Nr. 74. Dienstag, 1. Zuli 1884. I. Jahrg. SnlimrVMW Krgan für die Interessen der Arbeiter. 4- Das„Berliner Sollsblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtage«. Abonnementspreis für Berlin frei in'S HauS vierteljährlich 3 Mark, monatlich 1 Mark, wöchentlich 25 Pf. Einzelne Nummern 5 Pf. Postabonnement pro Quartal 3 Mark.(Eingetragen im VH3. Nachtrage der Postzeitungspreisliste unter Nr. 719a.) JnfertiouSgebShr beträgt für die 3gefpaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pi. Bei größere« Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi» 4 Uhr Nachmittags in der Expedttion, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung deS Preises, angenommen. WeöcüUicm un6 AXpeöition WerLin SW., Mmmerstraße 44. Abmllemeuts-Einladllug. Zum neuen Vierteljahr erlauben wir m>s alle Ar- beiter Berlins zum Abonnement auf das Berliner Volksblatt einzuladen. Die Reichshauptstadt hatte bislang kein Organ, welches den Interessen der werkthätigen Bevölkerung diente. Das „Berliner Volksblatt" füllt diese Lücke auS, eS bedarf aber, um seiner Aufgabe voll und ganz gerecht werden zu können, der nachhaltigsten Unterstützung der Arbeiter. Wer der Sache der Arbeiter dienen will, helfe ein Unternehmen befestigen, welches bestimmt ist die berechtigten Forderungen und Wünsche der Arbeiter zum Ausdruck zu bringen. Suche ein Jeder von unseren bisherigen Anhängern in dem Kreise seiner Freunde und Bekannten das„Berliner Volksblatt" j5u verbreiten und sehe darauf, daß jeder neu gefundene Gesinnungsgenosse sein Versprechen zu abonniren, auch wirklich hält. Unsererseits werden wir bemüht sein, den Inhalt un- sereS Blattes immer reichhaltiger zu gestalten. Ganz besondere Sorgfalt werden wir auch auf das Feuilleton verwenden und in den ersten Tagen des neuen Quartals mit der Veröffentlichung tilles höchst interessanten und spannenden Romans beginnen. Das „Berliner Volksblatt". kostet für das ganze Vierteljahr 3 Mark, für Monat Juli, frei ins Haus, i Mark. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, sowie in der Expedition, Zimmerstraße 44, angenommen. Für Außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für das nächste Quartal zum Preise von 3 Mark entgegen. Der Stand der SoMlresorm. Nahezu ein halbes Jahrzehnt nun steht schon die So- zialreform auf der Tagesordnung: man spricht läglich von ihr in den Parlamenten, in der Presse, in Versammlungen und am Biertisch— aber wie weit ist sie gediehen? DaS Kranken- und UnfallversicherungSgesetz sind die einzigen greif- baren Resultate und diese Resultate sind derart, daß bei den Arbeitern, für welche doch die Sozialreform bestimmt ist, die Lust nach weiteren �solchen„positiven Errungenschaften" zu er- wecken, keine allzugroße sein kann. Man kann nicht bestreiten, daß die st a a t l i ch e Organisation der Kranken- und Unfall- Versicherung an sich ein Fortschritt ist, allein die Form, in der sich diese Umgestaltung vollzogen hat, ist unpraktisch und belästigend, in den Rahmen eines komplizirten bureaukra- tischen Apparats eingespannt, der schließlich wie ein Alp auf dem„versicherten" Arbeiter lastet. Wo liegt denn nun die Schuld, daß so wenig erreicht wurde und daß man trotzdem so lange Zeit darauf ver- wenden mußte? Es läßt sich denken, daß die manchesterlichen, auf ihren Besitz und die damit verbundenen Machtmittel gestützten Parteien gegen jede, auch die unschuldigste Art von Sozial- reform den heftigsten und zähestcn Widerstand leisteten. Die ursprünglichen sozialreformatorischen Vorlagen der Regierung wurden denn auch durch diesen Wiederstand zu Falle gebracht. Die Regierung, die von dem unserer Ansicht nach total ver- fehlten Gesichtspunkt ausging, daß man irgend ein Gesetz dieser Art um jeden Preis zu Stande bringe müsse, machte den widerstrebenden Bourgcoisie-Parteien immer mehr und mehr Konzessionen und gelangte auf diesem nicht mehr unge- wohnlichen Wege" zu dem nun vorliegenden Resultat. Wird die Sozialreform auf diesem Wege nun in diesem Tempo weitergehen? ES sieht so aus und wenn man sich auf lebhafte parlamentarische Kämpfe in der nächsten Legis- laturperiode des Reichstages gefaßt machen muß, so sind andererseits die Hoffnungen gering, daß man bei der Schaffung kräftiger, wirthschaftSpolitifcher Gesetze die Wünsche und Bedürfnisse der Arbeiter selbst mehr denn bisher be- rücksichtigen werde. Andererseits aber liegt es an den Ar- ''tern selbst, �in der öffentlichen Diskussion ihre Wünsche „nd Bedürfnisse so laut als möglich geltend zu machen. Dem gegenüber betonen wir nochmals, daß unserer Ueberzeugung nach der Normal- resp. Maximal- Arbeitstag die erste und unerläßliche Grundlage einer wirklichen Sozialreform sein muß. Man wird sich ohnehin auch, oder nie. Seitens der Negierungen dazu entschließen müssen, das Vorurtheil gegen diese Institution aufzugeben. Wir sehen das kommen und werden seiner Zeit daran er- rnnern. Es liegt im ureigensten Interesse der Regierungen, den Verwüstungen, welche"die heutige industrielle Produktions- form unter der Bevölkerung anrichtet, Einhalt zu thun; sie werden durch die Zustände selbst zum Normalarbeitstag hin- gedrängt werden. Dies ist nur noch eine Frage der Zeit. Ueber StriKes finden wir in der„Tischler-Zeitung" folgenden trefflichen Ar- tikel: Nicht zu ferne ist die Zeit, wo Harle Strafbestimmungen der Gesetze schon jede Verabredung der Arbeitnehmer zur Er- zielung besserer Arbeitsbedingungen trafen, Verweigerung der Arbeit, also Strikc, aber gleich Rebellion galt. Brotherren und Behörden sahen damals im Strike dm Umsturz der sozialen Ordnung, ja den Anbruch— des jüngsten Tages. Die Zeiten haben sich geändert und auch die Anschauungen. Nur wenige zurückgebliebene Köpfe erblicken jetzt im Strike, den zu gestatten man allgemach überall gezwungen war, weil ihn zu verhindern man kaum mehr die Macht hatte, mehr als ein energischeres Feilschen um den Marktpreis der Arbeit, einen Lohntampf. Die ängstlichen Brotherren haben gar bald entdeckt, daß das soziale Verhältniß mit dem Wegfall der Strafgesctzparagraphen gegen die Verabredung von Arbeitnehmern um keines Haares Breite verrückt wurde, ganz abgesehen davon, daß auch die frei- lich niemals ernst gemeint gewesenen Koalitionsverbote der Ar- beitgeber mit aufgehoben wurden. Sie haben entdeckt, daß das Strikemachcn ihnen ja gar nicht so gefährlich werden könne; und sie haben wenig dagegen einzuwenden, wenn die Behörden für gewöhnlich der Einleitung und dem Verlaufe von Strikes, wenn auch nicht freundlich, oder selbst nur unparteiisch, so doch scheinbar ruhig zusehen. Denn wird ein Strike unbequem, vielleicht zu ausgedehnt, der Vorwand zu einem offenm Ein- schreiten der Staatsgewalt ist trotz Koalitionsfreiheit bald ge- sunden: Ausschreitungen, Drohungen seitens der Arbeiter, ob nun wahr oder erfunden,„Rücksichten auf das öffentliche Wohl" (z. B. die Approvisionirung) jc. Und wir haben es schaudernd erlebt, wie dieses Einschreiten manchesmal sich gestaltet bei ausgedehnten Strikes, wenn die bewaffnete Macht eingreift. Der Staat steht aber durch die Polizei den Arbeitgebern nunmehr nach Gestattung der Koalitionen faktisch, wenn auch nicht imnrer in so direkter Weise, wie früher, noch ebenso zur Seite. Es wäre das ein Faktor, der in einem Streite um das Ärbeitsverbältniß(also Lohnhöhe, Arbeits- zeit u. s. ru.) den Standpunkt des Arbeiters gegenüber jenem des Ardeitgebers zu einem unverhältnißmäßig ungünstigeren macht. Der andere aber, für sich allein schon ausschlaggebende, ist die Kapitalkrast der Unternehmer, die ihnen als Einzelnen sowohl, und in noch weit erhöhterem Maße in der Vereinigung, eine derartige Widerstandskraft verleiht, daß die Sparpfennige der Arbeiter in den Strikelassen und ihre festest gefügte Oraa- nisation daran fast immer zu Schanden werden müssen. Der und die Fabrikanten hungern eben nicht, wenn sie Monate lang ihre Fabriken stehen lassen, sie verzichten während dieser Zerr auf Nichts, als auf die aber darbt— und gar bald verlassenen Werfcjatl zurück..... w.-.-v handelt es sich darum: wer länger aushält, so ist dies eine Rede der Arbeitgeber. Der befindet sich gleichsam wohlbewehrt in einer Schanze auf steiler Höhe. Der Arbeiter aber ist's, der blas und fast waffenlos gegen diese gutgeschützte Stellung an- stürmt, wenn er einen Strike unternimmt. Als Einzelner ist der Arbeiter ganz ohnmächtig, beim straminsten Zusammenhalten aller Betroffenen aber stets in einem solchen Kampfe dem Unterliegen näher als dem Siege. Es tritt an ihn darum angesichts der vielen zweck- und nutz- losen verlaufenen Strikes doch die Frage heran: Ist es ein an- zurathendes Unterfangen, Gebrauch zu machen von dem einst so heiß ersehnten, seit geraumer Zeit gewährten und dann auch oft gebrauchten Rechte der Arbeitseinstellung im Streite um die Arbeitsbedingungen mit den Lohnherren? Ist mit einem Worte.der Strike empfehlenswerth?— Einen Versuch, diese Frage zu beantworten, die für unsere Fachgenoffen gewiß von ebenso tiefgreifendem Interesse ist, wie für jede andere Branche, wollen diese Zeilen machen. Und gleich an die Spitze unserer Ausführnngen wollen wir die weiterhin zu begründende Antwort stellen: Nein! Vom Strike ist eher abzurathen, als daß er zu empfehlen wäre. Zuvörderst wollen wir einen kurzen Blick werfen auf daS Mutterland der Strikes, auf England. Die mustcrgiltigste Organisation, von uns auf dem Kontinente auch nicht in einer Branche nur annähernd erreicht, nicht leidend unter dem Drucke polizeilicher Vexationen, müßte wohl die Gewähr bieten für die siegreich« Ausfechtung wenigstens eines bedeutenden Theilcs des unternommenen Stnkes. Zahlreiche und eben die größten und ficgesgewiß unternommenen sind jedoch mißlungen, gering ist die Zahl der gelungenen, wenngleich mit berechnendster Taktik von Arbeiterseite vorgegangen wurde. So erwog man, um nur ein Beispiel anzuführen, belehrt durch das Mißlingen großer Strikes, das Mittel„partieller Arbeitseinstellung", um einen bei uns geläufigen Ausdruck zu gebrauchen. Die Arbeiter der ganzen Branche steuerten, aber nur die einer einzigen oder weniger Fabriken feierten, feierten lange, denn die Unterstützung von Selten der Genossen war eine gesicherte und ausreichende. Solches Vor- gehen hätte den Fabrikanten gefährlich werden können. Sie thatcn sich aber zusammen, heckten cm Gegenmittel aus: Lockout, Arbeitsaussperrung, ein bei uns ziemlich unbekanntes Ding. Die Arbeitseinstellung in einer Fabrik hatte nun zur Folge, daß sämmtliche Werkstätten desselben Industriezweiges sich schlössen. Fast ohne alle Ausnahme waren es jetzt wieder die Arbeiter, die in einem solchen Kampfe unterlagen. Und so wogt in England der Streit hin und her; jeder neuen Taktik der Arbeitergesellschasten wird von der Fabrikantenliga sofort ein Paroli geboten, und das Schlußfacit? Abgesehen von einer in den Landesgewohnheitcn fußenden höheren Lebens- Haltung, wird uns Jeder, der in Englanv arbeitete, zu erzählen wissen, es sei ihm dort nicht schlechter, aber auch nicht besser ge- gangen, als anderswo. Denselben Erweis liefert uns die Statistik. In den zehn Jahren 1870—1880 fanden in England im Ganzen 2352 Strikes statt mit einer Dauer von 9027 Wochen und einer Lohneinbuße von etwa 11, 060, 000 Gulden. Von 2352 Strikes wurden 71 gewonnen, 91 durch Vereinbarung beigelegt, die übrigen 2190 wurden verloren oder es ließ sich „nichts Genaues" über sie ermitteln, was wohl, da diese Statistik aus Arbeiterquellcn stammt, ohne Skrupel als mit „verloren" gleichbedeutend betrachtet werden kann. Trotz riesigster Opfer und emsigster Organisationsarbeit stehen die englischen Arbeiter noch fast auf demselben Puntte, wie vor vielen Jahrzehnten, als die industrielle Produktion sich zu ent- wickeln begann und die zünftige verdrängt hatte- (Schluß folgt.) Politische lieberficht. Der kleine Belagerungszustand sollte über Elberfeld- Bannen, wie wir bereits berichteten, nach Meldungen offlziö- ser Blätter demnächst, d. h. nach Schluß des Reichstages ver- hängt werden. Während nun die hiesigen, angeblich arbeiter- freundlichen„deutschfreifinnigen" Blätter sich entweder bcgnü- gen, die Meldung einfach zu registriren oder einige Krokrodils- thränen über die in Ausficht gestellte Maßregel zu vergießen und von ihr, wie von einem unabwendbaren Verhängniß zu sprechen, find selbst anständige konservative Blätter etwas be- denllicher über diesen Punkt und weisen energisch darauf hin, daß die Anwendung des Ausweisungsparagraphen im Wupper- thale ebenso grund- wie nutzlos sein würde. So läßt sich der ehrwürdige„Hamb. Korresp." unter anderem aus Elberfeld schreiben:„Schon dieser Tage hieß es, daß der Gedanke vorliege, über einen rheinischen Jndustriebezirk den kleinen Belagerungs- zustand zu verhängen. Daß damit Elberfeld und Barmen ge- meint sein mußten, war nicht zweifelhaft, und daß es so war, bestätigen nun also die officiösen„Ä. P. N." Gerüchtweise vorläufig zwar nur,«der sie bestätigen es. Für das größere Publikum ist diese Nachridit ein Blitzstrahl aus heiterem Him- mel, in eingeweihten Kreisen hingegen wußte man schon seit längerer Zeit, daß eine einflußreiche Persönlichkeit von hier bereits im März dieses Jahres nach Berlin berufen war, um in dieser selben Frage von dem Minister des Innern v. Putt- kammer, gehört zu werden. Man wußte aber auch, daß die besagte Persönlichkeit schon gleich damals entschieden widerrathen hätte. Außer dein„Krawall" am Sonntag hat unseres Wissens seitdem rein Nichts hier am Orte fich ereignet, was eine Maßregel wie die besagte noth- wendig oder wünschenswerth erscheinen lassen könnte. Und an dem Krawall des Sonntags hat denn doch die Polizei selber ein so wesentliches Stück S ch u ld, ja sie hat den Exceß so unbedacht geradezu provozirt, daß dieser Vorfall, denn doch nicht eine Ursache für eine Maßnahme sein kann, welche nach mehr als einer Richtung hin im Wupperthal ganz spezielle Bedenken hat. Es hat die hiesige Polizeibehörde in der letzten Zeit in der Gewährung der Versammlungsfreiheit auch an die Arbeiterlreise eine so große Liberalität gezeigt, daß sie allerdings eine ganze Reihe von Persönlichkeiten als notorische Agitatoren hat kennen gelernt und also nicht in Verlegenheit sein würde, wen sie in erster Reihe die Folgen des Ausnahme- zustandes fühlen zu lassen hätte; aber gewonnen wäre damit wahrlich Nichts. Das wichtigste Moinent gegen die Verhängung des kleinen Belagerungszustandes dürfte aber das sein, daß die hiesige Polizeigewalt gar nicht stark genug ist, Ausnahme- maßregeln im Ernstfalle auch wirklich durchzuführen. Schon am Sonntag hat auf die Nachtwächter zurückgegriffen werden müssen. Und eine Garnison haben wir nicht. In dieser Rich- tung wäre in einem ernstlichen Falle von der angedrohten Maßregel lediglich eine höchst bedenkiche Gefährdung der be- hördlichen Autorität zu befürchten. Wer eine außerordentliche Maßregel durchführen soll, muß auch die Gewalt dazu haben; die aber hat die hiesige Polizeimacht eingestandenermaßen keineswegs. Schon aus diesem Grunde muß im Interesse der Äusrechtcrhaltung der Autorität gehofft werden, daß die ange- drohte Maßregel eine Drohung bleibt. Möchte die Regierung nicht unnütz zur Verbitterung der Gemüther in unserem Wup- perthale beitragen. Von der Verhängung eines kleinen Bela- gerungszustandes über Eberfeld- Barmen ist thatsächlich nichts Gutes zu erwarten, eben weil keinerlei Nothwcndigkeit für eine solche Maßregel vorliegt. lieber die Debatte bei der dritten Berathung des Ackermann'schen Gesetzentwurfs betreffend Abänderung der Gewerbeordnung äußert sich die„Kölnische Zeitung":„Von sämmtlichen Rednern machte nur Bebel Eindruck und selbst auf der konservativen Seite konnte man aufrichtige Be- wunderung für die dialektische Gewandtheit und die rednerische Begabung des merkwürdigen Mannes vernehmen." Dem Gewerkverein der deutschen Metall- und Maschinenarbeiter(System Hirsch-Duncker) ist, wie die„Elsaß- Lothringische Zeitung" meldet, seitens des Bczirksprästdenten de? Unter-Elsaß die nackgesuchte vereinspolizeiliche Genehmigung zur Bildung eines Ottsvereines in Bischheim bei Straßburg versagt worden. Auch Du, Brutus?