Nr. ,55. Freitag 3 Oktober 1*84. Lrgan für die Interessen der Arbeiter. , Da« ,,Ber!i»e? soWd!«tt" täglich MorxerS außer«ach Ts»«- und Festtage«. NbosnementspreiS für Berlin Prtm'i Haut vierteljährlich 3 Mark, monatlich 1 Mark, wöchentlich 2ä Pf. Einzelne '«wweni s Pf. Poßabsnnement pro Quartal 3 Marl.(Eingetragen im VDI. Nachtrage der Po?zeitu»g«p?ei«liste unter ZK. 719a.) AnfertivuSgebüh? beträgt für die 2 gespalten« Petit-eile oder deren Raum 40 Pf. Arbeittmarkt 10 Pf. Bei größeren Austrägen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werde» biß 4 Uhr Nachmittag« in der Expedition, Berlin 8W., Zimnierstraße 44, sowie von alle« AnnpHesw Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. WedolKtlon unö KXpeöMon Werttn SW., �tmmcrftrafie 44. Mitbürger! Arbeiter! Handwerker! . Die Wahlen zum deutschen Reichstag sind nunmehr ausgeschrieben, am 23. Oktober hat das deutsche Volk das Recht, aus seiner Mitte Männer zu aylen, die über sein Wohl und Wehe zu beschließen haben. Von dem Ausfall der Wahlen hängt es ab, ob in unserem Vaterlande in Zukunft bessere Zustände Platz werden oder nicht. Jeder Wähler hat aber nicht nur das Recht, nein auch die heiligste Pflicht, am Tage der Wahl seine Stimme nach seiner freien Ueberzeugung Zugeben. Kein Wähler darf an diesem Tage fehlen, wer es versäumt, seine Stimme abzugeben, der schadet nicht nur sich selbst, sondern er schadet auch seinen Mit- rgern. Da aber nur Diejenigen ihr Wohlrecht ausüben können, welche in die Wählerlisten eingetragen sind, so ist es vor allen Dingen nothwendig, daß Jeder sich verzeugt, ob auch sein Name in der Liste steht, ob Vor- und Zuname, sowie der Geburtstag und Geburtsort genau stimmt. Und hierzu bietet sich nur noch in den jetzt Agenden 5 Tagen Gelegenheit. Die Wählerlisten liegen jetzt nur»och 5 Tage, bis zum 7. Oktober einschließlich öffentlich aus und zwar: für den I. Wahlkreis in der TarnhaNe des Friedrich-Werderschen Gymnasiums, Dorotheeustraße 13—14, für den II. Wahlkreis in der Turnhalle der 27/44. Gemeindeschuie, Wilhelmstrasse 117, für den III. Wahlkreis in der Turnhalle der«L. Gemeiudeschule, Schmidtstrahe 38, für den IV. Wahlkreis in der Turnhalle der 18 Gemeindeschule, Krautstratze 43, für den V. Wahlkreis in der Turnhalle des Sophien Gymnasiums tc, Gormannstrahe 4, für den VI. Wahlkreis in der Turnhalle der G7 Gemeinde' chnle, Ackerstrasse 28a, und auherdem für sämwtliche Wahlkreise im Wahlbürean, Bretteftrasse 20a, 2 Treppe«, und zwar während der Tageszeit Wochentags von Vormittags 0 biS Nachmittags 3 Uhr und SouutagS von 11 Uhr bis Nachmittags 4 Uhr. v, Jeder Wähler hat das Recht, sich in der genannten Zeit die Listen ausschlagen zu lassen. Die Listen sind anfangs September aufgestellt worden, und vhalb muß jeder Wähler in der Liste des Hauses aufgenommen sein, wo er um diese Zeit gewohnt hat. Stimmberechtigt ist jeder Wähler in dem Bezirk, in welchem 7 n, � Liste eingetragen ist. Wer die Wählerliste für unrichtig hält, kann innerhalb 8 Tagen nach Beginn ihrer Auslegung— also nur bis einschließlich den - Oktober— beim Magistrat Einspruch erheben, welcher darüber endgültig entscheidet. Zur Begründung etwaiger Nachtragungen ist es nothwendig, daß der betreffende �gsteller sich gehörig legitimirt. Hierzu empfehlen sich die polizeilich abgestempelte Wohnungsanmeldung, die Miethssteuer- resp. Einkoinmensteuer-Quittungen, oder luge beglaubigte Atteste. Lie Vortheile der Fusion. so i®6?* die Leute sich selbst die Maske herunterreißen, braucht e« kein Anderer zu thun. % I a, 9 sitzt haben die deutsch-freisinnige« Äuf' et'mmer verbreitet, daß der Hauptvortheil der wcnschljxhung der früheren Fortschritts- und Sezessio- taHnv darin läge, daß nun mit vereinten Kräften daS wss der Freiheit geschützt und dem Heroorbrechen km mte. Itton ein wirksamer Damm entgegengesetzt werden .iiei?.n diese Tirade haben wir natürlich nicht geglaubt, ünen, Anschauung hatte doch manches für sich, um in Bejf.' wenn auch noch so kleinem Theile, eine gewisse Be- OÜt0T{nf ZU erwecken, daS heißt, so weit dies in den spieß- nlle,» 9i �isen, in denen die deutsch-freisinnige Partei «wH"0 W' eben möglich ist. »dekann. über, kurz vor den ReichstagSwahlen, kommt ein lottuJf* parlamentarischer Korrespondent auS der früheren deili*. kWfc'" und reißt der deutsch-freisinnigen Partei, pfich? fhae eS zu wollen, die Ma«ke vom Heuchleran- DerRR dem er über„die Vortheile der Fusion" folgen- "Ospntllcht; .„Gerade jetzt bei beginnendem W a h l- Ifjupfc erweist sich die Fusion für die frei- Partei überaus nützlich. Alle beiden vereinigten Parteien arbeiten voll- 'kx e n harmonisch zusammen. Ganz besonder« üLv-J�'�aft hat sich die« für die Auswahl der in k en und die Anwendung der Redner den �...... einin/j\ Nr den festen Zusammenschluß der ver- körn Paneien in der Zukunft konnte e« nicht bester daß die neue Partei gerade zu Anfang bat Aet,i0en Kampf nach allen Seiten zu bestehen sieb k t a9 uicht innerlich zur Partei gehört, sondert ab; wa« von gleichen Anschauungen IN der .Hauptsache beseelt ist. wird in""""" n,"°en verschiedenen Wahlkreisen er- �» L I p CV/.. r r. o r........ Sc** fTfipT'0?6 beseelt ist, wirb in allen Stücken desto R„ Zusammengeschmolzen." > Ä* ichter ist bekanntlich kein schlechter Taktiker 0e«ign t � ei auch, seine Leute auszuwählen und an d...--.-lb» *. laininluna dW s.« fnnft so aemäßiaten Herrn gewiegelt werden, so muß Trag er k«"„j'i'�?�"predner" Herr Hänel ist dort am Platze, KMMK �s'komw�draucht. Nur mit Ludwig Löwe weiß dir andirende" nicht« Rechte« anzufangen, da edle Ludwig bekanntlich ein guter Mensch, aber ein schlechter Musikant ist. Mit den besten Vorsätzen der Welt betritt er die Tribüne, um für seine Partei Propaganda zu machen, jedoch verhabbert und verhaspelt er sich im Laufe seiner Rede immer derart, daß man sieht, bei ihm hat mit der Fusion auch die Konfusion ihren Einzug gehalten. Ja Berlin ist man an ihn gewöhnt, aber nach Außen kann man ihn nicht verwenden. Auf dem Lande muß Herr Lejeune D i r i ch l e t, selbst ein„Bauer", auf Bauernfang ausgehen, der e« auch fertig bringt, den Bewei« zu führen, daß die Deutfch-Freisinnigen in erster Linie die Interessen de« Bauernstandes wahrte». Während Herr Büchtemann klar darstellt, daß die deutsch-freisinnige Partei vor allen Dingen die Privatwirthschaft beim Verkehrswesen schütze, er- wärmen sich die deutsch-freisinnigen Redner in Mittel- und Süddeutschland für S t a a t S b a h n e n. Ueberall, wo und wie eS gerade paßt, wie der„par- lamentarifche Korrespondent" recht naiv verräth.„Immer nur heran, heran, nur hinein in die gute Stube"— und jeder deutsch-freisinnige Redner schmückt seine gute Stube ganz nach dem Geschmack derjenigen Leute aus, denen er sie empfiehlt. Für die verschiedenen Wahlkreise werden die ver- schiedenea Redner ausgesucht, die sich gegenseitig wider- Berlin schleichen die Herren um die dreijährige Bewilligung der HeereSpräsenzstärle herum wie die Katzen um den heißen Brei und wollen dem Volke gar vorgaukeln, wie e« auch bekanntlich da« deutsch-freisinnige Blatt de« Herrn Mosse gethan hat, daß drei eigentlich soviel al« � 1" Jn�de« Provinzen aber, wo die Liberalen noch vielfach an dem Militärseptenat hängen, geben sich die deutsch-frei- sinnigen Redner alle Mühe, zu beweisen, daß drei und sieben eigentlich vollständig gleiche Größen seien. DaS ist nun uuch nicht so unrichtig. Man giebt ja beim Eep- tennat sowohl, als bei der dreijährigen Bewilligung daS Budgetrecht des Reichstages preis. In Berlin erklären die Herren Richter, Lowe und Träger, daß kein Mitglied der deutsch-frei- sinnigen Partei bei der nächsten Berathung deS Sozialistengesetzes für dasselbe stimmen würde, in den Provinzen aber suchen sich die M e y e r« und W ö l f e l« zu rechtfertigen wegen ihrer jüngsten Abstimmung für daS Gesetz und schweigen sich über ihr zukünftiges Verhalten in Bezug auf diese Frage vollständig auS. Sie sind dann durch kein Wort gebunden und können es bei der nächsten Abstimmung wieder halten, wie sie wollen. Gleiches Recht für Alle und gleiches Gesetz für Jeder- mann— gegen diesen obersten Grundsatz jedes wahrhaft freisinnigen Mannes haben bei der letzten Berathung de« Sozialistengesetzes bekanntlich 26 Deutsch-„Freisinnige" ge- stimmt, ohne daß sie mitSch'mpf undSchande aus der Partei, die jenen Giundsatz in ihrem Programm vertritt, hinausgestoßen worden pnd, deshalb— nnd dies ist nicht oft genug zu betonen— ist die ganze d eutsch- f r ei s in n i ge P art e, vor- antwortlich für das Votum zeecr 26 Mitglieder, um so mehr verantwortlich, da lediglich durch die Aufnm» mung dieser Herren daS Gesetz wieder zu Stande gekoii.me»! ist welche« für Berlin auck die Ausweisungen, die Zersto- rung so manchen Fam>l,englücke» im Gefolge hat. Ebenso schuldig, wie die MeyerS, WölfelS und MommsenS sind somit die Berliner Kandidaten der deutsch» freisinnigen Partei, an ihrer Spitze der„große" Eugen Richter, dann die Herren Ludwig Löwe, Virchow, Munckel, Träger und Klotz. Deshalb müssen gerade die Arbeiter auch diesen Herren den Rücken kehren.-- Wir haben aber gesehen, daß die Fusion der frühere» Fortschrittspartei und der Sezessionisten nichts ist, als die ausgeprüfte st e politische Heuchelei, die zu den Wahlen den Stimmenfang organisirt, um später das Volk weiter an der Nase herumführen zu können. Wir warum deshalb da« Volk vor solcher Bauern- fängerei._ politische«edersichi. Der Verein der Millionäre, oder wie er fich selbst be- namsct: Verein zur Wahrung der wirthsckaftlichen Interessen von Handel und Gewerbe", hielt am Mittwoch seine erste Generalversammlung ab. Wenn wir denselben als einen Ver- ein von Millionären hinstellen, so zeigt uns der Charakter der Generalversammlung, daß wir hierzu durchaus berechtigt stnd. — Da ist zunächst der Geheime Kommerzienrath Delbrück, dann der Rheder und Plantagenbefitzer Wörmann aus Ham- bürg, der Generalkonsul Ruffel und noch viele sehr glänzend fituirte Personen, welche alle durch den Verein„der Fnteressen von Handel und Gewerbe" nehmen wollen. Daß diese Leute unter den heutigen. Verhältniffen irgendwie Roth leiden, wird ernstlich wohl Niemand zu behaupten wagen' umsomehr könnte man sich über das Vorgehen derselben wundern, wenn man nicht aus den Reden, welche in dieser Versammlung gehalten wurden, ersehen würde, warum der ganze Lärm in Scene gesetzt worden ist. Der Geheime Kommerzienrath Delbrück wies bei Eröffnung der Versammlung daraufhin, daß fich in der jetzigen Zeit„leidenschaftliche Be« strebungen gegen diejenige Thatigkeit, die zu ihrer Unterlage das mobilcKapital nöthig hat, sowie gegm das m o b i l e Kapital selbst, geltend machen."-„Nachdem wir diese Worte vernommen, ist uns auch der nöthige Verstand gekom- men," das heißt, nun wissen wir wenigstens, welcher Alp diese Herren drückt.— Das mobile Kapital ist in Gefahr, und dieser drohenden Gefahr muß vorgebeugt werden zum Wohle des Vaterlandes!— Der Herr Generalkonsul Russell übernahm es. die Leiden und Gefahren, welche dem mobilen Kapital drohen, eingehend zu schildern. Er erklärte sich gegen die Einführung der Börsensteucr, sowie gegen die Verstaatlichung des Verstcherungswesens und verstieg fich dann zu folgender Aeußerung:„Das mobile Kapital hat allerdings auch zu den Lasten des Staates beizutragen——— Doch dürfen wir die Grundlagen unserer wrrthschaftlichen Produktion nicht untergraben und dürfen uns nicht leitm lassen von dem blinden Gedanken, man könne dem Reichen, nur weil er reich, nun auch soviel nehmen, wie nur irgend möglich. Das ist keine deutsche, keine denkende Steuerpolitik, das ist die Steuerpolitik asiatischer Tyrannen!"(Brrr!,- Man steht, daß. wenn eS an den Geldbeutel geht, selbst der behäbige Geheimrath in Aufregung geräth. Ja wenn der Staat das Veificherunas. wesen übern, mnit, dann können sich frelllch keine Aktien-Gesell- RWMUW Einführung neuer Steuern erklären, wenn die ärmere Bevöl- kerung dadurch entlastet wird. Aber gerade diesen Herren könnte zu Gunsten der im Schweiß ihres Angeftchts arbeiten- den Bevölkerung unseres Vaterlandes eine größere Steuerlast auferlegt werden. Und dies kann geschehen ohne daß neue Steuern eingeführt werden, dadurch, daß die destehende Form reformirt wird zu Gunsten einer progresfiven, und zwar einer so progresstoen Einkommensteuer, daß in Zukunft der arme Mann, welcher nur soviel Einkommen hat, als er zu seiner Exi- stenz braucht, steuerfrei bleibt, daß aber Leute, wie fie der Verein der Millionäre in fich birgt, so hoch besteuert werden, wie fie besteuert zu werden verdienen. In Bezug auf den Wahlaufruf der Frei-Konser» bativen, dessen wir schon gedacht haben, wollen wir uns noch einige Bemerkungen erlauben. Die Freikonservativen haben in den letzten Jahren böse Erfahrungen gemacht: von der stolzen „Botschafterpartei", aus der Präfidenten und Vizepräfidenten des Reichstages hervorgegangen find, ist ein kleines Häuflein zusammengewürfelter Menschen geblieben, welches bislang an der deutsch konservativen Partei seinen Halt fand und fich jetzt m.t den Nationalliberalcn verbünden möchte. Ob diese beiden schwankenden Rohre fich gegenseitig zu stützen vermögen? Wir glauben es nicht. Und wegen der dösen Erfahrungen tritt die Reickspartei so reckt bescheiden auf. Der Aufruf enthält nicht ein einziges Schmähwort auf andere Parteien.