e. in Deften wirb rtigt We tout DO) 507 75 6 891 7 $ 8 766 16 19 215 86 87 97( 300 3. 48374 731 1117 582( 300) 6 387 94 20 414 60 0 356 2 $ 92 715 316 542( 100 367( 25) 17 375 54 3 788( 300 ( 1000) 137 90 64( 25 60. 5868 9275( 25 $ 42 580 4 ( 250) 2 Str. 136. Donnerstag, 11. September 1884. I. Jabry. Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das Berliner Boltsblatt 32 549 eini täglich Morgens außer nach Sonn- und Feftagen. Abonnementspreis für Berlin 373 563 ei in's Haus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Mart, möchentlich 25 Pf. Einzelne 289 140 1ummern 5 Pf. Bostabonnement pro Duartal 3 Mart.( Eingetragen im VIII. Nach 7 696( 25 $ 824( 25 7 968 70 65104( 300 1( 250) 6 926( 250 233 35 281 $( 250) $ 14 392 315 44 0) 5799 9 463 20 14 trage der Postzeitungspreislifte unter Nr. 719a.) Jusertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Betitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 f. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 the Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bimmerftraße 44, sowie von allen Annoncens Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedition Berlin SW., Zimmerstraße 44. die Präsidenten des deutschen Reichstages. Bu nachstehender Betrachtung werden wir hauptsächlich beranlaßt durch die fortwährenden Kleinlichen Angriffe, welche die liberale Breffe gegen den gegenwärtigen Präsidenten des 72 231 Reidstages, Herrn von Levego w, verübt. So fanden 609 8274 34 38 33 76 433 434 wir auch fürzlich in einer Notiz, welche fich auf die bevorRehenden Reichstagswahlen überhaupt und speziell auf die 43 676 4abltreise Königsberg in der Neumark, wo Herr von 3( 250) 25 bebom gewählt worden ist, bezog, die hundertmal schon 48 459 4 gehörte alberne Bermerkung vom 11 321ajor. 18 2( 300) 965 28. 64 609 28 251 46 00) 89 53 ) 63( 25 ober Präsidenten Wir hätten auch lieber gesehen, wenn Herr von mußten dies die Redner der Minoritäten empfinden, die nur äußerst selten und obendrein bei unwichtigen Angelegenheiten das Wort erhielten. Am meisten aber beklagten fich zu jener Beit die Arbeitervertreter, baß ihnen auch bei den Gelegenheiten bas Wort abgeschnitten wurde, wo es sich speziell um Arbeiterfragen handelte. Die Geschäftsordnungsdebatten unter Herrn von Fordenbed hallen von diesen Klagen wider. Herrn von Fordenbeck ist das Talent nicht abzusprechen, Debatten und Abstimmungen richtig zu leiten, wenn man von dem Fehler absteht, daß seine schnarrende Stimme bas Verständniß sehr erschwerte, aber seine Ansprachen entbehrten der Elasticität der Simson'schen, und schließlich hatte sich bei Herrn von Fordenbed neben seiner Mißachtung der bünkel herausgebildet. schaftlich; ja er pflegt förmlich den kameradschaftlichen Geist im Reichstage. Dabei ist Herr von Levehow wissens schaftlich gebildet und liebt flaffische Citate in feinen allerbings manchmal etwas wunderlichen Ansprachen, die aber sämmtlich von einem edlen Herzen und warmen Gemüthe Beugniß ablegen. Doch der eigentliche Werth des Präsidenten von Levehow liegt, neben seinem großen Fleiße und seinem ebenso großen Pflichtgefühl, in seiner vollständigen Unparteiligteit, die ihn als Reichstagspräsidenten thurmhoch erhaben, besonders über den früheren Präsidenten von Fordenbed, erscheinen läßt. 771 Levehow bei der Einweihung des neuen Reichstagsgebäudes Minoritäten ein geradezu unverständlicher Autoritäts haben, bei feftlichen Gelegenheiten seine Landwehruniform in Civil erschienen wäre, aber der ganze Charakter der Eins weihung war ein solcher, daß eine Majorsuniform mehr felbst wenn die Uniform den Präsidenten des Reichstages weniger dieselbe nicht weiter beeinflussen konnte, 3 353 müdte. 24 26( 1000 292 547 24 ( 250) 874 871 348 4 402 888 0 132 20 202: 8694 Wir haben nun bis jetzt sechs Reichstags- Präsidenten gehabt, die wir unseren Lesern in Rürze vorführen wollen. Auf von Fordenbed folgte der freikonservative Graf von Arnim Boizenburg. Geistig wird derselbe von seinen Vorgängern überragt, förperlich war er der größte der deutschen Reichstagspräsidenten. Demfelben fehlten alle Vorzüge des Herrn von Forckenbeck, während er alle Fehler desselben besaß. Herr schweigen Sie, wenn ich rebe" das war der Ton, der bei seinen häufigen UnterDr. Simson, der schon von 1848 her einige Uebung brechungen herrschte. Der erste war der gegenwärtige Reichsgerichtspräsident im Präsidiren befaß. Unstreitig ist Simson der geiftvollste 67 983 6 Don allen seitherigen Reichstags- Präsidenten gewesen, auch desto besser ist sie". Wenn dies Sprüchwort auch auf einen führte er sein Regiment mit großer Gewandtheit. 644( 250) 4. 8805 89 385 780 839 250 53 274( 250 426( 250 5 389 25 1 682 63 944. 9456 5 873 66 1779 42 96231 42 ( 250) 62 alle Ehre gemacht hat. = Seine Je weniger man von einer Frau zu erzählen weiß, Reichstagspräsidenten passen würde, wäre sicherlich der nun Rann, ber dem Präsidentenstuhl des deutschen Reichstages schwierigen Postens waltete. Bei ihm famen die Minoritäten Mag Präsident von Levehow nun auch die Marotte anzuziehen, das ändert aber nichts an der Thatsache, daß er von allen Präsidenten, die der Reichstag gehabt hat, unbedingt der beste ist. Nur einige deutsch- freisinnige Blätter haben den traurigen Muth, an einem solchen Manne herumzunörgeln. Wir wünschen seine Wiederwahl, obgleich unsere politischen Ansichten denen des Herrn von Levezzow schnurftracks zuwiberlaufen wir wünschen sie, damit auch der nächste Reichstag wieder einen unparteiischen Präsidenten erhalte. Die Finanzaristokratie. Einem konservativen Blatte entnehmen wir nachfolgenden intereffanten und vielfach zutreffenden Artikel: Fragestellungen und Abstimmungen ließen nichts zu wünschen folgende deutsch- konservative Herr von Seydewih ber abrig, feine Ansprachen waren immer formell und inhaltlich allerbeste gewesen. Man kann über den Herrn weder etwas der Bräsidentenwürde angemessen. Aber dennoch fällt auf Gutes, noch etwas Böses sagen. Von einer besonderen Simfen als Bräfident ein fleiner Schatten er war Als im vorigen Winter der Reichstag das neue Aktiender damals herrschenden national liberalen Partei ent- nichts bemerken. er war Fähigkeit bei den Präsidialgeschäften konnte man bei ihm gefez berieth, wurde der betreffenden Kommission ein höchst Seine Amtsbauer war nur eine sehr werthvolles Material vorgelegt. Es waren Tabellen über die 789 552 proffen und konnte sich dem Drucke derselben nicht völlig kurze. Busammenfegung der Aufsichtsräthe einer Anzahl Aktiengeselltntziehen, so daß er nicht immer die Minoritäten ge nügend schütte. Wir fagen, nicht immer Der folgende Präsident, gleichfalls der deutsch- konser- schaften, geradezu verblüffendes Bild über die großthat er es und so halten wir Simson immerhin für einen Um mit einem Saße zu sagen: 40 Finanzmänner in Köln, fast aus nahmslos mit einander verwandt und verschwägert, beherrschten ein Aktienkapital von 1331 Millionen Mart. Viele dieser Börsenfürsten saßen als Verwaltungsräthe in einem halben Dugend, 5 in mehr denn 10, einer sogar in 19 Attiengesellschaften. Das waren nicht etwa winzige Papierfabriken, Brauereien, Glashütten oder ähnliche industrielle Etab liffements mit einem Gesellschaftskapitale von 1, 2, 3 Hundert tausend Mart, sondern Bergwerke, Hütten, Maschinen fabriken, Spinnereien, Versicherungs- und Schifffahrts- Gesellschaften, Eisenbahnen und namentlich Banken, Geld- und Kredits Institute von Hunderten von Millionen. Nun denke man vativen Bartei angehörig, war ber jebige preußische Kultus- fapitaliſtiſche Bewegung der Neuzeit entrollen. I go ( 250) 20 9233 39 872 74 6 667( 250 Derrich erlegunge Berfolgu rebübriide on the m Tur 900 müffen S 54. e mein Zokal in Bercin Babler minister von Goßler, der umfichtig und gerecht seines zuerst wieder zu einiger Geltung. Seine Geschäftsführung war gewandt und sicher und nur sein Auftreten war manchmal etwas eckig. Auch seine Amtsdauer war nur eine Nach Simson bestieg von Fordenbed den Stuhl. von Fordenbed gehörte damals gleichfalls der national liberalen Partei an, jetzt befindet er sich in der deutsch kurze, doch wird sie den Mitgliedern des Reichstags immer freifinnigen. Seine Geschäftsführung in Bezug auf formelle als eine recht treffliche im Gedächtniß sein. in der Handhabung der Geschäftsordnung, auch bei seinen Derselbe mußte sich zunächst in die Geschäftsordnung eins jelten ein Fehler ein, aber- Herr von Fordenbed war zahlreiche Formfehler, die er, aufmerksam darauf gemacht, nicht unparteiisch. Er behandelte die Redner nicht mit liebenswürdiger Offenheit eingeftand. Herr fich die Machtfülle, die sich ergiebt, wenn eine Handvoll gleichmäßig und was bei der zerfahrenen Redeordnung, die im Reichstage herrscht, das Schlimmste war, von Fordenbed hatte sich extra seinen Valentin angeschafft, der die migliebigen Rebner abmurksen mußte. Besonders scharf Feuilleton. Radbrud verboten.] 461 Das Kind des Proletariers. Sensationsroman von U. Rosen. ( Fortsetzung) von Levezom aber lernte rasch, und gegenwärtig beherrscht er die Geschäftsordnung, wie nur einer feiner Vorgänger. Er behandelt sämmtliche Reichstagsabgeordnete, sie mögen einer Partei angehören, welcher sie wollen, echt tamerad= ,, Und wie weit ist Ware von London entfernt?" " " Etwa dreißig Meilen." " reichen? Und fann man es von Ware aus mit der Eisenbahn erEt gewiß." Sie ging haftig weiter. Ein fleiner Knabe tam ihr ent gegen. Shm wagte fie eine andere Frage zu stellen. Welchen Tag haben wir heute, mein Junge?" " Nun, Donnerstag." Die Gräfin sezte sich auf einen Stein am Wege, fie mußte wieder ausruhen. Was sollte fie thun? Ihr Kopf brannte, ihre Kraft verließ fie. Als fte ibre Angelegenheiten in Bide erledigt hatte, war fie mit Dr. Mellodem in geschäftliche Berührung gekommen. Sie erinnerte sich seiner als eines sehr höflichen, Seite ben Weg begrenzte, befand sich eine von einer mäch sehr rechtschaffenen, scharfsinnigen nnd edelherzigen Mannes. 3war hatte fte seine Adresse vergeffen, aber fie beschloß die felbe im Adreßbuch nachzuschlagen und sich sogleich bei ihrer Rückkehr nach London an ihn zu wenden. Von Mellodew aus beabsichtigte sie sich zu Myra Barth zu begeben, um von ihr ein Darlehn und ihren Rath und ihre Unterstüßung zur Auffindung Francescas in Anspruch zu nehmen. Tony trieb inzwischen seine Pferde nach Norden zu, und Sein Ziel war das fleine Städtchen Ware. Der Morgen dämmerte bereits, als er in der Nähe deffelben anlam. Er stieg vom Bock, öffnete die Wagenthür und betrachtete Athem. Sie lag entweder noch im tiefen Schlaf oder in einer schweren Betäubung. In der Hede, welche ihm zur tigen Baumfrone überschattete Bertiefung, die einen ländlichen Huhefiz umfaßte. Zu dieser Bant trug Tony die Gräfin und stügte fie gegen den Baum. Damit hatte er seiner Für forge genug gethan, und seinen Bod wieder besteigend, fuhr er einige Meilen oftwärts. Bis zum Abend raftete er dann mit seinen erschöpften Thieren in einem Dorfwirthshaus. Die thauige Frische des Maimorgens erweckte die Gräfin Jum Bewußtfein. Die lange Ruhe, die Veränderung des Drtes, die Milde und Klarheit des Frühlingsmorgens ver Scheuchte für einige Beit das Fieber und die Schmerzen, welche He bebrüdt hatten. Sie blidte erstaunt auf die ihr gänzlich fremde Umgebung, und besann fich nur nach und nach auf bie erschütternden Ereignisse der letzten Tage. Träumte fie noch? Sie suchte rach ihrem Taschentuch und entdeckte bei Dieser Gelegenheit den Zwieback und das Fläschchen mit Port- mürrisch der Beamte. den. Ja, fie war wach und frei. Wo fie fich befand, wußte wein. Run aß und trant fte, um ihre Schwäche zu überwinfie nicht, ebenso wenig, wie lange fie von ihrer Tochter ges trennt war. Aber ihre Pflicht gebot ihr, feft und ruhig zu Sie erhob fich von der Bank, wo fie geseffen hatte und fein, um ihr Kind zu reiten. dem fie begegnete Sie fette ihren Weg fort. Auf dem Bahnhof in Ware erfuhr fte, daß der Zug nach London erst in einer Stunde ab geben würde. Sich dem Billetschalter nähernd, 30g fie einen Ring vom Finger. Ich habe meinen Geldbeutel verloren," sagte fte zu dem Beamten am Fenster. Möchten Sie wohl die Güte haben, mir für diesen Ring ein Billet nach London zu geben?" Wir nehmen teine Schmucksachen in Bahlung," versezte Die arme Gräfin wantte nach dieser rauhen Burüd weisung auf einen Sig. Vielleicht würde fich der harte Mann durch einen werthvolleren Gegenstand gewinnen lassen. Sie fühlte nach ihrer Uhr, fie war fort. Ihr schmerzlich bewegtes Geficht, ihre vornehme Haltung, ihr anmuthiges Wesen erweckte die Theilnahme des grimmen ließ ihre Blide über die Gegend schweifen. In der Ferne Raffiters trop feiner nicht eben milden Natur. Er sah zu der fab fie einen Kirchthurm über die Bäume ragen. Dorthin Fremden hinüber, musterte ihre Erscheinung und näherte wollte sie ihre Schritte lenten. Ihre Schwäche vergeffend, fich ihr endlich. eilte fie mit flüchtigem Schritt die Landstraße entlang. ie beigt die nächste Stadt" fragte fie einen Bauern, Bare", erwiderte dieser, die Fremde verwundernd an Farrend. Madame, ich will Ihnen ein halbes Pfund zu Ihrer Fahrt leiben." D ich danke, ich danke Ihnen! murmelte die Gräfin, und bitte, nehmen Sie diesen Hing, bis ich danach schide." Sie ließ fich eine Taffe Thee in dem Wartezimmer von 40 Personen über ein Gesammtkapital von 1331 Millionen verfügten! Diese Macht erhöht sich noch durch den Umstand, daß jene Herren, wenige Ausnahmen abgerechnet, unter einander Brüder, Vettern, Schwäger, Onkel und Neffen, Schwiegerväter und Söhne find! Außer dem 19fachen Verwaltungsrath geben und stieg dann in den Bug nach London. Aufathmend bei dem Gedanken, in furzer Beit dort einzutreffen, beschloß fie fogleich nach ihrer Ankunft die Adresse Dr. Mellodew's aufzusuchen, und unmitelbar vom Bahnhof in einem Cab zu ihm zu fahren. Aber als der schrille Pfiff der Lokomotive ertönte, und die Wagen vorwärts rollten, war es der Gräfin, als ob die Räder über fie hinweg gingen. Alles drehte fich mit ihr, farbige Lichter tanzten vor ihren Augen, ihr Athem preßte fich stoßweise aus der Brust, ein scharfer Schmerz wühlte in ihren Schläfen, und zuweilen verlor fte ihr Bewußtsein ganz. Sie fuhr in einem Wagen dritter Klaffe, und fte glaubte, die Mitreisenden blickten scheel auf fie und wollten ihr ein Leides thun. Der Zug hielt in London. Jedermann beeilte fich vorwärts zu fommen. Auch die arme Gräfin erhob sich, und von der ungestümen Menge geschoben und gestoßen, stolperte fie und fiel auf dem Perron zu Boden. Jm nächsten Augenblick umftand sie eine zahlreiche Gruppe von Menschen, die theilnehmend den Heranstürmenden entgegenriefen: Eine Dame ist bewußtlos zusammengebrochen." Die Gräfin wurde in das Wartezimmer getragen und ein Arzt herbeigeholt. Die Arme lag da befinnungslos, obne Freunde, ohne Bekannte, und Niemand wußte ihren Sie hatte weder Namen oder ihre Wohnung zu nennen. Werthfachen noch Handgepäck bei fich, und in ihrer Tasche befanden sich nur wenige Schillinge. Die Unglückliche war in dem äußersten Umkreis des gewaltigen Londoner Strudels wie ein welles Blatt niedergesunken, um von seinem Wirbel verschlungen zu werden, und spurlos, für alle Nachforschungen unerreichbar, zu verschwinden. Es ist eine Gehirnentzündung," erklärte der Arzt.