til, Sum agt nad Oner nge ohn tat des rife ung clin nicht fat Den bren An fge weil urg rein rete lern ben opa" tung 71. ater nd hall Sand ends Hrn unt enes 16 über be wirt brit rim be Bor ferg ndet ges er zu ichler Ber ber Uhr Па gber Schön 2 enen ertus Idhul Eng Indu ard B. D4 fferin togra Ber oblem edit trags ap 3 egent ein ht ge Gel ng i bereits nicht bern ban Derben feil Lage tlicher ift be fofer Sprint Nr. 111. Mittwoch, 13. August 1884. 1. Jahrg. Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das Berliner Bolleblatt icheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Mart, wöchentlich 25 Pf. Einzelne Tummern 5 Pf. Postabonnement pro Quartal 3 Mart.( Eingetragen im VIII. Nach trage der Postzeitungspreisliste unter Nr. 719a.) Jasertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder beren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10% Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werben bis 4 thr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Simmerstraße 44, sowie von allen Annonc Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedition Berlin SW., Bimmerfraße 44. Die gesundeste Wirthschaftspolitik Import würde verdrängt, was jedenfalls ein größerer Segen für unser Land ist, als die Erweiterung des Exports. ift diejenige, welche darauf bedacht ist, daß die nationale Aber nicht nur das neue Absaßgebiet für die rheinisch- westProduktion ihr wichtigstes Absatzgebiet im Lande selbstfälische Kohle und für andere Produkte würden segensreich bat. Der Export ist durchaus nicht immer gleichbedeutend wirken, sondern in der Hauptsache auch die Schaffung von mit der Stärkung und Vermehrung der Volkskraft und des Arbeitsgelegenheit für hunderttausende von Arbeitern beim Volkswohlstandes, sondern bedeutet meist nur eine Bereicherung Kanalbau und der Kolonisation. einzelner Industriellen und besonders der Groß; händler. Deshalb ist es besser, das Kapital und die Arbeitsfraft im Lande zu behalten und beides in rationeller Weise zur Kolonisation im Innern" zu verwerthen. Daneben kann ja der Export in seitheriger Weise ruhig weiter gehen, doch braucht man sich gar keine so unendliche Mühe zu machen, denselben durch besondere, außerordentliche Begünstigungen zu heben, da diese Begünstigungen doch in ber Hauptsache nur, wie gesagt, den Begüterten, den Kaufleuten und Fabrikanten zu Gute kommen. Deshalb ist es auch geradezu absurd, die Dampfschiff fahrtsvorlage als das Alpha und Omega aller wirthschaftlichen Regierungsweisheit hinstellen zu wollen. Die jährlichen vier Millionen dafür sind in der That mehr oder weniger ein Geschenk für eine kleine Anzahl so schon begüterter Menschen. Diese Erkenntniß bricht sich auch mehr und mehr Bahn innerhalb des nationalen Gefchreis. Und wenn die kolonisirten Ländereien, die selbstverständlich im Staatsbesit bleiben sollen, dann zu angemessenem, ja, niederen Preise an die Kolonisatoren, an die Arbeiter, welche theilgenommen an der Urbarmachung des Ded= landes verpachtet würden, so würden die Produkte nnserer Industrie in jener neu geschaffenen Rolonie, oder sagen wir beffer, Provinz, ein besseres Absatzgebiet erhalten, als Angra Pequena oder sonstige überseeische Sandwüften es jemals werden können. Uebrigens wäre nicht die Lüneburger Haide allein ins Auge zu fassen es giebt in ganz Deutschland noch ungezählte Quadratmorgen derartigen Landes und selbst in der Nähe der Reichshauptstadt noch übergenug. Wohl wissen wir, daß eine solche Kolonisation im Innern" viel Geld kosten würde, aber wir haben ja zu allen andern Dingen immer heidenmäßig Geld, ja oft zu Dingen, die weder den Intereffen des deutschen Volks noch der Menschheit entsprechen. Weshalb sollte das Geld zu Kulturarbeiten fehlen? Und sollte in der That keins aus den vorhandenen Mitteln genommen werden können oder sollen, so wäre bei solchem Unternehmen eine Reichsanleihe sicher am Plaße, die unsere Nachkommen, denen ja auch die Kolonisation am meisten Nachkommen, denen ja auch die Kolonisation am meisten Nußen bringen würde, zu decken hätten. Wir wollen übrigens der Dampfschifffahrtsvorlage damit durchaus nicht absprechen, daß sie nicht auch einige Hleinere Bortheile für die Allgemeinheit hat, sie wird dem Export dienen und somit etwas mehr Arbeitsgelegenheit schaffen follen, aber wir bleiben dabei, daß eine gesunde Wirthschaftspolitik dahin streben muß, das Absatzgebiet der Industrieprodukte im Lande selbst zu schaffen und das ge- geschreis, daß wir ein arbeitenden Klassen, die mindestens acht zehntel der gesammten Bevölkerung bilden. habgierigen Bächtern oder Verwaltern. Von diesen wird die bekannte Bedürfnißlosigkeit des italienischen Landmannes auf das Aeußerste gemißbraucht, und die Lohn- und Wohnungsverhältnisse find die denkbar schlechtesten und sanitätswidrigsten. Man denke sich, wie ein Landarbeiter mit Familie von 50 Centefimi 20 Kr. ö. W. leben muß! In Italien hat der kapitalistische Geist der früheren Handelsvolfes, wie Genuefer, Venetianer und die Traditionen des römischen Rechtes die Arbeit entwerthet und erniedrigt. Ueber den Zustand der italienischen Landarbeiter liegt uns eine Reihe amtlicher Publikationen vor, welche das Ergebnis werthvoller Enqueten einer öffentlichen Kommission find, die ganz Italien zu durchforschen beauftragt ist. Ueber einen der Schaupläße der gegenwärtigen Arbeitseinstellungen und der dagegen mobil gemachten Militäraction theilt das Vaterland" aus jener Inchiesta" und aus anderen Quellen Folgen des mit: In der Provinz Rovigo find in den legten Jahren von Seiten des Staates großartige Entwässerungen und andere Meliorationen bewerkstelligt worden, und der hierdurch gewonnene oder verbesserte Grund und Boden zeigte sich von staunenswerther Fruchtbarkeit.„ Aber so melden die Akten der staatlichen inchiestia Agraria fte wurden von den Be fizern der dortigen ausgedehnten Güter nicht zweckmäßig bewirthschaftet, und in den ersten Jahren schonungslos ausgefogen ohne Rücksicht auf die Zunkunft Mit wes nigen Ausnahmen fehlen dort die Wohnungen für die Landarbeiter, die Lepteren selbst, sowie die Arbeitsthiere. Erblickt man hie und da eine Hütte, so ist sie nur ein Neft schmußiger Reptilien, der ungesunde Wohnort von elenden Menschen, welche meist fein trinkbares Waffer haben und fich deshalb mit der trüben und fauligen Flüssigkeit des nächsten Grabens begnügen müssen. Die menschliche Nahrung besteht hier aus nicht genügend getrocknetem Mais; der arme Feldarbeiter erhält nicht den gerechten Lohn seiner Arbeit, welchen ein alter und grausamer Brauch zu Gunsten des Befizers oder des Pächters jener ausgedehnten Güter verkürzt. Der Arbeiter So erklären wir trot allen nationalen Kolonisationsgeschreis, daß wir ein für alle mal nicht mit der überseeischen nur in der Hauptfache einigen Groß- pflegt nämlich ein Drittel des Produktes zu erhalten, aber von händlern Nuzen bringen wird, einverstanden sein können und für Deutschlands Interesse in dieser Richtung hin als das Beste die kolonisation im Innern halten. Mit einer gewissen Genugthuung haben wir fürzlich gelefen, daß die preußische Regierung gegenwärtig in der Lüneburger Haide größere Aufforstungsarbeiten mit Geschick und Glück betreibe; wenn daran ein Blatt die Bemerkung fnüpfte, daß die Lüneburger Haide balb ins Reich der Sagen gehören würde, so liegt da doch wohl eine große stattgefunden hat, und daß mehrere Regimenter Infanterie Uebertreibung vor. Die großen Hannoverschen Delbändereien fönnen nur durch eine mit Ranalisation verbundene Kulturarbeit ertragrcich gemacht werden: die Aufforstung an einzelnen Stellen thut's nicht allein. Im Garten Europas. Aus Italien wird gemeldet, daß in Venetien und in Kalabrien gleichzeitig eine große Arbeitseinstellung der Schnitter und Kavallerie ausgerückt sind, um diese Leute zur Arbeit zu zwingen. Das grenzenlose Elend der Landarbeiter in dem Garten Europas ist bereits sprichwörtlich geworden. Bedenkt man dabei, daß ein Norddeutsches Kanalneg In Italien lebt, wie das Wiener ,, Vaterland" ausführt, der Grund herr sowohl der Befiger ungeheuerer Latider fundien, als auch der geringfügigen Grundeigenthums- wenn dadurch ein neuer Absatz im Lande geschaffen, der englische Feuilleton. Kachbrnd verboten.] 211 Das Kind des Proletariers. Sensationsroman von 1. Rosen. ( Fortsetzung) Tim Titlow war ein Freund aus alter Zeit, der Frau Chitton nicht verlassen hatte, sondern ihr jeden Monat einmal einen Besuch machte. Sie erzählte ihm bei einer solchen Gelegenheit, daß Lady Bide, Hanna's Kind angenommen und daß es ihr am Herzen läge, die vornehme Dame aufzusuchen und ihr ein Geheimniß mitzutheilen, und Tim verwendete sogleich einen Theil seiner Ersparnisse, ein Fuhrwerk zu miethen und die alte Frau zu Lady Bide zu bringen. seit swanzig Jahren machte; und sie genoß deshalb das unge wohnte Vegnügen in vollen Zügen. Die Bäume ſtanden in vollem Laub, die Blumen blühten und die Vögel zwitscherten in dem Epheu, der Bidehall umrankte. Frau Chitton wurde in ein fleines, weiß und rosa tapeziertes und möblirtes Wohnzimmer geführt, in dem sich die gute Alte staunend und be= wundernd umschaute. Zu ihrer Rechten stand ein prächtiges Vogelhaus, worin eine Schaar gefiderter Sänger jubilirte, zu ihrer Linken erblickte fie ein Gewächshaus mit den merkwürdigs ften und schönsten erotischen Pflanzen, deren Blüthen die Luft wie mit buntfarbigen Flammen und den berauschendsten Wohl auf und nieder, aber Frau Chitton hatte so sehr das Verlangen, Tim Titlow spazierte draußen auf dem Kiesweg langsam ihn für seine Güte zu belohnen, daß fie die Glasthür öffnete und ihn bat einzutreten; er fönnte sich in dem Gewächshaus verbergen; Lady Bide werde gar nicht auf ihn achten. gerüchen erfüllten. Timm litt nicht gerade an einem Uebermaß von Schüch ternheit und zögerte nicht, ihrer Aufforderung zu folgen. Mit offenem Munde stand er da und starrte die Herrlichkeiten um ihn her an, als Lady Bide erschien und ihren ungebetenen Gaft mit Befremden bemerkte. Unglüdlicherweise war die Dame an diesem Tage sehr beschäftigt. Der Lordkanzler und seine Gemahlin, der Erzbischof von Canterbury und der Neffe und Erbe des Herzogs von Radford weilten in Bidehall und die Schloßherrin hatte deshalb feine Minute übrig. Bide, die Alte nicht erkennend. Wünschten Sie mich zu sprechen, gute Frau? fragte Lady Frau Chitton verneigte sich tief vor der hohen Gestalt in er zur Klaffe der Signori gerechnet werden will, meist müßig in den Städten, und überläßt Land und Leute unkontrolirt schwarzer Seide und schwarzem Krepp, welche wie eine dunkle Wolfe inmitten der Vögel, der Blumen und des Junisonnenscheins aufgetaucht war. ,, Wenn Sie erlauben, Euer Gnaden, und wenn es Ihnen nicht unangenehm wäre, und Sie nicht denken wollten, daß ich aber aber Sam gekommen bin, mein Wort zu brechen, läßt gar nichts von sich hören, und die Leute sagen, er wäre gewiß todt, und ich möchte nur bitten, den Knaben sehen zu Dürfen. Ich ich werde ihm kein Wort sagen, daß Euer und dann und dann mir Gnaden mißfallen fönnte dann möchte ahnt, daß ich nicht mehr lange zu leben habe ich Ihnen noch das Geheimniß von Sam Porter anvertrauen, und und" Ah!" unterbrach fie Lady Bide, gelangweilt von dem verwirrten Geschwäß der Alten ,,, find Sie Frau Chitton, die ich im Paddington- Krankenhause sprach? Ja wohl, Sie fönnen den Knaben sehen, ich finde das ganz natürlich, nur beunruhigen Sie das Gemüth des Kindes nicht mit Andeutungen über seine Verwandtschaft. Er hält sich für meinen Sohn und soll in diesem Glauben bleiben, bis er alt genug ist, die Wahrheit zu erfahren. Ich werde Ihnen den Kleinen schicken." Und, Euer Gnaden, darf ich noch einmal mit Ihnen sprechen, ich möchte Ihnen ein Geheimniß über die Geburt des Kindes anvertrauen." Ich bin heute zu sehr in Anspruch genommen, gute Frau, auch wünsche ich nicht Geheimnisse in Bezug auf diesen Knaben zu erfahren. Wenn die Zeit da ist, wo ich ihm sagen muß, daß er nicht mein Sohn ist, möchte ich in die peinliche Noth wendigkeit versett sein, ihm unangenehme Enthüllungen zu machen. Geheimnisse, liebe Frau, find wilde Thiere, die man am Besten thut thut schlafen zu lassen, fie erwachen sonst 31 gefährlicher Rajerei." Ja, gnädige Frau," sagte eingeschüchtert Frau Chitton. Hier, meine Liebe, ist ein Goldstück, dafür kaufen Sie fich Thee und Zucker. Ich schicke Ihnen den Knaben sogleich, aber seien Sie vorsichtig mit ihrem Gespräch mit ihm." Lady Bide schickte ihre eigene Kammerfrau, welche von der Adoption des Kindes genau unterrichtet war, mit dem Knaben zur Frau Chitton, damit sie darauf achte, daß die Alte keine gefährliche Enthüllungen mache. Rupert, in föniglichem Purpurfammet gekleidet, eine feine, echte Spige um den Hals, die langen braunen Locken tief auf feine Schultern niederfallend, sprang fröhlich herein. diesem Drittel muß er dem Aufseher ein Drittel abgeben. Mit Ausnahme der ungesunden Hütte besigt der Landarbeiter nichts, fein Stückchen Feld... deswegen herrscht fast überall Elend. Beinahe zwei Drittel der Bevölkerung mancher Orte find ein Haufen elender Leute, welche den größten Theil des Jahres betteln." Die Bezahlung der Taglöhner in der Provinz No vigo beläuft sich von 50 Centefimi bis zu 1 Lire 50 Centesimi; meist aber erfolgt die Entlohnung nur zum Theil in Geld, 30 bis 40 Centesimi, und in Naturalien in Mais schlech terer Qualität ja oft durch Havarie fast gänzlich verdorben, welchen die Gutsbefizer und Bächter in den Hafenorten billigst einkaufen und dann mit großem Profite zur Bezahlung der ihnen geleisteten Arbeit verwenden. Jener Mais wird hauptsächlich als Ballast aus Amerika oder aus den Donauländern in die italienischen Häfen gebracht. Zur Zeit der Ernte und der wichtigeren Feldarbeiten findet ein starker Zufluß von Landarbeitern nach den betreffenden Gegenden statt; ist doch eine der Hauptklagen der italie,, Was wünschen Sie von mir?" fragte er mit vornehmem Anstand. Ich möchte Sie sehen, mein kleiner Herr, weil ich Sie pflegte, als Sie noch ein Wiegenfind waren." Und wer ist der Mann dort im Gewächshaus?" fragte Rupert, deffen scharfes Auge Tim hinter einer Balme entdeckt hatte. Das ist ein junger Mann, der mich in einem Einspänner hierher gefahren hat. Kommen Sie hervor, Tim, und machen Sie dem fleinen Herrn ihre Verbeugung." Fährt es sich hübsch in einem Einspänner?" wendete sich jest Rupert an Tim. Für arme Leute recht gut," erwiderte Tim in bescheidener Haltung. Gott segne Sie," rief die Alte gerührt aus, als fic den schönen, blühenden Knaben von allen Seiten betrachtete. Wie würden Sam und Hanna Frau Chitton hielt, erschreckt über ihre Unvorsichtigkeit, inne. ,, Wer find Sam und Hanna?" fragte Rupert. " D, gute Leute, die ich fannte. Gott hab fie selig. Sie find Beide todt. Hat er noch das Muttermal an seinem Bein?" Diese Frage war an die Kammerfrau gerichtet. D, Sie meinen das Herzaß," rief der kleine Prinz und rollte den seidenen Strumpf zusammen, um das schwarze Herz zu zeigen. Da ist es." Es ist noch ganz so deutlich wie früher," sagte die Alie. " 1 Und wiffen Sie, wie es entstand?" fragte die Kammer frau, neugieriger, weil nicht so fein erzogen, wie ihre Herrin. gewiß." Darf ich es auch erfahren?" Frau Chitton wünschte sehnlichst es zu erzählen, aber da stand Rupert vor ihr, fie mit seinen großen schwarzen Augen musternd. Das Goldstück, daß Lady Bide ihr gegeben und das sie noch in der Hand hielt, war ihr gleichfalls eine Mahnung. Und es wäre so hübsch gewesen, wiederkommen zu dürfen. Ja, dieses Muttermal und das Geheimniß!" fagte fic. Wenn jemals Lady Bide Auskunft darüber begehrt, braucht fie nur nach mir zu schicken." Die Gnädige scheint kein Verlangen zu haben, Sie wiederzusehen," sagte die zurüdgewiesene Kaminerfrau gekränkt. Rupert hatte indeffen im Gewächshause einen peliotropen wissen wir nicht.") Verantwortliche Wahl sei selbst in oek Händen gewissenhafter Leute gefährlich; aber weit gefährlich« sei sie in den Händen gewissenloser Menschen.