Nr. 153. Mittwoch, l. Oktober 1884 l. Jahrg. Drgan für die Interessen der Arbeiter. Da«„»ertt»er BsLSdkatt" «schemt täglich Merg«« miß«»ach Som»» rmd Festtage«.«bsmiimeotSprei» für Berlm im'« Hams vierteljährlich 3 Mark, monatlich 1 Mark, Wöchentlich 25 Pf. Gimeln« d Pf. Postaoonnemeut pro Quartal 3 Mark.(Eingetragen im VIII. Nach- trage der PostzeitungSpreitliste unter Nr. 719a.) Vureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. NeöaKLion und AXpeöiLion Werttn SW., Iiunnsrstrcche 44. Mitbürger! Arbeiter! Handwerker! Die Wahlen zum deutschen Reichstag sind nunmehr ausgeschrieben, am 28. Oktober hat das deutsche Volk das Recht, aus seiner Mitte Männer zu wählen, die über sein Wohl und Wehe zu beschließen haben. Von dem Aussall der Wahlen hängt es ab, ob in unseren! Vaterlande in Zukunft bessere Zustände Platz greifen werden oder nicht. Jeder Wähler hat aber nicht nur das Recht, nein auch die heiligste Pflicht, am Tage der Wahl seine Stimme nach seiner fteien Ueberzeugung abzugeben. Kein Wähler darf an diese»! Tage fehlen, wer es versäumt, seine Stimme abzugeben, der schadet nicht nur sich selbst, sondern er schadet auch seinen Mit- burgern. Da aber nur Diejenigen ihr Wahlrecht ausüben können, welche in die Wählerlisten eingetragen sind, so ist es vor allen Dingen nothwendig, daß Jeder sich uberzeugt, ob auch sein Name in der Liste steht, ob Vor- und Zuname, sowie der Geburtstag und Geburtsort genau stinrmt. Und hierzu bietet sich nur noch in den jetzt lvlgenden 7 Tagen Gelegenheit. Die Wählerlisten liegen jetzt nur«och 7 Tage, bis zuni 7. Oktober einschließlich öffentlich aus und zwar: für den I. Wahlkreis in der Turnhalle des Friedrich-Werderschen Gymnasiums, Dorotheeustrahe 13—14, für den II. Wahlkreis in der Turnhalle der 27/44. Gcmeindeschule, Wilhelmstraste 117, für den III. Wahlkreis in der Turnhalle der 62. Gemeiudeschnle, Schmidtstraste 38, für den IV. Wahlkreis in der Turnhalle der 18 Gemeindeschule, Krautstraste 43, für de« V. Wahlkreis in der Turnhalle des Sophien- Gymnasiums:e, Gormaunstraste 4, für den VI. Wahlkreis in der Turnhalle der 67 Gemeindeschule, Ackerstraste 28», und austerdem für sämmtliche Wahlkreise im Wahlbüreau, Breitestcaste 20», 2 Treppen, und zwar während der Tageszeit Wochentags von Vormittags 9 bis Nachmittags 3 Uhr und Sonntags von 11 Uhr bis Nachmittags 4 Uhr. Jeder Wähler hat da« Recht, sich in der genannten Zeit die Listen aufschlagen zu lassen. Die Listen sind anfangs Septeniber aufgestellt worden, und deßhalb muß jeder Wähler in der Liste des Hauses aufgenommen sein, wo er um diese Zeit gewohnt hat. Stimulberechtigt ist jeder Wähler in dem Bezirk, in welchen» kr in die Liste eingetragen ist. Wer die Wählerliste für unrichtig hält, kann innerhalb 8 Tagen nach Beginn ihrer Auslegung— also nur bis einschließlich den � Oktober— bei»! Magistrat Einspruch erheben, welcher darüber endgültig entscheidet. Zur Begründung etwaiger Nachtragungen ist es nothwendig, daß der betreffende Antragsteller sich gehörig legitimirt. Hierzu ewpfehlcn sich die polizeilich abgestempelte Wohnungsanmeldung, die Miethssteuer- resp. Einkommensteuer-Quittungen, oder sonstige beglaubigte Atteste. Abomemeuk-Emladuitg. Zum Vierteljahreswechsel erlauben wir uns alle Arbeiter »um �Abonnement auf das „Berliner Volksblatt" ünzuladm. Dasselbe kostet für das ganze Vierteljahr 3 Mark, für den Mo- nat Oktober frei ins Haus 1 Mark. .Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspcditeurcn, lowre in der Expedition, Zimmerstr. 44, angenommen. Für Außerhalb nehmen alle Postanstaltcn Abonne- wents für das nächste Quartal zum Preise von 3 Mark ent- »rgen. __ Redaktion und Expedition de«„Berliner Volksblatt". Nochmals die Altersversorgung für Arbeiter. . Auf der Generalversammlung der süddeutschen Demo- natie, resp. der deutschen Volkspartei zu Heilbronn wurde ver Vorschlag gemacht, bezüglich der Altersversorgung eil" entgehende Sachv erständigen-Vernehmun pt 4%. �4—..* t t• P W. a C.'. P.__ 1 �_ 1.............. eine g V»ti#cnoe ValyverpaniMgen--o c i II c y III u n g �treten zu lassen und die Resultate dieser Unternehmung w« Grundlage für da« neu zu entwerfende AlterS-Ver- >vraungsgesetz zu benutzen. Dieser Vorschlag ist ganz prak- Nch und zeitgemäß. Rur ist er nicht so neu, wie die Preß- wgane der Volkspartei und auch die„Frankfurter Zeitung" n glauben scheinen, denn nicht nur in unserem Blatt und •n Ederen Blättern, sondern auch in Hunderten von Ver- mymhingen und im Reichstage selbst ist schon vor langer gen darauf hingewiesen worden, daß, wenn man Jnstitu- »onen für die Wohlfahrt der Arbeiter schaffen wolle, man ? bwtch gründliche Erhebungen und Vernehmungen über w Wünsche, Bedürfnisse und Zustände innerhalb der Ar- wtterwelt Gewißheit erlangen müsse. Bekanntlich hat ja im Mre 1875 schon die Regierung eine solche Erhebung �«quete) veranstalten lassen, bei welcher auch der sozial- Akratischen Partei angehörende Personen vielfach über !>e Verhältnisse der industriellen Arbeiter vernommen worden '"d. Au« uns nicht bekannten Gründen ist man von dieser prax,« abgegangen und hat seitdem nichts AehnlickeS mehr Mernommen. Wir bedauern das sehr denn, indem man ,e Arbeiter selbst und die innerhalb der Arbeiterbewegung -henden Personen vernahm, konnte man em klares Bild �nnen" 5ufiänben innerhalb der arbeitenden Klassen ge- Das muß ausdrücklich betont werden, denn unter„Sach- ständigen" versteht manchmal Jeder etwa« Anderes. Herr "mann z. B. hält sich für einen„Sachverstandigen �chvllfiandigen« dankm wir. Für da-, waS den Ar- e* Politischen Parteischattirung, vorhergehen müssen. Allein ck der daS ist nicht geschehen. Die Regierung hat sich ganz auf die sozialpolitischen Geheimräthe und auf die Hilfsarbeiter in den Ministerialbureaux verlassen. Wir wollen gar nicht daran zweifeln, daß bei diesen Männern der gute Wille ge- wohnlich vorhanden ist; aber mit dem guten Willen allein ist eS noch nicht gethan. Wer fozialpolitieche Gesetze schaffen will, die zur Wohlthat der arbeitenden Klasse dienen sollen, der muß eben einen Einblick in die Verhältnisse der arbei- tenden Klassen haben, und diesen Einblick gewinnt man niemals aus Büchern, mögen sie noch so dick sein, sondern indem man sich an die wirklichen Zustände selbst wendet. Da ist eS genau so, wie mit anderen Dingen. Man kann kein Verständniß für �militärische Taktik gewinnen, wenn man nie eine Schlacht gesehen hat, mag man noch so viele Bücher durchgelesen haben; man wird nie unsere politischen Zustände begreifen, wenn man nur gelesm und sich nicht einmal die Verhältnisse auch wirklich angesehen hat. Und da sollte eS in den schwierigsten, den volkSwirth- schaftlichen, Fragen anders sein? Die Altersversorgung wird ein weit größeres Interesse erregen, als die Kranken- und Unfallversicherung. Wenn die Regierung nicht vorher unter den Arbeitern, denen doch das Gesetz gelten soll, Erhebungen anstellt, so wird die Sache den gewöhnlichen Gang nehmen. Die Regierung wird dann die Altersversorgung nach den bureaukratischen Grundsätzen organisiren wollen, auf denen auch die Kranken- und Unfallversicherung beruht. Im Reichstag selbst werden dann auch noch, wie bei der Unfallversicherung, die wenigen Konzessionen, die von der Regierung gemacht worden sind, dem Egoismus der Unternehmer zum Opfer fallen. Leider besteht in den Parlamenten die Gewohnheit, sich den Kund- gedungen der Unternehmer anzuschließen und sie ohne Weitere« al« vollgiltig zu betrachten, während das, was in Hunderten von Arbeiterversammlungen zu Tage tritt, nur wenig oder gar nicht beachtet wird. Dieser Uebelstand er- klärt sich aus der Natur der Dinge; aber die Regierung kann eben, wenn sie den guten Willen dazu hat, diesen Uebelstand beseitigen. Wenn sich die zur Ausarbeitung eines sozialpolitischen Gesetzes unbedingt vöthigen Vorarbeiten auch auf die Arbeiter insofern erstrecken, als man die Ar- bester zu den Vernehmungen heranzieht, so wird dadurch nicht nur Material zu einer festen und sicheren Grundlage für das neue Gesetz gewonnen, sondern dies Material macht auch einen gewaltigen moralischen Eindruck und fällt sehr ins Gewicht. Die deutlich formulirten Wünsche und Forderungen nothleidender Arbeiter abzuweisen, werden sich die Volksvertteter viel schwerer entschließen können, als sich dem gegenüber, was ihnen die Geheimräthe als angeb- liche Wünsche des Volkes bezeichnen, ablehnend zu ver- halten. Wir wollen uns dabei keinen sanguinischen Anschauungen hingeben. Sowohl bei den Vertretern der Regierung, wie bei den„wohlwollenden" Parlamentariern gehen die sozial- politischen Bestrebungen nicht über ein gewisses Klassen- interesse hinaus. Die Grenze der Sozialreform ist für die Regierung da, wo die Sozialreform den Freunden der Re- gierung lästig wird. Deshalb erstreckt sich die �Sozial- reform" einstweilen auch nur auf die invustrielle Bevölke- rung; die ländliche bleibt unberührt, und die Köller, Minnigerode und Kleist-Retzow laufen keine Gefahr, wenn sie stark in„arbeiterfreundlicher" Sozialpolitik machen. Das würde sofort aufhören, wenn einmal die„Sozialreform" einen auf die ländliche Arbeiterftage zugeschnittenen Charakter annehmen würde. Immerhin aber gilt e», den Gedanken zu provagiren, daß wenn für die sozialpolitische Gesetzgebung eine gesunde Basis geschaffen werden soll, man es sich angelegen sein lassen muß, die Bedürfnisse des arbeitenden Volke« au« der besten Quelle, au« einer direkten Erhebung und Vernehmung bei den Arbeitern selbst, kennen zu lernen. Hier strömt der lautere Quell der Wahrheit, und die Herren Geheimräthe, Professoren und Staatsmänner aller Art werden uns zu- geben, daß man das, was man hier erfährt, nicht aus dem Aermel schütteln noch aus Büchern ersehen kann. Die Sozialreform kann nur volkSthümlich weroen, wenn da« Volk selbst an derselben mitwirkt. politische Ueberstcht. Zum Snbmisstonswesen liefert die„Rh.-Westf. Volks- zeitung" folgenden Beitrag:„Der Bauunternehmer K- aus Elberfeld, welcher als Mindestfordernder die Aufführung der Ouaimauer am Brausenwetth zum Preise von 31 000 M. übernommen hatte, hat die Arbeit eingestellt; denn obschon das Mauerwerk erst bis eiwa zur Hälfte der Höhe ausgeführt ist, übersteigt schon jetzt die Summe seiner Auslagen diejenige seiner Gesammtforderung. Der nächst Mindestfordernde hatte 50 000 M- verlangt."— Man steht, wie demoralistrend das Submisfionswesen wirkt; wie nothwendig seine Aufhebung ist. Daß die Arbeiter des Bauunternehmer K. so plötzlich aus ihrer Arbeit geriffen worden find, ist auch ein dunkler Punkt in dem jetzt beliebten Submisstvnsverfahren. Die nach Westafrika bestimmte Expedition deutscher Kriegsschiffe wird natürlich nicht ohne Einfluß auf das nächste Marinebudget bleiben. Wie die„Boss. Ztg." hört, wird die Vorlage deffelben vorausfichtlich von einer Denkschrift begleitet sein, von der man auch weitere Auskunft über die sogenannte Kolonialfraae erwartet.— Wir haben schon wie- derbolt darauf hingewiesen, daß dem deutschen Volke durch die überseeischen Unternehmungen auch neue Kosten erwachsen. Verbot. Aus Grund des Sozialistengesetzes ist das mit „Die Vertretung der deutschen Sozialdemokratie" unterzeichnete und vom laufenden Monat datirte, anläßlich der bevorstehen- den Reichstagswahlen zur Veröffentlichung fertiggestellte sozial- demokratische Manifest, herausgeaeben, gedruckt und verlegt von I. H. W. Dietz in Stuttgart", verboten worden. In dem Prozeß von Vellmar, Bebel und Genossen sind weiter noch, wie der„VolkSztg." aus Sachsen mitaethellt wird, die Herren Frohme in Bockenheim und Tylograph Müller in Darmstadt als Angeschuldigte vernommen worden. Herr von Wollmar hat das Chemnitzer Landgericht von seinem Aufent- halt verständigt und wird die Vernehmung desselben im Laufe der nächsten Woche stattfinden. Die Untersuchungsakten sollen dann geschlossen werden, da weitere Vernehmungen nicht in Aus- ficht stehen, die Hauptverhandlung dürfte dann wohl im Lause des Novembers stattfinden. Belgien. In Jxelles, einer Vorstadt Brüssels, wird jetzt hastig das Gebäude der Nuntiatur hergestellt um dem neuen päpstlichen Nuntius einen recht glänzenden Palast zur Ver- wgung zu stellen. Die jenigen belgischen Minister sind bereit. jedem Wunsche der Bischöfe Rechnung zu tragen. Ein Mackt- wort eines Bischofs- und alle auch die vor der Landes- mm BrSe aufgehoden. Vergebens verwandte fich der Deputrrte der Rechten Thouiffen. vergebens baten 92 Familienvater aus Grammont und Bree den Minister um die Erhaltung der Schule, indem fie fich nicht nur auf das Recht der 20 Familienväter des neum Gesetzes stützten, sondern auch her- vorhaben, daß fich diese Schule bei dem diesmaligen Konkurs als die beste des Landes erwiesen. Alles war umsonst, weil der streitbare Bischof von Lüttich, Doutrelour. will, daß es in der Provinz Limburg fortab keine staatliche Schule mehr geben soll, daß nur die unter seiner Aufficht stehenden von seinen Priestern. Mönchen, Jesuiten und Nonnen geleiteten Anstalten die Bevölkerung im Interesse der Kirche bilden sollen. Selbst ein Jakobs schwankte einen Augenblick und wandte sich noch einmal an den Bischof: da dieser jedoch auf seiner femna»«toten.] �fCUtÜ'CfOtX. H Das Erntefest. Eine Dorfgeschichte von W. H. Köhler. Im Thale des Riesengebirges liegt ein Dörflein; nennen wir es Waldstein. Tie meisten Bewohner find Ackerwirthe, die übrigen Iheils Holzfäller, theils Weber, welch' letztere auf eigenen Stühlen für die eine halbe Stunde entfernte Fabrik- firma arbeiten. Alle Einwohner Walvsteins aber sind mehr oder