# BASE it 協 bie lie 567 DIT gig. Sar bei ng ben. Nr. 113. Freitag, 15. August 1884. I. Jabrg. Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das ,, Berliner Boltsblatt erfeint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. frei in's Haus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Mart, Nummern 5 Bf. Postabonnement pro Quartal 3 Mart. trage der Postzeitungspreisliste unter Abonnementspreis für Berlin wöchentlich 25 Pf. Einzelne ( Eingetragen im VIII. Nach Nr. 719a.) Jusertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmart 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedition Berlin SW., Bimmerstraße 44. Noch ein nationalliberaler ,, Parteitag." Nach den glänzenden Erfolgen" in Neustadt, Heidel berg und Berlin werden die Herren Nationalliberalen sich nun auch in Hannover einfinden, am Siße ihres ,, leitenden Staatsmannes", des Herrn von Bennigsen, um auch dort sich neu zu konstituiren, d. h. den alten Wein in neue Schläuche zu fassen. " " Wir wollen gleich sagen, wie es in Hannover zugehen wird. Die faltgestellten Größen" des Nationalliberalismus in der Provinz Hannover- und ihrer sind nicht wenige! werden sich in hellen Haufen einfinden, der große Herr von Bennigsen wird eine staatsmännische" Rede halten, in der er betonen wird, daß er, der berühmte Kompromiß- Fabrikant der ,, einzig lonfequente" Politiker sei, und man wird den Entschluß dieses großen Mannes, fich wieder aktiv an der Politik zu betheiligen, mit fanatischem Jubelgefchrei begrüßen. Dann geht man auseinander und die nationalliberale Presse hat einige Wochen lang Stoff zu den bekannten Selbstverherrlichungs- Hymnen. Sie wird von dem unerwarteten, glänzenden Erfolg," von der unschätzbaren Aquisition" der Wiederaktivität des Herrn von Bennigfen sprechen und die Auferstehung der ganzen nationalliberalen Herrlichkeit verkündigen. Für Leute, die unsere politischen Verhältnisse nicht kennen, für die Ausländer vielleicht, mag es den Anschein haben, als ob bei uns eine neue nationalliberale Mera angebrochen sei. Denn die Herolde des Herrn von Bennigfen jene Menagerie- oder Meßbudenbefizer zum Muster genommen zu haben, die vor ihrer Bude ihre Herrlichkeiten so lange anpreisen, bis der Bruder Bauer", der zuhört, seine Reugierde nicht mehr bezähmen kann und seinen Obolus barbringt. Man vergißt nur, daß alter Rohl eben alter Kohl bleibt, auch wenn man ihn junges Gemüse nennt. Wir find in Deutschland denn doch über jene Periode der politischen Kindheit hinaus, in welcher die Schlagworte Alles machen. Das sieht man am Besten an dem vielberufenen Schlagwort, Freiheit!" Vor dreißig Jahren trennte das Wort Freiheit" noch die konservativen und die vorwärtsstrebenden Parteien. Heute haben sich alle Parteien dieses Schlagwort angeeignet und sogar die Herren Windtfann, was man immer will. Das Volk verlangt heute bestimmte, klar formulirte Forderungen, angepaßt seinen Bedürfnissen und geeignet, die drückendsten Mißstände zu befeitigen. Und was bieten die Nationalliberalen? Nun genau genommen doch nichts Anderes, als daß sie dem Reichskanzler durch Dick und Dünn folgen wollen. Allerdings ein heroischer Entschluß, nur ist er nichts Neues. Man wußte schon, daß die Nationalliberalen nichts Anders wollen; sie brauchten es nicht erst zu verkünden. Der Reichskanzler hat andere Bahnen eingeschlagen, als jene, auf denen ihm die Nationalliberalen früher folgten. Daß sie ihm auch auf den neuen Bahnen folgen wollen, das ist eben der alte Kohl, den sie nun für junges Gemüse das ist eben der alte Kohl, den sie nun für junges Gemüse ausgeben. Man verlangt heute denn doch mehr von den politischen Parteien, als diese Nationalliberalen glauben. Selbstständigkeit und Unabhängigkeit sind die ersten Erfordernisse. Selbst die Konservativen haben sich eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber der Regierung gewahrt. Und da kommen nun die Nationalliberalen und glauben, das Volk würde es als ein Verdienst anrechnen, wenn sie fich bedingungslos an den Triumphwagen des Reichskanzlers spannen laffen! Daß sich die Nationalliberalen von dem reinen Manchesterthum los sagen wollen, ift ganz gut. Allein konnte das nicht auch geschehen ohne das Gelübde der unbedingten Heerfolge gegenüber der Regierung? Man unterschätzt bei dieser ganzen Angelegenheit ein Moment nämlich den persönlichen Ehrgeiz des Herrn von Bennigfen. Dieser Mann hat die ganze Strebe luft derjenigen in sich, die seine Bahn gewandelt sind. Ursprünglich Demokrat, war er bald des Kampfes für bloße Prinzipien und Jdeale überdrüffig. Er strebte nach Macht, Prinzipien und Jdeale überbrüffig. Er strebte nach Macht, nach Genuß der Macht. Zum Zweck, Macht zu erlangen, mäßigte" sich der Demokrat von ehemals immer mehr, um schließlich das Haupt der zahmsten und unselbstständigsten politischen Partei zu werden, die jemals bestanden hat. Aber das erfehnte Ministerportefeuille ist ihm doch noch immer entgangen. Da zog er sich endlich grollend und schmollend zurück und fann über neue Mittel nach, feine Träume zu verwirklichen. Er glaubt sie nun in der Heibelbergere i" gefunden zu haben und bietet seine Blatt Freiheit." Was wird da Alles unter ,, Freiheit" bie Schranken. Und auch der Anarchist Most nennt sein Dienste wieder an. verstanden! Also Worte sind nichts, denn ,, ein tönendes Erz und eine flingende Schelle." Das Volf will heute feine viel deutigen Phrafen mehr, aus denen man Alles herauslesen Rachbend verboten.] 28 Feuilleton. Das Kind des Proletariers. Sensationsroman von U. Rosen. ( Fortsetzung) Bier Monate vergingen, ehe ein Segelschiff landete und die Verschlagenen, von denen nur noch drei am Leben waren, nach Mauritius brachte, wo der schwer erfrankte Jasper in einem elenden Hospital Aufnahme fand. Auf dem Wege dahin traf er den Steuermann eines Schiffes, bas gerade nach Calcutta abging und diesen bat er, ihm die Briefe, welche etwa für ihn in dem Büreau ſeines Freundes angelommen wären, bei seiner Rüdkehr mitzubringen. Der alte Seemann erfüllte getreulich seinen Auftrag. Jasper's Freund war vor Kurzem gestorben, aber in dessen Büreau fanden sich zwei Briefe für Frigoy vor, der eine war schon eröffnet gewesen, der Andere noch verschlossen. Tod und Leben, hoffte aber, bald Gelegenheit zu finden, gleichJasper schwebte in dem Hospital von Mauritius zwischen viel ob gefund oder frank sich nach England einschiffen zu tönnen, als der Steuermann aus Calcutta zurückkehrte und ihm die beiden Briefe übergab. Der geöffnete war von Myra, furz, gezwungen, unerklärlich: Theurer Jasper! Ich weiß faum, was ich sage oder thue. Ich bat Dich, eiligst nach Hause zu kommen, jezt muß ich diese Bitte leider widerrufen. Etwas unvorher gesehenes, Schredliches hat sich ereignet. Ich fürchte, ich I werde nicht in der Lage sein, mein Versprechen zu halten. Gieb deshalb Deine Stellung und Deine Aussichten für Die Bufunft um meinetwillen nicht auf, denn wenn Du auch hierher zurückkehrst, würdest Du nur finden, daß wir uns niemals heirathen können, daß also alle unsere Pläne vernichtet find: Ich fann Dir im Augenblid feine weiteren Aufklärungen geben, mein Kopf ist so wirr, mein Gemüth so belastet! Wie unglücklich ich bin! Und auch Du mein Jasper, wirst Dich wahrscheinlich schwer getroffen fühlen wie ich. Deine gramgebeugte Myra." in der Angst und Sorge der Enttäuschung geschrieben hatte, Das war der Brief, welchen Myra in ihrer Aufregung, Wir können es denen, welche Ministerportefeuilles zu vergeben haben, nicht verdenken, wenn ihnen eine solch' hartnädige Zubringlighteit zuwider ist. Nicht alle Leute glauben an den staatsmännischen" Beruf des Herrn von Bennigsen. Man mußte lächeln, wenn man " möglicherweise der Erbe der gesammten Barth'schen Befizungen sein würde. Jasper begriff diese Beilen nicht. Er erbrach haftig den zweiten Brief, der nach dem Verschwinden Sir Ruperts und vor dem Untergang der Oceankönigin" geschrieben war: Herrn Jasper Frigroy! Mit großem Widerstreben mache ich Ihnen im Auftrage meiner Roufine, Myra Barth, eine Mittheilung von Vorkommnissen, von welchen Ihnen selbst Kenntniß zu geben, diese nicht über sich gewinnen kann. Verschiedene Geschäftsverwickelungen ließen es dem verstorbenen Sir Gilbert Barth rathsam erscheinen, daß seine Tochter einen mit Glücksgütern gesegnen Mann heirathe, der ihre eigenen etwas verworrenen Angelegenheiten wieder in Ordnung bringen könne. Sir Gilbert war in große Verlegenheiten gerathen. Der Neffe und Erbe des verstorbenen Lord Bide war seit langer Zeit ein aufrichtiger Verehrer Myra's gewesen, und als gute Tochter hielt fie es für ihre Pflicht, den Wünschen ihres verstorbenen Vaters zu gehorchen und Lord Bide ihre Hand zu reichen. Die Nachricht wird Ihnen zweifellos schmerzlich sein, aber die Erfahrung lehrt nicht nur, daß die Abwesenheit die Liebe zu tödten pflegt, sondern auch, das frühe Verlöbnisse selten zur Ausführung gelangen. Myra rechnet darauf, von Ihrer Freundschaft und Großmuth mit keinem Vorwurf belästigt zu werden. Ich habe mich der unangenehmen Verpflichtung, Sie von dem Vorgefallenen zu unterrichten nur unterzogen, weil ich Sie schon fannte, als Sie noch ein kleiner Knabe waren, und ich von Ihnen erwarten darf, daß Sie diesen Brief alsbald verbrennen werden, damit mein Name und meine Einmischung in diese betrübende Sache in Bukunft vers geffen werde. Thr aufrichtiger James Wrigley." Dr. Wrigley hatte diesen Brief sofort abgeschickt, als er von dem Verschwinden Ruperts gehört, und ehe er eine Unter redung mit Myra gehabt. Er that es in der wahnsinnigen Erregung der Stunde und in der Ueberzeugung, in nicht allzu ferner Zeit der Erbe der Barth'schen Befizungen zu werden, wenn Myra unverheirathet bliebe und an gebrochenem Herzen stürbe. Von Jasper Figroy's stolzem Sinn glaubte er annehmen zu dürfen, er werde seiner Buschrift niemals Erwähnung thun und fortan England meiden. Als der Brief aber abgegangen war, erfüllte Schrecken über die möglichen Folgen dieses seinerzeit die Parteigenossen des Herrn von Bennigsen mit geheimnißvoller Wichtigthuerei darauf hinweisen hörte, daß Bennigsen bestimmt sei, der Nachfolger des Fürsten Bis mard zu werden. Sie thaten Einem leid, die armen Leute, und ihr Jool Bennigsen dazu! Sei dem wie ihm sei- das Volk ist nicht dazu da, als Piedestal für politisches Streberthum zu dienen. Bei den Wahlen wird Herr von Bennigsen belehrt werden, wie fehr er und die Seinigen ihre werthen Jch's überschäßt haben. Die Adelsbettler in Oesterreich. Die Ueberproduktion von Adeligen hatte in Desterreich Talmi Aristokratie auf, der zehnte Mann auf der Straße war riefige Dimensionen angenommen. Es kam eine sonderbare ein Ritter von" und es entwickelten sich aus diesem Segen Zustände, die nicht allein dem wirklichen historischen Adel Verdruß, sondern auch der Regierung Sorge bereiteten. Nun hat die Regierung ganz plöglich und unerwartet einen Strich durch die Rechnung der Adelsbettler gemacht, indem sie eine Verfügung erließ, der zufolge in Zukunft, iene Bestimmungen aufgehoben werden, welche mit den einzelnen Graden des Stephans, Leopolds- und des Ordens der Eisernen Krone den Anspruch auf eine Standeserhöhung oder die obligate Ver leihung der Geheimen Rathswürde( mit dem Titel„ Exzellenz") verbinden". Ueber den Eindruck, den diese Maßregel hervorrief und die ihr zu Grunde liegenden Motive schreibt der Wiener Kor respondent der Bür. Post": Großes Wehe herrscht in Desterreich. Selten hat eine faiserliche Verordnung auf gewiffe Kreise so deprimirend ge wirkt, wie die bezüglich der Drdens- und Adelsverleihung. Was nügt, sagt man, der schönste eiserne Kronenorden, wenn er nicht den Adel bringt; wer wird ferner nach dem Comthurkreuz des Leopoldordens geizen, wenn nicht mit demselben die Ba ronie verbunden ist? Und iene Hohen, Auserlesenen, Glüc lichen, welche die erste Klasse" des an vergangene italienische Herrlichkeit erinnernden Drdens erwischen, wie schwer werden fte den grünen Geheimratsfrad missen! So lastet denn die Hand des Verhängnisses schwer auf den armen Ordens- und delsjägern und es schafft ihnen geringen Troft, daß auch die liberale und demokratische" Presse dem Schmerze über das höherhängen des goldenen Brodforbes Ausdruck verleiht. Sie Deklamirt dabei über Ständeunterschied, über Bürgerthum und Aristokratie und man tönnte vermuthen, es handle sich um ein verlorenes Paradies. Nun, ich bin in der Lage, Ihnen authen tische Mittheilungen über den großen ,, Ordensstaatsstreich" zu machen. Derselbe wurde von langer Hand vorbereitet und bildete den Gegenstand eingehender Konferenzen zwischen dem Minister des Auswärtigen, den beiden Ministerpräsidenten und den Vorständen der einzelnen Ordenskapitel. Die Konsequenzen der Ordensregen unter dem Ministerium Auersperg waren nicht ausgeblieben, fie wurden an den maßgebenden Orten nicht ignorirt; geschah es doch oft genug, daß der Dzeankönigin und Jasper Fipron's beruhigte seine Angst. Jahre vergingen und feine Stimme erhob sich aus den Wellen, um gegen ihn zu zeugen, und so erinnerte sich James Wrigley des Briefes nur selten, um seiner als eines in der Vergangenheit begrabenen Dinges zu gedenken. In den ersten Stunden zornigen Schmerzes hatte Jasper Fizroy beide Briefe verbrannt, und das Mädchen, das ihn so treulos und leichtfertig verlassen mit bitterem Tadel überhäuft. Auch Lord Bide hatte er mit Schmähungen überhäuft, was eben so grausam als überflüssig war, da dieser junge Edelmann, feit Jahren mit seiner Koufine verlobt, diese gerade um die Beit geheirathet, als Wrigley's Brief in Calcutta eintraf. Während Myra zu Hause den Tod Jaspers betrauerte, war dieser in Mauritius das Opfer des schwersten Mißge schickes. Seine Gesundheit war zerstört, feine Braut hatte ihn aufgegeben und einen Anderen geheirathet und alle die Ersparnisse, die er in Indien gemacht, waren mit der Dceankönigin auf den Meeresgrund versunken und er besaß nichts mehr als hochbelastete Güter, die auszulösen er die Hei math verlassen und die zu retten er fast keine Hoffnung mehr hatte. Freudlos wollte er von Neuem seine Anstrengungen beginnen, das seinem Vater gegebene Wort einzulösen. Der Bufall führte ihn in ein Erporthaus in Mauritius, dessen Mitbefiger er bald wurde. Seine Enttäuschung und seine Armuth veranlaßten ihn, jeden schriftlichen Verkehr mit früheren Bekannten aufzugeben. Eine Wunderlichkeit des Schicksals bestätigte und vermehrte sein Elend durch zwei Beitungsblätter, die nach langen Bwischenräumen in seine Hände fielen. Das eine enthielt einen mitten entzwei geriffenen Bericht über die Hochzeit des Lord Bide mit Fräulein M., das übrige fehlte der Tochter des verstorbenen Sir fehlten einige Buchstaben des Namens und es folgte der Name des Bischofs, der das Paar getraut hatte und eine Liste der Gäste, die aus dem verstümmelten Blatt mehr oder minder deutlich zu errathen waren. Das Bruchstück aber sprach so unvollkommen es auch war, für die Wahrbeit deffen, was Wrigley mitgetheilt. Es lag so nahe, die abgerissenen Buchstaben in der Weise zu ergänzen, daß man Myra Barth, Tochter des verstorbenen Sir Gilbert Barth las 2c. wiederum Berloren und hoffnungslos in seiner traurigen Verbannung, getrennt von Allem, was ihm theuer war, arbeitete Jasper mühselig an dem Werke der Befreiung seines Stammnachdem fte erfahren, daß Fanny ein Kind erwarte, welches Schrittes seine Seele. Erst die Kunde von dem Untergang figes und hatte noch nicht den vierten Theil des dazu nöthigen menschenfreundliche Einrichtung der frommen Herren. Die Kouponschneider- Innung, wie