„ Sie fieht aus wie eine vornehme Dame, und sie ist es offenbar. In einem Wagen dritter Klaffe angekommen? Arme, arme Frau, da naht fich wieder eine traurige Geschichte menschlichen Elends ihrem Ende. Sie muß nach dem Hospital geschafft werden. Das Fieber wird sie wahrscheinlich in wenigen Tagen wegraffen." Eine Tragbahre wurde gebracht, der Doktor schrieb eine Anweisung für das Hospital. Die Vorhänge wurden um die Gräfin zugezogen, und sie wurde hinweggetragen, von Straße zu Straße, bis das Krankenhaus in WhitechapelRoad erreicht war. Gerade zu der Stunde, in welcher fie dort aufgenommen wurde, betrat Dr. Mellodem sein Bureau, aber nicht fte war, wie fie gehofft hatte, sein erster Besuch = Ed. v. Oppenheim giebt es in denselben Gesellschaften noch zwei andere mehrfache Verwaltungsräthe gleichen Namens; die Namen Stein, Joeft, Langen, vom Rath und anderer alter fölnischer Patrizierfamilien tehren in denselben industriellen und finanziellen Instituten häufig wieder. Welch ein Rattentönig der Kölner hohen Finanz! Ein Kliquenwesen, das für die allgemeinen Intereffen die größten Gefahren in fich schließt. Wir haben hier das Vetternschaftswesen in einer ausbildung, für die fich im öffentlichen Leben, in der Verwaltung des Staates oder der Gemeinden, nirgends ein annäherndes Gegen stück findet. Was will es dagegen besagen, wenn ir den Armee Ranglisten sich die Namen gewiffer Adelsfamilien immer wiederfinden? Die Angehörigen dieser nicht felten armen Geschlechter find, ihrer Eristenz halber, auf das Diensteinkommen angewiesen. Wenn einmal ein Minister seine Universitätsgenossen in den Staatsdienst bringt, ein Ge heimrath einen armen Vetter rasch avanciren läßt, ein Stadtrath seinen Schwager einen städtischen Auftrag giebt, wenn Stipendien dem von befreundeter Seite Empfohlenen verliehen werden hübsch ist das nicht, in der Ordnung noch weniger, böses Blut machts auch und die Unzufriedenheit über Vetternschaftswesen und Nepotimus ist vollauf begründet- aber, du grundgütiger Himmel! welche Müden seiht da unsere Zeit, während fie ruhig solche Kameele schluckt! Die Herren Schwäger und Vetter in Köln wählen fich eben immer selbst in die einträglichsten Poften. Bis zu welcher Höhe die Tantièmen für Vorstandschaft und Auffichtsrathstellung bei manchem Finanzinstitute allmählig angewachsen find, mag man beispielsweise aus der Bilanz der Kölner Hagelversicherungsgesellschaft für 1883 ersehen, wonach auf die Tantièmen ein Betrag von 46 607 Mart( gegenüber 180 000 Mark Dividende an die Aktionäre) entfiel. Einer der Kölner Finanzmänner, der vor kurzem gestorbene Kommerzienrath Wendelstadt, war in der Blüthezeit seiner Leistungsfähigkeit und seines Einflusses 28 facher Verwaltungsrath! Jene Tabellen über die Machtfülle der Kölner Hochfinanz erregten in der Reichstagskommission solches Aufsehen, daß die Reichskommissare fich Abschriften für die Akten des Reichsjustizamtes ausbaten. Anträge zum Aktiengesege, die darauf hinausliefen, eine Beftim mung zu treffen, daß mit diesem Vetterschaftswesen aufgeräumt würde, scheiterten leider. Nun haben sich seitdem die Verhältnisse um ein Wenig verschoben, seitdem der Staat Preußen die Rheis nische und die Köln- Mindener Eisenbahn angekauft und damit die Verfügung über wichtige Verkehrsstraßen dem souveränen Ermeffen jener wenigen Personen entrissen hat. Aber die Macht jener rheinischen Finanzcliquen ist nur anders gruppirt. Vielleicht steuert das neue Attiengesets in Etwas dem Unfuge, daß eine und dieselbe Person sich von seinen Verwandten und Schwägern in den Aufsichts- und Verwaltungsrath vieler Gesellschaften wählen läßt, zu keinem anderen Zwecke, als um die mit den Aemtern verbundenen Einnahmen zu schlürfen. Das neue Aktiengeset fordert von den Inhabern dieser Posten, daß fie bei Erfüllung ihrer Obliegenheiten ,, die Sorgfalt eines or dentlichen Geschäftsmannes üben" und macht fie für den aus ihrer Fahrlässigkeit oder Nachlässigkeit entstehenden Schaden haftbar. Vielleicht schreckt dies Einzelne ab, mehr Verwal tungsstellen anzunehmen, als fie dann gehörig übersehen fönnen; vielleicht hört das pro forma- Besuchen der Aufsichtsrathsfizungen auf und die Herren, die nach Schluß eines Ge schäftsjahres Tausende von Mark als Tantièmen einstreichen, arbeiten wirklich etwas dafür zuvor. Aber jene Kölner Statistik sollte nicht ohne Nachahmung bleiben. Köln reicht als Finanzplaß noch lange nicht an die Bedeutung von Pläßen wie Berlin, Hamburg und Frankfurt heran, um die ausländischen Bläße Wien, Paris, Amsterdam, London hier zu übergehen. Man bedenke nur, welche loloffa len Kapitalien einige wenige Personen, wie die Rothschild's, Bleichröder's, Hansemann's, Magnus, Mendelsohn und an dere Krösusse tommandiren und daß diese Börsenfürsten wieder eng mit einander zusammenhängen. Man begreift dann, daß nicht bloß die Staaten, sondern auch das wirthschaftliche Leben der Völker einem Ringe von Finanziers unterworfen ist! Und die Macht dieses Ringes untersteht feinerlei Kontrole und feinerlei geordneter Autoritäten! Alles ist gefeßlich geregelt, die Macht der Könige ist verfaffungsmäßig beschränkt, der Einfluß der Kirche sorgfältig abgewogen, nicht minder sind die Rechte der Bürger in Hunderten von Gesezen genau begrenzt, nur allein das einflußreichste Institut, die Börse, genießt das Privile gium völliger Selbstherrschaft bei fast völliger Steuerfreiheit. Die Anhäufung des Kapitals in den Händen einiger Weniger ist eine Erscheinung der Neuzeit, deren Gefahren Jedermann einleuchten. Es ist und bleibt eine der dringendsten Aufgaben fozialpolitischer Weisheit, den kleineren wirthschaftlichen Eristenzen gegen den Alles aufsaugenden Kapitalismus Schutz und Sicherheit zu gewähren. Politische Uebersicht. Die Köllnische Zeitung schreibt: In der an der alten Wallgasse belegenen Wohnung eines vor Kurzem aus Berlin hierher gezogenen Schreiners erschien gestern Vormittag plöglich an diesem Morgen, sondern ihr teuflischer Feind, James Wrigley. Die Veranlaffung, die ihn zu dem Advokaten geführt hatte, war die Bezahlung einer Schuld, einen Lurus, den er fich nur äußerst selten gestattete. Bu Dr. Mellodem's Gunsten machte er eine Ausnahme von seiner unverbrüchlichen Gewohnheit, Bahlungen so lange als möglich anstehen zu laffen. Wrigley befand sich in dem Befit einer Fünfpfundnote, die ihm falsch zu sein schien. Sie war alt und zerknittert, uud schwache rothe Linien waren auf der einen Seite bemerkbar. In diesen rostfarbigen Spuren glaubte Wrigley die Wirkung irgend einer Schärfe zu erblicken. Dieſe Note legte er sorgfältig in die Mitte seines Geldpackes. Mellodem nahm die Summe in Empfang, ohne die verdächtige Note zurückzuweisen, doch gerade diese war es, die ihm in die hand tam, als er im Laufe des Vormittags einen Schreiber zu bezahlen hatte. Jest erst fiel ihm das eigenthümliche Aussehen des Bankscheines auf, und er gab einen Er studirte die seltsamen röthlichen anderen statt dessen. Linien und Pünktchen, die seine Neugier immer lebhafter erregten. Ha!" fagte er, Dr. Brice muß mir das herausbringen. Diese Sachen find sein Steckenpferd, und ich will sehen, ob feine Wissenschaft im Stande ift zu enträthseln, woher die röthlichen Flecken auf dieser Note rühren." Nach beendigten Amtsstunden begab er sich demgemäß zu Dr. Brice. Sehen Sie, Brice, hier ist etwas für Sie und ihren Spürfinn. Sie überraschen die Welt jeden Augenblick durch eine ihrer wunderbaren Entdeckungen, und Pünktchen und Flecken haben Sie schon oft zu den merkwürdigsten Ergebniffen geführt. Sagen Sie mir, Freund, was bedeuten die Rostfleden auf dieser Note, und wie mögen fie dahin gekommen fein?" Dr. Mellodem ließ sich bequem in einen Seffel nieder und Dr. Brice eilte geschäftig in seinem Laboratorium umher, um Alles zur Prüfung des Papiers zurecht zu legen, daß ihm der Advokat lachend entgegenhielt. Mellodem," rief er nach einer Weile aus. Das ist Blut, Menschenblut!" Hoho Freund! Sie wittern wohl gar ein Verbrechen. Es wird Kaninchenblut oder dergleichen sein." ,, Nein, Mellodem, das ist zweifellos Menschenblut. Wenn Der alte Jakob die Hilfsmittel der modernen Wissenschaft die Polizei und hielt Haussuchung. Sie entdeckte dabei sozialdemokratische Broschüren und einen ganzen Ballen des ,, Züricher Sozialdemokrat". Der Fund war so erheblich an Gewicht, daß er in einem Handwagen fortgeschafft werden mußte. Die Hamburger Bürgerzeitung" schreibt: In den Buchdruckereien von Vieweg und Westermann in Braunschweig ist den sämmtlichen Mitgliedern des Unterstüßungsvereins Deutscher Buchdrucker die Alternative gestellt, entweder aus dem Verein oder aus der Buchdruckerei zu scheiden. Ueber die Schritte, die gegen diese unverschämte Maßregel ergriffen wur den, verlautet bis jetzt nur, daß die Betroffenen bei den Chefs vorstellig geworden aber abschlägig beschieden seien. Das Vorftelligwerden ist ja recht nett, aber hoffentlich sehen die betreffen den Betroffenen ein, daß man mit der Nettigkeit allein bei solchen Konflikten nicht durchkommt. vativen " ist Ein Parlament nach dem Herzen unserer Konserund vielleicht auch einiger anderer Leute nach dem B. T." jedenfalls der reußische Landtag älterer Linie, der am heutigen Montag wieder zusammengetreten ist. Die Greizer 3tg." urtheilt wie folgt über denselben:„ Die theilweisen Neuwahlen, welche in den lezten Wochen stattge funden, haben an der Zusammensetzung des Landtags nichts geändert, und so wird uns auch dieser Landtag, der ein Unitum unter den vielen Parlamenten Deutschlands ist, da es in ihm nur einen Willen, eine Gefinnung, eine Stimme giebt, fein anderes Bild darbieten, als die früheren. Von den zwölf Abgeordneten find allein fünf fürstliche Beamte: Da haben wir einen Regierungsrath, einen Kabinetsrath, einen Landrath, einen Landgerichtspräsidenten und endlich einen Justizrath; dann folgen die zwei Vertreter der Stadt Greiz; als neuge wählt fehen wir dann einen Brauereibestger, der einst als Kompromißkandidat im Reichstag, und zwar auf der Rechten, saß, und dem denkwürdiger Weise bei seiner jetzt erfolgten Wahl in den Landtag der Gendarmerie- Wachtmeister erhebliche Konkurrenz machte; diesem schließt sich ein Vertreter des fo= genannten Großgrundbesiges und ein solcher der Stadt Beulenroda an. Den Schluß machen zwei Ortsrichter. toda an. Den Schluß machen zwei Ortsrichter. Bei dieser erfreulichen Zusammensetzung des Landtages tann die Regierung mit dem besten Vertrauen der kommenden Seffion entgegensehen, Oppofition wird's nicht geben und fällt einmal ein Schuß, dann ist's gewiß ein blinder." Da werden die guten Reußen gewiß richtig vertreten werden. birt dem neuen Vaterlande zu beftgen. Auf alle Fälle den deutschen Steuerzahlern nicht gerade fröhlich in die flingen, wenn fie durch die etwa nöthig werdenden benn Kriegsschiffe tosten viel, sehr viel Geld, und d rationen derselben erfordern ebenfalls Geld Steuern herangezogen werden sollten. Denn in absehbarer Zeit wohl nicht von den neuen Coloni nehmungen, wenigstens nicht für die Mehrzahl de bürgerzu erwarten. Starle Aus England kommen noch immer Berichte übe gebungen zu Gunsten der Wahlreform, in Glasgow Sonnabend eine große Kundgebung zu Gunsten be reformbill abgehalten. Ueber 70 000 Personen, Vertret werte von Glasgow und der Umgebung versammelten Bannern und Emblemen Vormittags in Kelvingrove Westende und marschirten, begleitet von 40 Mufillap dem im Mittelpunkt der Stadt gelegenen Glasgow Gre riefigen Bug eröffneten 400 städtische Kärner zu Pferde, folgte eine gleiche Anzahl von„ Veteranen", die an den bewegungen von 1819 und 1832 theilgenommen hatt einem Banner, welches die Inschrift trug:„ Es ist no in den alten Burschen." Begünstigt von prächtigen bewegte sich der über 7 englische Meilen lange Bug dichtes Menschenspalier, nach dem„ Green", wo 8 bünen errichtet waren. Seitens der Redner, worunter fi Parlamentsmitglieder befanden, wurde heftig gegen gedonnert, worauf zwedentsprechende Beschlüsse zur gelangten. Abends fand in der St. Andrew's Hall ein Reformmeeting statt, bei welchem der Staatssetretair land, Mr. Trevelyan der Hauptredner war. Rundg gegen das Oberhaus fanden am Sonnabend auch in Carlisle, Farsley und anderen Orten statt, während bit servativen ebenfalls an mehreren Drten solche zu Gun Oberhauses veranstalteten. Herr Gladstone verfte liberaler Mann, die englische Bevölkerung für seine B benußen. Die ganzen Aufzüge find nur darauf beredn Thaten des liberalen Regimes in ein besonders günstig zu stellen und dasselbe am Ruder zu erhalten. Das Bolt wird durch die heuchlerischen Reden der Staati am Gängelband geführt und davon abgehalten, übe eigene schlechte Lage nachzudenken. In Worthing in England kam es gestern m argen Raufereien zwischen der Heilsarmee" und der armee". Während die Salutisten ihren Nachmittagsgo abhielten, rückte die Stelettarmee" gegen die Kaj Heilsarmee" und richtete einen solchen Steinhagel " Ueber die Befignahme von Kamerun bringen Lübecker Blätter noch Einzelheiten, denen wir Folgendes entnehmen: Die Versammlung der Häuptlinge von Dido Town war, so schreibt ein Angestellter, von 21 Häuptlingen mit ihrem Oberhaupte, dem Sting Divo, genannt Simmy Qualla, besucht. Er ist ein großer starker Schwarzer, mit einem angenehmen Aeußern, zogen fie vor das Haus eines Salutisten Namens b und wird wegen seines durchgreifenden Auftretens und seines bei dem jüngsten Krawall auf die Stelettarmee umfichtigen Handelns von seinen Unterthanen allgemein geachhatte. Raum hatten die Skelettisten auch hier einen tet. Ihm wurde der Kontrakt zuerst vorgelegt oder vielmehr bagel begonnen, als head an einem Fenster erschien vorgelesen, denn er sowohl, als auch seine Häuptlinge find des mals auf die Menge feuerte, wodurch ein Rnabe eine Lesens und Schreibens vollständig unlundig. Im Allgemei- Halswunde davontrug. Head wurde verhaftet, und den, zumal wir auch etwas für ſein Land bezahlen wollten, nen war J. Qualla mit dem Kontrakte so ziemlich einverstan- Spezialfonstabler verstärkte Ortspolizei stellte schließ damit es nicht später heiße, er habe es uns geschenkt. Dies gerade, das Geld war es, was ihn bestach; fonnte er doch mit diesem( in Waaren) sein Geschäft erweitern und dann auch gut ausgemalt, aber es fam anders. Nach einem Paragraphen seinen Harem vergrößern. Dies hatte er sich allerdings recht englische Volt noch nicht im Stande ist, seine eige des Kontraktes sollten Vielweiberei und Sklavenhandel auf hören. Dies war bei den Schwarzen der erste Stein des Anstoßes. Nach vielen Verhandlungen tamen wir aber durch einen sehr weitgehenden Ausdruck darüber hinweg, indem der betreffende Paragraph so gefaßt wurde: the country fashion will be respected,.in the first time."