Nr. 99. Mittwoch. 30. Juli 1884. I. Jahrg. Lrgan für die Interessen der Arbeiter. Da«„Berliner BollSblatt" «s Im Herbst soll drüben in der großen Union von .?rdamerika wieder der Mann gewählt werden, in dessen randen auf vier Jahre die Exekutivgewalt jenes mächtigen ttNeintcesenS ruhen soll. Bei dieser Gelegenheit treten die �wachen in den politischen und wirthschaitlichen Einrich- V" Union sehr deutlich hervor. w■7°" W so häufig die„Plebiszite" der Bonapartes waren jene Plebiszite ein Unfug, eine fton ,e> die mit dem Begriff„Volkssouveränität" aufge- �urde, um die Massen zu täuschen. Aber die jene SwiL• Mm beherrschenden Geldmänner wagen kein solches 0 ES ist sprüchwörtlich geworden, die Union als d der Freiheit" zu bezeichnen allein diese„Freiheit" hat 5, sthr schwachen Seiten. Der Präsident der Vereinigten �»ten wird nämlich durch indirekte Wahl ernannt; jeder ernennt erst eine Anzahl von Wahlmännern, inj. dann erst den Präfidenten wählen. Das Hilfsmittel, �, dem sich so viele Staaten Europas gegen radikale fofi»'u Dützen suchen, findet sich also auch in der Ver- »«t der großen nordamerikanischen Föderativ- Republik 'ui-Nd so lange die Dankee�S regieren, wird eS wohl - B. der Verfassung bleiben. 11% 1. ,est Wahlart bringt eS schon mit sich, daß der Kampf Präsidentschaft fast nur zwischen den beiden großen � der republikanischen und der demokratischen, spielt; Ha deren Parteien können wohl ihre Stimmen sammeln � ln,ir— ßnb aber ohne Einfluß auf den Ausfall der ZU...� Unterschiede zwischen den Demokraten und den Omanern beruhen weniger auf politischen Doktrinen CL# wirthschaftlichen Interessen. Die l?» dlikaner sind Schutzzöllner, die Demokraten �reihand- C � zwanzig Jahren geriethen die Schutzzöllner des CB4 und die Freihändler deS Südens in so hefttge fyÄ daß ein blutiger Krieg entstand, der in zahlreichen sächsischen Schlachten ausgefochten wurde. Wer die Ur- W r Jenes Krieges aufmerksam prüft, der wird finden, % n,e. in der Verschiedenheit der wirthschaftlichen Jnter- Ag.j beider Theile lagen. Die Sklavensrage war nur ein »erß.'°usmittel, das die Schutzzöllner geschickt auszunutzen toefe« rfi; denn nnter den Aankee'S werden"icht viele ae- jich�'bM, welche die Sklavenftaqe von idealistischen Ge- Un aus bettachteten. Der'Norden siegte und (teil � �tstand nawrgemäß das Bestreben der republikanl- lisire/�ei, die öffentlichen Gewalten möglichst zu zentta- Ehrend die niedergeworfene demokratische Partei , sich dem Föderalismus in die Arme warf. S* republikanische Partei mißbrauchte ihren Sieg E'n? schamlose Ausbeutung der erkämpften Macht. sin J�hliche Korruption in der Staatsverwaltung riß Vi das Haupt der republikanischen Partei, der General R.�'chiet- seinen auf vielen Schlachtfeldern errun- #### ##### korrupten Treiben derselben möglichst durch die Finger sieht. Die unterlegene Partei tritt dann in Opposition und sucht die regierende durch„Enthüllungen" bei dem Volke ver- ächtlich zu machen, um bei der nächsten Wahl die re- gierende Partei zu stürzen und„die Beute" für sich in Be- schlag zu nehmen. Dieser elende Zustand ist ganz dazu angethan, den Ge- schmack an der in der Union herrschenden„Freiheit" zu verderben. Dazu kommt, daß die herrschenden Klassen, die sich so die Regierungsgewalt sichern, jede nach ihren Interessen unter sich gespalten, aber gegenüber den EmanzipattonS- besttebungen der Arbeiter doch einig und geschlossen sind. Demokraten und Republikaner machen von den Vorrechten des Kapitalismus gegenüber den Arbeitern den gleich rück- sichtSlosen Gebrauch. Nirgends ist das System der„freien Konkurrenz" so ausgebildet, wie in den Vereinigten Staaten, nirgends wird der wirthschaftlich Schwache von dem Stärke- ren brutaler unter die Füße getteten; nirgends hat die Spekulation und der„Durst nach Gold" so fieberhaft um sich gegriffen, nirgends herrscht trotz aller äußerlich zur Schau gettagenen Frömmigkeit, ein roherer Materialismus. Man sieht, die durch politische Institutionen— und auch da nur bis zu einem gewissen Grade— garantirte „Freiheit" tritt ganz zurück gegenüber dem tollen Durch- einander, den die wwthschaftliche Entwickelung der Union mit sich gebracht hat. Die Herrschaft des Kapitalismus tritt dort rücksichtsloser und gewaltthätiger auf, denn irgendwo und die Menschenopfer, die ein Napoleon verlangt, erscheinen klein gegenüber der Verwüstung, welche diese Aankees mit ihrem Produktionssystem mitten in all ihrer„Freiheit" an- richten. Die große Masse der Arbeiter läßt sich bei den Wahlen in'S Schlepptau nehmen und läßt sich verführen, gegen ihre eigenen Interessen zu stimmen, indem sie immer wieder einem Demokraten oder Republikaner zur Macht ver- hilft, von denen sie dann gleichmäßig unterdrückt wird. So lange die große Masse der amerikanischen Arbeiter von ihren politischen Rechten keinen besseren Gebrauch macht, hat sie ihr Schicksal auch reichlich verdient. PolMsche Ueberficht. Au» dem Reichsland wird der„Magdeb. Ztg." geschric- bcn:„In der letzten Zeit find verschiedene Anzeichen hervor- getreten, welche auf ein Anwachsen und entschiedeneres Hervor- treten der deutschfeindlichen Strömungen im Lande hindeuten. Bei dem vor einigen Wochen in Weißenburg zusammengezogen gewesenen Landwehrbataillon, dessen Mannschaften aus Ein- beimischen bestand, hat fich bei der Entlassung eine gewisse Renitenz bemerklich gemacht. Es Kitt ein Geist jdes Wider- spruchs gegen Anordnungen der Behörden thätlich hervor, der unter Umständen höchst bedenklich werden kann. Sodann haben sich am Tage des französischen Nationalfestes in verschiedenen Orten Demonstrationen ereignet, welche der Revancheidce und der baldigen Wiedervereinigung mit Frankreich öffentlich Aus- druck gaben. Verschiedentlich wurde die französische Flagge aufgehißt. In Thann, einer Stadt mit ganz besonders deutsch- feindlichen Elementen, erkühnte man sich sogar, das dort abge- haltenc Kriegerfest zu verhöhnen. Alle diese Symptome stehen unzweifelhaft in enger Beziehung zu dem R e v a n ch e k u l- t u s, welcher in Frankreich getrieben wird. Wenn die deutsche Regierung nicht auf Unterdrückung desselben bei der französischen Regierung besteht, werden wir keme Ruhe im Lande bekommen. Denn die Einführung eines sttengeren Re- giments in Elsaß-Lothringen würde wenig helfen, wenn im Lande fortwährend der Gedanke an die baldige Wiederver- einigung mit Frankreich wach gehalten wird."— Ob diese orientalische Frage im Herzen Europas, welche die Wiederer- Werbung Elsaß-Lothringens geschaffen hat, durch die Mittel der „Magd. Ztg." gelöst werden kann, ist sehr zu bezweifeln. Wenn das niehr an der Regierung oder an der Bevölkerung liegt. An Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchssteuern sowie anderen Einnahmen sind im Reich für die Zeit vom 1. April 1884 bis zum Schlüsse des Monats Juni 1884 einschließlich der kreditirten Einnahmen(und verglichm mit der Einnahme in demselben Zeitraum des Vorjahres) zur An- schrcidung gelangt: Zölle 48 891 954 M.(mehr 3 277 538 M.) Tabaksteuer 794 528 M.(mehr 552281 M.), Rübenzuckersteuer weniger 47111023 M.(weniger 5583 905 M.), Salzsteuer 7 837 319 M. imchr 120 368 M.), Branntweinsteuer 8714160 Marl(mehr 962 774 M.), tUebergangsabgaben von Brannt- wein 29490 M.(mehr 5 6Y5 M.), Brausteucr 4598887 M. (mehr 38425 M.), Uebergangsabgaben von Bier 392698 M. (mehr 46 619 M.); Summe 24 148013 M.(weniger 580295 Mark), SpielkartcnstempÄ 179 619 M.(mehr 15 538 M.), Wcchselstcmpelsteuer 1 654 077 M.(weniger 10 865 M.), Stempel- abgabe für Werthpapicre. Schlußnoten, Rechnungen und Not- a»— 1 Ist-Einnahme, abzüglich der erwalwna, kosten, beträgt bei den (mehr 458999 M.), Rübenzuckerstcuer 40410576 M.(mehr 7 607114 M.), Salzsteuer 9005292 M.(mehr 263 336 M-), Branntweinsteuer und Uebergangsabgabe von Branntwein 11 091 398 M.(mehr 580522 M.), Brausteuer und lieber- gangsabgabe von Bier 4 241 170 M.(mehr 73 683 M.); Summe 107 497 674 M.(mehr 8 662 955 M.). Spielkarten- stempel 261 654 M.(weniger 3 893 M.). Der neugegründete Verein— der„Schalk" nennt ihn Protzenverein— zur Wahrung e. ct. wird, wie die „Kölnische Ztg." hofft, in Hamburg mit allen Mitteln in den Wahlkampi eintreten; sie bezeichnet die Bekämpfung der Sozialdemokratie und„Entsendung eines im Handel geschulten Mannes, der frei von allem theoretischen Ballast den großen schon in nächster Zukunft zu lösenden Wirthschaftsfragen pral- tisch nahe steht", als eine„Aufgabe, für deren Lösung weder ein politisches, noch persönliches Opfer zu groß erscheinen sollte." Wir lassen dahingestellt, ob der Verein sich an die Lösung dieser Aufgabe heranwagen will, und erwähnen aus dem Ar- tikel nur noch einen Satz, welcher die Sachlichkeit und Unpar- teilichkeit des„Weltblattes" in politischen Fragen kennzeichnet. Es wird die Entwicklung der Sozialdemokratie in Hamburg besprochen und erwähnt, daß es früher, als noch die bürgcr- lichen Parteien geschlossen für denselben Kandidaten eintraten, niemals einen Sozialdemokraten gelungen sei, als Sieger aus der Wahlurne hervorzugehen.„Jetzt aber," heißt es weiter, „gelangen ihre Leute mit der bei weitem größten Stimmenzahl (für die Wahlen von 1881 trifft diese Behauptung nicht zu) zunächst in die Stichwahl und aus dieser mit Leichtigkeit in den Reichstag, denn sobald eine Stichwahl nothwendig gewor- dm, wandern die namentlich in Hamburg unvergleichlich gut aeschusten Sozialisten aus den beiden andern Reichstagswahl- kreisen in den bedrohten Bezirk und erringen auf diese Weise einen Sieg." Sollte die„Köln. Ztg." wirklich nicht wissen, fragt die„Volksztg.", daß für die Suchwahlen dieselben Wäh- lerustcn maßgebend sind wie bei der Hauptwahl? Ein Manö- ver, wie es die„Köln. Ztg." andeutet, könnte höchstens im zweiten oder dritten Jahre der Legislaturperiode bei einer Nach- wähl ausgeführt werden, nicht aber zwischen dem ersten Wahl- gange und einer Stichwahl, um auf die letztere Einfluß zu ge- Winnen. Bezüglich der Ausweisungen russischer Unterthanen aus Berlin hebt die„Köln, Ztg." hervor, daß diese Aus- Weisungen auf Bestimmungen bemhen, die bereits im Jahre 1880 aus Anlaß der Verhaftung und Auslieferung eines Russen, der sich in Berlin angeblich studiumshalber aufhielt und fich schließlich als ein gefährlicher Nihilist entpuppte, er- lassen worden find. Im Laufe der Zeit waren diese Bestimmungen einigermaßen in Vergessenheit aerathen, neuerdings find fie wieder schärfer in Anwendung gekommen. Die„Frkf. Ztg." hat für eine derartige Praxis kein Verständniß:„Wir müssen vielmehr die unbegreifliche Konnivenz, welche die Ber- liner Polizei den russischen Wünschen gegenüber an den Tag legt, in höchstem Grade bedauern. So sehr ein gutes Ver- hältniß zwischen Berlin und Petersburg wünschenswerth ist, so darf fich doch darum nicht der eine Staat zum Polizeibüttel des anderen erniedrigen, um so weniger, wenn der eine ein Rechtsstaat sein will und der andere auf diesm Titel keinen Anspruch macht. Schließlich sei noch darauf auftnerksam ge- macht, daß durch Gesetz vom 12. Oktober 1867 die Ausgabe von Äufenthattokattm an die Fremden verboten ist, daß also die Verfügung des Berliner Polizeipräfidium, nach welcher derartige Karten für eine Anzahl der in Berlin fich aufhalten- den Russen eingeführt werdm, geradezu ungesetzlich ist." Was Alle« au« dem Menschen werden kann, dafür liefert folgmde Notiz, die dem„Leipziger Tageblatt" aus Dresden zugeht, einen ebenso interessanten wie humoristischen Beleg. Der durch verschiedene volkswirthschaftliche Schriften bekannte Reichstagsabgeordnete Dr. Perrot, welcher seiner Zeit in Gemeinschaft mit dem Freiherrn von Ungem-Sternberg das; in Dresden erschienene, nach mehrjährigem Bestehen aber wieder eingegangene Organ der sächsischen Konservativen, die „Reichszeitung", redigirte, hat fich neuerdings in Frankfurt a. M. niedergelassen und seinen zahlreichen Freunden einen neuen Beweis seiner Vielseitigkeit dadurch gegeben, daß er dortselbst ein Schnittwaaren- und Wäschegeschäft eröffnete. Die Wahlreform-Agitation in England nimmt ihren Fortgang. In E x e t e r wurde eine große liberale Temon-. sttation abgehalten, an welcher fich mindestens 20 000 Personen betheiligten. Bei dem damit verknüpften Meeting gelangten die üblichen Resolutionen zur Annahme. I n B i r m i n g« Kam ist für den Bankfeicrtag am 4. August eine großartige Reformkundgedung in Ausficht genommen, der fich ein Meeting in der Bingleyhalle anschließen wird. In Manchester fand am Sonnabend eine liberale Massenkundgebung im Po- monagarten statt. Wenigstens 80 M) Personen nahmen an dieser Demonstration Theil. In Bournemouth wurde ein liberales Meeting abgehalten, das mit einer allgemeinen Schlägerei zwischen Liberalen und Konservativen endete, we Letztere die Annahme einer gegen das Verhalten des Ober- Hauses protestirenden Resolution zu verhindern suchten— Es wäre wünschenswerth. wenn durch diese Bewegung auch die englischen Arbeiter zu einer lebhafteren Theilnahme am voliti- schen Leben herangezogen würden. Der englische Arbeiter CSS:':" ÄVÄ'Ä'ä beweisen eme Anzahl sogenannter„vergessener" Geld« S ÄÄÄ?.'»