Nr. 135. Mittwoch, 10. September 1884. I. Jahrg. Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen der Arbeiter. Dal ,, Berliner Boltsblatt feint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei ir's Haus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Mart, wöchentlich 25 Pf. Einzelne Rammern 5 Bf. Bostabonnement pro Duartal 3 Mari.( Eingetragen im VII. Rach trage ber Postzeitungspreislifte unter Nr. 719a.) Jufertiousgebühe beträgt für bie 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Bf. Arbeitsmarts 10 Br Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inferate werden bis 4 tiys Nachmittage in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonces Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedition Berlin SW., Zimmerstraße 44. Nationalliberale Aussichten. H Mit dem auf drei nationalliberalen Parteitagen so pomphaft angekündigten glänzenden Aufschwung" bieser Partei ist es, wie wir gleich vorausgesagt, Nichts geworden, und wer sich den Gang der Dinge mit einigem Verständniß ansieht, der überzeugt sich, daß auch ferner Nichts damit werden wird. Das Vertrauen zu Herrn von Bennigsen seint noch nicht wieder erwachen zu wollen, denn sonst müßten dem allgemein gefeierten edlen Patrioten" die Kandidaturen" zu Duzenden angeboten werden. Man hört aber von solchen Offerten gar nichts und dieser Tage haben sogar die Nationalliberalen des Dortmunder Wahlkreises dem Staatsmann im Schmollwinkel zu Hannober eine Art Mißtrauensvotum ausgestellt. Sie wollten nach Dortmund einen der beliebten nationalliberalen Parteitage" berufen und Herrn von Bennigfen dazu einlaben, beschlossen aber davon abzusehen, so lange sich Herr von Bennigsen nicht erklärt habe, ob er wieder ein Mandat annehmen werde. Das ist deutlich. Su gleicher Zeit erHärt Herr Dr. Buhl, der Macher der nationalliberen Kundfönne. " ichten" ein Mandat zum Reichstage nicht mehr annehmen tonne. Gesundheitsrücksichten" ist die gewöhnliche und schon vielbelächelte Ausrede entwertheter Politiker. Dagegen wer den in München von allen Seiten Kandidaturen angetragen und der Bürgermeister Fischer von Augsburg reist seit Wochen in Wahlkreis Ulm umher, um Wahlreden zu halten dort den Wählern die angenehme Aussicht zu machen, daß Staatsmänner, welche die ,, Heidelbergerei" einfädelten, so naiv gewesen, zu glauben, daß das Bibelwort: ,, Liebet eure Feinde!" eine Richtschnur für ultramontane à la Windthorst abgeben könne? Man fann es freilich den Ultramontanen nicht verdenken, daß fie den Kulturkampf noch nicht vergessen haben. Sie find für die ausgestandenen Verfolgungen zwar überreichlich belohnt worden, allein sie haben es eben noch zu hübsch im Gedächtniß, wie sehr die Nationalliberalen einst ihre Macht ausgenügt haben und sie schicken sich an, nunmehr das Gleiche zu thun. befunden, wie jetzt die nationalliberale. Aus ihrer parlamen Selten hat sich eine Partei in solch unangenehmer Lage tarischen Position geworfen, von ihren hervorragendsten Führern verlassen, sucht die Partei Schutz und Unterstüßung bei einer Regierung, die ihrer nicht mehr bedarf und die ihren Bemühungen mit derfelben Geringschäßigkeit zusieht, wie der Mann im besten Alter den schmachtenden Koketterien einer verliebten aber verlebten und abgelebten Schönen. Umsonst hat der Nationalliberalismus sich mit seiner ganzen Vergangenheit in Widerspruch gesetzt und die ihm so widerstrebenden sozialpolitischen Tendenzen der Regierung acceptirt; umsonst hat er sich den veralteten Anschauungen der Konservativen anbe Regierung zu erwerben, sich selbst mit dem Ultramontanisquemt. Er hätte, nur um ein gnädiges Wohlgefallen der seinem Tobfeind, vertragen; da aber schallt ihm aus Amberg das unerbittliche Quod non! des alten Fuchses Windtohnehin auf wadeligen Füßen steht, wird nach diesem Prohorst, entgegen. horst, entgegen. Die ultramontan- konservative Allianz, die nunciamento den Nationalliberalismus, so realtionär er fich als Dritten in den Bund aufnehmen, das Der Nationalliberalismus wird und muß zu Grunde gehen, das ist, wie man sieht, im Rathe der Götter beschlossen. Politische Uebersicht. Eine direkte Fälschung begeht das Blatt des Herrn Mosse, indem es schreibt: ,, Aus der neuesten Nummer der ,, Politischen Wochenschrift" erfährt man, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten seit Jahren die liberalen Abgeordneten ausgehorcht und jede ihrer Aeußerungen