ ch persönliche Angriffsstelle gewinnen, als Sie darauf drangen, Recht für mich in Anspruch nehmen, wie die übrigen Redner, mir eine gewiffe Unabhängigkeit sichern zu wollen. daß ich als mich der würde es für ein großes Unglück halten, wenn der Vorwärts" Verfasser Artikel bekennen die die Redezeit ebenfalls erheblich überschritten haben. Dann würde sollte. Sie wußten, daß der ganze Duart des Streites Was die Handlungsgehilfen Frage betrifft, so ein sozialdemokratisches Reptilblatt wäre. mit den Gewerkschaften durch die Nennung wieder aufgerührt arbeiten die Berliner Genoffen gegen mich mit Schimpfworten, ich im Augenblicke gehen. Denn ich kann blos da sein, wo ich wurde.( Rufe: oh! sehr richtig!) Ich aber wollte eine rein die aller Beschreibung spotteten. Obgleich die ganze Angelegenheit vollständig meiner Ueberzeugung folgen tann. Genoffe Schmidt fachliche Diskussion haben. Und ich bin sofort aus ihr aus bereits in der Agrarfommission ihre Erledigung gefunden hat, Magdeburg fagt, ich folle fortgehen, und will so gnädig sein, geschieden, sobald das persönliche Moment hineinkam. In scheuen sich die Berliner Genoffen nicht, die Sache nochmals an mich auf mein Altentheil zu sehen.( Heiterkeit.) Ja, so alt nicht und ich glaube immer noch meinem ersten Artikel war nichts Persönliches enthalten. Wie zuschneiden, um mir wieder eins anzuhängen. Genosse Schmidt fühle ich mich noch ( Lebhafter Beifall.) Geben Sie mir fehr es Quard darum zu thun war, einen persönlichen Streit hat gestern einen Artikel von mir aus der Kaufmännischen arbeiten zu können. ein Beweis für die Loyalität, Arbeit, welche es auch sei. Sorgen Sie nur, daß ich vom Zaune zu brechen, geht schon daraus hervor, daß er sich Presse" verlesen, er hat aber außerordentlich in seiner Erwiderung über die Ueberschrift meines mit der er fämpft verschwiegen, daß ich in der nächsten fie freudigen Herzens erledigen kann, und ich werde sie Artikels„ Ein neues Gewerkschafts- Programm" aufregte. Das Nummer erklärt habe, daß der Artikel gegen meinen Willen, gern thun.( Beifall.) Finde ich jemanden, der meine Stelle Wort war bis dahin unbeanstandet von ihm durch die Partei während ich verreist war, hineingekommen ist( hört! hört!) und beffer ausfüllen kann, finde ich eine jüngere Kraft, so werde ich preffe gegangen. Er unterstellt mir in seiner Antwort:„ Ich daß ich die Sozialdemokratie niemals angegriffen, sondern mich nicht im Wege stehen, und hätte ich eine Kraft gefunden, sie debattire nicht loyal." Ich rege mich über den Borauf rein gewerkschaftlichem Boden bewegt habe. Das verschweigen wäre längst an meiner Stelle und ich würde ohue Nachtheil für wurf nicht auf, vermisse aber durchaus den Nach die Berliner Genoffen, obgleich sie es ganz genau wissen. Was meine Familienverhältnisse einen anderen Wirkungskreis, selbstweis, daß der Vorwurf mit recht erhoben wird. ist das für eine Art der Polemit. Wenn sich die kaufmännische verständlich auch im Dienste der Partei, gesucht haben.( Beifall.) Dann hat Schmidt gemeint, auch meine parlamentarische Zugeben muß ich nur, in daß ich meinem zweiten Presse gegen die Bezeichnung als sozialdemokratisches Drgan ge Artikel stärker geantwortet habe, als zuerst. Persönliche Spizen wehrt hat, so hat sie damit nichts anderes gethan, als was alle Thätigkeit tauge nichts. Ich studirte nicht den Etat. Da ist gegen Quarck aber waren nicht darin, dagegen hat Quarct uns unsere gewertschaftlichen Blätter im gleichen Falle auch gethan Schmidt gerade der letzte, dem ich ein fompetentes Urtheil in direkt vorgeworfen, wir leisteten jeden Widerstand, um zu ver- haben. Ich habe mit in der gewerkschaftlichen Bewegung der folchen Dingen zutraue.( Lebhafte Zustimmung.) Durch diese hindern, daß der gewerkschaftlichen Agitation erweiterte Gebiete Kaufleute seit 8 Jahren mühsam durchgekämpft, ich habe in den alten Aeußerung beweist er nur seine persönliche Animosität. Er hat geöffnet würden. Gegen eine solche durchaus unbegründete kaufmännischen Vereinen gewirkt, solange ich tonnte. Als die es nicht vergessen, daß ich auf dem Frankfurter Parteitag nicht denn in die Hege gegen die bayerische Landtagsfraktion einstimmen Unterstellung habe ich das volle Recht, mich zu wehren. Was Leute sahen, daß ich dort die Gemüther revolutionirte fann man der Leitung der politischen Partei schlimmeres vor- zu diesem Zweck war ich da fagten sie einfach: Wir wollen wollte, sondern sagte, daß ich diesen Unteroffizierston nicht liebe. werfen, wie Quard es gethan hat, als daß sie die Gewerkschaften den Verein, bei dem Du bist, nicht mehr im Bunde haben. Das Gut, daß man die bayerischen Genossen nicht so behandeln durch ihre Politik entweder ins fonservative oder ins war es ja, was ich wollte, denn heute sind die kaufmännischen durfte. ( Schluß im Hauptblatt.) anarchistische Lager treibt, wenn sie nicht seinen Vor- Vereine vor eine Reihe von Agitationsaufgaben gestellt, die beide Male die Redezeit erheblich überschritten. Ich bin der legte, der einem Angegriffenen das Wort abschneidet, aber etwas Rücksicht auf die noch gemeldeten Redner, die noch garnicht zu Worte gekommen sind, ist doch wohl am Plaze. Jch bitte den Redner deshalb, sich möglichst furz zu fassen. " 1 Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Inferatentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin, Drud und Verlag von Mag Bading in Berlin. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner VoWlatt. Ur. 241. Mittwoch, den 14. Oktober 1896. 13. Iichrg. Lokales. Von der Berliner WohnungSnusöre, deren Qualen der Mielher insgemein zu mildern sucht, indem er die Plackereien des Umzuges auf sich nimvit, werden in dem Organ der Hausbesitzer einige recht interessante Daten gebracht. Nach den Mmheilungen des„Grundeig." war der O k t o b e r- U m z u g in Berlin einer der umfangreichsten von allen, die Berlin seit vielen Jahren erlebt hat. Die Möbelsuhrleute, große wie kleine, waren bereits de» ganzen Sepiember hindurch besetzt. Der gewaltige Umzug hat einen großen Abfluß der Miether nach den Vororlen herbei- geführt, namentlich haben Charlottcnburg, Halensee, Friedenau und Schöneberg bedeutenden Zuzug aus Berlin erhalte». Das „Grnndeigenthnm" weist an der Hand der Statistik nach, daß im Jahre 1694 die Hälfte sämmtlicher Berliner Miether die Wohnungen gewechselt haben und nimmt an, daß auch in diesem Jahre dasselbe Ergebniß sich zeigen dürste. Die Zahl der leerstehenden Quartiere dürfte gegenwärtig in Berlin etwa 40 000 betragen oder annähernd 10 v. H. der Gesammtzahl aller Mielhsivohnnngen, wobei die großen und elegant eingerichtete» Wohnungen in den westlichen, süd- nnd nordwestliche» Stadt- theilen allerdings verhältnißinäßig zahlreicher vertreten sind. Von allgemeinem Interesse sind auch die Wohn- und Verkehrs- fiazen, die die„D. Bauztg." an der Hand des Prachlwerkes „Berlin und seine Eisenbahnen" behandelt. Wie in den meisten Großstädten zeigt sich auch in Berlin bei seiner Entwickelnng i» de» letzten 30 Jahren eine Bevölkerungsabnahme in de» Jnnenbezirien und eine sehr starke Bevölkernngszunahme in den äußeren Stadtlheilen und Vororten. Die Abnahme Hai in den 5 Jahren von 1330 bis 1805 in einzelne» Bezirken eine Höhe bis zu 29 v. H., die Zunahme sogar bis zu 16,85 v. H. erreicht und diese Bevölkerungsverschiebung hat sich im engsten Anschluß an die Fortschritte der Verkehrsmittel voll- zogen. Aber trotz dieser Entwickelung hat auch von 1680—1395 innerhalb des Weichbildes der Stadt immer noch eine Abnahme der aus einen Einwohner entfallenden Grundfläche von 56,01 aus 37,46 Quadratmeter stattgefunden, die B e v ö l k e- rungs-Dichtigkeit also noch erheblich zugenommen. Allerdings zeigt diese Zunahme von Jahrfünft zu Jahr- fünft eine verhältnißmäßige Abnahme, aber wenn man bedenkt, daß im Jahre 1335 Stadtviertel von 120 068, 74 556 und 130 813 Einwohnern jedem ihrer Bewohner nur eine Grundfläche von 22,97, 13,10 und 16,27 Quadratmeter darboten, so muß man eine erhebliche Uebervölkerung weiter Stadtgebiete mit allen ihren gesundheitlichen, moralischen und sozialen Nach- theilen zugeben. Auch anderen deutschen und außerdeutsckie» Großstädten gegenüber weist Berlin ein unverhältnißmäßiges Zu- sammendrängen seiner Bevölkerung auf, es wird in dieser Hin- ficht nur noch von Paris mit seinen nach heutigen Begriffen ganz zurückgebliebenen Verkehrsmitteln übertroffen. In de« BnrennS des Zentralvereins für Arbeits- Nachweis wurden im verflossenen Vierteljahr insgesammt 7437 männliche arbeitslose Personen eingeschrieben und von denselben 6475 Personen in Arbeit gebracht. Bei einer so ge- ringen Frequenz kann von einer»ennenswerth günstigen Ein- Wirkung auf den Arbeitsmarkt wohl kaum die Rede sein. Im stiidtischcn Obdach ist die Frequenz 1895/36 noch geringer gewesen als im Vorjahre. In der Familien- Abt Heilung wurden 6114 Personen, im täglichen Durch- schnitt 154(Vorjahr 3100, täglich 246) verpflegt, wozu im ganzen 56 421(Vorjahr: 89 348) Verpflegungstage gebraucht wurden. Der Berwaltungsbericht erklärt den weiteren Rückgang aus der milden Witterung des letzten Winters, aus dem Gesetz vom 12. Juni 1394, das die Rechte des Vermiethers an den Sachen des MietherS beschränkt, und aus der Einwirkung der Vorbereitungen zur Gewerbe-Ausstellung auf das Geschäfts- und Erwerbsleben. Der letzte Punkt erscheint besonders wichtig, wenn man sich erinnert, daß in anderen Jahren versucht worden ist, die hohe Frequenz des Obdachs weniger aus größerem Mangel an Arbeitsgelegenheit als aus einer Ueberhandnahme der Arbeitsscheu zu erklären. Die Abtheilung für nächtlich Obdach- lose nahmen 281 216 Personen, im täglichen Durchschnitt 763 95) Der Vienzi. letzte der römischen Volkstribunen. Roman von Edward Lytton Bulwer. .Als Podest« oder als römischer Fürst! der bescheidene Mann! Wir Franzosen wissen unsere eigenen Verdienste zu würdigen, aber dieser schnelle Sieg wird ihn eben so sehr überraschen, als uns, Luca, und wir werden dem Pepin die Beute entreißen, ehe Monreal ihm zu Hilfe kommen kann! Aber dieser Rienzi muß sterben. Er hat sich, wie ich höre, in St. Angelo eingeschlossen. Der Orsini soll das Kastell mit Sturm einnehmen. Heute besetzen wir das Kapital, anulliren alle Gesetze des Rebellen, lösen sein lächerliches Parlament aus und übertragen die Regierung der Stadt drei Senatoren, dem Rinaldo Orsini, dem Colonna und mir, für Euch, edler Herr, werde ich auch i schon sorgen." „O, ich bin schon belohnt, indem ich in meinen Palast zurückkehre, und mit dem Ertrag eines Theiles unserer Juwelen wollen wir die Festungswerke bald wieder her- stellen. Luca Savelli ist kein ehrgeiziger Mann! Erwünscht nun in Ruhe und Frieden zu leben!" Der Kardinal lächelte bitter und schlug den Weg nach dem Kapitol ein. Vor demselben waren, wie gewöhnlich, wenn es etwas zu sehen gab, Zuschauer versammelt. „Macht Platz! Macht Platz, Ihr Schurken!" riefen die Söldner zu beiden Seiten die Menge zurücktreibend, welche, noch gewohnt an das ruhige und höfliche Benehmen der Wache Rienzi's, zu langsam zurückwich, so daß mehrere durch Lanzenstiche und Pserdehufe verwundet wurden. Luigi der Rietzger, war einer von diesen, und sein römisches Blut gerielh in Feuer und Flamme, als die Pike eines Deutschen ihn verletzte.»Fort, Römer", sagte der rohe Söldner in einem barbarischen Italienisch,„mache Platz für bessere, als Du bist, Ihr habt seit kurzem lange genug Aufzüge und Prozessionen angegafft." „Besser, die Römer erkenne» keine Besseren über sich", murmelte der arme Metzger,„hätte ich nicht zwei Brüder bei St. Lorenzo verlogen, dann—" „Der Hund ist rebellisch", sagte einer von dem Ge- folge des Orsini.„Er spricht von St. Lorenzo." „O", sagte ein Söldner, der neben jenem ritt,„ich erinnere mich seiner von früher her. Er war einer von Rienzi's Leuten." „So", erwiderte der andere,„dann können wir nicht zu bald ein heilsames Beispiel geben," und beleidigt durch den Spott und Uebermuth, den er in dem Blick des (Vorjahr: 322 687, täglich 884) in Anspruch. Auch hier wird die Gewerbe-Ausstellung als Ursache des Frequenzrückganges angeführt Merkwürdig ist übrigens, daß die Zahl der aufgenommenen „Arbeiter" von 204 485 auf 133 031 zurückgegangen, dagegen die der aufgenommenen„Handwerker" von 102 311 auf 128 932 gestiegen ist. Vielleicht handelt es sich nur um eine andere Be- grenzung der Begriffe„Arbeiter" und„Handwerker". Bade-Einrichtunge«. Auf Anordnung des Berliner Polizei- Präsidenten finden Revisionen der Berliner Hotels in bezug aus ihre Bade-Einrichtungcn und Bedümißanstalten statt. Die Ausführung dieser Revisionen ist Mitgliedern der freiwilligen Hygienekommission der Aerzte Berlins übertrage» worden. Diese Mittheilung regt wieder die Frage an, ob die Behörde nicht endlich Ursache habe, daraus zu dringen, daß nicht allein den Fremde», sondern auch der einheimischen Bevölkerung passende und bequeme Gelegenheit zum Baden gegeben werde. Die Bade- Anstalten sind in Berlin nicht allein zum großen Theil überaus theuer, sondern an sich auch durchaus ungenügend. Die privaten Anstalten erschweren der ärmeren Bevölkerung das Baden außer durch zu hohe Preise»och besonders dadurch, daß sie ihren Angestellten keinerlei Gehalt zahlen und sie dadurch völlig auf de» Trink- geldcrbettel anweise», und die wenigen städtischen Institute, die überdies noch aus das primitivste eingerichtet sind, können nur einem überaus kleinen Theil der Arbeiterschaft zu gute kommen. Es bleibt vom Standpunkte einer verständige» Volkshygiene nur zweierlei übrig. Entweder ist für zahlreiche kommunale Bade- Einrichtungen zu sorgen, welche geeignet sind, die privaten An- stalten völlig entbehrlich zu machen, oder es ist jeder Hauswirth zu verpflichten, für die Miether seines Hauses außer der jetzt schon üblichen Waschküche auch einen Baderaum zu allgemeiner Benutzung herzurichten. Vielleicht schadet es auch nichts, wenn beide Maßnahmen eingeführt werden. Der gegenwärtige Zu- stand ist beschämend für eine Stadt wie Berlin. Ruf dem städtischen Schlachthofe sind im Monat September dieses Jahres 56 293 Schweine— gegen 51 540 im September 1835 ans Trichinen untersucht worden. Davon sind 13 Stück wegen Trichinen und 32 Stück wegen Finnen als zur mensch- lichen Nahrung ungeeignet zurückgewiesen worden. Tic Wasserversorgung des Fabrikgrundstücks Wasserthorstraße 46 ist eine derartige, daß die in dem umfangreiche» Ge- bäude sehr zahlreich beschäftigten Arbeiter unter Umständen Schaden an ihrer Gesundheit leiden können. In einem große» Fabriksaal befindet sich nur ein Hahn, welcher Wasser aus der städtischen Leitung spendet, während 5—7 Hähne vorhanden sind. aus denen Wasser fließt, welches einem auf dem Grundstück an- gelegten Brunnen entnommen ist. Dies Wasser aber ist so unrein— anscheinend in hohem Grade eisenhaltig— daß sich bei längerem Stehen auf den Boden des Gefäßes eine dicke Schicht einer flockigen braunen Masse setzt. Es kommt nun oft genug vor. daß Arbeiter, die erst kurze Zeit in jener Fabrik beschäftigt und mit den Verhältnissen noch nicht vertraut sind, von dem unreinen Wasser trinken. Dies geschieht schon deshalb häufiger, weil der Hahn, welcher reines Leilungs- wasser giebl, viel zu weit von dem Platze des Arbeiters entfernt ist, als daß er— der doch bekanntlich keine Minute von der für den Unternehmer so kostbaren Arbeilszeit versäumen darf— ihn bei jeder Gelegenheit aufsuchen könnte. Zum mindestens müßte man doch verlangen, daß die unreine und gesundheitsschädliche Flnlsigkeil durch Aufschrift an den Hähnen als„kein Trink- waffer" bezeichnet würde. Davon ist jedoch nichts vorhanden. Es scheint vielmehr, als ob dem Besitzer des Grundstücks aus Sparsnmkeitsrücksichten ein möglichst geringer Verbrauch von städlischem Wasser erwünscht ist. Gab er doch seinenr frühere» Maschinisten den Auftrag, das Leitungswasser für seinen eigenen. ebenfalls in demselben Gebäude befindlichen Fabrikbetrieb ab- znsperren, da das bezeichnete Brunnenwasser— welches natürlich billiger ist— von den Arbeitern getrunken werden könne. An Stiftungen für wohlthätigc Zwecke sind der Stadt Berlin im Jahre 1395/36 insgesammt I II1 125 M. zugeflossen. Bemerkenswerth ist eine Spende von 15 000 M., aus deren Zinsen zwei männliche und zwei weibliche Personen, die in Metzgers zu lesen glaubte, stieß ihm der wilde Krieger kalt- blutig seine Picke durch das Herz und ritt über seine Leiche. „Mord! Mord!" rief die Menge, und drängte sich i» der Aufregung des Augenblicks um die Söldner. Der Legat hörte das Geschrei und sah den Auflauf. Er erbleichte.