Berliner Volks- Tribüne = Sozial- Politisches Wochenblatt. Die„ Berliner Dolks Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. bounementspreis für Berlin monatlich 50 Pf. pränumerando( frei in's Haus). Einzelne Nummer 15 Of. Durch jede Post- Anstalt Deutschlands zu beziehen.( Preis viertelj. 1 mr. 50 pf.) № 38. Redaktion und Expedition: SO.( 26), Elisabeth- Ufer 55. Ausgabe für Spediteure: ,, Volksblatt", Beuthstr. 3. Inserate werden die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 20 pf. berechnet. Dereins- Anzeigen: 15 Pf. Arbeitsmarkt: 10 Pf. Inseraten- Annahme in der Expedition: Elisabeth- Ufer 55 Die ,, Berl. Volks- Tribüne" ist unter Nr. 893 der Zeitungs- Preisliste eingetragen. Sonnabend, den 19. September 1891. Parteigenoen! Sophie Günsburg. Politische lage, welche dem Parteitag unterbreitet wird, und in der in§ 8, Notizen. Der Verfall des Staatskredits.- Die Ent- Absatz 2 der Partei- Organisation vorgeschriebenen BeröffentScheidung über Krieg und Frieden im Programm- lichung Aufnahme finden. entwurf. I. Literarisches. Die Adresse des Lokalkomitees in Erfurt, bei welchem die Gedicht. Anmeldung der Vertreter stattzufinden hat, wird später bekannt Novelle. Der Kampf eines Konser- gemacht werden. vativen gegen die Getreidezölle. 11. Lebenshaltung und Lohn der Arbeiter im Mittelalter.- Schwere Aufgabe. Verschiedenes. Die Postabonnenten unseres Blattes erinnern wir daran, vor Monatsschluß ihr Abonnement zu erneuern, da dasselbe von der Post sonst als erloschen betrachtet wird. Postzeitungskatalog Nr. 893. Preis pro Quartal Mk. 1,50( bei Selbstabholung), durch Briefträger ins Haus 1,65 Mk. Die Kreuzbandabonnenten bitten wir, wenn möglich, vom 1. Oftober an direkt von der Postanstalt zu beziehen, da die Expedition sich dadurch bedeutend vereinfacht. Parteigenossen! In unserer Bekanntmachung vom 3. Juli d. J., welche die Veröffentlichung des Programmentwurfs enthielt, war als vorläufiger Termin für den diesjährigen Parteitag der 10. Oktober in Aussicht genommen. Mittlerweile ist nun der Tag für die sächsischen Landtagswahlen bekannt geworden und werden dieselben am 13. Oktober stattfinden. Von Seiten der sächsischen Genossen ist deshalb angeregt worden, den Parteitag um einige Tage zu verschieben, damit unsere Genossen Gelegenheit haben bis zum letzten Augenblick ihre agitatorischen Kräfte im Dienste der Wahlbewegung ausnüzen zu können. Bei der Bedeutung, welche die sächsischen Landtagswahlen für unsere Partei haben, glaubte die Parteileitung den Wunsch der Genossen brrücksichtigen zu sollen und berufen wir deshalb den Parteitag auf: Mittwoch, den 14. Oktober, nach Erfurt in das Lokal zum Kaisersaal", Futterstraße, ein. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: Mittwoch, den 14. Oftober, Abends 7 Uhr, Vorversammlung. Konstituirung des Parteitages. Festsetzung der G2schäfts- und der Tagesordnung. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Vollmachten. Donnerstag, 15. Oktober und die folgenden Tage: 1. Geschäftsbericht des Parteivorstandes. Berichterstatter: I Auer. 2. Bericht der Kontrolleure durch G. Schulz. 3. a) Die parlamentarische Thätigkeit der Reichstagsfraktion. Berichterstatter H. Molkenbuhr. b) Die Taktik der Partei. Berichterstatter: A. Bebel. Berichterstatter: W. Liebknecht. 5. Berathung derjenigen Anträge der Parteigenossen, welche bei den voraufgehenden Punkten der Tagesordnung nicht bereits ihre Erledigung gefunden haben. 4. Berathung des Programm- Entwurfes. 6. Wahl der Parteileitung und Bestimmung des Ortes, wo sie ihren Sitz zu nehmen hat. Parteigenossen! Es bedarf feines besonderen Hinweises auf die Wichtigkeit des bevorstehenden Parteitages. Die Thatsache allein, daß auf ihm die Programmrevision, welche die Partet schon seit Jahren beschäftigt, zum Abschluß und ein neu formulirtes Programm zur Annahme gelangen soll, zeugt für die hohe Wichtigkeit, welche der Parteitag in Erfurt für die Entwicklung der sozialdemokratischen Bewegung in Deutschland haben wird. Der Parteitag ist die oberste Vertretung der Partei. Dort ist der Platz, wo alle Wünsche und Beschwerden von den Vertretern der Gesammtpartei eine den Partei- Interessen entsprechende sachgemäße Würdigung und Beurtheilung finden werden. Gemäß den Bestimmungen unserer Partei- Organisation ersuchen wir die Parteigenoffen, welche Anträge an den Parteitag stellen wollen, dieselben an die unten angegebene Adresse des Parteivorstandes einzusenden. Da vor der Veröffentlichung erst eine Ordnung und Sichtung der Anträge nothwendig ist, so sind die Antragsteller gebeten, mit der Einsendung von Anträgen nicht bis zur letzten Stunde zu warten, sondern dieselben bis spätestens Mittwoch, den 30. September, an den Parteivorstand gelangen zu lassen. Besonders machen wir noch darauf aufmerksam, daß auch solche Anträge zum Parteiprogramm, welche bereits in der Parteipreffe zum Abdruck gelangt sind oder in den nächsten Wochen etwa veröffentlicht werden, in einer zur Verhandlung geeigneten Formulirung an uns eingesandt werden müssen. Nur diejenigen Anträge, welche rechtzeitig und direkt an den Parteivorstand eingesandt werden, können in die gedruckte Bor V. Jahrgang. Mandatsformulare sind durch das Parteibüreau Berlin SW., Razbachstraße 9, wohin auch alle übrigen Zuschriften, Anfragen 2c. zu richten sind, zu beziehen. Mit sozialdemokratischem Gruß Berlin, 5. September 1891. Der Parteivorstand. + Sophie Günsburg. Seliwerstoff durch den Nihilisten Padlewski in Paris, die Bombenprobe von Zürich und vieles Andere. Während dieser ganzen Zeit nun wurde, wenn von den Führern der Bewegung die Rede war, in allererster Linie immer auch Sophie Günsburg genannt. Von den anderen wußte man, daß sie von sicherem Orte, von Paris oder der Schweiz aus, die Figuren dirigirten; Sophie Günsburg aber war der leibhaftige Ueberall und Nirgends. Die Krapotkin's und Sassulitsch's und Mendelssohn's wurden von der russischen Geheimpolizei immer nur im Auslande verfolgt und gesucht; die Günsburg aber wußte man allezeit auf der Reise, sie war Meisterin in der Kunst der Verkleidung und spielte mit ihren 22 Jahren die Rolle des Studenten und der Bäuerin, des Popen und des Stabsoffiziers, des Kaufmanns und des Advokaten gleich gut. Hundertmal überschritt sie so die russische Grenze und trieb sich im Innern des ungeheueren Reiches selbst ungefährdet umher, überall organisirend, befeuernd und schürend bis endlich die rastlose Emissärin, die wohl ihres Gleichen noch nicht gehabt hat, an einer kleinen Vergeßlichkeit zu Grunde ging. Sie war einige Monate nach Borki in einem St. Petersburger Laden gewesen und hatte dort einen kleinen Einkauf besorgt. Auf dem Heimwege bemerkte sie mit Entseßen, daß sie in dem Laden ihre Börse vergessen hatte und der Schrecken war wahrlich sehr am Plaze, denn die Börse enthielt ungeheuer viel Wichtigeres, als Geld, Personenlisten und höchst gravirende Korrespondenzen waren darin. Sie eilte in den Laden zurück,- zu spät! Man hatte die Börse bereits geöffnet und durchsucht, und als Sophie Günsburg wieder in den Laden trat, standen schon Polizisten hinter ihr und sie wurde verhaftet. Aus St. Petersburg kommt die Nachricht,| späteren Affairen: die Ermordung des Generals daß Sophie Günsburg die in der nihilistischen Agitation der letzten Jahre eine Rolle gespielt hatte und schließlich in St. Petersburg festgenommen und verurtheilt worden war, durch Selbstmord ihrem Leben ein Ende gemacht habe. Es ist noch erinn rlich, wie im Gefolge der Ermordung Alexander's II. zugleich auch für die Revolutionspartei eine Katastrophe hereinbrach. Der Attentäter wurde am 13. März gleich an Ort und Stelle verhaftet und wenige Monate hernach wurden Sophie Perowskaja und Peter Scheljaboff als Leiter und Führer, der Chemiker Michael Kibaltschitsch als Verfertiger der Bombe und der Student Michael Ryssakoff als derjenige, der sie geworfen, hingerichtet; die einzige Jeffe Helfemann wurde, da sie bei Fällung des Todesurtheils sich in anderen Umständen befand, vom neuen, dem gegenwärtigen, Czaren zu lebenslänglicher Zwangsarbeit in den sibirischen Bergwerken begnadigt. Der größte Erfolg aber, den damals die russische Polizei durch die Ver= haftung der Attentäter erlangte, bestand darin, daß sie zum ersten Male in die Zusammensetzung und den Dislokationsplan der nihilistischen Partei genauere Einsicht erhielt, und damit schien für die revolutionäre Bewegung thatsächlich das Ende gekommen zu sein. Zwar bliẞte noch da und dort der Dolch und wurden Revolverschüsse abgefeuert: ein Mirski ging dem General Loris- Melikoff an den Leib, Oberstlieutenant Sudejfin wurde getödtet, in dieser und jener Stadt fand man gefürchtete Polizeichefs, verhaßte Beamte, verrätherische Denunzianten todt; aber es war doch nur wie der Nachhall des großen Schlachtendonners. Auf jede Regung der Nihilisten wurde mit zahllosen Verhaftungen geantwortet und in St. Petersburg und Kiew, in Kischenew und Odessa wurde in einer Art und Weise justifizirt und mit Verschickungen nach Sibirien vorgegangen, daß endlich Ruhe eintrat und die letzte Kraft des Nihilismus ein für allemal gebrochen schien. Da lebte aber plöglich die Bewegung mit ungeahnter Heftigkeit wieder auf, so daß man sich in den letzten vier Jahren in jene Zeit zurückversett glauben konnte, wo Alexander II. gleich einem gehezten Wild, überall von erbitterten Feinden umstellt, stündlich auf den Tod gefaßt sein mußte. Eine ganze lange Reihe von Thatsachen bezeugten das Wiedererwachen des unerbittlichen Kampfes. Da war die berühmte Verschwörung des Friedensrichters Bardowski in Warschau; an dem Tage, da der Zar seinen feierlichen Einzug in Warschau halten wollte, sollte beim Vorbeipassiren am Bardowski'schen Hause eine Mine springen: Bardowski und einer seiner Genossen, ein Offizier, wurden gehängt, über zwanzig Theilnehmer an der Verschwörung zu schrecklichen Strafen verurtheilt. Kurz darauf hieß es, daß der Zar in Gatschina mit eigener Hand einen Bediensteten oder einen Offizier, der sich verdächtig gemacht, getödtet habe, und wieder nach einiger Zeit folgte das Eisenbahnunglück von Borki. Eisenbahnunglück wurde es genannt, aber Niemand zweifelte, daß es eine von den Nihilisten gelegte und zur Explosion gebrachte Mine war, die das Unglück bewirkte; und daß der Nihilismus diesen Versuch noch lange nicht als seinen letzten betrachtet, das beweisen die .. Von dem Vorlaufe ihres Prozesses drang Manches in die Deffentlichkeit. Das Neue Wiener Tagebl.," welches die Verantwortung für die Einzelheiten dieses Berichts zu tragen hat, erzählt, daß sie unzählige Qualen zu erdulden hatte, daß sie aber alle Leiden ertrug, ohne sich eine Aussage gegen ihre Mitverschworenen abzwingen zu lassen. Sie wurde zum Tode verurtheilt und erregte es höchstens Aufsehen, als man, statt mit der Hinrichtung vorzugehen, sie begnadigte; Sophie Günsburg wurde auf die Festung Schlüsselburg gebracht, die auf einer Insel inmitten der Newa gelegen ist; hier ist der Aufenthalt ein so schrecklicher, daß die Festungsgarnison von drei zu drei Wochen gewechselt werden muß, weil die Soldaten infolge der unerträglichen Feuchtigkeit erkranken, und hier werden die meist gravirten politischen Verbrecher in unterirdischen Kerkern, in welche das Newawasser in ganzen Strömen hineindringt, gefangen gehalten. In den Schlüsselburger Gefängnissen sterben die Gefangenen gewöhnlich nach drei, vier Monaten, und zwar im Wahnsinn. Sophie Günsburg ist, wie nun gemeldet wird, eines anderen Todes gestorben. Sie hat sich, so lautet die Kunde, mit einer alten stumpfen Scheere, welche sie sich zu verschaffen gewußt hatte, getödtet, obgleich beständig eine Wache vor ihrer Thüre hin und her ging und öfter hineinsah. Sie fürchtete durch die Martern wahnsinnig zu werden und sich dann Geständnisse entreißen zu lassen. Politische Notizen. hat der Verein? Manne verlangt jetzt Italien die Auslieferung, um ihn, nicht wies darauf hin, daß man bei ihm keine volle zurechnungs- giebt ein Eingesandt desselben Blattes, welches sich fähigkeit mehr voraussetzen kann. mit Malatesta beschäftigt. In Bezug auf das Trunksuchtsgesetz haben wir Einige Tage später, nämlich am Nachmittag des 8. Juli, Am 16. August abhin beschäftigten sich eine Anzahl schweizeunsere Meinung schon verschiedentlich geäußert. Sie nun wurde Micha. und der obengenannte Kas., der Vorsitzende des Vereins, verhaftet. Ein Geheimpolizist holte Micha. aus der rischer Anarchisten in Chaurdefonds mit der Lage unseres stimmt vielleicht nicht mit der Ansicht vieler Genossen Werkstätte und führte ihn auf das Bureau des Herrn Polizei- Freundes E. Malatesta, der in Lugano gefangen ſitzt und die über die Sache überein. Der Branntweingenuß ist bei Hauptmann Fischer, welcher zunächst eine Hausdurchsuchung bei erwartet. Zugleich besprach man das merkwürdige Schweigen Entscheidung über ein Auslieferungsbegehren Italiens gegen ihn den gegenwärtigen traurigen Verhältnissen der Volks- Wicha. anordnete. Der Letztere durfte ihr beiwohnen. Wan des Großtheils der Presse unseres Landes in einer Frage, wo ernährung bis zu einem gewissen Grade eine Noth- fand bei ihm nicht verborgen, sondern offen auf dem Tische das Asylrecht, einst der Stolz unseres Baterlandes, in Gefahr liegend, eine Anzahl Broschüren und einige Bücher aus der wendigkeit; wir würden es aber trotzdem mit Freuden Stantonsbibliothek. Die Broschüren waren in polnischer Sprache ist, verletzt zu werden. begrüßen, wenn irgendwie seine Einschränkung oder gar verfaßt und enthielten sozialistische Aufsätze, wie auch wir sie zur wo man fich freute, wieder in frischerem Schwunge den alten Während der patriotischen Feste in Schwyz und in Bern, Aufhebung möglich wäre, selbst wenn der gegenwärtige Agitation verwenden. Sonst fand sich nichts vor- fein Heldengeist und Freiheitsdrang der Bäter preisen zu hören, die Staat den Kampf in die Hand nähme, was allerdings Dynamit, kein Dolch, kein Gift, freilich auch kein Gebetbuch. Alles wurde mit Beschlag belegt und sammt Micha. wieder dem Despotismus ihrer Zeit mit Gewalt entgegentraten und nicht wahrscheinlich ist. Eine Besserung der Lebensunser freies Land einzig auf ihren starken Arm gründeten haltung müßte entschieden die Folge sein. Der Trunk- Polizeihauptmann Fischer gebracht. Zwischen den Beiden ihn in blutigem Kampf in seine Schranken zurüdgewiesen und fand folgendes Gespräch statt: suchtsgesehentwurf ist da vollständig werthlos, er hat Fischer: Was ist das für ein Verein, dem Sie angehören? während dieser Tage beschäftigte sich Niemand mit Malatesta, weiter feinen Erfolg, wie die gewöhnlichsten Polizei- Micha. Das ist ein gewöhnlicher Hilfsverein, politisch be- dem Manne, der sein großes Vermögen und glänzende Karriere und Alles zu Gunsten seiner anarchistischen Ueberzeugungen chifanirungen. Eine weit bessere Maßregel ist die Ver- thätigt er sich nicht. Fisa, er: Nein, nein. Vor Allem ist es kein Arbeiterverein; opferte und als Arzt vor wenigen Jahren bei der Choleratheuerung des Branntweins. Die Schweiz besitzt be- es gehören ihm auch Studenten an. Das ist so was à la Epidemie in Neapel mit Todesverachtung überall an die gefährkanntlich das Alkoholmonopol. Dasselbe, im Jahre 1887 Bombenaffäre. Sie kennen den Mendelsohn? Ja? Sie kennen lichsten Posten eilte, die ihm die Bewunderung selbst seiner Gegner und ihr ungetheiltes Lob eintrug. Und von diesem zur Einführung gelangt, verfolgte einen dreifachen ihn? Dann sind Sie auch ein Terroriſt!