-- Da« Hochwasser der Weichsel hat auch auf deutschem Gebiete mannigfache Verheerungen angerichtet. Während bei Warschau und'Zawichost sich nur ein sehr langsames Fallen bemerkbar macht, dauert das Anwachsen des um diese Zeit selten so hohen Wafferstandeö bei Thorn und Eulm noch sott. •'Jel Iborn hat rs geflein Abend schön 6 Meter überstiegen - nd von Gutin meldet ein Telegramm von gestern, 11 Uhr Bormittags;„Wasserstand bis 5,65 Meter, wäckst noch." Auch ms der unteren Weichsel steigt das Waffer jetzt bedeutend. In Hirschau ist bereits die Weichsel von 1,71 auf 3 Meter, an der Mortanerspitze auf 2,80, in Picckel auf 2,84, am Kl. Siel und in der Kittelsfähre um IV, Meter über ihren gewöhnlichen Stand gestiegen. Inzwischen ist bei Thorn zwischen Amthal nnd Vösendorf ein Dammbruch erfolgt, die Niederung ist weit iberschwemmt, der Schaden unübersehbar. Der Weichselstand sinkt jetzt, er ist 6,6 Meter.". Plakate revolutionären Inhalts wurden rn Fulnek n Böhmen von der Gensdarmcrie an der Bezirksgerichts- hüre, an der Kirche und an Telegraphenstangcn angeklebt ge- unten. Als Urheber werden radikale Arbeiter vermuthet. Der neue Ministerpräsident von Norwegen, Joh. S w e r d r u p, der unermiidliche Vorkämpfer für die Rechte des Volkes, ist geboren den 30. Juli 1816 in Jarlsberg, wo sein Vater,„Oberlehrer" Jakob Swcrdrup, Verwalter war. Der zeitig in die Politik gezogene Knabe besuchte die Kathedral- chule in Christiania bis 1833 und dann die Universität, wo er 1841 ehrenvoll das Amtscxamcn ablegte. Bald darauf war Swerdrup geschworener Bevollmächtigter bei dem Sorenschreiber Kreisrichter) in Tclemarkcn', 1844 ließ er sich als Advokat in Laurwik nieder und verheirathete sich mit einer dänischen Ver- wandten. Die genannte Stadt wählte ihn 1850 in das Stor- rhing. Dort führte er die Sache der ärmeren Bevölkerung, unter welcher sich damals eine große Bewegung für Verbcsse- rung ihrer Lage zeigte, und arbeitete für Erweiterung des Wahlrechts innerhalb der Gemeinden. Im Jahre 1857 ward % zum Mitglieds der Verwaltung der Hypothekenbank erwählt und zog deshalb nach dem Kreise Wester-Aker bei Christiama. Äkershuus-Amt sandte ihn 1859 nach dem Etorthing. und diesen Kreis hat er seitdem immer vertreten. Auf die u.hätig- ?eit, die er im Storthing den Geschworenengerichten, dem Volksuntcrricht, der Oeffcntlichkeit der Verhandlungen im Höchsten Gericht, der Religionsfreiheit, der Entwickclung der Land- und Seevertheidigung, der Erweiterung der Rechte des Storthings widmete, können wir hier nicht weiter eingehen. Während er an fast allen wichtigen Gesetzvorschlägen seinen Antheil hatte, war er auch ein reger Eiferer für norwegische Selbstständigkeit, norwegische Dialelteigenthümlichkeitcn, für die „reine norwegische Flagge" u. s. w. Im Jahre 1862 ward er um Vorsitzenden des Ldelstdings und seitdem immer wieder ii dieser Würde gewählt', 1871 übertrug man ihm den Vorfitz im Storthing selbst, und er behauptete diesen bis 1881, wo er geschwächter Gesundheit halber davon zurücktreten mußte. Seit 1882 hat er indeß wieder regelmäßig an den Sitzungen Thcil genommen und auch wieder, zusammen mit Rektor Stcen, das Amt des Vorsitzenden bekleidet.—„Die ganze Macht soll 'ich in diesem Saale sammeln", bat Swerdrup einmal in einer , einer vielen glänzenden Reden im Storthing gesagt, und er hat das Ziel erreicht. Das souveräne norwegische Volks ist in seinem eigenen Hause Herr geworden. Der Streit war hart und hat lange gedauert. Viele Jahre hindurch ist der Kampf mit einer fast unglaublichen Zähigkeit und Ausdauer geführt. swerdrup war die Seele in dem Widerstand der Linken gegen die Angrisse der Rechten auf das Grundgesetz und wenn Je- mand sich um den Sieg besonders verdient gemacht, dann ist es der gegenwärtige norwegische Staatsminister. Jerome Napoleon veröffentlicht den Briefwechsel, den er mit seinem Sohne Viktor geführt hat, nunmehr im„Figaro" und hat seine Drohung damit ausgeführt. In einem Briefe aus Moncalieri, 27. Januar 1884, erklärt Prinz Viktor seinem Vater, er werde ihm nie politisch gegenüberstehen; er spricht mit cincin Worte seine vollständige llnlerwersung aus. Hierauf antwortet Prinz Jerome, er werde den Brief als einen ver- rraulichen betrachten. Doch er halte sich, wie er erklärend im Figaro" hinzufügt, durch den jüngsten Ungehorsam seines Sohnes hierzu nicht mehr für verpflichtet. Darauf folgt noch ein Brief, den er an Herrn Jolibois gerichtet hat. In diesem 'etztcn Briefe schreibt Prinz Jerome, sein Sohn habe ihm am 19. Mai erklärt, er werde eine eigene Wohnung beziehen und habe in Folge eines Arrangements mit einem Weinhändler aus Epernay eine gesicherte Rente von 40,000 Francs. Er, Prinz Jerome, muffe darauf erklären, daß er als Vater allein das Recht habe zu bcurtheilen, ob eine solche Schenkung ohne Weiteres angenommen werden könne, und er bedauere die ganze Affaire.— Der B r u ch z w i s ch e n V a t e r u n d S o h n ist somit offenkundig geworden. Die Cholera ist nach Marseille vorgedrungen. Am 23. Juni sind Todesfülle an Ebolcra oder Cholera ähnlicher Diarrhoe verzeichnci worden. Von Seiten der Behörden werden alle erforderlichen Sanitätsmaßregeln angeordnet und energisch überwacht. Die Bureaus der Standesämter sollen Tag und Nacht geöffnet bleiben, damit in verdächtigen Fällen die Beer- digung nicht verzögert zu werden braucht.— Auch in Paris und Versailles sind sporadische Eholerafälle vorgekommen. Im Quartier St. Georges wurde eine Köchin von der Cbolcra befallen, indessen wieder hergestellt. Dagegen ist in Ver- s a i l l e s ein 16jähriges Mädchen nach wenigen Stunden an der Cholera gestorben, lieber die Ausbreitung der Cholera- epidemie in T o u l o n herrscht in Paris große Aufregung, und namentlich ist es wieder die Börse, von der die übertrieben- stcn Alarmnachrichtcn ausgehen, um die Aufregung noch zu vergrößern. Wahrheit ist aber immerhin folgendes' Es haben zehn Todesfälle vollständig charaktcnsirter asiatischer Cholera stattgefunden, die anderen Fälle sind spora- Die Tochter des Dlalfischjagers. Monteren, das„zukünftige Nizza" Kaliforniens, das bereits ein beliebter Winteraufenthaltsort für den Ost-Amerikaner ge- worden ist, war vor zwanzig Jahren ein kleines schläferigcs Städtchen, an dem seltsamer Weise die fieberhafte Aufregung und die ruhelose Thätigkeit, welche charakteristisch geworden sind für das moderne Kolchis, spurlos vorübergingen- Die Kriege, welche die Welt in Spannung hielten, die Revolutio- nen, welche Könige entthronten, die Entdeckungen und Ersin- düngen— alles das besaß nicht die Macht, einen einzigen Funken von Interesse oder Aufregung in der selbstzufriedenen, stark konservativen spanischen Bevölkerung wachzurufen. So lange als die Rosen blühten und die Winterregen die Hügel mit einem grünen Graskleide bedeckten, das den weidenden Rinderheerdcn volle Nahrung bot— so lange hielten die, auf ihre langgestreckte Scebucht, ihre rothcn und weißen Rosen und die südliche Schönheit ihrer Töchter stolzen Bewohner von Montercy jeden Mittag ihre lange Siesta und tanzten in der Karnevalszeit zur Musik der Guitarrc. Heute noch grasen zu- weilen einige Kühe in den Straßen, vor zwanzig Jahren aber gehörte es zu den berechtigten Eigenthümlichkeiten des Städt- chens, daß in seinem Weichbilde Rinder und Ziegen in hellen Haufen spazieren gingen. Nur eins hat die Zeit nicht ändern können: die Liebe zu den Rosen. Noch heute werden sie, wie vor vielen Jahren, mit zärtlicher Sorgfalt gepflegt, noch heute schmücken sie, roth und weiß, die rabenschwarzen Haare der Spanierinnen, wenn sie zur Messe oder zum Tanze gehen. An einem prächtigen Maimorgen der scchsziger Jahre war's, just da die ersten Sonnenstrahlen über die sichten- gekrönten Hügel im Osten brachen, als ein junges Mädchen an der Bucht von Monterey stand und aufmerksam die zuiück- weichende Fluth beobachtete. Als das Morgenlicht die lange Sanddüne übersilberte und fick glitzerffd an den naffrn Felsen brach, legte es sich schmeichelnd auf ein Gesicht von seltener Schönheit, mit Zügen so rein und klar wie aus Alabaster ge- schnitten. Das liebliche Kind war die Tochter eines Walfischjägcrs, dische. Die Abnahme der StcrbefLllc verhindert nicht die Fortdauer, und ein Wiederanwachsen der Epidemie ist zu be- fürchten. Das Resultat der französischen Gcmeindewahlen vom 4. und 11. Mai ist erst jetzt genau festgestellt worden. Darnach haben in 23,008 Gemeinden republikanisch gewählt 14,686, konservativ 7493, im Sinne der äußersten Linken 155, zweifelhaft 674. Von den Kandidaten der verschiedenen Listen erzielten: die republikanischen 2,834,569, die bonapartistischen 685,422, die monarchistischen 1,273,963, die Jntransigentcn 226,862. Das Todesurtheil ist an zwei spanischen Offizieren, welche an den republikanischen Aufstandsversuchen betheiligt waren, in Gerona vollstreckt worden. Der Mahdi soll einen Angriff auf Chartum unter- nommen haben, der indeß— wie ein Beduine, der frühere Lieutenant in der Armee Hicks Pascha's war, berichtet— mit starkem Verlust für die Rebellen zurückgeschlagen wurde. Wann der Angriff erfolgte, ist nicht bekannt; auch fehlen weitere Einzelnheitcn darüber. Feindselige Stämme sammeln sich in der Nachbarschaft von Dongola. Der Nil steigt rasch. Große Schaarcn von Kopten und Christen haben sich aus Dongola auf den Weg nach Ober- Egypten gemacht. Die Furcht, die die egyptische Regierung hegt, besteht darin, daß sie glaubt, die Emissäre des Mahdi würden die Bevölkerung zur Erhebung bewegen, wobei ihnen die Steuerüberoürdung als bester Bundesgenosse zur Seite steht. Der Prätendent von Birmah, unter dem Namen Fürst Mcingson besser bekannt, ist aus der französischen Ansiedelung von Chandernagore entflohen. Der Fürst war früher auf Geheiß der indischen Regierung in Benares internirt, um eine Erhebung in Birmah zu verhindern. Etwa vor zwei Jahren entfloh er aus Benares und suchte in Chandernagore Zuflucht. Von allen Seiten von britischem Gebiete umschlossen, war er jedoch abermals einem Gefangenen gleich. Dem Fürsten ist es gelungen, sich über Calcutta an Bord des Messagerie- Dampfers„Tibre" einzuschiffen, der ihn wahrscheinlich' über Colombo nach Saigun oder Bangkok bringen wird, von wo es ihm möglich werden dürfte, Ober-Birmah zu erreichen. Man glaubt, daß es möglich werden wird, sich des Flücht- lings in Colombo zu bemächtigen. Sollte er entkommen, so ist ein A u f st a n d in Ober-Birmah höchst wahr- scheinlich. Die militärischen Erfolge der Franzosen in Tonkin wurden allgemein bewundert und den verstockten Deutschen be- rcits als Muster einer erfolgreichen Kolonialpolitik vorgehalten. Indeß„mit ostasiatischcn Mächten, ist kein ew'ger Bund zu flechten". Das beweisen die neuesten, von der chinesischen Halbinsel einlaufenden Berichte. Die Chinesen haben den Frie- den Frankreich gegenüber gebrochen und die Garnison von Hanoi mit 10,000 Mann angegriffen. Gleichzeitig wurde die 700 Mann starke Ablbeilung, die in Lang-Svu Garnison neh- mcn sollte, in einem Engpässe von 4000 chinesischen Truppen überfallen. Zwar wurden die letzteren zum Rückzug gezwun- gen, indeß hat der französische Ministcrrath beschlossen, die schärfsten Repressalien gegen China in Anwendung zu bringen, falls dieses nicht die schuldige Genugthuung gewährt. Auch wurden die Feindseligkeiten auf der ganzen Linie aufgenommen. Somit bleibt als einziger reeller Erfolg der französischen Poli- tik— die Einschleppung der Cholera. Amerikanische Finanzen. Das am 30. Juni geendete Fiscaljahr wird eine Verminderung der Bundesschuld um etwa 100 Millionen Dollars und eine Abnahme der Staatseinkünfte um 40 Millionen aufweisen, gepaart mit einer Handelsbilanz zu Gunsten der Vereinigten Staaten in Höhe von 60 Millionen. MMmeuwnsclres. Der Reichstag war in dieser Session vom 6. März bis 28. Juni, zusammen 115 Tage, versammelt. Während dieser Zeit haben 45 Plenarsitzungen, 120 Sitzungen der Abtheilungcn und 154 Sitzungen der verschiedenen Kommissionen statlgc- funden. Seitens der Regierung wurden folgende Vorlagen gemacht; 22 Gesetzentwürfe. 1 kaiserliche Verordnung, 9 Verträge bezw. Uebercinkünste, 2 allgemeine Rechnungen über den Reichshaushalt für das Etatsjahr 1879 80, bezw. des Etatsjahr 1880/81, 1 Ilebersicht der Rcichsausgabcn und Einnahmen für das Etatsjahr 1882/83. Von diesen Vorlagen haben; 17 Gesetzentwürfe, die kaiserliche Ver- ordnnng und sämmtliche Verträge die Zustimmung des Reichstages erhallen. Die'Rechnung der Ober- Rech- nungskammer und der Bericht der Reichsschulden- Kom- Mission sind durch Ertheilung de; Decharge erledigt worden- Die Denkschriften, Berichte und Uebcrsichten haben durch Ab- druck und Vertheilung derselben an die Mitglieder bezw. durch Beschlüsse des Reichstags ihre Erledigung gefunden.— Un- erledigt bleiben; 5 Gesetzentwütfe, die beiden allgemeinen Rechnungen für 1879 80 und 18801817 die Ilebersicht der Reichs- ausgaben und Einnahmen für 1882183. Von den Mitgliedern des' Reichstages wurden eingebracht; 9 Gcsctzentwülfe. 