„Die Schurken rebelliren wieder!" stam- melte er. „Nein, Eure Eminenz, nein," sagte Luca,„aber es wird nicht schaden, wenn man ihnen einen heilsamen Schrecken einflößt; sie sind alle unbewaffnet; erlaubt, daß ich befehle, sie aus einander zu sprengen. Es wird bald geschehen sein!" Der Kardinal willigte ein, der Befehl wurde ertheilt, und in wenigen Minuten jagten die Söldner, die noch mit Wuth erfüllt waren, weil ein undisziplinirter Haufe sie bei Lorenzo besiegt hatte, ohne Rücksicht und Gnade die Menge die Straßen hinein, einige überreitend, andere mit den Lanzen durchbohrend, die Luft mit Jammer und Geschrei erfüllend und so viele Männer niederstoßend, als vor wenigen Tagen hingereicht haben würden, Rom zu be- schützen und die Verfassung aufrecht zu erhalten. Durch diese wilde, schreckliche Szene und über die Leichname der Schlachtopfer ritt der Legat mit seinem Zuge, um in dem großen Saal des Kapitals die Huldigung der Bürger ent- gegen zu nehmen und den Segen der Rückkehr der Patrizier zu verkünden. Als sie die Treppe hinausstiegen, erblickte der Legat ein auf dem Piedestal des basaltnen Löwen an derselben Stelle, wo die Exkonimunikationsbulle angeheftet gewesen war, festgeklebtes Plakat. Es standen auf ihm nur die wenigen Worte: Zittert! Rienzi wird zurückkehren! „Wie? was bedeutet dieses Gaukelspiel?" rief der Legat, der schon zu zittern begann und sich nach den Patriziern umsah. „Eure Eminenz," sagte einer der Räthe, die aus dem Kapitol dem Legaten entgegengekommen waren,„wir sahen das Plakat bei Tagesanbruch, als wir uns hierher begaben, und die Tinte war noch naß. Wir hielten es für das beste, Euer Eminenz zu überlassen, was in dieser Hinsicht verfügt werden solle." „Zu überlassen! Wer seid Ihr denn?" „Ein Mitglied des Rathes, Eure Eminenz, und ein heftiger Gegner des Tribunen, wie ich es wohl bewiesen habe, als er die neue Auflage verlangte." „Rath— dummes Zeug! jetzt giebt eS keine Räthe mehr! Die Ordnung ist endlich wieder hergestellt. Die Berlin geboren, über 20 Jahre alt und unverschuldet im Berliner öffentlichen Verkehr verunglückt sind und sich dadurch ein dauerndes Leiden zugezogen haben, laufend unterstützt werden sollen. Noch nicht eingegangen ist die landesherrliche Ge- »ehmigung zur Annahme der vielbesprochenen Simon Blad» Stiftung mit rund 600 000 M., der Stiftung der Gustav Borstell'schen Eheleute in Höhe von 300 000 M., sowie des zur Verwendung für die Siechenanstalten bestimmten Vermächt- nisses der verwittweten Frau Thieme, geborenen Dittmar, mit 100 000 M. An Vermächtnissen und Geschenken sind bei der Haupt« Stiftungskaffe des Magistrats während des Monats September cr. eingegangen 1065,05 M., an Kollektengeldern 321, aus schieds« männischen Vergleichen rc. 624,25 M., zusammen 2010,30 M. Außerdem sind zur direkten Vertheilung an Arme eingegangen 31,80 M. Die Schnle des städtischen Obdachs wurde im Ver« waltungsjahre 1335/96 von 415 Knaben und 368 Mädchen, also im ganzen von 783 Kindern besucht. Im Vorjahre betrug die Zahl der Schüler 1303. Die tägliche Besuchszahl schwankte zwischen 0 und 39. Der Tagesdurchschnitt ergab einen Bestand von 16 Kindern. Die größere oder kleinere Zahl der Schul» besucher wird durch die zeitweise im Obdach verpflegten Familien bedingt. Im Gegensatz zum Vorjahre, in dem 8100 Obdachlose bei einem täglichen Durchschnitt von 246 Per- sonen in Familienobdach aufgenommen wurden, betrug die Zahl in diesem Jahre nur 6114 Personen, oder im täglichen Durchschnitt 114 Personen. Zur Entlassung kamen 1160 Fainilie» und 2273 einzelne Personen. Hiervon wurden an 2632 Familien bezw. einzelne Personen 24 093 M. Unter- stützungsgelder zur Zahlung der ersten Miethe bewilligt. Jeder Unterstützte erhielt demnach im Durchschnitt 9,15 M. Ein Miß- brauch der geivährten Unterstützung hat nur in ganz vereinzelten Fällen stattgefunden. Die Verwaltung des Obdachs ist an- gewiesen, da, wo die Person der Empfänger eine Gewähr für die richtige Verwendung der Miethsunterstntznng nicht bietet, die Zahlung der ersten Miethsrate selbst in die Hand zu nehmen. A» 304 Obdachlose, welche das Familienasyl benutzten, sind Kleidunasstücke, Schuhzeug und Wäsche verabsolgt worden.— Die Frequenz des eigentlichen nächtlichen Obdachs betrug während dieses Berichtsjahres 231 216 Personen gegen 322 637 im Bor« jähre, also 12,85 pCt. weniger. Ei» Springbrunnen auf dem Jnselperron am Märkischen Platze, am Treffpunkt der Wallstraße und der Straße Neu- Kölln a. W, soll nach einem Antrage des Magistrats an die Stadtverordneten demnächst errichtet werden. Die Deputation für Knnstzwecke hat das von ihr käuflich erworbene, in Bronze- guß gefertigte Bildwerk des Bildhauers Prof. Brunow, eine Wäsche auswringende Frauenfigur, dazu bestimmt, als Bekrönung des Springbrunnens zu dienen. Sic bringen sich weiter«m. Die„Staatsbürger-Zeitung" schreibt: Zur Dnellfrage erhalten wir folgendes Schreiben:„In Ihrer Ausgabe vom Donnerstag früh bringen Sie die Mit- lheilnng, der Verein Deutscher Studenten habe nach den„Akad. Blättern" eine Einschränkung des Pistolenduells zu gunsten der Säbelmensur beschlossen. Eine ähnliche Miltheilung brachten andere Blätter, wie der„Lokal-Anzeiger", die„Vossische Zeitung" und das„Berliner Tageblatt". In Wirklichkeit hat weder der hiesige Verein Deutscher Studenten noch ein anderer,»och der Kysshäuser-Verbaud, i» dem die Vereine zusammengeschlossen sind, einen derartigen Beschluß gesaßt. Die„Akad. Blätter" konnten folglich auch dergleichen nicht berichten. Der Jrrthum mag durch einen Artikel in der letzten Nummer der„Akad. Bl." ver- anlaßt sein, der wohl von dem Versuche zu einer solchen Ein- schränkung sprach, aber gerade im Gegensatz dazu die Ein- schränkung der Säbelmensur zu gunsten des Pistolendnells empfahl. Mit aller Hochachtung Dr. Wendland, Herausgeber der„Akad. Bl."— Es wäre auch ein Wunder gewesen, wenn aus den Kreisen der Träger moderndeutscher Kultur heraus den Raufdoldensitte» Einhalt gethan worden wäre. Für Stotternde. Von Mitte Oktober wird der Sprachheil« Jnstitutsvorsteher Nenmann aus Leipzig, welcher von seinen Orsini und Colonna werden Euch in Zukunft regieren! Also Ihr widersetztet Euch neuen Abgaben? Gut, das war recht, weil ein Tyrann sie Euch auferlegen wollte; aber ich warne Euch, Freund, Euch den Abgaben nicht zu wider- setzen, die w i r von Euch verlangen werden. Eure Stadt kann von Glück sagen, wenn sie ihren Frieden mit der Kirche sich, um welchen Preis es sei, zurück erkaust, und der Schatz Seiner Heiligkeit ist nicht sehr gefüllt!" Der erschrockeite Rath zog sich schnell zurück. „Reißt jenes unverschämte Plakat ab! Nein! halt! klebt über dasselbe unsere Proklamation, durch die wir für den Kopf des Ketzers zehntausend Florinen versprechen! Zehntauseild! mich dünkt, das ist jetzt zu viel! wir wollen die Ziffern verändern! Rinaldo Orsini, Senator, marschirt jetzt mit Euren Kriegern gegen St. Angelo, wir wollen doch sehen, ob der Ketzer Widerstand leistet!" „Es ist nicht nöthig. Eure Eminenz," sagte der Rath, der wieder geschäftig hervorsprang,„St. Angelo wurde über- geben. Der Tribun, sein Weib und ein Page entflohen, wie man sagt, verkleidet, in der vorigen Nacht." „Ha!" sagte der alte Colonna, der so weit auS seiner Betäubung wieder zu sich gekommen war, daß er bemerkte, eS müsse etwas Außerordentliches den Zug aushalten: „Was giebt's? Was ist das für ein Plakat? Will niemand mir den Inhalt sagen? Meine alten Augen werden immer schwächer." Als er diese Fragen in den zitternden und schwachen Tönen des Alters hervorbrachte, erwiderte eine laute und kräftige Stimme— niemand wußte, woher sie kam; von der Menge waren nur wenige zurückgeblieben, meist Mönche, die durch die Kleidung sich gesichert fühlten— eine Stimme sage ich, die manche Wange erbleichen ließ, erwiderte auf die Fragen des Colonna mit den Worten: Zittert! Rienzi wird zurückkehren! Sechstes Buch: Die Pest. Erstes Kapitel. Des Liebenden Zufluchtsort. An den Ufern eines der schönsten Seen im nördlichen Italien stand der Lieblingssitz des Adrian di Castello, zu dem seine Phantasie in seinen sanftern und weniger patriotischen Momenten oft sich gesehnt hatte, und hierher zog sich der junge Patrizier, seine Begleiter auf der Sendung nach Neapel entlassend, nach seiner so unheilschwangern Rückkehr nach Rom, zurück. Mehrere von denen, die er entlassen hatte, schloffen sich den Baronen an. Der junge zuletzt nn Vorjahre adgehaltenen Vorträgen und Kursen hier »och vortheilhaft bekannt ist, eine Heilthätigkeit für Stotternde und Stammelnde in Berlin, Kleine Mauerstraße 6, wieder auf nehmen. Nach den»„Reichs-Medizinal-Anzeiger" soll das von Neumann gegen das Stotterübel gefundene Verfahren vor den üblichen Sprachmethoden den Vorzug haben, daß es die freie (ungekünstelte) Sprache herbeiführt und somit den Leidenden nicht blos auf ein Ersatzmittel hinweist, welches leicht im Stich läßt und dann den Träger nur noch hilfloser macht. Seine Er- fahrungen hat Neumann in einer Broschüre„Ueber das Stottern". Vortrag, gehalten im Aerzteverein zu Altenburg(S.-A.), dargelegt. Ueber ein unglaubliches Borkommnist bei der Unfall station X wird einem Berichterstatter folgende Mittheilung gemacht. Gestern Vormittag verunglückte in der Neuen Könige straße. Ecke der Lietzmannftraße, ein Mann dadurch, daß er beim Abspringen von einem Pferdebahnwagen zu Boden stürzte und sodann von einem Milchwagen überfahren wurde; der Unglückliche erlitt entsetzliche Verletzungen. Die Pulsader der rechten Hand war aufgerissen, die Muskeln des' selben Armes bloßgelegt, außerdem erlitt er auch eine Quetschung des Brustkastens. Man brachte den Verunglückten mittels Droschke nach der Unfallstation, da infolge des Blutabflusses ans der Pulsader schnelle Hilfe von Nöthen war. Von der Unfallstation wurden jedoch bei der Auf- nähme des Patienten Formalitäten halber, solche Schwierig' keiten gemacht, daß eine unverantwortliche Verzögerung, den schwer Verletzten aufzunehmen, eintrat. Der Verunglückte war durch den Blutverlust bereits so außerordentlich geschwächt, daß er mittels Luck'schen Krankenwagens nach dem Krankenhause Friedrichshain überführt werden mußte. Der Gürtler Emil Liebe ist am gestrigen Tage in das Untersuchungsgefängniß in Moabit eingeliefert worden. Der selbe erklärte dem Untersuchungsrichter gegenüber, daß er an dem fraglichen Abend so betrunken war, daß er nicht wisse, was er gethan und wollte sich der ganzen Schießaffäre nicht mehr ent- sinnen. Dieser Behauptung steht allerdings die Aussage der Bahnbeamte» gegenüber, welche behaupten, daß die Trunkenheit des Liebe keine bemerkbare gewesen sei. Ferner hat der Gürtler >.m Sonntag früh die bedroht gewesenen Beamten der Straßew bahn gebeten, doch von der Angelegenheit keine Strafanzeige zu machen; er habe nicht die Absicht gehabt, jemand zu treffen, soiv dein den Schuß nur aus Uebermuth abgegeben. Gemrrbe�A4tsJtrlhmjfl 1896* Um de« Einfluß, den die Berliner Gewerbe- Anö- stellung auf den hiesigen Fremdenverkehr ausgeübt hat, beurtheilen zu können, dient die Zusammenstellung folgender fahlen, die sich aus den Anmeldungen der in den Gasthöfen, otel garnis u. f. w. beherbergten Fremden ergeben: Monate 1832 1893 1894 1895 1398 33 171 32 806 35 770 38 863 41 033 38 331 37 852 39181 36 570 44 517 38 520 41099 42 944 44 426 48 275 Januar Februar März April Mai Juni Juli August 40 928 43 091 43 046 45 128 45 568 42 591 42 561 48 866 47 672 65 738 45 333 41023 55 314 51759 74 743 51 535 47 826 51 889 54 620 84 877 52 324 51608 59 432 63 092 91 893 September 40 817 51 137 56 675 60 259 86 651 Oktober 46 811 48 254 52 951 56 908— November 39 839 35 320 33408 41707— Dezember 33 881 33 565 36 427 39 775— Zusammen 502 634 506140 560 903 578 579— 1891 wurden 504 702 Fremde gemeldet, 1890: 505 432, 1889: 469 357, 1888: 416 442, 1887: 388 271, 1886: 410 074, 1885: 355 233, 1884: 333 304. Hiernach hat der Besuch von Fremden bereits in den ersten 9 Monaten dieses Jahres 531300 betragen gegen 440 189 im Vorjahr. Nun kommt indessen nicht da? ganz« Plus auf Rechnung der Ausstellung, da der Fremden- verkehr ohnedies im Zunehmen ist. Zieht man dies in Rücksicht, so dürfte der Besuch von etwa 116 000 Hotelgästen auf die Aus stellung zurückzuführen sein. Aber es ist bekannt, daß eine sehr große Zahl von Berlin Besuchenden sich unangemeldet in Familien aufhält. Wie viele dies sein mögen, läßt sich schätzen, wenn man berücksichtigt, daß bei der Volkszählung von 1890 nur 3623 Personen als Hotelgäste gezählt wurden, während die Zahl der übrigen vorübergehend Anwesenden 14 428 betrug, also vier- mal so groß war. Danach würde sich der durch die Ausstellung herbeigeführte Fremdenverkehr auf gegen 600 000 Personen be laufen, während der Gesammtverkehr in den Monaten Mai bis September die Zahl von 1 616 000 erreichen würde. Die Berliner Motorboots-Gesellfchaft hat nach einer mit dem Arbeitsausschuß getroffenen Vereinbarung den Verkehr zwischen Jannowitzbrücke und Gewerbe-Ausstellung seit gestern Annibaldi, dessen kühne und ehrgeizige Natur ihn sehr an den Tribunen gefesselt hatte, verhielt sich neutral und kehrte erst nach der Vertreibung Rienzi's nach Rom zurück. Der Zufluchtsort des Geliebten Jrenens war sehr ge- eignet sür seine melancholischen Träumereien. Das Kastell war hinlänglich befestigt, um etwaigen Angriffen der Räuber aus den Bergen oder der kleinen Tyrannen in der Nachbarschaft zu widerstehen. Ein früherer Besitzer hatte es aus den Materialien einer halb zerstörten Villa aus der glänzenden Zeit des römischen Kaiserthums erbaut, und die marmornen Säulen mit ihren korinthischen Kapitälern bildeten einen eigenen Gegensatz zu den grauen Stein- mauern und den massiven Thürmen aus der Feudalzeit. Das Kastell erhob sich auf einem grünen Hügel, der sich sanft nach dem See abdachte, seinen Schatten weit in das klare Wasser werfend. Zur Seite stürzte au? den hohen und bewaldeten Bergen im Hintergrunde ein wilder Berg- ström herab, dessen Wellen bald durch das Laub versteckt wurden, bald im Lichte glänzten, und der sich in ein großes Bassin ergoß, neben dem eine kleine Fontaine sich erhob. Unter ihr sah man auf einem großen Steine halberloschene Buchstaben, die entschwundene Eleganz der klassischen Zeit bekundend— irgend ein Mernento eines bedeutenden Mannes oder Dichters, dessen Name längst untergegangen war. Von da ergoß sich der Strom, an dessen Ufer Moose und Kräuter üppig wucherten, in den See. In der Nähe stand mancher, in früheren Zeiten aus dem sonnigen Morgen- lande hierher verpflanzte Baum, der in jenem goldenen Klima, welches fast jedes Erzeugniß der Natur mit der Sorgfalt einer Mutter pflegt, herrlich gedieh. Der Ort war entfernt und abgelegen. Die Wege, welche von den nächsten Städten dahin führten, waren schwer zugänglich und wurden durch Räuber unsicher gemacht. Einige Hütten und ein kleines Kloster waren die nächsten Wohnungen, und die tiefe Einsamkeit wurde nur selten durch einen Pilgrim oder einen verirrten Wanderer unterbrochen. Dieses war gerade der Ort, der einem der Welt über- drüssigen Manne Ruhe gewähren und die Erinnerungen, welche über den Ruinen der Leidenschaft so gern schweben, sich ungestörter ergehen laffen konnte, und der Geist, dessen Unabhängigkeit die Einsamkeit ertragen kann, hätte wohl kaum auf der ganzen Erde einen entsprechenderen Zufluchts- ort gesunden. eingestellt. Die Dampfschifffahrts'Gesellschaft Stern wird den Betrieb zwischen Jannowitzbrücke und Gewerbe-Ausstellung bis zum 15. d. M. inkl. ausrecht erhalten. Zwar vor Schluß der Ausstellung beendet, aber nicht eröffnet worden ist ein Zslt-Pavillon, welcher vor dem Portal I neben dem Verwaltungsgebäude steht. Ein Unternehmer be- absichtigte an dieser Stelle einen Treffpunkt für Ausstellungs- besucher zu schaffen, die unter Schutz gegen die Unbilden der Witterung etwa nachkommende Freunde und Verwandte erwarten könnten. Bei der Errichtung des Zeltes hatte man jedoch ver- geffen, hiervon die Amtsbehörde zu benachrichtigen und wurde infolgedessen die Fortsetzung des Aufbaues inhibirt. Als man dann das Versäumte nachgeholt und der Pavillon vor etwa vier Wochen endlich fertig geworden ist, fehlte nur noch die Konzesston zur Eröffnung desselben, die, wie wir erfahren, erst dieser Tage eingetroffen sein soll. Unter diesen Umständen hat der Unter' nehmer den Pavillon erst garnicht eröffnet. GerichkN�Äeikung. Der große Lederbiebstahl, der am 28. August morgens gegen 5 Uhr bei dem Lederhändler Wolf in der Jüdenstraße in Berlin ausgeführt wurde, beschäftigte die I. Strafkammer des Berliner Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsraths Dietz. Aus der Untersuchungsbaft wurden folgende sechs Personen vorgeführt: 1. Hausdiener Friedrich Wilhelm Eberstein, 2. Haus diener Paul Otto Wilhelm Künzel, 3. Arbeiter Karl Böhme, 4. Hausdiener Robert Lehfeld.b. Lederhändler und Stepper Dieckhöfer und 6. Schuhmacher August Heinrich. Sie wurden durch die Rechtsanwälte Graul, Wurm und Dr. S ch w i n d t vertheidigt. Der Angeklagte Böhme war bei dem Lederhändler Wolf in Stellung. Eberstein, der schon längere Zeil arbeitslos war, lernte am Alexanderplatz den Künzel und Lehfeld kennen. Letzterer war Hausdiener in einem Ledergeschäst und als die beiden anderen ihm ihre Roth klagten, brachte er sie aus den Gedanken, daß sie durch Ausführung eines Diebstahls in einem Ledergeschäft leicht Geld verdienen könnten. Er lehnte es ab, bei seinem eigenen Prinzipal die That ausführen zu lassen, brachte die beiden anderen aber mit dem Angeklagten Böhme in Verbindung. Am Alexandev platz bei dem Denkmal der Berolina wurden die Theilnehmer an dem Koup einander vorgestellt und dem Böhme wurde nahe gelegt, daß er lediglich das Schloß zu dem Lagerkeller seines Chefs offen zu lassen brauche und im übrigen.das Geschäft" ohne seine Mitwirkung ausgeführt werden würde. Böhme sträubte sich zunächst gegen die Mitwirkung, ließ sich schließ lich aber doch breit schlagen und sagte seine Mithilfe zu. Als er am 27. August das Geschästslokal verließ, lehnte er, der Verabredung gemäß, die Kellerthür nur an. anstatt sie zu verschließen. Gegen 5 Uhr morgens erschien ein großer geschlossener Möbelwagen vor dem Wolf'schen Geschäft und die Angeklagten Eberstein und Künzel, die mit dem Wagen gekommen waren, verschwanden in dem Keller. Sie schleppten aus dem- selben große Ballen Leder im Gewicht von etwa 56 Zentnern und im Werth« von 12 000 Mark heraus, beluden damit den Möbelwagen und fuhren von bannen. Ihr Weg ging nach der Marsiliusstraße zu dem Schuhmacher Heinrich. Diesem war schon einige Tage vorher mitgetheilt worden, daß ein großer Lederdiebstahl ausgeführt werden sollte und er hatte sich bereit erklärt, in der Marsiliusstraße einen Laden zu miethen. Er erwartete am gedachten Morgen in der Marsiliusstraße den Wagen. erklärte aber den Leuten, daß er den Laden nicht habe miethen können und ihnen selbst das Leder nicht abnehmen könne. Er hieß die Leute kurze Zeit zu warten, entfernte sich und nach seiner Rückkehr empfahl er den Dieben, das Leder nach der Kurzenstraße zu Dieckhöfer zu fahren. Dies geschah denn auch. Die Lederballen wurden bei Dieckhöfer abgeladen und in deffen Keller gelagert. Eberstein erhielt für den ganzen Posten 400 M., die er unter seine Komplizen vertheilte. Der Kutscher, der das Leder gefahren, erhielt für die Beförderung 50 M., für Heinrich fielen 50 M. ab. Dieckhöfer gab zu, das Leder gekauft, behauptet aber, von dem Diebstahl nichts gewußt zu haben. Nach seiner Darstellung sei Heinrich zu ihm gekommen und habe ihm gesagt, daß ein größerer Posten Leder, der aus einer Pleite herstammte, schnell und billig verkauft werden solle. Auch Heinrich behauptet, daß die Diebe ihm von einer großen Pleite gesprochen haben, die Diebe aber bestritten dies und behaupteten, daß ihnen Heinrich die Geschichte von der„großen Pleite" an die Hand gegeben habe.