Nr. 247. Erscheint täglich außer Montags. Abonnements= Prets pränum.: Vierteljährlich 3,30 Mt., monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg., Sonntags Nummer mit illustrirter Sonntags- Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 mt. pro Quartal. Unter Kreuzband für Deutschland u. Defterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Eingetragen = = in der Post Zeitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277. Vorwärts 13. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder beren Raum 40 Pfg., für Bereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Expedition ift an Wochentagen bts 7 Uhr abends, an Sonn- und Fest= tagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Ternsprecher: Hmt I, nr. 1508. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Mittwoch, den 21. Oktober 1896. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3: Beglaubigte Abschrift. In der Straffache gegen den Re- Die Seidenarbeiter haben zahlreiche Versammlungen ab-| benannten Webstuhls ein, der auf viele Jahre hindurch die balteur August Jacobey, wohnhaft in Berlin, Hochstraße 33, ge- gehalten, um zu berathen, was sie zu thun hätten; und sie haben Blüthe der Lyoner Industrie begründete. Wie jede neue Gr boren am 21. März 1854 in Frankfurt a. D., Diffident, wegen nichts besseres gefunden, als sich beim Dr. Gailleton, dem findung führte der Jacquart- Webstuhl eine Umwälzung in den Beleidigung durch die Presse, hat die 4. Ferien- Straffammer des radikalen Bürgermeister von Lyon, zu beklagen. Er wußte, Produktions- Bedingungen herbei. Die Seidenweber revoltirten gegen glichen Landgerichts I zu Berlin am 11. August 1896 für um fie gut trösten und ihnen zu helfen, weiter Jacquart und seine Erfindung; Jacquart schwebte lange in Lebens sfecht erkannt, daß der Angeklagte der Beleidigung durch die nichts als ihnen die traurige Wahrheit zu sagen, daß gefahr und mehrmals verdanfte er seine Rettung nur dem Eingreifen Presse schuldig, deshalb unter Belastung mit den Kosten des Ver- die Seidenindustrie in Lyon ruinirt ist, und daß die letzte Mög- der Polizei. Die Weber zertrümmerten die im Betriebe befindlichen fahrens mit einer Geldstrafe von hundert Mart, an deren Stelle lichkeit der Rettung für sie darin bestehe, sich zu assoziiren, ihre Webstühle. Die Webstühle mußten durch bewaffnete Gewalt ges im Nichtbeitreibungsfalle für je zehn Mark ein Tag Gefängniß Kapitalien(!) zusammen zu thun und mechanische Webereien zu erschützt werden; allein schließlich warfen sie jeden Widerstand tritt, zu bestrafen, daß ferner dem Kommando des Kaiser Franz- richten, die mit den von den Kapitalisten in der Umgebung von nieder. Im Jahre 1812 hatte der Jacquart- Webstuhl die alten, Garde Grenadier- Regiments Nr. 2 und dem Major von Waldow Lyon errichteten Fabriken fonfurriren fönnen. Systeme verdrängt; man zählte damals 18 000, also vor das Recht zuzusprechen, den entscheidenden Theil dieses Urtheils Dieser Rath tann nur als ein bitterer Hohn aufgefaßt 30 Jahren. 1866 war ihre Zahl schon auf 60 000 angewachsen binnen vier Wochen nach Zustellung der Urtheilsausfertigung werden, und doch ist es der einzige, den man den Webern unter den und voriges Jahr waren es 120 000, also doppelt so viel. durch einmalige Einrückung in die erste Beilage der Zeitung jezigen Verhältnissen geben tann. Die Handwerker, die mit Industriekrisen brachten in Lyon verschiedene Aufstände hers " Borwärts" auf Kosten des Angeklagten bekannt zu machen, daß ihren, durch die Hand und den Fuß bewegten Handwebstühlen vor der von 1831, wo das Arbeitend leben oder kämpfend endlich der Artikel in der ersten Beilage der Nr. 89 des Vor- von Holz die Seidenstoffe gewebt haben, welche den Ruhm der den Tod!"*) ertönte und die schwarze Hungerfahne entfaltet ward, wärts" vom 16. April 1896 mit der Ueberschrift Vom Vieh- franzöfifchen Industrie ausmachten, find auf den Aussterbe Etat und der, übrigens mehr politische, von 1834 sind auf blutigen handel beim Militär" in allen Exemplaren ebenso wie die zu gesetzt, und sie verschwinden ebenso, wie die Weber der Wollstoffe Blättern der modernen Geschichte verzeichnet. seiner Herstellung bestimmten Platten und Formen unbrauchbar bereits verschwunden sind. Während der Jacquart- Webstuhl die Existenz- Grundlage für zu machen. Die Arbeitslosigkeit, der die Seidenarbeiter verfallen find die Seidenweber( Weister) wurde, kamen Kapitalisten und ließen und die sie ihrer legten Hilfsquellen beraubt, ist die Fortsetzung in der Umgegend von Lyon Fabriken bauen, in denen bie und der Schluß einer Krise, die schon dreißig Jahre andauert; mechanische Seidenweberei eingeführt ward. In diesen Fabriten und mit den Seidenwebern verschwindet die kleine Seiden- wurden anfangs nur einfarbige glatte Stoffe hergestellt, was den Hausindustrie. Seidenwebern in Lyon keinen Schaden brachte. Allmälig ver vollkommneten sich jedoch die Webmaschinen bis zu dem Grade, daß fie heutzutage die feinsten Arbeiten verrichten, wie sie bisher nur auf dem Jacquard- Webstuhl möglich gewesen waren. ho Die Arbeiterkrisis in Thon. " Paris, 19. Oktober 1896. " Die Seidenweber in Lyon find ohne Arbeit und haben auch Tiefe Industrie wurde von den Italienern, die im Anfang feine Aussicht auf Berbefferung ihres Schicksals. Die" Canuts" bes fechzehnten Jahrhunderts Frankreich überschwemmten, ein ( fprich: fanühs), wie die Seidenwebermeister von Lyon heißen, geführt und durch Franz I. und feine Nachfolger, die den befizen einen oder mehrere Webstühle und stellen Gesellen Webern königliche Privilegien gewährten, aufgemuntert, damit das Die Fabriken mit mechanischen Webstühlen in der Ebene ( compagnons) an, die früher am Tisch des Webers mitaßen und französische Königreich unabhängig von Italien gemacht werde, das von Lyon und auf den benachbarten Forez- Bergen stellten Landund in seinem Hause auch wohnten. Die Seidenweber arbeiten bis dahin die Seidenstoffe geliefert hatte. Sowohl diese Industrie lente ein und namentlich die Bäuerinnen, welche sehr schnell mit für die Raufleute, d. h. für Fabrikanten, die ihnen das Roh- wie auch die Zucht des Maulbeerbaumes, dessen Blätter den den Maschinen vertraut wurden. Mehrere Fabriken, z. B. die material liefern. Jetzt haben die Seidenweber keine Arbeit und Seidenwürmern zur Nahrung dienen, wurde in Frankreich der Gebrüder Bonnet de Injurieux, kaufen die Seide im Kokon, doch hat die Seidenindustrie im Lyoner Gebiet niemals so ganz allgemein. Nach und nach aber konzentrirte sich die und zwirnen, färben und spinnen sie. Alle diese Arbeit wird von geblüht, troß der Verminderung des Waaren Absages Seidenweberei in Lyon, das im höchsten Aufschwung war, als im jungen Mädchen verrichtet. Diese treten mit 12-14 Jahren und trog ber drohenden Mailändischen Konkurrenz. Jahre 1789 die evolution ausbrach. Sie zerschmetterte in die Fabrit ein, haben dort Wohnung und Beköstigung und be= Lyon und Mailand sind die zwei Haupimittelpunkte der Seiden- den Adel und ersetzte die Seidengewänder der Aristokratie durch suchen das Jahr nur ein oder zweimal ihre Eltern. Sie stehen industrie in Europa. Von den 211/2 Millionen Kilo Seide, die die wollenen Kleider der Bourgeois. Dies war für die Seiden: dabei unter sehr strenger Zucht. Die Leitung und Aufsicht bei im Jahre 1895 für Europa registrirt worden sind, kommen auf weber ein furchtbarer Schlag, sie wurden erbitterte Gegner der der Arbeit führen Nonnen, die Tag und Nacht die Mädchen den Mailänder Markt 6915 000 Kilo, auf den Markt von Lyon Revolution, gerade wie die Haarkünstler von Paris bewachen. Von Leo XIII., dem sogenannten Papst der Ar 6 825 000, also 90 000 Kilo weniger, während bisher Lyon Mai- durch bas Verbot der Perrücken. Die Seidenweber beiter", gefegnete Klöster dienen hauptsächlich dem Zweck, solche land übertroffen hatte, und zwar im Jahre 1892 um 103 000 Kilo, empörten fich; der Konvent schickte eine Armee von Nonnen heranzuziehen, die den frommen Arbeitgebern von 1893 um 292 000 Kilo und im Jahre 1894 um 64 000 Kilo. Die 60 000 Mann, die Lyon nach mörderischem Kampf im Sturm Lyon als Sklaven Hüterinnen für ihre Industrie- Bagnos Seiden industrie im allgemeinen ist in Frankreich in der Blüthe nahm; 200 Häuser und die meisten öffentlichen Bauten und dienen. Nirgendwo sonst find Religion und Kapital so zynisch begriffen, wie es die Ausfuhr beweift, welche im Jahr 1895 Denkmäler der Stadt wurden den Boden gleich gemacht, und und so innig zur Ausbeutung der Arbeiterklasse verbündet! 270 Millionen Fr. betrug, während sie sich 1893 und 1894 nur am Ort, wo sie gestanden, fäte man Salz. auf je ungefähr 223 Millionen belief. Diese Blüthe macht sich besonders im Lyoner Gebiet fühlbar: der Verbrauch von Rohfeide jeder Qualität betrug, wie ich beretts mittheilte, im Jahre 1895: 6 825 000 Kilo, das heißt ungefähr eine Million Rilo mehr als 1894 und 11/2 Millionen Kilo mehr als der Durchschnitt der letzten zehn Jahre.( Siehe den Bericht der Handelskammer von Lyon.) Diese Blüthe muß zum theil auf die Beliebtheit reiner Seidengewebe vor den gemischten zurückgeführt werden, und zum theil auf die neuerdings erfolgte Einführung der SeidentüllIndustrie in Lyon, welches dadurch ein geiährlicher Rivale von Nottingham und Calais, bisher den 2 Hauptzentren dieser Industrie in Europa, geworden ist. 99] Rienzt. Der letzte der römischen Volkstribunen. Roman von Edward Lytton Bulwer. „ Darf ich Euch wirklich glauben?" sagte Adrian, der immer noch zweifelte. " Die Seidenindustrie, die während der ersten Hälfte unferes Das zerstörte Lyon wurde die Lefreite Gemeinde Jahrhunderts allein auf Lyon und seine Umgebung beschränkt war, ( Commune Affranchie) genannt. Die Seidenweber, welche der hat seitdem auch im nördlichen Frankreich Eingang gefunden mit Rampf verschont hatte, ahmten, um dem Elend zu entrinnen, das der Fabrikation von gemischten wollseidenen Geweben. In diesen Beispiel ihres Genossen Jacquart nach, der sich, trotzdem er Stoffen ist 2/3 bis 4/5 Wolle, d. h. die Wolle ist der bei weitem ein glühender Vertheidiger der Stadt gegen die Armee des Konvents wichtigste Bestandtheil. Ebenso beginnen jetzt die Wollwebereien gewesen war, in die republikanischen Heere einreihen ließ, um in Roubaix Seide mit der Wolle zu verarbeiten. Alles drängt den Adel zu bekriegen und die bürgerliche Revolution zu retten, welche also zur Vernichtung der Seidenweber, für die die Seidenindustrie vernichtet und Lyon verwüstet und ge- es in der jeßigen Gesellschaft teine Rettung plündert hatte. giebt., Gallus. Lyon erhielt nach dem Sturze Robespierre's seinen alten Namen zurück und gelangte unter dem Direktorium nach und nach wieder zu großem Wohlstand. In seine Baterstadt heimgekehrt, führte Jacquart 1806 den Gebrauch seines- des nach ihm *) Vivre en travaillant ou mourir en combattant. Auf diesen Gesang, der sehr beifällig aufgenommen allen Umständen der kürzeste und vielleicht nicht der unwurde, folgten jene leichten und wißigen Erzählungen, in höflichste Abschied, den er nehmen könne. Als daher alles denen die italienischen Novellisten Voltaire und Marmontel rnhig und in Schlummer versunken zu sein schien, dem ein Vorbild waren, indem jeder oder jede nach der Reihe die Bewohner des Süden in dieser Stunde sich gewöhn das Wort nahm und mit großer Gewandtheit jedes ab- lich hingeben, verließ er sein Zimmer, stieg die Treppen schreckende Bild oder jeden traurigen Gedanken vermied, hinab, ging durch den Hof und war bereits am Thore, " Sollte ich einen treu Liebenden, wie Ihr es zu sein der an die Nähe des Todes erinnern konnte. Zu jeder als er sich von einer Stimme rufen hörte, deren Ton Zorn Sollte ich einen treu Liebenden, wie Ihr es zu ſein scheint, täuschen können? Beruhigt Euch! Ich bitte Dich, andern Zeit würde das Temperament und die geistige Bildung und Unruhe andeutete. Er sah sich um und erblickte Adrian's ihn dazu befähigt haben, an jenem arkadischen Marianna. Königin, empfange ihn als Deinen Unterthanen." Wie, Signor di Castello, ist unsere Gesellschaft so Die Königin reichte Adrian ihre Hand und führte ihn Hofe zu glänzen, aber jetzt bestrebte er sich vergebens, die zu der Gesellschaft, die noch in der Nähe auf dem Rasen- düsterkeit von seiner Stirue und den Gram aus seinem langweilig, unsere Musik so mißtönend, sind unsere Stirnen platz verweilte. Sie bewillkommneten ihn wie einen Bruder Herzen zu verbannen. Er dachte nach über die Nachrichten, so gerunzelt, daß Ihr vor uns flieht, wie der Wanderer und entschuldigten sein zerstreutes Wesen, indem sein ebles die er vernommen hatte, fie erfüllten ihn mit Hoffnung, vor den Heren, mit denen er vor Benevent zusammentrifft? Aeußere und sein berühmter Name fie erwarten ließ, daß aber er wagte noch nicht, sich ihr ganz hinzugeben, und Nein, Ihr wollt uns doch nicht verlassen?" er bald auf ihren Frobsinn eingehen würde. " Schöne Dame," erwiderte der Ritter etwas verlegen, wenn für einen Augenblick sein Geist zu seiner jetzigen Die Königin flopfte in die Hände, und die Gesellschaft Umgebung zurückkehrte, so fragte er, deffen Phantasie für„ es will mir nicht gelingen, meinen verstimmten Geist setzte sich wieder, jede Dame neben ihren Geliebten. diese gezwungene Stimmung zu sehr wahrhaft poetisch ge- mit der Fröhlichkeit des Hofes zu vereinigen, dem nichts Du, Marianne," sagte die Königin, wenn Du nicht bildet war, sich selbst, worin abgesehen von dem glänzen- Trauriges sich nähern darf. Mein Gewissen sagt mir, daß ermübet bist, nimm die Laute und bringe diese lärmen- deren Aeußeren dieser Gesellschaft die Fröhlichkeit, deren ich Euer Gesetz nicht halten kann, besser ist es, ich fliehe den Grasmücken, die mit so viel Anmaßung zirpen, als Beuge er jetzt so sehr wider seinen Willen war, sich unter- bei Zeiten, als daß ich mich einer strengen Berbannung ob fie Nachtigallen wären, zum Schweigen. Singe und icheide von dem rohen Gelage in dem Kloster Santa aussetze." Maria, beide veranlaßt durch dieselben Motive, wenn auch so Mit diesen Worten ging er weiter und würde durch laß es das Lied unseres theuren Freundes, des Signor verschieden in ihrer Art und Weise, aber beide gleich selbst das Thor geschritten sein, wenn Marianna ihn nicht am Visdomini sein.. Marianne, die sich neben Adrian gesetzt hatte, nahm süchtig und den Schrecken zur Freude umstempelnd. Die Arm festgehalten hätte. schöne Marianna, deren Gesellschafter, wie die Königin erdie Laute und sang nach einem kurzen Vorspiel folgende zählte, von ihr entfernt wurde, war nicht in der Stimmung, Augen, die Dich für die der Abwesenden entschädigen " Ei!" sagte sie fanft, giebt es denn keine dunkeln auch den neuen Gefährten aufzugeben, den sie jetzt ge- können? Bleibe hier und vergiß, wie Du ohne Zweifel wonnen hatte. Sie reichte ihm von Zeit zu Zeit Wein während Deiner Entfernung auch vergessen wardst!!" und Früchte, und während dieser Höflichkeiten verweilte Es ziemt uns nicht, zu entscheiden, ob Adrian di ihre Hand oft sanft auf der seinigen. Endlich kam die Castello, ein so treuer Liebender er auch war, jeder Zeit für Stunde, in der die Gesellschaft während der Mittagshige andere Reize als die Frenen's unempfänglich gewesen sein sich in die Villa zurückzog, um gegen Sonnenuntergang möchte; denn der Mann- warum soll man nicht die neben einem Springbrunnen zu Abend zu speisen, zu tanzen, Wahrheit geftehen? kann die innigfte Treue in seinem zu fingen und beim Scheine der Fackeln und der Sterne Herzen tragen und doch nicht zu allen Zeiten und gegen fich munter zu unterhalten; aber Adrian, der nicht gesonnen alle Versuchungen so strenge tugendhaft sein, als der exemwar, länger hier zu bleiben, befand sich kaum in dem plarische Josef des alten Testaments. Aber seine Liebe zu Zimmer, das ihm angewiesen wurde, als er beschloß, sich Frene war doch zu mäßig und die Schreckniffe des Leichenheimlich zu entfernen, indem er glaubte, dieses sei unter hauses erschienen ihm noch zu furchtbar, als daß die Worte: Genieße, was der Tag Dir beut Und warte nicht auf morgen, Das Leben ist dem Tod geweiht Mit allen seinen Sorgen. Drum liebe und genieße jetzt, Das Grab wird Dir nicht fehlen; Mag Deine Asche dann zuletzt Zum Kranz den Lorbeer wählen. Schau' ich in des Geliebten Blick, So saug' ich neues Leben; Wenu Freude ist des Himmels Glüd, So laßt uns ihn erstreben. NoIMM-«rbrvNchk. Berlin, 20. Oktober. Dem Reichstag, der am 10. November, also in di Wochen wieder zusammentritt, soll, wie wir schon mit- theilten, der Reichshaushalts-Etat sosort zugehen. Auf die Tagesordnung der ersten Sitzung rst der Entwurf betr. Abänderung des GerichtSverfassungs- Gesetzes und der Strafprozeßordnung gesetzt; als Referent fungirt der Abg. Lenzmann. Vertreter unserer Fraktion in der betr. Kommission waren die Abgeordneten Stadthagen und Frohme. Es verlautet— und es liegt dies auch als Nothwendigkeit in der augenblicklichen Lage— daß sehr bedeutende M ehrfordernngen für Militär, Marine und unsere Kolonien verlangt werden. Ob der Etat alle Forderungen sofort enthalten wird, ist zweifelhaft. Es is> nicht unwahrscheinlich, daß man— früherer Praxis entsprechend — die Forderungen stückweise vorbringen wird, um nicht durch allzugroße Ziffern zu erschrecken. Wie dem sei— für alle Parteien, welche darauf Anspruch machen, das Interesse des Volkes zu wahren, ist es eine unabweisbare Pflicht, diese Forderungen kurzerhand abzuweisen. In jüngster Zeit ist die Stimmung für den M i l i- tarismus durch das Karlsruher Offiziers- Ehren-Ver- brechen nicht gebessert worden; die Mangelhaftigkeit unserer Marine ist durch den Untergang deS„Iltis" und die Wurmstichigkeit, Steuerlosigkeit und Verfahrenheit unserer Kolonialpolitik durch die sensationellen Enthüllungen des bisherigen Kolonialdirektors Kayscr so grell beleuchtet worden, daß die Volksvertretung sich dem Eindruck dieser symptomatischen und charakteristischen Thatsachen unmöglich verschließen kann.— Selbst daS an dem Justizraih Levy verübte Ver- brechen scheut die manchestcrliche Presse sich nicht, zum Ausgangspunkt ihrer profitgierigcn Angriffe gegen die Sonntagsruhe zu machen. Bekanntlich war die polizeiliche Bekanntmachung über den Mord nicht Sonntags, sondern erst an dem darauf folgenden Montag an den Anschlag. faulen zu finden. Die„Vossische Zeitung" sucht nun in einem spaltenlangen Artikel ihren Lesern weiß zu machen, an dieser späten Veröffentlichnng seien die gesetzlichen Be- stimmungen über Sonntagsruhe schuld gewesen und wünscht, daß den Behörden endlich darüber die Augen aufgehen, daß nicht nur kapitalistische Ausbeutungsgier, sondern auch die Interessen der Polizei die Aufhebung der Sonntagsruhe- Bestimmungen erfordern. Für wie dumm und kenntnißlos muß doch die alte Tante Voß ihre Leser halten! Erstlich sieht die Gewerbe- Ordnung ausdrücklich eine Aus- nähme von der Sonntagsruhe für Fälle schleuniger Be- kanntmachungen vor. In Z 105 c heißt es wörtlich: „Die Bestimmungen des ß 105b �über Sonntagsruhe) finden keine Anwendung: 1. auf Arbeiten, welche in Nothfällen oder im öffentlichenJnteresse unverzüglich vorgenommen werden müssen". Demnach hätte ungeachtet der Sonntagsruhe-Bestimmnugen bereits um spätestens 8 Uhr morgens des Sonntags an allen Anschlagsäulen und sonstwo die polizeiliche Bekannt- machung, selbst wenn sie bei den Vossischen Erben bestellt wäre, prangen dürfen. Ueberdies steht der Polizei das Recht zu, selbst derartige Druckarbeiten vorzunehmen— sie ist hieran eben so wenig wir an der Ausübung ihrer sonstigen Thätigkeiten irgend wie durch die Sonntagsruhe beschränkt. Die„Königlich privilcgirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen" sollte den Rest ihres Schamgefühls zusammensuchen, um wegen ihres frivolen, zynischen Versuches, ein Mordverbrechen zur Begeiferung der Sonntagsruhe zu mißbrauchen, zu erröthen. Oder will sie jedes„Roth" verleugnen?— Schmeicheleien der liebenswürdigen Marianna durch den jungen Ritter hätten erwidert werden können. „Signora," antwortete er daher mit vielem Ernst, in welchem zugleich einige Verachtung gegen die Angeredete nicht zu verkennen war,„ich habe noch nicht lange genug unter den furchtbaren Szenen, die uns umgeben, zu- gebracht, um mein Herz und meinen Geist gegen alles Weh verhärten zu können. Genießet des Lebens, wenn Ihr es vermögt und pflücket die Rosen selbst von den Gräbern, aber mich kann jetzt die Schönheit nicht entzücken, und die Liebe scheint mir verfinstert durch die Schatten des Todes. Verzecht mir und lebt wohl!" „So geh denn," sagte die Florentinerin verletzt nnd aufgebracht über seine Kälte,„geh und finde Deine Ge- liebte. Ich täuschte Dich, armer Thor, wie ich hoffte, zu Deinem eigenen Besten, als ich Dir erzählte, daß Irene (war das nicht ihr Name?) von Florenz abgereist sei. Ich weiß nichts von ihr und hörte nichts von ihr, außer was Du selbst mir sagtest. Geh zurück und durchsuche die Leichenhäuser und sieh dann, ob Du sie noch liebst!" (Fortsetzung folgt.) Mkevariptzes. K. Th. Ulmer, Bureaukratismus in der Schule. Grundlose Ausweisung eines Schülers aus einem badischen Realgymnasium. Stuttgart, Rod. Lutz, 1LS6. 44 S. 50 Pf. Die Broschüre behandelt einen jener bekannten Konflikte zwischen Schule und Haus, die zu entstehen pflegen. wenn Eltern von Schulkindern sich Anordnungen der Schule widersetzen. Aus dem Karlsruher Realgymnasium wurde im Dezember 1805 ein Quartaner„wegen wieder- Holter, durch seinen Vater ihm anbefohlener Auflehnung gegen rechtmäßig getroffene disziplinare Maßregeln der Schule" ausgewiesen. In der Hauptsache handelte es sich darum, daß der Vater nicht geduldet hatte, daß sein Sohn einen angeblichen Arrest in der Wohnung des Lehrers abmachte, nnd Einspruch dagegen erhoben hatte, daß die Schule eigenmächtig über die freie Zeit der Schüler verfügt, indem sie die Zeit für den Arrest oder für besondere, nicht stundenplanmäßtge „Uebungsstunden" nach Belieben bestimmt. Nachdem die An- gelegenheit den Oberschulrath, das Unterrichtsministerium, den badischen Landtag und die Presse beschäftigt hat, übergiebt der Vater jetzt der Oeffeutlichkeit eine akten- mäßige Darstellung. Er meint, der böse Ausgang seiner Sache sei im wesentlichen eine Folge deS auch in der Schule herrschenden Bureaukratismus; ich habe mich aber auf grund seiner Darstellung nicht völlig davon zu überzeugen vermocht, daß in dem vorliegenden Falle nur von der einen Seite Fehler gemacht worden sind. Das Schriftchen wird besonders Eltern interessiren, die ähnliche Kämpfe gegen die Schule auszufechten hatten, well sie ihre Kinder nicht zur Theilnahme an Religions- fwnden oder an Sedanfeiern und dergleichen Veranstaltungen zwingen lassen wollten.—-r. Schulz TreSde», Karl Theodor. Kleine und große Kinder. Lebens- und Stimmungsbilder. Berlin. Schuster u. Löffler. Gezuckerter Quark! OrdimngSParteiliches Blech. In der national- liberalen und sonstigen Reaktionspresse befindet sich folgender Waschzettel: Berlin, 18. Oktober. Der sozialdemokratische Parteiführer Liebknecht hat vor einiger Zeit sich dahin ausgesprochen, daß das demokratische Prinzip bei der Sozialdemokratie nur so lange Gel- tung haben werde, als diese noch nicht die politische Macht be- sitzt. Sollte einmal der Sozialistenstaat ins Leben getreten sein, so würde statt der Majorität die Autorität herrschen. DaS Liebkuecht'sche Bekenntrnß findet nun auch in der sozial- demokratischen„Neuen Zeit" Bestätigung. Dort heißt es:„Für die Sozialdemokratie sind demokratische Einrichtungen nur Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck." Und weiter:„Einstimmig tritt die Sozialdemokratie für das geheime Wahlrecht ein. Aber niemand wird behaupten können, daß die geheime Stimm- abgäbe ohne weiteres eine Forderung des demokratischen Prinzips sei. Sie hat au sich nichts mit ihm zu thun, sondern ist ein nothweudiges Uebel, bedingt durch die ökonomische Abhängigkeit des einen Theiles der Wähler vom anderen, eine Schutzwehr der unabhängige» Stimmabgabe. In den Anfängen der Demokratie unbekannt, wird sie voraussichtlich eines Tages, weil überflüssig geworden, wieder verschwinden."— Die Anhänger der Sozialdemokratie können daraus ersehen, wie unsicher die„demokratischen Errungenschaften" bei der Sozial- demokratie aufgehoben sind. Es ist nach obigen Worten garnickt daran zu zweifeln, daß die geheime Stimmabgabe sofort überflüssig werden und verschwinden würde, wenn die Sozialdeniokratie an die Herrschaft gelangte, da dann die angebliche Vorbedingung, die„ökonomische Abhängigkeit", fehlen würde. Daß an stelle dieser Abhängigkeit die sklavische Unterordnung unter das Re- giment der„Genossen" treten würde, verschiveige» natürlich die leitenden Sozialdemokraten. So der nationalliberale Waschzettel. Natürlich hat Liebknecht den ihm in den Mund gelegten Blödsinn nicht gesagt. Und was die Aeußerung der„Neuen Zeit" betrifft, so ist sie in einer Weise mißverstauden worden, die bei einem normal funktionirenden Hirn einfach unmöglich wäre. Der »ationalliberale Skribifax, der nicht einmal die gemein- plätzige liberale Wahrheit begriffen hat, daß der Staat der Menschen wegen da ist und die Menschen nicht des Staats wegen,— begreift auch nicht, daß eine politische Einrichtung, die ihren Zweck erfüllt hat, abzuschaffen ist. Die geheime Abstimmung ist hente nothwendig als Schutz des Wählers gegen politische und ökonomische Unter- drückung. Ist dieser Unterdrückung ein Ende gemacht, wie die Sozialdemokratie es erstrebt und auch erreichen wird, so hat diese Schutzeinrichtung keinen Sinn. Und eine zur Begründung der Demokratie nothwendige Einrichtung ab- schaffen, nachdem die Demokratie begründet ift, das soll undemokratisch sein! O heilige Hirnerweichung!— Tie böse Statistik! Ein hiesiges Blatt will berechnet haben, daß die jüdischen Studenten im Verhältniß der Zahl weit weniger Verbrechen begehen, als die christlichen Studenten. Das Verhältniß sei 3 zu 7 bis 8. Ob diese Ziffern richtig sind, bleibe dahingestellt. Gewiß ist, daß im allgemeinen die Juden im Verhältniß der Zahl ein geringeres Kontingent der Vcrbrecher-Armee stellen als die „Christen". Das hat aber mit Raffe, Religion und Nationalität gar nichts zu thun, und entspringt der ebenso bekannten als natürlichen Thatsache, daß die besitzenden Klassen weniger Grund haben, gegen die im Interesse der besitzen- den Klassen gemachten Gesetze zu verstoßen, als die nicht besitzenden Klassen. Und da die Juden durch die Verfolgungen des Mittelalters, die ihnen die produktive Arbeit verschlossen, zum Gelderwerb und zur Kapitalbildung gezwungen wurden, so haben sie selbst- verständlich ein verhältnißmäßig größeres Kontingent zu den besitzenden Klaffen gestellt, als die christliche Be- völkernng. Ter„Kreuz-Zeitung", die das nicht begreift, verursacht die Entdeckung des liberalen Blattes arge Kopfschmerzen. Sie stöhnt und keift: Die Juden sind nicht„besser" wie die Christen; wohl aber sehr viel geriebener nnd schlauer, so daß sie der unmittelbaren Berührung mit den Gerichten entweder ganz entgehe», oder doch selbst da keine Handhaben zur Veruriheilung bieten, wo an der Schuld im sittliche» Sinne ein Zweifel kaum besteht. Dies ist»achgerade so bekannt, daß es den Eindruck des Anachronismus macht, wenn wir den Versuch, den edlen Inden anzupreisen, immer wieder erneuert sehen. An den glaubt»ie- maud mehr, das möge man sich endlich doch gesagt sein lassen. Nun, daß die Inden„besser" seien als die Christen, hat wohl niemand behauptet. Die„Kreuz-Zeitung" hat aber tausendmal behauptet, die Christen seien besser als die Juden. In ihrer Betrübniß tröstet sie fich damit, daß die »den„schlauer" seien und dem Gesetz leichter ein chnippchen schlagen. Diese Resignation der Dummheit ist kostbar. Uebrigens möchten wir bei dieser Gelegenheit die brave „Kreuz-Zeitung" daran erinnern, daß sie— gleich anderen christlichen Kannegießern— die Wurzel des Zerfalls der Türkei in der StabiNtät des Wiuhamedanismus erblickt, der sich nicht wie das Christenthum, weltklug den realen Verhältnissen anbequemen könne. Die Juden sind„schlau", die Christen„bequemen sich weltklug den realen Verhält- nissen an". Was ist der Unterschied? Was das Mora- lischere?