12 andere Anträge einschließlich einer Anfrage in Belrcss der Fort- daucr eines Reichstagsmandats. Von den eingebrachten Im- tiativanträgen haben; 2 die Zustimmung des Reichstages er- halten, 1 ist abgelehnt, über 3 liegen schri.'liche bezw. münd- liche Berichte der betreffenden Kommissionen vor, 1 Gesetzentwurf befindet sich noch in der Kommission, wohin er verwiesen wurde, 2 können wegen Schlusses des Reichstages nicht mehr zur Verhandlung kommen. Von den anderen Anträgen sind; der viele Jahre lang in den Lagunen der südkalifornischen Küste den Bückelwal und„grauen Kalifornier" verfolgt hatte. Erwarb er sich bei diesem gefährlichen Gelchöft auch leine Reichthümer, so errang er doch genug, um seine und der Seinen geringe Bedürfnisse in befriedigender Weis« zu decken. So lange er gesund blieb, wollte er es gar nicht besser haben — ja, so lange er gesund blieb! An einem schönen Junitaae nahm er Abschied von seiner Familie, rüstig und kraftstrotzend und segelte frohen Muthes an der Küste hinunter nach den Lagunen. Als er nach vielen Wochen wiederkam, da war er ein Krüppel, ein ganz armer, hülfloscr Krüppel. Ich sagte es, ja er hatte ein gefährliches Geschäft gewählt, das wohl einen merkwürdigen Reiz ausübt, aber häufig große Nachwehen hinterläßt. In diesem llnglück gab es nur einen Trost und eine Hilfe für ihn— Juanilla, sein Töchtcrchen. Fleißig ar- besten muhte das arme Kind nun, um die Roth von der Thür fern zu halten und als sie überlegte und sann, wie sie in dem kleinen, schläfrigen Monterey das meiste Geld verd'.enerr könne, verfiel sie darauf, Moossammlerin zu werden. Moo- mmnilenn? Ick will diesen Beruf mit wenigen Worten erklären. An den Küstenfelsen Kaliforniens, vorzugsweise aber an der Bucht von Monterey. wächst Moos von brillanten Farben; braun, purpurroth, goldgelb, filbergrau und grün. Unten schäumt die Mccrfluth und wirft Seetang an's Land von einem Farbenspiel, wie eS kein Maler wiedergeben kann. Wenn das Salzwasser weit von dem Küstensaum zurücktritt und ein Stück des sandigen Seebodens blosleat, dann glänzen auf ihm gescheckte Muscheln. Das sind auch Reichthümer des Ozeans— ich meine das Moos, den Seetang und die Muscheln. Hab' ich manchmal gesammelt, aber Gott sei Dan! nicht aus Zwang und Noth, sondern aus Freude am Schönen. Andere aber giebt's und gab's, die einen Erwerb ans dein Sammeln machen— man nennt sie schlichtweg Moossammlcr,� obgleich das nur einen unvollständigen Begiist von der Thätigkeit dieser Menschen giebt. Mit dem Sammeln ist's nämlich nicht allein gethan, die Funde müssen kunstgerecht getrocknet und aufbewahrt werden. Man denke nur an ein Herbarium! Ja, es ist ein künstlicher Beruf, von dem ich spreche, denn wenn 1 zurückgezogen, 3 durch Beschlüsse des Reichstages ecke"' bezw. durch Nicderleaung des Mandats hinfällie geworden 8 unerledigt geblieben. Die Zahl der eingegangenen Petitionen beträgt 2800, darunter 533, welche sich auf die Unfall- Versicherung der Arbeiter beziehen, 549, betr. den Gesetzentwurf über den Feingehalt der Gold- und Silberwaaren, 857, betr. Abänderung resp. Ergänzung des § 100 e der Gewerbeordnung, 126, betr. Erhöhung der Ein- gangszölle auf Getreide 46, betr. Erhöhung der Eingangs- zölle auf Taback, 36, betr. die Besteuerung des Zuckers, 23, welche sich auf Abänderung des Militairpensionsgesetzes und des Rcichsbeamtengcsctzcs bezichen, 64, betr. nachträgliche Gewährung von Jnvalidenpenfionen bezw. Unterstützungen, 22, betr. die Aushebung des Impfzwanges, 34, betr. die Einführung von Gewerbe-, bezw. Handwcrkerkammem, 44, wegen Erweiterung der Kompetenz der Amtsgerichte, 27, betr. die Verwendung von Gcldmstteln zur Einrichtung und Unterhal- tung von Post-Dampfschiffsverbindungen mit überseeischen Län- dein, 14, betr. die Kommanditgesellschaften auf Aktien und Aktiengesellschaften, 17, betr. Abänderung des Gesetzes über die Krankenversichenmg der Arbeiter. Von den Petitionen find: 56 dem Reichskanzler überwiesen, 1 durch Uebergang zur Ta-; gesordnung erledigt, 1062 durch die bezüglichen Reichstags- beschlüsse für erledigt erklärt, 136 zur Erörterung im Plenum nicht für geeianet erachtet worden, 1 wurde wieder zurückgezogen, 8 Petitionen, über welche die Kommissionen bereits Be- schluß gefaßt, bezw. Bericht erstattet haben, können im Plenum nicht mehr zur Bcrathung gelangen, und 636 Petitionen haben wegen zu späten Eingangs bezw. wegen des bevorstehenden! Schlusses der Sesston auch in der Kommission nicht mehr ver- handelt werden können.— Die Ko m m i s s i o n e n haben 32 schriftliche und 17 mündliche Berichte erstattet. Bei den im Lause der Session stattgehabten Wahlprüfungcn wurden; 17 Wahlen für giltig und 4 Wahlen für ungiltig erklärt; 1 Wahl wurde beanstandet.— In der Wahlprüfungs-Kom- misfion bleiben 10 unerledigt, während 10, worüber bereits Belichte vorliegen, im Plenum wegen Schlusses der Sesston nicht zur Erledigung gelangen können. 8 Mandate sind gegenwärtig erledigt. Die Neichstagsersatzwahl für Rostock(an Stelle P a a- s ch e's) ist auf den 11. August anberaumt. Es ist wohl so gut wie selbstverständlich, daß der Neugewählte keine Gelegenheit mehr haben wird, sein Mandat auszuüben. Im zweiten Mecklenburger Wahlkreise stellen nach der „M. Z." die Freistnnler dem bisherigen nationalliberalen Ver- treter Büsing einen Gegenkandidaten in Person des Rechtsan- walts Monich- Grevesmühlen entgegen, derselbe ist von den Nationalliberalm zu den Freisinnlern umgesattelt. K o k» l e s. N. Direkte Hin- und Retonrbillets 2. und 3. Klasse mit eintägiger Giltigkcit gelangen von heute, den 1. Juli, auf der Station„Zoologischer Garten" nach den westlichen Vorort- stationen„Wannsee",„Neu-Babelsberg",„Potsdam",„Wild- park" v.a Charlottenburg laut Verfügung des Königlichen Eisen- hahn-Betriebsamtcs zur Verausgabung. Ii. Eine Monstrosität wurde vorgestern in der Zentral- Pferdc-Scklächterci in der Greifswaldcr-Straße bei einer gctödte- ten Fuchsstutc gefunden. In der Blase wurde ein Stein be- merkt, der eine ovale Form, etwa die Größe eines kleinen Straußeneics hatte und ein halbes Pfund wog. Trotz dieses; Steines hätte das Thier noch lange leben können, wenn es: nicht wegen eines unheilbaren Spaltleidens hätte getödtct wer- den müssen. Blasensteine sind bei Pferden schon sehr häufig beobachtet worden, nicht aber in dieser Größe und Schwere. — a. Verhaftet. Von der Kösliner Polizeibehörde gelangte gestern Mittag an die hiesige Kriminalpolizei die Depesche, daß- die unverehelichte Mublke, wegen schweren Diebstahls verfolgt. von Köslin wahrscheinlich nach Berlin entflohen sei. Ein sofort j nach dem Stettiner Bahnhof abgesandter Kriminialbeamtcr be merkte aus dem um 3 Uhr 40 Minuten angekommenen Zuge' ein junges Mädchen aussteigen, welches dem tclegraphisch ge meldeten Signalement der Diehin entsprach und deshalb an- gehalten wurde. Obwohl das Mädchen vcrficherte, Marie Schule. I zu heißen, so wurde sie doch nach dem Kriminalkommissariat. gebracht, woselbst sie aber dabei blieb, Marie Schultz zu beißen Ä Bei der Durchsuchung ihrer Sachen wurde in ihrem Porte j monnaie ein kleiner Zettel gefunden, worauf eine Loilene t Nummer verzeichnet war und darunter der Name; Muhlke stch| befand. Dieser gravirendc Umstand bewog die Festgenommene zu einem vollen Gcständniß. Sie iäumte ein, die gesuchte Klara Muhlkc>u sei» und in'.vslin Tags zuvor 50 Mark gestohlen zu ha�.i wovon noch 48 M. 80 Pf. bei ihr gefun- den worden sind. Die M. ist heut zur Haft gebrach: worden. K Dichte Ranchwolken über dem Osten Berlins verkün- Veten gestern Abend in der 7. Stunde den Adjazenlen, daß, abermals ein größeres Schadenfeuer ausgebrochen. Die gleich. i-uig auf den Feuerwachen eintreffende telegraphische Meloung« bezeichnete das Haus Rüdersdorferstr. 13 in Feuersgefahr und j fanden denn auch die zuerst auf der Brandstätte eintreffenden Mannschaften den Dachstuhl des genannten Hauses in hellen Flammen stehen, während die Bewohner der obelstcn vier- ten Etage bereits geflüchtet waren. Einer Tampfspritzc und drei großen Handdruckspritzen gelang eS nach einstündiger ununterbrochener Arbeit des Feuers Herr zu werden. Ein in den brennenden Dachraum vordringender Feuerwehrmann erlitt da- bei so schwere Verletzungen im Gesicht, daß er in ein Kranken- die Rtuschelthierc aus den Gehäusen entfernt und diese so ge» trocknet find, daß ihre Farbe keine Einbuße erlitten, wenn Moos»nd Seetang wie lebend auf dem dicken Löschpapier liegen, dann beginnt erst die schwierige Aufgabe— die Auf» j gäbe, die nicht altein kunstfertige Hände, sondern mehr noch;, künstlerischen Geschmack erfordert. Mit den Muscheln werden Lilderrahmcn, Eckbrettchen und allerhand Dinge verziert, Be als Schmuckgegenstände dienen sollen. Vielgestaltiger noch st die Verwendung von Moos und Seetang. Wald- und Gebirgsgnivp-n' in Muschelrahmen gefaßt, Nippsachen, Be.- zierungen für Damenkörbchcn und Damenhüte und noch erw lange Liste anderer Artikel werden aus diesen beiden Stoff n gefertigt._, J Eine Moossammlerin also war Juanilla und wo- ati, ihren geschickten Händen hervorging� mußte sie, wie domo» nicht anders möglich war, an die Seeleute und die wenigem Passagiere der Schiffe verkaufen, welche in den Hafen einticic:: Diese kauften die Erzeugnisse der Moossammlerin in derj Regel, um fie in der Heimath zu versilbern, sich also ein n' Nebenerwerb zu verschaffen. Sie bildeten fast ausschließlich t c. Kundschaft der Moossammlerin, denn ein äußerst seltenes Ecl eigniß in Monterey war die Ankunft eines Fremden von Herl Landseite. Juanilla hatte sich den alten Spruch; Morgenstunde h st Gold im Munde, zur Lebensrcgel gemacht. Wenn das Tän- merlicht die Hügclkämme mit fahlem Lichte umwob und die j rothen, weißen und gelben Rosen, welche an den Lehinsteii-> Häusern des Städtchens hinaufranktcn, erst schüchtern ih.ei Schönheit zeigten, ging Juanilla an die Bucht, um mit dea zurücktretenden 0'luth in das Gebiet des Occans vorzudringe.i.'� Fleißig sammelte sie, wenn noch alle schliefen, wenn Niemand außer der gähnenden Schiffswache, das zierliche Mädchen obachten konnte, dessen Schönheit ganz eigenartig war— nichfl so träumerisch, wie sie charakteristisch ist für die spanische« Frauen._ Sie besaß mehr von der lebensvollen Grazie ui v der kräftigen Gewandtheit, die den Töchtern der britisch' n Fischer eigen zu sein pflegt.„Madre de Dios!" rief sie halK laut, als sie von einem schlüpfrigen Granitfelsen auf de 4� Haus geschafft werden mußte. Ucbcr die Entstehungsmsache war nichts zu ermitteln. n. Ein unbekannter, anständig gekleideter Herr, an- scheinend einer der noch hier zurückgebliebenen Fe stth eil- nehm er vom V. deutschen Brauertag, wurde gestern früh in der Gcorgenlirchstraße bewußtlos aufgefunden. Da derselbe fich trotz angewandten Belebungsversuche nicht er- holte, so mußte seine Ueberführung mittelst Lück'schen Kranken- Wagens in die Charit-- erfolgen. B. Drillinge. Ein seltenes Ereigniß trug sich am letzten Sonnabend in der Frauen-Abthcilung der Kgl. Charit« zu. Eine in der Zoffcnerstr. 12 wohnende Tischlerfrau F., die erst in das genannte Krankenhaus aufgenommen worden war, wurde dort an dem oben genannten Tage plötzlich von Drillingen, und zwar einem Knaben und zwei Mädchen entbunden. Der Knabe verstarb sofort, während die beiden Mädchen, sowie die Mutter selbst, fich sehr wohl zu befinden scheinen. Es soll fich ein derartiges Vorkommniß seit 15 Jahren nicht in der Charit« zugetragen haben. — a. Wegen schwerer Urkundenfälschung in 7 Fällen wurde gestern der Kommis Hayn verhaftet. Derselbe war von Januar bis jetzt bei einer hiesigen Firma als Buchhalter be- schäftigt und zog ansang Juni er. ohne Auftrag die Beträge zweier Rechnungen ein, die er vorher mit der gefälschten Quittung des Kasstrers und mit dem Firmastempel versehen hatte- Da aber die Fälschungen noch an demselben Tage entdeckt wurden, so wurde H. entlaffen, nachdem er die unterschlagenen Beträge ersetzt hatte. Nunmehr ließ fich H. bei einem Buchdrucker, welcher für die genannte Firma früher Bestellzettel gedruckt hatte, 10 Stück solcher Zettel anfertigen und ließ fich auf die- selben in größeren� Seidengeschäftcn, von denen ihm bekannt war, daß fie mit seinen ehemaligen Prinzipalen in Geschäfts- Verbindung standen, Waaren verabfolgen, die er bei Pfand- leihern versetzte. Als er kürzlich bei der Firnia S. u L. in der Markarafenstraße, von welcher er auf gefälschte Bestellzettel be- reits Waaren entnommen hatte, wieder um eine Bestellung auf Sammet machte, wurde er festgehalten und einem Schutzmann übergeben. —g. Der Führer eines Eiswagens wollte gestern Vormittags gegen 11 Uhr in der Kochstraße sein Gefährt umwen- den, bemerkte aber nicht, daß hinter ihm ein Pferdebahnwagcn hielt und fuhr mit den Scheerbäumen so heftig gegen den letzt- gedachten Wagen, daß er vom Bock stürzte und fich mehrere anscheinend nur leichte Verwundungen im Gesicht zuzog. Die Passagiere des Pfcrdceisenbahnwagens kamen mit dem bloßen Schreck davon. Auch fand eine Beschädigung des Wagens nicht statt. — a. Versuchter Betrug. Vor einigen Tagen kam ein Mann in das Geschäft deS in der Linicnstraße 199 wohnhaften Nadlers I. und bestellte für eine hicfige Fabrik von Mineral- wasser-Apparatcn die Anfertigung von 30 Stück Sieben. Da I. aber für die genannte Fabrik arbeitet, und er genau wußte, daß dieselbe stets nur gegen Bestellzettel die Anfertigung von Arbeiten veranlaßte, so lehnte er der Auftrag ab und zahlte dem Besteller nicht das von diesem verlangte Trinkgeld. Als der Unbekannte sich entfernte, ging ihm I. nach und ließ ibn in der Lincnstraße, an der Ecke der kleinen Rosenthalerstraße festnehmen. Der Festgenommene ist wegen versuchten Betruges zur Haft gebracht worden./ B- Unglücksfälle. Bei den Reparaturarbeiten im Kaiserl. Palais, trug fich gestern Nachmittag ein bedauerlicher Unglücks- fall zu. Em dort beschäftigter Maurer, hatte auf einem Ge- rüst arbeitend, das Unglück mit dem Brett auf dem er stand durchzubrechen und so auf den Hof herabzustürzen. H. erlitt bei dem Fall derartig schweren Verletzungen, daß er nach An- legung eines NothvcrbandcS per Droschke in seine Wohnung geschafft werden mußte.— Ein zweiter ähnlicher Unfall ereig- nete sich bei den AbbruchSarbeitcn auf dem Grundstück Zimmer- straße 91. Ein in Höhe der zweiten Etage arbeitender Zimmer- mann D. verlor während der Arbeit das Gleichgewicht und stürzte aus der nicht unbeträchtlichen Höhe herab. D. erlitt so schwere Verletzungen, daß er in die Charitee überführt werden mußte. N. Zwei Wasserleichen sind am Sonntag behufs even- tueller Rekognifion in die Morgue eingeliefert worden- Eine derselben, die eines ca. 40jährrgen Mannes, wurde an der Unterbaumbrücke, die andere, diejenige eines ca. 25 jährigen jungen Menschen, am Plan-Ufer aus dem Wasser gezogen. — g. Ein Unglücksfall ereignete fich gestern in einem Coup« der Potsdamer Eisenbahn, den wir zur Warnung für Passagiere mitthellen. Der Kaufmann 33. setzte fich auf der Station Wannsee in ein Coup« des dort haltenden Zuges, welcher nach Berlin fahren sollte. Damit die offenstehende Coup«thüre nicht zugeworfen werde, hatte B. unvorsichtiger- weise seine Hand zwischen die Thür gesteckt. Plötzlich wollte der Schaffner die Thür zuschlagen, es erfolgte ein lauter Schmerzensschrci und erst jetzt bemerkte der Schaffner, daß B. seine Hand zwischen der Thüre gehabt hatte. B. besaß glück- licherweisc soviel Geistesgegenwart, schnell vor dem gänzlichen Schließen der Thür seinen Fuß dazwischen zu schreiben, so daß die Finger nicht völlig abgequetscht wurden. In Berlin ange- kommen, suchte B. sofort mehrere Aerzte auf, traf aber, wie dies leider an Sonntag Nachmittagen stets zu geschehen pflegt, keinen Arzt an. Schließlich wurde er zur Sanitätswache in der Brüderstraße gewiesen, woselbst ihm ein Verband angelegt wurde- Das„Kleine Journal" scheint seinen vor Kurzem ver- storbenen Gründer Strausberg nicht lange zu überleben. Mit feuchten Sand der Bucht sprang.