weniger an die Scholle gefeffelt; fie find hier geboren und sterben hier. Auch kommen fie selten weit über die Ge- markung ihres Dorfes hinaus, noch seltener aber in das eine gute Stunde entfernte Provinzialstättchm, dessen Industrie mit alleiniger Ausnahme einer Spinnfadrik noch in den Kinder- schuhen steckt. Ebensowenig aber auch verirren fich Fremde in ihre Gegend; denn weitab vom Getriebe der Welt liegt das Dörfchen, umschlossen von hohen, dichtbewaldeten Bergen und durchzogen von einem schwätzenden, geheimnißvoll murmelnden Bächlein, das im Sommer über Blöcke und Geröll munter dahinschicßt, als könne es die Zeit nicht erwarten, wo es mit dem größeren Gewässer, der wilden Katzbach, fich ver- einigt. Im Frühling, wenn der Schnee auf den Bergen schn ilzt, und im Herbst, wenn starke Regengüsse die nahende Wintcrzeit verkünden, oder auch in heißen Sommcrtagcn, wenn heftige Gewitter heraufziehen und wüthen, als wollten fie die Felsen zerklüftcn und den ganzen Wald in Brand setzen, und, wenn fie vorüber, der erfrischende Regen sehr oft m einen Wolkcnbruch ausartet, dann freilich wird das sonst so fticdliche Bächlein ein wildschäumcnder Geselle, der kein Hin- derniß kennt, sondern Alles, was ibn in seinem Laufe hemmt, mit sich fortreißt. Aber wenn die Wasser fich verlaufen, dann ist wieder Frieve ringsum: nur abgebrochene und entwurzelte Bäumchcn und allerhand Gcräth, das irgendwo entführt wor- den ist, deuten an, wie wild der sonst in blumcngeschmückte Ufer eingedämmte Bursche werden kann. In der übrigen Zeit aber herrscht wohlthuende Ruhe im Döiflein. Die geheimniß- volle Stille des hart daran stoßenden Waldes übt ihren Zauber auch auf die Menschen aus, und seit undenklichen Zeiten ist in der kleinen Gemeinde nichts vorgefallen, was die guten Wald- ländler aufzuregen geeignet gewesen wäre: selbst die natioi-alen Ereignisse, wie z. B- die freiheitliche Bewegung der vierziger Jahre, die ja auch ihre Ausläufer zum Theil bis in diese Thalcr ausstreckte, oder die beiden Kriege jn den scchsziger Jahren gingen ohne sonderliche Auf-, egung an ihnen vorüber. Langsam, bald trübe und bald heiter ________»»WWW. Forderung bcharrte, so sagte auch der Minister als gehorsamer Sohn der Kirche sein Ja und Amen.— Der von dem Minister Beer- naert zum Schutze des literarischen und artistischen Eigenthums in Ausficht gestellte Gesetzentwurf, der in der kommenden Session votirt werden soll, bestimmt, daß die Erben des Autors noch fünfzig Jahre nach seinem Ableben das Recht des Eigen- thums behalten, auch das ausschließliche Recht der Ucbersetzung und Publikation. Jn Betreff der dramatischen und mustkali- sehen Werke soll das Recht sich zehn Jahre nach dem Ableben auf die Vorstellungen, die Ausführungen und Arrangements erstrecken. Diese Rechte sollen sowohl den Inländern als auch den Ausländern unter der Bedingung der Riederlegung eines Exemplars gewährt werden; nur in Betreff der Feststellung des Domizils seien internationale Konventionen nöthig.— Der Brüsseler Kommunalrath beschloß einstimmig die Erhaltung beider vom Minister aufgehobenen Lehrerseminare, trotz einer jährlichen Mehrbelastung des Etats der Stadt um 150 000 Francs. Die Einberufung der französischen Kammern ist, wie jetzt übereinstimmend aus Paris gemeldet wird, vom Minister- rath am Sonnabend difinitiv auf den 14. Oktober festgesetzt worden. Bei dem Wiederzusammentritt der Kammer soll der Marineminister eine Nachtragskredit-Forderung für die Tonkin- Expedition einbringen. Es handelt fich dabei darum, die schon geschehenen Ausgaben zu decken und den Unterhalt der franzö- fischen Streitkräfte in China uns Tonkin bis zu Ende des laufenden Jahres zu fickern. Die Höhe des verlangten Kredits wird erst im nächsten Ministerrat!), der bekanntlich am 9- Okt. stattfindet, definitiv festgesetzt werden. Augenblicklich belaufen sich die für Tonkin votirten Kredite schon auf 72 300 000 Fr. Die neuen Kredite, die nunmehr verlangt werden sollen, schwanken zwischen 10 bis 15 Mill., so daß die TonkrwExve- dition von ihrem Ursprung bis zur gegenwärtigen Stunde nicht viel weniger als 100 Millionen Franken kostet.— Der„Times" wird aus Hongkong gemeldet, die Franzosen hätten 2 im Kanal von Formosa eingetroffene englische Handelsdampfer angehalten und durchsucht.— Man steht aus diesem Bericht, welche kolossalen Summen dem Militarismus geopfert werden. Jn Frankreich henscht überall Roth und Elend, Arbeitslosigkeit und Seuchen; statt aber die Millionen im Lande zu nützlichen Zwecken zu verwenden, verpulvert man sie zu zweifelhaften Unternehmungen. Cholera. Am 28. d. M. starben in Italien 202 Personen an der Cholera, davon in der Stadt Neapel 67.— Jn dem Departement der Ostpyrcnäen find am Sonntag 2 Cholera- todesfähe vorgekommen, im Departement Dl"me 1, im Departement Ariege 4. Jn Nimis starben 3 Personen an der Cho- lera, darunter der Generalvikar, in Alais 2, in Corffize 3.— Jn Spanien starben vorgestern in den infizirten Ortschaften 6 Personen an der Cholera, in Barcelona wurden 2 Cholerafäll) konstatirt. Schweden. Jn Stockholm fanden die Wahlen für den Reichstag schon am Freitag statt; da aber dort das Listenskru- tinium in Anwendung kommt, also für jeden der 7500 Wähler, so viel bctheilige» sich ungefähr, 19 Namen gezählt werden mußten, so wurde das Resultat erst Sonnabend gegen Abend fest- gestellt. Die liberale Liste hat ausnahmslos gesiegt. Für Schweden ist dies Resultat von sehr großer Bedeutung, denn Stockholm hat seit Jahren nur konservative Abgeordnete in den Reichstag gesendet. Unter�den Gewählten ist hervorzuheben Re- dakreur Hedin, der 4760 Stimmen erhielt, obgleich ihn die Kon- servativen äußerst heftig bekämpften, weil seine Anerkennung der Rechte des norwegischen Volkes in Hofkreisen verletzt hatte. Auch gegen Professor Nordenskiolv wurde von dieser Seite stark agitrrt, weil er in voriger Session alle Anträge der liberalen Partei unterstützt hatte und sein Name den Einfluß dieser letzteren stärkte. Jn der Liste der liberalen Partei waren alle liberalen Kreise der Hauptstadt vertreten, daher sich ihr die Freikirchlichen und Mäßigkeitsvcreine anschloffen, die jetzt je einen Abgeordneten im Reichstag haben. Die Arbeiter sind durch den Maschinenbauer Gustav Ericsson vertreten, Handel und Industrie durch 5 Abgeordnete, während sie im vorigen Reichstag nur einen Bei treter hatten. Aus den Reihen der Demokraten ist der Abg. Gustav- son, Stadtverordneter und Journalist, hervorgegangen. Unter den 19 find noch 3 anerkannte Pädagogen, alle drei Freunde der Realschule, und ein Seemann, Marinekommandeur Stackel- berg, ein tüchtiger und freifinniger Offizier. England Lord Cowper, der frühere Vizekönig von Jr- land, hat in einer in Nottingham gehaltenen Rede sein Be- dauern darüber ausgedrückt, daß das von ihm vorgeschlagene Kompromiß zur Beilegung der Verfaffungskrifis, wonach die Regierung in der Herbstsesfion gleichzeitig mit der Wahlreform- dill eine Vorlage für die N e u e r n t h e i l u n g der Wahldistrikte einbringen sollte, keinen Anklang gefunden habe.— Die„Times" tritt heute mit einem Plane zur Reform des Oberhauses in die Oeffentlichkeit. moeß im Wesentlichen wenm Neues bietet.% ctt Hauptsache läuft er darauf hin- auS, iMaNNtt von Auszeichnung, insbesondere tüchtige und er- fahrene Mitglieder des Hauses der Gemeinen zu lebensläng- lichcn Pairs zu ernennen.— Die Passagiere der in Folkestone und Dover ankommenden Passagierdampfer werden seit Kurzem von Seiten der Polizei einer sehr scharfen Musterung unter- zogen. Die englische Polizei soll nämlich neuen Dynamitlom- plotten auf die Spur gekommen sein, und die getroffenen Vor- stchtsmaßregeln haben den Zweck, die Einschmuggelung von Dynamitbomben vom Kontinent zu vereiteln. Jn einer gestern in London abgehaltenen Versammlung von Delegirten der heimischen und Kolonial-Zucker-Jndustrie erstatteten die unlängst aus Deutschland zurückgekehrten Dele- guten ihren vorläufigen Bericht über die Aussichten, welche die Abschaffung des Prämiensystems in Deutschland habe. Mr. Potter hob hervor, daß der Deputation in Berlin von allen Klassen— von den Staatsministern bis zu den Arbeitern hinab— die größte Zuvorkommenheit erwiesen worden sei. Die deutsche Regierung sei außer Stande einen bestimmten Rath zu ertheilcn, aber im nächsten Monat würden dort allgemeine Wahlen stattfinden, und man habe der Deputation die Ver- fichcrung gegeben, daß die Liberalen alle ihre sonstigen Differenzen bei Seite setzen würden, um das Prämiensystcm zu beseitigen, welches ihr Land ruinire. Das einzige Hilfsmittel sei, das fertige Produkt, wenn es aus der Fabrik kommt, zu besteuern, statt die Rüben, wenn fie in die Fabriken eingeführt werden. Auf Grund angestellter Untersuchungen seien die De- legirten der Meinung, daß nach Abschaffung der Prämien England bei seinen natürlichen Vortheilen von dilligen Kohlen und guten Wasservorrälhcn, mit den Rübenzuckerfabrikanten erfolgreich konkurriren könnte; daß jedoch, falls das Prämien- systcm beibehalten werden sollte, hierzulande Ausgleichungen eingeführt werden müßten, durch welche der deutschen Zucker- industrie ein ernster Schlag versetzt werden würde.— Unsere Leser wissen, welche Stellung wir bezüglich des Systems der Zuckeibesteuerung einnehmen. Wir find, wie wir dieses zu wiederholten Malen geäußert haben, gegen den jüngsten Modus; wir find aber auch überhaupt Gegner jeder indirekten Steuer, weil diese immer den ärmeren Mann schwerer drückt als dem besser sttuiitcn.— Andererseits haben wir schon einmal darauf hingewiesen, daß mit der in Rede stehenden sogenannten„Ar- beiter-Deputation" ein großer Humbug getrieben worden ist. Aus Arbeitern bestand dieselbe sicherlich nicht, und in deutschen Arbeiterkreisen hat sich dieselbe auch gar nicht sehen lassen. Egypten. Die„Times" veröffentlichen eine Reihe von Briefen ihres Korrespondenten aus Khartum, welche bis zum 31. Juli er. reichen. Dieselben bestätigen die jüngsten Erfolge des Generals Gordon über die Rebellen und die Aufhebung der Belagerung Khartums. Der Verlust der Garnison seit 17. März d. I. bestand in 700 Todten, außerdem ist Oberst Stewart verwundet worden.— Die Belagerung von Suakin ist neuesten Nachrichten zufolge aufgehoben und Osman Tigma ist von seinen meisten Anhängern verlassen worden.— Am oberen Nil machen fich nicht nur die Sudanesen, sondern auch die Krokodile unangenehm; am Katarakt von Sarras ist Oberst Colville's Diener von einem solchen Riesensauricr getödtet worden.— Wenn dieselben nur nicht noch die Geldsäcke des General Wolselcy auffressen!— Derselbe wird dem Vernehmen nach mit seinen Geldjäcken und Soldaten vor dem 1. November nicht weiter gehen als bis Wadyhalfa. Wer also glaubt, daß der große General ganz gemüthlich in irgend einer Stadt des Pharaoncnlandcs fitzt und fich gütlich thut, der irrt sich; denn er bewegt sich doch. Süd-Afrika. Tie neueste in Europa eingetroffene Kap- post bestätigt, daß die Zulus den Boeren, mit deren Beistand fie Zibebu bewältigten, Land im Umfange von 2% Millionen Morgen abgetreten, und daß Dinizulu(Kctschwayos Sohn und Erbe) ein dahin gehendes Abkommen unterzeichnet habe. Es wird hinzugefügt, vaß das Abkommen ohne die Genehmigung der britischen Regierung null und nichtig sei. Es geht aus dieser Nachricht hervor, daß die Boeren, während sie im Westen das Betschuonaland okkupirten, im Osten ihr Streben, die See zu erreichen und fich dadurch vollends unabhängig von Eng- land zu machen, keineswegs aufgegeben haben- England, so meint die„P. M. G", muß den Boeren alsbald den Krieg erklären, oder es muß vor ihnen in Südafrika überhaupt das Feld räumen.— Ja, wenn der Herr Gladstone in Egypten und doch im Wesentlichen gleichartig schlichen die Tage dieser Bevölkerung dahin. Die lustigen Sänger des Waldes dagegen sind fröhlicher als die Menschen; fie stimmen bei hellem Sonnenschein einen vtelitimmigen Chor an und fingen Loblieder dem sorgenlosen Leben, das fie führen.„Sie säen nicht und sie ernten nicht", die immer fröhlichen Bewohner duftiger Waldungen, und fie leben doch. Ihr Leben gleicht der immer munter sprudelnden Quelle, und wenn die Natur ihr Recht fordert, so finden sie ihr Grab im weichen Moose des Waldes. Glücklich leben fie und glücklich sterben fie, weil das Gefühl, das wir„gottähn- uchcn Gcschöfe" Kummer nennen, ihnen unbekannt ist. ,,.In Wtfem Erdwinkel stand die Wiege des Helden unserer Geschichte, den wir August nennen. Ost hat er zurück gedacht an sein Döiflein, den Wald und die Berge seiner Hcimath. Jn • n?« rsr.?enoh cr �ufs Neue die froh verlebten Stunden m Waldstein, wo er mit Klara über den blumigen Waldboden schritt und mit ihr tändelte und scherzte nach Herzenslust, oder mit hinter der Hecke saß, unweit der Mühle ihres Vaters, hinter -1" die flötende Philomele in jedem Frühling ihr Nestchen baut. Jahre waren seitdem dahingegangen, und wenn er jetzt mit zerrissenem iu verdüsterten Gemüths die Mauern der Großstadt, rn welcher er sein freudenleeres Leben dahin- schleppt, verlaßt und hinaustritt in Feld und Flur, so denkt er a1 � schönste der Engel über ihm schwebt, und ihn beschirmt und beschützt auf seiner fteudenleeren Lebens- knIvL für«?a1n I,cn kleinen grauen Vogel im Ge- dusche schlagm Hort, so kann er dem inneren Drange nicht 5» erst fertig wäre, dann könnte er wohl mit den Boeren- binden! China. Das„Reutcr'sche Bureau" läßt fich aus Tientsi» melden, man glaube dort an eine fticdliche Beilegung% Differenzen zwischen China und Frankreich und die Kalsns von China sei zu einem Verständigungsabschluß mit Franstm entschlossen.