Berliner IMS-TlMU. Sozial-Politisches Wochenblatt. Aus der Woche— Soziale» au» Australien.— Da» Gemetzel von Fourmte» und seine Konsequenzen.— Kornzölle in Deutschland nach Geschichte«nd Statistik. II. — Uerschiedene». Gedichte.— Novelle.— Warum geht Rntzland auf Grokernngen an»? IV.— Die soziale Revolntion in London. I.— Die Zunahme der städtischen Bevölkerung. Uon den segensreichen Wirkungen de« Kapitalismus. Literarische». Aus der Woche. — se— Aus Ulm wird ein ganzes Vierteldutzend Soldatengeschichten auf einmal gemeldet. Eine Patrouille schoß Nachts um 10 Uhr in einer engen und Verkehrs reichen Gasse aus zwei Soldaten, welche wegen Exzesses zur Wache gebracht werden sollten, aber ausrissen. Es ist nur dem Zufall zu verdanken, daß Niemand verletzt wurde. In derselben Stadt hantirte ein Osfiziersbursche in der Wohnung seines Herrn am Fenster mit dessen Revolver. Plötzlich ging ein Schuß los, und eine auf der Straße vorübergehende Magd sank schwergetroffen zu Boden. Dritter Fall. Auf dem Schießplatz zu Neu- Ulm erschoß sich ein Soldat. Er hatte mit den fünf scharfen Patronen nicht die genügende Zahl Treffer ge- macht und erhielt deshalb einige Tage Arrest. Zugleich gab man ihm eine sechste Patrone zu einem weiteren Schuß auf die Scheibe. Er trat zur Seite und schoß sich die Kugel in's Herz. — Die Papierfabrik Varzin, an der Fürst Bismarck als Hauptaktionär betheiligt ist, vertheilt 14 Prozent Dividende. Bei einem Aktienkapital von einer Million wurden 413,021 Mark Bruttogewinn erzielt. Dies Re- sultat mag den großen„Sparer" im Sachsenwalde baß erfreuen, vielleicht mehr als der mit Hilfe deutschfreisinniger Mannesseelen eroberte Reichstagssessel. Und da soll die alte Raketenkiste nicht für seine Mitbrüder, die bedrängten und bedrückten Großkapitalisten in die Schranken treten und ihre Interessen verfechten wie eine pommersche Wild- sau ihre Jungen, besonders wenn noch vier Zentner schwere silberne Tafelservice als Trinkgeld abfallen? Recht hat der einzige große deutsche Idealist und Säkularmensch. Es lebe das Geschäft und die Schlauheit! Eine Frage wagen wir uns— natürlich in tiefster Demuth— zu erlauben: Macht Bismarck auch noch unterm„neuen Ktrrs" als Papierlieferant und Telegraphenstangenbesitzer Geschäfte mit dem deutschen Staate? — Die Erfurter Stadtverordneten haben 500 Mk. bewilligt, damit ihr Polizei Inspektor Metzler das Reiten lerne. Einer der Stadtväter ließ die Meinung laut werden, es sei vielleicht angezeigt, Vorsorge zu treffen, damit das sichtbare Haupt der Stadtschutzengelschaar bei den Reitübungen nicht Schaden nehme. Der Beschluß der Erfurter wird in anderen Orten Nachahmung finden. Wie wir vernehmen, wollen die Herren von Buxtehude ihren Polizisten das Fagottblasen beibringen lassen. Die von Schöppenstedt halten es wieder mit dem Walzertanzen. In ganz Sachsen kommt der a, capella Gesang zu Ehren. Und das ist recht und gut. Wo die Polizisten singen, laß dich ruhig nieder, singende Schutzleute konfisziren keine Lieder, selbst wenn diese politisch sind. — Unsere Zeit ist brutal und jedes höheren Auf- schwunges unfähig geworden: selbst Königinnen kommen schon auf den Schub. Diese Gutthat wurde am 18. Mai der Königin Natalie von ihren ehemaligen serbischen Unterthanen zugefügt. Die Regierung warf sie einfach aus dem Lande. Die Belgrader Polizei scheint aber in Handschuhen zu amtiren. Sie griff bei der Ausweisung das erste Mal so sachte zu. daß es einigen jungen Studentlein und anderen warmblütigen Jungmännern— Madame Kerschko ist noch immer eine schöne Frau— gelang die Ausgewiesene in ihre Wohnung zurück zu bringen. Bei dem Rummel wurden ein Dutzend Personen getödtet und viele verwundet. Geht's nicht bei Tag, so geht's bei Nacht, dachte die Negierung und versuchte die Ausweisung in der grauenden Frühe des nächsten Tages zum zweiten Male. Diesmal gelang's. Die Polizisten stiegen durch die Fenster in den Königinnenpalast, die Landesmutter wurde aus den Federn geholt und zum Königreiche hinausspedirt. Derweil aber saß der junge serbische König in seinem Lustschloß und weinte. Die Weltgeschichte ist manchmal sehr ironisch aufgelegt; dann geht aber auch das schönste monarchische Prinzip aus dem Leim — Der achtundsiebzigjährige französische Admiral de Kergrist hat sich zu erschießen versucht, weil ihm ein Anderer mit einer Anzeige drohte. Der edle Vaterlands- vertheidiger hatte sich von einem Vater dessen dreizehnjährige Tochter zuführen lassen, natürlich nicht, um mit ihr in der Bibel zu lesen. Der Vater beanspruchte für seine Kupplerdienste große Summen. Da hörte für den alten Sünder die Gemüthlichkeit auf und er griff zum Knallinstrument. Das beweist natürlich nichts. Unsere„Gesellschaft" bleibt, was sie ist, eine Sammlung schlohweißer Engelein.— — X Folgenden ergötzlichen Artikel bringt das ultra montane„Bayerische Vaterland": „Die Bergleute im Saargebiet haben alle Verbindungen mit dem Kaplan und Reichstagsabgeordneten Dasbach, dem Meister und Vorbild des Passauer Propheten Pichler, abge- brochen, alle katholischen Vereine der Bergleute sind zur Sozialdemokratie übergegangen, das Saargebiet, noch vor Kurzem die zuverlässigste Gefolgschaft der katholischen Geistlich- keit, ist für das Centrum verloren, Kaplan Dasbach verkündet dies in seinen Blättern und begeht noch die Thorheit und Jgnoblesse, den Arbeitern eine— Rechnung über 600 Mark Bereinsanzeigen zu senden, die er immer umsonst aufgenommen hatte. Man hat da wieder ein Borbild dessen, was in der Regel die Geschichte und das Schicksal der katholischen Vereine, besonders der katholischen Arbeitervereine ist. So lang es den Mitgliedern wirthschaftlich noch leidlich gut geht, so lang sie noch Fortkommen, für'8 Geschäft ec.) bleiben sie„katholisch", d. h. im „katholischen" Berein uno„zeigen sich den Priestern"; geht's ihnen aber wirthschaftlich krumm, hoffen und können sie nichts mehr hoffen, d. h. erfüllen sich die schönen Versprechungen nicht und läßt sich nichts von„goldenen Bergen" blicken, sieht man sich getäuscht und angelogen, dann wird man unzufrieden, lässig, rebellisch, und das Ende vom Lied ist regelmäßig, daß das .katholische Lager" sich leert und das sozialdemokratische sich füllt, d. h. daß das unzufriedene Volk, das durch die Bereine und Bereinsredereien einmal Geschmack an öffentlichen Dingen, Bereinen und Politik gefunden, ins sozialdemokratische Lager überläuft. So sind namentlich die katholischen Arbeitervereine, welche nie halten können, was darin versprochen wird, in denen nian aber die Mitglieder an Beschäftigung mit sozialen Fragen gewöhnt hat, ohne sie festhalten zu können, in der Regel eine Vorschule der Sozialdemokratie. Der Kaplan oder was er sonst ist, der in seinem Unverstand und Uebereifer die Schweinerei angerichtet, läßt sich dann„versetzen", aber die Schiveinerei bleibt und die Poschinger u. s. w., die bisher zuftiedene, künstlich, bezw. geistlich gezüchteten neuen Sozialdemokraten aus- kommen köunenl" Schlimm, sehr schlimm! Aber diese Arbeiter sind doch auch wirlich zu schlechte Menschen! — Tie Japanesen haben uns eingeholt. Wie Telegramme aus Tokio, der Hauptstadt Japans melden, hat die sozialistische Bewegung auch von Japan Besitz ergriffen. In zahlreichen Orten Japans soll der 1. Mai als Arbeiterfeiertag, zum großen Schrecken der Regierung, festlich begangen worden sein. — Einführung von chinesischen Arbeitern. Die „Mecklenb. Nachrichten" enthalten nachstehendes Inserat: „Diejenigen Herren, welcbe zum Frühjahr 1892 gewillt sind, chinesische Arbeiter(Kulis) zu engagiren, werden gebeten, ihren Bedarf, d. h. Anzahl der männlichen Ar- beiter, bei mir anzumelden. Die Kosten beim zehnjährigen Kontrakt betragen pro Kopf 200 M. Alt-Poorstorf bei Kirch-Mulsow. Knaudt." Dieses neueste Verbrechen dieser Herren wird unübersehbare Folgen haben. Bis jetzt haben die Ehinesen immer dazu gedient, das Kultnrnivean des Volkes zu erniedrigen, wo sie eingeführt wurden, und wo die eingeborenen Arbeiter nicht im Stande waren, ihnen gleich zu thun im Arbeiten und Entbehren, wurden sie einfach vertrieben. Das ist ja das Ideal: die Deutschen heraus aus ihrem Vaterlande und an ihrer Stelle Chinesen! Aber dazu ist es denn doch wohl zu spät. So weit sind die deutschen Land- arbeite? denn doch wohl schon, daß sie da die richtige Antwort geben werden: Sie werden Sozialdemokraten. — Eine Zündholzfabrik als soziale Rettung. „General" Booth hat nun in Old Ford(London) die von ihm gegründete Streichholzfabrik, welche einen Theil seines sozialen Rettungsplanes bildet, eröffnet. Er will den Arbeiterinnen, welche er in dieser Fabrik beschäftigt, 4 Pence für das Gros zahlen, während die Leute in anderen Londoner Fabriken nur 2V«— 2Va Pence erhalten. Schnelle Arbeiterinnen können auf diese Weise 15 Shill. die Woche verdienen, während der Lohn in den übrigen Streichholzfabriken der Hauptstadt sich gegen- wärtig auf etwa 9 Shill. 6 Pence stellt. Der Preis des Fabrikats soll jedoch nicht höher sein, als der übliche. — Wenn die soziale Frage jetzt nicht gelöst wird!