Nr. 75. Mittwoch. 2. Juli 1884 I. Jahrg. MImMsIM Krgan für die Intereffen der Arbeiter. Da«„Berliner BottSblatt'' AbonnemeutSprei« für Berlin Hau« vierteljährlich Z Mark, monatlich Mark, wöchentlich 25 Pf. Einzelne Postabonnement pro Quartal 3 Mark.(Eingetragen im Vili. Nachtrage der PostzeiwngSpreiSliste unter Nr. 719a.) erscheint täglich Morgen« außer nach Sonn- und Festtagen. frei in'« Hau« vierteljährlich 3 Nummern 5 Pf. JnsertionSgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werden bi« 4 Uhr Nachmittags in der Expeditton, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. WeöoKLion und KXpeöiLion WerNn SW., Innmerstraße 44. an; de tat 2 Ä vo DO s m AbmkMtllts-EiüladWg. Zum neuen Vierteljahr erlauben wir UN« alle Ar- beiter Berlins zum Abonnement auf da« Berliner Volksblatt einzuladm. Di« Reichshauptstadt hatte bislang kein Organ, welche« den Interessen der werkthätigen Bevölkerung diente. Das „Berliner Volksblatt" füllt diese Lücke aus, eS bedarf aber, um seiner Aufgabe voll und ganz gerecht werden zu können, der nachhaltigsten Unterstützung der Arbeiter. Wer der Sache der Arbeiter dienen will, helfe ein Unternehmen befestigen, welches bestimmt ist die berechtigten Forderungen und Wünsche der Arbeiter zum Ausdruck zu bringen. Suche ein Jeder von unseren bisherigen Anhängern in dem Kreise seiner Freunde und Bekannten das„Berliner Volksblatt" zu verbreiten und sehe darauf, daß jeder neu gefundene Gesinnungsgenosse sein Versprechen zu abonniren, auch wirklich hält. Unsererseits werden wir bemüht sein, den Inhalt un- sereö Blattes immer reichhaltiger zu gestalten. Ganz besondere Sorgfalt werden wir auch auf das Feuilleton verwenden und in den ersten Tagen deS neuen Quartals mit der Veröffentlichung eines höchst ItUek- effauten und spannenden Romans beginnen. DaS „Berliner Volksblatt". kostet für daS ganze Vierteljahr 3 Mark, für Monat Juli, frei ins Haus, 1 Mark. Bestellungen werden von sämmtlichen ZeitungSspediteuren, sowie in der Expedition, Zimmerstraße 44, angenommen. Für Außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonnements für das nächste Quartal zum Preise von 3 Mark entgegen. Der Selbstmord zur Sommerszeit. Die Selbstmorde sind immer noch im Zunehmen be- griffen, und wenn wir eine genaue Statistik darüber hätten, so würde man noch mehr über diese unheimliche Erscheinung staunen müffen. Es ist Thatsache, daß kaum irgend einer statistischen Aufnahme solche Schwierigkeiten sich entgegenstellen, als der genauen und vollständigen Registrirung der Selbstmordfälle. Nicht blas in England, wo bis vor wenigen Jahren beson- dere Gesetze über den VermögcnSverfall bei Selbstmördern die Konstatirung der Thatsachen erschwerten, sondern auch in andern Staaten üben die gesetzlichen Bestimmungen, so in Betreff der Verweigerung ehrlichen Begräbniffes oder der Verwendung der Leichen von Selbstmördern in Anatomien, einen hemmenden Einfluß auf die Feststellung des Thatbe- standes aus. Dazu kommt die Scheu der Familien, den Selbstmord der Ihrigen zu gestehen(sehr häufig wird Me- lancholie und Geistesstörung als entschuldigendes Motiv an- gegeben), sowie die große Anzahl von Unglücksfällen, in denen sich, wie namentlich beim Erttinken, die Diagnose schwer feststellen läßt. Bei dem neuerdings stattfindenden Fortschritt der Selbstmordfrequenz scheinen aber gerade die- jenigen Fälle in Abnahme zu kommen, bei welchen da« Sich-Ertränken als Selbstmordart hervorgehoben wird, wäh- rend daS Sich-Erhängen, welche« kaum einen Zweifel an der Selbstthat übrig läßt, mehr und mehr zur Herrschaft gelang:. Jedenfalls weisen diese Hinderniffe darauf hin, daß die of- siziell angegebenen Zahlen, wie es in der Kriminalstatistik bei den Verbrechen der Fall ist, immer nur Minimalzah- len sind. Eine sehr üble Erscheinung unserer Zeit erkennen wir in dieser Zunahme der Selbstmorde. Es ist sehr auffallend, wie regelmäßig dieselbe erfolgte. So zählte man in Eng- land und Wales im Jahre 1858 1275 Fälle und dann jedes Jahr mehr, bis die Ziffer im Jahre 1878 auf 1764 stieg. In Preußen begegnen wir ähnlichen Thatsachen und ganz deutlich zeigt Frankreich die Regelmäßigkeit der Zunahme, wo in jedem der letzten Jahrfünfe die Zahl in erheblicher Weise gewachsen ist. Während in den 40 Jahren, über welche genaue Angaben vorhanden sind, die Bevölkerung nur von 30 auf 36 Millionen gestiegen war, das heißt um ein Fünftel(20 pCt.) zugenommen hat, sehen wir den Selbstmord in regelmäßigem Fortschritt sich fast verdrei- fachen. Seit dem Kriege de« Jahres 1871 ist freilich auch in Frankreich die fortschreitende Bewegung, wenn man sie in Prozentzahlen darstellt, eine etwas langsamere, scheint es doch eine Regel zu sein, daß große Ereignisse im Leben der Völker, welche bedeutende Hoffnungen erwecken oder dem Einzelnen das Tragen seines Leids durch das allgemeine Leid sozusagen erleichtern, die Selbstmordziffer ein we- nig herabdrücken. Im Jahre 1875 aber erfolgte in Frankreich wieder ein Steigen. Die größte Progression zeigt Sachsen. Dabei ist sehr bemerkenswerth, daß nicht nur nach Zählungen in ganzen Ländern, sondern auch nach Zählungen in einzelnen Städten als Erfahrungssatz gelten kann, daß die Selbstmordfrequenz in den einzelnen Monaten mit der Sonne steigt und sinkt. Es sind im Juni und Juli am meisten, im November, Dezember und Januar am wenigsten Selbstmorde vorgekommen. Die einzelnen Monate bilden eine kontinuirliche Skala nach oben und unten. Folgende kleine Tabelle giebt eine sprechende Zusammenstellung, indem sie uns lehrt, wie viele von je 1000 Selbstmordfällen in gewissen Ländern und Zeiträumen auf verschiedene Monate des JahreS gefallen sind. Preußen Sachsen (1869-77)(1877—80) 66 62 99 105 105 107 104 103 70 64 der einzelnen Monate schwantt zwar Rangstufe derselben ist während der Siebziger Jahre dieses Jahrhunderts noch die gleich: wie seit mehreren Jahrzehnten. Ebenso interessant wie erklärlich dürfte man es auch finden, daß das weibliche Geschlecht etwas sensibler für den Faktor Jahreszeit ist, al« das männliche. Dürfen wir aber hieraus den Schluß ziehen, daß der planetarische Einfluß und die physischen Bedingungen unserer menschlichen Existenz den Selbstmord erzeugen, wie etwa Krankheitsepidemien und Heuschreckenverheerungen durch die Witterung verursacht werden? Keineswegs. Der heiße Juni und Juli können doch unmöglich die Ursache eines Selbstmordes sein, ebenso wenig als der November und Dezember ein Hinderniß. Nur das müssen wir zugestehen, daß die heiße Zeit bei Denjenigen, welche überhaupt zum Selbstmord eine Tendenz haben, fördernd, die kalte Jahre«- zeit hemmend wirkt, so daß dort eine größere, hier eine ge- ringere Widerstandskraft des Willens gegen die zum Selbst- mord reizenden Versuchungen nothwendig ist, wenn die That nicht zu Stande kommen soll. Januar M a i Juni Juli November Die Prozentzahl ein wenig, aber die Italien (1864—76) 65 109 115 96 63 Weber Mikes setzt die„Tischlcrzcitung" folgendermaßen seine Darstellun- gen fort: Mit wenig Verschiedenheiten zeigen die amerikanischen Zu- stände uns dasselbe Bild. Massenhaft Strikes ohne irgend einen bessernden Einfluß auf die Gcsammtlage des Arbeiter- standes- Der Prozentsatz der gewonnenen Strikes ist aller- dings alldort ein größerer; daS hat aber seinen eigenartigen Grund. Die amcnkanischc Industrie befindet sich im Zustande der höchsten Entwickelung. Selbst durch die große Einwände- rung wird der Arbeitsmarkt noch nicht so überlastet, wie er es bei uns schon lange ist, weil der unbewohnte und unbebaute, jetzt erst durch die neueröffnete Pacificbahn ganz erschlossene Westen einen Abzugsort für viele überzählige Kräfte bildet, ein Verhältniß, das allerdings noch günstiger läge, wenn blos eine freie„Einwanderung" und nicht auch eine spekulative „Einfuhr" von Arbeitern stattfände. Und wenn auch der Be- darf an Arbeitskräften nicht die Zahl der vorhandenen über- wiegt, so ist das Eine dennoch Thatsache, daß für Strikcndc selten nur halb genügender Ersatz zu finden, mit einem Worte, daß Amerika eine nur geringe Ärbeiter-Reservcarmee besitzt- Das macht eben die günstigeren Erfolge erklärlich, bleibt aber nicht immer so; der Westen wird bevölkert, wird übervölkert werden, Einwanderung und Einfuhr von europäischen Ar- beitem andauern, die mdustrielle, fieberhaft betriebene Ueber- Produktion zu Krisen führen, kein Sinke dann mehr siegreich, ja auch nur möglich, Alles vielleicht da und dort Errungene wird eingebüßt und die jetzt florirenden Strikes auch dorten nichts gewesen sein— als vergebliche Mühe, verlorene An- 1 vergebliche Arbeit hatten die Alten unter die bösesten Strafen und Qualen in der Unterwelt gezählt. Sisyphus wälzt den Stein die Höhe hinan, der ihm oben immer wieder entrollt, die Danaiden schöpfen zwecklos fort in ein durch- löchertes Faß. Solch' Sisyphus, solch' Danaidenarbeit nun ist auch der Sinke um Erhöhung des Arbeitslohnes. Wie die Zahl der zu Grunde gegangenen Strikes in Eng- land die weitaus überwiegende ist, so auch bei uns, was wohl männiglich bekannt. Und wenn ja, dort oder hier, welche zum Ziele führten, so geschah dies nur in Zeiten der wirthschaftlichen Prosperität, wenn die Nachfrage nach Arbeitern groß, das An- gebot von Händen klein war und diese günstigen Verhältnisse geschickt ausgenützt wurden. Trat dann ein Rückgang der Pro- duktion oder gar eine Krise ein, so war alsbald alles Er- runaene und vielleicht schon früher Besessenes dazu in kurzer Frist verloren, und wieder mußte, wenn dann bessere Zeiten kamen, aufs Neue um das gekämpst werden, waö man schon einmat, vielleicht schon mehrmals erstritten halte— stets daS alte Eviel von vorne— Sisyphusarbeit. Aber iricht direkt allein, auch indirekt droht jeder Lohn- errungenschaft baldige Einbuhe. Die Schmarotzer am Arbeits» lohne: die Kleinhändler mit Lebensmitteln und allen anderen Bedürfnissen, die Wohnungsvermiether rc. machen sich sofort die Mehreinnahmen ihrer Kunden zunutze durch Steigerung ihrer Forderungen, deren Erhöhung ehestens den Lohngewinn wettmachen und dann noch— nach der bekannten Tendenz vor Allem der Lebensmittelpreise, stets riefig zu steigen, kaum je nennenswcrth zu fallen— in ihrer Höhe bleiben, wenn längst schon eine Reduktion der Löhne eingetreten ist. Also auch so — Sisyphusarbeit. Verloren oder gewonnen, immer ist vom Sinke um Lohn- erhöhung Schaden zu erwarten. Verloren entmuthigt und desorganifirt er. Die empfindlichen Lohneinbußcn während seiner Dauer können nicht ausgeglichen werden durch höhere Einnahmen, blos um deren Erreichung willen er gewagt wurde, und bilden eine stets nagende Ursache von Unzufriedenheit. Gewonnen, richtet er Schaden an, weil die ficgreichcn Suiker nun gefunden zu haben glauben, daß der Strike das allein- seligmachende Nüttel zur Verbesserung ihrer Lage sei, bis sie erst spät durch die Macht der Thatsachen erwiesen sehen, daß ihr Erfolg nur ein temporärer, ihr Thun— Sisyphusarbeit war. Wenn auch in knappster Kürze, glauben wir unseren Satz hiermit erwiesen zu haben, aber sind darum mit unseren Ausführungen noch nicht zu Ende. Immer ist das nicht anzuwenden, was wir sagten: vom Strike sei eher abzurathen, als daß er zu empfehlen wäre. Der Aus- spruch eines Deutsch-Amcrikaners in einer Versammlung ge- legentlich des Telegraphisten-Strikes giebt unsere diesfällige Anschauung treffend wieder und beweist auch, daß sie nicht vereinzelt steht.„Der Strike ist eine zweischneidige Waffe und muß mit der größten Vorficht gehandhabt werden", sagte der Redner.„Ein Strike um Lohnerhöhung ist nur selten anzu- empfehlen, wohl aber muß der Arbeiter gegen eine Lohnredul- tion sich jederzeit stemmen- Wenn es aber gilt, die Arbeiter- ehre zu retten, wenn das erwachte Klassenbewußtsein im Ar- beiter verletzt oder gekränkt wird, dann muß derselbe jedes Mittel ergreifen und zum Strike schreiten, koste derselbe, was er wolle." Strikes, die unternommen werden zur Wahrung der Ar- bciterehre— wie z. B. zur Beseitigung entwürdigender und miserabler Behandlung, oder Arbeitseinstellungen, die den haschen, dann unternelmie es, sonst aber jassc es! Ein frisch Aroerrer zu eryoyen, daß die lllcogtichlerr, daß gestrrlt die Fabrikanten veranlaßt, eine Lohnhcrabsctzung nicht treten zu lassen oder sogar freiwillig eine Lohnerhöhung zu . t*11* r**- t*-* � � l**** I* X* �*.* 1 Cl X. m 2. �~_ 4. 2.. r.._. 7 Z** V),\»V« thun, hatte den sehr genehm ge wcscn wäre. Der kleine Belagerungszustand ist also zum vierten Male über Leipzig und Umgegend verhängt und sind damit die Ausgewiesenen auf's Reue auf ein Jahr von ihrer Heimath fern gehalten. Unter den ca. 80—90 Männern, die seit der ersten Proklamirung des kleinen Belagerungs- zustandes im Jahre 1881 hier und aus der Umgegend aus- gewiesen wurden, befinden sich auch vier Reichstags- Abgeordnete und zwar die Herren L i e b knecht, Bebel, Hasenkle�ver und Gejsfer. Von diesen vier hat der Li etsterc in Stuttgart seinen Wohnsitz aufgeschlagen, Herr Hasen- lever wohnt in Halle, die.Herren Liebknecht und: und frei begonnener Strike um andere Dinge als den Be- rissen der Arbeitgeber so verständliche, wie die Forderung öheren Lohnes, verblüfft sie aber, flößt ihnen Scheu ein.— ern- ng.,....