Ä«« I ! Februarrevolutton" zusammengedrückt, wozu Rothschild 50000 und die Bank 25 000 beisteuerten. Der Finanzminister, welchem die Sumnie zur Verwaltung übergeben wurde, wies bei der letzten Abrechnung eine Ausgabe von 493 353 Frcs. nach. Seit- her hat man von dem Rest nichts mehr gehört. Man weiß gar nicht, ob die verbleibenden ca. 1200000 Frcs. noch vorhanden sind. Die Jntranfigentcn wollen jetzt eine Unter- suchung beantragen. Die mit der Weltausstellung 1878 verbundene Lotterie, nebst Versteigerung einiger Tausend nicht ab- geholter Gewinne, hat einen Reinertrag von über 6 Millionen geliefert. Aber keine zwei Millionen sind für den ursprüng- lichen Zweck, Reisestipendien für Arbeiter zum Besuch der Weltausstellung verausgabt worden. Auch die Subskription der französischen Frauen, zur Besteiung des Bodens mittelst Zahlung der Kriegsentschädigung, welche über sieben Millionen einbrachte, hat sich allmählich verkrümelt. Eine erschöpfende Rechnungslegung hat nicht stattgefunden. Aehnlich steht es nock mit einer ganzen Reihe weniger beträchtlicher Sammel- sum°a Projekt eines Kanals zwischen dem mittelländi- schen Meer und dem atlantischen Ozean, das schon vor einigen Jahren aufgetaucht war und seitdem viel erörtert wor- den ist, hat jetzt, wie französische und spanische Blätter de- richten, greifbare Gestalt gewonnen und steht der Verwirklichung nahe. Spanien, wird behauptet, sei dem Projekte aus dem Grunde günstig gestimmt, weil es hoffe, Frankreich werde nach Fertigstellung des Kanals dem Durchdrucke der Pyrenäen be- Hufs Anlage eines Schienenweges keine Hindernisse mehr ent- gegensetzen, was aus strategischen Gründen bis jetzt in hart- nackiger Weise geschehen ist, und weil außerdem die östlichen Häfen Spaniens durch den Kanal in nähere Verbindung mit England und Nordeuropa, sowie mit den westlichen Häfen Spaniens gebracht werden. Der Kanal soll, von der Gironde ausgehend, Bordeaux und Toulouse berühren und, im Allge- meinen der Trace des Kanals du Midi folgend, sich durch das Languedoc fortsetzen und das mittelländische Meer bei Rar- bonne, am Golf von Lion, erreichen. Die größten Seeschiffe sollen den Kanal befahren können. Die Herstellung des Kanals dürfte voraussichllich den Unternehmern des Suczkanals über- ttagen�werden-S�n ��stjan gemeldet wird, find in Vittoria mehrere spanische Offiziere verhaftet worden, weil dieselben nicht zum Empfang des durchreisenden Königs erschienen waren. Die portugiesische Regierung hat den Kammern einen Gesetzesvorschlag unterbreitet, welcher auf eine vollständige Rc- organisation des Heeres und auf eine Umgestaltung der Wehr- und Dienstpflicht hinzielt. In Beziehung auf letztere will man zu den Bestimmungen zurückkehren, welche vor dem Jahre 1859 gegolten haben und mit den vor Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Frankreich geltend gewesenen große Aehnlichkeit haben. Nach dem Vorschlage soll die Armee in Zukunft be- stehen aus: 24 Linien-Jnfanterie- und 12 Fuß-Jäger-Regimentern zu drei Bataillonen, zehn Reiter-Regimentern zu vier Schwadronen, drei Feld- und einen Fuß-Artillerie-Reginient zu zehn Batterien beziehungsweise Kompagnien uud einem Genie- Regiment zu drei Bataillonen. Der Kricgsstand des Heeres soll 120000 Mann betragen, die Dienstpflicht auf 12 Jahre festgesetzt werden, von denen die ersten drei bei der aktiven Armee zugebracht werden müssen. Darauf folgen fünf Jahre erster und vier Jahre zweiter Reservepflicht; während jener dürfen die Reservisten unter bestimmten Bedingungen zum Dienst einberufen werden; die Milizleute, welche der zweiten Kategorie angehören, sind nur verpflichtet, im Fall eines Krieges mit einer auswärtigen Macht die Waffen zu tragen. Ein Stell- Vertreter soll 800 M. kosten; man rechnet darauf, daß IKpCt. der Dienstpflichtigen sich loskaufen und der dem Staate daraus erwachsende Gewinn die Mehrkosten decken werde, welche aus der Vermehrung des Heeres erwachsen würden. Die Pforte machte vor einiger Zeit schwache Anstrengun- ,en, Herr im eignen Hause zu werden. Sie wollte nicht .anger die Postämter der fremden Konsulate dulden, sondern eigene Postanstalten einrichten. Aber die Rechnung war ohne die europäischen Mächte gemacht: Deutschland. Oesterreich und Frankreich haben ihre Vertteter angewiesen, der Pfotte ihren entschiedenen Widerstand betreffs der Aufhebung der Postämter kundzugeben und die Zurücknahme der Ent- schlicßung zu fordern. Zwischen der römisch-katholischen Geistlichkeit und dem griechisch-orthodoxen Clerus in Jerusalem ist wieder einmal ein Streit entstanden. Die wichtige Glaubenösache, um welche man sich zankt, ist folgende: Der Steinboden der % Nachdruck utrietenj CXtillCtOlT. Das Kind des Proletariers. 9] Sensationsroman von U. Rosen. (Fottsetzung) Auf der Höhe des Wasserbehälters angelangt, heulte und winselte der.Hund, dann lief er ein Viertel des Weges um die Einzäunung des Reservoirs, niederwätts steigend wendete er sich einer Gruppe einzeln stehender Häuschen zu. Von dem Augen- blick an, wo der Hund zu heulen begonnen hatte, war er aus der Region von Myra's Traum herausgetreten. Der Hund sprang den Abhang hinunter, Myra folgte ihm bis sie vor einer kleinen einsamen Hütte anlangten. Vor der Thür derselben saß eine zarte blasse Frau, ein hübsches Kind auf ihren Knieen schaukelnd. Myra dachte an Fanny's verlorenes Glück und ihre Augen füllten fick mit Thränen. Der Hund rieb seine Nase an der Thürschwelle und stieß wiederum durchdringende Klagetöne aus. Die Frau vor dem Eingang blickte auf. Sie sah eine schöne ernste, in Trauer gekleidete Dame vor sich stehen, die mit kummervollen Augen sie und ihren Kleinen betrachtete. Hanna Porters Mutterglück machte sie gut und zuvorkommend gegen alle Welt. Sie stand auf und fragte ehrerbietig: „Möchten Sie ein wenig hier ausruhen, gnädiges Fräulein? jgft das �Jhr° Kind?" fragte Myra. „Ja, gnädiges Fräulein, ist es nicht ein allerliebster kleiner Änöc „Ja, es ist ein sehr hübsches Kind. Möchten Sie es mir abtteten?" Hanna schloß das Kmd an chr Herz. „Um nichts in der Welt!", .VJch habe Kinder sehr gern." sagte Myra.„Ist hier m der Nahe nicht vielleicht irgend eine kleme Waise oder em Findelkind, das ich adoptircn könnte?",,_ Nein, hier giebt es nicht dergleichen, antwortete Frau Chitton, die auch herbei gekommen war, kurz. „Möchten Sie meinen Kleinen nicht küssen?' ftagtc Hanna Myra empfand lein besonders Interesse für Hanna's Kind, aber sie beugte sich doch nieder, um ihm einen Kuß zu geben. Diese Bewegung trat James Wrialcy, den der Zufall hier voiüberführte, wie der Schlag eines Sckmiedehammris. Mit Schrecken sah er Myra Barth in einer Unterredung mit Frau Chitton und Hanna Porter und er war fast gelähmt, als sie ihr kleines Brüderchen küßte. Er hielt seinen Wagen an und rief: „Aber Myra! So allein und so weit entfernt von Hause und zu Fuß!" „Ich unternahm einen Morgenspaziergang und Heltor war mein Begleiter." Kapelle der Jungfrau im helligen Grabe ist theils so abgenutzt, theils so beschädigt, daß dessen Beseitigung und Ersetzung durch einen neuen Stein erforderlich ist. Die Ausführung dieses Werkes wird von dem katholischen und dem griechischen Clerus beansprucht, und der Streck darüber unter diesen Religions- Fanatikern erreichte einen solchen Höhepunkt, daß die Anwesen- heit türkischer Truppen allein die streitenden Patteien ver- hinderte, die wichtige Frage durch eine Schlägerei zu lösen. Schließlich hat sich die Pfotte in die Angelegenheit ge- mischt. Frankreich nimmt sich der katholischen Interessen warm an und der griechische Patttarch der der Gläubigen des ortho- doxen Ritus. Die Annexion des Ttellalandes in Südafrika will ür John Bull nicht so rasch von Statten gehen, wie wohl ge- lofft war. Der britische Resident Mackenzie hatte die englische lagge in Vttjburg aufgehißt, dieselbe wurde aber von der .cvölkerung sofort abgerissen. Mackenzie soll nun mit Waffen- gemalt gegen die Bevölkerung vorgegangen sein. Das nennt man in England„kolonifiren". v z Im Kampf gegen die Howas auf Madagaskar sollen die Franzosen, wie der englische„Standard" meldet, eine Nie- Verlage erlitten haben. Die Nachttcht lautet:„Heute ftüh um 6 Uhr griffen die 1200 Mann starken französischen Truppen bestehend aus bettttcnen Gendarmen, Jnfantette und Attillene, das Howalager an. Die Artillerie bestand aus sechs Feldge- 'chützen und drei Mitrailleusen. Der Angriff dauerte zwei Stunden und endete mit dem Rückzug der Franzosen. Die madagassischen Trupgen kämpften bewunderungswürdig. Sie waren völlig kaltblütig und ihr Feuer war stetig. Es wurde "ein Versuch gemacht, den Angttff zu erneuem." In Patts bezeichnet man diese und ähnliche englische Depeschen als über- ttieben und auf ein unbedeutendes längst bekanntes Schar- mützel zwischen Franzosen und Howas bezogen. ?M»meuwriSekes. Wie die Berliner Sozialdemokraten, schreibt die„Voss. Ztg.", so treffen auch die in der Provinz allenthalben, wie es scheint, ihre Wahlvorbertttungen auf Waldspaziergängen. So haben am vottgen Sonntaa die Sozialdemokraten von Bran- denburg und Rathenow(Westhavelland) sich zur Besprechung von Wahlangelegenheiten nach dem Markgrafenberg bei Rathenow begeben. Sie blieben dott unbehelligt und zerstreuten sich dann in die Bierlokalitäten eines nahen Ottes, in denen die Polizei mehrere Tage später Vernehmungen angestellt hat. — In der Nähe von S t r i e g a�u. so erzählt das„B. F.", haben bei Gelegenheit eines Schützenfestes in vergangener Woche Arbeiter des Wahlkreises Striegau-Schweidniy in„Fich- Lenthal" an einem von Spaziergängern besuchten Ruhepunlt fick zu versammeln gesucht, wurden aber bereits vom Forstpcrsonal empfangen, das ihnen den Eingang in den Wald verwehrte. Als sie dann gemeinsam in ein Gasthaus zu Pilgramshain ein- kehrten, wurden sie durch einen Gendarmen gestört, resp. beauf- fichtigt. Es scheint, als ob die Polizei auch hinter diesen Zu- sammenkünsten sozialisttsche Versammlungen vermuthet habe. Derttner Innungswesen. Eine interessante Illustration zu den bekannten Acker- mann'schen Anträgen zum§ 100- des Jnnungsaeseyes bildet eine vom Berliner Magistrate veranstaltete statistische Cr- Hebung über die Verhältnisse der dortigen Innungen im Jahre 1883. Die betr. Tabelle sühtt 59 Innungen in 56 Gewerben auf, das Bäckergewerbe hat zwei, das Barbier- und Fttseurgewerbe gar drei Innungen, wovon eine über ganz Deutschland ausgedehnt. Von diesen 59 Innungen haben fich 31 auf Grund ves Gesetzes vom 18. Juni 1831 gebildet, 23 bestanden schon vorher. Dre Ziffern- angaben find zwar etwas lückenhaft, führen aber nichtsdesto- weniger eine sehr beredte Sprache. Die Mitgliederzahl ist der 57 angegeben; diese zahlten zusammen anfangs 1883 12 718, Ende 1883 12 609 Mitglieder. Die Zahl der Gesellen ist nur bei 37 Innungen angegeben und bettug bei diesen ca. 12 947. In den Einzelzahlen drückt sich nun eine erschreckliche gewerbliche Kleinstaaterei aus, neben Innungen von respcttablcm Umfange giebt es auch solche, die kaum so viel Mitglieder haben als sie Vorstandspersonen brauchen. So zählten am Ende des Jahres die Bäckcttnnung 593 Meister mit ca. 1200 Gesellen, die Bäckerinnung Konkordia 202 M. mit 400 G., die Barbiere und Friseure 673 M., die altdeutschen Barbiere und Friseüre 84 M., „Aber das ist kein geeigneter Ort für eine junge Dame, Myra, Du solltest einen andern Weg wählen." „Wir gehen jetzt," sagte Myra, sich kühl gegen die Hütten- bewobner verneigend. Sie rief nach ihrem Hunde und wendete sich ab. Das Thier gehorchte ruhig dem Befebl. Sein Gewissen schien durch diesen Morgenausflug vollkommen beruhigt. Er be- lästigte Myra nie wieder nnd das Mädchen vermochte nicht zu enträthscln, was den Hund zu dem sonderbaren Treiben veranlaßt hatte. „Was sagte das Fräulein?" fragte Wrigley, der unter dem Vorwand nach Hanna und dem Kinde sehen zu wollen, ausgestiegen war. „O, sie meinte nur, daß sie kleine Kinder gern hätte," ant- wartete Frau Chitton. .Lassen Sie aber das Kind nicht von Fremden küssen, es könnte dadurch leicht einmal angesteckt werden," sagte Wttgley. Nach Hause zurückgekehrt, setzte fich Myra auf eine von Roscngezwttg umrankte Gattenbanl. Ein leichter Wind über- schüttete sie mit den duftigen Blumenblättern- Ihre Umgebung war so schön und wie zu Heiterkeit und Freude einladend, aber ihre Gedanken waren düster und hoffnungslos. Es waren jetzt drei Wochen her, seit sie den Bttef von Jaspers Freund aus Indien erhalten hatte und jener Brief war lange nach ihres Bräutigams Abrttsc abgegangen. Wo war clso Jasper geblieben? - cPic ctl'c.n bnden Wochen nach Empfang des Bttefes hatte sie Jasper stündlich erwartet und doch vor dem Wiedersehen gezittett. Alles war Zwttfel, Angst und Besorgniß in ihr. Sie konnte weder ehr Wort einlosen, die verpfändeten Güter Jaspers wi M machen, noch ihr heiratben. In ihrem krankhaft erregten Gnnilth glaubte fte fich an dem Tode ihres Brüderchens schuldig- wenn sie herratete, müßte sie über eine ehrcnwctthe. stolze und vornehme Familrc vre«Schmach des Verbrechens bringen. ... Gedanke verließ sie nickt, daß sie früher oder später für das Velsckwlnder. des Kindes verantwortlich gemacht wer- den wurde. W,e konnte sie also mit diesem Damoklesschwert über ihrem.Haupte Jaspers Frau werden? -> Sie beabsichtigte ihm zu sagen, daß fich Alles für sie ver- ändert hatte, daß er nach Indien zurückkehren und sie vergessen Aber seit einer Woche waren andere Befürchtungen zcktcrn� aurßcfUcßcn-$lc begann für Jaspers Leben zu O. ihn noch einyial zu sehen, nur noch ein einziges Mal und dann von rym ,n Zattlichlett und Thränen Abschied zu nehmen für immer! wiederum keiner darunter. rnrtr. die Perrückenmacher und Fttseure 92 M. mit 90 neben Innungen wie die der Klempner mit 642 M. 890 G, der Maurer- und Zimmermeister mit 158 M- 3000©., der Schneider mit 1123 M., der Schuhmaäe: 1621 M. 3078 G., der Tischler mit 1323 M., der Web-- 1016 M.. giebt es solche von 52, 49, 37, 35, 28, 25, N> 15, 11, 9, ja sogar zwei von je 5 M. und Gesellcnzahle», bis zu 2 bei diesen Miniaturinnungen heruntergehen. fragt man fich denn doch, wie sollen diese Innungen, 1 die Zinngießcr mit 5 M. und 2 G-, den Anforderungen Jnnungsgesetzes gerecht werden? Eingetreten sind im' des Jahres bei 48 Innungen 725, ausgetreten 280 Mt darunter 27 ausgeschlossen._ Die„Thätigkeit" der Innungen Berlins auf dem G des Lehrlingswesens ist eine gar merkwürdige. Angaben die Zahl der Lehrlinge, über die Anzahl der Aufgenom-� -! und Lösgesprochenen liegen aus 51 Innungen vor! Nr. 99. schaftigten am Anfange des Jahres 3042, am Ende 39' linge; ausgeschrieben wurden 1303, eingeschrieben 1763] linge. Das Zahlenverhältniß der Lehrlinge zu den M läßt fich nur bei einigen Innungen erfahren. Die Bäckeni» „Konkordia" hatte der 400 Gesellen 350 Lehrlinge und s für 69 Losgesprochene 132 Lehrlinge auf. Die KW Innung hatte 890 G. und 400£.; bei den N' ist nur die Zahl der Lehrlinge mit 188 angegeben, 38 schriebene ersetzte diese Innung durch 132 eingeschriebene linge; die Schlosserinnung hat bei 650 G. 527 L. und' 128 Losgesprochene durch 237 Aufgenommene; bei den\ steinfegern waren dieselben Ziffern 93 G-, 74 L., Günstiger, etwa wie 3: 1, war dieses Verhältniß u. a. Innungen der Dachdecker, Gelbgießer, Glaser, Go Kupferschmiede, Maurer und Zimmerer, Sattler und Schmiede, Stellmacher, Strumpfwirker. Bei 13 Innungen befinden sich die Lehrlinge s« bei den Meistern in Wohnung, bei 10 Innungen» bei den übrigen nicht.