Dolb Berliner TMm. Sozial-Politisches Wochenblatt. A«» der Mache.— Au» Kelgien.— Das Gemetzel i« Fa«rmirs.— Gin Derbrechrr.— Zur Frage derLand- agitation.— Gedicht.— Novelle.— Warum getzt Rußland auf Eroberungen aus? III.— Kornzölle in Deutschland nach der Geschichte und der Statistik I.— Produktion und Technik.— Derfchiedene«.— Dom Reichstag. Aus der Mache. -se-. Die Zuckerfabrik, an welcher der Oberpräsident der Provinz Hannover, Herr von Bennigsen, betheiligt ist, hat im Laufe der Jahre das Aktienkapital zweimal abgeschrieben und im letzten Jahre 18 pCt. Dividende vertheilt. Wenn in der Gemeindevertretung des letzten deutschen Nestes ein Fall zur Verhandlung und Ab- stimmung kommt, der die Vermögens- und Geschäfts- Verhältnisse eines der Anwesenden direkt berührt, so ist dieser durch das Herkommen gezwungen, sich zu ent- fernen. Die Herren des Großbürgerthums plagen na- türlich solche Skrupel nicht. Sie stehen jenseits von Gut und Böse, bei ihnen kommt nur das Verdienen in Frage. Und so hat denn auch der Operpräsident von Bennigsen, dieser„gefeierte" Parlamentarier, diese Zierde und dieser Stolz der deutschen Bourgeoisie, bei der Be- rathung des neuen Zuclersteuergesetzes eine mächtige Pauke für die Weilerbewilligung der Erportprämie los- gelassen. Er hat sich also als Reichstagsabgeordneter etwas in seine eigene Tasche bewilligt. — Der Prinz von Wales, wenn das englische Volk will, einstiger König von England, ist ein Lebe- mann in Prachtausgabe. Er spielt und wettet, die be- rühmten Sängerinnen und Tänzerinnen kennen ihn, und den Londoner Schneidern macht er das Modeorakel. Aber eine Tugend besitzt er, die in den Augen aller hart- gesottenen Bourgeois nicht im mindesten als solche gilt: Er macht Schulden, das alles kracht. Gegenwärtig sollen sich dieselben zu dem netten Pöstchen von 10 Millionen Mark summirt haben. In früheren Zeiten war es für einen englischm Prinzen ein Kinderspiel, seine Schulden loszuwerden; im Nothfall sprang das Parlament ein und zahlte, ohne zu müssen. Aber die Zeiten ändern sich; die im Unterhaus sitzenden Krämer sind hartleibig geworden, sie kommen nur mehr für diejenigen noblen Passionen auf, welchen sie selbst fröhnen; der Prinz von Wales wird an die lieben Eltern schreiben müssen. Uebrigens der Familiengeldbeutel hält's ja aus. Also rin in's Vergnügen. — In der Verwaltung des Peterpfennigs ergaben sich große Unregelmäßigkeiten. Das ist der Weltunter- gang. Wenns erst in der Verwaltung des unfehlbaren Papstes zu fehlen beginnt, dann, dann ist das Ende nahe. -— Ein schönes Beispiel des Entbehrungslohnes, welchen die Kapitalisten einstreichen, bietet der Rechnungsabschluß der Zuckerfabrik Droebel in der Provinz Sachsen. Bei einem Aktienkapital von 150000 Mark hat diese Fabrik im Jahre 1890/91 aus Zucker und seinen Neben- Produkten nicht weniger als 1 075 702 Mark erlöst und davon, einschließlich 11 912 Mark Abschreibungen, mir 896 257 Mark an Betriebs- und Geschäftsunkosten vcr- ausgabt. Der erzielte Gewinn beläuft sich somit auf 179 445 Mark, also auf 120 Prozent des Aktienkapitals. In einem Jahre haben also die armen Aktionäre ihr Kapital mehr als verdoppelt. Und auch diese Fabrik genießt die Ausfuhrprämien, welche ihr der Staat aus den Stenergcldern des arbeitenden Volkes zuschiebt. — Hundert und zwanzig Prozent Dividende aus der einen Seite und auf der andern das grinsende Gespenst des Hungers. In Baden-Baden wurde am 9. Mai ein Plann, der auf dem Markte Wurzeln und Abfälle auf- hob und gierig verschlang, von einem Schutzmann zur Wache gebracht; der Verhaftete erschoß sich aber vor dem Polizcigefängniß. Die bürgerlichen Blätter werfen die Frage auf, ob der Mann nicht im Wahnsinn gehandelt. Möglich ist es, daß ihn der Hunger wahnsinnig gemacht. Ist es denn heute nicht schon der hellste Wahnsinn, wenn einer geboren wird und er kann sich nicht als der im geheiligten Ehebette eines reichen Vaters erzeugte Sohn ausweisen? — Der deutsche Botschafter in Wien, Prinz Reich, hat eine neue Messe in C-moll komponirt und dieselbe in der Hofburgkapelle zur Aufführung bringen lassen. Das Urtheil über das Kunstwerk ist ein verschiedenes. Die Diplomaten behaupten, der Prinz sei ein ausgezeichneter Musiker, die Musiker wieder meinen, der Komponist sei ein hervorragender Diplomat. Stimmt beides, dann ist der Mann ein Genie und Deutschland kann sich nur Glück wünschen, einen solchen Vertreter zu besitzen. — Der Staat Portugal hat offen seinen Bankerott erklärt. Ein Dekret bewilligt zur Regulirung aller fälligen Zahlungsverpflichtungen einen sechstägigen Aufschub. Gleich- zeitig wurde der Papiergeldzwangskurs dekretirt. Seit dem Jahre 1888 wurden in Deutschland für 469 367 200 Mk. portugiesische Werthe auf den Markt gebracht. Der Sturz der„Portugiesen" wird also auch bei uns wieder eine ganze Menge Mittel- und Kleinkapitalisten zu den Todten werfen und die Kapitalskonzentration beschleunigen. Die Mühlen des aussaugenden Militarismus mahlen sicher. Ein Vivat dem nächsten Staatsbankerott. — Der Rechtsanwalt Wölffel in Merseburg hat eine Einladung des volksthümlichen(sozialistischen) Wahlvereins zurückgewiesen mit der Erklärung, er pflege überhaupt nicht in Versammlungen zu sprechen, für welche ein Ein- trittsgeld erhoben wird„gleich einem Affentheater." Der Mann kann erstens einmal, trotzdem er Rechtsanwalt ist, nicht deutsch schreiben. Doch das geht uns hier nichts an; es besteht kein Gesetz, welches die Kujonirung der Muttersprache verbietet. Aber das Eine müssen wir den Herrn fragen: Hält er sich wirklich für so hervorragend, daß er meint, es sei blos ihm zu Ehren ein Eintritts- preis für das„Affentheater" festgesetzt worden? — In einer Berliner Schuhmacher- Versammlung wurde unlängst der Antrag gestellt, die Tellersammlung nach Schluß der Versammlung fortzusetzen und den Ueber- schuß dem Polizeipräsidium zu überweisen, damit bei Streiks die Hochwohllöbliche auch auf die Arbeiter schaue. Die Versammlung wurde nicht aufgelöst, der Antragsteller aber notirt. Die bewußten drei Tausend werden Herrn Kühnemann jetzt wahrscheinlich in Bälde wieder zugehen. — X Ueber die Gemetzel in Fourmies berichten wir an anderer Stelle. Genau eben so grundlos wie in Fourmies sind die Metzeleien im Komitat Bökös in Ungarn. Hier wurde die Menge durch den Hohn des Beamten provozirt, der ihnen ihre Fahne nahm, sie stundenlang hinzog und dann, als die Soldaten angekommen waren, sie hetzte. Und auch hier wieder wurde jenes furchtbare Wort der Bergleute im Ruhrrevier wiederholt; die Arbeiter riefen der Sol- dateska zu:„Wir haben nichts zu verlieren, wenn wir sterben, so thut das nichts". ,,Wir haben nichts zu verlieren!" Hört Ihr noch nichts? — In Barcelona wurden mehrere Petarden abge- brannt und dadurch eine Unzahl Fensterscheiben zertrümmert. Die üblichen Verhaftungen sind vorgenommen, desgleichen ist die Soldateska einmarschirt. In St. Martins de Provenials kam es zwischen Ausständigen und der Polizei zum Kampf mit Revolvern, Messern und Knütteln. Einige 60 Ausständige und Polizisten wurden verwundet; eine Unzahl Verhaftungen wurde vorgenommen. Auch die Provinzen sind im Aufstand und setzen die nöthigen Soldaten in Bewegung. — Die internationale Verbindung der Arbeiter-Or- ganisationen, die von England aus angeregt wurde, scheint Fortschritte zu machen. Es wurde s. Z. ein Aufruf veröffentlicht, welchen die englische Gas- und all- gemeine Arbeiter-Union erließ und in welchem ersucht wurde, für jedes Land einen internationalen Arbeiter- Sekretär zu ernennen, durch den im Falle von Streiks u. s. w. die Nachrichten ausgetauscht werden sollten, so daß die Arbeiterbewegung eines Landes über die Vor- gänge in dem anderen unterrichtet werden kann. Wie wir Londoner Zeitungen entnehmen, haben die Organi- sationen der verschiedenen Länder dem Projekt zugestimmt und zum Theil schon ihre Sekretäre erwählt. Frankreich, Italien, Schweiz, Spanien, Norwegen und Dänemark haben bereits ihre internationalen Arbeiter-Sekretäre er- nannt, durch die ein Austausch der Nachrichten über die Arbeiterbewegung vor sich gehen kann. Oesterreich, Ungarn und Deutschland haben mit Rücksicht auf die politischen Schwierigkeiten, die der Wahl eines inter- nationalen Arbeiter- Sekretärs entgegenstehen, vorläufig von der Wahl eines solchen abgesehen, doch hat für Deutschland die Generalkommission der Gewerkschaften in Hamburg, für Oesterreich und Ungarn die Redaktion der dortigen Parteipresse es unternommen, die Kommuni- kationen mit der ausländischen Arbeiterbewegung aufrecht zu erhalten. — In der Aufsehen erregenden Rede des Kaisers in Düsseldorf wird vor Allem ein Satz, der die Festtheil- nehmer zu Beifall zwang, in der ganzen Welt lauten Wiederhall finden, der Satz:„Könnte ich nur den europäischen Frieden in meiner Hand halten, ich wollte jedenfalls dafür sorgen, daß er nicht mehr gestört werde." Leider sind die Verhältnisse manchmal stärker als der Wille der Fürsten, wie wir das namentlich auch bei Preußen so oft erlebt haben. Wie hat nicht König Wilhelm I.„gerungen", bis die„Ver- hältniffe", repräsentirt von seinem Minister Bismarck, ihn schließlich doch überwältigten! Und wie hat 1870 das bis an die Zähne gerüstete und schlagbereite Preußen erst von der Krigeserklärung Napoleons III. überrascht und gezwungen werden müssen, bis es zuschlug und die nun ihrerseits überraschten französischen Heere aufrollte! Die„Macht der Verhältnisse" hat Preußen immer„ge- zwungen", wenn es kriegsbereit und kriegsgerüstet war. Wir hoffen aber, daß die Versuche Kaiser Wilhelms II., den Frieden zu erhalten, glücklicher sein werden als König Wilhelms I., der bei solchen Versuchen niemals Glück hatte. — Der Kaiser bei den Bonner Studenten. Der Kaiser, der früher selbst dem Korps der Borussia in Bonn angehört hat, wohnte einen Kommers der Bonner Korpsstudenten bei. Er nahm seinen Platz nicht am Tische seines eigenen Korps, sondern begab sich zu dem Tische des nach der herkömmlichen Ordnung gerade präsidirenden Korps Rhenania und ließ durch dessen Ersten mittheilen, daß er selbst das Präsidium beim Kommerse führen wolle. Mit dem Stürmer und in der Kneipjacke der Borussen eröffnete der Kaiser sofort den Kommers mit dem üblichen Salamander auf einen fröhlichen Verlauf desselben.„Kein noch so er- fahrener Korpsbursche", so schreibt die„Köln. Ztg.", „kann sich rühmen, des Komments, der bei solchem Anlaß nicht geringe Anforderungen an Gedächtniß und Geistes- gegenwart stellt, so sicher Herr zu sein, wie der Kaiser sich erwiesen hat." Die jungen Semester habe ein„freu- diges Entzücken erfaßt, daß sie unter den Augen ihres Kaisers sich als brave Korpsburschen und Füchse zeigen und bewähren durften. So oft ein Lied beendet war, verkündete der Kaiser„mit seiner schmetternden und doch so freundlich wohlklingenden Stimme:„Silentium, Lied ex! Schmollis den Sängern!" Dann hielt er eine längere Rede, in der er unter anderem die Ueberzeugung aussprach,„daß ein junger Mann, der eintritt in ein Korps, durch den Geist, welcher in demselben herrscht, und mit diesem seine wahre Richtung für das Leben erhält, denn es ist die beste Erziehung, die ein junger Mann für sein späteres Leben bekommt, und wer über die deutschen Korps spottet, der kennt ihre wahren Tendenzen nicht.„Wer aber Korpsstudent, wie ich gewesen ist, weiß das am besten." Der Kaiser erwähnte sodann die Studenten- mensuren und fuhr etwa also fort:„Wie im Mittelalter 11 Aus Belgien. ( Nach Zeitungsberichten.) durch die Turniere der Muth und die Kraft gestählt wurden, so wird auch durch den Geist und das Leben im Korps der Grad von Festigkeit erworben, der später im großen Leben nöthig ist und der bestehen wird, so im lange es deutsche Universitäten giebt." Der Kaiser sprach Allgemeines Aufsehen erregt gegenwärtig ein im Ant- lutionäre Agitation angeführt, welche von einem entdann die Hoffnung aus, daß viele Beamte und Offiziere werpener„ Précurseur" veröffentlichter Bericht des Generals lassenen Zuchthäusler kurz vor dem 1. Mai betrieben aus dem Kreise der anwesenden Korpsstudenten hervor- Baron Vandersmissen, welchen dieser nach den blutigen Unruhen wurde. Dieses Individuum war nach dem gewiß unim März 1886 Pontus gehen werden und daß sein Sohn, wenn er ſoweit ge- General Bandersmissen berichtet bazin über den in der bericht verdächtigen Zeugniß des Pfarrers Margerin ein agent diehen sei, bei dem Bonner„ S. C." eintreten werde. Armee herrschenden Geist und erklärt mit rühmenswerther provocateur. Der Pfarrer sagte dem Redakteur des Der Kaiser kommandirte hierauf selbst den sich an- Offenheit, daß er damals, als er den Befehl zur strengen Ahndung" Gaulois":" Es war fein Grund vorhanden, Soldaten schließenden Salamander. Auch die Begrüßung der der Ausschreitungen ertheilte, seitens zahlreicher Soldaten zu requiriren. Die hiesigen Arbeiter sind sehr ruhig. alten Herren vollzog der Kaiser persönlich. Den Landes- auf widerſtand stieß. Nur die eiserne Disziplin, Seitdem ich hier bin, ist nicht das Geringste vorgekommen. welche der General im Heere aufrecht erhielt, konnte vater stach der Kaiser mit dem Prinzen von Schaum- damals die zur Unterbrüdung der Arbeiterunruhen Wollte der Bürgermeister etwas thun, so hätte er längst burg- Lippe. Jeder Theilnehmer, schreibt die Köln. beorderten Truppentheile vor der Schmach der Pflicht gegen jenen Agitator vorgehen können, der seit vierzehn Zeitung", habe es als besondere Weihe empfunden, vergessenheit bewahren. General Bandersmissen macht in Tagen hier weilt. Es ist dies ein abgestraftes Indaß er in Gegenwart des Kaisers seinen Hut auf den seinem Berichte darauf aufmerksam, daß es sich im Jahre 1886 dividuum aus Sedan, das Wuchergeschäfte be= scharfen Schläger steckte. Als dann der Kaiser zu- und Plünderung handelte. Wenn die Soldaten also schon Betreibt und gleichzeitig agent provocateur ist. gleich mit seinem Widerpart sich die durchbohrte Müze denken trügen, derartige Verbrechen zu sühnen, so wird es Man kennt ihn auf der Bürgermeisterei, hat aber von der Spitze des Schlägers wiedernahm und auf's natürlich mit der Disziplin noch viel ärger aussehen, trotzdem nichts gegen ihn gethan. Warum, das weiß ich Haupt setzte, wurde begeistert der Vers gesungen: wenn die Arbeiter, statt Ausschreitungen zu begehen, nicht." Außerdem hatte der Kerl 1889 dem amtlichen sich darauf beschränken, auf revolutionärem Wege vielleicht auch ihr früherer Boulangismus gaben der Regierung Anlaß, das Städtchen mit dem 145. Infanterieregiment zu besetzen. Als besonderen Grund hat der Eine sehr interessante Korrespondenz über die Machtverhältnisse Minister des Innern in der Kammer noch die revoFall einer Revolution bringt die„ Kreuzzeitung". So lange wir ihn kennen, Woll'n wir ihn Bruder nennen. lediglich um die Ahndung gemeiner Verbrechen, wie Brandlegung politische und