sorgfältig notirt haben, um fte zu gelegener Zeit gegen den einen und anderen Abgeordneten zu verwenden. Das haben diejenigen Leute gethan, welche nicht oft und nicht laut genug ihren AbScheu gegen Alles, was Spionage heißt, bekräftigen konn ten! Sie haben sich selbst zu Spionen gemacht! Wenigstens versichert es die Politische Wochenschrift" des Herrn Viere, der es als hervorragendes Mitglied der sozialdemokratischen Partei doch wohl wissen muß." Nun ist aber das Blatt des Herrn Mosse naiv genug, Diese Fälschung selbst einzugestehen, indem es den be treffenden Baffus der Politischen Wochenschrift" gleich unter den obigen Satz stellt. Dieser Paffus lautet: Wir( das ist der Schreiber des Artikels in der Pol. Wochenschrift") wollen hier nicht die Indiskretion begehen, dasjenige auszuframen, was wir uns aus psychologischem Interesse an den Vorkommnissen natürlich! im Laufe der Jahre aus den Ge sprächen notirt haben, die verschiedene mehr oder minder hervorragende Parlamentarier im Foyer des Reichstags, in der Fraktion Müller", im Eisenbahnwaggon und sonstigen Begegnungspläßen mit Mitglie dern der sozialdemokratischen Fraktion geführt haben. Bei diesen Gesprächen, die mit den Vorgängen im Sigungssaale oft in denkbar drastischer Weise kontrafirten, find häufig genug Aeußerungen gefallen, die auf gleicher Stufe mit den Rickert untergelegten Wendungen stehen." Also nicht die sozial- demokratischen Abgeordneten haben, wie aus der Politischen Wochenschrift" hervorgeht, sich die gang des Nationalliberalismus ein ungemein tröstliches Zeichen. Artikelschreiber der Bolitischen Wochenschrift, hat das not, Sie zeigt uns, daß die Selbstständigkeit im Volksbewußtsein vorgeschritten ist. Das Volk verlangt heute Rechenschaft von den Barteien; es bulbet nicht mehr, daß die Grundbinden, sondern immer mit der Regierung gehen werde. Hier steht nunmehr fest. liebäugelt der Nationalliberalismus mit den Freisinnigen, bort mit den Konservativen. Man sieht, diese Partei ist desorganisirt, ihr innerer Zusammenhalt ist aus den Fugen gegangen und die noch übrig gebliebenen Führer, die die geeigneten Leute, um diese Schäden zu heilen. Der Verman nur die verzweiflungsvolle Hartnäckigkeit bedauern fann, mit welcher die nationalliberalen Führer die alberne Mähr faglosigkeit triumphirt. fun ber und Bureaufrater den Mund noch so sehr voll nehmen von dem glänzenden Bei allebem, und in dieser jammervollen Lage ist noch Aufschwung" des Nationalliberalismus, die Masse des Boltes kehrt ihnen doch den Rücken und damit sind sie gerichtet. Die Wahlen werden hoffentlich dieser Partei den faktiHeidelbergerei" selbst schon gegeben. eine Kriegserklärung gegen die nationalliberale Partei ergangen, die in ihren Wirkungen einem wohlgezielten Dolch floße gleicht. Herr Windthorst hat diese Gelegenheit schen Todesstoß geben. Den moralischen hat sie sich mit der Amberg zu erklären, daß seine Partei die Nationalliberalen abgewartet, um auf dem Parteitage der Ultramontanen zu ohne Gnade befämpfen werde. Sind die nationalliberalen Feuilleton. Radbrnd verboten.] 451 Das Kind des Proletariers. Sensationsroman von U. Rosen. ( Fortsetzung) Als die Gräfin wieder zu sich fam, war sie allein. Sie lag zu Tode erschöpft da und beobachtete das langsam vers schwindende Licht durch die Ladenausschnitte. Es war schon lange ganz finster, als Frau Betigrew mit ihrem Theebrett und einem kleinen Tischchen zurückkehrte. Die Gräfin war so schwach, daß fie fich faum bewegen konnte. boshaftes Geschöpf, gefühlloses Ungeheuer! Wo ist mein Nicht ohne ihre Mutter! Führen Sie mich zu ihr, Betigrew besorgt, und effen Sie nur einen Biffen und Kind ,, nädige Frau, wollen Sie nicht etwas effen?" ,, Kommen Sie, kommen Sie, gnädige Frau," bat Frau trinken Sie eine Taffee Thee. Sie werden Ihre Tochter schon wieder sehen. Und Sie thun ihr nichts Gutes, wenn Sie versuchen, Hungers zu sterben. Sie müssen essen, sonst werden Sie zu schwach sein fortzugehen, wenn man Ihnen diese Thür öffnen wird. Kommen Sie, trinken Sie eine Mutter von ihrem Kinde trennen, wird Sie der schwerste Fluch Rein, ich fann nicht. Weib, Weib, wenn Sie eine des Allmächtigen treffen. Befigen Sie denn gar keine Mensch Taffe Thee." lichfeit, gar fein Erbarmen? Fürchten Sie denn nicht den Born des Himmels über Ihren Frevel? Haben Sie keine Kinder? Haben Sie gar kein Gefühl?" nicht, ob ich mich so um ihn grämen fönnte. Ich