(Lauter Beifall.! Zum Sckluß erklärte Sir Thomas, daß es der höchste Gra! von Dreistigkeit wäre, seitens der Lords zu verlangen, daß wä eine Parlamentsauflösung haben müßten.(Lang anhaltende Beifall.) Nach ihm sprach Daniel Grant. Dies sei eine legenheit, sagte er, wo sich das Oberhaus beugen oder breche' müsse.(Rufe:„Brechen".) Herr Chambers habe gesagt: nw wären fern von der Revolution. Gut. Ich sage: wir nn> nicht so fern von ihr. Wenn die Dinge so fortgingen wie di) her, dann würde ein Sturmwind das wegfegen, was sich sonü mit Ruhe beseitigen ließe. Lord Salisbunj sei ein Mann, d« vor zweihundert fahren hätte geboren werden müssen. Schi«* lich wurde eine Resolution angenommen, welche die schäm» Mißbilligung der Versammlung mit dem Vorgehen des Ob« Hauses ausdrückt. Cssner der verurtheilten Birminghamer Dynamil- Verschwörer(Egan?) hat der Polizei angeblich eine wichtG Mitiheilung gemacht. Er erklärt, daß Taly einer von oi« Verschwörern ist, die von Amerika aus mit der Leitung d« von O'Donovan Rossa entworfenen Pläne betraut sind unk von dem„Dynamit-Ausschusse" direkt ihre Befehle erhallen Die bei Daly vorgefundenen Sprenggeschosse erhielt er u Liverpool auf offener Straße von einem Mitverschworenen, den er dort zu treffen von Amerika aus angewiesen worden wa' und den er nicht weiter kannte. Die Bomben waren für LonW bestimmt, wo sie Daly am selben Abende in der Nähe vor Trafalgar-Square einer dritten Person überreichen sollte. Tolr selbst verweigert es standhast, über seine Mitoerschworener irgend eine Angabe zu machen. In Paris sindet am 3l. August eine Feier zum Tobeita g Lassalle's statt. Die Einladungen erstrecken sich alle deutschen Sozialisten, Sozialdemokraten und sioir munistcn unter ausdrücklichem Ausschluß der Anal ch i st e n. Die französische Nationalversammlung nahm den elfter Artikel der Revisionsoorlage mit 523 gegen 139 Stimmen ir nachdem zwei hierzu gestellte Amendements verworfen worder waren. Bei der Berathung des Art. 2, welcher die Beanva gung einer Revision der republikanischen Regierungsform un tersagt und ausspricht, daß die Mitglieder früherer franzöfiM Herrscherfamilien nicht zu Präsidenten der Republik gewäbl werden können, sagt Ferry:„Wir beantragen nicht, die ew'g Dauer der Republik zu dekretiren, wir beantragen nur zu oe stätigen, daß die Republik eristirt und daß sie das Recht fco! sich zu vcrlheidigen. Tie Republik ist ein unveräußerliche Recht Frankreichs, und es ist weit mehr der Würde Frankreich' als seiner Sicherheit wegen, daß wir beantragen, daß die revu blikanische Regierungsfonn eine unwandelbare sei." Bei.®/. Abstimmung wurde der erste Paragraph des zweiten Arlilell betreffend die republikanische Regicrungsform, mit 602 ge� 155 Stimmen angenommen. Der zweite Paragraph des znjeil« Artikels betreffend die Nichlwählbarleit von Mitgliedern früh? rer Hcrrscherfamilien zu Präsidenten der Republik wird darav mit 597 gegen 153 Stimmen angenommen. In Italien sind im Laufe des Sonntags in den Ortschaften der Provinzen Genua, Massa Carrara und zuw 11 neue Cholerafälle konstatirt worden, von denen 7 töduio verliefen. Außerdem ist eine am Sonnabend an der Cbcue: erkrankte Person gestorben. Und dies trotz der strengt' Quarantäne und der so gut wie vollständigen Sperrung Landesgrenzen._ Eine Schauergeschichte aus Stircz in Polen nnrd vo „Pos. Ztg." mitgetdeilt, für welche wir Dem Blatte die B/r � antworlung überlassen. Sic lautet:„Nachdem wir hier.t" Skircz) kürzlich ein nihilistisches Attentat auf das Leben eine» N hiesigen Seilcrmeisters zu verzeichnen hatten, wurden mir vq• einigen Tagen durch einen neuen Mordversuch in Auflegung versetzt. Ein hiesiger Weber, der, einem geheimen nihilisu'wer Arbeiterverein angehörend, die Geheimnisse derselben der Poll)'. verrathen hatte, wurde vor etwa sechs Monaten mit crm schrecklichen Wunde am Hinterkopf fast leblos in der Sn abgefunden. Es gelang der Thätigkeit der Polizei, des Thatel' bald habhaft zu werden, der augenblicklich seine Strafe Sibirien verbüßt. Kaum hergestellt, ging der detreycnve Wcv-- vor etwa 14 Tagen zum erstcnmale aus, als er von unbekann» Hand zum zweitenmale genau an derselben Stelle einen �oto stich erhielt, der auch dieses Mal den Betreffenden nur ver■ mundete. Großen Eindruck macht in Petersburg die Nadsti® j| daß vier russische U n i v e r s i t ä t s- P r o f es so- wegen„politischer Unverläßlichkcit" ohne jede Pension su®' v e n d i r t worden find. Es find dies Muromzeff, Proress® der Moskauer, Mischtschcnko, Dozent der Kiewer, Svzionl' Dozent der Charkower und Drill. Magister der Moskauer l>n' versität. Die drei erstgenannten Profefforcn wurden überv" unter Polizeiaufsicht gestellt. Tabakemonopol in Egypten Das von einigen flarw. listen der egyptischen Regierung unterbreitete Projekt, sie«%%' nischen Landbevölkerung der Mangel an Arbeit. Sie machen sich gegenseitig wie den ansässigen Hüttenbestyern Konkurrenz, welche die Grundbesitzer und noch mehr die Pächter zur ärgsten Aussaugung der Arbeitskraft benutzen. In ganz Oberitalien herrschen ähnliche Zustände. Hunger und die bittersten Ent- bchrungen weichen das ganze Jahr nicht aus seinen von der Natur so hochbegünstigten Landstrichen, und während in Oester- reich die Landbevölkerung, so lange sie sich von der Industrie fernhält, sich selbst in weniger fruchtbaren Gegenden durch blühende Gesundheit und Kraft von den Stadtbewohnern aus- zeichnet, gleicht der oberitalienische Landmann, und'.selbst seine Kinder, wandelnden Leichen. Die Pellagra richtet immer wachsende Verheerungen an, denen die Regierung rathlos gegenübersteht, da sie die von ärzt- lichen Autoritäten festgestellten Ursachen der entsetzlichen Krankheit, mangelhafte und ungesunde Ernährungs-, sowie ungesunde und schmutzige Wohnungsverhältniffe nicht zu beseitigen weiß. Einer der hervorragendsten Pathologen schreibt diesbezüglich:„Die Klasse, deren Kräfteverbrauch bei der Arbeit nur selten durch genügende Nahrung ersetzt wird, ist jene der Landarbeiter. In den Landstrichen, die sich durch einen besonders großen Prozent- satz schwächlicher Individuen auszeichnen— Lombardei, Venetien, Kalabrien, Sardinien— wird die Landbevölkerung sehr elend entlohnt, wohnt in feuchten und ungesunden Hütten, pflegt weder Fleisch noch Wein zu genießen, und muß ihren chronischen Hunger fast ausschließlich mit Pflanzen- nahrung der schlechtesten Qualität zu stillen suchen". Venetien aber— ein Schauplatz der gegenwärtigen Strikes— ist derjenige Theil Italiens, in welchem— amtlichen statistischen Nachweisen zufolge— die Pellagra am ausgebreitesten herrscht und sich in erschreckendster Raschhcit ausbreitet. Desgleichen skrophulöse Krankheiten, gleichfalls die Wirkung ungenügender Nahrung und ungesunder Wohnungen. So herrscht in den reichsten und blühendsten Gefilden Europas, welche in Folge ihrer Fruchtbarkeit eine bedeutend größere Menschcnzahl als dorl lebt, reichlich ernähren könnte, fortwährende Hungersnoth. und die physisch, wie intellektuell bevorzugten Menschenrassen, welche jene.Halbinsel bevölkern, degeneriren in erschreckender Weise- politische Ueberficht. Vier Anarchisten in Altona verhaftet. Ter„Ham- burgische Correspondent" schreibt aus Altona: Die hiesige Polizei war schon seit lange bemüht, die Verbreiter der seit einiger Zeit massenhaft hier cingetroyenen verbotenen Schriften der Anarchisten:„Der Rebell",„Die Freiheit"-c- aussindig zu machen. Man vermuthete ganz richtig, daß die Schriften auf dem Seewege von England hier eingetroffen sein müßten. Kriminalkommissar Engel nahm unter Assistenz des Kriminalbeamten Gätiens und eines Hamburger Polizeibeamten auf dem kurz vorher von Hull im Hamburger Hafen angelangten englischen Dampfer„Elizabeth" eine Durchsuchung der Enekten eines Seemannes vor, der schon seit lange verdächtig erschim. Das Ergebniß war, daß man ganze Haufen von Eremplaren des„Rebell" und der„Freiheit" vorfand. Eine gleichzeitig bei drei anderen Seeleuten auf dem Schine vorgenommene Durchsuchung ihrer Effekten war ebenfalls erfolgreich, so daß die vier Seeleute sofort verhaftet wurden. In ihrem Besitze fand man außerdem noch andere Schriftstücke. Es geht daraus hervor, daß die Arrestaten Mitglieder eines in Hull bestehenden Änarchistenbundes sind und zu dessen energischsten Anhängern gehören. Sie find sämmtlich aus der Gegend von Slettin gebürtig. Man nimmt an, daß der Kapitän der„Elizabeth" Nichts von dem Treiben der Leute gewußt hat. Denselben wird zur Last gelegt, daß sie sich außer der Verbreitung der verbotenen Schriften noch anderer(?) anarchistischer Ilmtriebe schuldig gemacht haben. Die Arrestaten werden nach Altona ausgeliefert, und wird wahrscheinlich dort ihre Aburtheilung erfolgen. Eine elsaß- lothringische Wallfahrt nach Lourdes (Frankreich), zu welcher vor kurzem in den Blättern eingeladen wurde, hat zu folgenden Bedenken der Statthalterei von sani- tätspolizellichem Standpunkte aus Anlaß gegeben, die in einem Erlaß des Statthalters an den Staats lekretair Ausdruck gefunden haben:„Solche Wallfahrten beruhen auf dem Glauben der einzelnen Individuen und ich würde Bedenken tragen, auch Angesichts der Choleragefahr in Glaubcnssachen Verbote zu erlassen und den Hoffnungen, welche einzelne Kranke aus einer Wallfahrt nach Lourdes für ihre Heilung hegen mögen, hindernd entgegenzutreten. Wenn hiernach Ver- böte in solchen Glaubenssachen von Seiten des Staates nicht zu erlassen find, so steht andererseits ebenso fest für mich die Ver- pflichtung der Staatsgewalt, die Landeseinwohner, soweit dieses in menschlicher Kraft beruht, gegen die Gefahr der Cholera zu schützen. Wenn auch Lourdes nicht im derzeitigen Choleragebiete Frankreichs liegt, so lehrt doch die Erfahrung, daß die Ausbreitung dieser Krankheit vielfach sprungweise vor fich geht und besteht keine Gewähr*dafür, daß die Wallfahrer nicht auch Strecken pasfiren, in denen die Cholera ausgebrochen. Euerer Exzellenz stelle ich deshalb Ihrer mir ausgesprochenen zweig und eine dunkelrothe Kaktusblüthe gepflückt und reichte Beides Frau Chitton, „Da nehmen Sie diese Blumen zum Andenken und kom- men Sie bald wieder," sagte der Knabe mit stolzer Anmutb. „O, Ihre Mama wird sehr böse sein," schalt die Kammer- frau.„Es ist auch Zeit sür Sie, zu den Herrschaften in den Speisesaal zu gehen," So sah die Wärterin aus dem Arnren- und Krankenhause das Kind, das einst in ihrer Hütte gelebt, hinweggeführt, um mit einem Lordkanzler, einem Erzbischof, einem Herzogssohn und anderen vornehmen Personen minder hoher Stellung zu frühstücken. Wie im Traum folgte sie dem voranschreitenden Tim zum Wagen. „Das ist ein sehr feines Kind,' meinte-iim. Ich hätte nicht vermuthct, daß er zu Ihnen gehörte." , Hanna behauptete immer, der Knabe jähe au- wie ein kleiner Graf," erwiderte die Alte stolz. „Und welch' seltsames Muttermal!" Frau Chitton schwieg. „Möchten Sic mir nicht Näheres davon erzählen r Sie er- wähnten eines Geheimnisses." � ni. „Ja, und ich hätte dasselbe gern der Lady Aide mitge- theilt." „Geheimnisse müssen das Gemüth schwer bedrücken) ich denke, man thut gut, sie einem treuen Freunde anzuvertrauen." „Ich darf von diesem nur zu Lady Bide sprechen." „Vielleicht wird aber die Dame es niemals hören wollen, und dann können Sie einmal plötzlich sterben, ohne ihr Herz erleichtert zu haben'" „Wenn meine Sterbestunde naht, Tim, werde ich Ihnen die ganze Geschichte erzählen, im Fall mein Sam bis dabin nicht zurück ist, oder Lady Bide sie noch nicht erfahren hat." „Aber wenn der Tod Sie nun überrascht?" „Auch daran habe ich gedacht, Tim. Ich werde Alles sorgfältig niederschreiben, und das Papier an einem sicheren Ort verwahren. Ich kann sehr gut schreiben, Tim, ich habe eine sehr gute Erziehung gehabt und meine»anna auch. Sie hat fleißig die Schule besucht." „Dort ist das Reservoir," sagte Tim,„wo ick schon vor acht Jahren Nachtwächter war. Einmal erlebte ich dort ein schauerliches Abenteuer, ich sah einen Geist." Und Tim Titlow ließ seine merkwürdige Geschichte von der Geistererscheinung in verbesserter und vermehrter Auflage zum fünfhundertsten Male vom Stapel. Als er zu Ende war, blickte er auf seine Begleiterin Anficht entsprechend anheim, das Erforderliche anzuordnen, um die Wallfahrer bei ihrer Rückkehr, sei es Einzeln oder in ihrer Gesammtheit, einer strengen Quarantaine, die erfahrungsge- mäß nicht nur wenige Tage dauern darf, zu unterwerfen, auch deren Bekleidungsstücke und Enekten auf das Genaueste des- inficiren zu lassen."— Zunächst muß man sich wundem, daß dem Herrn Statthalter nicht bekannt ist, daß nach Anficht be- deutender Aerzte eine Quarataine und die Räucherung die Ausbreitung oer Cholera nicht verhindern kann. Demgegen- über hätte ver Herr Statchalter seine zarten Bedenken fallen lassen und die Wallfahrt vollständig verbieten sollen, die doch gelind ausgedrückt unzeitgemäß ist und von krassem Aber- glauben zeugt. Die Nationalliberalen find bekanntlich alles, auch Ar- beiterfreunde. Was sie unter dieser Eigenschaft eigenllich verstehen, zeigt eine Nachricht, welche die„W. Volksztg." aus Bochum dringt.