- Wie viel Mitglieder Zweck: erstlich die Erhöhung der Einnahmen, zweitens wegen eines bestimmten Vergehens, sondern ganz allgemein die Herabminderung des Branntweingenusses, drittens Fischer: Nein, es sind deren 29. Da schreiben Sie die wegen anarchistischer Umtriebe" zu verurtheilen und für lange die Herstellung eines fuselfreien Stoffes. In Gemäßheit Namen der Mitglieder auf. Dabei wirft er Micha. ein Stüd Beit im Sterker unschädlich zu machen. der über die Verwendung des Monopolvertrages ge- Papier ins Gesicht. troffenen gefeßlichen Bestimmungen muß ein Zehntel der an die Kantone zur Auszahlung gelangenden Beträge zur Bekämpfung der Trunksucht Verwendung finden. Nun hat in der That seit dem Inkrafttreten des Alkohol monopols der Branntweingenuß in der Schweiz merklich nachgelassen. Während 1882 auf den Kopf der schweizerischen Bevölkerung noch durchschnittlich 9,4 Liter Alkohol entfielen, im Jahre 1885 der Verbrauch sogar bis auf 10,16 Liter gestiegen war, weist das Jahr 1890 schoffen? einen Rückgang auf 6,27 Liter nach, so daß nach Micha.: Es scheint mir, daß er nicht mehr bei Verdreijährigem Bestande des Monopols Monopols der stand ist. Branntweingenuß um mindestens 3,99 Liter per Kopf gefallen ist. Das scheint uns ein ganz außerstützt. ordentlicher Erfolg zu sein; wir halten die Abnahme des Branntweinkonsums für die Kräftigung der Arbeiterklasse für eben so wichtig, wie irgend ein Arbeiterschutzgesez. Micha.: Acht oder neun. Micha.: Das thue ich nicht. Ich bin kein Polizist. Fischer( in Wuth gerathend): So? Sie thun es nicht? Dann sind Sie verhaftet! Ich mache Ihnen einen politischen Prozeß und übermittle die Akten dem Bundesanwalt; dann werden Sie ausgeliefert. Diese verfluchten Russen, ganze Nächte durch ſaufen sie schwarzen Thee und politisiren. Was machen Sie mit den Schriften, die man bei Ihnen gefunden hat? Micha.: Ich suche sie zu verkaufen. Fischer: Wo, in Rußland? Micha.: Nein, hier in Zürich. Fischer: Warum hat denn nun der Pole auf Sie geFischer: Sie sind ihm Geld schuldig? Micha.: Durchaus nicht; ich habe ihn thatkräftig unterFischer: Nein, vor Hunger ist er verrückt geworden. Micha.: Das ist nicht wahr. Er hatte jeden Tag genug zu essen. hat er seine Augen verloren und nun lassen Sie ihn hungern. Fischer: Für sie hat er eine Bombe werfen müssen, dabei Schreiben Sie nun die Namen der Mitglieder auf. In anderen Ländern haben die Arbeiter die Befämpfung des Alkoholgenusses mehr Aufmerksamkeit geschenft, wie in Deutschland. Bei uns herrscht leider Micha. schreibt ein paar Namen, die der Polizei so wie so immer noch die Idee, daß das Saufen eigentlich etwas bekannt waren. Dann wurde er verhaftet und in eine kleine Belle eingesperrt. Hier blieb er bis zum 18. Juli, also elf Lobenswerthes sei, und wenn man dagegen Etwas sagt, Lage. Während dieser 11 Tage hat er niemand außer dem Geso tommt man sofort in den Verdacht der Muckerei. Das fangenwärter zu sehen bekommen, weder Herrn Fischer, noch sind so üble Nachwirkungen früherer barbarischer Zu- sonst einen Untersuchungsbeamten. In der Zwischenzeit trug stände, die noch nicht ganz überwunden sind. Aber ich Folgendes zu: Die Frau, bei welcher Micha. zur Miethe wohnte, wollte wenn die Arbeiterklasse zur Erreichung ihres Zieles ihm Wäsche zukommen lassen und sie ging darum mit Hemden, auf die verschiedenartigste Weise an der Hebung ihrer Strümpfen u. s. w. zu Hauptmann Fischer. Dieser gab ihr aber Tüchtigkeit, Gesundheit, Sittlichkeit und Intelliging ar- an: Micha. sei nicht mehr in Zürich, sondern sei nach Genf geso darf sie auch den Kampf gegen das Saufen blieb der Frau natürlich nichts anderes übrig, als mit der beitet nicht vergessen. Auf die offiziöse Preßwirthschaft wirft ein Artikel einiges Licht, welchen mehrere Kreisblattverleger an eine Zeitung gerichtet haben gelegentlich des Skandales mit dem Artikel, wo die Tonne mit 100 statt mit 10 Doppelzentnern angegeben war: bracht worden, was also nicht wahr ist. Unter diesen Umständen Wäsche nach Hause zurückzukehren. Dem Meister, bei dem Micha. in Arbeit stand, kam dessen Berhaftung sehr ungelegen. Er hatte denselben als tüchtigen Arbeiter schätzen gelernt und er ging darum zu Hauptmann Fischer, um sich danach zu erkundigen, ob Micha. nicht bald auf freien Fuß gesetzt werde, und ob er auf dessen Rückkehr rechnen könne. Die bekannte offiziöse Korrespondenz geht von Berlin an Fischer erklärte darauf: Nein, auf den können Sie nicht die Landräthe, diese streichen ihrem Geschmack entsprechende Ar- mehr rechnen, d. h. mit anderen Worten: Der bleibt noch lange tikel in derselben an und schicken sie den Kreisblatt- Redaktionen in Verhaft und wird dann wahrscheinlich ausgewiesen. mit dem Auftrage um Aufnahme zu. Sollte man denn nun Der betreffende Meister, der gern noch eine oder zwei Wochen nicht erwarten können, daß, wenn ein Landrath etwas durchzugewartet hätte, sah sich nun veranlaßt, einen anderen Arbeiter studirt hat, dasselbe so alberne Berechnungen, wie die in dem einzustellen, und als Micha. ein paar Tage später auf freien Fuß angezogenen Artikel, nicht enthält? Was den Respekt anbelangt, so ist es ganz natürlich, daß wir die Artikel aufnehmen, gesetzt wurde, war sein Platz von einem Andern besetzt und er selbst nun brotlos. denn andernfalls würde Einem der Verlag des Kreisblattes ent- Die Kost, welche Micha. in der Strafanstalt vorgesetzt wurde, zogen werden, und die Tausende von Mark, die man dem Vor- war für ihn ungenießbar. Am vierten Tage seiner Verhaftung gänger dafür bezahlt hat, wären verloren. wurde ihm das Geld zugestellt, welches seine Kameraden auf der Polizei deponirten. Nun fonnte er sich besseres Essen be stellen. Seine Bitte, für den mitverhafteten Rasp. Brod taufen zu dürfen, wurde abschlägig beschieden. Die Regierung würde sich den Dank der sämmtlichen Kreisblatt- Verleger erwerben, wenn sie die Zusendung der Ham mann'schen Korrespondenz an die Landräthe einstellte; denn abgesehen davon, daß wir die amtlichen Bekanntmachungen ganz oder fast umsonst aufnehmen, müssen wir uns auch noch durch Aufnahme der Korrespondenzartikel der öffentlichen Beschimpfung aussetzen; auch Haß und Feindschaft unserer Mitbürger ernten wir durch dieselben genug. Große Wirkung haben die Artikel ja doch nicht, da man Wenn man die auffallende Verschleppung dieser Auslieferungsfrage durch das schweizerische Bundesgericht mit der Anwesenheit des italienischen Justizministers in Lugano zusammenhält, kann man sich der Befürchtung nicht entschlagen, daß ein Unrecht in Aussicht steht, ein neuer Schergendienst der Schweiz. gegenüber Italien, der um so unwürdiger ist, als er die Auslieferung, deren man sich schämt, und die man selber als ungerecht ansehen muß, scheinbar verweigert, aber durch etwas ersetzt, das praktisch genau auf dasselbe hinauskommt, nämlich durch die Ausweisung, mit Abführung an die italienische Grenze, wo dann die von unsern Behörden vorher benachrichtigte italienische Polizei ihr politisches Opfer aus den Händen der dasselbe scheinbar frei lassenden Schweizerpolizei in Empfang nimmt. Ein ähnlicher Fall ist ganz kürzlich mit zwei ausgewiesenen Anarchisten an der italienischen Grenze thatsächlich vorgekommen, und es scheint, daß dieses neue, das Licht scheuende administrative System, analog dem in Rußland üblichen administrativen Verschicken nach Sibirien bei werden will, wenn nicht die schweizerische Presse bei Zeiten den Russen von unsern Behörden noch ferner praktizirt genug besitzt, um den Fall Malatesta nicht todtzuschweigen, ein kräftiges Wort dazu sagt. Wir erwarten, daß dieselbe Unabhängigkeits- und Ehrgefühl sondern, stelle sie sich im Uebrigen zu Malatesta's anarchistischen Prinzipien wie sie wolle, dafür zu sorgen, daß ihm als einem durch und durch edlen, hingebungsvollen Menschen auch eine humane, würdige Behandlung zu Theil werde, und daß, was wichtiger ist als die Person Malatesta's, wir uns despotischen Staaten gegenüber nicht in unwürdigen Gefälligkeiten erniedrigen. Denken wir daran, daß die Nachgiebigkeit des Schwachen gegen mächtige Nachbarn, abgesehen von ihrer innern Unwürdigkeit, nie Dank einbringt, sondern den Starken nur begehrlicher und anspruchsvoller gegen uns macht und uns auf diesem abschüssigen Pfade schließlich zum nationalen Untergange nicht nur völlig vorbereitet und reif, sondern auch würdig machen würde. Darum iſt es eine heilige Pflicht der Preſſe, unsere Freiheiten zu hüten und zu wahren, und das auch dann, wenn sie die politischen Ansichten der Männer, die sich des speziellen Falles zuerst an genommen haben, nicht theilt. Wir hoffen, daß man sich gegenüber Malatesta nicht weniger unabhängig und rechtliebend zeige, als man es während der Bundesfeier sein wollte! Ein Arbeitsamt in Frankreich. Das franzö fische Handelsministerium veröffentlicht soeben den Entwurf, Die Aufgabe betreffend ein zu errichtendes Arbeitsamt. des Arbeitsamtes wird in der Sammlung und Veröffent lichung solcher Informationen bestehen, welche sich auf die Arbeit, auf die Entwickelung der Produktion, auf die Organisation und Entlohnung der Arbeit, auf deren Beziehungen zum Kapital, auf die Lage der Arbeiter und auf die Vergleichung der Arbeitsverhältnisse in Frankreich mit denen in anderen Staaten beziehen. Das Amt wird alle in diesen Rahmen gehörige Arbeiten, die vom Minister für Handel und Gewerbe verlangt werden, auszuführen haben. Das Amt wird seinen Siz im Handelsministerium Wie schon gesagt, erlangte Micha. am 18. Juli seine Freiheit haben, dem Minister unmittelbar unterstehen und in einen wieder. Unmittelbar vor seiner Entlassung wurde er noch ein- zweifachen Dienst, einen zentralen und einen auswärtigen, mal zu Polizeihauptmann Fischer geführt, welcher ihm die Er- zerfallen. Der auswärtige Dienst wird von drei ständigen klärung gab: " Sie werden nun entlassen, die Geschichte steht nicht so Delegirten versehen werden. Zeitweilig werden Beamte weiß, daß dieselben„ von Berlin" kommen. Mit dem Geld schlimm, wie ich dachte; die Akten gehen nun an den Bundes- der verschiedenen öffentlichen Verwaltungszweige dem Araber, das durch das Begraben der Korrespondenz gespart würde, rath. Kommen Sie am nächsten Dienstag wieder hier borbei." beitsamte zugetheilt, zeitweilig Delegirte zu speziellen Schauen wir uns nun noch kurz nach den Erlebnissen des könnte man ja die Kreisblätter für die amtlichen Bekannt- Herrn Kasp. um. Derselbe ist ebenfalls am 8. Juli verhaftet Missionen verwendet werden können. Das Zentralbureau machungen entschädigen. Eine böse Welt! Sogar die Reptilien werden wild, sozialistische Broschürenliteratur. Mit ihm führte Herr Fischer die Aufgaben des Arbeitsamtes verwendbaren InforEine böse Welt! Sogar die Reptilien werden wild, und behaussucht worden. Auch bei ihm fand sich nichts, als wird mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln die für und so kommen die tiefsten Geheimnisse der„ Kunst zu folgende Komödie auf: mationen sammeln, um dieselben im Vereine mit den von regieren" an's Licht. Fischer: Was für politische Anschauungen haben Sie? dem auswärtigen Dienst gelieferten für die zu veröffentStafp.: Ich? Ich bin ein Sozialiſt. Fischer: So, ich bin auch ein Sozialdemokrat, aber wenn lichenden oder dem Minister zu übergebenden Berichte Sie sagen, Sie feien ein Sozialist, so steckt da noch etwas da- verwerthen. Die Untersuchung der unter der Direktion hinter. Sie sind nicht in Zürich, um die Stadt anzuschauen. oder der Kontrolle des Staates stehenden Etablissements Wir wissen, daß Sie noch etwas anderes vorhaben. Wir können Sie nicht vorreden, Sie hätten sich hier nach Arbeit umgeschaut. bleibt nach wie vor den kompetenten Behörden vorbehalten. Ich beobachte Sie seit längerer Zeit und bin zu der Ueber- Die von dem Arbeitsamte gesammelten Erfahrungen zeugung gekommen, daß Sie noch etwas vorhaben. Das giebt werden das Material sowohl für periodisch erscheinende, wieder eine Bombenaffäre! Wie heißen die Mitglieder Ihres als auch für außerordentliche, auf bestimmte Fragen beNun fand sich im Laufe dieses Sommers in Zürich ein Vereins? zügliche Publikationen zu bilden haben. Pole ein, der seiner Zeit in Rußland zu einigen Jahren Zucht- Kasp.: Ich kenne die Namen nicht. Ein Unfallversicherungsgesetz in Belgien. haus verurtheilt worden war. Nennen wir ihn, nach den An- Fischer: Sie sind nun verhaftet. fangsbuchstaben seines Namens, Herrn Mal. Derselbe hat gegen Auch Kasp.. blieb 11 Tage verhaftet und wurde mit der Endlich hat man sich nun auch in Belgien entschlossen, einen Bolizisten eine Bombe geworfen und sich dabei den Ver- gleichen Erklärung, welche Micha. zu Theil geworden war, ent- die Arbeitergesetzgebung nach bekannten Mustern in die lust eines Auges und eine schwere Strafe zugezogen. laffen. Als sie am Dienstag Herrn Fischer aufsuchen wollten, Hand zu nehmen. Der jetzt vorliegende Entwurf regelt In Zürich wurde er vom polnischen Arbeiterverein nicht war derselbe natürlich nicht mehr zu treffen. gerade mit Mißtrauen aufgenommen, aber man beobachtete Seither haben Micha. und Kasp. keine Vorladung mehr er die Verhältnisse der Arbeiter und Dienstboten, die Verihm gegenüber doch eine gewisse Vorsicht. Das hinderte halten, überhaupt nichts mehr von dieser Sache zu hören be- pflichtungen der Arbeitgeber und Dienstherrschaften, führt seine Landsleute freilich nicht, ihn nach Kräften zu unter- fommen. stützen, so daß er, trotz seiner Mittellosigkeit, keine Noth zu Den Genossen, die hier auf dem Bureau der Bundes- eine Zwangsversicherung ein und ordnet das gesammte Den Genossen, die hier auf dem Bureau der BundesLeiden hatte. anwaltschaft Erkundigungen einziehen wollten, wurde der Be- Verfahren zur Ausführung