Dolb Berliner NnbilU. Sozial-Politisches Wochenblatt. A«« der Woche.— Koziale» au» Oesterreich. Der Handelsvertrag mit Gefterreich-Ungarn im Lichte der Kozialreform.— Die Stellung de» Kaitrrs in der Derfassnug und in der Wirklichkeit.— Au« dem Sudget der Europäischen Staaten.— Au« dem sozialen Lrdem Gedicht.— UoveUe.— Da» Jahr ÄVttv.— Soldatenbriefe.— Ueber die Vernichtung de« Aauernstande«. Arbeiter-Aristokratie.- Die Hungerkur. Die Postabonnenten unseres Blattes erinnern wir daran, vor Monatsschluß ihr Abonnement zu erneuern, da dasselbe von der Post sonst als erloschen betrachtet wird. Vostzettnngskatalog Ur. 893. Preis pro($«artal Mk. 1,50(bei Srlbstab holnng), durch Krieftrager ius Haus 1,65 Mk. Die Kreuzbandabonnente» bitten wir, wenn möglich, vom 1. Juli an direkt von der Postanstalt zu beziehen. da die Expedition sich dadurch bedeutend vereinfacht. 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Billig ist ein der- artiges Verfahren, das stimmt! die Heimathsgemeinde des — Arbeitsunfähigen war mit einem Schlage die Armen- Unterstützung los.— — Tie französische Akademie hatte unlängst einen Preis von 20 000 Franks für das beste Werk in Geo- graphie oder Geschichte zu vergeben. Ihr Ausschuß schlug den ersten zeitgenössischen Geographen Elysee Reclus als den der Auszeichnung würdigsten vor. Aber da kam sie schön an. Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei, aber ihre Träger müssen Sklaven des Kapitalismus sein, wenn sie vorwärts kommen wollen. Nun ist Reclus unbestritten der erste seines Faches, er ist aber auch einer der Haupt- Vertreter des theoretischen Anarchismus; deshalb erhielt nicht er den Preis zuerkannt, sondem die Wittwe eines verstorbenen Geschichtsschreibers, den außer seinen engeren Fachgenoffen niemand kannte auf der ganzen Welt. Das Bürgerthum ist konsequent auch in seinem Haß.— — Der Stöcker hat eine für das öffentliche Leben wichtige Erfindung gemacht. Im konservativen Wahl- verein des 2. Wahlkreises hielten die Konservativen un- längst eine Versammlung für die Beibehaltung der Korn- zölle ab. Bei der Abstimmung waren 15 Personen gegen die regierungsfreundliche Resolution. Da erhob sich der Stöcker in seiner ganzen Größe und sprach: Ich konstatire che einstimmige Annahme, die Leute, welche dagegen siiminten. zählen nicht, auf den Einladungen stand, daß wir uns hier für die Zölle erklären werden. Bravo. Stöcke?! Die Jesuiten brauchen nicht mehr zurückberufen werden. Sie sein schon da.— — Mit welchem Uebermuth manche Behörden gegen das Volk vorzugehen sich erlauben, beweist folgende That- lache. In Ingolstadt in Bayern gaben die Bezirksämter bekannt, daß während der Monate Juni bis September zur Abhaltung von Tanzmusik keine Bewilligung ertheilt wird, da„diese Vergnügungen durchaus nicht in Einklang stehen mit den allenthalben vorgebrachten Klagen über schlechte Zeiten." Kurz vor Ausbruch der französischen Revolution rief ein Hofmann dem nach Brot schreienden Volke zu:„Freßt Gras!" Die Zeiten ändern sich, aber der Hochmuth der Dickbäuche wird erst mit seinem letzten Träger aussterben — Der preußische Unterrichtsminister sucht jetzt auch die Lehrer an die Scholle zu fesseln. Sie sollen in keinem anderen Regierungsbezirk angestellt werden, ohne die Ge nehmigung der Regierung des Bezirkes, in welchem sie bisher amtirten. Dadurch will man erstens die Lehrer auf schlechtbezahlten Stellen festhalten; der heutige Staat ist gerade so schofel wie der letztbeste Arbeiterschinder. Zum andern scheint m:n den Lehrern, die man jetzt als Vorposten im Kampfe gegen die Sozialdemokratie ver- wenden will, nicht recht zu trauen. Also Zaum und Zügel her, damit das Arbeitspferd,— für was anderes hat man ja den Lehrer auch nie angesehen— nicht zu üppig wird, und am Ende gar über die Stränge springt, und — der rothen Fahne nachläuft. — Bei dem festlichen Schlüsse des preußischen Land tages war der Vertreter für Ober- und Niederbarnim, Abgeordneter von Veltheim auf Schönfließ bei Herms- dorf in der Mark der Einzige, welcher schwarze enge Hosen und Wadelstrümpfe angelegt hatte. O, wie weit liegen hinter uns die Zeiten der alten Germanen. Unter so viel hundert Personen wagt ein einziger, seine Waden zu zeigen! Es ist rein zu Verzweifeln. — Bismarck hat zu dem Vertreter des deutschen Ziegler- und Kalkbrcnnervereins vor einigen Tagen ge- sagt:„Ihr Gewerbe war mir vom Anfang an sym- pathisch." Das glauben wir ihm aufs Wort. Ihm war seit jeher alles sympathisch, das ihm Geld brachte. Bei dieser Gelegenheit erfuhr die Welt auch, daß Bismarck Ziegeleibesitzer und Kalkbrenner sei. Der Mann ist viel- seitig. Schnapsbrenner, Papierfabrikant, Holzhändler und Kornvertheurcr— fast jeder Paragraph des Zollgesetzes vermehrt seine Einnahmen. Und da sagen noch immer welche, er wäre kein großer Mann. X Das Wildschadengeseiz ist im Abgeordnetenhause in namentlicher Abstimmung mit 175 gegen 97 Stimmen angenommen worden. 161 Abgeordnete fehlten! Für dies Gesetz stimmten fast sämmtliche Konservativen und Freikonservativen, die Mehrheit der Zentrums- partei(35 dafür, 24 dagegen, 36 fehlten!) und einzelne Nationalliberale. Durch Annahme dieses Gesetzes hat die Mehrheit des Abgeordnetenhauses, welche bei der Korn- zolldebatte von Bauernfreu nd lichkeit überfloß, einmal für jeden Bauern klar und deutlich gezeigt, weß Geistes Kind sie ist. Jeder Ersatzanspruch bei Wechsel- wild wurde gestrichen. An Stelle der Schadenersatz- Pflicht der Jagdpächtcr trat die Erfatzpflicht der Ge- mein de(!) für den innerhalb ihres Jagdgebiets ent- stehenden Schaden. Die Gemeinde kann sich durch den Pachtvertrag Wiedererstattung der Wildschadenbeträge durch den Jagdpächter ausbedingen. Jedes gerichtliche Verfahren in Fragen des Schadensersatzes ist einfach ausgeschlossen; die Ortspolizei und der Kreisausschuß entscheiden. Treffend hat der nationalliberale Abgeordnete Francke die Schadenersatzpflicht der Landgemeinde unter Streichung der Regreßpflicht der Waldbesitzer und Groß- grundbesitzer von mehr als 300 Morgen im Abgeordnetenhause dahin charakterisirt! »Denken Sie sich, es kommen zwei Bauern A und B zu einem großen Herrn. Der eine klagt:„Ihr Hund hat meine Suh tobt gebisicnl' und der zweite klagt:„Ihr Hund hat auch meine Kuh tobt gebissen 1" und beide bitten um Schadenersatz. sOer bett. hohe Herr erwidert:„Schadenersatz wollt Ihr haben? Der Bauer A bezahlt dem Bauer B dessen todtgebissene Kuh, und der Bauer B bezahlt dem Bauer Ä dessen todtgebissene Kuh."— Auf diese Weise arbeitet man dem Zug der Sozial- demokratie aufs Land entgegen. — Ju Krakau begann vor einem Erkenntnißgerichte ein Geheimbundsprozetz gegen acht junge Leute, Studenten im Alter von 22 bis 26 Jahren. Dieser Prozeß gilt als Epilog der vorjährigen Studentenunruhen an den galizischen Hochschulen und die Untersuchung dauerte über ein Jahr. Die umfangreiche Anklage erzählt den Verlauf der Studentenbewegung seit den letzten drei Jahren und sucht aus den bekannten Thatsachen, welche im Vorjahre die Relegiruug einer Anzahl von Studenten zur Folge hatten, den Beweis zu erbringen für das Vorhandensein einer geheimen Verbindung. Namentlich bespricht die An- klage sehr ausführlich die in Lemberg abgehaltene Studenten- Versammlung, deren Resolutionen sich gegen die Hand- habung des Vereins- und Versammlungsgesetzes und gegen den Militarismus wandten. Auf Grund von Korrespon- denzen, welche theilweise im Redaktionszimmer derStudenten- Zeitschrift„Ognisko" vorgefunden und theilweise auf der Post ausgespitzelt wurden, wird den Ilngeklagten vor- geworfen, daß sie mit den bekanntesten polnischen So- zialisten im In- und Auslande Verbindungen unter- hielten.(!) Ferner wird der Gründung eines Verbandes aller polnischen Studentenvereine Erwähnung gethan und der Nachweis versucht, daß das Programm dieses Ver- bandes sozialistische und zum Theile auch„patriotisch- revolutionäre" Ziele verfolgt. Die einzelnen Angeklagten haben theils an der Gründung des Verbandes, theils an der Zeitschrift„Ognisko" theilgenommen. Die VerHand- lung wird mehrere Tage in Anspruch nehmen. — Ueber den Besuch des Kaisers beim Offiziers- korps des 4. Garderegiments z. F. auf den Schießständen bei Spandau wird noch Folgendes mitgetheilt: Ein Offizier machte den Vorschlag, auch ein Wettlaufen zu veranstalten; der Kaiser ging sofort darauf ein. Es wurde eine Strecke von 200 Metern gemessen und eine große Anzahl nahm an dem Laufen theil. Auch der Kaiser stand nicht davon zurück. Sieger blieb Hierlei ein junger Sekondelieutenant v. Maltzhahn, der Kaiser erreichte gleich nach ihm, als zweiter, das Ziel. — Redakteur Fusangel wurde im Bochumer Steuer- Prozeß— verurtheilt und zwar wegen„Beleidigung" diverser Ehrenmänner in 13 Fällen zu 5 Monaten, Redakteur Lunemann zu 2 Monaten Gefängniß! Das hat er davon, wenn er besonders hervorragenden Ehren- männern auf die Haube steigt und sie entlarvt: er wird eingesperrt, der entlarvte Sünder bleibt nach wie vor „Ehrenmann", wenn auch in partibus infideliurn. — Wahrhaft erfrischend ist die Nachricht von dem Berspekulirc» des Peterspfennig-Fonds. Vor einigen Tagen wurde gemeldet, in demselben sei ein Defizit von 10 Millionen Lire entdeckt worden; dann hieß es, der Papst habe alle Finanzbeamten des Vatikans aus dem Dienst gejagt. Jetzt meldet der Londoner„Chronicle", in Folge schlechter Anlagen seien 13 Millionen Lire ver- loren gegangen. Geschieht dem Papst recht. Warum sammelt er Schätze, welche die Motten und der Rost fressen! Es wäre interessant, zu erfahren, wo eigentlich die vatikanischen Finanziers das viele Geld zugebrockl haben. Wenn sie es in Hypotheken oder sicheren Papieren angelegt hätten, so könnte dieser Krach wohl schwerlich eingetreten sein. Wahrscheinlich aber sah man mehr auf hohe Zinsen als gute Sicherheit. Das Zinsnehmen ist zwar bekanntlich durch die Bibel und diverse päpstliche Bullen verboten, aber bei den Pfaffen hat es stets ge- heißen:„Richtet Euch nach meinen Worten, nicht nach meinen Werken." Vielleicht erfährt man noch, ob der Papst seinen Schatz in gut christlichen„Anlagen" verloren hat; es war ja viel die Rede von der„Katholisirung des Kapitals." Vielleicht aber hat der Papst praktische Er- fahrungen in der Nationalökonomie machen wollen, die er für feine Encyklika über die Arbeiterfrage gebrauchte. — Nein, diese Barbaren! Tscheng-Ki-Tong, der bisherige chinesische Gesandtschaftssekretär in London, mußte wegen VerÜbung kolossaler Schwindeleien seinen Posten verlassen und wurde in China zum Tode ver- urtheilt. Daran merkt man, daß das Land viele Ein- wohner hat. Wenn man bei uns alle Schwindler auf- hängen wollte, so würde das Land bald entvölkert sein. Soziales aus Oesterreich. so doch eine zentralistische Parteiorganisation wie in Deutschland| Wichtigkeit, welche die Regierung ihren Leistungen beimaß, nicht möglich sei, wegen der großen Verschiedenheit der öfono- eine besonders aturate Arbeit, und Jedermann war ge Die Budapester Arbeiterpresse" schreibt: Nach 13 jährigem mischen und kulturellen Entwicklung der einzelnen Landestheile. Bestand ist das Sozialistengesetz in Deutschland als fruchtlos Ferner wird über den internationalen Kongreß zu Brüssel bespannt, von dem Ergebniß der handelspolitischen Veraufgehoben worden, und siehe da, der österreichische Minister- rathen werden und über die Möglichkeit, eine einheitlichere handlungen etwas zu vernehmen. präsident Graf Taaffe hat dem Parlament den Entwurf eines internationale Maifeier zu erzielen. Die Arb.- 3tg." schließt mit Doch die Regierung hüllte sich in vorsichtiges StillSozialistengesetzes vorgelegt, bei dessen Lektüre sich das Staunen folgenden Worten:„ Während der Hainfelder Parteitag nur den schweigen, nur offiziös verlautete, daß etwas noch nie von Punkt zu Punkt steigert, und beim Durchlesen dieses Pro- Grund legte zur Wiederaufnahme der Thätigkeit der Sozialduktes staatsmännischer Weisheit in einer ernſten politischen demokratie, während er erst die von roher Gewalt zerrissenen Dagewesenes geschaffen sei. Wahrscheinlich geht die ReZeitung muß man stets wieder unwillkürlich das Blatt um- Fäden wieder vereinigte, findet der Wiener Parteitag die öfter- gierung von der Ansicht aus, daß ein soziales Reformwenden, um sich durch einen Blick auf den Titel zu vergewissern, reichische Sozialdemokratie bereits als anerkannte Wortführerin, werk fein Spielzeug für Kinder sei und daß es aus dem daß man kein Witzblatt in Händen hat. von dem Vertrauen der Arbeiterklasse getragene Madatarin des Man kennt ja das perfiflirende Genre der politischen Wig- Proletariats. Und trotz aller Hindernisse, troß aller rücksichts- Leime gehe, sobald sich die Kritik damit befaßt. blätter jener gewissen ,, Regierungskunst" gegenüber, welche in losesten Gewaltanwendung hat sie bereits Erfolge aufzuweisen, Eine ganz merkwürdige Eigenschaft hat der Handelsihrer Unfähigkeit nach Ausnahmsgesetzen greift, mit welchen, nach deren bedeutendster ist die mit Riesenschritten fortschreitende Ent vertrag allerdings. Nach den Erklärungen der Redem berühmten Staatsmann Cavour, jeder Esel regieren kann. wicklung des Proletariats zu rastlosem Kampfe. Wir begrüßen gierungsvertreter wird er auf der einen Seite die VerUnd wenn die politischen Wizblätter einen Konkurs auf eine solche den Barteitag und wünschen, daß seine Arbeiten von Erfolg ge- hältnisse der ärmeren Klassen dauernd bessern, auf der Arbeit ausgeschrieben hätten, der Gesetzentwurf des Grafen frönt sein mögen." Taaffe wäre entschieden als die gelungenste Perfiflage preisgeanderen aber die materiellen Interessen der Agrarier, die trönt geworden. in der Auswucherung des Volkes bestehen, nicht im entillustriren: Die Bildung von Vereinen, bezüglich welcher angenommen einem der rauhbeinigsten Junker, dem Grafen von Kaniz werden kann, daß sie sozialistischen Bestrebungen dienen, ist zu E. S. Die gegenwärtige Regierung hat zu ver- zu, daß er, der Graf, mit dem Handelsvertrag vollauf untersagen. schiedenartigen Malen betheuert, ihr Herz schlage warm zufrieden sein würde. Die Agrarier haben den Wink Vereine, welche den gesetzlichen Bestimmungen gemäß gebildet wurden, sind aufzulösen, wenn sie sozialistischen Befür die arbeitenden Klassen, wärmer, als man sich denke. verstanden, sie haben über die Tragweite des Handelsstrebungen dienen. Wir fühlen uns nicht versucht, an der Aufrichtigkeit vertrages nachgedacht und gefunden, daß er für sie nicht Vereine, welche nach ihren Statuten die gegenseitige Unter- dieser Betheuerung irgendwie herumzumäkeln, das geziemt ganz übel sei. Seitdem ist es im agrarischen Froschteich stützung ihrer Mitglieder bezwecken sind im oben angedeuteten sich nicht für den beschränkten Unterthanenverstand; nur wieder ruhig geworden, und wenn hin und wieder noch Falle nicht sofort aufzulösen, sondern vorerst unter staatliche eine schüchterne Frage wagen wir uns manchmal vor etwas gequaft wird, so thun es die Junker in der AbSizungen und Bersammlungen des Vereines, des Vereinsvorzulegen: was mag wohl die Reichsregierung unter den sicht, die Deffentlichkeit zu täuschen, während sie sich im standes und der Kontrolorgane des Vereines beizuwohnen und arbeitenden Klassen" verstanden wissen wollen? Geheimen in's Fäustchen lachen, daß der Handelsvertrag find diese Sitzungen und Versammlungen der Behörde mindestens 24 Stunden vorher anzuzeigen; die Behörde hat die Sizungen liche Frage noch nicht einig. Während die wirklichen ArBekanntlich sind sich die Gelehrten über diese kiz- so auf ihren Leib zugeschnitten ist. Betrachten wir und Versammlungen einzuberufen und zu leiten, die Kassen in die wichtigste Bestimmung des Berwahrung und Verwaltung zu nehmen 2c. beiter, welche sich allerdings durch brutalen Egoismus Handelsvertrages mit Desterreich- Ungarn; es ist dies die Wer Mitglied eines solchen gesetzlich bestehenden Vereines und unlautere Anmaßung stets so unvortheilhaft vor Herabseßung der deutschen Getreidezölle diesem Staate iſt, wird mit ſtrengem Arreſt von drei Monaten bis zu zwei ihren gesättigten kapitalistischen Mitbürgern auszeichnen, gegenüber. Der vertraglich festgesezte zukünftige GetreideJahren bestraft.