— — Eine Buchhändler-Anzeige, deren Inhalt wohl keines Kommentars bedarf, erschien dieser Tage in Berlin: „Hurrah, dem sechsten Prinzen!" muss statt"WG „Hurrah, der sechste Junge!" bei öffentlichem Vortrag dieses effectvollen Liedes in der Provinz Hannover gesungen werden, weil dort laut Verbot der zuständigen Behörde die Bezeichnung„Junge" für den jüngsten„kaiserlichen Prinzen" als nicht statthaft erachtet worden ist. Im übrigen Deutschland ist ein solches Verbot nicht erlassen. Dieses schwungvolle Marschlied mit reizendem Text und Chor-Refrain: „Hurrah, der sechste Junge" von Ludolf Waldmann, Op. 85 mit ebenso prachtvollem als originellem Titelblatt, ist soeben in 8. Auflage erschienen. — Eine wunderbare Gesetzesauslegung hat wieder einmal das Reichsgericht verübt. Nach der„National- zeitung" hat dasselbe die Revision gegen ein Urtheil zu- rückgewiesen, in welchem der Korrektor einer Zeitung neben dem Redakteur wegen Beihilfe bei einer Beleidigung verurtheilt worden war. Der Korrektor hätte beim Lesen der Korrektur den Artikel kennen gelernt, den ehrenkrän- kenden Inhalt erkannt und dennoch seine Dienste als Korrektor geleistet. Er habe in bewußter Weise zur Her- stellung der Druckschrift strafbaren Inhalts mitgewirkt.— Natürlich liegt nunmehr kein Grund vor, weshalb man da nicht auch Setzer, Drucker u. s. f. mit verantwortlich machen soll. Diese Konsequenz hat denn auch bereits der Staatsanwalt in Neustrelitz gezogen. So wird es mit dir gemacht, gutmüthiger deutscher Philister. Du hast zwar dein Preßgesetz, das wahr- haftig nicht liberal ist; aber wenn die Gewaltigen im Lande wollen, so... giebt es auch noch andere Gesetze, die si: benützen können. — Von der Zentrumsleuchte Bachem sind schöne Geschichten an den Tag gekommen, welche für diese Herren des Eigenthums, der Familie und der Religion höchst charakteristisch sind. Herr Bachem, natürlich mit Weib und Kind gesegnet, wird durch diese Erzählung mit einer Hure in verdächtige Beziehungen gebracht. Schon sehr bedenklich, allein auch der Beste strauchelt ja ein- mal; und wenn Herr Bachem die Sache gebeichtet hat und sich hat absolviren lassen, so wollen wir über diesen „Ehebruch" das bekannte Mäntelchen ziehen. Ein Ber- brechen dagegen, freilich leider keins, das mit Zuchthaus bestraft wird, ist eine andere Handlung unseres biederen Ordnungs- und Sittlichkeitsmannes. Unter einem falschen Namen und unter der Vorspiegelung, er sei unverhei- rathet, hat er ein unschuldiges 18jähriges Mädchen ver- ührt, und als das Mädchen erfährt, daß sie betrogen ist, sagt er zu ihr:„Ja, wir haben gefehlt, komm, laß uns kommuniziren gehen." Dann gebar die Unglückliche ein Kind, und erhielt von— der Ehefrau des Bachem ein Schweigegeld in der Höhe von— 100 Mk. ausgezahlt! Das ist die Sittlichkeit des Mannes der Sittlichkeit! " Dem Standart" zufolge hat der GendarmerieChef in Warschau, General Brock, die Entdeckung geSoziales aus Australien. Man sieht, daß trotzdem einige Artikel theurer im Preise stehen, doch immerhin noch ein Ueberschuß des Lohnes vorhanden Um die Lage der Arbeiter in Australien mit der in Deutsch- ist, und daß der australische Arbeiter bei nur achtstündiger Arbeitsmacht, daß die Geheimpolizei ſelbſt aufrührerische Pro- land zu vergleichen, stellen wir eine Cohnstatistik und eine zeit ein besseres und menschenwürdigeres Dasein führen kann, klamationen in die Wohnungen der Studenten, bei denen Statistit der wichtigsten Lebensmittel zusammen. Die Angaben wie der deutsche Arbeiter. sie Haussuchung halten sollte, hineingeschmuggelt hat. finden sich in einem Aufsatz von Dr. Ruhland im neuesten Heft der Chef der Gendarmerie diese Entdeckung gemacht Das ist gerade nichts Neues, merkwürdig ist nur, daß der Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft". haben soll. Kapitalisteninternationalismus. In Frankreich wurden militärische Maßregeln getroffen, welche einen Uebertritt belgischer Ausständigen auf französisches Gebiet verhindern sollen. Zahlreiche ausländische Arbeiter in Paris und den Nord- Departements erhielten AusweisungsOrdres und wurden abgeschoben. Eine Pariser Versammlung im Tivolisaal war von 5000 Personen besucht und nahm einen überaus stürmischen Verlauf. Der Deputirte Laur theilte mit, daß der italienische Botschafter Menabrea vor wenigen Tagen beim Minister Constans angegefragt habe, was Frankreich zu thun gesonnen sei, falls Deutschland in Belgien einmarschire, um dort die„ Ordnung wieder herzustellen." Constans habe darauf die Nichteinmischung Frankreichs zugesagt. Die Maßregelungen der Bergleute infolge des Streits beschreibt die Zeitung der deutschen Bergleute" fogendermaßen: Wenn schon während des Streits seitens der Regierung alles mögliche gethan wurde, um die Bewegung niederzuhalten, wenn ihre Organe, die Polizei und Gendarmerie sich den Streifenden gegenüber Uebergriffe erlaubten, wie sie einzig dastehen, so kann es nicht Wunder nehmen, wenn die Sieger sich durch die Maßnahmen der Regierung im Rechte glauben, in der rücksichtslosesten und brutalsten Weise gegen unsere Kameraden, welche um ihr gutes Recht kämpfen, vorgehen. In einer Weise, welche allem menschlichen Gefühl Hohn spricht, nehmen die Maßregelungen ihren Fortgang. Nicht genug, daß man eine Anzahl der besten Arbeiter abgelegt hat,( man spricht von 2000) geht man jetzt schon dazu über, den Austritt der Kameraden aus dem Verbande zu verlangen. Sie, die Unternehmer, welche selbst in mächtigen Organi sationen sich zur Wahrung ihrer Interessen zusammen schaaren, können das gleiche Bestreben bei den Arbeitern nicht dulden, und sie beweisen dadurch wieder klar und deutlich, daß sie es lediglich als eine Machtfrage betrachten, in wieweit man dem Arbeiter Spielraum gewährt oder vielmehr gewähren muß. Vom Streik in Belgien laufen immer noch widersprechende und unklare Meldungen ein. Da die sozialistischen Blätter nicht über die Geldmittel verfügen, eine eigene Berichterstattung einzurichten, so bleibt man natürlich auf die Berichte der Bourgeoispresse angewiesen. Nach der„ Franks. 8tg." ist eine allgemeine Neigung zur Wiederaufnahme der Arbeit vorhanden, nur im Bassin von Charleroi halten die Arbeiter muthig aus. Nach der Ansicht eines Bourgeois, den der Berichterstatter interviewt hat, ist der Streik bald zu Ende, trotzdem die Arbeiter sehr gut organisirt seien und durch ihre société cooperative, welche eine Bäckerei betreibt, tüchtig unterstützt wurden. Der gefährlichste Gegner der Arbeiter ist die katholische Propaganda, welche jetzt eine zweite Bäckerei gründen will, welche die Preise der von der cooperative betriebene unterbieten will, um sie auf diese Weise zu ruiniren. Man sieht, was die Arbeiterfreundlichkeit der Klerikalen werth ist. Die Unternehmer freuen sich schon, wie sie maßregeln werden, wenn der Streik beendet ist. Nach der Ansicht Conreurs, des Arbeiterführers im Zentre, liegen die Dinge ganz anders. Die Arbeiterschaft könne den Streik noch lange aushalten, sie habe bedeutende Mittel zur Verfügung und erhalte von den englischen Bergarbeitern starke Unterstüßungen, wobei er allerdings wohl ein wenig aufgeschnitten hat, gegenüber einem bürgerlichen Journalisten. Der Generalrath der Arbeiterpartei hat beschlossen, wenn die Verfassungsrevision den Forderungen der Arbeiter nicht gerecht wird, auch die Arbeiterschaft der großen Städte in die Bewegung eintreten zu lassen, und man wird versuchen, zu seinem Recht zu gelangen, und wenn die Bewegung revolutionär werden sollte. Nach den neuesten Nachrichten haben die Arbeiter in Gent abgestimmt und beschlossen, nicht in den Generalstreit einzutreten, aber die Ausständigen auf alle mögliche Weise zu unterstüßen. Auch soll danach der Generalrath beschlossen haben, von Donnerstag an den Streif aufhören zu lassen. Deutsche Sitten. Unsere Leser erinnern sich wohl noch des furchtbaren Vorfalls von Ausgangs Winter, wo bei Neustadt in Oberschlesien ein Kind erfroren war, welches billiges Mehl von der Grenze herbeigeholt hatte. Diesem Opfer auf dem Altar der Agrarier sind nunmehr noch andere gefolgt. Bei Neurode suchten Leute Mehl über die Grenze zu schmuggeln; die Grenz beamten gaben Feuer und verwundeten ein Mädchen tödtlich, einen alten Mann so, daß er im günstigsten Falle ein Krüppel wird, und ein junger Mann wurde bedenklich verletzt. Wir möchten vorschlagen, diese Szene malen zu lassen und das Bild zu den anderen Verherrlichungen des preußischen Ruhmes in der Ruhmeshalle aufzuhängen. Die Herren von Stolberg, Reden, und wie die übrigen Agrarier heißen, könnten es ja stiften. *) Diese Angaben beziehen sich bei freter Kost und Logis auf die Woche während der Herbstarbeit. **) Jahreslohn bei freier Kost und Logis. Köchin**) Hausmädchen**) Eisengießer Monteure Farmarbeiter*) Kesselschmiede Australien. SüdAustralien. WestMaler Zimmerleute Maurer. Ziegeleiarbeiter Backsteinmaurer 10-11 10-12 8-11 10-11 10-12 10-11 7-10 8,50-10 10-12 7,50-10 8-9 7-10 8-10 7,50-10 10-12 6-8 7-12 3-5 10-12 7-12 8-10 7-10 3,25-6 3,50-5 2,75--5 Schmiede 9,35-10,70 10-14 9-12 8,50-12 7-12 1-4,25 9,35-10,70 10-14 8-11 9,35-10,70 9-13 8-11 9-12 9-12 2,30-6 Kindermädchen**) 400-780 600-800 900-1200 20 8-10,70 8-12 8-12 8-9 2,60-2,80 3-6 20 400-500 600-700 700-1000 400-500 400-500 500-1000 20-30 260-600 400-500 550-1000 14-20 360 720 15-20 800 13-20 12-22 500 500 200-400 400-700 400-1560 240-300 150-180 10-15 16-12 und theurer etwas 120-150 20 Quart 888 10 87 1. Lohn statistik. ( Der Lohn gilt für Australien für den 8 ündigen, für Berlin für den 10 stündigen Arbeitstag, und ist in Mark und Pfennig ausgedrückt.) Wales. Neu- SüdVictoria Queensland. Tasmanien. Neuseeland. Berlin. Pfd. Wales. Neu- Süd11. Lebensmittelstatistik.