Nr. 147. Mittwoch, 24. September 1884. I. Jahrg. MiiurltlUall. Krgan für die Interessen der Arbeiter. in**-...„ Da«„Serli«er 8»IS«bl«tt" hTiS Marge»« außer»ach Tomr- u«d Festtage».»bl>n«eme»i«prei« für Berlm H«» vierteljährlich 3 Mark, mouatlich 1 Mark,»öcheatlich 25 Pf. Eimelne ■"«mutt»| Pf. Postabomiemeat pro Quartal 3 Mark.(Emgetrage» im VEL Rach- ___ trage der Postzeitu»g«prei«liste unter Nr. 719a.) z»serti«»SgebShr detrügt für die«gefpalteae Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größere« Aufträgen hoher Rabatt«ach Uebereinkunst. Inserate werde« bis 4 Uhr Nachmittag» in der Expedttion, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen An»»»««»» Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise», angenommen. 'NeöcUUicm und KXpeöitton Wertin SW., Zimmerstraße 44. Die SUuation in Belgien. Sck„��?�hr W der König von Belgien da« neue klerikale büBAM und formell gutgeheißen. Man spricht bab??b tx dasselbe mit„schwerem Herzen" unterzeichnet «eck k �u« thut nicht« zur Sache, der König mußte S'kn" Brauche dem Gesetze seine Zustimmung vo» �irkwürdigerweise wird der belgische König deshalb Iobw'JT?' echt konservativen Blättern ganz be» Sfolft. Bei seiner Weigerung, der liberalen Petition soll dem Schulgesetz die Sanktion zu versagen, Hobe,, t. den Ausfall der Wahlen hingewiesen 'der ihn zwinge, da« Gesetz zu unterzeichnen. fljittlich.°°>drvative« sächfische» Blatt schreibt .»In vollbewußter Erkenntniß der Pflichte« eine« konstitutionellen «ouverain«, in unerschütterlicher Achtung vor den Beschlüssen der Kam- Nler« führt er den ihm hierin auSge- lprochenen Willen seine« Volke« au«. vreude macht ihm dieser Wille de« Landes nicht, aber �unterdrückt als Verfassungskönig seine persönlichen Empfindungen. Wohin diese zielen, zeigte die Thron- rede von 1879. Darin hatte der aufgeklärte, für die wahre» Interessen seine« Lande« begeisterte Monarch M>t innerster Genugthuung daS Zustandekommen de«- lelben Schulgesetze« begrüßt, welches von dem jetzigen j»oIkSwillen erdrosselt wurde und das der König mittel« Unterzeichnung de« neuesten Schulgesetze« begräbt." >»« gleichfalls der Meinung, daß überall da, hanb-r? konstitutionelles System herrscht, auch danach ge- Lu nltT' uni) �ai W der belgische König unzweifel- Mrt?»' s° schwer eS«Ihm angeblich geworden sein mag. er k,.«?.„der liberalen Petition nachgegeben haben, hätte � der Minorität höher geachtet, al« den der f0 hätte er für Belgien dem Schein« I>ltutionali«muS Thür und Thor geöffnet. da« � t daß gerade die Liberale« ihn dazu treiben wollten, ttj,'°ezeichnend. Diese Herren behaupten immer, sie �.�aufrichtige Anhänger des KonstiwtionaliSmu«, der ja ab» eigentlich eine„liberale Erfindung" ist. Wenn «UN g».'« liberale Einrichtung zufällig den liberalen Forde- darau?"% paßt, so kommt eS den Liberalen auch nicht »ad diese Einrichtung über de« Haufen zu werfen zu der König selbst liberal ist, den AbsolutiSmu« �»vitamtren. Ennert lebhaft an da« Sprüchwort, welches den datwen seiner Zeit in den Mund gelegt wurde:„Und 67) IseuMeton. Das Kind des Proletariers. SensationSroman von IL Rosen. �(Fortsetzung) sto».�ancesca in Barth weilte, hatten außer Myra nur Nd s�° und Dr. Brice Zutritt zu ihr erhalten, und N,e. und-«? rrfahrm, daß eine Fremde Aufnahme im Schlöffe r, habe, jeyt aber, da für zwei kranke Gäste zu sorgen MSL-WK« c&die Vorhalle entbieten.. %«nß. daß Ihr mir Alle tteu ergeben seid," begann unjderall begegne ich alten bekannten Gefichtem, Kemer »»« Väufein' meint Wrigley." sagt- die Köchin ichert-'�U wird niemals etwaS aus mir herausbringen." «mlr ��nur'�wi?de?"hier herumschnüffeln!" murmelte u kleinen zierlichen Revolver hm. der König absolut, wenn er un« den Willen thut."— In« Liberale übersetzt würde das lauten:„Ein Hoch der Kon- stitutton, doch uns allein gebührt der Loh»!" Die ganze Haltung der belgischen Liberalen nach der lichten Wahlniederlage aber zeigt unS, daß es denselben nicht so leicht werden wird, ihren Einfluß wieder zu ge- winnen. Erst große Muthlosigkeit, dann Mißachtung der Koustitutton und Intoleranz und nun wieder gänzliche Muth- losigkeit. Männlichkeit darf man bei den Liberalen überhaupt nicht suchen, ebensowenig Grundsätze und UeberzeugungS treue. Denn wenn sie diese besäßen, dann würden sie mit Stolz ihr Mißgeschick ertragen und arbeiten, um bei den nächsten Wahlen die Scharte, die ihre Waffen erlitte», wieder auszuwetzen. Was hilft alles Schreien über die Unduldsamkeit der Pfaffen, was alle« Klagen über die verlorenen liberalen Er rungenschaften, wenn man selbst keine Toleranz, da man an der Herrschaft war, ausgeübt hat, wenn man selbst unduld- sam war, gegen ganze Bevölkerungsklassen, wenn man selbst das Recht nicht achtete, wie wir schon ftüher in diesem Blatte nachgewiesen haben.—— Ein preußisches konservative« Blatt kennzeichnet die Situation, in welche der belgische Liberalismus hineinge- rathen ist, folgendermaßen: ,�Von dem, bekanntlich al« Ideal konstituttoneller Reglerungsführung gerühmten Monarchen eine Vor lesung über das ABC parlamentarischer Geschäfts Handhabung entgegennehmen zu müssen, ist hart, zeigt aber, wie unfähig der Liberalismus ist, eine Situation zu acceptiren, welche seinem Hange zur auSschließ- lichen Herrschaft über daS öffentliche Leben irgend welche, wenn auch»och so streng gesetzliche, Schranken zieht. Man vergegenwärtige sich nur die liberale Theorie und sehe dann zu, wie die belgischen Libera- len sich dieselbe in der Praxi« zurechtlege«. Die Theorie verlangt von der Minorität unbedingte Unter- werfung unter die auf legalem Wege zu Stande ge- kommenen Beschlüsse der Majorität. Die Praxis der belgischen Liberalen zeigt, daß die Minorität über Vergewaltigung klagt und der klerikalen Majorität das Recht bestreitet, Aenderungen an den bestehenden Institutionen vorzunehmen. Die Theorie untersagt der Minorität, da« Ansehen des Parlaments vor dem Volke dadurch zu schmälern, daß man außerparlamen- tarische Agitationen gegen die Legislative organisirt. Ja Belgien arbeitet der Liberalismus eingestandener Maßen auf Kammerauflösung hin. Die Theorie hebt da« Recht der fteien Meinungsäußerung, der Toleranz gegen Andersdenkende, auf den konstitutionellen Schild. steht, darum stehst Du diese Waffe in meiner Hand. Hier nimm fie, denn ich bin eine Nachtwandlerin und darf fie nicht behalten. Verwahre fie mir, wo ich fie nicht finden kann, aber überreiche fie mir, wenn ich st- fordere und ich ganz wach und '"""(Flsc�ionnte den Wunsch nicht unterdrücken, Wrigley möchte einen nächtlichen Ueberfall bei ihnen wagen und ver- mittelst des Revolvers von ihr in gesetzlicher Weise und im Stande der Nothwehr au« dem Wege geräumt und an der künftigen V-rübung boshafter Streiche gegen Christenmenschen verhindert werden. Elsa billigte es nicht, sich gegen die Vorsehung aufzu- lehnen, aber fie wunderte fich, daß dieselbe Wrigley gestattete, � �Äährend die Grafin und ihre Tochter unter Myra'S sorasamer Pflege Gesundheit und Frohsinn wieder gewannen, wünschte Wrigley sich Glück, fie für immer los geworden zu sein. Im Hospital hatte er die Verficheruna erhalten, die einer Verwechselung empfing er den falschen Bescheid und er glaubte fie nun tovt. Durch allerlei Manöver und einige falsche Eide war ihm eine Freistelle für eine Kranke in einein schottischen Jrrcnhause versprochen worden. Patienten, für die nicht bezahlt wird, find aber von so geringer Bedeutung, daß kein Mensch danach fragt, wenn fie nicht eintreffen. Man vermuthet, daß fie ander- weitig untergebracht find. �., Tony und seine Frau wagten nicht, Wrigley zu beken- nen, daß fie die ihnen anvertraute Kranke wenige Minuten von seinem eigenen Hause liegen lassen und fie dann nicht wiedergefunden hatten. Tony bctheuerte vielmehr, die Wahn- iSÄ6 ÄuS- Ä" Ä Ä ÄÄS für diesen Verlust von Wrigley. Milly hatte in der Wärterin Franccsca'S die würdige ß; ittsÄ'rÄÄÄ!?= deshalb bei der Polizei, die beiden In Belgien werden klerikale Umzüge vergewaltigt, weil fie den Liberalen ein Dorn im Auge sind. Die Theorie will nicht, daß des Königs Person in de» Streit der Tagesfragen gezogen werde; die belgischen Liberalen suchen, den König zu bewegen, einem voll« kommen legal gefaßten Beschlüsse der Kammern seine Sanktion zu versagen." DaS konservative Blatt bat vom liberalen Standpunkt au« betrachtet, vollständig recht. Aber hart muß e« für den Liberalismus sein, sich von solcher Seite berechtigte Vorwürfe machen zu lassen in einer liberalen Sache.——— Die belgischen„Liberalen" können nur aus ihrer schlimmen Situation hinauskomme», wenn sie wirklich live- ral werden und mit dem belgischen Volke zusammenstehm, ob ihnen das noch möglich sein wird, bezweifeln wir aller- ding«, aber e« ist die einzige Errettung au« dem Banne des Klerikalismus, wenn nicht, was allerdings viel besser wäre, aus dem gegenwärtigen Wirrwar eine neue Partei, eine Arbeiterpartei fich entwickelt. p-IMsch- Urbkrjichl. Die deutsche Reich«- und freikonservative Partei hat heute in konservativen Blättern einen Wahlaufruf veröffentlicht, der fich von dem der] konservativen Partei vor einigen Tagen veröffentlichten in Nicht« unterscheinet Unsere Leser werden sich mit Recht darüber verwundem, daß eS noch inehr konsemative Arbarten giebt, und auch wir müssen zugestehen, daß unS bis jetzt ein wesentlicher Unterschied nicht bekannt ge- worden ist. Einen Beweis hierfür liefert der vorliegende Auf- ruf, welcher dem ersten konsewativen so ähnlich steht, wie ein Ei dem andem. Derselbe beginnt mit den Worten:„Seit vor drei Jahren das deutsche Volk seine Vertreter in den Reichs- tag wählte, kann es mit freudiger Genugthuung auf eine Pe- riode polttischer und wirthschasilicher Erfolge zurückblicken"— daS ist denn doch in der That stark! Also politische und wirth- schaftliche Erfolge find dem dem deutschen Volke in den letzten drei Jahren zu Theil geworden?! Wo find denn die- selben? Wir find überzeugt, daß selbst ein Diogenes mit seiner Lateme vergeblich nach solchen suchen würde. Im Gegen« theil! Für das Volk ist es auch in den letzten drei Jahren von Tag zu Tag schlechter geworden, ver Verdienst ist geringer, die Lebensverhältnisse find theurer geworden.— Dann wollen die Herren weiter dahin wirken, daß dem Vaterlande durch das Auswandern vieler Tausender nicht soviel Kräfte und Ver- mögen verloren gehe und fie begrüßen eS deshalb mit Genug« thung, daß das deutsche Reich jetzt selbst Kolonialbesttz aufzu« weisen hat.— Sollen denn etwa die Deutschen jetzt nach Afrika auswandern? Nein, chr Herren Konservativen, daS wird ein frommer konservativer Wunsch bleiben. Das deutsche Volk hat viel zu große Liebe zum Vater- lande, es wird dafür Sorge tragen, daß daheim des- sere Verhältnisse geschaffen werden.— Den übrigen Theil deS Uebelthäter beobachten zu lassen, zu deren Verhaftung nach Mellodew's Rückkehr geschritten werden sollte. „Kind, Kind, thun Sie das nicht," bat Elsa,„die Beiden haben nur im Austrage eines Andern, wahrscheinlich JhreS Vetters Wrigley gehandelt. Sie können nicht wissen, waS solche Schufte für Dinge aussagen, die besser verschwiegen bleiben." „Mögen fie aussagen, was ihnen beliebt. Ich habe mein Leben satt und bin es müde, mich von solchen Schurken un« ausgesetzt verfolgen zu lassen." „So übereilen Sie wenigstens nichts, mein Engel." Am nächsten Tag ging Elsa nach der Stadt, eS gelang ihr, die Petigrew'S aufzusuchen, und fie theilte ihnen im Vertrauen mit, daß man fie im Verdacht schwerster Verbrechen hätte, fie müßten trachten auS dem Lande zu kommen. „Wir besttzen kein Geld, um auszuwandern." „So verbergt Euch gut. Ich habe eine kleine Summe bei Dr. Mellodew in Verwahrung. Wenn er zurück ist, werde ich Euch sechszig Pfund geben, wenn Ihr England sofort verlaßt. Ihr könnt noch weit mehr bekommen, wenn Ihr auf Euren Wanderungen dem jungeu Herrn Rupert Barth begegnet, und uns anzeigt, wo er zu finden ist. Lady Bide'S Testament ist zum Vorschein gekommen, und er ist ein reicher Mann, sobald er fich nur meldet. Elsa ließ das saubere Paar in tiefem Nachdenken zurück. Die Neuigkeit war ein Kapital, welches fie gemeinschaftlich ausbeuten mußten. Inzwischen hatte Wrigley mehrere Male an Dr. Mello- dew geschrieben, und sich unter dem Vorwande der Besorgniß um Myra nach seinen Plänen erkundigt. Da die Briefe sehr verbindlich und höflich waren, sah Mellodew trotz seiner Ab- neigung gegen Wrigley fich doch genöthigt, ihm in einigen Zeilen zu antworten. Er zeigte ihm an, daß«r und Fißroy in London- Taverne absteigen und dort warten würden vis SMWM w,.u" s» i II. Wahlaufrufs wollen wir heute nicht weiter zitiren, eS ist von Kurzsichtigkeit der Opposition, von konservativen Bestrebungen für's Volkswohl und ähnlichen schönen Dingen dann noch die Rede, aber wer da weiß, was das konservative Volkswohl in sich birgt, der? giebt für dergleichen Redensarten— nichts. Der Reden haben wir genug gehört, jetzt laßt uns Thaten sehen, ihr Herren!