halte es recht a wohl, ich habe ein Kind, einen Sohn, aber ich weiß gut ohne ihn aus und zum Gefühl bin ich niemals erzogen worden, das ist nur für reiche und vornehme Leute, nicht für getrennt Schügen." Leide gethan habe!" Richt? Und Sie haben mich doch von meiner Tochter Die junge Dame ist alt genug, um fich selbst zu zu bringen? War es Rupert Barth?" Sagen Sie mir, Elende, wer befahl Ihnen, uns hierher Meinen Sie den, der früher bei Lady Bide war?" a, ja; war er es?" Rein, er war es nicht. Wo ist er?" mich zu meiner Tochter führen." würde ich Ihnen jeden Dienst dafür erwiesen haben, wenn Sie Sehen Sie, gnädige Frau," seufzte Frau Petigrew ,,, einft mir gefagt hätten, wo der junge Herr zu finden ist. Aber ich babe tein Glück gehabt und jetzt ist es mir gleichgiltig, wo er ift. Mein Vortheil verlangt es, daß ich Denen gehorche, die mich hierher gebracht haben. So viel ist gewiß, es wird weder Ich will es Shnen fagen, wenn Sie mich hinauslassen, oder geldbeben. Die Gräfin war bereit zu gehorchen, als ihr einfiel, daß fie vergiftet werden könnte. Sie saß auf dem Ruhebett, das fleine Tischchen stand vor ihr. Argwöhnisch betrachtete ste ihre Gefangenwärterin. Wollen Sie nicht eine Taffe von diesem Thee trinken?" fragte fie. Sie meinen, ich wolle Sie vers Frau Petigrew lachte. giften. Wenn es weiter nichts ift, was Ihr Gemüth bedrückt, follen Sie bald zufrieden sein. Da schenken Sie mir eine Taffe Thee ein und geben Sie mir recht viel Zucker dazu, Und da ist ein Ei. Mit und welches Brödchen sie wollen. einem Ei tann man doch nicht vergiftet werden. Sagen Sie nur, was Sie gern effen. Ich foche Ihnen Alles, was ich im Hause auftreiben kann. Ich mag nicht, daß Sie frant werden, denn ich liebe es nicht, Kranke zu pflegen." Die Gräfin trant den Thee, und da sie selbst einsah, wie wenig fie ihrer Tochter damit diente, wenn sie fich Speise und Trank versagte, aß fie etwas von dem für sie bereiteten Abendbrot. " Frau," sagte fte wieder, ich weiß, ich habe Ihnen niemals etwas Böses gethan, warum find fie meine erbitterte Feindin? Geben Sie mir meine Freiheit wieder, bringen Sie mir meine Tochter, und führen Sie uns auf den Weg nach London. Sehen Sie, hier ist meine Uhr, sie ist mit Diamanten besetzt, und auch dieser Ring ist sehr werthvoll. Ich gebe Ihren Beides, und wenn Sie mir einen Drf bes zeichnen, wo wir uns treffen können, gebe ich Ihnen noch hundert Pfund und mein Ehrenwort darauf, daß Sie nicht Frau Betigrer hob fie auf, leerte ein Glas Waffer über weiter belästigt, daß keine verfängliche Frage an Sie gestellt ihr Geficht, nahm ihr Theebrett auf und verschwand. Die Gräfin schwankte plöglich und fant ohnmächtig nieder. werden soll." notirt, was ihm von derartigen Gesprächen zu Ohren gekommen ist. Ob dies hübsch ist, fann man billigerweise bezweifeln, da es fich doch jedenfalls und zwar in doppelter Hinsicht lediglich um Privatgespräche gehandelt hat, die vor jeglicher Jndisfretion ficher sein sollten. Wäre es übrigens so wie das Blatt des Herrn Mosse behauptet, daß die„ Politische Wochen schrift" die sozialdemokratischen Abgeordneten beschuldigt hätte, liberale Abgeordnete ausgehorcht und die Aeußerungen der felben notirt zu haben, dann find wir der festen Ueberzeugung, daß längst schon seitens der sozial- demokratischen Abgeordneten ein en ergischer Protest dagegen erhoben worden wäre. -Aber so beruht die ganze Heulmeierei des Blattes des Herrn Moffe lediglich auf einer direkten Fälschung, die allerdings wohl nicht aus Bosheit gemacht sein dürfte. Männiglich ist ja bekannt, daß die Redaktion des Blattes des Herrn Moffe Frau Petigrew blickte verlangend auf die Schmuckgegenftände. Für Unsereins ist wenig Aussicht so etwas zu Gelde zu machen," erwiderte fte. Wir werden des Diebstahls beschuldigt, und die Pfandleiher und Trödler wollen und fast gar nichts dafür geben." ,, Gut, aber das Geld, die hundert Pfund. Ich will Ihnen sogar zweihundert Pfund bewilligen, und Sie dürfen nur bestimmen, von wo Sie es innerhalb einer Woche abholen wollen, wenn Sie mich und meine Tochter freigeben." " Aber gnädige Frau, wo wollen Sie das Geld herbetommen? Ich habe gehört, daß Sie Ihr ganzes Vermögen verloren haben?" Sch fann es mir verschaffen; Fräulein Barth wird es mir mit Bergnügen geben," rief fie, von ihrem Eifer fortges riffen, unvorsichtiger Weise aus. Der bloße Name Barth, der für Frau Petigrew die