— Bestätigung bleibt abzuwarten. Wahlbewegung. Im sechsten Berliner Wahlkreise tagte am Mon«! Abend im Germania-Theater, Weinbergsweg, eine groß Wählerversammlung. Herr Tischlermeister Mitan spraw ruhiger und sachlicher Weise über die bevorstehende WB Redner erklärte am Schluß seines Vortrages:„Ich brauche M Kandidaten nicht zu nennen, dem fie Ihre Stimme geben M den, sein Name steht eingeschrieben in den Herzen der Arbeii« und Handwerker des 6. Berliner Wahlkreises." Ein Anwese» der rief hierauf den Namen„Hasenklevcr" aus, worauf W Versammlung polizeilich aufgelöst wurde.(Siehe Versaw» lungsbericht.) Im 4. Berliner Wahlkreise fand am Montag Abeai in der Urania, Wrangelstr. 10, eine äußerst zahlreich besuch» Wählerversammlung statt. Der von der Arbeiterpartei auN stellte Kandidat, Herr cstadtverodneter Paul Singer, bespra? in längerer, von rauschendem Beifall unterbrochener Rede, W Forderungen der Arbeiterpartei an die Gesetzgebung. Zu# Versammlung waren alle Wähler ohne Parteiunterschied cif geladen, jedoch meldete fich trotz mehrmaliger Aufforderung W Gegner zum Wort. Mit einem dreimaligen Hoch am den ZW didaten, Herrn Paul Singer, in das alle Anwesenden J»» geistert einstimmten, wurde die Versammlung geschlossen (Siehe Ver samm lungsbericht.) Wahlkreis Niederbarnim- Am vorigen Sonnabend tagsi im Werner'schen Lokale in Rummelsburg eine WählerversaM lung, in welcher der Kandidat dieses Wahlkreises, Herr SdW machermeister Arndt aus Bernau, über die bevorstehend!» Reichstagswahlen sprach. Nachdem derselbe unter dem Se# der Versammlung seinen Vortrag beendet hatte, nahm die% sammlung einstimmig eine Resolution zu Gunsten der Kand» datur des Herrn Arndt an. L o ä a l e s. zur Verbindung der g. Die Arbeiten zur Verbindung der Geleise WJ Pferdebahnlinie Aleranderstraße— Weisiensee mit denM leisen in der Königstraße find begonnen worden und dürjle» mehrere Tage in Anspruch nehmen. Mit Fertigstelliltig d«' selben wird es dann möglich sein, die Tour nach Weiße# bereits vom Rathhause ab— nicht wie gemeldet worden, i# Molkenmarkt— zu befahren. Für die Verlängerung der in da Neuen Königstraße liegenden Schienen, welche nach Weiße# führen, war bereits ursprünglich Rücksicht monnrnmen: deStück Schienengeleise, welches mit der Richtung nach � genommen; - I ichtuna nach � Königstraße gelegt worden ist und nunmehr beim An!#' Verwendung findet, bildete bisher ein sogenanntes todm Geleise. j g. Ein charakteristisches Zeichen für den Ueberfl« in den wissenschaftlich gebildeten Ständen gibt folge� Vorgang. Am schwarzen Brett der hiesigen Universität deN» fich gestern ein Anschlag, laut welchem ein Student 0(1% wird, welcher bereit ist, gegen ein monatliches Honorar von � Mark täglich 1'/- Stunden vorzulesen, eine bekanntlich nichts bedeutende Aufgabe. Zu diesem„gutdotirtcn" Posten h»™ sich zahlreiche Bewerber gefunden, so daß viele Hoffnungen einen erwünschten Nebenverdienst fich nicht erfüllten. Die vom Neuen Friedrich-Wilhelmstädt. Theater b? beliebte Lperettensängerin Frl. Anna Grünfeld tsi% heutigem Tage in den Verband des Central- Theater getreten. Die Sonntags und Montags-Vorstellungen f#*" wiederum vor ausvetkauftem.Hause statt. Belle-AUiance-Theater. Franziska Ellmenrcich'f''. am Sonnabend in Bauernfcld's Lustspiel„Bürgerlich% Romantisch" als Katharina von Rosen, eine ihrer besten ,#» spiel-Rollcn, auftreten, dieser folgt im Laufe der naa'' Woche die„Adrienne Lecouvreur" in Scribes gleichnamig. Drama. Als zweite Novität der Saison ist„Alexanvr°' Drama in 4 Alten von Richard Voß, mit Franziska S# reich in der TUelrolle, gewählt. Im Deutschen Theater wird auch morgen, Dontietß* nicht„Wilhelm Tell", sondern„Der Probepfcil" gegeben, die Heiserkeit des Henn Ääinz noch nickt wieder soweit Q hoben ist, daß auf seine Mitwirkung ficher gerechnet kann. Die nächste Aufführung von„Wilhelm Tell" deshalb erst am Sonntag, den 5. d. M., statt. Am,"!L. abend, den 4., tritt Frau Hedwig Nie mann nach w- Rückkehr vom Urlaub zum ersten Mal wieder auf, und als„Susanne von Brie" im„Letzten Brief". ihm gleich zu werden in der Liebe zum Lernen. Be« Lobe erglänzten nicht nur die Augen des Bevorzugten, auch die tiefdunklcn Sterne eines zarten Mädchens, bat, der anvcren Seite, der Mädchenseite der Schulstube, den»9 hatte. Die rosigen Kinderlippen dieses Mädchens wollten,� K<»« f-i.:______ cm___ �____*. bei dem Lebrer die Worte schier vom Munde wegnehmen.-, das war kem Wunder; war doch August der Beschult � Müllers Töchterlcin allerwege: wenn die rohen Bulscheb�i V] 1«i r f»v« N � VImSTZ 1 7. L,.....■ 4« hCf 1�*.. die strammen Dorfmädchen in kindlichem Üebermuthe der i y Müllcistochter zu Leibe wollten, so war es August, der ö � rückwies und verscheuchte. Und fie Alle hatten Respekt vor- {rfofsinfttn ftjfiavihdvi"F-inrf«•&.>*» � schlanken behenden Burschen, welcher weniger durch stMyL, als durch seine Gewandtheit den Anderen überlegen war.® p mancher der losen Burschen hatte es erfahren, wie er p Boden warf und wie er Rippenstöße und Maulschellen m, austheilte. Die meisten Anderen waren sich ihrer Körpe. wohl bewußt, allen fie konnten sie nicht anwenden, den#. s war behende wie ein Wiesel und ließ fich selten erwiM"�. schlüpfte ihnen unter den Händen weg. Geschah es aber noch emmal, daß man ihn erwischt hatte und fe#'L# sä,«s r« bk£% unt) bei Vielen beliebt, nur Einer machte davon ew � . und dieser war des Steinbauern lahmer � ftteb. Derselbe schien das Reckt zu haben, ihn% Klara so hieß des Müllers Töchterlein und Augusts rf befohlene, zu verhöhnen oder auch gelegentlich � quälen. Nur weil er lahm war, hatte cr sich einer sc* zu eitreuen, trotzdem ihn August schon oft gewarnt b% oft von bösen Tücken begleitetes Spiel nicht zu treiben- Wenn er aber durchaus nicht hören wolle,>... ir h Ä0IIraI ,felnt 5aufl whlen. Höhnend hump" boshafte Schlingel davon, und glaubte wohl kaum die Drohung zur Wahrheit werden würde. Als er%% Tage kpa'er. w'eder die still die Doifsftaße 6�% Klara plötzlich anhielt und unverhofft und ohne alle„ m die Backe kniff, daß sie laut aufschrie, da fttansi. hmler dem Zaune, der seines Vaters Gärtchen begre»' if «%"■ Bttawsr H MMKW». Tagen vergessen (Fortsetzung folgt.) . erenc Tin» 1 unaie Kaisem> ankÄ M-M siin�.�-��kireuer Gefättgtnen- Aufseher. Der Ge- m'-��ufseher K l i ch e, bei dem hiesigen Untersuchungs- Mnaniß in Moabit, ist heut zugleich mit dem Anstreicher k.Vyn'welcher ihn durch Bestechung zu mehreren Ver- KfW s I'ute verleitet hat, zur Haft gebracht worden. Sachverhalt erhalten wir folgende nähere Mit- L.ßm Juni d. I. war eine Eindrccherbandc, darunter , veruchtigte Kellner Fischer(der aus der Auswanderung � 5�' uoch rechtzeitig in Stettin festgenommen worden ist) »Mr fc!?Jtte�er Wieland, verhastet worden. Diese Bande in �beschuldigt, die Einbruchsdiebstähle bei der Rentiere Max �uguststrahe, bei dem Kaufmann Tuchband in der König- bßt ber UNverebel. Man�selb ßm§rRrtf<»Ttnn;lIfpr im 9Iiiri( baden. V y v unh'sii)■" er unverehel. Mansfeld am Waterloo-Üfer im April '-'J?- und noch andere schwere Diebstähle ausgeführt zu Bier Wochen später wurden t"»-ll-oeyen ipaier wuroen aoer Wieland und noch Gefährten aus der Haft entlassen, weil die Unter- blM- m"e überzeugenden Beweise von ihrer Schuld ergeben Htimi.,> ot,, c!n'ß«i Tagen nun gelangte zur Kenntniss der welche den Wieland nach seiner Hastentlassung $uni �obacktet hatte� dass W. bei� seiner Festnahme im rj /r. einen aus dem Mansfeid'schen Diebstahl herrührenden daN-.. J�ring unter seiner Zunge verborgen gehalten nik an 5�. er diesen Ring aus dem Untersuchungsgefäng- («*,. e i0Q*)tt durch einen Gefangenen-Aufseher an .Schwester, die verwitlwete S., übermittelt habe. dem c»L Gefangenaufscher wurde bald in der Person des seit iJerirfila lJ®!8 dei dem Untersuchungsgesängniß des Land- einia» beschäftigten Kliche ermittelt. Kliche hatte schon seit ftroftww mU"*er dem Verdachte gestanden, zu Gefangenen in seiner�" Beziehungen gestanden zu haben; auf Anrathen feinpn 9rtrAc.�ien l,'t K vor einigen Wochen freiwillig um w iL eingekommen und er sollte Ende September ausscheiden. Gestern wurde Kliche festge- ®in'_• K. räumte ein, daß er von Wieland einen goldenen 51* ksnem Stein, sowie ein an die verwittwete L. gerich- >bn-wr ü(sogen.„Kassiber", um die Adressatin zu einer diei-m u? Zeugenaussage zu veranlassen und fie zu Wrfw ra r-mit Instruktionen zu verschen) erhalten habe, Äntmr.. ��"de er an die L. besorgt und deren mündliche er„nl nieder an Wieland übermittelt habe. Später habe ..Kasfiber" des Wieland an dessen Schwester über- auck Lr nn- r®rund dieser Geständnisse des Kliche ist gestern ihm L.'«?d festgenommen und sowohl wegen der von Üellt-n m A" �Bestechung als auch wegen der nunmehr klarge- heut �„Tf�elllgung an dem Mansfeid'schen Einbruchsdiebstahl biesniln� � Kliche zur Haft gebracht worden. Bei der dem oÜi■ sorgfältigen Leibesvisitation des Wieland auf Zebmn �'"""sslrriat wurde unter seiner Zunge ein a Si gefunden. EteinnA�.N�dusiger Fund. Den Bewohnern des Hauses M)..uraße.jg war es aufociallen. daü die in einer kleinen te Almosen- nicht gesehen r"ss1 es aufgefallen, daß vre rn eu Emvi� ��be daselbst wohnende 64 Jahre alte rWittwe Kulicke, seitdem 20. d. M. ni bfmVrJrl?01'. daß ihr Zimmer verschlossen war und daß aus eio.LAeu em pestartiger Geruch hervordränge. Der Haus- einen« nun im Beisein eines Schutzmannes die Schlc i ren o?- 1 einen Bruch des linken Unterarmes.— Zu fräße n,.f i �e! ein Mann in einer Wohnung in der Popen- sine 9wL am Boden liegende Glasflaschc und erlitt dabei �ung(11%% des rechten Lverschenkels, so daß er nach An- nrußtx b Nothvcrbandcs nach der Charitcc gebracht werden Schmidt emc offenkundige Tha'tsache sei. daß der Angeklagte rsNn aKerä der Frau Voß in intimen Beziehungen stand, "'Nimte q»°"�r den bereits erwähnten Vcrtraulrchkerten be- "nd Wi.�°mente. dafür nicht angeben. Tie Kellner Trctzel »au bekunden, daß ihre damalige Prinzipal!», die b-n AnA.s'b/e Zärtlichkeiten und Gunstbcweise keineswegs an Merer ra-c?�" Schmidt allein, sondem auch an eine Anzahl n�enwari"»schwendete. Die Angeklagte habe aber m %%'."ÄÄ ÄSÄ S Ä » Aussage des Zeugen d'Heureuse, welcher derzeit Buffetier im Voß'schen Restaurant war. Ihm gegenüber habe die Ange- klagte offen eingeräumt, daß sie zu Schmidt in einem sträf- lichen Verhältniß stände, habe aber hinzugefügt, daß ihr Mann fie ja dazu anhalte. Ferner bekundete der Zeuge, daß die An- geklagte einst mit Schmidt einen Maskenball besucht habe und dabei das Kostüm einer Bachantin gewählt habe. In dem Voß'schen Restaurant habe ein äußerst frwoler Ton geherrscht und unflätige Lieder seien mit Vorliebe gesungen. Der Angeklagte Schmidt sei stets der Anführer gewesen. Derselbe sei vollständig von der Frau Voß beherrscht worden, habe auf Kommando der- selben getrunken und mit Trinken aufgehört. Wenn der An- geklagte Schmidt bezecht gewesen wäre, habe ihm Frau Voß die Brieftasche, die bisweilen Tausende enthielt, abgenommen und bis zum nächsten Tage aufbewahrt. Einmal habe Schmidt auch eine schallende Ohrfeige von ihr erhalten.— Der Zeuge D., ebenfalls ein Gast des Voß'schen Restaurants, giebt seine Aussage dahin ab, daß er der Ueberzcuaung gewesen, der Ver- kehr zwischen den Angeklagten sei sträflicher Natur gewesen- — Frau Voß entpupp! fich aber im Laufe der Verhandlung als eine Frau, die den durchstchtigen Mantel der Tugend und der Anständigkeit immer mehr von fich abstreift und die ein- fach nach Art der Demimonde den lebenslustigen und von ihren Körperreizen völlig gefangen genommenen Schmidt aus- nutzte, so gut fie konnte. Lächelnden Mundes hört fie aiMvie die Belastungszeugen fie der gröbsten Unfläthigkeiten bezichti- gen und die Fähigkeit zu erröthen scheint ihr längst abhanden gekommen zu sein. Aber selbst in der kritischsten Lage kommt bei ihr die Eitelkeit znm Durchbruch, als einer der Zeugen bekundet, daß fie eines Morgens seiner Meinung nach zu einem Rendezvous gegangen sei, während fie angegeben habe, fie gehe zum Zahnarzt, um fich einen Zahn einsetzen zu lassen, da erhebt fie fich entrüstet und erklärt, daß fie einen falschen Zahn nicht trüge, sondern nur vom Plombiren die Rede gewesen sei. Die Beweisaufnahme bewegt fich stets in demselben Rahmen und fördert entweder Enthüllungen aus den Mysterien einer Kneipstube mit Damenbedienung zu Tage, oder geht bis zur verschlossenen Thür eines Boudoirs. Da sich die Zeugen- aussagen zum größten Theil nicht wiedergeben lassen, so ver- zichten wir auch auf die andeutungsweise Referirung derselben und werden von der weiteren Beweisaufnahme nur in allge- meinen Umrissen berichten. Unter der Anklage der vorsätzlichen Körperverletzung in Ausübung des Amtes hatten fich heute die Kriminal- schutzleute Karl Ludwig Hermann R e b e l und Carl Ferdinand K r a f f t vor der vierten Strafkammer hiefigen Landgerichts i zu verantworten. Am Vormittag des 6. Februar cr. wurden zwei Leute dabei betroffen, als fie aus dem Hofe Landsberger- straße 1—2 dem Sargfabrikanten Blechschmidt zwei Fässer Lack stahlen und dieselben fortrollten. Zur selben Zeit hatten gerade die beiden Angeklagten auf dem in demselben Hause befindlichen 51. Polizeirevier- Büreau eine Recherche vorzuneh- mcn und wurden von dem Bestohlcnen rcquirirt, die Diebe zu verfolgen. Nach Mittheilung des letzteren hatte fich auch noch ein Dritter bei Ausführung des Diebstahls auf dem Hofe zu schaffen gemacht, welcher in unmittelbarer Nähe von seinen beiden Genossen die Hochstraße enltang ging. Der Angeklagte Rcbel nahm den einen Dieb, den jetzigen Strafgefangenen Voigt, Herr Blechschmidt den zweiten, den jetzt rm Zellen- gefängniß bei Berlin befindlichen Höfe fest, während dem zweiten Angeklagten die Festnahme des dritten Kom- plizcn aufgetragen war. Beide Kriminalbeamte find nun beschuldigt, sowohl auf dem Flur des Hauses der Wache als auf dieser selbst die drei Arrestanten ohne Grund gemiß- handelt zu haben. Der Angeklagte Rebel giebt an, daß fich Voigt seiner Arretirung widersetzt, daß auf dem Flur der Wache angekommen, Höse auf ihn zugekommen sei und daß er dem- nächst, um beide Arrestanten an einer etwa beabfichtigten Flucht zu hindern, dieselben an die Wand schleuderte. Es könne auch sein, daß er in der Aufregung sowohl auf dem Flur als in dem Wachtlokal den Arrestanten ein paar Schläge versetzt habe. Der Angeklagte Krafft hob hervor, daß er von Rummler einen Schlag>n das linke Auge erhalten habe, welches in Folge dessen erheblich angeschwollen war. Bis zur Heilung der er- littenen Verletzung seien vier Wochen vergangen. Auch er gebe zu, in der Ausregung dem Arrestanten einen Schlag versetzt zu haben. Der Zeuge Voigt bekundet, daß er fich dem Rebel nicht widersetzt habe. Auf dem Flur des Wachtlokals habe ihm der Beamte ohne jede Veranlassung drei Mal gegen die Thür des Sargf�brikanten geschleudert- Im Wachtlokal habe ihn Rebel mit einem dicken Knüppel einige Schläge über die Schulter verfetzt. Alsdann habe R. ihn und Höse in einem fort rechts und links geohrfeigt und mit dem nachher erschienenen R. ging es ebenso. — Der Zeuge Höse bestätigt vorstehende Angaben und fügt hinzu, daß er von Rcbel Ohrfeigen erhalten habe, weil er den Namen des dritten Komplizen nicht nennen wollte.