„Wie diese Fremden alle unsere schönen Muscheln wegtragen. Unsere ganze Bucht wird noch von diesem Volke ruimrt! Wenn das so fortgeht, finde rch bald nicht mehr so viel Material, als zur Herstellung eines emzrgcn Bilderrahmcns nothwendig ist." „ Nicht alle schlummerten noch in Monterey, nicht alle. Da stand ein junger Mann auf dem Fclsengürtel, der die Bucht umsäumte, und blickte in gespannter Bewunderung auf die barsüßlge«Suchcrin, die fich allein und unbeobachtet glar-bte. Er trug ein graues Gewand, wie es Reisende der besseren Stände zu wählen pflegen. Der Feldstecher an seiner Veite bewies ebenfalls, daß er ein Mann von Bildung und ein Naturfreund war, denn offenbar hatte ihn die kommende Pracht des Sonnenausgangs herausgelockt. Kein Bewohner Montereys und kein Seemann im Hafen brach eine Minute von seinem Schlrimmcr ab, um den Sonnenaufgang zu sehem. Wer das that, mußte ein Fremder, mußte ein Mann sein, den gute Er- ziehung zum Naturfreunde herangebildet hatte/ Dem jungen Zuschauer schien die Einsamkeit nicht zu be- Hagen, denn er kletterte m der Richtung nach Juanilla zu, die Felsen hinunter und zwar mit emer Fußfichcrheit, die den geübten Bergsteiger erkennen ließ. Ein schelmisches Lächeln stog über sein germanisches Geficht, als er, nicht weit von dem Madchen angekommen, seinen beharrlichen Kampf mit der neidischen Brandung um einen ausnehrnend schönen Moos- büschel beobachtete. Bravo! rief er, als Barfüßchen von einem erfolgreichen Vorstoß in Gischt und Schaum mit ihrer Sieges- beute zurückkehrte.( Juanilla blickte bestürzt auf Wn Fremden und er- röthete leicht. Jener zog den Hut und brachte eine Entschul- digung für seine Gegenwart vor. Darauf wurde ihm die Antwort: „Ab, Sennor, Sic find auch am unsere Bucht gekommen, um Muscheln zu sammeln, wie die die anderen Fremden auf den Schiffen?, Man muß jetzt früh aufstehen, wenn man eine kleine Ernte einheimsen will. denn, die Konkurrenz ist so groß. Haben Sie mich in der Hoffnung auf Unterstützung angeredet, so sollen Sie nicht enttäuscht werden,"— dabei neigte fie mit dem heutigen Tage stellt es sein tägliches Erscheinen ein und soll fortan nur noch wöchentlich einmal erscheinen. B. Die Marktpolizei hat in den letzten Tagen den Obst- sortcn, namentlich den Erdbeeren und Kirschen, eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Während der feuchten Witterung waren diese Früchte einer schnellen Fäulniß ausgesetzt, wurden aber dennoch von den verschiedenen Händlern zum Verkauf ausgcboten. In Folge dessen find in der vorigen Woche meh- rere hundert Liter Kirschen und Erdbeeren auf den verschiedenen Märkten konfiszirt und vernichtet worden. N. Von einem recht empfindlichen Verlust ist am letzten Sonnabend ein in der Möckernstraßc wohnender Zimmer- mann P. betroffen worden. Derselbe hatte sich am Nachmittag mit seinem gesammten Handwerkszeug, welches einen Werth von 150 Marl haben soll, nach Friedrichsberg begeben wollen, um dort Arbeit zu suchen. Unterwegs will P. bei einem Nestau- rateur, deffcn Name undjWohnung er vergeffen, eingekehrt sein und dort des Guten so viel gethan haben, daß er fich schließ- lich, ohne an seine Sachen zu denken, in seine Wohnung be- aeben hat. Zweck dieser Zeilen ist, daß sich der betreffende Wirth vielleicht meldet, damit der Beschädigte wieder in den Best» seiner Sachen gelangt. Polizei-Bericht. Am 27. v. M. nachmittags wurde der achtjährige Sohn des Heizers Holz, im Generalstabsgcbäude wohnhaft, beim Ueberschreiten des FahrdammeS an dcr Hinder- stnstraße von einem Möbelwagen überfahren und am Unter- leibe bedeutend verletzt, so daß er nach der Klinik in der Zie- gelstraße gebracht werden mußte.— Am 28. v. M. morgens wurde der obdachlose Schornsteinfeger Meinccke in einer Remise des Grundstücks Friedcnsttaße 94, woselbst er nächtigte, todt aufgesunden und nach den, Obduktionshausc gebracht.— An demselben Tage vormittags wurde der vier Jahr alte Knabe Paul Kremonre, welcher ohne Aufstcht auf dem Straßendamm vor dem Hause Stallschreiöersttaße 32 spielend saß, von einer Droschke überfahren und erlitt hierbei mehrere Rippendrüche. Er wurde nach dem Krankenhause Bethanien gebracht.— Zu derselben Zeit wurden im Humboldtshafen, gegenüber dem Lehrter Bahnhofe, die Leiche des Schiffskncchts Lebmann und im Landwehrkanal unterhalb der Freiarche die Leiche eines etwa 40 Jahre alten, anscheinend dem Handwerkerstände ange- hörenden Mannes gefunden und nach dem Obduktionshause gebracht. Am Nachmittage desselben Tages fiel der Maurer Hanne beim Abtragen eines auf dem kleinen Hofe deS Prinzessinnen- Palais aufgestellten Stangengerüstes durch eigene Unvorfich- tigkeit von demselben ungefähr 4 Meter tief hinab und erlitt hierbei zwei bedeutende Verletzungen am Kopfe. Hanne wurde nach Anlegung eines Nothverbandcs nach seiner Wohung, Friedrichsstr. 6, gebracht-— Am 28. v. M., morgens, fiel der Arbeiter Köppeim„Schweizer Garten", am Friedrichshain, beim Aufstellen einer Spiral-Velozipedcnbahn von einem Bockgcrüst herab und erlitt dabei Verletzungen am linken Unterarm und im Geficht, so daß er nach dem städtischen Krankenhause im Friedrichshain gebracht werden mußte.— An demselben Tage, mittags, erlitt der 3 jährige Knabe Albert Hanisch beim Spielen auf dem Hofe des Grundstücks Alvenslebenstr. 16 dadurch eine schwere Verletzung am Kopfe, daß ein zehnjähriges Mädchen aus einem Fenster des vierten Stockwerks ein Stück Brett auf den Hof hinabwarf, welches den Knaben am Kopfe traf. Zu derselben Zeit fiel die Wittwe Schäfer an der Ecke der Karl- und Friedrichstraße beim Verlaffen eines Pferdebahn- wagens zur Erde, so daß sie eine Verletzung am linken Ellen- bogen erlitt und zur Anlegung eines Verbandes nach der königlichen Klinik in der Ziegelstraße gebracht werden mußte. — Der Drehorgelspieler Heugas verstarb am 29. v. M. abends plötzlich in der Wohnung des Arbeiters Wieland, Andreas- straße 68, anscheinend in Folge eines Schlaganfalles. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft.— An dem- selben Abende brach im Vordergebäude Rüdersdorferstraße 13 Feuer aus, durch welches der Dachstuhl desselben völlig zerstört wurde. Die Feuerwehr löschte den Brand nach zweistündiger Thätigkcit. GerjMK. Leitung. —ü. Ein an Strastenraub grenzender Diebstahl be- schäftigte gestern die I. Strafkammer hresigen Landgerichts I. In der Nacht zum 26. April schlenderten der Former Albert Wilhelm Koch und der Arbeiter Eduard Gay die Friedrich- straße entlang, als ihnen ein junger Mensch begegnete, dessen Uhrkette gar verführirisch im Gaslicht glänzte. Sofort faßten die beiden Kumpane, von denen der Erstcre ein schon vielfach vorbestrafter Mensch ist, den Plan, fich das Kleinod anzueignen und prozedirten mm wie folgt; Gatz rempelte den einsamen Wanderer zunächst an, worauf es natürlich zwischen diesen Beiden zu einem Wortwechsel kam. Als Gay darauf pro- grammmäßig zu Thätlichkeiten überging und seinen Gegner an die Kehle faßte, da hielt es sein Komplice für angezeigt, in Aktion zu treten. Als wenn er die Kämpfenden zu trennen beabsichtigte, drängte er sich zwischen dieselben, in demselben Augenblick fühlte der Angegriffene aber auch einen Ruck und der angebliche Friedensstifter ergriff mit seiner Uhr die Flucht. Der Bestohlcne war aber sofort Herr der Situation und machte sich an dft�Verfolgung des Diebes, den er auch an der Ecke der Kanoickerstraße einholte. Mit der Bitte, ihn nicht Unglück- lich zu machen händigte der Ergriffene die Uhr wieder aus, der Aestohlcne wollte ihn aber so leichten Kaufs nicht davonkommen lassen, sondern rief einen Wächter herbei, um den spanischer Grazie das Köpfchen. Die leichte Bitterkeit, welche fie noch vor einer kleinen Weile gegen die muschelsammelnden Fremden beherrschte, war beim Anblicke dieses Fremden ver- flogen, wie der zarte Morgenduft vor den goldenen Sonnen- strahlen.„Kommen Sie, ich will Ihnen den Platz zeigen, wo die Wellen die meisten Muscheln ans Land werfen." Leicht- füßig schritt sie voran. Alfred Hill, der direkt aus England gekommen war— ge- kommen um für seine wankende Gesundheit auf langer See- fahrt und in einem vorübergehenden Aufenthalt in Kalifornien Stärkung zu suchen, meinte, daß ihm in seinem Leben noch kein reizenderes Abenteuer zugestoßen sei. Er folgte wUIig seiner flinken Führcrin und als er nach einer zweistündigen Streife! 3 mit der Tochter der Küste, durchnäßt und müde in fest..' ü wn Gasthof zurückkehrte, machte er einen Eintrag Iii lein Tagebuch, besagend, daß er an jenem Morgen einen Unterricht i» der Kunde über die Thiere des Meeres genossen habe, der viel interessanter gewesen sei, als der beste, den er je- mals aus dem Munde eines Lxforder Professors venrommen habe. Und Juanilla war zu der Ueberzeugung gekommen, es sei jammerschade, daß der junge Engländer gar so bleiche Wangen habe. Als sie an jenem Nachmittag beschäftigt war, mit ihren schlanken Fingerchen getrocknete Moosbüschel zu zerlegen und zu einem Bildwerke zu ordnen, wurde sie von ihres Vaters Stimnie auf die rosenumrankte Veranda gerufen. „Juanilla, hier ist ein Fremder," sagte der alte Seemann, indem er auf Alfred Hill deutete,„der Deine Nippsachen sehen will. Schnett mein Kind, zeige dem Herrn was Du zu ver- kaufen hast." Mit einem Lächeln des'Willkommens, so flüchtig wie ein Blitz, verneigte fich die Gerufene, verschwand und kam wieder mit ihrem ganzen Lagerbestand. Und Alfred kaufte vieles, ohne zu nörgeln und zu feilschen und bezahlte mit schweren mexikanischen Silberdollars. Als das Geschäft erledigt war und der Alte die kleine Summe schmunzelnd eingesttichen hatte, erbat fich Alfred Hill die Erlaudniß, den Garten sehen Dieb arretiren zu lassen. Diesem widersetzte der Letztere sich in so gröblicher Weise, daß es erst mehreren herbeieilenden Be- amten gelang, ihn zu bewältigen und dingfest zu machen. Sein Komplize, der inzwischen auch zur Stelle geeilt war und den Versuch gemacht hatte, den Genoffen aus der Gewalt des Wächters zu befreim, mußte das Schicksal seines Gesähttm theilen. Im gestrigen Termine behauptete der Angeklagte Koch, daß ihm die Kette zufällig in die Finger gerathen sei, als er bemüht gewesen, die Kämpfenden zu trennen, auch habe er die Uhr ihrem Eigenthümer auf der Stelle zurückgegeben. Durch die Zeugenvernehmung fand diese Behauptung aber nicht die geringste Bestätigung und vcrurtheilte der Gerichtshof den An- geklagten Koch zu einem Jahre sieben Monaten Gefängniß und 2 Jahre Ehrverlust, während der Ange- klagte Gatz mit neun Monaten Gefängniß und einem Jahre Ehrverlust davonkam. — ü. Die sechste Schwurgerichtsperiode des Land- gerichts I. wurde gestern unter dem Vorfitze des Landgerichts- raths Brausewetter eröffnet. Als erste Sache gelangte eine Anklage wegen Urkundenfälschung gegen den Hutstepper Albert Friedr. August W u st r a u zur Verhandlung. Der An- geklagte hatte geständigermaßen ein Falsifikat einer vom Haupt- steueramt auszustellenden Quittung über gezahlte Gerichtskosten in Höhe von 5 Mark angefertigt und wurde dafür unter Zu- billigung mildernder Umstände zu dem niedrigsten Strafmaß, drei Monate Gefängniß, verurtheilt.— Das Hauptinteresse dieser Schwurgerichtsperiode wird die am Donnerstag statt- findende Verhandlung gegen den Mörder Ernst Franz G r o n a ck in Anspruch nehmen. Die Anklage gegen denselben lautet auf Mord in zwciFällen, versuchten Mord und Todtschlag. — fl. lieble Nachrede Unter der Anklage der Beleidi- gung ihres früheren Dienscherrn stand gestern die unverehe- lichte Johanna S t e p h a n o w s k a vor der vierten©traft kämmen hiesigen Landgerichts I. Die Angeklagte hatte ihren Haß und ihrem Rachcgefühl, welches durch ihre Entlassung wach gerufen worden, in einer höchst frivolen und niedcrträch- tigen Weise Luft gemacht, indem sie bei der Polizei eine De- nunziation anbrachte, wonach ihr Dienstherr die zehnjährige Tochter einer Nachbarin, deren Vormund er war, gemißbraucht haben sollte. Außer dieser offiziellen Denunziation wiederholt sie dieselbe Beschuldigung auch noch einem Diätar gegenüber. Die angestellten Ermittelungen haben auch nicht das Geringste ergeben, was diesen Behauptungen eine thatsächliche Unterlage hätte geben können; trotzdem konnte der Thatbestand der wrs- sentlich falschen Denunziation nicht gegen die Angeberin kon- struirt werden, der Gerichtshof war sogar gezwungen, mit Rücksicht auf die Entscheidungen des Reichsgcnchts der Ange- klagten bei dem Falle der Denunziation den Schutz des§ 193 zuzubilligen, erkannte fie dagegen in dem Falle, wo fie die- selbe Beschuldigung einer dritten Person gegenüber ausge- sprachen, der verleumderischen Beleidigung schuldig und ver- urtheilte fie mit Rückficht auf die Frivolität der ganzen Hand- lung und die Schwere des Verbrechens, dessen sie ihrem frü- Heren Brodherm geziehen, zu einem Monat Ge- f ä n g n i ß. Im Aröetterbewegung. Eine auherordentliche Versammlung der Maurer Verlins tagte am Sonntag, den 29. Juni, in der Berliner Flora, wo ca. 2500 Personen anwesend waren. Erster Punkt der Verhandlungen war die Lohnbewegung und die Unter- stützung der noch nicht in Arbeit getretenen Kollegen. Herr Scheel zeichnete die Sacklage und den Trieb der inneren Organisation der Berliner Maurer. Hunderte der Anwesenden müssen auf den Straßen herumwandern, während fremde Maurer 12 und 13 Stunden arbeiten und es den andern Kollegen unmöglich machen, ihr Dasein zu fristen. Die Maurer, die von außerhalb hierher gekommen wären, sollten mit den Berlinern gehen und nicht denken, das Geldverdienen wäre die Hauptsache, wenn sie damit die Hiestgen zu Grunde richten. Zum Schluß forderte Redner nochmals auf, sich zu organifiren und dem Verein beizutreten. In demselben Sinne sprach sich Herr Büttow aus. Den Leuten aus den Provinzen sei es nicht zu verdenken, daß sie hierher kämen, wenn in den Zeitungen bekannt gemacht würde, es würden hier 4 bis 5 Marl pro Tag verdient. Herr Wilke führte aus, wie dem abzuhelfen wäre, und daß der Andrang der Arbeiterkrüfte entstehe, weil in den andern Industrien durch die Maschinen die Arbeit lahm gelegt würde und hierdurch bei den Maurern und Zimmerern die Kräfte fich anhäufen. Er forderte auf, den Kollegen, die fich noch nicht an der Organisation betheiligt hätten, in Kamerad- schaftlichkeit und Bruderliebe voran zu marschiren. Das Haupt- prinzip der Bewegung müsse die Herbeiführung eines Normal- arbeitstages sein. Achnlich sprachen noch die Herren Herte- naucr, Berndt, Schilling, Conrad und Heinze. Hierauf erfolgte die Abrechnung der eingelaufenen Sammelgelder. Eine schriftliche Rechnungslegung wird in nächster Zeit im„Bau- Handwerker" und„Berliner Volksblatt" erfolgen. Dann schritt nian zur Kommisstonswahl. Für die Herren Weise, Kusle, Zwanzig und Blattscheck wurden die Herren Raschle, Wiesen- straße 33, Schwach, Kanitz, Dennewitzstr. 30 und Ludwig, Per- lebergerstr. 