Nr. 79. Sonntag, 6. Jnli 1884. I. Jahrg. üi SMerNKÄM Drgan für die Interessen der Arbeiter. Dag„Berliner BolkSbla� erscheint täglich Morgen« außer nach Sonn- und Festtage». Abonnementiprei« für Berlin frei in'« Haut vierteljährlich Z Mark, monatlich 1 Mark, wöchentlich 25 Pf. Einzelne Summern 5 Pf. Postabonnement pro Quartal 3 Mark.(Eingetragen im VILL Nachtrage der PostzeitungjpreiSliste unter Nr. 719a.) JnsertionSgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 P«. Bei größeren Austragen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bi» 4 Uhr Nachmittag» ü» der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Annonce»» Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. WeöaKtton unö K«peöitton Werlin SW., gimmerttrage 44. 1 Wird zu wenig oder zu viel gearbeitet? Wie oft hört man die Worte: Wenn die Leute nur fleißiger sei», wenn sie nur mehr arbeiten wollten, dann würden sie auch mehr verdienen und es würde ihnen Wohlergehen. Da« klingt nun recht gut, aber eS klingt auch nur so. Denn obiaer Satz ist nur in einzelnen Fällen richtig. In Bezug auf die Gesammtheit aber grundfalsch, ja in sein gerade« Gegentheil gekehrt, würde er— so barok die« lauten mag— viel eher richtig sein. Wenn in irgend einer Fabrikation, bei welcher gerade große Nachfrage nach ihren Produkten vorhanden ist, die Arbeiter die Sonntage und einen Theil der Nächte zu Hilfe nehmen rnüsien, um die gewünschte Waarenmenge herzu- stellen, so erhalten sie allerdings für die Mehrarbeit eine entsprechende Vergütung; die baldige Folge aber wird immer dte sein, daß durch die erhöhte Arbeit Ueberproduktion entsteht. In Folge davon muß mit Nothwendigkeit Arbeits- zeitverminderung, Arbeiterentlasiung und geringerer Lohn erntreten. Erfahrungsgemäß dauert dann die Lohnvermin- derung viel längere Zeit, al» der Lohnzuschlag ge- dauert hat. Männiglich dürste bekannt sein, daß während der so- genannten guten Geschäftszeit zu Anfang der siebziger Jahre unmenschlichviel und unmenschlich lange Zeit gearbeitet wurde.— Die Arbeiter erhielten hohen Lohn und auch ihre Ueberstunden wurden gut bezahlt. Alle« schwamm in Lust und Wonne, die kurzsichtigen Eintagsfliegen der National- ökonomie meinten, das goldene Zeitalter fei angebrochen. Alibald war der Weltmarkt mit Produkten überfüllt. Zuerst trat die Handelskrise, dann die Arbeitskrise ein, und nunmehr büßten die Fabrikanten und besonder» die Arbeiter für ihren rastlosen Fleiß, den sie in der Gründerperiode an den Tag gelegt, für ihre unermüdliche Arbeit, die sie in lener Zeit geleistet hatten. '®. j el zuviel war gearbeitet worden— % Verminderung; und diese Arbeitslosigkeit und Lohnverminde- rung dauerten viel länger an, als die sogenannten guten Zeiten. Ein altes Sprichwort heißt:„Spare in der Zeit, so hast Du in der Roth"; ebensogut kann man sagen: spare in der Zeit Deine Arbeitskraft, so hast Du niemals Roth — das heißt: Der Aufwand von Arbeitszeit und Arbeitskraft muß in der Produktion geregelt werden, und da der Versuch einer solchen Regelung durch freie Vereinigung meist zu Streit, Zank, ArbeitSauSschluß, StrikeS u. f. w. führt, so soll der Staat diese Regelung so weit al» thunlich, durch die Gesetzgebung in die Hand nehmen, auf daß die ArbeitSnoth»erschwinde, auf daß Frieden und Ordnung in die Arbeiterfamilien ein- treten, ja, auf daß die ganze ErwerbSwelt so viel als möglich vor Schwindel und Krisen bewahrt werde. Auch die Fabrikanten wurden dabei wahrlich nicht ver- lieren. Da« Risiko würde sich vewnndern, das Glücksspiel s.�Seengt werden.— Einige Spekulanten oder unverbesier- nche Manchestermänner mögen bei solchem„Eingriff des Staats in die wirthfchaftliche Freiheit" Zeter und Mordio schreien, Humanität und wirthschaftlicher Wohlstand aber würden m Wahrheit gefördert werden--- • i*. uns nun zu vorstehenden Betrachtungen Anlaß giebt, da» ist der sogenannte„wirthfchaftliche Aufschwung", der m einigen Branchen gegenwärtig sich bemerkbar macht und dem auch sofort das viel zu viel und viel zu langes Arbeiten verderbenbnngend auf dem Fuße folgt. Wir lesen nämlich— und zwar immer werde» diese Notizen au« Fabrikantenkreisen inspirirt-, daß diese oder jene Fabrik der großen Austräge halber gezwungen ist, bis 11 Uhr Abends oder die ganze Nacht hindurch arbeiten ,u laffen. An andere« Stellen aber heißt es schon: In Folge der geringeren Bestellungen und der gefüllten Lager 'st diese oder jene Fabrik gezwungen, so leid e« dem Herrn X u. Comp, auch thut, die Arbeitszeit zu»ermindern und einzelne Arbeiter zu entlasten. .. Solche Notizen findet man fast täglich j» dem wirth- fchaftlichen Theile der größeren Zeitungen, die nebenbei mit Men GründungSanzeigen und KonkurSnachrichten gespickt So sieht man also Ueberarbeit und Ueberproduktion im innigen Vereine und in fortwährendem Zusammenhange.— Wir sagten schon oben, daß eine gütliche und private Eini- gung der Fabrikanten und Arbeiter behufs Regelung der ProdukiionSweife nicht möglich ist und daß deshalb die Ge- setzgebung eintreten müffe. Regelmäßigkeit aber in den ErwerbSverhältniffen heißt, besonders bei dem Arbeiter Familienordnung, Fa° millenordnung aber bedeutet gute Kindererziehung, gute Kindererziehung wiederum bedeutend eine gesunde Entwicklung aller staatS- und gefellschaft- lichen Verhältnisse für die Zukunft. Schon deshalb sollte der Staat in die R e g e l u n g derwirthschaftlichen Zustände eingreifen; so lange das nicht geschieht, werden wir immer abwechselnd eine kurze Zeit gute GeschäftSverhältniffe, eine längere Zeit schlechte haben. Dieser Wechsel aber d emora l i si r t und d e ge n e r i r t auf die Dauer sämmtliche an der Pro- duktion Betheiligten, die Arbeiter werde« der Roth, die Fabrikanten dem Schwindeli» die Arme geworfen. Die Thatigkeit der Stadtverordneten- Versammlung. i. (Wahlen.) Ungefähr vor Jahresfrist begann man hier in Berlin in den bethciligten Kreisen die Frage zu ventiliren ob die Ardeiter als selbständige Partei sich bei den im Herbst stattfindenden Wahlen zur Gemeindevertretung betheiligen sollen. Trotz der Schwierigkeiten die einem solchen Vorhaben entgegenstanden und die man sich keineswegs verhehlte, erklärte man fich doch für ein energisches und selbständiges Vorgehen. Am 5. August fand die erste Versammlung in vicser Angelegenheit in der nunmehr verschwundenen Linde statt. Es würde zu weit führen die einzelnen Phasen dieser so bedeutungsvoll ge- wordenen Bewegung zu besprechen. Genug, es wurde eine äußerst rührige Agitation entwickelt und überall fanden die Anfichten und die Programmpunkte der einzelnen Redner der Arbeiterpartei ebenso freudigen Anklang bei den Masten, wie dieselben bei einem großen Theil der Presse unter Hrntan- sctzung aller Wahrheit und jedes Schicklichkeitsgefühl bekämpft wurden. Es zeigte fich bald wie berechttgt jene Voraussetzung war, daß die Mißwrrthschast der Stadtverordnetenversammlung, die bislang led ig lich eine Interessenvertretung der besitzenden Klasse war, überall im Volk das Bcdürfniß hervorgerufen hatte, andere Leute in die Stadtverttetung zu senden. Es konnte dies keinen beftemdcn, da ja die abtretende Stadtver- ordncten-Versammluna nichts, absolut nichts gethan hatte, um die so berechttgten Beschwerden der werkthätigen Bevölkerung abzustellen.— In einem gradczu sträflichen Leichtsinn hatte man stets die von Tag zu Tag immer dringender eine Lösung erfordernden Sachen ad calendas graecas vertagt, sie gewissermaßen als ein heiliges Vermächtniß auf Kind und KindeSkind überttagen. Die Klagen über das drückende und ungerechte der Miethssteuer hörten nicht auf, die Stadtverordnetenversammlung nahm davon keine Notiz. Auf dem Gebiete des Schulwesens wetteiferten Lehrer nnd Eltern in heftigen, erbitterten wie berechtigten Klagen— die Stadtverttetung kehrte fich nicht daran. Auf all' und jedem Gebiete der städtischen Verwaltung wurde Klage geführt— was kümmerte das unsere Stadtvcrtretung. Gestützt auf eine wohl durchgeführte Organisation glaubte sie an ihre Unver- gänglichkett. Gewundeick hat dies wohl Niemanden; wußte man dock, daß die überaus große, überall den Ausschlag gebende Mehrheit zu jener bekannten Evezics von Polittkern gehörte, die niemals dazu zu bewegen find, überhaupt etwas, namentlich aber aus dem Geschäfte etwas zu lernen. Daher auch jene lächerliche Ueberhcbung zu Anfang dieser Bewegung. Groß— müthig wie immer prophezeiten sie in herablassendem Ton, daß die Arbeiterpartei wohl der ihren einen, Herrn Singer, durchsetzen werde, da für denselben auch viele Fortschrittlcr zu stimmen bereit wären. Sie, die Stadtverordneten, die niemals während ihrer langen Amtsdauer das Bcdürfniß gefühlt hatten, ihren Wählern über ihre Thättgkeit Bericht zu erstatten(daS Vortraghalten vor 12 Mann in fortschrittlichen Bezirks- Versammlungen kann doch selbst die ausschweifendste Phantasie nicht dafür gelten lassen) wurden durch das Vorgehen der Arbeiter« partei gezwungen„zum Volk herabzusteigen". Der erste äußer- liche Erfolg der Arveiterparter und wahrlich kein kleiner! Hier- durch wurde denVertretern der Arbeiterpartei Gelegenheit gegeben, das Berechtigte der Klagen und die Richtigkeit ihrer wirthschaft- lichen Anfichten nach allen Seiten hin zu vertheidigen. Der Erfolg war überall ein durchschlagender. Man verhinderte deshalb auch sofort das Erscheinen der Arbeiter-Vertreter in fortschrittlichen Versammlungen, andererseits hütete man sich aber auch, die für Jeden offen stehenden Arbeiter- und Volks- Versammlungen zu besuchen— fürwahr ein ergötzlicher Muth. Selbst der Blödeste mußte wahrnehmen, daß täglich, stündlich die Sache sich für die abtretende Stadtverordnetm-Versammlung mißlicher gestaltete. Was war zu machen? Das Fiasko sollt«, mußte doch abgewehrt werden! In solchen Sachen dauert die Verlegenheit bekanntlich nicht lange. Diese Leutchm haben durch langjährige Uebung eine fabelhafte Fertigkeit in Wahlmacherei. Ja, für eine Fabel müßte man es halten, hätte man es nicht schwarz auf weih gesehen, daß ein fortschrsttlicher Wahlleiter, Herr Sachs, Dorotheensttaße, ein Zirkular versandte, iu welchem zur brutalen Vergewaltigung der Wähler aufgefordert wurde. „Der Wirtb soll seine Miether, der Meister seine Gesellen," heißt es in dem famosen Ukas,„seine Macht spüren lassen und dieselben dadurch zur Stimmenabgabe in liberalem Sinne veranlaffen." Was half's? Das Resultat ist bekannt und war deutlich. Der 18. Oftober, der 11. und der 28. Dezember waren Tage des Triumphs für die arbeitende Bevölkerung. Trotz der offenen Wahl und sehr viel anderer erschwerender Momente wurden 5 Arbeitervertreter mit großen Majoritäten gewählt. Unglückliche Bestimmungen, die einseitig vom Maar- strat ausgelegt wurden, verhinderten, daß noch 2 andere Ar» beitervertretcr aus der Urne als gewählt hervorgingen. Di« Herren Ewald und Kreutz waren keine Hausbesitzer und deshalb wurden ihre Stimmen einfach für ungiltig erklärt. Thatsächlich so gut wie gewählt waren dieselben in den betreffenden Bezirken. Nur diesem Umstände ist es zuzuschreiben, daß ani 3. Januar 1884 nicht 7, sondern nur 5 Verirtcter der Arbeiterpartei das erste Mal ihren Einzug hielten in das Rathhaus der Residenz, zum Besten, sa erwarten wir, der hauptstädtischen Arbeiterbevölkerug. Politische Ueberficht. „Esel in der Löweuhaut" muß fich der Nationallibcra- lismus von der„Germania" nennen lassen. Dieses Organ des tcrrn Windthorst sagt:„Es ist schwer, keine Satire zu schrei- m. Die Nationaltiberalen haben bekanntlich„wie- der ein Ideal". Es besteht darin, daß sie den wi r t h s ch a f t- lichen und sozialen Bestrebungen, für die das C e n t r u m und die wirklichen Konservativen schon immer eingetteten find, sich nähern, mühsam, langsam, unsicher, noch ohne jede Bestimmthest über Ziele und Mittel im Einzelnen steh nähern. Und trotzdem verkündet da schon der national- liberale Parteitag in Darm st adt in einer einstim- mig angenommenen Resolution,„von der Ueberzeugung durch- drungen" zu sein,„daß nur auf dem von der nationallweralen Partei verfolgten Wege eine gedeihliche Entwicklung unsere» Vaterlandes auf politischem wie auf volkswirthschaftlichem Ge- biete erreichbar ist." Ganz genau der in der fremden Haut einherstolzirende Esel der Fabel!"— Ja, es ist schwer, keine Satire zu schreiben, aber nicht auf die Nationalliberalen allein» sondern auch auf diese Worte der„Germania". Wie originell. ist z. B. die Erfindung der„ultramontan-konserva- tiven Löwenhau t". Und wie rührend ist die Naivetät, mit welcher für das Zentrum und die Konservativen der Ruhm. in Anspruch genommen wird, immer für wirthschaftliche Re» formen eingetreten zu sein. Solltt diese bescheidene Notiz wirk- lich sehr viel Gläubige finden? Das Eingehe« der„Provinzial-Korrespondenz" hat, wie vorauszusehen war, nicht die Folge, daß die Regierung auf eine eigene Preßthätigkeit verzichten will. Wie man hört, soll die„Korrespondenz Kle e", welche jetzt schon die kleine konservative Provinzialpresse mit Artikeln und Nachrichten ver- sorgt, die„Provinzial-Korrespondenz" ersetzen. Diese Korrespon« denz wird, um das Geheimniß zu wahren(!) per Kouvert versandt. Ob dieselbe ihre Sache besser macht, als ihre Vorgän« gerin? Wir bezweifeln es— doch wird man den Minister des Innern für den Inhalt des Blattes, wie dies in Bezug. auf die Provinzial-Korrespondenz geschah, nicht verantwortlich- machen können- Den Volkswirthschaftsrath will die preußische Regierung eingehen lassen, nachdem der Staatsrath in's Leben getreten sein wird. Abgeordnetenhaus und Reichstag haben bekanntlich die Etatsforderung für den Volkswirthschaftsrath abgelehnt 7 es ist auch nicht zu erwarten, daß diese Forderungen erneuert werden. Nachdem der Volkswirthschaftsrath das Tabalsmonopol abgelehnt hat, ist er in der Gunst der kettenden Kreise offenbar sehr gesunken, wenn er auch seitdem noch einberufen worden ist. Die Dienste, die man fich von dem Volkswirthschaftsrath versprochen hatte, scheint man jetzt von dem Staatsrath zu erwarten. Eine Haussuchung fand in München in sämmllichcn Gcschäftslokalitäten der Firma G. Pollner veranstaltet von 4 Kriminalbeamten und 2 Sachverständigen(Faktor und Ma- schinenmeister) statt, weil man glaubte, daß das bekanntlich jetzt verbotene Flugblatt:„An die Wähler des 12. und 13. sächsischen Reichstagswahlkreises" dort gedruckt worden sei. Das Resultat mußte negativ ausfallen, da das fragliche Flug- blatt dort gar nicht bekannt war. Auswanderung nach Amerika- Vorn 1. Januar bis 30. Juni wurden nach Nordamerika befördert mit den Dam- pfern des Norddeutschen Lloyd von Bremen 61,699, der Packet» fahrt-Gesellschatt von Hamburg 35,101, der Earr-Linie von Hamburg 3223, und verschiedenen Linien indireft von Ham- bürg 12,532; zusammen 117 555 Personen.