( Die Gebräuche des LanOrdnung wieder her. Wenn man fteht, daß die Gesellschaft in England dieses Treiben der Frommen begünstigt, sondern sogar oft selbst Theil an derartig nimmt, so darf man sich freilich nicht wundern, zu begreifen, und darüber nachzudenken, wie diefelbe beffern ist. Der Pariser National" berichtet: Jn Folge tung Chinas würde fich die Regierung in Bezug bd auf unternehmenden militärischen Operationen zu wichtigen nahmen entschließen, die eine Einberufung der Kamme wendig machen würden. Der Krieg werde offisiell e des werden in der ersten Zeit" respektirt werden.) Hiermit Brojekt einer Beseßung der Insel Formosa werde auf Auch über die Kauf- werden; Admiral Courbet sei bereits mit den Vorbereit waren die Schwarzen einverstanden. summe wurden wir einig. Dann nahm J. Qualla die Ver theilung derselben an seine Leute vor; das war aber eine Höllen arbeit; jeder meinte, er bekäme weniger als sein Nachbar, und dieser, er bekäme noch weniger als der erste, und die ganze Gesellschaft glaubte, ihr König bekäme noch einmal so viel, als er angegeben habe, und so würden fie alle zusammen überzu einer neuen, sehr wichtigen Expedition beschäftigt, am ften Sonnabend finde deshalb eine Ministerratheisung Die französische Regierung wird also doch nicht fo Kaufs mit China fertig werden; denn wenn auch die C nicht solche Armeen und Panzerschiffe ins Feld ftellen wie Frankreich, so haben fie auf alle Fälle doch fo vi Klima und an den leicht abzusperrenden Häfen und Dingen, daß es keineswegs so ganz leicht sein dürfte, vortheilt. Nach und nach kam die Sache wieder in Ordnung daten und Geschüße, sowie auch natürliche Bundesgeno und die erregten Gemüther beruhigten sich. Wir machten mit dem Könige die Kaufsumme ab und dieser behielt es sich vor, fie nach seinem Ermessen unter seine Leute zu vertheilen. Nach längerem Hin und Herreden stimmten diese der Abmachung zu und unterzeichneten den Kontrakt durch ein Kreuz, alle 21 mit dem Könige an der Spiße. Somit war die erste Stadt am Kamerunfluffe deutsch geworden. raschem Nachgeben zu zwingen. Im Departement der Oftpyrenäen in Frankrei am 8. b. M. 15 Personen an der Cholera. in Italien. In den von der Cholera infigirten B Db fich die vollständig lamen gestern einschließlich der Stadt Neapel 764 erkrankungen und 347 Choleratodesfälle vor, davon i der deutschen Sprache und des Schreibens unkundigen Schwar zen auch wohl über die Bedeutung der ganzen Sache flar geworden find? Aus den neu erworbenen deutschen Landstrichen Afrikas tommt die Nachricht, daß einige aufgepflanzte deutsche Fahnen, sowie ein Grenzpfahl( sic) von den Eingebornen, resp. von einem englischen Gouverneur umgeriffen oder ausgeriffen wurden. Ein deutsches Kriegsschiff wird erwartet, um den status quo wieder herzustellen. Demnach scheint man keine besondere Liebe zu und unsere Mikroskope gehabt hätte, wäre es seinen Söhnen ganz unmöglich gewesen, ihn mit dem blutgetränkten Gewande feines Sohnes über deffen Tod zu hintergehen. Wir können heutzutage menschliches von thierischem Blut ganz genau unterscheiden. 653 Erkrankungen und 310 Todesfälle. Choleratodesfälle vor. In der spanischen Provinz Alicante tamen g Aus Egypten schreibt man: England will näch schiedenen Regierungen einen Entwurf betreffe der G Die Wahl zwischen folgenden zwei Vorschlägen geftell gungszahlung vorlegen, wonach denen, die zu entfchädi foll: 1) Zahlung der zugestandenen Summen unter haben Sie Fanny's Knaben gefunden?" Was!" rief Myra_aufspringend, haben Sie b fie zwang fich zu eisiger Ruhe, um sich gegen die Dr. Brice hatte mittlerweile ein mächtiges Mikroskop über Anklage des Mordes zu wappnen. die rothen Linien gelegt. ,, Allmächtiger Gott, Mellodew!" rief er heftig. Sehen Sie her, lefen Sie!" Dr. Mellodem sprang herbei. Deutlich erkannte er unter dem Glase die Worte: Stapel ,, Er würde jeßt nicht mehr ein Kind sein," erwi Advokat. Bedenken Sie, es find ein und zwanzig d seit er verschwunden ist." Nein," fügte Dr. Brice hinzu, wir sprechen dem Knaben, der kehrt nimmer zurück, und wenn er würde, so wäre es vielleicht noch trauriger, noch b Jasper Fipron, von Fibroy- Hall, Middleeffer, Engl. werther, daß diese großen Befizungen das Eigenthu Gefangener Ibrahim Ben Edins am Golf von Adalia. Hilfe verkommenen Menschen werden müßten. Nein, Sit um der Barmherzigkeit willen." ,, Das," sagte Dr. Brice mit bebender Stimme, ist der Hilferuf des armen Fizroy, den er mit seinem eigenen Blute niedergeschrieben hat. Und Gott weiß, wie lange er unerhört im Winde verhallte. Diese Note steht sehr alt aus." ,, Wir hielten ihn für begraben im Meere," sagte gleichzeitig von einem andern Verluste getroffen, den sprechen" und er warf einen beredten Blid auf Wittmenkleid von Jasper Fipron!" Bon Jasper!" stammelte Dyra. Von Jasper doch fehlt und der Advokat, und Fräulein Barth hat all' die Jahre wißheit darüber. Er ging nicht mit der Deanför seit dem Untergang der„ Dzean- Königin" Trauer um ihn getragen." Jest wird er auch bereits todt sein," erwiderte Dr. Brice tief ergriffen. Wir müssen diese Banknote Myra Barth zeigen und Vorkehrungen zu den sorgfältigsten Nachforschungen treffen. Er ist ein Landsmann, und außerdem haben wir ihn unter unseren Augen heranwachsen sehen. Es muß Alles in Bewegung gesezt werden, bis wir Gewißheit über sein Loos haben. Armer Bursche! Wie lange er in den Händen eines Grunde." Myra fiel in ihren Seffel zurüd. Ihr Bufen fenkte fich. Sie blickte von Einem zum Andern. " 1 Sasper Wir haben Ihnen etwas zu zeigen, etwas, was vor einer furgen Weile entdeckten. Sind Sie rubi um durch dieses Mikroskop eine Botschaft von zu lesen?" Sie las. Jhr Geficht erröthete vor Freude. ,, Es ist tein Datum dabei," bemerkte der viele Jahre vergangen sein, und der Himmel Abool ibn in barbarischen Türken schmachten mußte, ehe sein Hilferuf Gehör fanfter Stimme. Seit diese Worte geschrieben wurden finden konnte." 27. Kapitel. durch den Tod befreit haben." mag Dr. Brice und Dr. Mellodem begaben sich ohne Verzug Dften, als ob sie den gewaltigen Zwischenraum nach dem Barth'schen Schloß. Sie wurden nach dem Bibliothekzimmer geführt, in welchem Myra schrieb. Die beiden Herren waren nicht gewöhnt, ihre Besuche gemeinschaftlich abzustatten. Ihre Gefichtszüge drückten eine tiefe Erregung aus. Man sah ihnen an, daß fie etwas Wichtiges mitzutheilen hatten. Dr. Brice trug sein geliebtes Mikroscopfutteral unterm Arm. Fräulein Barth," sagte er ,,, wir find gekommen, um Ihnen eine sehr seltsame Kunde in Bezug auf eine Person zu bringen, die wir alle seit langer Beit toot glaubten." Myra bebte wie Espenlaub. Ihre Augen schwei bringen vermöchte, der zwischen ihr und ihrem Gelte I allein und verlassen, und alle diese Jahre hindurd Jasper, Jasper!" schluchzte fie. Gin Ge einer Antwort auf diesen Hülferuf harrend, und all' b und dann auf Myra. Eine überraschende Offenbarun Der Advokat und Dr. Brice blickten einander er mer, all' diese Qualen um mich!" ihnen zu Theil. ( Fortsetzung folgt.) gung mehrer zu Gu Der zw gunger wobei fuchun wohl e bardem Grias L Mittad Minift empfan D Ranon Befag Bafche Bersta 鄉 Jouber Bulula Kräme 98 Die Re Kandid Kamme die M famml D Sonnt Die lib Spreche A tonfer 6 treis b fogena abliche Bufall gelang und d brutali bericht. N Traten Breme of( Rebalt D finnige magen dahin Das H fa eher gang Wide Nation tein M Träger eine fe der Ve baben geht d Seiten aufgeft Diefem aus Ki I Dttenie als Ka fraten Bolftet cr Mühe Bimme Mensch biges 1 lichen ober g find, es Sie w betann beitsma gewiffe einigen wieder De zu gel ober geweib nicht to trügeri vielleid leiten ichon 3 gemach worden Morge einer a Fällen Selbft bereits Weg noch g Lefer welche zum Tefen Fi brudfe felben, Befite trage e Hermit gemach Sier Natürl und do ganz m telligen erichien lefen a wohl fein B ja Tau Anzeig fieberha tet gem Für de ein fir 24 201 gung von 25 Brozent; 2) volle Zahlung ohne Abzug in mehreren Abschlagszahlungen. Die englische Regierung will zu Gunsten dieser Vorschläge den Unterschied geltend machen, Der zwischen den von der Kommiffion festgesezten Entschädi gungen und den wirklich erlittenen Verlusten vorhanden sei, wobei die englische Regierung fich auf eine geheime Unterfuchung des Oberst Coles stüßt.- Es ist in der That nun wohl endlich einmal an der Zeit, daß den durch das Bombardement von Alexandrien schwer Geschädigten der gebührende Grfan wird. Lord Northbrook und General Wolseley find heute Mittag an Bord der Fris" in Alexandrien angekommen, vom Ministerpräsidenten Nubar Pascha im Namen des Khedive empfangen worden und alsbald nach Kairo weitergereift. Deutscherseits find in den chinesischen Gewässern zwei Kanonenboote mit nahezu 40 Geschüßen und ca. 1050 Mann Befagung, unter dem Kommando des Kapitäns zur See, Bafchen, vorläufig stationirt und sollen demnächst noch eine Verstärkung erhalten. Aus Süd- Afrika kommt die Nachricht, daß Mr. Piet Foubert die Bräfidentschaft der neuen Boeren- Republik im Zululand angenommen hat. Das ist für die englischen Krämer eine sehr unerfreuliche Nachricht! Bei den Staatswahlen in Maine( Nordamerika) haben die Republikaner den Sieg davongetragen, der republikanische Kandidat wurde zum Gouverneur gewählt. Auch in beiden Kammern der Staatslegislatur werden die Republikaner über die Majorität verfügen. Wahlbewegung. Der bekannte Freifinnige" Herr Träger spricht am Sonntag früb im vierten Berliner Wahlkreis so berichten die liberalen Beitungen. In welchem Lokale der Herr Träger fprechen wird, ist nicht angegeben. Die Antisemiten haben im vierten Wahlkreise eine Ver fammlung abgehalten und in derselben beschlossen, für den fonservativen Herrn Landrath von Köller einzutreten. Gestern hielt der Herr Ludwig Löwe im ersten Wahlfreis hierselbst seine Kandidatenrede. Natürlich wurden nur fogenannte Freifinnige zugelaffen, die es denn auch an dem ablichen Beifall nicht fehlen ließen. Zwei Arbeiter, die durch Bufall die strenge Kontrole pasfirt hatten und in den Saal gelangt waren, wurden, weil sie den Humbug aufdecken wollten und deshalb um's Wort baten, von den Helden in der brutalften Weise hinausgeworfen.( Siehe Versammlungsbericht.) Nach der ,, N. A. 3." ist von Seiten der Sozialdemofraten im Wahlkreise Aurich- Wilhelmshafen Herr Dhme aus Bremen als Kandidat aufgestellt worden. Wie die V. Ztg." berichtet, kandidirt im Wahlkreise Hof( Bayern) von Seiten der Sozialdemokraten der frühere Redakteur der Fränkischen Tagespoft", Herr Löwenstein. Die Weftph. Poft" äußert sich über die von den Freifinnigen" in Elberfeld abgehaltene Versammlung folgender maßen: Seitens der Redner schien der Zweck der Versammlung babin aufgefaßt zu werden, die ganze Fülle ihres Borns auf Das Haupt der Nationalliberalen zu ergießen, was ihnen um fa eher glückte, als die peinliche Kontrolle am Eingang dafür gesorgt hatte, daß die Herren Redner gegen jeden Widerspruch gesichert blieben. Also auch die zahmen Rationalliberalen flößen den Freifinnigen Furcht ein! Nur tein Widerspruch, das ist überall die Barole der Herren Richter, Träger und Genoffen, und die Herren haben in diesem Punkte eine feine Witterung, wo sie genau wissen, daß Niemand in Der Versammlung anwesend ist, der widersprechen kann, da baben fie die edle Dreiftigkeit, die Gegner zu widerlegen. Es geht doch nichts über den Freifinn" der Freifinnigen! Im 7. Schleswig- Holsteinischen Wahlkreise ist von Seiten der Freifinnigen der Professor Hänel als Kandidat aufgestellt worden. Von den Sozialdemokraten kandidirt in diesem Wahlkreise( Riel Neumünster- Rendsburg) Heinzel aus Kiel. % Jm 8. Schleswig- Holsteinischen Wahlkreise( AltonaOttensen) ist von Seiten der Freifinnigen" der Prof. Karsten als Kandidat proklamirt; gegen ihn ist von den Sozialdemo fraten Frohme aufgestellt worden. Die guten SchleswigSolsteiner werden mit Brofessoren" förmlich beglückt. Des " Lokales. % = Philister hiervon, die Tagesneuigkeiten in andern Blättern find ja viel intereffanter, viel pitanter! Nun giebt es aber auch bei uns Arbeitsnachweisebureaus in großer Menge, meistentheils find das einfache Agenturen. Wer in einem solchen Institut Arbeit nachgewiesen haben will, zahlt zwanzig Pfennige und wird in die Liste eingetragen die 20 Pf. erhält er nicht zurück, auch wenn ihm feine Arbeit nach gewiesen wird. Es ist das auch nur eine herzlose Spekulation auf die Noth der Arbeitslosen! Man rühmt diese Arbeitsnachweise Bureaus oft, weil man die Sache nicht kennt. Vor allen Dingen sind diejenigen Arbeitsnach weise Bureaus zu empfehlen, welche die Fachvereine der Arbeiter selbst errichtet haben und von denen die Arbeit unentgeltlich nachgewiesen wird. In vielen Lokalen, in denen Arbeiter verkehren, besteht jetzt schon die schöne und brüderliche Einrichtung, daß gedruckte Plakate angeschlagen find, auf denen angezeigt ist, wo sich der unentgeltliche Arbeitsnachweis für Arbeiter aller möglichen Branchen befindet. Hiermit haben die Arbeiter gezeigt, wie sehr fich der Gemeinfinn bei ihnen entwickelt hat. Wenn nur die Arbeitgeber diese Bureaus genügend berücksichtigten, so würden die Agenturen sammt dem Intelligenzblatt" für die Arbeitsuchenden bald überflüssig werden. g. Eine brave That. Gestern Abend gegen 6 Uhr wiegte fich forglos eine Mutter mit ihren zwei Töchtern im Alter von 12 und 14 Jahren in ein Ruderboot auf dem Waffer bei Grünau, unweit eines Vergnügungslokals. Durch eine plöt liche Wendung der etwas forpulenten Frau tenterte das Boot und sämmtliche drei Insassen lagen unter demselben im Waffer. Diesen Vorgang hatte der Arbeiter Krüger, Staligerstraße 13 in Berlin wohnhaft, von dem gedachten Lotal aus gesehen, in welchem er ein Glas Bier trant. Schnell entschloffen eilte er herbei, stürzte sich ins Wasser und es gelang ihm mit Aufbietung aller seiner Kräfte, die mit den Wellen ringen den Personen nacheinander an's Ufer in Sicherheit zu bringen, woselbst er bis an den Hals im Waffer stehend, durch einen Kellner des Lokals insofern unterstüßt wurde, als der Kellner die Geretteten in Empfang nahm und fte auf's Land ſepte. Die Kräfte des Retters waren bei diesem edlen Werk derartig erschöpft worden, daß man ihm schließlich beispringen mußte, um ihn vom Ertrinken zu retten. Kaum hatte R. fich ein Wenig erholt, als er auch schon seinen inzwischen ausgewundenen Arbeitsrock wieder anzog und eiligst davonlief, um mit dem 6 Uhr 30 Min. abgehenden Zuge nach Berlin zu fahren und fich dort umzukleiden. Ein Bravo dem edlen Mann! N. Von dem berühmten Polarreisenden Kapitän Adrian Jacobsen, der bekanntlich von unserem ethnologischen Museum beauftragt ist, Nord- Aften zu bereisen, um dort ethnographische Sammlungen vorzunehmen, liegen bereits die ersten Nachrichten vor. Kapitän Jacobsen hat, nachdem er Petersburg verlassen, die Orte Kasan, Jekaterinenburg und Tomst