#t. ша iá De SETERE be will fick fin ett SHES le Fee Del 11 Nr. 121. Sonntag, 24. August 1884. 1. Jahrg. Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen der der Arbeiter. Das ,, Berliner Bolksblatt" fcheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Marl, wöchentlich 25 Pf. Einzelne Summern 5 Bf. Poftabonnement pro Quartal 3 Mart.( Eingetragen im VIII. Nachtrage der Postzeitungspreisliste unter Nr. 719a.) Jnsertionsgebühr beträgt für bie 3 gespaltene Betitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Br. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinfunft. Inferate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonces Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedifion Berlin SW., Bimmerstraße 44. Abonnements- Einladung. Für den Monat September eröffnen wir ein neues Abonnement auf das Berliner Volksblatt. Frei ins Haus foftet dasselbe 1 Mark, Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, sowie in der Expedition, Zimmerstraße 44, angenommen. Für Außerhalb nehmen alle Bostanstalten Abonnements für den Monat September gegen Zahlung von 1 Mark entgegen. Den neuen Abonnenten wird der bisher erschienene Theil des fesselnden und interessanten Romans ,, Das Kind des Proletariers" aus der Feder von U. Nosen soweit der Vorrath reicht gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in der Expedition Zimmerstraße 44 gratis verabfolgt. Das„ Berliner Volksblatt", Organ für die Inter= eisen der Arbeiter, hat sich seit der kurzen Beit seines Bestehens zahlreiche Freunde erworben und kann daber mit einer gewiffen Genugthuung auf seinen, wenn auch noch kurzen Lebenslauf zurüdbliden. Wohl ist es im Laufe der Zeit Mode geworden, ein warmes Herz" für die Arbeiter zu haben, wohl giebt es feine einzige Beitung in Deutschland und vorzugsweise hier in Berlin, die nicht vorgiebt, für die Arbeiterinteressen einzutreten, aber trog aller Versicherungen und Betheuerungen glauben die denkenden Arbeiter selbst nicht an solche Vorspiegelungen. Und darauf fommt es in der Hauptsache an! Die Intereffen der Arbeiter aber fönnen überhaupt nur vorzugsweise von den Arbeitern selbst vertreten werden. Das Berliner Volksblatt" nun wird, wo es sich speziell um die Arbeiterinteressen handelt, auch von Arbeitern ge fchrieben. Man sehe sich nur die Rubrik ,, Arbeiterbewe gung, Vereine und Versammlungen" an. Aber um noch mehr den Arbeiterintereffen Rechnung zu tragen, müssen die Arbeiter, namentlich die Berliner Arbeiter, fich noch immer mehr bemühen, ihrem Organe die weis teste Verbreitung zu verschaffen. Die Redaktion des Berliner Boltsblattes" dagegen wird Wir wenden uns nun noch speziell an die Freunde des ,, Berliner Volksblattes" mit der Bitte, es an Anstrengungen nicht fehlen zu laffen, neue Abonnenten zu ge winnen, damit bald schon der Zeitpunkt eintrete, daß das Organ für die Intereffen der Arbeiter" von der Mehrzahl der Berliner Arbeiter gehalten und gelesen wird. Dann erst können wir voll und ganz unseren Verpflichtungen gegen die Arbeiterfache nachlommen und wir werden ihnen nachkommen. Die Redaktion des Berliner Boltsblatt". Eine Weltausstellung in Berlin. versteht, eine Ausstellung zu arrangiren. Wir erinnern nur an die Gewerbeausstellung, an die Fischereiausstellung und an die hygienische. Alle drei waren gelungen, sie trugen mehr oder weniger den Stempel der Vollendung. Und nun gar eine Weltausstellung in Berlin! Wie würden sich die fleißigen Hände regen, wie würde sich die vielgerühmte Berliner Findigkeit in ein günstiges Licht stellen, wie würde sich das bekannte Organisationstalent der Norddeutschen bewähren! Daß es aber eine Weltausstellung sein muß, daß. fleinere Landesausstellungen von keinem dauernden Belang find, das hat seiner Zeit der bekannte deutsche Weltausftellungskommissar Professor F. Reuleaux mehrfach ausgeIn allen großen Ländern hat schon eine Weltausstellung stattgefunden, in den vorgeschrittenften Frant- sprochen. So versprach sich Reuleaux auch nur wenig von reich, Großbritannien und Nordamerika schon mehreremal. Selbst in Desterreich, in der schönen Donaustadt war schon eine Weltausstellung und in Jialien wird eine geplant die alte Roma wird dann alle Völker des Erdfreises in ihren Mauern sammeln. Aber auch das kleine Belgien hat die Völker nach Antwerpen eingeladen zum Wettkampf in den Rünsten des Friedens. Frankreich wird das hundertjährige Jubiläum der großen franzöfifchen Revolution durch eine Weltausstellung feiern und in St. Louis, in den Vereinigten Staa ten von Nordamerika ist bereits eine Rommission ernannt, um Vorbereitungen zu einer Weltausstellung zu treffen zur Erinnerung an die vor 400 Jahren erfolgte Entdeckung von Amerika. Nur das halbzivilifirte Rußland hatte noch keine auch Deutschland noch nicht! Weltausstellung und Unsere Industrie ist entwidelt genug, den Kampf mit den meisten Bölkern der Erde aufzunehmen und unsere Kunft gewiß. Wenn wir auch in Philadelphia feiner Zeit eine empfindliche Schlappe erlitten haben, so hat die Zeit die Wunde verharfchen lassen und angestrengter Fleiß hat unsere Industrie gehoben. So haftig, wie in der fluchvollen Gründerzeit wird nicht mehr fabrizirt und weil nicht mehr so hastig, deshalb auch nicht mehr so schlecht. An Deutschland ist wahrlich die Reihe, die Völker einzuladen nach des Reiches Hauptstadt zu edlem Ringen; das beutsche Reich, welches friegerische Lorbeeren übergenug erc nicht an weiterer Anstrengung fehlen laffen, durch populäre politische und soziale Leitartikel, durch eine gediegene fiegt hat, muß nach friedlichem Lorbeer geizen und ihn zu politische Uebersicht, durch eine reichhaltige lokale Umschau und durch eine unterhaltende und belehrende Ge richtszeitung die Leser zufriedenzustellen. Ein ausges wähltes Feuilleton nebst zahlreichen interessanten Notizen aus Nah und Fern, volkswirthschaftliche und wissenschaftliche Artitel werden den Inhalt unferes reichhaltigen Blattes vervoll ftändigen. Radbrud verboten.] 311 Feuilleton. Das Kind des Proletariers. Sensationsroman von U. Rosen. ( Fortsesung) einer allgemeinen deutschen Ausstellung, wie sie vor Jahresfrift einmal geplant war-er befürchtete auch, daß die Industriellen selbst keinen sehr hohen Werth auf eine solche Ausstellung legen würden, da es sich dabei doch nur um den Austausch von Lob und Preisen handeln würde, während bei einer Weltausstellung die Steigerung des Exportes, die Aufsuchung des Weltmarkts angebahnt werde. ,, Eine Hebung und Belebung unserer Industrie", so be merkte damals der bekannte Weltausstellungskommissar, ,, bringt alle jene äußeren Anerkennungsformen und was da zu gehört von selbst mit, all' das Gute und auch wohl manches Leere und Hohle, was auch darin steckt. Eine Ausstellung aber regt die besten und edelsten Kräfte der Nation nur dann an, wenn ihr die Anspannung der ganzen Kraft der Industrie vorangeht und diese Voraussetzung trifft wohl bei einer Weltausstellung zu, nicht aber bei irgend einer lokalen oder nationalen Ausstellung." Dae find beherzigenswerthe Worte! Fürchtet man aber vielleicht noch immer die Konkurrenz der übrigen Industriemächte in Deutschland, weil man mit merkwürdiger Konsequenz einer Weltausstellung in Deutschland aus dem Wege geht? Das wäre sehr traurig und sehr unflug! Man gehe nur fühn in den Wettkampf und sicher werden die Deutschen in verschiedenen Industrien und Kunsthandwerken den Kampf fiegreich bestehen, und wo sie Niederlagen erleiden follten, da werden ihnen diese Erfahrungen gerade ein Sporn sein, es fünftig besser zu machen. Die Hauptsache aber bei allen Weltausstellungen ist, erwerben trachten im Rampfe mit den anderen Nationen auf daß die Völker der Erbe im frieblichen Kampfe dem Gebiete der Kunst, der Gewerbe und der Wissenschaften. fich näher gerückt und daß die Vorzüge der einzelnen InSo entwickelt sich ein Und ein solches Kampffeld ist die Weltausstel= bustrien weltbekannt werden. lung im eigenen Lande, in der Hauptstadt deffelben, immer innigerer Weltverkehr, von dem die ganze Menschheit mehr oder weniger Vortheil hat. in Berlin. Berlin hat schon zu wiederholten malen gezeigt, daß es Rupert schleppte sein flägliches Dasein mühselig weiter. Eines Abends faß er vor dem qualmenden Lagerfeuer, seine Wächter, denn das waren die Landstreicher ihm in Wirklich feit, lagen rauchend und schwazend um ihn. Er war in düftere Erwägungen vertieft, sein Verstand sagte ihm, daß er fich abwärts, nicht aufwärts bewegte. War das der Weg zum Glück? Lady Bide würde bei seinem Anblick weinen und Myra Barth ihn als einen Verworfenen betrachten. Und Francesca, feine angebetete Francesca, würde verächtlich die Nase rümpfen, wenn fie eine Ahnung von seinem gegenwär Als er von Hause fortging, hatte Rupert in sein Bündel einen Ramm und eine Haarbürste eingepact; aber nicht ge wöhnt, für seine Bedürfnisse selbst Sorge zu tragen, vergaß er Seife und Handtücher. Schon am ersten Tage seines tigen Zustande hätte. Ausfluges verlangte er diese nüglichen Gegenstände von Frau Betigrew. Frau Betigrew bereitete eben mit grimmigem Geficht das Frühstück, während ihr ungewaschener Sohn und Erbe fich ver gnügt im Staube wälzte. Die übel gelaunte Gattin Tony's wendete fich mit zornigem Geficht zu Rupert und reichte ihm ein Stüdchen harter brauner Seife. die Bitte wurde in etwas gebieterischem Tone ausgesprochen Nach wenigen Minuten fam die Bitte um ein Handtuch, misch los. Du stehst sehr niedergeschlagen aus, Brüderchen," sagte Tony zu ihm. Laß doch Deine Grillen! Du kannst schon morgen oder in den nächsten Tagen dem glücklichen Bufall be gegnen, der Dich zum großen Mann macht. Wer weiß, Du reffeft vielleicht eines Herzogs Tochter aus den Klauen dieses tanzenden Bären oder irgend eines anderen Thieres, dann hei rathest Du die Erbin eines Herzogthums und " 1 Ich mag fie nicht," entgegnete Sir Rupert wild. " D, Du willst sie nicht? das ist schlimm. Hast Du hübsch?" und nun brach Frau Petigrew's verhaltener Aerger stür vielleicht schon ein Liebchen im Herzen, und ist sie hübsch, sehr Seife und Handtuch verlangt der junge Herr! Das ist mir ein nettes Bürschchen für eine umberziehende Truppe wie wir. Da hast Du nun das ganze Stüd Seife verbraucht und dann Handtücher, Handtücher!" freischte sie, und das Wort schien fie noch mehr zu erregen. Wozu das? Jft Dein Geficht naß, Du aufgeblafener Junge, so trodene es an Deinem will, so drehe dich den Saum meines Kleides um und ver Rodärmel. Wenn ich mir Hände oder Geficht abwischen lange nicht 11 Rupert floh aus der Nähe der Zürnenden, als fie in ibrer Rhapsodie fortfahren wollte, aber er hatte in feiner fleinen Mappe zwei Pfund, und er beschloß, die Dinge zu faufen, die ihm für sein Nomadenleben unentbehrlich er ichienen. fäufe? Also auch Geld. Er faufte eine Hängematte, zwei Handtücher, eine Schaale, eine Gabel und dergleichen und gab dafür ein Pfund aus. Frau Betigrew bemerkte diese neuen Gegenstände. Eintigrem hatte sein Bündel längst untersucht und geplündert. Geld? Das mußte er bei sich tragen, denn Frau Pe Dann mußte fie cs finden und in Verwahrung nehmen. Dazu gehörte einige Vorsicht und etwas Beit. Geld in seinem Befit? Der spöttische Ton erregte Ruperts aufbrausendes Tempe rament. Schöner als was Sie jemals gesehen haben," rief er grollend aus. " D" entgegnete Tony besänftigend ,,, die Schmerzen uner wiederter Neigung find schrecklich, ich kenne das." " Ei freilich!" unterbrach seine Frau ihn barsch. " Wer weiß, was aus mir geworden wäre," fuhr Petigrem in feierlichem Tone fort, wenn ich den Gegenstand meiner Liebe in höheren Kreisen gewählt hätte. Ich wäre jest vielleicht Schloßverwalter, wenn ich eines gräflichen Ver walters Tochter, ich wäre vielleicht ein Herzog, wenn ich eine Herzogin, oder ein König, wenn ich wie der Prinz Albert von Botha eine Königin gebeirathet hätte. Die vornehmsten Damen haben es nicht verschmäht, mir füße Blide zuzuwerfen. Aber nimm Dir ein Beispiel an mir. Ich bin jezt nichts als eine traurige Ruine, weil ich mein junges Herz an eine Unwürdige verschenkt habe. Was fann aus einem Menschen werden, der mit einem Weibe verheirathet ist, das Weidenkörbe und ähnlichen Plunder ver fauft?" Frau Petigrew's Geduld war nun zu Ende. Ihre fräftige Hand erfaßte einen Kaffeekrug und schleuderte ihn dem Gatten in's Geficht, daß das Geschirr flirrend zerbrach und nicht blos Berlin ist an der Reihe, und die deutsche ReichsTony's Nafe schwarz färbte, sondern eine dunkle heiße Fluth über ihn ergoß. Tony sprang auf und stieß zornige Ver wünschungen gegen seine Frau aus. Das Paar zankte noch heftig mit einander, als Rupert fich eine paffende Stelle zum Befestigen seiner Hängematte aussuchte. Als er sich auf sein schwebendes Lager niedergleiten ließ, fand es der Bärenführer angemessen, fich darunter hinzufauern, während der Mann mit dem Affen fich rechts und der Mann mit der Harfe fich links ausstreďte. So war Rupert frei und feffellos ein Gefangener, und diese Gefährten von der Landstraße bildeten seine Ehrenwache. Die Truppe hatte sich an dem oberen Lauf des Nen niedergelaffen. Tony und die übrigen Männer waren in Be gleitung des jugendlichen Binnwaarenhändlers nach den um liegenden Dörfern ausgegangen, um bei den Landbewohnern Kupferstücke einzusammeln. Auch Frau Petigrew und Rupert sollten mitfommen, aber die Dame erklärte, zurückbleiben und Die Kleider der Gesellschaft waschen zu müssen, und Rupert sagte, er sei zu müde und liebe das Geschäft nicht, und warf fich am Flußufer ins Gras. ,, Gieb Acht auf den jungen Fant, Weib," empfahl Tony seiner Frau. Laß ihn ja nicht entwischen. Wenn er sich ins Waffer stürzt, oder fich aufhängt, so hat das weiter nichts zu bedeuten, und uns fann fein Tadel dafür treffen, aber davon laufen darf er uns nicht." Schon gut, ich werde ihn nicht aus den Augen ver lieren." Kaum war die Bande fort, so vertraute Frau Betigrem dem Knaben an, daß alle diese Leute übelberüchtet und bei der Polizei sehr schlecht angeschrieben wären, und daß sie froh wäre, fie auf einige Stunden los zu sein. Jest da sie einmal aufathmen könne, wollte sie auch für fich und ihn ein ordent liches Effen zurecht machen. Sie scheuerte zunächst das Ge schirr sehr sauber, dann kochte fte Kaffee, Eier und Schinken und legte Rupert reichlich davon vor. Sie nöthigte ihn, zu zugreifen, und Rupert, der schon lange keine so anständige Mahlzeit erhalten hatte, ließ es sich auch recht gut schmecken. Bulegt reichte fie ihm eine Taffe Kaffee. Sit er nicht sehr bitter?" fragte fie ihn, und warf mit freigebiger Hand Zuder in das Getränk Nach Tisch rieth ihm Frau Petigrew fich hinzulegen und fich auszuruhen. Rupert fühlte fich ungemein schläfrig und that deshalb, was Frau Petigrem ihm vorschlug. Wenige Minuten später war er fest eingeschlafen. regierung hat es in der Hand, die anderen Nationen nach Berlin einzuladen. Wir würden uns dabei noch ganz besonders freuen, wenn dann die Franzosen ebenso laut wie einst im Jahre 1870 riefen: " Nach Berlin! Nach Berlin!" Politische Uebersicht. welche die Industrie heut zu Tage anstellt, ist das Vergnügen sehr erklärlich. Die armen Heiden am Kongofluß werden