Berliner Volks- Tribüne " Sozial- Politisches Wochenblatt. Die Berliner Volks Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. bonnementspreis für Berlin monatlich 50 Pf. pränumerando( frei in's Haus). Einzelne Nummer 15 Pf. Durch jede Post- Anstalt Deutschlands zu beziehen.( Preis viertelj. 1 mr. 50 Pf.) 36. Redaktion und Expedition: SO.( 26), Elifabeth- Ufer 55. Ausgabe für Spediteure: ,, Volksblatt", Beuthstr. 3. Inserate werden die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 20 Pf. berechnet Vereins- Anzeigen: 15 Pf.- Arbeitsmarkt: 10 Pf. Inseraten- Annahme in der Expedition: Elisabeth- Ufer 55. Die ,, Berl. Volfs- Tribüne" ist unter Nr. 893 der Zeitungs- Preisliste eingetragen. Sonnabend, den 5. September 1891. V. Jahrgang. Nur wenig Hufen gönnen dem Pfluge noch Politische Notizen. Soziales aus den Vereinigten gesetz erwähnt. Der Entwurf liegt jetzt vor und entstehen muß, ist klar: eine Entvölkerung des Landes, in Staaten. Die Entwickelung der direkten Gesetzgebung spricht wörtlich unserer Prophezeiung: Chikanirung der dem es sich ja dann die überlebenden Rentenschlucker durch das Volk in den amerikanischen Unionsstaaten. Gedicht.- Novelle.- Beiträge zur deutschen Kultur- Schnapsverkäufer und Bestrafung der armen Teufel, die hübsch behaglich einrichten können. und literaturgeschichte des 18. Jahrhrnderts. 3 vei sich in betrunkenem Zustand erwischen lassen; außerdem bürgerliche Stimmen über den Achtstundentag. Ueber sollen Trunksüchtige entmündigt werden können. Auf Nationalreichthum und seine Vertheilung in den Ver- diese Weise wird die Trunksucht aus der Welt geschafft. einigten Staaten. Lohnstatistik der preußischen Berg- Früher meinte man, um ein Uebel zu heben, müſſe man leute für das Kalenderjahr 1890. Politische Notizen. " Die Königsbauten: überall zeigen sich, Lucrinus See weit vor an Umfang, Teiche gedehnt, der verlassene Ahorn Verdrängt den Ulmbaum, Myrthen und Veilchenbeet Und aller Reichthum, der den Geruch entzückt Verbreiten Wohlduft, wo der Delhain Früchte dem frühern Besitzer eintrug. seine Ursachen heben. Aber damals war man wohl noch nicht so fortgeschritten und verstand das noch nicht so. Heutzutage ist ja alles vereinfacht. Wenn die Leute Mit Kornzoll und Hungersnoth steht es noch behaupten: wir hungern, so erklärt man:„ es existirt In Preußen beträgt im Etatsjahr 1891/92 die ebenso, wie bisher. Die Kornpreise steigen, die Noth des tein Nothstand", dann sind die Leute satt; und wenn Staatsschulden- Zinsenmasse nebst Verwaltung 243698 000 Volkes mehrt sich, aber die Regierung steht sich durchaus sie aus Hunger und Verzweiflung anfangen zu ſaufen, Mark, die Schuldentilgungssumme 18 463 320 Mark. nicht veranlaßt, die Zölle aufzuheben. Tag für Tag io stedt man sie ins Loch, dann gehen sie in sich, be- Vergleichen wir diese Zahlen mit den entsprechenden liest man im lokalen Theil der Zeitungen Fälle von wundern die Regierung und saufen nicht mehr! des Vorjahrs, so finden wir folgende Verschlimmerung: verhungernden wienschen, aber es existirt fein Nothstand", behauptet die Regierung. Die Reptilien rechnen Was wir schon dem Regime Bismarck vorgeworfen Die Schuldentilgung betrug im Vorjahre 19 600 000 dem Volf immer klarer vor, daß eigentlich genug Ge- haben, werfen wir noch mehr der gegenwärtigen Regierung Mark; in diesem Jahre 1 136 000 weniger. Die Zinsentreide vorhanden ist, oder daß der Zoll das Brot nicht vor: sie versteht noch nicht einmal Bourgeoispolitik Maffe( inkl. Verwaltung) erreichte im Vorjahre die Höhe vertheuert- wobei es ihnen, wie ein Kreisblattartifel zu treiben. Das Kapital ist groß und kann nicht so von 177, in diesem Jahr von 243 Millionen. Nur einige Die preußische Staatsschuld von 4457 Millionen aus dem Preßbüre au des Herrn Ministers Herrfurth mit ein paar Worten behandelt werden. zeigt, nicht darauf ankommt, einer Tonne 100 Doppel- Säße gelegentlich einer Zeitungsnotiz, die in den lette. Mark im vorigen Etatsjahr ist also in diesem Jahre um nahe ein Drittel gestiegen. Zentner zu geben, statt zehn; und zugleich geben sie Beiten typisch geworden ist: Rezepte, wie man aus Klettenwurzeln, Hafer, Mais und ähnlichen Dingen Brot backen förnte. Sonst ist ja Birkenrinde ein bekanntes Surrogat; sie sollten das doch auch empfehlen. Aber was nüßt es denn überhaupt, da noch ein Wort zu verlieren! Das ist ja tauben Ohren gepredigt. Es herrscht kein Nothstand, und damit ist die Sache eben abgemacht. Das ist der neue Kurs, die neue Aera, welcher Vollmar so vertrauensvoll entgegenkommt! Die Köln. Ztg." schreibt, die niederrheinische Fabriks- Allerdings sind die preußischen Staatsschulden fast und Hausindustrie in Sammet, Seide und Plüsch eröffne ausschließlich Eisenbahn- Schulden. Denn zur Verstaatfür kommenden Winter die traurigsten Aussichten. Das Inlandgeschäft sei bei der durch den großen Wetterschaden aller- lichung des Bahnsystems war es bis 1890 nothwendig, orten und die schlechten Ernte- Aussichten gedrückten Stimmung 4350 Millionen Mark Eisenbahn- Anleihen aufzunehmen. bedeutungslos, die Ausfuhr in Folge der McKinley- Bill in Aber das Verfängliche an den preußischen Staatsstetem starken Rückgange begriffen. Die Fabrikanten suchen schulden liegt darin, daß schon jetzt ihre Zinsen- Masse die Erzeugung durch Kürzung der täglichen Arbeitszeit, durch und Verwaltung mehr kostet, als die Steuern einbringen, Wartezeiten von vierzehn Tagen und durch Entlassung von Arbeitern zu beschränken. Bei starkem Angebot sei die Nach- welche im indirekten Wege etwas über 72 und im direkten frage schwach. Die Preise und deshalb auch die Arbeitslöhne etwas über 171 Millionen Mark, zusammen 243 698 000 würden bedeutend sinken. In zehn Jahren seien die ehedem Mark ausmachen, also anderthalb Millionen weniger als blühenden Industrie- Orte des niederrheinischen Webebezirks die Staatsschulden- Zinsenmasse nebst Verwaltungskosten. Wir glauben, wir haben diese neue Aera von Anarm geworden. fang an richtig taxirt: es ist die Aera der Haltlosigkeit Was bedeutet denn das? Genau so, wie sich unsere Wie alle bürgerlichen Parteien, so ist auch das und Schwäche, die es mit Keinem verderben will und Agrarier durch ihre kurzsichtige Profitwuth selbst die Zentrum, das noch immer einen guten Kern hatte, und gern„ über den Parteien" stehen möchte, aber eben durch Schlinge um den Hals gelegt haben, hat es auch unsere dem verhältnißmäßig die ehrlichsten und selbstständigsten ihre Schwäche von der einzigen zielbewußten Macht neben Bourgeoisie gethan. Um nun ja die Arbeiter recht nieder- Männer angehörten, allmälig der Korruption anheim der Sozialdemokratie, den Profitschnappern, genau dahin halten zu können, damit sie ihnen nicht etwa durch er- gefallen. Wir zitiren eine Notiz aus dem„ Bayer. getrieben wird, wo die„ alte Aera" freiwillig stand. folgreiche Streits ein paar Pfennige Lohn mehr abzwacken Baterland" des wackern Siegl, den wir trotz aller Daß wir nichts, absolut gar nichts von der Re- können, ist sie das unnatürliche Bündniß mit dem Junker- Gegnerschaft als einen ehrenhaften und selbstständigen gierung für uns erwarten, brauchen wir wohl nicht mehr thum eingegangen, hat sie in Gestalt der Kornzölle dem Charakter hochachten: zu sagen. Wir haben das schon oft genug gesagt. Aber Junkerthum einen Landsknechtssold bewilligt. Nun hat das schließt nicht aus, daß die Regierung nicht in ihrem sie die Folgen: die herabgedrückten Arbeiter können nicht eigenen Interesse, im Interesse ihrer Selbsterhaltung ge- tonsumiren, und die Zölle nehmen den Betrag fort, der wiffe Maßregeln treffen kann, die dem Proletariat zu sonst für ihre Produkte ausgegeben wäre. Der ausgute kommen. Eine erste derartige Maßregel ist die wärtige Markt wird ihnen durch Schutzölle abgeschnitten, Sorge für Abwendung der Hungersnoth und für billige die theilweise durch die deutschen Zölle hervorgerufen Ernährung. Aber ist sie selbst dazu zu schwach, dann sind, und so haben sie nirgends mehr Absatz für ihre ist es fürwahr schlimm genug um sie bestellt, dann wird Waaren. Die Folgen aber hat das Proletariat zu es nicht lange dauern, bis sie gestürzt wird, um der tragen, denn während das Kapital, wie dies ja gelegenteinzig fonfequenten Plaz zu machen, der Schreckens- lich der Mac Kinleybill geschieht, auswandert, müssen sie regierung der reinen Profitschnapper mit oder ohne im Lande bleiben, um einem allmähligen und sichern VerBismarck an der Spize. Wie lange die dauern wird, tommen entgegen zu sehen. ist eine andere Frage, aber kommen wird sie. In den ersten Monaten nach der Mac Kinleybill Wir geben nichts auf die Zeitungsnachrichten, die von hatte sich noch keine Verminderung des Absages gezeigt, dieser oder jener Thatsache aus den höheren Kreisen beaus begreiflichen Gründen. Danach jubelten unsere Weisen richten. Die sind erlogen, entweder von den Auftrag schon auf. Aber schon nach einiger Zeit stellte sich die gebern aus jenen Kreisen selbst oder von den sensations- Sache doch ganz anders dar, und jetzt liegt aus Chemnitz lüsternen Journalisten. Wenn also in den Beitungen die Thatsache vor, daß die dortige Produktion infolge berichtet wird, die Reichsregierung gebe deshalb in Sachen des Gesetzes um 50 Prozent zurückgegangen ist. der Getreidezölle nicht nach, weil sie fürchte, dann werde Sehen wir ab von dem furchtbaren Zusammentreffen sich Bismarck an die Spitze der Agrarier stellen und der dieses Gesetzes mit der allgemeinen Geschäftskrise, der Regierung eine gefährliche Opposition bereiten,- so Mißernte und den Kornzöllen sehen wir davon ganz wissen wir, was wir davon zu halten haben. Aber mag ab, so heißt das, daß ein neuer Schritt gethan ist zur die Sache auch erlogen sein, sicher trifft diesmal die Lüge wirthschaftlichen Vernichtung Europas. Europa hat schon mit der Wahrheit zusammen. Die Regierung fürchtet lange eine passive Handelsbilnnz mit Amerika, das heißt: sich vor den Agrariern und Bismarck, wie sie sich vor Europa fauft mehr Waaren von Amerika, als Amerika den Schlotbaronen und Bismarck fürchtet! von Europa. Die Weisen trösten sich damit, daß die Freilich eine traurige Lage, wir begreifen hier Bahlungsbilanz trotzdem aktiv sei, da die europäischen die Scylla des durch den Hunger erregten Volkes, dort Rentenschlucker viele Gelder in Amerika stehen haben, die die Charybdis der wüthenden Agrariereine traurige ihnen verzinst werden. Aber was ist das für ein Trost: Lage, bei der man sich höchstens durch den Gedanken der Rentenschlucker geht nie unter, aber das Proletariat trösten kann, daß man über den Parteien" steht. wird vernichtet, wenn Europa blos importirt und nicht Defto gewaltiger wird aber an anderen Punkten exportirt, das heißt, seine Waaren von amerikanischen " reformirt". Wir haben schon das neue Trunksuchts- Arbeitern schaffen läßt. Was aus diesem Zustand ent" Beim Kirchammer zu Neuhausen in der Holledau fanden sich also jüngst unsere großen Zentrumshelden ein, aßen und tranten und redeten sich in große Begeisterung hinein. Wer ist dieser Kirchammer? Was seine sonstigen Qualitäten anbelangt, so hat sie ein niederbayerischer Wortführer der Zentrumspartei zur Zeit, als Kirchammer als Landtagskandidat auftauchte, mit den Worten gezeichnet:„ Wir können doch unmöglich den größten Güterschlächter und Bauernwucherer wählen!" Aber bei Gott und bei Daller und Orterer( Führer des bayrischen Zentrums; ersterer ist derselbe Zentrumshäuptling, der die bayerischen Bischöfe s. 8. Salber" genannt hat) ist nichts " Patriot" unmöglich. Kirchammer wurde gewählt und Aichinger vom" Straubinger Tagblatt" verhimmelte hinterher den größten Güterschlächter" als waderen Ben.rumsmann! Im Zentrumsorgan steht immer obenan: Erhaltung des Bauernstandes. So sagen sie immer im Tuntenhausener Bauernvereine. Aber das ist blos der Aushängeschild. In der Praxis werden die größten Güterzertrümmerer und die größten Bauernschinder nicht blos als Abgeordnete gewählt, sondern die Herren Führer würdigen die Ausschlächter der Bauernhöfe ihrer bes sonderen Freundschaft. Das ist die eine Lehre aus der Bentrumstneiperet beim Kirchammer zu Neuhausen in der Holledau. Schon die Thatsache, daß die Führer der Zentrumspartet bei einem in ganz Niederbayern wohlbekannten Güterschacherer ein Rendezvous fich gaben, zeigt den gänzlichen Niedergang der Patriotenherrlichkeit. Auf solch tiefem Niveau hätte sich weder ein Freytag noch ein Jörg, selbst nicht einmal Kopp finden laffen. Die Partet mußte bei Daller und Orterer anlangen, um die Gesellschaft der Güterzertrümmerer möglich erscheinen zu lassen. Freilich die Orterer und Daller. welche mit Graf und Genossen im Redaktionskomitee des Fremdenblatt fißen, können sich auch gegen die Gesellschaft der Bauernhofzertrümmerer nicht mehr sträuben. Sie sind alle einander würdig, für die Gesellschaft der Güterzertrümmerer längst ebenbürtig geworden." Durch ein Dekret des Handelsministers hat die Association der Industriellen Frankreichs gegen Arbeitsunfälle" von sich reden gemacht. Das ist eine ,, vermindern" sogenannte Wohlfahrtseinrichtung. Die Wohlfahrtsein-| weit führen würde. Kurz und gut, das" Problem", von dem ein um eine Million höheres Budget aufweisen, als im Jahre richtungen haben bekanntlich die Eigenthümlichkeit, die der„ Chronicle" spricht, beſteht nicht darin, daß es an Lebens- 1880, ist das Schulbudget um weniger als eine Million Dollars erhöht worden. Harmonie zwischen Kapital und Arbeit zu beweisen, indem mitteln für Europas Massen fehlt. Der„ Chronicle" redet aber von der Nothwendigkeit, sie zu Beschämender noch wird dieser Rückschritt, wenn man das sie den Kapitalisten nüßen und den Arbeitern nüßen durch Auswanderung nämlich, und seine Be- Polizei- Stem betrachtet, denn dieses ist nicht nur an sich größer sollen. Nun, die vorliegende nüßt allerdings auch den fürchtungen wurden dadurch erregt, daß in den Ver. Staaten die als das Schulbudget, sondern ist auch proportione immer Arbeitern und macht insofern eine Ausnahme von der Tendenz wächst, die Einwanderung zu erschweren. Die britischen schneller gewachsen. Es scheint, daß unter obwaltenden UmTories haben lange Jahre kein anderes Mittel zur Linderung ständen, wenn das Eigenthum sich um eine halbe Billion vermehrt, Regel. Die Association wurde gegründet, weil die Kapi- der Noth gekannt, als die Förderung der Auswanderung. In für 4 500 000 Dollars Polizei nöthig ist, um den Halbbillionentalisten fanden, es sei vortheilhafter, Arbeitsunfälle zu England besteht ja der Grund nicht, welcher die Regierungen Zuwachs steuerbaren eingeschätzten Eigenthums vor den Plündeverhüten, als den Schadenersatz an die beschädigten Ar- auf dem Kontinent scheel zu ihr sehen läßt. Wenn John Bull rungen unserer Pauper und Verbrecher zu schützen. beiter zu zahlen.