Sit. 164 Dienstag 14 Oktober 1884 l. Jahrg. SMnMM». Lrgan für die Interessen der Arbeiter. . Da«„Vk»li»e? täglich Marge»« außer»ach So««»»ud Festtage». Uosimemeatsprei» für Berli» «'« Hau« vierteljährlich 3 Mark, monatlich 1 Mark,»öch entlich 25 Pf. Einzelne Emmern S Pf. Postabonnement pro Quartal 3 Mark.(Eingetragen im VEL Nachtrage der Postzeiwngsvreitlist« unter Nr. 719?..) JnsertionSgebnhr beträgt für die 3 gespaltene Petit» eile oder deren Raum 40 Pf. Arbeittmarkt 10 Pf. Bei größere» Zlufträge« hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werde« bi» 4 Uhr Nachmittag« in der Erpeditio», Berli» SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle« Annoneen» Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. WeSaKtton und AXpeöitton Werttn SW., Iimmerftraße 44. Das politische Streberlhum. Seitdem da« Schlagwort von der Sozialreform in die rasten geworfm worden ist, haben die Parteien sich beeilt, Lren Programmen einen sozialpolitischen Anstrich zu geben. ?te alle versichern plötzlich den Arbeiter, daß die Förderung f»'tf e* 2B0hl« ihr einzige« Bestreben sei und in aller Zu- .unft sein»erde. Eine Menge neuer Schmeicheleien und Zurufe dringen an da« Ohr de« Arbeiter« und der Mann er schwieligen Hand erkennt schon an diesem Umstände, ßnden'� � �et � den Wahlen be- Aber woher kommt dieser edle Wetteifer unter dm Oralen und bürgerlichen Parteien, den Arbeiter ihre« Wohlwollen« und ihrer Freundschaft zu versichern? . Hören wir darüber eine Stimme au« jenen Kreism Der ultramontan-konservative Reichstagsabgeordnete von Hertling hat unlängst seine gesammelten„Auf- und Reden sozialpolitischen Inhalt«" herausgegeben, in Welcher Sammlung sich viel LesenSwerthe«, aber auch viel grstüssige« befindet. Dort sagt Dr. von Hertling an einer .«Wie lange ist e« her, daß die Lehren de« ökonomi- lihev Liberalismus auf dm Kathedern unserer Hochschulen, *5 den ParlammtStribünen wie in der Presse nahezu un- �versprochen herrschten, daß die Existenz einer sozialen in politischen Kreisen ganz ernsthaft in Abrede gestellt erden konnte; daß man gegenüber schüchternm Versuchen, � und da die staatliche Gesetzgebung zur Abhilfe sozialer ?chadin in Bewegung zu setzen, sofort mit dem Vorwurfe s." i l a l i st i s ch e r Tendenzen bei der Hand war? Leute wetteifern die Parteien förmlich mit Vorschlägen zur . esserung der Lage der arbeitenden Klassm, das Wort von «sozialen Reform" ist auf dem besten Wege, ein abge- Füchtes Schlagwort zu werden... Aber nicht ein großes jf�igniß, welches das Volksleben in seinm tiefsten Tiefen schlitterte, hat, wie Aehnliche« sonst wohl geschehen, jenen Mndel hervorgerufen. Nicht die siegreiche Kraft der Wahr- v" hat langsam vordringend den entgegenstehenden Irr ... �vise machen wollm, übrig, als zu versichern, daß ge- »Y sie sich auf dem gleichen Wege befänden und der CT�orzüglich�kundig seien?"- fiif i, ä'st offenbar die lautere Wahrheit und man darf M billig wundem, daß Dr. von Hertling eS untervonmen 15 ste auszusprechen, da gerade seine eigene Partei, die �awontane, dadurch am härtestm getroffm wird. Denn ****•««»j Ieuilleton. Isaura. Eine Erzählung auS dem südlichen Frankreich. (Fortsetzung) wollt mir abrachen!" rief Humbert von Neuem „Der Kaiser wird mir die KonigSkrone für Utoft verleihen, ich werde seinm Frieden mit dem rechten »wer frin"'0®1"_ Ihr. ein Diener der Küche, da- jZ�bmgeklönte Vorfahren seit Jahrhunderten geführt haben. mm iefe�l«en®'n Hoffnung: es bleibt ja oft genug WWZMZDW AWMZWZ auf wen paßt diese Charakteristik mehr als auf das Cmtrum mit seiner Schaukelpolitik? Und nicht auf das Cmtrum allein, auch auf die Kon- servativm und Nationalliberalm, während die sogenannten Freisinnigen ins andere Extrem verfallen und Alles, was von der Regierung kommt, verwerfen, eben weil eS von der Regierung kommt. Eine der Hauptforderungen, die früher von der Arbeiterpartei ganz allein gestellt wurden, ist nun scheinbar— wir sagm absichtlich scheinbar— auch von anderen Parteien akzeptirt worden; wir meinen die Forderung einer durchgreifenden Fabrikgesetzgebung, die Einführung eines Normal- resp. MaximalarbeitStageS, sowie die Ein- schränkung der Fraum- und die gänzliche Beseitigung der Kinderarbeit. In einzelnen konservativen und ultramontanm Blättern hat man eine solche Fabrikgesetzgebung befürwortet; die Nationalliberalen sind wohl nur deshalb noch nicht für einen Normalarbeitstag eingetreten, weil der Reichskanzler sich noch nicht dafür erklärt hat. Beiläufig hat auch die deutsche Volkspartei, welche es an„Reichsfreundlichkeit" jetzt gerne allen anderen Parteien zuvor thun möchte, dm Normal- arbeitStag sogar in ihr Programm aufgenommen, während ihre Redner nicht gerne von dieser Sache sprechen. Allein mit dem Wort„NormalarbertStag" ist noch nicht viel gesagt. ES kommt darauf an, wie er beschaffen ist. Ein Normalarbeitstag von zwölf oder dreizehn Stunden würde an der gegenwärtigen Situation sicherlich nicht viel ändern. Wir möchten am liebsten die Beamten zum Muster genommen haben, von denen die bessersituirten eine acht- st ü n d i g e Arbeitszeit haben. Eine solche wäre auch gerade hoch genug, würde aber unter dm heutigen Verhältniffea tiefgreifende Aenderungen bewirken. Bekanntlich ist in den StaatSwerkstätten der nordamerikanischm Union ein acht- stündiger Normalarbeitstag eingeführt, aber nicht auf die Privatindustrie ausgedehnt worden. Man frage die Ultramontanm und die Konservativm, wie hoch denn der Normalarbeitstag sein solle, dem sie ihre Zustimmung geben wollen, und man wird hören, daß sie sich zu einem zwölfsiündigen, im günstigsten Falle zu einem elfstündigen Herbeilaffen wollen. Mit der Einschränkung der Frauen- und dem Verbot der Kinderarbeit wird man auch nur halbe Zugeständniffe von dieser Seite erreichen können. Hat man doch den schönen Begriff„jugmdliche Arbeiter" erfunden, womit man zur Hinterthür wieder hereinschmuggeln kann, waS vorn hinausgeworfen worden ist. Aber dann kommt noch etwas, was nicht zu übersehe» ist. Werden die Parteien, die jetzt so eifrig in„Sozial- reform" machen, auch die Sorge dafür übernehme», daß eine etwaige neue Fabrikgesetzgebung, gerade wenn sie günstig berichtete.