— Unterzeichnet ist der Auftuf vou2 Grafen, 2 Freiherren, 4 Adeligen und 4 sonstigen konservativen Größen. Die große Zukunftspartei, der Traum der Natonal- Liberalen und Freikonservativen, welche auch von der„Rordd. Allg. Ztg." unterstützt wurde, wird nun wohl nur ein Traum bleiben. Das genannte Blatt billigt die Rede des Herrn von Bennigsen nicht, sondern wendet sich mit großer Liebenswür- digkeit zu dem Wahlaufruf des Zentrums, an welchem es rühmt, daß derselbe den Gedanken an eine prinzipielle Opposition ausschließe. Demnach würde Alles beim Alten bleiben, wenn Zentrum und Konservative bei der Neuwahl die Majorität er- halten. Den Arbeitern kann es übrigens ganz gleichgiltig sein, ob die Regierung mit dieser Majorität die Gesetze macht, oder mit einer Majorität, welche durch die gemäßigt Konservativen und gemäßigt Liberalen gebildet würde. Der Selbstmord in der deutschen Armee hat eine große Höhe erreicht. So kommen im Monat Juni dieses Jahres auf 126IGestorbenen zwanzig Selbstmörder— gewiß ein sehr hoher Prozentsatz. Erkrankt waren am 1. Juli 11,868 Mann. Sehr geringe Gesetzeskunde legt die Prcffe vielfach an Tag. So hält die„Vosfische Zeitung" es für unmöglich, daß ein Nicht-Sozialdemokrat auf Grund des§ 28 des Sozialistengesetzes ausgewiesen werden könne. Es wird in der genannten Zeitung der Fall Böhme besprochen, wobei es dann zum Schluß heißt:„Der Ausgewiesene ist deutscher Staats- angehöriger und da, derselbe unseres Wiffens sozialdemokratischen Bestrebungen fernsteht, so kann die Ausweisung füg- lich auch nicht durch den kleinen Belagerung s- zustand motivirt werden, es müßte denn sein, daß schonDerjenige sozialdemokratischerBestrebungen verdächtig ist, der überhaupt wegen Preßvergehens bestraft worden ist.", Diese Ausführung ist auch von der ganzen deutsch- freifinnigen Presse nachgedruckt. Der Belagerungszustands- paragraph redet lediglich von Bezirken und Ortschaften, welche durch die in,§ 1 des Sozialistengesetzes bezeichneten Bcstre- bungen mit Gefahr für die öffentliche Sicherheit bedroht find und in denen Personen, von denen eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung zu besorgen ist, der Aufent- halt versagt werden kann. Wennlalso die Behörde in Berlin, welches nach Meinung des Bundesraths mit Gefahr für die öffentliche Sicherheit bedroht ist, annin, mt, daß z. B. die Herren S t ö ck e r und Eugen Richter, die bekanntlich keine So- zialdemokraten find, die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden, so kann sie dieselben ausweisen und ist dafür nur dem Minister des Innern verantwortlich und dem Reichs- tag, der aber völlig ohnmächtig in solchen Fragen ist, deffen einzige Macht darin besteht, gegen die weitere Verlängerung des Sozialistengesetzes und somit des Belagerungszustandes sich zu erklären— und das würde er bei seiner jetzigen Zusammen- setzung auch dann nicht thun, wenn selbst die Herren Stöcker und Richter ausgewiesen würden. Die Presse ist also voll- ständig im Jrrthum, wenn fie meint, daß fich der§ 28 ledi g- lich auf Sozialdemokraten beziehe. Wer sich übrigens noch näher überzeugen will, braucht nur den Wortlaut des Para- graphen nachzulesen. In Kroatien geht es bunt zu. Der Redakteur der Zeitung „Slododa" wurde wegen eines am Donnerstag erschienenen Artikels verhastet und das Erscheinen des Blattes bis zur Namhaftmachung eines anderen Redakteurs verboten. Da heute bereits ein neuer Redakteur angemeldet wurde, dürfte die„Sloboda" morgen wieder erscheinen. In Folge der in Zcngg vorgekommenen Ausschreitungen wurde ein Kommissär für Zengg ernannt, welcher ebenso wie das dahin entsendete Militär heute Nachmittag daselbst eintrifft. Der Bürgermeister wurde suspendirt. Die holländische Kammer ist mit einer Rede eröffnet worden, die auf alle Parteien keinen befriedigenden Eindruck gemacht hat. Dieselbe kündigt mit Bestimmtheit nur die Vor- läge eines Gesetzentwurfes an. Es ist der des organischen Statuts des Waterstaates, ein Gesetz, welches man schon seit der Revision der Verfassung im Jahre 1848 erwartete. Dagegen tadelt man die unbestimmte Auslassung der Regierung über die Revision des Grundgesetzes. Selbst die dringend nothwendige und eilige Revision des Artikels 193 der Ver- fassung wird nicht kategorisch verlangt. Rußland. Aus Warschau verlautet, daß eine Anzahl der jüngst dort als politisch verdächtig verhasteten Personen bereits administrativ verschickt find, gegen andere schwebt die Unter- suchung. Politische Prozesse finden keinesfalls statt. Alles wird„administrativ" erledigt. Cholera. In Italien starben am 22 d. M. an der Cholera 246 Personen, davon in Neapel 161. Paris, 22. September. In den letzten 24 Stunden Dr. Mellodew hatte Myra telegraphisch angezeigt, er werde ihr am folgenden Morgen seine Aufwartung machen. Jasper Fitzroy's verwundete Gefühle verbargen fich hinter einer zur Schau getragenen stolzen Kälte. Damit Mellodew ihn nicht im Verdacht habe, als wiege er fich in eitlen Hoff- nungen, die nie in Erfüllung gehen können, zeigte er eine nüchterne Gleichgiltigkeit, die den Anwalt befremdete und zu- gleich verdroß. Zwei Stunden, nachdem Jasper die heimathliche Küste er- reicht hatte, meldete sich Elsa bei ihm. „Kennen Sie mich nicht mehr, gnädiger Herr?" fragte sie ihn, fich gewaltsam zu der ihr verhaßten Aufgabe er- muthigend.„Ich bin Elsa Wallace, die alte Kinderfrau von Fräulein Barth. Ich freue mich aus der Seele, daß Sie aus der Gefangenschaft errettet wurden, und ivar so kühn hierher- zukommen, um Ihnen Glück zu wünschen." „Ich danke Ihnen, gute Frau. Ihre Gebieterin ist es, der ich meine Freiheit verdanke." „Ja, Sie waren immer gute Freunde, gnädiger Herr." „Wir waren mehr als Freunde, Elsa." „Ja, das mag sein. Das ist so lange her, und in so vielen Jahren vergißt fich das. Die Menschen werden älter, und durch die Trennung einander fremd und fremder. Sie haben fich sehr verändert, gnädiger Herr, und mein Fräulein wird Sie kaum wieder erkennen. „Ist Fräulein Barth wohl und glücklich?" „Ja, es bleibt ihr nichts zu wünschen übrig. Sie hat AlleS, was ihr Herz begehrt. Es giebt Frauen, die nicht zur Ehe paffen, und das gnädige Fräulein gehört zu diesen. Sie wissen, wie sehr ich meine Herrin vom Tage ihrer Ge- burt an geliebt habe. Niemand rennt fie so genau wie ich. Sie ist die Redlichkeit selbst, und möchte um keinen Preis ihr ergebenes Wort brechen, wenn ihr auch noch so wehe dabei ist. Aber es wäre nicht recht, fie zu zwingen, etwas zu thun, was ihrem Herzen zuwider ist. Wenn Sie darauf dringen, wird fie wohl Ihre Frau werden, obwohl fie es nimmer gern thäte. Es wäre nicht gut für fie, und Sie werden meiner .Herrin nichts Böses zufügen wollen." .„Ich werde ihr die Erinnerung an die Vergangenheit nicht aufdrängen." „Eine treue Freundm ,st fie Ihnen immer noch. Sie war so glücklich. Ihre Errettung dewirkt zu haben. Dafür werden Sie auch nichts thun, was den Frieden ihrer Seele stören konnte. Fortsetzung folgt.) starben in dem Departement der Ostpyrenäen 6 Personen, in Toulouse eine Person an der Cholera. Madrid, 22. September. In den inficirten Ortschaften kamen in den letzten 24 Stunden 9 Choleratodesfälle vor, darunter einer in Getafe in der Nähe von Madrid. Der dänische Reichstag ist zum 6. Oktober einberufen worden. Das jetzige Ministerium Estrup dürfte fich auf die Dauer dem neuen Reichstag gegenüber wohl kaum behaupten können. Den Verhandlungen steht man überall mit großer Spannung entgegen. In Egypten spielt jetzt der kriegerische und„erprobte" Wolseley seine Rolle. Bis jetzt besteht seine Thätigkcit darin, recht viele Telegramme nach London zu senden. Während ein Telegramm mehr Geld und Truppen fordert, will das nächste wieder, daß davon vorläufig Abstand genommen werde. Vor einigen Tagen wurde der arme, in der Mausefalle fitzende Gordon noch lebhaft bedauert, und man wollte Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um ihn zu befreien, und jetzt wird wieder verkündet, daß Gordon die„Rebellen" aufs Haupt geschlagen habe und daß Chartum vollständig in seinen Händen sei.— Die englische Regierung hält es indes nicht für dienlich, die Depeschen Gordon's zu veröffentlichen. Sic enthalten angeblich keine schlimmen Nachrichten, sondern erörtern die Zukunft des Sudan. Der General beharrt bei der Anficht, daß Mißregierung Ursache des Aufstandes gewesen sei, und eine gerechte Herrschaft den Frieden wieder herstellen würde.— Wer in Zukunft eine gerechte Regierung dort führen soll, das»erschweigt der Herr General. Die englische Regierung dürfte den Sudanesen wohl am wenigsten sympathisch sein; dieselbe würde auch wohl kaum Willens sein, nach jeder Seite hin Gerechtig- keit zu schaffen. Bis jetzt haben die englischen Maßnahmen im schönen Pharaonenlande nur der Vewüstung Thür und Thor geöffnet, ohne der Bevölkerung irgend welchen Nutzen zu bringen. Aus Süd-Afrika kommt die Nachricht, daß die Regierung der Kapkolonie nun nicht länger Hehl aus ihrer Ver- stimmung gegen England' macht. Wie der„Times" gemeldet wird, hielt Mr. Upington, der öfter genannte Premier der Kolonie, bei einem Bankett eine Rede, in der er konstatirte, daß sein Ministerium wiederholt die kaiserliche Regierung dringend ersucht habe, ihre proklamirten Souveränetätsrechte an der West- küste Afrikas aufrecht zu erhalten, daß er aber mit Scham sagen müsse, daß die Regierung der Königin das Ersuchen nicht be- achtet und die Wünsche der Kolonie mit Verachtung behandelt habe- Es bezieht fich diese Klage natürlich darauf, daß Lord Derby die versprochene Proklamirung der Küste von Damara und Namaqualand als englische Territorien nicht ausgeführt hat; denn da hätte er doch allermindestens die englischeFlagge dort aufhisten lassen müssen.— Um die britische Flagge in Etellaland zu beschützen, hat die englische Regierung die Kap- regierung ersucht, eine kleine Kolonialmacht dorthin zu senden; das Kapministerium weigert sich indessen,„um einen Bürger- krieg hervorzurufen". Hiermit steht wohl das vom„Standard" gemeldete Gerücht in Verbindung, Sir Hercules Robinson, der Gouverneur der Kapkolonie, wolle seine Entlassung geben, weil leine Entscheidung bezüglich Betschuanalandes getroffen werde. Sir Hercules war der Beschützer Mackenzie'S, und durch dessen mißlungenes Debüt in Stellaland ist auch seine Stellung er- schüttert worden.— Heber Zululand ist ein englisches Blaubuch veröffentlicht worden. Es geht daraus deutlich hervor, daß die englische Regierung die Boeren gewähren lassen und nur die Reserve und die Kolonie Natal beschützen will. Letztere anzu- greifen, wird den Boeren übrigens nicht einfallen, wenn fie auch damit drohen mögen, wie ein Einsender der„Times" mittheilt. Ein anderer Briefschreiber des genannten Blattes befürchtet so- Sar, der Suezkanal könne den Engländern verloren gehen und e müßten aus diesem Grunde die Kapkolonie festhalten, um eventuell nicht ganz von Indien und dem Osten abgeschnitten zu werden!— Aus diesen Nachrichten geht klar hervor, daß die englische Regierung mehr und mehr ihre Herrschaft in Süd-Afrika verliert. Es ist keineswegs Gutmüthigleit, was dieselbe veranlaßt, den Boeren freien Spielraum zu gewähren: es ist vielmehr die Ueberzeugung, daß die englische Gewalt nicht mächtig genug ist, dem freien Streben der Bauern auf die Dauer erfolgreich entgegenzutreten. China Der Hafen von Woosung wird von den Fran- zosen blokirt. Doch wird den Schiffen der Neutralen freie Passage gewährt. Es herrscht große Aufregung. Die Kauf- leute der neutralen Mächte verhandeln mit den Befehlshabern, um den Handel möglichst unbehelligt zu erhalten. Die Fran- zosen find überall, wo die französischen Konsuln das Land ver- lassen, unter Schutz der rusfischen Konsuln gestellt worden Wahlbewegung. Die„freifinnigen Wähler" des sechste« Wahlkreises waren am Montag Abend nach dem Börsensaale des Zentral- Viehhofes eingeladen, um einen Kandidaten für den Wahlkreis auszustellen. Eine große Anzahl derselben hatte fich auch ein- gefunden, um an der Verhandlung ktheilzunehmen. Allein die Herren Einberufer, welche der deutsch-„freistnnigen" Partei angehören, ließen nur die ihnen bekannten Individuen, welche aus ganz Berlin nach dorthin aufgeboten waren, in das Lokal eintreten. Die allbekannten dicken und langen Gesichter der Weißbierphilister aus allen Winkeln Berlins hatten sich denn auch zu diesem Rendezvous eingefunden, um die Pauke des Herrn.Ludwig Löwe zu hören. Derselbe hielt auch wie gewöhnlich eine ellenlange Rede, in welcher er den„Wählern" sonnenklar bewies, daß nur der aste Klotz der„wahre" Frei- heitsmann sei.— Nachdem dann noch einige Wähler des sechsten Wahlkreises, welche nichts von dem Herrn Klotz wiffen wollten, wie üblich rausgeschmiffcn worden, wurde der genannte Herr Klotz als der„alleinige"„richtige" Kandidat proklamirt. Eine Widerrede wurde nicht beliebt, und man hatte auch dafür Sorge getragen, daß kein Gegner, welcher etwa hätte dagegen sprechen können, in das Lokal hineinkam.— Die Wähler des sechsten Wahlkreises werden jedenfalls wissen, was fie von dieser Gesellschaft, die das Tageslicht scheut und fich hinter verschlossenen Thüren verkriecht, zu halten haben; fie werden den alten Klotz nicht wählen. Im 4. Berliner Wahlkreise veranstaltet die deutsch- „freifinnige" Partei am Donnerstag den 25. d. Mts., Abends 8'j» Uhr, Große Frankfurterstr. 117 eine„Wählerversammlung". Cs soll in derselben über„freifinnige Sozialpolitik" gesprochen werden-- Natürlich dürfen nur Diejenigen in das Lokal eintreten, welche von vornherein mit dem fteifinnigen Blech einverstanden find. Gegner, und namentlich solche Gegner, welche im Stande find, zu widersprechen, werden- wenn fich solche etwa trotz aller Vorficht in der Versammlung befinden — einfach rausgeschmissen. Zum Schluß kommt dann die all- gemerne„Anhochung" des„wirklichen", wahrhaft fteifinnigen Kandidaten der deutsch-„freisinnigen" Partei.— Nur Mutb, nur Much, hinter verschlossenen Thüren spricht fich's gut! Die„Freifinnigen" haben wiedernm einen Schmer» zensschrei ausgestohen; die Wahllasse ist troy aller bis- herigen Aufruft noch immer leer; die„freifinnigen" Wähler sollen dieselbe füllen, alles, auch die kleinste Münze wird mit Dank angenommen.