12 gewählt. Nachdem die Versammlung noch be- schloffen hatte, 7 gemaßrcgelte Kollegen mit je 15 M. zu unterstützen, wurde fie um 2� Nachm. geschlossen. Der Strike der Tischler in Hannover dauert unvcr- ändert fort und ist die Haltung der Strikenden eine vorzüg- zu dürfen. Gewiß— wie hätte ihm spanische Gastfreundschaft und Zuvorkommenheit das verweigern können. „Hier ist mein Liebling," sagte Juanilla, als fie die Blüthen eines schmächtigen Moosroscnstrauches sanft berührte,„es ist mein Liebling, der aber leider sehr kränklich ist und ich be- fürchte, daß er trotz aller meiner Pflege den nächsten Winter nicht überleben wird. Arme Pflanze! Der böse, kalte Nord- wind wird Dich tödten." Eine merkwürdige Anziehungskraft besaß seit jenem Morgen die sandige Bucht für Alfred Hill. Das kam wohl daher, weil er dort des armen Äalfischjägers Tochter traf, dieses Mädchen, so voller Lcbensfrische und Frohsinn, wie er ein zweites noch nie gesehen hatte. Die See, der Wald, die Blumen waren ihre Lehrer gewesen; von ihnen hatte sie einen Hauch von ungekünstelter Pocfie empfangen, der seinen Aus- druck fand in seltsamen Ideen und Sympathieen. Der Zweig einer Secalge war für sie der Bote eines Waldes in tiefem Meere, wo unbekannte Blumen blühen und sterben, ohne daß sie von eines Menschen Auge gesehen werden. Droben am Himmel die Schäfchen, das waren die Schiffe der Seligen, die eingingen in das Reich des Fnedens.- Das Alles erklärte sie so naiv, wie ein echtes Naturlrnd, daß fie im besten Sinne des Wortes auch war. Hill war unter Treibhausmenschcn aufgewachsen: was Wundsr, daß ihn Juanilla durch ihr natür- liches Wesen, durch ihre trefflichen, unverdorbenen Anlagen fesseln mußte. Frauen waren ihm lästig gewesen, so lange ihn seine Gedanken rückwärts trugen, sie hatten ihn gelangweilt, ihn abgestoßen durch ihr einstudutcs Benehmen. Dieses Natur- kind hier aber war niemals langweilig, vielleicht weil fie nie einen Roman, überhaupt kein Buch gelesen hatte, denn das Alphabet war ihr ein unentschleiertes Geheimniß geblieben. Sie konnte nicht über Politik, Mode und Literatur reden und doch wie regte sie seine Gleichgültigkeit auf, wie hastete fie seine geistige Thätiakeit, bis er, Gedanken gegen Gedanken aus- tauschend, die Armuth seiner Büchergelchrsamkeit gegenüber einer Intelligenz, geformt und polirt von Mutter Natur, vollständig inne ward. (Schluß folgt.) ■ Tidi': jedoch ist Unterstützung dringend ran Nöthen. Die Str'kenden sprechen firr die einzesanotcn Untmtützrmgm ihren besten Dank aus, richten aber"gleichwohl nochmals das Er- suchen an a l l e Arbeiter, mit der Hilfeleistung noch eine Zeit lang fortzufahren, der Sieg wird dann ohne Zweifel den Ärbcitscinstcllern zufallen. Gelder sind nur an den Haupt- kasfirer Georg Spangenberg, Lanaestr. 541., Hannover, zu »enden; Briefe und sonstige Zuschnften an das Bureau der Strikekommisston, woselbst sich auch der Arbeitsnachweis be- ändct.— Zuzug muß unter allen Umständen fern gehalten werden. Die selbstständigen Schuhmachermeister Frankfurts und seiner näheren Umgebung waren von einem provisorischen Komitee auf gestern Abend in den Saal der„Konkordia" ge- laden, um eine Innung zu gründen und die Statuten der- selben festzusenen. Es erschienen aber nur etwa 30. Der Vor- sitzende Herr Mondrion beschränkte sich deshalb auf die Ver- lesung eincsZStatuten-Entwurfs, desien Berathung einer gcle- acneren Zeit vorbehalten wurde. Die Versamnilung war nicht volizeilich überwacht. Wie der Vorfitzende mittherlte, würde sie spätere Versammlung gleichfalls der Ueberwachung ent- hehren, da der Herr Poüzetpräfident dem Unternehmen die größte Sympathie zuwende und Glück zu vcffen Gedechen »Dünsche.— Ah so!— Die Vorstände der Hamburger Kranken- und Sterbe- .'aste der Tabak- und stigarrenarbeiter gen.„Die Hülfe »alten in„Wuls's Etablissement" eine Versammlung, m welcher die Verfügung des Ministers, daß Frauen nicht mehr der Kasse angehören dürfen, zur Besprechung gelangte. Nach siner längeren Diskussion wurde beschloffen, eine Frauen« Sterbckasse ins Leben zu rufen, welche in zwei Klassen emge- lhcilt werden soll, und zwar soll das Eintrittsgeld m der 1. Klasse 2 M. und der Beitrag wöchentlich 10 Pf. betragen, wofür ein Sterbegeld von 200 M. ausbezahlt wird. Das Ein- irittsgeld für die 2. Klasse soll 1 M. und der Bettrag auf 5 stf. festgestellt werden bei einem Sterbegeld von 100 M. Bezüglich der Kinderversicherung wurde beschlossen, im Falle die Kasse in's Leben tritt, die Ucberschüsse derselben den hindern in cvent. Sterbefällen dieser zu Gute kommen zu lassen. PerewSMdmcKteu. „Die Konservativen und Sozialdemokraten des sechsten Berliner Reichstagswahllreises", so wird der„Voss. Ztg." be- richtet,„gericthcn am Freitag Abend wieder einmal hart an- einander. Die Ersteren hatten für diesen Abend eine große öffent- liche Versammlung nach dem Börsensaale des alten Viehhofes Lrunnenstr.) einberufen. Dieses direkt in dem„Arbeiterviertel" belegene Lokal sowohl, als auch das gewählte Vorttagsthema: „Aroeiterforderungen in Betreff der Sozial- und Wirthschafts- Politik(das Recht auf Arbeit)" hatten die Arbetter zu Hun- detten herbeigelockt. Von konservativer Seite waren nicht we- Niger erschienen. Prof. Wagner hielt als Referent des Abends einen recht arbeiterfreundlichcn Vortrag, in dem er du Forderungen der Arbeiter, höhere Löhne, Verkürzung der Ar- deitszeit, Schutz der Arbeit, als gerecht anerkannte. So erzielte er anfänglich stürmischen Beifall. Als er aber bei Besprechung der zweiten Forderung sich äußerte, die Arbeiter würden die durch Verkürzung der Arbeitszeit gewonnene freie Zeit nicht nutzbringend verwenden, sondern dieselbe verbummeln, da -ntstand ein kolossaler Lärm, der jedoch bald wieder in Beifall umschlug, als Herr S t ö ck e r die Erklärung abgab, daß die ausgesprochene Ansicht nicht diejenige des Herrn Wagner, sondern der Manchester- männer sei. Der Vortrag hatte indeß die beabsichtigte Wirkung auf die Arbeiter gänzlich verfehlt. Er brachte mel- mehr Herrn Wagner das Kompliment ein, daß ein Professor von den Verhältnissen der Arbeiter gar nichts verstehe, daß die Konservativen den Arbeitern stets um den Bart gingen, wenn dieselben zugegen seien u. d. m., Schmeicheleien, die eine ge- harnischte Erwiderung des Herrn W a g n e r zur Folge hatte. Damit war das Signal zum allgemeinen Aufruhr gegeben. Die nun folgende„Diskussion� spottete jeder Beschreibung. Vergeblich waren die Ermahnungen des Herrn S t ö ck e r,„daß nur gebildete Leute eingeladen wären" und ,sie größer vre Ruhe, desto mehr würden sich die gegnerischen Redner blamr- ren". Die Glocke des Präfidenten läutete wahrhaft Sturm. Trsch- ler F r i g g e wurde thatsächlich niedergeschrien. Ein Arbeiter proklamirte unter dem denkbarsten Tumulte Herrn Hasen- clever als Reichstagskandidatcn. Hr. S t ö ck e r verbreitete sich dann unter permanenten Unterbrechungen über das„Recht auf Arbctt" und machte den Sozialdemokraten den Vorwurf, daß sie im Reichstage nicht selbst einen diesbezüglichen Gesetz- entwurf eingebracht hätten, wozu sie doch die beste Gelegenheit gehabt hätten. Dann rief er ihnen zu:„Stellt euch nicht einer Der Louisenstädtische. Arbeiterbezirkssisterein„tor- wärts" hält feine Vereinsversamir.lung am Mittwoch, abends 8V> Uhr, in Konrath's Salon i Wasserthorstraße 68) ad. T.-O.: 1) Bericht des Vorstandes. 2) Vortrag des Herrn Stadt?. Singer. 3) Diskussion. 4) Verschiedenes und Fragekastea. — Das Vortrags-Thema wird in der Versammlung bekannt gemacht und bittet der Vorstand um recht zahlreiches Erscheinm. Der Bezirksverein des Westens Berlins hält am Mon- tag, den 7. Fuli, abends 8'/, Uhr in Menzel's Salon(Pols- damerstraße 74) eine öffentliche Versammlung ab, in welcher der begonnene Zyklus der Vorträge über„Rechtswissenschaft"(3. Deustches Strafrecht) fortgesetzt werden wird, llm zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Die Lohn-Kommisfion der Berliner Schneider»er- anstaltet am Mittwoch Abend 8'/» Uhr in B rä u ers Saal (Große Frankfurterstraße 74/75) eine große, öffentliche Ler- sammlung, in welcher 1. die Aufgabe der Lohnlommisfion und der Werkstellen-Delegirten und 2. der Lohntarif des Herrn Mücksch, Landsbergerstt. Nr. 115, besprochen werden sollen. Bei so wichtigen Fragen wäre es wünschenswerth, daß sämmt- liche Zivil-, Militär- und Damen-Schncider am Platze sein möchten. Der Fachverein der Tischler hält am Mittwoch, abds. 8V. Uhr, in Keller's Restauraut(Grüner Weg 29) eine Ver« sammlung ab. T.-O.: Errichtung einer UnterstützungSkasse für arbeitslose Mitglieder. Verschiedenes und Fragekasten. Freunde und Mitglieder find bestens eingeladen. VermisekteA. Ende vorzubeugen." Ueber das vielberedete Attentat auf den früheren Reichstagsabgeordneten Hartmann theitt dem„Hamb. Corrcsp." Herr Hartmann selbst Folgendes mit:„Am Nachmittage des 18. Juni, während ich mich mtt einem Gaste unterhielt, machte sich ein mir gänzlich unbekannter Gast damit besonders bemerkbar, daß er sich darüber beschwerte, daß ich mich um meine anderen Gäste iu wenig kümmere. Er sei doch extra mit einer Droschke hergefahren, und trotzdem ließe ich ihn so unbeachtet. Ich wurde dann aufgefordert, in eigener Per- son jedem der Anwesenden ein Glas Bier auf seine Rechnung einzuschenken. Ich kam, hinter die Schenke tretend, dem Ver- langen nach, und ebenso bei einer zweiten Aufforderung. Während der Unterhaltung, welche in der heitersten Weise ge« führt wurde, so daß von Streit, Belästigung der Gäste und Sachbeschädigung nicht im Ensterntesten die Rede sein kann, unterhielt sich der mir persönlich Unbekannte, welcher sich durch seine Adreßlarten als der Schneidermeister Hcubach bezeichnete, insbesondere mit zweien, im 2. Durchschnitt mit Droschken haltenden Kutschem. Da ich schwer höre, so beachtete ich die Unterhaltung wenig, ich nahm nur Veranlassung, die Gäste, welche sich mit Hcubach unterhielten, zu ersuchen, nicht so sehr laut zu sein. Nachdem dann noch eine von anderer Seite ausgegebene Runde Bier venehrt war, verließen die Gäste und auch Heubach mein Lokal. Nach einer Weile, als ich allein im Lokal hinter der Schenke stand, kam Heubach wieder und setzte sich vor die Schenke an den Tisch, ohne Etwas zu sagen, mich nur mtt recht verbissenen Blicken ansehend. Ein ankommender Gast, welcher sich nach Jemandem erkundigen wollte, veranlaßte mich, neben demselben an einem Tische in der Gaststube Platz zu nehmen. Heubach, welcher auf der Diele saß, stand auf und setzte sich an denselben Tisch. Er forderte ein Glas Selters- wasser. welches ihm auch verabreicht wurde, als er aber auch noch Cognac verlangte, habe ich denselben, da er nach meiner Ueberzeugung genug getrunken hatte, oerweigert. Skandal hat er dabei nicht gemacht, sondern war ganz ruhig. PlötzlichZgcwahrte ich, sehr zu meinem Glücke, wie Heubach mit Worten, die ich leider nicht verstanden, einen Revolver aus unmittelbarer Nähe auf mich richtete. Nur durch sofortiges schnelles Zugreifen ent- wand ich ihm die, wie sich nachdem herausstellte, sechsfach ge« ladene Schußwaye und verhinderte so ein schweres Verbrechen. Während ich nun in erregtem Zustande dem Heubach bittere Vorwürfe machte und die mögliche Tragweite seines frevelhaf- tcn Beginnens erörterte, kamen mehrere Kutscher, unter ihnen auch diejenigen, mit denen Heubach sich so besonders unter- halten hatte. Die Letzteren erklärten, daß ihnen nun ein Licht aufgehe, und erzählten unter der wachsenden Erregung der An- wesenden, Heubach habe in der Unterhallung auf das Schlimmste »eschimpft, Hartmann sei ein Schurke und Schuft, der habe die rbeitersache vcrrathen und sich so wieder nach Hamburg hin- eingeschmuggelt, er müßte todt geschlagen werden u. s. w. Nach dieser Erzählung erschien es klar, was Heubach willens gewesen und daß nur mein schnelles Entwinden des Revolvers das Verbrechen verhindert hatte. In der Erbitterung versetzten ihm die Anwesenden einige Faustschläqe und brachten ihn auf die Wache. Beim Transport nach der Wache äußerte Heubach noch zu dem Konstabler: Wegen dieses VonalleS könne man ihm ja nicht viel thun, rvenn er aber erst wieder frei sei, würde er Hartmann doch erschießen. So der wahre Sachverhalt, wie er auch durch Augen- und Ohrenzeugen erhärtet werden kann." Freienwüide a. O.. 27. Juni. In Folge falscher Weichen- ''elst'ra st it. ur. de um Ilfi; 1' Pf'iiuten:>ici zffente �5�ner Personenzug kurz vor der hiesigen Station bei den Ziegeleien auf mehrere mit Steinen belavenc Güter« wagen. Da der Zug nur langsam fuhr, ist größeres Unglück verhütet worden. Außer einigen nur theilwnse zertrümmerten Wagen haben nur einige Zugbeamten leichte Kontusionen davongetragen. Frankfurt a. M. Während der vorgestrigen Aufführung des„Herrgottschnitzer" im Opernhause wurde die junge Frau eines Orchestermitgliedcs plötzlich von einer Ohnmacht über- fallen. Sie wurde sofort in einer Droschke nach ihrer Woh- nung gebracht, aber sie kam nicht mehr lebend dahin. Ein S ch l a g a n f a I l hatte ihrem Leben ein Ende gemacht. Wie ärztlicherseits konstatirt wurde, war die junge Frau in Folge starker Schnürung gestorben. Dessau. 26. Juni. Das Hochwasser der Elbe hat gestern zwei Menschenleben gefordert. Zwei Frauen waren unweit des Kornhauses mit Grasschnciden beschäftigt, ohne daß sie von dem Steigen des Wassers etwas bemerkten. Plötz- lich sahen sich Beide von dem Waffer umringt und, den Rück wcg verfehlend, ertranken dieselben, da ihr Hilferuf nicht ver- nommen wurde, in einer der dort befindlichen tiefen Stellen. — Das Hochwasser deS Muldestromes erreichte gestern Abend 12 Uhr seinen höchsten Stand. 2,25 Meter über Null. In einem Stadttheilc drang das Wasser in die Wohnungen, so daß die Bewohner dieselben räumen und das Vieh in Sicher- heit bringen mußten. Sümmern bei Iserlohn, 26. Juni. Ein schweres Un- glück hat sich hier im Verlaufe der Verfolgung eines Ver« brechers Namens Oswald ereignet, der jüngst yier einen Raub- mord begangen hat, ohne daß bis jetzt seine Festnahme gelungen wäre. Ende voriger Woche, Abends nach 9 Uhr, begab sich eine Patrouille v»n Holzen-Böthende auf die Suche nach dem Raubmörder Oswald, der in hiesiger Gegend gesehen worden sein soll. Arglos des Weges kam nun der halb- erblindete Fritz Hoppe daher, der, vom Augenarzte in Hagen kommend, nach Hause ging. Er wurde von der Patrouille mit „Halt" angerufen, vermuthetc, weil er nicht gut sehen konnte, einen räuberischen Ueberfall und ergriff schleunigst die Flucht. Dre Pattouille, die in dem Mann mit dem seltsamen Gebahre» den Raubmörder vermuthete, sandte ihm eine Ladung Schrot nach, so daß er zusammenbrach. Der Aermste, der natürlich sofort nach Hause geschafft und ärztlicher Hilfe übergeben wurde, hat so schwere Verwundungen an Arme und Seite erlitten, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Entführung. Vor Kurzem wurde, wie orientalische Blätter erzählen, aus dem Frauenklostcr zu Teheran eine Nonne unter merkwürdigen Umständen entführt. Ein Poscnscher Grundbesitzer, Namens Baron Rosen, hatte sich nämlich in die Tochter eines Breslauer Kaufmanns sterblich verliebt und wollte dieselbe auch heirathcn. Die Eltern des Mädchens wollten jedoch von dieser Heirath nichts wissen und schickten sie daher in ein Kloster- Der Baron verfolgte jedoch seine Angebetete auch bis in's Kloster, und so wurde die Nonne anfangs nach Paris und später sogar nach— Teheran geschickt, während es in Breslau hieß, dieselbe befinde sich in einem Kloster zu Alexandrien. Ter Baron begab sich nun nach— Alexandrien, wo er dann den wirklichen Aufenthalt seiner Angebeteten er- fuhr. Er reiste ihr daher schleunigst nach Teheran nach, trat hier m Ksrrespondenz mit ihr und schon wenige Tage nachher entflohen Beide nach-Baku, wo sie sich trauen ließen. Moral: Uns kann's recht sein. Schönebeck, 26. Juni. In den letzten 24 Stunden ist die Elbe so hoch gaTtiegen, daß alle Wiesen an der Elbe unter Wasser gesetzt sind und sogar gestern Abend der Fährverkehr über die Elbe hat eingestellt werden müssen. Bei dem so sehr anfluthenden Wasser ist es nicht möglich gewesen, alles Heu auf den Wiesen zu bergen' man hat sogar beladene Wagen stehen lassen müssen, uin sich selber und daS Vieh zu retten. Im nahen Dorfe Rahnis sind dabei doch 2 Pferde umgekommen. Weiteres Wachsthum von 2 Mtr. ist von stromaufwärts gemeldet. Es ist dies jedenfalls das größte Sommerhochwasser, das wir jemals gehabt haben. Neueste Nuckrickteu. Madrid. Mit Rücksicht auf die in Toulon aufgetretene Epidemie ist die Ziehung eines Militärkordons längs der Lan- desgrcnze gegen Frankreich angeordnet worden. Außerdem ist über die Einsuhrstationen eine siebentägige Ouarantän» ver- hängt und die Desinfektion sämmtlicher Provenienzen aus Frankreich angeordnet worden. Ungereinigt« Wolle, Häute, lebende Thiere dürfen überhaupt nicht eingeführt werden. Briefkasten der Medahtion. H. Kr.