„ Die Vortheile, welche die Association Soldaten oder Matrosen braucht, so preßt er sie nicht wie jene Es erhellt ferner aus jenen Zahlen, daß im Jahre 1879 die den Industriellen bietet, sind nicht nur materieller, sondern und stellt ihnen Vortheile in Aussicht, die sie für den Militär- mehr. Das Problem nimmt eine noch ernstere Geſtalt an, wenn Regierungen( außer im Kriegsfall), sondern zahlt ihnen Löhne Polizei weniger kostete, als die Schulen, im Jahre 1889 aber auch moralischer Natur, denn mit dem beruhigenden Be- dienſt anlocken. Dagegen hat England ein Interesse an der man das Budget für Pauper, Verbrecher und Polizei zusammenwußtsein, alles zum Schuße der Arbeiter überhaupt Stärkung seiner Kolonien, die ihm Lebensmittel billig lieferten. addirt und sich dann ergiebt, daß diese drei Items zusammen Mögliche gethan zu haben, verbindet sich auch die Ge- Den überschüssigen und eventuell unzufriedenen“ und„ gefähr beinahe zweimal so viel Geld beanspruchen, wie das Schulwesen. wißheit, daß im Falle eines dennoch eintretenden Unglückes den Kolonien zu verwandeln und ihn dabei als Kunden für die furchtbaren Demoralisation der Massen, die nur im Schach zu lichen" Industriearbeiter von zu Hause in einen Ackerbauer in So bewegt sich die Gemeinde sichtbar in der Richtung einer die Gerichte den getroffenen Präventivmaßregeln volle einheimische Industrie zu behalten, war also gar keine schlechte halten durch die brutale Gewalt bewaffneter Polizei; denn mit Rechnung tragen würden", schreibt naiv ein Handelsblatt, Politik. jedem Jahr übersteigt das Budget für Pauper, Verbrecher und in dem wir den Bericht finden. Humoristisch wirkt nur, Allein das war und ist jetzt nicht mehr. Der Abfluß Polizei das der Schulen immer mehr." daß die Sache so dargestellt wird, als ob das die reinste fizzenden Klassen und das wirthschaftliche System, anf dem sie räumlichkeiten, gerade wie hier, viele tausende von Kindern nicht von Menschen aus Europa war ein Sicherheitsventil für die be- Es wird konstatirt, daß schon wegen Mangel an SchulMenschenliebe sei, welche die Herrn Bourgeois veranlaßt stehen. Allein in dem Augenblick, wo die europäischen Regie- Zutritt finden fönnen, daß die Schullokale überfüllt, das Lehrhat. Immerhin zeigt es sich, wie gut es ist, diese rungen sich weigerten, überseeische Lebensmittel zuzulassen, personal unzureichend ist. Der städtische Comptroller sagt in Menschenliebe" zu provoziren, denn nach unserem Bericht zwangen sie die neuen Länder, Schranken gegen die europäische seinem Bericht:„ Es halten sich mehr Kinder in den Straßen, sind an den betheiligten Fabriken 50 Prozent der Unglücks- Industrie aufzurichten. Auf die französischen und deutschen Ge- als in den Schulen auf." Die Fabrik- Inspektoren erklären: Unglücks- treidezölle und Verbote der Einfuhr von amerikanischen Pro-„ Die Unwissenheit greift in geradezu beunruhigendem Grade fälle verhütet worden. duften antworten die Ver. Staaten ganz logisch mit der Mckin- um sich. Tausende von Kindern, die in diesem Lande geboren, In London hat ein„ Kongreß für Demographie" füdamerikanischen Markt für die Ver. Staaten in Beschlag zu kundig, beinahe eben so viele auch des Lesens und wieder Tausende ley- Bill und der Gegenseitigkeitspolitik, welche den mittel- und oder in frühester Kindheit eingewandert, sind des Schreibens unstattgefunden, der sehr amüsante Verhandlungen gepflogen nehmen versucht. In Australien sind nach und nach alle stolonien vermögen wenig mehr, als ihren Namen zu unterschreiben. In hat. Dem gewiß nicht sozialdemokratischen„ f. f. öster- zur Schutzöllnerei übergegangen und in Indien und Japan Europa geborene Kinder, die dort Schulen besucht, sind viel besser reichischen Handelsmuseum" entnehmen wir folgenden entwickelt sich eine selbstständige Induſtrie, welche dem Import unterrichtet, als die in unserem Staate geborenen und aufBericht: aus Europa bereits Abbruch thut und nächstens als Rivale im erzogenen; auch Fabrik- Inspektoren anderer Staaten haben diese Welthandel auftreten wird. " Der von einem Engländer erstattete Bericht zeichnet sich Wahrnehmung gemacht. Sehr wenige, in Amerika geborene Das also ist die höchst bemerkenswerthe Umwälzung, welche Kinder können das Jahr ihrer Geburt angeben oder den Staat durch eine hierzulande seltene Schärfe des Ausdrucks und Energie die europäische Auswanderung in einer Generation bewirkte: nennen, in dem sie leben oder den Namen ihres Heimathsortes sowie durch die übergroße Wärme aus, mit der die Sympathien Die Produktion von Lebensmitteln und Rohstoffen in den richtig buchstabiren." mit der Arbeiterschaft und allen Schutzbestrebungen zu ihren stolonien ist bei gleichzeitiger Verbesserung der Arbeitsmethoden Die Polizei- Verwaltung der Stadt berichtet über eine schreckGunsten vertreten werden; allerdings immer nur bezüglich der so mächtig entwickelt worden, daß wenn nicht eine weitverbreitete liche Zunahme der Arbeitslosigkeit: Die ungeheure Anzahl von Arbeiterschaft in den ostindischen Fabriken, deren Konkurrenz Salamität wie dieses Jahr eintritt, ihre Erzeugnisse keinen Markt 4 649 000 nahm im Laufe des Jahres die billigen Logirhäuser den englischen nachgerade empfindlich und gefährlich finden. Deshalb strömt in den neuen Ländern schon die Land- in Anspruch; außerdem wurden 150 812 Nachtlogis in den PolizeiDer Bericht bezeichnet die in den indischen Fabriken bevölkerung in die Städte. Deshalb war es nöthig, Industrien Stationshäusern gewährt- macht eine Totalsumme von Herrschenden Zustände geradezu als eine Schande und Schmach zu schaffen, um Beschäftigung für sie zu finden. Deshalb also 4800 482 Logislosen in den 365 Nächten des Jahres oder für jenes Land und verlangt, daß dort die Beschlüsse der Berliner die Schutzzölle, welche, obwohl sie ihren Zweck nur zum Theil 13 152 nächtlich." 11 11 Arbeiterschutzkonferenz sofort durchgeführt, ferner alle Beschrän- erfüllen, in den alten Ländern wieder Arbeiter freisezen, sie daher Die Bourgeois sind offenbar unfähig und unwillig zur fungen der Arbeitszeit, welche sich in England von selbst ergeben zur Auswanderung zwingen, ohne daß dabei etwas gewonnen Führung einer städtischen Verwaltung. Sie haben keine Zeit" haben, hierzulande usuell sind, im Gesetzeswege zur Geltung wird, weil sie in ihrem neuen Aufenthalt abermals Konkurrenten, dazu und außerdem kümmert sie nicht, wie ihre Hände" existiren. gebracht werden Von England selbst, von der Durchführung sogar mit erhöhter Leistungsfähigkeit werden. Die Auswande- Die Arbeiter dagegen haben sich bis jetzt nicht fähig erwiesen, der Berliner Beschlüsse in diesem Lande, einer Frage, die in rung hat daher aufgehört, die Zahl der unzufriedenen Klassen die politische Gewalt auch nur in der Gemeinde zu ergreifen. London besprochen zu hören für uns denn doch noch interessanter zu vermindern" die Verpflanzung von Menschen von einem In New- York gaben sie bekanntlich einmal 68 000 Stimmen ab, gewesen wäre, war wohlweislich nicht die Rede, wie denn auch Welttheil in den andern ist gleichfalls die Lösung des Pro- um in wenigen Jahren auf 4000 herabmeistens deutsche jeder Versuch, die englische Arbeiterschutzgesetzgebung zur Sprache blems" nicht. zukommen. In Philadelphia stimmten die Massen der Arbeiter zu bringen, ja die bloße Erwähnung der Möglichkeit, die obligatorische Arbeiterversicherung in England einzuführen, ebenso es den Ausbeutern schwül zu werden anfängt. Sie gerathen in Das Geklöhne des Londoner Ordnungsblattes zeigt an, daß gegen einen Arbeiterkandidaten, und so auch in anderen Städten. höflich als bestimmt abgelehnt wurde. eine„ drangvoll fürchterliche Enge". Ihre Gier und die stets Dagegen ist der Engländer sofort bereit, alle jene sozial- drohende Stonkurrenz treibt sie, so billig als möglich zu produ politischen Reformen, welche er im eigenen Lande als die ökono- ziren, Männer durch Frauen und Kinder, Menschen durch Die Entwicklung der direkten Gesetzgebung mische Freiheit des Einzelnen beengend perhorrescirt, den über- Maschinen zu ersetzen. Sie bekommen Angst vor den unzuſeeiſchen unter dem Szepter der Königin von England befind- friedenen Klassen", denen sie zum Theil Arbeit verweigern, und durch das Volk in den amerikanischen lichen Ländern und Völkerschaften in wohlwollendster und wenn sie dieselbe gewähren, ihnen einen Theil ihres Arbeitsuneigennützigster Weise zuzuwenden und, wenn nöthig, mit ertrages vorenth Iten. sanfter Gewalt aufzudrängen. So hatte denn der Gegner des englischen Referats über die Fabriksgesetzgebung für Indien, ein Indier und Bertreter der indischen Landesregierung, welche mit den Repräsentanten der englischen Oberherrschaft in einem steten Kampf zu sein scheint, obwohl er als Vertheidiger des gleichen Rechtes der Ausbeutung des Arbeiters für Indien wie für Alt- England an sich keine gute oder sympathische Sache vertrat, doch einen leichten Stand. Kurz und gut, der Juder meint, was dem Einen recht ist, das ist dem Andern billig, und meint, die Sache ist gar nicht so schlimm in Indien, und was die englischen Unternehmer können, das können die indischen auch. Worauf der Engländer in eine große moralische Ent rüstung geräth: " Der englische Referent wußte zur Abwehr der vernichtenden Kritik seines Berichtes nichts Besseres vorzubringen, als die ebenso vage, wie gehässige Verdächtigung, er habe schon früher gehört, daß die indischen Fabriksherren einen Vertheidiger ihrer Inter effen zur Bekämpfung seines Referats entfendet und haben." " Dafür kommt jetzt die Strafe. Die sog. soziale Ordnung" Unionsstaaten. Gelegentlich der durch den Programmentwurf erregten ist in einen unlösbaren Widerspruch mit den Eristenzbedingungen Debatte über die direkte Gesetzgebung durch das Volk ist eines immer mehr steigenden Antheils der Gesellschaft gekommen, es vielleicht zeitgemäß, auf die diesbezüglichen Verhältnisse welche eine Reorganisation derselben erzwingen wird. Die Staatsmänner" werden bloß die Wahl haben, diesem Druck in den Vereinigten Staaten hinzuweisen. Die nachfolgenden nachzugeben oder eine Katastrophe herbeizuführen. Mit der Ab- Ausführungen sind im wesentlichen dem Buch von Hitchcock schiebung der Unzufriedenen in die Kolonien ist es nichts mehr. Amerikanische Staatskonventionen", entnommen und von einem amerikanischen Blatte zusammengestellt. Soziales aus den Vereinigten Staaten. Aber vor Die ersten Verfassungen stammen aus dem Jahre 1776. Im Jahre 1860 hatten die 34 bestehenden Frau Florence Kelley Wischnevezki hat in einer amerika- Staaten zusammengenommen 69 Verfassungen zu Tage Ein Jahrzehnt des Rüdschritts" über die Sozialzustände in gesehen von 101 verschiedenen Amendements. Entnischen Zeitung eine prächtige Abhandlung unter dem Titel: gefördert also jeder Staat durchschnittlich zwei; abder Stadt New- York geschrieben. Sie ist von mehr als lokalem Interesse. Denn der Entwicklungsgang, welcher in ihr, auf 1860 bis 1886 belief sich die Zahl der neuen Verfassunger., offizielle Daten gestützt, geschildert wird, ist vermuthlich in allen bei nur 4 neu hinzugekommenen Staaten, auf 35, die amerikanischen Großstädten derselbe: Mehr Aufwand für Polizei, Zahl der Amendements auf 114. Im Ganzen genommen Miliz, Gerichte und Gefängnisse, kurz zur Niederhaltung des 104 Verfassungen und 215 Amendements in 110 Jahren. Bildung des Volkes. In Philadelphia haben wir ja drastische Dem entspricht ein noch bezeichnenderes Anschwellen Beispiele dafür: Der Stadtrath streicht durchschnittlich von den des Stoffs in den einzelnen Verfassungen. Die ersten Voranschlägen der Erziehungsbehörde, welche, aus Prominenten" Verfassungen waren eigentliche Grundgeseße: sie bestimmten bestehend, sowie so wenig Interesse für das gemeine" Bolt hat, die Grundrechte der Bürger, die Theilung der Gewalten Jahr mehr für die Polizei,( hat sogar berittene eingeführt, obwohl noch ein Drittel oder mehr weg, bewilligt dagegen von Jahr Pferde keine Stimmen haben"). Die Entwicklung, welche am Beispiel New- Yorks vorgeführt wird, ist also wahrscheinlich eine typische. Gleiche Ursachen, gleiche Wirkungen. Das sind so kleine Scherze, die zuweilen einmal vorfommen. Ueber die„ Abschiebung der Unzufriedenen", ein Thema, das gelegentlich der Erschwerung der Einwanderung in die Vereinigten Staaten recht zeitgemäß ist, finden wir folgende Ausführungen in der" New- Yorker Volkszeitung", die sich theilweise mit den unserigen berühren: Den europäischen Staatsmännern wird es zur Pflicht, ohne weiteren Verzug darüber zu berathen, was sie thun sollen, wenn Amerika fich weigert, ihnen in der Lösung ihrer sozialen Probleme dadurch zu helfen, daß sie die Zahl der unzufriedenen Klassen vermindern." und die Funktionen der Staatsorgane. Rhode Island begnügte sich damit, an dem Freibriefe der englischen Krone, der die Kolonie gegründet hatte, einige durch die Umstände gebotene Wortänderungen vorzunehmen. hat die große Metropole des westlichen Kontinents thr steuerbares, Während des Jahrzehnts 1880-1890 schreibt Fr. K. W. Die Grundrechte der englischen Bill of Rights nacheingeschätztes Vermögen um fast eine halbe Billion( 500 Millionen) geahmt enthielten die hauptsächlichste und oft die Dollars vermehrt. In allen anderen wesentlichen Beziehungen einzige Beschränkung der gesetzgebenden Gewalt. Allereine einzige ausgenommen war das Jahrzehnt eine Periode dings war vor 100 Jahren das Staatswesen noch verdes Rückschritts für die Stadt New- York; Verbrechen, Pauperismus, Jrrsinn und Selbstmord hat zugenommen; Unterdrückung hältnißmäßig einfach, die schwierigsten Fragen lagen im durch rohe Gewalt personifizirt in einer bewaffneten Polizei Schoße der Zukunft, und vor allen Dingen war die Das Vorstehende schreibt ein Londoner kapitalistisches Blatt, wurde gefördert, während die Erziehung der Kinder der Massen Wirksamkeit der einzelnen Organe, insbesondere der Träger der„ Chronicle". Er berührt damit eine Frage, welche den Macht- immer tiefer fant. Die stehende Armee der Heimlosen schwoll zu der gesetzgebenden Gewalt, noch nicht erprobt. In der habern schweres Kopfzerbrechen machen wird, weil sie beim Be- 13 000 Nachtlogislosen und 40 000 kinder waren gezwungen, zu That war in der Folge fast jede Verfassungsänderung stand des jetzigen wirthschaftlichen Systems nicht lösbar ist. schanzen für dürftiges Brot. Die Malthusianer haben der Welt seit einem Jahrhundert In einer Gesellschaft, in welcher alles zu den Dingen gehört, die Lösung eines im Laufe der Zeit hervorgetretenen vorzureden versucht, die ganze soziale Misere rühre davon her, die für Geld zu haben: die Arbeitskraft starker Männer und Problems und oft die Frucht bitterer Erfahrung, und daß die Menschen sich rascher vermehren als ihre Unterhaltsmittel. zarter Kinder, die Unschuld delikat gehegten Mädchenthums, das irgend eine der typischen neueren Verfassungen konnte Diese Theorie ist durch die Praxis jammervoll Lügen gestraft Band der Ehe, die Tugend der Dienstmagd, der Mannessinn worden. Die Fähigkeit, Lebensmittel zu erzeugen, stieg feither des Staatsmannes- in einer solchen Gesellschaft ist es durchaus einen guten Leitfaden für die Geschichte der großen so enorm, daß meistens nicht die Frage besteht, wie die Mensch- passend, daß der Fortschritt in den offiziellen Berichten in Dollars politischen, ökonomischen und sozialen Fragen der letzten heit zu ernähren, zu kleiden, zu behausen 2c., sondern wie es und Gents ausgedrückt wird. 60 Jahre abgeben. So kommt es, daß die Verfassungen möglich wäre, die vorhandenen Massen von Produkten abzusetzen. Dies geschieht in allen unseren Gemeinden, so auch im Beder neu aufgenommenen Territorien, deren jede nur für Dabei hat die Landbevölkerung beständig abgenommen, weil Berrichte des in der Stadt New- York den Titel„ Comptroller" ein paar hunderttausend Einwohner bestimmt ist, viel besserungen in der Technik bei der Herstellung des nöthigen und führenden Auszahlungsbeamten. Vor mir liegt der Bericht überreichlichen Quantums von Lebensmitteln eine geringere pro 1889, mit Angaben, woher das Geld des Stadtbudgets umfangreicher und komplizirter ausgefallen sind als die Anzahl von Händen" erforderten. tommt und wohin es geht. Indirekt zeigen aber diese Zahlen, Bundesverfassung, die ein Herrschaftsgebiet von 42 Staaten Derselbe, ja