Str. 77. Freitag, 4. Juli 1884. I. Jahrg. Berliner Volksblatt. 200 Organ für die Interessen der Arbeiter. Das Berliner Boltsblatt" " erfcheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Mart, wöchentlich 25 Pf. Einzelne Nummern 5 Pf. Bostabonnement pro Quartal 3 Mart.( Eingetragen im VIII. Nachtrage der Postzeitungspreisliste unter Nr. 719a.) Insertionsgebühr 103. beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 ẞf. Arbeitsmarkt 10. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedition Berlin SW., Bimmerstraße 44. Die Volksschule in Preußen. werden, damit nur wenigstens den formellen gesetzlichen BeAlle dem könnte man nun leicht abhelfen, wenn ges nügend Geld vorhanden wäre. Es gab eine Zeit, wo die Volksschule in Preußen im ftimmungen Genüge geleistet wird. Berhältniß zu den Volksschulen anderer Länder eine wahre Musteranſtalt genannt werden konnte. Der Abstand zwischen ihr und den Rivalen war ein sehr großer. Dieses Verhältniß hat sich nun in den letzten vierzig bis fünfzig Jahren zu Ungunsten Preußens wesentlich geändert. Nicht, als ob die Volksschule in Preußen in ihrer Entwickelung stehen geblieben wäre, aber der Abstand zwischen ihr und den Volksschulen der anderen größeren Staaten ist kleiner geworden. Preußen ist sogar, ganz abgesehen von einzelnen deutschen Kleinſtaaten, von der Schweiz in Bezug auf die Güte der Volksschulen überholt worden und die nordamerikanischen Freistaaten ftehen im Begriff, Preußen gleichfalls zu überflügeln. Aus der ersten Stelle ist Preußen somit an die zweite, beziehungsweise britte Stelle gedrängt worden. Frankreich und England aber find ihm immer näher gerüct. Nun wäre dies Näherrüden gar nicht bedenklich, wenn die höchste Stufe in der Entwickelung der Volksschule in Breußen schon erreicht wäre. Aber dem ist nicht so. Im Gegentheil, es ist noch sehr viel zu wünschen übrig. Bedarf es noch einer besonderen Erwähnung, daß wir bei diesem sehr viel" als Maßstab gar nicht diejenigen Zustände der Volksschule heranziehen, welche dem mündig gewordenen Kulturgebanken der Gegen To art entsprechen würden? Es wäre einfach lächerlich, einen solchen Vergleich anzustellen! Wir haben hier nur im Auge, was unter übrigens gleichbleibenden allgemeinen Buständen auf diesem speziellen Gebiete erreicht werden tann und erreicht werden sollte- freilich nach Manches Wunsche eben nicht erreicht werden soll. Wir betonen freilich nochmals, daß auch in den letzten Jahrzehnten einiges Gute für die Voltsschule in Preußen geschehen ist, aber lange nicht genug, weder im Verhältniß zu anderen Staaten, noch im Verhältniß zu anderen Einrichtungen im eigenen Lande. Bunächst wollen wir nur auf einen Punkt aufmerksam machen. Die preußische Verfassung verlangt, daß der Unterricht in den Volksschulen unentgeltlich sein soll. Nun aber findet es sich, daß nur ausnahmsweise dieser Unterricht unentgeltlich gewährt, daß somit der Verfassung nicht einmal annähernd Genüge geleistet wird, bei einer Einrichtung, welche von ihr als die unentbehrliche Grundlage der Kulturentwickelung eines Volkes hingestellt wird. Die Gemeinden sollen in erster Hinsicht verpflichtet fein, die Rosten der unentgeltlichen Volksschule zu tragen; haben sie nicht genügend Mittel, dann soll der Staat ein trten. Die meisten Gemeinden aber sind zu arm oder zu verschuldet dazu und der Staat braucht sein Geld zu anderen Sweden. er Im Jahre 1882 waren in Preußen nach den Angaben des preußischen statistischen Bureaus 5 380 038 Rinder schulpflichtig, von denen zirka 4 380 000 zum regelmäßigen Schulbefuch angehalten worden sind. Wir wollen nun zugeben, daß es bei den schulpflichtigen Kindern unter 6 Jahren oft vorkommen mag und gewiß auch vorkommen darf, daß sie die Schule versäumen, ohne daß eine Strafe eintritt. Auch sind die Kinder der Reichen, die einen Hauslehrer halten, vom Besuche der Voltsschule befreit. Aber der Hauptgrund der bedeutenden Schulversäumniß liegt doch wohl in den großen Entfernungen, welche zahlreiche Kinder zur Schule zurückzulegen haben. So giebt es in Preußen 7011 Schulbezirke, zu denen nur je eine Ortschaft oder ( in großen Städten) ein Bruchtheil einer Ortschaft gehört, aber noch 4075 Schulbezirke, zu denen je zwei, 2255, zu benen je drei, 1281, zu denen je vier, 754, zu denen je fünf, 493, zu denen je sechs und 1150 Schulbezirke, zu denen je sieben bis zwölf Ortschaften gehören! Daraus geht hervor, welche weiten Wege viele Schulkinder machen müssen. Nur in 2525 Schulortet ist die Entfernung bis zur Schule unter einem Kilometer, in den übrigen von 1-7 Kilometer und in 121 Schulorten über eine deutsche Meile! Da gäbe es also zu reformiren und zu ergänzen die Hülle und Fülle, wenn nur das Geld vorhanden wäre. Noch schlimmer aber sieht es mit der Ueberfüllung der Schulen aus. Nur 1836 299 Kinder von den 4 300 000 bis 5 300 000 Schulpflichtigen resp. Schulbesuchenden haben im Jahre 1882 einen normalen Schulunterricht genossen, wenn man den Grundsatz aufstellt, daß ein Lehrer nicht über 80 Kinder unterrichten kann. Die Zahl der Kinder ist wahrlich hoch genug gegriffen. 439 000 Kinder haben in Schulen ihren Unterricht empfangen, in denen auf zirka 240 Schüler zwei Lehrer fommen. Läßt man auch dies noch mit 120 per Lehrer als erträglich gelten, so bleiben doch noch 2 275 000 Rinder übrig, welche in überfüllten Schulen( bis zu 260 Kindern!!!) geistig und törper lich leiden müssen, anstatt normal unterrichtet zu Bahlen am Ende die Preußen zu geringe Steuern? Bei Leibe nicht! Die indirekten Steuern sind sehr hoch und auch der Exekutor ist zur Einziehung der zahlreichen staatlichen und kommunalen, Kirchen- und Schulsteuern u. f. w. noch immer kräftiglichst bei der Arbeit. Aber das Geld wird anderwärts gebraucht! Der Militarismus, die Marine u. f. w., fie fressen unerfättlich aus dem nationalen Steuersäckel. sogen.„ Errungenschaften" in den letzten zwanzig Jahren Und so kann nicht geleugnet werden, daß Preußens nimmermehr die Verluste aufwiegen, welche das popu sogen.„ Errungenschaften" in den letzten zwanzig Jahren lärste Institut des leitenden deutschen Staates, bie Boltsschule, durch Vernachlässigung erlitten hat. Diese unentbehrliche Grundlage der Rulturentwidlung eines Boltes", aber bedarf der eifrigsten Sorgfalt und Pflege, wenn ein Volt nicht rückwärts- und niedergehen soll. Auf dem Gebiete der inneren Politik und zwar der Wirthschaftspolitik finden wir lediglich die sogenannte brennende Frage", mit der sich gegenwärtig in Deutschland die Deffentlichkeit vorzugsweise beschäftigt. 11 Die hohe Politit". das ist diejenige der Regierungen der einzelnen Reiche und Staaten zu einander, ist in die Sommereinzelnen Reiche und Staaten zu einander, ist in die Sommerferien gegangen. Da aber die Lage der arbeitenden Klasse dieselbe geblieben ist, da ferner die Arbeiterbewegung und speziell der Kampf zwischen Kapital und Arbeit überall an die Oberfläche getreten ist, so fann es kein Wunder nehmen, daß das Interesse für soziale Politit, für Wirthschaftspolitik fich fortwährend im Vordergrund aller Erörterungen erhält. Broschüren über Broschüren erscheinen über die soziale Frage, über das Recht auf Arbeit", über Kanalisation, und Kolonisation, und Beitungsartikel über denselben Stoff thürmen fich hoch auf. In der Praris aber ist in wirthschaftlichen Dingen in unserem Vaterlande noch sehr wenig geschehen. Sehen wir von den paar Privattolonien à la Wilhelms dorf ab, die noch dazu ihre außerordentlich bedenkliche Seiten haben und leider gradezu eine rückläufige Bewegung zu machen scheinen, sehen wir ferner von der ersten deutschen Kolonie" an der Westküste von Afrika ab, deren Kümmerlichkeit selbst von den Freunden überseeischer Kolonisation achselzuckend zugegeben wird, so ist bis jetzt im deutschen Reich und vom deutschen Reich nichts gethan, was der fanglerischen Proflamation des ben, einen praktischen Ausdruck gegeben hätte. Rechts auf Arbeit", auch in bescheidenster Auffassung derselMan erfährt jezt allerdings aus einer offiziösen Notiz, daß man an ,, maßgebender Stelle geneigt sei", das Unternehmen das Nord Ostsee- Kanals nicht der Privatthätigkeit zu überlaffen, sondern die Ausführung desselben von Staatswegen in Angriff zu nehmen. Das fonnten wir uns wohl denken der Staat wird diesen Kanal gewiß selbst übernehmen. Aber wann wird er ihn bauen? Es heißt allerdings: bald! Ader das ist schon so oft gesagt worden, daß man ungläubig zu werden anfängt. Wenn fofort" fieben Monate bedeutet, kann da nicht bald" fieben Menschenalter umfassen? Aber wenn auch wirklich die Ausführung dieses einen Kanals bald, im Sinne der gewöhnlichen Sprache, in Angriff genommen wird, so macht doch immer noch eine Schwalbe nicht den Sommer aus. Von anderer Seite aber wird auch behauptet, daß der Staat die Kolonisation im Innern" nicht in höchstens der Gemeinden, Kreise und Bezirke. Von der ThätigAngriff nehmen dürfe; das sei Sache der Privaten, feit der Privaten halten wir bekanntlich in dieser Beziehung nicht viel und mit der Thätigkeit der Gemeinden und Kreise ohne StaatsbüIfe ist es auch nicht sonderlich bestellt, da gerade die Kolonisationsarbeiten in den ärmeren Kreisen und Bezirken am nothwendigsten sind und auch grade dort in Hülle und Fülle geschafft werden könnten. Von allen Brochüren nun, die in legter Zeit mit dem beschäftigt haben, erscheint uns nur die von Max Stöpel her Recht auf Arbeit“ in der oben angedeuteten Richtung hin fich ausgegebene nicht unbeachtenswerth, und zwar weil sie wirklich praktische und erwägenswerthe Vorschläge macht, die wohl geeignet sind, die Frage der Wege- und Kanalbauten, der Flußregulirungen, der Verbesserung des Dedlandes, im Ganzen die Frage der ,, Kolonisation im Innern" ernsthaft in Fluß zu bringen. Herr Stölpel empfiehlt zur Angriffnahme derartiger öffent licher Arbeiter die Verwendung öffentlicher Mittel dies acceptiren wir rückhaltlos. Die Beschaffung dieser Die Beschaffung dieser Mittel für Gemeinde, Kreis, Bezirk, Provinz und für den Staat selbst soll durch den Staat geschehen und zwar, soweit die gewöhnliche Besteuerung nicht ausreicht, durch unver insliche, in Staatspapieren zu gewährende und in ange meffener Frist( 20-25 Jahre) dem Staate zurück zu erstattende Hier müssen wir nun doch einwenden, daß eine Vorschüsse. neue Steuererhöhung vorgeschlagen wird, die dadurch entsteht, daß mindestens dem Auslande gegenüber die deutschen Staatspapiere und die betreffenden Koupons im Werthe finken würden. Nach unserer Meinung müßte ein anderes Steuersystem eingeführt, müßten namentlich die Steuereingänge nicht in der Hauptsache für den Militarismus, sondern eben für die Kolonisation im Innern" verwendet werden. Doch lassen wir einmal diesen Einwand und hören Herrn Stöpel weiter. Er meint, daß bei solcher Staatsunterstüßung selbst in Den kleinsten Gemeinden sehr bald ein lebhafter Drang entstehen würde, gemeinnüßige Arbeiten herstellen zu laffen, welche der ganzen Gemeinde eben sowohl als jedem Einzelnen zum Vortheile gereichen. Man sehe fich nur auf dem platten Lande den Bustand der Wege und Straßen, fleinen Wasserläufe und Brücken an, und man wird, selbst in sogenannten reichen Gegenden, über die Unvollkommenheit und Rückständigkeit in Allem, was öffentliche Anlage heißt, erstaunen. Der Bau von Schul- und Gemeindehäusern, die Herstellung von Reinigungs- und Löschanstalten, Drainageanlagen, Auf forstungen von Dedland und andere Meliorationen tönnten auf diese Weise unternommen werden und würden die Ge meinde mit wahrhaft nugbringenden Kapitalien bereichern." In den kleineren Städten", so fährt Herr Stölpel fort, find die Verhältnisse nicht viel anders, als in den länd lichen Gemeinden, und die Art der dort herzustellenden öffent lichen Arbeiten würde daher theilweise eine ähnliche sein, im Uebrigen aber einen mehr städtischen Charakter tragen. In den größeren Städten ist die Verwaltung meist schon recht wendigen öffentlichen Einrichtungen mit der Schnelligkeit her vollkommen organifirt, und an manchen Orten werden die nothgestellt und mit einer Sorgfalt unterhalten, die nicht viel zu wünschen übrig lassen. Doch kann es feinem Zweifel unter liegen, daß bei einem System, wobei die Kosten der als dringlich nachgewiesenen öffentlichen Anlagen durch unverzinsliche Darlehen vorgestreckt werden, der Eifer, Gemeinnüßiges zu schaffen, einen vorher nie gekannten Sporn empfangen würde." In Bezug auf die größeren Städte möchten wir eine Einwendung machen. Was Herr Stöpel hier sagt, trifft allerdings in den Theilen der Städte zu, wo die Vornehmen und Reichen wohnen, dort wo die Paläste prangen", in der Gegend der Börse, des Rathhauses, der großen Magazine und Der Gartenvororte; aber in den Arbeiterquartieren ist an der Zustande der Straßen u. s. w. noch Manches zu tadeln. Aua dort dürfen Kolonisationsarbeiten" noch vielfach am Plat sein. Doch hören wir den Stölpelschen Vorschlag weiter an: ,, Ueber den Gemeinden erheben fich sodann die Kreis, Bezirks und Provinzial- Verwaltungen, die ebenfalls die in ihren Wirkungskreis entfallenden öffentlichen Arbeiten festzustellen, bezw. den höheren Instanzen zur Ges nehmigung zu unterbreiten hätten, und eventuell gleichfalls mit unverzinslichen Darlehen ausgestattet werden würden. Endlich über allen unteren Instanzen erhebt sich die Staatsverwaltung, bei der in einem besonderen Bene tralamte alle auf die öffentlichen Arbeiten innerhalb der G meinden, der Kreise, Bezirke und Provinzen bezüglichen Fäden zusammenlaufen müßten. Hier wäre der Mittelpunkt zu finden, von dem die legten Direktiven ausgehen Direktiven, welche den Hauptzweck der Organisation: Die Ausglei chung des Arbeitsbedarfes und Angebots, die angemessene Bertheilung der Arbeitskräfte, die Leitung derselben von da, wo sie überschüssig sind, dahin, wo fie gebraucht werden, zu sichern hätten. Von hier, wo aus allen Theilen des Landes die Informationen über die Bedürf niffe und Hilfsmittel jeder Gegend zusammenfließen, wird man die schäßbarsten Anregungen zu innerer Kolonisation, Pflege von Hausindustrie u. dgl. erwarten dür fen" Daß an den Stölpelschen Vorschlägen Manches auszustellen ist, haben wir schon angedeutet. Der zum Schluffe stiza zirte Organisationsplan aber ist mit Rücksicht auf die heutigen Verhältnisse ein vollständig korrekter und allerdings beachtenswerth. Er enthält den Gedanken der Organisation der Arbeit, natürlich nur auf dem hier gegebenen Felde. So wenig nämlich, wie der Gedanke, durch Kolonisation im Innern" Arbeitsgelegenheit für die Arbeitslosen zu schaffen, den historisch geprägten Begriff des Ausdrucks:„ das Recht auf Arbeit" deckt, eben so wenig bedt die Schaffung und Regelung dieser Arbeiten den Begriff der Organisation der Arbeit". Doch geschäbe es nach dem Stölpelschen Vorschlage, ge schähe es nach den Anschauungen, die wir so oft an dieser Stelle vertreten haben, es würde zwar noch lange nichts Durchschla gendes, doch entschieden etwas Dankenswerthes, Gutes ges schaffen, das heißt, wenn Alles mit Umficht und Aufrichtigkeit geplant und bei der Ausführung nicht durch bureaukratische Schwerfälligkeit u. dgl. gelähmt würde. Politische Uebersicht. Mit der Annahme des Antrages Ackermann, nach welchem nur Jnnungsmeistern das Recht, Lehrlinge zu halten, zusteht, hatten es die klerikal fonservativen Geseggeber so eilig, daß fie vollständig vergessen haben, auch die entsprechende Strafbestimmung aufzunehmen, so daß, falls der Bundesrath dem vom Reichstage beschlossenen Gefeßentwurfe zustimmen sollte, den in Rede stehenden Arbeitgebern wohl verboten werden kann, Lehrlinge zu halten, Arbeitgeber aber, welche trotz des Verbots Lehrlinge halten, straflos blei Uns fann's recht sein! ben. Auf Grund des Sozialistengeseges hat die Kreishaupt mannschaft zu Zwickau die Druckschrift ,, Manifest des Kongresses der Sozialistischen Arbeiter- Partei, abgehalten vom 26. bis 28. Dezember 1883 zu Baltimore Md." verboten; ferner verbietet die