„Wir haben, schreibt das genannte Blaet,„in voriger Woche auf den Unfug hingewiesen, daß bei einer Anzahl Gruben den Bergleuten das nationalliberale Wochenblatt„DerÄrbeiterfreund" förmlich aufgedrängt und an den Lohntagen der Abonnementsbetrag von den Zechen- beamten erhoben resp. vom Lohne in Abzug gebracht wird. Dieser Unfug steht besonders auf der Zeche„Präsident" in Hamme in hoher Blüthe. Die Arbeiter müssen sich nicht allein auf das nationalliberale Wochenblatt abonniren, sondem das Abonnementsgeld wird auch an jedem Lohntage von dem Marken-Kontroleur erhoben resp. in Abzug gebracht. Wir richten an Herrn Bcrg-Assessor Hoymann, der Direktor der Zeche„Präsident" ist, die offene Anfrage, ob ihm dieser auf seine Arbeiter zu Gunsten eines nationalliberalen Blattes ausgeübte Zwang bekannt ist, und ob er denselben billigt. Herr Direktor.Honmann ist Vorsitzender des nationalliberalen Wahlkomites, dessen Organe derzeit von„Arbeiterfreundlichkeit" formlich überfließen. Wie paßt aber dieser Unfug zu der viel- berufenen Arbeirerfreundlichkeit? Ein Plan, europäische Arbeiter«lassenweise unter Kontrakt zu importiren und sie an amerikanische Arbeit- geber für Hungerlöhne abzuliefern. In einem der„Volks- ztg." zugehenden Newyorker Blatt sindet sie folgenden Artikel: Washington, 27. Juli. Die Thatsache, daß die Bill, welche die Jmportatton ausländischer Arbeiter unter Kontrakt ver- bieten sollte, nach ihrer Annahme im Hause vom Senat unbc- rücksichtigt blieb und dadurch nicht Gesetz wurde, wollen sich eine Anzahl herzloser Schurken zu Nutze machen, um Geld da- durch zu„verdienen". Ter Plan ist, europäische Arbeiter unter der Vorspiegelung, daß ihnen in Amerika„gut bezahlte und dauemdc Arbeitt' verschafft werde, unter einem Kontrakt Massen- weise zu importiren. Die Opfer dieser modernen Sklaven- Händler sollen fich kontraktlich verpflichten, eine bestimmte An- zahl von Jahren für einen festgesetzten Lohn zu arbeiten. An der Spitze der Menschenimportcure steht ein gewisser W. H. Main, ein Grundeigenthumsspelulant, und ein Hauptwerkzeug ist ein Deutscher Namens Krolt, ein früherer Wanderpredigcr. Krott befindet fich bereits auf dem Wege nach Europa, um vorerst in Deutschland sein verbrecherisches Handwerk zu begin- ncn. Er soll nicht bloß mit Tagelöhnern, sondem auch mit Dienstmädchen und geschickten Arbeitern Kontrakte zur Ver- schickung nach Amerika abschließen, und die hiesigen Arbeitgeber brauchten nur bei den Menschen- Importeuren in Washington eine Bestellung für so und so viele Arbeiter zu machen, wo- rauf sie die verlangten„Hände" von dem vorräthigen Lager sofort zugeschickt bekommen sollen. Tie„Hände" sollen den Arbeitgebern für bedeutend billigeren Preis geliefert werden, als diese ihren jetzigen Arbeitern zahlen müffen, sodaß fich das „Geschäft" sowohl für die Fabrikanten, wie auch für die Spekulanten in Menschenfleisch bezahlen würde. Die Letzteren versprechen sich besonders bei Strikes einen guten Absatz für ihre Sklaven, und den Fabrikanten ist ein Mittel an die Hand gegeben, mit strikenden Arbeitern leicht fertig zu werden. Die Fabrikanten werden in einem Zirkular von dem Vortheil dieses Importgeschäfts unterrichtet und aufgefordert werden, ihre „Bestellungen" baldigst einzuschicken. Die Bauemfänaer wollen ferner im Westen eine Kolonie gründen und dahin meistens Deutsche importiren und zwar solche, welche noch ein kleines Kapital haben, um den Schwindlern wertdloses Land abzukaufen. Der erwähnte Main sagt, er könne über mehr als 100000 Acker Weldland im Westen verfügen. Noch immer finden in London Volksversammlungen statt, welcke gegen das Oberhaus gerichtet sind. Von taufen- den von Menschen war eine Vettammluug in St. George's Hall besucht, die eine sehr energische Sprache führte. Thomas Chambers, ein altes Mitglied der radikalen Partei, erklärte, er wäre alt und erfahren genug, um die gegenwärtige politische Krisis von der von 1831 und 1832 zu unterscheiden. Lord Brougham hätte 1831 gesagt, daß das Land in oierundzwanzig Stunden in der Revolution stehen würde.(Eine Stimme: „Je eher, je besser".) Ein großer Theil der Männer jener Tage wähnten das Land im Beginne einer Revolution. Jetzt sei es dieselbe Krisis mit der Ausnahme, daß wir nicht am Vorabende einer Revolution ständen.(Eine Stimme:„Das Frau Chitton zitterte und war kreidebleich. „Ist das nicht wirklich eine echte, markerschütternde Geister- geschichte, alte Freundin?" fragte Titlow triumphirend. „Und wann hatten Sie diesen— Traum?" stammelte Frau Chitton mühsam hervor. „Traum? Es war kein Traum, ick sah einen wirklichen, leibhaftigen Geist. Am zehnten Juni waren es genau acht Jahre'" Die alte Frau begann zu ächzen und zu stöhnen. „Fehlt Ihnen etwas?" fragrc Tim besorgt. „Nein, ich sann nur nach." „Ueber Ihr Geheimniß? Sie sollten es wirklich nicht so allein mit fich kerumtragen Erzählen Sie es lieber." _,»Nicht Ihnen, guter Tim, nicht Ihnen", und die Alte hielt ihren Mund mir der Undurchdringlichkeit einer Svhinr geschloffen. Frau Chitton sah den Adoptivsohn der Lady Bide nicht wieder. Tim erblickte ihn zuweilen aus der Ferne, wenn der schöne, prächtig gekleidete Knabe mtt seiner Mama an ihm vorüberfuhr. Sir Rupert war ein fröhlich gedeihendes Kind, mit einem Lächeln der blitzenden schwarzen Äugen für Jedermann, aber das strahlende Licht dieser Augen schien von einem Thränenflor gemildert, der seit dem Aufenthalt bei der Engelmacherin nicht mehr daraus gewichen war. Zu den wärmsten Verehrern des kleinen Baronet gehörte Tim Titlow. Myra war die Minerva dieses Kindes, welche es mit weiser Hand durch die Jrrpfade dieser Welt leitete. Sie tadelte ihn wegen seines Stolzes und seiner Verschwendungs- zucht, sie hielt ihn an, seine Kameraden um Entschuldigung )u bitten, wenn er gegen sie gefehlt hatte) sie lehrte ihn,' daß Ausbrüche leidenschaftlicher Heftigkeit Schiväche vcrriethen, und sie legte den Keim zu ehrgeizigem Streben, zu dem Ringen nach hohen Zielen in seine jugendliche Seele. Immer wieder mußte sie denken, wie gut es gewesen wäre, wenn Fanny's Kind in seinem eigenen Heim aufgewachsen wäre, wie dieser Knabe und sie ihren Erben hätte erziehen können und von den Anmaßungen der Wrigley's frei gewesen wäre. Nicht daß sie die jüngeren Wrigley's nicht leiden mochte, die Kinder waren in ihrer Art nicht schlecht und glichen mehr der Mutter als dem Vater und„unser Aeltester" und die kleine Milly waren sogar recht liebe Geschöpfe, während„unser Dritter" ein unausstehlicher kleiner?iaseweis war. und die beiden älteren Mädchen eben so häßlich in ihrem Aeußcren wie in ihren Manieren waren, und der jüngste Knabe in Erscheinung u«- � baffer das treue Ebenbild seines Vaters war., 1 Mit diesem Vater hatte Myra, nachdem sie die Fi#«:j schen Güter erworben, einen furchtbaren Streit. Wrigle», Anstrengungen war es endlich gelungen, die Uedertragung®'. herrenlosen. Barth'schcn Titels auf sich durchzusetzen.. höchste Gerichtshof des Königreiches hatte entschieden, daß einer Abwesenheit von acht Jahren der kleine Rupert für.®/) gelten müsse, wofern nicht Beweise erbracht würden, daß! noch lebe. Dr. Wrigley hatte nun den Gipfelpunkt st'', Wünsche erreicht Er ließ den akademischen Titel vor Namen fallen. Sir James Wrigley von Barth dedurfte'/ selben nickt mehr, um so nothwendiger erschien es%!v. in das Parlament zu kommen. Die allgemeinen W?®", warm ausgeschrieben. Er verlangte von Myra energisch C® tausend Pfund für Wahlausgaben. Mira verweigerte sie. Wrigley bat, flehte, forderte. Alles vergebens. „Ich kann zweitausend Pfund, die ich aus dem erspart habe, das mir gesetzlich zukommt, wenn Fannu Zurückkehrt, verschenken; von Leihen ist nickt die Rede.;®%. leihe kem Geld," sagte Myra.„Diese zweitausmd tollf H haben, mehr kann ich nicht thun."| „Es ermüdet mich zu Tode. immer wieder von der R kehr dieses Kindes zu hören. Du weißt so gut wie � daß es nie wieder zum Vorschein kommm kann," bruU' Doktor außer fich..�1; »Im Gegcntheil, ich hoffe und erwarte, den Knaben s n bestimmt wiederzufinden." «Mit solchem Geschwätz kannst Du Dr. Brice und �> alten Mellodow und die Uebrigen, nicht mich betrügen.� i J® K- Ick sollte hier in dem Schlosse, als Dein natürlich" schützer, als der.vüter der künftigm Interessen meines»®%': wohnen und das Vermögen iherlen, das Tu gnvonne» soll ich Dir sagen wie? Du verweigerst mir das G«®' � hältst Mick in Clematis-Lilla wie einen Krämer. 0%®- mich!'. Das dulde ich nicht länger (Fortsetzung folgt.) 2 or 1 11 T n en τα дет ge Je at es hs วน De 13. en en be bebuss Reorganisation ihrer Finanzen das Beispiel der Pforte| befolgen und gleichfalls das Tabakmonopol einführen, hat, wie der Mubaschir" meldet, in Kairo eine sehr beifällige Aufnahme gefunden, und wird sich nächstens schon ein egyptischer Finanzbeamter nach Konstantinopel begeben, um dort die Einrichtung der türkischen Tabakregie und deren Fabriken zu studiren. Für Die Pforte wäre, wie die Politische Korrespondenz" meint, die Einführung des Tabatsmonopals in Egypten sehr erwünscht, da fie dann auch in ihrer afrikanischen Provinz Tripolis dieses Monopol einführen könnte, was fie bisher nicht zu thun wagte, Da die Tripolitaner stets auf Egypten hinwiesen, wo man dieses Monopol gleichfalls nicht kennt. Lokales. cr. Die Mordthaten in Wien, welche die ganze zivilifirte Welt in Aufregung verfegt hatten, find durch die Hinrichtung des einen der Mörder bekanntlich vorläufig theilweise gefühnt. Es ist immerhin ein Moment von ergreifender Wirkung, wenn ein Mensch, der nach den Anschauungen der ießt herrschenden Rechtspflege sein Leben verwirkt hat, von seinem Siebenmenschen in das Nichts befördert wird, wenn er auch der schrecklichste Verbrecher ist die Todesstrafe bleibt für die Gumane Anschauung ein fonsequenter Ausdrud mittelalterlicher Grausamkeit. Ganz gewiß ist es nun eine nicht scharf genug zu tadelnde Unfitte der verschiedensten Zeitun gen, über die letzten Stunden des Deliquenten, sein Benehmen furz vor dem schauervollen Aft, sein Aussehen, seine Gefichtsfarbe, seine legten Worte, ja vielleicht sogar über seine legten törperlichen Wünsche in Bezug auf Nahrungsmittel 1. w. des Langen und Breiten zu erzählen. Es wird entschieden dadurch dem urtheils los lesenden Bublifum eine gewiffe Rohheit des Herzens anerzogen, und man wird jene unheimliche Neigung des menschlichen Charakters kennen, daß gerade durch die detaillirte Schilderung von Blutscenen recht häufig der Nachahmungstrieb geweckt wird. gewiß ein psychologisches Problem, Das ist verschiedene aber es ist so, wie haben schon ganz eflatant beweisen. Wir auf die verwerfliche Sensationsmacherei der Preſſe in dieser Beziehung hingewiesen, jezt ist uns aber ein Bundesgenosse entstanden, auf den wir überhaupt noch niemals gerechnet hatten. Tageblatt", welches bisher gerade in dieser Beziehung in mindestens widerwärtiger Weise alle übrigen Blätter zu übertrumpfen pflegte, schreibt in seiner Sonntags- Nummer in Bezug auf die Hinrichtung des Waffenmörders Stellmacher, für die Tendenz dieses Blattes frappirend sentimental: Ueber Die Hinrichtung Stellmachers, die fich ohne besonderen Bwischenfall vollzog, bringen die Wiener Blätter Berichte on haarsträubender und efelbafter Ausführlichkeit. dies die Wiener Blätter thun, so mag es allenfalls ent schuldigt und erklärt werden, weil es sich dabei eben um ein Wiener Lokalereignis handelt. ter ri Tid erd ger De De Ser ( in ne ing her ize ne af ter be ite Lo per ich SENESTE TEE e По fo In ie ita ög or be De ac CRORE ле 28 D D Beispiele öfter " Wahrhaft ver11 Manufakturstoffe zum Kauf an unter dem Vorgeben, daß diese Stoffe aus dem Geschäft einer hiesigen bedeutenden ,,, pleite" gegangenen Firma herrühren, und von dem Pleitgänger" bei Seite geschafft worden wären. Die Stoffe werden als qualitativ sehr gute zu scheinbar sehr niedrigen Preisen angeboten, während fie thatsächlich von sehr geringer Qualität und weit während fie thatsächlich von sehr geringer Qualität und weit weniger werth find, als dafür gefordert wird. Um ihre Angaben recht glaubwürdig zu machen, geben sie genau die Namen der angeblich pleite" gegangenen Firmen den Käufern an, obwohl diese Firmen in Wirklichkeit sich in gar keinem Konkurs befinden und zu den angebotenen Waaren in gar feiner Beziehung stehen. Der eine der beiden Schwindler ist ca. 40 Jahre alt, mittelgroß, mit schwarzen Haaren und schwarzem, furz geschorenen Vollbart, gebogener Nase und längs lichem blaffen Gesicht, von schwächlichem Aussehen. Sein Romplize ist etwa 28 Jahre alt, fleiner Statur, mit schwarzen Haaren, gebogener Nase, länglichem Geficht, ohne Bart und von fräftigem Aussehen. N In die Gefahr von einem Zeichenwagen überfahren zu werden, gerieth am gestrigen Tage ein ca. 6jähriger Knabe in der Hermannstraße in Rirdorf. In demselben Augenblick, als ein Leichenwagen in schnellster Gangart die etwas abschüs fige Straße angefahren fam, versuchte der Knabe den Fahrdamm zu überschreiten und wurde so, ehe es dem Kutscher möglich war, zu halten, von den Pferden zu Boden gestoßen. Wunderbarer Weise kam der Knabe genau zwischen die Räder zu liegen, so daß er unverlegt davon fam. a. Wieder ein verschwundenes Kind. Der Knabe Jules Heinrich s, welcher fünf Jahre alt ist, ist seinen Eltern, den Nachtwachtmeister Heinrichs' schen Eheleuten in der Streligerftr. 36, am 9. d. M. entlaufen und bis zum heutigen Tage nicht wieder zurückgekehrt. Der Knabe hatte an dem genannten Tage furz vorher mit anderen Kindern auf der Straße gesprelt und war von dem Rohrleger Salamonski, welcher auf dem Hof Streligerstr. 36 bei der Kanalisation beschäftigt war, nach der Streligerstr. 33 in ein dortiges Geschäft nach Tabat geschickt worden. Das Kind hat auch da den Tabak geholt. Mit diesem Tabak ist das Kind jedoch nicht wieder nach dem Hause Streligerstr. 36 zurückgekehrt und es hat denselben auch nicht abgeliefert. Seither ist das Kind spurlos verschwunden, und es fehlt jeder Anhalt über das fernere Verbleiben des Knaben. Der Vermißte ist 1 Mtr. groß, hat hellblondes, kurz geschnittenes Haar, blaue Augen, rundes Geficht und freie Stirn; es spricht noch ziemlich undeutlich. Bekleidet war es mit schwarz und weiß gestreifter Jacke, dunkelgrünen leinenen Kniehosen. g In eine recht fatale Lage, d. h. nicht würdig, sich mit Juwelen schmücken zu können, ist am Sonntag eine am Hausvoigteiplay wohnende Dame gekommen.