( 1) Wer zur Bildung eines Vereines auffordert, den Begriff der„ arbeitenden Klassen" auf sich selbst an- zoll Deutschlands ist zwar offiziell nicht bekannt gegeben iſt zu ſtrengem Arreſte von drei Monaten bis zu drei Jahren zu wenden, prätendiren auch die herrschenden Klassen im worden, allein die Annahme, daß er 35 Mt. pro Tonne Bersammlungen, von denen angenommen werden kann, daß Staate, welche sich so redlich vom Schweiße ihres betragen werde, ist regierungsseitig niemals dementirt fie sozialistischen Bestrebungen dienen, find zu untersagen; Ber Nächsten nähren,- je nach Bedürfniß natürlich worden, sodaß man diesen Satz, welcher eine Ermäßigung sammlungen, in welchen obige Bestrebungen zu Tage treten, find aufzulösen; wer eine solche Versammlung veranstaltet, ist mit unter die„ arbeitenden" Klassen gezählt zu werden. des jezigen Getreidezolles um 15 Mt. pro Tonne bestrengem Arrest von drei Monaten bis zu drei Jahren zu be- Bei der vorherrschenden Begriffsverwirrung wäre es deutet, als richtig ansehen darf. strafen; wer sich an einer solchen Versammlung betheiligt oder der Regierung am Ende garnicht so sehr zu verübeln, Welchen Einfluß würde nun die Zollherabsetzung auf wer hierzu Räumlichkeiten hergiebt, ist mit strengem Arrest von wenn sie da und dort einmal, so besonders in der die Getreidepreise in Deutschland ausüben? Die Anteinem Monat bis zu zwei Jahren zu bestrafen." Eine hübsche Berspektive! Zur Winterszeit, wenn die Noth- Sozial- und wirthschaftspolitischen Gesetzgebung, die wort lautet: feinen. Selbst wenn die Regierung noch ein lage besonders brückend empfunden wird, begeht so mancher ob- Großgrundbesiger und Großindustriellen unter die ar- halbes Dutzend solcher Tarifverträge mit anderen dachlose, ausgehungerte Proletarier irgend etwas, um im Ge- beitenden Klassen rechnete; ein solcher Lapsus kann selbst Staaten, wie Italien, der Schweiz, Belgien, den Niederfängniß Unterkunft zu finden, z. B. er schlägt eine Auslageſcheibe dem gewiegtesten Staatsmann mitunter passiren. Sagte landen u. s. w. abschließen und den Zoll ebenfalls auf ein oder dgl. Das wäre nach diesem famosen Gesezentwurf viel doch beispielsweise Minister von Boetticher einst zu einem 35 Mt. diesen Staaten gegenüber erniedrigen würde, so bequemer. In Wien z. B. könnten 30 000 Arbeitslose bald ,, versorgt" sein. 10 Versammlungen zu je 3000 Besucher würden ge- Komitee von Großindustriellen:„ Meine Herren, wir fände dennoch eine Einwirkung auf die Preisbildung für nügen, um den Arbeitslosen Obdach und Nahrung zu verschaffen arbeiten nur für Sie" und meinte damit nicht, wie sich Getreide in Deutschland nicht statt, da alle jene fremden und die nothwendige Errichtung von Gefängnissen in ganz Defter später herausstellte, die kapitalistischen Großunternehmer Vertragsstaaten für den Getreideimport nach Deutschland reich würde die Bauthätigkeit ungemein heben und Graf Taaffe hätte sich so nebenbei die aufrichtige Sympathie der Bauunter( auch nicht seinen Herrn Schwiegervater), sondern die weniger oder garnicht in Betracht fallen. nehmer erworben. ,, arbeitenden Klassen". Eine Ermäßigung oder Aufhebung der deutschen Eine kleine Blumenleſe aus diesem, Meisterwert"( möge dies Der Handelsvertrag mit Oesterreich- Ungarn ferntesten gefährden; ja, Herr von Boetticher sicherte sogar im Lichte der Sozialreform. Kontrolle zu stellen, wobei die Behörden befugt sind: Allen bestrafen. " Soll man nach alledem noch viel Aufhebens machen von Man kann also recht wohl ein warmes Herz für die Zölle gegenüber anderen europäischen Ländern hat so der Bestimmung, daß das Einsammeln oder die Aufforderung arbeitenden Klassen haben, ohne sich darum für eine Ver- lange für die deutschen Konsumenten teinen Werth, als zum Einsammeln von Beiträgen für sozialistische Bestrebungen mit Arrest von einem bis drei Monaten bestraft wird, oder daß besserung der Lebenslage des gemeinen Volkes, der nicht die gleiche Maßregel gegenüber Rußland zur Angegen Inhaber von Gast- Gewerben, von Leihbibliotheken oder Kanaille, zu begeistern. Wenn die Arbeiter über die wendung fommt. Lejekabineten, gegen Buchdrucker, Buchhändler und Personen, derzeitige große Theuerung im Lande klagen und die Deutschland importirte im Jahre 1890 aus dem welche ein Gewerbe im Umherziehen ausüben, die Entziehung Suspension der Getreidezölle verlangen, so ist diese Auslande im Ganzen 870 Tausend Tonnen Roggen, der Gewerbeberechtigung oder Lizenz verhängt werden kann, Forderung nichts anders als der Ausfluß einer frivolen davon famen allein aus Rußland 746 Tausend, während wenn dieselben an sozialistischen Bestrebungen sich betheiligen?! Dieser monströsen legislatorischen Arbeit fehlt nur noch zum Begehrlichkeit; denn kein Individuum der arbeitenden Desterreich- Ungarn die verschwindende Quantität von harmonischen Abschluß etwa der Passus:„ Das Herannahen des Klassen", weder ein Großgrundbesizer, noch irgend ein 8,7 Tausend Tonnen lieferte. Der Roggenimport aus zwanzigsten Jahrhunderts ist verboten." Die Regierung reicher Fabrikherr, ist bis jetzt an den Folgen der Rußland betrug demnach 85,2 pCt. der Gesammteinfuhr, scheint übrigens keine Lust zu haben, den Entwurf vorzubringen und möchte ihn wohl am liebsten in den Papierkorb verschwinden Hungersnoth gestorben. Der Standpunkt der Regierung der Roggenimport aus Desterreich- Ungarn dagegen nur laffen. Die Sache ist denn doch zu stark. in der Zolfrage steht daher in durchaus keinem 0,99 pt. der Gesammt also noch nicht 1 pet. Der Ausnahmezuñand, welcher sieben Jahre und vier Widerspruch mit ihren Gefühlen für die„ arbeitenden einfuhr. Monate die Arbeiter in den Bezirken von Wien, Wiener Klassen", da nach der Regierungsterminologie unter Aus vorstehenden Zahlen ergiebt sich zur Genüge, Neustadt und Kronenburg politisch rechtlos und vogelfrei letzteren vornehmlich die Agrarier zu verstehen sind. daß Deutschland behufs Herbeischaffung des Brodkornes machte, ist dafür gefallen. Sieben Jahre lang, schreibt die Wiener Arbeiterzeitung", war die Organisation der Indessen nicht nur in Anbetracht der Nothlage der auf Rußland unbedingt angewiesen ist; zur Deckung des Arbeiterschaft in Vereinen, die öffentliche sozialdemokratische Kraut- und Schnapsjunker, vulgo Landwirthschaft, hat heimischen Roggenbedarfes ist das russische Erzeugniß Agitation in Versammlungen durch eine völlig unberechen sich Herr von Caprivi veranlaßt gesehen, die Aufhebung nicht zu umgehen. bare, von Woche zu Woche, ja von Tag zu Tag wech der Getreidezölle zu verweigern; als einen wesentlichen Der deutsche Marktpreis für Getreide muß sich daher selnde Bolizeipraxis behindert. Sieben Jahre lang sab jedes Grund für seine ablehnende Haltung hat er ferner die auch in der Zukunft nach den Erstehungskosten des Arbeiterblatt das Damoklesschwert der Unterdrückung stündlich über seinem Haupte schweben, und hatte nicht nur die Konfis Vereinbarung mit Desterreich- Ungarn wegen Abschluß russischen Brodkornes richten, welche aber- da eine fation mit richterlichen Gründen", sondern auch die definitive eines Handelsvertrages angegeben. Bollherabsetzung gegenüber Rußland nicht erfolgt dieDas Programm der Reichsregierung, seit Ent- felben geblieben sind wie in der Gegenwart. Trotz des Sieben Jahre lang war keiner von uns eine Stunde sicher in fernung des Fürsten Bismarck vom Amte, enthält an Tarifvertrages mit Desterreich, eventuell auch anderen seinem Hause vor Polizeibesuch, und keiner, der nicht zuständig war, und wäre er im Ministerrath ansässig gewesen, sicher vor oberster Stelle die Sozialreform, freilich eine Sozial- Staaten, würde die Preisbildung für Getreide in Deutschder sofortigen Ausweisung, ohne auch nur zu erfahren, reform, wie sie den herrschenden Klassen genehm ist, und land auf der heutigen Grundlage beruhen, mit anderen die Regierung läßt deshalb keine passende Gelegenheit Worten: Der Abschluß solcher Handelsverträge Daten über die Handhabung des Ausnahmezustandes liegen vorübergehen, ohne nicht wenigstens etwas in Sozial- würde die hohen Getreidepreise in Deutschland lediglich in Bezug auf die Ausweisungen vor. Nach den amt lichen Berichten wurden 1884-90 aus wien allein 376 Personen reform zu machen. Die herrschenden Klassen, namentlich nicht im entferntesten alteriren, die deutschen ausgewiesen( davon 293 auf einen Schlag im Jahre 1884), 43 das agrarische und industrielle Großkapital, lassen sich Getreidepreise würden nach wie vor 50 mt. wegen sozialistischer Umtriebe abgeschafft" und 2 Personen in eine derartige, ihre materiellen und politischen Interessen über dem Weltmarktpreise stehen bleiben. ihrem Wohnbezirf internirt. Von 419 Ausgewiesenen und Ab- fördernde Einen Vortheil aus den Tarifverträgen ziehen mitgeschafften wurde 110 Personen die Rückkehr wieder gestattet, so- fördernde Sozialreform herzlich gern gefallen und sehen daß heute noch 309 Personen ausgewiesen sind. Die Zahl der es nicht ungern, daß die Regierung in Bezug auf aus- hin nicht die deutschen Getreidekonsumenten, sondern die aus Kronenburg und Wiener Neustadt Ausgewiesenen ist uns gleichende Gerechtigkeit" fortwährend in Aktion ist. fremdländischen Getreideproduzenten der Vertragsstaaten, unbekannt. Um diese Zahlen aber zu verstehen, muß man be- Auch der Handelsvertrag mit Desterreich- Ungarn ver- welche für ihr nach Deutschland verkauftes Erzeugniß denken, daß in ganz Deutschland während der 12 Jahre dankt seine Entstehung diesem außerordentlichen Reformeifer. dieselben Preise erhalten als die russischen Produzenten, Sozialistengeſetz im Ganzen 731 Personen ausgewieſen find, und Vorläufig ist der Inhalt des Vertrages in den Details aber 15 t. pro Tonne an Zoll weniger zu entrichten す Tödtung von Polizeiwegen ohne alle Begründung zu befürchten. marum. dabei verschiedene mehrmals. - Der Parteitag der österreichischen Sozialdemo- noch nicht bekannt, doch sind seine hauptsächlien Be haben als die letzteren, also um diesen Betrag mehr verkratie wird nicht, wie vordem beschlossen war, zu 3naim abstimmungen bereits in die Deffentlichkeit gedrungen, sodaß dienen. Um dieses Vortheils willen hat sich Desterreichgehalten werden, sondern in Wien, was durch die Aufhebung man sich einen Begriff über das großartige Reformwert Ungarn zu einer mäßigen Herabsetzung seiner InduſtrieSes Ausnahmezustandes ermöglicht ist. Die Wiener Arb.- 3tg." schreibt hierzu:„ In Hainfeld wurde die Borbedingung der Partei- machen kann, mit dem die Regierung das nach Sozial- zölle verstanden, was der deutschen Großindustrie zu Gute thätigkeit geschaffen; der Parteitag zu Wien soll uns einen reform lüsterne Volk überraschen will. Großartig muß fommen würde. Ueberblick über diese selbst bieten. Wir werden uns desselben das Werk in der That sein; denn wie anders könnte Die Agrarier erleiden somit durch den österreichischen nicht zu schämen haben. Wir dürfen uns mit bescheidenem Stolze man sich die Geheimnißkrämerei der Regierung erklären! Handelsvertrag keine Verkürzung ihres Profits, die Großfagen, daß in den dreißig Monaten zwischen Hainfeld und Wien Der Abschluß des Präliminar- Vertrages mit Desterreich industriellen hingegen haben durch denselben obendrein zu ganz Erhebliches geleistet wurde, was um so höher zu veranschlagen ist, als wir unter ganz ausnehmend schwierigen Berist erst nach vielmonatlichen Unterhandlungen erfolgt, die gewinnen. hältnissen zu arbeiten haben. Damit wollen wir nicht allein auf Geheimräthe des Handelsministeriums und des Reichs- Es unterliegt deshalb keinem Zweifel, daß ein derden Bolizeigeist hindeuten, welcher die Gesetzgebung, Justiz und amts des Innern flogen während dieser Zeit in athem- artiger Handelsvertrag die Zustimmung der Junker er Berwaltung Desterreichs beherrscht, nicht allein die Rückständigkeit loser Hast zwischen Berlin, Pest und Wien einher, sie halten wird, aber auch die Mamelucken- Majorität des in allen Borbedingungen des Wissens und der Bildung, welche zugleich die Vorbedingungen der sozialdemokratischen Bewegung inspizirten, protokollirten und berichteten mit einer Reichstages, die mit der Herabsetzung der Getreidezölle find, sondern wir haben damit vor allem die Grundlage dieser Wichtigkeit wie einstens die Gesandten des Königs und der etwaigen Ermäßigung einiger ausländischen Verhältnisse, die rückständige ökonomische Entwicklung Desterreichs Fizlirazli zur Zeit des großen Mäusekrieges, sie dinirten Industriezölle vor urtheilslosen Wählern flunkern kann, im Auge." Die„ Arb.