( Mk. u. Pf.) WestQueensland. Tasmanten. Neuseeland. SüdVictoria. Hamburg. Australien. 0,12 0,30-0,6 0,50-1,0 0,35-0,60 0,80-1,05 0,12-0,35 0,60-1,50 0,10-0,12 0,10-0,12 0,15 0,35-0,60 0,75-1,0 0,80 1,0-1,50 0,80-1,50 1,0-2,50 0,75-1,80 0,12 0,20-0,50 0,60 0,10 1,0-1,35 0,50-1,0 1,15-1,70 1,35-2,0 1,35-1,50 0,50-0,75 1,35-1,75 0,52-0,75 0,25-0,35 0,20-0,35 0,20-0,40 0,20-0,50 1,50-2,50 1,50-3,0 3,50 4,50-8,0 1,50-2,50 0,25 0,25-0,42 0,17-0,34 0,21-0,35 1,50-2,80 Str. 5,10-7,10 18,0 10,0-15,0 12,0 12,0-15,0 12,0-17,0 3,50-6,0 5,50-12,0 5-13 Adelaide 0,25-0,50 0,35-0,5 7,50-12 Norden Süden 7-20 Stadt 7-10 Land 5 2,50-6 Inland 5--8 0,25-0,42 0,21-0,35 Stadt 6 15-20 15-25 15-20 15-20 pCt. theurer. wie 10-20 pt. theurer 10 pŒt. Deutschland Teutschland i. theurer, wie t. theurer 15 pŒt. 15-20 80 Diese ungemein günstige Lage der australischen Arbeiterklasse ist die Folge ihrer vorzüglichen gewerkschaftlichen Organisation, welche durch keine Parteilichkeit des Staats für die Unternehmer gehemmt wird; und so konnte man denn hier sehen, wie weit es die Arbeiter bringen können, wenn ihnen volle Freiheit gelassen wird und der Staat sich nicht dazu hergiebt, sie im Interesse der besitzenden Klassen niederzuhalten. Leider wird aber diese Herrlichkeit wohl nicht mehr lange anhalten. Die Bourgeoiste rüstet sich schon zum Schlage, wie wir am Schluß des Artikels über den australischen Dockerstreik vor einigen Nummern ausführten, und da wird es wohl bald mit dem Arbeiterparadies zu Ende sein. Definitiv kann auch hier nur die Sozialdemokratie helfen. Das Gemetel von Fourmies und seine Konsequenzen.*) Von Mac Arle. Sie nannten sich die Freunde des Volks, diese Burschen die, arm an Ehr- und Sittlichkeitsgefühl, aber reich an Schlauheit und Verschlagenheit das fressende Krebsgeschwür der Finanz- und Spekulationsherrschaft auf den Körper der französischen Republik übertragen haben. Sie nannten sich Freunde des Volks und sogen ihm an der Republik schmaroßend die Lebenskraft aus. Welche liebenswürdige Miene zeigten die Herrn der Regierung dem Volk während der boulangistischen Stürme! Sie verbargen einen Augenblick ihre Raubthierzähne und Klauen, gingen in Lammkleidern einher, mischten sich unter das Volt, sprachen einschmeichelnd von ihrer warmen Freundschaft für dasselbe. Nicht der General ( der übrigens um fein Haar besser war), sie allein waren es, welche die Republik retten, die soziale Frage lösen, das Glück des Volkes herbeiführen wollten. Ja wohl das Glück des Volkes. Es wahr rührend und erhebend zugleich. Das leider so leichtgläubige Volk hatte sie angehört, ihnen geglaubt, weil ein Theil seiner Führer unter der Maske des Sozialismus, in Wahrheit aber im Solde der Regierung, ihm gerathen, zu hören und zu glauben. So fam es denn, daß jene sauberen Elemente aus den Wahlen von 1889 nochmals triumphirend hervorgingen. War es ihnen gerade schon während des Wahlkampfes schwer geworden, die volksthümliche Miene zu wahren, nach demselben, einmal im Sattel, fiel die plebejische Verkleidung, das Volk fand sich von neuem seinem größten Feinde gegenüber, es sah sein unverhülltes, unbarmherziges Gesicht und fühlte wie seine Klauen sich aufs Neue in sein Fleisch krallten. Vielleicht dauerte die Illusion noch einige Zeit an, aber die Gelegenheit fam bald, wo sie aufhören ußte. Als die Arbeiter zum ersten Mal im verflossenen Jahr die Maidemonstration begehen wollten, um der öffentlichen Meinung den Achtstundentag abzuringen, da ließ die Regierung ihnen eine deutliche Antwort zu Theil werden, eine Antwort, nicht durch Worte, sondern durch ein Waffengeflirr, das in ganz Frankreich Schrecken erregte. Am 1. Mai 1890 wurde Paris, wie alle anderen französischen Städte, in einen wahren Belagerungszustand versetzt, in der Hauptstadt wurde eine Militärmacht entfaltet, wie man sie in den schlimmsten Tagen der Monarchie nie gesehen. Constans, diese Personifikation aller schändlichsten Eigenschaften der Bourgeoisie, wollte das Volk einschüchtern durch die drohende Miene äußerster Entschlossenheit. O, ja, in dem Augenblick als mau die Kanonen schwer über das erzitterte Pflaster jagen, als man alle strategisch wichtigen Punkte der Hauptstadt von militärischer Macht besetzt sah, da spürte man allerdings den erkältenden Hauch des Schreckens über Paris hinwegziehen. Auch das Volk wurde von ihm ergriffen, aber feine Furcht war gemischt mit jener aufsteigenden leidenschaftlichen Wuth gegen die Regierung, welche so leicht eine Katastrophe herbeiführt. Konnte es denn anders fein? Mußte es denn nicht aufwachen aus seinem vertrauensseligen Traum, als es sah, wie die Macht benutt wurde, welche allen Versprechungen zufolge nur für und durch es selbst angewandt werden sollte? Die Gewaltmaßregel wurde je länger desto drückender, die Arbeiter mußten wohl erfennen, daß die Drohung mit der Waffengewalt mehr war, wie eine bloße Drohung. Der 1. Mai 1890 ging nicht ohne Blutvergießen ab, die Kugeln pfiffen und trafen auf mehr wie einer Stelle, die Gewaltthätigkeiten und Provokationen der Sbirren waren in feinem monarchischen Staat derartig brutale, wie in der französischen Republik. Es scheint jedoch, daß die Constans'sche Bande gefunden hätte, alle ihre Thaten vom verflossenen Jahre seien noch nicht hinreichend, um den Massen die Augen über die nackte Wirklichkeit zu öffnen, daß es dazu eines noch blutigeren Schreckens bedurfte. Der diesjährige erste Mai brachte diesen in der That. Er ergriff das unruhig wartende Volt, als es am Abend den Nachrichten aus den verschiedenen Departements entgegensah, und die Nachricht hörte, daß in einer kleinen Stadt des Nordens, in Fourmies, die Brutalität der Henker Frankreichs eine furchtbare Orgie gefeiert hatte. *) Wir haben zwar schon in voriger Nummer, nach den Berichten der bürgerlichen Blätter, einen Artikel über die Vorgänge in Fourmies gebracht, allein trotzdem wird der vorliegende Artikel unseres französischen Genossen doch noch Interesse haben, da er das Ereigniß in einer neuen Beleuchtung zeigt. 1 t G 1 C 83 a g n a a m 1 p δι fe b m 90 e δε D et no 90 fe ge bi bi w di u je fti B in $ a6 th be di CHRPETUSER= 2 Ste V un ge fei di fü es Fi qu let St Sto ab SORCERERENCE 90 an üh fic V no WE I an den Und was hatte dazu Anlaß gegeben? Nichts, gar Man findet oft, daß ein und dasselbe Ereigniß zu einer sozialen umgestalten kann, und derjenigen, welche nichts, denn gerade hier hatte man das Fest als ein gleich mehrere ganz verschiedene Wirkungen zeitigt. Das zur bürgerlichen Profiterzeugung entweiht Idyll gefeiert, man hatte Blumen und Guirlanden um größte Unglück hat oft sehr heilsame Folgen. Die Er- Rand eines Abgrundes geführt worden ist, dessen Boden die Thüren der Schenken gewunden, trank auf die mensch- eignisse in Fourmies, die dem schon absterbenden Possibi- das Blut des Volkes bedeckt. liche Brüderlichkeit, tanzte und spielte, gab sich den un- lismus den letzten, wie man annehmen darf, tödtlichen schuldigsten Vergnügungen hin. Stoß gegeben, werden des weiteren auch dazu beitragen, II. Man berichtete über die Einzelheiten. Am Morgen den in Frankreich so schwer zu bekämpfenden Chauvinis Kornzölle in Deutschland nach Geschichte waren die jungen Leute, Mädchen und Burschen, Arbeiter- mus zu verdrängen, der auch die arbeitenden Klassen, lieder singend durch den Ort gezogen. Sie waren noch namentlich der Provinz, noch beherrscht. Man konnte und Statistik. nicht weit gekommen, als der Boden vom Getrappel einer schon seit einiger Zeit bemerken, daß verschiedene Zweige Kavallerieabtheilung wiederhallte, welche mit gezogenem der Arbeiterpartei nach dieser Richtung hin eine wenig Daß die Lage des Volkes im Allgemeinen sich verSäbel auf sie losstürzte, sie zersprengte, die Kinder über- sympathische Haltung einnahmen; wenn sie den Chauvi- schlechtert hat, und zwar auch mit durch diese Politik, ritt, die Männer ergriff und ins Gefängniß abführte. nismus auch nicht proklamirten, so bekämpften sie ihn folgt aus der Verminderung des Getreidekonsums pro Die Masse vor Wuth zitternd, flüchtete auf den Haupt- doch auch nicht, eine um so bedauerlichere Haltung, als Kopf. Den Vortheil hiervon haben aber einige Tausend plaz der Stadt zurück und forderte die Herausgabe der sie erst seit wenig Jahren und zwar als Wirkung der Großgrundbesizer. Die Arbeiter beklagen sich, daß ste Gefangenen, die ihnen denn auch vom Maire um fünf possibilistischen Invasion auftrat. Die Ursache liegt klar dazu beitragen müssen, während das in anderen Staaten Uhr versprochen wurde. Gegen das Militär fiel kein auf der Hand. Die bürgerlichen Parteien sind wüthende nicht der Fall ist. Neuerdings ist aber auch der BrodSchimpfwort, die ganze Wuth richtete sich gegen die Chauvinisten; für sie ist der Chauvinismus ein Werkzeug preis absolut gegen die Periode vor 1879 gestiegen. Ich Gensdarmerie, welche die Veranlassung zu dem Angriff der Ausbeutung, sie benutzen ihn als ein Ablenkungs- erinnere mich, daß ein Fünfgroschen- Roggenbrod zwischen gegeben hatte, noch beim Zurückweichen hörte man den mittel der Massen vom Sozialismus. Die Volksführer 5 und 6 Pfund, 2,50 bis 3 kilo schwer zu sein pflegte Ruf:„ Es lebe die Armee!" mit der sozialistischen Etikette, die, um ihre Aemtchen zu in Berlin. 