Nr. 162. Sonnabend. 11. Oktober 1884. I. Jahrg. MiaerHolbMI Brgan für die Interessen der Arbeiter. 4 WeöaKtion unö GXpeöition Werttn SW., Zimmerstraße 44. Straf-Lolonien. Wie man hört, sind einige Hamburger Kaufherren bei wn Reichskanzler in Friedrichsruh gewesen und haben mit chm eine Unterredung in Bezug auf die neuen Kolonien ge- habt. Gena« ist der Inhalt dieser Unterredung noch nicht «ekannt geworden; indesien vernimmt man, die biederen Kaufherren hätten dem Reichskanzler den Vorschlag gemacht, auf dem Kamerungebirge Strafkolonien anzulegen. . Ein schöner Gedanke und würdig, dem Haupte von Hamburger Kaufherren entsprungen zu sein. In England Und Frankreich hat man wenigstens gewartet, bis die Polizei- Lfwalt kam und Strafkolonien verlangte, bei uns ist der �Patriotismus" der Hamburger Gioßkrämer zu heiß, als �aß sie so lange warten könnten; sie kommen der Polizei iuvor. Und sie haben auch einen guten Grund dafür. Denn � Herren Hamburger und Bremer Großkrämer rüsten sich, dem Kolonialcrwerb ihre Vortheile zu ziehen. WaS l°""te. ihnen besser zu statten kommen, als wenn sie in den Kolonien ein ungeheures und wohlbevölkertes Zuchthaus hatten, das ihnen die Sträflinge zur billigsten Ar- m 1.lieferte! Man sieht, der KrämerpatnotiSmuS ist era »Patriotismus" eigener Art. , In der Absicht der Negierung scheint eS bis ,etzt nicht Telegen zu haben, Strafkolonien zu errichten. Hätte sie um l-den Preis eine solche Einrichtung ins Leben rufen wollen, hätte ihr der gute Freund im Osten sicherlich mit Ver- Tultgen ein Stückchen Sibirien überlasien, um es msi Sträf- Ungen zu bevölkern und„mißliebige Elemente" dahin abzu- Ichiebige». Bisher hat man mit den heimathlichen Zucht- Heusern noch auskommen können ,*r wird dies Vaterland nun habe- Den Hamburger Krämern plötzlich zu klein und sie sirf. tj/'fh beeilt, die unliebsame Frage aufzuwerfen, vor der letzt Jedermann gescheut hat. Kräm.überlege sich einmal, waS diese Hamburger Mer» �lm.üioten verlangen. Also hoch oben auf dem Ka- bebn. wollen sie die Sttafkolonien errichten. Sie feien hT allerdings, die klimatischen Verhältnisse daselbst �efriedigend. Aber woher wissen dies die Herren? «nterk � nicht einmal den Küstenstrich hinlänglich genau aus""h die Hamburger Großkrämer wissen schon, daß den» Gebirge das Klima vortrefflich ist! Weiß man fellkt rhaupt, ob das Klima auf dem Kamerun-Gebirge, für eö im Allgemeinen nicht schlecht sein sollte, auch päer dauernden Aufenthalt von Euro- keine es", gerade geeignet ist? Darüber sind sicherlich noch Herren-i�gen gemacht worden; allein Hamburger Kauf- T.w'ffen das im Voraus. gewiss. � nur sich über den Zustand des Klima'S ver- »ert zu haben, wollen ditse Kaufherren einen großen 1] »«rtoUnj IeuMeton. Isaura. Eine Erzählung aus dem südlichen Frankreich. I. �"gen der zvn. 5 �in Thal zur J,6re senkt, liegt in den Höblen, Sassenage, vor Alters berühmt durch n*ln* lohit» �e'che man zu den sieben Wundern von Dau- Jsbere! ist der Nimbus derselben— wie mancher noch m.f«?cn' und nur ein sehr materielles Interesse d. �n der x>>-uffenage: es liefert vortrefflichen Käse. W bnhcn-�eit, wo die Gegenden zwischen Genf, Lyon und . foyen ein unabhängiges llücslentbum bildeten Äei� noch"N unaoyu,�.�- Fürsienthum......... Qj w schwachen Lchnsverbande mit dem deutschen N.„hatte qua c fr*"3 ehemaligen BuAund- in jener Äu„ Üand 2 �llenage seine Glorie. Die Höhlen, deren ein- �steine> �nte des Jahres vorhersagte, die kostbaren ' n nm-J®je man dort fand, gaben dem alljährlich, me, guten #### Nüttel',"n Glaub-n i®"feä!— so stand doch sein Ansehen seh®{titö �"den Volkes gewurzelt, um dadurch er- /klre��üejch üetag war wiederum angebrochen, und der Besuch �alab°erschjed� n malerischer Anblick, die Gedirgsleute in .> o, gezogen fn2.en Trachten zu sehen, wie sie thalauf und S e nbl en'r � in G.urpen standen dort Ußten« Ufingen Aufgehalten wurden und die Kunde «w fflüher' noch mit eigenen Augen schauen Thai��gen sch�n auf die Berge, droben lag Schnee, ätrs: #### nicht überall— und was half es dem Be- Oertchen altem Herl Theil derjenigen unserer Volksgenossen, die sich gegen das Strafgesetzbuch vergangen haben, auf ein fernes afrikanisches Gebirge versetzt wissen, um dort ihre Strafzeit zuzubringen und ihnen, den Kaufherren, als Unter- nehmern, billige Kuliarbeit zu leisten. Die Familien der Gefangenen, Weib und Kind, haben dann die Wahl, entweder mit nach Aftika zu reisen, wozu wohl meistens die Mittel fehlen dürften, oder in Europa zu bleiben und ab- zuwarten, ob der gefangene Vater, Sohn oder Bruder dem Klima widersteht und wiederkommt, oder ob das Kamerun- Gebirge fein Grab wird. Man möge sich nur nicht darauf berufen, daß rn Frankreich und England die Deportation nach überseeischen Strafkolonien schon besteht. Der Ruhm Englands gründet sich ebensowenig aufBotany-Bai, wie der Frankreichs auf Cayenne und Lam- b e f f a. Und wen will man nach Kamerun dcportiren? Werden alle Verbrecher oder nur ein Theil derselben deportirt wer- den? Natürlich müssen möglichst viele deportirt werden, damit den braven Hamburger Kaufherren möglichst viele „Hände" zur Verfügung stehen und damit das große An- gebot den Preis drückt. Deshalb wird man auch die politischen„Verbrecher" deportiren, wenn den Hamburger Kaufherren ihre löbliche Absicht in Eifüllung gehen sollte. Wer also eine unbedachte Aeußerung gethan hat und dafür bestraft werden soll, oder wer sich in einem Zeitungsartikel gegen daS Strafgesetzbuch vergangen hat, wird dann des Vergnügens theilhaftig werden, sich nach Afrika einschiffen zu müssen und dort seine Strafzeit auf einem bis zur Stunde noch nicht erforschten Gebirge als Arbeits-Kuli von Ham- burger Kaufleuten zu verbringen. Angenehme Aussichten! Etwas tröstet uns noch. Wir hoffen nämlich, daß man unter die zu deportirenden Ver- mtheilten auch die wegen Bankerotts verurtheilten Kaufleute rechnen wird. Denn es könnte sich ereignen, daß von jenen Hamburger Kaufleuten, die unser Vaterland mit Straf- kolonien beglücken wollen, dieser oder jener daS Pech hätte, Bankerott zu machen und man hätte alsdann daS Ver- gnügen, die Urheber der Strafkolonien selbst die Annehmlich- keilen ihrer schönen„Idee" auf einem afrikanischen Gebirge genießen zu sehen. Mit dem Gedanken einer Strafkolonie bekommt die ganze Kolonialfrage eine andere Wendung und sicherlich nicht zu ihrem Vortheil. Die Gründung einer Strafkolonie ist ein neuer reaktionärer Angriff auf die kümmerlichen Reste von politrscher Freihett, die in Deutschland noch vorhanden sind. Die Hamburger Kaufherren sind ebenso dankbar, wie das Haus Oesterreich. In den vielen Zwistigkeiten, die sie schädigten, wenn sein Dränger nach der That bestrast wurde? Besser blieb'S immer, sich mannhaft selbst zu schützen, und das thaten die Leute von Graifioaudan. So hieß der Bezirk nämlich, in welchem sowohl Sassenage, als auch Grenoble, die Haupt- stadt, liegt— Gratianopolis zur Römerzcit. Viel zu nehmen war ihnen, was Hab' und Gut betrifft, außerhalb der Städte nicht, aber die begehrlichen Augen der Scigneurs wußten dennoch Schätze bei ihnen zu finden, die fie vielleicht höher an- schlugen: Schätze der Schönheit— und da war es denn ge- rathen, sich für alle Fälle mit guten Stahle zu versehen. Unter den vielen anmuthigen Kinder» der Berge, die mit zu den Höhlen von Sassenage gezogen waren, fiel selbst dem roheren Haufen ein schönes Mäochen auf, das neben einem alten Manne einhergina, leichten, schwebenden Schrit- tes, das Auge züchtig zu Boden geschlagen. In stühern Zeiten durften Frauen, ohne Gefahr für ihren guten Ruf, die Augen nicht frei schweifen lassen, wie es heut in aller Harmlostgkeit geschieht. Das Mädchen war groß und schlank; ihr Mucks zeichnete stch noch vortheilhafter vor den etwas derben Gestalten ihrer Gefährtinnen aus, als es ihr Gestcht durch seine stille, regelmäßige Schönheit gethan hätte. Sie trug die Kleidung wie Alle, nur aus feineren Stoffen, wie es schien— während ihr Begleiter in dem kurzen Wammse von grobem Tuch, der Kappe und den tüchtigen Bergschuhen, mit Nägeln beschlagen, einhcrging, nicht anders, als jeder Bauer des Thales. Er war ziemlich alt, das zeigte sein furchen- reiches Gestcht und der schwerfällige Gang, aber noch trug er fich aufrecht, und eine gewisse stille Kraft lag in der Art sogar, wie er den Alpenstock, der ihm das Gehen erleichterte, auf den Boden stieß. Viele grüßten das Paar. Der Alte dankte mit einer tiefen Stimme, das Mädchen mit einem leichten, freund- lichen Aufblick- Wen ihr dunkelblaues Auge traf, den durch- zuckte es wie ein wohlthuendes Gefühl— mancher hätte um einen zweiten Blick das größte Opfer nicht gescheut, aber es gelang Keinem von allen Begegnenden, ihr Auge zweimal auf sich zu ziehen, selbst wenn er mit dem Alten zu sprechen begann- „Nun, Vater Royan? Ist das Dein Kind? stagte endlich ein junger Mann, welcher stch dem Paare grade in den Weg 'tellle, daß es gezwungen war, stehen zu bleiben. „Meine Enkelin", antwortete der Alte mit einer unge- duldigen Bewegung der Hand- „Und wie heißt fie?" fragte der junge Mann, der in mit der Regierung hatten, sind sie von den sämmtlichen Oppositionsparteien im Reichstag nachdrücklich unterstützt worden. Und nun sind dieselben Hamburger Kaufleute die Ersten, die eine Institution befürworten, die für sämmtliche Oppositionsparteien in Deutschland äußerst unangenehm und peinlich wird. Hoffentlich wird man dies nicht so bald vergessen und sich daran erinnern, wenn sich die Hamburger Kaufleute wieder, wie schon so oft, mit großem Geschrei um Berücksichtigung ihrer Interessen an den Reichstag wenden!_ politische Uederficht. Die Nationalliberalen jammern jetzt schon darüber, daß bei den bevorstehenden Reichstagswahlen eine womöglich noch größere Anzahl von Stich w ah l en vorkommen würde, als selbst das letzte Mal, wo doch die ansehnliche Zahl von 104 herausgekommen ist. Das Gejammer von jener Seite ist sehr berechtigt, weil nur wenige Nationalliberale es zur Stichwahl dringen werden und weil denen, die es zur Stichwahl dringen, leine andere Partei ihre Stimme giebt, eben werl ste National- liberale find. Die Stichwahlen werden ein„zweifelhaftes In« stitut" genannt. Ob man gegen dieses„zweifelhaste Institut" vorgehen wird? Am liebsten möchten die Nationalliberalen das vollsthümliche allgemeine gleiche Wahlreckt überhaupt ad- schaffen und auch für den Reichstag ein Klasscnwahlsystem, wo lediglich der Geldsack entsckeidet, an seine Stelle setzen. In Elbing hat die Polizei vom Komitee des deutschen Kulturbundes einberufene Versammlungen, eine für Männer, eine für Frauen, mit der Tagesordnung: Abschaffung der Sittenpolizei, verboten. Das Komitee setzt fich zusammen aus Mitgliedern der besser fituirten Familien der inneren Stadt. Die„Innung", das offizielle Organ des„Allgemeinen deutschen dandwerkerbundes", welches in letzter Zeit in Mül- heim a. Rh. erschien, ist, wie den Abonnenten derselben so eben von derPost mitgctheilt wird, bereits seit dem I.Oktober eingegangen. Die letzten Nummern des alten Quartals ent- hielten noch keine Mitttheilung davon. Das Blart wurde— wie auf dem Frankfurter Hanvwcrkertage konstatirt wurde— von süddeutschen ultramontanen Standesherren unterhalten. Der Bundesrath hat gestern eine Sitzung abgehalten deren Ergebniß mit einiger Spannung entgegen gesehen wurde. Man erwartet nämlich, daß fich derselbe mit dem bekannten Antrag Ackermann-Windthorst zu§ 100e der Gewerbeordnung beschäftigen würde. Die Entscheidung über diesen wichtigen Gegenstand soll aber aus leicht begreiflichen Gründen, wie die „Neue Reichs-Korrespondenz" erfahren haben will, von der beutigen Tagesordnung abgesetzt worden lein, da einzelne Bundesrathsbeoollmächtigte angeblich noch ohne Instruktionen seitens ihr Regierung wären..„,, Aus Sachsen, schreibt man der„Franks. Zert.': Bei uns zu Lande nimmt die Wahlagllation der Konservativen und der „Ordnungeparteien" allmälig wieder denselben Charakter an, Herrenfarben, blau und gelb, gekleidet war, und die Abzeichen eines Falkners trug. „Jedenfalls wie fie getauft ist. Meister Crespin le bel!" antwortete Vater Royan trocken, und ein schallendes Gelächter der Umstehenden beschämte den unbescheidenen Frager der nun trotzig d,c Mütze rückte, mit den Worten:„Gut. Meister Royan, ich werde nur den hübschen Witz merken." Er warf noch emen scharfen Blick auf das Mädchen, das hoch erglüht war, und verlor stch dann. »Wer ist denn der Bunte?" fragten Mehrcrc. „Falkner des Herrn von Moni Aynard," sagte Vater Royan, indem er seinen Weg fortsetzte. Die Leute wiederholten den Namen des vornehmen Ge- schlechts, aber man sah, daß er hier nicht mit der Scheu aus- gesprochen wurde, die stch sonst in der Regel an die Erwähnung der mächtigen Grundhcrren des Landes knüpfte. Moni Aynard mußte einen guten Klang baden, wenigstens durch seinen jetzigen Träger— denn aus alter Zeit klebte auf diesem Namen mancher Fluck des armen Volkes. „Vater Royan." stagte das Mädchen leise,„woher kennt Ihr den lästigen Menschen?" „Mein Eisenhammer, che ich ihn kaufte, hat dem Herrn von Mont Aynard gehört, ich meine den Alten," sagte Royan ruhig.