der Vollsmund den Verein zur Wahrung der Interessen des Handels und Gewerbes getauft hat, beabsichtigt, wie hiesige Blätter berichten, durch Gründung einer Tageszeitung im großen Stile sich eine wirksame Vertretung in der Presse zu schaffen. Das zu gründende Blatt soll mit sehr reichen Mitteln ausgestattet und ein umfangreicher Redaktionsapparat in Bewegung gesezt werden. Die ,, Germ." glaubt, daß die Blätter der kapitalistischen Richtung hier schon hinreichend vertreten find. Wir meinen dasselbe. viele der vor dem Krache zu Rittern avancirten Börfianer nichts| folchen Kolonie zu arbeiten und zu beten, ist eine recht erübrigten, als ihren Drden und Adelstitel, und die Söhne von geadelten Beamten, also schon die zweite Generation, feine standesgemäßen Beschäftigungen suchten oder fanden. So gelangte man endlich zur Einsicht, daß aus politischen Gründen und mannigfaltigen Versehen Leute den Ritterschlag erhielten, mit denen zu verkehren ein Jedermann als fompromittirend erachtete. Es hieß also: Wir dürfen kein adeliges Proletariat schaffen und müssen auch strenge zwischen persönlichen und erblichen Auszeichnungen unterscheiden. Das ist der Hauptgrund der kaiserlichen Verordnung; der zweite ist der, daß alle drei maßgebenden Minister: Kalnoky, Tisza und Taaffe die Stärfung des monarchischen Gedankens anstrebten, die Erhaltung der Prärogative der Krone in ihr geheimes Programm aufge nommen haben. Dadurch nun, daß der Kaiser den Adelsstand spontan verleihen wird, erhält dieser Gnadenakt erhöhte BeDeutung und wird nicht als etwas Selbstverständliches, durch die Verleihung des Ordens Bedingtes angesehen. Ferner weist man daraufhin, daß bis jetzt eigentlich zwei Auszeichnungen auf einmal ertheilt wurden: der Drden und der Adel, was in feinem anderen Staate der Welt, mit Ausnahme Spaniens, glaube ich, der Fall ist. Jezt wird der Drden und der Adel getrennt verliehen werden. Selbstverständlich ist der Adel von der Verordnung sehr befriedigt, denn immerhin wird er fortan eine erfluftvere Ge sellschaft bilden. Nichtsdestoweniger ist jenes Bürgerthum, welches den richtigen Bürgerstolz befißt, durch die Verordnung feinesweges getränkt worden, denn nirgends hat man sich über Die neugebackenen Ordensadeligen so sehr lustig gemacht, wie in diesen Kreisen. Die streng konservativ und monarchisch gefinnten Bürgerkreise sahen auch in der leichtfertigen Verleihung des Adelsstandes ein Kompromittiren der dynastischen Idee. Es ließe sich über dieses Kapitel viel erzählen und es giebt nicht wenige Ritter" in Wien, die fich der höchsten Mißachtung nicht nur der adeligen, sondern insbesondere der bürgerlichen Gesellschaft erfreuen. Jetzt ist der Riegel vorges schoben, und muß man auch weiter die sogenannten Finanz und Journal- Raubritter in den Kauf nehmen, so wird man wenigstens mit neuen verschont werden." Noch besser wäre, es bestände gar kein Adel! Politische Uebersicht. " Zur Affaire Ridert. Aus München geht der ,, VolksBeitung" ein Ertrablatt der Politischen Wochenschrift zu, welches mit dem Sage beginnt: In Sachen Rickert besteht jegt leider kein Zweifel mehr, daß die von uns für abfolut zuverlässig gehaltene Person, die uns die unter dem Titel Das entlarote Chamäleon" veröffentlichten Brieffragmente zugesandt hat, unser Vertrauen in einer ganz unqualifizirbaren Weise getäuscht hat, der Einsender ist ein Mann von höhe rer akademischer Bildung, in sehr geachteter sozialer Stellung und dazu ein Verwandter des Herrn Rickert." Das Extrablatt erzählt dann weiter, daß dieser Mann 1870 auf einer Ferienreise in Leipzig erschien und mit mehreren Personen, darunter der Abg. Liebknecht, zusammentraf, wobei er Die ehrenrührigsten Dinge gegen Ridert vorbrachte. Die Redaktion der Polit. Wochenschrift" habe deshalb, als ihr die sogenannten Brieffragmente zugingen, an der Wahrheit der selben nicht gezweifelt und dieselben zu Wahlaweden veröffentlicht. Der Einsender ist aufgefordert worden, die Motive, die ihn geleitet haben, unverzüglich in dem erwähnten Blatte auszusprechen. aufzuweisen hatten, aus dem Weichselgebiet ausgewiesen wor den seien. Darunter befanden fich 38 Desterreicher, 30 Breu gen, 17 Angehörige kleiner deutschen Staaten, 14 Jtaliener, 10 Franzosen, 4 Belgier, 2 Schweizer, 1 Engländer, 1 Spanier und 1 Bürger der Vereinigten Staaten von Nord- Amerika. Der in Warschau vor Kurzem verhaftete und gegen Raution freigelassene russische Friedensrichter Dobrowolsty fungirte vor einigen Jahren im Kreise Pinst( in Litthauen) gleichfalls als Friedensrichter und machte der ,, P. 3tg." zufolge schon damals aus seinen Sympathien für die nihilistische Bar= tei kein Geheimniß. Bei Streitigkeiten zwischen Gutsherren und den Bauern stand er immer auf Seite der ersteren, und zwar, wie angenommen wird, um auf diese Weise die Bauern gegen die Gutsherren aufzuheben(?). Lebhaft besprochen wird auch der Selbstmord des penfionirten Oberlieutenants Mi chael Weinmarn. Der Genannte war erst 32 Jahre alt, wurde aber wegen politischer Konspirationen vom Regiment Saraton verabschiedet. In Warschau war Weinmarn in die Verschwö rung Bardowski verwidelt und sollte verhaftet werden. aber die Polizei in der Wohnung Weinmars erschien, nahm derselbe rasch Cyankali zu sich und blieb auf der Stelle todt. Die Polizei fand nichts Verdächtiges, denn Weinmarn_batte An einem Abend alle seine Papiere rechtzeitig verbrannt. 5 Jahre Taaffe find die Leitartikel der Wiener Zeitungen überschrieben; denn gestern waren es 5 Jahre, daß dieser Ministerpräsident in Desterreich am Ruder ist. Selbstverständlich find die Meinungen über die Erfolge und das Ersprießliche seiner Thätigkeit getheilt. Während die oppofitionellen Blätter der Ansicht sind, daß Taaffe so gut wie nichts geleistet, daß er den Haß zwischen den verschiedenen Wölferstämmen nur genährt und die slavische Hochfluth mit herbeigeführt habe, die zur Vernichtung des Deutschthums in Desterreich führen müsse, ergehen fich die Organe der Regierung in begeisterten Schilderungen der Thätigkeit des Ministerpräsidenten. Und es ist anzuerfennen, mag man von den Ansichten und Thaten des Grafen Taaffe sonst denken, wie man will, einen Nuger hat sein Regiment für die Arbeiter Desterreichs doch gehabt: Die Einführung eines Normalarbeitstages. Das Gefeß, welches denselben gebracht hat, enthält zwar recht bescheidene Bestim mungen und bescheiden wird auch sein Einfluß sein, aber in Deutschland find wir trotz aller gerühmten Fürsorge für die Enterbten" noch lange nicht so weit! Auch eine Gründung. Die Gesellschaft für deutsche Kolonisation will, wie die Schles. 3tg." hört, Antheilscheine au 50 M. ausgeben, um dadurch weitere Kreise zur Beschaffung der Mittel für ihren in Aussicht genommenen Kolonialermerb heranzuziehen. Wer sich bei diesen Zeichnungen betheiligt, muß fich natürlich vollständig darüber klar sein, daß er für Jahre hinaus auf einen Binsfuß nicht zu hoffen hat und daß unter Umständen sogar das eingezahlte Geld total verloren gehen kann. Die Gesellschaft appellirt indessen an bie Opferfreudigkeit" der wohlhabenderen" Freunde deutscher Kolonisation unter dem Wahlspruche, daß ,, nur der gewinnt, welcher wagt!" Man liest den legten Saz gewöhnlich auf den Anpreisungen gewiffer Lotteriekollekteure, welche Antheilscheine von Loosen an den Mann bringen wollen, und insofern ist der Wahlspruch der Gesellschaft sehr bezeich nend gewählt. Nur fragt man sich, was denn eigentlich gewagt werden soll? Das Ganze wird für Spesen in Deutsch land selbst daraufgehen! Verdächtig ist auch, daß nur eine Opferfreudigkeit von 50 M. in Anspruch genommen wird. Rechnete die Gesellschaft wirklich nur auf die wohlhabenderen Freunde", dann fönnte man gegen den Spaß nichts haben. Da aber die Summe, für welche so ein Antheilschein zu haben ist, verhältnißmäßig gering ist, scheint man auch noch auf an dere Opfer- freudigkeit zu spekuliren, auf weniger wohlhabende Leute, die auch einmal etwas wagen um- Nichts zu gewinnen. Darum aufgepaẞt! " Zwei von den vier in Hamburg verhafteten Matrosen die fich am Bord des englischen Dampfers Elizabeth" befanden und welche bekanntlich beschuldigt werden, die Most sche Freiheit" und den„ Rebell" nach Deutschland zu schmuggeln, find heute wieder entlassen worden; hingegen haben sich, wie man der R. 8." schreibt, die Anklagepunkte für die beiden anderen Matrosen noch bedeutend(?) vermehrt. Als der legten Tage wurden in einem Pferdebahnwagen dem allein anwesenden Schaffner von zwei einsteigenden jungen Leuten mehrere Messer- resp. Dolchstiche in die Brust beigebracht. Auf den Hilferuf des Kondukteurs eilten zwar bald mehrere Versonen herbei, den Attentätern war es inzwischen doch gelungen, zu entlommen. Der Kondukteur, welcher wenige Stunden darauf in Folge der erhaltenen Verlegungen verstorben ist, hat wie nunmehr der Deffentlichkeit bekannt geworden ist, im Dienst der Geheimpolizei gestanden. Der kroatische Landtag ist für den 23. d. M. einberufen worden. Das Agramer Telegramm, welches dies meldet, fügt hinzu, daß der Landtag seine Arbeiten wohl noch in diesem Monate beendigen dürfte; es ist dies eine Erwartung, die be fanntlich schon wiederholt ausgesprochen wurde, deren Verwirk lichung aber nicht so sehr von dem guten Willen der Majorität, als von dem Belieben der störrigen Starcsevicfianer abhängt. Die im Teltower Kreise neu errichtete Arbeiterfolonie ist jest zur Aufnahme Beschäftigungsloser vollständig eingerichtet. In derselben werden, abweichend von dem Gebrauch in anderen derartigen Anstalten, nur solche Personen aufgenommen, die von den Gemeinde- und Gutsvorständen zuvor dem Landrathsamte zur Festsetzung ihrer persönlichen Verhältnisse vorgeführt(!) find, um zu beurtheilen, ob die selben der Anstalt oder dem Gerichte(!) zu überweisen find. Beschäftigung erhalten die Kolonisten bei den Arbeiten der Nuthe- Regulirung unweit Großbeeren. Die Vorführung der beschäftigungslosen Arbeiter vor den Landrath wahrscheinlich durch den Gensdarmen, bevor sie des Glückes theilhaftig werden können, bei einem Lohn von etwa 80 Bf. in einer 3. Von Reformen in Rußland ist von Zeit zu Zeit die Rede. Da die russische Regierung wahrscheinlich nicht weiß, an welcher Stelle sie zuerst reformiren soll, weil allem eine Aenderung noth thut, so glaubt fte wenigstens die Pflicht zu haben, ihren guten Willen ins rechte Licht zu stellen und Ver befferungen wenigstens zu versprechen. An die Ausführung solcher Verheißungen denkt selbstverständlich Niemand; es ist auch eine thatsächliche Unmöglichkeit mit einer forrumpirten Bureaukratie irgend welche Reformen vorzunehmen. Jest fpricht man von einer Reform des Gefängnißwesens. Nothwen big wäre sie schon. Die Gefängnisse starren von Schmus und find in der schrecklichsten Weise überfüllt; die Beamten find häufig Leute ohne jede Bildung des Geistes und Herzens und fennen nur ein Motiv: den Eigennuß. In der Provinz ist es natürlich noch weit schlimmer als in der Hauptstadt; dort find die Gefängnisse geradezu Hochschulen des Lasters. Wie B. der Now. Wremja" geschrieben wird, befinden sich im Gefäng niß zu Bobrnist 4 fleine Mädchen laut Urtheil des Friedens richters in Haft. Da beim Gefängniß feine Abtheilung für minderjährige Verbrecher besteht, so sah man sich genöthigt, die 4 Kinder, deren ältestes erst 13 Jahre alt ist, zusammen mit den erwachsenen Verbrechern einzusperren. Der Anblick der weinenden Kinder, die beständig nach ihren Eltern verlangen, brachte selbst auf die verhärteten Gemüther vieler Arrestanten einen tiefen Eindruck hervor. Die Kinder, deren Verbrechen darin besteht, daß fie im Gemüsegarten eines gewissen Jelnizli Seglinge ausgeriffen hatten, find im Gefängniß der Aufsicht einer alten Frau übergeben worden. Aber gebeffert wird nichts werden. Das russische Staatsgebäude würde in allen Fugen zittern, wenn eine Hand gerührt würde, um solche durch das Alter geheiligte Mißstände abzuschaffen. Von dem demokratischen Komitee in London wurde vor Kurzem wieder eine große Versammlung in der St. James Hall abgehalten, welche gegen das Oberhaus gerichtet war. Labouchère, das' radikale Mitglied des Unterhauses, sagte: Diese 500 erblichen Geseggeber( die Mitglieder des Oberhauses) find Verräther gegen die Nation gewesen; die Macht, welche fie ausüben, ist nachtheilig für das Land, und ihre eigentliche politische Eristenz ist eine Beleidigung für ein großes und freies Volf.. Die Geschichte des Oberhauses ist eine lange Geschichte eines gegen die Freiheit und die Volksrechte Profeffor Beesly erklärte, daß von nun geführten Krieges." Geldes beisammen, als nach siebenjährigem Aufenthalt in Mauritius sein Blick auf ein anderes Beitungsblatt fiel, welches den Verkauf der Figron'schen Güter an einen Rechtsanwalt meldete, der fie für achtundzechszigtausend Pfund erstanden hatte. ,, Achtundsechszigtausend Pfund", seufzte Jasper, eine für mich unerschwingliche Summe, und doch weit weniger als die Befizung werth war." ab die Abschaffung des Oberhauses die erste Planke in dem radikalen Programm werde und zur hauptsächlichsten Probefrage bei Wahlen gemacht werden sollte. Unter großer Begeisterung wurde schließlich die vor 230 Jahren von dem langen Barlamente gefaßte Resolution angenommen, welche lautet: Daß das Haus der Pairs im Parlament nuglos und schäd lich ist und abgeschafft werden sollte." Und so vergingen wiederum Jahre, und eines Morgens, als er auf der kleinen einsamen Seyschellinsel die Verladung eines Fahrzeuges seines Hauses überwachte, wurde Jasper von einem englischen Matrosen angerufen, der von seinem Schiff an's Land geschickt worden war. Dieser Matrose war fein Anderer als Sam Porter. 