1887 wog es nur noch 2,42 und 1890 sogar Um fünf Uhr wogte eine sonntäglich gekleidete erhaschen, sich den bürgerlichen Parteien vereinten, mußten nur 1,84 Kilo! Jezt wird es wohl noch leichter sein. Menschenmenge auf dem Platz. Sie wollte ihre Verso viel Wasser in ihren rothen Wein der Internationalität Also endlich, nach 10 Jahren, ist auch die dritte Besöhnlichkeit und Friedensliebe zeigen und stellte als gießen, daß ein ganz denaturirtes Produkt entstand. Hauptung des Fürsten Bismarck, daß der Korn- und Zeichen derselben einen jungen Mann und ein Mädchen Unglücklicherweise folgten ihnen hierin manche sonst auf- Brodpreis durch den Schuzzoll nicht erhöht werden würde, an die Spize, welch ersterer eine Fahne, letztere einen richtige und feste Männer, sodaß allmählich eine Ver- zur Unwahrheit geworden. grünen Zweig, den man in Frankreich einen Maibusch" änderung in den diesbezüglichen Anschauungen der fran- Es liegt deshalb nahe, zu sehen, wie sich andere nennt, trugen. bis * * " " von 230 Liter in 1860/69, auf 240 " 11 1870/79, 269 " " 1880/86, 11 275 1887/88. " ก " Der Zug rückte in dieser Weise langsam zösischen Arbeiter vor sich ging. Noch bis fünfzehn Jahre Staaten verhalten, umsomehr als Deutschland den Anspruch auf das Militär los, man rief den Soldaten zu, daß nach der Kommune zeichneten die französischen Sozialisten erhebt, an der Spizze der arbeiterfreundlichen Nationen auch sie Kinder des Volkes seien und forderte die ver- sich durch einen sehr charakteristischen Antichauvinismus zu stehen, wie bekannt. sprochene Freilassung der Gefangenen. Aber mit namen- aus, der sich besonders in einem tödtlichen Haß gegen Der große Konkurrent, Frankreich, ist dem deutschen loser Brutalität wurde er zurückgetrieben, Mädchen die Armee fund gab. Das Militär wurde mit einer Beispiel gefolgt; doch betrug der Weizenzoll nur 4 M., wurden geschlagen, beschimpft, der Zorn begann die ver- grenzenlosen Wuth angesehen, weil man seinen wilden wird jedoch jezt wohl erhöht werden. Dort ist der Preissöhnliche Stimmung zu betäuben. Frauen umschlossen Blutdurst während der Unterdrückung der Kommune noch fall doch bedeutend. Während der Meterzentner Weizen und insultirten einen Offizier. Plößlich hörte man ein nicht vergessen hatte. Jede sozialistische Zeitung war verzollt bei der Einfuhr fostete 1876= 27 Frcs., 1877 Fenster öffnen, die Gestalt des Unterpräfekten Isaak, des gezwungen, ihm Krieg ohne Ende anzukündigen, selbst die 30,8, 1878= 30,5 Frcs., fostete er nur 19,1 Frcs. in Sohnes eines jüdischen Banquiers, erschien in demselben, Blanquisten hatten einen energischen Feldzug für seine 1885, 18,8 in 1886, 21,6 in 1887 und 20,4 in 1888, in diesem Augenblick auch hörte man das Kommandowort, Ersetzung durch ein Volksheer geführt. Diese Stimmung März 1891 steht er in Paris aber schon 28,2 Frcs., das Constans allen Präfekten ertheilt hatte:„ Legt an hatte sich, wie gesagt, geändert, und der Militarismus gleich 22,5 Mark. Der Gesammtwerth der Ernte ist geFeuer!" Tödtet das Lumpengesindel. Der Offizier war eine geachtete Institution geworden. Die Katastrophe fallen von 3874 Mill. Frcs. in 1878 auf 3300 in 1888. wiederholt das Kommando ,, eine Salve tödtlichen Bleies vom 1. Mai nun, die den öffentlichen Geist heilsam auf- Da jedoch für den französischen Konsumenten immerhin prasselt unter die unglücklichen Opfer. Ein Gendarmerie- gerüttelt, ist wohl geeignet, auch hierin Wandel zu schaffen, im Allgemeinen der Preis in dem letzten Jahrzehnt niedriger offizier treibt sein Pferd auf das junge Mädchen mit und die Meinung des Volfes wieder dahin zurückzuführen, stand als früher, so ist der Weizenkonsum pro Kopf im dem Zweig und zermalmt ihr den Kopf unter den Hufen wo sie in den ersten Jahren nach der Kommune stand. Gegensatz zu Deutschland erheblich gestiegen, und zwar seines Thiers, der Knabe stürzt in demselben Augenblick Bei der Bevölkerung Fourmies ist diese Wirkung wie ein bor fünf Kugeln durchbohrt. Von den Kugeln zerrissen plögliches schreckliches Erwachen schon eingetreten. Am wälzt sich eine zuckende Masse auf dem Pflaster. Vormittag des Massacres noch rief man:„ es lebe die O ja, das Lebelgewehr ist eine ganz vorzügliche Armee", am nächsten Morgen, als die Verstärkungen in Mordwaffe, die Kugeln schlagen sogar noch durch die den Straßen patroullirten, waren Verwünschungen in Die letzte Zahl giebt 210 Kilo pro Kopf. Der französische Mauern und tödten Kinder auf dem Schoß der Mutter, aller Mund. Anstatt der Hochs rief man ihnen Mörder" Arbeiter ist Weißbrod, der deutsche Kartoffeln und Roggen es erzielt ganz wunderbare Wirkungen und das Fleisch zu. Ja, der„ Bataille" zufolge ereignete sich das Un- brod und hiervon auch nur aus 162 Kilo Korn. der französischen Arbeiter war ein sehr gutes Versuchs glaubliche, daß das Volk, um einen Ausdruck seines unobjeft. Von Desterreich- Ungarn ist nichts zu lernen, da endlichen Hasses zu geben, gerufen hätte:„ Es lebe Preußen!" Im Munde französischer Arbeiter wäre dieser deutenden Mehrexport, aber zum Vortheil der dort maßdieses Reich zwar fast regelmäßig mehr oder weniger beDas begangene Verbrechen ist nicht das Ergebniß in leidenschaftlicher Wuth ausgestoßene Ruf in der That gebenden ungarischen Großgrundbesizer doch einen Korneines Bufalls, sondern ist sorgfältig vorbereitet. Die eine ganz bedeutsame Demonstration. Diese Erschütterung zoll hat. Troßdem ist ein Sinken der Preise und des nachherigen Untersuchungen haben ergeben, daß der in der Stimmung der Bevölkerung Fourmies wird wahr Gesammtwerthes der Ernte erfolgt, obschon das geerntete Minister des Innern, Constans, dieselben Be- scheinlich in den Herzen des gesammten französischen Pro- Quantum größer wurde. fehle, wie sie in Fourmies so pünktlich aus- letariats ein Echo gefunden haben. Beim Anblick der Indessen giebt es drei interessante Länder, welche in geführt wurden, für das ganze französische Ge- Blutarbeit der Soldateska wird sich der alte Haß wieder ihrer wirthschaftlichen Veranlagung Deutschland gleichen. biet ertheilt hatte. Ueberall waren die Garnisonen entfachen, der Arbeiter wird sehen, wo seine wahren also seine gefährlichen Konkurrenten sind, aber doch eine zu den Zähnen bewaffnet, bereit loszuschlagen, alles Feinde sind, wo seine Brüder, die er liebend zu um- ganz andere Politik befolgen: Belgien, Holland und war gethan, um sich die Zufriedenheit der Händler mit fassen hat. England. In Handel und Industrie sind sie Konkurrenten weißem Fleisch zu verschaffen. Die Katastrophe von Fourmies hat auch noch in Deutschlands, haben also ein Interesse daran, ihre InDie Sympathie der herrschenden und ausbeutenden anderer Weise nützlich gewirkt, sie hat wieder einmal den dustriearbeiter leistungsfähig zu erhalten, sie nicht von Klasse wird sich die Regierung durch ihr Vorgehen aller- wahren Republikanismus der Leute vom Geldsack und Roggenbrod auf Kartoffeln herabzudrücken. Ihre agrarische dings erworben haben, aber auch das Voit hat Augen von der Börse gezeigt, über den sich die aufrichtig republi- Konstitution ist der deutschen insofern ähnlich, als sie auch zum Sehen und Stimmen zum Richten. Und fann es fanisch gesonnene Klasse so sehr hat täuschen lassen. zahl- und einflußreiche Großgrundbesizer haben, die es jetzt diese Regierung, welche es auf seine Schultern ge- Denn das begangene Verbrechen richtet sich nicht natürlich gern sähen, wenn die Regierung ihre spezielle üzt hat betrachten, ohne das Schandmal des vergossenen nur gegen die arbeitende Klasse, es richtet sich auch gegen Waare durch hohen Schuzzoll dem in der Welt zu unserer zu bemerken, das Schandmal, das ihr die Zeit die Form der Republik; die Kugeln, welche in Fourmies Beit einmal herrschenden Gesetz der sinkenden Preise ent immer deutlicher aufprägen wird, und das ihr den ewigen abgefeuert wurden, haben nicht nur die Körper von Kinziehen wollte. Das ist ihnen nun nicht gelungen; und Haß des französischen Proletariats sichert? Dieser Haß dern des Volkes durchbohrt, sie sind auch in den Busen trotzdem hört man nicht, daß in diesen drei Staaten die aber wird nicht allein die Henker selbst, er wird auch der Allmutter, der Republik, geschlagen. War es nicht Landwirthschaft nicht bestehen könne, aufhöre, wie man ihre Komplizen treffen, diejenigen, welche dem Volk bei gerade diese Vorstellung von ver Republik als Mutter das von der deutschen voraussagt, wenn Deutschland dieder letzten Wahl Sand in die Augen streuten. Er wird bes Wolfes, welche die revolutionären Republikaner immer selbe Politik befolgen sollte, wie jene drei Staaten. die Chefs der Possibilisten treffen, welche die Idee des begeisterte, und haben nicht diese in Wahrheit die Re- Also Belgien! Der Meterzentner Weizen kostete bei Sozialismus verrathen, ihre Partei der Regierung, einer publik immer geschaffen, ehe die Bourgeoisie sich ihrer der Einfuhr in den Verkehr 1860= 31, 1870= 29, Regierung von Mördern ausgeliefert haben. Um Staats- bemächtigte. War es nicht diese