Nr. 81. Mittwoch, 9. Juli 1884 L Jahrg. 790 921(1 190 % 160 209 608(1 (200) 85 14 524(II 201 . 659 ! 838, )) 835 j 688 , 909 ! 386 % 1(200) (150) 989( 3 527 31 478 (150) 4 307 Ä 0) 781 0) 4331 » 822. trüiifrUollistilflll. Drgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berlwer BolkSblatt" erschemt täglich Morge«» außer»ach Sonn» und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 3 Mark, monatlich 1 Mark, wöchentlich 25 Pf. Einzelne Nummern 5 Pf. Postabonnement pro Quartal 3 Mark.(Eingetragen im VllL Nachtrage der PostzeitungSpreiSliste unter Nr. 719a.) JufertionSgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petweile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Aanoneen» Bureaux, ohne Erhöhung de» Preise«, angenommen. WeöclKLion unö KXpeöiLion Wertin SW., Iimmerstraße 44. be- elbst bis storben! ren GH heute lorgtloi i zum m Z ra-To SS starben Nacht währ lfgenoaut ;.-o. gl chinistl stell ein» lung«ir wlangt i ) als« Die Harmoniepauke deS Dr. Max Hirsch hat wiederum ein großes Loch kommen und das Köstlichste ist, daß der Paukmeister st es geschlagen hat. Männiglich bekannt ist eS, daß Herr Hirsch seit seinein Auftreten im öffentlichen Leben immer den Grundsatz vertreten hat, daß die größte Harmonie zwischen Kapital und Arbeit herrsche, daß ein Streit zwischen i diesen beiden Mächten immer nur ein vorübergehender sei, I und, wie in der Ehe, die Liebe noch mehr befestige. Deshalb versuchte der sehr ehrenwerthe soziale Doktor jedesmal nach einem ausgekrochenen Streite zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern zu vermitteln, d. h. die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit wieder herzustellen. Da nun das Kapital meistens in solcher Lage(st, daß es "icht schnell nachzugeben braucht, so bestand meistentheils die Vermittlung darin, daß der Herr Harmoniedoktor die rüh find Arbeiter zur Unterwerfung bewog. So lange sich die Ar- oßc beiter seiner Vereinigungen dies gefallen ließen, lobsangen fünf die Arbeitgeber den Bestrebungen des Dr. Hirsch und freuten sich ob seiner Harmoniepauke, die er immer in ihrem Sinne bearbeitete. Als aber die Arbeiter nicht mehr hörten, als Dr. Max Ii H'�ch f'ch aus direkten Gründen mehr auf die Seite der Arbeiter bei einer Arbeitseinstellung stellen mußte, da galt auch Dr. Hirsch bei vielen Arbeitgebern schon als ein Auf- Hetzer der Arbeiter, und nur dem Umstände, daß es noch links von ihm eine Arbeiterbewegung giebt, hat er es zu verdanken, daß die Arbeitgeber aller politischen Parteien ihn nicht schon längst zum alten Eisen geworfen 'laben. Bei den Arbeitern hat seine Harmoniepauke den alten lang längst verloren; sie bleiben in Menge nur noch in en Hirsch-Dunckerschen Vereinen, um ihre Anzahlungen und fiftung nj�eiträge nicht zu verlieren. Nicht der G e i st, der in diesen l 6 Uhr �Vereinen herrscht, sondern der Zwang, d. h. der Ver- oorkowAlust der Einzahlungen beim Austritte, hält diese Vereine selbst Anoch aufrecht. DaS Vertrauen der Arbeiter sowohl wie der Arbeit- gebcr hatte Dr. Hirsch schon längst verloren. Da kam der allbekannt gewordene Arbeiter a m p el und schlug durch seine Ausklärungen in Bezug uf die Jnvalidenkassen deS Harmoniedoktors das erste große ch in die Pauke des Herrn Hirsch. Als derselbe gerade daran war, daS Loch auSzubeffern, ie alte Pauke zu flicken, da erklärten die ReichStagswähler S Dr. Hirsch ,„deutsch-freisinnige" Männer zu Gera, rbeitgeber unb Bourgeois, daß sie bei den Nächsten Wahlen den edlen Hirsch nicht wieder aufstellen ollten und zwar, weil er die Harmoniepauke nicht mehr deutlich schlagen könne— wenigstens tanzten die Arbeiter cht mehr danach— und weil er ferner im Reichstage viel l oft und viel zu lange Reden halte. Derartiges Gequaffel unten die braven Geraer auf die Dauer nicht vertragen. ie wenigen Arbeiter Hirsch-Dunckerscher Richtung in Gera mnen aber den armen Hirsch allein nicht wieder aufstellen, er dann kaum hundert Stimmen erhalten dürfte. Die» zweite Loch in der Harmoniepauke war nun noch el größer als das erste. Unser Doktor, der in der That solchen Dingen recht fleißig ist, setzte sich betrübt an die arg verstümmelte Pauke und fing an, an derselben herum- doktern; Rührung malte sich anfangs in seinen edlen iienen; dann aber, als er sah, daß alles Doktern und kicken nicht mehr helfe, ergriff er den Paukenschlägel, seine ichönen Augen blitzten Wuth, seine Nase schnaufte hörbar BumS! Bums! BumS! Nieder sauste der Schlägel und Pauke war zerschmettert.———- So geschah eS an dem denkwürdigen Freitage, dem Juni 1884, im deutschen Reichstage. Unten dem Büreau, etwas links, stand ein Mann, der mit den rmen wild umher schlug— er war am Pauken!— >umpf drangen die Töne aus der empörten Brust, Schmer- iknStöne vereinigten sich mit Drohungen.„Wie der Hirsch freiet nach frischem Wasser", so schrie jener Mann nach «em neuen Mandate. Immer gewaltiger wurde sein itöhncn, immer drohender seine Haltung. Endlich: BumS! ochmalS BumS! und abermals Bums! ..Ich glaube aber", so sprach der ReichStagSabgeord- e Dr. Max Hirsch in jener ReichstagSsitzung bei Be- ithung des UnfallversicherungsgesetzcS—„ich glaube aber, -r Harmonie gehören zwei, und zwar zwei, die ehrlich und zwar auf dem Boden des gleichen Rechts innigen wollen. Nachdem nun derselbe Herr Abgeordnete eine größere zahl von außerordentlichen Maßregeln und Unterdrückun- der Arbeiter durch ihre Arbeitgeber auS verschiede- en Gegenden angeführt und scharf gegeißelt hatte, kam auf die bekannten Vorfälle in Dortmund, wo bei einem enannten Arbeitertumulte zahlreiche Arbeiter verhaftet und iter scharf bestraft wurden, und sagte mit bitterer, durch- s wohl angebrachter Ironie wörtlich: em labe rch Einfi ist e»' m August gleich, n eine ch d ortbf («DotatU w'schwi. »rt, ha, llassen,� ( tüchtig' llücki Bezirk. ieder» 1) Geh Ilbstami !N. »n voll den mg in ÖT ig ist er wav liner „Wer nur einigermaßen den Gerichtsverhandlungen in Dortmund vom vorigen Herbst wegen der willkürlichen Ver- größerung der Kohlenwagen und ähnlicher AuSbeu- t u n g e n gefolgt ist, der wird sich ein klares Bild machen von den außerordentlich humanen Zuständen und von der schönen Harmonie, welche dort zwischen dem Arbeitgeber unddemArbei- ter besteht." Man könnte meinen: n u r dort, nur in Dortmund' Herr Hirsch hatte aber schon verschiedene ähnliche Vor- fälle, wie gesagt, aus anderen Gegenden Deutschlands vorgebracht, so daß seine antiharmonische Aeußerung nicht nur aus Dortmund paßte, sondern einen ganz allge- meinen Gedanken enthielt. So zerstörte der edle Harmoniedoktor selb st seine Harmoniepauke. Armer Dr. Max Hirsch! Was län st die Welt wußte, hast Du nur in einem Anfall von Verzweiflung gesagt. Wir befürchten Deine Rückfälligkeit, und da Deine Pauke zerstört ist, greifft Du vielleicht nach der Harmonieflöte und Dein Harmorniegedu- del wird in Deinem und der Arbeitgeber Jntereffe doch wohl noch weiter ertönen, bis Dir die Arbeiter selbst das unerfreuliche Instrument vom Munde nehmen.——— UebrigenS wurde das Geständniß des Abgeordneten Hirsch noch in derselben Sitzung von dem Abg. Grillen- berger, der nach ihm sprach, festgenagelt. Herr Grillenberger sagte: „Sie sagen, wir muffen endlich den Beweis liefern, daß„etwas" zu Stande gebracht worden ist. Ja, meine Herren, dazu hatten Sie schon vor 10 Jahren Zeit, wo Sie allesammt sagten, es existire keine soziale Frage, w» der Herr Dr. Max Hirsch noch erklärte, daß zwischen Kapital und Arbeit die schönste Harmonie existire, welchen Satz er heute zu meiner großen Freude außer Kurs gesetzt bat, indem er daS, was vom Zentrum vorgebracht ist über die angeblich vorhandene Harmonie zwischen Kapital und Arbeit, durch recht drastische Beispiele aus Westfalen w i- beilegt und so seinen eigenen Grundsatz zu Grabe ge- tragen hat." Armer Harmoniedoktor, oder wie Du von Deinen zart- lichsten Freunden genannt wurdest, großer Harmonieapostel, Du dauerst uns herzlich.„Undank allerdings ist der Welt Lohn! Zuerst der undankbare Arbeiter Pampel, dann die noch undankbareren ReichstagSwähler zu Gera, und dann chließlich— Du selbst als Undankbarster gegen Dich selbst! — Ihr habt nun doch schließlich zu Grunde gerichtet die einstmals so schöne, so volltönende, so„besinnungraubend herzbethörende" Harmoniepauke! Die Kronprinzenpartei. Mit diesem Namen bezeichnet werden von ihren konscrva- tiven Gegnern vielfach die„Deutsch-Freifinnigen", oder doch wenigstens die rechten Flügelleutc dieser Partei, die Forcken- Hecks, Rickerts und Bunsens. Dagegen nun wehren sich diese Herren krampfhaft, da sie in der Unterstellung dieses Namens die Absicht erblicken, fie des Mangels an Respekt vor dem gegenwärtigen Obcrhauptc des deutschen Reiches zu bezichtigen. Wir find nicht in der Lage,„die Herzen und Nieren" dieser Herren zu prüfen und können sie auch nicht nach den privaten Aeußerungcn einiger der„deutsch-freifinnigen Partei" angehörenden Mitglieder ve- urtheilen, die vor allen Dingen den Einfluß des Fürsten rck gebrochen haben wollen, was selbstverständlich unter der Herrschaft des jetzigen Monarchen von Preußen unmög- lich ist. Uebrigens hat es überall und zu allen Zeiten Thronfolger- Parteien gegeben unter den Hofchranzen sowohl, wie unter p o- l i t i s ch c n Parteien. Und dabei konnte man immer beobachten, daß dem Thronfolger freisinnige Absichten zugeschrieben wurden Dies läßt sich auch in Preußen nachweisen. Als der strenge, büreau- lratische König Friedrich Wilhelm in. im Jahre 1840 die Augen schloß und der von damals fortschrittlichen Ideen angehauchte Kronprinz als Friedrich Wilhelm IV. den Thron bestieg, da priesen die Liberalen die„neue Aera", welche nunmehr ange- brachen sei. Und doch spricht man jetzt in liberalen Kreisen mit Vorliebe von der argen Reaktion, welche unter Friedrich Wil< Helm IV. geherrscht habe. Das entsprechende Gerede hörte man bei den Liberalen vor und während der neuen„Aera", zu Ende der fünfziger und zu Ansang der sechsziger Jahre, wo sogar„liberale" Minister am Ruder waren. Jetzt herrscht nun nach denselben Stimmen wieder die Reaktion— und der„liberale Kronprinz" ist wieder einmal in Sicht.--- Weshalb die Liberalen die heimliche Liebe zum„liberalen Kronprinzen" öffentlich ableugnen, haben wir oben angedeutet. Aber„es ist nichts so fein gesponnen, es kommt endlich an die Sonnen". Auf private Acußerungen kann nian nichts geben, wenn aber ein ausgesprochen„dcutsch-freifinniaes" Parteidlatt seine„heimliche Lieve" öffentlich ausplaudert, so liegt die Sache doch anders.. Die„Berliner Zeitung" nämlich brachte vor Kurzem einen Artikel,„die Sorge für die Z u k u n f t" überschrieben, m web chem gegen den wiederauferstandenen preußischen Staatsraly polcmiflrt wird._... Nachdem das genannte Blatt die Frage, weshalb woul lehindert werden, die geheiligten Interessen Jn dem Gharakter des zu- hat sich aber die Reaktion ungeachtet aller wieder- eigentlich der Staatsrath wiedererweckt worden, erörtert und auch einige muthmaßliche Gründe dafür angegeben hat, kommt es zu folgendem definitiven Schlüsse: „Die Abficht der reaktionären Dunkelmänner geht nun da- hin, durch den Staatsrath die Zukunft des Kronprin« zen zu binden. Nur zu gut weiß die Partei der„Kreuz- zeitung", daß der Kronprinz nicht ihres Geistes Kind; der ruhmvolle Erbe des deutschen Thrones hat oft die Kreise der Junker gestört, er hat aus seinem Liberalismus kein Hehl ge- macht und Männer mit seiner Freundschaft beehrt, welche von der„gut gesinnten" Presse als Republikaner denunzirt oder gar von amtlicher Seite mit Strafanträgcn bedacht wurden. Der Kronprinz hat sein Verdikt über die elende Verhetzung der Klassen gesprochen, er hat noch bei der Lutherfeier für Freiheit und Licht eine Lanze gebrochen. Das Junkerthum fürchtet in ihm einen Verehrer englischer Freiheit und Selbstverwaltung. Deshalb gilt es, die Zukunft des Kronprinzen Zu binden, ihm eine liberale Politik unmöglich zu machen Deshalb paßt ihm der Vorschlag, den Kronprinzen an die Spitze des ncuenStaats- raths zu stellen, überraschend in seine Zirkel. Ganz naiv hat die „Schlestsche Zeitung" als unvermeidliche Folge dieses Schuttes zugestanden, daß der Kronprinz über die schwebenden Fragen Anfichten äußern und vertreten müsse, und„in jeder amtlich geäußerten Anficht ist eine gewisse Fessel enthalten, welche den Ucbcrgang zu einer anderen Meinung einigermaßen erschwert." Aber was die„Schlestsche Zeitung" aus der Schule plaudert, hatte die„Kölnische Zeitung" schon vorher verrathen, indem fie besttitt, was Niemand behauptet hatte, nämlich, daß das Staatsrathsprojekt fich gegen die Person des Kronprinzen richte, dabei aber zugestand, der Staatsrath solle hauplsrchlich dazu dienen,„den berufenen und unberufenen Rathgebern des zu- künstigen Königs als lebendige Tradttion gegenüberzustehen, und allzu schroffe Systemwechsel und die davon befürchteten Erschütterungen zu vermeiden oder doch wenigstens abzuschwächen." Des phrasenhaften Schwulstes entkleidet, heißt das nichts Anderes, als der zukünftige Kaiser und König solldurchdenStaatsrath, liberal zu regieren, damit der Junker nicht verletzt werden.( künstigen Trägers der Zollernkrone verrechnet. Der Kronprinz wird sich holten Versuche, ihn auf irgend ein politisches Bckenntniß zu verpflichten, von Niemand vorschreiben lassen, wie er zu re- gieren hat, wenn er einst Kaiser wird, er wird fich von Nie- wand seine Wege weisen lassen und Niemandem gestatten, ihm für die kommenden Tage„Fesseln anzulegen". Alle Be- mühungen der Reaktion helfen nichts; denn„dem L i b e r a- lismus gehört die Zukunf t." So das deutsch-liberale BlattEugen Richter'scher Observanz. Es wird hier wenigstens offen eingestanden, was die Liberalen denken und hoffen.