— Die Quintessenz desselben ist, daß fich die Partei bedingungslos der Re- gierung zur Verfügung stellt. Der Aufruf verlangt weitere Ausbildung der Börsensteuer und höhere Besteuerung der geistigen Getränke— ob an der Quelle oder am Ausschank darüber wird wohlweislich geschwiegen. Sonderbar nimmt fich übrigens die Veistcherung aus, daß die Partei unverbrüchlich fest halten werde an den monarchischen und konstitutiv- nellen Grundlagen unseres VerfassungSrechis. Damit wird gewiffermassen zugegeben, daß dieselben bedroht find. Aber von wem V Sollte die Regierung gemeint sein, weil fie ab und zu eine Attaque auf das allgemeine gleiche Wahlrecht zu machen beliebt. Sollte man dabei an die Slöcker und Genoffen gedacht haben, welche für die Juden Ausnahmegesetze anstreben? Wer die Grundlagen der Verfassung bedroht, das geht nicht aus dem Aufrufe hervor. Das Eine aber ist stcher, daß keine Partei im Reichstage unschuldig daran ist, daß die Grundlagen der Verfassung schon längst bedenklich in's Wanken gerathen find. Ausnahmegesetze, welcher Art fie auch sein mögen, erschüttern jede Verfassung, und Ausnahmegesetzen haben sämmt- liche Parteien, mit Ausnahme einiger kleinen Fraktionen, mehr oder minder zugestimmt. Die Reichspartei hat aber allen dem Reichstage vorgelegten Ausnahmegesetzen und zwar immer ein- stimmig ihre Zustimmung gegeben. Sie ist deshalb am Wenigsten geeignet, ein Wäch ter über die Grundlagen der Ver- fassung zu sein. Das ReichSverstcherungsamt, hat bereits verschiedene Sitzungen abgehalten und in denselben zunächst eine Geschäfts- Ordnung berathen. Dann soll dasselbe nach Angabe konservativer Blätter, fich auch mit der Ausdehnung des Unfalloerficherungs- Gesetzes auf den Eisenbahnbetrieb, die Land und Forstwirth- schaft beschäftigt haben. Ans Oberschlefien wird von einem Bauerntumult berichtet, der fich aus Anlaß der Landvermessung in und bei Guhrau ereignet hat. Die Aecker des Fürsten Pleß werden durch die mitunter ganz kleinen Parzellen der bäuerlichen Grundbefitzer von Guhrau durchkreuzt und unterbrochen. Be- Hufs Arrondierung derselben beantragte der Fürst in diesem Jahre die Separation. Die Bauern wollten die Vermessungs- arbeiten nicht dulden und es kam infolgedessen zu einem Tumult, bei dem einer der Hauptaufwiegler durch einen Sckuß in den Oberschenkel verwundet wurde. Zur Aufrechthaltung der Ordnung find 25 Mann Ulanen nach Guhrau kommandiert worden.— Aus diesem Bericht ist nicht erfichtlich, wer ge- schössen hat und warum geschossen wurde. Für die Stimmung in Kroatien ist eS sehr bezeichnend, daß gestern der vielgenannte Abgeordnete Starcevic anläßlich der Eröffnung des kroatischen Landtages in den Straßen von Agram einen förmlichen Triumphzug abhielt. Sein Wagen war mit Kränzen und Bändern überladen; Frauen streuten ihm Blumen, und eine viel tausendkövfige Menschenmenge brachte ihm stürmische Ovationen. Das Mllitär war konfignirt, dock blieb die Ruhe ungestört, weil die Demonstration nicht 6(hindert wurde.— Koloman Tisza dürfte doch endl.ch zu der Überzeugung gelangen, daß er in Kroatien einer nationalen Bewegung gegenübersteht, die fich durch Belagerungszustand und königliche Kommissare nicht beseitigeu läßt.— Gegen den Starcevirianer Pfarrer Eckirmer wurde wegen seiner Kandi- datenrede, die derselbe anläßlich der Brooder Wahl gehalten, der Hochverrathsprozeß eingeleitet. Es wurden bereits 80 Zeugen vernommen. Ebenso wurde gegen den in Kostajnica ge- wählten Stareevicianer Reserve-Lieutenant Radosevic wegen seiner Wahlrede in Folge Veranlassung deS LandeSoertheidi- >»chdr»a scrtoun.] Ieuilleton. 81 Das Erntefest. Eine Dorfgeschichte von W. H. Köhler- (Fortsetzung) Zwei Jahre waren sett der Konfirmation August'S inS Land gegangen und dieser hatte seine halbe Lehrzeit hinter fich. Wieder, wie alljährlich, begann der Schnee auf den Bergen zu schmelzen und die Maiglöckchen steckten neugierig ihre Köpfe durch die nur noch dünne Schneedecke im Thal- Andere Wald- und Wiesenblumen, wie Himmelschlüssel und das beschervene Gänseblümchen ic. guckten ebenfalls schon hier und da aus der Erde, uud draußen im Felde schwang fich schon die Lerche schmetternd in die Lüfte. Störche zogen in kleinen Sckaaren über das Döi stein dabin in's flache Land, wo die Temperatur schon eine mildere war, kurz. Alles kündete den nahenden Früh« lina. und die von des strengen Winters Bann erlöste Jugend schrie jubelnd in die Lüfte: Ostern! Ja, Ostern war da und die kleinen Kirckenglocken riefen die Bewohner WaldsteinS in's Gotteshaus. Heut war der Tag, an welchem Klara den ersten Abschnitt ihres Lebens beenden sollte durch daS Sakrament deS Abendmahls Immer, wenn die Konfirmanden dre Hostie em- pfingen, war die Kncke so voll wie nie im Jahre; wer nur irgend von seinen Geschäften abkommen konnte, ging dahin, weniger freilich der Andacht, als der Neugierde wegen. Auch Golttiied und sein Vater waren da— die Mutter hatte deS Haushalts wegen daheim bleiben müssen— und Beide hatten ihr Bestes angelegt. waS die große Familientruhe barg. Und fie gefielen fich nicht wenig darin; stolz dlickie der Alte bald auf seine brandiothe Weste mit blanken Elahiknöpfen, bald auf seine fast noch neue z.'ederhose und bald auf seinen ihm zur Reckten fitzenden Sohn. Dieser jedoch schien an Nichts Jntn- esse zu haaen; scherndar unstätt irrte sein Auge in der Kirche umher, allein wer ihn genauer beobachtet hätte, der würde bald inne geworden fein, daß sern Blick voistchtig spähend bald zur Thür, bald zu den ersten Bänken am Altar auf der anderen Seite schwerste. Und auch von dort her richtete sich oft ein Augenpaar nach der Thür, als müsse durch diese jeden Augenblick Jemand eintreten. Was war das für ein ahnungsvolles Bangen in dem Mädchen- Husen dort auf der eisten Bank vor dem Platz, den der einnimmt, der das Wort Gottes verkündet'i Empfand Klara ein Grauen bei dem stechenven unv unaufhörlich beobachtenden Blick Gottfrieds, den fie sehr wohl wahrgenommen hatte, und schaute fie aus nach ihrem rittertrchen Beschützer von früher? Im Dorfe war er, das wußte fie; fie halte ihn ja kommen gungs' Ministeriums durch das Militärgericht die Untersuchung eingeleitet. Zur Todesstrafe. Der Regierungsrath deS schweizerischen KantonS Zürich hat mit 133 gegen 52 Stimmen beschloffen, fich der Volksabstimmung zu fügen und durch Verfassungs- änderung die Todesstrafe,(jedoch nur bei Mord) wieder einzu- führen.— Bekanntlich hat vor Kurzem im Kanton Zürich eine Volksabstimmung über die Todesstrafe stattgefunden, die Ma- jorität entschied sich für Wiedereinführung derselben. Frankreich. In Lyon fand eine weitere Versammlung der Arbeitslosen statt, in welcher auch der berüchtigte Depu- tirte Andrieux auftauchte. Derselbe bezeichnete den Frankfurter Vertrag und die Uederlastung des Budgets als Ursachen der Krise. Seine Rede wurde mehrfach durch die Rufe: Jesuit! Jntriguant! unterbrochen. Die Versammlung verlängerte die Vollmacht des Komitees, beschloß die Abhaltung einer neuen Versammlung zur Entgegennahme des Berichts über die Ver- Handlungen des Gemeinderathes mit der Regierung und vstirte eine Mißtrauenserklärung gegen Andrieux.— Der Minister des Innern, Herr Waldeck- Rousseau, empfing die Delegation des Lyoner Gemeinderaths, bestehend auS dem Maire Gaille- ton und den zwei Gemcinderälhen Granusct und Comte. Die Unterredung dauerte etwa eine halbe Stunde. Im Laufe der- selben berichtete Herr Gailleton dem Minister über den wahren Stand der Krifis in Lyon und bat, die Regierung möge ehe- baldigst zu Gunsten der beschäftigungslosen Arbetter inter- veniren. Herr Waldeck- Rousseau verficherte die Delegirten der ungetheilten Aufmerksamkeit, welche die Regierung der Roth- läge der Lyoner Arbeiter schenkt. und vaswach, im nächsten Äinisterrathe die Sache zur dringlichen Berathung vorzu- bringen. Die Delegirten werden ohne Zweifel auch vom Kon- seilspräfidenten empfangen werden, bei dem fie um eine Audienz nachgesucht haben. In Spanien befindet fich der Ex- Sozialdemokrat und stühere Minister Emilio Kastelar noch immer auf Reisen. Wie der„Times" unterm 29. September aus Madrid telegraphisch mitgctheilt wird, würde die Reise des republikanischen Partei- führers keineswegs so großes Aufsehen erregt haben, wenn nicht die Regierung beinahe alle Kundgebungen zu Gunsten Castelars unterdrückt hätte. Die Regierung hat fich aber schließ- lick doch veranlaßt gesehen, ein im Theater von Bilbao ver- anstaltetes Banket zu gestatten. Der Andrang zu diesem Banket war ein außerordentlicher, alle Logen und Galerien waren gefüllt. Charakteristisch für die spanischen Verhältnisse ist, daß auch der Civilgouverneur und zahlreiche Beamte Ein- ladungen des Komitees erhalten hatten und in den für fie be- stimmten Logen dem Banket beiwohnten. Castelar hielt einen eingehenden Vortrag über die Demokratie, indem er insbeson- dere das Verhalten des Klerus bei den karlistischen Aufständen einer scharfen Kritik unterzog und den heldenhaften Widerstand feierte, welche die Stadt Bilbao bei mehreren Belagerungen geleistet hat. Diese Ausführungen fanden bei den Theilnehmern des Bankets entbufiastischen Beifall, lieber den Zweck seiner Reise berichtete Castelar, daß er das Land besser kennen lernen wolle, dessen Munizipaleinrichtungen und administtalioe Ver- fassung die allgemeine Bewunderung erregen. Herr Castelar betonte zugleich, daß, wenn er die gegenwärtige Verwaltung der baslischen Provinzen der„administrativen Unordnung" in den übrigen soanischen Provinzen vorziehe, er doch nach Kräften die politische und nationale Einheit Spaniens anstrebe. Die Rede Castelars wurde mit großem Beifall aufgenommen. Trotz- dem darf angenommen werden, daß Canovas del Castillo von der republikanischen Agitation gegenwärtig wenig zu de- fürchten hat. Cholera. Es starben in Italien insgelammt 200 Personen an der Cholera, davon in der Stadt Neapel 57. Aus der in der Bannmeile von Paris belegenen Ortschaft Auber- villiers werden 2 Cholera Todesfälle gemeldet. Der Ausfall der Wahlen in Schweden beschäftigt noch vielfach die Zeitungen. Die Wahl Hevin's in Stockholm hat vorgestern noch ein Nachspiel in der Gestalt verschiedener, dem neuen Reichstagsabgeordneten Hedin dargebrachter Ovationen durch Stockholmer Arbeiter gehabt. Verschiedene Reden wur- den gehalten: in einer derselben wurde der Ausfall der Stock- holmer Wahlen als„der eiste politische Sieg der Arbetter" bezeichnet, was Herr Hedin gelten ließ, jedoch die Mahnung aussprach, diesen Sieg mit Vorstchi und Mäßigung aus- zunutzen. Auch das Unionsverhältniß(Norwegen) wurde in den gehaltenen Reden berührt und mit Begeisterung bewill- kommnet. In England finden noch immer Demonstrationen zu Gunst, n der Wahl- Reformbill statt. In einer gestern Abend io Anverton's Hotel in Fleetstreet abgehaltenen Versammlung von Delegirten der Londoner Arbeiterkluds und radikalen Vereine wurde mit 55 gegen 52 Stimmen beschlossen, von der projektilten Kundgebung zu Gunsten der Reformdill hei Fackel- deleucktung Abstand zu nehmen. Bradlaugh hatte fich vor sehen aus ihrem Fenster, als fie zur heiligen Handlung ge- schmückt wurde. Es war fie ein Geiühl der Sicherheit über- kommen, als der schmucke Jüngling mit dem heiteren und doch ernsthaften Antlitz die Straße daher kam, und jetzt, als die stablgrüncn Augen Gottfrieds blitzschnell fie streiften, da he- mächtrgte fich rhrer eine unnennbare Angst und naturgemäß schaute fie aus nach ihrem Ritter. Doch der kam nicht, der weilte daheim in namenlosem Schmerz um den Verlust seiner Mutter. Urplötzlich, wie ein Donnerschlag aus heiterblaucm Himmel, hatte die kalte Hand des Todes den Lebensfaden der braven Frau durchschnitten; nach kaum stundenlangem Unwohlsein hatte ein Schlagfluß ihrem Leben ein Ende gemacht. Mit unbegreiflicher Schnelle hatte fich die Kunde von dem Ableben der Mutter Augusts verbreitet und ein Spätling des Kirchenbesuchs hatte sogar die überraschende Mähr in die Stätte der Andacht gebracht. Und man möge sagen, waS man will, die Geschehnisse des täglichen Lebens intereifiren die Menschen mehr als alles Seelenheil. Das zeigte fich auch hier wieder, denn die Besucher der Kirche Walvsteins waren heute kotz des besonderen Anlasses, der fie hierher geführt, sehr unaufmerksam. Zwar öffnete der Pfarrer die Schleusen seiner Beredtsamkeit, um seinen geist- licken Schafen die Bedeutung des Tages so klar wie möglich zu machen, allein die überraschende Mähr von dem plötzlichen Dahinscheiden der Frau Hackenschmidt, die man fich von Nach- bar zu Nachbar zuflüsterte, interesfirte und bewegte sie mehr, als die aus ehilichcr Ueberzeugung fließende Predigt des greisen Redners auf der Kanzel. Verwundert und fragend über die Unaufmerksamkeit seiner Zuhörer blickte der Pfarrer umher und nicht selten strafte ein strenger Blick einen Unhesonnenen, der den außerordentlichen Fall seinem Nachbar gar zu überzeugend vorttug. Nicht lange währte es, und die ganze Gemeinde war von dem Vorgefallenen unter« -, sogar die Konfirmanden auf den ersten Bänken nachit dem Altar hatten fie in Erfahrung gebracht, und Klara schaute jeyt weder mehr nach der Eingangethür, noch nach dem lahmen Gottfried hin; scheinbar aufmerksam auf die Predigt lamchend. blickte fie still auf ihr Gesangbuch und kein Mentch ahnte, daß von diesem Augenblick an in dem Köpfchen dieses zwar körperlich schon entwickelten, aber scheinbar geistig über das Durckschnittsniveau nickt hinausreichenden KindcS die Erkenntniß werblicher Pflichten fich durchrang. Wenn August seine Mutter verloren hatte. so mußte doch jemand Anderes für alle dre kleinen Bedürfnisse und Bequemlichkeiten des Lebens sorgen und das wollte fie thun, fie. die er so oft be- schützt und beschirmt hatte. Ihre Brust arbeitete gewaltig bei dem Gedanken an die Vergeltung des Gedanken an die Ver- geltung des Guten, was er an ihr gethan und fie war stol, in der Ueberzeugung. daß fie es könne. O. fie fühlte fich stark einigen Tagen gegen eine Fackelzugdemonstration ausgespi«� Dagegen wurde der Beschluß gefaßt, am Sonntag, ven« Oktober, im Hydepark eine Massenkundgebung zu Gunsten» Reformbill und gegen die Haltung des Oberhauses in ver P sormfrage zu veranstalten.