ihr Balmöl, Gummi, Elfenbein c. gegen deutschen Schnaps( und welch' ein Schnaps), gegen deutsches Schießpulver und deutsche Baumwollenlappen herzugeben haben und wenn, wie zu er hoffen ist, ein Missionsverein demnächst seine Thätigkeit bei den Heidenkindlein dort entfalten wird, werden alle Segnungen moderner Kultur den Mohren" theilhaftig geworden sein. Ja das war bisher die Art und Weise, wie die ,, Wilden" behandelt und erzogen wurden! Wann wird die Zeit kommen, wo Europa wahrhaft zivilisatorisch, nicht blos annektirend, handeltreibend und frömmelnd am Kongo wirken wird? Und doch wäre dort die Gelegenheit geboten, das ungeheure Unrecht einigermaßen wieder gut zu machen, das die weiße Raffe vor Jahrhunderten gegen die schwarze beging, bis man einsah, daß die Sklaverei ein Fluch für die Menschheit sei, der noch heute ungeachtet der Sklavenemanzipation in Nordamerika in vielen Theilen der Erde nachzittert. Trotzdem die Reichstagswahlen noch nicht ausgeschrieben worden find, wird doch die große Trommel gerührt. Die Nationalliberalen haben darin schon das Aeußerste geleistet und find wohl vor lauter Ueberanstrengung wieder verstummt. Eugen Richter fist ja iegt in seiner Schmiede und fabrizirt Wahl- und Schmähschriften; aber auch die Konservativen gehen jest los und zwar auf den Gimpelfang, wie wir in dem Artikel in Nr. 119 Für die Handwerker" gezeigt haben. Daneben aber treiben fie auch sehr fleißig den Bauernfang. Ein konservatives Blatt schreibt nämlich: Bei den bevorstehenden Reichstagswahlen werden die Handwerker und Landwirthe eine wesentlich andere und, wir hoffen es, würdigere und einflußreichere Rolle durchführen, als so oft bei früheren Wahlen. Nur zu häufig ließen fte fich bisher von den politischen Marktschreiern nasführen; durch blendende Phrasen getäuscht, gaben sie ihre Stimmen ab zu Zwecken, die den eigensten Interessen von Landwirthschaft und Gewerbe schnurstracks entgegenliefen. Die Enttäuschung blieb zwar nicht aus, aber der Schade war nun einmal geschehen. Erst der Uebermuth, in welchem die Presse des Großlapitalis: mus und des Schacherthums alle ehrenhaften Bestre bungen von Bürgern und Bauern zu Verbesserungen ihrer Lage zu gelangen, verhöhnte, fängt an, ihnen die Augen zu öffnen. Sie find es müde geworden, sich selbst Denen ans Meffer zu liefern, die, indem ste ihnen Freiheiten vorspiegeln, nur die Herrschaft über fie begehren. Wie fräftig es sich in der Landwirthschaft rührt, davon geben die ununterbrochen fich folgenden Gründungen von Bauernvereinen Zeugniß und Fürst Bismarck versäumt selten, in Gestalt eines Bauernbriefes die schwielige Hand seiner ländlichen Erwerbsgenossen dankbar und fräftig zu schütteln. Nicht das gleiche Maß von Aufmunterung seitens der Centralstelle wird den Handwerkern zu Theil. Diese sind im Wesentlichen auf sich selbst, die eigene Kraft und Thätigkeit angewiesen. Das ist an fich ganz na türlich. Jedermann gilt im Leben nur so viel, als er aus fich selbst macht. Erst wenn man im Reichskanzleramte erkannt bat, welche Macht im deutschen Handwerkerstande stedt, wie er fich zweckmäßig zu organisiren und seine Kraft zusammenzuballen versteht, erst dann, dann aber auch sofort, wird man ihm und seinen berechtigten Forderungen die gebührende Beildfichtigung zu Theil werden lassen. Erfreulich ist es daher, wahrzunehmen, wie die Gewerbtreibenden ganzer Gauverbände Deutschlands ihr Getrenntmarschiren anfangen nach dem einen Die Arbeiter gemeinsamen Mittelpunkte zu richten." aber, die sich überall gleichfalls rühren müssen, fönnen sich freuen, daß die übrigen Parteien und Klaffen sich vor den Wahlen immer so lieblich in den Haaren liegen. " Ueber die Arbeiterkolonieen wird der Volks- 8tg." aus der Provinz Sachsen unter Anderem folgendes geschrieben: Was in Bezug auf die Einrichtungen der Arbeiterkolonie Seyda, die Nebenarbeit der Kolonisten in firchlichen und religiösen Dingen mitgetheilt wurde, das soll wie es scheint, in allen Arbeiterkolonien eingeführt werden. Auf Anregung des Zentralvorstandes der Arbeiterkolonien hat sich nämlich das preußische Landeskonfiftorium dahin ausgesprochen, daß es die Sache der Arbeiterkolonien für so wichtig und der Unterſtügung durch die Kirche für so werth erachte, daß es gern gesehen werde, und auf denselben darüber berathen werde, was die Kirche zu wenn dieselbe auf den Bezirkssynoden zur Sprache fomme, ihrer Förderung im Allgemeinen und behufs Einrichtung von Verpflegungsstationen im Besonderen thun kann. Nach und nach hat fast überall das kirchliche Regiment in den Anstalten die Oberhand, eben wie in Seyda, gewonnen und wird ste noch mehr erlangen, wie der Erlaß des Landeskonsistoriums zeigt. Dann aber werden aus den Arbeiterkolonien, die be fannten Muckeranstalten, in welchen durch die vielen oberflächlichen Gebetübungen und den einförmigen Sing- Sang lediglich scheinheilige Heuchler erzogen werden, die später in der Freiheit mit viel größerem Geschickt ihr früheres(?) Treiben wieder aufnehmen. Die Hamburgischen Deutsch- Freisinnigen haben ihren früheren Führern den Gehorsam gefündigt. Die Reichstagsabgeordneten Rechtsanwalt Dr. Gieschen, ein Hauptschreier außerhalb des Reichstags und der im allgemeinen schweigfame Tischlermeister" Richter hatten nämlich ihre Parteigenoffen aufgefordert, bei den nächsten Reichstagswahlen mit Den Konservativen und National- Liberalen eine Sache zu machen. Darauf hin beanspruchten die Konservativ- National Liberalen den Löwenantheil für sich. Nunmehr erwachten die Deutsch Freifinnigen, wählten Gieschen und Richter nicht wieder in den Parteivorstand, sondern den höchst ehrenwerthen Demokraten Reichstagsabgeordneten Dr. Anton Rée zum Vor figenden. An einen Kompromiß mit den Konservativen und Nationalliberalen ist nun nicht mehr zu denken. Es werden. jest in allen drei Wahlkreisen drei Kandidaten verschiedener Richtung aufgestellt werden, ein Regierungskandidat"( natio nal- liberal- konservativ), ein Deutsch- Freifinniger und ein SozialDemokrat. Mein Vaterland muß größer sein! Namens des deutschen Reiches hat der Generalfonful Dr. Nachtigal eine mühelose Eroberung an der Westküste Afrikas vor einigen Tagen gemacht. Er pflanzte die deutsche Flagge in Ka = 11 Elsaß Lothringen braucht um das Hinscheiden der offiziellen Elsaß- Lothringischen Beitung" mit Quartalsschluß nicht zu jammern. Wie es früher beim Tode der französischen Könige hieß: Der König ist todt, es lebe der König!" so wird am 1. Oftober eine neue amtliche Beitung in Folge ministerieller Fürsorge das Licht der Welt erblicken. Nach einer amtlichen Bekanntmachung des Staatssekretärs v. Hofmann wird die Neuerstehende den Taufnamen Landeszeitung für Elsaß Lothringen" erhalten. 11 spinnenden Handgemenge wurden drei Sträflinge getödtet und einer verwundet, während vier türkische Soldaten gleichfalls Verlegungen davontrugen. Der Gouverneur von Malta be anspruchte die Jurisdiftion in der Affaire; aber der türkische Konful opponirte dagegen aus dem Grunde, daß der Dampfer der ottomanischen Regierung gehöre. Nach vierundfünfzigjähriger Verbannung von der Heimath ist einem der polnischen Revolutionshelden von 1830, Ignaz Domejko, die Rückkehr nach Warschau ge stattet worden. Die jeßige polnische Generation verehrt in ihm einen der gefeiertsten polnischen Veteranen; er war ein Freund von Mickiewicz, und wie dieser ein begeisterter Kämpfer für die Unabhängigkeit seines Voltes. An der ersten polnischen Re polution nahm er einen hervorragenden Antheil. Fünfzig Jahre lang lebte er seitdem fern von seiner Heimath. Natürlich ließen fichs die Landsleute Domejlo's nicht nehmen, ihn, der heute ein 83jähriger gebrochener Greis ist, würdig zu empfangen. Die Warschauer Universität, die Gesellschaft, veranstalteten ihm großartige Dvationen, an denen fich die ganze polnische In felligenz betheiligte. Bei der Enthüllungsfeier des Denkmals des Generals Jouffroy gab es Aufsehen durch eine Rede des radikalen Der putirten von Besançon, Beauquier, welcher unter Anderem er flärte, daß es nunmehr Beit sei, den Volksvertilgern", den Generälen, feine Standbilder mehr zu errichten, während ver schiedene Generale an der Feier theilnahmen, welche diese Er flärung nicht schweigend hinnahmen. Während Beauquier in Folge der entstandenen Mißbelligkeiten am Abend vom Bankett fern blieb, verherrlichte der Bautenminister Raynald die Verdienste der Armee in beifällig aufgenommener Rede. Cholera im südlichen Frankreich hat die Folge, daß die Generalräthe auch in den nicht durchseuchten Departements vielfach gesundheitliche Verbesserungsmaßregeln treffen. Der Justice" zufolge hatten jene als Spione" in Roblenz eingezogene, aber bereits wieder weil aus Versehen( nach der Roblenzer Zeitung) arretirt freigelassene Franzosen ihre Beichnen- Studien mit vorheriger Genehmigung der deutschen Militärbehörden betrieben." Die Aus Rom wird berichtet: Vorgestern sind in der Proving Bergamo 14 Erkrankungs- und 3 Todesfälle, in Campobasso Auch General Buttler hat zu der nächsten Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten eine Adresse erlassen, worin er seine Aufstellung zum Präsidentschaftskandidaten an nimmt. Er tabelt beide Parteien im Staate und sagt, das Volf fönne Nichts von ihnen erlangen, da die Demofrater ihre früheren Prinzipien aufgegeben haben, und die Republi taner Monopole begünstigen. Er räth den Wählern an, eine britte Bartei, genannt die Volkspartei", zusammengefest aus Arbeitern, Anti- Monopolisten und allen Solchen, die unzus frieden sind, zu bilden, welche das Machtgleichgewicht zwischen den zwei existirenden Parteien halten soll. Er empfiehlt ſeinen Anhängern bei der Zusammenstellung ihrer Wahltidets in jedem Staate eine Fusion mit der muthmaßlichen Minori tät zu bewerkstelligen. Krieg zwischen Frankreich und China scheint na einer Depesche der„ Agence Havas", des offiziellen Telegraphen bureaus der franzöfifchen Regierung unvermeidlich. Die Note lautet: Ungeachtet der Fristen, welche nacheinander der chinesischen Regierung gewährt wurden, und der Mäßigung der franzöfifchen Unterhändler hat das Rabinet von Beling definitiv jede Satisfaktion für den Verrath von Langson abge lehnt und seine Bevollmächtigten von Shanghai abberufen Die franzöfifche Regierung mußte sodann an die chinefie Regierung eine legte Aufforderung richten. Der Gesandte Batenotre erhielt demnach den Befehl, dem Tsung- Li- Damen das Votum des Parlaments zu notifiziren und demselben erklären, daß die Entschädigungsziffer definitiv mit achtzig Mil lionen, sahlbar in 10 Jahren, festgelegt wurde und daß went binnen 48 Stunden diesem Verlangen nicht entsprochen werden follte, Admiral Courbet beauftragt würde, sofort die nöthigen Vorkehrungen zu treffen, um Frankreich die ihm schuldige Entschädigungen zu sichern. Die Frist ist heute um 1 lb Nachmittags abgelaufen. Im Laufe des heutigen Tages suchte der chinesische Minister um eine Audienz bei dem Mini ſter- Präsidenten Ferry, nachdem er vom Tsung- Li- Damen den Befehl erhalten hatte, auf seinen Boften nach Berlin zurüd fehren. Li- Fong Pao nahm von Ferry Abschied, welcher ihn sofort seine Päffe ausfolgen ließ. Politische Wochenplauderei. te De De 0 be br ni be 10 th lid no ma ta Tr ger Ge tat Be fin Die an gle DOT En CS mä Lat lan Die Бет fich Rol bab heit efel in Daf Au rich nun arti Der abe Lege Be fold Dem brin Reg Fest Die richt und Auf Be Dur foni gem um Die R. Wiederum ist eine Woche verfloffen; ein kleiner Zeit abschnitt im Menschenleben, und doch hat oft eine Woche a Bedeutung reichlich ein Jahrzehnt aufgewogen. Der ver floffenen Woche können wir freilich feine große Bedeutung beilegen, fie hat den Kulturfortschritt der Menschheit nit fonderlich gefördert. Aus den Vereinigten Staaten Nordamerikas find im Laufe der vergangenen Woche haupts fächlich Berichte über die bevorstehende Präsidentenwahl uns gelangt, welche zeigen, daß der Stimmenfang jenseits des dort um die Herrschaft ringenden Parteien kommt es auf die Stimmen des arbeitenden Volles an; diese gilt es einzufangen An Versprechungen lassen es weder die Demokraten noch die Republikaner fehlen; allein sobald die eine oder die andere Partei mit Hilfe des arbeitenden Bolles geflegt hat, so vergißt sie alle Versprechungen und 3 Erkrankungs- und 6 Todesfälle, in Como 1 Erkrankungsfall, Ozeans augenblicklich an der Tagesordnung ist. Für beide in Cuneo 12 Erkrankungs- und 6 Todesfälle, in Genua 1 Todesfall, in Lodi 1 Erkrankungsfall, in Parma 1 Todesfall, in Turin 1 Erkrankungs- und 3 Todesfälle, in Maffa- Carrara 9 Erkrankungs- und 4 Todesfälle vorgekommen. ber meruns und Bimbia auf, woselbst einige Hamburger batte einen Beschluß gefaßt, über welchen die Mehrzahl seiner Mohr, der seine Schuldigkeit gethan hat, fann dann und Bremer Kaufleute Faktoreien errichtet hatten und erklärte die Gegend feierlich für Deutschland annektirt. Auf einfachere Weise kann ein Land gar nicht in Befit einer Kolonie kommen. Ueber die Vorgeschichte dieser feierlichen Einverleibung", von welcher alle Beitungen wiedertönen, soweit die deutsche Zunge flingt, erfährt man, daß die eingeborenen Häuptlinge von Kameruns schon vor 1%, Jabren bei der englischen Regierung petitionisten, unter britische Oberhoheit gestellt zu werden; fie erhielten aber von John Bull feine Antwort und haben nun mit großem Vergnügen sich von Dr. Nachtigal als Deutsche vierter Klaffe anwerben lassen. In erster Linie werden sich wohl die Hamburger über diese neuesten deutschen Brüder" freuen und bei der wilden Jagd nach neuen Absaßgebieten, selbst. ,, Ob Ich möchte wissen, was geschähe, wenn der Bursche gar nicht wieder erwachte," sagte Frau Betigrem zu sich selbst. Ob wir seinen Tod wohl bei der Polizei anzeigen müssen? das fönnte aber schlimme Folge für uns haben. Tony würde ihn vielleicht in aller Stille begraben, ohne viel Aufhebens von der Sache zu machen." Als fie fich überzeugt hatte, daß Rupert in sehr tiefem Schlafe lag, schlich sie zu ihm heran und begann seine Kleider zu untersuchen. Zu ihrer großen Freude fand sie endlich in einer inneren Tasche feines Rockes die rothe Maroquinmappe. Spähend blickte Frau Petigrew jest umher, ob sie von Niemandem beobachtet würde, dann prüfte sie die zierliche, goldgeichmückte Mappe. Was für ein unfinniges Beug doch diese vornehmen Leute kaufen! Ich könnte für das Ding in London wohl fünf Schillinge bekommen, aber ich glaube, diese goldenen Schnörkel bedeuten den Namen und das Wappen der Lady, und wenn ich damit zu einem Händler komme, muß ich erst über das Woher Rede stehen. Sehen wir nur näher zu. Sie öffnete die Mappe behutsam und fand eine Pfundnote darin. Das wäre für mich," flüsterte fie, und weiter forschend durchwühlte sie auch das zweite Fach. Ein Briefumschlag mit der Aufschrift: Für Rupert, nach meinem Tode zu lesen" fiel in ihre Hände. Eine fleine Kommunal- Revolution wird aus Nola bei Caserta in Italien gemeldet. Der Gemeinderath von Nola Mitbürger so erbost war, daß sie sich zusammenrotteten und in der Stärke von 500 Mann, mit Flinten, Revolvern, Beilen und Prügeln bewaffnet, vor das Gemeindehaus zogen. Dort schichteten