Ät. 117. Mittwoch, 20. August 1884. I. Jahrg. Dnlinctlolblilall Lrgan für die Interessen der Arbeiter. 4 .. Da»„Serlimer KolZSblatt" «"chttB) täglich Morgen» außer nach Sonn» und Festtage«. Ubo«»eme«t»vrei» für Berlm ZT ül't Haut viertettährlich 3 Mark, monatlich 1 Mark, wöchentlich 25 Pf. Einzelne ""wwew S Pf. Postabonnement pro Quartal 3 Mark.(Eingetragen im VITL Nachtrage der Postzeitungjpreisliste unter Nr. 719a.) JufrrtionSgebShr beträgt für die 3gefpalte«e Petisteil« oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pt. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden Kit 4 Ubr Nachmittag» in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Annonce»- Bureaux, ohne Erhöhung de» Preise», angenommen. HledaKtton und GXpeöitton Werttn SW., Aimmerstraße 44. Der bewaffnete Friede. stck � ����inigten Staaten von Nordamerika, die durch den Sezession»- oder Sklavenbefrciungskrieg in '.'J. 9t0lc Schuldenlast gestürzt hatten, tragen jährlich eine �i.«- Summe von derselben mit großer Pünktlichkeit .«er ab. Man hört auch nicht über hohe Steuern klagen, 'chieht�®ur0i,a'n fast allen größeren Staaten ge- % 3*0$ der hohen Steuern in den europäischen �bstaaten suchen die Regierungen immer noch nach Einnahmequellen, sodaß sogar die nothwendigsten i �rfnisse einer völlig irrationellen Steuer unterliegen, ,* stwer den Handel lähmende Zölle überall auf die � Lasten Produkte gelegt werden. � nun®run� der beneidenSwerthen Stellung den«"'�sta» und was bringt die europäischen Staaten an j>u<�mMstllen Ruin? Ein Blick in die Staatsbudget» Äinei-i» r genügt, um darüber Klarheit zu schaffen. SUm n braucht eine vergleichsweise verschwindend kleine kst" Heer und Marine, während die europäischen bresen„Bedürfnissen" ungeheure Summen opfern, natürlich produktiven Anlagen und überhaupt Kultur- �"'„wie der so oft von uns betonten„Kolonisation im Zw" entzogen werden. Außerdem wird ein großer Wuchtiger nationaler Arbeitskraft brach gelegt. Uir haben hier die Budgetzahlen aus dem Jahre 1882 Äiifjst!' welche die Summen angeben, die in Europa zu stüj. a r- und Marinezwecken verausgabt worden Tas Frankreich Troßbritannien Iußland Deutschland vstaiien �esterreich-Ungarn Spanien Niederlande Belgien rund 031 Mill. M. ,, 584 ,, ,, „ 420„„ ii 408 ,, ,, „ 220„ ii 212 ,, ,, ii 128 ,,„ n � 0 ,, ,, n 38 ,, ,, ®tttftlcn lno�l in einem Jahre ftir neun europäische � 20�«*. orbereitung zum Kriege nicht weniger -@3 wj». Millionen Mark; bei einer Einwohnerzahl von 20 njf'"nen Qu� kcn Kopf der Bevölkerung 9 Mark Ehrlich,'>ür eine Familie von 5 Personen also 46 Mark ** inbi..». i"9l unzweiseryafr Test, oast uocrau oa, wo der L,'. Steuersystem ausgebildet ist, diese Lasten nicht 'stSfn irtf'ache von der wohlhabenden Bevölkerung ge- Handü*"'st ei in der Ordnung wäre, sondern daß erker und arbeitenden Klaffen überhaupt im Ber- IeuMeton. %i �»5 Kind des Proletariers. Sensationsroman von II. Rosen. >(Fortsetzung) LtUndcQug U��/r Rupert über seine Familie und deren Zv �ian stieg in seiner Seele auf, sich des Knaben '."»m und aus feinem Rekiv einen nrnnliAfi nmüen Nnr- er ihn seiner Schwester zurückgab. Nur die . schreckte ihn ein wenig ab. Zunächst Ä" Ö jiefen,"inber" �"'�glichst großen Vor Aan»"?. be'm Do"' uvert lünsti nZ» Rlnn �iühenden Farben. Ein ewiger Sonnen- "hst mft Ämarchenhafren Reiz für das Kind. Rupert MSMWWW MWWS'Z WWW hältniß zu ihrem Einkommen zehn bis zwölf mal mehr, wie die Wohlhabenden dazu beitragen. Zu dem Militär- und Marineetat aber gesellt sich auch noch der Schuldenetat. Diese Schulden sind meist aus Kriegen und militärischen Forderungen entstanden und entstehen noch immer au» der Ungeduld der Regierungen, die Armeen zu vermehren, so daß die Einnahmen der Staaten nicht mit den Ausgaben gleichen Schritt halten. Der Schuldenetat aber konsumirt Zinsen. Das Deutsche Reich, trotz der Mitgift von 4 Milliarden Mark, hat schon circa 400 Millionen Schulden und braucht ungefähr jährlich 15—16 Millionen zur Verzinsung; Preußen aber zahlt jährlich gegen 100 Millionen Zinsen für seine Schulden. Frankreich braucht zur Verzinsung jährlich fast eine Milliarde Mark, doch ist Frankreich immer noch ein ungemein reiche» Land, welches mit verhaltnißmäßiger Leichtigkeit diese Zinsen aufbringt. Rußland hat schon viel schwerer an seinen 430 Millionen jährlicher Zinszahlung zu tragen. Die englische Staatsschuld ist noch größer, aber die englischen Einnahmen sind auch enorm. In Oesterreich und Italien wachsen die Staatsschulden immer mehr und beide Staaten stehen dicht am finanziellen Bankerott. 2,727,000 rüstige Männer werden in Europa fort- während unter den Waffen gehalten. Jeder kostet ungefähr jährlich 1000 Mark, außerdem aber geht seine Produktion»- kraft verloren— das macht in Summa für die neun ge- nannten Staaten wieder einen Verlust von einer Milliarde. Nun denke man den Fall, dieser Verlust würde nicht eintreten, die vielen Milliarden für Armee, Marine, Staat»- schulden könnten, wenigsten» zur Halste, zu Bil- dungsanstalten, zur Beförderung de» Verkehr», zur Kanali- sation und Kolonisation im Innern, überhaupt zu Kultur- zwecken verwendet werden und daneben noch eine Herab- setzung der Steuern eintreten, dann würde schon bald ein besserer Zustand auch für die Arbeiter eintreten und viel leichter könnten dann glücklichere Verhältnisse für das ge- fanrmtc Volk angebahnt werden. Die indische und vor allen Dingen die amerikanische Konkurrenz wäre von dem Augenblicke an nicht mehr zu fürchten, der Friede wäre nicht mehr in dem Maße be- droht, wie jetzt, und aufathmen würden die Völker der Erde.———— Europa würde von dem Ungeheuer befreit sein, von dem„bewaffneten Frieden!" Aber nur ein gemeinsamer Wille aller europäischen Reiche könnte die» bewirken, dieser gemeinsame Wille aber ist nicht denkbar, wenn nicht in den europäischen Reichen gleichartige, freiheitliche Grundsätze zur Geltung kommen. Ausreißer zu sich und befahl dem Kutscher nach Hause zu eilen. „Ich werde eine Erzieherin für Dich kommen lassen müssen", sagte Myra zu ihrem sanften Pathcnkinde.„Du wirst ganz verwildert." „Mein süßer Engel," rief die Gräfin Zdria ihrer einzigen Tochter zu,„Du mußt wirklich aufhören, mit diesem ringe- zogcncn kleinen englischen Knaben zu spielen. Er ist seiner Mama nicht im geringsten ähnlich und hat mir schon recht viel Verdruß gemacht." Ladri Bidc betrachtete ihren Adoptivsohn wie eine Henne, die ein Entlein ausgebrütet hat, und es plötzlich ins Waffer springen und darin umherplätschcrn ficht. „Ich werde Dick nächsten Monat nach Eton schicken, Rupert", sagte sie," Fräulein Barth hat Wrigley's Sohn dorthin geschickt, und werde ihn bitten, sich Deiner freundlich anzunehmen Du wirst mir zu ausgelassen." In dieser Nacht sah Rupert aus seinem Fenster und sein Blick folgte den Sternen am Himmel. Er dachte sich, wie prächtig es wäre, im Lande umherzuziehen, im Mondschein durch die Wälder zu streifen, wie der junge Endnmion und kein drohendes Auftauchen von Eton in der Zukunft fürchten zu müssen. Es fiel ibm aber nicht ein, davon laufen zu wollen, denn er liebte Lady Bide, die er für seine wirkliche Mutter hielt innig und schwärmerisch. Toni Pctigrcw, der unter dem strengen Blick Myra's den Muth verloren hatte, bog von der Struße nach London ab und langte mit Sonnenuntergang in einem Marktflecken an, wo er sogleich eine wissenschaftliche Vorstellung gab, mit deren Ertrag er im Wirthshaus Wohnung und Essen und Trinken bezahlen wollte. Als Tony triumphircnd„Nelsons Tod" gezeigt hatte und sich stolz in der Menge umsah, stellte sich ihm ein großes starkes Weib entgegen, welches mit einer riesigen Bürde von Korbwaaren beladen war und neben dem sich ein stämmiger kleiner Knabe aufrichtete, der wie ein Ritter im Waffenschmuck von zinnernen Töpfen, Pfannen, Schüsseln und Löyeln glitzerte, die ihm rings umher vom Halse bis zu den Fersen niederhingen.„Ei, bist Du das, Tony Pctigrcw," schrie die Frau.„Du bist jetzt ein reisender Mann der Wissenschaft, wie ich sehe, aber es wäre gut für Dich, wenn Du gelernt hättest, Dein eheliches Weib und Dein recht- mäßiges Kind nicht zu verlassen. Du zeigst in Deinen Gläsern Milden so groß wie die Käser- Und hast Du niemals darin T'ine Frau mit Korbwaaren und Deinen Sohn mit Zinnge- Die Freiheit ist eben die Voraussetzung de» Friedens, de» Wohlstandes und der Kulturentwickelung. „National, — dies Wort ist die Flagge, mit der Alles gedeckt wird, p o l i- tische Heuchelei und Kriecherei sowohl als der krasseste wirthschaftliche Egoismus. Wer noch vor zirka fünf Iahren nicht erklärte, das neu gegründete deutsche Reich sei das wahre Paradies und der Gründer desselben, Fürst Bismarck ein.Halbgott, der wurde in die„nationale" Acht gcthan und als„Reichsfcind" bezcich- net. Wer nicht zugestand, daß im Reiche die politische Frei- heit und noch viele andere Freiheiten blühetcn und gediehen in außerordentlicher Schönheit und Pracht, der war cm Ouc- rulant, ein unverbesserlicher Schwarzseher. Und wer sich nicht vor dem Fürsten Bismarck, als vor einem Gotte beugte, war ein Ungläubiger und nicht werth, daß ihn die„national e" Sonne beschiene. Die„nationale" Acht wurde über Jeden verhängt, der nicht mit den National-Liberalen oder der Reichs partci in ein Horn stieß und das Wort national" täglich weniger als hundert Mal aussprach. Das ist nun anders geworden— von der allgemeinen Politik, über die die politischen Parteien in Deutschland überhaupt nichts zu bestimmen haben, ist es nach und nach still geworden und die wirthschaftlichen Fragen find in den Vordergrund ge- treten. Wer in diesen aber nicht die Ansichten des Reichskanzlers und der llerikal-konscrvativcn Verbrüderung theilt, wer den Segen nicht erkennt, den diese Verbrüderung durch die neue„nationale" Zoll- und Wirthschafts-Gcsetzgebung über das Reich gebracht hat, wer den Fürsten Bismarck nicht als den größten Nationalwirthschafter unter der Sonne preiset, der ist nunmehr ein„Reichsfcind", der ist antinational. Und noch vor kurzer Zeit wurden auch die Nationalliberalen selbst in die nationale Acht gethan. Das schmerzte aber gar zu tief und so befinden sich die Nationalliberalen gegenwärtig auf dem Wege nach dem wirth- schaftlichen Kanossa, nach dem Centrum, sie haben seit der Heidelberger Zusammenkunft diesen Büßergang gethan. wäh- rend sich die Regierung auf dem Wege zum geistlichen Kanossa befindet. Ob man diese Wege als nationale bezeichnen kann? Nun, den Nationalliberalen ist Alles möglich. Was ist es denn aber, das Konservative und Centrum zu- sammentrcibt, die früher in politischen Fragen, da die Konser- vativen immer auf Seite der Regierung standen, so heftige Gegner waren? Einfach, die gemeinsamen wirthschaftlichen Interessen! Beide Parteien vertreten in erster Linie den Grundbesitz— deshalb die„nationalen" Gctreidezölle, deshalb die Hin- ausschicbung einer rationellen Branntweinsteuer und der Acn- dcrung der Zuckersteucr, deshalb die Anläufe gegen die Gc- werdefteiheit, deshalb die Versuche, die Freizügigkeit zu be- schirr durch das Land irren sehen, um ihr tägliches Brod zu verdienen?" Bei dieser pathetischen Frage begann der Knabe ein kläg- liches Gebrüll auszustoßen. „Ja," fuhr die Frau fort, sich an die gaffende Menge wendend,„ja, dieser Mann der Wissenschaft, der Fliegen in der Größe von Hummern zeigt, dieser Mann hat sein Weib verlassen, che noch sein Kind geboren war, und obgleich der Gerichtshof ihn verurthcilte, ist er doch wieder davon gc- laufen." „Komm, Frau," rief Tony ihr zu. der zu erstaunt gewesen war, um zu sprechen. Hör' auf zu lärmen und nimm dem Jungen seine Last ab, daß ich ihn an's Her; drücken kann. lind wenn es Dir und ihm recht ist, und ihr mich auf meinen Streifzügen begleiten wollt, und Du mir Dein Wort giebst, Dich zu vertragen, soll es mich freuen und ich kaufe Euch ein Gespann, auf das Ihr Eure Waare aufladen könnt." So war Tony mit seiner Familie ivieder vereinigt. Und Monat auf Monat vergiim, während Jasper Fitzroy in der Gefangenschaft schmachtete. Tony sein Landstreicherlcbcn fortsetzte, Franzeska und Milly Wrigley fleißig lernten, Sir Rupert in Eton studirtc, ruderte und Criquet spielte, und Myra die Gabe des Äidas zu besitzen schien, Alles was sie berührte, in Gold zu verwandeln, denn ihr Vermögen vermehrte sich in einer Werse, Dr. Wrigley wahnsinnig vor Neid und Habgier zu machen, und in ihm den Wunsch glühender und glühender anzufachen, die reiche Erbin möchte todt sein. Ein Jahr der«Sklaverei war bereits um und noch hatte Jasper Fiyroy keinen Plan zur Flucht entwerfen können. Sam Porter war tief bekümmert, daß sich auf den Be- sttzungcn Ibrahims weder eine Tochter, noch ein Harem be- fand, so daß eine Rettung durch weiblichen Beistand ausgc- schloffen war. Jorahrm und sein glcichgesinnter Tiener be- saßen nur eine Leidenschaft, Gewinnsucht. Am Ende des Iah es wurde Ibrahim in der Nacht plötzlich schwer krank und Jnffuff weckte Jasper mit dem wuthcnden Geschrei.„yund von einem Engländer! Mein Herr ttirbt. � Komm heue ihn." AranW�We� „Es giebt keinen in der Nähe; Ihr Ungläubigen versteht schiänkcn— alles„nationale" Gedanken,„nationalen" Triebfedern entsprungen. Und dieses gemeinsame wirthschaftliche Interesse, welches Zentrum und Konservative verbindet, beißt mit anderen Worten die„nationale" Wirthschaftspolitik des deutschen Reiches. Früher wurde von Konservativen, National-Liberalen und Tcutsch'Freisinnigen das Zentrum oft genug als reichsfeindlich und antinational bezeichnet, jetzt ist das Zentrum plötzlich mit einem Male„national" geworden. Die Deutsch- Freisinnigen aber find in die„nationale" Acht erklärt worden und eine Zeit lang zweifelte man selbst, wie gesagt, an der„nationalen" Gesinnung der National-Liberalen. Der kleine Windthorst treibt jetzt mit Kleist-Retzow, Stöcker und&o brecht gemeinsam„nationale" Wirthschaftspolitik, über die Bismarck lächelnd den Segen spricht, mit derselben Freude, wie einst über die national-scrvile Politik der Herren Bennigsen und Miqucl. Und ebenso brüsten sich jetzt mit ihrer Politik die Herren Windthorst, Kleist und Genossen, wie einst sich die Herren Bennigsen, Miqucl und Genossen mit ihrer„nationalen" Politik gcbrüstet haben. Wohin find diese.Herren gekommen? Weggefegt von der Zeitströmung, verlassen vom Volke!