dieses einschneidenden Gesetzes. Anfang Juli wohnte Mal. als Gast einer Sizung des scheid zu Theil: Von einer solchen Untersuchung wisse man gar Der wichtigste Gesezabschnitt betrifft die Versicherungen polnischen Arbeitervereins bei. Er betheiligte sich an der Debatte nichts. und die Entschädigungen, welche die Industriechefs, Arbeitund verlangte das Wort. Als der Vorsitzende nennen wir Man sieht, das ist ganz dieselbe Methode, welche geber und Dienstherrschaften ihren bei der Ausführung ihn Kas. ihm das dasselbe mit der Begründung nicht gab, daß die Sache, zu der er sprechen wolle, noch nicht zur Dis wir auch kennen. Abgesehen davon, daß den Bourgeois einer Arbeit verlegten oder getödteten Arbeitern, Dienst ist der boten und deren Familien zu zahlen haben. Der Arbeitfuffion stehe, zog er seinen scharfgeladenen Nevolver Hervor und überall vor den Sozialdemokraten grault, Zur Charakteristik der politischen Polizei in der freien Schweiz entnehmen wir der Züricher Arbeiterfiimme" folgende bezeichnende Erzählung: In Zürich existirte ein polnischer Arbeiterverein. Er setzte sich aus polnischen Arbeitern und Studenten zusammen und hatte, wenn auch alle seine Mitglieder Sozialisten waren, doch feine politische Aufgabe. Vielmehr war er zum Zwecke der Unterstützung armer Landsleute gegründet worden. " feuerte darauf einen Schuß auf den Bizepräsidenten Herrn freien" Schweiz auch die Ungnade von Deutschland geber hat, falls er keine Entschädigung zahlen will, zu Micha. ab. Einem Zufall ist es zu verdanken, daß der und Rußland fatal, und da opfert sie lieber ihr beweisen, daß er an dem Unfalle keinerlei Schuld trögt. Letztere nicht schwer verwundet ist. Die Kugel traf die Brust, Die zu entrichtenden Entschädigungen und Schadenersäge prallte aber am eisernen Beschlag der Brieftasche ab. Der Freiheitsprestige. Thäter stellte sich noch am gleichen Abend bei der Polizei. Alles Eine weitere Illustration zur Schweizer Freiheit können weder abgetreten, noch beschlagnahmt werden. Arbeitgeber und Dienstherrschaften, welche auf eigene Narren! Sie zerbrechen sich den Kopf über die bekann-| gemacht und ist dennoch zahlungsfähig geblieben. DeutschKosten ihre Arbeiter und Dienstboten derartig versichern, testen Dinge von der Welt und merken garnicht, daß sie land hat noch keinen Krieg verloren, keine Krisis von daß allen Bestimmungen dieses Gesetzes über Renten und allesammt eine lächerliche Figur machen. dem Umfange der Panama- und der Kupferkrisis durchEntschädigungen ganz genügt wird, sind von weiteren Und damit das Trio voll wird, muß dann auch die lebt, und troßdem wird der Staatskredit Deutschlands Pflichten befreit. Falls keine oder unzureichende Ver-„ Berl. Börsen Ztg." noch kommen, die, wie immer, die in der Welt um 1 ganzes Prozent Verzinsung niedriger sicherung erfolgt, so sind Arbeitgeber und Dienstherrschaften dummste Ansicht vertritt und Folgendes ausführt: veranschlagt, wie derjenige unserer Nachbarn jenseits der auf Antrag der Arbeiter und Dienstboten verpflichtet," Die eigentlichen Frevler an dem Staatskredit, das Vogesen. Wenn das Zufall sein soll, verstehen wir die einer staatlichen Kasse sofort baares Geld oder Unterpfand sind weder die Börsenjuden, noch die Börsenchristen, Regeln der kapitalistischen Weltordnung nicht. Und der zu überweisen, um die Zahlung der zuerkannten Ent- überhaupt nicht die Börse, die heißgeliebte, sondern die Hinweis auf die Verschuldung der barbarischen, wilden schädigungen und Renten zu sichern. Die Angestellten, Königlich Preußische Staatsregierung Höchstselbst, die Völkerschaften? Der kann doch zu Deutschlands EhrenSubalternbeamten, die Arbeitsunfällen ausgesetzt sind und es nicht versteht, die preußischen Anleihen populär zu rettung nicht herangezogen werden. 1 300 000 000 Mt. 1 109 462 900" in Summa 3 659 462 900 Mt. im Programmentwurf. Ein Beitrag zu seiner Kritik. I. die Dienstboten, die, wenn auch nur vorübergehend, an machen und das Publikum für dieselben zu interessiren. Welche Kapriolen auch die Vertheidiger des industrieller oder landwirthschaftlicher Arbeit theilge- Der Käufer preußischer Anleihen müsse wissen, daß er nationalen Pumpsystems schlagen, es wird ihnen nicht nommen haben, stehen den Arbeitern gleich. Für voll- jederzeit seine Papiere ohne Verlust verkaufen könne, er gelingen, den Staatskredit zu stärken, wenn sie nicht ständige Arbeitsunfähigkeit von über 14 Tagen ist eine müsse glauben, er habe verzinsliche Banknoten liegen, auf den Urquell des Uebels zurückgreifen und dort den tägliche Entschädigung von 65 Prozent des Tagelohnes, wenn er Staatsanleihen kauft." Hebel ansezen, d. h. die Ausgaben in Uebereinstimmung welcher nach dem Durchschnitte des Vorjahres zu be- Dieses Blatt stellt sich so dumm an, als ob es gar- mit den Einnahmen halten und die wahnsinnigen Summen rechnen ist, zu zahlen; bei dauernder Arbeitsunfähigkeit nicht wüßte, daß der Staat 800 Millionen Mark auf für ihre Kriegsrüstungen einschränken. wird auf derselben Grundlage eine lebenslängliche Rente kaufen müßte, wenn er vorher 400 Millionen Mark aus- Das und nichts anderes ist der Grund für den gewährt. Ist die Arbeitsunfähigkeit eine dauernde, aber gegeben hätte, wollte er den Kours halten oder befestigen. Rückgang der 3prozentigen Staatsanleihen. Die Sparnur theilweise, so wird eine lebenslängliche Rente von Nun fehlt nur noch die Cloaka maxima aus Köln am fraft des Publikums ist am Ende ihres Könnens. Wenn 10 bis 50 Prozent des durchschnittlichen Tagelohnes ge- Rhein mit der Erklärung, daß die Alliance israélite das der Fall ist, können weder patriotische Finanzmänner währt. Im Falle des Todes erhält die Wittwe bis universelle und Baron Hirsch die Urheber des Rück-( übrigens eine contradictio in adjecta) noch FinanzSie sich wieder verheirathet 20 pCt. des durchschnitt- ganges der Staatsfonds seien. Dann wäre keine Lücke minister mit weniger Engherzigkeit in puncto des Verlichen Lohnes als Rente; für jedes eheliche oder aner- mehr in dem lieblichen Konzert. dienens der Zwischenglieder bei Staatsanleihe- Operationen, fannte Kind bis zum 14. Lebensjahre, für jede von Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir noch als es Herr Miquel sein soll, den Kredit des Landes dem Verstorbenen unterhaltene Schwester oder Bruder vor Ausgabe der letzten Anleihe das Fiasko derselben heben. find 10 pCt. zu bewilligen, doch darf das Ganze nicht voraussagten. Und damals gehörte ein gewisser Muth 50 pCt. übersteigen. Außerdem müssen Apothekerkosten dazu, denn die gesammte Presse Deutschlands berichtete bis 100 Franks, Beerdigungskosten bis 50 Franks von doch von 42- und 49maliger Ueberzeichnung des aufge- Die Entscheidung über Krieg und Frieden dem Arbeitgeber getragen werden. Während ihres Dienstes legten Betrages. Allein hatte ja das berlegte Dienstboten erhalten je nach ihrem Lohne Ent- Bankhaus Bleichröder schädigungen bis täglich 2,60 Franks, Renten bis täglich die Firma Mendelssohn u. Co. 1 250 000 000 2 Franks. Alle Entschädigungen, Renten, Unfälle werden die deutsche Bank durch die Friedensrichter und im Falle der Berufung H.M. Im zweiten Theil des Programmentwurfs wird unter durch die Gerichte festgellt; diese Sachen sind durchweg dringliche und gehen allen Prozessen vor. Es müssen gezeichnet, während doch nur 450 lumpige Millionen Biffer 3 die Entscheidung über Krieg und Frieden durch die gewählten Vertreter des Volks gefordert. Der versichert werden alle Arbeiter der Steinbrüche, Berg darauf hin, daß das Reich seit 1877 in solchem Ge- und Frieden zu schließen auf das Parlament, auf den zur Verfügung standen. Wir wiesen damals bereits Entwurf will also, daß das Recht, Krieg zu erklären werfe, Minen, unterirdischen Arbeiten, der Eisenbahnen und Schifffahrtsbetriebe, aller Fabriken, Werkstätten und schwindschritt Schulden auf Schulden angehäuft habe, Bauplätze, welche durch Dampf, Gas, Elektrizität, Drud daß es ganz unmöglich sei, weitere Anleihen von nennens Reichstag übergehen soll. Dem Volfe selbst soll demnach die Entscheidung über Krieg und Frieden- wie das im luft getriebene Maschinen verwenden, aller Induſtrien werther Höhe auf die alten Schulden aufzupfropfen. alten Programm gefordert wurde- nicht zustehen. und Arbeiter, die explosive Stoffe erzeugen oder verWir haben selbstredend niemals an dem Zeichnungswerthen. Diese Aenderung, die eine Verminderung der VolksDie Arbeiter des Staates, der Provinzen, humbug geglaubt und die ganze Ueberzeichnung der AnGemeinden und öffentlichen Etablissements sind der leihe für einen finanzpolitischen Hokuspokus angesehen, rechte und eine Vermehrung der Parlamentsrechte beGemeinden und öffentlichen Etabliſſements sind der dargestellt von den Börsenpatrioten zum Zweck der Er- deutet, hat man mit dem Hinweis auf die heutige ſehr Zwangsversicherung nicht unterworfen. höhung des Prestiges des neuen Finanzministers und entwickelte und vervollkommnete Technik der Kriegführung Eine weitere Frucht der franco- russischen Allianz begünstigt vom Finanzminister, um sich selbst ein möglichst zu begründen versucht Diese erheische die möglichste ist der gewaltige Bär, welchen Rußland gegenwärtig in schönes Relief für seine Erstlingsthaten zu geben. Schnelligkeit der friegerischen Operationen, als da sind Frankreich anzubinden gedenkt, und zwar mit ganz be- Heute, nach einem halben Jahre schon, und noch ehe Mobilmachung, Formirung und Aufstellung der Truppen, sonderen Chikanen. Die„ Times" schreibt darüber: die lezten Einzahlungen auf die damalige Anleihe be- ihre Beförderung an die Grenze u. dergl. mehr. Von " Es habe den Anschein, als ob die Kronstädter Zusammen- endet sind, ist die Thatsache des Fiaskos schon so offen- der schleunigen Ausführung dieser Operationen hänge tunft Rußland etwas eintragen solle, was ihm nöthiger sei, als das Recht, die Dardanellen zu passiren. Man spreche davon, kundig, daß sich kein einziges Blatt im Reiche mehr her- zum großen Theil der Ausgang des Krieges ab. Daher daß das neue, von Rothschild refüfirte Anlehen übernommen ausnehmen kann, den Mißerfolg zu leugnen, wie es dem dürfe kein Augenblick verloren gehen, und es müsse und im Laufe des Monats Oktober vom Credit Lyonnais und Nothstand gegenüber noch immer geschieht. Nur über gegebenen Falles eine Entscheidung so schnell wie möglich anderen französischen Firmen im Betrage von 20 Millionen die Ursachen der weichenden Staatsrentenkurse schwebt herbeigeführt werden. Da nun aber eine VolksabstimPfund Sterling auf den Markt gebracht werden solle. Das Anlehen solle ein dreiprozentiges sein und nach Einigen mit 82, noch der Streit. Natürlich nur bei den Bourgeois- muna verhältnißmäßig viel Zeit erfordere, die vom nach Anderen mit 84 aufgelegt werden. Demnach würde dasselbe blättern, deren fadenscheinige Moral es nicht zuläßt, Feinde zu unserem Nachtheil ausgenügt würde, so sei die weniger als 3% pet. Zinsen bringen. Da der gegenwärtige ihre eigenen Sünden frei zu bekennen. Daß doch die Entscheidung des Volkes über Krieg und Frieden aus Preis der russischen 4 proz. Anleihen 97 ist, so set es schwer Leute immer nach einem Sündenbock für ihre eigenen praktischen Gründen zu verwerfen und an seine Stelle zu verstehen, weshalb in dem einen Falle das Publikum 4 Bfund die„ der gewählten Vertreter des Volfs" zu seßen. Da Sterl. 5 sh. 4 d. per Gent und im anderen weniger als 3 Bfund Frevel suchen müssen. Sterl. 15 sh. fordern sollte. Die Differenz müsse demnach als Wir werden es ihnen sagen, den Rabbinatsassessoren in einem Parlament eine Abstimmung sehr schnell herbeipraemium affectionis angesehen oder als der Betrag betrachtet und den Aebten, woran es liegt, daß die deutschen Fonds zuführen sei, so eigne sich dieses besser als das Volk zu werden, welchen die französische Republik als Anerkennung für den Besuch des Zaren auf der französischen Flotte zahlen werde. nach unten streben. Das liegt daran, daß der Schuldner Kriegserklärungen und Friedensschlüssen. Rußland braucht Geld, darüber herrsche kein Zweifel. Wir wollen zunächst darauf aufmerksam machen, daß ohne Prüfung des Umstandes, ob er seine Schulden die vorstehenden Argumente doch nur für die KriegsDie biderbe„ demokratische" Volkszeitung, der wir auch dereinst wird abstoßen können, sich immer erneute die vorstehenden Argumente doch nur für die Kriegsdiese Notiz entnehmen, bemerkt dazu, daß sie ihren Lesern Lasten aufhalst, die wie durch ein Sieb in die große erklärungen gelten, nicht aber für den Abschluß von abrathe, sich an diesem Geschäft zu betheiligen, weil es Sentgrube des Militarismus fallen. Die klugen Leute, Friedensverträgen. Leztere bedingen doch keine kriegefaul sei. Daß das Geschäft faul ist, glauben wir auch; welche jetzt die Komödie aufführen, begreifen den Zu- rischen Operationen und können eben so gut vom Volke aber das als einzigen Grund anzuführen, finden wir bei ſammenhang der Dinge nicht oder heucheln wenigstens, als von einem Parlamente ratifizirt werden. Dann aber glauben wir, daß man bei der obigen einem„ demokratischen" Blatt etwas komisch. Oder sollte ihn nicht zu begreifen. Volksztg." nicht ahnen, daß es sich hier um eine Da finden wir in einem Kapitalistenblatt z. B. Begründung der Nothwendigkeit einer schnellen Entverschleierte Kriegsanleihe handelt? Wenn das Gefolgende Aufstellung der Nationalschulden in ihrer Ver- scheidung und Aktion im Kriegsfalle fonsequenterweise schäft besser wäre, so könnte man den deutschen" demo- theilung auf den Kopf der Bevölkerung: die " fratischen" Kouponabschneidern wohl rathen, den Russen Geld zu borgen zur nun, zur" Demokratisirung" Deutschlands? Die ge Um den Bärer sicherer zu befestigen, will die russische Kaiserin eine Reise nach Frankreich machen. sinnungstüchtigen Republikaner können dann eine lebendige Barewna sehen. Entree 400 Mill. Mark. Sollte sich die Zarin bloß wegen einer gewöhnlichen Anleihe sehen lassen? Der Verfall des Staatskredits. Und es will mich schier bedünken, Daß der Rabbi und der Abt бав sie alle beide Türkei. Vereinigte Staaten Rumänien. Dänemark. . China. Schweiz 0,25 Mark 8,30 " 1 Norwegen. 23,50 " Deutschland · 28,35 " Mexiko. Schweden 43,85 59,35 64,25 11 11 " 71,20 " 1 4 104,70 11 . 108, . 112,50 11 " 1 · 175,85 219,20 227,20 " " # 1 . . 288, " . 284,80 17 320, 333,35 " " Großbritannien und Irland Portugal Frankreich . 