- 3tg." verbreitet sich ferner über die ver in Wien und repräsentirten in Pest und mußten große wird dem Plan der Reichsregierung zustimmen. Die schiedenen zur Berathung kommenden Punkte. Sie erwähnt u. A., daß, wenn auch die Nationalitätenfrage für die Arbeiterschaft Spesen machen auf Vaterlands Unkosten. Das Vater- Reichsregierung ihrerseits erscheint in der Gloriole des neben dem wirthschaftlichen Problem immer mehr verschwindet, land erwartete nun in sothanem Falle bei der eminenter Sozialreformators und das Volk? Nun, es zahlt die 11 hohen Getreidepreise, welche wie bisher den Weltmarktpreis um so Mf. pro Tonne übersteigen würden, weiter; doch hat es die Genugthuung, daß es sozialreformerisch" regiert wird, und daß die sozialpolitische Gesezgebung wiederum um einen Aft der ausgleichenden Gerechtigkeit vermehrt worden ist. Die Stellung des Kaisers in der Verfassung und in der Wirklichkeit. solcher eine militärische Verordnungsgewalt, welche aber nur durch Vermittlung des Bundesrathes geübt werden tann.( Art. 11, 53, 56, 63, 64 ff.) Frankreich. 1891. Einwohner: 39 Mill.( Der Frank ist zu 4/5 Mk. 2. Der Kaifer beruft, schließt den Bundesrath und den umgerechnet.) Budget für 1890/91. Reichstag; in seinem Namen werden die Vorlagen des Ausgaben für das Heer. Bundesrathes an den Reichstag gebracht; er verkündigt die Flotte die Reichsgesetze und überwacht deren Ausführung; er ernennt und entläßt die Reichsbeamten, insbesondere den Reichskanzler.( Art. 12 ff.) M " 4422/5 Mill, M. · ff BE 1622/5 Summa 6044/5 Mill. Mt. Ausgaben für Erziehung u. Unterricht 3. Dem Kaiser gehört die obere Leitung der Post- und Telegraphenverwaltung, der Erlaß der reglementarischen Festsetzungen und allgemeinen Anordnungen in diesen Friedensstärke Verwaltungszweigen, sowie die ausschließliche Wahr- Kriegsstärke nehmung der Beziehungen zu anderen Post- und Tele- Flotte graphenverwaltungen und die Anstellung der oberen und Aufsichtsbeamten dieser Ressorts.( Art. 48 ff.) ( exkl. Universitäten) 8312 Mill. Mr. 558 000 Mann, 143 000 Pferde. .4 190 000 Mann. . 398 Schiffe( 49 im Bau), 43 000 Mann Bemannung, 25 000 See soldaten. Rußland. " P die Flotte 666 Mill. 90 117 W. "? 2 Diverses für die Zwecke des Heeres 27 P " N Finnland für das Heer 7 PY FY H. M. In unserm öffentlichen politischen Leben spielt der deutsche Kaiser eine bedeutende Rolle. Es ist allgemeine Voltsanschauung, daß der Kaiser des deutschen Daß die unter diesen Gruppen zusammengestellten Reiches auch Herrscher in demselben sei. Auch der Rechte die Reichsgewalt ausmachen, wird Niemand beKaiser selbst scheint dieser Ansicht zu sein. Er hat jüngst haupten können, das hindert aber nicht, daß sie von 1890. Einwohner: 113 Mill.( Der Kubel ist zu erklärt, daß er allein Herr im Lande sei. einer ungeheuren Wichtigkeit und Tragweite sind. Die 3 Mt. umgerechnet.) Budget für 1890. Wenn man nun aber die deutsche Reichsverfassung in der ersten Gruppe zusammengestellten Befugnisse er- Ausgaben für das Heer. ansieht, so will es einem scheinen, als sei sie die irgend möglichen nicht nur die einheitliche völkerrechtliche Vereines anderen Staates. Denn viele dort ausgesprochenen tretung des Reiches, sondern sie konzentriren auch die Säße stimmen ganz und gar nicht mit der Wirklichkeit Verfügung über dessen politische Machtmittel in der überein. Wenn man nichts von dem wirklichen politischen Person des Kaisers in einer Weise, daß sie dem Leztern Leben des deutschen Reiches kennen würde, und nur auf in fast unumschränkter Weise zu Gebote stehen. Das iſt die Verfassung angewiesen wäre, sich über dieses zu be- doch ein sehr, sehr merkwürdiger Zustand! lehren, so müßte man nothwendig zu der Ansicht kommen, daß der Kaiser eine ziemlich unbedeutende und wenig einflußreiche Rolle im Reiche spielte, ungefähr dieselbe, welche die Königin von England inne hat. Dem gegenüber gilt der Kaiser allgemein als wirklicher Monarch des deutschen Reiches. Sehen wir nun einmal zu, ob diese Meinung mit der Reichsverfassung stimmt. Da lesen wir in Art. 2: Innerhalb des Bundesgebietes übt das Reich das Recht de Gesetzgebung nach Maßgabe des Inhalts dieser Verfassung aus. Ferner in Art. 5: Die Reichsgesetzgebung wird ausgeübt durch den Bundesrath und den Reichstag. Die Uebereinstimmung der Mehrheitsbeschlüsse beider Versammlungen ist zu einem Reichsgesetz erforderlich und ausreichend. Ausgaben Summa 8361/8 Mill. Mi für Schulen und Unterricht ( inkl. Universitäten) 69 Mill. Dr. die Gefängnisse • • . 43 797 000 Mann, 153 000 Pferde. .2 392 000 Mann; Reserve u. Land sturm 3 118 000; zusammen also: 5 510 000 Mann. mannung. England. 624 Mill. Wit. Eine Person, die nach der Verfassung weder gesetzgebende noch vollziehende Befugnisse hat, also kein Regierungsrecht besigt, vermag über die politischen Macht- Friedensstärke mittel des Reiches willkürlich zu schalten und zu walten. Striegsstärke. Während es bisher als eine Garantie für die bürgerliche Freiheit angesehen wurde, daß der Faktor, in dessen Hände die politischen Machtmittel gelegt sind, in der Flotte( ohne die im Bau Verfassung in dem Gebrauch derselben beschränkt ist, begriffenen Schiffe).397 Schiffe; 30 500 Mann Besehen wir hier die bürgerliche Freiheit durch jegliche Abwesenheit einer solchen Bestimmung gesichert. Erwägen wir einen Augenblick, zu welchen Konsequenzen es unter 1890. Einwohner: 38½ Mill.( Das Pfd. Sterl. Umständen führen kann, wenn eine Person, die außerhalb der Verfassung steht, im Besiz der Armee ist, einer Armee ist zu 20 Mt. gerechnet.) Budget 1890/91. von fast einer Million Soldaten, geführt von Berufs- Ausgaben für das Heer und Flotte Es ist also nach der Verfassung klar, daß der offizieren, die weder auf die Verfassung vereidigt noch Kaiser an der Gesetzgebung im Reiche keinen Antheil hat. den allgemeinen Landesgeseßen unterworfen sind! Eine Die geseßgebende Gewalt steht dem Reiche zu und nicht solche Person vermag, wenn sie will, alles durchzusetzen, Miliz dem Kaiser; sie wird vom Bundesrath und Reichstag kann, wenn sie will, die Reichsverfassung beseitigen, zumal Freiwillige gemeinsam ausgeübt; der Kaiser wird gar nicht einmal sie das Recht hat, Bundesrath und Reichstag nach Hause Indische Armee zu schicken. Eine solche Person ist thatsächlich un- Kriegsstärke. Bekanntlich werden aber in einem Staate und also umschränkt. Flotte auch im deutschen Reiche nicht blos Gesetze gegeben, Wir gelangen also zu dem Resultat, daß der Kaiser sondern sie werden auch ausgeführt, d. h. es wird nach nach der Verfassung kein Souverain des deutschen Maßgabe ihres Inhalts regiert, verwaltet und Recht ge- Reiches ist, rechtlich in demselben nur die bescheidene sprochen. Fragen wir uns nun, ob der Kaiser von der Rolle eines Bundespräsidenten spielt, thatsächlich aber 1889. Einwohner: 17½ Mill.( Der Peseta zu Reichsverfassung dazu bestimmt ist, die Reichsgefeße aus das Reich regiert, und daß neben seiner Macht die der 4/5 Mt. gerechnet.) Budget für 1890. zuführen, mit anderen Worten, ob er die vollziehende übrigen Bundesfürsten zu einem Schatten wird. Gewiß, Ausgaben für das Herr Gewalt ganz oder wenigstens theilweise besitzt. Darüber er ist Herr im Lande. erwähnt. 14 " P 2 Schulen und Unterricht ( exkl. Universitäten) 150 259 Mann, 258 736 127 810 " 11 94¼" .2 392 000 Mann, 830 000 Pferde. 740 Schiffe, 1521 Kanonen, 94859 Mann Bemannung, Seesoldaten 11. Reserve. Spanien. die Flotte Summa erfahren wir das Nähere in Art. 7 der Reichsverfassung. Das mag auf dem ersten Blick merkwürdig erscheinen, Er lautet, so weit er hier in Betracht kommt wie folgt: ist es aber für den nicht, der unsere Bourgoisie fennt 1. über die dem Reichstage zu machenden Vorlagen und und der weiß, was von ihrer Begeisterung für fonstitu- Ausgaben für Erziehung und Unterricht die von demselben gefaßten Beschlüsse; tionelle Freiheit zu halten ist. 2. über die zur Ausführung der Reichsgeseze erforderlichen allgemeinen Verwaltungsvorschriften und Einrichtungen, sofern nicht durch Reichsgesetz etwas Anderes stimmt ist; be Aus den Budgets der Europäischen Staaten. 3. über Mängel, welche bei der Ausführung der Reichsgesetze oder der vorstehend erwähnten Vorschriften oder Einrichtungen hervortreten. Es ist klar, daß die unter 2 und 2 und 3 des Eine sehr hübsche Zusammenstellung giebt die„ Revue Artikel 7 angeführten Befugnisse die wesentlichen libérale" in einem Artifel ,, Le déclin de l'Europe", der wir folgende Zahlen entnehmen( die Zahlen verstehen Momente der Vollziehenden= oder Exekutivgewalt enthalten; diese sind dem Bundesrath zuschreiben. sich für Mark.). Da sie nun aber der Bundesrath hat, kann sie Deutsches Reich. Friedensstärke Kriegsstärke Flotte ( erkl. Universität) 115 Min. Mt. 258/4 " 1403/4 Mill. Mt. 6 Mill. M. . 119 000 Mann, 18 500 Pferde, 460 Kanonen. 805 000 Mann( exkl. die Kolonialtruppen). 109 Schiffe, 254 Kanonen, 7900 Mann Bemannung, 11 400 Sce soldaten. Die Zahlen sind ja vielleicht zum Theil nic, t ganz unanfechtbar. Namentlich sind die Umrechnungssäge theilweise unrichtig. Indessen kommt es ja doch auf der Kaiser nicht besitzen. Der Kaiser hat also keinen 1891. Einwohner: 49% Mill.( seit 1820 sind diese Details nicht so sehr an. Jedenfalls sind die Gegenüberstellungen der Ausgaben für den Menschenmord und Antheil weder an der geseßgebenden noch an der voll- 52 Mill. ausgewandert.) Budget für 1890-91. 6551/2 Mill. Mt. die Erziehung sehr hübsch; da sieht man doch recht, auf ziehenden Gewalt. Kann man sich nun aber einen Ausgaben für das Heer welcher Höhe der Kultur wir angelangt sind. Interessante 798/4 1 Kaiser, einen Souverain des deutschen Reiches denken, welcher die gesetzgebende und exekutive Gewalt nicht beMill. Mt. Bahlen kommen auch heraus, wenn man die Kriegsstärke der Staaten zusammenrechnet und sich ausmalt, wie die fizt? Nicht den geringsten Theil an ihr hat? Wir glauben Ausgaben für Erziehung u. Unterricht Sache beim nächsten Krieg aussehen wird. kaum, denn die Souveränität besteht ja gerade in dem die Flotte. Summa 735 19 ( erfl. Universitäten). 60 Mill. Mr. Besiz derjenigen Rechte, welche dem Kaiser von der Ver- Friedenspräsenzstärke. 512 000 Mann, 94 000 Pferde. faffung nicht zuerkannt sind. Es ergiebt sich also auf Striegsstärke 2 393 000 inklusive LandGrundlage der Verfassung, daß der Kaiser kein Monarch sturm: 4 900 000 Mann( jede zehnte ist, keine monarchische Gewalt besitzt. Person!). Das deutsche Reich ist daher auch nur eine Scheinmonarchie. Man Stärke der Flotte 78 Schiffe, 533 Kanonen, 17 860 fönnte nun glauben, daß, wenn der Kaiser auch nicht Mann Bemannung, 16770 Offiziere positiv an der Gesetzgebung mitwirke, er doch das Recht und Seesoldaten. habe, ihm mißliebige Geseze durch sein Veto aufzuheben. Aber auch davon ist in der Verfassung keine Rede. In der Sigung des Reichstages vom 19. April 1871 erklärte Bismarck, daß nach der Ansicht namhafter Juristen der Kaiser das Recht des Veto's nicht befize. Desterreich- Ungarn. Aus dem sozialen Leben. Eine Annonze.„ Die einzig fichere Hellung der Trunksucht! Willst Du nicht vom Trinken los und fret werden durch das sichere von Autoritäten anerkannte Mittel, das auch dem Versunkensten ohne Gefahr Heilung verheißt? Kein Geheimmittel! Busendung sofort nach Einsendung von 20 Mark für Klaffe I, bon 12 Mart für Klasse II, an Pfarrer Dorner in Crailsheim, Württemberg." Als Präsident Harrison in San Franzisko zum Bankett geladen wurde, geschah dies per Karte von gediegenem 1890. Einwohner: 41 Mill. Budget für 1891. Golde; ebenso bestand die Speisekarte aus einer sehr dicken ( Der Gulden ist zu 2 Mk. umgerechnet.) Goldplatte. Ausgaben für das Heer. " " die Flotte Man wird nun aber fragen, wie kommt es, daß der Kaiser im Reiche, in der gesammten innern und äußern Politit, ein so maßgebender Faktor ist? Wäre er ein bloßer Titularwürdenträger, so könnte er den Einfluß Ausgaben für nicht haben, den er thatsächlich besitzt. Ein bloßer Friedensstärke Titularwürdenträger ist er aber auch nicht, im Gegen- Kriegsstärke Flotte theil sind ihm von der Verfassung eine Reihe höchstbedeutsame und eingreifende Rechte zuerkannt, welche feine Stellung im Reiche zu einer sehr machtvollen werden lassen. • 235 Mill. Mt. 23 M " Summa 258 Mill. Mf. Schulen und Unterricht. 25 Mill. Mt. 355 000 Mann, 67 000 Pferde. . 1 818 000 724 000 129 Schiffe, 472 Kanonen, 11 500 Mann Bemannung, Seesoldaten. Italien. . 1890. Einwohner: 31 Mill.( Der Lire ist zu 4/5 Mt. Sehen wir von den mit der kaiserlichen Würde ver umgerechnet.) Budget 1890/91. bundenen Ehrenrechten ab( kaiserlicher Titel, kaiserliches Ausgaben für das Heer 262 Mill. Mt. Wappen und Standarte), so lassen sich die Rechte des 9714 " Ein Edelfter der Nation. Ein Dienstmann lieb dem Fürsten Karl Liechtenstein, dem Besitzer von Neulengbach, 2000 Gulden, welche dieser trotz ehrenwörtlicher Verpflichtung und wiederholter Mahnung nicht zurückzahlte. Der Dienstmann fich unter Kuratel befinde, und ließ durch einen Advokaten Straferachtet sich betrogen, weil der Fürst ihm verschwieg, daß er anzeige machen. Auf der einen Seite immer größere Noth, auf der anderen beständig steigender Lurus. Sehr lehrreich sind die Zahlen des französischen Champagnerexports. Derselbe betrug 1887/88: 17 257 700 Flaschen; 1888/89: 18 904 500 Flaschen; 1889/90: 19148 400 Flaschen; 1890/91: 21 699 110 Flaschen. Aus Rudow im Sr. Teltow, den 1. Tuni, wird geschrieben: In diesen Tagen fand hier eine bäuerliche Hochzeit statt, welche hinsichtlich des dabei entfalteten Reichthums und Glanzes größeren hauptstädtischen Hochzeiten nicht nachsteht. Der Werth des Brautschmuckes ging in die Tausende; das Brautkleid war von theuerstem Seidenstoff und die drei Meter lange Summa 35914 Schleppe wurde von drei kleinen Mädchen nachgetragen. Die Hochzeitsmahlzeit fand im Gasthauje statt und soll bei etwa 16 Mill. Mk. hundert Gästen 3000 Mark gekostet haben. Das junge Paar hat einen der schön eingerichteten Bauernsize bezogen, welche hier meistens einen Werth von 100 000 bis 200 000 Mt. Haben. Gleichzeitig meldet man, daß man das Roggenmehl . 