_ Und ebenso wird es den neuen„Natwnalen, den Wuth- kchafts-Nationalcn, ergehen, die gleich den elfteren das schöne Wort: National mißbrauchen. Eitelkeit früher, Egoismus jetzt werden mit der nationalen Flagge gedeckt. Dazu ist diese Flagge wahrlich zu gut, und das deutsche Volk wird hoffentlich bei den nächsten Wahlen schon zeigen, Saß es solchen Mißbrauch nicht weiter dulden will. politische Uederficht. Gefangenenarbeit in Konkurrenz mit der freien Ar- üeit. Die gerechten Beschwerden der Handwerker und Arbeiter über die Art, wie in den Zuchthäusern und Gefängnissen die Gefangenen beschäftigt weiden, erhalten durch folgende That- fachen, welche aus Schlesien bekannt werden, eine weitere Beleuchtung. Fahr aus Jahr ein müssen zahlreiche Bauhand- wcrker. Maurer und Zimmerleute aus den Kreisen Ratibor, L e o b s ch ü tz u. s. w. die Heimath wegen Mangel an lohnen- der Arbeit verlassen und in Russtsch-Polen ihr Brod mühselig zu verdienen suchen. Die Folgen dieser Wanderungen sind die traurigsten, die zurückgebliebene Familie ist des Beschützers be- raubt und es gehört vie ganze Entsagungskraft des Arbeiters 'dazu im fremden Lande Ersparnisse zu machen, um sie nach Hause zu schicken. Was soll man nun dazu sagen, wenn man liest, daß in L e o b s ch ü tz„die Gelegenheit geboten ist, durch Benutzung der dortigen Gefangenen Maurer und Z i m- m e r l c u t e zu sieben zig Pfennig Tagclohn für Bauten zu engagiren"!! Hat die Behörde denn keine Ahnung davon, daß diese Maßregel die erschreckendste Arbeitslosigkeit für eine ganze Arbeiterklasse bedeutet daß so und so viel Menschen drodlos gemacht und so das Heer der Vagabunden„diese Landplage", wie der ungemein humane Ausdruck lautet, vcr- größert wird. Merkwürdig, während man bemüht sein will, das Loch der sozialen Noch auf der einen Seite nothdürftig zu stopfen, wird auf der anderen Seite lustig weiter gerissen. — Bekanntlich striken in Breslau die Arbeiter der D e t e r'schen Zigarrenfabrik. Seit Jahren sind ihnen Lohn- abzüge unter dem Versprechen gemacht worden, den alten Lohn- satz wieder zu zahlen, wenn das Geschäft besser gehe. Jetzt ist es der Fall, aber die billige Forderung, den Satz von 4.50 M. für Tausend Cigarren auf 5 M. zu erhöhen, damit sie auf wöchentlich 12 bis 15 M. Verdienst kämen, ist rundweg abgc- schlagen worden. Und worauf stützt sich der Fabrikant, wes- halb wird es schwere Opfer erfordern, bis es gelingt eine Sinnesänderung bei ihm zu erzwingen? Er weiß, daß er, wie .das„Schles. Morgbl." sagt, in dem ihm zur Hand stehenden Strafanstalten von Jauer, Striegau und Rawitsch Arbeits- kcäftc genug findet.— Es ist eine geringste Forderung, daß in den Lohnkämvfcn der Arbeiter und Fabrikanten die Regie- tung Neutralität bewahrt, nicht daß der Fabrikant staatliche Einrichtungen und Anstalten benutzen darf, welche einen Sieg der Arbeiter fast unmöglich machen. Die Kouponschneider- Innung trägt sich, wie neulich zemelvet wurde, mit der Absicht hier eine Zeitung im großen Stil zur Vctretung seiner Interessen zu gründen. Des Weiteren theilt man hierzu ferner mit, daß bereits ein namhafter Fonds zu diesem Zwecke vorhanden und in Bälde das Zu- standekommen dieses Projektes zu erwarten sei. Von der ur- sprünglichen Absicht, die„Bcrl. Börsen Ztg." zum Organ des Vereins zu machen, hat aus vcrschicdenenen Gründen wieder Abstand genommen werden müssen. Vcrmuthlich hatten die Herren dre richtige Anficht, daß der Name viel zur Sache thut. Dem Fuchse, der nie ein Tigerfell tragen will, wäre„Berk. Börsen-Ztg." eine zu ehrliche Bezeichnung gewesen'. Pretzcommis Wesen in den Neichslanden. Tie„Frkf. Ztg." läßt sich aus Elsaß-Lothringcn schreiben t ,... Wie die Euch immer auf Krankheiten, heile meinen Herrn oder ich haue Euch Beiden die Köpfe ab!" raste Jussuf. „Willst Du uns zu dem britischen Konsul nach Smurna bringen lassen, wenn ich Dich wieder herstelle?" fragte Jasver. '„Ja, Du Sohn des Teufels, beim Barte des Pro- xheten, ja!" „Thun Sie es nicht," bat Sam„lassen Sie ihn sterben. Er wird doch nicht Wort halten, denn diese Bestien find zum Lügen geboren', lassen Sie diesen sterben und vergiften Sie den Andern, wenn Sie können". dein uns, hallen. Jasver benutzte die Mittel, die ihm sein gesunder Men- 'chcnvcrstand eingab. Vierundzwanzig Stunden lang bemühte er sich um Ibrahim wie um einen Bruder. Tann war Ibra- him frei von Schmerzen, frei von Gefahr und frei von. Dankbarkeit. Sobald er genesen war. vergaß er alle Gelübde und besonders, daß in Smyrna ein britischer Konsul war. „Ich habe Ihnen Ihre Gesundheit wieder gegeben," sagte Jasper zu seinem Feinde,„und Sie versprachen mir. mich und meinen Diener zu dem nächsten englischen Konsul zu „Ungläubiger Hund!" rief Ibrahim,„es sei ferne von mir, mich bei ruhigem Gemüthe dessen zu errnnern. was ich rn der Raserei des Fiebers zusagte. Gieb den Gedanken aus. daß ich Dich ziehen lassen werde. Wer sollte mich heilen, wenn die böse Krankheit mich noch einmal überfällt." Die beiden stärksten der Nudier wurden zuweilen mit einem Boot ausgeschickt, um Fische zu sangen, und von der Beute durften sie einiges für sich behalten- Durch die Mandel- baumpflanzung floß ein kleines Gewässer, in welchem die Sklaven baden und ihre Kleidungsstücke waschen durften. Kurz nach der Genesung Jbrahim's fand Jasper eines Tages eine Vogelreder, die er sorgfältig aufbewahrte. Mit einem Stückchen Mesfingdrahr, das er gleichfalls gesunden, spitzte er sie zum Schreiben zu. Aus dem Krankenzimmer Ibrahims hatte er ein mächtiges Vergrößerungsglas heimlich mitgenommen. Als Sam und er bald darauf in einem Winkel des Granatenbaumgartens zusammen arbeiten, befahl Jasver dem Diener, Wache zu stehen und ihn zu warnen, wenn sich Jenrand nahe. Dann zog er aus seinem Busen die langver borgen gehaltene Banknote, legte sie auf einen Stein und riyte sich ein wenig am Handgelenk. Das hervorquellende Blut de- Sache heute liegt, scheint dem L f f i z i ö s e n t h u m in den Reichslanden allen schlimmen Erfahrungen und allen Ver- sprechungen zum Trotz das längst verdiente Ende noch nicht bereitet zu sein. Das Ministerium will das dreiköpfige Redak- tionspersonal der„Els.-Lothr. Ztg." behufs Leitung des „Staats-Anz." von Neuem engagiren, freilich zu„ziemlich prekären Bedingungen, worauf man nur im Nothfall eingehen wird": so wenigstens schrieb das Haupt der offfziösen Journa- listcnfamilie— zwei Brüder und ein Nene— aus Kissingen an seinen derzeitigen Verleger. Bleibt diese Familie in aktiven Diensten, worin sich die offiziöse Erbweisheit gegen ein Honorar von 23 000 Mark auf Landeskosten darin äußert, daß das von ihr rcdigirte Blatt mit Ausnahme der Lokalberichte aus Schee- renarbcit besteht und höchstens alle drei Tage eine ebenso pol- temd als stilistisch unreif abgefaßte Polemik" als zehnzeiliges einziges Geistesvrodukt erscheint, nun so ists der alte Bettel. Die Regierung wird für die alberne Taktlosigkeit„ihrer"Presse nur Nackcnschläqe empfangen und unter der allgemeinen Mißachtung, welche das Publikum den offiziösen Dichtungen, Winkelzügen und von persönlichen Jnvektiven strotzenden Dia- triben entgegenbringt, auch dann noch zu leiden haben, wenn sie nach bestem Wissen und Gewissen die Berechtigung einer gemeinnützigen und staatsmännisch richtigen oder heilsamen Maßregel in„ihrem Organ" darlegen will". Auf Grund des Sozialistengesetzes sind die nach- benannten Druckschriften: 1) Gedanken eines Sozialisten im Gefängnisse, von Daniel Lehmann: Schweizerische Genossen- schaftsdruckerei Hottingen-Zürich: 2) Ein Lred von achtund- vierzig für 1375, Eigenthum des Autors, G..Henkel, Schuft- setzer von Frankfurt a. M.; Imprimerie cooperative ä Zürich, verboten worden. Gin Gnadengesuch Kraszewki's soll ablehnend beschicden worden sein. So berichtet der Petersburger(Polnische)„Kraj" nach Briefen Kraszewski's. Die dem Letzteren gehörige Villa mit schattigem Park, an der Nordstraße in Dresden-Neustadt, wird gegenwärtig durch den Rechtsanwalt Theodor Fasaldt in Dresden unter günstigen Bedingungen zum freihändigen Ver- kaufe ausgeboten. K. wird nach Verbüßuna seiner Haft Deutschland verlassen.—(Wenn der 30 jährige Greis bis dahin noch lebt!) Den Sonntag zu heiligen ist auch in Oesterreich ein löbliches Bestreden; viel wichtiger jedoch ist es, einen Landtagsabgeordneten zu wählen, welcher der Kirche unterthan ist. Dies beweist folgende Mahnung des Bischofs von Linz: „Die Wahlen finden, wenigstens in manchen Bczirkshaupt- Mannschaften, auch an Sonntagen, sowie an dem in die Wahl- zeit fallenden Festtage statt. Wir bedauern diesen Umstand und hätten gewünscht, daß entsprechend früher die Wahl wäre anberaumt worden, um der Nothwendigkcit auszuweichen, die Sonntage zu den Wahlzwecken heranziehen zu müssen. Sollte etwa ein Wähler in die Lage kommen, zwischen der Wahl- Pflicht und der Pflicht.� dem pfarrlichen Gottesdienste anzu- wohnen, wählen zu müßen, so geht unser Rath mit Rückficht auf die große Tragwefle der Wahlen dahin, die Ausübung der Wahl vorzuziehen. Muß also ein Wähler, um wählen zu können, den Gottesdienst versäumen, so kann und soll ein solcher Wähler das Wahlrecht ausüben und braucht sich des- wegen in seinem Gewissen nicht zu beunruhigen." In Krakau fand ein Verbrüdernngsfest zwischen Polen und C z e ch e n statt, zu welchem am Sonnabend ungefähr 1500 E zechen aus Böhmen und Mähren in Krakau eingetroffen waren- Dem Zuge hatten sich nur zwei czcchische Reichsrathsabgcordnete angeschlossen. Tonner(Ältezeche) und Hevera(Jungczeche). Die offizielle Begrüßung fand im Rath- Haussaale statt und brachte begeisterte Reden. Tonncr sagte in polnischer Sprache unter Anderm: Wir find gekommen, um unsere 5oäupter zu verneigen vor der Ehrwürdigkeit dieser belli- gen Stadt, uns geqenseing im Unglücke zu trösten und Euch zu beglückwünschen zur nationalen Arbeit, die wohl zu den er- lehnten Zielen führen wird. Es war ein Fest der Polen und Czechen, Oestcrreichcr sah man nicht, von Oesterreich sprach man nicht. In einer am 15. d. in Otham(England) abgehaltenen Versammlung von Vertretern der dortigen B a u m w o 1 1- spinnereien wurde der Beschluß gefaßt, in Folge der un- befriedigenden Lage der Baumwollindustrie den Fabrik- betrieb bis auf Weiteres auf vier Tage in der Woche zu beschränken,— Was machen die Arbeiter aber in den übrigen zwei Tagen? Sie gehn vermuthlich spazieren und freuen sich, daß sie nicht mehr so viel zu essen brauchen. Zum Denunziantenwesen in Irland. Am Tonnerstag erschien ein Mann Namens. Thomas Easey, der vor etwa zwei Jahren als Kronzeuge in einem Prozesse wegen Ermordung von 5 Mitgliedern der Familie Jonce aufgetreten war und auf dessen Zeugniß hin Miles und Patrick Joyce und Patrick Easey gcbängt und vier andere Personen zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe vcrurthcilt worden waren, vor dem Erzvischof von Tuam und der ganzen versammelten Gemeinde in der Kirche zu Partry und erklärte, daß er durch den Kronau- w a I t B o l t o n zur Ablegung eines falschen Zeugnisses gezwungen worden wäre, da er sonst selbst gehängt worden nutzte er als Tinte und schrieb mit der kleinen Feder auf den Rand der Note: „Jasper Fitzroy von Fitzroyhall, Middleser, England, Ge- fangener Ibrahim Ben Edm's am Golf von Adalia. Wir bitten um schnelle Hilfe." Diese unter dem Vergrößerungsglas angefertigte Schrift zeigte dem unbewaffneten Auge nur einige rothe Linien in einer Ecke des Papiers. Einige Tage später hielt Jasper die Note kaltblütig Ibrahim hin. „Mas bedeutet dieses Stück Papier," fragte der Türke barsch. „Es ist fünf Goldstücke werth," sagte Jasper ruhig. „Jeder Schiffskavitain oder Kaufniann wird sie dafür geben. Ich wünsche, daß Sie mir und meinem Diener Kleider für das Geld kaufen." „Ach Herr." klagte Sani,„nnn ist unsere Hoffnung weg, und es ist uns gar nichts geblieben, woraus wir bauen könnten." Aber Jasper fühlte, daß er eine Botschaft nach England gejchickt hatte. Ein Hilferuf von ihm war hinaus in die Welt gedrungen; Er rechnete aus, wie viele Monate vergehen könnten, ehe die Note England erreichte, dann wie lange es dauern mochte, bis die zarten rochen Linien Jemandes Neugier erweckten und endlich, wann sein Aufruf ihm Hilfe verschaffen würde. In FM™ Jotllc, sagte sich Jasper, möglicherweise in einem Jahre ist tzilre da. Aber Ibrahim war listig und klug wie eine Schlange. Er mißbrauchte die ihm so anstandslos übergeben- Note. Zwei Jahre lag sie wohlverschlosscn in seinem Geldspind. 16. Kapitel. Wrigley's Hauptbeschäftigung bestand darin, auf den Barth ,chen und Fitzroy chen Gütern herum, uspüren. ob Alles m Ordnung und kein Nachtheil für den künftigen Erben ,u feu Es machte Myra fast krank, die dürftige Gestalt, das fand- sein würde. Easey hat diese Aussage seitdem vor Ktt« wiederholt und ein zweiter Kronzeuge, Namens Philbin, unter gleichen Umständen den Angeber gespielt hatte, irwü-' eine ähnliche Aussage. Die Untersuchung ist im Gange.- Aus verschiedenen Gegenden Irlands werden Agrarvet' brechen gemeldet. Unweit Roslevin wurde ein Pächter et- mordet. Die Mondscheinbandcn sind wieder thätig. In der französischen Kammer ist kurz vor Schluß � Session das Vertrauensvotum für Ferry in der chinM# Frage nur in einer schwach besuchten Abendfitzung zu Stoß' gekommen, da die Mitglieder der äußersten Linken und det Rechten entweder überhaupt nicht anwesend ivaren, oder n- der Abstimmung enthielten. Wenn nun auch dies Endresiuu. durchaus nicht als indirekte Vermtheilung der Koloniahtow- Ferry's in Tongking, sowie feines Vorgehens bei den darae- mit Ehina entstandeneu Schwierigkeiten anzusehen ist, st dauern doch die regierungsfreundlichen Blätter lebhaft, da, 5" Kammer nicht bei dieser Gelegenheit durch ein imposantot' Vertrauensvotum der Regierung moralische Unterstützung f liehen hat. Zum Theil hat der Senat dies indeß wieder i* gemacht, der bekanntlich die Tongking-Kredite mit 193 o«' 194 Stimmen votirte. Wie es heißt, werden die am So� abend Nachmittag geschlossenen Kammern nunmehr am 13. tober wieder zusammentreten. Bei dem letzten französischen Nationalfeste wurde k kanutlich auch eine Revue über die„S ch ü l e r b a t a i 1 1 o u- abgehalten, Bataillone von militärisch gedrillten Slhülenr Natürlich haben diese Schülerbataillone den Parademarsch w®; ganz so gut„losgehabt", wie die Linienbataillone, und. eine ernsthafte Schlacht plötzlich zu Stande gekommen würden fie wohl auch nicht ganz so feldttichtig gewesen# wie Vcterancnbataillone. Das haben verschiedene deutsche obachter mit glücklichem Blick herausgefunden, und über � armen Schulbataillone die Schale des Spottes ausgegossen" zum großen Gaudium vieler rinserer Zeitungen' und»;■; unserer Philister und Reaktionäre. Der Spott ist recht iß; angebracht. Daß Kinder keine kriegstüchtigen Soldaten st können, das wird wohl von Niemand geleugnet werden" aber sie können gute Soldaten werden— find doch alle daten einmal Kinder gewesen;— und kein vernünftiger 3)�', wird leugnen, daß ein Handwerk oder Geschäft, welches von Jugend auf treibt, durchschnittlich besser gelernt wird, eins, welches man erst im späteren Alter zu treiben bc"" Ganz besonders gilt dies von körperlichen Geschicklichßst m------------------— die(%' Ein Gymnastikcr, der nicht sehr jung anfängt, wo...... noch geschmeidig sind, wird niemals tüchtig in seinem st.. Für alle körperlichen Gcschicklichkellen, welche der Soldat jj aneignen muß, ist aber genau dasselbe zutrencnd. ''» vwvv Qw&vv;| virv--.'