— Wir haben schon mehrfab* rauf hingewiesen, daß die englischen Arbeiter und Hanvuw» alle Ursache haben fich selbstständig zu organistren und# länger, wie dies jetzt noch der Fall ist, fich zu SchlepM» gern deS Liberalismus hergeben dürfen. Die Herren«iW' len find ebensowenig Ärdeiterfreunde wie die KonseiM"«' und in Wirklichkeit find fich die genannten Parteien üdtw da einig, wo es gilt, gegen ernstliche Reformbestred» gen Stellung zu nehmen. Egypten. Lord Northbrook und General Lord find in Kairo eingetroffen und im Abdin- Palast jagt ein das andere. Die Entschädigungs-Bercchtigten von Älexani haben aber noch keinen Heller von ihrem Gelde Mornmß Lord Wolseley leitet von dem herrlichen Palaste des Wjr Kasr-el Nusa aus, wo er auf Kosten des egqotischen 6� schatzes wohnt, die Operationen der Sudan-Exvedttion. 1% dessen ist General William Earle nach Wady fealfa wj gangen und ein anderer Oberst nach Dongola, wo ver wP bereits am 15. v. Mts. eingetroffen ist. Bei den Nil-Ka>&»"° zwischen Assuan und Wady Haifa hatten die Englänver g flück, indem mehrere Transoortdampfer stecken blieben.* ioot mit 2 Offizieren und 26 Mann des Royal Sussel-J giments kenterte auf dem Nil bei der Insel Nilwarball. ir Mann ertranken und sämmlliche Equipirungsstücke, Wassens Prooiantvorräthe des DetachemenlS sanken mit dem Booü Mit Hilfe der Beduinen, vom Stamm der Bischarin, wi"» die übrigen Boote wieder flott gemacht und die D#! konnten Wady-Halfa erreichen.— Der tapfere General g schon sehen, daß er nicht zu kurz kommt. Er und seine leben herrlich und in Freuden, während das arme egy»®? Volk— ausgesogen bis auf's Blut— schließlich auch not Saufgelage der„tapferen" Generäle und sonstiger Nichts wird bczahleu müssen., ± Nord Amerika. Wie durch und durch faul die kanischen Zustände find, daS haben dieser Tage Wiedels Enthüllungen in betreff des republikanischen Piästdentsa�. Kandidaten Blaine und seiner Verbindung mit einem kolwj* Eisenbahnschwindel gezeigt. Er hitte vor 13 Jahren P Stellung als Sprecher des Repräsentantenhauses dazu eine Landschenkung der Little Rock- und Fort SmUb� bahn zu retten und deren Bonds unter die Leute zu bnWS als bald nachher die Bahn bankerott machte, wobei nanw« nur die Bonds-Jnhaber zu kurz kamen, denn nur fU JPj das Geld zum Bau Hergegeden, da stellte es fich heraus Blaine nicht nur die ihm für seine Bemühungen g'l�L Bonds nicht behalten, sondern zum dreifachen Werth an Eisenbahnen verkauft hatte, denen er ebenfalls bedeutende. fälligkeiten erwiesen.— Gerade, weil der Herr Blaine� andrren großen Schwindlern gemeinschaftlich„gearbeitft« werden fich die lieben Freunde beellen, ihn zum Prästve» zu wählen. Wahlbewegung.. Im 2. Berliner Wahlkreise fand am Mittwoch% Hasenhaide 9, eine große Wählerversammlung statt, in der Arbetterkandidat Herr Franz Tuyaueri�, Kandidatenrede hielt. Die Versammlung erklärte ss™,, stimmig für Herrn Tutzauer.(Siehe VersammlungsberrS� Hamburg. Die Nationalliberalen und Freikonser»� halten an die Kandidatur des Herrn Wörmann fest, üo». derselbe abgelehnt hat. Der Herr Wörmann tteht ln�j Rufe, über eine etwaige Annexion Hamburgs an Preußen� gerade ungünstig zu denken- Die große Masse der Bürger soll von den Anstchten des Herrn Wörmann sonderlich erbaut sein. Die Wahlanssichte» der Sozialdemokraten. 9"� ZeitungS- Korrespondenz, als deren Verfasser ein u Führer der„Freisinnigen" gilt, wird eS als wahricheiw'®, zeichnet, daß bei den bevorstehenden Wahlen die M traten 12 neue Mandate gewinnen, ihre Mitgliederzab z im Reichstage auf 25 steigen werde. Dre„Germania' � j, hierzu:„Von besonderer Bedeutung ist es für die v � demokraten, daß fie endlich die Zahl 15 erreichen, an der in ver letzten Legislaturperiode nur zwei Stimmen"',0 15 Unterschriften find nämlich zur Stellung eineS Antw forderlich." Lokales. ct. Die Saumseligkeit und Läsflgkett der �rt�sss überall bei jeder politischen Agitation erne der größten*� für den Gegner. Man hat in einer Zeit, wie die WO genug zur Uebernahme der Pflichten, die ihr und doch auch wieder leicht erschienen. Als fie so mit n Reine gekommen war und ihren Blick in stolzem wußtsein erhob, da begegnete derselbe wieder dem d». Gottfried, der, wie fie sühlte, längere Zeit ununw � und unverwandt auf ihr geruht haben mußte. AM;# Verachtung sah fie den ihr verhaßten Menschen an, un« ihren Blick dem Pfarrer zu, um demselben ihre ung Aufmerksamkett bis an's Ende seiner Predigt zu u«* Die weihevolle Handlung in der Kirche war Vv die Besucher verließen daS Gotteshaus, vor der Thür Gruppen bildend. Es ward über daS aufregende debattirt und von Mund zu Mund gingen„die unerfou# ein Mensch ergründen könne• � Rathschläge Gottes, die knn DfensO) ergrunoen sonst die arme Frau kaum deachtet hatte, wußte I genug deS Rühmlichen von ihr zu sagen, und ein att». yy chen, das längere Zeit den Lobpreisungen über die To � los zugehört hatte, humpelte jeyt von dannen und. kaum hörbar zwischen den welken Lippen:„Die To» j# fie, aber für die Lehende hatten fie nicht einmal yLgi*" Achtung, denn fie war ja arm. Darum: Wer gelovr i muß sterben, das habe ich schon immer gesagt''. � � 3Z SeckS Wochen schon waren sett dem Tode Hackenschmidt verstrichen und noch immer bildete ner# Tagesgespräch der Bewohner WaldsteinS. August Jf wie vor wöchentlich zwei Mal herüber, umsomevr., vr Vater seit dem Tode der Mutter beständig lran' W, war kein Wunder, denn die beiden Leute maren � Empfindungen und ihrem Stteden Eins gewesen, nur dem Ableben deS Einen der Lebensstrom des Anve krochen werden mußte. Es war also vorauszusehen' arme, kranke Mann nicht wieder gesund werv Dreiundzwanzig Jahre lang hatte er mit s tcir geschiedenen ein Leben voller Eintracht, aber a r Kummer geführt. Es war manchmal recht. � weken im Haushalt, uud man hatte fich J richten müssen Ja. es war sogar reckt oft 00» daß die Familie hatte hungrig zu Bett 0.�sci>. Und dann hatte der Vater wohl über die �nger �>> der Welt geflucht und gewettert und fich vor V st I � Ingrimm gar nicht zu lassen gewußt. Er wollte arbeiten und für sein Weib und sein Kind(�8.[che Ay war eben keine Arbeit da, oder, wenn sich«uck � W J so konnte er doch trotz der giößten Anstrengungen gNM Brod kaum erschwingen, weil die Arbeit so std� piej(l wurde. In solch' trostlosen Zeitläuften war van" ib� Todte immer ein guter Engel gewesen, und? jO Itoh« itnh hnttnn nftärtMefi««••«***»*•* /»arniiät. D&D' r � «eUH**-«• IrtH»• lieb- und hoffnungsreich zuzureven gewußt, vatz'�. wilde Stimmung einer ruhigeren bald Platz w l jwnlßtt W« SBerrtffomWt und die Hilfsmittel zu fürchten, die «n feindlichen Lager herrschen, denn durch diese allein wird in 5? mf!, viel erreicht; es kommt vielmehr darauf an, vie Gleichgiltigkeit und T'Sgheit zu überwinden, die selbst unter !-..�'vegtesten Verbältniffen bei den Anhängern eines und (in Platz greifen. Wie oft wird es gesagt: »Aen? alle unsere Gestnnungsgenofsen ihre Pflicht thun—" B* �e haben auch die beste Abficht es zu thun, fie können gl? aber m der Regel nicht ermannen, von ihrem gewöhnlichen vchlendrian zu laffen, an ihrer Trägheit und Unpünkilichkest iSsra�v0.11?' �'e beste, die rührigste Agitation. Das Haupt- und Endziel aller Agitationen muß sein, sämmtliche Gcfinnungs- tw n JU überzeugen, daß fich Niemand ans den anderen hlt a Ü barf, daß es auf jede einzelne Stimme ankommt, und ber irgend etwas zur Ausübung seines Wahlrechtes unterlaßt, auch einen Theil der Verantwortlichkeit für den mehr oder weniger günstigen Ausfall der Wahlen übernimmt. Die Auslegung der Wählerlisten hat mit dem � September begonnen, eS wäre hochintereffant, 9oI.ÄLmQn, erfahren könnte, ein wie großer Prozentsatz der «d,.?? �ligten fich bereits davon überzeugt hat, od die Namen vorschriftsmäßig in die Listen eingetragen find. Wir >„?' daß in dieser Beziehung die Saumseligkeit eine viel fallj.0,»' ist, daß man überhaupt die aktuelle Tbeilnahme der Ts�blkerung an politischen Vorgängen untersibätzt. Selbst ein LJlv derjenigen Leute, welche in politischer Hinficht etwas für wahr und richtig erkannt habm, find von � leidigen Gewohnheit befangen, Alles auf den nächsten lk-« ,U verschieben; fie glauben, daß es auch ohne fie ginge. anrJit"! noch sehr, ob fie in den Blättern überhaupt die w".''wen Belehrungen und Ermahnungen lesen, und in die aylver sammlungen kommen zum weitaus größten Theil nur lenigen Lentc, welche schon entschlossen find, fich eifrig und iinl a" ber Wahl zu betheiligen. Es muß in dieser Beziehung im* erne andere Art der Agitation in Wirksamkeit treten, die .i? unchtiger ist, als die öffentliche Wahlagitation: Einer muß ied»?! Anderen sagen, in jeder Werkstatt, in jedem Hause, in win"omthe muß man fich darüber schlüsfig machen, was man .3"vd das, was man für Recht erkannt hat, soll man aber hur* v'Un;. 9" dieser Weise kann mehr gethan werden, als ens. glühendsten Reden, durch die schwungvollsten Auf- a:t' Unö diese Art der Agitation kostet keine Mühe und keine £,""d doch bringt fie in ihrer Gesammtheit reiche Früchte. läm»? bn der Liftenprüfung hat fie zu beginnen. Der Nach- »miih. den Gang zur Auslegesteue, bis der Termin oft Jr5r'' ,°ber er dispenfirt fich ganz davon unter der sehr Annahme, daß sein Name schon in den Listen stehe. hnrJnc/1? Persehen fehlen nicht selten Namen in den Listen, nalv�. baber fich mit Recht für bekannt genug hielten, umHre Auf- einm/s?°��v�usetzen. Die Kontrolle ist unerläßlich. Wer nun auA. Weg macht, kann in den meisten Verhältnissen fich Nomr� bfn'°b sein Nachbar T. oder sein Freund?). aufge- btnSu.?0lt(n'Ü, um im gegentheiligen Falle denselben zu �llgen. Es kostet ihm oft nur ein Wort, um einen " den aller 11-tti.u.'—'—'"N ivMvi,,. v. vuv-ii nw in n ii, v«n n» unseren dast � �llesellschaftlichen Kreisen es Niemand unterläßt, Alles leckt� bun, was zur gesetzmäßigen Ausübung seines Wahl- zum Vt" ü* ifl- Setzen wir diese stille Agitation fort MS jwj Aoenöe des Wahltages, dann dürfen wir Wen, daß blrth»<5,® ou8 unseren Reihen der gefährlichste Feind ferne "bl- Die Lässtgkeit und die Saumseligkeit. NoA � Umzugstermin hat wieder manchem Hauswirth und Ion den Mielhern argen Verdruß dereitet. Der erste den wandernden Möbeln ein sreundliches Geficht, Gtim 5* tkdoch gestern verfinsterte, bis Gott Pluvius seinem sond„? bui* wolkenbruchartige Regengüsse Luft machte. Be- ihr.» �""Endlich war es für die Mietherestantm, welche von W., HauSlqrannen wegen Micthsschuld exmitirt wurden. So ,, f'" vrmer Teufel in der Aldertsttaße sans fa(on das Pech VW»«***= aoyv»«» VUW tvelch-n x iu werden. Nachdem der Rest des FnventarS, SBinkel ,i � HauSwirth dem Exmititten gelassen hatte, im Ileberkl„s � Platzes untergebracht war, wurde eS zum uuß noch gründlich durchnäßh »vei<. �Inländisches Asphalt. Der soeben erscheinende 187? lila ,lll deS Berliner Gemeinde Verwaltungsberichts pro Asohf I bemertt zu der auffälligen Thatsache, daß zum b i s ck..» e n der Berliner Straßen auSlän- wsttz. �Asphalt und nicht inländischer benutzt l&efeftift.l� auffallenden Erscheinung gegenüber, daß zu der Mn; s&Nü.bet Straßendämme mit Asphalt nur fremdländi- ?I P"u>endung gefunden hat. während doch in bnb iRnf"0, leihst Fundotte desselben wie Limmer in Hannover ?emeit„�°ble in Braunschweig vorhanden find, dürfte die alte gA?"1*1 überflüsfig sein, daß die vaterländischen Pro- ����u�iener Weile, wie die ausländischen nicht verwen- Monden� Aahre lang hatte fie ihm in seinem Erwerbe bei- -heran>>!!,' hatte fie ihn gepflegt und ihre sorgende Hand jn.. sein'? ausgestreckt, und jetzt �'~S-~"''~ lelbkr,. kleinen Stube und Und ha/,,»"-t U"d dm Thee fü.................. L'h'sfle ssmug. dabei über„die unerforschlichen Rath- ,"hl sni° ss nachzudenken. Und wenn er an seinem Web- 'o klava �"b das Schifflein hinüber und herüber sausen ließ, ?/n>istn mÜ" ieyt unheimlich, während eS ihm sonst Mufik von xr' ,Vwar hatte er ja noch ein theueres Pfand von '"Ruft 1°, ttüh Heimgegangenen: er hatte ja seinen uq tDohi l'!"'cht unterließ, wöchentlich zwei Mal. oder jetzt — jetzt saß er allein mußt« fich daS Essen für seinen kranken Körper ,�°hl Noch un,er!'fi wöchentlich zwei Mal, oder jetzl .!