— Weshalb es so vielen Leuten im Vaterlande wohl nicht gefallen haben mag—? Der dankbare Storthing. Ueber Norwegen, wo noch vor Kurzem der heftigste Kampf zwischen König und Volk tobte, ist jetzt die Sonne des Friedens aufgegangen und das flüsfige Gold ihrer Sttahlen hat sich in die greifbare Summe von 80000 Kronen verwandelt: Der Telegraph meldet soeben, daß vom Storthing für den Kronprinzen eine jahrliche Apanage in Höhe obigen Betrages genehmigt worden ist und daß al» Gegenleistung der in der vorigen Storthrngsperiode angenom« mene Beschluß zum Grundgesetz, wodurch das Stimmrecht für die Storthingswahlen erweitert wird, die königliche Zustim mung hat.,, Gegen das allgemeine Wahlrecht enthält ein, in Oester» reich erscheinendes sogenanntes anarchistisches Blatt eine kostbare Argumentation, die wir unsern Lesern nicht vorenthalten wollen:„DaS allgemeine Wahlrecht will Jedem das gleiche Recht gewähren, indem es Jedem das Recht giebt, zu wählen, das kann eS wohl, aber es kann nicht Jedem das Recht geben, gewählt z u w e r d e n. DaS ist des Pudels Kern, wo steckt das gleiche Recht? Man wttd sagen: Ja im Prinzips hat Jeder das Recht, gewählt zu werden: aber faktisch können nur emige Auserwählte dieses Recht ausüben."— Wenn der Verfasser durch diese sonderbare Beweisführung auf die direkte Gesetzgebung hat anspielen wollen, so ist diese Anspie- lung allerdings sehr unverständlich. Vom Standpunkte des „allgemeinen Wahlrechts" selbst aber ist obige Argumentation derart konfus, daß man nicht einmal begreift, wer die„Aus- erwählten" sein sollen, die das Recht gewählt zu werden, faktisch „ausüben".— Uebrigens könnten sich die österreichischen Arbeiter fteuen, wenn sie endlich das Allgemeine gleiche Wahl- recht erhielten. Ueber die Ausführungen des anarchistischen Blattes wird am meisten die österreichische Regierung Genug- chuung fühle», die den Anarchisten überhaupt bei ihren reak- tisnären Bestrebungen viel verdanken hat. Ucber das englische Oberhan« sprach fich Professor �horold Rogers, Mitglied des Parlaments, Werner öffentlichen Versammlung in Tomworth in folgender ongmellen V-eise aus:..Die einzigen Privilegien, welche dre Verfassung den Peers gewähre, bestanden darin, daß sie fm umher gehen konnten und das Recht hätten, wegen Mord von chrer ergenen «!affe gerichtet zu werden. DieseS Recht hatten sie seit zwer chrhunderten besessen und nur em cmziger sei gehangt wor- d-n. Wenn er ihnen(den Zuhörern) aber sagen sollte, w» e r.'.ele verdient hätten, gehängt zu werden, dann würde er seine Zuhörer bis zum nächsten Morgen auf- halten müssen, denn die Hälfte(der Peers) lebe in Verworfen- beit. Man sehe sich nur die Benchte über die Verhandlungen d. s Ehescheidungsgerichtshofes an; diesen Leuten würden oft Tinge vorgewogen, welche in leiner anderen Gesellschaftsklasse üi einem nur annähernd ähnlichen Verhältnisse vorkämen. Einige Philosophen behaupteten, daß der Mensch vom Affen abstamme, aber wenn er in das Haus des Lords gehe, beginne er zu fürchten, daß der Mensch wieder zu dem Affen zurückgehe.— Diese Ausführungen wurden mit Lachen und Beifall von der Versammlung aufgenommm. Labouchere kündigte im englischen Unterhause eine Interpellation an die Regierung an, die ihre Spitze Haupt- sächlich gegen die konservative, aus Großgrundbefitzcrn be- sichende Mehrheit im Oberhause richtet, welche erklärt hat, die G Heilung des Wahlrechts an zwei Millionen Staatsbürger, die bisher jedes Stimmrechts beraubt find, zu hintertreiben. Tie Anftage lautet: Ob das Land hoffen darf, daß die Re- gierung Ihrer Majestät empfehlen werde, eine so große Zahl von Pairs von ausgesprochen radikaler und liberaler Ueber- ze igung und aus allen Volksklaffen hervorgehend, zu schaffen, ocß einerseits künftighin ein Gleichgewicht der Parteim im O rerhause hergestellt und den Lords es schwerer gemacht werde, die von den uberalen Ministern eingebrachten und vom Unter- hl use mit großer Majorität angenommenen Vorlagen abzu- lehnen oder zu verwässern, wodurch auch die Liberalen und R rdikalen die ihnen gebührende angemeffene Vertretung im Oberhause erhalten würden; und weiter: ob dieses Haus und dcS Land sich der Hoffnung hingeben dürfen, daß bald eine Vorlage eingebracht werden würde, daß künftighin wichtige, von den Volksvertretern angenommene Bills Gesetzeskraft er- langen, ohne der Gefahr ausgesetzt zu werden, unnöthiger V erse Verschleppungen zu erdulden. Die französische Deputlrtenkammer hat mit 414 gegen 1-3 Stimmen, die Revifionsvorlage der Regierung nach Ab le'mung sämmtlicher Amendements angenommen. Vor der Ab- stimmung erklärte Clemenceau, er werde für die Vorlage votiren, lediglich um den Kongreß herbeizuführen, in welchen er ohne jene Verpflichtung eintreten werde, da die von den Kammem vrtirte Begrenzung der Revision für ihn so wenig Geltung bebe, wie einst der Eid der Treue für den Kaiser, welcher den damaligen Deputirten der Linken auferlegt war. Cassagnac gab die Erklärung ab, daß er für den Artikel bezüglich der Ab- schaffung der öffentlichen Gebete bei der Eröffnung der Session, welche bis jetzt verfassungsmäßig vorgeschrieebn waren, stimmen werde, da die Intervention Gottes zu Gunsten der Republik n cht angerufen werden dürfe. Ob die Majorität des Senates jetzt ebenfalls die Vorlage acceptiren werde, damit der Kon- gr i zu Stande komme, wird ziemlich allgemein als eine offene F'age betrachtet. m, ,, �~r Alfred Raqurt, der langjährige Verfechter der Scheidung, r cd seit der erfolgten Abstimmung über dasEhescheidun g s- «setz so sehr mit Anfragen von Seiten deS„zarteren" Geschlechts bestürmt, daß er, um allen Verbindlichkerten und den Regeln der Galanterie nachzukommen, durch die Zeitungen be- kannt machen läßt, es sei ihm rein unmöglich, auf alle Brief«, in denen man ihn, sei es um Rendezvous, sei es um Rath- schlage hinsichtlich der Ehescheidung bettet, zu antwortm. Tratzdem in Toulon vom Abend des 3. Juli bis zum Morgen des 4. d. 5 Personen an der Cholera gestorben find, schreibt doch Dr. Rochard aus Toulon an den Marineminister. daß die Epidemie im Erlöschen begriffen sei; dieselbe könne fich hinziehen, bis die große Hitze vorüber sei, werde aber all- w hlich immer gelinder auftreten.— Das hygienische Konsul- t.r iv-Komitee in Paris hat fich für eine Hinausschiebung des N a tton a l f e st e s am 14. Juli ausgesprochen, um wegen löertiuer So»ntaggptauderei. der Epidemie daS Zusammenströmen großer Menschenmassen zu vermeiden-— Professor Dr. Koch ist in Toulon am 4. d. Mittags eingetroffen und auf dem Bahnhofe von dem Marine- R. C. D, diese Hitze! Fast möchte man glauben, daß die 2: eltordnung umgedrebl ist, daß die sonnendurchglühten Ge- geicden von Zenttal- Afrika urplötzlich nach Berlin geschafft w'rden wären. Was hilft eS uns, daß wir unaemessene Quan- tititen Selterwasser, von kohlensauren Jungfrauen kredenzt, verschlucken; was nützt die altberühmte, kühl« Blonde, zu wel- chcm Zweck nehmen wir tagtäglich eine Unzahl von Erehseideln zu uns— Alles ist nur wie der Tropfen auf den heißen (fciem, wie der Sprengwagen auf daS brennende Asphalt- pllaster. Unser verdorrter Gaumen lechzt nach kühlenden Ge- tranken, und je mehr wir trinken, desto ungelöschter bleibt der verzehrende Durst.„Ach, wie ich schwitze, seufzt der dicke Rentier Schulze und bleibt erschöpft an einer Straßenecke stehen, indem er fich den perlenden Schweiß von der Stime wischt und dabei pustet wie eine Dampfwalze. Hu, sein glän- z. bei Vollmondsgestcht legt fich in düstere Falten, seine fönst et: xri verschwommenen Augen schießen feurige Blitze, er brummt etwas Unverständliches vor fich. holt tief Athem, setzt seinen büken Bauch wieder in Bewegung und vcrschwindct in seine S ammkneipe, wo er ächzend, wre ein vom Sturm geknickter Baum auf seinem allgewohnten„Stammfitz" zusammenbricht. „Fritz,'ne große Weiße,—'ne Strippe auch!" seufzt er dem eilferngen Ganymed entgegen und verfällt dann in schwer- müthige, düstere Träumernen. Was mag den dicken, sonst so gutmüthia dreinschauenden alten Herrn wohl so traurig stimmen? Hat er Sorgen? Schwerlich, sein ganzes Aeußere widerspricht dieser Annabmr. Fehlt ihm sonst etwas, ist er krank? Der Rann steht winlich nicht darnach aus. Was mag es nur sein? Horch, er kann Snen Ingrimm nicht mehr bemeistern. einzelne Worte ent- lüpfen ihm, lauschen wir aufmerksam, vielleicht erfahren wir, c J sein Herz bedrückt. WaS sagte er eben, als seine fleischige R chte krampfhaft daS große Kümmelglas umspannte? Haben wir uns getäuscht?„Der Teufel hole die Weiber allemal mit ihren ewigen Krankheiten, läßt mich die Alte, die doch sonst Sinz vernünftig ist, bei„die" Hitze allein in Berlin zurück." a, wir haben den Schlüssel gefunden, der Mann, der finster und unglücklich dort in der Ecke fitzt, ist da« schönste, aus- g. uchteste Exemplar eines echten, unverfälschten„Stroh- w'ttwerS"! Armer, beklageniwetther Erdensohn, wie glücklich warst Du doch, als Du noch Budicker warst, und Deine„Alte" noch keine Nerven hatte. Die stellten fich erst ein. als Du Haus- bcsitzer wurdest, und fie wurden erst unerträglich. alS Deine blaue Schürze längst vergessen in emem Winkel ruhte, als eS Dir unanaenchm wurde, wenn Dich Jemand zufällig an Deinen früheren Stand erinnerte, und Du schon lange�däs Wurst- I Sroßen Papierscheere jnm Couponabschneiden HÄffetarntt der. �.�WWI„____ vertauscht hattest. Bist Du jetzt glücklrchcr, wo Deine„Alte" in Norderney wellt und Du schonungslos dem Wohlwollen der rv sißbeschürzten„Rieke" preisgegeben bist? Kann fie Dir die täglich versalzene Suppe versüßen, kann fie Dir das verdorbene Gemüse, den verbrannten Braten schmackhaft machen? Weh arzt Dr. Rouvier, welcher ihm während seines hiesigen Aukent- Halts beigegeben ist, enwfangen worden- Die Echliehung der öffentlicher belgischen Elementar- und Mittelschulen dauert fort; heute wird dieses betrübende Faktum aus 15 verschiedenen Gemeinden gemeldet. Die den Lehrern für die Ettheiluna des Religionsunterrichts bisher er- theilte Zulage wird überall aufgehoben. Einflußreiche klerikale Deputirte dringen darauf, daß das gesammte Schulwesen vom Staate losgelöst und den Gemeinden überlassen wird. Die neun Provmzialräthe des Landes, welche am 25. Mai neugewählt worden, find gestern zusammengetreten. Man war nicht wenig gespannt auf daS Debüt des in Brüssel tagenden Pro- vinzialraths der Provinz Brabant, in welchem zum ersten Male die unter der Firma„der nationalen Unabhängigen" gewählten Klerikalen erscheinen sollten. Ihr maßloses Austreten veran- laßte, daß die Sitzung viermal suspendirt werden mußte. Man beschimpfte fich gegenseitig in den unerhörtesten Ausdrücken. Es giebt das einen Vorgeschmack, welche Szenen bei dem baldigen Beginn der parlamentarischen Session dem Lande be- vorstehen. Einen äußerst heftigen Krieg führen die Klerikalen und ihre ganze Presse gegen die Freimaurer und die Logen. In ihnen sehen fie die geschworenen Feinde ihrer Kirche, die Urheber des ganzen Unhells, zumal hier nur die Liberalen zu den Freimaurern gehören. Sie möchten fie mit Stumpf und Stiel ausrotten und find nach dieser Richtung hin streng mit den Anschauungen und Absichten des PavNthums im Ein- klänge. Diese Bewegung ist nicht zu unterschätzen. Auch Rumänien hat seine Berfassung«- Revision. Einen der umstrittensten Punkte derselben bildete der aus die Presse bezügliche Artikel 29 der Verfaffungsurkunde, indem hier dem Verlangen des Senats, den Wirkungskreis der Schwur- gerichte in Preßsachen blos auf die eigentlichen politischen Prozesse zu beschränken, der Forderung der radikalen Kammermit- alieder gegenüberstand, auch die Entschädigungsansprüche in Preßklaaen dem Urthelle der Geschworen zu überweisen. Der Senat fügte fich auch schließlich dieser Forderung, wogegen wieder die Kammer fich zur Annahme eines im Senat vorge- schlagenen Amendements entschloß, nach welchem Preßdelilte gegen den König, die königliche Familie und ftemde Souveräne vor den gewöhnlichen Gerichten abgeurtheilt werden sollen. Im Uebrigen blieben alle Freihellen der allen Preßgesetzgebung auftecht, welche jedwedem Ausnahmegesetze und jedweder Poll- zeiaufficht unerreichbar, eine der werthvollsten Errungenschaften der alten Verfassung bildete. An der marokkanischen Frage find die Regierungen von Frankreich, England, Italien und Spanien übereingelom- men, das alte Verhältniß in Marokko auftecht zu erhalten. Der Sultan von Marokko erklärt fich bereit, einen Hafen zu überlassen. Der Mahdt soll Chartum erobert haben. Eine De- pesche des Londoner„Dolly Telegraph" meldet aus Kairo, daß die Stadt fich bereits Ende Äai oem Mahdi übergeben habe. Ein Blutbad soll nicht stattgefunden haben, dagegen sei die Garnison zum Mahdi und die meisten Christen zum Islam übergetteten. Ob Äordon auch diesen Schritt gechan hat, wird nicht gesagt, jedoch soll er mit dem Mahdi, der in Chartum rrstdire, auf bestem Fuße stehen und fich in dessen Lager ftei bewegen. Die Bestätigung dieser Rachricht bleibt abzuwarten. Von Gordon ist seit Mitte Äai keine beglaubigte Botschaft Sekommen. Die früheren Klagen Gordons über seine Roth immen wenig zu der letzthin von der englischen Regierung verdeiteten Meldung, daß Chartum ganz außer Gefahr sei. Ist die Stadt gefallen, dann wird fich das Geschick der englischen Polllik in Egypten bald vollenden. Di« Demokraten im amerikanischen Repräsentanten- Hause haben den von den Republikanern eingebrachten