fie unter dem Geschrei:„ Tod dem Bürgermeister!" Brand zu stecken. Nun schritten die Carabinieri ein, und es fam zu einem Kleinen Gefechte, in welchem die Hüter der öffentlichen Sicherheit in die Flucht geschlagen wurden. Nähere Nachrichten über dieses gemüthliche Intermezzo fehlen. geben. Ist es in den Vereinigten Staaten die Präsidentenwahl, welche unsere Aufmerksamkeit erregt, so find die neuesten Nachrichten aus Afrika nicht minder im Stande unsere Blide auf den schwarzen Rontinent" zu ziehen. Unfere eine große Menge Holz auf und versuchten das Gebäude in deutschen Liberalen find ganz aus dem Häuschen und schwim men in einem Meer von Wonne, weil einige Privatleute der Küste Afritas Kleine Länderftreden erworben" haben, die nun, wie es heißt, unter dem Schuße des Deutschen Reiches gestellt werden sollen. Wir wiffen nicht, in welcher Wei diese Herren zu besagten Landftrichen gelommen find; aber da wiffen wir, daß es dort sehr leicht ist, Länderstrecken zu werben". Es giebt nichts Einfältigeres, als die Behauptung daß derartige Länderstrecken dem Vaterlande ganz befondert von Leicester gewandert, ehe Rupert den Verlust seiner Mar Aus Malta wird gemeldet, daß bei der Ankunft eines nach Tripolis bestimmten türkischen Dampfers, mit 60 Ver brechern an Bord, die Lesteren in Meuterei ausbrachen und die türkische Bedeckung angriffen. In dem darauf sich entdie türkische Bedeckung angriffen. In dem darauf sich entDer Pulsschlag war stark und das Athmen regelmäßig, obgleich febr tief. Obne besondere Angst verließ fie den Knaben wieder, um an ihre Arbeit zu gehen, und das Abendessen für ihre Stameraden zu bereiten. Tony, fieh einmal nach dem Knaben, er schläft schon stundenlang sehr fest," sagte sie zu ihrem Gatten, als dieser sich gefättigt hatte. Sie gingen zusammen zu ihm hin. quinmappe entdeckte. Petigrew darüber. Er vermuthete sogleich, daß man fie ibm während feine tiefen Schlafes genommen hatte. Zuerst sprach er mit Fra ,, Erwähnen Sie nur nichts gegen meinen Mann, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist, junger Mann. Er ist gewaltthätig und könnte leicht an Ihnen sich vergreifen. Was einmal g Dentst Du, daß er sterben würde?" fragte die Frau ihn schehen ist, läßt sich nicht mehr ungeschehen machen." besorgt. " Nein, ich möchte aber, er stürbe." Und die Polizei, und der Leichenbeschauer, und der Doktor-" ruhig dazu schweigen," wandte Rupert ein und stellte Ton zur Rede. Der Landstreicher fuhr ihn ungestüm an. 11 über Rupert neigend. Weib, was hast Du gemacht, ich rieche Opium." Ja, ja, das ist zu erwägen," sagte Betigrew, fich dicht Du, und eine Mappe mit goldenem Schloß? Ich glaube fein 11 ,, Das ist nicht wahr!" Ja, Du Elende. Was wolltest Du mit dem Jungen, Sprich!" Nichts, gar nichts, ich habe ihm nichts gethan, und von Opium weiß ich nichts, auf Ehre und Gewissen!" Schloffer Wort davon. Wenn wir nicht Männer von Ehre wären würden dann hochnäfige Burschen mit goldenen und Pfundnoten fich zu uns gesellt haben?" Daffelbe erklärten die Andern, versichernd, daß wenn wirklich etwas verloren hätte, dies ihm unterwegs begegnet sein müffe. Sie Alle beargwöhnten Frau Betigrew, und Deine Ehre und Dein Gewissen sind nicht mehr werth, gesammte Gepäck der Frau ihres Führers, aber ihr Bemühen als ein falscher Heller!" verschiedenen Zeiten durchwühlte jeder Einzelne von ihnen be fich in den Besitz der erwünschten Beute zu fegen, bli Weiter und weiter wanderten die Strolche, bis die furze fruchtlos. Frau Petigrew säumte nicht, das Schriftstück zu studiren, hier und da unter dem kleinen Belte oder neben der verglim Novembertage fie in die trüben Gaffen von Glasgow aber es dauerte lange, ehe fie damit zu Stande kam. Der Ausdruck der Neugier und des Staunens in ihrem Geficht wich, je weiter fie in der Entzifferung des Schreibens Dordrang, gesteigertem Entzüden. Zwei Stunden vergingen, ehe fie diese Aufgabe beendigt hatte, eine dritte Stunde ge nügte, um die Beilen wieder und wieder zu lesen, bis sie ihren Inhalt fast auswendig wußte. ,, Das ist ein Glücksfund für mich," sagte Frau Betigrew. Ich werde das Papier wieder in die Mappe legen und das Ganze gut aufbewahren, und es hüten, als ob es Dia manten wären. Der Junge wird hoffentlich nicht sterben," fuhr fie fort: Es wäre ärgerlich, wenn er so still hinüberschlummerte, und gar nicht mehr zu sich fäme." Dann versteckte fie die Mappe unter einem Haufen von Lumpen, und als sie auch das Geld sicher verborgen hatte, wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder Rupert zu. Sie beugte sich über ihn. Seine Nafe war blau und zusammengefniffen, die Augen waren eingefunken und von dunklen Ringen umgeben. Als die ganze übrige Gesellschaft eingeschlafen war, und menden Asche des bereits erloschenen Feuers lag, saß Frau Betigrem noch mit hochgezogenen Knieen da, um welche fie ihre Arme geschlungen hatte und fann nach. Sie blickte diesen flößte fle löffelweiſe Rupert ein. Bu ihrer großen Be Dort brachten fie den Winter zu. fanden fic mir feige perf Ian aus mad gele fche eine hab Don prot tuli beff Ότα Gre Don teit Ga nich eine ja Ri mai fie für Bor der eine jci. nich um ein gen Sel Den fize tön fein eine mag mög geb bert Legt Daß jein Dor fein piel Stät Στο in gol und nad Der arme Rupert war zu abgerissen und zu elend in feine weit in die Zukunft. Endlich stand fie auf, entzündete einige Versuch zu wagen, seine Lage zu verbessern. Der leine ve trockene Zweige und braute eine Tasse sehr starken Kaffee, wöhnte Schüler von Eton war in seiner gegenwärtigen Schmad die er bitter empfand, vollkommen hülflos und ohne Muth, friedigung schluckte er ihn hinunter ohne zu erwachen. Nach aufzuraffen, um aus dem Sumpfe zu entrinnen, in den er g der lange Schlaf hatte ihn nicht erfrischt, der Kopf schmerzte nach Jrland zu gehen, und Sir Rupert niemals wieder zurid einer Weile wurde sein Athem leichter und sein Schlaf natür licher. Erst spät am Morgen öffnete Rupert die Augen, aber ihn, es schwindelte ihn und er glühte wie im Fieber. rathen war. auf englischen Boden zu bringen. Aber Tony wollte noch meh Die Landstreicher waren seinetwegen genöthigt, ihren Auf Geld von seinem Gönner erpressen, indem er sich wieder in pi bruch um zwei Tage zu verschieben. Frau Petigrew, welche größtentheils allein bei ihm gelaffen wurde, hatte ihr Benehmen gegen ihn vollständig geändert. Sie kochte für ihn, so gut sie nur immer fonnte und Nähe von London begab. Be So geschah es, daß diese Bande von Schurten im Jun wieder in der Nachbarschaft der Barth'schen und Bidef Güter in einem engen Thal ihr Lager aufgefchlagen batte noffen trafen Anstalten, fich heimlich von den Gefährten F Robheiten zu vergeffen, und sie als seine einzige Freundin zu betrachten. Sie waren mehrere Tage durch das Hochland behandelte ihn mit Ehrerbietung, Rupert begann ihre früheren Angst war in jedem Geficht zu lesen, und die fauberen& trennen. ( Fortiesung folgt) Erb Bie ma Still ich mat Den viel Da Des ma fau und Falls be Ξίφε pfer der DON ge ihm und für Re abre egen geute gen. ihm In went fen, an bas raten ubli eine aus Lingus Schen einen tets" inori nad phen Die rber gung Seling abge ,, Staatsb.- 3." meldet, ein Umstand, der eines romantischen Anstrichs nicht entbehrt. Das Söhnchen glaubte nämlich die Muße der Ferien nicht beffer ausnußen zu können, als einer 17jährigen Schönen, die vom Papa als Buffetdame engagirt worden war in aller Form den Hof zu machen. Dem aufmerksamen Familienoberhaupt entging das heimliche Treiben des unerfahrenen Bärchens nicht; da mußte energisch eingegriffen werden, um großen Ver drießlichkeiten für die Folge vorzubeugen. In Durchführung dieser Abficht wurde das Dämchen entlassen, über deren Verehrer aber ein mehrtägiger Stubenarrest verhängt. Das Söhnchen scheint nun aber nicht gewillt gewesen zu sein, fich einer so weit gehenden Disciplinargewalt des Vaters zu fügen. Seit etwa 14 Tagen ist der junge Mann spurlos verschwunden und trop der umfassendsten Maßregeln, zu denen namentlich die unausgesezte Beobachtung des erwähnten jungen Mädchens gehörte konnte bisher über den Aufenthalt des Ausreißers nichts in Erfahrung gebracht werden, obwohl zur Erreichung dieser Abficht weder Mühen noch Kosten gescheut worden sind. Da sich das verirrte Söhnchen vor seinem Weggehen reichlich mit Geld versehen hat, so ist die Annahme eines Selbstmordes aus falschem Ehrgefühl ausgeschlossen. Hoffentlich stellt sich der junge Mann bald wieder bei den schwer betrübten Eltern ein. wachzurufen. Wer jemals den alten Jatobi- Kirch| bestimmte Zeit zu verlängern. Veranlassung hierzu bot, wie hof besucht hat, wird finden, daß sich hier Alles in schönster Ordnung befindet, saubere Wege führen zu den Gräbern, diese selbst find gut erhalten und auf das sauberste gepflegt. Dieser Kirchhof bildet nach jeder Hinsicht einen wirtlichen Schmuckplas, und es mag das wohl daher kommen, daß er von dem begüterten Theil der Gemeinde benutzt wird. Ein ganz anderes Bild bietet dagegen der Neue Jakobis Kirchhof. Die Wege find vor Untraut faum zu erkennen, geschweige dem zu pasfiren, die Gräber verfallen und unter dem Gestrüpp, welches stellenweise halbe Mannshöhe erreicht, faum noch zu bemerken. Während man überall zu sparen sucht und aus den Erträgnissen des Grund und Bodens möglichsten Vortheil zu ziehen trachtet, scheint das hier nicht der Fall zu sein, man läßt das Gras hier einfach an der Sonne verdorren, statt es rechtzeitig zu schneiden und als Heu zu verwerthen. Freilich hier ruht der ärmere Theil der Ge meinde, vorwiegend Arbeiter, und da scheint es nicht so nothwendig zu sein, daß man in so sorgsamer Weise verfährt, wie bei den todten Reichen. Die Arbeiter- Wittwe tann allerdings keine großen Opfer bringen für die Grabstätte ihres Mannes, auch der Arbeiter, der vielleicht mit unerzogenen Kindern zurückgeblieben ist, fann von seinem fargen Verdienst schwerlich etwas erübrigen, um die Kirchhofsverwaltung zu unterstüßen. Es beleidigt über haupt das Herz eines jeden fühlenden Menschen, daß heut zu Tage firchlicher Seite Nichts ohne gleich baare Bezahlung voll streckt wird, man wird sich mancher Scenen noch erinnern, die in dieser Beziehung viel böses Blut machten, aber wo vorwie gend Liebe und Milde gepredigt wird, da sollte man dieselbe durch Thaten beweisen, man sollte wenigstens zeigen, daß nach dem Tode Standesunterschiede aufhören. Vortheile bieten würden. Oder solte man von Seiten der Schnapsbrenner mit der Hoffnung schwanger gehen, daß die Reger und Kaffer n eifrige Schnapskonsumenten werden fönnten? Sollte man Willens sein, durch den Schnaps die ,, Wilden" Der Kultur zuzuführen? Möglich ist, daß diese Hoffnung unsere Kulturfreunde" beseelt. Allein Eines mögen die Herren Länderbefiger nicht vergessen, daß nämlich auch der dümmste Kaffer oder Neger nicht Willens sein wird, für fie irgend welche Arbeit zu verrichten, es sei denn auf furze Zeit. In irgend eine Fabril oder ein Joch läßt sich auf die Dauer der schwarze Mann nicht zwängen, wenigstens nicht freiwillig und der deutsche Arbeiter wird sich, abgesehen davon, daß das Klima ihn so wie so bald hinraffen würde, schwerlich bewogen fühlen, das zu thun, was der schwarze Mann unter seiner Würde hält, nämlich die Kastanien für die Herren aus dem Feuer zu holen, nota bene, wenn überhaupt welche da find. Oder aber, sollte man fich in der Hoffnung wiegen, daß durch Einführung einer strammen" preußischen Disziplin aus den Küstenstrichen Afrifas ein modernes Klein- Deutschland zu machen sei?! Schöne Träume! Die Wälder und Flüsse Afrikas find groß genug auch dem Raum zu bieten, der sich an feine strammen Geseze gebunden fühlt. Wenn an der Küste Afrikas ein Eldorado vorhanden wäre, dann hätten die geriebenen englischen Geldmänner, die in Kolonialsachen hundertmal gewigter find, längst von diesen Landstrichen Befis ergriffen. Allein Die Erfahrungen in Süd- Afrika haben die Engländer veranlagt, ihre Hände nicht auf dieses Küstenland zu legen; obgleich fie durch teine Macht hätten veranlagt werden fönnen, on einer Beschlagnahme Abstand zu nehmen. Doch je mehr England in fremden Ländern kolonisirte, desto schlechter kolonifirte es im eigenen Lande. In den Kolonien welche sich der Botmäßigkeit Englands erfreuen, harren noch Milliarden Acker Landes der fleißigen Hände und in der Hauptstadt des Mutterlandes find die Menschen in Höhlen und Löcher eingepfercht, die jeder Beschreibung spotten. Und haben sich in Irland beffere Bustände entwickelt, seitdem die auswärtigen Colonien fich vergrößert haben? Im Gegentheil, je mehr auswärtige Rolonisation, desto schlechtere innere Kolonisation und daher baben wir an England ein Beispiel, wie wenig der Gesammt beit im engeren Vaterlande auswärtige Kolonien nugen. Das etelhafte Kronzeugen- System hat sich wieder einmal in Irland in feiner ganzen Häßlichkeit gezeigt, es hat sich herausgestellt, daß die Beugen durch den Kronanwalt verleitet wurden, falsche Aussagen zu machen, auf Grund deren drei Irländer hinge richtet worden sind. Was wird die liberale" englische Regierung nun mit dem Kronanwalt thun?! Jedenfalls muß ein der artiges Vorkommnig alle denkenden Menschen veranlassen, ein derartiges System entschieden zu verurtheilen. Was soll man aber davon denken, daß noch vor ganz furzer Zeit bei Ge legenheit des Prozesses gegen den Kommissionär Dickhoff die Berliner Volkszeitung für Aronzeugen plaidirte?! Und solche Leute haben den Muth, sich als wahrhaft freifinnig" Dem Deutschen zu präfentiren?!