252 Schiffe, 628 Kanonen, 20 429 durch Surrogate zu ersetzen versucht. Zunächst hat man minder Mann Bemannung. ? die Flotte. Kaisers in den folgenden drei Gruppen zusammenfaffen: 1. Der Kaiser hat das Reich völkerrechtlich zu vertreten, im Namen des Reiches Strieg zu erklären und Frieden zu Ausgaben für Schulen und Unterricht schließen, Bündnisse und andere Verträge mit fremden Friedensstärke Staaten einzugehen, Gesandte und Konsuln zu be= glaubigen und zu empfangen; die Landmacht und die Striegsmarine des Reiches stehen im Strieg und im Flotte Frieden unter dem Befehle des Kaisers, und er hat als 262 500 Mann. 2 852 000 Kriegsstärke. " " 11 merthige Mehlprodukte zwischengemengt, welche man sonst als Ein Prospekt: Biehfutter verwendete; jegt fängt man an, Erbsen und Gerste zahlbar laut umstehenden Bestellungsformular. Bei einmaliger Zu dieser Bersammlung wird rechtzeitig durch Säulen wischen zu mahlen. Zur Zunahme des Pferdefleischkonsums Abnahme von 5 Dienstboten gewähre ich 5 pct., über 10 Ber- anschlag, Anzeigen in den hiesigen Arbeiterblättern und durch haben wir schon Daten gegeben. Der Ersatz des Fleisches in fonen 10 pet. Rabatt. Die Beschaffungskosten hat die Herrschaft Handzettel eingeladen werden. Zur Besprechung sollen ge der Wurst durch Rinderhaut, die sonst zu Leder verarbeitet wurde, zu tragen, dafür erhält das auswärtige Personal weniger Lohn, langen: Die Ziele und die Zwecke des Kartelles der Berliner ist auch von einer Fleischerinnung anerkannt. fein Jahrmarkt-, Ernte oder Weihnachtsgeld 2c., welches in Bauarbeiter und die Stellung der einzelnen Körperschaften zu manchen hiesigen Gegenden 15 bis 30 Mart, auch noch mehr, demselben, die Stellungnahme zum internationalen Arbeiterbeträgt. fongreß zu Brüssel die Ersatzwahl für ein Mitglied des AusDie Herrschaft ist berechtigt, sobald der Dienstbote vor führungsausschusses, die Rechnungslegung des Ausschusses. Kontraktbeendigung den Dienst gegen den Willen der Herrschaft Die Vertrauensmänner und Vereinsvorstände der beverläßt, unbeschadet der gesetzlichen Rechte, dem Dienstboten treffenden Körperschaften werden ersucht, am Sonntag, den sämmtliche gehabte Kosten vom Lohne in Abzug zu bringen, 12, Juli, andere gewerkschaftliche Versammlungen nicht zu be desgl. wenn( bei weibl.) derfelbe den Dienst durch Schwanger- rufen und für recht zahlreichen Besuch dieser ersten Versammlung schaft verlassen mußte. der fartellirten Bauarbeiter nach Kräften zu sorgen. Mr. 4. I. Landwirthschaftliches Vermittlungsbureau zu Halle a./S. Große laußstraße Nr. 17. Inhaber: Richard Bärwinkel empfiehlt sich zur Beschaffung des Personals aller Branchen, hauptsächlich Stallfchweizer, Knechte, Mägde, Arbeiterfamilien und Taglöhner. Die Spesen gestalten sich ganz nach den Verhältniffen. Prospekt. Wenn bei aufgegebenen Bestellungen der ertheilte Auftrag Die zur Einladung bestimmten Handzettel sollen 14 Tage vor dem bestimmten Antrittstermine zurückgezogen wird, oder derselbe nicht zur Ausführung gebracht werden konnte und durch die Vertrauensmänner der einzelnen Gewerkschaften in ihnen geeignet erscheinender Art unter den Gewerksgenossen verdeshalb die Zurühziehung des Auftrages erfolgte, so berechne breitet werden. Sie stehen dazu, nebst dem Organisationsstatut ich für die Person nur 1 Mark Einschreibgebühr und sende auf des Startelles vom Sonnabend, den 4. Juli, ab, den BerWunsch das verbleibende Guthaben abzüglich der Portis zurüd, trauensmännern bei Genossen Wernau, Rosen- und Neue Friedrichstraßen Ede, zur Verfügung. Richard Bärwinkel. Der Ausführungs- Ausschuß. J. A.: Thieme, Töpfer. Die Dienstboten für die Landwirthschaft werden unter deren Zusicherung, daß sie die entspr. landwirthschaftlichen Arbeiten lennen, kontraktlich bis Ende des Jahres gemiethet und erhalten, wenn höhere Löhne nicht extra bewilligt find, außer Miethgeld, insofern baare Auslagen nicht entstanden sind. folgende Jahreslöhne: Großmägde Kleinmägde Mittelfnechte 120-150 Mark 75-100 120-180 Mittelmägde 100-120 Großknechte 180-210 Jungen 75-120 fowie freie übliche Kost und Wohnung. " " " " Die Beschaffungskosten, als Reise- und Zehrgeld, wegen persönlicher Auswahl der Dienstboten bis an Ort und Stelle, Honorar für auswärtige Agenten, meine Vermittlungsprovision, einschließlich dem Dienstboten gezahltes Mieths- und Reisegeld, berechne ich im Bauschquantum für 1 Stallschweizer 1 Knecht " 31 1 Magd Mark Ein Inserat: Romme morgen, den 13. d. M., mit einem großen Transport dicer Ober- Wester- Knechte und Mägde am Remscheidter Bahnhof an. Der Kommissionär: Frizz Niemand." Briefkasten der Expedition. N. Sülf, Mailand. 3,50 Mark Abonnementsgelder für F. Mai- Juni und 3. Quartal empfangen. Volksbildungsverein Meidling. Wir bitten um Einsendung des Abonnementsbetrages April- Juni 1,80 Mark. ( Remscheidter Zeitung, Nr. 108 von diesem Jahr.). Kartell der Berliner Bauarbeiter. Der Ausführungsausschuß hat beschlossen, am Sonntag, den 12. Juli, eine erste öffentliche Versammlung der Körperschaften der Berliner Bauarbeiter zu berufen, die sich dem Kartelle angeschlossen haben. Holzarbeitergewerkschaft Thalweil bei Zürich. Wir bitten um Einsendung des Abonnementsbetrages April- Juni. Buchdruckerverein Budapest, VIII. Stahly utdja 1. Wir bitten um Einsendung des Abonnementsbetrages Mai- Juni. Lese- und Fortbildungsverein Unterpoleum. Wir bitten um Einsendung des Abonnementsbetrages Mai- Juni. Empfehle Freunden und Genossen mein reich- Verein zur Regelung der gewerblichen Verhältnisse der Töpfer Verein d. Sattler u. Fachgenossen. haltiges Lager von Cigarren u. Tabake. Daselbst Zahlstelle des Metallarbeiter- Vereins und der Gürtler- Hilfskaffe. Haupt- Agentur der Berliner Feuer- Versicherung. Otto Klein Kottbuser Damm 14, früher Ritterstr. 15. Fr. Kuhlmey's Restaurant Berlins und Umgegend. Große Versammlung am Dienstag, den 30. Juni, Nachmittags 5½ Uhr, in der„ Berliner Ressource", Kommandantenstraße 57. Tages- Ordnung: 1. Entgiltige Beschlußfaffung über die Regelung der Arbeitszeit. 2. Verschiedene Vereins- Angelegenheiten. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Kollegen ersucht, zahlreich und pünktlich NB. Die restirenden Mitglieder werden auf§ 8 des Statuts aufmerksam gemacht. Der Vorstand. Berlin C., Rosenstr. 30( Ecke Neue Friedrichstr.) zu erscheinen. ( J. V.: Julius Wernau). Empfehle allen Kollegen und Genossen mein Weiß- und Bairischbier- Lokal Verkehrslokal der Maurer. Arbeits- Nachweis der Steindrucker und Lithographen und der Filzschuh- Arbeiter. Zahlstelle der Arbeiter- Bildungsschule. Allen Freunden und Genoffen zur Nachricht, daß ich das Schönfeld'sche Weiß- und Bairischbier- Lokal Sozialdemokratische Volks- Versammlung 8 Versammlung am Sonnabend, den 27. Juni, Abends Uhr, im ,, Dresdener Garten", Dres denerstraße 45. Tages- Ordnung: 1. Borlesung über das Thema„ Die politische Stellung der Sozialdemokratie, insbesondere mit Bezug auf den Reichstag."( Ein Vortrag, gehalten von Wilh. Liebknecht im Jahre 1869 zu Berlin). 2. Distuffion. 3. Werkstatt- Angelegenheiten. 4. Unsere Berichte im Vorwärts." Hierzu ladet ein Moabit. Der Vorstand. Hüte mit d.Arbeiter- Kontrolmarke empfiehlt Rudolf Wegener, gutmacher, Stromstraße 59. Bringe meinen Freunden u. Genossen meine Rind- u. Schweineschlächteret in freundliche Erinnerung. mit Vereinszimmer fäu ich übernommen habe. am Freitag, den 3. Juli 1891, Abends 8 Uhr, im Bentr.- Markthall. Stand 148. fäusch freundlichen Besuch bittet Wilhelm Grube, Mariendorferstr. 10. Beiträge zum Wahlverein und zur Arbeiterbildungsschule werden entgegengenommen, auch Eintrittskarten zur Bildungsschule find zu haben. Cigarren- Geschäft F. Wiese Bottbuser Plak, Ecke Snaliteräraße 15 wird Qualitätsrauern in empfehlende Erinnerung gebracht. Empfehle mein Weiß- und Bairischbier- Lokal 0. Witzke, Skalitzerstr. 61. Meerschaum-, Bernstein- u. Elfenbeinwaaren. Spezialität: Portraits bewährter sozialistischer Führer, Cigarrenspitzen, Pfeifenköpfen, Shlipsnadeln, Manchettenknöpfen, Stöcken und en gros. Brochen. en detail. B. Günzel Brunnenstraße 157, am Rosenthaler Thor. Kranzbinderei u. Blumenhandlg. von J. Meyer Berlin SO., Wienerstraße 1, ( in der Ecke bei der Manteuffelstraße). Feen- Palast", Ede Burg- u. Wolfgangstraße. Tages- Ordnung: Stellungnahme zum Internationalen Arbeiter- Kongreß und event. Wahl von Delegirten zu demselben u. s. w. Die Vertrauensleute. Große öffentliche I Schuhmacher- Versammlung am Montag, den 29. Juni 1891, Abends 8½ Uhr, in Hensel's Festsälen", Invalidenstraße 1. Tages- Ordnung: 1. Der Parlamentarismus und seine Folgen. Referent: E. Wildberger. 2. Diskussion. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Die Agitations- Kommishon der Schuhmacher Berlins. J. A.: R. Artelt. Berliner Arbeiter- Bibliothek. Herausgegeben von Max Schippel. Soeben erschien Heft 14 der II. Serie: Die deutschen Buchdrucker in ihren Kämpfen gegen das Kapital von Walther May- Leipzig. Zu beziehen durch die bekannten Kolporteure und Buchhandlungen, sowie durch Bekannte Preise. Auch Versandt. die Expedition, Elisabeth- Ufer 55. Wiederverkäufer hohen Rabatt. Pünktlich und gut. Fernsprecher, Amt IX, 9482. Die Administration der Familien- Bibliothek Kolporteure gesucht. Allen Freunden und Parteigenossen empfehle mein gut assortirtes für das arbeitende Bolk, illuſtrictes sozialdem. Cigarren- u. Tabak- Geschäft ensarche. türkische Cigaretten. Journal, sucht Kolporteure für Deutschland. Brobehefte gratis und franto. 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Wir fordern nochmals alle Diejenigen auf, welche noch nicht mit der rothen Nummer abgerechnet haben, dieses bis zum 4. Juli zu thun, widrigenfalls wir die Namen veröffentlichen resp. gerichtlich unsere Forderungen einziehen werden. Die Erpedition. Rohtabak H. Herholz, EMPI Brunnenstr. 145. NECH HECHT BERLIN Stempel aus Kautschuk und Metall liefert schnell und billig die Fabrik von Robert Hecht BERLIN S. 65. Oranien- Str. 65. Wiederverkäufern hohen Rabatt. C00000 C00000 Wendt's Salon Köslinerstraße 17, früher Brandenburgstr. 33. Empfehle allen Freunden und Genossen meinen Ball- Salon. Rudolph Wendt. Allen Barteigenossen empfehle blaue Jacken, Blousen und Arbeitshosen zu enorm billigen Preisen Gustav Weihrauch Fort i. E., Karlstraße 3. Herren- u. Knaben- Garderobe, Arbeitssachen, Bestellungen nach Maaß, empfiehlt wie bekannt in reellster Ausführung und allerbilligsten Preisen J. BAER, Berlin N., Gesundbrunnen, Badstr. 18, Ecke der Stettinerstrasse. Ich habe keine Filialen und stehe mit ähnlich lautenden Firmen in keinerlei Beziehung. Sitte daher genau auf Firma zu achten. Verantwortlicher Redakteur: Paul Ernst, Berlin. Verleger und Druder: Maurer, Werner, Dimmick, sämmtlich in Berlin SO., Elisabeth- Ufer 55. Keivkatt zur Merliner Voklis�Cribüne. Nr. 26. Sonnabend, den 27. Juni 1891. V. Jahrgang. Wir sind so gemein. (Nach dem Englischen.) Wir Pflügen und säen! Wir sind so gemein, Zu schaufeln, zu graben im Grunde, Bis Wiese und Rain, bis Flur und Hain Bon Früchten strotzt in der Runde. Wohl sehen wir's ein, wir sind so gemein, Und werden es niemals vergessen; Wir kneten das Brod, wir schießen es ein,. Doch find zu gemein, es zu essen. Wir steigen hinein— wir sind so gemein— In der Kohlen finstere Minen, Wir graben das herrlichste Edelgestein, Das je noch in Kronen geschienen; Fehlt Geld im Schrein, wir schaffen es fein— Nicht die im Neberfluß schwimmen,— Zum Zahlen sind wir nicht zu gemein, Doch viel zu gemein, um zu stimmen. Wir sind so gemein, wir sind so gemein! Doch mauern und bau'n unsre Hände; Zu des Reichen Haus fügen Stein wir an Stein, Zu Kirch' und Palast ohne Ende.! Wir bauen das Schloß, wir schmücken es aus, Wir müssen es scheuern und bohnen; Wir sind zu gemein nicht, zu bauen das Haus, Doch viel zu gemein, d'rin zu wohnen. Wir sind so gemein, o wir sind so gemein! Doch spinnen wir Seide und Wolle, Daß glänzend das Lein' um des Reichen Gebein In wärmenden Falten sich rolle. Wir kennen den Spruch,»vir kennen den Fluch, Was helfen uns Jammer und Klagen? Wir sind zu gemein nicht, zu weben das Tuch; Doch viel zu gemein, es zu tragen. Wir sind so gemein, o wir find so gemein! Doch wenn die Trompeten erklingen, Da stellen wir Armen uns in die Reih'n, Das Schwert für die Reichen zu schwingen. Wir sind so gemein! Doch setzen wir ein Das Leben, den Sieg zu ereilen;— u tödten den Feind sind wir nicht zu gemein; ohl aber die Beute zu theilen. Wir sind so gemein- doch soll es so sein? Soll's immer so bleiben auf Erden? Dein Reichen den Wein, den Glanz und Schein; Dem Armen nur Last und Beschwerden? Wir sind so gemein. Doch sagen wir: nein! Wir müssen die Rechnung beschließen. Wir füllen den Schrein; und wir sollen's auch sein, Unserer Arbeit Frucht zu genießen?! Gin Spaziergang. Bon G. I. Uspenski. Deutsch von P. Stycrynski. fliach druck uttbottn.] I. „... Es ist mir zu Ohren gekommen, daß in dem Dorfe Jemjeljanowo in einem Wirthshaus von dem Pächter desselben, Gewrila Kaschin, gesetzwidriger Verkauf von geistigen Getränken betrieben werde; Ew. Wohl- geboren benachrichtige ich hiermit davon und beauftrage Sie, den Sachverhalt an Ort und Stelle festzustellen und mich davon zu benachrichtigen.. „Wie denn'? Mußt Du wieder auf's Land?" fragte eine zierliche, elegant gekleidete Dame, die über die Schulter ihres ebenso wie sie hübschen und jungen Mannes hinweg den Brief las, den der Polizeidiener soeben gebracht hatte. „Das ist ganz gut. Da machst Du wieder einmal einen Spaziergang. Das Wetter ist prachtvoll.. Ist's weit?" „Zwei bis drei Werst." „Das wird Dir ganz gut thun... Du sitzest den ganzen lieben Tag zu Hause... Was lasest Du da eben?..." „Es war die letzte Nummer der Zeitschrift... Ich las gerade einen sehr interessanten Aufsatz..." „Geh' nur. geh'! Mache den Spaziergang!" sagte die junge Frau in der Zeitschrift blätternd.