( Dieselbe hatte einem in der Lindenstraße wohnenden Juwelier B. vor etwa 8 Tagen mehrere Goldfachen, wie Brillantohrringe c. zur Reparatur gegeben. Am Sonntag hatte nun die betreffende Dame eine größere Gesellschaft und so ging fie am Vormittag zu dem Juwelier, um ihre Juwelen zu holen. Nach langen ausweichender Dame ihr Eigenthum zurüdgeben zu können, da- über thn der Konkurs ausgebrochen sei und die Boutons 2c. der Dame gleichwie die übrigen Reparaturgegenstände beschlagnahmt worden wären. Die über dies Mißgeschick sehr ungehaltene Dame soll noch im Laufe der Woche ihre Goldsachen erhalten. blüffend und traurig ist es aber, daß auch eine ganze Reihe den Reden erklärte sich der Geschäftsinhaber nicht in der Lage, deutscher Blätter das. Wiener Zeug nachdrucken und die legten Augenblicke des Massenmörders Stellmacher völlig im Style eines Rolportage- Romans für Hintertreppen behandeln. Es ist schon abstoßend genug, wenn in besonderen Fällen derartige heimische Vorgänge eine ausführlichere Berichterstattung erzwingen." Einen solchen Erguß vom Berliner Tageblatt" wer lacht da? Die Sache scheint uns übrigens furchtbar einfach zu sein. Man weiß, daß es die österreichische Regie- Fabrikanten seit 21. Jahren in Stellung befindliche Komtoirist rung für gut hielt, in Bezug auf die Erecution Nichts in die Deffentlichkeit gelangen zu lassen. Drängt sich nun nicht demjenigen, lichen Drgans des Der die Mache" des manchesterdie Vermuthung auf, daß es den zudringlichen Reportern des Herrn Mosse fennt, unwillkürlich Berl. Tgbl." in Wien(?) nicht gelungen ist, etwas Näheres H. wurde gestern wegen Unterschlagung, Urkundenfälschung und Betruges, verübt gegen seinen Prinzipal, verhaftet. Bereits im vorigen Jahre hatte. in etwa 20 Fällen sich der Unterschlagung in der Höhe von 1200 Mark gegen seinen Prinzipal fchuldig gemacht, indem er Waaren an Kunden verabfolgt, die Beträge dafür eingezogen, aber weder gebucht noch an den Prinzipal abgeführt hatte, und den Kunden für die empfangenen Be bier in Berlin mit einem Spezialbericht" oder einer Original- träge gefälschte Quittungen ausgestellt hatte. In mehreren Korrespondenz" aufzuwarten? Oder war vielleicht in jener Fällen hatte er zwar die Beträge im Kontobuch als eingezogen gänge bei der Hinrichtung vorhanden, etwa in der Weise, wie fich daselbst Nefrologe aller berühmter Persönlichkeiten vor finden, die heute noch mit dem besten Appetit von der Welt ihr Beefsteat verzehren? Heute mit einem Male gegen die Ver Offentlichung solcher Berichte im Style eines Kolportage- Romans?" Wie war es denn damals, als in Wien die Mädchenmörder eingetragen, dieselben aber nicht an den Prinzipal abgeliefert. Damals wurde von einer strafgerichtlichen Verfolgung des bereits nach Desterreich entflohenen jungen Mannes auf Bitten des Vaters, der den unterschlagenen Betrag zum Theil gedeckt hat, Abstand genommen und der Prinzipal behielt den H. weifer als Romtoirist in seinem Geschäft. Jezt hat sich H. in derhingerichtet wurden? Damals hatte gewiß der Korrespondent Handlungsbücher und der Unterschrift des Prinzipals verschafft nicht des Inseraten- Drgans Butritt zu dem Blutaft, aber damals war natürlich eine Zurückhaltung nicht am Blaze, damals war dem überaus fittlichen Blatte die Berichterstattung durchaus die österreichische Behörde dafür gesorgt, daß das ,, Berliner Tageblatt" fein Geschäft machen haarsträubend". Diesmal hatte fonnte und deßhalb ist man mit einem Male so sehr gegen die Sensation, diesmal bei Leibe nichts berichten! Aber etwas Ersay muß den an Aufregung gewöhnten Lesern des B. T." doch geboten wer den, eine allerdings recht mager und schwächlich aussehende Nachricht wird den Anhängern des Organs, der goldenen 110" doch noch aufgetischt, ob sie ihnen jedoch gemundet hat, können wir nicht wiffen, aber wir bezweifeln es. dauer Schifffahrtskanal hinter der Gefangenanstalt am Blögeng. Taufende von Fliegen, von den Dungstätten am Span fee herrührend, belegen jest täglich die zahlreichen Personen, welche einen Ausflug nach Saatwinkel c. machen und diesen Weg paffiren. Hier werden Wiesen und deren Gewäffer Tag ein Tag aus mit den Berliner Müllabgängen ausgefüllt. Der Geruch, welchen diese Ablagerungsstätte verbreitet, verpestet die Luft auf Kilometermeite und macht den Aufenthalt in derselben und diesen um den Betrag von 1300 Mart geschädigt. Gestern wurden die Unterschleife des H. entdeckt, und sein Brinzipal veranlaßte die sofortige Festnahme des Treulofen. g. Schwere innere Verlegungen zog sich gestern die etwa 20 Jahre alte Tochter des Landmanns Görden in Wa chow bei Großbeeren zu. Das Mädchen war in der zum Gehöft gehörigen Scheune mit dem Packen der eingeScheuerten Ernte beschäftigt, wobei sie sich einen Dorn in die Hand rig. Um denselben zu entfernen, trat ste ans Licht, machte einen Fehltritt und stürzte nun aus einer Höhe von 22 Fuß aus der Scheune auf die Erde hinab, wo sie befin nungslos liegen blieb. Ein aus Nauen herbeigerufener Arzt leistete zwar die erste Hülfe, ordnete aber, da der Zustand der Verunglückten ein lebensgefährlicher ist, deren Ueberführung nach der hiesigen Charitee an. g Die Sandsteinverblendungsarbeiten am Schauspiel hause, welche bereits 1% Jahre lang betrieben werden und für welche eine Arbeitszeit von 3 Jahren veranschlagt worden ist, werden jest mit großem Eifer fortgeseßt, da der untere Theil des Baues, an dem fich die Eingänge zum Theater- und Bühnenraum befinden, bis zum Donnerstag fertiggestellt sein sollen. Der alte Puß ist entfernt und durch große, ca. 1 Meter " und der der Wächter Baumbach. Der 7. Angeklagte, Kaufmann Rühle, ist nicht erschienen und wird deshalb in contumaciam verurtheilt. Der der Anllage zu Grunde liegende Thatbestand dürfte wohl unseren Lesern noch in Erinnerung sein; Einige Antisemiten, die aus einer Versammlung famen, geriethen im Café Central" mit den anwesenden Gästen in Streit, wobei die Antisemiten den Kürzeren zogen, fie mußten das Feld räumen und erhielten namentlich der in Arbeiter freisen bekannte Herr Schröder einige nicht unerhebliche Verlegungen. Der Vorgang hatte fich in später Stunde abgespielt, die Polizei schritt ein und nach dem Grundsay:„ mitge fangen mitgehangen" erhielten sämmtliche Rubestörer ein Strafmandat wegen groben Unfugs. Obige Angeklagte hatten auf richterliche Entscheidung angetragen und so unterlag die Sache der Beurtheilung des Schöffengerichts. Auf Befragen erklärten sich fämmtliche Angeklagten für nicht schuldig. Bunächst wird der Portier Dudeck vernommen, derselbe giebt an: Ich bin Portier in dem beregten Hause und war an diesem Abend bereits zu Bett, als ich den Lärm vernahm. Jch drehte den Gashahn auf und begab mich dann in das Lolal, um, wenn möglich, Ruhe zu stiften. Schließlich wurde ich ersucht mit zur Wache zu kommen, dort wurde ich befragt über das, was ich gesehen hatte und dann begab ich mich wieder nach Hause." Wassermann:„ Ich saß im Café, als Schröder niedergeschlagen wurde; man ersuchte mich, als Beuge mit nach der Wache zu kommen. Auf der Wache wurde ich gefragt, ob der Portier Dudeck geschlagen habe; ich mußte das verneinen. Später erhielt ich ein Strafmandat." Vertheidiger des Angeflagten Gebhardt: Mein Client hat mir mitgetheilt, daß er im ,, Café Central" mit dem Herrn Wassermann in einer Unterhaltung begriffen war, in deren Verlauf er die Beitung Wahrheit" aus der Tasche zog. Kaum war das geschehen, so fam ein Herr Graumann auf meinen Clienten zu mit den Worten: ,, Sind sie denn ganz und gar verrückt?" Hierauf gab ein Wort das andere und der Standal war fertig. Der Schlag gegen Schröder ging von dem Herrn Hirschfeldt aus, gegen welchen jezt das Verfahren wegen Körperverlegung von der Staatsanwaltschaft eingeleitet ist. Mein Klient, Herr Gebhardt, wurde als Zeuge zur Wache fiftirt, erhielt jedoch später ein Strafmandat." Edart:„ Ich bin gar nicht im ,, Café Central" gewesen, ich ging nur zufällig vorbei und fah den Schröder blutend herausfommen. Derselbe wurde gleich darauf ohnmächtig, ich half ihn fortbringen und ging dann als Beuge zur Wache. Später erhielt ich ein Strafmandat." Schröder: Ich saß im Café Central" an einem Tisch, als ich Schimpfworte hinter mir hörte. Ich drehte mich um, und erhielt zunächst einen Schlag, und dann deren mehrere, so daß ich nach der Sanitätswache gebracht wer den mußte. Groben Unfug fann ich nicht verübt Möcker: haben, weil ich kaum allein gehen konnte." Ich habe weder Skandal noch Unfug verübt, ich sah daß Schröder blutete und trat hinzu um ihm zu helfen. Hierbei erhielt ich mehrere Siebe, und sah auch, daß Dudeck mit einem Gummischlauch schlug. Ich ging dann mit zur Wache und erhielt später ein Strafmandat." Ringerweldt: Ich habe weder groben Unfug verübt, noch ruheftörenden Lärm erregt." Rechtsanwalt Michaelis: ,, Sch möchte den Herrn Präfidenten bitten, an die Angeklagten die Frage zu richten, ob fie fich auf vorherige Verabredung in das Lokal begaben und sich in demselben vertheilten?" Ich halte die Beantwortung dieser Frage für wichtig für meinen Klienten Duded" Auf Befragen des Präsidenten erklären die Angeklagten, daß sie nur zufällig in das Lokal geriethen, sich auch nicht auf Verabredung in dem Lokal vertheilten. Staatsanwalt:„ Ich stelle den Antrag, Ermittelungen beim Königl. Landgericht anzustellen, ob ein Verfahren in dieser Sache schwebt und beantrage deshalb Vertagung der Verhandlung." Der Gerichtshof schließt sich dem Antrage des Staatsanwalts an und beschließt die Verhandlung zu vertagen. Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. h. Bezüglich des Uebertritts aus der alten( ortsstatutarischen oder Gewerfs-) Krantentasse der Tischler Berlins zur( Hamburger) Zentral- Krankenkasse der deutschen Tischler 2c.( E. H.-K.) hält es der Kassenvorstand der hiesigen Filiale im Hinblick auf die vielfach verbreiteten falschen Gerüchte und Thatsachenverdrehungen für seine Pflicht, denjenigen Mitgliedern der alten Gewertstaffe, welche der Bentral- Krankenund Sterbekasse( freien Hilfskaffe) beitreten möchten, nachstehende Erklärungen zu ertheilen: Der Uebertritt kann noch immer und zwar unter den seitherigen, besonders günstigen Bedingungen und bis zum 15. dieses Monats erfolgen. Bum Ueberfritt ist jedes denselben wünschende Mitglied befugt, welches aus der Gemertstasse ausscheidet und sich zur Zeit nicht in ärztlicher Behandlung befindet, resp. nicht medizinirt. Die Bentral Rranfenfasse gewährt die Aufnahme ohne Beschränkung bezüglich der Altersgrenze, ohne Karenzzeit und ohne ärztliche Untersuchung. In Folge der freien Selbstverwaltung ist die Kaffe weder mit den Unkosten ständiger Bureaulofalitäten, noch mit denen befoldeter Beamten belastet. Ueber ganz Deutschland verbreitet, umfaßt sie gegenwärtig bereits über 46,000 Mitglieder und kann mit Fug und Recht als eine der leistungsfähigsten Kaffen bezeichnet werden. Einzeichnungen zum Uebertritt zu derselben werden auch fernerhin noch( bis zum 15. d. M.) bei den nachstehenden Zahlstellen angenommen, wozu bemerkt sei, daß dies am besten bei derjenigen Zahlstelle geschieht, welche der Wohnung des Einzeichners am nächsten liegt. Die Bahlstellen find folgende: 1) Lorenz, Langeftr. 22, Verwaltung des nahe belegenen Gefängnisses, dessen Insassen lange und 1 Meter breite Sandsteinblöcke ersetzt werden. Die 2. Quergebäude, 2 Tr. rechts( Frankfurter Bezirk); 2) Zionsungweifelhaft unter den pestilenzialischen Ausdünstungen zu leiben haben, noch nicht hier eingeschritten ist und wenigstens die Desinfizirung dieses Bestheerdes verlangt hat. t. Die Arten der Hof- Ausrufer haben fich neuerdings um eine neue Art vermehrt. Der Südosten der Stadt wird feit einigen Tagen von Rolporteuren unsicher gemacht, welche ibre befannten Lieferungswerke nebst obligaten Prämien mit Lauter Stimme auf den Höfen anpreisen, wobei fie Gelegenheit nehmen, das Programm des betreffenden Wertes mit rübrend fter Betonung darzulegen. Diese Art der Colportage, die fich als ein ganz eigenartiges Mittelding zwischen Haufirhandel und ofdeklamation darstellt, dürfte unsere Polizei noch Kopfzer brechen verurfachen darüber, welche Art der Konzeffion für die fen Gewerbebetrieb erforderlich ist, ob die Kolportage- Erlaubnig genügt, oder ob es auch der Erlaubniß zur Veranstaltung Offentlicher theatralischer Vorträge bedarf, bei denen ein höhe tes Stunstintereffe nicht obwaltet. Abend gegen 10 Uhr die Bewohner des Hauses FürstenwalderN. Ein Brand des Treppenhauses verseste gestern traße 8 in größte Aufregung. Auf bisher noch unaufgeklärte Weise war eine an der Entreethür eines dort in der 1. Etage wohnenden Kaufmanns Sachs befindliche Guirlande in Brand gerathen und war so nicht nur die Entreethür selbst, sondern auch das Treppengeländer und die Stufen in Mitleidenschaft Rezogen worden. Erst der in die oberen Etagen dringende Qualm weckte die bereits zum Theil schon schlafenden Hausbewohner und machte fie auf die Gefahr aufmerksem, in der sie ichwebten. Mit größter Geistesgegenwart machten sich die Hausbewohner selbst an die Löschung des Brandes, und waren Schließlich ihre Bemühungen auch von Erfolg gekrönt, ohne daß eine Alarmirung der Feuerwehr nöthig gewesen wäre. mittelt find, wird ein Schwindel verübt, auf welchen wir wara Von zwei Schwindlern, die bisher noch nicht erhend aufmerksam machen. Sie bieten umberziehend in Berlin auf und an dem Theatergebäude befindlichen Figuren find mit solcher Geschicklichkeit renovirt worden, daß man glauben könnte, fie seien eigens zu der Sandsteinverblendung passend, angefer tigt worden. N. In Betreff der Stromschifffahrt auf den Waffer läufen in dem Polizeibezirk Berlin ist Seitens des PolizeiPräsidiums folgende Bekanntmachung erlassen worden: Wäh rend der Schifffahrtsperiode vom 15. März bis 1. November ist den Schiffen das Anlegen oberhalb und unterhalb der einschiffigen Brücken im Landwehr, Louisenstädtischen- Spree- Kanal nicht gestattet. Während der Zeit vom 1. November bis 15. März wird den Obsthändlern zum Zwecke der Lagerung und des Verkaufs gestattet, ihre Fahrzeuge an nachfolgenden Stellen anzulegen: im Landwehrkanal: an der Großbeeren- Brücke, Schöneberger Brüde, Königin Augusta Brüde, Botsdamer Brüde, von der Hendtbrücke, Albrechtshofer- Brücke und Kornelius Brücke; im Louisen- Kanal: an der Köpnider Brüde, Adalberts Brücke, Königinbrücke, Dranienbrücke, Louiſenbrücke und Wafferthorbrüde; im Schleusenkanal an der Grünstraßenbrücke, Gertraudtenbrücke, Jungfern, Schloß- und Eisernen Brücke. Gerichts- Zeitung. R. Der bekannte Standal, welcher sich vor einigen Monaten im Cafe Central" abspielte, beschäftigte gestern die 94. Abtheilung hiesigen Schöffengerichts. Groben Unfug und rubeftörenden Lärm erregt zu haben waren angeklagt: 1) Der Bortier Duded, 2) Kaufmann Waffermann, 3) Buchdrucker Gebhardt, 4) Tischler Eckhardt, 5) Schuhmacher Schröder, 6) Klempnermeister Möcker, 7) Kaufmann Rühle, 8) Schmiedemeister Ringerwaldt. Als Vertheidiger Duded's war Herr Rechtsanwalt Michaelis und als Vertheidiger Gebhardt's ein Vertreter des Rechtsanwalts Lindenberg zur Stelle. Als Zeugen waren geladen, die Schußleute Daubiz, Ling und Kutsch firchplaz 11, bei Hohn( Schönhauserthor- Bezirk); 3) Belleallianceplay 6( Salle'scher Thor- Bezirk); 4) Glaeser, Reichenbergerstraße 67( Innere Louisenstadt); 5) Wolf, Naunynstr. 67 [ Aeußere Louisenstadt); 6) Müllerstr. 184( Wedding- Bezirk); 7) Bandelsir. 10( Bezirk Moabit). Die Bücher der Uebergetretenen müssen bis zum 15. d. M. abgeholt sein. An die Lederarbeiter Berlins erläßt die Lohnkommission folgenden Aufruf: Kollegen, die materielle Lage in unserm Gewerbe ist, wie Ihr alle einzeln fühlen werdet, eine derartige gedrückte, daß die Eristenz unserer Familien vollständig in Frage kommt! Wir rufen Euch zu: Organisirt Euch! Tretet in Maffen unserm Vereine bei, reicht uns die Bruderhand, bedenkt, wie das schöne Gewerbe, das sonst stets zu den besten Berlins gehörte, fast vollständig vernichtet ist. Wollt Ihr nun dokumentiren, daß Euch an Eurer Befferstellung wirklich gelegen ist, daß Ihr einseht, daß Eure Lage wirklich unerträglich ist, dann fommt morgen Donnerstag Abends 8% Uhr zur Verſammlung, Oranienstraße 171. Dort ist der Boden, von dem aus allein ein Resultat für uns zu erwarten ist. Dort dürft Abr dem jeßigen Bustande endlich Halt gebieten. Noch einmal, Mann an Mann kommt zu auf, nichts vermag der Einselne, Alles die Gesammtheit zu erreichen. Mit brüderlichem Gruß. J. A. Fr. Michelsen, Dresdenerstr. 