Gerechtigkeit selbst verkörperte, genügte, um ihr das volle Bewußtsein des Verbrechens wachzurufen, an dem sie sich betheiligte. Gefängnißstrafe oder Bwangsarbeit für Lebenszeit mochte für fie aus der Befreiung der Gräfin folgen. Frau Petigrew handelte niemals ehrlich, und Worthalten war ihr ein unverständlicher Begriff, und deshalb Sie fraute sie auch den Versprechungen Anderer niemals. zögerte und überlegte nicht mehr, sondern wich entschieden zurüd. Es ist unmöglich," sagte fie. Ich habe nichts damit zu schaffen und gehorche nur dem empfangenen Auftrag. Mich geht die Sache nichts an, und ich prüfe nicht, was Recht oder Ünrecht ist." Sie nahm ihr Licht und eilte aus dem Zimmer. Die Gräfin sant auf ihr Ruhebett zurück. Trotz der barschen Abweisung bewahrte sie die Hoffnung, ihre grimme Gefängnißwärterin bestechen zu können, und sie begann zu erwägen, wie fie das anstellen sollte. Sie fühlte sich un fäglich matt. Das Abendessen hatte Schläfrigkeit bei ihr bervorgerufen, der fie nicht lange zu widerstehen vermochte, nach wenigen Minuten verfiel fte in einen fieberhaften Schlummer. Frau Betigrew fand fte am nächsten Morgen noch schlafend, aber leise ächzend und fich unruhig auf ihrem Lager hin- und herwerfend. Sie weckte die Unglückliche nicht, aber sie berichfete Tony, daß die Gräfin offenbar schwer erkrankt set, und ihnen wahrscheinlich unter der Hand sterben werde. Die Sachen lein Deutsch schreiben und so wird auch die Fälschung darauf zurückzuführen sein, daß jene Redaktion auch nicht ein- mal Deutsch lesen kann. Beides ist ja auch so ganz leicht nicht. Auf Grund des K 11 des Reichsgesetzes gegen die ge- meingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 ist das mit der Ueberfchrifl:„An die Landleute der Umgegend von Köln" und der Unterschrift:„Das Zentralwahlkomitee der Arbeiter für den Landkreis Köln" ver- sehene Flugblatt durch die königliche Regierung zu Köln ver- boten morden. Die Gewerbekammeru sollen auf Grund längerer Be- stimmungen organifirt werden. Für jeden Regierungs- resp. Landdrostei-Bezirk, soll eine Gewerbekammer errichtet und aus Vertretern der Landwirthschast, des Handwerks, der Industrie und des Handels zusammengesetzt werden. Aus Bremen schreibt man: Herr Lüderitz hat aus Cap- stadt eine telegraphische Nachricht erhalten, daß die durch ihn geschehene Erwerbung des ganzen Küstenstrichs nordwärts von seiner älteren Besitzung Angra Pequena bis zum Cap Frio, jedoch mit Ausschluß der Walfischbai, eine Strecke von etwa 120 geographischen Meilen, durch Aufhissen der deutschen Flagge als deutsches Gebiet erklärt worden sei. Die Grostiudustrieelleu der verschiedenen Branchen rüsten sich, dem Unfallverficherungs- Gesetz nachzukommen und bilden zu diesem Zweck Unfall- Berussgenossenschaften. Die Tabak- resp. Zigarrenfabrikanten, die Wollindustrieellen, die Eisenindustriellen und andere haben bereits die Organisation in Angriff genommen. In Halle findet am 5. Oktober ein nationalliberaler Parteitag für Sachsen statt, zu dem Herr von Benda feine Betheiligung zugesagt hat.— Da werden die guten Hallenser was zu hören bekommen! Aus Elberfeld schreibt man: Der Parteitag der frei- finnigen Partei Rheinlands und Westphalens wurde heute um 3 Uhr in Johannisberg vom Rechtsanwalt Schmitz Ii. eröffnet. Es sprachen Schlüter, Schmidt und Richter. Letzterer pries die Fusion als eine weise That, die einer Fusion der Nationalliberalen mit den Konservativen zuvorgelommen sei. Er führte Beschwerde über das Vorgehen der Nationalliberalen des Westens gegen die freisinnige Partei, was doch nur dem Freifinn Kräfte entziehe im Kampfe gegen die Konservativen des Ostens, und das Junkerthum fördern. Seine Partei sei guten Muthes, im Wahlkampfe zu siegen.— Also„unser Eugen" hat die Verbrüderung mit den Nationalliberalen als eine weise That hingestellt, weil die Fortschrittler dadurch den Konservativen den Braten— vulgo die Dämmerungsliberalen— vor der Nase weggeschnappt hätten. Jedenfalls ein rührendes Zugeständniß; es geht daraus hervor, daß für die Herren Richter und Genossen mit den bekannten Eunuchen als eine große Leistung betrachtet wird. Auch die Sieben Schwuben, vulgo Volksparteiler, haben es für nöthig befunden, Stärkung zu suchen; fie haben eine Parteiversammlung in Heilbronn unter Härle's Vorfitz abge- halten und nach einigem Hin- und Herreben ein aus sechs Paragraphen bestehendes Wahlprogramm