/ Gamaschcnknopf kann dies bestreiten- kann bestreiten, das. bei sonst gleichen Bedingungen— Soldaten, die von J® uci iuiin nmuicii oevingunpen—«vivaien, oie von yr-v auf militärisch ausgebildet worden sind, durchschnittlich tüaff., sein müssen, als solche, die erst nach dem 20. Jahre � militärische Ausbildung beginnen. Der Gedanke der � wehren und Schulbataillone ist also ein durchaus trost., Falsch ist bis jetzt blos die Ausführung. Die Schulbato�. s l'i 11*1 WTV9 V&C lauojuijiuuu. MJlt WU#U*v~-7 � umfassen nämlich nicht die gestimmte französische Schulst�.. DÖ'W von einem gewissen Lebensalter an, sondern sie find eingerichtet, daß wesentlich nur die Kinder der wohlhabest?� Klassen Theil nehmen. Hier liegt der Fehler. Der 8#%, die Schulbataillone müßte allgemein und obligafonst' r-j und die Kosten sämmtlich vom Staate getragen werden, y wäre ein außerordentlicher Fortschritt auf dem Weg;. nationalen Wehrhaftigkeit. Freilich würde dann das tW�; Heer bald überflüssig sein— und deshalb find bataillone gewissen Leuten ein solcher Dom im Auge-* Wieviel Fremde in Pari» leben, zeigen die iviiutci nrcuiuc Ii, PUiiv icvrii, zciycn vi- �" der Volkszählung vom Dezember 1381, welche erst ittz' W festgestellt worden sind. Die Zählung der Ausländer& gl 372Männer und 75 542 Frauen, die sich so oertbeilc»,?;;. gier 23 931 Männer und 21 300 Frauen; Italiener; d. Männer und 5374 Frauen: Deutsche 15441 Männer x: 15 749 Frauen; Schweizer 12 264 Männer und 854t) ifl.zö Engländer 4607 Männer und 6182 Frauen; Amerikaner.� Männer und 2973 Frauen: Chinesen 65 und sonstige 149.— Einwohner überhaupt zählte Paris damals 1113 3.6 männlichen und 1 112 602 weiblichen j): Seit 1876 hat die Bevölkerungszahl von Paris tzM. Seelen zugenommen. Die erste Volkszählung, die m � gemacht wurde, reicht in das Jahr 1700 zurück st 720 000 Einwohner auf. Häuser gicbt es in Paris, Jjj davon haben 32422 über vier Stockwerke. Verheirachrt'.J/ ner gab es 1881 in Paris 440 022, verheirathett' M 446297"' Altersstufen ledige Männer 621 509 und 557054 Mä�Vj in Ter jüngste Ehemann war 17 Jahre I1; II jüngste Ehefrau 14 Jahre alt; beide stehen vereinzelt A- Zahl der Wittwer betrug 51735, darunter 2 sechzehn die der Wittwen 123 251, darunter 3 achtzehnjähu� Personen waren über 80, 2747 zwischen 34 und 89, 7.�5 90, 133 über 95 Jahre alt. Endlich zählte man M w,, jährige und zwar 4 Junggesellen, 1 verheirathetcn J u? Wittwer, 1 ledige Frauensperson, 1 verdeiralhete v Hfl „Ueberlasse die Angelegenheit nur mir. meiner Güter ist ausschließlich meine Sache," in solchen Fällen unwillig zurück. H?-', wt „Ich bezweifle nicht, daß Du Deine Fähiglftto wst, ausreichend hältst, aber als der nächste Erve ein wachst' niicö-'rfi!' meines Acltesten, ist es meine Pflicht, über Alles zu haben." Kein Mensch hat weniger Ursache sich über klagen, als Du," pflegte Myra zu erwidern,„De, wird fast vollständig von mir erhalten, Deine Kinde, jede Begünstigung, die Tu für sie erbittest, um niw; Rechte.". „Wir thäten besser nicht von Rechten zu Wriglcy boshaft aus.. hstfs „Wenn ich besäße, was ich als mein würde ich hier im schlösse als das eigentlich jef � Haushaltung leben. Frauen verstehen nicht- M�li#M waltung großer Ländereien und es wäre viel i � v eine junge Dame wie Tu, unter meinem uiw meiner Frau zu leben.", uf s „Ich bin nicht mehr allzu jung, mein iii'Ä r' Schutzes bedarf Niemand weniger als ich. iJ ob die Güter Dein wären, und ich nur den � umgeb Dir über den westlichen Walsbestand uno„j und dergleichen zu hören haben." einl!c' i Nach solcher Drohung zog sich Wriglc» Zurück-... g, dank- l"» � Aber nichts lag Myra ferner, als der herrathen... W* n. „Ich habe wieder einen Kampf mrt J%(iiist''.vi ihrer einzigen vertrauten� pN- habt, erzählte fie Bide._„Wir haben hart mit einander 5'jS� %%% t«-%&&&'' als diese unaufhörlichen°O-uälereien der dulden." (Kortfetziing folgt) 7 Wiltwen. Von den Einwohnern von Paris sind 1 021 996 Männer und 1053 804 Fraum in irrankreich. 348 845 Män- ner und 372576 Frauen in Paris selbst geboren. . Auf den Tiich des französischen Abgeordnetenhauses yat der �cputirte Na qu e t einen Antrag niedergelegt, welcher verlangt, daß die bei den Kammern in e in und dem- ; t' den Palais untergebracht werden. Er deutet drei r-osungen an: die Verlegung des Parlaments nach Versailles; ou Erbauung eines Parlamentshauses an der Stelle, wo Ö�hcr das �.uillerieenschloß stand; die Vergrößerung des Palars Bourbon durch die Hinzufügung des neben demselben «egcnden Ministeriums des Acußeren, welches nach dem Palars Luxemboura, wo gegenwärtig der Senat tagt, verlegt werden würde.— Aus Montceau-les-Mines wird gcmeldrt, daß gestern gegen Mittcrnach in dem Hause des Gmben-Jngenicur eine Dynamitexplosion stattfand. re-«ngcnieur und seine Frau wurden verwundet. Die Explosion war so stark, daß die Fenster entfernt liegender .Zerschmettert wurden. Mit welchem Seelenfrieden in Ruhland öffentliche Gelder verthan werden, dazu liefert die Petersburger Duma Stadtverwaltung) wieder cm eklatantes Beispiel. Fm Eentrum der stadt befindet sich der sogenairnte Heummit, der Haupt- lebcnsmittclmarkt Petersburgs. Bisher hielten die Kaufleute auf demselben ihre Waare in höchst primitiven Holzbaracken ml, die durchaus nicht einer Hauptstadt entsprachen. Nach langen Berathungen in der Duma kam es schließlich dazu, M m diesem Jahre die Holzbuden abgerissen wurden. Man Uhrut zum Bau von vier riesigen eisernen Markthallen, vre viele, viele Taufende kosten. Eine derselben ist nun fertig- Ssstellt, bietet aber soviel Unzulänglichkeiten, daß die.Händler nichts von derselben wissen wollen, und es vorziehen, ihre caden in den umliegenden Häusern zu eröffnen. Trotzdem wird an den übrigen Markthallen munter weiter gebaut und von Seiten der Duma erfolgte die Erklärung, daß diese fallen nur versuchsweise für ein Jahr aufgebaut werden. �.ao aber dann mit ihnen geschehen soll, wenn sich endgültig uire Untauglichkeit herausgestellt hat, darauf bleibt die �tadtvertretung die Antwort schuldig. Ebenso auch auf die Nage, mit welchem Rechte sie hier Unsummen für derartige Versuche ins Wasser werfe.— Dieses„Markthallen- G e s ch i ch t ch e n" ist lehrreich auch für andere Städte und andere Magistrate. . Am Sonnabend Nachmittag fand in Alexandrien -lue Kundgebung von etwa 8000 Personen statt, welche be- Mwgt find, Schadenersatz für die ihnen durch das Bombardement von Alexandrien zugefügten Be- lchadigungcn zri verlangen. Der Gouverneur versprach im vlamen des Khedive, daß Alles geschehen solle, um den gerech- Ansprüchen möglichst bald nachzukommen.— Es geht aus q�ser Mittheilung, der zufolge seit einiger Zeit fast täglich an Ausdehnung mehr zunehmende Kundgebungen der Entschädi- gungsberechtigten stattfinden, hervor, daß die Geduld der letzte- ren erschöpft ist und daß sie nicht geneigt sind, das Ergebniß vor Enquete Lord Northbrook's abzuwarten, auf welches Glad- '�ue jetzt mit Vorliebe zri vertrösten scheint. >ügkn haben kurze Beine, das zeigt sich auch an der Vcpesche �r„Times", daß C hi n a an Frankreich den yj'leg erklärt habe, sowohl in Paris als in London gx* man nichts davon: die„Times" hatten einfach gelogen. »in r®, bot nur gegen das Vorgehen Frankreichs protestirt und Wuscht die Verniittlung der europäischen Mächte, um zu einer Wuchen Beilegung der schwebenden Differenzen zu gelangen. �.lese Mittbeilung ist in einem friedlichen Sinne gehalten. I o K»! e s. � Die Dame im Hemd, die am vergangenen Sonnlag us Zeuthencr See gefischt wurde, erregte gewiß bei vielen i wn zuerst ein Gefühl der Bewunderung und des Milleids. «i..Berliner Tageblatt" brachte einen sogenannten Sensa- o"'Artikel, natürlich zuerst, und die größte Mehrzahl der Ber- q,j,5. Zeitungen druckt das Zeug ohne Weiteres nach. Uns letzt von einem Augenzeugen ein Bericht zu, der die denn doch in einem ganz anderen Licht erscheinen läßt .. der recht interessante Streiflichter auf die Gepflogenheiten gervisser Sportsmen wirft.„Die Katastrophe", schreibt unser /uvahrsniann,„fand unter so eigenthümlichen, um nicht zu m»en skandalösen Nebenumständei, statt, daß man einigermaßen Wvannt sein konnte, mit welchen Beschönigungsausflüchten aps Sache in die Leffentlichkcit gelangen würde. Um keine isl'o, Verständnisse entstehen zu lassen, wollen wir hier gleich »''chcflcn, daß die im Boote befindlichen Damen zur Zeit der t�toftrophe nur mit dem.Hemd bekleidet waren, und in diesem Mand auch aus dem Waffer gefischt wurden. Ueber die m� �fang zu dieser Entkleidung wissen die Berliner Zei- welche diesen Fall besprechen, ihren Lesern recht ariige nnlm" JU erzählen. Man berichtet, die jungen Damen hätten °a> Geistesgegenwart genug gehabt, um sich zu entkleiden. Das ist �perHumbug. DasBoot ging unter einem äußerst flauenWinde, 'nahe ohne jede Neigung nach der Leeseite. Man war deshalb im fho �br soralos, legte die Seaelschotcn fest und überließ sich ""deren Vergnügungen. Nichts lag ferner als der Ge- ,a? einen bevorstehenden Unglücksfall. Da brauste einer hcimtückifchen Windstoße daher, wie sie an windstillen gW".ziemlich häufig vorkoinmen, und das Boot schlug um. hnl'o!cl'tä Kentern erfolgt in unseren Gewässern so schnell, kaum Zeit hat, einen Rettungsring zu ergreifen, ge- denn, daß eine Dame noch die Muße fände, sich ihrer V lomplizirten Kleidung zu entledigen. Weg daher mit J'c zicbesmäntelchen. schließt unser Berichterstatter, der den suU!»kreisen angehört, und sich daher nicht so sehr mrt bes...-�? Feinheiten behclfen kann,„weg daher mit dem Lre- �Welchen, welches man dieser Angelegenheit umzuhängen UmÄ � ist eben durch diesen Vorfall ganz eklatant ern in m?../.""st"strt worden, der auf den großen Segelbooten sehr allen j�e steht, und von dem schon längst die Spatzen von J�achem pfiffen.. sonderbare Begriffe über den Kellnerstand scheinen Ks. M.S Ä W�H"r"F- n°-b noch nidit vollendeter Probezeit von einem °us dem Geschäft geHoll wurde. Herr F. begab sich »IIB wollen"-"U'M..MW» filb r�'beuerlick �"lchluß erscheint uns durchaus nicht rnn, beute im Tenn wenn man bedenkt, m welcher Lage d ti", finden der Kcllnerstand befindet, so wird »Mauz �"B die Stellung eines Kellners heute, leider, Einstelle bei i!5 �n>erthe ist. Ter Waisenrath vertritt nal®e" elternlosen Kinde m; und da ist es, unseres "e fS Durchaus richtig, dag für verlassene Kinder -'r späteres Leben ausgewählt wird, die nett, dir Richtung hin den Ansprüchen i ge- «K? ÄSn'sS iteute auf>> 5". dem Kcllnerstande behaupten, so lange 5 degradirende Trinkgeld angewiesen find, «A- können sie sich unmöglich als gleichberechtigt betrachten. Es ist schon so oft auf diese Unfitte hingewiesen worden, daß es über- flüssig erscheint, noch mehr Worte darüber zu verlieren; wunderbar erscheint es nur, daß von den Kellnern selbst noch keine energischeren Anstrengungen gemacht worden sind, um endlich einmal die für das Publirum lästige, für die Be- theiligten selbst herabsetzende Unsitte aus der Welt zu schaffen. N Nachträgliches zu dem Feuer in Rirdorf. Für die Größe und Jntensivität der Feuersbrunst am Richardplatz dürfte der Umstand maßgebend sein, daß es bis gestern Mit- tag noch in der Scheune bei Niemctz brannte. Den Anstren- gungen der freiwelligen Feuerwehr gelang es indeß auch diesen letzten Feuerherd abzulöschen und jede weitere Gefahr zu be- scitigen. Die Abschätzung des Brandschadens der Landwirthe Niemetz und Wanzlick wird voraussichtlich am Mittwoch er- folgen und alsdann unverzüglich mit dem Neubau der ein- geäscherten Scheunen und Stallungen begonnen werden. Die Diebe scheinen der Brandstätte ihr volles Augenmerk zu schen- ken, so find gestern wieder dem Landwirth Barta vier mes- singcne Lfenthüren und der Wittwc S-, welche einen Strohsack als eisernen Geldschrank betrachtete, ihre gesammte Baar- schaft entwendet worden. Ter Verdacht der Brandstiftung richtet sich jetzt auf eine Person, welche in Britz am Abend der Katastrophe gesehen wurde, auffallend ängstlich dem Feuer sein Augenmerk widmete und dann mit den Worten: Ich glaube, es brennt im Buschkrug, der entgegengesetzten Seite zueilte. Auf diese Person, die nicht mit Blankenburg identisch ist, wird gefahndet, denn mehrere Personen wollen sie event. wiedererkennen. Gr. In der Nacht von gestern zu heute sind vor dem Grundstück Jerusalemerstraße 15, vor dem bekannt- lich zwei ca. 80 Fuß hohe Mastbäume in Folge mangelhafter Befestigung umstürzten, sechs jener langen Mastbäume zur Errichtung eines Gerüstes zur Anbringung der Sandstein- Verblendung aufgeführt worden. Dieselben befinden sich so tief in der Erde, daß ein Ilmstürzen jetzt ausgeschlossen erscheint. Das Polizei-Präsidium hat also trotz des Unfalls seine Ge- nehmignng zum Wiederaufbau des Gerüstes crtheilt und damit zugleich zu erkennen gegeben, daß es im Prinzip auch für die Folge gegen die Anbringung so starker Stangengerüste keinen Einwand zu erheben gedenkt. Zur Slrastenbirddelei schreibt man der„Volks-Ztg.": Vor einigen Jahren ist von den städtischen Behörden be- schlössen, von dem Beginne größerer Pflastcrarbcitcn stets allen Verwaltungen, welche Leitungen irgend welcher Art in den Straßen verlegt haben, frühzeitig Kcnntniß zu geben, damit jede in die Lage versetzt sei, gleichzeitig mit der Umpflasterung auch ihrerseits die in dem betreffenden Straßenzuae nothwm- digen oder wünschenswerthen Arbeiten auszuführen. Man wollte dadurch dem mit Recht viel beklagten Uebelstande ab- helfen, daß das erst kurz zuvor unter großen Verkehrsstörungen hergestellte Pflaster nach einiger Zeit wieder aufgebrochen würde, um Gas- oder Wasserleitungsröhrcn oder Telegraphendrähtc zu verlegen. Seit jenem Beschlüsse sind Klagen kaum noch laut geworden. Wenn jetzt die Telegraphenvcrwaltung zum Zwecke einer Kabelverlegung den eben erst hergestellten Bürger- steig in der Friedrichstraße wieder aufgerissen hat, so darf man wohl Aufklärung darüber erwarten, ob sie von dem Beginne der Pflasterarbeiten Kcnntniß erhalten hat. Wir erwarten, daß die Stadtverordnetenversammlung sich Auskunft erbitten und dafür Sorge tragen wird, daß derartige Unzuträglichkeiten sich nicht wiederholen. x. Bon der Stadtbahn überfahren. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich in der verflossenen Nacht zugetragen. Zirka 30 Schritt östlich der Warschauerstraße in der Nähe des Schlesischen Bahnhofs wurde um W/t Uhr in der Nacht eine Leiche auf den Schienen, welche später als die des Hutmachcr- Meisters Lttomar Wicde in der Langenstraße 108 wohnhaft, rekognoszirt wrirde, gefunden. Dem W. waren beide Beine abgefahren, außerdem wurde an der Leiche auch ein Schädel- bruch konstatirr, so daß der Tod sofort eingetreten sein muß. Die näheren Umstände, unter denen fich dieler Unfall ereignete, find noch völlig unaufgeklärt. Die Leiche befindet sich im Dbduktionshause. X. Ergriffener Wagendieb. Gestern Abend in der 7. Stunde hatte der Fuhrunternehmer F. in der Friedrichstraße, vis-ä-vis dem Stadtbahnhof, sein Break unbeaufsichtigt stehen gelassen, um mit einem Freunde ein Restaurant zu besuchen. Ein junger, ganz anständig gekleideter Mensch benutzte diesen Augenblick, schwang sich auf den Bock und war gerade im Begriff, loszukutschircn, als von dem Eigenthümer sein Vor- haben bemerkt wurde. Der Thätcr wurde ergriffen und nachdem an ihm eine sehr empfindliche Lynchjustiz ausgeübt worden war, einem Schutzmann übergeben, welcher den Dieb in das Polizcibureau des Stadtbahnhofes einlieferte. Der Vorfall hatte in dieser frcquentcn Gegend einen ungeheuren Menschenauflauf veranlaßt. X. Mauer-Einsturz. Ueber einen zweiten schrecklichen Unglücksfall, welcher sich heute Vormittag um 9'/, Uhr er- eignete, gehen uns folgende Details zu. Auf dem Grundstück Königsstr. 61 wird ein Quergebäude aufgeführt und sollte um die angegebene Zeit eine 4 Meter hohe und ca. 2 Meter breite Mauer niedergelegt werden. Plötzlich stürzte das Mauerwerk ein und begrub zwei Maurer unter sich. Die übrigen Kameraden, ca. 20 an der Zahl eilten den Verschütteten zu .Hülfe, mit Hebcbäume wurde die Last entfernt und die Ver- unglückten befreit. Einer der Maurer war an der Brust, der andere an den Füßen verletzt und mußten beide in das All- gemeine städtische Krankenhaus gebracht werden. Das Unglück soll durch nicht vorschriftsmäßiges Absteifen der Mauer herbei- geführt worden sein. X Landfriedeusbruch. Ein grober �Erzeß zwischen einem Wirth und mehr als 15 rohen Patronen, der an �Ausdehnung alle in letzter Zeit dagewesenen Krawalle um ein Bedeutendes übertroffen hak und der vorausstchllich den Betheiligten eine Anklage wegen Landfriedeusbruch zuziehen wird, spielte fich am Sonntagabend und in der darauffolgenden Nacht in dem be- nachbarten Rixdorf ab. In dem Tanzlokal zur„Rolle" von Fichtner in der Berliner Straße war ein junger Mensch mit erstcrem in einen Streit gerathen, der bei der Erregtheit der Gemüther im.Handumdrehen in eine solenne Prügelei über- ging. Der Lokalbefitzer fand sich genöthigt, seinen Gast wegen ungebührlichen Betragens zwciinal zur Entfernung aufzufordern und als dieser ging, war einstweilen die Ruhe wieder herge- stellt. Plötzlich öffnete sich die Thüre uno der Ausgewiesene erschien mit einer größeren Anzahl Personen, welche gegen den Wirth Partei nahmen. Der Wirth wurde thätlich angegriyen und mußte, um sich zu schützen, in ein Nebenzimmer flüchten. Bei der Schlägerei wurden Wirthschaftsutensilien, Fensterschei- ben, Tbürfüllungen, Stühle-c. demolirt, so daß das Lokal einem Schlachtfclde glich. Der Hauptthäter ist leider entkom- wen, wohl aber einer der Hauplbetheiligten gefänglich eingc- zogen. Auf die übrigen Exzedenten wird noch gefahndet. a. Zugleich mit dem Mörder Baumgart, welcher in Licgnitz den Konditor Tir ermordet hatte, wurde sein Gefährte, der Handlungskommis R ü ck e r, nach Liegnitz transpottirt. Wie die hiesigen polizeilichen Erhebungen ergeben haben, hat Rücker, nachdem ihr# bekannt war, durch welche That Baum- gart zu dem Gelde gekommen war, dennoch von diesem Gelde mitgelebt. Rückcr ist deshalb unter dem Verdachte der Hehlerei der'Staatsanwaltschaft zu Liegnitz zugeschickt worden. g In nicht geringe Aufregung wurden gestern Abend die zahlreichen Passagiere eines Omnibus der Lmre Hallezches Tbor—-Ehauffeestraße versetzt. Der Lmnidus passirte gegen 7 Uhr gerade das Haus Fricdrichstraße 213, als vre Innen- paffagicre einen Krack vernahmen und durchernander geworfen wurden. Der Omnibus batte sich mit fernem ymtertherl auf die linke Seite gelegt— das Rad war abgegangen. Nachdem der Schaden kurirt worden war, konnte die unterbrochene Fahr! wieder fottgesetzt werden. Verletzungen irgend welcher Art waren glücklrcherweise nicht zu beklagen. g. Das Gerücht von einem Cholerafalle mit tödt- lichem Ausgange versetzte die Bewohner des unteren Theils der Schützenstraße gestern Abend in nicht geringe Aufregung. Auf Grund an Ott und Stelle eingezogener Informationen sind wir in der Lage, folgende Mittheilungen über den Vor- fall zu machen: Der in einer chemischen Fabrik in der Lands- bergerstraße beschäftigte 24 jährige B. kam gestern Nachmittag gegen 3 Uhr per Droschke in krankhaftem Zustande nach der in der Schützenstraße 48 belegenen Wohnung seiner Eltern. Tort angelangt, wurde B. von starken Erbrechungen und heftigen Leibschmerzen befallen, so daß die Eltern einen leichten Cholera- anfall vermutheten und daher einige der bekannten.Hausmittel in Anwendung brachten. Da aber keine Besserung, sondern eine Verschlimmerung des Krankheitszustandes des B. eintrat, so schickten die Eltern schleunigst zu einem Arzt, Dr. R, welcher Merkmale einer Vergiftung vorfand. Trotz angewand- ter Mittel, verstarb B. unter heftigen Schmerzen. Der Um- stand, daß das Gesicht des Verstorbenen mehrere schwarze Flecke zeigte, hat zu dem Gerücht Veranlassung gegeben, daß B, an der asiatischen Cholera verstorben sei. Die Leiche wurde heute früh nach dem Obduktionshause befördert. B. hat schon seit einiger Zeit einen keineswegs soliden Lebenswandel geführt, ohne fich in dem Besitz der hierzu erforderlichen ausreichenden Geldmittel befunden zu haben. Ueber die eigentliche Ursache des Selbstmordes(denn ein solcher wird als feststehend ange- nomment dürfte ein bei B. vorgefundener Brief Auskunft ge- geben haben. Zu bedauern sind die bereits hochbetagtcn, sehr ehrwürdigen Eltern, und die angesehenen lebenden Geschwister des B-, welche durch den unnatürlichen Tod des Verstorbenen in tiefen Kummer versetzt worden sind. Gerickts-Rettung. x. Weaeu vorsätzlicher Körperverletzung mit einem gefährlichen Werkzeuge, stand heute der Techniker Kunowski vor der 89. Abtheilung des Schöffengerichts. Der Angeklagte wollte in der Nacht zum 1. April d. I. mit einigen Freunden und in Begleitung eines Hundes das Cast- National betreten. der Portier Schmidt verweigerte dem Hundebesttzer den Ein- tritt, weil das Mitbringen von Hunden in das Lokal nicht gestattet ist. Ter Angeklagte wurde hierauf so erregt, daß er mit seinem Stock auf den Portier derartig losschlug, daß diesem das Blut über das Gesicht lief. Der Portier folgte dem An- geklagten auf die Straße um sein Nationale feststellen zu lassen, worauf der Angeklagte sich noch einmal gegen den Pottier wandte und ihn mit der Faust mehrmals in die Augen schlug. Ein von dem Geschlagenen zu den Alten eingereichtes ärztliches Attest stellt die Verletzungen, wenn auch nicht als besonders gefährlich. so doch als recht erheblich fest. Der Angeklagte will dadurch zum Schlagen gereizt sein, daß Schmidt den Hund mit dem Fuß gestoßen habe. Im Uebrigcn bestreitet�derselbe die Schwere der Verletzungen, er habe nur mit einem Svazierstock nach dem Schmidt geschlagen und dieser Stock könne doch nicht als ein gefährliches Werkzeug betrachtet werden. Zeuge Kellner Schröder hat den Vorgang mit angesehen und sah auch, daß der Ange- klagte den Stock anr unteren Ende gefaßt hielt als er am Schmidt schlug. Portier Schmidt will den Hund nicht gestoßen haben, er habe vielmehr den Angeklagten mehrmals in der Höf- lichsten Weise aufgefordert, den.Hund draußen zu lassen. Ter Staatsanwalt ist der Meinung, daß der Bildungsgrad des Angeklagten ganz besonders ins Gewicht falle, seine Handlungs- weise müsse von diesem Gesichtspunkt aus als ganz besonders roh erscheinen und beantrage er deshalb 3 Wochen Gcfängniß. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu einer Woche Gefängniß. „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei" dachte die Wittwe Klaphengst, als sie den arbeitsscheuen Arbeiter Carl Emil Muhl als Haus- und Wohnuiigsaenossen bei sich aufnahm. Im Anfange ließ sich das neue Veryältniß auch gul an, Muhl ging häufig des MorgenL fort, wie er sagte, um Arbeit zu suchen, und wenn er dann in etwas angetrunkenen Zustande zurückkehrte, so fand seine Zukünftige es einigermaßen erklärlich, daß er seinem Unmuth über den Mißerfolg seiner Bemühungen durch einige Schnäpse nieder zu kämpfen stickte. Hatte er ihr doch versprochen, in nächster Zeit mit ihr den Gang zum Standesbeamten anzutreten, wie es denen, welche lieben, vom Gesetze vorgeschrieben." Aber die Zeit verrann, Muhl suchte immer noch Arbeit und dann Trost in der Flasche und die hcirathslustige Wittib wartete immer noch darauf, daß er sein gegebenes Heirathsver- sprechen einlösen würde.„Wenn ich erst Arbeit habe" lautete seine stereotype Ausrede, wenn sie ihm über diesen Punkt energische Vorhaltungen machte. Als die Wittwe schließlich einsah, daß somit das Ziel ihrer Wünsche noch in weitem Felde Muhl auch bei dem Suchen nach Arbeit ihre Ersparnisse nach und nach aufgezehrt hatte, da erkaltete das Verhältniß. Bis zu einem offenen Bruch war jetzt nur ein kleiner Schritt; als Muht wieder- eines Abends angetrunken nach Hause kam und von seiner Wirthin mit Vor- würfen cnipfangen wurde, da hieb er sie einfach durch. Von jetzt an fetzte es fast täglich Schläge, bis die Bedaucrnswerthe von ihren tzeirathsgelüstcn gründlich kurirt, schließlich ein Ende machte und ihrem Peiniger die Wohnung verbot. 5dielüber gerieth dieser in wiche Wuth, daß er ihr zunächst einige Faustschläge in's Gesicht versetzte, dann ergriff er einen Hammer und seinen' Opfer mit einer Hand die Kehle zudrückend schwang er in der hochcrhobcnen Rechten den Hammer und stieß dabei die Drohung aus, daß er ein„zweiter Sobbe" werden wolle. Allerdings blieb es bei der Drohung. er ließ aus eigenem Antriebe von seinem Opfer ab, die Bedrohte wurde aber dermaßen in Angst versetzt, daß sie die Hilfe der Polizei in Anspruch nahm, die den rohen Patron ungesäumt ins Gefängniß steckte. Gestern wurde derselbe vor das Schöffen- gerickt, Avthl. 87 geführt, um fich wegen seiner Missethaten, Mißhandlung und Bedrohung mit einem Verbrechen, zu ver- antworten. Das erstcre Vergehen räumte er ein, dagegen wollte er die Affaire mit dem Hammer nur als einen harnilosen Scherz aufgefaßt wissen. Die Beweisaufnahme diente nicht dazu, diese Anschauung zu unterstützen, doch zog der Gerichts- Hof in Betracht, daß er sich in gereiztem und augetrunlenem Zustande befunden und diktirte ihm deshalb nur einen Monat Gefängniß unter Zubillilligung mildernder lim- stände zu._ Ardetterbemgung, Vereine untt Versnmmluugen. Im Arbciter'BezirkSverein der Oranienburger Bor- stadt und des Wedding hielt an Stelle des Stadtverord ncten Herrn Tutzauer, der am Erscheinen verhindert war Herr M i t a n einen Vortrag über die wirthschaftliche Laae die, wie Redner ausführte, schon seit 10 Jahren sowohl ftn den Handwerker- wre Arbeiterstand eine sehr trauriae iei unt nur Noth und Elend gezeitigt habe. Von konservativer Seil habe man geglaubt, durch Innungen wieder dem Handwer : J? ÄÄräft ZZMZZ-MB S""ÄÄÄ%&%%%*; Allcs daran scxt, eine Bcffeistelluna zu erringen, Halle der Handwerker noch viel zu sehr am Kastengeist fest und vermeide das Hand in Hand gchen?mit dem Arbeiter. Nachdem noch der 'seicrcnt aus dem Jnnungsstatut einige Stellen verlesen und hauvtsächlich den Eingangsvaragravhen, worin den Meistern ans Herz gelegt wird, die Stand es ehre in allen Stücken aufrecht zu erhalten, einer scharfen Kritik unterzogen, indem er betonte. daß alle Menschen, ob reich, ob arm, ob hoch oder gering, dieselbe Ehre genießen. wenn sie auf dem Boden der Moral stehen, kam er zu dem Schluß, daß ganz andere Wege einzuschlagen sind, um eine Aendcrung der wuthschaftlichcn «age herbeizuführen. Dazu gehöre aber eine andere Parte, als die konservative. nationalliberalc oder deutsch- freisinnige. Die Partei, die im Stande ist, die Jntercsicn der Arbeiter- kchaft voll und ganz zu vertreten. sei die Arbeiterpartei, und sVder möge am Tage der Wahl seine Stimme dem Reichs- tagsabgcorvneten Hasenclever geben. Taraufhin erfolgte die Auflösung der Versammlung. fr Eine von der Arbeiterpartei einberufene, äußerst zahlreich besuchte Versammlung von Wählern des vierten Berliner Reichstagswahllreises, die am Montag Abend in„Sanssouci"(Kottbuserstraße) tagte, beschäftigte sich, neben der Befürwortung der Kandidatur Singer, in sthr eingehenden Weise mit der Reform der Gemeindesteuer. Stadtverordneter G ö r ck i bemerkte in längerer, sehr beifällig aufgenommener Rede: Die der Arbeiterpartei angehörenden Stadtverordneten werden gleich nach Wiederbeginn der Stadt- verordnetenversammlungen gegen die Miethssteuer, die für die Arbeiter äußerst drückend und da sie denselben Lickt und Luft vertheuere, höchst unmoralisch sei, Sturm laufen. Die deutsch- freisinnige Partei mache wohl im Reichstage, wo sie keine Macht besitze, gegen das indirekte Steuersystem Front, in der Berliner Stadtverordnetenversammlung, wo diese Parte, seit vielen Fahren die unbestrittene Herrschaft habe, hab�fie jedoch niemals einen derartigen Versuch gemacht. Im Schöße des Berliner Magisttats werde seit neuerer Zeit noch eine Vergniigungssteuer projettirt. Die der Arbeiterpartei angehörenden Stadtverordneten werden auch gegen diese Steuer mit Entschiedenheit Front machen, da die wenigen Vergnügun- gen. die der Arbeiter habe, nicht Lurus, sondern ein Bedürfniß fllr denselben seien und mithin eine Besteuerung des Vergnügens höchst ungerecht wäre. Eine direkte progressive Einkommen- stcuer bei zwangsweiser Selbsteinschätzung sei das einzig ge- rechte Steuersystem, das auch geeignet sei, alle indirekten Steuern überflüssig zu machen.— Alle übrigen Redner stinnn- ten Herrn Görck, bei, indem diese ganz besonders auf die schlechten und theuren Wohnungsverhältnisie in Berlin hin- wiesen.