26, IV. hr. Im Verein zur Wahrung der Interessen der Tapezierer machte am Montag das Mitglied Herr Friedmeier Mittheilungen über die Arbeiterverhältnisse in Kopenhagen. Der durchschnittliche Verdienst der Sattler und Tapezierer be trage bei einer 10- stündigen Arbeitszeit etwas mehr als 21 M. wöchentlich. Die Lebensmittel seien dort billiger als in Berlin und die Arbeiter dort seien an befferes Essen gewöhnt, als die in Berlin. Lohnbewegungen seien zur Zeit ebenso sie in Ber lin an der Tagesordnung. Für die Lohnbewegung in der Berliner Arbeiterwelt herrsche bei den Arbeitern Kopenhagens ein sehr reges Interesse; man lese mit großem Eifer die in den Beitungen darüber gegebenen Nachrichten. Darauf erledigte die Versammlung mehrere innere Vereinsangelegenheiten. Bu legt veranlaßte ein von vielen Mitgliedern eingebrachter An trag, einem Kollegen, der sich um den Verein sehr verdient gemacht hat und der fich in Folge mehrjähriger Arbeitsunfähig feit gegenwärtig in großer Noth befindet, mit 50 M. aus der Vereinskaffe zu Hilfe kommen zu wollen, eine lange lebhafte Diskussion. Viele Redner plaidirten für Aufbringung des Geldes durch freiwillige Beiträge seitens der Vereinsmitglieder. Die Abstimmung ergab Annahme des Antrages mit einer nur geringen Majorität. h. Die von der Freien Organisation junger Kaufleute eingerichtete Stellenvermittlung ist seit Dienstag, den 12. d. M., in Wirksamkeit getreten. Vakanzen und Stellengesuche find im Bureau, Gr. Frankfurterstraße 62 II, schriftlich oder mündlich in den Bureaustunden von 2 bis 3 Uhr Nachmittags anzumelden. Aus dem uns vorliegenden Reglement heben wir hervor, daß Bewerber gegen eine Einschreibegebühr von 1 M. in die Vakanzenliste aufgenommen werden. Eine billige Vergütung für Vermittelung einer Stellung haben nur Nichtmitglieder und zwar erst nach Antritt der vermittelten Stelle zu zahlen. Für Prinzipale geschieht die Vermittlung vollständig kostenfrei. Die Organisation gedenkt ihre Versammlungen Ende August wieder aufzunehmen und steht bereits wegen Miethung eines ständigen Vereinslokals im Centrum der Stadt in Unterhandlung. Die Tagesordnung der erften Versammlung soll sich hauptsächlich mit dem Statut der auf dem jüngsten Berliner faufmännischen Kongreß zu gründen beschloffenen Nationalen faufmännischen Kranken- und Sterbekaffe( E. S.-K.) beschäftigen. Anmeldungen für dieselbe werden schon jetzt im Vereinsbureau, Gr. Frankfurterstr. 62 II, entgegen genommen. Don Um | cinc 11 bis 12ftündige Arbeitszeit und eine Aufbefferung ihrer Löhne verlangten, ist wie die Frff. Stg." schreibt, zu Ungunsten der Arbeiter ausgefallen. Bis auf 146 find alle wieder beschäftigt. Diese 146 finden trop ihrer Bemühungen feine Arbeit und find auf einige Beit den dortigen Fabriken ausgeschlossen. diese Zurückgewiesenen, welche zum Theil Familienväter find, zu unterstügen, hat das Strike- Komitee auswärtige Kollegen um Geldsammlungen gebeten. In Glauchau find in mehreren Fabriken zwar durch die Arbeiter Geldsammlungen gemacht worden, die Fabrikverwaltungen haben jedoch veranlaßt, daß die gesammelten Beträge den Arbeitern zurückgegeben wurden, ohne daß diese irgend welche nachtheilige Folgen trafen. Nur in einer Fabrik find zwei Arbeiter, von denen jedoch nicht festgestellt werden konnte, ob fie gesammelt hatten, ohne Kündigung entlassen worden. Sie find, wie auch der Chef der Fabrik anerkannte, notorische Sozialdemokraten. Ob man glaubt, daß durch derartige Maßregeln die Stimmung der Arbeiter angefichts der Wahlen den nationalliberalen oder konservativen Abfichten geneigter zu machen ist? Wäre es der Fall, so würde dies ein erneuter Beweis dafür sein, daß man sich unter dem wachsamen Auge der polizeilichen Maßnahmen sicher fühlt; aber ein Zeugniß von der fortschreitenden Erkenntniß der geschützten" Herren ist es sicher nicht. h. In der öffentlichen Versammlung der Maler Berlins am Sonntag Vormittag( Röpniderstr. 100) sprach Herr Reg.- Baumeister Reßler über die Lage der Maler und Vorschläge zur Aufbefferung derselben", wobei er besonders auf das in allen Baufächern den Arbeitern durch Herabdrücken der Löhne so schädliche Submissionswesen näher einging, deffen Verbesserung vorläufig noch ein ungelöstes Problem" sei. Aufgabe der Fachvereine sei es so führte der Redner weiter aus, Kristallisationspunkte zur Abwehr gegen die Ueberproduktion und gegen die maßlose Ausnutzung der Arbeitskraft durch das Rapital zu schaffen, weshalb jeder Arbeiter einem solchen Verein als Mitglied angehören sollte. Für den aus der Kommission ausgeschiedenen Herrn Gehrke wurde Herr Nicolai gewählt. Bulegt nahm die Versammlung einstimmig eine Re solution an, welche jedem Malergehilfen zur Pflicht macht, dem Verein zur Wahrung der Intereffen der Maler Berlins beizutreten. Die Lohnbewegung unter den Schmiedegesellen in Stettin hat jezt zum Ausbruch eines Strifes geführt, an welchem sich etwa 40 Gesellen, meist sogenannte Kostarbeiter, be theiligen. Dieselben haben, nachdem zu der am Sonnabend anberaumten Versammlung, welche eine Einigung mit den Meistern bezweckte, überhaupt nur zwei Meister erschienen waren, und nachdem in einer zweiten gestern abgehaltenen Versammlung eine aus dreizehn Mitgliedern bestehende StrikeTommission eingesezt worden, heute die Arbeit nicht wieder aufgenommen. Von den Nichtstrikenden wurde den Uebrigen Unterstügung zugesagt. Heute Abend ist in der Stadt Bromberg" abermals eine Versammlung anberaumt, um in derselben über weitere Schritte zu berathen. " Der Bezirks- Verein des werkthät. Volfes im 29., 30. u. 31. Wahlbezirk hält heute, Mittwoch, Abds. 8/2 Uhr, Grenadierstr. 39 seine Versammlung ab. TD.: 1) Vortrag. 2) Besprechung der Landparthie. Gäste willkommen. Vermischtes. Luxuswagen. So erging es wenigftens in vergangener Wo mehreren Realschülern aus Plauen, welche eine Velocipeder nach Karlsbad unternommen hatten. Sie mußten froh sein, d auf der Rückkehr in der Heimath nicht aufs Neue ein Boll ihn abgefordert wurde. Wachtelfang in Italien. Nach offiziellen Auswein wurden im Laufe einer einzigen Woche des Monates Mai in Hafen von Messina allein verladen und versandt nicht wenige als 80 000 Wachteln! In Acona wurden vom 15. bis 31. Mei von einem einzigen Handelshause 10 700 Stück Wachteln schickt. Der größte Theil der Wachteln wird en gros m Negen gefangen; außerdem aber geht Groß und Klein, Sung und Alt, wer nur eine Schußwaffe tragen kann, während Beit der Ankunft der Schwärme mit allerlei Schießgeme mit Stöcken und dergleichen auf die Jagd, um die von den langen Fluge über das Meer ermatteten Vögel zu schieße oder zu erschlagen. Unzählig sind diese Jäger", welche einem einzigen Tage mit Leichtigkeit hundert und m Wachteln erbeuten. Im Ganzen fann man die Zahl Wachteln, welche in Italien bei der Ankunft dieser B gefangen und getödtet werden, auf mindestens 500 000 schäßen! Dresden, 10. August. Aus der Statistik ergiebt sich die traurige Erscheinung, daß gerade in Deutschland, dem Herzen Europas, der Selbstmord am stärksten wüthet, und daß hier wiederum Sachsen in diesem Punkte den traurigen Vorrang vor allen anderen Staaten hat. Wie beim Irrfinn ist auch beim Selbstmord die Zunahme eine weit raschere als die der Bevöl ferung; in Sachsen ist sie geradezu rapide. Während die Jahresziffer von 1872 nur 687 Selbmordfälle umfaßte( 266 auf 1 Million Einwohner), wurden 1877 schon 1114( 403 auf 1 Mill. Einwohner gezählt, und diese Ziffer stieg binnen abermals fünf Jahren, also 1882, auf 1872 und im vorigen Jahre gar auf 2004. Von den Lebensflüchtigen des legtgenannten Jahres waren 1081 männlichen und 923 weiblichen Geschlechts, die Zahl der weiblichen Selbstmörder kam also der der männlichen ziemlich gleich, während sonst nach der Statistik das männliche Ge schlecht durchschnittlich 3 bis 4 Mal so viel Antheil an den Selbstmordhäufigkeit hat als das weibliche. Gesau. Aus der Fabrit des Herrn Göße, Firma Schumann und Heitner in Glauchau, wird folgender Vorfall gemeldet: Donnerstag, den 7. August Nachmittags, kam der Fabrikbefizer Göße an die Webergesellen Ernst Krause und Theodor Müller mit der Bemerkung heran, daß die Gesellen sofort die Arbeit niederzulegen hätten, weil Erstgenannter Sammelliften zum Krimmitschauer Strike empfangen und Gelter gesammelt haben soll. Zu bemerken ist, daß diese Gesellen in ihrer Fabrik nie ein Wort über Politik gesprochen haben, und auch die Lohnbücher weisen es aus, daß gerade fie die tüchtig ften Arbeiter waren. Herr Fabritbefizer Göße theilte Herrn Krause mit, daß, wenn er den Beweis liefert, daß er ihm unliebſamen politischen Ansichten nicht huldige, er sofort wieder in Arbeit treten fönne. Worte braucht man hierüber wohl schwerlich zu verlieren. Aus Sachsen. Der Ende Juli in Crimmitschau ausge brochene Strike der Spinnerei- und Färberei- Arbeiter, welche Theater. Mittwoch, den 13. August. Die Königl. Theater find der Ferien wegen geschlossen. Deutsches Theater: Geschloffen. Renes Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater: Boccaccio. Ballner Theater: Hotel Blancmignon. Dkend- Theater: Sonnwendhof. Balhalla Operetten Theater: Nanon. tfenstädtisches Theater: 102. Overn Vorstellung. Die weiße Dame. Romantische Oper in 3 Atten von Boildien. Bellealliance- Theater: Mutter und Sohn. Die Buchdruckerei von MAX BADING Beuthstrasse 2 empfiehlt sich zur Anfertigung sämmtlicher Druckarbeiten, in geschmackvoller Ausführung zu soliden Preisen. Königfädtisches Kafino, Restaurant nnd Garten, Holzmarktstraße Nr. 72, empfiehlt den geehrten Vereinen seine BF Festfäle E nebst großem Sommer- Garten zur Abhaltung von Festlichkeiten unter soliden Bedingungen. Zugleich stehen 4 Vereinszimmer dem geehrten Publikum zur Verfügung. 2 Kegelbahnen, 3 fra. Billards. Gute Küche, Bögow, Bazenhofer und Nürnberger Bier vom Faß, bei täglich freiem KünſtTer- Konzert. 000 H. Meßner. Woldenberg.( Schmetterlingsschwarm.) Ein nach Tau senden zählender Schwarm von Schmetterlingen zog dieser Tage über unsere Stadt. Geradezu prächtig war das Schauspiel zu nennen, als eine Wolfe über den Schwarm stand. Wie fleine filberne Sternchen flimmerten die weißen Thierchen unter dem dunklen Gewölf. Derselbe Zug ist in Lauchstädt und in Dolgen gesehen worden. Vöge Nr. Aus 3 Stud dem g Aus Gent von 18 verstär zu ein demok Einhei ichen habe; talen" Einhe daß er Samme gelebten beide in Paris engagirt. Die beide Ein gelehrtes Schwein in Quarantäne. wird der N. Zür. 3tg." gefchrieben: Der Birkus Rancy, de befanntlich während der Landesausstellung in Zürich meilt gegenwärtig in Genf. Bei Gelegenheit einer Bene Vorstellung, die nächsten Sonntag, stattfinden sollte, hat Rancy den berühmten Clown Alfano sammt seinem Schweine" Künstler segten die Reise nach der Schweiz via Pontarlier In Vallorbes erfuhr der Clown Alfano, daß sein Schwein Quarantäne bleiben sollte. Rancy erhielt furz nach einande folgende Telegramme: Vallorbes, 30. Juli. Schwein hier der Grenze in Vollorbes aufgehalten. Muß eine Quarantine machen. Reklamirt sofort an den Regierungsrath in Gen Unglücksfad durch eine Schleppe. Dieser Tage fuhr eine junge Dame von Frankfurt a. M. nach Mainz. Im Be griffe, auszusteigen um einen anderen Zug zur Weiterfahrt nach Kreuznach zu benußen, blieb sie mit den langen Kleidern an Mehrere Leute dem Trittbrett hängen und stürzte zur Erde. sprangen herbei und hoben die Dame, die bewußtlos und im Geficht über und über mit Blut bedeckt war, auf und brachten Die Dame fie in einem Raum im Bahnhofsgebäude unter. wurde alsbald von einem Chirurgen untersucht und derselbe fonstatirte einen Bruch des Nasenbeins und des Unterkiefers; außerdem wurde die Unglückliche in Folge des Schreckens von Krämpfen befallen. Am Nachmittage wurde sie unter Begleitung einer Frau nach Frankfurt zurück und von dem Bahnhof auf einer Tragbahre zu ihren Eltern gebracht. Zu allem Unglück hatten Lettere an diesem Tage eine Luftparthie gemacht, so daß die Verunglückte erst noch bei anderen Leuten untergebracht werden mußte. Lausanne, 31. Juli. Bin Lausanne angekommen; Schwein Grenze geblieben. Werde heute noch Schritte bei der Rege rung thun. Unmöglich Samstag zu debutiren. Schickt mit gleich den Regiffeur, damit mir helfe, das Schwein zu erlö sonst muß dasselbe 8 Tage an der Grenze bleiben." Korrespondens läßt uns unflar, ob das besagte Schwein we feiner Gelehrsamkeit" oder nur in seiner Eigenschaft Schwein als choleraverdächtig aufgehalten worden ist. Jede falls wird der Regierungsrath in Genf" fich beeilt haber die erwünschte Intervention zu leisten. Aus Sachsen, 5. August.( Bollkuriosum.) In Sachsen wird jetzt dem in Berlin verfolgten Velocipedsport gehuldigt, doch droht jezt auch hier dem modernen Vergnügen eine ernste Gefahr. Mit Hilfe des Reitrades find die Grenzen des engeren Vaterlandes rasch durchmessen und an der österreichischen Grenze erhebt man von den eingehenden Bicyclen ruhig den Zoll für Donnerstag, den 14. d. Mts., Abends 8% Uhr: Große öffentliche Versammlung der Lederarbeiter im Oraniensalon, Dranienstr. 171. Tagesordnung: Wie verhalten sich die Lederarbeiter gegenüber der Lohnbewegung der Buchbinder? Referenten die Herren Unge u. Michelsen. Von dem Erscheinen Aller ist der Erfolg allein abhängig. 562] Die Lohntommission. Notiz- Kalender! Soeben erschien im unterzeichneten Verlage und ist durch alle Buchhandlungen, Kolporteure und Zeitungsspediteure zu beziehen: Deutscher Handwerker- und ArbeiterNotiz- Kalender für das Jahr 1885. Inhalt: Kalendarium mit Geschichtskalender. Postalisches. Das Krankenkassengefeß. Das Hilfskaffengeset mit der neuen Novelle. Das Reichstags- Wahlgefeß mit Reglement. Die wichtigsten Bestimmungen der Gewerbeordnung über Hauftrhandel und Kolportage. Banfplazverzeichniß des deutschen Reiches. Wechselstempel- Tarif. Binsberechnung nach Mark und Pfennigen. Vergleichende Tabelle der früheren Maaße. Münztabelle. Beitvergleichungs- Tabelle. Anleitung nebst Berechnung zum Gewindschneiden auf der Leitspindeldrehbant. Leeres Schreibpapier, sowie solches mit Datumsvordruck zu Tagesnotizen. Preis des gut gebundenen Taschenkalenders nur 50 Pf. Wiederverkäufer erhalten lohnenden Rabatt. Nürnberg. Wörlein& Comp. Briefkasten der Redaction. Neue Hochstr. 45. Sie berechtigt die angezahlten 5 999. Die zur persönlichen Ausübung des Berufs unents zurück zu verlangen. behrlichen Gegenstände eines Handwerkers find der Pfänd nicht unterworfen. Reichen Sie über das Verfahren Gerichtsvollziehers Beschwerde bei dem Vollstreckung richt ein. W. H. Fitr. 7. werden. Des Die Geschenke fönnen zurückverlangt 6. S. Langestr. 1. Das Sachverhältniß ist nicht g nügend klar dargelegt, daher läßt sich die Frage nicht beant worten. 2. Es liegt kein Hinderniß vor, daß Sie nicht Wit glieb einer freien Hilfskaffe werden fönnen. 3. Eine derartige Anstalt ist uns unbekanni. 6. M. 10. Vollen Glauben verdienen an dem Ausgang der Sache materiell intereffirte Zeugen, zumal dieselben in naha Verwandschaft stehen, nicht. Ihre Glaubwürdigkeit kann abe durch Umstände, welche in der Gerichtsverhandlung hervor E. H., Bernauerstr. Der Wirth ist verpflichtet, im Somme und Winter Flur und Treppen während der Dunkelheit leuchten. Bei Unterlaffung dieser Pflicht haftet er für die durch entstandenen Unfälle. treten, unterstügt werden. bie bd Müller 3. 1. Die Großjährigkeitserklärung eines väterlicher Gewalt befindlichen Kindes hat die Zustimmung Vaters zur Vorausseßung. Diese Bustimmung fann nicht Wege der Klage oder der Beschwerde erzwungen werden. | derlichen Legitimationspapiere aus. 2 Die Ortspolizeibehörde stellt die im vorliegenden Falle erfo Allen meinen Freunden und Bekannten empfehle ich bei pünktlicher Besorgung das,.Berliner Volksblatt". Max Kirsch, Beitungsspediteur. Brizerstr. 47. Restaurant u. Garten G. Pieper, und d gefaßt Selbit Staats und i wirklic mie m auswä baren halten halten, geleger zum lichsten beherr Die ge Der Se waren, unichu terferte landes So viel Bic empfiehlt Mittagstisch à la carte zu fl. Preisen, abends d = Auswahl halbe u. ganze Portionen. Weiß u. Bairisch Vereinszimmer für 80 Personen noch einige Abende frei 474. Zur pünktlichen Besorgung des Berliner Volfsblattes [ 462] sowie sämmtlicher Zeitungen empfiehlt sich Der unentgeldliche Arbeitsnachweis des Fachvereins der Schuhmacher befindet sich Spandauerstraße 39 bei Herrn Schulz. Adreffen- Ausgabe Abends von 8 bis 9 Uhr. Adressen- Annahme zu jeder Tageszeit. Sonntags von 10-12 Uhr Vormittags. 