Antrag, größere Geldsummen zur Befestigung der Forts und Anschaffung von Kanonen zu bewilligen, abgelehnt, weil fie fürchten, die gegenwärtige(repudlilarnsche) Erclutive werde das Geld zu Wablzwecken gebrauchen. Es wurden daher nur die für die Erhaltung der Werke nothwendigen 595000 Doll. bewrlligt� von DarwWeuwnsckes. Ende der Legislaturperiode. Es wird jetzt schon häufig der beendeten �Legislaturperiode des Reichstages oder .............._________________ ebensolange dauert nun noch daS Mandat der jetzigen Abgeordneten. müthig würdest Du Dein ehrwürdiges Haupt schütteln, wenn wir Dir diese Fragen vorlegen dürsten, vielleicht würde Dir eine innere, leise Stimme sagen, daß Du Dich bedeutend wohler gefühlt hast, daß Du viel yarmloser, viel glücklicher gewesen bist, alt Du noch ein sogenannter„kleiner Mann" warst. Immer trauriger, immer düsterer wird der arme Mann, sein Kopf fintt auf die Brust herab und ausdruckslos starrt sein Auge in daS halbaeleerte GilkaglaS. Die Stunden entellen, Schulze omft an seine„Alle" und an das schw re Geld, welches ihn die Badereise seiner befferen Hälfte koftet.e Ein Seufzer nach dem anderen entreißt fich seiner gequälten Brust, und wir müßten wirklich ein Herz von Stein haben, wenn wir nicht tiefes Mitleid für den armen, bejam- mernswerthen Rentier empfinden sollten. Plötzlich wird die Thür deS Lokals etwas gerauschvoll geöffnet, und herein tritt frellich ein wenig schwankend, aber das Geficht von der sonnigsten Freude erklärt, Schulzens lang- jähriger Freund und Berufsgenoffe, der Rentner Lehmann. Seinen Freund sehen, auf ihn zueilen, ihm jovial beide Hände schütteln, das ist für Lehmann das Werk eines Augenblicks. „Aber, Schulze," deginnt Lebmann das Zwiegespräch, nachdem er ebenfalls eine große Weiße nebst„Strippe" er- halten hat, Du stehst ja so traurig aus, was fehlt Dir denn, altes Hau»?" Schulze erwidett nichts, sondern nippt refignirt an seinem Glase. „Na nu i" meint Lehmann,„ich sage Dir, ich bin so ver- gnügt wie noch nie, ich habe nämlich gestern„meine alte Dame" nach Karlsbad verpackt und auch gleich abgeschickt!" Schulze wirft einen mißtrauischen Blick auf Lehmann, er hat das unbestimmte Gefühl, als ob er von seinem Freunde geuzt wurde. «Jetzt geht das lustige Leben loi", fährt Lehmann fort, „man kann jetzt ordentlich einmal ftei aufathmm; Prost, Schulze, eS lebe daS Junagesellenleben Schulze trinlt nicht mit. aber er knurrt wie eine gereizte e beiden Etrohwittwer spielen jetzt eine Parthie Sechs« undsechzia, da aber Lehmann Schulzen im Verlaufe deS Spiels fünfmal die Vierzig zerreißt, steht dieser um zehn Uhr auf, be- zahlt seine Zeche und entfernt sich nach kurzem, frostigen Ab- schiedsgruß. Er geht nach Hause mit dem Gefühl unsäglicher, unbeschreiblicher Verlassenheit und noch lange wälzt er sich tief unglücklich auf seinem Lager, bis der Schlaf ihn für wenige Stunden seiner irdischen Oual entrückt. Lehmann dagegen? Er bleibt ruhig fitzen, animirt jeden der Gäste zum Dableiben, schimpft weldlich auf die Pantoffel- Helden, die schon so früh nach Hause gehen müssen, er hat eben total vergessen, daß er unter normalen Verhältnissen höchstens bis fünf Minuten nach ein Viertel Elf bleiben darf. Und spät in der Nacht? Lehmann auch deine Echand- thaten werden an's Licht kommen, wenn du auch glaubst, daß fie ewig in tiefes Dunkel gehüllt bleiben werden. Auch von dir wird man sagen können,„des Lebens ungemischte Freude, ward keinem Sterblichen zu Thell." Deine„alte Dame" wftd Die»am-ntliche Abstimmung im Po.:c übe. devölches Gebe Ackermann scher: Antrag, welch« da/ � ü«, Lehrling«« Presse n zu hallen, den J-.nuaa- meistern vvrbehäll, affenl recht deutlirkibe m den seine TeuSem Es find unter den 157 Mitgliedern, die fut5.2»st letdei denselben gestimmt haben. 1 Herzog, 1 Fürst, 4 Prinzen, 23#', dre d« Grafen, 29 Barone und 36 vom gewöhnlichen Adel, d. h. alsoMsn, es u es haben 94 vom hohen und nieveren Adel und nur 63 büv'ö nssvermc gerliche Abgeordnete für diesen Antrag gestimmt. Unter den« r Pres j Gegnern des Antrages zählen wir 6 adelige und 2 Freiherren,„ Jf®" es haben also gegen den Antrag. 136 Bürgerliche gestimmt."«" W'V« Man sage nicht, daß dies ein Zufall sei, diese Thatsache ist utf�rgesuch höchsten Grade bezeichnend für den wahren Charakter der"; neu aus gegenwärtigen Zunftbcwegung. Sie entspricht nicht den B''" dürfniffen des modernen Gewerblebens, sondern ist die küi liche Neubelebung veralteter wirthschaftlicher Formen, die hau: sächlich zu allgemein politischen, reaktionären Zwecken von' Agrariern und Junkern protegitt und in den Dienst Sonderintercffen gestellt wird.— Ein liberales B: schreibt nachträglich über die Abstimmung: Das unerfreuli Ereigniß hätte beinochgrößeremEiferaufliberale Seite vermieden werden können. Die Entscheidun setzte fich bekanntlich aus zwei Absttmmungen zusammen. B der ersten Abstimmung über den ersten und einzigen Artib des Gesetzentwurfs stemmten 159 Abgeordnete mit Ja, 1" mit Nein, bei der zweiten Abstimmung über den gesamm eben aus jenem einzigen Artikel und der Uederschrift bestehei Gesetzentwurf stimmten 154 mit Ja, 150 mit Nein. Es hatt fich also inzwischen von der Rechten fünf, von der Linken ft' Mitglieder entfernt. Wären die 156 Gegner der ersten stimmung auch bei der Gesammtabstimmung noch Platze gewesen, so wäre das Gesetz abgelehnt worden' am hren fie a> hwirren di> beste Zeit i veise und »er Rum Wer Ja 4e Hitze w Herrscher, ' hegreifl äst. doch Attikels liest u Repotte sin Machw ato einver »den Tao bat hin) Es mochte mancher nicht bedacht haben, daß nach der Ab>„ stimmung über den einzigen Artikel noch eine Gesan abstimmung folgen werde. DaS ändert aber nichts an da Thatsache, daß hier eine Nachlässigkeit verschieß „? VUD bener Mitglieder der Linken vorliea höchst bedauerlichen und wichtigen praktischen Folgen ffll kann.— Wir bemerken noch dazu, daß gerade Mitglieder liberalen Parteien, die in Berlin ihren Wohnsitz haben, der Abstimmung fehlten. ist seine er Mens- en zugäi acht we, regurtei n uns I iber eine serm Na, er Dorfsftl sin ausgeb nd einen zmsten Pst i-ß, ist dafi eM-R sationsbedürfniß, eine fieberhafte Begierde, Alles sofort zu W'fa««> fahren, nicht zu verkennen, und es est entschieden nicht zu»«Uten. Ge streiten, daß diese Unarten durch einzelne Zeitungen dem# N.B.» blikum gewissermaßen anerzogen worden find. Die Suapsisenbahn Lok o k a l e s. cl. Pflicht der Presse ist es entschieden, das Publik über alle interessanten und wichtigen VorgOna» möglichst schnei allen übrigen Tagesblättern um mindestens„eine Nasenlängismerdings vor zu sein, hat die Lesewelt verwöhnt,� und es mag bar inq-merd ,1«................................_„ jahtffsi im Lau estellt bleiben, ob bei der kolossalen Schnelligkeit, mit d�" Ade Welt streut, vre nur oazu vrenen tonnen, das große Pudlstu»'""' rv nach jeder Richtung hin zu beunrubiaen, bestrafe? Schwerliä vw dott Nachdem eine solche Nachricht ihre Dienste geleistet hat, bentf**" tirt man fie einfach und dann ist die Sache abgethan. zurückkehren mit gekräfteter Gesundheit und frisch gcschmiert��� Zunge, sie wird ftoy der fünfzehn Mark, mit denen du —«f. Echo, iertA lunae, sie wirv«ob Oll lunucyn-ovu«, im» viucn uu. das Schweigen�veS Dienstmädchens erkaufen zu können glaubt«�? erfahren, daß Du möglicher Weise nur allzuhäufig Lokale gesucht hast, deren Namen Du in ihrer Gegenwart nicht mal zu erwähnen wagtest. Und was wird die unausbleibl« Folge sein? Deine„alte Dame" wird Dich nie wieder allr zurücklassen, Du wirst als unficherer Kantonist nächstens uü;™° Hand Die zi: st« drö • in di alle folgenden Aafre während der Ba�ftison' unter sichwft� mütterliche Aufficht gestellt w«dm,und Dein zukünftiges: nnd-ine Kette von elenden, trostlosen Tagen sein.- r _ Lasien wir fie ihren Kumm« älleinftagen, diese„beflp Quf � fituirten Leute! Sie haben ihre Sorgen wie wir; wenn"t— Hai«« uns auch um verschiedene Sachen kümmern müssen, etwas ma»»)«@ uns keinen Kumm«, und daS ist uns«— Geld. Selbst««'tan und fich das auch ein wenige nach Galgenhumor anhört, das sch,;»% iMttr» t+ f vma*-«imV... 3___ L. O4, «r zum Beispiel durch die Sprossen ein« auf dem Boden �cht mit 1 genden L«t«, ohne eine einzige zu überschlagen, sich Hindun« dem S gewunden habe. st mitten m.��ten in daS Gewine hinein«scholl plötzlich in Ite des? Nähe d« Bude ein hundertstimmign Schrei, dann ein«"%« Riese, Brüllen,— ein Panther war auS d« nebenstehenden MenagMürme di ausgebrochen und in sein« Angst einem d« Pferde, die* Stille einer feinen Equipage hnankamen. auf den Rücken gespnuMhrend u Wild bäumten sich vie Rosse; ein gewaltiger Ruck— Archen ui Kutscher verlor die Zügel und stürzte vom Bocke herab in �geszeit i Menschenmenge hinein; das Gefährt sauste mitten durch' Doch geängstigt« Volksmasse. Zange fie � Im Sagen saßen ein ält«er he« und eine jüngere Dc-�e Alleen dre fich bemühten, den Wagen zu verlassen. D« Panther«sten Spa von dem«schreckten Thiere wied« herabgesprungen und diese zwischen von den Menageriedienern eingcsnngcn worden! Linde durchgegangenen Pf«d« ad« eilten den neuen SteinwcS sättigte i *) Nachdruck verboten. »Iches Gebahren tann entschieden den Ruf und das Ansehen er Presse nicht heben, es dient vielmehr nur dazu, daß die- ■""e in den Augen des Volkes herabgesetzt, ja entwürdigt wird. ist leider sehr traurig, daß es noch eme Unzahl von Leuten bt, die derartige Zeitungen durch ihr Abonnement unter- h. den, es wird das aber hoffentlich nur so lange geschehen, c 63 biir-is Jedermann hinlänglich aufgeklärt ist über die Pflicht lnter dener Presse. Freiherren,, �JBir find mitten drin— in der Zeit der Gurke. Alle über 'ehrlich ,t deutli . die fü mzen. D.h. also, den B die!ü, vi« hau; i von' mst ih es Bll erfreuli! b erale tscheidui nen !N Ja, �esammi estehei Es Haiti inken fii' rstcn ren sie alke Jahre wieder, wilde und zahme Enten durch- irren die Spalten der Tageszeitungen und die schrecklichste, este Zeit für den Reporter ist angebrochen. In der listigsten (ist und mit dem harmlosesten Geficht von der Welt ngt er dem unter Kwr Last ver Berufsgeschäste der Hitze seufzenden Redakteur eine.Geschichte, die er er Nummer des„Beobachters an der Spree" aus den iger Jahren entnommen und fein säuberlich zugestutzt hat. e Hitze wirkt so deprimirend, daß der gestrenge Zeitungs- dieser Zeit äußerst vorsichtig ist und alle ihm zugehenden Nachrichten einen schwachen Augenblick hat, nur den Anfang Artikels, dem natürlich die pikante Spitzmarke nicht fehlen , liest und den Artikel aufnimmt. Wie diebisch freut sich Reporter dann, wenn er am folgenden Tage kalt lächelnd in Machwerk liest und es dann schmunzelnd seinem Zeilen- to einverleibt. Der arme Redakteur natürlich hat am fol- den Tage seinen schweren Aerger, er ist entrüstet, doß er der Gesami S an d< e r s ch i«l t. die ien fül glieder haben, Pubiii chst schw er Mensch hat schwache Augenblicke, in denen er für Dumm, Ien zugänglich ist, und wofür wären diese da, wenn fie nicht acht werden sollten? Das unbestreitbarste Zeichen, daß die iregurkenzert ihren Einzug bei uns gehalten hat, ist das. n uns Geschichten wie die folgende aufgetischt werden.— ber eme seltsame ornithologische Mißgeburt wird uns aus serm Nachbarorte Britz berichtet. Eine Henne des dort in er Dorfstraße wohnenden Grundeigenchümers B. hatte 10 flfich« nn ausgebrütet, unter denen fich eines befand, das vier Füße nd einen Kopf mit zwei Schnäbeln hatte. Trotz der sorg- sten Pflege» die man dem seltsamen Geschöpf angedeihen ist daffelbe doch bereits nach wenigen Stunden krepirt-— m,«,» r X. Haussuchung. Vorgestern wurde bei dem wegen einer technisc�n'fi��� Majestätsbeleidigung in Hast befindlichen Schuh- iffes@(#4# Schaub, Köslinerstr. 16, in Anwesenheit von deffen fort zu Nestau eine Haussuchung nach verbotenen Schriften abge- acht zu testen. Gefunden wurde nichts. i dem# N.B Mit dem»an des Anschlußgeleises der Görlitzer Die Suatistnbahn nach der Stadt- und i Ringbahn wird nach den iasenlängi merdings seitens des Ministeriums getroffenen Bestimmungen, nag dahiKst im Laufe des Winters vorgegangen werden. Ein großer d�hnl der Besitzer des zu dem Geleise benöthigten Terrams bei atteptow ist zu einem freiwilligen Verkauf mcht zu bewegen, ....... 0°" stellte so hohe Forderungen, daß auf dieselben gar nicht Aber es imfleganaen werden kann. Es müssen diese Grundstücke des« NeuaierÄllb rm Wege des Enteignungsverfahren erworden werden. ltige Dm» B. N. Ein vom Koller befallenes Droschkenpferd ver- nur uersachte heute Mittag in der Königstraße, zwischen Rathhaus sich stehehd Lange Brücke, eine höchst aufregende Szene. Das Thier, n Erfolgchs mit einer Droschke Nr. 320 1. Klasse vor dem Rathhaust ;e nur noiand, ging in Folge des schon erwähnten KolleranfalleS durch bel ist ebmd raste mit»dem Fuhrwerk in den augenblicklich in Um« übe wiedlflasterung begriffenen Thell der Königftraße hinein. Unmittel- s doch, dar an der Ecke der Spandauerstraße karambolirte die Droschke ) im Augit einem dort haltenden Möbelwagen und wurde der Kutscher, gegen beer die Macht über das rasende Thier verloren, von seinem e von untitz in weitem Bogm auf den Straßendamm geschleudert, zu wolle»ahrend das Thier mit der durch den Anprall zertrümmerten afung ein�roschke weiterraste und schließlich zwischen Sand und Stemm !t waS destkrastct zusammenbrach. Seltsamerweise schstn weder der Hat mlsutscher noch das Pferd emstlichen Schadm davongetragen zu u bcispiel»ben, während Vit Bruchstücke des Wagens nnzeln fort« tuie es schafft werden mußten. B. n. Ein blutiger Kraball zwischen Militär««nd Schon glaubte man, Gefährt -..k�mi-rt�rabenecken zertrümmert würde— Alles wich den rasendm nen du diftrhen aus—, als ein junger, kräftiger Mann fich den Thieren .g.jotzlich entgegenwarf und sie auch nach hartem Kampfe mit yS' ,,.Zier Hand bandigte. +«frfu ciL Dre zitternden Pferde stampfen noch, daß das Straßen« �-�,R.. Äaster dröhnte, blut- und schweißbedeckt schäumtm fie un- -usd-nd�ig in die Gebisse, doch die starke Hand dei jungen Manne», iiifm man ansah, daß er vom Lande war, beruhigte die muthi- cx'.iiir" Threre. Inzwischen warm die Jnsassm des WagenS ausgestieam: lst�geö Lc e Dame, vor Schrecken wohl noch etwas blaß, sprang, als fie :..,-;n Retter kaum etwas näher angesehen hatte, mtt dem Jubel« J. W auf denselben zu:„Papa, das ist ja unser lieber Freund !jm Uglei-See, Herr Reichelt!" �mas ma Der Senator HauSburger trat an den jungen Schullehrer Selbst wf�ran und reichte demselbm mit einem Blicke unaussprechlicher ' aas'.