■■PI, theil, daß er dem Arbeiter es zum Bewußtsein bringt, wie er kein isolirtes Interesse, sondern nur ein Gesammtinteresse haben darf, daß die allgemeine Lage der Industrie und die allge- meine Lage der Arbeiter, die Wohlfahrt seines persönlichen Daseins destimmt. politische Weberficht. Zur Verwirklichung der Proklamation des Rechts auf Arbeit alsbald die geeigneten gesetzgeberischen Schritte zu den Reichskanzler ein sozialdemokratischer Antrag nun auch durch den Schluß des Wir zweifeln, ob chn clever wohnt in Halle, die.Herren Liebknecht und Bebel haben sich auf einem kleinen Dorfe in der Rah« von Leipzig, auf der Grenze des Belagerunaszustandsgebictes, in Borsdorf nieder- gelassen. Für Herrn Bebel war sein Leipziger Geschäft, für vcrrn Liebknecht seine zahlreiche Familie maßgebend diesen nichts Anmuthcndes bietenden Wohnort zu wählen. Dem Ver- nehmen nach beabsichtigt nunmehr Herr Bebel am 1. Oktober Versuch der Arbeitgeber, eine Organisation zu sprengen, pariren, oder die einer Arbeitervereinigung Anerkennung zu verschaffen, Strikes, die, wie die Unternehmer sagen würden, einen„un- gebührlichen" Einfluß aus die Leitung eines Geschäftes in Personal- und anderen Fragen erzwingen wollen, und wie hundertfältig sonst die Vorkommnisse nach solcher Richtung als Strile-Ursache sein mögen— sie müssen unsere vollste Sym- pathie haben. Und sollten sie auch ohne alle Ausficht auf Erfolg unternommen werden, so zeigen sie eben um so mehr Manncsmuth und haben einen Gewinn sicherlich immer im Ge- folge: den Gegnern Respekt beigebracht zu haben, mehr Respekt gewiß, als ein mit peinlicher und seiger, möchten wir fast sagen, Abwägung und Erwägung des möglichen Erfolges und mit sorgfältiger Vorbereitung in günstigen Zeiten unternom- mener Lohnerhöhungsstrike, selbst wenn er gewonnen wurde. Denn dieser stimmt ganz hinein in den beschränkten Gesichts- kreis bürgerlicher Geschäftspraxis: Hast Aussicht, was zu er- ■i:icn jetzig«» Wohnort j\u verlassen und sich mit seiner Familie, k bisher gleich der Licbknecht'schcn in Leipzig wohnte, wieder ,u vereinigen. Das Geschäft wird in Leipzig unter Leitung seines Associes verbleiben. Es ist vielfach der Glaube ver- p-citet, die Ausweisung werde nicht strenge gehandhabt und sei es den Ausgewiesenen gestattet zeitweilig ihrer geschäftlichen und häuslichen Angelegenheiten wegen sich in Leipzig aufzu- halten. Dies ist ein Jrrthum. Nur ganz besonders z w i n- g< n de Gründe veranlassen die Polizei nur ganz ausnahms- - isc und auf möglichst kurze Zeit einen solchen Aufenthalt zu gestatten. Bannbruch wird kraft des Sozialistengesetzes mit <' Idstrafe bis zu 1000 Mark oder mit Gefänaniß bis zu sechs Monaten bestraft. Ist der Ausgewiesene absolut gezwungen auf einer Reise daS Belagerungszustandsgebiet berühren zu uüssen, ist er verpflichtet die Polizei zuvor davon zu benach- richtigen, die ihm dann einen Geheimpolizisten von einem Bahn- Hof zum andern als Begleiter mitgiebt. So machte es am ten Sonnabend einen eigenthümlichen Eindruck als die ; ichstagsabgeordeten L i e b k n e ch t und Bebel vom Reichs- . lag zurückkehrend auf dem hiesigen Berliner Bahnhof von einem «Heimen Polizeibeamten erwartet wurden, der ihnen dann auf oem Fusie bis zum Dresdener Bahnhof folgte und dort wartete bis die Herren mit dem nächsten Zuge Leipzig ver- Ucßen. Das in München erscheinende„Königsberger Volks- biatt, unabhängiges demokratisches Organ", ist(wie schon kurz gemeldet) von der Regierung in Königsberg auf Grund des Sozialistengesetzes verboten- In den Gründen wird besonders : hervorgehoben, daß das„Königsb. Volksbl." weiter nichts als eine Fortsetzung der vor mehreren Wochen durch die Kreis- regie rutig von Oberbayern verbotenen„Südd. Post" sei, deren h unaliger Redakteur, Dr. Schönlank auch als Verantwortlicher des„Königsb. Volksbl." zeichnete. Die Begründung der Zu- ft, ndigkeit der Königsberger Regierung durch diese selbst ge- sck icht in folgenden Ausführungen:„Die Zuständigkeit der unterzeichneten Landespolizeibehörve zu dem Erlasse dieses Ver- I dotes gemäß§ 12 des genannten Gesetzes(Sozialistengesetzes) ') gründet sich auf die Erwägung, daß, wenn auch die für die Re- M iktion und Verlag verantwortliche Person und ebenso der Drucker des Blattes ihren Wohnsitz in München haben und '' das Blatt in München gedruckt wird, seine Verbreitung doch uon Königsberg aus geschieht, als Ort des Erscheinens also Königsberg anzusehen«st. Dies trifft uni so niehr zu, als an - I'yterem Orte sich die Filialexpedition befindet und die Auf- schrift des Blattes die Stadt Königsberg ausdrücklich als den Ort bezeichnet, an welchem dasselbe ausgegeben wird." Be- uhwerde gegen dieses Verbot ist angemeldet. Eine von den Braunschweiger Sozialdemokraten auf vchg. Sonnabend Abend anberaumte Versammlung, in welcher der Kandidat der dortigen Sozialdemokratie bei der vorigen und oft der nächsten Reichstagswahl, der Abgeordnete Bios über d is Unfallversicherungsgesetz sprechen sollte, ist auf Grund des Sozialistengesetzes von der Polizei verboten worden. Dem Ausfall der österreichischen Laudtagswahlen, : die augenblicklich stattfinden, sieht man mit einer gewissen Spannung entgegen. Es handelt sich besonders in Mähren um den Kampf der tschechischen gegen die deutsche Partei. Gestern wählten die Landgemeinden Mährens 32, heute die j Städte 31 Abgeordnete. Am Freitag sind die Landgemeinden Glieder- Oesterreichs an die Wahlurnen berufen. Die Tschechen haben die größten Anstrengungen gemacht, wenigstens einige Wahlkreise zu erobern. Thatsüchlich haben sie in mehreren Wahlkreisen, welche bisher durch Mitglieder der deutsch- liebcralen Partei vertreten waren, eigene Kandidaten auf- gestellt. Vradlaugh, der englische Deputirte, welcher von sich da- durch überall reden gemacht, daß er die übliche Eidesformel beim Eintritt ins Unterhaus nicht leisten wollte, ist in dem : vor der Lordskammer anhängig gemachten Prozeß für schuldig >. klärt worden, unbefugt an den Sitzunge n deS Unterhauses theilgenommen zu haben. Eine Kundgebung der irischen„Unbesteglichen". Fn Doneraile, in der Grafschaft Cork fand man die folgende „Mahnung an Lord Doneraile" an den Straßenecken ange- schlagen:„Doneraile, Du orangistischer Hund, hüte Dich und 'lieb Acht, denn Deine Laufbahn auf dieser Erde ist ihrem Ende nahe. Die Kugel oder der Dolch werden Dich treffen, ehe viele Tage vorüber sind und werden damit dem Landlord- ivcsen und dem Roßmoreismus(bezieht sich auf Lord Roßmore, das Haupt der Orangisten) in unserer Mitte ausrotten. Im Auftrage des Sekretairs der Irischen Befreiungsgesellschaft." , Tarunter befindet sich die Abbildung eines Sarges und eines Gewehres und dann heißt es weiter:„Wehe dem Manne, der dieses abreißt! Die irische Gesellschaft der Fnvincibles."„Alle Mitglieder der obigen Gesellschaft treffen unter Todesstrafe am nächsten Freitag an dem gewöhnlichen Versammlungsorte zu- Die Tochter des Walsischjägers.. � � i(Schluß.) Das Zusammentreffen an der Bucht fand seine Fortsetzung in NachmfttagSbesuchcn, die Hill in Juanilla's Vaterhause ab- stattete. Er durfte kommen, er war ein gerne gesehener Gast. So saß er auch eines Tages auf der Veranda und lauschte an- scheinend andächtig dem alten Walfischjäger, der von seinen Abenteuern in den Lagunen erzählte, während in Wirklichkeit ftine Aufmerk, amkeft auf JuauiUa haftete, die, mit Moos und Muscheln beschäftigt, m der Nähe saß. Da ging die Garten- ehttre auf und herein trat em spanischer Fischer, der warm von Juanilla's Vater begrüßt wurde. „Wir haben Nachricht von Pancho," sagte der Gekommene, „er ist noch drunten in den Lagunen und hofft bald mit 500 Fässern Thran in Monterey zu sein. Er hat Glück gehabt wie selten einer zuvor und Du weißt ja, zum Walfischfang gehört Glück." „Bravo! bravo!" rief begeistert der Alte.„Ja, das nenne ! ich Glück. Hörst Du denn, mein Töchterchen, und überlegst Du, was das heißen will: 500 Fässer Thran? Deinem Vater hat ein solches Glück nie im Garten geblüht. Hast Du einen Begriff von dem Wort: 500 Fäyer Thran f Ein prächtiges Hochzeitskleid kann man dafür kaufen und genug bleibt übrig für die volle Ausstattung von einem jungen Ehe- pärchen. Frcu'st Du Dich nicht, mein Kind?" Hill schnellte von seinem Sitz auf, ihm war, als walle all sein Blut nach dem Herzen und drohe ihm den Athem zu nehmen. Er griff mit der Hand nach der Brust, als wolle er einen Schmerz ersticken, während seine Augen angsterfüllt auf Juanilla hafteten. Mit vergeblicher Anstrengung wollte er seine Aufregung bemeistern. Welche Antwort wird sie geben? Sie entgegnete:„Es ist mir llcb für Pancho, daß er J lücklich gewesen ist. Der arme Bursche! er hat so lange vom muse fort sein müssen." Hill verabschiedete fick kurz und ging mit hostigen Schritten der Bucht zu.„Mein Gott!" sagte er laut zu sich selber,„wohin habe ich es kommen lassen? Was geht mit mir vor? Träume oder wache ich? Wenn ich wache, dann ist es schrecklich, denn ich liebe das Mädchen." Eine Stunde lang ging er in schweren Gedanken auf dem Sande der Bucht entlang. Er besah sich noch einmal die Stelle, wo er zum ersten Mal das Mädchen gesehen hatte und ließ dann alle Ereignisse der letzten Tage an seinem Geiste vorüberziehen. War es nicht vermessen, zu glauben, deS naiven Natu', lindes Zutraulichkcit wurzele in Liebe? Doch wer war dieser Pancho? Ohne Zweifel ihr Verlobter; aber merkwürdig, daß sie nie seinen Namen er- wähnt hatte. Und doch, es muß so sein, denn ihr Vater sammen, um die erforderlichen Schritte zur Wegräumung des Tyrannen Doneraile zu berathen." Die„Unbesteglichen" haben bis jetzt ihre Drohungen stets gestalten. Das Resultat der dänischen Wahlen läßt die deutschen Blätter nicht zu Ruhe kommen. Die„Norddeutsche Allg." zitirt „Dagbladet", welches sagt,„daß die Wahlen keinen Fortschritt der Linken, wohl aber einen großen Erfolg der Sozialdemokratie bedeuten"; sie ist ferner der Anficht, daß die Eroberung zweier großer Stadttheile von Kopenhagen,„von denen der erstere für sich allein in 5 Wahlkreise zerlegt werden könnte, für die revo- lutionär-sozialistische Richtung als ein großer Triumph der Sache gefeiert werden und seine Wirkung auf die Partei auch in Deutschland üben werde"; sie muß aber auch anerkennen, daß, „wenn auch von der Polizei und der Militärbehörde die um- fassendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen worden seien, auch an- dercrsefts die Sozialdemokraten alles dafür gcthan hätten, um Ruhe und Ordnung unter den Ihren zu erhalten, und daß so bei aller Erregtheit der Gemüther die Wahlhandlung überall ungestört abgelaufen sei."— Die„Nat.-Ztg." weiß, daß„die deutschen sozialistischenAbgeordneten anläßlich des Wahlsieges der dänischen Sozialdemokraten nach Kopenhagen der dänischen Sozialdemokratie telegraphisch ein„Hurrah" ge- schickt haben."— Trotz dieser schweren Niederlage des Mini- steriums hört man noch immer nichts von dessen Rücktritt. Viktor Hugo wird nicht müde, zu Gunsten der zum Tode Verurtheilten zu interveniren. In Folge einer ihm zugc- gangenen telegraphischen Aufforderung hat er sich neuerdings wieder hingesetzt und in einem Briefe an König Alfons kvon Spanien die Begnadigung der beiden zum Tode verutth eilten spanischen Offiziere verlangt- Der Telegraph hat be- reits gemeldet, daß seine Fürsprache auch in diesem Falle wieder erfolglos geblieben ist- Das französische Ehescheidungsgesetz, das vom Senat in zweiter Lesung angenommen, kommt nochmals vor die De- putirtenkammer, da der Senat mehrere Veränderungen daran vorgenommen hat; so 1) die Scheidung auf gegenseitige Ein- willigung; 2) Verbot, Berichte über Ehescheidungsprozesse zu verbreiten; 3) Vermehrung der Formalitäten bei Verwandlung der Trennung von Tisch und Bett in Scheidung. Das jetzige Gesetz ging aus der parlammtarischen Initiative hervor. Die Deputirtenkammer wird nach der Reoisionsdebatte die Schluß- Verhandlung über die Ehescheidung vomehmen. Das Gebahren des Prinzen Jerome und seines Sohnes, des Prinzen Viclor ist seit Monaten Stoff für die Pariser Presse. Bald hieß es, Vater und Sohn find für immer ent- zweit, bald wieder, Vater und Sohn haben sich umannt und ausgesöhnt! Da eines schönen Morgens brachten die Blätter der Hauptstadt die Nachricht, Herr Victor habe die Wohnung seines Vaters verlassen und sich in der Rue Monceau ein eigenes Heim eingerichtet. Weiter wurde dann gemeldet, daß der junge Prinz jetzt nicht mehr auf die Tasche feines Vaters an- gewiesen sei, sondern durch die besondere Freundlichkeit eines oder einer Unbekannten jährlich über eine beträchtliche Summe verfüge, die ihm gestatte, dem Herrn Papa Konkurrenz zu machen und neben ihm als sclbstständiger Prätendent aufzu- treten.„Wer hat dem Söhnchen nun das Geld gegeben?" wurde gefragt. Ein Ehokoladenfabrikant meinten die Einen, ein Weinhändler, meinten die Anderen. Gut unterrichtete Leute wollten von einer Aktiengesellschaft wissen, welche begeisterte Victoriancr gegründet halten, um ihren Schützling die schwie- rige Aufgabe der„Gesellschaftsrcttung" zu erleichtern. Genug, die Sache war nicht in'S Klare zu bringen. Jedenfalls ist der Bruch zwischen Vater und Sohn jetzt ein offener und die Victorianer jubeln, daß sie endlich mit Fug und Recht ihren Prätendenten den Jeromisten gegenüberstellen können. In der französischen Deputirtenkammer hat ein Amendement des Deputirten Andrieux zur Revifionsvorlage Aussicht, angenommen zu werden. Dieses Amendement be- zweckt, eine Bestimmung in d i e V e r f a s s u n g zu bringe», wonach kein Mitglied der Familien, welche über Frankreich ge- herrscht haben, zum Präsidenten der Republik gewählt werden kann.