520 Die Nr. 7 der humoristischen Blätter Der wahre Jacob" 00000000000ft erſchienen und in der Exped. d.„ Berl. Bolfsbl." zu haben. Frau Rosentreter, Gr. Frankfurterstr. Abg. v. Kammg., Tibet, Tricot, Tuch u. Wolle und holt ab F. Quedeno, Wienerstr. Nr. 40. Verantwortlicher Redacteur R. Cronheim in Berlin. Drud und Verleg von Max Bading in 57 Tauf 291 Unentbehrlich für Behörden, Kranten faffenvorstände, Verwalter, Fabritbefiber u. A. Das Krankenversicherungsgelet nebst Anhang: Das Bilfskaffengesetz unter Berücksichtigung der Abänderungen des Gesetzes vom 4. Juni 1884. Preis für beide Geseze zusammen 25 Pflesteres apart 15 Pf. Nach den Beschlüssen des Bundesraths: Statuten- Entwurf 1. einer Ortskaffe, 2. einer Fabrik- Kaffe. ( Reichsgesez vom 15. Juni 1883.) Preis 75 Pf. Das Unfallversicherungsgeset nebst Ausführungs- Verordnung und Anmeldungs- Formular. Preis 25 Pf. Die Gewerbe- Ordnung für das deutsche Reich. Preis 30 Pf. Bu beziehen durch die Expedition des Berliner Volksblatt" Bimmerfir. 44. Die statistischen Wahltafeln wie at die au beherr tion m entiche Rechte Bölter aber, d Boliti obwoh durch rung und felbst lanung Den G Canni find foeben erschienen und in der Expedition des Berlin Boltsblatt", Zimmerftr. 44, zu haben. Berlin SW., Beuthstraße 2. den G einem gierun Kolon abgefd aus Enije weiseft bei ift, un Ausdr Antrie tommt jenige Hierzu eine Belle am me S Frage meggri Den ve anjchla gebung D bei S feines Gebein Rosmo Alexan Duboi Bortro etmas ausart D gung hat nu den K Schaft bei thr anbiet und G fein b felbe auch mir hi abreich ST ichen Mutte fennt ein fle und m Dichte A bedeut gefung tomme fammt farieb Inappe haben. Bod erei baf hnes Deifen i nige Mai Jung be webt Dem iefe me bes Bögel Stid Geni De 1001 nef batt brien Deiden in ander er an ntane Bent wein Regie mit fo Töfen Di wegen Seven aben 5 bung giges rlangt it ge beants Nr. 111. Beilage zum Berliner Volksblatt. Auswärtige Politik. Aus, Demokratische Blätter", herausgegeben von Lenzmann und Dr. Phillips, Berlin. Zu der Zeit, da die Regierung noch unmittelbar unter dem gewaltigen Eindruck der Großthaten des deutschen Volkes von 1866 und 1870-71 stand, als sie es noch für selbstverständlich hielt, daß mit der wenigstens begonnenen und bis zu einem gewissen Punkte gediehenen Durchführung der großen demokratischen Volksforderung der Herstellung der deutschen Einheit auch eine entschiedene Annäherung an die demokratischen Forderungen in Bezug auf die innere Politik stattzufinden babe; als fie noch nicht wußte, daß ein großer Theil der ,, libetalen" Bartei seine Freude über die wiedergewonnene deutsche Ginheit nicht anders an den Tag zu legen im Stande sei, als daß er sich gegen die untrennbar mit der deutschen Einheit zufammengehörige Forderung der deutschen Freiheit erst gleichgültig und dann sogar oft geradezu feindlich verhielt; als sie sich darauf gefaßt gemacht hatte, die großen Grundsäge der parlamentarischen Selbstbestimmung des Volts und des ganzen vollen Rechtsftaats allmälig fich im Deutschen Reiche verwirklichen zu sehen und ihr Bestreben etwa nur noch darauf richtete, diese Verwirklichung so langsam und vorläufig auch so unvollkommen wie möglich eintreten zu lassen: zu dieser Zeit hatte auch die auswärtige Bolitit, obwohl sie auch damals von jeder unmittelbaren Einwirkung und Beaufsichtigung durch den Reichstag ferngebalten wurde, das Gepräge des demokratischen Gedankens erhalten, der im Begriffe des Deutschen Reichs selber seit jeher gelegen hatte. Seit dem Tode Friedrichs des Großen bis unmittelbar zum Jahre 1866 hatten reaktionäre Tendenzen der vollsfeindlichsten Art die auswärtige Politif fast ohne Unterbrechung beherrscht. Die heilige Allianz hatte zum Hauptzwecke gerade die gewaltsame Unterdrückung der Völker und die Befestigung Herrschaft der absoluten Fürsten, sobald dieselben nur ,, legitim' waren, und an wenigen politischen Systemen mag der Fluch so viel unschuldig vergoffenen Bluts, so vieler gemarterter und eingeterferter Männer, von denen viele sonst der Stolz ihres Vaterlandes und die Zierde der Menschheit hätten werden können, wie an der heiligen Allianz. Aber dieses Ziel war es, was die auswärtige politik aller an ihr betheiligten Staaten absolut beherrschte, und die Sympathien für Absolutismus und Reaktion waren für die auswärtige Politik dieser Staaten unendlich entscheidender, als die Rücksichten nicht nur auf die natürlichen Rechte, sondern selbst als die auf die materielle Wohlfahrt ihrer Böller und auf der Regierungen eigene Ehre. Mehr beinahe aber, als irgend eine andere, war es die preußische auswärtige Bolitik, die in den Banden der heiligen Allianz befangen lag, obwohl die Erinnerung an die Rettung Preußens unmittelbar rung wahrlich hätte veranlassen sollen, sich vor dem Volksrechte und Boltswillen tief und ehrerbietig zu verneigen, anstatt sich selbst noch vor ihren Genossen hervorzuthun. Wit rartige Sigan naber n aber ervor omme Su C bie es in be 12. 2 erfor Mittwoch, den 13. August 1884. Dieser Stempel der Volksfeindlichkeit, diese Mißachtung, ja Leugnung jedes selbstständigen Volksrechts blieb der preußischen Politik aufgedrückt, auch als die heilige Allianz ihre unmittelbar in die Verhältnisse fremder Völker eingreifende Thätigkeit, hauptsächlich in Folge der kühnen, erleuchteten, großartigen Canning'schen Politit, eingestellt hatte. Sie versteifte fich gegenüber der Regierung Louis Philippe's auf das Prinzip der Legitimität und trat beleidigend und selbst taktlos ihr gegenüber auf, so daß der preußische Gesandte in Paris einmal eine Scene mit dem Minister des Auswärtigen, Caftmir Perier, hatte, in der er nach dem Zeugnisse des russichen Gesandten Pozzo di Borgo, gerade keine sehr glänzende Rolle spielte. Wie die preußische Regierung Ende der vierziger und während der fünfziger Jahre vor der russischen als dem großen Horte der Legitimität sich beugte, und wie sie Intereffe und Ehre des Landes ihren realtionären Sympathieen aufopferte, ist noch in ebenso allgemeiner wie trauriger Erinnerung. Selbst das Ministerium der neuen Aera lag in der auswärtigen Politik noch vollständig in den reaktionären Ueberlieferungen und in dem Prinzipe der Legiti mität verstrickt. Jahre lang wagte es nicht, das ,, revolutionäre" Königreich Italien anzuerkennen, und zeigte nicht einmal die Kraft, preußische Diplomaten und Offiziere von Wühlereien zu Gunsten der entthronten italienischen Fürsten zurückzuhalten, die geradezu feindliche Handlungen gegen die Regierung des Königs Viktor Emanuel in sich schlossen. Vielleicht nirgends so deutlich, wie auf dem Gebiete der auswärtigen Politik würde es flar, wie wenig dieses Ministerium mit wirklicher Freifinnig feit gemein hatte, wie wenig es von dem Gedanken des Selbstbestimmungsrechts des Volkes erfüllt war, und welche Kluft zwischen seinem Standpunkte und dem der echten, wahren Demokratie bestand. Dies war mit einem Schlage anders geworden, als die älteste und erste Forderung der deutschen Demokratie, die Wiederaufrichtung des deutschen Reiches, durch die Großthaten des deutschen Volkes erfüllt worden war. Schon das Bündniß mit den revolutionären Gewalten, mit dem Königreich Italien und der ungarischen Revolutionspartei, das im Jahre 1866 eingegangen wurde, machte den Eindruck, als ob es nicht blos eine wie auf Kriegszwecke berechnete Maßregel sei, wie fie in jedem Kriege vorkommt und sich hinlänglich aus der bloßen Rücksicht auf den Waffenerfolg erklären würde, sondern als ob ihm so etwas wie eine grundsägliche Bedeutung inne läge, als ob zwischen diesen Bündnissen und der revolutionären Berreißung des bestehenden deutschen Bundesrechts und der Auflehnung gegen die legitime" Stellung des österreichischen Kaiserhauses in Deutschland ein innerer und beabsichtigter Zusammenhang bestände. Dann kam die Entthronung der ,, legitimen" Fürsten von Hannover, Nassau und Kurhessen, hinsichtlich deren es doch nur ein sehr mißlicher Trost war, daß sie nicht, wie in Italien, zunächst durch die Völker, sondern ausschließlich im Wege der Eroberung die Völker, sondern ausschließlich im Wege der Eroberung stattgefunden hatte; zumal da der von jeder legitimen Anwandlung freie, demokratische Charakter der auswärtigen Politif des nunmehrigen norddeutschen Bundes auch nach Beendigung des Krieges unverändert blieb. Die Beziehungen mit dem Königreich Italien waren nach wie vor, zum Entseßen der Kreuz- Zeitung, die herzlichsten, und als im Jahre 1867 der der Kreuz- Zeitung, die herzlichsten, und als im Jahre 1867 der Erzherzog Maximilian, der Sproß des legitimen" Hauses habsburg, auf Grund des Spruchs eines republikanischen Kriegsgerichts in Meriko, dem er sich zum Kaiser hatte auf" Der preußische Hof" schrieb aus einer solchen Veranlaffung im Jahre 1825 in einem Briefe an Lord Granville, Canning( welcher, strenger Tory wie er war, dennoch es für den Gipfel politischer Thorheit und politischer Missethat hielt, einem Volte das Recht auf Selbstbestimmung und gute Regierung abzusprechen, und die Unabhängigkeit der spanischen drängen wollen, erschossen wurde, da war, soviel wir uns er Kolonien in Südamerika, die die Despotie des Mutterlandes abgeschüttelt hatten, anerkannte, wodurch er England endgültig aus den Bahnen der heiligen Allianz riß und das äußerste Eniseßen derselben erregte), der preußische Hof ist der un snad Bie Mattes 57 e fauft erliner er weisefte in Europa. Wie kommt es nur, daß Preußen so innern, der norddeutsche Bund die erste europäische Großmacht, die die Regierung des Prästdenten Juarez in Meriko anerfannte, ohne sich um die abgeschmackten Lamentationen der Kreuz Zeitung nur im Geringsten zu bekümmern. Es war, als ob der demokratische Charakter der neuen deutschen Reichs= bei Weitem das unvernünftigste Mitglied der heiligen Allianz schöpfung gerade auf dem Gebiete der auswärtigen Politik am ist, und sich stets in den übertriebensten und unangemessensten Ausbrüden ergeht? Wenn je ein Land durch den freiwilligen Antrieb des Volles gerettet wurde, so ist es Preußen; wie tommt es nun, daß von allen Regierungen die preußische die die Hand zu bieten bereit war, bloß um den Namen der ,, reienige ist, welche sich mit der Volksfeindlichkeit ihrer Politif gierungsfähigen" Partei nicht einzubüßen, und nachdem sie am meisten brüstet?" Selbst als Regierung und Kanzler inne geworden waren, was sich die nationalliberale Partei bieten ließ und wozu ste auf Grund dieser willkommenen Wahrnehmung fich nun im Stande fühlten, mit der bis dahin im Innern befolgten halboder viertelsliberalen Politik Halt zu machen und eine völlige Frage zu beantworten, so würde man auf sehr kleinliche BeWenn man dieser Erscheinung nachspüren wollte, um die weggründe, auf sehr beschränkte Auffassungen stoßen, welche Umkehr vorzubereiten, wurde in der auswärtigen Politik noch den verächtlichen Ton, den der englische Minister wiederholt streng daran festgehalten, nur die Bedürfnisse des deutschen anschlägt, wenn er auf die preußische Politik und ihre Kundgebungen zu sprechen kommt, nur zu jehr rechtfertigen. Heinrich Heine- Straße. Reichs als maßgebend zu erachten und politischen Sympathieen reaktionärer oder legitimistischer Art absolut keinen Heinrich Heine- Straße" zu nennen. Der Pariser Stadtrath hat beschlossen, eine neue Straße seine menschlichen Schwächen und Fehler, von denen auch der Wohl hat der deutsche Dichter einen großen Theil feines Lebens fern vom Vaterlande zugebracht, und auch seine Gebeine ruhen in fremder Erde; der Dichter war allerdings Rasmopolit, aber nicht mehr und nicht weniger, wie Göthe, Alexander Humboldt und beispielsweise der Berliner Profeffor Dubois- Reymond, der noch fürzlich bei Gelegenheit eines Bortrages über Diderot das Nationalgefühl an sich als etwas unberechtigtes hinstellte, welches leicht in Nationalhas ausarte. vergessener und wenn er in diesem Kampfe manchmal mit nicht grade allzu glänzenden Waffen auftrat, so hatte eben Heine deutsche Dichterfürst, der glorreiche Wolfgang Goethe, nicht ganz befreit war. Die politischen Lieder Heines find durchweg die besten, die wir haben der bekannte Kritiker Dr. Arnold Ruge nannte Heine den ersten und größten politischen Dichter Deutschlands. Und wenn die Gesänge eines Freiligrath und eines Herwegh die Leser oder Hörer auch momentan gewaltiger packen, so üben die Heine'schen politischen Gedichte doch eine viel nachhaltigere Wirkung aus, fie erwecken weniger Begeisterung, aber fie spornen zu erhöhter Thätigkeit an. Kurzum, Heine ist eine deutscher Dichter und einer der Der Kosmopolitismus aber schließt eine gesunde Hinneigung zum Vaterlande gar nicht aus; eine Völkerverbrüderung größten Dichter Deutschlands! bat nur Sinn, wenn die Nationen wetteifern mit einander in schaft streben und sich gegenseitig bei der ,, Verbrüderung", d. h. den Künsten des Friedens, wenn sie nach Bildung und Wissen bei ihrem friedlichen Umgange mit einander, auch etwas Gutes anbieten fönnen. und Gebräuche und auch einzelner Franzosen, liebte Heine Bei all' seiner Verehrung der franzöfifchen Sitten sein deutsches Vaterland, und seine satirischen Hiebe auf das abreicht. auch liebenden Mutter, die sie dem ungezogenen, oder sagen I wir hier lieber dem träumerischen, etwas trägen Kinde ver schen Liedern, in denen er seine Sehnsucht nach der alten Wer kennt nicht die eigenthümlichen Klänge in den Heine fennt nicht das prachtvolle Kampfeslied:" Deutschland ist noch Mutter und dem alten Vaterlande erkennen läßt, und wer ein fleines Kind, doch die Sonne ist seine Amme u. s. m." und wer möchte dann noch leugnen, daß wir es mit einem Dichter zu thun. haben, der sein Vaterland innig liebt? bedeutendste Lyriker Deutschlands, seine Liebeslieder werden gesungen, wo immer nur deutsche Sangeslustige zusammen tommen und sein Buch der Lieder" wird gelesen von der geDoch laffen wir das! fammten deutschen Jugend. haben. Heine war wohl nach Goethe der Seine Brosa ist gleichfalls mit die Beste, die jemals ge schrieben worden, so daß wir an ihm noch immer, was Inappe, flare Ausdrudsweise anbelangt, ein vorzügliches Vorbild Sein Kampf für Freiheit und Aufklärung bleibt ein unGegenwärtig werden in Wien den österreichisch- deutschen Dichtern, Anaftafius Grün und Nicolaus Lenau, Dent= mäler errichtet. Gewiß haben wir es hier mit bedeutenden Boeten zu thun, mit braven Männern im Kampfe für Menschenthum und Aufklärung fte haben ein Denkmal verdient. Und es wird nicht lange währen, so wird man auch in Deutschland dem kürzlich verstorbenen Emanuel Geibel, dem liebenswürdigen Lyriker, ein Denkmal segen warum auch nicht? Geibel hat so viele Mädchenherzen durch seine Lieder erfreut, er hat durch seine schmeichelnden Gesänge viel Fürstengunst erworben, warum soll er fein Denkmal erhalten im deutschen Vaterlande? Aber Heinrich Heine? Er hat sich keine Fürstengunst erworben, er hat auch niemals dem Volle geschmeichelt, im Gegentheil: Fürsten hat er verspottet und dem Volfe in bitterster Weise die Wahrheit gesagt. Aber gerade deshalb hat er fich um Volf und Vaterland verdient gemacht und dennoch denkt Niemand im Vaterlande daran, ihm ein Denkmal zu errichten. Er hat sein Vaterland mit ganzer Herzensgluth geliebt sollte ihn, den genialen Sänger, das Vaterland nicht wiederlieben wollen? Sollte das Vaterland einem seiner besten Söhne nicht die äußere Ehre anthun, die Vorübergehenden -in Berlin, Hamburg oder Düsseldorf an den großen Todten zu erinnern? Durch ein Denkmal Heine's würde Deutschland sich selbst ebren will es den Franzosen, den Parisern, diese Ehre allein überlassen? 