— Zlls der Lederhändler Wolf am 28. August sein Geschäfts- lokal betrat und den Diebstahl entdeckte, that sein Hausdiener Böhme ganz erstaunt und entrüstet und gegen ihn wurde an« fänglich gar kein Verdacht laut. Erst durch einen anonymen Brief wurde der Bestohlene darauf aufmerksam gemacht, daß an dem qu. Morgen ein auffallend großer Posten Leder bei Dieckhöfer abgeladen worden sei. Als der Kriminal' kommiffar v. Baeckmann bei diesem erschien, gab Dieck Aber die früheren Träume Adrians hatten einer solchen Einsamkeit den Ort nicht gewidmet. Hier, hatte er gedacht, sollte die Liebe ihren Hasen finden, und der Reichthum und �der Sinn für geistige Bildung alle edleren Geister herbeiziehen, deren Italien damals sich erfreute, und die ein zweites und jüngeres goldenes Zeitalter der Poesie, der Wissenschaft und der Kunst versprachen. Dem roman- tischen, aber weniger für das Handeln geneigten Temp« ramente des jungen Ritters, das mehr geeignet war für ruhige und zivilisirte, als für stürmische und barbarische Zeiten, bot der Ehrgeiz keine so angenehme Belohnung dar, als eine ruhige geistige Beschäftigung. Seine Jugend war durch die Poesien Petrarka's begeistert worden, er hatte von glück- und liebebegünstigter Zurückgezogenheit ge- träumt, in welchem Laura nicht fehlen durste. Diese nicht in Erfüllung gegangenen Visionen, welche ihm das Bild Jrenens vorgegaukelt hatten, erhöhten jetzt nur seine.Schwer- muth und seine Liebe. In diesem einsamen Zufluchtsorte brachte Adrian den Winter zu, der in diesem bezaubernden Klima so milde austritt. Das Geräusch der Welt erreichte nur in schwachem und undeutlichem Gemurmel sein Ohr. Er erfuhr nur un- vollkommen und mit vielen Widersprüchen die Nach» richt, die wie ein Donner durch ganz Italien rollte, daß der seltsame und hochstrebende Mann— er selbst eine Re- volution—, der die Theilnahme von ganz Europa und die glänzendsten Hoffnungen der Freiheitsschwärmer erregt, den Despoten Schrecken eingeflößt, die Huldigungen der Großen gewonnen, das Streben aller freien Geister er- muthigt hatte, plötzlich von seiner Höhe gestürzt, sein Name gebrandmarkt und auf seinen Kopf ein Preis gesetzt worden sei. Dieses Ereigniß, welches am Ende des Dezembers ich begab, erfuhr Adrian durch einen wandernden Pilger im Anfang des nächsten März, etwas mehr als zwei Monate später. In diesem Monat März des schrecklichen Jahres 1348 wurde Europa, und besonders Italien, durch die furchtbarste Pest heimgesucht, deren die Geschichte erwähnt, und die sich eben so sehr durch die Zahl als durch die Berühmtheit ihrer Schlachtopfer auszeichnet und dabei seltsam in Verbindung steht mit den Bildern Boccaccio's und mit der pathettschen Beredsamkeit Petrarka's. Der Pilger, welcher Adrian von der Umwälzung in Rom unterrichtete, konnte ihm durchaus keinen A»ttck,s,>6 höfer zu. da? Leder aus einer Pleite gekauft und 400 M. darauf„angezahlt"»u haben. Ein Theil des LederS war bereits verarbeitet, ein anderer Theil in den Regalen, ein dritter Theil in einer abgelegenen Kabuse untergebracht. Der Bestohlene hat das gesammte gestohlene Gut wieder zurück er- halten. Der Staatsanwalt beantragte gegen E b e r st e i n und Künzel je 3 Jahre Gefängniß, gegen Böhme 2 Jahre, gegen Lehfeld 1 Jahr, gegen Heinrich 2 Jahre, gegen Dieckhöfer 1 Jahr Gefängniß.— Der Gerichtshof verurtheilte Eberstein zu 3 Jahren. Künzel zu 2�/2 Jahren, Böhme zu 2 Jahren, Leh- feldzulJahr, Heinrich zu2Jahren und Dieck- h ö f e r zu 1>/s Jahren Gefängniß. Auch eine Blüthe deS VereinSgesetzeS. Eine Aus- einandersetzung zwischen dem Vorsitzenden eines Vereins und dem überwachenden Polizei- l i e u t e n a n t hat dem ersteren, dem Echankwirth Karl W i l l m e r, eine Anklage wegen Beamtenbeleidigung und Vergehens gegen das Vereinsgesetz zuge>ogen. Das Schöffengericht hatte ihn wegen beider Vergehen mu einer Geldstrafe von insgesammt 80 M. belegt. Hiergegen hatte Willmer Berufung eingelegt, worauf gestern die erste Straf- kammer des Landgerichts I Berlin in dieser Sache verhandelte. An einem Sonntage hielt die Vereinigung der Schuhmacher eine öffentliche Versammlung ab, welche vom Angeklagten geleitet wurde. Als einer der Anwesenden das Wort zur Geschäfts- ordnung erhielt, erbat sich der überwachende Polizeilieulenant vom Vorsitzenden den Namen de? Redners. Der Vorsitzende antwortete nicht darauf, sodaß der Lieutenant seine Frage wieder- holen mußte. Jetzt erwiderte der Angeklagt«, zur Versammlung gewendet:„Der Herr Beamte richtet sich genau nach dem Buch- staben des Gesetzes, er will Namen und Wohnung des Redners wissen." Der Redner nannte seinen Namen und Wohnung, der Polizeilieutenant hatte ihn aber nicht verstanden und bestand darauf, diese Angaben vom Vorsitzenden zu erhalten. Dieser erklärte, indem er dabei mit der Hand auf den Tisch schlug: „Ich ersuche Sie, mich an der Geschäftsleitung nicht länger z» stören, wenn Sie den Namen nicht verstanden haben, dann wenden Sie sich an Ihren Nachbarn, den Schutzmann!"— Der Lieutenant wiederholte noch einmal seine Forderung, worauf der Angeklagte Namen und Wohnung des Redners nannte. Der Angeklagte be- stritt, daß ihm eine beleidigende Absicht innegewohnt. Auch das Vergehen gegen das Vereinsgesetz bestreite er. Er wisse wohl, daß der Vorsitzende dem überwachenden Beamten Namen und Wohnung jedes Redners mitzuthcilen habe, wenn es sich aber nur um eine Bemerkung zur Geschäftsordnung handle, pflege es nicht so genau genommen zu werden. Zu letzterem Punkte führte der Staatsanwalt aus, daß das Vereinsgesetz keinen Uuterschied mache, ob ein Redner zur Sache oder zur Geschäftsordnung spreche. Ebenso habe der Beamte den Namen vom Borsitzenden zu verlangen, um eine gewiffe Garantie zu haben, daß der Name auch richtig genannt werde. Das ganze Verhalten deS An» geklagten habe außerdem einen beleidigenden Charakter, da der Polizeilieutenant vor der Versammlung herabgesetzt worden sei. Er beantrage die Verwerfung der Berufung. Der Gerichtshof erkannte nach diesem Antrage und fand sich auch nicht ver- anlaßt, das vom Vorderrichter erkannte Straßmaß zu ermäßigen. Eine für die Arbeiterschaft außerordentlich wichtige Aus» legung deS 8 153 der Gewerbe-Ordnung wurde in der Strafsache des Metallarbeiters Jim er von dem Land- gerichts I hier gegeben. Die Arbeiter der Fabrik R. F r i st e r hatten am 1. Mai dS. Js. gefeiert. Sie wurden deshalb für die darauf folgenden Tage ausgesperrt und zugleich entlassen, mit dem Anheimgeben, demnächst wieder mit der Arbeit anfangen zu -.........—.- dj, �beit dürfen. Der größte Theil der Arbeiter erklärte. nicht wieder aufzunehmen, so lange ihnen nicht der Lohn für die ausgesperrteu Tage nachgezahlt werde. Die Firma R. Frister ließ sich nun eine Anzahl Arbeiter auS Wien kommen, welche die Inhaber der Firma persönlich zur Arbeit begleiteten. Bei einer solchen Gelegenheit soll nun seitens deS Angeklagten der Ruf gefallen fein:„Ihr werdet ja geführt wie die Zucht- Häusler!' Das Gericht gelangte. trotz deS BefweitenS des Angeklagten, zu dem Resultat, daß der Angeklagt« der Rufer sei und damit den Zweck verfolgt habe, die Arbeitenden zur Niederlegung der Arbeit zu bewegen. »gleich wurde die von dem Vertheidiger des Angeklagten, !echtsanwalt Dr. Heinemann. befürwortete Auslegung deS 8 153 der Gewerbe-Ordnung verworfen, daß die gedachte Bor- fchrift ihrem klaren Wortlaut nach sich nur auf Vereinigungen erstrecken könne, welche für die Zukunft günstiger Lohn» und Arbeitsbedingungen erzielen wollen, während im vor» liegenden Falle die Arbeiter nur forderten, daß ihnen der von ihnen für die ausgesperrten Tage, also für die Vergangen« h e i t verlangte Lohn bezahlt werde. Daß der§ 168 sich nicht auf solche Verabredungen beziehen könne, folge aus dem Gesetze, das von einer Vereinigung behufS Erlangung geistiger Lohn- und Arbeitsbedingungen spricht. Man wird auf die schließlich« über das jetzige Schicksal Rienzi'S oder seiner Familie geben. Man wußte blos, daß er mit seiner Gemahlin ent- flohen war, niemand aber wußte, wohin; viele glaubten, sie seien schon gestorben und als Opfer der zahlreichen Räuber gefallen, die unmittelbar nach dem Sturz des Tri- bunen in ihre früheren Schlupfwinkel zurückgekehrt waren und weder Alter noch Geschlecht, weder Reichthum noch Armuth verschonten. Da alles, was den Extribunen betras. ein Gegenstand der allgemeinen Theilnahme war, so hatte der Pilger auch erfahren, daß vor dem Sturz Rienzi's seine Schwester Rom verlassen hatte, er wußte aber nicht, wo sie sich aufhielt. Diese Nachrichten regten Adrian plötzlich auS seinem träumerischen Leben auf. Irene war also in der Lage, die er in seinem Briefe anzudeuten gewagt hatte, des äußeren Glanzes beraubt, der sie umgeben hatte, getrennt von ihrem Bruder, verlassen und einsam. Jetzt, sagte der edelmüthige Liebende, kann sie die Meinige werden, ohne daß ich meinen Namen beflecke! Welche auch Rienzi's Fehler sein mögen, so hat sie keinen Theil an ihnen. Ihre Hände sind nicht in das Blut meiner Verwandten getaucht. Auch kann die Welt nicht sagen, daß Adrian di Castello mit einem hoch- gestellten Manne in Verwandtschaft tritt, dessen Macht auf den Ruinen des Hauses der Colonna begründet wurde. Die Colonna sind triumphirend nach Rom zurückgekehrt, Rienzi ist gestürzt. Das Unglück vereinigt mich wieder mit meiner Geliebten! �. Aber wie sollten diese romantischen Entschlüsse a«� geführt werden, da Jrenen's Aufenthaltsort ihm unbekann� war? Er beschloß, nach Rom zu reisen und dort di nöthigen Erkundigungen einzuziehen. Er befahl daher seine» Dienern, die Vorbereitungen zur Reise zu treffen— eine reudige Nachricht für sie. Die Rüstung wurde aus dem Waffensaal hervorgeholt, und nach zwei Tagen geräusch- vollen Treibens besuchten den Springbrunnen, an dem Adrian sich so manche Stunde seinen Träumereien überlassen hatte, nur die munteren Vögel mit dem wiederkehrenden Frühling, und die nächtliche Lampe warf nicht länger ihren Schein aus der einsamen Kammer seines Thurmes über die Fläche des Sees. (Fortsetzung folgt.) Beantwortung biefer prinzipiellen, häufig praktischen Frage ge spannt sein dürfen. Beim Legen einer Gasleitung zu Koch- und HeizBeim Legen einer Gasleitung zu Koch- und Heiz: zwecken hatte ein Hauswirth von seinem Miether verlangt, daß dieser die nöthigen Veränderungen der Röhren in der Miethswohnung geftatte und als der Miether sich dessen weigerte, benfelben unter Hinweis auf die Kontraktsbestimmung verklagt, wonach der Miether sich während der Miethszeit bauliche Verände rungen gefallen laffen müsse, ohne dafür Entschädigung fordern zu können. Der klagende Hauseigenthümer ist in zwei Instanzen mit der Begründung abgewiesen, baß diese Kontraktsbestimmung nur auf bauliche Veränderungen außerhalb der Mieths wohnung sich beziehe; im Innern der Miethsräume solche Veränderungen während der Miethszeit vornehmen zu lassen, habe der Vermiether tein Recht. " § 242. Auf dem Sterbebett katholisch geworden ist in Tübingen §228a, Dr. phil. Felix von Niemeyer, der früher Dragoman beim Ist die Körperverlegung mittels einer Waffe, insbesondere deutschen Generalkonsulat in Kairo gewesen, vor einiger Zeit eines Messers oder eines gefährlichen Werkzeuges oder mittels aber aus Gesundheitsrücksichten aus dem Dienste gefchieden war. eines hinterliftigen Ueberfalls begangen, so tritt Settbuße bis zu Als seine Freunde auf dem Friedhofe erschienen, um ihm die 20 Flaschen ein. lehte Ghre zu erweisen, waren fie nicht wenig erstaunt, als sie saben, daß die Beerdigung nach fatholischem Ritus vor sich ging. Wer eine frembe bewegliche Sache einem anderen in der Aus der Rede des Geistlichen erfuhren sie dann, daß Niemeyer Absicht wegnimmt, sich dieselbe rechtswidrig zuzueignen, wird mit am Abend vor seinem Tode zur fatholischen Kirche übergetreten Berachtung bis zur Dauer von drei Monaten gestraft. sei! Felix v. Niemeyer war( der Magd. 3tg." zufolge) der Sohn des gleichnamigen berühmten Mediziners, der 1820 in lehrt eine Gerichtsverhandlung bei der Saratower Gerichtspalate, Wie es bei einer russischen Steuereintreibung zugeht, Magdeburg geboren war und 1871 als Profeffor und Direktor bie dieser Tage erst ihren Abschluß fand, obwohl die empörenden der medizinischen Klinit in Tübingen starb, und der Urentel des Mißbräuche der Amtsgewalt schon 1892 stattgefunden hatten. Im Sallenser Theologen und Liederdichters August Hermann Niemeyer, Dezember 1892 erhielt der Jefimower Gemeinde- Welteste von dem der 1828 starb. Ob Dr. Niemeyer seinen Uebertritt noch bei Landeshauptmann den Befehl, unter Anwendung der ſtrengsten vollem Bewußtsein bewerkstelligt hat, wird nicht gemeldet. Einen schweren Unfall hat der Droschtenkutscher Rei. Der Dritte nach dem König. Eine merkwürdige Maßregeln" die Steuerrückstände in seiner Gemeinde beizutreiben Eine merkwürdige und sich dabei der Mitwirkung des LandgendarmenUgoltoff zubedienen. mann veranlaßt, der sich gestern wegen fahrlässiger Körper- Rechtsauffassung hat nach der„ Ulmer Zeitung." der Ober- Die beiden Männer machten sich also an ihre Aufgabe; eine Anzahl verlegung vor der 8. Straffammer des Landgerichts I zu ver- amtmann in Ehingen a. D. kundgegeben. Ein Freiherr in Bauern, die nicht zahlen fonnten, zwang der Landgendarm, antworten hatte. Die Pferdebahn- Haltestellen in der Leipziger Granheim tam mit einer Gemeinde in Konflikt. Der Baron stundenlang zu knien, wobei er sie von Zeit zu Zeit mit Fußstraße sind bekanntlich sehr gefabrvoll für das Publikum und versuchte, einen öffentlichen, seit unvordentlichen Beiten betritten regalirte; einen anderen steckte er stundenlang unter eine erfordern die ganze Aufmerksamkeit und Vorsicht der Droschten- stehenden Fußweg im Dorf abzusperren, indem er eigenmächtig, Bant und ein herbeigeholter Knabe mußte dem Delinquenten der futscher. Troß dieser bekannten Thatsache ist der Angeklagte ohne jede richterliche Entscheidung, an einem Ende des Fußweges Beschämung wegen" ins Gesicht hinein das thun, wozu sich die eines Tages in schnellster Gangart und unbekümmert um die ein tiefes Loch graben ließ, um einen Pfosten einzusetzen. Der Hunde die Ecksteine auf den Straßen aussuchen. Der großmüthige Beschämung wegen" ins Gesicht hinein das thun, wozu sich die Fahrgäste der Pferdebahn an einer solchen Haltestelle vorüber Schultheiß der Gemeinde ließ von Polizeiwegen das Loch wieder Gendarm schenkte dafür dem Knaben drei Kopeken. Wieder andere wurde war dies geschehen, gefahren, hat eine aus einem Wagen steigende Dame umgeriffen, zuwerfen. er vor wurden von dem Gendarmen am Barte hin und her geschüttelt, überfahren und ihr einen dreifachen Beinbruch zugefügt. Mit das Oberamt Ehingen zitirt, woselbst ihm der Rücksicht auf die schweren Folgen und die gröbliche Fahrlässigkeit amtmann mit folgendem Donnerwetter empfing: Wie mit Fauftschlägen ins Gesicht traktirt, in den Schafftall in Arrest folgendem Donnerwetter empfing: Wie gebracht, befpieen u. s. w. An etwa fünfzig Personen wurden des Angeklagten verurtheilte diefen der Gerichtshof zu drei tommen Sie dazu, einem königlichen Rammerherrn so zu in dieser Weise behandelt. Der Gendarm hatte sich für seine Monaten Gefängniß. begegnen, dem Dritten nach dem König! Sie haben gar nichts Heldenthaten gerade den Neujahrstag ausgesucht und rief unter Der Berliner dramatische Verein" hielt in diesem gegen den Herrn Baron zu thun. Sie haben ihn nur zu bitten, den Faustschlägen, die er an feine Opfer austheilte, höhnisch: ihm nichts zu befehlen! Sie Bauernschultheiß! Sie Pascha von Da hast Du Dein neues Jahr Frühjahre einen seiner geselligen Abende ab, bei welcher Gelegen Granheim! Eine solche Frechheit gegenüber einem föniglichen Bericht war sehr milde; der Landgendarm wurde unter Berück heit das Lustspiel„ Madame Bonivard" zur Aufführung gebracht wurde. Das damalige Vorstandsmitglied des Vereins, der Bank- Kammerherrn, wenn er ein Loch aufmacht, es wieder zuzumachen! fichtigung der beiben lezten Gnaden- Manifeste zu theilweisem Eine Reitpeitsche hätte der Herr Baron nehmen sollen und Sie beamte Großmann, hatte das Lustspiel ausgewählt und die Regie recht durchpeitschen!" So ging es noch eine Weile fort und das Rechtsverlust und 3 Monaten 16 Tagen Gefängniß verurtheilt; der Gemeinde- Helteste, welcher den Gendarmen nicht nur un übernommen. Ein hiesiger Theateragent, der das alleinige Recht Endresultat bestand in einem Erlaß des Oberamts an das der Gemeinde- Aeltefte, welcher den Gendarmen nicht nur unzur öffentlichen Aufführung des genannten Lustspiels erworben Schultheißenamt Granheim, das von Polizei wegen aufgefüllte gehindert wirthschaften ließ, sondern diesen fogar zu den verhatte, sah sich durch das Borgehen des dramatischen Vereins in Loch wieder zu öffnen und in der alten Tiefe herzustellen. Im fchiedensten Heldenthaten aufftachelte, zu 1 Monat 23 Zagen feinen Rechten getränkt und stellte gegen Großmann Strafantrag übrigen wurde die Gemeinde auf den Verwaltungsrechtsweg verworauf dieser sich jetzt vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten hatte. Er bestritt, daß die Aufführung eine öffentliche gewesen sei, da nir Mitglieder und deren Angehörige Zutritt zu derselben gehabt hatten. Durch die Beweisaufnahme hielt der Gerichtshof aber doch dargethan, daß noch andere Personen gegen Zahlung von 50 Bf. Zutritt gehabt hatten und badurch kennzeichne die Aufführung sich als eine öffentliche. Das Urtheil lautete auf 20 M. Geldstrafe. " Eine seltsame Verurtheilung. Das Landgericht Magd es b.urg hatte am 27. Juni die Arbeiterfrau Fanny Sertel wegen Ruppelei zu drei Tagen Gefängniß verurtheilt, weil sie die fräntlich war, aus Furcht vor Mißhandlungen den Berfehr ihres Mannes mit einer anderen Frauensperson dadurch gefördert hatte, daß sie jedesmal fortging.( 3)- Auf die Revision der Angeklagten hob das Reichsgericht das Urtheil auf und sprach fie frei. Ein Vorschubleisten könne in einer derartigen nothgedrungenen Duldung nicht gefunden werden. Vermischtes. Der frühere Expedient des Hamb. Fremdenblatts", namens Meyer, hat sich heute nach Unterschlagungen in Höhe von über 150 000 m. erfch offen. Der Hamburger Vorort Bahrenfeld ist wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenfeuche in einem Viehbestande ge Sperrt worden. Durch Verfügung des Polizeichefs bleibt die dortige Quarantäne- Anstalt von der Sperre ausgeschlossen. Für den Juhalt der Juserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Mittwoch, den 14. Dttober. Opernhaus. Der fliegende Holländer. Schauspielhaus. Goldfische. Nenes Opern Theater.( Kroll.) ( Geschlossen.) Deutsches Theater. Die Weber. Berliner Theater. König Heinrich. Leffing- Theater. Kollege Cramp ton. Theater des Westens. Jung gefreit. Die Familie Neues Theater. Bontbiquet. Thalia- Theater. Gebildete Menschen. Residenz- Theater. Der Stellvertreter. Vorher: Ninette im Schnee. Theater Unter den Linden. Der fleine Herzog. Hierauf: Die Bajadere. Schiller- Theater. Der Sohn der Wildniß. Belle- Alliance Theater. Mamsell Bielliebchen. Bentral- Theater. Eine wilde Sache. Oftend Theater. Der deutsche Michel. Volks Theater. Ein vorsichtiger Mann. Hierauf: Bariété fremder Rünstler. Bum Schluß: Pladdera bauz. Friedrich Wilhelmstädt. Theater. Maria Stuart. Alexanderplay- Theater. Ohne fittlichen Halt. Kaufmann's Variété. Spezialitäten Vorstellung. Apollo Theater. Spezialitäten- Borftellung. Schiller- Theater. ( Wallner- Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Sohn der Wildnik. Donnerstag, abends 8 Uhr: Ein Schritt vom Wege. Friedrich Wilhelmstädt. Theater Chauffeeftr. 