13. Kapitel. Die franzöfifche Nationalversammlung lehnte in ihrer legten Sigung nach einer Rede Clemenceaus mit 418 gegen 327 Stimmen das Amendement Lavergne's ab, welches dahin ging, den Senat vermittelst des allgemeinen Stimmrechtes zu wählen. Bei der Schlußabstimmung über die Revisionsvor lage im Ganzen erfolgte die Annahme der Vorlage mit 509 gegen 172 Stimmen; die äußerste Linke enthielt sich der Abstimmung, weil die Prinzipien der Demokratie verlegt worden seien. Der Präsident erklärte darauf die Session der National versammlung für geschlossen. Als Sam Porter seine Botschaft an den englischen Verbannten ausgerichtet hatte, empfing er von diesem ein Schrift stück, das mit Jasper Fibroy unterzeichnet war. Dem armen Sam, dem wandernden Vasallen der treulosen Tiefe, erweckte Der Name heimathliche Erinnerungen. Er vermochte nicht zu schweigen. Im Westen von London liegt ein Gut, Fißroy- Hall. Sind Sie mit dem Befiger verwandt." Freund Ja, mit dem ehemaligen. Sind Sie einmal dort gewesen, Warschauer Zeitungen enthalten die Mittheilung, daß während der drei legten Monate, auf Anordnung der Obrig feit im Barthum Polen, durch die Polizei alle Ausländer, welche keine bestimmte Beschäftigung und keine Legitimationen starb und dann ereignete sich etwas Schreckliches mit ihrem Stiefbrüderchen und der Herr, den sie hätte heirathen sollen, verunglückte auf dem Meere." Ich dachte, Fräulein Barth heirathete Lord Bide," sagte Jasper in steigender Erregung. " 11 Nicol leidigun einer Be Freund Francs während Die T bietet ft thn frag Gold a Bold, d thm feir Finanz lauf to ober do bezichtig Don effes g R. fich gar Die Gö Debe Alagen gen. Räume Lofe 11 Famili S wer m waren lanni nicht i oft gef find, oft ger weisen Noch sind die Entschädigungen für das Bombarde ment vou Alexandrien nicht gezahlt, die englische Diplomatie sucht die Sache zu verschleppen. Vielleicht übt eine Rundge bung, welche in Alexandrien stattfand, einen gewissen Drud auf sie aus. Etwa 500 Personen versammelten sich vor dem englischen Konsulat, um gegen die Verzögerung der Bahlungen Einspruch einzulegen. Der Konsul suchte die Versammlung durch das Versprechen zu beschwichtigen, er werde ihre An fichten der englischen Regierung felegraphisch unterbreiten. Hoffentlich nimmt sich die europäische Diplomatie der geschä Digten Europäer endlich thatkräftig an. So lange ich zu Hause war, nicht. Im Juni waren es gerade neun Jahre, als ich sie zum letzten Male sah, und da trug fie noch tiefe Trauer. Ach sie war so gut zu meiner armen Hanna." Ein schmerzlicher Verlust steht der nordamerikanischen Union bevor. Die heiligen der lezten Tage" wollen nach Indien auswandern, weil in dem undankbaren Vater lande die Duldung ihrer Vielweiberei und sonstigen gefe widrigen Institutionen nicht lange mehr dauern kann. Die Präsidentschaftskandidaten der republikanischen und demokra tischen Partei, Mr. Blaine und Mr. Cleveland haben beide in ihren Programmen einen Artikel aufgenommen, der die ener gische Bekämpfung des Mormonenunfugs verspricht und auch ber Senat hat bereits eine Bill, die ähnliches beabsichtigt, an genommen. Die Aktiva der verkrachten Schwindel: firma Grant( der ehemalige Präsident) und Ward bes tragen 60 000 Dollars, die Bafftva 16 700 000 Dollars- bleibt das hübsche Sümmchen von 67 Millionen Mark Berluft für die Gläubiger. Und seit diesen neun Jahren sind Sie nicht wieder dort gewesen? Und haben Sie seit damals auch nichts mehr von dort gehört?" Nein, Herr. Ich fand keine Arbeit und dann wurde ich ergriffen und gewaltsam auf ein Schiff geschleppt. Ich ließ meine arme Hanna und das Kind und die alte Mutter meiner Hanna zurück. Ich schrieb ihnen und schickte meinen Brief durch Dr. Wrigley, ich war einst Diener in seinem Hause gewesen; ich schrieb meiner Familie zwei, dreimal und feine Antwort kam, dann hörte ich von dem Doktor, daß meine Frau und meine Schwiegermutter an der Cholera ge storben wären; welchen Grund hatte ich da noch zurückzugehen." Ich wohnte dort in der Nähe," sagte Sam, gerade jenfeits des Reservoirs und ich bin oft an den Landfißen Bide, Fibron und Barth vorübergegangen. Vor ungefähr neun Jahren arbeitete ich für Fräulein Barth. Sie war sehr gut gegen mich, aber der Verwalter schien plötzlich etwas gegen mich zu haben und entließ mich plöglich ohne Kündigung. Sahen Sie zuweilen Fräulein Barth?" fragte Jasper faft gegen seinen Willen. Aber das Kind," sagte Jasper. So gen glied Meine Wohl Ach ge unfere und jest in ift die und d Fußtr in welche Flend im Beha Dichtu Scre gethei Rich Rad Mam 30gen verfu Anra bea Beift Bmed wert mert einer an Beo theil Diefe Bor In wei mein Lon Stem tubi mich Hod Ere Sch Daß Sa mich Berl lizei an man gab, 2821 Auf Bef tönn Vor den chilenischen Gerichten wird in der nächsten Beit sich ein interessanter Prozeß abspielen. Der Erdictator tragen, und so war es auch, und das schöne junge Fräulein legte um ihre verlorene Liebe Wittwentrauer an." Sam Porter hatte seinen Bericht vor der Thür eines fleinen Schuppens abgestattet, vor welchem Jasper auf einem Fasse saß. Einige dunkelfarbige Burschen waren da und dort bei der Arbeit. Die Luft war von dem einschläfernden Wohl geruch der Gewürze und mannigfaltiger Südfrüchte erfüllt, und das Schiff, von welchem Sam gekommen war, und das in der glühenden vize des Nachmittags auf den Wogen Zwei Matrosen saßen unter dem Schatten einer Balme, welche fich über die Bucht neigte. Sch hätte längst schon wieder nach der Heimath zurüd fönnen," schloß Sam, aber was ist die Heimath, wenn alle unsere Lieben todt find? und vielleicht haben Sie es schon an fich selbst erfahren, man verliert die Gewohnheit endlich, nach Hause zurückkehren zu wollen. Sie sind sehr gut gegen mich auf dem Schiffe, doch manchmal reißt es mir am Herzen, ich sehne mich danach, das Grab meiner Hanna zu sehen." und spräch mit seinem unerwarteten Gafte plöglich mächtig zu Leben Sie wohl, Herr," sagte Sam. Es hat mir sehr reißen, aber er schwieg. " Das Kind war nicht mein. Ich hatte es nur Hanna's wohlgethan, Jemanden zu sprechen, der dieselben Pläge gesehen 11 wegen adoptirt, weil sie den Tod unseres Kleinen nicht erfahren durfte. Dr. Wrigley schrieb mir auch, es sei zu einer vornehmen Dame gekommen, so hatte ich keine Sorge mehr um den Knaben. Er war so eine Laft für mein Gewissen, weil ich meine arme Hanna mit ihm betrogen hatte." Und wiffen Sie bestimmt, daß Fräulein Barth nicht Lord ide heirathete?" hat, die ich lenne." mich Ber fofo ich fall bei frag iegt tar Der ten S ය bere Let erm er ich De ipr für alle Ba Lei ihr bar tön ge Der Be fu Tou mi fat 310 Die Und bald kündigte das Geräusch der Ruder an, daß Sam fich auf dem Rüdwege zu seinem Schiffe befand, das weig und gligernd zwischen der blauen See und dem blauen Himmel lag. Jasper schloß sein Schreibpult auf und nahm das jer böser Nachrichten zu sein, ein wahrer Rabe," sagte Jasper. rissene Beitungsblatt auf, mit dem er gewohnt war, jein Heimweh zu erstiden, indem er fich in Betrachtungen über den wankelmüthigen Sinn der Frauen vertiefte. Das Datum war deutlich genug. Es war zehn Jahre her, seit Lord Bide sich verheirathet hatte, und auch das Datum des Briefes von ,, Ganz bestimmt, ich erinnere mich sogar, daß Lord Bide ein Jahr zuvor seine Koufine geheirathet hat. Meine " zehn Jahre her. " Ja, wenn fte im Park spazieren ging. Sie schenkte Schwiegermutter sah noch den Brautzug. Und wer sagte Dr. Wrigley war ihm in die Seele gebrannt, auch das war mir oft eine halbe Krone für meine Hanna. Sie war eine sehr schöne, junge Dame, die niemals lachte und Wittwen trauer trug." Das kann nicht Fräulein Barth gewesen sein," sagte Jasper, der dieses ernſte, dunkle Bild nicht mit der Er innerung an feine heitere, lebensfreudige Myra zu vereinen vermochte. Dja Herr, es war Fräulein Barth. Der Verwalter er zählte meiner Frau, sie babe viel Rummer gehabt. Ihr Vater Ihnen, daß der Bräutigam von Fräulein Barth auf der See verunglückte?" " Ein Kammermädchen aus dem Barth'schen Schloß erzählte es meiner Hanna. Es war Alles wegen eines Hundes, Herr, Dieser Hund, so sagte das Mädchen, heulte und winfelte und zog Fräulein Barth am Kleide, fie folle den Bräutigam retten. Das Thier wußte sehr gut, daß etwas ge schehen war. Alle Leute im Schloß glaubten, Fräulein Myra werde sterben oder irgend etwas Schreckliches werde fich zuBon diesem Tage an bemächtigte sich Jasper eine unüber windliche Ruhelofigkeit. War er betrogen worden und weshalb? Hatte Myra ust ihn Trauerkleider getragen? Aber selbst dann, fie konnte ihre Trauer nicht zehn Jahre lang beibehalten haben, und jest war fie ohne Zweifel, wenn auch nicht Lady Bide, doch die Gattin eines Andern, un fröhliche Kinder spielten um fte ber. ( Fortfegnng folgt) s 3, t e де 3. g= B= tr ie mit er 11, en tij t" Q1 ent τώ be tie ge uct 3472 en ng H Den en er 子 Die ras in er uch 1: be ibt für ten Cor Nicolas de Bierola hat gegen die Tribuna" eine Beleidigungsflage angeſtrengt, weil das Blatt den Erdictator einer Verschleuderung des Staatsvermögens an feinen lieben Freund" Dreyfuß in Paris beschuldigt hat, dem er 100 Mill. Francs anerkannt und theilweise in Guano gezahlt habe, während in Wirklichkeit dieser Beru 100 Mill. Francs schulde. Die Tribuna" hat den Fehdehandschuh aufgenommen und erbietet fich den Beweis der Wahrheit anzutreten. Wir werden thn fragen," schreibt fie, wie er mit Gold lebt und wie er Gold ausgiebt in Expeditionen und Verschwörungen ohne das Bold, das er nie gesucht und nie erblich überkommen hat, weil thm sein ehrenwerther Water wenig hinterließ, und er, ehe er Finanzminister in der opulenten Epoche wurde, an dem Verlauf fosmetischer Artikel an der Ecke von Melcher Malo nichts oder doch nur wenig verdiente." In einem anderen Artikel bezichtigt die„ Tribuna" den Erdictator des Meuchelmordes an Don Manuel Bardo. Man kann auf den Ausgang des Proeffes gespannt sein. Lokales. Und R. Die Ferienzeit ist noch nicht vorüber, das macht fich ganz besonders bemerkbar in jenen„ heilgen" hallen, wo die Göttin Justitia die Waage hält und das Schwert führt. Dede und leer find die Räume, welche sonst wiederhallen von Klagen und Schwüren, von Verurtheilungen und Freisprechungen. Wer kann sie zählen, die Thränen, welche schon in diesen Räumen gefloffen find? Wer ist im Stande, das namenloſe Unglüd, welches durch Verurtheilungen auch in die Familien hineingetragen worden ist, zu beschreiben? wer wagt zu behaupten, daß alle Verurtheilten auch schuldig waren im Sinne der Anklage?- Auch der gerechteste Richter lann irren, auch der schneidigste Jurist kann den Schwörenden nicht in's Gewissen sehen! Und doch, wie leichtsinnig wird oft geschworen, wie„ handwerksmäßig" von denen, die gewöhnt And, dieses Gebäude oft zu betreten.- Leider kommen Meineide oft genug vor, doch selten gelingt es, den Meineid nachzuweisen. Giebt es doch so sehr Viele, die es mit dem Eid nicht o genau nehmen und ist ja erit vor einigen Tagen ein Mitglied der Staatsgewalt, ein Schußmann, wegen fahrlässigem Meineid zu drei" Wochen Gefängniß verurtheilt worden. Wohl dem, der nicht nöthig hat, diese Räume zu betreten, um Ach gegen eine Anklage zu vertheidigen! unserem Wunsche ginge, dann lebte die Menschheit zufriedener und glücklicher, und diefe Räume wären immer so leer, wie ist dieser Wunsch ein frommer, nicht lange wird es dauern est in der Ferienzeit. Doch unter den heutigen Verhältnissen und die jetzt öden Korridore werden wiederhallen von den 8 in allen Bimmern werden, neues Leben wird beginnen, welches für Viele gleichbedeutend sein wird mit physischem Elend und moralischem Tod. In Bezug auf die dem" rbeiter Herrn N. Düring im Aufnahmebureau der hiesigen Charité widerfahrene Behandlung, welche von der Direktion dieses Instituts als„ Erdichtung" bezeichnet wurde, wird uns der Wortlaut eines Schreibens des Arbeiters Düting Adolfstr. 4 wohnhaft, mit obere Hose von dem Knie bis zur Tasche vollständig aufgeschnitten, und ihm aus der Arbeitshose das Portemonnaie entwendet. Die Beute war allerdings nicht groß, fte betrug höchftens 40-50 Bf., aber die pofe war doch zerschnitten. Da derartige Fälle sehr häufig vom Mariannenpark gemeldet werden, so wäre doch eine verschärfte Aufsicht der Polizei hier sehr geboten. g Die Wohnungssuche der Bewohner des Wedding und der unmittelbaren Nähe deffelben hat bisher nicht beob achtete Dimensionen angenommen. Bekanntlich find die Miether zahlreicher Häuser in jener Gegend am 1. Juli c. per Michaeli in der Miethe gesteigert bezw. gekündigt worden und so müssen fie fich nun nach einer anderen Behausung um sehen. Eine große Anzahl der gekündigten Wohnungen ist bereits an fleinere Beamte aus Moabit vermiethet worden. Diese Beamtenkategorie wird durch die Steigerung der Miethen in dem immer feiner werdenden Moabit mit seinen Brachtbauten direkt zur Verlegung ihres Wohnfißes nach einer minder theuren Gegend gezwungen. In Moabit war es die Anlage des Juftizpalastes, auf dem Wedding die der Dankeskirche c., welche die Miethsteigerung verursachte. g. Die Sandstein- Bordirungsarbeiten des Kanals an der Bärwaldbrüde werden jest nicht nur am Tage, sondern auch während der Nacht mit großem Eifer fortgesetzt, um den hier starken Schifffahrtsverkehr möglichst wenig zu stören. Das grelle Licht, welches die brennenden Fadeln auf die nächste Umgebung des Kanals verbreiteten, das Arbeiten des schweren, auf großen Prahmen ruhenden Dampframmers, die emfig thätigen Arbeiter- Alles das bietet dem nächtlichen Alles das bietet dem nächtlichen Baffanten ein ebenso seltsames als anziehendes Bild. N. Eine Zwangsvollstreckung auf dem Jahrmarkt. Eine peinliche Szene spielte sich heute Morgen auf dem Jahrmarkt in der Gneisenaustraße ab. Gegen den Wollwaaren händler S. aus Glogau, welcher einem Gläubiger in Sprottau 1500 Mart für gelieferte Waaren schuldete, war ein schleuniger 1500 Mart für gelieferte Waaren schuldete, war ein schleuniger Arrestbefehl erlassen worden. Auf Grund dessen erschien heute Morgen der Gerichtsvollzieher bei dem ihm avisirten Budeninhaber, und da legterer nicht bezahlen konnte, belegte er fämmtliche vorhandenen Waaren mit Beschlag und ließ dieselben zur Bfandkammer abführen Bei diesem Vorfall hatte sich eine größere Menschenmenge versammelt, die diesem traurigen Afte beiwohnte. N. Die schlagfertige Obsthändlerin hat am gestrigen Tage ein würdiges Pendant auf dem Dranienplas- Wochenmarkt erhalten. Eine Dame hatte dort von einer Schlächters: frau ein Stück Fleisch gekauft und mußte wahrnehmen, daß fie über Gebühr mit Knochen dedacht war. Als fie der Vertäuferin hierüber Vorstellungen machte, ergriff diese das mit Knochen stark durchsetzte Fleisch und schlug der Käuferin derart damit in das Gesicht, daß diese mehrere Verlegungen davon trug. Sofort stellten sich der arg zugerichteten Dame mehrere Zeugen des Vorfalles zur Verfügung, während sie selbst sich fofort in ärztliche Behandlung begeben mußte. Das brutale Vorgehen der Schlächtersfrau wird noch ein Nachspiel vor dem Richter haben. x. Den Schlaf des Gerechten schlief am Mittwoch Vormittag ein Mann auf dem Geländer der Oranienbrüde. Mög getheilt, welches wir unseren Lesern zur Beurtheilung über die lich, daß ein herzhafter Schluck seine Sinne etwas benebelt Nachdem ich in der Schraubenfabrik von Sille und Weiß, 30gen hatte, wodurch ich so in Verzweiflung gerieth, daß ich Anrathen des Vertreters des Herrn Profeffor Dr. Westphal und des Bewerksarztes Dr. Jakoby Beobachtungen über meinen Geisteszustand in der Charité angestellt werden. Zu diesem Bwed fertigte Herr Dr. Jakoby in seiner Eigenschaft als Gewertsarzt mir einen Krantenschein aus mit der zugefügten Bemertung: Aufnahme in der Charité". Außerdem hatte ich einen Brief von dem Vertreter des Herrn Prof. Dr. Westphal an Dr. Jakoby im Befit, worin jener seine Ansicht über seine Beobachtung, die er mit mir angestellt, dem Dr. Jakoby mittheilte und mich zur Aufnahme in der Charité empfahl. Mit diesem Schein begab ich mich am Donnerstag den 7. August, Bormittags 10 Uhr nach dem Aufnahmebureau der Charité. In demselben befanden sich eine schwarzgekleidete Dame und zwei Beamten. Ich zeigte dem zunächſtfißenden Beamten meinen Schein, worauf derselbe aufsprang und mir im barschen Lone zurief, ich sollte nach der Kaffe gehen und mir den Schein Stempeln laffen. ruhiger mit mir zu mich angreife, sprang der Beamte auf, faßte mich am Rodfragen und warf mich aus dem Zimmer und die Treppe hinunter. Bei dem Fall riß die vorher zugenähte Schnittwunde am Puls wieder auf und nur dem Umstande, daß unten an der Treppe ein Postschaffner, der mit einem Wagen vor der Thür hielt, worin Palete ausgefahren werden, mich auffing, habe ich es zu danken, daß ich feine größeren Als ich den Herrn bat, doch etwas sprechen, weil der rauhe Ton hatte, möglich, daß ihm der Traumgott so angenehme Bilder vor die Seele zauberte, furzum, er verlor das Gleichgewicht und befand sich im nächsten Augenblide in den etwas schmugigen Fluthen der Spree. Die Geistesgegenwart verlor er freilich nicht, denn er versuchte es, sich zunächst durch Schwimmen aus dem unfreiwilligen Bade zu befreien. Einige Schiffer zogen den durchnäßten, der bereits unterzugehen drohte, in ihren Rahn und menschenfreundlich, wie Schiffer nun einmal find, follerten fie ihren Schüßling hin und her, damit er das verschluckte Spreewaffer wieder von fich geben möchte. Leider mußten sie hierbei wohl