— Ob die Aufnahme dieser Bestimmung die Franzosen gegen das Kaiser- oder Königthum schützen wird, ist sehr zweifelhaft. Der französische Ministerpräsident Jules Ferrff ist am Frettag an der Eholerinc«Brechruhr) erkrankt, scheint sich aber schon auf dem Weg der Besserung zu befinden. Man sagt, daß verschiedene Aergernisse in der Kammer, hauptsächlich aber der Verdruß über das Wiederauftauchcn der Feindseligkeiten mit China(in Langson), sowie die Cholcranachrichten aus Tou- Ion und Marseille'daS anfangs leichte Hebel Ferry's verschlimmert hatten. Die Choleranachrichten aus Frankreich weroen als beruhigender betrachtet. Der oberste Gesundheitsrath hielt in Paris eine Sitzung unter dem Borst tzc des Handelsminister; die zurückgekehrten Doktoren�Brouardel und Proust sprachen sprach von einem Hochzeitskleide. Liebe, Mißmuth und Rathlosigkeit stritten in seiner Seele um den Vorrang, als er in seine Wohnung zurückkehrte. Lange bevor am nächsten Morgen die Dämmerung den nahenden Tag verkündete, war Hill in der Bucht, wo er ungeduldig Juanilla erwartete, und als sie endlich an derselben Klippe stand, wo er sie zum ersten mal gesehen, da sagte ihm daS rasche Schlagen seines Herzens und die Freude, die ihm durch die Seele strömte, daß es wirkliche, wahrhaftige Liebe sei, die er für die arme Moossammlerin empfinde. Nicht um ein Königreich wäre es ihm möglich gewesen, den Vorfall des gestrigen Abends eher zu erwähnen, als bis sie eine Strecke der Düne entlang ge- gangen waren. Wie ein Kind jubelte sie, wenn das grüne Waffer eine Muschel oder einen Büschel Seetang auswarf. Hill hatte sich auf eine Klippe gesetzt und betrachtete schwer- müthig seine lebensfrohe Gesellschafterin. „Juanilla, komm einen Augenblick hierher an meine Seite!" rief er dann._. „Warum sehen Sie so ernst diesen Morgen m die prach- tige Welt hinein?" ftug sie, indem sie näher trat und sich bei ihm niederließ. Hill legte ihre Hand in die seine und blick�' ihr tief in die braunen Augen. Sie mußte wohl die Leiden.Haft gefühlt haben, die in seinem Händedruck lag und aus«einem Blick sprach, denn sie wandte das Eesichtchen hastig nach dem Wasser zu, wo die Schifferharken vor Anker lagen. „Juanilla, wann wird Dein Hochzeitskleid fertig sein?" Sic wandte ihm ein bleiches, erschrecktes Antlitz zu, in dessen dunklen Augen ein Thränenflo: lag, aber der Mund wollte sich nicht öffnen. Da war es mit der Selbstbeherrschung .SU Ende. Er preßte sie an sein Herz; wäre sie eine Königin, so mf er sich zu, er würde nicht stolzer auf sie sein. Himmel und Erde rief er zu Zeugen seiner Liebe an und ver- sicherte, Pader Serro solle sie noch zu dieser Stunde trauen, damit sie schon mit dem nächsten Schipe nach England segeln konnten. Und sie— liebte sie ihn denn? Zuanilla beugte sich über seine Hand und küßte sie in- brünstig. Senn or, ich liebe Sie, aber mit ihm bin ich schon rn der Wiege verlobt worden, wie es bei uns Landesbrauch ist. Es war der Wunsch seiner sterbenden Mutter, daß wir ein Paar werden sollten und mein Vater schwor es ihr zu. Ein Schwur darf nie, nie gebrochen werden. Leben Sie wohl, die Heiligen mögen Sie beschützen. O Gott, wie mir's so weh im Herzen ist; werden Sie glücklich, ganz glücklich." Hefttg riß sie sich aus seiner Umarmung los. sprang den Felsen hinauf und war im nächsten Augenblick außer Eicht. Hill ging die Düne auf und ab, indem er sich wie ein Wahnfinniger geber- dete. Er weinte, jammerte und rang die Hände. Dem inneren Sturme folgte der stille, namenlose Kummer. Er ging zum sich dahin aus angesichts der Fälle in Marseille müßten sie sich für das Vorhandensein einer gelinden asiatischen C,h o l e r a erklären. Alle von Toukon und Marseille kam- Menden Reisenden werden jetzt ausgeräuchert. Es fand leb- hafter offizieller Depeschenwechsel zwischen Paris, Madrid und Rom statt, der aber noch nicht die Aufhebung der Grenzsperre herbeigeführt hat. Auch die amerikanische Negierung hat Maßregeln zur Verhinderung des Einschlcppens der Cholera in Erwägung gezogen. DAMmeuwrisrkes. Ueber den Zeitpunkt, zu welchem die Neuwahle« zum Reichstage stattfinden sollen, ist fürs Erste noch keine Bestimmung getroffen. Man nimmt an, daß der Wahllermin dieses Mal nicht bis Ende Oktober hinausgeschoben wird.„Im tahre 1831 war vorwiegend aus taktischen Rücksichten der Zahltermin nach Möglichkeit verzögert worden. Die frühere Anberaumung der Neuwahlen wird die allerdings nur formale Auflösung des jetzigen Reichstages nothwendig machen, dessen Wiederberufung zu einer Herbstsesfion, von dem Eintritt unvorhergesehener Eventualitäten abgesehen, als ausgeschlossen zu betrachten ist. Lokales. — g. Die Berliner Hauspaschas stehen im Allgemeinen bei ihren Miethern nicht in allzu gutem Geruch. Es mag da- hin gestellt bleiben, ob die Antipathie der Miether gegen ihre Wirthe in jedem Falle berechtigt ist, wenn aber die Berliner Hausbesitzer ein Verfahren belieben, wie das nachstehend ge- schilderte,— so hört doch wirklich Alles auf. Ein Berichter- stattcr schreibt:„Die Briefttäger in der Gegend des Wedding haben in den letzten Tagen eine große Anzahl e i n g e s ch r i e- bener Briefe bestellt, welche sämmllich— Mielhsteigerun- gen bezw. Wohnungskündigungen per 1. Oktober er. betrafen. In einem Hause der Chausseestraße wurden sämmtliche Miether, 28 an der Zahl, in der Miethe gesteigert bezw. gekündigt. Die Erhöhungen variirten zwischen 24 und 30 Mf. pro anno. Der Grund zu diesen Steigerungen soll, wie man uns mit- theilt, die Verschönerung gegeben haben, welche der Gegend des Wedding durch die Anlage der Dankeskirche k. geworden ist. Die ganze Maßnahme erhält nur dadurch ein charakteristi- sches Gepräge, daß sich die betreffenden Hausbesitzer besonders zu dem gedachten Zweck vereinigt haben, um diese„Äieths- schraube" anzusetzen. Unter ihnen soll die Vereinbarung ge- troffen sein, daß der eventuelle Miethsausfall, den ein Haus- befitzer durch die gedachte Maßnahme infolge Auszugs des ge- steigerten Miethers und Lehrstehens der Wohnung, erleidet, durch gemeinschaftlich zu zahlende Beiträge gedeckt wird." Wenn man berücksichtigt, daß durch diesen Kartellverband zum Zwecke der Miethsteigerungen sog. kleinere Leute, derm Erwerb gerade während des gegenwärtigen Zeitpunktes kein guter zu nennen ist, bettoffen werden, so muß man dieses Vorgehen ge- miß als abnorm bezeichnen. Verbrechen Wirten ansteckend, das ist eine nicht wegzu- leugnende Erfahrung, und man möchte fast behaupten, daß keine Ausschreitung des menschlichen Geistes auf diesem Ge- biete so abrupt wäre, daß sie nicht den einen oder anderen Nachahmer fände. Wir möchten fast sagen, daß wir heute in einer Periode der Vergehen und Verbrechen gegen die Sitt- lichkeit stehen. Noch lebt wohl in Aller Gedächttriß jener sensationelle Prozeß, der erst ,or wenigen Tagen beendet ist, und der Ausschreitungen und Verirrungen des menschlichen Herzens in die weiteste Ocffentlichkeit getragen hat. Aber, so kann man sich wohl mit Recht fragen, wo bleibt trotz des verurtheilenden Richterspruches die Abschreckungstheorie? Wo bleibt der heil- same Einfluß, den die Strafe auf verbrecherisch angelegte Na- turen ausüben muß? Fast täglich sind Fälle zu rcgistriren, welche uns beweisen, daß kein Gericht im Stande ist, selbst mit den härtesten Strafen die rohen, finnlichen Neigungen mancher Leute zu unterdrücken. So erregte vor einigen Tagen durch seine kaum glaubliche«Schamlosigkeit ein Mann Unter den Linden großes Aergerniß, der sich vor einem Hause nieder- ließ, sich semer Stiefel entledigte und sodann seinen Unter- körper mit so brutaler Schamlosigkeit entblößte, daß die zufällig in die Nähe kommenden Damen entsetzt das Weite suchten. An der durch sein Treiben verursachten Aufregung schien der Strolch großen Gefallen zu finden, denn er setzte sich in dem angedeuteten Zustande auf die Treppenstufen des Hauses und leistete einem hinzugceiltcn Schutzmann, welcher ihn festnahm und ihm die Kleider arrangiren wollte, heftigen Widerstand entgegen. Erst mit Hilfe mehrerer anderer Personen wurde er überwältigt, in eine Droschke gehoben und zur nächsten Poli- Wald hinauf und legte sich unter eine mächtige Fichte, bis ihn die untergehende Sonne zur Heimkehr mahnte. Eine Woche später ankette Panchos Barle mit 500 Fässer Thran an Bord in der Bucht. Der Morgen von Juanillas Hochzeitstag war angebrochen- Mit der armen Moossammlerin war eine merkwürdige Verän- derung vorgegangen. Gutmüthige Nachbarn sagten, die Sorge um ihren Verlobten habe die Rosen von ihren Wangen gestoh- len; aber der kräftige, junge Walfischjäger fühlte sich gekränkt durch die Kälte, mir der ferne Liebkosungen von seiner lang- jährigen Braut entgegengenommen wurden. Der Hochzcitszug bewegte sich nach der Kirche, Pancho mit einem stolzen Lächeln auf dem gebräunten Geficht, Juanilla bleich wie das Kleid, das sie trug. Die Gelöbnisse wurden gewechselt, und der greise Priester segnete die Neuvermählten. Und dann kehtten sie nach des alten FischerS Häuschen zurück, wo ein Spieler in die Saiten der Guitarre griff und Pancho seine liebliche Frau zu einem spanischen Tanze führte. Kaum hatten sie begonnen, als von der Bucht her ein Ruf ertönte, der alle Hochzettsgäste auf die Veranda lockte. Man sah einen Knaben auf den Klip- pen stehen, aus voller Brust schreiend:„Die Boote ycrunter! Der Engländer ertrinkt— schnell in die Boote!" Bevor die Hochzeitsgäste den Alarm recht begreifen konnten, löste sich aus ihrer Mitte eine weiße Gestalt und eilte wie der Wind über die Düne die Klippen hinauf, die von einer wild- grollenden Brandung umtost wurden, denn die Fluth stand auf ihrem Höhepunkt und aus Nordwest blies eine steife Bnse. Unten am Strande aber— lebend noch, aber ohne die schwächsten Kampfoersuche mit den Wogen zu machen— lag Alfred Hill. Mit einem wilden Aufschrei sprang Juanilla vom Felsen, und im nächsten Augenblick umarmte sie den sterbenden Mann. Und dann ehe Pancho zur Stelle sein konnte, kam eine mächtige Woge, welche, rttckwätts prallend, die Beiden nutnahm bis weit hinaus in die Bucht wo das Wasser so tief ist, daß keine Schiffe ankern wollen. Zwei Stunden später gab die See die Todten heraus. Juanillas Arme hielten den Mann noch fest umschlossen und er hatte in der Todesstarrung den rechten Arm um ihren Nacken gelegt und auf seinem Gesichte lag ein Lächeln, wie wir es lächeln, wenn wir zufrieden find. Auf dem kleinen Friedhofe am Hügelabhange wurden sie Seite'an Seite im Schalten einer Eiche begraben, in deren Gezweige noch jetzt an den Sommerabenden die Tauben girren und kosen, als wollten sie ihre Symoathie zeigen für das Schicksal der Schläfer. ES schwoll und ebbte die Fluth, die Jahreszeiten kamen und schwanden, aber unvergessen blieb das Doppclgrab. Liebende legen, nach schönem spanischen Brauche. Blumenopfer aus den Hügel weder, wo zwei ruhen, die sich im Leben so innig ge- liebt, daß sie im Tode nicht getrennt sein wollten. 1 zeiwache geschafft. Dort wurde er als der erst vor Kurzem aus der Korreltionsanstalt zu Straußberg entlassene Zimmergesellc Krumm erlannt, der sich hier obdachlos umhergctrieben hatte. Einstweilen ist der freche Patron im Untersuchungsgefängniß zu Moabit kalt gestellt worden. — a. Wegen versuchten Mordes resp. Todtschlags ist gestern der Zimmermann August Sack zur Haft gebracht worden. I Derselbe wohnt seit längerer Zeit mit der 34 Jahre alten \ Wittwe Puppe, welche im Keller des Hauses Gerichtsstraße Nr. 6 ein Grünkramgeschäst betreibt und wohnt, im Konkubi- nats-Verhältniß und beide sollten Anfangs dieses Monats standesamtlich verehelicht werden. Beide waren jedoch in den letz- ten Tagen öfter in Streit gerathcn, wozu namentlich die große Eifersucht des S. die Veranlassung gab. Bei einem am 29. v. M., Abends zwischen 11 und 12 uhr wieder ausgekrochenen Streit ergriff Sack plötzlich einen Hammer und verletzte mit dem- selben der Puppe, die sich zum Schlafengehen bereits entlleidet hatte, mehrere Schläge gegen den Kopf, so daß die P. äugen- blicklich bewußtlos zusammenbrach, sich aber bald wieder auf- raffte und aus der Wohnung durch den Laden nach der Ein- gangsthür des Kellers stürzte und, da diese verschlossen, ver- geblich um Hülfe rief. Zufälliger Weise stand der Nachtwäch- ter H. vor dem Hanse, welcher die Hülferufe hörte- Er erbrach gewaltsam die Thür und fand die Frau P. aus mehreren Kopf- wunden blutend im Laden vor. Bald darauf kam auch Sack aus dem Nebenzimmer, welcher von dem Wächter festc enom- men und zur Wache gebracht wurde. Sack räumte nn, die Absicht gehabt zu haben, die P. aus Eifersucht todt zu fchla- gen, und sodann sich selbst durch Erhängen das Leben zu neh- men. Die Verletzungen der P. find zwar schwer, doch nicht lebensgefährlich. * Eine Volkszählung wird heute stattfinden, die sich zwar nur auf einen Theil der Einwohner erstreckt, aber doch von ganz besonderer Wichtigkeit ist. Behufs Ausführung des Reichs- gesetzes vom lS. Jum 1883, betreffend die Kranienversichcrung der Arbeiter, welches niit dem 1 Dezember er. in Kraft trin, soll eine Aufnahme der sämmtlichen Arbeitgeber, welche in ihren Betriebsstätten versicherungspflichtige Personen beschäf- tigcn, stattfinden. Eine sorgfältige und pünktliche Ausfüllung der gn die Hausbesitzer resp. Mether versendeten Listen ist angesichts der Wichtigkeit des Zweckes dringend zu wünschen. .—» Em bedeutender Diebstahl aus dem Geldschrank der Expeditionskasse einer hiesigen Zeitung ist in der Zeit vom • �9. v. Mts. verübt worden. Der Direktor der eine Aktiengesellschaft bildenden Zeitung hatte am 11. v. M. eine Urlaubsreise angetreten, nachdem er die Schlüssel des in semcm Bureauzimmer befindlichen Gcldspindes in ein Pult gelegt und dieses Pult verschlossen hatte. Während seiner Ab- Wesenheit(der Tag hat sich noch nicht feststellen lassen) wurde mit einem Stemmeisen das Pult gewaltsam geöffnet, und der Wieb öffnete mit den im Pult gefundenen Geldspind-Schlüsseln Den Geldschrank, aus dem er 1380 M., in Papiergeld und Uolh, an sich nahm. Bisher ist der Thäter, welcher mit den Einrichtungen in dem Bureau des Bestohlcnen bekannt gewesen zu sein scheint, nicht ermittelt. Glück im Unglück. Unter den zur polizellichcn Ver- Wahrung eingelieferten Objekten befindet sich auch ein am E8. v. Mts. abgelieferter lOO-Markschein. Die Gattin eines gegenwärtig hier abwesenden Kaufmanns brauchte am letzten Sonnabend Geld und ließ solches durch ihr Dienstmädchen von dem Kasstrer des Geschäfts erbitten. Dieser nahm einen ! flOO-Marlschem, steckte denselben in ein mit der Firma ver- scheues Kouvcrt und gab dieses dem Mädchen zur Beförderung an die Gattin seines Chefs. Als das Dienstmädchen über den Dönbofsplatz gehen wollte, woselbst gerade Wochenmarkt war, scheute neben ihr plötzlich das Pferd eines Schlächters. Das Mädchen sprang zur Seite und verlor hierbei das Kouvert mit wem Hundertmarkschein. Obgleich sie bereits nach kurzer Zeit den schweren Verlust merkte, war das Kouvert trotz allen Suchens nicht zu finden. Dasselbe war von dem kleinen Sohn eines Restaurateurs in der Zimmerstraße aufgehoben und in den Laden desselben gebracht. Ein in dem Laden anwesender älterer Mann, der die Firma auf dem Kouvert las, eilte sofort nach dem betreffenden Geschäft, um den Fund zu melden. Da man hier den Verlust gar nicht kannte, mußte erst Rückfrage cet der betreffenden Frau gehalten werden, welche denn auch >ur Feststellung des obigen Sachverhalts führte. Trotzdem so mt aller Evidenz die Verliercrin und Besitzerin des 100-Mark- che,ns festgestellt war, erhielt ihn letztere doch nicht sogleich iriick. Der Restauratcur hatte ,hn inzwischen dem nächsten �olizcibureau übergeben und nun müssen zur Freigebung desselben erst die gesetzlichen Bestimmungen über Fundsachen be- vbachtet werden. Wozu beständen dieselben sonst! — a. Traurige Ucberraschung. Die in der Großen Frankfurteifftr. 