„Der ist nun todt, und sein Sohn hat die Guter— zu der Zeit aber, wo Messtre Gaspard noch lebte, bin ich oft als Pächter bei ihm gewesen, und Crespin'S Vater war sein erster Falkenmeister. Den Jungen Hab' ich aufwachsen sehen taugte nie etwas, der Schlingel— und wenn ste ihn auch ient den Sckönen nennen, besser ist er nicht geworden." „Ihr habt ihn beleidigt!" sagte das Mädchen. „Beleidigt!" rief der Alte. Ich ein solches Fcderspicl be- lerdigen! den— er _----, rVMMWV»**• U,f«V V „Laßt uns eilen, seines Segens theilhaftig zu wer- kommt uns wie ein Geschenk des Himmels." Sie näherten stch mit vielen Andern dem Greise, der auf seinen Stab gelehnt stand. Worte des Friedens sprechend. Mitten in seiner Rede hielt er inne, als Vater Royan der in bft lktzten RcickstagSsc�fion Gegenstand lebhafter An lhgen war unv mehrfach zur Annullirung von Wahlen führte. Im 4. säcdfischen Wahlkreis Neustadt-Dresven agitirt als kon- sedativer Kandidat der alle Oberappelationsgerichtsrath Klemm. Die Agitation leitet der konservative Berein zu Dresden, deffen Borstand der Kammerherr v. Wetzsch, Bruder des den Wahlkreis regierenden Amtshauptmanns o. Wetzsch ist. Auf Anord- nung des Herrn Kammerherrn sendet die Druckerei regelmäßig die Plakate, durch welche zu Wählerversammlungen eingeladen wird, an die G e m e i n d e v o r st ä n d e, die auch gleichzeitig noch ein Packet mit Zirkulären mit Hinzufügung der Adressen zur Bertheilung erhalten, und den Anschlag der Plakate und die Bcrtheilung der Zirkuläre mit derselben Gewissen- haftigkeit wie irgend eine Amtshandlung besorgen, Der Herr Amtshauptmann ist ein eifriger Besucher dieser Wahloersammlungen. Die Sozialisten haben nun mehr- fach die konservativen Zirkel durch ihr Austreten gestört und namentlich in Kötzichenbroda hat der konservative Kandidat kürzlich gegenüber dem sozialistischen Ziaarrenhändler Kaden den Kürzeren gezogen. Seitdem laden die Konservativen nur speziell die Wäbler bestimmter Ortschaften ein und schließen die Dresdener Besucher aus. Darüber kam es vor wenigen Tagen in Reichenberg bei Ulrichburg zu einem interessanten Intermezzo. Den Dresdener Opponenten wurde das t prechen verweigert. Einer derselben fragt darauf den Kammerherrn von Wetzsch, wie er denn hier die Versammlung leiten könne, er sei doch auch Dresdener. Stolz erwidert der Kammerherr: er sei Einberufer der Versammlung. Man erwidert ihm, das könne er nicht sein, da nach dem Gesetz ein Ortseinwohner Ein- berufcr sein müsse. Die klasfische Antwort des Kammerherrn lautete: Das machen wir vom konservativen Verein wie wir wollen. Recht gemülhlich nicht wahr? Es ist doch gut, wenn mann Kammcrherr ist und einen Amtshauptmann zum Bruder bat. Auch im 13. sächsischen Wahlkreis Leipzig Land find die Gcmeindevor stände, die hierzulande vre Polizeigewalt ausüben, die eigentlichen Wahlagitatoren. Zu einer neulich von dem ehemaligen volkspartcilichen Dr. Götz in Lindenau einbe- rufencn Konferenz, in welcher die Aufstellung des ehemalig fort- schrittlichen Dr. Heine beschloffen wurde, waren sämmtliche Ge- mcindevorstände als Vertrauensperstmcn des Wahlkreises eingeladen und zum großen THeil erschienen. In einer ganzen Reihe sächsischer Wählt, eise sigrniren abermals die Gemeindevorsteher mit Aufführung ihres Titels, unter den konservativen und ord- nungspaiteilicken Wahlaufrufen. Der nächste Reichstag dürfte also wiederum Gelegenheit bekommen, sich smit den sächsischen Wahlen spezieller zu beschäftigen- Vom ReichSverstchcrungsamte. Die Behörden sind angewiesen, bis zum 15. Ostober die auf Grund des Unfall- verficherungsgesetzes von den Betriebsunternehmern eingefor- deiten statistischen Nachweisungen dem Reichsverficherungsamte einzureichen. Ob es, so wird offiziös dazu geschrieben, den- selben möglich sein wird, bis zu dem gedachten Zeitpunkte diese gewaltigen Massen von statistischem Material zu sichten, zu bewältigen und zu ordnen, bleibt freilich noch zweifelhaft und wir meinen, daß die Mitte des Monats November heran- kommen dürfte, ehe das Reichsverficherungsamt im Besitz sämmt- licher Nacdweisungen sein wird. Die Arbeit, welche demnächst dem Reichsverficherungsamt zufallen wird, ist gleichfalls nicht gering anzuschlagen; denn eS wird nunmehr diese Nachweisung nach BerusSgenoffenschaften, Provinzen und Ländern zusammen- zustellen sein, damit das Berfickerungsamt in den Stand gesetzt wird, alle in Bezug auf die Bildung der von Berussgenoffen- schaften eingegangenen Anträge an der Hand des statistischen Materials zu prüfen und zu entscheiden. Erst wenn dies ge- schehen ist, wozu bei dem angestrengtesten Fleiße Wochen vcr- fließen dürften, wird das Reichsverficherungsamt in der Lage sein, die im Unfallgesey vorgeschriebenen Generalversammlungen einzuberufen. Es dürfte daher der Monat Januar oder Februar herankommen, ehe an die Berufung der ersten Generalversamm- lung zu denken ist. Auf lfirund des Kolportage-Paragraphen, welchen die konservativ-klerikale Reichstagsmajoriläl dem Gesetz einverleibt bat, ist der Verlrieb des„althannoverschen Volkskalenders" im Umherziehen untersagt worden, weil ein darin enthaltener Ar- tikel„in sittlicher Beziehung Aergerniß zu er- regen" geeignet sei. Der Herausgeber des Kalenders ist ein hochorthodoxer Pastor Grote, welcher we�en der allzu lebhaften Bekundung seiner welfischcn Ansichten vielfach mit den Behörden in Konflikt gerathen ist, und der bezeichnete Artikel schildert die polizellichen unv gerichtlichen Verfolgungen, denen der Kalender unterworfen worden.— Die„Voss. Ztg." bemerkt hierzu: Wenn darin strafbare Dinge enthalten find, so wäre es Sache der Staatsanwastschaft, die Anklage zu erheben; daß aber der Begriff des„sittlichen Aergerniffes'� darauf angewcn- dct wird, ist ebenso unzulässig, wie es andererseits eine trcff- liche Satyre auf die orthodoxen resp. die welsischen GcfinnungS- genossen des Pastors Grote rst, die für den Kolportage-Para- graphen gestimmt haben. Auf Grund des Sozialistengesetzes verbot der Re- gierungspräsidrnt zu Frankfurt a. O- den bei I. H. W. Dietz mit dem großen schönen Mädchen zu den um ihn Versammelten trat-, er schien eine Ansprache zu erwarten, doch, da sie ausblieb und Beide sich nur demülhig neigten, fuhr er ruhig fort, theilte dann seinen Segen aus und schritt, von den Meisten gefolgt, weiter. Royan's Begleitung fühlte aber seinen fragenden Blick in ihrem Auge, das sie einen Mo- ment schüchtern zu ihm hob, und mit Unruhe drückte sie den Arm des Alten. .Was gicdt es zu fürchten!" sagte dieser kaltblütig. Ick füchte nichts," erwiedertc sie,„im Gegeniheil könnte ich zu diesem ehrwürdigen Manne das größte Vertrauen haben, seine Rede hat mich sanft ergriffen- nur Sprecht leiser," unterbrach sie Royan.„Eure Sprache vrßt"nicht zu Eurem Kleide. Der Einsiedler bat Euch nie ge- sehen- bald hab�n wir überhaupt den Fußsteig erreicht, der uns in die Seitenschlucht führt, wo wir dresem ewigen An- �'"�Aber'gerade wo dieser Fußsteig aus dem Hauptpfade sich -abzweigte, standen Menschest, die von den Hohlen schon zurück- gekehrt waren. in lebhaftem Gespräch, und wre es schien, war es kein ersreuliches. Laute heftige Worte machten sich bemerk- lich, doch nicht vom Zank, sondern aus gemeinsamem Unwillen da kommt Vater Royan". schrieen ein Paar.„Den geht es am meisten an!".,,.>- Und sie liefen ihm entgegen mckt ohne verwunderte Blicke auf seine Begleiterin zu thun, die sie nicht kannten, und nie d.i bei ibm gesehen hatten. Doch war jetzt ein größeres Interesse wirksam.„ � �_ „Hast Du gehört, Gevatter? Hast Du gehört?" riefen sie schon von Weitem. � �.... ,. „Was denn?" entgegnete er ruhig.„Ich denke, die beiden Grotten sind voll bis zum Uederfließen, und ww können Gott danken für die gute Ausficht des Jahres". � � � „Korn und Wein im Uedelfluß!" schrieen die Leute durch- einander.„Aber auch das werden sie uns noch nehmen! Weißt Du denn gar nichts? Ist der Eisenhammer von Oisan nicht Dein eigen?" „Freigut, mit meinem Gelde bezahlt", antwortete der Alte aufmerksam. Nun, er soll still flehen, soll abgeschafft werden— fein Eisenwerk soll mehr setn in Graifiouudan!" Und wäh- rend die Leute fast unverständlich sich üdersckricen, waren vi»er Auaen auf den alten Hammermeister gerichtet, welchen Cirdtuck diese Neuigkeit auf ihn machen würde. Erst in Stuttgart herausgegebenen, gedruckten und verlegten„Auf- ruf zur Reichstagswahl", datirt vom September 1834. Die Todesstrafe ist nickt— wie verschiedene Blätter be- reits gemeldet haben— im Kanton Zürich in der Schweiz be- reits wieder eingeführt. Es ist das ein Mißverständniß, welches hauptsächlich dadurch entstand, daß durch den Satz: „Diese Bestimmung tritt sofort in Kraft" sich verschiedene Blätter verleiten ließen, zu glauben, dieselbe habe einen abso- luten Werth. während sie nur für den Fall gilt, daß der ganze Artikel in der Volksabstimmung angenommen wird. Man hat es nicht mit einem endgiltigen Erlasse der Kantons- Behörde, sondern vorläufig nur mit einem Vorschlage derselben an's Volk zu thun. Holland. Zufolge einem königlichen Dekret wird das Parlament am nächsten Samstag den 11. d. Mts. geschlossen und aufgelöst. Die Neuwahlen für die zweite Kammer finden am 28. Ostober, für die erste am 5. November statt. Das neue Parlament tritt am 17. November zusammen. Die Zustände in Spanien schildert ein Korrespondent hiesiger Zeitungen folgendermaßen: Die Presse erfährt jetzt täglich neue Beschränkungen. Konfiskationen und Geldstrafen, Vemrtheilungcn von Journalisten mehren sich in bedenklichster Weise. Man spricht ferner von strenger Kontrole, bezw. Aus- weisung von fremden Korrespondenten. Denn wie hait auch die Spanien über sich selbst urtheilen, sie können es nicht ver- tragen, wenn Fremde nur einen kleinen THeil der Wahrheiten auszusprechen wagen, die sie selbst erkennen. Die soziale und Finanzlage des Landes ist trostlos. Die Cholerasperre hat Handel und Industrie gelähmt, die Heuschrecken, Ueberschwem- mungen haben große Strecken, ganze Provinzen mehr oder minder verwüstet. Die Arbeiterfrage nimmt einen sehr ernsten Charakter an. In Malaga sind allein etwa 14 000 Arbeiter brodlos, erschreckend groß find die Massen der Beschäftigung Suchenden in anderen Städten und besonders auch hier in Madrid. Daneben wird in den höheren Gesellschaftskreisen ein Luxus entfaltet, wie er kaum irgendwo anders gesehen werden kann. Die Luxuslädcn mehren sich, und viele von ihnen find während des Sommers in einer übertrieben ver- schwendcrischen Weise ausgestattet worden— natürlich sind die Preise, die dort verlangt werden, auch darnach. Die Damen- schneider lassen sich die Kleider, die vor wenigen Jahren noch 1000 Francs kosteten, beute mit 3000 und mehr bezahlen. Dabei find die Staatskassen leer, die Bankoerhältnisse geradezu trostlos, und es ist nicht unmöglich, daß bald ein Krach erfolgt. Die„Welt", die„Gesellschaft" läßt sich aber weder dadurch, noch durch das allgemeine grenzenlose Elend stören, sondern lebt lustig in den Tag hinein. Die Exabonnenten der könig- lichen Oper haben der Verwaltung derselben den Tod ge- schworen und verschwenden das ersparte Geld auf andere Weise, und Viele, die bisher nicht dazu kommen konnten, treten nun an Stelle Jener ein und abonniren fleißig.— Nur die Lotterie blüht hier— und, flüstert man sich zu: die Spielböllen. Cholera. In Italien starben am 8. d- Mts. 102 Personen an der Cholera. England. Wie die„Times" erfahren, ist im gestrigen Kabinetsraihe beschlossen worden, sofort Maßregeln zu ergreifen, um den Eingriffen der Boeren im Betschuana-Land ein Ende zu setzen; eine präzise Form für das Einschreiten sei jedoch noch nicht festgestellt-— Damit wird es auch wohl noch etwas dauern, denn das ist nicht so ganz leicht: die Boeren find keine Egypter, welche beim ersten Sckuß davon laufen. Egypten Das Journal„Phare d'Älexandrie" ist wegen eines Arrrkels, der sich für die Wiedereinsetzung des früheren Khedive Ismail Pascha ausspricht, auf 3 Monate suspendirt worden.— Das Verbot zeigt wieder recht deutlich die Frei- bcitsliebe der englischen Regierung. Sobald in den„eroberten" Ländern sich eine oppositionelle Stimme erhebt, wird dieselbe in einer Weise unterdrückt, die den russischen Absolutismus noch übertrifft. Süd-Afrika. Die amtliche Zeitung von Transvaal hat am 16. September eine Proklamation veröffentlicht, des In- Halts, daß die Südafrikanische Republik ein Protektorat über das Terrftorium Äonfioa's hergestellt habe und die Juris- diklion über dieses Gebiet kraft der Klausel 4 der Londoner Konvention beanspruche. Mr. Joubert ist zurückberufen worden, um den Verhandlungen des Volksraads beizuwohnen und der Unterrichtsminister wurde abgeschickt, um seinen Play einzu- nehmen.— Der Volksraad des Oranje Freistaates hat die Annexion des Territoriums Baralong ratifizirt. Australien. Verschiedenen gleichlautenden Nachrickren zufolge haben neuerdings an der Südostlüne von Neu-Guinea arge Ausschreitungen bei der Anwerbung von Ar- d e i t c r n stattgefunden. Mehrere Arbeiterschiffe von OueenStand waren jüngst mit der A n w e r b u n g von Arbeitern in East Cage beschäftigt und es wurden bei dieser Gelegenheit von den Mannschaften dieser Sckiffe nicht weniger als 33 Eingeborene niedcrge- schössen! Von derselben Küste werden auch andere Aus- schreitungen gemeldet, und es ist befriedigend zu hören, daß vor einiger Zeit ein mit diesem schändlichen Handel beschäftigter schüttelte er ungläubig den Kopf, dann blickte er von Einem zum Andern, und als es ihm endlich gelang, mit seiner Stimme durchzudringen, fragte er ruhig:„Still stehen mein Eisen- Hammer? Kein Hüftenwerk mehr in Graistvaudan? Wer hat Euch die Mährchen aufgebunden?" „Nicht aufgebunden!" schrieen sie wieder.„Der Müller von Barraux ist eben gekommen— dem hat es sein' Herr selbst gesagt, heut wird es in Grenoble bekannt gemacht. Nun lackt der Müller, dem wird'S Wasser nicht mehr fehlen und Mehl brauchen fie, d'ium—" »Eisen auch!" rief Vater Royan mit funkelnden Augen, daß an seinem Arm das Mädchen erschrak.„Was soll aus der elenden Welt werden, wenn sie kein Eisen mehr hat!