�Dankbarkeit beide Hände. Jn,wischm war auch der Kutscher, ns diese fich vyn seinem unsanften Fall erholt hatte, eingetroffen; eintrock»rtclbe beruhigte die Pferde vollends, und bald ver« »wand der Wagm mit seinm drei Jnsassm»uS der neu« engen Menge, auf Umwegm das HauS deS Smators, welches g Alsterbasfin lag, erreichend. Stolzes Hamburg! Wohl beneidet dich der binnenländische gufmann um deinen Hafen, in welchem die Schiffe aller Na- mm ruhen; wobl beneidet dich der Gourmand um deine : Küche und all du Genüsse, welche aus allen Zonen der it dir zuströmen: um deine Südfrüchte, um deine Weine, die Frische demer Austern und deiner Fische: wohl benei- dich der Naturfreund um deine schöne Umgebung, und die iusficht".begehrliche Menschhert starrt auf dernm Hafen von Höhe hernieder oder geht nach Blankenese, von wo fie die iffe elbauf- und elbabwartS, Schwänen gleich, hinziehen t,- aber die Perle, o Hamburg, die du birgst, ist der ne Binnensee, den du Alster nennst, und der durch eine enbahn brücke in die.Hinnen« und in die„Außenalster" Nicht mst dem waldunrrauschten Uglei-See vergleichbar, Üdrigms esene Eck iL besl' «enselbm li verdanl n ein Gefells ; diejmi den drai crrichtet, .i., mu ocm n)au?umi*wiu#»vi» i Boden' cht mst den nordstalischen Wundersem, dem Lago di Tarda fich Hindu*1,« dem Maggiore, aber dmnech herrlich in seiner Eigenheit; "'•......''»hm die schönm Pa- nde ragen empor in ein w'�e �mengedilde der Nikolai- und MichaelrSkirche. deren en PienagMmie die höchsten der Welt find. rde. die- Etrlle allerdings ist zur Weihnachtszeit der Neme See r gespruMLhrend rm Somm« zahlreiche Dampfer seine Fluthen durch Ruck„rchen und die Uf« d« Alst« von Ruderschlagm zu jeder herab in' ageszest widerhallen. ti durch 1 Doch auch ,m Winter ist die Alster viel umworben, und ' mge fie eisfr« rst, steht man auf ihr noch manches Boot ..... en aber, welche um das Mass« führen, find die beleb «n Spaziergänge der Stadt. Wieviel herrlicher aber auch lleen ab«, welche um das Mass« führen, find die beleb Spaziergänge der Stadt. Wieviel herrlicher aber auä ... diese Alleen, als beispielsweise die vielgerühmten„Unter worden!�« Linden" in d« HauptstM Berlin; frrsche und doch so Reinweg sättigte Lust erqmckt fichtlich die Menschen auf ihrem Epa. PanchsM gen und'ad mit Civllpersonen wegen ein« harmlosen Anrempelei in einen Wortstreit gerathen, der bald zu Thättichkeiten überging und insofern ernstere Dimensionen annahmen, da die Dragon« im weiteren Verlaufe von der blanken Waffe Gebrauch machten. Erst der energischen Intervention der Polizei und nachdem einige Verhaftungen vorgenommm, gelang es, die Streitenden zu trennen. Einige der Kombattanten sollen dabei ö ernstliche Verletzungen davon getragen haben, daß ihre Auf- nähme im Krankenhause Bethamen nöthig wurde. Wer die Schuld an dem Kravall hat, wird hoffentlich die eingeleitete Untersuchung«geben. Im Arvetteröewegung. Am Montag, dm 30. Juni hielt der auetbodenleger Berlin» eine öffentliche Verein der Par« Versammlung ab. Die Tagesordnung lautete:„Unsere heutigm Lohnverhältnisse. Hierzu hatte der Verein sämmtliche Arbeitsgeb« Berlins schon drei Wochm zuvor brieflich eingeladen, es hatte jedoch kein« d« Mühe werth gehalten zu erscheinen. Die Tagesordnung wurde trotzdem lebhast diskutirt und die Beschlüsse des V«eins vom 19. Mai er. aufrecht«haltm. Demnach sollm die Lohn« sätze sein: für Parquetarbeit 90 Pf. pro Quadratmeter, excl. Nägel, Keilhol,, Fuhrlohn. Für Stabfußbodenarbest 10 pCt. Zuschlag pro Quadratmeter. Während d« Versammlung er- chien der Kollege Stadtverordneter H«old und legte die ver- chiedenen Arbeitsverhältnisse eines Parquetkegers Bar, wies im einzelnen nach, daß die meisten Kollegen nur ein halbes Jahr Arbeit hättm und die jetzt gestellten Ford«ungen an die Ar- beitsgeber nur g«echte seien. Vor 20 Jahrm schon wurden höhne Löhne für dieselbe Arbeit gezahlt und die Meist« muß- ten jedem Bodenleger Hobelbank nebst sämmtlichm dazu gehö- rigen Werkzeugen stellen, waS sich heute jed« selbst haltm muß. Nachdem Redn« noch die Steigerung d« allgemeinen Lebenshaltung in dm Kreis sein« Vngleichungm gezogen, schließt er mit den Wortm:„Um etwas zu«ringen, dazu ge- hört vor allen Dingen Einigkeit!"— Möge der Verein dieser Forderung tmm« genügm. In der öffentlichen General-Versammlnng der Retall« arbeiter-Branche. welche etwa 1500 Theilnehmer zählend, am "reitag unter dem Vorfitze d« Herren Netzband und Klein in Sanssouci, Kottbuserstt. 4-., tagte,«stattete Herr Netzband Bericht im Namen d« Lohnkommisfion. Dm Strike in da Tänzler'schm Werkstatt betreffend theitte n mit, daß die Be- mühungm d« Kommisston, die Forderung eines Minimallohnes von 18 Mark wöchentlich für du Gehilfen durchzusetzm, durch Austrage der letztm Genaalversammlung an die Herren Gebt Tänzler gerichtet hat. In demselbm wird dm Herren'»«- ..» i Herr gehatten, daß fie früher zugestandm, ein Klempncrgehilfe müsse mindestens 21 Mark wöchentlich»«dienen, und ihnen erllärt» daß seitens d« Kommission d« über ihre Wakstart vahängte Strike nicht eh« als bemdet wade angesehen wadm, als bis fie die Forderung von 18 Mark wadm bewilligt haben. Referent theitte weiter mit, daß die Herren Tänzl« auf das Schreiben keine Antwort gegeben, und.daß die 11 Kollegen aus der Tänzla'fchm Werkstatt, welche noch Strikegeld« beziehen, jetzt cwicsen seim fich anderSwo Arbeit zu suchen. Wert« de« ete Herr N., daß die Kommission, von Kolleam, die jn der angewiesen seim richtete H«r N., daß di Dölixerschen Fabrik in d« Elisabethstraße arbeiten, dazu v«- anlaßt, mit Herrn Dölitzer verhandelt habe, nachdem fie fich überzeugt, daß in dieser Fabrik d« durchschnittliche Wochmlohn nur 14,70 Äk. betrage. Die Zugeständnisse, die Herr D. ge- macht, seien von den Kollegen nicht befriedigend gefunden; ein« derselbm habe die Arbeit bereits niedergelegt, drei würden es morgm thun. Fan« hätten Kollegen, die in d« Hornhaua« schm Fabrik, in der Wasserthorsttaße, arbeitm, die Kommission ersucht, behufs Lohnerhöhung und Abstellung verschiedm« Miß- stünde mit Herrn Hornau« in Unterhandlung treten zu wollen. Jn d« an daS Referat fich anschließenden fast dreifttmdigm Diskusfion wurden nicht bloß die in dm genanntm zwei und noch anderen Werkstätten herrschendm schlechtm LohnverhAtniffe und sonsttgen Uebelstände von Arbeit«« der betteffmdm Wert- stätten sehr ausführlich dargelegt, sondan auch algemeine agen, dre Zuchthausarbeit, das Kampfmittel des Etrikens, die . chende Produktionsweise, die Organisation d« Arbeit« u. Vgl. mehr betreffend, erörtert. ES wurde schließlich die Kom- misston beaustragt, dm zwei in Rede stehendm Werkstätten gegenüb« die Jntaeffen d« Arbeitnehm« magisch, evmt. zingange, welcher gewöhnlich in dem reizenden Alsterpavillon, einem o« schönsten CafeS Deutschlands, sein Ende findet.— D« Wagen hielt vor dem prachtvollm Hause des Sma> tors. Neugierig blickte Madame HauSburger zum Fenster herauS, als fie daS Geräusch deS bekannten Wagens hörte. „Schon wied« da?" rief fie dem aussteigenden Ehegemahl mt« Segen, d« seine Tocht« und seinm Gast bat, nichts von der )efahr zu erzählen, da« sein« liebe Frau nicht erschrecken wolle,»eil duselbe schon seit lang« Zeit leidend sei. „Ja, mein Frauchen", rief munt« der Smator,„wir find deshalb so früh zurückgekehrt, um dir einen liebm Gast zu bringen, dessen du dich noch erinnem wirst als uns«es freund- lichm Gefährten am Uglei-See in diesem Sommer." ,O>— ja!" klang es gedehnt, aber steundlich zurück. Jnzwischm hatte Herr Hausburg« seinen jungen Freund in'S Haus geleitet, während Amanda zur zärtlichen Mutt« vor» auSgeeilt war. Nur zogernd hatte Emil Reichelt die Einladung des Se« natorS, wahrend deS Aufenthalts in Hamburg sein Gast zu sein, angenommen, da« fich in dm vornehmen Räumen, die ihn jetzt umgabm, nicht besond«S wohl fühlte; doch war durch die««einigten Bitten d« Familie seine Schm übcrwundm worden. Hiebes Müttnchm," sagte nach einigen Tagen Amanda, „ich habe dir etwas sehr, sehr Wichttge» mitzuthnlen. „Run?" fragte neugierig Madame Hausburg«. ,Jch habe mich««liebt, recht gründlich»«liebt, liebeS Müttnchm,— hast du eS denn nicht gemerkt? Ich juble und finge ja dm ganzen Tag. Und daS beste an alledem ist: ich w«de wiedergeliebt." „Also endlich bist du vnnünstig geworden, liebes Kind, da wird Doktor Wetnheim fich freuen. O ja,— schüttele nur nicht dein Köpfchen,« wird fich sehr stmm, daß du endlich seinm Werth erkannt hast." «Ab«, Müttnchm, ich rede ja nicht von Doktor Wem- heim, dm ich, ein- für allemal sei eS gesagt, gamicht und nimmermehr leiden kann; ich rede von Herrn EmU Reichelt, unserem Gaste." „Kind, Kind, was soll das heißen? Du, eine gebome Hausburger, willst dich mit einem armen Dorffchullehr« v«- hcirathen? DaS ist ja unmöglich, das dulde ich nicht." „Und die kleine, dicke Frau, d« daS gedehnte„Oh— ja" so hübsch stand, wurde ordentlich hitzig bei dem Verfechtm ihr« Standesehre. Doch nutzte das bei dem eigmfinnigen Töchterchm gar wenig. „Du redest imm« nur zu Gunstm deine? langweiligen Vetters, liebes Mütterchen, den ich nicht einmal auf einer Landparthie zum Träg« meines Umschlagetuches brauchen kann. Da ist doch Herr Reichelt ein ganz anderer Mann; derselbe hat viel vomehmere Mani«en, Mütterchen, als dem abscheulicher Vett«, der Doktor. Und wenn du von dem noch einmal sprichst und wenn Du zu meiner Liebe zu Emu Reichelt nicht Ja und Amen sagst, so gehe ich zum Papa, der unfern Gast sehr leiden kann— er lobt ihn alle Tage—, ja dann-- wenn du, Mütterchen, _ und dann, nicht" sofort Ja sagst auch durch Strike und Unterstützung d« Strikenden. zu wahrm. Herr Netzband theilte dann noch mit, daß die mit Ausarbeitung eines Statuts für den zu gründenden V«ein der Metallarbeiter Berlins beauftragte Kommisfion ihre Arbeit bald beendigt haben werde. He« Klein forderte zum Anschluß an die stete Hamburger Central-Hilfskasse der Metallarbeiter auf und theitte die von Herrn Holy gegebenen, durchweg befriedigenden Cr« lärungen mit. Der Kongreß sämmtlicher Korbmacher Deutschlands wird, wie nunmehr definitiv festgestellt ist, am 6. und 7. Juli in Berlin, im Lokale des Herrn Otto, Adalbertstraße 21, tagen. "u demselben haben fich bereits Delegirte aus Hamburg, »reslau, Liegnitz. Dresden, Magdeburg, Posen u. f. w. angemeldet. Du Abficht des Kongresses rst, eine eingeschriebene Hilfskaffe deutsch« Korbmacher zu gründen, und hat das ein« leitende Restrat hierzu auf Ansuchen der Herr Gürtlermeist« Kreutz übernommen. Die Vereinigung der Weber in Lyon hat soeben einen Appell an die Aroeiter und an die Seidenarbeiter erlassen, in welchem fie auffordert, auf Grund des Gesetzes vom 24. März 1884 ein Syndikat der Weber und ähnlicher Branchen zu«- richten. Ohne fich an dem Detall der Kritik zu stoßen, welche fich gegen dieses Gesetz geltend gemacht hat, haben fie erklärt: „Wir wollen durch unsere Weisheit und Festigkett unser Recht auf uns«e Existenz erw«ben und und in fnedlichster Weise auf dem Wege der G«echtigkert und Klugheit dahin zu ge- langen suchen, daß die Werkzeuge, deren wir uns bedienen, uns« Eigenthum sein sollen." Herr Tolain beglückwünscht die Lyon« Weber aus diesem Anlasse wegen des Patriottsmus und der Intelligenz, du sie damit an den Tag legen, indem fie eine der großen Genossenschaften zu bilden entschlossen find, welche, wie er sagt, die Elemente der Ordnung und des Fort- schrittes für die Zukunft bilden werden. Pevewsmckrickte«. Sachsen. Jn ein« zahlreich besuchten hat d« Abgeordnete unsere» Vollmar, über die Thätig Frankenberg i. Sack öffentlichen Volksversammlung Reichstagswahlkreises, Herr v. Vollmar, über du Thätig- keit deS Reichstags in v« verflossenen Sesfion Bericht erstattet. Der Redner ging vom bestehenden Wahlrechte, an dessen Durch« führung« verschiedene Ausstellungen machte, aus und kam dann auf daS Budget zu sprechen, wobei er fich alS Gegner der beabfichtigten 2 jährigen Perioden bekannte. Das Militär- wesm berührte«, indem« Üb« die Behandlung der Soldaten settenS d« Offiziae Klage führte, um dann zum Eteuerwefen überzugehen, dabei die indirette Befteunung verurtbetlend und für das progresstve Einkommenstenerwesen einstetend. Ferner tadelte«, an die Gesellschaftsrechte anknüpfend, die im Reichs- tag zur Sprache gebrachte Absicht d« Abschaffung der Sing- »ÄöWS das fich höhere und kostspieligere Genüsse nicht verschaffen könne. Aus ähnlichen Gründen fand auch die Beschrankung deS Kol» portagebuchhandels keine Gnade vor dem Redn«. Den nächsten Punkt des Referats bildete das Jmpfgesetz, wobei« betonte. daß« so lange Gegner des Impfzwanges sei, als ihm nicht von ärztlicher Seite d« Nutzen deS Jmpfens nachgewiesen werde. Bei der Behandlung der Aenderungen am Gew«b«- gesetze trat« für die Gewerbefreiheit ein und vnurtheilte daS Zunftwesen, da das Handwerk infolge d« imm« größnen Ausbildung des Fabrik- und Maschinenwesens rückwärts ae» gangen fei und fich selbst nur dadurch heben könne, daß eS fich zum Kunstgewerbe ausbilde. Das Unfallverfichemngsgesetz ver- warf der Redner, weil d« Staat und d« Kapitalist den ge- ringsten Schaden trage und die Arbeit« infolge der langen Karenzzeit fich selbst durch die Krankenkassen helfen müßten. Zum„Rechte auf Arbeit" übngehend, legte der Referent dar, daß vom Staate zwar das Recht auf Arbeit an«kannt worden sei, ab« untn den jetzigen staatlichen Verhältnissen niemals im eigentlichen Sinne veS Wortes zur Thatfäche werden könne, da der Staat die Arbeit nicht in oer Hand habe. Der Redn« schloß feine Ausführungen mit d« Anfrage, ob er im Sinne der Wähler den Wahlkreis im Reichtag vertreten habe, worauf die bedeutende Mehrzahl d« Anwesenden unt« großem Beifall zustimmend antwortete. Die fich anschließende Debatte führte zu dem Ergebniß, daß man die Wied«wahl des Herr» von Vollmar anstreben wolle. Der Arbeiter-vezirkS-Veretn der Rosenthaler V«r<- stadt hält am Montag 7. Juli d. I., Abends 8 Uhr im Bor- städtischen Hdfintz Ackerftraße 114 eine große Volksversammlung dann weine ich und höre nicht auf zu weinen, bis Du Ja ge» * Ö Mit diesen Worten schlang daS verwöhnte Töcht«chen ihre Arme um die liebe Mama und fing wirBich zu weinen an. Das ab« war zuviel für die gute Frau HauSburg«, die überhaupt keine Thränen sehen konnte und erst recht nicht die Thranen ihr« vergötterten Amanda. „Ab« um Himmelswillen, Kind, höre auf zu weinen, ich sterbe ja, wenn ich daS sehe. Alles sollst du haben und noch den Echullehr« dazu,— oh— jah!"