4 d wohnenden N.'schen Eheleute hatten am 29. v. M. in der Zeit von 4—8 Uhr nachmittags einen Die pitcairner. In den ersten Apriltagcn dieses Jahres lief ein Schiff in zen Hafen von San Francisco ein, das zum ersten Mal wieder seit fünf Jahren Nachricht brachte von den Pitcairncm, vicsem merkwürdigen souveränen Völkchen, das sich gewöhnt hat, San Francisco als eine Art Schirmhcrrin— nicht gegen politische Feinde, sondern gegen Mangel und Roth— zu be- trachten. Die Botschaft lautet diesmal günstiger denn je: der Gesundheitszustand ist vortrefflich, keine Mißernten haben statt- gefunden und das letzte bedeutende Geschenk an Lehrmaterial eines Frauenvercins in San Francisco ist zur Förderung des Willens bestens verwandt worden. Das war erfreulich zu hören, doch nun zunächst zur Frage: wer find diese Pitcairner, die uns m langen Zwischenräumen der Vergessenheit der Mit- weit griffen werden, nur dann, wenn ein Schiff ihre ent- legene Jnselhelmath anläuft? Die Pitca,rner haben eine romantische Geschichte, die noch dadurch an Interesse gewinnt, daß sie in der berühmtesten Meuterer wurzelt, welche in den Ännalcn der Seefahrten ver- zeichnet steht. Am 23. Dezember 1787 war's, als das königliche Schiff„Bounty von-15 Tonnen�ehalt von England absegelte mit der Bestimmung, von den Südsce-Jnseln den Brodfrucht- bäum und andere nützliche Pflanzen nach Westindicn zu über- führen. Zum Kapltan war der seitherige Lieutenant Bligh ernannt worden, weil er schon unter Kapitän Cook Tahiti und vie benachbarten Inseln besucht hatte, mithin für die gestellte Aufgabe einige Erfahrung besaß. Er war der Typus der da- mallgen englischen Seeoffiziere, am Land allem Anschein nach nn vornehmer Gentleman, am Bord ein roher, herzloser Tyrann. Bon seinen 44 Untergebenen verdienen nur sieben bei anderer Erwähnung, ihrer hervorragenden Theilnahme wegen an dem Drama, welches sie in Szene setzten. Fletscher Christian, Vcr erste Steuermann der Bounty, war ein leidlich gebildeter Mann von 25 Jahren; er stammte aus einer guten Familie vcr Insel Man und hatte schon zwei Fahrten unter Bligh gemacht von den, er zum ersten Steuermann der„Bounty" !§ wegen ausgesucht wurde. Edward Noung, f>n Midshlvinan, war der Neffe eines dekannten Barons, ein anderer Midsylpmann, George Stewart, war auf dm Orkney- "nscln geboren, wo seine Eltern sich großen Ansehens erfreuten. ames Mornson, der Hochbootsmann, besaß eine Bildung, ie man sie bei diesem Berufe in der Regel vergeblich sucht. t hat ein Tagebuch hinterlassen, welches die vorzüglichste Ouelle für die Geschichte der Meuterei bildet. Peter Hey- wood, ein Midshipman war ein Junge von 14 Jahren, dessen Eltern mit Bligh befreundet waren. Er wurde aus der Schule genommen, um an dieser Expedition Theil zu nehmen, eil Bligh versprochen Hatte, sich seiner väterlich anzunehmen. lexander Smith, ein kräftiger Matrose, der später für lange ang gemacht und fanden bei ihrer Rückkehr die im Entreso! belegene Wohnung, an der sich außer dem Thür- schloß noch ein Vorlegeschloß befand, gewaltsam erbrochen und ihres baaren Vermögens und ihrer Werth- fachen, im Gesammtwerthe von über 4000 Mark, beraubt. Es wurden außer den Goldsachen und dem baaren Gclde 3 Stück Preußische konsolid. 4 proz. Staatsanleihe Li,. E. Nr. 145 906, 145 929, 145 930 ä 300 M.. 5 Stück Prioritäten der Niederschlefisch- Märkischen Eisenbahn Reihe Vlll. Ser. I. Nr. 10 859, 10 777, 10734, 10606, 10 807 ä 300 M.. 3 Stück Berliner 4 proz. Stadtobligationcn Nr. 17147, 17177, 17 311 ä 300 M., ein Appoint über 150 M-(Nr. unbekannt), ein Stück Preuß. Konsols& 4'|, pCt. E. Nr. 38 652 über 300 M. gestohlen. Die Diebe, welche von mehreren Personen in der Nähe des Thatortes gesehen haben, find bis jetzt noch nicht ermittelt. Weibliche Lohnsklaverei. Unter dieser Spitzmarke bringt die„arbeitersreundliche"„Berliner Zeitung" folgenden Artikel: Auf keinem Gebiete hat der ironische Ausspruch:„Richtet Euch nach meinen Worten, nicht nach meinen Thaten" mehr Berech- tigung, als auf dem der modemen Glückmacherci um jeden Preis oder, wenn dieser Ausdruck besser klingt, der„sozialen Reform". Das zeigt sich so recht deutlich, wenn man die Vcr- Hältnisse betrachtet, unter denen weibliche Personen auf Be- schäftigung rechnen können. Bekanntlich find in nicht wenigen Zweigen der Staatsverwaltung Frauen und Mädchen angestellt, besonders im Eisenbahn- und im Post- und Telegraphendicnst. Daß namentlich letzterer, wenigstens in pekuniärer Hinficht auch für Män- ner nicht viel Reiz hat, ist bekannt genug und im Parlament so wohlwicin der Presse wiederholt zur Sprache gekommen. Aber im Vergleich zu den weiblichen Beamten find die Männer auch in diesem Zweige der Verwaltung noch immer geradezu glänzend gestellt. Laut unwidersprochen gebliebenen Angaben, welche kürzlich durch verschiedene Zeitungen gingen, erhält eine Tele- graphifiin in Berlin 60, 70, höchstens 90 MI. monatlich Gehalt, und hat dafür nicht allein ebensoviel, sondern sogar mehr zu leisten, als ihr in demselben Büreau arbeitender männlicher Kol- lege mit ungefähr dem doppeltem Einkommen. Das ist doch eine Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft, wie sie krasser nicht gedacht werden kann. Angesichts solcher Praxis kann es freilich nicht Wunder nehmen, daß Sic Ueberschüsse der Post- und Telegraphen- Verwaltung alljährlich steigen, wenn man aber bedenkt, auf wessen Kosten dieselben erzielt werden, so möchte man wirklich wünschen, es wären weniger große Summen. Und ganz ähnlich liegt die Sache bei der Eisenbahn- Verwal- tung, z. B. bei der Stadtbahn, welche ebenfalls zahlreiche weibliche Beamte hat. In einem Staat, welcher angeblich keine höhere Aufgabe kennt, als den Nothleidcnden zu helfen, sollte ein derartiges Verfahren doch wahrlich umnöglich sein!" Wir haben diesem Artikel eigentlich nichts hinzuzufügen, aber wir möchten die Herren Manchestermänner doch dorenf aufmerksam machen, daß die armen Arbeiterinnen in den Fa- briken jener Herren nicht minder der Berücksichtigung werth find, und daß die Löhne der Handarbeiterinnen zu den Ge- hältem der vom Staate angestellten Damen doch eigentlich in gar keinem Verhältniß stehen. Polizei-Bericht. Am 25. d. M. Abends trat die an Kurzfichtigkeit leidende Wittwe Amalie Meyer, Veterancnstraße Nr. 1 wohnhaft, auf der nicht erleuchteten Treppe des Hauses Veteranenstraße Nr. 27 fehl, siel einige Stufen hinunter und brach beide Unterarme.— Am 30. v. M. früh wurde die Eigenthümerin eines Hauses in der Drcsdenerstraßc in ihrer eine Treppe hoch belegenen und von innen abgeriegelten Woh- nung von einem Dienstmädchen erhängt vorgefunden. Die Umstände lassen nur auf Selbstmord in Folge Schwermuth schließen. Gerickts-Leitung. Der schwere Unglücksfall, welcher sich am 5. April V.J., Vonnittags, in der Schönhauser Allee ereignete, hat Anlaß zu einer Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung gegeben, welche die u. Strafkammer hiesigen Landgerichts i gestern gegen den Knecht Friedrich Wilhelm Godow aus Zepernick zu ver- handeln hatte. Auf dem hoch gelegenen Hofe der Brauerei Königstadt, von welchem ein schmaler, etwas abschüssiger Weg direkt auf die Schönhauser Allee führt, war am Vormittag des 5. April der Angeklagte mit dem Aufladen von Trebern be- schäftigt. Die Pferde hatten die Futterbeutcl umgehängt, die Zügel also abgestreift, die Pferde waren unvorsichtiger Weise nicht abgesträngt. Kurz nach 10 Uhr kam das I.Bataillon des Alexander-Regiments mit der Regimcntsmusik die Schönhauser Allee entlang, begleitet von einer zahlreichen Menschenmenge, unter welchen sich auch viele Kinder befanden. Die schmettern- den Trompeten müssen die Pferde wohl scheu gemacht Zeit den Namen John Adams annahm, war der Vater der Pitcairnkolonic. Kaum war die englische Küste aus Sicht, als Bliah seinen wahren Charakter zeigte. Als ihm der Proviant- mcister meldete, es sei etwas Käse abhanden gekommen, gab er den Befehl, daß der ganzen Mannschaft die Käse-Rationen entzogen werden sollte, bis die entwendete Menge ausgeglichen sei. Unter den Vorräthen befanden sich viele Kürbisse, die in der Nähe des Aequators zu faulen begannen. Bligh befahl, sie der Mannschaft anstatt Brod zu verabreichen. Die Leute murrten, aber der Kapitän drohte, Jeden, der seine Ration nicht äße, an den Mast binden und peitschen zu lassen. Blatt für Blatt von Marrison's Tagebuch ist mit der Aufzählung solcher und anderer Rohheiten Bligh's angefüllt. Inzwischen hatte die„Bounty" mehrmals vergeblich versucht, Kap Horn zu umsegeln, und wurde schließlich vom Sturme nach dem Kap der guten Hoffnung verschlagen, von wo sie dann ihren Kours nach Tahiti nahm, das sie zehn Monate nach der Abreise von England erreichte, Nun galt es, die Bestimmung der Ex- pedition zur Ausführung zu bringen, es mußte mehrere Monate mit eifrigem Sammeln und Verpacken von Setzlingen und Samen zugebracht werden. Anfang April 1789 waren mehr als tausend junge Pflanzen und eine bedeutende Menge Samen wohl verwahrt untergebracht und die„Bounty" lichtere den Anker, um über Westindien heimwärts zu segeln. Die unausgesetzten Mißhandlungen und Streitigkeiten an Bord mögen unerwähnt bleiben; sie erreichten ihren Brennpunkt am 27. April, als das Schiff in der Nähe der Insel Tofoa segelte. Bligh vermißte einige Cocosnüsse und behauptete, sie seien ge- stöhlen worden unter Mitwissen der Offiziere.� Christian fragte ihn: Halten Sie mich fähig, Ihre Nüsse zu stehlen? Ja, ant- wartete Bligh, Du hast sie gestohlen. Ihr Offiziere seid alle Schurken und verbindet Euch mit den Matrosen, mich zu de- rauben. Nächstens werdet Ihr meine Kams stehlen; allein ich lasse Euch peitschen und lasse Euch über Bord springen, che wir Endnavor Stroits erreichen. Christian sagte Nichts, sondern ging ruhig in seine Cabine. und als ihn nach einer kleinen Weile Bligh zum Essen einlud, schlug er es unter dem Vorwande ab, krank zu sein. Er hatte schon seit einiger Zeit den Plan gefaßt, vom Schiffe mit einem Floße zu entfliehen, das er sich unter Mithülfe des zweiten Steuermannes angefertigt hatte. Nur der Zufall änderte seinen Plan. Die Morgenwache des 28. April fiel ihm zu. Als er in der Dämmerung auf Deck stieg, fand er alle Offiziere schlafend und sich selbst im alleinigen Kommando. Da stieg plötzlich der Gedanke in ihm auf: worum nicht Besitz vom Schiffe nehmen? Kurz entschloffen stieg er in's Zwischendeck und vertraute seinen Plan sieben aus der Mannschaft, von welchen er wußte, daß sie Bligh tödtlich haßten. Alle stimmten sofort zu und nach einigen Minuten wurde die Meu- terei in Scene gesetzt. Es gelang ihnen leicht, sich mit Waffen haben, denn plötzlich jagten die Thiere wie rasend die Anhöhe herunter, die Menschenmenge stob mit einem gellenden Aufschrei auseinander und das Gefährt stürmte mitten in die Kolonne der dritten Kompagnie hinein. Von den Soldaten wurden 6 Mann zu Bdden gerissen, von denen 5 nur leichtere Kontusionen davon trugen, llxbler wurde der sechste, der Gefreite Puls zugerichtet, dem der Wagen über Kopf und Füße gegangen war. Er mußte in fast leb- losem Zustande von anderen Soldaten zur Anlage des ersten Verbandes zu einem in der Nähe wohnenden Heilgehülfen ge- tragen werden und hat bis in den Mai hinein im Garnison- lazareth in der Scharnhorststraße und dann noch 4 Wochen als Rekonvaleszent in seiner.Heimath zubringen müssen. Puls ist nun wieder so weit hergestellt, daß er seinen Dienst ganz ver- richten kann, hat auch sonst keinen dauernden Schaden erlitten. Es ist überhaupt fast wie ein Wunder zu betrachten, daß, ob- gleich die Unglücksstätte dicht mit Passanten und kleinen Kin- oern besäet war und obgleich die Pferde eine ganze Strecke in der Schönhauser Allee das Trottoir entlang stürmten, kein weiteres Unheil angerichtet ivorden ist. Der Gerichtshof hält es für eine strafbare Fahrlässigkeit, daß der Angeklagte während des Haltens auf dem nach der Sttaße zu offenen Hofe die Pferde nicht abgesttängt hatte und verurthcilte ihn deshalb zu 14 Tagen Gefängniß. Der Staatsanwalt hatte nur 100 M. Geldbuße beantragt. Zeit oder Entfernung? Die kürzlich erwähnte kammer- gerichtliche Entscheidung, wonach in streitigen Fällen zwischen Droschkenkutscher und Fahrgast die Uhr und nicht der amtliche Wegcmesser maßgebend sein soll, letzterer vielmehr nur zur Kontrole des Fahrgastes da sei, dürfte für die zukünf- tige Gangart unserer Droschken von wesentlichem Einfluß sein und schwerlich zur Hebung des Renommees unseres öffentlichen Fuhrwesens beitragen. Für unsere Gerichte bildet jenes Er- kenntniß des Kammergcrichts aber bereits eine feststehende Di- rettive, wie der Kutscher Abraham gestern an sich erfahren mußte. Derselbe wurde im Februar d. I. von einem Hrn. v. P. am Hotel du Nord zu einer Fahrt auf Zeit engagirt und erhiett den Auftrag, möglichst flott zu fahren. Er kam diesem Ersuchen auch nach und fuhr seinen Gast in schnellster Gangart des Pferdes nach der Paulstraße, wo Hr. v. P. die Fahrt überhaupt bereits beendigen zu wollen erklärte. Ueber den Fahrpreis kam es zwischen beiden Patteien zu Differenzen, da der Kutscher für die Fahrt in Droschke I. Klasse 1 M. 50 Pf. verlangte, der Gast ihm aber nur 1 M. zubilligen wollte, weil derselbe nur 14 Minuten gefahren war. Das Schöffengericht stellte sich auf die Seite des Fahrgastes und verurthcilte den Kutscher wegen Tarisüberschreitung zu 15 Marl Geldbuße. Der Kutscher legte die Berufung ein, wies an der Hand des Wegemessers nach, daß daselbst die Strecke auf 18 Minuten taxirt ist und betonte, datz es nur auf Wunsch des Fahrgastes ein schnelleres Tempo beobachtet habe. Der Vertheidiger R.