Regierung von Schwaben und Neuburg die Druck schrift Offizieller Bericht des Londoner Generalraths, erlassen öffentlicher Sigung des internationalen Kongresses, datirt von Haag, 6. September 1872" ferner der Regierungspräsident| in Bayreuth die Druckschrift Internationale Arbeiter- Assoziation Proflamation. An die Arbeiter der Vereinigten Staaten von Nordamerita. Pittsburg, 16. Oftober 1883. Der internationale Sozialisten Kongreß. Internationale Druckerei der Freiheit." = Die deutsche Choleratommiffion hat Maßregeln vorgeschlagen, welche sich auf den Schuß gegen Einschleppung Der Seuche, auf die Isolirung der ersten Fälle und Herde und auf eine gründliche Desinfektion beziehen. Auch eine öffentliche Belehrung des Publikums über die Natur der Seuche und die Mittel fich vor ihr zu hüten, ist befchloffen worden. In Veranlassung des Ausfalles der dänischen Folkethingswahlen haben die Sozialisten ein Manifest er laffen, worin, den Hamb. Nachr." zufolge, hervorgehoben wird, daß mit dem Siege am Mittwoch die dänische Sozialdemokras tische Arbeiterpartei in eine neue politische Stellung eingetreten ift", welche größere Verantwortlichkeit mit fich führt und daran mahnt, mit Klugheit, Ruhe und reiflicher Ueberlegung zu handeln. Nach Versicherung des Vorstandes des„ Sozialdemokratischen Bundes" findet sich nicht nur in Kopenhagen, sondern auch in Kreisen auf dem Lande eine sowohl zahlreiche, als gut organisirte sozialdemokratische Partei vor. Besonders hebt das Manifest in dieser Beziehung den zweiten Kreis des Amtes Aarhus, sowie die Aemter Kopenhagen und Holbät hervor. Dieselbe Meldung macht das Blatt Sozialdemokraten" geltend: Wir gedenken nicht bei dem Resultat, die Wahl zweier sozialdemokratischer Kandidaten in zwei Kopenhagener Kreisen durchgesezt zu haben, stehen zu bleiben. Der Sozialis mus ist schon in verschiedenen Gegenden des Landes wurzelfest geworden, weshalb es feiner großen Anstrengung bedarf, um bemfelben weitere Ausbreitung zu geben. In der letzten Sigung des englischen Unterhauses follte für das von den Konservativen beantragte Tadelsvotum gegen die Regierung wegen der egyptischen Abmachungen der Lag der Debatte festgestellt werden. Nachdem Mr. Gladstone ertiärt hatte, im gegenwärtigen Augenblice sei eine Diskussion der egyptischen Angelegenheiten in offener Sigung nicht op portun, wurde die Erörterung des Tadelsantrages auf unbeftimmte Zeit vertagt. In Tullamore( Irland) wurden am Sonntag zwei Ameritaner bei ihrer Ankunft verhaftet, wahrscheinlich weil man in ihnen fenische Verschwörer vermuthete. Ihr Reisegepäck wurde einer eingehenden Untersuchung unterzogen; es ist aber noch nicht bekannt, mit welchem Resultate. Ueber die Stellung der Mächte zur egyptischen Angelegenheit giebt der Figaro" folgendes Urtheil ab:" Eng land, welches sich um die europäische Angelegenheiten von Tag zu Tag weniger fümmert, strebt nur darnach sich Egypten und den Suezkanal unter einer Form zu sichern, welche es verhindert, daß das festländische Europa fich gegen seine Pläne verbindet, da dieses ihm um den Preis eines Krieges das Mittelmeer sperren tönnte. Deutschland, welches sich von der Frage nur mäßig beunruhigen läßt, fieht darin ein leichtes Mittel, ohne Kosten seine Alliirten schadlos zu halten, und indem er der Tradition Napoleon's I. folgt, strebt es nur barnach, fich mit dem Staaten zweiten Ranges zu umgeben, denen gegenüber es sich ohne Theilung einen Einfluß beilegt, welchen Jedermann ihm überläßt als Erfaz für die Hilfe, welche es an anderen Theilen des Erdkreises leistet. Desterreich hofft auf die Theilung des Orients und wünscht eine große Mittelmeermacht zu werden. Rußland fieht seinen Traum in Bentral Aften erfüllt und strebt nicht mehr nach Kleinaften. Stalien hofft auf Alles. Von den Großmächten, seinen Bundesgenoffen, unter Vormundschaft gehalten, die ihm vorwerfen, daß es noch so jung und schon so ehrgeizig sei, wird es stets geschulmeistert, und es ist launisch darüber, daß sein Eintritt in das europäische Konzert seinen Erwartungen noch nicht entsprochen habe. Minder ehrgeizig wünscht die Tür tei nichts, als zu leben. Frankreich strebt nach einer Allianz. Darüber verdroffen, sich stets allein zu sehen, sucht es instinctiv eine Vernunft- Annäherung." Aber sein Instinkt und seine bisweilen leichtsinnige Vernunft find nicht lange in Uebereinstimmung. Wenn der eine nach der einen Seite strebt, hält die andere ihn zurück und ein Schritt ist nicht so schnell in irgend einem Sinne geschehen, als es zaudert und zurückweicht." Der von dem Deputirten Andrieur zur Verfassungsrevifion gestellte Antrag lautet: Weder die erbliche Monarchie noch die Monarchie auf Lebenszeit kann in irgend welcher Wiedergefunden.) Erzählung von W. H. ( Fortseßung.) Die Wirthin erwiederte dann gewöhnlich, daß Emil Reichelt ja ein sehr hübscher und gebildeter junger Mann sei, ber ihrer Angelita so schön Klavierspielen gelehrt habe, daß es eine himmlische Freude sei; daß aber die Anmaßung, Angelifa freien zu wollen, alle seine sonstigen Vorzüge in den Schatten stelle. Besonders aber beunruhigte Angelika selbst die beiden Alten. Das sonst so folgsame kind wurde immer gereizt, wenn man von ihrem Emil sprach, den sie als ihren Verlobten befrachtete. Der junge Schullehrer hatte, wie schon angedeutet, Ange lika Klavierunterricht ertheilt; die beiden Herzen hatten fich bald gefunden und ewige Treue gelobt. Die Eltern drohten zwar dem Mädchen mit Enterbung und ihrem Fluche, wenn sie von dem Hungerleider nicht laffe; boch trogig, aber gelaffen hatte dann Angelita immer geant wortet, fte fönne warten. Sie versprach ihren Eltern, deren Kummer fie fah, daß fie vorab nicht mehr mit Emil sprechen wolle; dabei war fie aber auch von dem heimlichen Neben gebanten geleitet worden, dadurch die Treue ihres Verlobten Au prüfen. Seit der Zeit war der junge Schullehrer finster und in fich gefehrt gewesen; er war öffer wie früher zum Rande des Uglei- Sees gegangen, und man fand ihn häufig, wie auch am heutigen Tage, trübe und stumm in die schweigenden Wasser berniederschauen. Die fröhliche Gesellschaft aus Hamburg hatte ihn aus den Träumen erweckt. Sie faßen nun zusammen unter dem großen Eichbaum bei einem guten Imbig und schäumendem Bier. Der Wirth lehnte in der Thür. Da tam eilig ein Knecht herbeigerannt, der ihm einige Worte zurief. Rasch verschwanden beide hinter dem Hause, und man sah, daß fie rüftig den Felbern zuschritten. Wie man später erfuhr, hatte eins der schönen Pferde des Pachters einen Unfall erlitten. Als der Wirth eben fortgeeilt war, öffnete sich ein Fenster des Edzimmers und ein goldiger Lodenkopf wurde sichtbar ein reizendes, rosiges Antlig, aus dem sonderbarerweise ein paar dunkle Augen, die von großer Energie zeugten, hervor listen. Man merkte es dem jungen Schullehrer an, der unver vandt die holde Erscheinung anblickte, wie er verwirrt wurde; das Blut schoß ihm zur Stirn und mit einem unsicheren Kopf neigen grüßte er. " Ach, ein reizendes Kind," rief die Tochter des Senators, fehen Sie' mal, Herr Doftor." Phlegmatisch wandte auch dieser den Kopf nach der Erscheinung und gähnte: Dhia!" *) Nachdruck verboten. Form wieder hergestellt werden. Die Mitglieder derjenigen Familien, welche über Frankreich geherrscht haben, können nicht zur Präsidentschaft der Republik berufen werden". In dieser Fassung wird der Antrag sicherlich in der Deputirten tammer zur Annahme gelangen, ob damit aber das Königthum für Politische Fragen find Frankreich unmöglich gemacht wird? Politische Fragen find Machtfragen, und ein Blatt Papier hat einen Ehrgeizigen noch nie gehindert, seine Pläne auszuführen. Die Kraft und Sicher heit der Republik liegt nicht in der Annahme irgend welcher gesetzlicher Bestimmungen, die ihre Zukunft sichern sollen, songefeßlicher Bestimmungen, die ihre Zukunft sichern sollen, sondern in dem Maaße von Gerechtigkeit, das sie allen Bürgern ohne Ausnahme zu Theil werden läßt. Und hiervon ist be sonders in wirthschaftlicher Beziehung und besonders der arbeitenden Klaffe der Bevölkerung gegenüber Frankreich noch sehr weit entfernt. In Toulon arbeiten die Militär- und Civilbehörden mit großer Aufopferung an der Unterdrückung der Seuche, und die dortige Sanitätskommission hat in ihrer legten Sigung fol gende Beschlüsse gefaßt: 1. Sämmtliche Krankenwäsche des Spitals Saint- Mandrier wird nach stattgehabter Desinfektion in's Arsenal geschafft; 2. sämmtliches cholerakrante Militär wird in Saint- Mandrier zentralisirt; 3. das Material der Beerdi gungsfomptore muß ununterbrochen desinfizirt werden; 4. Berforgung der Stadt mit fortrinnen dem frischen Wasser; 5. Un tersuchung der zum Verkaufe gelangenden Desinfektionsmittel; 6. Vermehrung der Hilfsbureaur und Sanitäts- Beamten; 7. Verabreichung von Spirituosen und Wein an die Angestellten der Stadtreinigungs- Unternehmungen; 8. Aufforderung an die Apotheker, die Preise der Medikamente herabzuseßen. Legteres ist bereits bewilligt worden. Gestern find 150 italienische Arbeiterfamilien von der Stadt mit den nöthigen Hilfsmitteln zur Auswanderung versehen worden. Ferner verlangen die Blätter, daß man die plößlich eingestellten öffentlichen Militärkonzerte wieder aufnehme, um die Todtenstille und die erschreckende Traurigkeit aus den Straßen von Toulon zu bannen. Die Marseiller Aerzte rathen allgemein zur Auswanderung, und täglich verlassen viele Familien die Stadt. Kapitain Gidscheu, der Adjutant der Gendarmerie- Leitung in Odessa, soll nun doch, was anfänglich geleugnet wurde, von den Nihilisten getödtet worden sein. Es wird darüber gemeldet: Bei dem Kapitain Gidscheu, welcher unverheirathet war, befanden sich stets ein Gendarm und ein Diener. Dieser lettere machte vor einiger Zeit die Bekannt schaft eines jungen hübschen Mädchens, welches den Diener trattirte und mit Geld beschenkte, In den legten Tagen fam dieses Mädchen häufig in die Wohnung desselben und blieb sogar mitunter über Nacht da. So war es auch in der verhängnißvollen Nacht zum 24. v. M. Gidscheu tam gegen 3 Uhr Nachts heim und befahl dem Diener, ihn des nächsten Tages um 8 Uhr früh zu wecken. Etwa eine Stunde darauf stürzte Gidscheu in die Wohnung seines Dieners und rief nm Hilfe. Der Diener machte rasch Licht und sah, daß sein Herr ganz von Blut überströmt war. Er half ihm zum Bette, auf welches sich der Verwundete sette, und fragte ihn, was ge schehen sei. Der Rapitain fonnte aber nichts sprechen und blickte nur starr vor sich hin. Da lief der Diener hinaus, um den Gendarmen zu holen. In demselben Moment hörte er aber einen Schuß Inallen. Der Gendarm und der Diener eilten ins Zimmer und fanden den Kapitain mit zerschoffenem Schädel im Bette liegen. Auf dem Fußboden fanden fie neben dem Bette einen rauchenden Revolver. Nun eilte der Gendarm auf die Polizei. Darauf stürzte in das Zimmer der Dwornik ( Hausmeister) und erzählte, daß er soeben ein Frauenzimmer ( Hausmeister) und erzählte, daß er soeben ein Frauenzimmer durch ein Fenster der( im Parterre gelegenen) Wohnung des Kapitains hinausspringen und davoneilen gesehen habe. Der Diener wurde verlegen und der Dwornik nahm ihn darauf fest, band ihn mit Hilfe mehrerer herbeigeeilter Leute und übergab ihn der Polizei. Jest fist er in einer abgesonderten Belle des Gefängnisses, da man vermuthet, daß er von dem Mordplan gewußt habe. Das Mädchen ist aber spurlos verschwunden. Sofort nach dem Tode Midhat Paschas, des türkischen Staatsmannes, tauchte die Vermuthung auf, daß er eines un natürlichen Todes gestorben sei. Diese Vermuthung findet jegt ihre Bestätigung. Man hat Midhat Bascha wenn nicht auf Befehl, so doch mit Wissen des Sultans einfach verhungern laffen. Es wäre doch an der Beit, daß dieser niederträchtigen Serailswirthschaft auf irgend eine Weise ein Ziel gesezt wird. Die Noth in Oberegypten ist trop aller Ableugnungen so groß, daß nach Aussage von Europäern, die lange unter dem Volfe leben, die Leute langsam Hungers sterben. Die Inzwischen war Amanda aufgesprungen und zum Fenster geeilt. Sie begrüßte die reizende Angelifa und bat dieselbe, fich mit ins Freie zu begeben, fie wolle mit ihr plaudern über die reizende Gegend und den wunderbaren Uglei- See. Willig leistete das Wirthstöchterlein Folge; als fie aus der Thür trat, ergriff das hochaufgeschoffene Stadtfräulein ihre Hand und zog fie faft mit Gewalt an den Tisch unter der großen Eiche, an dem die Gesellschaft saß. Hier stelle ich eine reizende Waldfee vor, das Burgfräulein vom Uglei- See. Das nenn' ich mir doch ein anderes Leben, hier oben die Gebieterin zu sein, als dort unten tief im See als verwunschene, nie erlöfte Prinzessin zu schlummern." Erschreckt fuhr der Senator empor, der auf dem harten Stuhle in seinen gewohnten Nachmittagsschlummer versunken war. Wer spricht vom Uglei See, wer weilt dort in der Tiefe?" Aber, Papa, du siehst ja ganz verstört aus, du hast wohl geträumt? Ich sprach nur von dem bezauberten Fräulein, von ber uralten Sage. Sieh aber hierher, Papa; wenn man nicht wüßte, daß die Prinzeß dort unten im Schloffe bezaubert wäre, so sollte man glauben, fie sei erlöst und wandele unter uns. Seht hier meine neue Freundin!" Dr. Wernheim gähnte laut:„ Dh- ja!" Die Frau Senator nahm ihre Lorgnette und sagte gleich falls: Ch falls: Ch- ja!" Der Senator hingegen, der fich den Schlaf aus den Augen gewischt hatte, war aufgestanden und machte eine untadelhafte Berbeugung, indem er höflich bemerkte: Aber Amanda, du machst ja deine neue Freundin ordentlich verlegen; wenn man etwas preisen will, muß man es nicht so direkt thun. Nicht wahr, mein junger Freund?" fuhr er dann, zu Emil sich wendend fort, der mit seinen glühenden Augen das wundervolle Mädchenbild zu verschlingen schien. Und Angelika felbst? Ruhig und gelaffen, an solche Schmeicheleien längst ge wöhnt, blickte sie im Kreise mit einem schelmischen Lächeln auf dem Antlig unther, bis ihr Auge das ihres Verlobten traf. Ein Gluthstrom durschoß ihre Wangen; das Lächeln machte einer schmerzlichen Bewegung Play, die Emil aber in aufschauerndes Entzüden versette. Schnell ergriff Angelika die Hand des Stadtfräuleins und lud fie ein, einige Schritte mit in den Garten zu gehen, von wo aus man eine herrliche Aussicht genießen könne. Die beiden jungen Damen eilten hinweg. Aber Herr Doktor," sagte Herr Hausburger,„ Sie sprechen ia gar nicht, haben sich nicht einmal die reizende Waldfee angeschaut, und auch du nicht, liebe Frau. Hat dieselbe denn gar keinen Eindruck auf Euch gemacht, das liebreizende Wesen?" Oh- ja gähnte der Doktor und that einen tiefen Schluck aus dem Porterglase; Dh- ja!" flang es von Seiten der Frau Hausburger, die dann still und wohlgefällig an ihrem Kaffeetäßchen_nippte. | Sie war eine fleine, dice, etwas lurzathmige Person, mit ausdruckslosem, gutmüthigen Geficht; der Senator, dem man eine leichtlebige Jugendzeit nachjagte, hatte sie wohl haupt sächlich ihres großen Vermögens wegen geheirathet. Die Ehe Emiffäre des Mah di werden da mit offenen Armen aufge nommen werden. Die Gefahr lokaler Aufstände und nicht die Invasion ist es, was man zumeist zu fürchten hat, und dies ist auch die Ursache, warum die englischen Truppen von Assuan, troß der verdächtigen Haltung des Gouverneurs, nach Oberegypten zurückgezogen worden find. Der Handstreich von Langsor, welcher so unerwartet den Frieden in Tongting störte, und die franzöfifchen Erfolge dort recht zweifelhaft erscheinen ließ, soll den Chinesen jeden falls theuer zu stehen kommen. Frankreich verlangt nämlich von China für die Vertragsverlegung fünfhundert Millionen Francs Entschädigung. Und wenn China nicht zahlt? Lokales. Die Pferdebahn ist ohne Zweifel eins der bemerkenswerthesten Institute der Neuzeit. Sie vermittelt den Personenverkehr in der zweckmäßigsten und billigsten Weise und sie ist gewiß ein unbestreitbares Bedürfniß geworden. Leider verstehen viele Personen dieselbe nicht einmal in der richtigen Weise zu be nußen; Unglücksfälle