393,35 11 492, " 687,75 Rußland Brasilien Italien • Griechenland Desterreich- Ungarn Argentinien Spanien Belgien . • = nicht beim Parlament stehen bleiben kann, sie führt folgerichtig zu dem Saze, daß der Regierung das Recht der Entscheidung über den Krieg zustehen müsse! Gewiß ist es richtig, daß sich eine Parlamentsabstimmung in fürzerer Zeit bewerkstelligen läßt als eine Volksabstimmung, ein Plebiszit; aber ebenso richtig ist es, daß die Regierung, was Beschlußfassung anlangt, den Parlamenten in der Firigkeit über ist." Es kann doch leicht vorkommen, daß das Parlament, weil es doch nicht ohne Unterbrechung tagt und tagen kann, gerade in dem Moment, wo eine schnelle Entscheidung über den Krieg nöthig ist, nicht versammelt wäre. " Es muß also dann zusammengetrommelt werden, worüber mindestens ein Tag vergeht. Und was bedeuten nicht 24 Stunden für den Strategen! Nun soll es die Lage prüfen, diplomatische Aktenstücke studiren, die von der Regierung eingenommene Haltung kritisiren, dann berathen und endlich einen Beschluß fassen. Und alles das ist doch nöthig, soll die ganze Uebertragung des Entscheidungsrechts über den Krieg an das Parlament einen Sinn und einen Werth haben. Diese parlamentarischen Aufgaben lassen sich, sollen sie gewissenhaft und M. M. Nämlich die„ N. A. Z." und der„ B. B. C." Die beiden stellen Typen dar. Die Nordd. Allg. 8tg.," indem sie auf den bösen Spekulanten schimpft. welcher so unpatriotisch ist, an nationalen Anleihen Geld verdienen zu wollen, und der„ Berl. Börsen- Courier," indem er die Spekulanten gegen solche Insinuation in Schuß nimmt. In dieser lustigen Weise geht es in den Kapitalistenblättern fort. Die Regierungspresse, ein- Mit solchen Spielereien glaubt man dem sinkenden nicht frivol behandelt werden, auch nicht in wenigen schließlich der inspirirten Kreisblättchen, belfert die poli- Staatskredit auf die Strümpfe zu helfen. Was sollen Minuten bewerkstelligen, dazu gebraucht es viele Stunden, tische Opposition an, welcher sie den Mißerfolg der dergleichen Statistiken? Etwa beweisen, daß Frankreich wenn nicht mehrere Tage. jüngsten Anleihe- Emission in die Schuhe schieben will, die und England das Vielfache unserer Schulden haben? Während aber die guten Voltsvertreter eifrig über Weisen in der Redaktion des„ Berl. B. C." und die Man wird doch diese Länder nicht mit dem ausgepower- politische Situation debattiren, hat sich diese selbst schon Richter'schen wollen entdeckt haben, daß es das Ungeschick ten Deutschland vergleichen wollen. Wenn Frankreich wieder geändert. Der mit uns in Konstift gerathene des Finanzministers ist, welches den Mißerfolg der An- z. B. nicht den Krieg von 1870/71 verloren hätte, dann Staat wird nicht erst auf den Ausfall des Parlamentsleihe herbeigeführt hat. Und so schieben sich in dieser würde es die Hälfte der gesammten inneren Schuld er- beschlusses warten und dann sein Heer mobil machen, Weise beide Gruppen gegenseitig die Schuld an dem spart haben. Frankreich hat aber diese Lasten getragen, sondern es während der Berathung der Volksvertretung niedrigen Kursstand der heimischen Staatsfonds zu. Die es hat seitdem drei schwere wirthschaftliche Krisen durch- thun. Er verschafft sich dadurch vielleicht einen bedeuten den Vorsprung; während bei uns erst der Befehl an die waren als die Regierungen und welche diese gegen ihren| kriegerische Aufgabe, die das europäische Proletariat Armee geht, kann der Feind schon über die Grenze ge- Willen zum Kriege gedrängt haben. Und das ist leicht vielleicht noch zu lösen haben wird, wird die Beseitigung kommen sein. erklärlich; denn für die Regierung und insbesondere für des russischen Zarismus sein. Aber auch das ist unMan sieht, diejenigen Gründe, welche sich gegen die eine Dynastie steht im Fall eines Krieges Alles auf dem gewiß. Wahrscheinlich wird dieser beim Siege des ProVolfsentscheidung über Krieg und Frieden geltend machen Spiel. Sie wird sich daher zehn Mal überlegen, ob sie letariats von den russischen Revolutionären selbst belaffen, fann man auch gegen die Parlamentsentscheidung sich in einen Kampf, in dem es sich oft um Sein oder seitigt. Der Parlamentarismus aber wird auf alle Fälle ins Feld führen. Erreicht wird mit letterer keinenfalls, Nichtsein handelt, stürzen soll. Die Mitglieder eines von der Bildfläche verschwinden. was man mit ihr beabsichtigte. Wir müßten also, Parlaments aber riskiren höchstens ihren Sig. Von Was bleibt also von jener Forderung:„ Entscheidung wollten wir diese Frage unter zuvorkommender Be- einem tiefen Verantwortlichkeitsgefühl ist bei ihnen keine über Krieg und Frieden durch die gewählten Vertreter rücksichtigung der gegenwärtigen militärischen und poli- Rede, und auch, wenn es vorhanden wäre, schwindet des Volks" für die Zukunft übrig? Nichts, garnichts! tischen Zustände lediglich nach Zweckmäßig feits- dort, wo mehrere 100 Personen zu entscheiden haben. Sie taugt also nichts für die Gegenwart, sie taugt gründen entscheiden, der Regierung das Recht über Um so zugänglicher aber werden die Parlamentarier für auch nichts für die Zukunft; sie ist weder„ praktisch" laffen, Strieg zu erklären, wenn sie es für nöthig hält. die chauvinistischen Phrasen von nationaler Würde und und„ möglich", noch demokratisch und prinzipiell! Von ganz anderen Grundsäßen ging früher die dergleichen mehr sein. In der allgemeinen Aufregung werden Darum hinweg mit ihr aus dem Programm! Sozialdemokratie in dieser Frage aus. Jedenfalls dachte sie den Kopf verlieren und sich von den Kriegshezern Was wir aber an ihre Stelle sezen möchten, werden man bei der Aufstellung des alten Gothaer Programms mit fortreißen lassen. wir im folgenden Artikel darlegen. " " noch nicht so ungeheuer staatsmännisch“ und„ real- Aus all diesen Gründen glauben wir denn auch, politisch" wie heute. Man sagte sich einfach: Die Re- daß für die Erhaltung des Friedens die heutigen Regierung hat kein Recht, ein Volk wider seinen Willen in gierungen mindestens ebenso sichere Garantien bieten als einen Krieg zu stürzen. Deshalb verlangen wir Ent- die forrupten und unfähigen Parlamente. scheidung über Krieg und Frieden durch das Volk." Gewiß, dieser Standpunkt ist nicht einwandsfrei, und wir werden uns mit ihm noch eingehend beschäftigen aber es ist doch ein Standpunkt, dem ein flares Rechtsprinzip zu Grunde liegt, dessen Verwirklichung man anstrebte. Literarisches. Lieder für das arbeitende Volk. Jael, Nr. 1. a) Und überdies, wie weit entfernen wir uns mit dieser Halte Wort, von Joh. Ph. Becker. b) Vorwärts, Part. 80 Pf., Stimm. 1 m.- Jael, Nr. 2. a) Lied der Internatiolen, von angeblichen Realpolitik" von dem wirklich Realen! A. Geib. b) Wie ist doch die Zeitung so interessant, Hoffmann Welcher Sozialdemokrat kann auch nur im Ernste daran v. Fallersleben, Part. 80 Pf., Stimm. 1 M. 20 Pf. La denken, daß unter den heutigen Verhältnissen im deutschen Marseillaise, für Orchester, 16 Stimmen 75 Pf. netto. Riva, Reich das Parlament jemals die Entscheidung über Krieg b)& 8 dämmert im Osten, Part. 80 Pf., Stimm. 1 M. H., zwei Lieder, a) Noch ist die Freiheit nicht verloren, R. Pruz. und Frieden bekommt! So lange die gegenwärtigen Riva, H., Aufforderung: Schlägt noch dein Herz, mit Begleitung Die Forderung des neuen Programmentwurfs aber, Machtverhältnisse fortbestehen, ist an eine Parlaments- des Piano. Part. 80, Stimm. 60 Bf.- Eigenthum des Vernach welcher die gewählten Vertreter des Volks" über regierung im englischen Stil in Deutschland garnicht zu legers. Dresden, Jof. Günther. Krieg und Frieden entscheiden sollen, ist eine jämmer- denken. Dazu fehlt uns nicht weniger als alles! Der Spottvogel. Erscheint wöchentlich in Heften liche Halbheit, ein trauriger Kompromiß von Aber nehmen wir für einen Augenblick selbst das Un- à 10 Pf. Eine furze, wichtige Uebersicht über die politischen militärischen Zweckmäßigkeitserwägungen und mögliche an, denken wir uns, der deutsche Reichstag hätte Wochenereignisse. demokratischen Prinzipien! das Recht, über Krieg und Frieden zu entscheiden. Was- Reclus- Ule, Die Erde, Lieferung 2-5. Preis pro Fragen wir, ob sich vielleicht noch andere Gründe wäre damit für das Proletariat gewonnen? Nichts, ab- Lieferung 60 Pf.; das Werk soll in 15 Lieferungen vollständig sein. Braunschweig, Verl. von Otto Salle. für diese vom praktischen wie prinzipiellen Gesichtspunkt folut garnichts! Der ganze Militarismus ließe sich mit Die empfehlenden Worte, welche wir der ersten Lieferung gleich unzulängliche Forderung des Programmentwurfs diesen Zuständen sehr wohl vereinigen und gerade in f. 3. gewidmet haben, können wir nur wiederholen. Das Buch geltend machen lassen? diesem liegt die Kriegsgefahr. Daß aber dem Militaris- ist populär und interessant geschrieben, aber durchaus auf der Man wird vielleicht sagen, ein Parlament ist fried- mus nur das Proletariat ein Ende machen kann, das Höhe der Wiſſenſchaft gehalten. liebender als die Regierung, weniger wie diese zu Kriegen haben noch jüngst in Brüssel dessen Vertreter einmüthig gelangten soeben folgende Bände zur Ausgabe: Nr. 2851-2853. In der Philipp Reclam'schen Universal- Bibliothek geneigt. Es wird also, wenn in seiner Hand die Ent- anerkannt. Sigmar Mehring, Deutsche Verslehre. Nr. 2854. Friedrich scheidung über Krieg und Frieden liegt, eine größere Wozu also eine solche Halbheit, eine solche Forderung Gustav Triesch, Der Herenmeister. Nr. 2855. Konrad v. Würz Garantie für die Erhaltung des Friedens bestehen. im Programm, die selbst, wenn sie erfüllt, keinen Schuß burg. Drei Dichtungen. Frei aus dem Mittelhochdeutschen überWir müssen das entschieden bezweifeln, glauben viel- Pulver Werth für das Proletariat hätte? tragen von Heinrich Kraeger. Nr. 2856. Henrik Ibsen, Frau mehr, daß sich die Parlamente mindestens ebenso leicht Wenn aber das Proletariat zur herrschenden Klassenger auf Destrot. Schauspiel in fünf Aufzügen. Deutsch von M. von Borch. zum Kriege entschließen wie die Regierungen. Die Ge- geworden, die politische Macht erobert hat, dann wird Nr. 2859. Conrad Jahn, Der hundertste Schimmel. Lustspiel. Nr. 2857. 2858. Ouida, Farnmor. Roman. schichte kennt nicht nur friedliebende, sondern auch recht von Parlamenten noch viel weniger die Rede sein, als Nr. 2860. David Haet, Phantasie- und Lebensbilder. friegerische Parlamente, ja sogar solche, die kriegslustiger von Entscheidungen über Krieg und Frieden. Die einzige Oeffentliche Versammlung der sozialdemokratischen Parteigenossen des dritten Berliner Reichstags- Wahlkreises Maler. -Maler. Mittwoch, den 23. September 1891, Abends 8 Uhr, in„ Gratweil's Bierhallen", Kommandantenstraße 77-79: Große öffentliche Versammlung am Dienstag, den 22. September, Abends 8 Uhr, in der„ Berliner sämmtlicher Maler, Anstreicher u. verwandten Berufsgenossen. Resource", Kommandantenstraße 57. Tages- Ordnung: Der bevorstehende Parteitag in Erfurt. Referent: Genosse A. Gerisch. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegirten zum Parteitag. 4. Wahl einer Kommission zum Sammeln der Gelder behufs Deckung der Unkosten der Delegirten. 5. Wahl zweier Mitglieder zur Lokal- Kommission. 6. Ersatzwahl eines Mitgliedes zur Preßkommission. 7. Wahl von Revisoren. 8. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vertrauensmann. Große öffentliche Volks- Versammlung des sechsten Berliner Reichstags- Wahlkreises am Dienstag, den 22. September 1891, Abends 8 Uhr, im Saale des ,, Eiskeller", Chausseestraße 88. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen W. Werner über:„ Der bevorstehende Parteitag in Erfurt". 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegirten zum Erfurter Parteitag. 4. Verschiedenes. Wir ersuchen unsere Parteigenossen recht zahlreich zu erscheinen. Zur Deckung der Unkosten wird Entree nach Belieben erhoben. Der Vertrauensmann. Den Parteigenossen empfehlen wir zur Anschaffung unfere Neue Gelammt- Ausgabe: Ferd. Lassalle's Reden und Schriften in 40-50 Heften à 3 Bogen zum Preise von 20 Pfg. pro Heft. Herausgegeben im Auftrage des Vorstandes der sozialdemokratischen Partei Deutschlands von Eduard Bernstein, London. Verlag des Vorwärts" Berliner Volksblatt in Berlin SW. 11 Die Kunststickerei, Bilderhandlung und Bildereinrahmung Don Fröhlich& Richter 65, Grüner Weg Berlin O., Grüner Weg 65, empfiehlt sich den Genossen und Vereinen zur Lieferung von Saaldekorationen, Kolossalbüften( 63 cm) 8 Mt., Bilder in sozialdemokratischen Genres zu Verloosungen 2c. Spezialität: Sozialdemokratische Sinnsprüche in bester Ausführung( eigenes Fabrikat). Anfertigung von Bannern, Fahnen etc. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Max Schippel über: ,, Die Macht der Junker in Preußen". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vertrauensmann. Die seit 1877 bestehende, weltbekannte Uhrenfabrik von MAX BUSSE 157. Invaliden- Strasse 157, neben der Markthalle, verkauft jetzt sämmtliche Uhren zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Für jede Uhr wird reelle Garantie geleistet, Grosse Abschlüsse mit Pforzheimer und Hanauer Fabrikanten ermöglichen derselben Firma den Verkauf von Gold-, Silber-, Granaten- und Korallenwaaren zu fabelhaft billigen Preisen. Spezialität: Ringe. Reparaturen an Uhren und Goldsachen werden auf das Gewissenhafteste ausgeführt. Meerschaum-, Bernstein- und Elfenbein- Waaren. Spezialität: Portraits bewährter sozialistischer Führer( Laffalle, Marr u. A.), in Cigarrenspitzen, Pfeifenköpfen, Shlipsnadeln, Manchettenknöpfen, Stöcken und Brochen. en gros. en detail. B. Günzel, Brunnenstraße 157, am Rosenthaler Thor. Verein d. Sattler u. Fachgenossen. Versammlung am Sonnabend, den 19. September 1891, Abends 8 Uhr, im ,, Dresdener Garten", Dresdenerstraße 45. Tages- Ordnung: 1. Welchen Werth haben die internationalen Kongresse für die Arbeiter? Referent: G. Lint. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Zu regem Besuch ladet ein NB. Am Sonntag, den 27. September: Gemüthliches Beisammensein im Vereinslokal. Einfache und elegante Damenschneiderei fertigt Emma Seidel, Markusstr. 12 1. ( Thoreingang). Aufruf! Nirgends wird ein Widerspruch zwischen Lehre und Leben angetroffen, der lächerlicher und widerfinniger wäre als bei den sogenannten besitzlosen Gebildeten", welche aus Wahrheitsliebe und Selbstachtung ihren Lebenslauf unterbrochen oder eine Stellung aufgegeben haben, um geistige Vorfämpfer der Sozialdemokratie zu werden. Ihren Brüdern und Schwestern predigen sie Sozialismus, Gemeinschaft, und sie selbst ignoriren dieselbe untereinander. Wo fich Alles organisirt, wollen wir gegen unsere Ueberzeugung handeln. Ihr Elenden und Bedrückten aller Länder, vereinigt Euch!" also rief der große Mary dem Proletariat zu, und find wir keine Proletarier? In seinem Sinne und, so er noch unter uns weilte, in seinem Wichtig für den Nord- Bezirk! Auftrage rufen wir: Ihr„ befizloſen Gebildeten" Chausseestrasse 83 gegenüber der Liesenstraße. Freunden und Genossen bringe mein Schuhwaaren- Geschäft in freundliche Erinnerung. Größte Auswahl. Zeitgemäße Preise. aller Städte, vereinigt Euch! Wer von den Berliner Herren Genossen unserer Ansicht ist und das Bedürfniß fühlt nach Zusammenschluß der zersplitterten Sträfte, beliebe seine Adresse zwecks Einladung zu einer Besprechung an den Unterzeichneten zu senden. Keine Dugendwaare. Keine Bazarwaare. Im Auftrage mehrerer Gleichgesinnten: A. Fiebig, Königgräkerstraße 56a, H. 2 Tr. Filzschuhe. Elegante Stiefel. Starte Arbeitsstiefel. 