ein noch größerer Fortschritt in der Technik, ist trotz threr Größe, in mancher Beziehung einen Rückschritt des und mehr als 60 Millionen Menschen umfaßt. im Transport zu verzeichnen. Lebensmittel, die dem raschen Gemeinwesens. Verderb ausgesetzt waren, konnten früher nicht auf große Strecken In Dollars und Cents ausgedrückt, also, betrug das Wachs- Im Großen und Ganzen hat sich die konstitutionelle verschickt werden. Heute hat man aber verschiedene Methoden thum von Verbrechen und Pauperismus im letzten Jahrzehnt Entwicklung in dreifacher Richtung vollzogen: der Präservirung, welche diesem Uebelstande gründlich abgeholfen soviel, daß wir jetzt jährlich eine Million Dollars mehr für jene in der demokratischeren Gestaltung des Staatshaben. Fleisch von in Australien geschlachtetem Bieh passirt die zwei Bosten auszugeben haben, als vor zehn Jahren. Mag sein, wesens, in der Einschränkung der Regierungsglühende Atmosphäre der Tropen, um völlig frisch in London daß die Bevölkerung in solchem Maße zugenommen hat; aber anzukommen und zu einem Preise verkauft zu werden, der nicht das thut nichts zur Sache und erleichtert nicht die Thatsache, gewalten und in der direkten Erlassung posiviel, wenn überhaupt, höher ist als in Sidney oder Melbourne. daß Verbrechen und Pauperismus so starken Halt bei uns ge- tiver Geseze durch das Volf. Allen drei Richtungen Dabei giebt es, die bergige Schweiz vielleicht ausgenommen, wonnen. Mit dem Reichthum auf der einen Seite, ist die Armuth ist gemeinsam der Ausdruck des schwindenden Vertrauens in Europa kein Land, das bei rationeller Landwirthschaft nicht auf der andern größer geworden. im Stande wäre, seine eigene Bevölkerung zu ernähren. Wenn Der moralische und soziale Rückschritt wird durch ein anderes in die Organe der Staatsgewalt, eine Erscheinung, auf dies in England, Italien zc. aber nicht der Fall, dann liegt die Item, die Schul- Ausgaben, noch deutlicher gekennzeichnet. deren vielfach erörterte Ursachen hier nicht näher einzuUrsache in sozialen Einrichtungen, deren Besprechung hier zu während die Wohlthätigkeits- und Straf- Institute im Jahre 1890 gehen ist. Die demokratische Revolution im ersten Drittel des Jahrhunderts führte zum System der Erwählung der meisten Beamten, in vielen Staaten auch der Richter, die früher fast überall von der Exekutive, meist unter Mit- Wirkung der Volksvertretung ernannt worden waren; auch wurden die Amtstermine vielfach abgekürzt. In diese Periode fallen auch die Aufhebungen der letzten Beschränkungen des allgemeinen Stimmrechts. Diese Entwicklung bedeutete also die allgemeine Stärkung der Volksgewalt der Regierung gegenüber ohne unmittelbare Einschränkung der letzteren; was die Exekutive anbetrifft, wurde dieselbe sogar in vielen Staaten um dieselbe Zeit durch Einführung oder Ausdehnung der Vetogewalt der Gesetzgebung gegenüber gestärkt. Dagegen nahm die zweite Richtung die gesetzgebende Gewalt direkt zu ihrem Angriffspunkt. Dieselbe wurde in jeder Hinsicht eingeschränkt und kontrollirt durch detaillirte Vorschriften über die Erlassung von Gesetzen, durch Kürzung und Verminderung der Sessionen— in den meisten Staaten tritt die Volksvertretung nur einmal in zwei Jahren zusammen— und durch Ausschließung ganzer Gebiete, die vorher der Legislative unterstanden hatten. So ist die Schaffung von besonderen oder Lokal- gesetzen und von Privilegien fast durchgängig untersagt; mit anderen Worten, fast alle Vcrwaltungs- und Hoheits- akte sind der gesetzgebenden Gewalt entzogen worden und allgemeine Gesetze an ihre Stelle getreten. In.vielen Staaten kann durch Gesetz keine Ehe geschieden, kein Name geändert, keine Legitimation oder Adoption vollzogen, keine Succession geändert, kein Mangel in einer Urkunde geheilt werden. Zum großen Theile sind diese Ein- schränkungen aber gegen Gesetzgebungsakte zu Gunsten von Korporationen oder Munizipalitäten gerichtet. In den meisten Staaten können Korporationen nur unter allgemeinen Gesetzen organisirt werden, und als das Resultat theurer Experimente besteht jetzt auch fast über- all das Verbot, den öffentlichen Kredit zur Unterstützung auch von Privatunternehmungen zu gewähren. Das Miß- trauen in die gesetzgebenden Körper, besonders in ihre Widerstandskraft mächtigen Beeinflussungen gegenüber, ist hier ganz offenbar. Diese Entwicklung, die übrigens noch nicht abgeschlossen ist, ist soweit die ausgeprägteste und wichtigste. Sie berührt sich in vielen Punkten mit der dritten Richtung, die zur unmittelbaren Gesetzgebung führt. Diese dritte Richtung ist verhältnißmäßig neu, aber, wenn nicht alle Zeichen trügen, für die Zukunft von weittragender Bedeutung.— Einzelne der verfassungsmäßigen Grundrechte— namentlich die zum Schutz der persönlichen Freiheit bestimmten— tragen allerdings gleichfalls den Charakter von Sätzen des Privat- oder Strafrechts an sich; diese Bestimmungen sind aber als historische Erbschaft von England übernommen, und sind kein originelles Produkt des amerikanischen Versassungs- rechtes. Das häufige Verbot von Lotterien und die vereinzelt vorkommenden Verfassungsbestimmungen über Zulassung von Banken stehen vielleicht noch auf der Grenze zwischen direkter Volksgesetzgebung und Beschränkung der gesetzge' enden Gewalt. Wir finden aber weiter in den Verfassungen Artikel, die als ein direkter Eingriff in das Gebiet der Legislative erscheinen müssen. So enthalten einzelne Verfassungen Bestimmungen über Haftbarkeit und über Stimmrecht von Aktionären, über Emission oder Ver- Mehrung von Aktien, über Gcschäftsbeschränkungen und Prozeßfähigkeit der Korporationen; Eisenbahnen und Banken sind vielfach der Gegenstand detaillirter Reguli- rung. die sich bis zum Verbot von Tarifbcvorzugungen und der Ausgabe von Freibillets versteigt. Einzelne Staaten haben Verfafsungsbestimmungen über Zinsfuß und Wucher, über die Unpfändbarkeit gewisser Vermögens- bestandtheile. über die Vermögensrechte verheiratheter Frauen u. f. w. Der demagogische Einfluß in der Politik hat in einigen Staaten dazu geführt, daß den Arbeitern verfassungsmäßig ein Pfandrecht am Arbeitsgegenstand gesichert wird, und eine Verfassung setzt sogar(für öffent- liehe Arbeiten) einen Normalarbeitstag von acht Stunden fest.(Es ist nicht zu bezweifeln, daß es demagogische Gründe waren, welche Politiker zwangen, den Arbeitern Konzessionen zu machen. D. R.) Auch darf die Temperenz- gesetzgebung nicht unerwähnt bleiben, die fast überall in den Staatsverfassungen Ausdruck sucht und vielfach findet. Was bedeutet diese eigenthümliche Tendenz? — Warum die Verfassung unnöthig belasten, wenn doch die Gesetzgebung für denselben Zweck vollständig aus- reichend ist? Die nächstliegende Erklärung ist, daß diese Verfassungs- gesetze der Laune oder Willkür wechselnder Majoritäten ent- zogen werden sollen; es wird aber auf der anderen Seite geltend gemacht, daß sie gerade der Ausdruck der„Tyrannei der Majorität" sind, die ihre augenblickliche Macht dazu benutzt, ihre Errungenschaften gegen einen Umschlag in der politischen Stimmung sicher zu stellen; gerade die Zwei- schneidigkeit der Waffe macht diese Erklärung unbefrie- digend, obwohl sie, namentlich im Hinblick auf die Tem- Perenz- und Arbeitergesetzgebung nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Mit mehr Berechtigung dürfen wir wohl in diesen Verfasfungsgesetzen einen neuen Ausdruck des mangelnden Vertrauens in die gesetzgebenden Körper er- blicken. Diese Ansicht findet ihre Bekräftigung in der zweifellosen Tbatsache, daß diese Art der Gesetzgebung hauptsächlich Bestimmungen über Eisenbahnen, Aktien- gesellschaften und Banken zum Inhalt hat. Selbst wenn die Volksvertretungen aus besseren Elementen zusammen- gesetzt wären, als es der Fall ist, würde die Beeinflussung durch mächtige Korporationen eine große Gefahr sein; und wie die Dinge liegen, hat das Volk allen Grund, die Tugend seiner Vertreter vor Versuchung so viel als mög- lich zu schützen. Der Masse der Wähler ist weniger leicht beizukommen als einer mächtig großen Körperschaft; daher ein bekannter Finanzinann sehr richtig bemerkte, daß er für Wahlen kein Geld wegwerfe, da es billiger und sicherer sei, die Legislatur nach der Wahl aufzukaufen. Selbst diese Erklärung reicht aber nicht für diejenigen Verfassungsbestimmungen aus, die die Vermögensfähigkeit der Ehefrauen und andere Punkte des allgemeinen Privat- rechtes feststellen und ordnen. Angesichts solcher Bestimmungen, betreffs deren keine wesentliche Verschiedenheit der Ansichten oder Interessen besteht, scheint der Schluß nnabweislich, daß wir es hier mit mehr als einem bloßen Nothbehelf oder Mittel zum Zweck zu thun haben, daß wir vielmehr vor einer spontanen und elementaren Tendenz stehen, die aus sich selbst heraus wirkt, unabhängig von äußeren Rücksichten. Die Keime einer solchen Entwicklung liegen in dem Wesen jeder Demokratie. Im amerikanischen Staatswesen hat das Volk eine dreifache Stellung: theo- retisch ist es der Träger der Souveränetät, praktisch herrscht es durch die Macht der öffentlichen Meinung; aber rechtlich kann es seinen Willen unmittelbar nur durch die Verfassung aussprechen. Zu allen anderen Funktionen ist die Wahl von Ver- tretern erforderlich. Nun ist allerdings die öffentliche Meinung der einflußreichste Faktor im politischen Leben und die Gesetzgebung läßt sich im Allgemeinen von ihr leiten, trotzdem ist sie eine etwas unbestimmte Größe, und vermag sich namentlich keinen rechtlichen Ausdruck zu verschaffen. Nichts natürlicher, als das Bestreben eines Volkes, daß seine Macht kennt und fühlt, seinen Willen unvermittelt zum Gesetze zu erheben. Und wo durch periodische Verfassungsrevisionen dazu häufige Gelegenheit geboten wird, wäre es wunderbar, wenn die- selbe ungenützt bliebe. Die angelsächsische Rasse hat von jeher nicht nur das Talent besessen, die Verhältnisse des Lebens in Rechtsformen zu kleiden, sondern die ent- sprechende und ebenso werthvolle Gabe, die bestehenden Rechtsformen den Bedürfnissen des Lebens dienstbar zu machen. So ist die Verfassung zum Organ der direkten Volksgesetzgebung geworden. Zweifellos sind mit dieser Verfassungsgesetzgebung Uebelstände verbunden. Sie bringt in die regelmäßige Gesetzgebung eine gewisse Unsicherheit; denn die Verfassung entscheidet über die Giltigkeit aller anderen Gesetze, und bei zahlreichen und komplizirten Verfassungsbestimmungen schleicht sich nur zu leicht ein konstitutioneller Mangel in ein Gesetz ein, und die Giltigkeit bleibt oft zweifelhaft, bis der höchste Gerichtshof Gelegenheit bekommt, in regel- mäßigem Jnstanzenzug einen Testfall zu entscheiden. Ein weiterer Mangel ist die Schwerfälligkeit des Prozesses, die sich besonders empfindbar macht in der Schwierigkeit, begangene Fehler wieder gut zu machen. Trotz dieser Schwerfälligkeit sind aber die Aenderungen häufig genug, um in die Staatsverfassungen ein Element der Unsicher- heit und Unbeständigkeit zu tragen, das Vielen vielleicht als das beklagenswertheste Resultat dieser EntWickelung er- scheinen wird. Namentlich die wissenschaftliche und juristische Kritik sträubt sich gegen den Mißbrauch alter wohlverstandener Formen zu neuen und, wie es scheint, bestimmungswidrigen Zwecken. Uebrigens ist dies Gefühl keineswegs blos ein Auswuchs doktrinärer Vorurtheile. Als im vorigen Jahre in Massachusetts für ein Temperenz- amendeinent agitirt wurde, vereinigten sich die besten Männer des Staates in einem Protest, der darauf hinwies, daß die Verfassung nicht zur gewöhnlichen Gesetzgebung er- niedrigt werden dürfe. Man könnte sich versucht suhlen, als Gegensatz auf die Stabilität der Bundesverfassung hinzuweisen, die eine der sichersten Garantien für die Zukunft der Union bietet. Diese Stabilität ist unzweifelhaft zum großen Theil der Schwierigkeit und Umständlichkeit der Bedin- gungen zu verdanken, die sich zu einer Aenderung ver- einigen müssen. Ferner ist die Bundesverfassung der Gegenstand großer historischer Kämpfe gewesen; die glänzendsten Triumphe parlamentarischer Beredsamkeit und forensischen Scharssinnes sind untrennbar mit ihr verknüpft; und es ist zu viel Blut für ihre Aufrecht- erhaltung geflossen, als daß sie nicht bis zu einem ge- wissen Grade heilig und unantastbar erscheinen sollte. Kein ähnliches Gefühl existirt den Staatsverfassungen gegenüber. Aber auch rein juristisch genommen ist die Verfassung des Bundes in ganz anderem Sinne ein Grundgesetz, als die irgend eines Staates. Die Bundes- Verfassung enthält die Grundlagen für das gesummte rechtliche Leben der vereinigten Nation; die Union hat keine Rechte, die nicht aus ihr hergeleitet werden könnten, die Verfassung ist rechtlich die ultima ratio des Bundes, ihr Charakter ist durchaus positiv.— In den Staaten ist die Theorie gerade die entgegengesetzte. Der Staat ist an sich der rechtliche Ausdruck der Souveränität, die Präsumtion ist für ihn, nicht gegen ihn. Die Verfassung ist das Gegengewicht gegen den Staat, sie schränkt ihn nach allen Richtungen zu Gunsten der Volkssouverä- nität und der individuellen Freiheit ein; viele Ver- fassungen bestimmen sogar, daß durch die ausdrücklichen Vorbehalte den sonstigen Volksrechten nicht präjudizirt werden solle. Demnach ist die Verfassung nicht der Totalausdruck des Staatslebens, und ihr organischer Charakter tritt in den Hintergrund. Die Unveränder- lichkeit ist so wenig Prinzip, daß vielmehr in vielen Staaten die Frage der Verfassungsrevision dem Volke periodisch unterbreitet werden muß. Trotz dieser mildernden Umstände aber bleibt die Verwirrung von Gesetzgebung und Verfassung ein Mangel, und würde auf die Dauer kein Wünschenswerther Zustand sein. Doch dürfen wir nicht vergessen, daß die ganze Entwickelung sich noch in ihrem Anfangsstadium be- findet, die Uebergriffe auf das Gebiet der eigentlichen Gesetzgebung beschränken sich auf ein kleines Terrain und in ihrem weiteren Vorschreiten mag sie vielleicht andere Mittel und Wege finden, die den organischen Gesetzen ihre Sonderstellung bewahren werden; es ist in dieser Beziehung charakteristisch, mit welchem Interesse hier die Methoden und Resultate des schweizer Referendum studin werden. Nur über die Thatsache des Fortschreitens der Entwickelung kann kein Zweifel bestehen. Wahrscheinlich ist es auch, daß sie von entsprechenden Aenderungen in anderer Richtung begleitet sein wird. In den großen Städten, in denen die Korruption in der Politik den fruchtbarsten Boden gefunden hat, und wo in Folge dessen die Verdrängung legislativer Funktionen am wei- testen durchgeführt worden ist, sind dieselben zum Theil durch eine starke und konzentrirte Exekutivgewalt ersetzt, und ein ähnliches Resultat ist in den Staatsverfassungen nicht unmöglich. Was man aber auch von dieser Erscheinung halten mag, es wäre ein schwerer Jrrthum, wollte man in ihr einen Rückgang demokratischer Institutionen erblicken. Die Frage, die der Verfasser der im Eingang erwähnten Schrift aufwirft, ob die vielen neuen, die Legislative einschränkenden Verfassungsbestimmungen bedeuten, daß das Volk sich selbst in der Person seiner Vertreter miß- traut, ist falsch gestellt; das Volk mißtraut nicht sich, sondern seinen Vertretern. Niemals war das allgemeine Vertrauen in die Kraft und in die Zukunft der Demo- kratie so fest als jetzt; die schlimmsten Auswüchse poli- tischer Korruption haben es ungeschwächt gelassen, und ein Blick in die Schriften der Staatsmänner der Re- volution zeigt, um wie viel stärker es heute ist, als vor 100 Jahren. Niemand wird behaupten wollen, daß Demokratie und Repräsentivverfassung mit ein- ander stehen und fallen. Im Gegentheil, das Repräsentativsystem erscheint historisch als das Produkt physischer und geographischer Ver- Hältnisse, deren Wirkungen durch die Kom- munikationsmittel der modernen Zeit mehr und mehr überwunden werden. Uebrigens ist keine Rede-davon, daß die Volksvertretung ganz verschwinden sollte.