Dir. 152. Dienstag 30. September 1884. I. Jahrg. ÜcMnVMlM Lrgan für die Interessen der Ardeiter. 4 . Dal„Berliner BnlkSblntt" täglich Morgen« mch«»ach Sonn-«nd Festtage». Ubo»neme»t«prei« für Berli» &*** Hau« vierteljährlich 3 Marl, monatlich 1 Mark,»öchentlich 25 Pf. Einzelne Wn,0Rtr* i Pf- Postabonnemeut pro Quartal 3 Mark.(Eingetrage» im VEL Nachpro Quartal 3 Mark.(Eingetragen trage der Postzeitunglpreiolifi« unter Rr. 719a.) Z»sertionSgebühr beträgt für die«gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeit«markt 10 Pf. Bei größeren Zlufträge« hoher Rabatt«ach Uebereinkunft. Inserate werden bi« 4 Übt Nachmittag« in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annonce«» Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise», angenommen. NeöcrKtion und KXpeöitton Werttn SW., Iimmerstraße 44. Mitbürger! Arbeiter! Handwerker! Die Wahlen zum deutschen Reichstag sind nunmehr ausgeschrieben, am 28. Oktober hat to/it' �e. über sein Wohl und Wehe zu beschließen haben. Von dem Aussall der Wahlen hängt es ab, das deutsche Volk das Recht, aus seiner Mitte Männer zu ob in unserem Vaterlande in Zukunft bessere Zustände Platz Afpic.'• 0 VV[ V»...» VVV yv+ny* vw***»vf VVVMV«I« �)UVUIl|V Vt((t-VV- �)U|IUJVV� x-ptug »"sen werden oder nicht. Jeder Wähler hat aber nicht nur das Recht, nein auch die heiligste Pflicht, am Tage der Wahl seine Stimme nach seiner freien Ueberzeugung . zugeben. Kein Wähler darf an diesem Tage fehlen, wer es versäumt, seine Stimme abzugeben, der schadet nicht nur sich selbst, sondern er schadet auch seinen Mit- . rgern. Da aber nur Dienigen ihr Wahlrecht ausüben können, welche in die Wählerlisten eingetragen sind, so ist es vor allen Dingen nothwendig, daß I e d e r sich -°r,eugt, ob auch sein Name in der Liste steht, ob Vor- und Zuname, sowie der Geburtstag und Geburtsort genau stimmt. Und hierzu bietet sich nur in den jetzt Agenden 8 Tagen Gelegenheit. Die Wählerlisten liegen von heute an bis zum 7. Oktober einschließlich öffentlich au« und zwar: für den I. Wahlkreis in der TnrnhaNe des Friedrich-Werdersche» Gymnasiums, Dorotheenstrahe 13—14, für den II. Wahlkreis in der Turnhalle der 27/44. Gemeindeschule, Wilhelmstraße 117, für de» III. Wahlkreis in der Turnhalle der 62. Gemeindeschule, Schmidtstraße 38, für de» IV. Wahlkreis in der Turnhalle der 18 Gemeiudeschnle, Krantstraße 43, für den V. Wahlkreis in der Turnhalle des Sophien-Gymnasiums ic, Gormaunftraße 4, für den VI. Wahlkreis in der Turnhalle der 67 Gemeindeschule, Ackerstraße 28a, und außerdem für sämmtliche Wahlkreise im Wahliiürean, Breitestraße 20a, 2 Steppen,«nd zwar während der TageSzeit Wochentags von BormittazS 9 biS Nachmittags 3 Uhr«nd SountagS von 11 Uhr bis Nachmittags 4 Uhr. Jeder Wähler hat da» Recht, sich in der genannten Zeit die Listen auffchlagen zu lassen. Die Listen sind Anfangs September aufgestellt worden, ih;°�halb muß jeder Wähler in der Liste des Hauses aufgenommen sein, wo er um diese Zeit gewohnt hat. Stimmberechtigt ist jeder Wähler in dem Bezirk, wo er 7 die Liste eingetragen ist. Wer die Wählerliste für unrichtig hält, kann innerhalb 8 Tagen nach Beginn ihrer Auslegung— also von morgen ab einschließlich den » �»ober— beim Magistrat Einspruch erheben, welcher darüber endgültig entscheidet. Zur Begründung etwaiger Nachtragungen ist es nothwendig, daß der betreffende s�iragstesser sich gehörig legitimirt. Hierzu empfehlen sich die polizeilich abgestempelte Wohnungsanmeldung, die Miethssteuer- resp. Einkommensteuer-Quittungen, oder ''9® beglaubigte Atteste. AdMtmeuiS'Eillladimg. '»�..devorstehenden Vierteljahreswechsel erlauben wir unS �£®"er zum Abonnement auf daS .Berliner Volksblatt" Vierteljahr 3 Mark, für den Mo- Oktober frei ins Haus 1 Mark. l»wi, sÜ-llunaen werden von sämmtlichm Zeitungsspeditcuren, Zhfli nr?kvedition, Zimmerstr. 44, angenommen. *WS flu Außerhalb nehmen alle Postanstalten Abonne- lege«. daS nächste Quartal zum Preise von 3 Mark ent» �daktion und«rvedition dtS„Berliner Volksblatt". seinem m Liebe, keinem)u Leide! ' �ationah-liberalen und freikonservativea Kreisen, das den Kreisen ewig schwankender Elemente beklagt d t darüber, daß die Reichsregierung vorstehenden Wahlen noch kerne »orRggL" B 9 genommen habe.(Wir haben m unserem M�en Leitartikel bereits diese« Thema bebandelt, ""Schea?) Wichtigkeit halber, noch einmal aufbaffelbe Ksalst�� Vorwurf kann sich die Regierung gewiß gern Serien.""V denn derselbe gestaltet sich bei jedem Unbe- /N unwillkürlich zu einm Lobe.. � einui! 9anz in der Ordnung, wenn die Regierung R Parteien keine Marschroute giebt, wenn sie de» Kampf ganz allein au«fechten läßt. .Äe Parteien und Personen unbequem sein, Sg g�Mständia. wie sie sind, sich immer an die je- � moTr�be Regierung anlehnen müssen, die konser- Skt*. in v"ner konservativen Regierung, sofort liberal SÄ? Ä-ir MttT/ !?>'§.'?.afteien und Personen sind immer NN, lacklich, a.-l kennen, da sie fürchten, c.nmal in emer, idir«, untergeordneten Frage, m»t der Regierung UMi-iNSM "S Sn«'»W lt.« mi s-st-m sa, ii.°u-d-t. ttist ist L1 hre Prinzipien. es cmünOfif ki. R-i-bsremerung gar WmÜcMsie '�«lluv»" erwünscht, daß' die Reicheregierung gar %% V-"Äi.d« le» k-.?.u"lert machen.._. �tfla�,bea im ganzen deutschen Reiche dem 9e d,e»»» erquicklichen Wahlprüfungsdebatten ersparen, in denen eine stehende Rubrik die„anitlichen Wahlbeeinflussungen ausmachten. Der Reichstag selbst hat in Bezug darauf verschiedene Beschlüsse gefaßt, von denen einige von größerer Wichtigkeit sind. So wurden Stimmzettel, da sie mehrfach an verschiedenen Orten, wenn sie den Namen emeS Kandidaten einer den Behörden mißliebigen Partei enthielten, bei den letzten Wahlen konfiSzirt worden sind, nicht mehr als Druckschriften betrachtet und können von Jedem und auch an jedem Orte frei und unbehindert verbreitet werden. Ferner hat der Reichstag verschiedene Wahlen bean- standet und für ungiltig erklärt, weil die Behörden Wahl- Versammlungen im Borau« verboten hatten. DaS wird nun wohl nicht mehr geschehen. Aber eS ist auch ein Eingriff in die freie Wahl, wenn Beamte durch ihren Einfluß die Inhaber von Versamm- lungSlokalen zu bewegen suchen, ihre Lokale irgend einer Partei zur Abhaltung von Versammlungen nicht zu über- lassen. Die Inhaber solcher Lokale sind vielfach von der Polizei abhängig— auf abhängige Leute aber einen Druck auszuüben, besonders im politischen Leben, die« muß auf daS Strengste verurtheilt werden. Und so giebt e«»och zahlreiche Gelegenheiten, wo die Behörden einen illoyalen Einfluß ausüben können, doch mögen dieselbe« dem Beispiele der Reichsregierung folgen und in dem bevorstehenden Wahlkampfe keinerlei Stellung nehmen.., Wahlgesetz und Wahlreglement bestimmen genau die Rechte und die Pflichten der Staatsbürger und der Behörden, dem Gesetze sollen sie beide gehorchen: Wa« darüber ist, i st v o m U e,b e l! Politische Ueberficht. Die Kontrakte des Herren Lüderitz, welche derselbe mit den für Angra Pcquena engagirten Handwerkern abzu- schliefen sucht, dürften manchen auswanderungslustigen Deutschen von der Wahl jenes vielbesprochenen Küstenstriches abhalten. Mr die Brigg„TiUq", welche am 7. Oklober, wie schon von uns mitgetheilt worden, von Bremen mit Mannschaften und Werkzeugen zu den Bohrungen nach Trinkwasser in Angra straßc 115 wohnhaft, mit guten Zeugnissm. Demselben wurde ä rÄLÄ Bemsm# «s« drüben sein wird, sorgen muß. Genannter Schmiedegeselle hat denn auch dankend abgelehnt. Die Bekämpfung de« Bettler- und Bagabunden» Wesens und die passende Unterbringung oder Beschäftigung der arbeitslos herumwandernden Personen ist— wie die „Bosfische Zeitung" schreibt— eine der wichtigsten und zugleich schwierigsten Aufgaden der deutschen Armenpflege. Bis jetzt fehlt es bezüglich der Zahl der Bettler und Vagabunden an dem zuverläfstgen statistischen Material, ohne welches zweck- mäßige Anordnungen fich gar nicht treffen lassen, und erst in neuerer Zeit hat der Bundesratb Erhebungen über die Zahl der Bestrafungsfälle wegen Bettelns und Landstreichens an- geordnet. Das Königreich Sachsen, in welchem die offizielle Statistik in anerkennenswerther Weise sehr sorgfältige Ar- betten liefett, ist in der Lage, in dem neuesten Heft der„Zeit- schrift des Königl. Sächs. Stat. Bureaus" auf Grund zuver- lässtger Erhebungen statistische Daten über die Zahl der be- straften Bettler und Vagabunden für die Jahre 1880 bis 1833 zu bringen. Es wird hierdurch die wichtige Frage, ob das Stromerthum im Abnehmen oder im Zunehmen begriffen sei, für Sachsen in elfterem Sinn entschieden. Im Jahre 1880 tarnen 22 337 Bestrafungsfälle, im Jahre 1881 19 377, im Jahre 1882 18 722 und im Jahre 1883 18 077 vor. Es ergicbt dies also in 3 Jahren eine Abnahme von 4260 oder 19,1 pCt. Die Zahl der bestraften Personen,(manche Individuen wurden öfter, MS 17 Mal in einem Jahre destraft) betrug in denselben Jahren 14066, 12435, 11727 und 11098; hier beträgt also die Abnahme 2968 oder 21,1 pßt. Wenn auch die etwas verbesserte Lage der Erwerbsverhältniffe zu dieser Verminderung der Bestrafungen beigetragen haben mag, so dürfte doch nach Anficht des Kgl. Sachs. Etat.- Bureaus auch die Wirksamkeit der in den letzten vier Jahren besonders zahlreich entstandenen Anti- bettelveretne nicht zu unterschätzen sein. Zwar könne der Einfluß dieser Vereine auch ein schlechter sein: die Verabreichung von Geld(Ottsgeschenk) sei unter Umständen und überall da, wo diese Einrichtung in mehreren mehr an einander gelegenen Ottschaften getroffen ist, geeignet, durch Sicherung eines im Voraus ziffermäßig zu be- rechnenden Tagesergebniffes das Strometthum eher zu fördern als zu erschweren. Der Grundsatz:„Arbeit statt Almosen" sei jedenfalls vorzuziehen, stoße aber in der Praxis auf vielfache Schwiettgkeiten und sei nur, wenn er überall angewendet werde, von Werth. Denn jetzt vermeide der zur Arbeit zu faule Va- gabund einfach den betreffenden Ott. Weitgreifende Erfolge der Anti.ettelvereine und eine dauernde Herabmindemng der Zahl der vagircnden Bettler würden jedenfalls erst dann eintreten, wenn sich derartige Vereine und Einttchtungen über das ge> sammte Reichsgebiet gleichmäßig vettheilten und nach gleich- mäßigen rationellen Grundsätzen verwaltet würden.— Soweit die„Voff. Ztg.". Wir haben in unserem Blatte die Vagabun- denfrage schon oft eröttett und stets darauf hingewiesen, daß die Vagabundenfrage eng zusammenhängt mit unseren wirth- schaftlichen Verhältnissen- So lange eS Tausenden nicht möglich ist, Arbeit zu erlangen, so lange ist es unserer Anficht nach ungerecht, wenn man gegen alle Bettler und Vagabunden hatte Strafen in Anwendung bttngt. Hat doch selbst der Fürst Bis- mark dadurch, daß er von einem Recht auf Arbeit sprach indirekt anerkannt, daß im deutschen Vaterlande Arbeitskräfte übcrflüsstg sind. Was soll aber derjenige anfangen, der absolut keine Arbeit erlangen kann? Wir würden den Herren. die immer für die Vagabunden die härteste Maßregel herbeisehnen, sehr dankbar sein, wenn sie uns eine präzise Antwott geben würden Kürzung der Arbeitszeit, Einschränkung der Frauenarbeit und Beseitigung der Kinderarbeit, das find die Mittel. AHM jüngste Zeit namhafte Geldunterstützungen erhielt. Die„Schwei- zer Grenzpost" setzt hinzu:„Seine Aufgabe war, das anarchi- stische Treiben zu überwachen und periodisch Bericht zu er- statten. Daß er dabei auch an der Verbreitung revolutionärer Schriftstücke theilzunehmcn habe und sich dabei müsse erwischen lasse, stand offenbar nicht in seiner Instruktion."— Wir müssen dem genannten Blatte natürlich die Verantwortung für diese Mitlheilung überlassen. Belgien. Die Regierung, welcher hier ein unbeschranktes Recht auf die Besetzung der Lehrstühle in den staatlichen Hoch- schulen zusteht, hat, wie man der„K. Ztg." meldet, zwei wegen ihrer freifinnigen Ansichten bekannte Genter Professoren auf den Lehrstühlen des Naturrechts und des Staatsrechts durch Klerikale vom reinsten Wasser ersetzt; elftere haben sich fortan auf die Lehre von der Gerichtsordnung, bezw. vom Handels- recht zu beschränken. Einer dieser Herren, Serefia, ist der Re- gicrung ganz besonders deshalb mißliebig, weil er vor einigen Wochen als Rechtsanwalt vor dem Gcnter Obergericht einen berühmten Prozeß gewonnen, in welchem es sich um die Un- terschlagung einer Erbschaft von nahezu 100,000 Fr- durch die Leute der todten Hand handelte. Seresta hatte die dabei an- gewandten unlauteren Mittel ohne Schonung bloßgelegt. In den staatlichen Lehrerseminaren werden die Lehrfächer für Verfassungsrecht und Gesundheitslehre abgeschafft, dagegen der religiöse Untenicht eingeführt. Es sollen ständige Religions- lehrer(aumöaiers) ernannt werden, welche sich in die gesamm- ten Lehr- und Erziehungsoerhältniffe einmischen und über die Zukunft der Zöglinge unter dem jetzigen Regiment allein das maßgebende Wort zu sprechen haben.— Die Anführer der klerikalen Kundgebung vom 7. September haben dem König eine Bittschrift zugestellt, wodurch sie die Absetzung des Bürger- meisters Buls, allerdings in verhüllten Ausdrücken, verlangm. Sollte ihnen keine Genugthuung gegeben und bei nächster Gelegenheit die Ordnung in den Straßen nicht aufrecht erhalten werden, so drohen sie sich selbst zu ihrem Rechte verhelfen zu wollen.— In Brüssel ist gestern der Kongreß des inter- nationalen literarischen und artistischen Vereins vom Minister Bernaert eröffnet worden. In der Eröffnungsrede erklärte der Minister, daß den belgischen Kammern, in deren nächster Session ein sehr freifinnige Bestimmungen enthaltender Gesetzentwurf über das Urheberrecht und das literarische Eigmthum vor- gelegt werden solle. Frankreich. Der Polizeipräfekt von Paris ordnete dre Rciiügung des Lumpensammlerquarticrs in Clichy an, wo zwei Cholerafälle vorgekommen sind.— Der Gemeinderath von Lyon beschloß einen neuen Kredit von 50000 Francs für die Arbeitslosen, sofortige Ausführung von Chausseearbeitcn und Entsendung des Maires nach Paris, um die Regierung zur Erfüllung ihrer Versprechungen zu bestimmen.