1. Jahrgang. Einfluß darauf zu gestatten. Die spanische Regierung wurde nach der Verjagung der Königin Isabella und der Thronentsagung des Herzogs von Aosta ohne Weiteres anerkannt, gegen den ,, legitimen" König Spaniens, Don Carlos, aber wegen Ermordung eines preußischen Unterthans, des an geblich als Spion erschossenen Hauptmanns Schmidt, ein etwas zweckloser Steckbrief erlassen. Während des Prozesses des Grafen Arnim wurde die offiziöse Presse nicht müde, den angeblichen royalistischen Umtrieben des angeklagten Botschafters in Paris die der Republik so entschieden zugewandte Politik des Reichskanzlers entgegenzuhalten, um auf diese Weise den liberalen Philister über den Charakter jenes Prozesses zu verblenden und aufs Neue Stimmung zu machen für den großen Kanzler, den nur ein Gedanke beseelt, nämlich die Wohlfahrt des deutschen Reichs". Aber seitdem nun im Innern die Umkehr stattgefunden hat und eine unverhüllt reaktionäre Politik an die Stelle der früheren, wenigstens noch den liberalen Schein wahrenden, getreten ist, ist es auch in der auswärtigen Politik wieder anders geworden. Reaktionäre Sympathieen und Einflüsse fangen wieder an, eine Rolle zu spielen. Am meisten zeigt sich dies, wie immer, in den Verhältnissen der deutschen Politik gegenüber Rußland. Es ist selbstverständlich, daß man mit Rußland, so lange es irgend angeht, wie mit jedem andern Staate freundschaftliche Beziehungen aufrecht zu erhalten sucht. Es ist selbstverständlich, daß man mit Rußland, wenn die augenblickliche Lage es für vortheilhaft erscheinen läßt, in ein noch näheres Verhältniß tritt, vielleicht ein Bündniß schließt, wie man es mit jedem zivilifirten oder unzivilifirten europäischen oder asiatischen Staate schließen würde. Aber die frühere preußische Politik hat sich sehr oft nicht begnügt, ihr Verhältniß zu Rußland lediglich in dieser Weise aufzufassen, sondern ist weit darüber hinausgegangen. Sie hat ihre Beziehungen zu Rußland mit einer Art von sentimentaler Innigkeit aufgefaßt, wie sie es feinem andern Lande gegenüber gethan hat, und wie es, gerade Rußland gegenüber, aus mehr als einem Grunde kaum angemessen erschien. Auch hat jede Blüthe dieser sentimentalen Innigkeit immer eine sehr unsentimentale Behandlung des eigenen Volkes im Gefolge gehabt. Es scheint nun, als ob schon seit Jahren in die Beziehun gen der deutschen zur russischen Politik wieder etwas von dem Tone hineinflänge, der vor Zeiten von der preußischen Regierung angeschlagen zu werden pflegte. Wir haben von einer thurmhohen" Freundschaft zwischen Rußland und Deutschland sprechen hören, ein Ausdruck, wie nie ein ähnlicher auf die Beziehungen mit andern Staaten angewandt worden ist. Wir haben von den angeblichen Versuchen, an dieser Freundschaft zu rütteln, in einem Tone sprechen hören, als ob eine Mißstimmung gegen Rußland ein Verbrechen von ganz besonderer Ruchlosigkeit sei. Wir sehen gegenwärtig die Berliner Bolizei damit beschäftigt, Rußland Dienste von einer Art zu leisten, wie wir fie noch keinem andern Staate geleistet haben, und wie sie noch kein anderer Staat von uns verlangt hat. Das ist ein Zeichen der Zeit, und kein erfreuliches. Rußland ist von allen europäischen, vielleicht von allen Staaten schlechtweg derjenige, in dem die abscheulichsten politischen Grundfäße die leitenden sind. Mit einem solchen Staate kann man sich aus praktischen Gründen freundlich stellen, sich sogar zu einem praktischen Zwecke verbünden. Aber Freundschaft mit einem solchen Staate, innige, sentimentale Freundschaft mit solch einem Staate- die sollte sich ein Volk wie das deutsche verbitten. Lokales. Gegen den Genuß roher Milch hat die städtische Schuldeputation folgendes Schreiben erlassen:„ Wir sind darauf aufmerksam gemacht worden, daß in einzelnen Schulen Milch gegen ein geringes Entgelt an die Schülerinnen und Schüler verabreicht wird. Da der Genuß roher Milch von perlsüchtigen Kühen Gefahr für die Gesundheit bringen kann, die rohe Milch überhaupt schwerer verdaulich und weniger haltbar ist, als getochte, so ersuchen wir die Herren Rektoren und Schulvorsteher, darauf hinzuwirken, daß in Zukunft in den Schulen nur abgekochte Milch verabreicht werde." Ueber das Leichenkommissariat des Polizeipräsidiums spricht sich die" Post" dahin aus, daß dasselbe und die dem= selben unterstellte Morgue, troß ihres eratten Betriebes, den Bedürfnissen einer Großstadt in nur unzulänglicher Weise Rechnung tragen, weil sie gerade in ihrer wichtigsten Aufgabe, Sollte aber aus irgend welchen Gründen in unserer Denkmal spendenden Zeit dem Dichter überhaupt dasselbe versagt sein, so wird man sich natürlich dabei beruhigen müssen, daß Heine sich selbst ein Denkmal gesezt hat in seinen Werken, schöner als von Marmor, dauernder als von Erz. Londoner Plauderei. 11 Aus dem Hamburgischen Korrespondenten". Das Rennen von Goodwood, der Schluß und Glanzpunkt unserer Saison, ist vorüber, London ist leer. Die Upper ten thousand haben die Stadt verlassen und wer kümmert sich um die vier Millionen Nobodies, die verdammt sind, in der heißen stauberfüllten Atmosphäre der Metropole auszuhalten. Jedermann, der zur guten Gesellschaft gehören will, und das wollen alle, die über 600 Lstrl. jährlich oder mehr verfügen können, fühlt sich verpflichtet, dem Beispiele der Aristokratie zu folgen und zu verreisen. Nicht aus der Stadt zu gehen, gilt als so wenig fashionable, daß Familien, deren Vermögensverhältnisse ihnen derartige fostbare Ertravaganzen nicht gestatten, das oft fauer Ersparte diesem Vergnügen" opfern, ja es sollen sogar Manche ihre Häuser verschließen und verhängen und nur in der Dunkelheit sich auf die Straße wagen, um so an thre Abwesenheit glauben zu machen und wenigstens den Schein der Eleganz zu retten! Schein! das ist die Hauptsache. In einer so ungeheuren Stadt wie London kennt man die Verhält nisse selbst seiner nächsten Nachbarn fast nie, und muß allein nach dem urtheilen, was man steht. Sogar der Name sagt hier nichts, denn Mr. Spencer fann eben so gut der Better des Vizekönigs von Irland, als der Sohn eines ehrsamen Schuhmachers sein. London ist jest still und ruhig gewor den. In Rotten Row und Ladies Mile, wo sich noch vor Kurzem die Equipagen drängten und die traditionellen Schönheiten lässig aus den prächtigen Wagen herausblickten, wo glänzende Cavalcaden dahinsprengten, ist es leer. In den eleganten Straßen wie Regentstreet, Picadilly und Bondstreet haben die Ladeninhaber Zeit und Muße, an die Enttäuschungen zurückzudenken, die ihnen die Saison gebracht. Selbst in der City pulfirt das geschäftliche Leben und Treiben in vermindertem Maße, doch noch immer großartig genug, um die zahlreichen Fremden, welche in großer Mannichfaltigkeit in Hautfarbe und Sprache aus aller Herren Länder hier zusammenströmen, in das unge meffenste Erstaunen zu verseßen. Die meisten Theater find dem Publikum nach Möglichkeit nüglich zu sein, hinter berechtigten Anforderungen zurüdbleiben. Das Publikum hat das größte Intereffe daran, daß die fast täglich im Bereiche des tädtischen Weichbildes aufgefundenen unbekannten Leichen von Verunglückten oder Selbstmördern so schleunigst wie möglich refognoszirt werden können. Der täglich ausgegebene lakonische Polizeibericht genügt in dieser Beziehung feineswegs, und wenn die Staatsanwaltschaft ihre diesbezüglichen Bekanntmachungen erläßt, dann ist inzwischen soviel Zeit verstrichen, daß oft eine Refognoszirung selbst der Wäsche und Kleider der Leichen nicht mehr ausführbar ist, weil diese Gegenstände in vielen Fällen so schnell als möglich vernichtet resp. vergraben werden müssen. Die Angehörigen von vermißten Persönlich feiten müssen durch schnelle und zuverlässige Nachrichten in der Tagespreffe, aus welchen fie alle Kennzeichen der aufgefundenen Leichen, wie Art der Bekleidung, Wäschezeichen, Inhalt u. s. w. ersehen, mit Sicherheit erfahren fönnen, ob sie ihre Verlorenen an jenem Drte zu suchen haben, der unter der düsteren Ueberschrift Morgue der legten hoffnungslosesten Tragik des großstädtischen Treibens eine Stätte bietet. Es ist nicht recht verständlich, aus welchem Grunde bisher nicht Maßnahmen getroffen find, welche dem Publikum dieses ihm unzweifelhaft im vollsten Maße zustehende Recht gewähren. Abnahme der Heirathslust in Berlin und Wien. Zu den bedeutsamsten Zeichen der Zeit gehört die Abnahme der Heirathsluft in allen Ländern Europas; besonders fritt Diese Erscheinung in den großen Städten hervor. In Berlin wurden Eheschließungen verzeichnet 1875: 14,529, 1876: 12,093, 1877: 11,006, 1878: 10,429, 1879: 10,431, 1880: 10,829, 1881: 11,149, 1882: 10,829. Pro Mille der Bevölkerung heirathete in Berlin 1875: 30,63, 1876: 24,65, 1877: 21,78, 1878: 20,07; seitdem aber pro Jahr durchschnittlich 19,00 Be wohner. Daß auch in Wien die Heirathslust abgenommen hat, ist aus folgenden Zahlen ersichtlich: Es fanden Ehefchließungen hatt: 1870: 8586, 1871: 8158, 1872: 7989, 1873: 7378, 1874: 6713, 1875: 6072, 1876: 5498, 1877: 5049, 1878: 5183, 1879: 5772, 1880: 5975, 1881: 6297, 1882: 6526. Jm Jahre 1870 hatte die 3Zahl der Eheschließungen in der österreichischen Reichshauptstadt den höchsten Stand erreicht und das Jahr 1882 ist gegen dieses Marimaljahr um 24 Prozent zurück. Die Sternschnuppen des August. Alljährlich um die Zeit vom 8. bis 12. August durchschneidet die Erde in ihrem Lauf um die Sonne einen ebenfalls um die Sonne freisenden Schwarm fleiner Körperchen. Diejenigen dieser kleinen Körperchen, welche der Erde zu nahe kommen und in die Atmosphäre derselben gerathen, entzünden sich in Folge des Widerstandes, welchen die Atmosphäre der Erde ihrer meist außerordentlich großen Geschwindigkeit entgegenseßt. Dieselben feuchten dann plößlich auf, beschreiben vor unseren Blicken lange leuchtende Linien, um nach wenigen Sekunden wieder ebenso plößlich zu verschwinden. Nicht selten hinterläßt der brennende Körper einen Streifen matt leuchtenden Dampfes, welcher je nach seiner Stärte einige Sekunden sichtbar bleibt, zuweilen aber auch noch nach mehreren Minuten wahrgenommen werden kann. Die unter dem Namen des Perseidenstromes oder Thränen des heiligen Laurentius bekannten Sternschnuppen des August zeigen fich alljährlich in fast gleicher Stärke. Sie beginnen am 8. August, erreichen ihre größte Häufigkeit am 10. und ver schwinden gewöhnlich am 13. In diesem Jahre konnte, des hellen Mondlichtes wegen, bisher nicht viel von der Erscheinung gesehen werden. Da der Mond an den nächsten Abenden aber etwas später aufgeht, so wird die Erscheinung bei wolkenfreiem Himmel noch gesehen werden können. Es möge hierzu noch bes merkt werden, daß auch die Nächte nach dem 12. August, etwa bis zum 17., sich durch häufigen Sternschnuppenfall auszeichnen. * Auf der Havel zwischen Spandau und Potsdam hat vorgestern ein Busammenstoß zweier Dampfer stattgefunden. Der eine derselben, ein Gebhard'scher Dampfer, wurde dabei so stark beschädigt, daß er nur unter Anwendung seiner ganzen Dampfkraft das rechte Ufer erreichen konnte, um die Passagiere auszusetzen, und dann sank. Der zweite Dampfer konnte, nachdem fonstatirt war, daß er feinen größeren Schaden er litten, die Fahrt fortsegen. Welcher von den beiden Kapitänen die Schuld an dem Zusammenstoß trägt, wird die gerichtliche Untersuchung des Vorfalls ergeben. Gerichts- Zeitung. Dülfen, 8. August. Die legte Verhandlung des hiesigen Schöffengerichts gab recht erbauliche Aufschlüffe über die Art und Weise, wie die neuen geseglichen Vorschriften über das Innungswesen, im thatsächlichen Widerspruch mit dem wahren Sinne dieser Vorschriften, unter Verhältnissen von Innungen sehr zweifelhaften Charakters ausgebeutet werden können. Der in Süchteln bestehenden Weberinnung war, wie die Niederr. Volksztg." meldet, von der Regierung zu Düsseldorf das Auffichtsrecht über die Lehrlinge der Nichtinnungsmeister ertheilt worden, welches nach dem Geseze solchen Innungen, die sich bereits hinreichend bewährt haben, zugesprochen werden kann. Die Webermeister Franz Uerlings, Math. Fingles, Heinr. Nir geschlossen und in den wenigen offenen dominiren die Vettern vom Lande. Die Klubs find verödet, in den weiten Räumen herrscht Stille und Schweigen, felten unterbrochen durch das Gähnen eines gelangweilten Mitgliedes, welches vielleicht durch seine parlamentarische Thätigkeit noch einige Tage gezwungen in London verweilt. Die Saison war feine günstige und hat die Erwartungen nicht erfüllt, die man auf sie gesezt. Der jähe Tod des Herzogs von Albany war die Veranlassung, daß Staatsfestlichkeiten gar nicht, und Privatgesellschaften nur in sehr beschränktem Maßstabe stattfanden. Die Mitglieder des regierenden Hauses schlossen sich von allen öffentlichen Ver gnügungen aus, dem strengen Machtgebot der Monarchin fol gend. Die Königin Victoria besißt die sonderbare Eigenschaft, fich mit einer seltenen Energie traurigen Erinnerungen hinzu geben. Sie findet immer neue Mittel und Wege, das AnDenken Verstorbener zu ehren, und glaubte auch durch das indirekte Verbot aller Festlichkeiten eine Pflicht gegen den verstorbenen Sohn zu erfüllen. Bereits seit dem Tode des Brinzen Albert vermied sie es soviel als möglich, in der DeffentV und Heinr. Peters, sämmtlich Sammtarbeiter zu Süchteln, batten trop der an fte ergangenen Aufforderung seitens des Bürgermeisters, ihre Lehrlinge nicht bei der Innung angemeldet und Deshalb jeder ein Strafmandat, auf 20 M. lautend, erhalten. Gegen diesen Strafbefehl hatten die Genannten Einsprache erhoben. In der gestrigen Verhandlung gaben sie zu, der Aufforderung nicht nachgekommen zu sein, zwei deshalb nicht, weil die betr. angeblichen Lehrlinge schon Gesellen resp. Meister seien, und die beiden Andern, weil sie sich nicht verpflichtet glaubten. Die Polizei fuchte dem entgegen nachzuweisen, daß die fraglichen Arbeiter wohl noch Lehrlinge, und daß die Meister zur Anmeldung verpflichtet seien. Der Schußzeuge Joh. Peter Buscher berichtete eingehend über die Innung in Süchteln, deren Gründung in ungefeßlicher Weise vor sich gegangen sei. Von einer gewissen Seite hätte man immer nach einer Innung gestrebt und als hierfür der geeignete Boden nicht gefunden werden konnte, hätte man sich auch nicht gescheut, zur Erreichung dieser Abficht unerlaubte Mittel anzuwenden. Unter der Vorspiegelung, eine erhöhte Lohnliste zu erzielen, hätte man den Webern eine Liste zum Unterzeichnen vorgelegt, die aber nichts anderes gewesen sei als eine Beitritts Erklärung zur Innung. Es seien dadurch nicht allein die Weber, sondern auch die Regierung, an welche die Eingabe ge richtet war, getäuscht worden. Als Beweis hierfür diene, daß verschiedene Weber die monatlichen Beiträge zur Innung verweigert hatten und daraufhin Mahnzeitel erhalten