besucht und von legtgenanntem Orte die ersten Nachrichten hierher gelangen laffen. Sein Sammeleifer hat bereits so reiche Früchte getragen, daß er schon zwei große Risten mit ethnographischen Gegenständen nach hier absenden konnte, die im Laufe der vergangenen Woche wohlbehalten eingetroffen find. Die Sammlungen find seinerseits hauptsächlich bei den untultivirten Stämmen Rußlands, den Tscheremissen, den Tschuwaschen und Wotjäten vorgenommen worden und haben, Tschuwaschen und Wotjäken vorgenommen worden und haben, da weitere Sendungen in Aussicht gestellt find, anscheinend ein sehr ergiebiges Resultat geliefert. mit Brillanten und einer Berle, ein Ring mit fünf Rubinen und Brillanten beseßt, aus der Badezelle entwendet worden. Man vermuthet, daß die Diebe mit den gestohlenen Gegen ständen sofort nach Berlin gereist seien, um sie hier zu verwerthen. a. Abgenommene Beute. Bei einer Durchsuchung der Wohnung eines Diebes, welcher als Spezialität die Leichenfledderet betreibt, ist im Besige desselben eine filberne Ancres Uhr mit drei filbernen Kapseln aus der Fabrik von Tobias in London, sowie eine tombackene Chronometer- Uhr mit Kompas in der Cuvette und ein goldenes Pinze- nez gefunden worden. Das Pinze- nez war im Frühjahr d. J. einem unbekannt geblie benen Herren in dem Restaurant Billa Wörth" im Thiergar ten abbanden gekommen. Sämmtliche Gegenstände, deren Eigenthümer nicht ermittelt find, befinden sich auf dem Kriminalfommissariat in Verwahrung. g. Unglücksfall. Der Klempner Keil war gestern Bor mittag auf dem Dache des Hotel Kaiserhof mit Reparaturarbeiten beschäftigt. Hierbei war er auf dem sehr abschüssigen Dache in's Rutschen gekommen und schlug bei dem Fall der artig mit dem Kopf gegen die das Hinabstürzen verhindernde Balustrade, daß er sich eine stark blutende Wunde an demsel ben zuzog. Keil begab sich nach der Sanitätswache in der Markgrafenstraße, woselbst ihm ein Verband angelegt wurde. Gerichts- Zeitung. Ein von der Strikezeit her datirender Att beschäftigte heute die erste Straftammer hiesigen Landgerichts I. Die gegen die Metalldreher Harder und Theodor Adolph erhobene Anklage lautete auf vorfäßliche Mißhandlung und gemeins schaftlichen Hausfriedensbruchs. Der Erftere hat sich seiner Vers antwortung durch die Flucht entzogen, der Lettere war vor einigen Wochen wegen Nichtmeldung seiner neuen Wohnung in Untersuchungshaft genommen worden. Unter den Arbeitern der Frister- und Roßmann'schen Nähmaschinenfabrik, welche vor Beendigung des Strikes die Arbeit wieder aufgenommen hatten, befand sich auch der Metalldreher Lange. Um einen Angriff der Strifenden zu entgehen, begab er sich am Morgen des 23. April cr. bereits um 6 Uhr zur Arbeit; nichtadestoweniger wurde er in der Admiralstraße von Harder angehalten und geohrfeigt. Das war für eine Anzahl anderer Strifender das Signal, über Lange herzufallen, der sich nunmehr in den Laden des Vorkofthändlers Feld flüchtete. Die Angreifer folgten ihm nach, und hinter ihm betraten Adolph und zwei nicht bekannt gewordene Männer den Feld'schen Laden; Adolph versuchte, den Lange aus dem Laden auf die Straße zu ziehen, woran er durch das Dazwischentreten des Feld gehindert wurde. In dem Eindringen in den Laden fand der Gerichtshof das Vergehen des Hausfriedensbruchs, da sich die Ver folger der Widerrechtlichkeit. dieses Thuns bewußt sein mußten. Mit Rücksicht auf die Gröblichkeit wurde Adolph zu vier Wochen Gefängniß verurtheilt, von der erlittenen Untersuchungshaft aber nichts angerechnet. In ernste Lebensgefahr gerieth heute bei den Leipziger Kolonnaden ein junger Schlächtergeselle durch eigene Unvorliegend 80 Mark in Gold aus dem Portemonnaie entwendet fichtigkeit. In dem Augenblid, als er den durch die Kanali fationsarbeiten sehr beengten Fahrdamm überschreiten wollte, tam vom Spittelmarkt auf dem dort errichteten Nothgeleise ein Pferdebahnwagen der Linie Schlesisches Thor- Bülowstraße herangefahren. Das Glockenfignal des Kutschers erschreckte den Schlächter derartig, daß er direkt vor die Pferde sprang, die ihn Schlächter derartig, daß er direkt vor die Pferde sprang, die ihn umriffen und über ihn hinweggingen. Zum Glück gelang es dem Kutscher, den Wagen zum Stehen zu bringen, noch ehe die Räder über den Verunglückten hinweggingen. Mit leichten Verlegungen im Geficht und an den Händen fonnte der Schlächter unter dem Perron des Wagens hervorgezogen werden. g. Netter Lehrling. Ein in der Friedrichstraße konditio nirender Schlofferlehrling batte während des gestrigen Tages mehrere Trinkgelder erhalten und sich dafür einen ,, vergnügten Tag" gemacht. Auf dem Nachhausewege war er nun vor dem Hause Friedrichstraße 113 im trunkenen Bustande gegen eine Straßenlaterne gefallen und hatte sich hierbei das Geficht total aufgeschlagen, so daß dasselbe aus mehreren Wunden blutete. Bwei Dienstleute hoben den Betrunkenen auf und führten ihn nach der Wohnung seines Meisters, deren Angabe erst nach langem Bemühen von dem Lehrling zu erlangen war. g. Einen bedeutenden Auflauf verursachte gestern Abend gegen 11 Uhr an der Ede der Friedrich- und Karlstraße ein erbitterter Rampf zwischen zwei Frauenspersonen einer Ehefrau und einer Kellnerin, der schließlich mit der Sistirung der Ersteren durch einen Schußmann endete. Anscheinend war hier Eifersucht im Spiele, denn der gleichfalls anfänglich anwesend gewesene Ehemann hatte sich entfernt, ehe der nicht unblutige Kampf begann. a. Die Saison der Diebe scheint wieder ihren Anfang genommen zu haben. Wenigstens beweisen das die folgenden zwei Fälle, die uns vom gestrigen Tage gemeldet wurden. Zu dem Klempner St. in der Waldemarstraße tam gestern ein Mann, welcher zwei Schneidekluppen, zwei Schneidezungen und eine Kugelzange für 12 Mart zum Kauf anbot. Da die Wert zeuge einen Werth von 40 Mart baben, so vermuthete R., daß der Verkäufer fie nicht in reeller Weise erworben hat und ließ einen Polizeibeamten herbeirufen. Als der Beamte tam, lief der Fremde aus dem Geschäftslokal nach der Manteuffelstraße bis nach der Köpniderstraße, wo er endlich ergriffen wurde. Auf der Wache wurde er als der vielfach bestrafte ,, Arbeiter" G. refognoszirt. Da er über den Erwerb Der Werkzeuge einen Nachweis nicht führen konnte, so wurde er zur Haft gebracht. Der Eigenthümer der Wertzeuge ist noch nicht ermittelt. Der zweite Fall ist ein ganz ähnlicher. Zu dem Schuhmachermeister Sch. in der Münzstraße tam am 6. d. Mts. ein ungefähr 35 Jahre alter cr Arbeitsnachweis in Berlin. Wer sich einmal die ühe nimmt und in den Nachmittagsstunden durch die Bimmerstraße geht, der wird erstaunt sein über die großen Menschenansammlungen, die hier gewissermaßen als nothwen biges Uebel geduldet werden. Leute beiderlei Geschlechts, jeglichen Alters und Standes stehen hier in dichten Gruppen oder gehen plaudernd auf und nieder, man weiß, wer die Leute find, es find Arbeiter und Arbeiterinnen, welche Arbeit suchen. Sie warten alle auf das Berliner Intelligenzblatt", welches bekanntlich ein reines Inseratenblatt ist und den größten Arbeitsmarkt" enthält. Der Arbeitsmarkt" spielt bekanntlich bei gewiffen Beitungen hier in Berlin eine außerordentliche Rolle, einigen dient er als eine ergiebige Einnahmequelle, andere wieder brucken ihn von ersteren ab, um sich in den Augen größeren, uneingeweihten Publikums den Schein zu geben, als ob sie mit den Kreisen der Arbeitgeber oder Arbeitnehmer eine besondere Fühlung hätten. Der Ein geweihte läßt sich durch derartige unlautere Manöver nicht täuschen, er weiß, daß den Arbeitsuchenden, die auf die trügerischen Annoncen solcher Zeitungen hineinfallen, ja fich vielleicht zeitweise sogar zum Abonnement auf dieselben ver leiten laffen, nur Unfosten und Aerger erwachsen. Wir sind schon ziemlich häufig auf dieses häßliche Treiben aufmerksam worden, fie wußten eben nicht, daß die Anzeigen, die fie des Morgens in ihrer Zeitung lesen, am Tage vorher bereits in einer anderen gestanden haben, und daß diese in den meisten Fällen gegen den Willen der Inserenten abgedruckt werden. Selbstverständlich sind die ausgeschriebenen Stellen regelmäßig bereits besezt, der Arbeitsuchende hat vielleicht einen langen Weg umsonst zurückgelegt, hat seine Zeit verloren und vielleicht noch ganz zwedlos Geld ausgegeben. Ein großer Theil unserer Leser hat es ja bereits an fich erfahren, und man wird wissen, welche Organe wir hierbei hauptsächlich im Auge haben. Doch zurüc zum Intelligenzblatt". Endlich kommen fte, die heißersehnten, noch brudfeuchten Blätter. Alles stürzt sich auf die Vermiether der felben, denn die meisten der Leser befinden sich nicht mehr im Befige der 20 Pfennige, welche ein solches Blatt kostet. Sie lefen für fünf fennige bei den Leuten, welche von dem Er trage einer solchen ,, Leihbibliothek" leben. Gerade mit diesen Aermften der Armen wird immer noch ein tüchtiges Geschäft gemacht. An vielen Lokalen steht man Bettel mit der Aufschrift: Hier lann das Intelligenzblatt am frühesten gelesen werden". Ratürlich muß bei dieser Gelegenheit etwas verzehrt werden, und doch ist es für die Arbeitssuchenden in den meisten Fällen ganz werthloß, wenn fie das Blatt nur wenige Minuten später lefen als Andere. Wer nach den Arbeitsangeboten im In- ling einzuholen. telligenzblatt" gehen will, der muß laufen, sowie das Blatt erschienen ist, sonst kommen ihm zehn Andere zuvor. Ahnt es wohl der dide Spießbürger, Abends am Stammtisch, wenn fein Blid über die einförmigen kleinen ein und zweizeiligen Anzeigen im Intelligenzblatt" hinweggleitet, wieviel Hunderte, ja Tausende von Männer, Frauen und Mädchenaugen voll tet gewesen find? Welche Hoffnungen, welche Enttäuschungen! Für den armen Arbeitslosen ift folch' ein fleines Inserat oft ein ftrahlender Stern in dunkler Nacht. Aber was weiß der Mann und bot ihm einen Korb mit Sachen zum Kauf an. Ala Sch. den Fremden nach seinen Legitimationspapieren fragte, verließ dieser unter Burüdlaffung des Rorbes nebst Inbalt den Geschäftsteller und ist bisher nicht wieder zurüdgefehrt, weshalb angenommen wird, daß die Sachen aus einem Diebstahl herrühren. Der beim Kriminallommiffariat in Verwahrung befindliche Korb enthält ein Paar mit Leder überzogene Filzschuhe, ein Tischtuch, ein Handtuch, ein KinderUnterrod, zwei Frauenhemden, davon eines gez.: M. W. 5., und sonstige Wäscheſtücke. N. Ein herber Verlust ist einem Restaurateur in Rir dorf durch seinen eigenen 17- jährigen Sohn zugefügt worden. Derselbe ist am Montag früh mit einer größeren Summe, den Ersparniffen seiner Eltern, plöglich verschwunden. Der Berliner Kriminalpolizei wurde die Flucht des jungen Menschen fofort angezeigt. Hoffentlich gelingt es derselben, den Flücht N. Das müssen ja geschickte Spitzbuben gewesen sein. Ein in der Werderstraße in Rirdorf wohnender Bädermeister Barche ist in der vergangenen Nacht bestohlen worden und zwar ist ihm eine größere Anzahl Hühner entwendet worden, trozdem auf dem Hofe ein Hund Wache gehalten. a. Muthmaßlicher Diebstahl. Der Frau eines hierselbst fieberhafter Erregung auf diefe falten und öden Beilen gerich beglaubigten Diplomaten find, nach einer hierher gelangten mittag während des Badens eine filberne Chatelaine, Berloques mit dem Monogramm: C. C. S. verschlungen, ferner ein Pfeil Eine in ihren Details höchst interessante Verhand lung einer Antlage wegen Diebstahls resp. Antiftung dazu fand heute vor der 88. Abtheilung des hiesigen Schöffen gerichts statt. Die Angeklagten find der Fuhrherr Carl Albert Fiel und der Boltsanwalt Christian Niegler. Die Anklage ist erhoben auf Grund einer von dem Schmied Schwefel unterm 6. März cr. abgelaffenen Denunziation, wonach der erste Angeflagte auf Anstiftung des zweiten ihm während einer Droschfenfahrt am Abend des 27. Oft. 1881 also 2 Jahr zurüd bat. 3ur Unterstüßung der Denunziation war Bezug genom men auf das Zeugniß des Schwagers und der Schwägerin des Fiet, der Treptow'schen Eheleute und eines Arbeiters Wolle. Sum Verständniß des sonderbaren Falles muß auf die Stadien verschiedenen eines Vorprozesses, dessen Be kanntwerden seiner Zeit Sensation seiner Zeit Sensation hervorrief, zurüdgegangen werden. Der Denunziant Schwefel war an einem regnerischen Spätabend des 7. September 1880 auf dem in der Nähe des Bahnhofs Moabit belegenen Kartoffel feld des Fiet von zwei Männern betroffen und in unbarmherziger Weise geschlagen worden. Infolge der dabei erlittenen Berlegungen brachte Schwefel mehrere Monate im städtischen Krankenhause zu Moabit zu, in welchem er dem Inspektor Waldow zwei städtische Nachtwächter als seine Angreifer be zeichnete. In einer nach seiner Entlassung aus dem Krankenhause von dem jezigen Angeklagten Niegler konzipirten Denunziation bezeichnete Schwefel als die Mißhändler den jezigen Angeklagten Fiel und den Arbeiter Wolle. Auf seine bestimmte Aussage hin wurden beide Personen vom hiesigen Schöffengericht zu je drei Monaten Gefängniß und zur BahIn der lung einer Buße von 150 Mart verurtheilt. gegen dieses Urtheil eingelegten Berufung erbot sich der Alibi, und im Termin Angeklagte Fiek zu einem Alibi in zweiter Instanz bezeichnete der Mitangeklagte Wolle, der nunmehr einräumte, der eine der Schläger gewesen zu sein, den Kutscher Albert Treptow als seinen Complicen. Sie hätten sich behufs Abfaffung eines Kartoffeldiebes auf das Feld des Fiet begeben und dort den Schwefel beim Ausnehmen und Einpacken der Kartoffeln betroffen, worauf fie auf denselben eins schlugen. Fiel hatte unter Beweis gestellt, daß er an dem qu. Abend bereits um 8 Uhr zu Bett gegangen gewesen sei. Da aber der von Schwefel gestellte Arbeiter Berger mit pofttiver Bestimmtheit bekundete, daß er den Angeklagten Fiet nach dem Hülferuf des Schwefel vom Felde her tommen und nach Hause gehen sah, verwarf der Berufungsgerichtshof die eingelegte Be rufung unter der Annahme, daß der beantragte Alibibewels präparirt war und daß die vom Angeklagten Wolle erzählte Geschichte von dem Kartoffeldiebstahl des gänzlich infacten Schwefel völlig erfunden sei, um die demselben zugefügte Mig handlung zu entschuldigen. Die von Fiet eingelegte Revision wurde verworfen. Nunmehr war auch die Bahlung der 150 M.Buße an Schwefel fällig. Zur Erledigung dieser Angelegenheit, welche Schwefel dem Niegler übertragen hatte, suchte dieser zwischen den Parteien einen Vergleich anzubahnen und lud zu diesem Behufe Fiel und Schwefel zum Nachmittag des 27. Oktober 1881 auf sein Bureau. Dort vereinigten fich Beide dahin, daß Ersterer an Legteren 115 M. zabite, während ihm die fehlenden 35 M. erlassen wurden. Von diesem Betrage gab Schwefel dem Niegler 25 M., sodaß er noch 90 M. baar be hielt. Gleich nach Beendigung dieses Geschäfts begaben sich alle drei in ein Bierlotal, wo Jeder drei Seidel trant. Rach. der Behauptung des Fiel und Niegler war Schwefel schon vorher nicht mehr intakt. Nach Beendigung dieser Sigung stiegen Fiet und Schwefel in eine Droschte und gelangten schließlich