— Die Frage ob Fachschulen vi wurde von 12 Innungen mit ja, von 38 mit nein beal Eür diese Fachschulen(zum Theil auch für Sonntags ortbildungssckulen) wurden 1883 von den betreff nungen 4831 M. ausgegeben und machte hierbei die innung den höchsten Aufwand 11640 M.). Besucht die Fachschulen von 878 Lehrlingen und 200 GehilW den einzelnen Innungen stellte sich das Verhältniß.� handenen zu den die Schule besuchenden Lehrlingen# Bäcker(Konkordia) 350:70, Barbiere 184:122, KL. 400: 119, Maler 188:146, Maurer und Zimmerer � Posamentiere 59: 15, Raschmacher 17: 2, Tapezierer Tischler 177: 80, Weber 261: 120. Eine Gesellen(kranken)kaffe bestand nur bei der S® nung. Meisterkasscn waren bei 38 Innungen vorhandtt läßt schließen, daß die Gesellen vorgezogen haben, fürß�j zu sorgen. Meistervrüfungen fanden 79 bei 15 Innung� sellenprüfungen 847 bei 26 Innungen statt...... Herbergen hatten 27 Innungen. 5 Innungen leist« Mtethe für die Lokale Beiträge. Die Angaben über � der beherbergten Gesellen finv ganz unvollständig. Arbeitsnachwttsebüreaus waren bei 33 Innungen o# den- Die Angaben über die Kosten dieser Büreaus W �.yattgkeit find sehr unvollständig. Interessant ist es ak Zu diese 'lifctten neue: den Beitrag: Wenn eil «ünbe gebiert ?>der ficherlic bnlrüppelunx Hmng und wurigste Blo Reiben habe �5 nicht blos Mstostes mit ndern auch, •TOwuchs cb M wächst> dnidoner Arb 'nur zwei «Yerköpfe, andthat f «rchie. In lNnologischer nie auf die IMuenschaft iMftnn sin) P dem Brer merhin, wenn wir bei einzelnen Gewerben die Zahle], s hier werden M"" g- heißt Arbeitsuchenden und-findenden mit Zahlen der JnnungsM!?Nncntlich zu, und Lehrlinge vergleichen. Die beiden Bäckerinnungen�M Mnen" heia l ilini lche man terzlichste le der Gr« In sinnigen j-cn verdau Fer blödsim Werste belas png, welche SWen, so r Wchte Mütl wndig einich Mr ins Wir fragen. Sc � Brutstätt Legten 1883 ca. 1600 Gesellen und die eine bei 400®! N Stehlen Lehrlinge; die Zabl der Arbeitsuchenden belief. R �Abzügen ol 5923, von denen ca. 4547 Arbttt erhielten. Die Inn«'', �barmherzig Barbiere und Friseure giebt die Zabl der beschäftigten. EN, Jemand stn nicht an, sondern nur die Lehrlinge mit 184; am jfOOO gcwerl Nachweisebüreau suchten 6066 Gehilfen Arbeit und r'ebcsbandcn. v7 solche nachgeroiesen. Die Klcmpnerinnung Myl-% abgelegene und 400 Lehrlinge und hatte das Glück von 54000�"% Kubanfällc den 1000 Arbeit zuweisen zu können. Die Zahl d»'4%n in Lon! mnungsgesellen ,st mckt gegeben, sondern nur die VH linge(188), die Arbeitsuchenden hat diese Innung aa» notitt, wohl aber die Zahl der mit Arbttt Versorgtes Die Schlächterinnung vermittelte von 7000—8000 arb# den Gesellen 2000—2300 Arbeit, die SchuhmachcrinnunS 2924, die Weberinnung 1040 dergl. unter Man ficht, daß sehr wenig Ordnung in den best' Innungen rm Allgemeinen herrscht, sonst würden die« lichen Erhebungen wohl vollständiger ausgefallen sttn Herz, als sie ihre einstige Freundin blttch und matt af iä» stolze Mutier so�herabgekommen, schattenhaft. d '"seufzte Myra m Wrttwe fuhr auf wie von einer Schlange ge'" „Fort. � nef sie,„fort! Komm mir nicht zu ist nmn Kind? wo ist mein' Knabe? Mörderin, die in der Nähe gewesen waren, blickten Myra no& j iu)n) eigene unb bod) aufoeriAlet entfernte. no® v Aber noi Zusende hüls Wen Trunks sie grenze ?ung unba: '»miß, daß t unter � verlassen, «""S ä den I welch £ L?tn ist es. »flzer in jui Ein i-,.,v. und hoch aufgettcktet entfernte,—,, schickten jedoch wie vom Schlage gett'ffen umsank- Die Haushaltetin und ihre Untergebenen st�L sie zu._ JB Ihre Sympathie hatte immer dem Fräulein, der 0 Hauses gehört. J c i&X ift grausames, undankbares Geschöpf! F Haushälterin, während sie Myra's Kleid aushatte. „So zu unserer jungen Herrin zu sprechen! unbedeutendes armes Ding, das unser Fräulein schafterin zu sich nahm und wie eine Schwester behML,. Hände neb,„eine Frau, welche einen alten Mann W5 thums wegen herrathet. und dann seiner TochW � niajjtoen Erbin das Wort„Mörderin" entgegen darf kein Mitgefühl von mir erwarten." ."5 mei".armes Lamm," ächzte Elsa. l roetden an � einem unschuldigen Haupte heimgesuck- sollten mtht unter einem Dache bleiben.,-zf'; .,-Wer w.rd sich um das Gerede der Lady Barths & ä«"rÄÄs'S< ... Amf--»l? Ad?»? M R»-» ihre Fassung wiedergewonnen halte, ließ sie w i flanzc �enerschaft in die Vorhalle rufen. � Ich wün,che nicht," sagte sie den Versammelt� Wahnvotttellungen. welche das Gemüth der herrschen. Erich irgendwie in Bezug auf Eure ®"te: Ehrerbietung und auf jede >eld«n, gelegcnheiten nach dem Rath cines"bcwährtcn �ta> v ftadur-ber % war sä \ Fauerbach fcl*' besinn« Wen Lebe IgM. fllau Nrnden n «»blich s, p seinem � große . gram »erwehrtc ßtünen' Jaß ein "1 i L« rechtmäßige Erbe Alles dessen, was sein Vater v" A aufgeiunden, oder sttn Tod erwiesen ist. begegnet war. � Die Thür des Zimmers der Wsttwe staO offen. Ein schatter brennender Schmerz traf Myra wie ein Messerstich in" geführt werden............ aa�J' Von dieser Stunve an übernahm Myra% bt3C Ct>' ÖCT tischen ihr und Fanny M'- e,, ��°Ne « t&l fflflttj nitS e v ndei icht. imml : bl m« zu zclt« doch m. NN sl K o k» 1 e S. Fröhlich und guter Dinge, laut lachend und munter l»lauderno, daß man trotz des kolossalen Andranges noch ein Eoupce erwischt hat, setzten sich fast allsonntäglich die vcr- | Ichicdcnen Gesellschaften, die Ausflüge in die Umgegend Berlins innacht haben, Abends in dm Zug, um nach Hause zurückzu- Ichren. Wie spottet man über den dicken Freund, der als der Me eingestiegen ist und in Folge seiner Wohlbcleibtheit keinen platz mehr bekommt und nun stehend und den Witzeleien mner Freunde ausgesetzt, die Fahrt nach Berlin zurücklegm W. Die allgemeine Lustigkeit erreicht ihrm Höhepunkt, lls der Zug bei einer Curve in die bekannte Weifende Bewegung verfällt und der dicke Herr in der Mte fich ängstlich an den Netzen für die Gepäckstücke altm muß, um nicht umzufallen. Das Geficht des Schaff- erscheint jetzt an dem Coup-ffenster, auch er muß unwill- lich lächeln über die drollige Situation des„Ticken."— "ie Billets, meine Herrschaften, bitte— er erhält die Fahr- .........-�n. coupirt dieselben während er noch am Fmstcr steht, t W«nn schwingt er sich an das nächste Coupe. Niemand der Massen achtet auf das lebensgefährliche Treibm des Beamten er'S« draußen, es ist etwas so Gewöhnliches, daß der Schaffner ast-» �Ärend der Fahrt am Fmstcr erscheint, daß es Niemandem m irz« Wällt. Plötzlich ein markdmchdringerder Schrei, ein dum- AM Rollen, als führe der Zug über eine weiche Masse rdcn' tett über die Eisenbahnschienen— erschreckt fahren die Passagiere t.-' Wammen, Jeder blickt angstvoll fragend den Anderen an— fem N.is muß ein Unglück geschehen sein,"— so ertönt es jetzt von Assen Lippen- Der Zug hält, Alles steigt aus, wirklich dort hiinW«dem Geleise liegt eine blutige, formlose Masse, es ist der r sie- Aaffner, der soeben noch seines Amtes gewaltet, jetzt mit zer- war 1 Wnettcrtm Gliedern auf dem blutigen Sande ruht. Erschüttert ich wj|2gfitn die Passagiere ein. Jeder hängt seinm Gedanken nach. gefitffl Masch tritt der Tod dm Mmschm an,"— das ist gewiß der Gedanke, der fich eines Jeden bemächtigt und der zweite Aewiß, ob es denn gar nicht gelingm will, diese ergrei- n Unglücksfälle in Zukunft zu vermeiden. Niemand wird m können, daß der Eismbahnbeamte, der thatsächlich den begleitet, fortwährend mit einem Fuß im Grabe steht, daß das hauptsächlich bei den Schaffnern der Fall ist. Es diesen Beamtm dirett untersagt, während der Fahrt Billets d bK A koupirm, und die Behörden thun gewiß sehr Recht daran, zu WUsolches Verbot zu erlaffen. Während der Fahrt ist das Cou- jj'ii der Billets also nicht gestattet, wann aber, so darf man l, soll es geschehen V Etwa auf den einzelnen Stationen? end der ganzen oder halben Minute Aufmthaltszeit? Ist überhaupt möglich? Vielleicht, wenn dem einzelnen Le- ' nicht eine geradezu erdrückende Arbeitslast aufgebürdet, es überhaupt im Bereich menschlicher Kraft liegen würde, ast möchte man sagen, unmögliche Aufgabe zu bewältigen. Schaffner hat, wie uns auf das Bestimmteste versichert mindestens drei bis vier Waggons zu bedienen; wie er es ermöglichen, seiner Pflicht in so gut wie gar Zeit zu genügen? Wenn er am Bestimmungsorte ZMmm ist und seine Billets nicht koupirt hat, so hat Scherereien, wird womöglich'„angeschnauzt" oder "i eine Disziplinarstrafe genommen. Er muß also wohl Übel seine Billets coupiren und in Erfüllung dieser Pflicht .» er eine andere— er coupirt eben während der Fahrt. m eine grausame Alternatioc, vor welche die Bahnverwal- 'hre Beamten stellt, sie zwingt sie förmlich dazu, ihre «en zu verletzen, und der pflichttreue Beamte riskirt «eben, nur um die Zufriedenheit seiner Vorgesetzten erwerben: und oft genug büßt er daffelbe ein. wie Unglücksfälle der letzten Zeit in so blutiger Sprache en. Und dann ist der Beamte, der in der er- n Weise vielleicht Schaden an seinem Leben oder seiner heit nimmt, vollständig der Gnade der Behörde über- «ie ja immer sagen kann, daß der Beamte den Un- all seid st verschuldet hat, denn eS steht klar und deutlich en, daß das Coupiren der Billets während der Fahrt Wir wollen zwar zur Ehre der Eisenbahnbehörde daß sie(ich niemals hierauf stützen wird, sie wird den .»liebencn eines in Erfüllung seiner Pflicht umgekommen bun» hoffentlich immer anstandlos die ihnen zustehende Unter- i. B auszahlen, denn gewissermaßen trägt die Bahnver- 8 durch die fich widersprechenden Bestimmungen die ..L* Schuld an den Unglücksfällen. Woher kommen diese �Uasfälle? Auf diese Frage kann keine andere Antwort werden, als daß namentlich bei den Sonntagszügen men_ u o* ljnen der Ha m -S folgen� 3 denn] � �tl Barth erholte fich so weit, um auf der Veranda und und Park in ihrem Rollstuhl umhergefahren wer- -'0nnen und Dr. Brice besorgte ihr eine Gesellschaf- &T Vorleserin, um sie zu zerstreuen und zu erheitern. Kjoen nahmen ihre Mahlzeiten in Lady Barths Boudoir > wnd Myra und eine ältere Dame, eine Jugmdfteun- itey oerstorbenm Mutter, in einem kleinen Ecksalon ''sfe!0? der drückenden Julihitze schien das Barth'schc Schloß flkn Schatten der Polarzone zu liegen, M)»."nzige Person, welche als Verbindungsglied zwischen und Myra diente, war Lady Bide, ihre nächste K il�die Wittwe Lord Heinrich Bide's. w�lttive und ihres einzigm Kindes und Erden be- Kr Lady Bide am bestm befähigt, mit Fanny Barth zu »drey und die! Arme schloß ssch ihr mit leidcnschaft- �"Nigkeit an und strömte ihre Wehllagen und ihrm Ütgen die mitleidsvolle Dame aus. i Bilde war eine langjährige tteue Freundin der �ra's gewesen und das junge Mädchm unter ihren iiu'Ufgewachsen. Sie war der Verlassenen seit ihrer ie- S"6'n" �üodew erfuhr, daß Jasper Fitzroy mit der„Ozean- kWfjte. Indien abgesegelt war, umwölkte sich seine Stim. des/, ictbf ■&*' n Ihr" % d. $■ tiiJfbon fA. welchem fthlcchtcn Zustande die„Ozeankönigin' A btfn' langer Zeit befunden hatte. Sie war als seeun- Ich und die Verfichcrungsgesellschasten ließen fich SU gehen und Erkundigungen ein- | war man ohne Nachricht. Erst im August Tx enkö„i.Bmungen eine Nachricht über den Untergang der WOt"/. die zu den berüchtigten„schwimmenden \ m �attc und darum nicht geeignet war. einem .> bei Nur zwei Frauen und drei Matrosen � r.�e Hp/�chjffbruch gerettet worden. Kunde traf Myra nicht unvorbereitet. WMMW Aar tzj% Verlust gestrast werden. Sem Unter- S»« (Fortsetzung folgt.) hier in Berlin eine viel zu geringe Anzahl von Beamten ver- wmdet wird. Es ist wahrhaftig kein Zeichen von besonderer Umficht, daß die Bahnverwaltung immer noch so sehr mit Beamten kargt. Kennt man etwa die Zahl der Ausflügler, die Sonntags regelmäßig Berlin verlassen, noch nicht, weiß man nicht, daß fast sämmtliche Züge, die Abends nach Berlin zurückkehrm, vom Publikum förmlich gestürmt werden? Sind vielleicht nicht genügend Beamte vor- Händen, um die Züge ordnungsmäßig zu bedienen? Wenn das nicht der Fall ist. weßhalb werden nicht mehr Beamte an- gestellt? Der Betrieb der Bahnen reussirt überall, ein großer Theil unserer Mitbürger liest mit großem Stolz die vielstelligen Zahlen, welche die Ueberschüsse repräsentiren, die erzielt werden; und wodurch echält man diese Ueberschüsse? Etwa dadurch, daß man Beamte spart? Dann wollten wir lieber, daß man keine Ueberschüsse hätte, es wäre besser, mit einer Unterbilanz zu arbeiten, als daß man des Geldes wegen Menschenleben auf's Spiel setzt. * Das wunderbare Potsdamer Attentatsmärchen, von welchem wir überhaupt keine Notiz genommen hatten, stellt fich jetzt, wie wohl vom Anfang an anzunehmen war, als eine völlig halllose Erfindung dar. Es regt aber zu aller- lei nicht gerade erfreulichen Gedanken über Vre Thätigkeit ge- wiffer„Journalisten" an. Zwar den Sttafgesetzparagraphen vom„groben Unfug" auf solche Preßerzeugnisse anwenden zu wollen, kann nur einem hartgesottenen Kriminalisten einfallen. Jemehr aber die Presse auf ehre Selbstbestimmung und Frei- heit von polizellich- kriminalistischer Bevormundung hätt, desto größer wird ihre moralische Verantwortung vor fich und dem Publikum. Das gedruckte Wort übt auf die Massen einen gewaltigen Einfluß aus, und zwar find es nicht sowohl die politischen Bettachtungen, welchen diese Macht beiwohnt, son- dern dieselbe beruht in den„Nachrichten", in den je bestimmter umso wirksamer vorgetragenen sensationellen Mittheilungen. Die Urheber solcher gedruckten Exzesse find meistens leicht mit der Entschuldigung bei der Hand, das unersättlich neuigkeits- lustige Publikum erschwere eine sorgfältigere, gewissenhafte Behandlung des Nachrichtenmaterials; man müsse die That- fachen geben, wie sie einem zukommen, die Sichtung sei in der Eile der jonrnalistischen Thätigkeit nicht möglich. Das ist aber eine ganz falsche Argumentation. Das Publikum kann nicht nach Etwas verlangen, was es nicht kennt und was man ihm aus einer verständigen Erwägung vorenthält, und es wird den Zeitungen dankbar sein, wenn sie ihm einen Tag später eine Sensationsnachricht in ihrem wahren Charakter einer leeren Seifenblase präsentsten, als wenn sie die- selbe einen Tag früher wie ein miserables Jahrmarktsbild in den schreiendsten Farben aufputzen. Der Potsdamer Fall ist typisch, und es ist schon damit gesagt, daß er leider nicht vereinzelt ist. Die Achtung vor der Presse würde gewinnen, wenn man dem Publikum die Zuversicht einflößen könnte, daß alle Glieder der etwas weitläufig gerathencn Jour- nalisten-Familie nicht blas zu reden und zu schreiben vermögen, sondern die unter Umständen viel schwerere Kunst üben, zu schweigen und ihre Besonnenheit zu bewahren. Welches Unheil angerichtet werden kann, wenn in hirnverbrannten Köpfen Nach- richten der charakterifirten Art ihre verwüstende Wirkung üben, soll hier nicht einmal andeutungsweise berührt werden. So die „Berl. Ztg.", der wir in allen Punkten rückhaltslos Recht geben. Wenn aber die„Berl. Ztg." wirklich eine so hohe Meinung von dem Beruf der Presse hat. wie kommt es dann, daß wir namentlich in der letzten Zeit fortwährend eine kolossale Fami- lienähnlichleit zwischen den von uns gebrachten Original-Arti- kein und denen der„Berliner Zeitung", die regelmäßig einige Tage später erschienen, bemerkten? Wir wollen deswegen noch lange keinen Schluß auf den Reichthum der Ideen machen, welcher der„Berl. Ztg." zu Gebote steht, es läßt fich ja auch gegen, die Bearheitung eines„vochandencn Stoffes" nichts tbun, aber wenn man so nette und zutreffende'Ansichten über die Pflichten der Presse hat, wie fie in dem obenstehenden Ar- tikel von der„Berl. Ztg. ausgesprochen werden, so ist es doch wunderbar, daß man in allerdings weniger bedeutungsvollen Sachen es gewissermaßen an journalistischen Anstand fehlen läßt. Wst erblicken in diesen.Fiearbeftungen" immerhin ein Bestreben, fich mit fremden Federn schmücken zu wollen.