— Der Zeuge Rummler räumte ein, daß er dem Beamten einen Schlag ins Auge versetzt hatte. Beim Hineintreten in das Wachtlokal beklagte sich Krafft bei seinem Kollegen über den ihm ge- leisteten Widerstand, worauf Letzterer über ihn herfiel, und Beide ihm eine Reihe Ohrfeigen applizirten. Der Wacht- mcister fei hinzugetteten, und habe sich dies Schlagen im , Wachtlokal verbeten, worauf Rebel erwiderte:„Na komm mal ! erst oben, da werden wir Dir es schon besorgen!" Bei seiner Vorführung vor den Kriminalkommissar habe ihn Rebel zu- nächst 6—7 Ohrfeigen gegeben, und dann seien eine Anzahl Leute über ihn hergefallen und haben unbarmherzig auf ihn eingeschlagen. Der Prästdent konstatirt, daß die Gemißhan- Velten die Sache nicht zur Anzeige gebracht haben, sondern daß dieselbe vomWachtmcistcrSchmidt und von einem Pseudonym JngenieurNeumm.n ausgegangen sei. DieDepofitionen desWacht- meisters Schmidt und der«Schutzleute Voigt, Schwarz und Schwebs bestätigen im Wesentlichen die Angaben der Damni- fikaten; der Zeuge Blechschmidt bekundet aber, daß Voigt fich dem Rebel gegenüber widersetzt habe. Die Kriminalkommissare geben beiden Angeklagten das Zeugniß besonnener und her- vorragend tüchtiger und zuverlässtgcr Beamten, welche schon mehrfach bei Ausführung ihres so schwierigen Amtes in Lebens- gcsahr geschwebt haben. Der Staatsanwalt beanttagt, den Angeklagten mildernde Umstände zuzubilligen und Re>el mit einer Woche Gefängniß, Krafft niit 300 Mark ev. dreißig Tagen Gefängniß zu bestrafen. Rechtsanwalt Steinschneider plaivirt mit großer Wärme für ein geringes Strafmaß, wobei er auf den Unterschied aufmerksam macht, der bei den bedeutendsten Ausschreitungen von Polizeibeamten zwischen dem allgemeinen Publikum und Verbrechern gegenüber zu ziehen ist. Die An- geklagten erklären, fie hätten eher eine Anerkennung verdient, drei so gefährliche Verbrecher dingfest zu machen, als wegen solcher Menschen unter Anklage gestellt zu werden. Der Ge- richtshof verurtheilte Rebel zu 70, Krafft zu 60 Mark eo. sieben resp. sechs Tagen Gefängniß. wobei mildernd die berechtigte Aufregung der Beamten in Erwägung gezogen wurde. Axwiterbeneguug, Vereine Versammlungen. Zwei Wählerversammlungen der Arbeiterpartei fanden am Montag statt, von denen jedoch diejenige, die im„Germania-Theater"(Weinbergsweg) tagte und zu der die Wähler des sechsten Berliner Wahlkreises eingeladen waren, sehr bald dem Schicksal der polizeilichen Auflösung oerfiel. Der Referent. Tischlermeister Mitan, bemerkte: Der gegenwärtige Wahlkampf ist ein unendlich heftiger geworden.„Tie deutsch- freisinnige und konservative Partei steyen fich äußerst schroff gegenüber. Es wird nicht mehr die Partei, sondern we Person bekämpft. Die Arbeiter kümmert jedoch dieser hausliche streit sehr wenig, denn beide Parteien haben bewiesen, daß fie für die Interessen der Arbeiter in keiner Weise einzutreten ver« mögen. Die Deutsch-Freifinnigen verweisen die Arbeiter auf vre Selbsthilfe und die Konservativen auf den Himmel. Die Letzteren haben�allerdings� noch ein anderes Mittel erfunden wird dieses Mittel niemals verfangen. Die Arbeiter bekämpfen nicht deshalb Jemanden, weil er ohne seine Schuld in einem anderen Glauben geboren ist, sondern fie bekämpfen den Ausdeuter, der unter Juden und Christen gleichmäßig vorhanden ist. (Lebhafter Beifall.) Der Kandidat, den wir in diesem Wahl- kreise aufstellen, dessen Namen ich Ihnen nachher nennen werde. (Rufe: Hasenclcver!) Hier erhob sich der beauffichtigende Polizei- Offizier und erklärte die Versammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes für aufgelöst. Es gaben fich viele arge Drohungen gegen den Rufer kund, im Uebrigen ging die Ver- sammlung unter Hochrufen auf Hasenclever und die Sozial- demokratie in Ruhe auseinander. Die zweike Wählerversammlung fand im 4. Wahl- kreise rm Saale„Urania"(Wrangelstraße) statt. Der Umstand, daß der Arbeiter- Kandidat für diesen Wahlkreis, Stadt- verordneter Paul Singer, seine Kandivatenrede halten sollte, hatte zur Folge, daß noch lange vor der festgesetzten Zeit fich Tausende von Arbeitern vor dem Versammlungs- lokale einfanden. Schon gegen acht Uhr Abends war dasselbe überfüllt und unzählige Menschenmaffcn fanden keinen Einlaß mehr. Als jedoch die Versammlung er- öffnet werden sollte, befahl der anwesende Polizei Offizier die Tribünen zu räumen. Um nun den auf den Tribünen befind- lichen Menschen Platz im Saale zu schaffen, mußtm sämmt- liche Tische und Stühle aus demselben entfernt werden. Stadtv. Singer, mit stürmischem Beifall begrüßt, äußerte fich etwa folgendermaßen: Es liegt mir fern, gleich den Führern an- derer Parteien, irgendwie zu schimpfen. Die Arbeiterpartei ist trotz Ausnahmegesetze eine so fest geschlossene und zielbewußte, daß fie nicht nöthig hat, zu derartigen Mitteln zu greifen. Ich will mit kurzen Worten zunächst das Programm der Ar- beiterpartei entwickeln. Wir verlangen in erster Reihe allge- meines, gleiches und direktes Wahlrecht, und vollständige Ver- eins-, Versammlungs- und Preßfceiheit. Wenn die liberalen Parteien diesen Forderungen zustimmen, dann ist das uns sehr angenehm; es ist jedoch nicht zu vergessen, daß unser wirthschastlicher Standpunkt ein vollständig anderer, als der der liberalen Partei ist. Jedenfalls ist es ja erfteulich, daß von der Nothwendiakeit einer sozialen Reform jetzt das gesammte deutsche Volk durchdrungen ist, und daß keine politische Partei umhin kann, zur sozialen Reform Stellung zu nehmen. Der Arbeiterpaitei gebührt der Verdienst, ihre Stimme nach sozialen Reformen zuerst erhoben zu haben. Die Arbei- ter begrüßen jede ernsthafte Mitarbeiterschaft auf diesem Gebiet, gleichviel ob fie von links oder rechts kommt, mit Freuden. Es ist wohl mit der sozialen Reform im Reichstage begonnen worden, allein weder das Krankenkassen- noch das Unfallver- ficherungsgesctz find in ihrer gegenwärtigen Gestalt geeignet, die Lage des Arbeiters zu verbessem. Pflicht des zukünftigen Reichstages wird es sein, bezüglich dieser beiden erwähnten Gesetze Verbesserungen vorzunehmen. Im Weiteren verlangen wir auch eine Beschränkung der Frauen- und Verbot der Kin- derarbeit in den Fabriken Obwohl man der Partei, der wir angehören, den Vorwurf macht, daß fie das Familienleben auf« heben wolle, so erheben wir gerade das Verlangen, daß den Kapitalisten verboten werde, die billige Frauen- und Kinder- arbeit in den Fabriken zu benutzen, daß die Frau in das Haus, die Kinder in die Schule und aus den Spielplatz gehören und daß der Mann derartige Beschäftigung und solchen Verdienst in der Fabrik finde, daß er im Stande sei, seine Famllie ohne Beihilfe der Frau und Kinder, zu ernähren. Wir ver- langen serner die Abschaffung der Zuchthaus- und Gefängniß- arbeit, insofern diese die freien Arbeiter schädigt. Unsere Hauptforderung ist jedoch die�Einführuna eines gesetzlich ge- regelten Normalarbcitstages.(Stümischer Beifall). So lange diese Forderung nicht erfüllt ist, kann die Lage des Arbeiters keine bessere werden. Sämmtliche Nationalötonomen find darin einig, daß in Folge eines gesetzlich geregelten Normalarbeits- tages die Zahl der beschäftigungslosen Arbeiter eine geringere und der Arbeitslohn ein höherer werden wird. Es entsteht nun die Frage: wie stellen sich die Arbeiter zu den drei ver« schicdenen Parteien, die in diesem Wahlkreise ihre Kandidaten ausstellen? Da ist zunächst die konservative Partei, die durch Zwangsinnungen und Arbeitsbücher die soziale Frage zu lösen gedenkt. Eine Partei, die für die Bedürfnisse des Volkes ein so geringes Verständniß entwickelt, kann selbstverständlich nicht auf die Unterstützung der Arbeiter rechnen. Was aber die Arbeiter ganz besonders von der konservativen Partei trennt, das ist, daß fich unter ihrem Deckmantel seit einigen Jahren ganz besonders in Berlin eine Hetze gegen Andersgläubige breit macht. Jeder anständige Mensch kann sich von einem solchen Treiben, das bereits die ärgsten Gräuelszenen gezeitigt hat, nur mit Ekel abwenden. Den deutschen Arbeitern gebührt das Verdienst. daß die Hetze nur in einein kleinen Tyeile unseres Vaterlandes zu argen Skandalszcnen geführt hat. Die deutschen Arbeiter können mit einer Partei nichts zu thun haben, die in ihren Reihen einen Mann duldet, der am Freitag Abend eine Hetzrede gegen Andersgläubige hält und am folgen- den Sonntag auf der Kanzel steht und die Nächstenliebe predigt.(Rufe: Stöcker) Die Arbeiter fragen nicht nach der Abstammung oder nach dem Glauben, sondem fie halten zu Demjenigen, der für ihre Interessen eintritt. (Ledhafter Beifall.) Ich habe bereits erwähnt, daß die deutsch- freifinnigc Partei vielfach für politische Rechte eintritt, allein ihr in den heutigen Abendzeitungen veröffentlichtes Programm, in welchem fie betont, an den heutigen wirthschafllichen Verhältnissen festzuhalten, trennt uns von dieser Partei vollständig. Wir bekämpfen das Manchester-Prinzip aufs heftigste und erachten es für eine heilige Pflicht des Staates durch gesetzliche Maßregeln den Schwachen zu helfen. Im Uebrigen hat die Abstimmung über das Sozialistengesetz im Reichstage den Beweis geliefert, daß es mit der politischen Freifinnigkeit der dcutsch-frcifinnigen Partei nicht so weit her ist. Mit den 26 Deutsch-Freifinnigen, die für das Sozialistengesetz gestimmt haben, habe ich nichts zu thun, allein bezeichnend für die deutsch-freifimrige Partei ist es, daß fie Leute in fich duldet, die für ein solches Ausnahme- gesetz gestimmt haben. Die Versicherung der 26, fie hätten zum letzten Male für das Gesetz gestimmt, kann wohl nicht emsthaft genommen werden. Jedenfalls können die Arbeiter mit einer solchen Partei keine Probe mehr anstellen, es könnten schließlich das nächste Mal andere 26 Leute, oder auch nur so viele, wie gerade nothwendig, für das Gesetz stimmen. Pflicht der Ar- beiter ist es, bei den Wahlen selbstständig vorzugehen, dies muß aber geschehen durch eine nachhaltige Agitation, die von Haus zu Haus, von Werkstattzu Werkstatt, vomKeller bis zurDach- lammer ausgeführt werden muß. Geben fie dabei der Aufstchts- bchördc nicht Anlaß zu irgend welchem Einschreiten, haben fie stets die bestehenden Gesetze im Auge und erlahmen sie nickt cmpfahl, ebenso wie Herr Papkc und Herr Kördel, den Fach- verein und den Unterstiitzungsverein deutscher Schuhmacher. Der Antrag, die Wahl einer Lohnkommisfion betreffend, rief eine lebhafte Debatte hervor iiber die Stellung, welche die zu wählende Kommission zur Lohnfrage einzunehmen habe. Herr Prill und Herr Pirch sprachen sich für eine Verhandlung mit der Innung aus; man müsse schon etwas vom Prinzip weichen, denn ohne deren Mitwirkung werde schwerlich etwas zu Stande kommen. Herr Popke, Herr Kördel und mehrere andere Redner waren entschieden dagegen, von der Innung sei nichts zu erwarten, zu dem vormundschaftlichen Regiment(Arbeits- bücher), das diese durchführen will, seien die Arbeiter nicht mehr unmündig genug, deshalb werde sich' eine Verband- lung mit der Innung von vornherein zerschlagen, beider Forderungen stehen zu sehr im Widerspruch, erst wenn die Echuhmachcrorganisation soweit erstreckt sei, daß sie ihre For- derungen mit Nachdruck durchzusetzen vermöge, kann von einer Verhandlung mit der Innung die Rede sein. In dem Sinne wurde denn auch von der Versammlung eine Kommission er- wählt von folgenden 7 Personen: Geisler, Ege, Pfeiffer, Holz, Piniak, Kneisel, Baginsky........ Wir werden also in nächster Zeit auch bei den Schuhmachern mehr Leben und Be- wegung verspüren, und es ist deshalb zu erwarten, daß alle Schuhmacher, die im Denken und Fühlen bei der Sache find, nicht mehr zaudern, sondern ihre ganze Kraft in die Waag- schale ihres Geschickes werfen.— Mögen sie alle Mann für Mann, in der Versammlung erscheinen, und mögen sie auch nicht säumen, sich dem Fachvcrein und dem Unterstützungs- verein Deutscher Schuhmacher anzuschließen.