25/26. Dir. Max Samst. Maria Stuart. Trauerspiel in 5 Akten von Fr. v. Schiller. Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Zum ersten Male: Tilli wiesen. " Raum Ober " Gefängniß. Dein neues Glück." Das Der Erzbischof von Canterbury, Benson, wurde, wie Mene strafrechtliche Beftimmungen für Duellanten. Wie aus London berichtet wird, am Sonntag Vormittag während bereits mitgetheilt, ist Regierungs- Assessor Umpfenbach in Königs des Gottesdienstes in der Hawarden- Kirche vom Schlage geberg wegen Herausforderung zum Zweikampf in der bekannten troffen; er wurde nach dem Pfarrhaus gebracht, wo er alsbald Börsengarten- Affäre vom Militärgericht zu einigen Tagen Stuben- verschieb. arreftes verurtheilt worden. Dieses Vorkommniß giebt den Luftigen Blättern" Anlaß zu folgenden Ausführungen: Die auf fallend milde Beurtheilung des Falles durch das Militärgericht hat in der Preffe berechtigtes Aufsehen erregt. Es erscheint dringend geboten, daß ein gewiffes Gleichmaß in der Bestrafung gleicher Delikte bei Militär- und Zivilpersonen eintrete. Da die Reform des Militär- Strafprozesses noch in weitem Felde steht, schlagen wir vor, das Reichs- Strafgesetzbuch nach den Grundsäßen der in der Praxis der Kriegsgerichte obwaltenden Milde abzuändern. Nachstehend einige Proben: § 201. Die Herausforderung zum Zweikampf mit tödtlichen Waffen, sowie die Annahme einer solchen Herausforderung wird mit Hausarrest und Entziehung des warmen Abendbrots allein oder nebeneinander bestraft. § 206. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet am Montag, Dienstag, Freitag und Sonnabend von 72-8 Uhr abends statt. Genoffe Heinrich Franz, Steinmetz und Herausgeber des Bauarbeiter" wird dringend ersucht, sofort feinen Aufenthalt an nachstehende Adresse gelangen zu laffen: Redaktion und Administration Der Bauarbeiter", Wien, XVI, Gaullacher gasse Nr. 15. Späthe. Ist wegen Raummangels zurückgestellt und wird nächstens erledigt. P. W. K. 1. 1. Vermengen Sie den Lehm mit Chamotte. Derartige Arbeiten läßt man am besten von einem Fachmann ausführen. 2. Mit mehrmaligem Waschen. 3. und 4. Ganz unverständlich, benutzen Sie unsere Sprechstunde. R. Hirsch. Es fragt sich, ob sie recht haben. Allerdings Wird der Gegner im Zweikampf getödtet, so kann außerdem auf Verlust der Berechtigung zum Besuche der Gewerbe- Ausstellung, der Theater, Konzerte und sonstiger öffentlicher Ber- fönnen die Frösche der N. 2. 3." auch Enten gewesen sein. gnügungen für die Dauer eines Monats erkannt werden. § 223. Wer vorsätzlich einen andern förperlich mißhandelt oder an der Gesundheit beschädigt, hat drei Glas Bier oder fünf Schnäpse an ihn zu zahlen. Thalia- Theater ( vormals: Adolph Gruft- Theater) Dresdenerfir. 72/73. st Direktion: W. Hasemann, tönigl. preuß. Kommissionsrath. Gebildete Menschen. Wiener Volksstück in 3 Akten von Viktor Léon. Morgen: Dieselbe Borstellung. Central- Theater. Alte Jakobstr. 30. Direttion: Richard Schultz. Mittwoch, den 14. Oktober: Emil Thomas a. G. Eduard Steinberger a. G. Bum 24. Male: Eine wilde Sache. Große burleste Ausstattungsposse mit Gefang und Tanz in 6 Bildern von W. Mannstädt und J. Freund. Mufit von J. Einödshofer. Anfang 28 Uhr. Morgen: Eine wilde Sache. Alexanderplatz- Theater. Pikante Novität! Ohne kittlichen Halt. Sittenbild aus dem Berliner Leben in 4 Aufzügen von Wilh. Friedhold. Anfang 8 Uhr. ( Bons haben Giltigkeit.) Morgen und die folgenden Tage: Ohne ttlichen Salt. Sonntag Nachmittag 4 Uhr: Schneewittchen und die sieben Zwerge. Baubermärchen in 8 Bildern von Georg Zimmermann. Alcazar. Variété und SpezialitätenTheater I. Ranges. Dresdenerstrasse No. 52 53. City- Passage Das Riesen- Oktoberprogramm enthaltend 14 Sensationsnummern. Li- Hung- Chang! Das Neueste vom Neuen! Margarethe Nasarowska. Josephine von der Heilsarmee. Miss Ara. The two Gomez. Lotte Sieger. 3 Bollini. Adelaide und Erich u. s. w. Luftspiel in 4 Akten von Francis Stahl. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntag Nachmittag 3 Uhr: KlassiterBorstellung: Othello, der Mohr von Venedig. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. R. Winkler. Urania. Taubenstr. 48/49. Taubenstr. 48/49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet v. 10 Uhr vormitt. ab. Eintritt 50 Pf. abends Wissenschaftl. Theater& hr. Sternwarte Invalidenstr. 57-62 Lehrt. Stadtbahnhof täglich geöffnet von 7 Uhr abends ab. Eintritt 50 f. Jm Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge mit Experimenten und großen Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesanfchläge.] Passage- Panopticum. Nur noch kurze Zeit. 42 wilde Briefkasten der Expedition. Krause, Weinftr. Eine solche Broschüre giebt es nicht; sprechen Sie doch mal in unserer Buchhandlung vor. Spezial- Ausstellung KAIRO Heute, Mittwoch, den 14.: 3 Schaustellungen der Beduinen 4, 6, 127 Uhr. bei ermässigtem Entree. Feen- Palast Burgstrasse 22. Direktion: Winkler& Fröbel. Großer Jubel herrscht über das Neue riesengroße Oktober- Programm. Nur noch bis 16. Oftober: Die urkomischen Milardos! Die excentrischen Miltons! Die hochdrastische Schattenpantomime! Anfang 71/2 Ubr. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Refervirt 50 Pf. Sonnabend, den 17. Oktober: Wegen Privatfestlichkeit gefchloffen. Konzert v. 5 Kapellen. W. Noack's Theater ApolloBrunnenstr. 16. Täglich: Konzert, TheaterVorstellung. Auftr. von Spezialitäten. Rünkler 1. Ranges, Weiber Theater. Baldiens Cante. aus Dahomey. Oftend- Theater. Grosse Frankfurterstr. 132. Direktion: Carl Weiß. Der deutsche Michel. Der deutsche Michel. Der deutsche Michel. Anfang 7 Uhr. Circus Busch. ( Bahnhof Börse.) Mittwoch, 14. Oktober 1896, abends 71/2 Uhr: Gr. brillante Vorstellung. Nur noch kurze Zeit: Millennium, Bilder a. Ungarn. Friedrichstr. 218. Dir.: J. Glück. Signor Bernardi ,, JI Camaleonte". Mile. Fougère die Unübertreffliche. Ducreux und Giraldic. Robert Steidl. 7 Troubadours u. s. w., u. s. w., u. s. w. Raffeneröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Schwant in 1 Att von Schmasow. Neu! Neu! Neu! Berliner Konfektionensen. Burleske mit Gesang und Tanz in 1 Aft von Gericke. Musik v. Schmidt. Jeden Sonntag, Dienstag u. Donnerstag nach d. Vorstellung Tanzkränzchen. Castan's Panopticum wunderbaren Volks- Theater Neu! dischen Reichenbergerstr. 34. Jeden Abend 8 Uhr. 20 Ein vorsichtiger Mann! Bosse mit Gesang in 3 Bildern. Brothers Godart, Gebr. Kulper, Um 91, Uhr: Gr. Variété. erste Kunstkräfte. Neu! Neu! Pygmäen Neu! Ur- Australier Neu!( Kannibalen). A. Flick's Restaurant, SimeonAußerdem: Die besten Freiheits- Louise Bouwmeester, die kleine holpferde d. Dir. Busch. Auftreten der ländische Pistolenvirtuofin, und Hella Schulreiterin Mlle. Eugenie. Zanzibar, Collier, Chansonette comique, Aller- ftraße 23, gr. sep. Vereinszimmer frei. ruff. Hengst, ger. v. Herrn Eugen Salamis Bliss; fenfationell d. Aufschwung zur Decke an den Zähnen. 100 Klowns, männliche und weibliche. Auftr. d. beliebten Klowns Mr. Daniels. Spezialitäten 1. Ranges. Morgen: Millennium. Sämmtlich nen für Berlin. E Um 10 Uhr: Pladderadautz, Berliner Rückblicke in Wort und Bild. Entree 50 Pf. bis 3 M. Sonntag Anfang abends 7 Uhr. 0. Schmidt's Restaurant, Hochstr.32a. Saal f. Vereine und kleinere Gesellsch. Klavier, Biolinunt. bill. Zoffenerstr.41 III Gute Milchziege zu verk. bei Gruhl' Neulichtenberg, Wilhelmftr. 72.[ 9146 Moabiter Stadttheater Alt- Moabit 48. Heute, sowie jeden Mittwoch: Stettiner Sänger ( Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schrader. Anfang präz. 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.( siehe Platate.) Neu! Neu! Hinzpieper's Lanz- Institut. Donnerstag: Konzerthaus Sanssouci. Vogler's Casino fr. Weltrestaurant, Dresdenerstr. 97 Jm vorderen Saal: Tyroler Concert Entree vollständig frei! Im ersten Theatersaal die unübertreffl. Hamburger Sänger. Im zweiten Theatersaal: Variété u. Spezialitäten- Theater. Auftreten v. Kunstkräften I. Ranges. Ausführung v. Poffen u. Singspielen. Anf. Wochentags 7 Uhr. Sonnt. 6 Uhr. Billards. 4 nene Kegelbahnen. Sorgf. gepfl. Biere, anert. gute Küche. Einem Buchdruder ( Parteigenossen) ist gesicherte Existenz geboten d. Uebernahme des Druces eines gut fundirten, täglich erscheinenden Arbeiter blattes und vieler Druckarbeiten von Gewerkschaften und Privaten. Die Uebernahme hat am 1. Oktober 1897 zu erfolgen. Die Zeitung erscheint im 7. Jahrgang in einer Stadt Mitteldeutschlands mit 215 000 Einwohnern. Rapitalfräftige Buchdrucker, welche hierauf reflektiren, wollen ihre Offerte unter Chiffre M. V. I an die Er pedition dieses Blattes einreichen. Fest- Säle bis 300 Personen fassend find noch an zwei Sonnabenden im November d. J. zu vergeben. 9156 F. Diesner, Landsbergerstr. 37. Täglich: Warmes Frühstück O zur Yo Auswahl. Zur alten Linde Admiralstr. 40a am Platz Echt Münchener Bürgerbräu Pilsener, hiesiges hell. u. dunk!. Lagerbier Weissbier. Lithographen, Steindrucker, Lichtdrucker, Schleifer, Präger u. Prägerinnen, Anlegerinnen, Formtecher, Tapetendrucker und verwandte Berufsgenossen, Arbeiter und Arbeiterinnen des graphischen Gewerbes Berlins! Freitag, 16. Oktober, abends 8 Uhr, im Schweizer Garten, Am Friedrichshain: Große öffentliche Versammlung. Tages Drbnung: Todes: Anzeige. 9196 Am 12. b. M. verfchied nach längerem Leiden mein lieber Mann, der Gastwirth Hermann Weiß. Belle- Alliance- Theater. Die Beerdigung findet Donnerstag, den Sonntag, den 18. Oktober d. J., nachmittags 3 Uhr: Zum ersten Male: 15. Oktober, 41/2 Uhr, von der LeichenDie trauernde Wittwe Emilie Weiß. halle des Krankenhauses am Urban statt. Danksagung. 918b Die Komödie der Liebe. Schauspiel in 3 Atten von Henrik Ibsen. Deutsch von Philipp Schweitzer. Schwanhild: Hedwig Margot; Falt: Afred Frey als Gaft( Stadttheater in Halle); Lind: Rich. Jürgas( Lessing- Theater); Goldstadt: Wilhelmi Ruff. Eintrittskarten à 60 Pf. sind in den bekannten Zahlstellen 228/7 Für die liebevolle und rege Theil nahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer lieben Schwiegermutter, Großmutter und Schwester, der Herbergswirthin Friederike Rolffs, sagen wir allen Verwandten, Bekannten zu haben. und Freunden unseren innigften Dank. Insbesondere danken wir den Gewerkschaften für ihre rege und liebevolle Theilnahme am Sarge der Entschlafenen. Gerstowiß. Hamme. 3ö13. Die Hinterbliebenen. Arbeiter- Bildungs- Schule. Lehrplan für das Winterhalbjahr 1896/97. om Südost- Schule, Waldemarstr. 14. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, welche meinem lieben Mann bei der Beerdigung die letzte Ehre erwiesen haben, sage ich meinen herz- Deutschy.( Die Litteratur in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahra lichften Dant. hunderts. Auffazlehre.). 923b Die tiefbetrübte Wittwe: Emma Kühnlein. Rothenburger Vereins- Sterbekaffe. Zahlstelle: Staligerstr. 11, I. Annahme von Beiträgen, Aufnahme neuer Mitglieder, Auszahlung von fäll. Sterbegeldern, sowie Annahme von Agenten.( 9-3 Uhr.) Aufforderung! Der Bauarbeiter Karl Sens, früher Weinbergsweg 11b wohnhaft, jetziger Aufenthaltsort unbekannt, wird hierdurch ersucht, die Sammel- Lifte 496 für streikende Bauarbeiter sofort an Unter32/2 zeichneten abzuliefern. Karl Heidemann, Rixdorf, Jägerstr. 64, 3 Zr., 1. Bevollmächtigter des Verbandes der Bauarbeiter u. B. D. Zahlstelle Berlin. Warne Jeden, meinem Sohn Karl etwas zu borgen, da ich für nichts auftomme. Gustav Hering, 914b Königsbergerstraße 35. Achtung! 1. Bericht der Lohukommission über die eingegangenen Antworten der Hand in Hand II" nachzufommen. Prinzipale. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 96/ 5* 916b Dienstag: Herr Heinrich Schulz. bil Mittwoch: Geschichte.( Alte Geschichte: Urzeit, Entstehung der Religionen, Ges schichte der orientalischen Völker, Griechen und Römer.) Herr Dr. C. Pinn. Donnerstag: Rede- Nebung.( Die wichtigsten technischen Grundsäße für die Kunst des öffentlichen Redens. Lehre vom Aufbau eines Vortrags. Uebungen im Diskutiren.) Herr Heinrich Schulz. Freitag: Natur- Erkenntniß.( Antike und moderne Naturbetrachtung. Problem der Weltbildung im Alterthum. Griechische Weisheit und biblische Ueberlieferung. Die Entthronung der Erde aus ihrer bevorzugten Stellung im Weltenall. Mechanistische Auffassung und experimentelle Forschung. Die Einreihung des Menschen in das Naturganze[ Lamart- Darwin]. Das Seelenproblem. Atomismus und Materialismus. Grenzen der Natur- Erkenntniß.) Herr Dr. C. Joël. Sonnabend: National- Gekonomie.( Allgemeine Uebersicht der verschiedenen Wirthschaftsstufen. Entwickelung der bürgerlichen theoretischen National- Dekonomie. Die Mary'sche Werth- und Mehrwerthlehre.) Herr Dr. Conrad Schmidt. Nord- Schule, Brunnenstr. 25. Dienstag: Natur- Erkenntniß.( Antike und moderne Naturbetrachtung. Problem ber Weltbildung im Alterthum. Griechische Weisheit und biblische Ueberlieferung. Die Entthronung der Erde aus ihrer bevorzugten Stellung im Weltenall. Mechanistische Auffassung und experimentelle Forschung. Die Einreihung des Menschen in das Naturganze[ Lamart- Darwin]. Das Seelens problem. Atomismus und Materialismus. Grenzen der Natur- Erkenntniß.) Herr Dr. C. Joël. Mittwoch: Deutsch.( Die Litteratur in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahr. hunderts. Auffahlehre.) Herr Heinrich Schulz. Donnerstag: Geschichte.( Alte Geschichte: Urzeit, Entstehung der Religionen, Geschichte der orientalischen Völker, Griechen und Römer.) Herr Dr. C. Pinn. Freitag: Rede- Uebung.( Die wichtigsten technischen Grundsäße für die Kunst des öffentlichen Redens. Lehre vom Aufbau eines Vortrags. Uebungen im Diskutiren.) ound Herr Heinrich Schulz. Sonnabend: to Der Drechsler Paul Schilling, wohnhaft Andreasstr. 70, in Arbeit in Richter's Bettstellenfabrik, Friedrichsberg, wird hierdurch ersucht, seinen Verpflichtungen gegen den Gefangverein D. V. NB. Zellersammlung findet nicht statt. Zur Erwiderung auf die Empfehlung Wir ersuchen die Kollegen und Kolleginnen, diesen Bettel an ihre Mit des Weiß: u. Vairisch Bierlokale arbeiter weiter zu geben, überall dafür zu agitiren, daß die Kollegen und seitens des Herrn Ebeling, Yorkstr. 62, Kolleginnen sämmtlicher Anstalten in unserem Gewerbe vollzählig erscheinen, überlasse ich es jedem Genossen, selbst denn diese Versammlung ist eine der wichtigsten, welche über vieles zu entzu überlegen; wir haben 1600 Mark scheiden hat. Es sage niemand, daß es auf ihn nicht automme, sondern jeder Miethe bezahlt und Herr Ebeling be: National- Oekonomie.( Die Mary- Engels'schen Lehren. Werth, Mehrwerth, muß seine Pflicht thun! zahlt 2200 Mark Miethe. Ist das vielleicht nicht ausgemiethet? 926b Georg Schmit, Habsburger- Ufer. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberufer: H. Friedewald. Generalversammlung des Vereins zur Wahrung der Jnteressen der Gast- u. Schankwirthe Berlins und Ümgegend am Freitag, den 16. Oktober d. J., nachmittags 5 Uhr im Lokale des Kollegen Fischer, Beusselstr. 9. Zages Ordnung: 1. Bericht des Kassirers und der Rechtschutz Rommission. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. g • .3. Ersatzwahl des Vorstandes und der Rechtschutz Kommission. 4. Statutenberathung. 69/1 5. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Mitglieder werden auf den§ 4 des Statuts aufmerksam gemacht. Im Auftrage: August Günther, Berlin, Frankfurter Allee 16. Achtung! Maurer. Achtung! Donnerstag, den 15. Oftober, Abends 8 Uhr, im Lokal Buske, Grenadierstraße Nr. 33: Möbel und Polsterwaaren, billig, Dresdenerstr. 49, I. Rapital.) Herr Dr. Alfred Bernstein. Außerdem finden abwechselnd 14- tägig Sonntags vormittags von 101/2 bis 12 Uhr Brunnenstraße 25 Fortschrittskurse in NationalOekonomie( Herr Dr. Conrad Schmidt wird das Rommunistische Manifeft" erklären) und Rede- Kebung( Herr Heinrich Schulz) für dies jenigen Schüler statt, die schon während eines Semesters das betreffende Fach, Mühlenstr. Nr. 8, besucht haben. nahe Oberbaum, sind vom 1. Oktober eine Wohnung von 2 Stuben u. Küche und eine Wohnung von 1 Stube und Rüche billig zu vermiethen.[ 5829L* Der Verwalter. Für Lederarbeiter 2c. passend: Grünauerstr. 3 große Berliner Küche u. 2fenftr. Stube sofort oder später, 80 Thlr. Schlafft., sep. Ging., monatl. 8 M., 3. v. Wollinerstr. 67, v. III. Wwe. Adolph. Saub. möbl. Schlafft. Manteuffel straße 50, v. 1 Zr. t. Arbeitsmarkt. 925b 195/4 Der Unterricht beginnt Wochentags pünktlich um 9 Uhr abends und endet pünktlich um 10 Uhr. Die Schulräume find täglich von 8 Uhr abends an geöffnet, um den Mitgliedern Gelegenheit zur Benutzung des Zeitungs-, Zeitschriften- und Büchermaterials zu geben. Es liegen in beiden Schulen fast sämmtliche proletarischen, sowie einige bürgerliche Tageszeitungen, außerdem eine große Anzahl von wissenschaftlichen Revuen, Fachschriften, Gewerkschafts- und Wizblättern aus. In größeren Lokalitäten werden in zwanglosen Zwischenräumen Ver sammlungen abgehalten, in denen zeitgemäße Themata in populär- wissenschaftlicher Weise von anerkannten Fachleuten erörtert werden. Dem künstlerischen Bedürfnisse der Mitglieder wird die Schule gerecht durch Veranstaltung von Theater- Vorstellungen, Konzerten und DichterAbenden. Unter fachkundiger Führung werden ferner wissenschafliche, tünstlerische und gemeinnüßige Institute besichtigt. Der Mitgliedsbeitrag sowie das Unterrichtsgeld für jedes belegte Unterrichtsfach beträgt monatlich je 25 Pf. Aufnahme neuer Mitglieder( am besten bei Beginn jedes Semesters im April und Oktober), sowie die Zahlung der Beiträge erfolgt in beiden Schulen und in den nachstehend verzeichneten Zahlstellen: so. Schöning, Röpniderftr. 68. W. Zentral Arbeitsnachweis der Töpfer Deutschlands, Berlin, Oeffentl. Bau- Deputirten- Sitzung. Rosenthalerstr. 57 und Gormannstr. 29. Kollegen! Es ist dringend nothwendig, daß in Fortgesetzt erhalten täglich Ofenfeger, SW. dieser Sizung jeder Bau vertreten ist! Die Mißstände, Wertstubenarbeiter wie Scheibentöpfer Arbeit in Berlin, wie nach außerhalb die auf den Bauten herrschen, können nur dann erfolgreich unentgeltlich nachgewiesen. bekämpft werden, wenn felbige aufgedeckt und der Öffentlich- Bergoldergehilfen a. feine Politur. feit übergeben werden; auch sind wichtige Punkte zu ver- leisten finden dauernde Arbeit bei handeln, die das Beisein jedes einzelnen Deputirten erfordern. 