0. Fäse, Chausseestr. 83. Berantwortlicher Redakteur: Paul Ernst, Berlin. Verleger und Druder: Maurer, Werner, Dimmick, sämmtlich in Berlin SO., Elisabeth- Uier 55. Von der A schen gehab mir lichen zu er die Geld jei u Das Woh gegen hervo eine glich, ander ich in fand, Hilfe das besta der e diene ob es zu ef zwei leben ber ich, feine Wir aber rief etwa zum gerri Aug ihren ihre entb über denn schie zusch habe wor Oeibkatt zur Oerkiner tloHü-XTribüne Nr. 38. Sonnabend, den 19. September 1891. V. Jahrgang. Die liebe Polizei. Wo Zweie stehen und flüstern, Da steht die Polizei Den Himmel fich umdüstern Und riecht Rebellerei, Mngt an zu arrettren, Denn s' könnt' zum Ausruhr führen; Und darauf hat fie ja zu sehen: Die Welt soll fich auch morgen drehen I Es lebe hoch die Polizei, Die liebe Polizei! Fängt Einer an zu niesten, Spitzt fie die Ohren schnell, Und wittert hinter diesem Den schändlichsten Rebell; Nicht er zum zweiten Male, So find das Kampsflgnale;— Die Polizei packt ihren Mann, Bevor er weiter niesten kann- Es lebe hoch die Polizei, Die liebe Polizei! Bor jeder rothen Nase, Da bleibt fie sinnend stehen, Es könnte in der Straße Gn Attentat geschehen; Und weiter dient dergleichen Oft als Erkennungszeichen;— Drum mit der Rase in Arrest, Dann stehn des Staates Pfeiler fest. Es lebe hoch die Polizei, Die liebe Polizei! Drum laßt, ihr guten Christen, Euch nie von dem Geschrei Der Wühler überlisten, Und ehrt die Polizei! Und tritt fie euch von hinten, So laßt gefaßt euch finden Und denkt:„Ei nun, auch das ist gut, 's ist doch ein jchönes Institut!" Es lebe hoch die Polizei, Die liebe Polizei! sollen wir also thnn! �on Graf Leo Tolstoi. Deutjcb von August Scholz. X. Jenes Gefühl des Mitleids mit den Menschen und der Abneigung gegen mich selbst, welches ich im Ljapin- Ichen Hause empfunden hatte, habe ich später nicht mehr gehabt; ich war ganz erfüllt von dem Wunsche, das von wir begonnene Werk durchzuführen und jenen Unglück- wichen Menschen, die ich hier vorfinden würde, Gutes Zu erweisen. Aber wie seltsam! Man sollte glauben, daß die Erweisung von Wohlthaten. die Vertheilung von Geld unter nothleidende Menschen eine sehr schöne Sache sei und Liebe zu den Menschen in uns erwecken müsse. Das Gegentheil aber war der gall; die Ausübung der wohlthaten brachte in mir vielmehr eine Abneigung gegen die Menschen und eine Verdammung derselben hervor. Am Abend des ersten Zähltages ereignete sich eine Szene, welche ganz den Szenen im Ljapin'schen Hause glich, und dennoch brachte dieselbe bei mir einen ganz anderen Eindruck hervor. Die Sache begann damit, daß ich in einem der Quartiere gerade eine solche Person fand, wie ich sie brauchte, eine Person, die sofortige Hilfe nöthig hatte. Es war ein verhungertes Weib, das seit zwei Tagen nichts gegessen hatte. Das Quartier bestand aus einem sehr großen, fast leeren Raum, der einer ganzen Anzahl von Personen als Nachtherberge dienen mochte. Ich fragte eine anwesende alte Frau, vb es hier sehr arme Leute gebe, solche z. B., die nichts zu essen hätten. Die Alte dachte nach und nannte mir zwei Namen, dann aber schien plötzlich ihr Gedüchtniß lebendig zu werden. „Da liegt sie ja," sagte sie, in dem sie nach einer der besetzten Kojen wies,„die da drinnen hat, glaub' ich, schon lange nichts gegessen." „In der That? Und wer ist sie denn?" „Sie war früher eine Dirne, aber jetzt nimmt sie leiner mehr, darum hat sie kein Verdienst mehr. Die Wirthin hat immer noch Mitleid mit ihr gehabt, jetzt aber will sie sie wegjagen... Agafia, he Agafia!" rief die Alte. Wir traten näher heran, und in der Koje begann sich etwas zu regen. Es war ein halb ergrautes, zerzaustes, zum Skelett abgemagertes Weibsbild in einem schmutzigen, zerrissenen Hemde, mit eigenthümlich glänzenden, starren Äugen. Sie blickte an uns vorüber und suchte mit shrer dürren Hand ihr Leibchen zusammenzuziehen, um chre knochige Brust, die von dem schmutzigen Hemde entblößt war, zu bedecken, wobei sie, offenbar unwillig über die Störung, in ärgerlichem Tone rief:„Was denn, was denn?,, Ich fragte sie, was für ein Leben sie führe. Sie ichien mich lange nicht zu verstehen, dann sagte sie: „Weiß selbst nicht, man will mich fortjagen." Ich fragte sie— und ich schäme mich, es nieder- zuschreiben— ob es wahr sei, daß sie nichts gegessen habe. Und in derselben fiebernden, hastigen Weise ant- wortete sie. ohne mich anzusehen: „Gestern und heut Hab' ich nichts gegessen." Der Anblick dieses Weibes machte einen tiefen Ein druck auf mich, jedoch nicht von der Art, wie die Szenen die mir im Ljapin'schen Hause vor Augen getreten waren Dort hatte ich mich vor lauter Mitleid für jene Menschen geradezu meiner selbst geschämt, hier freute ich mich beinahe darüber, daß ich endlich das gefunden hatte, was ich suchte, nämlich einen hungrigen Menschen. Ich gab ihr einen Rubel und erinnere mich, daß ich sehr vergnügt war, daß andere es gesehen hatten Als die Alte dies sah, bat auch sie mich um Geld. Es war mir so angenehm, zu geben, daß ich, ohne erst nachzuforschen, ob es nöthig sei oder nicht, auch der Alten was gab. Diese geleitete mich bis hinter die Thür und die Leute, welche im Korridor standen, hörten, wie sie mir dankte. Wahrscheinlich hatten die Fragen, welche ich über Roth und Elend stellte, auch ihre Erwartungen rege gemacht, und so folgten uns einige von ihnen Noch in dem Korridor begannen sie mich um Geld zu bitten. Es befanden sich unter den Bittenden ein paar offenbare Trunkenbolde, die einen unangenehmen Eindruc auf mich machten; nachdem ich jedoch der Alten einma' gegeben hatte, hatte ich kein Recht, diesen eine Gabe zu verweigern und ich begann auch unter sie Geld zu ver th:ilen. Während ich noch dabei war, kamen noch wei tere hinzu. In sämmlichen Quartieren entstand eine förmliche Bewegung. Auf den Treppen und Gallerten erschienen Leute, die mir mit Blicken folgten. Als ich auf den Hof hinaustrat, kam von einer der Treppen ein Knabe heruntergestürzt, der die Umherstehenden mit dem Ellenbogen auseinanderdrängte. Er schien mich nicht zu sehen und rief hastig: „Der Agaschka hat er einen Rubel gegeben!" Unten angekommen, schloß er sich der Menge an die mir folgte. Ich trat auf die Gasse hinaus. Leute aller Art kamen hinter mir her und baten mich um Geld. Ich vertheilte alles Kleingeld, das ich bei mir hatte, und trat in einen offenen Laden, dessen Inhaber ich bat, mir eine Zehnrubelnote zu Wechsel. Jetzt geschah genau dasselbe, was auch im Ljapin'schen Hause ge schehen war. Ein schrecklicher Wirrwarr entstand. Alte Weiber, Edelleute, Bauern, Kinder drängten sich vor dem Laden und hielten mir die Hände hin; ich gab inr merzu, fragte auch einige nach ihrem Leben und machte mir Bemerkungen in mein Notizbuch. Der Krämer, der mit hochgezogenem Pelzkragen wie ein Götzenbild hinter dem Ladentisch saß, warf von Zeit zu Zeit einen Blick auf die Menge und schaute dann wieder geradeaus; er fühlte jedenfalls ebenso wie alle andern, daß es eine Dummheit war, was ich da that, doch konnte er das nicht offen sagen. Im Ljapin'schen Hause hatte mich das Elend und die Erniedrigung der Menschen betroffen gemacht, ich fühlte mich als Mitschuldigen an diesen Zuständen und hegte den Wunsch, besser zu werden. Jetzt hatte eine ganz ebensolche Szene auf mich einen durchaus anderen Eindruck gemacht: ich empfand eine Abneigung gegen viele von denjenigen, welche mich umgaben, und zweitens eine Beunruhigung darüber, was wohl die Krämer und Haus- knechte von mir dachten. Als ich an diesem Tage nach Hause zurückkehrte, war mir durchaus nicht wohl ums Herz. Ich fühlte. daß das, was ich gethan hatte, albern und unsittlich war. Wie es jedoch immer zu sein pflegt, wenn das Innere des Menschen sich im Widerspruche mit sich selbst befindet, so redete ich auch diesmal sehr viel von den be- zonnenen Werke, als ob ich durchaus nicht am Erfolge desselben zweifelte. Am nächsten Tage begab ich mich allein zu den von mir notirten Personen, welche mir elender als die ibrigen erschienen waren, und denen, wie ich glaubte, leichter zu helfen war. Wie ich bereits sagte, habe ich nicht einer einzigen von diesen Personen wirklich geholfen. Es erwies sich als weit schwieriger, ihnen zu helfen, als ich angenommen hatte. Ob es nun wirklich nicht anders ging, oder ob nur ich die Sache nicht verstand, jedenfalls hatte ich alle diese Leute nur gereizt und keinen geholfen. Ich ging bis zum letzten Zähltage mehrmals nach dem lischanow'schen Hause, und jedesmal geschah genau dasselbe: ich wurde von einer Menge bettelnder Menschen umlagert, zwischen denen ich mir ganz verloren vorkam. Ich sah, daß es unmöglich war, irgend etwas zu erreichen weil ihrer allzu viele waren, und weil ich eben deshalb. daß ihrer so viele waren, eine Abneigung gegen sie empfand; aber auch einzeln genommen hatten sie nichts besonders Anziehendes für mich. Ich fühlte, daß jeder von ihnen mir die Unwahrheit oder wenigstens nicht die ganze Wahrheit sagte und in mir lediglich den offenen Geldbeutel sah, in den man nur hineinzulangen brauchte. Und sehr oft schien es mir. daß das Geld, welches er von mir verlangte, seine Lage nicht verbessern, vielmehr verschlimmern würde. Je öfter ich in jene Häuser ging, in je engeren Verkehr ich mit den Bewohnern derselben einließ, desto handgreiflicher erschien mir die Unmög- Uchkeit, für sie irgend etwas von bleibendem Werthe zn thun, doch ließ ich gleichwohl bis zur letzten Zählung. die zur Nachtzeit stattfand, nicht ab von meinem Plane. Dieser letzte Besuch ist mir in ganz besonders Pein- licher Erinnerung. Bisher war ich meist allein gegangen, diesmal aber machten wir uns in einer Stärke von zwanzig Mann auf den Weg. Um sieben Uhr ver- sammelten sich in meiner Wohnung alle diejenigen, die an diesem letzten Streifzuge theilnehmen wollten. Es waren fast lauter Unbekannte, Studenten zumeist, ein Offizier und zwei meiner Bekannten aus der großen Welt, die mit der landläufigen Wendung:„Die Sache muß sehr interessant sein!" mich baten, sie unter die Volkszähler aufnehmen zn wollen. Meine beiden Bekannten hatten ganz besondere Vorbereitungen getroffen. Sie trugen eine Art Jagd- joppen und hohe Reisestiefel, ein Kostüm, das ihnen für eine derartige Unternehmung, die in ihren Augen mit einer Jagdpartie viel Aehnlichkeit hatte, als das geeignetste erschien. Auch ihre Notizbücher und Bleistifte hatten eine ungewöhnliche Form. Sie befanden sich in jener gufgeregten Stimmung, in der man etwa zum Duell, zum Kriege oder, wie gesagt, zur Jagd geht. An ihnen war die Ungereimtheit unserer falschen Lage ganz besonders zu erkennen, aber auch wir andern waren in der gleichen falschen Lage. Vor unserer Abfahrt fand eine Berathung statt, eine Art Kriegsrath darüber, wie die Sache an- zufassen sei, wie wir uns zu vertheilen hätten u. s. w. Unsere Berathung glich vollkommen den bekannten Ver- sammlungen und Komiteesitzungen, in denen jeder spricht, nicht, um etwas Nothwendiges zu sagen oder zu erfahren, sondern nur, um vor den andern nicht zurückzubleiben und eben auch etwas zu sagen. Nicht ein einziger sprach in jener Berathung von den Wohlthätigkeitszielen, über die ich zu ihnen allen so oft geredet hatte. So peinlich es mir auch war, so fühlte ich mich gedrungen, ihnen diese Wohlthätigkeitsziele ins Gedächtniß zu rufen, d. h. sie zu bitten, daß sie bei Gelegenheit der Zählung sich auch alle diejenigen merken möchten, die sich in einer elenden Lage befänden. Alle hörten mich, wie es mir schien, mit einer gewissen Niedergeschlagenheit an und gaben mir mit Worten ihre Zusage; es lag jedoch auf der Hand, daß sie alle wußten, daß es eine Dummheit sei, was ich sagte, und daß nichts dabei herauskommen würde. Und sogleich begannen sie wieder von irgend etwas anderem zu sprechen. Endlich brachen wir auf. Vor dem Rschanow'schen Hause angekommen, traten wir in die Theeschenke ein. Die Kellner nahmen uns die Ueberröcke ab, und wir falteten unsere Mappen auseinander. Als man uns mittheilte, daß die Leute im Hause von unserer Ankunft gehört hätten und die Quartiere verließen, baten wir den Wirth, das Thor schließen zu lassen, und begaben uns selbst in den Hof, um den Leuten zum Dableiben zuzureden, indem wir ihnen versicherten, daß niemand nach ihren Pässen fragen würde. Ich erinnere mich des seltsamen und peinlichen Eindrucks, den der Anblick dieser aufgescheuchten Nacht- lagerer auf mich hervorbrachte: in ihrer zerrissenen, unvoll- 'tändigen Kleidung erschienen sie mir in der Dunkelheit des Hofes, bei der spärlichen Laternenbeleuchtung in übergroßer Gestalt; mit ihren erschreckten und infolge des Schreckens grausig anzuschauenden Gesichtern standen 'ie in dichter Gruppe um den übelriechenden Abort gedrängt, hörten unsere Versicherungen an, ohne denselben Glauben zu schenken, und waren offenbar wie ein Rudel gehetzten Wildes zu allem bereit, um nur unserer Ver- vlgung zu entgehen. Von den Herren dieser Welt, von der städttschen und ländlichen Polizei, von Richtern und Staatsanwälten ihr Leben lang gehetzt, nirgends ihres Lebens sicher, weder in der Stadt, noch auf dem Dorfe, weder in den Gassen, noch auf den Landstraßen, weder in den Schenken, noch in den Nachtquartieren, konnten sie unmöglich annehmen, daß diese Herren diesmal nur deshalb gekommen seien und die Thore versperrt hätten, um nichts weiter als eine Zählung vorzunehmen. Gerade so hätte man von den Hasen verlangen können, daß sie glaubten, die Hunde wären nur gekommen, um ie zu zählen, nicht, um sie zu jagen. Die Thore wurden in der That geschlossen, und die alarmirten Hausbewohner begaben sich in die Quar- tiere zurück, in die wir ihnen, nachdem wir uns in Gruppen getheilt hatten, nunmehr folgten. Mit mir gingen die beiden vornehmen Herren und zwei Studenten. Ins voran schritt Wanja mit der Laterne, im Paletot und in weißen Beinkleidern. Wir begaben uns in die mir bereits bekannten Quartiere. Die Leute, welche wir in denselben