aller Art kommen in lezter Beit ziemlich häufig vor. Wir stehen wohl noch Alle mehr oder weniger unter dem Eindruck jenes entseglichen Unglücksfalles, dem vor wenigen Wochen ein junges, blühendes Mädchen zum Opfer fiel, und schon wieder wird ein Unfall berichtet, der ebenfalls beinahe ein Menschenleben gekostet hätte. Der Schneidermstr. B., in der Kreuzstraße 5 wohnhaft, sprang von einem noch in der Fahrt befindlichen Pferdebahnwagen auf der falschen Seite ab, fiel dabei zur Erde und wurde so von einem andern entgegen tommenden Pferdebahnwagen überfahren. P. erlitt dabei einen Bruch des linken Beines, während ihm vom rechten Fuß das Fleisch förmlich vom Knochen geriffen wurde und er auch schwere Kontufionen am Kopf davontrug. Der Verunglückte mußte sofort in seine Wohnung geschafft und in ärztliche Be handlung gegeben werden. Schon als der erfterwähnte Unglücksfall bekannt wurde, knüpfte man in der Bresse allerlei Verbesserungsvorschläge daran, in welcher Weise für die Bu funft das Publikum besser geschüßt würde. Die theilweise Antwort der Berliner Pferdebahn- Gesellschaft war die, daß, wenn wir nicht irren, an demselben Tage, als das Unglück in der Potsdamer- Straße pasfirte, auf der Linie Behrenstraße Kreuzberg auch die Vorderperrons der Wagen zum Ein- und Absteigen der Baffagiere geöffnet wurden. Es scheint demnach, daß es der Direktion der Pferdebahn weniger auf den Schutz des Publikums, als auf die Beförderung einer möglichst großen Anzahl von Fahrgästen ankommt. Denn das wird uns Niemand bestreiten fönnen, daß selbst ein gewandter und flinker Mensch bei Benugung des Vorderperrons eines Pferdebahnwagens sehr leicht ein Unglück haben kann. Der vorliegende Unglücksfall ist selbstredend nur auf die Unvorsichtigkeit des Verunglückten zurückzuführen, er hätte aber ganz entschieden vermieden werden können, wenn sich die Pferdebahngesellschaft dazu entschließen könnte, den hinteren linten Perron gänzlich zu schließen. Wir verkennen nicht, daß eine Maßregel, wie die oben erwähnten, den sich überhaftenden und überstürzenden Personenverkehr in ein etwas ruhigeres Fahrwaffer lenken würde, wir halten das aber im Intereffe der öffentlichen Sicherheit durchaus nicht für ein Unglüd. Sollten die jest gehenden Wagen auf manchen Streden in Folge dieser Neuerung den Andrang nicht bewältigen fönnen, nun, so braucht die Direktion der Pferdebahn einfach nur eine größere Anzahl von Wagen und Pferden anzuschaffen und ihr Personal dem entsprechend zu vermehren. Die enormen UeberSchüffe dieser Gesellschaft fönnten schwerlich beffere Verwendung finden. Zwei Japanesen, welche in Deutschland die Doktorwürde erworben haben, besuchten in den legten Tagen die Gemeinde schule in der Erdstraße in Rirdorf. Dieselben verschafften fich dort Einsicht in den Lehrplan und die Lehrmethode und wur den geführt von Herrn Rektor Glöckner. Die gelehrten Frem den sprachen fich höchst befriedigt über die Schule aus. Es wäre ja auch ein bischen start gewesen, wenn Japanesen an einer Rigdorfer Gemeindeschule etwas zu tadeln gefunden hätten. Das Bestehlen von Kindern auf offener Straße nimmt in letter Beit in erschreckender Weise überhand. So schickte gestern eine in der Lindenstraße wohnende Arbeiterfrau ihre neunjährige Tochter mit einem Handforbe und einem Thaler stüd nach der Kommandantenstraße, um Kaffee einzufaufen. An der Schüßenstraße wurde das Mädchen von einer unbe fannten, etwa 20 Jahre alten Frauensperson angehalten und aber war eine recht glückliche, wie man in allen Theezirkeln Hamburgs, in denen die Familienverhältnisse der Honoratioren besprochen wurden, jederzeit erfahren fonnte. Der Herr Senator hatte aber auch das Zeug dazu, eine Frau glücklich zu machen; immer heiter und wohlwollend, peinlich über den Ruf seines Hauses wachend, aufmerksam gegen seine Frau und die einzige, etwas extravagante Tochter mit zärtlichster Vaterliebe umgebend was wollte man mehr? Im Uebrigen aber war Herr Hausburger immer noch ein Lebe mann, und seine phlegmatische fleine Frau verargte es ihm feineswegs, wenn er zuweilen Abends spät in etwas animitter Stimmung nach Hause tam. Sie wußte ihren Mann ja in erflufiver Gesellschaft und da drückte sie schon ein Auge zu. Ihrer Tochter war Frau Hausburger mit einer wahren Affenliebe zugethan, jeder Wunsch des verzärtelten Fräuleins wurde zum Befehl. Und nur in einem Punkte waren Mutter und Tochter nicht ganz einig, nämlich in Bezug auf den fünftigen Schwiegersohn. Die Mutter war ganz entzückt von ihrem Verwandten, dem Dr. Wernheim, der das stereotype Oh- ja!" mit so großer Gemüthlichkeit und Familien ähnlichkeit aussprach, während das Fräulein davon nicht viel wissen wollte. Angelika war sehr lebhaft, ging gern ins Theater, schwärmte für den jedesmaligen Heldentenor des Stadttheaters und fonnte nicht begreifen, wie ein junger Doctor medicinae gar so phlegmatisch sein konnte. Besonders ärgerte sich das Fräulein darüber, daß fie bei Landpartien jedesmal dem Doktor ihre Mantille erst aufdringen mußte; niemals noch hatte er die Höflichkeit beseffen, sich selbst zum Tragen derselben anzubieten. Seufzend nahm der junge dicke Herr die Mantille an, seufzend gab er fie zurüc Dr. Wernheim war der befte Mensch unter der Sonne: wiffentlich hatte er noch Niemanden geltäntt. Seine Braris war feine große; er war dazu auch viel zu bequem; doch hatte er einiges Vermögen, sodaß er sorgenlos leben fonnte. Ihm wäre es auch gar nicht in den Sinn gekommen, die reiche Erbin freien zu wollen, wenn sie ihm nicht förmlich von feiner Berwandten, der guten Frau Hausburger, aufgedrängt worden wäre. So aber hielt er die Sache für abgemacht; und wenn ihm zuweilen Bedenken aufstiegen, daß die Haupt person bei der ganzen Angelegenheit, Fräulein Angelifa felbft, nicht mit dem Arrangement einverstanden sein könnte, so wurde er immer von der Mutter beruhigt, welche ihre Tochter allzu gut fennen wollte, als daß ernstlicher Widerstand zu befürchten wäre. Natürlich müffe die achtzehnjährige Angelita erst noch die Kinderschuhe austreten und etwas austoben", wie der Doktor hinzufügte, che man an die Speirath denten fönnte, Dieselbe wurde deshalb von den beiden Verbündeten ver schoben, bis Angelika das zwanzigste Lebensjahr erreicht haben würde. Während wir so unsere Leser mit den Personen, die bis dahin nur flüchtig fich ihnen gezeigt hatten, näher befannt ge macht haben, hatte an dem Tische unter der großen Eiche ein neuer Gast sich eingefunden: der Pfarrherr des naheliegenden Drtes, in welchem auch unser Freund Reichelt das Schulamt bekleidete. ( Fortegung folgt.) beauftrag Wäsche Mädchen den Ko bis das richteter war die schwunde Augen Strohhu Mo wiederun werden Пlafftsche Frl. Sch mit derse geben w nay- Kre BN. des läng verweft eingelief 25 Jahr Augusta Da start ver Don mel Straße di fabr, er zu wer nissen ftarten Studver in dem den Hit werden in der b mit den verzierun bei gar fich dera wie fold gen übe fronten nur ein hierdurch Momen Bufalls. Pr begann hof bef Borfizer Fried durch de getlagte theidigu Vormitt Sein mi Auffalle Beffen& hellblon öffnung feine E diese T Tabats ehelichte der ersc Präfide Derselbe das Sc und zw 1852, fo vollende wegen Rach V in das Sie fich Angel Di eine Re an den zurüdge und da den 19 bald im dachte Ueber d rührer Leben der P durchzu " halb dr war. nach feinen jeder Unterne von Ne lich auf abgefes diesem Marine Unterd Nore H 3og er D mirt n nach de nach& und sei Dora" geweig Infel wood, Turzer Der ju wilden bindun Insula nen un liche D D ihrer Nebrig Streite Schleppt roher, Gefang Auffich en, J beauftragt, aus Jk. ause Schützenstr 38, 2 Tr. links, Wäsche abzuholen..,as Frauenzimmer versprach dem Mädchen 10 Pfg. �elohnung und nahm dem Mädchen den Korb mit dem Thaler ab, um dies zu verwahren, bis das Kind wieder herunterkäme. Als das Mädchen unver- richteter Sache aus dem Hause nach der Straße zurücklehrte, war die Schwindlerin mit dem Korbe und dem Thaler ver- Sjwunden. Dieselbe ist mittelgroß, hat blonde Haare, blaue ugen und trägt eine graue Pellerine mit breitem, schwarzem Strohhut. Mozarts„Don Juan" geht am nächsten Sonnabend wiederum im Louisenstävtischen Theater in Szene, und zwar werden zwei Schülerinnen des Herrn Professor Engel in dieser klassischen Oper debütiren. Frl. Nillson wird die Elvira und Frl. Schwarz die Zerline fingen. Im Uebriaen wird die Oper mit derselben Besetzung, wie bei den ersten Aufführungen ge- geben werdrn, Herr Reich fingt die Titelrolle und Frau Bar- nay-Kreutzer die Donna Anna. BN. Zwei Wasserleichen, von denen die eine in Folge des längeren Liegens im Wasser schon bis zur Unkenntlichkeit verwest war, find gestern Abend resp. heute früh in die Morgue eingeliefert worden. Die eine der Leichen, diejenige eines ca. 25 Jahre alten, verkrüppelten Mannes, wurde am Königin Auausta-Ufer, die andere, die schon Eingangs erwähnte, schon stark verweste, an der Schillingsbrücke ans Land gespült. Das Herabfallen einiger Gesimsstücke in der Länge von mehreren Fuß brachte vorgestern Mittag in der Friedrich- straße die vor dem Hause Nr. 60 Vorübergehenden in die Ge- fahr, erheblich verletzt, zum mindesten aber sehr erschreckt zu werden. Wenn man sonst bei solchen Vorkomm- nissen der feuchten Witterung oder vorhergegangenem starken Regen die Schuld, derartige Kalk- oder Stuckverzierungen zu lockem, beigemessen hatte, so ist in dem vorliegenden Fall dieser Grund, bei der jetzt herrschen- den Hitze, nicht zutreffend. Dergleichen gefährliche Abstürze werden sich immer wieder ereignen, so lange man fortfährt. in der bisherigen leichtfinnigen und unsoliden Weise die Häuser mit den ebenso werth- als geschmacklosen Gips- oder Kalk- Verzierungen zu bekleben. Stuck kommt seit langer Zeit hier- bei gar nicht mehr zur Verwendung. Das Material hat stch derartig verschlechtert, daß es thatsachlich zu verwundern ist, wie solche Gefimse, Rosetten, Konsolen und sonstige Verzierun- gen überhaupt noch länger als Jahresfrist an den Häuserfronten zu haften vermögen. Das Herabstürzen derselben ist nur eine Frage der Zeit, und wenn die Passanten dem ihnen hierdurch fortwährend drohenden Verhängniß im entscheidenden Momente glücklich entrinnen, so ist dies nur eine Folge des Zufalls. IT Gerichts-Keituug. Prozeß Gronack- Die Verhandlung dieser Kapitalsache ann gestern im großen Schwurgerichtssaal. Der Gerichts- , besteht aus dem Landgerichtsrath Brausewetter, Vorsitzender; Landgerichtsrath Schmidt und Landrichter Dr. Frredenthal als Beisitzer. Die Anklagebehörde wird durch den Staatsanwalt Heinemann vertreten. Der An- geklagte ist der Arbeiter Ernst Franz Gronack, seine Ver- thcrdlgung führt Rechtsanwalt Wro nker. Gleich nach 9 Uhr Vormittags wird der Angeklagte in den Sitzungssaal geführt. Sern mrt erncr Gefangencnjacke hekleidetes Aeußere bietet nichts Auffallendes. Von Natur schmächtig blickt der Angeklagte, dessen Haar dunkelbraun und dessen normaler Schnurbart von hellblonder Farbe ist, finstern Blickes vor fich hin. Der Er- öffnungsbeschluß legt dem Angeklagten zur Last, am 29. März cr. seine Ehefrau und deren Schwester Auguste Block aetödtet und diese Tödtungen mit Ueberlegung ausgeführt zu haben, den Tabakshändler Schröter vorsätzlich getödtet und die unver- ehelichte Aug. Block zu ermorden versucht zu haben. Die Zahl der erschienenen Zeugen und Sachverständigen beträgt 34. Der Präfident stellt nunmehr die Personalien des Angeklagten fest. Derselbe ist in Lötzen m Ostpreußen geboren, wo sein Vater das Schuhmacherhandwerk betrieb. Nur seine Mutter lebt«och und zwar hier in Berlin. Der Geburtstag ist am 12. März 1852, so daß der Angeklagte jetzt bereits oas 32. Lebensjahr vollendet hat. Derselbe diente beim 41. Jnf.-Regiment und hat wegen verschiedener Gewaltthätigkeiten viele Vorstrafen erlitten. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses tritt der Präfident in das Jnquifitorium des Angeklagten ein. Präs.: Bekennen Sie fich der Ihnen zur Last gelegten Strafthaten schuldig< A n g e k l.: Ja, aber m,t Ueberlegung habe ich nicht gehandelt- , eine sllend, gegen r mtt mehr? iLeb«- s ihm mirter ja in ige zu. oahren; iuleini Nutter is de« ntzstckt :eotyvtz milsen» >t viel n WS >r des junger onderS Partien mußte; fi zum dicke sonne; Praxis h hatte -n. die ich von drängt wacht; Haupt- : selbst. i wurde r allzu» ürchten ft noch »ie der könnte, n ver- : haben »ie bis nnt ge- ich« ein :genden chulamt Präs.! Ich will nun noch einmal zu Ihren Personalverhält- nissen zurückkehren. Erzählen Sie mir Ihren Lebenslauf. A n g. Ich habe in Lötzen eine öklasfige Bürgerschule besucht und bin nach meiner Einsegnung zu meinem Vater in die Lehre ge- treten. Später suchte ich meinen Erwerb in Königsberg als Salzträger. Im Jahre 1877 kam ich nach Berlin, wo ich bei meinem Schwager, der ein Bierverlagsgeschäft betteibt, eine Stellung fand. An Gehalt erhielt ich 18 M, pro Woche und Frühstück und Vesper. Vor etwa 2 Jahren lernte ich die Familie Block kennen. Mit meiner verstorbenen Frau trat ich nicht lange darauf in ein Liebesverhältniß. Dieselbe arbeitete zu jener Zeit hei einem Schneidermeister. Am 20. November 1883 fand unsere standesamtliche Verheirathung statt. Meine Frau fühlte das Bedürfniß, fich auch kirchlich trauen zu lassen. Die Trauung wurde aber durch die Lutherfeier bis zum 2. Dczemher verschoben. Präs.: Lebten Sie denn nun glücklich in Ihrer Ehe? Angekl.: Nur in der ersten Woche. Sehr viel getrübt wurde unser Verhältniß durch das Dazwischen- treten der Schwiegermutter und der beiden Schwägerinnen, was sehr häufig vorkam, und ich bedauerte es, daß ich nach "''' die Wohnung meiner Schmie- gezogen war. Ich ging be- 5 Uhr von Hause fort und 9 Uhr nach Hause zurück.