— Doch was erboße ich mich? So dumm ist diese Geschichte, daß ich mich sckäme, darauf gebört zu haben." „Nicht so dumm, mit Verlaub, Meister Royan", ließ sich eine Stimme aus dem Haufen vernehmen, als der yammermeister kurz durchbrechen wollte, um seinen Fußsteig einzuschlagen. Es war der Müller, welcher die Nachricht gebracht hatte. Royan blieb stehen und sah ihn finster an. „Die Geschichte ist wahr", sagte der Müller mit schlecht verhehlter Schadenfteude.� Eisen wird d'rum in der Well nicht fehlen, wenn auch die Hammerwerke in Graistvaudan stille stehen". »Aber wer kann mir befehlen, mein fteies Eigenthum nicht zu benutzen?" rief der Alte und ärgerte sich im selben Augen- blicke, daß er sich in einen Streit über den Unsinn einließ. Be- haltet Eure Neuigkeiten für Euch!" setzte er kurz hinzu und drängte wieder fort. „Wollt Ihr nicht wenigstens den Grund wissen?" ftagte der Müller höhnisch. Royan blieb wieder stehen. „Seht, den Studenten in Grenoble soll das Hol, nicht theuer werden, das ist Alles!" sagte der Müller und lächle hell auf.„Dumm ist es also doch nicht— und daß es wahr ist. dafür bürgt der Name meines Herrn, des Scneschals von Dauphins, der mir's mit seinem Worte betheuert hat, als ich es auch nicht glauben wollte. Heut am Dreikönigstag wird es in Grenoble bekannt gemacht, als Befehl unseres allergnädia- sten Herrn, des Dauphins." „Wollen seh'n! Wollen seb'n!" sprach Royan hastig. „Den Herrenleuten, die selbst eigen sind, können fie sperren was ihnen deliebt— uns, den freien, aber sollen ste's bleiben lassen." Damit schob er den Müller, der noch etwas von„Be- Sckooner von dem englischen Kanonenboot„Swinger" mit Beschlag belegt und nach Kooktown gesandt wurde, damit dort eine gerichtliche Untersuchung veranstaltet werde.— Es ist längst öffentliches Gcheimniß, daß die australischen Kolonie» und namentlich Queensland fich ihre Arbeiter in einer Weist verschaffen, die fich von der der Sklavenjäger nicht viel untw scheidet. Mit der sogenannten„Anwerbung" hat es eine gani besondere Bcwandniß; die Eingeborenen werden verlockt et» Papier zu unterschreiben— d. h. fie machen drei Kreuze auf demselben— ohne daß sie von dem Inhalt Kenntniß habe». Dann werden fie mit Gewalt auf's Schiff geschleppt und de» Kolonien zugeführt.— Diese Gcäuelszenen hätten längst be- seitigt werden müssen, allein man hat die Kolonisten ruhig g«- währen lassen, man steht mit verschränkten Armen zu- Hoffou- lich wird nach dem Bekanntwerden derartiger Mordszenen endlich einmal die Aufmerksamkeit der zivilifirten Menschheit aus dieses Treiben gelenkt und dadurch Abhilfe geschaffen. Zum chinesisch-französtschen Konflikt wird aus Hanoi gemeldet: General Negrier stieß gestern bei Kep auf 6000 chinesische Regulaire, welche mehrere, ein Zenftal-Schanzwerluir- gebende Vcrschanzungen besetzt hatten. Die Chinesen begänne» den Angriff und suchten vre französtschen Truppen zu um* ringen, das Gefecht dauerte von früh 9 Uhr bis Nachmiftag« 2 Uhr und endete mit der Flucht der Chinesen. Der Rückzug nach der chinesischen Grenze wurde den Chinesen abgeschniüe», dieselben flohen in vereinzelten Haufen in der Richtung vo» Daognan und wurden von den französischen Truppen verfolgt. Die mit der Verthcidigung von Kep beauftragten chinefische» Truppen leisteten bemerkenswerthen Widerstand, in die Ow schaft Kep, welche von den ftanzöfischen Truppen umzingw wurde, mußte Bresche geschossen werden, das Zentralschanz-rerl wurde mit dem Bajonnet genommen. In der Ortschaft!W allein verloren die Chinesen über 600 Mann an Tobten. A-* französischen Truppen gingen mit großem Muthe vor und o?p rirten mit solcher Umficht und Entschiedenheit, daß man su» der Rückzugslinie des Feindes bemächtigen konnte. Das 6� sammte Kriegsmaterial der Chinesen und eine große Anzaft von Maulthieren und Pferden fiel in die Hände der ft1� zöstschen Truppen. Die Verluste der ftanzöfischen Truppen be- tragen: ein Kapitain und einige 20 Mann todt, 8 Offiziere uw etwa 50 Mann verwundet. General Negrier und ein Ol- donnanzosfizier find leicht verwundet. General Brisre de lJsle ist nach dem Schauplatz der Operationen abgegangen.— Ma» darf nicht vergessen, daß diese Nachricht aus franzöfischer Que>» kommt.— Ein Telegramm der„Agence Havas" aus Shangai meldet: Das Bombardement in Vamsui, welches am 2. d- begann, dauerte noch am 6. d. M. fort. Sämmtlicke Fori» find zerstört: die Häuser der europäischen Einwohner find oo» ben Kugeln stark mitgenommen, die Einwohner selbst habt» nicht gelitten. Die Chinesen waren stark verschanzt.— vollständige Besitzergreifung der Insel Formosa, als Faustpfa� für die Erfüllung des„Friedens von Tientstn" seitens W* Chinesen, wird den Franzosen voraussichtlich nicht allzugrol» Schwierigkeiten machen, benn der Widerstand der Chinesen r nur ein geringer. Wahlbewegung. Im 6. Berliner Wahlkreise hielt der konservativ� semitische Kandidat, Dr. Jrmer, einen von Verdrehungen«i«* Unrichtigkeiten strotzenden Vortrag, der den Unwillen und b Erbitterung vieler Anwesenden hervorrief. Das Verhalten vo- Herrn Jrmer in der Stadtverordneten- Versammlung ist Genüge bekannt, es hat gezeigt, daß die Handwerker und» better von ihm nichts zu erwarten haben. Und das Verba«� des Herrn Jrmer in dieser Versammlung hat wieder Viele» oes£>errn<;rmer»n orezer �erzammrung yar wieorr die Äugen geöffnet; einige Arbeiter, welche einen Zwifchc»? fallen lieben, wurden in der brutalsten Weise aus dem Eine Diskussion wurde nicht beliebt, jedenfalls eme Diskusstb" fallen ließen, wurden in der brutalsten geworfen. Eine Diskussion wurde nii Herr Jrmer der Anficht, daß seine Phrasen nicht vertragen können. — Auch die Herren„Freisinnigen" haben wieder ein»' im 6. Wahlkreise„unter fich" eine öffentliche„Wählerversai» lung" abgehalten in welcher der„alte Klotz" und der 3' arzt Dr. Mendel den„Wählern" allerhand zum Besten fl»b —„Wo ist denn mehr für die Arbeiter geschehen alS � Berlin?"— so ruft der Herr Mendel mit Pathos auS � Nur gemach ihr Herren, wir wiffen und haben täglick spiele, mit welchen Löhnen städtische Arbeiter ab» � funden werden: und haben nicht die Herren Slam, t da, wo es galt ben städtischen Arbettern einige Groschen» Lg, zu zahlen, gegen dieses Mehr gestimmt?— Sollte dem v � Mendel dieses nicht bekannt fern?— Nun, die Berliner � beiter und Handwerker rechnen mit Thatsachen, fie werden Wahltage zeigen, daß burch das Geflunker der sogcna» „Freifinnigen" fich Niemand irreführen läßt. Lokales. Das beste Wasser Berlins. Auf Anregung Gcheimrath Koch ordnete bas kaiserliche Gesundheitsam de- StA ei»* waffneten" krähte, unsanft beiseit und wandte fich schlucht, deren Krümmung ihn mit seiner schönen Bern sth bald den Blicken der Nachschauenden entzog. Sie ßti. eierst, ob er Recht habe, daß ihm der freie Betncb K kauften Hammers nicht gewehrt werden könne, dann-> jp auffallend schöne Mädchen gewesen sei, mit welchem � � kommen. Mehrere kannten seine Sippschaft�genau � jü hauvtetcn, daß sie nirgend hin paffe Kleidung der Gegend. und fie trug Durch die Straße Cbalemont in Grenoble ntt b � lem Abende eine kleine Schaar von Gewaffneten- d» Weg zwang fie zu langsamer Gangart, auch Mv � � Pferde mehr als einmal, denn fie hatten eine weite» Mw demselben Tage zurückgelegt. Schweigsam folgten ftijm ihrem Anführer, der allein an der Spitze ritt und M Ungeduld den ganzen Berg Radot, der ihn nock aufhielt, in die Tiefe des Meeres wünschte. Es war gtll Schicksal dieses Mannes überhaupt, daß er stets naß juf» aufgehalten wurde— wohl ihm, wenn er alle Hmde Ausdauer so gut besiegt hätte, als die heutigen. hiiw» „Sie werden fich wundern!" murmelte er in n und lächelte dabei._ ziht, � Von der Kirche Notre-Dame schlug da den Reitern zeigte fich der Palast des Dauphins. schl° das müde Pferd des Anführers noch einmal aus�,� ut dumpfächzend hin, daß fein Reiter, der nachlässig» � L. mit dem halben Leibe unter bem Thiere begraben schrecken eilten die Leute seines Gefolges herbei, w und halfen ihm auf. „Das ist ein übler Empfang!" sagte er verdn tz ,, unbeschädigt.-«„..-iiben st „Absit otnen! Es möge kein übles Parze. sprach mit breitem Tone einer der Begleiter.,. „Für Euch, mein getreuer Rath, bedeu,, Ihr den Rest des Weges zu Fuß gehen fall- � der Gestürzte, und schwang fich schnell auf v � tt}({ ihm bereitwillg dargeboten wurde. Dann ß zstinck�il bas Thor des Palastes, ohne auf den b�ohen Wachen zu achten, bis endlich ein Pfeil durch � dicht an seinem Kopfe vorüber schwirrte. rief' „Beim heiligen Georg! Das ist ZU sta'l- „Bebeute doch Einer diese Cretins, wer ww' tForlseyung folgt.) (ai!.uU�uü1 sämmtlicher Waffer Berlins in Bezug auf ihren yau an lebens- und entwickelungssähiacn Mikroorganismen- '.e geniale Methode des„Bacillen-Kock" ermög- mit v tn,�.™�'gen Lebewesen, von denen mehrere Millionen t ein Milligramm gehen, zu zählen. Es fanden stck dabei, fstima Tgbl." mitgelheilt wird, an entwickelungs- rA.lt'Jl �eroien in einem Kubikzentimeter Sprecwaffer von merhalb der Panke 940 000, unterhalb der Panke 1800000; II; e,�rm Kubikzentimeter Spreewaffer bei Bellevue 4 480 000] i i enburÖ 10180000; in einem Kubikzentimeter bei ica k � PL« See selbst(also sra.R> miuut8 iuiöuuuu; rn einem»uoiizeniimerer «�etlettungcmafier der Tegler Leitung 160 bis 235, aus dem oJ;,®fe selbst(also vor der Filtration) 3740; in einem her Waffer aus den Stralauer Wasserwerken vor ™r(VUlratlON rs"--- t ion. i_.!--- vor der Filtration) 3740; in einem auS den Stralaucr Wasserw Butir"."""1,1 s 25 000, nach der Filtration 120; in einem ra'llÄ Nasser aus verschiedenen Brunnen der Stadt Tnu4 y*' ,�q6(last not die Spüljauche aus den hflrff.ro ln'n Kallenberg 38 Millionen jener Racker enthalte, fnJi un?, nacb obigem kaum sonderlich entsetzen. Als Re- IS iFßwlü fich also, daß das Brunnenwasser das gesündeste Vier aber fehlt nur zu oft die Kontrole über Berun- l.y« aber fehlt nm nmigungen anderer Art. 3n der„Ersten Berliner Sanitätswache" Blüder- Anw t im Monat September 54 Fälle gegen 41 im ..... Hiervon kommen auf innere Krankheiten iwu-» auf äußere Krankheiten 33(1883: 26) Sr ai 1,51 Wache wurden 34(1883: 28) und im Hause 20(1883: 13) Fälle erledigt. Unter den be- ein. I T fällen befinden fich sehr schwere Verwundungen, fotA.'n �uzahl von Choleraanfällen, von denen einer bereits führL angenommen hatte, daß die sofortige Ueber- SBVnrf t Patienten nach der Charitee stattfand. In der inÄ rwdcn 34(1883; 28) Fälle ihre Erledigung während fand o 4T(1883: 13) ein Besuch des Arztes im Hause statt- 34 sro Zahlung wurde 13 mal mit 19 M-(1883: 16 mal mit Dffnt geleistet. In dem verflossenen Vierteljahr Juli bis !lrnnft'-Tnub"' 173 Fälle behandelt, von denen(78 innere Staft. n„ und 95 äußere Krankheiten betrafen. In der Rmmbm 122 Fälle sofort erledigt, während in 51 Fällen mar T Arztes im Hause der Patienten nothwendig All. vt �lige Zahlung wurde 52 mal mit 97,50 M. geleistet. wend�» � angeführten Zahlen sprechen wieder für die Roth- Wenk" Institute. Wenngleich es wohl wünsckens- so nlk"� dergleichen Institute auf Staatskosten zu schaffen, doch noch Jahre vergehen, ehe dergleichen Wil li. vom Staate wirklich ins Leben gerufen werden. EjpiTl'..und gerade in der Nacht, hängt von dem schnellen LeW- Tr�ues Arztes, sei es auch nur durch deffen Rath, an R."-Eo)) eines Menschen ab. Man denke hierbei nur burrfT ö-nc' plötzlichen Blutsturz, Vergiftung, starke Blutungen burrf! �'.ververletzungen. Wenige Stunden genügen oft, um denr?!ll•lpn,e ärztliche Hilfe den Eltern das Kind, den Kindern Ernährer, die sorgsame Mutter für immer dahin zu ent- •v.m J�n<: tuteressante statistische Zusammenstellung in ni. L®« hören, auf Anordnung der Reichsvostdehörde, 17 nr. t 15. Oktober, 12 Uhr 1 Minute Morgens bis �ißen. , N. ttllb, Sm�fel2 Uhr Nachts, vorgenommen werden. Für die kllrtrn L Weltpostvereins soll nämlich die Stückzahl der Post- an,«"'"'1 bezahlter Antwort, der Sendungen mit Empfangs- BeftpiV. uvd der Eilsendungen während dieser Tage fest- d«®erden. Ferner soll dabei die Anzahl der im Postwege 1884 Zeitungen und Zeitschriften für das Kalenderjahr Detf,.r Ir!Tt,eIt werden. Behufs Feststellung des Zeitungs- verkltl�Hr das Kalenderjahr 1884 ist, was den Zeitungs- Erewllr bas vierte Vierteljahr betrifft, die Zahl der Zeitungs- &ch,n- nacH dem Stande am 1. November, die Zahl der v«..t Hummern für die vollen drei Monate Oktober, No- nsüeilTH Dezember, zu berechnen. Bei nicht regelmäßig fkllun» 1 JkÜungen und amtlichen Blättern ist zur Fest- johl rn. k Nummerzahl für das vierte Vierteljahr die Stück- «llebnia.. Monat Oktober zu Grunde gelegt. Die Zählungs- an hi.• svllen von den Postanstalten bis zum 10. November (tfltif.Ii'Hjrlnen Ober-Postdirektionen und von diesen an das (inarllll Bureau des Reickspostamtes bis zum 25. Noveniber «, werden. Aach eiuer schon jetzt ergangenen Bekanntmachung �ünWki» mr rrrwacviene uno bei isri ,,' welche mit dem Aufdruck„Gültig bis31. Dczem- !>.. oerf.Fi.n it... mit dem 31. Dezem- «5t ükJ-,' �'»rr iojoji icb» trnuiiut»ini»>»»,««>» btnw flI- Eisenbahn-Direktion zu Berlin verlieren die für ■inet Verkehr auf der Berliner Stadtbahn und der Ber- ' �T?bahn. sowie die für den �'------' befhll. Hctä' sür Erwachsene u Stadtringverkehr bestehen- und Kinder, einschließlich der ber b 4 Ersehen find, ihre Gültigkeit mit dem 31. Dezem- btnrf' y- Das Gleiche geschieht mit dm. mit demselben Auf- Königs Wen en Brllcis für Hunde.- Demnach scheint die l°rnm»«d Wbahndirektion von der bisher geübten entgegen- "�tausch� des folgenden Jahres gegen gültige BrUets bas J'ßSw das neue Museum für Völkerkunde ist bereits Nsennf�10* überführt worden, nämlich der große Haus- ■andw Ä"l« der Haidan-Jndianer. der bis vor Kurzem im Bri!ish-Kolumbi7n'zusämmen' gebracht hat. WsMS .'7,17' MWWW Eröffnung der Markthallen. Ebenso fraglich, wie die Der einem K "-- M» ö b!. fd. erwarten., SÄ-ÄTSÄLÄMW «-«".'