am späten Abend nach 11 Uhr in dem Schantlolal von August Müller in der Triftstraße an. Schwefel war total betrunken, während Fiet seine vollständige Befinnung be halten hatte. Der Lettere bezahlte seinen Antheil an der Fahrt und begab fich in seine nahegelegene Wohnung. Schwefel ward vom Dr schlenkutscher geweckt, um seinen Antheil zu be zahlen, und da war er nur noch im Vefiße von im Ganzen 12 Mart in Silber. Als Schwefel am anderen Tage ent nüchtert war, trat er mit der Behauptung hervor, daß ihm ca. 80 Mart entwendet worden find. Hierauf spielte sich der zweite Akt dieser Geschichte ab. Es gelang nämlich dem Ver theidiger des Angeklagten Fiel auf Grund der angestellten Ermittelungen, nach welchen Schwefel und Berger schon mehr fach bestrafte Personen find, Lepterer sogar in der Verbrecher welt den Namen„ Spißmaus" erhalten, die Aussetzung der Strafvollstreckung gegen seinen Mandanten und die Wieder aufnahme des rechtsträftig geschlossenen Verfahrens zu er wirken. In der am 26. Juni 1882 ftattgehabten neuen Ber handlung wurde Fick vollständig freigesprochen Schwefel und Berger dagegen als des Weineids ver dächtig, sofort verhaftet. Beide wurden auch im Oktober| 1882 vom Echwurgericht wegen fahrlässigen Meineids zu längeren Gefängnißstrafe verurtheilt. Im Januar d. J. hatte Schwefel seine Strafe verbüßt. Inzwischen war das freundfchaftliche Verhältniß des Fiel mit seinem Schwager Treptow und dem Arbeiter Wolle in das denkbar feindseligste verwandelt, und die Letteren wandten fich nun an den aus dem Gefängniß entlassenen Schwefel, um denselben mit Material für eine Denunziation gegen Fiel zu versehen. Darnach soll Lezterer bereits am 28. Dftober 1881 dem Treptow und defen Ehefrau mitgetheilt haben, daß er dem Schwefel 80 M. wieder abgejagt habe. Später soll er diesen Personen noch erzählt haben, daß Niegler ihn angestiftet und nun fortwährend von ihm Geld zu erpressen suche. Wolle will zufällig an einem Abend bei dem Fiel'schen Hause vorübergekommen sein und dabei gehört haben, wie die Ehefrau Fiet ihrem Mann jenen Diebstahl zum Vorwurf machte. In der heutigen Verhandlung machten auch die Treptow'schen Eheleute und Wolle dahingehende Aussagen, die Ehefrau des Angeklagten Fiet stellte aber entschieden in Abrede, daß fie die von Wolle bekundete Aeußerung gethan babe, und befundete, daß ihr Ehemann ihr niemals etwas von einem an Schwefel begangenen Diebstahl erzählt habe. Schwefel bekundet die ungeheuerlichsten Dinge; er be: uptet, daß er in dem im Niegler'schen Hause befindlichen eftaurationslokale nur ein Seidel Bier getrunken habe, in das ein Schlaftrunk bineingethan sein müsse. Er erinnere fich nur noch in die Droschte gestiegen und am Spätabend im Müller'schen Lokale aufgewacht zu fein. Demgegenüber bekundet der Kutscher, der den Angeklagten und Schwefel gefahren hat, daß dieselben in 5 verschiedenen Lokalen eingekehrt waren. Die Angeklagten bekennen fich für nichtschuldig und bezeichnen das Vorgehen der Belastungszeugen als ein Romplott gegen fte. Der Staatsanwalt schenkt den Aussagen derselben aber Glauben und beantragt gegen Fiet 1 Dionat, gegen Niegler 14 Tage Ges fängniß. Rechtsanwalt Dr. Sello warnte vor einer Verurtheilung der Angeklagten, von denen Fiet schon einmal das Opfer falscher Aussagen von Personen geworden ist, deren eine Owiederum als Hauptzeuge auftritt. Es sei im höchsten Maße unwahrscheinlich, daß Fiel fich seinem Schwager gegenüber als ein Dieb gekennzeichnet haben soll und daß dieser trogdem mit ihm noch Jahre lang verkehrt hat, bis die Feindschaft unter ihnen ausgebrochen ist. Bumindest ſei die Sache nicht aufgeklärt. Der Gerichtshof erkannte auf Freifrechung der Angeklagten, da er nicht in der Lage fft, den Belastungszeugen Glauben schenken zu können. Arbeiterbewegung, Vereine und duled sour Versammlungen. H überreichte dem Redner einen Bettel. Man glaubte nun, dieser Herr sei einer vom Theaterpersonal, der nun seine einstudirte Rolle zum Besten giebt. Ja, aber dann würde doch Herr hermes den vorher bestellten Bettel gleich lesen fönnen, wozu also erst das lange Hinstarren und Buchstabiren? Aha! also der Hecht ist da! Herr Hermes beginnt eine Resolution vorzulesen, die einen Kandidaten fordert, der mit voller Energie gegen das Sozialistengesetz aufzutreten fich verpflichtet. Die Versammlung fühlt sich unbehaglich und Herr Hermes erklärt mit fauerfüßer Miene fich mit dieser Resolution einverstanden, nur möchte er hinzufügen, daß dieser Mann eben Herr Ludwig Löwe sei, der schon oft gegen dieses Geset ge- sprochen hat oder wünscht Jemand zu dieser Resolution Das Wort? Der fühne Herr trat nun hervor und sprach zwei schwerwiegende Sylben aus, welche die gemüthliche und behäbige Herrn von U. d. L. plötzlich in lärmende, tobende, heulende und auch sehr tapfere Indianer verwandelten. Die zwei wunderbaren Sylben lauteten Vollmar". Ein Lärmen und Mogen, ein Toben und Tosen entstand im Saale, der Herr Lieutenant drehte sich nach dem kühnen Jüngling um. Die ganze Versammlung erhob sich wie ein Mann und Rufe wie: Raus, raus! Haut ibn! schwirrte durch den Saal. Hände erhoben fich, Faufte ballten sich, ja ein Herr Direktor aus Breslau ob es ein Bantoirettor war? tam sogar dermaßen aus dem Häuschen, daß er durch den ganzen ihm von seinem Feinde trennenden Menschenknäuel fich Bahn brechen und auf den Friedenstörer stürzen wollte.. Ein Kampf zwischen einem Direktor und einem Arbeiter im großen Saale des Hotel Jmperial wäre ein Schauspiel für Götter, aber der Herr Vorfigende, welcher anfangs gleichfalls die Ruhe vers Loren und den muthigen, den ganzen Standal ruhig und mit verschränkten Armen zuschauenden Süngling aufgefordert hatte, verschränkten Armen zuschauenden Jüngling aufgefordert hatte, sofort den Saal zu verlassen, schien bald das Beschämende dieses Schauspiels, wo 800 Menschen fich tapfer auf einen einzigen Arbeiter fürzen wollten, einzusehen und gestatteten ihm nach einer langen Rede über Verlegung des Hausrechtes weiß Gott wie fich Herr Ettisch durch die dreifache Postenkette nur durchschleichen fonnte da zu bleiben. Diese Großmuth hat aber Herrn Hermes bald gereut und nachdem, von diesem fleinen Zwischenfalle abgesehen, die Kandidatenfrage zur allgeZufriedenheit programmmäßig gelöst wurde, ließ er zulegt den Eindringling dennoch hinauswerfen. -W Eine Delegirtenversammlung der Berliner Bildhauer fand am Dienstag Abend bei Sahm, Annenstr. 16, statt, behufs Berathung der Mittel und Wege, welche einzuschlagen find, um der immer mehr einreißenden ungefunden Ronkurrenz im Bildhauergewerbe Einhalt zu gebieten. Herr Dupon schilderte in feinem Referate hierüber die überaus traurige Lage, namentlich der Holzbildhauer, welche durch die permanenten Geschäftsstod ungen herbeigeführt worden ist. Da auf eine gefeßliche Regel genannte Selbsthilfe angewiesen, d. h. auf die Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Da beider Interessen aber grundverschieden, sei auf eine dauernde Harmonie nicht zu rechnen. Zur Befferung der Verhältnisse empfahl er Aufstel lung eines Programms analog dem der Tischler mit einem verdienst betrage jest 12-15 M. bei 11-12- stündiger Arbeits zeit. In der Diskussion werden zur Illustrirung des Referats Die Mißstände verschiedener Werkstätten eingehend beleuchtet und der Anschluß an den Unterstügungsverein der Bildhauer Deutsch lands, welcher bereits 1200 Mitglieder zählt und über 30 Städte Deutschlands verbreitet ist, resp. an den Zweigverein„ Gauverein der Bildhauer" empfohlen. Die nächsten Delegirtenversammlungen finden am 7. Oftober und 2. November statto Ein Hecht im Karpfenteiche fann feine größere Verung vorläufig noch nicht zu rechnen sei, wäre man auf die so wirrung und Bestürzung unter den kleinen Fischlein hervor Anrufen, als das plögliche Auftauchen des Herrn Ettisch in der Dienstag, den 9. d., im Hotel Imperial, Unter den Linden hinter gefchloffenen Thüren abgehaltenen Versammlung des fortschrittlichen Wahlvereins des ersten Berliner Wahlbezirkes, es bewirkt hat. Der genannte Verein fam in dem vornehmen Hotel aufammen, um einen fortschrittlichen Kandidaten für diesen Bezirk aufzustellen. Das abgekartete Spiel wickelte fich trefflich ab. Nach einigen einleitenden Worten ertheilte der Vorfigende Herr Hermes dem Abgeordneten Ludwig Löwe zu einem Berichte über die Heldenthaten seiner Partei im ver floffenen Reichstage das Wort. Zweigverein ,, Gauverein Es war eine mittelmäßige fortschrittliche Leistung mit den üblichen Schlagwörtern, wie man fie von den verschiedenen freifinnigen" Rednern schon Dugende von Malen gehört hat. Neu und fühn zugleich war nur die Behauptung, daß die Großindustrie dem Handwerk niemals schaden wolle und niemals schaden lönne. Daß das Handwerk vielmehr noch nie in solcher Blüthe gestanden babe, wie gerade in dieser Zeit, wo die Großindustrie fich herabließ, mit ihm zu konturriren Pardon, nicht fon furriren, sondern es zu ergänzen. Denn der harmlosen Großinduftrie fällt es nämlich gar nicht ein, dem streb samen Handwerker in's handwerk zu pfuschen 00 Eine Versammlung des Fachvereins der Posamen tiere und Seidenknopfmacher fand am Montag den 8. d. Mis. Holzmarlifit. 72 ftatt, in welcher Herr Stadtv. F. Gördi der Herr Referent über die früheren Verhältnisse, wie der neuer Mitglieder, II. Verlegung des Arbeits- Nachweltfe- Bureaus und III. Neuwahl des Gesammt- Vorstandes" die Bersammlung um 12 Uhr geschloffen. #Der Arbeiter- Bezirks- Verein der Oranienburger Vorstadt und des Wedding hielt am Montag seine regel mäßige Generalversammlung im Lokale Wedding- Bart", Müllerstr. 178, ab. In derselben referirte Herr Schriftfeber Kunkel über: Wie verhalten fich die Arbeiter den verschiede nen Parteien bei den nächsten Reichstagswahlen gegenüber?" Redner führte aus, daß fich jeder Arbeiter llar werden müsse, wem er seine Stimme zu geben habe. Die Deutsch- Freifinnigen find seit voriger Woche in die Wahlagitation eingetreten, ebenso die Konservativen, um bei den Arbeitern auf Stimmenfang auszugehen. Mit den Deutsch- Freifinnigen haben wir in Berlin in erster Linie zu kämpfen. Vor den Wahlen versprechen die selben Alles, was man von ihnen fordert und noch mehr, aber der Arbeiter glaubt ihnen nicht mehr, da die Deutsch Freifinnigen noch nie ihre Versprechungen gehalten haben. Die Konservativen dagegen wollen uns mit Innungen und dem Hinweis auf ein Jenseits beglüden. Der Arbeiter müſſe seine Stimme einem Kandidaten geben, der für soziale Reformen allen Ernstes einzutreten gewillt und bestrebt sei. Ein Hof prediger Stöcker, welcher Klaffenhaß anstatt Liebe predige, jei nicht werth, da gewählt zu werden, wo die Intereffen der Ge fammtheit vertreten werden sollen. Der einzig richtige sei ein Arbeiterkandidat, welcher für Marimal- Arbeitstag, Beschränkung der Frauenarbeit und Abschaffung der Kinderarbeit eintrete. Es wurde sodann eine Resolution einstimmig angenommen, worin fich die Versammlung mit den Ausführungen des Re ferenten voll und ganz einverstanden erklärte. Der Bezirksverein des werkthätigen Volkes der Schönhauser Vorstadt hielt am Dienstag, den 9. Septb., seine regelmäßige Versammlung in Meister's Lotal, Schön hauser Allee 161, ab. Daselbst bielt Herr Lasle einen Bor trag über die heutige politische Situation. Redner schilderte die Agitationsweise der konservativen Bartei und ihre Folgen, wies besonders auf den Hofprediger Stöder und feine Agitation in Rußland sowie in Hinterpommern hin und betonte, ba die Folgen derselben auch viele deutsche Arbeiter hinter Schloß und Riegel zu büßen haben. Redner erinnerte an den Antrag Ackermann und Genossen, das Einführen von obligatorischen Arbeitsbüchern, Besteuerung von amerikanischem Fleisch und Schmalz, den Getreidezoll und die Betroleumsteuer. Redner ging hierauf auf die ultramontane Partei über, deren Autorität nur die Kirche ist, dieselbe hat kein wirthschaftliches und poli tisches Programm. In Bezug auf die Deutsch- Freifinnigen und die Stellung der Arbeiter zu denselben meinte Rednet, daß dieselben das alte Fortschrittsbanner mit Füßen getreten hätten. Gleiches Recht für Jedermann sei der angebliche Wahl spruch dieser Leute. Wie fie dieses hochtönende Wort zu Wahrheit gemacht haben, ist aus den letzten Reichstagssigungen zu sehen. Hierauf ging Redner zu der Aeußerung Ludwig Löwe's vom lebenden Material" über. Den Arbeiter mü man nach der Ansicht dieses menschenfreundlichen Herrn so vie wie möglich zu verwerthen suchen. Redner verwies mit Recht auf das Gebahren der Deutsch- Freifinnigen bei den Berline der Hand waren und sich nicht laut genug darüber beschweren konnten, daß man der Arbeiterpartei so freien Lauf laffe, fe bestehe ja angeblich nur aus Sozialdemokraten. weiteren Ausführungen des Redners erhob sich der über wachende Bolizeibeamte und löste auf Grund des§ 9 bes Sozialistengesezes die Versammlung auf. Bei den Der Verein der Einseger( Tischler) bat in feiner a Montag den 8. Sept. abgehaltenen Versammlung beschloſſen, daß das Stiftungsfest, verbunden mit tomischen Vorträgen, Bescheerung für Kinder und Ball, am 27. Dezember, 3. Weih nachtsfeiertag, gefeiert werden soll. Nächste Versammlung Holzmarktstr. 8. Die Tagesordnung wird in der Versammlung über Bwed und Biele der Fachvereine referirte. Nachdem sich Sonntag den 21. Sept. Vormittags 10 Uhr im Vereinslolal Meister zum Gesellen ftand, ausgesprochen hatte, tam derselbe auf die heutige wirthschaftliche Lage zu sprechen und betonte, daß es die erste und größte Aufgabe der Fachvereine sein muß, zu erscheinen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. i danach zu streben, einen staatlich geregelten Maximalarbeitstag liche Schuhmacherversammlung, war zu dem Bwed einbe Im Gegentheil beschränke fie fich in ihrer grenslosen Beschei denheit nur darauf, billige Sachen( die aber in Folge deffen massenhaft fonsumirt werden) herzustellen, während sie die funstvollen theueren Lurusartikel( die eben auch schwer ver läuflich find) gütigst dem Handwerker überläßt.... Großer Beifall belohnte diese zweistündige Anstrengung. Da von allen den versammelten Bantdirektoren, Hauseigenthümern und Banquiers Niemand etwas gegen diese Rede einzuwenden hatte, so schritt Herr Hermes mit Gefichte zum zweiten schaffung der Buchthausarbeit. Redner wurde öfters durch die Buhörer lebhaft applaudirt und spendete ihm die Versamm lung am Schluß seiner Ausführungen den größten Beifall für den so lehrreichen und interessanten Vortrag. Es kam dann wonach vereins deutscher Schuhmacher zu besprechen. Nachdem Hen Pfeiffer die hauptsächlichsten Statuten vorgelesen hatte, der Verein die hebung der geistigen und materiellen Inter effen, sowie die Unterstüßung wandernder und arbeitslofer folgende Resolution zur Verlesung: Die heute hier versam Kollegen( 15 Bfg. pro Meile) bezweckt, beschloß die Versamm melten Bosamentiere und Seidenknopfmacher erklären sich mit lung mit der Gründung einer Filiale unverzüglich vorzugehen. standen und verpflichten fich, mit aller Kraft für die Verwirk wesenden aufnehmen. Die Aufnahme findet alle Montag Bunkte der Tagesordnung und forderte die Herren auf, für lichung der Biele und Swede des Fachvereins einzutreten." Abend im Restaurant Seidel( Neue Grünstraße und Seidel den ersten Wahlkreis Kandidaten namhaft zu machen. Er feinerseits würde den Herrn Reichstagsabgeordneten 2. Löwe vorschlagen.... Sehr gut! Jest tritt ein Herr auf und Theater. Donnerstag, den 11. September. Königliches Opernhaus: Donnerstag: 171. Vorstellung. Das goldene Kreuz. Königliches Schauspielhaus: Donnerstag: 172. Vorstellung. Phädra. Deutsches Theater: Donnerstag: Die Welt, in der man fich langweilt. Bellealliance- Theater: Donnerstag: Buchholzen's! Im Sommergarten: Ronzert. Reues Friedrich Wilhelmstädtisches Theater: Donnerstag: Der Bettelstudent. Walhalla- Operetten- Theater: Donnerstag: Bum 300. Male: Nanon. .ng Central- Theater: Alte Jakobftraße 30. Direktor: Ad. Ernst. is Donnerstag: 8. 