—„Ich muß ihn sehen— eher habe ich kerne Ruh! rief er plötzlich und eilte nach der Thüre, um in das Schlaf- kämmerlein seines SöhnchenS zu gehen. Die Hofmeisterin, welcher man die Ankunft des Herrn schon gemeldet hatte, trat eben, bestens angethan, aus ihrem Gemach, als der Dauphin schon den Gang daher stürmte, so daß der Kämmerer kaum im Stande war. ihm zu folgen.„Wo ist mein Guigo? Zu Bett gelegt, das weiß ich. aber ich will ihn sehen!" rief Humbert ihr schon von Weitem zu, und die tief fich verneigende Dame mußte fich zu einer fast unanständigen Eile bequemen, um mit dem Fürsten zugleich in dem Zimmer anzukommen, wo eine Wärterin den Thronerben, der im anstoßenden Kämmerlein schlief, bewachte. Der Dauphin trat in das letztere mit leisen, behutsamen Schritten. Die hochgehobenen Kerzen beleuchteten das Kind in der Wiege, das Bild des süßen Friedens- Alle zarten Glie- deichen ruhten wohlig ausgestreckt, das runde Gestcht des Knaben war von einer warmen Röthe angehaucht, ruhig floffcn seine Athemzüge durch die halbgeöffneten Lippen. Der Vater betrachtete das Kind lange mit feuchten Augen, seine Hände hattten stck gefallet, ein frommes Gebet für des Sohnes ver- hüllte Zukunft bewegte sein Herz. Die Umstehenden blickten gerührt auf chn: ste konnten es ahnen, was in seiner Seele °°��unge!" rief jetzt der Dauphin mit jenem schnellen Ueber- gange des Gefühls, dem er nur selten Widerstand leistete. Und zum Entsetzen der sorglichen Frauen riß er das Kind aus dem Schlafe empor, drückte es an sein Herz und bedeckte es mit Küffen, so daß es erschreckt und schlaftrunken zu schreien ansing und nach ihm schlug. Das belustigte aber den Fürsten sehr und er konnte sogar laut lachen, wie sonst. Da erkannte ihn der Kleine, schrie jauchzend:„Papa!" und schlang seine nackten Aermchen um den Hals des Vaters— wiederholt nach der Mutter fragend. Armes Kind! 3 Die Kunde, daß der Landesherr zurück sei. lief schnell durch die Stadt und die Gauen und fand ihren Weg in vre fernsten noch mehr zu seinen frommen Schenkungen vrel Geld brauchte und letzteres oft mit drückenden Auflaqen emtrrcb, so hatte er doch manche Erleichterung in das drückende Feudalwesen ge- Ä®ÄsÄ& W'Ä Anlaffe zeigte, war stets seine beste Empfehlung beim Volke gewesen. für die Arbeiter ausfallen sollte, nicht nur auf dem Papier bestehen bleibt? Wenn ein Normalarbeitstag etwas nutzen soll, so muß die gewiffenhafteste und peinlichste Kontrole dafür sorgen, daß er auch eingehalten wird. Wird man sich dazu verstehen, das so wichtige Institut der Fabriken- Inspektoren entsprechend auszudehnen und mit den noth- wendigen Mitteln und Bedürfniffen auszustatten? Wird man die Einschränkung der Frauenarbeit, daS Verbot der Kinderarbeit ebenso gewiffenhaft durchführen wollen? Die reaktionären Parteien mögen sich mit den sozial- politischen Verheißungen nicht allzuviel Mühe geben; die Arbeiter kennen ihre Pappenheimer. Sie hatten in der verfloffenen Legislaturperiode Gelegenheit genug, etwas zu leisten; allein man weiß, was geschehen ist. Man wird diesen Herren das Sozialistengesetz ebensowenig verzeffen, wie man eS Herrn Windthorst vergeffen wird, daß Haupt« sächlich durch seine Bemühungen jede selbstständige Ver- tretung der Arbeiter auS dem UnfalloersicherungSgesetz ge- strichen worden ist. Zum Ueberfluß hat nun auch noch der Dr. von Hertling auS der Schule geplaudert und kundgethan, daß die plötz- liche„Arbeiterfreundlichkeit" der Konservativen, Ultramon- tarnen und Nationalliberalen nichts Anderes als politische Streberet ist, daß sie nur den Beweis liefert, wie diese Parteien alle Mittel anwenden, um Macht zu erlangen. Der Reichskanzler kommt mit sozialpolitischen Projekten und schleunigst kommen diese Parteien auch mit solchem DaS ist denn doch ein wenig zu auffallend, wenn man sich auch im Allgemeinen daran gewöhnt hat, über politischen Ge» sinnungSwechsel heute nicht mehr sonderlich zu erstaunen. Die Arbeiter werden sich die Worte des Dr. von Hertling zu Herzen nehmen und die Lockrufe der Reaktionäre als das betrachten, was sie sind. Die Politik dieser Parteien ist genau wie die des Liberalismus aller Schattirungen nur auf einseitigen Klassenegoismus gegründet. Sollte da» plötzlich anders geworden sein? Nein, Dr. von Hertling hat Recht; daS ist unmöglich. Enthüllungen über die christlich-soziale Partei bringen die„Demo- lratischen Blätter" aus der Feder eines früheren Vorstandsmit- gliedeS dieser Partei, des Schneiders G r ü n c b e r g, die des Interessanten Manches bieten. Eine Episode mit der Ueber- schrift„Hödel und Robiling" wollen wir hiermit unfern Lesern mittheilen:„Acht Tage vor dem ersten Attentat auf den Kaiser kam ein ziemlich anständig gekleideter junger Mann mit einem Brief vom Verleger und Redakteur des Staats-Eozialistm, Gollombeck, zu mir. In dem Schreiben wurde ich