— die 50 000 Francs werden die Roth wenig lindern können. Soziale Re- formen müssen in Angriff genommen werden, wenn wirklich das Uebel beseitigt werden soll._,„, m Cholera. Es starben in Italien msgesammt 205 Per- sonen an der Cholera, davon in der Stadt Neapel 63. — Im Departement der Ostpyrenäen in Frankreich find am Freitag 13 Choleratodesfälle vorgekommen. — In Spanien sind in den von der Cholera mfizrrten Ortschaften vorgestern im Ganzen 9 Choleratodesfälle vorge- kommen.,. Rußland. Bezüglich der Studcntenunruhen in Kiew erfährt man noch Folgendes: Die Unruhen begannen sofort, als der Rektor durch Anschlag den Studenten mittheilte, daß die Betheiligung derselben bei dem offiziellen Festaktus des Jubiläums wegen Raummangels eine beschränkte sein müsse. Da der Rektor größere Ausschreitungen befürchtete, untersagte er den Cammers, worauf starke Demonstrationen stattfanden. Auf eine tclegraphische Anfrage in Petersburg lief umgehend die Antwort ein, die Studenten wenn möglich gütlich zu be- ruhigen und Eingreifen der Polizei und Soldaten womöglich zu vermeiden. Trotz des Entgegenkommens des Rektors wuchsen die Krawalle so an, daß zur Vermeidung gröüerer Unruhen die Schließung der Universität nicht zu umgehen war. England. Ein in Liverpool destehender„Kongo-Drstrrkts- Verein" machte in seiner jüngsten Sitzung dre deutschen Annexionen in Westafrika zum Gegenstand einer Debatte, und es wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, eine Petition an das auswärtige Amt über die Angelegenheit, insbesondere gegen die Herstellung eines deutschen Protektorats über den Fluß Kamerun, zu richten. JmLaufe der Debatte wurde hervor- tehoben, daß die deutsche Regierung den Thatbestand in jetreff des Kameruns vor dessen Annexion nicht kannte, und daß es seitens der britischen Regierung nur nothwendig sein würde, die Angelegenheit zur Kenntniß des Fürsten Bismarck zu bringen, um die deutsche Regierung zu veranlassen, alle Ansprüche auf das Territorium aufzugeben. Irland. Der Bürgermeister von Limerick empfing von Sir Robert Hamilton, dem Unterstaatssekretär des Vizekönigs, -eine Antwort auf das jüngste Schreiben der Korporation in Betreff der Extra-Polizeisteuer- Die amtliche Zuschrift lheilt mit, daß Lord Spencer den Betrag der Steuer um Lstr. 600 auf Lstr. 1506 rcduzirt habe und willens sei, diese Summe in zwei Raten anzunehmen. Die Korporation soll indeß ent- schloffen sein, dieses Kompromiß zurückzuweisen und bei ihrer Weigerung, die Steuer zu entrichten, zu beharren- Jn der Hauptstadt Dänemarks ist vorgestern die erste Probenummer des HörumBrandes'schen Blattes„Politiken" erschienen. Aus dem Inhalte derselben ist besonders eines Ar- tikels Erwähnung zu thun, der Herrn Berg(Liberal) ziemlich heftig angreift- Die Mitglieder des stck am 6. Oktober ver- sammelnden Folkethins werden aus 46 Radikalen, 22 kombi- nirten Zentrumslcuten und Grundtoigianem, 20 Konservativen und 4 Sozialdemokraten sich zusammensetzen, wäbrend 10 Abgeordnete als außerhalb einer gewissen Partei stehend zu de- trachten find. Egypten. Die Zahlungseinstellung der egyptischen Re- gicrung scheint auf Anrathen des englischen Residenten in Kairo erfolgt zu sein. Jedermann weiß heute bereits, daß die sogenannte egyptische Regierung nur eine Koulisse ist. hinter der sich die englischen Macher verbergen. Wer da heute noch glaubt, daß England jemals freiwillig Egypten wieder heraus- giebt, der muß gerade ein Narr sein. Die egyptische Regie- rung ist vollständig machtlos, fie kann ohne den Wrllcn eng- lischer Staatsmänner nichts unternehmen und daher ist es voll- ständig berechtigt, die Zahlungseinstellung auf das Konto der Letzteren zu schreiben. Augenblicklich geht nun cm wahres Kriegsgeheul durch die Kapitalistenpresse der ganzen Welt, alle derartigen Blätter verlangen von ihren resp. Rcgrerungen Hilfe gegen das Vorgehen Egyptens.— Wie nur schon rn unserer gestrigen resp. vorgestrigen Politischen Ueberficht ange- zeigt haben, find verschiedene Regierungen diesen Wünschen bereits nackgekommen und haben Protest eingelegt zu Gunsten der egyptischen Staats-Gläubiger. Von einem besonderen Eifolg dieser Proteste verlautet bis jetzt noch nichts. Auf den Ausgang dieser Angelegenheit darf man mit Recht gespannt Wie der„Daily Telegraph" aus Kairo erfährt, soll der Prozeß gegen den Finanzminister von Mitgliedern der Staats- jchutdentasse unverzüglich vor dem internationalen Tribunal an- gestrengt werden. General Wolseley scheint mit goldenen Soldaten operiren zu wollen. Am 24. d. M. wurden ihm von Portsmouth aus mit dem Dampfer„Australia" 100 000 Pfd. St. gleich 2029000 Mark in blankem Golde nachgeschickt. Auf dem Dampfer„Deccan" wurden auch einige Soldaten mitge- sandt.— Aus China wird über Paris gemeldet: Neng-Tsckang- Tsan, ein Schützling des TW, eines Hauptes der chinesischen Kricgspartei, wurde zum Vicekönig von Folien, als Nach- folger. Tschan-Pei-Luns ernannt; Letzterer wurde seines Ranges entkleidet, weil er in einer Zeit, wo die Feindseligkeiten nahe devorstanden, Courbet's Geschwader die Min- Forts pasfiren und Stellung vor dem Arsenale von Futschou nehmen ließ.— Wenn sich diese Nachricht bewahrheitet, so zeigt sie, daß die bisherigen französischen Erfolge den Chinesen durchaus keinen Respekt eingeflößt haben. Die Kricgspartei hat danach in China die Oberhand und der chinesische Konflikt kann schließ- lich den Sturz des jetzigen französischen Ministerium herbei- führen.— lieber den französischen Angriff auf Kclung schreibt die„Pall Mall Gazette":„Die Chinesen beanspruchen die Affaire in Kelung, worüber jetzt die Einzelheiten aus chine- fischcr Quelle vorliegen, als einen Erfolg für sich selber. Das Bombardement der Forts durch die Franzosen war erfolgreich; aber fie landeten, durch die Räumung der Forts seitens der chinesischen Truppen irregeführt, eine Streitkraft von Matrosen und Marinesoldaten mit drei kleinen Äerggeschützen, und diese Streitkraft wurde von den Chinesen zurückgetrieben, die auch die drei Geschütze erbeuteten und einen Gefangenen machten." — Nach einem neueren Telegramm sollen die Unternehmungen der Franzosen am Phuni unter dem Befehle des Oberst Berger, und diejenigen am Mylurny unter dem Befehle des Oberst Mausston vollständig geglückt sein. Die Franzosen sollen nunmehr vollständig Herren des Flußlaufes des Day sein. Wahlbewegung. Die Wahlkommissarien für die 6 Berliner Wahlkreise find nunmehr von dem Oberpräfidenten der Provinz Branden- bürg, Dr. Achenbach, ernannt worden. Und zwar hat derselbe ernannt: Für den ersten Wahlkreis: den Herrn Stadtrath Stadthagen; für den zweiten Wahlkreis: den Herrn Stadt- rath Wolff; für den dritten Wahlkreis: den Herrn Stadtrath Hühner; für den vierten Wahlkreis: den Herrn Stadtrath Voigt; für den fünften Wahlkreis: den Herrn Stadtrath Mamroth; für den sechsten Wahlkreis: den Herrn Stadtrath Friede!, und zu Stellvertretern im Falle der Behinderung eines der Herren Wahlkommissarien: die Herren Stadträthe Kochhann und Weise. 4 Berliner Wahlkreis. Die von uns bereits angekün- digte Zeitung für den 4. Wahlkreis ist gestern in verschiedenen .Häusern dieses Kreises kolportirt worden. Die Herren„Frei- finnigen" find ja bekanntlich Freunde der Berliner tzauswirthe, der Börsenjobber und Groß-Fabrikantcn, und diese haben für solche Dinge einen großen Geldbeutel.— Gleich auf der ersten Seite enthält der Wisch eine faustdicke Lüge, es stebt da groß und breit, daß die„freisinnige" Partei gegen das Sozialisten- gesetz gestimmt habe. Das ist denn doch in der That stark; jeder Wähler in Berlin weiß, daß das Sozialistengesetz nur mit Hülfe dieser„Freiheitsheldcn" verlängert worden ist und es ge- hört deshalb eme ziemliche Stirn dazu, der gesammten Wähler- schaft ins Geficht zu lügen.— Aber die Krone wird dem Machwerk dadurch aufgesetzt, daß die Herren trotzdem das Motto gewählt haben:„Gleiches Recht für Alle".— Wird so- mit die Wählerschaft des vierten Wahlkreises schon vorne auf der ersten Seite faustdick angelogen, so wird dieselbe auf der letzten Seite ebenfalls beschwindelt. Annoncen, die eine an- ständige Zeitung gar nicht aufnimmt, werden hier den Wählern präsentirt, Geheimmittel und anderer Schwindel wird empfoh- len, und das alles von einer Partei, die für das„Wohl" der ärmeren Bevölkerung einzutreten vorgiebt.— Eine schöne „Freisinnige" Jesuitenkniffe. Die Einladungen zu den von den sogenannten„Freifinnigen" einberufenen Wähler- Versammlungen werden mit Recht als ekelhafte Manöver be- zeichnet. Was soll man davon denken, wenn unter den An- kündigungen steht:„Alle Wähler, welche die Kandidatur ves Herrn Träger, Virchow, Klotz rc. unterstützen wollen, haben auch ohne»arten Zutritt."— Auch der dümmste Wähler weiß ganz genau, daß den Herren an Denjenigen, welche so wie so zu den sogenannten Freisinnigen zählen, weniger gelegen ist, sondern daß vielmehr diese Art, die Wähler einzuladen, ein plumper, unlauterer Kniff ist. Und noch viel plumper und jesuitischer erscheint diese Handlungsweise, wenn man in Be- tracht zieht, daß die Herren insgeheim in den Vorderhäusern Eintrittskarten von den Hauswirtben vertheilcn lassen. Kommt nun zufällig dadurch einmal ein Wähler in die Versammlung, der etwas sprechen kann, so haben diese jämmerlichen Helden den Muth, von demselben zu verlangen, daß er den Humbug des gelehrten„Freifinnigen' ruhig hinnehmen soll, ohne ein Wort darauf zu erwidern. Gestattet man ausnahmsweise Jemandem das Wort, so hat man die edle Dreistigkeit, zu ver- langen, daß der Betreffende nur das spricht, was den Herren in den Kram paßt. Daß nicht jedes Wort auf die Waagschale gelegt werden kann, wenn Jemand spricht, das leuchtet wohl jedem denkenden Menschen ein. Und die Herren haben auch gar keine Ursache, sich über eine etwaige Auflösung der Ver- sammlung zu beschweren, denn sie haben das Gesetz gemacht, auf Grund dessen die Auflösungen erfolgen. Also wozu das Geschrei? Ist es nicht aber schon ein Zeichen von Uebermcnschlichkeit, wenn ein aufgeklärter Mensch eine volle Stunde und länger den„freifinnigen" Blödsinn ruhig mit anhört, ohne dabei den Verstand zu ver- lieren? Nun, mancher hält es nicht aus, das ganze Zeug hin- unterzuschlucken.— Wollen die Herren unter sich fein, so wird ihnen das Niemand verwehren oder verbieten können, sie können sich dann nach Herzenslust gegenseitig Kommödie vormachen. Aber eine ekelhafte Manipulation ist es, wenn man in der gc- schilderten Weise im Trüben zu fischen sucht, und die Wähler, welche auf solche Weise in eine derartige Versammlung ge- rathen, haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, ihre Ansichten zu äußern, und dieses unlautere Vorgehen in das richtige Licht zu stellen. A o k a i e s. ,®eIf. ü'borfteftendc« Oktober-Umzüge machen wir unsere brcfigen Abonnenten darauf ausmeikfam, daß es durch- aus nothwendig ist, daß, wenn man mit dem Umzugs Tage auch glerch das„Berliner Volksblatt" in die neue Wohnung gebracht haben will, man vor dem Umzüge dem Zeitungs- jpcditeur. der die Zeitung bisher gebracht hat. die neue Adresse anglebt. Wenn dieser erklären sollte, daß er die Zeitung in dre neue Wohnung nicht bringen könne, wolle man unterer Expedition, Zimmerstraße 44, unter genauer Angabe der neuen Wohnung Mtttheilung davon machen. » vielgepriesene, gute Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer recht zu illuftriren möge folgender Voifall zur näheren Erläuterung dienen. Bei einem hiesigen Königlichen Hofduchdinder war ein Arbeiter seit 1866 ununterbrochen thätm. Der Mann- seinerzeit einer der besten Arbeiter des Geschäfts- er hatte dem Prinzipal noch zu einer Medaille durch seine Arbeit ver Holsen— war jetzt alt geworden und konnte natürlich das nicht mehr leisten, was man von einer jüngeren Arbeitskrast verlangt. Infolgedessen mußte er stck im vorigen Jahre eine Lohnreduktion von 3 Ml. gefallen lassen, womit er sich auch einverstanden erklärte, wenn es SS Ä Ä.ÄÄ" 4" Ä Prinzipal lieber wäre, wenn er die Werkstätte ganz verlassen würde. Der jetzt existenzlos Gewordene, zog sich durch die große Aufregung, die er dadurch hatte, ein Gchirnleiden zu dem er nach 8 tagigcm schwerem Krank.nlogcr eilag. Endlich doch I Heute. Montag, f.üh sind die Materialien und die Baubude zum Bau der Pferdcbahnlinie Spittelmarkt- Rixdolf auf dem Platze am Rollkrug angefahren worden. Die Lrnie soll- wenn s nicht friert- zu Weihnachten eröffnet werden Zum Frühjahr soll dann mit der Anschlußlrnie Roll- krug— Kncsebeckstraße begonnen werden; letzteren Bau fühlt die Große Berliner Pferdebahn-Gesellschaft für Rechnung der Gemeinde Rixdorf aus.— Die Kottbuser Brücke wird durch zwei seitlich angebrachte Fußgänger-Brücken verbreitert. Unter den zahlreichen anonymen Zuschriften, mit denen Dr. Phillips neuerdings aus antisemitischen Kreise« deehrt wird, liefert eine offene Postkarte den Nachweis, daß die Pflege der von den Herren Stöckcr und Wagner beliebte« Umgangsformen in den Kreisen ihrer Anhänger erfreulich« Fortschritte macht. Dieselbe lautet: Sollten Sie erbärmliche jüdische Pestbeule es noch �einmal wagen, einen Konservativen persönlich zu fordern oder öffentlich zu beschimpfen, so werden Sie 24 Stunden nach diesem Vor- fall aufgehängt. g. Stadtrath Stadthagen ist am Sonntag Abend vo« einem bedauerlichen Unfall betroffen worden. Genannter Herr war, von einem Spaziergang kommend, im Begriff, nach seiner in der Gcrtraudtenstraße belegenen Wohnung zurückzukehren, als er auf dem Schloßplatze plötzlich unwohl wurde und, an- scheinend von einem Schlaganfall getroffen, zur Erde stürzt«. Erst nach einer halben Stunde soll in dem Bewußtlosen Herr Stadtrath Stadthagcn erkannt worden sein, worauf dessen Ueberführung nach seiner Wohnung erfolgen konnte. Da? heutige Befinden des. Stadtraths läßt auf eine baldige Gene- sung hoffen. In dem Depot der Postbehörde unter den Stadtbahn- bogen an der Georgenstraße ereignete sich am Sonnabend Abend gegen ein halb 9 Uhr ein schreckliches Unglück, das de» sofortigen Tod eines Menschen zur Folge hatte. Durch da? Geräusch eines vorübcrfahrenden Eisenbahnzuges wurden einig« Pferde in den unter den Bogen eingerichteten Stallungen scheu und geriethen in unruhige Bewegung. Der herbeieilend« Postillon Reckner, welcher die Stallwache hatte, wurde von den wild gewordenen Thiercn an die Wand gedrückt und kam dabei in eine so unglückliche Lage, daß ihm der Schädel voll- ständig zusammengequetscht wurde. Ehe Hilfe hinzukam, hatte der Verletzte auf der Stelle seinen Geist aufgegeben, und es blieb nur noch Übrig, die Leiche nach dem Obduktionshause zu schaffen. Der in so schrecklicher Weise Verunglückte stand i« der Mitte der dreißiger Jahre und hinterläßt eine Frau und ein Kind, deren Lage um so trauriger ist, als ihr Ernährer be- reits über zehn Jahre im Postdienst beschäftigt war und erss in nächster Zeit fest angestellt zu werden hoffte. g. Eine sonderbare Behandlung seitens eines Scham- witthes wurde gestern einem seiner Gäste zu Theil. Der w der Neuen Friedrichstraße wohnende Handelsmann H. war m» einem in demselben Hause befindlichen Sckankwitth Emst*- in Strett gerathen, welcher damit seinen Abschluß fand, daß K. den H. aus dem Lokal warf und ihn so tüchtig bearbeitet«, daß H. zwei Löcher im Kopf erhielt und sich nach einer Sani- tätswache begeben mußte, um sich dort einen Verband anlegen zu lassen. a Verhaftet. Der bei dem Uhrmacher H. in der Naunyn- straße in Stellung befindliche Reisende Hermann W. wurd« gestern wegen mehrfacher Unterschlagung und schwerer Urkun- denfälschung verhaftet. H. betteibt ein Uhren-Abzahlungs- geschäft, für welches er den Arheiter W- als Reisenden ang«* nommen hatte In dieser Eigenschaft hat letzterer dm« Fälschung von Leihkonkraktcn, die er in einigen Fällen mit W flirten Personen abgeschlossen hatte, sich einen Vortheil vo« 800 M. zu verschaffen gewußt, indem er die Uhren, für die« seinem Prinzipal gegenüber die vereinbarte Anzahlung leistet«' unterschlagen und zu seinem Nutzen verkauft hatte. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich, dem„B.& zufolge, Sonntag, Vormittags 10 Uhr, in der Bronzcwaarem fabrik von Spinn u. Sohn, Wasserthorstraßc 9, dadurch, ein Arbeiter mit dem einen Arm in das Getriebe der Masmiw gerieth, wobei ihm der Unterarm vollständig ausgenfsw wurde. Der Verletzte wurde sofott nach dem Kranlenhaui« transportirt, a. Diebstahl. Einem auf der Durchreise befindlich� Herrn H. aus Amsterdam wurde am 26. d. Äts. Abends b«»» Verlassen des hiesigen Opernhauses aus der innem Rockt w«* eine violette kalbslcdcrne Brieftasche, enthaltend eine Kr«»' Anweisung der Niederländisch Indischen Bank über 4000 Guides sowie 20 österreichische Gulden, in baar, sowie mehrere Bri«i' gestohlen. Durch den Versuch, Geld auf benannte Anwmun» zu erlangen ist es vielleicht möglich, dem bis jetzt nickt mitteilen Diebe auf die Spur zu kommen.,,,, Polizei-Bericht. Am 27. d. M.. Vormittags, lief d«' Jahre alte Knabe Wilhelm Sperling in ein den Stralaucrp passircndes Mörtclfuhrwerk, wurde überfahren und am. Stelle getödtct.— Um dieselbe Zeit wurde ein Mann in s«' in der Büschingstraße belegenen Wohnung erhängt vorgtt � den- Tie Leiche wurde nach dem Obduktionshause gesckayv In der Nacht vom 27. zum 28. d. M. versuchte ein Mava in seiner in der Langenstraße belegenen Wohnung sich mM" Al« phiums zu vergiften. Nach Beibringung von Gegen- wurde dasselbe nach dem Krankenhause im Friedrickshain bracht.— Am 27. d. M., Nachmittags, wurde die Em! des Töpfers Ehrke, weil der Pfcrdebahnwagcn, den sie � bestiegen, überfüllt war, in der Oranienburgerstraß« � Schaffner gewaltsam vom Wagen gedrängt, fiel%(.gh Erde und brach den rechten Unterarm.— Am 28. d. A«.'.L versuchte ein in der Linienstraße wohnhafter Mann st* w Revolvers zu erschießen und brachte sich dabei drer W» in die Brust bei. Der Verletzte wurde nach dem St. Krankcnhause gebracht.— Zu derselben Zeit wurde""t&Gß wehrkanal die Leiche eines Mannes aufgefunden und devi nach dem Odduktionshause geschafft. Nach den bei der vorgefundenen Papieren scheint Selbstmord vorzulieg«''- An demselben Tage, Vormittags, wollte der.Metalllck � Graab in der Bronzewaaren-Fadrik vormals Spinn u. � Wasserthorstraße 9, einen Treibriemen kürzer haken, jedoch aus Unvorsichtigkeit mit den Kleidern der Ricniew � zu nahe, so daß er ins Getriebe gerieth und ihm o« Arm bis zur Hälfte des Oberarmes abgerissen wurv«-� Verunglückte wurde nach Bethanien gebracht.—»m mittage desselben Tages gerieth der Dachstuhl«r awn* Seitenflügels des Grundstücks Wasserthorstraße 46 in jp Das Feuer wurde von der Feuerwehr nach mehr � stündiger Thäligkeit gelöscht Gerichts-Leitung. Meineidsprozeh Schmidt• Boh. Dieser V* Prozeß, der deshalb so viel von sich reden gemacht, fipt Angeklagten den besseren Ständen angehören, verwotl und sich einer ausgedehnten Bekanntschaft, zumal m � 50 spielcrlreisen erfreuen, nahm heute vor dem SAwmß" Landgrichts I seinen Anfang. Den Vorfitz führt � direclor Müller, die Anklagebehörde vertritt Staa � !>. Lippert. als Vertheidiger fungirt Rechtsanwalt mann. Da sich bei der Feststellung der Gesck®� � v> herausstellte, daß nur 21 Geschworene anwesend war« piv jüdiseben Geschworenen find, wie bereits vor einigen � � w. getbeilt, ihres Feiertags wegen dispenfirt— so mußte. loosung von Hilfsgeschworenen geschrttten werden» diese zur Stelle geschafft wurden, verging so viel Zer, 12 Uhr war, als die Sitzung wieder aufgenowm.% konnte. Auf der Anklagebank nahmen der 34ia» �0% Unternehmer Otto Schmidt und die separirte Ein«.(itiQ Boß Platz. Der Erstere, ein Mann von«inem d 1�, Acußeren nimmt weniger das Interesse des die besetzenden Auditonums in Anspruch, als dessen welche in dem Rufe einer hervorragenden Schönbcu Erscheinung derselben, eine üppige 23 jährige Brun tofftn Ruf nicht Lügen, wenn auch eine Untersuchungshaft von ud«r zehn Monaten der Schönheit ihres Nasfisch geformten «{tfichts bedeutenden Abbruch thun mußte. Die Anklage be- ichuldigt den Angeklagten Schmidt des wiffentlichen Meineids ? dm Fällen, die Angeklagte Voß der Anstiftung dazu. die Verhandlung sich zum größten Theile auf dem Gebiete drr Chronique scandaleuse bewegen wird, so läßt der Präfivent Z« Tribünen nach Verlesung des Anklagebeschlusses räumen. v«de Angeklagte erklären stch für unschuldig. Aus der Ver- nehmung der beiden Angeklagten, wodurch gleichzeilig ein über- lichlliches Bild der der Anklage zu Grunde liegenden That» lachen gegeben wird, führen wir nachstehend das Wesentliche A Der Angeklagte Schmidt, welcher von seinem verstorbenen �nter, dem Bronzewaaren- Fabrikanten Friedr. Schmidt, ein bedeutendes Kapital erbte, heirathete im Jahre 1878 ein Fräu- M Bochmann, nachdem es ihm endlich gelungen war, den widerstand ihrer Eltern, die fich ablehnend veryalten hatten, Zu defiegen. Die Ebe, die Anfangs glücklich gewesen, nahm buld einen trüben Charakter an, der Angeklagte führte ein Mich lockeres Leben, und besonders die schöne Frau des Maurateurs Voß, Wallnertheatersttaße 18, übte eine derartige «aziehungskrast auf ihn aus, daß er seine Familie— der Ehe Syssm zwei Knaben entsprossen— immer mehr vernachlässigte. ?nne Frau hatte gegründeten Verdacht, daß ihr Mann zu der mau Voß in einem unerlaubten Verhältniß stehe, und als fie ihm Tages hierüber Vorwürfe machte und darauf von ihm thätlich Mhandelt wurde, da wurde das bereits so arg gelockerte Ehe- band völlig zerrissm, Frau Schmidt verließ ihren Mann und mengte die Ehescheidungsklage wegen Ehebruchs und Miß- aandlung an, welche demnächst nach Erledigung dieses Mein- ? beprozefles zur Verhandlung gelangen wrrd. Ungefähr zur Wen Zeit trennte fich auch die Angeklagte Voß von ihrem Mmanne und gab als Grund in der von ihr eingereichten Scheidungsklage an, daß fie fortgesetzten groben Mißhandlungen Mesetzt gewesen. Die Angeklagte Voß zog auffallender werfe darauf in eine Wohnung, die von dem Angeklagten «chmidt in einem seiner Häuser, Langestraße 8, für fie aus- war. M' — In den betreffenden Terminen hat nun der «ngellagte zu drei verschiedenen Malen deschworen, daß er zu � Angeklagten Voß in keinem intimen und unerlaubten Ver- wiinrsse gestanden und soll der Anklage nach von der Voß Udencdet, in jedem Falle einen Meineid geleistet haben. Die «he der Letzteren ist inzwischen rcchtsgiltig geschieden worden und zwar wurde das Erkenntniß wegen gegenseitiger «vneigung gefällt, weil der Ehemann Voß, der an- rangs gegen seine Frau die Widerklage rvegen Ehe- jWchs mit dem Angeklagten Schmidt erhoben hatte, diese Mverklage plötzlich fallen ließ. Die Anklage nimmt an, daß Jf* irtztere den Restaurateur Voß durch pekuniäre Opfer zu Lesern Schritte bewogen hat- Die Angeklagte Voß, welche Mso entschieden ihre Schuld bestreitet, wie der Angeklagte «chmrdt, aiedt über ihre Vergangenheit an, daß fie, die Toch- £ eines Ackerbürgers in Neuvrandenburg, im Jahre 1876 nach ■pttlm gekommen sei, um hier eine Stellung zu suchen. Zö- K,?' uud nach anfänglichem Leugnen giebt fie auf die Vor- Mungen des Herrn Präfidenten, daß man ihr durch die �ugenvernehmung jeden Schritt ihrer Vergangenheit nach- wnsen könne, zu, daß fie zunächst als Kellnerin� im ''�blra-Keller, ein Lokal, welches wegen des dort herrschenden Miosen Treibens" balv darauf geschlossen wurde, fungirte, "o oann noch ähnliche Stellungen in anderen Lokalen emge- Vmmen habe. Im Jahre 1877 habe fie den Restaurateur ihren späteren Ehemann kennen gelernt. Ihre Ehe sei °n Anfang an eine höchst unglückliche gewesen, da ihr Mann äußerst rohes Wesen an den Tag legte, und fie häufig »>»»delte. Auf sein spezielles Verlangen, und um die Gäste bu fesseln und zum Trinken zu animiren, habe fie mit denselben --lchon thun" müssen, und dieses„Schönthun" sei allerdings soweit »fangen, daß sie fick von einigen der bevorzugten Gäste, zu encn auch der Angeklagte Schmidt gehörte, ungenirt und in Gegenwart ihres Mannes k-ffen ließ, mit denselben auch auf M. Duzfuße stand. Mit Entschiedenheit müsse fie aber be- 'bre Beziehungen zu den Gästen und besonders !r dem Angeklagten Schmidt einen intimeren Charakter ange- ?°mmen. Am Nachmittage des 27. April 1882 habe ihr Mann .•. Wiederum geschlagen und darauf habe fie in dessen Abwe- Weit ihre Wohnung am Abend heimlich verlassen. Der An- Wagte habe sie hierbei insoweit unterstützt, als er ihr zwei einer Leute zur Fortschaffung ihrer Sachen schickte. Es sei N.chre Absicht gewesen, in Kiskall's Hotel Unterkunft zu �chen, ihr Freund Schmidt habe ihr aber eine Wohnung in seiner Neubauten. Langestraße 8, zur Verfügung gestellt unv fie schiießlich dies Anerbieten angenommen. An baarem Me habe fie bei ihrem AuSzuge 5000 M. mitgenommen. Zehrend die Ehescheidungsklage in der Schwebe war, bezog liiw? ihrem Manne Alimente in Höhe von 75 M. monat- von habe sie gelebt und auch von Schmidt dafür Entgeld lenc�' daß fie die Stelle einer Vizewirthin in dem von ihr bewohn- .» Vause vertrat. Hierdurch sei auch der Umstand zu erklären, daß i shrer Verhaftung die ansehnliche Summe von 6000 Mark rnnt» gefunden wurde. Trotzdem die Angeklagte zugeben ßfil e' baß der Angeklagte Schmidt fast täglich bei ihr gefrüh- Mund fich häufig bis spät in die Nacht hinein be, rhrauf- Uten habe, daß fie ferner mit ihm eine Vergnügungstour sie Oldenhagen unternommen hatte, bestritt fie dennoch, daß smJch eines Ehebruches schuldig gemacht. Auf die Frage des Ufidenten, ob fie zugebe, nach erfolgter Ehescheidung zu Iäks sa'var iää MMZM ■ � Ol eworden ge- rau und in die__ Mau J? wurde. Am Tage b°be er fie in der aoe er yaung v........— ohnung verwiesen, wenn ihr Betragen nach der letzten Flucht seiner Wohnung deS Angeklagten gefunden. Schmidt Allerdings ... c Voiwii,?-" babe aber doch geglaubt, dem Schmidt üwen. J« müssen, daß er fie bei fich auf- Jk- einfach die Thür gewiesen. nur dadurch zu erklären, weil sein derzeitiger Vertreter ihn dazu beredet habe.— Die zweite Zeugin, dre ehemalige Frau des Angeklagten Schmrdt macht von dem ihr zustehenden Rechte Gebrauch und verweigert es, eine Aussage zu machen.- Der Tischlermeister B. hat jahrelang im Voß'schen Restaurant verkehrt, er hat m 15 Monaten ca. 4000 M. daselbst verausgabt und davon ca. 1000 M. in baarem Gelde an Frau Voß abgeführt Was er als Aequivalent dafür erhalten, will der Zeuge nicht angeben, um fich nicht strafbar zu machen. Er- heblrch delastend ist die Aussage einer früheren Dienstmagd der Angeklagten Voß. Dieselbe hat ihre frühere Herrin zu verschiedenen Malen nach der Wohnung des Angekl. Schmidt begleiten müssen, und als die Zeugin ihrem Verdachte Ausdruck verlieh, daß die Herrin auf verbotenen Wegen wandele und auf das ihrem Ehemanne geschehene Unrecht hinwies, antwortete die Angeklagte Voß:„Ach was, den Kaffer kann ich nicht leiden und den Herrn Schivt liebe ich."— In ähnlichem Sinne äußerte sich einer früheren Kellnerin gegenüber die Angeklagte Voß. Beide Angeklagte setzen den belastenden Aussagen der Zeugen ein hartnackiges Leugnen gegenüber. Einen erheitern- den Eindruck, macht die Vernehmung einer früheren Wasch- stau der Angeklagten Voß. Die Frage des Präsidenten, ob fie einen besonders verstaulichen Verkehr zwischen den Angeklagten bemerkt habe, erwidert die Angeklagte:„Nein, vertraulich nicht, er hat fie geduzt, umarmt und geküßt, aber von Vertraulich- leiten habe ich nichts bemerkt." Die Vernehmung einiger anderen Zeuginnen find thells belanglos, theils entziehen fie fich der Wiedergabe. Um 5 Uhr schloß der Präsident die Sitzung._ Arbeiterbewegung, Vereine uvtl Versammlungen. Zwei Wählerverfammlnngen der Arbeiterpartei waren am Sonntag Vormittag einberufen wordm. Von diesen wurde diejenige, die im„Eiskeller-Etabliffement"(Chauffeesttaße) de- Hufs Befürwortung der Arbeiter- Kandidatur im sechsten Reichstagswahlkreise stattfinden sollte, am Sonnabend in später Abendstunde polizeilich verboten. Trotzdem hatten sich am Sonntag schon sehr frühzeitig mehrere tausend Menschen, zumeist dem Arbeiterstande angehörig, vor jenem Etablissement eingefunden. Die Schutzleute, die äußerst zahl« reich zu Fuß und zu Pferde aufgeboten waren, wehrten jedoch den andrängenden Massen den Zutritt in jenes Lokal und for- derten sie auf, auseinander zu gehen. Es ertönten aus der Menge einige Hochs auf„den Kandidaten der Arbeiterpartei im sechsten Wahlkreise, Wilhelm Hasenclever", im Uebrigen zerstreute fich die Menge sehr bald in aller Ruhe.— Die andere Versammlung war nach dem Salon zum„Deut- schen Kaiser,(Lothringerstraße 37) einberufen. Zu dieser waren die Wähler des fünften Berliner Reichstags- wahl-Kreises eingeladen. Diese Kopf an Kopf gefüllte Versammlung man wohl gestattet, verfiel jedoch sehr bald dem Schicksal der polizeilichen Auflösung. Zigarrenarbciter Laske kritifirt in sehr heftiger Weise das Vorgehen der deutsch- frej- finnigen und konservativen Partei und schloß mit den Watten: Den Arbeitern gegenüber find beide Parteien gleich feindlich; die Lage der Arbeiter kann nur eine bessere werden, wenn diese stch auf eigene Füße stellen. Die im fünften Berliner Reichstagswahlkreise werden am 23. Oktober wissen, was fie zu thun haben.