— Auf Grund des Sozialistengesetzes verbietet das hiesige Polizeiprästdium das Einsammeln von Geldbeiträgen durch Verlauf von Medaillen mit dem Bildnisse Lassa llc's, sowie die öffentliche Aufforderung zur Leistung solcher Beittäge für den Polizeibezirk von Berlin.: Neber die letzte Ballonfahrt, die Frau Spierina am Sonntag vom„Schwarzen Adler" aus in Gesellschaft mehrerer Herren unternahm, meldet ein Berichterstatter hiesigen Blättern: Punkt 8 Uhr erhob fich der Ballon und hatte bei wechselnden leichten Windströmungen eine Höhe von 2100 Meter erreicht, als, durch die zunehmende Dunkelheit beeinflußt, das Gas sich abzukühlen begann und in Folge dessen der Ballon zu sinken anfing. Die mitgenommen 6 Sack Ballast waren bald abge- geben, ohne daß der Ballon seine fallende Bewegung einstellte. Die Lage der Reisenden, die gerade über Berlin fich befanden, fing an kritisch zu werden, da(die Uhr zeigte schon neun) die Finsterniß immer dichter wurde. Kurz entschlossen, wurden alle überflüsfigen Gegenstände, als Emballagen, Röcke, einige Flaschen Wein(?!) jc. geopfert, brs endlich 3 Minuten vor V,10 Uhr der Ballon über die Wipfel der Bäume des Schloßparks von Nieder- Schönhausen hinfegte, um im Schloßbof in überraschend glücklicher Weise zu landen. Sämmtliche Passagiere des luftigen Fahrzeuges stimmten darüber überein, daß Berlin, vom Ballon aus zur Abendzeit gesehen, einen prächtigen Anblick darbot. Herr Alb. Rolhwald. der an der Fahrt therlgenommen hatte, um fich vom Ballon aus mit dem von ihm konstruirten Fallschirm niederzulassen, gab diese Abficht auf, da eine neuer- Vings daran vorgenommene Aenderung fich bei einem Versuch vom Ballon Captif aus nicht bewährt hatte. Große» Aufsehen erregte am Sonntag in einem Gartm- restaurant am Pichelsberg eine Szene, welche von bedauerns- werthen Eltern mit ihrem einzigen ungerathenen Kinde aufgeführt wurde. Der 15 Jahre alte Jung« war, wie hiefige Blät- ter erzählm. von den Eltern einem Tischlermeister in die Lehre gegeben, aber seit dem 10. d. M. spurlos verschwunden, nach- dem er heimlich seinen Sonntagsanzug angelegt. Seit mehre- ren Tagen hatte der Besitzer des gedachten Lokal» einen Men- schen für die Rennbahn, in welcher das Eselreiten stattfindet, als Eseltteiber engagirt, in dem Freunde des um seinen Sohn besorgten Vaters diesen erkannten und dem Vater davon Mit- theilung machten. Da Letzterer in den Wochentagen dienstlich beschäftigt ist, benutzt« er den Sonntag, um eine Rekognition des Ausreißers vorzunehmen und begab fich nach Pichelsberg. Den Burschen in dem reduztrten Anzug ohne Stiefel sehen und mit einem wuchtigen Rohrslock über ihn herfallen, war das Werk eines Augenblicks. Die wohlverdiente Züchtigung fiel indessen derartig aus, daß das Publikum drohte, Partei für den Taugenichts zu nehmen, und der am Pichelsberg stationirte Gendarm denselben den Händen des entrüsteten Vaters ent- reißen mußte. Nach Aufklärung der Sache wurde indeß den bedauernswerthen Eltern allgemein reges Mitleid zu Theil. Der Gendarm brachte den ungerathenen Bengel auf den Wunsch der Eltern in das Ämtsgefängniß nach Ruhleben. Eine große Spiegelscheibe fiel heute Mittag gegen 1 Uhr aus dem Fenster der ersten Etage des Hauses Spandauer- straße 67 mit lautem Klirren auf das Trottost, wo sie m un- zählige Stücke zersplitterte. Nur einem reinen Wunder ist es zuzuschreiben, daß bei dem großen Verkehr von Paffanten, der in dieser Gegend und zu der gedachten Zeit herrscht, kein Un- glück entstanden ist. Die Ursache an dem Unfall waren die schwachen Leisten, welche außerhalb des Fensters angebracht und zu schwach waren, die schwere Spiegelscherbe zu halten. Gerickts- Leitung. Wegen fahrlässiger Körperverletzung hatte fich gestern Vormittag der Führer der Droschke 1. klaffe Nr. 170, Ernst Zühlke, vor der HI. Strafkammer des hiesigen Königl. Land- gerichts l zu verantworten. Z. ist deschuldigt, infolge Unacht- samkeit am 30. April d. Js. in der Leipzigerstraßc, Ecke der Friedrichsttaße, einen Herrn, den Restaurateur Polenz, mit seinem Fuhrwerk derartig angefahren zu haben, daß P. zur Erde stürzte und fich hierbei eine erhebliche Verletzung der Kniescheibe zuzog. Z. besttestet in ruhigen, überzeugungstreuen Worten die ihm zur Last gelegte Schuld an dem Unfall, die dem Verletzten nur allein zuzumessen sei, da er(Z.) wiederholt, im gewöhnlichen Tempo fahrend, dem auf der Sttaß« stehen- den P. durch„Hehe"-Ruhe auf das herrannahen des Wagens aufmerksam gemacht habe. P. dagegen führte an, daß Z. schnell daher gefahren gekommen wäre, und er, ehe er sich versehm, von dem Pferde umgestoßen worden sei. Zwei Zeugen, der Fahrgast des Z. und ein Dienstmann konnten nicht genügendes Materiel für die Schuldlofigltit des Z. an dem Unfall beibringen, so daß der Staatsanwalt die Fahrläsfigkeit als erwiesen erachtete und zur Ahndung des Vergehens eine Strafe von 3 Monaten Gefängniß beantragte. Der Gerichtshof betrachtete die Sache etwas milder und glaubte schon dadurch den über den Ausgang tief bewegten Droschkenkutscher an eine größere Sorgfalt beim Fahren in delebten Straßen zu mahnen, wenn er die Sttafe auf 14 Tage«du- zirte. Diese Verhandlung zeigte wieder, welch' ein schwierige« Standpunkt die Berliner Droschkenkutscher dem Publikum ge« genüber einnehmen. Bald fahren fie dem Gast zu langsam, bald der Fahrordnung gegenüber zu schnell und passtrt dann einmal ein Unfall, an dem die Passanten oft nicht ganz schuldlos find, so muß der Droschkenkutscher allein die Folgen tragen. Mosaik aus den Uebertretungkammern. Entbehren die Verhandlungen in diesen Abtheilungen des Schöffengerichts auch der bisweilen nervenerregenden und packenden Momente, welche vor den höheren Gerichtshöfen fich abspielen'und die eine eigenthümliche Anziehungskraft auf das Publikum aus« üben, so bietet ein zeitweiliger Aufenthalt in diesen Räumen immerhin einen Griff in's volle Menschenleben und zeigt deut» lich die Mannigfaltigkeit der Klippen und Sandbänke, die der Mensch bei der Steuerung seines Lebensschiffes zu beobachten und zu vermeiden hat, resp. wie leicht derselbe von der vom Gesetze vorgeschriebenen Straße abweichen kann und dem Straf- richter verfällt.— Als Erster auf der Anklagebank eröffnet ein in Ehren und Arbeit ergrauter Tischlermeister den Reigen. Bei einer Reviston, die ein Schutzmann in semer Werkstatt vornahm, will derselbe einen so großen Haufen Hobelspähne haben umherliegen sehe«, daß dadurch ein Verstoß gegen die diesbezüglichen polizeilichen Vorschriften in Betreffs der Vorfichtsmaßregeln gegen Feuers« gefahr erblickt wurde und hat die Behörde dem Meister deß« halb ein Strafmandat zugeschickt. Ich bezahle nichts, denn es lagen nicht mehr Spähnc umher, als wir gerade zum Fo urniren gebrauchten erklärt der Angeklagte auch im Termine kategorisch. In der That vermag er dies durch eine Anzahl Zeugen zu crbärlcn, er wstd fteigesprochen und mit einem ttiumphirenden Blick auf den Schutzmann verläßt er den Saal. Eine vierschrötige, resolut aussehende Frau nimmt seine Stelle ein. Sie ist Wäscherin und wie em Wachtmeister be- hauptet, hat fie fich dadurch ver gangen, daß fie mit einem großen Wäschekorbe auf dem Trottoir in der Prinzen-Alle g e gangen ist und dadurch eine Verkehrsstörung bewirkt hat. Herr Jerichtshof, von wejen den Verkehr in der Prinzen-Allee is dat so weit nich her un denn muß ick och beforwortcn, dct ick in meinem dummaliaen Zu« stand nich über den Rinnstein treten durfte un mir blos dieser- wejen so lange uf't Trittowar jehalten habe, bis ick en Neben« gang finden vhat." Diese Ausrede zog nicht, sie soll eine Mark Sttafe zahlen. Schlimmer erging es ihrem Nachfolger, einem kaum erwachsenen Burschen. Er rst Druckcrlehrling und fich einen Sonntagsgrojchen zu verdienen, hat er um ych einen sonnlagsgroichen zu verdienen, hat er ,,ge- handelt" wie er nicht sollte. An einem Sonntag Vormittag erschien er in einem Coupee 4. Klasse des Zuges, der gleich darauf nach Leipzig abdampfen sollte und bot den darin befind- lichen zahlreichen Standespersonen seine Waare— Pfeffermünz- küchclchen zum Kaufe an. Er wurde dabei ertappt und daS Schöffengericht konnte nicht umhin, die stiafpolizeiliche Ver- fliguna— 24 Mark, der Jahrcsbctrag der umgangenen Ge- werbesteuer— zu bestätigen.— Drei Schwestern, niedliche Erscheinungen, drängen fich erröthend und mit Mühe das Kichern unterdrückend, in den Anllageraum. Die Schöffen machen ein unfreundliches Geficht. Schlimmes ist eS allerdings nicht, was die drei jungen Mädchen degangen. An einem schönen Maimorgen prommirten sie im Friedrichs- Hain, die älteste war die unvernünftigstt, sie trotzte dem Ver« böte und pflückte zuerst vom Baume des Flieders, ibr folgte die zweite und die dritte ahmte den Schwestem nach Die beiden älteren sollen dafür je eine Mark Sttafe zahlen, die jüngste kommt mst einem Verweise, den ihr der Vorsitzende in möglichst milder Form ertheilt, davon.— Ein Kaufmann Lichtenstein soll am Bußtage sein Schaufenster nickt wie vorge« schrieben, während des ganzen Tages verhängt haben, der dcnunzirende Schutzmann behauptet unter seinem Eide, daß die Dienstmagd das verhüllende Tuch bereits um 8 Uhr Abends entfernt hat, der Angeklagte bleibt aber beharrlich dabei, daß eS bereits nach 9 Ilhr gewesen sei und verlangt, daß seine Dienst» magd geladen wird, um bei dieser hoämothpeinlichen Angelegenheit den Ausschlag zu geben. Das Gericht glaubt aber dem Schutzmann und Herr Lichtenstein wstd zu 1 Mark veruttheilt.— Einen schwereren Stand hat der Präsident mit dem nächsten Angeklagten, einem alten cholerischen Herrn, der einen wahren Katarart von Versicherungen über seine Lippen fließen läßt, daß man ihm grausames Unrecht gethan, als man ihm ein Strafmandat über 3 Ml. zuschickte, weil er ihm ge- höriges Stroh an einer verbotenen Stelle des Humboldthafens gelagert haben soll. Zu wiederholten Malen ermahnt ihn der Präsident, einen ruhigeren Ton anzunehmen, aber erst durch die Androhung sofortiger Verhaftung gelingt es dem aufge- regten alten Herrn, in ruhigere Bahnen zu lenken. Die Ver« Handlung muß aber doch schließlich vertagt werden.— Hierauf haben fich einige grobe Unfuganstifter zu ver« antworten; in diesen Fällen hat die beantragte rich- tcrliche Entscheidung selten einen Erfolg, denn das das alte Sprüchwort—..Mitgefangen, mitaehangen"— findet häufige Anwendung. Eine nickt geringe Anzahl von Straf« Mandaten wegen souveräner Nichtachtung von Bedürfniß- anstaltcn unterliegt der richterlichen Entscheidung und in bunter Reihenfolge wechseln,„verbotenes Teppichausklopfen auf dem Balkon",.Hinwerfen von Kirschenkernen auf das Straßen- Pflaster",„Nichtanmeldung eines Schlafburschen",„Ueberttetung der Polizeistunde" u. s. w u. s. w. bis endlich mit Erledigung der letzten kleinen Sache dem Rlchterkollcgium die freie Stunde schlägt._ Arwilerbew-glmg, Pereinc un« Persummwnge». #0# arbeitcr-Vereinikung erledigt wird und es nicht wiinschenswerth erschien, neben dieser noch einen Lrtsvcrein in Berlin zu schaffen, so wurde von einem Anschluß an den Verein vor der Hand Abstand genommen, derselbe aber als Bundesgenoss zur Ver- fechtung der materiellen Interessen, der Textil- Arbeiter sympathisch begrüßt und beschlossen, denselben nach Kräften zu unterstützen und zwar bis auf Weiteres durch einen monatlichen Bestrag von 10 M. und weiteste Verbreitung des Fachorgans. Einen wetteren Punkt der Verhandlungen bildete die Stellung der umliegenden Ortschaften Berlins zu der gegenwärtigen Lohnbewegung innerhalb der Weberbranche. Behufs Be- seitigung der schädlichen Konkurrenz der Umgegend Berlins und Erzielung eines gleichen Lohnsatzes hatte die Allgemeine Stuhlardeiter-Vereinigung eine lebhafte Agitation entfaltet und nackLStrausberg, Bernau, Nowawes:c. Dclegirte zu Agitations- zwecken gesandt, welche, ihren Berichten zufolge, überall einen fruchtbaren Boden gesunden haben und die Geneigtheit, mit Berlin Hand in Hand zu gehen. Die einzigen Schwierigkesten macht z. Z. Nowawes in Folge der dort herrschenden Feind- schaft zwischen Jnnungs- und nicht Jnnungsmeistern, doch hofft man auch hier bald eine Einigkeit zu erzielen. Zur An- vahnung derselben findet am 12. August dortselbst eine Ver- sammlung statt, zu welcher auch die Allgemeine Stuhlarbeiter- Vereinigung 2 Delegitte entsenden wird.