aufgefordert, mich des Ueberbringers anzunehmen, da derselbe für unsere Sache thätig sein sollte. Es war mir bekannt, daß Gollombeck solche Empfehlungen nicht gab, ohne vorher mit Stöcker Rück« Uedcrdem waren die Niedern Stände keine beffere Behandlung gewohnt— rings in den benachbarten Ländern lag harter Druck auf ihnen, waren ste den Gewaltthätigkeiten zügelloser Banden ausgesetzt, die der Waffenstillstand Frankreichs mit den Engländern drodlos gemacht hatte. Wir wollen diese Nacht- scite des romantischen Mittelalters nicht weiter) auf- rollen— kein Wörtlein von den angemaßten Rechten der SeigneurS sprechen; so charakteristisch es wäre, gerade daS frechste derselben hier zu erzählen. Genüge es, zu erwähnen, daß, wenn der Dauphin auch Manches beseitigt hatte, diesen Mißbrauch der Gewalt niederzuschlagen, war ihm nicht geglückt, ste nannten es eben ein Recht, und wer läßt sich gern ein solches nehmen? Sogar Bischöfe haben es ausgeübt— was wir mit historischen Zeugnissen delegen können. Die Barone hörten die Nachricht von der Heimkehr ihres Landesherren mit sehr gemischten Gefühlen. In seiner Abwesenheit hatten ste gehofft, frei schalten und walten zu können, aber zu ihrem Erstaunen waren ste von dem Statt- Halter streng in die Schranken des Gesetzes gewiesen worden, jeder Gewaltthat war die Strafe gefolgt. Keiner stand so hoch, daß ste chn nicht erreichte. Das Volk hatte im tiefen Frieden gelebt und den kühnen und frommen Prälaten gesegnet, dessen Hirtenstab die Schwerter in der Scheide hielt. Wie sollte stch nun Alles gestalten? Die unbeständige Laune des Landesherrn bot den großen Baronen, wenn ste dieselbe zu benutzen ver- standen, oft genug eine Gelegenheit, mit Umgehung der Gesetze ihren Vorth eil wahrzunehmen. Jetzt aber schien seine erste Re- gentenhandlung, die fast zugleich mit der Nachricht seiner Heim- kehr bekannt wurde, die Interessen wenigstens eines Theiles der Großen emvsindlich zu verletzen. Sie detraf die Einstel- lung der Eisenwerke im Bezirk von Graistvaudan, welche Humbert der Zweite wirklich befahl, ohne auf die Gegengründe die ihm der Erzbischof angeführt hatte, weitere Rücksicht ,u nehmen. Allgemeine Mißbilligung, selbst bei denen, die nickt mm Dem Dauphin gingen böse Nachrichten darüber ein. Gegen den Redakteur des katholischen„ Regensburger| Morgenblattes" ist, wie die Germania" schreibt, nicht nur auf Grund des§ 99( Majestätsbeleidigung), sondern auch auf Grund des§ 131( Vergehen wider die öffentliche Ordnung) Untersuchung eingeleitet. Die lettere Anschuldigung stützt sich darauf, daß in dem fraglichen Artikel behauptet sei, daß die Landleute für die ihnen bei den Manövern zugefügten Beschädigungen ungenügend entschädigt würden und daß durch die bewußte Behauptung solcher geiffflentlich entstellten Thatsachen Staatseinrichtungen verächtlich gemacht würden. " 1 in hohem Grade auf die unter diesen Umständen natürliche Abneigung gerechnet, die einzigen Argumente, die sie zu respektiren scheinen, in Anwendung zu bringen. Den Boeren kann man nicht einmal das Vertrauen schenken, daß fie irgend ein ein gegangenes Abkommen auch nur eine Woche lang beobachten; auch stellen ste keinen organisirten, geordneten Staat dar, vox dem wirkungsvolle Bürgschaften gefordert werden könnten. Sie find eher ein Haufe von geseglosen und unordentlichen Menschen, der von einer bewaffneten Polizei kontrolirt werden muß....... Die Frage der Entsendung heimischer Truppen dürfte indeffen erst entstehen, nachdem alle lokalen Hilfsquellen erschöpft worden sind. Die ungeschüßte Lage unserer Kohlen station am Kap dürfte übrigens bei dieser Gelegenheit ebenfalls endlich die verdiente ernstliche Berücksichtigung finden, es it ferner einiger Grund zu der Hoffnung vorhanden, daß es schließlich zu einem Arrangement fommen dürfte, nach welchem die Vertheidigung von Simon's Town der Reichsregierung zufällt, während die lokalen Behörden für die Sicherheit von Kapstadt selbst Sorge tragen werden." Die Boeren werden fich durch das Geschwäß nicht einschüchtern lassen! Gewerbekammern zu Berlin. Die vor einiger Zeit bekannt gewordenen Bestimmungen über die geplanten Gewerbekammern sollten keine Anwendung auf Berlin und Frank furt a. M. finden. Für diese beiden Orte blieb die Bildung besonderer Kammern vorbehalten. Gestern hat nun der hiesige Magistrat, wie die Volksztg." schreibt, fich eingehend mit einem Erlaß der Minister für Handel und Gewerbe, der öffentlichen Arbeiten, des Innern, für Landwirthschaft und der Finanzen betreffend die Bildung einer Gewerbekammer beschäftigt. Dieser Erlaß ist dem Magistrat durch das Polizeipräsidium zugegangen, welches beauftragt ist, betreffs der Bildung von Gewerbekammern und der provisorischen Vereinigung von Vertretern des Handwerks, der Industrie, des Handels und der Landwirthschaft zu wiederkehrenden Versammlungen, und zwar unter Buziehung der Gewerbedeputation des Magistrats Vorschläge, zu machen. Bugezogen sollen dabei werden zwei Vertreter der Kaufmannschaft, ein Vertreter des geschäftsführenden Ausschusses des Verbandes der deutschen Baugewerksmeister und zwei Mitglieder der ständigen Deputation des Innungs- Ausschusses. Bei der großen Bedeutung des Restriptes hat der Magistrat die Einseßung eines vorberathenden Ausschusses beschlossen. Derselbe besteht aus Ober- Bürgermeister v. Forckenbeck, Kämmerer Runge, Stadtsyndikus Eberty und den Stadträthen Hübner, Halske, Sarre und Kochhann und wird sobald als möglich zusammentreten. Sprache genommen zu haben. So