9116 Die Lohukommission der Berliner Maurer. Schluss der Saison am 31. d. M. Nur noch 18 Tage Vorstellungen täglich Nachm.-; Abends 9-11 Uhr. Bolossy Kiralfy's ,, Orient" 2 Olympia Riesentheater. Müller, Grüner Weg 56. Einen Lehrling zur Vergolderei verl. H. Bergemann, Mustauerftr. 29.[ 9126 1 Möbelpolirer auf Kastenarbeit verl. Meißner, Colmarerstr. 2, Ecke Belforterstraße. 9136 Arbeiterinnen auf beffere DamenJacken und Beinkleider verlangt M. Löwinsohn, Grüner Weg 82. Meldungen gegen Vorzeigung von Probearbeit nur Bormittags zwischen 9-11 Uhr. 946b Grösstes Schaustück der Welt. Ca. 1000 Mitwirkende. Glaser auf Bildereinrahmungen ver. Uebertrifft alles bisher dagew.! Von Publikum u. Presse einstimm. anerkannt. ( Leben de Photographieen. Auch in Naturfarb.) Inter effanteste Bilder historischen Charakters u. des Gesellschaftsleb. in vollkommenster Naturwahrheit. Wiedergabe musikalischer und deklamatorischer Vor Kinetograph. Phonographische träge. Für alle Besucher zugleich deutlich hörbar ohne Schläuche. Eintrittspreis für alle Vorführungen 50 Pf. Militärs und Kinder 25 Pf. Borstellungen ununterbrochen von 10 Uhr vormittags bis 11 Uhr abends. 21. Unter den Linden No. 21. E langt Alexanderstr. 28 a. Von einer Kleinen Façonschraubenfabrik in Westfalen wird zur Herrichtung von Werkzeugen für Schraubenbänke ein tüchtiger Werkzeugschloffer oder Mechaniker gegen hohen Lohn auf sofort gesucht. Gefl. Angebote durch die Exp. d. 3tg. unter Nr. 220 erbeten. 9456 Tüchtige Kürschnergesellen im Haufe verlangt Lonis Bauchwih, Neue Königftr. 85. Südost- Schule, Waldemarstr. 14. Schulz, Admiralstr. 40 a. Grube, Mariendorferstr. 5. Kassler, früher Windhorst, Junkerstr. 1. Werner, Bülowftr. 59. N. 317 NO. Nord- Schule, Brunnenstr. 25. Gnadt, Butbuferstr. 32. Gleinert, Müllerstr. 7a. Babiel, Rofenthalerstr. 57. Reul, Barnimstr. 42. laste NW. Löffler, Stendalerftr. 42. o Der Vorstand. NB. Alle Briefe, Anfragen und Zusendungen 2c. find an den Vors fizzenden, Schriftsteller Heinrich Schulz, Berlin SO. 16, Kaiser- Franz Grenadierplatz 7, alle Geldsendungen an den Raffirer, Buchdrucker H. Königs, Berlin S. 59, Dieffenbachstr. 30, zu richten. Dr. Thompson's Seifenpulver ( Schußmarte ,, Schwan") -WWW Das hat sich beffer bewährt, wie jedes andere Waschmittel. selbe ist von jeder praktischen Hausfrau als das beste, billigte und bequemte Waschmittel längst anerkannt worden. Man erspart bei seiner Anwendung viel Mühe, Beit und Geld und schont die Gewebe dabei mehr, als bei jeder anderen Waschmethode. Jeder Versuch überzeugt! Bu haben in den meisten Seifen-, Droguen- und Colonialwaaren- Handlungen. 93 Klagen, Eingaben. Am Donnerstag Abend ist wieder Unfallsachen, Bugger, Stegligerstr.65. großes Gäuse- Ausschieben auf dem Billard, und früh von 6 Uhr ab frische Blut- und Leberwurst. Gustav Schultz, Wasserthorstr. 55. 9176 Empfehle mich zum Wäschenähen, sowie Ausbeffern in und außer dem Hause. Gräfeftr. 7, 2. H. Qugb. I r. Vereine erhalten Preisermässigung nach Vereinbarung. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Inseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin. 3. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 341. Mittwoch, den 14. Oktober 1896. 13. Joljrg. GervevKstfjaftlidzes. Achtung, Zimmerer Berlins! In dem Baugeschäft von Otto Mießner, Müllerstraße, legten am Montag infolge der Maßregelung von vier Kamerade» sämmtliche Zimmerer die Arbeit nieder. Herr Mießner sucht jetzt Zimmerleute zu 52'/, Pf. Stundenlohn. Laut Beschluß der Platzdeputirten- Versammlung vom Montag Abend ist deshalb der Zuzug nach dem Baugeschäst zu unterlassen. Wir ersuchen unsere Berufsgenossen, dies genau zu beachten, ferner die heute Abend in C o h n' s Festsälen statt« findende öffentliche Versammlung rege zu besuchen. Die Lohn» kommission. I. A.:TH. Fischer. Rykestr. 14. Achtung, Tapczirer Berlins! Die Kollegen in der Werkstatt von Gebr. Wasser st radt in Lübeck haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Wir ersuchen, den Zuzug nach dieser Werkstatt fernzuhalten. Die Berliner Orlsverwaltung des Allgemeinen deutschen Tapezirer-Vereins. Zur Beurtheilung der Frage, ob sich in Preußen jetzt Gewerkschaften mit sozialpolitischen und der- gleiche» Dingen beschäftigen können, ohne von der Polizei belästigt zu werden, ist ein Entscheid von einigem Interesse, der der Zahlstelle Schönebeck des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes auf ihre Beschwerde über das Verbot des Stiftungsfestes zugegangen ist. Er lautet: Der Regierungs-Präsident. Nr. I Pr P 5639. Magdeburg, den 25. September 1896. Ihre Beschwerde vom 5. September d. I. wird als un- begründet zurückgewiesen. Nach§ 8 des Vereinsgesetzes vom 11. März 1656 dürfen Frauenspersonen, Schüler und Lehrlinge den Versammlungen politischer Vereine nicht beiwohne». Ihr Verein ist ein politischer. In den Sitzungen und Versamm- lungen sind keineswegs nur, wie Sie angeben, gemäß§ 152 der Gewerbe- Ordnung die Interessen der Mitglieder in dezug auf günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen verhandelt, sondern auch verschiedentlich politische Gegenstände erörtert worden. In der Sitzung vom 7. Mai 1894 ist über Gesetzentwürfe zum Schutze der Arbeiter gesprochen. am 4. Juni desselben Jahres ist über das Verhalten des Reichs- tages zum Achtstundentag verhandelt worden. Auch ei» Erlaß des Kriegsministers war am 25. März 1895 einmal Gegenstand einer Diskussion. Am 7. Oktober 1395 wurde über die Vertreter des Arbeiterstaudes im Reichs- tage gesprochen. Am 8. Juni 1896 schließlich wurde seitens eines Mitgliedes das Verhalten des Staates, der Polizei, den Versammlungen des Vereins gegenüber einer mißbilligenden Kritik unterzogen. Nach de» vorgeführten Thatsachen muß angenommen werden, daß Ihr Verein bezweckt, politische Gegenstände in Versammlungen zu erörtern und erscheint hiernach die Verfügung der Polizei-Ver- waltung zu Schönebeck, durch welch« die Zulassung von Frauens- personen, Schülern und Lehrlingen zu dem beabsichtigten Stiftungsseste verboten worden ist, gerechtfertigt. In Vertretung.(Name unleserlich.) Bor dem Treibe« der Anarchisten in den Gewerk- schaften warnt das Jachorgan der Porzellanarbeiter, die„Ameise". wie folgt Der internationale Kongreß in London im allgemeinen, ins- besondere aber daS Verhalten der deutschen und französischen Anarchisten hat gezeigt, daß die Anarchisten bestrebt sind, mehr als je ihre Thätigkeit in die Reihen der Gewerkschaften zu verlegen. Was wir von einer solchen Thätigkeit zu halten haben, werden die Genoflen ermessen können, wenn sie die Affäre mit dem Flugblatt des„Anarchisten" Schmidt sich ins Gedächtniß zurückrufen. Dieser selbst hat zehn Monate Gesängniß davon gehabt, mehrere unserer Mitglieder ebenfalls Anklagen, weil sie das Flugblatt an Kollegen weitergaben, dem Verband erwuchsen für Rechtsschutz nicht unbedeutende Kosten und ein Mitglied hat sich wegen dieser Geschichte sogar— aufgehängt. stürz vor Redaktionsschluß bringen wir nun in Erfahrung, daß eben dieser Schmidt, welcher in Berlin ist und sich neuerdings sehr für Konsumvereine und Genossenschaften ins Zeug legt, wie es die Anarchisten jetzt belieben, einer unserer Zahlstellen Broschüren über Genossenschaftswesen übermitteln will, auch theilt er dieser Zahlstelle mit, daß es ihm lieb wäre, auf seiner voraussichtlichen Agitationsreise auch dort in einer Versanunl�ig sprechen zu können. Wir möchten die Verbandsmitglieder. speziell die Zahlstelleu-Verwaltnngeu dringend ersuchen, ja recht vorsichtig zu sein und sich nicht auf solche Experimente eines anarchistelnden„Genossen" einzulaffen. So gerne wir am Ende den Zahlstellen das Vergnügen gönnen NunZt und Lvistenschnfk. Rudolf Virchow hat gestern seinen 75. Geburtstag g-feiert. SS erübrigt wohl, die bedeutenden wissenschaftlichen Verdienste des Gelehrten im einzelnen aufzuführen. Sie werden ungeachtet aller Parteigegensätze überall anerkannt werden, wo sich lebendiges Streben für den Geistesfortschritt bekundet. Im Friedrich Wilhelmstädtischen Theater geht da» Lustspiel Till»" von Francis Stahl, das im königliche» Schau- spielhause' vor Jahren ausgeführt wurde, am Donnerstag zum erste» Male in Szene. Im Schiller-Theater findet heute eine Wiederholung von „Der Sohn der Wildniß" statt.— Fräulein Mari- Gündel vom Stadt-Theater in Frankfurt a./M. wird als erste Rolle die Beatrice in Shakespeare's„Viel Lärm um Nichts" spielen. Da» Theater deS Westen« sucht den Durchfall von /tirchbach's„Jung gefreit" gar wunderlich zu begründen. Dem „Berl. Tagebl." wird nämlich mitgetheilt, daß es die Claque ge> wesen sei, welche das neue Theater zum Schauplatz einer seind- seligen Demonstration gemacht habe. Und warum? Weil die Theaterleitung mit dieser geheimen Nebenregierung vorher nicht paklirt habe. Vier Claquebureaus— das Geschäft muß seine Leute ernähren, wenn sich vier derartige Institute erhalten können— seien von der Direktion mit ihren Ansprüchen auf„Geschäftsverbindung" zurückgewiesen worden. Darauf seien Drohungen erfolgt, man werde es dem Theater des Westens„schon besorgen", wie man auch andere Bühnen gezwungen habe, mit den Allmächtigen Freund- schast zu schließen. Und so seien denn diese Herren, die von ihrer Hände Arbeit leben, am Sonnabend als Rachegeister m Thätigkeit getreten und hätten jene» Höllenspektakel gemacht, der auch vielen abfälligen Beurtheilern des Stückes widerlich erschien. Wenn die Sache so liegt, ,st sie staatsanwaltsreif. Sie klingt ganz ungeheuerlich, aber die Theaterdirektion, die dem„Berliner Tageblatt" auch den Namen des einen Faustheldenhäuptlings nennt, wird ihre Mittheilung ohne Zweifel voll belegen können. Was die Direktion des Theaters des Westens von den Er- pr�ffungsversuchen der Claque-Jnstitute berichtet, mag an sich wohl richtig sein; vielleicht findet die Theaterleitung noch Ge- legenheit, ihre Behauptungen vor Gericht zu erharten. Aber sehr würden, die Weisheit desselben zur Kenntniß zu nehmen, so liegt es doch auf der Hand, daß, soweit wir Schmidt kenne», er aus eigenen Mitteln eine solche„Agitationstour" nicht unter- nebmen kann. In wessen Austrag macht er diese und wer be- zahlt sie? Vielleicht erfahren wir dies noch, vorläufig aber glaubten wir den Mitgliedern Vorsicht anempfehlen zu muffen, damit ihnen nicht etwa wieder Kuckuckseier in das Nest gelegt werden. Aus Stettin meldet der dortige„Volksbote":„Eine kleine Lohnerhöhung wollten die B o d e n a r b e i t e r auf dem hiesigen Güterbahnhofe haben. Obgleich das Verlangen nur als billig bezeichnet werden kann, so wurde das Gesuch doch rund- weg abgelehnt. Auf eine nochmalige schriftliche Eingabe warten die Arbeiter seit 5 Wochen aus Bescheid. Die Bodenarbeiter haben einen Tagelohn von 2,10 M. und wollen 30 Pf. täglich Zulage haben. Der ortsübliche Tagelohn ist hier auf 2,25 M- festgesetzt— die Bodenarbeiter der kgl. Eisen- bahn haben aber diesen Lohn noch nicht einma l. Alsinder Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom II. Februar d. I. sich der Zentrumsabgeordnete Fuchs über die Lohndrückerei im Eisenbahnbetriebe beschwerte, erwiderte Minister Tbielen,„die Löhne seien nicht gesunken, sondern gestiegen. 1887 habe der Durchschnittslohn pro Jahr 826 M. betragen, jetzt betrage er >036 M." Einen solchen Lohn bezieht im ganzen Direktionsbezirke nicht ein Arbeiter. Der jetzige Jahresverdienst beträgt bei regelmäßiger Arbeit 766,50 M. Daß damit in einer Großstadt die Arbeiter nicht auskommen können, ist zweifellos. Aber der Staat will viel Profit machen, weil für das Militär immer mehr gebraucht wird. Das ist die Sozialreform in Prenßen-Deutschland." Eine Konferenz der Maurer Pommern« tagte am 4. Oktober in Stettin. Anwesend waren Delegirte aus Köslin, Kolberg. Stralsund, Gollnow, Bredow, Pommerensdorf und Stettin; als Vertreter des Generalbevollmächtigten war Ge- nosse Silberschmidt aus Berlin erschienen. Beschlossen wurde: Jeder Ort, wo eine Organisation besteht, hat die Pflicht, in seiner Umgebung für Ausbreitung der Organisation zu sorgen; dies soll geschehen: 1. durch Verbreitung von Flug- schriften ausklärenden Inhalts; 2. durch Abhaltung von Kon- serenzen und Versammlungen. Die Unkosten, welche hieraus ent- stehen, deckt die Agitationskommission. Jeder Ort hat nach Möglichkeit zur Deckung dieser Unkosten beizutragen. Nächstes Jahr wird wieder eine Konserenz abgehalten. In Kassel faßte eine stark besuchte Mitgliederversammlung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes ein- stimmig folgende, für die heutigen Zustände bezeichnende Reso- lution:„Die Versammlung protestirt ganz energisch gegen das Verhalten der hiesigen Polizeibehörde betr. Abtreibung der Versammlungslokale. Die Versammlung ist der Ansicht, daß die hiesige Polizei keine Berechtigung hat, Wirthe, welche gewillt sind, ihre Lokale den Metallarbeitern zur Verfügung z» stellen, durch Ueberredung und durch Drohung mit dem Militär-Boykott zu veranlaffen, ihr Versprechen wieder rückgängig zu machen. Die Versammlung verurtheilt das Eingreifen der Polizei umsomehr, weil hierdurch das gesetzlich gegebene Recht, sich versammeln und vereinigen zu können, für die Arbeiter illusorisch gemacht wird." Wie aussichtslos übrigens der polizeiliche Kampf gegen die Arbeiterbewegung ist, zeigt sich darin, daß die Kaffeler Zahl- stelle des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes innerhalb 14 T a g e n ihre Mitgliederzahl um zirka 200 vermehrt«. Zirka 600 Metallarbeiter gehören in Kassel jetzt dem Verbände an. Auch in anderen Berufen blüht die Gewerkschaftsbewegung in Kassel erfreulich auf. Tie Leitung>es Leipziger Gewerkschaft«- Kartell« ist durch Neuwahl des Vorstandes in die Hände des Drechslers Albin Mohs,(Leipzig Anger, Hauptstr. 26 1, als Vorsitzendem), und des Zimmerers Heinrich H o y e r(Leipzig, Steinstr. 35 pt.) als Kasstrer übergegangen. Die für dal Kartell bestimmten Sendungen sind nunmehr an diese Genossen zu adressiren. Ar- beiterfrenndliche Blätter werden um Bekanntgabe dieser Adressen gebeten. Die Tarifabmachnngen der Leipziger Tischler, die durch die Drucklegung der getroffenen Vereinbarungen seitens der Innung eine den gemeinsamen Beschlüssen der Tariskommissio» zuwiderlaufende Aenderung erfahren haben, werde» von den Gehilsen als ausgehoben betrachtet werden, sofern die Innung nicht im Laufe der nächsten Wochen eine gemeinsame Sitzung ein- beruft, wo die Differenzpunkte geregelt beziehentlich Stellung ge- nommen werden soll z» den in letzter Zeit so oft vorgekommenen unangebracht ist es, den Durchfall des Lustspiels vom Sonnabend der Claque zuschieben zu wollen. Ein solches Stück wäre auch ohne deren Hilfe ausgezischt worden. Im Theater de« Westen« sollen morgen Die Räuber auf- geführt werden. An der Front de« Theater« im Westen steht noch immer in lateinischen Lettern die Inschrift: Gegründet der Kunstpflege wegen, und noch immer hat der Gründer des aus Sand gebauten Hauses nicht im Zorn die Inschrift weggewischt! Der Wider- spruch zwischen ruhmrednerischen Prahlhansenlhum und künstlerischer Impotenz, zwischen äußerem Prunk ynd innerer Roth offenbarte sich selten so deutlich, als am jüngsten Sonnabend, bei der Erstaufführung des Lustspiels„Jung gefreit" von Wolf- gang K i r ch b a ch; der Dramaturg, der dies Lustspiel empfahl, der Direktor, der die Unmöglichkeit dieser Komödie nicht während der Proben erkannte, die müßten mir unbedingt fort von der künstlerischen Leitung des Theaters. Herr Kirchbach selber, der einen guten Roman aus dem Leben reisender Handwerks- burschen geschrieben haben soll, ließ sich durch den Haß deS echten Spießbürgers wider Frauenbewegung und wider Frauenemanzipation bis zu völliger Verblendung verführen. Er wollte eine Variation zu dem Berlinischen Satz schaffen:„Heirathen mußte, Aujuste!" und gegen den „Modernitätsschwindel von den unversorgten Frauen" satirisch loszetern. Dabei aber verfiel er in so brutale Taktlosigkeiten, so verworren behandelte er sein Thema, daß das Publikum gegen das ganz unglaubliche Ungeschick des Verfassers heftig protestirt« und daß es einer aufdringlichen Klaque wegen fast zum Theater- Radau gekommen wäre.