„Dem Liberalismus gehört die Zukunft!" Natürlich kann er selbst sich die se Zu- kunft nicht erringen, dazu nämlich ist der Liberalismus viel zu—„liberal"! Die Zukunft muß ihm vielmehr auf dem Präsentirteller entgegengetragen werden durch den„liberalen Kronprinzen"., „Ganz naiv" ist dieser Gedanke in der That! Ungeheuer naiv sogar, viel naiver noch als ,die Anficht der„Schlcsischen Zeitung" und aller Derer, die den preußischen Staatsrath dazu verwerthen zu können glauben, dem Rade der Geschichte in die Speichen zu fallen. So find fie aber nun einmal, diese Liberalen. Selbst zu schwächlich, suchen fie irgend wo außer fich einen Stützpunkt und haben ihn wiederum einmal gefunden in dem„liberalen Kronprinzen". Er ist nun einmal die Hoffnung aller Liberalen von Treitschke an bis zu Eugen Richter. Gönnen wir ihnen wenigstens ihre stille Hoffnuni fie haben doch etwas, woran fie fich halten können._£ übrigens dem Kronprinzen von Preußen an der heimlichen Liebe der Liberalen etwas liegt, dürfte doch in Zweifel gezogen werden. Aus einigen freundlichen Acußerungen kann doch nicht sogleich ein System bereitet werden. Und wenn auch wirklich einmal die„allerhöchsten" Erwartungen unserer werth- geschätzten Freunde und Gönner von der veilchenblauen Fahne in Erfüllung gehen sollten— könnte für diese Herren etwas von dauerndem Erfolge dabei heraushängen? Da müßten die Herren selbst doch von etwas anderem Kälwer sein. Politische' lleberficht. Die zweijährigen Bndgttperioden, die schon wiederholt f o r m e l 1 vom Reichstage abgelehnt, r n d e r T h a t aber in der vorletzten Sesfion des Reichstags angenommen worden find, sollen von der Reichsregierung wiederum vorgelegt werden. Warum auch nicht. Wenn der Reichstag zu schwach ist. % laßt"— dies trifft natürlich auch bei dem Reichstage zu. Seine Hauptrecht hat er 1874 und 1881 preisgegeben, nämlich sein ÄuSgabebewilligungSrccht, indem er auf volle s i e b c n I a h r e die Präsenzstärke des Heeres und die Aus- gabesumnie dafür festsetzte. Die Ausgabe aber für das Heer beträgt über 4, aller Reichsausgaben. Ob nun der Reichstag ein jährliches Einnahmbewilligungsrecht oder ein zweijähriges hat, ist bei seiner notorischen Impotenz, der Regierung auch „ N i e m a n d v er d�ent besser behandelt zu wer- ocn, als er es sich gefallen 1 a 6 L"— Diesen Spruch oUtc man bei den nächsten Wahlen überall als Wahlparole ausgeben. Die Liberalen unter sich! Alle Diejenigen, welche dem ..versumpften" und„verbohrten" Liberalismus abhold ind, müssen ihre wahre Freude darüber empfinden, wenn fie chen, wie fich diese Richtungen unter einander bekämpfen. Rachdem seit längerer Zeit der„verbohrte" Richter'sche Libe- .alismus weidlich auf den„versumpften" Hobrecht'schen losgeschlagen, nachdem der erstere dem letzteren alle Existenz- icdingungen abgesprochen hat, kehrt der„versumpfte" Libe- ralismus plötzlich den Spieß um und urtheilt in seinem Haupt- rrgan, der„Nat.-Lib. Korr.", folgendermaßen über den„ver- ivhrten" Liberalismus:„Im Parlament cxistirt die„D e u t s ch- -rcisinniae" Partei nur auf dem Papier, d. h. n dem offizrellen Fraktionsverzeichniß, da das Bureau ver- iflichtet war, von der ihm offiziell zugegangenen Meldung auch offiziell Notiz zu nehmen. Jm Ucbrigen giebt es in derThat weder im Lande noch im Reichs- tage eine deutsch-freisinnige Partei, die Herren itzen nicht nur, wie früher, getrennt als Fortschrittler und Sezesfionistcn, sondern fie stimmen auch in den meisten Fragen verschieden und bei allen wichtigeren Debatten wird die erne, die einheitliche Partei durch zwei Redner vertreten, einen Fort- schrittler und einen Sezesstonisten, ja sogar bei den Wahlen zu oen Kommisfionen verständigen fich die beiden Gruppen noch ganz so wie vor der„Vereinigung" zur„großen" Partei. D i e Trennung tritt auch in der Presse ganz so wie früher zu Tage. Un»erändert erscheint die„Liberale Korrespondenz", an welcher nur Sezesstonisten arbeiten, ganz in dem früheren Sinne, ganz in dem früheren Tone, eS erscheint das sczcsfionistische Wochenblatt, die„Nation", für wel- chcs fich kein FortschriUlcr entschließen kann, eine Silbe zu schreiben. Es ist auch fraglich, od ein Beitrag von dieser Seite angenommen werden würde.— Herr Eugen Richter aber giebt mit den Kollegen Hermes und Paristus zusammen noch inuner den streng fortschrittlichen„Rerchsfreund" heraus, dessen Ton, so unangenehm er auch die Sezesstonisten berührt, diese dock nicht mehr anzugreifen wagen. Dazu ist Herr Richter bemüht, die strenge Herrschaft, welche er vordem in der Fort- schrittspartei zur Geltung zu bringen verstand, auch in der neuen Fortschrittspartei durchzuführen. Aber gelang ihm dies vordem nur mit großer Anstrengung und doch nicht völlig, jetzt will es ihm gar nicht mehr glücken. Man merkt es an vielen Dingen, nur gezwungen und widerwillig folgen diese Myrmidonen diesem Achill, welcher freilich, sehr unähnlich dem Peliden, an mehr als einer Stelle verwundbar ist: vielfach sogar grollend, beugen fie fich unter das Joch, in der Hoff- nung, daß bald„bessere" Zellen kommen, welche den Tag der— Befreiung von Eugen Richter dringen. — Es läßt fich nicht verhehlen: es giebt keine deutsch-freifinnige Partei, die Gründung derselben bedeutete zugleich ihren Ver- fall. Die erste entscheidende Abstimmung beim Sozialistengesetz zeigte die„Partei" gespalten in Fortschrittler und Sccesfiomsten, die zweite wichtige Frage, welche an di.„Deutsch'Freisinnigen" herantritt, zeigt aber sogar beide Gruppen in sich uneinig und zerfallen. Es steht fest, daß der größere Theil der„Freisinnigen" im Reichstag für die Seedampfer- vorläge eintreten will, daß dre größere Zahl dieser Adgcord- neten es nicht wagt, in dieser im besten Sinne nationalen Sache die Opposition des Herrn Richter mitzumachen, es nicht wagt»— im Jnterefie des Mandats." Nicht wahr— diese Sprache ist recht nett? Die Nationalliberalen haben von Eugen Richter schon Manches gelernt. Dabei fällt uns der Schlußvers in der Heinc'schen„Disputation" ein:„Doch es will mich schier bcdünken, oaß Herr Richter, wie Herr Hobrecht, daß sie alle beide- nicht nach Rosen duften. „Rur Kurzsichtige können behaupten, daß L a s s a l l e fie (die Sozial-Demokratre) erfunden"— so steht zu lesen in Nr. 2 der von früheren fortschrittlichen Abgeordneten herausgegebenen„Demokratischen Blättert— Im Jahre 1877 am 9. Mai aber erklärte Herr Eugen Richter in einer Rede im Borfigschen Saale wörtlich:„Als im Jahre 1863 Ferdinand Lassalle die Sozialdemokratie erfa nd, da war er vorher nichts gewesen u. s. w."— Der„k u r z- sichtige" Herr Eugen Richter mag fich also bei seinen frü- Heren Genossen bedanken, daß fie ihm nunmehr den S t a a r stechen. Dasi der Posten eines amerikanischen Gesandten in Berlin sobald nicht wieder besetzt werden würde, wurde bekannt- lich allgemein angenommen. Es war bisher üblich, von der Wiedergefunden.*) Erzählung von W. H. (Fortsetzung.) „Bravo, Emil!" rief der Pfarrer,„ich darf also meinem Schulfreunde, dem Rektor der Bürgerschule in Kiel, Mitthei- lung machen, daß Sie zu Ostern die Stelle antreten würden „Gewiß, Herr Pastor, je eher ich hier fortkommen kann, desto lieber ist es mir. Ich habe alle Hoffnung verloren."— Der älteste Sohn des Wirthes„Zur Post" hatte dem Ge- spräch der beiden Gäste zugelauscht, obgleich er mit einigen Kameraden Karten spielte. Als der Pfarrer sich mit seinem jungen Freunde entfernt hatte, warf er die Karten nieder und bat seine Kameraden, ihn zu entschuldigen. Er eilte ins Freie. Endlich, endlich, jubelte er— Angelila muß mein weiden der Schutte Heer räuml das Feld. Glaub' wer's will, daß er mit der reichen Senatorstochter nichts zu thun haben will, ich habe es selbst gehört, daß sie ihn liebt und er fie verehrt. Es ist allerdings schon spät, die am Uglei-See find am Ende wohl zu Bette, da kaum Gäste dort sein dürften; aber ich halte es hier nicht mehr aus— ich muß den Versuch machen, ihr heute Abend noch Alles mitzutheilen, ehe fie mit dem Schulmeister zusammentrifft. Oder ob ich mich dem Vater Habermann zuerst anvertraue? Er hat mich gern und weiß auch, daß ich ein tüchtiger Bauer bin und meines Vaters Hof gut verwalte. Vor der Angelika habe ich Angst: wenn die mich mit den dunklen Augen so von oben herab anblickt, weiß ich garnicht, was ich sagen soll, und ich habe doch wahrlich Muth, bin ich ja bekannt als der wilde Hein in der ganzen Nachbarschaft. Während dieses Selbstgesprächs hatte der junge Bursche, dem die holde Fee im Wuthshaus am Uglei-See es auch an- gcthan, das Haus des Pächters schon erreicht. In der Wirths- stube, welche zugleich auch Wohnstube war, flimmerte noch Licht. Auf das laute Klopfen des Ankömmlings steckte der Wirtd Hadermann den Kopf aus dem Fenster und murrte:„Es ist längst Feierabend, macht, daß Ihr fortkommt, es ist Zeit, zu Bette zu gehen." „Ich bin's, der Hein aus der Wirtbschaft„Zur Post", ich habe einen längeren Weg gemacht und wollte hier noch einmal ausruben, auch habe ich mit euch, Pater Habcrmann, ein wich- tiges Wörtchen zu reden." Der Wirth zum Uglei-See öffnete.„So, du bist's, Hein, setz' Dich hier an den Ofen. Ich habe mir auch noch einen Schlaftrunk eingeschenkt; hier ist ein Glas Grog. Alles ist schon zu Bett— nun erzähle." s m*21'1!!�"t- fich einen„Sorgenstuhl" zurück, während der Gast auf der Bank am Ofen Play nahm. „Ihr habt ein schönes Töchtcrchen," Hub Hein an--- Herr Habermann unterbrach ibn unwirsch.„Da hättest du kommen können, wenn die hier ist und ihr selbst dein An- liegen vortragen; ein Bursch, der keine Kouragc hat. um ein Mädchen direkt zu freien, verdient auch keine Frau." Neubesetzung emer solchen Stelle abzusehen, wenn e,n Wechsel in der Präfidentschaft der Vereinigten Staaten nahe bevor- stand, wodurch eventuell wieder eine sofortige Abberufung des Gesandten angezeigt ist. Nichtsdestoweniger ist soeben aus Washington die Nachricht von der Ernennung des Herrn John Kasson für Berlin eingetroffen. Der neue Vertreter Nordame- rikas, ein Mitglied des Kongresses, war bis zum Jahre 1881 Gesandter in Wien und wird schon von daher mit den deutschen Verhältnissen und der deutschen Sprache bekannt sein. Er ist ein Mann von einigen sechzig Jahren, Jurist von Haus und hat bisher nicht gerade viel von fich reden gemacht. In Betreff der Vermehrung der Assessoren im nor- wegischen Höchstengericht ist vom Thinge vorläufig die de- finitive Entscheidung bis zur nächsten Session ausgesetzt und der Regierung zur Erwägung anheim gegeben worden, ob nicht die Besetzung der Richtcrstellen auf gewöhnliche Weise und ohne die Mitwirkung der bisherigen Mitglieder des Höchsten- gerichts erfolgen könne. Zur Anstellung außerordentlicher Assessoren bewilligte das Storthing auf Staatsminister Sverd- rup's Antrag der Regierung 40000 Kronen. Bradlaugh hat erttärt, er werde fich mit dem Urtheil er- ster Instanz in dem gegen ihn von der Regierung angestrcng- ten Prozesse wegen �.heilnahme an drei Abstimmungen des Unterhauses, ohne den vorgeschriebenen Eid ordnungsmäßig geleistet zu haben, nicht zufrieden geben und nicht eher ruhen, bis die Pairskammcr ihr Endurtheil in der Angelegenheit ge- fällt habe. Er hofft schließlich zu triumphiren. Die unglaub- liehe Wichtigkeit, welche Bradlaugh seiner Person beilegt, macht ihn trotz seiner gerechten Sache zu einer unsympathischen Per- sönlichkeit. In der französischen Depntirtenkammer erwiderte auf eine Anftage des Abgeordneten Colla der Handelsminister Herisson, gegen die Weiterverbreitung der Cholera seien alle für nothwendig erachteten Vorkehrungen getroffen, der Gesundheitszustand in Paris sei ein vorzüglicher und es liege keinerlei Grund vor, die Feier des Nationalfcstes am 14. d. M. zu verschieben. Die Regierung habe dem Gemcinderath von Paris volle Freiheit gelassen, das Fest ganz nach seinem Belieben zu feiern.— Der Ministerpräsident Ferrn erklärte, er habe heute Vormittag die mit der Genehmigung der kaiserlich chinesischen Regierung versehene Urkunde über ven Verttag von Tientfin erhalten. Der Verttag sei von den Chinesen verletzt worden, die Chinesen hätten das Feuer auf die franzöfischcn Truppen unter Umstünderi eröffnet, die außer Zweifel stellten, daß es stck um einen hinterlistigen Ueberfall gehandelt habe, es sei daher eine Genuglhuung nothwendig. Die Regierung habe es für ihre Pflicht gehalten, die chinesische Regierung daran zu erinnern, daß derartige Vertragsverletzungen bezahlt werden müßten oder eine Genugthuung erheischten. Die Regierung erwarte die Antwort der chinesischen Regierung, sei indeß in- zwischen in der Lage, den Verträgen Achtung zu verschaffen und sie werde dies mit Mäßigung, aber mit Festigkeit thun. — In parlamentarischen Kreisen heißt es, die Regierung werde sitto fvtiHVfmhtrtimrr nnn 9nn �WinintlPn Unit ßWltn fnrtJPnt. eine Entschädigung von 230 Millionen von China fordern. Folgenden Begnadigungsantrag hat die äusterste Linke der französischen Kammer gelegentlich des Na- tionalfcstcs vom 14. Juli gestellt:„Wir kommen nochmals, um von der Kammer einen Alk der Versöhnlichkeit und Gercchtig- keit zu Gunsten der politischen Vcrurtheilten zu verlangen. Am Vorabend deS Nationalfestes vom 14. Juli ist eine allgemeine Amnestie geboten. Wir find stets der Ansicht gewesen, daß unter der Republik kein Bürger wegen Meinungs- vergehen im Gefängnisse sitzen sollte. Die demokratischen Regierungen mehr als alle anderen müssen einer Beschwichti- gungs-Politik huldigen. Wir haben daher die Ehre, der Kam- mer folgenden Geseyentwurf zu unterbreiten: Einziger Artikel. Amnestie ist gewährt allen wegen politischen Preß-, Vereins- und Versammlungs-Vergehen und Verbrechen, sowie wegen damit zusammenhängender Thatsachen Vcrurtheilten." Der öffentliche Gesundheitszustand Italiens ist vor- trefflich; die Sterblichkeit ist sogar in diesem Jahre in Rom geringer als in den früheren Jahren, da fie während des Jahres 1882 23,04 und im Jahre 1883 24,8 pro Mille doch war, in diesem Jahre aber nur 23,02 pro Mille erreicht. Der Choleragefahr wegen werden indeß jetzt die größten Vorfichts- maßregeln getroffen, um für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.— Morgen wird in Neapel der Gendarm Marino krieg srecktlich erschossen werden. Ter Ministerrath hat auch diesmal das Gutachten abgegeben, daß der König die Begnadigung nicht erlhcilen soll. Ter genannte Gendarm war mit einem Kameraden beauftragt worden, eine gewisse *) Nachdruck verboten. Hein backte bei sich, das ist kein schlechter Anfang, und fuhr fort:„Ich wollte auch eigentlich nichts von Angelika er- zählen, sondern nur von dem Schulmeister, dem hochmüthigen Herrn Reichelt. der früher nach eurem Töchterchen hinschielte— er ist verlobt, und zwar mit der reichsten Erbin Hamburgs, mit Fräulein Hausburger, die mit ihren Eltern im vorigen Jahre, wie ihr wißt, hier logirt hat." „Was Teufel." rief der Alte,„rst das wahr?— Nun, ich gönne ihm das Stadtfrfiulein und das Geld— bin neugierig, was Angelika für Augen machen wird. Weißt du auch de- stimmt, daß es wahr ist?.. �_ r „Gewiß, ich habe cS von ihm selbst gehört. Er sagte zum Pfarrer, daß Amanda Hausburger in ihn verliebt sei und daß er sie verehre— das ist doch gewiß deutlich." „Ich danke dir, Hein," sagte der Wirth,„es rst nur lieb, daß du mir heute noch die Mitthcilung gemacht hast. Nun aber, gute Nacht." Als der Sohn des Gastwirths„Zur Post" sich entfernt hatte, strich sich der alte Habennann den Bart und murmelte: „Nun, alles, was recht ist, froh bin ich, daß der Reichelt eine andere Hciralhet, aber lieber war er mir doch noch, aiS der tölpeligc Sohn vom Nachbarwirth, der sogar vor hat, mir gegenüber an dem Gemeindewald ein neues Hotel anzu- legen, um, wie er sagt, den modenrsten Bedürfnissen'zu entsprechen. Der Teufel hole ihn und diese Bedürfnisse mit sammt seinem Sodne. Mit diesen Worten tappte der Alte in sein Schlafgemach. Des andern Morgens theilte er seiner Tochter das Ge- spräch mit, welches er mit dem Hein aus dem Wirtbshaus „Zur Post" gehabt habe. Angelika blieb gelassen und sagte:„Ich wünsche Emil Glück," sodaß der alte Hadermann fich schier verwunderte. Doch als fie allein war, brach eine Fluth von Thränen aus dem starren Auge hervor und linderte etwas das unnenn- bare Weh, welches ihre Brust durchwühlte.