�?"cken kommen. Wenn er seinen Säugling heranwachsenden Buben eintreten sah, ai". äff f ,&%%%% MC in b«? l'b et sein verjüngtes Ebenbild. Ja. eS war Trn» em""R'" vereinigten fich Vater und Mutter: """"mn.nnnaenMt Frau bald, fett ffchtTlK So.................... {sHe�n�eitelunft'"" boshaftes, übermächtiges Wesen scheint �ktt niJbn quält? n�k Wohlgefallen zu finden. Der WWWUW 8 ttn Srau. mit der er so glücklich gelebt (Fortsetzung folgt.) den lassen. Während die letzteren als feinkörniges Pulver auf die nach dem zukünftigen Straßenprofil abgeglichene Beton- unterläge gebracht, fich durch Kompresston mit erhitzten eisernen Stampfen wiederum zu einer festen Decke zusammenpressen laffen, kann der Limmer und Vorwohler Asphalt nur in fiüs- figem Zustande und in zwei übereinander liegenden, 3 Cm. starken Schichten auf seiner Unterbettung ausgebreitet werden. Die Folge davon ist, daß zur Herstellung von Fabrdämmen aus Gußasphalt eine weit größere Zell in Anspruch genommen wird, als bei Stampfasphalt. Es werden ferner durch die Aufstellung der zum Schmelzen deS Asphalts nöthigen Kessel auf der Baustelle selbst, und durch die aus denselben fich ent- wickelnden Dämpfe die Anwohner sowohl als auch die Passan ten nicht unerheblich belästigt. Auch würden die Kosten einer Pflasterung mit Gußasghalt, wenn fie so dauerhaft sein soll, wie aus Stampfaspbalt, fich nicht unerheblich höher stellen. Wenigstens bat der Unternehmer, welcher hier in den Jahren 1878 und 1879 einige, wenn auch kleine Straßenstrecken mit Limmer Asphalt probeweise befestigt hat(die Friedr.-Wilhelm� straße zwischen Thiergarten und Kaiserin Augustustraße, die nördliche und östliche Straße am Wilhelmsplayl aus eigener Initiative auf eine weitere Anwendung dieses Äsphaltpflasters verzichtet und fich die Einführung deS fizilianischen Stampf- aspbalts angelegen sein lassen.— Am besten ist gar kein Asphalt. N. Unser zoologischer Garten kann fich seit wenigen Tagen rühmen, eine Schwanenart zu befitzen, welche man in den meisten Schwester-Jnstituten vergeblich sucht, nämlich den Coscoroba-Schwan(Psendolor chionis), einen auf den Strömen und Seen des südlichen Amerikas heimischen Vogel. Von unserem zahmen Schwan, der als Muster von Eleganz gilt, weicht der Coscoroba-Schwan bedeutend ab; die Höhe der Beine und der ausrecht gettagene Hals. lassen ihn fast als Gans erscheinen. Indessen sein Benehmen und die Bildung des Hochrothen Schnabels charakteristren ihn als Schwan, und bei diesen hat er denn auch im zoologischen System Unter kommen gefunden. Der Escoroba- Schwan steht im Preise sehr hoch; wir erinnern uns noch, daß ein in den fiebenziger Jahren gekauftes Paar 1500 Mark kostete, können aber nicht sagen, wie theuer das Jüngstangekommene ist. Nicht minder er- wähnenswerth ist die Ankunft eines jungen Orang-Utang, der neben dem Schimpanse und Gibbon die Gruppe der Menschen- äffen in unserem neuen Affenhause vertritt. Alle drei find in nebeneinanderliegendenZ Käfigen des mittleren Hauses unter- gebracht, so daß fich der Besucher von der Aehnlichkeit und doch so großen Verschiedenheit dieser Affen leicht überzeugen kann. An Munterkeit laffen fie nichts zu wünschen übrig, nur der Drang zieht es vor, stillzuliegen, doch steht zu hoffen, daß er durch seine lebhafteren Spielkameraden bald aus seiner Lethargie aufgeweckt wird. N. Ein großartiger Strike im öffentlichen Fuhr- wesen, welcher dem Berliner Strike von 1873 nichts nachgiebt, ist gestern am 1. Oktober in unserer Nachbarstadt Potsdam entstanden und zwar aus demselben Anlaß wie der in Berlin 1873. DaS königl. Polizeipräsidium zu Potsdam hat mit dem dortigen Magistrat für die Droschkendefitzer resp. Droschken- führet einen Tarif ausgearbeitet, welchen die Betheiligten nicht für gut befinden, und deshalb nicht annehmen können. Die Droschken-Vereins- Vorstände zu Potsdam haben deßhalb schon mehrfach Unterhandlungen mit dem Herrn Polizei-Präfidenten angeknüpft, worauf fie stets zur Antwort erhielten, daß er so für gut befunden würde; obwohl fich die Interessenten von vornherein dagegen ausgesprochen hatten. Das Auffallendste dabei ist noch der Umstand, daß die Bekanntmachung hierfür erlassen worden ist, wodrin gesagt wurde, daß fich jeder Führer einer Droschke in Potsdam am 1. Oktober mit einem solchen Tarife zu versehen hätte. Die Vorstände werden aber heute noch bei der Höchsten Behörde nämlich beim Herrn Regierungs-Präfidenten eine Audienz wegen Aufhebung dieser Verordnung nachsuchen, falls dieses abgeschlagen wird, sehen fich dieselben genöthigt, den Strike als öffentlich erklären zu müssen. Sie bitten die Berliner Kollegen, im Falle dieselben aufgefordert werden sollten, nach Potsdam Fuhrwerke zu ent- senden, fich dieser Aufforderung pasfiv gegenüber zu verhalten, damit fie ihre gerechte Sache zur Durchführung bringen können. g. Bei« Herannahen des neuen Semesters ersucht der Rektor der Univerfität durch Anschlag am schwarzen Brett die Etudircnden, in ihrem eigenen Interesse dem„Studenti- schm Krankenverein" beizutreten. Dieser Verein ist in Folge eines lange gefühlten Bedürfnisses vor einiger Zeit gegründet und wirkt überaus segensreich. Für einen Beitrag von 1,50 M. pro Semester erhält der Studirende in Krankheusfällen freie ärztliche Behandlung und Medizin, ebenso unentgeltliche Auf- nähme in das Universttäts- Krankenhaus. 35 Mitglieder der medizinischen Fakultät der Univeifität, darunter die namhafte- sten Aerzte Berlins, haben fich zur Behandlung kranker Mit- glicder des Vereins bereit erklärt. Die Verwaltung deS Ver- eins wird von dem zeitigen Rektor, den jedesmaligen Dekanen und dem Univerfitätsrichter geführt.. -. Wegen eigenartiger Schwindeleien ist gestern das H.'sche Ehepaar festgenommen und zur Haft gebracht worden. H. war früher Kaufmann und befand fich in günstigen Ver- hältnissen; feit einigen Jahren aber war er finanziell herunter- aekommen und vermochte als„Äommisstonär* für stch und seine Frau die nöthigen Mittel zu ihrem Lebensaufwand nicht zu beschaffen. Die Frau übernahm eS nun, wohlhabenden Personen fich zu nähern und dieselben unter falschen Vorspie- gelungen anzupumpen, ohne der Lage zu sein. zurückzu- zahlen. Als Operationsfeld wählte fich daS Ehepaar vre Ata- demischen Bierhallen in der Charlottensttaße aus, woselbst fie während des verflossenen SommerS fast allabendlich fich auf- hielten. Sobald fich Herren an ihren Tisch heransetzten, so begann Frau H, eine junge Frau von einnehmendem Beneh- men. eine Unterhaltang. stellte ihren Gatten als den vereideten Börsenmakler H. und fich selbst als Schriftstellerin vor. Im Laufe der Untnhaltung gab fie an. die Tochter eineS reichen Fabrikanten zu Eldeifeld zu sein und mit mehreren reichen und hochgeachteten Personen, die in Berlin leben, nahe verwandt zu sein. Uebnhaupt renommirte fie mit zahl- reichen vornehmen Freunden und Verwandten. In einem Falle bezeichnete fich Frau H. als geborene Baronesse. Diese Bekanntschaften wurden dm ch fast täglichen Verkehr im gedach- ten Restaurant fortgesetzt und sobald Frau H. ihren Plan für gereift hielt, ließ fie ihren Ehegatten verreisen und bat sodann die neuen Bekannten um Darlehm, mit dem Vorgeben, daß ibr Gatte vergessen hätte, vor seiner Abreise ihr ausreichendes Wirthschastsgeld zu geben und daß die Darlehen binnen wenigen Tagen zurückgezahlt weiden sollten. Diese Darlehen wurden ibr auch Anfang« anstandslos gewährt, da in ihre in recht überzeugmdem Tone gcmachtm Angabm über ihre Familien- Verhältnisse keinen Zweifel gesetzt wordm warm. Nachdem aber ,,.... r.—-- /Ls..-iii-. .yv.*.. �----..._ Wt. angepumpten" Herren, die den besseren Gesellschaftskreisen anaehörm. mit einander bekannt geworden waren und ihre Erfahrungm mtt dem H.'schen Ehrpaar gegenseitig auägetau'-" hatten, wurde ihnen der ihnen gespielte Betrug klar und brachtm das beschriebene Mannooer bei der Kriminalpolizei, Anzerge. Bei dem ganzen Treiben scheint der Ehegatte H. eil mehr passive Rolle jjefpielt zu haben, indem er r''—-->>— ausgetauscht " fi- fne ,... seiner redege- wandten Frau die Ausführung überließ. a. Verhaftet. Die verehel. Jänicke, welche seit 18 Iahten in der T.'schm Ebawles- und Tücherfabrik am Grünen Weg beschäftigt ist, wurde heut wegen bedeutender, seit Jahren ver- übler Betrügereien gegen ihre Prinzipale verhaftet. Die I. hatte in dem gedachten Geschäft die Aufgabe, die Ebawles von den ihr unterstelltm Arbeiterinnen drehen resp. frangtren zu lassen und die Wochmlöhne für die Arbeiterinnen bei der " �' e e.. w.. �. u Sie hat nun dos cht von der Frrma geschenkte Vertrauen in unverschämter Werse gemißbraucht, indem fie statt des wirklich ge. fertigten Quantums ein viel höheres und zu höheren Lohnsätzen berechnete vre bezügl. Arbeitsbücher fälschte und fich an der Geschaftskaffe auszahlen ließ. In dieser Weise hat fie während der letzten IV, Jahre die Firma um ca. 4000 M. geschädigt, und man nimmt an, daß fie fich seit Jahren alljährlich in der beschriebenen Werse einen Nutzen von etwa 1500 Marl verschafft hat. ,, e- Rohheit. Der in der Kurzestraße 9 wohnende Schau- spielet B. befand fich gestern Abend in einem Cafe der Aleran« der straße. Hier gerieth er mit einem Gast, NamenS G. in Strcrt, der damit endete, daß G. den B. mit einem sogenann- ten Ochsenzrmmer einen Schlag über den Kops versetzte und ihm hierdurch eine so dedeutende Kopfwunde beibrachte, daß fich nach der Sanitätswache in der Blumenstraße begeben mußte. Es ist dies bereits in kurzer Zeit der zweite derartige Vorgang, welcherfich in dem gedachten„Cafö" abspielt. Der erste betraf den Molkereibefitzer St., welcher von Gästen dieses Lokals zwer Messerstiche erhalten hatte und ebenfalls in der Eanitatswache>n der Blumenstraße Hilfe suchen mußte. g- Ein böser Nachbar. Die in der Kleinen MarkuSstr. Z wohnende unverehelichte K. wurde gestern Abend von ihrem Nachbar überfallen und erhielt von demselben einen Schlag über den Kopf, wodurch fie eine 2 Zoll lange Wunde davon- trug. Dreselbe hat fich von dem fie behandelnden Arzte ein Attest ausstellen laffen und wird die Angelegenheit nunmehr durch den Staatsanwalt zum Austrag bringen laffen. g. Unglücksfall. Eine in der Memelersttaße 37 wohnende Frau L. war aestcm beim Reinigen des Küchenspindes deschäf- tigt. Hierbei kippte der obere Theil des Spindes plötzlich über und schlug mit der Kante der Frau so unglücklich in's Geficht, daß ihr die Nase thatsächlich gespalten wurde. Ein schnell her- beigerufener Arzt leistete sofort die erforderliche Hilfe. Poltzei-Bericht. Am 1. d. M., Nachmittags, gerieth der 11 Jahre alte Sohn des Postbeamten Haseloff vor dem Hause Louisenstt. 43 unter die Pferde einer Equipage und erlitt da- bei durch einen Hustritt einen Bruch des linken Unterarms.— Zu derselben Zeit wollte der obdachlose Ardeiter Dehn das Neländer der Herkulesbrückt übersteigen, fiel hierbei herunter und erlitt so schwere Verletzungen, daß er mittels Droschke nach dem St. Hedwigs- Krankenhause gebracht werden mußte. — Am Abend desselben Tages wurde hinter dem Denkmal auf dem Kreuzberge ein unbekannter Knabe im Alter von etwa 12 bis 13 Jahren krank und sprachlos aufgefunden und demnächst nach der Charitee gebracht.— Am 1. d. M. fanden mehrere Brände statt, und zwar Vormittags in der Pallisadenstr. 16, woselbst der Fußboden und die Balkenlage unter einer Koch- Maschine in Brand gerathen wrren, Nachmittags in der Königin« Augustastr. 7, woselbst Hobelspähne in einem Keller brannten. Verde Brände wurden nach kurzer Zeit gelöscht. Arbeiterbewegung. Vereine«nä Versammlungen. In Betreff der Behauptung des Rechtsanwalt Cassel, Eugen Richter habe die Äeußeruna:„die jetzige Lohnbewegung fei nur soziales Wahlbewegungs-Manöver" nicht gethan, und wenn eS auch in allen Zeitungen stände, so wäre es doch nicht wahr, wird uns mitgetheilt, daß während der betreffenden Rede Eugen Richters Herr Cassel dirett neben ihm saß, und dieselbe von Anfang bis zu Ende mit angehört hat. Rechtsanwalt Cassel war der erste Redner, er schloß mit einer Lobhudelei auf den Rufer im Streit, auf den Vorkämpfer für Wahrheit, Frei- heit und Recht, den großen Eugen Richter. Derselbe ergriff nach ihm das Wort, um die biederen Zuhörer graulich zu machen, und Rechtsanwalt Cassel hörte andächtig zu. Wenn derselbe jetzt behauptet, Richter habe diese Äeußerung nicht gethan, so weiß man ja, was man davon zu halten hat. Im Fachverein der Schmiede, welcher in seinem Ver« einSIokal, Gratweil'S Bierhallen, tagte, sprach am Montag Abend der Naturarzt Herr Kanitz in 1'j, stündiger Rede über Naturbeilkunde und ihren Werth. Redner giebt eine auSführ- liche Darstellung der Organismen des menschlichen KörperS und ihrer Funktionen, und geht dann auf die Ursachen der verschiedenen Krankheilserscheinungen eiw Referent geißelt in scharfer Weise die moderne Heilrunst der Allopathie, welche dem Körper wehr zum Schaden als zum Vorthcil fei, und nennt den Erfinder der Homöopathie, Herrn Hahnemann, als den Ersten, welcher die Medizin über Bord warf und eine strenge Diät einführte; doch auch die Homöopathie halte das nicht, was man von ihr erwartete, und erst einem schlichten Bauer in Sachsen(PrieSner, 1825) war es vorbehalten, den besten Arzt ausfindig zu machen, den Arzt, der in uns wohnt, genannt Lebenskraft. Die Naturheilmetbode bringe nicht« in den Körper hinein, was nicht hinein gehört; ihre Mittel find: Essen, Licht, Waffer, Luft, Ruhe, Bewegung, welche in den richtigen Formen angewendet, daS fichcrfte und zugleich bil- ligste Heilverfahren bilden. Redner zeigt sodann speziell an Scharlach und Typhus die Anwendung dieser Mittel und ver- weist auf den Reichskanzler, welcher noch jahrelangen Me« dizinkuren der größten Autoritäten, durch das Natuv- heilfahren(Echwenninger) gesund sei und spricht die Heber» zeugung aus, daß der Naturheilkunde die Zukunft gehört. Hr. Tobler kritifirte sodann in ca.'