angenommen. Der„Niederschles. Anzeiger" hat Kenntniß von einer Petition von Zuckerrübenbauern erhalten, in welcher nichts Geringeres verlangt wird, als eine dreijährige Staatsgarantie des Ertrages von 1 Mark pro Zentner Zuckerrüben. Es ist, bemerkt dazu die„Lib. Corr.", nicht in Abrede zu stellen, daß diese Forderung, so exorbitant sie auf den ersten Augenblick erscheinen mag, mit dem Begriff des„Wohlfahrthsstaates" durchaus im Einklang steht. Das scheinbar Anstößige liegt nur in der Formulirung; aber auch diese ist nicht neu. Haben doch die Getreideproduzenten in Elsaß-Lothringen s. Z. ver- langt, daß der Staat(durch Normirung der Getreidezölle) einen Marktpreis von 25 M. pro Doppel-Zentner Roggen garantire. Auf den Bescheid, der den Zuckerrübenproduzenten zu Theil wird, muß man gespannt sein.— Wir haben in unserem Blatte wiederholt nachgewiesen, daß diese Herren Zucker- industrieellen schon unter den jetzigen Verhältnissen ganz enorm auf Kosten der Steuerzahler bevorzugt find. Doch das scheint diesen Herren noch nicht genügend zu sein und so verlangen fie mehr Staatshilfe für sich, die„armen" Großgrundbesitzer. Der schweizerische Bundesrath hat eine Verfügung an die Kantonsregierungen erlassen, welche ganz den Charakter einer Kriegserklärung an die Adresse der Anarchisten trägt. Es sollen hinfort in der Schweiz alle zur Erhaltung der öffent- lieben Sicherheit nothwendigen Maßregeln getro"en werden, das heißt mit anderen Worten, es soll nicht länger geduldet werden, daß die auf schweizerischem Boden übergetretenen Anarchisten das Asylrecht mißbrauchen, um unter dessen Schutze gegen die Ruhe der politischen und bürgerlichen Gesellschaft zu lonspiriren. Die nächste starlameutarische Session in den Nieder- landen wird in vierzehn Tagen stattfinden. Die irische Antipathie gegen England giebt sich neuerdings in einer in Fluß gebrachten Bewegung kund, alle Spuren der englischen Eroberung in Dublin zu verwischen, und zwar durch die Ersetzung der englischen Straßennamen gingen zu weit, und fie sowohl als Tony würden stch demnächst wegen Mordes vor Gericht gestellt sehen. Den ganzen Tag lag dre Gräfin, von furchtbaren Kopf- schmerzen gefoltert, auf ihrem Ruhebett, und weinte und jam- werte um rhr Kind, oder ging mit schwankenden Schritten auf und nieder. Gegen Abend versicherte ihr Frau Petigrew, am folgenden Tage werde fie ihre Tochter wieder sehen, sie möge nur etwas essen und fich niederlegen. Das Fräulein befinde sich ganz wohl, und Alles werde fich in befriedigender Weise auf- klären. Die Gräfin erwartete wenig Gutes von der versprochenen Aufklärung, aber fie war zu matt, um etwas anderes zu lhun, als fich hinzulegen.„, � Ein tiefer Schlaf umfing fie bald. Gegen ein Uhr schlich fich Frau Petigrew leise zu ihr heran. Sie hielt eine Flasche und einen mit Chloroform getränkten Schwamm in der Hand, welchen fie der Gräfin an das Gesicht drückte, dann steckte fie der Kranken einen Zwieback und ein Fläschchen Wein in die Tasche und winkte Tony herbei, der mit ihr eingetreten war. Die Beiden hüllten die Gräfin in ihren Shawl, trugen fie die Treppe hinunter und hoben fie in den Wagen, der vor dem Thore stand._,„. Frau Petigrew zeigte fich sehr besorgt, rhr Opfer bequem unterzubringen. Sie ordnete die Kiffen, und stützte dre Füße und den Kopf der Kranken. Während sie dies that, leuchtete sie fich mit einer Laterne, deren Licht das bleiche gramumdüsterte Gestcht der Gräfin grell beleuchtete. Tony bestieg den Bock, um zu kutschiren. „Ich werde bald zurück sein," sagte er,„wenn ich nicht zuvor den Hals breche."__,_ „Das wäre schade," entgegnete die liebende Gattin,„Du verdientest es reichlich, Du Schelm, denn Du verwickelst mich immer in so gefährliche Dinge. Ohne Dich und ihn wäre ich eine brave Person geblieben. In das Haus zurückgehend, bereute fie bitter, der Gräfin Anerbieten, ihrer Juwelen und des Geldes nicht angenommen zu haben. Ich bin viel sicherer in ihren Händen, als in denen Tony's oder Wrigley's", sagte fie,„und wenn ich nicht jenes Packet verloren hätte, wäre ich froh gewesen, ihr Alles entdecken zu können, und fie frei zu lassen. Zweitausend Pfund und vierzehn Tage zur Ueberfahrt nach Amerika wären mir ohne Weiteres zugestanden worden." (Fortsetzung folgt.) durch irische. Die Brücken sollen nach irischen Königen benannt werden, und die Ouais nach Jrländern, die für die Freiheit in anderen Ländern als in Irland gekämpft haben- Die-Haupt- straßen Dublins tragen gegenwärtig die Namen englischer Staatsmänner. Wie verlautet, erhalten die irischen Behörden sowie die Londoner Polizei fortgesetzt beunruhigende Berichte über das Treiben der Dynamitarden in Amerika. Es ist die Entdeckung gemacht worden, daß Dynamitbomben regelmäßig von New-z)ork nach England gebracht werden. Das Vaecinationsgeset!