Vorstellung vom Wesen 1874= 32 Frcs, 1875= 26, 1876= 25, 1877= 32, stellen und Deputirtensiße zu ergattern und unter dem der Republik, welche die Verehrung und Liebe des Volfs 1880= 28,56. Von da ab geht's bergab, und Weizen Vorwand der boulangistischen Gefahr schlossen sie diesen zu seiner Marianne*) gezeitigt? Wie eine Mutter in toftet 1885= 19,89, 1887= 19,16, 1888= 19,47 Frce. Partei an die Erwürger des Proletariats. ngeheuerlichen Batt, prostituirten eine proletarische ungemessener Zärtlichkeit ihre Kinder beschützt, so sollte Roggenpreis 1860= 21,36, 1870-21,10, 1880= 22,24, Welche Ironie! Constans, der seinem wilden Haß Ende machen.auch die Mutter Marianne den Leiden des Volkes ein 1885= 15,79, 1887= 13,42, 1888= 13,81 Fres. Der Die Bourgeoisie weiß aber recht gut, Werth der Gesammternte ist natürlich entsprechend gefallen. gegen das Proletariat schon so oft Ausdruck verliehen, daß, wenn eine wahre Mutter im Volf fast naive Ver- merkwürdiger Weise ist aber der Ernteertrag aller Cerealien Constans, der Schlächter des 1. Mai wird in Wirklich ehrung findet, eine Stiefmutter ihm tiefen Haß einflößen gestiegen, in der sechs Jahren 1873/76 betrug er durch) leit der Befehlshaber des possibilistischen Sozialismus, muß. Dadurch, daß sie die Republik zum Werkzeug der schnittlich 23,1 Mill. Hektoliter, und in den sechs Jahren die Arbeiterführer sind seine Agenten und Mandatare. Ausbeutung gemacht, hat sie für das Volf eine Stief- 1881/85 als 1 und 1884/88 einzeln, ist er auf 25,1 Mill Und sie verbergen es nicht, offen erklären sie ihren Herrn mutter geschaffen, welche es quält und seinem Elend mit Hl. gestiegen. Der Grundbesitz muß sich also doch noch für den weiſeſten und beſten Staatsmann und sie thun Gleichgiftigkeit zuſieht. O, die Republik hat nur eine einigermaßen rentiren! Die Arbeiterbevölkerung hat ihren mit Erfolg. Constans verdankt sein Ansehen den Klasse, auf welche sie sich stügen kann, eine einzige, welche Brodkornkonsum wohl kaum eingeschränkt, da er auf zirka Reklamen Joffrin's und der anderen possibilistischen sie mit Inbrunst und Enthusiasmus liebt, das Volt. 220 Kilo pro Kopf veranschlagt wird. Führer. Diese stellten ihn und seine Freunde als Muster Wenn dieses gleichgiltig gegen sie bliebe, so wäre sie ver- In Holland ist das Verhältniß ähnlich: Der gesammte aufrichtiger Republikaner, ja als Sozialisten hin und die loren, denn die Bourgeoisie hat die Republik nie anders Erntewerth 1866/ 70-183,5 1. stieg 1871/75 auf letteren als Gegenleistung begünstigten die possibilistischen betrachtet, als etwas, aus dem sich Nußen schlagen läßt. 217,9, fiel 1876/80 auf 190,7, 1881/85 auf 176,9 Mill. Fl. Kandidaturen, verliehen ihnen einen offiziellen Anstrich. Im Grunde ihres Herzens hat sie ein ganz anderes Ideal, und betrug 1886 nur noch 144,6 Mill. Fl. Der Werth Mögen die Possibilisten nur fortfahren, ihren Con- die konstitutionelle Monarchie, und bei der ersten Gelegen- der Cerealienernte fiel von 65,1 in 1884 auf 63,0 Mill. Fl. aber dieses in Wuth ausbrechen wird beim Anblick dieses lettere einzutauschen. stans dem Vertrauen ihres Volkes zu empfehlen, wenn heit wird man sie bereit finden, die erſtere gegen die in 1887, trotzdem stieg die Erntemenge von 13,6 Mill. Menschen, der das Wort„ Fourmies" in blutiger Schrift| über ihn sprechen wird, dann mögen die Possibilisten an der Stirn trägt, wenn es das Verdammungsurtheil stehen, Fourmies hat ihm die Augen geöffnet. Es wird Jedoch das französische Volk wird auf der Wacht zu unterscheiden wissen zwischen der Republik, die sich zu Bluts Boltes wird sie ebenso gut treffen, wie den, dessen Genossen und Knechte sie gewesen sind. Hftlr. in 1871/80 auf 15,3 Mill. in 1887. Die Landwirthschaft funktionirt also doch auch noch. Jetzt wollen wir noch sehen, was in England passirt ist! Ich habe dort jahrelang gelebt, weiß, daß bort viele recht große Grundbesiger existiren; habe aber nichts von *) Ein symbolischer Name, den die Revolution der Republir einem Bankerott der Landwirthschaft oder auch nur des Grundbesizerstandes gehört, obschon daselbst im Jahre gegeben. 1800 der Quarter Weizen(= 216 Kilo) 113 Sch. 10 d.| Berlin bei H. Bahr) publizirt, brauche also hier wohl also nach Verlauf von nur 5 Jahren war das Verhältniß der und im Jahre 1889 nur 29 Sch. 9 d. kostete, d. h. in nicht darauf einzugehen. diesen von den Arbeitern gesegneten 89 Jahren ist der Meterzentner von 53 Mart auf 14 Mark gefallen aber die Landleute sind nicht zu Grunde gegangen! Wenn bei sinkenden Getreidepreisen die Landwirthschaft aufhören müßte, wie unsere Agrarier hehaupten, so müßte in Rußland schon lange kein einziger Halm mehr wachsen. für Weizen für Roggen 1857/61 82,4 54,5 1862/66 73,8 53,1 1867/71 90,7 69,3 1872/76 97,9 64,0 1877/81 89,6 65,6 1882/85 71,9 57,0 1885/88 62,6 44,1 Merkurialerkrankungen von mehr als 13 vom Hundert auf Rückgang schreibt Dr. Wollner nicht nur dem Rückgange des weniger als 1 vom Hundert herabgegangen. Diesen erstaunlichen Betriebes in den Quecksilberbelegen zu, sondern auch den von der Staatsregierung getroffenen gesundheitlichen Vorschriften und deren strenger Durchführung. Aber wieviele Arbeiter und Arbeiterinnen mußten erst Leben und Gesundheit in diesen„ Gifthütten" opfern, ehe man sich zu durchgreifenden Schutzmaßregeln entschlossen hat. Und dann mußte noch die öffentliche Aufmerksamkeit erst durch Dr. Schönlank und Bebel auf jene Gifthütten gelenkt werden. Welches Elend unter den Arbeitern in Argentinien herrscht, geht aus folgender Notiz des in Buenes Aires erscheinenden Vorwärts hervor: Ein Teller 10 Centavos. In verschiedenen Fondas( Speisehäusern) fangen die Wirthe an, für den Teller, statt wie bisher 5, jetzt 10 Centavos zu fordern, indem sie dies mit der ungeheuren Vertheuerung aller Lebensmittel begründen. Früher kostete der Teller 4 Cts. Es kommt also jetzt ein Frühstück und Abendbrot wie folgt: Frühstück. 6 Teller à 10 Cts. Doll. 0,60 1 kleines Brot. 0,05 " 1 Abendbrot. 0,60 " 1 Brätchen 0,05 " 1 1 Tasse Kaffee à 15 Cts. 0,15 11 6 Teller à 10 Cts. Doll. 1,45 ( NB. Auf jedem Teller befindet sich nur ein Krümchen Natürlich haben sie den Preis zunächst durch Kornzölle zu halten versucht; sie haben sehr hohe Schutzölle, Der mittlere Jahrespreis betrug per Pud( à 16,38 Kilo) bis 25 Sch. pro Quarter, auch ein Einfuhrverbot, solange in den Haupthäfen in Metallfopeken seit der Beruhigung der Weizen nicht über 80 Sch. stand, endlich eine gleitende nach dem Krimfriege: Stala angewandt. In seiner Parteinahme für die Agrarier hat der Herzog von Wellington, damals Premierminister, der so populär war wie Bismarck, seinen Ruhm ruinirt; die Agrarier brachten England der Revolution nahe, als ein konservativer Minister, Peel, 1846 noch rechtzeitig, um die 1848er Revolution vom Ueberschreiten des Kanals abzuhalten, die Kornzölle aufhob. Der Weizenpreis war vor Aufhebung der Kornzölle 70-60 Sch. pro Duarter gewesen. In der ersten Periode nach ihrer Aufhebung fiel Der Hektoliter Weizen ist in den Gebieten der Schwarzer 1846/50 auf 51 Sch. 11 d., hob sich dann im Krim- erde von 11,91 Mark Gold in 1881 auf 6,61 M. in 1887, friege 1851/55 auf 55 Sch. 11 d. und schwankte nun im übrigen Rußland von 13,12 auf 6,73 M. gefallen; recht lange nicht bedeutend. Der Quarter fostete 1856/60 der Preis eines Hektoliters Roggen auf Schwarzerde von 53 Sch. 4 d., 1861/65 47 Sch. 6 d., 1866/70 54 Sch. 8,00 auf 3,01, im übrigen Rußland von 10,18 auf 7 d., 1871/75 54 Sch. 8 d.; nun beginnen die großen 4,17 M.; der Gerstepreis auf Schwarzerde von 5,53 auf Schwankungen und der tiefe Fall: 1876 46 Sch. 2 d., 2,58, im übrigen Rußland von 6,72 auf 3,05 M.; der Fleisch und ein Gedanke an Gemüſe). 1877 59 Sch. 9 d., 1878 46 Sch. 5 d., 1879 43 Sch. Haferpreis von 3,26 auf 1,63 im Schwarzerdebezirk und Also für ein ganz färgliches Effen ohne Getränke 1,45, mehr 10 d. Da beginnt Bismarck seine grundbesigretterische von 4,10 auf 2,10 Mark im übrigen Rußland. Trotz als eine große Menge Arbeiter im Tag verdienen. -Menschenmarkt. Die„ Times" giebt in ihrer Nummer Politik, und die geschäftlich auch nicht unzurechnungs- des enormen Fallens der lokalen Getreidepreise ist der fähigen Engländer haben die Freude, soweit sie Agrarier Export von Cerealien und Hülsenfrüchten von 29 Mill. vom 30. April eine eingehende Schilderung jenes Londoner Stadtviertels, wo sich etwa 25 000 russische Juden angesiedelt sind, zu sehen, daß 1880 der Quarter dort schon wieder Hektolitern im Werth von 254 Mill. M. Gold in 1866/70 haben. Das interessanteste Detail dieser Schilderung bildet die 44 Sch. 4 d. kostet, 1881 sogar 45 Sch. 4 d., 1882 auf 50 Mill. Hl.