„Ist cS möglich? Kann das sein?" rief das arme Mädchen ein über das andere mal.„Wohl weiß ich, daß Emil viel gelitten hat, aber konnte ich anders handeln?" Doch bald richtete sie fich wieder auf. Mit einem energischen Griff strich sie ihre goldglänzendcn Locken zurück und fast trotzig blickte das dunkle thränenseuchte Auge empor. „Konnte er mich so leicht verlassen, dann hat er mich auch nie- mals recht geliebt. Und wenn das Herz mir bricht," fuhr fie wieder weich gervorden fort,„ich darf's ihm nickt, ich will's keinem zeigen." Und ruhig ging das energische Mädchen den häuslichen Geschäften nach. Im Winter kam es selten vor, daß Emil seine Braut zu Gesicht bekam, sprechen konnten sie fich niemals. Wieder waren einige Monate»crflossen; der Frühling kündete sick schon an, die Seen waren vom Eis beftcit und die ersten Lerchen erschienen. Emil Rcichelt war mit dem Pfarrer zum Wrrtbshaus ans Uglei-See gegangen, um Abschied zu nehmen. Angelika, voller Trotz, ließ sich nicht sehen. Schmerzbewcgt schied der junge Schullchrer; ttostlo? lag vor ihm die Zukunft. R- Gegeno zu ourcyfire-fen. Statt Dessen zogen sie es vor, einer Landkneipe ruhig beim Glase Wein fitzen zu bleiben. L.. Dort wurden sie jedoch vom Feldwebel überrascht, welchetr beiden starke Vorwürfe machte. Marino, der das seinem Vor-. gesetzten nicht verzeihen konnte, versteckre sich einige' Ajk Stunden später in einem Gebüsch, bei dem der Feldwebel vor- beigeben mußte, überfiel denselben und stach ihn nieder. Die rumänische Ministerkrisis hat mit einer theilwei- scn Neubildung des Kabinets ihr Ende gefunden. Der Kultus- minister Aurelian hat seine Entlassung genommen. Der bis- sr Kon , Sek gleich rn »orgenoi neten ei heit der behufs 3 weiße Z herige Minister des Innern, Kitzou, ist zum Kultusminist«: General Folcoianu zum Kriegsminister und der Ministerpräß> dent Bratiano, welcher das Präfidium des Ministerkonseils oc hält, zum Minister des Innern ernannt worden. Die übrig« Minister verbleiben auf ihren Posten. Dem chinesischen Gesandte«, Li-Fong-Pao, ist von Ferry erklärt worden, wenn P a t c n o t r e bis Dienstag nicht die geforderte Satisfaktion seitens der Pekinger Regierung er- so außei halte, so werde der französische Flottenkommändant sofort mitrität eni Repressalien beginnen und die chinesischen Häfen beschießen, lungswc Der Flottenkapitän Fournier, welcher den Vertrag volstätigen H u i abgeschlossen, ist mit den Originaldokumenten in Mav Man ka seille eingetrossen.— Es ist eine merkwürdige Ironie det sowohl, Schicksals, daß dieser Vertrag, der kaum in Die Hände Dd richtig v französischen Regierung gekommen, auch bereits veraltet unl gen utt von den Ereignissen überholt worden ist. Versamr Die Ernteaussichten in Nordamerika find überaut zweifelhc günstig. Die Getreidezone verspricht die reichste Ernte, die j» wöhnlich mals dagewesen ist mit einem großen Uederschuß an Weiztt verordne für den Export.— Einen traurigen Bericht hat Lieutenasi den. 11 Brown dem Marincsekretär über den Panama- Kanal« Stadtvei stattet. Die Hälfte der veranschlagten Kosten des ganzen W« Zufall,' kes sind verausgabt und nahezu die Hälfte der für den B« Arbeiter gewährten Frist ist verstrichen und erst ein Dreizehntel ds Abtheilu Werkes ist vollendet. Material im Werthe von 15 Äillisns eine so Dollars ist vergeudet worden. Das Problem, den Fluß Ch» bezirke,' gres, der während der Regenzeit ein reißender Strom wb einzudämmen, ist nicht gelöst worden und die Fertigstellu des Kanals ist sehr in Frage gestellt, falls die ftanzöstsche Z gierung nicht für das Unternehmen eintritt. Karlamentorisckes. Ein bemerkcnswerthes Bravo. Bei der Berathung* Wahl des Abgeordneten K u t s ch b a ch(20. Wahlkreis Sachscki diesen deren i unbestrit sehen wl war nat daß, wc Zweck hi eben in den unl Anscham NamentI senl die bekanntlich in der Reichstagsfitzung vom 27. Juni für giltig erklärt wurde, ereignete fich in der That etwas r«.. Seltsames; Während eisiges Schweigen aus Seiten der fW,' servativen, Klerikalen und Nationalliberalen herrschte, rief? L- V d i e Freisinnigen, die Volkspartei und Sozialdemokraten dem König Ludwig o» Bayern lebhafte Bravos zu.— Nicht als ob* König anwesend gewesen wäre. Die Sache verhielt fich mw* so: Der Abgeordnete Wölfel, der sich sonst niemals'fi Bravos erfreut, schloß seine Rede für die Ungiltig keit mit folgendem Erlaß des Königs von Bayern:„Wir erio>w° bei den Wahlen von allen Behörden gewissenhafte Erfüll« ihrer beschworenen Pflichten, Leitung der Wahlhandlungen � rücksichtsloser Unbefangenheit, Beschirmung derFreib» der Wahl stimmen vor Einschüchterung und Bestech» und pflichtmäßige Enthaltung von jeder � schränkung der Wahlfreiheit. So gegeben Schloß Berg, den 5. Juni 1875. Ludwig j Daß das Bravo auf der linken Seite des Hauses Z dem Abg. Wölfel, sondern dem König Ludwig galt, � hiernach auf der.Hand. Herr Professor Richter, früher Reichstags- ordnetet für Meißen und langjähriges Mit gl 2. sächsischen Kammer, welcher sett einiger Zeit bereits leidend war, ist geisteskrank geworden und der Hei Lindcnhof bei Coswig übergeben worden. Leider soll .Hoffnung vorhanden sein, daß sich sein bedauernsw stand bessern könnte- Das Zenttatwahlkomitee der konservativen im zehnten sächsischen Reichstagswahlkreise hat nach der Stimmung im Kreise beschlossen, der Partei Her« Calberla-Hirschfeld, den vielfach bekannten hochkomischen � Politiker, als Kandidaten für die bevorstehende Reich! vorzuschlagen. Die sämmtlichen sechs Bezirkswablkom Wahlkreis— Döbeln, Geringswalde, Leisnig, Rossen, gen Rei neten G Lehremi neten S Aus die! Deputat, lungen, Kommiss stets im — soferi anttäge, freuen,( radczu e schlimm Alles fü würde d setzung i Selbstve immerhir Geschäft- weg aus Wer ver wahren Fraktion! vertretun eine Um LinttT in der€ solche so für mam Ter Winter war für Amanda Hausburger sehr t&j flössen. Anstatt die gewohnten Konzerte, Bälle und TlOiien. viniiau tue guuuuiucn ovun�iu., ouut uno zu besuchen, mußte sie. der Sitte gemäß, schwarze legen. Wohl war ihr auch manchmal das Herz be&f wenn fie an daS gute Mütterchen dachte, welches so ras» sterben müssen, doch mehr noch dachte fie an die FreulA Lebens, welche fie vermissen mußte, und an den Heißgeliebt in der Ferne weilte. Es war nur ein leichtes Unwobi weien, welches die Mama befallen hatte, als sie die 3 Uhlenhorst besuchten, doch hatte sich rasch eine böse 9 daraus entwickelt, der die gute Frau Hausburger au» schon zum Opfer fiel. Des Senators Trauer war aufrichtig: er hatte se recht lieb gehabt, wenngleich fie in geistiger Beziehui unter ibm gestanden. Hausdurger hatte aber auch dazu. Er war, wie schon erwähnt, früher ein lockeret gewesen, und immer noch, selbst in den letzten Jahn ihm seine Frau durch die Finger aeieben, wenn er in Gesellschaft manche Stunde der Nacht durchsckwärr Liebe zu der einzigen Tochter, die aber in ihrer Uebe lickkeir zur Affenliebe vielfach ausartete, hatte die bei noch inniger verbunden. Frau Hausburger war mit großem Gepränge worden. Der Tod der Mutter hatte in Amandas plan einen grellen Riß gemacht. Vorderhand ve übliche Trauer ihr jede Aeußerung und später, wenn dem Vater über Emil reden wollte, vertröstete der fie immer damit, daß erst das Trauerjahr vorüber st Mit Bedauern aber merkte er, daß die Liebe zu Emu, Herzen seines Kindes tiefere Wurzeln geschlagen% man bei der Launenhaftigkeit Amandas annehmen k« Es war Ende August; die Wälder überschinunq ein leichtech sanftes Roth, da standen an dem nämliclX» am Uglee-See Herr Hausburger mit seiner Tochter' Doktor Wernheim, dort wo sie ungefähr vor Jahr» befunden hatten. -.Ach, wäre Mütterchen nur dabei", seufzte Am« dem fie sich träumerisch umblickte, als ob fie erwartete.. hohe, schlanke Gestalt Emils gleichwie voriges Jahr P|är erschemen solle. I „L- ja." seufzte Doktor Wernheim,„wäre m Nichte nur noch am Leben. Herr Hausburger aber starrte in den See. „Papa, du sagtest doch, daß du Herrn Reiches würdest, dem wir heute dem Uglei-See einen Best" sollten. Er hat überhaupt nicht mehr geschrieben Kondolationsbnefe nach dem Tode der Mama- treffen wir ihn oben im Wirtbshaus; ich freue mi-b. schone goldige Fee dort wieder zu finden, die verzaiss zessin, von der ich allerdings nicht weiß," setzte sie l-' fich gekehrt hinzu,„ob fie mir Glück oder Echmert' ders dunkle, tiefe Auge hat auf mich damals einc�' Eindruck gemacht. Komm, Papa, wir gehen zum• und ich saxze dir," fügte sie energisch hinzu,„ick. eher von hrcr fort, als bis ich Emil gesehen habe. Her? er hatte sich der ein sanf zu einig Pudels eigenste' bewunde Noci fie ihren aus seine Das die Gast von Oei baftes> ihren Bi fügung." da. ihre wahr,% Bräutigc 8T"T Amanda treundii erzen ki herüberko vor, m bleiben. welchl cm Vor� einige? ebel vor- theilwei- - Kulws- Der bis- ! minist«, jein, Waldheim— haben diesem Vorschlage zugestimmt und - wird daher die Aufstellung des Herrn Dr. Calberla Seitens >er Konservativen erfolgen. Die Thatigkeit der Stadtverordneten- Versammlung. ii. Allgemeine Erörterungen. Schon gleich bei der Konstituirung der Versammlung, die sterprämgleich nach der durch Handschlag stattgefundenen Verpflichtung iseils be- vorgenommen wurde, zeigte sich, daß die Arbeiterstadtverord- übrige» netcn eine grundsätzlich verschiedene Auffassung von der Mehr- j heit der Stadtverordneten trennte. Bei beiden Wahlgängen, , ist von deHufs Wahl des ersten und zweiten Vorstehers, gaben dieselben tag nicht weiße Zettel ab, da sie sich nicht dazu entschließen konnten, ein 'rung er- so außerordentliches Vertrauen irgend einem Herrn der Majo- ofort mitrität entgegenzubringen. Heute dürften dieselben ihre.Hand- eschieße». lungswerse nicht bereuen, die Erfahrungen der letzten Tage be- irag volstätigen vollauf die gleich anfangs gehegten Befürchtungen. in Mao Man kann unmöglich die Thätigleit der ganzen Versammlung onie dei sowohl, als auch die Thätigleit der einzelnen Stadtverordneten ände d« richtig würdigen, so bald man nicht die einzelnen Bestimmun- lltet unl gen und Gebräuche, nach welchen in der Stadtverordneten- Versammlung„gearbeitet" wird, kennt. Die kostspieligeren und übcraut Zweifelhaften Anträge und Vorlagen des Magistrats sollen ge- e, die jo wohnlich durch eine Kommission erst geprüft und der Stadt- l Weize« verordneten-Versammlung dann darüber Bericht erstattet wer- !ieutena»i den. Um diese Kommissionen herzustellen werden die einzelnen anal er Stadtverordneten in verschiedene Abtheilungen verloost. Der izen W« Zufall, der immer das Loos beherrscht, war auch hierbei den den Bali Arbeiter-Stadtvcrordneten nicht günstig, da jeder in eine andere chntel ds Abtheilung kam. Bekanntlich spielte der Zufall schon einmal Äillisne« eine so tückische Rolle, bei der Ausloosung derjenigen Wahl- iluß Eh» bezirke, die durch Hausbesitzer belegt werden mußten. Reben om wÄ diesen Adtheilungen bestehen noch ständische Deputationen, deren wichtigsten, wie Schuldeputation u. s. w. für eine unbestrittene Domäne der Herren der Majorität ange- sehen werden. Die Auffassung der Arbeiter-Stadtverordneten war natürlich eine andere. Ihre Ueberzeugung gipfelte darin, daß, wenn Kommissionen und Deputationen überhaupt einen Zweck hätten, derselbe nur dann erreicht werden könne, wenn eben in diesen Deputationen alle in der Bürgerschaft herrschen- den und in der Stadtverordneten-Versamnflung vertretenen Anschauungen in denselben zur Geltung kommen müßten. Ramentlich in die Schul-Deputation wäre es höchst noth- wendig gewesen, einen Vertreter der Arbeiterpartei zu senden, da die auf dem Gebiete des Volksschul- Wesens herrschenden Uebelstände dringend einer soforti- gen Remedur bedurften. Dem Antrage des Stadtverord- neten Görcki, für den Stadtverordneten Stnik, den in der Lehrerwelt unbeliebtesten Stadtverordneten, den Stadtverord- neten Singer zu wählen, wurde natürlich nicht stattgegeben. Aus dieser einseitigen Zusammensetzung der Kommisstonen und Deputationen eraiebt sich auch das schleppende der VerHand- lungen, da die Verttetcr der Minorität, in den verschiedenen Kommissionen nicht zum Worte gekommen, gezwungen sind, stets im Plenum ihre Ansichten und Prinzipien zu vertreten — sofern nicht die Majorität schon bei Zeiten für Schluß- antrüge, die sich ausnahmslos einer prompten Annahme er- freuen, gesorgt hat,— ein Mittel, das in der letzten Zeit ge- radczu eine fast unglaubliche Anwendung fand. Jedoch, so schlimm und drückend, so lästig und verderblich auch dies Alles für die gedeihliche Entwickelung unserer Kommune ist, würde diese unsinnige Kommisfions- und Deputationszusammen- setzung das Einzige sein, welches sich hindernd einer wahren Selbstverwaltung in den Weg stellt, so könnte man doch noch immerhin die Hoffnung haben, daß durch Aenderung in der Geschäftsordnung oder sonst auf irgend eine Weise ein Aus- weg aus diesem unerquicklichen Zustande geschaffen würde. Wer vermöchte aber eine Rettung anzugeben, aus dem, jeder wahren Selbstverwaltung geradezu ins Gesicht schlagenden Fraktions(uniwesen? Enstirt da z. B. innerhalb der Stadt- Vertretung einer Fraktion der„Linken"? Schon der Name enthält eine Unwahrheit! Linke? Woher dieser Name? Die Herren sitzen mit ganz geringen Ausnahmen auf der äußersten Rechten. Linke, als Begriff der Oppositionspartei? Ja, sie ist in der Stadtvertrctung die regierende Macht und versteht als solche so zu wirthschaften, daß sie in mehr wie einer Hinsicht für manche„Rechte" ein warnendes und abschreckendes Beispiel Herr Hausburger stand noch immer in sich versunken da; er hatte die Bemerkungen seiner Tochter überhört, während sich der Doktor aus einer Bank niedergelaffen hatte und in ein sanftes Schläfchen versunken war,— man hörte ab und zu einige undefinirbare Töne, die an das Knurren eines Pudels erinnerten. Es ist ja auch eines jeden Menschen eigenste Sache, auf welche Weise er die Schönheiten der Natur bewundern will. Nochmals trieb Amanda ungeduldig zum Aufbruch, indem sie ihren Vater aus seinen Träumen, den Doktor Wernheim aus seinem Schläfchen aufstörte. Das Wirthshaus war bald erreicht. Freundlich wurden die Gäste empfangen. Unter der großen Eiche saß der Pfarrer von Oeverdorf. Bald schon war die Gesellschaft in leb- Haftes Gespräch verwickelt, welches sich lediglich um Emil Reichclt drehte. . Herr.Habennann bediente gegen seine Gewohnheit selbst. Auf die Frage nach seinem Töchtcrchcn erwiderte er, daß An- gelua sich unwohl fühle. Amanda eilte in s Haus und fand das Wirthstöchterchen, o � in �'c Hand gestützt, in einer Sophaecke sitzend. „Sieh da, unsere kranke, verwunschene Prinzeß! Ach, uno sie sind ia noch vrel schöner geworden!" Dem war auch in der That so. Angelika hatte tiefen Harm erduldet. Ihre Frische war etwas gewichen, aber nur, um einer noch zarteren Hautfarbe Platz zu machen. Die tief- dunklen Augen leuchteten hervor aus dem schlohweißen Ant- litz, die goldenen Locken wallten um den feingewölbten Nacken. So war.lngelcka allerdings bewundernwerth, und das Ach! das Amanda s Munde entflohen, war völlig ernsthaft gemeint. Angelika sprang auf! nwn merkte garnicht, daß sie unwohl war. Mit einer leichten Handbewegung bot sie dem Gaste einen Stuhl.