— selbst die Verfassungsgesetzgebung kann sie nicht vollständig entbehren, sondern arbeitet mit Hilfe von Konventionen,— die Frage ist nur, ob sie nicht ge- wisse Funktionen, die vom Volke ebenso gut besorgt werden können, an dieses abgeben soll, und Angesichts der entsprechenden Entwickelung aus anderen Gebieten des Lebens, die zur Verdrängung über- flüssiger Mittelglieder führt, kann die Antwort auf diese Frage kaum zweifelhaft erscheinen. Was aber die bestehenden Mängel und Mißstände der Verfassungsgesetzgebung anbetrifft, so muß darauf hingewiesen werden, daß, wenn auch die fernere Ge- staltung der Dinge in den Einzelheiten sich nicht vor- ausbestimmen läßt, wir doch jedenfalls kein Recht haben, den augenblicklichen Zustand ausschließlich als Maßstab an neue Erscheinungen im Staatsleben anzulegen, deren Be- deutung doch wesentlich in der Aussicht und Möglichkeit zukünftiger Entwickelung liegt, und von denen zu ver- muthen steht, daß sie den Keim zu durchaus neuen konstitutionellen Gebilden in sich tragen. Verschiedenes. — Die„New-Iorkcr Bolkszeitung" bringt eine Schilderung aus einer Fabrik über die Art, wie beim Stüchloyn die Arbeiter ausgebeutet werden; rrotzdcm die Sachen ja allbekannt sind, drucken wir die interessante kleine Schilderung noch einmal ab, weil die Verhältnisse geradezu typisch dargestellt sind. Wurde in jener Fabrik eine neue Arbeit oder Theilarbeit eingeführt, so setzte man für dieselbe zunächst einen sehr mäßigen Wochenlohn fest, sagen wir 12 Doli. Der Vormann spielte dann, wie üblich, den Sklaventreiber und suchte soviel als möglich an fertigen„Stücken" per Woche aus dem Arbeiter herauszupressen. War so davon eine leidliche Durchschnittsquantität erzielt, dann wurde Stücklohn eingeführt. Nehmen wir nun beispielshalber an, die Durchschnittsarbeit sei bisher 12 Stück pro Woche für 12 Doll. Wochenlohn gewesen, dann war selbstredend der korrekte neu einzuführende Lohn: 1 Doll. per Stück. Wer aber so dachte, hatte die Rechnung ohne den Fabrikanten gemacht. Nicht 1 Doll., sondern nur zwei Drittel davon, d. h. 66 Cents wurden als (vorläufige) Stücklohn-Rate festgesetz:. Wollte nun der Arbeiter seine früheren 12 Doll. per Woche wieder einholen, so mußte er seine Arbeitskraft um ein Dritthcil mehr anspanyen und dieses Drittheil wanderte ungeschmälert als Baarprofit in des Fabri- kanten Tasche! Aber es kommt noch schöner. Durch stetiges Einarbeiten gelang es meistens dem Arbeiter, sich eine größere Geschicklichkeit und Schnelligkeit anzueignen, von der zwar nicht er, wie wir gesehen, sondern der Fabrikant den Nutzen zog, die ihm aber doch schließlich behilflich war, die alte Lohn-höhe wieder zu erreichen, ia mit der Zeit sogar, auf Grund des>stücklohnsystems zu überschreiten. Diese letztere Möglichkeit wird ja hauptsächlich als Argument zu Gunsten des Stücklohnsystems geltend gemacht. Aber wieder macht des Fabri- kanten Profithunger den Arbeitern einen Strich durch die Rech- Nung. Kaum hatten nämlich in der besagten Fabrik die geschick- teren Arbeiter ihren früheren Wochenlohn um mehrere Dollars überschritten, als sofort die Stücklohn-Rate, wo nicht völlig, so doch nahezu um den ganzen Prozentsatz des Mehrverdienstcs ge- kürzt wurde. Gelassen wurde ihnen gerade eben genug davon, um das Stücklohnsystem als Sporn für das Selbstschinden der Arbeiter nicht in Mißkredit zu bringen. Man beachte wohl, was das zu bedeuten hat: Von dem Mehrertrag der Geschickteren wanderte wieder der Löwenantheil am Ergebniß dieser ihrer per- sönlichen größeren Geschicklichkeit in die Tasche der Unternehmer, während für die minder Geschickten die neue Stücklohn-Rate gar erst einer empfindlichen Lohnreduktion gleichkam. Die betr. Organisation der Arbeiter fühlte sich nicht stark| diesem Home der Verkauf von Spirituosen verboten wurde, der Ebenso spärlich sind die Zahlen über die in der Kleidergenug, um direkt gegen dieses Verfahren vorzugehen. Sie half Werth des in diesem Bezirk liegenden Grund und Bodens von verfertigung und den Reinigungs- Gewerben beschäftigten fich mit dem geheimen strikten Verbot an ihre Mitglieder, eine 17 auf 25 Proz. gestiegen ist. In unseren Großstädten kann Arbeitern. Nach Angabe der Ortskasse war im Jahre 1881 der bestimmte Maximumgrenze der Stücklieferung zu überschreiten. man das umgekehrte Verhältniß beobachten. In gewissen Stadt- Durchschnittslohn für Schneider 15 Mark. Nach einigem Nur so konnte sie eine allzu häufige Reduzirung der Rate ver- vierteln gewiffer Städte wird in gewissen Häusern gewerbsmäßige Steigen im Jahre 1886 sank der Lohn in 1889 auf dasselbe hüten, indem sie den bisherigen Vorwand dazu verschwinden Unzucht geduldet; die Folge ist ein entsprechender Mehrwerth Niveau zurück. Die Schneider- Innung giebt sogar den Lohn dieser eine sehr hohe Rente abwerfenden Baulichkeiten, resp. des für 1889 auf nur 12 Mark an, gegen 18 Mark im Vorjahre. Noch trauriger steht es bei den Schuhmachern aus. Grund und Bodens. Dort erhöht die Tugend, hier das Laster Brostitution ihren kapitalisirten Ausdruck im Grundpreis. Dort findet die Enthaltsamkeit, hier die Die Ortskasse giebt den Durchschnittslohn für 1888 auf 13 Mark 1889, 11 ließ. Ueber die Lage der Bäcker in London gaben die Reden gelegentlich einer kürzlichen Demonstration der Bäckereiarbeiter grauenhafte Enthüllungen. Die Bäcker haben 14-15 Stunden täglich, des Samstags 18 und 19 Stunden zu arbeiten. Für eine Arbeitszeit von 72 bis 100 Stunden die Woche beträgt der Lohn nur 16 bis höchstens 40 Shilling. Der größte Theil der Londoner Bäcker erreicht nicht den Wochenlohn von 30 Shilling.( 1 Shilling gleich 1 Mark.) den Bodenwerth. Ueber die Gruppirung der Vermögensklassen in Preußen giebt der Bericht über die letzte Landtagssession folgende Auskunft. Es besaßen Jahreseinkommen: 820 Perf. je 96 000 M. u. mehr; Steuer 10 306 19 200 bis 96 000 m. 22 144 204 021 613 547 5 000 000 m. 10 000 000 " " 11 " 9 600 bis 19 200 8 000 000 PP " " " " " 1 " 3 000 bis 9 600 900 bis 3 000 25 300 000 " " " 26 800 000 " " " " " - Weniger als hundert Personen sollen, nach dem Journal of the Knights of Labor, ein Drittel des Eigenthums in den Vereinigten Staaten besitzen. Als vor 2 Jahren die Londoner Bäcker sich zu einer Union bereinigten, gelang es ihnen, ihre hundertstündige Arbeitszeit 1 auf sechszig Stunden wöchentlich zu reduziren. Mit dem Zusammenbruch der Union konnten die Bosse auch die alten Zustände wieder einführen und John Burns konnte mit Recht feinen Zuhörern in der erwähnten Demonstration zurufen, daß fie ihre Inaktivität und ihre Faulheit in Bezug auf ihre Union damit bezahlt hätten, daß sie jetzt 30 und 40 Stunden länger wöchentlich zu schaffen hätten, als zur Zeit, wo sie ihre gewert schaftliche Organisation aufrecht erhielten. " Die Schuhmacher- Innung beziffert den Durchschnittslohn für 1879 auf 14 Mark 1888 15 " " " Literarisches. Im Verlage von Wörlein u. Comp. in Nürnberg ist soeben eine Broschüre betitelt: ,, Die chriftliche Kirche und der Sozialismus". Eine sozialdemokratische Antwort auf die Encyklika Leo XIII. von Kurt Falk, erschienen. Die Broschüre zeigt, was die Kirche für die Armen und die Menschheit zu leisten bereit ist und geleistet hat. Sie weist nach, daß die christlich-Ueber Berliner Lohnverhältnisse in dem lekten religiöse Bewegung in den Zeiten des Urchristenthums eine Be Jahrzehnt entnehmen wir einem Artikel der„ Statist. Korresp." wegung der Armen war, zur Besserung ihres Looses auf Erden, folgende Notizen: dieser ursprünglich rein menschlichen Aufgabe des Christenthums Die Maurer und Zimmerleute verdienten im Jahre zum Trotz sich eine Priesterschaft gebildet hat und die Kirche Ueber die Zustände in den Londoner Bäckereien giebt ein Bericht Auskunft, den die bekannte medizinische Zeitschrift Lancet 1879 nach den Angaben des Bundes der Bau-, Maurer- und entstanden ist, welche aufs Neue die allgemeine Knechtung und vor einiger Zeit veröffentlichte, und der von Burns der Heyde- Zimmermeister im wöchentlichen Durchschnitt 19-20 Mark. Im das Massenelend an Stelle der Freiheit und des Wohlergehens park- Bersammlung unterbreitet wurde. Das genannte Blatt Stundenlohn bezogen sie im Sommer 1879 30-65 Pfg., die große für Alle ſetzte. hatte eine Spezialkommission zur Untersuchung der sanitären Mehrzahl bezog im Sommer 1879 30-35 Pf. Stundenlohn. Der in seinem 16. Jahrgang vorliegende Neue WeltVerhältnisse in den Bäckereien eingesetzt und der Bericht dieser Diejenigen mit weniger Lohn zählen zu den ungelernten Ar- Kalender für 1892( Hamburg, Auer& Co.) ist soeben erKommission ist es, von dem Burns sprach. beitern, die höher Bezahlten zu den Vorarbeitern und Polirern. schienen. Der Inhalt dieses Volkskalenders ist in dem vor= 60-100 Pf. Bei zehnstündiger Arbeitszeit ergab sich im Durch hervor: Kalendarium. Im Jahre 1889 stellt sich der Stundenlohn auf 45-55 bis liegenden Jahrgange ein besonders reicher. Wir heben daraus Postwesen 2c. Auszug aus dem schnitt für Alle gerechnet ein Wochenverdienst von 30-36 Mt. Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz. Rückblick. Er= Nach den Angaben der Ortskasse der Zimmerer schwankt gebnisse der Volkszählung von 1890. der Verdienst derselben im Jahre 1889 zwischen 30 und 36 Wt. Im Kreislauf des Jahres. Messen und Märkte. Erzählungen. Gedichte. pro Woche. Die Hauptsteigerung des Lohnes fällt in das Jahr Erde als Morgen- und Abendstern des Mars( mit Abbildung). Statistisches aus der Landwirthschaft. Von Max Schippel. 1886, in welchem der Durchschnittslohn von 22,50 Mart auf 27 Mark stieg. Die Bergarbeiter einst und jetzt. Von Karl Kautsky. Moriz Rittinghausen( mit Portrait). Caesar de Paepe( mit Portrait). Der Tuberkelbazillus( mit Illustration). Rösselsprung, Räthsel 2c. Hierzu als Gratisbeilage: Ein farbiges Bild„ Auf dem Markt" und ein Wandkalender. Nach diesem Bericht kommt es vor, daß die Bäcker schon um neun oder zehn Uhr Abends auf der Backstube sein müssen, obgleich sie nicht von Mitternacht oder ein Uhr zu thun haben. Der Bäckermeister hat einfach keine Lust, die Arbeiter des Nachts einzulassen, und diese müssen deshalb kommen, ehe der Meister ins Bett geht und sich während ihrer freien Zeit in der heißen, ungefunden Backstube aufhalten. Sie legen sich dann gewöhnlich einige Stunden im Trog oder in den Regalen nieder; diese provisorischen Bettstellen werden nachher benutzt, um den Teig oder das heiße, dampfende Brot hineinzulegen. Der Bericht des„ Lancet" zählt weiter die ganze Reihe von Uebelſtänden auf, die in den Backstuben auftreten und die die Gesundheit des konsumirenden Publikums aufs Aergste gefährden. Schmutz und Ungeziefer aller Art tritt in den Backstuben auf. Neben und in denselben sammeln sich Abfluß- und Cloakenwasser, die die Luft mit Gestank erfüllen. Die unreinsten, unappetit lichsten und gesundheitsschädlichsten Dinge sammeln sich in und um die Backstube an. Es kommt häufig vor, daß die WaterCloſets unmittelbar in oder an der Backstube sich befinden. Und das alles an einem Orte, welcher der Herstellung des täglichen Brotes des Publikums gewidmet ist! 25 276 Arbeiter und Angestellte und im Besonderen auf 11 776 In der Metallindustrie erstreckt sich die Statistit auf Maschinenbauer. Der Durchschnittslohn der Berliner Schloffer stieg nach den Angaben der Innung von 15 Mark im Jahre 1883. Für das Jahr 1879 ist nur ermittelt, daß der niedrigste pro Heft 20 Pf. 1881 auf 18 Mart in 1889. Die Steigerung fällt in das Jahr Lohn 12 Mart, der höchste 27 Mart betrug. 1884 betrug der Gesammtdurchschnitt nach Angabe der Innung 21 Mark, nach Angabe der Gesellen nur 18-19 Mart. Von den in der Holz- und Schnitzstoff- Branche gezahlten Löhnen liegen nur wenige Angaben vor. Nach Auskunft der Innung, welche 22,418 Arbeiter betraf, find bei den Bauarbeitern dieser Branche die Löhne " " von 18 Mark im Jahre 1879 1889 auf 24 von 15 Mark im Jahre 1879 auf 24 1889 " 1 " " " Tugend und Lafter füllen die Taschen der Grundherrn. In der New- York Voice, schreibt Freiland", steht das und bei den Möbelarbeitern Zeugniß von fünf Grundbesitzern veröffentlicht, welche Land in der Nähe von Soldier's Home bei Washington D. C. eignen, aus welchem hervorgeht, daß, seit innerhalb einer Meile von I gestiegen. Die B. Langkawel, Der Mensch und seine Rassen, Heft 4-8; erschienen( Nr. 20 Pf.): 2841-45 Arthur Schopenhauer's sämmt= In der Piyil. Reclam'schen Universalbibliothek liche Werke. Herausgegeben von Ed. Grisebach. V. Bd. Parerga und Paralipomena: kleine philosophische Schriften. Zweiter Band. 2846 Tschechow, In der Dämmerung. Skizzen und Erzählungen. Autorifirte Uebersetzung aus dem Russischen von J. Treumann. 2847 Francis Stahl, Der rechte Schlüssel. Schauspiel in 4 Aufzügen. 2848 Autassin und Nicolete. Ein altfranzösischer Roman aus dem 13. Jahrhundert. Uebersetzt von Fritz Gundlach. 2849 William Turner, Am Frühstückstisch. Schwank in 1 Aufzug. 2850 Liebesbrebier. Gesammelte Aphorismen über Frauen, Liebe und Ehe. Herausgegeben von Franz- Voneisen. 1 Verein d. Sattler u. Fachgenossen. Die Kunststickerei, Bilderhandlung und Bildereinrahmung| Schuhe und Stiefel Versammlung am Sonnabend, den 5. 