— Hoffentlich wird die Kasse auch ferner leer bleiben! „Der deutsch- freifinnige Musterwahlkreis" befindet sich nach der„Vosfischen Zeitung" in Sachsen, und zwar ist es der Wahlreis L ö b a u. Der seitherige fortschrittliche Ab- §eordnete und gegenwärtige Kandidat ist der Fabrikant jährmann, der als Fortschrittler(nicht als Se- zcsstonist) für die Verlängerung des Sozialistengesetzes ge- stimmt hat. Ein netter Musterwahlkreis, das! Herr Dr. Max Hirsck hat in einem von ihm selbst und einigen seiner Anhänger rm Wahlkreis Z s ch o p a u heraus- gegebenen Flugblatte fich als„namhaften V o l ks wtt» und liberalen Politiker" den dortigen Wählern empfaP- Wcnn's ihm die Wähler nur glauben! Dr. Alexander Meyer, der in seinem allen WahlbA höchst wahrscheinlich durchfällt, hatte die Äbficht, fich nebenW auch in Breslau aufstellen zu lassen. Die Deutsch-Freifinaig« waren schon für dm Plan gewonnen, als man vernahm, M die Anhänger des Zenftums bei einer eventuellen Stilhmv unter keinen Umständm für Herrn Meyer stimmm würde». Deshalb wurde die Meyer'sche Kandidatur wieder fallen JJ» lassen. Die Ausnahmegesetze, für die der edle Herr gestio® hat, verfolgen ihn jetzt wie die Nemefis überall hin und I# ihn nicht— zum Mandat kommen. Solingen. Wie die„Frankfurter Zeitung" schreibt,# dcrt die sozialdemokratische Parteileitung in einem Flugdu» unter Darlegung der Gründe, aus denen die Fraklion d» bisherigen Abg. Rittinghausen ausgeschlossm habe, die Parle- genossen auf, für den Lederhändler Georg Schumacher« Solingen zu stimmm. K o k» 1 e s. g. Ein schönes Bild der Nächstenliebe bot fich ßP* Mittag den Passanten der Kochstraße dar. Vor dem W Nr. 58 war der Führer eines Hundefuhrwerks, ein LumM Händler, zusammengesunken und krümmte fich, anscheinend va» heftigen Schmerzen geplagt, am Erdboden. Sofort spraM Männer herbei, richteten den Aermsten in die Höhe, und rend diese denselben in fitzender Stellung hielten, lieber» Dienstmädchen in ein Haus, um bald darauf mit einer Tw heißen Kaffee oder Bouillon zurückzukehren, welche ff(** Kranken reichte. Neben einem paar Butterbroden erhielt Lumpenhändler, der ersichtlich an starkem Hunger und ÖJ krästung litt, von einer Dame ein ansehnliches GeldgesaM Erst nach Verlauf von etwa einer guten Stunde hatte fi» Bemitleidete soweit erholt, daß er stch mit seinem FuWr entfernen konnte- Der Vorgang hatte eine bedmtmde W schmansammlung zur Folge gehabt.,„ j- Des Sängers Lohn. Am Montag Nachmlltoß P ein Drehorgelspieler auf den Hof des Hauses Manteuffelsa- � und fing an zu spielen. Kaum ertönten jedoch die«!»» Klänge des Nanonwalzers, als der Hausbesitzer fich auf Hof stürzte und dem Leierkastenmann nach allm Regeln Kunst eine Ohrfeige applizirte. Dem Jünger der Kunst wu?» dieses Spielhonorar wohl etwas sonderbar vorkommen, � aber dem gutmüthigm Hauspascha an Freigebigkell in dm° Beziehung nicht nachzustehen, rückte er ihm einfach mll% Kurbel zu Leibe. Hierauf entfloh der tapfere Hauswirth- Sängersmann behauptete also das Schlachtfeld und wou« eben dem ungastlichen Hause den Rücken kehren— ab«" hatte die Rechnung ohne die zarte Hauswirthin gemacht. bedachte nämlich den Musikanten, als er gerade in den 16� weg gehen wollte, mit einem Topf Waffer, dm fie ihm a» dem ersten Stockwerk liebevoll ins Genick goß. Der Leinkafle� mann hat wegen dieser brutalen Behandlung die Hilft � Polizei in Anspruch genommen._ x Eine Frivolität sondergleichen hat ein Reporter JW die Verbreitung einer auf die Familie des ermordeten%% trägers Cossäth bezüglichen Notiz bewiesen. In jener war die Mittheilung enthalten, daß durch einen edelmüthi Gutsbefitzer in Ungarn in glänzender Weise für die Coffäth's gesorgt worden sei, und es waren sogar die � gehmdsten Details angeben. An dieser ganzen Geschiwü nun aber kein wahres Wort. Die Wittwe CoffAH wohnt wie vor hier in Berlin, Skalitzerstr. 113, IV., ist also keines wegs mll ihrer Tochter nach Ungarn übergefiedell; ebem wenig hat fie auch 1000 M. von dort erhalten; das erfunden. Die Tochter besucht hier die Schule und wird CK künftigen Jahres hier eingesegnet, und der Vormund, nereibefitzer Karl Weber in Lichtmberg, würde ein VerlaP der hiestgen Schule nicht so ohne weiteres zugegeben W'T Der Sohn der Wittwe ist allerdings bei einem hiefigen WL mann in der Lehre. Da die Wittwe baares Vermögen"v? befitzt, lebt ste, obgleich fie von der Ober-Postdirektion M". 300 M. und für jedes Kind 48 M. Unterstützung erhalt, sehr kümmerlichen Verhältnissen. Anscheinend ist die ganze schichte darauf zurückzuführen, daß kurz nach der Ermorv> Coffäth's fich ein Gutsbefitzer an den Vormund ver Kw� wandte, welcher erklärte, fich der Kinver annehmen zu%% und zwar sollte die Tochter bei ihm später die Wirthsü. lernen und zugleich Gesellschafterin seiner Frau werden, Sohn wollte er aber zum Landwirth bei sich ausbilden- v die Tochter hat dieser Herr auch bisher kleinere Beträge r schickt, um dieselbe im Klavierspielen auf seine Kosten am bilden zu lassen; der Sohn aber wurde in Erwägung, dafi. Karrisrc eines vermögenslosen Landwirthes ziemlich los ist, zu einem Kaufmann in die Lehre gegeben. Auf Sachverhalt beschränkt fich also die von dem phantafie«1®. Reporter ausgeschmückte und als„passende Erinnerung L, Jahrestage in die Welt geschickte Notiz. Daß einem(oW Reportergemüthc nicht einmal das Unglück der schwergeprm. Familie heilig genug ist, um fich an demselben nicht auch" � in solch frivoler Weise durch einige Pfennige Zeilenhonoral bereichern, ist allerdings bedauerlich. n. Eine jugendliche Abenteurer- und Diebesbo� aus Berlin ist gestern früh gegen 7 Uhr in der Rah» Rixdorf dingfest gemacht worden. Dem Gärtnereibesttzer V*, Wildensee waren in letzter Zeit aus seinen GartenavW� Aepfel, Birnen, Weintrauben ,c. im Werthe von mehr al»* Mark entwendet worden, ohne daß man der Diebe werden konnte. Am Sonntag früh war wiederum dasetvp Diebstahl verübt und hierbei ein 13 Jahre alter Knabe � wischt und festgenommen worden- Derselbe wurde aWOx einem Polizisten ausgeliefert und durch den Beamten y ermittelt, daß eine große DiebeSgesellschaft hier ihre Han° Spiel hatte, deren Raubnest auf den Kölnischm WwM legen sein sollte. Der Beamte, dem fich noch mehrere Personen zugesellten, machte fich sofort auf den Weg, u>n> � langem Suchen entdeckte man auch das Diebesnest unter � � größeren, dem Bankier Jonas gehörigen und in der NwL,K Wiesenufers belegenen Balkenlage. Trotz allen Rufens � fich Niemand in der Höhle und erst als zur Fortnahw° j) Balkenlage geschritten wurde, kam ein Bursche von«#„e Jahren hervor und bald nachher bequemten fich noch der Zahl aus ver Höhle, in welcher hoch aufgespeichert w* Obst, Weißbrödchen»c. lagen, herauszukommen. Die» � soll aus 12 Knaben bestehen, leider waren nur 7 Personen Hause", die sogleich festgenommen und nach dem Amts»» geführt wurden. Es find: der 13 Jahre alte Wifteif„ei der seinen in der Gitschinerstraße 55 wohnenden Eltern vj 4 Wochen entlaufen ist, Rudolf H. gleichen AlterS, von seiner Schwester in der Prinz Handjerystraße vor o enjfernt, der IMhrige Bruno L-, der vor 4 Wochen au Jj Wanzlickstraße fort ist, der 10 Jahre alte Herrmann W-, � 4 Wochen aus der Reichenbergerstraße fort und Otto Vr.y. bereits vor 3 Monaten aus dem Waisenhause flüchtig" Die Diebesbande ist dem Amtsgericht überwiesen worden xj, e- Nicht auf dem Bock einschlafen. Durch die U" samkeit des Führers eines mit Mauersteinen beladenen zi&N wurde gestern gegen Mittag in der Königstraße dem H�l» eines Äierverlegers ein nicht unbedeutender Schaden zuß. � Der Kutscher war, anscheinend well er auf dem Boa' schlafen war, gegen einen vor dem Rathhause haltende", gefüllten Bierflaschen beladenen Handwagen gefahrc" xxir hatte diesen umgeworfen, so daß die Ladung auf den S" m# dämm fiel und die Flaschen zur Hälfte zertrümmert wurden� � Augenzeugen bekundeten die Schuld des Kutschers o» Unfall. Ein berittener Schutzmann fistirte den u"a OD* Menschen mit seinem Fuhrwerl nach dem Polizeibureau m bn Klosterstraße.,_.. _ N. Verschwunden. Auf bis jetzt noch unausgellSrte Werse '» k-ut- früh die 4jährige Tochter deS Schuhmachers Sperling, w Rixdorf, Berlinerstr. 97-98 wohnhaft, abhanden gekommen. zLreselbe wurde gegen 9 Uhr Vormittags zum Schlächtermetster U- geschickt, um Fleisch zu kaufen. Dort erhielt fie die Waare »nd einiges Geld zurück- Da das Kind stundenlang von Hause fortblieb, machten die geängstigten Eltern schleunigst Anzerge bei der Polizei, von welcher nach sofort angestellten Recherchen wnstatirt wurde, daß ein kleines Mädchen von mehreren halb- «ii-bsigen Burschen von dem Schlächter U. aus nach derHarde Mit ist. Die Polizei Ripdorfs ist mit weiteren Recherchen Wt beschäftigt, und gelingt es ihr hoffentlich, zum wenigsten roie Gewißheit über das Schicksal des Kindes den armen Sll-rn ju geben. . e. feiit Unglücksfall, welcher erst jetzt bekannt wird, ereig- stch kurz vor Beginn des Manövers bei Gelegenheit emer wddienstübung, welche zwischen der hier garnisonirenden Schwa- °r°n des Regiments der Gardes du Corps und einer Schwadron brb 2. Garde-Ulanen- Regiments stattfand. Als ein Kürasfier «uf einem Melderitl begriffen war. suchten ihn drei Ulanen ge- angrn zu nehmen, zwei fielen dem Pferde in die Zügel und der dritte faßte dm Kürasfier im Genick. Dieser wollte sich lesoch, um den Neckereien seiner Kamcradm zu entgehen, nicht gongen nehmen lassen und schlug mit seinem Karabiner um % um auf diese Weise sich die Ulanm vom Halse zu schaffen, « diesem Widerstande entlud fich jedoch der mit einer Platz- Mttone geladene Karabiner, wodurch einer der Ulanen eine M unbedeutende Armwunde erhielt. Der Kürasfier wurde ?den Untersuchungsarrest abgeführt, da fich aber gleich bei rm ersten Verhör der Betheiligten herausstellte, daß der Küras- M f icht hatte schießen wollen. so wurde er sofort wieder auf r�iFuß gesetzt. Der Urtheilsspruch des militärischen Genchts- b°fes ist m diesen Tagen zu erwarten. � Verwegener Einbruch. Dem b'efigen Hoflrefe- '°nten P. wurden am 22. d. Mts., Nachimtlags zwl,chen ' und 5 Uhr, aus seiner in Pankow belegenen Sommer- ?°hnung zahlreiche Schmucksachen im Werthevon zusammen Mark gestohlen. Vermuthlick find die Diebe, wahrend N die noch dort wohnende Familie hinter dem Hause im befand, durch das offenstehende Fenster in das parterre �,'-—-— T �||> W f J V••[• V fc»,» VMA- r« s'iJl",rmer gestiegen und haben in kurzer Zeit den Dieb- 1 ausgeführt. in w r �enbahndiebstahle. Auf hiefigen Bahnhöfen find « rßeit aus den daselbst stehenden Eisenbahn- aus,i.r� u!' Plüschbezüge in den Koupees l. und Ii Klasse ftohi I?nl tci? unl) gestohlen worden. Der erste derartige Dieb- fc/t. W-de m der Nacht vom 23. bis 24. August er. auf dem w�fbichnhofe des Potsdamer Bahnhofs in der Nähe des Jiäh/v'fH5?en8 und auf dem Schlefischen Bahnhofe in der z 1*** Markgrafendammes, der zweite in der Nacht vom »Jij■ d. Mts. auf demselben Bahnhofe an der Warschauer- aus k Un? der dritte in der Nacht vom 8. zum 9. d. Mts. der„.J" J�fburger Bahnhof ausgeführt. Der größte Theil I afi üohlenen Bezüge ist von kirschrothem Plüsch aus Wagen ist tu!«.,"einere von grünem Plüsch aus Wagen Ii. Kl. ES ferti»? unwahrscheinlich, daß das gestohlene Gut zur An- es Ä!" von Hausschuhen verwendet wird. Bis jetzt ist -»�.gelungen, die Diebe zu ermitteln. des Z5Ä�bericht. Am 21. d. M Vormittags fiel die Frau -?tadtnachtwächters Janke aus Landsberg a. W-, welche sweise im Hause Cöslinerstraße 16 aufhält, von der slck K�dinachtwächters Fanke aus Landsberg a. W-, welche Nack � uchsweisc in, Hause Cöslinerstraße 16 aufhält, von der MiL m Hofe führenden Treppe und erlitt dabei einen dop- seil,.? Zruch des rechten Unterarmes.— Am Nachniittag des- senT" �ouch fei«!? JMes erschoß fich ein junger Mann in der Wohnung htüyl ��krn, während letztere fich im Reichshallen-Theater de- et«M% Am 22. d. M. Vormittags fiel eine unbekannte, lu Fahre alte Frauensperson in der Krausenstraße plötz- Xllf ff~ � c- 1«— v. tzlr�ur Erde und verstarb auf der Stelle, anscheinend am teofif Ii. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause ge- L JI'~ An demselben Tage Nachmittags versuchte ein un- & rmler, anscheinend den befferen Ständen angehöriger, etwa R*% Jahre alter Mann in dem Gartenlokal Zellen Nr. 1 ujjulllö Revolvers zu erschießen. Derselbe wurde noch in"och der Charitee gebracht.— Um dieselbe Zeit entstand ein. hinunterging, kam ihm der Angeklagte daraus entgegen. tflbtUi" Borhalt, daß er mit dem Hammer die Frau ta hatte In ��Ken können, antwortete er:„Mein Wille war eS die Frau todtzuschlagen!" AlS'- der Nachtwächter #### ''' je einer Anzahl serhammer gegen m geweigert, die Ehe mit ihm einzugehen. Am 29 Juni er. habe er, Angeklagter, von Frau Puppe das ihr am Abend zuvor gegebene Wochengeld zurückaerlangt. Sie habe fich aber unter Ausstoßung schwerer Schimpfworte nicht nur dessen geweigert, sondern noch mehr Geld für den Umgang mit ihm verlangt und gedroht, seine Sachen zurückzubehalten. Er habe fich ein Obdach suchen wollen, sei aber von den Puppe'schen Kindern davon zurückgehalten worden. Wie er am Spätabend dazu gekommen sei, mit dem auf dem Tische liegenden Hammer auf Frau Puppe loszuschlagen, wisse er nicht. Erst auf dem Polizeibureau sei er zum Bewußtsein gekommen. Daß er die ein Geständniß enthaltenden Angaben zum Wächter gemacht. wisse er nicht mehr. Die Vernehmung der Frau Puppe bringt wesentlich Neues nicht zu Tage. Nach ihrer Bekundung hätte fie fich überhaupt nicht geweigert, den Angeklagten zu heirathen; auch hätte derselbe an dem bewußten 29. Juni gar kein Geld von ihr zurück- verlangt. Beim Schlafengeben hatte er, ohne daß auch nur der geringste Streit vorhergegangen wäre, auf ihren Kopf mit dem Hammer eingeschlagen und, als fie fich abwandte, die Schulter getroffen. Auf Veranlassung des- Vertheidigers, Rechtsanwalts Steinschneider, wurden noch zwei ehemalige Arbeitskollegen des Angeklagten über dessen Geisteszustand vernommen. Beiden, die zu verschiedenen Zeiten mit dem An- geklagten gearbeitet haben, ist er zuweilen wie abwesend und spleenig vorgekommen. Der Angeklagte giebt an, daß er in seinen jüngeren Jahren mehrere Sturze vom Pferde erlitten habe, in deren Verfolg manchmal Gedächtnißschwäche bei ihm eingetreten sei. Rechtsanwalt Steinschneider deantragt hierauf, den in einer anderen Sache anwesenden Geheimrath Professor Dr. Liman über den Geisteszustand des Angeklagten zu ver- nehmen, worauf der Gerichtshof beschließt, den Angeklagten durch die Gerichtsärzte Geh- Räche Dr. Liman und Wolf exploriren zu lassen. Arbeiterbewegung, Vereine uvil Versummlungev. Herr Dr. Max Hirsch bedroht in der neuesten Nummer 38 seines„Gewerkverein" diejenigen Arbeiter, welche den Fach- vereinen, freien zentralisirten Hilfskassen und ähnlichen Gewcrk- schaften angehören, mit Denunziation und— Prügel. Er erklärt, daß die unschuldige Hülle der Zentralkassen und die ihrem äußeren Anstnch nach rein wirthschaftlich er- scheinenden Fachvereine den sozialdemokratischen Pferdefuß nicht verdecken könnten. Nun meint er selbst, daß die freien zeniralistrten Hilfskaffen und die Fachvereine ihn und den„Ge- werkvcrein" als Denunzianten anklagen würden und schließt dann:„Herunter mit den Glaoehandschuhen, mit welchen wir aus Rückficht auf das Sozialistengesetz diese Arbeiterbrüder behandelt haben!"