(Jmpfgesetz) wird bekanntermaßen in vielen Orten Englands schon seit Jahren heftig 'bekämpft, und die Zahl der Gegner nimmt immer mehr zu. In Leicester hat die Unterlassung eine solche Ausdehnung erreicht, daß 3000 Personen ihrer gerichtlichen Vorladung harren, um sich über die Nichtachtung des die Vaccination anordnenden Gesetzes zu verantworten. Inzwischen find dort die Pocken aus London eingeschleppt worden, und auffallenderweise find es nur vaccinirte Personen, welche von der Krankheit befallen wurden.— In anderen Staaten ist es leider ebenso, trotzdem wird ruhig weiter geimpft. Heutigen Nachrichten zufolge haben in Warschau vorgestern Verhaftungen stattgefunden. Im sächfischen Garten wurden einige Individuen arretirt, von denen eines einen Revolver zog, der ihm jedoch durch die Polizisten aus der Hand geschlagen wurde. Die Polizei erfuhr, daß aus Petersburg eine große Anzahl NiMstcn aus Warschau und Umgebung gekom- men seien. Die Wachsamkeit der polizeilichen Organe wurde in Folgen dessen verschärft. Die Strecke von Modlin nach Skiernrewice und Warschau ist während der Anwesenheit des Czars förmlich durch ein Militärspalier besetzt. Sämmtliche österreichische Namen tragende russtchc Regimenter wurden in Warschau und Skierniewice konzentrirt, dagegen keines mit preußischem Namen, woraus man schließen will, daß der deutsche Kaiser der Entrevue nicht beiwohnen werde. Brüssel. Die in Folge der gestrigen klerikalen Kundge- bringen entstandene Aufregung dauerte den ganzen Abend fort, weitere Ruhestörungen haben jedoch nicht stattgefunden. Die Zahl der Verhafteten beträgt 185, die der Verwundeten ist sehr beträchtlich.— In Antwerpen sind die Theilnehmer der Kundgebung am Bahnhof von großen Menschenmassen empfangen worden und sind bei dieser Gelegenheit dortselbst ebenfalls große Ruhestörungen vorgekommen. Neueren Nachrichten aus Brüssel zufolge verlangen die dortigen katholischen Journale eine Untersuchung in Betreff der Ruhestörungen am Sonntag. Der Bürgermeister von Brüssel hatte gestern eine längere Unterredung mit den Mi- nistern Malou und Jakobs. Ein Theil der vorgestern ver- hasteten Personen ist bereits wieder in Freiheit gesetzt worden. In Italien starben am 7. d- M 157 Personen an de Cholera, davon in Neapel 113. In der Provinz Alieante in Spanien find 9 Cholera- todesfälle vorgekommen, in der Provinz Lerida kein neuer Todesfall. Aus Frankreich berichtet man über die Cholera: Im Departement Lstvyrenäen kamen gestern 6 Todesfälle vor, in St. Romäge(Departement Ardöche) find gestern 14 Personen nach ganz kurzer Erkrankung gestorben. Aus Eghpten verlautet, Osman Digma habe gegen- wärtig nur 2000 Anhänger, während viele bisher schwankende Scheichs geneigt seien, fich den freundlich gesinnten Stämmen zuzugesellen. Der Gouverneur von Suakim sowie die Obersten Chermfidc und Mason glauben, daß mit 2000 Mann Truppen Osman leicht besiegt werden könnte.— Oberst Chermfide tele- graphirt, daß die Ämaras den freundlich gesinnten Stamm der Hadendowas unweit Sinkst angegriffen haben, aber mit dem Verlust von mehreren Todten und Verwundeten zurückgeschlagen wurden. Nach einer telegraphischen Anzeige de» deutschen Konsuls in Kanton ist die Mündung des Kanton flusses von den chinefischen Behörden für Seedampfer gesperrt worden. Einem Telegramm der„Times" aus Kutsche» vom 6. September zufolge, hätten die chinesischen Behörden bekannt gegeben, daß, nachdem der Krieg erklärt worden, Shanghai als neutral und Wooseing als blockirt erklärt worden sei. Eine Bestätigung dieser Nachricht fehlt.