— Der Einzelne wird stets erliegen—— Wir Alle aber müssen siegen." Aus ßharlottenburg wird uns geschrieben: Die am Montag, den 29. d. M. in Mödlichs Salon tagende öffentliche Krankenkassen-Versammlung der Tischler war trotz der wichtigen Tagesordnung nicht derartig besucht, wie man wohl hätte er- warten sollen. Auf der Tagesordnung stand„die Zentralkran- kenkasse und die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins-Kassen." Das Referat hatte Herr Karl Klose-Berlin übernommen. Nachdem das Bureau gewählt war, bestehend aus den Herren Backschaft, Jahnke und Rieder, gab Herr Klose zunächst einen kleinen Rückblick auf das Krankenkassen-Gesetz und meinte, wenn er auch dem Gesetze nicht voll und ganz beistimmen könnte, so sei doch wenigstens ein Schritt aethan, um den Arbeiter in Fällen der Krankhett iu schützen, damit derselbe nicht ganz hilflos dastehe, denn die >eutigen Lohnverhältnisse machen es dem Arbetter unmöglich, einen Nothgroschen zu sparen. Sodann ging Redner zu den Ortskassen über und sagte, daß die Mitglieder wohl Pflichten, aber sehr wenig Rechte hätten. In Betreff der eingeschriebenen Lokal-HUfskaffe bezweifelte Redner die Lebensfähigkeit derselben, weil bei Ausbruch von Epidemien einzelne Orte zu sehr mit- tenommen würden. Tann wandte sich Redner gegen die nrsch-Tunckerschen Kassen und wies zahlenmäßig nach,!wie sehr sich diese Herren mit ihrer Schreierei verrechnet haben. Ferner unterzog er das Verhalten der Gewerkvereine einer ab- fälligen Kritik und kam zu dem Schluß, daß es selbst dem blödesten Arbeiter einleuchten muß, mit welchen Leuten er zu ühun hat. Lauter Beifall lohnte den Redner für seinen ein- stündiqen Vortrag. Riederbarnrmer-Kreis. In einer am Sonvabcnd, den 27. September im Werner'schcn Lokal zu Rummelsburg statt- gehabten und gut besuchten allgemeinen Wählerversammlung, hielt der Arbeiterkandidat für den Nicderbarnimer-Kreis Herr Fr. Arndt aus Bernau einen mehrfach von Beifall unter- vrochcncn Vortrag über:„Die Stellung der Arbeiter zu der bevorstehenden Reichstagswahl." Der Vorttagende hob be- sonders hervor, welch' hohe Bedeutung das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht für den Arbeiterstand habe, und befür- wartet die Einführung desselben für alle gesetzgebenden und derathenden Körperschaften, denn nur dann wenn dem ge- gmmten Volke Gelegenheit gegeben werde an der Gesetzgebung eilzunehmen, könne man etwas �ersprießliches und segensreiches für das Vaterland wie für die ge- sammte Menschheit erwarten. Zur Charaktrifirung der gegnerischen Parteien übergehend weist Redner daraufhin, wie sich Liberale sowohl wie Konservative immer so gern als die wahren Freunde der Arbeiter und Handwerker geriren, während dieselben noch nie einen Arbeiter oder Hand- werker auch nur ihrer Richtung in den Reichstag gesandt baden. Es geschieht das nicht ohne eine gewisse Absicht, in- dem die Herren sehr wohl wissen, daß selbst liberale und kon- {ervative Arbeiter nicht immer gegen ihr eigenes Klasieninteresse andeln würden, deshalb sucht man sie so viel wie möglich von den gesetzgebenden Körperschaften fern zu halten. Von den an- wesenden Gegnern meldete sich trotz wiederholter Aufforderung keiner zum Motte. Nachdem sodann zum Abonnement auf das „Berk. Volksblatt aufgefordert war, erfolgte die einstimmige Annahme folgender Resolution: Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Herrn Arndt einverstanden und verpflichtet sich bei der bevorstehenden Reichstagswahl voll und ganz für denselben einzutreten. Im Rheingaucr Hof in Bockenheim fand Sonnabend Abend eine Volksversammlung statt, um den Bericht des Rcichstagsabgeordneten für Hanau-Gelnhausen-Orb, Herrn Carl Frohme, über seine Thätigkeit in der abgelaufenen Legislatur- veriode entgegenzunehmen. Zum Vorsitzenden wurde, wie wir der„Franks. Ztg." entnehmen, Herr Jakob Schmidt, zum zweiten Vorsitzenden Herr Svengler, zum Schriftführer Herr Gläser gewählt. Herr Frohme erklälte zuvörderst, um müsfigen Gerüchten entgegenzutreten, daß er eine auf ihn fallende Wiederwahl annehmen werde. Ten übernommenen Verpflich- t ringen glaube er entsprochen zu haben: er habe sich nach Kräften demüht, gesetzgeberische Akte, welche mit dem Rechte, den Interessen und der Freiheit des Volks sich nicht vertragen, zu verhindern. Er habe nicht nur regelmäßig an den Sitzungen und Abstimmungen tbeilgenommen, sondern auch, wo sich Gelegenheit bot, das Wort ergriffen. Dem Gesetz über Erhebung einer Berufsstatistik, deren Mangel flch bei vieler Veranlassung geltend machte, habe er zuge- stimmt. Eckon 1881 habe er Entschädigung für unschuldig erlittene Haft beantragt; der spätere Antrag Hrn. Phillips und Mnzmann sei leider nicht mehr zur Berathung im Plenum ge- kommen. Der wichtigste Theil der Vorlagen, bezüglich der Sozialreform, habe leider zu meist nicht erfreulichen Resul- taten geführt. Das anfangs als„Patrimonium der Enterb- ten" bezeichnete Tabaksmonopol sei nachher als eine dauernde, der Kontrole des Reichstags entzogene Geldquelle betrachtet worden, die in erster Linie dem Äilitattsmus zu Gute ge- kommen sein würde. Redner habe dagegen gestimmt, in erster Linie, weil weder die Fabttkanten genügend entschädigt, noch für die in der Privatindustrie beschäftigten Arbeiter aus- reichend gesorgt werden sollte. Aber noch stehe das Tabaks- Monopol drohend im Hintergrund und werde bei günstiger Gelegenheit wieder zur Vorlage kommen. Nur wenn die er- wähnten Forderungen erfüllt und der Erttag durch bindende Beschlüsse einem bestimmten Zweck, insbesondere Invaliden- Pension und Altersversorgung zugewendet würde, könne von einer Zustimmung dazu die Rede sein. Sollte ein Gesetz über Invaliden- unv Altersversorguna zur Vorlage kommen, so werde Redner und seine Partei bemüht sein zu verhindern, daß es dasselbe Schicksal erleide, wie das Krankenkassen- und das Unfallacsetz. Redner ging auf eine dctaillirte Ktttik dieser beiden Gesetze ein, wobei er die Thätigkeit der klerikal- konservativen Mehrheit des Reichstags einer scharfen Beurthei- lung unterzog. Sodann erwähnte er die Aeußerung des Reichskanzlers in Betreff des„Rechtes auf Arbeit", der sich auf das„Landrecht" berief. Das Landrccht kenne es aber nur im Sinne der staatlichen Armenpflege, während die Partei des Redners es als einen Akt der sozialen Gerechtigkeit auffasse. Das Charatteristische an der Sozialreform der Regierung sei, daß sie sich so gern mit Fragen beschäftige, die eigentlich gar nicht so brennend seien. Von Ziormalarbeitstag, Regelung der Frauen- und Kinderarbeit, Sonntagsruhe u. s.w. sei keine Rede gewesen. Die Konservativen sprächen fortwährend von Hilfe für Bauern- und Handwerkerstand. Letzterem wäre besser geholfen durch Wegfall der Zuchthausarbeit, der Militärwerkstätten, Re- gelung des Submisstonswesens als durch Zwangsinnungen. Sie wollten die ländlichen Arbeiter begeistern für Kornzölle, die ihnen das Brod vertheuern: warum sorgten sie nicht dafür, daß nicht mehr den Großgrundbesitzern während der Erntezeit SoL datcn zugewiesen würden, die die armen Tagelöhner um den Verdienst bringen und dadurch die Vagabondage vermehren? Der Geist der naften Reaktion, der die Konservativen beseele, habe sich in dem Antrag auf obligatorische Arbeitsbücher gezeigt. In Bezug auf das Handwerk wollten sie durch Zwangsinnungen, Reform des Lehrlingswesens u. dergl. helfen: die Liberalen andererseits leugneten die Nothlage des Handwerks. Dem ge- gcnüber sei Redners Partei der Ansicht, daß das Handwerk nothwendig mehr und mehr zurückgehen und dem Arbciterpro- letariat verfallen müsse. Mit besseren Kenntnissen sei nicht zu helfen: bei den heutigen ökonomischen Verhältnissen entscheide der größere Besitz. Der Arbcitcrstand sei in geistiger Ent- Wickelung begrisscn und erstrebe eine Aenderung dieser Ver- Hältnisse durch Pioduktiv-Affoziationen; vielfach fordere auch das Handwerl schon Staatshilfe, um Produktiv'Assoziationen zu errichten. Was wird da schließlich anders übrig bleiben, als daß die Handwerker— Bei diesen Worten erhob sich der über- wachende Polizeikommiffar, Herr Oellrich, und erklärte die Ver- sammlung auf Grund des Sozialistengesetzes für aufgelöst. Herr Frohme ersuchte die Theilnehmcr der Versammlung, sich ruhig zu entfernen, worauf ihm der Herr Polizeikommiffar 6ck* er habe nichts mehr zu sagen. Die Anwesenden sich und bemerkten den Eingang des Hauses von ein« Anzahl von Schutzleuten umstellt, die aber zum keinen Anlaß fanden.„ � Der Verein zur Wahrung der Interessen«'S liner Dachdecker lagt am Donnerstag, den 2. OkM Z Abends 8'/, Uhr, im Lokal des Herrn Weick, AlexanW. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt f Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht der Vorstand. Eine Mitglieder-Versammlung des Lausitz".� Vezirks-Vereins findet heute Mittwoch, den l. Abends 3-/, Uhr, Manteuffelstr. 9, statt. T.-O-: 35ort Predigers Herrn Kcndziora über einige Kapitel an» Smith's Nationalreichthum. Die Mitglieder werden recht zahlreich zu erscheinen. irss Eingesandt. � Zu den Schwierigkeiten, die der Arbeiterpartei in Zeit durch die Gesetzgebung gemacht werden, um" dem, daß sie ihre Angelegenheiten in öffentlichen-"�« luv gen bespricht, tritt die mehr oder minder versteckt Scheu der Gastwirthe, ihre Lokale zu derattigen lunflen herzugeben. Es dürfte der Grund hierzu Andern» 153 Die lvo Mamkeif de, v-n vui|(t vtv\£nuiiu ytciflu... teilichkeit zu suchen sein. Denn wie soll es mohl ün»* verstehen sein, wenn Gastwirthe den sogenannten«« n tenden Parteien ihre Lokalitäten zu VersammlungsM�I-. iUmannt rcitwilliast ,ur Vcrküauna stellen, den Arbeitern abtt,I �'Aork peri reitwilligst zur Verfügung stellen', den Arbeitern deren Zuspruch ihre Existenz in den meisten Fällen dieselben kurzer Hand verweigern?— So letzten Tagen einigen Arbeitern, . die zwecks AbhalWS cm großerer�L ä hier- lArsämmlun��weiter�j ahllmsc Pächtern des Tivoli-Restaurants und der Habel'schen (Bergmannstraße) um Uebcrlassung der Lokalitäten na|6$! ESJfWWKi daß ihnen unter Hinweis auf angebliche Unannchml'�'.«r, daß ♦yi o f Sirt(D Ü f /? Vi /\*-(D 1•• x! kUuI*** � QUt TPtl welche die Pächter seitens der Polizei zu erwarten Lokale verweigert wurden. Wenn nun auch solchem eine gewisse Berechtigung nicht abzusprechen ist, fo andererseits der Umstano,'' UUJUIVlVUitll 1)1, 1"— . daß den gegnerischen Lokalttäten anstandslos überlassen weiden, den UnwU« .cuiuiuumi aniiunuBiuB uoriiupcn weisen,# Arbeiter nur noch mehr verschärfen und die Elnsems% Parteilichkeit solcher Gastwirthe aufs Grellste beleuchte.» gegenüber müßten alle Arbeiter, wie auch die anstand � mente in den gegnerischen Parteien aufs Nachdrücklich! � ...»..»V... VV«, i}VM*»v*kiu7vit �;v*ir«v»vi» u vtWWfv*— f Meidung ihrer tzokale auch bei anderen Gelegenheiten �neursk- inneruna zu brinaen sucken. dab ibre Eristen, erst.-Eltens innerung zu bringen suchen, daß ihre Existenz erst � 1»% h!* Zuspruch von Gästen gefichctt ist und daß dieselbe � durch g< CT)__ 1-'. C �.___ ÄfiJC. o-.-... r 1.*T i.vie»rT)fn � 1 uT1 tl llfivoi. vv.» WV�.Vi. VWß fß III IT ry_ r,' derartiae Parteinahme ernstlich in Frage gestellt werdc�, fiiuJ'JJu6r™ Ten Arbeitern aber hauptsächlich wird zu empfehlen bat. solche Vorkommnisse streng zu achten und sie unnaprj} kei �lahlangel K«: pcn ist Sita Mm. m To K zur Kenntniß ihrer Mitbürger zu bnngcn, gedeutete Weise solchem Unwesen kann. ..........«was*» in Zukunft gesteunl i % F Briefkasten der Redaktion. J��wwe' % H. 62. Wir können Ihnen unmö auf diesem Wege mittheilcn. Wenn rnuuu.„u* �'»mrail zu erfahren wüniA» Ameisen eiern füttem.„«led Fragender. Niemand ist verpflichtet oder kann s'i>«? Erfo! h A&» 7 v* 4 � � 4.. �% T.r A&#*****& j*** V.« elll Jv werden�Etwa�i�ezahlen�wa��veder bestellt � den St ! kommen hat. Wenn Ihr Kommis ohne Ihr Wisse" dollä»?!. e.s stellung auf Ihren Namen gemacht hat, und das j° erode fteuung auf(Zhrcn Dramen gemacht hat, unv erlangte Objekt für sich verbraucht hat, können ff% zabluna nickt beranacroaen werden, sondern der SW"| _ nicht herangezogen werden, sondern der sich des Betruges schuldig gemacht. Thierfreund. Eine direkte Einsendung schutzverttn wird jedenfalls den von Ihnen erirarw� haben. Das Faktum selbst haben wir seiner öffenllicht.. �_ IM Zwei Wettende. Der deutsche Kronpnnz hm � # S-'l zemb�°. I. dem Papst einen Besuch abgestattet. ....,« R.» !!�S4. et erwor ÜH rM 8 !«i iSfil 3�. 1 i 1 wmmrn*- SM ööl|.je !lir W LA- Verantwottlicher Redacteur R.«ronheim in Bettin. Druck und»«lag von vadl�in Berlin SW,. Bemh��7 ■ I % ifi-r» >-n" it« ON-W� lÄntH cnb. ,1 rTfl : Bort" >1 auS lerdtn f* ßcrliuct MMM % 153. Mitiwoch, den 1. Oktober 1884. 1. Jahrgang. 3 ittei«i um U fielt 1,1 iiUrf nutftnmi'rl �uyiagnanon nimmt letzt oie allgemeine Alls- M dermaßen in Anspruch, daß kein Bürger sich mit Unterdalten kann, obne dak(ofnrl die Rede auf en lkreise scheu h-jj m iwflün ;en tm 52S fih ttalilngilution in den Dtreinigltn Staaten. unterhalten kann, ohne daß sofort die Rede auf W New-Nork wird der„Frankfurter Zeitung" gesckrie- ..J,"Piere Wahlagitation nimmt jetzt die allgemeine Auf- Mrnaßen in «»..�"j'ungelegcnheiten kommt. Mehral�di�älft�csl «tnfcp(1 1 �leisten Zeitungen wird der Agitation gewidmet. ngiz�lz.'Menanntm Nationalausschüsse beider Parteien find in in 1 J ä~■' vOtf PetlNflNent in ßitunn rnjhfipillpimhpr�tlpilttff� m»°A rte es d3'V01' Pennanent in Sitzung, und beide haben deutsche �iuwh'ke ernannt, mit der Aufgabe, auf ihre Landsleute Kentlich Nichenml"'- �us Komitee der Republikaner giebt sogar ein illustrirtes Blatt in deutscher Sprache euchten M mar b%(mm» b«maW%: akF in b?ben die Republikaner Hoffnung, es für fich WWMMUM Nss,.Q�.'