.Tli Tm" tw Z e «WWWW- WWW Hoftheaterschneidcr sei bereits für den 80 centimetrigen Eber ein Hamletkostüm bestellt worden. &. Ein gefangener Gefangenen- Aufseher. Zu der Frau des in Untersuchungshaft befindlichen Gerichtsvollziehers Rindfleisch— derselbe ist bekanntlich unter dem Verdachte der Urkundenfälschung verhaftet worden— kam Ende vorigen Monats ein Mann, der fich als der Gefangenen-Aufseher Becker aus dem Untersuchungsgefängniß zu Moabit vorstellte und von ihrem Manne einen Gruß bestellte. Er erzählte, daß er in der Wilsnackerstraße 17 wohnt und daß er im nächsten Monat Nachtdienst habe. Ferner erwähnte er, daß es ihrem Manne recht angenehm sein würde, wenn ihm von der Frau etwas zugeschickt würde. Frau R. gab dem vermeintlichen Aufseher deshalb eine Kiste Cigarren und ein Zwanzigmarkstück, welche Gegenstände er ihrem Manne geben sollte. Nach einigen Tagen schickte Frau Rindfleisch ihren Schwager zu dem Becker nach der WUsnackerstraße 27, um fich bei diesem nach dem Befinden ihres Mannes zu erkundigen. Der Schwager fand aber in dem bezeichneten Hause einen Gefängnißaufseher Becker nicht, und Frau R. ersah daraus, daß ste einem Betrüger in die Hände gefallen war. Am 8. d. M. begegnete der Schwager der Frau R. in der Oranienstraße, an der Ecke der Luckauer- straße, dem Betrüger, welchen er festhielt und einem Schutz- mann übergeben wollte. Dieser aber erreichte durch Bitten, und nachdem er fich als der Kaufmann Fritz Warmer bezeichnet und durch Papiere legitimirt hatte, daß er von R. zunächst wieder freigelassen wurde. Als R. aber seiner Schwägerin diese Begegnung erzählte, drang diese auf die Bestrafung des Betrügers. Herr R. suchte nun, desselben wieder habhaft zu werden, und er hatte auch am folgenden Abend das Glück, den Warmer in der Manteuffelstraße zu treffen, wo er ihn durch einen Wächter festnehmen ließ. Auf dem Wege zur Wache versuchte Warmer zu entfliehen, was ihm aber nicht gelang, und sodann in der Nähe des Polizei-Revier-Bureaus machte er einen Selbstmordversuch, indem er fich mit seinem Taschenmesser die Pulsader der linken Hand zu durchschneiden versuchte. Er wurde jedoch von dem Begleiter an der Aus- führung verhindert und konnte fich nur geringe Verletzungen beibringen, die nach Anlegung eines Verbandes seine Abfüh- rung nach dem Molkenmarkt nicht oerhinderten. Heute ist er zur Untersuchungshaft gebracht woiden. Der Doppelgänger. Herr R. und dessen Bruder, zwei angesehene Fabrikanten in der M.straße, stnv Zwillinge, von so erstaunlicher Aehnlichkeit, daß eine Verwechselung derselben Niemand, der die Herren persönlich kennt, Wunder nimmt. Der eine von ihnen, Gustav, bestellt bei einem Uhrmacher zum Geburtstag seines Zwillingsbruders Adolf, eine Kuckucksuhr, und ersucht den Uhrenkünstler, ihm Mittheilung zu machen, wann er die Uhr abholen lassen könne. Das Geburtstagskind soll aber vorher beileibe nichts davon wissen. Vier Wochen darauf steht der Uhrmacher zum Fenster heraus, als Adolf eben vorübergeht.„Sie, Herr R", ruft der Uhrmacher, der nur den Besteller kennt,„die Kuckucksuhr zum Geburtstag ihres Herrn Bruders ist fertig!" Der Angerufene, der sofort die Verwechse- lung ahnt, sagt:„Schön, ich werde ste abholen lassen", und geht weiter. Als er nach Hause kommt, sagt er zu seinem Bruder:„Gustav, die Kuckucksuhr, die Du heimlicher Weise bei dem Uhrmacher N. zum Gebuttstag für mich destellt hast, ist fertig, möchtest ste abholen lassen." Natürlich löste stch das Räthsel für die Brüder bald auf und rief große Heiterkeit bei Beiden hervor. r. Eine ungemüthliche Großmutter. Bei dem in der Cuvrystraße wohnhaften Maurer L. kam vor einigen Tagen dessen Mutler, eine noch recht rüstige Frau von Auswärts, zum Besuch, und erklärte ihrem Sohne bald darauf ihren Ent- schluß, bei ihm bleiben zu wollen. Der Sohn, obwohl nur selbst in dürstigen Verhältnissen lebend, mochte der Mutter die Bitte nicht abschlagen, obwohl ihm hierbei recht lebhaft ins Gedächtniß kam, wie er als dreizehnjähriger Knabe von seiner Mutter von Hause fortgejagt worden war, um sein Brod selber zu verdienen. Die Alte war inzwischen bei allen ihren Kin- dern, die sämmtlich verheirathet find, gewesen, hatte aber nir- gend lange gehaust und kam nun zu ihrem Sohne nach Ber- lm. Kaum hatte der Sohn ihr Aufnahme gewährt, so ging ste sofort daran, dessen kleines Hauswesen nach ihren Anschau- ungen umzugestalten und die Erziehung der Kinder ihres Sohnes in die Hand zu nehmen, die ste durch möglichst viele Prügel zu fördern beabfichtigte; ihre Schwiegertochter, die hier- gegen Einspruch erhob, mit dem Bemerken, daß die Kinder eine solche Behandlung nicht gewöhnt seien, bedeutete ste, daß auch die Schwiegertochter ihrer Zucht unterstehe und bei etwai- ger Widersetzlichkeit Prügel zu gewärtigen habe. Es ist be- greiflich, daß der Mann für seine Frau und gegen seine Mutter Partei ergriff und diese sehr bestimmt ersuchte, fich derartiger Eingriffe in seine Familienangelegenheiten zu ent- halten. Nun erhob die Alte ein furchtbares Lamento, stellte fich auf den Trcppenflur des Hauses und schimpfte unter Tyrä nen so laut auf den ungerathenen Sohn, daß alle Hausbe wohner zusammenliefen und die alte arme Mutter bedauerten. Nur mit Mühe war es dem Maurer möglich, den Leuten die Situation klar zu machen. Die Alte hat sich bei anderen Leu- ten in demselben Hause eingemiethct und die Hausbewohner dürften bald von ihr weitere Beweise mütterlicher Gestnnung zu sehcn�koninnin� uerhoftel. Der Arbeiter Maschunat. welcher in Gemeinschaft mit dem gestern verhafte- ten Schmied Senne die Frau Büttner in Ruhlsdorf ermordet und beraubt hatte, ist nach einem aus Königsberg i. P. von der dortigen Polizeibehörde an den hicfigen Untersuchungs- richter gerichteten Telegramm gestern in Königsberg festgenom- men worden. Maschunat hatte fich am Abend nach der That, nachdem er mit Venne Hierselbst mit dem Stettiner Zug ange- kommen, von Venne getrennt und sofort nach dem Schlestschen Bahnhofe begeben, von wo er mit der Ostbahn nach Königs- berg abreiste. Maschunat hatte die Abficht ausgesprochen, nach Rußland auszuwandern, nachdem er noch-n der Nähe von Königsberg an einer ihm bekannten Stelle einen zweiten Raub- mord welcher recht lohnend sein sollte, verübt hätte. Dieser ruchlose Plan ist nun durch seine Ergreifung in Königsberg me'a I lUber die Aueführung eines beispiellosen Buben- stückes, welches gegen die Frau eines hiefiaen Bankiers, wahr- sckeinlick aus Rache, vor einiger Zeit verübt worden, wird uns Folgendes berichtet: Als diese Dame am 23. August d. I., Vormittags die Friedrichsstraße pasfirte, wurde sie vor dem Hause Nr. 103, in welchem fich die Filiale der Nicr'schen Wein- Handlung befindet, von dem daselbst in Stellung befindlichen Hausdiener H. angesprochen, der ihr in hastiger Weise mit- theilte, daß ihr zur Zeit als Einjährig-Freiwilliger beim 2. Garde- Regiment z. F. dienender Sohn ans dem Uebungsterrain am Kreuzberg den Fuß gebrochen habe und nach Hause transportirt werden würde. Die Dame eilte sofort nach Hause, woselbst fich jedoch bald darauf die Unglücksbolschaft als Unwahrheit herausstellte, denn der Sohn kehrte kurze Zeit darauf von den militärischen Hebungen wohlbehalten nach Hause zurück. Es schien aber eine weitere systematische M.lvung derartiger Un- glücksnachrichten gegen die Dame geplant gewesen zu fem, denn als dieselbe am 16. September er., Vormittags wieder die Friedrichstraßc entlang ging, trat zwischen der Weiden- dammerbrücke und der Kaserne des 2- Gaideregunent z. F- ein Dienstmann mit den Worten an ste heran, daß er von einem Soldaten den Auftrag erhalten habe ihr mitzutheilen, daß ihr Sohn während des Divistons-Manöoers plötzlich verstorben seu Auck diese die ganze Familie erschreckende Nachricht erwies fich als falsch, da der Einjährige an demselben Tage Nachmittags wohl und munter bei den Seinen wieder eintraf. Der Ver- Hausdiener H. zur Ueberbringung der ersten Nachricht an die Dame beauftragt gewesen sein will, und vermuthlich hat diese ««f ääsä%%%& beschrerbung fernes Auflragsgebers zu machen. *& AIS gestern Nachmittag kurz nach 4 jUhr der Pferdeeisenbahnwagen Nr. 327 der Ringbahn die Strauß- bcrgerstraße nach der Friedenstraße hin pasfirte, stürzte ein wenige Jahre altes Kind vor dem Hause Straußbergerstraße 34 beim Spielen mtt anderen Kindern so ungeschickt auf das Ge- ttise der Pferdebahn, daß es unmittelbar vor die Pferde fiel. Nur der großen Achtsamkeit und Geistesgegenwart des Kutschers m, t tT llal � nicht überfahren und aller Wahrscheinlichkeit nach getodtet wurde. Möchten doch Eltem und Pflegebefohlenen dafür Sorge tragen, daß die Kinder. wenigstens solche, welche noch der Aufficht bedürfen, nicht in so frequenten Straßen auf der Straße spielen, um so mehr, als »ijjffl% selbst werden Vre vorhandenen Gebäude abgebrochen, welche einem Neubau Platz machen sollen. Bei diesen Abbruchs- arbeiten hatte sich auch der stellvertretende Maurerpolier Kober betheiligt. K. stand auf dem Dache des zweistöckigen Vorder- Hauses und war eben im Begriff, einen großen Balken nach dem Hofe zu werfen, als er von einem vorstehenden Nagel des Balkens, an einem Kleidungsstück erfaßt und mit in die Tiefe gerissen wurde. K. schlug mit dem Balken so heftig auf, daß er besinnungslos und aus einer großen Kopfwunde blutend liegen blieb. Ein sofort herbeigerufener Arzt und ein Heil- gehilfe konstatirten außer einer stch über die ganze Stirn ziehenden, bis auf den Schädel gehenden Wunde eine Ver- renkung der Schulter. Nachdem man dem Verletzten die Wunde zugenäht und ihn ins Bewußtsein zurückgebracht hatte. wurde er zu seiner weiteren Behandlung nach dem Kranken- Hause Bethanien gebracht. Wie eine Nachfrage ergab, giebt das Befinden des Verunglückten zu keiner Befürchtung für sein Leben Veranlassung. e- Die Identität der Leiche eines jungen Manne» ,m Alter von 21 bis 22 Jahren, welche am 14. v. Mts. in Ober-Schönwcide, gegenüber dem Kaf6 Sedan, angeschwemmt wurde, konnte trotz aller sorgfältigen Nachforschungen bisher nicht festgestellt werden. Der Verstorbene war bartlos, der Köpf mit dunkelbonden Haaren reichlich bedeckt. Bekleidet war die Leiche mit schwarzem Anzüge, aus Rock, Weste, Bein- kleidern, gut erhaltenen Stiefeln und zwei Hemden bestehend. Vielleicht hat man es hier mit einem bisher Vermißten zu thun. Nachfragen können beim Amtsvorsteher der Obelförsterei Köpenick gehalten werden. N. Der Selbstmord eines in der Sebastianstraße 17 wohnhaften Inhabers einer Album-Vergoldungs- und Preß- anstatt erregt in der Luisenstadt berechtigtes Aufsehen. Derselbe war dort in den Kreisen der jeunesse doröe und namentlich auch in den dort gelegenen Theatern eine sehr bekannte Per- sönlichkeit. Das Motiv zur That soll eine erhebliche Schulden- last gewesen sein, denn in diesen Tagen ist die ganze Hinterlassen- schaft verfiegelt auf Grund massenhaft einlaufender Wechsel- Proteste. Zur Ausführung der That begab er fich nach Bitterfeld und setzte seinem Leben dort am Dienstag durch Vergiften ein Ziel. Auf dem Tische neben seinem Bett stand ein Fläschchen mit Gift und ein frankirter Brief an seinen Hauswirth Hierselbst in Berlin, in welchem er denselben wegen seiner Tbat und der dem Wirthe dadurch verursachten Un- annehmlichkeiten um Verzeihung bittet und ihn ersucht, seinen Tod in schonender Weise seiner Witthschafterin mitzutheilen. Die gesammte bei ihm vorgefundene Baarschaft betrug 27 M. Die Polizei aus Bitterfeld sandte die Stuben- und HauS- fchlüffel nach hier, um durch Vergleichung mit den Thür- schlöffern die Identität des Selbstmörders festzustellen. Ver- schiedene Freunde aus Berlin find nach Bitterfeld gefahren, um die Ueberführung der Leiche nach hier zu bewerkstelligen. Polizeibericht. Am 8. d. Mts. Abends fiel der Kommtü Royer in der Biüderstraße in Folge Ausgleitens nieder und brach dabei den linken Oberschenkel. Er wurde nach dem Kran- kenhause im Friedrichshain gebracht.— Am 9. ds. Mts. Vormittags entstand im Hause Besselstr. 