42. M. Jäger Liebchen. Gesangspoffe in 4 Atten von 2. Treptow; Couplets und Quodlibets v. G. Görg. Mufit von G. Steffens. Kaffen- Eröffnung 6% Uhr, Anfang der Vorstellung 7, Uhr. SPR Residenz- Theater: Direktion: A. Anno, Blumenstraße 9. Donnerstag: 8. 13. Mal: Ein Standal. Schauspiel in 4 Alt. ov. D. Benzon. Hierauf: 3. 13. Mal: Die Welt, in der man fich nicht langweilt. Lustspiel in 1 Att von E. Bailleron, Regie: A. Anno. spin tutfenstädtisches Theater: Donnerstag: 133. Dpern- Vorstellung. Der Freischüß. Oper in 4 Atten von C. M. v. Webor. Dienstag, den 16. September: Gesammtspiel der Liliputaner: Die fteben Zwerge. Robert und Bertram. Oftend- Theater: Donnerstag: Bum Benefiz für Frläulein Marie Ebert: Der Verschwender. Wallner Theater: Hotel Blancmignon. Kroll's Theater: Margarethe. 751 Arbeitsmarkt. 190300 Häklerinnen auf Kleidchen und Tücher verlangt Buchholz, Kolbergerstr. 10, 2 Tr. id Das unentgeltliche Arbeits- Nachweis- Bureau für Klavier- Arbeiter befindet sich Staligerstr. 18 bei Stramm. [ 105 Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Nachdem zu Verschiedenem noch einige Redner gesprochen hatten, wurde nach Festsetzung der nächsten Tagesordnung: I. Aufnahme mashDer unentgeltliche straßen Ede) statt. Der Beitrag beträgt 10 Pfennige pro Woche. Unsere werthen Runden, sowie auch diejenigen Herren Schneidermeister, die es werden wollen, werden gebeten unsere bereits fertig gestellten neuen Muster in Arbeitsnachweis für Metallarbeiter befindet sich Ritterstraße 123 im Restaurant, geöffnet Morgens und Abends von 8-9 Uhr. Dafelbft tann ein Metalldreher auf Gastronen fofort Beschäftigung erhalten. Auch werden daselbst in den vorgenannten Stunden Verwaltungsberichte als in verausgabt( Legitimation hierzu erwünscht.) Die Kommiffion. Allgemeine Wählerversammlung 741 slims as des Nieder- Barnimer Kreises, Sonntag, den 14. September, Vorm. 11 Uhr, im Lokale des Herrn Spizig, Friedrichsberg, Frankfurter Chauffee stymo Nr. 3( Kronprinzengarten). d Tagesordnung: Die Stellung der Arbeiter au der bevorstehenden Reichstagswahl. Referent: Herr Bruno Scholz. a Um zahlreiche Betbeiligung wird ersucht. hoc tim drenantis Idin Möbel-, Spiegelund Polsterwaaren- Magazin had eigener Fabrit abound.dm von August Herold dour === Berlin SO., Staligerstraße 112, zwischen der Manteuffels und Mariannenstraße. 510 Empfiehlt sein reichhaltiges Lager zu den solidesten Breisen bei prompter Bedienung.mil Ein und Berkauf von alten Möbeln, auch wird jede im Tischlerfach vorkommende Arbeit verfertigt und ganze Wirthschaften werden aufpolirt. Die statistischen Wahltafeln 734 find soeben erschienen und in der Expedition des Berliner Bolfsblatt", Bimmerftr. 44, zu haben. d Winterpaletotstoffen Winterbukskins in Empfang zu nehmen, bevor dieselben vergriffen werden. Hochachtungsvolle Jacobi& Adam, Spandauerstr. 49. Drucksachen = aller Art, namentlich Circulaire, Rechnungs- und Quittungs formulare, Adreßkarten, Prospecte, Preis Courante, Brochüren, Statuten und Quittungsbücher, Marken, fämmtliche Formulare für Kranken kaffen etc. werden prompt und preiswerth angefertigt. Buchdruckerei MAX BADING Beuthstrasse 2. Verantwortlicher Redacteur R. Gronheim in Berlin. Drud und Berlog von Bag Babing in Benin SW., Beuthstraße 2. 742 Qierzu eine Bellat ST br F fto De lie D SAATE E tro er h V I fr ne D in to te ft zu De m be fe 11 10 fo h D 10 br je BRESSE BEAR25585HUE STEROCE# EGA SURT re who id finm Crim D Nr. 136. Beilage zum Berliner Volksblatt. Ueber die wirthschaftliche Lage NordAmerikas bringt die New- Yorker Handelszeitung" einen Artikel, dem wir Folgendes entnehmen: Donnerstag, den 11. September 1884. 1. Jahrgang. find die Auspicien beffer, als die für die Silber- Angelegenheit.| faffe auf, nahm Geld heraus und ging wieder nach der WohnDer Bundessenat ist bereits darüber in Diskuffton getreten, unter Bugrundelegung der Lowell- Bill, welche von der Geschäftswelt im Allgemeinen indossirt wird. Lokales. Eine Sigung der Stadtverordneten- Versammlung findet in dieser Woche nicht statt. Das Darniederliegen unseres Exporthandels, welchem Umstand nicht zum wenigsten die unbefriedigende Gesammtlage des Geschäfts beizumessen ist, wird durch die uns jezt vorliegenden offiziellen Angaben der Ausfuhr von Brodstoffen T. Die Asphalt- Transport- Wagen, welche so lonstruirt und Provisionen im vorigen Monat deutlich illustrirt. Der find, daß die Asphaltmaffe in einen Behälter tochend erhalten Totalwerth des Exports von Brodstoffen hat nur 10 458 466 wird, auf einem in einem hohen Schornstein auslaufenden Doll. gegen 17 841 882 Doll. im März 1883, von Pro- Feuerherde, während der ganze, äußerlich lokomotivähnliche pifionen nur 5610 905 Doll. gegen 10 434 325 Doll. bes fragen Ein Vergleich für die ersten 3 Monate 1884 und 1883 ergiebt: Brodstoffe Provifionen 1884 Doll. 32 827 514 21 657 582 Busammen Doll. 54 485 096 Für die ersten drei Quartale des Fiskaljahres 13 Vergleich nicht ganz so ungünstig: Brodstoffe Gas Provifionen 1883 49 450 469 31 205 190 80 665 659 stellt sich der stube. Zwei Gäste, die in einer dunklen Ecke des Ladens saßen, hatten den Kaffengriff bemerkt und fragten den Wirth bei sei nem Eintreten, ob die alte Dame das Recht habe, Geld aus der Kaffe zu nehmen. Der Gefragte war im ersten Augenblick verblüfft, dann aber rief er die Verdächtige, die sich im höchsten Grade empört stellte, daß man ihr einen Diebstahl zutrauen tönne. Die beiden Gäste waren aber ihrer Sache zu gewiß und bestanden, um nicht selbst in den Verdacht des Diebstahls zu kommen, darauf, daß ein Schußmann zur Visitation der Alten ge holt wurde. Der Beamte fand in ihrer Kleidertasche nichts weiter als ein Taschenmesser, welches der Wirth an einer abgebrochenen Klingenspipe als sein Eigenthum erkannte. Die alte Frau erflärte, fie habe das Meffer nur eingesteckt, um es auf dem Kirchhof zu benutzen. Darauf bekam fie plöglich Bahnschmerzen und ging nach der Küche. Nach ihrem Wiedereintritt fam auch bald die Köchin und flüsterte ihrem Herrn zu, fie habe gesehen, wie die Frau Inspektor etwas aus dem Mund genommen und unters Holz gelegt habe. Sie, die Köchin, habe gleich darauf nachgesehen und 11 Mart gefunden, die fie dem Wirthe übers brachte. Jezt behauptete nun die Besucherin aus der Papenstraße, die Köchin werde wohl selbst das Geld bei Seite gebracht haben und benuge nun die Gelegenheit, um die gefähr lichen Silberstücke mit guter Manier wieder los zu werden. Der Schußmann nahm nun die Frau Inspektorin, die, nebenbei bemerkt, das 70. Lebensjahr schon überschritten, mit nach dem Polizeiamt und von dort wurde, wie die B.- 3." erzählt, Der Staatsanwalschaft zur weiteren Verfolgung der Sache AnApparat von Pferden fortbewegt wird, gehören zu den bedentlichsten Erscheinungen in unseren Straßen. Mitten in dem Wagengewühl bewegen sich diese rauchenden Gefährte mit ihren glühenden Feuerheerden und dem kochenden Inhalt des Kessels; fede Karambolage mit solchem Wagen fann verhängnißvoll werden. Einen fleinen Vorgeschmack, was durch solchen Asphaltwagen herbeigeführt werden kann, hatten die Baffanten geftern früh am Morigplaz zu beobachten Gelegenheit. Eine mit Kornfäcken hochgethürmte Fuhre verlor einige der gefüllten Säcke, die sich öffneten, wodurch das Korn zu Boden fiel und hierbei sich auch über das Pferd eines solchen Asphaltfuhrwerks ergoß, das, ein fräftiges und erregbares Thier, eine ganz unver fennbare Neigung zum Durchgehen an den Tag legte, moran es nur durch schnelles Buspringen einiger beherzter Männer gehindert wurde. Man stelle sich aber einmal die Folgen eines folchen, doch immerhin leicht möglichen Falles vor, welches Un- zeige gemacht. heil müßte ein solches dahintasendes Fuhrwert mit der fochenden Asphaltmasse und dem Feuerbrande anrichten? Auch auf großen Rollwagen fieht man nicht selten geheizte Asphaltfochapparate transportiren, bei denen dann die erwähnte Gefahr natürlich noch größer ist. Hoffentlich genügen diese Andeutungen, um für den Straßenverkehr die erforderlichen Sicher das Kind in den Brunnen gefallen ist. g. Vor dem Hauptpoftgebäude in der Königstraße ereignete fich gestern Nachmittag durch das unfinnig schnelle Fahren eines Schlächterfuhrweils ein bedauerliches Unglück, das, um endlich einmal in Bezug auf dies ruchlose Verfahren einErempel zu statuiren, eine ernste Strafe des Uebelthäters erfordert. Der Bostbeamte M. war mit einem Freunde gerade aus dem Portal des Hauptpoftgebäudes auf das Trottoir getreten und wollte, nachdem er sich von dem Freunde verabschiedet hatte, den Straßendamm überschreiten, als in schnellster Carriére ein Schlächtergefährt daherkam, dessen Pferd den M. zu Boden schleuderte, worauf der Wagen über den Unglüdlichen hinwegging. M., der besonders an der rechten Seite des Körpers von Den Rädern gestreift wurde und hierdurch starke Verlegungen im Geficht und am Halse erlitten hatte, wurde in die Pförtnerstube des Hauptpoftgebäudes getragen, worauf man den Heilgehülfen Höfer von der 1. Sanitätswache herbeirief, der dem Verlegten die erforderliche Hülfe leistete und die weiteren Anordnungen traf. Der Kutscher, der das Unglück verschuldet, wurde festgehalten und seine Personalien notirt. 1883/84 1882183 Doll. 120 798 940 167 273 025 83 375 160 77 431 423 Bufammen Doll. 204 174 100 244 704 448 Die schlechten Beiten, denen unsere Handelswelt seit der weiten Hälfte 1881 unterworfen gewesen, werden fich in dieser Beziehung ersprießlicher erweisen, als die vorangegangenen Jahre überſtürzter, wenn auch mit augenblicklichem Erfolge gefrönter Spekulation. Jedermann ist vorsichtiger in seinen Unternehmungen geworden und jezt zu Betrachtungen veranlaßt, welche Gründe die Reaktion herbeigeführt haben. Da tritt ihm vor allem vor die Augen, daß die Bafts aller Werthverhältnisse in den Vereinigten Staaten auf ein niedriges Niveau herabtommen muß, um sie auf die Dauer im Welthandel tonfur- heitsmaßregeln zu veranlassen und nicht erst zu warten, bis renzfähig zu machen. Ist der Farmer und Arbeiter im Stande, fich feine Lebensbedürfnisse billiger einstellen zu können, zu welchem Bwede es dringend einer graduellen Abschaffung Der Bölle bedarf, in erster Linie derjenigen auf alle Roh materialien und die auf Lurusartikel ausgenommen, so wird der Eine auch feine Produkte billiger abgeben und der Andere feine Arbeit zu niedrigerem Lohnsatz verrichten können. Nimmt unser Land ferner in gleichem Verhältniß an Bevölkerung zu, wie es dies in den legten Jahrzehnten gethan, so werden wir so wie fo bald aus der ersten Etappe unserer Entwickelung herauskommen, und anstatt der Ackerbau- und Viehzucht- Probukte, die alsdann im Lande selbst zum Consum gelangen werden, die Industrien auf eine derartige Vervollkommnung bringen müssen, um deren Erzeugnissen am Weltmarkte die jezt noch von ersteren Produkten eingenommene leitende Stellung zu verschaffen. Darin liegt die zukünftige Ge staltung unserer Prosperität, und dafür bieten uns die reichen Ressourcen unseres Landes begründete Aussicht. Andere ebenso wichtige Punkte bieten sich bei einer Untersuchung der Gründe der jegt herrschenden Geschäftscalamität bar. Das Monopolwesen, befördert durch Concentrirung enormer Capitalien in wenig Händen, hat zu tiefe Wurzeln bei uns gefchlagen. Schon hebt eine im Bewußtsein ihres Rechts immer mächtiger anwachsende Bewegung im Lande ihr Haupt zur Stürzung aller corrupten Politiker, und die Söhne reicher Leute werden mehr dazu erzogen, gemeinnügigen Studien und Beschäftigungen obzuliegen, als ausschließlich auf die weitere Vergrößerung der väterlichen Schäße zu finnen. Je mehr die Anbetung des allmihgty dollar" als einzigen Gottes verschwindet, um so cher werden unsere wirthschaftlichen und socialen Verhältnisse fich erfreulicher gestalten. Dann ist es die feit Febrruar 1878 im Schwunge befindliche Prägung von Silber- Dollars, deren Einstellung oder wenigstens temporäre Suspendirung jedem nicht am Silberschwindel Interesfirten fich als unbedingte Nothwendigkeit ergiebt. Leider trifft der Kongreß, trop aller ihm von Lompetenter Seite gemachten Vorstellungen über die Gefahren, welchen er das Land durch Säumniß in der Sache auslegt, feine Anstalten, in der jegigen Session Abhilfe zu Schaffen. Auch das Verlangen nach einem nationalen Bankerott Gesez tritt immer stärker auf. Für baldigen Erlaß eines solchen Der Tyrann. N. Von den Singhalesen. Circa tausend Waisenkinder und fünf tausend Schultinder besuchten im Laufe des gestrigen Vormittags die Hagenbeck'sche Singhalesen- Karawane im naffen Dreieck des Ausstellungsparks. Der Besuch war gestern in Folge des günstigen Wetters ein ganz überraschender; bis zum Abend hatten 12 000 Erwachsene die Kaffen und Kontrollen paffirt. Da die braunen Gäfte unwiderruflich Berlin Ende dieser resp. Anfang nächster Woche verlassen, so dürfte allen Denjenigen, denen es bisher noch nicht vergönnt war die Singhalesen zu sehen, dringend anzurathen sein diesen Besuch schleunigst nachzuholen. Frau Inspektor Langfinger. Zu einem Restaurateur in der Pionierstraße tam öfter eine alte Dame zum Besuch. Sie fannte den Eigenthümer des Geschäfts noch von der früheren Wohnung und wurde immer freundlich empfangen. Daß fie durch alle Wohnräume und auch in den Laden ging, um, wie sie sagte, sich die Einrichtung anzusehen, fiel Niemand auf. Die Frau Inspektor", wie fie fich nennen ließ, galt hier ge wiffermassen als Respektsperson. Gestern tam sie wieder zum Besuch; als sie sich unbeachtet glaubte, zog fie schnell die Ladenes ist. Des Morgens hat er bis fteben Uhr Geduld und verhält sich in dem Nebenzimmer, wo er die Nacht zubringt, ganz ruhig. Wenn aber nach Sieben Niemand erscheint, der den Käfig in mein Bimmer trägt, fängt er an zu schmettern, daß Einem die Dhren gellen. ( Ein Beitrag zum Umgang mit Kanarienvögeln.) Kleine Tyrannen find ärger als große; diesen kann man im schlimmsten Falle aus dem Wege