„Ah... da ist ja etwas von Turgenjew... Das lese ich«ms alle Fälle! Wie lieb!... Aus dem Volksleben?... Wundervoll!..." „Ist der Diener zu Hause?" unterbrach sie der Mann, der nach dem interessanten Aufsatz auf dem Sopha ausruhte.„Ich muß mich erkundigen, was das für ein Kunde ist— dieser Gawrila Kaschin" „Er ist da... in der Küche... Ah!„Nach Heine"... Was ist denn das?„Das Lied vom Hemd"..." Sie seufzte und sagte nach einer Weile nachdenklich: »Der arme Kerl muß Strafe zahlen?!" „Wer?" fragte der Mann ungeduldig, da er in den Worten der Gemahlin keinen rechten Zusammenhang ent- decken konnte.„Wen meinst Du?" „Den Bauern..." „Ah so!... Nun,— natürlich... der muß brummen..." Um den Mann nicht weiter zu reizen, fügte die Frau hinzu: „Wenigstens kannst Du Dich ein wenig erholen." n. Am nächsten Tage machte sich der Mann auf den Weg. Der Spaziergang sollte zu Fuß gemacht werden Um zwölf Uhr Mittags stand er mitten im Hofe und steckte die Hände in alle Taschen, um sich zu überzeugen ob er auch Alles mitgenommen. „Ja!" sagte er und wandte sich an die Frau, die ans der Schwelle stand.„Beinah' hätt' ich's vergessen Gieb dem Iwan unter keiner Bedingung die Zeitungen von dem kriegt man sie dann nicht so leicht wieder heraus!... Hab' ich das Gesetzbuch mitgenommen?" „Ich hab's zu den Akten gelegt... Das ist doch das Buch mit Goldschnitt?..." „Ja, mit Goldschnitt!... Wo ist's nur. Hast Du es mir ganz bestimmt mitgegeben?" „Schau doch nach... ich glaube." „Na ja, da haben wir's, ich glaube!... Wie kann man nur so..." Der Diener, der den Herrn begleiten sollte, hatte die Akten unter dem Arm. Er sah nach und fand das Buch „Da ist's ja!" sagte der Ehemann beruhigt.„Feh nichts?... Und die Eigarretten?" „Die Hab' ich auch mitgenommen," erwiderte der Diener. „Also... auf Wiedersehen! Laß Dir die Zeit nicht allzu lang werden... Auf meinem Schreibtisch liegt der neue Roman von Spielhagen:„In Reih' un!> Glied"... Ein gutes Buch... Lies es! Den Knütte! will ich nur auch mitnehmen; man ist hier vor Dieben nie sicher..." „O ja, Spitzbuben giebt's hier mehr als ordentliche Menschen," meinte auch der Diener. Während der Knüttel gesucht wurde, näherte sich der Gruppe ein junger Mann. Es war dies ei« ehe maliger Seminarist, der aus dem Seminar ausgewiesen worden war; er lebte in großem Elend und wurde von allen seinen Verwandten verachtet und geschmäht. „Iwan Petrowitsch," sagte er,„erlauben Sie, daß ich mit Ihnen gehe?" „Oh, mit dem größten Vergnügen!" Der Seminarist dankte. Bald war auch der Knütte! da und nach einer halben Stunde befand sich die ganze Gesellschaft mitten auf dem Wege. Es war ein heißer Sommertag. Ringsherum herrschte lautlose Stille. Der Seminarist unterhielt sich mit dem Diener, der ihm über die vielen Diebstähle in der Gegend erzählte. „Woher kommt das wohl?" fragte der Seminarist „Ach Gott... von dem großen Elend... Weiber die einen Topf Milch nach Hause tragen, werden von Dieben angehalten..." Der Seminarist versiel in Nachdenken. Der Beamte genoß die Schönheit der Natur und überdachte den Plan wie er wohl am leichtesten den Gawrila Kaschin über rumpeln und ihn womöglich auf frischer That ertappen könnte. „Iwan Petrowitsch," sagte plötzlich der Seminarist, „ich wollte mit Ihnen über etwas sprechen." „Ueber was denn?..." „Ach... so... Seh'n Sie... Ich komme fast um vor Langerweile und möchte mir auch außerdem etwas Geld verdienen, denn ich habe fast nichts zu essen... Könnten Sie mir nicht durch Vermittlung Ihrer Be kannten irgend eine Anstellung verschaffen?" „Was für eine Anstellung?" ,,Jch möchte am liebsten eine Lehrerstelle annehmen... Das entspräche am meisten meinen Neigungen. Ich weiß, daß ich das Geld ehrlich verdienen werde, das ich be- komme. Außerdem würde mir eine solche Beschäftigung viel Vergnügen machen. „Gut, ich will mal seh'n..." „Ich würde Ihnen sehr dankbar sein. Sehen Sie nur, was für eine Finsterniß in den niederen Schichten des Volkes herrscht. Sollte denn da wirklich nichts, gar nichts zu machen sein? Man muß doch endlich einmal ernsthaft daran denken..." „Gewiß, gewiß!" bestätigte der Beamte mit großem Interesse. „Das Herz blutet ja einem beim Anblick all' der Roth und des Elends. Ich kenne das Volk, ich wäre bereit, ohne Gehalt zu arbeiten, wenn ich nur nicht Hungers zu sterben brauchte... Man muß das Volk aus dem Schlafe auferwecken, es erziehen, seine guten Eigeuschaften zur Geltung kommen lassen. Und es hat gute Eigenschaften, das weiß ich..." Der Beamte drückte in den wärmsten Worten seine Zustimmung aus, die den Seminaristen in noch größere Extase versetzten. „Was für ein edler Mensch!" dachte er zuletzt bei ich.„Es giebt also noch Menschen, die edel denken und 'ühlen!..." Sie näherten sich unterdeß einer Schänke, die an !)er Straße stand. „Hier müssen wir Halt machen; vielleicht erfahren wir hier etwas," sagte plötzlich der Beamte, nachdem er eben irgend eine Phrase über Volksbildung ausgesprochen jatte.„Man muß nur schlau zu Werke gehen, denn die Kanaillen sind auch nicht aus den Kopf gefallen.. Du," wandte er sich an den Diener,„bleibst draußen, Du darfst Dich, mit den Akten unterm Arm, drinnen nicht zeigen!..." Den Seminaristen versetzte das einigermaßen in Er- staunen; er beruhigte sich aber bald wieder, hatte er es doch mit einem edlen, anständigen Menschen zu thun! Im Wirthshaus saß hinter dem Schenktisch eine junge Frau und schlummerte. Die Wände des kleinen Stübchens waren mit Fetzen verschiedenfarbiger Tapeten beklebt: zwischen dem Schänktisch und der Wand standen einige Fässer Wein; die Luft war mit Schnapsgeruch gesättigt: eine Menge Megen waren in der Stube. „Guten Tag!" grüßte der Beamte freundlich. Die Wirthin erwiderte den Gruß in derselben Höf- lichen Weise. „Kann ich bei Ihnen ein Glas Bier trinken?" „O ja, aber es ist nicht gut!" „Ist's wenigstens kühl?" „Na Gott, wie man's nimmt!... Sie können's ja kosten." „Bitte, bringen Sie mir welches!" Die Wirthin entfernte sich. Der Beamte sah sich in der Schänke austnerksam um. „Die haben ihr Patent,..." sagte er dann leise zu dem Seminaristen. Dieser sah ihn verwundert an. Bald trat in das Zimmer eine andere Frau, die sich später als die Mutter der Wirthin zu erkennen gab, verneigte sich tief und ehrerbietig und blieb schweigend dicht an der Thür stehen. Sie schien bald wieder fort- gehen zu wollen. Sie blieb aber noch eine Weile, die beiden Gäste aufmerksam musternd, stehen und wußte mit großer Kunst die Aufmerksamkeit zu verbergen, mit welcher sie jeder Bewegung, jedem Worte der beiden„Herren" folgte. „Ist es weit von hier nach Jemjeljanowo?" „O nein, es ist nicht schlimm... Im Gegentheil es ist sehr nahe, Väterchen... Warum wollen Sie es aber wissen, Väterchen?" „Ach... so! Wir machen einen kleinen Spazier» gang..." Die Alte nickte mit dem Kopfe zum Zeichen des Einverständnisses. Man brachte das Bier. „Das Bier ist gar nicht schlecht," sagte der Beamte. Wo bekommt man hier noch welches?" „In Buschilowo," sagte die Alte nachdenklich, zwanzig Werft von hier... Das ist das nächste Wirthshaus..." „Und in Jemjeljanowo?" fragte die Tochter mit gutmüthiger Miene. „Wieso denn in Jemjeljanowo?" erwiderte die Alte mit schlauem Lächeln;„da giebt's doch überhaupt keine Wirthshäuser." Der Beamte schlenkerte mit dem Bein und ergötzte ich am Anblick der beiden Frauen. „Es müßte denn Jemand dort mit geistigen Ge- tränken Handel treiben!" sprach die Alte undeutlich und verlegen und der Seminarist bemerkte, wie ihre Augen einen lebhaften und strengen Ausdruck annahmen. Die Tochter schwieg. „Wir fragen nur so! Wir machen einen Spazier- zang!" erklärte der Beamte.„Der Herr da möchte gern n den Wald gehen," fügte er hinzu, auf den Seminaristen deutend. „Das Wetter ist auch sehr schön..." „Und... sagen Sie, Mütterchen.— giebt's hier auch Wälder in der Nähe?" fragte der Beamte und machte dazu das unschuldigste Gesicht von der Welt. „Kleine Gebüsche sind wohl da, aber ordentliche Wälder giebt's nicht." „Wir sind auch mit Gebüschen zufrieden... Wenn wir nur ein bischen Schatten haben!... Die beiden Frauen nickten ihnen zu und tauschten mit einander verständnißvolle Blicke aus. Der Beamte lezahlte die Zeche und ging hinaus. Was er er- ahren wollte, das hatte er erfahren. Ohne sich im Geringsten zu geniren, blätterte er in den Akten, über- zeugte sich, ob auch der Bleistift da sei und achtete gar nicht auf den Schreck der beiden Frauen. „Ja, ja, machen Sie nur den Spaziergang!" rief ihm die Alte nach.„Im Walde ist's jetzt wundervoll!" „Wir sind auch mit Gebüschen zufrieden...." brummte der Beamte vor sich hin, indem er irgend etwas notirte.„Adieu, lebt wohl!" „Viel Glück!" „Das hättest Du auch für Dich behalten können!" vernahm der Seminarist die Stimme der Alten, welche der Tochter Vorwürfe zu machen schien. „Diese Kanaillen!" flüsterte ihm der Beamte zu. Der Seminarist riß die Augen weit auf. III. An einem Ende des Dorfes Jemjeljanowo stand eine Schänke, in der aus gesetztiche Weise Wein verkauft wurde. Der Beamte war überzeugt, hier die genauesten Informationen über Gawrila Kaschin einziehen zu können. der ebenfalls eine Schänke am andern Ende des Dorfes einem einzeln stehenden, verlassenen Häuschen besaß� m Es war, wie gesagt, ein heißer Mittag; das Dörf-| Mitmenschen, Staat und Gesellschaft und somit schließlich| gemäß in der Mehrzahl nur aus Dummen bestehen kann, lein war öde; nur die Spaßen flogen lautlos von einem sich selbst zu schädigen. Mit einem Wort: die Arbeiter an ihre Führung zu fesseln. Dache zum andern. Die großen Stuben in der Schänke, sind eine Rotte bösartiger Lumpenhunde und der Mensch Wie man ohne viel Mühe sieht, zeichnet Michaelis die für die erwarteten Gäste eingerichtet waren, standen fängt bestenfalls beim Polizisten an. Das Volf gleicht nicht ein Bild des zukünftigen, sondern des heutigen heute leer. Drinnen stand hinter dem Schänktisch ein einer wilden Horde, die im Zaum gehalten werden muß, Staates. Wenn Bellamy kein anderes Verdienst hat, so offenbar der Wirth, fleiner buckliger Mann, und nur die Kapitalisten mit ihrer feinen Sitte repräsentiren doch das, daß er dem jezigen Entgegengesetztes zeichnet, unterhielt sich mit einem entlassenen Soldaten. die Kultur. Michaelis hingegen porträtirt die ganze versumpfte, Der Soldat stand beim Eintritt des Beamten sofort Die hunderterlei kleinen und kleinlichen Einwände jobbernde Bande, welche den heutigen Staat ausbeutet auf, grüßte ihn militärisch und sagte lustig:" Guten gegen die Möglichkeit einer besser und scheinbar durchaus und das nicht nur in Amerika, wenn auch hier in der Tag, Ew. Gnaden!" Die Begegnung mit einem Beamten anders organisirten Gesellschaft, die heute gemacht werden, offensten Art. Die Unverschämtheit, die ganze heutige machte dem Soldaten offenbar ein großes Vergnügen; gleichen aufs Haar allen jenen Entgegnungen, die seit schmarozende oder direkt raubende Sippe in den Zukunftssobald sich der Beamte an einem Tisch niedersetzte und Jahrtausenden gegen alle neuen Erfindungen und Ent- staat hineinzupraktiziren, ist fast noch größer, als die ein Glas Schnaps bestellte, trat er sofort an ihn heran deckungen erhoben werden. Immer bisher hat sich Naivetät, zu glauben, es würde nicht Jedermann diesen Mit solchem und begann ihm eine lange Geschichte zu erzählen von gezeigt, daß es nur die Unwissenheit und die schäbigste ganz gewöhnlichen„ Trick" erkennen. dem„ alten Herrn", von seinen Vorgesezten, von den Interessenwirthschaft war, die die Gegnerschaft gegen Menschenmaterial ist in der That kein Zukunftsstaat zu Kameraden, von den Uebungen, von dem neuen Herrn, Neuerungen zeitigte. Auch die Arbeiter haben an manchen errichten, zum Glück ist aber der Arbeiterstand schon heute bei dem er als Förster gedient habe u. s. w. Dann zog Orten gegen ihre besten Freunde, die Maschinen, gewüthet. moralisch jener geschilderten Gesellschaft überlegen. Sein er aus dem Stiefelschaft ein Stück Papier heraus, reichte Mit dem besten Willen hätten sie aber der Entwickelung fester Zusammenhalt, seine Opferwilligkeit, der ihn in es dem Beamten und wartete, bis dieser es gelesen, in keine Schranke ziehen können; außerdem haben sie übrigens Fleisch und Blut übergegangene Grundsaz„ Alle für Einen, respektvoller Entfernung. Auf dem Blatt Papier stand zeitig genug eingesehen, welch unrichtige Meinung der Einer für Alle" beweist am besten, daß in einer Gesellgeschrieben:„ Anzeige: Er hat aus dem herrschaftlichen Maschinenhaß war. So wüthet der Kapitalismus jetzt schaft wo nicht der heutige Kampf ums Dasein die moWalde Holz gestohlen und auf meine Frage, ob er nicht gegen den Kommunismus, ohne seine Verbreitung in den ralischen Anlagen mit Gewalt unterdrückt, das Gefühl wisse, wem das Holz gehöre, widersetzte er sich mir." Köpfen und in den Verhältnissen aufhalten zu können, der Solidarität überwiegen wird. Davon kann freilich Darauf begann er davon zu erzählen, wie schwer es sei, so wird der Geldbesizer aber auch eines Tages die Un- ein mitten in der heutigen faulen„ Gesellschaft" lebender, mit den Bauern auszukommen, wie man ihn habe dafür sinnigkeit seines Haffes einsehen lernen. Auch er hat zu ihr gehörender Zeitungsschreiber eine Ahnung nicht tödten wollen, daß er das herrschaftliche Gut nicht habe Sorge, sei es auch nur um sein Kapital, das er jeden haben. stehlen lassen und daß er aus diesem Grunde alle Augenblick, sei es durch die Krise, durch einen Krieg oder Gruselig ist Michaelis Schluß des Zukunftsbildes. Augenblicke sich genöthigt sehe, auf die Diebe zu schießen. durch die„ begehrlichen Massen" gänzlich verlieren kann. Nämlich die„ Radikalen" erhalten im Staate das Ueber„ Wie? Bu schießen?..." fragte der Seminarist