— Also mit der bloßen Faust, Mäxchen?!— Man ficht, der Mann ist krank, sehr krank, gerade so krank, wie seine Invaliden- t a s s e n! Die Proklamation Klotz' im sechsten Rcichstagswahl- kreise. Der Börsensaal des allen Viehhofs ist ein stilles Plätzchen und für geschlossene Versammlungen wie geschaffen. Am äußersten Nordende Berlins, seitwärts links von der Brunnenstraße, in einem fernen Winkel eines ungeheueren Hofes, dessen Eingang durch zehn handfeste Männer gegen jeden Eindringling leicht und vollkommen abgesperrt werden kann, so muß der Raum gelegen sein, wo die Fufions- partci, genannt deutsch-freistnnige Partei, ihren Kandidaten aufstellt.... Wer mit einer Eintrittskarte versehen war, mußte zuerst durch die eine Postenkette, dann durch eine andere, dann wieder durch eine andere, endlich durch eine vierte Postenkette Spießruthen laufen bis er in den Saal ge- langte, wo fünfzehnhundert Fufionisten fünfziatausend Wählern einen Kandidaten aufdrängen wollen. Ob ihnen das so ohne weiteres durchgehen wird?... Da! Da wird ein Mann im Arbeiterhemde, aus Mund und Nase blutend, mit Püffen und Stößen durch den Hinteren Eingang aus dem Saale geschlagen... Der Mann im Arbeiterhemde flog einer kleinen Mcnschengruppe in die Arme, welche an der von einem Haufen Ordner besetzten Thüre Einlaß be- gchrte. Die Leute konnten keine Karten auftreiben und Ihr Wortführer appellirt nun an das Ehrgefühl der Fortschrittspartei-.. Der Narr! Wer wird in diesen schlechten Zeiten noch Ehrgefühl befitzen! Ein Hausdiener mit einem schweren Schlüsselbund kommt und schließt ihm und seinen Freunden die Thür vor den Nasen zu, die Ordner aber kehren lachend und plaudernd in den Saal zurück. Wie viel derartige Scenen fich an diesem Abend wohl wiederholt haben mögen! Aber jetzt ertönt die Glocke des Vor- fitzenden,' der nach einer Einleitung Herrn Ludwig Löwe das Wort ertheilte. Was Herr Löwe im ersten Thelle seiner Rede gesagt hat wissen wir nicht genau. Die Kellner am Büffet klapperten mit den Seideln so ungenirt, Herr Löwe dagegen sprach so rasch und leise, daß er auch den Näherstehenden ganz unverständlich blieb. AuS einigen erhaschten Brocken konnte man nur ver- muthen, daß er über Haftpflichtgesey oder so waS ähnliches sprach. Da riß den Leuten die Geduld und derbe Rufe: Ruhe da hinten! Langsamer! Lauter! Brüllen Sie doch wie ein Löwe! ermahnten den Redner, daß er nicht im Reichstag spreche, swo die Vertreter der Regierung auf ihn auch nicht zu hören brauchen, sondern direkt zum Volke. Der Redner wird nun verständlicher, und jetzt konnte man merken, daß Herr L. Löwe ein Plagiat an fich selber begeht. In der rm sechsten Wahlkreise für den durch seine Abwesenheit glänzenden Herrn Landgerichtsraths Klotz gehaltenen Kanvidatenrede hat nämlich Herr Löwe fast wörtlich dasselbe wiederholt, was er in seiner im ersten Wahlkreise für seine eigne Kandidatur gehaltene Rede schon einmal gesagt hatte. Er erzählte hauptsächlich seinen gläubigen Zuhörern die alte Geschichte von den Verbesserungen(resp. Verwässerungen...) welche seine tapfcrn Parteigenossen bei der Berathung des Krankenkassen- und Unfallgesetzes angesttebt haben, neu und wahrhaft originell war nur die Art wie Herr Löwe den schmäh- lichen Abfall der„Siebcnundzwanzig" von dem nagelneuen erst vor kurzem eigenhändig unterschnebenen Programm zu be- mänteln suchte, cm Abfall durch den einzig und allein das Sozialistengesetz zu Stande kam. Die guten, ehrlichen Herren, die erst vor drei Jahren als Sezesfionisten gewählt worden find, durften nämlich ihrem den Wählern gegebenen Versprechen f ü r das Sozialistengesetz zu stimmen nicht untreu werden (warum haben aber die Eveln diesem Versprechen zum Trotz das Programm in welchem jedes Ausnahmegesetz ausdrücklich verpönt wird, erst unterschrieben? Uebrigens ist uns ein solches ausdrückliches Versprechen gar nicht bekannt) im neuen Reichs- tage werden auch diese 27 gegen eine neue Prolongation stimmen, widrigenfalls sie aus der Partei treten müßten... Diese Erklärung wiederholte Herr L. Löwe, als ein Altfort- schrittler von der Richtung Philipp-Lcnzmann auftrat und einen Kandidaten forderte, der den Fufionisten nicht angehört und g a n, g e w iß gegen das Gesetz stimmen wird. Nach Herrn Ludwig Löwe sprachen der Vorfitzende und noch zwei weitere Redner. Der Erstere schlug Herrn Land- gerichlsrath Klotz, den alten bewährten u. s. w. FortschnttS- mann zum alleinigen Kandidaten der freistnnigen Partei im sechsten Wahlkreise vor und meinte, daß Herr Klotz nur des- bald seine Kandidatcnrcde nicht selber gehalten habe, weil er durch sein Erscheinen nicht seine etwaige Proklamation zu be- nirgends heroorgethan hat und auch sonst still und all ge° durch die Macht überdies berechtigt kommen mit den Eintritt in dieselbe worden ist, man ihn doch prollamircn müsse, weil— nun weil er unser guter, treuer, ehrwürdiger, knorriger und alter jtlOß t(I».. nb. Eine Gegenprobe hat der ehrliche Vorfitzendc bei der Abstimmung nicht gestattet. r Ein neuer Strike. An die Mödelpolirer Berlins für die Kastenarbeit hatte die Lohnkommisston einen Aufruf er- lassen, in welchem fie darauf hinwies, daß sie es an der Zeit halte, die immer mehr und mehr sinkenden Löhne aufzubessern resp. die Arbeitszeit zu verkürzen, und hatte zur näheren Be- sprechung dieser Angelegenheit eine öffentliche Versammlung aller Mobclpolrerer auf Kastenarbeit zu Montag Abend ein« berufen. Herr R e u t e r begründete Hierselbst in ausführlichster Weise die Anficht, daß der Zeitpunkt geeignet sei, eine Lohn« aufbesserung in Vorschlag zu bringen, und empfahl die Stellung der Forderung mm 16V. Prozent Lohnaufschlag und eine Ar« beitszeit von 9'/- Stunden. In der Diskusston wurden zur JNustrirung der allgemeinen Lage die Verhältnisse mehrerer Werkstatten kritisch beleuchtet, und namentlich der von Eckart(Krautsstraße)!, von dem die Sage geht, daß 8«toCftWÄ ÄS« Wochenlohn beginnend, im Laufe des Jahres bis auf 12 M. avanciren. Das Resultat der langen und animirten Debatten. war der Beschluß, m allen Werkstätten die oben genannten Forderungen(16'/» pCt. Lohnerhöhung und 9V, stündige Arbeitszeit) schon am nächsten Morgen(Dienstag) ihren resp. Prinzipalen vorzulegen, und im Falle der Nichtbewilligung die Arbeit einzustellen, doch befürwortete Herr Reuter, in aller Ruhe und ohne jede Gewaltthätigkeit diese Manipulation vorzunehmen. Das Strikc-Bureau befindet fich Andreasstr. 44 bei Wirstng. *. Eine außerordentliche Versammlung aller Stet«- nußknopfarbeiter und Drechsler fand anläßlich eines in den betreffenden Ardeiterkreisen große Sensation erregenden Vor« kommnisses am Montag Abend im Lokale Königsbank, Große Frankfurt erstr. 117 mit folgende? Tagesordnung statt: Da« Verhalten der Fabrikanten gegenüber ihren Arbeitern unter den heutigen Verhältniffen und die Maffcnentlaffung aller Arbeiter in der Stcinnußknopffabrik von Behmer jr. u. Co. Herr Drechsler Jul. Müller übte als Referent eine scharfe'Kritik und tadelte die ohne Kündigung erfolgte Entlassung der Arbeiter in obengenannter Fabrik. Der Compagnon der Firma Behmer jun. u. Co. Herr Winterlich war persönlich erschienen und be- richtigte einige dem Referenten unterlaufene„Jrrthümer". Nur 20 bis 25 Arbeiter wären von der Entlassung betroffen worden, welche nicht in frivoler Weise provozirt, sondern der Verhältnisse bedingt und sei, da ein diesbezügliches Ab« Arbeitem der Fabrik beim getroffen worden ist. Die Ver« muthung, daß zwischen dieser Arbeiter-Entlassung und der in der Röhl'schen Fabrik erfolgten Arbciter-Kündigung irgend welcher Zusammenhang bestände, wies er als unbegründer zu« rück. Nach langer Diskusston, in welcher die Herren Müller, Hildebrand, Sündermann u. A. eine gemeinsame Organisation der Drechsler und Steinnußknopfarbeiter als Schutzmittel gegen die Willkür der Fabrikanten empfahlen, wurde folgende Resolution angenommen:„Die heute in Mohrmann'S Salon vereinigten Steinnußknopfarbeiter, Drechsler und Berufs- genossen erklären fich mit den Ausführunggn des Referent« einverstanden und beschließen, mit aller ihnen zu Gebote ste- henden Energie für eine geschlossene Organisation einzutreten und in ihren Kreisen dafür zu wirken." Sodann wurde eine Kommisfion der Steinnußknopfarbeiter erwählt, welche in Ver- bindung mit der Kommission der Drechsler das Nöthige ver« anlassen und über vierzehn Tage Bericht erstatten soll. Warnung. Die seit einigen Jahren durch schwindelhafte Reklame fich immer mehr breitmachenden sogenannten Lombard- und Leihhaus-Ausvcrkäufe und Waaren- Abzahlungsgeschäfte veranlassen die Unterzeichneten, dem geehrten Publikum, speziell den Arbeitern und Handwerkern, welche in Folge ihrer gedrück- ten wirthschaftlichen Verhältnisse gezwungen find, ihren Bedarf an Kleidungsstücken aus jenen Geschäften zu entnehmen, auf Nachstehendes aufmerksam zu machen: Ueber die sogenanten Leihhaus-Ausverkäufe, welche dem Publikum vorspiegeln, daß die bei ihnen zum Verkauf stehenden Waaren, als im Versatz verfallen seien, machen wir bekannt, daß dieselben die schlech« testen, aus Kunstwolle hergestellten Stoffe, hier zu einen, wah- ren Schundlohn verarbeiten und dieselben mit Etiquetts von bedeutenden Firmen anderer Großstädte versehen lassen, um so dem Käufer einzureden, die Waaren seien lombardift; that- sächlich sind dieselben in Berlin zu einem wahren Hunger- lohn gemacht. Nicht blos dieses, auch alte Sachen werden mit neuem Futter versehen, etwas aufgearbeitet und als neu zum Verkauf gestellt, ohne Rückficht darauf ob nicht der frühere Besitzer derselben an einer ansteckenden Krankheit gelitten; so« mit ist auch in sanitärer Hinsicht vor dem Einkauf in jenen Geschäften zu warnen. Zu bedenken ist hierbei noch, daß die Verkäufer in den meisten Fällen mit der Hälfte des von ihnen geforderten Preises zufrieden find, damit ste blos den Schund los werden, und scheinen dieselben noch immer ein gutes Geschäft zu machen, denn sonst würden nicht immer neue Konkurrenz- Geschäfte entstehen. Was nun die Waaren-Abzahlungsgeschäfte anbelangt, so ist auch hier zu konstatiren, daß dieselben die schlechtesten Stoffe zu einem Preise verarbeiten lassen, wobei der Arbeiter kaum das Salz zur Suppe verdient, und find in der Regel die Kleidungsstücke mit der Anzahlung des dritten Theils de« Kaufpreises vollständig bezahlt, somit verdienen die Geschäfts- Inhaber zwei Drittel, also 66'/, pCt. Ebenso verhält es fich mit einigen von uns in letzter Zeit in Versammlungen öffent- lich gekennzeichneten Herren- Garderobengeschäften, deren In- habcr es verstanden haben, in verhältnißmäßig kurzer Zeit nach besseren Sttaßen zu avanziren, um daselbst daS Geschäft in verfeinerter Form fortzusetzen, und spekuliren somit auf die Un- kenntniß des Publikums. Wir erwarten von den Arbeitern, welche gleich uns unter der heutigen schwindelhaften Produk- tionsweise leiden, und auf welche es jene Geschäftsinhaber fpeziell abgesehen haben, daß fie mit uns gegen derartige Ge- schäfte Front machen, indem fie nicht bei denselben ihre Garde« robe kaufen, um diesem Schwindel nicht Thür und Thor zu öffnen, wenn ste bedenken, welche jämmerliche Existenz den Arbeitem, welche für derartige Geschäfte arbeiten, zusteht, und rathen daher Allen, welche gewillt find, diese Ausbeutung nicht über fich ergehen zu lassen, ihre Garderobe bei wirklichen Fach- leuten zu entnehmen; auch werden unsererseits Schritte gethan, um ein Institut zu schaffen, wo das Publikum reelle Waare erhält, und ersuchen das kaufende Publikum, uns bei unserem Vorgehen zu unterstützen. Berlin, im September 1884. Die Lohnkommisston der Berliner Schneider. I. A.: L. Pfeiffer. Die am Montag Abend im Königstädtischen Kastno tagende Versammlung verfiel der Auflosung. Als Referent zu dem Thema die Lage unseres Handwerks, und die Lohn- frage, war. wohl aus Versehen, der bekannte Otts- vereinter Pirch bestellt, derselbe führte aus, daß fich das Schuh- machergewerbe in vollständiger Desorganisation befinde und in der Organisation jedem anderen Gewerbe nachstehe- Die meisten selbstständigen Schuhmacher find bei der Steuerein- WlSS-H-MM MSWM und Handbetrieb. Durch die lange HrbeisSzeit degenerirt sich die Schuhmacherei; Elend und Krankheit