— Die französische Kammer ist auf den 27. d. M. — heut über 8 Tage— einberufen. Dann ist die Schon- zeit für Herrn Melius vorüber, und über dem Haupt der Regierung haben sich schwere Gewitter zusammengezogen. Die Katastrophe in Madagaskar, die Rcaktionsmaßrcgeln gegen die Sozialisten(Liller Skandale, Absetzung des sozia- listischen Maires Telory, Ausweisung Bebel's und Bueb's ze.), und das schamlose Liebäugeln der Regierung mit den Klerikalen bieten reichlichen Stoff für sofortige Angriffe, während die stets zunehmenden Finanzschwierigkeiten eine chronische Krise bilden, die jeder nicht auf radikale Abhilfe bedachten Regierung verderblich werden muß. Mehrere Interpellationen sind bereits angekündigt— eine von G u e s d e in Sachen der Ausweisung Bueb's und Bebel's.— � Es lebe Polen!— so rief bekanntlich der jetzt fett und stumm gewordene F l o q u e t, heute französischer Regierungs- Republikaner, dem Großvater des jetzigen Zaren zu, als dieser zu Ende der sechziger Jahre Paris besuchte. Wer heute in Paris ruft:'Es lebe Polen!, wird eingesperrt. Ja man wird sogar eingesperrt auf den bloßen Verdacht hin: Es lebe Polen! rufen zu w o l l e n. So erzählte vor- gestern im Pariser„Matin" ein Pole namens S t a n i s- laus P a c e w i t s ch, er, der ruhig in Paris wohnt, sei einige Tage vor Ankunft des Zaren von der Polizei brutal verhaftet, und auf den Verdacht hin, daß er beim Einzug „Väterchens" habe„dcmonstriren" wollen, neun Tage e i n g e s p e r r t w o r d e n, bis der Angstzar wieder über die Grenze gelangt war. Und ähnlich ist eS anderen Pole» ergangen. „Es lebe Polen." Das ist heute im kosakischen Europa ein verpönter Ruf. Desto lieber gehört wird der Ruf: Hoch Sibirien! Hoch Armenien! Hoch Kreta und Make- donien! Hoch alles, was„Väterchen" genehm ist! Sogar das freie und republikanische— und selbst sozial- demokratische Armenien, Kreta und Makedonien erlaubt „Väterchen" hoch leben zu lassen. Nur nicht Polen! Und nur nicht daS freie Rußland. Da hört der Spaß D Deutsches Reich. — Der Prozeß Auer un d G en o ssen wegen Ver- lstzung des preußischen VereinsgesetzcS wird am 10. November i» der Nevisions-Jnstanz vor dem Reichsgericht in Leipzig ver- handelt werden.— — Ueber die Enthüllungen des ehemaligen Kolonialdirektors Dr. Kayser sagt die„Frankfurter Zeitung": -- In welchem Umfange die oberste Kolonialbehörde Machinationen der ve-r schieden st en Art aus- gesetzt gewesen ist, wie von ihr der krasseste Ehr- geiz offen und versteckt seine Befriedigung ge- fordert und bei Nichterfüllung mit seiner Rache gedroht und sie auch geübt hat, darüber liefern die Ausführungen des Kolonialdirektors, die an anderer Stelle dieses Blattes wiedergegeben sind, ei» ebenso anschauliches wie abschreckendes Bild, und es wird verständlich, daß selbst bei einem so überzeugten Kolonialpolitikcr, wie das Dr. Kayser ist, dadurch der„Begeisterungsfonds" vollständig erschöpft wurde. Man sieht jetzt aber auch mit voller Klarheit, was an vielen der Männer ist, die jahrelang in der Kolonialpotilik das große Wort führten, und deren Einfluß so groß war, daß sich ihm auch der Leiter der Kolonialpolitik nicht ohne weiteres entziehen konnte. Das, was er in dieser Be- ziehung über die Einwirkung der Arendt, Peters, Schröder zu persönlichen Zwecken mitgetheilt hat, wirft ein erschreckend grelles Schlaglicht auf unsere inneren Ver- h ält nisse und zeigt, welche zweifelhafften Persön- lichkeiten sich in den Vordergrund zu drängen gewußt haben. Der freikonservative Abgeordnete Dr. Arendt nimmt keinen SInstand, mit verblümten Drohungen die weitere Verwendung von Dr. Peters in guter Stellung zu fordern. Er weist, nachdem er eine„gute Behandlung" des Dr. Peters verlangt hat, auf dessen„mächtige Freunde" hin und fügt, damit dieser Hinweis auch richtig ver- standen werde, hinzu:„er brauche nicht auseinanderzusetzen, was die? zu bedeuten habe." Freilich, ein solcher Wink war nicht gut zu verkennen, und es war unseres Erachtens eine falsche Rücksicht von Herrn Dr. Kayser auf die Abgeordneten- qualität des Dr. Arendt, daß er nicht unmittelbar nach diesem unqualifizirbaren Vorgehen das Gespräch und jegliche Beziehung zu ihm abbrach. So die„Frankfurter Zeitung", deren weitere Ausführungen wir nicht wiederzugeben brauchen. Dr. Kayser hat offenbar die besten Absichten gehabt, aber es fehlte ihm die nöthige Charakterstärke, Entschlossenheit und Macht. um mit dem Gesindel, das die Kolonialpolitik als Geschäft betreibt, aufräumen zu können. Der Nachfolger wird ebensowenig dazu im stände sein. DaS ist durch den Zickzackkurs und das bei uns herrschend« persön- liche Regiment ausgeschlossen.— — Ueber die Bäckerei-Verordnung ist, wie daS Bäckerinnungs-Organ mittheilt, gleich nach Eröffnung des Reichs- tages eine Interpellation in Aussicht genommen. Einige Bäcker- meister, die mit großem Gesellen- und Lehrlingspersonal arbeiten und trotzdem ihre Arbeit in 12 Stunden nicht erledigen konnten. haben das Personal vergrößert und lassen nun, um dieses auch während der übrigen Zeit zu verwenden, auch gegen Abend noch frisches Gebäck herstellen. Die Folge davon ist, daß fie das Publikum an sich ziehen, und daß die kleinen Bäckereien ihre Kunden verlieren. Das Jnnungsorgan meint, daß, wenn der Maximalarbeitstag noch ein Jahr besteht, dann die Hälfte aller Bäckereien vernichtet sein wird. Das badische Ministerium läßt, wie da? bayerische, Gr- Hebungen über die Schwierigkeiten, die sich bei der Durchführung der Bäckerei-Verordnnng ergeben haben sollen, vornehmen. An- scheinend handelt es sich um eine das ganze Reich betreffende Enquete.— — DaS Menschenopfer, welches in Karlsruhe auf dem Altar der Offiziersehre gebracht worden ist, hat im Ausland ungeheures Aussehen erregt, und die Zweifel, daß Deutschland zu den Kulturländern gehöre, beträchtlich vermehrt. Die englische» Blätter finden den Vorgang einfach unbegreiflich — und das begreifen wir, weil die Engländer keinen Militaris- mus, keine Slandesehre und keinen Duell-Kultus haben. Aber auch die Franzosen, die selber noch im Militarismus stecke» und dem Duell-Aberglauben sröhnen, befinden sich vor einem Räthsel. Daß die Ehre eines Offiziers durch das Anstreifen eines bürgerlichen Rockes„kapnt" gemacht, und nur durch das Niederstechen eines wehrlosen Menschen gesühnt werden kann— ist eine so ungeheuerliche Geistesverwirrung, daß nur in einer durch und durch ungesunden, die Hirnthätigkeit lähmen- den Atmosphäre Verständniß für sie möglich ist. Der„Temps", der unter allen französischen Blättern die Sache noch am ruhigsten bespricht— und zwar in einem längeren Leitartikel— sagt u. a.: „Es giebt also in Deutschland-ine zahlreiche, äußerst ivichtige, sehr mächtige, von dem Souverän und der Mehrheit der fried- lichen Bürger für nothwendig gehaltene, mit Ehrenprivilegien ausgestattete Kaste, die sich das Recht über Leben und Tod einem jeden gegenüber zuschreibt, dessen Blick oder sonstiges Handeln ihr nicht respekt» voll genug erscheinen." Der„Temps" stellt die Karlsruher Blutthat mit den sich Häusenden Militärexzessen. dem Duellunfug, den Soldaten- Mißhandlungen zusammen und fragt dann, ob das deutsche Volk. das doch für gesittet gelte, sich derartige Ausschreitungen gefallen lassen könne. Das Hauptorgan des französischen BürgerlhumS kommt zu dem Schluß, daß die Bewegung gegen den Mililaris- mus durch dieses Verbrechen mächtigen Vorschub erhalten werde. Und das hoffen auch wir!— — Duellanten. Nach der„Köln. Volksztg." wurden vierzehn wegen Zweikampfs zu dreimonatlicher Festungshaft ver- urtheilte Studirende der Aachener technischen Hochschule und der Bonner Universität zu achttägiger Hast begnadigt.— Halberstadt, 12. Oktober. Die Anklage wegen Gotteslästerung, die infolge einer von Orthodoxen ausgegangenen Denunziation gegen den Redakteur des„Generalanzeigers für Halberstadt" wegen Veröffentlichung eines Gedichts des Astronomen Mädler aus dem Jahre 1830 erhoben worden war. ist auf Beschluß der Strafkammer in Halberstadt fallen gelassen worden. Das Gericht hat die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt. Daß aber überhaupt Anklage erhoben werden konnte, hat in weiten Kreisen berechtigtes Befremden erregt.— — Aus dem Königreiche Stumm. Die„Franks. Zeitung" veröffentlichte im Frühsommer dieses Jahres eine Artikelserie„Politische und wirlhschaftliche Zustände im Saar- revier", die sich mit der öffentlichen Thätigkeit des Freiherrn v. Stumm befaßte und wegen ihres frappanle» Inhaltes weit- gehendes Aussehen erregte. Während Freiherr v. Stumm es vorzog, seinem gepreßten Herzen über die Enthüllungen dieser Artikel im Reichstag unter dem Schutze der Immunität sich Luft zu machen, die den Abgeordneten verfassungsmäßig zusteht, hat eine Nebenperson gegen den verantwortlichen Redakteur der„Franks. Zeitung" Strasantrag wegen Beleidigung gestellt. Es ist dies Herr Landgerichtsrath und Landtags-Abgeordneter Olzem in Saarbrücken, der lediglich herangezogen war, um den weitgehenden Einfluß Stumm'S zu illustriren. Obwohl Herr Olzem national- liberaler Abgeordneter war, hat er doch dem Frhr. v. Stumm, den er ursprünglich in der Wahlbewcgung bekämpfte, bestimmte Dienste erwiesen, nachdem er mit Hilfe Stumm'S Landtags-Abgeordneter geworden war. Es handelt sich dabei insbesondere um das Berhältniß zur„Saarbrücker Ztg.". die sich bekanntlich die Ungnade Stumm's zugezogen hatte, weil sie über einen Bortrag des Herrn Pfarrer Naumann berichtete und„sogar" hinzugefügt hatte. Herr Nau- inann habe vielen Beifall gefunden. Da die„Saarbrücker Ztg." sich dem Stumm'schen Machtgebot nicht fügte, vielmehr eine ihr angebotene Subvention im Interesse ihrer Unabhängigkeit standhaft zurückwies, kam es späterhin zur Gründung des bekannten„Schleifstein", wobei Herr Olzem wiederholt im Sinne des Frhrn. v. Stumm thätig war. Dies hatte der Verfasser, jener Artikel kurz zusammengefaßt in einer Bemerkung, die sich mit dem politischen Abhängigkeitsverhältniß des»ationalliberalen Abgeordneten von dem sreikonservativcn Führer befaßte. Durch diese Charakterisirung fühlte sich Olzem beleidigt; er stellte Strafantrag aus§ 185 R.-Slr.-G„ wonach das Gericht das Hauptverfahren gegen den damals zeichnenden Redakteur der„Frkf. Ztg.", C. G. R Oeser, beschloß. Die Ver- Handlung sollte vor einer Frankiurter Straikammer statt- finden. Bertheidiger des Angeklagten war Herr Justizrath Dr. Neukirch. Der Angeklagte hatte sich schon vorher bereit erklärt, den Beweis der Wahrheit anzutrete» und dafür eine Reihe von Thatsachen und Zeugen benannt. Der Gerichtshof kam nach längerer Verhandlung zu der Ueber- zeugung, daß die Verhandlungen ohne Erhebungen über das von dem Angeklagten angebotene Material, von dem erst ein kleiner Theil zur Besprechung gelangt ist, nicht zu Ende geführt werdest kann. Er beschloß Vertagung und Vernehmung der namhaft gemachten Schntzzeugen. Dabei soll auch darüber Untersuchung erhoben werden, wie das Verhalten des Zeugen in der nationalliberalen Partei aufgefaßt wurde. Es liegt hierfür bekanntlich ein Herrn Olzem von 700 nationalliberalen Wählern in aller Form ausgestelltes Mißtrauensvotum vor. das ihm gleichfalls bescheinigt, er habe sich durch sein Verhalten in der Schleifstein-Affäre„in vollen Widerspruch gesetzt zu der Unab- hängigkeit nationalliberaler Abgeordneter". Da die Mehrzahl der Zeugen sich in Saarbrücken befindet und deshalb ihre kom- missarische Vernehmung nöthig ist, wird die Schlußverhandlung erst in einiger Zeit fein können.— Montjoie, 20. Oktober. Amtliches Wahlrefultat. Bei der heute im ersten Wahlbezirk des Regierungsbezirks Aachen stattgehabten Landtags-Ersatzwahl für den Wahlkreis Schleiden, Malmedy, Montjoie wurden insgesammt 230 Stimme» abgegeben. Dabei erhielten Oberpfarrer Dr. Pauli(Zentrum) 117 und Bürgermeister a. D. Dr. Würmeling(Zentrum) 113 Stimmen. Elfterer ist mithin gewählt. Interessant an dieser Nachwahl in einem der sichersten ZentrumS-Wahlkreise ist der Bruderkampf der beiden Zentrums- kandidaten.— — DaS sächsische Kriegsministerium erläßt folgende Bekanntmachung: „ES wird hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß den Unteroffizieren und Mannschaften dienstlich ver- boten ist: l. jede Betheiligung an Vereinigungen, Versammlungen, Festlichkeiten, Geldsammlungen, zu der nicht vorher desondere dienstliche Erlaubniß erthetlt ist, 2. jede dritten erkennbar gemachte Bethätigung revolutionärer oder sozialdemokratischer Gesinnung, insbesondere durch entsprechende Aus- rufe, Gesänge oder ähnliche Kundgebungen, 3. das Halten und die Verbreitung revolutionärer oder sozialdemo- kr a tisch er Echrrften, sowie jede Einführung solcher Schriften in Kasernen und sonstige Dienstlokale. Ferner ist sämmtlichen Angehörigen des aktiven Heeres dienstlich befohlen, von jedem zu ihrer Kennt- niß gelangenden Vorhandensein revolutio- närer oder sozialdemokratischer Schriften in Kasernen oder anderen Dien st lokalen sofort dien st liche Anzeige zu erstatten. Diese Verbote und Befehle gelten auch für die zu Uebungen eingezogenen und für die zu � Kontrollversammlungen einberufenen Personen des Beurlaubtenstandes, welche gemäß§ 6 des Militär-Strafgesetz. buchs uud§ 33E 1 deS Reichs-Mililärgesetzes bis szum Ablauf des Tages der Wiederentlassung bezw. der Kontrollversammlung den Vorschriften des Militär-Strafgesetzbuches unterstehen." Aehnliche Verordnungen sind außerhalb des Bereiches des kgl. sächsischen Armeekorps schon früher erlassen worden. Wir haben schon damals darauf hingewiesen, daß die Erziehung zur Denunziation uns schlecht mit der vielgerühmten Charakter- bildung im Heere zu stimmen scheint.— — Auch die sächsische LandeSsynode hat sich gegen die Bctheiligung der Geistlichen als Agitatoren und Führer von sozialpolitischen Bewegungen erklärt.— — Zur Handwerker. Vorlage ist zu berichten, daß der Vorstand des Zentral-Ausschnsses der vereinigten Jnnungs- verbände den Handelsminister Brefeld über seine Stellung zu der Vorlage interpellirt hat. Er erklärte gleich seinen Vorgängern im Amte, nach Möglichkeit den Wünschen des Handwerker- standes entgegenkonimen und für die Organisations-Vorlage, welche aller Voraussicht nach noch in diesem Jahre dem Reichs- tag werde vorgelegt werden können, mit voller Kraft eintreten zu wollen. Etwas allgemein und nicht allzu verbindlich klingt die Notiz. Weimar, 20. Oktober. Der heutigen Sitzung des deutschen Gewerbekam mer-Tages wohnten Geh. Regierungsrath Wilhelmi vom Reichsamt des Innern, sowie Geh. Regierungsrath Slevogt und Oberbürgermeister Pabst, beide aus Weimar, bei. Die Versammlung erklärte sich mit dem Grundprinzip des Entwurfs der Handwerker- Organisation auf der Basis der Zwangsinnungen einverstanden. Dafür sprechen sich u. a. aus: Bremen, Chemnitz, Dresden, Hamburg, Leipzig, Lübeck, München, Plauen, Würzburg, Weimar, Zittau; dagegen Ludwigshasen. Nürnberg und Stuttgart. Aus Gotha wird berichtet, daß aus Befehl des Herzogs eine Verordnung erlassen worden ist, wonach aus- ländische(nicht reichsan gehörige) Arbeiter, wenn sie in landwirthschaftlichen, forstwirthschaftlichen und in gewerblichen Betrieben des Herzogthums Beschäftigung an- nehmen, binnen 1ä Tagen nach dem Eintritt in die Arbeit ihre Staatsangehörigkeit durch Bescheinigung einer öffentlichen Be- Hörde nachzuweisen haben. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafen bis zu 60 M. bestraft. Welche Polizeiweisheit mag sich hinter dieser Verordnung verbergen? Mainz, 10. Oktober.(Eig. Ber.) Mit welchen Mitteln man uns hier das Reichstagsmandat zu entreißen gewillt ist, zeigt folgender Vorgang. Die hiesigen kalholischen Schwestern vom heiligen Franziskus sind ob ihrer Thäligkeit als Kranken. Wärterinnen in weiten Kreisen beliebt, da sie ihre Tdäligkeit ohne Rücksicht auf die Konfession der Kranken ausüben. Während des Wahlkampfes jedoch scheinen sie, jedenfalls auf geistlichen Zuspruch, auch politisch thätig sein zu wollen. Kam da dieser Tage eine Krankenschwester mit ihrer Sammel- büchse i» der Hand an die Thüre eines unserer Partei- genossen, um sich einen kleinen Beilrag zu holen. Dabei vergaß sie aber nicht, die Frau zu fragen, ob ihr Mann auch wählen dürfe und mahnte, als dies bejaht wurde, doch ja dahin zu wirken, daß ihr Mann dem Kandidaten des Zentrums seine Stimme gebe. Sie wollen dann sehen, was sich sür die beiden Kinder thuen lasse. Unser Genosse, als er diese saubere Agitation erfuhr, setzte sofort die Redaktion unseres Partei- Organ? in Kenntniß und auf deren Rath schickte er, wenn auch wider- strebend, seine Frau in das Kloster, um den Beweis dieser unsauberen Agitation in Händen zu haben. Was brachte sie zurück? Zwei alte geflickte Kinderhöschen nebst einem Jäckchen. Und für diese alten Lappe» soll der Arbeiter sein höchstes Recht, sein Wahlrecht preisgeben. In dem Redaktionslokal der„Mainzer Volkszeitung" sind nunmehr die Gegenstände als Argumente ultramontanen Stimmenfangs zu jedermanns Einsicht ausgestellt, um alsdann an die Spenderin ins Kloster zurückgeschickt zu werden. Ja, ja, der Zweck heiligt die Mittel.— — Die Folgen des M i li tariS muS haben die Be- wohner der schwäbischen Alb des Oberamts Münsingen nun am schwersten zu verspüren. Nachdem ihre Grundstücke seitens des Militarismus zu dem großen Exerzierplatz aufgekauft ivurden, stehen die Bauern nun arbeitslos und theilweise mittel- los da, da sie die auf den Grundstücken lastenden Hypotheken ablösen mußten. Wie uns aus Böttingen gemeldet wird, ivar kürzlich Pastor Arnold aus Danzig daselbst anwesend, um im Namen der ostpreußischen Ansiedelungs-Kommission die Bauern zur Auswandemng und Ansiedelung nach Ostpreußen an- zuregen. Tie Leute sind aber wieder dadurch an die Scholle gefesselt, daß ihnen der Militärmoloch wohl ihre Grundstücke abgekauft, aber ihre Häuser gelassen hat, welch letztere ihnen niemand abkaufen will, da in dortiger Gegend keine Industrie und jetzt auch kein bebaubares Feld vorhanden ist.— So fördert der Militarismus den Bauernstand.— — Die Broschüren von Personen, die sich aus irgend einem Grunde bei der württembergischen Regierung oder sonst einer Behörde mißliebig gemacht haben, vermehren sich von Woche z» Woche. Der wegen seiner Meinungsäußerung gemaßregelte Pfarrer Fr. Strudel veröffentlicht eine Broschüre, betitelt: „Meine Abrechnung mit der württembergischen Landeskirche": außerdem brachte der frühere Gymnasialvikar H e r t l e i n eine Broschüre auf de» Markt detitelt:„Meine Gegenwehr gegen die Schulbureaukratie, zugleich Beleuchtung einiger wichtiger Fragen des höheren Schulwesens". Die Fälle Steudcl und Hertlein brachten wir seinerzeit im„Vorwärts" zur näheren Kenntniß.— — Die Mannheimer Nationalliberalen sind nun bei den Stadtverordnetenwahlen gründlich geschlagen worden. Auch in der Abtheilung der Höchstbesteuerten sielen ihre Kandidaten durch.— — Major v. Miß mann soll nicht mehr nach Afrika zurück- kehren. Gouverneur v. Wißmann gehörte, gemessen an den Leist, Wehlan und Peters, zu den sympathischen Gestalten unserer Kolonial- leute, so daß sein Abgang bei dem völlige» Mangel an geeignete» Kolonialbeamten bei allen uneigennützigen Vertretern der deutsche» Kolouialpolitik das lebhafteste Bedauern erwecken wird. Obgleich Wibmann's Gesundheit durch den langen Aufenthalt unter den Tropen sehr schwer gelitten haben soll, sind es nicht Gesuudheits- rücksichten, die seinen Rücktritt veranlaßt haben. Man ist es aber der Oeffentlichkeit schuldig, ihr die Gründe der Demission Wißmann's offen darzulegen. Ein wenig mehr Licht kam ja durch Dr. Kayser's bedeutsame Erklärungen in das Dunkel unserer Kolonialpolitik, weitere Aujklärungen über die Verhältniffe in Deulsch-Afrika werden aber nur von Vortheil sein, mögen die Schröder, Arendt, Peters und ihr Anhang auch über solche Er- klärungen noch so sehr wehklagen.— Frankreich. PariS, den 19. Oktober. Der letzte Sonntag brachte zwei große politische Reden.(Siehe die gestrige Nummer.) Minister des Innern B a r t h o u sprach in seiner Geburlsstadt Oloron in Slldfrankreich, der frühere radikale Ministerpräsident Löon Bourgeois in Carcassonne. Herr Barlhou berührte zunächst die jüngsten Ereignisse und in Sonderheit die Beleidigungssache zwischen ihm und dem Herausgeber der„Lanterne" und ging dann zu der politischen Lage über und zu derjenigen des Ministeriums gegenüber dem Wiederzusammentritt des Parla- ments. Er nahni das Kabinet Meline gegen de» Vorwurf in Schutz, daß es mit der Rechten und den Klerikalen paktire, und erklärte, daß die Minister unentwegt eine Politik ver- folgen würden, die ebenso weit vpn der Reaktion als von der Revolution entfernt sei. Sodan» wendete sich Herr Barthou gegen das Programm der Radikalen und des Ministeriums Bourgeois. Er setzte die Mängel und Fehler der von dieser Partei verlangten Reformen auseinander und besonders diejenige» der Finanzkombinationen des früheren Ministers Doumer und der Revisionsvorschläge Bourgeois. Gleichzeitig bekämpfte der Minister die sozialistischen Theorien des Herrn Jaurös und die- jenigen der Kolleklivisten. Schließlich sprach er sich auch über die Pläne des Kabinets näher aus und theilte mit, daß das Ministerium Meline zu Beginn der Wintersession zunächst ein die Errichtung einer Kolonialarmee betreffendes Projekt vorlege» werde, welches die endliche Verwirklichung einer schon zu lange aufgeschobenen Einrichtung ermöglichen soll. Daran wird sich eine Reform des Hypothekenwesens anschließen, welche die Besitzer von den unmoderne» Formalitäten zu befreien be- zweckt. Auch die Gerichisbarkeit wird reorganisirt, die Vereine und Wahlkörperschasten solle» größere Vorrechte erhalten. Die Präfekturrälbe werden abgeschafft und an die Stelle dieser be- raihenden Versammlungen der Departements treten 18 große Regionsräthe.— Die Quintessenz der Rede Löon Bourgeois' war die Verfassungsrevision, und zwar denkt sich der frühere Ministerpräsident dieselbe alseine beschränkte. Er legte dar, auf welche Weise eine solche in absehbarer Zeit zu erreichen sei, und erklärte für die erst« Bedingung, daß der Senat eine demokraiische Majorität erhalten müsse. Dessen Machtbefugnisse niüßtc» mehr begrenzt werben und sowohl in finanziellen Angelegenheiten wie in gesetzgeberischen müsse der Kammer das letzte Wort gelassen sein. Ueberhaupt dürften die Minister nur gegenüber der Kammer, also gegenüber den direkten Vertretern des souveränen Volkes, verantwortlich gemacht werden. Sowohl in der Kammer ivie im Senat müsse man auf eine resormatorische Majorität hinarbeiten. Es würde der Mühe nicht verlohnt haben, die Republik in Frankreich einzuführen, wenn die Republik nicht die definitive Einsetzung der Demokratie in Institutionen, Sitten und Gesetzen zum Zweck habe. So schreibt man unS aus Paris. Die Beleidigungssache, von welcher Herr Barlhou spricht, betrifft die Anklagen, welche der Redakteur der„Lanterne", Carnudet, gegen ihn erhoben, und die er einem Eh'.engericht vorgelegt hatte. Dort hat er aller- Vings bewiesen, daß er die Spitzbübereien, die ihm vorgeworfen wurden, nicht verübt hat. Allein damit ist sein sehr, sehr langes politisches Sündenregister nicht entlastet worden. Die Kolonialarmee, von der Herr Barthou träumt, wird ihm und seinen Kollegen wohl den Hals kosten; denn diese Armee soll in Madagaskar verwandt werden, wo die Lage für die Franzosen so schlimm geworden ist, wie für die Spanier in Kuba. Und da Herr Meline und seine Parteigenossen an der Kolonialpolitik schuld sind, so werden sie auch die Strafe zu tragen haben. Die Rede deS Herrn Bourgeois war herzlich unbedeutend. Es war eine Rede, um etwas und nichts zu sagen. Vor dem Kamps legt man die Karten nicht aus den Tisch.— — Ein unfreiwilliger Witz deS Zaren. Der Zar schenkte der Pfarrkirche von Chatellerault, dessen Waffen- fabrik dem russische» Heere 500 000 Gewehre lieferte, eine Glocke mit der von ihm selbst bestimmteu Inschrift:„Läute Frieden und Völkerverbrüderung." Die Wassenfabrikanten in Chatellerault werden ob dieser Widmung dem Zaren nicht allzusehr gram sein, denn sie glauben ja doch nicht, daß es ihrem besten Kunden mit dieser Friedens- drohung allzu ernst ist.— Italien. Rom, 17. Oktober.(Eig. Ber.). Während in den sizilischen Schwefelgruben-Distrikten der Ausstand noch immer fortdauert, weil die Grubenbesitzer sich trotz der gestiegenen Schwefelpreise zu keine» oder doch nur ungenügenden Lohnerhöhungen herbei- gelassen haben, hat sich die sozialistische Partei in Sizilien, die sich in der letzten Zeit in eine revolutionäre und eine gesetzliche Fraktion gespalten hatte, wiederum zu einem ganzen vereinigt. De» Anlaß dazu hat die in neuester Zeit von der sizilischen Landesregierung eingenommene gegnerische Haltung gegen die Sozialisten gegeben. Während nämlich das Landes- Ministerium sich zwar der ausständigen Schweselarbeiter bis zu einem gewissen Grade annahm und zu deren gunsten zu ver- mittel» suchte, und während es bei der Zentralregierung Anträge wegen Verbesserung der ländlichen Arbeitskontrakte stellte, verbot es doch gleichzeitig eine sozialistische Delegirtenversammlung in Corleone, die sich gleichfalls mit der Frage der Ackerbaukontrakte beschäftige» wollte. Ohne ein günstiges Berhältniß zu den Sozia- listen wird aber weder die Landes-, noch die Zentralregierung stark genug fein, in Sizilien ernsthaste soziale Reformen durchzusetzen. Es war der früher von de» Crispi'schen Militärgerichten ver- urtheilte, unter der jetzigen Regierung amnestirte Sozialisten- führer Barbato, welcher in Palermo die Versöhnung� zwischen den„revolutionären" und den parlamentarischen Sozialisten durchsetzte, indem er ausführte, daß die Revolutionäre, angesichts der llnreife des arbeitenden Volkes, es keineswegs binnen kurzer Frist aus eine revolutionäre Erhebung abgesehen haben können; und daß andererseits auch die„Parlamentarischen" sich nicht der Illusionen hingäben, alles aus rein parlamentarischem Wege zu erreichen. Die tiefe Verderbniß der in den sizilischen Gemeinden herrschenden Bourgeoisie, wie sie neuerdings wieder in dem immer größere Dimensionen annehmenden finanziellen Krach der Ge- meinde Palermo hervortritt, dürfte der Regierung die Roth- wendigkeit nahelegen, sich mit dem einzige» unverdorbenen Be- völkerungselement der Insel, dem Arbeiterstand, wie er in der sozialistischen Partei organisirt ist, auf guten Fuß zu stellen.— In Florenz hat ein Kongreß der italienischen Cooperativ-Ge nossenschaften stattgefunden. In diesen Genossenschaften sind bisher sozialistische und nicht- sozsalistische Elemente»eben einander her gegangen, die sozialistischen vornehmlich in den auf die Uebernahme öffent- licher Arbeiten gerichteten Genossenschaften, die nicht- sozialistischen vorzugsweise in den Spar- und Vorschuß- vereinen vertreten. Ein Antrag des sozialistischen Parlaments- Abgeordneten Agnini, alle diese Genossenschaften unter die Leitung eines Ausschusses der Arbeiter-Konsulate zu stellen, stieß ans Widerstand, wusde aber schließlich angenommen. Bei dem Mangel an privater Industrie in Italien haben die zur Ueber- nähme von Arbeite» gegründeten Genossenschaften sich wesentlich darauf beschränken müssen, öffentliche, also Staats- oder Gemeinde- arbeiten in Akkord zu nehmen. In den Verhandlungen wurden also vorzugsweise die Mißstände betont, welche durch die Ver- gebung öffentlicher Arbeiten an Privatunternehmer anstatt an Genossenschasten herbeigeführt werden.