Der ewige Krieg, den er mit Konkurrenten, Arbeitern und gewicht, das sie mit Mord und Todtschlag einleiten entrüstet, der bis jetzt schweigend geraucht hatte. und dessen Resultat sonstwem führt, verbittert sein Gemüth auch. Troß alles Dr. Leete ist eines der Opfer " Ich ziele immer auf ihre Beine,- gnädiger Herr! äußeren Scheins, aller rauschenden Vergnügungen, ja die Einführung der freien Liebe" ist, ohne die geht Das ist keine gefährliche Stelle. Wenn man ihn trifft, gerade deswegen, lebt er kein Dasein eines wahren es ja bei fast keinem der Vertheidiger unserer jetzigen dann tödtet man ihn nicht. Aber eine Wunde kriegt er, Menschen. Freilich mag das die Masse nicht fühlen und syphilitisch durchseuchten Gesellschaft ab. Ganz am Ende daß er sich tüchtig fraßen kann!..." deshalb ihren Dünkel nicht lassen, aber ist man weniger stellt es sich aber doch heraus, daß Alles in Allem Herr Der Seminarist rauchte und sprach nichts mehr. frant, weil man sich für gesund hält? West doch blos geträumt hat und daß er doch, wenn auch er sich nur!..." " " „ In Gesellschaft wird wohl noch auf eine lange Zeit einem " und wenn es damals nach diesem ober" Der ganze blödsinnige Standpunkt geht aus den Schlußworten der Schrift hervor: „ Ich beschloß.... vor allem zur Zufriedenheit zu mahnen, welche die einzige verläßliche Grundlage für menschliches Wohlbehagen bildet. Glückseligkeit ist ja viel unabhängiger von Wohlstand als viele glauben; ja in Wirklichkeit scheitert das Wohlbehagen nur zu oft an Ruhm und Reichthum. Ob wir uns glücklich fühlen oder nicht, das hängt großentheils von unserer Lebensauffassung ab." Das ist also der Weisheit letzter Schluß der sozialen Der Beamte dagegen stimmte dem Soldaten zu und Alle Einwände gegen die sozialistische Gesellschaft mit schwerer Mühe, am 31. Mai 1887 wieder aufgewedt sagte von Zeit zu Zeit: Ja, ja! Da ist nichts zu gleichen den Behauptungen, daß ein Ding, ein Instrument worden ist. machen!..." lachte über die Wiße und schien sich über- unzweckmäßig oder unmöglich sei, weil es noch unvoll- Es ist selbstverständlich, daß er sich freut, im neunhaupt sehr gut zu amüsiren. Der Soldat wurde immer kommen ist. Warum soll man die Idee eines Wagens zehnten Jahrhundert und nicht im Kommunistenstaate zu redseliger und unbefangener, als er jah, daß man ihm verlachen, weil Achsen und Räder noch nicht den höchsten leben, der ihm wie ein riesiges Zuchthaus am Abende gern zuhörte. Zulegt sang er dem Herrn" sogar ein Grad der Brauchbarkeit erreicht haben! Die sozialistische vor einem Aufstande der Sträflinge erschien." lustiges, hochpatriotisches Soldatenlied war. Ebensowenig originell wie seine Kritik" sind die Gnädig hörte es der Beamte an, sprach mit dem Wagen mit holprigen Rädern gleichen, vielleicht gar einem positiven Aufstellungen des Verfassers. Es ist der alte Soldaten noch ein paar freundliche Worte und machte solchen mit Schleifen, wie ihn Aegypter und Babylonier manchesterliche Kohl von den immenſen und einzigen Vorsich dann sofort an die Ausforschung des Wirthes. Der benutzten, um die schweren Blöcke zu ihren Bauten und theilen des" freien Wettbewerbes", wie man jetzt statt des Wirth war froh eine Gelegenheit gefunden zu haben, Bildwerken aus weiter Ferne herbeizuholen! Hätte man in Verruf gekommenen Wörtchen„ Konkurrenz" mit Vorseinem Konkurrenten einen Schaden zuzufügen und be- die heutige Ausbildung der Vehikel, wenn damals ein liebe sagt. Ein amerikanischer Eugen Richter, beide weder schuldigte ihn, Wein auf ungefeßliche Weise zu verkaufen, neunmalfluges Genie den Baumeistern vorgeredet hatte, Genies noch Originale, noch gar Charaktere, sondern obwohl er anstandshalber durch einige Phrasen die An- daß die Fortbewegung von Lasten auf Schleifen der barste bloße professionsmäßige Belferer. flage zu mildern suchte. Der Soldat bestätigte die Worte Unsinn sei des Wirthes durch häufige Zwischenrufe:„ Wie unterſteht gescheidten Genie gegangen wäre? Gewiß hat es damals, Das ist nicht in der Ordnung!..." vor Jahrtausenden auch schon solche Klug- reder gegeben, Was Dir von Amtswegen zukommt, das magst Du nur aber zum Glück fümmerte sich schon damals der praktische ruhig nehmen, aber so geht's nicht, Bruder!. Mann auch so wenig um deren Geschwäß, wie er es heute Der thut. ." u. f. f. unserem Regiment, Ew. Gnaden! Beamte ließ dem Soldaten Schnaps geben: Das belebte Die erste Widerlegung" Bellamys in erzählender ihn noch mehr und rief alle seine Gefühle der Unterthänigkeit wach. Man machte sich daran, einen Plan Form veröffentlichte der Redakteur der„ Chicagoer Freien auszusinnen, wie man den Gawrila Kaschin am besten Presse" Michaelis, ein Deutschamerikaner, dessen vierüberrumpeln könnte, er sollte gar nicht ahnen, wie er sich eckiger Schädel auch im Lande des Dollar viereckig ge- Frage gegenüber! Jedes Wort hierzu wäre verloren. selber verrathen würde. Der Seminarist saß schweigend blieben. Seine Geschichte ist eine Fortsetzung der Gein der Ecke und war höchst entrüstet darüber, wie ein so schichte Bellamys. Während dieser Herrn West seine Er- Conrad Wilbrandt an. Herrn West sett er einen Herrn anständig aussehender Mensch, auf den zu Hause die lebnisse nur bis zu dessen bevorstehendem Eintritte in den Ost, Mecklenburger, in Berlin lebend, entgegen, der durch neuesten Nummern der liberalsten Zeitschriften warteten, Staatsdienst erzählen läßt, und wir von den Einrich- das Kunststück der indischen Fakire, sich lebend begraben in so gemeiner und gehässiger Weise auf den Schaden tungen der Gesellschaft meist aus zweiter Hand, nämlich aus zu lassen und nach Jahr und Tag wieder aufzuerstehen seines Nächsten bedacht sein tönne; wie er mit einem dem Munde Dr. Leete's erfahren, giebt uns bei Michaelis in das sozialistische Deutschland von 2000 sich einpascht. Glas Schnaps den Soldaten bestechen könne, dieser solle nun West auf andere Weise gewonnene Erfahrungen Die" freie Liebe" fehlt natürlich auch hier nicht, das zu Gawrilo Kaschin gehen, ein Glas Wein verlangen, des Dr. Leete entsprechend, er wird gründlich enttäuscht, chologisch behandelt und schließlich finden Liebhaber und wieder. Dieſelben sind ganz und gar nicht dem Bilde Problem wird aber nicht rein thierisch, sondern auch psysich mit dem Wirth in ein Gespräch einlassen und das insbesondere sind es die Erzählungen seines Vorgängers Liebhaberin im fernen Asien, das noch nicht kommunistisch Glas Wein nicht anrühren, bis er, der Beamte, ge- im Professorenamt.*) Dieser, ein Reaktionär, welcher ist, das Ziel ihrer liebenden Sehnsucht. Ost aber ist inDer Soldat war schon ein wenig betrunken und die Menschen des 19. Jahrhunderts für glücklicher hält zwischen Dekonomieinspektor für das ganze Reich geworden, sagte zu Allem ja. Der Diener sollte mit dem Soldaten als die des zwanzigsten, ist zu Gunsten West's abgesetzt weil sich herausgestellt hat, daß die Produktion der Lebensschrecklich zum Bedell gemacht worden. Es mittel rapid zurückgeht. Das ist natürlich bei den dämvorangehen, der Beamte wollte ihnen unbemerkt nach- und folgen, Dafür sollte der Soldat zwanzig Ropeten zeigt sich, daß er im Rechte und das ganze System falsch lichen Einrichtungen, die Dank Herrn Wilbrandt, der ist, daß die Mehrzahl der Staatsangehörigen sich nach deutsche Sozialistenstaat aufweist, tein. Wunder. Anfangs ging er teck und lustig voran. Ihm folgte den Fleischtöpfen der freien Konkurrenz zurüchsehnt und Hauptjammer ist, daß die Eier rar werden, weil fein die ganze Gesellschaft auf dem Fuße; die Hiße und der der Staat auch nur durch Gewalt und durch eine ver- Mensch dieselben abliefert oder überhaupt Hühner hält. Schnaps hatte dem Soldaten diese Begeisterung eingeschlagene Politit zusammengehalten wird. Von Gleichheit Dieser eine Fall wird den Leser schon genügend aufflößt... Mitten im Dorfe aber war ein Brunnen, und ist feine Rede( ein Einwand, der auch von sozialistischer flären, wie es mit der ökonomischen Weisheit des Buches da alle sehr ermüdet waren, so bat der Soldat um die Seite Bellamy zu machen ist), es herrscht eine erschreckliche beschaffen ist. Mit den anderen Lebensmitteln ist es Günstlingswirthschaft. Die Rechtspflege ist schauderhaft, ähnlich. Zwar wird dem Boden entsprechend produzirt, Erlaubniß, ein wenig Wasser schöpfen zu dürfen. Bitte, bitte sehr!" erlaubte der Beamte gutmüthig. die politische Opposition wird mit allen Mitteln nieder- da es aber kein Werthmaaß und feine Kontrole giebt, kommen sei. bekommen. ( Fortsetzung folgt). Das Jahr 2000. Ein wenig gescheidter dreht seine Widerlegung Ein gehalten. Eine ungeheure Arbeit macht die riesige die Bewohner des sozialistischen Staates natürlich gleichBuchhalterei( auch dieser Einwand ist richtig und falls sämmtlich als gewissenlose Subjekte anzusehen sind, zeigt, daß der sozialistische Staat entweder kommunistisch wird an Arbeit, Düngermitteln, Materialien 2c. mehr in oder nicht sein wird) und doch kann sie Tausch und den Boden hineingesteckt als herausgezogen. Resultat: demgemäß Bestechungen nicht abhalten. Der große Verarmung. Einziges Hilfsmittel: Export von Industriebureauf: atische Apparat, die kurze Arbeitszeit, die Krant artikeln nach Mittelasien, das dafür Getreide und RohB. S. Eine andere Art Widerlegungen Bellamys sind heitssin lationen bewirken, daß die Produktion und dem- stoffe liefert. Wunderbar ist nur, daß man überhaupt genau so abgefaßt, wie seine eigene Arbeit, sie schildern gemäß das Einkommen im zwanzigsten Jahrhundert gegen noch einen Ueberschuß an solchen Artikeln hat. Sonst II. gleichfalls in einer Art Erzählung das Leben im Zukunfts- das neunzehnte zurückgegangen sind. Da Bellamy die geht alles rückwärts und zu Grunde, keine Kunstwerke staat, kommen natürlich dabei zu andern entgegengesezten Scheidung von Stadt und Land beibehält, weil er in mehr, ja kein Kunsthandwerk. Was vorhanden, stammt Resultaten wie jener. Aber auch ihnen ist derselbe Vor- seinem Staate unterschiedlos alle technischen„ Errungen- noch aus den früheren Jahrhunderten. Als nun kriegerische wurf wie in den eben betrachteten zu machen; sie finden schaften" anbringen will, ohne Rücksicht darauf, ob nicht ein Verwickelungen in Mittelasien den Import hemmen, geht Einzelheiten falsch, unzulänglich, undurchführbar u. s. w., Theil derselben nach Fortfall der kapitalistischen Produktions- der Staat durch die Revolution zu Grunde. Was schließ indem sie nun diese Falschheit, Unzulänglichkeit 2c. beweise wieder auf ein verständiges Maß zurückgeführt werden lich wird, erfahren wir hier so wenig, wie bei der vorher weisen oder zu beweisen glauben, meinen sie ,, sie hätten wird, so herrscht natürlich auch ein gewisser Kampf betrachteten Erzählung. Der Schlußeffekt Wilbrandts ist die Unmöglichkeit der sozialistischen Gesellschaft bewiesen. zwischen städtischer und ländlicher Bevölkerung. Ueber- aber gleichfalls eine Verherrlichung des kapitalistischen In der heutigen Gesellschaft nügt der Kapitalist sich selbst, haupt thut niemand mehr, als er gerade muß. Dabei Staates liberaler Couleur; freie Konkurrenz, Waltenindem er der Gesellschaft nüßt,- dafür sind aber, wie existirt eine radikale, kommunistisch anarchistische Partei. lassen der Natur ist die Parole; Aufhebung von Schutzuns die politischen Handlungsreisenden der Bourgeoisie, Dieser allein läßt die Regierung etwas Spielraum, zoll- und Prämienwesen, die nur eine andere Form des Richter, Fränkel und Konsorten belehren, die Kapitalisten als Popanz, damit die gesammte Volksmasse, die dem Sozialismus sind, ist zu erstreben. Aus dem letzten auch gute Kerle. Sobald aber der Arbeiter auf GleichSage wird man das Maß der Kenntniß des Verfassers beurtheilen können, welches derselbe von seinem behandelten Gegenstande hat. heit basirte Freiheit und Selbstbestimmungsrecht erhält,*) Bekanntlich erhält bei Bellany West die Professur der dann wird er nichts besseres zu thun haben, als seine Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts. Eines fällt bei beiden Erzählungen gleichmäßig auf, nämlich daß Männiglich im sozialistischen Staate auf die Einrichtungen desselben schimpft, wodurch ja erst unsere Gewährsmänner in den Stand gesetzt werden, sich über die ihnen ganz neuen Verhältnisse zu unterrichten. Bei Michaelis sinden wir zwar Dr. Leete und dann noch eine kleine Interessengruppe, nämlich die Produktionsleiter, welche den Staat zusammenhalten, aber gerade durch ihre geringfügige Zahl sowie durch ihre Handlungsweise be- zugen dieselben uns. daß sie gar nicht auf dem Boden des Sozialismus erwachsen, sondern die direkten Nach- folger der heutigen Staatsleiter und-Ausbeuter sind. Bei dem wie bei Wilbrandt aber nicht die geringste Bevölke- ihngsgruppe, welche ein direktes, unlösbares Interesse am ruestande des Staates hätte. Man macht sich über die Btvpisten lustig, die jetzt nicht durchführbare, aber denk- Uare Einrichtungen der Menschheit andichten, ja sie für beu Augenblick voraussagen, wo die Menschheit an solchen Einrichtungen ein allgemeines Interesse haben wird,— man übergipfelt selbst aber den Utopismus, indem man einen Staat als bestehend annimmt, an dem keine Be- Völkerungsschicht ein Interesse hat. Wie ein solcher Staat überhaupt entstehen könnte, ist ein vollständiges Räthsel, wie er auch nur vier Wochen wirthschaften könnte, ein weiteres. Die Kritiker sind eben die größten Utopisten. Besteht der Zukunftsstaat einmal, dann war er noth- wendig; war er nothwendig, dann werden aber alle Ein- wände, die man dagegen machen könnte, nicht vorhanden sein. Die Herren übersehen eben alle, daß es gar nicht darauf ankommt, daß irgend welche ersonnene Einrich- tungen unmöglich, sondern daß sie unnöthig sind. Das fällt aber auch ihnen gar nicht ein. Sie reden alle von einer Verbesserung der sozialen Ordnung. Nun wohl, wenn sie diese angebliche„Ordnung" nach ihrer Weise verbessern wollen, werden sie auch anderen das Recht lassen müssen, eigene Gedanken über gewisse Einrichtungen zu haben. Es war im allgemeinen immer das Vorrecht der Dummköpfe, mit Unmöglichkeiten um sich zu