— meiner Verheirathung in germutter, Ändreasplatz 3 reits des Morgens um kehrte erst Abends nach Die pitcairner. (Fortsetzung.) Die Holländer verschafften für Bliah und seine Gefährten eine Reisegelegenheit nach England. Fünf starben aber bald an den Nachwehen der Entbehrungen, einer mußte in Batavia zurückgelassen werden, von ihm wurde nie mehr etwas gehört, und da einer auf Tafoa getödtet worden war, erreichten von den 19 Ausgesetzten England nur 12. Bliah, dessen Tagebuch bald im Druck erschien, wurde der Held des Tages und Niemand dachte daran, eine Untersuchung über sein Verhalten anzustellen. Ueber die Gründe der Meutere:„muthmaßte" er bloß, die Auf- rührer hätten gehofft, unter den Tahitianern ein glücklicheres Leben zu führen, als in England. Mit einem anderen Schiffe, der„Providence", wurde er 1791 nach der Südsee gesandt, um durchzuführen, was er mit der„Bounty" verhindert worden war. Im Frühling 1792 erreichte er Tahiti, sammelte inner- halb drei Monaten 1200 Brodbaumpflänzlinae, die er glücklich nach Westindien brachte. Allein der Brodfruchtbaum fand keinen Anklang in seiner neuen Heimath, man erkannte ihn in jeder Beziehung für geringartiger, als die Banane, daher das Unternehmen nutzlos bliebt. Bngh wurde später zum Gouverneur von Neu-SüdwaleS ernannt, wo er aber so brutal und Willkür- lich auftrat, daß er von dem militärischen Gouverneur Johnstone abgesetzt und zwangsweise nach England eingeschifft wurde, was diesem aber die Kassation eintrug. Bligh hatte sich hei dem Marinekorps in hohes Ansehen gesetzt durch seine energische Unterdrückung der berühmten Meuterei der Mannschaft der „Noie" und stieg dann rasch im Range. Als Vize-Admiral zog er fich in's Privatleben zurück und starb 1829 in London. Die britische Regierung entschied fich, die„Pandora" ar- mirt mit 24 Kanonen, unter Kommando des Kapt. Edwars nach der Südsee zu senden, um d,e Meuterer aufzusuchen und nach England zu bringen. Achtzehn Monate, nachdem Christian und seine Gefährten Tahiti verlassen hatten, warf die„Pan- dora" in der Bat) der Insel Anker. Die Sechzehn, welche fich geweigert, Christian zu folgen, hatten fich Mittlerweile auf der Insel zerstteut. Die beiden Midshipmen, Stewart und Hey- wood, wmden die Lieblinge des Häuptlings Tipparo, der nach kurzer Werbung seine Tochter dem Ersteren zur Frau gab. Der junge Heywood gestattete, daß man ihn tatowirte. fernen wilden Freunden zu Gefallen, allein« ging keme jener Ver- bindungen ein, die so häufig find zwischen Europaern und Insulanerinnen. Eifrig studirte er die Sprache der Emgebore- nen und schneb ein Wörterbuch, das den Missionaren vorzüg- liche Dienste geleistet hat. Diese Beiden, sowie ein Dritter stellten fich im Gefühle ihrer Unschuld smwillig am Bord der„Pandora. Die klebrigen wurden aufgesucht und his auf zwei, die in einem Streit« getödtet wo, den waren, gefangen und an Bord ge- ju�ppt. Kapitän Eowards schien seinen Kollegen Bligh an roher, unmenschlicher Grausamkeit übertreffen zu wollen. Alle Gefangenen obne Aufnahme ließ er in Eisen legen und unter Aufficht von Schiltwachen stellen, welche den Auftrag«rhiel- en, Jeden zu eis-�eß.n, der in tahitianischer Sprache redete. räs.: An einem Tage verließen Sie die Wohnung Ihrer chwiegermutter und zogen zu Ihrer Mutter? Angekl.: Ja. P r ä s.: Zog Ihre Frau mit Ihnen? Ang ekl.: Nern, ihre Verwandten hielten sie zurück. Präs.: Ließen Sie fich später nicht einen Brief schreiben, in welchem Sic Ihre Frau aufforderten, zu Ihnen zu kommen? Angekl.: Ja, aber meine Frau kam nicht, antwortete auch nicht. Präs.: In- zwischen leitete Ihre Frau die Ehescheidungsklage ein, und zum 26. Februar c. war der Sühnetermin anberaumt? Angekl.: Ja, Ich bin auch in demselhen erschienen. Präs.: Haben Sie nicht an diesem Tage die Drohung ausgesprochen, Ihre Frau sollte Sie kmnen lernen? Angekl.: Nein, ich habe nicht gedroht. Präs.: An demselben Tage begaben Sie fich nach- mittags in die Wohnung Ihrer Frau? Angekl.: Ich wollte blos mit Fischer zusammentreffen. P r äs.: Doch nur, um denselben zu mißhandeln? Angekl.: Nein. Präs.: Ihr Schwager wollte Ihnen nicht aufmachen und als Sie ge- waltsam einzudringen fich anschickten, warf Ihre Schwägerin Anna Sie zu Boden? Auch rief fie sofort nach dem Vize- wirth Schröter. Das thut man doch nur, wenn man Angst vor Ihnen hatte? Angekl. schweigt. Präs.: Kommen wir nun zum 29. März. An diesem Tag« kauften Sie das Messer, mtt dem Sie dann die Tödtungen begingen? An- g e k l.: Ja, ich kaufte das Messer, um meine Frau zu schrecken, wenn fie fich weigern wollte, sich mit mir wieder zu vertragen. Präs.: Das machen Sie doch keinen Menschen glauben. Wie Sie das Messer kauften, was verlangten Sie dabei? Angekl.: Ein Schlachtmesser. Präs.: Sie sagten auch noch, recht spitz und recht scharf? Angekl.: Ja wohl. Präs.: Nun gehen Sie doch der Wahrheit die Ehre. Er- leichtern Sie Ihr Gewissen. An gekl.: Ich wollte meine Frau hlos schrecken. Präs.: Auf der Polizei haben Sie doch angegeben, daß Sie Ihre Frau morden wollten, wenn sie sich nicht mit Ihnen vereinigen würde? Angekl.: Das habe ich nur so gesagt, weil es von mir verlangt wurde. Das Messer ließ ich mir in Papier einpacken unb steckte es in die linke Seitentasche. Dann begab ich mich in die Woh- nung meiner Frau. Auf mein Klopsen wurde mir nicht ge- öffnet, ich schlug deshalh, in Wuth versetzt, die Thürhüllung entzwei und zwängte mich in die Wohnung hinein. Auf meine Schwägerinnen Auguste und Anna schlug ich gleich mit dem Messer ein. Die Erstere stand am Fenster und rief nach dem Vizewitth Schröter. Präs.: Warum erstachen Sie sofort die Auguste Block, die Ihnen doch gar nichts gethan hatte? Ange- klagter: Es schwamm mirlAlles vor den Augen, ich weiß nicht, wie das kam.— Präs.: Die beiden Mädchen Anna und Au guste flüchteten fich in die Relsch'sche Wohnung, nachdem fie vorher die Thür hinter sich verschlossen hatten. Dort brach die zu Tode getroffene Auguste in ihrem Blute zusammen. Aus welchem Grunde suchten fie dann noch ihre Frau auf? An- geklagter: Ich wollte die That vollenden. Ich zertrümmerte den Riegel und fand meine Frau vor mir stehn. Ohne ein Wort zu sprechen, stach ich auf fie los, bis fie lautlos liegen blieb. In diesem Moment trat mir der Vizewirth Schröter entgegen und wollte mich festhalten. Ich stieß ihn deshalb nieder. Präs.: Sie begaben sich nach diesen gräßlichen Thaten zur Polizei. Dort äußerten Sie zu dem diensthabenden Schutze Nur„Peggy", die erwähnte Frau Stewarts, wurde an Bord geduldet, alle übrigen Eingeborenen jedoch drohend zurück- gewiesm. Sie umklammerte laut klagend ihren mit schweren Ketten gefesselten, auf dem Deck liegenden Mann, bis fie mit Gewalt entfernt wurde. Die Szene war so herzzerreißend, daß Stewart bat, man möge seiner Frau nicht mehr erlauben, an Bord zu kommen. So lange die „Pandora" in der Bay lag, verweilte fie am Strande, um wenigstens sein Gefängniß zu sehen und erst als das Schiff am Horizont verschwand, lehrte fie heim, um wenige Wochen später an gebrochenem Herzen zu sterben. Die Hoffnung der Gefangenen, ihre Lage würde erträglicher gemacht werden, so- bald die„Pandora" die hohe See erreicht habe, ging nicht in Erfüllung. Ihre Behandlung war andauemd ein so unmensch- liche, wie fie der rohen Brutalität entsprach, die allezeit ein Schandfleck der englischen Marine gewesen und selbst heute noch nicht ganz ausgemerzt ist. Selbst als die„Pandora" in den Endeavor Sttatts strandete, bei welcher Gelegenheit 31 Mann der Besatzung und 4 Gefangene, darunter Stewart, er- tranken, handelte Kapitän Edwards gleich einer Bestie, und tfUIIVW4V VVIVMVVX» UPViV*/ VllsVV 44IIV bei der dann folgenden Bootfahrt entfaltete er, ungleich Bligh, der sich doch wenigstens bei der oben geschildetten"" als ein Mann gezeigt, der einstchtsvoll�sein konnte, eine un- gezügelte tyrannische Leidenschaft. Die Schiffbrüchigen landeten m vier Booten in demselben Hafen, in welchem zwei Jahre zuvor Bligh Zuflucht gefunden hatte. Nach einigen Wochen fanden fie in Coupang Gelegenheit, nach Batavia zu segeln, und von dort erreichten fie nach einer höchst beschwerlichen Reise Capstadt. Nach dreimonatlichem Aufenthalte wurde die Fahrt nach England fortgesetzt, das die Gefangenen erreichten, vier Jahre und drei Monate nach der� Aussegelung mit der „Bounty" und nachdem fie 15 Monate lang in Ketten ge- schmachtet und grausam gequält worden waren. Von den zehn noch lebenden Gefangenen wurden drei vom Kriegsgericht freigesprochen, da klar erwiesen wurde, daß fie keinen Theil an der Meuterei genommen und mit Gewalt auf der„Bounty" zurückgehalten worden waren. Die Uebrigen wurden schuldig befunden, Heywood und Merrison aber wur» den im Urtheilsspruche der bedingungslosen Begnadigung des Königs empfohlen. Von ihrer Unschuld war man allgemein so vollkommen überzeugt, daß nach erfolgter Begnadigung Morrison zum Range eines Geschützmeisters erhoben wurde und Ädmiral Hood fich erbot, Hcywood an Bord seines Schiffes zu nehmen. Der Letztere, nun 19 Jahre alt, stieg beispiellos rasch von Rang zu Rang und nahm 1814, nach Schluß der Napoleonischen Krbeae, als Kommandeur einer Fregatte von 74 Kanonen seinen Abschied. Nun zurück zu den Pitcairnern. Wir haben fie verlassen, als fie am 23. September 1789 von Tahiti nordwärts segelten. Neunzehn Jahre lang fand kein menschliches Auge die Spur der Flüchtlinge und nur einer derselben sah jemals wieder ein fremdes Ängeficht. Ihre Auffindung geschah durch den Wal- fischjäger„Topaz", Kapitän Folger. von Boston, der 1808 bei Pttcairn kreuzte und fich nur durch einen Zufall der Insel näherte, an deren felfiger Küste die Fluth so wild brandete, K mann:„Jetzt erst fühle ich mich frei; nun ist mir ein Stein vom Herzen!" Was dachten Sie dabei? Angekl.: Nachdem ich im Taumel ein so großes Blutbad angerichtet, fühlte ich mich mit einem mal wieder frei von dem fürchterlichen Rausch. räs.: Damit stimmt aber Ihre weitere Aeußerung zu dem -chutzmann:„Ich bedauere nur, daß mir meine Schwägeriu Anna entwischt ist; den Weibern ist ganz recht geschehen" nicht überein? Angeklagter schweigt. Pias.: Empfinden Sie denn heute Reue über Ihre That? Angekl.: Nein.(Ungeheure Sensation.) Auf Antrag des Staatsanwalts wird nun- mehr während der Vernehmung des Angeklagten wegen eini- ger intimeren Beziehungen zu seiner Frau und wegen eini- Krankheiten im Interesse der Sittlichkeit die Oeffent- ...... eit ausgeschlossen, die Mitglieder der Presse werden jedoch zugelassen-— Der Angeklagte sucht auf die weibliche Ehren- »aftigkeit seiner von ihm getödteten Frau einen Makel zuwerfen� während die Wittwe Block ihrer Tochter gerade m diesem Punkt das rühmlichste Zeugniß ausstellt. Die Zeugin bekundet noch, daß ihre Tochter an dem Morgen, wo ihr Mann von ihr gegangen war, erklärt habe, nun wolle fie mit demselben nicht länger zusammen leben. Er hatte dieselbe zu roh be« handelt, so daß stch ihre Tochter der Gefahr gleicher Behand- lung nicht mehr aussetzen wollte. Auch befürchtete fie von seiner Rohhcit das Ällerschlimmste. Bei dem der Anklage zu Grunde liegenden Vorfall war die Zeugin nicht in ihrer Woh- nung anwesend. Einen Grund, weshalb der Angeklagte auf seine Schwägerinnen Anna und Auguste solch schlimmen Haß geworfen hatte, weiß die Zeugin nicht anzugeben.— Dr. Hirschberg hat den Angeklagten in der Zeit vom 10. bis 28. Februar cr. an einer Krankheit, die auf ein unstttliches Leben desselben nach dessen Trennung von seiner Frau schließen läßt, behandelt. Es wird nunmehreine Pause von'j, Stunde gemacht. Nach beendigter Pause wird um'/«! Uhr Nachmittags in der Zeugenvernehmung fortgefahren.— Frau Charlotte Lange, bei der Frl. Anna Block bis Ende März cr. gewohnt hat, bekundet über die am 14. Januar zwischen den Gronacksschen Eheleuten stattgehabten Zwistigkeiten. Am 26. Februar sei fie zugegen gewesen, als der Vicewirth Schröter den Angeklagten die Treppe hinunter brachte. Der Letztere äußerte dabei, daß er fich das nicht gefallen lassen brauche. Ihr gegenüber habe Anna Block den Angeklagten als einen ordentlichen Menschen bezeichnet und sich gegen eine Scheidung ihrer Schwester ausgesprochen.— Frl. Johanna Schröter ist die Tochter des getödteten Viee- wirths Schröter. Am 14. Januar habe ihr Frau Gronack ge- klagt, daß ihr Mann fie gewürgt hat und ihr einen geschwolle- nen Hals gezeigt. Am 26. Februar habe fie ber Gronack Spettakel gehört, und äußerte ihr verstorbener Vater, daß Gronack ein roher, gewaltthätiger Mensch sei. Am 29. März, als wieder aus der Gronack'schcn Wohnung Lärm ertönte, rief fie noch ihrem Vater zu: schnell, schnell! Ihr Vater eilte hinauf und als er sv lange fottblieb, folgte fie ihm. Aus der Treppe begegnete fie dem Angeklagten, der auf seine Ehefrau mit dem Messer losstieß. Frau Gronack fiel als Leiche gegen das Fenster, worauf fie fich in ihre Wohnung zurückzog. Das Nichterscheinen ihres Vaters schrieb fie anfänglich emtr Ohn- macht desselben zu, später erhielt fie aber die schreckliche Nachricht von dessen Tode.— Schutzmann Schnürpel, der im Revier der Kl. Andreasstraße stationirr ist, bekundet, daß der Vicewirth Schröter am 26. Februar cr. seine Hilfe zm Entfernung des Angeklagten aus dem Hause Andreasplatz 3 nachgesucht habe. Bei seinem Erscheinen sei aber der Angeklagte bereits im. Fortgehen begriffen gewesen, und habe er denselben auf die Strafbarkeit seines Thuns als Hausfriedensbruch auf» merksam gemacht. Schröter habe ihm kurze Zeit darauf mitgetheilt, daß der Angeklagte gedroht habe, ihn, den Schutz- mann, zu erstechen.— Frau Dr. Lantsch erzählt, daß Frau Gronack zu ihr gesagt habe:„So lieb mich mein Mann hat, so sehr haßt er mich, und ich fürchte, daß er mich ermorden würde, wenn ich bei ihm bleibe."— Verehel. Weber Preil wohnte ebenfalls im Hause Ändreasplatz 3. Am 26. Februar äußerte der Angeklagte zu mir:„Ich habe eine Frau und doch keine; wenn fie zu Balle ginge, dann werde ich es ihr be- sorgen!"— Zahntechniker Robert Fischer, von dem bereits- mehrfach die Rede war, deponirt, daß Frau Gronau ihn am- 26. Februar gebeten habe, sie zum anberaumten Sühnetermin zu begleiten. Im Wartezimmer des Gerichts stieß der Ange- klagte seine Frau vom Fenster fort und murmelte fortwährend- unverständliches Zeug vor fich hin. Als Frau Gronack aus dem Terminszimmer herauskam, äußerte sie:„Wissen Sie, was flch mein Mann einbildet? Daß ich mtt Ihnen ein Ver« hältmß unterhielte." Darüber habe er nur lachen können.— ,-IL daß sie unerreichbar schien. Groß war daher das Erstaunen der Besatzung, als plötzlich ein Boot durch die Brandung schoß und deren Insassen ihr in gutem Englisch zuriefen, fie seien zum Beistand bereit, falls eine Abthetlung landen wolle. Em Matrose erbot fich, die angebotene Gastfreundschaft anzuneh- men, und als er erwiederte, wußte er Merlwürdiges zu be- richten. Der alte Mann, den er auf der Insel getroffen, habe gesagt, er heiße Alexander Smith und sei der einzige Ueber« lebende der„Bountiz-Meuterer", und daß die Insel jetzt von 25 Personen bewohnt würde. Daraufhin begab fich Kapitän Folgcr selbst an Land, um weitere Informationen einzuziehen. die er austauschte gegen Berichte über die Weltereignisse in den letzten 20 Jahren. Er erzählte den Insulaner, daß fich in Frankreich eine schreckliche Revolution abgespielt habe und daß ein Mann, Namens Bonaparte, Kaiser geworden sei und einen großen europäischen Krieg angezettelt habe. Als er von den glänzenden Seestegen sprach, die England errungen, brachen seine Zuhörer in ein lautes Hurrah aus: Old England Cor everl Als Kapitän Folger wenige Wochen später Valparaiso anlief, stattete er einen ausführlichen Bericht über diese Entdeckung ab, der auch prompt nach England befördert wurde. Allein die britische Regierung hatte gerade damals fich um viel wich, tigere Dinge zu bekümmern, als um 35 Menschen auf einer einsamen Insel der anderen Erdhälfte, und so fiel der Schleier, der für einen Augenblick gelüstet worden war, auf wettere 6 Jahre, um dann abermals durch den Zufall gehoben zu wer» den. Die englischen Fregatten„Brilon" und„Tagüs" kreuzten 1814 in der Südsee, um die amerikanische Kriegsschaluppe „Essex" zu suchen, welche mehrere Walfischjäger gekapert hatten. An einem Abend kamen fie plötzlich in Sicht einer kleinen hochragenden Insel, die auf einer Stelle lag, wo den Karten zufolge in einem Umkreise von 200 Meilen reine Insel liegen sollte. Die Offiziere prüften scharf ihre Karten: keine Insel war zu finden, und da lag doch eine vor ihren Augen, fast 1000 Fuß über den Meeresspiegel ragend. Der Morgen brach an und immer noch lag die Insel da: auf ihrer felsigen Küste wurden jetzt auch Menschengruppen bemerkt, aus denen fich zwei Männer loslösten, um ein Boot zu besteigen, mit dem fie gewandt durch die Brandung schifften und bald bei den Fre- gatten anlangten. Nachdem ihnen ein Tau zugeworfen worden war, sprang ein junger Mann auf Deck und antwortete auf die Frage, wer er sei: Thursday October Christian, Sohn von Fletcher Christian, dem Meuterer der„Bounty", und einer tahitianischen Mutter und der Erstgeborene auf der Insel. Der andere junge Mann hieß Edward xloung, Sohn eines anderen ohen genannten Meuterers. Die beiden jungen Leute erstaunten über Alles, was fie sahen. Eine Kuh jagte ihnen Schrecken ein, da fie keine an- deren Sä'ugethiere wie Schweine und Ziegen gesehen hatten. Ueber einen kleinen Hund fteuten fie fich sehr;„Ich weiß, daß das ein Hund ist," sagte Noung,„ich habe von diesem Thiere gelesen." Als ffe in die Kajüte geführt wurden, um an einer Mahlzeit Theil zu nehmen, falteten fie erst die Hände, um ein lautes Gebet zu sprechen, was fie wiederholten, als fie fich ge- sättigt hatten.