soziale Reformen zu erzwingen. Der Kandidaten als Wahlagent gedient. " General forderte deshalb energisch die Umwandlung unserer Der Hauptverbrecher scheint der Unterpräfekt Isaak Es leb' auch dieser Bruder hoch! Proletarierarmee in ein wahres Volksheer, in welchem zu sein, ein Günstling in des Wortes verwegenster Bedie Elemente der Bourgeoisie reichlich vertreten sein Ueber die Korpsstudenten äußerte sich der jeßige sollen. Das ist vor vollen fünf Jahren geschehen und deutung, der trotz gänzlicher Unfähigkeit vermittels der Staatssekretär im Reichsjustizamt, Bosse, unlängst ganz heute, da die Zeiten noch viel ärger geworden, da der all- Klique mit 25 Jahren schon eine derartige Stellung erhielt. Zwischen der durch den bezahlten Agenten aufgehezten anders wie der Kaiser. In einem Vortrag, welchen Bosse gemeine Ausstand vor der Thüre steht, macht der Kriegsam 4. Juli 1888 in der staatswissenschaftlichen Gesellschaft minister nicht die geringste Miene, den persönlichen Heeresdienst und durch die Maßregeln des Unterpräfekten provozirten einzuführen. Der Bericht des Generals erregt nunmehr die zu Berlin hielt, klagte er über die durchaus unzureichende größte Sensation. Denn hier liegt endlich ein amtliches Atten- Masse und der Gensdarmerie kommt es zu Reibereien, in Vorbildung der jüngeren Beamten: stück vor, in dem zugestanden wird, daß man auf die Verläßlichkeit Folge deren zwei besonders unruhige Arbeiter eingesteckt „ Ich bin Korpsstudent gewesen, und wir wurden unserer Truppen im Falle eines Arbeiterkonfliktes kein absolutes werden. Nachmittags zog eine Schaar von Burschen und Ich bin Korpsstudent gewesen, und wir wurden zutrauen setzen kann. Ein Geheimniß ist diese Thatsache freilich Mädchen vor das Nathhaus, um die Freilassung der Vervon Korpswegen geradezu angehalten, ins Kolleg zu nie gewesen und jedermann war es längst einleuchtend, daß es hafteten zu fordern: voran ein 19jähriger Arbeiter mit gehen. Das soll ja freilich jezt anders geworden sein. eine Thorheit wäre, auf ein zu zwei Drittheilen aus blau- weiß- rother Fahne( die rothe Fahne ist erst Die farbentragenden Studenten sollen sich, Sozialisten bestehendes Heer zur Unterdrückung sozialistischer Unruhen zu rechnen. So oft aber ein Ab- später infolge der blutigen Ereignisse aufgetaucht), außer den Medizinern, kaum noch im Kolleg geordneter in der Kammer der Befürchtung Ausdruck gab, die belgische dann Mädchen mit Maien, ferner Kinder, Gaffer, sehen lassen. Ein hiesiger angesehener Professor Armee sei sozialistisch angehaucht, bestieg der Kriegsminister allerlei Volf, wie's auf der Gasse zusammenläuft. Die versicherte mir jüngst, daß ein Korps in Heidelberg Pontus das hohe Roß und bewies mit einigen volltönenden Angaben schwanken zwischen 150 und 600. Die Soldaten seinen Mitgliedern und Füchsen den Kollegien Belgien. Der Bericht des Generals Bandersmissen, welcher die und Gensdarmen in und vor dem Rathhause waren 500, Bhrasen, daß kein Land eine verläßlichere Armee besitze als besuch als unanständig geradezu verbiete. Das Soldaten im Jahre 1886 zu erproben und zu beobachten Ge- sämmtlich mit Repetirgewehren bewaffnet. Einige junge wäre denn freilich die Krone eines unsinnig gewordenen legenheit hatte, beweist, wie sträflich der offizielle Optimismus| Arbeiter jollen" Steine in Körben mitgebracht haben. studentischen Lebens. Richtig ist auch nach meinen Er- ist. Es braucht wohl nicht gesagt zu werden, daß Jedermann, Natürlich kommt es zum Wortwechsel. Der Unterpräfekt fahrungen, daß die Korps an die Lebenshaltung ihrer Militär oder Zivilist, dem Berichte Bandersmissens mehr Glauben Mitglieder jetzt Anforderungen stellen, die schon finanziell schenkt, als den Versicherungen eines Kriegsministers, der nicht und die übrigen Zivibeamten, statt, wie ihre Pflicht ist, im Pulverrauche, sondern nur im Aftenstaube ergraute. Die vermittelnd einzuschreiten, halten sich im Hintergrund. für nicht sehr reiche Väter kaum erschwinglich sind. Angelegenheit wäre nur von retrospektivem Interesse, wenn nicht Es soll ja eben geschossen werden. Die Rauferei beginnt, Daraus ergiebt sich dann auch leicht eine Gewöhnung an die heutige Situation identisch wäre mit jener von 1886. Wir materielle Genüsse und eine Summe von äußeren An- stehen am Vorabend von vielleicht sehr heftigen Erschütterungen es wird gestoßen und gedrängt, wie das bei solchen Gesprüchen, die neben sittlichen und materiellen Gefahren und in einem so ernſtem Augenblick erfahren wir, daß wir auf legenheiten geschieht, ein Stein wird geworfen, ein Leutunsere bewaffnete Macht nicht rechnen können." nant wird umgerissen. Der Kommandant befiehlt Feuer. auch auf das wissenschaftliche Leben ungünstig zurück- Das ist allerdings sehr traurig für die belgische Bourgeoisie, Des humanen Anscheins wegen wird die erste Salve in wirken müssen. Ein hiesiger Richter, welcher der frei- und wir können ihren Schmerz verstehen. Aber möge sie sich die Luft geschossen, um die Leute einzuschüchtern und trösten; die Interessen der Ausbeutergesellschaft sind international sinnigen Partei angehört, beklagte sich vor einiger Zeit folidarisch, und wenn unseren belgischen Genossen wirklich eine ohne Blutvergießen zu vertreiben. Natürlich merkt man gegen mich in den bittersten Ausdrücken über die er: Revolution glücken sollte- wir kennen die Verhältnisse nicht in dem Tumult nichts von dem rauch- und knalllosen staunliche Unwissenheit und Interessenlosigkeit genau genug, um zu wissen, ob sie das überhaupt wollen, oder Pulver. Und nun beginnt die Arbeit. Es wird Schnellzahlreicher Referendarien, über deren völligen ob blos die bürgerliche Angst und das schlechte Gewissen die Mangel an idealer Lebensauffassung, und wenn Gefahren sehen wenn sie aber wirklich Glück haben sollten, feuer in den Haufen abgegeben. Die Getroffenen stürzen dieses Zeugniß eines Praktikers, der doch täglich Gelegenheit fo würde eine andere Macht ihre Soldateska zur Verfügung stellen. von je 3, 4, 5, sogar 6 Kugeln durchbohrt. Der FahnenDie Angst der Bourgeoisie zeigt auch eine korrespondenz der träger liegt zuerst am Boden, neben ihm seine Braut, hat, unseren juristischen Nachwuchs zu beobachten, mit„ Münch. Allg. Zeitung":" den Wahrnehmungen der akademischen Lehrer überein- Die Lage ist, wie selbst optimistische Regierungsblätter zu- die Maie in der Hand. Schreiend stiebt der Schwarm stimmt, so scheint in der That die Besorgniß nicht unbe- gestehen, nach jeder Richtung hin, in politischer wie sozialer Be- auseinander, doch das Feuer verfolgt die Fliehenziehung, eine äußerst ernste. Der Sozialismus erhebt täglich den. Es soll vier Minuten lang gedauert haben. gründet zu sein, daß die tonangebenden Kreise brohender sein Haupt, die Arbeitermassen organisiren sich zu der Isaak thut keinen Einhalt. Aber aus dem benachunserer akademischen Jugend Wege gehen, welche mehr oder minder offen eingestandenen Revolution, der allgemeine barten Pfarrhause eilt der Ortsgeistliche, Abbé Margerin, die Bewahrung der traditionellen Tüchtigkeit Ausstand pecht bereits an die Thüre, und unser Barlament weiß unseres Beamtenthums ernstlich zu gefährden sich mit nichts Befferem zu beschäftigen, als mit der Errichtung herbei und wehrt den Soldaten. Er hebt die Todten drohen." einiger Haltestellen der Staatseisenbahnen und ähnlichen Kleinig- und Verwundeten auf und trägt sie mit Hilfe der Vikare keiten. Wie das Plenum, so gehen auch die Ausschüsse vor in sein Haus. Es waren neun, zumeist Mädchen und Wer übrigens die Verhältnisse auf den deutschen Der Revisionsausschuß bringt nichts Ordentliches fertig, obwohl Kinder. Zwei Mädchen fanden in einer Bierwirthschaft, Universitäten in den letzten Jahren kennt, wird zugeben, bon rechts und links fortgeſetzt die längsten Reden gehalten dem Rathhause gegenüber, am Tiſche ſizend den Tod. werden. Ohne die Frage des allgemeinen Stimmrechts endgiltig daß das Leben in vielen Korps wir sagen nicht alle, gelöst zu haben, ist der Revisionsausschuß zur Berathung der Ein Weib mit dem Säugling auf dem Arm fiel von weil wir nicht alle kennen geradezu viehisch ist. Revision des Art. 56 der Verfassung übergegangen, welcher be Kugeln durchbohrt. Unter den Soldaten weigerte Ein anderer Ausdruck wäre hier nicht am Blaze. Ich stimmt, daß nur jene Staatsbürger zu Senatoren gewählt werden sich einer zu schießen, weil er seine Mutter in habe es vor einigen Jahren in Göttingen selbst mit er tönnen, welche mindeſtens 2000 Fres. jährlicher direkter Staat der Menge sah. Man wird sich hüten, ihn vor ein steuer entrichten. Infolge dieser Bestimmung ist der belgische lebt, wie die Mitglieder eines Korps, wenn ich nicht Senat seit 1831 stets nur eine Versammlung von Millionären Kriegsgericht zu stellen. Sechzig Soldaten stammten aus irre der Saxonia, sich in einem öffentlichen Garten vor gewesen. Allgemein wurde dieser Charakter unserer Ersten Fourmies und Umgegend selber. Es ist sonderbar, daß den dort sizenden Männern und Frauen hinstellten Sammer als den modernen Anschauungen widersprechend be diese Vorgänge erst einige Tage nach dem 1. Mai in Paris und sich dort in nicht wiederzugebender Weise betrugen. zeichnet. Man rieth zur Interessenvertretung, zur Berufung bekannt geworden sind; doch läßt sich das erklären. Die hervorragender Staatsmänner, Gelehrter, Großkaufleute u. s. w. Ich berichtete damals mit einem Freunde diesen Vorgang in diese Körperschaft. Der Revisionsausschuß hat es vorgezogen, ersten Nachrichten waren amtlich und verschwiegen den an die Franff. 3tg.". und die Notiz ging durch einen lediglich den Zensus für die Wählbarkeit in den Senat von Umfang des Unheils. Erst am 3. und 4. Mai trafen großen Theil der deutschen Presse; aber fein Staatsan 2000 Fres. auf 1000 Fres. herabzusetzen, was natürlich eine die Depeschen der abgesandten Berichterstatter ein, welche walt fühlte sich bewogen, gegen die betreffenden Kerle halbe Maßregel bedeutet; denn den Charakter als ausschließliche allgemeine Erregung hervorriefen. In der Kammer wurde Großkapitalistenversammlung wird der Senat dadurch nicht vereinen Strafantrag zu stellen wegen„ Verlegung der Scham- lieren, und der Hauptzwed wird also nicht erreicht werden. interpellirt. Die Sigung verlief natürlich kläglich, denn haftigkeit". Ferner sollen die Senatoren, statt wie bisher direkt durch die nach parlamentarischem Maßstabe reduzirte sich die ganze Wählerschaft, durch die Provinzialräthe gewählt werden. Das Frage darauf, ob die Deputirten einen Untersuchungsfind Reformen, die Niemanden befriedigen werden, und mit welchen man die Agitation nicht aus der Welt schaffen wird. ausschuß wählen sollten, um die Fusilade auf ihren FeinDie Berichte aus der Provinz klingen ohnehin nicht sehr zu gehalt an Geseßlichkeit zu prüfen, oder ob man eigentlich den versichtlich. Die Bewegung zu Gunsten des allgemeinen Stimm- Schwamm über das Ereigniß streichen und den Arbeitern rechts greift ſelbſt in die ländlichen Bezirke hinüber, und was auf die blutenden Wunden das Pflästerchen eines Verdie Induſtriebezirke betrifft, so stimmen alle Berichte darin übersprechens sozialer Reformen" tleben sollte. Letzteres war ein, daß die Lage daselbst niemals so ungünstig war, als gegen die Ansicht der Regierung, die bei den gegebenen VerWas diese Menschen brauchen zum„ Studiren", da wärtig." von macht man sich keine Vorstellung.„ Gelder muß Unterdessen hat eine furchtbare Ausstandsbewegung um sich hältnissen überwiegen mußte. Mit einer Ueberzahl von der Vater schicken, wenn der Sohn studiren soll." So gegriffen, wider willen der sozialistischen Führer, deren Ausgang 200 Stimmen beschloß die Kammer, die Frage der Verbraucht zum Beispiel ein Heidelberger Borusse mindestens in Aktion getreten und die Soldateska hat schon Arbeit gehabt. antwortlichkeit auf sich beruhen zu lassen und sich nicht 4500 Mt. jährlich; und dabei haben die Herren ca. Authentische Nachrichten können wir leider nicht bringen; hoffent- näher zu erkundigen, wie Isaak und sein Vorgesetzter fünf Monate Ferien, die sie zu Hause verleben. Also für lich hat sich die Situation bis zur nächsten Woche soweit geklärt, ihren Pflichten nachgekommen waren. sieben Monate 4500 Mt. So theuer ist das„ Studiren". daß eine Uebersicht möglich iſt. " Und dabei studiren sie noch nicht einmal viel!" " Von einer andern Universität wird berichtet, daß an Tagen, wo die Korps ihre Exbummel" machen, sich kein anständiges Mädchen oder Frau auf den Bahnhof wagen darf. Uebrigens braucht man diese gescheitelten, pomadisirten, versoffenen und verhurten Laffen nur anzusehen, um zu wissen, weß Geistes Kind sie sind. Ueber den Zweikampf handelt§ 201 bis 210 des Das Gemehel in Fourmies. Strafgesetzbuches, die man nachlesen kann. Besonderer Muth gehört übrigens durchaus nicht zu diesen studentischen Fourmies ist ein Industriestädtchen Nordfrankreichs Mensuren; wo ein Hieb gefährlich werden könnte, sind mit 12 000 Einwohnern; die hauptsächlichsten Unter sorgfältig Bandagen umwickelt, und der ganze Witz be- nehmungen sind Woll, Baumwoll- und Seidenspinnereien, steht überhaupt nur darin, sich à la Fidschiinsulaner das sowie Glas- und Krystallfabriken. Geficht mit Schmarren zu verzieren. Wenn man eine In Fourmies waren niemals ernstliche Unruhen vorSchmarre weg hat, so trinkt man viel Bier, damit die gekommen; die sozialdemokratische Agitation hatte nieNarbe recht aufläuft und gefährlich aussieht. Eine Lehre haben die Bourgeois außerdem noch aus dem Ereigniß gezogen: die Soldaten nicht mehr dort zu stationiren, wo sie ausgehoben sind, damit nicht wieder solche fatalen Vorfälle passiren, wie mit dem Soldaten und seiner Mutter. Vielleicht könnten die anderen Soldaten sich auch weigern, zu schießen, wenn sie Vater, Mutter, Vrüder, Schwestern vor sich sehen. Bei uns in Deutschland ist man schon lange so schlau gewesen, seit 48. Ein Verbrecher! mals in der Arbeiterschaft Fuß fassen fönnen; im Jahre 1889 fanden nur die Boulangisten dort, wie in vielen Die letzten Tage haben eine Enthüllung gebracht, anderen Fabrikstädten, Leichtgläubige, die auf den„ General" welche uns wieder einmal bis auf den Grund des Bisvertrauten. Der Ausstand eines Theils der Arbeiter und marc'schen Schmuzes sehen läßt, eine Enthüllung, um 10 heu So deu jon sche gel hat gru sch jeir ein hör ein du mi lof zeu 10 ma Pr tri pre Fr die De de bo im die mi he fei ge de fa br R F m N no ge zu 23 di G 111 טן li dd he fo 3777 I al N fi 9 6 Te a er h e d ( S je Tu S b m n b m b 69999 # to furchtbarer, als gerade die Grundlagen unseres heutigen politischen Zustandes betroffen werden. Wir Sozialdemokraten haben ja niemals in der sogenannten deutschen Einheit, wie wir sie jetzt haben, etwas be- sonders schönes finden können. Aber der Bourgeoisie scheint sie doch als das Höchste und Größte, was hat geleistet werden können; ihr