/,-stündiger Rede das Verfahre» mancher Aerzte und stützt fich dabei auf seine Erfahrungen im Krankenkassenwesen, doch spricht er schließlich die Befürchtung aus, daß fich wohl nicht viel dagegen werde machen lassen. Tagegen ist Herr Drewitz der Meinung, daß fich das sehr bald zeigen würde, wenn alle Arbeiter, welche doch die Mehrheit der Bevölkerung bilden, fich den freien HilfSkassen anschließen wür« den, wo Jeder fich kuriren lassen könne, von wem er wolle, dann würde man bald daS Bessere herausfinden. Punkt 2 der Tagesordnung wurde auf Antrag des Herrn Tobler nach der Wahl des ersten Delegirten, der vorgerückten Zeit wegen, ver« tagt. Bei Verschiedenes wurde beschlossen, für den am 15, d- Oktober für die Mitglieder des Vereins beginnenden KurfuS im Schönschreiben bei der nächsten Versammlungsanzeige be« sonders aufmerklam zu machen. Der Vorfitzende> heilte mit. daß die erste Generalversammlung am 13. Oktober stattfindet und daß zu dieser nur Mitglieder resp. solche Kollegen, die fich �lerch�einschreiben laffen. Zutritt haben. Schluß um 12 Uhr �Zentral.Kranken- und Begräbnißkaffe der Sattler und Berufsgenossen. Den Mitglievem zur Nachricht, daß Bei- träge bei folgenden Zahlstellen entgegengenommen werden: Mehlert bei Kubitz. Epreestr. 12; Bertrand bei Brusta, Br». kowerstr. 9; Schappeau, in Firma Marx. Neue Jakobstt. 10; Schwarz. Müllerstr. la• Ertelt, Friedrichstr. 105 b, III; Heinze, Zionskirchstr. 34, U; Schulz, Tredbinerstr. 14. Sonnabends von 7-9 Abends. Die Geschäftsstunden deS Ortskasstrers Wirtbs find täglich von 7—9 Abends und Sonntags von 9 bis 12 Ubr Vormittags. Möckernstr. 110, Hof III. Nächste Mitglieder- Versemmlung Mittwoch, den 8. Ottober, in Grat» weil's Bierhallen. Kommandantenstraße 77—79. Die Tages- ordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Dort werden die Quittungsbücher ausgegeben, auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Verein der Buchdrucker und Schriftgteßer hielt am 1. Oktober seine regelmäßige Sitzung ab.»jum ersten WWZZZ regewngs-Unterstüvung. Dre Versammlung_ beschloß ferner *11 1U neu Uli V V IV•••%'•»»»v I—»-----,,,, I-• srif. a frV n V.-------- VV|U)CUH ICH IU Geschäftslaffe zu erheben und unter diese sodann zu vertheilen.> zu Ehren des Vorfitzenden des Unterstützungs-Vereins Deutscher Buckdrucker, Herrn Franz Sulz, welcker sich einige Tage in Berlin aufhalten wird, am 11. d. M. einen Herren- Kommers abzuhalten und wurde der Vorstand mit dem dazu nöthigen Arrangement betraut.— Ein Antrag, die Unter- stii Hungen nack§ 2(Maßregelungsuntersliitzung) gelangen vor Genehmigung des Hauptvorstandes nickt zur Auszahlung, wurde abgelehnt. Einem Sckriftgicßerinvalieden aus Lstenbach, der sick in Folge langwieriger Krankheit in höchst mißlicher Lage befindet, wurden 50 M. bewilligt.— Ferner brachte der Borstand zur Kenntniß der Vcrsoinmlung, daß die Druckerei von Grunert für Vereins- Mitglieder voltständig geschloffen ist und zieht ein Arbeiten in jener Druckerei sofort den Ausschluß nach fick. Genannter Prinzipal konnte fick nicht entschließen, seinen Setzern die ihnen zukommende Vesperpause zu bewilligen und legten diescrhalb die Mitglieder die Arbeit nieder. Ferner stand auf der Tages Ordnung: Festsetzung des Gehaltes für den Verwalter pro 1885; die Versammlung beschloß, das Salair in derselben Höhe zu belaflen.— Der Fragekasten enthielt nichts von Bedeutung.— Am Sonntag den 5. d. M- findet in der Philharmonie eine große Matinee statt. Der Reinertrag ist zu einem wohlthätigen Zweck bestimmt. Laut Veschluh der letzten Mitglieder-Versammlung der Kranken- und Sterbekasse der Tischlr it. ist für den (Frankfurter Thor-Bezirk) eine dritte Zahlstelle errichtet war- den und zwar Lichtenbcrgcrstr- 17 bei Weck, Parterre-Lokal- Den Mitgliedern der Central-Kranken- und Sterbe- Kasse der Tischler u. s. w., Oertliche Verwaltungsstelle Berlin B.(Innere Louisenstadt) wiid hiermit bekannt gemacht, daß vom 1. Oktober an Herr G. Koppen, Gitschinerstr. 58, II., den Posten als Ortskasfirer angetreten hat. Derselbe ist für Kranke Abends von 8—9 Uhr und Sonntag Vormittag von 9-11 Fhr zu sprechen. Desgleichen werden vom 1. Oktober ab die Beiträge nur noch in folgenden Lokalen entgeaenge- nommen: Admiralstraßc 26 bei Achsel, Gitschinerstraße 51 bei Jungnitsch, Prinzenstraße 96 bei Runge, Neue Jakobstraße 12 bei Grund, Sonnabends Abends von 8—10 Uhr. Auch wer- den neue Mitglieder dort aufgenommen. Der Fachverein der Gürtler und Berufsgenossen hält am Sonntag Vormittag 10'|, Uhr. Adalbertstr. 21 bei Otto eine Versammlung ab. T.-O.: Vortrag, Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Sämmtliche Nadler, Stebmacher und Verufsgenossen werden hiermit zu der am Sonnabend, den 4. Oktober Abends 8'/, Uhr stattfindenden öffentlichen Versammlung, Kommandan- tenstraße 20, Arminhallen, eingeladen. PermisMes. Sin höchst empfehlenSwerther Beamter war derjenige, den man vor einiger Zeit auf Bitten eines der Reffortchefs in Taschkent von Petersburg auS nach Turkestan gesandt hat. In dem betteffendcn Reffort sollen nämlich nur Leute mit„höchster Bildung" angestellt werden. Die Wahl der Zentralbehörde fällt nun auf den jungen X., der, mit Reise- und Diätengeldern wohl versorgt, vor etwa 3 bis 4 Monaten nach dem Ort der Bestimmung abreiste. Dann ward nichts weiter von ihm ge- hört, bis kürzlich von dem turkestanschen Ressortchef nachstehen- der drastische Rapport in Petersburg eintraf:„Der Beamte£ ist rechtzeitig in Taschkent eingettoffen. hat aber seinen Dienst nicht angetreten. Eingezogene Erkundigungen ergaben, daß 3£. aus Petersburg betrunken abreiste, daß er auf der ganzen Reise bettunken war, in Taschkent betrunken ankam, hier einen ganzen Monat hindurch trank und dann an Trunkenheit starb. Ich bitte, einen neuen zu senden." Wie weit oft die Härte der Herrschaft gegen ihre Dienstboten geht, beweist der nachfolgende Fall. Ein Knecht des Besitzers Z. zu Honigfelde hatte eine Ungehörigkeit im Dienste begangen. Hierüber war der Brotherr so ergrimmt, daß er ihm mittels eines scharfen Instrumentes einen schweren Schädelbruch und gefährliche Verletzungen am Halse beibrachte. Die Ueberführung des Verwundeien in das Kreislazareth ist dieser Tage erfolgt, und ist es sehr fraglich, ob der beklagens- werlhe Mann dem Leben wird erhallen bleiben. Ob der dru- tale Herr vcrbaflct ist, davon verlautet nichts. Schiffsverkehr durch den Suezkanal. Im Jahre 1883 pasfirlen 3307 echtste den Suezkanal, und zwar 2537 englische, 272 ftanzöstiche, 124 niederländische, 123 deutsche und 251 österreichische, italienische, spanische k. Auffallend ist die Zu- nähme des deutschen Verkehrs; 1881 passirtcn nur 45 und 1882 100 deutsche Schiffe den Kanal. Deutschland nimmt jetzt die vierte Stelle ein, während es in der Zeit vom 1. Januar 1370 bis 31. Dezember 1883 erst an sechster Stelle kommt. Jena. An der Chaussee zwischen Weimar und Erfurt fand man dieser Tage die Leiche eines ganz alten, ärmlich gekleideten Mannes. Dieselbe wurde in die hiesige Klinik gebracht und dort bei der Obduktion festgestellt, daß der Man«- thatsächlich verhungert war. Krieskasten äer Keäaktion. E. H. Adlerstr, Nein. S. ilinonyme ZusendungenTbet sichtigen wir überhauptr.'.cht- 91 10(10. Nattirlich sind Sie wahlberechligt. Wenn Jbne» nach erfolgter Legitimation noch Schwierigkeiten in den Weß gelegt werven sollten, wenden Sie sich deschwcrdeführind an den Magistrat. C B- Nr. 13. ad II. Wenn Sie aufgenommen werden, weßhalb nicht? Frage an unsere geschätzten Abonnenten-_ Wo befindet sich im Osten eine Aufnahmestelle für die Eingeschriebene Hilfskasse der Gärtner Berlins? 1. Klasse 171. Königs. Preuß. Lotterie. Ziehung«om S. Cctoter 1884. »iir die Gewinne iiber«u Mark sind den betreffenden Nummern In Parenthese beigefügt. e2 238 0.5 97[1 2"! 333 413 24 61[90] 83 84 525 72 631°� 39 65 68[90] 907 28 44 69 Theater. Freitag: Königliches Overnhaus: 192. Vorstellung. Jessonda. Freitag: Konigltches Schauspielliaus: 195. Vorstellung. Die Braut von Mesfina._ Deutsches Theater: Freitag: Tie Welt, in der man sich langweilt._ Belleallianee-THeater: Freitag: Die Goldprobe. Lebensbild in 5 Aken von Äuglet _ und Sandeau.___ Neues Friedrich- WUHelmstädttsche» Theater: Freitag: Gasparone._ Wallialla-Lperetten-Theater: Frettag: Rofina._ Eentral-Theater: Alte Jakobstraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Freitag: Zum 64. Male: Jäger- Liebchen. Gesangspoffe tn 4 Akten von L. Treptow; Couplets u. Quodlibets v. G Görß. Mufik von G. Steffens. Kassen- Eröffnung 5'/, Uhr, Anfang der Vorstellung 7'/, Uhr. Morgen: _ Tieselbe VoistcUung._ vftend-Theater: Frettag: Gastspiel deS Herrn Fliegener. Das Kreuz im Walde. Mittwoch und folgende Tage: Dieselbe Vor« stellung._ Biktoria-Theater. Freitag: Miß Sara Sampson._ Residenz-Theater: Direktion: A. Anno, Blumenstraße 9. Freitag: Zum 21. Male: Die Sirene.(La Flam- boyante.) Vorher, zum 20. Male: Der erste April. Louisenstädtische» Theater: Direktion: Jcses Firmans. Freitag: 18. Gesammt- Gastspiel der Liliputaner. Robert und Bertram. Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Abtheilungen von&■ Räder. Anfang 7'/, Uhr. Sonnabend, den 4. Oktober, Nachmittags 2 Uhr: E r st e Kindei-Vor stellung zu ermäßigten Preisen: Sneewittchen und die Zwerge. Ermäßigte Preise. Wallner-Thcater: Freitag: Der Raub der Sadinerinnen. Alhimtri-ThGiter. Wallner-Theaterftr. Nr. 15. Frettag, den 3. Ottober 1884. Zum 4. Male: Ein Geheimniß von Berlin. Posse mit Gesang in 3 Akten. Entts 30 Pfg. Parquet 50 Pfg. Anfang 7'/. Uhr. __JMoigen2_&We[beJ8oTft(iau� i. Prüfers Mestauralion Elisabethufer 16 und 17, empfiehlt neben guten Getränken einen kräftigen bürgerlichen Mittags- und Abendtisch, sowie warme Speisen zu jeder Tageszeit.„Berliner Volksdlatl" liegt aus.[929 Zur pünktlichen Besorgung sämmllicher Zeitungen und Journale empfiehtt sich die Spedition von 916 6L Bohu, Frankfurier Alle« 135. Ardettsmsrkt. Zwei Frauen zum Zeitungstragcn verlangt 921]_ W. I w anv ky, Manteuffelstr. 34, 3 Tr. Ein Hausdiener, der Miltagstisch bedienen und Bier ab- ziehen kann, findet sofort Stellung Skaiitzerstraße Nr. 18 bei Stramm._[928 Ein Klavieisvieler, der etwas fingen kann, wird verlangt. Zu erst. Zimmerstr. 48.___[923 Die Zahlstelle des Fachvereins der Gürtler und Berufsgenossen ist Montag, Abends von 7'/,— 9 Uhr, bei L. F e l l n c r, Ritter- unv Pnnzenstcaßen-Ecke.[845 Generalversammlung der Mitglieder der Zimmergesellen- Kranken-, Sterbe- und Invaliden- Unterstützungs-Kasse Sonntag, den 5. Okiobsr, Vormittags 10 Uhr, im Lokale „Iiönig|löclti|(fic8 Kasino", Eingang Holzmarktstr. 72 (oberer Saal). Tages-Ordnung: Vorlage deS revidirten Statuts der OrtSkranlen-»c. Kasse deS Zimmerer- Gewerbes zu Berlin zur Bcschluhfassung. . rr.-''ur Ligen Vorzeigung deS Ouitlungsduches oder lon- ttolliitenSialutenbuches ist der Eintritt gestattet. Das Kassenlokal ist an diesem Tage nur von 7— 81- Uhr Vormittags geöffnet. 927 Der vorstand. __ I. A.: Mtnx. Fachverein der Tischler. 930 Sonnabend den 4. Oktober. Abends ein halb 9 Uhr. in Jordan'S Salon. Neue Grünstraße 28: Außerordentliche Keneral- Ferjammlung. Tages-Ordnung: 1. Ersatzwahl der ArbeitervermtttelungS- Kommrjfton und des Vergnügungs-Komilees. 2. Wichlige Vereineangelegenheiten. Das Ouittungebuch legitimirt. General-Versammlung der Maurer Berlins und Umgegend. Ida 32. Bi t« eine andere Adresse einzusenden. 19Zl ' 6. H. Versammlung. des 0 Fachvereins d. Gürtler n. Berufsgen## am Sonntag, den 5. Oktbr., Vorm 10'|, Uhr, bei Otto, bcrtstr. 21. T.-O.: Vortrag, Verschiedenes, Fragelosten. nähme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Der Vorst?�' Verei ns- Vc rsam in I ii n ff der llaiiansclililffcr Ilerlin8«� Sonntag, den 5. Okiober, Vorm. 10 Uhr, im Lola Herrn Pceuß, Oranicnstr. 51. Tages-Ordnung: 1. Die Konsequenz unserer Bewegung. Referent Herr Niemann. 2. Rechte für Rechtsschutz. 92-1 D.. Verein zur Wahrung der Jntcrcss� der Korbmacher Berlins und Umgegend. Eonnabeud, den 4. Ottober 1884, Abends# W' #1�1 r. O— lO m der Nranttl Stiftungsfest verbunden mit Konzert unv Thealer. K«aw BilletS ä 30 Pf. find zu baden bei den Herren: E � Prinzenstr. 46; G. Mißner, Walvemarflr. 14; V3' Weißendurgerstraße 80; H. Elcinike, Landsbergersttav° H. Grellen. Langestr. 92. M&y __ Der Vorsi!� � Arbeiterbezirksverein der Orauienbulj' Vorstadt und des Wedding. Versammlung.,4 Montag den 6. Ottober. Abends 8 Uhr. im Lokal> Park. Tagesordnung: 1. VoNraa des Herrn# rt werden. Sonntag, den 5. d. M.,.. Gemüthliches BeimmmenselU im Wedding-Park. Fünfter Neichstags-Wa hlk Sonnabend, den 4. Oktober, Abends 3 Uhr,'u* rant Kügler. Rosenlhalerstraße 11— 12 Vortrag Ballmüller. Sonntag, den 5. Oktober, Vorm. 10 Übt rw x "und, Lmienstr. 8. T.-O-: Hat Herr Eugen Die Lohnbewegung der Arbeiter Bezughaben� � Methan oder nicht? Zur Beantwortung vicser iW1 Siemund. auf die Lerantwortticher Revooreur«. Vroutzerm w Bertm. Durck m.» Ben« v«. Bairn SW..«tuchjttazc i. iugcn Richter, welcher schriftlich eingeladen ist-. des Herrn Laske.______ F«"nC'n und Bekannten empfehle für das„Beil. Volksvlatt" uns alle ardeiiettreun �gr- und Zeilschriften.»W. Jwantsky- Man! Herz» Leiillge M SeMer Volksblatt. Rr. 155. Freitag, de» 3. Oktober 1884. 1. Jahrgaug. Äus Aüd-ÄftiKa. dt» � � nicht recht klar, od sich das gemeldete Gerücht, daß W..