vollständig vergessen haben, daß ihr Kahn mit Torf geladen gewesen war, und so wurde die Kleibung des Verunglückten in einen Zustand verseßt, der mit der Weißheit" eines Konditoranzuges nicht die geringste Aehnlichfeit hatte. Das Ende vom Liede war, daß ein Schußmann den Unglücksraben" mit zur Wache nahm, wo er sich wahrscheinlich getrocknet und gereinigt haben wird. N. Bei der Revision der geaichten Bier- und Weingläser wurden gestern in einem Restaurant am Grünen Weg eine solche Anzahl nicht vorschriftsmäßiger Trinkgefäße gefunden, daß zum Transport der fonfiszirten Gläser die dienstthuenden Beamten zwei Dienstleute engagiren mußten. Einige Wirthe im Osten der Stadt wurden denunzirt, weil dieselben nicht die zum Ausmeffen der Gläser nöthigen Zehntelmaße führten. g Zureden hilft, das denken gewiß auch unsere taum der Schule entwachsenen Händler und Händlerinnen mit Kleinen Blumenbouquetts, die ein Raffinement an den Tag legen, wie man es eben nur bei Kindern einer Großstadt finden kann. Nachdem die Redensart: Bitte, Herr Graf( oder Baron), Berlegungen davontrug. Ich begab mich nun nach dem Po- faufen Sie doch für die Dame Thres Herzens ein schönes lizeibureau in der Karlstraße und traf auf dem Wege dorthin Bouquet, abgebraucht ist, und seine Wirkung verfehlt hat, be Ian der Louisenstraßenede einen dort stationirten Schuß dienen fie fich einer eigenartigen Poefte, die gewiß zieht". So mann, der meinen Zustand sah und mir den gutgemeinten Rath hört man jezt von den mit Blumen handelnden Burschen an gab, doch nach Hause zu fahren, um für meine aufgeriffene Bunde etwas zu thun und meine Aufregung zu bemeistern. Auf dem Polizeibureau, wohin ich dennoch ging, wurde mir Bescheid, daß man dort in der Angelegenheit nichts thun fönnte, weil die Charité selbst Polizei sei. Von hier begab ich Berordnungen traf und mir ein Medikament verschrieb, das ich der Stadtbahnstation Börse" folgenden Ausspruch: ,, Bitte, faufen Sie mir doch ein Bouquet ab. Es erneuert die Liebe Vermeidet den Bank Stärkt die Nerven und Schwächt den Geldbeutel." Man lacht und kauft ein Bouquet. Was wird man noch Alles zu hören bekommen? -a. Wiedergefunden. Der seit einigen Tagen vermigte Knabe Heinrichs hat sich in Falkenberg hinter Weißensee wie dergefunden und ist von seinem Vater von da nach Hause ablin nach dem 1% Stunde entfernten Faltenberg gekommen, feine Auskunft zu geben. ich eventuell beeiden und durch Zeugen feststellen kann. Noch geholt worden. Das Kind vermag darüber, wie es von Ber fällt mir ein, daß der Postschaffner mir den Rath ertheilte, mich bei der Direktion sofort zu beschweren, worauf ich den Portier fragte, wo das Direktionsbureau sei. Der Portier zeigte mir iezt diejenige Thür, aus der ich soeben herausgeworfen worden war. Zu den vorstehenden Angaben des D., eines Mannes, der einen äußerst soliden und glaubhaften Eindruck macht, hal ten wir jeden Kommentar für überflüssig. Hein Hes Tem Dort Hit Das gen ab. Iche rüd alle an ach mich und Ge 34 febr ben Sam veig uen jer jein über tum Bibe war ber Sabre Denn un t.) a. Eine gefährliche Diebin, das Dienstmädchen Wörgel, ift gestern verhaftet worden. Dieselbe hatte bei verschiedenen Herrschaften, bei denen fie hinter einander gedient hatte, Diebstähle verübt, ohne daß es bisher gelungen war, fie zu überIn volständig hilfloser Lage befindet sich der Tischler eignet, sondern sie hat verschlossene Behälter mittelft NachSchmiedeberg, Kottbuserstraße 20, of 3 Tr. Derselbe liegt ichlüssel geöffnet und daraus Geld und Werthsachen sich angeeignet. Reun solcher Diebstähle ist die W. bereits g. Von einem Unfall wurde vorgestern Nachmittag der winkel dadurch betroffen, daß die Schraube zerbrach und der bereits seit 34 Wochen frank danieder, und natürlich ist sein angeeignet. Legtes in dieser langen Zeit, während welcher er vollkommen überführt. ermerbsunfähig war, aufgebraucht worden. Augenblicklich steht er außerdem auf dem Punkte wegen einer rückständigen Mieths- Haberkern'sche Dampfer„ Sophie" zwischen Tegel und SaatMenschen werden gebeten, dem unglücklichen Arbeiter beizu Dampfer so, jeder schnellen Fortbewegungskraft entbehrend, springen. Wir find gern bereit in unserer Expedition Gaben langsam nach Saatwinkel fahren mußte. Der Mariannenpart ist Nachts ein Tummelplag für Hier wurde das Feuer unter dem Dampffefsel zum Auslöschen gebracht und der Dampfer sofort nach einer nahe belegenen Schiffs werft in Reparatur gegeben. Inzwischen war der zweite Haberkern'sche Dampfer Eugen", welcher bei Valentinswerder Leichenfledderer in einer so frechen und unverschämten Weise lag, gebeizt, so daß die unterbrochene Fahrt der Passagiere mit einem Verlust vor einer guten Stunde fortgesetzt werden fonnte. N. Eine Tobsüchtige, die 24jährige, unverehelichte Emilie für denselben anzunehmen. Bart in der ganzen Stadt ist. Leider treiben daselbst die ihr Wesen, daß die schönen Anlagen mit den bequemen Ruhe bänken von einem ermüdeten Passanten kaum benugt werden lönnen. Mit welcher Raffinirtheit die Leichenfledderer zu Werke gehen, beweist folgender Fall. Am Montag Abend paffirte N., aus Massow gebürtig, welche bei dem Schlächtermeister B. Der Arbeiter Herrmann Klinner, Lübenerstraße 4 wohnhaft, auf dem Nachhauseweg den Park und fühlte das Bedürfniß, sich auf einer Bank auszuruhen, woselbst er nach wurde er von einem reduzirt aussehenden Manne recht unsanft würde er seine schönsten Reile triegen." Am folgenden Morgen mit dem Bemerken gewedt, wenn er fich nicht davon mache, sah der Arbeiter erst, was ihm passirt war. Der Arbeiter trug Die Strolche, in der Memelerstraße 59 a konditionirte, mußte in der verflos senen Nacht nach der Neuen Charitee befördert werden. Schon seit längerer Zeit trug das Mädchen Spuren eines geistes gestörten Wesens zur Schau, die gestern in vollständige Raserei ausarteten. In einem solchen Anfalle versuchte die Unglückliche, den Namen ihres Bräutigams wiederholt rufend, aus dem Fenster zu springen. Nur mit Mühe war es möglich, die N. an ihrem Vorhaben zu verhindern und mußte das Polizeirevier, von dem Vorfalle benachrichtigt, für die UeberWahrscheinlich ist unglückliche Liebe die Ursache dieser Krankbeitserscheinung. g. Sonntagsreiter. Ein schwerer Unglücksfall bein Reiten ereignete fich gestern Abend im Thiergarten in der Nähe der Belten". Ein junger Kaufmann war auf einem sehr muthigen, noch jungen Pferde, die Bellevue- Allee entlang Spazieren geritten, als plößlich das Pferd scheu wurde und durchging. Der Reiter, welcher sich nicht im Sattel zu halten vermochte, stürzte vom Pferde herunter und zog sich hierbei mehrere Verlegungen im Geficht, am Arm und den Füßen zu, währen das Pferd weiterstürmte. Ein des Weges fahrender Droschkentutscher hielt sofort an, sprang vom Bock, und seinem Muth und großer Geistesgegenwart gelang es, die Zügel des Pferdes zu erfassen und es zum Stehen zu bringen. Der junge Mann wurde mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebracht, während das Pferd einem Reitinstitut zugeführt wurde. N. Die Leiche eines Unbekannten wurde gestern von Schiffern in der Gegend der Fischerbrücke im Waffer treibend bemerkt und von denselben mit Seilen herausgezogen. Der Verstorbene schien der Bekleidung nach, den befferen Ständen angehört zu haben und etwa 30 Jahr alt gewesen zu sein. Spuren äußerer Verlegung waren an der Leiche nicht wahrzunehmen, so daß zweifellos ein Selbstmord vorliegt. Behufs Refognoszirung wurde dieselbe ins Obduktionshaus eingeliefert. a. Der Mörder des Konditors Eduard Tix aus Strehlen, welcher in der Nacht vom 19. zum 20. Mai d. J. in einem Gasthause zu Liegnis ermordet und seiner beträchtlichen Baarschaft beraubt worden war, ist unter der Mitwirkung der hiesigen Kriminalpolizei hierselbst ermittelt und heute von der genannten Behörde festgenommen worden. Der Mörder ist der Schlosser Richard Baumgart aus Rogasen, welcher seit Mitte v. Mts. fich in Berlin aufhielt und wegen einer Krankheit in der Charité Aufnahme fand. In Berlin gab er fich als der Schauspieler Ferdinand Hardt aus und führte auch ein auf diesen Namen lautendes Legitimationspapier bei sich. Zur Zeit der That hatte er fich als der Feilenhauer Thiel ausgegeben, und auch einen auf diesen Namen lautenden Fremdenzettel bei sich geführt. Bald nach dem Morde war Baumgart mit einem ehemaligen Bekannten, dem herumvagabondirenden Handlungskommis Rüder, in Breslau zusammengetroffen und war mit diesem bis Mitte Juli in Schleften herumgestreift, wobei Baumgart von der geraubten Summe die sämmtlichen Reisekosten bestritt und den Rücker neu einkleidete. Auch erzählte er während der herumstreifereien dem Rücker die von ihm verübte That. In Berlin trennte fich Rücker von dem erkrankten Baumgart, und machte vor etwa 14 Tagen in einer Schankwirth einem neuen Bekannten Mittheilung über die von dem Baumgart verübte That und der Hörer machte darüber eine schriftliche Anzeige an die Staatsanwaltschaft zu Liegnis. Auf die Requisition dieser Behörde forschte die hiesige Kriminalpolizei nach dem Rücker und nach Baumgart, welcher dem Rücker nur unter seinem Vornamen Nichard bekannt gewesen ist, und ermittelte den Rücker in der Strafhaft, welche er wegen Bettelns verbüßt, und den Baumgart in der Charité. Der Mörder Baumgart hat ein umfassendes Geständniß abgelegt und wird nach Liegnis zur Untersuchungshaft transportirt. Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. An die Buchbinder und verwandten Berufsgenoffen zu Berlin wendet sich mit folgendem Aufruf die Lohnkommission. Kollegen! Nachdem Jhr in den legten Wochen in allen Vorversammlungen bewiesen habt, daß mehr denn vorher der Geift der Einigkeit, der Drang nach Organisation in Euch eingezogen ist, fordern wir Euch nun auf zur großen Hauptberathung am Sonntag Morgen 10 Uhr in der Berliner Flora Gr. Friedrichstr. 218 zu erscheinen. Es ist unsere Pflicht als Kommission diesen Weg zu beschreiten, erst einmal zu versuchen, ob eine Einigung mit den Meistern und Fabrikanten zu er zielen ist. Auf der Tagesordnung steht daher: Ist die Forde rung eines Minimallohnes von 18 M. gerechtfertigt, und wie wollen wir diese Forderung geltend machen! Referent Michelsen, das Korreferat hat ein Buchbindermeister übernommen. Kollegen! Um unsere Forderungen so schnell wie möglich durchzuseßen, haben wir daher Alle Meister und Fabrikanten eingeladen, mehr als hundert derselben haben ihr Erscheinen be reits zugesagt. Kollegen danach richtet Euch! Kommt in ge waltigen lassen, wird es doch das legte entscheidende Wort sein, das wir vor Eintritt in die Lohnbewegung mit den Meistern reden. Nur wenn Ihr Alle erscheint, nur wenn jeder auf dem Plaße, ist uns der Sieg gewiß. Wir sind überzeugt daß all' die ausgestandene Noth und Entbehrung nun endlich der Sporn zu energischem Handeln für Euch geworden sein wird. Daher Kollegen fehle feiner! Einer für Alle, Alle für Einen! Mit brüderlichem Gruß J. A. F. Michelsen, Dresdenerstr. 26 IV. h. Eine sehr zahlreich besuchte Schlossergesellen- Versammlung zur Lohnbewegung tagte am Dienstag Abend in Gratweil's Bierhallen in der Kommandantenstraße unter Leitung des Vorfißenden der bekanntlich schon vor etlichen Wochen gewählten Lohnkommission, Herrn Lochmann. Die Versammlung, welche ca. 800 Theilnehmer umfaffen mochte, lauschte zunächst dem mit großem Beifall aufenommenen Referate des Stadtv. Gördki über die derzeitigen Mißstände im Schloffer gewerk: die elfstündige tägliche Arbeitszeit bei ungesunder, die Lebenskraft vorzeitig aufreibender Beschäftigung und verhält nißmäßig niederem Lohnftande. Der Referent befürwortete schleunige Vornahme der Wahl von Werkstätten- Delegirten und Veranstaltung regelmäßiger Wochenbeitrags- Sammlungen zum Generalunterstüßungsfond behufs Durchsegung der aufzu stellenden Forderungen, als: Behnstündige tägliche Arbeitszeit, Abschaffung der Sonntags- und Ueberstundenarbeitszeit und für die Akkordarbeiter ein wöchentliches Softgeld" von minde ftens 18 Mart als Abschlagszahlung. An das Referat reihte fich eine animirte Diskussion, an welcher sich viele Redner darunter auch welche aus anderen Gewerken, wie z. B. die Herren Pfeiffer( Schneider), Netband( Metallarbeiter) und Orthmann ( Bauanschläger), alle in Uebereinstimmung mit dem Referenten, betheiligten. In die jetzt aus 9 Mitgliedern bestehende LohnTommission wurde dann noch Herr Klink gewählt und die Wahl von 3 Revisoren für den General- Unterstützungsfonds vollzogen. Die regelmäßigen Beiträge zu demselben wurden bis auf Weiteres auf 10 Pf. pro Mann und Woche festgesetzt. Allseitige Zustimmung fand ein von Herrn Nezband vorges schlagener, in der Metallarbeiter Lohnbewegung als praktisch bewährter Modus beim Unterstüßungsbeiträge- Sammeln, dem gemäß in größeren Werkstätten dieses Amt allwöchentlich einem anderen Kollegen zu übertragen ist, um Maßregelungen Einzelner unmöglich zu machen. Schließlich nahm die Versammlung einstimmig eine Resolution an, durch welche sie sich mit Dem Referenten einverstanden erklärt und die Lohnbewegung Der Schloffer behufs glänzender Durchführung derselben, gleich wie die Lohnkommission mit allen Kräften zu unterstützen verspricht. " r Die öffentliche Versammlung der Tapezierer und verwandten Berufsgenossen, welche zum Zwecke des Beitritts zur neuen( Hamburger) Central- Kranken- und Sterbe taffe der Tapezierergehilfen" am Mittwoch in den Gratweil'schen zwei Sälen stattfand, war von mehr als 500 Interessenten be fucht. Nach erfolgter Verlesung des Statuts der neuen SentralKasse wies der Vorsitzende, Herr R. Sander, darauf hin, daß das Statut von der kompetenten Behörde bereits genehmigt sei und daß der Vorstand der neuen Central- Kaffe den Bewertstaffe gegenüber von der Forderung des Eintrittsgeldes ( 1 Mart) und eines ärztlichen Gesundheitsatteftes Abstand ge In ersterer befand sich sein Portemonnaie. Nun hatten ihm führung der Kranken nach der Neuen Charitee Sorge tragen. berechtigten Mitgliedern der alten( ortsstatutarischen) Berliner worden war, was freilich möglich ist, wußte er nicht ob er bei dem Manöver vielleicht betäubt bie nommen habe. Nachdem er dann die Gründe dargelegt, welche jeden Kollegen, der noch die freie Wahl zwischen beiden Kaffen habe, bestimmen müßten, der neuen freien centralisirten Hilfs taffe beizutreten, und das, was zu Gunsten der alten Gewerks laffe vorgebracht worden ist, als nicht stichhaltig erwiesen hatte, schloß er mit der dringenden Mahnung an die Kollegen, ihren Beitritt zur Centraltasse anzumelden. Eine Versammlung der Fabritarbeiter tagte am Mitt woch Abend im Saale Sanssouci unter dem Vorfiße des Herrn Denzig. Der Herr Stadtverordnete, F. Gördi, referirte über das Thema: Wie verhalten sich die Fabrikarbeiter der neu zu gründenden Krankenkasse gegenüber? Referent kennzeichnete den Unterschied der zwischen einer Orts- und freien Hilfstaffe besteht und sprach seine Verwunderung darüber aus, daß es es noch immer Leute gäbe, die für Ortstaffen Propaganda machen könnten. Es wären dies aber besonders die Vorstände von Drtskaffen, welche besoldet würden. Ferner tügte Redner, daß die Ortskaffen keine Altersskala hätten und ermahnt zum Schluß, unbedingt für freie Hilfskassen zu agitiren, dies erfordere die Brüderlichkeit und Solidarität. Die Versammlung trat in feine Diskussion ein, sondern genehmigte einstimmig folgende Resolution: Die heutige Versammlung erklärt fich voll und ganz mit dem Referenter inverstanden und verspricht, fich der neu zu gründenden freien Hilf affe anzuschließen. Am Schluß wurde noch bekannt gemacht, daß für Fabrikarbeiter, welche einer Kaffe angehören und in die BentralKrankenkaffe übertreten wollen, ärztliche Untersuchung und Altersgrenze wegfallen, doch müssen dieselben ihre Beitrittserflärung an nachstehende Herren schriftlich bis zum 1. November d. J. abgegeben haben; Denzig, Boffenerstr. 