— — Ein neuer Crispi-Skandal beschäftigt die italienische Presse. Die„Gazzetta Piemontese", der„Secolo" und andere Blätter behaupten, der verhaftete Millionendieb Martinez, der Schatzmeister der Sladt Palermo, habe vor Jahres- frist das Kommandeurkreuz des Kronenordens um 300 000 Fr. von Crispi gekauft.— Schweden. — Handelsvertrag. Dem Christianier„Morgen» bladet" zufolge sind die norwegischen und schwedischen Mitglieder der Kommission zur Vorberathnng des schwedisch- norwegischen Handelsvertrages damit einverstanden, daß ein neuer Vertrag abgeschlossen iverden muß; indessen ist eine Einigkeit über ver- schiedene Einzelheile» dieses Vertrages noch nicht erzielt worden. Nach dem vorläufigen Enlivurf soll der Vertrag sich auf Zoll- f r e i h e i t gründen; jedoch sind hiervon industrielle Pro- dukte und verschiedene landwirthschastliche Erzeugnisse ausgenommen. — Militärische Anforderungen. Die schwedische Regierung beabsichtigt, vom Reichstage bei Gelegenheit der nächsten Session größere Kredite zu verlangen, und zwar 10 Millionen sür den Bau eines Panzerschiffes, serner größere Beträge für Torpedoboote und Kreuzer, sowie etwa 6 Millionen zur Einleitung eines größeren Festungsbaues in Norbotten.— Ruhland. — Die russische Regierung und die An- Hänger von Tolstoi. Die»topistische Lehre von Tolstoi über das Ueberwinden der soziale» Uebelstände mittels lediglich passiven Widerstandes, welche selbst ein charakteristisches Produkt des Lebens des russischen Volkes ist, welches in seiner groben Majorität unter so rückständigen ökonomischen Verhältnissen lebt, daß es nicht im stände ist, sich zu einem planmäßigen aktiven Widerstande gegen den bestehenden Gesellschasts« zustand aufzuraffen, findet in der letzten Zeit selbst mancherorts Anklang im Volke, welchem sie eine Formel giebt sür Anschauungen und Bestrebungen, die in ihm durch die traurige russische Wirklichkeit wachgerufen worden sind. So wurde die Lehre des Tolstoi von den Duchoboren auf dem Kaukasus akzeptirt, in der letzten Zeit findet sie Verbreitung unter den Etundisten, wie auch bei anderen Elementen ans dem Lande, sür welche die Akzeplirnng dieser Lehre das Erwachen von einer dumpfen Resignation und vollständig unbewußtem Verhalle» der Unigebung gegenüber bedeutet. Dieser Unistand, wie auch die scharfen Angriffe, welcher Tolstoi in seinen letzten Schriften die russischen Verhältnisse aus- setzt, veranlaßt die russische Regierung, der Ausbreitung der Anschauungen von Tolstoi in der letzten Zeit ihr besonderes Augenmerk zuzuwenden und im Auftrage von Pobcdonoszew wird gegenwärtig eine Zusammenstellnng aller Stellen in den Schriften von Tolstoi mit anarchistischem Charakter gemacht mit dem Zwecke, bei Nikolaus II. auf grund derselben die Aus- Weisung des Grafen Tolstoi ins Ausland zu beantragen. Die Repressalien der russischen Regierung gegenüber den Duchoboren, diesen Tolstoisten aus dem Volke, wurden seiner- zeit im„Vorwärts" geschildert. Wir wollen hier noch eine un- menschliche Maßnahme festnageln, welche einem der energischsten Propagandisten der Lehre von Tolstoi, dem Fürsten Chilkow (einem Verwandten des Ministers der Kommunikalionswege) gegenüber getroffen wurde. Chilkow war zuerst nach dem Kaukasus verbannt worden, wo er einen ernsthaften Einfluß aus die Duchoboren ausübte, welche er in den Kreis der Tolstoi'schen Anschauungen einzog. Infolge dessen ist er später nach dem esthländischen Gouvernement(in den Ostseeprovinze») verbannt worden. Chilkow hielt es nicht sür vereinbar init seinen Anschauungen sich kirchlich trauen zu lassen(eine standesamtliche Trauung giebt es in Rußland nicht) und seine in„ungesetzlicher" Ehe geborenen Kinder ließ er nicht taufen. Die Mutter von Chilkow, eine einflußreiche Hofdame, erzielte in den letzten Jahren der Regierung Alexander III. einen Ukas, welcher ihr gestattete, mit Hilfe der Polizei ihrem Sohne die Kinder wegzunehmen. Nachdem sie dies ausführte, ließ sie die Kinder taufen, sie bekomm den Namen der Fürsten Chilkow und dürfen ihre Ellern nicht mehr sehen. Nach dem Regierungs- antritte des Nikolaus II. schrieb diesem Tolstoi einen scharfen Brief, in welchem er gegen die empörende Rücksichtslosigkeit der Gefühle einer Mutter gegenüber Protest erhob. Nikolaus schrieb aus dem Briese des Tolstoi die folgende Resolution nieder:„Die kaiserlichen Guadenerweisungeu werden nicht rückgängig gemacht, eine Gnadenerweisung war es aber, unehelichen Rindern ben Namen der Fürsten Chilfows zu geben." Man kann sich die entsetzlichen Leiden der unglücklichen Mutter, welche ihrer Kinder beraubt worden ist, leicht vorstellen! Zweifellos werden die Regierungsverfolgungen der Anhänger von Tolstoi im Zusammenhange mit dem raschen Gange der ökonomischen Entwickelung Rußlands den Prozeß des Ueberganges namentlich der Tolstoisten aus dem Bolte in das fozialistische Lager beschleunigen. Türkei, Konstantinopel, 20. Oftober. Jn Alexandrette meuterten 700 auf ihre Abreise wartende Rekruten, drangen in die Häuser und Gärten ein und plünderten. Das französische Kriegsschiff Bautour" ist von Kreta zum Schuße der französischen Staatsangehörigen nach Alexandrette abgegangen. " Australien. Partei- Nachrichten. " feine Austrittserklärung mit folgenden Worten: Pfarrer die Inhaber der fehlenden Biften nicht erscheinen, fo find wir Naumann hat einen neuen Jünger gefunden; in seinen Reihen gezwungen, ihre Namen zu veröffentlichen. Die Lohnkommiffion ist der richtige Platz für den frommen Ideologen Lorenz, der der Bauarbeiter. nur die Konsequenzen seiner Weltanschauung gezogen hat." Im Anschluß hieran ersuche ich sämmtliche Mitglieder der Um eine rechte Freude bringt Herr Lorenz die bürgerliche Lohnkommission, zu diesem Datum pünktlich zu erscheinen. Preffe. Ein Leipziger Verleger zeigte unlängst das baldige Er- J. A.: E. Gutsch, Berlin SO., Eisenbahnstr. 36b, H. II. scheinen eines neuen Buches des Herrn Lorenz an, in welchem vom Standpunkte des Sozialdemokraten die Unrichtigkeit des Marrismus nachgewiesen werden sollte. Nun ist Herr Lorenz, bevor noch seine sozialdemokratische" Widerlegung der Lehren von Mary und Engels erschienen ist, aus der Partei ausgeschieden. Segt müssen wir auf all' die schönen Leitartikel über das Buch des jugendlichen Herrn Lorenz verzichten. Achtung! Parquetbodenleger Berlins! Die Firma Rampmeyer, Holsteiner User 15, versucht Lohnreduzirungen vorzunehmen. Wir ersuchen die Kollegen, bis auf weiteres Arbeit bei dieser Firma nicht anzunehmen. Die Kommission. In Charlottenburg wird Sonntag, den 25. Ottober, vormittags 10 Uhr, im Lokal Bismarckhöhe, Wilmersdorferstr. 39, ungefähres Bild davon gegeben werden soll, wie sich die Herren eine große Volksversammlung abgehalten, wo ein Die Drechsler in der Thür- und Fenstergriff- Branche bei der Firma Grunert n. Lehmann in Leipzig haben sich mit ihren ausständigen Werkstattfollegen in der Holzbranche folidarisch erklärt und wollen gleichfalls die Arbeit niederlegen, den nächsten Tagen bewilligt. Sie wollen dann die Forderungen falls der Prinzipal die Forderungen der Holzdrechsler nicht in der Holzdrechsler zu den ihrigen machen. Die Fabrik beschäftigt insgesammt gegen 100 Arbeiter inklusive der Hilfsarbeiter. Buzug von Horndrechslern und Eisendrehern ist fernzuhalten. Bur Verhaffung In Homburg v. d. H. wurden bei der Delegirtenwahl zur Generalversammlung der Orts Krankenkasse unsere Kandidaten mit großer Mehrheit gewählt. Sie erhielten im Buchdruckereibesizer Charlottenburgs die Einfüh ersten Bezirk 71, im zweiten 11 Stimmen; die Liste des alten ung des vereinbarten Tarifs vorstellen, und welche Lehre daraus andere Berufe zu ziehen haben. Der Einberufer. - Die Frauen Neu- Seeland 3 befizen bekanntlich Borstandes brachte es nur auf 11 und 4 Stimmen. schon das Stimmrecht. Wie verlautet, hat die Regierung Achtung, graphische Arbeiter und Arbeiterinnen Der Sozialdemokratische Verein in Ludwigshafen hat Deutschlands. In Stettin haben bei jezt eine Vorlage eingebracht, derzufolge den Frauen auch das zirka 500 zahlende Mitglieder. der Firma Recht gewährt werden soll, als Parlamentstandidaten F. M. Lenzner sämmtliche Steindrucker und Schleifer, in auftreten zu dürfen. Die Frauen streben danach, einen immer Summa 19 Kollegen, am Montag die Arbeit niedergelegt. Ebenso Polizeiliches, Gerichtliches 2c. größeren Antheil an der Verwaltung zu erhalten. Nachdem Wegen eines Artikels über einen Landarbeiterinnen- Streit sind bei der Firma Ernst Genßensohn 18 Steindrucker ausschon Frauen als Gefängnißinspektoren angestellt sind, verlangt in Oppin war Genosse Weißmann, der frühere verantwort: Minimallohn für Steindrucker 20 M., für Schleifer 16 M., ständig. Die Forderungen sind: Neunstündige Arbeitszeit, die Frauenliga in Christchurch, ihnen auch Posten als Schutzliche Redakteur des Boltsblattes für alle", feinerzeit Abschaffung der Affordarbeit, Bezahlung der gefeßlichen FeierTeute anzuvertrauen. des groben Unfugs" schuldig befunden und zu 5 Tagen Haft Der Vorstand. verurtheilt worden. Der Inspektor des betreffenden Gutes, Thilo tage. Zuzug ist streng fernzuhalten. Engelmann, strengte dann Privatllage gegen Genossen Weißmann Jn Leipzig haben 42 Tischler, Stuhlbauer, an. Das Schöffengericht erkannte aber auf Freisprechung, da Polirer und Hilfsarbeiter der Firma Hertlein u. der Verklagte nicht zweimal wegen derfelben Sache bestraft Romp.( Naundörfchen) und Werner u. Haring( AlexanderUeber die Situation im Wahlkreise Brandenburg: werden könne. Wegen Nichtaufnahme einer Berichtigung, die ftraße) wegen Nichteinhaltung des Tarifs 2c. die Arbeit niederWesthavelland wird berichtet: Die Wahlagitation nimmt die Berg- und Hüttendirektion der Mansfeldschen Kupferfchiefer gelegt. Die Maschinen- und Hilfsarbeiter der Firma Hertlein immer heftigeren Charakter an. Sowohl der freisinnige Groß- bauenden Gewerkschaft in Eisleben eingesandt hatte, wurde Ge- u. Komp. betheiligten sich nicht am Ausstand. Zuzug von taufmann Blell als auch der konfervative Landrath v. Löbell noffe Mannigel, der spätere verantwortliche Redakteur des Tischlern, Stuhlbauern und Polirern ist zu meiden. ziehen auf dem Lande von einem Ort zum andern und halten Boltsblatts für Halle", zu 100 M. Geldstrafe oder 20 Tagen Versammlungen ab, in denen entweder gar keine Diskussion oder Haft verurtheilt. Gerichtlich bestätigt wurde die vor zwei höchstens Fragestellung gestattet wird. Ueber die Sozialdemokratie Wochen in der Redaktion des„ Volksblatts für Halle" erfolgte wird dabei den Wählern das Blaue vom Himmel herunter ge- Beschlagnahme einiger Manuftripte von Notizen über den BoyTogen. Unsere Genossen gehen vielfach in diese Versammlungen, fott der Böllberger Mühle, da sie als„ Beweismittel für die theils um vielleicht doch zu Worte zu kommen, theils aber und gegen den Redakteur Thiele zu Halle a. S. und Genossen fogar hauptsächlich, um auf die bei solcher Gelegenheit wenigstens wegen Beleidigung pp. geführte Untersuchung von Bedeutung theilweise anwesenden Arbeiter durch an die Versammlung sich sein können". Daß eine Untersuchung gegen Thiele schweben antnüpfende Gespräche im Sinne unserer Sache einzuwirken. soll, ist diefem bisher völlig unbekannt gewesen. Und dies lettere gelingt unseren Genossen denn auch immer -Aus Stettin wird uns geschrieben: Einer ganz beganz ausgezeichnet, weil in der Regel schon alte per sonderen Fürsorge seitens der hiesigen Polizeidirektion hat sich fönliche Beziehungen bestehen. Sodann aber ist die höchst der Sozialdemokratische Wahlverein zu erfreuen. erfreuliche Beobachtung zu machen, daß die Landarbeiter und Nicht nur, daß man die Vereinsversammlungen zu öffentlichen Roffäthen meist schon ein solch start entwickeltes Klaffen- ftempeln will, man ging am Sonnabend sogar so weit, den bewußtsein haben, daß der bloße Gedanke an ihre wirthschaft Frauen die Theilnahme am Stiftungsfest zu verbieten. Der be liche Lage fie ohne jede Agitation unsererseits zu uns führt und treffende Bescheid ging erst am Donnerstag dem Vor- des 17jährigen Schlofferlehrlings Wilhelm Grosse, der in Ge. alle Anstrengungen, zumal der Freifinnigen, sie durch Eugen sitzenden Genossen Storch zu. Doch wir verstanden meinschaft mit anderen den Justizrath Levy ermordet hat, Richter'sche Zukunftsstaatsmäßchen und Wizchen irrezuführen, diesen Hieb fräftig zu pariren. 251 Mitglieder nahmen troy- wird noch berichtet, daß der Verdacht auf ihn durch den Arzt tläglich scheitern. Wären die Arbeiter auf dem Lande nur dem an der Feier theil, 50 Personen traten dem Verein gelenkt wurde, bei welchem er sich am Sonntag nach Verübung allenthalben schon so unabhängig bei der Wahl wie die Arbeiter als Mitglieder bei und trotz der erheblichen Kosten des Festes der That hatte die verlegte linke Hand verbinden lassen. Die in der Stadt, so würde sich ohne jeden Zweifel herausstellen, ist ein Ueberschuß von über 40 m. erzielt worden. Und obwohl Kriminalkommiffarien Thiel und Braun begaben sich auf Verdaß fie einen verhältnißmäßig viel stärkeren Prozentsab teine Frauen theilnehmen durften, wurde doch bis früh 5 Uhr anlassung des eigenen Bruders des Groffe, der in dem Hauſe Sozialdemokratischer Stimmen aufbringen, als ihre städtischen flott getanzt. Kurz, die Pommern wissen sich zu helfen und was Georgenkirchstr. 53 bei seiner Mutter wohnte, auf die Suche nach Klaffengenoffen. Großen Schaden hat der konservative Kandidat fie sich vorgenommen haben, das pflegen sie auch auszuführen. dem Mörder. In demselben Hause wohnte der zweite Thäter, Landrath v. Loebell dadurch, daß die Geistlichen allenthalben Unser Bestreben ist nicht nur, Stettins Proletariern das sozia Bruno Werner, der bekanntlich Schreiber bei dem ermordeten für ihn reben. Es ist erstaunlich, wie wenig Sympathie der liftische Gift" einzuimpfen, sondern sämmtlichen Arbeitern Justizrath war. Geistliche auf dem Lande bei den kleinen Leuten genießt. Die Pommerns. Und wenn uns bis jetzt die Mittel fnapp waren, In einer uns zu späterer Etunde zugehenden Meldung wird Freifinnigen spekuliren auf dem Lande auf die Bauern, die fo wird die rührige Agitation unseres Polizeipräsidenten dafür bestätigt, daß der eigene Bruder die furchtbare Pflicht auf fich Arbeiter lassen sie völlig links liegen. Am heftigsten führen sie sorgen, daß wir sie in Zukunft erhalten. genommen hat, die Verhaftung des Wilhelm Groffe zu bewirken. den Kampf gegen die Konservativen, so daß man meinen sollte, -Genosse ante in Elbing hatte im Lokal Raiser. Dieser Bruder hat beim Garde- Füfilier- Regiment gedient, ist erst die Bossische Zeitung" habe recht, wenn sie schreibt, ein Frei- garten Plakate ausgehängt, die sich auf die Waifeier vor kurzem vom Truppentheil entlassen und seitdem Posthilfsbote finniger tönne unmöglich für einen konservativen Agrarier bezogen. Das Schöffengericht verurtheilte ihn zu 3 M. Geld- beim Postpacketamt in der Oranienburgerstraße. Wilhelm Grosse ist stimmen. Die Thatsachen der Vergangenheit haben darüber strafe, weil er nicht die Polizei um Erlaubniß gefragt hätte. der Bursche, der Frau Levy, als sie an dem Bette ihres Mannes allerdings die Welt schon anders belehrt. In ihrem Kampfe Das Landgericht erkannte jedoch auf fostenlose Frei- vorüber nach dem Dienstmädchenzimmer flüchtete, zwei Meffergegen die Sozialdemokratie erlauben sich vornehmlich die Freisprechung, da ein Lokal ein beschränkter Raum sei und der ftiche beibrachte. Er hat fich dabei an der Hand selbst verlegt. finnigen die unverschämtesten Schwindeleien. Besonders auch§ 43 Abfat 3-5 des Preßgesetzes deshalb nicht anwendbar Der Arzt einer Sanitätswache, auf der er sich später die über die Person unseres Kandidaten Peus wird das schamloseste wäre. Das Kammergericht habe bereits 1892 in diesem Sinne Hand verbinden ließ, machte von dem, was er gefehen dem Bruder bes Groffe brieflich brieflich Mittheilung. an Berleumdung zurechtgedrechselt. Dummerweise wiffen die entschieden.- Der Vorsitzende des Gerichts hatte Hanke hatte, Freifinnigen aber auch hierin so wenig Maß zu halten, daß während der Verhandlung mehrmals zu bewegen gesucht, bieber Berlegte bei der Ermordung des Justizraths Levy bein der als richtig erwiesenen Vermuthung, daß bald fein Mensch ihnen mehr was glaubt. Denn sie lügen Berufung wegen der Kosten zurückzuziehen. Wäre Genosse Hante selbst bezüglich solcher Dinge, welche hunderte Versammlungs- dem nachgekommen, so würde die Polizei die Entfernung von theiligt sein könnte, ging der ältere Grosse gestern theilnehmer in ihrem wahren Sachverhalt zu beobachten Plakaten aus Lofalen, beziehentlich die Prozessirung unserer Ge- a ch mittag um 1 Uhr, als er dienstfreie Beit hatte, mit dem Briefe des Arztes zum Polizei. Gelegenheit hatten. Da es unseren Genossen an Sälen auf dem noffen ruhig fortgesetzt haben. Man tann sich denken, Lande fehlt, haben sie die schon früher angeregte Jdee, Zelte zu Wegen Beleidigung des Amtsvorstehers zu Ragnit wurde präsidium am Alexanderplat. bauen, verwirklicht. Genossen aus dem fleinen Landstädtchen Genosse Korset in Zilsit vom Schöffengericht zu 50 Mark wie schwer ihm dieser Gang geworden ist und daß es Rhinow haben zuerst solchen Zeltbau so stabil hergestellt, daß Geldstrafe und den üblichen Nebenstrafen verurtheilt. Korset ihm große Ueberwindung geloftet hat, ibn anzutreten. die Polizeibehörde die Abhaltung von Versammlungen in dem hatte einen Krug in Rautenberg gepachtet, bekam aber die Kon- Auf grund des Briefes machte sich Kriminalkommissar Braun felben nicht mehr glaubte behindern zu können. Auch bei dem zession nicht, wurde vielmehr recht oft mit Strafmandaten be- mit zwei Beamten auf die Suche, bis es ihm gelang, den Verbisher recht schwarzen Friesack fand solche Zeltversammlung mit dacht, während ein anderer Krugwirth am Drte, der auch Drts: folgten im Grunewald zu faffen. Der Festgenommene hatte glänzendem Erfolge statt. Ueber zweihundert Wähler waren vorsteher, Postagent u. f. w. ist, un behindert blieb, obgleich er seit mehreren Tagen nichts genoffen, da er ganz mittellos war, und So haben schon mehrere Beltversammlungen stattgefunden und bis tagsruhe nicht so genau nahm. Als die Strafmandate gegen in eine Zelle des Polizeipräsidiums gebracht, aus der er heute im Zelte und noch eine große Anzahl außerhalb desselben. es nach der Meinung des Genossen Korsetz z. B. mit der Sonn- sieht daher sehr elend aus. Er wurde nach einem langen Berhöre, in dem er, wie schon bekannt geworden ist, ein Geständniß ablegte, zum Tage der Wahl werden noch einige abgehalten. Die Opfer- Korfeß überhand nahmen, erstattete diefer gegen den anderen willigkeit der ländlichen Genoffen ist bei dem Aufbau der Belte Krugwirth Anzeige, die aber vom Amtsvorsteher abgelehnt wurden, Vormittag in das Untersuchungsgefängniß zu Moabit übergeführt geradezu bewunderungswürdig. Wird doch selbst in dieser Jahreszeit weil der andere Krugwirth nichtse Gfezwidriges gethan habe. werden wird. Die Verhaftung des Werner glaubt man regelmäßig bei denselben von mehreren Genossen, die sich in der Ueber diese Sache veröffentlichte Korset in der Königsberger ebenfalls bald bewirken zu können. Die beiden anderen SpießNacht abwechseln, Wache gehalten, damit nicht Gegner ihren Ueber- Wolfstribüne" eine Kritit, worin die Beleidigung gefunden gefellen will Grosse nicht kennen. muth an dem Ergebniß der mühsamen Arbeit unserer Genossen wurde. ( Siehe auch unter Lokálnachrichten in der ersten Beilage.) auslassen können. Erfreulich und ein Zeichen für die Fort--Beim Begräbniß des Genoffen Hermann Eichborn geschrittenheit unserer Sache ist es übrigens, daß es an Grundstücken, in Dresden hat die Polizei einen dem Sarge nachgetragenen auf welchen die Belte errichtet werden müssen, weniger fehlt. Viele Kranz tonfiezirt. Die Trägerin des Kranzes, ein junges, fleine Besitzer sind schon die begeistertften Parteigenossen. Interessant 18 jähriges Mädchen, Fräulein Marie Hoppe, foll nun laut Depeschen und lehte Nachrichten. ist es für unseren Kandidaten, Genossen Peus, daß ihm schon eines von dem bekannten Amtsrichter Dr. Becker ausgestellten wiederholt selbst auf den kleinsten Dörfern Arbeiter begegnet Strafbefehls 20 m. Strafe bezahlen oder 4 Tage im Gefängniß Frankfurt a. M., 20. Oftober.( B. H.) Die Frankfurter find, welche schon vor längerer oder kürzerer Zeit Gelegenheit figen, weil sie mit der zur Erfenntniß der Strafbarkeit ihrer Beitung" meldet aus Düsseldorf: Heute Morgen um 7 Ubr find hatten, ihn in Anhalt( in Dessau, Bernburg, Roßlau und in Handlungsweise erforderlichen Einsicht" bei Gelegenheit des Be- bei Düsseldorf beim Rangiren zwei Züge zufammengestoßen. Der Nienburg) als Redner kennen zu lernen. Die Arbeiterbevölkerung gräbnisses des verstorbenen sozialdemokratischen Parteiführers" Materialschaden ist erheblich; verletzt wurde niemand. ift eben alltäglich in gewaltigem Fluß begriffen und jede einen Kranz mit feuerrother, etwa 80 Zentimeter langer und Frankfurt a. M., 20. Ottober.( B. H.) Aus Konstantinopel Agitation irgendwo ist werthvoll für das ganze Deutsche Reich. 15 Bentimeter breiter, mit der Jufchrift: Gewidmet von den wird der Frtf. 3tg." telegraphirt: Gin reicher Armenier, namens Soffentlich bleibt die Frucht der lebhaften Agitation auch Parteigenoffen des 4., 5. und 6. Reichstags- Wahlkreises" versehenen Cololian, erhielt vor einer Woche die Aufforderung am 29. Oktober nicht aus. Schleife, an der Spitze des Buges getragen, fonach der Ber- Hintscha- Komitee, 400 Pfd. zu zahlen, sonst werde er getödtet. Zu den Breslauer Stadtverordnetenwahlen wird uns ordnung vom 14. Juli 1849, das Tragen republitanischer Cololian siedelte nachts beimlich auf eine Insel über, während von dort noch mitgetheilt: Schon in früheren Jahren ist von der Abzeichen u. f. w. betr., wonach das öffentliche Tragen in seinem Hause zwei bewaffnete türkische Polizisten installirt Borgestern bei Sonnenuntergang brangen vier Sozialdemokratie ein Verfuch gemacht worden, Vertretung im äußerer Abzeichen, welche nach allgemein verbreiteten Ansichten wurden. Rathhause zu bekommen; der Versuch mißlang aber, da damals und der unzweifelhaften Absicht derer, die sie tragen, republi- Armenier in das Haus ein und tödteten die beiden Polizisten. nur wahlberechtigt war, wer ein Mindesteinkommen von 960 m. fanische Gesinnungen und Tendenzen an den Tag legen follen, Gin hinzukommender Detektiv wurde tödtlich verwundet. Bon hatte. Der Benfus ist nun erniedrigt worden, aber was die frei verboten ift, zuwider gehandelt hat." Frl. Hoppe wird gegen den Attentätern fehlt jede Spur. Die Angelegenheit hat in Konstantinopel große Aufregung verursacht. finnige Stadtverwaltung mit der einen Hand gab, nahm fie mit den Strafbefehl Einspruch erheben. Genoffe Arno Reichard in Dresden hat eine T. der andern, indem nur diejenigen wahlberechtigt find, die ein volles Jahr ihre gegenwärtigen Steuerbeiträge entrichtet Anklage erhalten, weil er nach ber aufgelöften Werftarbeiter haben. Es waren nämlich viele Arbeiter zu niedrig eingeschäßt; da Versammlung in Bieschen dem die Auflösung aussprechenden fie infolge deffen keine Stimme abgeben dürfen, verlangten fie, Beamten, der sich als Beamter nicht legitimirt hatte, erklärte, in eine höhere Steuerstufe versetzt zu werden. Dies geschah, aber er habe in Unkenntniß des Bereinsgesetzes gehandelt, nun erklärte der Magistrat, daß die jetzt höher Veranlagten troydem nicht wählen dürften, da sie noch fein Jahr diese Steuer zahlen. Alle Parteien haben sich schon gerüstet und binnen kurzem wird der Wahlkampf toben. Unsere Genoffen hoffen, zum mindesten drei bis vier Size im städtischen Parlament zu er obern. Die Situation ist nicht ungünstig, so daß ein Sieg wohl möglich erscheint. Gewerkschaftliches. " nun nun vor= neun Düsseldorf, 20. Oftober.( W. Z. B.) In dem Prozeß gegen Freiherrn v. Ehrhardt und Genossen beantragte der Staatsanwalt gegen Freiherrn v. Ehrhardt wegen Beleidigung des Ehrenraths sechs Monate Gefängniß, wegen Herausforderung zum Zweikampf fechs Monate Festung, gegen ben Premierlieutenant v. d. Rhein wegen Beleidigung des Bezirks. tommandos 300 Mart Geldstrafe, wegen Beleidigung des Ehrenraths drei Monate Gefängniß und wegen Herauss forderung zum Zweikampf und des Kartelltragens vier Achtung, Zimmerer! Bei dem Zimmermeister Ma is in Monate Festung, gegen Hecker wegen Herausforderung Schöneberg, Erdmannstr. 3( Plaz: Kaifer Friedrich- und und Karteltragens sechs Monate Festung, wegen Beleidigung Bahnstraßen- Ece), legten am Dienstag Vormittag die Zimmerer des Bezirkskommandos 150 M. Geldstrafe, wegen die Arbeit nieder, weil der Minimallohn nur theilweise gezahlt fäßlicher Körperverletzung des Landesraths Schmidt Ueber einen Austritt aus der Partei in Leipzig wiffen wurde. Auf den Bauten Schaperstraße, vis- à- vis dem Joachims Monate Gefängniß, gegen den Redakteur Becker wegen die bürgerlichen Blätter mit viel Behagen und wenig Witz zu thaler Gymnasium, und an der Schule Grunewaldstraße, ruht Beleidigung des Ehrenraths 800 M. Geldstrafe, gegen Redakteur berichten. Der betreffende, Max Lorenz, ist ein junger die Arbeit vollständig. Die Verhandlungen, welche der Ver- Harnfeld sechs Monate Gefängniß und 300 M. Geldstrafe, gegen Mann, der vor Abschluß seiner Universitätsstudien in der trauensmann am Nachmittag unternahm, führten zu keinem Re- Redakteur Wessel neun Monate Gefängniß. Die Vertheidiger Redaktion der Sächsischen Arbeiter- Zeitung" und der Leipziger fultat. Der Zuzug ist deshalb von allen diesen Bauten streng plädirten für Freisprechung bezw. für ein milderes Strafmaß. Volkszeitung" mehrere Monate aushilfsweise beschäftigt war. fernzuhalten. Die Lohnkommission. Paris, 20. Oftober.( W. Z. B.) Der Direktor des Obser In die weitere Deffentlichkeit trat er, als er sich seiner Zeit vatoriums Tisserand ist heute gestorben. gegen den Willen der Leipziger Genoffen mit dem bekannten Konftantinopel, 20. Oktober.( W. T. B.) Nach Meldung Professor Sohm in einen öffentlichen Disput über die SozialDemokratie einließ, welcher nachher im Verlag von R. Werther von uns ausgegebener Sammelliften find, auf, diefelben bis aus amtlicher türkischer Quelle sind die Nachrichten über die ans in Leipzig unter dem Titel erschienen ist: Der Arbeiterstand und spätestens Sonntag, den 25. Oktober, im Lokal von J. Schmidt, gebliche Verhaftung Fuad Paschas und über EhristenniederDie Leipziger Volkszeitung" begleitet Wallstr. 65, vormittags von 10-12 Uhr, abzuliefern. Sollten I megelungen in Mytilene erfunden. die Sozialdemokratie. Berantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Für den Inseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von May Bading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen " " Achtung, Bauarbeiter Berlins! Hierdurch fordern wir alle diejenigen, welche noch im Besitz 15 1. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 247. Tokales. Mittwody, den 21. Oktober 1896. 13. Jahrg. lieren. Das Jnnungsorgan meint, daß, wenn der Maximal Grund angegeben; sie war aber ohne Zweifel auch in den meisten Arbeitstag noch ein Jahr besteht, dann die Hälfte aller übrigen Fällen die eigentliche, schließlich die Aufnahme bewirkende Die Mitglieder des sozialdemokratischen Wahlvereins Bädereien vernichtet sein wird. Wie dem Jnnungs- Ursache. Das dürfte namentlich auch für die Mehrzahl der Fälle zu Charlottenburg verweisen wir auf die gestrige Versammlungs organ weiter noch mitgetheilt wird, ist gleich nach Eröffnung des zutreffen, wo Eltern ihre Kinder einfach im Stiche ließen. Vor zu Charlottenburg verweisen wir auf die gestrige Versammlungs- Reichstags eine Interpellation über die Beschränkung der einigen Jahren versprach man sich für die Entlastung des Armenanzeige und erwarten von jedem einzelnen, daß er heute, MittArbeitszeit in den Bäckereien in Aussicht genommen. woch, abends 82 Uhr, in Bismarckshöhe anwesend sei. Gleich brave Jnnungsblatt wird wohl ein wenig aufgeschnitten und der Waisenpflege überlassen, ihre Zahl sei erschreckend groß, Das etats viel davon, daß gegen Eltern, die ihre Kinder ohne Noth zeitig ersuchen wir die Mitglieder, ihre Wohnung beim Kassirer die Folgen der Bäckereiverordnung nach seinem Sinne graufiger fagte die bürgerliche Presse, tünftig die Hilfe der Gerichte anE. Dösse, Krummeftr. 