werfen, ans politischem Gebiete ist es leider bei den bürgerlichen Parteien ein Zeichen der Begabung, wenn irgendeiner recht viel„Beweise" zusammenschaart für die„unmög- lichen" Ansichten anderer. Schade freilich, daß die ganze Frage nur eine Jnteressenfrage ist, die allein denjenigen überzeugt, der davon überzeugt sein will,— Jedermann glaubt was er hofft, im politischen wie religiösen Leben. Auch wir können uns für Bellamy's Staat nicht er- Hitzen. Seine komplizirten, reglementirten Einrichtungen, seine Kasernenähnlichkeit:c., wenngleich wir nicht verkennen, daß Bellany sich bemüht hat, Mittel zu finden, das Un- angenehme zu milder» und daß es sich im Bellamy'schen Staate jedenfalls durchschnittlich besser lebt als im heutigen, wo ja auch die große Menge der Bevölkerung thut was sie muß, nicht was sie will. Die Behauptung, heute könne der Mensch, insbesondere der Arbeiter, thun was er wolle, ist die frechste Lüge, die die Vertheidiger der heutigen Ordnung ersinnen. Trotz unserer Einwände gegen Bellamy behaupten wir nicht die Unmöglichkeit seiner Utopie. Sie ist ein Gebilde der Willkür,— aber was willkürlich ersonnen ist, kann auch anders sein und demgemäß steht einer Ver- besserung des Verbesserungsbedürftigen nichts im Wege. Hauptaugriffspunkt waren die Kontrolemaßregeln, die Bellamy ergreisen mußte, um jedem Staatsbürger zu seinem Theile am Staatseinkommen zu verhelfen— auch wir verwerfen sie, aber aus anderem Grunde. Eine Gesell- schaft von Subjekten, die ohne dazu gezwungen zu sein, einander bei jeder Gelegenheit übervortheilt, die dement- sprechend ausgebreitete Kontrolemaßregeln nothwendig macht, ist weder Material zu einem sozialistischen Staate, noch wird unter ihnen eine Minderheit einen solchen Staat, wenn auch nur auf kurze Zeit, errichten können. Solange die Menschheit nicht kommunistisch denkt, sowohl bei Arbeit und Konsum, solange ist sie auch für eine besser organisirte Gesellschaft nicht reif und so lange ist es eben deshalb auch höchst unnöthig. daß sich Berufene und Unberufene über diese Frage die geehrten Querköpfe zerbrechen. Soviel steht nach unseren Erfahrungen jedoch fest, daß der Arbeiterstand für den Kommunismus reifer ist, als der Eigenthumspöbel sich träumen läßt. Soldatenbriefe. Unser Braunschweiger Bruderorgan bringt den Brief eines Soldaten vom 2. Garderegiement Nr. 101 zu Dresden, der sich erschossen hat:„Ich fühlte mich ver- anlaßt, ein Paar Zeilchen zu hinterlassen, da man sich ftagt, warum hat der das gethan, so muß ich hierauf antworten. Ich war 13 Tage(in) Pillnitz und habe mich wahrscheinlich erkältet, denn ich war förmlich wie gelähmt; es ist aber auch kein Spaß, einen Tag um den andern auf Wache und aus der warmen Stube in die Kälte, nimmt das vielleicht jemandem wunder, daß man sich da etwas zuziehen kann? Aber ich hatte ruhig bis zum Schluß des Kommandos gewartet. Da wir am Sonntag eintrafen und zwar mußte ich h rein gefahren werden, worauf ich mich am Montag in der Kranken- stube untersuchen ließ, aber schön ankam und man stark von„Simulant" munkelte. Nun frage ich einen Menschen sind das Aerzte oder Stümper!!! Nun, wie gesagt, wie ein Vieh wird man behandelt. Spreche auch zugleich meine herzliche Gratulation für die tüchtigen Kräfte, die unten sind, aus: ich meine nämlich die Herren Ein- jährigen-Aerzte, welche sich als solche ausgeben, wber keine sind, sonst wünschten sie nicht solches Unheil. Ich habe ja ausdrücklich gesagt, wo es mir fehlt, alles vergebens. Nun mag er auch die Verantwortung tragen. NB. Srgt. Morgner. Gewehr Nr 32. Man wird fragen, warum habe ich nicht mein eigenes Gewehr ge- nommen? Nein, eben deßhalb nicht, weil er schon sehr viel auf dem Herzen hat, was er nie wieder gut machen kann und schon schwere Strafen verdient hätte, wenn es aus Tageslicht gekommen wäre, denn wo er uns schlimmer als das Vieh behandelt hätte. Auch derjenige, welcher damals die Korporalschaft hatte, hatte ja einen thierischen Charakter, ist aber noch stolz darauf(Erinnerung an die Rekrutenzeit!). Die Zeugen sind auch noch da, z. B. Schinnerling, denn da verging kein Tag, wo nicht jeder Ohrfeigen bekam und sogar mit dem Stock hat es(Schläge) gegeben. Es ist vorbei, aber er hat es auf dem Gewissen und die Nemesis wird ihn später oder früher erreichen, aber früher war man zu dumm. Adresse meines Vaters: Leipzig, Lößniger Straße 6, Hof 3, links. Konnte das Gewehr Nr. 32 nicht finden, darum habe ich meines genommen. Eine scharfe Patrone habe ich auch nicht können auftreiben, sonst hätte ich mich durch die Brust geschossen und nicht so verstümmelt. Wohl dem, der gesund ist!!!! Lebt wohl, Kameraden! Es wahr ein schwerer Schritt, aber wohl überlegt, und war gezwungen, als hier zum Skandal herumlaufen und da unten verkohlen lassen, da lieber tobt, aber verdammt mich nicht. Euer Kamerad Paul Krahl. — Der Leipziger Wähler druckt folgenden Brief ab: „Lieber..... Ich will Dir die ganze Sache erzählen, wie es mir gegangen ist. Wir mußten am Freitag Abend exerziren. Wie der Sergeant in die Stube trat, war das erste Wort:„Pimsen Sie die Leute, daß sie liegen bleiben, die Kerle; und wenn sie in die Pleiße laufen oder machen sonst was, das ist mir ganz egal! Und wenn die ganze Kompapnie krachen geht!"— Wir fingen um 8 Uhr an zu exerziren, da sind wir „gepimst" worden ohne uns eine Minute zu rühren. Es war vielleicht 10 Minuten vor 10 Uhr, wo ich ohne Besinnung hinfiel. Da hat mir der S. auch noch einen ganzen Krug voll Wasser über den Kopf gegossen. Da er aber nun sah. daß sein Wasser nichts half, schickte er nach dem Lazerethgehilfen. Dann haben sie mich aus- gezogen und auf dem Schlassaal geschafft, wo sie mir erst andere Wäsche anzogen. Der Lazarethgehilfe hat bis halb 12 Uhr an meinem Bett gesessen, wobei man alle Minuten erwartete, ich würde es alle machen. Aber es kam Gott sei Dank nicht so weit. Ich habe vielleicht bis halb 4 Uhr ohne Besinnung gelegen. Als ich auf- wachte, fühlte ich erst, daß ich im Bette lag. Am andern Morgen etwa halb 8 Uhr, als ich aufstand, ließ mich der Feldwebel zu sich holen und fragte mich, wie das alles gekommen wäre. Da Hab' ich es ihm erzählt, dann ging ich in die Jour-Stube. Der Hauptmann war schon beim Stabsarzt gewesen und hatte mich tüchtig schlecht gemacht, ich führte ein verkommenes Leben, triebe mich die ganze Nacht draußen umher und wenn ich einmal exerziren müßte, fiele ich allemal um... Mir ist so etwas noch nie Passirl, es war das erste Mal, daß ich umfiel.— Am Sonnabend ging das Exerziren natürlich weiter und da sind wir auch wieder gepimst worden und es soll noch 14 Tage dauern.— Daß ich mich die Nacht draußen herumtriebe, ist nicht an dem: Wir haben schon seit dem 11. Januar kein Nachtzeichen bekommen und jeden Abend von 8 bis halb 10 Stunde gehabt. Da ist das gewiß nicht möglich...." Am Schluß bittet der Schreiber seine Verwandten flehentlich auf Abhilfe zu sinnen:„Denn wie ich jetzt behandelt werde, ist kaum zu beschreiben." — Ein Rekrut vom 15. Artillerie-Regiment in Hagenau schrieb an seinen Vater einen Brief, dem folgende Stelle entnommen ist:„Hier wird's jeden Tag strenger und die Behandlung schlechter; heute Morgen hatte ich schon in aller Frühe Krach mit einem Unteroffiziere, weil ich neben dem Pferde stand und nicht putzte, was schließlich zum Ohrfeigen kam— was will man aber machen? Vergangenen Sonntag Morgen mußten wir in all der Kälte den ganzen Mist von ungefähr 4 Wagen mit den Fingern durchsuchen, so daß kein Strohhalm mehr zu sehen war."_ Ueber die Uerilichtung des SauernKandes bringt die„Münchener Post" beachtenswerthe Mittheilun- gen. Danach nimmt die Verschuldung des Bauernstandes von Jahr zu Jahr zu; in gleichem Schritte wächst das Kapital der Banken. Damit schreitet die Proletarisirung der Bauern vorwärts, da Letztere, soweit ihr Besitz mit Hypotheken belastet, nicht mehr Besitzer, sondern Tage- löhner im Dienste des Kapitals sind. In Bayern liegen — niedrig geschätzt— etwa 2000 Millionen Mark Schulden auf Grund und Boden. Daraus läßt sich er- kennen, welch' großer Theil des gesammten Bodens be- reits aufgehört hat, Privateigenthum zu sein, da er Kollektiveigenthum der Banken ist. Er ist wohl noch Privateigenthum, aber der Ertrag gehört den Banken. Soweit Grund und Boden verschuldet sind, sind sie näm- lich Kollektiveigenthum des in den Banken konzentrirten Kapitals. Mit zunehmender Verschuldung des Bauern- standes vermindert sich somit das Privateigenthum der Bauern an Grund und Boden. Es verwandelt sich in wirkliches, leibhaftiges Kollektiveigenthum, da die einzelnen Besitzer der Pfandbriefe nicht Eigenthümer dieser oder jener Parzellen, sondern Miteigenthümer des ganzen zu Gunsten der betr. Banken belasteten Bodens sind. So vollzieht sich unter unseren Augen die Verwandlung des Privateigenthums an den Produktionsmitteln in Kollektiv- eigenthum. Vom Kollektiveigenthum der Banken zum Kollektiveigenthum der Gesellschaft ist nur mehr ein Schritt. Gegen dieses Kolletiveigenthum der Kapitalisten hat sich der Papst in seiner Encyklika nicht gewendet. Sehr be- greiflich. Der hohe Klerus ist Bundesgenosse des Kapitals; er selbst besitzt Pfandbriefe, wie die einzelnen Kirchen solche besitzen und wird somit in praxi das von ihnen theoretisch bekämpfte Kolletiveigenthum anerkennen und am Profite desselben partizipiren. Es wäre interessant zu erfahren, wie viele Pfandbriefe und Obligationen der heilige Vater und sein Kardinalskollegium besitzen und wie groß damit ihr Antheil am Kollektiveigenthum ist. Das in den Bankinstituten organisirte Kapital bürdet dem die Schuld seiner Vorfahren übernehmenden und wahrscheinlich vermehrenden Bauern drückende Lasten auf. Es verlangt Zinsen und befreit sich von jeglicher Last. Dies wird ihm durch unseren Besteuerungsmodus be- deutend erleichtert, da derselbe die Schulden des Besitzers nicht berücksichtigt, sondern als Vermögen desselben be- trachtet und besteuert. Ein Beispiel: A. besitzt ein schulden- freies, 20 000 Mark werthes Anwesen, B. ein gleichviel werthes, das aber mit 14000 Mark Schulden belastet ist. Obwohl nun A. 3Vt mal so viel besitzt als B., muß Letzterer gleichviel Steuern und Umlagen bezahlen. Er muß somit seine 14 000 Mark Schulden nicht bloß ver- zinsen, sondern auch versteuern. So wird die Steuerlast zu Gunsten des Kapitals auf den Schuldner gewälzt, welcher außerdem bei den Beurkundungen die sehr be- trächtlichen Staatsgebühren und Notariatskosten zu tragen hat. Würden bei der Steuerberechnung die Schulden in Abzug gebracht, dann träfen auf die Reichen billigerweise mehr Steuern und der verschuldete Bauer würde entlastet. Statt dessen vereinnahmen die Kapitalisten ihreZinsen unver- kürzt. Die Zinsen wachsen und bstden neues Kapital, das neuer- dingsdiekleineren, ärmeren Grundbesitzer belastet. So wächst auf der einen Seite immerfort das Kapital, auf der anderen die Schuld Dort der Reichthum, hier die Noth. Der steigende Reichthum Einzelner schafft die wachsende Armuth Vieler. Zur Sommerszeit arbeiten die verschuldeten Bauern von Morgens 3 Uhr bis Abends 9 Uhr, quälen sich und ihre Kinder ab und doch bleibt ihnen in manchen Gegenden und in den meisten Fällen kaum so viel, daß es zur kümmerlichen Fristung ihres Lebens hinreicht. Sie plagen sich, um die Zinsen und Steuern zu erschwingen, durch deren Zahlung sie sich die Möglichkeit schaffen, auf der Scholle ihrer Väter bleiben zu dürfen, von der sie jederzeit durch Kapitalskündigung seitens der Banken vertrieben werden können. Sie züchten Kälber, Schweine, ühner, Enten, Gänse— und leben größtentheils von artoffeln, Brot, saurer Milch und Zichorienkaffee; auf ihrem Tische haben sie kaum fünf Mal im Jahre Fleisch. — Der Kapitalist schneidet die Koupons ab, erhält dafür Geld, d. h. den krystallisirten Schweiß der verschuldeten Bauern und Arbeiter und genießt behaglich, was diese produziren, ohne es genießen zu dürfen. Würden die Banken die Hypothekenschuldner von ihren Anwesen treiben, was sie in tausend und abertausend Fällen könnten, so müßten sie als Besitzer dieser Anwesen Steuern und Umlagen bezahlen und so viele Auslagen für die Bewirthschaftung bestreiten, daß wohl kein Profit erwüchse. Nicht Humanität, sondern der nackte Egoismus hält also das Kapital von der sofortigen Besitzübernahme der verschuldeten Anwesen ab. Wer im Kampfe um's Dasein unbewaffnet ist, muß unterliegen. „Arbeiter-Aristokratie." Es ist unter dem bestehenden System der Gewerbe- freiheit und der freien Konkurrenz nicht' möglich, daß sich irgend eine Gruppe von Lohnarbeitern dauernd über die Lage der Lohnarbeiterklasse erheben und erhalten könnte. Das organisirte und konzentrirte Großkapital beherrscht alle modernen Industrie- und Transportmittel. Dqs Großkapital ist profitwüthig. Es zahlt den Arbeitern nicht mehr als es muß. Das Großkapital kann wohl- fituirte und daher unabhängige und widerstandsfähige Arbeiterkolonnen nicht gebrauchen. Es wünscht arme, abhängige, wehrlose„Hände". Hat sich folglich eine Arbeitergruppe vermöge der Eigenart oder der Neuheit ihres Berufs, vermittelst der Organisation eine bevor- zugte Stellung erobert, sind die Löhne und die sonstigen Arbeitsbedingungen einer solchen Gruppe wesentlich bessere, als die der übrigen Lohnarbeiter— so ist dieses Ver- hältniß nicht von Dauer; es sei denn, daß diese Gruppe sich sehr ernstlich bemüht, alle übrigen schlechter situirten Arbeiter in eine gleich gute Lage zu versetzen. Kümmern die Bevorzugten sich nicht um ihre un- glücklicheren Klassengenossen, ziehen sie dieselben nicht zu sich empor, so zieht deren Elend die vormals besser Situirten zu gleich traurigen Verhältnissen hinab. Dies geht so zu. Das Großkapital zahlt nur sehr unwillig die höheren Löhne an die Lokomotivführer, Telegraphisten, Buchhalter oder an die Verfertiger elektrischer Instrumente oder an die Arbeiter irgend einer neuen Industrie. An- dererseits macht die stetige Entwicklung der Technik durch Verbesserung vorhandener und Erfindung neuer Maichinen fortgesetzt eine Anzahl geschickter Arbeitskräfte arbeitslos. Diese