— Von den bekannten Schauspielern zeichnete sich Frau B u tz e in erster Reihe durch ihre musterhaft schlichte Sprache, Frl. Gabri als Emanzipirte durch kecken, schiieidigen Ton aus. Von den Damen und Herren, die für Berlin neu engagirt wurden, ist vorerst nichts zu sagen. Sie thaten eben recht und schlecht mit. Ob sie bei einem besser gearteten Znsammenspiel einige Ursprünglichkeit verrathen werden. bleibt abzuwarten. Taft eine gewisse„Kunst" immer noch ihren Mann lohnt. ergiebt ei» Schreiben, welches uns die Direktion des Olympia- Theaters zustellt. Daffelbe lautet:„Auf die unsinnigen Ge- rüchte, welche über den finanziellen Stand unserer Gesellschaft von einem hiesige» Blatte verbreitet sind, sehen wir uns genöthigt, folgendes zu erwidern: Das Olympia-Riesentheater hat bis zum Durchbrechungen der in der Lohnbewegung dieses Frühjahres er« rungenen Konzessionen. Früheren mehrfachen Einladungen der Gehilfen-Tariskommission sind die Jnnungsmeister aus dem Wege gegangen. Die Herren hatten sich entweder entschuldigt oder waren überhaupt fern geblieben. Der Vorstand des Verbände« der Elsaß-LothringischeN Buchdrucker erläßt folgende Bekanntmachung:„Wir machen unsere Mitglieder wiederholt darauf aufmerksam, daß die Bekanntmachungen des Deutschen Tarif- Ausschusses keine Giltigkeit für Elsaß- Lothringen besitzen. Der dieffeitige Gehilfenverband hat seither die Regelung seiner Lohn- und Arbeitsverhältnisse völlig selbständig durchgeführt und beharrt fürs erste auf dem gegenwärtig eingenommenen Standpunkt, Er lehnt aus diesem Grunde auch die versuchte Angliederung an die deutsche Tarifgemeinschaft entschieden ab. Unsere Mit- glieder ersuchen wir, die Exemplare des deutschen Tarifes zurück- zuweisen und die etwa geforderte Unterschrist striktest zu ver- weigern. Die Herren Bezirksvorsitzenden wollen jeden dies- bezüglichen Fall sofort dem Verbandsvorsitzenden zur Kenntniß bringen." Der Streik der Werkstätten- Arbeiter der priv. öfter« reichisch-ungarischen Staats-Eisenbahn ist aus grund der Zusicherung beendet, daß die früheren Be- willigungen aufrecht erhalten und Maßregelungen nicht vor« genommen werden. In Wien ist bereits am Sonnabend die Arbeit wieder aufgenommen worden, in Prag infolge eines Mißverständnisses ruhte an diesem Tage noch die Arbeit. Die Prager Werkstättenleitung, anscheinend von Wien schlecht instruirt, verlangte von den Streikenden, sie sollen vom Magistrat ihre Arbeitsbücher holen und sich als neue Arbeiter aufnehmen lassen, was von den Streikenden abgelehnt wurde. Die Wiener„Arbeiter-Zeitung" erklärt hierzu: Wir sind in der Lage, aus authentischer Quelle berichten zu können, daß von der Wiener Direktion Weisungen nach Prag ergingen, die Wiederaufnahme der Arbeit habe dort in derselben Weise zu erfolgen wie in Wien, wodurch jeder Anstand behoben erscheint. Aus der Schweiz. Gemäß einem Beschlüsse der letzten Generalversammlung des Schweizerischen Typographen- bundes haben bereits mehrere Sektionen T a ri s b e w e gungeu angekündigt. Nach jenem Beschlüsse haben alle jene Sektionen in eine Tarisrevision einzutreten, in deren Rayon die neun- st ü n d i g e Arbeitszeit noch nicht eingeführt ist. Es sind dies die Sektionen Aarau, Chur, Frauenseld, Schaffhausen, Luzern und Basel. Die Sektionen Aarau, Schaffhausen und Chur haben die Aktion bereits begonnen. Die Buchbinder Kopenhagens haben sich mit den Unter» nehmern auf folgende Arbeitsbedingungen geeinigt: 9£ftiindigs Arbeitszeit, öproz. Lohnzulage für alle Arbeiter, die 13 bis 20 Kronen Wochenlohn haben; der Lohn der Arbeiterinnen ist auf ljj Kronen festgesetzt, wenn sie mindestens 1 Jahr im Fach gearbeitet haben und 16 Jahre alt sind, auf 2 Kronen bei einem Alter von 17 Jahren und bei 2jähriger Fachthätigkeit. Bis zur Herstellung des neuen Akkord-Tarifs erhalten alle Akkord- Arbeiter 5 pCt. Zuschlag. Dieses bedeutungsvolle Resultat ist durch die Stärke der Organisation erreicht worden, die von 550 Kopenhagener Facharbeitern 500 umfaßt. Zur Lohnbewegung im Bäckerfach in Dänemark wird uns geschrieben: Es sind in letzter Zeit zwischen dem Fachverein der Bäcker und den Meistern Verhandlungen über den Lohn ge- führt worden, die jedoch kein Resultat gezeitigt haben. Nachher Aushebung deS Kost- und Logissystems 1887 wurden die Löhne auf 13-25 Kr. mit einer fast unbegrenzten Arbeitszeit festgesetzt. Die Kopenhagener Genossenschafts-Bäckerei der Arbeiter zahlt dagegen schon lange 25— 30 Kr. bei 7stündiger Arbeitszeit. Einzelne Bäckereien sind hinsichtlich des Lohns diesem Beispiel gefolgt, während in den übrigen Geschäften die Arbeitszeit überall bis auf 12 Stunden ausgedehnt wird. Anfang September wandte sich der Fachverein an die Roggenbrot- Fabrikanten mit folgenden Forderungen: der Wochen- lohn soll betragen 25 bis 30 Kronen, die Arbeitszeit beträgt sechs Tage, von Montag früh bis Sonnabend Abend oder 6 Nächte von Sonntag Abend bis Sonnabend früh. Sonn- abend Abend 6 Uhr bis Sonntag Abend um 6 Uhr wird die Arbeit mit 50 Oere per Stunde bezahlt. Die tägliche Arbeitszeit beträgt inkl. 2 Stunden Pause 12 Stunden. Arbeit über 12 Stunde» wird mit 50 Oere für jede Ueberstunde bezaUt. In den Nächten der hohen Feiertage findet kein Backen statt. Es wurde nun von der Gesellenorganisation und von den Fabrikanten zusammen ei» Ausschuß eingesetzt. Anfangs wollten Sonntag, den 11. Oktober inkl., eine Gesammteinnahme von rund 961 770 M. erzielt, wovon an die Herren Kiralfy und Busse für deren kontraktliche Verpflichtungen unserer Gesellschaft gegen- über(Stellung des gesammten Bühnenpersonals, sowie aller Dekorationen, Kostüme, Requisiten, Schiffe, Pferde u. f. w. u. s. w.) 451 137,84 M. gezahlt sind. Für unsere Gesellschaft verbleiben mithin 510 628 M. Daß bei dieser Einnahme für unsere Gesellschaft welche«in Stammkapital von 230 000 M. besitzt, ein erheblicher Reingewinn erzielt wurde, liegt auf der Hand. Da es uns außerdem gelungen ist. wie wir heute in der Lage sind mit- zulheilen, den Endtermin der Aufführungen von„The Orient" bis 31. d. M. hinauszuschieben, dürfte dieser Reingewinn sich noch beträchtlich erhöhe». Ergebenst Olympia- Riesentheater Gesellschaft mit beschränkter Haftung. W. Haller. L. Saenaer Das im Olympia-Theater aufgeführte Stück enthält eine Handlung, die zwar förmlich von ernstgemeintem Unsinn strotzt aber eine barbarische Fülle grober Zirkus- und Balletkttnste zur Ent- faltung kommen läßt. So etwas zieht. Der alte Renz, der zuerst den Zirkus weltstädtisch machte, ist als achtfacher Millionär gestorben. Adolph Ernst, der mit verhältnißmäßig beschränkten Mitteln die Klownspäße auf das Theater verpflanzte und in gröblicher Manier den Sinnen- kitzel von der Büwie herab betrieb, setzt sich in einer netten Villa zur Ruhe, und dck Leiter des Olympia-Theaters. welche den in England schon seit Jahren beliebten Blödsinn des Zirkustheaters im de sifecle zum ersten Male in Berlin kultiviren, machen Bombengeschäfte. Wie soll es auch anders sein in einer Zeit. in welcher ein Unternehmen� wie die Freie Volksbühne, das der Bevölkerung das beste der Literatur bieten will, einfach zerstört und die Aufführung eines Stückes von der Be. deutung der„Weber" systematisch auf der deutschen Bühne hintertrieben wird? Bleibt einem großen Theil des Publikums. namentlich dem minder zahlungsfähigen, doch meist nur die Wahl zwischen Zirkuskünsten. Unzucht und Mordspatriotismns! Ein ne»»er Planet ist auf der Urania-Sternwarte in der Jnvalidenstraße von dem Astronomen derselben. Herrn Gustav Witt, auf photographischem Wege in' der Nacht vom 8. aus den 9. d. M. entdeckt worden. Der neue Mitbürger des Planetensystems ist recht klein. 11,5. Größe. doch gehört er keineswegs zu den unbedeutendsten jener Gruppe zwischen Mars und Jupiter. Er befand sich in der E»tdeck»ngs- nacht in der Nähe zweier längst bekannter kleiner Planeten. In " die Fabrikanten nur sehr geringe Ronzessionen machen, 18eipzig vollzogen worden. Die neue Organisation führt den, ruffische Zeitschrift weist auf die Thatsache hin, daß alle Personen schließlich erklärten sie sich aber bereit; den 12 stündigen Namen Fleischerei Berufsgenossenschaft und hat und Institutionen, die sich mit dieser Frage beschäftigen, au Arbeitstag зи bewilligen und Löhne Don 22 bis ihren Siz in Lübeck. In den provisorischen Vorstand wurden gleichen Folgerungen gelangten. Sowohl Fabrikanten und Tech 28 Kronen zu zahlen, ferner für Ueberstunden 40 Dere. gewählt die Herren Stein- Lübeck( Vorsitzender), Eitel- Düsseldorf, niter wie die Aerzte sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß Auch das Einstellen des Backens in den Nächten der hohen Schmidt- Berlin, Friedrich- Nürnberg, Falt- Mainz, Nietschmann die Verkürzung der Arbeitszeit von Nußen wäre. Die ruffische Feiertage follte zugestanden werden. Dieses Angebot wurde Leipzig und Schlachthofsdirektor Colberg- Magdeburg. Regierung, welche schon viele Maßregeln zur Verbesserung der und mehrere Meister berelelne jezt mehr als 24 kr. verdienen Bum Submiffionennwesen. In Hannover wurde, wie Lage der Arbeiter ergriffen habe( fo wurden z. B. die Fabritzu erfüllen. Sollten die Fabrikanten die Forderung der Gesellen beiten für den Bau des Lifter Thurmes einem Unternehmer sympathisch aufnehmen und ihre Lösung erstreben. Eine der und mehrere Meifter bereit sind, die Forderungen der Gesellen der Boltswille" berichtet, die Ausführung städtischer Arschulen gegründet, wurde die Fabritinspektion eingeführt u. 1. w.). werde auch die Frage von der Verkürzung der Arbeitszeit nicht anerkennen, so wird der Streit erklärt. Nach einer Meldung der Köln. 3tg." ist in Kopenhagen zugeschlagen, der bei der Submission zirka 4000 Mart Sympathisch aufnehmen und ihre Lösung erstreben. Eine derNach einer Meldung der Köln. 3tg." ift in Ropenhagen weniger verlangt hatte als andere Firmen. Diefer Unter- fanitärer Hinsicht wünschenswerth, sondern sie wäre auch für die der Ausstand inzwischen ausgebrochen. Sämmtliche Schwarz- nehmer übertrug die für den Bau nöthigen Holzbildhauerarbeiten Industrie namentlich in dem Falle von hervorragendem Nuzen, Maßregel, meint der Herold", wäre nicht nur in Sanitärer Hinsicht wünschenswerth, sondern sie wäre auch für bie brot. Bäcker haben die Arbeit niedergelegt, infolge dessen dem Bildhauer Vogel, der nun seinen Gehilfen zumuthete, Industrie namentlich in dem Falle von hervorragendem Nuzen, mußten die Schwarzbrot- Bäckereien den Betrieb einstellen. für billigere Preise als üblich zu arbeiten; diese stellten und Sonntagsschulen für erwachsene Arbeiter und die Ver wenn Hand in Hand mit ihr die Gründung von AbendIn Brüffel haben der Ausstands- Ausschuß der Tischler aber die Arbeit ein, und nun versucht der Bildhauer Vogel, die anstaltung von sittlich gefunden Vergnügungen ginge. Es sei zu und der Generalrath der belgischen Arbeiterpartei beschlossen, Holzbildhauerarbeiten durch Stellmacher herstellen zu lassen, hoffen, daß diese wichtige Angelegenheit in allernächster Zeit die den Arbeitsminister nochmals um Ginfeßung eines Schieds- selbstverständlich durch solche, die der Organisation nicht an- nöthige Berücksichtigung finden werde; die Verkürzung der Arbeitsgerichts zu bitten. Die Ausständigen wollen sich diesem Schieds- gehören. gericht unter allen Umständen unterwerfen und erklärten sich zeit werde nur eine logische Erweiterung der zum Schuße der auch bereit, falls der Minister dies verlange, die Arbeit sofort berger Wolfstribüne" berichtet: Von der Sonntagsruhe auf dem Lande. Die Königs Arbeiter getroffenen Maßregeln sein. wieder aufzunehmen und die Entscheidung des Schiedsgerichts abzuwarten. Soziales. Bur Krankenversicherung der Dienstboten. Der am 20. und 21. September be. Js. in Dresden abgehaltenen Jahresversammlung des Zentralverbandes für Ortstrantentassen im Deutschen Reiche" lag bekanntlich u. a. ein Antrag vor, wonach der Reichstag ersucht werden soll, eine Aenderung des Krankenversicherungs- Gefeßes nach der Richtung hin herbeizuführen, daß auch die Dienstboten der Bersicherungspflicht unter liegen. Außer von der Ortskrankenkasse der Berliner Gastwirthe war der gleiche Antrag noch von den Thüringer Ortstranten laffen und den Bereinigten Ortstrantentassen von Elsaß- Lothringen gestellt. Dem Antrag wurde zugestimmt. fahrung, daß die kontraktmäßigen Löhne in Johannisburg nicht mußte für Roft wöchentlich 31,50 m. bezahlt werden, 1 Glas einmal zum nothdürftigen Leben ausreichten. Beispielsweise Bier foftet 50 Bf., ein Schnaps ebensoviel, und ein Zimmer für mußte für Koft wöchentlich 31,50 m. bezahlt werden, 1 Glas Fleiß und übermäßige Arbeit auf höheren Berdienst famen, wurden Bier foftet 50 Pf., ein Schnaps ebensoviel, und ein Zimmer für Personen monatlich 80 M. Als die Bremer durch eisernen Fleiß und übermäßige Arbeit auf höheren Berdienst kamen, wurden ihnen horrende Abzüge gemacht, wobei die Polizei den Schutzbekamen in der betr. Fabrit anfänglich 20 M. Lohn, dann engel des Unternehmers spielte. Die Zigarettenarbeiterinnen wurden ihnen 5 Mart abgezogen. Da der Lebensunterhalt für Mädchen wenigstens 25-28 Wt. beträgt, fo find fiefagt der natürlich auf die Prostitution an= Die Frage der Sonntagsruhe der Handlungsgehilfen Auf dem Gute A. p. Rautenberg, Kreis Ragnit, wo- wird demnächst die Stadtvertretung St. Petersburgs be felbft der Gutsbesitzer Bogeifen sein selbstherrliches Reschäftigen. Das Handelsamt, dem das betreffende Gefuch zur giment führt, soll es eingeführt sein, daß die Leute Begutachtung vorlag, hat sich zu gunsten der Sonntagsruhe ausSonntags das Grünfutter für das Bich des Gutsherrn vom gesprochen, jedoch mit der ungeheuerlichen Einschränkung, daß von Felde holen mußten. Da bekanntlich die Landarbeiter ihr 1-6 Uhr nachmittags gehandelt werden dürfe. Stückchen Ackerland, das meistens einen Theil des Lohnes ausmacht, am Sonntag bearbeiten müssen, so waren die Leute ge eine Warnung an die deutschen Zabatarbeiter, fich Aus Transvaal veröffentlicht die Bremer Bürgerzeitung" zwungen, das Futter in aller Frühe vom Felde zu holen, um dann noch ihre Feldarbeit bestellen zu können. Bor etwa sechs fontraktlich für dortige Geschäfte anwerben zu laffen. Bremische Wochen war jedoch aus irgend einem Grunde des Morgens früh Bigarrenarbeiter, die nach Johannisburg ausgewandert nicht Beit und somit befahl der„ gnädige" Herr, das Futter im Laufe waren, weil man ihnen im Kontrakt Löhne zugesichert hatte, die des Vormittage zu holen. Der Arbeiter 3. meinte jedoch, der nach deutschen Begriffen hoch find, machten die schlimme ErGottesdienst habe bereits angefangen und sie würden doch nicht während desselben nach Grünfutter fahren. Der Vorarbeiter meldete dies dem Gnädigen", der den 3. sofort rufen ließ und Dabei sei erwähnt, daß die erstgenannte Rasse schon Rechtsstaate lebe und ging deshalb mit dem Ziehschein am ihm den Ziehschein ausstellte. 3. hatte gehört, daß er in einem früher in gleichem Sinne an den Reichstag petitionirt Montag zu dem Amtsvorsteher P. in Kimschen, welcher denn hat. Die Petition tam am 22. Juni d. J. zur Verhandlung, auch versprach, die Angelegenheit zu prüfen. Der Gutsbesitzer und zwar gelegentlich der Berathung des§ 309 a des Bürgerlichen wurde vor den Amtsvorsteher zitirt und das Ergebniß dieses Gesetzbuches. Von unseren Abgeordneten Auer und Genossen Beisammenseins war, daß die Entlassung des 3. zu recht bewar hierzu beantragt, einen Artikel einzuschieben, wonach das stehen blieb und außerdem noch drei andere Arbeiter mit je 9 M. Krankenversicherungs- Gefeß im Sinne der Petition geändert Strafe und 50 Pf. Kosten bedacht wurden, weil sie dem Herrn die werden sollte. Der Antrag wurde bekanntlich gegen die sozial- Arbeit verweigert hatten. Die Verurtheilten beantragten gerichtdemokratischen und einige freifinnige Stimmen abgelehnt. liche Entscheidung, und so tam die Sache in Ragnit zur BerAuch der für den Fall der Ablehnung des erwähnten handlung. Bezeichnend ist die Frage des Richters an die drei Artitels gestellte Eventualantrag, wonach die Dienstherrschaft Arbeiter, ob sie denn am Sonntage nicht effen wollten. Her bei Erkrankung des Dienstboten verpflichtet sein sollte, Ber- 3egeifen führte zu seiner Entschuldigung an, daß, wenn das pflegung und ärztliche Behandlung bis zur Dauer von 13 Wochen Futter am Sonnabend geholt würde, es sich erhiße und dann zu gewähren, wurde mit demselben Stimmenverhältniß( 25 au 189) für die Thiere schädlich sei. Das Futter, das am Sonntag abgelehnt und somit der§ 309 a in der von der Kommission be- Morgen geholt wurde, ist übrigens oft sogar noch am Dienstag antragten Faffung angenommen, wonach die Herrschaft nur sechs dem Vieh gegeben worden. Es blieb bei den 9,50 M., dazu Wochen zur Unterstützung des erkrankten Dienstboten verpflichtet für jeden noch 3 M. Kosten, die zum großen Theil als Beugenist und auch selbst diese Verpflichtung bei einer Erkrankung weg- gebühr in die Tasche des gnädigen Herrn flossen. fällt, wenn sich der Dienstbote die Krankheit durch eigene Fahrlässigkeit zugezogen hat. Zur Ausbeutung der Ladenmädchen. Wie die Oberrh. Aber in den Boltsztg." mittheilt, betragen in Konfektionsläden of i. 28. Fällen, wo eigene Fahrlässigkeit" nicht vorliegt, stehen nach die Monatslöhne für erst ausgelernte Mädchen 5 bis dem famosea preußischen Gesinderecht ber Herrschaft höchstens 15 M., und auch ältere Mädchen bekommen nicht noch Hinterthüren offen, durch die sie sich ihren Ver- mehr als 20 bis höchftens 85 M. Die betreffenden Ausbeuter pflichtungen gegenüber dem erkrankten Dienstboten entziehen kann. find nicht etwa Juden, sondern Leute, die sich auf ihre christ: Gie engagirt nämlich das Gefinde mit möglichst turzer liche Frömmigkeit viel zu gute thun. Kündigungsfrist, so daß sie schlimmstenfalls für 14 Tage bis zeit hinaus bauert. Bericht gewiefen. Kurs in Transvaal treibt der Kapitalismus feine Raubwirthschaft so toll wie taum in einem andern Lande. sie sich an das Ausbeuterthum der Boeren- Republik verdingen. Mögen fich's also die deutschen Arbeiter dreimal überlegen, ehe Versammlungen. Die Buchbinder hielten am Donnerstag in Reller's großem Saale eine öffentliche Bersammlung ab, in der Georg Schmidt über das Thema„ Was lehrt uns die Lohnbewegung?" referirte. Redner ging von der Vorausseßung aus, daß zum Gelingen der iet als beendet zu betrachtenden Lohnbewegung wesentlich der allgemeine industrielle Aufschwung Deutschlands beigetragen habe, daß die Buchbinder in richtiger Erkenntniß dieses für ihre Lohnbewegung den richtigen Zeitpunkt, man tönne sagen richtigen Tag gewählt hätten und daß auch der in den letzten Jahren start zugenommenen Mitgliederzahl der Organisation der kurze Kampf und schnelle Sieg zu verdanken fei. Man solle nicht verkennen, daß ohne Bestehen der 3 Wochen zur Unterstützung verpflichtet werden kann, denn nach Die Errichtung eines städtischen Arbeitsamtes für § 92 des sogenannten Dienstboten, recht 3" hört die Berbind- Mainz beschäftigte dort den juristischen Ausschuß. Die Re- Organisation die Bewegung überhaupt nicht gewesen wäre, die lichkeit der Herrschaft auf, wenn die Krankheit über die Dienst- gierung in Darmstadt hatte dem eingereichten Statut die Ge- Organisation habe den Anstoß gegeben, ihr sei die durch lichkeit der Herrschaft auf, wenn die Krankheit über die Dienst- nehmigung versagt, während inzwischen die Statuten der Städte den Streit errungene materielle Befferstellung der Berufsgenossen Die Dienstboten der Gastwirthe find bereits heute dem Ver- Worms und Gießen genehmigt wurden, obgleich das Gießener zu verdanken; den bisher aber noch nicht Organisirten erwüchse ficherungszwange unterworfen. Es ist nun nicht einzusehen, Statut den sogen. Streitparagraphen enthält, der in dem nunmehr die moralische Pflicht, durch ihren Beitritt zur Organi warum die Dienstboten anderer Gewerbe oder die der Privat Mainzer Statut fehlte. Der juristische Ausschuß will nun das fation dieselbe zu unterstützen und somit für das weitere leute, die doch im wesentlichen dieselbe Arbeit leisten, nicht auch Gießener Statut auch für Mainz akzeptiren und es dem Vorwärtsschreiten der Buchbinder zu wirken. Rebner führt die Vortheile des Krankenversicherungs- Gesetzes haben sollen. Ministerium zur Genehmigung empfehlen. einige Fälle von der Lauheit und Zufriedenheit der Kollegen an, Hoffentlich wird der Druck der öffentlichen Meinung den Reichs. Die erfte deutsche Kornverkanse Genossenschaft, die so vom Christlichen Zeitschriften Berein, wo die tag schließlich doch noch zu einer befferen Ansicht bringen, als Getreideverkaufs- Genossenschaft e. G. m. b. H. zu Worms, tritt Kollegen trotz des ablehnenden Bescheides von seiten des er sie bisher bethätigt hat. in ihr zweites Geschäftsjahr. Troß des geringen Geschäftsumfangs Pastors Sille, der selber wohl treu nach dem Bibelsage: im erften abgelaufenen Betriebsjahr es wurden nach der Bilanz Geben ist feliger denn Nehmen," jedenfalls mit Das Regulativ, betreffend die Wahlen der Ar 1895 an Roggen 20 654, an Gerfte 141 596 Kilogramm