fügt: ich mich denn unbe denklich und beschäftigte den jungen Mann, weil ich augenblick lich eine andere Verwendung für ihn nicht hatte, mit der Verbreitung von Flugblättern. Mit wirklichem Eifer unterzog er fich vier bis fünf Tage der Arbeit; ließ fich dann aber nicht mehr blicken, erschien jedoch in derselben Woche in der Freitags- Versammlung in Mengers Salon in der Frankfurterstraße. Eine vollständige Veränderung seines Aeußeren sprang in die Augen, obwohl doch nur wenige Tage verflossen, feit wir uns zulegt gesehen. So völlig reduzirt fah er aus, daß ihm sogar der Eintritt in unsere Versammlung erschwert wurde. Dann aber wurde ihm ein Plaz angewiesen und man ließ ihm Bier kommen, damit er sich stärfen sollte, was ihm auch gelang. Als ich Tags darauf die Linden paffirte, fand ich Menschenmaffen angesammelt und erfuhr, daß soeben auf den Kaiser geschossen sei. Auf meine Frage nach dem Attentäter sagte man mir, daß es ein Klempner aus Sachsen von magerer Statur sei. Sofort kam ich auf den Gedanken, ob es nicht Hödel gewesen sein möchte. Eilig sprang ich in eine Droschte und fuhr nach meinem Bureau, wo ich bereits die Kriminalpolizei vorfand, welche fich eingestellt hatte, um mich zum Verhör vor den Landgerichtsrath Joel zu führen. Dort wurde ich mehrere Male verhört und start angegangen, daß ich Mittheilungen über die anarchistische Partei machen sollte. Obwohl ich zehn Jahre der sozialdemokratischen Partei gedient hatte, vermochte ich doch keine andere Auskunft zu geben, als daß ich durch Gollombed und Stöcker zu diesem Menschen gekommen sei. Herr Stöder war natürlich sehr entrüstet über diese Mitgliedschaft, ließ den Namen sofort streichen und mahnte zur Vorsicht bei der Aufnahme. Wie aber hätte ich Vorsicht üben sollen? War doch Herr Stöcker War doch Herr Stöcker umgeben von einer Schaar schiffbrüchiger Existenzen, Studirender, Doktoren und zweifelhafter Größen aller Art. Solche Leute erschienen dann bei mir und verlangten im Namen Stöcker's Aufnahme in die Partei. So ging es auch mit Nobiling. Nobiling war ebenfalls Mitglied der christlich- fozialen Partei und die christ lich soziale Partei fann nur Gott danten, daß die Mitgliedskarte nicht wie bei hödel, so auch bei Nobiling gefunden worden ist. Ich habe diesen Mann nur einmal gesehen, als er mich um Aufnahme bat, indem er mir versicherte, schon vorher mit Herrn Hofprediger Stöcker Rücksprache genommen zu haben. So trug ich ihn in die mit gliederliste ein und habe von ihm nicht eher wieder etwas gehört, als an dem Tage des Attentats. Damals vernichtete ich sofort die alte Mitgliederliste und fertigte eine neue unter Weglassung des Namens Nobiling an. Indeß war die Vorsicht überflüssig, denn die Polizei nahm in diesem Falle Abstand davon, bei uns zu recherchiren. Was die fragwürdigen Eristenzen anlangt, so hat sich die Partei bis heute nicht gebeffert. Denn ich glaube behaupten zu dürfen, daß General Booth in seiner Heilsarmee nicht solch Gesindel mit sich führt, wie es sich um die christlich soziale Fahne des Hofpredigers Stöcker drängt. " 11 Egypten. In Kairo geht das Gerücht, das Ministerium verlangte, der Khedive solle die Suspendirung der Amortiftrung durch ein Dekret sanktioniren, um dadurch die Inkompetenz der internationalen Gerichtshöfe für den von den Mitgliedern der Schuldentaffe angestrengten Prozeß berbeizus führen. Der Khedive habe aber den Antrag abgelehnt und das Ministerium wolle deshalb demisstoniren. Doch bleibt das Ge rücht unbestätigt. rücht unbestätigt. Der Untermudir von Dongola und der Gouverneur von Merawi bestätigen beide die Tödtung Stewart's. General Wolseley hat dem Mudir befohlen, mit Truppen nach Merawi zu gehen, um die Gefangenen zu befreien oder loszu kaufen. Zur Regelung der Kongofrage soll in Berlin eine internationale Konferenz stattfinden. Bezeichnend für den Werth, den der Reichskanzler auf sie legt, ist wohl auch der Umstand, daß sein Organ, die Norddeutsche", wie ste gestern den befannten Artikel des Temps" reproduzirt, heute an bevorzugter Stelle eine Auslaffung des offiziösen Wiener Fremdenbattes" mittheilt, in welcher der Gedante der Konferenz außerordentlich sympathisch besprochen wird. Die Einladungen find von hier aus nur an die zunächst betheiligten Staaten England, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, Holland und die Vereinigten Staaten ergangen. Man zweifelt nicht, daß alle Staaten, auch England, die Einladung annehmen werden. Wir haben diesen interessanten Enthüllungen nichts hinzuzufügen, als daß es allgemein bekannt war, daß Hödel jener Bartei angehörte, während es jetzt noch notorisch feststeht, daß der religiös veranlagte Nobiling auch an den Rockschößen des Herrn Stöcker hängt. Politische Uebersicht. geeig frinte geben Die Antm finnig Wähl die ftehen Deute ba Arb bes Nachrichten aus Madagascar deuten an, daß dem fran zösischen Vormarsche in das Innere von den Hovas ein ent schlossener Widerstand geleistet werden wird. Die militärischen Vorbereitungen der Eingeborenen stellen einen verzweifelten Kampf in Aussicht. nur 6 nut Bable Umfid pascha Merge wird Nicht Freift S einber feilich Butst tagethre Stell verlan einer für au fich bi die in A Reich Borau Australien. An den Kommandanten der englischen Schiffs station in den australischen Gewässern find telegraphische Be fehle ergangen, sich nach Neu- Guinea zu begeben und das englische Protettorat über die Südküsten nebst den benachbarten Inseln zu proklamiren. Die Anftedelung auf diesen Gebieten ist