(Gr. Frankfurterstraße.) In den nächsten Tagen. 9 Theater. Dienstag, den 1. Juli. Die Königl. Theater find der Ferien wegen geschlossen. Deutsches Theater: Geschlossen. Weues Friedrich- Wilhelmst. Theater: Boccaccio. Wallner- Theater: Hotel Blancmignon. vftend-Theater: Der Äettelstudent von Berlin. Selle-Alliance-Theater: Die Goldprobe. Walhalla- Offeretteu- Theater: Nanon. «»isenstädtisches Theater: 61. Overn-Vorstellung.„Fra Dinoolo", oder:„Das Gasthaus zu Terracina", komische Oper in 3 Akten von A u b e r. Uentral-Theater: Los und Ledig._ iffrohe Versammlung der Eivil-, Militär-, Damen- und Damen-Mäntel-Tchneider- Mittwoch den 2. Juli er, Abends 8'/, Uhr in BräuerS Salon, Große Frankfurterstr. 74.75. Tagesordnung: 1. Die Aufgabe der Lohnkommission und der Werkstellen- Delcgirten. hntmtf_ Die Wichtigkeit halber, erwartet zahlreiches Erscheinen die Lohnkommisston der Berliner Schneider. 2. Der Lohntarif des Herrn Mücksch, Landsbergerstt. 115. '"""tigfei' i"''' Louisenstädt. Bez.-Ver. Vorwärts. Grosse Mitglieder. Versammlung: Mittwoch 2. Juli, Abends 8'/, Uhr, Wafferthorstr. 68 in Eonrads-Salon. Tages- Ordnung: I.Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht vis Vorstandes. 3. Vortrag des Herrn Stadtv. Paul Singer. 4. Diskusfion. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht der Vorstand. Bezirksverein des werkthätigen Volks des 29., 30. und 31. Wahlbezirk. Versammlung. Mittwoch den 2. d. M. Tagesordnung: 1. Vorttag. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten._____ Arbeits'Nachweis des Fachvereins der Schuhmacher »n entgeltlich im„Zentral-Arbeitsnachwcis", Spandauer- traßc 39, bei Herrn Schulz, Abends von 8ff,— 9'/, Uhr und Sonntags von 10—12 Uhr Vormittags. Adressen-Annahme zu eder Tageszeit.[347 Soeben ist erschiene» und durch»ll« Suchhund- lunge»»u tejiehen: Der illustrirte ciik Wklt-Klilendcr für das Jahr 1805. «reis 50«f. Der Kalender enibZlt u.». a.: pi* huinui äUostltstdter. färben blld mit «ebicht. Jteberftrijt brr n-ielschastlichen und staatlichen perstältniNe be» bentfchen»eich*. Von Freiwaid Dhüringer. Ktaatilche Perhält- ntst» der bebentendsten Zander der«rbe. vecetz unb»echt, äriäblung von Rod. Schweichcl. Mettrrpraphrtrn u. Hvitternngvbnnb». Von Bruno Seiler. Kt. Kim* euer. Sine Seegeschichie. 9»r«rutschen nationaler Zlrtrank. Von Dr. lloloniu». Eine Verlorene. S.n Sittenbild au« unftm geil. Bon?t. Xitiit. Crbe und Won» in istre»«ntmichlung. Boa P. Adhler.?ie Mieifteratachter. Novell- von Jstax Regel. Zinser Janbersalon. humoristische» FenUie- to u(mit vielen Illustrationen). Dvanbbaiender. Stuttgart.?. 0. v».«iech. NM" In den nächsten Tagen erscheint im unterzeichneten Verlag und ist durch die Expedition deS„Berliner Volksdlatt" zu beziehen: Das Unfallversicheruvgsgesetz. lefaßten Beschlüssen. Die Dmljdrudbm TOD MAX BABING Beuthstrasse 2 empfiehlt sich zur Anffertlgrung eammtlicher Druck tzupbeiten, in geschmackvoller Ausführung zu soliden Preisen. «"laifBilSJEiyialirJifHipjfgjsgJfBJfBl1 i i D 1 I Cig'arren-Import Gustav Wendt Berlin S., OranleuMtraNtue OO, Berlin S, cwischen MoritcpUts nnd Konimandnntenstrasse. Nach den in 3. Berathung Preis 2o Nürnberg. Wörlein& Comp. Verantwortlicher Redacteur I. F. Guttzeit in Schöneberg-Berlm. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin SW., Lcuthsttaße 2. In meinem Verlage erschien: „Die Hyntne des Bolks." Gedicht von Carl Herrittann, Schriftsetzer. Preis 5 Pf.[235 100 Stück 3 Mark._ H. Arnold, Kochstt. 39. In der Expedition des„Berliner Volksblattcs" find stets die neuesten Stummern der im Verlage von I. H. W. Dien in Stuttgart erscheinenden humoristischen Blätter..Der wahre Jakob", sowie Liebknechts»Iremdwörter-Vuch. Preis M. 1,80. vorräthig-_ Hierzu eine Bettage. Leilage iura Serlluer Öulksbldl Nr. 74. Dienstag, den 1. Jnli 1884. 1. Jahrgang. Die chineksche llebervölkerung. (Aus„Journal des Economistes".) Die etwaigen Folgen der chinesischen Einwanderung haben gewisse Geister sehr beunruhigt. So prüfte vor Kurzem ein Staatsmann, der Frankreich lange Zeit in Peking vertreten, die Möglichkeit, daß die Gewerbetreibenden, von dem immer drin- gendcr werdenden Bedürfniß einer weniger kostspieligen Her- siellung bewogen, ihre Werkstätten mit Chinesen füllen möchten, und war sehr erschreckt über die Folgen, welche dies für den Arbeitsmarkt haben könnte und besonders auch über die Wirkungen, welche eine solche Vermischung der entsetzlichen Sittenverderbniß der Gelben mit der eigenen Sittenlofigkcit der Bewohner des Abendlandes hervorrufen dürfte. Wir wissen nicht, ob Herr Graf von Rochcchouart, welcher die von allen Reisenden bestätigte chinesische Ent- artung genau kennt, die europäische Verdcrbniß nicht über- treibt', es steht aber fest, daß im Falle einige hunderttausend Chinesen sich den Gestaden Frankreichs oder Englands zu- wendeten, dieses ganz friedliche Eindringen noch ohnmächtiger gegen die Gesittung des Abendlandes sein würde, als es im 13. und 14. Jahrhundert die großen Bewegungen der Tataren und ihre bewaffneten Ueberfälle gewesen sind. Die Annahme ist aber ganz und gar müßig; unwiderstehliche Schwierigkeiten aller Art thürmcn sich gegen eine mongolische Einwanderung in Europa auf und es läßt sich sicher behaupten, daß die aus- wandernden Chinesen sich nicht nach diesen Gegenden hinge- zogen fühlen. Andere Länder reizen sie mehr; andere Theile der Welt, deren Beschaffenheit mehr ihrer Natur, ihrem noch embryonischen gesellschaftlichen Standpunkt, der Art ihrer geistigen und sittlichen Bildung, die in gewissen Richtungen sehr vorgeschritten, aber dennoch ganz und gar eigenartig ist, entspricht. Von der Küste des stillen Meeres zurückgewiesen, werden die Chinesen ohne Zweifel eines Tages nach dem öst- iichen und mittleren Afrika hinströmen, welches unsere Nach- barn jenseits des Kanals jetzt zu bebauen lieben. Es ist allerdings nicht möglich, daß die chinesischen Be- völkerungen bei ihrer gegenwärtigen wirthschaftlichen Verfassung und bedroht von den regelmäßig wiederkehrenden Hunaers- Nöthen, sich nicht immer mehr außerhalb der Grenzen ihres Volksthums sollten auszudehnen streben, und um sie im Lande festzuhalten, gäbe es nur ein Mittel. Es müßte nämlich die chinesische Regierung sich dazu entschließen, die Ausbeutung der Mineralen Rerchthümer des Reichs im Großen zu gestatten und somit seine unendlichen gewerblichen Hilfsquellen in Fluß zu bringen. Man weiß es von Herrn Baron von Richthofcn, dem ausgezeichneten Wiener Geologen, der vier Jahre lang fast alle achtzehn Provinzen bereist hat, daß China hinsichtlich der Steinkohlenlager vielleicht das am meisten begünstigte Land der Welt ist. Dieser Ausspruch findet seine Bestätigung in dem, was unser Landsmann, der Abu David, der sich wieder- holentlich lange in China aufgehalten, darüber sagt. Aus diesen Rcichtbümcrn ziehen die Chinesen in Folge ihrer un- genügenden Verbindungswege und ihrer unentwickelten Art der Ausbeutung nur mageren Gewinn. Wenn es ihnen aber eines Tages einfiele, sie aus regelmäßige und dauernde Weise auszubeuten, wenn sie einmal erst eine Eisenbahn anlegen, welche in das Herz der bevölkcrtsten und ergiebigsten Theile eines Landes führte,„dessen Binnenhandel den Reisenden in beständiges Erstaunen gesetzt, so wird dies wahrscheinlich der Anfang eines wirthschaftlichen Umschwunges sein, der sich ver- muthlich nicht auf die Grenzen des himmlischen Reiches be- schränken würde. Wer könnte in der That die Folge einer solchen Entwickelung inmitten eines sehr geschickten, sehr arbeit- samen und sehr sparsamen Volkes ermessen, dessen Lohn-Vcr- Hältnisse noch sehr bescheiden find? Man würde alsdann ein neues Schauspiel vor Augen haben und sehen wie die chinesische Arbeit und die chinesische Kohle den größten Theil derjenigen Maaren hervorbringt, die jetzt das Abendland zu viel höheren Preisen auf den morgenländischen Markt wirft. Ieuilleton. 70 Drei Gesellen. Eine ernste Erzählung von Ernst Pasquä. (Fortsetzung.) Tu meinst doch nicht etwa seinen Helfershelfer,— den Grein? Gerade ihn meine ich. Weil er eben in anderen schlechten Sachen Lco's Vertrauter und Helfershelfer gewesen, so kann er ihm auch bei dem Diebstahle zur Seite gestanden haben. Du könntest Recht haben und eine Möglichkeit dürfte es noch geben, uns darüber eine Aufklärung zu verschaffen. Wie meinst Du das? Der alte Grein lebt noch. A— h?! rief van Owen mit einem Tone, der recht er- schrocken, fast entsetzt klang. Doch ist er leider geisteskrank. So! tönte es schon wieder beruhigter. Ein Versuch, ihn zum Reden zu bringen, kann immerhin gemacht werden. Auch lebt sein Sohn hier in Paris. Ich kenne ihn.,„.. �_ Seinen Sohn? rief van Owen, aufs Neue erregt. Seine Mutte, die alte Grein, Du wirst Dich ihrer gewiß Nun" was ist es mit der? Die ist wohl unter der Zeit gestoben. � noch und bei ihrem Sohne hier in Paris. Tie kann uns helfen und wohl auf die rechte Spur führen. Ganz recht, die kann uns helfen und wohl auf die rechte Spur führen, antwortete van Owen maschinenmäßig und fast tonlos. Wir wollen sie aufsuchen- gleich auf der Stelle! Einen Augenblick zögerte van Owen tstit einer Erwiderung, dann aber sagte er mit matter Stimme, seinen Schwachezustanv nicht im Mindesten zu verbergen suchend:. Unmöglich, Freund! Dein plötzliches unverho�t-s Wieder- sehen, die Ermnerung an die alten traurigen Geschichten haben mich in der That recht angegriffen und ich— ich fühle es nur u gut!— habe mcht Kraft genug, um mich in diesem Augen- olicke weiter und eingehender mit Deiner Angelegenheit zu be- fassen. Laß mich nachsinnen— noch Manches wird imr bis Morgen einfallen! für jetzt bitte ich Dich, verlaß mich, ich be- darf wirksjch der Ruhe, denn ich fühle mich matt und nicht recht wohl. Die Hand hielt Elsen ihm hin, und die ihm dargebotene kalte Rechte van Lwcn's lange und kräftig drückend, sagte er dem Freunde, daß er gehen und Morgen zu gleicher Stunde wiederkehren werde. I Bereits kann man in den Waarenlagern von Manchester und Liverpool Seidenwaaren und prächtig gestickte chinesische Stoffe finden, die mit der Hand gearbeitet find. Ein eng- lischcr Reisender berichtet uns, daß es nicht an den chinesischen Meistern liegt, wenn sie in ihren Werkstätten nicht die voll- kommensten Maschinen aus Bradford und Planchester an- wenden. Die Arbeiter widersetzen sich dem hartnäckig. Die Handarbeit bringt ihnen nur den magersten Lohn ein und doch find sie halsstarrige Gegner der Maschinen- Der Seiden- Händler, welcher Herrn Thomson einst seine Fabrik auf dem Lande zeigte, erzählte ihm, er habe versucht, eine aus dem Auslände stammende Vorrichtung bei seinen Haspelmaschinen anzubringen. Seine Arbeiter waren aber alle abgegangen und hätte er bei seinem Entschluß beharrt, so wäre sein Unter- gang sicher gewesen- Dieser Fabrikant hatte zu Arbeitem den größten Theil der Männer, Frauen und Kinder eines ganzen Dorfes, was in China selten, wo die Theilung der Arbeit so weit getrieben wird, daß es keinen Familienvater gicbt, der nicht an der Spitze einer Werkstatt steht. Aber diese Dorfbewohner waren zum Abhaspeln und Zurechtmachen der Seide nur gewisse Monate des Jahres gedungen und fast alle besaßen kleine Güter, wo sie Seide auf eigene Rechnung züchteten._ Statistisches. Nach der kürzlich erschienenen, im Reichs-Eisenbahn-Amt bearbeiteten„Statistik der im Betriebe befindlichen Eisenbahnen Deutschlands über das Betriebsjahr 1881/32" war für die gc- sammte Verwaltung der deutschen Eisenbahnen im Jahre 1881/82 bei einer Bahnstrecke von 36 032 km ein Beamten- und Arbeitcr-Pcrsonal von 290 755 Köpfen erforderlich. Die Besoldungen und persönlichen Zulagen für deren Leistungen belaufen sich auf 303 599 042 M. Auf die Betriebsverwaltung entfielen hiervon 246 741 Beamte und Arbeiter mit 262624575 M. Besoldung und auf die Werkstättenverwaltung 44014 Beamte und Arbeiter mit 41 174 467 M. Besoldung. Das Beamten-Personal innerhalb der Betriebsverwaltung vcrtheilte sich auf die Allgemeine Verwaltung mit 7382 etatmäßigen Beamten 4492 diätarischen Beamten, auf die Bahn- Verwaltung mit 24 101 etatmäßigen Beamten und 7913 diätarischen Beamten, auf die Transportverwaltung mit 64 035 etatmäßigen Beamten und 18556 diätarischen Beamten. Das Beamten-Pcrsonal innerhalb der Werlstättenverwaltung zerfiel in 1615 etatmäßige Beamte und 962 diätarische Beamte. Eine Vcrgleichung dieser Ziffern mit denen des Betriebs- jahres 1880/81 der deutschen Eisenbahnen(Band I der be- treffenden Statistik) ergiebt die interessante und bemerkens- werthe Thatsache, daß die Zahl der etatsmäßigen Beamten sich wesentlich vermindert hat, während die Zahl der diätarisch be- schäftigten Beamten in demselben Maße gestiegen ist. Im Ganzen trat gegen das Vorjahr eine Verminderung der etatsmäßigen Bahnbeamten Deutschlands von 15 283 Köpfen mit 5 947 420 M. Besoldung und eine Vermehrung des diä- tarisch beschäftigten Beamten-Personals um 15 130 Köpfe und 16200471 M. Besoldung ein. Die Gesammtzahl der von den Verwaltungen der deutschen Eisenbahnen im Jahre 1881/82 beschäftigten Beamten betrug 129056 mit einer Äesoldungs- summe von 187 056 280 M. Im Betriebsjahre 1880/81 belief sich die Zahl der Beamten auf 149 215 bei einer Bcsoftmngs- summe von 176 803 229 M. Was die Arbeiter der deutschen Eisenbahnen im Jahre 1881/82 und deren Einkommen anlangt, so lassen sich aus der vorliegenden Statistik hierüber folgende Auszüge machen: Es waren beschäftigt(in Parenthese sind die auf das Be« triebsjahr 1880/81 bezüglichen Zahlen angegeben): Bei der Allgemeinen Verwaltung 560(840) Arbeiter mit einer Besoldung von 836 868(778 695) M., bei der Bahnverwaltung 60 209(58 021) Arbeiter mit einer Besoldung von 33 172 531(29 987 120) M., hei der Transportverwaltung Ein kurzer Abschied folgte, dann schritt Elsen dem Aus- gang des Speisezimmers zu. Doch an der Thür wurde er von van Owen noch einmal zurückgerufen. Noch Eins! sagte dieser. Es dürfte räthlich sein, keine vereinzelten