19, richtig anzugeben, damit eine regelrechte dargestellt haben, als sie wirklich sind. Aber wenn auch die gerufen werden sollte. Wir haben damals bezweifelt, daß die Agitation durch die Abtheilungsführer eingeleitet werden kann. Mittheilungen nur zum Theil der Wahrheit entsprechen, fo zeigen Bahl dieser Eltern wirklich so groß sei. Thatsächlich sind bisher Desgleichen erwarten wir von jedem Mitgliede eine rege Betheiligung an der am Sonntag, den 25. Oktober, stattfindenden sie doch, daß Arbeiter und Publikum gleich gut dabei fahren. nur zwei Fälle bekannt geworden, in denen mit Erfolg Daß eine Reihe Betriebe zu grunde gehen müssen, die nur bei gerichtlich vorgegangen werden konnte. Flugblattverbreitung. Der Diskutirabend fällt der Versammlung schmählichster Ausbeutung ihrer Arbeitskräfte eristensfähig find, Armendirektion in ihrem Waisenpflege- Bericht:" Die Zahl der wegen aus. Der Vorstand. wird kein Einsichtiger als ein voltswirthschaftliches Unglück bezeichnen. Jetzt erklärt auch die jenigen Eltern, welche sich dauernd der Verpflichtung zur Er. ziehung und Verpflegung ihrer Kinder entziehen, ist nicht groß. Größer ist die Zahl derjenigen, welche zur Erziehung ihrer Kinder uufähig sind." Und über die Findlinge wird gesagt: Von vielen Kindern, die als Findlinge der Waisenpflege übers wiesen werden, melden sich die Angehörigen sehr bald. Ju den meisten Fällen ist es bittere Noth, welche uneheliche Mütter zur Aussehung ihrer Kinder veranlaßt." Der Bericht betont überhaupt mehr als in den letzten Jahren den Einfluß der Noth auf die Waisenpflege. Wir werden noch mehreres daraus mitzutheilen haben. wurde in dem Die Erhaltung eines Theiles der Gewerbe- AusstellungsBauten, besonders des Adlon- Dressel'schen Restaurants und der Kuppelhalle sammt dem Neuen See als obligater Zugabe, wird Arbeiterviertel nennt man gewöhnlich besonders die Stadtnach wie vor von gewiffer Seite mit Eifer und Nachdruck be. theile Berlins, die sich vom Nordwesten über den Norden und trieben. Während Adlon und Dressel bereits ihr Restaurant Often bis zum Süden und in den Südwesten hinein an der sammt Wirthschaftsinventar zum Verkauf ausbieten, wird die Peripherie hinziehen. Wie sehr diese Bezeichnung zutrifft, lehrt scheinbar glücklich abgethane Frage jezt dadurch von neuem aufdie Verschiedenheit des Antheils namentlich einer Arbeiter gruppe, der Arbeiter ohne nähere Angabe, an der Begerührt, daß Stadtv. Rosenow und seine Freunde versuchen wollen, den Magistrat durch die Stadtverordneten- Versammlung völkerung der einzelnen Stadttheile. Bei der Zählung von 1890 zur Erhaltung der Bauten zu animiren. Die„ Voff. 3tg." weiß( in Klammern für 1885) tamen auf diese Gruppen von zu weiterer Empfehlung des Planes, für den sie sich ganz außer verdienenden) Bewohnern des betreffenden Stadttheils z. B. in je 1000 felbstthätigen( d. h. arbeitenden oder wenigstens ordentlich ins Zeug legt, darauf hin, daß kein Park Berlins der Rosenthaler Vorstadt südlich 160( 130), Königsviertel 165 der Amtsvorsteher v. Oppen in Adlershof seit Jahren mit In dem Polizeikampf gegen die Sozialdemokratie, den eine Erfrischungsitätte habe.( Stimmt übrigens nicht ganz; im Thiergarten, Viktoriapark, Friedrichshain giebts wenignens Milch.( 120). Dranienburger Vorstadt 179( 151), Stralaner Viertel redlichem Eifer führt, kann sich dieser Herr abermals einer hallen.) Sie findet das„ im höchsten Grade beklagenswerth"; darum westlich 180( 142), Moabit 189( 142), jenseitige Luisenstadt west originellen That rühmen. Vor kurzem erhielt nämlich unser hallen.) Sie findet das„ im höchsten Grade beklagenswerth"; darum lich 198( 166), Rosenthaler Vorstadt nördlich 212( 181), Stralauer Parteigenoffe John in Johannisthal ein Strafmandat, weil er solle man nun zum mindesten dem Treptower Part sein nun zum" mindeſten dem Treptower Park sein Restaurant lassen. Ja, für wen sollen denn Adlon- Dressel ihren Viertel östlich 244( 180), Wering 309( 271), jenseitige Luisen- ohne behördliche Erlaubniß öffentlich Druckschriften verhaben stadt östlich 313( 261), dagegen z. B. in der Friedrichstadt nur theilt sollte. Das Verbrechen opulenten Tisch noch weiter gedeckt halten? Doch nicht für die 25( 25), Thiergarten Vorstadt 24( 22), Dorotheenstadt 11( 12); nicht gut wegzuleugnenden Unstande gefunden, daß John in Bewohner des ärmlichen Südostens? Und von den Leuten, die in Berlin überhaupt 151( 115). Auf dem Wedding und in dem seiner Eigenschaft als Parteifpediteur gewohnheitsmäßig seinen während der Ausstellung sich bei Adlon- Dressel beköstigt haben, östlichen Theile der jenseitigen Luisenstadt machten also bei der Abonnenten den Vorwärts" und das Boltsblatt" des Morgens werden schwerlich viele nochmals nach Treptow hinausgehen. am Bahnhof Nieder- Schönweide überreicht hatte. Die betreffenden Man erinnere sich, mit welchen Gründen, als der Kampf um Bählung von 1890 schon die Arbeiter einer einzigen Gruppe den Ausstellungsplatz noch wogte, gegen Zeptow agitirt wurde, allerdings der st ärt sten Arbeitergruppe nicht viel weniger Abonnenten wünschten dies so, da sie meistens in Berlin arals ein Drittel aller selbstthätigen Bewohner aus. beiteten und daher erst am Abend wieder nach Johannisthal wenn auch nicht gerade von der Voss. 3tg.". Da wurde die Befürchtung geäußert, die Bewohner des vornehmen Westens In der städtischen Waisenpflege haben sich im Ver- zurückkehrten. Selbstverständlich hat John gegen dies Strafkönnten der im ordinären Often abgehaltenen Ausstellung über- waltungsjahre 1895/96, über das jetzt der Bericht der Armen- fam er beim Amtsvorsteher um die Erlaubniß ein, die Druck mandat auf richterliche Entscheidung beantragt. Mittlerweile haupt fern bleiben! Und nun sollten sie mit einem Wale so sehr direktion( Waisenverwaltungs- Abtheilung) vorliegt, die Verhält- schriften vertheilen zu dürfen. Als Antwort erhielt er folgendes für den Osten schwärmen, obgleich feine Ausstellungs- Vogelwiese nisse- wenn man nach dem Zahlenergebniß urtheilen darf mehr da ift? Man hat gefagt, hunderttausende von wieder etwas gebessert. Die Durchschnittszahl der im Jahre charakteristsche Schreiben: Adlershof, den 29. Sept. 1896. Bewohnern des westlichen Berlins hätten den Park( im dem sonst verpflegten Waisen und der Bestand am Jahresende waren zwar meist nur Arbeiterfamilien ihre Erholung suchen) in diefem noch höher als 1894/95, aber die Aufnahmen sind zurückgegangen, die Genehmigung zum Vertheilen von Druckschriften auf den Auf Ihr Gesuch vom 21. d. M. eröffne ich Ihnen, daß ich Sommer zum ersten Male kennen gelernt. Nun vielleicht ist wobei freilich dahingestellt bleiben muß, wie weit dieses Ermancher dabei auf den Gedanken gekommen, daß der Park für gebniß durch strenge Prüfung des Bedürfnisses öffentlichen Straßen von Nieder- Schönweide mit Rück Berlins Hintertreppe"( wie man den Often seinerzeit nannte) zu stande gekommen ist, also auf den dei der Armen- ficht auf den häufig sehr starken Verkehr bei eigentlich doch ein bischen zu schmuck und darum zu schade ist. verwaltung feit einiger Zeit bekanntlich sehr lebhaften schwieriger Passage nicht ertheilen kann. brauchen. " -J. V.: v. Rheinbaben. hinzugefügt werden, daß es sich um 15 Nummern des Vorwärts" Um diese Verfügung recht würdigen zu können, muß noch und weiter muß man wissen, daß die Straßen von Niederund etwa ebensoviel Exemplare des Boltsblattes" handelt. Schönweide fast durchweg an einer Seite von Wald oder Schönweide fast durchweg an einer Seite von Wald oder Haide umfäumt sind. Bleibt das Restaurant erhalten, so wird allerdings manchem Wunsch, zu sparen, zurückzuführen ist. Die Durch= Aermeren ein wichtiger Theil des Parkes verleidet. Aber wie schnittszahl der Waisen war 1895/96( bezw. 1894/5) wär's, wenn man, um auch diese unzufriedenen Nörgler zu be- 4645( 4537), das sind 278( 275) auf je 100 000 Perschwichtigen, gleichzeitig Herrn Abraham ersuchte, sein Bolts- sonen der mittleren Zivilbevölkerung. Der Best and war da ernährungs- Etabliſſement ba draußen weiter zu führen? Es am 1. April 1896( bezw. 1895) 5168( 5141) Waisen, nämlich liegt ja weit genug ab von Aolon u. Dressel, sodaß die 1. 4601( 4590) Waisen im engeren Sinne( vater, mutter, eltern nobleren Bartbesucher von da her feine Belästigung zu fürchten lose, verlassene, obdachlose), 2. 451( 439) Zwangserziehungsfinder, 3. 92( 87) andere verwahrloste Kinder( namentlich den Einer der Mörder des Justizraths Levy ist gestern Der Ausschuß zur Vorberathung der Wahlen für die bes 4. 24( 25) erwachsene, aber erwerbsunfähige Waisen. Die Waisen entdeckt worden. Eine Meldung des Wolff'schen TelegraphenEltern entzogene, aber noch nicht zur Zwangserziehung bestimmte), foldeten Stellen der Magistratsmitglieder hat am Montag Abend waren zum geringsten Theile in Anstalten( in städtischen oder bureaus, die vom Dienstag Nachmittag drei Uhr adressirt ist, unter Vorsitz des Stadtverordneten- Vorstehers Dr. Langerhans auf Kosten der Stadt in nichtstädtischen), zum größten Theile in befagt: In der Person des 17 jährigen Schlofferlehrlings befchloffen, der Stadtverordneten- Versammlung zu empfehlen, die Stellen des Stadt- Bauraths Hobrecht und des Stadtraths Friedel Familien( Berlin oder auswärts) untergebracht. Neu oder Wilhelm Grosse ist einer der Mörder des Justizraths auszuschreiben und zwar erstere Stelle mit 12 000 1057( 1109) Knaben, 942( 924) Mädchen, zusammen 1999 stifter und Mitthäter den noch nicht ergriffenen früheren aufgenommen wurden 1895/96( bezw. 94/95) Levy ergriffen worden. Er ist geständig und bezeichnet als AnIegtere mit 7000 M. Im Falle der Wiederwahl derselben soll ( 2033) Kinder, 119( 123) auf 100 000 Zivileinwohner Schreiber Levy's, namens Bruno Werner. Ueber die denselben das gegenwärtige Gehalt belassen werden. aus zusammen 1438( 1541) Familien. Als Grund der Verhaftung des Mörders Wilhelm Grosse sind noch nicht viele Die Bäckereiverordnung als Förderer der industriellen Aufnahme wird angegeben: die Eltern waren bei Einzelheiten bekannt. Der Verbrecher wurde am Dienstag Entwickelung. Wie das Bäcker- Junungsorgan mittheilt, haben 270( 332) todt, eigentliche Verwaisung lag also nur Nachmittag mit einer Droschke zum Polizeidienstgebäude am einige Bäckermeister, die mit großem Gesellen- und Lehrlings- bei 131/2( 161/3) pet. vor bei 505( 475) frant, bei 184( 211) Alexanderplat gebracht. Hier schloß sich Kriminalkommissar Braun perfonal arbeiten und trotzdem ihre Arbeit in 12 Stunden nicht verhaftet, bei 81( 69) außerhalb, bei 348( 410) unbekannt ab in Bimmer Nr. 37 zu ebener Erde mit ihm ein, um ihn gründlich erledigen konnten, das Personal vergrößert und lassen wefend, bei 133( 122) war die Mutter im Dienst, bei 135( 54) nach der That und nach dem Verbleib der Mitthäter zu verhören. nun, um dieses auch während der übrigen Zeit zu verlag Obdachlosigkeit vor, bei 123( 136) war den Eltern das Grosse soll sich seit Verübung des Mordes beständig im Grune wenden, auch gegen Abend noch frisches Gebäck herstellen. Erziehungsrecht abgesprochen, 36( 32) wurden als verwahrlost wald herumgetrieben haben. Er hat blondes Haar, sieht sehr Die Folge davon ist, daß sie das Publikum an sich ziehen, in städtische Erziehung genommen, 26( 19) waren Findlinge. elend aus, trägt einen dunklen Anzug und hat eine Hand vers und daß die kleineren Bäckereien ihre Kunden ver- Armuth der Eltern wird nur bei 158( 173) Aufnahmen als bunden. Principes Socialistes. Von Gabriel Deville. ( Schluß aus Nr. 245.) Der Berfaffer wendet sich nicht ernsthaft gegen diefe spezielle, nicht ernst zu nehmende Sonderagitation. Er wendet sich nur gegen eine von Barrucand und Genossen versuchte falsche Juter pretation des wirthschaftlichen Materialismus von Mary. Man tönnte seine Dentweise nicht beffer charatterisiren, als es Jaurès in einem trefflichen Rezensionsartifel in der Betite Republique" gethan hat, indem er schrieb: " wieder zuwenden hatte, hat sie seit bald zwei Jahren harte Anfechtungen zu erleiden gehabt. Engels hat gegen sie alle Mittel seines überlegenen Geistes mobilisirt und das Gewicht seiner Autorität gegen sie in die Waagschale geworfen. Und diejenigen, welche ge wöhnlich den französischen Marxisten den deutschen Ursprung von Mary und Engels zum Vorwurf machen, haben ihnen bei dieser Gelegenheit vorgeworfen, nicht so zu denken, wie Engels. Meiner Ansicht nach aber hat sich Engels, in bezug wenigstens auf die zu verfolgende Marschroute, getäuscht und mit ihm täuschen sich Kautsky und seine Anhänger.. wollen das Neue durch Hinwegräumen des Alten herbeiführen. und in welchem ich genau das gleiche fagte, was ich heute fage, Und indem wir uns dabei auf gefeßlichem Boden bewegen, ohne in der Zwischenzeit meine Ansicht geändert zu haben. anerkennen wir das, was heute unter Gefeßlichkeit verstanden Während aber lange Zeit hindurch meines Wissens niemand wird, nicht als ein Recht. Die Gesetzlichkeit" ist die Rechts- in der sozialistischen Partei gegen diese meine Thefe etwas einformel der herrschenden Klassen und sie anerkennen, hieße jenes Klaffenvorrecht anerkennen, das wir eben beseitigen wollen. Doch Revolution ist nicht gleichbedeutend mit Gewalt. Es kann Bruch der Gefeßlichkeit eintreten ohne jede Gewalttäthigkeit. Ist nicht jede vom organisirten Proletariat durchgebrachte Klassenforderung eine Schmälerung der kapitalistischen Rechte, eine Alenderung der bislang als gesehlich erklärten Lage Mit großer Energie und einer Art von Zorn antwortet der Dinge! Das allgemeine Stimmrecht beispielsweise ist ja der Verfasser denjenigen, welche den Marxismus den Bauch- felbft, soweit die Arbeiterschaft das begriffen, ein Mittel fozialismus" genannt haben. Es ginge noch an, wenn nur die revolutionärer Umgestaltungen, denn es seht das Proletariat in Gegner des Sozialismus sich in diesen Polemiken gefielen; aber es den Stand, die politische Gewalt zu erobern. Das Proletariat Nachdem der Verfasser im weiteren der Meinung Ausdruck giebt Sozialisten, welche, um besser ihren Idealismus zu martiren, den fönnte mit Hilfe dieses Stimmrechts die Herrschaft des Staates gegeben, daß der Kleinbauer, troß aller gegentheiligen Anschauungen Marxismus einer nieorigen Form des Materialismus zeihen, welche erringen und sich der letzteren bedienen zur Organisirung jener in unseren Reihen, in seiner Proletarisirung nichts anderes als ihm sicherlich nicht eigen ist. Für Mary selbst, den mächtigen Dias neuen Gesellschaft, in welcher der Staat selbst verschwunden das drückendste Elend erkennen könne, daß aber in leftifer, welcher im Gegentheil so glänzend die großen und schönen sein wird. Frankreich ein dauernder Sieg des Sozialismus ohne die Masse Reflege der wirthschaftlichen Erscheinungen in ihrer Metamorphose Denn der Staat ist nicht das, was er im allgemeinen für des Kleinbauernthums undenkbar wäre wobei er sich u. a. als intellefuelle und moralische Erscheinungen gezeigt hat, ift der die Vertreter der bürgerlichen Dekonomie ist: bie ewige und auch auf Zitate von Marx und Engels selber stützt resumirt Vorwurf absurd. nothwendige Form der menschlischen Assoziation; er ist gleich er seine Einwendungen wie folgt: dem Rapital eine geschichtliche Erscheinung. Wie der Staat nicht Mit der Taftit, die von Kautsky unter dem Vorwand in der patriarchalischen Gesellschaft existirte, so wird er auch in präkonisirt wird, die wirthschaftliche Umgestaltung zu begünstigen der sozialistischen nicht eriniren. Er ist das Zwangsmittel der ein sehr zur Kritik veranlassender Erfolg, da man, um ihn herrschenden Klassen und der Klaffenantagonismus hat ihn ge- zu erzielen, die Wirklichkeit mit theoretischen Meinungen in boren. Als es noch keine Klassen der herrschenden und be- Einklang zu bringen hätte, welche ihr vorauseilen; weil herrschten Volksschichten gab, gab es noch keinen Staat; wenn man Thatsachen schaffen müßte, anstatt sich darauf zu würden wir uns es feine Klassen mehr geben wird, kann es auch keinen Staat beschränken, sich ihnen anzupassen mehr geben, sondern.nur noch die Administration die, ich wiederhole es, unentbehrliche Masse der des Gemeininteresses. Durch Mittel des allgemeinen bäuerlichen Bevölkerung verfeinden, wir würden so den Sieg des fann Stimmrechts die ausgebeutete Klasse schon Proletariats hinausschieben und schließlich dasjenige viel später heute einige der gegen sie gerichteten Positionen erobern und verwirklichen, was wir beim entgegengesetzten Verfahren be durch die schließliche Besizergreifung der Staatsgewalt die Forde schleunigen könnten. rungen, die sie vertritt, und die den Interessen der Menschheit entsprechen, verwirklichen. So wird es eine sozialistische Staatsgewalt geben, welche durch die Beseitigung der Klassen den Staat selbst beseitigt. Und für die französischen Marristen ist er ebenfalls in höchstem Maße ungerecht. Was sie gesagt haben, und was die Geschichte mit ihnen verkündigt, ist, daß der durch die wirth. schaftlichen Bedingungen bestimmte menschliche Egoismus, die große Triebfeder des Fortschritts ist. Nicht der bornirte und glatte Egoismus des Krämers, der seinen Nachbarn zu ruiniren trachtet, sondern der tiefwurzelnde und edle Egoismus der unterdrückten Klassen, welche die Menschheit befreien, um sich selber zu befreien. Es wird schwer sein, nach der Einführung Deville's diesen Streit wieder anzufangen." Den bürgerlichen Ideologen und allen denen, die sich eine Spezialität daraus machen, die Mary'sche Theorie zu widerlegen, ohne sie zu fennen, gelten auch die Ausführungen über die Be griffe von Kapital, Revolution und Staat. Deville zeigt, wie oft die Gegner unserer Partei den ureigensten Sinn der Worte ignoriren. Behaupten sie nicht, daß die Sozialisten das Kapital abschaffen wollen? Sie identifiziren einfach Kapital mit Reichthum. Und doch ist, wie Deville spielend nachweist, das Kapital nur die gegenwärtige Form des Reichthums; es resultirt nur aus der Monopolisirung der Produktionsmittel durch Individuen in einer Welt, in der die feudale Herrschaft der universellen Konkurrenz Platz gemacht hat. Be haupten, daß der Reichthum mit dem Kapital verschwinden wird, heißt daher die Produktion selbst verwechseln mit der Uebergangsform, die sie in einer geschichtlichen Periode inne hatte. Eine jener Verwechselungen, ohne welche die bürgerliche Dekonomie nun einmal nicht mehr auskommt. aber " Zudem würde uns in den Augen der Masse die zu direkte Verantwortlichkeit der für sie nachtheiligen Folgen der wirthschaftlichen Entwickelung treffen, deren gegenwärtige Uebel, weit davon entfernt, sie in Wirklichkeit oder nur dem Anschein nach Wir halten es für überflüssig, diese eingehenden Unter- schaffen zu helfen, wir ihnen nach Möglichkeit zu mildern trachten suchungen, zu denen noch die spezielle Behandlung der Lohn- und müssen." Preisbildungsfrage kommt, des näheren zu beleuchten. Es sei Die Einwendungen Deville's find, wie man sieht, nur aber noch auf die Stellung Deville's zur Agrarfrage hingewiesen. aphoristischer Natur. Angesichts der Thatsache, daß sein Buch Deville ist kein Anhänger der Kautsky'schen Resolution. In vor allem eine Vertheidigung der Mary'schen Lehre gegenüber einer Randnote polemisirt er gegen die feiner Meinung nach un- den Verballhornungen der Gegner und mancher unklaren Auchlogischen Auffassung, die in ihrer Annahme sich fundgiebt. In sozialisten sein sollte, lag es vielleicht nicht in seiner Absicht, Frankreich habe sich die seit 16 Jahren propagirte sozialistische über diesen Punkt eine Spezialdiskussion herbeizuführen. Immers Theorie hinsichtlich der Haltung gegenüber dem Kleinhandwerke hin wäre es gut gewesen, wenn er an der Hand konkreter Beispiele seine Ansichten eingehender dargelegt hätte. Auch im und des kleinen bäuerlichen Eigenthums nicht geändert. Intereffe der deutschen Sozialisten, denen hoffentlich eine deutsche Ausgabe des werthvollen Buches geboten wird, wäre das zu begrüßen gewesen. " Ich werde mir erlauben," heißt es in dieser Randnote, an Und wie steht es mit ihren Begriffen von Revolution und einen im Oktober 1881 im„ Citoyen" von mir publizirten Artikel Staat? Gewiß, wir Sozialisten sind dievolutionäre, denn wir zu erinnern, der den Titel„ Sozialismus und Bauer" trug Sein Komplize, der friihere Schreiber Werner soll sich bis vor kurzem tadellos geführt habe», dann aber in schlechte Gesell- schaft gerathen seien. Er lebte bei feiner Mutter, die Wittwe ist, und seil 5 Jahren Georgenkirchstr. S3 wohnt. Schlechten Verkehr hat er nach der Angabe seiner Mutter nicht gehabt, da er stets mit ihr ausging. Wie die Mutter, so traute auch der Hauswirth dem Ileinen unscheinbaren Burschen, den er genau zu kennen glaubte, eine schlechte That nicht zu, am wenigsten einen Mord oder die Anstiftung dazu. Dagegen hat der Hauswirth wohl die Burschen, mit denen Werner gelegentlich wohl zusammentraf, wenn sie auf der Straße herumstanden, der Schandthat fähig gehalten. Er hat auch der Kriminalpolizei von seinen Wahrnehmungen Mittheilung gemacht und diese ist denn auch in der angedeuteten Richtung nach thätig. Wo ihr Sohn seit dem IL. d. M. geblieben ist, weiß Frau Werner nicht. Ihre Wohnung wird von Kriminalbeamten überwacht. Ein schwerer Mißgriff ist, wie berichtet wird, der Kriminalpolizei passirt. Die 19jährige Tochter einer achtbaren Beamtenfamilie S. mußte in letzter Zeit des öfteren die Hilfe eines in der Chausseestraße wohnhasten Zahnarztes in Anspruch nehmen. Ende voriger Woche, morgens früh um Uhr, erschien nun ein Kriminalbeamter in der Wohnung des Herrn S.. um dessen Tochter zu sprechen. Als diese herbeigerufen worden, ersuchte sie der Beamte, einige von ihm beschriebene Kleidungsstücke anzulegen und ihm nach dem Polizeipräsidium zu folgen. Alle Vorstellungen der bestürzten Eltern, daß ihre Tochter infolge der Zahuoperationen noch leidend sei zc. blieben fruchtlos und der Beamte hatte auf die Frage der Eltern, wessen sich ihre Tochter schuldig gemacht haben solle, nur die ausweichende Antwort: er wisse das nicht, er habe von seinem Vorgesetzten, Kriminal- Kommissarius Schmidt, den Auftrag, das junge Mädchen vorzuführen. Es blieb schließlich nichts weiter übrig, als dem Beamten zu „folgen". Die Tochter kleidete sich„vorschriftsmäßig" an und fuhr mit ihrem Vater in Begleitung des. Kriminalisten nach dem Polizeipräsidium, woselbst die Tochter in Abwesenheit des Vaters vernommen wurde. Man fragte, ob sie eine FrauZk., welche in demselben Hause, wo der Zahnarzt wohnen solle, besucht habe. Als das junge Mädchen verneinte, hielt man ihr vor, daß sie doch in jenes Haus öfter gegangen und an einem bestimmten Tage noch durch ihr leidendes Aussehen besonders aufgefallen sei. Die Ver- nommene erzählte nun, was sie dorthin geführt und bemerkte, daß sie an dem fraglichen Tage wohl infolge einer C h l o r o» form- Narkose so angegriffen ausgesehen haben möge. Darauf gestand man mit wohlwpllendem Lächeln ein. daß ein Jrrthum vorliege und die„Sache" nunmehr ausgeklärt sei. Dem später vorgelassenen Vater wurde noch erzählt, daß jene Frau X. polizeilich observirt werde, weil sie gewissen„Dame«"Unterschlupf gewähre. Mit dieser„Genugthuung" mußten sich die schwergekräukten Eltern, denen die 19 jährige Tochter früh 7V, Uhr unter solch' schimpflichem Verdachte aus der Wohnung abgeholt wurde, zufrieden geben. Bezeichnend ist besonders der Umstand, daß die Geheimpolizisten, die die Schuld an dem„Mißgriff" trifft, es für erwiesen erachteten, daß das junge Mädchen, weil sie das betreffende Haus betreten, nur nach der im dritten Stockwerk des Hinterhauses wohnenden Frau X.— zu keinem anderen Hausbewohner— gegangen fein mußte! Darauf basirte dann das oben geschilderte Vorgehen der Beamten! Wie die Wirthe die Gesundheit ihrer Kellnerinnen ruiniren, davon wisse» bürgerliche Blätter wieder einmal aller- Hand zu erzählen. Wenig Nutzen, so wird berichtet, hat die nun schon einige Jahre bestehende Polizeiverordnung für die Schank- wirthschaften mit weiblicher Bedienung mit sich gebracht. Die Uebelstände, die sie treffen wollte, bestehen nach wie vor in voller Blüthe, nur in einer etwas andere» Form. Die Benutzung der zum theil noch sehr jungen Mädchen zur Ausbeutung der Gäste und die gesundheitliche Schädigung der bedienende» Mädchen durch übermäßiges Trinken haben nicht nur nicht aufgehört, fondern nicht einmal abgenommen. Der einzige Unter- schied gegen früher ist nur der, daß die Mädchen die Getränke nicht mehr bei den Gästen sitzend, sondern stehend oder abseits von, Tische des Gastes sitzend zu sich nehmen.„Animirt" wird heute noch so gut wie früher, nur in etwas vorsichtigerer Weise. Wie weit manche Wirthe gehen, zeigt folgender Fall. Als vor einigen Tagen ein Mädchen, das gerade ein schlechtes Revier ge- habt, dem Wirthe abends 1b M. brachte, wurde eS mit den Worten:„Mit einer solchen Kasse wagen Sie sich zu mir!" an- gefahren und war damit auch seine Stellung los. Und doch hatte das Mädchen die Hälfte des Umsatzes noch selbst getrunken. Dieses System besteht erklärlicherweise gerade in den„befferen" Stadtgcgenden und in Wirthschaften mit besser gestellten Gästen. Hier sieht man denn auch die meiste» betrunkenen Kellerinnen. Hierbei spielt der Kognak die Hauptrolle, weil er am meisten abwirft und daher mit Vorliebe verabreicht wird. Die Ausbentung der OmnibuSbeamten. Die Folgen übermäßiger Anstrengung zeigen sich so recht bei den Omnibus- kutschern und Schaffnern, die zuweilen IS— IL Stunden ununterbrochen im Dienst sind. Oester schlafen die Schaffner, welche von Passanten zum Halten des Wagens angerufen werden, während der Fahrt auf dem Hinterperron stehend, sodaß sie den Zuruf nicht hören, wie mir das täglich beobachten können. Wie oft kommen Zusammenstöße je. mit Omnibuswage» vor, die lediglich auf die Schläfrigkeit— infolge überlangen Dienstes— der Kutscher zurückzuführen sind. Dieser gemeingefährliche Zu- stand wird wahrscheinlich nicht eher beseitigt werden, als bis man bei Unglücksfällen die eigentlich Schuldigen, nämlich die Direktoren vor den Strafrichter bringt. A«S der Urania.