36, of III, Wernicke, Adalbertstr. 75, Völkel, Eisenbahnstr. 39, Spiller, Beughof Str. 8. Die Beiträge normiren sich für die 1. Klaffe 40 Bf., 2. Klaffe 35 Pf., 3. Klaffe 30 Pf., 4. Klasse 20 Bf., 5. Klaffe 15 Bf. Die Unterstügung ist pro Woche 16 M., 14 M., 12 M. 8 M., 6 M., die beiden legten Kaffen sind für Frauen und jugendliche Arbeiter, die Unterſtüßung wird auch ein Jahr gewährt. Da die Statuten hoffentlich bis zum 15. September von der Regierung genehmigt zurüd sein werden, so wird die Kaffe bis zum 1. Oktober voraussichtlich ins Leben treten. Mögen die Beitrittserklärungen recht zahlreich eingehen auch aus verſchiedenen Städten Deutschlands find Unmeloungen zum Beitritt bereits eingelaufen. Der Bezirksverein des werkthätigen Voltes der Schönhauser Vorstadt hielt am Dienstag, den 12. August cr. seine regelmäßige Mitglieder- Versammlung in Meister's Lokal, Schönhauser Allee 161 ab. Daselbst sprach der Naturarzt Dr. Sper ling in interessanter Weise über Naturheilkunde und erläuterte die verschiedenen Behandlungsarten der Wafferkur bei vorkom mender Krankheit. Sodann kam er auf die Entstehungszeit der medizinischen Wissenschaft zu sprechen und theilte mit, daß die ersten Apotheken im 15. Jahrhundert gegründet seien; in Berlin entstand die erste Apotheke im Jahre 1488. Redner führte dann noch aus, daß das ganze bisherige medizinische Verfahren nicht richtig sei, und nur die Naturheilkunde allein die Krankheisstoffe aus dem menschlichen Körper entfernen könne. Zum Beweis verlas er die Aussprüche von verschiedenen berühmten Aerzten zu Gunsten der Naturheilkunde, besonders hob er einen Ausspruch des Herrn Dr. Karl Vogt hervor. Im Anschluß an diesem Vortrag wurden dann Fragen gestellt, die vom Herrn Referenten in der eingehendsten Weise beantwortet wurden. Zu einer Frage:" On welchem Verhältniß steht die Naturheilkunde zu Reformen auf den übrigen Gebieten unseres sozialen Lebens", nahm Herr Schwennhagen das Wort und legte das Verhältniß flar. Zum Schluß wurde ein Antrag von Herrn Blaurock gestellt, eine Fußparthie zum Sonntag, den 31. August zu veranstalten, welcher von der Versammlung angenommen wurde. Die nächste Versammlung findet Dienstag, den 26. August statt. In der Versammlung des Verbandes deutscher Zimmerleute( Lokalverband Berlin) am 13. d. hielt Herr Dr. Kanis einen Vortrag über Naturheillehre, wobei derselbe die Unterschiede zwischen Homöopathie, Allopathie und Naturheilkunde auseinandersezte. Redner stellte die Behauptung auf, daß seiner Anficht nach gänzlich ohne Medizin furirt werden fönne und gab auch verschiedene Beispiele aus seiner Praris dafür an; besonders sei eine maßvolle und milde Diät mit gehöriger von Luft, Licht und banden, ist jedenfalls sehr zweifelhaft. Die Forderung der Arbeiter war sehr bescheiden: 11-12stündige Arbeitszeit und eine fleine Lohnzulage. Bis jetzt betrug die Arbeitszeit 12 bis 14 Stunden, Der Lohn 6,50-13 M. Um nun mit den Arbeitern( lettere haben Alles gethan, um einen Strife zu vermeiden) zu verhandeln, hat man seitens der Arbeitgeber dieselben auf die Straße geworfen, ohne Rücksicht darauf, ob sie verhungern oder nicht. Nirgends in Deutschland find die Arbeitgeber ihren Arbeitern so inhuman, so hart entgegen getreten, als hier in Crimmitschau; die Arbeiter baten um Arbeit, doch statt dessen warf man sie einfach zur Thür hinaus. 146 Arbeiter suchen Arbeit, gehen tagtäglich die Fabriken durch, in dem Glauben, solche zu erlangen, jedoch überall ein und dieselbe verlegende Antwort: Wir dürfen Sie nicht annehmen, Sie müssen vier Wochen hungern!" Das unterzeichnete Komitee ist nun gezwungen, an alle Menschenfreunde heranzutreten und um Unterstüßung für die Gemaßregelten zu bitten. Beige ein Jeder dadurch, daß er ein Scherflein für die hungernden Arbeiter giebt, daß er mit der Herzlosigkeit der Arbeitgeber nicht einverstanden ist, sondern daß er mit den ausgeschlossenen und auf die Straße geworfenen Arbeitern sympathifirt. Menschenfreunde! Beigt, daß ihr noch ein herz sympathifirt. Menschenfreunde! Zeigt, daß ihr noch ein Herz habt, gebt was Ihr wollt, ob Geld, ob Nahrungsmittel, die darbenden Arbeiter find Euch für Alles dankbar. Beschämt die Handlungsweise der Arbeitgeber! Ihr wißt, Hunger die Handlungsweise der Arbeitgeber! Ihr wißt, hunger thut weh! Allen Gebern im Voraus herzlichen Dank! Crimmitschau, den 9. August 1884. Das Komitee der strifenden Arbeiter. J. A.: Herm. Betterlein, Vorsigender. Stuttgart, 11. Auguft.( Frkf. 3tg.) Im Bardilischen Saal fand heute Abend eine außerordentlich zahlreich besuchte Versammlung statt, in welcher der Reichstags Abgeordnete Bruno Geifer ein Referat erstattete über das Recht auf Arbeit". Der Redner erinnerte zunächst an jene Reichstagsfigung, in welcher der Reichskanzler erstmals das Recht auf Arbeit proflamirte und damit im ganzen Hause, auf der Rechten ebenso „ Sanssouct" eine Mitglieder- Versammlung statt. Tagesord nung: 1) Geschäftliches. 2) Vortrag des Herrn Friz Gir Klarlegung des Krankentafengejeges. 3) Verschiedenes. 4) F laften. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden genommen. Abendi Der Fachverein der Nähmaschinenarbeiter und Be rufsgenossen hält am Sonnabend, den 16.. Mts., 8 Uhr, in Nief's Vereinshaus, Kommandantenstr. 71-72 eine Generalversammlung ab. T.- D.: 1. Wahl eines zweiten B figenden, eines ersten Schriftführers und eines Revisor 2. Wahl einer Fachkommission. 3. Verschiedenes. 4. Beri der Associations- Kommission. Statutenbuch legitimirt. A nahme neuer Mitglieder. Die Generalversammlung des Fachvereins der Möbe polirer für Raftenarbeit findet Montag, den 18. Augu Abends 8 Uhr, in Kellers Restaurant, Grüner Weg 29, fa T.- D.: Wahl eines 2. Vorfißenden an Stelle des Hrn. June Bericht des Kaffirers. Bericht des Vergnügungs- Romites. schiedenes und Fragelasten. Neue Mitglieder werden aufge nommen. Verein zur Wahrung der Interessen der Korbmar Berlins und Umgegend. Sonntag, den 17. August, mittags 9%, Uhr, bei Otto, Adalbertstr. 21. T.- D.: 1. B trag. 2. Wahl einer Kommiffion behufs Erhebung einer Loh statistit. 3. Festsetzung des Beitrags zur Wanderunterſtügung faffe. 4. Vereinsangelegenheiten. Vermischtes. Unvorsichtige Diebe. In Genf ist man einer fred Diebsbande auf die Spur gekommen. Am Sonntag Abend wurde beim englischen und italienischen Konsul eingebrochen Im englischen Konsulat wurden Juwelen gestohlen und italienischen ein Geldkasten aufgesprengt und seines Inhalt beraubt. An letzterem Drte ließen die Diebe ein noch neues Brecheisen liegen, das dann auch die Bande verrieth. Dhe große Mühe konnte die Bolizei ausfindig machen, daß diefes Instrument bei einem Schloffer in Daur- Vives verfertigt wo den war; einer der Polizeiagenten begab fich dann auch sofort zu dem Schlosser. Dieser erklärte dem Agenten, daß er der Rechten ebenso wie auf der Linken auch die Volkspartei sei nicht auszunehmen Schrecken und Entrüstung erregt habe und kritisirt sodann die von Richter entgegen jener Forderung Bismards aufgestellte zweites Brecheisen habe anfertigen müffen, und daß dasselbe Behauptung, daß die Besserung der Lage der Arbeiter von ihnen selbst und dem Fortschritt der Kultur abhänge. Der Grundsat jeden Augenblid abgeholt werden könne. Nach einiger Zeit ſelbſt und dem Fortschritt der Kultur abhänge. Der Grundsay fam auch ein gewisser Bertoni, Massest genannt, von Biella des Rechtes auf Arbeit, führte er weiter aus, sei allerdings ein( Piemont), der das Instrument holen wollte. Der Polizeiagent bat Bertoni, ihm Aufschluß über den Gebrauch des Brecheijens zu geben; nun mußte der Italiener wohl oder übel die Wahr heit sagen. Seine Verhaftung zog auch noch die von 4 feiner durchaus revolutionärer und Bismard habe ihn selbst lediglich acceptirt, weil er dem übermächtigen Einfluß der Zeitströmung fich nicht zu entziehen vermochte, weil er weitfichtiger als andere, und Dank den Belehrungen, die er von Männern wie Lothar Bucher, Schäffle ec. empfangen, erkannt habe, daß zu Gunsten der arbeitenden Klaffe etwas geschehen müsse, wenn nicht der ganze Volkskörper in unheilbaren Marasmus verfallen, wenn nicht schließlich auch die Wehrkraft des Volks in gefährlicher Weise Noth leiden soll. Die Durchführung des von Bismard proklamirten Prinzips würde allerdings bedeutende Summen erfordern unter einer Annahme von 300 000 Personen, die dermalen beschäftigungslos feien und für deren Unterhalt bis her täglich mindestens 100 000 Mt. erforderlich find, würde sich bei einem Minimallohn von 2 M. ein Mehr von 500 000 Mt. täglich und 180 Millionen im Jahre ergeben, aber diese Summen seien bedeutend niedriger als z. B. die Kosten, die ein Krieg verursacht und sie würden sofort wieder unserer Induſtrie zu Gute tommen, die dadurch einen mächtigen Aufschwung gewinnen würde. An Arbeitsgelegenheit- Urbarmachung bisher ödliegender Landstrecken, Anlegung von Kanälen u. s. w.- fehle es nicht. Allerdings müßte und der Liberalismus sei sich darüber klar das Prinzip des Rechtes auf Arbeit einmal voll durchgeführt, zur völligen Berfezung und Auflösung der jezigen Gesellschaft führen, aber diese verdiene fein anderes Schicksal und die Sozialdemokratte habe in ihren Bestrebungen einen mächtigen Bundesgenossen am Reichskanzler selbst, der mit seinen gewaltigen Plänen des Tabaksmonopols, der EisenbahnSpießgesellen nach sich. い Budapest, 12. August. Die Reihe der sensationellen Gr die Affaire des 250 000 Gulden und des 30 000 Gulder Diebstahls in tiefstes Dunkel gehüllt und schon ist ein neu Verschwinden einer großen Bostsendung avifirt, welches nicht verfehlen wird, allenthalben Aufsehen zu erregen. Ein gefte von hier nach Wien cartirter und abgesendeter Boftbeute mit rekommandirten, Expreß- und kleineren Geldbriefeni heute in Wien nicht angekommen und bis nun ist auch fein Nachricht über dessen Einlangen angelangt. Die für Wien be stimmten recommanditten und Expreßbriefe wurden gefter Abends in einen großen Bostbeutel gethan. Der Beutel wurd verschloffen und mittels Cariol nach Dfen zum beschleunigtes selbe von der Postambulanz Nr. 13 ordnungsmäßig übernom Personenzuge Nr. 2( Budapest- Szöny- Wien) gesendet, wo der men und im Stundenpaffe bestätigt wurde. Heute Mittag langte ein telegraphisches Aviso der Wiener Postdirektion an ober für Wien bestimmten Postbeutels avistrt wurde. Eine weiter eine unrichtige Abgabe des Postbeutels in Raab vorausgei werden. Unter den recommandirten Schreiben befanden Fich zahlreiche Briefe biefiger Bank- Institute, welche Checks und verstaatlichung u. f. w. für das nämliche Ziel arbeite. Die Anweisungen über große Beträge und Baargeld enthielten Sozialdemokratie, schloß der Redner, nehme das Gute, ihren Zwecken entsprechende, woher es tomme, auch von der Regierung, aber fie verlange und werde nach Kräften darauf hinDie erforderlichen Recherchen find angeordnet worden. Kirschen- und Pflaumenkerne. In Frankreich werden arbeiten, daß daffelbe in ihrem Sinne zur Durchführung vielfach zu Kompotts, Badwerk c. benüßt. Die franzöfifchen tomme. Das Recht auf Arbeit wäre illusorisch, wenn nicht Hausfrauen sammeln davon die abfallenden Kerne, und im demokratische würde, in der Weise, daß eine Reihe von Arbeits- Augenblid, brennen hell auf, und dann füllt fich das Bimmer tion zur Durchführung jenes Grundsages nicht eine wahrhaft hand voll davon auf die Kohlen. Dieselben frachen in einem guten Baffers anzuwenden, ach des Vortragenden Aussage gleichzeitig ein und wenn hat das Naturheilverfahren noch besonders den Vorzug großer Billigkeit. Außerdem betont Redner auch noch in Betreff der Medikamente, daß ein Mensch in gesundem Zustande das sicher nicht zu fich nehmen würde, was ihm als Kranten gereicht wird. Medikamente bewirken im Großen und Ganzen noch meist innere Nebenkrankheiten, überhaupt lebe die Medizinal wissenschaft auch fortwährend im Kampfe, da die Medikamente fortwährend wechseln. Der Vortrag wurde beifällig entgegen genommen. ämtern, etwa für jeden Reichstagswahlkreis eines, geschaffen würde, deren Beamte, ebenso wie der Arbeitsminister selbst, aus allgemeinen Wahlen, wie die Reichstagsabgeordneten, hervorgehen müßten. Sozialismus ohne demokratischen Geist tauge ebensowenig, wie eine Demokratie, welche, wie dies bei der Volkspartei der Fall sei, den sozialen Bestrebungen fühl gegen über ſtehe. Die Cannstatter Sozialdemokraten haben bemit einem föstlichen Geruch. ber Pietät! Turgenjew's Tagebuch, dessen Vernichtung b Dichter ausdrüdlich gewünscht hat, soll nun doch nächstens in einer russischen Zeitschrift zur Veröffentlichung gelangen. Ja die Erben gehen so weit, sogar die Briefe, welche der berühmte Dichter von befreundeten russischen Schriftstellern erhalten hat veröffentlichen zu wollen, wobei zu bemerken ist, daß die bevor Die vorgestrige Sigung des Bezirksvereins im 29., schlossen, für die kommende Reichstagswahl den Reichstags stehende Publikation den Betheiligten nichts weniger als an 30. und 31. Wahlbezirk verfiel am Schluß der Debatte dem bekannten§ 9 des Gesezes vom 28. Oftober 1878 bei der Abstimmung über eine Resolution, welche den Abg. Grillenberger als Kandidaten für den 5. Berliner Reichstagswahlkreis empfahl. Das Komitee der strifenden Arbeiter in Crimmitschau veröffentlicht folgenden Aufruf: An alle Menschenfreunde! Allgemein scheint man der Ansicht zu sein, daß seitens der Arbeitgeber( Spinnereien und Färbereien) Ende Juli provozirte Strike, eventuell der Arbeiterausschluß beendet sei. Dies ist jedoch nicht der Fall. 146 Arbeiter find seitens der Arbeit geber in die schwarzen Lifte" eingezeichnet worden. Diese 146 Arbeiter( darunter sehr viele Familienväter mit starker Familie) bekommen vor 1. September feine Arbeit wieder in den hiesigen, der Vereinigung angehörenden 30 Fabriken. Es ist dies zwar unerhört, aber wahr! Die Arbeitgeber haben sich gegenseitig bei Strafe gebunden, feinen von den in die Acht" erflärten 146 Arbeitern vor dem 1. September wieder in Arbeit zu nehmen, ob dann für die Ausgeschlossenen noch Arbeit vorTheater. Freitag, den 15. Auguft. Opernhaus: Der Freischüß. Schauspielhaus: Keine Vorstellung. Deutsches Theater: Geschloffen. Neues Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater: Der luftige Krieg. Wallner Theater: Hotel Blancmignon. Oftend- Theater: Ein Gottesurtheil. Walhalla Operetten- Theater: Nanon. Luisenstädtisches Theater: 106. Opern- Vorstellung. Benefiz für Herrn v. Schmädel. Die Stumme von Vortici. Bellealliance- Theater: Buchholzens. 568] Arbeitsmarkt. Steinnuß- Plattenschneider v. Hesse, Markusstr. 50,2.. 1529 Ein Feilenhauergh. w. verl. Pücklerstr. 10. [ 575 abgeordneten Blos als Kandidaten im 2. württembergischen genehm sein dürfte. Giebt es denn feinen Rechtsschuß für den Reichstagswahlkreis aufzustellen. An die Fabritarbeiter in Berlin. Der Verein zur Wahrung der materiellen Interessen hält am Montag im Saale des Herrn Wohlhaupt seine regelmäßige Sigung ab und ruft der Vorstand allen Fabrikarbeitern zu, fich zu organisiren und in Masse dem Verein beizutreten, wenn dieselben ihre Interessen wahren wollen. Ihre Verhältnisse find gewiß feine beneidenswerthen und soll eine Regelung der selben stattfinden, so ist es unbedingt nothwendig, daß eine Organisation geschaffen werde. Bieht vor Allem gegen den Indifferentismus zu Felde, denn der gerade ist der größte Gegner aller Organisationen. Eine große Voltsversammlung findet am Montag, den 18. August, Abends 8%, Uhr, im großen Saale von Sanssouci", Rottbuserstraße 4a statt. Heferent: Herr Stadtverordneter Fris Gördi. legten Willen Verstorbener? Die Buchbinder von Philadelphia beschäftigen Personen und produzirten im 22 000 000 M. Waare. 