wollen nicht verhungern. Sie wenden sich neuen Berufen zu. Die Kinder der Mittelklasse, leidlich unter- richtet, aber ohne wesentliche Mittel, suchen nach Berufen. Was soll der hoffnungsvolle Junge werden? so fragt sich der Vater. Die alten Gewerbe befinden sich in trauriger Verfassung. Sie schützen die Arbeiter nicht gegen Roth und Elend. Ich muß versuchen, den Jungen in eins der besser situirten Gewerbe unterzubringen. Dasselbe Streben haben die durch neue Arbeits-| einfuhr für den Konsum übrig bleibt, sich im getreidezollfreien| daß von diesem Lohne noch nicht einmal die dürftigste Kost be methoden überflüssig Gewordenen u. s. f. Es wird also ein der Jahre 1878 noch auf 213,11 kilogramm stellte, im Jahre 1888/89 stritten werden kann. Bisher waren die Griffelmacher in der dagegen auf 170,24 Kilogramm und 1889/90 auf 162,25 Kilogr. Arbeit nicht beschränkt und verdienten mit Familie wöchentlich Kapitalistenklasse sehr willkommener Zudrang zu den vor- gesunken ist. Das ist der Durchschnitt, und es ist zweifellos, daß nicht unter 20-25 mit. Wo bleibt da die im Landtage ver mals bevorzugten Gewerben stattfinden. Diese Situation bie Aermsten der Armen noch unter dieses Maß fallen. Mit heißene Verbesserung der Lage der„ Aermsten der Armen?" Als wird von den Kapitalisten mit allen Kräften unterstüßt. den obigen Berechnungen stimmen auch die von Leris überein. ein Griffelmacher wegen Beschränkung vorstellig wurde und beNach alledem ist es klar, wie die Sache in Deutschland liegt. merkte, daß er und seine Familie mit 15 Mt. pro Woche nicht Das Angebot von Arbeitskräften in dem betreffenden Ge- Schon jetzt geht der Brotkonsum des deutschen Arbeiters zurück, auskommen könnten, soll ihm gesagt worden sein:„ Das sei werbe besorgt das Uebrige. Wollen die vormals Besser der pro 1889 90, in„ normalen" Zeiten, bereits 20 Kilogramm gleichgiltig, er könne dann anderswo Arbeit suchen" Weiter fituirten, vermittelst ihrer Organisation, die im Laufe der oder etwa 10 pet. unter dem Existenzminimum stand, während wird die Klage geführt, daß, nachdem die Griffelbrüche in staatJahre ausgebildeten Kräfte nicht aufnehmen, nicht in der französische Brotkonsum fortwährend wächst, und im Jahre licher Verwaltung übergegangen seien, die Löhne niedrigere Funktion treten lassen, so provoziren die Kapitalisten 1887/88, dem letzten, für welches uns die Zahlen vorliegen, wurden, obgleich man eine Aufbesserung in Aussicht gestellt habe. einen Streit oder einen Arbeitsausschluß, bei welcher Ge- 211,75 Kilogramm, d. i. 28 Kilogramm oder etwa 15 pet. über Der Betrieb der Griffelbrüche hat aber auch für den Staat einen Streik oder einen Arbeitsausschluß, bei welcher Ge- dem Minimum betrug. Trotzdem hat man in Frankreich eine keinerlei Vortheile, da er mit seinen Preisen, die er stellt, nichts legenheit die Reservearmee aufmarschirt und die Stellen Bollermäßigung beschlossen, während sie bei uns abgelehnt ist. verdient, sondern noch zusetzt. der Ausstehenden besetzt. Es wäre dies nicht so leicht möglich, wenn die betreffenden Arbeiter- Aristokraten sich vor ihrem Fall um die Lage der übrigen Arbeiter ge- Berlin: fümmert hätten; wenn sie dafür gesorgt, daß ihre Stellung jenen nicht besonders begehrenswerth erschienen wäre. " -Die Kartoffeln pro 1000 Rilogramm kosteten: März 1890 März 1891 17,50 Mf. 36,37 M. Das Elend der großen Masse zieht eben auch die Breslau: Besserfituirten ins Elend hinab. Die Interessen aller Magdeburg: Lohnarbeiter sind gemeinsam. " " Frührothe unsortirte Brennkartoffel Frührothe sortirte Speisekartoffel Schlesische Speisekart. Blaßrothe sächsische Speisekartoffel Brennkartoffel Hellrothe Kartoffel Weiße Kartoffel Brennkartoffel 23,33 28, " 55,00 56, " 1 " " 25, 20, " 60, 11 42, " " 1 25, " 52, " 20, 19,17 " 1 45, 40, " " " Die Volkszählung in Irland hat ergeben, daß die Bevölkerung dieser unglücklichen Insel sich seit der letzten Zählung im Jahre 1881 wiederum um eine halbe Million vermindert hat. Damals betrug die Zahl der Einwohner Frlands 5 174 836, und jetzt ist dieselbe auf 4 706 162 gesunken, eine Abnahme also bon 468 674 Seelen. Zu Anfang dieses Jahrhunderts betrug die Bevölkerungszahl der Insel bereits 5 395 456 und im Jahre 1841 war diefelbe auf 8 175 124 gestiegen. Seit jener Zeit, besonders aber seit 1851 ist eine regelmäßige Abnahme der irischen Bevölkerung zu verzeichnen. Hunger und Auswanderung dezimiren die Menschen, und der englische Grundbesitzer bringt das Vieh an deren Stelle, und Schafe und Rinder weiden jetzt dort, wo einst mals die Dörfer der Jrländer standen. Das Schwihsystem wird in dem jüngstem JahresSo kann man z. B. die merkwürdige Erscheinung Stettin beobachten, daß oft die qualifizirteste Arbeit schlechter bezahlt wird, wie ganz rohe Handarbeit. Sonst müßte bekanntlich der gelernte Arbeiter besser bezahlt werden, Fleischpreise früher und jetzt. Der bayerische Geschichtswie der ungelernte, weil in seinem Lohn die Amortisirung schreiber Lorenz von Westenrieder veröffentlicht im Jahre 1783 des Bildungskapitals stecken muß, welches auf ihn ver- in seinem Werke„ Beschreibung der Haupt- und Residenzstadt bericht der Fabrikinspektoren des Staates New- York folgenderMünchen" den damaligen Preis der vornehmsten Bittualienmaßen geschildert: wendet ist. Das braucht dann nicht mehr zu geschehen. und dahin gehörigen Dinge". In der folgenden Tabelle werden Das Bildungskapital wird eben nicht amortisirt. Am die damaligen Fleischpreise den heutigen gegenübergestellt. offenbarsten findet man das in den am meisten überfüllten derartigen Berufen, den Technifern und Kaufleuten, mit denen mancher Arbeiter nicht tauschen würde. Andrerseits Ochsenfleisch wird bei der schädlichen Wirkung der übermäßigen Arbeit Kuh- oder Rindfleisch auf die Gesundheit der Arbeiter ein wirklich fräftiger und Stalbfleisch förperlich leistungsfähiger Mann so selten, daß die Kon- Schaffleisch Schweinefleisch furrenz hier sehr gering ist und diese Arbeiter höhere Löhne Geräuchertes Schweinefleisch erzwingen können. Die Hungerkur. Die geringeren Mehlsorten sind, wie der Frankf. 8tg." aus Bassau nachgewiesen wird, verhältnißmäßig viel theurer ge= worden seit der Erhöhung der Getreidepreise, als es früher der Fall war. Das Publikum sucht durch Konsum geringerer Sorten fich das Brod wohlfeiler zu machen. Die größere Nachfrage nach Im Jahre 1885 fofteten in Passau z. B. inländische Mehle mit süddeutscher Nummerirung Nr. 0 1 2 3 4 31 Mt. 291, Mt. 28 Mt. 241, Mt. 1812 Mt. heute kosten dieselben Nr. 0 1 2 3 4 38, Mt. 36 Mt. 35 Mt. 331 Mt. 30 Mt. sonach war im Jahre 1885 zwischen 0 und 4 in Prozenten eine Differenz von 122 ausgedrückt mehr und jetzt eine solche von 81, Mr. Ungarisches Mehl kostete im Anfange des Jahres 1885 loko hier 0 1 2 3 4 5 6 2 36 34 33 32 302 29 heute stellt sich dasselbe auf: 0 1 2 3 4 5 789 7929 41 40 40 391 39 38 37 fonach war im Jahre 1885 zwischen 0 u. 8 eine Differenz von 14 Mt. und heute eine solche von 61, Mr. 8 812 24 22 Mr. 26 6 7 8 2 812 36 35, 34, Mt. in Prozenten ist die Differenz eine noch auffallendere. } Eine Henne Ein Kapaun Ein Hühnlein " " 1783 Preise von 1890 pro Pfund 17 Pfg. 15 " 121 12" 10¹" ”! 15 70-80 " " 40 130-260 " 143 250-600 17 184 17-34 400-800 " 80-200 77 137 300-800 " " 1 69 " 17 180-350 35-65 11 " " 7 " 1 116 11 " Das Geschäft des„ Schwitzers" wird an entlegenen Plätzen, in Schlaffammern und Hinterzimmern betrieben, so daß es schwierig ist, einzutreten und das Vorhandensein eines solchen Geschäfts zu konstatiren. Erfolgt eine Visitation, s verlegen sich Boß und alle Hände" auf's Stillschweigen und Achselzucken 70 Pfg. und wollen nichts verstanden haben, auch wenn man durch einen Dolmetscher zu ihnen spricht. Nichts anderes, als be 58-74 42-76 ständiges Auskundschaften wird diese Art von Sklaventreibern 50-60 dazu bringen, dem Gesetz Rechnung zu tragen. Die kleinen, schlecht- ventilirten Zimmer, in denen sie arbeiten, sind überfüllt mit arbeitenden Frauen und Kindern. Ein Heizofen für Bügeleisen ist gewöhnlich in voller Gluth. Im Winter sind die Fenster geschlossen, und keine Möglichkeit für Entfernung der gesundheitsschädlichen Dünste vorhanden. Und diese Atmosphäre voll von Gestank und Unreinigkeit im besten Falle wird unaufhörlich eingeathmet, wodurch oft neue Krankheiten unter den unglücklichen Insassen dieser Arbeitsräume sich einwurzeln und immer die Lebenszeit sowohl des Gesunden, wie des Kranken Die Königsberger Handelskammer schreibt in ihrem verkürzt wird. Es wäre wirklich schon schlimm genug, wenn dieser Zustand nur zehn Stunden im Tage anhalten würde, letzten Jahresbericht: Unsere Arbeiterbevölkerung befand sich infolge der Stockung aber, wenn dies vierzehn, sechszehn Stunden und oft achtzehn des Getreidehandels bis zum Herbst in einer höchst ungünstigen Stunden per Tag andauert, und sechs oder sieben Tage in der wirthschaftlichen Lage, die durch die Theuerung der Lebensmittel-, Woche und während eines Zeitraumes von sieben bis acht insbesondere der Fleischpreise, noch erheblich verschärft wurde. Monaten im Jahr, dann ist die Gesammtsumme an GesundheitsDie Milderung dieser Fleischtheuerung durch die Aufhebung des zerstörung geradezu unermeßlich groß. Wenn jemals in diesem Verbots der Einfuhr russischen Viehs und amerikanischen Schweine- Lande eine Epidemie ausbricht, dann werden diese„ Schwitz" fleisches erscheint dringend geboten. Der infolge der Theuerung Shops als ein gewaltiger Faktor zur Verbreitung der Aneingetretene Rückgang des Fleischkonsums erhellt aus der in einer Petition des hiesigen Magistrats an den Herrn Reichskanzler angeführten Thatsache, daß auf dem Schlachthofe des hiesigen Fleischergewerks vom 1. Januar bis 31. Auguft Eine Gans Eine Ente Eine Taube 1 1889: 5 286 1890: Rinder Schweine 4430 22 734 13 011 Schafe Kälber 10 243 10 973 7242 9175 " 1 geschlachtet wurden. Die lang anhaltende Beschäftigungslosigkeit der gewöhnlich im Getreidehandel thätigen Arbeiter zeigt der Umstand, daß die Königsberger Ortskrankenkasse für Kutscher, Faktore und gewöhnliche Arbeiter, deren etwa 1700 Mitglieder zu drei Vierteln bis sieben Achteln Getreidearbeiter find, im Jahre 1890 an Beiträgen nur 22000 m. gegen 31 300 Mt. im Jahre 1889 erheben konnte. steckungskeime wirken. Die in solchen Shops hergestellten Kleider sind sehr dazu geeignet, Krankheiten zu verstreuen, um somehr, als diese Waaren gewöhnlich von wohlfeiler Qualität sind und meistens an Leute verkauft werden, die nicht immer die Gelegenheit, selbst wenn die Neigung, dazu haben, gegen Ansteckung sich durch Reinlichkeit und gesunde Wohnung zu be wahren." Aus einem Vortrag des Dr. Engel über den Zonentarif bringen wir folgendes zum Abdruck: In der neulichen Audienz hat der Finanzminister Dr. Miqnel uns gesagt:" Ich habe mir burch amtliche Erhebungen feststellen lassen, daß in den großen Städten billige Wohnungen für die Arbeiter nicht mehr zu beschaffen sind." Die Herren Hausbesitzer sind freilich nicht dieser Meinung. Nun find wir Nordländer in Bezug auf Wohnungsverhältnisse noch besonders ungünstig gestellt. Wir müssen den größten Theil des Jahres, ja, des Tages innerhalb unserer Die Steigerung des inländischen Mehles Nr. O vom Jahre vier Wände zubringen. Damit wollen wir zusammenhalten, 1885 bis heute beträgt 7, Wit.( ca. 25 pet.), während eine solche daß von 380 000 Wohnungen, die am 1. April 1890 vorhanden in der gleichen Zeit bei Nr. 3 11% Mt.( ca. 60 pCt.) ist. Bei waren, 152 000 nur aus einem einzigen Zimmer bestanden, ungarischem Mehl beträgt die Steigerung vom Jahre 1885 bis manche, aber durchaus nicht die Mehrheit, mit einer Küche. heute bei Nr. 0 5 Mt.( ca. 15 pCt.) und bei Nr. 8% 12% Mk. Aus Thüringen wird geschrieben: Der meiningische Staat Rechnet man noch dazu, daß die Familien noch Schlafburschen ( über 50 pCt.). Es ist demnach im Allgemeinen der minder hat bekanntlich vor nicht langer Zeit die Steinacher Griffel- und Schlafmädchen aufnehmen müssen, wie kann da ein BeBemittelte, welcher doch jedenfalls der Hauptkonsument der brüche in Verwaltung genommen. Man hoffte, daß damit eine hagen an dem eigenen Heim entstehen? Wundern muß man geringeren Sorten ist, bei der Steigerung viel mehr betroffen neue Aera für die Griffelindustrie anbrechen würde. Daß dem sich nur, daß die Sittlichkeit unter so grauenhaften Zuständen als der besser Situirte, welcher nach dem Preis weniger zu aber nicht so ist, geht aus einem Schreiben hervor, das ein nicht noch mehr leidet, als wirklich der Fall. Die Statiſtik lehrt fragen hat. Griffelmacher an die Redaktion des„ Saalf. Kreisbl." gerichtet uns noch, daß die Häufigkeit des Umzugs bei den kleinen WohVerschiedenes. Engel giebt das für die rationelle Ernährung eines hat und in dem es u. A. heißt:„ Die Griffelmacher erhalten nungen immer mehr zunimmt. Kann man sich da wundern, Menschen nöthige Quantum Brotgetreide auf 183,21 Kilogr. für 1000 Stück 14 Zentimeter lange Griffel 75 Pf. und für daß der Mann die Kneipe aufsucht, wo er einen größeren Raum pro Jahr und Kopf an. Nach den Berechnungen Engel's und 1000 Stüd 13 Zentimeter lange nur 65 Pf., und es darf jeder und helles Licht findet? Man versichert ja, daß manche BerJurafchef's stellt sich nun heraus, daß das Quantum Brotgetreide Arbeiter nur 20 000 Stück machen. Dies ergiebt einen Wochen- liner Kinder noch kein Kornfeld u. f. w. gesehen haben. Den ( Weizen, Spelz und Roggen), welches nach Abzug des Saat- verdienst von 15 Mt. Daran partizipirt aber die ganze mit- Bogel Kalitte( Stieglitz) fennen sie nicht mehr von Ansehen, sie gutes von der eigenen Produktion Deutschlands und der Mehr- arbeitende Familie, die meistens aus 6 bis 8 Köpfen besteht, so bezeichnen damit jetzt den Schutzmann. Lese- und Diskutir- Klub Süden". " Sonnabend, den 27. Juni 1891: Stiftungs- Fest in ,, Keller's Hofjäger", Hasenhaide. Konzert, Feftrede gehalten vom Reichstags- Abgeordn. J. Auer. Fackel- Polonaise und Ball. Herren, die am Tanz theilnehmen, zahlen 50 Pfennig nach. Anfang 5 Uhr. 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