für jetzt noch nicht gestattet. Die Zuckerfrage spielt auch in den österreichischen Landtagen eine Rolle, die Interessenten verstehen es auch dort für fich die Gesetzgebung auszunußen. In der heutigen Sigung des böhmischen Landtags wurden die Anträge der zur Berathung der Zuckerfrage niedergesezten Kommission auf Er leichterungen bei der Entrichtung der Rübensteuer und auf direkte oder indirekte Unterstüßung der Zuckerfabriken durch die Regierung mittelst Beleihung der Waare oder Warrants während der gegenwärtig stattfindenden Krisis ohne jede Debatte angenommen. Vor der Abstimmung hatte der Statt halter, indem er den der Regierung gemachten Vorwurf der Pflichtverletzung und der mangelnden Initiative zurüdwies, gleichzeitig erklärt, daß die Regierung den Wünschen des Landtags möglichst entsprechen werde. " A mit de Offentl Finan war i beschäf liche S treffs Verein Des jamm des M werden gefchäf Bauge tation Des R Einfet Hunge Halste Zum chinesisch- französischen Konflikt. In Sachen des famosen Vertrages von Tientsin selbst wird von unterrichteter Seite geschrieben: Die Unterstellung, daß man es bei dem Faksimile mit einer Fälschung zu thun habe, wird chinesischer feits mit Entrüstung zurüdgewiesen. Mit Ungeduld harrte man der Erklärung des Kapitäns Fournier, die, als sie im " Journal des Débats" vorlag, den eingeweihten Kreifen die größte Enttäuschung bereitete. Man fragt: Ja oder Nein?! Hat Kapitän Fournier die Streichungen auf der Note eigen händig vorgenommen oder nicht? Die Erklärung des Pariser " National", er habe wegen dieser Streichungen eine Anfrage an Fournier selbst gerichtet, und dieser habe sein Ehrenwort gegeben, daß er weder Streichungen noch Veränderungen im Wortlaute des Vertrages" vorgenommen, auch nichts hinzu gefügt habe, muß so lange als Mystifikation gelten, so lange nicht Kapitän Fournier selbst diese Frage, welcher er in seiner eigenen Erklärung im Journal des Debate" ebenso vorsichtig ausweicht, wie er dies auch in Paris Freunden gegenüber immer wieder gethan hat, direkt beantwortet! Wir brauchen übrigens nur die am Schluffe der Note unter der Unterschrift des Kapitäns Fournier befindlichen chinesischen Schriftzeichen, welche lächerlicher Weise sogar als Genehmigung des Inhaltes der Note seitens des Vizekönigs ausgelegt wurden, wörtlich zu übersetzen, um eine beffere Auffaffung über die Bedeutung dieser Note Klar erkennen zu lassen. Dieselben sind von Hung- Tichang eigenhändig unter die Note gesezt und lauten: Die Note wurde von dem französischen Offizier Fournier am 23. des 4. Monats im 10. Jahre( der Regierung) des( Kaiser) Kuang- Su um 3 Uhr( Nachmittags) überreicht; dieselbe enthält zwei Artikel, die von ihm selbst durchstrichen find." Es is also Li- Hung Tschang, der es hier niederschreibt, Fournier selbst habe die beiden Artikel durchstrichen. Brüssel. Die liberale Vereinigung stellte für die am 19. d. M. stattfindenden Kommunalwahlen zehn Kommunalräthe als Kandidaten, die ihr Amt niedergelegt hatten, wieder auf, sowie außerdem sechs neue Kandidaten, darunter Janson, den Führer der Radikalen. Die tleritale Partei und die Partei der Unabhängigen proflamitten heute Abend gemeinsame Kandidaten für die Brüffeler Kommunalwahlen am 19. b. M. Es ist dies das erste Mal, daß die fleritale Partei bei den Kommunalwahlen mit einer vollständigen Kandidatenliste auftritt. Zur Warnung für die Arbeiter theilt die Westf. Volksztg." aus Bochum Folgendes mit: Ende August gebrauchte ein start angetrunkener Bergmann in einem Wirths hause zu Brenschede einige allerdings unpassende Ausdrücke über den nationalliberalen Kandidaten, Herrn Dr. Haarmann. Bon irgend einer Mittelperson wurde dieser Vorgang dem Herrn Dr. Haarmann denunzirt, und dieser hatte nichts Eiligeres zu thun, als gegen den armen Bergmann Strafantrag zu stellen. Da Herr Dr. Haarmann so ungemein zartfühlend ist, ersuchen wir die Arbeiter, in ihren Aeußerungen über denselben möglichst zurückhaltend zu sein. Sie sollten überhaupt nicht gegen denselben sprechen, sondern am Wahltage lediglich gegen denselben stimmen; sonst müßte der Herr fich am Ende gar noch lithographirte Strafanträge anschaffen, und diese Auslage sollte man ihm doch nicht machen. Der Bürgermeister als Vertreter der gesetzlichen Polizei hat energischen Protest beim Ministerium erhoben gegen die von demselben eingeführte Geheimpolizei und gegen die gefeßwidrige Verwendung von Gendarmen in Zivilkleidung. Die Cholera hat in der Stadt Neapel wieder zugenommen, es erfrankten am 11. Oftober an derselben 122 Personen, von denen 62 der Krankheit erlegen find. Die Zunahme der Krankheit wird dem übermäßigen Genuß neuen Weines zugeschrieben. Auf Grund des Sozialistengesetes find neuerdings verboten: 1) das in der Nacht vom 4. auf 5. Oktober d. Js. in Rathenow verbreitete, mit der Unterschrift ,, Die Vertretung der deutschen Sozialdemokratie" versehene und beschlagnahmte Flug blatt: Aufruf zur Reichstagswahl", herausgegeben, gedruckt und verlegt von J. H. W. Dieß in Stuttgart; 2) die Schrift: Aus Nacht zum Licht. Essays über die Herrschaft des Aberglaubens und des bevormundenden Geistes der Macht, von Karl Frohme, Reichstagsabgeordneter. Nürnberg, 1884, Druck und Verlag von Wörlein u. Komp."; 3) zwei Flugblätter für die Wähler in Mannheim. " endlich England. Der Ernst der Lage in Süd- Afrika scheint wenn die ,, Times" gut unterrichtet ist die eng lische Regierung zum Handeln angespornt zu haben. Das Cityblatt schreibt: In den Rabinets- Berathungen am