— Und ganz«schöpft sank die gute Frau in ihren Sessel zurück. Hiebes, liebes Mütterchen, wie bist du gut! rief Amanda und überhäufte die glückliche, Beine Frau mit Schmeicheleien und Küssen. Frau Hausburg« war eS schon zufriedm, daß sie einen anderen Schwiegersohn bekam, ihr Veit« würde fich schon ttösten, und das Glück d« Tocht« ging ihr über alles. „Und nun zum Papa!" rief Amanda.„D« wird fich freum, wenn ich ihm meinen Entschluß mittheile. Er schätzt meinen Emil so hoch,« hat ihn ordentlich lieb, daß ich fast eif«süchtig auf den Papa werde." Senator Hausburg« war in best« Laune;« war vor kurzer Zeit mit seinem jungen Freunde nachhause gekommen und rief seinem eintretenden Töchterchen zu; „Höre, Amanda, dies« Reichelt ist doch ein ausgezeichneter Mensch! Für einen Dorfschullehrer find seine Kenntnisse aradezu staunenerregend, dabei seine V"" venSwürdigen Manieren. Ich daß« fich doch um die«le!..„..------,_,....... Bürgerschule bewerben solle, doch schlug« leider daS An«» bieten aus, weil er in seinem lieben Dörfchen am Uglei- E« fich wohler fühle. Ich bin auch nicht wettet in rhn gedrungen. da ich die Gründe nicht kenne, die ihn in dorttg« Gegend �Mber, Papachen, da hättest du nicht nachlassen sollew; wie chön wäre eS gewesen, wenn Herr Reichelt jetzt schon immer bei uns hätte bletben können. Die Mama ist ganz damit einverstanden, daß ich unfern Gast und deinen Liedling �*D« Senator sprang äußerst erregt auf:« war ganz bleich geworden.«Wovon sprichst du, Amanda?" fragte« «nft mit verstörter Miene. Nun, was ist dir denn? Ich liebe Emil Reichelt, er liebt fich wieder etwas erholt und fragt* denn so ganz stcher, daß dich Herr zärtlich an. Der Alte hatte „O, gewiß, Papa, da solltest du einmal seine Augen sehen. wenn er mich anblickt,— dieS Feuer, diese unnennbare Liebe, die aus denselben sprühen! (Fortsetzung folgt.) Kadt Abends ob. T.-O-: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn Stadt- uerordneten Gör Ii. 3. Fragekasten. Mitglieder werden auf- genommen.., m Der Arbeiter-vezirks-Verein der Oramenburger Vor- für den Weddiug hält am Montag den 7. d. Mts., ,s 8 Uhr Müllerstr. 178 eine Mitglieder-Versammlung ab. T.-O.: 1. Wahl des 1. Vorsitzenden und zweier Revisoren. 2. Vortrag des Herrn Stadtverordneten Herold. 3. Ver- schiedcnes und Fragekasten. Gäste find willkommen. Der Vezirksverein des wertthätigen Volkes der Schön- Häuser Vorstadt hält am Dienstag den 8. d. Ms., Abends 8 Uhr seine regelmäßige Vereinsfitzung in Meister's Salon (Schönhauser Allee 161) ab. T.-O.: 1. Vortrag über Rechtswissenschaft.(I. Das römische Recht). 2. Verschiedenes und Fraackasten. Rege Betheiligung ist erwünscht. Gäste sind willkommen. Der Arbeiter-Bezirks-Verein im Osten hält am Diens- tag den 3. Juli Abends 8 Uhr im Lokal Königsbank, große Fransturterstr. Nr. 117 eine Mitglieder- Versammlung ab. T..0.: 1. Bericht der Revisoren. 2. Wahl eines 2. Schrift- führcrs und Ergänzung des Vergnügungskomites. 3. Frage- rasten. Bezüglich der wichtigen Tagesordnung wird um zahl- reiches Erscheinen ersucht. Die Mrtglieds-Karten find behufs der Kontrolle vorzuzeigen. Der Unterstützungsverein der Buchbinder K.dlskutirt in seiner Versammlung am Montag d. 7. er.(das Jnnungs- wesen und seine Stellung zur Lehrlmgsfrage. Außerdem sollen in derselben Versammlung Ersatzwahlen für ausgeschiedene Vorstands- bez. Kommisstonsmitglieder stattfinden. Der Verein der Maschinisten und Heizer hat heute Sonntag Nachmittag 5 Uhr Kommandantenstr. 20(Anntn- hallen oberer Saal) Versammlung. Gäste find willkommen. lteue Mitalieder werden aufgenommen. le groß sammlung ab. Tagesordnung: 1. Geschäftliches; 2. Vortrag des Stadtverordneten Herrn Görcki; 3. Fragekasten. I« der freien Vereinigung der Graveure, kiseleure und verwandten Berufsgenosse« findet am Montag, den 7. d., Abends 8'|, Uhr, tm Vereinslokal, Annenstraße 16, die �»Ibjährliche Generalversammlung statt. Folgende Anträge sollen berathen und event. angenommen werden: 1) Antrag über eine zu veranstaltende Ausstellung von Berliner Gravir- und Ciselir-Arbeiten. 2) Die Rechte des Borfitzenden in den Kommisfionen. 3) Ist das Lehrlingswesen durch Staatslchr- Werkstätten oder durch gesetzliche Einschränkung zu regeln? 4) Verlegung des Nachweise- Büreaus nach dem Vereinskokal. Erscheinen der Mitglieder geboten. Gäste will- ommen. Eine große Tischler-Versammlung findet am Montag den 7. Juli, Abends 8 Uhr, im Deutschen Kaiser, Lothringer- straße 37 statt. T.-O.: 1) Wie find die geplanten Abzüge verschiedener Arbeitgeber illusorisch zu machen? 2) Auf welche Weise find die von uns erzielten Errungenschaften auf die Dauer zu befestigen? Gleichzeitig wird aufmerksam gemacht, daß am Dienstag den 8., Alte Jakobstr. 37 in der Delegirten- Versammlung Rechnungslegung stattfindet. In der freireligiösen Gemeinde spricht am Sonntag Vormittag 10 Uhr, Roscnthalerstraße 38 Herr G a st über Glaubenszwang und Gewiffensfreiheit. Zutritt steht Jedem frei.— Sonntag den 13. Juli fällt der Vottrag aus. Die Schmiede Berlins und Umgegend halten am Montag, den 7. Juli, abends 8 Uhr, in den Gratweil'schen Bicrhallen, Kommandantenstt. 77—79, eine große öffentliche Versammlung ab. T.-O.: 1. Berathung der Statuten zum Fachverein. 2. Bericht des Vorstandes von Hamburg, be- treffend den Beitritt zur„Zentral- Kranken- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. 3. Verschiedenes.— Im Interesse der Sache erscheint ein recht zahlreiches Erscheinen dringend geboten. Eine Versammlung sämmtlicher Tischler findet heute (Sonntag) den 6. Juli, Vormittags 10 Uhr, un Lokale Königs- bank, Gr. Frankfurterstt. 117 statt. T.-O.: Was lehrt uns die Arbeitseinstellung der Möbelfabrik von Franz Müller, Krauts- u treffen, um die ge- zu machen? ..WWW»________ recht zahreichen Besuch. Die Generalversammlung deS Verein» der Einsetzer findet am Montag, Abends 8 Uhr, Holzmarktstraße 8, statt. T.-O: Begräbnißunterstützung und Anträge. Der verein zur Wahrung der materiellen Jnteressl der Fabrit-Arbeiter in Berlin tagt hnrte Sonntag Vc en or- mittag im Saale des Herrn Wohlhaupt, woselbst die Vorstands- wähl stattfindet. Es liegt im Interesse eines jeden Fabrikarbeiters, in der Versammlung zu erscheinen, um fich als Mitglied auf- nehmen zu lassen, da in den nächsten Versammlungen die Frage erörtert werden soll, wie fich die Fabrikarbeiter Berlins dem Reichskrankmkaffen- Gesetz gegenüber verhalten sollen. Be- sonders wichtig ist diese Frage für die Mitglieder der Meier- schen Krankenkasse. Hierauf bezügliche Anfraaen find zu rich- ten au Eduard H o l tz e, Görlitzerstraße 55. der Kedaction. Dem Tischler Stiller, Müllersttaße 151, ist von de __ Staatsanwaltschaft eine Anklage wegen angeblich» otteslästerung, begangen bei der Landpatthie des Arbeit» Bezirks-Vereins Wedding am 22. Mai, erhoben worden. D» Beschuldigte ersucht hiermit diejenigen, welche Zeugen jene angeblichen That gewesen find, fich bei ihm unter Angabe ih Adressen möglichst sofort zu melden. Müller Z. 1) Sic bedürfen zur Eheschließung der willigung Ihres Vaters, da Sie noch nicht das 25. Lebensjä vollenvet haben.§ 29 des Ges. v. 6. Febr. 1875. Daß? roßjährig find und selbstständig ein Gewerbe betreiben änd ieran Nichts. Der Vater ist jedoch jetzt schon verpflichi Zhnen die Einwilligung zu geben, sofern er nicht gesetzlich I stimmte Gründe zur Versagung der Einwilligung hat. D Versagungsgründe find z. JB. Mangel des nöthig ite, Bestrafung we Liegt ein Versagun des Ehekonsen Sofern der Vs artige Einkommens für Verbrechen und die zukünftigen Eheleute, schimpflicher Vergehen. .er Mitthövettrag mußte am 27. Ii» vollendeten 21. Lebensjahre nicht mehr zu sorgen hatte. das Kind sich selbst den Unterhatt verdiente, hat der Va keinen Anspruch auf die Zinsen des mütterlichen Erbthei dieselben müssen noch in diesem Jahre eingeklagt werden, sonst der Einwand der Verjährung gemacht werden kann. I. D. 2. Der Abzug an Löhnung und Brot ist us rechtfertigt, da Sie nur einen eintägigen Urlaub hatten. 1 Recht auf die fraglichen Bezüge fällt erst dann weg, wenn> Urlaub 14 Tage übersteigt. 8t. W. Mxdorf. Der gekündigt werden. E. W. Natürlich, glauben Sie, daß Sie nur zum Ist miethen? Nr. 101. ad I. Ja. ad n. Würde eine Umwand in eine Fabrikskrankenkasse herbeiführen, das vorhandene mögen wird dieser überwiesen, und zwar in dem Fall, die Mitgliederzahl 50 übersteigt. Im anderen Falle dieselbe aufgelöst werden. Die Mitglieder und das V werden dann einer anderen Kasse überwiesen. P.... z. Nach der Straßenordnung dürfen Ech� steinfeger im Arbeitsanzug nicht auf dem Trottoir gehen. X. Z Z Wir find gewiß in jeder Beziehung tob aber die Zumuthung, bei der Hitze Ihre Gedichte ,u lesen zu rezenfiren, ist doch ein Bischen stark. Leiden Sie üb' öfter an Anfällen von Dichteritis? Theater. Sonntag, den 6. und Montag, den 7. Juli. Die Köntgl. Theater find der Fetten wegen geschlossen. Deutsches Theater: Geschloffen. Reaes Ktftedrich- Wilhelmst. Theater: Boccaccio. Wallner-Theater: Hotel Blancmignon. Vfte«d-TI,ealer: Der Bettelstudent von Berlin. Belle-Aüiance-Theater: Die Goldprobe. W«lhalla- Operette«- Theater: Nanon. L«tse«städtisches Theater: 66. Opem- Vorstellung. Die Hochzeit des Figaro. Oper in 4 Akten von Mozart.— Chaubin: Frl. Harre, sen a. Debüt.— Vor und nach der Vorstellung Großes Gatten- Konzett. — Montag; Die Zauberslöte. Teutral-Theater: Los und Ledig. Arb.-Ktz.-Vntill f. d. Osten Kerlins. Dienstag, den 8. Juli, Abend» 8 Uhr, im Lokal.Fönigsbank", Gr. Frankfutterstraße Nr. 117. 1. Bettcht der Revisoren. 2. Wahl eines und Ergänzung des Vergnügungs- s. 3. Fragelasten. Um das Erscheinen sämmtlicher lieber bittet der Vorstand. Ute die Mitglieder, die Kotten an der Kontrole vor- zuzeigen.[382 Tagesordnung: Weiten Schriftführers M Klempner-Krankenkaffe. GroßeSilber-LotteriedesDeutschenKriegerbundes. Ziehung in Berlin am 16. dieses Monats. Hauptgewinne: Mk. 10000, 5000, 3000, 2 a 1000:c. K-, (zusammen 7S844 Gewinne im W. D. 100 OOO Mark. Loose i 1 Hark zu haben bei dem General-Debit von A. MolÜllg, Berlin w., Friedrichstraße 180/ wie bei den Haupt-Agenturen: M. Fränkel, c., Roßstr. 7, S. I. Bäsch, C. Molkenmarkt 14, Cäsar Borchardt, sw., j zigerfttaße 48, Borchardt Gebr. W. Fttedttchstr. 61_unb C. Königstr. l�Croner öb Ta.,.� Daffage. Laden 8, B Fiß Richard Schröder, w. Markgrafenstr. 46, R Schumacher, C. Königstr. 14a, 6. Streese, O. Andreasstt. 59, A. T c. Aleranderstr. 36, A. Thormeyer. Koniggrätzerstr. 129, Julius Werner jr, Louisenstr. 25 und in den durch Plakate lichcn Handlungen.___[305 Die Beerdigung unseres Ehren- Mitgliedes und lang- jähttaen Altgesellen Wilhelm Schulz tgenannt Elfribbe) aus Berlin findet am Montag Nachm. 5 Uyr vom St. Hedwigs- Krankenhaus, Gr. Hamburaerstt. 10, aus statt. Durch seine Verdienste um die Kasse hat er sich ein bleibendes Andenken gesichert und ersucht um zahlreiche Betheiligung bei der Be- erdiaung der Vorstand. 356] I. A.: S. Hund ertmark. Arbeiter-Berzirks-Verein des Westens Berlins. Montag, den 7. Juli, Abends 8 Uhr, in Menzel's Salon, Potsdamerstt. 74. Tagesordnung: 1. Wahl der Revisoren. 2. Vottrag des Herrn Redakteur Horn über„Rechts- Wissenschaft"(Deutsches Strafrecht)._[385 Versammlung der Zentral-Kranken- und Sterbe- kassen-Mitglieder der deutschen Wagenbauer(E. H.) Sonntag, den 6. Juli, Abende 6 Uhr, im Saale des Herrn Seefeldt, Grenadierstr. Nr. 33. Tages« Ordnung: 1. Kassenbettcht des 2. Quartals. 2. Vorstandswahl. 3. Verschiedenes. Um recht zahlrnches Er- inen wird gebeten. Neue Mitglieder werden am Ein�an� Gustav Seehaus, Kasstrer. Memelerstr. 34. scheinen wird ge des Lokals aufgenommen. A. Döring, Bevollmächttgter. Krbeiltx-Rkj.'RtttM der Ruftnlhaler Vorstadt. Montag,?. Juli, Abends 8 Uhr, im Vorstadt. Kasino, Ackettttaße 144, Große Versammlung.- T.'O.: I- Ge. schäftliches; 2. Vortrag des Stadtv. Herrn Gorckl; 3. Frage- kasten.— Mitalieder werden aufgenommen-_[380 Versammlung der Mitglieder des Desirks-Pmius äer nrb. Hevötknung ües SW. Herlius.[383 Montag, den 7. Juli, abends 8 Uhr, in Rothacker'» Lokal, Belle-Alliancestt. 5.— Tagesordnung: 1) Vottrag sdaS Thema wird in der Versammlung bekannt gemacht). 2) Ver- fchiedene«. Aufnahme neuer Mitalieder.— Gäste willkommen. Arb-vez.-Ver.»er Oranienb/vörstadt u. des Wedding halt seine Mitglieder- Versamml. Montag, den 7. d. M., abds. 8 Uhr, Müllerstr. 178 ab. Tagesordnung: 1) Wahl deS 1. Vorfitzenden und 2 Revisoren- 2) Vortrag des Hrn. Stadtv. Herold. 3) Verschiedenes und Frage kästen. Gäste find will- kommen._[381]_ Der Vorstand. UnterstfitsangsTerein der Bachbinder and verw. BernfttgenosHen. Montag, dm 7. Juli, Abmds'/,9Uhr, Louisenstädtisches Konzetthaus, Mte Jakobstt. 37, Bereinsvcrsammlung. T.-T.: 1) Jnnungswesen und Lehrlingsfragc(Refer. Jost): Vereinsa ngelegenheiten iedencs und Fragekasten. schiedenes und Fragekasten.— Zahlreiches und pünktliches Er- scheinen nothwendig, Gäste willkommen.[384 Am Dienstag, den 8. Juli, abends 8 Uhr, Versammlung der Mitglieder der Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Schuhmacher im Restaurant Teichert, Neue Grünstt. 32. Tagesordnung: Kassen- Bettcht und Kassen- Angelegenheiten. Um zahlrnches Erscheinen bittet der Bevollmächtigte. Reue Mitglieder wnden vorher aufgenommen._[375 Das unentgeltliche Arbeit»- Nachweis- Sureau für Slavier-Arbeiter bessndet fich Skalitzcrstr. 