„Was wünschen Src, mem Fräulein?" waren die ein- Z'gen Worte, mit denen sie Amanda begrüßte. Die Letztere wurde ganz verwirrt über den Empfang. «Sind sie wirklich so krank, daß ich sie störe»" stammelte das , fraulein verlegen.„Ich wollte mit ihnen plaudern über un- fern vorjährigen Ausenthalt, ich wollte eirnge Tage hier bei ihnen verweilen, sie sollten mich nochmals in ihren Garten führen, dorthin, wo die prächtige Aussicht ist. Ich habe sie so gern, Angelika, und dabei find sie so zurückhaltend." Angelika rang einen Augenblick mit sich selber.„Ich bitte um Verzeihung, mein Fräulein." sagte sie in weichem Tone; „ich hatte mir vorher allerlei Gedanken gemacht und war auf ihren Besuch nicht gefaßt. Ich stehe jetzt ganz zu ihrer Verfügung. Pitt diesen Worten stand Angelika hochaufgenchtet da, ihre Augen blitzlen energisch empor, als sie fragte:„Nicht wahr, Amanda, man darf gratuliren, sie erwarten ihren Bräutiaam wohl hier am Uglei-See?" m„Nun, mit der Gratulation ist es noch nichts," athmete Amanda auf,„wenigstens nicht öffenllich; von ihnen aber, l,ebe Freundin, nehme ich dieselbe an, weil ich weiß, daß sie von Herzen kommt. Emil wird heute, spätestens morgen, von Kiel heriiberkommen."(Fortsetzung folgt.) bilden könnte. Soll dieser Name bedeuten, daß ihre Mitglieder im politischen Leben zu der nicht mehr zu desinirenden„Linken" ge- hören? Nun, die verehrten Herren waren ja immer die ersten und lautesten Schreier darüber, daß nunmehr nach dem Aus- fall der Wahlen der Rathhaussaal zum Tummelplatz politischer Reden gebraucht werden würde. Wie man sich auch drehen und wenden möge, die letzte Annahme ist die einzige, die einen Sinn für sich hat, und die oft gebrauchte Redewendung der Herren von der„Linken", daß man sich im Sitzungssaal des Rathhauses nicht als politische Partei hinzu- stellen habe, ist nichts als Heuchelei. Sie haben dies immer gethan, und wir find weit entfernt, ihnen daraus einen Vor- wurf zu machen; nur mögen sie etwas aufrichtiger dabei ver- fahren. Diese Fraktion der„Linken" ist die stärkste und ihre Mit- glieder haben die Verpflichtung, für die in der Fraktion ge- faßten Beschlüsse einzutreten. Gegcngründen im Plenum, und wenn sie noch so stichhaltig sind, varf man kein Gehör schenken. Wer nun schon hinter die Koulissen gesehen hat und weiß, wie solche Fraktionsbeschlüsse zu Stande kommen, wie nur immer die einflußreichen Mitglieder ihre Meinung durchzusetzen wissen, der wird sich der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß bei einem solchen Verlauf der Dinge nichts segensreiches erzielt werden kann, ja, daß leider selbst das kostbare Gut der Selbst- Verwaltung aufhört, bei solchen Zuständen eine Wahrheit zu sein. An Stelle der Verwaltungsbehörden find einiae wenige Personen getreten, die mit einer Machtvollkommenheit ohne Gleichen ausgerüstet, stets ihre Wünsche, nnd diese werden mit ihren Interessen wohl nur selten im Widerspruch stehen, zur Geltung zu bringen wissen, die Selbstthätigkeit der Stadtver- ordneten dadurch aber vollständig lahmlegen. K o k» l e s. Die Gemeiude-Wähler-Listen für die Stadtverordneten- wählen werden zu Jedermanns Einficht vom 15. bis 30. Juli öffentlich ausgelegt werden. Es ist dringend nothwendig, daß zur vollen Währung des Wahlrechts jeder Steuerzahler sich davon überzeuge, ob sein Name überhaupt eingetragen und ob er auch in diejenige Klasse gestellt ist, in welche er dem von ihm gezahlten Steuerbetrage gemäß gehört. Die Wahl- berechtigten mögen daher selbst nachsehen, oder dies in Be- Hinderungsfällen durch zuverlässige Bevollmächtigte bewirken lassen. p. Durch alberne Klatschereien ist nicht das wenigste Unglück in der Welt geschehen. Vor etwa zwanzig Jahren wurden auf dem Gärtnereibefitzer G.'schen Grundstück hinter Schöneberg an der Steglitzer Chaussee verschiedene Leichentheile eines bereits viele Jahre vergraben gewesenen Menschen blas- gelegt und, nachdem sie polizeilich untersucht, an derselben Stelle wieder vergraben. Klatschschwcstem haben es nun für nöthig befunden, diese Geschichte wieder aufzufrischen und aus Rache von Freunden einer Mietherin des Herrn G., gegen die erdie Exmissionsklage angestrengt, zu einer Denunziation gegen G. auszubeuten gewußt, wobei, wie durch Zeugen ermittelt, die Thatsachen insofem! absichtlich entstellt worden find, als der Denunziant den Vorfall auf die Zeit vor etwa drei Jahren verlegt hat. Der Spieß hat sich nun gewendet und ist gegen die Denunzianten die Untersuchung wegen wissentlich falscher Denunziation eingeleitet worden. k. Seltene Pflichttreue zeichnet den Kohlenkutscher Schulze aus Rixdorf aus. Derselbe hatte das Unglück an der Ecke der Waldemar- und Adalbertstraße beim Umbiegen von seinem Wagen zu rutschen und vor die Vorderräder zu fallen, die ihm über beide Füße gingen. Trotz der großen Schmerzen ucß sich S. nach Anlegung eines Nothverbandes auf seinen Wagen setzen und fuhr nach seinem Bestimmungsort Wein- meisterstr. Von dort mußte er mittelst Droschke in seine Woh- nung geschafft und hier in ärztliche Behandlung gegeben werden. Eine wirklich heroische That! d. Aus bisher nicht aufgeklärten Gründen ertränkte sich vorgestern Abend der in der Josephstraße 9 wohnende Hauseigenthümer und Restaurateur B. Derselbe hatte sich nach Erkner begeben, von dort einen Ausflug nach den Kalk- bergen gemacht und wurde noch um 10'/- Uhr Abends, wie eine hiesige Lokal-Korrespondenz meldet, zechend im Bahnhofs- Restaurant bemerkt. Von hier aus ging B. nach dem See, entkleidete sich und sprang in das Waffer. Hinzueilende Fischer konnten nur noch die Leiche des Selbstmörders an das Land schaffen. —>. Bewahrt das Feuer und das Licht! Beinahe wäre w'eder dem Le.chtstnn, das Licht vor dem Einschlafen nicht zu verlöschen, ein Menschenleben zum Opfer gefallen. Ein in dem Scrdenwaarengeschäft von Sch. in der Obcrwasserstraßc in Kon- dition stehendes Dienstmädchen hat dieser Unachtsamkeit wegen einen Theil ihrer Garderobe zu beklagen. Sie war sanft em- geschlummert und glaubte jedenfalls, die Flammen des Lichts würden ein Gleiches thun. Statt dessen aber standen urplötzlich Mobsiien und Kleidungsstücke im Zimmer im Brand und das verschlafene Dienstmädchen konnte froh sein, diesmal noch mit dem bloßen Schrecken und verbrannten Fingern davon zu kommen. Das Feuer mußte freilich durch die Feuenvehr gelöscht werden. — r. Messer weg! In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag stachen sich wieder einmal an der Rcichenberger- und Fürstenstraßen-Ecke ein paar Nachtschwärmer mit ihren Taschen- mcssern die Köpfe blutig. Dem Buchbinder Z. aus der Grimm- sttaßc wird hoffentlich die Lust zu derartigen ferneren Rohheiten vergehen— er erhielt von seinem Gegner zwei Stiche ins Ge- ficht und einen in den Oberarm. Wie gefährlich es nebenbei bemerkt ist, bei derartigen nächtlichen Krawallen stehen zu bleiben, beweist der Umstand, daß der Arbeiter K., der nur als Zuschauer fungirte, drei Stiche in den Oberschenkel erhielt. Einer der Äefferhelden soll verhastet sein. Die Verwundeten fanden in der Sanitätswache Oranienstrahe Hülfe. i. Warnungen, die nicht befolgt werden, haben ebenso wie nicht getrunkenes Bier ihren Beruf verfehlt. Fast möchte man fragen, wozu wären fie überhaupt da, wenn sie nicht übertreten werden sollten? Steht nicht groß und deutlich an jedem Pferdebahnwagen zu lesen, daß das Abspringen von der linken Seite verboten ist? Jedermann hat es gewiß tausend- mal in seinem Leben gesehen, auf die meisten Leute übt das freilich so gut wie gar keine Wirkung aus, man bricht in Berlin ganz ruhig Hals und Beine weiter, als ob man Uebcr- fluß davon hätte. So wollte gestern in der Bergmannstraße ein auf dem Perron stehender Herr absteigen, da er jedoch nicht bis zur Haltestelle mitfahren wollte, sprang er während der Fahrt ab und siel hierbei so unglücklich zur Erde, daß er sich mehrere schwere Verletzungen zuzog. Ein auf dem Wagen besindlicher Kontroleur veranlaßte den Transport des Ler- unglückten mittelst Droschke zu einem Arzt. Wir halten es für überflüssig, noch weitere Bemerkungen an den Unglücksfall zu knüpfen, das Publikum scheint eben nicht hören zu wollen. * Unsere Erbfreunde, die Russen, werden bekanntlich in Berlin mit ganz besonderer Sorgfalt observirt. Man scheint sie hier nicht gern zu sehen, aus welchen Gründen ist uns nicht recht begreiflich. Schon vor einiger Zeit wurden gegen dieselben ein Wenig exceptionelle Paßmaßregeln ergriffen. Nachdem nun jetzt das hiesige Kgl. Polizei-Präsidium festgestellt hat, zu welchem Zweck die hier anwesenden Russen Berlin be- suchen, wird denselben die jederzeit widerrufliche Erlaubniß er- theilt, sich für die Dau er von drei Monaten hrer aufzuhalten. Nach Ablauf dieser Frist haben dieselben, wie ihnen vom Kgl. Polizeipräsidium bekannt gegeben worden, Berlin ohne besondere Aufforderung zu verlassen. _ h. Eine polizeiliche Haussuchung nach verbotenen Schriften fand gestern bei dem in dem m der Adalbertstraße wohnhaften Gewgießer H. statt. Außer crnigen Papierschnitzeln, Briefen, Zeitungen w. wurde nichts Mitnehmswerthes vor- gefunden. g. Vorsicht beim Baden! In der.Havel bei Spandan ist gestern wiedemm ein Schlossergeselle ertrunken. Der Ver- storbene ist verheirathet und erst vor Kurzem vom Militär ent- lassen worden. b. Augen auf und Taschen zu! Ein Lumpenhändler kultivirt jetzt einen ganz neuen Schwindel. Er sucht überall Dumme auf, denen er erzählt, daß er beim Einkauf von Lumpen goldene Ringe gefunden habe, und bietet dieselben für 1—2 M. zum Verkauf an. Wer daraus reinfällt, erhält einen Ring von höchstens 25 Pf. im Werth. Der Schwindler ist ein Mann in den besten Jahren, hat röthliches Haar und Schnurrbart und macht sonst einen günstigen Eindruck. Es sei vor ihm ge- warnt. d. O, welche Lust, Soldat zu sein! 108 Mann stehen nach der letzten Rekrutcnaushebung in dem Verdacht, sich als Wehrpflichtige dem Eintritt in den Dienst des stehenden Heeres oder der Flotte entziehen zu wollen. Dieselben werden auf den 17. September d. I. zur H>auptverhandlung nach Moabit geladen. — g. Cave canem— schrieben die alten Römer an den Eingang rhrer Häuser— nimm Dich vor dem Hund in Acht! Das hätte auch der Schlächtermeister B. in der alten Jakob- straße thun und Abends eine Laterne neben die Inschrift hän- gen sollen, dann hätte schwerlich sein bissiger Köter den bei ihm angestellten Gesellen so übel zurichten können. Der Geselle ging am Abend über den Hof, als plötzlich der an einer Kette liegende Hund, ohne daß er irgendwie gereizt worden wäre. auf ihn zusprang und ihm mehrere Bißwunden am Oberschen- kel und am Arm beibrachte. Blutüberströmt und mit den fürchterlichsten Schmerzen wurde derselbe zu einem Heilgehül- fen gebracht, der die Wunden vorläufig zunähte und einen Notverband anlegte. Der Zustand des arg zugerichteten Schlächtergesellen verschlimmerte sich jedoch dermaßen/ daß heute morgen seine Uebersührung nach dem Königl. Augusta-Hospi- tal angeordnet wurde. Der betreffende Hund soll ein sehr bissiges Thier sein, der von allen Hausbewohnem gefürchtet wird und sogar bereits einige Male seinen eigenen Herrn ge- bissen haben soll.— Daß dem Hunde alle mögliche schlechten Eigenschaften nachgesagt werden, das hilft jetzt nichts mehr, man hätte die Bestie lieber vorher unschädlich machen sollen. Gmeltts- Rettung. k. Ueberfüllung des Pferdebahnwagens Vor dem Schöffengericht hatte sich der Pferdeeisenbahn-Kondukteur W.wcgen Ucberttetung der Polizeivorschrift zu verantworten. Dem Kon- dukteur wurde zur Last gelegt, mehr Personen im Wagen ge- habt zu haben, als nach der Polizeivorschrift zulässig sei. Der Hergang war folgender: Der Wagen 117 fuhr vom Moritzplatz bis zur Köpnickcrstraßen-Ecke: hier sprang der Kondukteur ab, um die Weiche zu stellen. Während dessen stiegen von der linken Seite eine Anzahl Personen ein, so daß der Wagen überfüllt war. Nachdem der Wagen die Weiche passirt hatte, stieg der Kondukteur wieder auf, und mit ihm zugleich ein Schutzmann, der verlangte, daß der Kondukteur die überzähligen Personen absteigen laffe. Der Kondukteur kam dieser Auffor- derung nicht sofort nach, sondern ließ den Wagen noch un- gefähr 100 Schritte weiter fahren und erst dann die überzäh- ligen Personen absteigen. Doch kaum war der Wagen wieder in Bewegung, so stieg auch der Schutzmann wieder auf und konstatirte, idaß noch eine Person zu viel im Wagen sei. Er forderte den Kondukteur daher auf, die eine Person zum Aussteigen zu veranlassen. Nach Angabe des Schutzmanns ist ver Kondukteur auch der letzten Auffor- derung nicht sofort nachgekommen, sondern hat erst an der Jannowitz-Brücke halten lassen. Letzteres bestritt sowohl der Kondukteur als auch der als Zeuge anwesende Kutscher! beide behaupteten, daß der Wagen auch zum zweitenmal— wenn auch nicht sofort— gehalten habe. Durch Vernehmung ver- schicdener Zeugen zog sich die Verhandlung sehr in die Länge. Ein Zeuge Beckmann sagt aus, daß der Schutzmann den Kon- dukteur so„hart angefahren" habe, daß er und mehrere Passa- giere darüber unwillig geworden seien.