„Japan, im Lande der aufgehenden Sonne". Die beiden neuen Vorträge, deren erster heute in der„Urania" in der Jnvalidenstraße zum ersten Male gehalten werden wird, sind auf Grund mehrfacher Reisen dorthin von Dr. med. Bayard verfaßt. In ansprechender launiger Weise führt derselbe an zwei Abenden den Zuschauer„Von den Felsengestaden des Hongkons durch den Stillen Ozean in das Blumenparadies von Japan" und „Quer durch das Reich des Mikado". Diese mit prachtvollen Projektionsbildern ausgestatteten Borträge werden Gelegenheit geben, einen genauen Einblick in das ferne Jnselreich des Ostens zu thun, welches gerade jetzt nach siegreichem Feldzug gegen China im Vordergrunde des Interesses steht. Der zweite Bor- trag wird am Freitag zum zweiten Male gehalten werden. Eine Jubelfeier, die charakteristisch für das Kunst- empfinden eines übergroßen Theils des Berliner Publikums ist, wurde am Sonnabend im Olympia-Riesentheater begangen. Man führte das Ausstattungsstück, das seit Anfang Mai tägltch zweimal eine nach taufenden zählende Kostgängerschaar herbei- lockt, zum dreihundertsten Male auf. Auch bei der Festvorstellung war der große Musterstall barbarischer Geschmacklosigkeit fast bis aus den letzten Platz gefüllt und bei jedem besonders glanzvollen Kniff durchtoste Beifallgetrampel das Haus. Die Regie hatte aber auch daS menschenmögliche gethan, um die Aufführung effektreich zu gestalten. Es schien im ersten Bilde, als ob nicht Pagen, sondern Handlungsgehilfen die ungewöhnlich lange Schleppe der Königin mit dem Rufe ausbreiteten: Sehen Sie, meine Herrschaften, echte Seide, kostet vier Mark das Meter mit drei Prozent Rabatt für Baarzahlung. Wunderhübsch machte es sich auch, als mitten im Spiel einige Leute in Livreen nach neuesteni Schnitt den Hauptakteuren vertraulich Kränze in die Hand drückten, und noch schöner war es, als die Geschäftsleiter selber auf der Bühne erschienen und jede der Balleteusen mit einem Blumenbouquet beglückten. Kurzum, es war großartig! Bevorstehende Eisenbahnbauten. Dem Landtag wird im kommenden Winter eine Vorlage wegen des BaueS eine? dritten und vierten Geleises der Anhalter Bahn zugehen. Voraussichtlich wird dem Landtag gleichzeitig mit dieser eine zweite Vorlage wegen der Ueberleitung ihres Vorortsverkehrs nach dem Pots- damer Bahnhof vorgelegt werden. Die Kosten der Ueberleitung werden etwa 800 000 Mark mehr betragen, als wenn für den Vorortverkehr der Anhalter und Dresdener Bahn ein eigener Vorort-Bahnhof außerhalb-des Anhalter Hauptbahnhoss errichtet würde. Während die Kanalisation in anderen Großstädtcu vielfach, so namentlich in Paris und Wien, eine ungeheure Ver- »lehrung der Ratten und damit eine große Plage für die An- wohner zur Folge gehabt hat, ist nach den in Berlin angestellten Beobachtungen nunmehr kein Zweifel, daß die Berliner Kanalisation wie eine große Rattenfalle wirkt und zwar infolge einer Einrichtung, die man keineswegs für diesen Zweck angelegt hat. Die in unsere» Kanälen angebrachten Sperrventile, welche ein Rückstauen des Wassers bei großen Regenfällen und ein Aussteigen desselben in die Hausrohrleitung verhindern, be- reiten auch den Ratten den Untergang. Diese suchen gern die Einfallschächte auf. gerathen dort in das fließende Wasser und da sie gut schwimmen und ziemlich weil springen, so würden sie an trockenen Stellen der Röhrenleitung sich aufhalten, wenn sie aus den Einfallschächten in die Röhrenleitung gelangen könnten: dies ist aber wegen der Sperrventile, die sich bei jedem Drucke von dem Einfallschachte her schließen, nicht möglich. Die in das Kanalrohr gelangte Ratte muß also dem Laufe des abfließenden Wassers folgen, das desto größer wird und desto heftiger strömt, je mehr sie sich den großen Kanälen nähert. Da sie auf der weiten Schwimmfahrt keinen Ruhepunkt findet, so gelangt sie jedenfalls nur als Leiche in eines der großen Sammelbassins auf den Pumpstationen. Ans Anfragen anderer Städte, die infolge ihrer Kanalisations-Anlage» von einer großen Rattenplage heim- gesucht werden und in Berlin anfragten, ob sich hier die gleiche Erscheinung zeige und was man dagegen unternehme, wnrde die Aufmerksamkeit der Stadtverwaltung auf diese Angelegenheit gelenkt. Selbst Orte, die früher stark von Raiten heimgesucht wurden, so z. B. die Brunnenkeffel einzelner Straßenbrunne», sollen jetzt von diesen Schmarotzern frei sein. Selbstmord eineö KiudeS! Aus Furcht vor Strafe hat sich am Montag Nachmittag das 12 Jahre alte Schulmädchen Frieda Stock aus der Reinickendorserstr. Ltd vergiftet. Das Kind war der Schule ohne Grund ferngeblieben, die Mutter halte Nachricht davon erhalten und wollte die nachlässige Tochter züchtigen. Ehe es aber dazu kam, ergriff Frieda Stock in der Wohnung ein Gesäß mit Karbollösung und trank davon eine große Menge. Schiver krank wurde das Kind abends gegen 10 Uhr nach einem Krankenhaus gebracht, wo es heute Morgen um 3 Uhr gestorben ist. Bon einem Wagen der elektrischen Strastenbah» wurde vorgestern Abend der ui der Skalitzerstraße 24 wohnende Rentier S. überfahren. Der siebzigjährige, etwas schwerhörige Mann wurde in hoffnungslosem Zustande in ein Krankenhaus gebracht. Wiederergriffen ist der 26 Jahre alte Lederarbeiter Otto Dobert, der mit dem Anstreicher Lehmann zusammen am 10. d. M abends ans der Jrrenabtheilung der Charitee entsprungen war. Aus dem Polizeibericht vom 20. Oktober. Gestern Nachmittag verunglückte der ans einem Kahn beschäftigte Schiffer Otto Seeger beim Passiren der Potsdamer Brücke dadurch, daß die Kurbel der Winde, durch die das Fahrzeug fortbewegt wurde, plötzlich zurückschlug und ihn am Kopfe traf. Er erlitt dabei eine schwere Verletzung an der Stirn und wurde nach der Charitee gebracht.— Auf dem Grundstücke Gr. Hambnrgerstr. IS fiel nachmittags der 2>/sjährige Sohn des in demselben Hause wohnenden Kochs Zacharias in einen offenstehenden Gulli und zog sich dabei erhebliche Verletzungen am Kopfe zu.— Beim Be- steige» eines durch die Skalitzerstraße fahrenden Wagens der elektrischen Straßenbahn fiel abends der 69 Jahre alte Boden- meister Friedrich Gebert hin und gerieth unter den angehängten Wagen. Gebert wurde eine Strecke weit mitgeschleift und trug außer einer Rippenquetschung eine erhebliche Ver- letzung am Kopfe davon.— Der 21jährige Kaufmann Erich Janke fuhr abends mit seinem Zweirade übermäßig schnell die Kreuz- straße entlang und stürzte mit dem Rade über das Geländer einer Ausladestelle in den Spreekanal. Er hielt sich an dem ihm von der Gertraudtenbrücke aus zugeworfenen Rettungsball so lange über Waffer, bis er mit Hilfe eines Kahnes heraus- gezogen wurde.— Vor dem Hause Brunnenfiraße 197 lies der 55 Jahre alte Arbeiter Adolf Hoffmann in der Trunkenheit gegen eine» Omnibus der Linie Gesundbrunnen-Marheinekeplatz, gerieth unter die Räder und trug eine so schwere Quetschung des rechten Unterschenkels ddvon, daß er in die Charitee gebracht werden mußte.— Heute Nacht schlug der in der Rückerstraße wohnhafte Handelsmann Julius Kr. bei einem ehelichen Streite in der Trunkenheit auf seine Frau ein und fügte ihr mit einer Lampe eine stark blntende Verletzung an der rechten Schläfe zu. Durch einen herbeigerufenen Schutzmann wurde die Frau nach der Sanitätswache in der Alten Schützenstraße gebracht, wo ihr ein Verband angelegt wurde. Himpt und AVipdenfchaft. Das Schillertheater hat nach dem Muster des Wiener Raimundtheaters sich auf eine verschollene Posse von Johann N e st r o y„Der Zerrissene" besonnen, die einst in den vierziger Jahren nicht blos in Wien, sondern auch hier im Königstädtischen Theater ungemessenes Aufsehen erregte. Der Wiener Aristo- phanes, wie Johann Nestroy dank dem Wiener Lokal- Patriotismus gern genannt wurde, halte im„Zerrissenen" sogar den Anlauf zu einer Charakterkomödie genommen, in die er nach seiner Weise beißende Bemerkungen verflocht.„Der errissene" ist der Mann mit der zwiespältigen Seele; ein rösus, der hungert; ein Mensch, der im Lebensüberfluß an Lebensekel krankt. Er wird, da er einen Todtschlag verübt zu haben glaubt und vor der Justiz flüchtet, von Pvssentollheit zu Possentollheit gejagt, in ungewohnte Verhältnisse getrieben und so genest er schließlich. Seine Furcht, ein Mörder wider Wollen zu sein, beruhte natürlich ans einem rrthum. Heutzutage erinnert die Posse vom Zerrissenen an vergilbte lätter; halb vertrocknet erscheint uns dieKomik von damals und die Jagd nach Wortwitzen gilt uns vollends für veraltet. Dazu kommt, daß das Schillertheater dem Stück seine Lokalsarbe nahm. Nestroy dachte in wienerischer Mundart. Seine Sarkasmen sind häufig nur aus der Beobachtung süddeutscher und speziell wienerischer Schwächen zu verstehen. Ins Schriftdeutsche über- tragen verlieren sie leicht ihre besondere Form, ihren besonderen Reiz. Den Zerrissenen giebt Herr E y d e n im Schillertheater; meiner Empfindung nach ganz brav, aber nüchtern. Den grimmigen Humor, der in dieser Possengestalt mitunter durchbricht, bleibt er schuldig. Die scharf komische Zeichnung in Nestroy's Manier gelang Herrn Alfred S ch m a s o w wohl am besten, der den muskelkrästigen Schlosser Hammer spielte. Ein neuer Einakter„Münchhausen" der beiden hiesigen Journalisten Manuel Schnitzer und Martin Fließ geht der Nestory'schen Posse voraus; ein völlig belangloses Feuilleton; es ohnt sich nicht, darauf einzugehen. Die im Schiller-Theater für Sonnabend angesetzte Erst- aussührung von Hartleben's„Ehrenwort" wurde auf Montag verlegt, heute findet eine Wiederholung von„Emilia Gnlotti" statt. Im Bürgerfaale des Rathhauses ist Sonntag, den 2ö. d. M., aus vielfaches Verlangen„Chamiffo- Abend", dm einleitenden Vortrag hält Herr Adalbert von Hanstein. Im Dhalia-Theater(vormals Adolf Ernst-Theater) findet am nächsten Sonntag— dem Beispiel der übrige» Berliner Bühnen folgend— die erste Nachmittags- Vorstellung zu halben Preisen statt. Zur Aufführung kommen Viktor Leon's„ G e- bildete Menschen", die wegen Aufnahme de? Vaudeville'S „Prima Ballerina" nur bis Freitag dieser Woche auf dem Abend-Repertoir bleiben können. Die Militärmnsiker scheinen ihren Wirkungskreis immer mehr ausdehnen zu wollen. Während Konzertgärten, sowie Konzert- und Tanzsäle an manchen Orten kaum mehr ohne zweierlei Tuch auf dem Podium denkbar sind, hat sich bisher wenigstens das Theater vom Janitscharenblech freigehalten. Herr Direktor Max Samst läßt uns jetzt folgende Mittheilung zugehen:„Die Aufführung des vom Friedrich-Wilhelm- städtischen Theater angenommenen Dramas„König R i n g" von Victor Laverenz findet am 2b. November statt. Die zu diesem Trauerspiel nothwendige Musik wird von der Kapelle des Garde-Kürassier-Regiments unter der persönlichen Leitung des königlichen Musikdirektors E. Ruth aus« geführt werden." Vielleicht bringt diese Botschaft die trotz aller militärischen Konkurrenz zum theil noch unbändig patrioti- schen Berufsmusiker wieder ein wenig zum Nachdenken. Naphael's„Sixtinische Madonna", die Perle der Dresdener Gallerie, soll unecht sein. Vor einigen Tagen wurde von Zürich aus die Mittheilnng an zahlreiche Zeitungen gesandt, der Hotelbesitzer Caspar Badrutt zu St. Moritz im Engadin habe sich mit seinem Gemälde, das dieselbe Darstellung zeigt, wie Raphael's Sixtinische Madonna in der Dresdener Gallerie, auf die Reise nach Deutschland begeben, um hier die„Streitfrage" zu entscheiden, ob sein Bild oder das Dresdener das Original sei. Nunmehr nimmt zu der Angelegenheit auch der Direktor der Dresdener königl. Gallerie Dr. Karl Wörmann im„Dresd. Jouru* das Wort. Nachdem er die UnHaltbarkeit der literarischen Nachweise dargethan, durch welche Badrutt den Beweis er- bringen will, daß er den echten Raphael besitze, geht er auf grund der ihm bekannt gewordenen Photographien des Badrutt'schen Bildes auf eine kurze stilkritische Besprechung ein, die zu demselben Ergebniß führt. Zum Schluß erhebt Dr. Wör- mann entschiedenen Widerspruch gegen das Ansinnen, die „Affomptione" Badrult's neben der„Sixtinischen Madonna" zur Ausstellung zu bringen. Ueber eine ncnc Eigenschaft der Röntge»- Ttrahle», ihre Einwilkung aus die Wolkendildung, wird in der„Meteorol. Zeitschrist" beridstet. Daß Wolkenbildung auch bei Abwesenheit von Staub entsteht, wenn die Sättigung der Lust bei plötzlid, er Expansion einen gewissen kritischen Betrag überschreitet, ist be- reits früher beobachtet worden. Unter gewöhnlichen Umständen fällt, wenn die Expansion den kritischen Betrag erreicht. ein Schauer seinen Regens, und dies dauert nur einige wenige Se- künden. Wird jedoch dieselbe Expansion hervorgerufen, wenn die Luft der Einwirkung von Röntgen- Strahlen unterworfen wird, dann ist die Zahl der Tropfen, die sich bilden, bei weitem höher, und die Tropfen sind groß genug, um einen Nebel zu erzeugen. der mehrere Minuten andauert. Diese Wirkung der Röntgen- Strahlen bestätigt sich, auch wenn die Versuche unter Be- dingungen unternommen werden, die eine direkte elektrische Ein« Wirkung ausschließen._ Gerichts-Seikung. Wegen Beamtenbcleidignng hatte sich gestern Genosse Jahn vor dem Schöffengeridzt des Amtsgerichts II zu ver- antworten. Am 8. August d. I. fand im Lokal von Schulz für Treptow und Baumschulenweg eine Volksversammlung statt, in der der Angeklagte über„das Bürgerliche Gesetzbuch und die Sozialdemokratie" referirte. Im Verlaufe seiner Ausführungen erwähnte er der Aengstlichkeit gewisser Menschen vor dem Beamtenlhum. Nach der Angabe des überwachenden Gendarm T h i n i u s soll nun Jahn gesagt haben:„Die Menschen haben in ihrer Unwissenheit zum theil viel Angst vor den Gendarmen oder besser gesagt Herrn Wachtmeister, da muß dann aber ab und zu eine Gans über den Weg gelaufen kommen, damit ihnen in der Stadt oder aus dem Dorfe nichts passirt." Durch diese angebliche Aeußerung fühlte sich nun die Gendarmerie der dritten Gendarmerie- Brigade beleidigt und stellte gegen Jahn Strafanlrag, woraufhin auch die Anklage erhoben wurde. In der gestrigen Verhandlung bestritt der Angeklagte ganz ent- schieden, die ihm zur Last gelegte Aeußerung gebraucht zuchaben. Der als Zeuge geladene Drechsler Teutsch, bestätigte durch seine Aussagen die Ausführungen des Angeklagten. Der als zweiter Zeuge vernommene Gendarm Thinius blieb indeß bei seiner Angabe, die er aber„nicht genau wiedergeben" zu können meinte. Der Staatsanwalt beantragte hierauf gegen Jahn„wegen seiner vielen Vorstrafen" eine Aesängnißstrafe von 6 Wochen; in der inkriminirte» Aeußerung sei„eine schwere Beleidigung deS Zeugen Thinius wie der ganzen Gendarmerie-Brigade" enthalten. Jahn wendete ein, daß nach der fraglichen Versammlung der Gendarm zu Jahn an den Tisch herangetreten sei und ausdrücklich in Gegenwart von Zeugen erklärt habe, daß er„sich nicht beleidigt fühle", welche Aeuße- rung auch vom Zeugen Teutsch bestätigt wurde. Nach kurzer Beralhung verkündete der Vorsitzende, daß das Ge- ridzl die Aussagen des Gendarmen als wahrheitsgemäß an- gesehen und eine schwere Beleidigung wegeß Bestechlichkeit der Beaniten in der betr. Aeußerung gefunden habe. Infolge dessen erscheine wegen der vielen Vorstrafen des Augeklagte» eine Gefäugnißstrafe von zwei Monaten angemessen; ferner soll das Erkenntniß im„Vorwärts" publizirt werden. Der schon mehrfach erwähnte Prozeß gegen den Re- dakteur des antisemitischen„Geueral-Anzeigers" Karl Sedlatzek kam gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts II abermals zur Verhaudlung. Der Angeklagte ist beschuldig:, „öffentlich Gott gelästert und dadurch Aergerniß gegeben, sowie die jüdische Religio nsgesellschast oder ihre Einrichtungen und Gebräuche beschimpft zu haben. Es handelt sich um den in Nr. 80 des General- Anzeigers vom Jahre 1395 uuter dem Titel„Der jüngste Ritual mord" veröffentlichten Artikel. Im Orte Garam-Kis-Sallo in Ungarn war das S j jährige Töchlerchen des Johann Balars ermordet worden und es wurde wieder das Gerücht verbreitet, daß es sich um einen Ritnalmord handele. Der unter An- klage gestellte Artikel warf im Anschluß hieran dem Judenthum vor, daß es trotz feiner schlimmen Erfahrungen der letzte» Jahre nicht einmal von dem schlimmsten Verbrechen, von dem Ermorden christlicher Kinder zu goltesdienstlichen Zwecken, ablasse. Es heißt dann weiter in dem blödsinnigen Artikel: „Und solcher Unthaten bedarf das Judeuthum alljährlich, um fein Osterfest nnd seine„große Festwoche" mit dem„Versöhnungs- tage" in einer dem Judengotte wohlgefälligen Weise feiern zu können. Das Blut eines hingeschlachteten Christenkindes wird getrocknet und zu Pulver gestoßen u. s. w."— Auf Betreiben des Denunziantenvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens war wegen dieses Artikels die Anklage erhoben worden. Die 8. Strafkammer sprach seinerzeit den Angeklagte» frei, weil nicht»achzuweisen sei, daß er in einer bestimmten Aeußerung Gott gelästert habe und eine Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschasl nicht vorliege, der Angeklagte mit seinen Ausführungen vielmehr die ganze jüdische Rasse gemeint haben könne.— Die von der Staatsanwaltschaft hiergegen eingelegte Revision hielt das Reichsgericht für begründet, hob das erste Urlheil auf und verwies die Sache zu erneuter Verhandlung an das Landgericht Berlin II. Der Angeklagte stellte abermals eine ganze Reihe Beweis- anträge für seine Behauptungen und beantragte nochmals die Ladung diverser Zeugen, welche nach seiner ausgesprochenen Meinung über die Ritualmorde näheres wissen. Der Gerichtshof lehnte alle diese Anträge ab. Das Urtheil lautete auf drei Monate Gefängniß. Der Gerichtshof nahm in Neberei»- stimmung mit den Ausführungen deS Staatsanwalts an. daß sowohl Gotteslästerung, als auch Beschimpfung der Mischen Religionsgemeinschaft vorliege. Der jüdische GotteS- begriff sei jo ein anderer als der christliche, er werde aber gleichfalls durch das Slrafgesetzbuch vor Beschimpfungen ge- schützt. Nach der von dem Reichsgericht in seinem Erkenntnisse aufgestellten Rechtstheorie habe der Angeklagte verurtheilt werde» müsse», da er zweifellos das Bewußtsein von dem beschimpfenden Charakter seiner nicht gegen die Raffe, sondern gegen die Re- ligionsgesellschaft gerichteten Angriffe gehabt habe. Was das Strafmaß anlange, so habe der Gerichtshof erwogen, daß tiberall, wo der Weg der Beschinipfung und Verhetzung geivählt werde, eine scharfe Strafe am Platze sei. Ter Prozeß gegen den Bankier Polke wird Voraussicht- lich eine neue Auslage erleben. Als Polke vor einigen Jahren sreigespro.ben wurde, begab er sich nach Paris. Der Staats- anwalt legte mit Erfolg Revision ein, Polke weigerte sich in- dessen, nach Berlin zurückzukehren, indem er angab, daß sein geistiger und körperlicher Znstand seine Rückreise und eine er- iteute Verhandlung nicht gestatte. Der Antrag der deutschen Re- giernng auf Auslieferung Polke's wurde seitens der französischen Behörden abgelehnt, weil die dortigen Aerzte Polke eben- falls nicht für verhandlungssähig erklärten. Diesem Gut- achten schloß sich der Sanitätsrath Dr. M i t t e n z w e i g, welcher zur Untersuchung Polke's nach Paris gesandt wurde, an, worauf das Verfahren einstweilen eingestellt werden mußte. Jetzt ist Polke plötzlich aus freien Stücken nach Berlin zurück- gekehrt und hat selbst die erneute Verhandlung gegen sich be- antragt, indem er behauptet, daß sein Zustand sich nunmehr ge- bessert hat. Es wird abzuwarten sein, ob seinem Antrage stattgegeben wird. Tie Unterbcamten des königlichen Gefängnisses in Kottbus hatten am 1. Okiober die z e h n st ü n d i g e Dienst- zeit bekommen. Die Freude darüber ist aber nicht von langer Daner gewesen, denn, wie jetzt gemeldet wird, ist am Montag, wieder die IZstündige Dienstzeit eingeführt worden, weil die Regierung die Mehreinstellung eines Aufsehers und zweier Aufseherinnen nicht bewilligt habe. Am 1. April nächsten Jahres soll die zehnstündige Dienstzeit aber„endgiltig" eingeführt werden. In der Angelegenheit des Opalenitzae- Krawalls ist die Verhandlung vor dem Schwurgericht zu M e s e r i tz auf den 28. und 29. d. M. anberaumt worden. Tie Anklage richtet sich gegen neun Personen, von denen sich sieben in Hast befinden. I» Elbing wurde am Dienstag vor dem Schwurgerichte gegen den Fischer und Eigenthümer Gottschalk, dessen Ehe- frau und Sohn verhandelt. Die Angeklagten hatten in der Nacht vom 4. zum 5. August d. I. in Zeyers-Vorderkampcn Feuer an- , gelegt, durch welches die aus sechs Personen bestehende Familie S a l e w s k i ums Leben kam. Gottschalk sen. wurde zu lebens- länglichem, seine Ehefrau zu 7 Jahren Zuchthaus und der 16 Jahre alle Sohn zu 7 Jahren Gefängniß verurtheilt. Der Bernstein-Monopol-Prozeß, den die Firma Stantien und Becker in Königsberg i. Pr. gegen den Fabrikanten Westphal in Stolp angestrengt hatte, kommt am 28. Oktober in der Revisionsinstanz vor dem Reichsgericht zur Verhandlung. In der Verhandlung am Id. Mai d. I. ist bekanntlich von der Straf- kammer zu Stolp auf Freisprechung des Kausmauns Westphal erkannt worden. In Kiel verurtheilte die Strafkammer gestern die Werft- angestellten Lieger und Köhn wegen Diebstahls auf der kaiser- lichen Werft, und zwar ersteren zu zweijähriger Zuchthausstrafe, letzteren zu Gefängnißstrafe von einem Jahre. In dem Dnellprozeß zu Düsseldorf, über den wir gester» einleitend berichteten, kam man an dem ersten Sitzungstage nicht über die Vernehmungen von Angeklagten und Zeugen hinaus. Der Angeklagte Freiherr v. Ehrhardt gab seiner spiritistischen Ueberzeugung lebhasten Ausdruck und erzählte dem Gerichtshof, daß er vom Premterlieutenant v. Kamptz darauf aufmerksam ge- macht worden wäre, daß sein Gegner Dr. Eivers nicht Offizier sei. Es besteht nämlich eine„Allerhöchste Be- stimmung", wonach ein Offizier, der den Gegner nicht für satisfaktionsfähig halte, nicht nöthig habe, die Ablehnung der Herausforderung dem Ehrenralh anzuzeigen, wenn der Herausfordernde nicht Offizier sei. Als jedoch Dr. Ewers auf seiner Herausforderung beharrte, niachte er doch dem Ehrenrath Anzeige. Dieser hat de» Dr. Ewers bekanntlich für fatisfaktionsfähig erklärt. Hätte ich, so erklärte der Angeklagte, den Dr. Eivers für fatisfaktionsfähig gehalten, dann hätte ich, gemäß den Anschauungen, die nun einmal in dem Offiziers stände noch herrschen, ohne weiteres der Herausforderung entsprochen. Allein ich habe eine große Familie und habe außerdem noch drei Familien zu unterstützen, ich hielt es deshalb nicht für richtig, daß ich mich leichtfertig einem jungen Manne zur Disposition stellen solle. Der 23jährige Angeklagte Hecker be- kennt sich schuldig, in der Strafsache dem Landesrath Schmidt eine Ohrfeige gegeben zu haben. Der Präsident hält dem Ange- klagten vor, daß er eiligst davon gelaufen sei, als er die Ohr- feige verabfolgt hätte. Die weitere Verhandlung dreht sich um die wichtige Frage, ob Ewers satisfaktionsfähig sei. Dieser er- zählt am Schluß in fast humorvoller Weise, wie er sich in der spiritistischen Sitzung benommen habe. GemevkMttfiliches. Achtung, Arbeiter Berlins! Bis jetzt ist von den aus- gesperrten städtischen GaSarbeitern noch niemand wieder eingestellt worden. Die Ausgesperrten, welche durch- gängig Familienväter sind, erhalten trotz ihrer Bemühungen auch anderwärts keine Arbeit, so daß eS den Anschein nimmt, als wenn andere Dinge hier mit im Spiele sind. Wir bitten daher, die Sammlungen für die Ausgesperrten fleißig fortzusetzen und die gesammelten Gelder sofort an das Gewerkschasts-Bureau (Adresse: R. Millarg, Annenstr. 16) abführen zu wollen. Das Streikkomitee. Aufruf an die Lederarbeiter aller Länder. (Weißgerber, Lohgerber, Lederfärber«.) Laut Beschluß der internationalen Konferenz hat sich das internationale Sekretariat konstitnirt und besteht aus den Kollege» Kuske, Brinkmann und M. Arendt in Berlin. Dasselbe fordert Euch nun auf. in allen Ländern, gemäß der von der Konserenz in Berlin beschlossenen Re- solution die Wahl der Korrespondenten zu voll- ziehen, damit eine ständige Fühlung hergestellt wird und die Agitation in Fluß gebracht werden kann. Die erwähnte Re- solution lautet:„Als weiteres Mittel zum Zweck beschließt die internationale Konferenz die Einsetzung eines internationalen Sekretariats, welches als Zentralstelle für die ständig in alle» Ländern vorzunehmende Propaganda zur Förderung der Leder- ardeiter-Bewegung zu betrachten ist. Die Koufereuz hält es für nothwendig, daß jedes Land 5torrespoudenten bestimmt, welche die schriftliche» Arbeiten des betreffende» Landes in Beziehung aus die internationale Agitation mit dem internationalen Sekretariat vorzunehmen haben. Jede Organisation regelt und ordnet ihre Angelegenheiten selbst, und sind die Kosten des internationalen Sekretariats prozentual von jedem Lande zu tragen. DaS Sekretariat ist mit dem I. Oktober 1896 in kraft getreten." Die A d r e s s e n der Korrespondenten sind schleunigst zur Veröffentlichung im Vereinsblatt einzusenden. Betreffs der Agitation im allgemeinen ist es wohl am besten, wenn jedes Land innerhalb seiner Grenzen die Agitation selber betreibt. Alle Vorgänge, Differenzen müssen dem Sekretariat zur Kenntniß gebracht werden, auch darf fortan keine Lohnbewegung mehr stattfinden, die nicht zur Kennt- »iß aller betheiligten Länder gekommen ist, und haben die Kollegen (Korrespondenten) bei allen diesen Anlässen rechtzeitig und aus- führlich dem internationalen Sekretariat Bericht zu erstatten. Auf diese Weise wird es uns auch gelingen, die kämpfenden Kollegen rechtzeitig zu unterstützen und den Zuzug von Arbeits- krästen fern zu halten. Alle das internationale Sekretariat betreffenden Zuschriften sind zn richten an G u st a v K» s k e in Berlin, Lortzingstr. 84, Hof 4 Tr. Mit kollegialem Gruß Das internationale Sekretariat. Alle Arbeiterblätter des In- und Auslandes werden um Abdruck gebeten. Tie Vereinbarung über die Beendigung des Lauter- bcrger Stnhlarbeiter-Streiks liegt nunmehr im Wortlaut vor. Wir geben sie zur näheren Information hiermit wieder: wischen den Unterzeichneten wird folgendes vereinbart: ie unterzeichneten Stuhlfabrikanten stellen sämmtliche Streikenden ohne Rücksicht aus ibre Betheiligung an der Streik- leitung und soweit Plätze und Arbeit vorhanden sind, wieder ein; jeder Eingestellte unterschreibt de» Eintrittsrevers, jedoch soll die Unterschrift nur soweit gillig sein. als der Revers nach Ablauf von vierzehn Tagen nach der Wiedereiiistellung jedem einzeliieii Arbeiter wieder eingehändigt und die Unter- schrift kassirt wird. Ebenso steht es auch während dieser 14 Tage jedem Arbeiter frei, seine Beiträge an den Holzarbeiter- Verband zu entrichten. Die unterzeichneten Vertreter des Holzarbeiter- Verbandes erklären, daß der Bevollmächtigte Erfurlh bis Ablauf dieser Frist den Slreikbereich verlassen hat, womit der Stein des Anstoßes aus dem Wege geräumt, und ferner, daß die Klage gegen die Streikbrecher aus Rückzahlung der erhaltenen Unterstützung zurück- genommen wird. Ferner erklären die unterzeichneten Fabrikanten, daß sie die späteren Leiter des Verbandes am Orte weder maßregeln, noch ihnen sonst in ihrem Broterwerbe Hindernisse in den Weg legen werden. Lauterberg a. H., den 18. Oktober 1896. Zu dieser Angelegenheit wird uns von betheiligter Seite ge- schrieben: Der AnSgang des Streiks wird, nachdem der Kampf 23 Wochen von beiden Seite» mit seltener Ausdauer fast bis zur Erschöpfung geführt wurde, keineswegs überrasche». Die Ausständigen habe» mit anerkennenswerther Opfersreudigkeit bis zur Beilegung des Streiks ausgeharrt, und die Organisation stand de» bedrängten Arbeitern, die das Attentat auf ihr Koalitionsrecht zurückwiesen, mit bedeutenden Geldmitteln zur Seile. Hinter den Unternehmern bildete sich eine mächtige Koalition, deren Einfluß und Leistungsfähigkeit vielfach unter- schätzt wurde. So geschah es, daß die kleinen Fabrikanten eine sehr reichliche Unterstützung erhielten, die ihnen lieber war, als die volle Aufnahme der Arbeit. Ferner kam hinzu, daß während der langen Dauer des Streiks und be- sonders in letzter Zeit zahlreiche Streikbrecher angeworben wurden und wie es bei so langen Ausständen immer der Fall ist, die Möglichkeit eines günstigen Abschlusses sehr zweifelhaft erschien. Wenn nun die Organisation versuchte, eine Beilegung auch unter wenig günstigen Bedingungen zu erzielen, so wird man deshalb gegen sie keinen Vorivurf erheben. Der erste Theil des Vergleichs ist immerhin eine stillschweigende Anerkennung der Organisation, wenn auch die Fabrikanten ihrem Rachegefühl Ausdruck gaben und die Unterschrift unter dem Revers ver- langten, der in 14 Tagen ungiltig wird. Unerklärlich aber dürfte es bleiben, wie eine Organisation auf die Bedingung eingehen kann, die Ausweisung eines Mannes zu verlangen, der in voll- ständig unabhängiger Stellung sich befindet, in keiner der Fa- brike», die im Ausstand sich befanden, je in Beschäftigung stand, noch Anspruch auf solche machte. Hier liegt ein mehr politisches Moment zu gründe, denn die Unternehmer glauben, durch die Gewährung dieser Bedingung eine für die Arbeiterbewegung sehr thätige, von ihnen gehaßte Person un- schädlich zu machen. Es unterliegt keinem Zweifel, der Holz- arbeiter-Verband wird für eine hinreichende Unterstützung des Ausgewiesenen sorgen; aber es bleibt immerhin sehr beschämend für die Organisation, auf solche, die Arbeiterbeivegung ent- würdigende Bedingungen einzugehen. War die Beilegung des Streiks nur unter dieser Bedingung z» erzielen, dann wäre es besser gewesen, den Streit ohne jede Vereinbarung für beendet zu erklären. In Sachen des Kongresses lokalorganistrter Arbeiter hatte der Drechsler H. P o l u d n i k in B a r m e n iin„Bau- Handwerker" u. a.»iitgelheilt, daß der„Vorwärts" derartige» Mittheilungen verschlossen wäre. Das wurde im„Vorwärts" 26. September derb zurückgewiesen, mit der Bemerkung, daß weder von Poludnik oder von sonst jemand über den Kongreß irgend eine Mittheilung hierher gelangt sei, was aber, wie sich herausgestellt hat, ein Jrrthum war. Poludnik hat— allerdings vor zirka 3/i Jahren, im Monat Januar— eine den Kongreß anregende Mjttheilung dem„Vorwärts" zur Ver- össenllichung übersandt, die mit der Begründung zurückgewiesen wurde, daß wir nicht dazu beitragen wollte», den Organisatiousstreit anzufachen. Da es sich damals nur um eine Anregung handelte, war dieser Standpunkt gerechtfertigt; nachdem der Allgemeine Arbeiterverein zu Barmen dem Projekt greifbare Gestalt gegeben hat, ist es dagegen publizistische Pflicht, der Sache zu erivahnen, was ja inzwischen unserseits wiederholt geschehen ist. Es war ein Jrrthum, wenn Poludnik infolge der Ablehunng seiner im Januar eingesandten Zuschrift zu der Meinung kam, der„Vorwärts" sei den Mit- theilungeu über die Kongreßangelegenheit verschloffen. Dadurch erledigt sich, was im„Vorwärts" vom 26. September daraus erividert ist. Die Maler Hannovers beschlossen, den Unternehmern einen Tarif vorzulegen, worin u. a. der Neunstluidentag. 