antrafen, waren mir nur zum Theil bekannt, die meisten Gesichter waren mir neu, und das Schauspiel, welches sich mir diesmal bot, war ungewohnter und grauenhafter, als selbst dasjenige, welches ich im Ljapin- chen Hause gesehen hatte. Alle Quartiere waren bis obenan voll. In der Koje lag nicht eine, sondern zwei jersonen. Grausig war dieser Anblick infolge der Enge, in welcher sich diese Menschen drängten, sowie infolge des dnrcheinanders der beiden Geschlechter. Alle Weiber schliefen, total betrunken, mit den Männern zusammen. Viele Weiber schliefen sammt ihren Kindern in den engen Kojen bei fremden Mannspersonen. Es war ein schrecklicher Anblick, so viel Armuth und Schmutz und Lumpen und Angst an einem Orte angehäuft zu sehen schrecklich namentlich durch die nicht widerlegt, daß man mich einen Sittenlosen oder woher ihr sie nehmen wollt, wenn ihr Krieg im Osten überraschend große Anzahl von Menschen, welche sich Verräther nennt. Selbst ein solcher, wenn er sonst nur und Westen haben solltet! Ist eine Vogelstraußpolitik in dieser Lage befanden. Ein Quartier wie das andere, was versteht, könnte z. B. über die Zweckmäßigkeit der„ patriotisch" oder ist sie nicht vielmehr eine Dummund das dritte und zehnte und das zwanzigste ganz so Agrarschutzölle in einem Industrielande richtigere An- heit?" Man kann wie das erste, und so fort bis ans Ende. Und überall sichten haben, als ein sittlicher Ignorant. Damals wurde mit Verleumdungen geantwortet; derselbe Gestank, dieselbe stickige Luft, dieselbe Enge, einen Gegner verdächtigen, todtschweigen, erschlagen, aber jetzt, wo die Frage brennend geworden ist, und nicht dieselbe Vermischung der Geschlechter, dieselben sinnlos widerlegt hat man ihn dadurch noch lange nicht." Und mehr blos ein Mensch, sondern die Dinge selbst schreien betrunkenen Männer und Weiber und dieselbe Demuth, auf den sinnlosen Vorwurf, daß er dein Feind die hilft man sich mit ein paar albernen Redensarten: Aengstlichkeit und Schuldbewußtheit in allen Gesichtern. Schwäche Deutschlands verrathen habe, daß Deutschland das sei ein möglicher Weise einmal eintretendes Uebel" Und ich fühlte wieder jenen Schmerz und jene Scham, in einem längeren Kriege gegen Ost und West seine Be- ein Krieg mit Rußland, ein möglicher Weise einmal und dann werde Jeder seine wie im Ljapin'schen Hause, und ich begriff, daß das völkerung nicht ernähren kann, antwortete er:„ Dies eintretendes Uebel! Werk, das ich begonnen hatte, thöricht und widerwärtig fonnte der Feind" ohne meine Beihilfe aus den vom Schuldigkeit than"- dieses nichtswürdige, habgierige, und darum unausführbar sei. Und ich schrieb diesmal Reichskanzleramt publizirten Handelsausweisen natürlich gesinnungslose Pack, das dem Volk, während es in den Krieg zieht, das Brot weggenommen hat, will noch von keinen mehr auf und fragte auch nicht einen nach Noth nicht lernen." Pflicht" reden! Getreidezölle. II. " betreibt. " " und Elend, denn ich wußte, daß nichts dabei heraus- In demselben Buch S. 465 sett er dann die Erkommen würde. nährungsverhältnisse Deutschlands im Kriegsfall noch Die„ Kreuzzeitung" belobt uns, daß wir in dem Ich war von schmerzlichen Empfindungen erfüllt. einmal besonders auseinander und giebt die Mittel an, Kampf gegen die Kornzölle offen damit herausgerückt sind, daß es sich für uns wesentlich mit darum handelt, Im Ljapin'schen Hause war ich mir vorgekommen wie den Gefahren zu begegnen: ein Mensch der plößlich am Leibe eines andern ein Wenn nun Deutschland die Zufuhr in einem mehr- die„ konservative" Aristokratie zu verdrängen. Wenn sie furchtbares Geschwür erblickt. Er bedauert den andern, jährigen Kriege von Osten und Westen abgeschnitten das als unsere einzige Absicht bezeichnet, so können wir er empfindet Gewissensbisse darüber, daß er ihn früher werden sollte, so würde es einer Festung mit mehr Be- diese Kampfesweise freilich nur unehrlich nennen; denn nicht bedauert hat, und er kann daran noch denken, dem völkerung als Lebensmitteln dafür gleichen. Wenn man abgesehen von dem auf der Hand liegenden Elend, von Kranken Hilfe zu bringen. Hier aber erschien ich mir das weiß, so giebt es zwei Mittel, sich zu helfen. dem die Hungersnoth begleitet ist, und dem wir als wie ein Arzt, der mit seinen Salben und Arzeneien zu Erstens kann man Mehl, Getreide, Schmalz und Vertreter der Arbeiter überhaupt, nicht als Sozialdemoman könnte auch sagen, als anständige dem Kranken gekommen ist, sein Geschwür entblößt und Böckelfleisch für einige Jahre aus Amerika vor Ausbruch kraten“ haben wir aufgerissen hat und nun sich selbst eingestehen muß, daß des Krieges beziehen. Was um so nöthiger wird, als Menschen ,, entgegenzuarbeiten haben" alles dies umsonst gewesen ist, daß er dem Kranken mit die landwirthschaftliche Produktion während des Krieges noch eine ganze Reihe von anderen Gründen in dem seinen Salben einfach nicht zu helfen vermag. sehr geschwächt werden muß. Nach einer neuen Uebersicht betr. Artikel angeführt. Indessen, wo es sich um die soll Deutschland im Kriege rund 5 Mill. Mann, Armee, Vertheidigung des heiligen Geldsackes handelt, gehen eben Reserve, Landwehr, Ersazreserve und Landsturm aufstellen alle andern Gefühle zum Teufel, selbst die christlichen, Der Kampf eines Konservativen gegen die fönnen, wovon ein großer Theil jezt Landwirthschaft und sogar bei einem Blatte, das das Kreuz an der freilich zwar nicht das Kreuz, an dem Es ist klar, daß die landwirthschaftliche Stirn trägt Produktion darunter leiden, das leiden, das Einfuhrbedürfniß Jesus für die Menschheit gestorben ist, sondern das man erhält, wenn man einen andern Menschen getödtet hat. wachsen muß. Aber da die„ Kreuzzeitung" anzunehmen scheint, In den zitirten Stellen der von ihm heraus- Aber es giebt noch ein zweites Mittel. Im Jahre gegebenen„ Briefe und sozialpolitischen Aufsäge von Rod- 1877 exportirte Deutschland ca. 42 Mill. Zentner daß wir damit unsern Junkern haben Komplimente bertus" hatte Meyer die konservative Partei in ihrem Zucker und 1 150 000 Zentner Branntwein mehr als es machen wollen, so wollen wir ihr doch unsere ganze eigenen Interesse vor den Kornzöllen gewarnt durch den importirte. Im Jahre 1879 wurden für 74,7 Mill. Mt. Ansicht mittheilen: Wir betrachten ihre Partei als ganz Hinweis auf die Folgen: Die Arbeiter werden sich noch mehr Zucker und Syrup, für 9,5 Mill. Met. mehr dasselbe, wie die Bourgeoisie, als ein ganz gewöhnliches mehr der Sozialdemokratie zuwenden, die Kapitals Branntwein aus- als eingeführt. Diese Ausfuhr hat sich Jobberkonsortium, das den Staat in Entreprise genommen konzentration in der Landwirthschaft wird gefördert, und noch gesteigert. Wenn man Freihändler ist, läßt sich hat, nur mit dem Unterschied, daß sie noch eisenstirniger Deutschland wird wehrlos Rußland gegenüber. dagegen nichts thun. Wenn man„ christlich- germanischer ist, wie die Bourgeoisie, die es doch ab und zu für Recht behalten hat er in allen drei Punkten. Und Sozial- Reformer" ist, allerdings. Dann betrachtet man nöthig hält, sich ein humanes Mäntelchen unzuhängen. Ein altes Volkslied giebt folgende Edelmannsdaß es nicht Aufgabe einer konservativen Partei sein den Stand der Grundbesitzer als einen nothwendigen kann, diese drei Gefahren über sich und ihre Klasse her- und von Seiten des Staates zu schützenden. Auf diesem lehre": aufzubeschwören im Interesse eines ganz gewöhnlichen Standpunkt habe ich stets gestanden, und Fürst Bismarck momentanen Job das ist wohl klar. Die Art, wie nimmt ihn natürlich auch ein, wie der Kornschutzzoll und Meyer mit seinen Ausführungen aufgenommen wurde, seine Bauernbriefe" beweisen. Allein, wenn der Grundzeigte dann freilich, daß seine Auffassung der sozialen besiger Anspruch auf Schuß hat, so hat er auch Pflichten, Entwickelung unrichtig und die der Sozialdemokratie und die erste ist, seinen Grund und Boden nur zur richtig war. Diese konservativen Gedanken, welche jene Erzeugung von Produkten für die Ernährung des deutkleine Gruppe von Idealisten vertrat, zu der er gehörte, schen Wolfes, nicht aber, weil es ihnen mehr einbringt, waren eben so auf das Wohl der Arbeiterklasse gerichtet, zur Versorgung der Franzosen mit billigeren Spiritus wie die sozialdemokratischen. Aber diese Konservativen zu ihrer Weinplantscherei und der Englands mit billigem gaben sich der falschen Hoffnung hin, durch Konzessionen, Bucker zum Thee zu mißbrauchen. Ein staatlich besonders welche die herrschende Klasse machen sollte, eine ruhige geschütter Grundbesizer hat nicht mehr das Recht das soziale Entwickelung herbeizuführen; während die Sozial- utendi et abutendi des Grund und Bodens, sondern demokratie eingesehen hat, daß die Menschen blind werden, die Pflicht, ihn zum Bau von Nahrungsmitteln für das wenn ihre Interessen ins Spiel kommen, und daß die deutsche Volk zu verwenden, damit es im Kriegsfall etwas Arbeiterklasse, weil ihre Interessen denen der herrschenden zu essen habe. Wenn aber ein kurzsichtiger und unKlasse entgegengesetzt sind, deshalb nur auf sich selbst patriotischer Egoismus Schnapsbarone und Rübenbauer rechnen kann. Das heißt aber, daß die soziale Ent- verführt, dennoch mehr Branntwein und Zucker zu erwicklung nicht ruhig vor sich geht. zeugen, als das deutsche Volk verbraucht und dadurch Wiltu dich erneren, du junger Edelman, folg du meiner lere, sitz uf, drab zum ban! halt dich zu dem grünen Wald, wann der bur ins holz fert, so renn in freislich an! derwüsch in bi den kragen, erfreum das huze din, nimm im was er habe, span us die pferdlin sin! bis frisch und dazu unverzagt, wann er nummen pfennig hat, so riß im d' gurgel ab!" oder: Kaufleut seind edel worden, das spürt man täglich wol, so fumt der reuttersorden und macht sie reisig vol. Man sol sie außer klauben auß iren mardren schauben mit brennen und mit rauben dieselbig kauffleut gut, das schafft ihr übermut." " 1 Statt der Die Aufnahme der Meyerschen Polemik gegen die dem Körnerbau und der Viehproduktion Acker zu entKornzölle ist, wie gesagt, ein Beweis dafür. Statt einem ziehen, so muß der Staat ihrem wankenden Patriotismus Mann dankbar zu sein, der sie im Interesse der Ge- in dem Kampf gegen das Eigeninteresse zu Hilfe kommen, Im neunzehnten Jahrhundert ist man fortgeschrittener, sammtheit und damit in ihrem eigenen wohlverstandenen indem er die Steuervergütung für exportirten Spiritus da spannt man den Bauern nicht mehr die Pferde aus, Interesse davor warnte, überschüttete sie ihn mit den ge- und Zucker zurückzieht, und, wenn das noch nichts nügt, nimmt ihnen ihr Geld weg und reißt ihnen die Gurgel meinsten Verleumdungen. Schon früher hatte Meyer die sogar einen Exportzoll einführt: der deutsche Acker ist ab, oder reißt den Kaufleuten die Kleider vom Leibe und das thut der Junker des neun Korruption in der leitenden Gesellschaft aufgedeckt zur Ernährung des deutschen Volkes bestimmt, und un- brennt und raubt und in seinen„ politischen Gründern" manchem, der heute patriotisch und unflug ist es, ja, landesverrätherisch kann zehnten Jahrhunderts nicht mehr. Ueberall haben wir in großem öffentlichen Ansehen steht, die Maske abge- es werden, ihn dieser Benugung zu entziehen. Schlempe uns vervollkommnet, namentlich in Produktion und zogen. Das Buch ist natürlich immer noch verboten, und Preßlinge geben freilich Viehfutter. Allein wenn Technik. Und wie alle Arbeit, so ist auch die Arbeit der wird aber für den späteren Geschichtsschreiber der der so vorzügliche Rübenboden mit Weizen bestellt wird, Junker produktiver geworden, und wie alle Technik, so " großen Zeit" ein sehr wichtiges Dokument sein. Wegen wenn man die Kartoffel dem Volke verkauft, anstatt sie ist auch die junkerliche Technik verfeinert. der Angriffe gegen den Fürsten Bismarck, welche sich an zu verbrennen, so schafft man mehr Nahrungsmittel als Technik des Stegreif haben wir jetzt die Technik der dieses Buch knüpften, mußte Meyer damals auch aus bisher und macht Deutschland unabhängig vom Aus- Klinke und die ist viel produktiver, o, viel Deutschland flüchten. Nun fam noch seine Polemik gegen lande, wehrfähiger. Es giebt eine interessante Rechnung, produktiver! die Kornzölle, und da dachten die mehr oder weniger welche ich meinen Kritikern überlasse, wieviel Roggen, dunkeln Ehrenmänner welche mit den filbernen Löffeln Weizen und Kartoffeln auf jenem Boden wachsen können, Lebenshaltung und Lohn der Arbeiter im des Herzogs von Cumberland apen ohne von ihm ein- der jetzt Zucker und Spiritus für den Export liefert. geladen zu sein" und die Agrarier, welche ihr Heiligstes Vielleicht hat Deutschland gar kein Lebensmitteldefizit, In seiner Geschichte des deutschen Volkes" hat der bedroht sahen, ihre Profite, daß man diesen unbequemen wenn dieser, von gierigen Menschen mißbrauchte Boden Mann irgendwie endgültig vernichten müsse. Sehr seiner naturgemäßen Bestimmung wieder zugeführt wird. Ultramontane Janssen eine sehr interessante Sammlung wählerisch sind ja Bismarck und seine Trabanten in der In Desterreich ist das anders, da dieses Land ohnehin von Notizen über die Lebenshaltung der Arbeiter im Wahl ihrer Mittel nie gewesen. mehr Lebensmittel produzirt als konsumirt. Wenn ich Mittelalter gegeben. 