— Das Stiftungsfest wird auch m diesem Jahre gefeiert werden. I« der öffentlichen Versammlung der Vauanschläger, die am Montag unter dem Vorsitze des Herrn Krause, Kom- mandantenstraße 71 stattfand, berichtete Herr Baumgarten den Stand des Streiks betteffend, daß die Kollegen, welche den Muth gehabt habm, ihren Arbeitgebern die Formulare, welche den Lohntarif der Arbester enthalten, zur Unterzeichnung vor- zulegen, dies fast ,in allen Fällen mst dem gewünschten Er- folge gethan haben. Die Zahl der Streikenden betrage zur Zeit nur 15. Wenn alle Kollegen, welche die im Lohntarif festgc- setzten Preise noch nicht erhalten, in der gegenwättigen Zeit, «0 die Arbeit der Bauanschläger stark gesucht sei, die von allen Schlossermeistern, auch von den zur Innung gehörenden, als gerecht und billig anerkannten Forderungen mannhaft geltend machen wollten, so würde der Streik bald glücklich beendigt sein. In der an den Bericht fich anschließenden Tiokusnon wurde zur Erklärung der Thatsachc, daß von den 200 ausgegebenen Formularen bis jetzt nur 15, von Arbeitgebern unterzeichnet, an die Lohn-Kommisfion zurückgegeben worden find, darauf hingewiesen, daß die Kollegen, welche schon höhere Löhne, als die im Tarif auf- geführten, erhalten, selbstverständlich den Arbeitgebern das Formular nicht vorlegen, und daß von den Arbeitgebern viele, welche die dem Tarif entsprechenden Löhne zahlen, aus Eigen- stnn oder auch, um für die Zukunft nicht gebunden zu sein, die Unterzeichnung des Formulars verweigern. In Rückficht darauf, daß der Vorstand der Schloffer-, ____„1____________.,.. �Innung vor Kurzem in einem Schreiben an die Lohnkommisfion erklärt hat, daß sie die Forderungen der Kommisfion nicht anerkenne, und jetzt in Zeitungen berichtet wird, daß die Innung mit dem Lohntarif der Kommisfion einverstanden sei, wurde beschlossen, alle Schlossermeister zu der nächsten öffentlichen Versammlung der Bauanschläger emzuladen. Die dann folgende Besprechung des„Helferthums" führte zu dem Ergebniß, daß das Helfer- thum, insoweit dasselbe einem Gehilfen die Gelegenheit giebt, die Arbeitskraft seiner Kollegen auszubeuten, verwerflich sei und beseitigt werden müsse. Der„Deutsche Verein für harmonische Lebensweise (Vegetarier-Verein)" hielt vor Kurzem hicrselbst seinen dies- jährigen, von Vegetariem aus allen Theilen Deutschlands be- suchten Vereinstag ab. Der Verein zählt nach dem Jahres- berichte 170 Mitglieder gegen 47 im Vorjahre und besitzt die vegetarische Bibliothek(etwa 700 Bände) auf dem Kon- aente. Derselbe giebt seit dem 1- April d. I. die seit 1881 bestehende Monatsschrift„Vegetarische Rundschau" heraus, die in einer Auflage von 1200 Exemplaren erscheint.— Das wichtigste Resultat der Verhandlungen, das besonders auch von allgemeinem Interesse ist, ist der einstimmig gefaßte Beschluß, einen vegetarischen Wanderredner anzustellen. Zur Aufbringung der Geldmittel zur Deckung der durch die Reisen des Wandcrredners entstehenden Kosten sollen unter den Vege- tariern Sammlungen veranstaltet werden. Zum„Wander- rednerfonds" wurden von einem Mitgliede für die nächsten zwei Jahre schon je 1500 M. gezeichnet. Alles Nähere über die Propagandareisen des Wanderredners, als welcher der Be- oründer des Vereins und der„Veget. Rundschau", Herr M. Klein, angestellt wurde, wird durch die„Veget. Rundschau" veröffentlicht weiden.— Vereine aller Art(vor Allem auch in Berlin), welche ihren Mitgliedern Gelegenheit geben wollen, stch durch einen Vorttag des Herrn Klein(mst nachfolgender Diskusfion) über die Ziele des fich immer mehr ausbreitenden Vegetarismus zu unterrichten, wollen fich an den Schriftführer des Vereins, Ä. Kämmerer, Berlin, Bremerstraße 2, wenden, der auch die Vereinsfluablätter und Probenummern der„Veget. Rundschau" gratis versendet. Schließlich machen wir noch be- sonders darauf aufmerksam, daß Herr Klein für seine Vorttäge kein Honorar beansprucht und daß derselbe das Haupt- gewicht auf die nach dem V orttage zu eröffnende freie D i s- russion legt. Pieschen(Sachsen). Die erste öffentliche Versammlung des konservativen Vereins für Pieschen fand Diens- tag Abend im kleinen Saale des Deutschen Kaiser statt. Referent war Dr. med. Starke(Pieschen), aus dessen Vortrag wir hier nur eine kleine Blüthenlese geben wollen. Derselbe sagte, der Verein sei nicht gegründet worden, um eine große politische Rolle zu spielen, sondern nur, um die Schmach für Pieschen zu beseitigen, daß es bei der Wahl nicht mehr mst großen Lettern in den Zeitungen stehe mit seiner hohen sozia- listtschen Stimmenzahl. Aufgabe des Vereins sei, den Sozia- lismus zu verdrängen. Darauf folgten die asten Tiraden. Die Konservativen seien volksfteundlich, fie seien für Fottschritt, Bildung und Hebung der Industrie. Der Beweis, Ackermann's Antrag. Die Gewerbefteiheit sei nicht von Vottheil, man müsse die Regierung unterstützen, die doch der beste Freund des Volkes sein soll. Wenn gleich der Arbeitslohn vielfach in keinem Verhältniß zu den Lebensmittelpreisen stehe, so sei es doch nothwcndig, nur Schritt für Schritt vorwärts zu schreiten und das machten die Konservativen, indem sie das Elend zu mildern suchten durch Ferienkolonien und Weihnachtbescheerungen, es sei deshalb unbillig, von den Enterbten zu sprechen, in Deutschland sei Niemand enterbt. Durch die Verkürzung der Arbeitszeit würde der Wohlstand auch nicht besser, denn viel Geld und Freiheit können die Wenigsten vertragen. Sein, des Redners, Herz schlage für die Arbeiter und er werde Alles thun, deren Lage zn verbessern. Da die Herren mit dem „warmen Herzen" nur Fragestellung zuließen, so ergriff dazu der Reichstagskandidat. Herr Kaden aus Dresden das Wort und da die Herren auf ihre Widersprüche aufmerksam gemacht wurden und in die Enge kamen, so sagte der Vorfitzendc, das geht über die Fragestellung hinaus und schließe ich hiermit die Versammlung. So befreite man fich von jeder Antwort. Viel Glück scheint der hiesige konservative Verein mit seinen Rednern nicht zu haben, nach Herrn v. Mangoldt Herrn Dr. Starke, der seinen 20minutigen Vortrag noch ablas. In einem Arbeiterort, wie Pieschen, verlangt man eben ganz andere Votträge. D-r Fachverein der Schlosser Hamburgs hielt am Dienstag, den 22. Juli er. in Tütgcs Ctabliffements seine halbjährliche Generalversammlung ab, welche von ungefähr 100 Personen besucht war. Auf der Tagesordnung stand: 1) Halbjährliche Abrechnung; 2) die statutengemäßen Neuwahlen des Vorstandes, der Revisoren u. s. w.; 3) Statutenände- rungen. Vor Eintritt in die Tagesordnung thelltc der erste Vorsitzende mit, daß seit der letzten monatlichen Mitglicderver- sammlung zwei Vereinsangehöttge gestorben und bereits beer- digt seien, nämlich das Mstglied Tedler und der zweite Vor- fitzende Naumann. Wester wurde noch der Todesfall des Frl. Lahmann erwähnt. Das Andenken an diese drei Verstorbenen wurde durch Erheben der Anwesenden von ihren Sitzen geehrt. Sodann ward zur Tagesordnung übergegangen. Zum 1. Punkt bettchtet der erste Vorfitzende, daß die Abrechnung verschiedener Gründe halber nicht stattfinden könne, daß fie aber in der nächsten Mitgliederversammlung bestimmt vorgelegt werden würde. Daraus ward zu den Wahlen geschtttten und zwar zunächst zur Wahl eines 1. Vorfitzenden. Nach verschiedenen Vorschlägen und Ablehnungen wurde ein Antrag angenommen dahin gehend, diese Wahl zu vertagen bis zum Schluß der Vorstandswahlen. Es wurden dann gewählt zum zweiten Vorfitzenden: Herr Sievers, zum ersten Kasfirer: Herr Voß und zum zweiten Herr Baum- aattner, zum Schriftführer Herr Külsen, zu Beifitzern die Herren Krause und Vogt. Bei der darauf folgenden Wahl zum ersten Vorsitzenden wurde Herr Gentsch mit bedeutender Majotttät wiedergewählt und nabm derselbe das Amt wieder an. Weiter wurden gewählt zu Revisoren die Herren Haushan, Merkel und Brummerstedten, zu Vettammlungs-Kontroleuren die Herren Algrünen, Martens, Firnis und Holste und zu Kontroleuren des Arbeitsnachweises die Herren Voß II., Grüne, Hoppe, Krause II., Mietsch, Schweppendick und Schultz. Damit waren die Wahlen und somit Punkt zwei der Tagesordnung erledigt. Da aber mittlerweile die Zeit vorgerückt war und Punkt drei doch nicht vollständig mehr erledigt werden konnte, so wurde beschlossen, diesen Punkt auf die Tagesordnung der nächsten Mitgliederversammlung zu setzen. Eine Frage aus der Versammlung an den Vorstand, welche Schritte in Folge einer früheren Aufforderung betreffs der Zenttalisation bereits geschehen seien, wurde vom ersten Vorfitzenden dahin be- antwortet, daß eigentlich Positives darüber noch nicht zu sagen sei, weil die Sache bis jetzt noch in der Luft schwebe, fie würde aber in der nächsten Versammlung wieder auf die Tagesordnung kommen. Wilhelmshaven. 25. Juli. Die Vorstände der Zentral- krankenkassen in unserer Stadt und den umliegenden Orten geben sich alle Mühe, die lässigen Arbeiter aufzurütteln, damit dieselben fich ihrer Pflicht bewußt weeden. Auch die hicfige Polizeiverwaltung beginnt mit der Aufnahme der versicherungs- Pflichtigen Personen, um dieselben der Zwangskrankenkasse zu- zuführen. Jetzt ist es noch Zeit, fich darüber klar zu werden, was die Arbeiter zu ermatten habm, welche schließlich zum Beittitt in die Gcmeindekrankenkaffe gezwungen werden; die- selben werden es später bitter bereuen, fich des Rechts, selbst mit zu berathen und zu beschließen, verlustig gemacht zu haben aus purer Nachlässtgkeit. Aber auch die kleineren Krankenkassen in unserem Orte solltm mit der Berathung beginnen, ob es nicht besser sei, fich den großen leistungsfähigeren Zentralkassen anzuschließen, so lange es noch möglich ist. Es wäre dies jeden- falls vottheilhaster, als wie noch einige Jahre fottzuvegetiren und dann doch zu Grunde zu gehen. Das weitere Fottbeß ist für diese kleinen Kassen für die Zukunft sehr erscbrreil mal wenn der Plan der hiesigen Ottsbchördc, daßdieimo burgischen Gebiet wohnenden Arbeiter abgelöst werden s» zur Ausführung kommt. Man bedenkt vielleicht nicht, n* eine Verantwortung ein dermaliger Beschluß in fich f® alte seit Jahren zahlende Mitglieder der Wohtthat der ßt»: Versicherung damit verlustig zu machen. Wo sollen dam über 45 Jahre alten Arbeiter aufgenommen werden? werden bei Krankheitsfällen der Armenkasse zur Last falle aus dem Grunde, weil man in gewissen Kreisen den! und Hochmuth besitzt, weil noch ein kleines Vermötzo Händen ist, nun glaubt, es durchsetzen zu können, dte I Kassen aufrecht zu erhalten. Die Parole eines jede» ständigen müßte doch unter diesen Umständen sein, so wie möglich den Anschluß an eine Zentralkrankenkasse zuführen. Wilhelmshaven, 25. Juli. Die hiesige Filiall Zentralkrankenkaffe der Metallarbeiter, welche am Dienstag eine Versammlung abgehalten hat, zählt gegen» schon 23 Mitglieder, und ist es recht erfreulich, daß jstt die in Prioat-Wettstätten Arbeitenden anfangen, sich � interesstren. Hoffentlich wird recht balv das erste Hund« Mitglieverzahl erreicht.— In der in voriger Woche abgei� Versammlung der Schuhmacherkrankenkasse ist der AnW die Wilhelmshavener Ortskaffc abgelehnt und beschlösse« den, als eigene Kasse fortzubestehen., Crimmitschau, 28. Juli. Heute ist hier wieder ein' ausgebrochen, nachdem in sieben Spinnereien die Drfi Werfer, Wolfer und Andrehcr:c. die Arbeit eingcstelll Die Strikcnden fordern theilweise Verminderung der zeit, theilweise Erhöhung des Lohnes. Auch in zwei reien der benachbarten Dörfer Wahlen und Neufin' Arbeit eingestellt worden. Der Arbeiter-Bezirksverein des werkthätigen der Schönhauser Porstadt hält heute Mittwoch, den eine außerordentliche Versammlung bei Meister. S' Allee 161, Abends halb 9 Uhr ab. T.-O.: 1) P Herrn Stadtverordneten Fritz Görcki. 2) Vers< 3) Fragekastcn. Um zahlreiches Erscheinen wird geb haben Zuttitt. Der Fachverein der Tischler hält heute Mitt 30. d. M-, im Vorstädtischcn Kasino, Ackerstraße 144, sammlung ab, mit der Tagesordnung: 1.„Die was strebungen der Fachvereine. Referent Herr Meißner, schicdenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglied» willkommen. m. Der Arbeiter-Bezirksverein der Friedn veranstaltete am Sonntag, den 27. Juli, eine Landpan Lichterfelde. Die Betheiligung hieran war eine wahw raschende, dieselbe fand nicht nur von allen Milglie Vereins, sondern auch von einer großen Anzahl Freu Anhängern desselben statt. Zunächst kehrten die Ausffi Restaurant Sense ein, um sich bei allgemeinem Kaffe» der fröhlichsten Stimmung zu ergehen. Hieraus meiner Aufbruch nach der nahe belegenen Wiest,, Spiele für Groß und Klein entntt wurden und als spö* zur Heimfahtt crmahnt wurde, konnte man es den P Gefichtem ansehen, daß die Zeit der Erholung viel fi dahingegangen sei. h den .°uf das Neueste Nuckrickteu. Pari», 28. Juli, Nachts. Von heute früh heute Abend starben in Toulon 3, in Marseille 5 der Cholera. In Arles find von gestern Abend Abend 6 Personen der Cholera erlegen. d/'w -«fe Iii d-r »$08 Febet v «stumerfi 4. ffteffe 170. Königs. Preuß. Lotterie. ._. Lt-Hung vom»9. 3ull 188*. fc•etthme aber 81« M-ri jtni btn betteffcnfcu Nu Rar U*•etthrae Uer Ä1Ä Mari flnb den betreffenden Nummern in Parenthese belgesügt sOhne Äewähr.s s m« g W K is a«Mäs.r&Ma: 102 74 11500] 88 97[300) 378 99 418 21 62 75 78 788 90 801 S« MÄ« M» KT 5,6 ###= tfernämmmmmi 103.. 353774 502'606'747 902 21 Ä 31 50 51 88 94 WWDW I Tm 3? S? IfÄiSä 57 im wmmn« 738 823 953 8*180 83 88082 133 41 42 86 230 338 462 512 94*605 210[5501 22 437 74 565[3001 76 97 710 96 208 19 ™ 1 1 306 � 914 17 56* 533 40 71[550] 9C %%% 80 609 26 79 87 97 932 33 660 55 45219[300] 30 48 304 26[560] 429 699 612 74 705 13 40 43 867 WMWWU M»«An i« 115_____ 60[1500t 351(3001 79 419 54i 52 477 60032 114 207 49 99 326 55 64 403 [300] 29 .K at: n Erru m ##### 68009 40 48 66 13000) 71 219 11500] 301 429 46 666 610%% SjfQfl 710 41 826 89[300] 931 52 80 50003 20 80 126[3001 74 n sieht l 57 75 83 92 502 42 92 604 752 92 814 904 20 76 84 97_ st d «0009 14(15001 18 48 51 15501 72 139 58 73(3001 0?%»%, i �aiottt, 517 63 637 58 67 73 716 64 97 858[1500] 908[3000] 14 f"1 17[1600] 323 76 432 518 93 660>550] 92 719 82 99 K18 8» M,..