(Fortsetzung folgt.) Der Angeklagte befragt, was er hierzu zu bemerken habe, ers Auf tlart: Von diesem Menschen will ich nichts missen. Die Bernehmung der Mutter des Angeklagten, Frau Gronad, wird allgemein verzichtet, nachdem dieselbe den Wunsch zu er fennen gegeben, ihre Aussage verweigern zu dürfen. Dienstmädchen Clara Walter, welche mit dem Angeklagten zusammen im Dienst stand, bekundet, daß derselbe am 29. März mehr Bier wie gewöhnlich getrunken hat. Verehel. Emilie Erbe, welche den Angeklagten von seiner Arbeitsstätte her fennt, erklärt, daß sie mit demselben manchmal über seine Che gesprochen hat. Der Angeklagte habe stets mitgetheilt, daß er seine Frau sehr lieb habe und daß er ihren Wunsch, sich von thm scheiden zu lassen, nicht erfüllen werde. Am Tage der That sei ihr das Benehmen des Angeklagten in hohem Grade auffällig erschienen. Dasselbe sagt Arbeiter Lether. Unverehel. Anna Blod, Schwägerin des Angeklagten: Ihre Schwester Emma habe nie zu ihr geklagt, daß ihr Mann fie schlecht behandele. Von der Scheidung habe sie ihrer Schwester abgerathen; dieselbe wollte aber davon nichts hören. Bezüglich des Vorfalls am 29. März giebt die Zeugin an, daß sie sich in der Mittagsstunde bei ihrer Mutter befunden habe. Gegen 1 Uhr flopfte es, fte erkannte sofort in diesem Klopfen ihren Schwager. Sie schob ihre Schwester Emma in die Wohnstube und schloß die Küchenthür zu, ihre Schwester Anna trat an's Fenster und rief nach dem Vicewirth. Der Angeklagte schlug die Thürfüllung ein und erschien in der Küche. Hereinkommen und auf die Auguste zulaufen, war Eins. Von den gegen fie geführten Stichen in den Hinterkopf und an die Schulter habe fie nichts bemerkt. Sie begab fich in die Pret'sche Wohnung, au welchem Zeitpunkt fie den Vicewirth Schröter in der Küchenthür sah. Bei ihrer Rückkehr in die Küche fand fie ihre Schwester Auguste und Schröter als Leichen vor. Ihre Schwester Frau Gronad fuchte fte anfänglich und fand fie denn auf dem Flur auch als Leiche wieder. Von ihrer Verwundung sei fie erst von Leuten auf der Straße aufmerksam gemacht worden. Die Heilung sei in 14 Tagen resp. 6 Wochen er arbeitsunfähig gewesen wäre. folgt, ohne daß fie arbeitsunfähig Frau Weber Pietsch, welche mit der ermordeten Frau Gronad auf demselben Flur wohnte, deponirt, daß es ihr nach der Verheirathung der Frau Block mit dem Angeklagten be for ders aufgefallen war, daß Erstere ganz ungewöhnlich hinfälg wurde. Bei dem Streit am 14. Januar machte sie dem Angeklagten ob feines Verhaltens Vorhaltungen; er bestritt aber, seiner Frau was gethan zu haben; sie sei nur über die Rommode gefallen. Am Nachmittag des 29. März sei fie, als fie den Lärm hörte, zugesprungen und habe den Angeklagten mit einem Meffer an der Schwelle stehen sehen. Schröter fiel erst um, dann erst die Auguste Blod. Während sie sich in thre Stube zurückzog, wandte fich der Angeklagte wieder nach der Blockschen Küche zurück, in welcher Frau Gronad auf den Knieen lag. Sie fah noch, wie der Angeklagte auf seine Frau mehrmals einschlug. Die Aussagen des Ehemannes dieser Beugin und deren Sohnes find belanglos. Frau Tischler Ruffin hat am 29. März den Angeklagten gleich nach der That gesehen, wie er das Blut von seinem Meffer und seinen Händen wegschlänkerte. Frau Arbeiter Bra at hat bei der Entfernung des Angeklagten nach der That die Worte von demselben gehört: Mir ist Alles egal, mein Leben ist mir auch egal!" Kellner Rüdert hat dem Angeklagten gegen Mittag des 29. März einen Schnaps verabfolgt, und fiel es Schußmann ihm auf, daß er es ganz besonders eilig hatte. Schußmann Fuß ist dem Angeklagten unmittelbar nach der That zur Bache gefolgt.- Unterwegs hatte er sein Messer in den Rinnftein geworfen, welches er herausholen ließ. Der Angell. ging in das Haus, in dem sich das Revierbureau befand. Auf dem Flur äußerte der Angeklagte zu ihm: Ja, ia, ich bin der werf Mörder!" Schußmann Dertel deponirt, daß der Ange lagte zu ihm geäußert habe; Es ist wahr, daß es so gekommen ift, ich weiß, was ich gethan habe. Die Anna Block ist an Allem schuld, schade, daß die so davon gekommen ist." Im weiteren Verlauf habe der Angeklagte, der sehr aufgeregt war, gefagt, es wäre gut, daß ihm nicht noch mehrere in den Weg gekommen seien, sonst hätte er die auch noch niedergestoßen. Schußmann Fette deponirt, daß ihm auf seine Vorhaltung der Angeklagte erflärte, er wäre mit der Abficht zu seiner Frau hingegangen, fich mit ihr zu versöhnen oder mit ihr vereint zu sterben. Dabei war er sehr ruhig. Schußmann Both bekundet nur, daß das Schlächtermesser erst nach Einlieferung des Angeklagten nach dem Wachtlokal gebracht worden war. Die Hülle befand sich in der Seitentasche des Angeklagten. Kriminal- Kommiffar Brößel hat er Angeklagten zwei Stun ben nach der That vernommen. Vo. Jeue habe derselbe keine Spur gezeigt. Von der Ermordung der Schwägerin und des Schröter wollte er Anfangs nichts wiffen, nachher gab er an, baß er sich in großer Aufregnng befunden hätte. Auf ihn babe es den Eindruck gemacht, als ob der Angeklagte mit großer Ueberlegung zu Werke gegangen wäre. Gerichtsdiener Harloff hat den Angeklagten zur Lokalbe fichtigung nach dem Ort der That geführt. Unterwegs habe fich zahlreiches Bublifum angesammelt und Drohungen ausges stoßen. Der Angeklagte äußert; Wenn ich nur frei wäre, Dann würde ich den Leuten ordentlich etwas auswischen. Während der Lokalbefichtigung war der Angeklagte in die äußerste Wuth gerathen. Während des Rüdtransportes äußerte er: Und selbst wenn ich vor dem Klos stehe, täte mir die That nicht leid, die baben mir zu schlimm zugesezt. Später fagte der Angeklagte, daß er wohl manchmal Reue empfände, dann aber fame eine gewisse Befriedigung über ihn. Bei Ausführung der That habe er seine Frau nicht erkannt; erst als er fie hinfinten fah, nahm er das wahr, und habe er ausgerufen, Gott hat mir den richtigen Weg gezeigt! Mit dieser Ver nehmung wird die Beweisaufnahme abgebrochen, und soll die Berhandlung Morgen um 9 Uhr fortgesezt werden. Theater. Freitag, den 4. Juli. 1 Die Königl. Theater find der Ferien wegen geschlossen. Deutsches Theater: Geschlossen. Renes Friedrich- Wilhelmst. Theater: Boccaccio. allner Theater: Hotel Blancmignon. Oftend- Theater: Der Bettelstudent von Berlin. Belle- Alliance- Theater: Die Goldprobe. Walhalla Operetten-Theater: Nanon. Buisenftädtisches Theater: 64. Opern Vorstellung. Gast spiel des Frl. Emmy Dähne und des Herrn Kasten vom herzogl. Softheater in Coburg. Johann von Paris. Komische Oper in 3 Aften von Boieldieu. Nach der Vorstellung: Großes Garten- Konzert. Sentral- Theater: Los und Ledig. Cigarren- Import Gustav Wendt Berlin S., Oranienstrasse 66, Berlin S. zwischen Moritzplatz und Kommandantenstrasse. Die Hut- und Schirm- Fabrik bon Paul A. Lindemann, Naunynstraße 33, S- O., Bur Arbeiterbewegung. Arbeitseinstellung. In der Möbelfabrik von Franz Müller, Krautstraße 37, haben sämmtliche Gesellen in Folge von Lohnreduzirungen und Arbeitsverlängerung von Seiten des Arbeitg bers die Arbeit niedergelegt. Einhverein der Weber und verwandter Berufe hat fich in angenberg gebildet, troẞdem der Drt nur 16-1700 wohner zählt. Bei seiner Gründung zeichneten fich sogleich 25 Mann ein. In der jüngsten Mitglieder- Versammlung ließen sich weitere 9 Mann eintragen, so daß der Verein ein erfreuliches Wachsthum zeigt. Die jest konkurrenzunfähige Handweberei, welche noch vor 15 Jahren in voller Blüthe stand, liegt fast gänzlich darnieder, indem sich der Betrieb nur noch auf 2-3 Stühle beschränkt, wo hingegen früher 2-300 Personen beschäftigt waren. Die meisten der Weber find nun in der nächſtliegenden Stadt Gera beschäftigt, und haben bei dem 2-3 Stunden langen Weg, welchen fie täglich zurücklegen müssen, auch eine ziemlich ausgedehnte Arbeitszeit, fodaß es vorzüglich im Winterhalbjahre gar oft vorkommt, daß die Eltern früh 5 Uhr schlafend ihre Kinder verlaffen, und am Abend 9 Uhr dieselben wieder schlafend finden, daher eine geregelte Kindererziehung außer der Möglichkeit bleiben muß. -h. Die allgemeine öffentliche Schneiderversammlung, welche, von der Lohnkommiffion der hiesigen Schneider einbe rufen, am Mittwoch Abend in Bräuer's Salon, Gr. Frank furterstraße 74/75 unter dem Vorsitz des Herrn Pfeifer tagte furterstraße 74/75 unter dem Vorfis des Herrn Pfeifer tagte und recht gut besucht war, diskutirte nach Anhörung eines beifällig aufgenommenen Referates des genannten Borfizenden über„ Die Aufgaben der Lohnkommission und der Werkstätten" sehr lebhaft über diesen ersten Punkt der Tagesordnung, den der Referent Pfeifer in derselben Weise, wie in der unlängst stattgehabten ersten Schneider, Arbeitnehmer- und WerkstättenDelegirten- Versammlung sehr eingehend erörterte; indem er die traurigen Werkstättenverhältnisse und Löhne besprach, die Sonntags und Ueberstunden- Nachtarbeit, die zeitweise in Folge der Saisonarbeit herrscherde Arbeitslosigkeit ic. und die Nothwen digkeit der Aufstellung einer Lohnstatistit, der Wahl von Wertstätten- und Hausarbeiter- Delegirten, welche mit der Lohnfom mission in steter Verbindung bleiben und die von allen auf die Löhne und Arbeitsverhältnisse bezüglichen Vorgängen sofort unterrichten müffe, damit dieselbe, wenn nöthig, solche an die Deffentlichkeit ziehe und überhaupt in der Lage sei, die richtigen Deffentlichkeit ziehe und überhaupt in der Lage sei, die richtigen Maßnahmen zu treffen. Aus der Diskussion heben wir die von mehreren Rednern übereinstimmend gemachten Angaben hervor, daß nur in der eigentlichen kurzen Saisonzeit und unter Bu hilfenahme von Sonntagsarbeit, Nachtarbeit, Frauen und Kinderarbeit der Familienangehörigen ein Schneiderarbeit nehmer wöchentlich 10 bis 12 Thlr. verdienen könne, der jähr liche Durchschnittswochenverdienst aber nur auf 10 bis 12 M. zu veranschlagen sei. Die Besprechung des in der Werkstelle von Mudsch in der Landsbergerstraße 115 eingeführten und als besonders schlecht verrufenen Stüdlohntarifs führte zu dem allgemein anerkannten Resultat, daß derselbe im Großen und Ganzen nicht schlechter sei, als durchschnittlich die hier allerwärts gezahlten Schundlöhne. Wie Herr Pfeiffer mittheilte, soll demnächst eine Schneiderversammlung im Botsdamer Viertel abgehalten und dort die Werkstelle eines Herrn Meinhardt zur Sprache gebracht werden. Auch wird am 8. d. M. in der Fachschule des Fachvereins der Schneider ein neuer Kursus beginnen. Schließlich erklärten die Versammelten in einer eintimmig gefaßten Resolution, die Lohnkommission bestens unterftügen und dem Fachverein der Schneider beitreten zu wollen. Vereinsnachrichten. Die Kommiffion der Kranken- und Sterbekaffe der Maschinenbauarbeiter Berlins macht ihren Mitgliedern be fannt, daß das Königl. Polizei- Präfidium die Veröffentlichung der Verfügung vom 29. Febr. d. J. an den Anschlagsäulen nicht gestattet hat. Die Kommission macht ferner darauf aufmerksam, daß nach§ 37 des Statuts jedes Mitglied nach wie vor aus der Krankentasse ausscheiden und sich seine Anrechte an die Sterbelasse mahren kann. Der Louisenstädtische Arbeiter- Bezirksverein Borwärts" hielt am Mittwoch, 2. Juni seine regelmäßige Vereinsfizung ab, zu welcher Herr Stadtv. Singer einen Vortrag in Aussicht gestellt hatte. Leider war Herr Singer durch Krankheit am Erscheinen verhindert, und so mußte Herr Lief= Iänder in die Bresche springen und sie durch einen Vortrag über amerikanische Verbältnisse ausfüllen. Der Vortragende verstand es durch seine interessanten Ausführungen, die hauptsächlich die Lage der arbeitenden Klaffen in Amerika schilderten und Schlaglichter auf Sitten und Gebräuche in jenem Lande jenseits des Ozeans warfen, die Aufmerksamkeit seiner Buhörer zu feffeln und wie der allgemeine Beifall bewies, über die Hiße zu fiegen, die im Saale herrschte. In Hinblick auf eben iene Temperaturverhältnisse wurde leine Besprechung bes Vortrages vorgenommen, zumal Herr Liefländer fich bereit erklärte, auf Wunsch noch jedem Fragesteller persönlich Auskunft zu ertheilen. Darauf wurde eine in voriger Versammlung nicht erledigte Fragelastennotiz, ob die Gewerbefreiheit dem Arbeiter genügt oder geschadet habe, von Herrn Liefländer dahin beantwortet, daß eine Aufhebung der Gewerbefreiheit, wie sie von gewissen Seiten als Heilmittel unser sozialen Leiden gepriesen werde, ein Rückschritt zu einer längst verfloffenen Beit wäre, für den ein Arbeiter fich umsoweniger erwärmen fönnte, als die Zünfte durch die Erfindung der Maschinen unmöglich geworden wären. Nachdem noch festgesezt worden war, daß Sonntag, den 13. d., ein allgemeiner Familienausflug nach Osdorf zur Besichtigung der Riefelfelder unternommen werden solle, zu welchem Bwede die Theilnehmer fich um 7 Uhr früh an der Bärwaldbrücke An die Mitglieder der( alten) Kranken- und Sterbekaffe der Maschinenbauarbeiter Berlins. Das Königl. Polizei- Präfidium hat unter dem 12. Juni d. J. der unterzeichneten Protest- Kommission mitgetheilt, daß die Veröffentlichung der Verfügung vom 29. Februar d. J. auf Grund des§ 9 des Gesetzes über die Presse vom 12. Mai 1851 in Verbindung mit§ 30 des Gefeßes vom 7. Mai 1874 an den Anschlagfäulen nicht gestattet ist. drei neuen Mitglieder stellten den Antrag, den Mitgliedern die Die am 9. Juni d. 3. in die Verwaltung eingetretenen drei neuen Mitglieder stellten den Antrag, den Mitgliedern die Burücknahme der Verfügung vom 29. Februar er. bekannt zu geben. Es wurde hierauf beschlossen, die Zurücknahme der Verfügung im Kaffenlotal und in den Bahlstellen bekannt zu machen. Dies ist geschehen. Da aber die Bekanntmachung den Mitgliedern unverständlich ist, so weisen wir darauf hin, daß bis auf Weiteres jedes Mitglied nach wie vor, nach§ 37 unseres Statuts aus der Krantentaffe ausscheiden und sich seine An rechte an die Sterbefaffe wahren fann. Berlin, den 3. Juli 1884. 368] Die Kommission. Außerordentliche Generalversammlung. Fachverein der Schneider, Freitag Abends 8% Uhr in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77/79. Die wichtige Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt [ 371] Der Vorstand. menen ände H vereinigen sollten, wurde um cc. gr die Versammlun Schloffen. S Ein Tag der Freude, schreibt man uns aus Nom wie solche hier sehr selten und seit langer Zeit nicht vorgeko ist, war der 29. Juli. An diesem Tage hatte die hiesige a der Tischler- Centralfaffe eine öffentliche Versammlung einbe in welcher der Reichstagskandidat unseres Wahlkreises, Ostar Krohm aus Berlin, über das Krankenkassen referirte. Derselbe wies in in fast 1½stündiger Rede Die Nr. 77 züge und Nachtheile des betreffenden Gefeßes nach un leuchtete die verschiedenen Kaffenarten, und bezeichnete schli die Centralkaffen als die besten. Hierauf entspann sich sehr lebhafte und interessante Debatte, in deren Verlauf Das Kin die anwesenden Gewerfvereinler die Rede des Herrn K lobten. Herr Kühne, ein alter Demokrat aus dem Jahre Profeffo erklärte, von der Tagesordnung abgehend, daß er über das der Fortschrittspartei, welcher er bisher angehört habe, anthropologi mehr länger anschließen könne, weil sie nicht geschloffen neuen Buch das Sozialistengefeß gestimmt habe. Dem ebenfalls anwest die unermüd Vorfizenden des fortschrittlichen Wahlvereins, Herrn Ja über die Be verbot er, ihn noch ferner als Mitglied zu betrachten. Greifen hierauf folgende Redner Herr Herrling sprach zunächst Taufe", de Freude über die Umwandlung des Herrn Kühn aus und völkern vor firte dann noch das Krankenkassengefeß. Er meinte, durch Negern und Gesetz allein könne man fich die Sympathie der Arbeiter Er herrschte erwerben, man müsse vielmehr die materielle Lage der Inseln. Di beffern, eine geregelte Arbeitszeit einführen u. s. w. Nach ein Chriften get wenig bedeutungsvollen Auslaffungen verschiedener Ge Taufe nach vereinler ergreift Herr Seefeld das Wort. Er führte jezt die F daß bei den Gewerkskassen hauptsächlich solche Leute als Zweigen, f glieder aufgenommen würden, welche der Fortschrittspartei Auf Sumat gehören. Als hierauf ein Gewerkvereinler einlenten wollte einer Südse barum bat, man möchte doch den Streit bei Seite lassen und Lippen einig sein, wurde ihm von Herrn Herrling sehr richti bekommt da widert, daß Parteianfichten mit Raffenangelegenheiten mit ihm zu nichts zu thun hätten, die Hauptsache sei, daß die Gelde einen Mun richtiger Weise verwaltet würden. Er empfahl schließlich licher wird Beitritt in die Zentralfaffen, da bei denselben die Vet Emku heißt tungskosten sehr gering seien. Bum Schluß ergriff zur Sittenr Krohm noch einmal das Wort und kritisirte das Verh Merikanern der freifinnigen Partei bei dem Antrag Stern, betreffend Bösen" Einführung des gleichen und geheimen Wabliechts". Hi Azteken ein hätte ein Theil derselben gegen den Antrag gestimmt, eine andere zeitig tadelte Redner den Ausspruch von Schulze- Del alten Thro welcher sagte, man entfeffele die Bestie nit weil es jet als uns der erste norddeutsche Reichstag das gleiche, geb seinem Tod und direkte Wahlrecht brachte. Auch erwähnte Referent Bei de Volkszeitung als das Hauptorgan dieser Partei, welche sehr im Ge 21. November 1858 schrieb: Das allgemeine ment" gena heime Wahlrecht haben wir auf Jahre hin aus der Ta vertagt! Im Jahre 1859 den 28., 29. 