-A. W r o n k er suchte auszuführen, zu welchen wundrcfiarcn Konsequenzen es führen würde, wenn man wirk- lich in allen Riuirrüiait die Fahrstrecke, sondern die Fahrzeit als maßgebend erachten wollte. W.würde dann unter Umstän- den ein Droschkenkutscher, wenn er einen berühmten Renner vorspannt, eine ganze Meile für 1 M.'ahrcn können, ferner würde der Droschkeniutscher, der freundlich die Wünsche seiner Fahrgäste eingeht und dabei noch eine durch die s�inellere Gangart bedingte größere Aufmerksamkeit auf die Fahrvohn verwenden muß, pekuniären Schaden leiden, während derjenige Kutscher, welcher ohne jede Rücksicht auf die Wünsche der Fahr- gäste in dem berühmten Berliner Droschkentempo sich hält, besser gestellt sein würde. Die Folge würde danach sein, daß von jetzt ab alle Berliner Droschkenkutscher sich auf strenge Jnnchaltung der Wegemesser-Zeit einrichten werden, worunter schließlich nur das Publikum zu leiden hätte. Der Gerichtshof hielt trotzdem das vcrurtheilende Erkenntniß aufrecht, setzte aber die Strafe auf 9 M. herab. Er war der Meinung, daß es Sache des Kutschers sei, mit seinen Gefälligkeiten gegen das Publikum vorsichtig und besonnen zu fein. Im ArVeiteröewegung. Der große Cchnitterstrike in Venetien sollte nach einem Telegramm des„W. T- B." beigelegt sein- Im Gegen- satz hierzu berichtet das„B- Tgbl-": Der Schnitter st rike in der venezianischen Provinz R o v i g o hat sich auf die ganze Zone ausgedehnt. Die Regierung mußte in Eile zwei Linien- regimcnter, ein Bataillon Bersaglieri, ein Regiment Kavallerie und 800 Karabinieri nach Rovigo werfen- Die Feldarbeiter der ganzen Provinz, welche bisher den allerdings sehr jammer- vollen Lohn von 70 bis 80 Centestmi täglich erhielten für das Mähen, begehrten von den Grundbesitzern 30 pCt. vom Bruttoprodukt der Ernte. Einige Arbeiter begnügten sich mit weniger. In Folge dessen kam es zu Konflikten unter den Schnittern zu versehen, und bald waren die Acht Herren des Schiffes. Als der junge Hcywood, durch ein verdächtiges Geräusch geweckt, auf Deck eilte, fand er Bligh gefesselt und unter Bewachung eines Meuterers, der ihm sagte: Christian hat das Kommando des Schiffes übernommen und wird Bligh als Gefangenen nach England bringen. Was in den nächsten Stunden folgte, gleicht einem Knäuel, das keiner entwirren konnte, selbst nicht der klarblickende Morrison. Das Endergebniß aber bestand in der Aussetzung Bligh's und eines Thcilcs der Mannschaft in einem Boote durch Christian und seine Mitverschworenen. Bligh flehte Christian um Erbarmen an: Ich verpfände mein Ehrenwort, Herr Christian, diesen Vorgang als ungeschehen zu betrachten, wenn Sie mich an Bord behalten. Schonen Sie mich um meiner Frau und Familie willen. Nein, gab Christian hartnäckig zurück; wenn Sie ein Mann von Ehre wären, würden Sie die Dinge nicht so weit haben kommen lassen, und wenn Sie Ihre Frau und Familie liebten, hätten Sie vorher an sie denken und sich nicht wie ein Schurke benehmen sollen. Der Hochbootsmnnn versuchte dann, das Herz Christian's zu erweichen. Zu spät! war die Antwort; ich habe in den letzten vierzehn Tagen Höllcnqual ausgestanden, und ich bin entschlossen, sie nicht länger zu ertragen. Ihr wißt ja Alle, daß ich während der ganzen Reise wie ein Hund be- handelt worden bin.— Einer oder der Andere versuchte noch eine Fürsprache ohne Gehör zu finden. Der Arzt war vor wenigen Wochen gestorben und es be- fanden sich somit noch 44 Personen an Bord. Von diesen wurden 19 gezwungen ein offenes, nur 23 Fuß langes Boot zu besteigen, in welches die Werkzeugknte des Zimmermanns, 150 Pfund Brod, 32 Pfund gesalzenes Schweinefleisch, 6 Gallonen Rum, 6 Flaschen Wein, 28 Gallonen Wasser und 4 leere Fässer geladen wurden. Keine Waffen durften die Ausge- stoßencn mitnehmen und keine anderen Navigationsinstnimente als einen alten Sextanten und ein Buch mit nautischen Ta- hellen. Warum gerade diese 18 Schicksalsgefährten Bligh's ausgewählt wurden, ist unerklärt geblieben. An der Meuterei selbst nahmen nicht mehr als 12 Mann Theil und von den anderen 13 an Bord zurückgebliebenen Leuten wurden einige mit Ge- walt zum Bleiben gezwungen und einige blieben nur des- halb freiwillig zurück, weil fie glaubten, das nur einige Zoll über den»Wasserspiegel ragende Boot würde die See nicht halten können, und wenn die Insassen aus einer Insel landeten, würden sie von den Eingeborenen getödtet werden. Sobald das Boot abgestoßen war, wurde die„Bounty" von allen Pflanzen und Naturseitenheiten erleichtert und kreuzte dann unter dem Kommando von Christian mehrere Wochen zwischen den Inseln der Südsee, um einen geeigneten Ort zur Ansiedelung zu finden (Fottsetzung folgt.) selbst. In einigen Gemeinden bequemten sich die Grundbe- fitzcr, den Mähern 15 bis 24 pCt. zuzugestehen, um nicht die ganze Ernte, welche nicht mehr aufzuschieben ist, einzubüßen. Äie Frauen spielen bei dem Strike eine Hauptrolle. Bis jetzt oaben die Schnitter nicht nachgegeben, so daß die ganze Ernte verloren gehen kann, wenn keine Einigung stattfindet. Die Gefängnisse in Rovigo find von Verhafteten überfüllt. im Krankenhäusern wurden gebracht. mehrere Verwundete In unter- PereinsnAckriMeu. In, Fachverein der Schuhmacher sprach am Montag Herr Meißner über Großindustrie und Kleingewerbe. Von der allmähligm Entwickelung des Handwerks aus der ackerbau- «reibenden Bevölkerung, vom alten Jnnungswesen, von dem Verhältniß des Gesellen zum Meister, kam Redner auf die mo- derne Entwickelung der Industrie zu sprechen. Die maschinellen Vortheile bedingen es, daß die Industrie nur mit Kapitalien gewinnbringend ausgenutzt werden kann, und es ist dies der Grund dafür, daß das Kleinhandwcrk, welches bekanntlich mit liefen technischen Vortheilen nicht rechnen kann, hinter der Entwickelung der Großindustrie zurückbleibt, es zersetzt sich, und in absehbarer Zeit wird es nur noch Großfabrikantcn und Ar- veiter geben. Die Anstrengungen der Innungen in der Jetzt- eit, find deshalb weiter nichts als galvanische Experimente, man bemüht fich vergeblich einem todten Körper Leben einzu- -lößen, aber alle diese Versuche werden mißlingen— das Rad vcr Zeit rollt darüber hinweg. Ein nächster Redner kritistrte und verurthcilte die neuesten Bestrebungen der Schuhmacher- Innung, den Arbeitern in allernächster Zeit Arbeitsbücher auf- zunöthigen. Hiergegen sei in öffentlichen Versammlungen energisch Front zu machen; es sei nur zu beklagen, daß die Gleichgültigkeit unter den Schuhmachern eine so große sei. 'Lürvcn sie in Massen dem Fachvcrein beitreten, so würde dieser im Stande sein, die Innung in ihre Schranken zu weisen. .)er Vorfitzende machte bekannt, daß nächstens eine öffentliche Versammlung stattfinden werde. Außerdem wurden zum Abon- ement auf das„Berliner Volksblatt" aufgefordert. Zum Schluß fand eine Sammlung für die streikenden Kollegen in Gießen statt. Der Luisenstädt. Arbeiter-Bezirksverein„Vorwärts" hält heute Abend 8'/, Uhr eine Vereinsfitzung in Konrath's Salon(Wasserthorstr. 68) ab. Tagesordnung: 1) Bericht des Vorstands, 2) Vortrag des Herrn Stadtv. Singer, 3) Dis- kussion, Verschiedenes und Fragekasten. Das Vortrags-Thema wird in der Versammlung bekannt gegeben werden. Rege Be- theiligung erwünscht. Der größte Hammer, welcher auf der Krupp'schen f abrik zu Essen in Thätigkeit ist, hat ein Gewicht von 1000 entnern, während ein zweiter ein Gewicht von 400 Zentnern hat. Es soll jetzt beabsichtigt werden, einen neuen Hammer zu errichten, welcher ein Gewicht von 10 000 Zentnern erhalten soll. Schon seit längerer Zeit ist man mit Bohren beschäftigt, um für Aufstellung dieses Riesenhammcrs durchaus festen Boden zu erhalten. Wenn der jetzige größte Hammer thätig ist, fangen die Häuser in der näheren Umgebung an zu beben. Ein Hammer von 10000 Zentnern ist für die jetzige Saure- gurkenzeit gar keine üble Erfindung. Unfreiwillige Zollkomik. Aus Aldendorf bei Schörn- berg an der böhmisch-schlefischen Grenze wird eine sonderbare Zollgeschichte gemeldet, die von der Rigorosität Zeugniß ab- legt, mit der neuerdings nicht selten von den Grenzbeamten verfahren wird. Beim Hüten waren vier Kühe und zwei Ziegen eines Adersbacher Bauern auf ein Waldgrundstück auf preußi- schem Gebiete übergetreten. Zwei preußische Grenzaufscher be- merkten das und trieben das Vieh als Eontrebande nach Alben- darf, weil Rindvieh wegen der Rinderpest nicht ohne besondere Genehmigung der Oberzollbehördc eingeführt werden darf! Dem Besitzer find daraus über 160 Mark Kosten erwachsen. So etwas kann natürlich nur pasfiren, wenn gehörntes Vieh ohne Aufsicht in der Welt herumläuft. Cin Strike in der römischen Kaiserzeit. Wir sind gewohnt— den sogenannten Strike für eine durchaus moderne Erfindung zu halten. Weit gefehlt. Ein archäologischer Fund in Griechenland hat soeben das Gegcntheil bewiesen. Eine römische Inschrift aus der Kaiserzeit ist gefunden worden, welche einen Erlaß der Behörde gegen einen Strike der— Bäcker enthält. Die Obrigkeit wendet sich an die Strikenden, appellir an ihre Weisheit, verspricht den Nachgebenden Verzeihung und bedroht die Ruhestörer, welche ihre Arbeit niedergelegt, sich steckt und geheime Gesellschaften gebildet haben. ver- Neueste UutKrieKteu. Bern, 1. Juli. Der Bundcsrath hat umfassende Maß- regeln gegen die Einschleppung der Cholera an den südlichen Grenzen angeordnet. Antwerpen, 30. Juni. Bei der hier abgehaltenen Ver- sammlung behufs Aufstellung von Kandidaten für die in Ant- werpen vorzunehmende Wahl von Senatoren erklärte der Minister des Innern, Jacobs, daß die Regierung einen Korn- zoll nicht beantragen werde. Das Programm des Kabinets werde die Schulreform, die Wahlreform, sowie die Frage der kommunalen und die der provinziellen Freiheit umfassen. Madrid, 30. Juni. Der Senat votirte heute einstimmig eine von Rivera(Republikaner) beantragte Motion, in welcher erklärt wird, der Senat habe mit Bedauern von dem Artikel der New-Aorker Zeitung„World"' worin mitgethcilt wird, die spanische Regierung wolle Kuba verkaufen, Kenntniß genommen. Der Senat protesttre gegen jedes Projekt einer Trennung Ku- bas von Spanien und bewillige alle Opfer, um Kuba zu er- halten. London, 30. Juni. Die Jury hat Bradlaugh in allen Punkten der Anklage für schuldig erkannt. Ch'nstiania. 30. Juni. Das S torthing hat sich heute mit 84 gegen 25 Stimmen für die Theilnahme der Staatsräthe an den Verhandlungen des Storthings ausgesprochen. Briefkasten äer Keäaktion. Diejenigen Freunde unserer Zeitung, welche neue Abon- ncnten für dieselbe gesammelt haben, werden dringend gebeten, die qu. Listen ungesäumt der Expedition„Zimmerstraße 44" zuzustellen. Theater. Mittwoch, den 2. Juli. Die Königl. Theater sind der Ferien wegen geschlossen. Deutsches Theater: Geschlossen. »true» Friedrich- Wilhelmst. Theater: Boccaccio. Wallner- Theater: Hotel Blancmignon. Ostend-Theater: Der Bettelstudent von Berlin. 'Selle-Alltance-Theater: Die Goldprobe. Valhalla- Operetten- Theater: Nanon. Zniseuftädtisches Theater: 62. Opern- Vorstellung.„L a Traviata", oder:„Die Dame mit Rcmimm". Oper in 4 Akten von F.�M< Piave. Musik von Verdi. Georg Germ�m: Herr Herrmann Reich als Gast. Seutral-Theater: Los und Ledig. f. d. Wen Snliiis. Billetts zu ermäßigten Preisen für Badeanstalt Aauerbach, Panoptikum u. Aquarium find bei Meyer, Gr. Frankfutter- traße 61 zu haben.[3N5 Der Vorstand Arb.-Bz.-V. Lausitzer Platz Mittwoch, 2. Juli, Abends 8 Uhr bei Wohlhaupt, Vcar «euffelstraße 9, Versammlung. II Verschiedenes. Tagesordnung: i. V ottrag [360 8. Schmidt, Zeitungsspediteur, Manteuffelstr. 80 a. d. Oranicnstr., empfiehlt sich zur pünktlichen Besorgung des Verl. Volksblatt und der Neuen Welt.[361 Im Verlage von I. H. W. Dietz in Stuttgatt erschien und ist in der Expedition des„Berliner Volksblatt", Zimmerstr. 44. zu haben: Die Sozialdemokratie vor dem �kutschen Nrichstagk. Erste Lesung des Sozialistengesehe« nach dem amtlichen Stenogramm. Heft I. Sitzung am 20. März „0, ,,„ 21.„ } ä Heft 25 Pf. Große Silber-Lotterie desDeutschenKriegerbundes. Ziehung in Berlin am 16. dieses Monats. Hauptgewinne: Mk. 10 000, 5000, 3000, 2 ä 1000:c. K., zusammen Gewinne im W. v. lOO OOO Mnrk. Loose 3, 1 Mcirk zu haben bei dem Gcneral-Debit von Berlin w., Friedrichstraße 180, sowie bei den Haupt-Agenturen: M. Frankel, c., Roßstr. 7, S. I. Bäsch, c. Molkenmarkt 14, Cäsar Borchardt, SW., Leip- zigerstraße 48, Borchardt Gebr. w. Friedrichstr. 61 und c. Königstr. UCroner& Co., W.jpafiage,� Laden 8, B. Fischer, ""iosenthali CT Königstr. 44, E. Forck. nw. Dorotheenstr. 71, M. Frankel jn, c. Neue Friedrichstr. 79, W. Gerstmann, c. Rosenthaler- straße 31, G. Lanagaard, Friedrichstr. 160, D. Lewin, c. Spandauerbrücke 16, E. L. Mendelssohn, e. Rosenthalerftr. 17, Em. Meyer, C. Stralauerstr. 44, I. Rosenberg, SW. Kommandantenstr. 63—64, Fritz Ruppin, SW. Belle-Allianceplatz 10a, Richard Schröder, w. Markgrafenstr. 46, R. Schumacher, c. Königstr. 14a, C Streese, o Andreasstt. 59, 91. Strube, c. Aleranderstt. 36, A. Thormeyer, Königgrätzerstr. 129, Julius Werner jr., Louisenstr. 25 und in den durch Plakate kennt- lichcn Handlungen._[305_ ,,,,= 1 Die von MAX BABING Beuthstrasse 2 empfiehlt sich[3 zur Anfertig-ung1 sämmtllelier Druck arbeiten, in geschmackvoller Ausführung zu soliden Preisen. �IBifSlfBJfSifaJfBlfBJfiÜfBJfgJfEJlBlfBJ� Süß tik Die Nr. 6 der humoristischen Blätter„Der wahre Jacob,, ist erschienrn und in der Expedition des„Berliner Volksblatt" zu haben. Cigarrem-Enmpor« Gustav Wendt Berlin S„ OruiiieiiHtmwwe OO, Berlin 8. zwiacben Morltzplate und KommandantenstraHse. von KöingWWcs Kasino, Restaurant nnd Garten, Holzmarlt st ratze Nr. 72, empfiehlt den geehrten Vereinen seine «r Festsätc nebst großem Sommer-Garten zur Abhaltung Festlichkeiten unter soliden Bedingungen. Zugleich stehen 4 Vereinszimmer dem geehrten Publikum zur Verfügung.— 2 Kegelbahnen, 3 frz. Billards. Gute Küche. Bötzow. Patzenhofer und Nürnberger Bier vom Faß, bei täglich freiem Kunst- H. M-»---. g iooooooooooooooooo Abg. v. Kammg., Tibet, Tricot, Tuch u. Wolle kaust und holt ab F. Ouedeno, Wiencrstr. Nr. 40.[291 Das große Geschäft von Sielmann& Rosenberg', Kommandanten- U. lindenstrassen-Ecke verkaust bei streng reeller Bedienung zu Ivlrkllch billlgon m Moderne FrühJahrs-IKleiderstolfe=3_ Meter 30, 40, 50 und 60 Pf., kosten in jedem anderen Geschäft bedeutend mehr. Berliner Einghan, waschechter'Stoff zu Hauskleidern, Meter 30 und 40 Pf. Eine große Auswahl glatter Kleiderstoffe, in allen hübschen Farben, Meter 50 und 60 Pf.! Eine große Auswahl klein karrirter Kleiderstoffe, Meter 45, 50 und 60 Pf. Eine große Auswahl moderner groß karrirtcr Kleiderstoffe, Meter 45, 50 und 60 Pf. Schwarze Cachemirs 2 Ellen breit Meter Mk. 1,20 und 1,50, Schwarze rein wollene ganz schwere Double-Cachemirs, Meter M. 1,80, 2, 2,25, 2,50 und 3. Leinen-, öaumuwllMMn, Möbelstoffe, Teppiche und Gardinen, Shittings, Chiffons, Dimitis und PiquöS, Meter 30, 40 und 50 Pf.,'/« breite schwere Dowlas, Meter 30 und 40 Pf., allerbeste Qualität 45 Pf.,% breit Elsaffer Hemdentuch für Damen-Wäsche, Meter 35 und 45 Pf., leinen Stuben-Handtücher, Dutzd. 1% und 1*/» Thlr., schwere Elsaffer Bettzeuge, Meter 35 und 45 Pf., glattrosa leinen Inlett, Meter 60, 70 und 75 Pf.,•/« breiten leinen Bett-Drillich, Meter 75, 90 Pf. und 1 Mark. Engl. Zwirn-Gardinen, Meter 40, 50 und 60 Pf. Englische Tüll-Gardinen, Meter 75 und 90 Pf. Abgepaßte Tüll-Gardinen, das Fenster 6 und 7,50 Mk., Wetth das Fünffache. Einzelne Reste zu 2 und 3 Fenster paffend, das ganze Fenster 2,25, 2,50 und 3 Mk. Möbel-Ripse in allen Farben, Meter Mk. 1 und 1,50. Eine grosse Auswahl Waschkleider(Cattun- u. Zephirkleider) 12, 15, 20«. 