Schritte zu thun. Verhalte Dich deshalb heute ruhig und rede mit Niemandem über die Angelegenheit. Du kannst Recht haben und ich will Deinem Rathe folgen. Dann auf morgen, Freund! Auf morgen! Im folgenden Augenblicke war Elsm verschwunden und van Owen wieder allein. Rasch, und sich fast Gewalt antbuend, richtete er sich em- vor; seine Lippen zitterten und die Blicke, finster und giftig, schauten vorerst dem Abgegangenen nach, dann suchend, fragend im Zimmer umher. Der Bediente erschien mit der Frage, ob Herr von Auvent befehle, daß er daS unterbrochene Frühstück zu Ende servire. Feuer in den Kamin! herrschte er ihn an. Feuer, jetzt im Sommer? konnte der überraschte Mann sich nicht enthalten zu fragen. Ja, Feuer. Ein großes, loderndes Feuer will ich! Aus dem Zimmer flog der Bediente, den sonderharen Be- fehl seines Herrn auszuführen. Jetzt den letzten Beweis meiner That, die verrätherische Schatulle mit ihrem Inhalte vernichtet! So flüsterte Auvent mit fast unheimlichem Tone, und schon schritt er nach dem Salon hin, um das Kabinet aufzu- suchen, wo er das schwarze Kästchen verborgen hielt. Seit dem vorgestrigen Abende hatte er stündlich die Ver- nicktung dieses gefährlichen Beweisstückes vornehmen wollen und deshalb, nicht einmal den Schlüssel dss Schlankes abge zogen. Konnte doch auch Niemand in das Kabinet; die Thüren waren ja alle gut und stets verschlossen. Doch gleichgiltig und nachlässig hatte er dies Thun von einer Stunde zur anderen, von einem Tage zum anderen verschoben. Nun aber sollte das Stästchen in dem prasselnden Feuer, welches dort hinter ihm, ir. dem Zimmer, das er soeben ver- lassen, angezündet wurde,'einen Untergang finden. Das Kabinet hat er erreicht; sein Schlüssel öffnet die Thür und in den fast dunklen Raum, dessen einziges Fenster von außen mit einem Laden geschlossen ist, tritt Auvent ein. Auf den wohlbekannten Wandschrank schreitet er zu. Doch was ist das? Ter Platz, wo er das Kästchen hingestellt, andem es immer gestanden— ist leer. 59492(55 882) Arbeiter mit einer Besoldung von 45 501 919 (42075 480) M., bei der Werkstättcnverwaltung 41437(40 598) Arbeiter mit einer Besoldung von 36 408 559(35 875 134) M. Hiernach betrug die Gesammtzahl der bei den Bahnvcr- waltungen Deutschlands im Jahre 1881 182 beschäftigten Arbeiter 161 698 gegen 155341 im Jahre 1880/81. Die Besoldungen für die Arbeiter beliefen sich im Jahre 1881 82 auf 115919 377 M. gegen 108 716 329 M. im Betriebsjahre 1880/81. Es ergiebt sich nach diesem die Thatsache, daß bei den deutschen Eisenbahnen im Jahre 1881/82 die Zahl der Beamten sich um 159 verminderte, deren Besoldungen sich allerdings uin 10 253 051 M. erhöhten, während die Zahl der Arbeiter um 6357 stieg und deren Besoldungen sich um 7 203548 M. erhöhten. L o k« l e s. « denjenigen Pferdebahnlinien, so schreibt die „Volksztg.", welche im Interesse des Nordens hergestellt und nach demJÖertrage mit der.Pferdebahn-Gesellschaft sehr bald in Angriff genommen werden und jedenfalls noch vor 1883 vollendet sein sollen, gehört die Linie Gesundbrunnen— Fennstraße— Stromstraße, welche nicht nur einem starken Bedürf- niffe abhilft, sondern für die betreffenden Straßen gewisser- maßen erst den Anschluß an andere Stadtgegenden bedeutet. In Bezug auf die Stromstraße, welche einen bedeutenden Knotenpunkt im Pferdcbahnnctzc bildet, liegt nun aber noch eine Schwierigkeit vor, ohne deren Beseitigung die Ausführung des Projekts, wie uns mitgctheilt wird, sehr erschwert, wenn nicht ganz unmöglich gemacht wird. Die beiden Eckgrundstticke der Stromstraße und Thurmsttaße, in welchen das Wittig'sche Lokal und das der Ahrens'schen Brauerei gelegen, bedürfen nämlich einer Rcgulirung, ohne welche die Verbreitung der Straße nicht möglich ist. Das abzutretende Terrain, an und für sich nur ein schmaler Streifen, hätte aber in so fem für die Eigenthümer großen Werth, als namentlich das W.'sche Grundstück durch die Abtretung dieses Streifens ganz bedeutend an Werth einbüßt. Ter geforderte Preis steht deshalb in gar keinem Verhältniß zu der räumlichen Bedeutung des Terrains, d. h. er ist viel größer, als er nach der Zahl von Quadrat- meiern in landesüblichen Preisen sein müßte. Die bisherigen Verhandlungen der Behörde mit den betheiligten Eigcnthümem hatten deshalb bis heute auch noch keinerlei Resultat ergeben. Dies ist um so mehr zu beklagen, als es nach Lage der Sache fraglich erscheinen muß, in diesem Falle das Enteignungsver- fahren einzuleiten. Hoffentlich gelingt es im Interesse der nördlichen und nordwestlichen Stadttheile recht bald, diesen Stein des Anstoßes zu beseitigen und denselben die Lortheile des sehnlichst herbeigewünschten Verkehrsmittels zuzuwenden. — K. Unglücksfall. Der Schüler P. der zweiten Klasse der 8. Gemeindeschule in der Gipsstraße hatte vorgestern Nach- mittag das Unglück, beim Herumklettern an den auf dem Hofe befindlichen Turngeräthen von der Leiter zu fallen und sich hierbei das rechte Handgelenk zubrechen. Er wurde seinen in der Rosenthalerftraße wohnenden Eltern zuge- führt und dort in ärztliche Behandlung gegeben. Irgend einen Lehrer trifft an diesem Unfall keine Schuld, da P. sich eigen- mächtig an den Turngeräthen zu schaffen gemacht hatte. Die elektrische Beleuchtung des oberen Theils der Leip- zigersttaße und des Pariser Platzes findet nach dem bestehenden Vertrag mit der Firma Siemens u. Halske durch dieselbe noch bis zum 25. Oktober d. I. statt. Der Magistrat hat beschlossen, wenn möglich die Fortdauer der Bogenlicht-Beleuchtung noch bis zum Monat April k. I. sicher zu stellen. Unsere Wochenmärkte entfalten augenblicklich einen Reich- thum, der unsere Hausfrauen mit wirklichem Entzücken erfüllen muß. In großen Massen find aufgcthürmt Kohlrabi, Schoten, Mohrrüben, Blumenkohl, neue Kartoffeln, Bohnen, Salat, der „letzte Spargel", Pfefferlinge und andere Pilzarten. Weithin Einen rauhen Schrei stößt Auvent aus, dann beginnt er hastig den Schrank zu durchwühlen. Die wenigen Kleidungsstücke wirft er heraus, in alle Ecken tastet er, doch vergebens— er findet nichts. Das lang verschlossen gewesene Fenster reißt er auf unv die Sonne dringt nun auch in den kleinen Raum, ihn hell be- leuchtend. Ucberall— doch immer vergebens— sucht der fast Ver- zweifelnde. Seine Brust keucht und heißer Schweiß bedeckt seine Stirne, seinen ganzen Körper. Den einzigen Zeugen, der ihn verrathen, unrettbar einem richterlichen Urthcil überliefern kann— die Mutter seines Kindes, Margaretha Lorenz— er hat sie hinausgetrieben aus seinem Hause und sie zu einer gewiß unversöhnlichen Feindin gemacht. Der Wechsel, den er in ftevelhaftem Uebermuth mit falscher Schrift— in der Handschrift der verleumdeten und verrathenen Frau— ausgestellt, befindet sich vielleicht jetzt schon in ftemdcn Händen und vermag ihn auch als Fälscher jener Briefe zu entlarven— seine ganze Schlechtigkeit ans Tageslicht zu bringen. Das ist zu viel für den Mann. Zu plötzlich stürmt Alles auf ihn ein, sein Geist verwirrt sich und betäubt fällt er zu Boden.... Die Strafe des Verbrechers beginnt. Dritter Band. Erstes Kapitel. Der Wechsel. Als Remy mit dem schwarzen Kästchen in seiner Man- sarde angelangt war, händigte ihm die Portiere, Madame Godichon, ein Billet ein, welches diesmal, wie auf den ersten Blick zu erkennen, von einem Herrn herrührte. Es war von seinem Gönner, dem italienischen Maestro, welcher ihn benach- richtigte, daß der Bevollmächtigte der Theaterfreunde aus der Havana angekommen und ihn zugleich einlud, heute mit ihm zu soupiren und die nähere Bekanntschaft des Mannes zu machen, von dem ein etwaiges Engagement hauptsächlich ahhing., Nicht wenig und freudig erregt wurde Remy durch diese Mittheilung: er hatte ja volle Zeit, nach seiner Nachhausekunst seinem Freunde Gerhard den fast schon vergessenen Bericht der Mutter Grein zu erzählen und ihm das Kästchen zu zeigen. Vor der Hand aber mußte er es sorgfältig verbergen. Hierauf machte er rasch Toilette, dann eilte er nach der Wohnung feines italienischen Gönners. Hier traf er den Westindier unv Remy hatte das Glück, sich die vollste Zufriedenheit des wich- tigm Mannes, von dem seine nächste Zukunft abhing, zu er- fingen, und dies zur Freude des Italieners, welcher Remy verbreiten die Erdbeeren, welche in unglaublichsten Quantitäten zu Markt gebracht werden, ihren entzückenden Duft,� in den herrlichsten Farben schimmem Kirschen, daneben Himbeeren, Stachelbeeren und Blaubeeren. Zwischen diesen„reellen", sich auf die Magenfrage beziehenden Schätzen, findet sich fast an jeder Verkaufsstelle eine Fülle von Blumen, Rosen, Levkoycn, Resten, Vergißmeinnicht, Jasmin, Kornblumen, Fuchsten rc., und keine Hausfrau verläßt wohl den Markt, ohne ein Strauß- chcn erstanden zu haben. —g. Mit dem Bau einer Verbindungsbahn zwrschen rder an der Ecke der Reuen Friedrich- und der zukünftigen liKaiser Wilhclmstraße in Errichtung begriffenen Central- 'Markthalle und dem Stadtbahnhofe„Alexanderplatz" wird in voraussichtlich kürzester Zeit begonnen werden, nachdem der Kaiser die zwangsweise Erwerbung der hierzu erforderlichen Parzellen der an der Rordscite der Reuen Friedrichstraße be- lcgenen Grundstücke Nr. 29 bis 31 und 33 bis 37 gestattet hat. b. Eines groben Arrestbruches hat sich der Kaufmann G. schuldig gemacht, der gestern von der Kriminalbehörde zur Vernehmung eingezogen wurde- Derselbe war„stiller Kom- pagnon" eines Herrn Gr., welcher Gertraudtcnstraße 4 einen Verkaufsbazar mit Wirthschaftsgegenständen eingerichtet hatte. Der letztere hatte einen Riiethsrückstand von 675 Mark und brachte der Hauseigenthümer einen schleunigen Arrestbefchl gegen den Schuldner ein. Von Seiten der Waarengläubiger geschah jedoch zu gleicher Zeit daffelbe und so kam es, daß vor ca. 14 Tagen zwer Gerichtsvollzieher in dem Kaden erschienen und die vorhandenen Waarenbestände unter Siegel legten. Der Eingangs genannte G. ließ indeß durch einen Helfers- Helfer, der gestern bei seiner polizeilichen Vernehmung zu- gestehen mußte, daß er erwerbs- und obdachlos sei, zu ver- schiedcnen Malen ganze Körbe voll Waaren aus dem Laden herausbringen und dieselben bei Zwischenhändlern verkaufen. Gegen G. und seinen Helfershelfer ist in Folge dessen das Strafverfahren eingeleitet. GeridttK- Zeitung. — fl. Ein niederträchtiger Racheakt. Fünf anonyme Postkarten bildeten die Unterlage für eine Verteumdungs- Anklage gegen den Buckhalter Gustav Marcus, welche festem vor der fünften Strafkammer des Landgerichts l in der Berufungsinstanz verhandelt wurde. Der Angeklagte, welcher in dem Geschäfte des Kaufmanns Schnapp angestellt war, wurde im Herbste v. I. von seinem Prinzipal auf Gmnd eingetretener Differenzen entlassen. Einige Zeit darauf erklärten einige Lieferanten des Schnapp demselben, daß sie ihre Ge- schäftsverbindung mit ihm zu lösen gedächten und präsentirten als Grund dafür Postkarten, welche ihnen zugesandt worden und in denen ihnen mitgetheilt wurde, daß es mit Schnapp sehr faul stände. Nach den vorliegenden Umständen lag für Schnapp der Verdacht sehr nahe, daß der Angeklagte diese Karten verfaßt und abgesandt habe, weshalb er gegen diesen einen Strafantrag wegen Verleumdung stellte und gleichzeitig eine aufgemachte Bilanz einreichte, nach welcher eine lieber- bilanz von über 18000 M. vorhanden war. Die Staats- anwaltschaft erhob, nachdem der Schreibsachverständige die Identität der Handschrift des Angeklagten mit der des«schrei- bers der anonymen Karten begutachtet hatte, Anklage wegen Verleumdung, da Marcus die gute Geschäftslage seines ehe- maligcn Prinzipals gekannt haben mußte. Der Angeklagte detheuerte, daß er diejrnonrjmen Karten nicht geschrieben habe und das hiesige Schönengericht erachtete auch die Schuld des- selben nicht für ausreichend dargethan und erkannte auf Frei- svrechung. Hiergegen legte der Staatsanwalt die Berufung ein und auf Grund der Wiederholung der in erster Instanz stattgehabten Beweisaufnahme gelangte der Gerichtshof zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte troy feines Leugnens schuldig sei. Mit Rückficht auf die Niederträchtigkeit, die in der Ver- breitung derartiger, die Existenz des Anderen bedrohender Ver- dächtigungen zu finden ist, bemaß der Gerichtshof die Strafe auf 4 Monate G e f ä n g n iß. — a. Die Streitfrage, ob ein Miether, welcher, wie in Berliner Miethsverträgen allgemein üblich, sich bei Strafe so- fortiger Exmission verpflichtet hat,„das Trocknen der Wäsche nur auf dem Trockenboden, niemals in der Woh- nung oder den« Flur vorzunehmen", kontraktwidrig gehandelt hat'und ob demzufolge der Klage auf Exmission stattzugeben ist, wenn der Miether auf dem Hofe des Grundstücks Wäsche zum Trocknen hat aufhängen lassen, ist kürzlich im verneinenden Sinne entschieden worden.„So sehr der strikte Wortlaut dieser kontraktlichen Bestimmung," heißt es in dem betreffenden Erkenntniß,„insbesondere des Passus„nur in der That wohlwollte, da er dessen Stimme und Talent schätzte. Es war etwa zwei Uhr Morgens, als Remy überglücklich die Gesellschaft verließ und in seine Mansarde zurückkehrte. Die Freunde schliefen, nur Dappel hatte wieder seinen Rappel und begonnen, zum Entsetzen der schlafenden Menschheit der Man- sarden, Variationen über den Pont d'Avignon der Madame Balanchard zu spielen. Gerhard schlief schon längst und fest; er träumte wohl von seiner Zusammenkunft mit pelene, doch wahrhaftig nicht im Entferntesten von deren eigentlichem Ende, das wir in einem früheren Kapitel kennen gelernt. Remn hatte Mitleid mit dem Schlafenden, und selbst des Schlafes be- dürftig, meinte er gähnend, daß es morgen Früh auch noch Zeit sein würde, dem Freunde seine interessanten Mittheilungcn zu machen- Als er indessen am anderen Sonntagsmorgen er- wachte, war nicht allein der halbe Vormittag bereits vorüber, sondern Gerhard auch schon längst über alle Berge. Spät am Abend kehrte er erst heim, Remy gar nickt, denn der gestrige schöne Abend hatte sich heute bei dem Westindier wiederholt, eist am hellen Morgen und nach dem Genuß von mehreren Tassen schwarzen Kaffees vermochte das erste Mitglied der großen italienischen Oper der Havana nach Hause zu— wanken. Hier errvartete ihn denn auch sehnlichst und recht ungeduldig Gerhard, dem man mitgetheilt, daß ihn Remy dringend zu sprechen wünsche. Der letztere erzählte nun dem hochaufhorchen- den Gerhard Alles, was Mutter Grein vor mehreren Tagen ihm über den Diebstahl mitgetheilt, soviel der Leichtfertige nämlich noch wußte. Doch das war genug, um Gerhard in Feuer und Flammen zu setzen. Er grollte dem Freunde, daß er so lange geschwiegen, um ihm im nächsten Augenblicke fast vor Freuden um den Hals zu fallen, denn ein unbeschreiblich wohlthucndes Gefühl der Erleichterung empfand er bei dem Gedanken, daß die Schuld, die auf ihm, seiner Familie laste, noch hinweggenommen werden könne. Doch seine Freude ging in ein gewaltiges, sprachloses Staunen über, als Remy nun seinen Enthüllungen gleichsam die Krone aufsetzte und— jedoch erst nachdem er die Thür sorgfällig verschlossen— das Edenholzkästchen mit den vergol- dcten Zierrathen hervorholte, zugleich dem Freunde erzählte, wie