5000 vergangenen Jahre f Neueste Nachrichten. Kasan, 14. August. Heute früh explodirte eine Bulver fabrik und sezte 5 angrenzende Gebäude in Brand. Von den Arbeitern der Bulverfabrik haben zehn das Leben eingebüst Briefkasten der Redaction. Sm J. K., Waldemarstraße. Sie haben wohl vergeffen, was Sie geschrieben haben, bemühen Sie sich doch einmal ge fälligst zu uns, dann können Sie sich selbst überzeugen. Im Arbeiter- Bezirksverein Glüdauf findet am Dienstag, Uebrigen besten Gruß und in Zukunft nicht so übelnehmi den 19. Auguft cr., Abends 8 Uhr, im oberen Saale von Mitglieder- Versammlung des Vereins zur Wahrung der Unteressen der Klavierarbeiter findet Sonnabend, den 16. d. M., Abds. 8% Uhr, Kommandantentenstraße 77-79 in den Gratweil'schen Bierhallen( unterer Saal) statt. Vortrag des Schriftstellers Herrn Schwennhagen ,, Ueber die nothwendigsten Reformen des Schulunterrichts". Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Die Billets zum Stiftungsfest, welches am 6. September in Sanssouci stattfindet, find in der Versammlung zu haben, auch bei folgenden Herren: Both, Adalbertstr. 6, of III, Arndt, Körnerft. 15, 11, Arnhold, Röpniderstr. 181, III, Schie felbein, Wilhelmstr. 53, Hof II. Der Vorstand. 574] Sonntag, den 17. d. M., Morgens 10% Uhr, Große öffentliche Geübte Wollhäklerinnen finden dauernde Beschäftigung Bersammlung der Buchbinder Fachverein der Tischler. 24, 570 Sonnabend, 16. August, Abds. 8%, Uhr, Neue Grünftr. 28. Außerordentliche Generalversammlung. T.- D.: Wahl des zweiten Raffirers und zwei Erfaßmänner. Anträge. Verschiedenes u. Fragelaften. Quiftungsbuch legitimirt. Der Vorstand. und verw. Berufsgen. in der ,, Berl. Flora", Gr. Friedrichstr. 218. T.- D.: ft die Forderung eines Minimallohnes von 18 M. gerechtfertigt u. wie wollen wir diese Forderung geltend machen?" Referent Friedr. Michelsen. Das Correferat hat ein Buchbindermftr. abernommen. sein! Die Buchdruckerei von MAX BADING Beuthstrasse 2 empfiehlt sich zur Anfertigung sämmtlicher Druckarbeiten, in geschmackvoller Ausführung zu scliden Preisen. Die ſtatiſtiſchen Wahltafeln Alle Meister und Fabrikanten find brieflich einge- find foeben erschienen und in der Expedition des Berliner laden, daher alle Mann am Play.[ 571] Die Lohnkommission. Volksblatt", Bimmerftr. 44, zu haben. Berantwortlicher Redacteur St. Gronheim in Berlin. Druck und Berlag von Mar Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilage 131 gro gen bet des mir forl mil den Σα Ge ent Ge hät rich Be der beit der Σα zur Arl beit buf aus ring dar Lok möl unt ein Et ben Sta erw halt ohn Ar die brig für tun lan thre ein Tob not felb bei ein 75 Die fon foll ich gei feit Der Be ta ger ist un tra mi Le ge De da bi ert ier en K De RADAR FEE SORONER BE De Nr. 113. Beilage zum Berliner Volksblatt. Der ortsübliche Tagelohn gewöhnlicher Tagearbeiter. Ueberall im deutschen Reiche werden jest oder find zum großen Theil schon die Säße des ortsüblichen Tagelohnes gewöhnlicher Tagearbeiter" nach Vorschrift des Reichsgefeßes betr. Die Krankenversicherung der Arbeiter behufs Berechnung des Krankengeldes 2c. von den Behörden festgestellt. Diese Säße gewähren denjenigen, welche fich mit vollswirthschaftlichen Fragen beschäftigen, ein lebhaftes Intereffe, fordern zu einer öffentlichen Besprechung auf und führen unwillkürlich zu Betrachtungen, welche weit über den nächſtliegen den Zweck jener Feststellung der Tagelohnfäße hinausgreifen. Zunächst einige Worte über die Art der Ermittelung des Tagelohnes. Das Geset schreibt vor, daß nach Anhörung der Gemeindevorstände die höheren Verwaltungsbehörden die Säße festzustellen haben, daß übrigens in gewiffen Beiträumen die Säge einer Revision unterzogen werden sollen. Der Vorschrift entsprechend haben im Laufe des Winters die Gemeinde und Gemeindevorstände über die in Betracht kommenden Verhältnisse Bericht erstatten müssen. Auf Grund dieser Berichte wird alsdann ein durchschnittlicher Sag von den Behörden angenommen und festgesetzt worden sein. Nun ist zunächst darauf aufmerksam zu machen, daß nicht der durchschnittliche Jahresverdienst, nach den jährlichen Ar beitstagen berechnet, in Berücksichtigung zu ziehen war, sondern daß der für den jeweiligen Arbeitstag wirklich gezahlte Lagelohn maßgebend sein mußte, weil das Gesetz die Pflicht zur Versicherung gegen Krankheit nur an die Thatsache der Arbeit anknüpft, so daß die arbeitslos verlebte Zeit des Arbeiters feinen Einfluß auf die Tageslohnsberechnung be hufs Leistung der Krankenkassenbeiträge und des Krankengeldes ausübt. ? Freitag, den 15. August 1884. wohlthätig wirken. Da alsdann den Erkrankten ein Krankengeld von mindestens 1 M. anstatt des entbehrten Arbeitslohnes gesichert wird, ohne daß irgendwo oder unter irgend welchen Verhältnissen die Aufbringung der Beiträge zur Krantentaffe( bei 2 M. Tagelohnfaz 3 Pf. für den Arbeitstag, da tentaffe( bei 2 M. Tagelohnfa 3 Pf. für den Arbeitstag, daLohn, 1 Bf. Zuschuß vom Arbeitgeber) bechwerlich fallen dürfte. von bei Versicherungspflichtigen 2 Pf. aus dem verdienten Andererseits ist auch für die Gemeinde- und Ortskranten faffen ein niedriger Tagelohnsaz deshalb vom Nachtheil, weil fie, die nach einem Prozentsaz dieselben Beiträge empfangen, neben dem prozentuellen Krankengeld freie ärztliche Behandlung, Arzenei u. s. w. gewähren müssen. Die lettere Leistung verursacht aber ohne Rücksicht auf die Beiträge gleiche Kosten, fann also da den Bestand der Kaffen gefährden, wo bei niedri gen Tagelohnsägen nur niedrige Beiträge eingezahlt werden lich können die Gemeinden und die Vorstände der Ortskrankenund die Kosten des Arztes und der Arznei nicht decken. Freikaffen die Beiträge der Pflichtigen im Falle des Bedarfs erhöhen. Dies ist indessen ein Schritt, den zu vermeiden man dringende Veranlassung hat, um das ohnehin so künstliche System des Reichsgeseßes betr. die Krankenversicherung der Arbeiter nicht noch mehr zu verwirren. An verschiedenen Stellen wird darüber Klage geführt, Reichsgesezes betr. die Krankenversicherung der Arbeiter festdaß für den ortsüblichen Tagelohn, wie er nach Vorschrift des gesezt sei, zu hohe Säße angenommen worden. Betrachten wir die Gründe, welche zu solchen Beschwerden geführt haben. Es wird gesagt, die festgesezten Tagelohnsäße entsprächen nicht den wirklich bestehenden Tagelöhnen. Sene Säße würden vielfach nicht erreicht und der ortsübliche Tagelohn ,, gewöhnlicher Tagearbeiter" sei durchschnittlich niedriger. lad oddity dior 1. Jahrgang. hin streben, ihre Einrichtungen so zu treffen, daß ihren durch Krankheit erwerbsunfähig gewordenen Genossen jene Hilfe ge währt werde, und daß insbesondere Drts, Fabrik, eingeschriebene Hilfs- und andere Kaffen Beihilfen für eine reichlich längere Zeit gewähren, als wie solches für die Gemeindekrantenversicherung vorgeschrieben ist. Selbst eine mäßige Erhöhung der Beiträge, wenn solche sich nothwendig zeigt, darf in dieser Beziehung nicht gescheut werden, darf nicht das Mißvergnügen der Kaffenmitglieder erwecken. Als einen ferneren Grund gegen die höheren Säße des Tagelohnes hört man zuweilen die Befürchtung aussprechen, daß selbige manche Mitglieder von Krankenkassen zu Täuschungen und zu Vorspiegelung von Krankheiten oder Schwächezuständen führen tönnte, um nicht arbeiten zu müssen, aber doch notb= dürftig zu existiren. Für einzelne Fälle mag diese Befürchtung berechtigt sein. Mißbräuche bestehender Einrichtungen kommen überall vor. Aber dieser Umstand darf denn doch wahrlich nicht dahin führen, die weit überwiegend große Zahl der gewissenhaften Kassenmitglieder zu benachtheiligen. Auch ist denn doch bei guter und sorgfältiger Organisation der Verwaltung die Möglichkeit vorhanden, durch geeignete Kontrolmaßregeln etwaige Mißbräuche, wenn auch vielleicht nicht völlig zu verhindern, so doch auf vereinzelte, und dann die Kasse wenigstens nicht gefährdende Fälle zu beschränken. Zokales. r. Beim Ausrichten der gelegten Trottoir- Platten wird trop vielfacher Mahnungen der Presse noch immer mit der größten Rücksichtslosigkeit gegen die Paffanten vorgegangen. Das Behauen der vorstehenden Kanten an den gelegten Granitplatten erfolgt auf den Trottoirs mit der größten Ungenirtheit Es ist ferner die Meinung ausgesprochen, daß, selbst wenn und ohne jede Schußmaßregel gegen die Vorübergehenden. der festgesezte Tagelohn den meisten der wirklich gezahlten Lohnsäge entspräche, die Verwaltungsbehörde nicht die höheren Lohnsäge entspräche, die Verwaltungsbehörde nicht die höheren Die kleinen Steinsplitter stieben umber, treffen schmerzhaft auf Hals und Geficht und müssen dem Auge im höchsten Maße Säße hätte zu Grunde legen, sondern mehr auf die mittleren gefährlich werden. Wer sich am Mittwoch beim Vorübergehen oder gar geringeren Lohnfäße hätte Rücksicht nehmen müssen. an der Schloßfreiheit, zwischen dieser und der Schloßbrücke die Und zwar dies deshalb, um die Beiträge zu den anzuordnenden Mühe nahm darauf zu achten, der konnte bemerken, wie zwei Kaffen nicht allzuhoch ausfallen zu lassen, vornehmlich aber, von je drei Vorübergehenden von den Splittern getroffen wur um den bereits gegründeten Krantentassen insofern ihren Be den, welche bei der Arbeit an den Trottoir- Platten umberstand zu sichern, daß sie thunlichst in die Lage zu sezen seien, das zu leisten, was die Gemeindekrankenversicherung leistet flogen. Den Arbeitern kann man keine Vorwürfe deswegen ( nämlich ein Krankengeld zur Hälfte des ortsüblichen Tagenehmer wegen geeigneter Schußvorrichtungen. Aber man wird lohnes nebst freier ärztlicher Behandlung, Arznei u. s. w. für 12 Monate gegen Erhebung einer Zulage von 1 Prozent des ortsüblichen Tagelohnes gewöhnlicher Tagearbeiter). Durchweg erscheint nun der Tagelohn auf dem Lande geringer als in den Städten und deren Umgebung. Dies hat darin seinen Grund, daß auf dem Lande nicht nur neben dem Lohne Naturalien gewährt werden, sondern daß auch der gewöhnliche Tagearbeiter daselbst durchschnittlich billiger wohnt und vielfach durch Bebauen von Land zu eigener Nuzung einen Rebenerwerb hat, Umstände, welche bekanntlich einer Eteigerung des Lohnes hinderlich sind, der Regel nach aber ben Arbeiter dennoch günstiger stellen als den Arbeiter in den Städten und städtisch bebauten Orten, zumal da jener Nebenerwerb auf dem Lande( Anbau von Feldfrüchten und Viehhaltung) vielfach durch die Familienangehörigen beschafft wird, ohne diese dem häuslichen Leben zu entfremden oder anderen Arbeitern die Arbeitsgelegenheit zu schmälern. In Bezug auf die Leistungen der Krankenversicherung haben indeffen jene niebrigen Säge manches Bedenkliche für die Betheiligten, nämlich für die Versicherungspflichtigen sowohl im Fall ihrer Erkranfung, wie auch für die Gemeinden selbst. Arbeiter, welche den landesüblichen niedrigen Tagelohn beziehen, bedürfen im Falle ihter Erwerbsunfähigkeit zu ihrer und ihrer Familie Unterhalt eine relativ höhere Beihilfe, als Arbeiter mit höherem Tage lohn. Letterer kann allenfalls mit der Hälfte des Tagelohns nothdürftig auskommen, wenn diese Hälfte auf M. 1,25, ja selbst nur M. 1 sich beläuft, er also für die Woche zu 6'Arbeitstagen M. 7,50 refp. M. 6 Strankengeld erhält. Der für einen Tagelohn von M. 1,50 Arbeitende erhält aber nur diefer Summe, also mit M. 4,50 während einer Woche aus tommen, oder wenn ein zweiter Festtag in die Woche fallen sollte, mit nur M. 3,75. Ohne Zweifel wird dieser Umstand schon in der nächsten Zeit nach Einführung des Krankenkassengefetes zu vielseitigen Beschwerden führen. Ohne Schwierig teit werden solche Beschwerden indessen dadurch beseitigt wer den können, wenn gefeßlich angeordnet werden sollte, daß zur Berechnung des Krankengeldes u. s. w. der Gemeindekranten werbsunfähigkeit( außer ärztlicher Behandlung u. s. w.) laffen fein geringerer Tagelohnsas als täglich etwa 2 M. an genommen werden darf. Eine solche Festsetung würde sehr Die Verbannung nach Sibirien. Von Fürst Krapottin.*) Uebersetzt von Ad. Hepner. ( Frankf. 3tg.") Nicht umsonst hat das Wort„ Katorga"( harte Arbeit) eine so schreckliche Bedeutung in der ruffischen Sprache erlangt und Nun ist allerdings wahr, daß es vielleicht einigen der jetzt blühenden Krankenkassen dort, wo der Tagelohnsas ein verhältnißmäßig höherer ist, schwer werden wird, ihren Mitglie dern das zu bieten, was dieſe mindestens bei der Gemeindefrankenversicherung oder durch die behördlich geleiteten fünftigen Ortsfrankenkassen erhalten würden. Allein wir haben die fefte Ueberzeugung, daß dagegen für die große Mehrzahl der von ihren Mitgliedern selbst verwalteten, freien Rassen( mögen es nun eingeschriebene Hilfskaffen oder andere nach Landesvorschrift errrichtete Stassen sein) nicht nur die Möglichkeit vorliegt, die Leistungen, die das Gesez von ihnen verlangt, zu gewähren, sondern daß mittelbar das Gefeß zu ihrem Vortheil gereichen wird, indem unzweifelhaft die Zahl ihrer Mitglieder zunehmen und damit die Eristenzfähigkeit gefichert wer den wird. Es kommt hinzu, daß denn doch die Leistungen aller Krankenkaffen mögen es die auf Grund des Gefeßes von 1883 zu organisirenden Kaffen mit Beitrittszwang( die sog. Zwangskaffen) oder die freien Hilfs- und anderen Kassen sein dem erkrankten Mitgliede einen ausreichenden Ersatz für den entbehrten Tagelohn im Falle der Erkrankung oder Er gewähren müssen, wenn fte ernstlich ihrem 3wed entSprechen sollen. Die Mitglieder aller dieser Kaffen müssen dagraben. Die schrecklichen Erzählungen über die unterirdische Arbeit in den Silber- und Bleigruben, unter den scheußlichsten Lebensverhältnissen, unter der Peitsche der Aufseher, welche jeder 10 Mann antrieben, so viel Arbeit zu leisten, wie kaum die doppelte Anzahl hervorbringen könnte; die Erzählungen über die Verurtheilten, die im Dunkeln arbeiten mußten, mit schweren Retten belastet, die an Eisenstangen festgenietet waren; über Leute, die an den giftigen Grubendünsten starben; über Gefangene, die zum Tode gepeischt wurden oder unter 5 bis 6000 Ruthenhieben starben, die ihnen auf Befehl von Ungeheuern wie Rozguildeeff zuertheilt wurden alle diese wohlbekannten Geschichten find nicht der Erfindung phantaftereicher Schriftsteller zuzuschreiben, sondern wahrheitsgemäße, historische Erinnerungen einer traurigen Wirklichkeit, und zwar keiner sehr fernen Verhangenheit, denn noch leben Leute, die von Nertschinsk und Leiden. Ich kann nicht länger dieses Katorga- Leben ertragen," dieses Leben förperlicher und moralischer Leiden, nichtswürdiger Beleidigungen und grausamer Verfolgungen, dieses Leben voller Anstrengungen, die über menschliche Kräfte hinaus gehen, fagen die Leute, die zur Verzweiflung gebracht wer ben, ehe fie in die Versuchung kommen, ihrem Dasein durch Selbstmord ein Ende zu machen. Nicht umsonst, sage ich, hat zu erzählen wiffen. das Wort„ Natorga" diese Bedeutung erlangt, und Alle, die die Aussichten der zu harter Arbeit in Sibirien" Verurtheilten ernstlich untersucht haben, find zu dem Schluß gekommen, daß jene Bedeutung des Wortes Katorga" der Bollsauffassung entspricht. In früheren Auffäßen habe ich die Reise, die zur Ratorga führt, beschrieben. Jegt wollen