25 m Schwarze Costumes ©üftliaiCÖ aus gute« wollenen Modestossen, neueste Mode, sauber und fest gearbeitet 15, 20, 25«. 27 Mk. In größter Auswahl Schwarze Dollmans Regenmäntel lmans, schwarze Umhänge, elegl ellerineu-Räntel' anschließende Paletots, nur aus haltbaren reellen guten Stoffen gearbeitet, e Stuck 12 Mk.. 15 und 18 Mk. elegant mit echter Spitze garnirnt. 10. 12, 15, 20«. 25 Mk. Schwarze anschließ. Jaquets. elegant garnirt, 10. 12 u. 15 Mk. Verantwottlicher Redacleur I. F. Guttzeit in Schöneberg-Berlm. Druck und Verlag von Max Badtug in Berlin SW., Beuchstraße 2. Hierzu eine Beilage Beilage mm Gerliner Dolhliiatt Nr. 75. Mittwoch, teil 2. Juli 1884. 1. Jahrgang. Bit Trunksucht . ES ist vor einigen Tagen an das„Volksblatt" die Frage gerichtet worden, ob" die Trunksucht heilbar sei oder nicht. Folgendes soll nun in allgemeinen Umrissen das enthalten, was die heutige Wissenschaft über die Entstehung der Trunksucht, weiß über die Schäden, die sie anrichtet und die Mittel zur Abhülfe. Vor Allem müssen wir die Frage auswerfen, wodurch entsteht denn der Konsum des Alkohols, der ja heutzutage so gewaltige Dimensionen angenommen hat? Dies beruht einer- seits auf der belebenden und anregenden Einwirkung desselben auf unsere Sinne, die den Menschen zu Heiterkeit und Selbst- vertrauen veranlaßt. Doch dieser Grund trifft nur in den we- nigsten Fällen zu. Gcnußmittel ist der Alkohol nur bei den wohlhabenderen Klassen der Bevölkerung in der Form des Liqucurs, der schweren Weine ic. Und wenn bei diesen der Konsum kein so großer ist als bei den Armen, so liegt dies keineswegs darin, daß elftere sich der schädlichen Wirkungen größerer Quantitäten besser bewußt find. Nein, der Grund ist einfach der, daß sie den Schnaps nicht nöth ig haben, wie es bei dem Arbeiter der Fall ist. Das geht so zu. Der Schnaps beföidert nämlich auch die Verdauung, indein er die Magen- drüsen reizt, so daß sie den Magensast reichlicher fließen lassen. Wenn nun der Arbeiter sein Mittagbrod zu sich genommen, so hat er oft nicht Zeit wie der Wohlhabende während eines Mittagschläfchens den Prozeß der Verdauung ungestört vor sich gehen zu lassen, er muß vielmehr häufig gleich wieder an die Arbeit. Die sofortige Arbeit ist aber ferner Verdauung durch- aus nicht zuträglich, er sieht sich daher genöthigt dieselbe durch einen Schnaps zu unterstützen. Wenn dies aber längere Zeit fortgesetzt wird, so gewöhnt sich der Magen schließlich so daran, daß er überhaupt nur noch durch den Genuß von Schnaps veranlaßt wird, den Ver- dauungsprozeß vorzunehmen. Dieses Uebel steigert sich mit der Zeit dermaßen, daß der Magen überhaupt keine festen Speisen mehr verdauen kann, wenn nicht reichlich Schnaps hinzuge- nommen wird. Ist es nun zu verwundern, wenn der Arbeiter statt sich der Speisen zu bedienen, die ihm unverdaut nur den Magen beschweren, lieber gleich zur Schnapsflasche greift? Ja weiter, häufig hat er gar reine Zeit nach Hause zu gehen, well der Ort seiner Arbeit zu entlegen ist, es fehlt ihm aber an Geld im Gasthause zu essen, wozu nimmt er seine Zuflucht? natürlich zum billigen! Schnaps! So kommt es, daß der ScbnapS zu einem Nahrungsmittel, ja häufig zum einzigen Nahrungsmittel des Arbeiters wird, ohne eigentlich ein Nah- rungsmittel zu sein, d. h. ohne dem Körper überhaupt Nähr- stoyc zuzuführen. Daß dies aber möglich ist, hängt mit einer werteren Eigenschaft des Schnapses zusammen. Bei angestrengter Arbeit werden durch die erhöhte Athmung und den vermehrten Schweiß die im Körper angesammelten Nahrungsstoffc, die als Fett in demselben lagern, schneller verbraucht; wird nun keine Nahrung als Ersatz zrigesührt, so werden statt des Fettes die Muskeln angegriffen, es tritt Erschlapung und Hunger ein. Hier hat nun wieder der Schnaps, die in einzelnen Fällen wohl nützliche, im Allgemeinen aber schädliche Wirkung, daß er Ermüdung und.Hunger überwindet und uns zu ungewöhn- lichcn Leistungen besähigt. In einem einzelnen Falle, wo eine große Anstrengung auch durchaus nothwendig ist, z. B. im Kriege ein langer Marsch, auf den man sich nachher auch lange ausruhen kann, da verrichtet der Schnaps vorzügliche /Dienste. Wenn der Schnapsgenuß aber zur Gewohnheit wird, dann treten die schädlichsten Folgen ein. Daß«her der Schnaps den Hunger überwindet, das liegt nicht daran, daß er dem Korper neuen Nahrungsstoff zuführt, sondern daran, daß er ihn hindert, nach Verbrauch des angesammelten Fettes, nun die Muskeln anzugreifen, kurz, daß er den Stoffwechsel verlang- samt. Der Schnaps dient also nicht als N a h r u n g s m i t t e l, wohl aber als S p a r m i t t e l. So kommt es, daß mancher Arheitcr tagelang von weiter nichts als Schnaps leben kann, indem dieser den Verbrauch seiner Muskeln eine Zeitlang auf- IenMeton. 71 Drei Gesellen. Eine ernste Erzählung von Ernst PaSguN (Fortsetzung.) Versuchen Sie es! lachte Agapita trotzig auf. Auvent schwankte; seine Drohung konnte er erfüllen, doch ob sie das gewünschte Resultat herbeigeführt hätte, war zweifelhast. Dummes Zeug! murmelte er. Was Gewalt? Gutwillig werden Sie mir das verfluchte Papier geben, denn ich will es — einlösen, Ihnen jetzt schon die Summe, auf die es lautet, auszahlen. . Daß ich eine Närrin wäre, Ihnen darauf hin den Wechsel, art�0 8ut raie baares Geld ist, auszuliefern! �der Agapita, sagte nun Auvent, und schon wurde seine Strmine bittender, sei doch vernünftig! Ich will Dir einen anderen Wechsel ausstellen, wenn Du mein baares Geld nicht haben willst, nur gieb mir das Papier wieder— ich bitte Dich! Agapita stutzte. Mit dem Papier mußte es eine eigene Bewandtmß haben, daß der Mann es in solcher Weise zurück verlangte. Und haben Sie das Geld, 50000 Francs bei sich? Das Geld?— Netn, antwortete Auvent etwas verwirrt. Sehen Sie nun, daß Sie mich betrügen wollen! Damit Du siehst, Agapita daß ich es ehrlich meine, so will ich Dir einen neuen Wechsel schreiben und die Summe vergrößern. Ich setze— 60000 Francs. Glaubst Du mir nun? Gut, dann schreiben Sie. , Und Auvent fetzte sich an das kleine elegante Bureau und begann mit zitternden Fingern emenWechsel auf 60 000 Francs äu schreiben. Agapita stand hinter ihm und schaute nicht wenig ercegt dem Schreibenden zu. Plötzlich schrie sie mit gellendem Tone: v Nun weiß ich. daß Sie ein Bcttüger sind! Der Wechsel, den S,e da schreiben, ist falsch! Das ist nicht Ihre Handschrift. Sie verstellen Ihre Schrift. O, ich kenne Ihre Handschrift genau, denn wohl hundertmal habe ich seit gestern das kost- bare S0000-Francs-Billct angesehen, gelesen und geküßt. Auvent saß da, den Kopf auf die schitler athmendc Brust gesenkt— vernichtet. Endlich erhob er sich; er mußte fort und der Sache ein Ende machen. Höre, Agapita, sprach er nun, versuchend, seine Rede so ruhig als möglich zu halten, ich gehe, um das Geld, die 50000 — meinetwegen die 60 000 Francs bei meinem Banquier zu holen. Doch zuvor muß ich nach Auteuil. Also gedulde Dich, sollte ich auch spät erst heimkehren. Aber ich komme und sei es in der Nacht, und das Geld bringe ich mit, um den Wech- hält; doch daß dies dem menschlichen Körper nicht �gesund sein kann, ist wohl klar, da ja geiade ein schneller Sloffwewsel der Gesundheit am zuträglichsten ist. Freilich einen einmaligen Schnapsgenuß auch im Ucbcrmaß gleicht der Körper schnell wie- der aus, wenn er aber zur Gewohnheit wird, so hat er, wie jedermann weiß, die schlimmsten Folgen. Da diese nun sehr bekannt sind, so brauchen sie hier nur in wenigen Worten charalterifiri zu werden. Der Alkohol, den man zu sich nimmt, geht augenblicklich in das Blut über und bringt dasselbe in schnelleren Fluß, Herzschlag und Athcm werden beschleunigt; dort, wo das meiste Blut angesammelt ist— in Kopf und Le- ber— hat er natürlich die größten Wirkungen, daher der Schwindel im Kopf ic. Auf jede größere Erregung folgt aber eine um so größere Ermattung. Auf einen beflügelten Athem ein immer längsamerer, ja, bei zu großer Unmäßigleit ein völli- ger Stillstand. Kurz, der Schnaps beschleunigt nicht den Lauf der Körpersäftc, im Gegentheil, er verlangsamt ihn. Bei immer erneutem Schnapsgenusse stellen sich dann noch schlimmere Folgen ein; die Verdauung wird total gestört, es ssnden Fcttablagerungcn unter der Haut statt, daher das auf- gedunsene Aussehen der Trinker; ebenso um Herz und Lungen. Ferner treten schwere Erkrankungen von Leber und Nieren ein. Welche Einwirkungen schließlich der Schnaps auf das Gehirn ausübt, das weiß jeder, der einen Gewohnheitstrinker im Säu- ferwahnstnn, im delirium tremens gesehen hat. Natürlich wird die Frage aufgeworfen: giebt es denn kein Mittel gegen die Trunksucht? Hier handelt es sich aber um zweierlei: einmal einen Trunksüchtigen wiederherzustellen, andererseits überhaupt zu verhindern, daß sich so viele Menschen der Trunksucht erge- ben. Was die Wiederherstellung anbcttifft, so kann dieses der Arzt allein nicht herbeiführen. Was der Arzt thun kann ist dies: Er kann die üblen Folgen des Alkohol mildem, die Schä- den, die er im Körper angerichtet, einigermaßen ausgleichen. So kann er eine leichte Nieren- oder Lebererkrankung wohl heben, jedoch in jedem Falle den Kranken wieder herzustellen, das vermag er nicht. Ueberhaupt, da es ja eine längere Zeit währt, bis der Körper durch den Schnapsgenuß völlig zerrüttet ist, wird naturgemäß auch die Heilung nicht im Augenblick von Statten gehen. Mehr noch als Medizin(zu warnen ist hier na- mentlich vor den in den Zeitungen ausgeschrieenen Quacksalbe- reien) nützt eine geregelte Lebensweise. Um den Kranken vom Schnaps zu entwöhnen, ist vor allem nöthig, daß man ihm denselben ersetzt- Oben wurde darauf hingewiesen, daß durch den Schnapsgenuß dem Arbeiter der Magen dermaßen ruinirt wird, daß er feste Speisen nicht mehr ohne ihn verdauen kann. Derselbe kann also nie vom Schnapse lassen, wenn man ihm seine Verdauung nicht zurückgiebt. Um diese allmälig tviederzuerlan- gen, muß er anfangs nur ganz leicht verdauliche Nahrungs- mittel zu sich nehmen, das find die flüssigen, wie: Bouillon mit Ei, Kaffee, Milch mit Weißbrot; ferner leichte Gemüse, wie: Mohrrüben, Kohlrabi ic., später möge erst Fleisch folgen. Der schwerer verdaulichen Hülsenfrüchte sowie des Schwarz- brodcs enthalte er sich noch am Anfange. Zu allen Speisen aber, die er ißt, nehme er tüchtig Pfeffer und Salz, um sie so- wohl schmackhaft als auch leichter verdaulich zu machen; die Gewürze vertreten also hierin den Schnaps. Um ferner auch einen Ersatz für die belebende Wirkung des Schnapses zu haben, trinke er morgens womöglich zweimal Kaffee, aber kein Cichoricnwasscr, ebenso auch gleich nach dem Mittagessen; denn der Kaffee regt ebenfalls die Nerven an, was namentlich nach dem Mittagbrod sehr dienlich ist. Vor Allem aber muß der Kranke das essen, was ihm am besten schmeckt, wenn es nicht schwer verdaulich ist, d. h. ihm nach dem Genüsse nicht den Magen beschwert. Ist derselbe vcrheirathet, so wird ja seine Frau seine Lieblingsgerichte kennen, diese möge sie ihm mög- liebst schmackhaft bereitet vorsetzen. Sobald derselbe auf diese Weise langsam zum Essen zurückgeführt worden, dann wird er auch das Trinken aufgeben. Jetzt kommen wir zu den Mitteln, das Umsichgreifen der Trunksucht überhaupt zu verhüten. Hierfür ist gerade die am sel einzulösen.— Versprichst Du mir zu warten und das Papier bereitzuhalten? Agapita, durchaus nicht bösartig von Herzen, begann Mit- leid mit dem Manne zu haben, dessen Aufregung ihr umso furchtbarer erschien, je ivenigcr sie dieselbe zu begreifen, zu ent- räthscln vermochte. Einen Augenblick überlegte sie, wie sie das Papier wieder in ihre Hände zu bringen vermöge; damit schein- bar im Klaren, antwortete sie in beruhigender Weise: Ich verspreche es Ihnen, Herr von Auvent. Gut, Agapita, ich verlasse mich auf Dein Wort. Heute Abend stehst Du mich wieder, dann bringe ich Dir das Geld. Leb' wohl! Und rasch wendete er den Kopf und schritt auf den Aus- aang des Salons zu, um sich so schnell als möglich hinaus nach Auteull zu begeben. Madame Saint-Victor saß schon an ihrem Schreibtisch. In kleine Stücke zerriß sie den angefangenen Wechsel, die sie dann verächtlich beiseite warf. Hierauf schrieb sie hastig fol- gende Zeilen an Remy: „Mein Freund! Thue keine Schritte, um den Wechsel zu Gelde zu machen, sondern komme augenblicklich mit dem Papier zu mir. Hier wirst Du das Geld sofort empfangen. Deine Dich sehnlichst erwartende Agapita." Auf ihr Schellen trat die Kammerfrau ein. Das Billetchcn hier ist an Herrn Remy gerichtet. Es muß unter allen Umständen noch heute Nachmittag in seine Hände gelangen. Hier seine Adresse. Er muß das Billet er- halten und durch Sie. Ich rechne darauf. Seien Sie unbesorgt Madame, entgegnete die Zofe dienst- fertig._ Ich werde ihn zu finden wissen.