30. Dktober er der Gebrau die Volkszeitung, es gäbe teine Demotraten me galt bei de Herr Krohm meinte schließlich, daß es mit der Freifinni daß Beugni dieser Partei schlecht bestellt sei, dieselbe heuchle nur Arbe tirt vom 4. freundlichkeit, und deshalb rathe er entschieden davon ab, schamanisch zu geben. Daß sich die Anwesenden mit den Ausführu man fich a Freifinnigen" bei den bevorstehenden Wahlen seine Sti bertaufe all der Referenten einverstanden erklärten, bezeugt der reichlid Da wi spendete Beifall Bum Schluß fanden noch Einzeichnunge chen von d die Krankenkasse statt. Eine große Anzahl gab Herrn Diluviums. das Geleite nach dem Bahnhof Neu- Babelsberg, wo ihm niern einhe Abschied ein träftiges hoch ausgebracht wurde. den kürzlich Die Schmiede Berlins und Umgegend halten führt nun Montag, den 7. Juli, abends 8 Uhr, in den Gratweil Gott Chibc Bierhallen, Kommandantenstr. 77-79, eine große öffen flohen auf Versammlung ab. T.- D.: 1. Berathung der Statuten einem Rege Fachverein. 2. Bericht des Vorstandes von Hamburg fruchtung treffend den Beitritt zur Bentral Kranken- und Ster Ganz der deutschen Wagenbauer. 3. Verschiedenes. Im Inpologen bei der Sache erscheint ein recht zahlreiches Erscheinen brin Kopfes der aftatischen geboten. Die Berliner Bauanschläger halten am 9. Juli, abe Nach Jago 8 Uhr, im Lokale des Hrn. Grünwald, Neue Jakobstr. 12 für schön. Delegirtenversammlung ab. Der Fachverein der Metallarbeiter in Gas-, Waffindes vo In Oftafg und Dampfarmaturen hält am Sonnabend, den 5. Juli eingezwäng Abends 8 Uhr in den Gratweil'schen Bierhallen Komman manefen w dentenftr. 77/79) eine außerordentliche Generalversammlung und Schäd T.- D.: 1) Wahl des Vorstandes. 2) Wahl der Fachkommi Bruft und 3) Wahl der Revisoren. 4) Verschiedenes. 5) Fragela Alle Das 1. Stiftungsfest des Vereins findet am Sonnab Rinder.( den 19. Juli in Buhlmann's Lotal, Schönhauser Allee 48, und find Billets a 30 Bf. bei der Vergnügungskommi sowie am Versammlungsabend zu haben. Neueste Nachrichten. Toulon. Hierselbst wurden amtlich im Laufe des geft Vormittags sechs Cholera- Todesfälle gemeldet. Marseille. Nach amtlicher Angaben find während legten 24 Stunden nur vier Personen an der Cholera storben. 72 72 Doch Wenn Ferner find feit gestern Abend noch drei Cho Blick Frie Todesfälle amtlich gemeldet worden. Mit Bezug auf Choleragefahr fand hier eine Versammlung von Herzten Bgerne bere Bharmazeuten statt. Der Vorfigende erklärte, daß die etwas zu i ruhigung der Bevölkerung über die in legter Beit eingetrürftet; da größere Sterblichkeit unbegründet sei, da dies zur Beit so vereinig starken Hipe das Gewöhnliche sei. Briefkaften der Redaction. uns für ei Des wartete F. B., Hollmannstraße. Ihre Anfrage ist durch zu sagen Artikel in der geftrigen Nummer bereits erledigt. Fachverein der Tischler mit recht f verlegene S Die ihn du zu fich fel Reder der alten Sonnabend, den 5. Juli, Abends 81% Uhr, Neue Grünft und in di Generalversammlung. Die Tagesordnung: wie fie die 1. Ueber Unterstügung Arbeitsloser. 2. Antrag wBlick, den Rechtsschutz. 3. Wahl des Vergnügungskomités. 4. Beri Berlegenh Diefe denes. Quittungsbuch legitimirt. Billets zum Somme werden ausgegeben. Metallarbeiter Berlins. [ 37 Wen Diebstahl So i auch noch Freitag, den 4. Juli: Große öffentliche Generalversa brüden? lung sämmtlicher Metallarbeiter Berlins im großen Saale Nein Sanssouci", Abends 7 Uhr. Pünktlich am Blage zu feinhören. jedes Metallarbeiters Pflicht.[ 365] Die Kommiffio Diese Die alte Im Verlage von J. H. W. Dies in Stuttgart er wie unw und ist in der Expedition des ,, Berliner Volksblatt", Bimmerf fagte fie: zu haben: Die Sozialdemokrati vor dem Deutschen Reichstage. Erste Lesung des Sozialistengesetes nach dem amtlichen Stenogramm. Heft 1. Sigung am 20. März à Left 25 Pf. 21.} empfiehlt in größter, stets frischer Auswahl: Filzhüte in allen modernen Façons zu à M. 250 bis M. 12. Regen- und Sonnenschirme zu à M. 1 bis M. 20. [ 372 Bedienung nur reeII! gemacht. II. M 1 Herr findet Schlafstelle b. Mundstock, Manteuffelstr. 114, v. IV. Verantwortlicher Redacteur N. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. 11 " " Wahrer Jakob Nr. 6.10 Bf. Hierzu eine Bel Die Hilfe bela wogegen Harl faß er, de geſtüßt, reden. Höre vor ihr f eine Gef nlun Rom geto ige inber ises, laffen Die Nr. 77. un schli fich in A 11 Beilage zum Berliner Volksblatt. Lauf Das Kind in Brauch und Sitte der Völker. ahre Profeffor Ploß hat sich früher schon in einer Monographie Ber über das Weib" als eifriger und erfolgreicher Sammler auf abe, anthropologischem Gebiete bekannt gemacht. Auch in seinem Hen neuen Buche über Das Kind" ist als wesentliches Verdienst nweit die unermüdlich fleißige Sammlung alter und neuer Zeugnisse Ja über die Behandlung des Kindes hervorzuheben. ten. Greifen wir einmal in die Schaßtammer hinein. Die ächst Taufe", das Begießen mit Waffer, tommt schon bei Natur und völkern vor. Der Gebrauch herrscht noch bei Bolynestern, urch Negern und Rothhäuten; bei Ariern, Semiten und Turaniern. beiter Er herrschte bei den weiland Guanchen auf den canarischen der Inseln. Die noch halb heidnischen Lappen tauften ein von ach ein Christen getauftes Kind noch einmal um, wiederholten auch die Get Taufe nach jeder Strankheit. Auf Neuseeland besprengen noch ührte jetzt die Frauen am fünften Tage das Kind mit naffen als Bweigen, später folgt eine zweite Laufe durch den Priester. Sparte Auf Sumatra wird das Kind in einen Bach getaucht. Auf vollte einer Südsee- Insel reibt man dem Kinde Geficht, Bahnfleisch laffen und Lippen mit Salz und Cocosöl ein. Auf den Philippinen richt bekommt das Kind zuerst Salz in den Mund, dann rennt man eiten mit ihm zum Bache. Bei den Ovaherero sprißt der Häuptling Gelde einen Mund voll Del auf Mutter und Kind. Noch viel deut eßlich licher wird die Taufhandlung bei den alten Astelen in Dulatan. ie Ber Emku heißt das Herabsteigen Gottes" 3wed iſt: Neigung griff aur Sittenreinheit, Schuß gegen den bösen Geist. Bei den Berh Merikanern nannte man das Kind nach Austreibung des Bösen" wiedergeboren". Die Welt hieß diesen vorgreifenden effend Azteken ein Ort der Betrübniß und Qual". Nebenbei noch mt, geine andere Sufuhr für die Unternehmer in Peffimismus: die e- Deli alten Thrafer, Halbgermanen, beweinten das Neugeborene, nit weil es jetzt das Leben zu ertragen habe und jubelten bei geb seinem Tode. " 1 eferent Bei den Turaniern, auch den Buddhisten, ist die Taufe so welche sehr im Gebrauch, daß fie in der lamaischen Kirche ein ,, Safra ine ment" genannt wird. Daß fie bei den Juden Sitte war, geht hin aus der Taufe im Jordan hervor. Aber auch urgermanisch ist ber er der Gebrauch, standinavisch und deutsch. Die christliche Taufe n me galt bei den Kirchenvätern als apostolische Tradition, aber ohne eifinni daß Beugnisse dafür beigebracht wurden. Das Zeremoniell da r Arbe tirt vom 4. Jahrhundert. Das Anspeien und Anblasen war ab, et schamanische Vererbung. Im 5. Jahrhundert erst kam die Kinne Sti bertaufe allgemein auf; erst im 13. Jahrhundert beschränkte Bführt man fich auf das bloße Besprengen mit Waffer. reichlid Da wir gerade beim Wasser find, so fügen wir ein Wört nunge chen von der Sintfluth" an, von dieser uralten Tradition des rrn Diluviums. Daß diese Sage bei den Griechen und Babylo o ihm niern einheimisch war, wußten wir aus griechischen Autoren und den kürzlich entdeckten Thontäfelchen in Mesopotamien; Ploß halten führt nun noch die Chibcha in Neu- Granada an: der erzürnte atweil Gott Chibchaun überschwemmte das ganze Land, die Bewohner öffen flohen auf die Höhen und flehten zu Bochica, der sodann auf atuten einem Regenbogen erschien, um Abfluß des Wassers und Be iburg fruchtung der Ebene. Ster Ganz eigenthümliche Gedanken melden fich für den Anthron Inpologen bei den verschiedenen Be- und Mishandlungen des bri Kopfes der Kinder. Könnte nicht das Kopforüden bei so vielen aftatischen Völkern auf die Brachylephalie eingewirkt haben? uli, abe Nach Jagor gilt auf der Malabarküste ein niedrig runder Kopf tr. 12 für schön. Im Nilgirigebirge( Indien) wird der Kopf des Rindes von beiden Seiten gepreßt, um ihn möglichst zu runden. Wal In Ostafghaniſtian wird der ganze Körper in Thonformen 5. Juli eingezwängt, damit die Stirn breit werde. Bei dem Adam omman manefen wird start auf Stirn und Schläfen gedrückt; Kopf mmlung und Schädel werden dort ebenso verunstaltet, wie bei uns die Commi Bruft und Athmungsorgane des weiblichen Geschlechts. Fragela Alle amerikanischen Rothhäute verunstalten den Kopf der Sonnab Kinder.( Waren fie eingewanderte Mongolen, so hatten ste Lee 48 tommi s geft brend Cholera 72 72 Feuilleton. Drei Gesellen. Eine ernste Erzählung von Ernst Pasqué. ( Fortsetzung.) Doch Harley blieb ruhig wie bisher, und gleichsam den ei Cho Blick Friedel's beantwortend, sagte er: 8 auf ersten Wenn Ihre Frau Mutter mit mir reden will, so bin ich die gerne bereit sie zu hören. 3war glaube ich nicht, daß fie mir etwas zu sagen haben wird, was Ihr Beide nicht auch hören eingebürftet; da fie aber eine Unterredung mit mir allein wünscht, ar Beit so vereinige ich meine Bitte mit der ihrigen, und ersuche Sie, uns für einige Augenblicke zu verlassen. Des ehrlichen Friedel's Staunen war über diese uner wartete Antwort derart gestiegen, daß er fein Wörtchen mehr Durch zu sagen wußte; fogar überhörte er, daß die Mutter ihm noch mit recht freudigem Tone zurief: Geh, mein Sohn, gehe! Eine verlegene Verbeugung machte er, dann verließ er mit Annetten, die ihn durch Blicke und leise geflüsterte Worte zu beruhigen, zu sich selbst zu bringen suchte, das Bimmer. Reben Sie nun, Madame! sagte Harley, als er sich mit der alten Frau Grein allein sah, zugleich einen Stuhl nehmend Brünste und in die Nähe ihres Seffels rückend. Die Alte machte eine Pause; fie schien nicht recht zu wiffen, wie fie die wichtige Unterredung zu beginnen habe. In dem rag wBlick, den sie nun auf Harley wendete, schien sogar etwas wie Ben Verlegenheit sich auszudrücken. Somme [ 37 alverfa Dieser tam ihr entgegen; scheinbar ruhig sagte er: Wenn ich nicht irre, wollten Sie mir von einem Diebstahl erzählen? So ist es! entgegnete Frau Grein rasch und freudig, doch auch noch von etwas ganz Anderem, wie soll ich mich ausbrücken? von einer armen schwer verleumdeten Frau. Nein! rief Harley rasch, nur von dem Diebstahl will ich zu feinhören. miffio Saale Dieser etwas barsche Ausruf hatte keinerlei Eindruck auf die alte Frau gemacht, nur die Lippen 30g fie zusammen, und art er wie unwillig wendete file das greife Haupt hin und her, dann mmerf fagte fie: Die Macht des Bösen ist groß, doch ich will sie mit Gottes Hilfe bekämpfen! Ich will Ihnen eine Geschichte erzählen, wogegen Sie wohl nichts einwenden werden? atis e8 5 Pf. e Bell Harley machte feinerlei Einwendungen. In seinem Stuble faß er, den Ellbogen auf den Tisch und den Kopf in die Hand geftügt, den Blick zu Boden gesenkt und ließ die alte Frau reden. Hören Sie denn! so begann Mutter Grein, als ob der vor ihr figende Mann ein Kind gewesen, dem sie in der That eine Geschichte erzählte. In meiner Vaterstadt lebte ein reicher Freitag, den 4. Juli 1884. Nordwestamerita wird umgekehrt der Kopf förmlich zum Keil Usus Afien mitgebracht.) Bei den Flachföpfen von gemacht; die Rundköpfe müffen Sllaven werden; europäische Rundköpfe werden verachtet. Virchow erklärt die hohe Brachy: fephalie der Patagonier durch ein Brett auf jeder Seite des Kopfes und eines zum Aufliegen des Hinterkopfes. etwas muß fich doch endlich vererben, und so kann der flachste Friesenkopf in den entgegengesezten Typus verwandelt werden. So Auch Eder in Freiburg berücksichtigt die Deformation des Schädels und tonstatirt eine doppelte Art und Weise: die teilförmige und die zylinderartige Gestaltung. Die erstere findet förmige und die zylinderartige Gestaltung. Die erstere findet nach ihm statt bei den Indianern des Nordwestens von Amerika, den Caraiben 2c., die legtere auf den Hochebenen der Anden, in Bolivia, in den Gräbern der Cymaras und bei den ausge storbenen Natchez am Missisippi. vierfache Deformation auf: 1) der Schädel nach hinten und Der Anatom Rüdinger in München zählt in Amerika eine hinter dem Hinterhauptsloch; 2) Buderhutform, der Durchoben in die Länge gedrückt, der größte Theil des Gehirns messer von vorn nach hinten sehr gering, von oben nach unten geplattet, in derselben Ebene gelegen, das Gehirn gedrückt; groß( auch in Südfrankreich); 3) Stirn und Scheitelhöhle ab4) Biscuitform, die Mitte der Scheitelhöhe muldenförmig vers hirnraumes am niedrigsten, nur 1350 R. G. tieft, das Gehirn von zwei Seiten gedrückt, Kapazität des GeDie Polynefter stachen den Schädel hoch ab, jedoch einiger maßen spizig. Die Neukaledonier verlängern und verkürzen das Kopfdach. Die Malaien auf den Samoa- Inseln platten bis zur Stirn ab; auf den Philippinen wird in die Länge ge dehnt. Auf Celebes legen die Neueingewanderten den Kopf des Kindes zwischen zwei Bretter, vorn und hinten. Am Senegal wird der Prognathismus künstlich erzeugt; man bricht die Milchzähne aus und treibt die Ersatzzähne sammt den Kieferknochen durch Zug und Druck der Zunge vorwärts. Die Türken drüden den Kopf rund, damit der Turban fize. Die Hebammen in Konstantinopel fragen die Mutter, welche Kopfform fie für ihr Kind wünscht! Bandagen um Hinterhaupt und Stirn bringen die Brachykephalie zuwege. Die Mongolen brauchen Regelform für die Ziara. Die Hunnen preßten den Kopf zurück, damit er mongolisch werde das galt für aristokratisch! Hippokrates sagt von den Matrolephalen( Langföpfen) am Asow'schen Meere: es gebe solche von Natur nicht, der Gebrauch habe sie so gemacht; die längsten Köpfe halte man für die edelsten. Nach Plinius wohnten die Makrofephalen am südlichen Abhange des Kaukasus und am Kaspi See. Die in der Krim und in Ungarn entdeckten Langschädel werden auf Tataren zurüdgeführt, weil die Tataren den Schädel künstlich verlängert hätten. Die Sitte des Einschnürens soll noch zur Frankenzeit bestanden haben. Da entsteht für uns jedoch die Frage, ob derartige Schädel nicht einer älteren Race angehören, deren Refte die Franken vorfanden. Noch heute herrscht im Norden und Nordwesten Frankreichs der alte Gebrauch. Dr. Foville, Frren arzt zu Charenton, fand ihn in der Normandie bei Männern und Frauen; durch Bandagen wird eine Walzenform des Kopfes hervorgebracht. In der Bretagne( dem allerkonser vatioften Theile Frankreichs, wo die Anhänglichkeit an das Uralte weit hinter die Capetinger zurückgeht) drückt die heb amme den langen Kopf rundlich! Ja, in Paris selbst wird über die Stirnfontanelle eine oft mit einer Metallplatte versehene Haube gelegt, béguin genannt, mit bogenförmiger Spange versehen, auch serre- tête geheißen. Das Schädelgewölbe wird dadurch niedergedrückt, ein Querorud gegen Kranz und Pfeilnaht geübt. Werden die Schleifen der Haube am Unterkiefer gebunden, so entsteht die Mann, der hatte mehrere Söhne. Einer derselben liebte ein armes, aber braves Mädchen, das er aber nimmer hoffen durfte, mit dem Willen des Vaters zu seiner Gattin machen zu fönnen. Das Mädchen hatte eine Freundin; diese war vers