reißen ein, und das Durchschnittsalter des Schuhmachers beträgt 33 Jahre, anderer- seitS schwindet das Interesse an der Allgemeinheit und hier wäre eine staatlich geregelte Arbeitszeit eine Wohl- that(das Prinzip, das Prinzip verloren Herr Pirch). Redner empfiehlt, durch eine Organisation mit der Innung in Fühlung zu treten... Herr Kördel führt aus, daß von der Innung nichts zu erwarten sei, die habe wohl 500 M. zu einem Fest aber gewiß nicht die gleiche Summe zum Zweck der Besserung unserer Lage, nur dem Fachverein oder dem Unterstützungsver- ein deutscher Schuhmacher können wir uns anschließen, und unter der Devise Einer für Alle, und Alle für Einen einen Wall gegen das Kapital zu errichten. Redner empfiehlt sodann das„Berliner Volksvlatt". Herr Papke sprach sodann entschieden gegen eine VerhandluiH mit der Innung, ebenso verwerflich sei aber das Prinzip der Selbst- Hilfe, nur der Normalarbeitstag kann uns helfen, und diesen haben wir zu erstreben. Redner empfahl den Beitritt zum Fachverein Herr Schumann und Lüttke, zwei Koryphäen der Innung, replizirten ohne etwas Neues zu Tage zu fördern, als die Behauptung, die Innung erstrebe eine kollegialische Gleich- und Besserstellung der Meister ebe> so wie auch der Arbeiter. Herr Mehner führt aus, daß dk Innungen ihre Bedeutung verloren haben, wie in der Natur der Satz herrscht: Was todt ist, ist todt und nicht wieder zum Leben zu erwecken, so auch hei den Erscheinungen des öffentlichen Lebens; alles Reaktivircn hilft der Innung nichts. Die Mittheilung des Herrn Schumann, daß die Innung das Gute für beide Theile will, setze er das Dichterwort entgegen: Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Nur in gesunden Fach- pereinen müssen fich die Arbeiter organifiren und für diese müssen auch die Kleinmeister eintreten... Herr Amin trat heftig gegen die Innung auf, die die Wahrheit nicht hören wolle, weshalb man ihm das Stimmrecht auf zwei Jahre ent- zogen habe. Nur eine gesunde Organisation und Zentralisation könne etwas ausrichten gegen das herzlose Kapital, schon ein großer Reformator sagte es, organifirt Euch, dann wird die soziale Frage gelöst werden. Bei diesen Worten erhob fich der überwachende Polizeilieutenant und erklärte die Versammlung für aufgelöst, ohne Angabe des Grundes, erst auf wiederholtes Auffordern nannte er das Sozialistengesetz als Grund. Der Abgeordnete Herr Eugen Richter hat am Don- nerstag, den 18. September, in einer im 4. Berliner Reichstags- Wahlkreise abgehaltenen fortschrittlichen Vertrauensmänner- Versammlung eine Rede gehalten, welche in Bezug auf die Art und Weise, wie man von Seite dieser Herren politische Gegner behandelt, wohl einzig in ihrer Art sein dürfte, und die geeignet ist, den Anstand und die Bildung der deutsch- freifinnigen Größen in das richtige Licht zu stellen. Die Ber- liner Arbeiter find in dem, was Gehässtgkeit und Verleumdung betrifft, an vieles gewöhnt worden, namentlich während der vergangenen Konimunal- Wahlbewegung, aber ein derartiges Auftteten einer Partei gegenüber, welche man hinter ver- schlossencn Thürcn nicht zu fürchten braucht, wie es vom Ab- geordneten E. Richter geschehen ist, übersteigt denn doch noch die Gewohnheiten eines Crcmcr um ein ganz bedeutendes. Nach- dem fich Herr Richter eine Stunde mit der konservativen Partei beschäftigt hatte, ließ er plötzlich das rothe Gespenst auf die Bühne bringen. Alle die alten verrosteten Waffen aus dem Agitations-Arsenal der Fortschrittspartei in den fiedziger Jahren wurden hervorgeholt, um den spießbürgerlichen Mob in die rechte Stimmung zu bringen. Nachdem alle die schönen Sachen, wie Zwangsarbeitsanstatten, Staatskindcr Erziehung, Staats- Wasch- und Kochanftalten ihre Schuldigkeit gethan oder viel- leicht nicht gelhan hatten, ging Herr Richter auf das Gebiet der Arbeiter- Organisations- und Lohnbewegung über, denn hier, das wußte er als echter Vertreter der Kapitalsintercffen, war der Punkt, wo jeder kapitalistische Spießbürger sterblich ist. Herr Richter hatte den traurigen Muth, die ganze gewerk- schastliche Arbeiterbewegung als eine sozialdemokratische zu de- nunziren. Er sagte ungefähr Folgendes: Es sei ein verwerfliches Treiben, wenn man, wie es von Seiten der Sozialdemokraten geschehe, den Lohn des Arbeiters zum Gegenstand der Parteiagitation mache. Die jetzigen Lohnbewegungen seien bloße sozialdemokra- tische Wahlagitationen Nach den Wahlen würde man von einer Lohnbewegung nicht mehr viel zu sehen be- kommen. Dieser Ausspruch des Herrn E. Richter,, welcher fich nicht mehr gegen eine Partei, sondern gegen den ganzen Arbeiterstand, so weit er zum Zwecke seiner wirthschaftlrchen Besserung fich or- ganifirt, richtet, kennzeichnet mehr den Charakter der Partei des Herrn Richter wie fünfzig Versammlungen es im Stande wären und verdient in Tausenden von Exemplaren an die Arbeiter vertheitt zu werden. Also alle Arbeitervereine, welche auf ge- setzlich berechtigtem Wege eine Erhöhung ihres Lohnes anstreben um den Anforderungen des Staates, oer Kommune und der Familie genügen zu rönnen, find nach Herrn E. Richter und der deutsckfreiflnnigen Partei sozialdemokratische. Die diesjährigen großen Lohnbewegungen der Tischler, Maurer, Klempner, Me- tallarbeiter, Maschinenbauer, Buchbinder u. s. w. alle, welche sich mit einer Erhöhung ihres-EinkommenS beschäftigen, find lO� demokratische. Wen wundert es jetzt noch, wenn ArbeiterversaM lungen von Hause aus verboten werden oder bei sonst harnwii* Reden aufgelöst werden? Das Bestreben nach LohnerhoM ist gemeingefährlich und wer's nicht glaubt, lese den Bericht d« Rede des Herrn E. Richter vom Donnerstag, den 13. d. W Ein Glück, daß die Auffassung des Staatsanwalts eine sw finnigere ist, als die des deutsch-freifinnigen Halbg' so daß es uns vielleicht vergönnt wird, eine große Ar! Versammlung abzuhalten, um gegen eine derartige Dem tion, welche eine Schädigung unserer materiellen Jnttrch» beabsichtigt, ganz energisch Front zu machen. Eine welche fich nicht schämt, solche denunziatorischen Mittel für Parteizwecke zu benutzen, hat sich in den Augen jedeS anM digen Menschen selbst gerichtet. Möge dieses Urtheil am W der Wahl vom arbeitenden Volke gesprochen werden., Versammlungsverbot. Der am 14. September in em« allgemeinen Wählcrversammlung zu Friedrichsberg zum mn»» tagskandidaten für den Niederbarnimer Kreis nominirte S(W machermeister Friedrich Arndt aus Bernau beabsichtigte,** verflossenen Sonnabend und Sonntag in Reinickendorf w den dortigen Wählem zu sprechen. Beide Versammlungen wurden jedoch durch den Amtsvorsteher Wllcke auf Grund w § 9 Abs. 2 des Sozialistengesetzes verboten. Gemeinnütziges. Grosser Nutzen des Citronensasts. Man hat neuerdings in Amerika Versuche mit dem Citronensafte gegen die mW rische Kinderkrankheit, die DiphtheritiS, gemacht und hat(ttM den, daß der Genuß möglichst frischer Citronen resp. derenv� günstige Resultate ergeben hat, so daß es im allgemeinen Jnin- esse liegt, dieses neuerprobte Mittel öffentlich bekannt»u gtb» und zur allgemeinen Anwendung zu empfehlen. Selon v» Chinesen schreiben für diesen Zweck dem CUronensaste, in Fow von Limonade oder die Frucht selbst nach Art der Orange» verzehrt, große Heilkraft zu, sowohl als Vorbeugungsmittel a» auch als Heilmittel. Da der frische Cittonensaft keinen s»ä° liehen Einfluß, namentlich in Limonadenform, auf die Gesund heit hat, so könnten bei Vorkommniß obiger Krankheit weite« Versuche damit nichts schaden. �riesüastea äer Keäaction. R. Fruchtstrasse 65. Da die That nicht destraft werde« kann, ist der Versuch natürlich auch straflos. Theater. Königliches Opernhaus: Mittwoch- 184. Vorstellung. Flick und Flock. Königliches Schauspielhaus: Mittwoch= 186. Vorstellung. Assunta Leoni._ Deutsches Theater: Mittwoch: Die Räuber._________ vellealltauee-Theater: Mittwoch: Gastspiel der Königl. Hofschauspielerin Franziska _ Ellmenreich. Auf allg. Verl.: Maria Stuart. Neues Friedrich« Wilhelmstädtische« Theater: Mittwoch: Der Bettelstudent._ Walhalla-Operetten-Theater: Mittwoch: Rofina._ Eentral-Theater: Alte Jakobstraße 30. Direktor: Ad- Ernst. Mittwoch: Zum 55". Male: Jäger- Liebchen. GesangSpoffe in 4 Akten von L. Treptow; Couplets u. Quodlibets v. G Görß. Mufik von G. Steffens. Kassen- Eröffnung K'/, Uhr, Anfang der Vorstellung 7'/, Uhr._ Osten d-Theater: Mittwoch; Gastspiel des Herrn tzeimerdinger: Das Kreuz im _ Walde._ Viktoria-Theater. Mittwoch: Wallensteins Lager. Die Piccolomini.____ Residenz-Theater: Direktion: A. Anno, Blumensttaße 9. Mittwoch: Zum zwölften Male: Die Sirene.(La Fiam- boyame.) Vorher, zum zwölften Male: Der erste April._ Louisenstädtische« Theater: Mittwoch: Neuntes Gesammtgastspiel der Liliputaner.(Die steben Zwerge). Zum 9. Male: Robert und Bettram. Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Abtheilungen _ von G Räder.__ Wallner-Theater: Hotel Blancmignon._ Alhamlra-Theater. Wallner-Theaterftr. Rr. 15. Mittwoch und folgende Tage: Die Reise durch Europa. Gr. Ausstattungsreisepoffe mit Gesang in 6 Bildern von B. Görlitz. Mufik von Th. Franke. 1. Bild: In Pyrmont. 2. Bild: Auf Helgoland. 3. Bild: Ein Künstlerfest auf der Wartburg. 4. Bild: Berliner Salon-Tiroler. 5. Bild: Die Stumme von Pottici. 6. Bild: Eine Nacht in Venedig. Entre 30 Pfg. Anfang 7V» Uhr. Bons haben Wochentags 2 Schlafstellen find zum 1. Oktober er. zu vermiethen bei E v p i n g e r, Georgenstr. 33, Hof r., pat.__ 861 Nrb.-Bez.-Verein d« Friedrichstadt. Donnerstag, den 25. September, Abendl 8V» Uhr, im Lokal, Mauerstraße 86. Tagesordnung. 1. Vortrag des Herrn Tischlermeister F. Mi tan. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder.— Gäste find stet» kommen _____ Der V o r st a n Hesirw- Verein Äer»rb. Herötkeruuß ätf SW. Berlins. Donnerstag, den 25. September er., Abends 8 Uhr: Versammlung in N i e f t'S Lokal, Kommandantcnstraße 71—72. Tagesordnung: 1. Vottrag.(Thema und Referent werden in der VersammIlW bekannt gemacht. 2. Verschiedenes.,. Aufnahme neuer Mitglieder.— Um zahlreiches Erscheine» wird ersucht.— Käste willkommen. Eine Schlafstelle ist zu vermiethen Lübbenerstraße Nr. H Hof, pat., bei Bai er.___ � Abg. v. Tuch«. Wolle lauti F. Oucdeno. WienerstrO Große Lrcslauer Lotterie. Ziehung vom 8. WsTT Octöber dieses Zahrcs.! ma Arbeitsmarkt. Ein junges Mädchen, welches das Schneidern erlernen will, (AAtlhmorfoy können fich an einem Gesang-Verein be- theiligen. Meldungen Mittwoch 9 Uhr Abends im Lokal Mariannenstr. 19 bei K a t t n e r. 823 Daiei- 1 Wer-Garüenitai Ä4™6""""m" _ Friedrichsfelderstr 33, Hof 1 Tr. rechts. Damen- und Kinderkleider jeden Genres fettigt billig Elisabeth Schenk, Muskauerstr. 28, Hof, patt. 746 Montag, den 29. September er., bleibt unser Geschäft geschloffen. Jaeobi& Adam, Spandauerstraße 49. 'Freunbl. Schläfst, f. 2 Hm Oranienslr. 181, v. 4 T. r. 875 [860 Möbel-, Spiegel- und Polsterwaareu- Magazin eigener Fabrik von August Herold — Berlin SO, Skalitzerstraße 112,---- zwischen der Manteuffel- und Mariannenstraße. Empfiehlt sein reichhalttgeS Lager zu den solidesten Preisen bei prompter Bedienung. Ein- und Verkauf von alten Möbeln, auch wird jede im Tischlettach vorkommende Arbett vettettigt und ganze Wirthschaften werden aufpolitt. Die Depositen-Kasse und Wechselstube der IMionalbanlt flir Deutschland Berlin, Oranienstrasse 59, am Moritzplatz vergütet bis auf Weiteres für Baar-Einlagen, rückzahlbar a) ohne vorherige Kündigung ä1),* b) mit einmonatlicher Kündigung 3° c) mit dreimonatlicher Kündigung 31/ 848 Zinsen pro Jahr frei von allen Spesen, Auslandes. Auf Verlangen werden Reise-Cirkularkredite mit gleichzeitigen Einführungsschreiben an unsere auswärtigen Geschäftsfteunde auSgegeben- Verentwottlicher Redaeteur R. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Badtug in Bettin SW., Beuthstraße 2. Hierzu etue veNW Leilage M berliner Volksbktt. Nr. 147. Mittwoch, den 24. September 1884. 1. Jahrgang. U. W. Emerson und der Ao�ialism«». Von E. Schläger. Auch Neu- England hat seine literarische Sturm- und �rangperiode gehabt. Sie währte von etwa 1820 bis in die Mittender vierziger Jahre. Wenn dieselbe auch in der Haupt- lache den Stempel der geistigen Neuentwickelung an fich trägt, welche die Namen Goethe, Kant, Hegel, Carlyle für Europa be- deuten, so unterscheidet fie sich doch von ihrer deutschen Vor- Sängerin durch die Ausdehnung des Kampfes zwischen fieges- ßewmen Neuerern und dem erstarrten Bestehenden auf alle Gebiete v-sLebens. Es war, als ob ein Riß sich überall bildete. Kirche, Staat und Gesellschaft wurden in Frage gestellt, und in allen dreien erfolgten Spaltungen, denen die geistigen und sittlichen Ele- ntente im Norden eine Bereicherung und Vertiefung verdankten, ohne welche die Ueberwindung der großen Kriegs- und Prü- fungsjahre(1861—65) nicht möglich gewesen wäre. Von be« Wndcrem Interesse sind noch jetzt die Anfangs der vierziger vahre in West-Roxbury bei Boston sowie an anderen Orten bemachten Versuche sozialistischer Kolonien oder eines Zusam- menlebens auf sozialistischer Grundlage. Durch die aus dem Nachlaß Emerson's vor Kurzem veröffentlichten„geschicht- "chen Notizen über Leben und Literatur in Neu>England" wird uns die Auffassung und Beurthcilung einer Erscheinung wesentlich erleichtert, welche bei den Zeitgenossen zwar grobes Aufsehen erregte, ohne jedoch in ihren eigentlichen Ursachen und ihrer höheren Bedeutung begriffen zu wer- den. Als die 80 bis 00 Mitglieder zählcnoe Kolonie nach sechs- oder siebenjährigem Bestände finanziell in die Brüche ging, fehlte dem Schaden auch der Spott nicht. Nalhaniel Haw- thorne, der selbst eine Zeit lang den Segen der Vereinigung von Kopf- und Handarbeit auf der Brook-Garm über sich hatte ngehen lassen, überlieferte den Niederschlag seiner Erfahrungen w fernem Blithedaleroman in der Form larikirendcr Uebertrei« �lng. Emerson erklärt die Erzählung oder Dichtung für eines Schriftstellers vom Range Hawthorne's geradezu unwürdig und vre darin enthaltenen Wirklichkeitszüge find nur mit Mühe aus 'hrer lächerlichen Hülle herauszulösen. Auch Emerson, welcher nie einzelnen Stufen des Experimentes mit genauer Aufmerk- lamkeit beobachtete, giebt uns kein ins Einzelne gehendes Bild derselben. Er charatterifirt das Zusammensein der nach neuem i-cbenswein durstigen, meistens jungen Seelen als eine Art Ver« wrrklichung des anarchistischen Ideals. Es gab keine gebietende «utorität, kein tägliches Programm der von Jedem zu leisten- «en Arbeit. Es war ein Orchester ohne Dirigent, von dessen Mitgliedern man aus freien Stücken das Zusammenwirken zu Ichönem Zusammcnspicl erwarten zu können glaubte oder hoffte. -i-aß die Harmonie dieser Lebensvirtuosen dre erwähnte Anzahl von Jahren trotzdem anhielt, spricht für die Vortrefflichkeit ihres Materials. In der That befanden fich Männer darunter, welche nach ihrer Rückkehr in die schlechte alte Gesellschaft fich um die Hebung und Verbesserung derselben große Verdienste erwarben. So George W. Curtrß, der jetzige Redakteur der harper'schen Wochenschrift und Führer der Reformrepub- «kaner des Staates New-Nork, Charles Dana, lange Zeit a, J5" N.