- Auch aus Frankreich Auch aus Frankreich bringen liberale Beitungen Schauernachrichten; die franzöfifche Regierung soll zwei Spione nach Koblenz geschickt haben, um Festungspläne auszuschnüffeln. Nachdem alle Bierphilister in richt, daß die Spione schon wieder in Freiheit gesezt wurden und die liberale Presse hat nun die allerdings nicht leichte Aufgabe, den Philister wieder zu beruhigen. Belgien fiebt es wunderbar aus; nachdem die Liberalen durch einen Wortschwall von Freiheitsphrasen und den sonst üblichen Spektakel das Spektakel das arbeitende Wolf mobil gemacht haben, wird ihnen jest angst und bange Herr, die Geister, die ich rief, werd ich nun nimmer los!" Nun, wir wollen hoffen, daß die erwachten Geister sich nicht an den feigen Liberalismus fehren, sondern einmal auf dem Plane versuchen werden, wirklich Gutes zu erreichen. land find wiederum Attentate gemeldet worden; wann wird aus Rußland einmal etwas Gutes tommen? Norwegen macht, wenn auch langsam, Kulturfortschritte; ein neues Wahlgefes ist erlaffen worden, das aber, weil es noch viel zu wünfchen übrig läßt, von den Arbeitern Norwegens mit Recht einer abfälligen Kritik unterzogen wird. rufen eftiche andte Jamen en zu Mil wenn Derden higen Digen 1 Uhr ser Mini n ben cüdu Beit dhe an r vers eutung nidt aten haupts bl 31 1 bes beide auf die angen. och die er bie gefiegt Der Dann n bie To find Stande Unfere chwim ute an en, bie Reiches Weife ber das zu„ e uptung fonder Mare feines St Fra wenn altthätig nal go 11, und Te Lon de, fap ube fein wären bloffert venn begegnet und nen bai Gemühen blieb Se furgen fanden in feine einen ine ve Schmad Ruth fich en er ge hottland ibm " Volk Auch in haben die letzten Tage so recht deutlich gezeigt, weshalb man Don fonservativer und nationalliberaler Seite die Zünfiler protegirt. Auf die Stimmen der fleinen Handwerker spe tuliren diese Herren, wer fann auch den Handwerker Graf oder ein nationalliberaler Großfabrikant!? Wie so ein beffer vertreten, als so ein konservativer Baron oder Großfabrikant fich wohl ins Fäustchen lacht, wenn er die Stimmen g Wer Luft hat, drei Jahre für billiges Geld zu arbeiten und außerdem in Uniform zu steden, tann sich beim Bezirks- Kommando des Reserve- Landwehr- Regiments Nr. 35 zu Berlin melden. Genanntes Rommando sucht gegenwärtig zur Einstellung am 1. Oktober d. Jrs. einige junge Leute, welche im Bureaufach mit Erfolg gearbeitet haben, sowie einen Buchbinder und Steindruder als dreijährig Freiwillige. Qualifizirte Personen, welche mindestens 19 Jahre alt find, fönnen sich melden. Baterlandsvertheidiger und Buchbinder zu gleicher Zeit zu sein, das ist eigentlich ein Bischen viel verlangt, außerdem dokumentirt das besser als alles Andere die Fürsorge des Staates für den Arbeiter, denn billiger fann wohl schwerlich gearbeitet werden als beim Militär, und was die Buchbinder im Civil, die doch auch zur Erhaltung des Militärs beitragen, thun sollen, wenn ihre militärischen Kollegen ihnen ihre Arbeit vor der Nase wegnehmen, das bleibt gewiß ein Räthsel. N Die Carl Hagenbeck'sche Singhalesen- Karawane veranlaßte heute eine förmliche Völkerwanderung nach dem Ausstellungspark( frühere Hygiene- Ausstellung). Schon in der frühesten Morgenstunde war das Etablissement an sämmtlichen acht Kassen von Schauluſtigen belagert, die des Momentes der Eröffnung um 9 Uhr früh gewärtig waren. Bis Mittags 12 Uhr hatten ca. 8000 Erwachsene und etwa halb so viel Schulkinder die Kontrollen paffirt. Bis Nachmittags 4 Uhr stieg die Besucherzahl auf 12000 Perionen, so daß anzunehmen war, daß bis zum Kaffenschluß Abends 7 Uhr gegen 15000 Besucher den erotischen Gästen eine Antritts- Visite abgestattet haben. Die Eingeborenen Ceylons haben sich bereits vollständig häuslich eingerichtet; sechs indische Wohnhäuser( Bangolos) find inmitten der Gebüsche aufgestellt und gewähren so einen äußerst pittoresten Anblid, namentlich imponirt der Ban goly des Kandian Chief Bao' Naiede Nellumbe Ullubanda, über dem die roth- weiß- gelbe Fahne mit dem finghalefischen Zöwen webt. In der Mittagspause von 12-2 Uhr machte ein Theil der fremdartigen Gäste der Residenz in 6 prachtvollen Equipagen einen Besuch und verschmähte es sogar nicht in dem am Schloßplaz belegenen Restaurant von Helms zum Frühschoppen einzufehren. g. Ueber einen mittelft Einsteigens in ein Fenster in der vergangenenen Nacht verübten größeren Diebstahl geht uns folgende Mittheilung zu: Die in der Michaellirchstraße Nr. 18 wohnende Familie Sp. befindet sich in Sommerwohnung, ihre Geschäftslokalitäten in demselben Hause werden von zwei erwachsenen Söhnen bewacht. Als dieselben gestern Abend gegen 11 Uhr nach Hause tamen, herrschte in der Wohnung eine so drückende Hiße, daß fie die Fenster öffneten und später auch nicht schlossen, sondern sie vor dem Schlafengehen nur anleg ten. Als der ältere Sp. während der Nacht erwachte, wollte er nachsehen, wie es spät es sei. Er suchte auf den Nachttisch nach seiner Taschenuhr, konnte dieselbe aber nicht finden und da es noch graute, so legte er sich wieder hin und schlief weiter. Um 7 Uhr Morgens erwachten die beiden Brüder und bemerkten nun sofort, daß die nur angelegt gewesenen Fenster weit offen standen. Nicht wenig erschreckten fie aber, als ste Uhr und Kette nicht vorfanden. Als fie auch die in einer Kravatte befindlich gewesene goldene Einstecknadel mit einem Edelstein vermißten, war es ihnen klar, daß Diebe während der Nacht in die Wohnung gewesen und durch die Fenster gestiegen waren. Bei der nunmehr vorgenommenen Reviston der Wohnung stellte es sich heraus, daß die Diebe noch diverse Gold- und Silbersachen, sowie auch baares Geld gestohlen batten. Der fofort befragte Nachtwächter erinnerte sich, gegen 2 Uhr Nachts einen Menschen vor dem Hause Michaelfirchstr. 18 auf- und abgehn gesehen zu haben; er habe aber nicht vermuthet, daß das ein Dieb sei, deffen Komplizen der Sp.'schen Wohnung einen Besuch abgestattet hätten. Die Bestohlenen haben bereits der Kriminalpolizei von dem Vorgange Mittheilung gemacht. g Ein grober Erzeß wegen eines Scharfrichtergehilfen, bei welchem dieser übel zugerichtet wurde, veranlaßte gestern in der Lindenstraße einen bedeutenden Menschenauflauf. Der Scharfrichtergehilfe Nr. 27, Namens Rabe, hatte vor dem Hause Nr. 106 einen ohne Steuermarle herumlaufenden Hund mit der Schlinge weggefangen, was die Entrüstung einer Anzahl von Baffanten hervorrief. Etwa zehn, den besseren Ständen angehörige Leute bedrängten den Scharfrichtergehilfen derartig, daß er sich mit Gewalt von den ihm drohenden Menschen zu befreien versuchte. Plöglich trat nun ein Subjekt, einer jener Strolche, welche stets bei derartigen Anlässen auf der Bildfläche erscheinen, auf den Scharfrichtergehilfen zu, zog einen harten Gegenstand aus der Tasche( anscheinend ein zusammengeflapptes Messer) und hieb auf den Kopf des Scharfrichtergehilfen ein. Blutüberströmt wurde der Verlegte von einem Schußmanne nach der Sanitätswache in der Markgrafenstraße 82 gebracht, woselbst fünf Wunden am Kopfe vorgefunden und verbunden wurden. Leider ist es nicht gelungen, den Uebelthäter festzunehmen, da sich derselbe bei Annäherung von Schußleuten aus dem Staube machte. Der Scharfrichtergehilfe ließ fich den gefangenen Hund froß der Bedrängniß und der empfangenen Schläge nicht entreißen; derselbe wurde von seinem Befiger wieder eingelöst. Außer den gedachten Verlegungen erhielt der Scharfrichtergehilfe noch eine Bigwunde an der Hand, die ihm der gefangene Hund zugefügt hatte. Rabe hat übrigens schon einmal bei Ausübung seines wenig beneidens werthen Berufes, und zwar bei Charlottenburg, den Unmuth des Publikums ertragen müssen. Damals war es ein Meffer stich ins Gesicht, deffen Narbe noch heute zu sehen ist. N Das Raubthierhaus unseres zoologischen Gartens, deffen günstige Zuchtresultate weit bekannt sind, ist wiederum um ein junges Räßchen reicher geworden, welches an Seltenheit, wie an Boffierlichkeit dem jungen Tiger wohl Ronkurrenz machen wird. Der Neugeborene ist ein junger indischer Panther, Sprößling des von Herrn William Schönlant geschenkten prachtvollen Paares. Dasselbe hat schon mehrmals Nachtommenschaft gehabt, indeffen war es nicht möglich fie zu erhalten, da die Mutter, von einem widernatürlichen Gefühl getrieben, dieselbe jedesmal auffraß. Diesmal nimmt fie ihre Pflichten beffer wahr und es ist jest, nachdem sie das junge Thier von solchen fleinen Handwerkern erhält, die ihre Selbstständig schon mehrere Tage gesäugt, Hoffnung auf Aufzucht vorhanden. teit dadurch zu wahren suchen, daß sie den Bock zum eine Befferung Wo alles liebt, fann Karl allein der junge Tiger, welcher sich im gegenüberliegenden Käfig befindet, gedeiht vortrefflich und Alt und Jung freuen sich, wenn jener mit der auf und abgehenden Mutter Schritt halten will. Wenn er dabei häufig einen Purzelbaum schlägt oder auf dem schrägen Boden des Käfigs herabrollt, so erhöht das nur die Komit. Ferner ist die Bärensammlung um ein drolliges Kerlchen vermehrt, indem Herr Gumbinner, hier einen muntern, etwa halbjährigen finnländischen Bären schenkte. Auf dem nicht haffen," so dachten jedenfalls die Hausbefizer als sie einen Rongreß nach Kassel einberiefen. Die Kongresse find ja an der Tagesordnung und wenn die Zünftler und andere Rückschrittler goldene Zukunftspläne geschmiedet haben, so kann man es den armen Hausbefizern auch nicht verargen, wenn fie von dem Golde welches die Zukunft bringen soll, auch für fich etwas auffischen wollen. Der bekannte Herr Wöniger, Schiffe, das ihn über die Ostsee trug, hat er das Biertrinken Borfigender des Vereins Berliner Hauswirthe", hat die Noth der Hausbefizer flargelegt, aber auch fonstatirt, daß bereits -natürlich für die Hausbefizer vorhanden sei. Arme Hauswirthe!" Ja, was haben diese Aermsten nicht alles zu leiden, wie müffen fie fich plagen und schinden um im Kampf ums Dasein, ihre Existenz zu fristen!? Es ist ein schweres Geschäft, Hauswirth zu sein; vom frühen Mor gen bis zum späten Abend an jedem Ersten des Monats das fönnen. figer gewesen sein, um dieses schwere Leben beurtheilen zu gelernt und als Erquidung bei seiner Ankunft im Garten nahm er gleich zwei Gläser des braunen Getränkes zu sich. Buweilen macht sein Wärter mit ihm eine fleine Spazierfahrt auf dem See und es scheint dem kleinen Bären große Freude zu, machen, wenn er dem Kahn nachschwimmen muß. Geld in Empfang zu nehmen, um es alsdann in den folgen nehmer der augenblicklich hier Sensation erregenden Sing cr. fein" Am Lokales. N. Zwei schwarze Schwäne entflogen. Von den vielen Waffervögeln, Pelitanen, Canada Gänsen, Lanz- Enten 2c., die. Herr Carl Hagenbed aus Hamburg, bekanntlich der Untera. Selbstmord. In einem Hotel der Markgrafenstraße stieg am 20. d. M. Abends eine Dame im Alter von etwa 40 Jahren ab, welche fich Wittwe L. Chaaß aus Danzig nannte und angab aus Danzig hergekommen zu sein, um hier mit einer Familie aus Kösan zusammentreffen, und am folgenden Tage weiter reisen zu wollen. Da am folgenden Tage bis Nachmittag 1 Uhr die Dame nicht aus ihrem Zimmer herauskam, und auch die von Innen verschlossene Thür auf Klopfen nicht geöffnet wurde, so wurde die Thür von einem Schloffer geöffnet und die Fremde wurde im Bett leblos vor gefunden. Ein herbeigerufener Arzt erachtete als Todesursache eine Cyantali- Vergiftung, und das Gift dürfte sich in einer neben dem Bett stehenden leeren Medicinflasche befunden haben. Bei der Verstorbenen find irgend welche Legitimationspapiere nicht gefunden worden, und im Fremdenbuch hat fie fich als Rentiere" bezeichnet und ihr Alter auf die nicht mitDen 29 Tagen wieder auszugeben! Man muß eben Hausbe- halesen- Ausstellung, zur Bevölkerung des großen Sees im gebracht, zur Erklärung dieses Umstandes hatte sie ange Ausstellungspark hierher gesendet hat, sind heute zwei äußerst seltene schwarze Schwäne eutflogen. Alle Nachforschungen in der Umgebung Berlins hatten bisher kein Resultat. Herr Carl Hagenbed hat, wie uns mitgetheilt wird, eine namhafte Belohnung auf die Wiedererlangung dieser seltenen Thiere ausgefeßt und bittet alle diesbezüglichen Meldungen an das Direktions- Bureau der Carl Hagenbeckschen Ceylon Expedition 1884 im Ausstellungspark( Eingang Alt- Moabit) gelangen zu x. Ein Prairiebrand en miniature fand gestern an der Ecke der Wiener- und Laufigerstraße statt, und verursachte einen bedeutenden Menschenauflauf. Daselbst befinden fich große um unter der Gluth der Augustsonne vollständig vertrocknet ist. Ruheplat der Todten, da pflegt es still zu fingt Uhland, und gewiß ist die Stille, die Ruhe eines der Haupterfordernisse des Friedhofes. Ein jeder Mensch, mag er einer Religionsgemeinschaft angehören, welcher er will, laffen. mögen feine religiösen Anschauungen noch so wenig mit den herrschenden Ansichten übereinstimmen, oftmals wird er fich gebrängt fühlen, lieben, verstorbenen Angehörigen an ihrer legten Ruhestätte einen Besuch abzustatten. Jedermann weiß, gezäumte Pläge, die dicht mit Gras bestanden sind, das aber daß es gerade der Arbeiter ist, der in der Pflege der Gräber seiner Todten anderen Ständen mit leuchtendem Beispiel Wahrscheinlich haben nun Kinder dasselbe angezündet, oder ein Dorangeht. Wohl ist es ihm unmöglich, ſeiner todten Frau, Vorübergehender eine noch glimmende Bigarre über den Baun feinen Kindern Marmordenkmäler zu ſeßen; der Mann, der vielleicht blutend und leblos eines Tages von seiner Arbeitsstätte in seine Wohnung getragen wurde und den eine bleiche, troftlose Frau und weinende Kinder empfingen, er ruht in feinem Erbbegräbniß, feine goldenen Buchstaben verkündet der Nachwelt seinen Namen gänglich würden. und seine Thaten, dennoch werden ihm oft heißere Thränen nachgemeint als einem Begüterten, dessen Tod von lachenden Erben sehnlichst herbeigewünscht wurde. Und man soll die Bietät, die im Herzen des Volkes ruht, ehren und pflegen, Iman soll den Armen und Elenden, die hinausgehen, um eine ftille, wehmuthsvolle Stunde am Grabe eines theuren Entman foll durch die Umgebung der Gräber dafür sorgen, daß dem Tode das Grauenhafte, Schreckensvolle, welches er für viele Menschen immer noch hat, möglichst genommen werde, Daß eine wohlgeordnete, saubere Umgebung das Gemüth Des Trauernden in eine versöhnliche Stimmung verfest; man foll es vermeiden, durch Unordnung und Un er surild och meh er in Di im Sunt Bide'fe batten eren G brten olgt.) geworfen, genug gegen Mittag ſtand das Gras in vollen Flammen zum größten Gaudium der aus der Schule heimfehrenden Kinder, die recht laut und unzweideutig den Wunsch äußerten, daß auch die Bäune niederbrennen möchten, damit ihnen die vollständig brach liegenden Pläge zum Spielen zug. Eine zärtliche Ehegattin. In der Gerichtsstraße wurde ein Ehepaar bemerkt, daß sich schon seit einiger Zeit heftig zankte. Hierbei entfiel der Frau eine Porzellanfanne, die fie in der Hand hatte, und zerbrach. Durch den Verlust gerieth die Frau derartig in Born, daß fie mehrere der Scherben ergriff und diese dem Manne mit solcher Heftigkeit gegen den Kopf warf, daß einer im Fleisch stecken blieb und die anderen dem Manne nicht unbedeutende Verlegungen beibrachten. Ein in der Gerichtsstraße wohnender Arzt zog mit vieler Mühe den Scherben aus der Wunde und verband dann den Kopf des Mannes. fauberteit trübe Bilder in der Seele der Leidtragenden hat es für gut befunden, seine Hundstagsferien noch auf unEin junger Abenteurer. Der 19 Jahre alte Sohn eines hiesiges wohlhabenden Restaurateurs und Eigenthümers geben, daß fie ihr Gepäck auf dem Bahnhof zurückgelassen hätte. Ihre Garderobe bestand aus einem schwarzen Atlaskleid mit Cachemir- Ueberwurf und Berlenbesas, einem Jaquet aus schwarzem gepreßten Plüsch, schwarzem Umiam mit Perlenbesat, schwarzem Strohhut mit schwarzer Feder und schwarzer Bandschleife nebst Agraffe. Die Wäsche ist mit den Buchstaben C. L. gezeichnet. An Schmucksachen hatte die Dame ein Emaille Armband und eine goldene Damenuhr nebst Rette bei fich geführt. g Ueberfall. Der Fuhrwerksbefizer Jakob Kellner, Führer einer Droschte erster Klasse, Reinickendorferstraße 25 wohnhaft, wurde in der vergangenen Nacht in der Schadowstraße von mehreren seiner Kollegen überfallen und mit einem scharfen Instrument derartig zugerichtet, daß er eine Kopfwunde von 17 Centimeter Länge sowie zwei Wunden an der linken Hand erhielt und einen großen Blutverluft zu beklagen hat. Dem K., der in Folge der erhaltenen Verlegungen vorläufig seinen Beruf nicht ausüben kann, wurde in einer Sanitätswache die erforderliche Hilfe zu Theil. K. hatte den Migmuth seiner Kollegen dadurch erregt, daß er am Nachmittage mehr Fuhren gehabt hat, als jene. g. Eine schwere Verlegung zog sich gestern Abend ein hiefiger i unger Kaufmann