— Ein Telegramm des „Reuter'schen Bureaus aus Futschcu vom 7. d. M. meldet: Die Häuser der Fremden jeder Nationalität wurden von chine- fischen Soldaten geplündert. Die in Kamerun» ansässigen Engländer wollen fich die deutsche Annexion nicht gefallen lassen, sondern dagegen in London Protest erheben. Aus Kameruns vom 24. Juli wird hierüber Folgendes aus London gemeldet:„Mr. Sewitt, der britische Konsul an der Westküste Afrikas, ist hier angekommen und hat eine Unterredung mit Dr. Nachtigal in Betreff der Annexion von Bimbra und Kameruns gepflogen. Als Dr. Nachtigal von Kameruns Befiy ergriff, erklärte er, daß der englische Gerichtshof(court of equity) in dem Orte abgeschafft werden müßte. Konsul Hewitt hob hervor, daß der Gerichtshof von der britischen Regierung gegründet worden und in der Schlichtung von Streitigkeiten seit Jahren gute Dienste geleistet hätte. Schließlich wurde die Vereinbarung getroffen, daß der Gerichtshof weiter bestehen soll, bis Konsul Hewitt und Dr. Nachtigal fich mit ihren resp. Regierungen in Verbindung gesetzt hätten. Dem Auswärtigen Amt in London wird demnächst ein Protest gegen die deufiche Annexion über- mittelt werden, worin es heißt, daß der Fluß Kameruns stets unter britischer Kontrole gewesen und daß die meisten Ein- wohner gegen die deutsche Okkupation find. Der Protest ist von sämmtlichen englischen Kaufleuten unterzeichnet" Wahlbcwcgung. Im Wahlkreise Niederbarnim haben die Freifinnigen den Herrn Knörke als Kandidaten aufgestellt. Brandenburg. Kandidat der Nationalliberalen ist, nachdem der bisherige Vertreter, Bürgermeister Hammer, abgelebul, der Geschäftsführer der nationalliberalen Centralleitung, Dr. Jerusalem Die Sozialdemokraten stellen W. Hasenklevcr auf. Kandidat der Konservativen ist der Landtagsabgeordnete Kleist v. Bornstedt auf Hohennauen. Im Wahlkreise Siegen ist von den Konservativen Herr Hofprediger Stöcker wiederum als Kandidat für den Reichstag aufgestellt worden. In Elberfeld ist man bekanntlich der„deutsch-freisinnigen" Kandidatur Träger mit einer„fortschrittlichen" Kohn zuvor- gekommen, eine Taktik, die in einer Korrespondenz des„Ham- urger Korrespondenten" beleuchtet wird und allgemeineres fntereffe verdient. Die„N. A. Z." schreibt aus Elberfeld:„Der wiespalt innerhalb der Elberfelder Fortschrittspartei ist älter als die Fusion: man hatte dort schon lange zwischen zwei Flügeln zu unterscheiden. Der 5. März hat den Riß noch er- weitert oder vielmehr offiziell gemacht, seit der Zeit trägt der linke Theil seinen alten„ehrlichen" Namen weiter, der rechte Theit aber nennt fich„deutsch-freifinnig". Jndeß wie Lenz- mann in Dortmund von den Neuforsschrtttlern hofft, daß fie für ihn stimmen werden, so hofften die Trägerianer in Elberfeld von den Altfortschrittlern das Umgekehrte. Sie zweifelten, aber hofften auch zugleich. Und ihre größte Hoffnung setzten St vermuthlich in das für Sonntag bevorstehende persönliche luftreten Richter's. Die Altfortschrittler mögen mit Rückficht hierauf den Gegenkoup beschleunigt haben. Da die Kandidatur Trägers erst am Sonntag offiziell proklamirt werden dürfte. ignorirt der Linksfortschritt dieselbe vorläufig ganz und präsentirt seinen Kandidaten Kohn ftanchement dem Freisinn. In dieser Präsentation liegt ein gut Stück Hohn, denn Kohn ist demokratischer als ein Demokrat, woraus geschloffen werden darf, daß es in dem LinksforWnl! Ernst ist mit seiner Kandidatur. Es ist Elberfeld der erste Wahlkreis, welcher den Freisinn seine„taktische" That W 5. März in dieser unverhofften Weise kosten läßt. Da Elb«' felv zugleich einer der für den Freisinn ohnehin schon«nj meisten gefährdeten Kreise ist, schmerzt die Kandidatur Kobn« doppelt. Ob die Hoffnungen des Altfortfchrttts, auch die Uo tramontanen für Kohn zu gewinnen, in Erfüllung gehen mögen oder nicht— die Ausfichten des Freisinns, in die engere Wahl zu kommen, find für alle Fälle stark reduzirt. Die Matioiw- liberalen, Freikonservativen und Konservativen geschloffen m der einen, die Sozialdemokraten in der anderen Feuerlime, nn' dazu nun noch der Abfall der alten Freunde im gleichzeichligen Vorsvrung um die Erwerbung der ultramontanen Stimme» — das ist hart. Die Geschicke der Fusion fangen"uch'» Elberfeld an, fich zu vollziehen."— Es wird noch besser komme»- diejenigen, welche noch einen demokratischen Funken in st? fühlen, fie werden fich voll Ekel abwenden von einer Parte» die nur für die Interessen der Börsenjobber und Großindustrielle» ihre Dienste leistet. Nr. 11 der„Demokratischen Blätter" publiziren ferner sozial-demokratische Kandidaturen: A. Heine, Hutfabnram, Magdeburg; E. Fleischmann in Heilbronn-Befigheim, H»# Ufingen; Schneider(Marburg), Marburg; Wiemer-Forchheu» Kulmbach; Pflaum(Dresden), Zittau; Keller. Löbau; A.