ist sie ein Heiliges, Er- habenes, ein erreichtes Ideal; und wenn auch im Hinter- gründe dieses Ideals ziemlich schmierige Geschäftskalküle schlummern, so kommt ihr das doch nicht zum Bewußt- sein; wirklich, der Gedanke des geeinigten Deutschland ist einer der wenigen, welche für diese Leute noch eine höhere, geistige Bedeutung haben. Und die Erfüllung dieses Ideals wurde erreicht durch eine schamlose Fälschung, durch einen frechen Betrug, durch eine verruchte Lüge! Wir sind nicht sentimental. Die Geschichte operirt mit Blut, Meineiden, Kriegen, Mordthaten; und skrupel- lose Verbrecher, wie Bismarck, sind ihre beiden Werk- zeuge. Aber die Erkenntniß, daß das so ist, und immer so gewesen ist, hindert doch nicht, das Gesindel zu brand- marken, das„die Geschichte macht", die Henker an den Pranger zu stelle», welche die Völker in den Tod ge- trieben haben, Den unmittelbaren Anlaß zur deutschen Einheit preußischer Fayon gab der deutsch-französische Krieg. Die Franzosen, von denen wir doch stets nur Gutes genossen, die nach der Revolution ihre kaiserlichen Heere nach Deutschland geschickt hatten, um auch Deutschland aus den mittelalterlichen Fesseln zu befreien; deren Re- vvlutionen dann das ganze Jahrhundert hindurch es immer gewesen waren, welche auch uns den Muth und die Hoffnung auf Freiheit gaben; auf die wir immer mit Verehrung geblickt hatten, als die Lehrer der Frei- heit— die wurden uns mit einem Male als„Erb- feinde" dargestellt. In einen„heiligen Krieg" zogen wir gegen sie. Und auf dem darniedergeworfenen Körper des blutenden Frankreich treten dann die Fürsten zu sammen, um das„einige Deutschland" zu Stande zu- dringen. Das war der perfideste Streich der schmachbedeckten Reaktion gewesen, die Krone ihrer schamlosen Thätigkeit: Frankreich, das Land der Revolution und der Freiheit, mußre zu Boden getreten werden; denn nicht gegen Napoleon führte man Krieg, sonst hätte man ja schon nach der ersten Hälfte Frieden schließen können, sondern gegen Frankreich. Frankreich mußte man vernichten und zu Boden treten. Dann konnte man an das zweite Werk gehen, an die„Einigung Deutschlands", das heißt, die Reaktion, die bis dahin immer in d.n einzelnen Staaten verschieden vorwärts schritt, zu zentralisiren, und das dumme Volk, das sich einbildete, frei zu werden, wenn sein Gefängniß größer wurde, unter eine einheit- kiche, starke Fuchtel zu bringen. Und endlich konnte man dann die Macht Rußlands stärken, dieses uneinnehmbaren Thurmes der Reaktion. Wie prachtvoll war dieser Plan ausgedacht; wie herrlich stimmte diese politische Berechnung mit den sozialen Verhältnissen, und wie glänzend glückte sie! Ist nicht das Ziel erreicht? Was mögen für Mittel angewendet sein, um das alles zu Wege zu bringen! Welche Entrüstung wird die Nachwelt packen, wenn einst die verschlossenen Archive sich öffnen werden und alle Schandthaten, die hier be- gangen sind, zu Tage kommen! Eine wenigstens ist jetzt wieder bekannt geworden: die Fälschung der Emser Depesche. Der König von Preußen soll bekanntlich 1870 in Ems von dem französischen Gesandten Benedetti be- seidigt sein; diese Beleidigung wurde durch eine Depesche aus Ems sofort verbreitet und dadurch die Kriegsfurie entfesselt. Zwar erklärte Benedetti. daß die Beleidigung er- logen sei; Liebknecht veröffentlichte eine Mittheilnng von Hans Blum, daß Bismarck ihm anvertraut habe, er selbst habe die Depesche gefälscht, um die Franzosen zur Kriegs- erklärung zu bringen. Und auch Kaiser Wilhelm gab der Wahrheit die Ehre, indem er erklärte,„daß es in Ems weder Beleidiger noch Beleidigten gegeben habe." Aber auf Benedetti hörte Niemand, Liebknecht wurde wegen seines Artikels vernrtheilt, und die Aussage Wilhelm's wurde todgeschwiegen. Jetzt erzählt noch Graf Roon,'der damalige Kriegs- minister, in seinen nachgelassenen Memoiren, daß„die Sensationsdepesche über die Unterredung Benedetti's mit König Wilhelm— bei der eben der König beschimpft sein sollte— im Ministerrath zu Berlin in der Wilhelm- Nraße redigirt und durch's Wolff'sche Büreau, von Ems datirt, in die Welt geschickt wurde." Daß Napoleon den Krieg nicht wollte, mußte sich wohl jeder Mensch sagen; oder er hätte so dumm sein müssen, wie die deutschen Spießbürger, welche den Bis- Marckschen Schwindel geglaubt haben. Aber mit Frech heit kommt man durch die Welt. Nur eine eiserne iStirn Muß man haben, dann geht alles, und so hat denn auch das Volk dem Bismarck mit der eisernen Stirn alles geglaubt.— Die Emser Depesche eine Fälschung! Es schwindelt Einen, wenn man sich das ausmalt: auf einem Ver- drechen ruht das deutsche Reich, ein Verbrecher ist der deutsche Nationalheros, ein gemeiner Fälscher, der unter gewöhnlichen Verhältnissen mit Zuchthaus bestraft würde, der Begründer des deutschen Reichs! Früher, als Bismarck noch im Regiment war. haben wir wohl manchmal gewünscht, diesen Menschen am Galgen enden zu sehen. Aber was wäre das für eine Strafe! Es giebt eine bessere Strafe für ihn: Mit dem Brand- mal des Verbrechers gezeichnet soll seine blutbefleckte Ge- stalt durch das Andenken der zukünftigen Geschlechter gehen! So lange es eine Geschichte giebt, soll man seinen fluchwürdigen Namen nennen, wie man die Namen von Judas Jscharioth, Caligula, Borgia und anderer Unge- Heuer nennt. Zur Frage der Kandagitation. E. S. Um das hohe Ziel der Menschenbefreiung zu erreichen, welches sich die Sozialdemokratie gesteckt hat, ist, wie jetzt wohl aus allen Seiten innerhalb der Partei zugestanden wird, die Gewinnung der proletarischen Landbevölkerung nicht nur für die politische Partei des Sozialismus, sondern auch vor- nehmlich für dessen Prinzipien von Bedeutung. Die vom Ackerbau lebende Bevölkerung bildet noch immer die Hälfte der gesammten Einwohnerschaft in Deutsch- land und daraus geht schon hervor, daß ihr Einfluß auf die Staats- und Wirthschaflsverfassung nicht unter- schätzt werden darf. Die bürgerlichen Parteien sind sich auch dessen stets bewußt gewesen, daß die Anhängerschaft des platten Landes ihren Bestrebungen ein größeres Gewicht verleiht, als der politische Anhang, welcher sich ausschließlich auf die Stadtbevölkerung beschränkt und mit einem gewissen Grade von Berechtigung konnte darum seiner Zeit der verflossene Ex-Bismarck darauf verweisen, daß die landwirthschaftliche Bevölkernng stark genug sei, um ihre und des ganzen Volkes Interessen sicher zu stellen. Wenn nun auch der Umfang der ländlichen Bevölkerung von Jahr zu Jahr relativ im Abnehmen be- griffen ist, während andrerseits derjenige der städtischen Bevölkerung immer stärker anschwillt, so wird doch die Masse der ackerbautreibenden Bevölkerung noch für abseh- bare Zeiten so zahlreich sein, daß jede Umformung des Staatswesens, besonders aber die Umwandlung der privat kapitalistischen Produktionsform in die sozialistische, von ihrer Mitwirkung und ihrem Verständniß für diese Kultur- fortschritte auf die Dauer abhängig bleibt. Sehr lehr- reiche Beweise hierfür bietet uns die neuere französische Revolutionsgeschichte, aus der sich ersehen läßt, daß durch- greifende Veränderungen im Staats- und Wirthschafts- system durch die industrielle Arbeiterklasse allein, ohne ein aufgeklärtes und zur moralischen wie physischen Unter- stützung bereites ländliches Proletariat, gewöhnlich nicht festgehalten werden können. Beachtet man serner, daß der Militarismus seine beste Kraft aus dieser bäuerlich- proletarischen Bevölkerung zieht und daß er seiner Auf- gäbe, die arbeitenden Klassen unter die Herrschaft des ausbeutenden Kapitalismus zu beugen, nur gerecht zu werden vermag, wenn ihm ein willenloses und an ein unfreies Dasein gewöhntes Menschenniaterial zur Ver- sügung steht, so ergiebt sich für eine Partei, welche den Militarismus unentwegt bekämpft, von selbst die Auf- gäbe, die Landbevölkerung aus ihrer geistigen Umnachtung zu befreien. Die ländliche Bevölkerung zum Klassen- bewußtsein und zur Erkenntniß ihrer trostlosen Lage zu bringen, bedeutet eine empsindliche Schwächung des Mili- tarismus. Die Aufgabe ist mithin der Sozialdemokratie gestellt, es erübrigt sich nur die Frage, wie sie am schnellsten und gründlichsten zu lösen sei. Früher hat man oft die Befürchtung ausgesprochen, daß die Verbreitung des Sozialisinus auf das platte Land an den verbohrten Eigenthumsbegriffen der bäuer- lichen Bevölkerung einen energischen Widerstand finden würde und unsere bürgerlichen Gegner wiegen sich gegen- wärtig noch in der Hoffnung, daß die sozialistische Idee das Landvolk nicht werde begeistern können. Daraus ist zunächst zu erwidern, daß die Proletarisirung der Massen auf dem Lande in Folge der wirthschaftlichen Entwicke- lung reißende Fortschritte gemacht hat und noch macht, und daß die Erwerbung von Grundeigenthum, welches dem Besitzer auch nur die allerbescheidenste selbständige Existenz garantirt, für sie gerade so zur Utopie geworden ist, als für den Industriearbeiter die Möglichkeit, sich durch Fleiß und Sparsinn zum konkurrenzfähigen Unter- nehmer emporzuschwingen. Für das Heer der besitzlosen Landarbeiter, das in Deutschland schon jetzt ans beinahe eine Million Individuen angewachsen ist, trifft also der Einwand gar nicht einmal zu; aber auch für die drei Millionen Zwergbanern— die Häusler, Ackerbürger, Kolonisten, Käthner und unter welchen Titeln und Würden sie sonst noch vorkommen mögen, welche durch Bebauung ihrer winzigen Parzelle noch nicht im Entferntesten ihre Subsistenz gewinnen können, ist er nur relativ be- rechtigt. Es ist nicht der juristische Begriff des Eigenthums — wie unsere denkunfähige Bourgeoisie es voraussetzt— an dem das Kleinbauernthum mit aller Zähigkeit festhält, sondern der wirthschaftliche Werth des Eigenthums für die Sicherung der Existenzbedingungen. Zwischen klein- bäuerlichem Eigenthum und kapitalistischem Eigenthum be- steht ein himmelweiter Unterschied. Das erstere ist dem Besitzer nichts weiter als Arbeitsinstrument, womit er be- fähigt wird das eigene nackte Leben ganz oder theilweise und unabhängig von dem Wille» eines Dritten zu er- halten; das kapitalistische Eigenthum dagegen ist für seinen Besitzer ein Mittel zur Ausübung der ökonomischen Herrschaft über dritte Personen, aus deren Arbeitsleistung sier Kapitalist Mehrwerthe herauspreßt. Es ist deshalb klar, daß der Eigenthumsbegriff ein verschiedenartiger sein muß, je nachdem man ihn vom Standpunkt des Besitzers auffaßt, für den das Eigenthum lediglich Arbeitsmittel zur freien unabhängigen Bethätigung der eigenen Arbeits- kraft ist oder vom Standpunkt des Unternehmers, für den es zu einer Quelle der Mehrwerthbildung durch Aus- beutung der Lohnarbeiter wird. Der Parzellenbauer findet in seinem Grundeigenthnm nichts anderes als die Gewinnung einer kärglichen Existenz und oftmals das nicht einmal, während das kapitalistische Eigenthum seinem Besitzer Herrschaftrechte über die besitzlose, wirthschaftlich unselbständige Menschheit zuertheilt. Das Eigenthum des Zwergbauern hat deshalb für denselben durchaus nicht jenen ideellen Werth, welchen der Kapitalist dem produktiven Privateigenthum beimißt; es besitzt aber auch seinen materiellen Werth nur unter der privatkapitalistischen Wirthschaftsordnung, wo es dem Produzenten eine wenigstens scheinbar unabhängige Existenz gewährleistet. Da der Kleinbauer seinen Lebenserwerb ausschließlich aus einer ununterbrochenen, angestrengtesten Selbstarbeit bezieht, so ist es einzig die wirthschaftliche Selbständigkeit, welche ihm das Privateigenthum an einer Scholle Landes lieb macht, nicht aber die juristische Be- deutung, welche dem Eigenthumsbegriff innewohnt. Ist etwa das Recht, das Eigenthum zu veräußern, zu ver- pfänden, zu vererben oder zu vernichten, kurzum zu machen, was man damit will, diejenige Eigenschaft, welche dem Privateigenthum seinen besonderen Reiz verleiht? Gewiß nicht, obwohl die Bourgeoisie diese knabenhafte Einbildung in die Köpfe des gesammten Kleinbürgerthums in Stadt und Land verpflanzt sehen möchte. In der sozialistischen Gesellschaft hat nun der Klein- bauer keine Veranlassung mehr, um eine selbständige un- abhängige Existenz besorgt tu sein, sie wird ihm nicht nur garantirt durch die Gesellschaft, sondern auch be- quemer und behaglicher gestaltet, als im bürgerlich- kapitalistischen Staatswesen. Mithin fällt für den klein- bäuerlichen Eigenthümer jeder Grund weg, sich an dem Privatbesitz an Grund und Boden festzuklammern, sobald ihm eine bessere, eine glücklichere Zukunft eröffnet wird. In der sozialistischen Gesellschaft bleibt er nach wie vor Besitzer der Bodenfläche, wenn auch nicht mit den juristischen Eigenthumstiteln der heutigen Gesellschaft. Wird der Bauer daran gewöhnt, sein Eigenthum nicht durch die kapitalistische Brille zu betrachten, so wird in ihm bald die falsche Vorstellung von dem wirklichen Werthe seines Eigenthums beseitigt werden können, er wird alsdann die Vorzüge einsehen lernen, welche die genossenschaftliche Großproduktion in der Landwirthschaft für seine Person zur Folge hat. Sein Eigenthum und dasjenige des kapitalistischen Ausbeuters sind eben zwei verschiedene Tinge und nur volkswirthschaftlich ganz bor- nirte Köpfe, wie beispielsweise derjenige des Irrlehren- mannes Richter, können beide Dinge mit einander kon- fundiren. So sehr der kapitalistische Eigenthumsbegriff dem Sozialismus widerstrebt, so wenig wird der bäuer- liche Zwergbesitz ein Hinderniß für denselben sein. Es kommt nur darauf an, die Unterschiede in dem Wesen der beiden Eigenthumsarten auseinanderzuhalten und bei jeder Agitation scharf zu betonen, um thörichte Anschauungen über den Werth des kleinbäuerlichen Eigenthums zu zer- streuen. Daß die sozialistische Agitation an den verkehrten Eigenthumsbegriffen der Landbevölkerung scheitern sollte, ist daher mehr eine Illusion unserer Gegner, die sich an das Vvrurtheil der Landbevölkerung als an einen letzten Strohhalm anklammern. Die wohlhabenden Gutsbesitzer. die Pollbauern, die ländlichen Arbeitgeber wird die Sozialdemokratie allerdings nicht gewinnen können, denn sie nähren sich redlich von der Ausbeutung fremder Arbeitskrast, aber sie bilden auch nur die verschwindende Minderzahl des platten Landes und darum wollen wir sie ruhig den bürgerlichen Parteien überlassen. Die Voreingenommenheit der Landbevölkerung an sich gegen die Sozialdemokratie leugnen wir nicht, zumal wenn dieselbe an allen Orten Deutschlands mit allen Mitteln der Niedertracht künstlich gepflegt wird. In- dessen bietet die heutige Staats- und Rechtsordnung so viele Angriffspunkte, daß eine Partei, wie die unsere, bei einer einigermaßen geschickten Taktik leicht das Ohr des Landmannes gewinnen kann. Man darf hierbei jedoch nicht aus dem Auge ver- lieren, daß die Landbevölkerung noch der intellektuellen Schulung entbehrt, um die ökonomische Wissenschaft mit dem gleichen Verständniß und