11 11 Mittelalter. In einem Artikel" Meyer- Ephialtes" war der in der diesen wunden Fleck Deutschlands, den sich bei Wachsen In Sachsen betrug in 1455-1480 der Durchschnitts uns ja genügend bekannten Manier dieser„ Vernichtungs- der Volkszahl von Jahr zu Jahr vermehrenden Mangel preis für ein Paar Schuhe 2-3 Groschen, für ein Schaf frieg" inszenirt. Ein neckischer Zufall will, daß die neu an Lebensmitteln, im Schlußkapitel zu„ Rodbertus 4 Groschen, für 25 Stockfische ebenfalls 4 Groschen, für aufgefundene Schrift des Aristoteles Ueber das Staats- Briefe" offen aufgedeckt habe, so gebe ich hier die beiden ein Klafter Brennholz nebst Anfuhr 5 Groschen, für einen wesen der Athener" eine Charakteristik des phialtes ent- Mittel dagegen an. Benutzt man sie nicht, und erwächst Scheffel Roggen 6 Gr. 4 Pf. hält, die sich jene Preßfosafen gewiß nicht haben träumen ein Nachtheil daraus, so mögen diese Zeilen für mich Darnach kann man sich die Lohnhöhe vorstellen. laffen: Im Vertrauen auf sie unternahm Ephialtes, des und gegen jene zeugen, welche über diese Dinge zu be- Zunächst bei den landwirthschaftlichen Arbeitern Tophonides Sohn, der für einen unbestechlichen und ver- stimmen Macht haben. Ich habe mir den Saz Tocque- Vergleich mit der Gegenwart können unsere Leser leicht fassungstreuen Mann galt.. einen Angriff auf den villes gemerkt, mit dem er seine Geschichte des großen machen, da wir öfters Artikel und Notizen über Löhne Areopag. Zunächst beseitigte er eine größere Anzahl von Unglücks Frankreichs einleitet:„ Mon but a été de faire und Lebenshaltung der ländlichen Arbeiter gebracht Areopagiten, indem er sie wegen ihrer Verwaltung zur un tableau, qui fût strictement exact, et qui, un mêne haben. den Verantwortung zog..." Schlimm, wenn man wegen temps, pût Etre instructif." Von der Verfolgung dieses Der gewöhnliche Tagelöhner verdiente wöchentlich solcher Lappalien Areopagiten beseitigt, wird Bismarck Bieles werden mich Verleumdungen gesinnungsloser 6-8 Groschen, erwarb also mit seinem Wochenlohn etwa meinen. Aber das ist ja auch schon lange her, und jetzt Soldschreiber und auch der Umstand nicht abbringen, den Werth von einem Schaf und einem Paar Schuhe: tommt so etwas nicht mehr vor. daß man in der Regel 6-10 Jahre, und nun zu spät mit dem Lohn von 24 Tagen konnte er sich mindestens Sehr würdig antwortete Meyer 1882 in der zweiten und möglichst unverständig einen Theil jener Maß- einen Scheffel Roggen, 25 Stockfische, ein Klafter BrennAuflage seines„ Emanzipationskampf":" Im Uebrigen regeln in Deutschland wirklich zur Anwendung bringt, holz, und zwei bis drei Ellen vom besten einheimischen muß ich bemerken, daß man meine Behauptungen, die die ich rechtzeitig vorschlug. Habe ich aber Unrecht, so Tuch kaufen. Als Macherlohn für Rock, Hose, Kugelbut selten ohne beigegebene Motivirung auftreten, dadurch beweist mir doch, daß ihr keine Zufuhr braucht, oder und Joppe eines Cantors in Leipzig wurden 7 Groscher bezahlt; der Herzog von Sachsen trug graue Hüte im Preise von SVa und 4 Groschen. 1482 roijrbe in Sachsen der Tagelohn der Mäher sogar auf drei Groschen nebst reichlicher Kost sixirt. Ein Tagelöhner sollte mit Kost wöchentlich 9, ohne Kost 16 Groschen verdienen, also wöchentlich den Werth von 4 Schafen. Am Niederrhein im Cleveschen konnte 1490— 1510 ein in Kost arbeitender Tagelöhner durchschnittlich für 6 Arbeitstage sich anschaffen: Vi Scheffel Roggen, zehn Pfund Schweinefleisch oder zwölf Pfund Kalbfleisch, sechs große Kannen Milch, zwei Bündel Holz, und er behielt außerdem noch in 4— 5 Wochen so viel Geld übrig, als ein gemeiner Arbeitskittel, sechs Ellen Leinewand und ein Paar Schuhe kosteten. Aus Aachen ist aus dem Ende des 14. Jahrhunderts bekannt, daß ein Tagelöhner in fünf Tagen ein Schaf, in sieben einen Hammel, in acht ein Schwein, in einem Tage beinahe zwei Gänse ver- diente. Nach heutigen Preisen für die entsprechenden, aller- dings jetzt wohl minderwerthigen Viehsorten kosten ein Paar Gänse 6 M., ein Schaf 30 M., ein Hammel 45 M., ein Schwein 60 M. Das würde also einem Tagelohn für den Landarbeiter von zirka 6 Mark ent- sprechen! In Augsburg belief sich der gemeine Tagelohn auf den Werth von 5— 6 Pfund des besten Fleisches; in wohlfeilen Jahren konnte sich der Tagelöhner für einen Lohn täglich ein Pfund Fleisch oder sieben Eier, ein Viertel Erbsen, ein Maß Wein und das nöthige Brot dazu verschaffen und erübrigte doch noch die Hälfte der Einnahme für Wohnung, Kleidung und sonstige Be- dürfnisse. Im Fürstenthum Baireuth verdiente ein Tagelöhner um 1464 täglich 18 Pfennige, während ein Pfund Brat- wurst einen Pfennig, ein Pfund des besten Rindfleisches zwei Pfennige kostete. Aehnlich lauten die Mittheilungen aus Oesterreich. So wird beispielsweise im Rechnungsbuch des Propstes Jakob Pamperl von Klosterneuburg, der dem Stift von 1485— 1509 vvrstand, der Lohn für jeden Tagwerker auf täglich 14 Denare nebst Kost angesetzt, während ein Pfund Ochsensleisch zwei Denare kostete, ein Paar Schuhe 16, ein Paar Hosen 10, ein Bauernrock 24 Denare kosteten. Für Tagelöhner, die in Lohn und Kost zugleich arbeiteten, wurden in manchen Gegenden genaue„Ord- nnngen" erlassen, was und wieviel Jeder an Speise und Trank erhalten solle.„Jedweder Tagewerker, er arbeite auf dem Felde oder sonst," heißt es 1497 in einer Vor schrist des Mainzer Erzbischofs Berthold von Henneberg, „erhelt Morgends eyne Suppe sampt Brot, Mittags zum Ambs eyne starke Suppe, gut Flaisch und Gemüse und eynen halben Krausen gemainen Wehns; Abends Flaisch und Brodt, oder eine starke Suppe und Brodt." Ebenso verordnete der Schenk Erasmus zu Erlach im Odenwald 1483:„Alle Taglöner, die gedungen sint, sowie die Fronleute'ollen gemeynlich, als auch die Knechte und Megde, jeden Tag erhalten zweymal Fleisch und zukost und eine halbe kleine Krause Wehns, uhsgenvmmen die Fasttage, da sollen sie Fische haben oder sunst narhafte Speisen. Auch soll man eynem jeden, der in der Woche geerbeit, den Sunn- und Fehertags gütlich thun nach der Meß und Predig. Sie sollen haben Brot und Fleisch genugsam und einen halben großen Krausen Wehns; an den Hochziten(hohen Feiertagen) auch Bratens genugsam. Auch soll man ihnen mitgeben nach Haus einen großen Leib Brot und von Fleisch sovil, als zwey in eynem Ambs essen können." Nach einer Hausordnung des bairischen Grafen Joachim v. Oettingen(f 1520) erhielten die Tagelöhner und Frohnbauern, sowie die Oekonomieknechte folgendes Essen:„Des Morgens ain Suppen oder Gemues; ain Millich den Arbeittern, den andern ain Suppen. Des Mittags: Suppen und Fleisch; ain Kraut; ein Pfeffer (Sauce) oder eingemacht Fleisch, ein Gemues oder Millich: vier Essen. Des Nachts: Suppen und Fleisch; Rüben und Fleisch oder eingemacht Fleisch; ain Gemues oder Millich; drei Essen." Kräftiger noch mag die Nahrung der Dienst- und Werkleute in Sachsen gewesen sein, denn eine Landes- ordnung 1482 bestimmt: Die Werkleute und Mäher sollen zufrieden sein, wenn sie außer ihrem Lohn täglich zweimal, Mittags und Abends, vier Speisen erhalten, nämlich Suppe, zwei Fleischgerichte und ein Gemüse; an Fast- tagen aber fünf Speisen: Suppe, zweierlei Fische, und zwei Zugemüse." Eben so günstig war das Gesinde gestellt. Auf dem sächsischen Schlosse Dohna zum Beispiel erhielten an Geld neben Wohnung und Kost: Der Wagenknecht jährlich neun Gulden, der Eseltreiber sieben Gulden und vier Groschen, die Viehmägde drei Gulden und zwölf bis achtzehn Groschen, und das in einer Zeit, in der ein fetter Ochse drei bis vier Gulden kostete. Im Amt Dresden belief sich neben Wohnung und Kost der Jahres- lohn einer Köchin auf sieben Gulden und vier Groschen, der eines Küchenjungen auf zwei Gulden und zehn Groschen, der eines Schweinehirten auf einen Gulden. In Morbach bezog 1483 eine Viehmagd jährlich dreizehn Gulden und siebenunddreißig Kreuzer, ein Ober- knecht dreiundzwanzig Gulden siebenunddreißig Kreuzer und außerdem vierundfünfzig Kreuzer für ein Kleidungs- stück; am Bodensee erhielt ein Karrenknecht nebst Kost jährlich neunzehn Gulden und sechsunddreißig Kreuzer. außerdem„Schuhe genug, vier Ellen Mystins Tuch und sechs Ellen Zwilichs." Wie gebräuchlich außer reichlichem Fleisch auch der Wein war, ersieht man aus den Notizen in Haushaltungs- büchern. So wird bei Ermiethung eines Karrenbuben zu Weinheim 1506 ausdrücklich bemerkt:„Man sol im kein Wein zu geben schuldig sein, denn was man von gutem Willen giebt." Ein andermal heißt es bei einer Magd, es sei ihr„kein Wein versprochen zu geben". In der Gesindeordnung von Königsbrück wird vorgeschrieben, daß man einem Knecht, der beim Abendessen nicht zur rechten Zeit anwesend sei, Fleisch und Wein nicht mehr verabreichen dürfe. Und so fort.— Angesichts dieser namentlich gewiß„liberalen" Leuten wunderbaren Thatsache, daß im„finstern" Mittelalter die Lebenshaltung des Arbeiters eine viel höhere war, als jetzt, wo wirs so herrlich weit gebracht haben, wird man nach den Gründen fragen, weshalb der Lohn da- mals so hoch war und weshalb er seitdem so ge- funken ist. Vorerst noch ein Wort mit den„liberalen" Denkern. Daß der„Mensch des neunzehnten Jahrhunderts" dauk aller Fortschritte, die gemacht sind: Baumwolle und Petroleumlampen, Elektrizität und Patentstiefelwichse, Eisenbahnen und Streichhölzern, sich viel wohler befindet. als der mittelalterliche Mensch, der alle dieje schönen Sachen nicht hatte— das steht ihnen unerschütterlich fest. Ja, sie wissen sogar, daß überhaupt die ganze Kultur sich gehoben hat, und daß im Grunde genommen eigentlich eine Kultur, die einen Arkwright hervorgebracht hat, höher steht, als etwa so eine Finsterniß, in der ein Mann, wie Thomas a. Kempis lebt. Das Glück besteht in einer Summe von Empfindungen, welche erregt werden durch den Kontrast zwischen der besseren Lage der Empfindenden und einer schlechter» Lage. Dadurch, daß der arme Teufel des neunzehnten Jahr- Hunderts in der Eisenbahn vierter Klasse fahren kann, ist er durchaus noch nicht glücklicher, als der arme Teufel im Mittelalter, der auf einer schlechten Landstraße dahin- trabte.— So lange man es nicht„besser weiß", ist man zufrieden mit dem, was man hat. Alles gleichgesetzt. wäre demnach die Summe des Glückes nicht größer ge- worden. Da aber der Genuß der Errungenschaften un- gleich, und von Jahr zu Jahr ungleicher vertheilt ist, so wird der Arme sogar mit jedem Fortschritt unglücklicher, ohne daß er sogar absolut geschädigt zu sein braucht. Man stelle sich nun folgende zwei Bilder vor: ein Mittelalter- [icher Bauer, der dasselbe ißt, dasselbe trinkt und sich höchstens in gröberem Tuch kleidet, wie sein Herr— und ein moderner Proletarier, der Unter den Linden bei Dressel vorübergeht und durch die Fenster die schmausenden Leute sieht, während ihn zu Hause ein Gericht Kartoffeln erwartet. Wie wir an angeführten Löhnen sehen, ist er aber sogar absolut geschädigt. Nicht nur relativ steht er sich schlechter, im Vergleich zu den oberen Klassen, sondern auch absolut. Die Ursache ist die Entwicklung der kapitalistischen Waarenproduktion. Im Mittelalter ist die Produktion fast lediglich auf den Selbugebrauch gerichtet, und nur sehr ausnahmsweise wird zum Zweck des Tausches produzirt. Die große Menge des Volkes ist im Besitz der nothwendigen Produktionsmittel und befriedigt mit ihrer Hilfe ihre Bedürfnisse. Da kann die Lebenshaltung auch der„freien" Arbeiter nicht unter ein gewisses Niveau sinken. Dieses Niveau entspricht der Lebens- Haltung, welches ihm möglich ist, wenn er seine Freiheit von den Produktionsmitteln aufgiebt, sich selbst in Besitz der nöthigen Produktionsmittel setzt und für sich selbst produzirt. Das kann der Arbeiter aber fast bis zum Ende des Mittelalters. Nicht nur stehen ihm die Mark- ländereien offen, sondern auch im Innern des Landes steht es ihm frei, namentlich von den Klöstern, Land zu „Leben" zu nehmen. So kommt es, daß die Lebens- Haltung des Arbeiters nicht viel schlechter ist, wie die seines Herrn. Ganz anders wird die Sache mit dem beginnenden Kapitalismus. Die Reformation nimmt der Kirche ihre Güter weg und giebt sie an die Fürsten oder Adeligen. Die Folge ist zunächst, daß keine Armenpflege mehr existirt; die Ein- künfte der Kirche waren das„Patrimonium der Enterbten", das sie nicht allein vor direkter Roth schützte, sondern ihnen auch möglich machte, gegen eine allzuarge Niederdrückung des Lohnes Widerstand zu leisten. Für die bloße Existenz, für welche der moderne Arbeiter arbeitet, brauchte der mittelalterliche nicht zu arbeiten, denn die war ihm durch Armenpflege der Kirche garantirt, die nicht, wie bei den protestantischen und modernen katholischen Pfaffen, eine„Wohlthat", sondern eine „Pflicht" war, für ihn also ein Recht, das er verlangen konnte. Außerdem aber verlor er jetzt auch die Mög- lichkeit, Land zu billigen Bedingungen zu Lehen zu erhalten. Die katholische Kirche war das letzte Bollwerk gegen die Ueberhandnahme des römischen Rechts gewesen. Nach dem römischen Recht werden die Verhältnisse ganz anders gedreht, als sie bis dahin waren. Es kannte nur Herren und Sklaven, Herren mit allen Rechten und Sklaven ohne Rechie; und so wurden allmälig nicht nur die früher Leibeigenen, sondern auch die Lehensträger, die mit Abgaben und Frohnden belasteten Bauern, ja selbst die ganz freien Bauern allmälig in römische Kolonnen verwandelt. Und da jetzt die Produkte dieser Leute auch gegen andere Waaren ausgetauscht werden konnten, so machten die Herren natürlich von ihrem„Recht" Gebrauch und legten den Bauern immer schwerere Lasten auf, nahmen einen immer größeren Theil von dem Produkt ihrer Arbeit für sich in Anspruch. Eine starke Anregung gab der unglückliche Ausgang des Bauernkrieges. Weil die Bauern schon vorher übermäßig belastet waren, brach die Revolution aus. In derselben hatten die Bauern überall die Urkunden verbrannt— nach ihrer Niederlage wurden natürlich neue aufgesetzt mit noch drückenderen Satzungen. Mit der Lebenshaltung der Bauern sinkt naturgemäß auch die Lebenshaltung des Arbeiters. Diese Entwicklung wurde außerdem durch die Geld- entwerthung am Ausgang des Mittelalters gefördert. Durch die Gold- und Silberzuflüsse aus Amerika sank der Werth des Geldes rapide. Das bedeutete, daß der Arbeiter für seinen Lohn nicht so viel Waare mehr kaufen konnte) wie früher, und daß der Gutsherr, wenn er die Produkte seiner Bauern verkaufte, mehr Geld erhielt, wie früher. Endlich wurde eine Menge Menschen gänzlich von ihrem Boden verjagt, namentlich durch die Einziehung der Gemeindeländereien seitens der Gutsherrn, die jetzt auch allmälig beginnt. So ist denn die Vorbedingung für die kapitalistische Industrie gegeben: Arbeiter, die von ihrem Produktionsmittel getrennt sind, niedrige Löhne, und ein Absatzmarkt bei den Fürsten und Adeligen, welche durch die angeeigneten Produkte ihrer Bauern bereichert sind. Diese Entwicklung wird aber durchkreuzt durch die Kriege, welche sich jetzt auf dem deutschen Boden ab- spielen. In diesen Kriegen wird das überschüssige Proletariat„verbraucht", in den Landsknechtsheeren mordet es sich gegenseitig; außerdem verarmt durch sie das ganze Land, das Kapital wird unproduktiv verzehrt; und endlich fehlt es an der nöthigen Sicherheit für Industrie und Handel. Immerhin aber ist das alles nur ein Uebergang; und auch dieser Uebergang trägt ja nur dazu bei, die Lebenshaltung des Volkes noch tiefer zu schrauben. Der Wein, der im Mittelalter ein eben solches tägliches Be- dürfniß für den Arbeiter war, wie das Brot, ist jetzt ein Luxusartikel; und selbst in den weinbauenden Theilen Deutschlands trinkt der Arbeiter jetzt keinen Wein mehr, sondern nur Apfelwein. Nach Beendigung der Kriegsperiode verhindert das Eingreifen der übrigen Mächte, welche ein schwaches Deutschland aus Gründen des Handels und der Politik nöthig haben, dah sich die Produktiou entwickelt, einfach dadurch, daß die Zersplitterung Deutschlands aufrecht er- halten wird. In diesem Wirrsal von Kleinstaaten, über- all beengt durch Grenzen und Zölle, kann sich kein Kapitalismus entwickeln. Napoleon I. war es, der da den ersten Handschlag gethan hat, indem er den größten Theil der Kleinstaaten hinwegfegte. Und jetzt verdankt der deutsche Bourgeois das, was er auf dem Weltmarkt erreicht, der durch jahrhundertelanges Elend nieder- gedrückten Lebenshaltung des Volkes. Schwere Aufgabe. Die katholische Kirche hat bekanntlich das ganze Mittelalter hindurch das Zinsennehmen verboten— was damals noch eine andere Bedeutung hatte, als es heute hätte. Heute ist der Zins ein Abzug vom Kapital- prosit; in der mittelalterlichen Wirthschaft, wo der Be- sitzer der Produktionsmittel zugleich Produzent ist, war es ein Abzug vom Arbeitsertrag. Das Verbot war also eminent„arbeiterfreundlich"— wobei wir unerörtert lasfen wollen, wie die Sache des weiteren zusammen- hängt. Da die Logik der ökonomischen Thatsachen stärker ist, wie die Logik der theologischen Lehren, so haben sich mit der Entwickelung des Kapitalismus diese Zinsverbote nicht halten iassen, und schließlich hat die Kirche selbst ihren Segen dazu gegeben, indem sie selber nahm— man erinnere sich an die verschiedenen Milliönchen, welche Seine Heiligkeit der Papst kürzlich verspekulirt hat. Nun, wir wollen da Niemandem einen Vorwurf machen; das ist nun einmal so in der Welt, und die Menschen sind keine Engel. Aber wir amüsiren uns doch über die Quälereien, welchen die Kirche sich unter- zieht, um die Sache zu verdecken. Wir hatten gedacht. daß sie das bequemste und richtigste Mittel des Schweigens anwende; allein, wie uns eine Notiz in„Freiland" zeigt, ist das nicht der Fall. Es heißt dort: Es lag uns dieser Tage eine Nummer der christlich-sozialen Blätter, kathol.