(Stürmischer Beifall.) Stadtv. Ewald: Ich will zunächst einige Streiflichter auf die deutsch freisinnige Partei werfen, Nach erfolgter Abstimmung über das Sozia- listengesetz im Reichstage fragte ich meinen College« Ludwig Löwe in der Stadtverordneten-Versammlung: Was er von den deutsch-freifinnigen Männern halte, die für das Sozialistengesetz gestimmt haben. Herr Lö we antwortete mir: Diese Leute müssen fofott aus der deutschssreisinnigen Pattei ausscheiden, widrigen- falls habe i ch keinen Raum mehr in derselben.(Rufe: Hört! Hdtt!) Nun, m. H-, Sie sehen, wie Herr Löwe sein Wort gehalten hat. Der Halbgott der deutsch-freifinnigen Partei, Herr Eugen Richter ist so freistnnig, daß er stch nicht scheute, vor zwei Jahren die gcsammte Arbeiterlohnbewegung als eine sozial- demokratische zu denunziren.(Rufe: Pfui!) Herr Richter sagte und schtteb geradezu: Die gesammte Arbeiterlohnbewegung und die neu begründeten Arbeiter-Fachvereine haben nicht die Ver« besserung der materiellen Lage der Arbeiter im Auge, sondern bezweckten lediglich die sozialdemokratische Bewebung in Fluß zu halten. Dies und andere Vorkommnisse veranlaßten mich, eine Arbeitervcrsammlung einzuberufen und zu dieser die Herren Stöcker und Richter einzuladen. Ich halte von dem Hofprediger Stöcker nicht viel, aber der Mann ist wenigstens erschienen; Herr Richter besaß jedoch nicht den Muth hierzu. Ich habe Herrn Eugen Richter in dieser Versammlung als „Lügner und Verläumder" gebrandmarkt und glaubte bestimmt, er würde mich deshalb verklagen. Nun ich habe Herrn Richter zuviel zugetraut. Einen solchen Mann präsentirt nun die deutsch-freistnnige Partei im fünften Reichstag?- Wahlkreise als Kandidaten. In diesem Wahlkreise dürfte es allerdings der deutsch-freifinnigen Pattei ein Leichtes sein, Herrn Eugen Richter durchzubringen. In diesem Wahlkreise dürste der Hausknecht des Herrn Eugen Richter, wenn er nur als Fortschrittsmann legitimirt ist, ebenfalls gewählt werden- Die Wahl Richter's in Hagen ist diesmal nämlich sehr zweifel- Haft. Vor drei Jahren kam er nur mit Hilfe der Sozialdemo- lraten daselbst durch; diesmal werden fich die Sozialdemokraten im Wahlkreise Hagen bedanken. Herrn Eugen Richter wiederum die Stimme zu geben. Dies fühlt auch Herr Richter und seine Pattei, und da ja, wenn Richter nicht gewählt würde, 150 Reden im Reichstage verloren gehen könnten, so wird er in dem sichersten fortschrittlichen Wahlkreise aufgestellt. Man macht uns den Vorwurf, daß wir die konservative Parte» nicht so scharf angreifen. als die deutsch-freistnnige.(Rufe: Sehr richtig!) Es ist jedoch nicht außer Acht zu lassen, daß bei den bevorstehenden Wahlen in Berlin die konservativen Kandidaten fast gar nicht in Bettacht kommen. Im Uebrigen wissen die Arbeiter, was fie von der konservativen Partei zu halten haben. Eigenthümlich ist es, daß diese für den fünften Wahlkreis von Herrn Schefftel ein- berufene Versammlung gestattet worden ist, während diejenige, die i ch heute zu gleicher Zelt für den sechsten Wahlkreis nach dem„Eiskeller" einberufen hatte, und in der dasselbe Thema wie hier auf der Tagesordnung stand, verboten wurde. Ich werde deshalb bei dem Herrn Polizei- Präsidenten v. Madai um eine Audienz nachsuchen, und diesen fragen, ob meine Person als Einbcrufer Anlaß zu dem Verbot gegeben, oder ob es Prinzip sei, die von der Arbeiterpattei für den sechsten Wahlkreis ausgeschttebenen Wählerversammlungen nicht zu gestatten. Sollte daS letztere der Fall sein, dann düttte die- jenige Agitation eintreten, die man gerade verhüten will, und die ich am allerwenigsten wünsche. Die Ardeiter Ber- linS wollen den gesetzlichen Boden in keiner Weise ver- lassen. Wenn jedoch die Wahlagitation fich schließlich, durch die Umstände genöthigt, andere Bahnen eröffnet, dann dürften wir dies nicht verhindern können. Im Uedttaen will ich be- merken, daß nach einem Beschluß des Reichstages, direkte Wählerversammlungen, gleichviel von welcher Pattei fie auch ausgehen mögen, gestattet werden müssen, und daß das Verbot solcher»Versammlungen Anlaß zur UngilliakeitserklSrung des Mandates des gewählten Abgeordneten geben kann. Die Mandate der Abgeordneten Leuschner und Hänel find aus diesem Grunde '—''"— r fif_— 9f"-.A— llltfl tili die . Schmidt habe ihm einma,«»•- laSp®ei6 den auffälligen Umstand, daß er spater tvegen Ehebruchs gegen seine Frau zurückgenommen, vom Reichstage für ungiltig erklärt worden, feouten uns im sechsten Wahlkreise die Wählersammlungen fernerhin oerboten werden, dann werden wir gegen die Giltigkeit der dort er- folgenden Wahl Protest erheben.(Stürmischer Beifall.) Während R-tfnllsturmes crbob stch der beaufstchttgende Polizei- Versammlung auf". Die werden, folgenden Wahl Proie� dieses Beifallfturmcs erhob fich Offizier und rief:„Ich löse die Versammelten beantworteten diese Auflösung mit stürmischen Hochs auf Hasenclever, Grillenberger, Ewald. Im Uebttgen kette fich der Saal in aller Ruhe. t. Eine allgemeine Versammlung der Weber, Tuch. macher, Raschmacher, Posamentiere. Strumpfwirker, Spinner, Appreteure, Färber, sowie aller der Textil- Industrie angehörigen Arheiter fand behufs Stellungnahme zur Kanken-Verficherung am Sonntag Vormittag in Bräuer'S Salon, Gr. Frankfutterftr. 74—75, statt. Herr Bruno Scholz erläuterte hierselbst den Begriff eines Arbeitgebers und Arbeit- nchmers innerhalb der obengenannten Berufszweige, welcher betreffs der Beitragspflicht zur Krankenversicherung von großer Bedeutung ist, da die für die einzelnen Branchen bestehenden ottsstatutarischen Krankenkassen Ortskassen im Sinne des neuen Kranken- Verficherungs- Gesetzes werden. Nach den Bestim- mungcn desselben gelten als Arbeitgeber auch die seihst- ständigen Hausarbeiter, welche für große Fabrikanten und Meister arbeiten und zwei oder mehr Gehilfen beschäftigen, deren Arbeitgeberschaft aber höchst problematischer Natur ist, da selbige nicht soviel verdienen, um den Gehilfen ein aus- kömmlichcs Lohn zahlen zu können. Sollten dieselben auch noch die Beittagspflicht zur Krankenkasse für die Gehilfen über- nehmen, so würde dadurch der Mehrverdienst derselben voll- ständig aufgehoben; es würde daher auf dieselben Verzicht geleistet werden und an deren Stelle die Ausbeutung von Lehrlingen treten, die Gehilfen würden brodlos werden, in Folge dessen die vollen Beiträge zur Krankenkasse aus eigener Tasche zahlen müssen und in weiterer Folge ihrer Mitgliedschaft verlustig gehen. Da die höhere Verwaltungsbehörde im neuen Krankenkassenstatut der Webergesellen-Krankenkaffe bereits den PassuS aufgenommen, daß jeder Arbeitgeber für jeden Gehilfen, den er beschäftigt, beitragspflichtig sein soll, während das Ge- setz ihn erst heranzieht, wenn er mehr als zwei Gehilfen be- schäftigt, so empfehle es fich, daß sich die Arbeiter der Textil« Industrie einer freien Hilfskasse anschlöffen und brachte er diejenige der Weber, Wirker rc. zu Chemnitz in Vorschlag, welcher bereits 13 Ortschaften angehören. Im Anschluß hieran hielt Herr Maschinenbauer Liefländer einen Vortrag über das Krankenvcrficherungsgesetz, die freien Hilfskassen und speziell die zenttalifirten, als einzig maßgebend bezeichnend, was einen sehr animitten Meinungsaustausch zwischen ihm und Herrn Kahles, Allgeselle der Webergesellen-Krankenkaffe, welcher für Ortskassen plaiditte, hervorrief, der fich derattig ausdehnte, daß von einem definitiven Beschlüsse Abstand genommen werden mußte und demnächst eine neue Versammlung einberufen werven wird; doch theilte Herr Scholz noch mit, daß eine Filiale der Chemnitzer Kasse hierorts errichtet wird und daß schon jetzt Meldungen entgegengenommen werden. Hn. Von der Wanderversammlung, welche der söge. nannte„freifinnige Verein Waldeck" am Sonnabend im„Uni- versum" veranstaltet hatte, konnte man sagen, daß fie ihrer Vorgängerin vom Donnerstag glich, wie ein Ei dem anderen, nur mit dem Unterschiede, daß es dieses Mal der Herr Rechts- anmalt Munkel war, welcher in seiner bekannten Manier i la urkomischen Bendix vom Americantheater durch humoristische Redewendungen die Parteigenossen und anwesenden„wetthen" Gäste aufs Beste zu unterhatten suchte. Ein Kalauer jagte förmlich den anderen, und es ist zu konstatiren, daß Herr Munkel den für das Universum engagirten humottstischen Darstellern entschieden Konkurrenz gemacht hat. Der verehrte Herr bcfitzt aber auch das Talent, die humoristische Rolle mit einer tragt- schen gelegentlich zu vettauschen, und so hörten wir denn auch von ihm, daß der große Eugen Richter dermaleinst in der Geschichte neben anderen Volksgrößen prangen werde! Erwähnt sei ferner noch, daß Herr Munkel meinte, der Weg, den die Arbeiterpartei einschlage, sei der falsche,— denn um Gotteswillen nur keine Staatshilfe! Dann faselte er von Zwangsarbeitsanstalten, die von der Arbeiterpartei ange- strebt würden, welch' letztere auch die Herabsetzung der Standes- würde anstrebe und sprach den großen Satz gelassen aus:„Die Größe des Staates ist nicht durch Knechtschaft, sondern'-n durch Freiheit zu erreichen."(Die Freiheit, die„ich" meine?) Den anwesenden Bierphilistern standen die Haare zu Berge, als er dann in echt fortschrittlicher Wahrheitsliebe vom sozialistischen„Zwangsklassen- und Zuchthausstaate", sowie vom„Theilen" sprach und die Bierdankpolitiker fühlten fich wie vom Alp befreit, als der Vortragende„seine" Lösung der sozialen Frage zum Besten gab, dahingehend, daß der Fottschritt, der Idealismus, über die Materie fiegen werde. Die Fortschrittler gaben ihrer Erleichterung und großen Freude dadurch Ausdruck, daß fie Munkel und den„alten bewährten Klotz" begeistert„anhochtcn". Der Vorsitzende, der Herr Rechtsanwalt Kassel belobte die einzigen Horte der Freiheit, die Männer der Fortschrittsparte!, welche, da fie nicht im Staatsrathe fitzen könnten(o Jerum?) im Volksrathe ihren Platz finden müßten. Dann gab Rechtsanwalt Kassel seinem Aerger darüber AuS- druck, daß Herr Singer in der Köller'fchen Versammlung habe reden dürfen, während doch die letzte Wanderoersammlung deS Walveck- Vereins schon bei„Empfehlung" der Kandidatur Singer aufgelöst worden sei. Zur Diskusston meldeten stch mehrere Herren von der Arbeiterpattei, von denen namentlich Herr Pilo mit Recht ausfühtte, daß die einzige Partei, welche wirklich volksfreundlich, eben die Arbeiterpartei sei, und cS wohl keine schlimmeren Zwangsarbeitsanstalten geben könne. alS die jetzt bestehenden Fabriketablissements. Im Uebrigen habe ihm die Rede Munkel's viel Spaß gemacht, doch wolle er dm Manchesterleuten emstlich zurufen, daß auch die köstlichsten Güter, die politischen Freiheiten, dem Volke wenig nützen, wenn dabei keine wirthschaftliche Unabhängigkeit herrsche. Zum Schluß kam Herr Pilo auf die nichtswürdige Denunziation Eugen Richter's, daß die Lohnbewegung der Arbeiter eine sozial- demokratische Agitation sei, zu sprechen. Er schloß unter leb- haften Bravo's seitens seiner Parteigenossen. Nachdem ein zweiter Redner durch ein halbes Dutzend„Ordner" von der Tribüne herunter geholt und unter üblicher„EhreneSkorte" aus dem Saale geleitet worden war, that Herr Rechtsanwalt Kassel folgende unerhörte Leistung: Meine Herren! Eugen Richter hat die auf die Lohnbewegung der Arbeiter Bezug habende Aeußerung nicht gethan und wenn es auch in allen Zeitungen gestanden hat, ich bleibe dabei, er hat fie nicht gethan!" O. edler Richter, o wahrheitsliebender Rechtsanwalt Kassel! Für wie dumm müßt ihr doch daS Volk halten! Lügen haben kurze Beine; für heute sei der Rest- Schweigen.- Der letzte Redner. der bekannte fortschiittliche Heißsporn Herr Siegerist. sorgte dafür, daß der Humor wieder ,n sein Recht trat. Der alle siebzigjährige„Freiheilsheld" hat, wie er sagt, noch immer Ideale Er sieht nicht, daß die Fortschrittspartei als solche immer' weiter nach„Rechts" schwenkt, er tappt weiter im Dunkeln und träumt von einer„freifinnigen" Majorität im Reichstage. Stören wir den alten Herrn nicht und sorgen wir dafür, daß Herr Siegerist und die mit ihm im Fortschrittsdusel Befangenen bei ihrem Erwachen eine echte wirkliche und lebenS- fähige Arbeiterpattei vorfinden werden. i. Polizeilich aufgelöst wurde die Versammlung des Fachoereins ver Gas-, Wasser- und Heizungs Rohrleger, welche unter reger Betheiligung von Seiten Angehöriger der Branche im Restaurant von Krüger und Wolff in der Slalitzerstcaße am Sonntag stattfand. Nach Erledigung des Geschäftlichen hielt Drechsler Julius Müller einen Vortrag über die Zu- kunfts Organisation der Arbeiter. Redner erinnert an die Ar- beiter-Bewegung. welche in den Jahren 1372-1373 ihren Höhepunkt erreicht hatte, jedoch durch das Ausnahmegesetz vom Oktober 1878 zum großen Theil vernichtet wurde; unterzog die einzelnen politischen Parteien, welche immer, wenn es heißt den Weg zu werfen, vor keinem Mittel der Ver. leumdung und Denunziation zurückschrecken, einer gründ- lichen abfälligen Kritik: erinnerte die Arbeiter besonders an den vor Kurzem von Eugen Richter gemachten Versuch, die Fach Organisation der Arberter der Behörde als sozialdcmokra- trschcs WahbAg'tationsmittel zu dcnunzrren, widerlegte die Behauptnng der Führer der Manchestermänner, daß der Ar- beiter nur bei schrankenloser Freiheit der Produktion, bei der vielgepriesenen Selbsthilfe auf einen grünen Zweig kom- mcn werde, und forderte, daß die Handwerker und Kleinmerster endlich von ihrem Jrrthum, fie seien etwas besseres als die Arbeiter, abgehen und mit den Arbeitern gemeinsam der über- Hand nehmenden Macht des Kapitals entgegentreten� Ueber- gehend zur eigentlichen Tagesordnung, der Zukunsts Organi- sation wies Redner darauf hin, daß die heutigen Fachvereine und ihre Mitglieder nur die Pioniere einer großen, und zwar in wenige Berufe zusammengefaßten deutschen Arbeiter Lrga- nisation seien, und forderte die Anwesenden auf, mit aller Energie diesem Ziele entgegenzusteuern. Im weiteren Verlauf des Vortrags löste der überwachende Beamte die Versammlung auf, ohne einen Grund anzugeben. Auf Befragen gab er dem Vorsitzenden gegenüber den§ 9 deS Sozialistengesetzes an. In aller Ruhe verließen die An- wesenden den Saal. m Der deutsche Antisernttenbund hielt Freitag, 26. d. M. im oberen Saale Buggenhagen eine äußerst zahlreich besuchte öffentliche Versammlung ab, in welcher der Stadtverordnete Pickenbach in einstündiger Rede die schon oft gehörte Pauke über die Anmaßung des Judenthums schlug. Als getreuer Apostel Stöcker's, sollen nach Herren Pickenbach Ausnahme- gesetze gegen das Judenthum jedes soziale Elend beseitigen. Die Ausweisung resp. Vertreibung der Juden bedeutet nach antisemitischer Anschauung den Anfang des goldnen Zeitalters. Die ganze Rede des Herrn Pickenbach gipfelte in dem Satze! Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ganz entschieden Front macht gegen das Gebahren des Judenlhums und mit allen gesetzlichen Mitteln die Austreibung der Juden erstrebt. Ein komisches Bild nahm die Versammlung an, als der Lehrer Langheinrich als zweiter Redner die Tribüne betrat, um in possenhafter Weise die Vorgänge bei den Stadtverordneten- wählen wiederzugeben, die wahrhaft ekelerregend gewesen seien, in Folge deren auch der Vorsteher der Stadtverordneten- Versammlung wieder ein Jude se«. Auch Herr Judis konnte nicht umhin, hier wie überall das Wort zu ergreifen, und da er etwas besieres nicht vorzubringen wußte, so erzählte er der staunenden Menge ein Schauspiel, das er neulich mit angesehen, daß so, wie die Ratten den Schwänen in der Spree das zum Leben nothwendigste' Futter wegschnappen, die Juden den Ehrlsten stets zu schädigen und auszusaugen suchten. Zum Schlüsse wendete sich der Redner an die Arbeiter Berlins mir der Bitte, bei den bevorstehenden Reichstaaswahlen ja keinem Juden ihre Stimme zu geben. Sie würden fich da- durch gleichsam»erkaufen und ihrem eigenen Interesse entgegen wirken. Er, Redner,! könne überhaupt nicht begreifen, wie die Arbeiterpartei hier in Berlin einen jüdischen Kandidaten pro« klamiren könne- Nach diesen letzten Aeußerungen meldete sich der Tapezierer Wildberaer zum Wort, und die bisherige heitere Stimmung wurde sofort eine ernsthafte. Nachdem der Redner die Versammlung gebeten, daß, wenn er in dieser Frage an« derer Meinung sei, ihn ruhig anzuhören und das Recht der freien Meinungsäußerung hoch zu halten, führte er aus, daß die Begeisterung, die in antisemitischen Versammlungen herrsche, einer ocffern Sache würdig sei-(Große Unruhe.) Zur Beruhigung der Versammlung theile er mit, daß er ge- tauft, konfirmirt und sogar, auf Wunsch seiner Frau, kirchlich getraut sei. Er könne aber eine so gehässige Agitation, die den l Racenhaß schürt, nicht billigen. Ihm sei eS vollständig gleichgiltig, ob er bei einem Juden oder Christen arbeite. Ja, er könne es mit taufenden von Arbeitern beweisen, daß es jüdische Arbeitgeber giebt, die koulanter und humaner gegen chre Arbeiter seien, als solche, die täglich von Nächstenliebe und schönen Dingen faseln und fich Christen nennen. An» gefichts oer haarsträubenden Vorgänge in Tisza Eslar und Neustettin sei eS geradezu empörend, diese ab- scheuliche Agitation immer noch weiter zu treiben. Außerdem könne man fich doch nicht wundern, wenn ein Volk das schön fett zweitausend Jahren gehetzt und verfolgt werde, seinen Verfolgern kein rechtes Vertrauen entgegen bringe und st ch vor diesen immer mehr verschließe. Redner, der während dieser Ausführungen öfter unterbrochen wurde, erwiedert auf die Bcmcrkurgcn des Herrn Judis, daß der von ihm zitirte jüdische Kandidat im 4. Berl. Wahlkreise ein christlicheres Herz im Leibe habe, als der Herr Hofprcdigcr Stöcker. Stüimischer Beifall folgte diesen Worten und übertönte die Pfui- und Judenbcngcl-Rufe der Antisemiten. Als der Redner von der Tribüne im Saale ankam, wurde er durch einige unsanfte Stöße empfangen und nur das energische Einschreiten seiner Genossen bewahrte ihn vor gewaltsamer Entfernung. Der Verein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer hielt am Sonntag, den 28. September, in der Berliner Flora eine fünf Stunden dauernde stark besuchte Versammlung ab, welche fich damit zu befassen hatte, wie die organifirtcn Berliner Buchdrucker in Zukunft einen Zuschuß zur Zentral-Kranken- Kasse fich verschaffen können. Von sieben vorliegenden Anttägen wurde schließlich ein vom Vorstände ausgearbeitetes Statut zur Gründung einer Krankcngeld-Zuschuß- und Bcgräanißkasse für die Mitglieder der Zentral-Kranken- und Bcgräbnißkasse angenommen, dessen erster Paragraph lautet: der Zweck dieser Kasse ist, den Mitgliedern des Vereins, welche nur einer dem Gesetz Genüge leistenden Kasse angehören, in Krankhcits- fällen einen auskömmlichen Zuschuß und bei Todesfällen einen Sterbedeitraa zu gewähren. Die Nah- und Schreibtischmacher versammeln fich am Dienstag Abend 8'/, Uhr im Restaurant Keller, Grüner Weg 29 behufs Beralhung eines Minimaltarifcs für diese Branche, zu gleicher Zeit und zu gleichem Zweck versammeln fich die Trschmacher(Auszich-, Sopha- und Blumentische u. s. w.) in den Königstädtischcn Bicrhallcn Große Frankfurterstr. 30. Der Kasfirer der Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Tischler und verwandten Berufsgenossen(Sitz tzam- bürg) Filiale E, Wedding, macht den Mitgliedern auf dem Gesundbrunnen und in Reinickendorf bekannt, daß vom 1. Ott. eine Zahlstelle auf dem Gesundbrunnen Badstr. und Prinzen- Allee-Ecke in der Destillation bei Herrn Haase errichtet ist. Die Beiträge werden daselbst jeden Sonnabend von 8—10 Uhr Abends durch den Beitragsammler entgegengenommen, ebenso werden daselbst neue Mitglieder aufgenommen. Der Ortsverein der Cigarren- und Tabakarbeiter hält am Dienstag, den 30. d. Mts., Abends 8 Uhr, eine Versamm- lung bei Scefeld, Grenadierstr. 33, ab. Tagesordnung: Die Gcwerkvereins-Hilsskaffen und die Zentralkaffen Referent: Herr Bey. Korref.: Herr Engclbrecht, Magdeburg. Zu dieser Versammlung find sämmtliche Cigarrenarbeiter Berlins ein- geladen. Berliner Klaviermacher-Verein. Am Dienstag, den 30. September, Abends 8'/, Uhr, im Restaurant Otto, Aval- bertstraße 21: Generalversammlung. Gäste willkommen. Permiscktes. Debreezin. Ein furchtbarer Raus Exzeß zwischen Soldaten der gemeinsamen Armee und Honveds hat am Sonntag hier stattgefunden. ,,Debr. Ell." berichtet darüber Folgendes: Gegen 8 Uhr Abends saßen 10 bis 12 Honvcd-Rcservisten im zweiten Zimmmer der„Cserepes. Csarda" beim Wein. Im ersten Zimmer stand die Wirthin beim Schanktisch, als zwei Soldaten der gemeinsamen Armee eintraten und auf die Frage der Wirthm, womit sie ihnen dienen könne, sagten: „Heute essen wir noch Paprikas"„Mit diesem Ausdrucke pflegen die Soldaten der gemeinsamen Armee die Hon- veds, auf deren rothe Beinkleider anspielend, zu ver- höhnen.) Die Honveds, dies hörend, stürzten zur Thür. Auf den Lärm kamen noch etwa 12 bis 13 Infanteristen, darunter einige Unteroffiziere, mit gezogenem Bajonnet herbei. Zum Glück war ein Thürflügel geschloffen und so gelang es den tonveds, mit Hilfe einiger im Wirthshause anwesenden ivilisten die Soldaten zurückzudrängen. Diese begannen nun unter Fluchen Weinflaschen auf die Honveds zu werfen, von denen einer durch das Fenster auf die Gasse sprang und in der nahclegcnen Kaserne eine ganze Kompagnie Honveds alarmirte, die unter dem Kommando des Lieute- nants Rath herbei eilten und das Wirthshaus um- zingrlten. Ein Theil kletterte durchs Fenster in das Zimmer und stürzte fich wüthend auf die Soldaten der gemeinsamen Armee, die fich eine Zeit lang mit dem Bajonnet gegen die Uebermacht zu vertheidigen suchten. Sie hielten Stühle in die Höhe oder flüchteten fich unter die Tische. Doch man schlug ihnen die Stühle aus den Händen und zog fie unter den Tischen hervor. Es entstand nun ein förmliches Blutbad und die furchtbare Szene nahm erst ein Ende, als die Angegriffenen alle verwundet waren. Ein Infanterist blieb todt auf deni Platze, ein zweiter starb im Spital, wohin man die Schwer- verwundeten gebracht hatte, während die Leichtverwundeten in die Kaserne grngen. Von den Honveds find nur zwei oder drei leicht verwundet. Der Schauplatz des Exzesses bietet einen schrecklichen Anblick. Der Fußboden ist mit Blut bedeckt, die Möbel find zerschlagen. Den bekannten Berliner Arzt Dr. Heim quälte ein« Dame von Rang, die vor Kurzem ihr erstes Wochenbett über standen hatte, durch stets erneuerte Fragen, was man noch Alles für den jungen Sprößling beschaffen und mit Nutze« verwenden könnte. Eines Tages hielt fie ihn unter der Tbim fest:„Nun noch eines, lieber Geheimrath, für was ist Esel- milch gut?"—„Für junge Esel," versetzte der alte Heim, und empfahl stch. 4 Millionen Pfund Sterling. Nach einer Berechnung, die„Tally News" aus Londoner Bankierkrcisen haben wr», find in der verflossenen Reisezeit über 4 000 000 Lstrl. wenig« an Reisegeldern durch die Banken ausgezahlt als in anderen Jahren. So hemmend hat der Ausbruch der Cholera in Süd- ftankreich, in Italien und die Besorgniß vor Ausbreitung dn Seuche nach der Schweiz auf die Reiselust der Engländer ge- wirkt. Den schwersten Schaden wird wohl die Schweiz«- litten haben. Nicht nur die Engländer, auch die Franzosen find weggeblieben, ferner die Amerikaner, die in auffällig« Zahl England in diesem Sommer besucht haben. Börne befand fich als kaum zwanzigjähriger junger Mann in einem Kreise streitender Herren und wurde wider seinen Willen ins Gespräch gezogen. Ein schon älllicher Herr, der seine ungereimte Meinung mit großer Hitze vertheidiate, fuhr den jungen Börne, der ihm zu widersprechen gewagt hatte, m« den Worten an:„In Ihren Jahren war ich m solchm Sachen noch ein Esel!"„Dann haben Sie fich außerordentlich gut konservirt", erwiderte Börne und kehrte ihm den Rücken. Die Misflon bei den Kannibalen. Ein Eingeborener stellt fich mit seinen beiden Frauen einem Missionär vor, um sich taufen zu lassen.—„Es ist unmöglich, mein Sohn," er- widert der Diener des Herrn, die christliche Religion gestatte! dem Manne, nur ein Weib zu besitzen. Der Wilde verschwindet, erscheint aber nach acht Tagen wiever mit nur einer Frau.-- „Diesmal, mein Vater, werden Sie mir wohl nicht die Tauft verweigern."—„Wo hast Du denn Deine andere Frau? fragt der Priester.—„Die kommt nicht mehr wieder, ich Ww Se aufgegessen", war die unschuldige Antwort des Tauf- Spiranten._____ Gemeinnütziges. Ueber die schlechte Pflege der Zähne. Es ist leid« wahr und eine traurige Tliatsache, daß die meisten Menschen nichts für ihre Zähne thun, fie weder ausstochern noch putze«, noch durch desinfizirende Wässer(in Wasser gelöstes überman- gansaures Kali) reinigen. Dann giebt es wieder eine Klaffe, die fie wohl reinigen, aber auch auf falsche Weise. Dazu ge- hören besonders diejenigen, welche stc mit irgend einem zu scharf reinigenden Mittel putzen. Solche Mittel find z. B. ge- pulv. Bimsstein, Lindenkohle(letztere erzeugt einen lange am Zahnfleisch haften bleibenden schwarzen Rand); durch fie wird der Schmelz der Zähne abgeschliffen. Noch schlimmer ist Ei- garrenaschc, ein sehr beliebtes Volksmittel, fie löst aber die Kallsalze des Zahnes in hohem Maße auf. Auch der dauernde Gebrauch von Seife ist nicht anzulachen, da häufig genug die Zähne dadurch empfindlich werden. Endlich schaden auch die Geheimmittel, deren Ingredienzien die Zähne zwar im Augen- blick weiß machen, ihnen aber auch nachthcüig find. Man benutze einfach lauwarmes Waffer und eine nicht zu feste Zahn- bürste. Briefkasten der üedaetion. Grünstraße 23. Wenn die Kinder majorenn find, ja." Beim Gardekorps dürfen keine Vollbärte getragen werden-- 30,000 Mark. 6. N. Unter diesen Verhältnissen find Sie nicht wabl berechtigt. Theater. Königliches Overuhaus: Dienstag:(gutyanche._ Königliches Schaukvtelhau»: :. Vorstellung. Das Testament l Dienstag: 192. Vorstellung fürsten. estament des großen Kur- Deutsches Theater: Dienstag: Wilhelm Tell._ vellealliance-Thtater: Dienstag: Gastspiel der Königl. Hosschauspielerin Franziska Ellmenreich. Zum 4. Male Gerettet. Schauspiel in 4 Akten von Friedr. Spielhagen._ Neue« Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater: Dienstag: Gasparone.___ Walhalla-Operetten-Theater: Dienstag: Rofina.__ Central-Theater: Alte Jakobstraße 30. Direktor: Ad- Ernst. Dienstag: Zum 61. Male: Jäger- Liebchen. GesangSpoffc in 4 Akten von L. Treptow; Couplets u. Quodlibets v. G- Görß. Musik von G. Steffens. Kassen- Eröffnung 5> Uhr, Anfang der Vorstellung 7'/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung.__ Osteud-Theater: Dienstag: Gastspiel des Herrn Fliegener. Das Kreuz im Walde. Mtttwoch und folgende Tage: Dieselbe Vor- � stellung.___ Viktoria-Theater. Dienstag: Maria Stuart «estdenz- Theater: Direttwn: A- Anno, Blumen, rraße 9. Dienstag: Zum 18. Male: Die Sirene.(La boyarne.) Vorher, zum 18. Male. Der April. Flara- erste LouiseustädttscheS Theater: Direktion: Jcfef Firmans. Dienstag: Fünfzehntes Gesammtgastspiel der Llliputaner. Robert und Bertram. Große Poye mit Gesang und Tanz in 4 Adtheilungen von G- Räder. Anfang 7'/, Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Dieselbe Vorstellung. Wallner- Theater: Der Raub der Sabinerinnen._ Alharnbra-Theater. Wallner-Theaterstr. Rr. 15. Dienstag, den 30. September 1884. Zum 1. Male: Ein Gtheimuiß von Berlin. Posse mit Gesang in 3 Alten Entrö 30 Pfg. Parquet 50 Psg Anfang 7V, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung.[615 Arbettsmsrkt. Gin tüchtiger Zeitungs-Korrektor findet sofort Stellung Max Badiug's Buchdruckerei, _ Beuthstraße 2._ E Schuhmacherlehrling v. K. Habicht, Wilhelmstr. III. Bekanntmachung. Den geehrten Herren Schlossermeiftern und Fabrikanten zur gefl. Kenntnißnahme, daß der Fachverein der Schlosser und Berufsa. am 1. Oktober d. I. in dem Saale des Herrn Opatz, Alte Jakobstr. 66, einen Arbeitsnachweis errichtet Die Ge- schäste werden durch Mitglieder des Vereins geregelt, und zwar an Wochentagen von 8—10 Uhr Abends, an Sonntagen von 9-11 vormittags Der Nachweis erfolgt kostenlos. Indem es unser eifrigstes Bestreben sein wird, allen An- 'orderungen gerecht zu werden, empfiehlt fich derselbe den kehrten Merstern und Fabrikanten zur gest. Benutzung. Die Kommission für Arbeitsnachweis. ____ I A. 9t. Pehold. Große Versammlung sammtlicher Wähler des 2. Wahlkreises >- nr Tages Ordnung: Dte bevorstehenden Reickstagswahlen. Referent der Kandidat des»werten Rerchstags-Wahlkreises FranzTuyauer.