derselben Begeisterung in sich aufzunehmen wie die zielbewußte Arbeiterklasse der Städte. Es hieße deshalb das Pferd am Schwänze aufzäumen, wollte man, namentlich in denjenigen Ortschaften- wo man sich von der Sozialdemokratie noch die un, geheuerlichsten Vorstellungen macht, in der Agitation niit Vorträgen debutiren, welche über das Begriffsvermögen der Zuhörer weit hinausgehen oder ihr Interesse nicht zu fesseln vermögen. Eine solche Agitation käme einem vollständigen Mißerfolg gleich. Die Agitation wird zuerst den Zweck verfolgen müssen, die Landprvletarier zum Klassenbewußtsein zu erziehen, die vorhandenen Interessen- gegensätze klar zu legen und die Forderungen des Sozialismus in Bezug auf die Landwirthschaft auseinanderzusetzen. Die Art und Weise, wie die rhetorische Agitation in Orten mit einer gegen uns aufgehetzten Bevölkerung ein- geleitet wird, ist manchmal ausschlaggebend. Allgemein gültige Regeln lassen sich selbstverständlich nicht aufstellen, in erster Linie wird es aber die Aufgabe des Redners sein, die ländliche Zuhörerschaft aufmerksam und wohlwollend und sodann gelehrig für die Ziele der Sozialdemokratie zu stimmen. Dieser Grundsatz der antifen Beredsamkeit, das ,, auditorem attentum, bene- führung einer mittelalterlich- strengen Bestrafung des technik für die Gesammtheit und das Individuum der volum et docilem habeas" des römischen Volksredners Kontraktbruchs wird bei der Agitation ein breiter Raum ländlichen Bevölkerung auseinandersehen müssen und da wird seine Wirksamkeit gerade bei der ländlichen Be- offen gelaffen werden müssen, um die arbeiterfreundlichen mit ihr Verständniß für den Agrar- Sozialismus vor völkerung nicht verfehlen. Und wie könnte der Redner und sozialreformatorischen Bestrebungen der Landlords bereiten, indem man gleichzeitig die Eigenthumsbegriffe ein ländliches Auditorium aufmerksamer stimmen, als ins rechte Licht zu sehen. Die ländliche Bevölkerung präzisirt. wenn er mit der historischen Entwickelung des Bauern- wird sich alsdann der Ueberzeugung nicht verschließen In denjenigen Gegenden, wo die Verschuldung des standes und der ländlichen A.beiterklasse einsetzt! In können, daß ihr noch schlechtere Zeiten bevorstehen als Bauernstandes und der wirthschaftliche Zersehungsprozeß furzen, knappen Zügen ist der Landbevölkerung ein ge- bisher, sobald sie sich nicht ermannt und politisch reg- große Fortschritte gemacht haben, ist außerdem eine Er treues Bild von ihrem früheren Wohlstande, den einstigen samer wird. örterung über die privatkapitalistische Entwickelung am Besizverhältnissen und von ihrer früheren Stellung im Mit rührender Naivetät wird von der liberalen Blaze; doch setzt das Thema über die Verschuldungsfrage Staatswesen bis herab zu ihrer fümmerlichen Existenz, Bourgeoisie zur Lösung der sozialen Frage des platten und das Bauernlegen Lokalkenntnisse voraus und es zu ihrer Versklavung in der Gegenwart zu entwerfen. Landes ein Rezept verschrieben, das so einfältig es auch fann mehr schaden als nügen, sobald dieses Thema an Die Beraubung und Knechtung des deutschen Bauern ist, immerhin bei der sozialistischen Agitation nicht un- Voraussetzungen geknüpft ist, die für die betreffende durch Fürsten und Feudalherren bis an unser Jahr beachtet gelassen werden darf, um irrige Vorstellungen Gegend nicht zutreffen. Selbstverständlich ist ferner eine Besprechung der hundert heran, die Bedrückung der Bauern und ihre unter den Landarbeitern von dieser Art„ Sozialreform" Vertreibung aus dem vererbten Besitz zur Zeit der nicht aufkommen zu lassen. Die Bourgoisie ist mit einer Forderungen unserer Partei für die Gegenwart mit Rücksicht auf die Landbevölkerung. Zu den allgemein sogenannten Bauernbefreiung, die Umwandlung der Sozialreform stets zur Hand, sobald es nämlich Leibeigenschaft in die Lohnsklaverei zu Gunsten der nichts kostet; sie empfiehlt also die Parzellirung der bekannten Postulaten der Landarbeiter nach Gewährung Großgrundbesitzer, der„ gnädigen Herren", sind histo- Latifundien der Magnaten und ladet die besiglosen Land- des Koalitionsrechts, höhere Löhne, kürzere Arbeitszeit, rische Reminiscenzen, deren Erwähnung die Land- arbeiter großmüthig ein, soviel Parzellen zu kaufen als menschliche Wohnverhältnisse, verbesserte Arbeitsbedin proletarier mit Zutrauen erfüllt. Aus einer geschicht ihnen beliebt, mit was? nun mit dem Gelde, das sich gungen, freier Volksschulunterricht, unentgeltliche, vereinlichen Darstellung ihrer Verhältnisse werden dieselben die Proletarier erst ersparen sollen. Ist es nicht so, ihr fachte Rechtspflege u. s. w., werden noch die politischen entnehmen können, daß sie unmöglich ihre Freunde unter sparsinnigen, weitherzigen Bourgeois? Hand auf's Herz Forderungen, wie die politische Gleichberechtigung in den Nachkommen der junkerlichen Räuber zu suchen haben, oder vielmehr auf den Geldbeutel! Da war doch die vor Kreis, Gemeinde und Staat, vermehrter Rechtsschut denen sie ihr jeßiges elendes Dasein verdanken. mehrere tausend Jahren in Griechenland und Rom an- gegen die Uebergriffe der im Kreise unumschränkt regie Die Aufmerksamkeit wird sich zu Wohlwollen steigern, geregte Sozialreform besser, damals wollte man ebenfalls renden Feudalherrn hinzutreten können wenn sich daran eine Kritik der heutigen Rechts- und theilen, aber wenigstens gratis. Doch wir würden dem welche der gesammten kleinbäuerlichen Bevölkerung ge Wirthschaftsordnung anschließt. Was speziell das Rechts- bürgerlichen Liberalismus Unrecht thun, wollten wir meinsam sind. Der Sozialdemokratie fehlt es also durchaus nicht system anbetrifft, so hält sich jeder Bauer, ob wohlhabend glauben, seine sozialreformatorische Weisheit erschöpfe sich oder arm, durch dasselbe übervortheilt; er ist in früherer in diesem einen Vorschlag. Er vertritt noch einen an- an Angriffsmitteln zur Eroberung des platten Landes, Zeit durch die Jurisprudenz nach allen Dimensionen ge- deren Gedanken, der aber nicht Original, vielmehr der sie wird auch dort ihren Siegeszug halten und Aufschunden und geschabt worden kein Wunder, daß in Regierung und agrarischen Sozialpolitikern abgelauscht klärung schaffen und zwar gründlich. ihm der Begriff der Klaffengesetzgebung dämmert. Diese ist. Dieser Gedanke bezieht sich auf die Errichtung von Klaffengesetzgebung, namentlich in Ansehung des Prozeß- Rentengütern, eine Scheinreform, die, selbst wenn sie in rechts, des öffentlichen und Verwaltungsrechts, in ihrer größerem Maßstab durchgeführt würde, für die LandWirkung auf die wirthschaftliche und gesellschaftliche Lage arbeiter nicht nur werthlos, sondern eine drückende Fessel des Landmanns ist bisher von sozialistischer Seite noch sein würde. zu wenig untersucht worden, sie wird aber zur För- Die Einrichtung von Rentengütern, welche in Preußen derung der Agitation aufs Korn genommen werden bereits geseglich geordnet ist, verfolgt den Zweck, dem müssen, denn gerade in diesem Punkte ist jeder Bauer Großgrundbesitz einen an die Scholle gefesselten Arbeiterfiglich. Die Erörterung der Lohnfrage, der Wohnungs- stamm zu sichern, es handelt sich dabei mithin um eine verhältnisse, der übermenschlich lang'n Arbeitszeit der sozialpolitische Maßregel im pefuniären Interesse der ländlichen Tagelöhner und ihre brutale Behandlung durch feudalen Grundherrn, was nicht genug den Landarbeitern die Gutsherrn wird nicht nur ein reichhaltiges Waffen- gegenüber betont werden kann. Ohne Zweifel ist das arsenal zur Bekämpfung des Agrarkapitalismus liefern, Rentengutsystem ein pfiffiger Gedanke, es soll dem Prosondern auch die Herzen der ausgebeuteten Landprole- letarier der Eigenthümerdünkel damit eingeimpft werden, tarier erwärmen. Sie werden ihre Noth um so bitterer während man ihm andererseits durch die Rentenschuld empfinden, wenn sie erfahren, daß ihre Herren durch die den Brotkorb so hoch hängt, daß er bei den GroßgrundKlassengesetzgebung Millionen und Milliarden von Mark besizern de- und wehmüthig um Arbeit betteln, sich den geschenkt erhalten, während ihnen eben von diesen Herrn erschwerendsten Arbeitsbedingungen unterwerfen muß, da für eine Arbeit, unter deren Last sie fast zusammen- er ohne Aufgabe seines Besißthums sich andrer Orten brechen, ein Lohn gereicht wird, der zur Fristung eines feine lohnendere Beschäftigung suchen kann. thierischen Daseins faum hinreicht. Das ländliche ProAn unsere Leser! Forderungen, Den Parteigenossen und Abonnenten zur Nachricht, daß alle Beschwerden die„ Volks- Tribüne" betreffend, an folgende Herren zu richten sind und zwar möglichst schriftlich: W. Wach, Mariannenstr. 29, 3 Tr. bei Mahn, K. Grau, Wendenstr. 2, vorn 3 Tr. W. Hamann, Elisabeth- Ufer 56. Rob. Schmidt, Naunynstr. 24. Aug. Dietrich, Fruchtstr. 46, vorn 2 Tr. Otto Lambrecht, Landsbergerstr. 16, Querg. 2 Tr. Eugen Ernst, Hussitenstr. 88, Hof r., 2 Tr. Emil Börner, Stralsunderstr. 69, v. 2 Tr. b. Köhler. Alb. Wurbs, Rixdorf, Kopstr. 52. Da vielfach Beschwerden über die unpünktliche oder Eine derartige Sozialreform" wird man einer ge- Nichtlieferung der„ Tribüne" seitens einiger Spediteure letariat wird ferner darauf aufmerksam zu machen sein, bührenden Würdigung zu unterwerfen haben, zugleich laut geworden sind, so ersuchen wir die Genossen und welche Attentate neuerdings auf seine Freiheit von den aber die Vortheile der landwirthschaftlichen Großpro- Abonnenten dringend, uns dieselben namhaft zu machen. adligen und bürgerlichen Großgrundbesizern geplant duktion, der ausgedehnten Anwendung der Maschinenkraft, werden. Der Aufhebung der Freizügigkeit und der Ein- sowie der wissenschaftlichen Erfahrungen der AgrikulturGustav Fritz Berlin S., Fürstenstr. 11. 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Die Kaffe- Küche ist von 5 Uhr ab geöffnet. Nachmittags: Große Spezialitäten- Vorstellung. Die Berliner Preßkommission. Oeffentliche Versammlung an alle, die es angeht. der Töpfer Berlins und Amgegend Wir ersuchen alle Diejenigen, am Dienstag, den 19. Mai cr.( 3. Feiertag), Vormittags 9½ Uhr welche noch nicht mit der rothen in Joel's Salon, Andreasstr. 21. Tages- Ordnung: Nummer( Nr. 11 vom 14. März) abgerechnet haben, dieses um1. Vortrag des Herrn Peus über: Die Interessengegensätze der heutigen gehend zu regeln. Gesellschaft. 2. Bericht von der letzten Bauhandwerker- Konferenz. 3. Gewerkschaftliches. Um zahlreiches Erscheinen der Kollegen ersucht Carl Thieme. Sonntag, den 17. Mai 1891( 1. Pfingstfeiertag), Dormittags 11 Uhr, im Feen- Palast, Burgstraße, Eingang Wolfsgangstr. Grosse Matinée veranstaltet von der Freien Vereinigung der Maurer Berlins und Umgegend" zum Besten kranker und hilfsbedürftiger Kollegen. Unter gütiger Mitwirkung des Gesang- Vereins ,, Lorbeerkranz", Mitglied des ArbeiterSänger- Bundes, sowie verschiedener Spezialitäten. Entree 30 Pfg. Das Konzert wird von einer 20 Mann starken Kapelle ausgeführt. Anfang 11 Uhr. Billets sind in den mit Plakaten belegten Geschäften und bei sämmtlichen VorstandsMitgliedern zu haben. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Allen Parteigenossen empfehle mein Das Comitée. Restaurant ,, um rothen Meer". W. Haugk, Boechstraße 12. Die Erpedition. Empfehle allen Genossen mein. Weiß- u. Bairisch- Bier- Lokal. Vereinszimmer zu vergeben. J. Leininger, Boyenstr. 40. Allen Freunden und Genossen zur Nachricht, daß ich das Schönfeld'sche Weiß- und Bairischbier- Lokal mit Vereinszimmer täuflich übernommen habe. Um freundlichen Besuch bittet Wilhelm Grube, Mariendorferstr. 10. Beiträge zum Wahlverein und zur Arbeiterbildungsschule werden entgegengenommen, auch Eintrittskarten zur Bildungsschule sind zu haben. Allen Parteigenossen empfehle meine Destillation nebst Bier- Lokal 0. Zabel Frankfurter Allee 90, Ecke Möglinerstraße. Der Arbeits- Nachweis der Genossen empfehle mein Hutgeschäft. Arbeite nur mit Fabrikanten, welche sich der Kontroimarken deutscher Hutmacher angenommen haben. Bitte zu beachten: Köpenicker- befindet sich jeßt Naunynſtr. 78, im Restaurant straße 126, nahe der Adalbertstraße. Adolph Kehr. Klavier- Arbeiter befindet sich jetzt Naunynstr. 78, im Restaurant Winker. Die Adressen- Ausgabe findet jeden Abend von 8-9% Uhr u. Sonntags Vormittags von 10-11 Uhr an Mitglieder wie an Nichtmitglieder unentgeltlich statt. Die Arbeitsvermittlungs- Kommission. Herren- u. Knaben- Garderobe, Arbeitssachen, Bestellungen nach Maaß, empfiehlt wie bekannt in reellster Ausführung und allerbilligsten Preisen J. BAER, Berlin N.; Gesundbrunnen, Badstr. 18, Ecke der Stettinerstrasse. Ich habe keine Filialen und stehe mit ähnlich lautenden Firmen in keinerlei Beziehung. Bitte daher genau auf Firma zu achten. Verantwortlicher tedakteur: Paul Ernst, Berlin. Verleger und Drucker: Maurer, Werner, Dimmick, sämmtlich in Berlin SO., Elisabeth- Ufer 55. HE B e [ t " I C. e D. 1. t t T Beiblatt zur Berliner Volks- Tribüne. Nr. 20. „ Alles um des Volkes willen." Alles um des Volkes willen!" Seht, ich lache selbst im Stillen Dieser Bibeln und Postillen, Und daß man so gläubig ist! Ich, für mich, bin Atheist. Doch das Volt, das Volk muß glauben! Glauben heißt der Talisman, Dem die Erde unterthan; Wir die Adler, sie die Tauben, Und das Volk, das Volk muß glauben, Glauben, oder doch so thun. Täglich in die Kirche laufen, Himmlische Traktätchen kaufen, Und mit Jordanwasser taufen, Sammt dem christlichen Verein Nun für mich find's Faseleien, Doch das Volk, das Volk muß beten! Denkt, denkt nur den Skandal, Wenn die Bürger auf einmal Gottlos wie vordem wir, thäten! Nein, das Volk, das Volk muẞ beten, oder doch so thun. Beten, Robert Pruh. ( Nachdruck Gewissensqual verboten.) von August Strindberg. ( Deutsch von Gustav Lichtenstein.) Sonnabend, den 16. Mai 1891. V. Jahrgang. Birnbaum, mit den schönsten zinnobergrünen und kad- Die preußische Regierung hat dieselben als Soldaten miumgelben Napoleonsbirnen behängt, Kehrt machte. nicht anerkennen wollen, sondern man hat gedroht, sie Der Lieutenant dachte einen Augenblick daran, ihn zu wie Spione oder Verräther niederschießen zu lassen, wo bitten, einen anderen Weg zu wählen, aber er wagte es man sie trifft! Aus dem Grunde, so sagt man, weil die nicht. Deshalb ließ er, um den Blizen des Bajonetts Staaten Krieg führen, und nicht die Individuen! Aber zu entgehen, seine Augen nach links über den Hof schweifen. sind die Soldaten nicht Individuen? Und sind die Dort stand das Küchengebäude mit seinen gelbgetünchten Franc- tireurs nicht Soldaten? Sie haben eine graue Mauern ohne Fenster, und mit einem alten, knorrigen Uniform wie das Jägerregiment, und die Uniform macht Weinstock, der an der Wand emporkletterte, wie das ja den Soldaten! Aber sie sind nicht einregistrirt, wendet Stelett eines Säugethieres in einem Museum; aber ihm man ein! Jawohl, sie sind nicht einregiſtrirt, weil die fehlten Laub und Trauben; er war todt und stand