% j�Ottb dar.' 456 602 8 26 131 232 48 53 908 37(3001 88______ I____ 719 91[300] 821 26 910 55 86 g# 76023 13001 63 131 40 22S 80 331 13001 33 67 419 3* 5»; 2» WML Mth...�a n ■eilte nun IM seitherig lWßWWW 68 89 efelÄuaw) 65 73*lre 4�6*9* Theater. Mittwoch, den 30. Juli. Di« Sönigl. Theater find der Fetten wegen geschloffen. Deutsches Theater: Geschloffen. »eaes Friedrich> Wilhelmst. Theater: Fatinitza. vallner- Theater: Hotel Blancmignon. Vfteud-Theater: Das Stieflind des Proletariers. Beve-Allianee-Thcater: Die Waise aus Lowood. Löaltmlla- Operetten- Theater: Nanon. tuisenstädtischet Theater: 90. Opern-Borstellung: Norma, Oper in 4 Akten von Bellini. Bellealliance-Theater: Die Wllden. Arbeitsmarkt. 5« geübte Häcklerinnen auf Wollen.Tücher verlangt ( u ch h o l z, Kolbergerftraße 10, 2 Tr.[484] Der Ärdeiter-Sezirksverein des werkth. Volkes der Schönhauser Vorstadt- m] SÄ"ÄÄIÄÄ!%%% Sf MäSAMR# Allen meinen Freunden und Bekannten vünktlicher Besorgung das..Berliner Poltsv' Max Kirsel'» Zeitungsspediteur. Britzerstr. trete« ... H Soeben ersebieotv' Durch Nacht zum Licht. Von Karl Froh�' Ue! Das neue Unfallvtrstchtrungsgtsetz. ,i„el Zu haben in der Crpedition Ztmmersttaße 44. Verantwottlicher Redacteur«. Cronhei« in Berlin. Druck und Verlag von Rar vading in Berlm SW., Beuthsttaße 2. 90 M.! 2B. aiba> Ä im :b» en,!• mßtn im% Nitg� m 0� aben» ßrllagr im berliner Volksblatt. Mittwoch, den 30. Juli 1884. 1. Jahrgang. 3973|j (ferii» xrto*i n 38 Hein ini. cn LH m ab Das Elend in London. L Zu diesem schon so oft behandelten traurigen Kapitel Mrlen neuerdings die„Historisch-Politischen" Blälter folgen- M Beitrag: _ Wenn ein Fluch den andern zeugt, wenn Sünde wieder j�ünde gebiert, so ist das schrecklichste, beweinenswertheste Opfer Wer sicherlich die unschuldige Kinderwelt, welche physisch der «erkrüppelung oder dem Blödsinn und moralisch der Ver- Wrung und Korruption anheimfällt. Es ist vielleicht das «aurigste Blatt in der Geschichte des Elendes, die wir zu »bleiben haben. Denn der Anblick gemordeter Unschuld stößt JW nicht bloß Schauder ein, weil der eisige Hauch des Sün- Mrostes mit grausamer Vorliebe gerade die jugendlich zarten Mhlingslnospen unschuldiger Kinderherzen knickt und tödtet, Wern auch, weil für lange Zeit alle Hoffnung auf gesunden W wuchs ebenso gründlich zerstört ist. Was für eine Genera- M wächst denn unter den geschilderten Umständen in den �»doner Arbeiter- und Armenviertcln heran? Kaum andere -x nur zwei Klassen: entweder Kretinen, Idioten, Krüppel, Merköpfe, oder Diebe, Schwindler, Bösewichtcr, zu jeder Mandthat fähige Buben, eine ergiebige Zukunftsbeute der Mrchje. In der That wirkt der Alkoholismus schon aus Wologischen und psychischen Gründen in der verderblichsten Mse auf die sittliche wie körperliche Qualifikation der Nach- Mnenschaft ein. Krüppelhafte Konstitution und geistiger T�dsinn sind die Brandmale, welche trunksüchtige Eltern dem Brenneisen des Lasters auf die unschuldige Stirne (W Kinder brennen.„Die elenden, krüppelhaften, mißge- "steten Kindcrobjekte" schildert Sims seine Beobachtungen, iche man in diesen Hütten trifft, bilden die peinlichste, 'erzlichste Seite unseres Auskundschafts- Materials. Die le der Grafschaften sind angefüllt mit armen Idioten und nsinnigen, die ihr unglückseliges Loos der Sünde ihrer i-L-u verdanken und die Steuerkraft ist durch den Unterhalt blödfinnigen Nachkommenschaft der Trunksucht auf's "■erste belastet". Ist der Fluch der Trunkenheit schon groß pug, welchen die Kinder schon sozusagen mit aus die Welt Merr, so wird er noch größer, wenn wir verblendete und '' e Mütter ihren Kleinen das brennende Gift noch eigen- � einschütten sehen. Auch die zarte Kinderwelt wird ms Wirthshaus geführt, ja sogar auf den Armen hin- «"ragen. So wird denn das Wirthshaus lhatsächlich auch B Brutstätte des Lasters, zur Schule aller Schlechtigkeit. ™r werden sie zur Trunksucht angehalten, hier werden sie Mnenttich zum Diebstahl abgerichtet.„Kinder, die kaum laufen ,"nen", heißt es im öfter zitirten anonymen Bericht,„werden ff"1 Stehlen angehalten und kommen sie von ihren täglichen ?ubzüaen ohne Geld oder Geldeswerth heim, so werden sie �»armherzig geschlagen. Wird sich unter solchen Auspicien M Jemand wundern, daß es in London beständig an K WO gewerbsmäßige Diebe gicbt, daß förmlich organifirte bcsbanden, wie die berüchtigte Bande der„Forty thieves" abgelegenen Straßen zur Nachtzeit unsicher machen, daß lubanfällc besonders gegen Fremde bei Hellem Tage nicht 'n in London vorkommen? h., noch ist des grausamen Spiels nicht genug. pausende hülfloser armer Kinder erfahren den Fluch der elter- jjen Trunksucht zum großen Theil auch dadurch an sich, sie grenzenloser Verwahrlosung und unheimlicher Verein- ung unbarmherzig überlassen sind. Es ist ein offenes Ge- "uiß, daß im Winter wie im Sommer hunderttausend unter scchszehn Jahren unbeaufsichtigt, unbeschäftigt r® verlassen, wie wilde Pferde, in den Straßen von London Mmlungem, ihren Hunger mit den halbfaulen Abfällen ifcMid, welche auf den öffentlichen Verkaufsstellen von den >en der Lbst- und Gemüsehändler fallen. Ebenso unbe- ist es, daß diese verwahrloste Jugend ohne Eltern und 'Oer in ungleich größeren Dimensionen anwachsen würde, crregr- 'ippart Ladur und Käthe. Eine Episode aus dem vorigen Jahrzehnt. Von Alphonse Daudet. i�siadur-ben.'Keriffa, Feldwebel im afrikanischen t h war schwerverwundet nach der Sägemühle von �,«auerbach im Elsaß gebracht worden; fünf lange Wochen besinnungslos und von heftigen Fiebem heimgesucht, Leben und Sterben. Nach seinen Phantasicen zu °?n, glaubte er sich zuweilen im wilden Schlachtgetümmcl !»nden auf den Flachsfeldern und Hopfenplantagcn bei L�nburg. zuweilen aber auch unten in Algerien, seiner Ä. im Hause seines Vaters, des Ka>d von Matmatas. , Endlich schlug er wieder die Augen auf. und nun sah er " seinem Erstaunen in einem großen Zimmer, an dessen große weiße Vorhänge den Sttahlen der zuweilen ' grauen Wolkenmaffen hervorlugendcn L-onne den Em- �erwehrten. Vor dem Fenster streckte ein mächtiger Baum Isiünen Aeste und Zweige in die Lust. An dem Bette .i�.'°ß eine aufmerksame, stille Krankenwärtcnn- keine Schwester, wie man sie sonst in den Lazarethen ltfiy«ie trug kein silbernes kreuz am Hals, keinen Jtosen- M' ■3 cllt�l 4 k i4t- Ä Ä n .und Schleier, L'afür fielcn"a�er''ein Paar prächtige, lange �vie auf ihr sammtnes Mieder herab. 4«en ertönte der Ruf:„Käthe! Käthe!" dann erhob k v�ifäbcfjcn auf den Fußspitzen, schlich leise hinaus, und Verwundeten war es ein Genuß, der auS emem Neben« j» h,, �übertönenden wohlklingenden, iugendftlschen Slunme %%% SÄ finv.."sie-1'■[t krank gewesen, und auch ch in die Länge, K»bia''5k Familie' sorgte unermüd KW agen werde � ging er MÄWWWS gctra' wenn nicht der Tod, nicht so fast ein Würgengel als ein will- kommener Befreier, schon unter den Säuglingen gewaltig auf- räumte und sie vor einem menschenunwürdigen Lebensschicksal gnädig bewahrte. Zu Tausenden werden die Säuglinge der Armen von Hunger, Kälte und Darbung jeglicher Art vahin- gerafft, während andere an„Baby-Farmers" und„Child Adopters" von ihren Eltern verkauft und bei guter Gelegen- heit zu„Engeln" gemacht werden- Würde in dieser Weise der erlösende Tod die Reihen der armen Kinder nicht so stark lichten, so würden sie nach dem Ausdruck Greenwoods aus dem Boden heraus wachsen,„wie Kaninchen in einem stillen Gehege und würden so massenhaft unsere Straßen durch- schwärmen, daß wegen der Ucbervölkerung sich die Nothwen- digkeit der Einbringung einer Parlamentsakte ergäbe, welche im Anschluß an das letzte Hundeaesetz gegen das Sttomer- thuin von Kindern, die ohne Maulkorb in den Straßen herum- laufen, sich wenden müßte." Während so die Schwächeren im bitteren Kämpfe ums Dasein schon frühzeitig erliegen, gehen die Ueberlebenden, die sich nicht immer als survival of the fittest kennzeichnen lassen, einem so pesstmisttschen Lebensschicksal ent- gegen, daß es fraglich erscheint, ob einer so unglückseligen trau- rigcn Jugend der Tod überhaupt nicht vorzuziehen jei. Die Aussetzung von Kindern auf dem Taygetus nach spartanischem Rezept war ohne Zweifel ein Verbrechen, daß nicht einmal die Autorität eines Lykurg zu heiligen vermochte; aber ob es nicht ein größeres Verbrechen sei, Hülflose Kinder jahrelang mit quä- lcndcm Hunger zu foltern, mit langsamen Todesqualen zu martern, steht noch sehr dahin.„Das Kinderelend, welches man erblickt", wird uns gesagt,„ist das am meisten herz- zerreißende und erschreckende Element bei diesen Ent- deckungen und dabei ist gerade der Fluch nicht der ge- ringste, den die Kinder aus dem Laster ihrer trunksüchtigen und ausschweifenden Eltern ererbt haben und welcher sich in den verkrüppelten, ungestaltenen und oft widerlichen Gestalten ausprägt, die man in diesen Oertlichkeiten durch die Bank antrifft. Vom Anbeginn ihres Daseins werden sie äußerster Vernachlässigung heimgegebcn. Ihre Leiber und Lumpen wimmeln von Ungeziefer; der grausamsten Behandlung find sie ausgesetzt; manche von ihnen haben niemals ein grünes Feld gesehen.! wissen nicht, was es ist, bis auf die nächst be- nachbarten Straßen zu gelangen und verbringen oft ganze Tage hin ohne einen Bissen Brod." So viele Kinderqualen, so viel Schmerz, Elend und Hunger, so viele Leiden unschul- diger Geschöpfe bilden eines der schwierigsten und ernstlichsten Probleme der Philosophie, welche ohne Berücksichtigung der christlichen Weltanschauung über die Natur und Tragweite des Uebels allerdings nur allzugern im Schopenhauerschen oder Hartmannschen Pessimismus stecken bleibt. hatte, dankte ■«raSSSSt'Sr. L o k a r e s. Mord. Gestern Nachmittag 3 Uhr fand in dem Hause Rüge- nerstr. 4a eine Messeraffaire statt, die an Brutalität ihres Gleichen sucht. Ein Mädchen in den zwanziger Jahren, die sich durch Näh- Maschinenarbeit ernährt, ging um die genannte Zeit in ein vor ihrem Hause gegenüber gelegenes Posamentiergeschäft. Kaum aus dem Laden getreten, wird sie von einem Manne, mit dem, wie man sich erzählt, sie einige Zeit in einem Liebesverhältnisse gestanden haben soll, verfolgt, auf dem Flur ihres Hauses ein- geholt und hier wie noch auf der Treppe in Kopf und Hals mit zehn, zwölf Dolchstichen der Art verwundet, daß sie ohn- mächtig zusammenbrach. Wie Mittheiler dieses sich wenige Momente später[selbst überführte, ist das Mädchen so schwer gettoffen, daß sie schwerlich mit dem Leben davonkommen wird. Der Thäter soll ein in der Bcrnauerstraße wohnender Mann sein, der Frau und mehrere Kinder besitzt. Er wurde bald nach der That auf dem Gesundbrunnen verhaftet. Auf Grund der am Thatort eingezogenen Erkundigungen gehen uns noch folgende nähere Mitthcilungcn zu: Der Schlosser M i c ß n e r, heimischen bono bezeff und macach bono vermischt war. Der gute Turko war zweifellos von einem süßen Bann befangen worden. Die junge Frankin, die sich vor ihm so ftei und un- geniert bewegen konnte, wie der Vogel in der Lust, die keinen Schleier trug und deren Kammerfenster nicht mit Eisenstäben vergittert war, hatte es ihm angcthan. Wie war sie so ganz anders als die Frauen, die fern von hier in seiner Heimath ihr Leben hinter den festen Mauern des Serails verbrachten, als die kleinen Mauresken, deren Gesicht stets durch einen weißen Schleier den Augen des Mannes eifersüchtig verbor- gen wird. Käthe ihrerseits fand, daß Kadur vielleicht ein bischen zu schwarz sei, aber was wollte das im Ucbrigen sagen! Er war ja so gut, so tapfer. Nur eine Sache machte ihr wirklich Kopfschmerzen— da unten, in Algerien, sollen die Männer, wie man ihr erzählt hatte, immer mehrere Frauen haben. Käthe wußte gar nicht, wie das möglich sei, aber bedenklich blieb der Punkt immerhin. Es schien an dem, was sie gehört hatte, auch etwas Wahres zu sein, denn mehr als einmal hatte schon Kadur, wenn er sie ein wenig necken wollte, gesagt: „Kadur bald heirathen! Er nehmen vier Frauen! Pier!" Käthe war dann jedesmal in Zorn gerathen:„O, dieser ab- schculiche Kadur! Dieser Heide!" Dann begann wohl der Türke zu lachen— herzlich und lustig wie ein Kind; plötzlich aber wurde er wieder ernst. Still und schweigsam saß er dann vor dem jungen Mädchen, und er sah sie mit so großen Augen an, daß man hätte meinen mögen, er wolle sich die Züge ihres Antlitzes für alle Zeiten einprägen- So begann die Liebe zwischen Kadur und Käthe. Als Kadur vollständig genesen war, kehrte er zu seinem Vater zurück, und man kann sich denken, wie seine Heimkehr gefeiert wurde, und welche Feste ihm zu Ehren in Matmatas und seitens des ganzen Stammes veranstaltet wurden. Mit Flötenspiel und Trommelwirbel wurde er eingeholt- Als der alte Kaid, der vor der Thüre saß, von Weitem den schon todt- geglaubten geliebten Sohn herankommen sah, da begann er vor Aufregung zu zittern. Einen Monat lang dauerten die Festlichkeiten; ununterbrochen reihten sich die Drffas und Fan- tastas aneinander, und der ganze Tribus nahm an ihnen Theil. Die Kaids und Agas der benachbarten Stämme stritten sich rim die Ehre, Kadur-ben-Keriffa als Gast bei sich zu sehen, und an jedem Abende konnte man ihn im maurischm Kaffeehause von seinen Abenteuern erzählen hören, und von den Schlachten, bei denen er ins Feuer gekommen. Es half alles nichts. Alle diese Ehrenbezeugungen, alle diese Festlichkeiten konnten Kadur nicht glücklich machen. Im Hause seines Vaters, wo ihn alle Gegenstände an die Kindheit erinnerten, wo er alles hatte, was sonst sein Herz begehrte Pferde, Hunde und Waffen, fehlte ihm eines— nämlich das fröhliche Plaudern, das heitere Lachen Käthes. Das unausge- setzte Plappem der arabischen Mädchen, das ernst fem Herz hatte höher schlagen lassen, ermüdete und langweilte ihn jetzt. Der Duft der ins Haar der Maureskcn geflochtenen Jasmm- welcher zuletzt bei dem städtischen Kanalbau beschäftigt gewesen ist, trennte sich im Jahre 1832 von seiner Ehefrau, nachdem seine Eltern die beiden aus der Ehe hervorgegangenen Kinder in Pflege zu sich genommen hatten, und schloß sich an die 22jährige Nähterin P e tz o l d an, mit welcher er fast 2 Jahre lang im wilder Ehe lebte. Da aber in letzter Zeit zwischen der Petzold und dem Mießner mehrfach Zerwürfnisse vorkamen, so ttennte sich die P. vor etwa 3 Wochen von Atießner und quartirte sich bei einer Frau in der Rügenerstr. 