— Schließlich beantragte der Amtsanwatt Freisprechung und das Schöffengericht erkannte demgemäß, in Anbetracht, daß der Kondukteur un- möglich in drcseni Falle für den verstärkten Andrang des Publikums verantwortlich sei, da ihm eine Kontrole der ein- steigenden Paffagiere, während er die Weiche stelle, nicht zuge- muthet werden könne. Außerdem gehe es nicht gut an, daß ein Wagen hart am Kreuzungspunkte zweier Straßen halte. Be- züglcch des zweiten Punktes der Anklage stand sich Aussage gegen Aussage gegenüber, und dem Schutzmann sei hier nicht unbedingt Glauben zu schenken, weil er dem Wagen nicht nach- gelaufen sei. - fl. Der durch die Presse begangene grobe Unfug. wegen dessen der Lokalrcdakteur des„Berliner Tageblatts. Sigismund Perl vor ca. 2 Monaten von der 96. Abtheikung des hiesigen Schöffengerichts zu vierzehn Tagen Hafi verurteilt worden ist, beschäftigte gestern, Dienstag, die sechste Strafkammer hiesigen Landgerichts l in der Berufungsinstanz. Der Verurtheilung lag die Wiedergabe eines in der Stadt verbreitet gewesenen Gerüchts, nach dem ein Bruder des Massenmörders Conrad auf dem Sterbebett das Geständniß abgelegt, daß er die seinem Bruder zur Last gelegte grausige That begangen habe, zu Grunde, bei welcher Gelegenheit vre Redaktion sofort an der Richtigkeit des Gerüchts zweifelte und dessen Ursprung auf das schon im Laufe der Untersuchung an den Tag gelegte Bestreben der Verwandten des Conrad, den- selben zu entlasten, zurückführte. Bereits in der nächsten Nummer war auf Grund eingezogener Erkundigungen die Grundlosigkeit des Gerüchts konstatirt worden. DaS unter dem Vorfitz des Gerichtsassessors Müller tagende Schöffengericht war bei der Verurtheilung des Angeklagten von der Voraussetzung ausgegangen, daß eine Zeitung überhaupt nicht be» rechtigtsei, noch nrcht nach seiner Wahrheit geprüfte Gerüchte wiederzugeben, noch dazw solcher Natur, daß dadurch das Publikum in große Erregung versetzt, also belästigt, wer- den müsse.(Sehr richtig! D. Red.) In der Berufungs- instanz hob Rechtsanwalt Michaelis als Vertheldrger des Angeklagten hervor, daß nicht die Wiedergabe des Gerüchts, sondern die von Zeugen bekundete Existenz desselben die Be- unruhigung im Publikum hervorgerufen und daß gerade die Mitteilung des Angeklagten im Gegensatz hierzu geeignet war. die erregten Gemüther zu beruhigen. Zur Hervorrufung groben Unfugs gehöre aber eine vors ätz l r ch e Handlung des Tbäters, welche eine Belästigung des Publrkums bezweckt, während seinem Mandanten selbst vom ersten Richter nur eine Fahr- l ä s s i g k e i t zum Vorwurf gemacht wird.— Der Gerichtshof trat dieser Auffassuug bei, hob das erste Urtbeil aus und erkannte auf F r e r s p r e ch u n g des Angeklagten. Zur Arveiteivewegung. -br. Eine öffentliche Versammlung der Tischler, welche am Montag, Lothringerstraße 37, unter dem Vorsitze des Herrn Lenz stattfand, beschäftigte sich mit der Frage: 1.„Wie find die geplanten Abzüge verschiedener Arbeitgeber illusorisch zu machen?" 2.„Auf welche Weise find die von uns erzielten Errungenschaften auf die Dauer zu befestigen? — Von den vielen Werkstätten» imMorden der Stadt, welche zu der Versammlung ganz besonders eingeladen waren, waren nur vier durch Delegirte vertreten. Für Herrn Roedel, der verhindert war, zum Beginn der Versammlung zu erscheinen, tat Herr Künzel mit einem Referat ein, in welchem er dar- I legte, Hofe Dem immer lieferen vmaonnren ocr �otjnc, weiches durch den Maschinenbetrieb, durch die Macht des Kapitals und durch die Konkurrenz, welche die kleinen Handwerkermeister fich einander machen, verursacht werde, mit sicherem Erfolge die Arbeitnehmer entgegenwirken können, wenn fie dem Grund- satze des Egoismus:„Jeder ist fich selbst der Nächste" entsagen und den Grundsatz der wahren Kollegenschaft: „Jeder für Alle und Alle für Jeden" in einer Alle unifassenden Organisation zur Geltung bringen. Was durch das Zusammenhalten eines großen Theiles der Kollegen seit einem Jahre errungen sei, werde durch ein ferneres Zusammen- halten, wenn jeder Einzelne seine Schuldigkeit thue, auch auf die Dauer behauptet werden können. Von den Rednern, welche nach Eröffnung der Diskusfion das Wort nahmen, hoben mehrere die Nothwendigkeit eines möglichst großen Fonds zur Unterstützung solcher Kollegen hervor, die arbeitslos werden, weil sie den Arbeitgebern gegenüber mit Energie die gerechten Forderungen Der Arbeiter vertreten. Herr Roedel, welcher später erschien, sprach fich eingehend in demselben Sinne aus, wie Herr Künzel es gethan hatte und resümirte seine Aus- führungen dahin, daß ein Jeder strenge die Arbeitszeit von 91, Stunden einhalten, fich keine Abzüge gefallen lassen und pünktlich seinen Beitrag zum Unterstüyungsfonds zahlen möge. Zur Charakteristik der Zustände, die zur Zeit in den Werk- stätten noch möglich find, theilte Herr Heile mit, daß in der Tzimmer'schen Werkstatt von 4'/, Ubr Morgens bis 9 Uhr Abends gearbeitet werde, und Herr Krug, daß Der Meister K. (Gartenstr) einem Gesellen dafür, daß er eine halbe Stunde oersäumt, vom Wochenlohn 5 Mark abgezogen habe. Eine Versammlung der Schmiede Berlins fand am Montag in den„GratweiTschen Bierhallen" statt. Der Drechsler Herr I. Müller sprach über die Ziele und Zwecke Der Arbeiter-Organisation. In seinem sehr beifällig aufgenommenen Vortrag wies derselbe in einer einstündigen Rede Darauf hin, daß unter den heutigen Verhältnissen eine Aenderung Der Lage der Arbeiter gar nicht zu erzielen sei, wenn fich dieselben nicht einmüthig auf Dem Boden der Zusammengehörigkeit stell- ten. Denn während die Arbeitgeber in all ihren Handlungen solidarisch und ihre Organisation eine enggeschlossene sei, welche fich mit Recht als international bezeichnen lasse, hätten die Arbeiter bisher den von den ihrigen so verschiedenen Interessen machtlos gegenübergestanden; fie sollen fich jetzt eng verbinden, um ihre Lage durch mannhaftes, geschlossenes Vorgehen zu bessern. Es sei zwar illusorisch, die Schäden, welche doch eigentlich in den heutigen wirthschaftlichen Verhältnissen lägen, durch die sogenannte Selbsthilfe zu heben, aber man müsse die von der Regierung in Angriss genommenen sozialpolitischen Reformvorschläge durch gemeinsames Austreten in die Bahnen lenken, welche zur wahren wirthschaftlichen Freiheit des Arbeiters führen. VorAllem sei es dieErstrebung einesMaximalarbeitstages, welche jede Arbeitnvereiniaung als Ziel in ihr Programm auf- nehmen müßte, denn die Arbeitskraft sei ebenfalls nur eine Waare, Deren Angebot und Nachfrage die Höhe des Preises regele. Wenn nun dieselbe durch Ueberanstrengung Der Einzelnen auf der einen Seite zu sehr ausgenutzt werde, müsse nothwendigerweise fich auf der andern Seite ein Ueberfluß er- geben. Da nun aber dieselbe das einzige Kapital ihres Be- fitzers, des Arbeiters, sei, so müsse er auf alle Fälle dieselbe zu verwerthen suchen, was, da es nothgezwungen weit unter Dem Werthe geschieht, ein allgemeines Sinken Der Arbeitslöhne zur Folge haben muß. Auch die Unterstützung bei Arbeitslofigkeit würde Die Lohnherabsetzungen von Seiten Einzelner theilweise beseitigen helfen. Außerdem müßte die Unterstützung Der Arbeiter in Streitigkeiten vor Gericht nicht vergessen werden, da die Gerichtskosten zu hoch für die leere Kasse Des Arbeiters seien. Um den Ardeitern die Möglichkeit zu geben, ihre Lage voll und ganz zu verstehen und kennen zu lernen, müsse durch Vorträge und Anlegung einer Volksbibtiothek die Bildung Der Massen erstrebt werden.— Nach Vorlesung derzStatuten wur- den dieselben en bloc angenommen. Die Einzeichnungen zu ' fanden so zahlreich statt, daß man Die beben neuen Verein______._. m �. rechtigte Hoffnung hegen darf, daß dieser Verein fich segens- reich entwickeln werde. Uereinsuudmckten. Der Vezirksverein der arbeitenden Bevölterung des Südwestens Berlins hielt am Montag Abend im Rothacker- schen Lokale eine Versammlung ab. Daselbst refenrte Herr Noeske über die allgemeine politische Lage. Hinweisend auf die kommenden Reichstagswahlen gab der Herr Vortragende eine lebenstreue Kopie Der vorhandenen Parteischattirungen und führte an den gefaßten Beschlüssen des Reichstages den Versammelten vor Augen, inwieweit die arbeitende Devölke- rung von den jetzt im Reichstage die Majorität bildenden Parteien Vortheile zu erwarten hat. Besonders im Vorder- gründe stehe der Antrag Ackermann, Der, wenn er Gesetz werden sollte, geeignet ist, uns mittelalterliche Zustände zu bringen. MW r Vortragende des Gebahrens Der christlrch- Hieroei gedachte der..# WWWW. � sozialen Partei, besonders Herrn Stöckers, welch' letzteren er nnt seinen arbeiterfreundlichen Bestrebungen in das rechte Licht fetzte. Das Recht aus Arbeit, vom Reichskanzler proklamirt, sei so lange eine Chimäre, wie man demselben nicht ein Recht aus Existenz einverleibe. Bezüglich des Sozialisten- Gesetzes unterzog er namentlich die deutsch- freifinnige Partei einer scharfen Kritik, ihrer gethellten und dadurch aller Freiflnnigkeit hohnsprechenden Abstimmung gedenkend. Zum Schluß forderte der Vortragende die Versammelten auf, bei den kommenden Reichstagswahlen für die Wahl von Arbeiter- Kandidaten» speziell für die Wahl des Herrn Franz T utz au er wirken zu wollen- Die Versammlung spendete dem Vortragen- den reichen Beifall und bewies namentlich auch die darauf fol- gende Diskusston, in welcher Herr K r o h m e das„Recht auf Arbeit" in der vom Reichskanzler gegebenen Definition scharf kritifirte, sowie Herr Ertel das Buhlen Der einzelnen Parteien um die Stimmen Der Arbeiter kennzeichnete, wie über- zeugend dieser Vortrag gewirkt hatte. Nach Den Ausführungen eines weiteren Redners sah sich Der überwachende Lieutenant veranlaßt, die Versammlung zu— schließen. Vom Vorfitzenden auf das Unrichtige dieser Handlungsweise aufmerksam ge- macht, löste er nunmehr die Versammlung auf. Eine während Der Diskusfion eingelaufene Resolutron konnte Demnach nicht mehr zur Avsnmmung gewacht werven. Vor Dem Lokal, wie im Garten fand fich eine größere Anzahl Schutz- leute ein, die Versammelten gingen indeß ruhig auseinander. id. Die halbjährliche Generalversammlung der freien Vereinigung der Graveure, Eiseleure und verwandten Berufsgenossen fand am Montag Abend im Louisenstädtischen Klubhause, Annenstr. 16, statt. Unter den vielen zur Äerathung gestellten Anträgen beanspruchte derjenige über eine zu ver- anstaltende Ausstellung von Berliner Gravir- und Ciselir- Arbeiten das allgemeinste und lebhafteste Interesse. Zur Kenntniß der freien Vereinigung war es gelangt, daß Der deutsche Graveur-Verein beabsichtige, bereits im Oktober d. I. eine Ausstellung im Kunstgewerbe-Museum zu veranstalten und entstand nunmehr die Frage, ob es zweckmäßig sei, die be- antragte Ausstellung mit derjenigen des Graveurvereins zu ver- einigen. In Anbetracht Der idealen Richtung, welche der deutsche Graveurverein verfolgt, und demgemäß nur Kunst- leistungen deutscher Graveure ausstellen wird, und der materiellen Interessen, welche die fachgewerbliche Ausstellung der freien Vereinigung verfolgen soll, indem fie jedem Pro- duzenten zugänglich gemacht wird, lehnte die Generalversanrm- lung die Verschmelzung beider Ausstellungen ab, sprach fich für eine selbstständig zu veranstaltende Ausstellung aus und wählte eine Kommission von 5 Mitgliedern, welche das Weitere in dieser Angelegenheit zu veranlassen hat.— Das Arbeits- nachweise-Bureau wurde nach Dem Vereinslokale, Annenstr. 16, verlegt und eine ständige Vergnügungs-Kommisfion gewählt, und zwar diejenige des letzten Stiftungsfestes. Der Fachverein der Tischler hält heute, den 9. d. Mts., Abends S'jj Uhr, in Der Ackerstraße 144 seine Versammlung ab. Tagesordnung: 1) Vortrag des Herrn Leffer, cand. ehem. 2) Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Tagesliste der Königl. sachsischen Landcslotteie. Ziehung vom Dienstag, den 8. Juli. (Ohne Gewähr!) 139 417 362 868 617(200) 215(500) 382 673 914 58 295 443 164. 1272 613(500) 438 464 566 860(200) 22(150) 274(150) 853(200) 541 611 69(200) 735 369 795 996. 2844 153 435 58(150) 310(200) 882 341 254 455 318 669(150) 636 721 728 495 980 742. 3002 11 505 944 636 318(150) 20 993 841 401 559(150). 4000(1000) 128 690 539 975 250 731(200) 234 806(200) 971 25(150) 69 738 296 429 628 431 813(150) 496(200) 59. 5510 490 153 267 253 5 517 703 401(500) 943 727 695 204 355(300). 6926 799 450 358(150) 753 129(150) 946 344 199 100(150) 382 495 (300) 906(1501 580(30000). 7193 451 667(150) 252 489 567 754 964 636 234 274 311 551 723. 8910 376 312 989 622 132(200) 991 809 957 791 549 33 763 692 513 363 734. 9734 845 225 248 90(500) 914(150) 398(300) 99 243(200) 712 916 937 491. 10587(500) 28(200) 1 622 340(200) 312 488 15. 11407 459(200) 182 543 280 705(200) 295(150) 479 810 89(300) 522 242 148 724 764 951 192 699 251(150) 696 249(300) 974. 12814 407 847(200) 291 859 690 251 23 573 480 (150) 353(150) 729 466. 13439 261(150) 50 570 979 483 599 736(150) 869 684(200) 678 820 632 455 949(150). 14683 480 862 838 126 86 589 752(500) 795 763 863 51 935 39 929 380 410(150) 145 209 191 656 250 857 392. 15130 537 654 472(150) 513 404 59 823(150) 819 895 475. 16193 194 136 965 385 236(150) 118(200) 61 106 895 325 (150) 127 468(300) 682(150) 762 757 548. 17114 339 735 910 106 502(150) 772 493 899 186 854 290 048 86 566. 18963 235 769 206 676 6 584(300) 134 570(150) 580 884. 19799 959 471 151 94 60(200) 398 924 112(1000) 344 199 925 291 629. 20040 84 474 623(150) 420(150) 530 210 324 941 357 811 815 384 362 943 449 302 798. 21534 852(1000) 643 480 999 402 264 180 341 983 419 235(300) 743 602 640 528(200) 896 557(300) 428 286. 22849 431 659 484 965 (150) 991 129 651(150) 489 627 158(200) 199 36 15(150) 23261 961 916 900 85 304 473 309 328 590(200) 435 628. 24826(300) 742 45 433 178 296 171 852(150) 376 630 809 14. 25275 477 159 542 214 663 442 853 795 700 234 315 536. 26035 559 971 688(300) 374 742 638(150) 514 744 (1000) 126 199 113(1000) 563 653 863. 27776 416(150) 37 494(5000) 719 884 167 567. 28541 764 25 282 243 545 919 773 408 451 75(500). 29879 428 423 375 631 68 556 633 140(150) 133 318(200) 688 99 432. 30939 22(300) 70 728(200) 105 317 715(150) 413 272 486 100 749. 31581 910 225 600 297 340 266 496(200) 174 608 697 631. 32530 134(200) 534(150) 256 811 956 552 523 505(200) 954 607. 33751 963 158(150) 532 596 255 27 750(150) 283(150) 277 246 149(150) 387(200) 886 850 917 805 493 34270(150) 618 481 448(150) 751(150) 413 418 977 641 527 684 323 550 947(150) 127 35(150) 49. 35120 996 295(150) 13 729 89 69(200) 748 703 274 307 678 673 740 775 555 547(150) 857 244. 36726 967 417 (150) 802(150) 959 774 910 996 350 42 423 573 349 604. 37286 312 466 66 976 293(150) 302(150) 572 355 859 933 116 660(200) 120 661 949 339(150) 556 788 397. 38468 580(150) 476 405 108 77(150) 878 96 853 697 714. 39366 330 399 811 604 537 329 66 873 816 631 994 748. 40979 450 286 520 428 268 114 946 101 321 64. 41271 756 4 738 617(500) 591 916 90 338(300) 989 203 615(150) 159 716 7(500) 433 762(500) 93(150) 91 475. 42791 78 159 658(150) 524(150) 679(150) 248 175 81 844 785 750 (150) 946 346 978(200) 579. 43717 759 785 283 174 66 853 647 899 389 54 454 25 360 466 563 909 215(200) 464 875(500). 44175(150) 352 603 328 599 646(200) 487 127 448(300) 55 79 57 763(200) 432(200) 611(150), 45737 40(1000) 739 470 609 271 404 577 811(150) 119(150). 