auf folgende Weise zu: Derfelbe befand sich in einer Gesellschaft und belustigte dieselbe Durch Kunststückchen mit einer Flasche. Durch eine Unvor fichtigkeit zerbrach dieselbe und der junge Künstler schnitt fich mit den Scherben die ganze Hand auf. Der Schnitt ging bis auf die Muskeln und verursachte eine heftige Blutung. Der junge Mann eilte nach der 1. Sanitätswache in der Brüderstraße, woselbst ihm der Arzt nicht weniger als 5 Nähte anlegen mußte. Gerichts- Zeitung. Ein Attentat auf die Mildthätigkeit seiner Mitmenschen fand heute vor der 90. Abtheilung des hiesigen Schöffengerichts eine gebührende Ahndung. Der Arbeiter Johann Gottfried Nabel erschien am 19. Suli cr. bei einer Frau in der Schwedterstraße 17, theilte ihr, auf seine verbun dene Rechte deutend, aus welcher das Blut heraustriefte, mit, Daß ihm soeben in seiner Werkstatt die drei Finger der Hand abgequetscht seien, und bat um ein flein Almosen, damit er wenigstens mit der Pferdebahn nach Hause fahren fönne. Die Frau, welche durch das den Nabel betroffene Unglück zu Thränen gerührt wurde, ließ sich, obgleich fie selbst in dürftigen Verhältnissen lebt, herbet, dem vermeintlich Verunglückten 20 Pf. für die Pferdebahn und noch 10 Pf. für andere nothwendige Bedürfnisse zu geben. Erft als sie zufällig zwei Tage darauf zugegen war, als Nabel dieselbe Geschichte bei einer Bekannten von ihr anbrachte und wieder um das Geld für die Pferdebahn hat, tam ihr zum Bewußtsein, daß sie sich von einem Betrüger hatte erweichen lassen und daß es doch ganz unmöglich sei, daß der Arbeitgeber einen verunglückten Arbeiter ohne Hülfe gelassen haben sollte. Sie veranlaßte daher die Festnahme des frechen Bettlers, der fich gestern we gen dieses Koups vor Gericht zu verantworten hatte. Obgleich Das Objekt des Betruges nur 35 Pf. betragen, verurtheilte der Gerichtshof den Angeklagten mit Rücksicht auf die gemeine Gefahr, welche in der Ausbeutung mildthätiger Leute liegt, zu 14 Tagen Gefängniß. München, 20. Auguft. Eine unsaubere Affaire, welche f. 8. viel Aufsehen machte, hat nunmehr vor der Straffammer des hiesigen Landgerichts in nichtöffentlicher Sigung ihren Abschluß gefunden. Es wurde nämlich der Profeffor Ziegler am hiesigen Wilhelmsgymnafium wegen zweier Verbrechen der widernatürlichen Unzucht zu einer Gefängnißstrafe von sechs Monaten und zweijährigem Ehrverluft verurtheilt. Biegler hatte fich f. 3., nachdem er von einem Gendarmen in flagranti ertappt worden, von München entfernt, war aber dann zurückgebracht und spielte auch einige Zeit den Geiftesgestörten, womit er indeß, wie der Ausgang der Verhandlung lehrt, fein Glück hatte. Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. Der Bericht über die Rede des Herrn Stadtverordneten Tupauer in der Mittwoch- Versammlung des Louisen städtischen Bezirksvereins Vorwärts", welchen wir in der gestrigen Nummer veröffentlichten, ist in einigen Punkten unzutreffend. Bunächst sprach Herr Tugauer nicht von einem Antrag Singer, der zur Annahme gelangt wäre, das Asyl für Obdachlose vor dem Prenzlauerthor zu erbauen, sondern er wies darauf hin, daß die Arbeiter- Stadtverordneten deßhalb für den Magistratsantrag, dort das Asyl zu errichten, Der schließlich einer gemischten Deputation überwiesen wurde, geftimmt hätten, um die Frage endlich einmal zur amtlichen Erledigung zu bringen. Auch folgender Sag des Berichtes: Bei einer Besichtigung der beiden bestehenden Asyle beiden bestehenden Asyle Seitens der Arbeiter Stadtverordneten ergab es sich, daß das städtische Asyl viel schlechtere Einrichtungen hatte, als das private, auch diesem wurde zum großen Theil abgeholfen" ent hält insofern eine Ungenauigkeit, als Herr Tupauer die beftimmtere Angabe wachte, daß der Magistratsantrag, den Asyliften für die Wintermonate des Morgens eine warme Suppe und Brod zu geben auf Antrag der ArbeiterStadtverordneten eine Erweiterung dahin erfuhr, daß auch in den Sommermonaten diese Ration ausgetheilt wird. Ferner sagte Herr Tugauer bei Besprechung des Singer'schen Antrages Theater. Sonntag, den 24. u. Montag, den 25. Auguft. Opernhaus: Czaar und Zimmermann. Montag: Reine Vorstellung. auf Vermehrung der Berliner Land- und Reichstagswahlkreise nicht, daß derselbe fallen gelaffen, sondern nur, daß er vertagt sei, bis der Landtag darüber entschieden habe. h. Die Delegirten- Versammlung der Schneider am Freitag Abend in Gratweils Bierhallen unter dem Vorfize des Herrn Pfeiffer erledigte einige auf die inneren Organi sationsverhältnisse der Lohnbewegung bezügliche Anträge, von denen ein Antrag des Vorfizenden auf Ergänzung und Er weiterung der Lohnkommission, sowie ein aus der Versamm lung herausgestellter Antrag auf Gewährung einer kleinen, angemessenen Zeitversäumnißentschädigung für den Vorsitzenden und den Kassirer der Lohnkommission nahezu einstimmig angenommen wurden. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen des Abends, zu welchem die Schneider des S. Adamschen Geschäfts besonders eingeladen und theilweise erschienen waren, war das erstaunlich bescheidene Maß, in welchem Herr Adam bisher seine unlängst gemachten großen Versprechungen erfüllt haben foll. Wie man fich erinnert, versprach derselbe, demnächst foll. wenigstens seinen Arbeitern auf beffere( Kunden) Arbeit an Lohn zulegen zu wollen, doch sollen fich bis jetzt nur 5 Mann einer derartigen fleinen Aufbefferung zu erfreuen gehabt Nachdem man fich hierüber allgemein dahin haben. es und nothwendig ausgesprochen, daß wünschens werth sei, in dem betreffenden Geschäft an Stelle der zweierlei Breise einen einheitlichen Lohntarif durchgeführt zu ſehen, wurde die Lohnkommisfion beauftragt, fich hierüber mit den betreffenden Arbeitern( des A.'schen Geschäfts) in Verbindung zu seßen und überhaupt das Geeignete zu veranlassen. Sodann forderte der Vorfizende zu regerer Betheiligung der Kollegen an den Delegirtenversammlungen und an der Lohnbewegung überhaupt auf. Keine Werkstätte dürfe fich der Wahl eines Delegirten entziehen und besonders dürfe auch kein Geschäft, welches nur Hausarbeiter beschäftigt, ohne Vertretung durch einen oder mehrere Delegirte fein. Schließlich theilte der Vorfigende noch mit, daß am nächsten Mittwoch im Louisenstädtischen Konzert haus wieder eine von der Lohnkommiffion einberufene öffent liche Schneiderversammlung stattfinden wird, auf deren Tages Drdnung unter Anderem die Fortsegung der Diskussion über die Werkstättenverhältnisse und die Ergänzungswahl der LohnTommission stehen soll. In der am Mittwoch Abend abgehaltenen Versammlung des Fachvereins der Tischler referirte Herr Gustav Roedel über die wahren Biele und Bestrebungen der Frach organisation und deren Nothwendigkeit". Redner weist vor Alem darauf hin, daß die heutige Fach- oder Berufsorganisation dazu geschaffen ist, um die Förderung der Intereffen der Mitglieder in jeder gewerblichen Beziehung zu wahren. Das dieses aber unter den heutigen Verhältnissen nicht so leicht durchzuführen ist, bevor wir nicht die Hälfte der Kollegen hinter uns haben, müssen wir deshalb so viel wie möglich darnach streben, Kollegen heranzuziehen, damit wir das Programm, welches wir uns auf die Fahne geschrieben haben, Programm, welches wir uns auf die Fahne geschrieben haben, V " 1 Polizeiliches Verbot. Das zum Sonnabend, den d. M. im Haideschlößchen, Hasenhaide 9a, vom Arbeiter Be zirts Verein des SW. Berlins" veranstaltete Sommerfest it polizeilich verboten worden. An Stelle dessen findet am 31. Auguft eine Herrenparthie nach Grünau statt. Das Näher wird später im Berliner Voltsblatt" bekannt gemacht werden. Die Lohukommission der Berliner Schneider beruft zu Mittwoch, den 27. August cr., Abends 8%, Uhr nach dem Louisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobstraße, eine große öffentliche Schneiderversammlung ein. T.- D.: 1. Die Erledigung der Diskussion über die Firma Simon Gräz, Gertraudten straße Nr. 18. 2. Die Lohnverhältnisse des Wiener Herren Moden- Geschäfts, Firma S. Lewy und von Franz und Gras beide in der Gertraudtenstraße. 3. Ergänzungswahl der Lohn tommiffion. Bahlreiches Erscheinen der Schneider aller Branche ist erwünscht. h. Der Verein zur Wahrung der Interessen de Tapezierer Berlins hält am Montag den 25. d. M., Abd 8% Uhr in Gratweil's Bierhallen( Kommandantenstraße) eine öffentliche Mitgliederversammlung mit Gäſten ab, in welche Herr Dr. Baded einen naturwissenschaftlichen Vortrag übe das interessante Thema des Darwinismus halten wird, worauf über wichtige innere Vereinsangelegenheiten verbande werden soll. Um zahlreichen Besuch find besonders alle glieder des Vereins gebeten. Neue Mitglieder werden sowoh in den Verein als auch in die Bentral- Kranken- c. Kaffe in der Versammlung aufgenommen. Der Bezirksverein des werkthätigen Volfes im 29., 30 und 31. Wahlbezirk hält Mittwoch, 27. August, Abends 8 Uhr, Grenadierstr. 39, bei Harendt seine Bersammlung ab. T.- D.: 1) Vortrag. 2) Verschiedenes. Der Unterstüßungsverein der Buchbinder c. sammelt fich am Montag, Alte Jakobstr. 37. Auf der steht: Die Organisation der Buchbinder Deutschlands. Da eine schon angesichts der wichtigen Tages- Ordnung auf zahlreicher Besuch gerechnet. Eine Generalversammlung der Berliner Tischler findet am Montag Abend im Konzerthause Sanssouci fatt Die Tagesordnung ist seitens der Kommission der Tischler im Hinblick auf den stattfindenden Kongreß der Tischlermeister derartig gefest, daß dieselben an der Diskussion mit theilnehme dürften in der Versammlung zu Bunkt 6 der Tagesordnung fönnen. Die Kongreßdelegirten find daher eingeladen und des Kongreffes, welcher lautet: Welche Stellung nehmen wir zu der fortgesezten Lohnsteigerung unferer Gesellen ein", efante Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitern und da auswärtigen Tischlermeistern zu erwarten sein. inter Eine öffentliche Mitglieder- Versammlung der Gewerb schaft der Maschinenbau-, Metallarbeiter und Beruf in der Norddeutschen Brauerei, Chauffeestraße 58, statt. Tage " Sind die Maschinen geschaffen um dem Menschen die Arbe zu erleichtern?" 2. Abrechnung vom Sommerfest. 3. B Lage, die kapitalistische Produktionsweise, die wirthschaftlichen Ordnung: 1. Vortrag des Maschinenbauers Herrn Görd Krisen, die Ueberproduktion abzuschwächen und so viel mie möglich zu verringern. Denn nur durch eine feste Organisation sei es möglich, etwas zu erringen. Alles Uebrige feien nur Palliativ- Mittel, durch welche etwas Dauerndes nicht geschaffen schiedenes und Fragekasten. Gäste sind gerne gesehen. werden wird. Herr Krug macht noch bekannt, daß am Sonn- munal- Wahlbezirk findet das zum Sonntag, den 24. b. tag, den 24. August, eine Parthie nach Sadowa stattfindet. Abfahrt Mittags 2 Uhr vom Schlesischen Bahnhof. Ferner find Billets zu haben zum Besuch des Panoptikums und und Aquariums bei Herrn Krug, Gr. Frankfurterftr. 59, 4 Tr. Versammlungen finden regelmäßig des Mittwochs nach dem Versammlungen finden regelmäßig des Mittwochs nach dem 1. und 15. eines jeden Monats statt. Kahverein der Posamentiere u. Seidenknopfmacher. Montag, den 25. d. M., Abends 8 Uhr: Versammlung im Königstädt. Kafino, Holzmarktstr. 72. Um zahlreiches Er scheinen ersucht [ 637] Der Vorstand. Echauspielhaus: Keine Vorstellung. Montag: Das Stiftungs- Arb.- Bez.- Verein d. Westen Berlins. feft. Deutsches Theater: Geschlossen. Renes Friedrich Wilhelmstädtisches Nacht in Venedig. Theater: Eine Victoria- Theater: Erstes Gastspiel des Herzoglich Meiningenschen Hoftheaters. Wallner Theater: Hotel Blancmignon. Oftend- Theater: Ein Gottesurtheil. Walhalla Operetten- Theater: Nanon. Luisenstädtisches Theater: 115. Opern- Vorstellung. Belisar, historisch- lyrische Oper in 3 Atten von G. Donizetti. Montag: Die lustigen Weiber v. Windsor. Bellealliance- Theater: Buchholzen's. Arbeitsmarkt. Frauen und Mädchen können Mäntelnähen lernen( unentgeltl.). Nachher dauernde Beschäftigung. 627] Harmsen, Langestr. 22, of 1 Tr. r. Die Bildhauer in der Werkstatt Hoppe& Kruschwitz in Zeitz waren gezwungen die Arbeit niederzulegen. Vor Buzug wird gewarnt. [ 635 Der Vorstand des Gauvereins Berliner Bildhauer. Sonntag, den 24. August, Vorm. 10 Uhr: Große allgemeine Wolks- Gerlammlung Montag, den 25. Auguft, Abends 8%, Uhr: MitgliederVersammlung in Menzel's Salon, Potsdamerstr. 74- Die Ta gesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Um zahlreiches Erscheinen ersucht[ 634] Der Vorstand. Montag, den 25. Auguft, Abends 8 Uhr: Große öffentliche Schuhmacher- Bersammlung, Brunnen- u. Invalidenstr. Ede in Randel's Saal. T.- D.: 1) Das Reichskrankentafengeses. Refer.: Stadtv. Ferd. Ewald. VerIm Arbeiter- Bezirks- Verein vom 15. und 20. Kom angezeigte gemüthliche Beisammensein Umstände halber nicht In der freireligiösen Gemeinde spricht heute( Sonntag) Herr Prediger Schäfer in der Rosenthalerstr. 38 über Atmosphäre der Liebe." Butritt steht Jedermann frei. statt. Der sparsame Hans! Hübsch sparen und vorsichtig zu jeder Zeit, Das hat keinen Menschen auf Erden gereut, Doch wer heut sein Geld wirft zum Fenster hinaus, Wird's später noch suchen aus den Eden heraus. Ich mache das sorgsam und leg' mir zurecht, Was hierzu und dazu wohl ausreichen möcht', Ich zahl feinem Schneider, der mich führt auf's Eis, Für Rock, Hose, Wefte den dreifachen Preis. Ich gehe zur gold'nen 95" hinein, " Hier am Grünen Wege", da laufe ich ein, Ich spare dabei ein enormes Stüd Geld, Weil die Gold- 95", beständig ausstellt: Ueber 10 000 Frühjahrs- und Sommer- Paletots( Mob 1884) in guten reinwollenen Stoffen zu bedeutend herabgefe Breifen 11, 13, 15, 18, 21, 24, 27 Mt. Prima. 12 000 Der Bezirksver. d. werkth. Voltes d. 29., 30. u. 31. Wahlbez. 20, 24, 30, 36 Mt. Prima. Ball- und Gesellschafts- Angg hält Mittw., 27. Aug., Ab. 81/2 Uhr, Grenadirftr. 29, b. Harendt, feine Verf. ab. T.- D.: 1. Vortrag, 2. Verschiedenes. 30, 33, 36, 39, 42, 45 t. ff. 7000 Sosen und Westen& [ 631] 8, 10, 12, 14, 15 M. Br. Einsegnungs- Anzüge zu 14, 18 20, 24, 26 t. ff. Knaben Anzüge zu auffallend billige Große öffentliche Versammlung der Möbelpolierer Berlins am Mittwoch, den 27. Auguft, Abends 8 Uhr, bei Breuer, Gr. Frankfurterstr. 74-75. T.- D.: Bericht der Kom mission über die Krankenkasse. Zahlreiches Erscheinen der einDie Kommission. J. A.: W. Kroschty. gefchr. Mitgl. ift nothwendig. [ 630] Gewerkschaft der Maschinenbau- Metallarbeiter u. verwandten Berufsgenossen. Chaufeeftr. 38, Mitgliederversammlung. Referent Herr Gördi Dienstag, den 26. August cr., Ab. 8 Uhr, Nordd. Brauerei, Sind die Maschinen geschaffen, um den Menschen die Arbeit zu erleichtern?" [ 632] Königstädtisches Casino. Große Frankfurterstraße 77. Empfehle meinen Saal nebst großer Bühne Vereinen und Theodor Bischoff. in Habel's Brauerei, Bergmannstr. 57. Gesellschaften unter äußerst billigen Bedingungen. Tagesordnung: Wie verhält sich die arbeitende Bevölkerung den verschie benen Parteien gegenüber. Referent: Herr Liefländer. Um zahlreiches Erlcheinen ersucht [ 647] Der Einberufer. Große Versammlung der Schneider, Kürschner, Mühenmacher, Posamentierer, Schirm- und Handschuhmacher am Montag, den 25. August, Abends 81, Uhr, im Königstädt. Rafino, Holzmarktstr. 