«r?burg, den Hauptort von Stellaland, gmommen °uf eine Annexion seitens der transvaalischer Beamten »n. a>'° � nur darauf, daß die Republik Stellaland definitiv �..J�nexionspläne seitens Englands und der Kapkolonie de« m«?L. m®t�0n in den letzten Postberichten aus Stellaland L?.7- Pryburg ist dm Boerm übergeben worden, worunter Fall die Anhänger des Herrn van Niekerk zu ver- «nn!." war und ist noch nicht leicht, von den Vor- 1 itn in Betschuanaland fich eine genaue Vorstellung zu «i. njeil die Verbindung dorthin noch sehr viel zu wünschm «ah®"nd weil es eigentlich in Stellaland drei Parteien », von denen eine jede andere Nachrichten nach der Außen- SUiJ?. 8cn iieß, abgesehen von den oft nickt verlässtgen in l' zufällig anwesender Reisender, deren Mittheilungen ?"�Ksten Telegraphmstationm Kimberley und Barkly dem Draht übergeben werden. Wir wollen im Folgen- tinn die neueren Vorgänge, die wohl zu der Absorb' Stellaland durch Transvaal führen werden oder schon «eluhrt haben, einigermaßen klarlegm. Zk»..,?? den drei Parteirichtungen in Etellaland war schon ieni?. Rede. In Vrqburg dominirte der Einfluß der- an.?,.? �"ie. die fich am liebsten von der Kapkolonie hätten ffini i, ie v- Qffen: e® Ahlten zu den Anhängern dieser Richtung zu- des � 5� Kaufleutc, weil sie für ihren Hanvel die hohen Zölle fie fürchteten; es kann ja auch nichtgeleugnet werden, daß Ben».""'Rechtewaren. Diese Partei hatte in Vryburg einige »»>>>- ernannt. Der vormalige Präfident van Niekerk best«, eigentliche„Regierungs Bureau" befanden fich in- lifrfi. mn,.e'nem anderen, Hartsrioer genannten Ort. Die eng- vIm wiederum, die unter Major Lowe schließlich kom- geworden sein soll, hatte ihr Hauptquartier in dem alten ied-T k ttUnßä' der übrigens auch am Hart Fluß liegt und auf An«-> ss�in Karte von Südafrika leicht gefunden werden kann. dm«"ßs kam seiner Zeit Mackenzie nach Vryburg, um Him« su englische Fahne aufzubissen; eoendorthin ging Lieute- j�.'�7?awer, der übrigens selbst, wie fich jetzt herausstellt, den bi-i»?"®eotty Shmith, der es mit den Engländem noch hg-«''"der fie zu sehr kompromittirte, durch Major Lowe ver- «orfÜ Ruch sonst zeigte er fich gegen die Boern sehr zu- doT*?, �' ging aus alle ihre Wünsche ein und erklärte sich m.J; krnverstanven, daß an Stelle der britischm Flagge in Trnn!ß wieder die Flagge von Stellaland aufgezogen wurde. Zugeständnisse, die immerhin ein britisches„Pro- w.?..über Stellaland nickt ausgeschloffen hätten, soll er bei Asl>f( h"t der betreffenden Unterredung, die in Losasa unter nz von 400 Boem stattfand, so msultirt worden sein, Trn.f! eö"vizog, mit Mr. Rbodcs, dem Aehnliches am Rooh war, den Staub Bctschuanalandes wieder von Eutzen zu schütteln. Die kleine englische Polizeimacht un- An.?, ior Lowe machte unterdeffen auf einige marodirende nicht" i� e �'(h gestohlen haben sollten, Jagd, holte fie aber bäu��rerseits verlangen die Boem gestohlenes Vieh vom lina' if?0 Riankoroane zurück, welcher em englischer„Schütz- lein.»' nber davon so wenig haben wird, wie Montfioa. Zu e�.und Englands Anhängern im Betschuanaland zählen vwits?'" Anzahl Leute, denen er Farmen versprochen hat. Die Polizei, welche den Boern gegmüber machtlos ist, au»""'bei Abgangder Post nach Taungs zurückgezogen, wohin °ndere Anhänger der englischen Herrschaft geflüchtet damit war eigentlich Vryburg den Boern schon dem sui™- Den transvaalischm General Joubert, mit dem schn.Rdodes zusammentreffen sollte, um die Angelegenheit Bet- wob?-u"bs zu ordnen, bat letzterer gar nicht gesprochen, ob- häi«. L Joubert noch einen Boten nachsenden ließ. Was wobt?- biese Unterredung nützen sollen? Rhodes sah sehr »irbts' baß er gegen den Einfluß der Transvaal-Republik am m wachen konnte Schon vor der Ankunft des Mr. RhodeS fcl �°orGrond soll der dort in der Nähe gewesene Joubert lönn. grsagt haben: als General der Transvaal-Armee er bi.�e'bnen keinen Rath geben, aber als„Afrikaner" rathe IdJ/' �"B'änder aus Betschuanaland zu vertreiben. DieS ge- Ätm.?°brend der letzten Scharmützel zwischen den Boem und � ftoa, die zu dessen Unterwerfung führten. Rhades ver- „Sie ist alt." Ä.ei'nez®jt fich gut mit der Dame unterhalten?" fragte *****«nen Herm, der mir erzählte, er sei der einer berühmtm, geistvollen Schauspielerin nta«"*'®' fie ist alt!" war die Antwort, ento.�? ballen, dem mich darob K Sur/;?f 0,1 boffen und ich konnte mrch verblüfft Anschauenden zu wir alle zu werden, das ist MKMM d-Sfe- S-MW M--- K-ÄÄ« Eq ist. nut gebUdet, liebmSwürdig, geistvoll und ltoh®en und'nr*"fiällige und dem männlichen Geschlechte im vioÄ' baß.# y"'cht gerade zur Ehre gereichende Erschei- Ij,*cht, wen». Frauen eine Art von Vorwurf daraus Ulm?"Nb alt bfm Schicksal alles Geschaffenen unter. ' alt werden...Sie ist alt!" Mit dieser Redensart langte für Montfioa einen Waffenstillstand von 14 Tagen, die Boern wollten aber nur 24 Stunden bewilligen. Für Deutsch- land ist noch bemerkenswerth der Schluß einer Privatdepesche des„Cape-Argus" aus Taungs via Kimberley vom 1. September, in welcher es heißt:„Sollte Stellalavd definitiv als Republik übergeben werden, so werden die Boern das Land bis Kumman(ein auch an der Handelsroute gelegener, schon etwas europäistrter Platz) beanspruchen; und die Grenzlinie, die fie bestimmt haben, schließt Maroquin ein, so daß das deutsche Territorium von Angra Pequena schon an das Boer- Territorium herankommen kann, da fie beide unter demselben Brcitegrade liegen." In der That kann die Cap-Kolonie jetzt schon als adge- schnitten gelten, wenn England keinen neuen Krieg mit Trans- vaal anfangen will, was sehr unwahrscheinlich ist. Ueber das Gefecht am Rooi-Grond liegt noch eine aus- ausführliche Erzählung in einer Kimberley-Zeitung vor, der man Vertrauen schenken darf. Darnach war Vethel schwer ver- wundet und bewußtlos, als ihm die Boern wie allen Ver- mündeten den Gnadenstoß gaben. Das Gefecht war außer- ordentlich erbittert gewesen, es war zum Handgemenge gekom- men, und man kämpfte mit dem Gewehrkolben bis Sonnen- Untergang. Gegen 250 Schwarze wurden tovt auf dem Schlacht- felde gefunden, auch Montfio's ältester Sohn fand den Tod. Dagegen scheint der Verlust der Boern übertrieben worden zu sein; es fielen nach diesem Bericht fünf, und sechs wurden schwer verwundet. Einer wurde von den Schwarzen gefangen genommen und buchstäblich in Stücke gehauen. Wenn die Boern, wie das letzte Telegramm besagte,„im Interesse der Humanität in Vryburg eingerückt find, so wird hoffent- lich ein Ende dieser scheußlichen Kämpfe gekommen sein, denn eine förmliche Regierung könnte solche Zu- stände nicht zugeben. Unter fich sollen jene Boern gute Zucht halten, aber der Viehdiebstahl wird in großem Maße betrieben. Am Rooi-Grond waren zuletzt etwa 450 Weiße, davon 16 Engländer. Ihr Führer ist Nikolas Gey van Pit- tiers, ein wohlerzogener Mann aus einer guten holländischen Familie.„Das Land selbst," schließt jener Berichterstatter, „gehört zu den schönsten in Südafrika und ist ganz außer- ordentlich gut zu Ackerbau und Weidezwecken geeignet; die Stadt(Montfioa'S Stadt ist gemeint) ist„splendid" gelegen und ein nie verfiegendes Flüßchen fließt hindurch."— Im Ganzen sollen aus dem Lande Goschen zweitausend Farmen „allotirt" werden. Während so die Dinge im Norden der Kolonie hoffentlich definitiv geordnet find, drohen neue Verwickelungen im Transkei, welches das Cap-Parlament unlängst so unvorfichtig annektirte. Nach den Pondos beschweren fich hierüber deren Nachbarn, die Tembus und geben ihren Klagen über die Kap- Kolonie in Eingaben an das englische Unterhaus und die englische Gesellschaft zum Schutze der Eingeborenen Ausdruck. Man sollte in der Thal die transkeiischen Völlerschaften mög- lichst fich selbst überlassen, aus Gründen der Billigkeit wie der Klugheit. Das ganze Land kann als eine große„Reserve" betrachtet werden, wo fich die aus anderen Gegenden ver- triebenen Schwarzen gesammelt haben, und wo man fie so wenig wie möglich stören sollte. Aber einige weiße Farmer in Tembuland scheinen Lust zu haben, wegen der Vieh- diebstähle mit den Tembus anzubinden, gerade wo diese ohne- hin gereizt finv. Präfident Brand deS Oranje-Freistaates schrieb unterm 31. Juli nochmals offiziell an Oberst Clarke in Basutoland, daß dessen Offiziere und Polizisten nicht ausreichend seien, die Ruhe im Ernstfälle aufrecht zu erhalten. Der Import der Kap-Kolonie im 2. Quartal 1884 betrug Lstrlg. 1,228,579 aegen Lstrlg. 1,424,017'm entsprechenden Quartal des Vorjahrs. Der Export betrug Lstrlg. 1,706,565, resp. Lstrlg. 1,771,485. Die Abnahme des Imports bezieht fich auf alle Artikel des gewöhnlichen Konsums, besonders aber auf Spirituosen und Tabak. In große Ausgaben darf fich die Kap-Kolonie unter solchen Verhältnissen nicht stürzen und fie darf keine Kriege führen, zumal England, wenn es mrt seinen Soldaten aushilft, dies nur thut. wenn die Kolonie die Halste der Kosten für die Unterhaltung der Rothröcke bezahlt. wenden wird? Fühlst Du nicht, welch' einen niedrigen Ursprung die Dir gezollten Aufmerksamkeiten haben? Man betrachtet Dich als provisorisches Spielzeug der oberflächlichsten Art. Wärest Du klug, so ließest Du den seichten Herm das Un- paffende seines Betragens fühlen und thätest nicht, als sei mit jener Aeußening über die Andere Dir etwas Angenehmes ge- sagt. Oder irre ich mich? Pflegen junge Damen dergleichen nie zu thun? Handelt es fich um Liebe und Ehe, so finde ich eS nicht nur berechtigt, sondem nothwendig, wenn das Alter einer Frau in Betracht gezogen wird. Spricht ein junger Mann, dem man zumuthet, eine für seine Jahre nicht paffmde Lebensgefährtin zu wählen:„Sie ist alt!", so kann man ihm nur beipflichten, ja ich selbst würde die Worte als Wamungsnxs erheben, sähe ich einen Mann, der mir nahe steht, im Begriffe, ein Mädchm zu Heirathen, das viel älter ist, als er selbst. Ebenso entrüstet würde ich aber ausrufen„Er ist alt!", sähe ich ein junges Mävchen einem Manne vermählen, der ihr Vater oder gar ihr Großvater sein könnte; denn ich halte eine solche Verbindung, mag man auch noch so viel zu ihren Gunsten anführen, für ebenso unpassend. Dagegen verstehe ich nickt, warum man, wenn man eine Jungfrau in vorgerücktem Alter oder einer Wsttwe zu einer Ehe mit einem Manne schreiten steht, dessen Alter dem ihrigen entspricht, daS tadelnde Geschrei erhebt:„Sie ist-alt!" oder„in ihrem Aller", oder„Alter schützt vor Thorheit nicht." Man predigt ja heutzutage der Jugend, die sogenannte Vernunftheirath sei die einzig richtige und glückverheißende; weshalb verdenkt man fie denn Leuten, von Venen man der Sachlage nach nicht mehr annehmen kann, daß fie fich noch mll heißen Herzensregungen in Unkosten setzen werden? Mit dem wirklichm Alter, in welchem fich die Lebensbahn abwärts neigt und die Arbeitskraft des Menschen abnimmt, hat das„Sie ist alt!", mit dem wir es hier zu thun haben, gar nichts gemein. Die Herren haben die Güte, diese Bezeichnung zumeist auf Frauen anzuwenden, welche in den Jahren stehen, die fie für fich selbst als die besten und kräftigsten bezeichnen, in denen fie meinen, fich auf der Höhe ihres Wirkens und Schaffens zu definden. Der Ausdruck wird von der Frau ge« braucht, hinter welcher die Jahre der ersten Jugenddlüthe Iit0e$a8 Urtheil ist kein ganz ungerechtfertigtes, sobald eine über die erste Jugend hinauSgereifte Frau daS leichte, an- muthvolle, naive Wesen deS jungen Mädchens noch bei« In der Armen-Direktion fand vor einigen Tagen die Bestätigung des Tadleaus der neuen Armen-KommisstonSbe« zirke durch das Plenum statt. Die neue Vcrtheiiung schließt stch im Wesentlichen genau an die Bezirkseintheilung an, die mit dem 1. k Mts. ins Leben tritt. In der Regel werden mehrere Stadtbezirke einen Armmkommissionsbezirk bilden, nur in 3 Fällen war es nothwendig. Stadtbezirke zu theilen, well die lokalen Verhältniffe einen andern Ausweg nicht gestatteten. — Gleichzeitig erklärte fich die Armenkommisston damit einver- standen, daß die neuen Armenkommisfionsbeztrke mit dem 1. April 1885 ins Leben treten und daß mit diesem Zeitpunkt auch sämmtliche bisherige Armenarztbezirke aufhören. Um die Armen- ärzte auf die Neuorganisation vorzubereiten, wird ihnen sämmt- lich noch vor dem 1 Oktober 1884 zum 31. März 1885 gekündigt werden. Das in den verbindlichsten Wendungen gehal- tene Schriftstück rechtfertigt und bedauert die Kündigung, spricht den Armenärzten den Dank für die bisherigen treuen Dienste und die Hoffnung aus, daß fie auch unter der veränderten Re- organisation wieder ihre Stellen übernehmen werden. Um den Herren Aerzten diesen Entschluß zu erleichtern, soll der Ueber« flchtsplan der Armenarztbezirke, welche in jedem Fall mehrere Armenkommisfionsbezirke umfassen, bereits im Laufe des Ok» tobers zur öffentlichen Kenntnißnahme ausgelegt werden. Auch wir können nur den Wunsch hegen, daß die bisherigen Armen- ärzte auch vom 1. April k. I. ab dem städtischen Dienste treu bleiben. Ueber die Berliner Kanalisation spricht fich der Be- rickt über die Gemeindeverwaltung in den Jahren 1877—1881 folgendermaßen aus: Eine bedeutende Thätigkeit wurde auf dem Gebiete der Kanalisation und der Rieselfelder entwickelt. Während ursprünglich nur der Bau eines RadialsystemS be« schloffen war, sahen fich die Kommunalbehörden schon Ende 1876 genöthigt, den Bau sämmtlicher süuf Radialsysteme deS Innern der Stadt zu beschließen. Bald folgten die