wir einmal die Lebens Derhältnisse der Verurtheilten in den Arbeitskolonien und Ge fängnissen untersuchen. Bis vor 15 Jahren wurden fast alle die 1500 Leute, die alljährlich zu harter Arbeit verurtheilt wurden, Noch viele Züge dieser schrecklichen Vergangenheit haben fich bis auf unsere Zeit erhalten. Die Silberbergwerke Kutomara und Alexandrowski find wegen ihrer Gesundheitsgefährlichkeit( in Folge der arsenischen Ausströmungen aus dem Erz) immer berüchtigt gewesen; nicht nur die Menschen, sondern das Vieh litt darunter und die Bewohner dieser Dörfer waren genöthigt, ihr Jungvieh in den Nachbardörfern aufzuziehen. Wie im ganzen Distrikt Nertschinst, so ist besonders in den von Verurtheilten ausgebeuteten Bergwerken Schakhtama und Saltuma das Silbererz quecksilberhaltig; daher versuchte die Dit- Sibirien geschidt. Ein Theil davon wurde in den Silbers, Regierung, aus diesen Gruben Quecksilber zu schaffen. Ebenso Blei und Goldgruben des Distrikts Nertschinsk, oder in den Eisenwerken von Petrowsk( nicht weit von Riakhta) und Irkutst, oder in den Salzwerten von Usolic und Ustkut be schäftigt; einige in einer Tuchfabrik in der Nähe von Irkutst, der Rest ward in die Goldgruben, oder vielmehr Goldwäschereien von Kara geschickt, wo sie gehalten waren, die üblichen 100 Bud"( 3200 Bf.) Gold für das Kabinet Sr. Majestät", d. h. für die Privatbörse des Baren, auszu waren stets die Silbergruben von Afatug als gesundheitsgefährlich berüchtigt. Jedermann in Dstfibirien fennt die schrecklichen Storbut Epidemien, welche in den Kara- Goldgruben 1857 ausbrachen, wobei nach den amtlichen Berichten des Herrn Maximoff, von 17 000 Verbannten nicht weniger als 1000 im Laufe eines Sommers starben; ebenso bekannt ist, daß die Behörden, als fie sahen, daß Niemand im Stande sei, die üblichen ,, 100 Bud" auszugraben, die Leute über ihre Kräfte, ohne Raft und Ruh, arbeiten ließen, bis etliche todt hinfielen. Und später, 1873, haben wir eine ähnliche Epidemie und aus der selben Ursache stammend, im Diftritt Jeniseist ausbrechen sehen, bie hunderte von Menschenleben foftete. Die Tortur, das geGegenüber den schönfärberigen Vorträgen, die Dr. Brehm vor einigen Monaten in Amerika über das Loos der Abirischen Erilirfen hielt, dürfte nachstehende Schilderung seis des Erils dort zu erleiden hatte, augenblicklich wohl am Plage richtliche Verfahren, ist ein wenig geändert worden, aber die sein. Es ist etwas Anderes, ob ein nicht lange verweilender Hauptsache, dic ,, Katorga", ist bis auf den heutigen Tag die: Reisender Sibirien durch das Verschönerungsglas der offiziellen selbe geblieben. Information anfieht, oder ob ein Verurtheilter aus eigener Erfahrung spricht. Es soll nicht gesagt sein, daß Dr. Brehm abfichtlich oder wissentlich eine Unwahrheit verbreitet, sondern nur, daß ihm lediglich die Lichtseiten gezeigt wurden, die Während der legten 20 Jahre sind nun mit dem System der harten Arbeit folgende Veränderungen vorgenommen wor den. Nachdem jezt die reicheren Nertschinst- Gruben ausge arbeitet find( denn 1860-63 ergaben sie nur 5 bis 7 Bud Schattenseiten, die düstere Wirklichkeit aber vielfach unbekannt jährlich, statt 220-280), hat man fie liegen laffen. Die Goldgeblieben. So geht es allen Reisenden und überall. Um Land und Leute vollkommen richtig zu schildern, genügt feine Reise", sondern nur ein langjähriger Aufenthalt." Der Uebersezer. wäschereien erweisen sich auch nicht mehr gewinnbringend genug, und so veranlaßten die Bergwerks- Autoritäten das Kabinet, die Gruben fenes Distrikte an Privatunternehmungen abzutreten; die Krone behielt nur die Gruben am Kara- Fluß voraussichtlich auch hier den Brunnen erst wieder zudecken, wenn das Kind hineingefallen, d. h. irgend eine Respektsperson verunglückt ist. M Mangel an Findigkeit. Die Pflicht einer KrankenhausVerwaltung, die Familie eines in der Heilanstalt aufgenommenen Kranten von dessen nahem oder erfolgtem Ableben sofort zu benachrichtigen, wird wohl von feiner Seite angezweifelt werden. Ueber eine solche Unterlassung wird dem B. T." aber eine gegen die Direktion des Elisabeth Krankenhauses in der Lügomstraße gerichtete Beschwerde mitgetheilt. In dieser Anstalt hatte der Bimmerpolier Heide aus der Thaerstraße 11 Aufnahme gefunden, als derselbe durch den Sturz von einem Baugerüft verunglückt war. Als der Sohn des Heide seinen Vater zum ersten Mal nach der Aufnahme besuchte( es war an einem Mittwoch), lebte derfelbe noch. Am Sonnabend darauf aber wurde ihm, als er wieder nach seinem Vater sehen wollte, mitgetheilt, legterer sei gestorben und auch bereits begraben." Man händigte dem Sohne die Hinterlassenschaft des Verſtorbenen ein und entschuldigte die Unterlassung von der Todes nachricht damit, der Beamte habe die Thaerstraße nicht finden fönnen." Eine Veröffentlichung dieses Vorkommnisses dürfte in ähnlichen Fällen wohl dazu führen, die betreffenden Be amten etwas findiger" zu machen. " t. Eine Pflegemutter. Durch einen groben Vertrauensbruch ist die Hedwig Quegewes um ihr sauer erspartes Geld gekommen. Als außereheliches Kind geboren, wurde dieselbe von ihrem anderweitig verheiratheten Vater in Pflege genomund eine Zollgebühr von den Schilfaminen, sehr reichen Bergwerken, deren Inhalt natürlich erst nach der Publizirung des Gesezes, betreffend die Ueberlassung an Privatunternehmer, entdeckt wurde. Nun mußte die Regierung also für die Sträflinge andere Arbeit finden. So wurden also die ,, Centralgefängnisse", die ich schon früher einmal beschrieben babe, erfunden. Die zu harter Arbeit nach Sibirien Verurtheilten bleiben jezt nur ungefähr ein Drittel threv Strafdauer in diesen Gefängnissen. Die Zahl dieser Unglücklichen, denen die ,, Katorga" in Sibirien als Linderung erscheint, beträgt ungefähr 5000. Die 1800 bis 1900, die jährlich nach Sibirien verschickt werden, unterliegen verschiedenen Behandlungsarten. Ungefähr 2700 bis 3000 Gefangene find stets in den Hartarbeitsstrafanstalten von West- und Ostsibirien eingeschlossen, während der Rest entweder nach den Kara- Goldwäschereien oder den Salz gruben von Usolie und Ust- Kut oder nach den Kohlengruben Der Insel Sakhalin transportirt wird. Und da nun die wenigen Kron- Bergwerfe in Sibirien nicht im Stande find, 10 000 Verurtheilte zu beschäftigen, so ver pachtet man die Leute jest an Privat Goldwäschereien. Es ist erklärlich, daß je nach der Laune des Vorgesegten und der Börse des Gefangenen die Strafe des Lepteren verschieden ausfällt. Der Eine stirbt unter den Pletes"( Hieben mit der neunschwänzigen Kaze) von Kara oder Ust- Kut und der Andere lebt gemächlich im Gold Bergwerfe eines Freundes als Aufseher" und wird an Sibirien nur durch das lange Ausbleiben der Nachrichten von Hause erinnert. Abgesehen von diesen Ausnahme Vergünstigungen und einigen minderbedeutenden Unterschieden kann man die zu harter Arbeit Verurtheilten in 2 Kategorien theilen: in Solche, die in Goldbergwerken, und Andere, die in Salzgruben beschäftigt werden. Das Schicksal der Ersteren ist nun das der Gefangenen in den russischen ,, Centralgefängnissen." Der fibirische Zuchtmeister mag, wenn er die Insassen peitscht, eine Pfeife statt einer Eigarre rauchen, und vielleicht eine Lederpeitsche statt Birkenruthen benußen, und die Gefangenen prügeln, wenn seine Suppe verdorben ist, während des russischen Zuchtmeisters schlechte Laune von einer unergiebigen Jagd abhängt: für den Sträfling ist das Resultat das gleiche. In Sibirien wie in Rußland folgt auf den Zuchtmeister, der mitleidslos peitscht, Einer, der seinen Fäusten freies Spiel läßt und die letzte Kupfermünze ſeiner Gefangenen stiehlt. Wird zufällig einmal ein anständiger Mann Gefängnißverwalter, so wird er bald von dem Posten verjagt, auf dem anständige Leute als„ Gemeinschäden" gelten. Nicht beffer ist das Schicksal der 2000 Leute, die in den Kara- Goldminen arbeiten. Vor 20 Jahren schilderten die amtlichen Berichte das Gefängniß zu Ober- Kara als ein altes, baufälliges Blauholz- Gebäude auf Sumpfgrund, das durch die langjährige Ueberfüllung mit Gefangenen vor " 1 men und erzogen, zog dann in Dienst und ging vor Jahres frift auf Bureden ihrer Pflegemutter, der Ww. Regler, geb. Buchwald, Hedemannstr. 2, nach dem Tode ihres Vaters wieder zu derselben zurüd, um bei ihr die häuslichen Arbeiten zu verrichten, und verdiente fich nebenbei durch Austragen von Beitungen beim Zeitungsspediteur Herrn Arnold etliche Thaler, welche sie für die körperliche Verpflegung an ihre Pflegemutter" abführte. Ihre natürliche Mutter hatte nach Kräften für ihr armes Kind gesorgt und von dem durch ihrer Hände Arbeit erzielten Verdienst die Summe von 93 Thalern erspart, die fie auf der städtischen Sparkasse deponirte und das betr. Sparkaffenbuch Nr. 51 490 ihrer Tochter aushändigte, damit dieselbe in späteren Jahren einen fleinen Nothpfennig habe. Dieses Sparkaffenbuch wurde nun der Pflegemutter übergeben damit dieselbe es in sichere Verwahrung nehme. Als im Laufe des Jahres die Quegewes mehrmals ihr Buch verlangte, wurde ihr dasselbe stets unter allerlei Ausflüchten vorenthalten, bis ihr vor einigen Tagen durch Bufall dasselbe in die Hände kam; wobei fie die traurige Entdeckung machte, daß die deponirte Summe nach Abzug von 10 Thalern, die sie selbst entnommen, bis auf den fleinen Rest von 12 Mark erhoben sei. In ihrer Noth pertraute fie fich Herrn Arnold an, welcher sofort das Kuratorium der Sparkaffe in Kenntniß sette mit dem Ersuchen, das betr. Buch im Falle des Präsentirtwerdens anzuhalten. Die Quege wer begab sich zur Polizei und in Begleitung eines Schußmannes in die Wohnung der Regler, um die Herausgabe des Sparkassenbuches zu erwirken. Die Regler war aber nicht anwesend, weil sie zu derselben Zeit nach der Sparkasse war, um auch noch den letzten Rest des Geldes zu erheben! Dort wurde das Buch sofort angehalten, wodurch der Betrug zur Evidenz erwiesen wurde, da die Betrogene schwerlich jemals wieder zu ihrem Gelde fowmen wird, so wird die Sache jedenfalls dem Staatsanwalt übergeben werden. V gestern Abend in Friedrichshagen ein Ehemann an der Ausführung einer geplanten bösen That gehindert. Der in der Köpniderstraße in Friedrichshagen wohnende Bahnarbeiter Fr. fam Abends in trunkenem Zustande nach Hause und begann mit seiner Frau einen Streit. Im Verlauf desselben sprang er plöglich auf dieselbe, warf sie mit Gewalt zu Boden und wollte fie erwürgen. Auf die lauten Hilferufe der Bedrängten verschafften fich Hausbewohner und mehrere benachbarte Sommergäste Eingang in die Wohnung des Fr., woselbst ste mit vieler Mühe die Frau von dem wüthenden Mann trennten. Da Fr. ein sonst sehr braver Arbeiter ist, der auch bisher mit seiner Ehefrau in guter Harmonie stand, so ist nur anzunehmen, daß er bei seiner Trunkenheit in unzurechnungsfähigem Zustande die That ausgeführt hatte. Das Familienverhältniß hat durch den Vorgang eine Störung nicht erfahren. r Die Kur mit dem Katenfell. In einer hiesigen größeren Tischler Werkstatt: erfranfte einer der Arbeiter und die Symptome der Krankheit deuteten mit einiger Sicher heit auf den Beginn der Schwindsucht, dem unheimlichen, aber beständigen Gast der Holzarbeiter- Werkstätten. Mit Bedauern vernahmen die Kollegen des Erkrankten die Kunde, und einer derselben, ein gemüthvoller Schlefier, offenbarte dem Kranken ganz im Geheimen und unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit, daß er ein unfehlbares Mittel gegen dieses Uebel kenne: der Kranke müsse sich ein frisch abgezogenes Kazenfell mit der noch warmen Innenseite auf die Brust legen und dasselbe 24 Stunden so liegen laffen. Die Berliner Arbeiter sind im Allgemeinen nicht abergläubisch und auch keine Geheimmittelfreunde, aber daß die Kazenfelle sehr elektrisch sind, ist bekannt und schließlich konnte die Kur doch auch gerade nicht schaden; dabei redete der kleine Schlefter so eindringlich und wußte alle Bedenken zu beseitigen. Zunächst fehlt es an einer Rage," meinte der Kranke; Ach, die hats maffenhaft hier auf dem Holplay," entgegnete der Kleine, und als der Zustand des Kranten fich plöglich verschlimmerte und dieser zu Bette liegen mußte, erschien gleich am ersten Abend der Schlefter mit einer gefangenen Kage im Sade. In der Wohnung des Kranken traf er zufällig außer diesem Niemanden an und schnell erledigte er in der Dunkelheit das blutige Geschäft. " Gerichts- Zeitung. Republik, Mr. Dormand. Wie bei allen derartigen Vorfällen haben fich am 20. Juli vor dem Hotel- de- Ville Arbeiter und Polizeiagenten gegenseitig mißhandelt und mit den Schimpf worten Mörder" traftirt und sollen fich die Ersteren deshalb verantworten. Centralfommissar Gallian giebt an, daß Buiffon an der Spiße von 300 Mann vor die Mairie anmarschirt fam, während dieser behauptet, daß dies nur zur moralischen Unterstüßung des Protestes geschah. Die Verhandlung selbst endete spät Abends. Der General profurator hielt eine lange Rede, in welcher er ausführte, daß ein planmäßig vorbereiteter Angriff auf die Ruhe und Ord nung der Stadt hätte geführt werden sollen, daß die Brandartikel des Affamé" dazu direkt aufforderten, die Zeit der allgemeinen Verwirrung während der Epidemie zu benüßen. Die Angeklagten hätten fich, sobald die erregte Menge einige Unüberlegtheiten begangen, dann schon bei Seiten aus dem Vordergrunde zurückgezogen. Der Gerichtshof sprach alle sechs Angeklagte schuldig und verurtheilte Buisson zu sechs Monaten Gefängniß, Rouffin zu zwei Monaten, Canepa, Ferrando und Fournier zu einem Monat und Georgerin zu sechs Tagen Gefängniß. Eine große Menschenmenge hatte den Urtheilsspruch vor dem Palais der Justiz abgewartet und ent fernte fich ruhig. Ein russischer Unterthan, der in Folge einer ihm zugestellten Auswanderungsordre Berlin am 1. Oktober zu ver laffen hat, der Handelsmann Salomon Ofo chinsky, stand gestern unter des Anklage der Unterschlagung vor der IV. Ferienstrafkammer der Landgerichts I. Der geschädigte Denunziant und Hauptbelastungszeuge, Handelsmann Gutmann, stellte den, der Anklage zu Grunde liegenden Thatbestand folgenderdermaßen dar: Er sei zu dem Angeklagten in ein Sozietätsverhältniß getreten, nach welchem fie gemeinschaftlich alte Goldsachen auftaufen, diese einschmelzen lassen und den entstandenen Goldbarren in Rußland verkaufen wollten, wo dies Metall höher im Course steht, wie hier. Der erzielte Gewinn sollte bei gleichmäßigem Einschusse auch gleichmäßig getheilt werden. Im April d. J. hätten sie auch so viele Goldsachen beisammen gehabt, daß ein ansehnlicher Goldbarren davon hergestellt werden konnte, fie hätten sich gemeinsam zum Schmelzer Fuß begeben und dieser habe aus dem gesammten Material einen Barren gegossen, der mit seiner, des Zeugen, Einwilligung schon hier für etwas über 1000 Mart ver fauft worden. Das Geld habe der Angeklagte an sich genommen, als derselbe aber seinen Kompagnon am nächsten Tage die Hälfte des Verkaufspreises aushändigen sollte, da erklärte der Erstere, daß ihn ein eigenthümliches Mißgeschick betroffen. Derselbe gab an, daß ihm der 1000 Markschein am Tage vorher in Charlottenburg entweder gestohlen oder verloren gegangen sei. Gutmann, der zum Ankauf der Goldsachen 430 Mart eingeschoffen haben wollte, glaubte dies nicht und beantragte die Bestrafung Dfochinsky's. Dieser be= hauptete im Termine, daß von einem Kompagniegeschäft nicht die Rede gewesen sei, der Beuge habe ihm lediglich das Geld geliehen. Der von dem Schmelzer Fuchs ausgestellte Schmelzzettel habe lediglich auf seinen Namen gelautet und er habe den Betrag dafür mit 1 M. 50 Pf. aus