-soziales Zentral-Organ(Neus; 1888) vor, in der sich ein unterhaltendes Kapitel befindet, welches von den An- strengungen des päpstlichen Stuhles handelt, die dieser machen muß, um der in ihren berechtigten Zweifeln Auskunft erbittenden Geistlichkeit, bezüglich der Berechtigung des Zinsnehmens, zu antworten. Eine schwere Aufgabe, bei der dem römischen Ober- Hirten unser volles Mitgefühl nicht vorenthalten werden soll. Es ist so schwer zu beweisen, daß zwei mal zwei fünf ist, und der, bei dem sich wichtige Existenzfragen an die Erbringung eines solchen Beivcises knüpfen, ist gewiß zu bedauern. Klar und un- bezweifelbar lauten die Verbote der Päpste gegen den Zins: aber ebenso klar ist es, daß die geistlichen Behörden ihr Geld nicht gern ohne Zins ausleihen. Was ist da zu thun? Was ist de» Beichtväten der Diözese des Bischofs von Kannes zu er- widern, welche 1830 den Bischof baten, bei der heil. Kongregation der Inquisition in Rom zu fragen, wie sie es zu halten habe bezüglich„des Gewinnes aus Darlehen, welche Geschäftsleuten zu deren Bereicherung gemacht werden?" Waö dem Kollcgiat- Kapitel von Locarno, welches 1831 berichtet, daß es„den größten Theil seiner Pfründen in Geld besitze, das es vorzüglich durch Ablösung des Zehnten erhalten, die durch Beschluß der Regierung erfolgt sei; und es genölhigt sei, dieses Geld anzu- legen, um von dessen Früchten zu leben und die mit den Bene- fizien verbundenen Lasten zu tragen?" Güter find schwer zu er halten und tragen nur 2%, pCt., während man für Darlehen 4-5 pt. erhalten kann. Was ist dem Herrn Denavit, Profeffor der Theologie im Seminarium des hl. Frenäus in Lyon auf seine wiederholt 1830 den hl. Bönitentiaren vorgelegten Gewissensstrupel zu berichten, Strupel wegen der wichtigen Frage, ob es ihm erlaubt set, Priestern die Absolution zu ertheilen, welche für die Berechtigung der fünf Prozent eintreten? Arme Kongregation der Inquisition! Arme Hl. Bönitentare! Ihr wißt nicht, was Ihr erwidern sollt, müßt Euch in Zweideutigkeit und scholastische Definitionen einhüllen und könnt nicht anders als das Gegentheil von dem erlauben, was Eure Kirche so streng verboten hat, wie z. B. in folgendem, dem Herrn Denavit gegebenen Bescheid: Die Priester, um die es sich handelt, seien nicht zu beunruhigen, bis der heil. Stuhl eine endgiltige Entscheidung treffen werde, wenn sie nur bereit sind, sich derfelben zu unterwerfen; daher stehe ihrer Lossprechung im Sakrament der Buße nichts im Wege. Gegeben zu Kar Rom in der Pönitentiarie 16. September 1830. dinal de Gregorio, Großpönitentiar. J. Pecca, Sekretär der Al. Pönitentiarie. der feinen Heller Geld hat, beginnt ein Haus zu bauen. Hinter| Antheil auf jede Familie entfallen, sondern reichlicher Komfort, ihm steht ein Kapitalist, der ihm die„ Baugelder" vorstreckt, welche der das Leben schön und des Lebens werth macht. Wer erinnert sich nicht der berühmten Geschichte von Rothals erste Hypothek eingetragen werden. Die beim Bau be schäftigten Handwerker erhalten kein Geld, sondern ihre Forderungen schild und dem Kommunisten? Nun, wenn die Sozialdemokratie werden gleichfalls nur hypothekarisch eingetragen. Ist das Haus wirklich„ theilen" wollte 20 000 Mark für die Familie wäre fertig, so stellt der Vordermann seine Zahlungen ein, und das doch schon eine ganz hübsche Summe! Haus wird versteigert. Erstanden wird es von dem Hintermann, Die Zustände unter dem gebildeten Proletariat resp. einer dritten, von ihm ebenfalls vorgeschobenen Person, illustrirt ein Artikel, welchen das Hamb. Echo" im„ ärztlichen und zwar zu einem Preis, der gerade den Baugeldern" ent spricht; denn die Leute sind natürlich so vorsichtig gewesen, eine Bentralanzeiger findet: so hohe Baugeldersumme eintragen zu lassen, als das Haus, wenn es fertig ist, werth sein kann. Die Handwerker find dann geprellt und der betr. Hintermann hat ein billiges Haus. Der Antrag führt als Beispiel eine derartige stattgefundene Versteigerung an, bei der die Handwerker- Hypotheken jämmtlich ausfielen. Es handelt sich um ein Grundstück Liegnizerstr. 41: Hypothekenbelastung: 133 515 M. 16 835 6.000 Adam, Baugelder Werd u. Glierücke Holzhandlung, George u. Nicolai Ww. Nordgauer Töpfermeister. Tischlermeister Staafermeister Malermeister Schlossermeister Gas- und Wafferanlagen- Fabrikant Steinmegmeister Zimmerpolier " " 10 000 6.000 4.000 2000 4.000 2000 2.000 " " " " " 7 " " " " 300 1500 188 150 m. Die besagte endgültige Entscheidung läßt immer noch auf fich warten, trotzdem seitdem 61 Jahre ins Land gegangen sind. Wie soll sie auch gefällt werden können, wenn gerade die Frage, welche dem Kapitel von Locarno vorliegt, eine unlösbare ist, die Frage, warum, wenn es 2%, pCt. aus Landbesitz machen kann, es nicht 5 pt. mit dem gleichen Lande machen darf, im Falle der, dem es das Land verkauft, so tüchtig ist, daß er mehr als das Kapital damit verdieut und noch ein gutes Geschäft dabei Ww. Nordgauer erwarb bei der Versteigerung das Grundmacht, wenn dieses das Kaufgeld bei ihm gegen die 5 pet. Bins stück für 160 750 M.; der Ausfall betrug mithin 27 400 m., fostehen läßt? Unlösbar ist sie diese Frage, so lange die Berechti gung der 2 pet. aus dem Lande und die des Verkaufs dieses daß kein Pfennig für die in Summa 21 800 m. betragenden Forderungen der Handwerker vom Töpfermeister bis zum ZimmerLandes und seiner Rente à priori als selbstverständlich ange- polier herauskam. nommen wird und Niemand wird armen Geistlichen seine Nach dem letzten Zensusbulletin ist der abgeschätzte Sympathie versagen, die sich derart mit der Quadratur des Birkels abplagen müssen, statt Salerner Wein zu trinken und Steuerwerth des liegenden und beweglichen Eigenthums in den Vereinigten Staaten im letzten Jahrzehnt von 16 904 Millionen Sen lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Freilich, die Aufgabe ist schwer. Aber wer heißt Dollars auf 20 249 Millionen Dollars gestiegen, und der wahre denn auch die armen Pfaffen sich selbst damit abplagen? Werth des Nationalvermögens auf 62,610 Millionen Dollars. " Dies ergiebt," meint das Bulletin, fast 1000 Doll. auf Wir in ihrer Stelle würden uns die Sache bequemer den Kopf, gegen 870 Doll. im Jahre 1880, 780 Dollar im Jahre machen. Wir nähmen uns einfach einen deutschen Pro- 1870 und 514 Doll. Jahre 1860." fessor der Nationalökonomie an, die können alles beweisen! Verschiedenes. 0,9 Proz. 7,5 Charles Booth( nicht der General der Heilsarmee) giebt in übersichtlicher Weise Aufschluß über das Leben der ärmeren Bevölkerung Londons. Demnach ist nicht Ostend, sondern Südend der Stadt das ärmste Viertel dieser Riesenstadt. 37 610 Perf. Die elendeste Klasse umfaßt 316 834 Gelegenheitsarbeiter... Arme Arbeiter( Einkommen bon 18-20 Schill. per Woche) Gut fituirte Arbeiter Mittelstand und reiche Leute Insassen von Armenhäusern Arme Leute Gutfituirte. • . . = = " " 938 293 2 166 503 749 930 = " = " = 22,3 51,5 17,8 " " " 4 209 170 Perf. 99 830 = 100 Proz 4 309 000 Personen 30,7 Proz. " 69,3 100 Proz. Einen interessanten Beitrag zum Bauschwindel in Berlin liefert ein Antrag der Bodenreformer. Der Schwindel ist ja in der gegenwärtigen Gesellschaftsorganisation eine nothwendige Einrichtung, ohne die es nicht geht". Am traffesten und widerwärtigsten tritt er beim Bauen in den Großstädten auf. Eine ganz gewöhnliche Manier ist z. B. folgende: ein Mensch, " Auf den Kopf aber wie ist es vertheilt!" Das Vermögen der Klasse der Reichen hat sich seit 1860 verdreifacht; das Bulletin theilt die Tausend- Millionen- Besitzthümer der privilegirten Klasse durch die Bewohner- Anzahl und bringt auf diese Weise heraus, daß auf jeden Stopf ca. 1000 Doll. entfallen, also auf jede Familie 5000 Doll.; und noch mehr, daß sich das„ Durchschnitts"-Vermögen des Einzelnen seit 1860 beinahe verdoppelt habe. In Wirklichkeit betrug der Eigenthumswerth in den Vereinigten Staaten im Jahre 1860 nur 16 159 Millionen Dollar und die Bevölkerung 31 Millionen Seelen. Die Einwohnerzahl hat sich inzwischen verdoppelt und das Vermögen der Reichen mehr als verdreifacht, so daß thatsächlich Besitz genug vorhanden ist, daß jede Familie mit 5000 Dollar am Nationalgut partizipiren fönnte, wenn die Ordnung der Dinge eine andere wäre. Das Zensus- Ergebniß beweist, daß sich der Tisch für Alle decken ließe; daß Niemand Noth zu leiden brauchte, wenn die Gesellschaft vernünftiger organisirt wäre. Und das Zensus- Ergebniß läßt bei der heutigen Unordnung, Mißwirthschaft, Beit- und Kräfte- Vergeudung 5000 Dollar für jede Familie übrig natürlich nur ideell! Welch glänzendes Resultat wäre da zu erwarten bei rationeller Landbewirthschaftung und Güterproduktion, bei organisirter Leitung der Werth- Erzeugung und bei Vermeidung unnützer Arbeiten, zweckloser veralteter Methoden und bei Ueberflüssig werden der Vergeudung und Verwüstung von Arbeitskräften und Arbeitsmitteln wie sie durch den heutigen Konkurrenzkampf bedingt ist! Nicht nur der Werth von 5000 Dollar würde dann als „ Sehr geehrter Herr Kollege! Wollen Sie den Nothschrei eines Kollegen, den die Noth aus Vaterland und Stand vertreibt, Allen zur Warnung in Ihrem geschätzten„ A. 8.-A." mittheilen. " Wo der Hunger und Kampf um's tägliche Brot beginnt, da hört die Idealität auf. Sollten die Herren Aerzte bom Nordverein das noch nicht bald einsehen, so werden sie das bald zu fühlen bekommen. Sanitätswache, Boltflinit, Krankenkassen, Alles hilft nicht dem Bedürftigen, sondern Jedem, der die Kosten des Arztes scheut und den Geldbeutel schonen will. Auf solche Weise ist es bereits so weit gekommen, daß kaum ein Drittel der Aerzte von dem Verdienste lebt. Geht das so fort, so können die Herren Kollegen bald zusammentragen, um ihre armen Kollegen nicht verhungern zu lassen. Ein Beispiel nur und zugleich die Ursache, die mich in die Fremde treibt und mich zwingt, meinen Beruf aufzugeben. Ich selbst bin seit drei Jahren Arzt im Zentrum von Berlin. Die väterliche Unterstügung, die ich bisher hatte, hielt mich über Wasser. Ein geschäftliches Unglück meines Baters beraubte mich dieser Quelle und jetzt stehe ich hülflos da. Mein Verdienst betrug jährlich M. 1400, Miethe und Steuer nehmen M. 1200, das Uebrige bekam ich zum Leben vom Vater; jezt verdiene ich nebenher durch Uebersetzen und Abschreiben den Lebensunterhalt. Ist das den Herren Kollegen noch nicht Elend genug, so kann ich mit noch mehr aufwarten; es giebt Aerzte, die im Monat sieben Miark( M. 7) verdienen. Aber es muß und wird noch schlechter kommen. Jeder Verwaltung, jedem Gemeinwesen ganz gleich, ob nöthig oder nicht muß unentgeltlich Hülfe geleistet werden. Ist dann der ärztliche Verdienst auf Null gesunken, dann tritt das Ideal in sein Recht! Zum Teufel! Ihr Aerzte, die Ihr Eure Hülfe so gering schätzet, bleibt doch davon und setzt Euch auf die Geldsäcke Eurer Bäter und Schwiegerväter oder werdet Armenärzte ohne Gehalt. Ist das ideal, wenn jeder Massör, jeder Barbier von seinem Verdienste sich ernährt, während der Arzt erst reich heirathen muß oder schon den Geldbeutel mit in die Praxis bringen muß? Jetzt kommen die Herren vom Nordverein und machen dem Polizeipräsidium Zugeständnisse. Nur immer fort! Nur ja nichts verdienen! Das ist nicht ideal! Berhungern! Ist das ideal? Ist Steuerzahlen ideal? Jst die Annahme von Krankenkassenstellen ideal? Ist es ideal, wenn ein Mann sein ganzes Leben lang von dem sich nähren muß, was sein Vater oder Schwiegerbater zusammengescharrt? Ist es ideal, wenn ein ,, alter wohlverdienter Arzt" einer reichen Familie eine Jahresliquidation von 3 Thalern schickt.( Wirklich aus der Brandenburg. Aerztekammer.) Es wird Zeit zum Kampfe. Auf, Ihr Kollegen, die Ihr unter dem Drucke leidet. Ein fretes Wort! Wozu die vielen Polikliniken? Nicht zu Lehrzwecken. Sondern zur Reklame, um Patienten heranzuzerren. Ein gewesener Berliner Arzt." Briefkasten der Expedition. Wir ersuchen unsere Kreuzbandabonnenten aus Oesterreich, welche mit den Abonnementsbeträgen im Rückflande sind, dieselben umgehend begleichen zu wollen. M. Sand, Düffeldorf; A. Freundt, Breslau. Wir ersuchen um gefl. Einsendung des Abonnementsbetrages. Die Expedition. Gesangs- und Hut- Fabrik Berliner Arbeiterbibliothek. H. Osang, Charakter- Bomiker, Blücherstraße 11, vis- à- vis der Streuz- Kirche. Wilhelm Böhm. Sämmtliche Hüte mit Kontrolmarken. Gr. Lager in Regenschirmen. Reelle Bedienung. Noch billige Käsepreise. Golft. Golländer Käse à Centner Holft. Limburger Käse à Centner Golft. Edamer Käse à Centner....... M. 26... M. 25. M. 32. ab hier gegen Nachnahme empfiehlt Julius Werner, Heumünster i. H. 10 Pfund- Probepoftcolli M. 3.60 und M 3.50 und M. 4.20. Empfehle Freunden und Genossen mein reichhaltiges Lager von Sammlung sozialpolitischer Flugschriften. Herausgegeben von Max Schippel. Soeben erschien Heft 2 der III. 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