46684 351 829 346 113 70(200) 481 675 949 510 654(150) 730 272. 47785 152 143(150) 731 802(500) 251 784. 48094 522 285 536(150) 564(300) 493 194 180 164(200) 393 765(200) 413 685 688. 49104 619 494 915 888 189 291(150) 775 116(150) 581 214 718(150) 697 941 950(200) 615 149. aU49b 4ÖÖ(200) 992 3t>l 8*7 351 633 19/ 331(150) 6 551 777 362(200) 968 56. 51852 554 885 152 43 607 S 544 681 456 595 14 155(150) 590 332(150) 437 533 i (200) 644 798(200) 146 817 321(1000). 52048 286 112(9 597(200) 564 108 114(200) 135(200) 662 66 565 481 883. 53962 747(300) 116 982 581 341 260 440 346 k 322 388(150) 215 212 922 221 930. 54565 875 494 81 I (500) 729 267 151. 55618 413 68 216 769(150) 886n arztlicher Behandlung. 74 gegen Stimn tonlos dabei trank. Neueste Uaekriekten. Paris, 7. Juli. Ein Reporter des„GauloiS" mc? �oulon. daß Geh. Rath Koch ihm die Anficht au' habe, me Epidemie werde fich weiter verbreiten und a Deutschland nicht verschonen. Dazu b Telegramm der„Nat.-Ztg.". daß Koch diese Anficht Pans ausgesprochen hat. denn r ££ Was f Grein verspra fie schn fie lief Äricf&oßcn der iicdafitiun. Alter Abonnent. Der Vizewirth ist wohl bere. f& I.IN trc täubun Glöckch um der empor, r Theater. Mittwoch, den 9. Juli. Die Aönigl. Theater find der Ferien wegen geschlossen. Deutsches Theater: Geschlossen. '»e«e» Friedrich- Wilhelm«. Theater: Boccaccio. Wallner» Theater: Hotel Blancrnignon. ter: Der Bettelstudent von Berlin. vstead-Theat,__________ Äclle-Allianee-Theater: Die Goldprobe. Walhalla- Operetten> Theater: Nanon. Lnisenstadtisches Theater: 68. Overn- Vorstellung. weiße Dame, romantische Oper in 3 Aktei Boieloieu.— Morgen: Die Jüdm. ftnttabZbtatet: Los und Ledig. Die en von Cisarren-lmport Gustav Weudt Berlin S., Ornnientütrnsse«<5, Berlin S. swisehen Moritzplate nn383 Die Nr. 6 der humoristischen Blätter„Der wahre Jacob" ist erschienen und in der Expedition des„Berliner Volksblatt" zu haben. Arbeiter- Bezirks-Verein d< Friedrichstadt. ffS aüm&ge _ Der«M seines 1 Wuth 1 glühten | zogenen ÖJtofle BersiammlttN des Arbeiter-Bezirksvereins v. Vo,* Communal- Wahlbezirk. schrecke! _ Körper Kraft Witter Ai Wohlhaupts Talou. Manteuffelstt.?• am Mittwoch, Den 9. Juli, abends 8"/. Uhr Tagesordnung: Vortrag des Stadtv. Hrn. F. Ei- Zunftwesen und �achvereine. Verschiedenes. Frag-M haben Zutritt. 382 Der reden, mich« Sic ha fem— Verantwortlicher Redacteur A. Erouheim in Berlin. Druck und Verlag von Max«a bttlm 0)'de 199 Leilage mm Gerliner VolksRatt. Nr. 8l. Mittwoch, den 9. Juli 1884. 1. Jahrgang. Soziale Streifbilder. E. L. „ Jeder aufgeklärte, gesittete Mensch, sei es in Deutschland, England, Frankreich oder sonst einem zivilifirten europäischen Staate, wird die Prostitution mit Recht für eine Pestbeule der modernen Gesellschaft erklären, über deren zerstörende Gewalt sogar die Polizei keinen nachhaltigen Einfluß auszuüben ver- mag, da die Prostitution, an einer Stelle verdrängt, sofort an der andern wieder auftaucht. Selbst die strengsten Gesetzes- varagraphen würden hier ihre Kraft verfehlen, vielmehr das Uebel nur verschlimmern, weil die Prostitution zu denjenigen sozialen Erscheinungen gehört, welche durch Gewalt niemals beseitigt werden können. Viele Staaten haben schon solche Operationen vorgenommen und waren über deren Folgen nicht wenig enttäuscht, denn, öffentlich unterdrückt, wirkte die Pro- stttutwn im Geheimen viel verderblicher fort, den Ruin manches Familienglückes herbeiführend. Wir wollen die Frage über die Nothwendrgkeit oder Entbehrlichkeit der Prostitution für einen zivilifirten cftaat hier nicht weiter erörtern, nur soviel sei gesagt, daß der„modeme Staat" allerdings dieselbe nickt ganz entbehren kann, wenn er nicht die Ursachen derselben be- scltigt. Diese Ursachen liegen so klar und offen zu Tage, daß man sich wundern muß, daß dieselben nicht schon längst allseitig an- erlannt sind. Es ist hier ebenso, wie auf allen anderen so- Zlalen Gebieten: man kurirt tapfer auf die Symptome los, anstatt das Uebel selbst an der Wurzel anzugreifen. Welcher Stand liefert aber der Prostitution die meisten Glieder? Es ist— mit wenigen Ausnahmen— der Arbeiter- Uand. das„Proletariat" l? D. Red.), besonders deshalb, weil solches seine Töchter, noch ehe sie zur Jungfrau erwachsen, dem schädlichen demoralisirenden Einflüsse der Fabriken ic.— aus bmerer Roth— preisgeben muß. Wie viele schädliche Elemente wirken hier vereint, den Uten Einfluß, welchen die Eltern, bei der ihnen so gering zu Gebote stehenden arbettsfreien Zett, bisher auf ihre Töchter ausüben konnten, zu zerstören. Und wann ist ein Mädchen, im jugendlichen Alter von «• i? Jahren, welches noch lebenslustig und hoynungs- ??"■ jn die Welt schaut, schon so charakterstark, um unter den Aadlichen Einflüssen der Fabrik nicht demoralisirt zu werden? Die Allerwenigsten besitzen wohl die Kraft hierzu, umsomehr, ?- aJ101?rCr Weg redlicher Arbeit keine andere Zukunft zeigt ?„ Urmuth, Elend und die empörende Gewißheit, ihre jung- trauliche Schönhett und Anmuth, welche ihnen die Natur zur Freude und hcrzerfreuender Thätigkcit verlieh, der aufreibenden, gesundhertzerstörendcn Fabrikarbeit opfern zu müffen. Letzteres noch dazu unter dem Umstände, daß der kärgliche Ertrag ihrer Arbert nicht einmal zu ihrem Lebensunterhalte ausreicht, mit- hin ihre Kräfte schon allein durch Mangel an gesunder Nahrung erschlaffen müssen. Wer dies nicht glauben will, der sehe sich die„Proletariertöchtcr" doch an, wenn sie in frühester Morgen- stunde, während ihre glücklicheren Altersaenossinncn der so- genannten besseren Stände noch in weichen Federn ruhen, bleich und schmal, wie in der Knospe schon verblühte Rosen, zur Fabrik schleichen, in welcher bei monotoner, geisttödtcnder, an- strengender Arbeit„Kaffee und Schrippen" fast ihr ausschließ- lrches Nahrungsinittel tagsüber bilden, das sie meistens, mit allerlei herumfliegenden Staubtheilen der Fabrik gemischt, ge- meßen. Wenn nun hier und da Einer von ihnen„der hohe Wurf gelingt. eines„Proletariers" Weib zu werden, diese stimmt dann nicht„m,t ,n den Jubel" ein,— nein, das Elend geht .4 74 Ieuilleton. Drei Gesellen. Eine ernste Erzählung von Ernst PasquS. IN dl (Fortsetzung.) Mit steigender Aufregung hatte Auvmt gesprochen, doch gegen den Schluß seines unheimlichen Berichts war seine Stimme matter geworden und die letzten Worte kamen fast tonlos und ohne Ausdruck zu Tage. Nun griff die Hand maschinenmäßig, ohne daß er dabei ausschaute, nach der Flasche; er schenkte sich ein und trank. Neues Leben kam in die Gestalt und wieder fuhr er auf. Nein! schrie er jetzt, so leicht wurde mir der Sieg nicht, denn noch eine entsetzliche Angst hatte ich zu überstehen— die indessen bald und glücklich vorüberging,— Am andern frühen Morgen kam sie, die Grethe, zu mir.— Ich hatte dem Mädchen, das hübsch war, heimlich den Hof gemacht und sie mich angehört. Was sie zu mir sprach, warf nzich fast danieder— sie und die Grein hatten mich im Kassenzimmer gesehen und erkannt. Ich versprach rhr Alles— sie zu meiner Frau zu machen- wenn sie schweigen— hie Andere zun, Schweigen dringen würde;— sie ueß sich bethören— und schwieg— und die Grein— schwieg auch.— Nun war es geschehen— der Elsen ein Dieb und ick— cm reicher Mann! Tastend griff die Hand abermals nach der Flasche, als od e die einzige Wehre sei, die ihm geblieben. Sie war fast leer 4- und den Rest des Inhalts goß er in sein Glas, nnd lang- s.m trank er ihn. Eine ganze Weile blieb Auvcnt in seiner scheinbaren Be- täubung liegen.— Da ließ sich plötzlich der helle Ton eines Glöckchens hören. Emmal nur erklang eö, doch war es genug, um den Betäubten wieder zum Leben zu wecken um seinen Kopf "'XÄe Uhr, welche die halbe Stunde geschlagen. � r Mit wilder Energie raffte Auvent sich auf, mit festen Ichritten trat er um den.«lisch herum, ergriff er die zweite mascke und entkorkte sie und goß sich cm. Sein Arm, seine Hand, welche das Glas vor die Lippe genommen, blieb plätzlich wie gebannt erhoben, der Ausdruck mwt Gesichts wurde ein entsetzlicher; glühmder Haß und Wuth drückten sich immer mehr darinnen aus und die Augen gluylen wie ein paar feurige Kohlen unter den zusammenge- I zogenen Brauen. Emen Augenblick blieb er also, unbeweglich und starr, in schrcckcncrrcgcnder Weise in's Leere schauend, dann machte sein Körper eine rasche, zuckende Bewegung, und das Glas mit aller Kraft zu Boden schleudernd, daß es in tausend Stücke zer- splitterte: schrre er: M�c�-Puch ihr!-Fluch! Abermals folgte eine Pause, dann begann er wieder zu reden, doch dlesmal klang es dumpfer, grollender. Sie ist mem Unglück!— der Wechsel!— Sie verführte mich, ihn zu schreiben!- Sie- ha!- Das Kästchen!- I Ere hat es gestohlen.— Kein Anderer kann es gewesen | fem- als sie! alsdann nur in veränderter Form für sie weiter, da ja der Verdienst des Mannes nicht im Mindesten ausreicht, ein Fa- milienglück zu begründen und sie für ihre Töchter kein anderes Schicksal, als das selbst erlebte, vor Augen sieht. Es ließen sich tausende von Beispielen anführen, in wel- chen Proletariertöchtcr, an den oben geschilderten Klippen scheitelnd, durch ein kurzes, glanzreiches Leben verlockt, schließ- lich der Prostitution überliefert werden; wir überlassen es jedoch unseren Lesern, sich solcher Fälle aus ihrer Erfahrung zu erinnern. Ein einziger Abcndspaziergang durch die Straßen der Stadt bietet hierfür schon ein derartiges Beobachtungsfeld, daß man Bände damit füllen könnte. Gerickts-Zeitung. Ein eigenartiger Vertrauensbruch brachte den Reisen- den einer hiesigen Firma um seine Stellung. Derselbe hatte von der Firma die Ordre erhalten, auf seiner Tour nicht mehrere Male ein und denselben Platz zu besuchen- Er kehtte aber für die Dauer der Feiertage nach einem bereits besuchten Platze zurück und ließ an seinem bisherigen Aufenthaltsort während der Feiertage eine Postkarte an feine Firma aufgeben, um diese glauben zu machen, daß er während des Festes noch dort weile. Sobald die Firma von dieser Manipulation Kennt- niß erhalten hatte, entließ sie sofort den Reisenden. Dieser bestritt ihr aber das Recht dazu und wurde auf Zahlung des Gehalts bis zum Ablauf seiner Kontraktszeit klagbar. Sowohl das hiesige Landgericht i als auch das Kammergericht wiesen den Kläger mit seinem Anspruch ab, indem der Bcrufungs- richter motivirend ausführte:„Mit dem ersten Richter ist an- zunehmen, daß dasVerhalten des Klägers, abgesehen von dem darin liegenden Ungehorsam, als ein grober Vertraucnsbruch anzusehen ist, welcher nach Artikel 62, 64 Nr. 1 des Handelsgesetzbuchs die beklagte Firma zur sofortigen Aufhebung des Dienstverhältnisses berechtigte. Wenngleich Kläger durch seinen Aufenthalt an dem bereits besuchten Ort während der Feier- tage die g e w e r b l i ch e n I n t e r e s s e n der Firma nicht ge- schädigt haben mag, so fällt ihm doch jedenfalls ein bewußter Ungehorsam gegen die ausdrücklichen Weisungen seiner Prin- zipalin zur Last, und wenn er sodann, um diesen Ungehorsam zu verheimlichen, die Beklagte sogar durch Absendung der Postkarte geflissentlich täuschte, so hatte letztere genügenden Grund, ihm ihr Vertrauen zu entziehen. Sollte Kläger aber in seiner Stellung als Reisender mit Erfolg thätig sein, so mußte er, da er die Beklagte selbstständigund un- kotrolirbar zu vertreten hatte, deren volles Vertrauen be- fitzen. Der Beklagten kann nicht zugemuthet werden, das mit dem Kläger eingegangene, durch dessen großen Vertrauensbruch in seinen Handlungen erschütterte und deshalb unhaltbar ge- wordene Vertragsverhältniß noch länger fortzusetzen." — Eine prinzipiell wichtige Entscheidung in Bezug auf Erbschastsregulimngen wurde vom Reichsgericht getroffen. Der verstorbene Kaufmann J hatte mehrere Kinder hinterlassen, darunter die beiden verheiratheten Töchter Agnes und Hedwig. In Bezug auf diese beiden Töchter enthielt das Testament des X folgenden Passus:„Es lassen sich anrechnen auf ihr Erb- theik: Agnes 6648 Thlr. und Hedwig 3995 Thlr., indem sie diese Beträge theils bei, theils nach ihrer Verheirathung nach Ausweis der in meinen Papieren befindlichen Quittungen von mir gezahlt erhalten haben."— Nun hatten diese beiden Töch- ter thatsächlich von ihrem Vater nur 2100 Thlr. resp. 1500 Thlr. erhalten, und es fanden sich auch unter den hinterlassenen Pa- pieren des Erblassers leine Quittungen über die im Testament angegebenen Sumnren. Die beiden Töchter wollten sich des- Die letzten Worte hatte er mit zischendem Tone, mit wuthgrinsendem Munde gesprochen, wobei sein Oberkörper sich zusammengezogen und niedergebeugt, als ob er im folgenden Augenblicke, gleich einem wilden Thier, auf einen Feind los- springen wollte. Doch keine weitere derartige Bewegung erfolgte. Eine kleine Weile blieb Auvent in derselben Stellung, als ob er den venneintlichen Feind beobachtete, dann aber hob sich sein ganzer Körper mit einem raschen Ruck und, wie es schien, mit einem festen Entschluß, und finster, voll grimmen Zornes blickte nun sein Antlitz. Er hatte in der That wieder etwas Gewalt über sich selbst erlangt, denn bestimmter erklangen die Worte, wenn er sie auch leise mit keuchendem Tone hervorbrachte. Es ist so!— Ich muß sie bestrafen— mich an der fal- schcn Schlage rächen— bevor ich die Welt verlasse. Mit dem jungen Burschen will sie davongehen!— Haha! und ich sollte das Geld dazu hergeben!— Gefehlt und verrechnet— du Falsche!— Bei mir sollst du bleiben!— mit mir— sollst du gehen! Und mit zuckenden Schritten bewegte er sich auf das offene Bureau zu. Eine Schublade zog er hervor und aus dieser ein ziemlich großes Etui. Nein, sprach er nun hastig und abgerissen. Das macht Lärm.— Hier— das Messer— der Dolch— wird ruhigere Arbeit vollbringen! Die Mordwaffe in der Hand, bewegte er sich von dem Bureau hinweg und auf den Ausgang des Zimmers zu, welcher nach dem Kabinet mit der Wendeltreppe führte. Seine Mienen warer. verzerrt und mit krampfhafter Gewalt hielt seine Hand das Messer. Er wäre in diesem Angenblicke fähig gewesen, das Eni- setzliche zu vollbringen, wie es sein Mund ausgesprochen, dies deutete sein Gesicht, seine Haltung und sein ganzes Gebaren. Doch in der Mitte des Zimmers hielt er inne. Noch ein Glas auf den Weg! Zum Tische schwankte er wieder, schenkte ein neues Glas voll und trank es leer— und rasch noch ein zweites Glas.— Doch auch die Andere— Margarethe— hat mich ver- rathen.— Auch sie muß gestraft werden— sterben!— Wo ist sie? Er wankte und mußte sich an der Tischplatte halten. Der Dolch entfiel seiner Hand und lag nun neben dem kleinen, mit einem Tuche bedeckten Krystallfläschchen. Nun entrang sich plötzlich ein langgezogener, röchelnder Laut seiner Brust, worauf er wieder zu reden begann, abge- brachen und mit einem keuchenden, zischenden Ton voll Haß. Sie ging fort!