seiner Tasche bezahlt. Daß ihm das Geld in der That in Charlottenburg abbanden gekommen, könne er dadurch beweisen, daß er der dortigen Polizeibehörde an demselben Tage eine diesbezügliche Anzeige gemacht. Da diese Angaben durch die Beweisaufnahme im Wesentlichen unterstüßt wurden, so konnte der Ge richtshof, entgegen dem Antrage des Staatsanwalts- schuldig, 6 Monate Gefängniß und sofortige Verhaftung wegen Fluchtverdachts Fluchtverdachts- eine Ueberzeugung von der Schuld des Angeflagten nicht gewinnen und sprach ihn frei. Bald umhüllte des unglücklichen Katers Fell die Brust des Kranken, während sein jämmerlicher Kadaver beim schleunigen Hinaus werfen aus dem Küchenfenster an einem benachbarten Baune hängen blieb, wo ihm noch die Ehre wiederfuhr, für einen Hasen gehalten zu werden, und wer weiß was noch pasfirt wäre, wenn nicht der Hofhund ihn fich einverleibt hätte. Inzwischen lag der Kranke mit den getheiltesten Empfindungen in seinem Bett. Bald stellte sich ein heftiger Schweiß ein und bald darauf ein ebenso empfindliches, unerträgliches Jucken. Als die Familie des Kranken zurückkehrte, erklärte dieser sich außer Stande, die Kur vierundzwanzig Stunden lang auszuhalten. Als nun die Sache bei Licht befehen wurde, da zeigte sich, daß der todte Kater mit zahlreichen Barafiten bewohnt gewesen war, die bei der schnellen Prozedur feine Beit gefunden hatten, ihre Wohnfiße aufzugeben und nun in hellen Haufen auf dem Körper und im Bett des Kranken davonmarschirten. Die allgemeine Ueberraschung fann man sich denken, und als am nächsten Abend der hülfsbereite Schlefier sich nach dem Verlaufe der Kur erkundigen wollte, wurde ihm nur der Rath ge geben, bei einer nächsten Kur zuvor dem Kater die Schlaf burschen" zu fündigen. Auf eine Wiederholung der Kur hat der Kranke verzichtet. Aber der aus allen Himmeln geriffene Schlefier lamentirt einmal über das andere: So ne Razen giebts auch bloß in dem--gen Berlin; bei uns daheeme find alle Kazen ,, reene!" Die all ge g. Durch das rechtzeitige Dazwischenkommen von Berliner Sommergästen und mehreren Hausbewohnern wurde Vermischtes. Unverstanden. Bei Westpoint, der romantisch am Hudson gelegenen amerikanischen Kadettenanstalt, gingen dieser Tage ein junger Kadet und eine reizende Dame von 17 Lenzen, die bei der Familie eines Lehrers des Kadettenhauses zu Besuch ist, am Strande spazieren. George, so hieß der junge Krieger, war in seiner fleidsamen, grauen Uniform jeder Boll ein Sol dat. George, Sie sehen ganz aus, als ob Sie einmal ein großer General würden."- Freut mich, wollen's hoffen." ,, D, denken Sie, so ein General wie Sherman!" So hoch wollen wir nicht hinaus, ich fenne Sherman's Verdienste und Größe aus der Kriegsgeschichte genau." Davon weiß ich nicht viel, aber ich war ein paar Male mit dem General in Gesellschaft und da hat er mich jedesmal gefüßt.( Der alte Haudegen füßt nämlich für sein Leben gern.) D, es war reizend, denken Sie, George, gefügt hat er mich, gefüßt." Ja, Sherman ist auch ein liebenswürdiger Cavalier." Wiffen Sie weiter nichts?"- Nein, ich hatte nie die Ehre, in seiner Gesellschaft zu sein." Das merft man. Aber es ist doch abscheulich schwül, ich gehe hinein..." Der hübsche Kadet zerbricht fich noch heute den Kopf, was seine liebreizende Begleiterin so verstimmt hat.... 11 Folgendes hübsche Bonmot eines Gymnasialdirektors wird der Frff. Btg." mitgetheilt. Gymnasialdirektor E. in B. wurde von einem Insekt in die Nase gestochen, so daß diefelbe start anschwoll und ein rothes Aussehen bekam. Aber Herr Direktor," so sagte der Ordinarius der Prima zu seinem Vorgefeßten, Sie bekommen ja eine Nase, als wenn Sie die Ge ❘wohnheit hätten, recht häufig einen hinter die Binde zu gießen." Das ist allerdings", so erwiederte der schlagfertige Direktor, ,, in der Regel der Fall, daß ich die Nasen bekomme für das, was meine Lehrer thun." N. Wegen fahrlässiger Brandstiftung hatte sich am gestrigen Tage eine Frau Kaufmann N. vor der 4. Straffammer des Landgerichts I zu verantworten. In der Wohnung Derselben war vor einiger Zeit in der Küche eine Diele über Nacht in Brand gerathen und hatte die Angeklagte selbst angegeben, fie sei zulegt in der Küche gewesen und habe ein Ofenbrett mit erstickten Kohlen auf den Heerd gestellt, wovon etra noch eine glimmend gewesen und auf die Diele gefallen sein könnte. Die Vertheidigung führte Herr Rechtsanwalt Wiese, welcher ausführte, daß dies naive Bekenntniß seiner Klientin zwar alle Ehre mache, fich bei näherer Betrachtung aber als ein übereiltes erweise. Vielfach anderweite Ver muthungen über Entstehung des Brandes ließen sich aufstellen. Dem stimmte der Gerichtshof bei, welcher auf Freisprechung erkannte und die Staatskaffe in die Kosten verurtheilte. Schmutz starrt, und empfahlen es zum Niederreißen. Aber dasfelbe morsche, verfaulte Haus birgt noch heute die Verurtheilten und selbst unter Kononowitschs vernünftigerer Leitung wurde es nur viermal im Jahre gereinigt. Es enthält doppelt so viel Insassen, wie es sollte, und dieselben schlafen in drei übereinander liegenden Schichten; die auf dem klebrig schmußigen Boden Liegenden müssen ihre naffen, ekelhaften Kleider als Matraße und als Decke zugleich benutzen. So war es vor zwanzig Jahren und so ist es heute noch. Das Hauptgefängniß von Kara, Unter- Kara, wurde 1863 von Herrn Mafinoff und auf Grund derselben Dokumente, die ich benutte, als ein verfaultes, schmußiges Gebäude, wo Wind und Schnee freien Butritt haben, beschrieben. So schildern es auch jetzt meine Freunde. Das Mittelfara- Gefängniß wurde vor einigen Jahren restaurirt, ist aber bald so schmuzig geworden, wie die andern beiden. Sechs bis zwölf Monate bleiben die Sträflinge in diesen Gefängnissen ohne jede Beschäftigung und dies genügt, denke ich, um sich vorzustellen, welche Lafter in diesen Gefängnissen gelehrt werden, und welche Demoralisation aus dieser Einsperrung entspringt. Die psychologischen Studien von Dostoevsky, Maximoff, Lwoff und Anderen geben hierüber erschreckende Aufschlüffe. Marseille, 9. August. Der gestern begonnene Sozialistenprozeß bot wenig Interessantes. Auf der Anklagebant fizen: 1. Buisson, Louis, 36 Jahr alt, Chefredakteur des Verhunger ten"; 2. Rouffin, Jean Baptist, 41 Jahr, Tagelöhner; 3. Georgerin, August, 18 Jahr, Schmied; 4. Canepa, Louis, 20 Jahr, Gerber; 5. Ferrando, Jean, 26 Jahr, ital. Tagelöhner; 6. Fournier Jean, 17 Jahr, Tischlergeselle. Die Anklage, welche auf öffentliche Ruheftörung. Wachebeleidigung und Widersezlichkeit lautet, vertritt der Generalprokurator der französischen Sehr hart ist die Arbeit in den Goldwäschereien; zwar geschieht sie im Tageslicht, d. h. nicht unterirdisch. Tiefe Höh lungen werden in das Thal Alluvium gemacht, um den goldhaltigen Schlamm und Sand heraufzubefördern, die dann per Wagen nach der Wasch Maschine gebracht werden. Aber es ist dies eine meist ungesunde und schwierige Arbeit. Das Ende der Höhlung ist immer unter dem Wasserstand des Fluffes, welcher in einer gewiffen Höhe in einem künstlichen Kanal zur Maschine fließt. Und daher ist die Fläche immer bis zu einer gewissen Höhe mit Wasser bedeckt, abgesehen von dem Eiswaffer, wenn der gefrorene Schlamm unter den Strah len der Sonne thaut. Die Bumpen sind gewöhnlich unzuich habe es selber mit durchgemacht länglich, und so steden ich habe es selber mit durchgemacht die Arbeitenden den ganzen Tag bis zu den Knieen im Eiswaffer und manchmal bis zum Magen; und ins Gefäng niß zurückgekehrt, hat der Sträfling natürlich feine Kleider nach den Goldwäschereien zu bringen, die Distriktsbehörde und oft ein Soldaten- Detachement einschreiten. Es ist nun flar, daß die Arbeitsverhältnisse für die Gefangenen viel schlimmer sind; nicht nur ist ihr Tagespensum größer, sondern einzelne befinden sich in Ketten; in Kara haben fie außerdem noch einen sehr langen Weg bis zur Arbeitsstätte, täglich einen zusäßlichen dreistündigen Marsch zur Arbeit; und wenn der goldhaltige Sand und Schlamm manchmal minder ertragsfähig ist, als erwartet wurde, und die bestimmte Goldquantität nicht erzielt werden kann, " Ueber die ,, Würde" der neuen französischen NationalBersammlung darf sich der Figaro" bereits folgenden Wis erlauben: Hinter Ville- d'Avray findet der streifende Gensdarm in einem Graben eine Art von Vagabunden mit angetriebe nem Hute, zerfetzten Kleidern und einem von Fauftschlägen entstellten Gesichte. Woher kommen Sie in solchem Bu stande?" fragte der Gene darm. ,, Aus dem Kongreß," ent gegnete der Andere. Das entschuldigt Sie vollständig, per Senator," fagte der Gensdarm, respektvoll die Hand an den Dreimaster erhebend." Me be wel häl dar info ftim unz nat Sei bifd mig She Int gebe feit nun ber nam Arie hier Sch zu e geiti Heer 1980 Bü Sh Figen zu S ft.c feiter mut Bre reid Freu nung wäh und den und bie Das größte Schiff der Welt hat der römische storres pondent der Pol. Korr. entdeckt, welcher seinem Blatte meldet, die neue vom Stapel gelaffene italienische Panzerforvette Ruggiero di Lauria" sei 100 Meter breit und Meter lang! Das heißt über eine viertel deutsche Meile oder so lang ungefähr wie der Weg von Unter den Linden bis zum Halleschen Thor in Berlin. Auf einem solchen Schiffe, das in den wenigsten Häfen Platz haben dürfte, wäre eine Pferdes bahn, zum Verkehr der Mannschaften auf Deck sicher sehr ges eignet. Welcher verflirte Druckfehlerteufel mag beider Größen angabe wohl die Hand im Spiel gehabt haben. 0 am Fünf Frauen verbrannt. In London brannte a Dienstag Abrahams Hutgeschäft bei Victoria Station in dreiviertel Stunden völlig aus. Zwei Frauen sprangen zum Fenster hinaus und wurden in Leintüchern aufgefangen; fünf verbrannten. muß noch wie die anderen Gefangenen zur Arbeit gehen, aber Es ist klar, daß diese Vorschrift eine große Wohlthat für ohne Ketten, und hat seinen eignen häuslichen Heerd. die fie ausführen sollten, verdorben. Die Freilaffung der Ge fangenen hängt von der Willkür des Bezirksvorstehers ab. Um bei der erbärmlichen Bezahlung- faum 2 Rubel per Monat außer der Mehlration geräth der freie Gefangene" mit wenigen Ausnahmen, in das schrecklichste Elend. Alle der Fluchtversuche dieser Erilskategorie lediglich in ihrer bittern so werden die Gefangenen bis spät in die Nacht hinein angestrengt, Untersuchungen stimmen darin überein, daß der Hauptgrund und dann steigt die ohne dies hohe Sterblichkeitssiffer bis zu einem erschreckenden Grade. Alle, die die fibitische Bergwerks- Straf arbeit ernsthaft studirt haben, sind zu dem Schluß gekommen, daß ein Gefangener, der mehrere Jahre in Kara oder in den Salzwerken geschafft hat, mit zerrütteter Gesundheit heraustommt, unfähig fortan für irgend eine weitere Arbeit, und eine Last für das Land bleibt. Die Nahrung- wenn auch weniger fräftig als die der freien Arbeiter würde doch noch beinahe angehen, wenn die Gefangenen wenigstens das, was durch Gesetz für sie bestimmt ist, erhielten. Nach der Vorschrift sollen fie bekommen: 3/ Pfund Roggenbrod täglich und für 1 Rubel Fleisch, Kohl, Buchweizen 2c. monatlich. Armuth zu suchen ist. Die Strafen hängen natürlich ebenfalls nur von der Will für der Werksvorsteher ab und find grausam. Die Entziehung der Nahrung und das schwarze Loch hetrachtet man gewiffer maßen als Kindereien. Nur die Plete", die neunschwänzige Kaze, die nach Gutdünken bei den geringsten Vergehen, und zu einer Höhe, wie fie gerade der guten oder schlechten Laune Strafe. Hundert Pletes" mit der neunschwänzigen Kaße, wird des Anstalts- Vorstehers entspricht, zudiktirt wird, gilt als von den Aufsehern mit einer solchen Gemüthsruhe ausgesprochen wie in Europa ,, eine Woche Gefängniß". Aber es giebt nod ärgere Strafen, z. B. die mehrjährige Ankettung an die Wand eines unterirdischen schwarzen Loches, besonders im Afatui Gefängniß; die Annietung an eine Tragbahre auf 5 oder 6 Jahre, die denkbar schredlichste moralische Tortur, und endlich stange, im Gewicht von 1, Bud( 48 Pfund), an der Rette Arbeit, und da wird die Nation auf ein Maß verringert, die vorlegte ist erst neulich 3 politischen Verbrechern, Poyta welches faum hinreicht, um Muskel und Gebein zusammen Fronicheff und Berenuk, wegen Fluchtversuchs aus dem J Ein guter Verwalter fönnte dafür ½ Pfund Fleisch täg lich besorgen. Aber da keine Kontrolle vorhanden, werden die Gefangenen meist ohne Erbarmen beraubt. Ehrliche Ver walter bilden eine seltene Ausnahme. Außerdem gilt jene die Leeffa"( der Fuchs), d. h. ein Holzbalken oder eine Eifen Ration nur für die Dauer der Goldwaschperiode, welche faum 4 Monate im Jahre währet. Während des Winters, wo der gefrorene Boden so hart wie Stahl ist, giebt es feine zuhalten. Am Zahltag steht es posfitlich aus, wenn die Leute für einen ganzen Monat 1-2 Rubel erhalten, von welchem Gelde sie noch die dürftige Staatskleidung ergänzen müssen. Kein Wunder, daß da der Storbut herrscht- der Schrecken aller fibirischen Goldwäschereien und das Leben jahrelang befestigt. futsk Gefängniß zudiktirt worden. Ich brauche kaum hinzuzu Рафы 24 zurüc aufzu heit eines piert Der zufäl bat i anzu Sie wah Das nach und eine Beschwerde über ihn vollständig nuplos ist. Er fann - und das Leben schrecklichsten Strafen auferlegen, die Kinder der Gefangenen zum Wechseln, sondern schläft in den durchnäßten. Nun ist weniger als 2000 Leuten immer 90-287, d. 5. 11-17; eine der sich zu einer Beschwerde erkühnte, würde bald im schwar es allerdings wahr, daß auch freie" Arbeiter in den Aber Privatwäschereien ganz dieselbe Arbeit verrichten. die Werbung freier Arbeiter für die fibirischen Goldwäschereien geschieht in derselben Weise, wie die SolDaten- Anwerbungen im 17. Jahrhundert. Die Engagements werden im trunkenen Zustande abgeschlossen und unter Einhändigung eines beträchtlichen Handgeldes, welches sofort in die Schnapsbudiken wandert. Und die angefiedelten Verbannten, die„ Poselentsy", deren hungernde Arena das größte Kontingent zu den Goldwäschereien stellt, werden meist von den Drisbehörden gedungen, welche das Handgeld für die immer rückständigen Steuern fonfisziren. In jedem Frühjahre muß daher, um die freien" Arbeiter riefig hohe Biffer für eine Bevölkerung, die nur aus Erwach fenen besteht. Und dabei find dies die Bahlen der amtlichen Berichte, also jedenfalls noch unter der Wahrheit, da die hoffnungslos Kranten gewöhnlich nach einem Invalidenhaus ver schickt werden, um dort zu sterben. Leben aushauchen. auf 1 gebil boin 34 bi geful ber! Jebe Dor Schaf ihm Der 1 ber und gefü zen Loch verhungern oder unter der neunschwänzigen Rage fein Alle, die über Sibiren schreiben sollten stets im Auge behalten, daß über die Vorsteher der Straffolonien feine Und die Lage der Gefangenen würde noch schlimmer sein, auf einem solchen Posten bleibt. Wenn er die Gefangenen Kontrole existirt, und daß ein anständiger Mann nie lange welche in St. Petersburg als gefährliche Sentimentalität Sträfling in den Grubengefängnissen nur seiner Strafhaft bande, welche um ein so einträgliches Geschäft, wie die Ver gehalten werden. Nach der Zeit soll man ihn in eine Drts waltung eines Kronen- Goldbergwerks ift, herumlungert, verjagt wenn die Ueberfüllung der Gefängnisse und die Intereffen der Goldbergwerksbefiger die Regierung nicht bewogen hätten, die Gefangenschaftszeit abzukürzen. Nach der Vorschrift soll ein schaft in der Nähe des Bergwerks ansiedeln und zwar, wenn seine Frau ihm gefolgt ist, in einem separaten Hause. Er ( Fortsetzung folgt.) Berantwortlicher Medacteur R. Gronheim in Berlin. Druck und Berlag von May Bading in Berlin SW, Beuthstraße 2