- Btsrusfion. Sämmtliche Wähler des zweiten Reichstags-Wahllreises ohne Unterschred der Partei find freundlichst eingeladen. ______ Der Einberufer. Ortsverein der Cigarren- und Tabaksarbeiter Versammlung Dienstag, den 30. d Mts.. Abends 8 Uhr bei Eeefeld. Grena- dierstraße vir. Ja ggg Tagesordnung: Die Gewerks-Hrlfslaffen und die Zentral-Kassen. Ref.: Herr Bey. Corref. Engelbrecht(Magdeburg). " Zu dieser Versammlung find sämmtliche Cigarrenarbeiter Berlins eingeladen. __ Der vorftaud. Daira- ü. Mar-Garätrota _ Kriedrichöfelderftr. 33, Hof 1 Zt. recht«. Arb.-Kej.-Vtttm f. d. Osten Kerlins. Dienstag, d. 30. Sept., Abends 8'/. Uhr, im Kokale Königsbavk, Gr. FraakfutterKr. U7' Versammlung., O rn".un�: J'®S'iriaa über„Die Bauernkriege! 2. Verschiedenes- 3 Fraaekasten. Um zahlreiches Erscheine« wrrd gebeten. Gäste willkommen- 900] Der Vorstand- KL. Der monatliche Beitrag beträgt 20 Pf. und wird«N Emschrerbegeld nicht erhoben.___ Die Zeitungs-Spedition v. C. Mücke l Rosenthalerstr. 46(Rothe Apotheke.) empfiehlt fich zur pünlllichen und prompten Lieferung all« Zeitungen bes.„Berliner Bolksblatt" im Norden. ZentrM«. Osten und Umgegend, und liefert dieselben biS 1. Ottob« gratis._______ 855__ Allen meinen Freunden und Bekannten empfehle ich bei pünktlrcher Besorgung daS„Berliner Bolksblatt". Max Kirsch, vom Zeitungsspediteur, Briyerftr. 47, 1. Oktober Admiralstr. 25 II! Admtralstr. 25 III Tr. 915. Frau Rosen treter, Gr. Franlfurterstr. as s-A Äf ÄÄ-, „Wahren Jakob u. s. w., empfielt stch 906 ___ C>. Seefeldt, Moabit, Ciromstr. 30.__ o zeitigen Besorgung des„Berlins Vy** M' ja? Derantwonlicher Redactrur St. tzrouheim in Berlw. Druck und Verlag von Max Bafetag in F. BankowSky, Andreas_____ fW] Eine freundl. Schlafstelle zu vermiethen für einen ________________»ritzerftr. 1, 4 Reparaturen zu soliden Preisen.„ i°ii____ G�Apelt, Berlin S. o., WienerstrL - kU>g. v. Tuch«.«olle kaust ff, Qutbeuo.lffienerjtejg Die statistischen Wahltafeln Berlin SW.. veuthflraße 1" Hierttt etu«#3%#* Beilage m Kerliuer Volksbiatt. %r, 152. Die Änjel Formosa. v. Am Hinblick auf die kriegerischen Ereignisse in China und � Möglichkeit der Besitznahme der Insel Formosa durch die »ach ernem Pfandodjekt verlangenden Franzosen gewinnt fol- Ude nach dem Bericht eines in Ostastcn lebenden Franzosm, *<■ Edmond Plauchut, im„Temps" entworfene Schilderung Msel besonderes Interesse, zumal unsere bisherige Kennt- M des Landes und der Sitten der Bevölkerung recht Mangel- Mt zu nennen ist. Die zwischen dem 22. und 25. nördlichen Breitengrade liegende Insel Formosa gehört gegenwärtig zu oer chinesischen Provinz Fo-Kien, deren Hauptstadt Amoy ist. von dem dortigen Vizekönig abhängiger Gouvemeur I°"°M.zu Ta>wan-Fu, der Hauptstadt der Insel. Letztere soll Vach chinesischen Berichten erst 1848 von den bezopften Söhnen vea himmlischen Reiches entdeckt worden sein, was jedenfalls tem gutes Licht auf die Schifffahrtsverhältniffe des alten Ichinas wirft. 1534 betraten die Portugiesen zum ersten �cale die Insel, der sie den Namen„Formosa", die Schöne, gaben. Als Portugal von der Seemachtstellung verdrängt Dienstag, den 30. September 1884. 'ML vvv miy* vuyuufHvii iviiiutn. 'cm ist das herrliche Gebiet fast ganz in den Händen der Ein- geborenen geblieben, die in den chinesischen Piraten gleich ge- lahrliche Bundesgenossen erhielten. ».. Die Bevölkerung besteht aus Eingeborenen altafiatischer Abstammung, den Pei-Po-Hwan und L>akkas, aus verschiedenen wilden Stämmen, wie Butan, Cuscus, Kowart und aus �gewanderten Chinesen. Zwischen Letzteren und den wilden «lammen besteht noch immer grimmige Feindschaft! ein Berg- oewohner genießt nur dann Ansehen bei seinen Stammes- genossen, wenn er mit dem Kopf eines Chinesen als Beutestück aufwarten kann. Die Pei-Po-Hwan und Halkas find dagegen jw ihren Siegern vielfach in Verkehr getreten, etliche unter chnen tragen auch die Gewänder und den jZopf der Chinesen, »otzdem herrscht bei ihnen die Sitte noch immer, sich Ole Ohren zu durchbohren und mit Holzstäbchen und Wcuscheln zu verzieren. Desgleichen ist das Betclkauen durch- weg Sitte, so daß die sonst ganz gefälligen Gestalten durch den anscheinend blutigen Mund unangenehm entstellt werden. Das fasern der Eingeborenen ist einfach und gefahrvoll; sie setzen ohne viel Besinnen ihr Leben aufs Spiel und gehen nie un- bewaffnet aus, da sie jederzeit eines Ueberfalls der räuberischen Zergbewohner gewärtig sein müssen. Da es weder Aerztc noch «rzneien giebt, so gehen die schwächlichen Kinder frühzeitig zu )®ju«de, und es bleiben nur die kräftigen Personen übrig; wurden nicht die Fieberkrankheiten sie wegraffen, so gäbe es auf der Insel viele hundertjährige; immerhin zeigen die Leute wwllter von 60 Jahren noch eine ganz erstaunliche Kraft und . Das Klima ist an der Küste gesund, jedoch unheilvoll in 'er Tiefebene und auf den Abhängen der Gebirgskette, die »ormosa von Norden nach Süden buchstäblich in zwei Hälften rherlt. Der höchste Berg ist der Morisson, welcher in der Mitte von Formosa gelegen ist und ca. 3600 Meter hoch ist. Etliche 'vch iharige Vulkane cxistiren ebenfalls, jedoch hat sich in der Aahe des Meeres die Erde längst in Ackererde verwandest. «n der Küste befinden sich an vielen Stellen große Dünen, 'le bei niedrigem Wasserstande sich mit kleinen Krabben be- 'ecken, welche von den Affen als besondere Licblingsspeise ver- Khrt werden. An gefährlichen Thieren find nur Aligatoren h'h Krokodile vorhanden, diese allerdings in so starkem Maße, Zaß es nicht rathsam ist, in leichtem Boote die Ströme im «nnern des Landes zu überschreiten. Der Büffel wird allge- lnern als Zugthier benutzt, da es nur wenige Pferde grebt, die Jl'Scführt find und fast nur von den Europäern benutzt wer- °en; der vornehme Chinese zieht es vor, sich in seiner Sanfte Soften zu lassen. Die Flora ist eine sehr üppige; Orangen. Anancn, Goyaven wachsen in reichlicher Menge und bilden M., Reis die Bestandtheile des billigen Mahles; wer das »wisch entbehren kann oder prinzipiell kein solches ißt, wird rn fformosa ein recht vegetarisches Leben führen können. Die zur Ausfuhr dienenden Produkte find hauptsachllch A«, Zuckerrohr. Hölzer, Oele u. f. w.; ferner spie t d,e Aus- ?ut- der Bergwerke iGold. Silber, Kupfer. Kohlen) ttn-w.ch- Polarlicht und Erdstrom. Von A. Woldt. (Fortsetzung) WMZZM ■ kMZW 1. Jahrgang. zu entschädigen. Die tägliche Ausbeute beträgt gegenwärtig 200 bis 250 Tonnen, kann jedoch, da die Gewinnung eine sehr leichte ist, beträchtlich gesteigett werden. Die Minen be- finden sich im Befitz der chinefischen Regierung. Der Hafen von Kelung wird neuerdings von der mehr westlich gelegenen Hafenstadt Tamschui überflügelt, die namentlich viel Thee nach den Vereinigten Staaten exportirt. Weitere brauchbare Häfen find an der Westküste: Taiwan-Fu und Taku; an der StU>- küste: Cheshon oder Loang-Kiao, während auf der ganzen Ost- küste kein einziger sicherer Landungsplatz für größere Schisse vorhanden ist. In den genannten Hafenstädten existiren auch etliche europäische und amerikanische Handelshäuser; der Haupt- Handel liegt jedoch in den Händen ver Chinesen, die mit Vor- liebe fich in Taiwan niederlassen, wo eine chinefische Festung ihren Handel schützt. Eine spanische Misfionsgesellschaft hält fich gleichfalls in den genannten Städten auf, ohne bisher be- deutende Erfolge erzielt zu haben. Bessere Geschäfte machen dagegen die Engländer, die das Opium in Formosa ein- führen. Die Zahl der 1383 gelandeten Schiffe betrug fünfzig, der Tonnengehalt 20000 Tons. Die Zahl der chinefischen Ein- Wanderer erreichte die stattliche Höhe von 18 000. Die Mehrzahl kommt blutarm an und kehrt nach etlichen Jahren mit einem stattlichen Vermögen nach China zurück. Der Gesammt- Umsatz im Handel— Einfuhr und Ausfuhr— war für 1883: 21 Millionen Francs. Die chinesischen Zollbehörden hatten eine Einnahme von 3 Millionen Francs aufzuweisen. Die Abgaben für das Opium brachten dem chinefischen Staatsschatz an 150 000 Francs. Der Gesammtwetth des von den Eng- ländern eingeführten Opiums belief fich auf drei Millionm. Das Thccgeschäft liegt zumeist in den Händen der Amerikaner. Vor fünfzehn Jahren wurde für ungefähr 2 Millionen Francs ausgefühtt: im Jahre 1883 bereits für 12 Millionen. Ein Theil der Kohlenminen defindet fich im Befitz von Privaten; dieselben führten 1883 Kohlen im Werthc von 700 000 Francs aus. Diese wenigen Angaben lassen erkennen, welche Bedeutung Formosa für den afiatischen Handel hat. Gelingt es den Franzosen, auf Formosa festen Fuß zu fassen, so werden fie unzweifelhaft einen bedeutenden Vorsprung im Vergleich zu den übrigen Nationen haben. Augenblicklich find ste aller- dings von diesem Ziele noch ein gutes Stück entfernt. __(Hamb. Corresp.) Lokales. g. Mit der Zuschüttung des Grünen GrabenS ist man jetzt nahezu fettig. Am Kuvfergraben, hinter der Singakademie und bei der Jnselstraße fleht man nur noch wenig von den Ufereinfassungen, da der Graben nahezu bis zur Straßenfläche zugeschüttet ist. In Ermangelung genügender öffentlicher Spielplätze treiben jetzt Kinder auf dem zugeschütteten Terrain ihre Kurzweil. Von den fichtbaren Stellen des Grünen Grabens(der größte Theil desselben ist bekanntlich überbaut) steht man nur beim sog. Bullenwinlel noch einen größeren Theil nicht zugeschüttet, der aber kaum in Frage kommt und zu dessen vollständiger Füllung mit Erde es nur kurzer Zeit bedarf Neugierig daif man nur sein, welchem Schicksal das Terrain des Grünen Grabens nunmehr verfällt. g- Die jungen Kastanienbäume, welche in diesem Frühjahr im Kastanienwäldchen verpflanzt worden find, find vorzüglich gediehen. Die gute Pflege, welche ihnen durch hau- figcs Bewässern der Wurzeln zu Theil wird, hat zur Folge ge- habt, daß jetzt noch bei einigen der jungen Bäume frischgrü- nende Blättchen, die zweiten in diesem Jahre, zum Vorschein kommen. Dieses ftische Grün tritt umsomehr in's Auge, als das übrige Laub bereits abzusterben beginnt. Wie stark der Blätterfall bereits ist, kann man auf dem üppigen Rasen des Kastanienwäldchens hinter der Universttät beobachten, welcher täglich mehrere Male von dem herabfallenden Laub gesäu- bcrt wird. a. Eine der Kriminalpolizei bekannte und gefährliche Taschendiebin ist gestern zugleich mit ihrer von ihr zur Theil- nähme an ihrem diebischen Gewerbe verrührten Stiefmutter zur Haft gebracht worden. Die unverehelichte erst 21 Jahre alte Alwine P. hatte in letzter Zeit die zweite Frau ihres Vaters welcher Schuhmacher ist, veranlaßt, an ihren Etreifereien durch die Stadt behufs Ausführung von Taschendiebstählen Theil zu nehmen. Während der letzten Wochen durchstreiften beide der Beringstraße zahlreiche Untersuchungen über das Polarlicht angestellt. Die Nordlichter, welche während des Winter- aufenthaltes der Vega-Expedttion im Beringssund beobachtet wurden, hatten durchaus nicht den veränderlichen Charakter, wie die nördlich von Europa und bei uns gesehenen, fie trugen vielmehr das Gepräge der Unveränderlichkeit und der fast vollkommenen Ruhe, auch zeichneten fie fich durch geringe Licht- stärke aus. Beinahe stets, wenn der Himmel klar war und diese schwache Lichterscheinung nicht durch das Licht der Sonne oder des Mondes gestört wurde, sah man am nordöstlichen Himmel einen gleichmäßigen Lichtbogen, dessen höchster Punkt 5— 12 Grad über dem Horizont lag. Gewöhnlich war der Bogen gegen 10 Grad hoch und breitete fich in regelmäßiger Biegung ungefähr 45 Grad nach beiden Seiten von seinem in Nord- Nordost gelegenen Höhepunkt aus. Bis auf unbedeutende Ver- änderungen in Höhe, Umfang und Lage blieb dieser Bogen Stunden und Tage lang unverändett, so daß allen Ernstes daran gedacht werden konnte, durch eine„Expofition" von 15 Minuten eine Photographie von ihm zu nehmen. An Bord der„Bega" wurde dieser Rordlrchtbogen bald ganz allgemein„der gewöhnliche Bogen" genannt. Man kam bei seinem Anblick unwillkürlich auf den Gedanken, daß er von einem beständigen oder beinahe beständigen, in dem oberen Tbeile der Atmosphäre belegenen Lichtkreis herrühre. Es war klar, daß man durch einfache Rechnung die Lage dieses Nordlichtbogens im Raum leicht finden konnte. Es kann hier auf die näheren Untersuchungen und Beobachtungen, auf Grund deren Nordenskiöld unter Zuhilfenahme aller in der Volar Literatur enthaltenen Nachrichten über Nordlichter zur Aufstellung einer bestimmten Theorie gelangte, nicht eingegangen werden. Genug, er stellte den Satz aus: Daß die Erde, ülbst während der Minimumjahre für die Nordlichter, mit einem beinahe deständigen, einfachen, doppelten oder afmW% Ä lieb eine Höhe über der Erdoberfläche von ungefähr 0,03 Erd- ratiicn hatte und dessen Mittelpunkt etwas unter der Erdober- kläcke ein Stück nördlich von dem magnetischen Pol belegen war und welcher, mtt einem Durchmesser von ungefähr 0,32 Frauenspersonen mit Vorliebe die verkehrsreichen Straßen der Louisenstadt, gesellten fich an Schaufenstern der Geschäftslokale zu anderen Damen, wobei die Tochter Pottemonnaies, Taschen- tücher ic. aus den Taschen der Damen stahl und ihrer hinter chr stehenden Mutter zusteckte. Gestern Abend wurden beide Diebinnen in der Kommandanten- und sodann in der Oranien- straß-�beobachtet' als ste binnen kurzer Frist in zehn Fällen Ta,chendlebstahle auszuwhren versuchten, die aber in Folge der Aufmerksamkeit ihrer Opfer mißlapgen. Als es endlich bei dem 11. Male der Tochter gelang, vor einem Schaufenster einer Dame em Portemonnaie aus der Tasche zu nehmen, da wurden berde Drebrnnen in«agranü ergriffen und zur Haft gebracht. g. Das häufige Stürzen der Pferde auf dem Asphalt- Pflaster nach erfolgter Besprei.gung desselben(das Besprengen erfolgte zum Therl, um dadurch zugleich mittels der Gummi- straßemermger das Asphaltpflaster zu reinigen) hat nunmehr endlich zu der Maßnahme geführt, daß jetzt sofort nach erfolgter RernHlgung mittels der Besen das besprengte Asphaltpflaster mit Sand bestreut wird. a. Ein ungetreuer Kommis. Der Inhaber eines Kon- fectionsgeschästs in der Oberwallstraße, Kaufmann L., demerkte seit einiger Zeit, daß ihm Stosse aus