— Zu Elsen ging sie.— Ihm hat sie mich verrathen— die Schlange— die mich schon einmal umgarnt — damals— als sie mein Geheimniß wußte— mich verderben konnte— und mich dadurch zwang, sie mitzunehmen.— Aber— haha!— ich Hab ihr vergolten!— Nun aber war die Reihe wieder an ihr— und sie— sie hat mich verrathen — wie auch— Helene— Helene!!.........,. Den Namen hatte er zuerst wie alles Uebrige leise, keuchend ausgesprochen, dann aber wiederholt mit schrecklich klingendem halb die Anrechnung jener hohen Summen auf ihr Erbtbcil nicht gefallen lassen und sie klagten gegen ihren Bruder, welcher Mstcrve und Tcstamentsexekutor war, auf Auszahlung des ihnen zukommenden Erbtheils unter Anrechnung von 2100 Thlr. resp. 1500 Thlr. In erster Instanz ersttitten die Klägerinnen ein obsiegendes Urtheil, dagegen wurden sie vom Berusungs- gericht mit ihrer Klage abgewiesen, und die von ihnen einae- legte Revision wurde vom Reichsgericht, IV. Zivils., durch Ur- cheil vom 23. Mai 1884 zurückgewiesen, indem es begründend ausführte:„Der Berufungsrichter findet in den Worten des letzten Satzes der erwähnien Testamentsbestimmung nur eine erläuternde Bemerkung und nimmt an, daß dieselben nicht er- geben, daß der Testator den Klägerinnen die Anrechnung auf- erlegte, weil sie die Summe von ihm gezahlt erhalten hätten. Ja, er geht so weit, daß nicht einmal die Möglichkeft ausge- schlössen sei, daß der Testator den Klägerinnen die Pflicht auf Anrechnung aus einem anderen Grunde auferlegen wollte und die folgende Erklärung, selbst wissend, daß sie unrichtig war, beigefügt habe, um der Bestimmung einen schonenden Ausdruck zu geben. Hiermit stellt also der Berufungsrichter durch Aus- lcgung des Testaments fest, daß der Testator den dispofitiven Willen gehabt habe, daß die Klägerinnen sich die von ihm an- gegebenen Summen von ihren Erbtheilen kürzen lassen sollen, gleichviel ob sie solche Beträge von ihm erhalten haben oder nicht. Eine bei dieser Auslegung untergelaufene Gesetzv letzung ist nicht zu erkennen; die dadurch gewonnene thatfäch- liche Feststellung des Willens des Testators ist daher nach § 524 C.-Pr.-O. für das Revisionsgericht bindend. Wird aber hieran festgehalten, so leuchtet ein, daß die Wirksamkell der Anordnung des Testators durch einen etwaigen Jrrthum des- selben über die wirklich gezahlten Beträge nicht berührt wird und daß also der geltend gemachte Anspruch der Klägerinnen auf Herabsetzung der Konfcrenden auf die ihnen wirklich gezahl- ten Beträge hinfällig ist. Druckschriftenvertrieb. Ter aus B e r l i n ausgewiesene, in Dresden wohnende Schneider Jdler, z. Zeit Oekonom des Dresdener Volksbildungsvercin, stand am Sonn- abend, den 23. Juni, vor Gericht wegen Zuwiderhandlung gegen§§ 24 und 25 des Sozialistengesetzes. Herrn Jdler ist der Drucksckristenvertrieb entzogen und wollte die Anklage schon darin das Moment der Verbreitung erblicken, daß der Beklagte Zeitungen im Lokale des obengenannten Vereins— dessen Oekonom er ist— ausliegen hat, bez. Zeitungen in die Lese- rahmen einspanne. Andererseits hatte Jdler s. Zeit eine An- nonce veröffentlicht, daß das Berliner Telegramm der Abstim- mung über das Sozialistengesetz bei ihm, dem Oekonom des Vereins, kleine Brüdergasse 10, einzusehen sei. Auch hierauf lautete die Anklage. Nachdem Jdler sein Verhältniß als Oekonom zum Verein klargelegt und erklärt hatte, daß er quasi nur als Kellner daselbst funktionire, seine Frau und Tochter überdies die Zeitungen einspannten u. s. w., bestritt er. durch fragliche Annonce die Absicht der Verbreitung von Druckschriften gehabt zu haben, da die Initiative nicht ihm, sondern dem Ge- jammtvorstande des Vereins, seinem Vorgesetzten in allen Fällen gebühre. Das Gericht sprach den Angeklagten frei, da es der Auffassungen Jdlers beitrat und ihn als eine im Auftrage Anderer kunktionirende, nicht als selbstständige handelnde Person bettachtete.__ PeniusuMrirkteu. Offenbach, 3. Juli.(„Franks. Ztg.") Vor zahlreich ver- sammelter Wählerschaft sprach gestern Abend Herr Reichstags- abgeordneter Liebknecht im Schlosser'schen Saale über ferne Tone herausgeschrieen. Die Hände schlug er über das Geficht und im folgenden Augenblick fiel er schwer auf den Tisch, doch keinen genügenden Halt findend, sank er bald weiter herab und zur Erde- Während die kraftlosen Knie zusammenbrachen, sich beugten, fiel sein Oberkörper nun auf einen Stuhl, der neben dem Tische stand. Leise, doch in entsetzlichen Tönen stöhnend, versuchte er sich aufzurichten. Er vermochte es nicht. Die Kräfte schienen ihm zu fehlen, um auszuführen, was er sich vorgenommen und was wohl noch immer, wenn auch dunkel, vor seinem bereits umnachteten Geiste schwebte. Da beginnt die Uhr in dem Nebenzimmer langsam die zwölfte Stunde zu verkünden. Bei dem ersten Schlag— als ob er seinen Körper elekttisch berührt— richtet Auvent sich auf. Die Hand fährt nach der Flasche. Durch sein Niederfinken auf den Tisch war sie umgefallen und hatte ihren Inhalt verschüttet. Doch enthielt ihr gebauchter Theil noch immer einen Rest des Weines. Diesen gießt er in das Glas; es war fast gefüllt. Hastig streift er nun das Tuch weg, nimmt die krystallene Phiole, und ihren ganzen Inhalt träufelt er in den Wein, mit der freien Hand zugleich die Tischplatte umkrallend, um seinem wankenden Körper einen Halt zu geben. Dazwischen keucht sein Mund kaum hörbar und mit fast unverständlichem Lallen: Helene!— Der Gedanke an Dich— jetzt— in diesem Augenblicke soll meine Strafe sein!— Der zwölfte Schlag ertönt.— In demselben Augenblicke stürzt der Unglückliche daS letzte Glas hinunter, und noch ist der Ton der Uhr nicht verklungen, als sein Körper nach einem unmerklichen Zittern plötzlich zusammenbricht und mit furcht- barer Gewalt todt zu Boden fällt. Sechstes Kapitel. Helene. Es war Elsen unmöglich geworden, am anderen Morgen, so früh als er im Sinne gehabt, nach van Owen's Wohnung zu gehen, denn obgleich das Fieber nachgelassen, dem Kranken, an desseu Lager er die ganze Nacht geweilt, augenblicklich Keffer war, so wollte er sich doch nicht eher entfernen, als bis er den Arzt gesprochen. Erst gegen acht Uhr erschien dieser und untersuchte den Zustand Gerhards mit größter Genauigkeit. Gettculich berichtete Elsen, was vorgefallen, so weit es Bezug auf seinen Sohn hatte und so viel er selbst wußte, was diesen bettoffcn. Nach kurzer Ueberlegung gab der Arzt endlich und zur größten Freude des Vaters die Erklärung ab, daß nicht die mindeste Gefahr vorliege. Elsen bat noch, ja Alles aufzuwenden, was die Genesung beschleunigen könne, was der Arzt auch zu thun versprach. Hold, von der Wichtigkeit seines neuen Amtes erfüllt, hatte die Freunde sammt und sonders und ohne Gnade laus ihren Dachräumen hinaus und auf die SKaße getrieben. Nie- manden wollte er im Logis dulden, weil sonst die Ruhe des Kranken gestört werden könnte. Tätigkeit in der WrzliS� zu Ende gegangenen Reichstags- i"- Nack einer interessanten Einleitung, welche die En: iltdunglßeschichte der iozialrefornratischen Lesirebungen des Fürsten Reichskanzlers schilderte, verbreitet fich derReferent über die Frücktc, welche die letzte Sesfion gezeitigt habe. In erster Linie i; 1 wurde das Unfallverficherungsgesctz betrachtet. Nachdem es zwei Äal verunglückt war, erschim es in dritter zwar ver- mehrter aber nicht verbesserter Auflage. Das einzig Gute, was man von ihm sagen könne, sei die Anerkennung der Unter- stiitzungspflicht des Staates dem Arbeiter gegenüber, welche fich durin russpreche. Gewisse Bestimmungen des Gesetzes seien für : r bester völlig unannehmbar, dazu komme noch, daß das -15 nicht für alle, sondern nur für einen Theil der .• nden Klaffen geschaffen worden. Ob die Gründe, w-. die Regierung für die Verlängerung des Sozialisten- cc; ecs angeführt habe, richtig seien, wolle er dahin gestellt fern' ssen, aber konstatiren müsse er, daß die überwiegende Melrheit der öffentlichen Meinung fich gegen fie ausgesprochen h. vr nd mit der sozialistischen Partei heute die Mehrheit der de rt'cken Nation einig sei, daß das Gesetz die friedliche Ent- wicklung der Gesellschaft erschwert habe. Obgleich man bei der . gen Verlängerung unter dem Eindruck der österreichischen Attentate gestanden, habe keiner, selbst nicht der entschiedenste Gegner mrt einem Worte auch nur eine leise Andeutung ge- T.icöt, daß die deutsche Sozialdemokratie mit derartigen Dingen u:h: n habe. Wer es gethan, würde fich einer infamen Ver- läumdung schuldig gemacht haben. Nur durch die Haltung der d,.ü'ckfrerfinnigm Partei sei der trotz der allgemeinen Ver nbeilung, welche das Gesetz erfahren, eine Erneuerung mög- ich geworden, obgleich Eugen Richter verkündet habe, daß man eschloffen gegen das Gesetz stimmen werde- Dem Centrum ackc er keine Vorwürfe. Das habe stets nach Freiheit gerufen, L nn es unterdrückt wurde, und unterdrückt, wenn es l war, aber die Deutschfreisinnigen hätten eintreten müssen. Das Gesetz seitihnen aber gerade recht. Das Sozialisten- g. setz hält einen Schild über die deutsch-freifinnige Partei, fie möckt ihn nicht verlieren. So erkläre es fich. wamm ihrer ftn die Verlängerung gestimmt hatten. In der Sesfion wnide ferner das Dynamitgesetz geschaffen. Seine Partei habe "ch;; Abstimmung enthalten. Hätte sie dagegen gestimmt, w•: ite das wieder Anlaß zu Mißdeutungen geben und so war.. besser, man stimmte gar nicht. Er würde ruhig dagegen -..stimmt haben. Ja! wenn das Gesetz etwas nützte. Es nütze muel, wie das Wuchcrgesetz. Dynamitverbrcchen zu verhüten, ei unmöglich. In Rußland, wo die Polizei bedeutend stärker, nid auf die Verhütung solcker Dinge eingeübt werde, sei es glich gewesen, solchen Verbrechen vorzubeugen. Wie man Cunsdorf, einen Menschen, der schon mehrmals Agent der Po- izei gewesen und wegen Sittlichkeitsverbrechen bestraft worden ei, für einen politischen Verbrecher ansehen könne, sei ihm un- erfindlich. Seine Handlungen seien geradezu kindische.— Rediu e bemerkt sodann, daß man in der vorigen Sesfion stets ' wfchli ssenen Majoritäten von 20, 30, auch 40 Stimmen gegen- berg' standen habe, was durch die unqualifizirbaren Elemente uus Elsaß-Lothringen und Polen verursacht worden sei, Leute, die fich als Freunde des Volks hinstellten, es aber nicht seien. Eine komische Rolle spielen die Nationalliberalen, deren Führer ' Bennigsen zurückgetreten, als er merkte, daß ihm die Kugeln um den K�pf pfiffen. Nachdem Redner kurz einige weitere Vorlagen der letzten Session erwähnt, sprach er sein Mißfallen über den -ssthn geübten Wahlprüfungsmodus aus, der es gestattete, daß jetzt, da dieser Reichstag wohl zum letzten Mal getagt, noch 6 IHi Maickrt........... itc nicht geprüft seien. Das sei ein Skandal, wenn man beben! e, daß von Leuten, deren Wahl ungültig sei, drei Jabre lar g nitgesprochen und mitgestimmt worden sei. Er würde fich rchtun.n, ein Mandat auszuüben, das ihm nicht zukomme. c c;m er erklärt, daß er, falls er in den nächsten Reichstag mn n solle, eine Atodifizirung des seither üblichen Atodus n t agen werde, sprach er für eine kürzere Mandatsdauer, l fich dann der Abgeordnete öfter vor seiner Wählerschaft en müsse. Nack den mit großem Beifall aufgenommenen „u c" hrungcn des Redners folgten verschiedene Interpellationen. Permiscktes. Jeder nach seinem Geschmack möchte man wohl sagen, icnn man heut zu Tage liest, wofür manchmal bedeutende �ununen ausgegeben werden. Die Sammler verschiedener Ku- Stille war es in der Mansarde und ruhig atbmete und schlummerte der Kranke, während ein entsetzlicher Sturm das BMdnen— Helene— umtoste, mit der er sich in seinen Fieber- vhantafim so lebhaft beschäftigt hatte und nach der wir uns jev! umsehen müssen. . iadame Laurent war mit Helene'am Sonntag Abends .„.ch iaris gewandert und in einem kleinen, ihr bekannten Hat-l garni der Rue St. Anne eingekehrt. elene wollte ihren Vater uoch einmal sehen, zu ihm reden, und glaubte die vollste Uederzeugung zu haben, daß r ihren Bitten und Thränen nicht würde wiederstehen können. Oamtt derselbe keine neue Veranlassung habe, zu zürnen, ii Glück nur allein von ihm und seinem Willen abhängig machen könne, sollte vor dieser Unterredung kein Brief an Gerhard abgehen. l cht Uhr war just vorüber, als Helene bei ihrem Vater anlan In dem Hotel war Alles in größter Auftcgung. Die Bedienten liefen eilfertig umher, andere Leute standen mit Be- zohnern des Hauses der dem Portier und sprachen in größter xrregung mit einander, heftig dabei gestikulirend. Ein Polizei- kommiflar kam mit einigen Beamten gerade die Treppe herab, !s Helene eintrat und fich erstaunt dem Portier näherte, um räch ihrem Vater zu fragen. Sie wurde von den Leuten erkannt, und die Gruppe zog fich r erlegen zurück. Neugierige, entsetzte und mitleidige Blicke hefteten fich auf Helene, welche das arme Mädchen beängstigten und zugleich ihr unwillkürlich das He» zusammenpreßten. Was giebt es?— Was ist geschehen?