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Die Monarchie, die Monarchie Auf allerbreitestem Grunde, Die wollen wir, die wollen ste, Die Herrn vom neuen Bunde. Doch heißt es morgen: Republik! So wenden wir die Blicke, Und rufen donnernd gleich zurück Ein Vive la republique! Wir recken heut, wir sttecken heut Geschmeidig uns wie Aale: Wir sind uns treu zu jeder Zeit, Wir bleiben Liberale. Karl Wcllcr. Mas sollen wir also thun! Bon Graf Leo Tolstoi. Deutsch von August Scholz. vm. Die zweite Gruppe von Unglücklichen, denen ich gleichfalls späterhin zu helfen hoffte, bestand aus laster- haften Weibern. Solcher Weiber gab es im Rschanow- scheu Hanse sehr viel und von mannigfacher Art— von den Jungen, die immerhin noch als weibliche Wesen er- schienen, bis zu den Allerältesten, Widerwärtigsten und Entsetzlichsten, die kaum noch dem menschlichen Ebenbilde glichen. Ich hatte anfangs nicht die Absicht, diese weib- liehen Wesen in meinen Wohlthätigkeitsplan aufzu- nehmen, doch erwachte später in mir die Hoffnung, daß ich im Stande sein würde, auch ihnen zu helfen. Es war gegen die Mitte unserer zählerischen Thätig- keit. Wir hatten bereits eine gewisse mechanische Fertig- keit in unserer Arbeit erlangt. Wenn wir ein neues Quartier betraten, fragten wir sogleich nach dem Haupt- miether desselben; einer von uns setzte sich nieder und säuberte sich irgend einen Platz zum Schreiben, während der zweite von Winkel zu Winkel ging, jeden einzelnen Miether ausfragte und die Antworten dem Schreibenden zurief. So kamen wir auch in ein Quartier des Kellerge- schosses; der Student suchte den Inhaber desselben, wäh- rend ich alle, die in dem Quartier waren, befragte. Der Plan des Quartiers war folgender: in der Mitte des etwa sechs Arschin im Quadrat messenden Zimmers stand ein großer Ofen. Von diesem gingen strahlenförmig vier Verschlüge aus, welche somit vier Zimmer bildeten. In dem ersten, als Durchgang dienenden Zimmer, welches vier Kojen enthielt, befanden sich zwei Menschen— ein alter Mann und ein Weib. Dicht hinter diesem Räume lag eine lange Kammer; in ihr wohnte der Quartiers- Herr, ein junger, in eine graue Tuchweste gekleideter, an- ständig aussehender, sehr blasser Mann von bürgerlichem Stande. Links von dem ersten Räume befand sich eine dritte Kammer. In dieser befand sich ein schlafender, vermuthlich betrunkener Mann und ein Frauenzimmer in einer rothen Blouse, die vorn offen stand und hinten faltig zusammengezogen war. Die vierte Kammer befand sich hinter dem Verschlage; man gelangte in dieselbe durch die Kammer des Vermiethers. Der Student begab sich in die Kammer des Wirths, ich aber blieb in der Eingangskammer und fragte den Alten und die Frauensperson aus. Der Alte war ein gelernter Setzer, der keine Arbeit hatte; die Weibsperson >var die Frau eines Koches. Ich begab mich in die dritte Kammer zur Rechten und fragte das Frauenzimmer in der Blouse nach dem schlafenden Manne. Sie sagte, es sei ein Gast. Dann fragte ich, wer sie selbst wäre. Sie sei eine Bäurin von Geburt aus der Gegend von Moskau, lautete die Antwort. „Womit beschäftigt ihr Euch? fragte ich weiter. Sie lachte und gab mir keine Antwort. „Wovon lebt Ihr?" wiederholte ich, indem ich an- nahm, daß sie meine Frage nicht verstanden habe. „Ich sitz' in den Schenken," sagte sie. Ich verstand sie nicht und fragte noch einmal: „Wovon lebt Ihr?" Sie antwortete wiederum nicht, sondern lachte nur. Aus der vierten Kammer, in der wir noch nicht gewesen lvaren, ließ sich gleichfalls ein Lache» von weiblichen Keh.'en vernehmen. Der Wirth kam aus seinem Zimmer ju uns heran. Er hatte offenbar meine Fragen und die Antworten des Frauenzimmers gehört. Er warf dem letzteren einen strengen Blick zu und sagte darauf iu mir: „Es ist eine Prostituirte." Er war offenbar mit sich selbst sehr zufrieden, weil dieses in der Amtssprache gebräuchliche Wort kannte Und dasselbe richtig aussprach. Nachdem er mir diese Kerkiner% Sonnabend, den 5. September 1891. Auskunft ertheilt hatte, wandte er sich mit einem kaum bemerkbaren Lächeln der Zufriedenheit, das für mich be- rechnet war, an die Person in der Blouse. Und kaum hatte er sich zu ihr umgewandt, als sein Gesicht sogleich einen ganz veränderten Ausdruck annahm. Indem er die Worte ganz rasch in einem höchst verächtlichen Tone hervorstieß— wie man etwa mit einem Hunde spricht — sagte er, ohne sie anzusehen, zu ihr: „Was war eben für ein Geschwätz:„Ich sitz' in den Schenken?" Sag's nur immer heraus, weshalb Du dasitzest— eine Prostituirte bist Du," wiederholte er nochmals selbstgefällig,„und nicht einmal Deinen Namen kennst Du." Der Ton, in welchem er sprach, verletzte mich. „Es steht uns nicht zu, sie zu schmähen," sagte ich. „Wenn wir alle ein besseres Leben führten, würden auch sie nicht existiren." „Es ist doch aber einmal so," sagte der Wirth mit verlegenem Lächeln. „Dann sollen wir sie nicht schelten, sondern bedauern. Sind sie denn schuld?" Ich habe meine Worte nicht genau behalten, ich weiß nur, daß der verächtliche Ton, in welchem der Vermiether dieses mit Weibern angefüllteu�Quartiers von Prostituirten sprach, mich unangenehm berührte, daß mir das Frauenzimmer leid that, und daß ich sowoh! obige Worte als auch noch einiges andere sagte. Kaum hatte ich ausgesprochen, als in jener Kammer, aus welcher sich das Lachen hatte vernehmen lassen, das Holzwerk der Betten zu knarren begann und über dem Verschlage, der nicht bis an die Decke hinanreichte, ein wirrer weiblicher Krauskvpf mit kleinen, verschwolle- nen Augen und glänzend rvthem Gesichte auftauchte, und gleich darauf noch ein zweiter und dritter Kopf folgte. Sie standen augenscheinlich auf ihren Betten und reckten alle drei die Hälse hervor, indem sie athem- los und mit gespannter Aufmerksamkeit auf uns her- niedersahen. Es entstand ein verlegenes Schweigen. Der Student, welcher vorher gelächelt hatte, war ernst geworden, und der Quartierherr schlug verwirrt die Augen nieder. Die Frauenzimmer blickten mich in erwartungsvollem Schweigen an, ich aber war verwirrter als alle anderen. Ich hatte nicht erwartet, daß ein zufällig hingeworfenes Wort eine solche Wirkung hervorbringen könnte. Es war, als ob auf dem mit Leichen übersäeten Todtenfeld des Hesekiel plötzlich der Geist des Herrn erschienen und Bewegung in die todten Gebeine gekommen wäre. Ich hatte un- überlegt ein Wort der Liebe[und des Mitleids fallen lassen, und dieses Wort wirkte auf alle so, als ob sie alle nur dieses eine Wort erwartet hätten, damit sie auf- hörten, Leichen zu sein und Leben gewännen. Sie blickten mich alle an und erwarteten, was weiter kommen würde. Sie erwarteten, daß ich das Wort sprechen und die That wirken würde, durch welche die Gebeine sich ein- ander nähern und mit Fleisch bedecken und lebendig werden würden. Ich fühlte jedoch, daß ich kein solches Wort und keine solche Thar kannte, durch die ich das Begonnene hätte fortsetzen können; ich fühlte im Grunde meiner Seele, daß ich gelogen hatte, daß ich selbst ganz ebenso war, wie sie, daß ich nichts weiter zu sagen hatte, und ich begann den Namen und Stand all der Leute in diesem Quartiere in meine Formulare einzu- tragen. Dieser Vorgang führte mich zu einem neuen Irr- thum— zu dem Gedanken, daß es möglich sei, auch diesen Unglücklichen zu helfen. In meiner Selbsttäuschung glaubte ich damals, daß dies sehr leicht sei. Ich sagte mir: Wir wollen uns auch diese Frauenzimmer notiren, und dann wollen wir— wer diese„wir" waren, wußte ich freilich nicht zu sagen— uns auch diese Sache an- gelegen sein lassen. Ich stellte mir vor, daß wir, das heißt dieselben Leute, welche diese Weiber im Lause mehrerer Generationen in einen solchen Zustand versetzt haben, eines schönen Tages uns eines Besseren besinnen und die Sache mit einem Schlage wieder gut machen würden. Und dabei hätte ich mir nur mein Gespräch mit jener Dirne, welche das Kind der sieberkranken Wöchnerin gewiegt hatte, ins Gedächtniß zurückzurufen brauchen, um die ganze Sinnlosigkeit einer solchen Vor- aussetzung zu begreifen. Als wir diese Frauensperson mit dem Kinde er- blickten, dachten wir, daß es ihr eigenes Kind sei. Auf die Frage, wer sie wäre, sagte sie ohne weiteres, sie sei ein„Mädchen." Sie sagte nicht: eine Prostituirte. Nur jener Zimmervermiether gebrachte dieses scheußliche Wort. Die Annahme, daß jenes Kind ihr gehöre, gab mir den Gedanken ein, sie aus ihrer Lage zu befreien. Ich fragte sie: „Ist das Ihr Kind?" „Nein, es gehört der Frau da," antwortete sie. „Weshalb wiegen Sie es denn?" „Sie hat mich darum gebeten; sie stirbt." Obwohl sich nun meine Annahme als falsch erwiesen hatte, fuhr ich doch fort, mit ihr in gleichem Sinne zu reden. Ich fragte sie eingehend nach ihren Verhältnissen, �Tribüne. V. Jahrgang. namentlich auch danach, wie sie in eine solche Lage ge- rathen wäre. Sie erzählte mir bereitwillig und in schlichten Worten ihre Geschichte. Sie sei eine geborene Moskauerin und' die Tochter eines Fabrikarbeiters. Sie wurde Waise, eine Tante nahm sie zu sich, und sie be- gann„in die Schenken zu gehen". Die Tante war be- reits tobt. Als ich sie fragte, ob sie nicht ihr Leben ändern wolle, lachte sie, als ob ich von etwas ganz Unmöglichem spräche, und meinte: „Wer wird mich denn nehmen mit meinem gelben Billet?" „Nun, wenn sich zum Beispiel für Sie eine Stelle als Köchin fände?" versetzte ich. Dieser Gedanke war mir deshalb gekommen, weil sie eine starke blonde Person mit einem gutmüthig-dummen, runden Gesichte war, wie Köchinnen häufig zu sein pflegen. Meine Worte gefielen ihr offenbar nicht.„Als Köchin—" sagte sie lachend,„aber ich kann ja kein Brot backen!" Sie sagte, daß sie das nicht könne, aber ich sah an dem Ausdruck ihres Gesichtes, daß sie es auch nicht wolle, daß sie die Lage und den Namen einer Köchin für etwas Erniedrigendes halte. Diese Person, die gleich der Wittwe im Evangelium in allerschlichtester Weise alles, was sie besaß, für die Kranke hingegeben hatte, hielt gleichwohl ebenso wie ihre übrigen Berufsgenossinnen die Lage einer arbeitenden Person für erniedrigend und verächtlich. Sie war so erzogen worden, daß sie nur ohne Arbeit leben und nur diejenige Existenz führen wollte, welche die sie umgebenden Personen als die für sie natürliche erachteten. Und darin eben beruht ihr Unglück, daß sie zu Falle gebracht hat und in ihrer Lage festhält. Das brachte sie so weit, daß sie„in den Schenken saß". Wer von uns, sei es Mann oder Frau, möchte wohl versuchen, sie von dieser falschen Auffassung des Lebens abzubringen? Wo giebt es in unseren Kreisen Menschen, die ein arbeitsames Leben für achtbarer hielten als ein träges, die einer solchen Auffassung gemäß lebten und andere beurtheilten? Wenn ich die Sache richtig erwogen hätte, dann hätte ich einseben können, daß weder ich noch sonst Jemand von den Menschen, die ich kenne, jene Krankheit zu heilen vermöge. Ich hätte einsehen können, daß jene erstaunten und gerührten Gesichter, welche ich im Quartier des„Mos- kauer Bürgers" hinter dem Verschlage hatte hervorlugen sehen, nur über das Mitgefühl erstaunt waren, das ihnen bewiesen worden war, daß sie jedoch keineswegs die Hoffnung auf eine Errettung aus ihrem unsittlichen Leben ausdrückten. Sie sehen die Unsittlichkeit ihres Lebens nicht. Sie sehen nur, daß man sie verachtet und schmäht, weshalb man sie jedoch verachtet, das können sie unmöglich begreifen. Sie haben vielleicht von Kind- heit an zwischen ebensolchen Weibern gelebt, die, wie sie sehr wohl wissen, zu allen Zeiten existirt haben und für die Gesellschaft sogar nothwendig sind, so nothwendig, daß es eigens von der Regierung angestellte Beamte giebt, welche über die Korrektheit ihres Lebens und Ver- Haltens zu wachen haben. Fernerhin wissen sie, daß sie eine siegreiche Macht über die Menschen haben, nicht selten sogar eine größere Macht als andere Frauen. Sie sehen, daß ihre gesellschaftliche Stellung, obwohl man sie verschmäht und verachtet, sowohl von den Män- nern, von den Frauen, sowie von den Behörden aner- kannt wird, und sie können daher gar nicht einsehen, wie sie sich eigentlich bessern sollen. Bei einem unserer Zählbesuche sagte mir einer der Studenten, daß in einem der Quartiere eine Frau sei, die mit ihrer dreizehnjährigen Tochter einen kupplerischen Handel treibe. Da ich dieses Kind zu retten wünschte, so begab ich mich persönlich in dieses Quartier. Mutter und Tochter lebten im größten Elend. Die Mutter war eine kleine, etwa vierzigjährige Person mit dunklem Teint und abstoßend häßlichen Zügen, und die Tochter machte einen ebenso unangenehmen Eindruck. Auf meine etwas gewundenen Fragen nach ihren Verhältnissen antwortete die Mutter mißtrauisch, feindselig und kurz, indem sie augenscheinlich in mir einen Feind witterte, der böse Absichten hegte. Die Tochter aber gab keine Antwort, ohne die Mutter anzusehen, und vertraute derselben offenbar vollkommen. Ein wirkliches herzliches Mitleid habe ich für sie nicht empfunden, eher einen Widerwillen. Ich entschied jedoch,_ daß die Tochter gerettet werden müsse, und ich beschloß, bei gefühlvollen Damen Interesse für diese beiden weiblichen Wesen zu erwecken und die Damen zu einem Besuche derselben zu bewegen. Wenn ich mir jedoch die ganze Vergangenheit dieser Mutter vergegenwärtigt hätte, wenn ich bedacht hätte, wie sie in solchen Verhältnissen, unter schweren Opfern, ohne die geringste Beihilfe von Anderen diese ihre Tochter geboren, großgefüttert und erzogen hatte, wenn ich die Lebensauffassung in Betracht gezogen hätte, die sich bei diesem Weibe nothwendig hatte bilden müssen, dann hätte ich begriffen, daß in dem Verhalten dieser Mutter durch- aus nichts Böses oder Unsittliches lag: sie hatte für ihre Tochter alles gethan, was sie konnte, das heißt, was sie auch für sich selbst als das Beste erachtete. Wohl kann man dieser Mutter die Tochter wegnehmen, niemals und Deutsche, Germanien 1797, seine Rathschläge er- Republik? Wohl gut, ein stattlicher babylonischer Thurmaber fann man jene davon überzeugen, daß sie ein Un- gehen ließ, schreibt: bau, bei dem sich die Sprachen verwirren, ein stürmisches Meer recht begeht, indem sie ihre Tochter verkuppelt. Wenn„ Alles, nur keine Könige, nur keine Konstitution, an deren der Meinungen, eine ewige Ebbe und Fluth der Günstlingschaften, man schon Jemanden erretten will, so muß man diese Ruder ein König oder ein Einzelner hingeſtellt ist. Die beste und Sandbänken beginnt.- Aristokratie? Weg mit den Hundert ich neide keinen, der diese gefährliche Schifffahrt unter Klippen Mutter erretten, und zwar muß man sie erretten aus lichste Verfassung wird nach und nach unterminirt, besonders durch Welche sind die Besten? Die Mächtigsten und Reichsten. Konstitution wird nach und nach despotische Monarchie, die treff Nepoten und Vettern, weg mit dieser hohlwangigen Zwittergestalt. jener Lebensauffassung, die doch von allen gebilligt wird Könige, die erblich und unverantwortlich sind; der beschränkteste, Monarchie? Nun freilich, wenn in der Republik nur zwei Tyjener Auffassung, daß es einem Weibe erlaubt sei, wenig vermögende oberste Staatsaufſeher iſt in hundert Jahren rannen wüthen, Geld und Kabale, so fällt nach Umständen hier als bloßes Werkzeug der Sinnlichkeit zu leben, ohne hernach oder vielmehr seine Nachkömmlinge Despot und unumschränkter Machthaber, gleichviel, ob öffentlich oder heimlich, Kinder zu gebären und zu arbeiten, mittelbar oder unmittelbar." " eine Geißel mehr hochgeborene Dummheit! Es ist wahr, in der Republik spannt sich jede Getsteskraft Wenn ich das alles bedacht hätte, dann hätte ich Die Despoten in der Welt sind noch so ehrgeizig und ge- stärker, Alles muß thätiger arbeiten. Geiſt an Geist schlägt begriffen, daß die meisten der Damen, welche ich zur rechtigkeitsliebend, daß sie nicht eher eine ungerechtigkeit, nicht Funken zu loheren Flammen. Des Menschen Seele strebt höher. Der Mensch wird höher. Aber auch glücklicher und Errettung jenes Mädchens aussenden wollte, nicht nur eher eine Schandthat verüben wollen, als bis sie der Sache eine froher?" selbst leben, ohne Kinder zu gebären und zu arbeiten, des Rechts und des Erlaubfeins anstreichen können. Und wenn alsdann sind die Kollisionen und Zusammentreffungen. Seite abgewonnen haben, von der sie dieselbe mit dem Pinsel Je größer die Gesellschaft ist, je millionenfacher indem sie lediglich der Befriedigung der Sinnlichkeit sie die Sache nicht völlig so zurechte zu machen gelernt haben, Einer drückt den Andern. Sobald Du unter die Menge dienen, sondern auch in bewußter Weise ihre Töchter daß sie wie gut und nützlich aussieht, so verstehen sich andere trittst, mußt du dich stoßen und drängen set das für ein solches Leben erziehen. Die eine Mutter führt Schmeichler und hündische Fußlecker, die immer schaarenweise unter einem sogenannten freien oder von einem König eben ihre Tochter in die Schenke", die andere auf die um sie herumkriechen, desto besser darauf, die daher von keinen unter einem sogenannten feien oder von einem König anderen als von heilsamen ersprießlichen, allgemein wohlthätigen oder Fürsten beherrschten Volkshaufen." Bälle. Beide aber haben dieselbe Lebensauffassung, daß Plänen, Einrichtungen und Entwürfen mit weisheitsvoller Miene Der Verfasser der 1801 erschienenen: Philosophidas Weib dazu da sei, die Begierde des Mannes zu sprechen. schen Skizzen zur natürlichen Geschichte des stillen, und daß er sie dafür zu ernähren und zu kleiden Jeder Mensch ist um sein selbst willen und nicht für An- Ursprungs, Fortschritts und Verfalls der dere da, er ist Selbstzweck, er soll seine eigenen Zwecke erreichen, habe. Wie sollen dann also unsere Damen im Stande er ist und darf kein Mittel, teine Sache, Teine Waschine für one gesellschaftlichen Verfassungen" erkennt mit richtisein, jenes Frauenzimmer sammt seiner Tochter zu bessern? Zwecke Anderer sein." gem Blick das Eigenthum als das Charakteristikum der Georg Forster schreibt über die Revolution die ver- bürgerlichen Gesellschaft. ständigsten und edelsten Worte, die aus der Feder eines Menschen fließen können: Beiträge zur deutschen Kultur- u. Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts. Von H. W. ( Schluß.) " haben." die " rufe entsagt der Mensch gänzlich jener großen Idee von Gesell„ Mein ist dieser Raum! ist dieser Theil! Mit diesem Ausschaft, die ihm nach dem Urtheile gewisser excentrischer" Denker Die Revolutionen, welche gewaltsamer Druck veranlaßt, immer zu Gebote stehen soll. Dieser Egoismus schuf ihn vielfind heftige, schnelle von Grund aus umwälzende Krämpfe, wie mehr zum isolirten Wesen. Die Idee: Eigenthum, löste sogar in der äußeren Natur, so im Menschen. Es ist unmöglich, dem das Band der Geselligkeit auf, und hier gilt das fränkische Zeitpunkt einer solchen Veränderung zu entgehen, allein ihn weit Sprichwort: Qui terre a, guerre a." Der erste Keim der sich hinauszurücken, bleibt das Werk menschlicher Klugheit, welche äußernden Idee von Eigenthum mußte gleich vieles dazu bei Wir haben im Vorstehenden einige wenig oder gar bie Gemüther durch Nachgiebigkeit besänftigt und wo sie nicht tragen, die Menschen zu entzweien, auseinander zu bringen und nicht bekannte Schriftsteller der Aufklärungs- und Re- überreden kann, wenigstens den Zwist vermeidet, der die unaus- gegenseitig fich zu entfernen. Denken Sie sich eine Mannigfaltigkeit von Charakteren, so volutionsliteratur in Deutschland behandelt, ohne die Liste bleibliche Folge einer unbilligen Behandlung der Andersdenkenden ist. wird die Gesellschaft, deren Eigenthum durch Verträge allein geauch nur der bedeutendsten damit erschöpft zu haben. Freiheit, dieses höchste Ziel, dem der Mensch in sittlicher sichert ist, nie erhalten werden können. Die Menschen werden Wir könnten zur Vervollständigung des Bildes dieser und bürgerlicher Beziehung entgegenreifen kann, wird ohne fich unter einander auf tausend Seiten entgegenarbeiten. Die wenig gekannten Periode noch manche Namen hinzufügen, wiederholtes Ausgleiten und Irregehen nicht errungen; aber ist Aeußerungen der menschlichen Kräfte werden eine solche Mannigso den Freiherrn Friedrich von der Trend sie es nicht werth, so theuer, ja theurer noch erkauft zu werden? faltigkeit annehmen, daß das Band der Verträge eben so schnell Wenn uns in den Ereignissen unserer Zeit die Schwäche, durch Kollisionen aufgelöst werden wird, als es entstanden." ( 1726-94), den seine grausame Behandlung in ver- die Unbesonnenheit, die Kurzsichtigkeit der Menschen, die zum Wir schließen damit unsere Auszüge ab. Unter den schiedenen Festungsgefängnissen von Seiten Friedrich II. Genuß ihrer angeborenen Rechte hinausstreben, ein betrübendes populär gemacht hat, und der in einer Reihe von Schriften Schauspiel gewähren, wo wäre die Billigkeit, sie selbst dafür ver- Bergen literarischer Erscheinungen, welche sich zu Schluß den Samen der Aufklärung ausstreuen half, K. Würzer, antwortlich zu machen, da ihre lange Knechtschaft allein die des vorigen Jahrhunderts mit Staat und Mensch und Schuld aller ihrer Mängel und Gebrechen trägt?" dem Verhältniß beider zu einander beschäftigten, eine Verfasser der„ Neuen Hyperboreischen Briefe", Aus dem„ Abc- Buch für große Kinder", Ger- Hochfluth ganz ähnlich der heute auf dem neuesten StreitJ. A. W. Geßner, Professor der Philosophie zu Leipzig manien 1796, nehmen wir folgendes Rasonnement: gebiet der Gesellschaft, dem sozialen, zu Tage tretenden, ( Theorie der guten Gesellschaft 1798.) H. W. von Die weltliche Macht schießt mit Kanonen, die geistliche schoß unter diesen Erscheinungen eine Auswahl zu treffen ist Bülow, der über Reichsverfassung und Staatsrecht einstmals mit dem Bannstrahl seitdem aber die Ableiter erschrieb, J. F. E. Albrecht( Der politische Thierkreis, weltliche Macht ist derselbe: Erkenntniß des Menschen und seiner kommt. Man darf überhaupt bei der kritischen Betrachtung funden sind, schießt sie gar nicht mehr. Der Ableiter für die schwer, weil unendlich viel Werthloses zum Vorschein oder die Zeichen unserer Zeit, 1796), Saul Ascher Berhältnisse. Steckt diesen Ableiter auf alle Dächer und die dieser Literatur nie aus dem Auge lassen, aus welchen ( Ideen zur natürlichen Geschichte der politischen Re- weltliche Macht wird sich vor dem Schießen hüten, sie ist dann volutionen), J. F. von Hendrich( Ueber den Geist des nicht allein teine Macht mehr, sie zerfällt dann in dem Nichts staatlichen und gesellschaftlichen Zuständen dieselbe hervorgegangen ist. Eine Unzahl verrotteter Staatsgebilde mit Zeitalters und die Gewalt der öffentlichen Meinung, der Einbildung. Gesetze müssen Menschen beherrschen und Menschen müssen überlebten Einrichtungen, die dann unter den Händen 1797. Freimüthige Betrachtungen über die wichtigste durch Geseze regiert werden aber diese Gesetze müssen ihrer der Franzosen wie Zunder zusammenbrachen, eine ab Angelegenheit Deutschlands, 1794), A. A. F. Hennings, Natur, Verfassung, Klima und Kultur angemessen und von allen solut herrschende adlige Beamtenhierarchie, die den Staat der eine Anzahl ökonomischer Schriften im Sinne Adam gebilligt sein. Daher sollten Einzelne nicht nach Willkür Gesetze Smith's verfaßte, gab den periodisch in Heften erscheinen- geben, die für alle verbindlich sein sollen, sondern alle Bürger als nur für sich da betrachteten, darunter die produzirenden„ Genius der Zeit", 1794-1800, später Genius müssen ihr Fiat, ihre einstimmige Einwilligung dazu gegeben den bürgerlichen Kreise, von derem erstarkenden Selbst bewußtsein eben jene Literatur ein Zeichen ist. Ueber die des 19. Jahrhunderts", 1801-1802, sowie die„ Annalen Die Kritik der Gesellschaft, welche ja so alt ist wie materiellen Zustände und die davon abhängende Gedankender leidenden Menschheit", 1795-1801, heraus, Th. G. von die Gesellschaft selbst, sezt auch in dieser Periode welt der Stände Deutschlands im vorigen Jahrhundert Hippel schrieb sein bekanntes Buch" Ueber die Ehe", kräftig ein: wird uns dieselbe manche Aufschlüsse bieten, der wir um das viele Auflagen erlebt hat und heute noch gelesen Ich kann mich allemal in der Seele ärgern, wenn die wird, sowie„ Ueber die bürgerliche Verbesserung des Philosophen und Moralisten anfangen, über den Mangel der so mehr benöthigen, weil gerade diese zum großen Theile Man Freiheit zu deklamiren. Giebt es nicht ganz zahlreiche Stände unbekannt sind oder im falschen Licht erscheinen. der Welt. die die Freiheit haben, andere methodisch- systematisch hat sich mit dem Frankreich derselben Periode zur Genüge Wir haben schon die Namen: Justus Möser, und in allen Formen auszuplündern? Giebt es nicht ganze beschäftigt und die noch für das Verständniß der GegenMoser, Schlözer, Schubart. Fichte, die als Träger zahlreiche Stände in der Welt, die die Freiheit zu fressen, zu wart äußerst werthvollen Verhältnisse Deutschlands verder bürgerlichen Aufklärung in aller Munde sind, genannt, faufen, zu spielen, zu tagedieben, zu faullenzen u. s. w. haben? bekannt sind ferner auch die Persönlichkeiten aus den Giebt es nicht ganz zahlreiche Stände in der Welt, die die Frei- nachlässigt. heit haben über Alles, was sie uns wollen, ganz allein zu dis- Es ist klar, daß die große glänzende und originelle Revolutionsversuchen der rheinischen Städte, ein Georg tutiren, es mag auch noch so dumm und abgeschmackt sein? Literatur Frankreichs mehr dazu verlocken mußte, als die Wedekind, ein Georg Forster in Mainz, der Lettere Giebt es nicht ganze Stände in der Welt, die die Freiheit haben, fast verschollene deutsche, so unverdient sie dies Schicksal übrigens eine der edelsten Erscheinungen dieser Zeit, und Blatz unter den Menschen zu machen und die entbehrlichen und auch getroffen hat. Manchen Leuten allerdings sehr nach einer ihrer besten Schriftsteller, ferner der jugendliche überflüssigen auf den Kirchhof zu schicken. Giebt es nicht ganze auch getroffen hat. Manchen Leuten allerdings sehr nach Görres, der in seinem„ rothen Blatt" schrieb: Stände auf der Welt, die die Freiheit haben, mit dem Verstande Wunsch und auch wohl nicht ohne Zuthun derselben. und Gewissen anderer Menschen herumzuspringen und anzugeben, Denn es ist in den Augen derselben, dem für PreußenWir sind keine Sklavenseelen! wir sind Republikaner. wie es ihnen beliebt. Deutschland schwärmenden Patrioten nicht gut zu Wir wollen, daß die Hundert und mehr tausend Bürger aufge= Verliebte leben von der Liebe warum sollen die Armen flärte und rechtschaffene Republikaner werden." nicht von der Luft leben können? Die Luft ist ein Körper, es wissen, daß die deutschen Staaten, Preußen voran, einSpäter hat er allerdings in anderer Tonart ge- kommt nur darauf an, daß man ihr den Grad von Dicke zu mal der hohen Kulturaufgabe", die sie nach dem Plane sprochen. geben wisse, das sie eßbar wird. der Vorsehung hienieden zu spielen haben sollen, nicht Es mag interessiren, wenn wir noch einige Stellen, n dem Munde des wahrhaft Dürftigen heißt es nicht anders, Almosen ist jedem Verstand eine Satire auf die Menschheit. welche die Ideen des erwachenden bürgerlichen Bewußt als: Gebt mir einen Theil der Glücksgüter zurück, auf die ich objekte in der Hand der„ Edelſten und Besten" waren, In dem Munde des wahrhaft Dürftigen heißt es nicht anders, eingedenk gewesen sind, sondern daß sie nur Plünderungsseins besonders scharf charakterisiren, aus einigen ver- als Mensch mit euch von Natur aus gleiche Ansprüche habe und Schiffswracke, an denen diese ritterlichen Geister das gessenen Werken anführen. Die Fürstenwillfür wird die ihr oder eure Vorfahren mir mit Gewalt oder List ent- Strandrecht übten. in Bülows:„ Noch etwas zum deutschen Nationalgeist" rissen habt." In eben derselben Tonart spricht der Verfasser einer das wenig anziehende Bild, man fälscht die Geschichte, Man möchte gar zu gern einen Schleier decken über Lindau 1766 angeklagt, sie „ erzeugt jene heimlichen Thränen, welche von vielen Bätern Broschüre: Ueber Monarchie und Republik( Riga 1794): man verschließt die Archive den Augen„ Unbefugter" und des Vaterlandes ihren Unterthanen zu allerhand landesfürstlichem" Chimärischer Nationalreichthum ist das in den Kisten einGebrauche ausgepreßt werden, als: zur Ehre Gottes, zur Er- zelner Partikuliers und gewisser Volksklaffen aufgehäufte Gold giebt die in öffentlichen Bibliotheken befindlichen Werke, rettung ihrer sonst verdammten Seelen, zur Erhaltung einer und Silber. Mit einem solchen Nationalreichthum kann sehr die das Dunkel erhellen könnten, nicht heraus. Vorläuferin oder Begleiterin des Ehestandes, zur Erbauung der wohl die größte Nationalarmuth bestehen. Wassermüylen auf den Gipfeln der Berge, zur Errichtung einer Der Arme ist nirgends frei und eine Regierung, bei welcher christfürstlichen Barforcejagd, zur Bereicherung eines halben Armuth national iſt, taugt nichts, ihre äußere Form heiße DesHunderts Landläufer unter allerlei geistlichen und weltlichen potie oder Republik. Titeln, zur Anwerbung einer Armee Marionetten, welche die Hälfte der Landesbewohner ausmacht und nicht eher in Bewegung geräth, als wenn die Jahreszeit zur Desertion bequem wird, zur Bezahlung eines unglücklichen Points, das Standes und Herkommens halber gesetzt werden mußte." Weibes." In demselben Tone schrieb Graf Manteuffel an den bekannten Philosophen Wolff: 1) So wechselt Du! Du warest Sklav' Und bist es auch hinfort, Mit wenig Erfolg allerdings, denn der emsig for schende Geist unserer Zeit läßt sich nicht mehr ersticken. Die Hüter und Wächter der Ordnung und Zufriedenheit, die Psalmensänger des Reichs und seiner Herrlichkeit können die geschichtliche Aufklärung doch nicht verhüten. Als einen kleinen Beitrag mit beschränkten Hilfsmitteln Ohne Privilegirte wird und kann ein Staat recht wohl unternommen zur Kenntniß eines fulturgeschichtlichen bestehen und nach Verhältniß seiner Größe mächtig werden und interessanten Zeitabschnittes möge man auch diese Arbeit großen Nationalreichthum erwerben, aber nicht ohne die arbeitenden betrachten. nichtprivilegirten Klassen." Ein leeres Wort ist, König, Dir Die Freiheit, nur ein Wort! Zwei bürgerliche Stimmen über den Achtstundentag. Im„ Handelsministerium" schreibt Prof. Mataja über den Achtstundentag: - Die Erfahrung, daß die Herabsetzung der Arbeits Deutschland wimmelt von Fürsten, von denen dreiviertel kaum gesunden Menschenverstand haben und die Schmach und Es erheben sich also auch damals schon manche Geißel der Gesellschaft sind. So klein ihre Länder, so bilden sie Stimmen, welche darauf hinweisen, daß die Frage nach sich doch ein, die Menschheit sei für sie gemacht, um ihren Albern der Staatsform für die Allgemeinheit nicht diejenige heiten als Gegenstand zu dienen, ihre oft sehr zweideutige Ge- Wichtigkeit besize, welche ihr von der radikalen Bourgeoisie burt als Zentrum alles Verdienstes betrachtend, halten sie die Mühe, ihren Geist und ihr Herz zu bilden für überflüssig und beigelegt wurde. Diese freilich handelte in ihrem Eigenunter ihrer Würde. Die angestammten" Herren thun ja alles interesse, sie konnte im Schatten der Despotie nicht ge„ bon Gottes Gnaden“ und„ von Rechts wegen". Sie wollen deihen. Der Kleinbürger, der Bauer aber, die proletarische zeit noch keine Herabsetzung der Arbeitsleistung, bedeutet ben armen Menschen Sicherheit gewähren, es wird aber endlich Klasse, empfindet mit steigendem Unbehagen die Wirfungen ist zahllose Male gemacht worden, sie erstreckt sich dabet fast au Zeit, daß wir uns vor ihnen sichern." Ein Unbekannter, der als Wekhrlin der Jün- eines neuen, anarchischen Wirthschaftsgetriebes, sie ahnen, fälliger Weise gerade am meisten auf das Gebiet der Textil gere an die Völker Europas, vorzüglich an Franken daß auf diesem Gebiet die Entscheidung über ihr Wohl industrie, also eines Arbeitszweiges, in welchem das Maschinen und Wehe liege, nicht auf politischem. Die„ Libationen" system ganz besonders hoch entwickelt ist; scheinbar sollte da di Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft und somit der Frische 1) Biedermann; Geistige, gesellige, sittliche Zustände des Nürnberg 1795 sprechen sich über diesen Punkt mit großer Aufmerksamkeit u. f. w. des Arbeiters, welche etwa durch di Klarheit aus: Abkürzung des Arbeitstages zugenommen haben und damit de 8. Jahrhunderts. II. 140. t t e M t 2 t e Ausfall an der Zeit kompenfiren könnten, sehr zucüdtreten. wird. Diese Betrachtung läßt aber gleichzeitig schon die Grenze Die Erfärung davon liegt jedoch nicht darin, daß etwa auf dem erkennen, innerhalb welcher die Reduktion der Arbeitszeit aus Gebiete der Textilindustrie aus technischen Gründen die Re- rein wirthschaftlichen Motiven opportun, ja nothwendig wird. duktion der Arbeitszeit eher wettgemacht werden kann als in Wir sagen aus rein wirthschaftlichen Motiven, um jene Heraballen übrigen Beschäftigungszweigen, sondern darin, daß die setzung auszuschließen, die zu ihrer Begründung gar nicht in erster Textilindustrie ganz besonders maßlos lange, die Arbeitskraft Linie ökonomische Motive bedarf; wir denken hierbei an die Fälle erschöpfende Arbeitstage