geben, jenen aber ent rinnen wir nicht, zumal wenn fie die Macht ihrer Herrschaft Es ist ein fast allgemeiner Wahn, daß die Vögel, wenn fie aus fingen, luftig seien; gerade das Gegentheil ist der Fall, denn sie So geht es mir mit meinem Kanarienvogel. Schon lange fingen, um einem Verlangen oder einem Merger Ausdruck zu geben, hätte ich diesem gelben Geschöpf in der Entrüftung über sein unqualifizirbares Benehmen und seine Herrschsucht was an gethan, aber ich bringe es nicht über's Herz, faffe mich in den schändlichen Kerl sehr lieb. Wir befizen ihn nun schon 5 Der Beit ein angenehmes, in allen Beziehungen ausgeglichenes Busammenleben gestaltet habe. Doch dies und der einsame Kanarienvogel, der keine Gefährtin hat, singt, um eine herbeizulocken, den ganzen Tag und es blutet ihm das Herz dabei, und wenn am Abend, trop seines Schreiens, noch immer feine erscheint, steckt er das gelbe Köpfchen voll Gram unter sein Gefieder. Ich finde es erbarmungslos, einen Kanarienvogel allein au laffen. Allerdings geht er, zu Jahr wird er übermüthiger und rücksichtsloser und ift feineswegs der Fall; im Gegentheil, von Jahr führt sich manchmal ich kann den Ausdruck nicht vermeiden wie eine Bestie auf, so daß ich, wenn größerer Verdruß will davon, obwohl mein Herz vor Unmuth pocht, in Gelaffen- vorhanden ist, und man hat da nichts Eiligeres zu thun, heit berichten und nichts als die Wahrheit sagen. Wie er mir mein Leben verbittert, will ich gleich sagen. Er verlangt, daß ich mich immerfort in der Nähe seines Käfigs es ist ein großes, langes Vogelhaus, in deffen einer Ede jezt sein Weibchen mit ausgespreiztem Gefteder und schwer athmend fist und brütet aufhalte und mir, ihm ganz einerlei womit, zu schaffen mache. Die Langweile soll ich ihm vertreiben, dazu bin ich gerade gut genug. Aber es geht ja doch nicht immer, ich habe meinen Beruf, wie er den was er Ton angeben zu fönnen. Mein winziger gelber Vogel glaubt, im Hause den Er hat Alles, geräumigen Käfig, in dem braucht, einen er fich wie zu Hause fühlt, eine niedliche Gefährtin mit den Stirniransen, die jest so modern find, hochquellenwaffer zum Baden und zum Trinken, neben seinem gewöhnlichen Futter alle Leckerbiffen, die nur irgend ihm zuträglich find, wie Salat, Radieschen, Eier, Obst und junge Hanfstengel, die er mit Leidenschaft verzehrt und die ich eigens für ihn züchte. Bei alledem ist er doch nicht zufrieden, denn sein Hauptverlangen, N. Ein recht gefahrboller Brand fand gestein Abend in der 9. Stunde auf dem Grundstück Dresdenerstraße 80 statt. Hier befindet sich auf dem zweiten Hofe im Keller des Quergebäudes die chemische Fabrit von E., die sich speziell damit beschäftigt, Stoffe unverbrennlich zu machen. Bei Herstellung der nöthigen Präparate war gestern Abend plöglich der in einem Refsel befindliche Lack übergekocht, in Folge deffen der ganze Keller in Flammen gerieth. Die herbeigerufene Feuerwehr hatte mit einer Dampfspriße 1 Stunde zu löschen, während die Aufräumungsarbeiten fich über 1 Stunde hinzogen. Ein zweites Feuer fand in der elften Stunde auf dem Grundstück Landsbergerplay 1 statt. In der dort in der britten Etage belegenen Wohnung eines Schneidermeisters Grzeszek waren Betten und Mobiliargegenstände in Brand gerathen. Die sofort herbeigerufene Feuerwehr hatte mit dem Ablöschen nur furze Zeit zu thun. g. In Folge Genusses einer schlechten Gans find vor Kurzem fünf Personen einer in der Klosterstraße wohnenden Familie an der Ruhr erkrankt. Zuerst stellten sich die Krankheitssymptome bei nur zwei Personen ein, dann erkrantten aber auch noch die übrigen drei Personen, welche von dem Gänsefleisch genossen hatten. Die Patienten befinden sich gegenwärtig noch in ärztlicher Behandlung. N. Sturz von der Treppe. Das Haus Gollnowstr. 40 war gestern Abend der Schauplag eines beklagenswerthen Unglüdsfalles. Ein unbekannter anständig gekleideter Mann, der fich aus noch nicht ermittelter Veranlassung auf i zu thun machte, hatte dort, obwohl die Treppe g leuchtet gewesen sein soll, das Unglück fehl zu tret Treppe herabzustürzen. Er erlitt dabei so schwere Ve daß er in bewußtlofem Bustande auf der Erde I funden und nach dem Städtischen Allgemeinen Kra geschafft werden mußte. Wer der Unbekannte war, wa nicht zu ermitteln, da er feine Legitimationspapiere führte. Gerichts- Zeitung. Ein Referat über eine Gerichtsverhandlung la einer Privattlage der Wittwe Marie Louise John gegen den Redakteur der Freien Zeitung", Gustav Baeder, zu Grunde, welche heute vor der 98. Abtheilung des hiesigen Schöffengerichts verhandelt wurde. Am 21. April d. J. wurde gegen die Klägerin eine Anklage wegen Beleidigung des Sefretärs Agte von der Sittenpolizei verhandelt, welche mit der Verurtheilung derselben zu 150 M. event. 15 Tagen endete. Ueber diese Verhandlung brachten die hiesigen Blätter, darvon denn erstens möchte der Tyrann über eine so schnöde Maßregelung rasend werden, auch seinen Born an dem Weibchen auslaffen, und zweitens könnte dieses, durch die ungewohnte sein wüthendes Toben scheu gemacht, Umgebung und und den Eiern aufspringen fich nicht wieder darauf niederlassen. Daher bleibt mir feine Wahl. Sobald ich mich angekleidet habe, gehe ich in mein Bimmer und dann wird der Käfig gebracht. Er hat seinen Blag vor einem Fenster, durch das die Morgensonne, von Schlinggewächs und andern traulichen Blätterpflanzen in einen durchfichtig grünen Schleier umgewandelt, hereintommt. Das gefällt dem Gnädigen. Er wirft mir einen Seitenblick mit dem Ausdruck der allerhöchsten Befriedigung zu, sucht sich dann einen Plaz aus, wo die Sonne doch noch rein durch die Blätter bricht, läßt fie fich auf dem Buckel scheinen, bläht fich auf, zieht den Kopf in den Kragen hinein und blinzelt dabei mit den Augen, den verdächtigen. Nebenbei gefagt, bat er über zehnerlei Arten, mich anzublicken: bittend, manchmal furchtsam, liebevoll, zufrieden, sogar dankbar, minder zufrieden, gleichgültig, verschmißt, geringschäßend, mit falter Kritif, in souveräner Herablaffung; dann wieder verlangend, Salat heischend, Kirschen fordernd, zornig, wenn fie nicht sogleich herbeigebracht werden, voll Migachtung und vernichtend. wenn er ein Weibchen hat, nicht immer gar sanft mit ihr um. Mein Tyrann behandelt seine Gefährtin nicht viel besser, als er mich behandelt; zuweilen macht er fie fürchterlich herunter und wenn er vor Born außer sich kommt, werden seine Töne raub und träbend, so namentlich im Frühling, wenn er glaubt, daß die Zeit, das Nest zu bauen, gekommen sei. Dann mißt er ihr offenbar die Schuld zu, daß lein Material zum Bau als in der Ede des Käfigs einen fleinen, mit Beug ausgefütterten Korb anzubringen mit allerhand Flaum von Linnen und Wolle. Dann ist er rubig, giebt sogar seinen Zon höchster Befriedigung von fich, der ganz futs!" lautet. Gobalo das Nest gut befestigt ist, springen beide auf dessen Rand, blicken hinein, wenden den Kopf hin und her, betrachten es abwechselnd mit dem linken und dem rechten Auge und reden mit einander. Daß die Vögel sich durch Töne verständigen, daran ist kein Zweifel; ich selbst lenne bei meinem Baar ungefähr 20 Töne, die ebensoviel verschiedene Angelegenheiten bedeuten, wie viel mehr müssen dem Paare nicht unter fich zu Gebote stehen, deren Verständniß mir verschloffen bleibt. Aber alle diese Töne find nur furz im Verschnitt gewidmet wird. Da wartet er nicht die fünf Minuter gleich zu dem langgezogenen Singen und Schmettern, das, wie gefagt, mit Unrecht als Ausdruck der Fröhlichkeit hingenommen wird. Wenn die Vögel zufrieden sind, lassen sie wenig von fich hören. Also um sieben Uhr muß ich aufstehen, ob ich noch so spät in der Nacht gearbeitet oder aus einer Gesellschaft heim gelommen bin. Darauf nimmt er feine Rücksicht. Es heißt bas aber natürlich nicht immer erfüllt werden kann, besteht daher gute Miene zum bösen Spiel machen und gehorchen. eben darin, daß ich mich nicht weit von seinem Käfig entferne. Was ich dabei platterdings nicht begreifen kann, ist, daß er zu verschiedenen Stunden des Tages genau weiß, wie viel Uhr Hier könnte Jemand sagen, man würde sich ja leicht dadurch helfen, daß man den Käfig in eine entlegene Stube trägt, aus der das Betergeschrei nicht herüberschallt; allein das geht nicht, Ich bin froh, daß der gelbe Knirps hinter Schloß und Riegel figt und ohne meinen Willen aus dem weißladirten Gitter nicht her vor fann, sonst würde es mir vielleicht einmal übel genug ergehen. Während er sich mit aufgefträubtem Gefieder sonnt, muß ich die Ruhepause zum Frühstück benußen, das ungefähr fteben Schritte von seinem Käfig aufgetischt wird. Mich dabei niederzulaffen, gibt er mir durchschnittlich fünf Minuten Zeit. Dauert es länger, so springt er von seinem sonnigen Play weg, fommt vorn an das Gitter, pfeift mich an und gibt nicht eher Ruhe, als bis ich aufstehe. Nur wenn zum Frühstüd Eier aufgetragen werden, macht er eine Ausnahme, denn er er fennt sie sogleich von ferne und weiß, daß ihm der erste An ab, sondern springt sogleich auf und ist von dem ihm hinein gelegten Stück abwechselnd aus dem Weißen und dem Gelben. Shm zuliebe laffe ich mir die Eier nicht fernweich fochen, wie ich ste mag, sondern mehr hart, nach seinem Willen. Was fol man thun, wenn man Frieden haben will in der Welt! Die Beitung und meine Bücher muß ich in der Nähe seines Käfigs lesen, sonst ist das Unglück fertig; dabei blickt er mich forschent an, ob ich wohl wagen werde, vom Seffel aufzustehen. Weh mir, wenn ich im Hintergrund der Stube, wo die Bücher stehen oder im Nebenzimmer zu thun habe und mich dort län ger als eine halbe Minute aufhalte; dann macht er mic unter die angeklagte Zeirung, einen Bericht, in welchem die Verurtheilte als„zur Prostitution gehörig" bezeichnet worden war. Durch diese Angabe fand sich Frau John in ihrer Ehre auf das Schwerste gekränkt und strengte die obige Klage gegen Baccker an. Im Termine konstatirte der Vorsttzende aus den Personalien der Angeklagten, dnjj dieselbe am 14. Novbr. 1883 wegen gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Kuppelei bestraft sei, und Polrzei-Sekretär Agte bekundete, daß die Prioatklägerin jetzt noch mit Dirnen in Verbindung stehe. Rechtsanwalt S a ch s�als Vertheidiger des Angeklagten beantragte Freisprechung destelben, da der Beweis der Zu- gchörigkeit der Klägerin zur Prostitution in ausreichender Weise erbracht sei. Diesem Antrage entsprach der Ge- richtshof. a. Reichsgerichtsentscheiduna. Auf die gesetzlich zulässige Zeitdauer der Tagesbeschäftigung eines jugendlichen Fabrikarbeiters im Fabrik- betriebe ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Straf- senats, vom 20. Juni 1884 nicht nur die unmittelbar der Her- stellung von Fabrikaten dienende Arbeit, sondern auch jede andere, den Zwecken des Fabrikbetriebes außerhalb der Fabrikräume dienende Thätigkeit, insbesondere auch die vcrbeischaffung von Arbeitsmaterial, da- Heraufholen von Nahrungsmitteln, die von den Arbeitern ii den Fabriken ver- zehrt werden, und auch das in den merkantiiischen Betrieb der Fabrik fastende Austragen von Recknungen, einzurechnen. Dagegen ist eine in der H a u s w i r t h s ch a f t des Fabrik- Herrn stattfindende Beschäftigung des jugendlichen Arbeiters nicht einzurechnen. Uermisclttes. Zur Sklaverei in Brasilien schreibt man aus Rio de Janeiro, Ende Juli: Die Frage der Sklaoenemanzipation, diese für die Zukunft Brasiliens und seine vitalsten Jnteresien höchst wichtige Ange- legenheit, beherrscht inner- und außerhalb des Parlaments die ganze Situation. Diese Frage war es, die zu großem Theile den Sturz des letzten Kabinets verschrildete, einen maßgebenden Einfluß auf die Bildung des gegenwärtigen Ministeriums aus- übte und schließlich die Auflösung der Kammer verursachte. Den unmittelbaren Anlaß zur jetzigen mächtigen Bewegung gab die Aufhebung bei Sllavere, in der Provinz Ceara. Vor erwa Vi' Jahren wurde nämlich von einer unbedeutenden Ge- meinde jener Provinz der Beschluß gefaßt, keine Sklaven mehr unter sich zu dulden und dies war der Ausgangspunkt zu einer Propaganda, die immer größere Dimensionen annahm, nach und nach die ganze Provinz Ceara ergriff und schließlich in der Abschaffung der Sklaverei in derselben, die am 25. März dieses Jahres verkündet wurde, gipfelte. Diese Maßregel, so freudig sie auch vom philantropischen Standpunkte aus begrüßt werden mußte, entbehrte der gesetzlichen Grundlage, indem sich eine Provinz ein Recht anmaßte, das nach der Konstitution in die Kompetenz des Parlamentes, respektive der Reichsregierung gehört. Das Mimsterium Lafayette wurde denn auch wegen dieses Gewährenlaffens heftig angegriffen, ihm Mangel an Thatkrast vorgeworfen, und ist sein Fall, wie schon gesagt, theilwcise seiner Haltung in der Sklavenfrage zuzuschreiben. Der Stein war aber in's Rollen gerathen, das Beispiel Ceara's fand Nachahmer, so in der Provinz Amazonas und die Abolitionisten drangen immer lauter auf eine beschleunigte Durchführung der Emanzipation. Das neue Kabinet Dantas mußte nothgedrungen zu dieser Frage Stellung nehmen, und der Konseilspläfidcnt erklärte zu verschiedenen Malen, es sei die Abficht der Regierung, die Lösung des Problems in An- griff zu nehmen. Bald legte denn auch das Kabinet der Kam- wer ein Projekt vor, demzufolge jeder Sklave die Freiheit er- hält: 1. durch das erreichte 60. Lebensjahr, 2. durch die unter- lasiM.Jmmatrikulation, 3. durch den Emanzipationsfonds, zu dessen Gunsten neue Abgaben kreditirt werden, 4. durch den le- gasen sLechsel seines Aufenthaltes von einer Provinz zur an- deren JW» 5. durch andere Verfügungen Das Kabinet, welches in dieHr Frage die Krone hinter sich hat, die deren gedeih- �che Lösung mit ihren wärmsten Wünschen begleitet, erklärte sdr.