.,-•-•— [fie k werde» untn mit seimasiiiche und verwandtschaftliche Verbindungen --, a ftiunnol r!,�en Industriellen jenes Staates einen Vorsprung llen>e>»iL gen hat. Die Bevölkerung des Staates im Allgemeinen ' eines groß«.....»■■-....... »tf dort-um f i ch t l i ch v me steuert §Wii§M was ihnen angeblich bevorstehe, wenn % Tiegen sollte.(!) Das Wort Freihandel, den §i> Hs Di?n. n einführen zu wollen beschuldigt werden, wird g.den Arbeitern vorgehalten, und es ist nicht zu 'wünM�n diese bei Vielen verfängt. Niemand kann unter weh, vp-.'-d vnic uti xsieitii verlangt, orieinanv tonn unter ftnhi.nißünden auch nur annähernd voraussehen, wie die West-Llirginien ausfallen werde. Sollten die Re- '■n bem-t.-r u ihre besten Freunde würden in diesemFalle �iifCTI ni»n, re.?' V\|»V»» ivuivv»» n» vvVT*"LJ'*wv tni v Erfolge verzweifeln. Gewinnen dagegen die Demo- 'tellt%"�en Staat, so ist das von keiner so großen Vorbedeu- issen hoiiö,,?6 ks dann einfach heißen wird:„die Holländer haben da»' 0 Robert." "gegen würde der Verlust des großen Staates Ohio � für die Republikaner der fichere Vorbote ihrer > neu$®to5t;?ev,m November sein, nicht bloß, soweit es jenen „Wettn � kfiei iÜÄ"" die ganze Union anbetrifft. Die Rcgierunas- .7 gcit dort die größten Anstrengungen! fie sendet Volks- i � bnä �? Agitatoren aus allen Theilen des Landes dahin, ,.m!r((teinn.. auf ihrer Seite zu erhalten oder es dafür zu ,?>»>I> u"' �d wendet mindestens eine Million Dollars auf, niest � Sit erlaubte Ausgaben damit zu decken, theilweise >». kx 50 �fiiger zu korrurnviren. Die republikanischen Führer aber ml rr SBofifh?" iu korrumpiren. Die republikanischen Führer »c ei»»' 1 S au? freuen in Ohio das Geld mit vollen Hän- i,»~e Glett,,« Aundesbeamte, die der herrschenden Partei st� I% ibt qtiim verdanken, weiden aufgefordert, an die Wahl- «hlen fu liefern. Die Regierungs-Kontraktoren % San,''�üiche Beiträge, und am liberalsten find noch die Wmer ,.A' welche in Folge des jetzigen Zolles ungeheure Reich- �Ntei.« ,n haben und durch einen Sieg der Demokratie I-">eriN?� kn. �„ o.,,. vi.r. zur.___ i_____ ferfKlig -arfi. 1 f||| 1 ff M\nti>»v fr...•; v. vv. V MI'V vmvu; vn»v«» w M 6en �tsen für gefährdet halten. Alle diese Elemente vereinigen »(hiiibe M�dtionsfonds der herrschenden Partei für die bevor- "ä fltmiii, iu vergrößern. Jeder der 125 000 Beamten, die über AtNbte zerstreut find, hat einen oder mehrere Per- Snien T' bekannte, die seinetwegen für seine Partei "n w Kontraktoren veranlassen ihre Lieferanten, in � ,ne zu wirken, und die Fabrikanten drohen ihren pokarlicht uud Crdstrom. Von A. W o l d t. (Fortsetzung) -.Nachd-n." Lemström'S Erdstromgürtkl. "irisch., vor kaum mehr als einem Menschenalter der I �etnXn atflra� im Dienste der Menschheit seinen we- I Urast>>!. �"8, angetreten hatte, wurde jene gehermnißvolle r?utn«O�wrch ihn dem Menschen den Sieg über Zeit und «S(£»,,?' mehr und mehr Gegenstand des ausgedehn- \>*< bi:(.lUtnsi' Geduldig übe! nahm und übernimmt die für hl givßc gigantische Magnet, die ihr übertragenc w�Üiaph-ni!. verzweigte, feinmaschige Netz der zahllosen e''(fota.n e,n. die Rückleitung des elektrischen Stromes K�stein gleichsam als wenn fie selbst nur aus einem »?%sein Jouter isolitten Kabeln bestände. Aber das stolze Ji*(tL„M. i Herrn der Scköpfung wird mitunter reckt n»i ttieb,.1' wenn;n dem Magneten„Erde" plötzlich ein- 1.(TUfeR.it» gigantische Urkraft zum Ausbruch kommt buin. ü. i6re elektrischen Ströme fluthen läßt. hin und .'vi dann Eidschicheen und tiefen Gründe des Ozeans, . JJn««6. die Atmosphäre in elekekttischen Ausruhr 5%|;?.Ärc ä» z>d ihre?mdlicht strahlen dlutrotb am Himmel spielen Ki? iifi>vvl n!°° � Lichtkaskade» weit hinunter senden vom MMZWW- tzAjogen �e.wled peimanent von elektrifchen Strömen "iö?' daß g. � si"d jedoch gewöhnlich von so geringer MzAsasaEK f�a�dm(j.ff/'nmmtheit aller bei diesen Phänomen ''�°rM�witM"?M«n dagezen mit Ausd.ücken„magnetr-- ((�7'ch>stölunae'n--'"'��Unllewitter"...Gewittelstörungen. Scho�ichnet.'"Ningnelisciie Stürme",„Stromstörun-. " s«t Ende der Vierziger Jahre wurden die Sid- Arbeitern mit Mangel an Beschäftigung für fie, wenn die englische Partei— so nennen fie die demokratische— den Sieg davon tragen sollte. Soeben trifft die Nachricht ein, daß der amerikanische Gesandte in Paris, P. Norton, Urlaub genommen hat, um fich an der Agitation für den Sieg seiner Partei zu betheiligen. Vor vier Jahren gab dieser Mann eine Viertel Million für die Erwählung Garfield's aus, um fich dadurch die Ernennung zum Finanzminister im Kabinet des neuen Prästventen zu fichern, aber die Verhältnisse gestalteten fich später derart, daß er steh mit dem Gesandtschaftsposten in Paris begnügen mußte Sie können aus diesem Allen ersehen, wie schwer es für die demokratische Parter ist, in den bevorstehenden Wahlen zu fiegen, obgleich augenblicklich die große Mehrzahl der Presse des Landes und das unbeeinflußte Voll auf ihrer Seite steht. Am Wahltage werden die Reihen der Demo- kratie durch das Geld der Gegner gelichtet, und manche der republikanischen Führer scheuen sich nicht, offen einzugestehen, daß fie fiegen wollen und müssen, und vor keinem Mittel zu- rücksckrecken werden, ihren Willen durchsetzen. Durch Einsetzung von Bundesmarschällen ohne Zahl, im Jahre 1878 waren deren allein für die Stadt Newnork über 9000 ernannt zur angeblichen Ueberwachung der Wahlen, ist der Einschüchterung der Wähler und dem Betrüger Thür und Thor geöffnet- Wegen eines etwaigen Mißbrauchs ihrer Gewalt können diese Mar- schalle, welche großentheils aus dem gewiffenloscsten Gesindel der großen Städte ernannt werden, nur vor die Bundesge- richte gebracht werden, wo fie selbstverständlich frei ausgehen. Gegen diese Bundesspitzel vor Bundesgerichten Klage zu er- heben, hieße den Teufel bei seiner Großmutter verklagen. Sie find die Kreaturen eines Ausnahmegesetzes, und dieses Gesetz überträgt ihnen außerordentliche Gewalten. Es wurde von der republikanischen Partei zur Zeit der Rekonstruktionsperiode im Süden geschaffen, und war dazu bestimmt, ihr in den Süd- stallten auf immer die Herrschaft zu fichern. Man dachte da- mals wohl nicht daran, es im Norden in der Weise auszubeuten, wie es jetzt geschieht. Tie Demokraten im Kongresse haben wiederholt versucht, dieses Willkür-Gesetz aufzuheben, aber ihre Versuche find bisher an dem Widerstande des repu- dlikanischen Senates gescheitert. Dem Demokratischen National-Komitee dagegen fehlt es an Geldmitteln. Hunderte von Anforderungen, welche an dieses gestellt werden, bleiben unbefriedigt, weil die Quellen, aus denen es seine Beiträge bezieht, lediglich der Anhänglich- keit einer Anzahl wohlhabender Bürger an die Partei ent- springen. Ich zähle diese Hindernisse auf, welche einem Siege der Demokraten entgegenstehen, damit die Liberalen Europas, soweit fie die hiesigen Verhältnisse kennen, mit ihr sympathi- fiten, fich keine zu großen Hoffnungen auf den Sieg einer kreieren Handelspolitik machen. Einer der wichtigsten Faktoren in diesem Kampfe ist außer der„New-Äorker Staatszeitung" und der„Jllinois-StaatSzeiiung", den beiden einflustreichsten deutschen Blättern des Landes, der eminente Volksredner(?) Karl Schurz, der bisher nicht wenig zu den Siegen der herrschenden Partei beigetragen hat. Er steht diesmal auf Seiten der De- mokraten und bereist in deren Interesse die westlichen Staaten. Er begann seine Thätigkeit vor einigen Wochen mit einer Rede in Brooklyn, worauf eine Woche später von Milwaukee, in Wisconfin, aus, eine Antwort in der Form eines offenen Bliefes erfolgte, der von einigen vierzig deutschen Republi- kanern, meistens Beamten im Dienste der Partei, unterzeichnet war und worin Schurz wegen seiner Opposition gegen Blaine heftig angegriffen und die Motive seines Handelns verdächtigt wurde. Daraufhin luden andere deutsche Bürger Milwaukee's Schurz ein, dorthin zu kommen und vierzig bis fünfzig Wider- sacher in offener Rede zum Zweikampfe herauszufordern. Schurz folgte der Aufforderung, und die Fünfzig nahmen die Herausforderung an. In einer Versammlung von etwa 4000 deutschen Milwaukee�s fand eines Abends voriger Woche das Revetournir statt, aber von den fünfzig Knappen Blaine's fanden sich nur drei, die durck Fragen an Schurz diesen zu verwirren und durch kurze Reden den Eindruck der Aus- lassrrngcn desselben abzuschwächen versuchten. Diese Versuche mißlangen vollständig, Schurz ging mit solchem Erfolge aus dem Kampfe hervor, daß seine Widersacher erbärmlich blamirt ströme in verschiedenen Ländern und von verschiedenen Beobachtern untersucht, und ihr Auftreten, ihre Verbreitung, Richtung. Umfang und Stärke studirt- Nachdem alsdann im /'"lange unseres Jahrzehntes der große Autschwung der Elektrotechnik erfolgt war. und sich der„Elektrotechnische Ver- ern aus den ersten Autoritäten der Theorie und Praxis kon- strtuirt hatte, wurde schon vom Jahre 1880 ab das Studium der Erdströme mit in das Arbeitsprogramm dieses Vereins aufgenommen. Besondere Unterstützung fanden diese Unter- suchungen durch die Reichstelearaphen- Verwaltung, welche auf den Reichstelegraphenämtern Material sammeln und Bcobach- tungen über elektrische Erdströmungen anstellen ließ. Durch eine glückliche Vereinigung der Umstände fiel die energische Inangriffnahme dieser Arbeiten gerade mit dem Beginn des gegenwärtigen Sonnenfleckenmaximums zusammen; bekanntlich jener zehn- bis elfjährigen Periode, die sich auch durch stärkere elektrische Thätigkeit unserer Erde und ihrer Atmosphäre auszeichnet. Es war demnach eine größere An- zahl von Gewittern und Nordlichtern zu erwarten, auch durfte man darauf gefaßt sein, daß die Größe der Störungen eine bedeutendere sein würde. In der That ließen diese Er- eignisse nicht lange auf fich warten. Schon in der Zeit vom 11. bis 14 August 1880 fand eine Nordlichtstörung von so außerordentlicher Intensität statt, daß durch fie fast die ganze nördliche Erdhälfte und sogar an einigen Stellen Gebiete südlich vom Aequator bis nach Mozambique und Natal be- rührt wurden. Ein ausführlicher Bericht über dieses seltene und großartige Ereigniß wurde kurz darauf in der Elektrotechnischen Zeitschrift durch Herrn Geheimraih Ludewig pub- lizirt. Es sei gestattet, die beiden Schlußsätze dieser Abhandlung � r �Aus den vorstehenden Zusammenstellungen— sagt Herr Ludewig— ergiebt sich, daß die bei dem großen magnetischen Ge- wilter im August 1880 bezüglich der Einwirkung desselben auf den Telegrapbenbetiieb gemachten Beobachtungen und Erfahrungen wesentlich übereinstimmen mit denjenigen, welche gelegentlich der ähnlichen clheblichen Erscheinungen im Jahre 1859 und der ebenfalls nicht unerheblichen, wenn auch weniger allge- meinen im Jahre 1871 gesammelt worden sind. Es ergibt sich ferner, daß derartige Störungen sich nur in rnngeren Zeiträumen in gleicher Stärke zu wiederholen scheinen! einen gewissen regelmäßigen Turnus in der Wiedelkehr derselben aus den seitherigen Eifahmngen folgern zu wollen, wäre offenbar nock zu früb. Für die Erforschung der Natur d.s Nordlichts ist auch diesmal kaum erhebltches Material tn Vorkommnissen des Telegraphenbetriebes gesammelt worden, allein vielleicht haben auch schon die genauere Umgrenzung des geographischen Verbreitungsgebietes und die Erfahrung einen dastehen, und fern Ruf, einer der glänzendsten Redner zu sein, sich noch vermehrt hat. Er wird nun zunächst in den größten Städten Ohro's austreten. Ein anderer wichtiger Faktor zu Gunsten der Demokratie ist das persönlich thätige Eingreifen des Herrn Oswald Ottendorser, Herausgeber der hiesigen„Staats- Zeitung", der sert 25 Jahren kein so lebhaftes Interesse für die Wahl bekundet hat wie jetzt. Man kann wohl annehmen, daß mindestens sieben Zehntel der deutschen Bürger des Landes für Clcveland find. Dahingegen ist eine Abneigung unter einem Theile der Jrländer gegen Cleveland zu bemerken; man ist ungewiß, wie weit diese Abneigung verbreitet ist und ob sie so weit gehen wird, diese Jrländer, welche bisher die treuesten Verbündeten der Demokratie waren, zur Treulosigkeit gegen fie zu verleiten. Die Arbeiterfrage wird auch in diesem Lande mit jedem Jahre wichtiger und steht bei den Wahlen drohend im Hintergründe. Vor dem Sezessionskrieg war das anders. Damals gab es hier keine andere Industrie als die- jenige, welche fich unter natürlichen Verhältnissen hätte ent- wickeln können. Die hohen Zölle, welche zur Deckung der furchtbaren Kriegskosten aufgestellt werden mußten, riefen künst- liehe Industrien ins Leben, schufen hohe Löhne und vertheuer- ten die Bedürfnisse des Lebens. Früher kaufte Amerika die Fabrikate auf den Märkten Europas und tauschte dagegen die Produkte jenes jungfräulichen reichen Bodens aus. Dadurch entstand ein lebhafter Handel, und sowohl Amerika wie Europa standen fich vcrhältnißmäßig wohl dabei. Die Einwanderung war damals nur eine mäßige, die soziale Frage hier unbekannt; es gab hier wenige Millionäre und keine Proletarier. Man hielt es damals selbst in größeren Städten kaum der Mühe werth, Nachts die) Hausthüren zuzuschließen, zu jener Zell waren die Vereinigten Staaten ein glückliches Land.