72, Ede Aleranderstr. T.- D.: Vortrag des Stadtv. Herrn. F. Goerdi über das Kranken- Versicherungsgeses. Freie Diskussion. Bei der für jeden Arbeiter so hochwichtigen Frage erwartet zahlreiches Erscheinen J. A.: Pfeiffer, Schneider.[ 638 Unterstützungsy. d. Buchbinder 629 und verwandter Berufsgenossen. Montag, den 25. d. M., Alte Jakobstraße 37, Vereinsversammlung. T.- D.: Die Drganisation der Buchbinder Deutschlands. Verschiedene Vereinsangelegenheiten c. Fragekasten. Sämmtliche Mitglieder resp. Vertrauensmänner haben die Mitgliedskarten mitzubringen und selbige, sofern dies nicht schon geschehen, behufs Kontrolle b. Raffirer abzugeben. Die schon in früher. Verf. eingelief. Karten können in Empfang gen. werden. Verantwortlicher Redacteur N. [ 613] Ich habe meine Säle noch einige Tage in der Woche, auch Sonntag Vors mittag zu vergeben. [ 609 Nieft's Salon, Kommandantenstraße 71/72 parterre. Unsere werthen[ Kunden, sowie auch diejenigen Herren Schneidermeister, die es werden wollen, werden gebeten, unsere bereits fertig gestellten neuen Muster in als in Winterpaletotstoffen Winterbukskins in Empfang zu nehmen, bevor dieselben vergriffen werden. Hochachtungsvoll Jacobi& Adam, Spandauerstr. 49. 395 V Preisen. Waschanzüge, Alpacca- Jaquets, Comtoir u. Haus Joppen sehr billig. Winter Baletots, Reife- Mäntel un Schlafröde werden zur Hälfte des Tarpreises ausverkauft, nu ,, Gold'nen 95" allein in der 369 95, Grüner Weg 95, am Andreasplak. Ignaz Weiland. Auch an Sonn- und Festtagen bis 7 Uhr abends geöffnet. Roh- Tabak!! blatt- und Einlage- Tabake empfehlen in jedem Quantum Preiswerthe Sumatra und Java- Deden, wie billige Bergemann& Donisoh, Berlin C., Aleranderstr 633 Die vorhandene Liquidationsmasse, Gr. Frankfurter Strasse 115. bestehend aus: Kleiderstoffen, Cachemirs Damen- Mänteln, Leinen und Baumwoll Waaren, Gardinen und Teppichen, fowie Damen- Herren- und Kinder- Wäsche tommt täglich von 8-12 V., 1-2 N. zum billigften Taxpreise zum Ausverkauf. 49] Der Verwalter. find soeben erschienen und in der Expedition des Berline Boltsblatt", Simmerstr. 44, zu haben. Das unentgeltliche Arbeitsnachweise- Bureau der Metall- Arbeiter- Gewerkschaft befindet fich Ritterstr. 123 im Restaurant Sobite. Die Nr. 7 der humoristischen Blätter Der wahre Jacob" ist erschienen und in der Exped. d.„ Berl. Boltsbl." zu haben. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von Maz Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. 581] Die Kommmiffion Sierzu eine Bella Nr. 121. Beilage zum Berliner Volksblatt. Sonntag, den 24. August 1884. Der Einfluß der Familie auf die physische mittleren Lage zwischen den Unverheiratheten und Verheira und moralische Gesundheit. Der französische Statistiker Jacques Bertillon, deffen Vater sich schon sehr große Verdienste um die Volkskunde erworben hat, machte hierüber interesante Mittheilungen, deren hier gedacht werden soll. Seine erste Mittheilung betrifft die Sterblichkeit. Aus dem Material, welches die statistischen Tabellen in Frankreich während der Jahre 1856-65 lieferten, stellte er mit vieler Mühe und Sorgfalt die Todesfälle nach den drei Rubriken: verheirathet, unverheirathet und verwittwet zusammen und stieß dabei auf bemerkenswerthe Resultate, aus denen sich folgende Gefeße formuliren laffen: 1. Die Sterblichkeit der verheiratheten Männer ist am geringsten; größer die der Junggesellen, noch größer die der Wittwer. Ein Junggeselle von 25 Jahren hat ebenso viele Chancen zum Sterben als verheirathete Männer von 50 Jahren. 2. Eine Ausnahme, aber auch eine erschreckende Ausnahme von diesem Geseze, giebt es nur für ganz junge Leute unter 25 Jahren. Ihnen taugt die Ehe absolut nichts und zwar um so weniger, je jünger fie find. Sobald sie sich verheirathen wird ihre Sterblichkeit 5 mal größer, als die der jungen Männer von gleichem Alter. Noch erschreckender ist ihre Sterb lichkeit, wenn fie in so jugendlichem Alter schon Wittwer werden da steht in der That das frühe Jugendalter mit dem spätesten Greiſenalter ganz gleich. Man bemerkt auch sogleich, daß die verheiratheten Frauen am besten gestellt sind, mit derselben Ausnahme bezüglich der noch sehr jungen Frauen, freilich nicht in dem furchtbaren Verhältnisse, wie bei den jungen Männern. Was die Wittwer betrifft, so befinden sie sich in einer mittleren Lage zwischen den Unverheiratheten und Verheiratheten. Unter ihnen giebt es mehr Fälle von Selbstmord, was sich aber wenigstens theilweise aus ihrem Alter erklären ließe, denn man weiß, daß die Greise mehr dem Selbstmord zuneigen als die jungen Leute. Anderseits begehen die Wittwer etwas weniger Verbrechen. Auch das darf man ihrem Alter zuschreiben, da die Statistik uns lehrt, daß Verbrechen im Greifenalter seltener find als in der Jugend. Indeffen folgende Thatsache ist weit beachtenswerther: man beobachtet, daß Leute, welche Kinder haben, welche von einer zahlreichen Familie umgeben sind, weniger häufig von all den Unglücken betroffen werden, als diejenigen, welche keine Kinder befizen, deren Anblick fie zu ihren Pflichten zurückruft, und fie mitten in den Miseren der Eriftenz aufrecht erhält. Der Einfluß der Kinder auf die Moralität des Mannes erscheint noch stärker als die Gegenwart einer Frau. Von einer Million Chemännern ohne Kinder werden jährlich 287 Verbrechen begangen( Statistit von Frankreich von 1860-68); von der gleichen Bahl Wittwer mit Kindern nur 237. Der gleichzeitige Einfluß von Frau und Kindern ergiebt das günstigste Resultat, nämlich jährlich nur 186 Verbrechen, während Wittwer ohne Kinder 262 Verbrechen liefern. Für die Garçons steigt die Biffer auf 403. Frauen find in allen gesellschaftlichen Lagen weniger zum Verbrechen geneigt, als Männer. Der Ziffer 403 für Garçons steht für unverheirathete Frauen die Biffer 89 gegenüber. Verheirathete Frauen mit Kindern begehen unter je einer Million bloß 32 Verbrechen. Bertillon wirft weiterhin die Frage auf: Ist der Geisteszustand, welcher die Menschen zum Selbstmorde treibt, häufiger bei Greisen oder bei der Jugend? Die Leute, meint er, welche gewohnt sind, mehr durch Raisonnement über die Dinge zu Gegen das männliche Geschlecht macht sich in dem Verurtheilen, als durch Erfahrung, sind über diese Frage nicht in hältniß der unverheiratheten Frauen und Wittwen etwa vom 40. Lebensjahre an ein Unterschied geltend, Dort überragte die Wittwerkurve alle übrigen das ganze Leben hindurch. Hier aber wird von dem genannten Zeitpunkte an die Sterblichkeit der Jungfrauen etwas größer als die der Wittwen. Die geringere Sterblichkeit der Wittwen in späteren Jahren mag darin begründet sein, daß ältere Wittwen in der Regel eine Familie zur Seite haben, die ihre legten Lebenstage mit findlicher Liebe und Sorgfalt erleichtert. Merkwürdiger Weise zeigt sich auch bei dem weiblichen Geschlechte, daß junge Wittwen am schlechtesten von allen Altersgenossinnen daran sind. Doch ist ihre Sterblichkeit bei weitem nicht so enorm als unter Männern; fie erreicht von 20 bis 25 Jahren ein Marimum, um dann wieder abzunehmen. Es ist von Wichtigkeit zu bemerken, daß man die angege benen Resultate, auch in allen übrigen Ländern, wo entsprechende Erhebungen gemacht worden sind, bestätigt findet. Belgien, Holland, Schweden, die Schweiz und Italien zeigen daffelbe Gefes. In Brüssel hat Herr Janssens, Vorsteher des Bureaus Der Volkshygiene, die Forschungen speziell auf die Schwindsucht ausgedehnt.' Wiederum sind die Wittwer am schlimmsten gestellt. In jedem Lebensalter sterben 2 mal mehr Wittwer an der Schwindsucht, als Verheirathete oder Unverheirathete. Nur in den späteren Lebensjahren, von 60 an stehen sie den verheiratheten Männern ungefähr gleich dafür maht fich der Wittwerstand auch wieder in dem frühen Mannesalter um 10 verhängnißvoller geltend. In zweiter Linie bemerkt man, daß die Krankheit im Ganzen unter den verheiratheten Männern häufiger ist, als unter den Junggesellen, wenigstens bis zu 25 Jahren und über die 40er Jahre hinaus. Der Mensch, der im Rahmen der Familie lebt, hat weniger Sang zum Selbstmord, zum Srrfinn, zum Mord. zum Diebstahl, furz zu allen Uebeln und Lastern, denen die Menschheit unterworfen ist. Das Familienleben zeigt sich nach allen Richtungen von günstigstem Einfluß. Berliner Sonntagsplauderei. so R. C. Man hat schon verschiedene krumme Dinge gesehen, aber das frummste war entschieden immer eine Prezel darf man heute gewiß fagen in Hinblick auf den Kongreß deutscher Bäckermeister. Alle möglichen und unmöglichen Dinge werden ausgestellt, die Berliner ,, Damen" werden sich nächstens noch den Magen verderben an all' den Süßigkeiten, von denen fie fosten, die fostbarsten und lodendsten Erzeugnisse der Bäderei thürmen sich vor unseren Augen auf, und gewiß ist es eine ichöne Sache um den Kuchen; um ihn allerdings probiren zu fönnen, muß man ihn mindestens haben. Es fällt uns hierbei eine alte Geschichte ein, die vielleicht des Reizes der Neuheit zu werden. Kurz vor dem Ausbruch der großen französischen Revolu tion drängte fich einmal die ,, misera plebs" vor dem Louvre und bisweilen erhob sich ein gewaltiges Geschrei. Die junge Königin Marie Antoinette fag in ihren Pruntgemächern und schließlich fiel ihr draußen der Tumult auf. Weßhalb schreien die Leute da draußen so sehr?" fragte fie endlich eine ihrer Hofdamen. Majestät," war die etwas offenherzige Antwort, ,, die Leute schreien nach Brot."" Nun, wenn die Leute fein Brot haben," fragte die Königin ganz erstaunt zurüd, weß halb effen sie denn keinen Kuchen?" 91 " 1 Was nügt uns Marzipan, was hilft uns Bisquit und wie alle Aehnlich verhält es sich mit der Bäckerei- Ausstellung. diejenigen Produkte heißen, die verwöhnte Gaumen figeln, wenn die Schrippen alle Tage kleiner werden und das Viergroschenbrot" nach dem uralten Rechenerempel immer noch fünf Groschen tofstet? Es wäre mindestens ebenso erwünscht, wenn die Herren Bädermeister darüber nachgedacht hätten, wie es wohl zu ermöglichen gewesen wäre, ein Paar Stullen" mehr vom Brote abschneiden zu fönnen, als daß fie wie eine Fata morgana dem überwiegenden Theil der Berliner Bevöl ferung Genüffe zeigen, die demselben so gut wie niemals zu Theil werden fönnen. " wer fein Schwarzbrod faufen tann, soll sich mit Kuchen be Denken die Bäckermeister vielleicht auch so, daß sie meinen, gnügen? Uebel wäre die Sache garnicht, wenn fte nur zu ihren vielfachen Konfituren wenigstens auch gleich das Rezept gegeben hätten, wie man sich zur Erlangung dieser Herrlichgegen eine Burschaustellung solcher culinarischer Erzeugnisse garnicht viel einwenden. Doch was reden wir vom Geld! Als ob das heut' zu Zage fehlen würde! Es giebt doch soviel Leute, die garnicht wiffen, was sie damit anfangen sollen. Freilich ein guter Theil unferer Mitbürger ist damit zufrieden, wenn er des Sonntags, nach der Last und Mühe von sechs Arbeitstagen noch ein paar Groschen übrig hat, und eine ganz gewöhnliche Landparthie, die allerdings nicht zu theuer werden darf Verlegenheit, wenn auch getheilt in ihrer Meinung. Wenn man ihnen diese Frage stellt, entgegnen die Einen, daß die Jugend das Alter der Illusionen ist, das Alter, dem Alles rosenfarben erscheint und dem folglich schwarze Gedanken sehr ferne liegen, also daß der Selbstmord in diesem Alter selten. Aber," antworten sofort die Andern, die Jugend ist das Alter der Leidenschaften und folglich das Alter der Stürme; freilich ist es auch das Alter der Illusionen, aber wenn diese Illufionen zu rasch gestört werden, welcher Lebensüberdruß! welche Lebensverachtung! Beweise: Werther, Hamlet, Romeo und alle ihre Nachfolger: es find Alles junge Leute. Im Gegentheil, man denke doch, mit welcher Verzweiflung manche Greise sich an's Leben klammern; der Tod, welchem die Jugend trogt, ohne selbst daran zu denken, erscheint den Greisen um so furchtbarer, je näher er ist. Sicherlich muß der Selbstmord bei den jungen Leuten häufig sein, bei den alten hingegen felten." Dieses legte Raisonnement ist das glücklichste von der Welt. Leider giebt die Erfahrung ihm Unrecht, wie der Statistit schon längst bekannt ist. Man vergleiche nur die Statistik von Frankreich und von Schweden, zweier Länder Don sehr verschiedenem Menschenschlage. Bezüglich der Jugend stimmen beide vollständig überein, die schwedischen Greise hingegen haben weniger Lust zum Sterben als die franzöfifchen. Trogdem sieht man sowohl in Schweden, wie in Frankreich, daß die Greise einen Geschmack am Selbstmord finden, welcher der Jugend absolut unbekannt ist. Sie bringen sich drei bis viermal häufiger ums Leben als junge Leute. Man bemerkt ferner in allen Lebensaltern, daß die Frauen weniger zum Selbstmord geneigt find als die Männer. Mit diesem Unterschiede herrscht im übrigen derselbe Gegensat zwischen jung und alt; die Neigung zum Selbstmord nimmt mit dem Alter zu. Wenn hier nur von zwei Ländern, von Frankreich und Schweden, die Rede ist, so geschieht das, um Monotonie zu vermeiden. Wo man noch Untersuchungen angestellt hat in unternehmen fann. Aber in gewissen Kreisen zieht" das nicht mehr. Ein Kremser pfui, wie gemein, man fist da so dicht bei einander, es ist so heiß, außerdem ist man so furchtbar beobachtet. Man kann sich wirklich beim besten Willen nicht so gehen lassen, wie man wohl möchte, man darf faum ein Wort sprechen, ohne daß es aufgefangen würde. Wozu hat man auch das Geld, wenn man sich nicht Vergnügungen ganz anderer Art schaffen will? Man ist ja glücklicher Weise, wie es die jeßige Mode erfordert, Sportsmann, wozu hat man das theure Segelboot angeschafft, wenn man auf demfelben nicht auch einmal ein paar vergnügte Stunden zubrin gen darf, hier auf der weiten Fläche des Sees ist man unbelauscht, hier giebt es feine Späher, bier kann man ganz ungenirt, den wilden Mann machen. Es gehört aber auch mindestens ein Naturereigniß ganz besonderer Art dazu, um auch einmal einem gewöhnlichen Sterblichen einen Einblid in die Gepflogenheiten der besser fituirten" Kreise thun zu lassen. Ein socher Einblid wirkt wenig erquidend, und wenn man auch im gewöhnlichen Leben zu sagen pflegt: ,, ein jedes Thierchen hat sein Blaifirchen," so bilden derartige Scherze, wie sie die Mitglieder einer gewissen Finanzwelt belieben, doch immer Vergnügungen, von denen der niedere" Stand bisher zu seinem Vortheile immer noch rein geblieben ist, und wenn man in jenen Kreisen mit gerümpfter Nase von der Verrohung und Verwilderung" der unteren Volksschichten spricht, so genügt wohl der Hinweis auf ein derartiges Vorkommnis vollständig, um wenn das überhaupt möglich wäre- gewiffen Leuten die Schamröthe ins Gesicht zu treiben, um den fortwährend zu Schimpfereien und Verhöhnungen des Arbeiterstandes weit aufgerissenen Mund für einige Zeit wenigstens zu ſtopfen. Da sehe man sich die Singhalesen an! Sie leiden ja auch nicht an einer allzugroßen Fülle von Bekleidungsgegenständen, aber wir glauben nicht, daß sich eine singhalesische Dame zu einer ähnlichen Kahnparthie verführen lassen würde. Freilich, es mag immer noch ein Unterschied sein zwischen einer Berliner Biermamsell und einer jungen Dame aus den Gefilden von Ceylon. Und wenn man beide Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts der braunen und der weißen Raffe in Bezug auf ihre Sittsamkeit prüfen würde wer weiß, zu wefen Gunsten der Vergleich ausfallen würde. Wer tann auch außerdem wiffen, ob es unter den braunen Söhnen der indischen Insel Leute giebt, die ähnliche Beluftigungen goûtiren wie unsere jeunesse dorée? Es ist nur das einzig Merkwürdige bei der Geschichte, daß gerade diese Sorte von Leuten immer warme Vertheidiger findet, daß es immer Leute giebt, welche gerade gewiffe Vorgänge zu vertuschen suchen. Es wäre ja auch unerhört, wenn das gewöhnliche Pack allzu viel von den noblen Passionen der Finanzbarone erfahren würde, das giebt nämlich zu allerlei Schlüffen Veranlassung, und solche Schlüffe gerade jetzt bei 1. Jahrgang. dieser Beziehung, hat man dieselben bemerkenswerthen Resultate gefunden. Beispielsweise giebt die Statistik von Morselli, die in Mailand so eben erschienen ist, ganz analoge Bahlen. Fragen wir weiter. Welchen Einfluß hat die Ehe auf den Selbstmord? Hierauf giebt schon Bertillon senior die Antwort: 1. Wittwer und Wittwen bringen sich häufiger ums Leben, als Ehegatten. 