Montag und Mittwoch bildeten die Angelegenheiten Süd- Afrikas den Gegenstand ernster Diskussion; wir erfahren, die Regierung sei zu dem Beschluß gelangt, daß unverzüglich Maßregeln er griffen werden müssen, um den unverschämten Eingriffen der Boeren ein Ende zu machen. Betschuanaland liegt abseits und ist nicht leicht zugänglich, die Intereffen Englands in jenem Gebietstheile find gering im Vergleich zu den Verlegenheiten und Kosten, die deren Schuß verursacht. Die Boeren haben Was? Mont Aynard auch? rief er eines Tages ent rüstet. ,, Auch Mont Aynard läßt hämmern nach wie vor? Dem muß ich es endgelten! Ich befehle Euch, Clermont, so viel Reifige auffißen zu laffen, als Jhr bis übermorgen zufammenbringen tönnt diese werde ich mustern auf der Blaine und dann selbst den widerspenstigen Vasallen beftrafen." Noch an demselben Tage begehrte aber ein zahlreicher Haufe von Bewaffneten wohl zwanzig Lanzen, also hundert Mann, start vom Mont Rabot heranziehend, Einlaß in das Thor von Grenoble. Man sah unter ihnen viele in Blau und Gelb gekleidet und ein Banner wehte über den Helmen, das im blauen Feld einen goldenen Löwen zeigte: das Wappen von Mont Aynard! Will er mit Gewalt in meine Burg bringen?" rief der Dauphin. Weiset ihn mit Pfeilen ab, wie Ihr es mit mir im Sinne hattet!" Wahlbewegung. felbe b lich au gewiefe bis zu A zirksv halb 4 ligung Berein Aranze bieber treifes gräber gedulde E Arimin Frau fich no gangen mit de gatione Aufich Ranoni Geschä Jm 4. Wahlkreise hat der Vorstand des Wahlvereins der Freifinnigen" eine nagelneue Entdeckung gemacht und diese nun schleunigst den liberalen Blättern mitgetheilt. Diese Neuigkeit lautet: Bei Durchsicht der Wählerlisten im vierten Berliner Reichstagswahlkreise hat sich herausgestellt, daß in den Listen Viele verzeichnet sind, die in den betreffenden Häusern nicht gewohnt haben, oder mindestens bis zum 1. September c nicht wohnten. Auffallend dabei ist, daß jene zu Unrecht in den Wählerlisten Befindlichen ,, Arbeiter" find. Sämmtliche Vertrauensmänner werden dringend gebeten, daraufhin, die in ihren Händen befindlichen Wählerlisten einzusehen und den be treffenden Wahlbüreaus für den vierten Wahlkreis Alexanderstr. 11 I.- jede Unregelmäßigkeit zu melden, damit und beweglich, in seiner Haltung nicht ohne Anmuth, mit einem Gesicht, deffen feine Büge und schöne Augen wohl ge eignet waren, Frauenherzen zu gewinnen; Mont Aynard stark und sest gebaut, ruhige Kraft der Ausdruck seiner ganzen Erscheinung, sein männliches Antlig breit, feineswegs schön, aber Vertrauen einflößend. Sah man Beide zusammen, so war es das Bild der Eiche neben dem schwankenden Granatbaum, dessen üppigste Blüthen der Wind entführt. Aber der Herr von Mont Aynard tam in friedlicher Abficht und begehrte nur mit wenigen Begleitern eingelaffen zu werden, da er seinen Landesherrn in wichtigen Dingen sprechen müsse. ,, Er soll allein kommen, ganz allein!" bestimmte der Dau phin. Nicht einen Pagen gestatte ich ihm." So, Herr von Mont Annard!" begann der Dauphin. hr tommt mit einem Gefolge, als wolltet Ihr zur Fehde reiten, nicht um Eurem Lehnsherrn endlich die Achtung zu bes weisen, die Ihr ihm schuldig seid." Das Thor offnete sich, und der Herr von Aynard ritt ganz allein in die Stadt, um seinem erzürnten Fürsten vor das Angesicht zu treten. Im Palast fand er zahlreiche Wachen, man nahm ihm das Pferd ab und wies ihn in die große Halle: der Majordom besorgte das Alles, tein Vornehmerer ließ sich sehen, den Gast zu begrüßen. Mont Annard lächelte. Gnädigster Herr, ich bin außer Landes gewesen bis jetzt", erwiderte Mont Annard. Mein Gefolge ist nicht zahlreicher, als ich gewöhnlich zu reiten pflege". ist ein Beispiel von Treue, wie ich es selten gewohnt bin, auch habe ich den jungen Mann nach Gebühr belohnt". ,, Außer Landes seid Ihr gewesen?" griff Humbert das Wort auf. Und habt Euren Dienstmannen wohl Befehl hin terlassen, feinen Gehorsam zu leisten jeglicher Verfügung des Landesherrn?" ,, Wie das?" fragte der Baron verwundert. Meister Crespin le bel!" sagte der Baron mit einiges Ueberraschung Ueberraschung und fuhr dann rasch fort: Ich muß Euch sagen, gnädigster Herr, daß ich zwar eigentlich in einer ganz anderen und für Euch wichtigeren Angelegenheit hergekommen bin da es sich aber gerade um die Eisenhütten handelt, fo will ich Euch meine Meinung als Euer treuer Lehensmann nicht vorenthalten". " thm w Das G auffalle Dor etn wurder ben ve Bebabte fonftati entdeckt auf der Berwu in dem bings britten händler Diefe Befits erlebig Die Bia Befcha duldig gezogen Der Ri noch ei Begleit währen Bizemi Wichtig walter, Vermö Sehört in eine artig Summ Wieber nonieri labent a. Monat Ich brauche sie nicht!" rief der Dauphin. In act Tagen erwarte ich von Euch die Meldung, daß der elende Knecht, der Euer Hammerwerk treibt, in den Ofen gewor fen ist. " Entschuldigt mich!" sagte Mont Annard warm. I habe tein Recht, einen freien Mann in seinem Eigenthume anzufallen! Wollt Ihr es thun, so muß ich dem alten Royan überlassen, wie er fich fügen will." Royan?" verseßte der Dauphin. Den fenn' ich-" e machte ein Paar unruhige Schritte. Royan hat also den Eisenhammer gekauft? Nun, wir wollen mit ihm schon fertig werden!" stieß er haftig hervor. Welche andere wich tigere Sache hat Euch hergeführt?" ,, Der Graf von Dettingen wird bald insgeheim hier eintreffen mit Botschaft vom Kaiser," sagte der Baron Ich war in der Waadt bei Verwandten, dort traf ich zu fällig einen vertrauten Rath Ludwigs des Baiern, der