(?) Der Krieg veränderte Alles und wirft seine blutigen Schatten noch auf die Gegenwart herüber. Der Ruf von den hohen Löhnen der Ardeiter in Amerika, bedingt durch die hohen Ausgaben für die nothwendigen Bedürfnisse, lockte im Laufe der letzten zwanzig Jahre Millionen Arbeiter aus allen Ländern Europa's und sogar aus Asten herbei, und jetzt find hier Arbeiterstrikes, die man früher nicht kannte, an der Tagesordnung. So haben fich die Zeiten auch in der neuen Welt geändert. Wir sind nicht mehr das glückliche Volk, von dem vor einem Vierteljahrhundert noch Zeitungen und Jahrsücher erzählten. Unsere Leser werden aus dem Vorstehendem ersehen, daß der Verfasser für die demokratische Partei eingenommen ist. Es ist aber männiglich bekannt, daß diese Partei nickt in dem Sinne demokratisch ist, als wie die Demokraten Europa's. Beide in Amerika vorherrschende Parteien, die demokratische sowohl als auch die republikanische, kämpfen nur um die Herrschaft über das amerikanische Volk; die siegende Partei vertheilt stets die Aemter und Posten an ihre Kreaturen und das Volk wird nach wie vor als milchende Kuh detrachtet. Darum wurden auch die aufgeklärten Bürger, und namentlich Arbeiter Nordamerika's weder für die republikanische noch für die demokratische Partei einzutreten haben, sondern seldstständig vorgehen müssen.— Wenn auch bis jetzt ein derartiges selbstständigcs.Vorgehen noch nicht in großem Umfange möglich war, so werden doch die sich immer mehr verschlechternden Zustände Nordamerika's, für die Zukunft einer wirklichen Volkspartei die Wege ebnen. W s K»i e s. r. Die zahlreichen Manifestationseide, welche fortwäh- rend vor der betreffenden Abtheilung des hiesigen Amtsgerichts! geschworen werden, lassen die dringende Vermuthung entstehen, als ob die von den Gläubigern in dieser Beziehung gestellten Anträge gesetzlich nicht begründet wären, was natürlich daS Gericht nicht prüfen kann, wenn der Schuldner, von dem der Offenbarungseid gefordert wird, nicht seine Einwendungen er- hebt. Die ganz ungeheure Zahl von Offenbarungseidcn, welche seit der Einführung der neuen Justizorganisation geschworen worden sind, läßt aber deutlich erkennen, daß eine Reihe von Schuldnern diesen Eid wiederholt geleistet hat. Ein solches Verfahren ist, wenn auch nicht gesetzlich unzulässig, so doch beim Widerspruch des Schuldners nicht ohne Weiteres statthaft. Ein Schuldner, welcher den Offenbarungseid geleistet hat, ist zur gewissen Werth, daß sich beispielsweise in Italien. Oesterreich und zum Theil in der Schwerz ziemlich rnmrtten des großen allgemeinen Srörungsbezirks ein von Störungen verschontes, nicht unbeträchtliches, neutrales Gebret befunden hat. Bemerkt zu werden verdient nach dem Schlüsse dieser No- tizen, daß, wie 1859, so auch heute wieder die Betrach- tungen über die Natur der magnetisch-elektrischen Vorgänge in und auf der Erde große Kreise beschäftigen. Damals führte u. A. de la Rive nicht nur die Nordlichterscheinungen, sondern auch die lokalen Gewitter auf die Bewegung der Wasserdämpfe vom Aequator nach den Polargegenden zurück' heute soll die Erde als ein magrretistrbarer Körper betrachtet werden, welcher durch seine Rotation im Aetherraume zum wirklichen Magneten wird, wie nach den Experimenten von Lemstrom und Guthrie ein Eisencylinder magnetisch wird, wenn er innerhalb eines Papiercylinders von ringförmigem Querschnitt, oder auch wenn der Papiercylinder um den ruhenden Eisenstab gedreht wird. Außerdem wird bei den jüngsten Nordlichterscheinungen von verschiedenen Seiten noch darauf hingewiesen, daß fie fich während der Zeit der Lau- rentiuS-Sternschnuppenfälle zugetragen haben, und daß sie mit einem Maximum in den Perioden der Sonnenflecken zusammen- fallen." Die ganze Fülle der Erscheinungen, welche mit diesen Phänomenen zusammenhängen, war, wie hieraus erstchtlich ist, bis dahin immer noch nicht in ihrem inneren Zusammenhange erkannt. Es fehlte noch der große umfassende Blick, der Alles systematisch ordnete und vom kosmophyfischen Standpunkte aus erklärte. Dies führte der Direktor der Berliner Sternwarte, Prof. Förster, in einem in der Januar-Sitzung 1381 im Elektro- technischen Verein gehaltenen Vortrage durch. Er erinnerte daran, daß jene Zustände intensivster Nordlichtentfaliung, welche die Sichtbarkcitsgrenze jener großartigen Er- scheinung bis weit hinunter in äquatoriale Gegenden rücken, ausschließlich in denjenigen Jahren vorkommen, in welchen sich auch die Oderfläche und die Umgebung des Sonnenkörpcrs in ungewöhlicher Erregung zu befinden scheint. Er erinnert ferner daran, daß die seit 10 bis 20 Jahren auf der Sternwarte zu Greenwich angestellten reaelmäbi- gen Erdstrombeobachtungen zunächst keinen Zweiiel darüber lassen, daß zwischen gewissen Arten von Störungen der Rick- flnl», Änlungen ganz derselben Art, wie ste bei stärkeren nochmaligen Leistung des Eides auch einem anderen Gläubiger gegenüber nur verpflichtet, wenn glaubhast gemacht wird, daß der Schuldner später Vermögen erworben habe. Der Schuld- ner hat also das Recht, fich auf den bereits früher geleisteten Offenbarungseid zu beziehen und gegen einen nicht gehörig be- gründeten Antrag, namentlich wenn in demselben der spätere Vcrmögenserwerd nicht glaubhaft gemacht ist, Widerspruch zu erheben und seine Verpflichtung zur Leistung des Eides zu be- streiten. In diesem Falle, aber auch nur dann, ist vom Ge- richte durck besonderes Urtheil über den Widerspruch zu cnt- scheiden. Die Eidesleistung aber kann erst erfolgen nach Ein- tritt der Rechtskraft dieses Urtheils.— Bei den beständigen Klogen über bie Zunahme der Meineide, zu denen die Mani- festationscide doch auch ihr Kontingent stellen, ist die Herab- Minderung der Zahl der Eidesleistungen sicher erwünscht und es wäre sehr zu empfehlen, wenn dem Schuldner mit der Vor- ladung zum Eidestermin auch eine amtliche Unterweisung über die ihm obliegenden Pflichten und die ihm zustehenden Rechte ertheilt würde. Die Terminvorladungen des alten Verfahrens, welche diese Unterweisungen sehr ausführlich enthielten, werden in solchen Fällen, wo ein oftmals ziemlich formloser Termins- vermerk ihre Stelle vertritt, recht schmerzlich vermißt. r. Die Zahl der Gesuche um Steucrstundung, die bei unserem Magistrat eingehen, ist gegenwärtig eine ungewöhnlich große und ziemlich ebenso groß ,st die Zahl der darauf erfol- genden ablehnenden Bescheide, die mittels gedruckter Formu- lare erfolgen und in denen dem Bittsteller eröffnet wird, daß auf sein Gesuch nicht eingcgangeu werden könne. Zugleich wird derselbe in diesem Formular„ersucht", seine Steuerrück- stände sofort zu berichtigen, da andernfalls dieselben im Wege der Zwangsvollstreckung beigetrieben werden müßten.— Stundungen über das laufende Quartal hinaus werden nicht be- willigt, und diese zu gewähren, ist meistenthells schon den Steuererhebern möglich, ohne daß es der besonderen Ge- nehmigung der Steuerdeputation des Magistrates bedarf. Ueberhaupt find die Steuererbeber bei solchen Gesuchen um Steuerstundungen sehr einflußreiche Leute; ihren Berichten über den Vermögensstand des Ausstand nachsuchenden Steuer- zahlers wird jedenfalls mehr Gewicht beigelegt, als allen Ver- flcherungen und Betheuerungen des Petenten. In vielen Fällen wird ein humanes Verfahrens des SteuererheberS zu Gunsten des Steuerzahlers mehr zu Wege bringen, als die abweisenden Formulare der Steuerdeputation. g. Bei den nunmehr beendeten Arbeiten auf dem Spittelmarkt hat man es, anscheinend nur vorläufig, unter- lasten, das aufgeriffene Asphaltpstaster wieder in seinen früheren Zustand zu versetzen, man hat vielmehr den aufgeschlagenen breiten Streifen zur Legung des Nothauslasses mit Kopfstein- pflaster ausgefüllt. Vielleicht hat man hier in Erwartung baldiger neuer Erdarbeiten es vorgezogen, mit der Wiederherstellung des Asphaltpflasters gleich bis zum nächsten Male zu warten- g. Raffinirter Diebstahl. Zu dem in der Friedrichs- felderstraße 3 wohnenden Handelsmann F. kam am ver- gangenm Donnerstag eine Frauensperson, welche bereits früher ein mal bei F. gewohnt hatte und dem F. als die Cigarren- wicklerin M. bekannt war. Die M- fragte den F., ob fie wieder bei ihm wohnen könnte, wenn F., wie er deabstchtigte, umgezogen sei. F. hatte hiergegen nichts einzuwenden und da sich die M. zur Beihilfe bei den Reinigungsarbeitcn der Frau F. dereit erklärte und diese Arbeiten fich bis in die Nacht bin- zogen, so blieb die M. während der Nacht gleich in der F.'- schen Wohnung. Am Freitag und Sonnabend übernachtete die M. auch dort. Am Sonntag wußte fie Frau F. durch lügenhafte Angaben zum Verlaffen der Wohnung zu bewegen und nun benutzte fie eine paffende Gelegenheit, mit einer An- zahl von Bettgegenständen zu verschwinden. Als Frau F. später nach ihrer Wohnung zurückkehrte, stellte fich daS ganze schwindelhafle Manöver der M- heraus. Bei der alsbald er- folgten Anzeige über den frechen Diebstahl stellte es fich her« aus, daß die Diebin bereits wegen eines gleichen Verbrechens vorbestraft ist. Die bis jetzt noch nicht ermittelte M. ist 50 Jahre alt, von korpulenter Figur und war mit einem braunen Kleide und wcißgestreistem Umschlagetuch bekleidet. ». Vertrauensbruch. Der Möbelpolirer I. in der Reichenbergerstraße gab am 27. d. M. dem ihm bekannten Ar- beiter Hannemann den Auftrag für ihn ein Dutzend Stühle nach der Louisenstraße zu fahren und dieselbe an einen Möbel- Händler abzuliefern; er gab ihm auch eine quittirte Rechnung über 152 M. mit und autorifirte ihn, den Betrag einzuziehen. Diese Aufträge wurden von Hannemann prompt ausgeführt, doch anstatt den Betrag an I. abzuliefem, zog er es vor. den- selben zu verjubeln. Nachdem er das ganze Geld mit Mädchen verpraßt hatte, meldete er fich gestern freiwillig bei der Polizei, woraus seine Verhaftung wegen Unterschlagung erfolgte. N. Einen traurigen Abschluß fand gestern ein Familien- fest, welches von dem Gutsdefiyer H. in Mariendorf mit zahl- reichen Freunden und Verwandten gefeiert wurde. Bei dem Erdströmungen in den Galvanometem der Telegraphenleitun- gen vor fich gehen, mithin die Erdströme hier entschieden als daS ursächliche Phänomen zu betrachten find. Man könne nach den Aufzeichnungen und Erörterungen deS schwedischen Physikers Wijanker kaum mehr in Zweifel sein, daß, ebenso wie die mehr lokalen Gewitter durch Jnfluenzirungen und durch Entladungen elektrische Ströme in den Erdschichten hervorru- fen, diejenigen über größere Flächen der Erde verbreiteten elek- irischen Spannungen und Ausgleichungen, welche in den Polarlichtern hervortreten, unter Umständen noch mächtigeren und weit verbreiteten elektrischen Ab- und Zuströmungen, wie fie besonders in den längeren Telegraphenleilungen beobachtet werden können, den Ursprung geben. Von bedeutenden Phyfikern sei im Sinne dieser Analogie zwischen den Gewittem und den Polarlichtern darauf hinge- wiesen worden, daß die elektrischen Beziehungen zwischen den oberen Luftschichten und den oberen Erdschichten in den Aeouatoralgegendcn fast nur in Form von Gewittern, in den Polargegenden fast nur in Form von Polarlichtern zu Tage treten, wogegen die betreffenden Ausgleichungen in den da- zwischen liegenden Zonen bei geringerer Mächtigkeit und Regel- Mäßigkeit überwiegend in der Form der Gewitter und nur unter der Mitwirkung besonderer kosmischer Bedingungen auch in der Form von Polarlichtern vor fich geben. Wenige Monate nach dielen Mittheilungen trat— am 0. Mai 1831— aus dem Ausschüsse des Elektrotechnischen Vereins daS Erdstrom Comitee zusammen, daffelde besteht auS dem Herren Geheimrath kirchhoff, Direktor Foerster, Geheimrath Siemens, Geheimrath Ludewig. Dr. Brix, Dr Aron, Dr. Fröhlich, Direktor Vogel-Potsdam und Geheim- rath Neumcyer- Hamburg. Dieses Erdstrom- Comitee hielt im Laufe des ersten Jahres seineS Bestehens sechs Sitzungen und beschäftigte fich hauptsächlich mit der Einleitung von Versuchen, mit der Diskmfion ihrer Ergebnisse und mit der Herstellung geeigneter Apparate zu Erdstrommessungen. Inzwischen begannen in den Polargegenden der Nord- und Südhälfte unserer Erde mit dem Monat September 1882 die einjährigen Arbeiten der zahlreichen internalionalen Polar- Expedirionen. Die.Augenl der wiffenschattlichen Welt waren fiierbei überwiegend auf denjenigen Tdcrl des großen gemein- amen ArbeiterprogrammS gerichtet, welcher fich mit dem Stu- dium der elektrischen Kräfte der Erde besckä'tigt. Es hatten sogar, um daS Endresultat möglichst gut berbeizusühien. zahl- reiche Observatorien in allen Welttheilen fich bereit erklärt, an den HaupldcodachtungStagen, das heißt am 1 urd am 15. jeden Monats, genau gleichzeitig mit den Polarexpeditionen zu beobachten. sLchluß folgt.) Feste ging eS sehr lustig zu, eS wurde getanzt und mufizstt, woran leider der IK-jähriae Sohn deS H, ein hiefiger Gym- nafiast, nicht theilnehmen konnte, weil er ein skrofulöses Leiden am Fuß hat. Nach Schluß des Festes begleiteten die Eltern des Knaben die scheidenden Besucher auf die Straße, während der Sohn allein zurückblieb. Er benutzte diese Zeit und schoß fich mit einem Teschin mitten in's Herz und verstarb auf der Stelle- Als die Eltern ins Zimmer zurückkehrten, fanden fie ihren Lieblina als Leiche auf der Diele ausgestreckt liegen. Der Jammer der Bedauernswerthen ist herzzerreißend. a. In Bezug auf den Unglücksfall auf dem Posthofe in der Gcorgenstraße am 27. d. M. gehen uns folgende nähere Mittheilungen zu' Der Pofthof in der Georgenstraße, zu welchem mehrere Stadtbahnbögen gehören, dient nur zur Auf« nähme der Postwagen, während die dazu gehörigen Pferde in dem postalischen Depot in der Oranienburgcrstraße untergebracht find. Am jüngsten Sonnabend Abend waren nun zwei Postillone nach beendigter Fahrt mit ihren Postpacketwagen auf den Postwagcnhof in der Georgenstraße gefahren, um dort die Wagen unter einem Stadtbahnbogen stehen zu lassen und die ausgespannten Pferde nach dem Depot in der Oranien- burgerstraße zu bringen. Die Postillone, welche fich auf den Wagen befanden, wendeten deshalb die Wagen unter dem Bogen so, daß die Pferde der Straße zugekehrt standen. Hierbei wurden die Pferde, durch einen über ihren Köpfen vorüberfabrenden Stadtbahnzug erschreckt, scheu und gingen mit den Wagen durch. Am Ausgange des Postbofcs stand neben dem dort befindlichen Portierhause der Posthilfsbote Reckner, auf welchen die Gespanne zukamen. Reckner versuchte zwar zu fliehen, und da er beim Portierhause nicht vorbei- kommen konnte, so lies er nach der entgegengesetzten Seite, wobei er zwischen beide Wagen gerieth, von diesen umgerissen und von oem Wagen, auf welchem fich der Postillon Schwirten befand, überfahren. Das rechte Vorderrad deS Wagens ging ihm über den Kopf, so daß sein Tod auf der Stelle eintrat. Der Postillon Schwirten wurde hierbei vom Bock geschleudert und erlitt Verletzungen am Rückgrat und an den Beinen. Di« beiden durchgehenden Pferde, welche sadann zum Stillstand gebracht worden find, waren noch junge, erst vor Kurzem ein- gestellte Thiere. N. Zwei Unglücksfälle ereigneten fich gestern und ge- fährdeten in hohem Maße zwei Menschenleben. Am Krön- prinzen-Ufer wurde der Arbeiter August Borchert, Heidestr. 