13 bei Stramm._[105 Cigarren-Import Herrn. Trinckaus, SW. Fürbringerstr. 1, Ecke Solmsstr. sw. Abonnements- u. 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Jahrgang. Preis vierteljährlich Marie 1,50. Erscheint monatlich einmal In Heften. 1 Inhalt: DaS neue französtsch« Volksschulprograi — Das Recht auf Arbeit.- Ter Vogelschutz.- W Nher's.�internächte".- Lesterrttchischc Sozialrefod �..... Heft I. liegt in jeder Buchhandlung zur Ansicht a1 Verantwortlicher Redacteur X. Eronheun in Bettln. Druck und Verlag von Max vadtt g in Berlin SW., Lmthsttaße 2. C- Mehlhorn, empfiehlt W allmFreunden und Bekamen fowie'l ten Mitgltedem des Vereins„Saxonia". ArbeitS-Aachwei« de» Fachvereins der St unentgeltlich«n„Zentral-Arbeitsnachweis", u.; straße 39, bei Herrn Schulz, Abmds von 8'|,-9'/,l Sonntags von 10—12 Uhr Vormittags. Adressen-Aitt jeder Tageszeit. Hterz» ein« ßnloflf MM Serlilltt Dulksblatt. Nr. 79. Sonntag, den 6. Juli 1884. 1. Jahrgang. Die Vertretung vor Gericht in Civil- Prozessen. Die deutschen Justizgesetze schreiben vor, daß in allen Clvrwrozefsen, rvelche vor dem Landgericbt verhandel: werden, die Parteien von einem Anwalt vertreten sein müssen. Diese Prozeffe find mitunter mit Schwierigkeiten verknüpft, so daß rn der Regel eine Vertretung durch rechtskundige Männer nothwendig ist. Tie Parteien find wohl meist mit den that- sächlichen Verhältniffen des Rechtsstreites mehr vertraut als thre Anwälte, allein sie find im Allgemeinen nickt in der Lage, die rechtlichen GcsicktSpunkte in ihrer Bedeutung zu er- fassen und vorzutragen. Sehr wenig beachtet wird aber immer noch, daß die Parteien mit ihrem Anwalt vor Gericht erschei- nen und das Wort ergreifen dürfen, wodurch sie in der Lage find, die Vorträge des Anwalts zu ergänzen oder zu bcrich- tigen. Allerdings müssen dann aber solche Erklärungen sofort abgegeben werden, da die Prozcßhandlungen der Bevollmäch- tigten in gleicher Weise verpstichtend find, als wären fie von der Partei selbst vorgenommen. In Prozessen, die vor das Amtsgericht gehören, ist eine Vertretung durch Anwälte nicht geboten. Wenn trotzdem die Parteien lich auch in diesen Streitsachen zumeist durch Anwälte venreten lassen, so thun fie dies doch wohl nur in der Einficht, daß nur derjenige mit Erfolg vor Genckt auftreten kann, der dw nothwendige jtenntniß der einschlägigen Verhältnisse fich angeeignet hat. In Prozessen, wo kein Anwaltszwang besteht, darf jede Partei ihre Sache selbst führen. Sie kann sick aber auch durch irgend eine andere Person vertreten lassen, welche vrozeßfähig ist und dies ist Jeder, der durch Verträge sich verpflichten kann. Auch Frauen sind daher von der Vertretung vor Gericht kei- neswcgs ausgeschlossen. Personen, welche die Vertretung vor Gericht geschäftsmäßig betreiben, können zurückgewiesen werden. Ebenso kann Personen das Wort entzogen werden, welchen die Fähigkeit zum geeigneten Vortrag mangelt. Die letzteren bei- den Vorschriften finden jedoch auf Rechtsanwälte keine Anwen- oung., Der Bevollmächtigte hat fich durch eine schriftliche Voll- macht zu lcgitimircn, die den Gerichtsakten beigelegt wird. Ist ores cme Privaturkunde, so darf der Gegner gerichtliche oder notanelle Beglaubigung verlangen. Der Mangel einer gehörigen Vollmacht kann von der Gegenpartei in jeder Lage des Rechtsstreites gerügt werden, m Parterprozeffen, d. h. wo eine Vertretung durch Anwälte nicht vorgeschrieben ist, muß ihn das Gericht schon von Amts- wegen berücksichtigen. Die vertretene Partei jedoch muß die Prozeßführung gegen sich gelten lassen, wenn sie auck nur mündlich Vollmacht er- theilt oder wenn sie die Prozeßführung ausdrücklich oder still- schweigend genehmigt hat. Der Regel nach wird der nicht bevollmächtigte Vertreter einer Partei vom Gericht zurückgewiesen; dies Prinzip jedoch wird durch den§ 85, 1 E.-P. O. durchbrochen, welcher de- stimmt: Das Gericht kann sowohl in Anwalts- wie in Partei- Prozessen nach freiem Ermessen Jemanden auch ohne Vollmacht als Vertreter einer Partei einstweilen zulassen, sei es gegen oder ohne Sicherheitsleistung für die Kosten und den durch die Prozeßführung etwa entstehenden Schaden. Doch ist in diesem Falle eine Frist zur Beibringung der Genehmigung zu be- jnrnmcn und erst nach deren Ablauf darf das Endürrheil er- lassen werden. In Anwaltsprozessen giebt es nur eine Vollmacht, die sich 12 IeuMeton. Drei Gesellen. Eine ernste Erzählung von Ernst Pasquö. (Fortsetzung.) Viertes Kapitel. Weitere Vorfälle. Was nach der im vorigen Kapitel geschilderten Szene sich noch in Friedel's Wohnung ereignete, sei mit wenigen Worten erzählt. Roch waren Alle versammelt, noch hatten Vater und Sohn kaum begonnen, zu einatider zu reden, als eine neue Person auf dem kleinen Schauplatz erschien. Es war keinjAndercr, als unser Freund, der lange Musiker Hold, welcher Remn ge- sucht und nun auch glücklich gefunden, um ihm das so drin- gcnd empfohlene Billct Agapita's zu übergeben. Hastig öffnete Remy das Kouveft, las die verheißungsvolle Epistel, die ihm in der Einlage einen Zuschuß von 50000 Francs und zugleich die Gewißheit bot, daß Ägapita, welche sein Herz übermächtig gefegelt hielt, wie er glaubte, ihm folgen weide. Nicht wenig Freude empfand Darob der Sänger. Da fiel sein Blick aus die Unterschrift des Wechsels.„G. von Auvcnt," las er laut und erstaunt, und seine Freude machte einer plötzlichen Ent- täuschung Platz, denn er fühlte wohl, daß die Unterschrift eines Mannes, der eines so schweren Verbrechens schon so gut wie Überwiesen war, keinerlei Garantie mehr biete für die Aus- zahlung--i�er Name Auvent hatte die Aufmerksamkeit Harley Elsen's erregt und er verlangte, das Billct zu sehen. Kaum jedoch hatte er emen Blick auf den Wechsel geworfen, als er aufsprang, das Blatt der alten Frau Grein entgegenhielt und mit blitzenden Augen nef: So liefert er sttbjt— van Owen— uns den Beweis, daß er es war, der die Bncfe fälschte, welche all unser unsäg- liches Unglück verursachten. Der Wechsel hier ist gefälscht; er ahmt mit einer teuflischen Geschicklichkeit die Handschrift meiner armen Frau nach, doch ist diese Schrift zugleich das Urtheil � Und seinem Sohne reichte er das Papier, welcher sofort d»e Aehnlichleit zwischen dieser Schnft und der seiner Mutter erkannte....- . Zu ihm. daß es ein Ende werde! nef nun Elsen, drückte der alten Frau Grein lange und herzlich die Hand und verließ rasch das Zimnier. Gerhard, der theilweise Ursache hatte, vor dem weiteren Thun seines Vaters zu bangen, war wieder stiller wnb brütender oetDorben, boeb folßk er iiüch lurzem Ä bschiebe von Frau Grein und den Freunden den, Vater. Auch Hold und Remy verließen Haid die Wohnung Fric- dels und kehrten zu ihrer stillen Heimath, den Mansarden der Rue des Mattyrs, zurück. Alldort angekommen, händigte Ma- dame Godichon dem Sänger ein Briefchcn ein. Es war von dem Italiener, welcher ihn ausfordefte, ungesäumt zu ihm zu kommen— zur endlichen Unterzeichnung des ersehnten Ber- träges, welcher ihn, Remy, zu einem ersten Mitglied der großen italienischen Oper in der Havana machen würde. Eine weitere Uebcrraschung aber wartete Rcmy's noch in der Dachkammer auf die Führung des ganzen Rechtsstreites bezieht; in Partei- Prozessen jedoch kann fie auch für einzelne Prozeßhandlungen ertheilt werden. Ist die Vertretung dem Bevollmächtigten für den ganzen Rechtsstteit anvertraut, so bestimmt fich der Umfang feiner Be- fugnisse nach dem§ 77 der E.-P.-O. Hiernach hat er die Er- mächligung zu allen den Prozeß betreffenden Handlungen, ein- schließlich derjenigen, welche durch eine Widerklage, eine Wie- deraufnahmc des Verfahrens und die Zwangsvollstreckung ver- anlaßt werden. Insbesondere ist auch die Bestellung eines Substituten gesetzlich erlaubt, nicht minder die eines Vertreters für die höheren Instanzen. Ferner erstreckt sich seine Kompetenz auf die Beseitigung des Rechtsstreites durch Vergleich, Ver- zicktleistung oder Anerkennung, und endlich auf die Empfang- nähme der von dem Gegner zu erstattenden Kosten. Einschränkungen der Vollmacht haben der anderen Parter gegenüber keine rechtliche Wirkung; nur die Beseitigung des Rechtsstreites durch Vergleich, Verzicht oder Anerkennung kann wirksam ausgeschlossen werden.„, Im Uebrigen hat fich selbstredend der Bevollmächtigte genau nach den Instruktionen seines Mandanten zu richten; über das Verhältniß der Beiden zu einander entscheiden dre materiellen Bestimmungen des bürgerlichen Rechts. Dem Gericht gegenüber aber find die Prozeßhandlungen des Bevollmächtigten in gleicher Weise verpflichtend, als wenn fie von der Partei selbst vorgenommen wären- Dies gilt auch Geständnissen und thatsäcklichen Erklärungen, insoweit sie nicht von der anwesenden Partei sofort widerrufen oder be- richtigt werden. Zun, Schluß sei noch bemerkt, daß die Aufhebung der Vollmacht weder durch den Tod des Mandanten veranlaßt wird, noch durch eine Veränderung in seiner Prozeßfähigkeit oder gesetzlichen Vertretung; so bleiben z. B. die Entmündigung wegen Verschwendung, die Bestellung erncs neuen Vormundes und dergl. ohne Einfluß auf den Bestand der Vollmacht. Sonst ist sie natürlich in jedem Augenblicke widerruflich, nur greisen hierbei die Bestimmungen des§ 83 E.-P.-O. Platz. Danach wird die Kündigung des Vollmachtsverhältnisses der anderen Partei gegenüber erst wirksam durch die Anzeige vom Erlöschen der Vollmacht, in Anwaltsprozessen erst durch die Mittheilung von der Bestellung eines neuen Anwaltes. K o K« 1 e s. Fehlgeschossen! Die Berliner Antisemiten scheinen sich die lobenswcrthe Aufgabe gestellt zu haben, für erheiternde Intermezzos während des Wahlkampfcs sorgen zu wollen. Hielten da irgend wo im 3. Reichstagswahllrcise diese Herren eine„öffentliche" Versammlung, die natürlich nur derjenige be- suchen durfte, der mit einer vorschriftsmäßigen Einladungskarte versehen war. Fatal, höchst fatal, in dem 3. Reichstagswahl- kreis wohnen Görcki und Kreutz, es war daher doppelte und dreifache Vorficht geboten. Jeder Verdächtige mußte sich einer eingehenden Prüfung unterwerfen, und um jedweden Wider- spruch gegen antisemitische Albernheit von vornherein zu verhin- dern, wurde keine Diskussion gestattet. Hr. Brecher, jener bekannte Autor„des zum Volke herniedersteigen" hielt eine Kandidatcnrede, die eben so kurz wie gedankenlos war. Darauf Abstimmung. Dieser Schmerz! Eine große Anzahl votirte gegen Herrn Brecher und um den Frevel vollständig zu machen, wurde auf einmal ein Hoch auf Herrn Dietz ausgebracht. Hier konnte nur eiliger Schluß vor gänzlicher Niederlage schützen. Mit jener bekannten Meisterschaft, die die Herren nun emmal im Schließen besitzen, wurde die Versammlung beendigt und der selbst, denn dort hatte sich und bei dem just die Wohnung hütenden Luitger eine Dame eingefunden, welche nicht wanken noch weichen wollte, bevor sie Herrn Remy gesehen. Es war die Zofe Agapita's. Remy las den neuen sonderbaren Brief, den er indessen glaubte fich enträthseln zu können. Ohne Aufenthalt schrieb er auf die Rückseite des Billets folgende Zeilen: „Angebetete Agapita! Bedauere Deinen treuen Henri! weder er. noch das falsche oder vielmehr gefälschte Papier können zu Dir kommen, um sich huldigend Dir zu Deinen Füßen zu legen. Wir find Beide zur Zeit m festen Händen. Gedulde Dich bis morgen, dann sollst Du Alles erfahren und mehr, als Dir heute und beson- ders vor Deinem Diner zu wissen angenehm und zuträglich sein dürfte. Treu— und ohne Wechsel— bis in den Tod: das heißt: vor der Hand bis morgen— Dein Henri." Mit dieser Botschaft machte sich die Zofe auf den Rück- weg zu ihrer Gebieterin.... � Elsen war mit seinem Sohne vor dem Hotel der Rue Mogador angekommen. Auf seine Frage bei dem Portier nach Herrn von Auvent wurde ihm die Antwort, daß derselbe ausgefahren sei. Doch damit begnügte fich Elsen nicht. Er stieg die Treppe zu dem Appartement des Gesuchten hinan, doch auch hier dasselbe Re- � Wenn er entflohen wäre? sagte er zähneknirschend. Doch schon im folgenden Augenblick verwarf er den Gedanken. Un- möglich! wie kann er jetzt nur ahnen, daß er entlarvt, sein doppeltes Verbrechen entdeckt sei? Doch vorsichtig muß ich dem Schurken gegenüber sein. Nun ließ fich Elsen nach seiner eigenen Wohnung fahren; dort führte er Gerhard ein und bezeichnete dem staunenden Diener den jungen Mann als seinen Sohn und Herrn des Ortes. Gerhard bedeutete er dann, zu verweilen und seiner zu warten, worauf er wieder den Wagen bestieg. Zuerst suchte er seinen Banquier Laville auf, dem er Alles unumwunden mitthcilte. Derselbe kannte von Auvent recht wohl als reichen Kapitalisten und früheren Börsenspekulanten und war über die Mitthei- lungen Harley Elsens nicht wenig erstaunt. Beide Männer fuhren nun nach der Rue Rambutcau, um bei Friedet das vcrhängnißvolle Kästchen in Empfang zu nehmen, sodann mit diesem zu dem Polizcipräfeltcn, den sie glücklicher Weise trafen und auch bereit fanden, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen. Noch in derselben Stunde ging einZBeamter mit dem Kästchen und Briefen des Präfekten und Harley-ElscnS nach E. an den alten Ollenheim ab, und geheime Vorkehrungen wurden getroffen, die es dem Verbrecher unmöglich machen sollten, die Stadt zu verlassen. Nachdem Elsen Herrn Laville nach Hause gebracht, ver- fügte er sich abermals nach der Wohnung Auvents. Er mußte den Mann entlarven und strafen, der ihn und die S einigen mit solcher kalten Berechnung so tief unglücklich gemacht. Dann mochte die Gerechtigkeit ihren Lauf haben und damit die Schuld, die auf dem Namen Elsen laste, m aller Form und für immer davon genommen werden. übrig gebliebene Durst mußte im Garten gelöscht werden. Hier hatten nun bereits an einem Tisch die Herrn Platz gcnom- men, die es über sich gebracht hatten, gegen Herrn Brecher zu stimmen. Als fich nun zu jenen der fich ganz zufällig in dem Garten aufhaltende Stadtverordnete Görcki gesellte und einige freundliche Begrüßungswottc austauschte, ging das natürlich jenem Herrn