— Stadtv. Herold: Der Schwerpunkt der inrcde- stehenden Angelegenheit liege nicht in der Stadtverordneten- Versammlung, sondern im Reichstage. Er(Redner) selbst sei nicht im Stande in seiner Eigenschaft als Stadtverordneter— den genannten Miethssteucr-Reklamanten, die eine jährliche Miethc von 50 M. zahlen, zu berücksichtigen. Bezeichnend sc, es, daß der weitaus größte Theil der Miethssteuer- Reklamanten eine jährliche Micthe von etwa 50 M. zahlen. Diese Leute baben allerdings, wie er sich persönlich überzeugt habe, nicht menschliche Wohnungen, sondern Pesthöhlen mne. Wenn auf dem Gebiete der Miethssteuer cme radrkale Abhülfe geschehen solle dann müffe der Reichstag sein Gewicht in die Wagschaale legen. Sache der Wähler sei es daher, für solche Männer zu votiren, die ein Herz und ein Verständniß für die Jnteresicn des arbeitenden Volkes haben. Ein solcher Mann sei im vier- ten Berliner Reichstagwahlbezirl in der Person des Stadtver- ordneten Paul Singer gefunden.(Stürmischer Beifall.) Ein Arbeiter K i e s o w versuchte es, die Versammlung durch Bibel- stellen zu unterhaltm. Von der Versammlung durch höhnische Zurufe unterbrochen und vom Vorfitzenden zur Sache vcrwic- sen, bemerke Kiesow: Wenn inan in den öffentlichen Anlagen Berlins Obstbäume pflanzen und den vielen Bauschutt ver- wcrthen würde, dann würden sich die Einnahmen der Stadt wesentlich vermehren und somit die Steuerlast verringern lasten. Tie weiteren Ausführungen dieses Redners war so konfuse, daß die Versammlung schließlich einstimmig den Beschluß faßte, ihm das Wort zu entziehen.— Stadtverordneter Goercki: Der Vorredner schien in allen Versammlungen der Beweis führen zu wollen, daß nur diejenigen zur deutschen Nation gehören, die da glauben, daß Jesus Christus der Heiland der Welt sei. Herr Kiesow und seine Freunde mögen es sich gesagt sein lasten: ihre Allotria find in Arbeiterversammlungen schlecht angebracht. Die Arbeiter kennen keinen Rassenhaß und machen keinen Unterschied zwischen Juden und Christen, mag das re- akrionäre antisemitische Gelichter noch so sehr Zeter schreien. Ganz besonders im vierten Berliner Wahlkreise werden die Arberter ihre Toleranz beweisen, indem sie für den Stadt- verordneten Paul Singer stimmen werden.(Stürmischer Bei- fall.)— Nach Annahme einer Resolution, wonach die Arbeiter sich verpflichten, im vierten Berliner Reichstagswahlkrcise für Paul Singer zu stimmen und mit den Ausführungen Görckis ihr Einverständniß erklären, schloß die Versammlung unter Hochrufen auf Singer und die Arbeiterpartei gegen 12 Uhr Nachts.— Der Wortlaut der beiden von der Versamm- lung einstimmig genehmigten Resolutionen ist: 1) Die heute im Konzerthause Sanssouci versammelten Wähler des vierten Berliner Reichstagswahllreises verpflichten sich, mit aller Energie, Muthund Ausdauer für die Wahl des wahren Vertreters der Volksinteresten, des Stadtverordneten Herrn Paul Singer, bei der nächst stattfindenden Reichstags- wähl einzutreten.— 2) Die heute, am 18. August 1884, in Sanssouci tagende Versammlung erklärt sich mit den Ausfüh- rungen des Referenten einverstanden und ersucht die Arbeiter- Stadtverordneten, dahin zu wirken, daß die im rothen Schloß vorgeschlagene Vcrgnügungsteuer nicht eingeführt wird. hr. In der öffentlichen Tischlerversammlung, die am Montag Lothringerstraße 37 unter dem Vorsitze des Herrn "enz stattfand, waren von den 21 Werkstätten im Norden der «nafct, welche speziell eingeladen worden waren, weil in ihnen das vorjährige Programm noch nicht vollständig zur Durch- mhrung gebracht ist. nur sieben durch Deleg.rte vertreten. .Hut Rödel referirte über die Art und Werse, wie d,e neu ge- wählte Lohnkommisfion das im vorigen Jahre Errungene zu behaupten und die im Programm aufgestellte Forderung .Minimallohn von 18 Mk. wöchentlich be, 9- bis 0'/--stündiger Arbeitszeit) auch in den Werkstätten, in denen der Forderung noch nicht Genüge geleistet ist, zur Geltung zu bnngen ge- denke. Tie Feststellung von M rn.m a lp r ers en für wiche Arbeiten, die in den verschiedenen Werlstatten m gleicher Qua- lität hergestellt werdenLwie z. B. für ein einfaches Doppel- wnster, werde verhindern, daß unkundige Kollegen Arbesten zu Preisen übernehmen, bei denen sie in der normalen Arbeitszeit nicht auf den Verdienst von 18 Mark wöchentlich kommen können. Referent wies am Schluß auf den bevorstehenden Kongreß der Tischlermeister hin, mit welchem es dem Pro- grarnrn zufolge auf eine gegen die Bestrebungen der Gesellen gcrichtclc Organisation der Meister abgesehen sei. Zur Tis- kussion nahm Herr Klose das Wort, um die Ausführungen des Referenten zu unterstützen und besonders hervorzuheben, daß es Pflicht eines jedeir Arbeiters sei, fortwährend sein Scherfleiir zu dem Unterstützungsfonds beizutragen, ohne welchem es nicht möglich sei, den begonnenen Kampf gegen die Uebermacht des Kapitals mit Erfolg fortzusetzen. Es wurde dann die Wahl von Vertrauensmännern für den Nordbczirk Berlins vollzogen. Von den in Vorschlag gebrachten Kollegen wurden alle(es waren 11), die sich bereit erklärten, die Wahl annehmen zu wollen, einstimmig gewählt. r. Ter Verein der Parquetbodenleger blickt auf ein Jahr seines Bestehens und gedeihlicher Entwickelung zurück. Seiner Zeit durch Herrn Schmitz gegründet, hat derjelbc unter der hingebenden Leitung des Herrn Lory dazu beigetragen, das Solidaritätsgcfühl auch unter den Parquctbodenlegcm zu wecken und zu pflegen, einen großen Theil derselben um seine Fahne zu schaaren und sich eine Bedeutung zu erringen ge- wüßt. In der am Schlüsse des Vereinsjahres am Montag Abend bei Kohts, Wilhelmstraßc 105, abgehaltenen General- Versammlung erfolgte der Jahresabschluß der Vereinskaste und die Neuwahl des gesammten Vorstandes. Der durch Herrn Labow erstattete Kassenbericht wies eine Einnahme von 427 M. 65 Pfg., eine Ausgabe von 240 M. 70 Pfg. und einen Kassen- bestand von 186 M- 95 Pfg. auf. Bei der folgenden Vorstandswahl wurde Herr Lory zum ersten Vorfitzenden wieder- gewählt, zum zweiten Herr Schmitz, zu Schriftführern die Herren Weisheit und Fedrow, zum Kasfirer Herr Sinrund, zum Rendantcn.Herr Schröpfcr.— Am 30. August wird im Neuen Walhalla-Theater, Schönhauser Allee 156, das erste Stiftungsfest gefeiert werden. Die Anträge auf Aendcrung der Statuten und Ermäßigung des monatlichen Beitrages aus 25 Pf. wurden bis zur nächsten Sitzung vertagt. Im Fachverein der Schmiede, der vorgestern in Grat- weil's Bicrhallen, Kommandantcnstr. 77—79, in ziemlich stark besuchter Versammlung tagte, sprach der Stadtverordnete Herr Ewald über„Zweck und Zrele der Fachvcreinc." Redner führte aus, daß nur eine feste und geschlossene Organisation den Ar- bester vor den Ausbeutungen des Kapitals tchützcn könne, daß nur hierdurch alle die Ucbelstände beseitigt werden könncn, welche heute so schwer auf dem arbestenden Volk lasten. Nur die Lrganisätion befähige den Arbeitnehmer dazu, auch dem Arbeitgeber Bedingungen zu machen, während er unorganistrt willenlos dem Arbeitgeber preisgegeben sei, für den nur der Grundsatz maßgebend sei:„Viel zu verdienen". An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine Tis- kussion, an der sich vrele Mitglieder in recht reger Weise be- thefligten. Ei» recht schönes Beispiel, dessen Nachahmung wir allen Fabrikanten resp. Arbeitgebern empfehlen, liefert die Kin- derwagenfabrik der Herrn Gedr. Reichstem in Brandenburg, und ein ebenso schönes Bild der Kollegialität die in den Bür- gerhallen von 150 Personen tagende Versammlung der Korb- wacher und verwandt. Bcrufsgenoffen besagter Fabrik, mit der Tagesordnung:„Das neue Reichskrankengesey." An Stelle des erkrankten Herrn Kreutz hatte Herr Franke aus Berlin das Re- ferat über diesen Punkt übernommen und legte in dreioiertel- stündiger Rede die Vorzüge der freien zentralifirtcn Hülfskaffc, sowie die Nachtheile der Orts- und Fabrikkasscn klar und empfahl schließlich den Beitritt zur crstercn. Herr Schulz aus Berlin sprach über die cizclnen Punkte der Statuten des Untcrstützunas- Bundes der Korbmacher Teutschlands und empfahl den Bei- tritt. Da schon vor der Versammlung die als Referenten er- schienenen Herren sich mit Herren Reichstem dahin ausgesprochen hatten, daß die Selbstverwaltung gewahrt werden müsse, und die größte Anzahl der Arbeiter hiermit einverstanden war, so wurde folgende Resolution angenommen:„Die heute in Bran- denbnra a. H. in den Bürgerhallcn stattfindende Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten voll und ganz einverstanden und verpflichten sich sämmtliche Anwesende für die freie zentralifirtc Hülfskaffc einzutreten. Nachdem die Herren Franke und Schulz sich für Gründung von Fachver- cinen ausgesprochen hatten, wurde die Versammlung, in welcher Ruhe und Ordnung bis in die äußersten Konsequenzen gewahrt wurde, geschlossen. Zum Schluß wurde noch das„Berliner Vollsblatt" empfohlen. Zn der Generalversammlung de» Fachvereins der Schneider Hamburgs, welche am Dienstag, den 12. August, in der Holstenthorhallc, Poolsttaßc 22, tagte, erstattete der Vorsitzende den gewöhnlichen Geschäftsbericht, welcher eine stete Zunahme des Fachvereins konstatirte. Am Schlüsse des Berichtes forderte der Vorsitzende die säumigen Mitglieder auf, die restirendcn Beiträge schleunigst zu entrichten, widrigenfalls dieselben gestrichen werden müßten, wenn die Zentralifirung in Kraft tritt. Nachdem der erste Kasfirer den Rcchnungsbericht erstattet, forderte ein Revisor die Mitglieder auf, die Delegirten- stcuer baldigst zu entrichten: bis jetzt haben dies nur die We- nigstcn gcthan. Sodann wurde zur Vorstandswahl geschritten und die Herren K l e g r ä p h e jun. als zweiter Vorsitzender, B u r m e st e r als zweiter Schriftführer, Schilling Ii. als zweiter Kassirer gewählt. Nachdem noch verschiedene Kommis- sionen gewählt und ergänzt worden waren, erstattete der Vorsitzende der Strikc-Kommission Bericht, nach welchem durch Sammelbögcn Mk. 199.90 eingekommen find. Da der Strikc zu Gunsten der Kollegen beendigt ist, so werden die Tamm- lungcn eingestellt. Schließlich wurde bekannt gegeben, daß die Mitglieder, welche ein Protokoll vom Gothaer Zrchncidcrkongrcß wünschen, dies in der nächsten Versammlung dem zweiten Kas- firer zu melden hätten. Im Fachverein der Schuhmacher sprach Herr Lief» länder über:„Amerikanische Zustände". Nach einer sehr an- schaulichen Schilderung kam der Referent zu dem Schlüsse, daß drüben ebenso wie hier der Arbeiter an dem Punkt ange- langt sei, den das eherne Lohngesetz vorschreibt: er empfahl deshalb hier zu bleiben und im engeren Vaterlandc durch Ver- einigungcn dafür zu sorgen, daß die Verhältnisse für den Ar- beitcr hier bessere werden. Außerdem wurde ein Anrrag an- genommen, die Vereinsversammlung nur noch allein im„Berliner Volksblatt" bekannt zu machen. Nächsten Montag findcr Brunnen- und Jnvalidcnsttaßenccke bei Rondel eine öffentl. Schuhmacherversammlung statt. � Der Lokal. Vorstand des Nnterstützungsvereins der «chncider und Berufsgenosscn veranstaltet zu Montag, den 25. August c., Abends 8'/, Uhr im Königstädtischen Kasino, Holzmarkt- und Aleranderstraßeneckc eine große Versammlung der Schneider, Kürschner, Mützenmacher, Posamcntierc, Schirm- wacher und.Handschuhmacher, in welcher der Stadtverordnete Herr Fr. Görcki einen Vortrag über das„Krankenverficher-rngs- Gesetz" und die sich hieraus ,ür alle Arbeiter ergebende Roth- wcndigkcit, den freien zentralifirten Hilfskaffcn bcizuttctcn, halten wird. Bei der Wichrigkeit dieser Frage ist allen Ar- 6 eitern der Besuch der Versammlung zu empfehlen. Ter Louisenstädtische"lrberterbezirksvcrein„Vor» wärts" hält am Mittwoch, den 20. d. M. in Konrad's Saal, Wasscrthorstr. 68, Abends 8'/» Uhr eine Sitzung ab, in s® Herr Stadtv. Franz Tutzaucr einen Vortrag halten irild über: Kommunal- und Rcichsvertrctung. Im Anschluß hieran, ersuchen wir hiermit die Bürger des 17. und 18. Kommunalwahl-Bezirk diesem Verein beizutreten, welcher bezweckt, dunb gegenseitige Belehrung, Vorträge und Besprechungen über öffentliche, besonders kommunale und wirthschastlichc Angelegen- heften das Interesse am öffentlichen Leben zu fördern, v}' sonders da der niedrige Beitrag, welcher monatlich 20 Pfg- beträgt, jedem Arbeiter den Beitntt ermöglicht." Deutscher Sencfelder-Vund, Mitgliedschaft Berlm, Alexanderstr. 9, Abends 8 Uhr(Restaurant Schmidt).®C'- schäftlichc Mittheilungcn. Aufnahme neuer Mitglieder. Kranken- kaffenangelcgcnheit. Fachverein der Tischler. Am Donnerstag, den 21. August findet im oberen Saale bei Wolff und Krüger, Sla- litzerstr. 126 eine Versammlung statt mit der Tagesordnung- 1- Vortrag über Interessantes aus der mathematischen®e' ographie. 2. Verschiedcncs. 3. Fragckasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Ilm zahlreiches Erscheinen wird ersucht. k. Im Fachverein der Tischler wird heute Mittwo« Herr Gust. Rödel über„die wahren Ziele und Bestrebungen der Fachorganisation und deren Nothwendigkeit" einen Per- trag halten. Die Versammlung findet heute(Mittwoch, ben 10. d. M.) Abends 8V, Uhr in Kellers Restaurant. Grüner Weg 29, statt. Auf der Tagesordnung der Versammlung stehen noch folgende Gegenstände: Vorschläge zur Wahl eines Ber- tragsammlers für den Osten. Verschiedenes. Fragckasten. Frese Diskussion über den Vortrag:c.— Die regelmäßigen Ost' Bezirksversammlungen des Fachvereins der Tischler finden jeden Mittwoch nach dem 1. und 15. jeden Monats statt. Permistwes. Bemerkenswerther Selbstmord. Eine Kaufmannsfrau Krassawin hat in Moskau kürzlich ihrem Leben durch Selbst' Verbrennung ein Ende gemacht. Nach der„Now. mja" vollzog sich dieser schmerzliche Vorfall in der folgenden Weise: UM halb neun Uhr Morgens, als ihr Mann eben in Geschäften ausgefahren war, nahm die Frau eine große Mcssinaschaalc mit Wasser in ein besonderes Zimmer, wo sie sich alle Morgen mft dem Waffer, statt eines Bades, zu begießen pflegte. An diesem Morgen ließ sie das Waffer ruhig stehen. Als sie sieh bis auf's Hemd entkleidet hatte, begoß sie sich, statt mit Wasser, mit Erdöl und— zündete dasselbe an. Man kann sich vor- stellen, was für Folgen dies hatte. Es ist ganz unerklärlich. ivie eine junge Frau von echt russischer Schönheit, die stets heiter, froh, verständig und gastfreundlich war, die II Jahre glücklich und zufrieden mit ihrem gleichfalls jungen, hübschen Manne gelebt hatte, wie die Mutter von vier Kindern in dieser rraurigen Weise endigen konnte. Es muß wohl Das in Rußland von Alters her bekannte Todcswch, die..Toska smertelnaja", gewesen sein, von der die Frau in den Tod ge- trieben wurde..Heute sagt man auch„Melancholie": öci den Engländern spricht man vom„Svleen".— Am nächsten Tage starb Frau Krassawin an den erlittenen Brand-Ver» letzungen._ c Schuldnerin in Ihren Pfandbefitz gegeben hat. Ein Eigen' thumserwerb an den Sachen durch Ersitzung findet nicht stau- Quittung.,.„ ijü: den erkrankten Tischler Schmiedeberg sind bis jetzt w unserer Expedition eingegangen: Von N. N. M. 2, L- 1?- 50 Pf., Tischlerwerkstättc. Manrcuffelstr. 