hätten, die aber von der Polizei wieder fortgeholt worden seien u. s. w. Der Vertheidiger führte aus, daß die betreffende Innung nicht die Gewähr geboten habe, auf Grund deren den Innungen eine Einwirkung auf die Prüfung von Lehrlingen, welche nicht bei Jnnungsmeistern beschäftigt sind, zugestanden werden könne; er wies dann auf die großen Mißlich keiten für die nicht Innungmeister hin. Dadurch, daß der Innungsvorstand einerseits das Recht habe, von der Arbeit des Lehrlings jeden Augenblick fich überzeugen zu dürfen, während andererseits der Fabrikant bei Androhung von Arbeitsentziehung den Webern verbiete, einem anderen Meister Einficht in das Gewebe zu gestatten, erwüchsen den Webern allerlei Unannehmlichkeiten. Wie peinigend sei es ferner für Weber, die seit ihrer frühesten Jugendzeit dem Weberhandwerke obs liegen, ihre Arbeit nunmehr kontrolirt zu sehen von dem Innunsvorstande, an dessen Spiße ein Mann stände, der früher 30 Jahre Holzhacker gewesen und erst wenige Jahre Weber sei und nun alte, ergraute, erprobte Meister schulmeistern wolle. Die Vertheidigung beantragte Freisprechung, die Staatsanwaltschaft stellte Antrag auf Bestrafung mit 3 Mt., wogegen das Schöffengericht 1 Mt. Strafe eventuell einen Tag Haft erkannte. " 1 Will Euer Sohn dienen, so gehört die Grafschaft nicht dazu, und er wird nie weiter avanciren, wenn er sein Metier nicht ordentlich lernt. Ich bin Euer gnädiger König." P. S. von des Königs eigener Hand: Junge Grafen, die nichts lernen, find Ignoranten in allen Ländern. Im Fall nun einmal ein Wunder geschehen und aus einem Grafen etwas werden sollte, und er der Welt und seinem Vaterland nüßlich werden soll, so muß er sich auf seinen Stand und Geburt nichts einbilden, denn das sind nur Narrenspossen, und es kommt nur allezeit auf sein mérites personelles an." Blutvergiftung durch Fußsocken. Aus Wien wird ge schrieben: Der im dritten Bezirke, Kolonisgaffe Nr. 10, wohn haft gewesene Handlungsagent August Zendo ist vorgestern Abends plöglich verstorben, ohne daß eine Todesursache feſtge stellt werden konnte. Das von dem Vorfalle verständigte o lizei- Kommissariat Landstraße entiendete den Bezirksarzt zur Leichenbeschau, und dieser konstatirte eine Blutvergiftung durch rothgefärbte gifthaltige Socken, welche der Verstorbene benügt hatte. Gegen die Firma, welche diese gefährliche Fußbekleidung in den Handel gesezt hat, wurde eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Der Leichnam wurde behufs gerichtlicher Obduktion in die Todtenkammer des allgemeinen Krankenhauses überführt. zur rechten Zeit verrathen. Johann: Na gnädiger Herr, nun, wo ich weggehe, fann ichs Ihnen ja sagen, der Schlüssel zur Kohlenkammer paßt auch zum Weinkeller. Papageien- Alter. Der älteste Einwohner des Zoologischen Gartens in London ist dieser Tage gestorben. Es iſt ein schwarzer Papagei aus Madagaskar( Coracapsis vasa), welcher der Zoologischen Gesellschaft im Juli 1830, zwei Jahre nach der Eröffnung des Gartens, zum Geschenk gemacht wurde. Der Vogel hat folglich 54 Jahre in dem Zoologischen Garten gelebt. Wie alt der Papagei bei seiner Ankunft daselbst war, ist nicht bekannt. denn Ein eitler Geistlicher hielt öfters öffentliche salbungs volle Vorträge, die zum größeren Theil aus Citaten berühmter Theologen bestanden, welche aber ungenannt blieben der Vortragende brauchte nicht zu fürchten, daß unter den schlichten Zuhörern Einer die betreffenden Bücher gelesen haben würde. Einstmals führte ihm aber der Zufall einen sehr be lesenen Zuhörer zu. Kaum hatte der Geistliche die Einleitung beendet, so hörte man den Fremden halblaut sagen:„ Das ist von Zschokke". Der Geistliche stutte, fuhr aber scheinbar un behelligt fort. Kurz darauf sagte der Fremde: Das ist von Jakobi". Der Pfarrer biß fich zornig auf die Lippen und re dete erst nach einer Pause weiter. Nicht lange darauf hörte man den Fremden noch lauter als bisher dazwischenreden: " Das ist von Schleiermacher." Da lief dem Redner die Galle ins Blut und er donnerte: ,, Kerl, noch ein Wort, und ich laffe Sie hinauswerfen!" ,, Das ist von ihm", erwiederte der la fonische Fremde, ohne eine Miene zu verziehen. Aus Schlesien berichtet die Brest. 3tg." über einen Aft brutaler Willfür von Seiten eines russischen Grenzsoldaten, der sich jüngst in der Nähe von Laurahütte ereignet hat. Gin Thonwaarenhändler aus Hugocolonie bei Laurahütte hat auf russisch- polnischem Gebiet ein Feld gepachtet und war dieser Tage nebst seinen Leuten mit Erntearbeiten dort beschäftigt. Da erschien ein russischer Grenzsoldat, start angetrunken, bas selbst, wollte den erforderlichen Bag für die Erntearbeiter Schnaps und Geld. Obwohl er beides und noch Bigarren e sehen und verlangte, nachdem ihm dieser gezeigt worden war, hielt, war er immer noch nicht zufrieden, fing schließlich förm lich Streit an und gab dabei zuletzt mehrere Schüsse gegen die Schlefter ab, mit welchen er Menschen glücklicher Weise nicht getroffen, die Pferde des erwähnten Bächters aber so schlimm verwundet hat, daß dieselben bald darauf verendeten, worauf er sich aus dem Staube machte. Hinterher hat der Kapitän der russischen Grenzbesagung dem geschädigten Bächter 200 Rubel als Schadenersas angeboten, welches Angebot aud Memmingen. Zum Bierpantscher Prozeß. Wir haben von den in verschiedenen Städten vorgenommenen Haussuchungen bei Bierbrauern wegen Beimischung von in Bayern unerlaubten Ingredienzien zum Bier Notiz genommen. Ob den Anlaß zu diesem gerichtlichen Vorgehen das Falliffement der Münchener Firma Wich u. Co., oder nach anderer uns mitgetheilter Leseart eine Denunziation gegeben hat, kann uns egal sein. Wir begrüßen jede Verurtheilung wegen Verfälschung von Lebensmitteln, weil es keine gewiffenlosere Geldspekulation giebt, als die auf Kosten der Gesundheit der Konsumenten und erst seit solchem Spiel der freien Kräfte" ein Boden gelegt wurde, wurden auch die Lebensmittelunter suchungsämter nothwendig. Um also auf den besagten Hammel, nämlich auf den Bierpantscher wieder zurückzukommen, so haben den Reigen dieses für Bayern neuen Echauspiels 33. Angeschuldigte eröffnet, welchen das fgl. Landgericht Memmin gen eine wohlverdiente Sommerfrische, bezw. Geldstrafen zudiftirt hat. Unter diesen 33 Angeschuldigten und auch Verur theilten, denn freigesprochen wurde auch nicht Einer, befinden fich 28 Bierbrauer; die übrigen Biedermänner sind die Herren Wich und seine Handlanger. Das Urtheil, welches am Sonnabend gefällt wurde, lautet: 26 Angeklagte werden zu zwanzig Tagen bis drei Monaten Gefängniß nnd 200 bis 1000 Mart Ein Eisenbahnzug durch Fliegen blockirt. Die ,, Illinois Geldstrafe oder für je zehn Mark ein Tag Gefängniß, zwei Staats- 3tg." schreibt: Neulich stellte sich am Abend eine Un Angelagte zu 100 und 200 Mark Geldstrafe oder Gefängniß, Reolufer Brüde ein; fle waren durch das Vorderlicht bet masse der sog.„ Mormon"-Fliegen auf der Illinoiser Seite der ein Angeklagter zu fünf Monaten Gefängniß, zwei Angeklagte zn zehn Tagen und acht Monaten Gefängniß 750 Mark GeldLokomotive angezogen worden und die Brücke war an jener strafe, sowie zu den Kosten verurtheilt. Die Surrogate werden Stelle bald zur Höhe von zwei Fuß mit todten und sterbenden eingezogen. Die anderen Herren Kollegen von der Süßholz- Fliegen bedeckt. Die Lokomotive ward zum Stillstand 2c.- Gilde mögen fich hiernach ihre Rechnung einstweilen selbit bracht, da sie sich nicht durch die auf dem Geleiſe lagernde machen. Vermischtes. Friedrich der Große über das Militär- Avancement. Ein Graf von Schulenberg aus Hannover hatte den König von Preußen gebeten, feinen Sohn, der schon zwei Jahr als Jun fer diente, zum Offizier zu machen. Darauf folgte Friedrichs Antwort: Wohlgeborener, lieber Getreuer, Sch habe aus Eurem Schreiben vom 22. d. Euer Gesuch wegen Eures Sohnes gesehen. Ich muß Euch aber sagen, daß ich schon längst den Befehl gegeben habe, feinen Grafen in meine Armee aufzu nehmen, denn wenn sie ein oder zwei Jahre gedient haben, gehen sie nach Hause, und es ist lauter Windbeutel mit ihnen. gedrungen ihrem vornehmlichsten Gegner Recht und sagte, es müffe etwas geschehen. Liberale und Konservative waren also angenommen worden ist. Insektenmasse hindurcharbeiten fonnte. Nachdem man die Fliegen, im Ganzen etwa 60 Bushel, zur Seite geschaufelt hatte, fonnte der Bug weiter fahren. Na, Na! Eine unangenehme lleberraschung. Der Privatus K in Dippoldiswalde gedachte nächsten Februar mit seiner Ehefrau die goldene Hochzeit zu feiern. Dieser Tage war ein fleiner chelicher Zwist vorgekommen und als Herr von seinem üblichen Spaziergange zurüdfehrie, fand er, wie die ,, Dresdener Nachrichten" melden, seine so langjährige Lebens gefährtin erhängt. Der Bürgermeister von Taucha, Gottlieb Bröse, it mit Hinterlaffung eines Kaffendefektes von, wie man fagt ca. 12 000. verschwunden. Die Staatsanwaltschaft fahndet auf ihn. Wie man vernimmt, ist derselbe am Donnerstag feft genommen worden. die Männer schlendern lediglich zu ihrem Vergnügen dazwischen; in diesem Punkte einig, hielten Meetings über Meetings, griff, fich einen vergnügten Abend zu machen. Gelegenheit fie haben ihren Wochenlohn in der Tasche und find im Be hunderte von Vorschlägen wurden gemacht, die Propofitionen wurden angegriffen und vertheidigt, man einigte sich über die schönsten Resolutionen und es geschah nichts. Aber dies haben sie genug dazu. Da sind Schießstände, Magier, Würfel ,, Eastend". von London ist in Mode gekommen, Jeder lebhaftesten geht es natürlich in den Branntweinschänken bec man im Westend und in der City keine Ahnung bat. Alm Wir treten in eine, die, hell erleuchtet, mit ihren farbigen Flaschen eine verführerische Anziehungskraft auf die Menge ausübt. Sie ist voll von Arbeitern aus den Docks, Matrofen, will es sehen, um aus eigener Erfahrung mitsprechen zu können, und viele Engländer, die genau in Peking und Melbourne, in Bombay und Capstadt Bescheid wissen, finden zu ihrem Erstaunen in ihrer nächsten Nähe eine ganz neue Welt, von deren Eigenthümlichkeiten sie bisher keine Ahnung gehabt haben. Es ist zwar seltsam, aber thatsächlich wahr, daß faum 5 Prozent der westlichen Bewohner Londons im Osten der Stadt gewesen; der Fremde kommt nie dorthin und weiß von seiner Eristenz nur aus dem Reisehandbuch, das es einfach erwähnt, ohne zu sagen, was dort vorgeht und wie es dort aussieht. Unter meiner ganzen Bekanntschaft fonnte ich auch nur einen Menschen finden, der behauptete, im Osten Malayen, Türken und Chinesen. Es ist inzwischen etwas ruhiger auf der Straße geworden. Die Verkäufer stehen meist vor ihren Läden und rufen die Vorübergehenden an. Ein Porzellanhändler mit einer Wald schüssel in der Hand, auf die er fortwährend flopft, schreit Treten Sie ein, meine Damen, es muß Alles heute noch auss verkauft werden, was übrig bleibt, wird zerbrochen!" Ein Strämer ladet die Vorübergehenden höflich ein, in seinen Laden u tommen, wenn auch nur, um sich etwas auszuruhen. Ein gut Wales mit der Wahrnehmung der Repräsentationspflichten. Seiner Leitung vertraute ich mich an, und am legten Sonn- geben fich die größte Mühe, Kunden heranzulocken. Wir biegen Bescheid zu wissen, weil er dort Charakterstudien gemacht. macher preist seine berühmten 10 Pence- Hüte an, und Alle Seit dem Ableben des Herzogs von Albany aber war es auch dem Thronfolger nicht mehr erlaubt, diese Funktionen auszuüben, so daß die Saison ihrer größten Anziehungskraft be raubt wurde. Die vornehme Welt ist aber durchaus nicht geneigt, auf die gewohnten Vergnügungen überhaupt zu ver zichten. Man wird die Nachsession des Parlaments im Herbst als Entschuldigung benußen, um eine Reihe von Bällen und Gesellschaften in dieser dafür hier ganz ungewöhnlichen Jahreszeit zu geben. Warum es durchaus nöthig ist, in den heißesten Monaten, Juni und Juli, in den glutherhigten Räumen fich umherzudrängen und zu tanzen, das ist eine der vielen SonDerbarkeiten unseres gesellschaftlichen Lebens, für welche es nur eine Erklärung giebt: Es ist grau von Alter und daher heilig. abend Abend suchten wir gemeinsam die neue, plößlich so um eine Ecke und gelangen vor eine große Bude.„ Der Wunder modern gewordene Welt auf. Petroleum und Kohl, Petroleum palast" nennt es ein Kind, das in rosa Tricots mit furzem I und Käse, Petroleum und Heringe, Petroleum in Verbindung Balletröckchen auf der Platform davor steht. Nur lebende Wunder," fügt ein Clown in einem alten abgetragenen Koftim einer Trommel einen ohrenzerreißenden Lärm hervor. Mein Freund zieht mich weiter, bis er vor einem langen hölzernen Plakat verkündet, daß heute„ Drink"( Bola's Assommoir") ge Gebäude still hält. Es ist ein Theater. mit allen anderen Gerüchen, das war der erste Eindruck, den wir erhielten, als wir den Hansom verließen, der uns aus der City hergebracht. Vor uns dehnte sich eine unabsehbare Straße aus, in der dicht aneinander gedrängt leine Tische standen, an denen die Nahrungsmittel der Armen zum Verkauf auslagen. Da waren alle jene billigen Herrlichkeiten mit ihren penetranten Gerüchen aufgestapelt, an denen sich ein naiver Magen ergößt, und Niemand nahm daran Anstoß, wenn hin und wieder ein Tropfen Del aus der Licht spendenden Lampe des Händlers die Delikatessen fett und übelriechend machte. Wir bogen rechts ab in eine andere, anscheinend elegantere Straße, Bei uns macht die Mode Alles, nicht nur in der Gesell- die nach den Docks führte. An der einen Seite waren hell erleuchtete schaft, sondern auch in der Politik. Um den Liberalen ein Läden, an der andern wiederum eine Reihe von Verkaufsstän= Paroli zu bieten, hatte der Führer der Konservativen, Marquis den, vor denen sich eine dichte Menschenmasse drängte. Alles war of Salisbury, die ganz neue Entdeckung gemacht, daß die Bes voll, der Straßendamm, die Seitenwege, die Läden, und vor wohner des Oftens von London sehr schlecht wohnen und Allem die Branntweinschänken, die hier wie überall in London leben, und daß es Pflicht der Regierung wäre, die Lage dieser aus dem elegantesten Rahmen hervorstrahlten. Es ist SonnArmen zu verbessern. Die Partei Mr. Gladstone's die wohl abend Abend, d. h. Marktzeit, denn morgen ist Alles geschlossen, einsicht, daß diese Anregung ganz dazu geeignet erscheint, den und es gilt, für Sonntag Borrath zu laufen. Die Frauen Tories Sympathien und Anhänger zu verschaffen, gab noth- eilen geschäftig hin und her, prüfend, feilschend und laufend, Verantwortlicher Redacteur S. Gronheim in Berlin. Druck und Verlag von May Bading in Berlin SW, Beuthstraße 2. Ein großes gelbes wir sehen uns daher nur um und gehen weiter. Wenn bier genug, um zwei Personen zu gleicher Zeit paffiren zu laffen Wir treten ein, der Zuschauerraum ist dicht gefüllt, meit mit halbwüchstgen Jungen; das Stück hat noch nicht begonnen, ein Feuer ausbräche! Das ganze aus Holz gebaute au würde in wenigen Minuten in vollen Flammen stehen und nur ein schmaler Ausgang! Die Wege der Polizei find uners forschlich. Im Westend fönnen die Direttoren nicht genug Ausgänge schaffen und Vorsichtsmaßregeln treffen; faft jede Woche müssen sie noch Veränderungen vornehmen und hier? Es ist eben die alte Geschichte: das Leben der Armen und Elenden wird nicht so hoch geachtet, als das ihrer glüdlicheren Mitbürger! G. G.