da Regierung weder Zeit gehabt hat, sie einzuschreiben, noch wie ein Gefreuzigter, an das verfaulte Spalier festgenagelt, die Verbindungen mit den Dörfern so zugänglich gewesen seine langen, zähen Finger und Arme ausstreckend, als waren, daß es hätte geschehen können! Ich habe gerade wollte er den Wachtposten, jedesmal wenn er in seine drei solcher Gefangenen hier im Billardsaal nebenan und Nähe kam, in eine einzige geisterhafte Umarmung nehmen. erwarte jeden Augenblick die Ordre aus dem Hauptquartier, Der Lieutenant wandte sich fort von dem Anblick die ihr Schicksal bestimmen soll." " Geben Sie ihnen einige Flaschen weißen Wein, von der schwächsten Sorte! Nichts passirt?" " Nichts passirt! Wird geschehen, Herr Lieutenant!" Herr von Bleichroden fuhr zu schreiben fort. Welch eigenthümliches Volk das französische! Die " " Herr Lieutenant", begann er,„ ich fomme, Sie um die Erlaubniß zu bitten, mit den Gefangenen sprechen zu dürfen. bat den Pastor, auf dem Sofa Plaz zu nehmen. Aber Der Lieutenant stand auf, legte die Uniform an und als er den engen Rock zugeknöpft hatte und den steifen und ließ seine Blicke auf den Schreibtisch fallen. Dort Hier brach er das Schreiben ab und klingelte nach lag der unvollendete Brief an seine junge Frau, die vor der Ordonnanz. Dieser Soldat, der seinen Posten im vier Monaten, zwei Monate ehe der Krieg ausbrach, die Schenkzimmer hatte, stand augenblicklich im Saale bei Seine wurde. Neben dem Krimstecher und der franzö- dem Lieutenant. sischen Generalstabskarte lag Hartmann's Philosophie des ,, Wie steht's mit den Gefangenen", fragte Herr von Unbewußten und Schopenhauer's Parerga und Parali- Bleichroden. pomena. Plötzlich stand er vom Tisch auf und schritt ,, Gut, Herr Lieutenant, sie spielen Billard, und sind einige Male durch das Zimmer. Es war der Ver- bei gutem Muth." sammlungs- und Speisesaal der jetzt geflohenen KünstlerKolonie. Die Täfelung der Wände war mit Gemälden aber in Del geschmückt, Erinnerungen an sonnige Stunden in dem schönen, gastfreien Lande, das dem Fremdling so generös seine Kunstschulen und Ausstellungen überläßt. Hier gab es tanzende Spanierinnen, römische Mönche, drei Freischützen, deren ich erwähnte, und welche möglicherEs war vierzehn Tage nach Sedan, also Mitte Küstenparthien von der Normandie und der Bretagne, weise( ich sage möglicherweise, denn ich hoffe noch auf September 1870. Der Kopist im preußischen geologischen holländische Windmühlen, nordische Fischpläße und die das beste!) in einigen Tagen zum Tode verurtheilt werden, Institut, augenblicklich Lieutenant der Reserve, Herr von Alpen der Schweiz. In einer Ecke war eine Nußbaum- spielen jetzt Billard im Zimmer neben dem meinigen, und ich Bleichroden, saß in Hemdsärmeln vor dem Schreibtisch staffelei zusammengefrochen und schien sich im Schatten vor höre das Klappern ihrer Queues gegen die Bälle! Welch im Café du Cercle, dem vornehmsten Gasthaus des kleinen einigen drohenden Bajonetten zu verbergen. Eine be- lustige Weltverachtung! Aber es ist ja herrlich, so von Dorfes Marlotte. Den Waffenrock hatte er über eine schmierte Palette hing mit nur zur Hälfte getrockneten hinnen gehen zu können! Oder es beweist, daß das Leben Stuhllehne geworfen, und schlaff, zusammengefallen wie Farben da und sah aus wie eine herausgenommene Leber herzlich wenig werth ist, da man sich so leicht davon eine Leiche, hing dieser nun da, die leeren Aermel gleich in einem Fleischerladen. Einige spanische feuerrothe trennen kann. Das heißt, ich meine, wenn man nicht so sam krampfhaft die Stuhlfüße umfassend, um sich bei Milizmüßen, die Uniformmütze der Maler, hingen mit theure Bande hat, wie ich, die Einen an das Dasein einem Falle topfüber zu schüßen. An der schlanken Tatlle den Spuren von Schweiß, und vom Regen und von der festketten. Du mißverstehst mich wohl nicht und glaubst war das Zeichen der Säbelkoppel sichtbar, und der linke Sonne halbgebleicht an dem Kleiderständer. Der Lieutenant nicht etwa, daß ich der Meinung bin, ich sei gebunden Schoß von der Scheide völlig blank polirt. Der Rücken fühlte sich genirt, wie wenn man sich in die Wohnung D, ich weiß nicht, was ich schreibe, denn ich habe seit war staubig wie eine Landstraße;- der Herr Lieutenant eines Fremden eingedrängt hat und nun jeden Augenblick vielen Nächten nicht geschlafen und mein Kopf ist so Geolog konnte auch des Abends am Saume seiner ab- erwartet, von dem Herrn des Hauses überrascht zu genutzten Hosen die tertiären Ablagerungen des Terrains werden. Er hielt deshalb bald in seiner Promenade ein Lieutenants wurde die Thür geöffnet, und der Pastor Es klopfte an die Thür. Auf das„ Herein" des studiren, und wenn die Ordonanz mit ihren schmutzigen und setzte sich an den Schreibtisch, um seinen Brief zu des Dorfes trat ein. Er war ein Mann von fünfzig Stiefeln in das Zimmer trat, sah er sofort an den schreiben. Die ersten Seiten waren fertig, angefüllt mit Jahren mit einem freundlichen und traurigen, aber sehr Spuren auf der Diele, ob sie in Eocän- oder Pliocän- herzlichen Ergüssen, der Sehnsucht und der Besorgniß, entschlossenem Aussehen. Formationen gegangen war. da er erst neulich Nachrichten erhalten hatte, die seine Er war wirklich mehr Geolog als Militär, augen- frohen Hoffnungen bestätigten, daß er bald Vater werden blicklich aber war er Briefschreiber. Er hatte die Brille würde. auf die Stirne geschoben und blickte, die Feder in der Er tauchte die Feder ein, mehr um mit jemandem Hand, durch das Fenster. In all seiner Herbstpracht lag zu sprechen, als um eigentlich Mittheilungen zu machen der Garten vor seinen Augen; die Birn- und Aepfelbäume oder Aufklärungen zu begehren. Und so schrieb er: durch die schönsten Früchte zur Erde niedergedrückt; So zum Beispiel als ich nach vierzehnstündigem Kragen mit den Haken seinen Hals umschließen fühlte, apfelsinrothe Kürbisse sonnten sich neben stacheligen, grau- Marsch ohne Speise und Trank mit meinen hundert da war es, als ob alle edleren Organe zusammengeschnürt grünen Artischoken; brandrothe Tomaten fletterten an Mann in einen Wald kam, wo wir zufällig einen ver- worden wären, und als ob das Blut auf seinen geheimen Stöcken empor dicht neben baumwollweißen Blumenkohl lassenen Proviantwagen fanden. Weißt Du, was da Wegen zum Herzen stille stünde. Mit der Hand auf töpfen; Sonnenblumen, so groß wie Teller, wandten ihre geschah? Ausgehungert, daß ihnen die Augen im Kopfe Schopenhauer an den Schreibtisch gelehnt, sagte er: gelben Köpfe nach Westen, wo die Sonne unterzugehen standen wie Bergkristalle im Granit, lösten sich die Truppen begann; ganze Wälder von allerlei Gewächsen, weiß wie auf und warfen sich wie Wölfe über die Speisen, und " Zu Ihren Diensten, Herr Pastor, aber ich glaube neugeſtärkte Wäsche, purpurroth wie geronnenes Blut, da sie kaum für fünfundzwanzig Mann ausreichend waren, nicht, daß die Gefangenen Ihnen viel Aufmerksamkeit schmuzigroth wie frischgeschlachtetes Fleisch, schwefelgelb, so geriethen sie in Handgemenge. Auf meine Kommando- schenken werden, denn sie sind augenblicklich bei einer flachsgelb, scheckig, fleckig, sie sangen ein einziges großes worte hörte Niemand, und als der Sergeant mit dem Partie Billard begriffen!" Farben- Konzert. Und dann der Kiesweg, von zwei Säbel auf sie losging, schlugen sie ihn mit dem Gewehr" Ich glaube, Herr Lieutenant", antwortete der Pastor, Reihen Riesenlevkojen bewacht, leicht gefärbt wie spanischer tolben nieder! Sechzehn Mann blieben verwundet und daß ich mein Volt besser kenne als Sie! Eine Frage: Flieder, bläulich- blendend wie Eis und strohgelb, welche halbtodt auf dem Plaze. Diejenigen, welche die Speisen Beabsichtigen Sie, dieſe Jünglinge erschießen zu lassen?" die Perspektive erweiterten bis dahin, wo die braungrünen erwischt hatten, aßen sie maßlos, daß sie frank wurden Natürlicherweise!" antwortete Herr von BleichWeinfelder standen, ein kleiner Wald von Thyrsosstäben, und sich auf die Erde legen mußten, wo sie sogleich in roden, nun vollständig in seiner Rolle." Die Staaten dessen röthliche Trauben unter den Blättern halb ver- Schlaf fielen. Es waren Landsleute gegen Landsleute, führen Krieg, Herr Pastor, nicht die Individuen!" borgen lagen. Und dahinter: die weißlichen, ungeschnittenen es waren wilde Thiere, die sich um die Beute schlugen! Mit Verlaub, Herr Lieutenant, Sie und Ihre Halme des Saatfeldes mit den überfüllten Aehren, die Oder als wir eines Tages den Befehl erhielten, in Soldaten sind also keine Individuen?" traurig ihre Köpfe zum Boden hinabsenken und bei jedem aller Eile Schüßengräben aufzuwerfen. In der waldlosen Mit Verlaub, Herr Pastor, für den Augenblick nicht!" Windstoß der Erde ihr Darlehn zurückgeben, wie die Gegend gab es nichts anderes als Weinranken und deren Brust der Mutter, die ihr Kind nicht nähren darf. Und Stöcke. Es war ein aufregender Anblick zu sehen, wie papier und fuhr fort: weit im Hintergrunde die dunklen Kronen der Eichen und die Weinfelder innerhalb einer Stunde verwüstet waren," Ich bin in diesem Augenblicke nur ein Repräsentant Buchen des Waldes von Fontainebleau, deren Konturen wie die Stöcke mit Laub und Trauben herausgerissen der deutschen Bundesstaaten." sich in den feinsten Ausschnitten auflösen wie alte bra- wurden, um zu Bündeln gebunden zu werden, die noch„ Wahr, Herr Lieutenant, Ihre liebenswürdige brantische Spizen, in deren äußerste Maschen die wage ganz naß waren von dem Saft zerquetschter, halbreifer Kaiserin, die Gott ewig beschüßen möge, war auch eine rechten Strahlen der Abendsonne Goldfäden eingewoben Trauben. Man versicherte mir, daß es vierzigjährige Repräsentantin der deutschen Bundesstaaten, als sie ihre haben. Noch suchten einige Bienen die prächtigen Honig Weinstöcke waren. Wir zerstörten also die Arbeit von Proklamation an die deutsche Frau erließ, den Ververstecke im Garten auf; starke Düfte entströmten ab und vierzig Jahren in einer Stunde! Und nur deshalb, um, wundeten beizustehen, und ich kenne viele tausend franzözu stoßweise den Levkojen, wie wenn man auf einem selbst geschützt, diejenigen niederzuschießen, welche die fische Individuen, die sie dafür segnen, während die Trottoir geht und die Thür eines Parfümladens geöffnet Stöcke angebaut haben. Oder als wir in einem un- französische Nation der Ihrigen flucht! Herr Lieutenant, wird. Der Lieutenant saß, die ruhende Feder in der gemähten Weizenacker tirailliren sollten, wo das Korn in Jesu, des Erlösers Namen( hier stand der Pastor auf, Hand, und schien von dem prachtvollen Anblick bezaubert. wie Schnee unter unsern Füßen knisterte, und die Halme faßte die Hand des Feindes und fuhr mit erstickter Welch schönes Land, dachte er, und seine Gedanken sich niederlegten, um bei dem nächsten Regen zu verfaulen. Stimme fort) können Sie ihr nicht die Verurtheilung wanderten fort zu dem Sandmeer seiner heimathlichen Glaubst Du, theures, geliebtes Weib, daß man nach anheimgeben Gegend, das mit einigen elenden Zwergfichten bepflanzt solchen Thaten des Nachts ruhig schlafen kann? Und Der Lieutenant war nahe daran, die Fassung zu war, die ihre knotigen Arme zum Himmel emporstreckten, dennoch, was habe ich anderes gethan als meine Pflicht? verlieren, aber er erholte sich bald wieder, und sprach: als ob sie um Gnade flehten, damit sie im Sande nicht und man wagt zu behaupten, daß das Gefühl erfüllter" Bei uns haben die Weiber die Politik noch nicht Pflichten das beste Ruhekissen sein soll! in die Hände bekommen!" umfommen. " " " Er legte den Brief an die Gattin unter das Lösch„ Das ist schade!" antwortete der Priester und richtete Aber das herrliche Gemälde, das in dem Fensterkreuz Aber es stehen noch schlimmere Dinge bevor! Du wie in einen Rahmen eingefaßt war, wurde von Zeit zu hast vielleicht davon gehört, daß die französische Besich auf. Beit, regelmäßig wie durch ein Pendel, durch das Gewehr der völkerung, um ihre Armeen zu vermehren, sich in Massen Der Lieutenant hatte durch das Fenster gelauscht, Schildwache beschattet, deren blankblizendes Bajonett das erhoben und Freikorps errichtet hat, die unter dem Namen so daß er auf die Antwort des Pastors nicht Acht gab. Gemälde mitten durchschnitt und gerade unter einem von Franc- tireurs ihre Höfe und Felder zu schützen suchen. Er wurde unruhig und sein Gesicht ganz bleich, denn der steife Kragen konnte das Blnt nicht länger dort oben zurückhalten „Bitte, setzen Sie sich, Herr Pastor", sagte er leicht- hin.„Wenn Sie mit den Gefangenen zu sprechen wünschen, so steht es Ihnen frei, aber bleiben Sie einen Augenblick sitzen!"(Er lauschte wieder hinaus, und nun vernahm man deutlichen Hufschlag, zwei und zwei, wie von einem Pferde in gestrecktem Lauf.) „Nein, gehen Sie noch nicht, Herr Pastor", sprach er athemlos. Der Pastor blieb. Der Lieutenant bog sich, soweit er vermochte, zum Fenster hinaus. Das Traben des Pferdes kam immer näher, bis es in Schritt fiel, langsamer wurde und endlich ganz aufhörte. Geklirr eines Säbels und Sporen, Schritte, und Herr von Bleich- roden hielt einen Brief in der Hand. Er riß ihn an und las. „Was ist die Uhr?" fragte er sich selbst.„Sechs! Also in zwei Stunden, Herr Pastor, werden die Ge- fangenen erschossen, ohne Urtheil und Erkenntuiß!" „Unmöglich, Herr Lieutenant, man schickt Leute nicht so in die Ewigkeit!" „Ewigkeit oder nicht, der Befehl lautet, daß es vor der Vesper geschehen sein soll, sofern ich mich selbst nicht für einen Menschen ansehen will, der mit den Frei- schützen gemeinsame Sache gemacht hat. Und hier folgt ein scharfer Tadel darüber, daß ich nicht den Befehl vom 31. August bereits ausgeführt habe. Herr Pastor, gehen Sie hinein und sprechen Sie mit ihnen und ersparen Sie mir Unannehmlichkeiten..." „Sie halten es für eine Unannehmlichkeit, ungerechtes Urtheil mitzutheilen!" „Aber ich bin doch wohl ein Mensch, Pastor! Glauben Sie denn nicht, daß ich ein Mensch bin?" Er riß den Rock auf, um sich Luft zu machen, und begann im Zimmer auf- und niederzuwandern. „Weshalb dürfen wir nicht stets Menschen sein? Weshalb müssen wir Doppelgänger sein! O, Herr Pastor, gehen Sie hinein und sprechen Sie mit ihnen! Sind es verheirathete Männer? Haben sie Frau und Kind? Vielleicht Eltern!"