# den(Dresden), Bautzen; Richard Müller(Meerane), Borna- §egau, Reichenbach-Auerbach; Albrecht, Döbeln- Wald heim. eyer-Zschopau; 5). Rödiger, Plauen-Adorf, Naumburg-Zertz Lutz, Baden-Baden, Pforzheim: Müller, Darmstadt; G. Bron nenmeyer, Göppingen- Gmünd; B. Geißler, Eßlingen-Ura?. Wie genannte Blätter berichten find bisher für 93 Reichstaga- Wahlkreise Kandidaturen in Ausficht genommen D o k» l e s. gs. IV. Klasse. Herbstlich rauscht der Wind, schwerrs tiefhängendes Gewölk treibend, das seinen dichten Rfge» herabsendet. Wir verfolgen im Dunkeln einen holprige» Sandweg, bis einige Laternen vor uns aufflackern, die. ei» Station der Berlin-Görlitzer Eisenbahn markiren, aul de während der Sommer-Monate ein reger Personenveriea herrscht. Bestrebt den Gaben des Jupiter pluvius so f@»c als möglich zu entrinnen, sehen wir uns nach einer H»"' einem Schutzdach oder dergl. um, aber vergebens. Stationsgebäude besteht nur aus einer kleinen Wärterbude,> der man das Billet löst, und dann wieder hinaustritt auf de» freien zugigen Perron, auf dem man schutzlos allen Unbum der Witterung preisgegeben ist. Unaufhörlich rieselt der Reg und melancbolisch starren wir auf das gelöste Billet»o Klasse 4. Welch feines Gefühl hat doch die BahnverwaltiMgr' geleitet als sie für jede Wagenklasse eine besondere iW. wählten! Dieses tobte, nichtssagende Grau der t. Klafft'® herrlich stimmt es nicht zu der gesellschaftlichen Stellung d Passagiere dieser Klasse! Wie ganz anders schon das Braun der dritten Klasse. Und nun gar das hoffnungssreuv Grün der Zweiten. Ohne Zweifel wollte man andeuten,» die Reisenden dieser Klaffe fich bereits auf einem„sFjJL Zweig" befinden, vielleicht auch Ausstcht haben noch die< Klasse zu erreichen, für die man die Farbe des Goldes fijv das protzenhafte, schreiende Gelb. Doch da kommt endlit». Zug und mit ihm das Signal zu dem bekannten Rennen Suchen nach einem freien Platze. Wir eilen auf einen, zu/Wen g&be uns grau erscheik Aber o Schrecken! 0% verblaßtes Gelb im Dunkeln für Grau gehalten und RrU, ein Coupe 1. Klaffe besetzt ist. Excellenz zogen, das Armpolster erathen, das nur von einem Reifing at den grünen Schirm wertste L-nHA ii»S rr tiflU ochaeklappt und liegt, beide Sitze als T.� � benutzend, in den weichen Polstern. Bestürzt konzentnren rückwärts und gelangen endlich in einen Wagen vierter») Doch welch ein Unterschied! Der Wagen besteht nur aus i.„ Flächen. Keine Barrieren, keine Zwischenwand, eine e. große Pappschachtel. Die Lampen, antediluvianischer. Char» � befinden fich nicht, wie sonst üblich an der Decke, f?5.-;,iic» den beiden Stirnwänden des Wagens. Die beiden Lang. � find von Arbeitern besetzt, die auf der Diele fiyen und Rücken gegen die Wand gelehnt, die Beine von rechts u? � nach der Mitte zu strecken. Dadurch bleibt in ber W ein schmaler Gang übrig, auf welchem fich Männer, Fr»"%» Kinder in wirrem Durcheinander drängen. Jetzt er« Pfiff, gleich darauf ruckt der Wagen jählings an, � Gesetze der Trägheit folgend, machen alle im Mtttelgang.��i enden Personen eine Bewegung nach rückwärts. Lautes � von den Gerammten, lautes Gelächter von den Raw � Doch das Lachen verstummt sofort, die Geschminrng Wagens wird plötzlich aehemmt und, dem Gesetz der B«. jic folgend, werden die Gerammten von vorhin, nunm Rammenden. Der Train war nur etwas vorgerückt" h wieder still. Ein zweiter Pfiff und der Zug fahrt„# scharfer Gangart verläßt er die Station und biegt plotz ,*c» eine Weiche nach rechts. Zwanzig, dreißig Hände fahr Moment in der Luft umher, suchen irgendwo einen L jiJ Stützpunkt; doch da ist nur die glatte Decke, und, u»' vc. zu erhalten, stürzen sämmtliche Personen den Rrbe_ linken Seite auf die Beine. Was nun folgt, spvttet> � schreibung. Endlich hat fich die Mehrheit der Manne„jt# und ist im Begriff auch den Frauen und Kinderti� helfen, als der Wagen das Herzstück pasfirend, in nach links wendet, und sämmtliche im Mittelgange p# Personen auf die Beine der rechts liegenden Arve Wieder dasselbe bunte Chaos mit Verwünschungen v Görlitzer Bahn. Doch damit waren die Leute» gW' Wie der Schaffner erklärte, seien diese erbärinlraK erst seit Kurzem der B- G. Bahn im Betriebe, frube Kad sie zu dem Besitzstand der Märkisch-Posener E'stnbal)»�� schernlich find nun die Leute dahinten in P°�n i» um sich noch in derartigen Vehikeln transportuen. uuii.w i.uu, 1,1 utiuumcn-veyiiern fif und haben deshalb die Wagen großmüthig dem kum überlassen. Aber die Saite bat auch eln