43 Pf. Mindest-Stundenlohn, Bezahlung der Ueberstunden mit 25, der Sonntagsarbeit mit 50 pCt. Aufschlag, gänzlicher Abschaffung der Akkordarbeit und Lohnauszahlung Sonnabends aus der Arbeitsstätte gefordert wird. Der Tarif soll am Ib. März nächsten Jahres in kraft treten. I» Düsseldorf ist die von den Formern über die Firma Senf u. H e y e verhängt gewesene Sperre ausgehoben. Ver- anlassung dazu war einerseits der heranrückende Winter, anderer- seits das unsolidarische Verhalte» einiger Düsseldorfer und aus- wärliger Firmen. Von Gegnern der Bnchdrucker-Tarifgemeinschaft wurde in Leipzig am Sonntag eine Konserenz ab- gehalten, wo die Orte Leipzig, Hamburg, Berlin. Stuttgart, Halberstadt, Magdeburg, Würzen, Zwickau und Burgstädt vertreten waren. Aus Barmen. Brandenburg, Bremen, Kassel, Dresden, Erfurt, Frankfurt a. M.. Frankfurt a. O., Gießen, Hannover, Halle a. S., Marbu«. Naumburg, Würzburg und anderen Orten waren Zustimmung- schreiben eingelaufen. Es wurde eine Resolution angenommen.inhalts dessen die Konferenz erklärt,„daß sie für die Mitglieder im Ver- bände das uneingeschränkte Recht der freien Meinungsäußerung und das Recht, für oder gegen die Tarifgemeinfchafl und die Reorganisation des Verbandes zu wirken, in Anspruch nimmt. aber es mit Entschiedenheit von sich weist, daß von einer Seile der Verbandsmitglieder eine Absonderung von der Gesammt- organisation erfolgen dürfe. Die Konferenz erblickt in der beschlossenen Tarifgemeinschaft die tiefste Schädigung des Verbandes und der Gehilfenschaft, und da dieselbe eine dauernde, den Verband zersetzende werden müßte, wenn die Tarifgemeinschaft unbehindert fortwirken würde, so hält sie es für unumgänglich nothwendig, daß eine ständige Gegenagitation in Fluß gehalten wird, um in statutarisch ordnungsmäßiger Weife die Tarifgemeinschaft zu beseitigen. Dem Mangel a» ge- iverkschaftlichem Selbstbewußtsein, demzufolge die dem Prinzip der Gewerkschaftsbewegung zuwiderlaufende Tarifgemeinschaft und deren Anhängsel eingegangen worden ist, muß abgeholfen und der Verband in diesem Geiste reorganisirt werden. Die „Buchdrucker-Wacht" soll das Mittel sein, diese Bestrebungen zu fördern. Zu diesem Zweck empfiehlt die Konferenz allen Gegnern der Tarifgemeinschaft die Unlerstütznng der„Buchdrucker-Wacht" durch Abonnements und Sammlungen für den Preßfonds. Schließlich legt die Konferenz Protest gegen den Ausschluß der an der Herausgabe und Verbreitung der„Buchdrucker Wacht" betheiligten Mitglieder des Verbandes ein und spricht die Hoffnung aus, daß die Allgemeinheit der Verbandsmitglieder gegen diese, dem Statut widersprechende Maßregel des Verbandsvorstandes ihren Widerspruch bis zur Zurücknahme derselbe» zur Geltung bringen werde." Die Theilnehmer der Konferenz ersuche» ihre Gesinnung?- genossen, alle Buchdrucker, die dieser Resolution zustimmen, zur Unterschrift zu«"-anlassen und die Uuterschriftsbogen an Otto K r e s s i n in Leipzig, Mittelstr. 7, einzusenden. In Chemnitz wurden am Freitag in der Gießerei von H Escher 26 Former und Kernmacher aus- gesperrt. Zur Bcrgarbeiterbewegnng in Sachsen wird uns aus Zwickau unterm 26. Oktober mitgetheilt: Die Agitation unter den Bergarbeitern für Anschluß an den Deutschen B e r g- und Hütten arbeiter-Verband wird von den hiesigen Bergarbeitern jetzt energisch betriebe». Von hier ans ist auch das Z e i tz e r Braunkohlen-Revier mit Referente» beschickt worden. Gestern wurden in Schneeberg und in Z e m b s ch e n bei Zeitz Versanttnlungen abgehalten, die nicht erfolglos verlausen sind. Nächstens gedenkt Genosse Bunte ans Dortmund eine Agitations- reise»ach Sachsen zu unternehmen. In Heidelberg haben die Gehilfen der größeren Buch- dr uckereien wegen Nichleinsührung des neuen Tarifs ge- kündigt. I« Kanfbenre« fordert das Personal der Litho- graphischen Kun st an st alt(vormals Hans Kohler u. Co.) den Neunstundentng. 18 M. Minimalloh» für Lithographen und Steindrucker, Bezahlung der gesetzlichen Feiertage, Abschaffung der Ueberstunden, Unterlassung vo» Maßregelungen. Die Firma hat einen abschlägigen Bescheid ertheill. Aus Wie». Außer den 600 Arbeitern der Jntespinnerei und-Weberei in S immering haben auch sämmtliche 83S Arbeiter der Ersten österreichischen Jntespinnerei in Florids- d o r f die Arbeit niedergelegt. Sie verlangten die Herabsetzung der 10>/s stündige» Arbeitszeit auf 16 Stunden, was abgelehnt wurde. Außer diesem wird jetzt noch verlangt: Sonnabends Arbeitsschluß um 5 Uhr nachmittags, die Mitglieder des Streik- komitees sollen nicht gemaßregelt, dagegen die Streikbrecher ent- lassen werde». Die Aussperrung der 1200 Tabakarbeiter in Schweden dauert fort. Die Fabrikanten haben auf die Anträge der Arbeiter ausweichende Antworten ertheilt. Der Vorstand des Tabakarbeiter- Verbandes erließ darauf ein Zirkular, worin u. a. folgendes aus- geführt wird:„Wir haben nur verlangt, daß die Göteborger Fabrikanten annähernd dieselbe» Preise zahlen solle», wie sie an einer ganzen Reihe anderer Plätze bezahlt werden, darunter auch von mehreren Mitgliedern des Fabrikantenvereins. Wir haben damit nur einer Lohnreduklio» vorbeugen wollen. Dagegen haben wir von den anderen Fabriken keine Lohnerhöhung ver- langt. Die Fabrikanten sage», sie bedienen sich ihres gesetzlichen Rechtes, wenn sie die Arbeiter aussperren. Für die Kapitalisten sind eben alle Mittel„gesetzlich". Bei uns würden diese Mittel unter das Streikbruchgesetz fallen." DaS ueue Gaswerk in Stockholm hat auf Ansuchen der Arbeiter die Arbeitszeit von 12 auf 8 Stunden herabgesetzt.— In Berlin dagegen warten die Gas- arbeiter immer noch aufdie Ausführung der Ver- einbarung, die zwischen Magistrat und Arbeitern vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts zu stände kam. Der Streik der Arbeiter der Roggcnbrot-Fabriken in Kopenhagen ist beendet. In einer gemeinsamen Sitzung des Vorstandes des FachvereinS der Bäcker und der Leitung des Ringes machte» die Fabrikanten folgende Vorschläge: 26 bis 36 Kr. Wochenloh» für l2stü»dige Arbeitszeit(inkl. 2 Stunden Eßpausen), in welche», Fall jede besondere Bezahlung für lieber- stunden fortfallen soll, oder 22 bis 27 Kr. wöchentlich für 16 Stunden Arbeitszeit und 50 Oere für jede Ueberstunde. Die Ge- sellen nahmen das erste Angebot an. Ucbcr den Bergarbeiter-Streik in Grand' Combe, dessen Ende schon mitgetheilt wordo» ist, wird uns aus Paris ge- schrieben: Der Streit ist schneller beigelegt worden, als zu er- warten war, und zwar dank dem Eingreisen des Ministers der öffentlichen Arbeiten. Diesem ist es gelungen, die Gruben- verivaltung zum Nachgeben in Beziehung aus die Wieder- anstelluiig sämmtlicher Streikender zu bewegen. Damit ist der Angriff der Grubenbarone auf die Gewerkschaft abgeschlagen. Die Einmischung des Ministers zu gnnsten der Arbeiter ist um so bezeichnender, als das gegenwärtige Kabinet sonst seine ganze Politik nach dem Herzen der Bourgeoisie gestaltet. Die plötzliche „Arbeiterfreundlichkeil" des Ministers dürfte aus den bevor- stehenden Wiederzusammentritt der Kammer zurück- zuführen sein. Der Minister hat denn auch nicht verfehlt, seine lobensiverthe That offiziös zu verkünden. Sozialos. Schätze im Walde. Unter diesem Titel bringt die Nunimer 83 der Böhmert'schen„Sozial- Korrespondenz" einen Artikel, der darüber klagt, daß die„Schätze" des Waldes von den„»»bemittelte»" Leuten viel zu wenig benutzt werden. Unter den„Schätzen" will der Arlilelschreiber die eßbaren Pilze, Preißel-, Heidel-, Him- und Brombeeren verstanden wissen. Von „Ameiseneiern", Johannisblumen, dem Tausendgüldenkraut und dem Waldmeister hat er wohl»ie etwas gehört? Der Artikel stellt es weiter so dar. als ließen die unbemittelten Leute den größten Theil der„Schätze" aus Faulheit und Dummheit im Walde verfaulen. Daß besonders bei den Pilzen das meiste un° genutzt zu gründe geht, ist Thatsache. Aber uicht die Un- bemittelten tragen daran die Schuld, sondern sehr bemittelte. sehr reiche Leute. Schon einige Meile» von Berlin wird jeder. der sich in der„Haide" außerhalb der Straße treffen läßt, beim Kragen genommen. Und was geschieht draußen in der Provinz, wo man wirklich noch von„Schätzen" des Waldes reden kann? Hat nicht Jagdfererei und forst- wirthschaftlicher Unverstand Thäler, die durch Jahrhunderte begangen wurden, abgesperrt und verrammelt, daß auch nicht mehr der unschuldigste Tourist durchschlüpfen kann? Wen» man von den Slaatsforsten ganz absieht, wie viel Privalwälder sind denn für den Unbemitlellen überhaupt»och offen? Ein großer Theil der Waldherren läßt überhaupt nicht eine Katze mehr in sein Besitzthum. Andere wieder wollen auch aus den Aermsten noch ein paar Nickel herausquetschen. Und so geben sie Scheine aus, von 16 Pf. bis zu I Mark, die zum Pilzsuchen und Beeren- pflücken berechtigen. Dieses Vorgehen erbost»ach zwei Rich- tungen hin. Wenn etwas rar in den Walddörfern ist, so ist es baares Geld. Noch mehr Groll aber erzeugt die immerwährende Kontrolle. Im heurigen Sommer wurde in einem deutschen Mittelgebirge eine Frau beim Beerenpflücken vom Forstwart betroffen. Sie konnte einen Erlaubnißschein nicht vor- " Von meifen, etweber weil fie feinen gelöft oder ihn vergeffen oder Genoffen Flemming über die geplante Organisation des Anstalt dieser Art tauchte 1765 auf. In diesem Jahre errichtete verloren hatte. Der Forstwart entriß ihr den Krug, schüttete Handwerts entgegen. Redner schildert zunächst die wirthschaft ein Pariser Bürger namens Boulanger in der Rue des Poulies das Ergebniß mehrstündiger Arbeit auf den Erdboden und liche Lage des Kleinhandwerks, weist hin auf die Konkurrenz eine Speisewirthschaft, wo brühe, Suppen, Geflügel und trampelte und stampfte es zu Matsch zusammen. Die Befizerin unfähigkeit desselben gegenüber der Großindustrie, giebt einen Eierspeisen verabreicht wurden lles war, wie eine Chronik erdes Waldes wurde daraufhin in einen Blatte angegriffen. historischen Abriß über die Entstehung der Regierungsvorlage zur zählt, reinlich servirt, und man speiste auf kleinen runden MarmorSie veröffentlichte in einem zweiten Blatte folgendes: Mein Hebung des Handwerks, und wendet sich dann in der Kritik lischen, wie sie heute noch vielfach im Gebrauche sind. Ueber dem Wald ist mein Wald. Der Forstwart hat ganz nach meinen letzterer gegen diefelbe. Nach der Diskussion, in der vornehmlich Eingange zu diese ersten Speisewirthschaft hatte der EigenBefehlen gehandelt. Bisher habe ich aus Gnad und Barm- die für die Arbeiterschaft schädlich wirkende Regelung des Kranken- thümer eine Tafel angebracht, worauf die lateinischen Worte herzigkeit Erlaubnißscheine ausgestellt, weil man mich aber an- tassen- und Herbergswesens, der Schiedsgerichte, der Arbeits- standen: Venite ad me omnes qui stomacho laboratis et ego gegriffen hat, darf fortan tein Mensch mehr in meinen Wald. nachweise, der Lehrlingsausbildung u. f. w. durch die geplante Hand- restaurabo vos! Das war eine Parodie auf den bekannten Mag das Zeug verfaulen! So liegen die Dinge und nicht so, werksorganisation bekämpft wurde, gelangte ein Antrag zur Annahme, Bibelspruch:" Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und wie der Artikelschreiber in der Soz- Korr."" meint, daß der demnächst in öffentlicher Versammlung Stellung zur Vorlage zu beladen feid; ich will euch erquicken." Nur statt„ mühselig und ,, Unbemittelte" sich nicht einmal bückt, und wenn er auch mit nehmen. Beim 2. Punkt der Tagesordnung: Besprechung der beladen" stand:„ die ihr im Magen leidet". Das Wort seinem Fuß an den schönsten Pilz stößt. Was in dem Artikel Vorschläge des Genossen Quarck" erklärten sich die Delegirten restaurabo"( vom lateinischen restaurare, wiederherstellen, über die Unkenntniß der Schwämme und Beerensammler gesagt mit der Art der Polemik des„ Vorwärts" nicht einverstanden. erquicken) war das Charakteristische der neuen Anstalt wird, ist entweder unrichtig oder schief. In den Walddörfern Die Vorschläge des Genossen Quarck wurden beim Stande ber und gab ihr auch den Namen, mit dem Unterschiede, daß tennt Jeder Pilze und Beeren. Der Arbeiter, den ein Fabrik- heutigen Vereinsgefeßgebung und bei der Entwickelung der der Franzese das Partizip nahm( restaurant) während unternehmen in oder an den Wald verschlagen hat, kennt sie deutschen Gewerkschaftsbewegung als nicht annehmbar verworfen der Deutsche das Substantiv( restauratio) vorzog. Die Speise allerdings nicht. Man hat ihn in der Schule mit Häufiges unentschuldigtes Fehlen der Delegirten veranlaßte das wirthschaft fand Zuspruch, es wurden bald andere errichtet und Katechismus und Bibelsprüchen vollgestopft, für etwas Kartell zu beschließen: Delegirten, welche unentschuldigt bei den schließlich gab es unzählige, darunter auch sehr theuere. So anderes hatte man teine oder zu wenig Zeit. Man Versammlungen des Kartells fehlen, wird bei nächster Zusammen- fonnte man bei Borel Mahlzeiten für 150 Frants haben. Neben kann auch dem Lehrer in dieser Beziehung keinen Vorwurf funft eine Rüge ertheilt, im Wiederholungsfalle geschieht diefes den besseren Restaurationen entstanden dann auch Garküchen, machen, ihm ist es ja auf dem Seminar nicht anders ergangen. in der öffentlichen Versammlung des von dem betreffenden wo man sehr billig, oft zu 15 Sous speisen konnte. Und würde der Arbeiter auch alle Pilze Mitteleuropa's fennen, Delegirten vertretenen Berufes. Nach Erledigung des Gewerk- manchen ging jedoch die Sage, daß sie schlechtes Fleisch verand wäre der Wald wirklich für ihn offen, er könnte seine Kenntschaftlichen" erfolgte der Schluß der Versammlung. wendeten, und zuweilen gab es Untersuchungen und Prozesse, die niß nicht verwerthen; dafür sorgt schon die unmenschlich lange die ekelhaftesten Dinge an den Tag brachten. Fabrikfrohn. Mit einer Behauptung aber schlägt der Artikelschreiber dem Faß den Boden aus. Er bezeichnet das Pilzesuchen als eine äußerst gesunde und angenehme Beschäftigung" für Frauen und Kinder. Die Schwämmezeit fällt in die Monate Auguft und September. In dieser Zeit fällt in den Schwämme gegenden der Nachtthau sehr start, von den Regen, die die Vorbedingung eines häufigen Schwammwuchses find, ganz zu schweigen. Jeder Schwämmesammler steht möglichst früh auf, um feinen Konkurrenten zuvorzukommen. Wenn er nach einigen Stunden den Heimweg antritt, ift er bis zu den Hüften tropfnaß und im Rücken liegt es ihm von dem Bücken wie ein Stein. Möge der Herr Artikelschreiber nur einmal seine Frau und feine Kinder hinaus schicken, die werden ihm schon etwas erzählen von der gesunden und angenehmen" Beschäftigung!- Man kann keinem verwehren, Waffersuppen zu fochen, auch sozialpolitische. Wenn er sie aber anderen anpreist, so kann man doch verlangen, daß er wenigstens das Wasser kennt. Das ist bei unserem Artikelschreiber nicht der Fall. Weiter. Den Tenor des Artikels fann man in die Worte faffen: Es ist ja möglich, daß es dem man in die Worte faffen: Es ist ja möglich, daß es dem Arbeiter das sind die unbemittelten Leute" schlecht geht, aber daran ist nur er selbst schuld. Er könnte sehr leicht seine Lage verbessern, wenn er nur wollte. Beweis: Die ungehobenen " Schäße" des Waldes. Daß dieser Beweis mißlungen, glauben wir ebenfalls dargethan zu haben. Vermischtes. Ein neuerfundener Apparat zur Kontrolle der PassagierFahrkarten soll demnächst in Rußland eingeführt werden. Der Bei der Marinerekruten- Vereidigung in Riel hielt der Apparat, der über der Rücklehne des Sizes anzubringen ist, soll Kaiser, so erzählen die M. N. N.", an die jungen Vaterlands- folgenden Zwecken dienen: 1. Jeder Passagier hat in den mit vertheidiger zur See eine Ansprache, in der er vor den äußeren einer Glasthür und einer Spalte versehenen Apparat seine Fahrs und den inneren Feinden warnte. Nachher sprach er einige der farte zu werfen, wodurch der Platz als besetzt zu betrachten ist; Rekruten an und dabei fiel ihm ein besonders stämmiger Bursche 2. bei der Fahrkarten- Revision braucht der kontrollirende Beamte auf. Er fragte ihn, woher er sei, und erhielt die im besten die Passagiere während der Nachtruhe nicht zu stören, er Oberbayerisch gegebene Antwort: Aus Miesbach, Majestät." öffnet blos den Apparat und koupirt die betreffende FahrDer Kaifer fragte den Oberländer dann weiter, ob er denn ver- farte; 3. durch die Einführung des Kontroll- Apparates dürfte standen, wen er unter den auswärtigen Feinden" gemeint. das Vorkommen blinder Passagiere vermindert werden, indem das Die Russen, Majestät." Und wer sind denn die inneren Publikum in gewissem Sinne an der Kontrolle theilnimmt; Feinde?"" Die Preußen, Majestät..." 4. ist der Passagier nicht der Möglichkeit ausgefeßt, daß sein Noblesse der Eisenbahn Verwaltung. Zum Rafteler Plaß von einem andern Passagier eingenommen wird; 5. um zu Gisenbahn Unglück schreibt der Franks. G.-A." aus Kastel, verhindern, daß sich die Baffagiere freunde Fahrkarten aneignen, 12. Oftober: Dem bei der am 25. Juli hier vorgekommenen wird gleichzeitig mit dem Billet eine Quittung verabfolgt, welche Gisenbahn- Katastrophe start in Mitleidenschaft gezogenen Heizer die entsprechende Nummer trägt; die Quittung verbleibt bei dem Rath, der über zwei Monate dienstunfähig war, ist von der Passagier. Dieser Apparat ist in Deutschland und vor allem worden. Die nächst vorgesetzte Behörde hatte dem Seizer, der hier oft nur den wenigsten Fahrgästen gelingt, eines Sigplages Bahnverwaltung eine Entschädigung von 25 M. bewilligt auf der Berliner Stadt und Ringbahn unbrauchbar, weil es eben der Schmälerung in seinem Einkommen( Wegfall der habhaft zu werden. In der vierten Klasse ist er nun schon garMeilengelder während des Krankenlagers) noch den Verlust eines nicht zu verwerthen. Anzuges zu beklagen hat, eine Entschädigung von 100 M. zugedacht, welcher Betrag von der höheren Instanz aber auf obige Summe reduzirt wurde. Wie wir hören, soll der Heizer die Annahme der Entschädigung abgelehnt haben." = = Witterungsübersicht vom 20. Oktober 1896. Eine fortlaufende Individu al- Statistik der Armenpflege Hamburgs ist im vorigen Jahre vom Senat eingerichtet worden. Für den Monat August 1895 ist nun folgendes festgestellt: Einmalig unterstützt wurden 133 Männer, Köln gemeldet wird, gefallen. Im Rhein und in der Mosel ist das Hochwasser, wie aus Stationen. 54 Frauen und 18 kinderlose Ehepaare, dauernd unter: stüt 1792 Männer( darunter 1357 verheirathete) und Die Seine ist fortgesetzt im Steigen begriffen und hat 7408 Frauen( darunter 5484 Wittwen). 5724 der Unterstützten theilweise die unteren Quais auf ihrem Laufe durch Paris überwaren über 50 Jahre alt. Die Höhe der Unterstützung betrug schwemmt, so daß das Einsteigen in die Dampfschiffe nur durch Swinemünde dauernd: bei 3800 Personen bis 15 M. monatlich, bei Mothbrücken bewerkstelligt werden kann. Gestern Nachmittag Hamburg 2973 Personen 15-20., bei 1860 Personen 20-25., bei fam infolge des Hochwassers sogar ein Zusammen- Berlin 409 Personen 25-35 M., bei 158 Personen über 35 M. Vorstoß eines Schleppdampfers mit einer der Dampfschwalben Wiesbaden übergehend empfingen Unterstüßung 82 Personen bis 15 M., vor. Ersterer, mit schweren Kähnen im Schlepptau, passirte ge- München 32 Personen 15-20 M., 37 Personen 20-25 m., 36 Personen rade den Pont Royal und vermochte wegen der starken Strö- Wien. 25-35 M., 18 Personen über 35 M. Ueber die Ursache mung dem Personendampfer nicht genügend auszuweichen. Haparanda der Hilfsbedürftigkeit ist folgendes festgestellt worden: Am Pont- Royal zeigt der Pegel der Seine heute 4,11 Meter, ein Petersburg Dauernd oder einmalig wurden unterstützt wegen: Wasserstand, der demjenigen von 1882 gleichfommt. Wenn Cort Kinderlose der Fluß am Pont- Royal 4,20 Meter erreicht, was viel- Aberdeen. Männer Frauen Ehepaare leicht schon morgen eintreten dürfte, da von Chalons ein beden- Baris. tendes Steigen der Marne gemeldet wird, muß die Seineschifffahrt eingestellt werden. förperlicher. Zobes des bisherigen Ernährers. 2 942 B Krankheit oder Unfalls 324 799 57 Dauernder Gebrechen: 70 175 21 geiftiger 22 53 7 Arbeitslosigkeit 164 29 20 Großer Kinderzahl 98 114 Müßiggangs, Trunks 2c.. 13 27 Unzureichenden Verdienstes. 276 2345 129 Altersschwäche 234 2507 254 Verlaffens durch den Ernährer 346 Ernährers 47 2 。 ཀླུ 8| ནྡྷུསཿ| ཁ ། 2 • • Barometers itand in mm, reduzirt auf d. Meeressp. Windrichtung Windstärke - 11227441B4B Wetter Temperatur nach Gelfius ( 50 G. 4° R.) 743 SSD bedeckt 744 N bedeckt 6 . 742 NO Regen 10 744 SM bedeckt 8 742 Regen 744 bedeckt 758 halb bedeckt-6 750 NW wolkig 7 746 NW woltig 5 . 745 SW 3 . Regen 6 Wetter- Prognose für Mittwoch, den 21. Oktober 1896. Ziemlich trübe und regnerisch bei mäßigen nordwestlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. Nachrichten über Unwetter kommen aus Italien. Anhaltende Regengüffe verursachten, wie aus Rom gemeldet wird, neuerdings ein Steigen des Tiber, der in der Nacht zum Dienstag seinen höchsten Stand erreichte. Heute früh wurde ein leichtes Sinten des Wassers gemeldet. Stromaufwärts sind die Felder an der Straße nach Mentana, stromabwärts an der Straße nach Ostia überschwemmt. In der Stadt Die juristische Sprechstunde findet am Montag, selbst sind nur einige tief gelegene Dertlichkeiten, darunter der Dienstag, Freitag und Sonnabend abends von Play vor dem Pantheon, theilweise überschwemmt. In einem 6-7 Uhr statt. Landhause bei Monterotondo wurden 25 Bauern durch das Hochwasser abgeschnitten; zu ihrer Befreiung sind Geniesoldaten von hier abgegangen. Aus Civitavecchia wird be Derartige Ergebnisse der Statistik sollen regelmäßig und zwar richtet: Die hochangeschwollene Fiora riß Dienstag Abend die etwa aller 4 Monate veröffentlicht werden. eiferne Brücke zwischen Montalto und Chiarone fort, wodurch die Eisenbahnverbindung unterbrochen ist; heute früh iſt infolgedeffen kein Zug hier eingetroffen. Untersuchung oder Strafhaft des Aktiver Militärpflicht des Ernährers " Versammlungen. 59 12 2 Waschechter Voyageur la Hehe. Was Sie meinen, wurde schon auf dem Berliner Parteitag, also vor 4 Jahren gesagt und in Gotha nur wiederholt gegenüber der möglichen Auffassung, als spiele persönliches oder materielles Interesse bei dem Sprecher eine Rolle. ein Mädchen die väterliche Einwilligung zur Heirath nöthig. Cfr. R. 250. 1. Bis zum vollendeten 24. Lebensjahr hat nehmigung bedürfen. 2. Beleidigungsflage ist zulässig, aber nicht erst vom 1. Januar 1900 ab tritt die Bestimmung in fraft, daß großjährige Leute zur Verehelichung teiner elterlichen Ge rathsam. W. W. Die Briefe find angekommen; die Angelegenheit wird, da ihre Aktualität vorüber, gelegentlich bearbeitet. 2. K. 66. 1. Nein. 2. Der Gemeindevorsteher hat recht. W. Schwarz. Sind vor der Heirath mindestens 235 Marken -GOO " Platen's Bedeutung für die deutsche Literatur legte von einem Löwen angefallen worden war und, mit ihm ringend, Ift der gewaltsame Tod schmerzlich? Livingstone, der aus Anlaß des 100. Geburtstages dieses Dichters in einer Sonn- am Boden lag, gab seinen Empfindungen in diesem kritischen tag Abend von der Arbeiter Bildungsschule ver Augenblick folgendermaßen Ausdruck:" Ich empfand eine Art anstalteten und überaus zahlreich besuchten Versammlung Genoffe traumhafter Ruhe und hatte weder eine Schmerzensempfindung Heinrich Schulz dar. Im Anschluß an seinen Vortrag noch das Gefühl der Furcht, obwohl ich das flare BewußtDeklamirte Schulz eine Anzahl der politischen Gedichte Platen's. fein hatte, daß mir der Tod bevorstand. Ich konnte dem Thier Der Ausschuß für Erhaltung des Botanischen ohne Schrecken ins Auge fehen. Wahrscheinlich haben alle geklebt, so kann die junge Frau innerhalb 3 Monaten Gartens als Schmuckanlage", der in einer Volksversammlung Thiere, die den Raubthieren zum Opfer fallen, dieselbe Empfin- nach der Heirath den Antrag auf Rückerstattung der Hälfte des am 22. März d. J. gewählt worden war, um eine Agitation dung; wenn dem so ist, dann hat die Vorsehung hier einen Stlebemarkenbetrages bei dem Vorstand der Versicherungsanstalt gegen die geplante Beseitigung des Botanischen Gartens in die wohlthätigen Mechanismus geschaffen, der das Sterben erstellen. Ein Beispiel für solchen Antrag finden Sie im ArbeiterWege zu leiten, hatte am Montag Abend eine Volksverfamm- leichtert." Der Alpinist Whymper berichtet über einen Absturz recht" S. 312.-O.. 76. Ja.- Frankfurter Allee 91465. lung" nach dem Königshof" in der Bülowstraße einberufen, aus der Höhe von 76 Metern, bei dem er immer von einem Klagen Sie auf Einräumung des vermietheten Bodens und die auch äußerst start besucht war. Der Vorsigende des Grund- Felsvorsprung auf den andern stürzte:" Ich hatte eine durchaus ehnen Sie Zahlung des nicht vereinbarten Waschgeldes ab. besizer- Vereins, Herr Müller in Schöneberg, berichtete über die flare Vorstellung von dem, was mit mir vorging, und zählte. J. Das in der Fabritordnung stehende ist maßgebend. vom Ausschuß bisher unternommenen Schritte. Leider haben sich jeden Auprall; aber wie ein chloroformirter Kranker empfand Bahntechniker. Wie weit Sie oder Ihr Mann zu zahlen hat, die Berliner städtischen Körperschaften bis jetzt nicht bereit finden ich dabei feinen Schmerz. Jeder Fall war natürlich hängt von dem uns unbekannten Wortlaut des Erkenntnisses ab. können, in dieser Frage eine entscheidende Stellung einzunehmen, heftiger als der vorhergehende, und ich erinnere mich ganz. S. 44. Bis Ablauf des Tages. 2. 69. Bis späteum die verlangten 15 Millionen aufzubringen und den Botani- genau, daß mir damals der Gedanke durch den Kopf fuhr stens am 15. zum 1., nicht umgekehrt, fönnen, falls nichts anderes schen Garten als Park für die Bevölkerung Berlins zu er Wenn der nächste Aufschlag noch heftiger ift, dann ist es vereinbart ist. Schlafburschen, Chambregarniften u. f. w. ges halten, da auch die Mehrheit der Stadtverordneten dagegen sei. aus mit mir. Ganz besonders bemerkenswerth aber ist, fündigt werden. S. 8. Die Verjährungsfrist für Darlehen In dieser Hinsicht stehe man allerdings geradezu hoffnungslos da. daß dieser Sturz durch die Lüfte mir durchaus keine peinliche beträgt 30 Jahre. 