57 8.35 M- — uminc von 10,85 M. ist dem Tischler Schmiedeberg bcrcrrs überliefert worden. Arb.-Bz.-V. Lausitzer Platz. Mittwoch, den 20. August. Abends 8°', Uhr: Mitglieder» Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2 Vortras- o. Diskussion. 4. Verschiedenes. Gäste, durch Mitglieder eM gefübrt, haben Zutritt.[598| Ter Vorstands Tic statistischen Wahltafcln find-'oeben erschienen und in der Erxedition des„Berliner VclkSblatt", Zimmerstr. 44, zu haben.'______ Tie Nr. 7 der humvrisnfchen Blätter„Ter wahre Jacob" ist erschienen und in der Erved. d.„Bcrl. Bolksbl." zu ha�j Berlin SW., Beuchstraße 2. Htenn eine Beiinge Theater. Mittwoch, den 20. August. "pernhaus:„Ter Barbier von Sevilla." Schauspielhaus: Keine Vorstellung. Deutsche» Theater: Geschloficn. fleues Friedrich- Wilhelmstädtisches Thealer:„Der lustige Krieg." igallner- Theater: Hotel Blanemignon. -stend-Thcater:„Gewonnene Herzen." valhalla- Operetten-- Theater: Nanon. 'uilenstädtisches Theater: III. Overn, Vorstellung. Benefiz für Herrn von Kaminski.„Belisar." üealliance-Theater:„Hans und Grete." Arbntsumrkt. Schneidern SWMAZ Tamenschweidercl von CIi. JBodeMbiira-, Alte Fakob» st raste 62 n, Ecke Scbastianstraße___ v 603 Für Köpenick und Umgegend. Zur Erinnerung an eine Geburtstagsfeier, werden alle Freunde und Bekannten gebeten, am Sonntag, den 24. d. M. Nachmittags 5 Uhr im Lokal Kayec Lubow, Grünauer Wc'a zu erscheinen._'.'2,00) A. Welsch.' (2,00) 616] Eine Schlafstelle ist zu ocrm. Urbanstr. 81 bei Mankc. . Verantwortlicher Rcdacteur R. Eronhcim in Berlin. Druck und Verlag von Mar Badiu,-. in ßrilflgr MM Miim Ufliksbltttt. Nr. 117. Mittwoch, den 20. August 1884. 1. Jahrgang. Las Elend in den HIraßen Londons. Die kleine Schrift, welche die Londoner Congregationat Union unter obigem Titel vor einiger Zeit veröffentlichte, hat m England solches Aufsehen erregt, daß dort die lange unbe- achtet gelassene Nothlage der untersten Klaffen plötzlich in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gerückt ist. Ueber die Wohnungen in den ärmsten Vierteln Londons werden geradezu entsetzliche Thatsachen mitgetheilt. Man kann stch kaum eine Vorstellung von den Höhlen machen, in denen Tausende und Zchntausende zusammengepfercht sind wie die vklaven auf einem Sklavenschiff. Um zu ihnen zu gelangen, muß man erst enge Höfe durchschreiten, in die alle Abfälle aus- geichüttet werden, welche die Luft mit pestilenzialischen Gerüchen erfüllen. Oft dringt die Sonne nie in diese Höfe ein, kein irischer Luftzug durchweht sie, und von einer Reinigung ist auch selten die Rede. Vom Hof aus gelangt man zu den Zimmern vermittelst Treppen, die unter jedem;�iitt zusammen zubrechen drohen und oft so verfallen find, daß man seiner Glieder und seines Lebens nicht sicher ist. Man tastet sich an oen schmutzigen und schmierigen Wänden empor, die von Un- kieziefer wimmeln.„Tann, wenn Ihr nicht längst durch den unerträglichen Gestank zurückgetrieben seid, könnt Ihr in die sohlen eintreten, wo Tausende von Menschen zusammen hausen. Vielleicht habt Ihr die armen Geschöpfe bedauert, die unter den Eisenbabnbogcn, in Fuhrwerken und Fässern oder unter irgend welchem Obdach im Freien schlafen. Ihr werdet bald nndcn, daß sie noch beneidenswerih sind gegenüber den Armen, welche hier ihre Zuflucht suchen." Acht Fuß im Luadrat, das ist etwa die durchschnittliche Größe vieler dieser Wohnungen. Decke und Wände sind schwarz vor Schmutz, der sich durch jahrelange Nachlässigkeit angesammelt hat. Er dringt durch die Riyen der oberen Dielen hindurch, er läuft die Wände hinab, er ist überall. Was hier ein Fenster gc- nannt wird, ist zur Hälfte mit Lumpen verstopft oder mit Vretern verschlossen, um Wind und Regen abzuhalten, die andere.Hälfte ist so verschwärzt und verschmutzt, daß inan kaum Andurchsehen kann. Steigt man gar in die Dachkammern hinauf, wo man wenigstens Zutritt von frischer Luf erwarten ivnntc, so blickt man auf lauter Dächer und Giebel von niedri- fleien Häusern, auf denen die verwesenden Leichname von wdten Katzen und Vögeln und allerlei Unrath herumliegen. Die Gebäude befinden sich im elendesten und hinfälligsten Zustand. Was die Zimmergeräthschaften anbetrifft, so sind vielleicht ein zerbrochener Stuhl, eine verfallene Bettstelle und die Ileberreste eines Tisches vorhanden, noch häufiger aber dienen rohe Bretter, die man über Ziegelsteine gelegt hat, zum �ttze; eine alte, umgekehrte Kiste wird als Tisch benutzt, vieistens aber erblickte man nichts als Schmutz und Lumpen. Jeder Raum in diesen verfallenen und dunstigen Mieths- h?uscrn birgt eine Familie, oft deren zwei. Zu Anfang dieses Jahres wurden in drei Schulen, die nicht einmal im Lstende Londons liegen, Nachforschungen nach den Wohnungs- Verhältnissen der Familien der Schüler gehalten. In der| Aren Schule bewohnten 58 Prozent aller vertretenen(313) i 'Mmilten nur ein Zimmer! in der zweiten Schule 82 Prozent: ?vn 487 Familen, in der dritten gar 85 Prozent von 330 Familien. In einem Kellerraum fand ein Gesundheits- In- wcktor Vater, Mutter, drei Kinder und vier Schweine friedlich veisammen! In einem anderen Raum fand ein Missionär den Mann an den Blatten! darnieder liegen, die Frau erholte M eben von ihrem achten Wochenbett, und die Kinder rannten halbnackt und über und über schmutzig herum. Hier bemerken F'v eine arme Wittwe, ihre drei lebenden Kinder und ein Aeitcs Kind, das bereits seit dreizehn Tagen todt daliegt. Der Vater, seinerzeit Kutscher, hat vor Kurzem selber seinem Leben "n Ende gemacht. Dort lebt eine Wittwe mit 6 Kindern, Die Verbannung nach Sibirien. Von Fürst Krapotkin. Ueberseyt von Ad. Hepner. („Franks. Ztg.") (Fortsetzung.) � Ein Theil von ihnen ist davongelaufen und hat sich 20000 Mann starken Mcnschenstrome angeschloffen, Sucher heftändig durcb das Waldland Sibiriens sich hin- „»Ist, von Ost nach West, nach dem Ura zu. Andere— uno diese bilden die Mehrzahl— haben mit ihren Ge- °e>ncn schon die �Flüchtlings- Pfade" der Wälder und -dliuschen, sowie die Wege, die zu und von den Gruben führen, »«zeichnet. Und den Rest bilvet eine flottircnde Bevölkerung größeren Städte, die sich einer lästigen Ueberwachung durch lÄ�ahme falscher Namen zu entziehen sucht. Die kaum ti. v?' die unter der Kontrole der Verwaltung stehen, befin- «ff sich in einer so elenden Lage, daß sie, nach Uebcrcinstim- , dug aller Berichte, eine wahre Last für das Land sind. Selbst m fruchtbarsten Provinzen Sibiriens— in Tourel und iid-Tobolsk— hat nur der vierte Theil der Verbannten „ Hfti« Häuser und unter ihnen ist nur selten einer Landbauer i™°hde>i. In der Ostprovinz ist das Verhältniß noch viel ungünstiger. Diejenigen, die nicht Landbauern sind, wandern dauernde Beschäftigung von Ort zu Ort, von Gold- cj�cre. zu Goldwäschcrei oder leben in den Dörfern von der ..no in den Mund, in der denkbar schlimmsten Lage, und frlfjen ben Lastern, die einem solchen Elend unfehlbar in-�� Demoralisation dieser wandernden Strafbcvölkerung wi.>1 llen kann nicht befremden. Sowohl die Gefängnisse. ..Etappen" find Schuld daran. Tie Leute find meist emorQlifilt' c!'e st- noch Sibirien erreichen. A-ie Zwangsfaulheit während der Emschließuna. die ■Wickelung der Spiel-Leidenschaft, die systematische Unter- " die Entwickelung ch stehen mit Lanw"1"'�"«rast, die zur noioninrun» eines jungen Ä!"°�ig ist ist.- als dies muß man erwägen, um ein- WMBWZ mm . itwii brückui darunter eine Tochter von 20, eine andere von 21 und ein Sohn von 27 Jahren. Eine andere Räumlichkeit birgt Vater, Mutter und 6 Kinder, von denen zwei scharlachkrank sind. Wieder in einem anderen Gelaß finden wir neun Geschwister bis zum Alter von 20 Jahren zusammen leben, essen und schlafen- Mütter senden Abends ihre Kinder auf die Straße, um ihr Zimmer ungestört zu unsittlichen Zwecken benützen zu können, bis endlich lange nach Mitternacht die armen Kleinen wieder hereingeschlichen kommen, wenn sie nicht anderswo be- reits ein elendes Obdach gefunden haben. Wo es Betten giebt, sind es nur Haufen von jchmutzigen Lumpen, von Hobelspänen oder Stroh, meist schlafen die.'.Ausgestoßcnen" Londons auf der nackten Diele. Nicht einmal diese kläglichen Wohnungen können Viele erschwingen, die sich des Tages über abarbeiten, vielleicht die ganze Stadt hausircnd auf- und abwandern und Abends in einer der zahlreichen Herbergen(common lodging houses) Zuflucht suchen. Diese Herbergen find oft Sammelplätze von Dieben und Bummlern der niedrigsten Sorte, die Witthe sind bisweilen Hehler. In der Küche trifft man hier stets Männer und Weiber, die ihre Nahrung bereiten, ihre Kleidung waschen oder rauchend und spielend umherstehen. Im Schlafsaal sind an jeder Wand lange Reihen von Besten, oft 60 bis 80. In vielen Fällen werden Männer und Weiber in demselben Zim- mer, ohne Rücksicht auf die gewöhnlichste Scham, zusammen- gebettet. Hunderte aber können nicht einmal die zwei Pence für ein solches Nachtlager aufbringen, fie schlafen auf den Fluren und Treppen, wo man oft früh Morgens sechs oder acht beisammen findet. Wer kann sich die Größe des Leidens vorstellen, das in diesen äimsten Vierteln Londons zu Hause ist? Ein armes Weib, das die Schwindsucht schon zum Skelett abgezehrt hat, lebt in einem Zimmer mit einem Trunkenbold und fünf Kindern. Beim Besuch aß fie gerade ein paar grüne Erbsen, die Kinder waren auf der Straße, um etwas Holz zusammen- zulescn, das sie brauchten, um vier Kartoffeln zu lochen— das ganze Mittagsmahl der Familie. In einem Bett schlafen an einem anderen Ort sieben Kinder, das achte und älteste. ein Mädchen, liegt auf deni Flur. Die Kinder werden vom ersten Jahre anz vernachlässigt, weder Vater noch Mutter liaben Zeit, nach ihnen zu sehen, ihr Körper und ihre Kleider wimmeln von Ungeziefer, fie werden grausam behandelt, viele haben nie eine grüne Wiese gesehen, weil fie nie über die nächsten Straßen ihrer Umgegend hinausgekommen find; oft erhalten fie den ganzen Tag über nicht einen Bissen Brot. Hier sucht ein Kind von drei Jahren alte Brotrinden auf, um sie zu verschlingen. Wir treten durch den Thorweg ein und finden ein llcines Mädchen von zwölf Jahren.„Wo ist Deine Mutler?—„Im Jrrenhause."—„Wie lange ist sie dort?"— „15 Monate."—„Wer hat auf Dich Acht?"— Das Mädchen, das an einem alten Tisch Streichholzschachteln anfertigt, er- widert;„Ich sehe nach meinen kleinen Brüdern und Schwestern so gut ich kann."—„Wo ist Dein Vater? Ist er in Arbeit? —„Er ist drei Wochen außer Arbeit gewesen, aber er hat jetzt wieder zwei Tage zu thun."— Hier ist eine Mutter, die Alles, was sie von Kleidern entbehren kann, um mit ihren vier Kin- dern nicht ganz nackend herumzugeben, versetzt hat. Einen Schilling hat sie erhalten, um den sie sich nun etwas Kohlen und einen Laib Brot kaufen kann- Professor Huxley sagte vor einigen Tagen in einer Ver- sammlung im Äansionhaus, bei welcher der Lordmayor den Vorsitz fühlte:„Das Leben der Armen im Osten Londons sei nichts als ein langsamer Hungertod, gemildert durch etwas Brot und Thee.". Das mag übertrieben klingen, wird aber von den verschiedensten Seiten bestätigt. In unserer Schrift werden Löhne aufgezählt, für welche die Bezeichnung„Hunger- löhne" noch zu mild ist. Die Löhne der Arbeiter, welche Er ist ein„Russe"— dies ist ein Spottwort bei den Sibiriaken — und außerdem ein Bestrafter. Der sibirische Bauer empfängt den Fremden also mit dem Gedanken:„Auf meine Kosten bist du hergekommen und auf meine Kosten willst du hier leben." Meistentheils ist er nicht verheirathet, und kann er nicht hcirathen; das Verhältniß der exilirten Frauen zu den Männern ist wie 1 zu 6, und der Sibiriak gibt dem Sträfling seine Tochter nicht, obschon der Staat in diesem Falle 50 Rubel bewilligt, die freilich meistentheils auf ihrer langen Reise durch die Hände der ver- schiedensten Beamten an diesen kleben bleiben. Die offiziellen Glücklichmachcr träumten von ländlichen Epilgemeinden, als sie den Bauern befahlen, für die Exilirten Häuser zu bauen, und die„Poselentsy" 5 oder 6 zusammen anzusiedeln. Das praktische Resultat war unveränderlich dasselbe. Die 5 im größten Elend beisammen lebenden„Poselentsy" rissen gewöhn- (ich nach nutzlosem Kampfe gegen den Hunger aus, und gingen unter falscheni Namen in die Städte oder nach den Gruben, um Arbeit zu suchen. Ganze Dörfer mit leeren Häusern an der sibirischen Landstraße erinnern den Reisenden an die Fruchtlosigkeit der mit Hülfe der Birkenruthe eingeführten offiziellen Utopien. Diejenigen, welche Beschäftigung auf den Farmen sibiri- scher Bauern finden, sind nicht glücklicher. Das ganze System der Arbeiteranstellung in Sibirien beruht auf dem gro- ßem Betrag, den man als„Handgeld" im Voraus giebt, um den Arbeiter beständig in der Schuld zu haben und ihn zu einer Art Sklaven zu machen. Und die sibirischen Bauern nutzen diese Gewohnheit in großem Maßstäbe aus. Diejenigen Exrlirtcn, welche in den Goldwäschereicn ihr Leben wagen, und dann nach der 4— 5 monatlichen cntbehrungsvollen harten Arbeit zurückkehren, werden ihre Ersparnisse los, sobald fie das erste Dorf und das erste öffentliche Haus erreicht haben. Besonders find für diese Eigenthümlichkeit die Dörfer an der Lena, dem Äenissei, dem Kan u. s. w. wo die Gold- gnibenarbeitn im Herbst anlangen, berüchtigt. Zwei dieser allerschlimmstcn Weiler an der Lena haben wegen der Geschick- lichkeit, mit der die Einwohner den Grubenarbeitern das letzte Kupfergeld abnehmen, die Namen Paris und London bekommen. Hai nun der Grubenarbeiter im öffentlichen Hause sein letztes Hemd gelassen, so wird er vom Grubenagenten sofort wieder für den nächsten Sommer engagirt, der ihm gegen Aushündi- gung des Paffes wieder etwas Vorschuß giebt für die Heim- reise. So rommt er denn mit leeren Händen nach Hause und den Winter über— fitzt er vielleicht wieder....,, Kurz, das Schlußcrgedniß aller Untersuchungen ist. daß die wenigen Exilirten, die ein Hans halten, m schrecklichem Elend leben, und daß die Paupers entweder Sklaven der Farmer oder der Grubenbesitzer find, oder— es find dies die Worte eineS amtlichen Berichts-„vor Hunger und Kalte sterben.� � Waldland._ welches tausende von Luadratmeilen in Sibirien bedeckt, ist von Flüchtlmgen be- völkert, welche langsam vorrücken, ivie ein fortlaufender Men- schenstrom, von der Hoffnung bewegt, schließlich ihr Heimaths- dorf oder den andern Abhang des Ural zu erreichen. Sobald I Streichholzschachteln anfertigen, find binnen vier Jahren per l Groß von 70 Pf. auf 20 Pf. gesunken: es hält schwer, über 5 M. die Woche zu verdienen. Die Ueberröcke der Polizisten wurden früher für 5 M. genäht, jetzt für 2,50 M. Das Nähen schließt das Einsetzen von Knopflöchern, das Bügeln u. ä. ein. Ueberhaupt gehören die Näherinnen zu den am schlechtesten be- zahlten Klassen. Frauen erhalten für das Nähen von einem Paar Hosen 20 Pf., den Zwirn müssen sie dazu geben. Es kostet Mühe, jeden Tag eine Mark zu verdienen, und der Tag bedeutet für die armen Nähterinnen siebzehn Stunden! Von fünf Uhr Morgens bis zehn Uhr Nachts wird ohne Unter- brechung, ohne Mittagspause gearbeitet.