— Dann eilte sie aus dem Zimmer. Madame Saint-Victor warf sich wieder in ihren blauseidencn schwellenden Divan, über den sonderbaren Auf- tritt, das ihr unerklärliche Verlangen Auvcnt's nach dem Papier nachdenkend. Wenige Augenblicke, nachdem die Zofe das Hotel verlassen, um die nicht allzu cniftrnt liegende Rue de Martyrs aufzu- suchen, fuhr Herr von Auvent aus dem Hotel und nach Auteuil, um dort zu erfahren, daß Madame Laurent und Madcmoiselle Helene bereits in vergangener Nacht die Villa verlassen und bis jetzt noch gar nicht hermgekehrt waren. Nach allen Richtungen flogen die Mägde, Kutscher und Bedienten, die Verschwundenen zu suchen. Doch was auch geschah, wie sehr man sich auch anstrengte, es war Alles ver- acbens, keine Spur der Vermißten konnte aufgefunden werden. Bis zum späten Abend blieb Auvent in Auteuil, immer noch auf eine Nachricht über die so spurlos Verschwundenen hoffend; doch als alle Nachforschungen ohne irgend ein glaubwürdiges Ergcbniß blieben, da befahl er die Heimfahrt. In den Kissen seines Wagens saß der reiche Mann, zu- sammengekauert und fast zähneklappernd, verwirrt, betäubt und nicht mehr Herr eines klaren Gedankens. Er war vollständig Anfang dargelegte Entstehungswcise der Trunksucht von Wich- tigkeit. Denn wenn man diese kennt, so ist doch sonnenklar, daß das einzige Mittel gegen jenes Laster darin besteht, ihm die Lebensbedingungen zu entziehen. Das ist sicher, daß Moralpredigten und Mäßigkeitsvereine am allerwenigsten am Platze sind; diese find weit zutreffender bei der wohlhabenden Bevölkerung, die ohne jede Nothwcndigkeit zu berauschenden Getränken greift. Ja, oft hat man es schon erlebt, daß nach Verlust des Vermögens an Stelle des Champagnerrausches der Schnapsrausch trat. Man sprach dann von„Verzweiflung", doch mit Unrecht; der ehemalige Reiche mußte vielmehr am eigenen Leibe die Erfahrung machen, daß der Schnaps für dm Armen geradezu ein nothwendigcs Uebel geworden ist. Die einzig wirksamen Mittel gegen die Trunksucht beruhen darauf, daß man den Schnaps überflüssig macht, indem man dem Arbeiter eine längere Frühstücks- und Mittagspause ge- währt, damit die Verdauung, dieser wichtigste Prozeß, unge- stört vor sich gehe; auch biete man ihm in öffentlichen, leicht zu erreichenden Speisehäuscm eine billige, schmackhafte Nah- rung. Schließlich suche man den Schnaps durch andere, ge- sündcre Getränke zu ersetzen. Es ist eine ausgemachte That- fache, daß in Gegenden, wo der Weinbau florirt, der Schnaps- tonsum viel gennger ist, der Schnaps wird dort durch den leichten Landwein verdrängt. Ebenso ist das Bier der gefähr- lichste Gegner des Schnapses. Daher muß man danach streben, den Preis des Bieres, dieses weit gesünderen Getränkes, mög- lichst herabzusetzen. Jede Biersteuer, das hat man in England gesehen, treibt Tausende dem Schnapse in die Arme- Daher hat auch, als die deutsche Regierung dem Beispiel der anderen nachfolgen wollte, mit Recht sich dte Volksvertretung mit aller Energie gegen jede Biersteuer erklärt, und sich hierdurch den Dank der ganzen arbeitenden Bevölkerung erworben. A. K. Wir kommen auf diesen uns eingesandten Artikel in einer der nächsten Nummern noch ausführlich zurück. D. R. CommunAtes. Stadtverordneten- Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom 30. Juni. Vorsteher Dr. Straßmann eröffnet die Sitzung um B'A Uhr. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Berichte des Pe- titions-Äusschusscs. Stadtv. T u tz a u e r referirt über die Petition des Kaufmanns Lauster und Genossen, betreffend die Her- stcllung eines geräuschlosen Pflasters in der Kommandanten- straße und empfiehlt die Petition dem Magistrat zur Berück- sichtigung zu überweisen. Stadtv. Diersch bekämpft die Petition, da die Versammlung erst am 31. Januar d. I. gleich- falls auf eine Petition von Anwohnern der Kommandanten- straße die Pflasterung mit Steinen beschlossen hat. Auf drin- gende Befürwortung seitens der Stadv. Schlesier und Solan gelangt der Antrag des Petitions-Ausschusses zur Annahme.— Auch eine Petition des Präsidenten des Reicks- Eisenbahnamtes um Asphaltirung der Linkstraße wird ohne Debatte dem Magi- strat zur Berücksichtigung überwiesen. Es folgt die bekannte Antwort des Magistrats auf die Anfrage des Stadtv. Dr. Stryck, in welchem Stadium sich die Erledigung der sogenannten Stryck'schen Anträge(Re- form der städtischen Steuern sc.) befindet.— Stadtv. Dr. Stryck verweist darauf, daß er mit anderen Stadtverordneten im Januar 1880 den Antrag eingebracht. haben in gemischter Deputation, eine Reihe von Finanzfragen zu verhandeln. Die gemischte Deputation habe in einer Reihe von Sitzungen das Material gesammelt und gesichtet und die Antwort des Magi- sttats, wonach er seinerseits die Gutachten der Magistrats- kommissare der gemischten Deputation unterbreiten werde, er- ledige seine Anfrage. Er bittet aber den Magistrat, die Vota allen Mitgliedern der Versammlung zuzustellen. Die Lösung deraroßen Frage sei jetzt sehr passend, da ein Ueberschuß von 2 Millionen vorhanden ist, der wohl verwendet werden kann, unfähig, irgend einen Entschluß zu fassen, nur einen Weg zu suchen, auf dem er Rettung erhoffen durfte. Er fühlte sich ge- fangen in einem Netz, dessen Maschen jedem, und wenn auch verzwciflungsvollen Versuch, sie zu zerreißen, spotteten. Wie er sich auch anstrengte, geberdcte, cs gelang nicht. Im Gegen- theil, immer enger zogen sie sich um rhn zusammen und drohten ihn zu ersticken._ Drittes Kapitel. Licht! Gedankenvoll war Harlcy-Elsen nach seiner Unterredung mit dem alten wiedergefundenen Freunde die Rue Mogador hinab und dem Boulevard zugegangen. Er konnte sich nicht verhehlen, daß van Owens Gebahren während dieser kurzen Szene ein auffallendes gewesen, und allerlei sonderbare Gedanken tauchten wie aus tiefen dunklen Gründen in ihm auf. Doch er bannte, verscheuchte sie sofort mit Unwillen, ja mit Zorn und versuchte die Aufgeregtheit des Andern nur dem so unverhofft erfolgten Wiedersehen zuzu- schreiben. Er wollte— mußte an den Freund glauben, denn nur von ihm allein und seiner Hilfe konnte er Lestciung von der Schande erwarten, die auf seinem Namen lastete und die ihm das Dasein fast unerträglich machte. Reich oder zum wenigsten sehr wohlhabend muß van Owen sein, so sagte er sich, denn die Wohnung, die Ausstat- tung des Salons und die Bedienten in Livree, Alles dies war, wenn sein Blick es auch nur gestreift, in seiner Erinnerung haften geblieben und jetzt mußte er daran denken. Nun er wird in Paris sein Glück gemacht haben wie An- dere, wie ich es in Australien gemacht! Damit schloß er endlich ferne Gedankenkette über den alten Freund und vermochte nunmehr erst, sich mit den Andeutungen zu beschäftigen, welche van Owen ihm über den muthmaßlichen Urheber des Verbrechens gegeben. Leo Ollenheim soll der Dieb gewesen sein und die That entweder allein oder mit Grein und mit Hilfe eines zweiten Excmplares des Kassenschlüssels ausgeführt haben?! Es wäre entsetzlich, wenn es sich also verhielte, und er, Harlcy-Elsen, all sein Weh und Leid diesen beiden Menschen verdanken, an denen sich zu rächen eine Unmöglichkeit war, da der Eine längst todt, der Andere geisteskrank, also so gut wie gestorben war. Er sträubte sich gegen diesen Gedanken, und doch mußte er rhn als den einzigen annehmen, der das Räthsel des Dieb- stahls zu lösen vermochte. Jemchr er darüber nachdachte, je wahrscheinlicher kam es ihm vor. Die Existenz eines zweiten Exemplars des Schlüssels hatte vqn Owen fest behauptet. Leo, als der Sohn des Hauses, �konnte ssich denselben verschafft, seinem Helfershelfer Grein eingehändigt, Letzterer um seine, Elsen's, Flucht gewußt, und sich auch wohl gedacht haben, daß der Kassirer den anderen Schlüssel, den zu dem Hauptschlosse um die Ucbelstände der Micthsstcuer abzuschwächen. Nach welcher Äulrung hin dies möglich sei, erscheine trotz des bis jetzt vor- lk-".»den reichen Materials noch nicht spruchreif.— Oberdüraer- me,, er v. Forckenbeck: Er beabsichtige, die gemischte De- pula ron sofort nach Beendigung der Sommcrferien zu berufen und möchte dieser Deputation überlasien sehen, darüber zu be- schließen, welche Vota sie veröffentlichen wolle. Dieses Ver- fahi' n würde auch der städtischen Verfassung am besten ent- � Stadtv. Dr. Jrmer dankt den Stadtv. Dr. Stryck und i'cme für die gegebene Anregung und meint, daß er und seine Freunde eine solche Interpellation nicht gestellt haben, weil sie mit anderen Interpellationen keine Berücksichtigung gefunden habe, was wohl daran liege, daß seine Freunde nicht das ge- u'igmde Verständniß haben, solche Interpellationen auszuwäh- len, welche zur Beantwortung dem Magistrat angenehm find lönterleit). Die Uebcrschüsse dieses Jahres würden zur Ab- stellung der Uebelstände der Miethssteuer nicht ausreichen, dazu bedi.rfe es vielmehr dauernder Einnahmequellen. Stadtv. Löwe wiederholt die Bitte, die Vota während ' er Ferien den Mitgliedern zuzustellen, denn nur so würde es möglich sein, die wichtige Frage vor der nächsten Etatsberathung zur Erledigung zu bringen. Stadtv. Dr. Stryck betont, daß die von ihm gemeinten lleberschüffe stabil find, und deshalb könne man ihnen gegen- über eine Mindereinnahme der Miethssteuer ertragen. Oderbürgermeisttr v. Forckenbeck erwidert dem Stadtv. ! Inner, daß nach seiner Wissenschaft eine Interpellation von jener Seite nicht unberücksichtigt geblieben ist und daß der Magistrat bei allen Interpellationen nur sachliche Rücksichten I kenne. Stadtv. W a l l i ch erinnert den Oberbürgermeister daran, daß bei der Angelegenheit der Uebernahme deä Eisenbahnsekre- tärs Schuster in den städtischen Dienst seine Partei die An- frage gestellt habe, nach welchen Grundsätzen derartige An- ciennetatsverhältnisse geregelt werden sollen. Darauf sei leine Anrwort erfolgt. Oberbürgermeister v. Forckenbeck erwidert, daß er diese Anfrage in geheimer Sitzung dahin beantwortet habe, daß alle | Be oldungsvcrhältnisse der städtischen Beamten durch den Nor- malbesoldungsetat durchaus geregelt find. Stadtv. Wallich erklärt sich mit dieser Art der Bcant- wortung einer Interpellation nicht befriedigt und der Vorsteher verweist schließlich den Stadtv. Wallich darauf, daß es nach der . öeichäftsordnuirg den Interpellanten freigestanden hätte, die Anfrage in jeder Sitzung zu wiederholen. Die Diskussion wird hierauf geschlossen und die Versamm- lung nimmt von der Antwort des Magistrats einfach Kenntniß. Eine längere Debatte erregt die' Vorlage, betreffend die Einführung elektrischer Beleuchtung im Rathhause. In der- selben beantragen die Stadtv. Schwalbe und S a m m eine»Abänderung des Projekts, daß der Stadtverordneten- I Sinungssaal Glühlicht statt Bogenlicht erhalte. Stadtv. G ö r ck i bemängelt die einzelnen Bestimmungen i des mit der Edison-Gcsellschafl abzuschließenden Vertrages und bestreitet dem Magistrat die Berechtigung, unter Ausschluß ! aller Konkurrenz grade dieser Gesellschaft wieder die Arbeit zu übertragen und beklagt schließlich lebhaft, daß unaufschiebbare Arbeiten so massenhaft noch in die letzte Sitzung der Ver- sammlung bugsirt werden, so daß die Versammlung ohne rechte Prüfung in den sauern Apfel beißen muß. Nach längeren Erwiderungen des Stadtbauraths Blanken- stein wird die Vorlage unverändert angenommen. Die bekannte Vorlage, wegen Errichtung einer Ladehalle am Humboldthafen beantragt Stadtv. Gerold abzulehnen, da er mit einer anonymen englischen Gesellschaft nicht gern was zu tbun haben möchte. Die Versammlung beschließt nach kurzer Debatte auf An- trag des Stadtv. H e i l m a n n die Vorlage einem Ausschüsse zur Vorberathung zu überweisen. Stadtv. Dr. Stryck referirt über die Vorlage, betreffend den Ankauf einer Parzelle des Grundstücks Neue Friedrichstraße 35 zu Markthallcnzwccken. Unter Ablehnung eines An- träges des Stadtv. Dopv, welcher den vom Ausschuß fest- gestellten Kaufpreis von 75 000 M. auf 60000 M. rcduziren wollte, wird die Vorlage nach den Anträgen des Ausschusses genehmigt. Es folgt der Antrag des Stadtv. Dr. Beller mann und Genossen, betreffend die Pflasterung und Entwässerung 1) der Prenzlauer Allee von der Saarbrückenerstraße bis zur Belforterstraße resp. Danzigcrstraße, 2) der Wörtherstraße von der Weißcnburgerstraße bis zur Prenzlauer Allee. Nach län- grrer Motivirung durch den Antragsteller aus den Bedürfnissen jenes Stadtthcils heraus und aus den Gesammtintercsscn der der Kasse, nicht mitnehmen, sondern etwa in dem Kassenzimmer hinterlegen werde. Diese Umstände waren dann benutzt worden, um die That noch in derselben Nacht auszuführen. Eine Durchsuchung des Kassenzimmers nach dem Schlüssel des Hauptschlosses der Kasse war erfolgt— das Oeffnen und Schließen des Pultes eine Leichtigkeit gewesen— und so war denn der Diebstahl vollbracht worden, der ihm, dem Entflöhe- neu, zur Last fallen mußte. Alles— Alles sprach gegen ihn, halte damals in furchtbar überzeugender Weise gegen ihn fr eckten müssen, so daß selbst sein Freund van Owen an das Verbrechen, als hinter seinem Rücken verübt, glauben konnte, und nichts weiter für ihn zu thun vermochte, als das Gericht auf eine andere, falsche Spur zu lenken. So war es. so ver- hielt es sich! Es konnte nicht anders geschehen sein, keine andere Möglichkeit gegeben haben, die That zu vollbringen— und jene Menschen hatten sie vollbracht! Mit diesen Gedanken beschäftigt, war Harley-Elsen immer weiter geschritten, ohne des Weges zu achten, den er wandelte; -u obigem Schlüsse gekommen, schaute er auf. Wo war er, in welchem Theile der Stadt befand er sich? Er wußte es an- fänglich nicht, und fragend blickte er umher. Nun erkannte er die Häuser und siehe da!— der Zufall, oder eine alte Ge- ' wohnhcit— hatte ihn in die Rue Aambuteau geführt, denn dort, nur wenige Schritte vor ihm, erblickte er das Haus, in dem der junge Mann gewohnt, der sich Gerhard Elsen nannte, in dem— die Frau des Mannes weilte, dem er sein zweifaches Elend verdankte. Obgleich er van Owen versprochen, allein keinerlei Schritte in der ihm so wichtigen Angelegenheit zu thun, so konnte Harlcy ' doch nicht über sich gewinnen, an dem Hause vorbeizugehen, ohne einzutreten. Es drängte ihn sogar unwiderstehlich zu der aü.en Frau, und schon im folgenden Augenblicke hatte er die Schwelle des Hauses überschritten.