4a ein. Mießner verfolgte hierauf dieP. fort- gesetzt mit Anträgen, daß sie zu ihm wieder zurückkehre, aber die P. wollte hiervon nichts wissen, und in den letzten Tagen kam ihr zu Ohren, daß M. Drohungen gegen sie ausgestoßen hätte, die einen Gewaltstrcich erwarten ließen. Gestern Nachmittag vor 4 Uhr begab sich die P. aus ihrer Wohnung nach einem vis-ä-vis gelegenen Posamentierladen und bemerkte dabei den M. am Fenster eines in der Nachbarschaft befindlichen Schank- lokals, welcher drohende Blicke nach ihr richtete. Die P. er- zählte, am ganzen Leibe zitternd, ihr Begegniß der Posamentier- händlenn, und sprach die Befürchtung aus, daß M. sie zu tödten beabsichtige. Zu ihrem Schutz ließ die Posa- mentierhändlerin die Wirthin der P. herüberholen, und in der Begleitung der Wirthin trat die P. den Rückweg nach ihrer Wohnung an. Als sie sich mitten auf dem Stra- ßendamm befand, sah sie ihren ehemaligen Liebhaber M. aus einem Nachbarhausc mit seinem Taschenmesser in der Hand hervortteten und von M. verfolgt, lief sie hülferufend in das Haus Rügenerstraße 4a. Aus dem ersten Treppenabsatz wurde sie von M. erreicht, der fortgesetzt mit dem aufgeklappten Ta- schcnmesser wie ein Rasender in den Hinterkopf und Hals der P. stach, bis sie auf der Treppe niedersank. Hierauf ergriff M. die Flucht und entzog sich dadurch seiner sofortigen Ergreifung. Die P. erhob sich trotz der zahlreichen und tiefen Stiche im Kopf— es wurden über 20 Verletzungen festgestellt— von der Treppe und lief die erste Treppe hinauf, wo sie aber besinnungslos zusammenbrach. Nachdem ein Heilgehilfe ihr die ersten Nothverbände angelegt hatten, wurde sie nach dem Lazaruskrankenhause gebracht, woselbst sie in Folge der Ver- letzungen nach wenigen Stunden starb. Mießner wurde gegen Abend am Gesundbrunnen von einem Schutzmann betroffen und festgenommen und in der Nacht nach dem Kriminalkom- missariat gebracht, woselbst er eingeräumt haben soll, daß er die P. in der Abficht verfolgt habe, um sie mit seinem Messer zu tödten. P. ist heut in die Untersuchungshaft nach Moa.bit gebracht worden. N. Eine Messeraffaire spielte sich gestern Abend in der 12. Stunde in unserem Nachbarort Rixdorf und zwar in der dottigen H:rmannstraße ab. Ein Zimmermann H. war dort mit anderen Arbeitern in einen Streit gerathen, in dessen Ver- lauf einer seiner Gegner ein Messer hervorzog und es dem H. mit einer solchen Gewalt in den Unterleib fließ, daß der Ge- troyene ohnmächtig zusammenbrach. Auf die Hilferufe des Verwundeten eilten Bewohner herbei, die den Mefferhelden festnahmen und in das Amtsbureau schafften. Hier wurde der- selbe als ein„Arbeiter" Martin rekognoszirt und sofort ver- haftet. g. Eine tumultarische Szene, bei der es zahlreiches Blutvergießen gab, spielte sich am Sonntag in den frühen Morgenstunden von 4 bis 5 Uhr in der K a st a n i e n- Ä l l e e ab. Eine große Anzahl von Personen war von einer an- scheinend durchschwärmten Nacht auf dem Nachhausewege be- griffen, als sie an der Ecke der Oderbergerstraße mit einer Rotte von sogen. Zuhältern in Streit genethen, der bald in arge Thätlichkeiten ausartete, ssieben dem Stock und dem Schirm war es wieder das Messer, mit dem sich die Parteien bekämpften. Diese Schlägerei zog sich von der Oderberger- straße bis zur Danzigerstraße hin, wie auch die zahlreichen Blutungen beweisen. Erst hier(Ecke der Kastanien- und Schönhauscr-Allee, dem sogen, dreieckigen Hut) hatte der blutige Kampf sein Ende erreicht und die Zayl der Blessirten an dem blüthen hatte für ihn nichts Berauschendes mehr, und die Beinkleider aus rother Seide mochte er gar nicht mehr sehen. Was kümmerte er sich um Perlenketten, um Gazeschleier und Blumen, er dachte immer und immer an zwei prächtige Zöpfe, die im Sonnenglanze wie aus Goldfäden geflochten erschienen, und die er so oft in einem elsäsfischen Gärtchen bewundert hatte. Wenn Kadur nur gewollt hätte—! Im Hause des Aga eines benachbarten Tribus sahen hinter einem vergitterten Fenster zwei glänzende schwarze Augen begehrlich auf ihn, sobald er sich zeigte— aber Kadur wollte von diesen Augen nun ein- mal nichts wissen. Woran er stets dachte und wovon er bei Nacht ttäumte, das war der helle, fteundlichc Blick Käthes, mit dem sie damals schnell im Zimmer Umschau zu halten pflegte, ob dem Kranken auch nichts zu seiner Bequemlichkeit fehle: das waren die schönen blauen Augen, in denen sich die Lebenslust und die Fröhlichkeit des Mädchens wieder- spiegelte. Mit der Zeit konnte es natürlich nicht ausbleiben, daß der Zauber der schönen blauen Augen viel von seiner Kraft ver- lor; die Schwäche des Rekonvaleszenten, die aus ihr resul- tuende weiche Gemüthsstimmung, das milde Klima des Elsaß — sie hatten ja beigetragen zur Erweckung des zärtlichen Gefühls im Herzen des Mauren. Schließlich kam es, wie es kommen mußte— Kadur hatte Käthe vollständig vergessen. Im ganzen Gebiet des Chalif sprach man von nichts, als von der bevorstehenden Vermählung Kadurs mit Damino, der Tochter des Aga von Djendel. Eines Tages sah man eine ganze Reihe Maulesel vom Gebirge herabsteigen und den Weg nach der Hauptstadt nehmen; sie gehörten dem Bräutigam, der mit seinem Vater nach Algier gekommen war, um die Hochzeitsgeschenke einzukaufen. Wahrend des ganzen Tages gingen sie im Bazar auf und ab; hier wählten sie silbergestickte Umhänge, dort Teppiche aus Smyrna, und dort wieder Hals- ketten und Ohrgehänge aus Rosenholz. Beim Prüfen und Kaufen der prächtigen Schmucksachen, der kostbaren Stoffe und der thcuern Spielsachen dachte Kadur wirklich nur an seine Yamina. Er war wieder vollständig Orientale geworden, und zwar mehr aus alter Gewohnheit, durch den Einfluß seiner Umgebung und durch die Luft, die er einathmete, als durch Neigung oder aus innerem Bedürfniß. Als der Abend hereinbrach, wurden die Maultbiere mit den die eingekauften Schätze enthaltenden Päcken beladen und dann machte sich die Karawane auf den Heimweg. Als sie in MUsi-M ZL ZMDZW die BedauernSwefthcn'über"" die�RücksichtÄ�figke?.'%%% behandelt wurden. Viele saßen auch auf ihren Gepäckstücken ticrt befindlichen Brunnen, dessen nächste Umgebung ganz roth von Blut gefärbt war, sich von Blut Hände und Gesicht ge- säubert Ob Sicherheitsbeamte anwesend waren und eingc- schritten sind. haben wir nicht erfahren können. Nur so viel können wir mittheilcn, daß Augenzeugen versichern, Vcrhaf jungen seien nicht vorgenommen worden. a. Wegen zahlreicher Betrügereien wird von der Kriminalpolizei der ehemalige Krankenwärter Plantzen ge- sucht, welcher bis am 23. d. M. im katholischen Krankenhause als Krankenwärter funktionirt hatte und an diesem Tage sich obne die Genebmigung seiner Vorgesetzten aus dem Kranken- Hause entfernt hat, ohne wieder zurückzukehren. Planyen begab sich sodann zu einer Reihe von Personen, deren kranke Ange- hörige im katholischen Krankenhausc von ihm verpflegt worden waren und ihm aus ihren Privatverhältnissen Mittherlungen gemacht hatten. Diese Kenntnisse verwerthete Plantzen zur Vor- spiegelung verschiedener Tbatsachen, wodurch er die Angehörigen der Kranken bcwog, ihm Geld und Werthgcgcnstände zu geben. Bisher ist Plantzen nicht ermittelt- P. ist von kleiner Statur, er hat blonde Haare, einen kleinen röthlichen Schnurrbart, ein mageres Gesicht, hervortretende Augen, er hat auf beide Armen große rothe und blaue Tätowimngen mit den Buchstaben A. P. nebst Herz und Anker sowie einzelnen Figuren, welche Thiere darstellen. P. spricht den rheinländischen Dialekt. b. Ein Leichenwagen in voller Karriere, gefolgt von zwei Trauer-Equipagen, erregte gestern Abend zwischen 7 und 8 Uhr großes Aufsehen in der Rlumenstraße. Auf dem Wa- gen, der im schnellsten Tempo durch die Straßen fuhr, befand sich ein großer Sarg und in den Equipagen Herren in einem Kostüm, welches entschieden nicht mit einer Trauer-Ceremonre harmonirte. Die Leichenwagen entstammten dem Bcerdigungs- Komptoir in der Markusstraße 35. Ob hier eine Wette oder ein sogenannter„Scherz" vorlag, vermochten wir nicht zu er- Mitteln, jedenfalls aber war die Empörung, welche sich der den Zuschauern über diese Profanalion geltend machte, erne voll- ständig gerechtfertigte..„ N. Gefundene Kindeslerche. Emen Fund, der allem Anscheine nach mir einem Verbrechen zusammen hangen durfte, machte am Mittwoch der in der Marienthalerstraße wohnende Ackerpächter Wilhelm Schr. Derselbe fand, als er einen mrt Mull bcladcnen Wagen seiner Last entledigen wollte, erne rn eme blaue Schürze gewickelte Kindeslercke vor, drc bereits stark in Verwesung übergegangen. Die Mülladung hatte Sch. von dem Gründstück Wallstraße 66 zu Berlin geholt. Zwischen Hasenharde und Krrchhof. Unserer Samtats behörde, die jetzt allenthalben ängstlich Umschau halt, dürfte es kaum entgangen sein, daß die Luft in der Nähe der schwedischen Eisbahn bei der.Hasenheide mit mephitischen Dünsten erfüllt ist. In der TW ist der Boden auf jenem tiefligenden Platze dermaßen von stagnantem und stagnirendem Grundwasser er- füllt, daß er stetig naß erscheiirt und zweifellos ficberschwangere Ausdünstungen emporschickt. Die Sachlage dürfte um so be- denklicher sein, da dieses Grundwasser ossenbar mit den ,n der Nähe befindlichen Kirchhöfen kommunizirt und die angrenzenden Kasernen von den mißlichen Einflüssen bedroht sind, die ein verdorbenes Grundwasser mit sich führt. Jedenfalls sollte man davon absetzen, die Insassen derselben das Brunnenwasser, das aus so stagnantem Boden gewonnen wird, benutzen zu lassen, zumal wie verlautet, die typhösen Krankheiten in jener Gegend verhältnißmäßig häufig auftreten. Auch empfiehlt es jstch viel- leicht, an die Vornahme einer geeigneten Drainage jener Gegend zu denken. Ein Sinken des Grundwasserspiegels ist freilich nicht ohne Gefahr, noch schlimmer ist es aber, wenn das Grundwasser geradezu stagnirt und zur stetigen Quelle von aesundheitsfeindlichen Ausdünstungen wird. Die hygienische Aufgabe wäre, dasselbe in Bewegung zu erhalten und für Ab- und Zufluß zu sorgen, was bei tiefen Lagen, wie bekannt, durch Dampfkraft oder sogenannte holländische Mühlen sich unschwer erreichen läßt. GericKts- Leitung. Bezüglich der Frage der Qualifikation eines Hand- werkcrs zum Kaufinann fällte heute die vierte Ferienstrafkammer hiesigen Landgerichts i eine der Auffassung der gerichtlichen Sachverständigen entgegenstehende Entscheidung. Der Schnei- dcrmeistcr Ritter, der auf Bestellung arbeitete und seinen Kunden die Zuthaten selbst lieferte, gericth in Folge großer Verluste in Konkurs, und es stellte sich heraus, daß die von ihm geführten Bücher nicht den Ansprüchen des Gesetzes ent- spächcn und keine Ueberstcht über seinen Vermögensstand ge- währten. Als Jahresumsatz wurde ein Betrag von 21— 2o000 sie waren vollständig entmuthigt, müde und matt von der weiten Reise und genirt von der Neugierde des sie um- drängenden Volkes. Um den Leuten, die sich freiwillig in die Verbannung begeben hatten, die neue unbekannte Heimath noch ungastlicher erscheinen zu lassen, um zu ihren vielen Sorgen noch eine hinzuzufügen, senkten sich jetzt auch noch die Schatten der Nacht herab. Kadur musterte die Ankömmlinge mechanisch. Plötzlich aber schlug sein Herz höher, eine mächtige Bewegung ergriff ihn— und da ist auch eine Gestalt, die ihn so oft in fernen Träumen beschäftigt. O, er erkannte Käthes liebliche füge, ihre langen Zöpfe, ihr heiteres Lachen sofort wieder- !a stand sie neben dem alten Rippart, neben der Mutter und den kleinen Geschwistern. Alle Bewohner der Sägemühle waren hier, und der Sauerdach floß nun wohl an einem ver- lasscncn Hause vorüber. „Kadur!" „Käthe!" Er ist ganz bleich und sie— sie ist ein bischen roth ge- worden. „Kommt mit mir!" Das ist alles, was er sagte. Weshalb auch nicht? Die Besitzungen des Kaid sind so groß, da wird sich wohl ein Stückchen Land finden lassen, auf dem sich die Emigranten häuslich niederlassen können. Schnell suchte die Mutter ihre Bagage zusammen und rief die Kleinen herbei, die schon mit den einheimischen Kindern zu spielen anfingen; man setzte sich auf die Maulesel mitten zwischen die Tcppiche und Stoffe, und Käthe mußte laut lachen, als sie sich selbst auf einen arabischen Reitsessel sah. Kadur lachte auch, aber weniger laut, denn er war im innersten Herzen bewegt. Da es den Anschein hatte, als würde es in der Nacht kühl werden, so hüllte er seine Freundin in einen schönen gestreiften Burnus ein, den er von den Hochzeitsgcschenken nahm; es war ein prächtiges, reich mit Perlenstickerei geschmücktes Gewebe, und als das junge Mädchen, in den faltigen Umhang eingewickelt, unbeweglich und gerade auf dem Rücken des Maulthieres saß, hätte man glauben mögen, eine blonde Maurcske zu sehen, die ihren Schleier abgelegt hat. Kadur mochte wohl solchen Ge- danken hegen, als er sie unverivandt anblickte, und da kamen ihm allerhand Gedanken, tausend närrische Pläne. Er dachte daran, der Tochter des Aga ihr Wort zurückzugeben und sich mit Käthe zu vermählen— nur mit Käthe. Wer kann wis- sen, was einst noch geschieht? Vielleicht ziehen sie beide auch einst aus der Stadt und schlagen den Weg nach dem Lorbeer- wäldchen ein— kein Mensch wird sie begleiten— sie wird auf ihrem Maulthier fitzen und still lächeln— er wird den Zügel in der Hand halten, gerade wie jetzt. Und ganz von seinem Traume befangen, gab er das Zei- chen zum Aufbruch. Aber Käthe bat ihn mit Janfier Stimme, einen Augenblick zu verziehen. „Noch nicht," sagte sie,„mein Gatte wird wohl gleich kommen, und wir müssen doch auf ihn warten." Käthe war verheirathct. Armer Kadur! Mark ermittelt. Da Ritter, der bereits in den früheren Iah- rcn wegen einfachen Bankerutts mit 6 Monaten Gefängniß bestraft ist, die von dem Lieferanten bezogenen Waaren auf Kredit entnommen und Wechsel acccptirte, begutachten der ge- richtliche Bücherrevisor, wie der Konkursmassen-Verwalter, daß derselbe als ein Vollkaufmann anzusehen sei. Demzufolge er- hob die Staatsanwallschaft Anklage gegen Ritter wegen ein- fachen Bankerutts, weil er als Kaufmann, der in Konkurs ge- rathen ist, seine Handlungsbücher so unordentlich geführt hat, daß dieselben keine Vernwgensüberstcht gewährten. Der Staats- anwalt beantragte das Schuldig und ein Jahr Gefängniß, während der Vertheidigcr Dr. Salomon ausführte, daß die Frage, ob Handwerker oder Kaufmann, nicht nach der Höhe des Umsatzes und nach den entnommenen Krediten zu lösen sei. Der Unterschied zwischen beiden Funktionen liege viel- mehr darin, od lediglich der Handwerks- oder der Hand- werker- Betrieb vorgehcrrscht habe. Vorliegend ergebe sich der handwerksmäßige Betrieb schon daraus, daß nur auf Bestellung gearbeitet sei und den Kunden nur die Proben der daraufhin erst zu entnehmenden Stoffe vorgelegt wurden. Er beantrage deshalb die F r e i s p r e ch u n g des Angeklagten, auf welche der Gerichtshof unter Adoption der Auyassung des Vcrtheidigers auch erkannte. Derntecktes. Den neuen„Berein der Millionäre" behandeln die „Grenzboten" mit köstlichem Humor. Das Blatt schreibt: „Unterzeichnet ist der Aufruf von einer Menge schwer- w i c g e n d e r Berliner Namen; von den Herren v. Bleich- röder, Adalbert Delbrück, von Hansemann. Hcckmann, Herz, v. d. Heydt, Liebermann, Mendelssohn, Schwartzkopy, Veit, Zwicker u- f. w. Sie führen Klage darüber, daß die wirth- schaftliche Gesetzgebung ohne Kenntniß des praktischen Lebens arbeite und die Verhältnisse des Erwerbes nicht zu würdigen verstehe. Dagegen müsse geholfen werden. Das soll die Auf- gäbe des neuen Vereins sein.