seinem Geschäftslolal fortgesetzt gestohlen würden und er richtete seine Aufmerksam- kell auf die Ermittelung des Thäters, den er in einem bei ihm beschäftigten Kommis, dem 20jährigen M, vermuthete. M. war in dem L.'schen Geschäft mit der Beschaffung von Stoffen, für die Herstellung von Mänteln betraut, und war von seinem Prinzipal ermächtigt, selbständig von den Geschäftsliefcranten in Fällen, wo die vorhandenen Stoffvorräthe ausgegangen waren, Stoffe kommen zu lassen, und auf die Bestellzettel des M. wurden auch von den Lieferanten der Firma die verlangten Stoffe anstandslos geschickt. M- war also leicht in der Lage einen großen Vettrauensmißbrauch zu begehen. Als nun vor einigen Tagen wieder eine kleine Partie Sammet in dem L.'schen Geschäft vermißt wurde, wurde auf die An- zeige des L. sofort Haussuchung in der M'schen Wohnung ge- halten, und nachdem der vermißte Sammet und sonstige aus dem L-'schen Geschäft herrührenden Stoffe gefunden worden waren, würbe M. selbst festgenommen. M. räumte nun ein, daß er seit Juni cr. in etwa 30 Fällen, durch Bestellzettel Waaren bei den Lieferanten für die Firma bestellt habe, die im Geschäft garnicht gebraucht wurden und die er sich angeeig- net hat, und daß er rn 30 anderen Fällen Stoffe aus dem Geschäft selbst entwendet hat. Diese theils gestohlenen, theilS durch Betrug erlangten Waaren habe er dem Zuschneider D. zu geringen Preisen verkauft, welcher ihn zu den fort- gesetzten Diebstählen und Betrügereien angestiftet habe. D-, welcher seine Bctheiligung an den Strafthalen des M. bestrei- tet, ist zugleich mit M. heut zur Haft gebracht worden. t. Diana im Bade. Bei Inspektor W. war große Ge- sellschaft. Von allen Nachbargütern waren die Beamten mtt und ohne Familie eingettoffen, um den Gebuttstag des Herrn W. in ungezwungenster Weise zu feiern- Unter den Gästen befand fich auch der junge Pastor H. des benachbarten Städt- chens, welcher sowohl wegen seiner Anschauungen, als auch wegen seiner liebenswürdigen Allüren und seines heiteren Temperamentes fich allgemeiner Beliebtheit erfreute. Die Ge- sellschaft befand sich in heiterster Stimmung, man hatte die Skala der ländlichen Vergnügungen durchkostet und war soeben bei den Pfänderspielen. Herr Förster H. war gerade zum letzten Male in den Brunnen gefallen, und um die Gluth des allgemeinen Frohsinnes noch mehr zu schüren, wurde der zeit- gemäße Vorschlag gemacht, lebende Bilder zu arrangiren. Mit wahrer Begeisterung wurde dieser Vorschlag aufgenommen, die Thüröffnung eines Nebenzimmers bildete den Rahmen zu dem zu stellenden Bilde, und die angenehmen Schwerenöther der Gesellschaft verschwanden bald hinter dem schnell herbei- geschafften Vorhange, welcher die geheimnißvolle Thür- öffnung den neugierigen Blicken der Zuschauer verhüllte, um mit Humor und Geschick die improvisitten lebenden Bilder zu inszeniren. So waren bereits mehrere Bilder gestellt worden, deren Motive allein die muntere Laune eingegeben, und hatten eine zündende Wirkung hervorgerufen, da ertönte plötzlich unterdrücktes Kichern und Lachen hinter dem Vorhange, ganz sonderbare Töne wurden laut, und Alles deutete darauf hin, daß etwas Außerordentliches vorbereitet werde. Da erschien Herr Pastor H. und verkündete als nächstes Bild:„Diana im Bade." Betroffen und verlegen schauten tirt hatte, einem Heiligenschein, den fich unser alter Mutter- planet aufs Haupt gesetzt hat. Dieser Heiligenschein befindet sich demnach 26 deutsche Meilen über der Erdoberfläche und hat einen 11 mal so großen Durchmesser, nämlich 275 deutsche Meilen. Unsere Erde trägt aber diesen Lichtlranz nicht direkt senkrecht über dem Nordpol, sondern ein wenig seit- wätts, leck wie etwa ein Cereviskäppchen aufgesetzt wird. Es rühtt dies von der bekannten Beziehung der Nordlicht« strahlen zu dem magnetischen Pol der Erde her. In der That wurde hiernach, sowie nach den gewöhnlichen Angaben über die Richtung des Nordlichts, der magnetische Pol» welcher fich bekanntlich unter dem 70° nördlicher Breite und dem 97° westlicher Länge hoch oben in Amerika befindet, die An- wartschaft haben, der Mittelpunkt der Nordlichtglotte zu sein. Aber die zuverlässtgsten Nordlicht- Beobachtungen, welche Nordenskiöld zugänglich waren, zeigten mit Bestimmtheit, daß der Mittelpunkt für die am häufigsten vorkommenden Nord- lichtbogen nicht an dem magnetischen Pole liegt, sondern an einem dem Nordpol näher gelegenen Punkte, für welchen Nordenskiöld bis auf Weiteres die Lage zu 31° nördlicher Breite und 80° westlicher Länge annahm. Um Verwechselungen vorzubeugen, nannte er diesen Punkt den Nordlichtpol. Dieser Nordlichtpol liegt hiernach in der Nähe des Schau- platzes der Thätigkeit der kürzlich geretteten Nordpolar-Erpe- dition unter Greely. Es ist wohl kaum nöthig zu bemerken, daß die Nordlichtglorie im Winterquartier der Bega nicht ununterbrochen die Gestalt des einfachen NordlichkranzeS hatte. Der„gewöhnliche" Bogen war eben nur die am häu- flgstcn vorkommende und am längsten andauemde Form deS Phänomens. Zuweilen aber hob und senkte fich der Bogen und verschob fich langsam am Horizont; zuweilen zeigten sich auch Bogen, die ganz und gar von dem gewöhnlichen Bogen abwichen. Sogar fich kreuzende Bogen wurden einige Male gesehen. Einmal wurden sechs Nordlichtbogen zu gleicher Zeit beobachtet. Es erscheint sonderbar, daß die zahlreichen und aufmerk. Nordenskiöld begegnete diesem Einwände dadurch, daß er saat mmm sich die Damen einander an, während die Herren es an scherz- haften Bemerkungen nicht fehlen ließen. Die verschiedenen Gefühle banger Erwartung und zweifelnder Neugier, verwan- delten fich in das ungeheurer Heiterkeit, als auf ein gegebenes Zeichen die schützende Hülle fiel und das lebende Bild sich den Blicken der Gesellschaft präsentirte. Inmitten der Thüröffnung stand ein mit dem nassen Elemente angefüllter Wassertrog, aus welchem wehmüthig das schwarze Haupt Diana's, Herrn W/s Jagdhündin, die Anwesenden musterte. Unter diesen mußte wohl Diana ihren Herrn erkannt haben, denn plötzlich, mit einem wahren Freudengeheul entrann fie dem unftei- willigen Bade und stürzte mitten unter die Gesellschaft, welche vor dieser Profanirung entsetzt auseinanderstob. Nur mit Mühe gelang es, den schützenden Schleier wieder vor die badende Diana zu ziehen. Herr Pastor H- aber hatte ob seiner Be- kanntschast mit der heidnischen Göttin viele Neckereien über fich ergehen zu lassen. N. Groß Feuer. Diese Meldung allarmirte gestern Abend die Feuerwehr und rief fie mit zwei Dampf- und sechs großen Handdruckspritzen nach dem Grundstücke Wasserthorstraße 46. Daselbst war auf dem Boden ein Feuer ausgebrochen, welches reiche Nahrung an den Boden- Berschlägen, dem Dachverband und den zahlreichen, dort lagemden Möbeln und Betten«. fand. Der Brand hatte beim Eintteffen der Löschmannschaften Venn auch beretts solche Dimcnfionen angenommen, daß das ganze Dach und der Boden mit seinem Inhalt ein vollstän- viges Flammenmeer war. Länger als eine Stunde arbettete die Feuerwehr mit äußerster Anstrengung, ehe es ihr gelang, des wüthenden Elementes Herr zu werden. Die Auftäumungs- arbeiten nahmen noch die Arbeit von ca. zwei Stunden in Anspruch. Der Schaden ist für einige Miether, von denen nur sehr wenige verfichert find, ein sehr großer. Die Ent- stehungsursache des Brandunglücks ist noch nicht bekannt.— Mehrere Stunden später wurde die Feuerwehr durch Den MtÖier nach dem Askanischen Platz gerufen; es stellte fich aber Jieraus, daß der Feuerlärm ein blinder war. Wahrschein- ich ist von bübischer Hand der Wecker in Thätigkeit gesetzt worden- konnte nicht festgestellt werden, und wurde der Verunglückte nach dem Krankenhause imfFriedrichshain gebracht. N. Der Berichterstatter der„Berliner Nachrichten", Edgar Faulhaber, welcher vor einigen Tagen durch einen Sturz aus dem Fenster verunglückte, befindet fich auf dem Wege der Besserung. Die erlittenen Quetschungen an Armen und Beinen find fast verheitt, ebenso find die Wunden am Kopf unbedeutend. F. ist, wie wir uns persönlich überzeugt haben, ganz klaren Geistes und nicht, wie einige Blätter be- richteten, geistesgestört. In circa vierzehn Tagen gedenkt F. seine Thätigkeit wieder aufzunehmen. „Ein Geheimniß von Berlin" betttelt fich eine drei- aktige Posse, welche am Dienstag im Alhambratheater zur Auf- führung gelangen soll. Wer erst kommt, der erst mahlt. Bei dem Kochstr. 39 wohnenden Uhrmacher erschien gestern Vormittag der Gerichts- Vollzieher, um auf Antrag eines Gläubigers das Waarenlager deS Uhrmachers mit Beschlag zu belegen. Das Geschäft ging schnell von Statten, denn bedeutende Vorräthe waren nicht vor- fanden; mit Hilfe einiger requirirter Droschkenkutscher waren ald sämmtliche Regulatoren ic. in die betreffenden Gefährte gebracht und, reich beladen mit dem Raub, setzte fich der Zug » Bewegung. Hatte der Vorgang schon peinliches Aussehen bei Betheiligten hervorgerufen, so wird der betteffende Haus- wirth erst recht unangenehm berühtt sein, wenn er den leeren Laden vorfindet und die Entdeckung macht, daß ihm ein An- derer zuvor gekommen, und wird demselben wohl nichts anderes übrig bleiben, als den armen Gepfändeten von seinem noch 2 Jahre laufenden Kontrakte zu entbinden. - v.fr»r. Ein gefährlicher«trangschlager versetzte am Sonn- tag in der Mittagstunde die Passanten an der Ecke der Char- lonenstraße und den Linden in nicht geringe Auftegung. Schon beim Absahren vom Halteplatz vor dem Hotel de Rome zeigte fich das vor eine Droschke gespannte Thier ziemlich widerspenstig und als es den Damm drr Linden überschritten, suchte es mit großer Beharrlichkeit seinen Weg auf dem Trottoir fortzusetzen. Zwar wurde es hieran durch die energische Zügel- führung und durch die Peitsche des Kutschers gebindert, doch begann es nun plötzlich, den Wagen mit den Hinter Hufen zu bearbeiten, daß der Kutscher, um keinen erheblichen Schaden zu nehmen, vom Bocke sprang und der Fahrgast ebenfalls schleu- »igst flüchtete. Zum Schluß lief das wrld gewordene Thier in das Schaufenster eines Pelzwaarenhändlers, wo es jedoch infolge der Verletzungen, die es fich an den Glassplittern der zerbrochenen Spiegelscheibe zuzog, schleunigst umwendete und fich hierbei zum Glück so in dem Geschirr verwickelte, daß es zu Falle kam und gebändigt werden konnte. Wehklagend er- zählte der Kutscher, daß ihm der bösartige Gaul von einem Pferdehändler„angeschmiert" sei, und zog, das Thier vorfichtig am Kopfe führend, mit dem stark beschädigten Wagen von dannen- Sr verdienen scheine. Nach seiner Rückkehr vernahm Norden- iöld gegen die von ihm dargestellten Lehren über die Lage des bogenförmigen Nordlichtes den Einwurf, daß daS Letztere in der Nackbarschaft des Nordlichtpols als ein Ring erscheinen müßte, er führt aber dagegen an, daß dieses keineswegs der Fall sei, daß das bogcnföimige Nordlicht dort ganz und'gar unter dem Horizor liege. ES gebe keine Stelle auf der Erde, von welcher aus der ganze Lichtkreis auf einmal gesehen werden könne. In seinem großen Werke über die wissenschaftlichen Ergebnisse der Bega- Expedition(Leipzig bei F. A Brockhaus) publizirt Nordensliöld eine interessante Karte über das Gebiet der Sichtbarkeit des gewöhnlichen Nordlichtbogens. Er theilt dasselbe in fünf Untergebiete ein, welche fich konzentrisch rings um den Nordlichtpol lagern. Das innerste Gebiet ist ein Kreis, der von der Baffinsbay bis fast hinauf bis zum Nordpol geht und zu den am besten erforschten Polargcgenden gehört. Der Theorie nach dürfte innerhalb dreses Krerses die gewöhn- liche Nordlichtglorie nur als em weit entfernter Lichtschimmer oder niederer Lichtbogen an dem vom Nordlichtpol abaekehrten Theil des Horizonts zu sehen sein. In der That nehmen in den Berichten der zahlreichen Polarforscher, die hier überwrntert haben, die MUtheilungen über das Nordlicht ernen sehr unter- geordneten Play ein. Deutlicher zeigt fich schon der gewohn- »che Bogen in dem zweiten Sichtbarkeitsgebret, welches als ein acht Grad breiter Gürtel lonzenttisch den inneren Krers um- gicbt. Dieser Gürtel umfaßt Nord-Spitzbergen, Nord-Grön- land und die amerikanisch-arktische Inselwelt. Nordenskröld beobachtete während der schwedischen Expedition 1872—73 von der Mosselboy aus, daß fich der„gewöhnliche" Bogen im magnetischen Süden alS ein Bogen von gleichmäßig vertherltem Lichte zeigte. Von hier fand ein Strahlenwerfen hauptsächlich in der Ebene der Nordlichtglorie nach dem innern Kreise statt, wodurch die hübschen Draperieen-Nordlichter entstanden, welche in Mossellbay so oft beobachtet wurden. Wenn die Nordlichter sehr stark wurden, so fand auch innerhalb des innern Kreises, das heißt auch vom Zenith nach dem magnetischen Norden ein Etrahlmwerfen statt, und nun entstand eine prachtvolle Krone, deren Strahlen an dem Punkte am Himmelsgewölbe pisammen zu laufen schienen, gegen den die Magnetnadel zeigte. Es folgt als drittes Sichtbarketts-Gebiet rings um das zweite ein ringförmiger Gürtel, welcher halb so breit ist alS der zweite. Dieser Gürtel dehnt fich über den nördlichm Gerickts- Rettung. %. Wegen Vergehens gegen die§§. 