- 516 Mill. M. in 1881 und 133 Mill. Hl. Meldung, daß in diesem Stadtviertel allsonntäglich wahre Sklaven45 Sch. 1 d.; im Jahre 1883 erfreuen sie sich zum 796 Mill. M. in 1888 gestiegen; der Hektoliter war märkte veranstaltet werden. In großen Reihen stehen Männer letztenmale der vierziger Zahl mit 41 Sch. 7 d. Hier im Durchschnitt werth 1866/70= 8,7 m., 1888 aber aller Altersklassen da, die von den Händlern an Arbeitsunternehmer verkauft werden. Es sind arme Juden, die aus Rußerhöht Bismarck den Kornzoll auf 3 M., die Engländer nur 6 M. Die Landwirthschaft muß doch noch existiren, land vertrieben, sich bis London durchgeschlagen haben und da ertragen 1884 einen Preis von 35 Sch. 9 d., 1885 von da die Bevölkerung und die Ausfuhr zugleich wachsen! selbst ohne Geld, ohne Kenntniß der Landessprache wildfremd 32 Sch. 10 d., 1886 von 31 Sch. 1 d., 1887 von Fürst Bismarck führte bekanntlich die Bauernbriefe" ankommen. Sie fallen in die Hände von Spekulanten, die ihnen 32 Sch. 6 d. Hier erhöht Bismarck den Zoll auf 5 M., gegen die Kornfreihändler in's Feld. Wenn die Bauern Brod und Obdach geben, bis sich Abnehmer für die Arbeitskräfte der Unglücklichen finden. Der Sklavenhändler läßt sie einen was pro Quarter 11 Sch. ausmachen würde. Die Eng- Nußen von Kornzöllen hätten, so würde die Schweiz, in Bertrag unterschreiben, wodurch sie sich verpflichten, gegen Berländer thun nichts und der Weizen fällt in 1888 auf welcher es keinen Großgrundbesitz, aber so viele Klein- pflegung und einen niedrig bemessenen Lohn auf lange Frist 31 Sch. 11 d., 1889 auf 29 Sch. 9 d., das sind zirka grundbesiger giebt, daß sie die Gesetzgebung beherrschen, hinaus Dienste zu nehmen. Für einen Mann und seinen Ber 14 Mart pro Meterzentner, in Deutschland bezahlt man gewiß den Schutzoll eingeführt haben, aber sie hat es trag wird eine Summe von zwei bis drei Pfund Sterling im selben Jahre für Roggen schon 15,75 M., für Weizen nicht gethan! Der Getreidepreis ist ganz ähnlich wie in- Ueber die wachsende wirthschaftliche Bedeutung aber 18,78 m. Die Engländer konsumirten pro Kopf Belgien gefallen und der Brodkornkonsum erreicht die der Frau in unserer heutigen Wirthschafts- Ordnung geben 1852/59 5,08 Bushels Weizen, 1889/90 5,85 158 Stilo, abnorme Höhe von 268 Kilo pro Kopf, 106 Kilo mehr folgende statistische Daten vortrefflichen Aufschluß. Die Zahl der dazu erheblich Roggen- und Haferbrod. Letzteres wird als in Teutschland, und das fast nur Weizen. Die industriell thätigen Frauen und Mädchen beträgt: in England nicht nur ziemlich allgemein in Schottland, sondern auch schweizer Bauern verstehen ihr Interesse besser, als jene in Frankreich namentlich von den reichen Engländern in der ganzen paar Bauern, die man um 1878 Bettelbriefe um Kornzoll in Italien Welt seines süßen Geschmackes wegen gegessen, und dann, an den FürstenBismarck schreiben ließ. wie viel Fleisch! Der Werth der ganzen Cerealienernte hat freilich abgenommen. Sir J. Caird schäßt sie 1878 auf 87 Mill. L. 1882 auf 63 Mill. L., 1888 soll sie nur noch 45,5 Mill. L. werth gewesen sein. Allein, wenn auch die Weizenernte von 88 Mill. Bushels( à 36,35 Liter) im Mittel der Jahre 1874/83 auf 76 Mill. B. in 1889 gesunken ist, so ist doch die Ernte an Weizen, Gerste, Hafer, Erbsen und Bohnen von 301 Mill. B. in 1874/83 auf 330 Mill. B. in 1889 gestiegen, wozu jedesmal noch 12-2 Mill. B. Roggen kommen. Daneben haben die englischen Landwirthe ihre Viehzucht entwickelt, obschon sie feine Viehoder Fleischzölle, dagegen die ganze Konkurrenz der Ver. Staaten, Kanada's und Australiens auszuhalten haben. Zu Grunde gegangen ist ihre Landwirthschaft aber so wenig wie ihr Grundbesizerstand, obschon mancher Landwirth und Grundbesizer eine Verringerung seiner Rente oder seines Profits erlebt hat, was aber in unserer Zeit der fallenden Preise auch Kaufleuten und Industriellen passirt. Das haarsträubende Experiment des Fürsten Bismarck, in einer solchen Periode alle, agrarische und industrielle Profite und Renten, auf Kosten der Konsumenten hoch zu halten, ist eben eine Absurdität. Verschiedenes. " gezahlt. in Deutschland in Oesterreich- Uugarn 41 Millionen 43/4 " 32 " 5 " 3 " Hälfte, und in der Landwirthschaft 27 Prozent der verwendeten Arbeitskräfte. Gerade die beiden letztgenannten, schlechtest be zahlten Arbeitszweige sind von ihnen stark besetzt. Auch als Beamte finden weibliche Arbeitskräfte steigende Verwendung. So besonders in Frankreich bei den Banken, der Post, dem Telepraphen- und Telephonbetrieb. In London bewarben sich im Jahre 1888 um 15 ausgeschriebene Stellen bei der Postsparkasse nicht weniger als 1500, im Jahre 1889 um 9 ausgeschriebene Stellen fogar 5000 geprüfte Kandidatinnen. In Amerika hat die FrauenWie durch eine vernünftige Arbeiterschuhgesetzgebung arbeit besonders seit 1863, d. i. nach dem Bürgerkrieg, zugenommen. die Gefahren für Leben und Gesundheit der Arbeiter würden Der 1870er Benfus weist 100 000, der 1880er fast eine Million vermindert werden können, geht aus einem Bericht der Münch. industriell thätige Frauen auf. In den 22 bevölkersten GroßMed. Wochenschrift" hervor. In diesem Bericht verbreitet sich städten der Union werden 300 000 Arbeiterinnen gezählt. der Landgerichtsarzt Dr. Wollner in Fürth über die Merkurial- Die in der letzten Zeit von dem Arbeitsmarkte der großen erkrankungen bei den Quecksilber Spiegelbelegern. Aus der transatlantischen Republik verdrängten Chinesen wurden in Nun existiren zwei Weltreiche, Amerika und Rußland, Abhandlung ist ersichtlich, daß die Zahl der Erkrankungen Kalifornien größtentheils wieder durch weibliche Arbeitskräfte ,, die an all' dem Unheil wenn's eins sein sollte sowohl relativ als auch absolut abgenommen hat. Es ersetzt. So strömen von Jahr zu Jahr immer neue Schaaren kommen im Jahre 1885 auf 100 angemeldete Krankentage von Frauen der Industrie zu. Mit unwiderstehlicher Gewalt Schuld find". Ueber Ersteres habe ich ein 800 Seiten noch 13,52 Strankentage von Merkurialkranken, im Jahre zersetzt die ökonomische Entwicklung die Grundlagen der heutigen dickes Buch(„ Ursachen der amerikanischen Konkurrenz", 1889 aber nur mehr 3,74 und im Jahre 1880 nur 0,66. Familienform. zusammen in diesen Hauptländern Europas 2012 Millionen. Der Ueberschuß der Frauen über die Männer beträgt in diesen Staaten blos 4 Millionen. In England haben uach -Die Vanderbilts haben ihr Vermögen von 200 Milli- dec dortigen Berufsstatistik im Jahrzehnt 1871/1881 die Frauen onen in 100 Jahren erworben". Dem Volte will man noch die Männer in mehr als 30 Industriezweigen der Zahl nach immer weiß machen, man komme durch Sparen" zu so viel überflügelt. Auch in den übrigen Gewerben ist ihre Bertretung so mancher Spießbürger sich das noch vorstellt, so mußte er werblich beschäftigt. In Frankreich wird ganz besonders franzö Geld. Hätte Vanderbilt das Geld aber zusammengespart, wie im Wachsen begriffen. Mit Näharbeiten waren allein 64 000 ge täglich zirka Doll. 6000 zurücklegen. Eine Summe von 200 Milli- fische Lurus- Industrie ausschließlich von Frauen betrieben; so die onen wiegt in Silber 50 Mill. Pfund, in Gold 645,160 Pfund, Seiden- und Leder- Galanterie- Induſtrie. In der Textilbranche in Doll. 1000- Noten 3650 Pfund, in Doll. 1000- Noten 23000 Pfund. ist ihre Zahl innerhalb der jetzigen zehn Jahren von 400 000 auf Um die Masse Geld zu transportiren, würden, wenn jede 700 000 gewachsen. In Deutschland stellen die Frauen in der Person 200 Bfd. trägt, 18 Mann nöthig sein, wenn es lauter Großindustrie 12 Prozent, in der Hausinduſtrie mehr als die Doll. 1000- Noten sind; find es blos Doll. 100- Noten, so brauchte man 115 Mann; ist die Summe in Gold vorhanden, so müßte man zum Transport derselben 3225 Mann haben, und nimmt man an, das ganze Vermögen besteht in Silber, so find 51 000 Mann, also mehr wie zwei deutsche Armeekorps, nothwendig. Solche kolossale Vermögen befizen Einzelne. Dafür müssen aber auch Millionen von Menschen im gleichen Lande Entbehrung und Noth erleiden. Und diese unsinnige Ordnung" nennt man göttliche Einrichtung und unabänderlich. Bleistifte. Genossen! Kauft nur die Bleistifte Solidarität oder ,, Acht- Stunden- Arbeit von Große öffentl. Versammlung rangbinderei n. Blumenhandls. Jean Blos, Stein bei Nürnberg Liefere der in Holzfabriken und auf Holzpläßen beschäftigten Arbeiter franko auch kleine Bestellungen. Bei Abnahme bon 10 Mark Werth Prozente. Abrechnung von der Mai- Feier des 6. Wahlkreises. Einnahme: Tellersammlung in der Versammilung im„ Schützenhaus", für Programms, Tanz und Garderobe 242,83 Mt. Ausgabe: Für Musit, Stocklaternen, Annonzen, Druck und Diverses 215,80 Mt. Ueberschuß: 27,03 Mt. Derselbe wurde laut Beschluß der Volks- Versammlung den Bergarbeitern überwiesen. Empfehle allen Genossen mein von J. Meyer Berlin SO., Wienerstraße 1, ( in der Ecke bei der Manteuffelstraße). Bekannte Preise. Auch Versandt. Pünktlich und gut. Fernsprecher, Amt IX, 9482. am Montag, den 25. Mai, Abends 8½ Uhr, bei Joel, Andreasstr. 21. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Franz Berndt über:„ Evolution oder willkürlicher Schöpfungsakt." 2. Diskussion. 3. Bericht der Delegirten der Berliner StreikKontrolkommission. 4. Kassenbericht der Agitationskommission und Neuwahl derselben. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Zur Dedung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Die Kollegen der Pallisaden- und Friedenstraße sind hierdurch besonders ein- 0000000000000! geladen. Der Einberufer. Verein der Sattler und Fachgenossen. Versammlung Das Comitee. Heute Sonnabend, den 23. Mai, Abends 8 Uhr, im Restaurant Dresdener Garten, Dresdenerstraße 45( Ecke Prinzenstraße.) Tages- Ordnung: 1. Die Arbeiterschutz- Gesetzgebung vor dem deutschen Reichstag und Um zahlreiche. Besuch bittet Wendt's Salon Röslinerstraße 17, früher Brandenburgstr. 