mis die Nachricht mittheilte. Der Kaiser gedachte den Unter handlungen zuvorzukommen, die der König von Frankreich in Eurer Abwesenheit mit den Ständen angeknüpft hat." Des Dauphins Augen leuchteten er hatte während der Mittheilung Mont Aynard's mehrmals sprechen wollen, es aber immer wieder zurückgehalten, nun brach er los: Hab' ich nicht Befehl ergehen laffen", fuhr der Dauphin immer fort, daß alle Eisenhütten in diesem Bezirke still stehen sollen? Was hindert mich, den rebellischen Unterthan, der in meine Hand gegeben ist, auf der Stelle zu strafen? Ich kann es, Herr von Mont Aynard". In der großen Halle ließ man ihn sehr lange warten, er hatte Beit, die oft gesehenen Banner und Trophäen zu mustern viele waren von hohem Alterthume und zeigten Spuren von Kampf, dunkle Striemen, die wohl von Blut herrühren fonnten, tiefe Narben und Beulen. Während er noch in Betrachtung stand und sein männlich ruhiges Antlig feine Spur von Ungeduld verrieth, nahte ein hastiger Doppeltritt der Thüre, fte wurde aufgerissen und der Dauphin trat ein, von einem Geharnischten begleitet, der auf seinen Wint dicht an der Schwelle stehen blieb. Humbert ging rasch auf Mont Annárd zu, welcher ihm ehrerbietig zwar, aber mit furchtloser Miene entgegen fam. Beide standen sich nun gegenüber und sahen einander ins Auge. Eure Gnaden scheint dafür gesorgt zu haben-" erwiderte Mont Aynard mit einem Blick auf den Geharnischten an der Thüre. Obgleich fie ziemlich von gleichem Alter waren, nämlich ben Vierzigen nabe, so fonnte man doch keinen größern Kontraft sehen, als diese beiden Männer. Der Dauphin, schlank " 1 Humbert erröthete. Hinweg mit Dir!" rief er dem Bewaffneten zu. Du bist mir aufgedrängt worden! Geh' zur Wache zurück, ich brauche Dich nicht. Nun find wir Mann gegen Mann, Raymond!" sagte er zu dem Baron, als der Waffenträger fich entfernt hatte. Jest fordere ich Rechen schaft von Dir, warum meinem Befehle gerade bei Dir nicht gehorcht wird. ,, Snädigster Herr, ich befize gar keinen Eisenhammer mehr," antwortete Mont Aynard gelaffen. Der einzige, der uns gehörte, ist schon von meinem Vater verkauft worden." " " Er geht aber noch!" rief der Dauphin heftig. Man hat es mir gemeldet. Wer ist der elende Serf, der es wagt, fich mir zu widerseßen? Ich trage Euch auf, ihn unter die Räder seines eigenen Getriebes werfen zu laffen." es nut Ha! diese Stände! Immer im Wege mir, immer auf eigene hand! Du bist treu, Raymond, und Viele find es noch, ich weiß; aber zähe seid Ihr Alle, Alle! Der Fürst soll Euch nichts sein, als ein tüchtiger Verwalter Eures Gutes und von Gottes Einsegung wollt Ihr nichts wissen! Auch mir bändet Ihr am liebsten die Hände, daß ich nicht die e bärmlichste Meierei verkaufen könnte nach meinem Gefallen! Der König von Frankreich- ja, der wäre Euch ein anderer Herr, nicht wahr? Meint Ihr etwa, daß Ihr bei König Philipp freieres Spiel haben würdet?" Er war bei dieser Rede, die wie ein Katarakt über seine Lippen sprudelte, Saale umbergerannt, jegt blieb er stehen und sah dem Mont Wer hat es Euch gemeldet?" fragte Mont Aynard. " Euer eigener Falconier!" erwiederte der Dauphin. Es Aynard gerade in's Geficht. ( Fortseßung folgt.) relen geftern 24 jähri fchäft p Vor fe erfreut, liner bindun hierher men al Dor, au Folge finden. cliche tiren man ein DOX Sten; nten. Lichen erden ppen ellen blen falls es it Bes chem rung von erden erium Trung 3 der ben beigu das Ge O der part's. nach Coszu fran ent ischen felten chiff Be bas Sarten bieten n des hteter Dem ticher harrte Te im n die Zein?! eigen Sarijer anfrage nwort n im hinzu lange feiner fichtig enüber auchen Schrift eichen, baltes lich zu utung on L auten: ier am aiſers enthalt Es ist r ſelbſt ereins it und Diese pierten in den äufern iber c echt in mtliche Die in en be bitreis Damit 1, auch einiger z Euch : ganj ommen It, fo n nicht n acht elende gewor thume Royan o den Schon : wich n hier Baron ich zu er mis Unter rich in nb der 3 aber er auf And es rst foll itesAuch Die er fallen! Inderer König Dieser te, im Mont olgt.) geeignete Maßregeln ergriffen werden können. Wie der Ertrinkende fich an den Strohhalm, so flammert sich die unter gebende, freifinnige" Partei an ein Phantom. Wer hat denn die Wählerlisten angefertigt, resp. die Wähler eingetragen? Untwort: Die Beamten des Magistrats!- Die Herren FreiDie Herren Frei finnigen wissen das ganz genau, fte wiffen auch, das tein Bähler zuviel eingetragen wird, eher umgekehrt. Wir haben die Namen von Wählern in Händen die nicht in der Liste tehen obgleich fte wahlberechtigt sind.- Was soll es also bedeuten, wenn die Herrn Freifinnigen noch extra hinzufügen, daß die zu Unrecht in den Listen Eingeschriebenen Arbeiter find?!