aufzuweisen hatte, daß hier die Gesetz einer exzessiven Ausdehnung der Arbeitszeit, welche jeden Lebensgebung am häufigsten und entschiedensten eingegriffen hat und genuß untergräbt und von den ernstesten physischen Folgen begleitet bei der durch die großindustrielle Natur jener Etablissements sein kann. In diesen Fällen sprechen eben schon humanitäre bedingten Genauigkeit der Buchführung und Aufzeichnungen Gesichtspunkte laut genug und drängen dazu, selbst um den eben die Gelegenheit für vergleichende Beobachtungen über den Preis wirthschaftlicher Opfer dem Verkümmern menschlicher Wesen Einfluß der Länge des Arbeitstages auf die Menge des Produkts entgegenzuwirken. So weit aber rein wirthschaftliche Gesichtsam leichtesten gegeben war. Wären die Beobachtungen betreffs punkte in Betracht kommen, müssen eben Reduktion der Arbeitsanderer Gewerbszweige an gleich günstige Bedingungen geknüpft, zeit und Wachsen der Arbeitsenergie Hand in Hand gehen. Ist dies so würden ähnliche Resultate gewiß in nicht minderem Maße der Fall, so kann für Niemand ein Nachtheil daraus entstehen, berichtet worden sein. es können sich nur Vortheile ergeben. doch gut, wenn ein ganz uninteressirter Mann, wie es nach Seite der Arbeiter ein Professor gewiß ist, es noch einmal konstatirt. Noch viel weniger kann von einer direkten Einwirkung der Das ist zwar ziemlich dasselbe, was die SozialArbeitszeitverringerung auf den Lohn in jenen Fällen die Rede demokraten schon immer behauptet haben; allein es ist sein, wo überhaupt die eigentliche Arbeitsleistung und damit der Bedarf an Arbeitskraft von der Zeitdauer der Thätigkeit unabhängig erscheint. Dies gilt namentlich für die Ladenangestellten. Die längere Verwendungsdauer des Einzelnen bedeutet dort in der Regel nicht, daß er mehr leisten, daß das Geschäft mit weniger Kräften auskommen solle, sondern fällt zusammen mit der Möglichkeit längeren Offenlassens der Verkaufsstätte, dient also in letter Linie nur der Bequemlichkeit des Publikums. Ist das bisher Gesagte offenbar günstig für die Frage der Arbeitszeitverringerung, so muß man sich aber auch andererseits bergegenwärtigen, daß die einmal in dieser Sache gemachten Erfahrungen nicht ohne Weiteres auf andere Zeiten und Gegenden zu übertragen sind. Es begründet eben einen großen Unterschied, ob ein ungebührlich langer Arbeitstag oder ein an sich schon mäßig bemessener verkürzt wird; ebenso ob wir ein Land vor uns haben, das an sich schon durch regen Unternehmungsgeist, durch Neigung, sich alle technischen Fortschritte rasch anzueignen zc. ausgezeichnet ist, oder ob das Land durch Volkscharakter, geringe industrielle Entwickelung und dergl. zu einem trägen Gehen und Geschehenlassen hmneigt und raschen Neuerungen widerstrebt. In diesen Fällen liegen eben die Bedingungen für die Wiedereinbringung des durch die Arbeitszeitberringerung zunächst verursachten Ausfalles höchst verschieden. Zu den werthvollsten neueren Beobachtungen über diese unsere Frage, wie die Abkürzung des Arbeitstages die Produktion beeinflußt, gehören ohne Zweifel jene, welche der bekannte eidgenössische Fabrikinspektor Dr. Schuler jüngst im Archiv für soziale Gesetzgebung über die Wirkungen des Normalarbeitstages in der Schweiz veröffentlicht hat. Diese Beobach tungen erstrecken sich auf Baumwollspinnerei, Weberei und Stickerei, fie find im einzelnen widersprechend und zeugt dieser Umstand dafür, daß man es hier eben nicht mit überall gleichbleibenden Regelmäßigkeiten zu thun hat. Was die Spinnerei betrifft, so wurde nach den in Rede stehenden Mittheilungen überwiegend die Arbeitszeitverringerung in Folge der Fabrikgesetzgebung im Wesentlichen durch Mehrleistung ausgeglichen und damit auch ein nenneswerther Lohnentgang hintangehalten. Noch günstiger stellt sich das Ergebniß hinsichtlich der Baumwollenwebereien mit Ausnahme solcher Etablissements, welche noch mit veralteten schlechten Maschinen arbeiten. Stickerei hingegen ist, soweit Zahlenangaben vorliegen, überwiegend ein Minderergebniß eingetreten. Bei der Aus den Beobachtungen von Schuler geht trotz der schon erwähnten Abweichungen in den einzelnen Fällen neuerdings mit Evidenz hervor, daß in der Industrie eine bedeutende Kraft steckt, den Ausfall an Arbeitszeit durch intensivere Arbeit und allerlei technische Vorkehrungen wettzumachen. Die Dauer der Arbeitszeit so sagt Schuler selbst resumirend ist nur inner= halb gewisser Grenzen maßgebend für die Arbeitsleistung; sie ist es um so mehr, je weniger der Arbeiter durch seine Beschäftigung förperlich oder geistig angestrengt wird und die Maschine ohne eigenen erheblichen Kraftverbrauch bedient; sie ist es in sehr beschränktem Grade, wo es am meisten auf ein wohlüberlegtes und eraktes Arbeiten ankommt. Wo mit Maschinen ge= arbeitet wird, da wird der Arbeiter umsoweniger lange zu einer normalen Leistung befähigt sein, je komplizirter die Maschine ist, je mehr Verständniß, Aufmerksamkeit und Ueberlegung ihre Bedienung oder Führung erfordert. Thatsächlich sehen wir, wenn auch nicht überall selbst bis ins Einzelne zutreffend das Arbeitsenergie und Arbeitsausdauer in umgekehrtem Verhältniß zu einander stehen. Kurz und energisch arbeiten ist die Arbeitsweise der fortgeschrittenen, lang, aber wenig intensiv jene der zurückgebliebenen Nationen. Denselben Unterschied können wir selbst bei den einzelnen Berufszweigen, ja bei den einzelnen Betriebszweigen verfolgen: die moderne Fabrik arbeitet im Durchschnitt kürzer als der Kleinbetrieb und, wenn eine Abkürzung der Arbeitszeit erfolgt, so find es immer die alten, schlecht eingerichteten Etablissements, welche am schwersten nachhinken, um den Verlust an Betriebszeit wieder einzubringen. Es kann nun feinem Zweifel unterliegen, welche Arbeitsweise die vorzüglichere ist. Von diesem Standpunkte aus stellt sich der Achtstundentag als der Ersatz der niederen durch die höhere Arbeitsweise, als der Ersatz minder tüchtiger durch tüchtigere Arbeit dar. Und was für die Reduktion der Arbeitszeit fämpft, ist etwas, das mächtiger ist, als Manifestationen, Straßenaufzüge und Resolutionen, ist etwas, neben dem selbst Geseze nur als ein Stück vergänglichen Papiers erscheinen, und dieser Faktor ist einfach der industrielle Fortschritt. Die wachsende, nicht mit einem Schlag zu gewinnende Schulung der Bevölkerung für die industrielle Arbeit, ihr Eingewöhnen in die Disziplin und Präzision der großen Unternehmung, der Ersatz des alten Handwerkzeuges durch die Maschine, der primitiven Maschine wiederum durch die vorzüglichere, des Handbetriebes durch die in der Schnelligkeit ihres Wirkens fast unbehinderte mechanische Kraft, das sind die Faktoren, welche in der nachhaltigsten Weise für die Abkürzung der Arbeitszeit Darum schon arbeitet der geschulte englische Arbeiter, der energische Bewohner der australischen Kolonie kürzer, aber deshalb nicht weniger als der Russe oder Indier. Darum machte auch, wie Dr. Schuler berichtet, ein Schweizer Industrieller nach gründlichem Studium der englischen Verhältnisse die Beobachtung, daß in besteingerichteten englischen Spinnereien trotz einer gegenüber der 65stündigen schweizerischen Arbeitszeit, um 9 Stunden kürzeren Dauer der Arbeit und trotz fast doppelt so hohen Löhnen der englischen Arbeiter der auf eine Gewichtseinheit Garn entfallende Arbeitslohn um ein weniges geringer sei als in der Schweiz, das also die Leistungsfähigkeit der weit besser genährten englischen Arbeiter eine doppelt so große sei. Eine Steigerung der Arbeitsintensität tritt durch die fortschreitende Entwickelung gerade auch auf nicht industriellem Gebiete mit Nothwendigkeit ein. Wie gemüthlich ergeht es dem Droschkenkutscher, welcher den halben Tag ruhig auf seinem Bocke zubringt, im Vergleiche mit den unausgesetzt thätigen Bediensteten der neuzeitlichen Tramway, wie langsam geht der Kellner in der alten Wirthsstube, wie hastet er dagegen in den modernen Monstrerestaurants, wie komplizirt sich der Dienst bei den Bahnen mit ihrer stets steigenden Frequenz, wie viele Stunden im Tage träumt der Kommis im kleinen Geschäfte hinter dem Ladentische, wie wenig Ruhe ist ihm im modernen Großmagazin vergönnt, wo es immer zu reden, anzupreisen, zu thun giebt! Wir sehen also, daß in den mannigfachsten Beziehungen die moderne Arbeit von selbst intensiver, hastiger, abspannender - Ein zweites Zeugniß für den Achtstundentag enthält ein auch von Mataja zitirter Artikel von John Rae über den Achtstundentag in Australien im ,, Economic Journal": In seinen Untersuchungen über die Wirkungen, welche der Achtstundentag auf die Lohnverhältnisse der Arbeiter ausübte, kommt Herr Rae zu dem Resultat, daß die kürzere Arbeitszeit die Arbeitslöhne in keiner Weise alterirte, daß dieselben dadurch weder erhöht noch vermindert wurden. Buchbinder z. B., welche den Achtstunden- Tag im Jahre 1883 bei 2 bis 3 Pfd. Sterling Wochenlohn bewilligt erhielten, erzielen noch heute den gleichen Wochenverdienst. Ebenso hat sich der Lohn der Küfer, Schuhmacher, Gerber, Sattler, Hutmacher, In der Kolonie Viktoria herrscht ziemlich allgemein die Ansicht, daß die Arbeiter, dermalen, so lange ste beschäftigt sind, angestrengter arbeiten und in Bezug auf Qualität und Quantität Besseres leisten, als unter dem früheren Arbeitssystem. Auch will man die Wahrnehmung gemacht haben, daß die Lebensgewohnheiten der Arbeiterklassen durch die fürzere Arbeitszeit sich verbessert haben, indem seit deren Einführung nicht nur die Arbeiterbildungsvereine, die Abendschulen und die Zahl der abgehaltenen populären Vorträge, sondern auch die von den Arbeiter- Familien bebauten Gartenparzellen in Zunahme begriffen sind. Früher hatten die Arbeiter weder Zeit noch Lust für solche gesellige Zwecke. Aber mit einer größeren Anzahl von freien Stunden zu ihrer beliebigen Verfügung finden sie es passender, andere Wege der Erholung als die dumpfe Wirthsstube oder die Branntweinschänke aufzusuchen. Ja, es verdient als ein höchst bezeichnendes Symptom hervorgehoben zu werden, daß gerade die Befizer von Tavernen und Spelunken aller Art als die heftigsten Gegner des Achtstundentages sich geberden, weil seit dessen Einführung der Besuch von öffentlichen Schanthäusern entschieden abgenommen hat, während im Winter die Arbeitervereine, im Sommer kleine, selbstgepflegte Gärten der Lieblingsaufenthalt des Arbeiterstandes geworden sind. Bei einer Bevölkerung von etwa einer Million Einwohner besitzt die Kolonie Viktoria nicht weniger als 200 Freibibliotheken, die nämliche Anzahl wie ganz Großbritannien mit einer Bevölkerung von mehr als 36 Millionen Seelen. Das Working mens College in Melbourne zählt mehr als 2000 Studenten, von denen 53 pCt. den unteren Volkskassen angehören. In Melbourne kommt ein Polizei- Aufseher auf je 700, in London auf je 350, in Manchester auf je 440 Einwohner. Die Sparkassen weisen mehr als 18 000 Einleger auf, die Baugesellschaften ein jährliches Einkommen von nahezu zwei Millionen Pfund Sterling. Hufschmiede und Buchdrucker auf gleicher Höhe erhalten, wie Ueber Nationalreichthum und seine Verbor Einführung der Achtstunden- Zeit. Dabei hatte die Kürzung der Arbeitsstunden zwei unmittelbare Folgen. Die theilung in den Vereinigten Staaten. Unternehmer strengten sich an, durch größere Oekonomie, verbesserte Maschinen und andere Maßnahmen die Pro- Die Gesammtsumme der durch die Arbeit eines duktionsfähigkeit ihrer Fabriken auf gleicher Höhe Volkes innerhalb eines Jahres erzeugten Neuwerthe nennt zu erhalten und wo möglich noch zu vermehren; die man National- Einkommen. Das National- Einkommen Arbeiter dagegen kehrten nach einer längeren Rast mit mehr muß seine Herren, resp. seine Aneigner finden, d. h. es Kraft und Lust in die Werkstätten zurück und entschädigten muß in irgend einer Form zur Vertheilung gelangen. durch die größere Tüchtigkeit ihrer Leistungen für die geringere Dauer der Arbeitszeit. Und es gelangt zur Vertheilung. In Bezug auf die Produktion findet Rae, daß die Ver- Es giebt im Großen und Ganzen aber nur drei kürzung der Arbeitszeit in Viktoria eine Konzentration des Einkommens- Formen. Diese sind bekannt unter dem betreffenden Gewerbes nach sich zieht. In einzelnen Gesammtzahl Pferde- Beschäftigte Bier- Erzeugung der Brauereien Kräfte 425 Arbeiter 800 in Gallonen 955 13 723 301 Fällen tritt nach Einführung des Achtstundentages eine Ber- Namen: Kapitalgewinn, Bodenrente und Arbeitslohn. minderung der Etablissements ein, niemals aber eine Ver- Man mag mun jede dieser drei Kategorien wieder in minderung der Gesammtproduktion. Unterabtheilungen anders klassifiziren, dem Wesen nach Jm Brauerei- Gewerbe wurde 1885 der Achtstundentag bleiben sie und nur sie allein- doch bestehen. eingeführt. Es betrugen: Es ist begreiflicher Weise ziemlich gleichgültig, wie viel von demjenigen Bruchtheil des nationalen Einkommens, welcher unter dem Titel Kapitalgewinn für die Kapitalistenklasse abfällt, unter dem gesonderten Titel Profit, Unternehmergewinn, Zins oder Dividende auf besondere Kliquen innerhalb der Kapitalistenklasse fallen mag. Die Thatsache mag genügen, daß Profit, Zins oder Dividende an die Kapitalistenklasse für nichtgeleistete Arbeit fallen und folglich kurzweg als Kapitalgewinn bezeichnet werden dürfen. 