beirathet, und die junge Frau hatte Mitleid mit dem armen Liebespaare. Den Bitten deffelben gab sie nach und gestattete, daß Beide sich sehen und sprechen durften, insgeheim, in ihrer Wohnung und wenn ihr Mann nicht daheim, sondern in seinem Geschäfte war. Harley schaute auf; ein finsterer Blick traf die Frau. Ein Märchen! ich hörte es schon, sagte er. Die Erzählerin achtete nicht auf diese Worte, sondern fuhr in ihrer früheren ruhigen Weise fort: bleiben wenn die Aermste auch nicht im Entferntesten die Die Frau that Unrecht und die Folgen sollten nicht ausStrafe verdiente, welche sie wirklich traf. Bericht abermals unterbrechen oder Frau Grein wohl gar zum Eine unwillige Bewegung machte Harley, als ob er den Schweigen bringen wollte. Diese ließ sich nicht beirren, sondern mit einem imponi renden, fast feierlichen Ernst sagte fie: Sie müssen mich bis zu Ende hören, Herr, es ist Ihre Pflicht, und bald soll Ihnen flar werden, daß ich Ihnen lein Märchen, sondern eine leider nur zu wahre Geschichte mittheile. Und ich lüge nicht, Herr! Wenn man dem Ende seiner Tage so nahe ist wie ich, wenn man jede Stunde vor seinen Richter dort Oben berufen werden kann, so spricht man abfichtlich keine Lüge mehr. Dies bedenken Sie. Weiter! sagte Harley, sich eigenthümlich ergriffen fühlend und in einer Aufregung, die sich immer steigerte und Alles, was er bis jetzt gefühlt und erfahren, zu überbieten drohte. Die Frau beging zu der ersten Unvorsichtigkeit noch eine zweite: fie schrieb Briefe an den reichen jungen Herrn, theilte ihm mit, wann er tommen sollte, um seine Geliebte bei sich zu seben. Diese Briefe besorgte insgeheim ein Mann, der ich muß es leider fagen nur zu sehr geneigt war, Böses zu thun. Er war Diener des Hauses und des Geschäftes, welches der Vater des jungen Herrn besaß. Dieser Lettere hatte einen Freund und Vertrauten, der las die Briefe und ersann wohl darauf hin einen Plan, der entseßlich war, viele Menschen un glücklich, ihn aber reich wenn auch gewiß nicht glüdlich machen sollte. Einen Helfershelfer mußte er haben und fand ihn auch nur zu bald und zu leicht in dem Diener des Hauses, welcher die Botschaft hin- und hertrug. Um das, was er wollte auszuführen, mußte der Mann der Frau, welche die unvorsichtigen Briefe schrieb, entfernt werden, oder vielmehr fich heimlich, fluchtartig entfernen; dazu konnte die Korrespon denz dienen. Falsche Briefe wurden im Namen jener Frau geschrieben und dem Manne derselben in die Hände gespielt der gewonnene Ueberbringer mußte zugleich die schändlichsten Lügen berichten, als ob die Frau wirklich die Geliebte des jungen reichen Herrn gewesen. 1. Jahrgang. Hinterhaupt, so bildet sich die tête annullaire. tête bilobée, im Profil gesehen; geht die Binde über das In der Schweiz wurde noch im 17. Jahrhundert die Rundung des Kopfes bewirkt. Bekanntlich ist die Schweiz sehr stark brachyfephal. Affommodirten sich nun die teutonischen Einwanderer den alten Urbewohnern, oder fuhren blos diese fort in der angeerbten Operation? Großes Fragezeichen. Man tann doch nicht sagen, daß die Schweiz unter der Stoliopädie des Gehirns gelitten hat, die sich sonst so empfindlich geltend macht. Der böse Einfluß auf Volumen, Lage und Gestalt des Großhirns, den Alex. Ecker so scharf hervorhebt, veranlaßte den Anthropologen Goffe zu den schroffsten Konsequenzen. Die Siamesen sind dumm und grausam; die Bergbewohner Perus immens dentfaul; die Indianer am Sacramento das geistig ärmste Volt, die am Oregon bildungsunfähig. Rüdinger er flärt: einseitiger und allmäliger Drud läßt Raum für Ausweichung des Gehirns. Je allseitiger und intensiver, desto schlimmer, schon deshalb, weil das Blut nicht zu den Ge fäßen gelangen, das Gehirn folglich nicht ernährt werden kann. Die Frrenärzte wiffen ja Vieles von Mißbildungen des Schädels zu erzählen. Vermischtes. Der Bayerisch- Bier- Import nach Paris hat diesen Sommer bis jetzt unerhörte Dimensionen angenommen. Um die Zufuhr bewältigen zu können, hat die Direktion der französischen Ostbahngesellschaft zu Spezialmaßregeln greifen müssen. Es bestehen dieselben in der Einführung sogenannter Bierzüge"( trains de bière) auf der Strecke München- Baris. Diese Bierzüge", anfangs einer wöchentlich, werden jest täglich, fernung von Straßburg nach Paris in 19 Stunden zurück. mit Ausnahme des Sonntags, abgefertigt und legen die Ent Auf dem Pariser Ostbahnhofe um 3 Uhr Morgens eintreffend, entleeren sie ihre Ladung entleeren fie ihre Ladung- pro Bug 2000 hl durchschnittlich auf die Frachtwagen der Bier- Importeure, welche den Stoff schleunigst den Kunden zuführen. Diese Kunden sind die großen Restaurants und Brafferien, in denen das Publikum fich drängt. Es giebt heutigen Tages in Paris ca. 25 000 Bier ausschankstellen. Rechnet man als täglichen Durchschnittsdebit für jede auch nur 100 Seidel, eine Bahl, die eher zu niedrig als zu hoch gegriffen ist, da der Konsum der größeren Etabliffements täglich die Bahl vieler Tausender von Seideln er reicht, so kommt man schon auf die artige Biffer von dritthalb Millionen Seideln täglich, was, das Seidel zu 30 Cent berech net, eine tägliche Bierausgabe der Pariser von 750 000 Francs darstellt. Jedenfalls ist es besser, wenn die französischen Chauvinisten ihren Revanchedurst mit deutschem Bier als mit deutschem Blut löschen. Eine originelle Schenkung beschäftigte am 24. v. Mts. die Väter der Stadt Bielefeld. Der Buchhändler Velhagen, welcher erst fürzlich dem dortigen Verschönerungsverein die Summe von 5000 m. vermacht hatte, bot, wie die ,, Elbf. 3tg." berichtet, der Stadt ein Kapital von 2700 M. an unter der Bedingung, daß dasselbe so lange von der Stadt verwaltet werde, bis es mit Binsen die Höhe von 500 000 m. erreicht habe. Dann sollen 10 pCt. der Zinsen wieder zum Kapital geschlagen werden, bis dasselbe zur Höhe von 1 Million ange wachsen ist. Die übrigen Zinsen werden dann zu Verschöne rungszwecken angewandt. Da man berechnet hatte, daß die vorgeschriebene Höhe erst in 138 Jahren erreicht werde, fand die Annahme der Schenkung vielfachen Widerspruch; endlich erklärte sich doch die Majorität dafür. Muß es aber dann nach 138 Jahren in Bielefeld schön aussehen! Die Asiatiatische Cholera. Die N. Fr. Pr." erhält muß es befremden, daß die franzöfifchen Aerzte nach mehrtägiger von einem Fachmanne folgende Bemerkungen: Den Laien Beobachtung noch nicht einig darüber sind, ob die in Toulon Halten Sie ein! schrie Harley plößlich auf und mit einem Tone, einer Gewalt, die fast an Raserei grenzte. Mein Kopf zerspringt mir vor den Gedanken, die Sie da wachgerufen haben. Was Sie sagen, ist nicht wahres tann nicht wahr sein denn das entseßlichste Bubenstück, das je die Erde gesehen, läßt es mich ahnen! Die alte Frau blieb bei diesem furchtbaren Ausbruch so ruhig als möglich. Sie erhob sich und versuchte die Hand auf Elsen's Arm zu legen; dann sagte sie: Ich spreche die Wahrheit; dies wiederhole ich Ihnen und hoffe, es so gut wie beweifen zu können. Doch beruhigen Sie fich. Wenn auch Geschehenes nicht ungeschehen gemacht wer ben kann, so tann dafür Vieles noch gutgemacht werden; das bedenken Sie- Herr Elsen! Die Nennung seines rechten Namens machte keinen Eins druck auf den Aufgeregten; fühlte und wußte er doch, daß die alte Frau ihn längst erkannt hatte. In der Stube schritt er auf und ab, die Finger in die langen wirren Haare getrallt, an denen er zerrte und zog, während seine Brust fich teuchend senkte und hob. Blöglich blieb er vor Frau Grein stehen, und fast gewaltsam deren Arm ergreifend, sprach er mit einem Ton tiefgrollender Wuth: Wenn Sie die Wahrheit gesprochen, wenn er van Owen die Fälschung der Briefe, und darauf hin den Diebstahl begangen, dann giebt es für mich keine Hoffnung mehr dann bin ich verloren wenn ich nicht noch wahnsinnig werde! Dann habe ich ein armes Menschenberz gefoltert mehr als jemals eines gefoltert worden ist! Dann bin ich ein Elender, nicht werth des Mitleids des geringsten meiner Mitmenschen! Halten Sie ein um Gotteswillen! rief die wahrhaft ent fette Frau. Sie freveln aufs Neue! Der Böse hatte Sie geschickt zu umgarnen gewußt und Sie waren zu schwach, ihm zu widerstehen. Ach, erging es mir doch auch so! Wir sind eben Alle arme schwache Menschen! Sie ließen sich von ihm leiten und unterwerfen und machten die Ihrigen unglüc lich, wie Sie selbst unglücklich wurden. Doch noch ist es nicht zu spät, um Geschehenes so viel als möglich wieder gutzumachen. Wenn Sie auch den Mittag Ihres Lebens verloren haben, der Abend deffelben bleibt Ihnen wie den Ihrigen und kann noch freundlich und schön werden. Sie vor allen Dingen, daß ein Herz Ihrer harrt- mit Sehnsucht und feit zwanzig langen Jahren, dem Sie eine Genugthuung schuldig sind. Deshalb fassen Sie sich zweifeln Sie nicht an Gott, an sich selbst! Der Herr ist barmherzig; er wird Ihnen verzeihen und Kraft geben, durchzuführen, was Ihnen obliegt. Und bedenken ver Elfen war auf einen Stuhl gesunken und beide Hände hatte er vor das Gesicht geschlagen; er weinte wohl, als die alte Frau die legten Worte sprach. Dann aber tönte es mit De grafirende Krankheit die Cholera asiatica oder die bei uns auftretende, und dem nostras benannte Cholera sei. Die Schwierigkeit der Diagnose liegt darin, daß beide in ihrem flinischen Krankheitsbilde ungemein ähnlich sind und daß es bis vor Kurzem auch an einem ficheren anatomisch- pathologischen Unterscheidungs- Merkmale gefehlt hat. Nun hat die Erfahrung gelehrt, daß Cholera nostras spontan, nicht durch Uebertragung auftritt, und daß sie sehr tödtlich endet, meist nur bei herabgekommenen Individuen. Für die Cholera in Toulon haben. die neuesten Depeschen als Ursache den Genuß unreifer Aprikosen angegeben, und man muß zugeben, daß profuse Durchfälle durch Diätfehler entstehen können, die in ihrem Verlaufe der Cholera ähnlich find; fie unterscheiden sich aber von der Cholera asiatica dadurch, daß sie nicht ansteckend find. Die Ansteckung wird durch Bakterien vermittelt, welche man bisher bei der Cholera vergebens gesucht hat, die aber im vorigen Jahre von Koch in Indien aufgefunden wurden. Es handelt sich nun Sarum, diese Bakterien an den Kranken und Todten in Toulon zu suchen, und von dem Erfolge dieser Nachforschung wird es abhängen, ob Europa vor einer großen Gefahr steht oder nicht. Leider find zu dieser Untersuchung gegenwärtig nur drei Per fonen befähigt, nämlich Koch und seine Mitarbeiter Fischer und Gaffly. Es fann uns nur mit einem Gefühl der Beruhigung erfüllen, daß diese berühmten Forscher sich bereits nach Paris und von dort nach Toulon begeben haben, um die Krankheit an ihrem Heerde zu studiren. Hoffentlich werden die Maßnahmen mit Ernst und Sicherheit getroffen, welche erforderlich find, um uns vor dem unheimlichen Gast zu bewahren. Selbstverstümmelung der Soldaten. Um dem militä rischen Leben zu entgehen, versucht es in Desterreich alljährlich eine nicht geringe Bahl von Soldaten, an fich Selbſtverſtümmelungen vorzunehmen. Ist es Feigheit, ist es Furcht vor Strafe, ist es Unluft zum Dienen, ist es harfe Behandlung? In der Regel find es äußere Extremitäten des Körpers, welche zum Opfer fallen; die Verlegungen werden meist mit der Schußwaffe beigebracht, aber auch hieb- und Stichwunden kommen vor, und mitunter werden auch Aegungen mit mineralischen Säuren vorgenommen. In den 17 Jahren 1862-1878 ( neuere Daten liegen nicht vor) kamen in der österreichischungarischen Armee 971 Selbstverstümmelungen vor, die meisten im Jahre 1877, nämlich 117. Der Zeit nach fallen die meisten Selbstverstümmelungen in den Monat Oftober, theilweise November, nach der Rekruten- Einrückung, was schon als Beweis gelten kann, daß die geänderten Lebensverhältnisse zumeist das Motiv dazu find. Nach den Truppengattungen ist es in der Regel die Kavallerie, wo die meisten Verstümmelungen vor tommen; in manchem Jahre lieferten auch die Jägertruppe und Infanterie einen großen Theil dazu. Von den Ländern ragen meist Galizien und Ungarn hervor. Vor der Einrückung gehörten die meisten Selbstverstümmelten dem Bauernstande an. In Folge starken Schnürens. Im Opernhause zu Frank furt a. M. ereignete es fich vor einigen Tagen während der Aufführung des Herrgottschniger", daß die junge Frau eines Orchester Mitgliedes plöglich von einer Ohnmacht befallen von wurde. Sie wurde sofort in einer Droschke nach ihrer Woh nnng gebracht, aber sie tam nicht mehr lebend dahin: Ein Schlaganfall hatte ihrem Leben ein Ende gemacht. Wie ärztlicherseits fonstatirt wurde, ist die junge Frau in Folge starken Schürens gestorben. Möge dieser Unglücksfall den Liebhaberinnen unnatürlicher Wespentaillen zur Warnung dienen. Zur Statistit der Selbstmorde. Wir wiesen neulich an leitender Stelle darauf hin, daß merkwürdiger Weise gerade in den heißen Sommermonaten die Frequenz der Selbstmorde be deutend zunehme, und daß das schöne Sachsen in dieser Be ziehung eine hervorragende Stelle unter allen übrigen Staaten einnimmt. Diese unsere Theorien finden eine eklatante Bes ftätigung. Das„ Leipz. Tageblatt" schreibt nämlich: heute haben wir über drei Selbstmorde auf einmal zu berichten. Heute Vormittag hat sich ein in den besten Verhältniffen lebender angesehener hiesiger Kaufmann in seiner in der Schloßstraße gelegenen Wohnung durch einen Schuß in die Brust das Leben genommen. Das Motiv zu der That soll in einem unheilbaren förperlichen Leiden, das ihn mit jedem Tage dem Grabe näher brachte, zu suchen sein. Er zog einen raschen Tod dem qualvollen Absterben vor. Ein hiesiger Buchhalter, welcher zur Beit stellenlos war, wurde in vorvergangener Nacht unter einem Biaduktbogen der Augustusbrücke, in einer Blutlache liegend, aufgefunden. Der unglückliche Mensch hatte sich mit einem Revolver einen Schuß in die linke Brust beigebracht, um sich zu tödten, weil er dem Verhungern nahe war. Er wurde noch lebend nach dem Stadtkrankenhanse gebracht. In derfelben Nacht entleibte fich in einem hiesigen Gasthofe ein aus Stralfund gebürtiger Gerichts- Referendar mittelst eines Terzerols durch einen Schuß in den Kopf." tiefen, bittenden und fast rührend klingenden Lauten zu thr auf: Aus Barmherzigkeit, reden Sie weiter! Sagen Sie mir, woher Sie dies wissen und welche Beweise Sie für das Entfegliche haben, das Sie mir da so unerwartet mitgetheilt. Mein Mann, der Unglückliche, den Gott nun so hart gestraft, hat mir später nach Jahren gebeichtet, welch ein fchändliches Spiel er nach van Owen's Willen mit Ihnen ge trieben, und daß dieser die Briefe gefälscht, die er Ihnen übergeben. Weiter, weiter! Der Diebstahl! In der Nacht Ihrer Flucht sah ich und noch eine Berfon deutlich und unverkennbar van Dwen im Kaffenimmer und wie er die Caffette, welche die große Summe barg, ontrug. Wer war die zweite Person, die dieses gesehen? Meine Nichte, Margarethe Lorenz. Die Lorenz, welche jetzt noch bei dem Schändlichen weilt die ihm ein Kind geboren?! Was fagen Sie da, Herr Elfen? schrie nun Frau Grein ihrerseits auf. heute ge Ich habe ihn gefunden, den Verruchten sprochen. Unter dem veränderten Namen von Auvent lebt er in Paris, und wie die Polizei mir mitgetheilt, lebt Margaretha Lorenz bei ihm und seinem Kinde, deffen Mutter fie ift. Allbarmherziger Gott, rief Frau Grein, die Hände zu sammenschlagend, nun wird mir Alles flar! Auch das Madchen hatte der schändliche Mensch zu berücken gewußt, denn die Grethe war es, die mir einredete, daß ich falsch gefehen, daß es nicht van Owen gewesen, der die Kaffette davongetragen. Sie war die Ursache, daß ich schwieg und meine Beobachtungen nicht dem Gerichte anzeigte, denn ich glaubte endlich wirklich, mich getäuscht zu haben. Nun weiß ich, warum sie gehandelt, wie sie es wohl nimmer vor ihrem Gott wird verantworten fönnen. Und der Schurke hatte noch die Stirne, mich mich! des Diebstahls zu zeihen, den er dann, als er seine Lügen wohl unhaltbar fand, auf den verstorbenen Leo wälzte und auf Euren Mann, der die That mit Leo oder für