ücklich, daß es mit diesem Projekte stehe und falle; ht-vdestoweniger wurde in der Sitzung vom 28. Juli \J Motion, dahin lautend:„die Kammer mißbillige das Pro- x der Regierung über die Sklavenfrage und verweigere der- VN ihr Vertrauen", in namentlicher Abstimmung mit einer .ajorität von 7 Stimmen angenommen und das Ministerium i s>it in die Unmöglichkeit versetzt, mit dieser Kammer weiter zi regieren. Nach Vernehmung des Staatsrathes wurde also von der Krone die Auflösung der Kammer beschlossen. Die ver- fügte Auflösung fällt insofern weniger ins Gewicht, als ihre Thätigkeit ohnehin in den ersten Tagen des Septembers ihr Ende erreicht haben würde, sie gewinnt aber dadurch an Be- Äeutuna, daß sie über die an höchster Stelle herrschenden An- sichten keinen Zweifel aufkommen läßt und in unzweideutiger Weise deren Wunsch zu erkennen giebt, die Sklavenfrage nach herunter als einen Pflichtvergeffenenen, der nicht auf seinen Posten bleibt. Ich habe schon erwähnt, daß er genau weiß, wie viel Uhr es ist und daß ich mich nicht genug darüber wun- dem kann. Punkt neun Uhr verlangt er frischen Salat i wer um diese Zeit mit leeren Händen ins Zimmer tritt, der hat es mit ihm zu thun; er schreit ihn fürchterlich an und ruht nickt eher, als bis man ihm die Salatblätter zwischen die Stäbe des Gitters steckt. Dann ißt er in seiner zierlichen Weise davon, giebt eine Zeitlang Ruhe, füttert auch sein Weibchen, das immer Itill auf den vier grünlichen Eiem im Neste sitzt. Sein Schwei- tern und Schreien stört sie weiter nicht, denn sie weiß, daß es mich angeht. Er sieht nämlich Jeden, der seinen Unwillen erregt oder von dem er etwas verlangt gerade ins Geficht, gegebenenfalls auch sie. Doch während des Brütens behau- delt er sie zumeist voll Rücksicht. Wenn er genug von dem Salat gegessen hat, will er aus dem Käfig heraus. Zum Zeichen setzt er sich unten auf die Sprosse in der Nähe seiner Pforte und blickt mich an. Dann muß ich schnell die Thüreu und Fenster des Zimmers schließen und die Pforte des Käfigs öffnen, damit er wie ein Wilder im Zimmer herumfliegen kann. Nach einer Weile mag er das nicht mehr und fliegt in den Käfig zurück, wo er sich am wohl- sten und sichersten fühlt. Bald darauf fängt er eine fürchter- liche Wirthschaft mit seinem Trinkwasser an, indem er es mit dem Schnabel herausspritzt, so daß die Tropfen in der Nach- barschaft herumfliegen; damit gibt er zu verstehen, daß er sich baden will. Dann wird ihm Vre Badewanne gebracht, worin er sich mit den Flügeln überplätschert. Sobald er damit fertig isi, springt er auf erne der oberen Sprossen und sitzt dort wie ein begossener Pudel oft eine halbe Stunde, ohne einen Laut von sich zu geben, so daß ich Gott sei Dank doch ein wenig zur Ruhe komme. Aus dem Vorgebrachten wird man erkennen, daß es ihm an nichts fehlt und daß Alles geschieht, was ihm nur an den Augen abzusehen ist, und doch kennt seine Herrschsucht keine Grenze. Er weiß genau, um wie viel Uhr ich Vor- mittags fortzugehen und Nochmittags nach Hause zu kommen pflege. Früher hat er gegen das Fortgehen auch wohl etwas einzuwenden gehabt und dies durch furchtbares Schreien ausgedrückt, allein diesen Widerstand hat er mit der Zeit aufgegeben, weil er offenbar merkte, daß er ihm nichts nütze. Wehe mir aber, wenn ich einmal eine halbe Stunde früher fortgehe oder später nach Hause komme; ja dann ist es, als ob ihm himmelschreiendes Unrecht widerfahre; er geräth in förmliche Raserei und kann sich lange nicht beruhigen. Drohe ich ihm dabei mit dem Finger und rufe ihm zu:„Entfamter Windhund, sei ruhig!" so schweigt er wohl einen Augenblick, den Ideen des gegenwärtigen Kabinets gelöst zu sehen. Die Kammerauflösung schien aber auch um so mehr geboten, als der Rücktritt des Ministeriums und die Berufung von Männern der entgegengesetzten Partei angesichts der erregten öffentlichen Meinung und der Hoffnungen, die in den Herzen von einer Million Sklaven angefacht worden waren, leicht zu bedauerns- werthen Ausschreitungen hätten Veranlassungen geben können. Hoffentlich wird es gelingen, diesen Schandfleck der Menschheit, die Sklaverei, auch in Brasilien zu beseitigen. Entsetzliche Brutalität. Vom Lande, 1. Septbr, wird dem„Banr. Kur." geschrieben: Eine seltene Rohheit und Un- Menschlichkeit bewies der Biindlbauer von Weilenbach, k. B.-A. Schrobenhausen, Namens Buchberger, an seinem 14jährigen Diestbuben I. Freundl von Rettenbach, welch' Letzterer nicht blos sehr arm, sondern auch deshalb sehr mitleidenswerth, weil dessen Eltern wegen Brandstiftung sich in Hast befinden. Ob- wohl nun der Knabe möglichst bestrebt war, allen Obliegen- heiten nachzukommen, wurde er von dem Bauern doch mit Hunger und Schlägen traktitt. Vor 14 Tagen nun schien der Bauer besonders aufgeregt und schlug den Knaben angeblich wegen schlechten Viehhütens auf dem Felde mit einem Pflug- stecken derart, daß er bewußtlos niedersank. Der Bauer führte den Knaben heim mit dem Bemerken, er habe die„fallende Krankheit". Da sich aber die Bewußtlosigkeit nicht wieder verlor, so setzte die Tochter des Bauern die Mißhandlungen fort und wollte mit Gewalt den„trotzigen Buben" zurechtweisen. Doch es half nichts! Endlich sah man sich genöthigt, den Geistlichen zu rufen und dieser konnte nur mehr das heil. Sakrament der Oelung spenden, mit dem weiteren Auftrage, einen Arzt zu rufen. Der Arzt ordnete die Verbringung des Armen in das Krankenhaus schrobenhausen an, was der Bauer wieder in der rohesten Weise desorgte, indem er den Kranken im schnellsten Trabe und ohne alle Bedeckung fuhr, so daß dieser den heißen Sonnensttahien ausgesetzt war. Am 27. August starb der Knabe, ohne irgend welche Aufklärung geben zu können; er nahm weder Speise noch Trank zu sich und gab seinen Schmerzen nur durch ein leises Stöhnen Aus- druck. Am 29. August wurde der Bauer Buchberger in die Frohnfeste abgeliefert und mußte am gleichen Tage mit seiner Tochter der Sektion beiwohnen, bei welcher er sich sehr gleich- giltig zeigte. Die Sektion ergab einen Bruch der Wirbelsäule und den eines Fußes, aus welcher Thatsache die Größe der Mißhandlung hervorgeht; außerdem war der ganze Körper mit Blut unterlaufen und so abgemagert, daß man buchstäblich nur mehr Haut und Knochen sehen konnte. Der Bezirksarzt von Aichach war so gerührt, daß er die Thränen nicht ver- bergen konnte, und äußerte sich auch, daß er nie Derartiges erlebt habe. Die anwesende Volksmenge äußerte auch den höchsten Unwillen über diesen Unmenschen und würde bei ge- nnger Bewachung desselben jedenfalls Lynchjustiz geübt haben. Der Bauer sitzt gegenwältig in Untersuchung, die Tochter wurde freigelassen. iUnd solchen Scheusalen giebt man hüls- lose Kinder in Pflege! In die Konditorei des Cas«* Felsche zu Leipzig trat vor einigen Tagen ein ehrsamer Provinzialer mit seiner Ehehälfte ein und forderte schüchtern zwei Tassen Kaffee- Das zaghafte Benehmen dieses für solche Räume etwas seltenen Pärchens ließ leicht erkennen, daß dasselbe sich hier fremd fühlte und nur in Folge einer leicht verzeihlichen Neugierde eine größere Konditorei aufgesucht hatte. Daß den Beiden der braune Saft trefflich mundete, bewiesen die zufriedenen Mienen derselben; dagegen schienen die üblichen Gläser mit Waffer ihr Mißtrauen herauszufordern, denn sie musterten die harmlosen Wasserbehälter mit ganz eigenthümlichen Blicken. Aber das Ehepaar ward über den Zweck derselben sich bald klar. Die Tassen dürfen doch wohl in einer so feinen Konditorei nicht ungereinigt dem Besitzer zurückgegeben werden! Wozu hätte denn auch der weißbeschürzte dienstbare Geist gleich das Wasser mitgebracht? Nach genossenem Kaffee nahm„Mutter", einen verständnißinnigen Blick auf„Vätern" werfend und einen dito zurückerhaltend, das Glas zur Hand und— spütte mit dem Wasser die Kaffeetassen fein säuberlich aus, welcher Arbeit das umfitzende Publikum und die Kellner mit großem Vergnügen zusahen. Wenn das reinliche Pärchen daherm von den Wun- dern einer Leipziger Kondttorei erzählt, dann wird„Mutter" jedenfalls das Mirakel verkünden, daß man in denselben das Waffer zum Reinigen des benutzten Geschirrs gleich mit- erhält Eine lebende Leiche. Bei einem Streit erhielt ein Bauer des Dorfes N. im Gouvernement Nowgorod von seinem Wider- sacher, den er angefallen hatte, einen Bcilhieb in die Brust, der ihm mehrere Rippen einschlug und sogar die Lunge ver- letzte. Der aus einer Entfernung von ca. 100 Werst herbeigeholte städtische Arzt fand den Zustand des Kranken be- sorgnißerregend, ja hoffnungslos. Da der Verwundete in Anbetracht des Umstandes, daß er der Angreifer gewesen war, seinen Angreifer gar nicht anklagte, so wurde von einer gericht- lichen Verfolgung desselben Abstand genommen. Da der Zu- stand des Kranken in der Folge als hoffnungslos sowohl von setzt darauf aber um so heftiger ein, so daß mich zuweilen daS Trommelfell schmerzt. Vor den Hausgenossen fürchtet er sich nicht; er weiß, daß sie ihm nichts thun, schlägt der her alle Ermahnungen zur Ruh« in den Wind. Der Ein- zige, vor dem er Angst hat, ist der Flederwisch; diesen hält er der langen Federn halber offenbar für einen Raubvogel, verstummt, wenn er ihn sieht, macht sich ganz dünn vor Furcht und wird blaß im Gesichtet) Um ihn nicht unnöthigerweise in Angst zu versetzen, habe ich Auftrag ge- geben, mit dem Flederwisch so selten wie möglich in seine Nahe zu kommen oder, wenn es doch geschehen muß, den Käfig zu verdecken, damit er den Schrecklichen nicht sieht. Dieser giebt aber das einzige Mittel an die Hand, ihm Respekt beizubringen, und ich habe mich seiner, wenn auch mtt Betrübniß, zuweilen bedient, um Ruhe zu schaffen Ich arbeite am liebsten Abends und in der Nacht, doch kommt es auch manchmal vor, daß ich Vormittags zu schreiben habe. Aber das will der Tyrann nicht und schreit mild gräßlich an, wenn ich am Schreibtisch fitze Da sehe ich mich denn gezwungen, den Rohrstock mir hinter den Rockkragen zu stecken, so daß der Fcderduscb hoch über meinem Hauvte schwebt und bei der geringsten Bewe- gung schwankt. Dieser für ihn entsetzliche Anblick macht mein gelbes Herrchm verstummen und schafft mir Ruhe zur Arbeit. Aber, ist es nicht das traurige Ergebniß eines nun fünfjährigen Umganges mit diesem Knirps, daß ich zu solchen Mitteln meine Zuflucht greifen muß. um ihm Respekt einzujagen? Das hat man von all der Liebe und Güte! Nachdem ich nun aber mein Herz ausgeschüttet über die un- würdige Behandlung, welche dieses Geschöpf mir an- gedeihen läßt, will ich seine guten Eigenschaften nicht verschweigen, kann auch nicht umhin, offen anzuerkennen, daß seine Tyrannei ihren Grund in der Zuneigung bat, die er für mich hegt. Seine Freude, wenn ich komme, seine einschmeichelnden, liebevollen Töne, wenn ich mich nach seinem Willen aufführte, die Schönheit seines gelben Gefieders, seine klugen Augen, die Anmuth seiner Bewegungen und noch etwas, das ich nicht zu erglünden vermag, sind die Ursache, daß ich ihm immer wieder gut bin. mich um keinen Preis von ihm trenne und ihm alle seine Fehler verzeihe. Vielleicht legt er auch diese noch ab und dann wird unser VerhäUniß ein wahrhatt glückliches sein. lW. Allg. Ztg.). *) Ties ist keine Einbildung; er wird i batsächlich blaß vor eck; ich habe cd_ oft beobachtet. Das Blut maa aus b-m Schreck �.. WM.____ feinen Geädcr des Schnabels zurücktreten. dem Arzte als den Behörden erkannt wurde, fertigte dl Doktor, um nicht noch einmal den langen Weg aus der Stal machen zu müssen, sofort den Todtenschein und die Erlaub«'! zur Beerdigung des Bauern aus und fuhr heim. Dem Kreil- landschaftsarzte, der von dem Vater des Kranken herzugerus» wurde, gelang es aber, denselben durch sorgfältige BehandlM am Leben zu erhalten. Zufällig erfuhren der Arzt und betreffenden Behörden davon und forderten von dem Va des Genesenen den Todtenschein und die Erlaubniß zur erdigung des zu früh Todtgeglaubten zurück. Letzterer wei sich aber, solches zu thun, da er, des Lesens und Schrei unkundig, in den Papieren für ihn wichtige Dokumente vev muthet. Auf diese Weise, schreibt der Korrespondent. „Peterburgskij Listok". erfreut sich ein Mensch, der geseM todt ist, und dessen Körper laut Schein auf dem Dorfkirchhw ruht, seines Lebens. Aus dem Gerichtssaal. Vertheidiger(ein junger Rflp rendar, der die Spuren so zahlreicher Mensuren auf dem® wegungen einer Schlange im Wasser zuzusehen. Das Wasser ist an dieser Stelle 8 Fuß tief und man kann sich denken, welches gräßliche Durcheinander nun entstand, Balken, Bohle«, Köpfe, Arme, Mützen und Hüte, ein Jammern und Ohnmächtig' werden der herbeieilenden Mütter— ein furchtbarer Anblick- Glücklicherweise find durch Herren und größere Knaben, wei» letztere sich in einem Kahne befanden, alle, bis auf einen neu«' jährigen Knaben, der noch nicht aufgefunden, gerettet. Gedanken eines Sterbenden- Hauswirch(sterbend) Erhalten Sie mir doch das Leben bis zum nächsten Ersten. Arzt: Was haben Sie am Ersten? Hauswirth: Dann sind ja die Miethen fällig. Aus Schlesien schreibt man der„Köln. Volksztg.": Ei« höherer Offizier war unangenehm berührt, daß sein Sohn e>« schlechtes Zeugniß aus der betreffenden Gymnafialklasse n«« Hause brachte. Er schrieb deshalb„an den Eymnafiallchrn I. zu Z", er wünsche wegen des mangelhaften Zeugnmes Rücksprache mit ihm zu nehmen und sei täglich von 3- 4 UJ* zu sprechen. Der also angeredete Gymnastal-Oberlehrer schrt" in höflicher Form an den Offizier zurück, er habe gegen c>m Unterhaltung über das Zeugniß nichts einzuwenden und ser>« seiner Wohnung zur näher angegebenen Zeit zu finden. Dien« Brief hat der Offizier zum Gegenstande einer Beschwerde beim betreffenden Provinzial- Schulkollegium gemacht und als» hier abgewiesen wurde, hat er die Hilfe des Ministers rufen. Was für sonderbare Ansichten doch manche Leute die Stellung der Phllologen haben. Aus einer pommerschen Schult. Lehrer:„Was Dm« Kreis?" Friedrich:„Ein Kreis ist eine in sich selbst geschlossen Linie, deren einzelne Punkte..." Lehrer:„Hall nur ei«, schon falsch. August, was ist ein Kreis?" August:„E-n ist eine Unterabtheilung eines Regierungsbezirks." Lehrer: ,,«� waS Unsinn! Dann will ich es euch sagen: Ein Kreis ist* Ding, was nicht wetth ist, daß es die Sonne bescheint, wt»« es nicht seinen Landrath in die Kammer gewählt hat." Die Hotelrechnung. Dem Pariser„Figaro" entnehmt wir folgenden hübschen Scherz. Gast: Sie haben mir hirra. die Rechnung gesetzt: Papier 50 Cent., während Sie mir vo überhaupt kem Papier geliefert haben.— Kellner: VerzeihuM mein Herr, das ist dies Papier hier, auf dem Ihre Rcchnuw geschrieben steht. Tunnel zwischen Frankreich nnd Spanien. Naj%% gen Verhandlungen find die Regierungen von Frankrem u Spanien übereingekommen, zwei neue SchrenenverbiiidiMK � über die Pyrenäen herzustellen. Die eine dieser Bahnen#\ von Madrid über Huesca und Canfranc nach Saragossa u von dort nach Oloron in Frankreich gehen unter Benutz„ eines bei Somport zu erbauenden etwa 4 km langen Tun« � Diese Linie wird von großer Bedeutung für Aragome«» das Ebro-Thal werden und die kürzeste Route von M« ,, nach Paris darstellen. Die zweite Bahn soll die$9� durch das Thal von Noguera-Pallorosa durchschreiten un« � Departement Ariege ihren Endpunkt finden, nachdem � Grenze bei Solanut ein Tunnel von 3 km Länge durchsaß ist. Diese Linie stellt die kürzeste Handelsverb invung zi®1™ Frankreich und Algier dar. ,,?Ucwahruna von Eieru�Man kann Eier ftör � oeit snsch aufbewahren f wenn man sich eines Netzbeuteiv, genannten Fischnetzes. wie es sich in jeder Haushaltung° Nndet, dazu bedient. Jedes aufzubewahrende Ei Jvir®), faltrg ,n Zeitungspapier sauber eingewickelt, in das Netz«.� «HS aufbewahrt rek. arftgehäng? un? re�läßT sri,®cnim® � � abwechselnd das obere und uPH«uftst SÄ%"SM S'TÄÄ% schmackhaft. ■ftriffluiften der üidußtion. � nachweisen können, dann ist es etwas Anderes.- b»|4ÄS.St"w,äl,d' � nfccti, wenn sie uns ihr« Adressen aufgeben würven- xe« «T. P.(n G, Leider keine Vakanz. Die betre» schein zu ertherlen. iüh � Verantwortlicher Redakteur R. Eronheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Beding in Berlind Beuthsttaße