33. Empfehle allen Freunden und Genossen meinen Ball- Salon. Rudolph Wendt. 00000000000 Allen Parteigenossen empfehle meine Weiß- u. Bairisch- Bier- Lokal. bat diefelbe einen Werth für die Arbeiter?" Referent: G. Lint. 2. Distuſſion. 3. Berſchiedens. Destillation nebst Bier- Lokal Vereinszimmer zu vergeben. J. Leininger, Boyenstr. 40. Der Vorstand. O. Zabel Frankfurter Allee 90, Ecke Möglinerstraße. Herren- u. Knaben- Garderobe, Arbeitssachen, Bestellungen nach Maaß empfiehlt wie bekannt in reellster Ausführung und allerbilligsten Preisen J. BAER, Berlin N., Gesundbrunnen, Badstr. 18, Ecke der Stettinerstrasse. Ich habe keine Filialen und stehe mit ähnlich lautenden Firmen in keinerlei Beziehung. Bitte daher genau auf Firma zu achten. Verantwortlicher Redakteur: Paul Ernst, Berlin. Verleger und Drucker: Maurer, Werner, Dimmick, sämmtlich in Berlin SO., Elisabeth- Ufer 55. Ucilitatt zur Mcrlhicv VoTA�Tribüne. gzr. 21. Sonnabend, den 23. Mai 1891. Jahrgang. Die Raupe. Die Raupe auf dein Baume saß Und von der Krön' die Blätter fraß, Sie war von buntem Kleide Als wie von Sammt und Seide. Ein Staarsminisler ging vorbei, Der sah das Thier und sprach: „Ei, ei! wie hast du's unternommen Und bist so hoch gekommen?" Und als die Raupe blieb nicht stumm, Da ward er roth und dreht sich um; Die Raupe hat gesprochen: „Mein Freund, ich bin— gekrochen!" Glasbrenner. Gewi ssens qua! ÄS* von August Strindberg. (Deutsch von Gustav Lichtenstein.) 1. Fortsetzung. „Sie sind sämmtlich unverheirathet", antwortete der Pastor.„Aber diese Nacht wenigstens könnten Sie ihnen schenken!" „Unmöglich! Die Ordre lautet: vor dem Vesper, und bei Tagesgrauen müssen wir aufbrechen! Gehen Sie zu ihnen, Herr Pastor, gehen Sie zu ihnen!" „Ich werde gehen! Aber gehen Sie beileibe nicht in Hemdsärmeln aus, Herr Lieutenant, Sie könnten sonst demselben Geschick versallen wie jene, denn der Rock macht ja den Soldaten!" Und der Pastor ging. Herr von Bleichroden schrieb die letzten Zeilen seines Briefes in einem sehr erregten Zustand. Darauf ver- siegelte er ihn und klingelte nach der Ordonnanz. „Befördern Sie diesen Brief", sprach er zu dem Eintretenden,„und schicken Sie den Sergeanten her." Der Sergeant kam. „Drei mal drei macht neunundzwanzig, nein drei mal sieben ist... Sie nehmen drei mal... Sie nehmen siebenundzwanzig Mann und füsiliren die Gefangenen in einer Stunde. Hier ist die Ordre!" „Sie erschießen?" fragte der Sergeant zögernd. „Füsiliren, jawohl! Wählen Sie die schlechtesten Leute, die schon vorher im Feuer gewesen sind. Sie ver- stehen mich. Zum Beispiel Nr. 86 Besel, Nr. 19 Gewehr, in der Weise! Ferner beordern Sie für mich sechzehn Mann, sofort. Die besten Leute! Wir werden nach Fontainebleau gehen zu rekognosziren, und wenn wir zurückkommen, soll es geschehen sein. Haben Sie ver- standen?" „Sechzehn Mann für den Herrn Lieutenant, sieben- nndzwanzig für die Gefangenen, Gott bewahre, Herr Lieutenant!" Und damit ging er. Der Lieutenant knöpfte sorgfältig seinen Rock, schnallte die Koppel um und steckte einen Revolver in die Tasche. Darauf zündete er sich seine Zigarre an. aber er konnte unmöglich rauchen, denn die Luft fehlte ihm in den Lungen. Er stäubte seinen Schreibtisch ab. Er zog sein Schnupftuch und trocknete die Papierscheere, die Lack- stanze und die Streichholzschachtel. Er legte das Lineal und die Feder parellel, völlig winkelrecht gegen das Lösch- Papier. Daraus begann er die Möbel in Ordnung zu stellen. Als dies gethan war, nahm er Kamm nnd Bürste hervor und ordnete sein Haar vor dem Spiegel. Er holte die Palette tzerab und untersuchte die Farbenkleckse, er prüfte sämmtliche rothe Mützen und suchte die Staffelei auf zwei Füße zu stellen. Als man das Klirren der Ge- wehre auf dem Hofe vernahm, gab es keinen Gegenstand im Zimmer, den er nicht berührt hatte. Und so ging er hinaus. Er kommandirte linksum Marsch und zog aus dem Dorfe hinaus. Es war, als ob er vor einer feind liehen Uebermacht davonlaufe, und die Truppen konnten ihm nur schwer folgen. Als er auf das Feld hinaus- kam, ließ er die Leute einzeln hintereinander gehen, um das Gras' nicht niederzutreten. Er drehte sich nicht um, aber der ihm am nächsten ging, konnte sehen, wie sich das Tuch auf seinem Rücken von Zeit zu Zeit im Krämpfe zusammenzog, wie wenn man einen Schauder fühlt oder von hinten einen Schlag erwartet. Am Waldessaum wurde Halt kommandirt.' Er befahl den Mannschaften sich ruhig zu verhalten und auszuruhen, während er in den Wald ging. Als er nun in die Einsamkeit gekommen war und genau nachgeschaut hatte, daß ihn niemand sehen konnte, holte er in tiefen Zügen Athem und wandte sich dem dunkeln Gebüsch zu, wo schmale Fußgänge nach Gorge- aux-Loups leiten. Strauch und Busch lag schon im Schatten, aber hoch oben in den Wipfeln der Eichen und Buchen leuchtete die Sonne noch grell. Ihm war, als läge er auf dunkelm Meeresgrund und sähe durch das grüne Wasser das Tageslicht, das er nimmermehr er- reichen würde. Der große, wunderschöne Wald, der früher fein krankes Gemüth geheilt hatte, heute Abend war er so unharmonisch, so abstoßend, so kalt! Das Leben lag vor ihm so herzlos, so widerspruchsvoll, so voller Doppel- sinn, und ihm dünkte, die Natur selbst sähe unglücklich aus in diesem unbewußten, unfreien Traumleben. Hier wurde auch der gräßliche Kampf ums Dasein gekämpft, unblutig zwar, aber dennoch ebenso grausam wie draußen im wachen Leben. Er sah, wie die kleinen Eichen sich ausdehnen zum Gebüsch, um die zarten Wurzel der Buche zu tödten, die niemals über das Dasein einer Wurzel hinauskommen, und von tausend Buchen ist es vielleicht nur eine, die emporkommt an das Licht und die dadurch ein Riese wird, welcher den andern das Leben nimmt. Und die Eiche, die rücksichtslose, die ihre knotigen Arme ausstreckt, als wolle sie die ganze Sonne für sich behalten, sie hat den unterirdischen Kampf erfunden. Sie sendet ihre langen Wurzeln nach allen Richtungen, unterminirt den Boden, frißt den andern auch die kleinsten Nahrungs- Partikeln fort, und wenn sie ihre Gegner nicht zu Tode beschattet, so läßt sie sie verhungern. Die Eiche hat schon den Tannenwald gemordet, aber nun erscheint die Buche als ein Rächer, langsam aber sicher, denn ihre scharfen Säfte tödten alles, wo sie zur Macht gelangt. Sie hat die Vergiftungsmethode erfunden; und diese ist unwider- stehlich, denn keine Pflanze kann in ihrem Schatten wachsen, sondern der Boden um sie herum ist schwarz wie ein Grab, und deshalb gehört die Zukunft ihr. Er wanderte und wanderte, immer vorwärts, vor- wärts. Er schlug mit dem Säbel in das Gebüsch, ohne daran zu denken, wie viele junge Eichen-Hoffnungen er vernichtete, wie viele Krüppel er in's Leben rief. Er dachte kaum noch etwas, denn alle Thätigkeiten seiner Seele lagen wie in einem Mörser, zu Brei gerührt. Ge- danken suchten an die Oberfläche zu kommen, aber sie lösten sich auf und flössen dahin; Erinnerungen, Hoff- nungen, Groll, weiche Empflndungen und ein einziger großer Haß gegen alles Ungerechte, das durch eine unent- wickelte Naturmacht an das Ruder gesetzt wurde, um die Welt zu regieren, alles schmolz in seinem Gehirn zu- sammen, als ob ein inneres Feuer hastig die Temperatur erhöht und alle festen Bestandtheile gezwungen hätte, fließende Form anzunehmen. Er zuckte zusammen und blieb stehen, denn von Marlotte her vernahm man einen rollenden Laut über das Feld, ver sich in den Hohlgängen der Schluchten verdoppelte. Es war die Trommel. Erst ein langer Wirbel trrrrrrrrrrrrrrrum! Und— Schlag auf chlag, schwer, dumpf, eins und zwei, wie wenn man einen Sarg zunagelt und befürchtet, das Trauerhaus zu stören. Trrrrum— trrrum!— Trum— trrum! Er zog die Uhr! Dreiviertel sieben! In einer Viertelstunde soll es geschehen! Er wollte heimkehren und zusehen! Aber er war ja geflohen! Er wollte es um alles in der Welt nicht sehen! Und nun kletterte er auf einen Baum. Jetzt sah er das Dorf, so hell, so freundlich mit seinen kleinen Gärten, und den Kirchthurm, der sich über die Dächer erhob. Mehr sah er nicht. Er hielt die Uhr in der Hand und verfolgte den Sekundenzeiger. Pick, pick, pick, pick! Er eilte rund um das kleine Zifferblatt so schnell, so schnell! Der lange Minutenzeiger aber machte jedesmal, wenn der kleine eine Runde vollendet hatte, ein tickendes Geräusch, der Stundenzeiger stand still, so glaubte er wenigstens, aber auch dieser bewegte sich. Es fehlten nur noch fünf Minuten zu sieben. Fest, wirklich fest umspannte er den glatten, schwarzen Buchen zweig; die Uhr zitterte in der Hand, die Pulse hämmerten an den Ohren und er empfand eine brennende Hitze an den Haarwurzeln.