7 dadurch ein unbedeuten- des Feuer, daß eine Kiste mit Brennmaterial in Brand gerieth. — An demselben Tage Nachmittags verunglückte der Maurer- polier Kober beim Abbruch eines zweistöckigen Hauses in der Kochstraße dadurch, daß ein von ihm nach dem Hofe hinabge- worfener Dachsparren mit einem Nagel an seinen Kleidern hängen blieb und ihn hinabriß. Er erlitt hierbei schwere Verletzungen am Kopfe und an der Schulter, so daß er mittelst Droschke nach Bethanien gebracht werden mußte-— Zu derselben Zeit ent- stand auf einem Rohbau in der Prenzlauerstraße Feuer, indem ein Stapel Bretter in Brand gerieth. Die Feuerwehr war über eine Stunde mit dem Löschen des Feuers beschäftigt. Gerickts-Leitung. Eine interessante Entscheidung in Bezug auf be« Arrestbruch fällte heute die fünfte Strafkammer hiesigen Land- gerichts i. Beim Kaufmann Karl Fessel waren ein Spiegel und ein Regulator gepfändet und vorläufig in der Wohnung desselben belassen worden- Als der Gerichtsvollzieher diese Gegenstände abholen wollte, fand er sie nicht mehr vor und der Kaufmann Adel theilte demselben mit, daß die Sachen be» reits veräußert seien. Infolge dessen wurde gegen Fesset eine Anklage wegen Arrestbruchs erhoben. Vor dem Schöffengericht führte der Angeklagte den Nachweis, daß er die arrestirten Sachen, bezüglich deren ihm in dem angestrengten Jnterven» tionsprozeß das Eigenthumsrecht zugesprochen worden ist, nicht aus seiner Behausung, sondern nur den Spiegel in den Laden und den Regulator in die Küche geschafft hat. Der Gerichts- Hof erachtete aber die Re gut fite des§ 137 des Strafgesetzbuchs für erfüllt, indem die gepfändeten Gegenstände der Verstrickung entzogen woiden waren, und verurtheilte den Angeklagte zu Z Wochen Gefängniß. Hiergegen legte derselbe Berufung ein und sein Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Friedmann führte auS, daß von einer Entziehung der Verstrickung resp. von einem Beiseiteschaffen der gepfändeten Sachen nrcht die Rede sein könne, da dieselben sich zur Zeit, als fie abgeholt werden sollten, thatsächlich im Besitz des Angeklagten befunden haben. Es war Sache des Gerichtsvollziehers, in den dem Angeklagten gehörigen Räumen nach den Sachen zu suchen und stch mit den Mittheilungen des Ader nicht zufrieden zu geben, dann würde er die gepfändeten Gegenstände gefunden haben. Er beantrage daher Aufhebung des ersten Urtheils und Frei» sprechung des Angeklagten. Der Gerichtshof fand aber schon in dem Verbergen der Sachen, um fie der Wahrnehmung deS Gerichtsvollziehers zu entziehen, ein Entziehen der Verfti ickuna und in dem Ableugnen derselben ein Beiseiteschaffen. Er Kielt demgemäß die thalsächliche Feststellung des ersten Richters aufrecht, ermäßigte aber die Strafe auf nur drei Tage Ge- ÄK'ÄlÄ.m.t' ÄÄ MMUSWZ Bä» äää s sä sä»f isiJi'lrs Beschäftigung eines jugendlichen Arbeiters während der fest- gesetzten Erholungspause von der Anklagebchihde verantwortlich gemacht. Die Angeklagten, welche m der fraglichen Zeft in ihrer Fabrik gar nicht anwesend waren, stellten unter Be- weis, daß nicht nur die einzelnen Meister ihres aus- gedehnten Etablissements die Weisung erhalten haben, strengstens für die Entfernung der etwa beschäftigten jugendlichen Arbeiter während der Erholungspausen zu sorgen, sondern daß auch der Portier instruirt ist, die jugend- lichen Arbeiter gewaltsam hinausbringen zu lassen, wenn ste nicht gleich nack Beginn der Pausen die Fabrik verließen. Die vernommenen Zeugen bestätigten diese Angabe, und der Portier Hödel räumte ein, daß er zu jener Zeil mit der ihm aufge- tragenen Kontrole nur etwas läsfig gewesen wäre. Staatsan- wall Lehmann führte aus, daß die Ertheilung der Instruktion nicht genüge, sondern daß die Urheber auch zur eigenen Kon- trolirung verpflichtet seien. Da diese unterlassen, beantrage er Verurtbeilung der Angeklagten zu je 5 Mark. Der Ver- theidiger Dr. Hcmpncr hob hervor, daß selbst die eigene Kon- trole in einem ausgedehnten Etablissement nicht verhüten könne, daß nickt doch ein jugendlicher� Arbeiter während der Pausen in der Fabrik zurückbleibe. Seine Mandanten Haben nämlich zur Verhütung dieses Vorkommens alles nur denkbare gethan, weshalb er die Freisprechung beantrage. Der Gerichtshof verurtheflte die Angeklagten nach dem Antrage des Staatsan- walts, da dieselben für die Befolgung der gesetzlichen Vor- schriften unter allen Umständen verantwortlich seien. Als Kuriosum verdient die Thatsache Erwähnung, daß ein beute in der 99. Abtheilung des hiefigen Schöffengerichts fungirender Schöffe zugleich in einer Privatllagesache wider ihn fich vor derselben Abiheilung verantworten sollte. Selbstredend mußte, da Niemand Richter in seiner eigenen Sache sein kann, der Termin aufgehoben werden. ArdeiteruMeguvg, Pereive uuä Perssmmluugeu. Polizeilich aufgelöst wurde nach kaum halbstündiger Dauer die seitens der Arbeiterpartei einberufene Versammlung der Wähler des VI. Wahlkreises, welche am Donnerstag, etwa 500 Mann stark, in der„Norddeutschen Brauerei" unier dem Vorfitz des Herrn Gronack tagte. Herr Stadtv. Ewald, der das Referat übernommen hatte, bat, bevor er in die Tagesord- nung(„Die Denunziation des Herrn Eugen Richter gegen die Arbeiterpartei") eintrat, die Versammlung darum, währenddes Vortrages, um keine Veranlassung zu Störung ev. Auflösung zu geben, weder Beifall noch Mißbilligung kundgeben zu wollen, und theilte noch mit, daß in der Stadtverordneten- Versammlung, aus der er soeben komme, die Mitglieder von der Arbeiterpartei in Verbindung mit denen von der Bürger- partei fich eines Erfolges zu erftcuen gehabt. Es habe fich darum gehandelt, ob für das Grundstück Gilschinerstraße 106 dem Eigenthümer die nachträglich geforderte höhere Kaufsumme bewilligt werden oder ob das der Stadtgemeinde aus der von demselben akzeptirten Kaufsofferte zustehende Recht ge- wahrt werden solle. Auf Antrag der Mit- glieder von den zwei genannten Parteien bade namentliche Abstimmung stattgefunden, und diese habe die Ver- neinung der ersten und die Bejahung der zweiten Frage mit 54 gegen 45 Stimmen zur Folge gehabt.— In die Tages- Ordnung eintretend, theilte Referent mit, Herr E Richter habe in einer öffentlichen Versammlung behauptet, daß in der Ar- beiterbewegung es fich nicht um die bloße Erzielung höherer Löhne sondern vielmehr darum handle, der sozialdemokratischen Partei Vorschub zu leisten. Diese Behauptung sei eine gegen die gesammte Arbeiterbevölkerung Deutschlande gerichtete Denun- ziatron, welche zur Folge haben könnte, daß das Loos. ausge- wiesen zu werden, nun auch solchen Arbeiter zu Theil würde, welche bis jetzt noch zur deutsch-freifinnigen Partei gehören, da auch solche sich an der Lohnbewegung betheiligen. Solche Arbeiter würden fich dann bei dem Chef ihrer Partei zu be- danken haben. Dann die Fragen beantwortend' Was wollen wir? und was will die deutsch-freifinnige Partei? führte Refe- rent Folgendes aus• In ihrem Wahlflugblatt für die Wähler des 4. Wahlkreises habe die deutsch-freifinnige Partei die For- dcrung:„Gleiches Recht für Alle!" Aber diese Forderung habe in der Praxis ein Loch bekommen, indem 26 Parteigenossen für das gegen die Sozialdemokraten gerichtete Ausnahmegesetz gestimmt traben. Es werde nun zwar verfichcrt, daß die Herren es künftig nicht wieder thun werden. Aber schon haben zwei dieser Herren: Herr Horwitz und Herr Frieß in ihren Wahl- reden fich dahin geäußert, jetzt noch nicht zu wissen, ob fie das nächste Mal gegen dieses Ausnahmegesetz stimmen werden. Herr Ludwig Löwe habe ihm(dem Redner) verstchert, er werde nicht in der Partei bleiben, wenn die 23 nicht ausgeschloffen würden. Die 26 seien nicht ausgeschloffen worden, und doch sei Herr Ludwig Löwe in der Partei geblieben. Man habe demnach keine Garantie dafür, daß die deutsch> freifinnige Partei die Forderung:„Gleiches Recht für Alle!" künftig mit voller Konsequenz zur Gellung bringen werde. In Bezug auf das Wablflugblatt der Arbeiterpartei habe man gesagt, daß die in demselben gestellten Forderungen keine andere seien, als die der deutsch- freifinnigcn Partei. Aber in Betreff der Forderung des gleichen, geheimen Wahlrechts, sei es bekannt, daß wir dasselbe für die Reichstagswahlen dem Fürsten Bismarck, aber nicht der Fortschrittspartei zu verdanken haben. Dafür, daß dieses Wahlrecht auch für die Landtags- und die Kommunalwablen eingeführt werde, sei die Fortschrittspartei in der Zeit, wo fie die Majorität gehabt, nicht eingetreten, und der deutsch-frcistnnigen Partei sei es mit dieser Forderung auch jetzt noch nicht voller Ernst. Redner begründete dann die Forderung der progrcsfiven Einkommensteuer und die eines Maximalarbeitstages, die letztere mit dem Hinweise auf die schädlichen Folgen einer zu langen Arbeitszeit für die Ge- sundheit und die Lebensdauer der Arbeiter, und auf das Jnter- esse, welches der Staat daran habe, daß die jungen Arbeiter zum Militärdienst tauglich bleiben, und die Gemeinden daran, daß die verheiratheten Arbeiter, die Ernährer ihrer Familien, diesen nickt zu früh durch den Tod entrissen werden.„Wir wollen nicht, daß man die Arbeiter so ausdeutet, wie es bis jetzt geschieht." Als Redner diese Worte.ausgesprochen, erhob fich der überwachende Polizei-Lieutenant und erklärte die Ver- sammlung für aufgelöst. Nach dem Grunde gefragt, hat der- selbe auf§ 9 des Sozialistengesetzes hingewiesen. Mit Hoch- rufen auf Hasenclever und Ewald verließen die Anwesenden den Saal. Die erste ordentliche General-Versammlung des Fach- Vereins der Schmiede findet am Montag, den 13. Oktober. Abends 8'/, Uhr in Gratweil's Bierhallen, Kommandanten- straße 77—79 statt. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag über Unterstützung der Arbeitslosen im Verhältniß zur Lohnfrage. Referent Herr Tödler. 3. Fortsetzung der Dcle- girtenwahl. 4. Verschiedenes und Fragekastcn. Mitglieder, welche noch an den am 15. beginnenden Kursus im Sckön- schreiben theilnehmen wollen, haben fich in der Versammlung beim Vorstand zu melden. Der Strike in der Pianofabrik des Herrn Weidens- laufer, Skalitzersttaße 29 steht ebenfalls mit auf der Tages- ordnung der Morgen, Sonntag, Vormittag 10 Uhr, im Wintergarten des Zentralhotels, Dorothcenstraße 17—19 stattfindenden Versammlung der Tischler und Berussgenossen Berlins. Herr Weidenlaufer sowie Herr Claß find brieflich) eingeladen. Dieser Versammlung der Tischler scheint man überhaupt in allen Interessentenkreisen eine hohe Bedeutung beizumessen, da als Hauptoerhandlungspunkt dieser Massenversammlung die defl- mtive Beschlußfassung über die Minimaltarife steht und dazu von den Eindcrufern alle Fabrikanten, Meister und sonstige Interessenten eingeladen find. Der Kachverein der Rohrleger versammelt fich am Sonntag, den 12. d. Mts., im Bereinslokal, Skalitzerstt- 126, bei Wolf und Krüger, Vormittags 10 Uhr. Tagesordnung: Kassenbericht, Besprechung über die halbjährliche General- Versammlung, Aufnahme neuer Mitglieder und freie Diskussion. Der Verein der Stereotypeurs feiert am Sonntag den 12. d. Mts. im Louisenfiädtischen Konzetthause sein drittes Stiftungsfest. Der Verein zur Wahrung der materielle« Jvtettft» der Drechsler und verufsgenossen tagt am Montag, 13. Okiober, Abends 8 Uhr bei Terchert, Neue Grünstrahe 5- Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt p macht.— Aufnahme neuer Mitglieder.— Gäste willkoiim» Der Arbeitcr-Bezirksverein der Nosenthaler Porst« hält Montag, den 13. Oktober. Abends 8 Uhr, im BöcknB des alten Berliner Viehhofes, Brunnenftlaße und AckeNW' eine große Versammlung ab. Tagesordnung: 1. Revision� richt. 2. Kulturgeschichtliches. Vortrag des Herrn Dr. Heymam. Die Bauernkriege. 3. Fragekasten. Gäste haben ZuM Mitglieder werden aufgenommen. h. Der neue Verein der Berliner Melallarbeiter. w schon bei seiner provisorischen Konstituirung 300 Mtgl>e°» beitraten und welcher jetzt deren über 350 zählt, vollzog« seiner ersten Generalversammlung am Donnerstag Abetw i» Louisenstädtischen Konzcrthaus die definitiven Voistandswah � Dieselben fielen auf die Herren Rojan zum ersten und TeB» zum zweiten Vorfitzenden: Groß zum ersten und THuto®?, zweiten Schriftführer, Netzband zumHauptkasstrer und MeM zum Kasfirer-Stellvertreter, Schmoll, Untermann undQuw»? zu Beifitzern; Krug und Beyer zu Revisoren.— Das trittsgeld beträgt 50, der wöchentliche Beitrag 20 Pf. Eine Mitglieder- Versammlung des Vereins Wahrung der Interessen der Klavier Arbeiter findet W Abend 80» Uhr Kommandantenstraße 77—79, GralwerU� Bierhallen(unterer Saal), statt. Tages-Ordnung: läge und Berathung der Statutenänderung. 2. RechenM� Bericht des 2. Quartals. 3. Die Untelstützungsftage,: der Bezieher von Weidenslaufer; dieselben haben die»'L niedergelegt, wegen Lohnreduftion von jeder Raste Alle Mitglieder werden ersucht, dieser wichtigen TagcSordna i halber recht pünktlich 8'/» Uhr in der Versammlung ck M Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste sind willkommen. recht püntlichcs Erscheinen bittet der Vorstand. Den Mitgliedern der Zahlstelle. Gr. Frankfu�'' Thorbeztrk, sei in Erinnerung gebracht, daß die Zahlst�« stch befinden Gr. Franlfutterstr. 116 b. Kalisch, Frucktsn-., b. Dommrich, und die 3. neue Stelle, Lichtenbergerstr. 1' Wech. Wermiscktes. „Nur geschwitzt". Als Turgeniew, so wird dem Ä. Mtgs.-Bl." erzählt, einmal während einiger Wochen in fich aufhielt, wandte ein junger Dichter jdas— nach Ausdruck— unfehlbare Mittet der unverschämten ZudruW. keit an, um dem berühmten„Kollegen" ein Trauerspiel das Gewitter" vorzulesen. Der junge Mann las mit eifer, ohne aufzublicken, bis zum Ende des zweiten Atlcs. bemerkte er, daß Turgeniew das Taschentuch an die. drückte. Entzückt rief er aus:„Iwan Sergiewitsch, Sie geweint!"—„Nein", erwiderte Turgeniew,„nur ges&v,„ Welcher Wechsel in hundert Jahren. Die erste 2»°„ wolle, welche aus Amerika exportirt wurde, bestand aus Säcken, die genau vor 100 Iahren in Liverpool gdandei™ den; und die Zollbehörden hielten die Ladung einige pm£ rück, da es für unmöglich gehalten wurde, daß in Ameiu> � solche Menge produzirt sein konnte. Fetzt finden wir, oa°.. letztjädrige Ernte stch auf 6 940756 Ballen bezifferte, 1 760597 Ballen expottirt wurden. Briefkasten äer Fteäusttion. E. F. Gewiß kann Ihnen das pasfiren- ad I[-$ nicht bekannt, um solche nebensächliche Dinge kümmern uns nicht. Jänicke. Wird mit Dank benutzt werden. Abonnent Kochstr. 14. Den ersten Theil Ihrer iigj, können wir Ihnen hier im Briefkasten nicht beantworten, � werden in nächster Zeit eine ausführliche Schilderung.j, dottigen Verhältnisse an anderer Stelle finden. D«£ spräche ist flämisch, es wird aber auch französtsch gespi»®' Theater. Königliches Opernhaus: Sonnabend: 200. Vorstellung. Robert der Teufel. Königliches Schauspielhaus: Sonnabend: 203. Vorstellung. Der Leibarzt._ Deutsches Theater: Sonnabend: Zum 1. Male: Die große Glocke. Lustspiel in 4 Akten von Oskar Blumenthal'__ Gellealltance-Theater: Sonnabend; 16. Gastspiel der Kgl. Hofschauspielettn Franziska Ellmenreick. Neu einstudirt: Adrienne Lecouvreur. Drama in 5 Akten von Scribe und Legouver._____ Neue« Friedrich- WUhelmstädtisches Thealer: Eonnabend: GaSparone._____ Walhalla-Operetten-Theater: Sonnabend: Rostna._ Ostend-Theater: Sonnabend: Zum 1. Male: Unter den Tropen. Volksstück in 3 Akten und 8 Bildern von A. v. Gordon. Vor und _ nach der Vorstellung: Gr. Concert._ Central-Theater: Alte Jakobstraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Sonnabend: Zum 72. Male: Iäqer-Liebchen. Gesangspoffe in 4 Akten von L. Treptow; Couplets u. Quodlibets v. G. Görß. Mufik von G. Steffens. Kassen> Eröffnung 6'/, Uhr, Anfang der Vorstellung 7'/, Uhr._ Louisenstädtisches Theater: Direttion: Josef Firmans. Sonnabend: 30. Gesammt- Gastspiel der Liliputaner. Robett und Äettram.