52, von einem Lastwagen überfahren und so erheblich verletzt, daß er sofort nach der Charitee eingeliefert werden mußte. An der Wiederherstellung des Unglücklichen wird gezweifelt. Im Zwesten Falle wurde der Arbeiter Wilhelm Klose, Brunnen- straße 36 wohnhaft, vor dem Hause Eteglitzerstr. 4 hilflos aus einer Kopfwunde stark blutend aufgefunden. Schutzleute des 10. Polizei- Reviers sorgten für vre Ueberführung des Ver- mundeten nach der Charuee. Die Wunde will stch der Ver- unglückte bei einem soeben bestandenen Krampfanfall zuge- zogen haben._ GeriMs- Zeitung. Ncichsgerichts-Entscheidung. Der einem Rechtsanwalt mündlich eNheilte Auftrag zur Besorgung eines Rechtsgeschäfts im Interesse deS Auftraggebers ist nach einem Urtheil deS Reichsgerichts IV. Civilsenats, vom 3. Juli 1884, im Geltungsbereich des Pr. Allg. Landrechts unwirksam; unterläßt also der Anwalt die Ausführung des, wenn auch von ihm münd- lich acceptirten Auftrages, so ist er für den dem Auftraggeber dadurch erwachsenen Schaden nicht haftbar. Dieses das Publikum zur Vorficht mahnenden Urtheil liegt folgender Fall zu Grunde: Der Schmiedegeselle L. zu Dortmund war Eigenthümer einer hinter 27 000 M. eingetragenen Hypothek in Höhe von 12 133 Mk. auf einem zur Sudhastation gestellten Grundstück. Am Morgen des Subhastationstermins begab fich L. zu dem Rechtsanwalt E. und gab diesem— unter Einhändigung einer schriftlichen Information und der erforderlichen Bietungskaution — den mündlichen Auftrag, für ihn auf das zur Subhastation stehende Grundstück bis zu 40 000 Mk zu bieten. Diesen Auf- trag nahm Rechtsanwalt E. ausdrücklich an; er begab fich zu dem Bietungstermine, gab auch ein Gebot von 26000 Mk. nach Hinterlegung der ihm eingehändigten Kaution ab, ent- femte fich demnächst aber aus dem Terminzimmer und kam dorthin erst wieder zurück, nachdem der Zuschlag für das Meist- gebot von 26 100 Mk. an einen Dritten ertheilt worden war. L. war dadurch mit seiner Hyvothekenforderung vollständig ausgefallen, und da das subhastirte Grundstück thatsächlich einen Werth von 40000 Mk. gehabt hatte, so hatte L. durch die Nachlässigkeit des Rechtsanwalts E. einen Schaden in der Höbe seiner Hypothekforderung erlitten. L. klagte gegen den Rechtsanwalt E auf Schadenersatz und eistlitt in der Be- rufungsinstanz ein obfiegendcs Urtheil, indem das Berufungs- gericht den Beklagten— unter Beseitigung des Klagegrundes aus dem VollmachtSauftrage wegen fehlender Echriftform— aus dem Recktsgrunde der Geschäftsfübrung ohne Auftrag verurtheilte. Auf die Revision des Rechtsanwalls E. hob das Reichsgericht das vorinstanzliche Urthell auf und wies, in der Sache selbst erkennend, die Klage ab. Leipzig. 29. September. Das Reichsgericht hat die Re- vifion des Redakteurs Sigl gegen das Urtheil des Schwurge- richts in München, wonach derselbe wegen verleumderischer Be- leidigung des KriegSminifters und einfacher Beleidigung von vier Offizieren des Generalstades zu neun Monaten Gefängniß verurtherlt wurde, verworfen. GermiseKtes. Die Ärmuth i« England. Einen traurigen Beweis für die furchtbare Nolb, in welcher fich manche Familten in Eunderland(England) befinden, giebt das„Newcastle Chronicle" in folgender Msttheilung: Eine Frau, welche ein Sckwein im westlichen Thetl der Stadt in einem Stalle hatte, hegte auS verschiedenen Anzeichen den Verdacht, daß dem Thiere das Futter, welches fie ihm brachte, weggenommen würde. Sie stellte fich auf die Lauer, und als es dunkelte, demerkte fie, wie ein Mann und eine Frau fich beranschlichen und das Futter, aus Brot. Brühe und anderen Spkiscrrstcn bestehend, aus dem Troge holten. Tie Frau folgte ihnen bis zu einem Hause, in daS fie eintraten, und ging, nachdem einige Minuten verstrichen waren, ebenfalls in das Haus, um zu ihrem Er- staunen zu seben, wie fünf klein«, um einen Tisch fitzende Kinder daS Futter ihres Schweines begierig verschlangen. Wenn das Mitleid erregend wirkt, so ruft der folgende Bericht gewiß gerechte Empörung hervor: Das Londoner„Deutsche Tageblatt" schreibt: Tre Entdickung der skandalösen Art und Weise, in welcher die Einwohner des Armenhauses im Holborn- Distrikte„obgesüttnt" wurden, hat die EanitSisbeKörden des genannten B-zirkes veranlaßt, den Viktualienhändlern schärfer auf dir Finger zu sehen, und das Reiulrat dieser strengeren Kontrolle war dir Konfiskation von 89 000 Pfund Fleisch in einer Woche! Darunler befanden fich 6000 Pfund Kaninchen, 9100 Pfund Hammelfleisch, 49 000 Pfund Rindfleisch. 16 200 Prund Eckmeinrfleisch, 8400 Pfund Lamm- und Kalbfleisch. Alle diese„Nahrungsmittel", dir sonst unbeanstandet feilgeboten wurden, waren enlweder halb verwest oder rührten von ver- feuchtem Vieh her! Rette Zustände. Indischen Zeitungen zufolge haben in der Girnzstaor Bdamo, Oder Birma, zwischen den birmani- schen und den chinesischen Einwchnnn sehr ernste Konflikte staltpesunden. Infolge eines Streites mit einigen der Leute des Gourernrurs im chinesischen Tempel ichloffen die Söhne deS himmlischen Reiches dos Tbvr, um die Beleidiger zu züchligen. Der Gouverneur enisandte Truppen gegen die Chinesen und bombardirte schließlich mit Kanonen das Thor, wobei Freund und Feind getödtet wurde. Zuletzt ergriffen sämmtlicheCb»� Rache schwörend, die Flucht nach den Aachyen-Hüjjeln. � glaubt, Bhamo werde sehr bald zerstört, und die a®1? Thibau's in jener Gegend gänzlich vernichtet rnftben* chinesische Tempel in Mandalay ist dem Erdboden gleiW8®' worden. Neuigkeiten vom Himmel. Das schöne Weiter,'»««' allenthalben in der letzten Zeit henschte, hat auch d's � nomen in starke Thätigkeit versetzt, denn nichts drei neue Planeten und ein Komet find von denselben worden. Der erste kleine Planet wurde»on Borelly i», seille am 27. August als ein Sternchen 12. Graft>» Position 339 Grad 12 Minuten Rektascenfion und l' 17 Minuten südlicher Deklination aufgefunden. Sodann, r der Direktor der Düsseldorfer Sternwarte, Dr. Luth«., dem derselbe in dem Zeitraum 1852 bis 1373 20 kleine entdeckt hatte, schien er seine Thätigkeit eingestellt zu Q da seine Hilfsmittel dem Wettkampfe nicht gewachsen � Nach dieser Pause von elf Jahren fand nun duther 12. September im Sternbilve der Fische einen® � 10. Größe, den er als einen neuen Planeten erkannte ,. Schluß der Planeten- Entdeckungen bildete Herr 3*.»- von der Wiener Sternwarte, welcher am 22. 6(1%, jk einem Sternchen 13. Größe seine 44. Entdeckung Position des Letzteren war am 23. September um 2 Uhr z acns 34 Grad 46 Minuten Rektascenfion und 14®[- � Minuten nördlicher Deklination. Von Kometen find st?. Himmel; der Brorsen'sche, welcher indeß so ungünW' M daß er bisher noch nicht beobachtet werden konnte; am 16. Juli von Barnard in Nashville entdeckte, und j» C ein dritter, welchen H. Wolf in Karlsruhe am 17- f". J entdeckt hat. Derselbe wurde bereits vielfach beodach'«: � stellt fich als ein recht Heller Nebel mit zentraler$(% z- dar und ist selbst mit kleinen Fernrohren zu sehen.\ A September wurde er auf der Wiener Sternwatte um. Abends in der Position 319 Grad 21 Minuten und 2U. c 40 Minuten nördlicher Deklination beobachtet; er gW", L 25 Minuten südlich und nimmt etwas in RektaScenfi» � Od er fich uns nähett oder entfernt, ob er selber un.. freiem Auge fichtbar werden wird, läßt fich erst in Tagen sagen. Die kleinste Lokomotive, welche jemals gebaU'jL«r hat ein Herr Henry Cafe in Oil City, Pa., soeben st« stellt. Das kleine Ding, welches acht Zoll lang«st n'-oßi V/t Pfund wiegt, ist aus Messtng, Stahl. Gold und o konstruitt, und dauerte die Herstellung desselben Vw u � den Tag zu zehn Arbeitsstunden gerechnet. An der klein ü lomotive befinden sich 535 Schrauben und das Manonu � nur Vi Zoll Durchmesser. Die Pumpe dieses Miniatur!» vermag mit einem Male nicht mehr als einen Tropfen zu heben. Der erforderliche Dampf wird durch innen. Spiritus-Apparat erzeugt; die Spurweite der Lolomm trägt'/» Zoll und der Schornstein ist I Zoll hoch.. Nordhausen, 28. September. Aus Mosbach b(i. kommt die Nachricht von einem Morde. Die 30 jährige„ � Hirtin Elisabeth Patz, ein blödsinniges Mädchen, bew°»n" � ihren beiden Schwestern ein kleines Häuschen am ON Dorfes Mosbach nach Ruhla zu- Die drei Schwestern» � die Gänse im Orte und die Ermordete ging ab unv A„n um fick ein Stück Brod zu betteln. Auch am 18- b. � � fie in Ruhla gewesen, und als fie auf dem Nachha"!�, ihre Geschwister stieß, wurde fie von diesen bcauftr««' einem ihnen eigenthümlich gehörigen Grundstücke„iw noch Kartoffeln zu holen. Sie kehrte nicht zurück.nn»„„ andern Tages— vorgestern— auf dem KartoM-'> M zerschmettertem Schädel aufgefunden- Sie hatte»'„jji Schädeldccke zertrümmernde Hiebe erhalten und stör», ßj Stunden nach ihrer Auffindung. Die Ermordete bef» in Schwangerschaft.«„ieli»»' Die Kegelbahn als„Bänkchen". Wie arg die 6?» p mitunter grasfirt, davon giebt ein Vorfall Zeugnrß,-tiK kürzlich bei Teplitz ereignete. Der dortigen Gcndarmefl, p kürzlich die Anzeige erstattet, daß in einem Gaslhause(* nachdarten Ortes eine Gesellschaft dem Kegelspiel odW � wieweit dieses als„Spiel" zu betrachten war, wog» g;/ erhellen, daß auf eine Kugel 1000, auf eine andere den gesetzt wurden!— Die Theilnehmer der„UntttV wurden dem Bezirksgerichte zur Anzeige gebracht.,. p Amtsstil. Die für die Beamten der bayerrsaQ. � kehrs- Anstalten bestimmte gedruckte Eidesformel cnwo-' nachstehenden PassuS:„Sie sollen schwören, alles zu zu lassen, was einem pflichttreuen Bediensteten der Verkehrs-Anstalten zur Ehre und Würde des Dienstes geziemt." Aus der Schule. Mathematiker(dozirend)- M kommen jetzt zur Propoitionslehie. Bevor ich das& Portion selbst defintre, möchte ich gern wissen, ob Euw schon irgendwo aufgestoßen ist. Hat Jemand das' portion schon irgendwo gelesen?— Schüler(nach eine» O ja! An der Speiseanstalt steht: Reis, pro Pfennig.... pi--, Zusammensturz einer Tribüne. Eine aus Er>(-, sylvanien, eingegangene Depesche meldet, daß be» c-.»« dem Rennplatze in Chicago abgehaltenen Jahrmarlie# Tribüne zusammenbrach unv unter ihren TrüwmeiN sonen begrub. Beim Abgange der Depesche waren o Leichen aus den Trümmern gczogcn worden.. Offenherzig. In der letzten Nummer des--, Kreisdlattes" ist folgende sonderbare Annonce zu lesen-* veilcumderischer Mund ist mir gestopft. Waschst«� Kasseler Chaussee." Gemeinnütziges. Erbsen dienen im grünen, wie im getrockneten � als Nahrungsmittel. Ihr Gehalt an Eiweißstoffen«' tf verleiht ihnen bedeutenden Nährweith. Um die 6»«',� olle hülsenflüchte, in jenen Zustand zu bringen,.>u Nährwerl h am besten ausgenützt und am Leichtesten rf1 ganismus aufgenommen wird, müssen dieselben vor i!>„«c» 12—18 Stunden zur Aufweichung liegen(\? Zu diesem Letzteren nimmt man Wasser, dem man® greine Messerspitze voll auf je 1 Liter, zugesetzt hat Z«# nimmt man weiches Wasser, d. h. in der angegeben mit Soda behandeltes Brunnen-, Regen- und O. Hülsenfrüchte ergnen sich nicht für Personen, die zu �$ neigen, ferner nickt für solche, die an Erkrankungen... des Herzens und der Lunge leiden, da eine Auf»»'-gk Unterleibs, wie fie nack dem Genüsse von Hülsenfrüch»..�s? Bohnen, Linsen u. s. w.) gewöhnlich ist, durch D'« Nachbarorgane jene Krankheilszustände sehr ungünn flussen. Auch für Personen mit habitueller Verstopf« der Genuß von Hülsenfrüchten nickt. � lieber Lüftung der Betten deS Morgens.� z-t ucorr cuTiuiiß vrr zrnicn orv aKprpriiw*.jp- wird dirsem so wichtigen Erforderniß zu wenig A»tw< � geschenkt. Eine sorgsame Hausftau sollte darauf ,,(1 all« Betten sogleich.—" Beranuoorrlrchrr Rrvakirur#0. tvroiiynin i» Berlin. Druck und Verlag von Atng Dckdtng« Berlin SW. Beuchslratzc 2. nachdem fie verlassen find, ßlLfl, M den. Die Unreinlickkeitcn, die durch die dünstungen dem menschlichen Körper entströmen, ,L(A u winzigen Atomen, welche, wenn man fie nicht emi � Belle eingcsogerr werden und nicht nur dieses unge>u« 0(ii'\ sondern auch die Zimmerlust für längere oder kürze»» derben. Jede Person, die dos Bett benutzt hat, soU M beim Aufstehen die Decke zurückschlagen sowie bei« daß die Fenster sobald als möglich geöffnet werden u M stens eine Stunde lang offen stehen. Je früher und Schlafzimmer gelüftet»erden, desto günstiger»I kung dieser Maßregel. I