°N Tribüne und jetzt Herausgeber der täglichen N-/?).©im; Dwight, bekannt als der Gründer der ersten und besten Mustlzcilung in Boston, und Andere- Margaret Füller, vre englische Schriftstellerin und magnetische Konversationistin, Ichlug häufig und Monate lang ihren Wohnfitz unter den t wechselnden Gruppen der Brook-Farm auf, während Theodor orker, Emerson, Channing und andere Führer der kritischen turmkohorten durch regelmäßige Besuche ihr Interesse an der Entfaltung der neuen Lebenskunstblüthe bethätigten. Man er« sieht schon aus diesen Namen, daß wir es auf der Brook-Farm Mcht mit einem Sozialismus zu thun haben, welcher die Kur bis Massskiproletariats fich zum Ziele setzt, daß es fich überhaupt mcht in erster Linie um Abstellung materieller Noth für die Bethciligten handelte. Es war vielmehr eine geistige und seelische Noth, es war der Drang der Empörung gegen die unerträglich gewordene Routine und Lüge der Gesellschaft, die Sehnsucht nach einem reicheren, innigeren, auf Wahrheit beruhenden Verkehre, welche so bedeutende und zugleich so verschieden geartete Persön- Metten zu dem Unternehmen heranzog. Man hoffte eine neue Atlantis, eine neue Insel der Seligen zu erschaffen, und man Png mit einem Ernst an die Arbeit, welcher an die Zeiten Eromwell's erinnerte. Wenn die Puritaner des 17. Jahrhunderts den Staat nach ihrem religiös-politischen Ideale zum Staunen Ein Deserteur. _ Von der ersten Kompagnie eines österreichischen Grenadier- Regimentes ist die Meldung eingelaufen: der Grenadier Aalter, einer der bravsten Leute des Regiments, fehlt seit drei jfagen, und man oermuth t, er sei aus Heimweh desertirt. Oberst Sttengau wendete kopfschüttelnd das Blatt hin und ber;„Hm! hm! Dieses Donnershcimweh!... Daß doch oft gerade die besten, vorschriftsmäßigen Burschen solchen Narr- Hirten huldigen! Skandal! Als ob der Soldat eine andere Heimath haben könne und dürfe, als seine Fahne!" In diesem Augenblicke ttitt der Hauptmann der ersten Grenadier-Kom« vagnie ein und meldet, daß der Deserteur soeben eingebracht Zurde.„Herr Oberst," spricht der Hauptmann,«ich habe den Mann auf meine Verantwortung vorerst nicht ins Stockhaus. londern nur aufs Wachtzimmer setzen lassen." Der Alte mißt ven Hauptmann mit erstauntem, aber nicht unfreundlichem Blick vhd sagt;„So?... Hm! Und warum thaten Sic das? Mirr Oberst, ich dachte, es könne vielleicht in Ihrer Abficht uegen, diesen sonst so braven Grenadier vor dem Kriegsgericht nvd entehrender Strafe zu bewahren..."„Dachten Sie das? i.;• Hm! Wissen Sie, Herr Hauptmann, daß ich genau das« lelbe dachte und daß ich Ihnen dankbar bin i Lassen Sie mir «och diesen immensen Heimwehschädel sogleich vorführen... und zwar ohne Eisen." Wenige Minuten später steht der De- wtteur vor dem Obersten. Es ist ein frischer, treuherziger «°hn der Berge und blickt furchtlos in das große Auge des gewaltigen.„Hm. Du wolltest heim, wie?" fragte der Alte ?i.it strengem Blicke.„Ja, Herr Oberst;— es hat mich nimmer g litten!"„So?... Hm!.-. Und warum hat s M nimmer gelitten?"„Ach. Herr Oberst, zwei Jahre lang Hab tth's standhaft ertragen, Hab' ohne Straf ehrlich und treu jwlent, denveil mein Herz stch gesehnt hat nach meinen Ber- wie's Kind nach der Mutter! Und wann's Hermweh vinmen ist mit all' seinen Schmerzen, so Hab ich s tapfer Niedergekämpft und Hah' mich vertröst't auf den Tag der Be» Igiung. So ist's zum dritten Mal Frühjahr worden, und ich gb wieder Tag und Nacht an meine Berg' denken müssen, jetzt die Walder und Wiesen grün werden. wo die Vogel pngen und die Buben und Madeln jodeln...ach, Herr, da gb ,ch sein' andern Gedanken mehr gehabt, als meine Pci- >ath, und ich Hab' fort müssen, fort, und war s auch>n den �ad Sangen!" Schweigend und aufmerksam Hatte, der Alte � den athlethischen Burschen geblickt, der immer warmer und warmer geworden und nun mit glühenden Augen vor ihm 8 der Welt wirklich umgewandelt hatten, so wollten ihre amerika- nischen Nachkommen das neue innere Gesetz zur bestimmen- den Macht des äußeren Lebens erheben. Indem fie fich zu dem Ende aus der Gesellschaft in die Einsamkeit zurückzogen, fich ihr gegenüber ebenso gleichgiltig wie selbWändig verhielten, nahm ihre Vereinigung den Charakter einer poetisch-philosophi- sehen Verbindung von Lebenskünstlern an, für welche die sonst bei sozialistischen Systemen den Hauptpunkt bildende„Organi- sation der Arbeit" nur in zweiter oder dritter Linie in Betracht kam. Natürlich sollte Jeder mit auf dem Felde arbeiten unter der Leitung eines wirklichen Landwirthes, und die verschiedenen Zweige der Farmardeit wurden sogar aus Herren und Damen sorgfältig zusammengesetzten Ausschüssen zum Betriebe und zur Konttole anheimgegeben. Aber es stellte fich bald heraus, daß die blos theoretische Ueberzeuaung von der Nützlichkeit und Noth- wendigkeit, körperliche Thätigkeit mit der geistigen zu verbinden, bei den neuen Dilettanten der ersteren lein zuverläsfiges und stetig antreibendes Motiv abgab, und daß die Hauptarbeit im Felde schließlich Sache jener Wenigen blieb, bei welcher die langjährige Hebung daS, was man Gewiffenhastigkest nennt, zur Eigenschaft des Charakters gemacht Halle.„Die guten Leui., schreibt Emerson,„find ebenso schlecht wie die Taugenichtse, wenn man stetige Leistungen von ihnen verlangt; das Gewissen der Gewissenhaften hat nur wenig Silberblicke und viel taubes Gestein, und Leute, die in gewissen Beziehungen es sehr genau nehmen, üben in anderen eine sehr auffallende Nachficht." Nur wenn es fich um Frondircn des Bestehenden handelte, wäre diese Klasse zur Vergießung ihres Schweißes bereit.„Da ist," bemerkte Ripley gegen Theodor Parker,„Ihr ausgezeichneter Freund— er würde den ganzen Sonntag die Maisstauden be- hacken, wenn ich es zuließe, aber der ganze Staat Massachusetts könnte ihn am Montag nicht dazu bewegen." Es fehlte auch sonst nicht an komischen Zügen„in diesem Paradiese von Schäfern und Schäferinnen". In jedem Zimmer stand z. B. ein Ofen, in welchem Jeder soviel Holz verbrennen konnte, als er wollte, nur mußte er oder fie es selbst gesägt haben- Einmal hatten die Damen fich am Waschtage erkältet. Sofort wurde beschlossen, daß die Herren das Zeug auswringen und im Freien aufhängen sollten. Beim Tanz des Abends geschah es dann oft, daß den Herren eine Menge Wäscheklammern aus den Taschen fiel. In geistiger Hinficht waren die Ergebnisse bedeutender. Junge Männer und Mädchen, welche bis dahin nie einer feineren Ge- sellschast und höheren Konversation theilhaftig geworden waren, gruppirten fich andächtig um die natürlichen Sonnen einer Füller, eines Curtiß und Anderer. Die in der Kolonie errichtete Schule wurde auch von Außen stark beschickt, und in manchen Fällen gaben fich die Eltern der Kinder sammt diesen auf der Farm rn Penfton- Ueber die erziehende Wirkung des Zusammenlebens find die Stimmen der Mitglieder in späteren Jahren einig. Der stete Verkehr mußte schon an und für fich etwas Anziehen- des und Bildendes haben in einer Bevölkerung, in welcher nähere Bekanntschaften nicht leicht und Freundschaften noch schwieriger fich schließen. Es war eine hohe Schule des Charak- ters und namentlich ocs freien und doch respektvollen Umganges zwischen jungen Personen beiderlei Geschlechts. Die Kunst deS Briefschreibens wurde außerordentlich gepflegt. Nicht nur von Haus zu Haus, sondern von Zimmer zu Zimmer flogen be- ständig schriftliche Mittheilungen. Auspflüge in den nahen Wald, Maskeraden im Shakespeare'schen Genre, Tanz im Freien und zu Hause, und stets neue und anregende Besucher gaben dem Leben einen festlichen Anstrich und reiche Abwechs- lung.„Es war ein ewiger Piknik, eine französtsche Revolution im Kleinen, ein Zeitalter der Vernunft in einer Küchenpfanne." Im Jahre 1844(nach etwa dreijährigem Bestände) beschloß die Gesellschaft, stch nach Fourier's System einzurichten, welches der begabte Anhänger Albert Brisbane von New-Bark auch in Boston gepredigt hatte. Ein großes Gebäude zur Aufnahme eines Phanlansters wurde auch wirklich aufgeführt, brannte jedoch ab, ehe es bezogen werden konnte. 1845 wurden von fast allen Mitgliedern Swedenborg's Werke sehr eifrig studirt, ein weiterer Beweis, das tiefinner- liche Bedürfnisse, die Sehnsucht, in fich selbst einen neuen und festen Halt zu gewinnen, das Hauptziel und die Hauptsorge bildeten. Die Absonderung von der Welt wurzelte im Grunde in der Voraussetzung, daß man nur in der Freiheit von den Störungen des gemeinen Lebens fich selbst wiederfinden könne. Wenn man erfährt, daß die große Mehrzahl der Mitglieder zu Emerson's Freunden und Anhängern gehörten, erscheint steht.„So find diese Alpenjokel!" flüstert er dem neben- stehenden Hauptmanne zu.„Unerklärliche Beramenschen! Auf allen Schlachtfeldern schlagen fie sich wie die Teufel. und in der Kaserne... nichts als Heimweh, Unlust... Skandal!" und zu dem Missethäter gewandt, spricht er streng:„Hast Du auch bedacht, was es heißt, von der Fahne desertircn, he?" „Ach, Herr Oberst, in selbiger Stund' Hab' ich an gar nichts gedacht, als ans— Heimkommen!" entgegnete der Gefragte treuherzig.„Das ist's ja gerade, Du sakrischer Malefizkopf!" wettert der Alte, während ein heiterer Schein über sein Geficht zuckt;„wie kannst Du die Fahne verlassen, die zu ver- theidtgen Du geschworen hast?"„Ah, zum Vcrthei- digen wär' ich schon von selber wieder kommen. Das können S' mir gewiß glauben, Herr Oberst, ruft der Mann mit Eifer. Der Alte wendet fich kurz ab und spricht zum Hauptmann:„Ich will diesen Heimwehsduseler im Disziplinarwege bestrafen und zwar wegm eigenmäch- tiger Absentirung." Und mit einem Blicke, vor welchem der Hauptmann lächelnd zu Boden schaut, fährt er fort:„Ich halte den Mann für... untauglich zu Leibesstrafen... Sie nicht auch, wie?"„Sehr wohl, Herr Oberst," entgegnete der Gefragte mit einem vor Hetterkeit strahlenden Seitenblicke auf die wahrhaft herkulische Gestalt des Grenadiers.„Hm, schön!..- Wäre er tauglich, so bekäme er natürlich seine „Vierzig"; so aber mag er fünf Tage im Einsamen fitzen und darüber nachdenken, daß die wahre Heimath des Soldaten nicht zwischen mehr oder minder grünen Waldparzellen, sondern unter der schwarzgelben Fahne ist und das Reglement von Heimweh nichts weiß." Und ,u dem über solche Milde er- staunten Sünder spricht er:„Hast Du verstanden, Du närri- scher Ausreißer, he?"„Ja, Herr Oberst."„Und willst Du wieder davonlaufen? Wie?"„So lang ich solch nen Oberst Hab'— nimmer!"„Nun gut!... Kehrt Euch! Marsch!" * �* Ein Jahr später steht das Regiment im heißen Kampfe um Ponte Vechio di Magcnta. Soeben ist das Grenadier- Bataillon in unwiderstehlichem Anlaufe m den Ort einge- SÄff ÄitÄT»'SÄ-J» diere. Mit einem Male fliegt aus einem der nächsten Fenster er diese Verinnerlichung natürlich. Und ist nicht schließlich der Sozialismus bei seinem ersten Auftreten als Fourierismus und CabetismuS ein Seitenstück zu den Klöstern der ersten Jahr- hunderte, in welche fich diejenigen zurückzogen, welche den Kampf mit der Welt und dem Leben aufgaben, welche die Welt mrt dem Sauerteige ihrer besseren Qualität zu durchsäuern erfolglos geblieben waren? Der Sozialismus im Großen, in seiner weltgeschichtlichen Gestalt als Kampf der„Enterbten" um einen größeren Antheil an den von ihnen erzeugten Gü- tern, fällt bis dahin immer mit einer gewissen Erschlaffung des ganzen nationalen Körpers, mit einem Nachlasse der nationalen Triebkräfte zusammen. Dies bemerkt auch Emer- son von dem kleinen Versuch der-Brook-Farm. Er findet, daß die Kandidaten für derartige Gemeinschaften sich vor- zugsweise, wenn nicht ausschließlich, aus Leuten rekrutiren, welche die Probe der unabhängigen Existenz nicht bestanden, oder das Ziel ihres Ehrgeizes nicht erreicht haben. Es sind die Schiffbrüchigen, welche im Sozialismus den rettenden Hafen zu finden glauben. Während Sn-.trs«-, N, d«m System Fouriers zu Grunde liegende Hoffnung und Forr,�»..«-ine« menschenwürdigen Daseins für Alle lobt und billigt, kann er in dem Mechanismus, durch welchen das körperliche und geistige Wohlsein gleichsam von Außen her der Menschheit octroyirt werden soll, das rechte Mittel dazu nicht entdecken. Er findet, daß Fourier nur eine Thatsache außer Acht ge- lassen habe, aber die hauptsächliche und entscheidende, nämlich das Leben selbst. Das Leben des Einzelnen, die Individualität, ist kein in jede beliebige Form zu gießendes Ding, sondern fie trägt das Gesetz ihrer Entwicklung in fich. Die Reform der Gesellschaft muß beim Einzelnen anfangen.