— Krasch! klang es. ganz wie wenn eine Bohle bricht, und über einem schwarzen Schieferdach und einem weißen Apfelbaum stieg nun ein blauer Rauch empor über das Dorf, blauweiß wie Frühlingswolken, aber über die Wolken schoß ein Ring, zwei Ringe, viele Ringe empor in die Luft, als ob man nach Tauben ge- schössen und nicht gegen eine Mauer. „Also waren nicht alle so schlecht, wie ich glaubte". dachte er bei sich, als er aus dem Baum hinabstieg, nun- mehr gleichsam ruhiger, nachdem dies geschehen war. Und nun begann die kleine Dorfglocke zu läuten, Seelenruhe, Seelenfrieden für die Tobten, die ihre Pflicht erfüllt. aber nicht für alle Lebenden, die auch die ihrige erfüllt hatten! Die Sonne war untergegangen, und der Mond, der den ganzen Nachmittag blaßgelb am Himmel gestanden hatte, begann dunkel zu werden und an Lichtstärke zu- zunehmen, als der Lieutenant mit seiner Mannschaft nach Montcourt zu marschirte, immer verfolgt von dem Läuten der kleinen Glocke. Die Truppe kam auf die große Chaussee nach Nemouro, und dieser Weg mit seinen zwei Reihen Pappeln schien besonders für Märsche geschaffen zu sein. Und so marschirte man, bis das Dunkel immer dichter wurde und der Mond scharf zu leuchten begann. Im letzten Gliede ftng man schon zu flüstern an, allmälig be- rathschlagte man in den Reihen, ob man den Korporal nicht ersuchen sollte, dem Lieutenant anzudeuten, daß die Gegend unsicher sei und man ins Quartier müsse, um bei Tagesanbruch aufbrechen zu können, als Herr von Bleichroden unerwartet„Halt!" kommandirte. Man war auf einer Anhöhe, von wo aus man Marlotte sehen konnte. Der Lieutenant stand ganz still wie ein Jagd Hund, der das Wild wittert. Nun ging die Trommel wieder! Und dann schlug die Uhr neun in Montcourt, dann in Gröz, in Bourron, in Nemouro, und allmälig läuteten sämmtliche kleinen Glocken die Vesper, eine immer klarer wie die andere; aber durch alle drang der Ton der kleinen in Marlotte. Sie rief: Hilf— hilf! Hilf— hilf! und Herr von Bleichroden konnte nicht helfen! Plötzlich erdröhnte der Boden, wie aus dem Innern der Erde: es war der Nachtschuß aus dem Hauptquartier bei Chalons. Und durch die leichten Abendnebel, die sich über dem kleinen Fluß Lvin gelagert hatten, drang das Licht des Mondes und beleuchtete den Fluß, so daß er einem Lavastrom glich, der in weiter Ferne aus dem gleich einem Vulkan in die Höhe ragenden, schwarzen Walde von Fontainebleau zu fließen schien. Der Abend war erstickend warm, aber die Leute waren weiß im Gesicht, so daß die Fledermäuse, die um sie herum schwärmten, dicht an ihren Ohren vorbeisausten, wie sie zu thun pflegen, wenn sie weißes sehen. Jedermann wußte, woran der Lieutenant dachte, aber sie hatten ihn noch nie so sonderbar gesehen und fürchteten, daß es mit ihren zweck- losen Rekognoszirungen auf der großen Landstraße nicht ganz richtig war. Endlich nahm sich der 5korporal die Kühnheit, zu ihm zu gehen und in Form eines Rapports seine Auftnerksamkeit darauf zu richten, daß der Zapfen- streich bereits geschlagen war. Herr von Bleichrvden nahm diese Aufklärung demüthig entgegen, wie man einen Be- fehl empfängt, und kommandirte zum Rückmarsch. Als sie eine Stunde später die ersten Straßen von Marlotte bettaten, beobachtete der Korporal, daß der rechte Fuß des Lieutenants in der Kniekehle wie von Spat zusammengezogen wurde. Auf dem Marktplatze wurden die Mannschaften ohne Gebet entlassen, und der Lieute- nant verschwand. Er wollte nicht sofort nach Hause geheu. Es war etwas, das ihn zog, wohin wußte er nicht. Mit auf- gesperrten Augen und Nasenflügeln lief er umher wie ein Spürhund. Er Prüfte die Wände und witterte nach einem Geruch, den er wohl kannte. Er sah nichts und begeg- nete keinem Menschen. Er wollte sehen, wo„es" geschehen war. Aber andererseits fürchtete er auch, es zu sehen. Endlich wurde er müde und ging heim. Auf dem Hofe blieb er stehen und ging rings um das Küchengebäude. Dort stieß er auf den Sergeanten und wurde so erschreckt, daß er sich an der Wand halten mußte. Auch der Ser- geant war erschrocken, aber er faßte sich und begann: „Den Herrn Lieutenant gesucht, uni Rapport ab- zustatten." „Es ist gut, es ist gut! Gehen Sie zu Bett!" ant- wartete Herr von Bleichroden, als fürchtete er, einige Details zu hören. „Sehr wohl, Herr Lieutenant, aber es war..." „Es ist gut! Gehen Sie! Gehen Sie! Gehen Sie!" Und er sprach so schnell, so unablässig, daß es dem Ser- geanten nicht möglich war, ein Wort hineinzuwerfen, und jedesmal, wenn er den Mund öffnete, wurde er mit einem solchen Wortschwall überschüttet, daß ihm die Sache end- lich überdrüssig wurde und er seines Weges ging. Da athmete der Lieutenant wieder auf und fühlte sich wie ein Schulknabe, der den Schlägen entgangen ist. Er war jetzt im Garten. Der Mond beleuchtete grell die gelbe Küchenmauer, und der Weinstock stteckte seine Skelettarme wie in einem langen, langen Gähnen aus. Aber was war das? Vor zwei, drei Stunden war er todt, ohne Laub, nur ein graues Gerippe, das sich in Konvulsionen wand, und jetzt, hingen dort nicht die schönsten, rothen Trauben, und hatte der Stock nicht ge- grünt? Er trat näher heran, um nachzusehen, ob es denn derselbe Weinstock sei. Als er an der Mauer war, trat er in etwas Klebriges und fühlte jenen dumpfen, ekelhaften Geruch, den man in einem Fleischerladen verspürt. Und nun sah er, daß es derselbe Weinstock war, ganz derselbe, aber die Ueber- tünchung der Mauer war zerschossen und mit Blut be-i spritzt. Dort also war es! Dort war„es" geschehen! Er eilte augenblicklich davon. Als er in die Haus- flur trat, stolperte er durch etwas Glattes, das an de» Füßen klebte. Er zog die Stiefel aus und warf sie auf den Hof. Darauf ging er in sein Zimmer, in welchem sein Abendessen gedeckt war. Er empfand einen starken Hunger, aber er konnte nichts essen. Er blieb stehen und sah starr auf den gedeckten Tisch. Alles war so sauber aufgelegt, die Butter so fein, so weiß mit dem kleinen in die Spitze eingedrückten Radieschen; das Tischzeug war weiß und er bemerkte, daß es mit Buchstaben gezeichnet war, die sich weder am Anfange seines Namens noch dem seiner Frau befanden; der runde Ziegenkäse lag so sauber auf seinem Weinblatt, als ob noch etwas anderes als die Furcht vor Brandschatzung hier geschaltet hätte; das schöne, weiße Brot, dem braunen Roggenbrod so ungleich, der rothe Wein in der geschliffenen Karaffe, alles schien von freundlichen Händen geordnet. Aber er schämte sich, die Speisen zu berühren. Er ergriff Plötzlich die Glocke und schellte. Augenblicklich ttat die Wirthin ein und blieb an der Thür stehen, ohne ein Wort zu sprechen. Sie sah auf seine Füße nieder und erwartete einen Befehl. Der Lieutenant wußte nicht, was er wollte und erinnette sich auch nicht, weshalb er eigentlich geschellt hatte. Aber er mußte sprechen. „Sind Sie mir böse?" fuhr es aus ihm heraus. „Nein, mein Herr." antwortete das Weib.„Wünschen Sie etwas, mein Herr?" Und sie blickte wieder auf seine Füße. Er sah zur Erde und nun entdeckte er, daß er in Strümpfen stand und die Diele rothe Spuren mit dem Abdruck der Zehen zeigt, da der Strumpf in Folge des langen Marsches zerrissen war. „Geben Sie mir Ihre Hand, liebe Frau," sprach er und reichte ihr die seinige. „Nein," antwortete die Frau und sah ihm gerade hinein in die Augen und damit ging sie. Herr von Bleichroden schien nach diesem Schimpf Much zu fassen, er nahm einen Stuhl, um sich zum essen zu setzen. Er hob den Deckel der Fleischpfanne auf, um sich zu bedienen, aber als ihm der Fleischgeruch ins Gesicht stieg, ward ihm übel, er stand auf, öffnete das Fenster und warf die ganze Pfanne auf den Hof. Er zitterte am ganzen Körper und fühlte sich krank! Seine Augen waren so empfindlich, daß ihn das Licht plagte und alle grellen Farben reizten. Er warf auch die Flasche mit dem Wein hinaus, er riß das Radieschen aus der Butter, die rothen Malermützen, die Palette, alles was roth war, mußte hinaus. Darauf legte er sich auf das Bett. Seine Augen waren müde, aber sie konnten sich nicht schließen. So lag er eine Weile, bis er im Schenkzimmer Stimmen hörte. Er wollte nicht lauschen, aber seine Ohren mußten hören, und nun vernahm er, wie zwei Korporale, welche Bier tranken, sich unterhielten: „Die beiden Kleinen waren feste Kerle, aber der Lange war schwach." „Man kann nicht sagen, daß er schwach war, weil er an der Mauer wie ein Lappen zusammenfiel, aber er bat, wir sollten ihn an das Spalier anbinden, denn er wollte stehen, sagte er." „Aber die andern, hol' mich der Teufel, standen sie nicht, die Arme über der Brust gekreuzt, als ob sie phvto- graphirt werden sollten." „Jawohl, aber als der Priester in das Billardzimmer kam und ihnen sagte, es ist kaput, da sollen alle drei im Zimmer zusammengebrochen sein, so sagt der Sergeant wenigstens, aber sie machten kein Geschrei und kein Ge- danke daran, um Gnade zu bitten!" „Ja, es waren verdammte Kerle! Gesundheit! Herr von Bleichroden vergrub den Kops in die Kissen und stopfte das Laken in die Ohren. Aber bald stand er auf. Es war, als ob ihn etwas immer wieder an die Thür zog, hinter welcher die Sprechenden saßen. Er wollte mehr hören, aber die Männer sprachen nur leise. Er schlich deshalb herbei, und den Rücken in einen rechten Winkel gespannt, legte er das Ohr an das Schlüsselloch und lauschte. „Aber sah'st Du unsere Leute? Waren sie nicht so grau wie die Asche hier in der Pfeife, und so viele, die in die Lust schössen! Aber sprich nur darüber nicht! Sie bekommen doch, was sie haben. sollten! Und sicherlich wogen sie ei» paar Pfund mehr, als sie gingen, als wie sie kamen! Es war, als ob man Kramtsvögel mit Kar- tatschen schösse. Oh. oh! Aber so geht es zu im Kriege! Gesundheit!"(Föns, folgt.) Warum geht Rußland aufGroverungen aus? 18on Stepniak. Ins Deutsche übertragen von B. N. «iv. Wodurch wird aber die Regierung noch gehalten?