Systeme 6 und 7 nach. Wie bedeutend die Bauthätigkeit war, geht daraus hervor, daß Ende 1876 in den Radialsystemen 1—5 8266 Meter gemauerte Kanäle und 30401 Meter Thonrohr- leitungcn, am Ende des Jahres 1878 aber 85 102 Meter gemauerte Kanäle und 290 337 Meter Thonrohrleitungen vorhanden waren. Für die öffentliche Gesundheitsvflege war die Kanalisation von großer Bedeutung. Es ist statistisch erwiesen, daß Typbus und andere epidemische Krankheiten, welche Haupt- sächlich ihren Grund in der durch ungenügende Beseitigung der Adfuhrstoffe verpesteten Luft haben, in den Stadttheilen, in denen die Kanalisation durchgeführt ist, bedeutend nackge» lassen haben. Eine weitere für die öffentliche Gesundheitspflege wichtige Einrichtung ist der Schlachtzwang auf dem Viehhofe nebst der mit diesem verbundenen Fleiswschau u. a. m. Die Armen- Verwaltung dehandelt der Bericht in drei größeren Abschnitten. Einmal bespricht er im Allgemeinen die Organi- sation und die Kosten der gesammten Armen- Verwaltung. Dann folgt die offene gesetzliche Armenpflege, d. h. die« jenige, welche fich mit der Unterstützung hilfsbedürftiger Personen durch Gewährung von Geldmitteln, freier ärztlicher Behandlung in Krantheitsfällen, sowie fteier Medizin beschäftigt, und drittens die geschlossene Armenpflege, d. h. die BeHand« lung armer körperlich Kranker in den von der Stadt errichteten Krankenhäusern. Die zunehmende Zahl der Geisteskranken in der Bevölkerung Berlins hatte bereits im Jahre 1877 zum Bau der städtischen Irrenanstalt in Dalldorf und im Jahre 1880 zum Bau einer desonderen Jd ioten-Anstalt daselbst ge- führt. Der diese Anstalt behandelnde Abschnitt deS Ver« waltungsberichts veranschaulicht die Umstände, welche die Kommunalbehörden im Laufe der Zeit zum Bau dieser An- statt veranlaßt haben. Er setzt das Verhättniß der Etadtge« meinde zur königl. Charitee- Direktion in Bezug auf diese Kranken auseinander und giedt ein treues Bild des WirkenS der Dalldorfer Anstalt. Leider nimmt die Zahl der Geistes« kranken in Berlin derart zu. daß die Anstalt bereits im Jahre 1880 einen Bestand von 1039 Kranken hatte und im Jahre 1882 bereits 498 Kranke in Privat Anstalten unterge« bracht werden mußten. So find die Kommunalbehörden schon jetzt nach kaum vierjährigem Bestehen der Anstalt vor die Frage gestellt, in welcher Weise neue Lokalitäten zur Unter- dringung der Geisteskranken zu beschaffen find. Der Ab« zubehalten versucht, sobald fie fich noch kleidet, wie es ihren Jahren nicht mehr zukommt, sobald fie merken läßt, ihr Stteben sei darauf gerichtet, durch den Schein von äußeren Vorzügen, die fie eingebüßt, vielleicht auch nie besessen hat, zu täuschen. m,'st trotzdem alt!" wäre hier vielleicht ein gerechter Richtersmuch: rst aber Derjenige welcher ihn fällt, auch befugt dazu? Wre viele Manner haben wir doch, die noch de« Jugendlrchen spielen, wenn für fie längst die Tage herbei« gekommen find, von denen es beißt:„fie gefallen mir nickt!" Männer, welche fich für die Enkelin noch ebenso unwider» stehlich hatten, wie fie eS einst für die Großmutter zu sesti glaubten I „Sie ist alt!" Damit glaubt ein Tbeil der Männerwelt— und leider müssen wir eingestehen, ganz besonders der deutschen Männerwelt— jeder Rückficht gegen das andere Geschlecht über« hoben zu sein. Nun gehöre ick durchaus nicht zu denjenigen Frauen, die eine ansgesuchte Galanterie oder Ritterlichkeit gegen die Frauenwelt verlangen oder als etwas sehr WünschenswertheS erachtet. Ich halte es für viel empfehlenswerther, unsere heran« wachsende weibliche Jugend weniger zum„Anranken" zu erziehen, fie auf die eigenen Füße zu stellen, damit fie nicht bei jedem Anlaß schutzsuchend umherblicken muß. Ich nehme eS den Herren deshalb gar nicht übel, wenn fie auf Reisen, in Kon« zerten und an anderen öffentlichen Orten gute Plätze, die fie durch ihr Geld und ihr pünktliches Erscheinen erworben haben, nicht ohne Weiteres an zu spät kommende Damen abtreten Empörend ist es aber, wenn Herren stch zu solchen Artigkeiten nur dann veranlaßt sehen, wenn die Betreffende„jung" ist und fich auch nicht entblöden, älteren Frauen dies merken zu MUWW schnitt über daS Arbeitshaus und die beiden Asyle 51r Obdachlose schildert die Einrichtung und Verwaltung ieser Anstalten, von denen erstere eine Korrigendenanstau für profesfionsmäßige Bettler und Vagabunden ist, letz- terc beiden aber dazu dienen, obdachslosen Personen bei- derlei Geschlechts Unterkunst für die Nacht zu gewähren. Der nächste Abschnitt behandelt die Altersversorgungsanstalten, sowohl diejenigen, welche ans städtischen Mitteln erhalten werden, wie das Hospital im Arbeitshause für bescholtene Per- sonm und das Friedrich-Wilhelms-Hospital für arbestsunfähige unbescholtene Personen, als auch diejenigen, welche unter dem Protektorate der Stadt stehen. Anschließend an die Alters- Versorgungsanstalten enthält der nächste Abschnitt den Bericht über die Waisenverwaltung. Auch diese hat, wie alle übrigen Zweige der Verwaltung, eine erhöhte Thäligkeit der Kommu- nalbehördcn beansprucht, da auch die Zahl der Waisenkinder mit dem Wachsen der Stadt stetig, wenn glücklicher Weise nur in geringem Maße, zugenommen hat. Denn während im Jahre 1877 bei einer Einwohnerzahl von 1 008 290 3317 Waisenkinder vorhanden waren, war die Zahl derselben im Jahre 1881 bei einer Einwohnerzahl von 1 119702 nur auf 3596 Kinder gestiegen. Der Bericht schildert des Weiteren namentlich den Einfluß, den die Erziehung der Waisen auf diese in Bezug auf ihr weiteres Fortkommen und auf ihre ganze fittliche Haltung geübt hat. Die in dieser Beziehung erzielten Resultate können die Verwaltuno wohl befriedigen, da nur ein geringer Prozentsatz der aus t>c: Waisenpflege entlassenen Kinder die in fie gesetzten Erwau ngen nicht erfüllt hat. Der letzte Abschnitt behandelt die Armenbcgräbniffe. Der im Jahre 1881 eröffnete Gemeinde-Friedhof in Friedrichsfelbe hat eine Größe von 100 Morgen und wird vorauefichllich für viele Generationen ausreichen. g- Ei» Theil des Gerüstes, welches zur AuWbrung der Renovirungsarbeiten an den rechtsseitigen Königskolon- naden aufgeführt werden mußte, ist gestern fortgenommen worden und zeigt den altehrwürdigen Bau mit seinen schlanken Säulen wieder in ganz neuem Anstrich. Die ganze Kolonnade ist überstrichen; die Sandsteinskulpturen, mit denen der Bau reichlich versehen ist, find wegen der fehlerhasten Stellen sauber behauen bezw. ausgebessert worden, und so merkt jetzt das Auge nichts von den abgestoßenen Kanten und Theilen, welche früher die Sockel, Säulen und Figuren sehr verunzierten. Gegenwärtig ist man noch mit der Erneuerung einiger Decken- thcile der Kolonnade beschäftigt, nach deren in Kurzem erfol- gendcr Fertigstellung auch der übrige Theil des Gerüstes ver- schwinden wird. g. Die Zahl der Restaurationslokale am Alexanderplatz hat fich, wahrscheinlich„um einem dringenden Bedürfniß ad- zuhelfen", schon wieder um ein neues vermehrt. Seit einigen Tagen befindet fich nämlich unter den» Stadtbahnviadukte zwischen dem„Prälaten" und Kaufmann's„Varste" eine Stehbierhalle„zum Prälaten". Bei einer flüchttgen Zählung er- mittelte einer unserer Berichterstatter auf dem Alcxanderplatz bereits 15 Restaurationslokale. Bemerkt muß werden, daß sämmtliche Restaurants fich eines guten Geschäftsganges er- freuen. Die höchste» Strafgelder für Verspätungen werden unzweifelhaft in der Elsengießerei von SUyling u. Thomas, Ackerstraße 129, gezahlt. Mit dem Schlage der Uhr wird der Thorweg geschloffen. Wer später kommt, zahlt 50 Pfg. für das eiste Mal in einer Wocke, das zweite Mal in derselben Woche 75 Pfg., das dritte Mal 1 Mark u. s. w. Es wird also einem Arbeiter, der nur dreimal in einer Woche zu spät kommt, M. 2,25 abgezogen. Es kommen bei ca. 400 Arbeitern auf diese Weise jährlich Taufende zusammen. Es wurde z. B- dem Arbeiter K. in dem Zeiträume vom 27. Februar 1883 bis 22. Dezember 1883 folgende Strafgelder von seinem Lohne in Abzug gebracht: Für Verspätungen M. 15, für Versehen bei der Arbeit M. 11,25, für Streitigleiten mit seinen Kollegen 5 Mark. Für kleine Versehen bei der Arbeit werden Strafen von drei bis sechs Mark abgezogen und darüber, bei Streitig« keiten zwischen zwei Arbcstern drei bis zehn Mark von beiden Personen. g. Einen Beweis, daß kein Stand vor Schwindlern und Gaunern gefeit ist, giebt folgende„Warnung", welche soeben von Berlin aus den Velocipedisten Deutschlands zuge- gangen ist: In diesen Tagen hat ein Hochstapler- Radfahrer, angeblich Mitglied des Magdeburger Velociped Club und fich unter dem Namen Silbon einführend, fich beim Stettiner Bicycle-Klub gastliche Aufnahme zu verschaffen gewußt. Er gab an, von allen Mitteln entblößt zu sein und erhielt nun reichliche Unterstützungen zur Weiterreise. Nicht aber zufrieden damit, hat der Schwindler noch die Frechhest gehabt, einen ihm nicht gehörigen Klubanzug, eine Glocke und 60 Stück Cigarrcn zu entwenden und mitzunehmen, nachdem er fich Ge- legenheit verschafft hatte, ein Pult zu erbrechen. Da es nicht unmöglich ist. daß dieser saubere„Radfahrer"' daffelbe Manöver auch bei anderen Sportsgenoffen auszuführen versuchen wird, so mögen die betreffenden Kreise hierdurch vor ihm gewarnt sein. Eine Liebesgeschichte mit ungewöhnlichem Abschluß nimmt seit einigen Tagen im Osten unserer Stadt das allge- meine Interesse in hohem Grade in Anspruch. Zn dem einer sehr dekannten Familie gehörigen Haute Große Frankfurter- sttaße 74 wohnte als Mitbefitzerin des Grundstücks die Wittwe P., welche seit etwa drei Jahren fich die Huldigungen eines jungen Kaufmanns M. gefallen ließ. Der Vereinigung des liebenden Paares stellten fich aber anscheinend unüberwindliche Hinder- nisse entgegen, da die Verwandten nicht nach dem Geschmacke des Bräutigams waren. Er gewann nichtsdestoweniger schließ- lich so vrel Einfluß auf seine Braut, daß dieselbe sich bereit erklärte, durch eine Schenkung in Höhe von 30000 M., welche hypothekarisch auf das oben erwähnte Grundstück eingetragen werden sollte, den Bräutigam auf alle Fälle für seine jahrelange Ausdauer zu entschädigen. Anfangs September ver- schlimmerte sich der Zustand der fest längerer Zeit kränklichen Dame in nicht unbedenklicher Weise, und so veranlaßte Herr M. in aller Stille, daß berests am 5. September in der Woh- nung der Wittwe P. durch den Justizrath Meyer die von einem anderen Rechtsanwalt W. entworfene Schenkungs- Urkunde notariell vollzogen wurde. Durch den Verrath des Dienstmädchens der P., welches die Vorgänge be- obachtet hatte, wurden die Verwandten der Wittwe von dem Geschehenen in Kenntniß gesetzt, und diese be- eilten sich nun, die Schenkung unwirksam zu machen. Bereits am Tage nach der vollzogenen Schenkung hatten näm- lich dst Verwandten es durchgesetzt, daß der Bezirkspbysikus die Wittwe P. für blödsinnig erÜärte, und daß dieselbe von ihrem im Hause schon als Herr auftretenden Bräutigam ge- trennt wurde, welcher letztere indeß dabei noch Zeit genug be- hiett, cm 8. September durch einen Schlosser das Gelvspind seiner Braut öffnen zu lassen und sich von dem Inhalte des- selben zu überzeugen. Nach diesem Akte wurde dem Bräutigam von einem inzwischen zum Pfleger der P. ernannren Bureau- Assistenten B. die Thür gewicsen. Als Rechtsdeistand der Verwandten der blödfinnigen Wittwe trat nunmehr der Rechts- anwalt Winterfeld inS Gefecht, der dem Bräutigam die Sstuatron klar machte und die Schenkung der 30000 Mark wrderuef. Der aus allen seinen Zukunftsplänen gerissene lunge Mann verabsäumte es nunmehr nicht, zur Wahrnehmung ferner Rechte einen Anwalt ins Feld zu führen, der den Beweis erbringen wollte, daß die Braut nur auf Angade ihres Dienst- madchens, welches behauptet hatte, ihre Herrin pflegte täglich für zwer Mark Rum zu genreßen, für blödsinnig erklärt worden und veranlaßten sogar die Behörde zu Recherchen, die indeß ergaben, daß die schon längere Zeit kränkliche Wittwe, wenn auch vielleicht infolge der Auflegung der letzten Tage, eines ganz natürlichen Todes gestorben war. N. Ein Soldat aas Posten erschossen. Der Füsilier Maaß von der 11. Kompagnie des Garde- Alexandes- Regiments stand in der vergangenen Nacht auf dem zweiten Hofe des alten Schlosses Wache. Er wurde von dem die Rande machen- den Ofsizier schlafend angetroffen. Kurz vor 6 Uhr hörten die anderen Posten einen Schuß fallen und fanden, nachdem fie dem Schalle gefolgt waren, dm zc. Maaß todt am Boden liegen. Derselbe diente bereits im dritten Jahre und mag ihm so sein Vergehen sehr uahe gegangen sein, in Folge dessen er fich mit seinem Gewehr in den Leib schoß. M. war verheirathet und hinterläßt seiner durch diesen Schlag hart getroffenen Frau zwei Kinder. Die Leiche wurde nach dem Milstärlazareth ge- schafft. N. Unsere Feuerwehr wurde gestem Abend in der achten Stunde nach dem Grundstücke Schützensflaße 6 requirirt. Auf dem genannten Grundstücke war in der dritten Etage bei dem Teppichfabrikanten R. durch Explodiren einer Petroleumlampe Feuer ausgebrochen. Da die Nieldung erst etwas spät gemacht wurde, hatte dies Feuer schon stark um sich gegriffen, ehe die Feuerwehr zur Stelle war. Von derselben wurde sofort eine große Handdruckjpritze in Thätigkeit gesetzt und gelang es der Feuerwehr nach ca.' einhalbstündiger angestrengter Thätigkeit des Feuers Herr zu werden. Die Aufräumungs-Arbestm zogen fich bis gegen 9 Uhr hin. GerirKts- Leitung. Leipzig. 