über allen Spaß. Hier konnte doch augenschein- lich nur Polizei helfen, und flugs war man draußen mit der Meldung, da drinnen würde durch„Versammlung-Abhalten unter freiem Himmel" gegen das Gesetz verstoßen. Die Polizei, die schon bei ganz oberflächlicher Beobachtung die Grundlosig- keit jener Denunziation wahrnahm, behelligte natürlich Nieman- den. Die Moral— unsere Antisemiten haben nur als komische Figuren eine Existenzberechtigung! B. Zweimal ,,Grosl Feuer". Zwei ziemlich erhebliche Brände, beschäftigten heut früh fast zu gleicher Zeit unsere ge- sammte Feuerwehr in umfangreichstem Maße. Der erste Brand betraf die auf dem Grundstück Maricnstraße 22 belegene und vier Etagen in einem Seitenflügel und einem Quergebäude einnehmende artistische Anstalt von A. Kauffmann u. Comp. DaS Feuer, das auf eine bisher noch völlig unaufgeklärte Weise in den Parterrc-Räumlichkeitcn des erwähnten Quergebäudcs ausgekommen, war gegen V,6 Uhr früh von mehreren im Exerzierhaus des 2. Garde-Regiments in der Karlstraße beschäf- tigten Soldaten entdeckt und von hier aus dem Polizei-Re- vier angezeigt worden. Erst beim Eintreffen Schutzmannschaft erfuhren die Bewohner des Hauses, in welcher mcht un» bedeutenden Gefahr fie schwebten. Beim Eintreffen der bereits nach wenigen Minuten mit umfangreichsten Löschvorrichtungen anlangenden Feuerwehr schlugen helle Flammen zu den Par- terre-Fenstcrn hinaus, während durch das Treppenhaus und die sonstigen Fenster auch bereits die 2. und 3. Etage in Mitleidenschaft gezogen waren. Obwohl in sämmtlichen Räu- men sehr viel leicht brennbares Material vorhanden war, so gelang es der Feuerwehr, die sofort mit 2 Dampfspritzen und mehreren großen Handdruckspritzen vorging, doch bereits nach einstündiger Thätigkeit, das Feuer zu löschen. Die Äufräu» mungsarbeitcn zogen fich bis'>«9 Uhr hin. Ein nennenswcr- ther Schaden ist eigentlich nur in der Parterre- Etage unter den dort befindlichen zum Theil sehr wcrthvollen Andrücken angerichtet worden. Nicht weniger als neun der besten Feuer- veisicherungs- Gesellschaften partizipiren an dem Brandschaden. Eine Betnebsstörung soll, wie man uns verstchert, nicht ein- treten.— Der zweite Brand fand in Moabit auf dem augenblicklich nock in Neubau befindlichen großen Eckgebäude an der Ecke der Wilsnacker- und Birkenstraße statt. Dasselbe von den Bauunternehmern Rohr und Achtcrberg mit 29 Fen- stern aufgeführt, war vollständig unter Dach, während auch die beiden oberen Etagen fertig, die übrigen ausgestakt waren. Gegen 5 Uhr früh bemerkten Arbeiter Rauch aus dem Dach aufsteigen und allarmirtcn die Feuerwehr, bei deren Eintreffen bereits das ganze Dach und der innere Theil lichterloh in Flammen stand. Trotz der unermüdlichsten Arbeit konnte nicht verhindert werden, daß das ganze Innere bis auf die Zwischenmauern total ausbrannte. Die Löscharbeiten dauerten bis 8 Uhr, die Aufräumungsarbeiten bis 11 Uhr. Der Schaden wird auf 60,000 Mark angegeben. GeriMs-Keituull. Es war bereits dunkel, als Elsen in dem Hotel der Rue Mogador anlangte, doch sein Mühen war wieder vergebens, denn Auvent war nock immer nicht heimgekehrt. Die Aufteguna, in der Elsen sich befand, mußte dem Portier und den Bedienten auffallen, besonders, da Elsen sich nicht die geringste Mühe gab, seinen Zorn über seine verfehlten Schritte zurückzuhalten. Morgen Früh werde ich ihn schon zu treffen wissen! sagte er sich, als er voll Auftegung das Hotel wieder verließ. Bei der Abfahtt erblickte er auf den Trottoirs mehrere langsam dahinwandelnde Männer, die er auch schon bei feinem Kommen bemerkt. Beruhigt kehrte Elsen nach Hause zurück. Wenige Augenblicke, nachdem Elsen, der Vater, seine Wohnung verlassen, um vorerst Herrn Laville aufzusuchen, hatte auch Geryard sich wieder aus derselben entfernt. Er wollte Helene aufsuchen, um fie zu retten. Mit möglichster Eile legte er den wohlbekannten, so oft gewanderten Weg nach Auteuil zurück. Er langte dort zur selben Zeit an, als Herr von Auvcnt sein Haus und die ganze Nachbarschaft in Bewegung gesetzt hatte, um die Verschwunde- nen zu suchen. Anfangs schrak er zusammen und hemmte seine Schritte, doch bald athmete er wieder ruhiger auf. Er rief sich einzelne Aeußcrungen der Mutter Helencns, sein Zu- sammentreffen am gestrigen Tage in's Gedächtniß zurück und glaubte die Lösung des Räthsels gefunden zu haben. Doch wo sind sie? Wo halten sie sich verborgen und wo würde er sie finden können? Ohne Nachricht werden— können sie mich nicht lassen, beantwortete er sich sofott diese Fragen. Madame Laurent hat mir gewiß schon geschrieben und mw ihren Aufenthalt mitae- theilt. Der Brief harrt meiner wohl schon längst daheim und vergebens erwarten fie mich, während ich hier unnütz du Zeit verliere.— Nach Hause denn und sodann zu ihr! Und schon wendete Gerhard feine Schritte, und noch rascher als er gekommen, in hastiger Eile strebte er heimwärts, die Aufregung der Bewohner Auteuus nicht im Geringsten mehr beachtend..., Als er ankam, erfuhr er, daß nichts für ihn angelom- " Er'konnte es nicht glauben und mehrmals und stets drin- gender wiederholte der arme junge Mann seine Frage, als ob er dadurch im Stande gewesen, den so sehnlichst gewünschten Brief mit Gewalt herbeizuziehen, und stets erhielt er dieselbe mit unerfckütterlicher Ruhe vorgebrachte Antwort, daß nichts für ihn gekommen, nichts für ihn da sei. Da begannen die in Auteuil laut gewordenen Ver- muthungen wieder in ihm aufzusteigen. Sie gellten in seinen Ohren wider; er glaubte das Unglück, das man dort be- fürchtet, in Wirklichkeit geschehen. Seine von den furchtbaren Auftegungen und ergreifenden Erlebnissen des Tages erhitzt Phantasie führte ihm die beiden Frauen schon als Leichei vor— auf den kalten Steinen der Morgue sah er fie liegen Madame Godichon, welche mit steigendem Schreck die An Wandlungen des jungen Mannes mit angesehen, förmlich um fähig, ihm beizuspringen, erhob nun ein lautes Geschrei, da! bald einige Leute und auch die Freunde Gerhard's aus dei Wansarde herbeiführte. unter dem 29. Mai 1881 auf Grund des§ 16 des Soz.- erganflenen volizeilichen Verbots zuwider Gelder zur Wahl 'ozialdemolranschen Abgeordneten eingesammelt zuhaben. S c; ngeklagtc gab zu, unter seinen Bekannten Zeichnungen au? k beitrage zu dem genannten Zweck entgegen genommen zu hauen. Auf diese Aussage hin beantragte der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 30 M. event. 6 Tage Haft. Seitens des Verteidigers, des Rechtsanwalts Freudenthal wurde die Rechts- gültigkeit des unter dem 24. Mai 1881 ergangenen Polizei- verbots angegriffen. Nach dem§ 16 des Sozialistengesetzes, so fübrte er aus. muffe es sich um eine Sammlung handeln, durch welche gemeingefährliche Bestrebungen der So- z-aldcmokratie befördert werden und eine derartige indivuelle charakteristrte Sammlung müsse von der Polizei untersagt sein. Erst wenn diese Voraussetzungen vorhanden sein, läge m dem Zuwiderhandeln wider das Verbot eine strafbare Handlung. Das Gesetz habe der Polizeibehörde die Prüfung überlassen, ob eine Sammlung dazu diene, gemeingefährliche Bestrebungen der Sozialdemokratie zu fördern, aber der Polizeibehörde eine derartige Bcfugniß nicht gegeben, eine jede Sammlung, die von Sozialisten vorgenommen werden würde, sofort selbst� für eine späte Zukunft zu verbieten, vielmehr träte das Einschreilungsrccht der Behörde erst dann ein, wenn eine Sammmng in Ausficht oder in Angriff genommen ist. In diesem Zeitpunkte kommen erst die Thatsachen vorlichte, auf Grund deren etwa die der Polizeibehörde zugestandene Prüfung möglich sei, ob die Sammlung gemeingefährlicher sozialistischer Natur sei. Demnach sei das Verbot, welches das kgl. Polizei- prästdium unter dem 24. Mai 1881 erlassen habe, nicht iirner- hat der Grenzen, welche das Gesetz gesteckt habe, erlassen und rechtück unverbindlich. Im Uebrigen läge in dem Umstände, daß de: Angeklagte Zeichnungen von Geldbeiträgen entgegen- gcnominen habe, kein Einsanimeln von Geldbeiträgen. Aus diesen Gründen beantragte der Vcrtheidiger die Freisprechung. T m nr Antrage gemäß wurde auch seitens des Schöftengerichls erkannt Die Frage bezüglich der Rcchtsgiltigkeit des Polizei- ticüeir Verbots vom 24. Mai 1881 wird wohl noch die höheren Instanzen beschäftigen. Permtecktes. Ein heiteres Geschitchcn erzählt ein zur Zeit in Karls- lad westender Feuillctonist des„N. W. Tgbl." Er schreibt: Ja, wer sich nur auf seinen Vorthcil versteht. Wer stch nicht darauf versteht, der gehe nur zu ihr, zu Fräulein Elise, in die iWirt, sie sich vor einigen Wochen als Engländerin hier auf- hielt, odschon ihre Wiege an der ostungarischcn Grenze in «inem kleinen Dorfe gestanden haben soll, dessen Bewoynern n-' r> gesagt wird, daß sie sich häufig irren und ihre Hände, statt Mdre eigenen Taschen, in die Taschen Fremder stecken. Fräu- .,n Else lebte also hier, wie erwähnt, als Engländerin, eifrig bemüht, den Ruf„ihrer" Landsleute— natürlich insofern es sich um die schwächere Hälfte handelt— daß sie kalt und Ii- H'C seien, vollends zu vernichten und zu beweisen, daß das Geg miheil wahr sei. Ihren„Unterricht" in dieser Beziehung crthellte sie zwei Herren zu gleicher Zeit und— man muß es ibr zum„Lobe" nachsagen— mit seltenem Geschick und Glück. Ein kleines Probestück mag hier in Kürze erzählt werden: In der Auslage eines Juwelier rn Wien befand sich unter anderem Geschmeide ein Schmuck, der die Aufmerksamkeit der„Englän- denn" ganz besonders auf stch lenkte.„Was kostet dieser Schmuck<" frug sie eines Tages im Vorbeigehen den Juwelier. —„Der genaueste Preis ist 1500 Gulden"—„Verkaufen Sie den Selm'.uck vorläufig nicht; bis längstens Nachmittag wird ein Her. kommen und den Preis dafür erlegen," erwiderte Tun die Engländerin und empfahl stch. In der That war ani Abend der Schmuck nicht mehr in der Auslage; ein Herr hat ohne Weiteres den verlangten Preis bezahlt. Am nächsten Morgen erschien die„Engländerin" wieder im Juwelierladen und zwar mit demselben Schmuck, und ersuchte den Geschäfts- in Häver, den Schmuck wieder in den Auslagkastcn zu legen; «in ariderer Herr werde sich als Käufer einstellen und ebenfalls den P, is von 1500 Gulden bezahlen. Der Kaufmann weigerte sich«nischieden, dies zu thun; die„Dame" wußte jedoch so plaufidle Gründe für ihr Ersuchen anzugeben, die dem Juwelier jedes Bedenken benahmen, und er that, wie ihm geheißen. Richtig stellte sich noch am nämlichen Tage ein anderer Herr ein und kaufte den Schmuck. Damit angcthan, erschien die Der Kranke wurde emporgehoben, in seine Stube gebracht »nid d�t auf das Lager gelegt, während einer der Musiker schon zu einem in der Nähe wohnenden und bekannten Arzte Iiis.: m dessen Hilfe in Anspruch zu nehmen. Derselbe war glücklicherweise daheim und bcellte fich, der Aufforderung nach- zukommen. Eine kurze Untersuchung Gerhard's belehrte ibn, daß ein Fieberan'all den jungen Mann betroffen, der vollständig un- gefährlich sei. Die Freunde entfernten fich aus der Stube, der gut- inttthigc Luitger lief nach der Apotheke und nur Hold blieb bei dem Kranken sitzen, der in der That in Fieberhitze glühte und phautasirte. Allerlei seltsame Worte und Reden, sich aus die viuiigcn Vorfallenheiten beziehend, ließ Gerhard in abgerissener Weiie hören. Hold verstand fie theilweise— war er doch in die Ereignisse des Tages mit eingeweiht worden! Doch andere Acußcrungen — ein junges Mätzchen, Helene, betreffend, daS gestorben, er- trunken— blieben ihm räthsclhaft. Geduldig jedoch saß der lange in'usiker am Bette seines Freundes, mit einer fast rühren- den Sorgfalt über die Ruhe des Kranken wachend.— Einige Stunden mochte er also seiner Krankenpflege obgelegen haben, als ein neuer Besuch in der Mansarde erschien. Es war Hurleri-Elsen. Derselbe hatte bei seiner Nachhausekunft Gerhard nicht in seiner Wohnung gesunden und mit Staunen gehört, daß der junge Mann sich gleich nach seiner, des Vaters, Entfernung ebenfalls wcabcgeben habe. Mit Ungeduld wartete nun Elsen der Rückkehr Gerhard's und da diese nicht erfolgen wollte, biclt es ihm nicht länger daheim. Da er die seitherige Adresse Gerhard's kannte, ließ er sich uierst nach der Ruc des Martyrs bringen, um hier Erlun- digungen über den Vermißten anzustellen, den er denn auch fand, doch zu seinem größten Schrecken fieberkrank und im Bette. Hold erzählte flüsternd Herrn Elsen, was fich mit Gerhard begeben, daß indessen keinerlei Gefahr vorhanden und nach Au� sage des Arztes schon am anderen Tage eine Besserung ein- treten könne. An das Lager des Sohnes setzte sich nun der Vater und mi' lieiinnerster Bewegung erfaßte er die beiße Hand des Fie- bakranken und trocknete ihm mit seinem Tuche die schweiß- triefende Stirn. Welch ein Gefühl seliger Freude überkam das Her, des V.V", 3 bei diesem Thun! Er, der so lange Jahre sich in Sehn- t nach einem Wesen verzehrt, das er lieben durfte, konnte fi'i; nun unbehindert seinen Empfindungen hingeben und den jungen-Mann, zu dem er sich so gewaltig hingezogen gefühlt, riri v"."m Recht seinen Sohn nennen. Mit welcher liekilden Sorjrt i: achtete er auf jeden Alhemzug des Kranken, der jetzt— waS war das?