(Fortsetzung folgt.) Marum.'geht Rußend aufGroberungen aus? Von Stepniak. Fns Deutsche übertragen von B. N. III. Wie dem auch sei, der Adel ist als grundbesitzende Klasse ruinirt und zersetzt sich, weil der Landbesitz sein einziges Privilegium ist. Die große Mehrzahl der russischen Adligen, welche früher Besitzer von Leibeigenen waren, besteht nur mehr aus Inhabern von Jahresrenten; heute stellt diese Schmarotzerklasse ein bedeutendes Kontingent zu einer neuen sehr interessanten Klasse der russischen Gesellschaft, bei der wir ein wenig stehen bleiben müssen. Dieser Klasse und ihrem Charakter sind die meisten Eigenthümlichkeiten des russischen Lebens, die den fremden Beobachter überraschen, zu verdanken. Sie hat weder besondere Privilegien noch eine offizielle Stellung, nimmt aber den lebensfähigsten und wichtigsten sozialen Faktor. die geistige Thätigkeit, in Beschlag. Offiziell werden diese Leute oder vielmehr ein Theit derselben als„Ras- notschinsi" bezeichnet. Der beste Ausdruck würde„Geistes- Proletariat" sein, das sie auch in der That bilden. Was sie auszeichnet, ist ihre mehr oder weniger hohe geistige Entwickelung und europäische Bildung, und die Roth, welche sie zwingt, durch jene ihre Brod zu verdienen. In allen Ländern haben die Leute, deren Beruf die geistige Arbeit ist, häufig keine andere Erwerbsquelle als diese. Sie bilden aber nur einen Bruchtheil jener ungeheuren Zahl von Menschen, welche, obgleich den besitzenden Klassen angehörend, weder Studien noch andere geistige Arbeiten vernachlässigen, da sie dieselben als einziges Mittel zur Vermehrung ihres Einflusses in politischer und sozialer Hinsicht betrachten. Rußland ist im Vergleich mit seinen westlichen Nachbarn ein armes Land, und in Anbetracht seiner politischen Lage durfte es diesen Bestrebungen nicht freien Lauf lassen. Die literatische Karriere war allein im Stande, die Adligen anzulocken; die Majorität war aber zu faul, um an den literarischen oder Wissenschaft- lichen Arbeiten ein großes Interesse zu nehmen. Der Charakter dieser Klasse blieb also im Allgemeinen derselbe: sie bildet das geistige Proletariat im vollen Sinne des Wortes. Wir dürfen nur, um uns darüber zu ver- gewisfern, einen Blick auf die materielle Lage der Stn direnden der russischen Hochschulen werfen. Der kleine Adel, welcher keinen oder zu wenig Grundbesitz hatte, um davon leben zu können, hat zu dieser Klasse ein be- trächtliches Kontingent gestellt; dann folgt das Heer von Rcgierungsbeamten zweiten und dritten Ranges, welchen es nur durch die größte Einschränkung gelingt, ihren Kindern eine genügende Erziehung zu geben, ohne ihnen eine Kopeke hinterlassen zn können. Einen verhältniß- mäßig beträchtlichen Theil liefern auch die Priester der griechischen Kirche, deren zahlreiche Kinder sehr oft nicht geneigt oder auch nicht fähig sind, in einen Orden einzutreten. Diese„Rasnotschinsi" bilden die Majorität der Beamten in der Civil und Militärverwaltung und leiten alle Industriezweige, bei denen einige Bildung erforderlich ist. In der Wissenschaft, Literatur und allen freien Be rufen nehmen sie den ersten Rang ein. Die Befreiung der Leibeigenen hat viel zur Vermehrung� dieser Klasse und zur Verminderung der öffentlichen Müßiggänger und Pflastertreter sawie zur Verbreitung der Aufklärung bei- getragen. Keine Klaffe leidet unter dem herrschenden politischen System mehr als diese, keine ist unzufriedener als sie. Ich lege hier keinen Nachdruck aus die moralischen Leiden, die durch den Verlust des heiligen menschlichen Rechtes, frei denken und sprechen zu dürfen, verursacht werden: es ist leicht begreiflich, daß ein solcher Verlust einen gebildeten, denkenden Menschen geradezu zur Verzweiflung bringen kann. Was aber dem Leser schwer fallen wird, zu verstehen, sind die kleinlichen Plackereien, Verbote, Störungen, willkürlichen Unter- drückungen, welche all den unglücklichen Russen, die sich irgend einer geistigen Thätigkeit gewidmet haben, an Schritt und Tritt drohen. Mag es sich um die Ver- öffentlichung einer periodischen Zeitschrift oder eines Buches, oder um die Gründung einer Elementarschule oder einer Genossenschast handeln— alle: Schriftsteller, Verleger, Lehrer— alle, welche bei einem Unternehmen nichts weniger als die Plünderung des Volkes im Auge haben, sind vernrtheilt, unter dem willkürlichen Druck der Zensur zu leiden, die ihre Schöpfungen und besten Ideen ver- stümmelt; auch sind sie niemals davor sicher, daß ihr Unternehmen und oft auch ihre Existenz nicht durch die brutale Dazwischenkunst eines Gendarmen oder Polizei- beamten zu Grunde gerichtet wird. Seit einiger Zeit deuten untrügliche Anzeichen da- rauf hin, daß selbst diese beschränkte Thätigkeit denen, die durch ihre Erziehung auf geistige Arbeit angewiesen sind, immer schwerer gemacht wird. Ein sehr bekannter russischer Publizist hat in einem kürzlich erschienenen Artikel viele erstaunliche Thatsachen angeführt, welche beweisen, daß in allen Berufszweigen, namentlich in der Medizin, im höheren Unterrichtswe)en, in der Agronomie, der Tech- nologie, die Zahl der Bewerber seit einigen Jahren über die Nachfrage und den Bedarf hinausgeht. In der Me- dizin, die noch vor Kurzem als ein Berus galt, bei welch. m man am sichersten sein Brod fand, herrscht jetzt eine solche Ueberfüllung, daß sich zu jeder durch ein Semstwo, eine Stadt oder Hospitalverwaltung ausgebotenen Stelle 80 bis 90 Kandidaten melden. Während die Semstwos krüher die größten Schwierigkeiten hatten, für die bescheidene Besoldung von 1500— 2000 Rubeln einen approbirten Arzt zu bekommen, haben sie jetzt aus der Menge der Bewerber nur den geschicktesten zu wählen. Manche Semstwos benutzen diese zahlreichen Bewerbungen, um das Gehalt von 1500 auf 1000 oder von 2000 auf 1500 Rubel jährlich herabzudrücken, und wenn sie wollten, könnten sie sogar um noch geringeren Preis Aerzte haben. Mit zahlreichen wissenschaftlichen Diplomen ausgestattet, sehen sich diese manchmal in die Lage versetzt, um ein lächerlich geringes Gehalt die Stelle eines gewöhnlichen Feldschers anzunehmen. Das Kriegsministerium, welches noch vor Kurzem zur Bildung eines Corps von Aerzten soviel Geld ausgeben mußte, weil diese es vorzogen, ihre Kunst frei auszuüben, wird jetzt so mit Gesuchen über- häuft, daß es sich genöthigt sieht, an die Aerzte die öffent- liehe Bitte zu richten. ihm keine nutzlosen Gesuche mehr zu übersenden. Die offizielle medizinische Zeitschrift appellirt von Zeit zu Zeit nachdrücklich an die öffentliche Wohl- thätigkeit, den approbirten praktischen Aerzten, welche brvdlos sind und nicht die bescheidenste Anstellung finden können, hilfreiche Hand zu leisten. Kurz, der Markt ist setzt von dem Artikel, welcher vor einigen Jabren noch so sehr begehrt wurde überfüllt. Indessen würde es durch- aus nicht der Wahrheit entsprechen, wenn man annähme, daß das Land mehr Aerzte hat, als es bedark. In England kommen vier-, in den Vereinigten Staaten sogar zehnmal soviel Aerzte auf die gleiche Einwohnerzahl wie in Rußland. Letzteres hat auf 6400 Einwohner nur einen Arzt, und wenn man von den beiden Hauptstädten absieht, welche ein Fünftel aller Aerzte absorbiren, kommt nicht mehr als ein Arzt auf 8000 Einwohner. Auch in den Provinzen nahmen die Städte die meisten und sicher- lich auch die besten Aerzte in Anspruch. In dem Char- kow'schen Gouvernement praktiziren von 200 Aerzten 123 in der Stadt Charkow selbst und von den übrigen 87 nur 20 in den Dörfern, während der Rest es vorzieht, in den kleinen Provinzialstädten zu bleiben. In gewissen Gegenden vieler Gouvernements kommt manchmal nur ein Arzt auf 47 000, 50 000 und selbst auf 73 000 Seelen. Die offizielle Statistik konstatirt daß von 100 verstorbenen Individuen 93 sterben, ohne je von einem Arzt untersucht worden zu sein. Nur 7% ist also ärztliche Hülfe zutheil geworden. Solche Ziffern sind beredt. Millionen russischer Bauern haben fast keinen Antheil an der Hülfe der Wissenschaft. Und doch weigern sich die Semstnws, junge Aerzte, welche ihnen ihre Dienste anbieten, anzustecken und kürzen denen, welche sie anstellen, das elende Gehalt. Die Bauern befinden sich in solch einem Elend, daß die Semstwos von ihnen keine Kopeke mehr verlangen können. Eine noch so wenig kostspielige ärztliche Behandlung ist also für die Bauern ein Luxus, auf dem äe keinen Anspruch machen können. Was den unbedeu- (enden Theil der Städter, welcher reich genug ist, den Arzt zu bezahlen, anbetrifft, so hat er an der kleinen Zahl von Aerzten welche aus unseren medizinischen Schulen hervorgehen, genug und sogar mehr als genug. Dieselben Verhältnisse finden wir auch in allen anderen wichtigen Berufszweigen. Der Ackerbau steht in Rußland noch auf derselben Stufe wie im 13. Jahrhundert. Von den 385 Agronomen, welche in den Jahren 1861— 1879 auf der Hochschule studirt haben, sind nur 36 im Jahre 1879 als Gutsverwalter angestellt worden— kein einziger darunter von einer Semstwo. Als darauf im Jahre 1881 die Geißel verschiedener epidemischer Krankheiten den Vieh- stand der Bauern vernichtete, wurde offiziell konstatirt, daß mehr als 100 Thierärzte ohne Beschäftigung wären und sich vergebens an das Ministerium des Innern um eine Anstellung gewandt hätten, weil die Semstwos sich geweigert hätten, ihnen eine solche zu geben(Poriadok, 275). Die Verhältnisse liegen ganz offen; für das geistige Proletariat hat eine heftige Krisis begonnen. Der größte Theil der dieser Klasse Angehörigen ist brodlos oder wird es bald sein, da der Bauer, der allein ihrer Hilfe bedarf, völlig ruinirt ist. Die Nothwendigkeit der innigsten Interessengemeinschaft zwischen den Vertretern der Kopf- und der Handarbeit ist von den aufgeklärtesten Russen immer lebhaft empfunden worden. Bei unfern besten Schriftstellern, Publizisten, Kritikern, Dichtern— hat diese durch die Humanitätsphilosvphie des Westens hervorgerufene Empfindung die besten Resultate geliefert. Trotz der Strenge der Zensur haben sie es immer verstanden, die- selbe in den Werken, durch welche die drei letzten Genera- tionen erzogen worden sind, zum Ausdruck zu bringen. Die tüchtige demokratische Gesinnung, welche alle gebildeten russischen Klassen entwickeln, welche bei den„Rasnotschini" und dem niederen Adel ihren Anfang nimmt und bei den höheren Ständen schwächer wird,— diese Gesinnung giebt die schönsten Hoffnungen für die Zukunft; nie wird sie durch die Anstrengungen der Regierung ausgerottet werden, und unsere besten Streiter wird sie immer an- feuern in dem Kampfe, den sie für die eigene Freiheit und die der Bauern gegen die Autokratie führen. Jetzt bestätigt sich dieses, wie wir gesehen haben, in voll- kommenster Weise. Die Demokratie spricht nicht nur zu Kopf und Herz der Leute, sondern auch zum Magen, welcher bei Vielen für die Ueberzeugung am meisten zugänglich ist. Die Regierungsbeamten selbst, mit Ausnahme einiger höherer Beamten, können sich, wenn auch nicht der eigenen Person, so doch ihrer Kinder wegen, nicht wohl fühlen, wenn sie nur die geringste Sorge um die Zukunft drückt. So werden die intelligenten und gebildeten Russen immer einmüthiger in ihrer Unzufriedenhcit gegen die bestehende Ordnung der Dinge. Der Sturz des jetzigen politischen Systems, von welchem das Elend der Nation herrührt, ist für unsere intelligente Klasse eine Lebens- frage. Er bildet eine Nothwendigkeit, die sich allen, die nur sähig sind, es zu begreifen, fühlbar macht. Sie apnellirt an alle Gefühle: an den Edelmuth hochherziger Naturen, an das Interesse aller, die klar sehen können. Dieser Umstand erklärt sowohl die Zähigkeit der Revolution, welche keine noch so grausamen Gewaltmaßregeln aus- rotten können, als auch die große Sympathie, der sie in allen Schichten der Bevölkerung begegnet. Deshalb ist die Lage der Regierung auch so kritisch. Sie kann sich von ihren Todfeinden nicht losmachen, weil der moderne Staat nicht einen Tag ohne eine große Anzahl geistiger Kräfte bestehen kann. Ist es denn möglich, daß ein russischer Student, der die durch unsere edle und humani- täre Literatur gebotene Geistesbildung in sich ausgenommen hat, ein Diener des Zaren wird und sich dazu entschließt, unseren Bauern das Blut auszusaugen? Gewiß nicht. Der graue Mantel des sibirischen Deportirten wird auf ihm nicht so schwer lasten, als die Uniform eines Be- muten. Nur wer kein moralisches Gefühl mehr hat, wer ein schamloser Egoist und aller Menschenwürde ledig ist, kann ohne Bedenken die Stellung eines Tschinownik(Be- amten) des Zaren annehmen. Dies erklärt die Unredlich- keit, die Plünderungen und Unterschleife, welche die russische Verwaltung so berüchtigt gemacht haben. Was nun diejenigen anbetrifft, welche aus Roth oder traditioneller Gewohnheit als Beamte in den Dienst der Regierung treten, so werden sie unzufrieden oder beginnen gar gegen die Regierung zu komplottiren. Der geheime Bericht des Grasen Schuwalow, des früheren Chefs der „dritten Abtheilung" und Gesandten in England, legt ein unparteiisches Zeugniß dafür ab, daß die allgemeine Abneigung der Tschinowniki kein Geheimniß für die Re- gierung ist. Und ein nicht minder unparteiisches Zeugniß giebt die Liste der aus politischen Gründen stattgefundeilen Verhaftungen, welche beweist, daß Verbindungen zum Zwecke der Revolution unter den Beamten nicht minder allgemein sind, als in den anderen Gesellschaftsklassen. Sich auf einen solchen Beamtenstand verlassen zn müssen, ist für eine Regierung zum Mindesten gefährlich; derartige Verhältnisse bieten eine äußerst traurige Perspektive und geben einen besonders günstigen Boden für Verschwörungen ab— von den kleinsten, welche sich in Akten des Terra- rismus äußern, bis zu den größten, bis zu dem gewaltigen Staatsstreich, der früher oder später die Autokratie und die Autokraten stürzen wird, wenn nicht eine allgemeine Zersetzung des Staates die Regierung schon vorher zwingt, die Waffen zu strecken. Kornzölle in Deutschland nach Geschichte nnd Statistik.*) i. Die Agrarier gewannen den Fürsten Bismarck für den Schutzzoll. Derselbe kommt einem Landwirth in jenem Verhältniß zu gute, in dem er Tauschwerth(für *) Wir drucken diesen Aufsatz von Rudolf Meyer aus den „Historisch-volitischen Blättern" in seinen wesentlichen Parthteen im Folgenden ab. Der Verfasser ist zwar konservativ, nnd so weichen unsere Ansichten von den seinigen in manchen Punkte» ab: aber gerade in dem hier besprochenen Thema werden stch die ehrliaien Männer aller Parteien einig sein. Für seine Verössent- lichung ist Meyer mit schmutzigen Verleumdungen nicht verschont geblieben: dieses Geschick hat er schon früher gehabt. Möge ihn die Anerkennung seiner Gegner trösten: die ist vielleicht mehr Werth, und schwieriger zu erringen, wie die von Parteigenossen. 2 t e e t 5 e r t n r e I I e T It e B It n r 1. 