ein einem höheren Entbehrungslohn, wie die in der Anstalt beitervertreter und der von diesen zu wählenden Bei- geliefert war der Verkauf namentlich für Gerste sehr beschäftigten Buchbinder, deren Mehrzahl 18 Mart er fiber des Schiedsgerichts für den Geschäftsbereich des günstig. Das ganze Quantum wurde in einem Posten abgefeßt hält, nicht fich begnügen wird, taiserlichen Ranalamts in Riel, ist im Reichs- Anz." und zwar konnte den Genossenschaften 18 M. pro Doppelzentner in einen Ausstand einzutreten. Mit der Aufforderung, nichts den Muth hatten, und zwar in der Nr. 243 vom 12. Oktober veröffentlicht. Bu gegeben werden, während einer von ihnen im Handel für einen von den errungenen Forderungen von seiten der Fabrikanten wählen sind sechs Vertreter der Arbeiter und die erforderlichen Bosten der gleichen Waare nur 16,25 M. erhielt. Im kommenden abzwingen zu lassen und fleißig für die Stärkung der Organisation Stellvertreter. Die Vertreter der Arbeiter und die von diesen Jahr braucht nur noch 2 ftatt 1 pet. des Verkaufspreises zur zu wirken, schloß der Referent. gewählten Beifiter des Schiedsgerichts erhalten für jeden Fall Deckung der Kosten erhoben werden. Das eingelagerte Getreide einer Einberufung Entschädigung für Reisekosten nach denjenigen wird bis aut 2/3 des Tarpreises beliehen. Infofern hat sich jedoch ftahl zur Sprache, die in letzter Beit schon in Buchbindertreifen Schneider brachte die Angelegenheit mit der Wertftube RiefenSäßen, welche bei Ausführung von Dienstreifen der Unterbeamten eine straffere Geschäftsleitung nothwendig gemacht, als die Mit viel Staub aufgewirbelt hat. Es sollen in der genannten Fabrit, zu zahlen find, und als Ersatz für Behrungskosten und sonstige glieder neuerdings dafür eingetreten sind, daß das gesammte zum die neu in Arbeit tretenden 14 Tage mit wöchentlich 18 M. auf Auslagen vier Mart, die am Orte der Dienstleistung Wohn- Berkauf dienende Gerstequantum der Genoffen nicht wie bisher Probe geftellt werden, da aber durch die Lohnbewegung der haften eine Mart. Eine Berkürzung des Arbeitsverdienstes nur 50 pet. durch die Genossenschaft verkauft werden soll, Minimallohn auf 21 M. festgesetzt ist, so wird dieses Vorgehen wegen der durch die Dienstleistung verursachten Arbeitsverfäumniß bamit nicht ein Mitglied etwa die gute Waare an den Händler, allgemein verurtheilt, da man es für verhängnißvoll erachtet, findet nicht statt. die geringere an die Genossenschaft abgeben kann. wenn eine bedeutende Firma diese Ausnahme machen will. Schneider mißbilligt entschieden, daß die älteren Kollegen nicht für die jüngeren eintreten. Die Gründung einer Berufsgenossenschaft für das Die Normirung des Arbeitstages soll demnächst in Fleischergewerbe ist am Freitag in einer Versammlung zu Rußland versucht werden. Man schreibt uns darüber: Eine 9 " Jost, beschäftigt bei Riefenstahl, wird von der Versammlung mit lautem h" empfangen. Er hält dies gerade nicht für Der letztvergangenen Nacht fonnte die Entdeckung durch wieder- Schutz des Urheberrechts Widerstand geleistet hat, nahm in ein Zeichen der Unparteilichkeit, vertheidigt im übrigen seinen holte Beobachtungen bestätigt werden. Der neue Welttörper einer heute stattgehabten Generalversammlung eine Resolution von der Mehrzahl der älteren Kollegen getheilten Standpunkt, wird zunächst mit Ez bezeichnet, bis eine Bahu berechnet sein an, in welcher erklärt wird, daß der Verein nach dem Beitritte daß die ganze Sache eine Kleinigkeitsträmerei fei, um deren man wird, um dann von dem Entdecker seinen definitiven Namen zu Norwegens zur Konvention teinen Anlaß habe, den Widerstand nicht verlangen könne, daß ein so großer Betrieb in den Auserhalten. fortzufezen. ftand treten würde. Die Verhältnisse in der Wertstube seien Mit dem intereffanten Züricher Wagnerfund ist es Vergiftung durch arsenhaltige Zeichenkreide. Ueber übrigens sehr gute, vor dem Streit sei dort schon vieles gewesen, nichts! so wenigstens schreibt man von dort den Münch. die Bergiftung eines Anatomie Professors mit arsenhaltiger was in anderen Fabriken erft errungen werden mußte, man folle N. N.". Bereits im Jahre 1832 in Leipzig, dann 1873 in Kreide berichtet die Aerztliche Rundschau". Der Fall dürfte sich nicht der Hoffnung hingeben, daß die älteren Kollegen um Bayreuth und 1877 in Berlin wurde die aufgefundene Zweite namentlich die Lehrerwelt intereffiren. Profeffor B. litt längere dieser Lumperei wegen ernste Schritte begehen würden. Konzert- Ouverture"( G- dur- Duverture) gespielt. Damit ist Zürich Beit an einem Gefühl von Ziehen in der Magengegend, be- Viele Redner mißbilligen, daß man diese Ausnahme für um eine Entdeckung ärmer. sonders im nüchternen Zustande, und an hochgradiger Nervosität. Riefenstahl zulassen wolle und polemisiren gegen den Standpunkt Die Sixtinische Madonna kein Original? Im Künstler. Der Zustand besserte sich während der Herbstferien; im Winter Joft's. Unter anderm wird angeführt, daß der Streif daselbst haus Zürich wird nächsten Sonntag das im Besitze des Herrn aber stellten sich Schlaflosigkeit, Gesichtsblässe und Bindehaut- eher eine Verschlechterung herbeigeführt habe, denn bisher seien Badrutt in St. Moritz befindliche Bild„ Assomptione della fatarrh ein, bazu die alten gaftrischen Beschwerden. In den 18,90 m. als Anfangslohn gezahlt worden. Madonna", daß eine auffallende Aehnlichkeit mit der Sixtinischen Osterferien, die durch eine Waffertur ausgefüllt wurden, trat Tilgner reinigt die Lohnkommission von dem Verdacht, daß Madonna hat, für wenige Tage ausgestellt werden. Das Wert wieder Wohlbefinden ein. Im Sommer zeigte sich zu den alten sie die Firma gleich zuerst als bewilligt veröffentlicht habe; das ist Gegenstand einer Streitfrage. Herr Badrutt glaubt den Nach Beschwerden das Gefühl großer Mattigkeit und Pulsverlang- sei von seiten der Arbeiter von Riefenstahl geschehen. veis leiften zu können, daß seine Madonna das Original famung. Nun äußerte der Patient zu Prof. Gaffky, daß die Ur- Lent führt aus, daß ebenso gute oder gar beffere Verhältnisse Raffael's, daß aber die Sirtinische Madonna zu Dresden eine fache seines Leidens im anatomischen Inftitut liegen müffe, da in anderen Kontobuch- Fabriken, z. B. bei Karl Kühn u. Söhne, Ropie des Ferrarefer Malers Gerolamo da Carpi sei. Herr regelmäßig mit Unterbrechung der Arbeit im Institut der Bu- beftanden haben wie bei Riefenstahl. Badrutt verlangt nun, dem B. T." zufolge, daß die Frage der fand sich bessere, mit Wiederaufnahme der Thätigkeit aber sich Echtheit durch eine Gegenüberstellung der beiden Bilder ent verschlimmere; jene Bermuthung ging dahin, daß von dem schad schieben werde, und begiebt sich jetzt mit seiner Madonna nach baften Fußboden des Sezirfaals aus irgend welche Batterien auf Deutschland. Man tann von der Behauptung des Herrn ihn einwirkten. Prof. Gaffty hatte dagegen schon früher seine Babrutt natürlich nur mit großer Reserve Notiz nehmen. Ansicht dahin geäußert, daß das ganze Krankheitsbild dem einer chronischen Arfenvergiftung entspreche, und bei der chemischen Der Komponist Anton Bruckner in Wien ist am Untersuchung entdeckte er endlich das corpus delicti in Gestalt 11. Ottober nach türzlich vollendetem 72. Lebensjahre geftorben. Der Kreide, die der Profeffor zu den Vorlesungs- Zeichnungen Schluß. Er war am 4. September 1824 in Ansfelden( Oberösterreich) benutte; sie enthielt einen starten Arfengehalt: auf 100 g Kreide Wie der Wanderer auf der Höhe nach gefahrvollem Aufstiege geboren, bildete sich als Schulgehilfe felbft zu einem tüchtigen tamen über 7 g(!) Arsen, darunter 1,4 g wasserlösliches. Im Harn ein Denkmal errichtet, so follten dies auch die Buchbinder thun; Musiker aus und wurde 1855 Domorganist in Linz. Später des Patienten wurden ebenfalls Arfen gefunden, nach Beseitigung der nicht ein Denkmal von Erz oder Stein, sondern die Mitglieder machte er unter der Leitung Simson Sechters in Wien noch Kreide war er jedoch bald arsenfrei und der Patient wurde der Organisation müssen Mitglieder für diefelbe werben, man gründliche Rontrapunktitudien und wurde 1868 als deffen Nach langfam, aber vollständig gesund. Das Zustandekommen der müffe nicht nur von der Lohnbewegung fagen tönnen, sie nahm folger im Amte des Hofkapellorganisten nach Wien berufen. Vergiftung wurde dadurch begünstigt, daß der Patient die Beich einen günstigen Verlauf, sondern die Organisation nahm infolge Daneben wurde er auch Lehrer für Orgelspiel und Komposition nungen stets bei leerem Magen anfertigte, so daß der verschluckte der Lohnbewegung einen riesigen Aufschwung. am Wiener Konservatorium und Leftor für Mufit an der dortigen Kreideftaub die besten Aufnahmebedingungen vorfand. Im Hierauf wurde eine Resolution angenommen, über die WerkUniversität. Unter seinen Rompofitionen find mehrere Meffen, Sommer wird wohl auch ein Theil des Arsens durch die Boren stuben, welche noch nicht bewilligt haben, die Sperre zu verbängen, ein Tebeum, besonders aber seine fieben Symphonien hervorzu der Haut aufgenommen worden sein. Nachdem die Bezugsfirma fodann wurde eine Ueberwachungs- Kommission gewählt, bestehend beben. Seine Instrumentalmusit steht sehr unter dem Einflusse fich verpflichtet hatte, von der arsenhaltigen Kreide nichts mehr aus sieben Personen, welche darauf achten soll, daß auch alle beRichard Wagner's. zu verkaufen und die bei den Händlern liegenden Vorräthe willigten Forderungen seitens der Fabrikanten eingehalten Aus Kopenhagen wird berichtet: Der Verein der zurückzuziehen, wurde von einer gerichtlichen Anzeige Abstand ge- werden. dänischen linksparteilichen Blätter, welcher bisher dem Bei nommen. Wie das Arfen bei der Fabrikation in die Kreide Der Verband der Handelshilfearbeiter hielt am tritt Dänemarts zur Berner Konvention betreffend den gelangt ist, ließ sich nicht mehr genau feststellen. 6. Oktober feine ordentliche Generalversammlung ab. Zum ersten Nachdem sich Jost noch einmal vertheidigt hatte, dabei bes merkend, daß für alles in der Werkstube geschehene er der Offent lichkeit gegenüber immer die Verantwortung tragen wollte, wird die Debatte geschlossen. Frau Gnaud bittet, die Versammlung möge nicht mit der Besprechung dieser Angelegenheit auseinandergehen, sondern der glückliche Verlauf der Lohnbewegung erheische wohl einen besseren " Sattler und Tapezirer. Am 10. Ottober cr. fand in der Alten Jakobftr. 88 eine gut besuchte Mitgliederversammlung des Verbandes der Sattler und Tapezirer statt, in welcher Kollege Sassenbach einen Vortrag über:" Verfassungstämpfe und Weißensee. Am 7. Ottober tagte im Prälaten" eine Demagogenverfolgung" hielt. Redner erntete für seine inter- Volksversammlung, in welcher die Genoffin Frau Mesch einen effanten Ausführungen lebhaften Beifall. Von einer Diskussion höchst interessanten Vortrag über Frauenpflichten und Frauenwurde Abstand genommen. Zu Punkt 2 der Tagesordnung ver- rechte" hielt. Mit beredten Worten forderte die Referentin am las der Raffirer die Abrechnung vom 8. Quartal. Die Einnahmen Schluffe ihres Vortrags die anwesenden Frauen auf, sich der betrugen 338,13 M., die Ausgaben 287,97 M., mithin Ueberschuß Organisation anzuschließen. unter Verschiebenem wurde auf die am Mittwoch, den 14. Of oft fule, Waldemarlir. 14: Geſchichte( Alte Geſchichte. Urzeit. Entstehung 50,16 M.; Mitgliederbestand am Schlusse des Quartals 413. tober, stattfindende kombinirte Mitgliederversammlung sämmtlicher der Rettatonen. Orientalische Bölter. Griechen und Römer). Herr Berliner Filialen mit der Tagesordnung:„ Die Arbeitslosen- Dr. G. Pinn. Nordschule, Brunnenstr. 25: Deutsch( Die deutsche Unterstützung und der Saffenbach'sche Vorschlag", aufmerksam iteratur des neunzehnten Jahrhunderts. Auffazlehre). Herr Heinrich gemacht. Nachdem noch einige interne Angelegenheiten geregelt, erfolgte Schluß der Versammlung. AnArbeiter- Bildungsschule. Mittwoch Abend von 9-10% Uhr: Süds Schulz. 1 Bunkt Mittheilungen giebt der Borsigende bekannt, daß im legten| abenbe, die Zugehörigkeit der Mitglieder zu ben einzelnen Die Versammlung in der Königsbank" Quartal 155 Kollegen dem Verbande beitraten, 5 Kollegen trant Berufsarten und zu den Organisationen. Dem Raffenbericht sprach sich gleichfalls recht günstig über den Verlauf des Kongresses feien und am 17. Oftober unser fünftes Stiftungsfest in der des Kassirers Königs ist au entnehmen, daß sich das Vereins- aus und versprach für die Durchführung der gefaßten Beschlüsse Brauerei Friedrichshain stattfindet. Ferner giebt der Kollege vermögen am 1. Ottober auf 1181,85 m. belief. Gine Diskussion einzutreten. Aus dem Bericht über die Bewegung der BallschuhStreitner bekannt, daß sein Amt als Gewertschafts- über den Vorstandsbericht ergab sich nicht; dem Kassirer wurde Arbeiter, sowie aus den Ausführungen der einzelnen Redner war Delegirter burch den Beschluß ber öffentlichen Ber- Decharge ertheilt. Es wurde sodann in die Berathung des neuen zu entnehmen, daß die Arbeit, außer in drei Fabriken, wo es sich fammlung vom 4. d. M. erloschen ist, er ersucht um Statutenentwurfs eingetreten, der mit einigen fleinen Aende- noch um die Erledigung einiger Punkte handelte und die für zwei Abrechnung der Liften. 2. Den Bericht der Rommission rungen schließlich einstimmig angenommen wurde. Einige noth- Fabriten in der Versammlung ihre Regelung fanden, am Montag für Arbeitslosen- Unterstüßung erstattete Kollege Raßler. wendige Ergänzungswahlen hatten folgendes Ergebniß: 3u überall aufgenommen wurde. Ueber die Differenzen bei Er führte ungefähr aus, daß schon im vorigen Jahre die Ein- Revisoren wurden die Genossen Danzer und Schwedler, Hamann u. Co. wurde berichtet, daß die Firma die beabsichführung der Arbeitslosen- Unterstüßung in Versammlungen zur zum 2. Schriftführer Genosse Otto Schulze, zum 2. Raffirer ligte Lohnreduzirung wohl rückgängig gemacht habe, aber nun Debatte stand und von Raßler Anträge betreffs einer Genoffe Pretti gewählt. Zum Schluß forderte der Vorsitzende die Wiedereinstellung eines Kollegen verweigert hat, mithin der Urabftimmung ausgearbeitet waren, welche aber nicht den Beifall die Anwesenden auf, für zahlreiche Betheiligung an den Bes Ausstand fortdauert. Bei dieser Gelegenheit wurde von mehreren der Mitglieder fanden. Die Frage der Arbeitslosen- Unterstüßung strebungen der Schule in ihren Kreisen soweit als möglich zu Rednern darauf hingewiesen, daß es bedeutend vortheilhafter ist, wurde somit vertagt, bis diefelbe durch einen Antrag Ladewig wirken. bei drohenden Differenzen die Agitationskommission mit den Ver im Monat Juni dieses Jahres wieder zur Sprache kam und eine handlungen zu betrauen, um derartige Maßregelungen nach Mög Kommiffion gewählt wurde, welche über die Durchführbarkeit der lichkeit zu vermeiden. Die Kommission wurde verpflichtet, in dieser Arbeitslosen- Unterstützung Material sammeln sollte. Kaßler Angelegenheit die weiteren Schritte zu unternehmen. führte aus, daß sich die Kommission über alle einschlägigen Fragen tlar geworden ist und alle fachlichen Momente ihrer Beurtheilung unterzog, soweit sie unseren Beruf berührten; die Kommission kam zu dem Schluffe, dem Vorstand den Antrag auf Urabstimmung vorzulegen, welcher Antrag auch angenommen wurde. Es wurden Fragekarten ausgeschickt, welche aber ein völlig unerwartetes Resultat zeitigten nottet worden. Die von den über 2000 aus gefchickten Karten find nur 649 Frage 1 der Karte: Sind Sie für die Einführung der Arbeits: losen- Unterstützung? wurde von 279 bejaht. Frage 2: Sind Sie für obligatorische Einführung mit 5 Pf. Wochenbeitragserhöhung? bejahten 60. Frage 3: Für freiwillige Einführung mit 10 Bf Die Schulräume sind zur Benugung der Bibliothek und des reichen Zeitwöchentlichem Extrabeitrag, beantworteten 202. 28 Antworten schriftenmatertals schon von 8 Uhr abends an geöffnet. waren unverständlich und 6 waren ungiltig. Mit nein waren Lese- und Biskutirkinbs. Mittwoch. JohannJacoby, bet Friz 102 Karten beantwortet. Gesundbrunnen, abends 8½ Uhr, bei Raßler erläutert nun noch seinen In einer nur mäßig besuchten öffentlichen Versamm: Stegte, Echwedterfiraße 38. Haferland, Bellermannftr. 87.- Gleichheit, abends 8% Uhr bei Stramm, Standpunkt betreffs der Arbeitslosen- Unterstützung und bringt lung der Stellmacher, die am Sonntag Vormittag in den Mitterfiraße 123.- Heine, Mirborf, abends 8% Uhr, Brinz- Sandjerystr. 60, Theaters Ginigteit, abends 8% Uhr bei Beige, Triftstr. 1.Zahlen, welche für die Durchführbarkeit sprechen. Auf grund Arminhallen tagte, referirte Genosse Wagner über„ Das parterre. Die und Leseklub Morgenroth, abbs. 9 Uhr, im Restaur. Diete, Bothringerstr. 67. obigen Materials stellt die Kommiffion teinen Antrag und legt bürgerliche Gesetzbuch und die Arbeiterorganisationen". Sozialdemokratischer Agitationstlub Often, abends 8% Uhr, bei Jauer, ihr Amt in die Hände ihrer Wähler zurück. In einer ein- Ausführungen fanden reichen Beifall. Von einer Diskussion Fruchtfir. 52. Freigeist Artona, abends 8 Uhr, Arkonaplag 3 bei gehenden Debatte wurde von mehreren Rednern das Material wurde Abstand genommen. Die nunmehr vorgenommene Neu- esener." Friedrich Engels Norden" alle Mittwoch 9 Uhr bet ühr bet ber Urabstimmung besprochen und folgender Antrag des wahl der Agitationsfommission rief eine längere Debatte hervor, Obiglo, Suffitenstr. 26. Arbeiter Sängerbund Berlins und Umgegend. Borsitzender Adolf Kollegen Kamp angenommen:„ Veranlaßt durch die Interesse- in welcher der seit elf Monaten bestehenden. Kommission der Neumann, Pasewalterstr. 3. Alle Aenderungen im Bereinskalender find zu Aus der Reihe richten an Fried. Kortum, Manteuffelstr. 49, v. 2 Tr. Mittwody. Uebungs losigkeit der Mitglieder beschließt, die heutige Versammlung, die Vorwurf der Lauheit gemacht wurde. funde Abends 9 Uhr, Aufnahme von Mitgliedern. Siebesfrethett 1, Regelung der Arbeitslosen- Unterstützung bis auf weiteres zu ver- der Borgeschlagenen ertlärten nur vier sich zur Andreasstr. 26 bei Wilte. Norddeutsche Schleife, Melchiorstr. 15 tagen mit dem Zusatzantrag Raßler: Beantrage das Für und nahme der Aemter bereit und soll die Ergänzungswahl in bei Glehmann.- Frena 1,( Gemischter Chor), Rosenthalerstr. 57 bei Babtel. Lorbeertranz, Weinftr. 28 bei Späth. Lieberlust, Adalbertstr. 21 Wider in der obigen Frage in nächster Zeit sowohl in der nächster Versammlung vor sich gehen. Unter" Gewerkschaftliches" Spandau, in Spandau, Neumeisterstr. 5 bei R. Radtte. Preffe, als auch durch Vorträge zu erwägen." Polig erstattete wurde das unsolidarische Verhalten Michels während des bei Roll. Alliance, hierauf Bericht über die Streitfache Eduard Raßler wider Drechslerstreits bei der Firma Schmidt u. Komp. einer Deutsche Eiche 1, Große Frankfurterftr. 