— wieder anfing zu phantafiren, zu reden, einzelne irnzusammenhangende Worte, die dann zu abgerissenen Sätzen wurden, weiche der_ staunende Vater wohl hörte, doch an- fänzlich nicht begriff und vergebens sich abmühte, zu ent- räthseln. Stumm, mrt gesenktem Haupte, saß Elsen neben dem Lager; er gedachte zenes Abends auf dem Friedhose und des Brteles, den sein Sohn der Mutter geschrieben und den diese „Engländerin" aus der nächsten Reunion. Beide Käufer waren ebenfalls anwesend, und Jeder von ihnen freute sich, daß die „Dame" das Geschenk von ihm angenommen. In solcher Weise wußte die nicht„stolze Britin" in den Besitz eines kostbaren Schmuckes und des Betrages von 1500 Gulden zu gelangen. Das nennt man„Geschäftsgeist"— ja, das Sprichwort hat Recht:„Vortheil treib'ts Handwerk." Um dieses „heitere Geschichtchen" zu erleben, hätte fich der biedere Wiener wahrhaftig nicht erst nach Karlsbad zu begeben brauchen; man munkelt davon, daß derartige kleine„Mißverständnisse" ziemlich häufig in der sogenannten„Gesellschaft" vorkommen sollen. „Die Auktion der armen Frau." In der Antonigasse in Währing bei Wien wurve unlängst einer armen Frau, die ihre Micthe nicht bezahlen konnte, das Mobiliar öffentlich ver- steigert und das meiste vom Hausherrn erstanden. Da führte, gerade während dieser traurigen Amtshandlung, ein Zufall den in den Währinger Cottage-Änlagen bei seinem Obeim, dem berühmten Dialer F. weilenden Maler St.... des Weges vor- bei. Er steht vor dem Hause weinende Kinder, ein ungewöhn- liches Leben und Treiben im Hause selbst und— von dem Elend der Unglücklichen tief ergriffen— tritt er in das Zim- mer, in welchem die Lizitation gerade vor sich ging. Eben wird darin ein Gemälde— ein altes unkenntliches Lelgemälde in wurmstichigem Rahmen, ein reiner Schund— um einen Gul- den ausgerufen. Herr St.... geht näher heran— die Anwesenden wachem dem Herrn, den feine blaue Sammetblouse und der breite Kastorhut schon von Wertem als Maler erkennen lassen und der auch thatsächlich Einigen, darunter auch dem Hausherrn als der Neffe des Herrn v. F. bekannt war, ehrer- bietigst Platz. Er läßt stch die Leinwand reichen, prüft das Fabrikat mit ernster Kennermiene und giebt es zurück mrt dem laut tönenden Angebot von 50 fl. Ein„Ah!" des tiefsten, all- gemeinen Erstaunens. Man drängt sich um das Bild, Jeder will es in die Hand nehmen, Jeder sehen— doch der Hausherr hält es fest und schreit:„Ich gebe 60 fl.!" Er dachte: Wenn der Maler, der fich doch auf Bilder versteht, 50 fl. bietet, so ist das Ding gewiß mehr als das Doppelte werth, wer weiß, von welchem berühmten Künstler das Bild herstammt! „70 fl.!" entgegnete der Künstler.„75!" der Andere. So trieben sie fich gegenseitig in die Höbe, bis der Hausherr das letzte Angebot mit 96 fl. hatte. Auf einmal wurde es still. Zum ersten, zum zweiten, zum... dritten Male! Der Hammer fiel und das Gemälve hatte seinen Besitzer gewechselt. Der neue Eigenthümer wendete sich hierauf an den Künstler mit der Frage, was er den eigentlich dem Ding für einen Werth gebe. „Aufrichtig gestanden, wenn Sie 2 fl. dafür bekommen, so können Sie sich gratuliren, ich wenigstens wollte es nicht für diesen Preis."—„Sie scherzen..."—„Nicht im Mindesten." —„Sie boten ja selbst 95 fl.?"—„Allerdings, aber nur um der armen Frau ihre anderen Habseligkeiten zu retten. Sie find mit dem Bilde vollständig bezahlt und Sie werden der armen Frau wohl erlauben müssen, sich mit dem Ueberschusse, der ihr jetzt verbleibt, eine andere Wohnung— bei einem minder hart- herzigen.Hausherrn zu suchen!" Sprachs, empfahl fich und ging daran, den Entwurf zu einem neuen Gemälde:„Die Auktion der armen Frau" auszuarbeiten. Die grosten Städte Europas.� Das Ergänzungshest der Petennann'schen Mrttheilungcn veröffentlicht soeben eine um- fangreiche Abhandlung von E. Bchm und H. Wagner über „die Bevölkerung der Erde". Es finden sich darin die neuesten Resultate der Zählungen in Europa, aus denen wir die nach- folgende Zusammenstellung der größten Städte unseres Erd- theils geben. Obenan stehen die bekannten Stadtkolosse: London mit 3 832 440, Paris mit 2225 910, Berlin mit 1222 500 und Wien mit 1 103 110 Einwohnern. In diesen vier Weltstädten wohnen demnach zusammen 8 283 960, d. h. beinahe ebenso viele Menschen wie in Central-Asten(8 519 000) und fast zweimal mehr als in ganz Australien mit Polynesten (4232000). London allein hat mehr Einwohner als ganz Sachsen oder die ganze Schweiz, Paris mehr als das ganze Festland Austtalien, Tunis, Bulgarien, Griechenland, Württem- berg, Dänemark, Norwegen oder Serbien u. s. w. In Berlin leben nur 16 000 Menschen weniger als in sämmtlichen fünf deutschen Herzogthümern(1 138780) und noch einmal so viel als in allen sieben deutschen Fürstentümern(516 600). Diesen Millionären kommen am nächsten die ost-curopäischcn Haupt- stützte: Petersburg mit 876 570, Moskau mit 611970 und in rührender Einialt ihrem tobten Kinde gelesen. Aufmerksam horchte er den Worten und Reden, die einzeln, unzusammcn- hängend, wirr durcheinander und in Pausen hörbar wurden. Ob er ihren Zusammenhang verstanden, fie in ihrer ganzen Bedeutung erfaßt? Er legte die Hand auf das heiße Haupt des Kranken und hauchte diesem zu: Schlafe ruhig, mein Sohn! Nicht soll das Kind die Schuld des Vaters büßen!— Ich will ein milder Richter sein, auf daß auch meine Schuld milde ge- richtet werde._ Fünftes Kapitel. Das letzte Glas. Nacht war es, als Auvent wieder in seiner Wohnung in Paris anlangte. Der Portier berichtet ihm, daß ein Herr, der- selbe, der um die Mittagsstunde bei Herrn von Auvent ge- wcsen, gegen Abend zwcr mal nach ihm gefragt und in nicht zu verkennender Aufregung. Er weiß Alles! so sagt sich Auvent, und er betritt sein Zimmer, um sofort Aaapita aufzusuchen. Madame Saint Victor hat am Abend und vor einigen Stunden das Billet Rcmy's erhalten, welches ihr in einer etwas räthselhasten Weise anzeigte, daß fie weder Rcmy noch den Wechsel zu sehen bekommen würde. Unwillig stampft die enttäuschte Schöne mit dem niedlichen Füßchen und die Zofe erhält eine Fürth von Vorwürfen und unwilligen Acußcrungen, daß diese stch endlich voll Ingrimm zurückzicdt, mit dem festen Vorsatz, Herrn von Auvent über das eigentliche Treiben seiner Schönen vollständig die Augen zu öffnen. Wiederholt liest nun Agapita das Bisset. Da steht etwas von einem gefälschten Wechsel, der in festen Händen sei. Das kann doch nur Jrrthum, ein Mißverständniß sein, denn Auvent hat ja selbst den Wechsel geschrieben. Der Zustand Agapita'S wurde ein nervöser, bedenklicher und ein Glück für die Zofe war es, daß diese sich in ihrem verletzten Selbstgefühl stolz und rachcbrütend zurückgezogen. Wo konnte Remv sein, was konnte er unter den„festen Hän den" verstehen.? Wahrscheinlich Opern- und Engagcments-An- gelegcnheiten, die am Abend abgemacht wurden. Und der Schändliche, der Vcrräther batte noch die Kühnheit gehabt, zu schreiben:„Treu und ohne Wechsel bis in den Tod!"— Doch nein! da stand ja weiter auch zu lesen:„das heißt, vor der Hand bis morgen— Dein Henri!" Das war deutlich genug. Nicht einmal bis morgen! hättest Du sagen sollen. Du Ungeheuer! rief Madame Saint-Victor in ihrem höchst gercch- ten Unmut, ihrer tiefen Entrüstung. Aber warte, morgen will ich Dir Deine Strafe diktiren! Nein, ich mache es wie Du, ich warte nicht bis morgen, gleich auf der Stelle will ich mich rächen und eine Gelegenheit dazu wird fich schon finden! Aaapita! So rief es in diesem Augenblick mit eigentümlich klingendem Ton und ein rascher Blick belehrte die Schöne, daß Herr von Zluvent auf dem gewöhnlichen Wege in ihren Salon 0ClrC£a! er ist doch gekommen! flüsterte sie. Nun erhalte ich auch den Bettag meines Wechsels, gleichviel, ob ich das Papier habe oder nicht. Konstantinopel mit 600000 Einwohnern, und dann die beider» großbritannischen Städte Glasgow(555940) und Liverpool (552 430). Dann folgen Neapel mit 493 110, Hamburg(nebst Vorstädten) mit 410 120, Birmingham mit 400 760 Einwohnern; ferner Lyon(372 890), Madrid(367280), Budapest(360 580), Marseille(357 530), Manchester(341 510), Warschau(339 340), Mailand(321 840), Amsterdam(317010), Dublin(314 660), Leeds(309 130), Rom(300 470), Sheffield(284 410), Breslau (272910), Turin(252830), Lissabon(246 340), Palermo (244 990), Kopenhagen(234 850), München(ohne Vororte 230 020), Bukarest(221 800), Bordeaux(220960), Dresden (220 820), Barcelona(215 960), Edinburgh(215 150), Bristol (206 oOO). Schützt eure Wälder! Die fich fort und fort in ver- stärktem Maße wiederholenden Ueberfchwemmungen, namentlich in Tirol, dem Mutterlande der Waldverwüstung, haben be- wirkt, daß eine aus Rcgicrungs- und Landesorganen zusam- j menacsetzte Kommission für Gewässer-Regulirung mehrere zweck- t dienliche Beschlüsse faßte, u. a. den: die Forstgesetze sollen von 4 den Behörden in strengster Weise gehandhabt, nötigenfalls von der Bevölkerung erzwungen werden. In Tirol allein wurden 103 neue Forstwarte, woran dringender Mangel war, angestellt und mit bündigen Weisungen versehen. Einige Be- stimmungen zielen auch darauf, der Zucht der Ziegen, der ge- fährlichsten Walvfeinde, entgegenzuarbeiten.— Im Sommer 1883 hatte der Ackerbauminister, von anderen Fachmännern begleitet, Süd-Frankreich— wo man bekanntlich mit trefflichen Erfolgen die Aufforstung und Gewässer-Regulirung betrieben — Tirol und Kärnten bereist. Ein eingehender Bericht dar- über erschien soeben. Gewarnt wird darin u. a. vor zenen zwar rasch und billrg herzustellenden Holzbauten, die aber bald verfaulen und dann alles noch schlimmer machen, und nach- drücklich darauf hingewiesen, daß es vor allem gilt, das Ucbel an seinem Sitze, im Sammelbecken des Wildbaches, anzu- greifen. Ein Katholik in Pommern. Der ,Löln. Bolksztg." wird geschrieben:„Ein protestantischer Reservist(Dragoner) erzählte mir, als seine Eskadron in ein pommersches Dorf einrückte und dort einquartirt wurde, seien viele Bauern zusammengekommen, um auch einmal einen Katholiken zu sehen, deren eine Anzahl bei jener Eskadron dienten. Sie(die Soldaten) hätten sich ge- schüttelt vor Lachen." Das genannte Blatt schließt hieran fol« gende„verbürgte" Aeußerung eines konservativen Abgeord« neten:„in konfessioneller Beziehung stehe die Landbevölkerung seines Wahlkreises noch auf dem Slandpukte des dreißigjährigen Krieges."— Schlimm genug! Aus Frankreich. Die Dunkelmänner lassen jetzt in Paris durch fromme Damen in ihrem Interesse wirken. Die betreffen- den Damen begeben sich nämlich zu den Frauen der kleinen! Bürger oder Arbeiter, die ihnen bekannt sind, um ste durch die Drohung, daß fie ihnen ihre Arbeit entziehen werden, dazu zi» bestimmen, fich schriftlich zu verpflichten, daß fie jeden Sonntag und Festtag in die Kirche gehen und jedes Jahr zum wenigsten einmal beichten, daß fie allen ihren Einfluß aufbieten, um ihr» Männer dahin zu bringen, ihren„religiösen Pflichten" nachzu- kommen und daß fie nur noch katholiiche Dienstboten nehmen und diese zur Erfüllung ihrer.�religiösen Pflichten" anhalten Also ein förmliche Eintreiberei! Man ficht, daß der„Frömmig keit" überall der Zweck die Mittel heiligt. Moderne Schwabenstreiche. In Degerloch bei Stuttgart hat fich kürzlich eine Thatsachc zugetragen, die leb» Haft an die Streiche der Schildbürger erinnert und den Vorzuj hat, wahr zu sein. Die Gemeinde kaufte einen Stier Timmen- thalcr Rasse, dem, um ihn besser zähmen zu können, ein eiser ner Nasenring angelegt werden sollte. Da dieses Kunststü nicht eben leicht war. so wurden sechs Mann beordert, dei Widerspenstigen zu zähmen. Man legte dem Thier einen Stril um den Hals und zog so lange daran, bis es nach vollendeten Verfahren wirklich verendet war. Die Ausführung diese Heldentat geschah in Gegenwart des Schultheißen und Ge- meinderaths. Der Schultheiß von B e u t e l s b a ch bei Schorn darf beglückwünschte seinen Amtsaenossen(in B. wurde nämlic kürzlich als Mittel gegen die Viehseuche ein Hammel lebenvi begraben) zu seinem Erfolg. Und leicht, mit chrem schönsten verführerischen Lächeln flq fie auf Auvent zu— um im nächsten Augenblick erschrocke) einen Schritt zurückzuweichen. Auvent sah in der That zum Erschrecken aus. Wenn sein Aeußeres am Nachmittag auch durchaus niä. einnehmend gewesen war, so stellte es fich nun bei der matte! Lampenbeleuchtung als wahrhast erschreckend dar- Aschfah war sein Antlitz, das noch eingefallener erschien denn sonst vollständig blutlos waren die schmalen Lippen und tief ii ihren Höhlen lagen die kleinen dunklen Augen, unheimlich un> wie in einem fieberhaften Feuer glühend. Alles an den Manne war anders, als Agapita bisher an ihm gewohnt ge wesen und erschrocken starrte fie ihn an, hört« fie, was et sagte, ohne anfänglich kaum eine, dann nur die allernothwci» digste Antwort auf seine Fragen finden zu können. Wo ist das Papier— der Wechsel?— Nun, Agapita hast Du mich verstanden? den Wechsel will ich! Ich habe ihn nicht. BOOC Ha, ich verstehe! Du willst mich ängstigen, ihn gutwilli demzi nicht hceausgeben, ich aber muß— ich will ihn haben! 3000 Ich kann Ihnen das Papier jetzt nicht geben. Sei vernünftig, Agapita, ich will es Dir ja zu Geld läßt machen, noch zehn-, zwanzigtausend Francs mehr dafür bezah de«< Im— aber das Papier muß ich haben. Ich glaube Ihnen nicht! Sie wollen mir nur die 50«X' V,_ Francs wieder nehmen. J? 9" Ich schwöre Dir. Agapita, daß Du daS Geld habrn sollst! W — nur gieb mir das Papier. durch Wo haben Sie die Summe, welche Sie mir versprachen p«sö heute Abend zu bnngen? So sagte Agapita mit einer Gier aber welche fie trotz des unheimlichen Auftritts nicht unterdrücke» dem konnte. Arbe Ich fand keine Zeit, um zu meinem Banquier zu gehen alled- morgen sollst Du das Geld haben.«ZT A— h! dann werde ich Ihnen auch morgen erst das Pa vier aeben.* ��Auvent schaute auf; noch finsterer, glühender wurde sei« Lange betrachtete er daS schöne Weib, starr und UN-®efe' beweglich, dann sprach er langsam, doch mit furchtdarei«***- Ernste: � Du bist schön, Agapita. und es sollte mir leid thun. wen" rch— Gewalt gebrauchen müßte.— Und ich werde Gewotf brauchen, wenn Du mir da« Papier nicht gutwillig aiedst. Im folgenden Augenblick schon sprana er mrt der Be- bendigkeit, der Wuth eines Raubtiers auf sein Opfer los- Gewaltsam umfaßte er den Oberkörper Agapita'S und ih« immer mehr zusammenpressend, sein Geficht dem ihrigen s< 3600 die e hat, vom Mark men nahe bringend, daß fie den heißen Hauch seines Mundes au Zu be chrer Wange spürte knirschte er ihr mit einem Tone zu. de» besser voll unterdrückter Wuth das Schrecklichste ahnen ließ, desse»«och der schier Sinnlose m diesem Augenblicke wohl fähig war.«och Das Papier- oder es ist Dein Unglück! dann Agapita wollte schreien, doch fi« vermochte eS nicht, d-men Anfall war zu plötzlich, zu gewaltsam gewesen. Kein Laut mehr!— Das Papier, oder Du bist verlor»«� klang es nun in noch entsetzlicherer Weise an ihr Ohr. (Fortsetzung folgt.) Verantwortlicher Redacteur R. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Lad'vg in Berlin 8 w. Bruthstrahe 1