— Wo ist meim •I aier? so schrie fie nun auf, da Niemand zu ihr sprach, und ron den schlimmsten Ahnungen gefoltert. Wer ist die junge Dame und was will fie V fragte in cuDn Augenblicke der Kommissär, der den Hof betreten. Es ist Mademoiselle Helene, die Tochter des— entgegnete cct bärtige Portier, nicht wagend, seine Rede zu Ende zu orrngen. Beruhigen Sie sich, sprach der Kommissar mit emstem T und folgen Sie meinem Rathe— gehen Sie nicht hinauf. E.n großes Unglück hat fich ereignet, Ihr Vater— Doch Helene hörte nichts mehr: mit dem Aufgebot all ,rer Kräfte hatte fie fich von dem Beamten, der ihren Arm cfatzt hielt, losgerissen, und im nächsten Augenblick flog fie hon die Treppe hinan nach der Wohnung des zweiten Stock- Äthemlos erreichte sie das Vorzimmer, woselbst sich Zwei Männer m Uniform befanden. Zu meinem Vater laßt mich! jammerte das Mädchen laut au�, das Allerentsetzlichste ahnend. Die beiden Diener der Polizei vermochten den ergreifenden Tonen nicht zu widerstehen; auch war ihnen wohl nicht be- fohlen worden, der Tochter den Eintritt zu verweigern. Sie ließe:: ab von dem Mädchen, und weiter eilte Helene. Im nächsten Zimmer sah fie Männer, welche Siegel an verschiedene Möbel legten. Sie achtete ihrer nicht und eilte auf das Schlafzimmer ihres Vaters zu. Jetzt hatte fie es erreicht. riofitäten find wohl hauptsälich diejenigen Leute, welche für häufig vollständig unnütze und werthlose Gegenstäiivc viel Geld vergeuden. Da find beisviels weise gebrauchte Briefmarken, die im Laufe der Zeiten zu einem wirklichen Handelsartikel avan- cirt find. Gewöhnlich glaubt man, daß nur Schulkinder fich den harmlosten Scherz machen, cntwerthete Postzeichen aus aller Herren Länder zu sammeln, man irrt jedoch gewaltig, denn die Geschäftsanzeige einer„Briefmarkenhandlung" ist keineswegs so unbedeutend, als man sich gewöhnlich vorstellen mag. Die- selbe bildet vielmehr ein hübsches Heft von 24 Seiten, worin nicht weniger als fünfzehn auf Briefmarkensammlungen bezüg- liche Druckwerke verzeichnet sind. Albums zu diesen Sammlun- gen find darunter, welche etwa 3- bis 400 Frks. kosten. Das Verzcichniß enthält nicht weniger als 186 Länder und Postgebiete, welche eigene Briefmarken ausgeben. Der Preis der Marken ist sehr verschieden. Gewöhnliche, franzöfische, englische, österreichische, belgische, amerikanische und ähnliche Marken, werden, ohne Auswahl, im Ganzen zu 1 Frks. das Tausend verkaust. Die theucrsten Marken find dagegen die aus Transvaal, Orangestaat, Guyana, Oldenburg, Peru, Hawai, Jummoo, Parma, wovon 25 Stück mit 5,25 Frcs. bezahlt werden. Aber auch einzelne europäische Marken werden hoch bezahlt. So z. B. die Fünffrankcnmarke Napoleons IN. mit 45 Centimen das Stück. Hoch im Preise sind auch die Marken der früheren Thurn und Tarisschen und der Post der kleinen Staaten Deutschlands. Das Neueste, Seltenste und Tbcuerste find je- doch jetzt die afghanischen Marken, die erst 1881 entstanden find. Kürzlich wurden zwei Personen wegen Verbreitung nach- gemachter afghanistischer Marken hier genchtlich bestraft. Die größte Seltenheit ist aber die Briefmarke aus der Zeit Ludwig XIV., welche der Sachwalter de VBayer 1653 als biliets de port paye auszugeben, die Ermächtigung erhielt. Das einzige er- haltene Stück der Art befindet sich in der Nationalbihlrothek und wurde photoaraphisch verviclfättigt. Man kann sagen, daß damals die Crfindnng an dem Namen scheiterte: billet de port paye ist zu lang, um geläufig zu werden. Es ist ganz dasselbe wie die zwei Lmnibuslinien, welche um dieselbe Zeit in Paris eingerichtet wurden, aber nach wenigen Jahren ein- gingen. Es fehlte ihnen der kurze, aber vielsagende Name: Omnibus. Ucbcrhaupt wird man die Bemerkung machen, daß alle Erfindungen und Steuerungen nur dann schnell Anklang und Verbreitung finden, wenn fie einen kurzen, leicht aussprech- lichcn Namen tragen. Eine Trauung mit Hindernissen. Daß es oft ungc- ahnte Hindernisse gegen die Trauung selbst vor dem Standes- amte giebt, beweist ein Fall, über dessen Erledigung in bethei- ligten Kreisen eine leicht erklärliche Spannung herrscht. Ein in Sachsen seit mehr als zwei Jahren lebender Schweizer Unterthan gedachte sich in Dresden am 1. k. M. mit seiner Braut, der Tochter eines angesehenen Bürgers in Blasewitz, trauen zu lassen. Das Standesamt, die königl. Amtshaupt- Mannschaft zu Dresden und in letzter Instanz das Ministerium des Innern find der gleichen Anficht, daß dem Bräuttgam so lange vas Aufgebot zur Ziviltrauung zu versagen sei, als er nicht den erforderlichen Konsens der betreffenden schweizerischen Behörde vorgelegt habe. Die letztere aber behauptet, ihrerseits zu dessen Ertheilung fich nur dann verstehen zu können, wenn das standesamtliche Aufgebot 10 Tage in der Schweizer Hei- math öffentlich kundgegeben sei. Was unter so bewandten Um- ständen zu thun übrig bleibt, wird höchstens eine Trauung in der Schweiz sein. Auerbach, 5 Juli. Eine ebenso gefährliche Lagerstätte als der Edelknabe hatte, dem das Königstciner Pagcnbette den Namen verdankt, suchte fich vor einigen Tagen ein sechsjähriges Mädchen auf, zum Entsetzen für die vor dem.Hause fich versammelnden Nachbarn und Passanten. Das Kind hatte sich zum Fenster herausgeneigt und war so eingeschlafen. Tief hing der Kopf über dem»zenstervorspruna herab und es hätte eines leisen Ruckes nur bedurft, so wäre das Kind 3 Stock hoch herabgefallen. Von innen helfend einzuschreiten war nicht möglich, da sich das Kind eingeriegelt hatte. Durch Schreien und Pochen glaubte man die kleine Schläferin zu erschrecken und die Katastrophe herbeizuführen, welche man vermeiden wollte. Von einem Fenster im zweiten Geschosse aus klopfte ein Mann endlich mittelst einer Stange leise gegen den Kopf des Mädchens, indem er gleichzeitig das Kind nach dem Zim- mer zurück zu drängen suchte. Wie ein Alp löste es fich von der Brust der Umstehenden, als das Mädchen erwachte und Hastig riß sie die Thür auf und fiel im folgenden Augen- blicke, einen lauten Schrei ausstoßend, bewußttos vor dem Bette nieder, auf das man die entstellte Leiche Auvcnt's gelegt. Inniges Mitleid fühlten die Manner mit der Unglück- lichen, und alles Mögliche boten fie auf, um sie wieder zur Besinnung zu bringen. Endlich erwachte Helene auS ihrer Betäubung. In diesem Augenblicke erschien eine neue Person in dem Gemach. Es war Elsen, welcher wenige Augenblicke nach Helene in dem Hotel der Rue Mogador anlangte. Von dem Konrmissär hatte er den wahrhaft entsetzlichen Selbstmord van Owcn's und die just erfolgte Ankunft der Tochter des Unglücklichen erfahren. Mit schonender Hand entfernte er fie von dem Lager des Todtcn, sie mit leisen, Liebe und Mitleid kündenden Worten bittend, sich zu entfernen und fich ihm, dem Vater Gerhard's anzuvertrauen. Der Wagen der ihn hergeführt, harrte vor der Thür des Hotels. Elsen hob das Mädchen hinein, und seine eigene Adresse dem Kutscher nennend, ihm ein sorgfältiges Fahren an- empfehlend, verließ er mit Helene die Unglücksstättte, oie An- gclegenheiten des Verbrechers den Vertretern des Gerichts überlassend. In seine Wohnung brachte Elsen Helene, sie für einige Augenblicke der Obhut seines alten Dieners anvertrauend. Das arme Mädchen ließ theilnahmlos Alles mit fich geschehen, und inniges Mitleid empfand Elsen mit ihr, wie er sich auch unwillkürlich und mächtig zu ihr hingezogen fühlte. Bald— recht bald wiederzukehren versprach er, dann be- stieg er den Wagen auf's Neue, um nach der Mansarde de- Künstler zu fahren. Dort hatte sich während Elsen's Abwesenheit auch crwas Eigenthümliches und Ergreifendes begeben. Madame Laurent hatte rasch genug ihre Tochter vermißt. Wo konnte diese sein?— war sie dennoch zu dem Vater, der sie kalt und herzlos verstoßen, gegangen, oder hatte fie Ger- Harb aufgesucht? Nur Eines von Beiden war möglich. Eine entsetzliche Angst um ihr Kind erfaßte die Mutter, und rasch kleidete fie sich an und verließ ihre Wohnung, um Helene auf- zusuchen. Obgleich fie fühlle, daß ihr Weg dazu nach der Rue Mogador führe, so eilte fie doch vorerst nach der Wohnung Gerhard's, die fie wußte. Dort fand fie, wenn auch nicht Helene, doch Gerhard krank im Bette und von Hold bewacki. "t, WW U«»V VVU«WVJV VCWUUJ». Wie schrie der junge Mann vor Freunde auf, als er Ma- � V!- Mutt-"....... dame Laurent, die Mutter feiner Helene, erblickte. Seine Befürchtungen waren also grundlos gewesen und neubelebt fühlte er fich dadurch. Alles mußte Madame Laurent ihm erzählm. Auch er hatte vieles zu erzählen. Stumm. keines Wortes fähig, die Hände gefaltet und das Haupt gesenkt, als ob fie sich dem Urtheil beuge, das da durch den Mund deS Sohnes des Mannes, den fie mit unglücklich gemacht, über fie — und auch über ihr armes Kind ausgesprochen worden war, saß fie da, nicht mehr an fich, sondern nur an Helene denkend, deren Unglück ihr unabwendbar schien. Da trat Elsen ein. Mit Staunen erblickte er die bleiche Frau an dem Lager seines Sohnes. Wer fie sei, erfuhr er durch diesen, sowie Ra- ist sehr berechtigt— aber wie kann die Unfitte beseitigt werden, wenn Mann und Frau gezwungen find, um des Lebens Roth- dürft zu befriedigen, in die Fabriken zu gehen. Vor allen Dingen schaffe man die Arbeit der verheirathcten Frauen außerhalb des Hauses ganz ab. Mit dem Lamentiren allein ist nichts gethan! Ueber die Entdeckungen von geheimen Druckereien, Dynamitfabriken u. s. w. vernimmt man in letzter Zeit sehr viel. Aber Abwechselung muß sein! Man höre: In Molenbeck St. Jean, einer Vorstadt Brüssels, ist dieser Tage in einem Hintergebäude eine heimliche Brantweinbrcnnerer ent- deckt worden. Diese, mit allen maschinellen Erfindungen der Neuzeit ausgestattet, war zur Verdeckung des Betruges höchst ingeniös eingerichtet. Die Pumpen gingen geräuschlos, der Dampf ging in einen Kondensator hinein, die doppelt ge- mauerten, überklebten Wände ließen draußen nicht das mindeste Geräusch wahrnehmen, ebenso wenig die Art des Betriebes Nachdem die Brennerei 4 Wochen gearbeitet, kam die Polizei hinter die Sache. Eine sofort eingeleitete Untersuchung stellte fest, daß der Staat täglich um 1000 Francs betrogen worden. Die Strafe wurde auf 465,1«2 Frcs. 50 Cent, angesetzt. Wieder ein Selbstmord im Gerichtssaal- Ein Vor- kommniß, welches große Aehnlichkeit mit der Affaire Jenner in Lübeck hat, ereignete fich dieser Tage vor dem Schwur- gericht in Torgau. Dort hat fich der wegen Meineides ange- klagte Händler Lorenz aus Hohcnbuko bei Schließen nach Ver- kündigung des auf„schuldig" lautenden Wahrspruchs der Ge- fchworenen im Gerichtssaale mit einem Revolver, welchen er fich erst an demselben Tage gekauft, eine Kugel unter der Kinnlade in den Kopf gejagt. Tags darauf ist der Verurtheilte gestorben. «schein frei in' Kwmm Eine wahre Musterverwaltung scheint in der Gemeinde Görlsdorf, Reg.-Bez. Frankfurt a. M. zu herrschen. Die zial! tionall « 9 ozmlpo! Sieh, -------„„„--------__„----------- Gelegentlich einer Revision des dortigen Gemeinde-Armenhauses durch den Amtsvorfteher bot fich demselben nämlich beim Oeffnen eines Zimmers ein schauderhafter Anblick dar. Auf einem schmutzigen Lager lag der notorisch etwas geistesschwache Irr- fasse der Swbe und war buchstäblich nahe Daran, vom Ungeziefer aufgefressen zu werden, welches nicht blos den Körper ves bedauernswerthen Menschen bedeckte, sondern auch auf dem Bett und auf dem Fußboden massenhaft umherkroch- Ganz.„, ,, besonders ekelhaft war aber der Anblick des Unglücklichen selbst, f M der in seinem hilflosen Zustande das Bild vollständiger Ver-» Und wahrlosung darbot. Als dies mehr als bemitleidenswertbe»ausende Opfer der Gemeinde-Armenpflege auf Anordnung des Amts-» Als Vorstehers gereinigt werden sollte, fand fich im ganzen»en zu Dorfe leine mitleidige Seele, die dies zu übernehmen geneigt Thst dah gewesen wäre, so daß aus dem nahegelegenen Schönfließ eint ßuth hat Person dazu requirirt werden mußte.% Helmerding, der berühmte Komiker des Berliner Wallner« KL' ,,,. Theaters, wellt gegenwärtig in Bad Kissingen. Dieser Tagel® tritt zu ihm ein Offizier m Crock:„Erlaube mir. mich vorzu- stellen: Hauptmann von Witzleben." Helmerding aufftehenl tD DM" und sein Kompliment machend:„.Habe die Ehre: auch von Witz leben!" meh Reiq chien d rtig gi onalli nt in undschi Literarlsches. Von der„Neuen Zeit", Stuttgart Verlag von I H. W. D i e tz ist soeben das siebente Heft des 2. Jahrganges erschienen:, Inhalt: Abhandlungen: Das neue franzöfische Volks- tz ja so r schulprogramm. Von I. H a s ch e r t.— Das Recht auf Ar-( Nun beit. Von Karl K a u t 6 k y.— Der Vogelschutz. Von Wil� Helm Wiener.— Arthur Fitger's„Winternächte". Von Manfred W i t t i ch.— Oesterreichische Sozialreformer. Von .Heinrich Mandl.— Dre Fabrikinspektoren. Von Emi Kaler.— Politische Rundschau. Von W.B.— Literarisch:. Rundschau: Hyndman, H. M., The historial basis ol Socialism in England. Von Max©chippel.— Lardiader, Ant. Ph.,.. Ein neues Handbuch der Pädagogik. Von R- Seidel— t',en Notizen: Die Chirurgie bei den Naturvölkern und in vorge-'s» bei schichtlicher Zeit.— Frauen als Erfinder.— Die zunehmende iffchwun Produktivität der Arbeit und die wachsende Konzentration des Man Kapitals.— Redaktions-Korrespondenz tc. ch sich ganz en, di i%. SB Arber ante äffen. isen, dl dame Laurent durch den ersten Ausruf Gerhards:„Mein Vater!" wer da vor ihr stand. Nachdem Elsen den Sohn begrüßt, trat er auf die Fra zu, welche ihn mit staunendem Schreck angeschaut, dann ab den Blick vor ihm niederschlug, wie gerichtet vor ihm fitzl blieb, als ob sie keine Kraft mehr finde, fich zu erheben. auch Natu Herre dm ma wenig wird w Ihre Haltung, Madame,— sprach er langsam und erns�.. ,, — sagt mir, �daß Sie von�mcinem©ohne erfahren haben, wie t'��chen eine gütige Vorsehung mich endlich das Verbrechen, welches an st die st mir, den Meinigen und meinem Namen begangen wurde, ent-s reakti decken ließ. Ich fluche Demjenigen nicht mehr, der es ver- lese Ma brach— er steht bereits vor einem höheren Richter.— Selbst i Arbeit hat er Hand an fich gelegt, um fich der irdischen Gerechtigkeit emgebn zu entziehen. mg di Doch Gerhard, der mit Staunen und Schrecken die Worte»writät seines Vaters vcmommen, die ihm kündeten, daß er wohl M*\ � bedacht gesprochen, rief nun mit einem bangen Tone aus:* 5 Helene!- wo ist Helene!™en h, Rasch wendete Elsen sich zu ihm hin und sagte:," Beruhige Dich, mein ivohn!— Helene ist bei mir— bei- von d ihrem Vater!— Komm und folge mir zu ihr! jerungSi Da fühlte Elsen, wie ein Arm seine Knie umklammerte, h dem J wie heiße Thränen auf seine andere Hand niederträuselten.& lrer. C war die arme bleiche Frau, welche dem Manne, der fie hätte ter-Ausj verdammen können, und der nun solche Worte gesprochen, di«L.�den nicht allein Vergeben und Vergessen, sondern auch das Glüfc, aws,J. das Leben ihres Kindes kündeten, zu Füßen gefallen war. i. Dank!— Dank Ihnen! mehr vermochte sie nicht zu staiw H mein, während fie sich über seine Hand niederbeugte. Doch in> Man folgenden Augenblick schon hatte Elsm sie emporgehoben, fierndlichei wieder zu ihrem Sitz gebracht und tröstete fie mit mildes g zeigt: Worten.: Gesetz Madame Laurent erhob fich von ihrem Sitze, um sich ZU alten entfernen. üich Wenn Sie es gestatten, so begleite ich Sie zu meineottwnallil Wagen der Sie rasch bis in die nicht allzu entfernt liegenve.uen A, 'n/Artnhnr fiilmrn trttrV* fll) 2L.___ v v- O'* Rue Mogador führen wird. Während dieser Zeit wird"weis'~ Sohn versuchen, fich vorzubereiten, um mich begleiten zu könnest- �' So sagte nun Elsen. Madame Laurent neigte wie zustimmend den Kopf, danst'k" gezi warf fie noch einen Blick auf Gerhard, einen Blick, so bittestM vorho ber zugleuh all ihre Liebe zu ihrem Kinde aussprach und voN raler � Gerhard m sprechender, inniger Weise erwidert wurde, woraw, sie mtt Elfen die Mansarde verließ. Beritt Madame Laurent nahm die dargebotene Adresse Elsen�-i es na ein schüchterner Druck ihrer Hand war Antwort auf die SJÖort'" Bran! dann rollte der Wagen davon, dessen Führer die Weisung � hauen hatte, sofort wieder zurückzukehren. Mit Gerhard war eine vollständige Umwandlung vostst'.. gangen. Seine Krankheit schien mit der Ursache derselbe'' nun b: verschwunden zu sein. Mit Hülfe des treuen Hold hatte ci.no�" 'ich angekleidet und vermochte, nachdem der Wagen wiederg�''-"nw lehrt, mit dem Vater nach dessen Wohnung— zu Helene ��estehe ™ ES (Fortsetzung folgt.):n. Wir n sicher if Verantwortlicher Redactem ist. Eronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Bazy achflraßr i.