er durch einen Zufall das alte seltene Siück, das ganz genau mit der Beschreibung übereinstimme, die Mutter Grein von der Ollenheimschen Schatulle gemacht, entdeckt, von einem ahnungsvollen Drange getrieben, es sich angeeignet und dann — mit Gefahr seines Lebens entführt, oder vielmehr— gestohlen. Wenn es dasselbe Kästchen wäre, wenn es uns auf die Spur des Verbrechers leiten könnte?! rief Gerhard voll glühen der Aufregung, und sich dann an den Freund wendend, be- schwur er diesen, ihm zu sagen, wo er es her habe. Meinetwegen, Tu sollst den Namen des Mannes erfahren. dem ich es abgenommen. Es war kein Anderer, als unser auf dem Trockenboden" für den Klagegrund zu sprechen scheint, o wenig ist dies nach dem Sinne der bezüglichen Stipulation erechtfertigt. Die Bestimmung, nach welcher der Miether auf iie alleinige Benutzung des Trockenbodens verwiesen ist, kann nur im Interesse der bewohnten Räume getroffen sein. Weil der Vennicther diese vor den schädlichen Einflüssen trocknender Wäsche bewahren wollte, hat er den Miether kontrattsmäßig auf den Trockenboden beschränkt. Dies erhellt offenbar aus dem Zusatz„niemals in der Wohnung oder dem Flur." Da in diesem Sinne allein die fragliche Bestimmung billigerweise interpretirt werden kann, so kann auch auf Grund des Ver- träges aus der Vornahme des Wäschetrocknens auf dem Hofe von dem Kläger keine Kontraktswidrigkeit hergeleitet werden." Kottbus, 23. Juni. In der am 24. d. M. stattgehabten Schwurgerichtsfitzung wurde gegen den Tagearbeiter C. Burisch aus Radensdorf bei Lübben wegen Münzverbrechens verhandelt. In den letzten Jahren war viel falsches Silber- und Nickelgeld in der Niederlausitz in den Verkehr gebracht. Der Polizei gelang es, die Münzverbrecher in der Person des Schlossermeisters Förster aus Lübben und des oben genannten Burisch zu ermitteln: Elfterer war der Verfertiger, Letzterer Verbreiter der Falsifikate. Es wurden bei einer Haussuchung mehrere Geräthe und einige Falschstücke gefunden und deshalb Beide verhastet. Förster wurde irrsinnig und ist in die Irren- Hellanstalt Sarau übergeführt, während Burisch vom Schwur- gericht des Münzverbrechens für schuldig befunden und zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust vcruttheilt wurde. Holzminden, 27. Juni. In der heutigen Sitzung des Schwurgerichts wurden wegen des bekannten sensationellen Kassenraubcs verurtheilt: der Uhrmacher Förster zu 15 Jahren und der Bäcker Huchlhausen zu 9'/, Jahren Zuchthaus. Uermiscktes. Eine edle Genugthuung überschreibt das„W. Frdbl." olgende Geschichte. Der Bürger einer böhmischen Stadt, Fleischhauer Josef C., saß in Gesellschaft einiger seiner Be- annten, darunter des Stadtarztes Dr. Franz P-, im Garten eines vor der Stadt gelegenen Brauhauses. Der frische Gerstensaft mundete Herrn C. so gut, daß er in kurzer Zeit eine größere Quantität vertilgt hatte, als ihm gut that. Er zechte sich dadurch ein ganz nettes Räuchschen an, verlor beim Versuche, aufzustehen, das Gleichgewicht, und— siel, wie einst Kunz von Kaufungen, unter den Tisch. Hierüber herrschte unter der ganzen Gesellschaft große Heiterkeit, und namentlich Herr Dr. P ließ seiner Lachlust freien Lauf. Der gefallene Zecher entbrannte aber darob in grimmem Zorn und versetzte, als er sich wieder erhoben hatte, seinem noch immer lachenden Tischgenossen— eine Ohrfeige. Selbstverständlich änderte sich nun die Situation— der Beleidigte verließ sogleich das Lokal und bald saß der schlagfertige Herr C. allein im Garten. In den meisten Fällen wäre ein Duell oder eine Gerichtsverhand- lung gefolgt; hier kam es aber anders. Am nächsten Tage, als das Räuschchen verflogen war, beeilte sich Herr CS., den beleidigten Doktor brieflich in der höflichsten Weise um Ver- cihuna zu bitten und erklärte sich zu jeder Genugthuung be- reit. Dr. P. antwortete, er könne die ihm öffentlich angethane Beschimpfung durch die schriftliche Abitte nicht als verwischt ansehen und begehre jedenfalls Genugthuung; diese habe aber darin zu bestehen, daß Herr C. sich bereit erkläre, zwei arme und brave Studenten, so lange selbe die Realschule dortotts besuchen, in unentgeltliche Beköstigung zu nehmen. Der biedere C. ging darauf ein und so verdanken zwei arme Schüler dieser vernünftigen und edlen Auffassung des Begriffes„Genug- thuung" eine hungcrfreie Studienzeit. Eine siebzehnjährige Mörderin. Aus London wird geschrieben:„Dre siebzehnjährige Karoline Perty führte am 21. d. M. das zweijährige Mädchen Lottie Scott, die Tochter ihres Dienstherrn, des Banquiers Scott, in einem Wägelchen im Parke spazieren. Das Kind begann zu schreien, worauf sich das Kindermädchen über dasselbe warf, so daß es sofort verstummte. Der Park war von Menschen überfüllt. Plötzlich sah man das Kindermädchen davoneilen, den Wagen mit dem Kinde im Stiebe lassend. Die herzukommenden Leute bemerkten zu ihrem Entsetzen, daß Karoline Perry die Kleine mit ihrem eigenen Gürtelbande in einem Wuchanfallc erdrosselt hatte. Dre kleine Lottie, ein reizendes, blondlockiges Mädchen, war das einzige Kind ihrer Eltern, welche über den Vorfall der Verzweiflung nahe sind. Auf dem Krupp'schen Etablissement wird nicht nur Eisen und Stahl, sondern seit längerer Zeit auch Eis f a b r i- zirt, welches nach dem Urthcile Sachverständiger vorzüglich sein soll. In einer Tages- und Nachtschicht werden 180 Ctr. Gönner— der Dir indessen sehr bald die Freundschaft gekün- digt— Herr von Auvent. Auvent? schrie Gerhard förmlich auf. Herr Gott— wenn dieser Auvent und— van Owen ein und dieselbe Person wä- ren? Daß der Mann um die Schmach weiß, die auf dem Na- men Elsen lastet, habe ich leider erfahren müssen. Aber schreck- lich wäre es, wenn es sich so verhielte. Plötzlich schien er einen Entschluß gefaßt zu haben. Komm, sagte er, nimm das Kästchen, wir gehen zur Mutter Grein. Remy hatte das Kästchen schon in eine Hülle geschlagen und rasch verließen Beide die Mansarde und machten sich auf den Weg.— Bevor wir nun erzählen, was sich in Friedel's Wohnung begab, müssen wir noch einige Augenblicke in der Mansarde der Künstler verweilen. Riebt lange währte es. so kam der„lange Hold" vom Frühstück heim, um schleunigst einige Tänze zu kopiren, zu denen ihm die Originale von befteundeter Hand verstohlen zw gesteckt waren. Als er so da saß, in die Arbeit vertieft, ö"nete sich plötzlich die Thür und herein trat— eine elegant g Lei- dete Dame— Agapita. Zu seiner größten Uebcrraschung er- fuhr Hold sehr bald von ihr, daß sie gekommen sei, um Remy zu züchtigen, sich an ihm zu rächen. „Hier," sagte sie,„übergeben Sie dem bösen Menschen diesen Wechsel über 50 Tausend Francs— ich meine, daß diese Strafe ihn beschämen wird— und sagen Sie ihm, daß ich gewillt bin, mit ihm nach Indien zu gehen, mit Sack und Pack. Seine Gage wird für uns beide ja doch nicht hin- reichen: drum überbringen Sie ihm diesen auf Herrn von Auvent lautenden Wechsel mit dem Auftrag, ihn sofort zu Geld zu machen. Ich eile, meine Sachen zu packen." Und mit einem lustigen„Adieu" ließ sie den bestürzten Musikus allein. Dieser wußte natürlich �nichts Eiligeres zu thun, als Freund Remy von dem unverhofften Glück schleunigst in Kennt- niß zu setzen. Zweites Kapitel. Im Netz. Wir haben van Owen oder Auvent betäubt am Boden des kleinen Kabinets verlassen. Hier lag er lange Zeit, bis ei endlich, doch langsam, wieder zum Dasein erwachte. Seine Gedanken hatten ihn zu dem Schlüsse geführt, daß noch nicht Alles verloren sei, wenn er rasch und geschickt handle. Vor allen Dingen mußte er den Wechsel wieder haben, der im Stande war, ihn Elsen als den Fälscher der Briese von dessen Frau zu zeihen. Doch wer hatte die Schatulle ewwendet und zu welchem hergestellt. Das Eis hat einen starken Absatz, zumal der ver- flossene Winter wegen der durchweg milden Temperatur fast gar kein Eis hervorgebracht hat. Dasselbe wird in Stücke ge- formt, welche 3 bis 10 Centimeter dick, 15 bis 17 Centimeter| breit und 1 Meter lang find, und je 17 Pfd. wiegen. Hundert: Pfund kosten 1 M. 20 Pfg., jedoch wird dasselbe auch stück-| weise für 20 Pfg. verabfolgt. Halle a. d. S-, 23. Juni. Ein bedeutender Post- 1 d i e b st a h l ist gestern am Schalter des Postamts III Hierselbst| ausgeführt worden. Bei dem üblichen Dienstwechsel der Be- z amten hatte der neu in den Dienst tretende Beamte von seinem> Dienstvorgänger zwei Werthbriefe im Betrage von pptr. 2100[ Mark zu übernehmen und abzuquittiren. Ehe dieses jedoch ge-| schah, wurde noch ein Herr, der eine Postanweisung verlangte, I abgefertigt und sodann das Schalterfenster heruntergelassen.-1 Gleich darauf hatte sich der abzulösende Beamte entfernt und| auch der den Dienst antretende Beamte verließ auf kurze Zeit| das Zimmer. In diesem Augenblicke ist der Diebstahl ausge-| führt worden; als der Beamte zurückkehrte, waren die beiden 1 Briefe verschwunden, und das Schalterfenster war noch so weit I hochgeschoben, daß man bequem durchgreifen konnte. Es ist nun unzweifelhaft, denjenigen als den Dreb zu bezeichnen, wel- cher sich kurz vorher die Postanweisung gelöst, sich behufs Aus- füllung derselben dicht neben dem Schalter aufgehalten hat, aber ohne eine Einzahlung gemacht zu haben, verschwunden ist. Von einem im Vorflur des Hauses beschäftigten Unterbeamten ist der Betreffende gesehen worden und hat auch einige Worte mit ihm gewechselt, was die Ermittelung erleichtern dürste. Der Herr war anständig gekleidet: untersetzter Statur und trug dunklen Vollbart. Die Untersuchung ist eingeleitet. Hameln, 23. Juni. Heute Nachmittag begann, begünstigt von dem schönsten Wetter, das R a t t e n f ä n g e r f e st mit dem Zuge, welcher die Austreibung der Ratten darstellte. Der- selbe wurde durch ein Musikkorvs m der Tracht des 13. Jahrhunderts eröffnet, dem Mustkkorps folgte der Rattenfänger Singuf, welchem sich 400 Kinder in Rattenkostüm anschlössen. Dem Volksfest auf dem Felsenkeller wohnten gegen 6000 Personen bei. Die Feier in der elektrisch erleuchteten und pracht- voll dekorirtcn Festhalle wurde durch einen Prolog eröffnet. auf welchen nach der Wolf'schen Dichtung gestellte lebend« Bilder folgten. Ein braves Mädchen. Von der heroischen That eines jungen Mädchens wird Folgendes erzählt: Der achtjährige Sohn des verstorbenen Schipskapitäns Volquardsen fiel am Sonntag Vormittag in Apenrade von der Schiffsbrücke in den Hafen daselbst. Der Knabe wäre sicherlich ertrunken, wenn nicht im letzten Augenblicke, nachdem er bereits mehrere Male untergesunken war, die fünfzehnjährige Jngeborg S k a u hinzugekommen wäre. Das muthige Mädchen sprang ins Wasser und während es mit dem Kleide an einem Boote und mit einem Bein an einem Balken sich festhakte, gelang es ihr, den Knaben glücklich zu erfassen und dem nassen Ele- mentc zu entreißen. Glückliche Schulbuben. In London wurde dieser Tage eine überraschende, die elementare Erziehung betreffende Ent scheidung abgegeben. Die Frage der häuslichen Lektionen hat! die ärmeren Klassen seit langer Zeit geärgert, indem die Arbeitel dieser Praxis sich widersetzen und sich überhaupt mit der zwangs weisen Erziehung noch nicht befreunden können. Schließlich hat nun ein Vater seinem Kinde, welches eine durch öffentliche Beisteuer unterhaltene Schule besucht, das Lernen der häus- lichen Lektionen verboten, um die Frage über die Gesetzmäßig keit der Angelegenheit zur Entscheidung zu bringen. Der Lehret behielt das Kind nach den Schulstunden zurück und der Vater verklagte ihn dafür. Der Gerichtshof nun entschied zu Gun sten des Vaters, weil die bestehenden Gesetze das Schul kollcgium nicht ermächtigen, häusliche Lektionen oder überhaup Lettionen über die Schulstunden hinaus zu erzwingen. Ii Folge dessen natürlich allgemeine Freude unter den Schul nndern und viel Bctrübnrß unter den Freunden der Volks erzichung. Aus der Pfalz. 26. Juni. Wie weit religiöse Be f e h d u n g gehen kann, beweist ein Vorfall in F r e i n s heim. Dort sollte gestern eine altkatholische Frau beerdig werden. Es war zur Trauerfeierlichkeit nicht allein der aß katholische Pfarrer von Kaiserslautern, sondern auch der römisch katholische Pfarrer von Freinsheim am Sarge der Verlebter erschienen, dieselben hielten gleichzeitig ihre Gebete, bis st schließlich in ein Wortgefecht geriethcn, das zu einem ge- richtlichcn Nachspiel führen wird. Daß solche Vor gänge einen überaus peinlichen Eindruck erzeugen, ist woh selbstverständlich. Zweck? Hing dieser Diebstahl mit Elsen's Ankunft zusammen oder nicht? Er konnte Ersteres nicht glauben, denn Elsen ahnte je nichts. Harmlos, als alter Freund, war er zu ihm gekommen und wenn er heute nichts erfahren würde, so war Alles ge» wonnen! Die Entwendung der Schatulle konnte nur ein gani gewöhnlicher Diebstahl sein. Er eilte auf den Schrank zu unt untersuchte seinen Jnbalt genau. Nur wenige Sachen, Klcidungs stücke, enthielt er. Diese musterte er emsig. Bald vermißte er einen Rock, den er wähnte noch an jenem Abend gesehen zs baben. Er ging an die Thür, welche auf den kleinen Korrido führte. Diese war verschlossen, das kleine Fensterchen indessei offen und nur angelehnt.. r_ r m Es ist richtig, sagte er sich. Der Dieb sst auf diesem Weg eingedrungen, und da beide Ausgänge gut verschloffen warer so hat sich das Feld seiner Thätiakeit auf dies Kabinet be schränkt. Das Kästchen von alter Ferm hat den Thätcr au außergewöhnlich reichen Inhalt schließen lassen. Es ist ebe ein gewöhnlicher Hausdiebstahl.— Zuerst muß ich den Wcchs« wieder zu erlangen suchen, und das wird nicht schwer haltet Ich brauche ihn ja nur im schlimmsten Falle gegen baare Geld einzulösen. Deshalb sogleich hinauf zu Agapita! Ii folgenden Augenblicke stieg er die Treppe zu der Wohnung d< Madame Eaint-Victor hinan. Agapita war von ihrem Aui flug nach der Mansarde der Künstler just zurückgekehrt, reck zufrieden mit ihrem stillen und etwas heynlichen Thun. Glaubt sie doch ihre Sache recht gut gemacht zu haben und daß Rem schon am heutigen Abend im Besitz des zu ihrer Abreise nöth gen Geldes sein würde! Recht vergnügt lächelte sie, wenn si an den Possen dachte, den sie ihrem„väterlichen Freund" z spielen sich vorgenommen. So traf sie Auvent, der plötzlich vor ihr stand. Sie spran recht erschrocken von ihrem weichen Sitze empor und schaute de Mann an, dessen Aussehen fick in der letzten Stunde vollstät dig verändert hatte. Was fehlt Ihnen, Herr von Auvent? Was wollen S hier zu dieser Stunde?. Nicht viel, Madame, klang es hastig als Antwort. J< gab Ihnen gestern Abend ein Papier: dasselbe verlange ich vo Ihnen zurück.„ Tie AnWort erschien cht so drollig, das Verlangen kopflos, daß ffe laut auflachen mußte. Was lacken Sie, Madame? Das Papier will ich vo Sie glauben also in der That, daß ich Ihnen den Wechs von 50 000 Francs so mir nichts dir nichts wieder einhändige werde? Ick hätte Sie— für gescheidter gehalten. Aber ich will ihn wieder haben— gutwillig oder m Gewalt!— schrie Auvent mit fast wildem Aufschrei. Ich aber will ihn nicht hergeben! Tann zwinge ich Sie! (Fortsetzung folgt.) Verantwortliche: Redaetmr I. K. Guttzeit in Schöneberg- Berliy. Druck und Verlag oon Otat Badrng in Berten SW, Beuthftraße 2. I