„Jede Reform war einmal eine Privatmeinung(Meinung eines Einzelnen); und wieder zu einer Prioatmeinung(d. h. in allen Einzelnen) ge- worden, wird fie das Problem des Zeitalters lösen." Es ist kein Zusammenwirken, keine Harmonie in Zweien möglich, wenn in dem Einen selbst keine Harmonie herrscht, wenn das Individuum nicht individuell, sondem zwiespältig ist, wenn seine Gedanken nach einer Richtung gehen, und seine Hand- lungen nach einer anderen. Emerson erklärt stch gegen die Tendenz, Alles und Alle auf ein und dasselbe Niveau herabzudrücken.„Löffel und Ge- schirr kann man ineinander stecken, so daß keins vom anderen zu unterscheiden ist, aber Vasen und Statuen verlangen jede ein besonderes Fußgestell für fich." Der Individualismus bildet das Wesen des Menschen; ihn unterdrücken, hieße die allein werthvolle Entwicklung des Einzelnen erschweren, wenn nicht ganz verhindern. Der Anglosachse, zumal mit seinem Ideal und seiner Gewohnheit der Abgeschlossenheit des heimi- schen Herdes, erträgt keinen Augenblick die Vorstellung eines Gemeinschaftlebens, in welchem die Heiligkeit und Gchcimheit der Familie unmöglich wäre, in dessen Kasernen die unend« lichen Korridore ebenso viele Klatsch- und Beobachtungskanäle abgeben würden. Der neuere wissenschaftliche Sozialismus hat denn auch die Unzerstörbarkeit des Individualismus in- soweit wenigstens wieder anerkannt, daß er die Gestaltung des Einzellebens dem Einzelnen überläßt und fich auf die Forde- rung der Benutzung der Arbeitsinstrumente, der Maschinen, des Grund und Bodens im allgemeinen Interesse beschränkt. Während somit die Frage: Wie können für Alle die Mittel zum menschenwürdigen Dasein beschafft werden? in Europa in die erste Linie getreten ist, erscheint die andere und zuletzt weit wichtigere und schwierigere über den Zweck und Inhalt des Lebens selbst zurückgedrängt. Der Satz: Wir essen, um zu leben, läuft Gefahr, in das sonst stets verneinte Gegentheil verkehrt zu werden, und das Essen, das Genießen das Hauptziel, der Hauptinhalt des Daseins, alles Ringens und Arbeitens sein zu sollen. Dieser Richtung, das Leben zu mechanistren, den Einzelnen nur als Glied und Theil einer unterschiedslosen Masse zu be- trachten, setzt Emerson die ewigen Rechte des Einzelnen, des Individualismus entgegen. Und zwar eines Individualismus, welcher sein Ziel nicht in der Arbeit für sich allein erblickt, sondern in der thätigen Förderung der Gemeinschaft.„Das Glück des Einen kann nicht bestehen mit oder bei dem Elend des Anderen. Niemand ist vollendet, so lange noch Jemand unvollendet ist. Das Wohl des Einen ist nicht vorhanden, so lange noch das Weh irgend eines Anderen besteht." Aber der Versuch der Brook-Farm ist schließlich nicht ohne Nutzen. Wenn man die soziale Frage auch deflniren kann als die Büste des Grenadiers Walter, der seinem Opfer noch einen schallenden Jodler nachsendet und dann im Innern des Gebäudes verschwindet-„Donner," murmelt der Alte,„diesen elementaren Kraftmaicr sollt ich ja kennen!" Und mit mitleidigem Blicke auf den tobten Franzosen fuhr er fort:„Armer Teufel, wie konntest Du auch mit diesem un- geheuren Alpenseppcl raufen wollen!"--- Es ist Abend- Das Regiment hat den Befehl erhalten, Ponte Vechio de Ma- genta zu räumen, und weicht langsam zurück, gefolgt von dem übermächtig nachdrängenden Feinde. Der Alte ist überall; sein donnernder Zuruf elektrifirt die todtmüden Kämpfer, und wie heftig die Truppen des Gegners auch nachstürmen, fie prallen immer wieder zurück vor den streitfertigen Kolben und Bajonetten. Auf Büchsenschußweite hinter dem Ort nimmt das Regiment wieder Stellung und weist den letzten Angriff des Feindes blutig zurück. Bei dieser Gelegenheit geräth die Fahne des Grenadier-Bataillons in die äußerste Gefahr. Ein Haufe Franzosen hat den Fahnenführer umringt; schon sinkt er blutend zu Boden und mehrere Feinde bemühen fich, dem starken Manne die Fahne aus den krampfhaft geschlossenen Händen zu reißen. Da springt, einem Rasenden gleich, ein Grenadier mitten hinein, ihm nach acht oder zehn Kameraden, und es entspinnt fich nun ein furchtbarer Kampf um die hin und her gezerrte Fahne, welche die blutigen Hände des ster- benden Führers noch immer umfaßt halten. Den zerschmettern- den Kolbenschlägen der baumstarken Grenadiere vermögen die Franzosen nicht lange zu widerstehen. Bald find mehrere er- schlagen, andere verwundet und wild fluchend reißen die Uebri- gen aus. Neben dem todten Fahnenführer aber lehnt, halb ohnmächtig, blutend aus mehreren Wunden, der Grenadier Walter und hält mit der einen Hand die gerettete Fahne, mit der anderen den Hals eines todten Franzosen umklammert. So findet ihn der heransprengende Oberst.„Herr Oberlieute- nant," mft dieser seinem Adjutanten zu,„notiren Sie mir. WM im Kunst der Menschen, mit einander fertig zu werden, im Um- aange mit einander wohl zu fahren, so ist fie durch den jähre- langen Verkehr der Lösung insoweit näher gebracht worden, als die Gebildeten, die Kopfarbeiter, die Leistungen der Handarbeiter in ihrer Nothwendigkeit und ihrem Werth« für Jeden klarer erkennen lernte«, während anderer- seits die Ungebildeten begierig an dein höheren geistigen Element theilnahmen und sich zu ihm erhoben, das ihnen zum ersten Mal auf dem Teller der Gleichberechtigung gereicht wurde.(Welche Lehre könnten daraus nicht unsere Herrschaften ziehen, die fortwährend über die Dienstboten als ihre„bezahl- ten Feinde" klagen, während die letzteren doch thatsächlich eine weit größere Geduld und Fähigkeit beweisen, mit ihrer Herr- schaft„fertig zu werden", als umgekehrt!) Die Energie, welche die Sturm- und Drangperiode und ihre Brook-Farm-Schöpfung bezeichnet, ging daher so wenig verloren, wie irgend welche Aeußerung wirklicher Kraft. Der scheinbare Fehlschlag war schließlich kein wirklicher. In dem Ansturm zum Höchsten hatte der Charakter eine Stärke, die Fähigkeit eine Ausbildung er- halten, welche wie eine Aufspeicherung elektrischer Kraft nach Jahren noch hinreichte, um auf die Welt reformatorisch zu wirken. Die Zeiten des bewegten Sturmgeniethums endigen mit der Erhöhung des Durchschnittsnivev'is für Alle. Sie find für die betreffende Generation, was die Erhebungen der Gebirgszüge für die Erdoberfläche, und ebenso nothwcndig und sicher wie diese.,(Die Gegenwart!) A o k a l e s. n. In der nordischen Abthetlung der Königlichen Museen ist gegenwältig der Besitz der Sammlung an Ge- fichtsurnen übersichtlich zusammengestellt. Es sind nicht weniger als einioe zn«»..-,!* Lutm dreier leuentu uuv kostbaren Gefäße, inen Hals mit einem Gesicht verziert, während die Oessiumg durch einen mützenartigen, oft reich verzierten Deckel geschlossen wird. Der Verbreitungsbezirl dieser hochinteressanten vorge- schichtlichen, ungefähr aus der Zeit um Christi Geburt stammen- den Fundstücke in Deutschland ist kein sehr großer; die meisten kommen im sogenannten Pommerellen in der Gegend von Danzig vor, ferner find einige im Posen'schen gefunden worden, dann in Schlefien. Von da zieht sich das Fundgebiet bis nach Un» garn hinein. Die Gefichtsurnen weisen im Allgemeinen eine große Aehnlichkeit mit denen aus der Troas auf, die Doktor Schliemann„Eulenvasen" nennt. Nahe unterhalb des Gefäß- randes ist in roher Arbeit die Nase dargestellt, neben dieser die Augen, weiter auswärts die Ohren, die gewöhnlich mehrfach durchbohrt find. In diesen Durchbohrungen hängen oft noch Bronzeohrringe, zum Thelle mit blauen Glasperlen geziert, seltener mit Bernsteinverlen. Der Mund kommt an diesen Ge- säßen selten zur Darstellung, eine Eigenschaft, die fie mit dm „Culenvasen" gemein haben. Besonders interessant sind die an den Gefichtsurnen angebrachten Verzierungen. Die meisten zeigen am Halse die Zeichnung von je zwei Nadeln, deren Originale in den Brandleichenresten der Urne gewöhnlich vorgefunden werden. Doch auch andere Darstellungen finden sich, die ver- muthlich aber das Leben desjenigen, dessen Reste in dem Ge- säß nach der Verbrennung beigesetzt find, Aufschluß geben sollen i so zeigt eine Urne von Elsenau, Kreis Schlochau, emm Wagen mit zwei Pferden; eine aus dem Kreise Czarnikau neben den beiden Nadeln in einfacher Strichzeichnung einen Arm, deffm Hand zwei Speere hält; zwei von Klein-Katz bei Danzig stam- mmde Urnen außer den Nadeln, Arm und zwei Speeren auch noch je einen Hund, was wahrscheinlich anzeigm soll, daß sie die Reste eifriger Nimrods bergen. Abweichend von diesem so- genannten pommerellischen Typus ist ein Gefäß aus Frestede im Lande Ditmarschen; hier vertritt der Henkel des Gefäßes die Nase, so daß die Augen, vertiefte Kreise, zu seinen beiden Seiten zur Darstellung kommen. Es ist eine in der Berliner Bühnenwelt bekannte Thassache» daß ein Stück mit der 50. Aufführung erst Zugkraft erlangt. Das bewahrheitet fich mit der im Zentral- Theater heut zum 55. Male zur Darstellung gelangenden Ge- sangspoffe„Jäger-Liebchen", denn seit der 50. Aufführung ist das Theater nicht nur, wie bisher an den Sonntagen ausver« kauft, sondern auch an den Wochentagm bis auf den letztm Platz besetzt. Zu diesem Erfolge verhelfen allerdings in erster Reihe die fleißigen Mitglieder des Zentral-Theaters, welche dem Beispiele ihres Direktors folgend, täglich mit derselben Lebhaftigkeit, wie am ersten Tage ihre Rolle ausführen und dadurch das Publikum zu wieoerholten BeifallSbezeugungm oeranlaffm. g. Einem ebenso unerwarteten als bisher noch nicht behandelten Patienten leistete die i. Berliner Sanitätswache in der Nacht vom 21. zum 22. d. M. die nachgesuchte ärztliche Hilfe. Der Patient war ein Pferd der Droschke U. Klasse Nr. 4818, welches bei einer Karambolage an der Ecke der König- und Burgstraße mit dem Kopf in die Fensterscheibe einer anderen Droschke stieß und fich hierbei eine Verletzung oberhalb der Nase zufügte, welche eine starke Blutung zur Folge hatte. Kurz entschlossen, begab fich der Kutscher mit seinem Pferde nach der gedachten Sanitätswache in der Brüder- straße, woselbst dem Pferde ein Verband angelegt, und die Ueberführung desselben nach der Thierarztnerschule veranlaßt wurde. Eine starke Blutspur vom Ort der Karambolage bis zur Sanitätswachc bezeichnete den Weg, welchen das verletzte Pferd genommen hatte. g Ueberfahren. Ein ca. 2 Jahre alter Knabe wurde gestern Nachmittag in der Poststraßc von einer Droschke 1 Klaffe überfahren und am Kovfe anscheinend nicht erheblich verletzt. Das Kind war, wie Augenzeugen behaupten, direkt auf das Fuhrwerk zuaelaufen, so daß ein Ueberfahren ganz unvermeidlich war. Nachdem man das Kind in den Flur des Hauses Poststraße 12 getragen und einen Arzt herbeigerufen dalte, wurde es durch einen Schutzmann nach dem Polizei- Bureau in der Klosterstraße gebracht, da die Eltern des Kindes nicht sofort ermittelt werden konnten. N. Ueberfahren von einem Omnibus der Linie Chauffe- straße-Hallesches Thor wurde heute Morgen um V,9 Uhr an der Ecke der Friedlich- und Kronenstraße das Pferd der Droschke 4126, welches dort zu Fall gekommen war. Dem Pferd- wurde das Bein vollständig zertrümmert, und mußte mittels Achse nach der Abdeckerei gefchafft werden. Die Klagen des armen Droschkenkutsches flößten jedem Zuschauer Mrllerd ein. Wer die Schuld an diesem Unglück ttagt, wäre noch fest- zustellen e{]|e roHlni|.te Schwindlerin wird von.der Neuen Königstraße, nannte fich Christiane Max und wünschte eine Schlafstelle zu miethen. Da die P. erklärte, an weibliche Personen nicht vermiethm zu wollen, fing die Fremde zu jammern an und erzählte, daß fie soeben erst aus dem katho- tischen Krankenhause entlassen worden und noch schwach sei und weder Wohnung noch Geld habe. Geld im Betrage von >50 M. erwarte fie zwar von ihren Auswärts wohnenden An- S$toflen, aber fie müsse erst an diese schreiben. Frau P. ttihlte Mrtlerd mit dem Mädchen, gab ihm für eine Nacht Obdach und am nächsten Morgen Papier und eine Briefmarke zur Adsendung des Briefes an die angeblichen Angehörigen. Dre angcblrche Max schrieb nun an eine in einem Dorf bei Wrietzen a. D- wohnende Person und bat um Zusendung ihres Geldes, sowie um Sendung von Eiern. Butter. Backobst. Kuchen. Wem. Hühner und einem schwarzseidenen«leide, lieh sich dann von der P. 1,50 M. baares Geld unter dem Vor- geben, nach Eberswalde zu Verwandten fahren zu wollen, um von ihnen Lebensmittel zu holen, wozu fie fich von der P. noch ein weißes Tuch, einen Korb, einen Beutel zum Mehl und ein Paar Strümpfe geben und entfernte fich sodann ohne wiederzukehren. Dieielde Betrügerei hatte die Schwindlerin einen Tag vorher bei einer in der Weinstraße wohnenden Wittwe W. ausgeführt. Die Schwindlerin ist von mittlerer Statur, hat schwarze Haare, braune Augen und ttägt ein schwarzes Kleid mit weißer Rische um Aermel und Hals, einen schwarzen Strohhut mit schwarzen Blumen garnirt und einen schwarzen Umhang mit Perlenbesatz. g. Den Hamburgischen und Braunschwetgischen Lot- terie-Kolletteuren muß man das Lob nachrühmen, daß fie die geeigneten Mittel zu finden wissen, um fich für ihre Loose ein Absatzgebiet zu schaffen. Einige Kollefteure find neuerdings auf den glücklichen Einfall gekommen, die Geburtstage von Beamten, was nicht allzuschwierig ist, in Erfahrung zu bringen und dieselben an ihrem Geburtstage zu überraschen. In sehr vielen Fällen erreichen die Kollefteure ihren Zweck, die Adres- säten erblicken in der Zusendung des Looses an ihrem Geburts- tage eine günstige Vorbedeutung und behalten das Loos. a. Klinkcnoicbe. Eine Klasse von Dieben hat fich in letzter Zeit auf einen zwar nicht neuen, aber seit einiger Zeit weniger bettiebenen Erwerbszweig gelegt, indem fie den mesfing- nm Hausthürklinken ihre Aufmerksamkeit zugewendet haben. Zahlreiche Anzeigen über Hausthürklinken-Diebstähle find in den letzten Tagen der Kriminalpolizei zugegangm. So wur- den am Abmd des 20. d. Mts. die Thürklinken des Hauses Zimmersttaße 54, welches der Lebensverficherungsgesellschaft „Cosmos" gehört, die innern und äußem, gestohlen. Beide Klinkm waren nur durch einen dünnen Drahtstift verbunden, der fich leicht herausziehen ließ. Die Diebe konnten daher ohne Aufmerksamkeit zu erregen, mit Leichtigkeit die Kliüken aus dem Schloß herausnehmen. Jedenfalls würden derartige Diebstähle wesentlich vermindert werden, wenn die Klinken besser an den Thürm befestigt würdm. GeriMs-Leitung. Aeichsaertchts-Entscheidung. Die Gewohnheits- oder Gewcrbsmäßigkeit des Betriebes von Darlehnsgeschäften an fich ist nach einem UrtheU des Reichsgerichts Hl. Strafs., vom 30. Juni 1884 nicht verwertbbar für den Schluß auf gewohn- heits- oder gewerbsmäßigen Bettieb von Wuchergeschästen; es kann demnach nicht zur Feststellung des gewohnoeits- oder ge- werbsmäßigm Wuchers, welcher aus§ 362 des Wuchergesetzes vom 24 Mai 1880 mit Gefängniß nicht unter 3 Monatm und mit Geldsttafe zu bestrafen ist, auf Handlungen des Be- schuldigten Bezug genommen werden, welche den Hang des- selben zu Darlehnsgeschäften ergedm, ohne daß sich bei ihnm ein Hang zu wucherischm Ausbeutungen von Darlehnsnehmern klarlegen läßt.