— Nachm. 2 Uhr: 5. Kindervorstellung. Sneewittchen und die Zwerge. Großes Zaudermärchen in 4 Bildern von C. A. Görner.— Er- mäßigte P eise. Der Vorverkauf zu sämmtlichen Vor- stellungen findet 3 Tage vorher von 10 Uhr ab an der Theaterlasse statt._____ Viktoria-Theater. Sonnabend: Julius Cäsar. Restdenz- Theater: Direftion: Ä. Anno, Blumensttaße 9. Sonnabend: Zum 29. Male: Die Sirene.(La Flamboyante.) _ Vorher: Der erste Avril._ Wallner Theater: Sonnabend: Der Raub der Sabinennnen. Alhambra-Tlieater. Wallneitheatcrstraße 15. Sonnabrnd den 11. Oktober: 3;aä Milchmädchen von Schöneberg. Volksstück mit Gesana in 3 Akten und 7 Bildern von ... M. Manfläot dieselbe Vorstellung. Eine saubere Schlafstelle zum 15. 1007]_ Reickiendergerstr. 167, v. 3. Tr. b. F e n s k e. Eine Siblafstelle wird in der Nähe der Wcbcistr. z. 15. d. M. gesucht. Adressen find in der Exvetv d. Zip. abeugeben.[994 Meinen Freunden und Bekannten empfehle meine Cigarren- und Tabakhandlnng in der früheren Linde(Admiralftraße 40), Alle Arten Rauch-, Kau- und Schnupftabak, echt russische, türkische und amerikanische Tabake. Fritz Goercki, .A.d.mira,I-Strass© TSTo.(frühere Lin�, Gewerkschaft der Maschinenbau- Ardeitsmarkt. Einen ordentlichen Laufburschen suchen 1010 Sielmann u. Rosenberg, Kommandanten- u. Lind cnstraßen Ecke. Ein j. Mädchen wird gewünscht i. kl. Haushalt, die zu Hause schlafen kann. Louisenufer 14 im Keller._[1004 Verneglerin ges. Wäsche-Geschäft, Ritteistc. 47, 3 Tr.[1002 _ Stepvenn auf Tricot verl. Meyer, Fruchtstr. 36a.[1001 1006] Harmonilalpiel, r billig F. 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Ebenso machen wir auf§ 5 und 6a unsres neuen Statuts auf- merkiam', dasselbe muß strenge gehandhabt werden. Nack, der Versammlung allgemeiner Familien-Abend. 986 _ Die Ortsverwaltung. 996] Jede Art feiner Wäsche wi,d sauber auf Neu geplättet, auf Wunsch a. gew. b. Frau Scholz, Pücklerstr. 51, H. 2 Tr. arbeiter und verw. Bernfsgcnossell Sonntag, den 12 d- M.. Vorm 10 Uhr: Mitglieder- Versammlnii� � in Gratweil's Bier hallen. Tagesordnung: Vorttag de Schwennhagen._____— Sonntag, den 12. Oktober, Vormittags 10 Uhr, Generalversammlung sämmtlicher Berliner Tischler � als Bau« und Möbeltischler, Klavierarbeiter Tagesordnung: 1. Definitive Beschlußfassung Minimattarife. 2 Der Streik in der Pianofabrik von � laufer. Alle Tischler am Platze. 997]_ Bekanntmachung ,, der Central Kranken- und Sterbckasse der Iiid''cr Berlin c. Die Zahlstelle, früher Bülowstraße, IC* fich jetzt Blumenthalnr. 5 bei Schmarr.___ Sonntag, den 12. Oftober, findet in Bräuer s Gr. Frankfurterstr. 74—75 eine<.«»1/1 Große Allgem. VersammA der Weber, Wirker, Posamentire, Strumpfwirker, Färber und verwandter Verufsgenossen statt- Tagesordnung: die � Fortsetzung der Dcskuifion über Anschlug an nitzer zentralifirte freie Hilfstasse genannter©ionw�_, Gu»aoI5!� liefert gute 1000 Trotz alledem i Zigarre» M. lleyee, ßß,, Fruchtstraste Nr. 36-% Alte Stiefel-Ausverkauf, reell u. b. Neue Fftevn� Die Nr. 9 der humoristischen Blätter „Der wabre Jaeov ist erschienen und in der Erved. d.„Bert-- �__. Bcranrworttuder Reouatut«L fcrouijeim m Jbettm Druck und Bettag von«ax v«!,,», tn Berlin SW, Beuldftrase'L Leillm M Serliner Volksblatt. i Rr. 162. Sonnabend, den 11. Oktober 1884. 1. Jahrga», Die Entwickelung der Handwerker im Mittelalter. 11. In engem Zusammenhang mit dem Ringen der Hand- werker nach persönlicher Freiheit steht ihr Verhältniß zum Grundeigenthum. Im Alterthum deckten fich zwei Begriffe. Rur der Freie konnte Grundeigenthum befitzen, und frei war nur Derjenige, welcher Grundeigenthum besaß. Hatte ein Freier sein Grundeigenthum verlolen, so durste er weder in der Volksversammlung noch vor Gericht erscheinen. Die hörigen Handwerker konnten also kein Grundeigenthum befitzen. Aber auch hier schufen die geistlichen Stiftshöfe einen Uebcrgang. pn Folge der Vermehrung der Handwerker wurde die Er- bauung und Unterhaltung der Arbeitshäuser und Wohnhäuser eine große Last; es war viel bequemer und billiger für die Verwaltung, wenn die Handwerker ihre Wohnungen und Werkstellen selber bauten. Der Hofherr, also der Bischof, gab den Platz und erlaubte, im Walde das nöthiae Holz zu fällen. *>er Handwerker baute mit Hilfe seiner Nachbarn das Haus, wußte aber dem Herrn für den Platz und das Material einen Zms entrichten, und so lange er den Zins zur rechten Zeit be- zahlte und das Haus in gutem Stand erhielt, war er der Besitzer, rannte es vererben oder verkaufen; aber der Herr blieb der Eigen- rhümer, denn sobald der Befitzer seine Pflichten nicht pünktlich erfüllte, konnte der Herr ihn aussetzen. Neue Einwanderer konnten nur selten daran denken, fich selbst ein Haus zu bauen, da ste keine Freunde und Nachbarn hatten, die ihnen hilsteiche vand leisteten, ste mußten also suchen, ein fertiges Haus zu er- werben. Aber selten oder nie besaßen ste Kapital, um das Haus bezahlen zu können, fie versprachen also dem Befitzer, jährlich chw eine gewisse Summe, eine Rente, zu bezahlen, und falls der Herr seine Zustimmung gab, war der Kauf abgeschlossen, und so lange der Käufer dem Herrn den Zins, und dem frühe- *en Befitzer die Rente rechtzeitig bezahlte, blieb er der Befitzer, ivnnte das Haus vererben oder weiter verkaufen; entgegen- »ejetzten Falles konnte er aber auch von dem früheren Befitzer over von dem Herrn ausgetrieben werden. , Als im 14. und 15. Jahrhundert die Herren sehr häufig '" Geldverlegenheit waren, benutzten fie Zins und Rente, um dafür Kapitalien zu erhalten, so wurden Zins und Rente Sandelswaare, und die zu Vermögen gelangten Handwerker Nutzten die Gelegenheit, um die auf ihrem Hause ruhenden Ans und Renten anzukaufen und somit ihr Erbe in freies «lgenthum umzuwandeln. Erst damit traten die Handwerker die Reihe der Freien ein. L.. diesem Ringen und Streben nach persönlicher Frei- basten die Bischofsstädte die Führung, die königlichen °lstadte folgten erst später nach, und� wenn fich der -Vorgang hier auch in etwas abweichender Weise vollzog, lirfi c uns dies doch weniger, da Hamburg eine erzbrschöf- wt Stadt war. . Fn Hamburg ist dieser EntwickelungSgang nicht stufen- SW zu verfolgen, auch hat hier die Entwickelung manche 10?»nl?e. wachen müssen. Zu der Zeit, als gegen Ende des fik-» Kunderts in den rheinischen und süddeutschen Bischofs- Vim, �,e Geschlechter, die Ministerialen, MfliteS und in' ä" Einfluß und Ansehen gelangen lag Hamburg «« s» finb ie Geschlechter hier nicht zu Einfluß und Macht gelangt «ed'eru füt We Stellung d-r Handwerker eine wesentliche ßilb aus dem Sadeiebeu TrouviUes. E. Laurent in der„Presse'. Tin vlente'" Marquis von Dourgar(schlank, blond, 50,000 Frcs. («»lllliil« W» l°nst aschblondes Haar, edles Profil, weiße Zähne, ÄXÄr unglaubliches Kl�nheit° ein ikl�we Pertins(einer älteren Giraffe zum Verwechseln kür 1�: Sag�waS Du willst.� Du interesfirft Dich ßa-°ber feine Mitgift! '«lenn�Ä' nfeD mal' Mitgift! b%an"(n; W%t):%'ffflat'V möglich? Du könntest Nach den Erkun- Ein Mädchm von -.«rten. war, zu WWWS»« D« D°�uis?S��S.«widerte diesen Händedruck. WWWZ ionskriegen die Elaven ihrer Herrschaft unterworfen hatten, üchten fie das entvölkerte Land durch deutsche Kolonisten auch für deutsche Kultur und Sitte zu erobern. Mr unsere Frage find die Koloniestädte, wie Rostock, Wismar, Stralsund, Stettin, Breslau jc. von Interesse. Wollten die Gründer dieser Städte aus den deutschen Städten Bewohner hierher ziehen, so mußten fie ihnen mindestens Rechte einräumen, welche ihnen in der Heimath geboten waren, und so konnte hier auch von Hörigkeit der Handwerker keine Rede mehr sein, alle Bürger dieser Städte find frei. Als Adolf III. gegen das Ende des 12. Jahrhunderts Neu- Hamburg gründete, nahm er die Koloniestädte im Wendenland zum Vorbilde, er verlieh der neuen Stadt lübsches Recht, alle, welche fich hier niederließen, mußten also frei sein, und wer !ich Jahr und Tag hier unangesprochen aufgehalten hatte, onnte von seinem etwaigen Herrn nicht zurückerlangt werden, sondern war ebenfalls persönlich frei; es konnten mithin in Neu-Hamburg auch Handwerker ecktes freies Grundeigenthum erwerben. Bei der unmittelbaren Nähe und dem stetigen Ver- kehr zwischen beiden Städten wird es den Handwerkern in Alt-Hamburg nicht schwer geworden sein, für fich dieselben Rechte zu erwerben, und in dem Stadterb-Buch von 1248 finden wir sowohl in Alt- wie in Neu-Hamburg Handwerker im Bcfitz von steien Grundstücken, wie auch im Besttz von Erben gegen Zins und Renten; in Hamburg hat fich also der Uebergang bereits im 13. Jahrhundert vollzogen, der in rhei- nischen und süddeutschen Städten zum Theil erst im 15. Jahr- hundert zum Abschluß gelangte. Die Handwerker-Unruhen im 14. und 15. Jahrhundert hatten meistens keinen politischen Grund, fie wurden größten- theils durch die Steuern veranlaßt. Die vielen Kriege der Städte-Bündnisse kosteten viel Geld, dieses mußte durch die städtischen Steuern gedeckt werden, durch welche besonders die Handwerker belastet wurden. Schlechte Verwaltung kam nicht selten hinzu, Mißtrauen zu erregen, weshalb die Handwerker bald hier, bald dort Abrechnung verlangten, die aber von den Mttgliedern des Raths verweigert wurde. So kam es zum Kampf, der dahin führte, daß Handwerker von dem Rath als Mitglieder aufgenommen, oder der alte Rath mit den Ge- schlechtem aus der Stadt vertrieben wurde, und ein neuer Rath aus Handwerkern an seine Stelle trat. Zwar war diese Stel- lung nur von kurzer Dauer, denn in den meisten Städten wurde nach kürzerer oder längerer Zeit die alte Ordnung wie- der eingeführt, aber es ist doch ein Beweis, wie bedeutend die Lage der Handwerker umgewandelt war. In den wendischen Städten gab es ebenso wenig wie in Hamburg Patrizier, aber auch hier beschränkte fich die Rats- fähigkeit auf wenige Familien, welche in Folge dessen eine hervorragende Stellung einnahmen; gegen diese richtete fich im 14. Jahrhundert die Bewegung, als die Steuerlast durch die schweren hanfischen Kriege so dedeutend gesteigert war, und auch hier endigte der Kampf meist mit dem Sieg der Handwerker, der alte Rath wurde größtentheils verjagt, und ein anderer, aus Handwerkern zusammengesetzter, trat an seine Stelle. In Folge der beiden schweren Kriege gegen Waldemar Atterdag hatte auch Hamburg sehr bedeutende Kriegskosten zu zahlen; auch hier wurden die Handwerker unzufrieden, und der Rath mußte auf Mittel finnen, Unruhen zuvorzukommen. Eine Reihe von Zünften erhielt 1375 feste Gesetze, wiez. B. die Bäcker, Krämer, Drechsler, Fischer, Gerber, Glaser, Maler und Sattler, Goldschmiede, Hutmacher, Kannengießer, Kerzengießer, Knochen- Hauer, Leinenweber, Pelzer, Reepschläger, Schmiede, Schneider und Schuster, aber ein Theil der Handwerker war mit den ihnen freiwillig zugestandenen Rechten nicht zufrieden, sondern hoffte durch Gewalt mehr zu erreichen- 1376 versammelten fich die Unzufriedenen im Johanniskloster und verschworen fich Segen den Rath; dieser kam ihnen jedoch zuvor, zog die übrigen ünfte auf seine Seite und nöthigte dadurch die Aufrührer erscheint Miß Perkins im Badekostüme, in Begleitung ihrer Mutter.) Der Freund(leise): Du. die Mutter ist auch da! Der Marquis: Verdammt! Die Alte folgt ihr auf Schritt und Tritt. Sei so gut, beschäftige Dich ein bischen mit der Schwiegermutter.,, Der Freund: Danke schön! Diese Frau hat Zahne... ich fürchte mich fast vor diesen Hauern! Nein, auf Ehre, ein solcher Ueberfluß an Zähnen ist mir noch nicht vorgekommen.. (Die beiden Freunde nähern fich und grüßen artig). Miß Lonz: Ah, guten Morgen... Wie geht'S..... Schon aufgestanden, Herr v. Dourgar? Der Marquis: Gnädiges Fraulem, es ist Mittag. Miß Lorp flachend): Das weiß ich. Aber ich glaubte, Sie Der Marquis(leise und vorwurfsvoll): Sagten Sie mir "'%%%%% ÄS? L,« erfunden! Bitte, nehmen Sie mir meinen Bademantel ab-(Sie kehrt fich um, läßt den Mantel in die Hände des Marqms gleiten und erscheint in einem weißen Badekostüm mit breitem See- mannokragen. Kein Besatz, kein Aufputz, die höchste Einfach- heit. Unterdessen gicbt fich der Freund alle mögliche Mühe, fich für Madame Perkins Gesundheit zu interesfiren. Während ihm die ehrenwerthe Dame verstchert, daß fie in der Nähe des Meeres gewöhnlich an neuralgischen Schmerzen leide schielt er angelegentlich zu der schönen Miß hinüber. Er findet ste zum Anbeißen 5�"� �it dem Bademantel in der Hand: Nein, schön find Sie, Miß Lory, schön! Dieses Köstüm, so kleid- Miß Lory(auf fich herabblickend): Einfach?