2. K. 50. Der Lauf ist ungiltig. Wenn London für seine Jugend allein 7000 Spielpläge habe, Empfindung verursachte. Wäre die Distanz noch größer ge. P. G. 50. Ja, falls nicht Stundung der Kosten auf Antrag dürfe man auch hier auf den Krämergeist der intereffirten wesen, dann hätte ich sicher das Bewußtsein verloren und wäre bewilligt ist. m. P. Der, der den Schaden durch Offenlassen Geschäftsleute teine Rücksicht nehmen. Die Bürgerschaft müsse ganz schmerzlos gestorben." Eine junge Franzöfin, die sich der Klappe verursacht hat, ist für den Schaden verantwortlich. protestiren unter dem Ruf: Hie Brandenburg alle Wege!"( Leb: aus Eifersucht eine Kugel in die Brust geschoffen hatte, R. 18888. Für die weißen Stlavinnen beträgt die Kündigungshafter Beifall). Dr. Hartmann theilt hierauf mit, daß die Ber- erklärte Herrn de Varigny auf die Frage, ob sie im Augen frist mangels besonderer Abrede 6 Wochen zum 1. des Quartals. liner Stadtverwaltung auf eine diesbezügliche Anfrage feitens des blick der Verwundung Schmerzen empfunden habe:„ Ich weiß Die betreffende ist in den übrigen von ihr erwähnten Beziehungen Ausschusses gar nicht geantwortet habe, erst später habe man er es felber nicht aber, so drollig es flingen mag: ich leider nicht im Recht.- G. T. 50. Ohne mündliche Rückfahren, daß nichts gethan werden kann. Rechtsanwalt Bibig batte eher ein angenehmes, als ein unangenehmes Gefühl." Der sprache nicht zu beantworten. Sprechen Sie gelegentlich in der als juristischer Beirath beurtheilt nun die Frage vom rechtlichen englische Admiral Beaufort, der als junger Mensch einmal in Sprechstunde vor. Beckmann. Nein. M. L. 14. Durch Standpunkte in bezug auf das Gesetz vom Jahre 1850, das ein der Gefahr des Ertrinkens geschwebt hatte, äußerte über seine Anerkennung der Unterschrift und nachträgliche Eheschließung Vorkaufsrecht nur dann gewähre, wenn der Eigenthümer allgemein Empfindungen in jenem Moment: Als ich meine Bemühungen, mich mit der Mutter erhält das Kind den Namen seines Vaters. nothwendige Bauten ausführen wolle, was hier leider nicht zu zu retten, aufgegeben hatte, überkam mich ein Gefühl der Ruhe und 3. G. W. Heine, Rathenowerstr. 1. Zwei Wettende. treffe, weshalb wenig Hoffnung vorhanden sei. Aber es lasse des Friedens, das zu dem wilden Gefühlsaufruhr der vorhergehen 1. Nein. 2. Ja. H. S. 26. Sie haften für die Miethe sich ein Ausweg finden, wenn man die Bau- Akademie, die gegen den Minute in scharfem Gegensatz stand. Ich dachte nicht mehr an nicht, wohl aber tann gegen Ihre Frau ohne weitere Aufs wärtig doch nicht nur den Play, wo sie steht, verunziert Rettung, und ich litt nicht im geringsten. Ich hatte im Gegen- forderung geklagt werden. Rafemann. Schriftlich e und das Kaiser Wilhelm Denkmal verdecken würde, theil eine angenehme Empfindung, ähnlich dem Gefühl der zu Antwort zu ertheilen lehnen wir ab. Der Gang des Prozesses nach dem Botanischen Garten verlege. Damit würde man zwei friedenheit, das man nach großer förperlicher Anstrengung kurz entspricht den nun einmal bestehenden Gesetzen. E. Sch. Die Fliegen mit einer Klappe schlagen und ähnliche Pläte wie in vor dem Einschlafen hat." Zahlreiche weitere Aussprüche von einzelnen erbrechtlichen Bestimmungen des Bürgerlichen GesetzLondon erhalten, an denen Berlin noch sehr arm sei. Die authentischen Zeugen beweisen, daß die Schrecknisse, mit denen buches, das erst am 1. Januar 1900 in fraft tritt, an diesem nachfolgenden Redner plädirten gleichfalls dafür, daß sowohl der wir die Todesstunde umgeben, zu nicht geringem Theil Er- Orte aufzuführen, geht schon aus Raummangel nicht. In vors Magiftrat wie die Stadtverordneten Versammlung alles ver- eugnisse unser Phantasie sind. aussichtlich wenigen Monaten wird eine allgemein verständliche suchen möge, um diese prächtigen Anlagen zu erhalten. BeWo unsere ,, Restauration" herkommt. Man schreibt der Ausgabe über das Bürgerliche Gesetzbuch erscheinen, das dem schlossen wurde sodann, dem Kaiser die Bitte zu unterbreiten, Frankfurter Beitung":" Der französische Schriftsteller Maurice Bedürfniß entspricht.- 3., Tegel. Sie würden zur Zahlung den Botanischen Garten als Park der Berliner Bevölkerung zu Cabs veröffentlichte in der République française" eine Studie verurtheilt werden. Hdb. Der Anspruch auf Unfallrente erhalten, desgleichen will man versuchen, den preußischen Land- über das Wirthschafts- und Gartüchenwesen in Paris. Man hat verjährt in zwei Jahren. Ist die Anmeldung des am 29 Sept. tag dafür zu interessiren. in Frankreich lange nur die Herbergen und Wirthshäuser für die 1893 eingetretenen Unfalls, wie es scheint, noch nicht geschehen, Das Gewerkschaftskartell in Charlottenburg nahm in Reisenden gekannt. Jedermann speiste bei sich zu Hause und was so ist jetzt leider nichts mehr zu machen. F. L., Friedrichsseiner öffentlichen Bersammlung am 16. d. M. ein Referat des' man heutzutage eine Restauration nennt, gab es nicht. Die erste hagen. Ja. 2. Nr. 100. Verjährung liegt nicht vor. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Für den Inseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin. 2. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 247. Kongrek bes Allgemeinen Vereins der Töpfer und Berufsgenossen Deutschlands. Hildesheim, 19. Oftober 1896. Mittwoch, den 21. Oktober 1896. ungefähr ein Sechstel dessen, was im vorigen Jahre von den Gesellschaften als Ausbeute vertheilt werden konnte. vollbrachten Großthaten." 13. Jahrg. Um die Versorgung der Veteranen ist es überhaupt traurig bestellt. In berechtigter Entrüftung schreibt hierüber der, NiederDas sogenannte Bäckeramt in Hannover hielt kürzlich bayerische Anzeiger":" Bald ist das 25. Jubiläum des großen unter Vorsitz des Obermeisters Brosende eine General- Krieges vorübergegangen, ohne daß für die Veteranen von jener versammlung ab, wo u. a. auch die am 1. Juli in fraft getretene Beit etwas Thatsächliches, Greifbares zu deren Besserstellung geIn der alterthümlichen Stadt Hildesheim trat heute Vor- Verordnung über den Marimalarbeitstagin Bädereien than worden wäre, denn die Erinnerungsmedaillen und die mittag der Kongreß zusammen. Die Verhandlungen finden statt besprochen wurde. Man war der Ueberzeugung, daß diese Ver- fleinen Gelddotationen waren ja weiter nichts als ein lächerliches Almosen, wit dem man genug gethan zu haben glaubte. in dem Wolf'schen Saale, welcher zu diesem Zweck mit rothen Fahnen ordnung unterblieben wäre, wenn nicht in anderen Städten, So ist denn alles wieder beim Alten. Die alten Veteranen laufen und Inschriften entsprechend geschmückt ist. Die Vormittags: wie Berlin, Hamburg, Frankfurt a. M., betreffs einer zu aus nach wie vor herum mit der Zapferkeitsmedaille am verSigung verging mit der Erledigung geschäftlicher Formalitäten. gedehnten Arbeitszeit wirkliche Mißstände bestanden hätten. Anwesend find 25 Delegirte aus 24 Wahlkreisen. Nach Prüfung Darauf erwidert der„ Volkswille": Daß auch in Hannover schliffenen Rocke und den knurrenden Hunger im Magen. Mit vollen Händen wurden an die großen Herren der Mandate und Wahl des Bureaus wird folgende Tages: wirkliche Misstände hinsichtlich einer zu ausgedehnten Arbeitszeit Millionen von Dotationen aus dem von den Soldaten ordnung festgefeßt: 1. Rechenschaftsbericht des Zentralvorstandes, bestehen, scheint das Bäderamt gar nicht zu wissen, oder wahrdes Ausschusses, der Preßkommission und der Revisoren. scheinlicher ist, daß man es nicht wissen will. Oder sollte man eroberten Nibelungenhort gegeben. Aber den Kleinen gebührt 2. Unsere Presse und Agitation. 3. Arbeitslosen- Unterstügung. gar eine 17- bis 20 stündige Arbeitszeit, wie wir sie außer Gicht und Rheumatismus und Siechthum aller Art tein 4. Die Mißstände im Baugewerbe. 5. Statutenberathung und fürzlich in mehreren hiesigen Bäckereien für Lehrlinge(!!) weiteres Andenken an ihre in Verbindung mit ihren Führern Berathung der dazu vorliegenden Anträge. 6. Sonstige Anträge. feststellten, noch nicht als wirkliche Mißstände ansehen? 7. Wahl des Sizes der Hauptverwaltung, des ersten Vorsitzenden Der Verwaltungsbericht der Stadt Mannheim Die Schifferheder Königsbergs i. Pr. erörtern, wie die dicke Bände ist den dortigen„ gutgesinnten" Blättern zugefandt awe und des Hauptkassirers. Hart. 3tg." türzlich berichtete, augenblicklich die Frage, wie der dicke Bände ist den dortigen gutgesinnten" Blättern zugesandt In der Nachmittags Sigung gab der Zentral- Vorsitzende Desertion der Seeleute Einhalt verschafft werden kann. worden. Das Arbeiterblatt, die„ Volksstimme", hat der Kaulich den Rechenschaftsbericht. Derselbe konstatirt zwar Schuld daran sollen gewiffenlose Heuerbasen haben, die unter Stadtrath übergangen. Unser Bruderorgan meint dazu: Wir einen theilweisen Erfolg der für die Verbandsbestrebungen allerlei Vorspiegelungen die Matrosen zur Desertion veranlassen grämen uns darüber nicht zu Tode. Der Bericht ſteht uns doch betriebenen Agitation, hebt jedoch hervor, daß die Zahl und nachher gegen unverhältnißmäßig hohen Heuervorschuß wieder zu Gebote, wenn wir einmal das Gelüfte verspüren, einen Blick der Mitglieder noch weit hinter dem erwünschten Stande zurück verheuern. Man schlägt vor, den Heuerbasen zu verbieten, in ein Stück offizieller Schönfärberei zu werfen, da das Werk ftebe. In manchen Gegenden Deutschlands wären die Kollegen Heuervorschüsse über einen bestimmten Betrag zu empfangen, unseres Wissens auch den Stadtverordneten überreicht wurde. nur sehr schwer für die Organisation zu haben. Namentlich oder die Schiffsführer durch Gesetz zu verpflichten, Borschüsse über Füglich hat die" Volksstimme" auch noch so viel Geld, sich den Posen, Ost- und Westpreußen und Schlesien seien noch sehr einen gewissen Betrag zu zahlen. Unseres Erachtens, meint dazu Bericht zu kaufen, falls er im Buchhandel erhältlich ist. Wenn rückständig, auch für manche Theile Süddeutschlands laffe fich die Königsberger Bolfstribüne", sollte man den Heuerbafen wieder einen Beweis liefert, wie unting einseitig der jetzige wir die Bagatellfache erwähnen, so geschieht es nur, weil sie daffelbe sagen. Ein ähnliches Bild geben auch die schriftlich ein- nichts verbieten und keine Vorschriften machen, sondern diese Art gegangenen Berichte der Agitationskommissionen für Mecklenburg, Agenten einfach abschaffen. Wenn außerdem die Herren noch ein Stadtrath sich manchmal zu verhalten weiß. Er sollte doch be Straßburg i. E., Bayern, Brandenburg und Sachsen. Lezterer übriges thun möchten und den Lohn erhöhen, die Bemannung vervoll- liberalem Gelde bezahlt wurde, sondern aus den Beiträgen denken, daß der Verwaltungsbericht nicht mit national. Bericht hebt hervor, daß die auf dem Berliner Gewerkschafts- ftändigen, eine gute Rost verabreichen und für gesunde und gut aller Steuerzahler und daß es deshalb Recht und Billigkeit Rongreß beschlossene Agitation für den Anschluß der ventilirte Schlafräume sorgen, so hätten die Seeleute eine ganze erheischt, daß der Bericht den Preßvertretungen aller Partei3iegeleiarbeiter an die Organisation der Reihe von Gründen weniger zur Desertion. Töpfer in der Umgegend von Dresden mit erfreulichem richtungen zugehe. darin, selbst zu bauen oder Baugesellschaften zu gründen, sondern alle diejenigen wissenschaftlichen Arbeiten zu leisten, die der Begründung von Vereinigungen zur Erbauung kleiner Wohnungen voraufgehen und als Grundlage dienen. ein Ersatz- Ruhetag gewährleistet werden muß, und daß, wenn die betreffenden Hilfsarbeiter an mehreren aufeinanderfolgenden, beziehungsweise an allen Sonntagen des Jahres, mehr als drei Stunden beschäftigt werden und sonach die Alternative des ErsatzRuhetages auf jeden zweiten Sonntag überhaupt nicht in betracht kommt, für jeden einzelnen zur Arbeit herangezogenen Sonntag ein Ruhetag oder je sechs Stunden an zwei Wochentagen als Erfahruhe einzuräumen sind. Erfolg betrieben worden sei, wenn auch die Zahl der organisirten Aus Hamburg wird berichtet: Für Aufhebung aller Kellnerschutz in Oesterreich. Nach einem vom Wiener Ziegler im Verhältniß zu ihrer Gesammtzahl noch gering wäre. freien eingeschriebenen Hilfs Krantentassen welche durch einen Delegirten auf dem Kongreß vertreten die Töpfer Hamburgs eine lebhafte Agitation entfalten laffen. Der Kellner folgendermaßen entschieden: Nach dem Gesetze Auch unter den Zieglern in der Umgegend von Werder, und Uebertritt der Mitglieder in die ,, Orts- Krankenkassen" wollen Magistrat an die einzelnen Bezirksämter gerichteten Erlaß hat das Handelsministerium die Frage des Ruhetages der Kellner folgendermaßen entschieden: Nach dem Gesetze find, ist mit einigem Erfolg agitirt worden, der hoffentlich in Gin hierauf bezüglicher Antrag foll demnächst im Hamburger betreffend die Sonntags- und Feiertagsruhe im Gewerbebetrieb Zukunft noch größer werben wird. Um die Lippe'schen Gewerkschaftskartell in einer öffentlichen Delegirten- Versammlung ist den an Sonntagen länger als drei Stunden mit gewerblichen Biegler zu gewinnen, wird, wenn dieselben nach Ablauf der zur Sprache gebracht werden. Arbeiten beschäftigten Arbeitern, mindestens eine vierundzwanzigSommerlichen Arbeitsperiode in ihre Heimath zurückkehren, eine Einen ,, Ansschuß für Förderung der Arbeiterwohl stündige Ruhezeit am darauffolgenden Sonntag, oder wenn dies energische Agitation entfaltet werden. Von den in Berlin fahrt hat in Hamburg die Gesellschaft zur Förderung der mit Rücksicht auf den gewerblichen Betrieb nicht möglich ist, an beſtehenden Organisationsverhältnissen giebt der Redner kein er Künste und nüßlichen Gewerbe eingesetzt. Zweck desselben ist, einem Wochentag, oder je eine sechsstündige Ruhezeit an zwei Tagen freuliches Bild; diefelben seien infolge der leidigen der Wohnungsnoth der Arbeiter, Handwerker und Kleinen Beamten der Woche zu gewähren. Die Frage, ob die eventuell ganz oder Streitigkeiten über die Organisationsform entgegenzutreten. Von dem Gedanken ausgehend, daß wissen- theilweise freizugebenden Wochentage in jeder oder in jeder nicht auf der wünschenswerthen Höhe. Im ganzen bestehen jetzt schaftliche Untersuchungen und Studien die Grundlage für jede zweiten Woche freizugeben sind, kann nur dahin beantwortet 130 Bahlstellen des Verbandes mit 4200 Mitgliedern. Die Kaffen- prattische Bethätigung sein müssen und daß die eigenartigen Ver- werden, daß nach der Intention der bezogenen Ministerialverhältnisse haben sich dagegen seit dem vor 2 Jahren abgehältnisse Hamburgs eine Prüfung derselben an Ort und Stelle verordnung für einen jeden zur Arbeit ausgenügten Sonntag haltenen Kongreß wesentlich verbessert. Während damals ein dringend nöthig machen, sieht der Ausschuß seine Aufgabe nicht Defizit von 2448 M. vorhanden war, weist die Kaffe zur Zeit einen Baarbestand von 3318 M. auf. Ueber den Bericht des Vorstandes entſpann sich eine sehr eingehende Debatte. Heinke und Heinrich aus Dresden vertraten die Ansicht, daß der bisherige Zentralvorsitzende nicht geeignet sei, dies Amt ferner zu bekleiden. Dem Ausschuß sind von der genannten Gesellschaft GeldHeinrich Dresden erklärte als Mitglied der Preßkommiſſion mittel in Höhe bis zu 1000 M. angewiesen. Damit wird die auf grund seines Revisionsbefundes, daß ihm verschiedene Un- Arbeiterwohlfahrt schon gefördert werden. regelmäßigkeiten in der Verwaltung und Buchführung zur Kenntniß gekommen sein, die jedoch nicht auf Unredlichkeit, sondern Zur Lage der Wittwen in der bürgerlichen Gesellschaft. Arbeitszeit der Postangestellten in der Schweiz. Unser nur auf Unfähigkeit des derzeitigen Verwaltungsbeamten zurück Unser Gothaer Parteiorgan veröffentlicht folgende Eingabe, die 3üricher Korrespondent schreibt uns: Auf dem vor einiger zuführen feien. Es müsse deshalb an ftelle des Vorsitzenden dem Magistrat in Mühlhausen in Thüringen zugesandt ist:„ Ich Zeit in Wyl( Kanton St. Gallen) abgehaltenen Verbandstag der Raulich eine Person treten, welche den Geschäften ge ersuche den wohllöblichen Magiftrat gütigst um Zurücknahme der ostschweizerischen Postangestellten wurde Beschwerde geführt über wachsen sei. Die Revisoren betonten dagegen, daß mir für die in der Wanfriederstraße im Armenhaus, genannt die Mißachtung der gesetzlichen Schutzbestimmungen seitens der ste feinerlei Unregelmäßigkeiten oder Fehler in der Börse, vermietheten Wohnung ertheilten Kündigung, fällig Dienstchefs und die Ausdehnung der täglichen Arbeitszeit auf 13 Kaffenführung entdeckt hätten, auch ein Rechnungsausschuß, der pro 1. Oktober. Gründe: Ich bin Wittwe mit acht unmündigen bis 15 Stunden. Erst wurde dies von den angegriffenen Beinfolge einer aus Dresden ergangenen Anregung noch in letter Rindern. Die beiden älteren im Alter von 16 und 18 Jahren amten in der Presse bestritten, nun aber erinnert die Ober- PostStunde die Buch- und Kaffenführung geprüft hat, hat alles in stehenden Kinder haben mich verlassen. Hätten die beiden Kinder direktion in Bern durch Rundschreiben an die Bostämter daran, Ordnung gefunden. Auch die Dresdener Delegirten Drunsel einigermaßen ihre Schuldigkeit gegen Mutter und Geschwister gethan daß die tägliche Arbeitszeit im Durchschnitt und Fräßdorf sprachen gegen die Weiterführung der Geschäfte und weiter mitgewirkt, die bedrängte Familie durchzuhelfen, so war zehn Stunden zu betragen bat und ferner darf einem durch den jezigen Vorsitzenden. Die Angelegenheit tam heute ich einigermaßen in der Lage, eine Wohnung anderweitig miethen Angestellten, der am Sonntag Bormittag 6-7 Stunden im Dienst noch nicht zur Erledigung. In Beziehung auf den Streit in au können. Von der löblichen Armenverwaltung erhalte ich ist, der Rest des Tages nicht mehr wie bisher als halber Freitag an Görlig, der schon längere Zeit währt und keine Aussicht auf wöchentlich 2 M. 50 Pf. Unterstützung, davon zahle gerechnet werden. Der aufreibende Nachtdienst, der bisher an Erfolg mehr hat, beschloß der Kongreß, denselben für beendet ich für Wohnung pro Woche 1 M. 30 Pf., verbleiben mir einzelnen Orten die Angestellten in unglaublicher Weise belastete, zu erklären und für die fernere Unterstützung der jetzt noch Aus- 1 M. 20 Pf. Ein Würmchen von 5 Monaten habe ich zu wird beffer geordnet. Im Laufe der letzten Tage hat fodann auf ftändigen zu sorgen. pflegen und zu bewachen. Will ich hinausgehen und Feldarbeiten allen in Frage kommenden Bureaus eine Untersuchung statt. verrichten, so muß ich während der Zeit, wo die älteren Ge- gefunden, welche die Berechtigung mancher Klage ergeben hat. schwister sich in der Schule befinden, mein Würmchen bewachen, denn sorge ich nicht für das Kleine und stößt ihm ein Unheil au, so sieht mich das Gesetz zur Verant Soziales. versicherungs- Gesetzes genügt. " = Ein internationaler Kongrek für Arbeitergesetzgebung foll in den Tagen vom 27. September bis 1. Oktober fünftigen Jahres in Brüssel abgehalten werden. Der Organisations ausschuß wird zur Anleitung des Kongreßprogramms alsbald nach der in Köln stattfindenden Versammlung des Vereins für Sozialpolitik zu einer Sigung zusammentreten. Versammlungen. " Krankenkassenwesen. Der Zentral Rranken und Sterbekaffe der Schuhmacher und verwandten Berufsgenossen( E. H.) wortung; diese einigermaßen erträgliche Arbeit muß ich Eine öffentliche Versammlung im 2. Berliner Reichsin Hamburg ist vom Reichstanzleramt von neuem die Bescheini- liegen laffen und dafür das weniger erträgliche Spulrad tags- Wahlkreis fand am Sonntag, den 18. Oftober, ftalt. Drei bis vier Mart ist das gung ertheilt worden, daß sie, vorbehältlich der Höhe des zum Erwerb wählen. Krankengeldes, den Anforderungen des§ 75 des Kranken- wöchentliche Einkommen bei lebergabe guter auf die öffentliche Meinung." An" den beifällig aufgenommenen Genoffe Hansen referirte über:" Der Einfluß der Tagespreffe Waare und flottem Geschäftsgang. Nach dieser Aufstellung verbleiben mir für eine fiebentöpfige Familie unter Vortrag schloß sich ein geselliges Beisammensein. Versammgünstigen Umständen ca. 5 M. pro Woche. Un die Anschaffung ungen dieser Art finden während des Winter- Halbjahres jeden getragener Kleider und Schuhe ist nicht zu denken, denn dieser Sonntag im Lokale von Zubeil, Lindenstr. 106, statt. Betrag von 5 M. wird oftmals allein von sieben Personen in Drei öffentliche Metallarbeiter- Versammlungen waren Brot aufgegeffen. Welcher Hauseigenthümer wird eine solche zu Sonnabend, Sonntag und Montag feitens der AgitationsWittwe mit ihrem Elend in Wohnung nehmen, wo er sich von fommission des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes" für Berlin vornherein sagen muß:„ Miethszins bekommst Du doch nicht." einberufen, für welche der langjährige Vertrauensmann des Ver Vor der Auswanderung nach Transvaal find im„ Borwärts" schon die öpfer und die Tabatarbeiter ge Beamten und Arbeiter durch Geld und sonstige Strafen Sonnabend tagte, lautete das Thema:„ Die Organisation der Ueber die Drangfalirung der bayerischen Eisenbahn- bandes, Martin Segit, die Referate übernommen hatte. Im Englischen Garten, wo die Versammlang am warnt worden. Heute muß die gleiche Warnung an die Dachhaben unsere Genossen im Landtage nicht ohne Erfolg Bedecker gerichtet werden. Vermuthlich thun die deutschen Arbeiter aller Gewerbe gut, Transvaal zu meiden, denn die Aus- schwerde geführt. Man hat mit der Straferei sowohl in Be- Unternehmer und was lehrt uns dieselbe"?" Eingangs bemerkt Redner, daß über Unternehmerorganisationen sich schlecht sprechen beutung des lieben Nächsten versteht man dort aus dem ff. Ins, zu besondere mögen fich die deutschen Bergleute hüten, auf nachgelassen. Wie großartig die Praktik des Abstrafens blüht, fchiedenartig die ersteren auch seien, in einem Punkte jedoch find Arbeitsangebote aus Transvaal hineinzufallen. Wenn es sich 100 Beamte und Bedienstete kamen Strafen: im Jahre 1891: der Sozialdemokratie" haufiren gehen und die Forderungen der die Geldstrafen: Auf nicht um eine der wenigen bevorzugten Stellungen handelt, deren 54, im Jahre 1892: 59, im Jahre 1893: 71, im Jahre 1894: Arbeiter jederzeit als ungerechtfertigte hinstellen. Redner schildert Inhaber gut bezahlt werden müssen, hat der weiße Bergmann 62( bei den Werkstättenarbeitern aber sogar 84!). Nachdem mit den Schwarzen zu rechnen, die den Grubengesellschaften die Sozialdemokratie Lärm geschlagen hatte, that man sich im nun die Entwickelung der Zünfte und deren Verfall mit dem schädigung vertragsmäßig zur Ausbeutung geliefert werden. amten und Bediensteten mit 58, bei den Tagelöhnern mit 28 und Innungsvorlage, die vorgeblich das Handwerk schüßen solle, gilt Diese Schwarzen bekamen bisher außer freier Koſt und Woh bei den Werkstättenarbeitern mit 63 Strafen pro 100 Mann. Die nebenbei auch als ein Mittel zur Entrechtung der Arbeiter. Auf nung in sogenannten Arbeiterkafernen täglich etwa 2 Mark Lohn, zulässige höchste Geldstrafe beträgt 20. die verschiedenen Unternehmerorganisationen eingehend, weist was für die Verhältnisse Transvaals ungefähr dasselbe bedeutet, 10 Mart- Strafe sollen nur noch vereinzelt" erhoben worden Redner auf die erzreaktionären Innungen, die Gewerkvereine und wie ein schlesischer Handweberlohn für eine deutsche Großstadt. Der niedrige Lohn der Schwarzen ist auf den Cohn des weißen sein. ie viel im ganzen dem Eisenbahnpersonal abgezwackt ausüben, die Induſtrieverbände, die versuchen, jede selbständige Wie Handelskammern hin, die ihren Einfluß auf die Gesetzgebung Arbeiters selbstverständlich nicht ohne schädigenden Einfluß, ob. wurde, darüber ist noch nichts bekannt. wohl der Schwarze seinem Lohn entsprechend auch wenig arbeitet. überraschen, daß bei den staatlichen Verkehrsanstalten Bayerns Regung des Arbeiterstandes zu unterdrücken, und schließlich bea deuten die Berufsgenossenschaften nichts anderes, als Organi Gegenwärtig haben sich nun alle Gruben vereinigt, um die auch noch Arreststrafen zulässig sind. Sowohl diese, wie fationen zu gunsten der Unternehmer und zum Schaden der ArLöhne der Schwarzen um zirka 25 pet. herab: Degradirungen und Entlassungen, sollen ebenfalls bedeutend" beiter. So machte gelegentlich der Arbeitseinstellung in einer zusehen. Ein Theil der Schwarzen suchte sich der Lohn reduzirt worden sein; 75 pet. aller im Jahre 1895 verhängten sicherten per Zirkular von dem Streit Mittheilung mit dem Hinweis, Fahrradfabrik die Genossenschaft an ihre sämmtlichen Ver reduktion durch Streits zu erwehren, aber die Regierung Disziplinarstrafen hätten in Verweisen" bestanden. von Transvaal schritt, wie die Köln. 3tg." mit schmaßendem teinen der betreffenden Arbeiter einzustellen. Nachdem Referent Behagen mittheilt, mit erfreulicher Entschiedenheit" gegen Zur ,, Ehrung" der Veteranen. Aus Furth im Wald längere Zeit bei der Periode feit Gründung des Allgemeinen die Ausstandsversuche ein. Das Verdienst, die Schwarzen um wurde den Münchener Neuesten Nachrichten" geschrieben:" Für Arbeitervereins bis zum Inkrafttreten des Sozialistengesetzes vereinen Theil ihres Verdienstes gebracht zu haben, gebührt einem tapfere Thaten und hervorragende Leistungen in den Gefechten weilt und auf das rapide Anwachsen der Arbeiterorganisationen Manne, der deutschen Namen trägt. Adolf Görg bei Orleans erhielt seinerzeit der Soldat Johann Franz des nach Aufhebung desselben hingewiesen, giebt er seiner Genugheißt der Menschenfreund. Unermüdlich hat er, wie die Köln. 7. Jäger- Bataillons von Furth i. W. von König Ludwig II. thuung Ausdruck, daß die Arbeiter Berlins ja zum theil auch 3tg." mittheilt, daran gearbeitet, um alle Bergwerks- Gesellschaften das Militär- Verdienstkreuz. Franz ist heute 49 Jahre alt, ganz Deutschlands die Nothwendigkeit der Organisation begriffen, zum Zwecke der Lohnherabsehung unter einen Hut zu bringen, Zimmermann, hat Frau und vier kleine Kinder, ist in den ärm bedauerlicherweise aber über die Form manchen harten Strauß endlich ist's ihm gelungen, und nun weist dieser Träger der lichsten Verhältnissen und dabei geistestrant. Er genießt feine ausfechten. Die nunmehrigen Ausführungen gipfeln in Klarmodernen Zivilisation mit Stolz darauf hin, daß die Gesellschaften Unterstützung. Vielleicht erinnern sich seine ehemaligen Vor- legung der Vortheile, die eine Zentralisation im Gegentheil zur jährlich au Betriebstoften etwa 350 000 Pfund Sterling ersparten, gefeßten seiner und lassen der Frau kleine Gaben zukommen." Lokalorganisation den Arbeitern biete; der Partikularismus, der ron den Kaffernhäuptlingen gegen Ent Diese sowie die Manchen wird es 01 # er und wurde entgiltige Re Nixdorf. Eine öffentliche Versammlung der Schuhmacher beschäftigte sich am 9. d. M. mit der Stellungnahme des Gewerkschaftskartells zu dem von der Schuhmacher- Gewerkschaft verhängten Boykott. In der Versammlung wurde dem Rixdorfer Kartell der Vorwurf gemacht, daß man die Beschlußfaffung über den Boytott abfichtlich verzögert habe. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, die Angelegenheit in einer Volksversammlung zur Sprache zu bringen. Zum Schluß wählte die Versammlung Schwan in die Agitations- Kommission. feitens der letzteren hochgehalten werde, sei aber wenig demo-] geschlossenen Organisation sein, die vorhandenen Mißstände aus zeitigten eine recht lebhafte und längere Diskussion, in der von kratisch, des weiteren finde in einem Zentralverband eine jede der Welt zu schaffen. In der Diskussion wies ein Redner auf den meisten Rednern eine schärfere Kontrolle bei der Ausgabe einzelne Branche genügende Berücksichtigung und habe ziemlich die zahlreichen Unglücksfälle in der Metallindustrie hin. Mit und Abrechnung der Marken an die einzelnen Mitglieder und weitgehende Rechte. Redner schließt mit den Worten:" Die Ausnahme zweier Redner, die der Vorsitzende unterbrach mit dem Vertrauensleute verlangt wird. Buchmann konnte indeß Form der örtlichen Organisation steht im schroffsten Ersuchen, die Organisationsformfrage aus dem Spiel zu lassen, die ihm gemachten Vorwürfe widerlegen auf die Antrag Sack Gegensatz zu unserer heutigen wirthschaftlichen Entwickelung, gipfelten die Ausführungen in dem Satze: Fort mit dem infolge dessen bis gelung dieser Frage zu einer sollten die wirthschaftlichen Verhältnisse sich ändern, so wird man Streit über die Organisationsform!" nächsten öffentDem Vertrauensmann wurde, gleichfalls Mittel und Wege finden, die Organisation diesen an Für die Montag Versammlung, die in der lichen Versammlung vertagt. zupassen." Er ersucht darum, gleich dem Unternehmerthum, in Kronen- Brauerei( Moabit) stattfand, lautete das Thema: nachdem die Revisoren die Richtigkeit der Abrechnung bekundet, Wegen Unterstübung in Zentrals und Industrieverbänden sich zu vereinigen, damit das Unternehmer- und Arbeiterverbände". Auch hier ließ Redner hierauf Entlastung ertheilt. tämpfende Proletariat stets zu rechter Zeit gewappnet fei.( Lang- fämmtliche bestehenden Unternehmer Vereinigungen von der Krankheit und Todesfällen waren vier Gesuche eingegangen, die anhaltender Beifall.) Als erster Diskussionsredner trat ein An- tleinsten Innung bis hinauf zum kapitalfräftigen Industrie- nach längerer Diskussion in der Weise ihre Erledigung fanden, hänger der Hirsch- Duncker'schen Vereine, Namens Bolte, auf, verband mit ihrem reattionären Streben und Wirken Revue daß entsprechend einem früher schon gefaßten Beschluß, den der gegen die Ausführungen des Referenten, nach welchen passiren. Alsdann zu den Organisationen des Proletariats Wittwen der verstorbenen Kollegen Schmidt und Schröder Hirsch- Duncker'sche Organisationen veraltet seien, polemisirte. Es übergehend, erläutert der Referent die ersten vor mehr als je 20 m. und einem franten Rollegen 30 m. bewilligt treffe dies nicht zu, vielmehr feien diese Vereine modern dreißig Jahren gegründeten fozialdemokratischen Gewerkschafts- wurden; für drei andere Kranke wurden die Gesuche wieder und verfügen bei einem Wochenbeitrag von nur 10 Pf. Organisationen, die sich fortwährend der Unterstützung der poli- zurückgezogen, weil sie vorläufig feiner Unterstützung bedürftig über enorme Rapitalien und humanitäre Kaffen. Energisch müsse tischen Partei erfreuten. Redner bemerkt: Ich führe dies darum waren. Die Wahl des Vertrauensmannes wurde nach längerer er gegen das Urtheil, das Herr v. GIm auf dem Kongreß zu an, weil von verschiedener Seite ins Feld geführt wird, Diskussion in der Weise vollzogen, daß auf Beschluß der Versammlung Edinburg über die Gewerkvereine fällte, protestiren. Die Hirsch- daß gewerkschaftliche und politische Organisationen zwei un- ein Stellvertreter zur Unterstützung desselben bei den schriftlichen Duncker'schen Vereine feien nur ein Segen für die Arbeiter, nie vereinbare Faktoren feien und erstere seitens der legteren ver- Arbeiten ernannt und hierauf Fischer als Vertrauensmann und aber stellten sie sich in den Dienst des Kapitals. Hoffmann nachlässigt wurden. Dies treffe auf keinen Fall zu. Wünschens. Buchmann als dessen Stellvertreter gewählt wurden. Als Reviwendet fich vor allem gegen die letzten Ausführungen, indem er werth erscheine allerdings, daß sämmtliche Gewerkschaften sich soren wurden Schauermann und Winterscheidt; in den auf das Statut der Gewerkvereine hinwies. Es genüge an- eifrigst bemühen, endlich auf eigenen Füßen zu stehen. Immer Bentralausschuß Schell und Wille; als Generalftatiftiter Hirtzuführen, daß ein Arbeiter seiner Gesammtrechte verluftig geht, hin fei das erfreuliche Resultat zu verzeichnen, daß 270-280 000 mann gewählt. Berkauf als Ortsstatistiker ersucht alle wagt er es, sich bei Zeichnungen auf Sammellisten streifender Arbeiter in Deutschland gewerkschaftlich organisirt sind und am Steinarbeiter, sich Karten für die Lohn- und Arbeitsstatistik Arbeiter 2c. zu betheiligen. Sich weiter im Sinne des Referenten Schluffe des Jahres wird man bereits die Zahl 300 000 über zu fordern und gleichzeitig genan auszufüllen, damit eine genaue äußernd, weist Redner auf die Nothwendigkeit der Agitation in schritten haben. Redner erläutert im Anschluß hieran Aufnahme der gesammten Statistit möglich ist. Die genaue Ausden Provinzen hin, damit auch diese Arbeiter gleiche Sache mit die Vorzüge der Zentralorganisation, mit dem Ersuchen, füllung der betr. Rubriken über Arbeitszeit und Lohn, Arbeitslosigkeit, denen der Industriezentren machen und bei eventuellen Be- rege für deren Erweiterung Propaganda zu machen.( Beifall.) Krankheit zc. muß jede Woche geschehen. Die bis jetzt im Umlauf befind wegungen der Arbeiter nicht willenlose Werkzeuge der Unter- In der Diskussion bemerkt Krohn, daß eine Unmasse Industrieller lichen Karten müssen bis zum 24. Oktober d. J. genau ausgefüllt und nehmer werden. Erfreulicherweise mache sich in Berlin auf der Gewerbe Ausstellung als Aussteller fungirten, deren an den Ortsstatistiker für Berlin abgeliefert werden. Alle dieeine Stimmung bemerkbar, die hoffen läßt, daß der Betriebe in der Proving sich befinden, hier am Blaze jedoch ein jenigen, welche diefer Pflicht nicht nachkommen, können einem Streit um die Form der Organisation zur Neige gehe. Bureau oder Filiale aufgeschlagen haben; Redner erblickt hierin früheren Beschluß gemäß nicht mehr als zur Organisation an Im gleichen Sinne äußern sich Schlegel und nochmals einen Trick der Unternehmer, die ihre Betriebe nach der Provinz gehörig betrachtet werden. Die Prüfung der Fragebogen wird Segiz. Mäther: Er wolle die Streitfrage über Form der verlegen, durch welchen sie die in der Provinz nicht organisirten, dem Altgefellen überlassen. Organisation nicht debattiren, sondern nur hinweisen, daß alle indifferenten Arbeiter an sich reißen, um so billige Arbeitskräfte größeren Industriestädte ob deren Arbeiter lokal- oder zur Verfügung zu haben. Nur der deutsche Metallarbeiter zentralorganisirt über steten Zuzug zu klagen haben; dieser Verband könne diesem steuern, wenn die Provinzler Baffus spreche weder für noch gegen die Zentralisation. An zum Verband heranzöge und befürwortet die zentrale Organi die Hirsch- Dunckerianer fich wendend, tadelte er deren Verhalten, fation. Näther tritt diesem entgegen, bemerkend, daß diese die in letzter Zeit häufig die Streitbrecher spielten. Alles in Machinationen genau so zu beobachten wären, gleich, ob sämmt allem empfehle er den Metallarbeitern Berlins ein ruhiges, ver- liche Metallarbeiter Deutschlands lokal oder zentral organisirt ständiges Vorgehen, es werde sich alsdann bald eine Regelung seien und verweist dabei auf glänzend gewonnene Lohntämpfe anbahnen laffen. Vereint schlagen sei stets die Losung, wenn Lokalorganisirter. Im übrigen plädirte er für ein besonnenes, intler, G. Schmidt, G. Schmidt, Kühl und man auch getrennt marfchire. Schäfer ist der Meinung, planmäßiges Vorgehen, nur so könne ein einheitliches Ganzes in daß die Sympathie der Berliner Metallarbeiter nicht Berlin geschaffen werden. Nachdem noch verschiedentlich off= im mindesten auf auf seiten des Verbandes sich befinde; mann, Segiz u. a., sämmtliche für ein Hand in Hand gehen Nach der Berliner Metallarbeiter plädirt hatten, erfolgte mit einem mit Gewalt ließe sich überhaupt nichts machen. dem Segit und Hoffmann nochmals ihrer Zuversicht Hoch auf die Arbeiterbewegung der Schluß der Versammlung. Ausdruck verliehen, daß in Bälde die Metallarbeiter Berlins Hand in Hand gehen werden, nimmt die Versammlung gegen Die Anarchisten, die sich gegenwärtig die Bezeichnung einige Stimmen eine Resolution an, die die Zentral- Organisation anarchistische Sozialisten leisten, waren am Sonntag Vormittag als den stärksten Wall gegen das Unternehmerthum bezeichnet. im Louisenstädtischen Konzerthause zusammen, angeblich um den Mäther bemerkt noch, daß die Annahme einer solchen Re- Gothaer Parteitag zu besprechen, in Wirklichkeit aber, um durch folution einen tattischen Fehler bedeute und zur Einigung feines- den Mund des unvermeidlichen Landauer einzelne Personen wegs beitrage; er habe sich darum der Abstimmung enthalten. tüchtig herunterzureißen. Dieser Hauptattion voran ging ein Referat In der Sonntag Versammlung im Kolberger Stephan Großmann's, in welchem er, wie das Thema besagte, Salon referirte Segis über„ Die Entwickelung der deutschen die Gegenfäße zwischen Anarchie und Demokratie erörtern wollte. Metallindustrie und die Lage der Metallarbeiter." Hier wies Darauf begann Landauer mit seinen gewöhnlichen albernen Redner unter großem Beifall der Versammelten an der Hand von Beschimpfungen der Sozialdemokratie. Adolf Döring, statistischem Material auf die seit dem Jahre 1883 gemachten Buchbinder, vermied in etwas das persönliche Gebiet und anerkannte einige sozialdemokratische Bestrebungen. Io Fortschritte und der damit verbundenen Entwickelung der ge= Naturprediger" vor. fammten Metallbranche hin. So z. B. habe sich in dem letzten hannes Guttzeit stellte sich als Jahrzehnt die Erzeinfuhr um 180 pet. vermehrt, wohingegen die öhr erklärte, es gebe teine absolute Wahrheit, und hält von Ausfuhr nur um 40 pCt. zunahm. Wenn man bedente, daß bei diesem Standpunkt aus ein Urtheil Landauer's über den Parteitag dem ungeheuren Verbrauch an Maschinen, deren Einfuhr sich für fein allgemein richtiges. Der Parteitag habe viele Anregungsverminderte, bei der Anzahl neuer Schiffe und der riesigen Aus- punkte gegeben, hauptsächlich bezüglich der Gewerkschaftsdehnung des Eisenbahnnekes die Aufträge für die Metall- bewegung. Im Schlußwort holte Landauer noch einige industriellen sich mithin bedeutend vermehrten, so fönne man Schimpfereien nach, die er vorher vergeffen hatte. Nachmittags logischer Weise das Fazit ziehen, daß nunmehr die Verhältnisse 22 Uhr war man der Echwägerei müde und ging nach Hause. der Arbeiter angemessen dem Aufschwung der Industrie sich gleichDie Filiale des Allgemeinen deutschen Tapezirervereins falls gebeffert hätten. Inwieweit dies zutreffend ist, geht aus den Angaben der verschiedenen Berufsgenossenschaften her- hörte in ihrer Mitgliederversammlung vom 14. Oktober einen Von der Gleichheit, Zeitschrift für die Intereffen der Arbeiterinnen( Stutt vor, wonach der Jahresdurchschnittslohn eines Metallarbeiters beifällig aufgenommenen Vortrag des Genossen Grempe über Riesenfernrohrbauten. Sodann macht Pönicke bekannt, daß teine 1000 m. beträgt. Ueber die Löhne der Arbeiterinnen ist die Kollegen in Lübeck bei der Firma Wasserstradt und den Zusammenstellungen eines Sozialpolitikers über die Lage der Arbeiterinnen zu entnehmen, daß in Silber- und Aluminium- in Brünn( Mähren) die Arbeit niedergelegt haben. Der Zuzug Schläger- und Prägereien die Löhne für weibliche Arbeiter faum ist streng fern zu halten. Es entspinnt sich dann eine längere Debatte über Reise- Unterstüßung, Verkehrslokal und Herbergs den Löhnen der Spielwaaren- Arbeiterinnen gleichkommen und dies bei einer Arbeitszeit von 18-20 Stunden, da die Haus. wesen, an der sich Bechert, Stitty, Sander, Pönicke und Mosindustrie neben der Fabritarbeit stets den Ausschlag giebt. Und topf betheiligten. Ein von Sander gestellter Antrag, das ganze trotzdem versuche das Unternehmerthum immer mehr, den freien Jahr Reise- Unterstüßung auszuzahlen, wird bis zur nächsten Arbeiter auf die Straße zu setzen und seine Aufträge Generalversammlung zurückgestellt. den Werkstätten der Zuchthäuser und Gefängnisse zu übertragen. Die Steinarbeiter tagten am Sonntag in einer gut beInwieweit die Behörden gewillt sind, gegen unmenschliche suchten Versammlung behufs Abrechnung und Neuwahlen. Ausbeutung durch Unternehmer das Proletariat zu schüßen, gehe Gabel erstattet zunächst die Abrechnung über das Sommeraus einer Entscheidung hervor, nach welcher ein Betrieb mit vergnügen, welches bei 156,25 M. Einnahme und 203,35 M. ca. 400 Arbeitern zu einem handwerksmäßigen gestempelt und Ausgabe ein Defizit von 47,10 M. ergab. Nach längerer somit die Kinderarbeit gestattet sei. Nachdem Redner die aus Diskussion über die angeblich mangelhafte Betheiligung an dem naheliegenden Gründen nothwendige Agitation in den Provinzen Bergnügen, wird von den Revisoren die Abrechnung für richtig Hierauf befürwortet, verweilt er des längeren bei den famosen Arbeits- befunden und dem Kassirer Entlastung ertheilt. Bericht über ordnungen, gegen welche Gefängnißordnungen zuweilen idyllisch erstattet der Vertrauensmann Buchmann erscheinen. Die Wohlfahrtseinrichtungen, mit welchen sich die den Generalfonds. Der Bestand betrug 743,02 m., 4090 Fabrikanten stets brüsien, als Arbeiterhäuser, diverse Kaffen 2c., Marken für die zusammen 1022,50 M., Einnahme feien nichts anderes, als ein Trick der Unternehmer, um den Ar- 3434,27 M., Ausgabe 2555,95 M.; e stand 938,32 M.; beiter an die Scholle zu fesseln. Die zielbewußte Arbeiterschaft ver- an Marken 12 054 Stück à 25 Pf. Die einzelnen Poften dieser schmäht und bekämpft solches und drum soll und muß es Sache einer Abrechnung, sowie die Ausgabe und das Einkleben der Marken für Zähne v. 2 M. ev. Theilz. 2 Vorstellungen täglich Frau Olga Jacobson, Invalidenstr. 145. Schluss der Saison am 31. d. M. Nur noch II Tage Nachm. 5-7; Abends 9-11 Uhr. Bolossy Kiralfy's„ Orient" Olympia Riesentheater. Grösstes Schaustück der Welt. Ca. 1000 Mitwirkende. Uebertrifft alles bisher dagew.! Von Publikum u. Presse einstimm. anerkannt. Total- Ausverkauf zu außerordentlich billigen Preisen wegen gänzlicher Auflösung meines Geschäfts. Kleiderstoffe, Teppiche, Gardinen, Tischdecken, Möbelstoffe( Reste), Wäsche, Corsets, Trikofagen, Inlet, Hemdentuch, wollene Tücher, Herrenwesten, Pellerinen, Taschentücher, Handschuhe, Strümpfe 2c. Amandus Wronkow Oranienstrasse 162 zwischen Moritzund Oranienplatz. M* oft schule, Waldemarfir. 14: Geschichte( Alte Geschichte. Urzett. Entstehung 1 Arbeiter- Bildungsschule. 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Heute, abends Fachverein der Holz- und Bretterträger Berlins und Umgegend 9, uhr im Vorstädtischen Kasino, Aderfir. 144: Gizung. Donnerstag, den 22 d. M., abends 8% Uhr, in M. Schlep's Hochplay- kafino. Gerichtstr. 10: Mitglieder- Bersammlung. Eingelaufene Druckschriften. das 3. Heft des 15. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Von der Nenen Zeit"( Stuttgart, J. S. W. Dieg' Berlag) in foeben Betrogene Betrüger. Studien und Bemerkungen zur EntwickelungsDie geschichte des wissenschaftlichen Sozialismus. Von Peter v. Struve. Präfitentenwahl in den Vereinigten Staaten, Von F. A. Sorge.( Schluß). Bon Ch. Bonnier. Kritit der Kritik des Londoner Kongresses. Feuilleton: Die Anfänge der Romantit. Kritische Studie über das Zeitalter der großen Revolution. Von Paul Lafargue.( Forts.) gart, J. H. W. Die Verlag) ist uns foeben die Nr. 21 des 6. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt diefer Nummer heben wir hervor: Ausnahmerechte Bum bevorstehenden Parteitage der Sozialdemokratie. gegen die ländlichen Arbeiter und das Gefinde. Von Arthur Stadthagen. I. Aus der Bewegung. Die Maffenversammlungen der Berliner Genofsinnen. Zur Lage der Arbeiterinnen in der Oberhemdentonfettion. Der internationale Kongreß für Frauenwerke und Frauenbestrebungen. Feuilleton: Brot. Von Bruno Steiner. Dienstbotenschlaf( Gedicht). Bon Moriz Hartmann. Jm nächtlichen Asyl, Ende des Ausstandes( Gedichte). Bon Ada Negri. Kleine Nachrichten. Die„ Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Bf. burch die Post bezogen( eingetragen in der Reichspost- Bettungsliste für 1896 unter Nr. 2887) beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgelb 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Inseratenpreis die zweigespaltene Petitzeile 20 Pf. La Revue Socialiste. Fondée par Benoît Malon. Dirigée par Georges Renard. Sommaire de la Livraison du 15. Octobre 1896. 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Oftober, nachmitt. mittags 3 Uhr: Der liebe Onkel. 9 3 Uhr: Klaffiter Vorstellung zu ers mäßigten Breifen: Die Räuber, Trauer spiel in 5 Atten von Friedrich v. Schiller. Alexanderplatz- Theater. Pikante Novität! Ohne sittlichen Halt. Sittenbild aus dem Berliner Leben in 4 Atten von Wilh. Friedhold. Anfang 8 Uhr. ( Bons haben Giltigkeit.) Donnerstag: Ohne sittlichen Halt. Sonntag, 25. Oktober, nachm. 4 Uhr: Auf allgemeines Verlangen: Schneewittchen und die sieben Zwerge. Zaubermärchen in 8 Bildern von Georg Zimmermann. Central- Theater. Alte Jakobftr. 30. Direttion: Richard Schultz. Mittwoch, den 21. Oktober: Emil Thomas a. G. Bum 32. Male: Eine wilde Sache. Große burleske Ausstattungsposse mit Gefang und Tanz in 6 Bildern von W. Mannftädt und F. Freund. Musit von J. Einödshofer. Anfang 28 Uhr. Thalia- Theater ( vormals: Adolph Ernst Theater) Dresdenerstr. 72/73. Direktion: W. Hasemann, fönigl. preuß. Kommissionsrath. Volks- Theater Reichenbergerstr. 34. Pferdebahn- Haltestelle: Kottbuser Thor. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Ein vorsichtiger Mann! Repertoire Posse des Volks- Theaters. Größter Lacherfolg der Saison! Jeden Abend 91/2 Uhr: Beginn des gemischten Künstler- Theils. 1. Gebr. Godart, erste Redfomiter. 2. Hella Collier, drastische Chansonette. 3. Louise Bouwmeester, Hollands schönste u. geübteste Pistolenvirtuofin. 4. Gebr. Kulper, Elite- Gymnastiker u. Instrumentalisten. Zum Schlusse des Abends: Pladderadautz. Berliner Rückblicke in Wort und Bild Entree 50 Pf. bis 3 M. Familienbillets Entree 10 Std.3 M. Parquet 10 Stc. 6 M. Dem geehrten Publikum zur gefälligen Nachricht, daß die Bekanntmachungen des Bolts- Theaters nur durch die Zeitungen erfolgen, nicht durch Säulenanschläge. 000000000 Feen- Palast Burgstrasse 22. Gebildete Menschen. The Miltons. Fredans Trio. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend, zum ersten Male: Direktion: Winkler& Fröbel. Jeden Abend Grosser Jubel. Dora Marchetty. Hed u. Hid. Fredi Hanson. Bob Hopkins. Sremlow- Trio. Mita Moselly. Stürmischer BeiJosephine von der Heilsarmee. Ür tomisch Prima Ballerina fall. Hegino Akrobatentruppe ( Maison Tamponin). Vaudeville in 3 Atten von Blum und Toché, deutsch v. Hugo Wittmann. Musik von Karl Weinberger. Sonntag, den 25. Oftober: Erste Nachmittags- Vorstellung bei bis zur Hälfte ermäßigten Preisen: Im Lachfalvenreiche der Schatten. Anfang 71/2 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Refervirt 50 f. Gebildete Menschen. W. Noack's Theater Vogler's Casino fr. Weltrestaurant, Dresdenerstr. 97 Fin vorderen Saal: Tyroler Concert Entree vollständig frei! Im ersten Theatersaal die unübertreffl. Hamburger Sänger. Im zweiten Theatersaal: Variété u. Spezialitäten Theater. Auftreten v. Kunstkräften I. Ranges. Ausführung v. Poffen u. Singspielen. Auf. Wochentags 7 Uhr. Sonnt. 6 Uhr. Billards. 4 neue Regelbahnen. Sorgf. gepfl. Biere, anert. gute Rüche. Brunnenstr. 16. Zäglich( außer Sonnabend): Signor Bernardi ,, JI Camaleonte". Mile. Fougère die Unübertreffliche. Ducreux und Giraldic. Robert Steidl. 7 Troubadours u. s. w., u. s. w., u. s. w. 8 Alt- Moabit 48. Heute, sowie jeden Mittwoch: Stettiner Sänger ( Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schrader. Anfang präz. 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.( siehe Plakate.) Donnerstag: Konzerthaus Sanssouci. B. Nieft's Festsäle, 17, Weberstrasse 17. Zur bevorstehenden Saison 1896/97 sind noch mehrere Sonnabende frei, auch zu Versammlungen täglich. Große Betten 12 M. ( Dberbett, Unterbett, zwei Rissen) mit ge reinigten neuen Federn bei Gustav Luftig. Berlin S., Brinzenstraße 46. Breis liste toftenfrei. Viele Anerkennungs schreiben. [* 2. Nachtrag vom 27. April 1896 ( beschlossen in der heutigen Generalversammlung) zu dem Statut der Orts- Krankenkasse für den Gemeindebezirk Boxhagen- Rummelsburg vom 30. November 1892. 31. Dezember 1892. 3u§ 13 Nr. 3 an stelle der Worte: die Hälfte" ist zu feßen: drei Fünftel". 3u§ 14. Der Paragraph wird in seiner jezigen Gestalt aufgehoben und erhält folgende veränderte Fassung: An die Stelle der im§ 18 bezeich neten Unterstützungen tritt auf Ver fügung des Vorstandes freie Kur und Verpflegung im Krankenhause. Die Unterbringung im Krankenhause fann für Kassenmitglieder nur dann an= geordnet werden, wenn die Art der Krankheit Anforderungen an die Behandlung oder Verpflegung stellt, welche in der Behausung des Erkrankten nicht gewährt werden fönnen, oder wenn die Krankheit eine ansteckende ist, oder wenn wähnten Vorschriften zuwidergehandelt der Erkrankte wiederholt den im§ 25 erhat, oder wenn deffen Zustand oder Berhalten eine fortgesezte Beobachtung erfordert. Die im Krankenhause Untergebrachten erhalten, wenn sie Angehörige haben, deren Unterhalt sie bisher aus ihrem Arbeitsverdienste bestritten haben, die Hälfte des im§ 13 Biffer 3 und Nachtrag als Krankengeld festgefeßten Be Klagen, Eingaben. trages für diese Angehörigen. Für eine Unterstützung von wöchentlich 90 Pf. ( pro Tag 15 Pi) ein." Unfallsachen, Bugger, Stegligeritr.65. Achtung! Achtung! Künstl. Zähne v. 3 M. an, Theil wöchentl. 1 M., wird abgeholt. Zahn: ziehen, Bahnreinigen, Nervtödten bei Bestellung umsonst. ledige Mitglieder über 16 Jahre tritt § 17 fommt in Wegfall. Bu§ 21. Statt der Worte:" Für die in ihrem Haushalte lebenden, dem Krankenversicherungszwang nicht selbst Guckel, Lausitzerplatz 2, Glfafferstr. 12, unterliegenden Familien- Angehörigen" Stegligerstr. 71, I. Monatl. 10 M., lief. ist zu setzen: " Für die in ihrem Haushalte Lebens Theilzahlung. enzüge nach den, nicht ſelbſt in einem Krankenreelle 9 Maaß nur an sichere Kunden, gegen versicherungs Verhältnisse stehenden Baar zu jedem billigsten Preis. Familien- Angehörigen." Tomporowski, Schneidermeister. Bu§ 24. Der erste Sah fällt fort * und wird dafür gesezt: Berlin C., Jüdenstr. 37, 1 Tr. P Die im§ 14 vorgesehene Kur und Verpflegung erfolgt in dem von dem Mitgliede gewünschten öffentlichen Krankenhause." ortièrende Restbestände 2 bis 8 Chals, à 2,50, 3, 4, 6 bis 15 Mart. Probe- Chals bei näherer Angabe franco zu Diensten. Raffeneröffnung 7 Ubr.- Aufang& nor Pracht- Katalog bitbungen gr. u. fr. Teppich Emil Lefèvre, KAIRO Nur, von der Köpnicker Landstrasse zugänglich. Heute, Mittwoch, den 21.: Grosses orientalisches Fest mit Massen- Illumination. Schaustellungen der Beduinen 1/25 und 7 Uhr. Entree 1 Mk. Jeder Besucher erhält ein Kairo- Lotterieloos gratis. Alcazar. Variété und SpezialitätenTheater I. Ranges. Dresdenerstrasse No. 52 53. City- Passage Das Riesen- Oktoberprogramm enthaltend 14 Sensationsnummern. Li- Hung- Chang! Das Neueste vom Neuen! Margarethe Nasarowska. Josephine von der Heilsarmee. Miss Ara. The two Gomez. Lotte Sieger. 3 Bollini. Adelaide und Erich u. f. w. Wochentags 8 Uhr. Anfang: Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. R. Winkler. 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Diese Statutenänderungen treten mit dem auf den Tag des Eingangs der Genehmigung derselben folgenden Montag in fraft. Rummelsburg, den 27. April 1896. Der Vorstand. Theodor Ritter, Vorsitzender. Robert Lenzner. W. Baldamus. M. A. Rohr. W. Zugbaum. J. Zickert. Genehmigt. Potsdam, 12. September 1896. ( L. S.) Namens des Bezirksausschusses. Der Vorsitzende. In Vertretung: von Gneist. B 4184 62/2 Veröffentlicht Rummelsburg, den 15. Oktober1896 Der Gemeinde- Vorstand. A. Schlicht. Die Beleidigung, die ich gegen den Skatklub„ Eintracht" ausgesprochen habe, nehme ich hiermit zurück und erfläre sämmtliche Mitglieder des Klubs für ehrenhaft. 9556 F. Grande, Laufiberstraße. Meine Poliklinik für Hautkrankheiten ist v. d. Brückenstraße 6b n. d. Alexanderstr.31 verlegt. Dr. Müller, Leipzigerstr. 134. Holz und Kohlen empfiehlt Neumann, Frankfurter Allee 111. Herings- n. Kartoffelgefch. frankheitshalber bill. zu verk. Sebastianstr. 4. Muschelmöbel, spottbill. verkäuflich, Rosenthalerstr. 4, 3 Tr. I. 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Auslande des Bürgerlichen Gesetzbuches, die dem Reichstag eingereicht werden soll. 2. Diskussion. Referentinnen: Frau Emma Threr. Frau Martha Rohrlack. Umi zahlreichen Besuch dieser Versammlungen bittet Die Einberuferin: Frau Gerndt. Deutscher Holzarbeiter- Berband. ( Bahlstelle Berlin.) 1/4 Heute, Mittwoch, den 21. Oktober, abends 8% Uhr, bei Cohn, Beuthstr. 20-22: Vertrauensmänner- Versammlung für sämmtliche Bezirke. Tagesordnung: Die Agitation in denjenigen Werkstellen, in denen die Mehrzahl der Kollegen dem Verband indifferent gegen über steht. Die augenblickliche Konjunktur und die Ueberstundenarbeit. Werkstattdifferenzen. Verbandsangelegenheiten. Jede Werkstatt ist verpflichtet, einen Delegirten zu entsenden. Die Ortsverwaltung. beschäftigten Arbeiter Berlins u. Umgeg. Mittwoch, den 21. Oftober 1896, abends 8½ hr: Bezirks- Derlammlung für Moabit und Charlottenburg im Moabiter Klubhaus, Beuffelstraße Nr. 9. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen A. Hoffmann über: Gesinde und Gesindel". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Gäste willkommen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 140/15 Der Vorstand. Neuland. Arbeiter- Bildungs- Schule. Sonntag, den 25. Oktober 1896: Sozialistische Monatsschrift. Sonder- Vorstellung in der„ Urania" Berliner Volks- Brauerei S. Gräfestrasse 8 empfiehlt und versendet in Berlin und Die Bororte seine zum Selbst füllen aus bestem Malz und Hopfen gebrauten Biere als Werderfches Maly Bauhandwerker- Krankenkasse Weibier für Berlin und Umgegend.( Eing. Hilfskaffe Nr. 118.) Außerordentliche General- Versammlung am Sonntag, den 25. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Saale des Herrn Gründel, Brunnen- Straße 188, nahe am Rosenthaler Thor. Tagesordnung: 1. Abrechnung des Kassirers vom 3. Quartal 1896, sowie Revisionsbericht. 2. Der Beschluß der letzten Versammlung betreffs Abänderung des§ 8 Abs. 4 des Statuts, den monatlichen Beitrag von 2,40 M. auf 2,20 M. zu reduziren, und Streichung des Abs. 5, Extrasteuer. 3. Abänderung des eingereichten Statuts der Mitglieder- und Frauen- Sterbekasse, welches von seiten der Behörde beanstandet wurde. 4. Innere Kassenangelegenheiten. 26112 NB. Die Bersammlung wird pünktlich eröffnet. Mitgliedsbuch legitimirt. Der Vorstand. J. A.: H. Megte, Oberbergerstr. 10. Klempner! Klempner! M* Invalidenstrasse 57-62. Neuere Versuche mit Röntgenstrahlen Herr Dr. Carl Spies. Eröffnung vormittags 9 Uhr. Beginn 10 Uhr. Billets à 50 Pf. sind in den Schulen Brunnenstrasse 25 und Waldemarstrasse 14, sowie bei Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a; Windhorst, Junkerstrasse 1; Börner, Ritterstrasse 15; Reul, Barnimstrasse 42 und Drescher, Veteranenstrasse 28, zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. à Liter 10 B Belle- Alliance- Theater. 4/7 welches infolge seines großen Malz- Volks- Vorstellung unter Regie von Julius Türk. und Würze- Extraktes von hoher Nährkraft ist! Lieferung frei Haus. E Fruchtweine Johannisbeerwein, weiß und roth, Stachel beerwein, Heidelbeerwein à Fl.( Ltr.) 75 Bf., pro Glas. à Liter 1 Mart exti. EUTSCHES REICH 10 PFENNIG 1/10 Liter. 1896 Rosthalle der Berliner Groß- Deftillateure Berliner Gewerbe- Ausstellung Elektr. Eisenbahn- Haltestelle, Marineschauspiele. Donnerstag, den 22. Oktober, abends 8 Uhr, bei Cahn Eugen Neumann& Co. ( ar. Saal), Beuthstr. 21: Deffentliche Versammlung. Zages Drdnung: Detail- Verkauföläden: Belle Alliancepl. 6 a, N. ricbrichstr. 81, Oranien ftraße 190. Genthinerstr. 29. Potsdam: Bäckerftraße 7. Charlottenburg: Kaiser FriedrichStraße 48. 1. Vortrag des Genossen Maatsdy über: Bourgeoisie und Proletariat. 66. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. Resterhandlung. 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