2. Die Gegenwart von Kindern in einer Familie scheucht den Gedanken an Selbstmord fern. Die Gegenwart von Kindern ist gleich wohlthätig für verheirathete Leute, wie für den verwittweten Stand, für Männer wie für Frauen. Für Alle vermindert der Anblick dieser kleinen Wesen die Selbstmordgedanken mindestens um die Hälfte. Die schwedische Statistit von 1876 giebt weitere bemerkenswerthe Aufschlüsse. Zunächst über die verheiratheten Männer. Wenn sie noch sehr jung sind, so verfallen sie dem Selbstmorde eben so häufig, wie die Unverheiratheten von gleichem Alter. Mit steigendem Alter nimmt die Lust zum Selbstmorde ziemlich langsam zu, bis sie im Alter, welches das Maximum zeigt( Mitte der 50er Jahre) ungefähr 2% mal größer ist, als in der Jugend. Später eine sehr bemerkenswerthe Thatfache nimmt fie progressiv ab. Aber welcher Unterschied bei den Nichtverheiratheten! Die aufeinander folgenden Ziffern bilden fast eine geometrische Reihe. Mit 25 Jahren wird der Selbstmord schon doppelt so häufig als bei Verheiratheten vom selben Alter; mit 70 Jahren wird er 11 mal häufiger! Ohne Unterlag wächst für sie die Ge fahr; statt eine Periode des Stillstandes zu erreichen, wie bei den Verheiratheten, wächst die Zahl der Selbstmorde ohne Ende. Hinsichtlich der Frauen ergeben sich ähnliche Erscheinungen: fie sind nur nicht so sehr in die Augen fallend, da ja überhaupt die Frauen weniger zum Selbstmord hinneigen. Man kann folgende Gesetze aufstellen: 1. Der Selbstmord kommt in jedem Alter( vielleicht die Beit vor 20 Jahren ausgenommen) bei den Verheiratheten weniger häufig vor als bei solchen die es nicht sind oder nicht mehr sind. 2. Er nimmt mit dem Alter bei beiden Klassen zu. Aber während diese Zunahme für die Verheiratheten nur sehr gering ist und sogar schließlich wieder abnimmt, wird sie für die Unverheiratheten reißend und erschreckend. 3. Wenn die Statistit schon seit langen Jahren die Zunahme der Selbstmorde als Geses hinstellte, so verdankt man dieses Resultat fast ausschließlich den Ehelosen und Wittwern. 4. Dieselben Geseze gelten für die Frauen, nur treten ste weniger intensiv zur Erscheinung. Die Gründe für diese Geseze find wohl dieselben, wie früher angegeben. Von besonderer Wichtigkeit scheint jedenfalls die Regelmäßigkeit des Familienlebens. Was den Selbstmord speziell betrifft, so verdient eine Ursache dazu besonders für Schweden, hervorgehoben zu wer den. Nämlich die Trunksucht, die ohne Zweifel unter den Chelosen verbreiteter ist als unter den Verheiratheten. In Dänemark, dem Lande des Hamlet und dem„ ,, klassischen Boden des Selbstmordes", wie Morselli sagt, veranlaßt die Trunksucht 31 pCt. der Selbstmorde und so ist es fast überall. Habe ich nöthig zu sagen, schließt Bertillon seine Auseinandersegungen, wie sehr diese Resultate von dem allgemein verbreiteten Glauben abweichen? La Fontaine hat nur die allgemeine Empfindung getroffen, als er folgende schöne Verse in seiner Fabel vom bolzhauer"( Bucheron) deffen Elend er schildert, niederschrieb: Seine Frau, seine Kinder, die Gläubiger und der Frohndienst machen aus ihm das vollendete Bild eines Unglücklichen. Schließlich, da er nicht mehr kann vor Leiden und Schmerz, ruft er den Tod. Onein! Er ruft nicht den Tod oder wenigstens er ruft ihn feltener wenn er in der Familie lebt. Das zeigt uns die zahlenmäßige d. h. wissenschaftliche und ernste Beobachtung. Die Familie wirft wohlthätig auf dic physische und auf die moralische Natur des Menschen. 11 den bevorstehenden Wahlen ziehen zu lassen, ist unter Um ständen höchst gefährlich. Berichtet Und trogdem kommen die Krallen unter Dem Sammetpfötchen immer wieder zum Vorschein. da kürzlich das Blatt, welches fich hier in Berlin schon längst das Bürgerrecht dadurch erworben hat, daß es fich zum notorischen Beschützer aller Unfittlichkeiten, die in den Kreisen seiner Anhänger passiren, aufwirft, von einem standalösen Vorgänge, der auf dem Spittelmarkt bei den Leichenausgrabungen vorgekommen sein soll. Man denke, ein oder mehrere Arbeiter ließen sich, natürlich unter den landesüblichen rohen" Redensarten, einen Menschenknochen zuwerfen, befühlten denselben und rieben ihn sogar an den Mauersteinen. Welche Fülle von fittlicher Entrüstung wird bei diesem ,, standalösen" Vorgang nicht aufgeboten! Polizei, Schugmannschaft und wer weiß, was nicht noch Alles, soll gleich kommen und diesem gräßlichen Treiben ein Ende machen. Hat das Blatt auch nach der Strompolizei geschrieen, um draußen die Herren Segler zu fontrolliren? Wir haben nicht gelesen, daß das Berl. Tgbl." verlangt hätte, eine Abtheilung der Sittenpolizei mit Segel böten auszurüsten, um das obscöne Treiben gewiffer Leute auf den Gewässern rings um Berlin unmöglich zu machen! Bauer, das ist ganz was anderes! Aus Kampf und Streit besteht das menschliche Leben, ohne Zwiespalt und Meinungsverschiedenheiten wäre es schaal und ohne Würze. Das hat man auch im Lager der Berliner Konservativen vulgo Antisemiten erkannt und um sich ist die Zeit würdig zu vertreiben, liegt man sich dort etwas in den Haaren. Man munkelte seit einiger Zeit davon, daß die Partei Liebermann von Sonnenburg wo es eine solche giebt oder auch nur geben fann, ist uns allerdings gänzlich unverständlich der Partei Stöcker- Cremer- Köller den Krieg erklärt hat. Was mag den unseligen Bruderzwist veranlagt haben? Was treibt die Urgermanen mit den famosen Ehrenscheinen dazu, ihr ihr fostbares Blut zu versprißen? Mit Herrn Bleibtreu, dem brillanten Ropisten, möch ten wir ausrufen: Wer weiß es?" Aber es glücklicher Weise nicht wahr, Alles ist erlogen, die bösen Juden wollen nur wieder einmal Haß und Zwietracht in die Reihen der braven, toleranten und hochberzigen Antisemiten tragen, und noch zur rechten Zeit ruft ein aus der Breiten Straße fubventionirtes Blatt in überschäumendem Ingrimm aus: Jn Folge der anhaltenden Hiße ist in der Redaktion der Berliner Bolts- Beitung", welche diese Nachricht zuerst brachte, die Tollwuth ausgebrochen. Das bisher dort vorhandene geringe Quantum von geſundem Menschenverstande ist bis auf Weiteres zur Disposition beurlaubt." Die Tollwuth unter den Berliner Journalisten schrecklich! Wenn es nur nicht nächstens auch noch eine Journalistensperre giebt! Einer ganzen Anzahl wird diese Maßregel übrigens garnicht einmal so sehr drückend erscheinen, sie werden doch auch Lokales. g. Den Kanalisationsgebieten am Opernplay, von der Neuen Wache, entlang dem Zeughause bis zum Spreearm an der Schloßbrücke, stellen sich durch unterirdische massive Mauerwerke vor dem Wachtgebäude und dem Zeughause große Hemmniffe entgegen, da nur von starken Meißeln und schweren Hammern ein Weg für die Kanalisationsröhren gebahnt werden fann. Das Holzpflaster, welches erst vor Kurzem neu gelegt worden ist, mußte in Folge dieser Arbeiten wieder aufgerissen werden und mit ihm auch die Betonschicht, die Unterlage für das Holzpflaster. Warum derartige Arbeiten, wie Legung der Kanalisationsröhen, nicht schon vor Herstellung eines neuen Pflasters ausgeführt werden, wird nachgerade unverständlich. Das ununterbrochene Aufreißen eines Pflasters fann demselben doch unmöglich zum Vortheil gereichen. N. Das Programm zur Denkmals- Enthüllungsfeier am 2. September des von Deutschen Schüßen ihren bei der Ratastrophe auf dem Steglißer Bahnhof verunglückten Schüßenbrüdern nebst Angehörigen auf dem neuen Louisenstadt- Kirchhof in der Hermannstraße ist gestern publizirt worden. Demzufolge findet Mittags 1 Uhr die Versammlung der am Ausmarsch sich betheiligenden Gilden und Schüßenvereine in der Unionsbrauerei in der Hasenhaide mit Fahnen in ParadeUniform statt. Hierauf erfolgt die Begrüßung der erschienenen Ehrengäste und Schüßen und sodann der Abmarsch nach dem Kirchhof. Die Enthüllung des Denkmals geht nach dem Eintreffen der Theilnehmer in folgender Reihenfolge vor sich. Durch den Steinmegmeister A. Babel wird die Uebergabe des Denkmals erfolgen, daran schließt sich die Ansprache des Komitee Vorfißenden. Nachdem die Hülle gefallen, wird der Konfiftorialrath Herr Noël die Weiherede halten und ein Choral die Feier beschließen. Nachmittags um 5 Uhr findet in der Unionsbrauerei ein Kommers statt, der durch eine Ansprache des Bundesvorfißenden A. Merker eingeleitet wird. Da die Kosten zu dem Denkmal noch lange nicht gedeckt sind, wäre es des humanen Bwedes wegen sehr wünschenswerth, wenn der Besuch fich zu einem recht zahlreichen gestalten würde. r. Der Andrang zu den juristischen Staatsprüfungen ist seit längerer Zeit ein so bedeutender, daß die staatliche Brüfungs- Behörde zu außerordentlichen Maßnahmen hat ihre Zuflucht nehmen müssen, um die Prüfungsarbeiten zu erledigen. Gegenwärtig werden wöchentlich drei Mal Prüfungstermine abgehalten, in denen jedesmal sechs Examinanden zur Prüfung gelangen. Diese zahlreichen Prüfungen hatten es den ständi gen Mitgliedern der Justiz- Prüfungs- Kommission schon seit längerer Beit unmöglich gemacht, die mündlichen Prüfungen sämmtlich abzunehmen und die mit den Prüfungen verbundenen fchriftlichen Arbeiten der Eraminanden zu bewältigen. Es haben deshalb für die Bewältigung dieser Arbeiten besondere Hülfsarbeiter vom Justizminister herangezogen werden müssen, unter deren Beihülfe gegenwärtig nun die Prüfungen en masse stattfinden. Der übermäßige Andrang zur Justiz- Carriére ist längst ein Gegenstand der Sorge nicht bloß bei unseren Suftig behörden, sondern auch bei den Eltern, deren Söhne fich diesem Studium widmen. Wann unter den obwaltenden Umständen einmal die jungen Juristen zu einer Anstellung gelangen sollen, ist gar nicht abzusehen. r An Kindesstatt. Wir wissen nicht, ob eines jener bekannten Zeitungs- Inferate oder eine andere Gelegenheit die Bekanntschaft der Frau X. mit der kleinen Else vermittelt hat, Die jetzt seit einer Reihe von Jahren sich im Hause der Frau X. befindet, und dort von allen Leuten als deren natürliche Tochter betrachtet wird. Jedenfalls war Elsens Mutter sehr froh, ihr Töchterchen in der Obhut von Leuten zu wissen, die geneigt waren, das Kind als eigenes aufzunehmen, und die fich auch sonst in guten Verhältnissen befanden. Frau X. wohnt in einer der vornehmsten Straßen; eigene Kinder hat sie nicht, und so ist es ihre größte Freude, wenn die kleine Else fte Mama" nennt. Aber unnatürlich, wie dieses erfünftelte Verhältniß, ist auch die Behandlung des Kindes durch seine Mama". Zwar geht die Kleine sauber gekleidet, faft zu elegant, und besucht eine gute Schule. Aber oft ist das Köpfchen verbunden und im Gesicht schimmern Stellen in allen Regenbogenfarben. Merkwürdig oft muß die Kleine beim Fallen Unglück haben; dann wird der Arzt gerufen und kein Geld gescheut, das Loch im Kopfe oder eine andere Wunde zu heilen; diese aber find so eigenthümlicher Natur, daß fie ebenSowohl Folgen grober Mißhandlungen, als eines Unfalles sein tönnen; auch eine Rückgrat Verstauchung, an welcher der Arzt die Kleine fürzlich behandelte, fonnte viel eher von einem heftigen Niederstauchen des Kindes auf einen Stuhl, als von einem angeblichen Falle desselben herrühren. Das Kind wagt feine Aeußerung, ohne dazu die Genehmigung seiner Mama" durch einen Blick derselben emM. ohne Sperre mehr oder weniger an der Leine spazieren geführt. Doch Schwamm über diese unerquidlichen Geschichten, wir " pfangen zu haben; ja, die Hausbewohner raunen einander zu, das Kind wage bei den furchtbarsten Mißhandlungen nicht einmal laut zu schreien; nur vereinzelt gellt ein solcher Wehruf an das Ohr eines zufällig Vorübergehenden. Und wer wollte es wagen, hier als Anfläger aufzutreten? Das Kind hat scheinbar Alles, was sein Herz nur wünschen kann; für Unterhalt und Erziehung läßt die Mama" es an Nichts fehlen. Freilich eine Sorge quält fie; ein Adoptivgesuch wurde vom Gericht zurückgewiesen, da Frau X. noch nicht das zu einer Rindesannahme erforderliche Alter von 50 Jahren erreicht hat, und ehe fie das erreicht, ist auch die kleine Else alt genug, um ihren eigenen Verstand zu gebrauchen. Das könnte leicht einen ſchillen Mifflang geben, in der„ Mama"-Harmonie Möchte dies Bedenken lieber dazu beitragen, das Megärenhafte in der Erziehungsmethode der Mama" X. zu mildern. 