— Ein Geldmann, gegen welchen wegen Ver- letzung des Wuchergesetzes ein Strafverfahren eingeleitet worden war, wurde wegen gewohnheits- und gewerbsmäßig betriebenen Wuchers von der Strafkammer vemrtheilt, weil eine Reihe theils vor dem Jnlrastttetm des Wuchergesetzes theils nachher von ihm gemachter Geldgeschäste seinen Hang zu wucherischen Ausbeutungen ergeben. Die vom Angeklagten dagegen einge- legte Revifion machte unter Anderem geltend, daß die zur Fest- stellung der Gewohnheits- und Gewervsmäßigkeit des Wuchers von der Sttaskammer in Bezug genommenen Geldgeschäfte, die nach dem Inkrafttreten des Wuchergesetzes von ihm gemacht worden, gar keine wucherischen im Sinne dieses Gesetzes waren und somit zur Feststellung des Begriffs der Gewerbs- und Gewohnheitsmäßigkeit nicht hätten benutzt werden dürfen. Das Reichsgericht schloß fich dieser Anficht an und hob das Urtheil der Strafkammer auf- London(Der Gipfel der Loyalität.� Der Gutsbesitzer Henri Pooprich ward am 29. v. M- zu drei Monaten Arrest verurtheilt, weil er gelegentlich der Anwesenheit der Königin von England in Osborne seine sämmtlichen Kühe, Schafe und Lämmer mit pattiotischen Farben bemalt hatte. Die Thiere leckten die Farbe ab und verendeten in Folge dessen massenhaft. Die Verurthcilung erfolgte auf Veranlassung des Thierschutz- Vereins._ Vermisektes. Neuer Mord in Hamburg. Kaum haben sich die Ge- müther der Bevölkerung nach den letzten schweren Ver« brechen, welche in Hamburg und Umgegend vorgekom- men, in etwas beruhigt, da durchlief gestern Abend zu später Stunde wieder das Gerücht von einem Morde die Stadt und leider hat fich dasselbe in seinem vollen Umfange bestä- tigt. Der Thatbestand ist folgender: In der Repsoldstraße Nr. 104 wohnt seit ca. 2 Jahren die Ehefrau deS Tischlers Heinrich Gottlieb Voß von ihrem Ehemanne getrennt. Letz- terer soll schon wiederholt in Wirthschaftm erklart haben, er werde seiner Frau einmal einen gehörigen„Denkzettel" aeben. Muthmaßlich ist denn auch wohl Voß am gestrigen Abend gegen ein halb 12 Uhr zu dem Zwecke nach der Repsoldstraße gegangen, seine Drohung auszuführen. Statt seiner Ehefrau ttaf er indeß den Vizehauswirth Heimford dort an, mit dem er sogleich in einen Wortwechsel gerieth. Auf Befragen des Heimsord, waS er dort wolle, erklärte Voß, sein altes Firmen- schlld, welches noch an der Thür fitze, ablösen zu wollen. Heim- ford entgegnete ihm, dann möge er bei Tage kommen. Als nun Voß dennoch fich anschickte, das Schild loszumachen, wollte Heimford ihn davon zurückhalten- Darob gerieth Voß in eine unbändige Wuth, zog ein großes Messer aus der Tasche und versetzte dem Heimford einen Stich, welcher die Brusthöhle durchdrang und eine innere Verblutung herbeiführte. Heimford war auf der Stelle eine Leiche. Letztere verblreb, nachdem fie von dem Polizeiarzt besichtigt morden, in der Wohnung. Voß wurde verhaftet, verselbe gestand die Tbat sosott ein, will aber von Heimford, auf den er auch eifersüchtig war, auf das Aeußerste gereizt worden sein. Die Untersuchung wird das Weitere zu ergeben haben. Ein Stiergefecht. Aus Haugsdorf wird uns geschrieben: Ein zirka fünfjähriger Knabe, Sohn eines Wirthschastsdefitzers von Auggenthal, schlug kürzlich den Gemcindestier mehrmals mit der Peitsche über den Kopf; der Stier ließ fich diese Spaße längere Zeit gefallen. Als aber ein Schlag über die Augen des Thieres gar zu empfindlich ausgefallen sein mochte, rannte das wildgewordene Thier den übermüthigen Knaben an und stieß ihm eines seiner Hörner in den Mund. Selbstverständlich war das Kind rettungslos verloren. Elektrische Menschen. Aus wissenschaftlichen Kreisen schreibt man dem„B. B. C.": Ein„elektrisches Mädchen" soll nach einer von den Blättern reproduzitten Notiz in Paris ge- funden sein. Sie theile, so hieß es in dem Bericht, so ener« gische Schläge aus, daß fie Tische und Stühle, die ihr nahe gebracht werden, wegschleudert. Für die Thatsächlichkeiten der Erscheinungen werden Arago, Cholet, Meunier als Bürgen angeführt. So wie die Notiz lautet, ist an der Geschichte das Wesentliche mindestens— Uebertteibung. Es hat allerdings nicht an Beispielen gefehlt, daß Menschen im Stande waren, eleftrische Funken an ihrem eigenen Körper zu erzeugen. So wird von einem Michael Puschkin aus dem Jahre 1775 be- richtet, der elektrisch war und dessen Frau ihre Freundinnen dadurch in Schrecken setzte, daß beim Küssen eleftrische Funken von ihren Lippen übersprangen. Aus dem Jahre 1837 existirt eine berühmte Mittherlung, wonach in Orsford(New' Hampshire) eine Dame das Vermögen gehabt habe, fast fortwährend Funken von 1'/, Zoll Länge(!) zu pro- duziren. Jetzt ist in Amerika das Vorkommen von elettrischen Menschen nichts Ungewöhnlrches. Auch bei unS find solche Exemplare keineswegs selten. Brücke erzählt von zwei Knaben, welche beim Uederziehen des HemdeS aus ihren Kopshaaren eine kleine Feuergarbe hervorzurufen vermochten, wobei die l sträubten. Wir selbst kennen mehr- VMIV O'~ Haare knisterten und fich fache Beispiele, wo Damen beim Kämmen der Haare Aehnliißä bei fich oft beobachteten. Je mehr übrigens die Gummikäm« diejenigen aus Horn verdrängen, um so häufiger wird jeti« Phänomen bemerkt. In allen diesen Erscheinungen lim aber gar nichts Neues oder gar Uebernatürliches. Es ist einfach Reibungselektrizität, die fich da entwickelt. Gumnn und Haare find Nichtleiter und die Reibung zweier sola!» erzeugt Elektrizität. Je trockener die geriebenen Gcfleiv stände und die umgebende Luft ist, desto chergelingt der V«' such. In Amerika ist es der überaus trockene Westwind, welch« die Häufigkeit der erwähnten eleftrischen Vorgänge begünstigt! dazu kommt noch, daß oft die Reibung, welche zwischen o«i Schuhsohlen und einem Teppich aus Wollsammet stattfindet, als direkter und sehr günstiger Elektrizitätserzeuger fungut. Der Teppich bietet denn auch noch einen vortrefflichen Isolator, welcher durch Verhinderung der leitenden Verbindung mit d« Erde die Aufspeicherung der Elektrizität in dem betreffenden Menschen begünstigt- Auch die Reibung zwischen der trockenen Epidermis und einem seidenen Gewände— Seide ist ein gut« Isolator— ruft oft Elektrizität hervor. Daß die Haare beun Kämmen mit einem Gummikamm fich sträuben, rührt von d« Segenseitigen Abstoßung her, welche gleichfinnig geladene eleltw he Körper stets erfahren. Daß alle die erwähnten Erscheinungen durch Anwendung eines gläsernen Jsolirschemels gesieigen werden, versteht fich, und die gegentheilige Angabe der Ein- gangs erwähnten Notiz beruht ebenfalls nur auf mangelhaft« Information.. Fatal. Erste Dame:„Nun, kann dein Papagei jetzt end lich sprechen?"— Zweite Dame:„Ja, aber wie fatal, ud lehtte ihm den Namen meines Verlobten, Albert, und jetzt, va er's kann, ist die Verlobung zurückgegangen, und mein neu« Bräutigam heißt Robett." Die Propaganda für das Hosentragen der Fraoe». Man schreibt aus Montreal: Vor einigen Tagen ist eme Vorkämpferin des Hosentragens der Frauen, Mrs. E. M. Ehrensekretärin der„Gesellschaft für vernünftige Bekleidung in London, auf einer Bekehrunasreise begriffen, hier angekonu men. Diese Dame, welche jetzt im reifen Alter von 52 Jahren steht, auch Mutter mehrerer Kinder ist, Hai die Abstcht, ganz Kanada und die Vereinigten Staaten im Interesse chr« Kleider- Reformideen zu bereisen. Sie selbst trägt Beinkleid« aus dem nämlichen Stoffe wie derjenige des über dieselben herunterhängenden Rockes. Unterröcke erftärt fie für Hindn- nisse der freien Bewegung und kräfttgen Entwicklung. Früh« wirkte Mrs. King mit Lady Haberton zusammen, aber fi' trennte fich von ihr, weil die Lady zu zimperlich war und nur von den„Gliedern" sprechen wollte, wo Mrs. King«« fach„Beine" sagt; auch konnte sich Lady tzaberton nicht em- schließen, das Wort„Hosen" für die neue Bekleidung des Frauenpedals zu gebrauchen, sondern wollte dafür den Au� druck„der getheilte Unterrock" setzen. So trennten sich denn vu beiden Reformpredigerinnen, und Mrs. King, nicht mehr gehitwt» durch die zartenBedenken ihrer Kollegin, spricht die kühneErwartung aus, daß die Frauen der nächsten Generation nur Röcke bw ans Knie tragen und so das Hosenttagen sehr erkennbar machen werden, wenn bis dotthin das Auge fich allmälig an die weibliche Hosentracht werde gewöhnt haben. Bei richtig« Gestaltung derselben könne nicht nur die Gesundheit und quemlichkert, sondern auch die Schönhett der Damen dura) diese Tracht nur gewinnen. Während der Ueberfahrt von England her hielt Mrs. King den Damen auf dem Schuft Votträge über das Hosenkostüm und zeigte fich ihnen in einem solchen, gesteht aber, daß dies mehr Entsetzen als Beifall b« den ZuHörerinnen und Zuschaucttnnen hervorgerufen haoe- Schon befitzt die Dame übrigens Anhängettnnen und Korrr- spondentinnen in den Vereinigten Staaten, welche noch vieim Herbst in San Francisco eine Kleiderausftellung vcranstatl«' und dabei die Hosentracht ausstellen wollen. Eine ähnn«- Ausstellung in London soll 10 000 Besucher und Besucherinnen angezogen haben. Dabei bleibt der Hosenverein aber m®, stehen; er will auch die Beinkleider des männlichen Geschlecht' in einer den Anforderungen deS Schönheitsgefühls mehr eni sprechenden Weise gestattet wissen. Mit einem Worie,»« „Hosenteufel", gegen welchen vor 400 Jahren von so vieim Kanzeln herab gepredigt wurde, soll wieder aufs Korn W nommen und ästhetisch überwunden werden., n Aus der Töchterschule. Lehrettn:„Wir kommen M zu der Lebensweise des Storches. Adele, was genießt or» Storch?"— Adele:„Der Storch genießt die Achtung o« Menschen-"# Ungarische Polizei. In Pest wurde dieser Tag««? geachteteter Bürger, Juwelier Sigmund Boskovics, unter vew gänzlich unbegründeten Verdacht der Hehlerei verhaftet, na» Arad transpottitt und erst dort wieder freigelassen. Jnteressan ist es, schreiben nun Pester Blätter, wie roh und unmenf»1'® die hiesige Polizeibehörde mit Boskowics, einem bestbeleuwun' Veten und in der Geschäftswelt geachteten Budapester Bürg� bei dessen Verhaftung und später zu verfahren wagte. B. wur hier— wie bekannt— vorgestern zur Polizei vorgeladen) o» theilte man ihm mit, daß er vei haftet sei und ließ ihn dann»n o Trabanten-Kaserne schaffen, da aber wurde er in eine««% zelle geworfen, wo er weder stehen noch fitzen konnte; ott-z Zellcnthür wurde ein Posten gestellt, der ihn fortwahr«® beobachtete. B. bat, man möge wenigstens seine Frau 9 feinem Verbleid verständigen, welches Verlangen jedoch avfi. schlagen wurde. Abends wurde er dann zur Bahn gesro! und nach Arad eSkortirt. Herr Boskowics, gegen den man 9 einen bloßen— und wie es fich herausstellt— unbegrünv« Verdacht hin ein so unverantwortliches Vorgehen befolgt ya' erstattete, um fich gesetzliche Satisfaktion zu verschaffen, die betreffenden Organe der Budapester Polizeibehörde Disziplinar-Anzeige. cht —.------ nhii#® verspürt, wo einige Schulkinder vor Schreck m Ov fielen, sowie in Toledo, Ohio und henachbatten Stad>�hen Stöße dauerten 15 Sekunden. In einigen Fällen 0 v« Gebäude ins Schwanken, und die Möbel wurden. ßtt' Stelle gerückt. Die Erschütterung wurde auch chl deren Punkten in Jndia, Ohio, Michigan, Iowa, Onl ge in einigen Theilen von Kentucky wahrgenommen: aUh®(rlbar_; in Detroit, Cincinnati und in Fortwayne, Jndia, zu Beschädigungen sind dadurch nicht verursacht woroe Cincinnati und Fottwayne war der Erdstoß nur seh Gemeinnütziges.,„ � Zer Essig. t im Wesentlichen eine wässerige gewisse Nahrung 0ö Essigsäure, dient blas Verantwortlicher Redakteur R.«ronheim in Berlin. Druck«nd Verlag von Max«adtng in Berlin LW. Beuchstraße 2. v.v Nur'der'Käsestöff d7r hülfenstüchtt ÄÄ) �As- löslich und eö ist daher unzweckmäßig, fotöf1'«iat f«� Erbsen, Linsen u. s. w. zuzusetzen. Der Essig begüns � die Verwandlung des Stärkemehls in Zucker, bcson gab gleichzeitig noch Fett zugemischt wird(wie z- B mit Essig und Oel). Wird Essig sehr oft und««»,* Mengen genoffen, so stött er die Verdauung und durch Blutarmuth und Bleichsucht. Es ist deshalb. fährliche Eitelkeit, ein rothes, für zu blühend gch»»«� durch Effiggenuß blaß und interessant machen»u w