(Sie reißt Das wird mein einfaches Kostüm ein wenig aufputzen. Der Marquis(außer fich vor Entzücken): Oh, oh.... sMiß Lory bricht in ein helles Gelächter aus und steigt ms Wasser hinab. Sie schwimmt trotz der Jammerrufe;der Madame Perkins, des Marquis und selbst des Freundes weit ins Meer hinaus. Endlich kehrt ste zurück und während fie das Wasser von fich abschüttelt, dreht fie den Rücken dem Marquis zu. der ste in den Bademantel hüllt.) Der Marquis: Aber, Miß Lory, wie können Sie uns so erschrecken. Das ist sehr häßlich von Ihnen. So weit ins Meer hinauszuschwimmen. Wenn Ihnen ein Unfall begegnet """Miß Lory(stolz); Mir?... Uebriaens. wenn ich et- trunken wäre, hätte Trouville wenigstens für einen Tag Unter- haltungsstoff gehabt. Alle Welt wäre erfreut gewesen. Es gtebMucr ��nig Serftteuu�g Borwurfs): Wie ,5"n5®U"'--Äm It'ÄÄi!... fangen Sie auf und trösten Sie fich. Ich habe nichts Anderes bei mir. ohne Blutvergießen zur Ruhe. Aber die einmal angerea Bewegung führte hier zu einem anderen Ziele; nicht daß 0 Handwerker zeitweilig zur Herrschaft gelangten, sondern d Bewegung nahm einen allgemeinen Charakter an und führ 1410 zur gesetzlichen Sicherung der Bürgerfreiheit, wo m Hamburg allen Städten voranging. » 1. 1 i6'?1 e8 n''e fich der Handwerker im Lauf d« Jahrhunderte aus der Stellung des fast sklavisch behandelte Knechtes durch die des leibeigenen Hörigen zu der des selbst standigen, freien Bürgers emporgerungen hat. __(Hamb- Korresp.) f 0&» 1*». r. Die Handhabung des Nahrungsmittelgesetzes durck d,e dazu berufenen Organe hat zwar, wie die von Ze,t zu Zeit veröffentlichten amtlichen Berichte darthun, schon manches Gute bewirkt, leider scheinen aber formelle Instruktionen das recht- zeitige Eingreifen der Behörde in manchen dringenden Fällen zu hindern. Der Portier eines Hauses in der Friedrichstraße kaufte vor einigen Tagen bei einem benachbarten Fleischer eine Quantität Speck, die fich später beim Einschneiden als durch!> und durch mit Maden durchsetzt erwies, die bei jedem Einschnitt zahlreich zum Vorschein kamen. Der Fleischer verweigerte die Rücknahme des Speckes sowohl, wie die Rückzahlung des empfangenen Kaufpreises, und der Portier wendete fich nunmehr an das nächste Polizei-Bureau, um den Fall zur Anzeige zu bringen; hier wurde ihm jedoch der Bescheid, daß eine Unter- suchung des Speckes daraufhin, ob derselbe gesundheitsschädlich sei, nur dann veranlaßt werden könne, wenn der Antragsteller einen entsprechenden Betrag zur Deckung der Untersuchungs- Kosten hinterlege. Daß der unbemittelte Mann nicht Lust hatte, außer dem eingebüßten Kaufpreise für den verdorbenen Speck auch noch die Untersuchungslosten zu bezahlen, bloß um ein amtliches Gutachten darüber zu haben, ob Speck, der total mit Maden durchsetzt ist, der Gesundheit schaden kann, wird ihm Niemand verdenken. Von dem Fleischer aber mußte er fich noch höhnende Worte gefallen lassen, in Folge der Re« sultatlostgkeit seiner Bemühungen bei der Polizei.— Wenn man bedenkt, daß auf ganz beliebige Denunziation hin bei der Staatsanwaltschaft die umfangreichsten Beweiserhebungen statt- finden, so daß es oft den Eindruck macht, als od die Kosten dabei gar keine Rolle spielen, so ist das Verfahren der Be- Hörde in diesem Falle hiermit nicht zu vereinbaren, und es wäre wünschenswerth, wenn in Fällen, wo die Verdorbenheit eines Nahrungsmittels jedem Laieneinleuchten muß, die For« malität der amtlichen Untersuchung von der Behörde in die Hand genommen würde. r- Von den Kassenboten einzelner Theilzahlungs» geschäfte, die jetzt in großer Zahl mit auffälligen Geldtaschen und wohlgefüllten Quittungsmappen unsere Straßen durch- wandern, wird neuerdings ein, wie es scheint, wohlüberlegtes Verfahren bei ihren Geschäften beobachtet, das die ernstlichste Mißbilligung verdient. Löst irgend ein fauler Kunde die Quittung über die stipulirte Theilzahlung nicht ein, so begiebt fich der Massenbote zu dem Wirth des Hauses, um diesen wegen der Verhältnisse des betreffenden Kunden zu befragen, und zwar mit größter Pünktlichkeit an jedem Tage, an welchem eine solche Theilzahlung fällig ist. Der Besuch dieses, wie er- wähnt sehr genau äußerlich erkennbaren Boten ist aber für keinen Hauswirth schmeichelhaft oder auch nur gleichgiltig; neugierige Leute und Dienstboten im Hause bemerken diese wiederholten Besuche und schnell ist eine interessante Klatscherei im Gange, die für die Kreditverhältniffe des Miethers sehr leicht schädlich werden kann. Besonders groß ist die Gefahr in den Fällen, wo der Hauswirth zugleich Inhaber eines offenen Geschäftes ist: da steht der Theilzahlungs- Kasfirer bescheiden von ferne und wartet, bis alle Künden ßch aus dem Laden ' Iii« M Sie nimmt die feuchte Rose von ihrer Taille, wirft fie dem arquis zu und springt so rasch, daß Madame Perkins ihr kaum folgen kann, in ihre Kabine zurück.) Der Marquis(die Rose in seinem Taschentuch trocknend): Nun, du gute, ehrliche Seele, was sagst du dazu? Der Freund: Ich bin„paff". Der Marquis: Jetzt schon? Na, warte nur; Abends wirst du noch ganz andere Sachen sehen. (Abendkonzert im Kafino. Madame Perkins ist wegen Müdig- keit zu Hause geblieben. Miß Lory trägt eine weißsewene geschlossene Robe, einen Hut a la Karl I mit einer Seemöve und gelben Rosen. Der Marquis fitzt hinter ihr und zwar so nahe, daß, wenn er mit ihr spricht, ihre kleinen flau- migen Nackenlöckchen im Hauche seines Atems hin- und her- schaukeln. (Neben dem Marquis fitzt der Freund.) Der Marquis: Wird man denn heute nicht tanzen? Diese dumme Musik ist so langweilig... Miß Lory(mit halbgefchlossenen Augen der Mufik lau- schend): Für Sie vielleicht, für mich nicht! Wie kann man bei solcher Hitze Lust haben, zu tanzen? Der Marquis: Ich habe gar leine Lust dazu! Miß Lory; Nun also! �... Der Marquis(nähert fich, daß die kleinen Locken hin- und herfliegen): Aber das Vergnügen, Sie in meinen Armen zu halten...(er flüstert leise weiter). Der Freund(für fich): Ich glaube, ich bin überflüssig. (Er steht auf und entfernt fich diskret. Lory und der Marqms fitzen von den übrigen Gruppen ziemlich entfernt.) Miß Lory(heiter): Also es macht Ihnen Vergnügen, mich in Jbren Armm zu halten? Der Marquis: Wie können Sie nur so fragen?... llnt) Miß N-ry: Mir? Halte ich Ste denn in meinen Armen? Der Marquis; Aber Sie wissen doch, was ich sagen Miß Lory(lachend): Nein, wirklich nicht! Solche An« spielungen mögen für die Franzöfinnen gut sein. Ich muß schon um eine genaue Erklärung bitten. Der Marquis ifie mir den Augen verschlingend): Mx» Ich soll Ihnen erklären, was- ich empfinde, wenn ich Sie in meinen Armen halte?... ich...(er schnappt nach Luft?' Der Freund(von der Terasse aus das Paar beobacktendl- Ich bin doch neugierig, was daraus werden wird. Miß Lory: Ja, setzt Sie das in Verlegenheit« Ick für Ä SÄ'Ä w5eS bw°ingekommm sN oder�ein StewchÄ.' Wie = 6% AR# L I Set Marquis(den Schuh von Lory's Fuß nehmend): I:rnt haben- Man kann das ja als eine große Mckstcbt- I me betrachten, aber das Publikum und die Kunden, die in i«em Laden ein- und ausgehen, haben nicht immer so wohl- . lende Auffassungen- Das ganze Auftreten dieser Kasfirer, ; ftorm, in welche fie die Nachfragen kleiden, läßt vielmehr Vermuthung begründet erscheinen, daß man es hier mit ;m wohlgeplanten Manöver zu thun hat, und die Haus- " the zu einer Beeinfluffung säumiger Theilzahler zu Gunsten Theilzablungsgeschäfte zu bewegen, a. Die Diebstähle an Plüschbczügen, welche in letzter i-.t von Sitzkiffen der Eisenbahnwagen abgeschnitten worden d, dauern fort; so wurden am 6. d. Mts. bei einer Revifion Personenwagen des Betriebsamts der Ostbahn 6 Sitze es Wagons Ii. Klasse und auf dem Schlestschen Bahnhofe Sitze eines Wagens I. Klasse ihrer Kissenbezüge beraubt ge- aden. Der erstgedachte Wagen stand verschloffen auf dem Ge- se des Personenbahnhofs. Der Dieb hat den Wagen mittels res Nachschlüssels geöffnet und diesen Schlüssel im Wagen rückgelaffen. Der Wagen der Schlestschen Bahn stand unver- ilossen und auf einem Nebengeleise. Bisher ist es nicht ge- ngen den Thäter zu ermitteln. N. Eine schmerzhafte Verstümmelung erlitt am gestrigen age ein in einer hiefigen Atbumfabrik> eschästigter Arbeiter ischer. Derselbe gerieth beim Arbeiten an einer in Thätigkeit efindlichcn Piägemaschine derart zwischen oie Kammräver der Maschine, daß er eine totale Zerquetschung des Mittelfingers er rechten Hand erlitt. Der Verunglückte mußte behufs An- :gung eines Nothverbandes nach der nächsten Sanitätswache eschafft werden. a. Schwindler. Am 7. d. Mts. traf der Tischler Albert Lhüm in einem Schanklokal in der Koppenstraße einen ihm inbekannten Mann, welcher ihm versprach, auf dem Zentral- nehhof eine Stelle als Obertreiber zu verschaffen. Zu diesem Zwecke mußte Thüm dem Unbekannten seinen Militärpaß übergeben, den dieser am Abend wieder zurückzubringen ver- sprach. Der Unbekannte hat aber sein Versprechen nicht ge- halten, und es ist zu befürchten, daß mit dem Militärpaß ein Mißbrauch getrieben werden könnte. N. Feuer iu einem Rohbau. Der große Rohbau an der Ecke der Prenzlauer- und Lothringerstraße war gestern Abend in der 7. Stunde der Schauplatz eines Schadenfeuers. Auf bisher noch unaufgeklärte Weise war in der Parterre- Etage ein Feuer ausgekommen, das beim Eintreffen der durch §assanten alarmirten Feuerwehr bereits die Balkenlagen, chaal- und Fußbodenbrettcr, Thüren und Fenster ic. ergriffen hatte. Es mußten mehrere große Handdrucksvritzen in Thätig- keit gesetzt werden, denen es erst nach mehrstündiger Arbeit ge- lang das Feuer zu löschen. Der auf ca. 4000 M. geschätzte Schaden ist von der Feuerverficherungs-Gesellschast Thuringia zu tragen. a. Pseudogeheime. Bei einer Wittwe in der Fischerstr. wohnt seit einiger Zeit ein älteres Mädchen, die unverehelichte L- Zu dieser kamen am 17. September er. zwei unbekannte Männer, welche vorgaben Kriminalbeamte zu sein und den Auf- trag zu haben, ihre Sachen zu durchsuchen, weil fie des Haus- diebstahls bei ihrer früheren Herrschaft in der Oranienstr- ver- dächtigt worden wäre. Da dem Mädchen bekannt war, daß dieser Verdacht in Wirklichkeit von der früheren Herrschaft gegen fie gehegt wurde, so erhob fie keinen Einspruch und fie öffnete ihren Koffer, welcher sodann von den beiden Männem durch- sucht wurde. Nach einiger Zeit verschloffen diese den Koffer, nahmen den Schlüssel an stck und entfernten fich mit den Worten, daß fie am folgenden Tage den Schsüffel zurückbringen würden. Am folgenden Tage kamen auch die beiden angeb- lichen Kriminalbeamten und erklärten von Neuem, den Koffer sorgfältig durchsuchen zu müssen und forderten die L. und ihre Wirthin auf, während der Durchsuchung das Zimmer zu ver- lassen. Die Frauen leisteten dieser Aufforderung Folge und einige Minuten darauf gaben die Männer der L- ihren Kofferschlüssel und entfernten fick. Fast drei Wochen später, am 7. d. M. nahm die L. ihr Sparkassenbuch aus dem Koffer um «ine kleine Summe einzuzahlen- Bei dieser Einzahlung de- merkte fie. daß von ihren bisherigen Ersparnissen im Betrage von 94 M. am 18. Sept. er. 90 M. erhoben worden waren, ohne daß fie davon etwas gewußt hatte. Die sofort angestellten Nachforschungen ergaben, daß jene beiden angeblichen Kri- minalbeamten in Wirklichkeit keine Beamten waren, sondern den ihnen zufällig zu Ohren gekommenen Diebstahlsveidacht gegen die L. benutzt haben, um in der Form einer Haussuchung das Sparkassenbuch der L. fich anzueignen, darauf 90 M. zu erheben und sodann das Sparkassenbuch unbemerkt in den Koffer dcr L. Es ist nichts drin....(den Fuß an sein Herz drückend) Lory... Lorp!_ Miß Lory(unbefangen): Wie behebt? Der Marquis(vermint): Nichts... nichts...(für fich, während er bemerkt, daß aller Augen auf ihn gerichtet find;) Nein, man kompromittirt fich nickt so, wenn man es nicht gewohnt ist. Dieses Mädchen erhebt die Koketterie zur Höhe einer Kunst.... Ich glaube, ich darf mir jetzt schon etwas mehr herausnehmen.(Laut:) Sie sehen, ich weiß gar nicht mehr, was ich sagen soll... Ich bin verwirrt, fassungs- los... Lory, möchten Sie einen Augenblick auf die Terrasse hinauskommen? Miß Lory(ihn musternd): Weshalb denn? Der Marquis: Wegen... wegen... um frische Luft zu schöpfen; es ist hier zum Ersticken! Miß Lory: Ah so! Nein, ich mag nicht. Der Marquis(bittend): O, o, ja warum denn nicht? Miß Lory(ruhig): Weil ich keine Lust habe, mich von Ihnen küssen zu lassen. Darum handelt es fich doch, nicht wahr? Der Marquis(fassungslos): Aber... M'ß Lory: Ja, wenn Sie glauben, daß ich es nicht er- � Der Marquis: So schenken Sie mir wenigstms den Woher, der soeben beginnt., Miß Lory: O. mit Vergnügen!(Sie tanzen.) Der Marquis(ihre Hand drückend): Lieben Sre mich nicht ein klein wenig, Lory?---, Miß Lory- Ick? Durchaus nicht! Der Marquis(ärgerlich für fich): Wart' nur, du Heuch- lerin!(Laut): Aber weshalb fliehen Sre dann nicht merne Gegenwatt?,„ r, Miß Lory: Fliehen? Ich suche fie sogar! Der Marquis: Also unterhalte ich Sie wenigstens? Miß Lory; Ties noch weniger. Ich finde Sre nur sehr (Der Marquis wirst fich in die Brust; kein anderes Kompli- ment hätte ihm mehr Vergnügen machen können.) Miß Lory(durch die Ballonthür blickend): Ah, ern Feuer- werk am Strande!, Der Marquis: Ja, ein Feuerwerk! Wollen Sre es sehen? Miß Lory: Sehr gern. � �,.... (Sie gehen zu der Thür, bei welcher der Freund steht; rm Augenblick, wo fie ins Dunkel treten, neigt fich der Marqurs rasch zu Lory und will fie küssen. Sie weicht aus, giebt ihm «ine schallende Ohrfeige und läßt ihn verdutzt in der Mttte der Terrasse stehen.),.