— Wer dem älteren Geschlechte angehört, dem fallen mitunter bei solchen neuen Vorfomm- nissen alte Dinge ein. Schon vor vierzig Jahren klagten öfters Gewerbetreibende, daß die Regierenden nicht das rechte Verständniß für ihre Interessen hätten-, Nur bewegten sich die damaligen Interessen in weit engeren Schranken. Em Vorgang der damaligen Zeit hat einen Dichter gefunden, welcher den- selben in seiner Pfälzer Mundart dargestellt hat, und die „Fliegenden Blätter", damals in ihren ersten Jugendtagen, begleiteten das Gedicht mit einer anmuthiaen Zeichnung. Eine ehrsame Bäckerzunst fand, daß„nach Billrgkeit und nach Ver- nunft" ihre Taxe zu niedrig sei. Sie ließ sich deshalb von ihrem Zunftskribenten eine lamentable Vorstellung anfertigen, worin dargestellt war, daß sie so nicht mehr leben könnten. Der Dichter läßt dann die Bäcker den wettern Hergang folgender- maßen erzählen: Wir knöcheln sieben Mann heraus, Zufällig lauter Dicke, Die gchn zum Präsident in's Haus Und rücke mit der Bittschrift'raus, Und denken's durchzudrücke. Der Präsident liest die Biltfchrift, sieht sich die Petenten an und bricht dann unwillkürlich in die Worte aus:„Euch Herren sieht man doch keinen Mang el a n." Wir schauten an uns in der Rund, Da war nit viel zu mache; Siebte Petzekerl, all kugelrund, Ein Jeder wog dreihundert Pfund, Wir mußten selber lache. Das ist die tragische Geschichte von den sieben Bäckern. Sollten vielleicht einmal die Unterzeichner jenes Aufrufs als Deputation des neuen Vereins vor unscrm Reichskanzler er- scheinen und über Hintansetzung ihrer Interessen Klage führen, so möchten wir den Reichskanzler bitten, sich doch einmal die Leute daraufhin anzusehen, ob nicht eine ähnliche Antwort am Platze wäre." Die Stellung der Neger in der Washingtoner Ge- sellschaft. In welchem Verhältniß, schreibt der Washingtoner Korrespondent eines New-Borkcr Blattes, stehen die Weißen und die Farbigen in der Bundeshauptstadt zu einander, dem Paradiese der Farbigen, unter dem Schutze der Regierung und der Partei, die sich als hohe Gönnerin der Emanzipirten gcrirt? Die Farbigen sind die Diener, die Weißen die Herren. In Hotels und Privalhäusern verkehren Farbige und Weiße wie .Herren und Diener miteinander, darüber Henaus aber steht die Scheidewand. Die geringsten, an Schulerzrehung und Manieren den Farbigen der jungen Generation weit nachstehenden Weißen dünken sich über diese hoch erhaben. Mag der oder die Farbige noch so weiß sein, so daß man nur an den Finger- nägeln erkennt, daß sie nicht frei von afrikanischem Blute,' sie sind in der Gesellschaft der Weißen verpönt, in keinem Kosthause, das nicht ausschließlich für Farbige bestimmt ist, würden sie aufgenommen werden, kern Weißer dürfte in ihrer Gesellschaft sich sehen lassen, ohne sich dem Ge- spötte seiner Mitmenschen auszusetzen.— Arn diese Weise wer- den die Nachkommen von Weißen, die noch eine Spur von äthiopischem Blut in sich haben, immer wieder unter die Schaar der Schwarzen zurückgetrieben, mit diesen sich zu vermischen gcnöthigt. Diese Verhältnisse kennend, versuchen sie es auch nicht, sich den Weißen zu nähern. Für Lohn zu dienen, ist nun einmal ihr Loos, und auch die delikatesten Dinge scheinen sie von diesem Gesichtspunkte aus zu betrachten. Eines Tropfen Ncgerblutes wegen werden die Abkommen von Weißen, gleich- viel wie gebildet sie seien, wie anständig sie sich benehmen mögen, in die Welt der Schwarzen zurückgestoßen, als Opfer unverschuldeter Verhältnisse. So äußerte sich Senator Morgan von Alabama gelegentlich der Berathung der Schulbill sehr treffend' über die Stellung der Farbigen.'„Welcher Art ist die soziale Lage der Farbigen im Distrikt Columbia, wohin der Kongreß der Ver. Staaten den schwarzen Mann aus Virginia, Maryland und Nord-Carolina herbeirief, damit er im Schatten des Kaprlols dre heiße Stirne kühle und die neugewonnene Frei- kett verehre. Dre ganze Familie, von der Frau, welche persönliche Schönheit und Grazre besitzen mag, deren Blut aber in kaum merkbarem Grade mit aftikanischem vermischt ist, bis zum ganz Schwarzen, der einen Karren über die Straße führt, ist im Distrikte Kolumbia in jeder Gesellschaft der Weißen gleichmäßig verpönt. Es ist natürlich nicht zu verwundern, da die ganze Gesellschaft der Negerraffe den Rücken zuwendet rnrd sie von jeder Verbrnduna am häuslichen Herde ausschließt, daß sie sich m polrtrschen Assoziationen und Schulen und Vereinen aller Art unter sich versammeln. Ich möchte, daß der Kongreß die- srm Volke dre Geftgenheil gebe, in ein Land zu ziehen, wo sie als Glerche ihrer Rasse anerkannt würden, wo eine freigebige Natur, deren Schatze seit Jahrtausenden der Kultur versiegelt waren, aber l-tzt durch drc Thätigkeit der Weißen allmälig der Ervilisatron erschlossen werden ihren Neigungen und Gelüsten mit liebevoller Hand vntgcgenkäine. und der Geist des Handels und des Fortschrittes Vorthette durch sie erringen könnte. Es liegt nicht in memcr Weisheit, die Rasscnbarricren zu besei- ttgen, d,e Rathsel der Natur und der Gesellschaft zu lösen."- Diese Verpflanzungsidee des früheren Sklavenelements und ihrer Nachkommen nnrd aber nie zur Ausführung kommen. Man kann Nicht 4-o Millionen von einem Kontinent zum an- deren versetzen, auch wäre so etwas aus Rücksichien der Nün- lichkeit für Amerika nicht einmal wünschenswerth, weil es keine Arbeitskraft gicbt, welche die Neger unter dem halbtropischen Himmel der Golfttaaten ersetzen könnte. Als Thomas Jefferson den Vorschlag machte, dre von jener Zeit an in der Neuen Welt geboren werdenden Afnkaner für ihre Versetzung in die Heimath ihrer Vater vorzuberetten, ihnen Ländereicn dort zu kaufen, ihnen Hütten zu bauen, sie dann hinüber zu ttansportircn und unter der Leitung von Weißen im Interesse der K ein selbstständiges Gemeinwesen bilden zu lassen; da wa« für ein so großartiges Experiment noch Zeit gewesen. Vorschläge ein Jahrhundert später, sind zu spät, und mit möchte heute der Äethiopicr ausrufen: In's hohe Meer ward ich hinausgcwiesen, Die Spiegelfluth erglänzt zu meinen Füßen Was soll ich jetzt im schwarzen Kontinent?, Es ist nicht Alles Gold, was glänzt. Die! medaillen der Amsterdamer Weltausstellung sind versendet« haben den Empfängern eine große Enttäuschung gebracht 2 sparsame Komile hat es nämlich für gut befunden, famnitii Medaillen, auch die goldenen undjichernen, in einer bii Metallkomvosition herstellen zu lassen und die goldenen „Medaille d'or", die silbernen als„Medaille d'argent zu zeichnen. Unter Eheleuten.„Bestes Männchen," schmeichelte hübsche junge Frau,„wie groß Du bist. Könnte ich doch auf einen einzigen Tag— Du sein.— Warum J Herzchen?" fragte der arglose Gatte.—„Weil ich dann N meinem süßen, herzigen Weibchen einen neuen Hut kr würde." Tableau! Verbot. Mittelst Kreisblattverfügung untersagt der rath des Kreises Wohlan in Schlesien den Gast Schankwirthen an Kinder unter 14 Jahren Spirituosen i> welcher Art zu verabfolgen, gleichviel ob dieselben im Aus Anderer kommen oder nicht. Zuwiderhandlungen werde» 30 Mark Geldbuße oder entsprechender Haft bedroht.- dem Herrn Landrath gesetzliche Berechtigung zu diesem gehen zur Seite steht, dürste billig zu bezweifeln sein. Der Familiengalgen. Eine Dorfgemeinde in 3# hatte im Mittelalter die peinliche Gerichtsbarkeit. Da sie lange keine Hinrichtung hatte vornehmen lassen, so was Galgen ganz verfallen und unbrauchbar geworden, auch Reparatur fähig. Als nun ein Straßenräuber cingeß wurde, der den Tod am Galgen verdient hatte, käme» Dörfler in große Verlegenbeit, da sie die Kosten zu neuen Galgen nicht auftreiben konnten. Endlich fiel ihnen daß nicht weit von ihrem Orte ein Galgen stehe, der nächsten Städtchen eines kleinen Fürstenthums gehörte, ohne viele Umstände hingen sie den Straßenräuber an selben auf. Die Einwohner des Städtchens aber, denen der G gehörte, waren über diese Anmaßung ungehalten und t tragten einen Advokaten, die Bauern bei dem Fürsten zu klagen. In der Klageschrift hieß es unter Anderem: Durchlaucht werden die Unrcchtmäßigkeit dieses Verfi noch besser einsehen, wenn wir versichern, daß wir den lichcn Galgen blas für uns und unsere Kinder haben.".. Im Kurort.„Aber, lieber Doktor, das Wassertr» macht mich nicht dünner. In den letzten Tagen habe i« statt abgenommen. 182 Pfund ist zuviel für eine Frau..-j fang' ich an?"„Laufen Sie, meine Gnädige, machen Su I Bewegung, das ist das beste Mittel, um weiterer Fleisch-• Fettvermehrung vorzubeugen. Sehen Sie die Bäume' Diese bewegen sich nicht und was ist die Folge? Sie ß#" immer dicker." Q Liegnitz! Die konservative„Liegnitzer Zeitung" e ,"■ Froh 'tlaudernd, dc Coupcc erwi ichicdenen Ge gemacht habei uhren. Wie letzte cingcstic ltz mehr er Freund ' Die , der 1 keifende 3 litte sich° chatten mu s erscheint lich lächelr ie Billets, (n, coupir m schwing fassen achte draußen,> brend der Mllt. Plö Rollen, über die( men, Je muß ein sn Lippe? dem Gele ffner, dei letterten ß Jen die P asch tritt 1 Gedanke ewiß, ob en Ünglü NM könne begleitet daß das diesen Bec wupiren, solches Ve der Bib i, soll ei end der ßberhaup " nicht ei es über ast mös "chaffnei mindest er es ei Zeit z Jttotnmm . Cchererei eine Preis-Konkurrenz für lokale Novellen, und zwar � eine 3 der einheimischen(Liegniyer) Literatcnwelt". Das Preislich? übel sein Kollegium besteht aus Personen, denen auch nicht der IcßJ gsssi er ein« ~ t�lt eine gi Mlhre Bec trägt— 50 Mark, der zweite 30 Mark. Der Liegnitzer Mten zu ratcnwelt soll sich nach dem Bekanntwerden dieser Pl«'� k"den, r kurrcnz eine gewaltige Aufregung bemächtigt haben. Y,£ �werben Preis von einer solchen Höhe— 16 Thaler 20 s�unglücksj W Weil Silbers' einziges Büch zu verdienen, muß selbst" Muth in der Bant des genialsten Tertianers in Spann' — für ein bringen.. Vadepoesie. Eine Badegast in Norderney schildert v führlich das dortige Badelebcn und erwähnt dabei einige poefien", die wir nachstehend wiedergeben. Aber einer der» gestrichenen Karrenwände des Damcnbades fand sich eines ges der Weltschmerz einer dichtenden Jungfrau in folge» Versen ausgehaucht: „Und bleibst Du sitzen, o Mägdelein, Denk' nicht, daß verfehlt Dein Leben. Es geben nicht alle Trauben Wein— Es muß auch Rosinen geben. Dies eine ist sicher und ganz gewiß— fä mtrfi rmhi»rä spin �— bhett ni .die ja IW Wbj SV' Wie sollt' es auch anders sein? Es schmecken alle Rosinen süß. Doch sauer ist mancher Wein!" Aber die ersichtlich mit aller, also auch mtt der Hern'» versöhnte Schreiberin hatte die Rechnung ohne eine glüa»s Mitschwester gemacht, die, vermuthlich ftisch zugezogen, Kampfeslust der großen Welt in ihren Adern fühlte; de»» nige Tage darauf stand unter obigen Versen: „Hab' Dank, es klingt der Trost so süß Dem armen Mägdlein auf Erden, Es klingt doch Eins für sie gewiß, Sie können Rosinen noch werden. Zwar wollen sie oft nicht recht gedeih'n— Und— nehmt es auf Treu und Glauben— Daß selten wohl ist so sauer der Wein, Als sauer schon waren die Trauben!" Auch das Herrenbad aber besaß seine fortlaufende V Wandkorrespondcnz. Sie begann mit folgenden in einen karren geschriebenen Versen: „Ick und mein Bruder, wir machen Beede Verse Mach' ick sc nid)', macht c r s e'." Tags darauf stand vermuthlich von der erwähnten Hand darunter: „Macht mal Dein Bruder de Verse konfuse.„ So rathe ich einfach, mein Lieber, mach' D u s e- Ein dritter setzte das Thema fort: „Ob Du oder Dein Bruder, is eene Wichse— Viel besser als Beede mach' sicher doch ick s e!" Ein Kenner jenes Dichters schrieb dazu: Tie Verse von Dir und Deinem Bruder, Die find' ich wahrhaftig unter L u d— w i g Von meinen aber melde ich ehrlich, Ich halt sie zum Lesen für lebensgefährlich I" S, Da sich wohl Niemand mehr an die Ausmalung bc, entworfenen Bildes wagte, so schloß der schöne Verswe-vst' gcndermaßcn: �Dic Verse fürs Leben gefährlich?- O. nee-. Dodj vielleicht kriegt ein Schwacher die Krankheit dcr� H kßsein Sängerkrieg in Norderney ging den«"- 1 m-rhr i vei , der alten "nZi! tth u # Einigte B J ltzra'i # ., ,,,V" J"1'"»«angmneg m Norderney ging blalt folgende, an die Poeten des Badelarrens gerichtete glosse ,u: Durch alle Blätter eilen Tie Badekarrenzeilen, Doch merkt man Nichts von Muse, Machst D u s e oder D u s e. Entschieden war' cS schöner, Würf' sich aufs Dichten Keener, Und Eure Vcrsgcmüsc— Die Köchin, nehme s i e s e:„ on Als Kohl, als Brei, vo V Verdauen besser w L<, c Und glücklich los sc'd M t Hilst M S-» zwillc % Mny'! # � �b das eine Anspielung auf einen verslorbeß-»�, ssdorenen Dichter sein soll? Der Witz wäre dann nAt übel und selbst Heinrich Heine, der würde flch darüber noch im Grabe freuen. «--K v- v< Verantwortlicher Redacteur R. Cronhetm in Berlin. Druck und Verlag von«