„Sie ißt ihre Brodschnitte und trinkt ein wenig Thee, während sie ihre Arbeit verrichtet und fich mit Nadel und Zwim nicht nur ihren Lebensunterhalt, sondern zugleich ihr Leichentuch bereitet." Das Nähen von Männerhemden wird mit 00 Pf. per Dutzend bezahlt. Ein„Freund der Armen" schrieb am 16. November v. I. in den„Daily News":„Als Elias Howe die Nähmaschine erfand, meinte Jedermann, daß das„Lied vom Hemde" bald nicht mehr gehört werden würde. Die Näherinnen könnten in sechs Stunden das vollbringen, wozu fie früher sechzehn Stunden brauchten. Haben sie jetzt mehr freie Zeit? Noch arbeiten Zehntausend in London für ein Lager von Stroh, einige Stücke Brodes und ein paar Lumpen. Die Stunden sind noch ebenso lang, die Finger noch ebenso müde und abgearbeitet, die Augenlider noch ebenso schwer und geröthet wie damals, als jenes erschütternde Lied alle Herzen mir Mitleid erfüllte. Und doch, Eines hat fich geändert. Als Thomas Hood sein Lied schrieb, hatten die Näherinnen Nadel und Zwim selber zu kaufen; jetzt müssen viele von ihnen Nadel. Zwirn— und Nähmaschine selber beschaffen Ihre Löhne können auch gar nicht höher sein, weil rinac- umher auch in den Gewerben, welche früher besser bezahlt wurden, die Löhne auf dieselbe Stufe herabsinken und schon herabgesunken find. Wohin Ihr in den Arbeitervierteln Londons geht— und diese Viertel breiten sich weiter aus als Mancher glaubt— Ihr werdet finden, daß die Löhne überall sich einem Schilling per Tag nähern; und in vielen Beschäftigungen, wo nominell der Lohn höher steht wie etwa bei den Tagelöhnern in den Docks, ist dafür die Beschäftigung eine viel unsichere." Ter Berichterstatter der Congregational Union wundert fich geradezu, daß so viele Arme noch ehrlich bleiben, weil sie auf dem Wege der Sünde viel mehr verdienen können. Ein Kind von sieben Jahren kann leicht wöchentlich 10'/, M. zu- sammenstehlen. Um ebensoviel durch Arbeit zu erringen, müßte es 56 Groß Streichholzschachteln verfertigen, d. h. täglich 1206 Stück. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß dies un- möglich ist; selbst ein Erwachsener vermag nicht mehr als die Hälfte zu leisten. Die Schrift der Congregational Union ist für England ein Ereigniß gewesen, weil sie alle Zweifel an dem Vorhan- densein eines furchtbaren Nothstandes in den untersten Schichten mit einem Schlage zu Nichte gemacht hat. Wir hoffen, daß mit der richtigeren Erlenntniß der thatsächlichen Zustände auch eine tiefere Erfassung der Ursachen des modernen Elends fich in England verbreitet, damit die Zeit nicht wieder unnütz mir oberflächlichen Reformen vergeudet wird. Lokales. 8 Eine gewiß anzuerkennende Einrichtung ist fe t einiger Zeit vom Bureau des Droschkcnvereins, Fischerbrücke 14. mit Erfolg zur Einführung gebracht. Es werden an besckäf- tigungslosen Kutschern aller Art, Stallleuten ic. kostenfreie Stellungen zugewiesen, und auf diese Art den Vereinsmit- der Kukuk ruft, der den Gefangenen anzeigt, daß die Wälver frei von der Schneedecke sind, und den Menschen schützen können, ohne daß derselbe riskirt, über Nacht ein bewegungs- loser Eisblock zu werden, und daß sie den Wanderer balv mit Pilzen und Beeren versorgen, dann entwischen Taufende aus den Goldminen und Salzgrubcn, von den Dörfern Ivo fie hungerten, und aus den Städten, Ivo sie sich versteckt hielten. Unter der Leitung des Polarsterns, oder der Baummoose, oder alter Flüchtlinge, die sich in den Gefängnissen die werthvolle Kenntniß der„Flüchtlingspfade" und„Flüchtlingsstationen" angeeignet haben, unternehmen fie die gefahrvolle, lange Rück- reise. Sie gehen um den Baikalsee herum, erklimmen die Hohen und wilden Berge an dessen Rändern, oder sie kreuzen ihn auf Flößen, oder(wie das Volkslied sagt) in einer Fisck- tonne. Sie vermeiden die Städte, die Landstraßen und die Ansiedelungen der Buriaten und kampiren unter freiem Himmel in den Wäldern. Jedes Frühjahr kann man in Ehitab die Feuer der„Ebaldons"(Flüchtlinge) um die kleine Hauptstadl von Transbaikali leuchten sehen an den holzreichcn Abhängen der umgebenden Berge. Sie gehen auch ungenirt in die Dörfer, wo fie bis auf den heutigen Tag, Brod und Milch vor den Fenstern der Bauernhäuser finden,„für die armen Flüchtlinge." So lange die Wanderer nicht stehlen- dürfen fie sicker sein, daß ihnen von den Bauern nichts geschieht. Aber so- bald einer von ihnen dieses stille Uebereinkommen bricht, wird der Sibiriakc mitleidslos. Die Jäger— und jedes sibirische Dorf hat seine Trapper— streichen durch die Wälder und erlegen ohne Gnade die Flücktlinge, manchmal mit ab scheulicher Grausamkeit. Vor 30 Jahren war die Jagd auf Flüchtlinge ein Geschäft, und namentlich für einige Individuen, die„Karyms". das heißt.Halbblütige. ist die Menschenjagd noch Geschäft geblieben.„Die Antilope gibt uns nur ein Fell", sagen diese Jäger,„während uns der Ehaldon mindestens zwei gibt, sein 5)ei»d und seinen Rock." Einzelne Flüchtlinge finden zwar Beschäftigung auf den Faunen der Bauern, die in großen Entfernungen von den Dörfern zerstreut sind, aber es find ihrer nicht viele, da der Sommer die beste Jahreszeit ist, um gegen Westen zu marschiren, denn die Wälder emähren und schützen die Wanderer in der warmen Jahreszeit. Zwar sind die Wälder im Sommer voll von kleinen Stechfliegen(moschka), und der Broduagha (Flüchtling), den man im Sommer trifft, ist schrecklich anzu- sehen; sein Gesicht ist nur eine geschwollene Wunde, seine Augen find entzündet und hinter den brennenden und ge- mms u�itvw �«tuen Theil ihres Ledens und mindesten« 100,000 haben in den letzten 50 Jahren auf diese Weise zr enttommen verzucht. Aber fragt nur nicht, wie vielen es miß gluckt ist. Niemand kann es auch nur annähernd feststellen gliedern gleichfalls die Besetzung von Vakanzen erleichtert In Zicsem Aibeits-Nachweis ist auch wohl ein Mittel zur Abwcn- düng der Arbeitslofigkeit zu erkennen und verdient vollste Bc- achtung. N. Heber einen brutalen Vorgang, der sich am gestrigen Tage in der Forsterstraßc zutrug, wird uns Folgendes zcschneben: Der daselbst wohnende Schlächtermeister B. hatte Der Frau eines Tischlers 2)1. Wurst verkauft, welche, wie sich 'väter herausstellte, ungenießbar war, und als die Frau M. den Verkäufer zur Rede stellte, mißhandelte er erstere in em- vörcndster Weise, so daß die Frau bei ihrer Rückkehr in die Wohnung ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Hoffent- lich wird der Schlächtermeister wegen dieser rohen Handlungs- weise sich noch vor dem Strafrichter zu verantworten haben. x. Plötzlicher Tod. Der in der Lranienstraße 25 wohnende Milchhändler P., welcher gestern Mittag, nachdem er seine Kunden abgefertigt, nach Hause zurückkehrte, hatte das Unglück, beim Betreten der Treppe zu fallen. P. verlor sofort die Besinnung und kam nicht wieder zum Bewußtsein. In Folge des Falles zog sich P. eine Gehirn-Erschütterung zu, an der er trotz der hinzugerufcnen ärztlichen Hilfe starb. X. Zwei Selbstmörder find im Laufe des heutigen Vor- mittags in die Morgue eingeliefert worden. Der eine war im Thiergarten in der Nähe der Großen Querallee von Thier- gartcn-Wächtcrn in aller Frühe ausgefunden worden. Allem Anscheine nach scheint sich der unbekannte Selbstmörder durch Erschießen entleibt zu haben. Der zweite Lebcnsüberdrüsfige wurde aus dem Hause 28 der Stettiner Straße, ein daselbst wohnender Kaufmann, der durch Erhängen seinem Leben ein Ende gemacht, mittels des amtlichen Leichenwagens abgeholt. a In Bezug auf den großen Postdiebstahl zu Mün- chen, bei welchem eine Summe von über 139,800 M. gestohlen worden, hat die Bayerische General- Postdirektion, wie von der Polizei-Direktion zu München hierher gemeldet wird, eine Belohnung bis zum Betrage von 5000 M. zugesichert für die Festnahme der Diebe und Wiedererlangung des gestohlenen Geldes- oder wenigstens des größten Therls. Die gc- stohlenc Summe bestand 1. in einer Tausendmarknote, 2. in sieben Packcten zu je 5000 Mark in öOO-Marknotcn, 3. in drei einzelnen 500-Markschcincu, 4. in 5 Packetcn zu je 1000 Mark in 50-Marknoten, 5. ca. 20,000 Mark in 100-Marknoten. G. 22 Rollen Doppelkroncn zu je 1000 M., 7. 32 Rollen Kronen zu je 500 2)1. Das Ucbnge bestand aus verschiedenen Gold- und Silbermünzen, ferner aus verschiedenen Banknoten, dar- unter namentlich eine 100-Marknote der Bank für Süddeutsch- land in Darmstadt d. d. 1. Jan. 1874 grünfarbig. a. Rabeneltern. Die Handelsmann T'schen Eheleute haben eine siebenjährige Tochter, welche seit ihrem fünften Lebensjahre zum Betteln in Verbindung mit einem Straßenhandel angehalten worden war. Das Kind wurde beim Betteln öfter von Polizeibeamten betroffen, und die von der Polizeibehörde an die Eltern gerichteten Vorstellungen, das damals erst fünf Jahre alte Kind vom Betteln abzuhalten, hatten keinen Erfolg. Es wurde deshalb gegen das Kind das twangs-Erziehungsverfahren eingeleitet und gerichtlich auf die ntziehung des Kindes aus der elterlichen Gewalt erkannt. Das fünfjährige Mädchen wurde von der hiestgen Armendirek- tion in der Waisenanstalt untergebracht. In dieser blieb das Kind aber nicht lange, vielmehr entfloh es eines Tages, und es wurde während der folgenden beiden Jahre weder in der elterlichen Wohnung noch sonstwo aufgefunden. Da jedock die Annahme nahe lag, daß die Eltern das Kind, welches durch Betteln die Mittel zum Unterhalt der Familie zum Theil mitbeschaffen konnte, in ihrer Wohnung versteckt hielten, so wurde einige Male in der elterlichen Wohnung nach dem Kinde geforscht, ohne daß dies jedoch zu einer Ermittelung führte. Vor Kurzem nun erfuhr die Polizeibehörde, daß die Eltern das Kind in ihrer Wohnung versteckt hielten und stets bei einer stiachforschung nach dem Kinde daffelde in einem Koffer verbargen. Ein Beamter begab sich sofort in die elterliche Wohnung und fand da das Kind thatsächlich in einem Koffer versteckt vor. Das Kind ist nunmehr wieder der städtischen Waisenverwaltung überwiesen worden, welche vorausstchtlich Sorge tragen wird, daß die Heranziehung des Kindes in Zu- kunft dauernd nachcheiligen Einflüffen entzogen bleiben wird. — g, Die Festnahme des russischen StaatSangehöri- gen Johann JarzembowSkij aus Janowo gebürtig, welcher sich in Preußen aufhalten soll, ist vor einigen Tagen von dem russischem Botschafter in Berlin Namens seiner Regierung bei den preußischen Polizeibehörden in Ermnerung gebracht wor- Tausende haben ihr Grab in der„Taiga"(dem Waldland) ge- iunden, und glücklich waren noch die, denen die Augen durch einen Mitreisenden geschloffen wurden- Andere find freiwillig in die Gefängnisse zurückgekehrt, wenn das Quecksilber geftor und der letzte Tropfen Blutes in ihrem ausgemergelten Körper durch den Frost zu zirkuliren aufhörte: sie kehrten fast sämmt- lich nach Transbaikalia zurück und unterwarfen sich den unver- meidlichcn„100 pletes", und nächstes Frühjahr versuchten sie wieder die Reise mit mehr Erfahrung Andere Tausende wurden wie Wild erlegt oder ergriffen, oder von den Buriaten, Karyms oder anderen sibirischen Truppen erschossen. Andere wieder wurden, kurz nachdem sie den Boden ihrer Heimath be- treten und sich in die Arme ihrer alten Eltern geworfen hatten, in dem Dorfe, das sie vor vielen Jahren verlassen, ergriffen, um der Laune des Jsprawnil, der Eifersucht des Lokal- Wucherers zu genügen. Melch' ein Abgrund von Leiden ist hinter den drei Worten:„Flucht aus Sibirien" verborgen. Ich habe nun die Lage der polttischen verbannten in Si- biricn zu untersuchen. Natürlich kann ich nicht mit dem Jahre 1607 beginnen, wo ein Romanow, ein Ahne der jetzigen Dynastre, die lange Liste der Proskriptionen eröffnete, und sein Leben in einer unterirdischen Zelle bei Hyrdol, mit 64 Pfund schweren Ketten beladen, beendete. Ebensowenig kann ich hier die schreckliche Geschichte erzählen, wie die vereinigten Rechtsaelehrten mit abgeschnittenen Lhrcn und Nasen in Sibirien ankamen und. an große Bäume angebunden, den Hügel des Kremel in Tobolsk herabrollten. Ich werde auch nicht die Infamien des verrückten Treslin und seines Jsprawnil Loskutow erzählen. ebensowenig bei der.Hinriß tung des 7. März 1837 verweilen, wo Vre Polen Szokalski. Sierowynski und noch vier andere unter 7000 Ruthenhieben getötstet wurden; auch will ich nicht die Leiden der„Decem- bristen" und der Erilirten aus den ersten Tagen Alexanders u. schildern, noch weniger kann ich hier die Liste unserer Dichter und Schriftsteller geben, die von Rudischew bis auf Qdowsky, und später bis auf Tschcrnuschewsky und Mikchailow nach Sihirien verbannt wurden. Ich werde nur von der Lage der gegenwärtigen Verbannten reden.