6 und 19 des Reichsgesetzes über die Presse stand am 27. d. M- vor der Abtheilung 94 des Schöffengerichts eine Verhandlung gegen den Verlagsbuchhändler Dietz aus Stuttgart an. Derselbe hatte es nämlich unterlassen, auf einem Flugblatte, welches in seiner Druckerei zu Hamburg hergestellt war und hier in Berlin ver- breitet worden ist, den Namen und Wohnott des Verlegers beziehungsweise des Verfassers und Herausgebers zu nennen. Rechtsanwalt Freudenthal, welcher den Angeklagten vertrat, stellte den Antrag, daß das Schöffengettcht seine Unzuständig- keit ausspreche, weil das Flugblatt in Hamburg hergestellt und an die Besteller ausgeantwortet sei- Der Umstand, daß hier in Berlin das Preßerzeugniß verbreitet wurde, sei nicht von Belang, da die Strafthat, in einer Unterlassung bestehend, in Hamburg vollendet sei und von einer Fortsetzung der Straf- that hier in Berlin nickt die Rede sein könne. Der Staatsan- walt widersprach dem Unzuständigkeitsantrage; der Genchtshof erklätte fich jedoch unter Adoption der Ausführungen des Ver- theidigers für inkompetent und legte dem Staate die Kosten des Verfahrens zur Last. Die seltene Anklage der versuchten Nöthigung des Justizminifters zur Vornahme einer Amtshandlung, ver- Kunden mit einer weiteren Anklage der wiederholten wissent- lich falschen Anschuldigung unter wiederholter Beleidigung gelangte heute gegen den Eisenbahn-Invaliden Gustav Ösfig vor der vierten Strafkammer hicfigcn Landgerichts I zu Ver- Handlung. Die Grundlage der sämmtlichen Anklagepuntte bilden einzelne romanhafte Vorgänge, die fich in den Jahren 1874, 1876 und 1880 in dem schlestschen Städtchen Grottkau abgespielt haben. Dott verstarb nämlich im September des letzgenannten Jahres der 84 Jahr alte Rentier, ftühere Schmiede- merster Jgnaz Seppe! und hinterließ laut Testament vom 31. Mai 1876 sein Vermögen der als Universalerbin eingesetz- ten Adoptivtochter Mathilde Schneeweiß, während er seinen Blutsverwandten, der Mutter des Angeklagten und deren fieben Kindern nur Legate von je 149 Matt ausgesetzt hatte. Aus den Beiakten wurde konstatitt, daß der Erblasser am 15. April 1874 in der Wohnung der Wittwe Schneeweiß vor einer aus dem damaligen Kreisrichter Dr. Mantel und Protokollführer Berger bestehenden Gerichts- Kommisston, deren beide Töchter Mathilde und Klara adoptirt und daß er im Mai 1876 ein früher hinterlegtes Testament zurückgenommen hat, worauf er das letztgenannte vom 31. Mai 1876 von Neuem hinterlegt habe. In dem neuen Testament gab der Erblasser sein baares Vermögen in Höhe von circa 2500 Mark an. Legate wurden in demselben auch den fünf Kindern des Kämmerers Kornke, je 149 Mark, welcher bei dem Adoptionsverttage als Rekognttionszeuge fungitte. Der Ange- klagte hat nun als Generalbevollmächtigter seiner Mutter seit dm Jahren Denunziation auf Teminzialion und Beschwerde auf Beschwerde abgelassen gegen die Äittwe Schneeweiß, sowie gegen alle bei den verschiedenen Akten bethefligten Beamten, sowie gegen den Kämmerer Kornke und den Magistrats- Sekretär Hellmann in Grottkau. In all diesen Schttststücken wurde behauptet, daß die Wittwe Schneeweiß zum Zwecke der Erbschleicherei den halb schwachfinnigen Seppcl an fich gefesselt, die Adoption ihrer Tochter durch Vorschiebung einer anderen Person bewirkt, den alten Seppe! in seiner Freiheit beschränkt, gemißhandelt und zur Aenderung seines Testaments bestimmt habe. Es wird in diesen Schnftstücken auch die Vermuthung ausgesprochen, daß der plötzliche Tod des Seppe! nicht auf natürliche Ursachen zurückzuführen sei. Dem Kornke wird An- stiftung dieser Strasthaten zum Vorwurf gemacht und der Magistratssekretär Hellmann bezüchtigt, die Aussagen der Zeugen gefälscht zu haben. Die Denunziationen wurden durchweg zu- zückgewiesen, und so wandte fich in verschiedenen Fällen der Angeklagte auch an den Justizminister. In der einen dieser Beschwerdeschriften war, wenn Abhilfe nicht geschaffen würde, mit Veröffentlichung in der Presse und Ueberweisung des Ma- tettals an den Reichstagsabacordneten Eugen Richter gedroht. Der Angeklagte bekennt fich für nichtschuldig und behauptet U.A., daß sein Großonkel, wie jeder Einwohner Grotttaus wisse, mindestens ein Vermögen von 60000 M. hinterlassen habe, während das- selbe in seinem letzten Testament mit noch nicht 2500 M. angegeben sei. AuS den Akten wurde konstatirt, daß die Ge- richtskommisfion am 15. April 1874 auf eine Eingabe der Wittwe Schneeweiß behufs Aufnahme eines Testaments in deren Wohnung erschienen sei, daß Frau Schneeweiß aber garnicht testiren wollte, und daß nun die Kommisfion auf das Ansuchen des anwesenden Seppe! den AdoptionSvettrag aufnahm. Staatsanwalt Hoppe beantragte eine Gesammtstrafe von 3 Jahren Gefängniß, während Rechtsanwalt Geschke unter der Ausfüh- rung, daß hier thatsächlich eine Erbschleicherei vorzuliegen scheme, gegen welche fich die Thätigkeit des Angeklagten rrch- tete, auf dessen Freisprechung plaiditte. Der Gerichtshof ver- uttheilte den Angeklagten nur wegen Nöthigung und Beleidi- gung in einem Falle zu drei Monaten Gefängniß, welche er durch erlittene Untersuchungshast als verbüßt erachtete. Anarchist Peukert alS Kläger. Der Anarchistenführer Josef Peukert hatte den deutschen Reichstags- Abgeordneten Theil von Brittsch-Amerila, den mittleren Neil der Davis- straße, Süd-Grönland, Jan Mayen, Süd-Spitzbergen und Franz Josephsland aus. Ueber ihm liegt der gewöhnliche Nordlichtbogen im Zenith und ist dem Beobachter näher als in irgend einem andern Theile der Erde. Der„gewöhnliche Bogen" erscheint hier weniger oft als Bogen, sondern als ein allgemeiner Lichtschimmer, der aber im Vergleich zu den Sttahlen-Nordlichtern, die hier anfangen allgemein zu werden, so unwahrscheinlich ist, daß er wahrscheinlich sehr wenig be- obachtet worden ist. Da vierte Gebiet wird durch einen wiederum doppelt so breiten Gürtel, als der eben besprochene, gebildet. Dieses Gebiet umfaßt Island, Nord-Skandinavien, Nowaja-Semlija, Nord-Sibirien, Alaska und Brittsch Amerika. Hier beginnen die schwachen Nordlichter mit einem Bogen ungefähr im mag- netischen Norden; von diesen Bogen gehen oft radiirende Strahlen von größerer oder gettnaerer Lichtstätte entweder frei in den Raum hinaus oder nach einem andern, dem ersten bei- nahe parallelen Bogen. Das fünfte Gebiet endlich umfaßt einen Gürtel rings um den vierten, welcher das mittlere Skandinavien, Finland, Nord-Rußland, Nord-Sibitten südlich der Küste, Nord-Amerika diS hinab zu den Vereinigten Staaten, Labrador und Nord-Echottland enthält. Die inneren Kreise der Nordlichtglorie find hier nicht stchtbar. Die ruhigeren Nordlichter find hier weniger häufig, dagegen find die Nord- lichtunwetter und die prachtvollen Draperien-Nordlichter all- gemein. Selbstverständlich wurden während der Ueberwinterung der Vega auch Studien des Nordlichts mit dem Erd-Magnetis- mus gemacht. Es stellte sich heraus, daß der gewöhnliche Nordlichtbogen respektive sein Einfluß durch magnetische Va- riationS-Beobachtungen nicht nachzuweisen war; dagegen war der Einfluß der stätteren Nordlichter auf die Äagnttnadel sehr merkbar. Die Veröffentlichung der hauptsächlichsten Sätze der NordenSliöldschen Hypothese geschah noch so frühzeitig, daß eS möglich war, der Mehrzahl der im Sommer 1382 aufbrechenden internationalen Polarerpeditionen davon Kenntniß zu geben. Inzwischen aber hatten auch die Untersuchungen über den Erdmagnetismus und die Erdströme eine besondere Rich- tung angenommen, wovon wir im nächsten Artikel reden werden. (Fortsetzung folgt.) Karl Grillenberger in Wim verklagt, weil bettelte in seinem Blatte, der„Fränkischen Tagespost", eine Korrespondenj aus Graz veröffentlicht hatte, welche das Treiben der Wiener Anarchistenführer in scharfer Weise kennzeichnete. Es hieß darin, die Sache der österreichischen Arbeiter werde durch Gauner ge- schädigt, welche Verbrechen anstiften, angeblich um Geld M Propaganda zu beschaffen, in Wirklichkeit diene das Geld aber, wie man in Arbetterkreisen meine, doch nur dazu, das Wohl- befinden der Herren von der„Zukunft" zu erhöhen. Es waren dann Peukert, Schmidt und Ändere näher als solche Gauner bezeichnet und noch hinzugefügt, wer fich diese Lumpen in der Nähe betrachte, begreife vre Meinung, welche über fie herrsche. Peukert fühlte fich durch die Ausdrücke„Lump",„Gauner" und durch den Vorwutt, er verwende Patteigelder für fich, in seiner Ehre gekränkt und beauftragte durch Dr. Glaser in Wien den hiefigen Rechtsanwalt Meyer mit energischer Führung da Sache. Der Angeklagte Gttllenberger erklätte bei Einleitung des Prozesses sofort, den Wahrheitsbeweis führen zu wollen, und ließ eine große Anzahl Zeugen in Oesterreich und in da Schweiz über das Treiben Peukett's kommissarisch vernehmen. Von den dadurch erzielten Äussagm find diejenigen mehr«« Mitglieder des Arbeiter-Bildungsvereins zu Innsbruck am intercssantesten. Zeuge Wilhelm Hofer daselbst bekundete: Peukert kam im Herbst 1881 als Most'scher Emissär von einem Änarchisten-Kongreß aus London, um die„Propaganda der That" in Oesterreich zu organistren. Er sagte den versammelten Arbcitem, die bisherige Agitation sei Kinderei, man müsse im Sinne Most's zur That schreiten.(Es folgt nun die Wiedergabe der Branreden Peukett's, welche direkt zu Mord und Tovb schlag aufreizen.) Man könnte fich ja zur Ausführung da Thatcn gemeiner Verbrecher als Kanonenfutter bedienen, dam» die Letter der Partei außer Gefahr bleiben, lieber diese Lehren, welche glücklicherweise dott nicht auf günstigen Boden fielen. gaben außer Hofer noch zwei andere Zeugen übereinstimmmd Auskunft' ein weiterer Zeuge giebt an, daß Peukert ungesatt um dieselbe Zeit auch in Meran war und in dettelben Weile wie in Jnsbruck predigte. Alle Zeugen betonen ferner, daß« fich keineswegs um akademische Reflexionen, sondern um direkte dttnaende Aufforderungen zum Verbrechen gehandelt habe.% der Aussage verschiedener Zeugen in Winterthur hat Peukert dort, wenn auch in mehr reservirter Form, gleichfalls die Be> raubung von Bankhäusern empfohlen und das Merstallingel' Attentat blos getadelt, weil fich wegen einer Bagatelle da« Opfer von Menschenleben„nicht rentire". Auch soll er fich don zur Mitwissenschaft des Merstallinger-Attentats bekannt habe», doch gehen darüber die Zeugenaussagen auseinander. Weiter wurde als Zeuge der wegen Bankraub' und Mordversuch in Stuttgart jetzt zu lebenslänglichem Zuchthaus verul» tbeilte Kumitsch über seine Beziehungen zu Peukert vernommes- Er gab zu, daß er denselben kenne, verweigerte aber eingehend« Auskunft. Ein Entlastungszeuge, Mitglied der gemäßigten Arbeiterpartei sagt unter Anderm aus: Es sei rooyrscbeimtffl. daß Peukert um das Metttallinger-Attentat vorher gewußt habe, denn er habe ja mit Engel und Pfleger, die ausführen' den Attentäter, in demselben Komitee gesessen und sei ihnen bei einer Konferenz erschienen, auf welcher die Abhat- tung eines österreichischen Arbeitertages besprochen wurde- Vor Gericht habe er dann gesagt, er hätte die Beiden kaum einmal gesehen. Peukert sei die Seele der anarchistischen Organisation gewesen, er müsse dah« auch von den Unternehmungen Stellmacher's und Kammerers» gewußt haben. Kumitsch versah den Vertrauensposten eines Revisors bei der„Zukunft", während Peukert Redakteur war. Daß Verdacht hinfichtlich der Verwendung von Partcigeldern in Ardei- terkreisen und selbst unter den Anarchisten herrsche, sei That' fache. Der Angeklagte Gttllenberger erklärte, er halte den In' halt des Artikels vollständig und mit allen einzelnen AusDiücken aufrecht und wunderte fich, daß es bei dem erdrückenden Beweis- matettal, welches er dafür beigebracht, die Gegenpartei übet* Haupt noch zur Verhandlung habe komme lassen. Aber freilud, Peukert habe leicht klagen, ihm stehen zur Bezahlung des Advokaten die Fonds der geraubten Gelder zur Verfügung. Redner, erhalte nicht einmal seine Auslagen ersetzt, da ver Verbrecher flüchtig sei. Wenn konstatirt ist, daß ein Mensch i" solchen Verbrechen gehetzt hat, so sei er ein zehnmal größerer Lump wie Kammerer, und wenn ein solcher Lump nicht meyr Gauner genannt werden dürfe, dann sei man wehrlos gegen diese Vervrecherbande. Redner habe fich das Verdienst& worden, bei seinen Agitationsrcisen in der Schweiz, wie au« in Deutschland die Anarchisten gebrandmarkt zu haben; er vertrete berechtigte Interessen, denn er wolle verhindern, bnß die Verbrecher den ehrlichen deutschen und österreichischen% beitein nicht an die Rockschöße gehängt werden; dafür glaub« er Dank, nicht Strafe zu verdienen., Das Gettcht erkannte auf Freisprechung und schloß fi(b? der Begründung des Urtheils den Ausführungen des Verklagten an. Dcttelbe habe berechtigte Interessen vertreten, und die brauchten Ausdrücke seien nicht über die berechtigte Krtt» ! linausgehend einer Person gegenüber, die allerdings zu den chlimmsten Verbrechen in der verwerflichsten Weise aut'gerev labe. Das Verbrechen als solches zu bezeichnen, sei nub trafbar. Kläger wird in alle Kosten verurthetlt. Uermiscktes. Briefe a«S Batavia besagen, daß die zwei Inseln Sic«� und Calmeyer, die voriges Jahr zur Zeit des Ausbruches � Vulkan? Krakatao entstanden, vom Meere wieder vettcklung� find. Der Vulkan Merapi in Java ist seit einiger Zell M einem Zustande der Thätigkett, der zuzunehmen scheint und o>n mehreren der benachbarten kleinen Inseln werden Erderschm� rungen verspürt._„ Ein frommer Wunsch. Aus den zuverläsfigen Quem" ermitteln wir, sagt das„Middletowo Transscttpt", daß ds- Nationalreichthum der Vereinigten Staaten 872 Dollars vs Kopf der Bevölkerung beträgt. Wir wünschen, daß der Mens«' der oie uns gehörigen, aber fehlenden 871 Doll. und 75 Eeim in Händen hat, uns oie Summe überbringt, ehe wir zu werden, um uns der Genüsse, welche Reichthum gewährt,«� freuen zu können... Auarchisteuriecherei. Herr Bildhauer M. besuchte geitem den Rheingau und machte auch einen Abstecher nach dem-ln tionaldenkmal auf dem Niederwald. Unterwegs kaufte er F in einer der Hütten eine internationale Korrespondenzkarte, F vom Niederwald nach Pettopolis in Nordamerika seinen W, wandten einen Gruß zu senden- Am Denkmale selbst besuw' er den ihm befreundeten Eustos. Als er fich anschickte, Rückweg einzuschlagen, kam plötzlich athemlos ein Herr uv ftagte nach dem Kaufer der Weltpostkarte, der ein verSächt'g-, Packet bei steh führe. Herr M., dessen Kinn ein röthlich-gr?� Bart ziert, meldete sich sofort und ftagte, was man von' wolle. Der herbetgeellte Mann stellte fich als den Bü meister einer benachbarten Gemeinde vor, und forderte verdächtigen Fremdling auf, fich zu legitimiren. Da Herr im Hintergrund« Polizei gewahrte, so machte er weiter Umstände und bat, ihm zu dem Custos zu führen, was"F geschah. Dieser erklärte, daß der Vorgeführte Herr M-.a.j Frankfurt sei.„Aber das Päckchen, das er bei fich trägt?" U es wieder.„Enthält"— und damit reichte Herr Ä. es&« Ortsvor stände zum Oeffnen, der jedoch scheu davor zurückn�l — enthäll zwei Köpfe von Heiligen." Damtt flog der D>?' auf und statt Dynamit kamen zwei Modelle zum Vott*«� Um den gefährlichen Menschen rasch thalabwärts bringen können, hatte der Bürgermeister telegraphisch einen ZugJ£ Radbahn deordert, der nun, statt von einem gefangenen /L brecher und Gendarmen, von einer vergnügten Gesellschaft r stiegen wurde. Verantwortlicher Redafteur R. Grönheim in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin LV. Beuthstraße 2.