30. Septbr. Wegen Beleidigung des hiesigen Kaufmanns Bruno Sparig, der bei den Sozialdemokraten als angeblicher Denunziant verrufen ist, wurde heute vom Schöffen- gericht zu Grimma der Abg. Liebknecht zu drei Wochen Ge- sängniß verurthellt. Reichsgerichts- Entscheidung. In einem Prozeß der Kaufleute L. als Eigentdümer eines an der Stadtbahn-Station „Janowitz-Brücke" zu Berlin belegenen Fabrikgebäudes wider die Stadtbahn-Verwaltung auf Schadenersatz wegen Zuführung von Rauch und Dampf in einer belästigmdm und ungewöhn- lichen Weise aus den Lokomotiven der Stadtbahn in die Räume der oberen Stockwerke des Gebäudes durch die Fenster derselben hat das Reichsgericht, V. Civilsenat, durch Urtheil vom 2. Juli 1884 ausgesprochen, daß bei Immissionen von Rauch und Dampf in einer belästigenden und ungewöhnlichen Weise durch die Fenster des Nachbargebäudes, von dem imittirenden Nach- bar selbst dann Schadenersatz zu leisten ist, wenn er berechtigt ist, die Fenster des durch Rauch belästigten Nachbars zu ver- bauen.„Die Beschwerde der beklagten Stadtbahn-Verwaltung führt aus, falls fie berechtigt sei, die Fenster der Kläger zu verbauen, so könnten diese keine auf das Vorhandensem der Fenster gestützten Schadenersatz Ansprüche erheben. Die Be- schwerde ist jedoch unbegründet. Aus dem Recht der Beklagten, auf ihrem Grundstück ohne Berücksichtigung der von den Klägern angelegten Fenster zu bauen, folgt nicht, daß Be- klagte von ihrem Grundstück aus in die thatsächlich vorhandenen Fenster der Kläger schädliche Stoffe einführen darf. Arbeiterbewegung, Vereine unü Wevssmmlungen. Franz Tutzauer vor seinen Wählern. Die am.Mttt- woch Abend nach dem Reinhardt'schen Gesellschaftshause(Hasen- Haide 9) stattgehabte, überaus zahlreich besuchte Ardeilerver- sammlung. in der der Arbeiter-Kandidat für den zweiten Berliner Reichstags Wahlkreis, Stadtv. Tutzauer ferne Kandi- datenrede hielt, wurde nach etwa 2 ein halbstündiger Tauer polizeilich aufgelöst. Stadto. Tutzauer, mit stürmischem Bei- fall begrüßt, äußerte sich etwa folgendermaßen. Ich freue mich umsomehr, daß mir endlich einmal Gelegenheit gegeben ist, zu meinen Wählern zu sprechen, da mein Gegenkandidat, Herr Profeffor Dr. Virchow, neulich geäußert hat, er könne über mich nicht sprechen, da sowohl ich als auch mein Programm ihm unbekannt seien. Daß ich nicht eher Gelegenheit hatte, mein Programm zu entwickeln, ist nicht meine Schuld; es find bekanntlich eine ganze Anzahl von uns einberufene Versamm- lungen polizeilich verboten werden. Noch niemals ist wohl der Wahlkampf in Berlin ein so heftiger gewesen als diesmal. Die deutsch-fleifinnige und konservative Partei bekämpfen sich in einer Weise, die uns nur zu Heiterkeit Veranlaffung geben kann. Charakteristisch ist es, daß Rohheiten der ärgsten Art gerade in den Versammlungen der sogenannten Gebildeten vorkommen. Die Arbeiter-Versammlungen zeichnen fich in rühmlicher Weise, im Vergleich zu den Versammlungen der Gegner, durch Ruhe und Anstand aus- Wenn ich nun zu unserem Programm übergehe, so ist unsere erste Forderung das allgemeine, gleiche, direkre und geheime Wahlrecht für alle Körperschaften. Wir verlangen im Weiteren, um allen Leuten Gelegenhest zu geben, fich an der Wahl zu betheiligen, daß dieselbe an einem Sonn- tage statlfinde. Wenn man einwendet, daß dies Sonntagsent- herligung wäre, so erwidere ich, daß die Wahlen zur Natwnal- Versammlung in dem sehr religiös gesinnten Frankreich eben- falls an einem Sonntage stattfinden und daß ,m Nebligen bei uns die Wahlen der Gemeinde-Kirchenorgane in der Kirche, unmittelbar nach dem Gottesdienst an einem Sonntage vorge- nommen werden. Wenn man unseren Vorschlag trotzdem nicht acceptiren will, dann verlangen wir, daß der Wahltag gesetz- lich zum allgemeinen Feiertag gemacht werde. Wir verlangen ferner den i,Reichstags- Abgeordneten.Diäten zu gewähren und ein fleies Vereins- und Versammlungsrecht. Wir gehören nicht zu den Anarchisten; es ist von uns nicht zu defürchten, daß, wenn wir das freie Versammlungsrecht besäßen, zur Revolulion auffordern würden. Der Redner kritifirte hierauf in sehr heftiger Weise das Verhallen der deutsch-fleifinnigen Partei bei der Abstimmung über das So- zialistengesetz im Reichstage. Waldcck und Z regier— so fuhr der Redner fort— würden fich jetzt mit Ekel und Abscheu von dieser deutsch-fleifinnigen Partei abwenden. Ueber meinen Gegenkandidaten Stöcker habe ich weniger zu sagen, als über Virchow, da die Stimmenzahl für elfteren eine nur geringe sein dürfte. Es ist selbstverständlich, daß eine Partei, die für Zwangsinnungcn, für die kriminelle Bestrafung des Kontrakt- druches zc. agitirt, die Interessen des Arbeiters nicht wahren kann. Herr Stöcker speziell ist aber nicht blos konservativ, sondern auch der Führer der Antisemiten, die jüngst in ganz ungeschminkter Weise die Austreibung der Juden forderten. 3%* � Deutsch-Freifinnigen brüsten fich, daß sie stets für die polrtischen Freiheiten gekämpft. Politische Freiheiten allein, ohne soziale Reformen, dies beweisen die Zustände in Amerika und der Schweiz, find aber nicht im Stande, die Lage der Ar- heiter zu bcffern. Die Liberalen verweisen uns auf die Seldsthrlfl. Nun wir haben berests bewiesen, daß wir auch von der Selbsthilfe Gebrauch zu machen verstehen. Bei der bloßen Selbsthülfe wird fich jedoch stets die Mühe der Arbeiter, ihre soziale Lage zu verbessern, sehr bald als ohnmächtig be- weisen. Mit Freuden ist es zu begrüßen, daß die Cxesten, der sozialen Frage, die vor noch gar nicht langer Zeit geläugnet wurde, jetzt bereits von der deutschen Reichsreaierung anerkannt wird. Wenn auch die Bahn, welche die Regierung behufs Einführung sozialer Reformen eingeschlagen, von uns als eine falsche bezeichnet werden muß, so ist jedenfalls immer ein Ä:.- fang gemacht. Wir find keineswegs gewillt, irgend etwas des- halb abzulehnen, weil es von der Regierung kommt. Wir nehmen das Gute, gleichviel von welcher Seite es uns geboten wird. Wir hätten jedoch gewünscht, daß man anstatt mit dem Krankenkassen- und Unfallver sicherungsgesctz mit der Einführung eines gesetzlich geregelten Normalardeststages den Anfang ge- macht hätte. In Oesterreich hat man die sozialen Refom» mit der Einführung eines gesetzlich geregelten, neun- am zehnstündigen Normalarbeitstages begonnen. JedenM hätte es sich empfohlen, daß die Regierung, eW wie fie in der Tadaksmonopolfrage die Interessenten W auch bei der Einführung sozialer Reformen die Arbeiter w fragt hätte. Ferner verlangen wir eine gesetzliche ReaeWt der Frauenarbeit in den Fabriken und ein gänzliches Aerw der indusfliellen Kinderarbeit. Ich habe von meinem Geg� kandidaten, Herrn Geheimrath Virchow, die größte Hochadjliin;. er ist eine Zierde der Wissenschaft, aber als Politiker hat% fich nicht dewährt. Er hat es ebenfalls nicht über filb K Winnen können, aus der Partei auszuscheiden, die zum für das Sozialistengesetz gestimmt hat. Im übrigen war» gerade Herr Virchow, der in der Stadtverordneten-BersaM' lung das Amendement stellte, die Konzesstonirung ww? Pferdebahnlinien nicht von dem bekannten Antrage ver verordneten der Arbeiterpartei: der Pferdebahn zu emvW« die Arbeiter Morgens und Abends in die und aus den Fabuls« zu halben Fahrpreisen zu befördern, abhängig zu m*# Wenn Sie mir, m. H., Ihre Stimme geben wollen, halten Sie fich versichert, daß ich für die Interessen � Arbeiter voll und ganz einfleten werde"Behalten Sie im% daß bereits vor einigen Jahren in diesem Wahlkreise Stimmen für den Arbeiter-Kandidaten abgegeben worden M Wenn Sie alle Ihre Schuldigleit thun, dann dürfte es wenigstens gelingen, den Arbeiter-Kandidaten in die StiÄ� zu bringen.(Stürmischer Beifall).— Stadto. Goer°b Die Arbeiterfreundlichkeit der deutsch-freifinnigen Partei erd� am besten aus dem Umstände, daß diese Partei noch daran gedacht hat, einen Arbeiter als Reichstagskandidaten a« zustellen, obwohl fie die Hilfe der Hirsch-Dunker'schen Ge«« verreinsmitglieder bei der Wahlagitation gern in Anfpfl® nimmt. Selbst der Anwalt der deutschen Gewerloereine,' doch immerhin eine große Zahl von Arbeitern hinter fi« r wird von der deusch-frcifinnigen Partei in keiner Weise protep Die Forderung des allgemeinen gleichen, direkten und geheli»? Wahlrechts ist in den fünfziger Jahren von der Forttöss»* Partei vertagt worden, schließlich ist es, anläßlich der Aibe>» dewegung, von der Regierung dem Volke güßr, worden. Wenn die Wahl des reaktionären Eugen Richter von der Regierung nicht 8' gesehen wird, dann geschieht es wohl nicht K™ Frcismnigkeit, sondsrn seiner ewigen Nörgeleien halber. Vr Richter hat in seiner gesfligen Kandidatenrede mit anoew> Worten den Zensus für die Kommunalwahlen verlangt, es muß ihm doch bekannt sein, daß jeder Arbeiter zu Lasten der Kommune beisteuert. Wenn die Deutsch-FreifinwS vorgeben, für das freie Versammlungsrecht einzutreten, mögen fie auch zu ihren Versammlungen das Volk und diesem Rede stehen. Man hat mir vorgeworfen, ich in vergangener Woche eine Versammlung des Vereins deck" gesprengt, da ich die Verpflichtung eingegangen w» keinen Kandidaten zu proklamiren. Es ist mir nicht eMS fallen, ein solches Versprechen abzugeben; ich würde eine o artige Verpflichtung auch niemals eingehen. Ich worüber Auflösung am meisten erstaunt, da ich Herrn Susi! schon vielfach unbeanstandet als Kandidaten hatte. Herr Richter sagte gestern: Der NormalarbeuSl- wäre die Brücke zum sozialistischen Staat. Nun,,. Normalarbeitstag existirt bereits in vielen Ländern, � daß dort von einem sozialistischen Staat etwas L merken wäre. Der Staat brauchte keineswegs bei Einsühw? des Normalarbcitstages den Arbeitslohn zu bestimmen. L((% der fich bekanntlich nach Angebot und Nachfrage regelt, HK Im. im b 4 A« 4 A- �; A#44� 0|7 Tk Arbeiter ist eine alte Forderung unserer Partei und wenn� Ä' Staat hiefür etwas thün würde, dann würde er nicht thun, als wenn er irgend eine Eisenbahn subvcntionirt. Redner schloß mit der Aufforderung, am 28. Oktober er-./fn Stadtv. Tutzauer die Stimme zu geben-(Stürmischer Es sprachen noch im Sinne der beiden ersten Redner Krohm und Mechaniker Bandermann- Letzterer empfabb Stichwahlen zwischen Kandidaten der Gegenpartei, für�dicj� ßCT°u ms �nkeit fl*** ♦%»»»•««»«»Vi, iwituu;|ftUf v»v«vvwv»«vv w- w ß.di n Berliner Reichstags-Wahlkreises verpflichten, für die»ach didatur Tutzauer einzufleten. Kaum war diese Abstimw„ äe« h oivlltUl Au�uuti viiiZUiiiivii. Jiuum umi vuic AM' erfolgt, da erklärte der überwachende Polizei- Offizier die s- ,, sammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes fuj% gelöst. Die Versammelten verließen unter vielfachen Höcht»' auf Tutzauer und Görcki den Saal. iL"' Bera» Außerordentliche Versammlung der Mitglieder' l1»«otne{0 nten- und Sterbetafle der Maschinenbau-Arde'� ii Krauten- und Eterbetasse der Masetiinenbau-Ar Sonntag, den 5. Oktober, Vormittags 9 Vi Uhr, im "------ t Etat 3. Können und wollen wir den städtischen Theater, Dresdencrstt. 72/73. T.-O.: 1 des neuen Statuts. 2, Was wird aus unserer S&'f rf;;?' derten Beitrag von 51 Pf. pro Woche(vom 1. Dezember> k,. Ichtc, zahlen, oder was soll geschehen. NB, Mitglieder! Da legenheit zu besprechen und zu regeln. Solltet Ihr bisher in Eurem geistigen Schlaf weiter verharren, z» J'm bleiben, und ruhig zusehen wie Einzelne sich im Kampf* j, die Interessen Aller abmühen, dann werden auch fie vre W7 in den Schooß legen und die Folgen kommen über» Die Kommisfion. I. A.: A. Meyer. Buch legitimirt. m Eine allgemeine Wählerversammlun« findet. � Sonnabend den 4. Oktober, AbdS, 8 Uhr, in F r i e d r l � f e l d e im Maikowski'fchcn Lokal statt.— Desglcicbtd ß solche am Sonntag, den 5. Oktober, Vormittags 11 Weißensee, Höhling'sches Lokal an der Königs- Cbau ,, In beiden Versammlungen wird der Kandidat für den �„ß barnimer Kreis, Fr Arndt aus Bernau, anwesend f*"1' zu den dortigen Wählern zu sprechen. Die General» Versammlung des Einsetzer«** ß, (Tischler) findet Montag, den 6. Oktober, Abends 8 l%.ß Verein slokale Holzmaiktftraße 8 statt. Tagesordnung• n'hi, und Revifionkbericht. Die Kollegen werden ersucht, rewi reich zu erscheinen. Neue Mitglieder werden aufgenomw GcmeinnütziqeS. w Einiges über die Pflege kleiner Kinder. Es y' � auf zu achten, daß das Kind vor der 20. Woche kem« Nß Kuhmilch und bis dahin auch keine mehlhaltigen Sperfl«. bekommt. Kindermehl, Suppenmehl, Hafergrütze, 3# Semmel, Brod u. s. w. dürfen nur mit Milch gegeben«L„ß Milch muß die Hauptnahrung sein. Milchreste in drt verwende man nicht mehr, Flasche und Gummipflopftfi �>0 man peinlich sauber. Brod, Kartoffel und Kaffee vermero ganz. Ferner sorge man für frische Lust, Licht. Reinlum* gesunde Nahrung, da dies Hauptdedingungen find; W « nja i"'«! RS Ä' Betten wolle man öfter lüften, ebenso das Zimmer.-M»«jjr muß viel in's Freie kommen, der gutem Wener natürli«' � ----—— CD~ A 4 f— fT i A4— t—— t-i a. r-'--— C— t 44 t-- 1 §■ Mr-i duna und Bett sollen waim. aber" nicht schwer sein- IZÄÄ C Ä'ÄÄfe® theilig und ungesund. Das Geficht des Kindes muß N* � im Bett und darf Letzteres nicht riechen. Man bade � w (27 Grad Reaumur warm) oder gar täglich und« � behaarten Kopf öfters mit Seife und Waffer gründlich' den Mund immer mit reinem Waffer täglich. min tnr örtlicher Redakteur vl. Eronhei« in Berlin. Druck und Verlag von»iax vadrug in Berlin SW. Bcuthstraßc 2.