1, je D n )= It D te t, 111 ir in ir en en Το en Die itnt hn hr " den Markt bestimmtes Getreide) produzirt, und nüßt ihm großen Theil beruhte, haben wir in 12 Jahren ruinirt| Jahre nach der Erhöhung, bedeutend eingeschränkt, so nicht in jenem Maße, in dem er Gebrauchswerth( für den ein reiches Erbe", würde Bismarck sagen, ist durch daß der Gesammtkonsum nothwendigerweise sinken und die eigenen Konsum bestimmtes Getreide) produzirt. Der gebracht". Aber sind wir etwa dem Auslande minder Bevölkerung auf minderwerthige Nahrungsmittel( KarNugen wächst also ziemlich im gleichen Verhältniß mit tributpflichtig geworden? Unsere Mehreinfuhr mußten toffeln) greifen mußte. Die deutsche Getreideproduktion der Größe des landwirthschaftlichen Betriebes. Während wir 1877 mit 338 Mill. bezahlen, und 1889 zahlten wir läßt eben ein Nahrungsmitteldefizit zurück, welches durch der Bauer auf 10 Hektaren vielleicht 10% der Ernte 343 Mill., d. h. noch ein wenig mehr an das Ausland Einfuhr fremden Getreides allein zu begleichen ist; und verkauft und auf im Ganzen, sage 10 Meterzentner, je für Getreide, als vor Einführung der Kornzölle. wenn nun auch diese Einfuhr durch Schutzölle beschränkt 5 Mark durch den Zoll profitirt, verkauft beispielsweise Freiherr von Tüngen bezeichnete in einem Schreiben wird, so geschieht dies, wie gezeigt, auf die Gefahr hin, der Rittergutsbesitzer von 1000 Hektaren mit Getreide be- vom April 1879 als das Ziel der Kornzollpolitik, daß daß die Ernährung der Bevölkerung minder rationell erstellten Ackers 80% der Ernte, also 8 Meterzentner pro Deutschland in seiner Ernährung unabhängig vom Aus folgt." In der That hat die Produktion des„ minderHeftar 8000 M. und profitirt 5X8000= 40 000 Mark lande gestellt werden solle. Der Fürst Bismarck erklärte werthigen Nahrungsmittels, der Kartoffel", zugenommen. durch den Zoll. sich mit diesem Briefe einverstanden, ließ ihn und seine Wenn aber die Nahrung des Volkes sich verschlechtert Es giebt nun aber viele sehr große Besizungen. Antwort darauf publiziren und klagte in dieser Antwort der Fleischkonsum hat ja auch abgenommen, so muß sich Ebel behauptete( ,, Vorwärts" vom 18. Januar 1891), darüber, daß die meisten süd- und mitteldeutschen Mini- nicht nur seine industrielle, sondern auch seine militärische daß 17 große Grundbesizer 9 des landwirthschaftlichen ſterien nur einen Getreidezoll von 30 Pfennigen pro Leistungsfähigkeit vermindern. Bodens des ganzen deutschen Reiches besäßen). Das Zentner hätten bewilligen wollen, und in einem Artikel Ad 3. Aber warum kaufen denn die Arbeiter, welche mag übertrieben sein, allein erstens ist im Nordosten der Provinzial- Korrespondenz vom 13. Juli 1881, welchen ja angeblich in der Schuzzoll- Aera in Stadt und Land Deutschlands der Großgrundbesiz sehr verbreitet, er be- Poschinger als maßgebend für die damalige Ansicht Bis- mehr verdienen als zuvor, die minderwerthige Kartoffel? trug in Mecklenburg, schon als ich noch in Deutschland marcks zitirt, heißt es:" Wohl aber wäre es für diese Getreide und Brot sollten ja nicht theurer werden: hat war, weit über ein Drittel des Landes. Dort und in Zustände ein wirklicher Segen, wenn die deutsche Land- Fürst Bismarck im Jahre 1879 versprochen, und Fürst Pommern ist das Legen der Bauern seit dem 30jährigen wirthschaft sich auf dem Punkt befände, das Inland reich- Bismarck ist ein ehrenwerther Mann" das war Kriege rastlos betrieben worden. Diese Praxis hat sich lich zu billigen und wenigstens immer zu mäßigen Preisen wenigstens die Ansicht der deutschen Staatsanwälte durch in Preußen seit Emanzipirung der Bauern sehr ausge- mit Korn zu versorgen." Unzählig sind ferner die Verein Vierteljahrhundert? Hierüber ist nun Manches und bildet. Mir ist, nicht fern von Stettin, ein adeliger Herr sicherungen Bismarcks, daß die Zölle nicht den Preis des zwar Mehr zu sagen, als ich hier entwickeln kann. Einiges bekannt, der ein Rittergut besaß, an das ein Bauerndorf Getreides, noch weniger den des Brodes erhöhen würden. aber ist unerläßlich. grenzte; von 16 Bauern kaufte er 15 aus und von noch In der schon angezogenen Reichstagsrede berechnete der In dem Schlußkapitel eines der Bücher, die ich seit mehr Köthern blieben nur zwei im Besiz, das Alles dies- Fürst, daß Deutschland ohnehin bereits Getreide genug 1880 geschrieben, habe ich an den englischen Kornzöllen seits von 1848. So arrondirten sich die großen Güter für seine Bevölkerung produzire, sogar einen Ueberschuß nachgewiesen, wie sie stets die Hoffnungen ihrer Urheber und es entstanden sogar neue. von 100 Millionen Zentnern rechnet er heraus:" Dafür getäuscht und die Befürchtungen ihrer Gegner gerechtAber auch unter dem Adel, welcher diese Güter meist ist der Spielraum, den ich lasse, auf ca. 100 Millionen fertigt haben. Das ist nun auch in Deutschland gebesaß, räumten, wie schon bemerkt, die größeren von ihnen Zentner berechnet, deren Verwendung man mir nachweisen schehen. auf. Wie viele Kleinadeligen hat z. B. während seines soll, ehe man behauptet, daß wir Hunger leiden würden, Der erste Kornzoll von 1 Mt. pro Mz. ist im langen Lebens der Graf Redern**) der Mark Brandenburg wenn heute die fremde Einfuhr ganz wegfiele." Herbst 1879 in Kraft getreten, also für die Ermittelung ausgekauft! Zu Anfang seiner Wirksamkeit war er sehr Also: 1) Der Getreidehandel unserer Ostseestädte des Werthes dieser Ernte noch nicht maßgebend. Herr mäßig begütert, bei seinem Tode soll er gegen 100 Ritter- wird nicht leiden. Wir haben gesehen, wie er zusammen von Neumann- Spallart berechnet diese lezte, vom Korngüter besessen haben. Graf Hahn in Mecklenburg, viele geschrumpft ist. 2) Wir bauen eigentlich schon genug zoll noch unbeeinflußte Ernte zu 2440 Mill. M. Der große Herren in Ostpreußen und Schlesien haben ungeheure Getreide, würden ohne fremde Einfuhr nicht Hunger Boll wurde 1883 auf 3 M. erhöht, aber die Ernte des Besizungen, und manche derselben vergrößern sie durch leiden, der Zoll wird übrigens bewirken, daß wir ganz Jahres 1884 hatte trozdem nur einen Werth von Zutauf. Diese Klasse von Großgrundbesißern hat von unabhängig vom Auslande werden. 3) Getreide und 2113 Mill. M.! Natürlich,- wer sich dafür interessirt, den Korn-, Holz- und Fleischzöllen und Einfuhr- Verboten, Brot werden nicht theurer werden. mag in meinem Buche nachlesen, daß genau derselbe Vordann noch von den Ausfuhrprämien auf Zucker und Ad 2: Als der Kanzler diese verblüffende Rechnung gang in England sich abgespielt hat muß nun 1887 Spiritus einen enormen, nach Hunderten von Millionen im Reichstage aufstellte, konnte er wissen, daß das deutsche der Zoll auf 5 M. pro Mz. erhöht werden. Allein das jährlich sich berechnenden Vortheil auf Kosten der Reich in den sieben Jahren 1872/78 im Ganzen 79 Milli- Resultat ist höchst unbedeutend für die großen GrundKonsumenten. Denn die, und nicht der ausländische onen Meterzentner Getreide im Gesammtwerth von besizer, denn der Werth der Ernte war vor und nachher Produzent zahlen den ganzen oder doch den größten Theil 1600 Millionen Mart mehr ein- als ausgeführt hatte! ziemlich derselbe und betrug 2316 Mill. M. in 1886, des Bolles. Wenn ich noch in Deutschland wäre, würde Alles augenscheinlich bloß zum Privatvergnügen der Herren 2172 Mill. M. in 1887, 2224 Mill. M. in 1888 und ich eine Privatstatistik von etwa 100 der größten Grund- Kornhändler, auf die ja damals alles geschoben wurde! 2287 Mill. M. in 1889. Die Hoffnungen der Gutsbe= besizer aufstellen, was möglich ist. Von den Holzzöllen, Indeß mußte man doch hoffen, daß der Schutzzoll, sitzer sind durch den Kornzoll also nicht realisirt worden, den Zucker- und Spiritus- Exportprämien haben nur einige welcher von 1 Mark pro Meterzentner auf 3 und 1887 er hat nicht einmal ein gewisses Sinken der Grundrente, Hundert großer Grundbesizer Nußen. auf sogar 5 M. bei Roggen und Weizen( Spelz) gesteigert soweit diese vom Geldwerth der Getreideernte abhängt, Ich muß einen kurzen Blick auf die Preisbewegung wurde, wenigstens als Schutzzoll wirken und die Land- verhindern können. Leider ist meine Statistik über deutsche werfen. Wenn man die Hamburger Waarenpreise in der wirthe zur vermehrten Gewinnung von Brodforn reizen Getreidepreise lückenhaft; ich besize die Hamburger NotiPeriode 1847 bis 1850= 100 segt, so steigen die Preise werde, so zwar, daß Deutschland„ unabhängig vom rungen bis zum Jahre 1880 und von 1885-89 jene fortwährend bis zu der Periode von 1871/75, wo sie ihr Auslande in Bezug auf dieses wichtigste Nahrungsmittel des Herrn von Juraſchek. Danach betrug der Hamburger Maximum von 133 erreichen. Von dort ab fallen sie werde, denn dies patriotische Motiv wurde ja vom Kanzler Roggenpreis pro Mz.: 1847/67 durchschnittlich 15,76 Mark 1869 " 1870 1871 17,58 15,66 " 1 " " " " 19,72( Kriegsi., Hüttmann'sches Kartell) 1872 " 1873 1874 15,82 18,16 " " " 18,48 " " 1875 16,64 " " 1876 " 1 1877 " 17,20 17,72 " " 1878 14,32 " " 1879 " " 14,50 Erster Kornzoll im Herbst. 1880 18,36 " . 1885 " 1886 14,6 13,6 " " " 1887 12,8 " " 1888 1889 13,8 " " " 15,7 " 1 1890 fehlt mir. fast regelmäßig und kommen im Jahre 1888 auf 101, zu Gunsten der„ leidenden" Grundbesizer geltend gemacht. also fast auf dem Niveau des Ausgangspunktes dieser Da muß es nun überraschen, daß die Anbaufläche für Periode, wieder an. Im Jahre 1881 standen sie noch Roggen und Weizen( und Spelz) im deutschen Reich, 21% über jenen von 1847 bis 1850. Nehmen wir nun welche im Durchschnitt von 1878/80= 8 181 000 Heftare diesen 1881 er Preis wieder als Basis und gleich 100 an, in Anspruch nahm, in den Jahren 1881-85 erstaunlicher so sinkt der Preis im Jahre 1889 bei den eingeführten Weise auf 8 120 000 ha fiel und auch im Jahre 1889 Waaren bis auf 88,6, bei den ausgeführten Waaren sich nur auf 8 124 000 ha gehoben hat; es ist also heute auf 87,2. Mit dieser Preisverminderung hat der Handel weniger Land der Erzeugung von Brodkorn gewidmet, Deutschlands in allen Stapelartikeln rechnen müssen, denn als es vor Beginn des Schutzzolles war! die Industrie schützt dort der Schutzzoll nicht bei der Der Ernteertrag an Weizen und Roggen ist denn Ausfuhr. Nur der Getreidehandel nicht! auch- gefallen. Im Jahresdurchschnitt betrug er Die Schutzzollgefeßgebung hat zunächst den blühenden 1878/80 87 Mill. Meterzentner, 1881/85= 86 und deutschen Getreidehandel, ein Erbstück der Hansa, fast in den Jahren 1888 und 89 nur noch 84 Mill. Mz.! Deutschland war von jeher ein Entrepot für Ja der ganze Ertrag von Weizen( und Spelz), Roggen, russisches und polnisches Getreide gewesen, das hier mit Gerste, Hafer und Buchweizen fällt vom Jahresdurchdeutschem gemischt und zuat Theil weiter nach dem Westen schnitt der Periode 1878/80, wo er 155 Mill. Mz. begeführt wurde. Die legten Kämpfe der Hansa galten trug, auf 150 mill. Mz. in 1881/85 und 148 in März 1891 in Hamburg verzollter 19 M., unverzollter 13,4 M. Holland, das etwas von diesem Zwischenhandel und seinem 1888 und 89. Im März 1891 finde ich Weizen in Berlin 208 M. ruinirt. " hier fehlen mir einige Jahre. Höchster Kornzoll. Gewinn an sich zu ziehen dachte. Jetzt haben die Russen Da die Bevölkerung Deutschlands seit Beginn der pro 1000 Kilo, in Mannheim 215, Köln 215, Hamburg sich einen direkten Export geschaffen, Libau, Riga, Schutzzollperiode doch um 10-12% gewachsen ist, so verzollt 195-205, Danzig dito 197, unverzollter Weizen St. Petersburg haben den Vortheil von dieser Politit sollte man eine starke Zunahme der Einfuhr von Roggen, fostet in Danzig aber nur 153. Verzollter Roggen kostet des Fürsten Bismarck. Dies ist ihm rechtzeitig voraus- Weizen und Mehl annehmen. Dieselbe ist aber nicht ein- in Hamburg 185-190, unverzollter 132-136, in Danzig gejagt worden, aber in seiner großen wirthschaftlichen getreten, denn von 10 Mill. Mz., die sie im Durchschnitt 105 resp. 120, in Danzig fostet unverzollte Gerste 105, Rede vom 29. Mai 1879 machte er sich lustig über diese der Jahre 1874/78 betrug, ist sie nur auf knapp 11 Mill. verzollte 142 M. Idee: beim Weizen ist die Preis„ Mit der Veränderung der Absatzwege aus Ruß- Mz. im Durchschnitt von 1885/89 gestiegen. Immerhin Man muß zugeben, daß die Kornzölle im Allgemeinen land, ich will einmal sagen, von Danzig nach Libau, hat der Schutzzoll uns vom Auslande nicht unabhängig den Preis des Brodkorns nicht gehoben haben, sie haben aber wovon jetzt viel die Rede ist, kann man nur Leuten bange gemacht. Wenn man den Werth der Mehreinfuhr aller bildung ähnlich machen, die das Geschäft und die Geographie nicht fennen." Berealien inkl. Malz in's Auge faßt, findet man, daß diese Waare vor der allgemeinen und auch in Deutschland Im Jahre 1878, vor dem ersten Kornzoll, hatte der der Tribut an das Ausland" trop Schutzzoll wächst. eingetretenen Preisermäßigung einigermaßen behütet, und auswärtige Kornhandel Deutschlands noch einen Werth Er betrug im Jahresdurchschnitt 1872/74 148 Mill. M., wenn sie nicht gewesen wären, würden die Konsumenten bon 1094 Mill. Mt., wovon 378 in der Ausfuhr. Die 1875/79 291 mill. m., 1880/84 276 Mill. M. und billiger leben.*) Mehreinfuhr war 338 Mill. Mt. werth. Nach der ersten 1885/89 228 Mill. M., aber im letzten Jahre betrug er Erhöhung des Kornzolles vermindert sich der Gesammt 344 Mill. M. Im " Produktion und Technik. Die Arbeitstheilung im Fleischergewerbe in Berlin. Wie selbst die zurückgebliebensten und ihrer Natur nach scheinbar konservativsten Gewerbe in den Strudel der modernen revolutio= nirten Produktion gezogen werden, zeigt anschaulich ein Artikel des Direktors Hausburg über die Arbeitstheilung im Fleischergewerbe zu Berlin. werth unseres internationalen Handels schon auf 450 Mill., Die Unabhängigkeit vom Auslande ist also nicht erwovon nur noch 51 Mill. auf die Ausfuhr kommen. reicht; es überrascht angesichts der stabil bleibenden ProJahre 1889 ist dieser vor 12 Jahren noch fast duktion und der wachsenden Bevölkerung, daß der Import 1100 Mill. betragende Getreidehandel auf 413, fast ein nicht stärker gewachsen ist. Der österreichische Statistiker Drittel, hinabgedrückt, wovon auf die Ausfuhr nur noch F. v. Juraschek klärt uns über diesen sehr dunklen Punkt 35 Mill. kommen. Also, erstes Resultat: Den über fünf auf. Nach ihm betrug der Jahreskonsum eines Mitgliedes hundertjährigen internationalen Kornhandel, auf dem der des deutschen Volkes an Brotgetreide( Weizen, Spelz und Alle Thiere, Großvieh, Kleinvieh und Schweine, müssen im städtischen Schlachthof geschlachtet werden; Privatschlächtereien Wohlstand unserer Städte von Memel bis Lübeck zum Roggen) 1880-85-184,97 stilo, 1886-90-176,08 Kilo, in der Stadt giebt es nicht. ja im Jahre 1889/90 sogar nur 162,35 Kilo! In den Hauptkäufer am Schlachtviehmarkt sind neben den Expor ef, auch Nr. 13 der Berl. Volksti.", wo eine freilich Uebersichten der Weltwirthschaft" S. 132 bemerft jener teuren die Berliner Engrosschlächter. Wenigstens drei Viertel, gegeben wurde. D. R. en lückenhafte Zusammenstellung der bedeutendsten Latifundien Gelehrte hierzu:„ Infolge der rasch wachsenden Volks- vielleicht auch sieben Achtel aller Schlachtungen werden durch die 310 Engrosschlächter bewirkt. So nennen wir diejenigen Fleisch**) Redern soll 2% Meilen, Graf Arnim- Boizenburg menge vermochte die einheimische Produktion trotz ver- hauer, welche das für eigene Rechnung erschlachtete Fleisch nicht 2% in der besten Gegend der Uckermard Hinterlassen haben, und mehrter Anbauflächen(?) und Einheitserträge dem Indi- in kleinen Stücken an das Publikum abgeben, sondern in Biertelwie wenig ist das doch, verglichen mit den 26 Meilen des viduum feine erhöhte Verbrauchsmenge zu gewähren, ja rindern, halben Schweinen, ganzen Kälbern und Hammeln an Bürsten Bleß oder den je 55 Meilen ein paar anderer noch nach ungünstigen Ernten wie 1388, 1889, wird lettere die„ Ladenschlächter“, d. i. die Inhaber der Fleiſchläden, zu Enreicherer Herren? Für solche Besitzungen beziffert sich der aus der deutschen Agrarzollpolitik fließende Augen auf Hundert sogar wesentlich reduzirt; gleichzeitig haben die Schutzölle*) Nur 1891 ist Roggen wirklich theurer als durchschnittlich tausende von Mark im Jahr. " den Verbrauch fremden Getreides, besonders im ersten seit 1847. grospreisen verkaufen und ihnen das Fleisch mit ihrem eigenen Wagen vom Schlachthof oder vom Engrosfleischmarkt der Markthallen aus in ihre Verkaufslokale schaffen. Und zwar betrugen Die Beträge für die Privatschulen sind natürlich nicht mit durch die Erscheinungen der neuesten Streits der Bergleute, eingerechnet. welche wieder beweisen, daß die deutsche Arbeiterschaft zum Hält man dagegen, daß die Summe der Kosten 1875 79 Sontraktbruch neigt.