„ Der Freund(vortretend): Nun? Was habe ich gesagt? Wer bat recht gehabt? Der Marquis(wegwerfend): Ach was! Die Kleine will unter die Haube kommen, das ist alles. Der Freund: Möglich! Aber dann um so schlimmer � Der Marquis: Wieso? zu legen. Die beiden Diebe, von welchen der eine 30- 35 Jehre alt ist, mittelgroß und mit schwarzem Knebel- und Schnurrbart und der andere 35—40 Jahre alt ist, mit schwarzem Backen- und Schnurrbart, find bis jetzt nicht ermittelt. Eine heftige Schlägeret entspann fich, wie der„Voss. Ztg." mitgerheitl wird, in der Nacht zum Dienstag auf dem Depot der Pferdebahn in Schöneberg. Der Schaffner eines Wagens der Pfeidebabnlinie Spittelmarktz Schöneberg hatte im Laufe des Montags einen jungen Schöneberger wegen Trun- kenheit von der Mitfahrt ausschließen müssen. In der Nacht kam dieser mit etwa 15 bis 20 seiner Freunde in die im Depot befindliche Restauration und tranken dott Bier. Sie entfernten fich sodann bis auf einen, unter Mitnahme der Seidel. Als von dem Zurückgebliebenen Zahlung der Zeche verlangt wurde, drangen die anderen sämmtlich wieder in die Restauration ein, nachdem fie fich vorher mit Baumpfählen bewaffnet hatten, begannen sofort mit Seideln zu werfen und mit den Pfählen auf die noch anwesenden Pferdebahnbeamten loszuschlagen, welche fich ihrerseits mit den zum Stellen der Weichen be- nutzten eisernen Stäben wehrten. Auf beiden Seiten kamen vielfache Verletzungen vor. Als vier Amtsdiener auf dem Kampfplatze erschienen, entflohen die Schöneberger, die jedoch bereits sämmtlich ermittelt und zur Untersuchung gebracht find. Gerickts-seitimg. Stuttgart, 6. Okt. Wie schon mitgetheilt, ist der des Raubmordes an dem Pfandleiher Reinhardt angeklagte Kutscher Döttling freigesprochen worden. Nach dem„Beobachter" geben wir hier einen gedrängten Bericht über den letzten VerHand- lungstag: Die schon im Laufe der letzten Verhandlung zu Tage getretene Meinungsverschiedenheit der Sachverständigen bezüglich der Verwundung am Halse(ob die Zertrümmerung des Kehlkopfes und des Zungenbeins, sowie die außerordent- liche Zerfleischung der Weichtheile, welche Zerstörungen nur mit dem Beil verursacht werden konnten, vor oder nach dem Messelschnitte in den Hals ausgeführt wurden), kommt auch heute wieder zum Ausdruck- Der Vorfitzende zeigt nun an, daß vie Geschworenen zwei Fragen zu beantworten haben wer- den. Die erste lautet im Wesentlichen: Ist der Angeklagte schuldig, am 23. Februar d. I., Abends 9 Uhr 20 Min., den Pfandleiher Reinhardt, sei es allein, sei es in Gemeinschaft mit einem Ander», vorsätzlich und mit Ueberlegung getövtet zu haben? Zweite Frage: Ist der Angeklagte schuldig, fremde bewegliche Sachen in der Abficht, fich dieselben rechtswidrig anzueignen, weggenommen zu haben? Nunmehr beginnt der Staatsanwalt seinen Vortrag. Derselbe führt in fast 1 i» stün- diger Rede den Geschworenen alle die im Laufe der VerHand- lung gegen den Angeklagten zu Tage getretenen Verdachts- momente vor, deren die Anklage allerdings sehr viele zusammen- brachte- Zu erwähnen wären die Mahnungen des Staats- anwalts an die Presse, sich bei Berichterstattungen über derartige Fälle der größten Objektivität zu befleißigen und namentlich auch während des Stadiums der Voruntersuchung leine Nachrichten zu verbreiten, welche geeignet find, den Gang der Untersuchung zu erschweren. Auch den Umstand berührt der Staatsanwalt, daß, wie ihm scheine, von außen auf manche Zeugen eingewirkt würde, und daß deren Aus- sagen fich in Folge dessen in einer Weise gestalteten, wie dies eben nur vorkommen könne bei Leuten, welche derattigen Einflüssen zugänglich find. Der Staatsanwalt kommt nach reiflicher Erwägung aller Momente zu dem Ent- sckluß, die Herren Geschworenen zu bitten, den Anaeklagten des Raubmordes für schuldig zu erklären. Nunmehr erhält die Verthcidigung das Wort. Die Schwierigkeit des vorliegenden Falles detonend und die unglückseligen Um- stände, daß es fich hier auf der einen Seite darum handle, ein folch entsetzliches Verbrechen ungesühnt lassen zu müssen, auf der andern, einen Unschuldigen oder doch der Schuld nicht Ueber- wiesenen zum Tode zu veruttheilen, macht der Veitheidiger zunächst darauf aufmerksam, welchen schwierigen Standpunkt die Vettheidigung selbst in solchen Fällen einnehme. Speziell in diesem Fall fei ihm zu Ohren gekommen, daß Manche fich ge- äußert hätten, wie er denn eine solche Vertheidigung überneh- men möge. Darauf könne er nur erwidern, daß er fich dem Angeklagten weder zum Vertheidiger angeboten habe, noch von demselben als solcher erdeten worden sei. Er sei vom Gericht zum Vertheidiger des Angeklagten bestellt und da sei es Pflicht eines jeden Rechtsanwalts, die vot: Gesetzes wegen vorgeschriebene Vertheidigung zu übernehmen. Der Angeklagte stehe ganz allein, er habe Niemand, der ihn entlaste. Können Sie, meine Der Freund: Weil Du fie Heirathen wirst. Du bist ver- loren, vollständig verloren. Der Marquis(lachend): Verloren? Ich! Du kennst mich nicht. Der Freund: Ich kenne Dich nur zu gut. Nimm Dich in Acht! Der Marquis: Wovor? Du glaubst, ich kenne fie nicht, diese kleinen Misses mit ihren Heirathsphantasten! Für mich find diese Komödien zu plump-.. Zuerst sucht man unter jeder Bedingung einen Mann zu angeln. Gehl es nicht, so wird man schon von selbst bescheidener... Miß Lory ist nur ein wenig schlimmer als die übrigen. Sie kokettirt; fie spielt die Unschuldige; fie bietet ihre ganze Schlauheit auf, mich zu verführen, und wenn ich mir eine Freiheit erlaube, antwottet fie mit einer Ohrfeige... Der Freund(lachend): Mit einer sehr kräftigen! Meiner Treu! Der Marquis(ärgerlich): Du bist wirklich sonderbar! Wenn Dir so etwas je passtrt wäre, so würdest Du schwerlich entzückr sein... Der Freund: So etwas ist mir sogar schon pasfitt, mein Lieber. Ich bin ja nicht der unwiderstehliche Marquis v. Dourgar. Ein Mann, wie ich, ist solchen kleinen Faiali- täten preisgegeben... Aber wo schaust Du denn eigent- lich hin? Der Marquis(zornig): Da ist fie! Wahrhaftig! Und am Arme dieses Pondor, eines solchen Menschen! Der Freund(ihn auf die Schulter klopfend): Hüte Dich, mein Freund! Die Sache wird ernst! in. Ott: Das gemeinschaftliche Damen- und Herrenbad. Der Marquis(zu Lory, die auf dem Rücken schwimmt): Soll ick Sie nickt halten? Miß Lory: Danke, ich bin nicht müde. Ter Marquis: Mein Gott, Sie find hart gegen mich. Sie machen mich so unglücklich! Miß Lory(spöttisch): Unglücklich? Wirklich? Der Marquis(mit ziiternder Stimme): Jawohl! Wenn ich sehe, wie Sie mit diesem Pondor verkehren, wie Sie mir diesen Menschen vorziehen... Miß Lory: Ihn vorziehen? Ich denke gar nicht daran. Der Marquis(eifrig): Giebt es also hier niemand, den Sie mir vorzirhen? Miß Lory: Hier?(fich auf ihn stützend): In diesem Augenblicke niemand. Der Marquis: Warum erlauben Sie mir denn nicht, Sie zu lieben? Mrß Lory: Aber kann ich denn jemand verwehren, mich zu lieben? Der Marquis: Wie? Mrß Lory: Ja. wenn Sie es Liebe beißen, mich auf eine Terrasse zu locken und mir einen Kuß zu rauben. dann allerdings verweigere ich meine Zustimmung. Sehen Sie, wir Amerikanerinnen find eben anders als Ihre Lands- männinnen. Wir leben nicht wie jene vor oer Hochzeit im Herren, die volle Ucberzeugung finden, daß der Angeklagte der Mörder ist, so werden Sie ihn verurtheilen- Der Vettheidiger hählt nun ebenfalls eine Reihe von Vorkommnissen auf, die es ihm höchst unwahrscheinlich, ja fast unmöglich machen, zu glauben, daß der Angeklagte der Mörder sei- Auch vom psycho- logischen Standpunkt aus beurtheilt derselbe den Fall und muß auch hier, gestützt auf seine reichen Erfahrungen, bekennen, daß die von der Staatsanwaltschaft gemachten Kombinationen ihm mehr als gewagt erscheinen. Nach einem warmen Appell an die Geschworenen, ihre Entscheidung abzugeben auf Grund selbst gewonnener Ueberzeugung, unbeeinflußt von den Aus- führungen des Anklägers sowohl als des Vettheidigers, schließt derselbe- Nach einer Replik des Staatsanwalts und einer Duplik des Vettheidigers stellt der Prästdent zum letztenmal an den Angeklagten die Frage, od er noch etwas zu seiner Vertheidigung vorzubringen habe. Derselbe antwottele:„Ich kann nichts weiter sagen, als daß ich der Thäter nicht bin, so wahr ein Gott im Himmel ist." Hierauf ziehen fich die Ge- schworenen in ihr Beratbungszimmer zurück. Auch der Ange- tagte wird abgeführt. Nach einstündiger Beratbung nehmen dieselben wieder ihre Plätze ein. Es ist genau V«7 Uhr. Mit der höchsten Spannung erwartet alles den Wahrspruch. Der- selbe lautet auf Nichtschulvig. Nun wird der Angeklagte wieder vorgeführt und ihm Punkt 7 Uhr das Uttbeil vettün- digt- Dasselbe lautet auf Freisprechung. Der Angeklagte wird sofott entlassen._ Mermiscktes. Catania, 9. Oktober. Die Zahl der in Folge des Cyklon hier Verunglückten beträgt bis jetzt 27 Todte und 350 Verwundete, welche aus den Trümmern der eingestürzter! Gebäude ausgegraben wurden. Der Schaden beläust sich höher, als bisher angenommen wurde, und wird bis jetzt auf 5 Millionen Lire geschätzt. Olmütz, 9. Oktober. Gestern Nachmittag fand im Emma- Schachte des Bergwerkes in Polnisch-Lstrau eine Explofion schlagender Wetter statt, wodurch etwa 20 Bergarbeiter getövtet, andere verletzt wurden. Die Zahl der letzteren ist noch nicht festgestellt. Ein aufrichtiger König. Auf einer Reise in Jütland trat Friedrich VI. von Dänemark in eine Dorfschule. Die Knaben zeigten fich munter und frisch, und der König fragte: „Jungens, wer find die großen Könige von Dänemark?" In einem Athem riefen die Knaben:„Kanut der Große, Waldemar, Christian VI." Ein Junge, dem der Schulmeister etwas zugeflüstett hatte, hob die Hand in die Höhe.„Weißt Du noch einen?" fragte der König.„Ja, Friedrich VI." „Was hat denn der Großes gethan?" Der Knabe schwieg verlegen und stotterte endlich:„Ich weiß es nicht."— „Tröste Dich, mein Junge," sagte der König,„ich weiß es auch nicht." Zufall in Ziffern. Aus Paris wird unter dem 5. d. geschrieben: Seit jeher war man bemüht, zwischen astronomischen Erscheinungen und irdischen Ereignissen einen Zusammenhang zu finden und selbst heute noch kann kein Komet durch die Himmelsräume schweifen, ohne daß man nicht gleich hier auf Erden Krieg und Weltbrand dahinter wittette- Ein sehr merk« würdiges Zusammentreffen ergibt fich indessen wirklich aus der Gegenüberstellung des Zyklus der Mondesfinsterniffe und be- deutender geschichtlicher Momente Frankreicks, welche auf dessen politische Gestaltung und Geschicke von Einfluß waren. Der Zyklus der Mondesfinsternisse beträgt bekanntlich 18 Jahre. Recknet man nun 13 Jahre zurück, so begegnen wir dem Jahre 1866: Sadowa und die mexikanischen Ereignisse, welche den Sturz des Kaiserreiches prognostiziren. Wieder um 18 Jahre zurückgegriffen und wir gelangen zu dem bedeutungsvollen Jahre 1848, nochmals 18 Jahre subtrahirt und es schält fich 1830, das Jahr der Juli-Revolution, heraus. Jetzt abermals 1830—18 und wir finden 1812 mit dem unglückseligen und verhängnißvollen Feldzuge Napoleons I. nach Rußland; greife» neuerlich um 18 Jahre zurück, so haben wir das Jahr 1791, merkwürdig durch die Niederlage der Terroristen am 9. TbA midor, vor uns. Die einfache Aufstellung dieser Daten läp also in der That einen interessanten astrologischen Zufall kennen. Minder raffinirten Betrachtungen und Wahrnedmungi? gab sich das Publikum bin, welches fich gestern, anläßlich d» diesmaligen Mondesfinstemiß. auf dem Trocadero, als ein� der prächtigsten Observationspunkte, zahlreich versammelt ham' Als fich die Erscheinung vollzog, begannen nämlich die 3» schauer wie im Theater, laut und lebhaft— zu applaudirc»' Kloster, um nach derselben die neue Freiheit zu mißbrauckk� Wir erlauben uns vor der Hochzeit manche Freiheit, aber w' wissen genau, wie weit wir gehen dürfen und bleiben»»% Gatten treu... Ich urtheile nicht, ich konstatire blos..- scherzte mit Ihnen, weil es mich amüstrte... Aber lieben da mich nur, wer mich heirathet... (Sie macht im Wasser rechtsum Kehtt und schwimmt so\aJ ins Meer hinaus, daß der Marquis, der ihr anfangs foW will, bald zurückkehren muß) Uf Der Marquis(allein, melancholisch die Tempos nrach�Ä Ich zappele an der Ang und Es ist aus mit mir! ... Sie will um jeden Preis unter die Haube kommen ich.... ich werde dumm genug sein, den dümmsten 6%� meines Lebens zu begehen.... Es ist lächerlich!--- �-.c« dieses dämonische Weib!.... Sie verstehen zu rechnen, � � Aber was bleibt mir übrig?•••- Amerikanerinnen! «falle» bin verliebt zum Rasendwerden... Die Würfel find(st--. ... Ich werde eine Frau heirathen, die keinen Sou den» Mein Vermögen gefällt ihr, das glaube ich... Aber eo � die Zeit kommen, wo ich fie nicht mehr lieben werde--' dann... dann soll fie es theuer bezahlen... Der Marquis von Dourgar kehtt nach seinem Hotel Jut und schreibt folgenden Brief: Mein Fräulein!„ri-h Ich liebe Sie wie ein Wahnsinniger und Sie setze" rI,u in Verzweiflung, zumal die Liebenswürdigkeit, dre L>>e,. wir allein find, entfalten, mich eine geringere Graui � hätte ermatten lassen Soeben sagten Si- mir, daß jcnige Sie lieben dürfe, der Sie heiratb�! Wohlan. Sie mir die Ehre erweisen, meine Fmu zu werden f Marqurs von Doms Zwei Stunden später spazieen Freund auf der Terrasse des Brdehotels. der Marquis. unv�Z sehr erstaunt, noch keine Antwott Z» haben. Er 'W w fo0at auf etwas �-Ä»vtt SS.S36S ____(»nMtfb W?**« mehr Eile ermattet; ja, er w) mus gefaßt gewesen, denn rn kluge Miß Perkins auf einen. o----------------- nchmens doch nicht rechnn können. Endlich sein Kammerdiener und übenicht ihm einen Brres. quis nimmt und öffnet das ierliche Schreiben in Aufregung: Mein Herr!....»eine Lu?' Ich danke Ihnen tausadrral; aber ich WL ghai'l Sie zu heirathen. Ich bi»ämlich bereits mit A, n»® Frenett verlobt, der gegewä'rtig in Indien wem. seiner Rücklehr heirathen vir..- ihr Ack, ihr Herren jcanzosen, wie wenig ken„e Amerikannerinnen! Esmacbte mir Spaß, mit JV i lehren. Von dem schöen Marquis von Dourga t werden, gilt für eine lestät-gung, daß man seldl« g*, fitz« Ick war begieri dieses Patent Z" erring �„uf* dauere, daß Sie sü Ernst genommen haben, il»' Sckerz, und für hechnete Schlauheit, was nu Haltung war. Veranlwortticher Redakieur R. vrouderm in Brrirn. Druck und Verlag von ahof«aorng m Berlin SW. Beuttraße 2.