diesen ausgeführt haben sollte. Jegt wird mir sein Gebahren flar. O, ich leicht gläubiger, gutmüthiger Thor! 3wanzig Jahre haben nicht hingereicht, um mich vorsichtiger zu machen. Und wie ich dem Schurken damals vertraute, so war ich auf dem Punkte, ihm noch heute zu vertrauen. Wer weiß, was er aus mir gemacht, wohin er mich noch geführt haben würde? Aber Beweise muß ich haben, Beweise, daß ich diesen van Owen als Verbrecher überführen kann, um dadurch mich und den Namen, den mein Weib und mein Kind tragen, vor der Welt zu rechtfertigen und zu reinigen. Das muß geschehen sein Tod von meiner Hand wäre Strafe für mich und nicht für ihn; dem Gericht muß er verfallen, von ihm muß er sein Urtheil empfangen und ewige Schmach und Schande ihm werden! Selbstmord mittelst einer Kanone. In München hat fich der Unteroffizier Jakob des 1. Feld- Artillerie- Regiments in der Marimilians- Kaserne mittelst einer Kanone erschossen. Als Motiv wird Furcht vor Strafe angenommen. Beim Puzen des Geschüßes hatte Jakob dieses mit einer Kartätschgranate zu laden gewußt und sich dann mit der Brust vor die Mündung des Rohres gelehnt, wodurch ihm beim Abfeuern der ganze Körper zerrissen wurde. Herr Dem Ehepaar Jungengel in Bamberg wurde zu Anfang dieses Jahres ihr einziges Kind, ein vierjähriger Knabe geraubt; seit dieser Zeit sind an die trostlosen Eltern zahlreiche Buschriften eingelaufen, in welchen ihnen über das Auffinden eines dem verschwundenen Knaben ähnlichen Kindes Mittheilungen gemacht wurden. Aber alle diese Nachrichten erwiesen fich als unrichtige. Vor einigen Tagen nun ging wieder mit aller Bestimmtheit die Nachricht durch die Zeitungen, daß das unglückliche Kind bei einer umherreisenden Theatergesellschaft gefunden sei. Nun aber schreibt das Bamb. Journ.": Leider hat ich die Hoffnung, daß das in Kollnau bei Bruchsaal vorgefundene Kind das Jungengel'sche sei, nicht erfüllt. Jungengel, welcher dorthin gereist ist, hat an die königl. Staatsanwaltschaft zu Bamberg die telegraphische Mittheilung gemacht, daß er das bei dem Kasperletheater- Inhaber Ferdinand Flock aufgefundene Kind als das seinige nicht erkennt. Der bedauerliche Vorfall beweist, daß herumziehenden Komödiantentruppen, Kunstreitern u. f. w. nicht scharf genug auf die Finger gesehen werden kann. Man ist im Allgemeinen gewohnt, den Kinderraub in das Gebiet der Schauerromane zu versezen, man thut indessen sehr Unrecht daran. Ein Kind ist für solche Leute häufig ein Kapital, mit dem man nach Belieben schalten und walten kann. Ueber die Behandlung, welcher diese verlassenen Kinder von Seiten ihrer unmenschlichen Beiniger ausgesett find, um zur Ausführung der verlangten off lebensgefährlichen find, um zur Ausführung der verlangten oft lebensgefährlichen Kunststüde abgerichtet zu werden, brauchen wir wohl fein weiteres Wort zu verlieren. Abgeblikt. Der Omnibus hält. Eine junge Dame steigt ein. Alle Pläge sind besezt. Ganz vorn im Wagen erhebt fich ein alter Herr. Bitte", spricht die junge Kokette, behal ten Sie doch Play, ich fann ebenso gut stehen." Das fönnen Sie machen, wie es Ihnen gefällig ist, mein Fräulein", versegte der Herr ,,, ich steige aus. Ein schauerlicher Mord ist in dem Klaffenthaler Forst bei Seesten. Kirchspiels Wieligken, verübt worden. Der Hilfs jäger und Forstgehilfe Pilze der ging Mittwoch um 1 Uhr Nachts in den tönigl. Forst, um Wilddiebe, resp. die Leute abzufangen, die auf den Wiesen ihre Pferde weideten. Er fehrte nicht wieder. Am folgenden Tage fand man seine Leiche in dem Forst in schrecklich verstümmeltem Zustande vor. Der Hals und das Genid waren mit einer Sense vollständig durchschnitten, und nur die Halswirbelfnochen hielten den Kopf am Rumpfe fest. Die Brust und der Rücken hatten außerdem über zehn fest. Die Brust und der Rücken hatten außerdem über zehn Messerstiche aufzuweisen, von denen mehr als einer lebensgefährlich war. Budem waren die Arme und der Rücken anscheinend von Schlägen total blau. Die Leiche blieb an Ort und Stelle liegen, bis die telegraphisch herbeigerufene Gerichtsfommission erschien und den Thatbestand aufnahm. Als die muthmaßlichen Thäter find zwei junge Leute aus Sobollen ver haftet. Italienische Briganten. Wenige Meilen von Rom ent fernt, unweit Genzano, wurde vorigen Freitag der Postomnibus, in welchem fich 11 Personen 9 Männer und 2 Weiber befanden, am hellen Tage von 2 bis an die Zähne bewaffneten Briganten angehalten und beraubt, ohne daß diese 11 Leute es wagten, den Räubern Widerstand entgegenzuseßen. Sie wurden alle 11 um ihre Baarschaft und um die besten Habseligkeiten, die sie bei sich führten erleichtert. Derartige Mittheilungen müssen recht beruhigend auf die in Italien herumbummelnden Touristen wirken.b Ein Familienfehler." Frl. Funny Schwallenberg von Long Island City stellte fich vor einigen Tagen nicht zum Frühstück ein, und als man sie in ihrem Schlafzimmer suchte, machte man die Entdeckung, daß der Vogel ausgeflogen war. Als die Familienglieder noch in heller Verzweiflung darüber Berathung pflogen, wohin denn eigentlich ihre Fanny_gerathen sei, flingelt es an der Thüre und ein Telegraphenbote liefert eine Depesche der Vermißten ab, worin sie den Shrigen bekannt giebt, daß fie fich von dem Sohne ihres Nachbars, Walter Berden von Ravenwood, habe entführen lassen, daß ste mit ihm bereits getraut sei und daß sie zusammen zunächst nach Philadelphia abgereist seien. Der verstorbene Schwallenberg hat seinen 4 Rindern, 3 Töchtern und 1 Sohn, 150,000 Dollar hinterlassen, Fanny ist die jüngste und erst sechzehn Jahre alt. Walter Berdens Vater ist ebenfalls reich und der junge Ehe mann 25 Jahre alt. Walter war in Schwallenbergs Hause In diesem Augenblicke ertönte eine jugendliche Stimme, die Harley völlig unbekannt dünfte und ihn dennoch gewaltsam zusammenfahren machte, am Eingang der Stube. persona grata, daß aber zwischen den Beiden ein Liebesver hältniß bestand, hatte soweit Niemand bemerkt. Die Mutter machte gute Miene zum bösen Spiel und bald nach Empfang der Neuigkeit ward eine Gratulationsdepesche an das junge Paar abgesandt, worin die beiden Durchbrenner eingeladen wurden, zurückzukehren und ihren Honigmond im Kreise der Thrigen zu verleben. Das Komische an der ganzen Geschichte ist aber, daß Fannys nunmehr glücklich verheirathete Schwestern ebenfalls von ihren Beaus" entführt worden waren. Wahr scheinlich gelüftete es der jüngsten nach einem romantischen An fang ihres Chelebens. fang ihres Ehelebens. Es ist ein wahres Glück, daß solche Geschichten zur Sauregurkenzeit nur immer in Amerika pasfiren. Das Frauenstudium in Zürich, welches sich anfänglid nur auf Russinnen erstreckte, deren erste im Wintersemeste 1864/65 erschien, hat in der Zwischenzeit einen ziemlich allge meinen Charakter angenommen. Es haben sich in den letzten Jahren Damen aus aller Herren Länder eingestellt. Die höchste Bahl, welche die Russinnen erreichten, war 100, 77 in der me dizinischen, 22 in der philosophischen, 1 in der staatswissen schaftlichen Fakultät. Im Sommer 1873 vertrieb der bekannte Utas von Gortschakow die Ruffinnen aus Zürich; das nächst Semester sah ihrer nur noch 12 dortselbst, und zwar 8 in det medizinischen und 4 in der philosophischen Fakultät. Bu jene Beit studirten 2 Schweizerinnen, 4 Deutsche, 1 Desterreicherin 1 Engländerin, 2 Serbinnen, 1 Franzöfin und 1 Amerikaneri Medizin, außerdem 1 Deutsche, 1 Desterreicherin und 1 Serbin Philosophie. Die Gesammtzahl aller Studentinnen, die im Sommer noch 114 betrug, war im folgenden Semester auf 29 gesunken. Im Winter 1874/75 stieg diefe Bahl wieder auf 33, diejenige der Ruffinnen sank auf 1. Im Sommer 1879 war gar feine Russin immatrikulirt. Allmählich stieg di Gesammtzahl wieder bis auf 24( im Winter 1882/83) an befanden sich damals in der medizinischen Fakultät 7, in de philosophischen 10 Ruffinnen, in der ersteren auch 2 Deutsche 2 Desterreicherinnen, 1 Rumänin, 4 Nord- und 1 Südameri fanerin. In der philosophischen Fakultät waren 2 Schweize rinnen, 1 Deutsche, 1 Desterreicherin immatrikulirt. Das gegen wärtige Semester zählt wieder 45 Studentinnen, und unte diesen befinden sich 9 Schweizerinnen( im voraufgegangenen Semester 11); diese Studentinnen vertheilen fich bezüglich der Fakultät in ähnlicher Weise wie in den voraufgegangenen Semestern. Sprüchwörter. Ein altspanisches Sprüchwort sagt: We gen eines Nagels geht ein Hufeisen verloren, wegen eines Huf eisens ein Pferd, wegen eines Pferdes ein Reiter. Kann man bezeichnender die Wiederherstellung fleiner Schäden darstellen als es durch dieses Sprüchwort geschieht? Nur ein rheinisches entspricht ihm: Ein zerriffener Faden verlegt ein Masche am Strumpfe, die verlegte Masche bildet ein Löchlein, das Löchlein ein Loch und das Loch fostet den Strumpf". Ein anderes: ,, Eine Wein beere macht einen Tropfen Moſt und viele Tropfen einen Schoppen und der erquickt einen Müden und Verschmachteten." Ein drittes Wenig verloren oft, macht einmal viel verloren." Dieser Sprud wäre mancher Hausfrau sehr zu empfehlen, aber auch solchen Männern, die dem Spiel ergeben find. " Das Denkmal des russischen Dichters Turgenjew' ist auf dem Wollowstikirchhof eingeweiht worden. Das Dent mal besteht im Wesentlichen aus einem gewaltigen Blocke von schwarzem Granit auf einem Fundament grauen Granites. Der Block trägt die Aufschrift: Jwan Sergeiwitsch Turgenjen 1818-1883. Das Ganze macht einen imponirenden Eindrud Menden. 1. Juli. Der K." wird geschrieben: De Raubmörder Oswald treibt in der hiesigen Gegend sein Wesen mit einer Frechheit, die wirklich ihres gleichen sucht, und lebhaft an die alten Ritter- und Räubergeschichten erinnert. De gefährliche Patron dringt in die hier ziemlich zerstreut liegende Hütten am hellen lichten Tage und läßt sich von den Frauen, di um diese Zeit meist allein zu Hause find, Speise und Trant ver abreichen, fich rühmend, daß er der von der Polizei gesuchte D wald sei. Er scheut sich nicht, in den Feldern die Leute aufzu suchen und mit ihnen zu sprechen, allerdings wagt er die immer nur mit einzelnen Personen. Daß unter diesen Um ständen die Aufregung in hiesiger Gegend eine sehr große ist läßt sich wohl denken." Briefkaften der Redaktion. W. Unter 14 Jahren in jedem Falle strafbar; vom voll endeten 14. bis zum vollendeten 16. Lebensjahre bei Ver führung. Der Petrifirchthurm ist 96,34 M. hoch. J. K. Dem Schlafburschen muß zum 15. des Monats ge fündigt werden, damit das Miethsverhältr.iß gelöst wird. Ein Anrecht auf Aushändigung eines Hausschlüssels hat er nicht. kommen Sie eine halbe Stunde später und Sie werden Jenny bei mir finden. Was ich hier thue, ist wohl Unrecht und Sünde, doch ich kann nicht anders; ich empfinde zu tief Euc Beider Weh und habe die arme Jenny zu lieb, um ihr nich zu helfen, so weit dies in meinen schwachen Kräften steht! Elisabeth." Nur mit Mühe hatte Harley das Billet zu Ende gelesen Die Thür hatte sich während der letzten Rede Harley's geöffnet und Remy und Gerhard mit dem Kästchen waren eingetreten, gefolgt von der nicht wenig neugierigen Annette und Friedel, der den größten Theil des Gespräches, welches schließlich durchaus nicht mehr leise geführt worden war, mit ange- Fest entstieg seiner Bruft ein Ton, ein Seufzer, so bang und hört und das ihn begreiflicher Weise mit gerechtem Staunen, wie auch mit ängstlicher Sorge um die Mutter erfüllt hatte. Hier ist ein Beweis, daß Mutter Grein die Wahrheit ge sprochen! Seht, Euch einmal das Kästchen an, das ich bei Herrn von Auvent der wohl der deutsche Herr van Owen sein wird gefunden. Wenn es nicht dasselbe ist, in dem fich das gestohlene Geld befunden, so will ich nicht Remy heißen und mein westindisches Engagement meinetwegendem Friedel abtreten! Es war der junge Sänger, der also gesprochen, während doch tief erregt neben dem Freunde stehen blieb. Gerhard, von den verschiedenartigsten Gefühlen erfüllt, stumm, Unterm Reden hatte Remy die Hülle von dem Kästchen gestreift, das er nun vor Harley auf den Tisch stellte. Bei dem Anblick der Schatulle stieß Harley einen Schrei Frau. der höchsten Ueberraschung aus, der ein Echo fand bei der alten Beide hatten sofort das Kästchen erkannt, welches von Frau Grein laut als dasselbe bezeichnet wurde, das van Owen in jener Nacht davongetragen.d Harley sah im ersten Augenblick, daß es das Seitenstück war von der Kaffette, welche Ollenheim ihm vor wenigen Tagen gezeigt, und schon begannen seine Finger die nöthigen Mani pulationen zu machen, um das geheime Fach in dem Deckel zu öffnen. Feft hatte Harley fich das Verfahren eingeprägt, und schon beim ersten Versuch öffnete sich der Deckel, die Porträts famen zum Vorschein, die ergreifenden Embleme des Todesdoch auch eine Anzahl Briefe und ein alter Schlüffel mit ge= öffnetem Bart. Herr, du mein Gott! schrie der Entsette auf mit einem gemischten Gefühle von Staunen, Schreck und Freude. Es ist fo! Es ist die Schatulle Ollenheim's und hier ein Haupt Schlüffel, der wohl das andere Kaffenschloß, wie auch die Thür des Kaffenzimmers öffnen wird. Van Owen ist der Dieb! -Doch diese Briefe? die Schrift? welche neue Ent deckung! es ist die Hand meiner Frau!" Und in einer immer steigenden Aufregung hatten seine zitternden Finger die Briefe ergriffen, darinnen geblättert, endlich einen derselben geöffnet und nun las er, mit Tönen, die immer weicher, zitternder wurden: Ich will Ihren Bitten nicht länger widerstehen und habe Alles eingeleitet, daß Sie Jenny in meiner Wohnung sehen und sprechen können. Mein Mann geht um 2 Uhr ins Komfor; doch auch wieder so froh, so hoffnungsreich flingend, als ob sein Herz von einer furchtbaren Last, die lange und schwer auf diesem geruht, endlich, endlich befreit worden wäre. Der Ton lang und zitternd ansteigend, ging endlich in ein Weinen über das er nicht mehr zurückzuhalten vermochte. Bugleich fant er wie gebrochen auf einen Siz und, seine Augen brüdend und preffend, überließ er sich ohne Rückhalt dem Schmerze, den er empfinden mußte. Des Mannes Gebahren war so ergreifend, daß in seiner Umgebung wohl kein Auge troden blieb, obgleidh nur die alte Frau die ganze furchtbare Bedeutung dieses Auf tritts tannte. Gerhard hatte anfänglich dieser Szene stumm und fast un beweglich dagestanden. Sein Herz, das laut aufjubeln wollte bei der endlichen Entdeckung des wirklichen Diebes, deffen ruchlose That in all ihren schlimmen Folgen er hatte mit tragen müssen, zog sich krampfhaft. faft blutend zusammen bei dem Gedanken, daß der nunmehr entlarvte Verbrecher der Vater seiner armen Helene war. Doch bald wurde seine Aufmerksam feit in noch höherem Grade in Anspruch genommen. Det Mann, der sich in legter Beit in so eigenthümlicher, räthsel hafter Weise ihm genähert, den er nur unter dem fremden Namen Harley fannte und der doch einen solchen außergewöhnlichen Antheil an der Entdeckung des Verbrechens nahm, als sei et die Hauptperson des ganzen verwickelten Dramas wer wat es?- Sein Herz sagte es ihm, doch sein Kopf konnte es noch nicht faffen. Doch jezt auch Gerhard hatte einen der Briefe ergriffen, die Handschrift seiner Mutter erkannt jezt las det fremde Mann die Beilen, welche seine Mutter geschrieben hatte jezt begann er zu weinen, und nun nun flang es in ergreifenden Tönen durch das Weinen hervor: Mein armes Weib; Meine armen, armen Kinder! Nun hielt fich Gerhard nicht länger. 1 Sein Herz drohte zu zerspringen, und fühlend, daß es ihm im nächsten Augenblick nicht mehr möglich sein würde, ein Wort hervorzubringen, rief er mit einem lauten, fast trampf haften Aufschrei: Mein Bater! und stürzte sich zugleich weinend zu den Füßen des Mannes Der ihn emporhob, an seine Brust drückte, sein Antlig mi Thränen benette, mit Küffen bedeckte und ein über das andere mal ihm zuflüsterte: Mein Sohn! mein armer, geliebter Sohn! Verzeihung Deinem Vater! ( Fortsetzung folgt.) Verantwortlicher Redacteur R. Cronheim in Berlin. Drud und Verlag von Mar Bading in Berlin SW, Beuthstraße 2. Verzeihung