— Zufriedenere, glücklichere Menschen, als zur Zeit in FKedels kleiner Wohnung weilten, konnte es in ganz Paris jucht geben. Die Arbeit hatte den allerbesten Fortgang ge- .lvmmen, und schon war das Atelier zu klein geworden, und „ach einer Vergrößerung desselben, wie nach Vermehrung der Acheitskräfte mußte getrachtet werden. Annette hatte voll- ständig gehalten, was Friedet vorausgesetzt und von ihr erwartet: sie war eine tüchtige Hausfrau geworden. In ihrer tttinen Wirthschaft hantirte sie so emsig und vergnügt, daß Friedel seine kühnsten Wünsche erfüllt sah- Auch die alte Frau Grein hatte ihre reckte Freude an der französischen Schwiegertochter, und oft im Stillen meinte sie, daß Friedel in ganz C. keine Frau gefunden haben würde, die heiser zu ihm paffe. Alles so hübsch reinlich und sauber halte. ihren Mann und sie, die Mutter, so herzlich liebe, und dabei jrets und immer so lustig sei, wie die kleine Annette. Stunden- lang konnte die Alte schweigend dasitzen, während die Finger e-. flg die alten gewohnten Stricknadeln handhabten, dem Thun Verantwortlicher Redakteur I. F. Stadt, wird der Antrag auf Antrag des Stadtv. Langer- Hans durch Uebcrgang zur Tagesordnung erledigt. Schluß 83U Uhr. D o K a l e s. Da» Pferdestehlen ist eigentlich ein Geschäftsbetrieb, der hauptsächlich in den westlichen Staaten Nordamerikas betrieben wird. Von Kennern wird behauptet, daß der Pferdediebstahl nur von äußerst gewitzten Fachleuten ausgeführt werden kann, und daher kommt dann wohl auch die Redensart:„Das kommt gleich hinters Pferdestehlen." Trotz der Schwierigkeit ist es, wie uns berichtet wird, Ende voriger Woche einigen Liebhabern fremder Pferde gelungen, dem Gastwirth C. zu Malchow aus verschlossenem Stall einen hellbraunen Hengst, drei Jahre alt, dessen rechter Hinterfuß weiß gefesselt ist, zu entführen. Die noch nicht ermittelten Diebe haben sich mit dem Pferde in der Richtung nach Weißensee entfernt. a. Schwindel Zu der in der Krausnickstaßc wohnenden Wittwe A. kam am 26. d. Mts. der Schneider Schröder und dieser machte der anwesenden Tochter die Mitlhcilung, daß ihr Bruder, der in dem Konfektionsgeschäft der Gebr. Singer am Werder'schen Markt als Kommis ange- stellt war, im Geschäftslokal von einer Leiter gefallen wäre und sich dabei Rock und Hose zerrissen hätte. Da er in diesem Zu- stände nicht nach der Straße gehen könnte, so habe er ihn(den Schröder) beauftragt, einen anderen Rock und Hose von Haufe zu holen. Die Tochter der Frau A., welche den Sch. als Ar- beiter des genannten Geschäfts kannte, verabfolgte ohne Weite- res die geforderten Kleidungsstücke, einen dunkelblauen Gehrock und neue graue Hosen, dem Sch.. der sich damit entfernte. Wie später festgestellt wurde, ist A. weder verunglückt, noch hat er Jemanden zum Abholen der Kleider beaustragt. Sch. hat vielmehr die Kleidungsstücke unterschlagen und sich seitdem aus seiner bisherigen Wohnung entfernt. — B.N. Ein bedauerlicher Unglücksfall trug sich gestern Morgen an der Ecke der Pclristtaße und Fricdrichsgracht zu. Vor dem genannten Hause stand ein mit Weidenruthen hoch bcladener Wagen. Der Kohlenhändler K-, der an der Friedrichs- gracht wohnhaft ist, wollte sich eine dieser Ruthen aneignen und trat zu diesem Zweck auf die am Wagen befindliche sogen. Schrotleiter. Als er darauf an eine der Ruthen zog, stürzte K. zur Erde und die schwere Leiter fiel auf seinen Körper, wo- durch er einen Bruch des rechten Oberschenkel und eine be- deutende Kopswunde erlitt. Von einem zu Rathe gezogenen Arzt wurde die sofortige Ueberführung des Verunglückten nach dem Katholischen Krankenhause angeordnet. —N.B. Ueber eine zweite Schreckensscenc die sich eben- falls noch am Sonntag Abend in der 11. Stunde auf der Oberspree vor dem Restaurant Eierhaus abspielte wird uns von Augenzeugen berichtet. Um die angegebene Zeit belustigte sich eine aus den Eltern und zwei kleinen Mädchen im Älter von 8 und 10 Jahren bestehende Berliner Familie von dem genannten Restaurant mit Wasscrfahren. Hierbei kam die kleine Jolle, in der sich die Familie befand einem vorüber- fahrenden Svrecdampfer in der Art zu nah, daß das Boot von den Wellen in eine schwankende Bewegung versetzt wurde und schließlich kenterte. Alle vier fielen ins Wasser und wären sicherlich ertrunken wenn nicht noch schnell vom Lande her Hilfe gekonrmen wäre. Wermiscktes. Zu dem in Paris verstorbenen Baron James von Rothschild kam einst ein Geschäftsfreund unv klagte ihm sein Leid. Er habe aus Gefälligkeit einem Attache 25,000 Francs geliehen, besitze keine Quittung, der junge Diplomat, der sich jetzt bei der.... schen Gesandtschaft in Konstantinopel be- fände, gäbe auf keine Mahnung eine Antwort. Jedes Mittel, wenigstens eine Quittung von ihm zu erhalten, sei vergeblich gewesen.„Wissen Sie was, lieber Freund," meinte lächelnd der Krösus,„schreiben Sie ihm einen Mahnbrief und drohen Sie ihm mit Klagen, wenn er Ihnen die 100,000 Frcs., die er sich von Ihnen gelieben, nickt sofort zurückzahle." Und richtig! Mit wendender Post trifft ein Brief des Attaches ein;„Mein Herr! Wie können Sie sich erlauben, mich um 100,000 Frcs. zu mahnen, da Sie mir doch nur 25,000 Frcs. geliehen haben!..." Der Mann hatte seine Quittung, der Fuchs war in die Falle gegangen. Arbciterkrankhciten. Sir James Page, der berühmte englische Chirurg, hielt jüngst in der Hygienc-Ausstellung in Süd-Kensington(London) einen Vortrag über das Vcrbältniß der Gesundheit zur nationalen Arbeitskraft, in welchem er nachwies, daß der Nation durch Krankheiten alljährlich die Annettens zuschauen, und wahrhaft glücklich fühlte sie sich dabei. Den Sänger Remy hatte Mutter Grein seit dem Tage ihrer Ankunft in Paris nickt mehr wiedergesehen, auch von dem sogenannten verrn Harlcy, den sie auf ihrer Reise ge- troffen und zu erkennen geglaubt, nichts mehr gehört. Der junge Mann mußte die Mittheilung über den Kassendicbstahl, dir ste ihm doch mit Absicht gemacht, vollständig vergessen haben, denn wenn er seinem Freunde Gerhard davon erzählt hätte, so würde dieser gewiß zu ihr gekommen sein, um weiter mit ihr darüber zu reden. Das betrübte die gute Alte einigermaßen, und ganz besonders, daß Herr Harley sich nicht sehen lassen wollte. Wenn er doch nur recht bald käme, daß ich ihm Alles saßen könnte! seufzte sie oft. Wer weiß, wie lange der Herr mich noch auf dieser Erde läßt; jede Stunde kann er mich zu sich nehmen, und dann ists zu spät, und ich möchte, ich darf nicht eher sterben, als bis ich ihn, den Elsen, ge- sprachen. Dieser Gedanke begann die alte Frau immer mehr zu be- wegen, also daß sie sich über das Ausbleiben Harley's fast unglücklich fühlte. Täglich sprach sie zu ihm, unv was Friedel auch vorbrachte: daß Herr Harlcy noch nicht nach Paris zurückgekehrt sei, weil er sonst gewiß schon zu ihr gekommen wäre, es half nichts! Sie wollte, mußte ihn sehen, und kündete endlich ihrem staunenden Sohne ihren festen Entschluß an, Herrn Harley auf- zusuchen. Es handle sich um Ehre und Glück vieler Menschen, um Tod und Leben, meinte sie, und die größte Sünde würde sie begehen, wenn sie noch länger zögere. Deshalb sollte Friede! sie in ihrem Thun nicht hindern; er würde bald erfahren, wie nothwendig es gewesen, wie auch Alles begreifen, was ihm jetzt noch unklar und räthielhast erscheine. Friedel wurde bei solchen Auslassungen seiner alten Mutter recht ängstlich, denn er hatte nickt die entfernteste Ahnung da- von, was sie eigentlich mit dem ihr ganz stcmdrn Herrn Harley wollte. Es beunruhigte ihn endlich ernstlich, und er nahm sich vor, noch ein paar Tage zu warten und dann im Verein mit der Mutter seinen Wohlthäter aufzusuchen. Wie froh über- rascht wurde er daher, als er nun unerwartet Herrn Harley in dem Hausflur traf und im Begriff, die Treppe zu seiner Woh- nung zu ersteigen. Unverhohlen und herzlich drückte der junge Tischler seine Freude über dies Wiedersehen aus. In froher Weise von seinem häuslichen Glück, seiner Frau, seinem Mütterchen, das Herrn Harlcy ja auch so viel verdanke, seiner Wirthschaft und dem guten Fortgang seines Geschäftes plaudernd, begleitete er seinen Besuch die Treppe hinauf. Harlcy erwiderte indessen all diese Auslassungen in ernster, fast kalter Weise, denn die weitern Erfahrungen, die er über den Vater gemacht zu haben glaubte, hatten erne so tiefe Bit- terleit in ihm erzeugt, daß es ihm mit dem besten Willen un- Arbeitskraft von 20 Millionen Wochen verloren gehe.$tc Krankheiten, denen die Arbeiter in den verschiedenen Gewerbs- zweigen unterliegen, wurden bei der Gesundheits-Konferenz durch Dr. Bristowe näher präzifirt. So z. B. erzeugt die Phosphorstreichhölzchen- Fabrikation den Kinnbackcnkrampf; Lumpenhändler unterliegen den Pocken und ähnlichen an- steckenden Krankheiten; Wollsortirer leiven an Anthrax, dem Milzfieber ves Rindviehes; Äleiarbeiter neigen sich in Folge der chronischen Bleivergiftung dem Gichtleiden zu. Nimmt man nun die Zahl der in verschiedenen Berufs- und Erwerbszweigen in England beschäftigten Personen auf rund 20 Millionen an, so würde nach Sir James Page auf jede beschäftigte Person durchschnittlich eine Woche Krankheit das Jahr kommen. Stiidcntenmerisuren. Die leidigen Bestimmungsmensuren haben wieder ein Opfer gefordert. Studiosus Pfülf vom Korps „Moenania" stand, wie aus Würzburg gemeldet wird, in einer Bestimmungsmensur einem Angehörigen des Korps„Bavaria" gegenüber und hatte den letzten kaum„abgeführt", als er in Folge der Aufregung und eines Herzschlages todt zusammen- stürzte.— Solange es von einzelnen Leuten immer noch für ehrenvoll gehalten wird, mit zerhacktem Gesichte einherzustolzircn, wird dieser Unfug schwerlich ein Ende nehmen. Entsetzlicher Raubmord. In den ersten Tagen des Mai fand man bei Passy in der Seine den Rumvf eines Mannes und bald darauf in der Nähe des Pont Neuf in Paris die Beine, die zu demselben gehörten. Man erinnerte sich, daß in jenen Tagen eine kleine Hündin 48 Stunden lang heulend und bellend an der Seine auf- und ablief, und fand heraus, daß das Thier einem gewissen Francis Lebond gehörte, welcher Ge- flügelhändler und seit Kurzem verschwunden war. Die Nach- forschungen der Polizei führten allmälig zu der Entdeckung, daß Lebond, ein übclbelcumdetes Subjekt, am 28. April mit einem gewissen Mielle, Kellner in einem Cafeehauie, gesehen worden war und diesen in seine Wohnung begleitet hatte. Hier hörten die Nachbarn gegen 7 Uhr Abends lautes Geschrei und den Ruf;„Mörder, Mörder!", wurden aber, als sie herbeieilten, mit dem Bescheide abgefertigt, er habe eben mit seiner Maitreffe Streit gehabt und die Sache wäre abgcthan. Am nächsten Morgen holte Mielle einen Dicnstmann und ließ ihn einen Koffer nach einem Gasthause bei dem Pont-Marie tragen, kam dann mit dem Koffer und mit dem Manne wieder zurück und machte denselben Gang noch einmal. In dem Hotel blieb er dann einige Tage wohnen, wahrscheinlich bis er Gelegenheit gefunden hatte, Rumpf und Beine ins Wasser zu werfen, und verschwand hierauf. Ohne Zweifel schlich er sich in die Woh- nung Lebond's ein, um alle Werthgegenstände zusammenzu- raffen; denn es war bekannt, daß der Ermordete Ersparnisse gemacht hatte, von denen sich keine Spur mehr vorfindet. Mielle ist noch nicht in den Händen der Polizei, aber es wird ver- sichert, sie wissen, wo sie ihn zu suchen habe. W. H. Bandcrbilt's Geldgcwölbe, in dem er vor seiner Abreise nach London ungefähr hundert Millionen Dollars in Sicherheit brachte, ist eine der sichersten Schatzkammern der ganzen Wett, macht aber, von außen gesehen, nicht den Ein- druck. Dayelbe ist in Felsen gesprengt, der Oberbau besteht aus einer 5 Fuß starken Vordcrwand, 3 Fuß starken Hinterund Seilenwänden, aus besten Ziegelsteinen mit Braunstein- cinfassung. Alle Träger, Balken, Säulen unv Pfeiler sind von Eisen und Marmor. In dem ganzen Bau ist absolut lein Holz verwendet. Das eigentliche Gewölbe ist 36 Fuß breit, 41 Fuß tief und befindet sich im untersten Stockwerke. Die 4 Thürcn, die hinter einander in dasselbe führen, wiegen je 8200 Pfund und sind unüberlroffene Meisterstücke, sowohl was ihre Festig- keit, als die Schließvorrichtungcn anlangt� Das Gewölbe, in welchem der amerikanische Krösus seine Schätze untergebracht hat, ist absolut diebes-, feuer- und wasserfest. Die Cholera in Frankreich. Frankreich hat seit fünfzig Jahren vier Cholera' Epidemien gehabt. Die erste kam aus Indien und trat, nachdem sie im übrigen Europa gewüthet, im Jahre 1832 über Calais in Frankreich auf. In Paus starben 18,406 Personen daran. Auch das zweite Mal kam die Seuche aus Indien und wurde in Frankreich gleichfalls von Calais her eingeschleppt. In Paris starben in diesem Jahre — 1840— 16,165 Menschen an der Cholera. Die dritte Epidemie kam im Jahre 1853 von der Ostsee her, wo sie latent geblieben war. Während vierzehn Monate starben in Paris 9219 Menschen._Die vierte endlich trat in Frankreich in zw« Perioden auf. Sie stammte diesmal aus Meriko, erschien 1865 in Marseille und sprang von da direkt auf Paris über. In dieser Periode zählte man 6000 Todesfälle. Einige Monate nachher tauchte sie wieder auf und forderte diesmal 700 Opfer; einige vereinzelte Fälle zeigten sich noch im Jahre 1867. möglich war, ihren Einfluß auf seine Gesinnungen für den Sohn zu unterdrücken. Mutter Grein saß in ihrem Sorgenstuhl, und just wieder mit den Gedanken beichäftigt, die sie so sehr in Anspruch nah, men, als Friedel mit Harley eintrat, von Annetten gefolgt, welche ihren Wohlthäter ebenfalls in herzlichster Weise bewill- kommt hatte. Wie die alte Frau den Eintretenden sah, erkannte, erhob sie sich unwillkürlich, und die Hände gefaltet, wendete sie den Blick nach Oben, als ob sie sagen wollte;„Ich danke Dir, Herr, daß Du mein Bitten erfüllt hast und so schwere Sorge von mir nehmen willst!" Eine eigenthümlichc, fast feierliche Erregtheit gab sich in rhrem ganzen Wesen kund, als sie nun auf Harley zutrat und diesem ihre Freude ausdrückte, daß sie endlich im Stande sei, ihm zu danken für die Hilfe, die er der armen Reisenden ge- leistet, die ohne ihn wohl nicht so leicht und gewiß nicht ohne Ungemach den Weg zu ihrem Sohne gefunden. Zwar habe ich, fuhr sie fort, Ihnen noch für so Vieles zu danken, für Alles das, was Sie für meine Kinoer gethun, daß ich mich fast schäme, mit dem begonnen zu haben, was mich persönlich betrifft. Doch hoffe ich— und ihr Auge leuchtete auf— daß Ihnen der Herr Ihr Thun lohnen wird, das um so schwerer wiegt, da Sie dock wußten, wer wir waren und was einer der Unfern gegen Sie verschuldet. Harley hatte sich durch diesen Empfang, diese Begrüßung der alten Frau eipcnthümlich berührt gefühlt; bei den letzten Worten aber, die für ihn nickt zu mißdeuten waren, fuhr er erstaunt zurück, und blickte die Sprecherin mit seinen großen Augen ernst und verwundert an, während Friedel recht unruhig zu werden begann, denn er meinte nicht anders, als daß sein armes Mütterchen irre rede. Er wurde in diesem Denken noch bestärkt, als sie sich nun zu ihm wendete und fortfuhr; Ihr wißt, Kinder, wie ich mich täglich, stündlich gesehnt unfern Wohlthäter,.Herrn Harley. zu sehen und sprechen zu dürfen. Nun er endlich gekommen, bitte ich Euch, mich einige Augenblicke mit ihm allein zu lassen, ich muß mit ihm reden über erne Angelegenheit— Ihr kennt sie ja. wenn auch nicht vollständig— die ihn gewiß intercsfiren wird. ... Ach. Mutter, rief Friedel besorgt und auf sie zutretend. seid doch vernünftig! Soll denn diese unglückliche Geschichte welche uns schon so viel Unangenehmes gebracht, uns dabei»» das Leben verbitterte, uns auch noch hier verfolgen und un- gluckhch machen? Was geht Herrn Harlcy der Diebstahl an? . Vergcßt den Vorfall und beruhigt Euch endlich darüber, sonst macht Ihr uns Allen wirkliche Sorge und Kummer' Nein, mcin SShn. ich muß reden, entgegnete Mutter Grein mit entschiedenem Ton, und Herr Harley wird mich hören wollen, nicht wahr? Letztere Worte waren direkt an Harley gerichtet, und Friedel wendete nun das Auge nach diesem, ängsttich, doch auch recht neugierig auf die Antwort, welche er wohl geben würde. (Fortsetzung folgt.) Guttzeit in Echöneberg-Berlin. Druck und Verlag von Max»adittg in Berlin LV, Beuthstraße 2.