„_ ' Im Herbst 1872 waren 150 solcher Venirtheilten, Männer und Frauen, eingekerkert. Nachdem sie 2—4 Jahre im Untcr- fuchungsgefängniß in der Petersburg-Festung, in dem bcrüch- rigten Litovskig Zadok, in dem Petersburger Gefangcnenhausc ' und in Provinzialzefängnissen gesessm, waren sie, nach ihrer : Verurtheilung, nach dem Khardoffencr Eentralgcfängniß gc- l schickt worden. Dort blieben sie, wieder in Einzelhaft, 3—5 > Jahre, ohne alle Beschäftigung, ohne eine Unterredung mit ihren Angehörigen, buchstäblich hungernd bei dem täglichen ! Solde von 5 Kopeken und der Gnade ihrer Aufseher. : Dann wurden sie auf einige Monate nach dem Atsensk- i Devot gebracht, wo sie es bedeutend besser hatten, und ' schließlich wurden sie nach Transbaikalia verschickt Die Meisten mußen die Reise nach Kam(wie ich sie schon beschrieben) zu : Fuß über Tomsk und in Ketten machen. Einigen wenigen - ward die Vergünstigung zu Theil, den Wagen benüyen zu dürfen. Und selbst diese Letzteren beschrieben die Reife als eine wahre Tortur nnd sagten:„Von den moralischen und physt. den, nachdem ein bereits vor zwel Jahren gestelltes Ersuchen zu einer Festnahme nicht geführt hat. Die Nachforschungen nach dem p. I. werden nunmehr wieder energisch fortgesetzt. Die Personalbeschreibung des Gesuchten ist zugleich dahin er- gänzt worden, daß der Zeigefinger an der rechten Hand fehlt: außerdem hat I. an einem Fuß eine vernarbte Wunde, welche von einem Hundebiß herrührt. Eilt Opfer unserer traurigen Erwerbsverhältniffe. Am letzten Freitag ist der Irrenanstalt zu Dalldorf ein Mann übergeben worden, der im wahrsten Sinne des Wortes als ein Opfer unserer traurigen Erwerbsverhältniffe angesehen werden muß und der nach dem Ausspruch der Charitee-Aerztc, die ihn mehrere Wochen in Behandlung hatten, völlig unheilbar ist. Ter Bedauernswcrthe studirte ursprünglich Philologie, machte als junger Student den Feldzug gegen Frankreich mit und wurde mit dem Eisernen Kreuz dekorirt. Aus dem Kriege zurückgekehrt, mögen ihn Gründe mancherlei Art bestimmt haben, seine zuerst erwählte Laufbahn zu verlassen und sich einer anderen Er- wcrbsthätigkeit zuzuwenden. Er fand Stellung in einem großen Bankinstitute, die er so lange inne hatte, bis die Bank in Liquidation trat. Von dem Zeitpunkte ab begann für ihn ein fürchterlicher Kampf ums Dasein, denn alle Versuche, eine andere Stellung zu erlangen, schlugen fehl, und so gcricth der Mann, der leider auch geheirathet hatte, allmälig in die bitterste Noch. Als diese sich bis zur Unerträglichkeit steigerte und die Ausficht auf Verdienst immer geringer wurde, sah er sich gezwungen, die öffentliche Armenpflege in Anspruch zu nehmen, allein die Unterstützungen, die ihm von dieser Seite gewahrt wurden, waren doch niemals im Stande, seine Lage umzugestalten und die Aussichtslosigkeit, aus dem Elend jemals wieder herauszukommen und ein menschenwürdiges Dasein führen zu können, riefen vor einigen Wochen etn schweres Nervenleiden bei dem Unglücklichen hervor, das seine Aufnahme in der Neuen Charitee nothwendig machte. Dort zeigte sich sehr bald Geistesgestörtheit, zu der nach dem Ausspruch der Aerzte Sorge und Elend die Veranlassung gegeben haben und von der der Bcdaucrnswerthc niemals wieder geheilt werden kann. Der Mann hatte vollauf die Fähigkeiten und auch die Lust zu arbeiten, unstreitig auch nach berühmten Mustern ein Recht auf Arbeit, aber er mußte als ein geisteskranker Bettler in die Irrenanstalt gebracht werden, weil bei ihm wie bei vielen Anderen das Recht auf Arbeit nur Chimäre war. Immer gemüthlich! Es ist nicht zu verwundern, daß bei dem anhaltend schönen Wetter, dessen wir uns jetzt zu erfreuen haben, die 2iachfrage nach Fuhrwerken(namentlich Kremsern) besonders für die Sonntage zu Landparthicn, sehr groß ist und daß der Bedarf bei Weitem nicht gedeckt wird. Der Berliner weiß sich indeß zu helfen, wie folgendes Beispiel lehrt. Am letzten Sonntag früh konnte man am Grünen Wege einen großen Möbelwagen sehen, auf welchem man mittelst Stühlen und Brettern Sitzplätze eingerichtet hatte. An der Hinteren Wand des Möbelwagens war mit großen Buchstaben zu lesen: „Uns kann Kecner!" Bald war vor dem Hause Grüner Weg 106 der„improvifirtc Kremser" von einer Schaar fröhlicher Sonntagsausflügler besetzt, welche mit Musik, das heißt mit Kinvertrompeten und Trommeln ihre gemüthliche Land- parthie antraten. a. Eine empfehlenswerthe Küchenfee. Die Frau des Tischlermeisters G. in der Sandstraße mielhete vor einigen Tagen die unverehelichte H. als Dienstmädchen. Die H. hatte keine Legitimationspapiere und gab an, vor einigen Tagen aus ihrem Geburtsort Anklam Hierher gekommen zu sein. Da die H. bald nach ihrem Dienstantritt sich verschiedene Ungehörigkeiten hatte zu Schulden kommen lassen, so war Frau G. schon am ersten Tage genöthigt die H. mehrfach zurechtzuweisen Als nun Frau G. am Sonnabend Mittag von einem Ausgang heimkehrte, war das Dienstmädchen verschwunden, und die Frau G- fand ihre sämmtlichcn Blumenstöcke im Werthe von 18 M. vollständig zerschnitten und ihre Ziege im Werthe von 34 M. mit einem Strick, welcher 4 mal um den Hals geschlungen war und einen Hinterfuß am Kopf sestge- Kunden hatte, im Stall erwürgt vor. Da nur die H diese Brutalitäten begangen haben konnte, so wurde auf sie ge- fahndet, und sie wurde in der vergangenen Nacht in einem Asyl detroffen und(wegen Sachbeschädigung zur Haft ge- bracht. g. Eine achtungSwerthe Leistung auf dem Voloeiped haben am Sonnabend drei Mitglieder vom Ersten Berliner Äicycle-Klub ausgeführt. Um dem am Sonntag in Leipzig stattgehabten Velocipedistenkongreß beizuwohnen und die ea. schen Torturen, die man auf einer solchen Reise aussteht, werden die Leute verrückt." Die Frau des Fr. Bieqli, die ihren Gatten begleitete, erlitt dieses Schicksal. Das Gefängniß in Mittclkara, wo sie gehalten werden, ist eines der verfaulten Gebäude, von denen ich schon ge- sprachen habe. Als nur 91 Leute darin waren, galt es schon als überfüllt, geschweige denn nachher, als noch 60 hinzukamen. Wind und Schnee hat von den verschiedensten Seiten freien Einttitt in das Haus. Die Hauptnahrung der Gefangenen be- steht in Roggenbrod und etwas Buchweizen; Fleisch bekommen sie nur, wenn sie in den Goldgruben arbeiten, also nur während drei bis vier Monaten im Jahre und zwar nur 50 von 150 Mann. Und gegen Gesetz und Gebrauch mußten 1881 Alle in Ketten zur Arbeit gehen. Für die politischen Verbrecher gibt es kein Hospital und die zahlreichen Kranken bleiben auf ihrer Platform, Reihe an Reihe, in demselben kalten Räume mit allen anderen, in der- selben erstickenden Atmosphäre. Sogar die irrsinnige Frau Kovalevskaja wird noch im Gefängniß gehalten. Glücklicher Weise find unter den Gefangenen auch Aerzte. Zur Charak- terifirung des Gcfängnißarztcs genügt es. zu erzählen, daß die rrrsinmgc Frau Kovalevskaja während eines Anfalls unter fernen Augen niedergetreten und geschlagen wurde. Ten Frauen der Gefangenen ist es gestattet, in Unter-Kara zu bleiben und drei el den zweimal m der Woche zu besuchen, sowie ihnen Bücher und Zeitungen zu dringen. Die größere Zahl stirbt langsam an der Auszehrung. ,3*6ct k« ßröfe'e Fluch der Verurthcilten in Kara ist die absolute Willkür der Gefängnißletter. Die Gefangenen find vollständig den Launen von Leuten preisgegeben, die von der Regierung den strengen Auftrag haben,„sie in Jgelhandschuhen anzufassen. Em Garnisonschef sagte einmal öffentlich, er würde sich freuen, wenn er einmal von einem„Politischen" beleidigt würde, dann konnte er wenigstens einmal Einen hängen lassen. Sogar der Arzt doktort mit Fäusten, und seinen Adjutant des Generalgouverncms sagte einmal laut, als die Gefangenen »hm mit emer Beschwerde beim Justizminister drohten:„Ich b>n Euer Gouverneul. Euer Minister. Euer Zar."- Man mutz die Geschichte der Jnsurrewon im Krasnoyarsk-Gefängniß oder Lopatrn s Erzählung darüber lesen, um sich zu überzeugen, daß der rechte Platz für so ein Individuum von Anslaltsvor- sicher das Irrenhaus wäre. Auch Frauen entgehen seiner ver- rückten Brutalltat Nicht, und werden mitunter einer BeHand- lung unterworfen, gegen die sich das einfachste Anstandsgefühl empörte. Und als der Gefangene Sckedrin in Vertheidigung seiner jungen Frau dem Pascha eine Ohrfeige gab. wurde er kriegsgerichtlich zum Tode verurtheilt. General Pedaschcnko handelte in Einklang mit der öffentlichen Meinung in Jrkutsk als er das Todesurtheil in eine 14tägige Einsperrung um- wandelte, aber wie wenige Beamte haben den Much des damaligen provisorischen Generalgouverneurs von Osisibirien� Die allerorts üblichen Sttafen des schwarzen Loches, der Ketten der Annietung an Eisenstangen sind natürlich bei den ..Politischen" gang und gebe, hausig verstärkt durch die 100 ®',"e'■ foWJ 175 Kilometer lange Fahrt per Stahlroß zurückzulegen, bcsnc- gen der Präsident des Klubs, Mr. Walker, und das Mitglied, .'Dcrr Tietel, in der Bülowstraßc um 5 Uhr früh das Bicyclc. Die zurückzulegende Tour war Berlin— Potsdam— Beelitz— Treucnbrietzen— Wittenberg— Gräfcnhainchen— Bitterfev— Delitzsch- Leipzig. Das dritte Mitglied, Herr Reuter, fuhr ein Tricyklc. R. hatte Berlin bereits früh V,5 Uhr von seinem Hause in der Zimmerstraßc verlassen. Kurz vor Witten- berg ivurde Reuter von seinen beiden Svortsgenoffcn Walker und Tietel eingeholt. Um 7 Uhr Abends langten die beiden letzteren auf ihren leichter fahrenden Bieyc- lcs in Leipzig an, Reuter traf bereits 3U Stunden später dort ein. Berücksichtigt man das auf der gedachten Route zu palst- rendc gebirgige Terrain und den beim Restauriren:c. verlöre- ncn Zeitaufwand, so muß die Fahrt in 14 bis 15 Stunden mit Recht als ein Bravourstück bezeichnet werden. Aber diejc Fahrt, besonders jene mit dem Trieyklc, zeigt auch, wie sehr das Veloeiped nicht nur zur Ausübung des Spotts, sondern auch als Verkehrsmittel sich eignet, eine Eigenschaft, die man bereits im Auslande praktisch zu vcrwcrthen gewußt hat. Wermisrktes. Der Katzenjammer abgeschafft. Tie Amerikaner sind unternehmende Leute: ihr Ernndungsgeist und ihre Geschäfts- lcnntniß umfassen olle Phasen des menschlichen Lebens. Bon einem Hotel für Selbstmörder hat man schon gehört: das Neueste jedoch wurde nicht in Amerika, sondern in London gc- leistet und ist, wie der„Frkf. Ztg." von dort geschrieben wird, die Einrichtung eines Lokals, eines türkischen Bades, in welchem betrunkene Gentlcmen nüchtern gemacht werden.„Sobering up heißt dieser Prozeß auf amettkanisch; englisch ist der Aus- druck eben nicht. Der Eigenthümer dieses Lokals halt seine Bäder die Nacht über bereit. Herren, die schwer beladen spät in der Ziacht oder früh Morgens in sein Haus gebracht werden, müssen sich einer Badekur unterziehen, dte sie nach Verlauf von wenigen Stunden in den Stand setzt, wieder ihren Geschäften nachzugehen. Leute, die beim Einttttt in's Haus sich nicht mehr auf den Füßen halten konnten, find binnen Kurzem wieder nüchtern und wohl. Das Haus ist allabendlich voll. Nach einem türkischen Bad werden die Patienten in ein Schlafzimmer geführt, wo sie sich auf Ruhebetten niederlegen und schlafen. Zu einer bestimmten Stunde werden sie geweckt, unter eine Touche gestellt und gc- hellt entlassen. Mit der Poesie des Katzenjammers ist es für immer vorbei. Aber auch bei Tage ist dieses seltsame Etablissement nicht ohne Kunden. Da kam kürzlich ein junger Herr in die Eity, um sich auf dem Bureau seinen Eheschcm zu holen, denn noch am selben Abend sollte er mu einer reichen Dame aus der Vorstadt Hochzeit halten. Er war ein scheuer, furchtsamer Mensch und suchte sich im Trinksalon Courage zu trinken. Dort fand er einen Jugend- freund und was war natürlicher, als daß sie die Wiederdegcg- nung durch„liquoring up- feierten. Schließlich hatten sie die höchste Mühe, den Schein zu bekommen. Um 2 Uhr wurden beide betrunken in einem Wagen in das sobering-up Etablissement gebracht. Um 6 Uhr sollte die Hochzeit sein, Der Bräu- ligam hatte Alles auf dem Spiel, wenn er nicht vor der Zell nüchtern war. Es war ein hartes Stück Arbell, aber kurz na« 5 Uhr wurde er von den Angestellten auf den Bahnhof gc- bracht, nüchtern und würdevoll wie ein Oberrichter. Eine echt baierische Grabschrift befindet sich auf dem Friedhof eines kleinen baierischen Fleckens: „Hier ruht der Bräuersepp, Gott Gnade für Recht ihm gcb! Denn Viele hat, was er gemacht, Frühzeitig in das Grab gebracht. Da liegt er nun, der Bicrverhunzer, Bet, o Chttst, zwölf Vaterunser!" Essen, 18. August. Wie der„Rheinisch- Westfälilchc» Zeitung" aus Herne gemeldet wird, fand heute auf der Zecm Shamrok bei Herne eine Erplosion schlagender Wetter sian. welche durch verbotswidriges Schießen verursacht wurde. Arn' Personen, darunter 3 Familienväter kamen bei der Exvloficm um's Leben. Die Weiterführung der Grube ist in Ordnung, der Betrieb nicht gestött. Bezeichnend für die auf Eorfiea heute noch))*%' ichenden Anschanungen und Zustände ist folgender Berstv-: Im November 1881 wurden zwei Gendarmen ausgesandt, U" in den corsischen Torfe Lorctto die Tallano einen gcwmcn Francesco Lovighi, welcher des Mordes angeklagt war, zu v» haften. Sie trafen ihn in seiner Wohnung und sordetten w" auf, mit ihnen zu gehen, was er willig that. Der Gcndan» Ciavildini ging auf der Landstraße voran, hinter ihm LovM mit gebundenen Armen, und zuletzt kam der Gendarm 2cwcm- der den Gefangenen bei dem um die Handgelenke gewunden�' Strick führte. Unterwegs wurden sie aber von einem Der wandten Franccsco's, einem gewiffen Pietto Felke Lovigw' überfallen, welcher von der Geliebten seines Vetters bcna® richtigt worden und ihnen nachgeeilt war. Aus einem M büfch schoß Pictro Felke auf die Gendarmen und streckte bek nieder: aber auch Francesco erhielt eine Kugel und enthuiuc. che er verschied, den'Namen des Thäters. Dieser zog sich n®" Landessitte in die Maquis zurück, aus denen er nur kam, um eine Vendetta zu üben, indem er auf seinen Nclst und seine Schwägerin schoß. Dann kehtte er abermals seinen sicheren Schlupfwinkel zurück und wurde eines Togc beinahe zufällig auf einem Ausfluge verhastet. Die GeM rencn waren echte Corsen, nach denen fünf Morde im Zhic esse der Familienehre noch die Annahme mildernder Umsiam! verdienen. Pietto Felke Lovighi wurde daher nur zu leben länglichem Zuchthaus verurtheilt und wer weiß, ob irgend c hochgestellter Patron oder Verwandter dem Biederen nicht va zur Flucht verhilft.{„ jerenden der Ouarantaine. Aus Ala wird dem Pen quarantainirtcn Personen— 14 an der Zahl- ,e". lassen. Ein deutscher Geistlicher, welcher zwei Knaben aus cm adeligen Familie nach Italien degleitet hatte, mußte, obwoo der Vater zur Empfangnahme derselben am zweiten Dage Florenz m Per! eingetroffen war, noch mit ihnen die Qm tarne bestehen, bevor ihm die Rückkehr über die österretw«« Grenze gestattet wurde. Am Abend des fünften Tages rv'co auf österreichischem Boden angelangt, gab dieser®c>sti>» mehreren auf dem Bahnhofe in Ala diensthabenden Bem"' folgende Schilderung der Quarantaine:„Sehen Sie m'dr% meine Herren, diese Schübe, diese Kleider sind noch'M chTL Zustande, wre ich sie gettagen, als ich vor fünf �wölaffe L-uarantamc trat. Obwohl ich und meine Genossen erstcrK untergebracht waren, gelang es uns nicht, irgend wel«c drenung zu erhalten. Wir waren zu sieden in emer cl � Kammer eingepfercht, deren Fensterchen auf einen Huh.. gingen, aus welchem ein unerträglicher Geruch herauf. � Die Betten waren so schlecht, die Hitze und der@eru c lasiig, daß die meisten von uns die Nächte hindurch kein � zu schließen vermochten. Nur durch vieles Bitten lklan»„ uns, die Erlaubniß zu erholten, uns in einem gan; Hofraume ergehen zu dürfen, um doch etwas frische �ust � athmen zu können. Wenn man etwas bestellte, mußte man � Stunde darauf matten, und dann war noch Vieles nn(st. jj, bor; es wurde uns in den ersten Tagen sogar das � altbackenem, verschimmeltem Zustande verabreicht. mäst die Preise unverhältnißmäßig theuer. und wenn mm» � genau nachsteht, übersteigt täglich die Rechnung*« einige Franks. Die italienischen, in der Ouarantame° ttgen Beamten gaben sich allerdings anerlennenswertve f M unsere Lage zu verbessern, aber die ihnen zu Gebote gel Mittel sind unzureichend." Verantwortlich« Rebactem«.«r-nhei« in Berlin. Druck und Verlag°°n K« Babing in Berlin LV. Beuthfttaße 1