1884 1885 TITW 70 74 444 1886 1887 1888 74 472 72 68 502 512 975 1037 1063 14 200 749 14 753 152 16 088 462 17 828 453 Das Sattler- Gewerbe, bei welchem im Jahre 1885 der Achtstundentag allgemein eingeführt wurde, weist ähnliche Ergebnisse auf, nur daß, seltsam genug, trotz der verkürzten Arbeitszeit die Zahl der beschäftigten Arbeiter sich verminderte, anstatt sich zu heben. Zahl Werth der Fabriken der Arbeiter der Produktion 87 131 Bfd. St. 87 054 Zahl 1884 63 636 1885 62 593 " " 1886 63 579 89 905 " " 1 1887 53 496 1888 57 465 90 880" 91 592" 1 " " Bei den Schuhmachern zeigt sich eine Abnahme in der Zahl der Werkstätten, sowie der darin beschäftigten Hände, jedoch nur eine unbedeutende Verminderung in der Menge der verfertigten Waare: Werth der Arbeiter der Produktion 205 351 Pfd. St. 203 668" Zahl der Fabriken Zahl 1884 94 4168 1885 107 4088 1886 21 4100 205 773 " " 1887 92 3574 189 028 " " 1888 97 3886 199 228 " " Bei der Bodenrente giebt es für den gleichen Begriff unter verschiedenen Voraussetzungen auch verschiedene Bezeichnungen, welche aber das Wesen der Sache gleichfalls nicht verändern. Für städtischen vermietheten Grundbesig spricht man von Miethe, bei vermietheten Gütern von Pacht, bei Erz- oder Kohlenlagern von Gewinnung, und doch liegt nur der Begriff der Bodenrente diesen verschiedenen vom Grund und Boden abgeleiteten Einkommensformen zu Grunde. Auch den Arbeitslohn hat ja die kapitalistische Sprachverschrobenheit in Lohn, Gehalt, Salär, Honorar, Gage u.. w. verklausulirt, obgleich die verschiedenen Bezeichnungen doch den Charakter der Entlöhnung für geleistete Dienste in fremdem Interesse nicht aufheben, nicht ändern. Kehren wir also zum National- Einkommen zurück. Für die Erzeuger von landwirthschaftlichen Geärthen erwies Daffelbe beträgt für die Vereinigten Staaten jährlich sich der erst im Jahre 1886 eingeführte Achtstundentag in so ungefähr 12 000 000 000. Doll. Diese Summe muß in fern besonders günstig, indem seither sowohl in der irgend einer Form zur Vertheilung gelangen, denn es Zahl der Fabriken, als auch in der Quantität der Produktion ist klar, daß Alles, was im Laufe eines Jahres an eine Zunahme wahrnehmbar ist und bloß in der Anzahl der Gütern geschaffen wird, auch seinen Herrn findet. beschäftigten Hände eine zeitweilige Verminderung stattfand. Zahl Zahl 1152 1032 Werth der Fabriken der Arbeiter der Produkton 114 419 Pfd. St. 130 794 143 937" 151 618 1885 54 1886 55 1887 1888 63 62 918 1051 Zahl " P " 1 " Werth In jeder Beziehung befriedigende Resultate haben die Wagenbauer durch die im Jahre 1884 erfolgte Einführung des Achtstundentages erzielt: Zahl der Fabriken der Arbeiter der Produktion 256 808 Pfd. St. 247 360 288 696 290 135 Wir finden nun in der Bevölkerung drei große Kolonnen, welche um diesen durch Arbeit erzeugten Neuwerth streiten. Diese drei Kolonnen sind die Kapitalisten, die Grundeigenthümer und die Lohnarbeiter. Hier erkennen wir denn auch gleich die Blödsinnigfeit der Harmonie- Apostel, die nicht müde werden zu be haupten, daß eine Interessengemeinschaft zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten möglich sei. Jeder vernünftige Mensch sieht nämlich sofort, daß, wenn drei Klassen oder drei Personen sich bei der Vertheilung einer bestimmten Summe herandrängen, da nicht mehr von Interessengemeinschaft die Rede sein kann, weil, was der Eine von den Dreien mehr für sich begehrt und erlangt, den andern Beiden entzogen wird. Jede der drei Kolonnen Es will uns scheinen, als ob Rae bei seinen ökonomischen verlangt aber vom National- Einkommen den Löwenantheil Untersuchungen über die Folgen des Achtſtundentages ein für sich und Jede der Kolonnen streitet gegen die AnMoment außer Acht läßt, welches unzweifelhaft sowohl auf 1884 162 1885 168 2124 2204 1886 174 2395 1887 183 1888 195 2407 2720 " " " " " 360 699 " " den Lohn als auch auf die Produktionsverhältnisse bestimmend eignung desselben durch die Andern. wirkt. Es ist das der allgemeine Fortschritt in der Entwick Das ist der große Streit zwischen Kapital und Arlung Australiens während der angeführten fünf Jahre, und beit einerseits und zwischen Kapital und Farmerthum es wird schwer sein, zu entscheiden, was in seinen Angaben andererseits, welcher sich gegenwärtig vor aller Augen auf Rechnung hiervon und was auf Rechnung der verkürzten und doch so wenig begriffen abspielt. Es dreht sich um Arbeitszeit kommt. Immerhin ist anzuerkennen, daß der Verfasser jenes Artikels im Ganzen richtig urtheilt, wenn er das die Vertheilung des durch die nationale Arbeit erzeugten Resultat seiner Untersuchungen dahin zusammenfaßt, daß die Neuwerthes. Das Kapital ist durch Geseze und EinVerkürzung der Arbeitszeit durchaus keine erhebliche Ber- richtungen riesig begünstigt, hält die Arbeiter und die minderung, in den meisten Fällen sogar eine Steigerung Produktion und vielfach sogar noch eine Vermehrung der be- Farmer in Abhängigkeit und eignet sich mit unmäßiger schäftigten Hände zur Folge hatte. Die Preise sind weder ge- Gier den bei Weitem größten Theil der durch die Arbeit sunken, noch haben sie sich gehoben; Handel und Gewerbe der Arbeiter und der Farmer erzeugten Reichthümer an, haben in keiner Weise gelitten, der Gewinn der Arbeitgeber indessen die Arbeiter, genau so wie nun auch die Farmer, ist kein geringerer geworden; nur die Arbeiterklassen das Gros der Bevölkerung können ein bis zwei Stunden täg- einen größeren Bruchtheil der durch ihre Arbeit erzeugten lich mehr ihr Eigen nennen. Güter für sich begehren. bei von 1180 Mt. beim staatlichen Steinkohlenbergbau Saarbrücken( Oberbergamtsbezirk Bonn); Produktion und Technik. Die Kapitalistenklasse will sich aber ihren Antheil beitskosten, sondern auch der von den Arbeitern gezahlten in die Erscheinung treten, wohingegen für alle übrigen nicht schmälern lassen und kämpft mit allen möglichen persönlichen Knappschafts- und Krankenkassenbeiträge: Bezirke bereits im Laufe des Jahres ein gewisser StillMitteln für Erlangung eines möglichst großen Theiles des National- Einkommens, obgleich sie zu dem Zustande bergamtsbezirks Dortmund; von 1183 Mt. beim Steinkohlenbergbau des Ober- stand in der Aufwärtsbewegung, ja theilweise selbst schon ein entschiedener Wiederrückgang der Löhne stattgehabt hat. kommen desselben am allerwenigsten beigetragen hat. Die Klasse der Kapitalisten hat durch Anhäufung ungeheurer Reichthümer auch den ertragfähigsten Grund und Boden in ihren Besitz gebracht und beansprucht folglich Kapitalgewinn und Grundrente zugleich. Dadurch allein gelang von 991 Mt. beim Steinkohlenbergbau bei Aachen es ihr, die große Zahl der Kleinfarmer, deren Kleinwirthschaft keine Ueberschüsse, wenigstens feine nennens-( Oberbergamtsbezirk Bonn); werthe Rente, abwirft, in eine so jämmerliche Stellung zu bringen, in welcher sie die Gegenwart vorfindet. Von den 12 000 000 000 Doll National- Einkommen 7 000 000 000 an. von 1022 Mt. beim Steinsalzbergbau des Oberbergamtsbezirk Halle; von 887 Mt. beim Kupferschieferbergbau des Oberbergamtsbezirks Halle; von 822 Mt. beim Braunkohlenbergbau des Oberbergamtsbezirks Halle; von 693 Mk. beim sonstigen rechtsrheinischen Erzbergbau des Oberbergamtsbezirks Bonn; von 687 Mt. beim linksrheinischen Erzbergbau des Oberbergamtsbezirks Bonn; von 683 Mt. beim staatlichen Erzbergbau am Oberharz( Oberbergamtsbezirk Klausthal). Jm Mouvement géographique" finden wir folgende Ziffern über den Werth der Ausfuhr der hauptsächlichsten Staaten in den letzten Jahrzehnten. Die Zahlen verstehen sich für Millionen Francs. Deutschland Frankreich England 1860 1875 2777 3400 1870 2750 2802 5000 1880 3619 3468 7100 1885 3575 3088 6785 1888 4191 3266 6410 Italien OesterreichVer. St. b. Ungarn Nord- Amerika 1860 475 650 1246 1870 750 1000 2706 1880 1132 1605 4579 1680 3449 1822 3585 1885 1134 1888 967 Zur Vergleichung sei die Zahl der Einwohner der einzelnen Staaten während des Zeitraumes der am weitesten aus einander liegenden Jahre mitgetheilt, damit ein jeder ermessen kann, auf wie hoch sich ungefähr für den Kopf der Bevölkerung die Höhe der Ausfuhr stelle: Deutschland Frankreich England 36,4 35,9 28,7 46,8 Italien Desterreich1860 1888 38,2 38,2 Ver. St. v. Ungarn Nord- Amerika 1860 21,8 32,2 31,4 1888 30,5 40,7 61,7 An die elektrische Ausstellung in Frankfurt a. M. sandte der Vereinigten Staaten eignet sich die Kapitalistenklasse von 792 Mt. beim Steinkohlenbergbau in Niederdurch ein sehr komplizirtes und hochentwickeltes Ausschlesien( Oberbergamtsbezirk Breslau); beutungssystem den Löwenantheil von über Dollars ſchlesien( Oberbergamtsbezirk Breslau); von 752 Mt. beim Siegen- Nassauischen Erzbergbau Und der Rest von nahezu Dollars des Oberbergamtsbezirks Bonn; 5 000 000 000 verbleibt der gesammten nützliche Arbeit von 748 Mt. beim Steinkohlenbergbau in Oberverrichtenden Bevölkerung des Landes zur Ernährung schlesien( Oberbergamtsbezirk Breslau); übrig. Die Kapitalistenklasse kann natürlich trotz ihrer Ausschweifung und trotz ihres entwickelten Luxus diese Riesensumme nicht verzehren. Sie muß also suchen, diese Ueberschüsse der ergaunerten Güter in gewisse bleibende Formen pressen zu lassen und in ihrem Besize anzuhäufen. Dies geschieht, indem sie mit den Ueberschüssen früherer Jahre in diesem Jahre Arbeiter dingt Hinsichtlich der übrigen Arbeiterklassen stellten sich und neue Bahnen und neue Schiffe bauen läßt; indem sie neue Minen eröffnen, neue Fabriken errichten, neue die durchschnittlichen reinen Jahreslöhne pro Kopf wie Maschinen herstellen, Banken und Paläste bauen, die folgt: für die außerdem noch unterirdisch( namentlich beim Waarenvorräthe ins Ungeheuerliche vermehren läßt und über alle diese Güter, gleichviel in welcher Form sie Grubenausbau und bei Nebenarbeiten) beschäftigten Per- die Aluminium- Gesellschaft Neuhausen in der Schweiz ein kristallisirt und aufgehäuft werden mögen, die Besigtitel sonen, wie Zimmerhauer, Reparatur- Arbeiter, Maurer, Naphtaboot, das ein demonstrativer Zeuge dessen ist, was die Anschläger, Bremser, Bergeverfüller c. auf 1067 Mt. Industrie dem elektrischen Strom verdankt. Dieses Boot ist behält. nämlich ganz aus Aluminium angefertigt, jenem Metall, das in Alle diese Güter läßt sie durch die Arbeit Anderer( beim Steinsalzbergbau des Oberbergamtsbezirks Halle), Neuhausen aus Thon gewonnen wird, den man im elektrischen immer werthvoller gestalten. Der überflüssige kapitalistische bis 699 Mt.( beim Steinkohlenbergbau in Oberschlesien); Lichtbogen zum Schmelzen bringt. Gebaut wurde das Schiff in für die über Tage beschäftigten erwachsenen männ- allen seinen Theilen von der Firma Escher u. Co. in der NeuRaubertrag des einen Jahres reicht vollständig aus, die minium. Der Kessel und die Nöhren sind aus Kupfer, Cylinder eigentlichen Reichthumserzeuger, nämlich die werkthätigen lichen Arbeiter einschließlich der Werkstättenarbeiter auf mühle in Zürich. Nur wenige Bestandtheile sind nicht aus AluElemente der Bevölkerung, im nächſtfolgenden Jahre zu 1020 Mt.( beim Steinsalzbergbau des Oberbergamtsbezirks und Kolben aus Guß, die Achse aus Stahl hergestellt. Das neuer Reichthumserzeugung zu Gunsten der Kapitalisten- Halle), bis 545 Mk.( beim staatlichen Erzbergbau am Fahrzeug ist 5,5 Meter lang, 1,3 Meter breit, 70 Centimeter hoch flasse in Bewegung zu setzen. Auf diese Weise kommt Oberharz[ Oberbergamtsbezirk Klausthal]); für die jugendlichen männlichen Arbeiter unter sechses, daß die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Die Menge der unverzehrbaren sich stetig zehn Jahren auf 397 Mt.( beim Kupferschieferbergbau in größerer Masse ansammelnden Güter wird dann des Oberbergamtsbezirks Halle), bis 178 Mt.( beim Nationalreichthum genannt. Dieser vermehrt sich von Staatlichen Erzbergbau am Oberharz[ Oberbergamtsbezirk Jahr zu Jahr, leider werden die Erzeuger des National- Klausthall); reichthums nicht reicher, sondern nur die Nichterzeuger, die Reichthumsaneigner, nämlich die Kapitalistenklasse. ( Philad. Tageblatt.) für die weiblichen Arbeiter einschließlich der jugendlichen, deren Anzahl übrigens- zum Unterschiede von den männlichen jugendlichen Arbeitern nur beim Erzbergbau( Aufbereitungsanstalten) des Oberbergamtsbezirks Bonn einige Bedeutung erreicht, auf 407 Mt.( beim Steinkohlenbergbau bei Aachen[ Oberbergamtsbezirk Bonn], Lohnstatistik der preußischen Berglente für bis 248 Mt.( beim linksrheinischen Erzbergbau des Oberdas Kalenderjahr 1890. bergamtsbezirks Bonn); und wiegt 438 Kilogramm, während die kleinsten derartigen aus Holz. angefertigten Boote mit den nöthigen Beschlägen ein Gewicht von 600 Kilogramm erreichen. Das Verhältniß vom Gewicht zum Raum wird sich bei größeren Booten ſelbſtverſtändlich noch günstiger gestalten. Für den Boden, auf dem die Maschine sich befindet, find Aluminiumplatten von 3 Millimeter Dice, für die Wandungen solche von 11, Millimeter Dicke verwendet. Vorn im Kiel befindet sich das Naphta- Reservoir; eine Füllung von 96 Kilogramm reicht für eine 24 stündige Fahrt aus. Gegenüber den bisherigen Naphtabooten weist das Aluminiumboot in der Feuerungsvorrichtung eine Verbesserung auf, indem eine permanente Lampe gestattet, die jeweilen beim Halten unterbrochene Feuerung durch eine einfache Ventilbewegung sofort wieder in Funktion treten zu lassen. Bisher mußte man nach jeder Unterbrechung zum Streichholz Zuflucht nehmen. Zur Vorsorge ist das Boot mit zwei Rudern versehen. Das Schiff kann sieben bis acht Personen bequem aufnehmen und legt dabei in der Stunde über zehn Kilometer zurück. Diese für die Bergarbeiter überhaupt auf 1114 Mt.( beim Geschwindigkeit ist bis jetzt von keinem Fahrzeug dieser Kleinheit Im vergangenen Jahre hatten nach der Zeitschrift staatlichen Steinkohlenbergbau bei Saarbrücken[ Ober- erreicht worden. Das Schiff hat einen sehr geringen Tiefgang, für das Berg, Hütten- und Salinenwesen im preußischen bergamtsbezirk Bonn], bis 613 Mt.( beim staatlichen schwimmt sozusagen wie Stort auf dem Wasser und huscht wie Staate" die unterirdisch beschäftigten Bergleute im engeren Erzbergbau am Oberharz[ Oberbergamtsbezirk Klausthal]). eine Wildente über die Wellen dahin. Dieses Aluminiumboot ist wohl das erste Objekt größeren Sinne, welche bei den Aus- und Vorrichtungs- sowie den Nachdem die Löhne während des Jahres 1889 fast Umfanges, das aus dem„ Metall der Zukunft" angefertigt ist. eigentlichen Gewinnungsarbeiten angelegt sind, also in der in allen Bergbaubezirken Preußens eine anhaltende Es zeigt, daß das Aluminium sich für berechtigt hält, neben Hauptsache die Gesteins- und Kohlenhauer nebst den mit Steigerung erfahren hatten, ließ das verflossene Jahr nur Eisen und Stahl in die Linie zu rücken. In seiner Bearbeitung ihnen im Gevinge arbeitenden oder ihnen zugewiesenen noch für den Steinkohlenbergbau von Oberschlesien und selbst sind schon Fortschritte zu verzeichnen. Anfänglich konnte Schleppern im Durchschnitt pro Kopf einen reinen Ver- von Saarbrücken, sowie für den Erzbergbau am Oberharz aus geschmiedetem Aluminium hergestellt, die den Vortheil haben, dienst, d. i. nach Abzug nicht nur aller sachlichen Ar- leine bis zum Jahresschluß fortdauernde weitere Steigerung daß fie nicht leicht brechen, sondern sich zunächst biegen. 6000000 Nachdruck verboten. C Marke dedister A Control Gesetzlich Arbeiter geschütz Ausgegeben von Hutmacher der Arbeiter Control Commission In Berlin Jean Holze Markenfabrik Hamburg 11111111 Solidarität! Arbeiter! Nur Hüte, welche nebenftehende Marke unter dem Schweißleder tra gen, bieten Garantie, daß ben Berfertigern gerechter Lohn wurde! D Rauft nur Hütte mit dieser Marke! !!! Aufruf!!! an alle zielbewußten Arbeiter Deutschlands! Wer ohne finanzielle Opfer helfen will, daß den Arbeitern der Hutbranche gerechter Lohn werde, wer daran helfen will, daß ohne Strejfs im Hutgewerbe der achtstündige Arbeitstag eingeführt werde und dadurch Plaz geschaffen wird für Tausende von Arbeitern, welche jetzt elend auf der Landstraße verkommen, kaufe in Zukunft nur Hüte, in denen obige Marke eingeklebt ist. Das Einkleben der Marke beim Kaufen ist etrug, die Marke muß schon vorher im Hute kleben. Wir bitten, genau auf den Tert der Marke zu achten Für die Arbeiter der Hutindustrie: Berlin, 1890. Die Kontrol- Kommission. Meerschaum-, Bernstein- und Elfenbein- Waaren. Spezialität: Portraits bewährter sozialistischer Führer( Lasalle, Marr u. A.), in Cigarrenspihen, Pfeifenköpfen, Shlipsnadeln, Manchettenknöpfen, Stöcken und Brochen. en gros. en detail. B. Günzel, Brunnenstraße 157, am Rosenthaler Thor. Aufruf! Alle Genossinnen und Genossen, welche Talent, Lust und Liebe für Theater haben, werden gebeten, behufs Gründung eines Theatervereins( Spezialität: Dramatische Stücke), im Schanklokal des Genossen Ferd. Hoffmann, Waldemarstraße 61, Ecke Mariannenplatz, sich zu melden. Mehrere Genossen. Den Parteigenossen empfehlen wir zur Anschaffung unsere Neue Gelammt- Ausgabe: Ferd. Lasalle's Reden und Schriften in 40-50 Heften à 3 Bogen zum Preise von 20 Pfg. pro Heft. Herausgegeben im Auftrage des Vorstandes der sozialdemokratischen Partei Deutschlands von Eduard Bernstein, London. Verlag des Vorwärts" Berliner Volksblatt in Berlin SW. Oswald Schensch's Restauration Adalbertstraße 16, zwischen Naunyn- und Oranienstraße. Sämmtliche Räume sind neu renovirt. Herren- u. Knaben- Garderobe, Arbeitssachen, Bestellungen nach Maaß, empfiehlt wie bekannt in reellster Ausführung und allerbilligsten Preisen J. BAER, Berlin N., Gesundbrunnen, Badstr. 18, Ecke der Stettinerstrasse. Ich habe keine Filialen und stehe mit ähnlich lautenden Firmen in keinerlei Beziehung. Bitte daher genau auf Firma zu achten. Verantwortlicher Redakteur: Paul Ernst, Berlin. Verleger und Drucker: Maurer, Werner, Dimmick, sämmtlich in Berlin SO., Elisabeth- Ufer 55.