11 Ter Heumarkt auf dem Oranienplay ist eine wahre Plage für den dortigen Straßenverkehr, und an jedem Markt tage finden dort Verkehrsstörungen statt, die von den hunderten hochbeladenen Heuwagen verübt werden. Bald hängt ein Omnibus zwischen zwei solchen Heuwagen fest, bald versagt einer der fleinen Dorfflepper und läßt den heuwagen mitten auf den Pferdebahnschienen stehen. Komisch ist es anzusehen, wenn eine Droschke, die schnell nach dem Görliger Bahnhof will, plöglich in aller Gemüthlichkeit langsam hinter einem Heuwagen fahren muß, weil die edle Droschken- Rofinante fich von dem delikaten Heuduft gar nicht trennen fann, und sich in ihrem Genuß weder durch Bügel noch durch die Peitsche ihres Kutschers stören läßt. Es wäre in der That zweckmäßig, diesen Heumarkt mehr an die Peripherie der Stadt zu verlegen, denn den interesfirten Händlern ist es gleichgültig, ob sie mit der Pferdebahn für 10 Pf. weiter fahren müssen, und außer eini gen Restaurateuren am Dranienplay würde Niemand dem Heumarkt bei seiner Verlegung eine Thräne nachweinen. g Unter der größeren Anzahl von Ehescheidungssachen, für welche ein Termin vor dem hiesigen Kgl. Landge richt I am 1. November cr. anberaumt worden ist, befindet sich auch jene der Frau Domnauer, der Gattin des seinerzeit aus Berlin verschwundenen Konfektionärs D. aus der Mohrenstraße. Als Ehescheidungsgründe werden angeführt: böswillige Verlaffung, Ehebruch, grobe und widerrechtliche Ehrenkränkungen und unwiderstehliche Abneigung. Sühneversuch fällt weg. Es gilt als unzweifelhaft, daß dem Antrage der betrogenen Frau gilt als unzweifelhaft, daß dem Antrage der betrogenen Frau entsprochen wird. Egzeug!" Sind Sie deffen ganz sicher, Madame?" ,, Gewiß! Beruhige Dich nur mein Kind." Jch athme wies der auf, Madame!" Am nächsten Tage war das ,, verlegte" Stubenmädchen in Begleitung des gesammten Silberzeuges auf Nimmerwiedersehen aus dem Hause verschwunden." Die feindlichen Brüder. Es giebt Viele, welche für die närrischen Einfälle des haarduftpillendrehenden Seelenriechers Dr. Gustav Jäger in Stuttgart trop allem ein heiteres Lachen bereit haben, und nur Wenige, die ihn völlig ernst nehmen. Einen aber giebt es, der ihm ernstlich böse und bitter gram ist, und dies ist der Bruder des„ Seelenjägers", der als oberster Leiter des Schulturnens im Königreich Württemberg den Schwaben als" Turnjäger eine bekannte Persönliche ist. Dieser ist den Bestrebungen seines Bruders keineswegs grün und öftere Verwechselungen seiner Person mit Bruder Gustav haben ihn dermaßen aufgebracht, daß er seinen Zorn durch folgende Erklärung" im Schwäbischen Merkur" Luft machen mußte. Bei den ewigen, wesentlich auch turnschädigen den Verwechslungen sage man doch nun statt Jägeruniform etwa Wursteruniform oder Gustavstracht oder Haarduftkleid! Der Turnprofessor" Dr. Otto Jäger." Der Seelenjäger wird die ihm vom„ Turnjäger" provozirte Wursteruniform" schwerlich ruhig hinnehmen, und so werden wir bei dem streit baren Charakter der beiden feindlichen Brüder des Bruder friegs schlangenhaariges Scheusal" bald entfesselt sehen. " 11 Ein Kaffernhäuptling. Einem Reisebrief aus dem Oranje- Freistaat in Südafrila, den die Köln. Btg." zu vers öffentlichen soeben in der Lage ist, entnehmen wir folgende nicht interessante Stelle, welche uns einen Kaffernhäuptling als Schaustüd eines fontinentalen zoologischen Gartensson dern am eigenen heimischen Heerde schildert. Derselbe ist das Sepinare Moroka ist ein Oberhaupt von Thaba N'chu. zahmer Wilder, der zwischen heidnischer Barbarei und christlicher Heuchelei hin und herschwankt: wenngleich selbst ein großer Freund geistiger Getränke Freund geistiger Getränke zumal deutschen Erportbieres verbietet er den Verkauf derselben in seinem Lande bei 1000 M Strafe, ein Gefeß, das indessen einen seiner Brüder oder Bettern nicht gehindert hatte, sich zur Feier meiner Anwesenheit einen foloffalen Rausch anzutrinten; Sepinare läßt den Missionären aller Bekenntniffe freie hand, besucht selbst gelegentlich eine Kirche, ohne sich jedoch taufen zu lassen; er befigt gewiffe Schulbildung läßt aber trozdem gelegentlich einige ihm Migliebige abschlach ten; sein ganz hübsches in europäischem Stil erbautes aus bewohnt er nicht und fühlt sich in seiner Lehmhütte bei ſeinen verschiedenen Gattinnen bedeutend wohler. In diesem Palazzo wurde auch ich empfangen. Wie alle Kaffernhäuptlinge, deren einzige Beschäftigung abgesehen vom Kriege- fich aus Fleischeffen und Kafferbiertrinken zusammenseßt, zeichnet fi auch Sepinare( d. h. eiserner Büffel) durch eine mächtig impos nirende Gestalt aus. Ueber sechs Fuß groß mit riesigem Brut faften und intelligenten Gesichtszügen, bietet er den schönen Typus eines afrikanischen Kriegers. Leider empfing er mich nicht in ,, Raffernkleidung", d. h. fast ohne Gewandung, sondern in europäischer Kleidung: Plüschhosen, schmußigem wollenem Hemd, noch schmutzigerer rohseidener Jacke. Den seinen für lichen Schädel frönenden schlappen englischen Reisebut meiner Gegenwart abzunehmen, hielt er anscheinend unter seiner Würde, dagegen erhob er, als ich eintrat, feine schwerfälligen Gliedmaßen, streďte mir mit einem Iauten g. Die Identität eines Selbstmörders, dessen Leiche in der Nacht zum 9. d. M. in einem, in der Breitenstraße zu Bankow belegenen Vorgarten aufgefunden worden ist, fonnte tros aller amtlichen Bemühungen bisher nicht festgestellt werden. Da bei dem Verstorbenen ein Hut aus einer Fabrik in der Linienstraße zu Berlin gefunden wurde, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß der Selbstmörder nach Berlin gehört. wahrscheinlich, daß der Selbstmörder nach Berlin gehört. Er ist etwa 25 Jahre alt, 5 Fuß 2 Zoll groß, trägt einen blonden Schnurbart, hat dünnes blondes Kopfhaar, vollständige Zähne, dices, blaffes Gesicht, hohe Stirn und graue Augen. Er trug einen blauen Rock, blaue Weste, bunte englische Bein fleider, Schaftstiefel mit ungewöhnlich hohen Absägen, weißes Nachthemd, Oberhemd, Parchen Unterbeinkleider, PatentGummi- Hosenträger, langen blauen Shlips und schwarzen, festen Hut von großer Kopfweite. Am linken Ringfinger des Verstorbenen befand sich ein glatter, schwach vergoldeter TrauBei dem ring mit der Inschrift Treue E. P. 1. 11. 82". Selbstmörder wurde ein Bettel, anscheinend von seiner Hand geschrieben, vorgefunden, inhaltlich dessen er sich mittelst Gift aus der Welt befördert hat. N. Die freiwillige Feuerwehr in Rirdorf wurde gestern Abend gegen 11 Uhr abermals in Thätigkeit genommen. In dem Hause des Dr. Tiburtius, an der Ecke der Goethe- und Bergstraße, war eine Dachlammer, neben welcher sich ein photographisches Atelier befindet, in Brand gerathen. Nur dem rechtzeitigen Eintreffen und dem energischen Einschreiten der Feuerwehr ist es zu danken, daß das Feuer nicht weiter um fich griff. Der Schaden ist ein verhältnißmäßig geringer. Die Entstehungsursache bisher noch unbekannt. trat auf mich ,, tumela" zu und ( ungefabr Ser Linken umfaßte. Er war überhaupt recht freundlich, eine profit") seine Rechte entgegen, während er deren Gelent mit Erfrischung bot er mir zwar nicht an, beantwortete dafür aber mit unermüdlicher Geduld alle meine Fragen. Nachdem wir uns einigermaßen angefreundet, bat ich ihn, mir einige feiner Gattinnen vorzustellen, er grunzte zustimmend und sofort e duftete einer der Höflinge, deren ein halbes Dugend in refpelt vollster Stellung uns umgaben. Bald erschien Mrs. Sepinare Nr. 1, eine recht hübsche Betschuane. Hübsch" ist natürlich immer relativ zu nehmen, die Kaffern- Frauen und Mädchen find alle schön gewachsen, fie haben schöne Zähne und find rein gewaschen der Rest ist Geschmackssache. Mehr als die Landes mutter intereſfirte mich ein äußerst kunstvoll gestickter Mantel aus hartem Eberfell, in den sie gehüllt war. Sepinare war freundlich genug, mir denselben als Geschenk anzubieten, eine Szene, die insofern nicht ohne Originalität war, als die Fürstin fich bereitwilligst dieser einzigen- Hülle entledigte, um mich mit derselben zu schmüden. Meine Gegengabe bestand aus gen ungemein erregt zu ihrer Herrin und theilte ihr mit, daß einem dem Atelier von Nikolaus Longer in Köln entstammen fie fich beim Reinigen der Eßbestede mit einer Gabel gestochen den Lichtbilde meiner werthen Person in Uniform, das den habe. Ach, Madame!" rief das Mädchen, welches erst furze Fürsten und seine heranstürmenden Gattinnen Nr. 2-8 leb haft erfreute: Das habe ich gleich gesehen, daß du Soldat warst", sagte der alte Heuchler. Wenn du nach Deutschland dies möglich sein?" Nun, wenn die Gabel aus Alfenide kommst, edler Fürst," erwiderte ich, so macht man dich fofort Vermischtes. Eine raffinirte Diebin. Aus Paris wird folgendes heitere Geschichtchen mitgetheilt: Ein bei einer wohlhabenden Ba riser Familie bedienstetes Stubenmädchen fam vor einigen Ta " Zeit im Haufe diente ,,, ich fürchte, daß der Brand dazu kommen werde!" Unfinn!" entgegnete die Hausfrau ,,, wie sollte wäre...." ,, Sie ist aber aus Silber, wie unser ganzes zum General." Das that ihm unsäglich wohl.. mit feltener Unparteilichkeit. 11 Er verschwieg nicht die er schwerenden Umstände der That, hob aber auch die mildernden die Jugend des Angeklagten, die der väterlichen Zucht er That hervor. Als er des Vaters des Angeklagten gedachte, da fiel das Wort„ pflichtvergessen" mit bleierner Tonlofigkeit wollen uns den heutigen Sonntag dadurch nicht verderben die Züge des Angeklagten, der den Blid mit stolzem Troße be mangelnde Erziehung, das von Gemeinheit freie Motiv de laffen, denn heute ist Stralauer Fischzug! Das alt herbrachte Fest der Berliner Bevölkerung soll auch diesmal in würdiger Weise gefeiert werden. So oft wie dieses Fest schon besungen ist, immer und immmer wieder übt es einen unwider stehlichen Reiz auf den richtigen Berliner aus, und wie oft man den Stralauer Fischzug auch schon todt gesagt hat, immer wieder erfteht er von Neuem mit seinem Ult, seinen Volksvergnügungen, seinem Affen und seinem Kater! Eine seltsame Geschichte. Ich will der Welt eine Geschichte erzählen, wie man Präfident wird." Schillers Kabale und Liebe". In der Hauptstadt einer österreichischen Provinz machte vor ungefähr 25 Jahren eine Gerichtsverhandlung ungewöhn liches Aufsehen. Es handelte sich um einen Mord. Der Thäter, die Motive seiner That, der Verlauf der Verhandlung, Alles erregte im hohen Grade die Aufmerksamkeit. Die Schwurgerichte gehörten schon damals zu den Justizinstitutionen der Monarchie. Der Verhandlungssaal war überfüllt. Die Geschworenen nahmen ihre Pläge ein, desgleichen der öffentliche Antläger und der Vertheidiger des Angeklagten. Der Gerichtshof erschien. Der Präfident war ein landbefann ter, wegen seiner Strenge gefürchteter Mann. Ein Mann von hoher, stattlicher Figur, mit breiter Stirn, festgeschlossenen Lippen, einer feinen Nase, deren Flügel fast unaufhörlich vibrirten. Der Angeklagte wurde vorgeführt. Eine Apollogestalt, stramm und geschmeidig. Frei erhobenen Hauptes betrat er den Saal. Aus dem vor Erregung blaffen Antlige bligte ein Baar fühner Augen. Der Mund erschien festgeschloffen, keine Miene zuckte, nur die Nasenflügel verriethen die innere Bewegung. So blickte tein gemeiner Mörder. Und doch der Jüngling war des gemeinen Mordes angeklagt und geständig. Mit vornehmem, fast stolzem Anstande verbeugte er fich vor seinen Richtern. Auf den Präsidenten warf er einen langen, unbeschreiblichen Blid. Mitleid, Haß, Abscheu flammten Sarin gleichzeitig auf. Der Präsident begann das Verhör: Sie heißen?" Friedrich Tanners." Der Angeklagte sprach die einfachen Worte mit fest auf den Präsidenten gerichtetem Blick, jede Silbe betonend, als erwarte er davon irgend eine Wirkung. Woher sollte dies Berantwortlicher Redacteur tommen? Der Präfident kannte den Namen längst aus der Boruntersuchung; er fonnte ihn nicht überraschen. Und doch, als die letzte Silbe gefallen war, bohrte sich sein Auge tief in gegnete. Hatte er aus dem Antlig etwas mehr als aus den Aften herausgelesen? Unruhig rückte er auf seinem Sessel und schier hastig flang die weitere Frage: ,, Alt?" Einundzwanzig Jahre," lautete die Antwort. Der Präsident erbleichte, er mußte tief aufathmen, bevor er das Verhör fortseßen konnte. Seine Züge wurden entsetzlich starr, als hätte er in einen Abgrund geblickt und würde vom Schwindel erfaßt. Aber sein Stolz war stärker als seine Schwäche. Das Verhör nahm seinen Fortgang. Der Angeflagte geftand Alles freimüthig. Er hatte sein Opfer, einen angesehenen Gutsbefizer, auf deffen eigenem Grund und Boden, im Walde, angegriffen wie eine Selbſtanklage, von den stolzen Lippen; als er der Motive gedachte, welche den Angeklagten zum Morbe getrieben, da glänzte sein Auge von einer zärtlich tolgen Regung. Der Gerichtshof zog sich zur Fällung des Urtheils zurüd Es konnte nicht zweifelhaft sein. Nach wenigen Minuten ver fündete der Präsident den Spruch;„ Tod durch den Strang" Er sprach das Todeswort mit gewohnter Festigkeit. Dann aber verließ ihn die Kraft; er taumelte und wurde ohnmächtig hinweggeführt. und nach furzem Wortwechsel mit der längst bereit gehaltenen Faffung angehört; fast schien ihn das Verhalten des Gericht Waffe niedergeschoffen. Wie ein Hund," fügte er bebend vor Erregung hinzu. Nur die Motive verschwieg er. Es war räthselhaft. Die Zeugen wußten hierüber nichts anzugeben. Der Präfident brang wiederholt in den Angeklagten, die Wahrheit zu ge stehen. Er beschwor ihn mit ungewöhnlicher Wärme, sich dieses Milderungsgrundes nicht zu entschlagen. Schier ängstlich flang der Buruf, flehend, väterlich. Sie wollen es wiffen, Sie, Herr Präfident?" Es rang fich feuchend von den Lippen des Angeklagten; es schien, als sollte nun etwas Unerhörtes geschehen. Der Präfident erbleichte und bog fich zurück; der Angeflagte blidte ihn wieder mit dem räthselhaften Blicke an, dann athmete er tief auf, er schien sich anders besonnen zu haben. Trozdem fuhr er fort: ,, Er hatte meine Mutter geschmäht. Er hatte sie eine Dirne genannt. Und das Alles, weil mein Vater, ein Schurke," das Wort kam donnernd, wie eine Anklage, von den Lippen ,, meine Mutter verrieth, um mit Hülfe einer alternden Mätreffe.... ein hoher Staatsbeamter zu werden." Der Präfident lehnte weit vorgebeugt über den Gerichts tisch, er athmete mit Anstrengung und sichtlich schwer raffte er sich zu einem Tadel über das Verhalten des Angeklagten und des Publikums auf, welches in laute Zeichen seiner Theilnahme ausbrach. Der Angeklagte beendete sein Geständniß. Sch forderte von dem Beleidiger Genugthuung. Er verweigerte fte- dem Bastard. Da suchte ich ihn auf und schoß ihn nieder wie einen Hund, Herr Präsident. Ich habe Alles gesagt. Nun richten Sie mich." Der Verurtheilte hatte den entseglichen Spruch mit präsidenten mehr zu intereffiren, als sein eigenes Edid fal. Sein Blid blieb auf der Thür haften, durch welche der Ohnmächtige verschwunden war, bis er selbst in seine Belle geführt wurde. Im Publikum verbreitete sich wie ein Lauffeuer die Runde von den Vorgängen der interessanten" Berhandlung. Man war einig, daß der Angeklagte seitens des Gerichtshofes der Gnade des Monarchen empfohlen würde. Das verstörte Be nehmen des Präsidenten, seine Ohnmacht schrieb man einem Unwohlsein zu, deffen der kräftige, pflichteifrige Mann verge Nachts erschien in den Korridors des Gefängnißfes der einen vom Gerichtspräsidenten gefertigten Erlaubniß ein hoher, in einen schwarzen Mantel gehüllter Mann schein zum ungestörten Besuche des Verurtheilten vo Der Schließer prüfte den Schein, schüttelte ver wundert den Kopf, ließ aber den nächtlichen Besucher, der sein Geficht tief in den Mantel hüllte, in die beleuchtete Belle des Unglücklichen eintreten, nachdem er den darin poftirten bens Herr zu werden versucht hatte. Wachmann herausgewinft. Als der Beamte nach längerer Zeit durch das Gudlod der Thür spähte, da fuhr er schier erschrocken zurüd. Darin lag es war fein Zweifel möglich der stolze Präfident auf den Knieen vor dem Verbrecher und streichelte weinend, in brünstig deffen Wangen. einen Im lezten Jahre öffneten sich die Kerkerpforten für e Tode verurtheilt, zu lebenslänglichem Kerker begnadigt schließlich nach 25 jähriger Buße entlassen worden war. und Sobn bet am Weihnachtsabend ein reuiger Vater seinen verlorenen& In einer fleinen Stadt der österreichischen Alpen aber hielt als das beste Geschenk seines Lebens in den Armen Greis den gebrochenen Mann. Nach diesem Geständnisse war die Aufgabe des Staatsanwalts eine leichte, dagegen die des Vertheidigers eine hoffnungslose. Der Präsident gab das Resümé. Er that es R. Gronheim in Berlin. Druck und Verlag von Way Bading in Berlin SW, Beuthstraße 2. ajd frei Abo werb Expe für enta The aus bitio five ben we auf Be Ilei Ba flu ult au De m gef BO fer trie för wid ich أما 8 21 to J ein ite Ti fid ma fül un lic ERREN AT mi Ste ab Sch et G in 21 lu te er