188 bet Gold. Kommandantenstr. 15, Knoblauch's Bierhallen. Gangesblüthen, Magdeburg, und da derselbe sich nicht vertheidigen will, wird herben Kritik unterzogen; die Frage, ob Mich e 13, der aus der Stralauer Play 10-11 bet poppe.- Weiße Rose, Reinickendorf, ReſidenzBruderherz, Bernauerstraße 40-41 bei über die Sache zur Tagesordnung übergegangen. Punkt 4, Organisation ausgetreten, fürderhin seitens des Arbeitsnach straße 101 a bet Malchin. Bort. Echo 1, Pantow, Wollantstraße. Treue, Mariannen- Ufer 2 Berichte", wurde bis zur nächsten Mitgliederversammlung verweises plazirt werden soll, wurde der gewählten Agitations im Lurhof. Ginigtett I, Neue Friedrichstraße 44 bei Röllig. tagt. Auf Wunsch Grauer's wurde der Punkt Presse" auf die kommission zur Regelung überwiesen, worauf Schluß der Verbet W. Richter. Kreuzberger Harmonie, Admiralstraße 18 c bet Tagesordnung gefeßt, da aber nach längerer persönlicher Debatte sammlung erfolgte. Möhring. Waldes Steinnelte. Pasewalterstr. 3 bei Ad. Neumann. tein Resultat erzielt wurde, gelangte ein Antrag zur Annahme, Drei öffentliche Schuhmacher- Versammlungen waren Tuft, Oppelnerftr. 34.- Freier Männerchor Nord- West, Puttligwelcher den Vorstand beauftragt, die Preßangelegenheit zu zum Montag Abend einberufen, um den Bericht vom Kaffeler firaße 10 bet Pfarr. Gef.- Ber. d. Kupferschmtebe, Weinstr. 11 bet Feindt.- Gleichheit 1, Schönhauser Allee 185 bei Ramlow. Biels regeln und in der nächsten Generalversammlung Bericht zu er- Kongreß entgegenzunehmen. bewußt, Faltensteinstr. 7 bet Trittelwig. Appolonia, Rosenthalerstatten. Ferner wird auf Antrag Raßler zur Erledigung von In der Versammlung bei Cohn referirte eingangs Genosse ftraße 57 bet Babiel. Frohe Stunde, Rottbuser Ufer 57 bei Ringel. bei Schulze. SchneeStreitfragen eine Schiedskommission von fünf Kollegen gewählt; Hoffmann über Modernes Raubritterthum". Eine Dis Freiheitsgruß, Brunnenstraße 150 Unverbroffen, Lindower= dieser Kommission gehören Puyer, Werner, Kräfer an, fussion fand nicht statt, worauf Christensen vom Kongreß löckchen 1, Sermannstraße 23, Rixdorf. firaße 26 bet Sachs. Vorwärts VII, Rummelsburg, Göthe= die beiden Fehlenden wählt der Vorstand aus seiner Mitte. Eine berichtete. Mit Befriedigung sei er vom Rongreß geschieden. und Kantstraßen- Ecke bei Greinert. Hoffnung III, Branden= Krantentassen- Debatte verursachte den Schluß der lebhaften Ver- Nicht die elenden Verhältnisse, unter denen die Schuhmacher zu burg a. H., Wilhelmsdorferstraße, Freiheits= Concordia". Arbeiter- Gesangverein Bris fammlung. dulden haben und daselbst besprochen wurden, haben ihn be- länge 1, Röpniderftr. 68 bet Schöning. in Briz, Bürgerstr. 4 bei Dorn. Seeger' scher Männerchor, Lands Einig, Blumenstr. 32 bei Reich.- GefangGeneralversammlung des Vereins der Töpfer Berlins friedigt, sondern die Art und Weise der ganzen Verhandlungen. berger allee 156 bei Göbel. and Umgegend am Mittwoch den 7. Oftober 1896. Die Statuten aus ihnen fei vor allem zu entnehmen, daß den Schuhmachern verein der Buchdrucker u. Schriftgießer Mirdorf u. Briz, Rirdorf, Frohsinn II, Friedrichsberg, Wartenbergwerden angenommen und zwar werden die Beiträge auf 10 f: Maschinen neuester Konstruktion werden in einigen Jahren Ede bet Weiß. schwere Zeiten bevorstehen: Die amerikanische Konkurrenz und Bergstr. 162 bet Thomas. ftraße 67 bet Lange. Arion III, Rigdorf, Herrmann- u. Herrfurthstraßenpro Woche und das Einschreibegeld auf 20 Pf. festgesetzt. Bis sämmtlichen Kleinbetrieb beseitigt haben, und darum mache sich Matengruß III, Charlottenburg, Wallfir. 96 bet Beyer. Dämmerlicht, Borndorferstraße 17 bei Hoffmann. Liebeslu ft II zum 22. Oktober wird kein Einschreibegeld erhoben. Es wird der Anschluß an die Organisation nun erst recht nothwendig,( belweiß 11), Potsdam, Brandenburger Kommunikation 16 bei Glaſer. Heimathtlänge, Rcpenid, Rosenstr. 101 bei Troppens. sodann der Antrag Thieme angenommen:" Die Wander- Unter bei Bulprecht. Rirdorfer Stederkranz, tügung nur an solche Kollegen zu zahlen, welche laut um zu geeigneter Zeit gewappnet zu sein. Redner bespricht als aufi, Wörtherstr. 16 dann die verschiedenen angenommenen Resolutionen, als Forde Rirdorf, Steinmeßftr. 35 bei Pilz. Vorwärts X, Nauen, Marktstr. 16 Vertrauensmännersystem organisirt find und find und sich darüber bet Hobusch. Schneeglöd chen II, Potsdam, Brandenburger Kom legitimiren können. Jeder sich legitimirende Kollege erhält ung einer Enquete über Hausarbeit und Fabrikinspektion für munitation 16 bet Glaser.. Silaritas, Hochstr. 32a bet Schmidt. Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend.( Bu bis auf weiteres 1 M. Wanderunterstützung und zwar wird diese diefe, Agitation für den Neunstundentag und Einführung von Betriebswerkstätten. Weiter giebt er kund, daß die schriften find zu richten an Hermann Jahn, Schönhauser Allee 177c. Unterstügung an Wandernde vom 15. d. M. ab im ArbeitsVertrauensmannes Mittwoch: Gefelliger Verein Brüderlich teit, Georgentirchstr 65 bet für Deutschland aufTheaterverein Späth.- Verein Rhetorit, Brandenburgstr. 54 bei Bonig. nachweis, Klosterstr. 101 bei Moll, ausgezahlt. Der Vorstand Funktion des setzt sich aus den Kollegen Daubert, 1. Bors., Leske, 2. Borf., gehört und dessen Geschäfte seitens des Zentralvorstandes Broletariat, Köpniderftr. 68 bei Schöning.- Rauchtlub Rothe Fahne, erledigt werden; desgleichen sollen Herm. Bölter, 1. Raffirer, Rich. Topf, 2. Raffirer, Max Remnik, Provinzialkonferenzen stattfinden. Redner ersucht, den Delegirten Straße 7 bet Grothe.- Mundharmonita- Verein Borwärts, Kreuzbergstr. 12 Geselliger Berein Freundschaft, Prinz Beit zu Zeit Faldenſteinſtr. 5 bei Gonell. Albrechfir. 3 bei Schulz Gefelliger Verein Deutsche Eiche, Fürbringer Schriftführer und den Kollegen Max Hensel und Eichler asin jeder Beziehung nunmehr behilflich zu sein, sich der auf dem bei Rothe. Theaterverein Nora, Admiralstr. 18c, Märkischer Hof. Beifizer zusammen. Revisoren sind die Kollegen Heinr. Wolff Kongreß erhaltenen Aufträge im Intereffe der Schuhmacher Berein Gefelliger Bund, jeden 2. Mittwoch im Monat, bei Sommer, und Baul Herrmann. Berein Gesellige Brüder, Pallisadenjtr. 20 bet Schäffer. Die Regelung des Rechtsschußes wird dem Verstande über- Deutschlands zu entledigen. Zur Abrechnung vom Streit der Grünftr. 21. Musitverein Pautenschwengel, Fürstenstraße 18b bet Bernfig. Stattlub tragen und wird derselbe sofort den Mitgliedern gewährt. Im die Abrechnung der Kommission zu prüfen und in nächster Ver: Bustige Brüber, Barntustr. 18 bet Büschel. Schoßarbeiter beschließt die Versammlung, erst durch drei Revisoren Stattlub Borwärts, Schwebterstraße 28 bet Muchow. Arbeitsnachweis wechseln sich die Kollegen Reinhold Frede, fammlung das Resultat entgegenzunehmen. Die Revisionskommission then annenfi, bet groß. Jul. Schmidt und Aug. Gerstel in der Führung der Geschäfte ab besteht aus Urbanfcheck, atfin und Schulz. Unter Gefang Berein offnung, Friedrichsberg. Uebungsstunde abends und zwar sind dieselben abends von 7-8 ühr anwesend im Verschiedenem wird bekannt gegeben, daß es bei der Firma uhr, Restaurant D. Schulze, Friedrich Kariſtr. 34. Gesangverein Berche, Hamann u. Com p., Neue Friedrichstr. 36, zu Maßregelungen verein Normannia, abends 8 Uhr bet wiele, Spandauer Brücke.- Privat gekommen ist und wird ersucht, Arbeit dortselbst nicht anzu- Theatergesellschaft e t'mat hiust, s uhr Sigung im Bereinslotal bei Lange Privat- Theater- Gesellschaft Philharmonie, Sigung mt nehmen. Diener führt hierauf Klage über den Vor- Stromfit. 28. be- Damen, abends 9 Uhr, Beughofstraße 8 bet Behlendorf. Aufnahme neuer Mitglieder. Theaterverein unitum, abends 9 Uhr bei Wiersdorf wärts", nach welcher die Schoßarbeiter stiefmütterlich handelt wurden. Die Versammlung am 10. Auguft sei alte Jafobstraße 96/97: Gigung mit Damen. Theaterverein Variété, von einem Reporter nicht besucht worden und darum im Restaurant Wohllebe, Drantenstraße 121. Turnverein Fichte, den habe Redner Arbeitsnachweis. " Unter Verschiedenem regt Kollege Hagen die Fensterfrage an; fedoch soll über dieselbe eine öffentliche Versammlung beschließen. Bum Schluß giebt der Borsigende bekannt, daß sich die Charlottenburger Kollegen in einer Versammlung einstimmig dem Verein angeschlossen haben. Pflicht. von Ilegro, Wrangelstraße 141 bei Schmidt.- Fretheit I, Bülowstr 65 Wacht Theater- Verein Spree= Gefang-, Turn- und gesellige Vereine. Mittwody. Arbeiter: Uebungsst. abends 9-11 Uhr bei Mar Mörschel, Schönhauser Allee 28.- Gefang Mittwoch und Sonnabend von 8 bis Bericht der Versammlung selbst der 1. Männer Abtheilung turnt 10 Uhr, Turnhalle Friedenstraße 37. 3. Männer Abtheilung turnt Mitt1 1 Die Freie Vereinigung der Händler und Händle: rinnen Berlins und Umgegend hielt am 8. Oktober ihre Redaktion übermittelt, dieser aber sei arg gekürzt und ent- woch und Connabend Abend von 8-10 Uhr, Turnhalle Böckhstr. 27 halbjährige Generalversammlung ab. Der Kaffenbericht ergab ftellt wiedergegeben. Die Versammlung nimmt nachstehende Reso- 2. Lehrlingsabtheilung turnt Mittwoch u. Sonnabend 8-10, Staligerstr. 56-57 Bergnügungsverein Vorwärts, einen Ueberschuß von 58,16 M. Aus der Vorstandswahl gingen lution an: In Erwägung, daß im Vorwärts" als Organ zur Gubenerstraße 6 bet Stobet. Bereinigung der Turnfreunde. Mittwochs und Sonn hervor: Trunsch und Radge Vorsitzende, Seiler und Wahrung der Interessen der Arbeiter der Bericht der Schuh- abends, Turnen von 82-10 Uhr abends in ber Turnhalle Reinkunz, Rassirer; Müller und Rückermann, macher- Versammlung( Schooßarbeiter) nicht in genügender Demminerstraße 56-57. Arbeiter Turnverein( Ablershof, Schriftführer. Die Versammlung beschloß auch in den Winter Weise im Verhältniß zu anderen Gewerkschaften entspricht, Berliner Radfahrerverein Solidarität". Sigung fed. Mittwoch nach dem jeben Mittwoch und Sonnabend von 8 bis 10 Uhr bei Wölftein. monaten des Sonntags Versammlungen mit gefelligem Bei- beauftragt die in Cohn's großem Saal tagende Schuhmacher- 1. und 15. im Monat, abends 9 Uhr, Restaurant Bergener, Annenstr. 16. sammensein zu veranstalten, in welchen wissenschaftliche Vorträge Bersammlung das Bureau, eine dahinzielende Beschwerde der Gefelliger Verein Unter uns, Sibung 8 Uhr bet Fischer, Breßkommission zu überweisen."*) Am Schlusse ersucht& ber Geisler, Fenn- und Tegelerstraßen- Ecke, uebungsstunde, Aufnahmen. Beuffelsir. 66. Mufifdilettanten- Verein Preciosa abends 8% Uhr bei gehalten werden sollen. lain in längeren Ausführungen, die kämpfenden Ballschuh- Musit- Dilettanten- Verein Nordische länge, bet ten ter, GrotnemünderDer Lokalverein der Konditoren hielt am 8. Oktober eine Arbeiter nach besten Kräften zu unterstützen, und schlägt vor, firaße 45, Uebungsfiunde von 8 bis 11 Uhr. Schwimniverein Nord. Mitgliederversammlung bei Babiel ab. Die Verlesung des Kaffen behufs Sammlungen Dringlichkeitsfizungen einzuberufen. Schulfelliger Berein Unna- Wiarte, abends 9 Uhr, im Restaurant Roll, Abalbert, abends 7% Uhr Admiralsgartenbad, Friedrichstr. 102, Nebungsstunde. Ge= berichts ergab vom letzten Quartal einen Bestand von 43,16 Mart. Stattlub Die Lustige 8wölf, im Restaurant RuhlRollege Roch konstatirt ferner, daß der Verein giebt bekannt, daß eine Anzahl Kollegen, die während des ftraße 21, Gigung. Gtattlub 50, 8% Uhr Sigung bei Fechner, Wiener nicht so hoffnungslos dastehe, wie unsere Gegner zu be- Streits ihre Aufnahme bewirkten, bisher ihre Mitgliedsbücher Andree, Chorinerstr. 68. firaße 50. Stattlub Pique Golo, abends 9-12 Uhr im Botal bei haupten belieben und beantragt, um wieder mehr Leben hinein- nicht abhoben und ermahnt dringend die Säumigen an ihre Herrn Eichmann, Ne ue Hochstr. 28. Stattlub Treff, Frankfurter Allee 90 bet Babel. Kraft- und Artiftentlub& i che, Mittwochs von 9-11, Sonntags von 11-1 ühr, bei Augustin, Kaftanten- Allee 11. Artisten und Ringsport- Verein Vereinte kraft. Mittwoch abends von 9-11 1hre Sonntag vormittags 10-11% Uhr bei Herrath, Plan- üfer 92a. Vergnügungsverein Fortuna, abends 8% Uhr, Sigung bei Stübet, Friedenstr. 74. Musikdilettanten- Berein en at fc), abends 9 Uhr bei Steffens, Kolbergerftraße 2, Bereinsabend. Pfropfenverein Nord- Ost. Jeden Mittwoch bei A. Vogel, Elbingerftr. 9. Geselliger Verein Türtische Pfeife, Danzigerstr. 93 bet W. Sanfen. Rauchklu h Grüne Quafte, abends 9 Uhr bet Schwarz, köpeOrientalischer Rauchtlub, abends 9 Uhr, Reichen nickerstr. 121 a. bergerfir 24 bei Tauschte. Rauchtlub Frisch gewagt, abends 9 Uhr bet . Rockendorf, Boſenerfir. 5. Rauchtlub Roochloch, Admiralftr. 83 im Restaurant abends K9 Uhr. Rauchklub Die Dampfenden, Langeftr. 24 Rauchflub Humoristische Pfeifenbrüber, abends bet geratsch. 9 Uhr bei Salzwebel, Klosterstr. 88. Rauchtlub Schmotes Werte, strautstr. 39. Rauchflub Abguß I von 9 Uhr ab bei Mawrott, Martus ftraße 23. Rauchklub Einfach. Manteuffelftr. 5 bei Bierbaum.- Rauchtlub solumbus, Oppelnerstr. 19 bet Häusler. Arbeiter- Raudherbund Berlins und Umgegend. Wenderungen im Bereinstalender sind zu richten an R. Stiller, kt. Frankfurterſtr. 7, I. Mittwoch: Arfona, Staligerstr. 41 bet Richter. Gemüthlich tett I, Admiralstraße 18 bet Bergemann.- Gemüthlichtett II, Faltensteinstr. 7 bei Trittelwig. Sumatra Süd- Ost, Biegnigerftr. 18 bet Manegold. Waldesgrün, Forsterstr. 22 bei Kunze. Virginia, Admiralstr. 21 bei Schnteber. Frei Weg, Schöneberg, Marstr. 7 bet Müller. Fidele Edelweiß, Rirdorf, Raucher. Rigdorf, Maybach Ufer 3 bet Schmot. Rottbuser Damm 103 bei Peters. Granate, Forsterstr. 40 bet Tujuntte. Fidele Brüder, Friedrichsfelde, Buisenstr. 20 bet Bobfe. Morgen= bet Roland. Deutscher Michel, Pantom, jeden Mittwoch und Sonnabend Kaiser Friedrichstr. 12 bei Krüger. Arbeiter Stenographenverein Eintracht, Unterricht und Uebungsfiunden abends 8% uhr in den Restaurants Owczaret, Langeſtr. 65 und Seibler, Ratiborstraße 16. Roller'scher Stenographenverein Pionir, Suffitenstr. 9, Restaurant Rausch, abends 8 Uhr, Unterricht und FortGerman- Am erican Klub ,, Uncle Sam"( established 1892). 9 o'clock p. m Ladies und Gentlemen welcome. Wallstrasse 57. Restaurant, 9 o'clock p. m. Topic: Relations of women to crime. German American Society. Berlin C., Münzstr. 17, at Frieboes zubringen, in verschiedenen Stadttheilen kleinere Versammlungen Bei Gründel, Brunnenstraße, berichtete Weber, der in zu veranstalten; nach längerer Debatte wurde beschlossen, die Bersammlungen am Sonntag Abend, die sich im vorigen Jahre eingehender Weise die in Kaffel gepflogenen Verhandlungen den Anwesenden schilderte und die daselbst gefaßten Beschlüsse erals Agitationsmittel sehr bewährt hatten, mit entsprechendem örterte. Der Redner war der Ansicht, daß die Kollegen mit den Thema und sich anschließendem geselligen Beisammensein wieder zu Arbeiten des Kongresses, wo im Gegensatz zu den früheren Kanveranstalten und den Borstand mit der Einberufung derfelben zu greffen alle persönliche Reibereien sowie Organisations: beauftragen. ftreitigkeiten ferngehalten wurden und nur praktische Aufgaben Die Arbeiter Bildungsschule hielt am 9. Oftober im zu erledigen waren, vollauf zufrieden sein können. Den Berliner Englischen Garten", Alexanderstraße, ihre ordentliche halbjähr- Kollegen, denen man volle Anerkennung über ihre Kämpfe liche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Genoffe in den letzten Jahren und ihrer ganzen Thätigkeit überhaupt zu Heinrich Schulz, gab zunächst den Vorstandsbericht theil werden ließ, werden die gefaßten Beschlüsse, deren Verwirt fiber das verflossene Sommersemester. Wie alljährlich im lichung nun anzustreben ist, ein reichhaltiges Material zur Sommer sei auch diesmal der Besuch ein etwas schwächerer als weiteren Arbeit im Interesse der Schuhmacherbewegung bieten. im Winter gewesen. Hauptsächlich gelte dies für die überdies Nachdem noch Lange, gleich dem Berichterstatter, die Vortheile für die Schulzwecke fehr ungünstig gelegene Nordschule, die der Verhandlungen betont hatte, wurde über die Maßregelung daher auch vom 1. Ottober an nach der Brunnenstraße 25 in bei der Firma Hamann u. Co. berichtet und das Vorgehen der eine große und freundliche Räumlichkeit verlegt worden sei. in betracht kommenden Kollegen gutgeheißen. Hoffentlich werde von nun an die Nordschule auch so rege besucht im werden, wie die Südostschule. Letztere habe erfreuliche Fortschritte*) Es ist uns im Augenblick nicht möglich, festzustellen, warum zu verzeichnen. Die Theilnehmerzahl habe sich durchschnitt die Versammlung vom 10. Auguft unbefchickt geblieben ist. Jedenfich auf 25 bis 85 gehalten und die geistige Betheiligung falls trug aber derselbe Umstand die Schuld, der auch beinahe der Schüler sei eine rege und gleichmäßige gewesen. Der Fort dazu geführt hätte, daß die obigen drei Versammlungen unserer- roth, Landsberger Allee 44 schrittsturfus in Rede Uebung habe sich gleichfalls feits nicht beschickt worden wären. Die letzteren drei Ver10. Auguft sind bewährt; es sei sogar endlich erreicht worden, daß mehrere der fammlungen, sowie jene vom Theilnehmer selbständige Vorträge ausgearbeitet hätten, die sie Vorwärts" nicht annoncirt. Das foll durchaus kein Vorwurf theilweise bereits in fleineren Gewerkschaftsversammlungen ge- sein, denn es kümmert die Redaktion nicht im geringsten, welchen halten hätten. Die fonftigen Veranstaltungen der Schule, als Weg der Bekanntgabe die Versammlungseinberufer wählen Urania Borstellungen, Theater Vorstellungen, das Sommerfest wollen. Sie können der Redaktion aber dann auch keinen Vorwie das bei den obigen brei feien ebenfalls zur vollen Zufriedenheit ausgefallen. Die Ob- wurf machen, wenn sie nicht männer ber beiden Schulen, die Genoffen Rösner( Südoft) Versammlungen geschah durch Zufall Renntniß von dem und Sonntag( Nord) gaben sodann die statistische Uebersicht Stattfinden ihrer Versammlungen erlangt und so die Beschickung über die Mitgliederzahl, den Besuch, die Anzahl der Unterrichts- unterbleibt. Red. d. V." bildung. 1 Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner. Heute, abends 8 Uhr, in den„ Armin- Sallen", Kommandantenstraße 20: Vortragsabend. Bortrag des Herrn Dr. Sternberg über: Magenkrankheiten. Warenhaus Wertheim 3 Nur für Tage giltig Ausnahme Treise Mittwoch Donnerstag Freitag. 14. 15. 16. Oktober. Die neue Haupt- Preisliste ist erschienen. Versand- Abteilung Berlin W., Leipziger- Strasse 111. 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