(!) Wieder sind die Bergleute ohne Von den ca. 600 bis 700 Ladenschlächtern" erschlachten nur Millionen betrug, so wird dadurch die gewaltige Verbesserung, jeden Grund kontraktbrüchig geworden und ist ein Zwang sehr wenige thre Waare selbst. Einige kaufen zwar ihren kleinen die das französische Schulwesen erfahren hat, deutlich. Die Haupt- ausgeübt worden. Es haben im Bundesrathe Erwägungen Bedarf von Vieh, lassen dasselbe aber durch die am Schlachthof last derselben hat der Staat getragen, denn derselbe wendete 1875 stattgefunden, ob unter solchen Umständen das Gesez noch selbständig arbeitenden 60 Lohnschlächter" gegen Stücklohn nur 17 Millionen für Schulzwecke auf. annehmbar ist. schlachten. Auch die„ Lohnschlächter" besitzen Wagen, mittels Preußen hatte dem gegenüber 1886 ein Schulbudget von dere:: sie den Auftraggebern das erschlachtete Fleisch, die Ein- 116 615 648 Mark. geweide, den„ Kram", bei Schweinen auch das Blut ins Haus schaffen. Ein Theil ihrer Auftraggeber find Restaurateure und Kellerwirthe, welche Wurstmacherzi für den eigenen Bedarf betreiben. Die weit überwiegende Mehrzahl der Ladenschlächter" aber kauft auf dem Schlachthof oder auf den Fleischengrosmärkten den Fleischbedarf in ganzen und halben Thieren und in Viertel- das Schulgeld rindern zu Engrospreisen. Außerdem giebt es noch einige sonstige Quellen Marktschlächter", welche keine Läden, sondern in den Markthallen und auf den öffentlichen Märkten Verkaufsstätten haben, deren Bedarf an Fleisch sie selbst am Schlachthof erschlachten. An den öffentlichen Fleischmärkten haben auch auswärtige Schlächter ihre Stände zum Engros- und Detailverkauf. die Einkünfte aus dem Schulvermögen die Beiträge der Gemeinden des Staates " " Abgaben der Dienstnachfolger Abg. Singer( Soz.) erwidert, die Ausführungen des Ministers seien vom Polizeigeist geradezu durchtränkt.§ 153 würde nicht die Streits verhütet, sondern im Gegentheil die 7 939 512 Mark wüstesten Klassenkämpfe hervorgerufen haben. Den letzten Streif 82 741 359 hätte der Minister besser gethan, nicht zu erwähnen. Es sei höchst wahrscheinlich, daß der Streik von den Kohlenspekulanten ins Leben gerufen und mit großen Geldmitteln fortzusetzen ver sucht ſet. " 14 021 886 151 263 10 926 085 835 543 " 1 " 1 " " 1 116 615 648 Mark. Die Zahl der Kinder ist ziemlich die gleiche. Privatschulen. Frankreich hatte 1887 4 963 392 Rinder ohne diejenigen in Preußen hatte 18864 838 247 Kinder ohne diejenigen in Privatschulen. Die Zahl der Lehrkräfte betrug in denselben Jahren in Frankreich 104 765 in Preußen 100 366 Handarbeitslehrerinnen mit eingerechnet. Dabei sind in Preußen auch nur die theilweise beschäftigten " " " 1 393 225 Mk. " Das Berliner Adreßbuch zählt gegen 2000 ſelbſtändige Schlächter- und Fleischverkaufsgeschäfte auf. Außerdem führt ein großer Theil der Material- und Delikatessenwaaren- Handlungen auch feine Fleischwaaren, Wurst u. s. m. Diese Hinüberleitung des Schlachtbetriebes in die jetzigen Formen der Engrosschlächterei und des Fleischhandels macht von Jahr zu Jahr weitere Fortschritte. Die Zahl der„ Ladenschlächter", welche für eigenen Bedarf selbst schlachten, ist, wie gesagt, schon heute eine verschwin- und Fachschulen ausgiebt, und was Paris für Fortbildungskurse Verglichen möge noch werden, was Berlin für Fortbildungsdend geringe. Diese Theilung der Arbeit ist durch den Schlacht- und gewerblichen Unterricht, abgesehen von der Volksschule, auf zwang, durch die Schließung der privaten Schlachtstätten, durch wendet. die große Entfernung des Schlachthofes von den Verkaufsläden herbeigeführt, ja nothwendig geworden. Sie wird durch die Einrichtung von Schlachtkammern an Stelle der großen Schlachthallen, durch entgegenkommende Haltung der Schlachthofverwaltung, durch eine liberale Schlachthofordnung unterstützt. Sie hat die Leistungsfähigkeit der einzelnen Schlächterkategorien, sowie der Gesellen, ja selbst des einzelnen Individuums erhöht. Durch die Theilung der Arbeit ist das Schlachten billiger geworden. Fast alle Ladenschlächter und Fleischhändler haben ihr Fuhrwerk abschaffen können; ein Theil derselben bedarf keines Gesellen und hat seinen Ausgabenetat für das Geschäft erheblich reduzirt. Die Ladenschlächter und namentlich diejenigen, welche unter den Engrosschlächtern ihre festen Lieferanten haben, brauchen sich von ihrem Verkaufslokale selten zu entferuen und nur so oft, wie es der Besuch der eigenen Kundschaft verlangt. Berlin nach dem Etat 1890/91 Paris 1886 1 663 517 In England betrugen die Einnahmen der Gemeindeschulen Schulfonds Freiwillige Beiträge Staatsbeitrag Schulgeld der Eltern der Armenpflegen Schulsteuer Verschiedenes Total M. M. 79 480 22 820 26 445 280 13 187 660 214 500 26 409 740 1 117 440 67 476 920 Kirchenschulen M. 3 201 740 15 150 580 39 340 40 24 434 600 972 180 930 340 84 229 860 Arbeitslöhne in Sachsen. Niedrigste Löhne pro bis 9 Mt., Männer 10-12 Mr. Schirmgeschäft, Näherinnen 5-8 Mr. Filzschuhfabrikation für Mann und Frau zusammen 12 Mt. Rüschennäherinnen, 8-9 Std. Arbeitszeit, 3-5 Mt., bei gänzlichem Tagwerk 6 Mk. Abg. Bebel erklärt, daß die Soziali emokratie bis zum letzten Augenblicke vor dem Streit gewarnt habe. Da aber diese Warnung nichts genützt habe, sei allerdings die Vermuthung hervor gerufen worden, daß andere Mächte, die ein Interesse an dem Streit hatten, dabei ihre Hände im Spiel gehabt haben. Und Berichte aus den Streifgegenden hätten das überaus wahrschein lich gemacht. Noch in den letzten Tagen habe auf der Eisenbahnfahrt von Köln nach Berlin ein großer Bergwerksbesitzer einem Mitreisenden gegenüber geäußert: es ist schade, daß die Sache so rasch zu Falle kommt; wir dachten, daß jetzt die Zeit gekommen, die Kerle unter die Füße treten zu können. Es sei also ganz klar, daß die Bergwerksbesitzer nur die günstige Konjunktur hätten ausnutzen wollen. Minister von Berlevsch erklärt natürlich, daß den Behörden nicht das geringste Anzeichen zur Kenntniß gekommen ist, daß der Streik von den Industriellen provozirt ist. 117. Sikung.( Dritte Berathung des Zuckersteuergesetzes). Abg. Graf Mirbach( f.) stimmt nur so lange mit dem Bundesrath überein, wie sein Geldbeutel sich gut dabei steht. Deshalb ist er jetzt oppositionell gesinnt. Dem Polen Abg. v. Koszielski ist es peinlich, der Re gierung Opposition zu machen( habt ihr's gehört, verrathene Polen?) Aber wo es sich um den Futterkorb handelt, da kennt er feine Grenzen, und opponirt auch. Bravo, tapferer Schlachziz, noch ist Polen nicht verloren, so lange es noch solche Männer in den Reichstag senden kann! Die Abg. Schippel( Soz.): Die Zuckerindustrie ruinire den Kleinen Bauernstand, revolutionire die alten landwirthschaftlichen Betriebe und schaffe dieselben Gegensätze wie bei der städtischen Industrie, Großkapital und Proletariat. Die Zentren der Zucker industrie würden die Zentren der sozialdemokratischen Agitation auf dem Lande werden. Es handele sich hier nicht um Schuh der Zuckerindustrie, sondern um Bereicherung einzelner Industriellen. Die Prämienwirthschaft müsse radikal beseitigt werden. Zuckerindustrie habe genügenden Entgelt für ihre Opfer gehabt. Die Zuckerfabrik, an welcher Abg. v. Bennigsen betheiligt sei, habe das Aktienkapital zweimal abgeschrieben und im letzten Jahre 18 pCt. Dividende gezahlt. Da brauche man dem Volke nicht noch weiter die Tasche zu leeren. Der Zucker sei ein nothwen sumsteuer. Es sei ein Skandal, daß in Deutschland, dem Lande der billigsten Zuckerherstellung, der Zucker so theuer sei. Der ( Nach Lehr, Hausindustrie.) Antrag Orterer wolle abermals neue Millionen aus den Taschen Höchste Löhne: Statistik der Leipziger Ortskrankenkasse. beweise wieder, daß das Zentrum nichts weiter sei, als eine des Volkes in die Taschen der Zuckerindustriellen bringen. Gr Ueberall das Zurückdrängen der kleinen, vereinzelten Pro- Unter ihre Mitglieder hatten ein tägliches Einkommen von duktion, überall das Aufgehen in eine planmäßig geordnete, Stelasse männl. weibl. zusamm. wirthschaftliche Interessenvertretung. Das könne den Sozial welche nicht mehr bloß an die nachbarliche Kundschaft denkt, son- 1 demokraten nur recht sein für ihren nächsten Wahlkampf in den 8,753 55 8,808 dern die ganze Großstadt umfaßt, die Bedürfnisse jedes Bezirkes 2 6,289 6,313 fatholischen Landestheilen. kennt und danach die Arbeit dirigirt die Vorstufe zur sozia- 3 listischen Produktionsweise. Alle Ladenschlächter, die nicht selbst schlachten, können sich durch Ankauf von den Rinder, Hammel- und Schweine- Engros- Woche: schlächtern denn so unterscheiden sich die Letzteren gerade Papierlaternenfabrikation, 11-13 Std. Arbeitszeit, Frauen 4,50 mit denjenigen Fleischsorten und Fleischtheilen versehen, für welche fie, je nach der Straßengegend, ihre feste Kundschaft haben. Sie find der Mühe überhoben, unbequeme Nebenprodukte oder solche Fleischtheile zu verwerthen, für deren Abnahme ihnen der feste Kundenkreis fehlt. Sie sind auch nicht mehr gezwungen, ganze Rinder auszuschrotten oder größere Vorräthe zu halten, da sie Seidenfiletarbeiterinnen, 6-9 Std. Arbeitszeit, 4-5 Mk. den Tagesbedarf auf den Engrosmärkten täglich ersetzen können. Fellnäherinnen 5-6 Mt., jährlicher Durchschnittsverdienst 120 diges Nahrungsmittel, deshalb sei er überhaupt gegen eine Ston Der Miethswerth ihrer Häuser, deren ehemalige Schlachthöfe jetzt mit Wohnhäusern bebaut find, hat sich gehoben. Der Gewerbebetrieb ist für die mitthätige Meisterin ein bequemer, das Hauswesen sauber geworden." Verschiedenes. - Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache, daß, wie die so eben beendete Volkszählung in Frankreich darthut, die Zunahme der großstädtischen Bevölkerung dort keineswegs so bedeutend ist als im deutschen Reiche. Hierfür liegen zwei Beispiele vor. Paris hat während der fünfjährigen Zählperiode ( 1886-1891) nur um 32 000 Köpfe jährlich zugenommen, während Berlin um 52000 im Durchschnitt gewachsen ist, Marseille aber weist gar nur eine Zunahme von 3000 Seelen im Jahre auf ( 375 000-400 000). Für einen Handelshafen ersten Ranges ist das sehr wenig. Zeichen des Alters! Ausgaben der drei„ Kultur staaten für die Volksschule: An Kosten für die Schulen tragen in Frankreich die Gemeinden diejenigen für die Schullokale, die Departements diejenigen für die Seminare und die Wohnungen der Schulaufsichtsbeamten des Departements, der Staat kommt auf für die Gehälter der Lehrer und der Generalaufsichtsbeamten. Es fielen im Jahre 1887 auf die Gemeinden 70 Millionen " Departements 17 " 6 den Staat 84 " 1 171 Millionen. Allen Kollegen und Genossen empfehle mein Weiß- und Bairischbier- Lokal Verkehrslokal der Maurer. Arbeits- Nachweis der Steindrucker und Lithographen und Filzschuh- Arbeiter. Julius Wernau bis 150 Mt. Fellrupfer 7 Mk. 4 5 6 über 3,50 M. 3,25-3,50 " 1 2,51-3,24 2,01-2,50 bis 2, 1,51-2,90 15,586 24 112 " " 1 12,670 321 8,941 " 1,379 " 2,917 10,583 ( jugendl. u. weibl.) 5,931 148 1,298 52 7 jugendl. Personen 8 Personen u. 14 Jahren 15,698 118. Siknng.( Zweite Berathung des Nachtragetats.) 12,993 Es wird davon gesprochen, ob man die Duallas massakriren 11,851 soll, welche böswilligen Afrikaner die Geschäfte unserer 11,962 Schnaps- Kulturträger stören. Abg. Barth( dfr.) Das angefochtene Handelsmonopol der 7,229 Duallas besteht bereits seit über 100 Jahren, und kein Staat 200 hat bisher versucht, es mit Gewalt zu durchbrechen. Der Ver Ein lehrreiches Beispiel. Vor etwa sieben Jahren such, Handelswege in das Innere zu schaffen, bedeutet Serieg wurde die Waterloo- Brücke in London von dem Brückenzoll von ½ Penny befreit, der bis dahin erhoben wurde. Was war die Folge? Daß die Miethe der Arbeiterwohnungen auf der rechten Themseseite um 6 Pence pro Woche erhöht wurden, weil die Arbeiter jetzt diesen Betrag an Brückengeld ersparen. oder Ausrottung der Duallas, denn deren einzige Ernährung beruht bisher auf dem Durchfuhrhandel nach der Küste, und wenn wir ihnen diesen nehmen wollen, so werden sie sich das nicht ohne Weiteres gefallen lassen wollen. Gewiß sind wir in der Lage, mit Pulver und Blei die Negervölker in Raison zu Das finstere Mittelalter. Nach Janssen's Geschichte bringen, aber man muß sich klar werden, daß dieser Entwicklungs der deutschen Völker verdiente ein Tagelöhner im Fürstenthum prozeß nur durch Ströme von Blut sich vollziehen kann. Und Bayreuth 1464 täglich 18 Pfennig, wofür er sich 18 Pfund Brat- wenn man auf der einen Seite sich so bemüht zeigt, ein paar wurst oder 9 Pfund Rindfleisch kaufen konnte. Mit seinem Neger zum Christenthum zu überzeugen, und hier so leicht eine heutigen Lohn kann er nur 2 Pfd. Rindfleisch kaufen. Vom Reichstag. 116. Sihung. Politik einschlägt, bei der Tausende von Negern ihr Blut laffen müssen, so ist das doch eine eigenthümliche Humanität.( manität soll das auch gar nicht sein, aber Geschäft.) Geheimrath Kayser: Wir haben es ja mit Wilden zu thun!!( Wir Wilden sind doch bessere Menschen??)" 119. Sikung.( Fortsetzung.) Fortsetzung der 3. Berathung der Gewerbenovelle. Es wird beschlossen, bei der Ausschmückung" des neuen Handelsminister von Berlepsch spricht sein Bedauern Reichstagsgebäudes keinen Marmor, sondern nur Stud anzu über die Ablehnung des§ 103, der Bestrafung der Aufforderung wenden, damit dem Talmiparlament auch ein Talmigebäude zum Kontraktbruch, aus. Dieses Bedauern ist verstärkt worden entspreche. E. M. Wilschke, Junkerstrasse 1. Katzbachstr. 1( Ecke der Yorkstr.) Cigarren u. Tabacke, Pfeifen u. Cigarrenspitzen, alle Sorten Eigarretten. Berlin C., Rosenstraße 30 Bahlstelle der„ Volksbühne", der Bildungsschule und des Wahlvereins. ( früher Kuhlmey.) 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