- Nach einem offiziellen Bericht bes Berliner Magistrats haben in allen 6 Wahlkreisen nur 696 Wähler Nachtragung beantragt und von diesen find nur 25 Personen zurückgewiesen worden. Diese fleinen Diese fleinen Bablen zeigen uns, daß die Eintragungen diesmal mit mehr Umficht geschehen find, als zu der Zeit, wo die Berliner Hauspascha's die Listen anfertigten. Und das ist jedenfalls der Merger der freisinnigen Helden. Aber jeder verständige Mensch wird mit uns der Ansicht sein, daß das ganze Geschrei in Nichts berechtigt ist und daß die gehässige Beschuldigung der Freifinnigen nur die Beamten des Magistrats trifft. Königsberg i. Pr., 10. Oftober. Eine auf gestern Abend einberufene fozialdemokratische Wählerversammlung wurde polieilich aufgelöft. Bum Vorsitzenden war der Sozialdemokrat Butsbefizer Herbig gewählt; es sprach der sozialistische Reichstags- Kandidat, Schloffer God an über die Arbeiterpartei und thre Gegner." Als er die Deutsch- Freifinnigen wegen ihrer Stellung zur Militärfrage angriff und dagegen erklärte: Wir tiner Bolkswehr", erklärte der Polizeibeamte die Versammlung für aufgelöst. Unter zahlreichen Hochrufen auf Godan trennten fich die Anwesenden. Die Merseburger Polizei hat eine Wählerversammlung, die in der Kaiser- Wilhelmshalle stattfinden und in welcher der Reichstagsabgeordnete Hasen clever sprechen sollte, im Boraus auf Grund des Sozialistengeseges verboten. Lokales. Firmeninhabern je 30 refp. 25 M., als Darlehne und hat sich in dieser Weise innerhalb vier Tage ca. 150 M. erschwindelt. In einem Fall hat der Betrüger auch einen Empfangschein über die Darlehnssumme mit dem Namen seines ehemaligen Prinzipals Schr. unterschrieben. Inzwischen hatte der ehemalige Prinzipal Schr. in Nürnberg erfahren, daß G. vor seinem Abgang die Namen der Schr.'schen Kunden in Berlin notirt habe, und in der richtigen Vermuthung, daß G. Betrügereien gegen dieselben beabsichtigte, richtete Schr. Warnungsbriefe an seine Berliner Kunden. Als nun gestern G. fich in einer Albumfabrik in der Prenzlauerstr. befand und da als Sohn des Schr. auftrat und Bestellungen auf Mufilalbums machte, tam gerade ein Brief des Schr. aus Nürnberg, in welchem vor G. gewarnt wurde. G., welcher sofort bemerkt hatte, daß der Brief von seinem früheren Prinzipal herrührte, entfernte fich eilig aus dem Geschäft. Er wurde aber verfolgt und in der Jakobistraße ergriffen. G. ist heut zur Haft gebracht worden. Der Betrüger hat 5 Betrügereien und zwei Betrugsversuche eingeräumt. a. Wegen Theilnahme an dem gegen dem Stadtvoigtei- Juspektor von H. gerichteten Ueberfall ist auf die Requisition des Untersuchungsrichters heut der Schlächtergeselle Braaß zur Haft gebracht worden. Braaz, ein mehrfach wegen Bettelns und Vagabondirens bestrafter Mensch, ist einige Tage vor der That aus der Stadtvoigtei mit der Verbüßung einer Haftstrafe entlaffen worden. Derselbe heckte mit dem Haupt thäter Ermelin den Plan des Ueberfalls aus und begleitete den E. zum Thatort, woselbst er sich aufstellte, um dem E., falls ihm der Ueberfall mißglücken sollte, beizustehen. Braat hielt auch während der That durch die Redensarten, daß dem Gemißhandelten Recht geschähe, daß er die armen Leute unterdrückte, das Bu likum ab, dem Ueberfallenen beizustehen. In dem Befinden des Herrn von H. ist eine Befferung eingetreten und man hofft, daß er nachtheilige Folgen von den Mißhandlungen nicht davontragen wird. a. Hehler und Stehler verhaftet. Der KolonialwaarenKaufmann Schr. in der Straußbergerstraße hat seit 4 Wochen bemerkt, daß ihm fortgesezt Waaren in bedeutenden Mengen auf unerklärliche Weise abhanden tamen und er tam in legter Beit auf die Vermuthung, daß sein Kommis Schw. in Berbindung mit einem Anderen ihn bestähle. Diese Vermuthung wurde durch die Mittheilungen von Nachbaren bestärkt, welche täglich Morgens zwischen 6-6% Uhr, zu welcher Zeit gewöhnlich Kaufmann Schr. fich noch nicht in seinem Geschäftslokal befand, einen Mann mit einem leeren, großen Beutel in den Laden haben eintreten sehen, welcher nach kurzer Zeit mit geDer Magistrat hat sich in seiner letzten Sigung eingehend mit dem Erlaß der Minister für Handel und Gewerbe, der öffentlichen Arbeiten, des Innern, für Landwirthschaft und der Finanzen, betreffend die Bildung von Gewerbekammern und war in Folge eines Erlaffes des Oberpräsidenten für Berlin beschäftigt. Dieser Erlaß ist dem Magistrat durch das fönig- fülltem Beutel sich wieder entfernt hat. Auch war bemerkt liche Polizeipräsidium zugegangen, welches beauftragt ist, betreffs der Bildung von Gewerbekammern und der provisorischen Vereinigung von Vertretern des Handwerks, der Industrie, des Handels und der Landwirthschaft zu wiederkehrenden Verjammlungen, und zwar unter Buziehung der Gewerbebeputation des Magistrats. Vorschläge zu machen. Bugezogen sollen dabei werden zwei Vertreter der Kaufmannschaft, ein Vertreter des worden, daß der fremde stets vor seinem Eintritt in den Laden an demselben vorüberging und erst auf ein Zeichen des Kommis Schw. eintrat. Gestern früh gegen 6 Uhr trat der Prinzipal unbemerkt in ein Nebenzimmer des Ladens und erwartete da den Verdächtigen. Um 6 Uhr trat auch dieser in den Laden und ließ sich von dem Kommis Schw. 1% Pfd. Weintrauben, reichen, welche Waaren er in seinen Beutel legte und damit aus dem Laden trat. Der Prinzipal folgte ihm nach und hielt tation des Innungsausschuffes. Bei der großen Bedeutung ihn auf der Straße an. Der Fremde, Handelsmann Sch., bedes Restriptes hat der Magistrat, der Nat. 3tg." zufolge, die Einsegung eines vorberathenden Ausschusses beschlossen. Der felbe besteht aus Ober- Bürgermeister v. Fordenbed, Kämmerer Runge, Stadtfyndikus Eberty und den Stadträthen Hübner, freite fich aber, warf den Beutel mit den Waaren zu Boden und versuchte zu fliehen, nachdem er sich den Händen des Schr. entriffen hatte. Er wurde aber wieder ergriffen und zugleich mit dem Kommis Schw. zur Haft gebracht. Der Geschädigte bis 800 Mart. Halste, Sarre und Kochhann. Derselbe wird sobald als mög- beziffert seinen Verlust während der lezten 4 Wochen auf 700 lich zufammentreten. Der Scharfrichter Kraus, welcher seit dem 1. Oktober in Ausweisung. Der Maurer Conrad ist aus Berlin ausgewiesen und hat das Gebiet des fleinen Belagerungszustandes Charlottenburg wohnt, gerieth, wie die B. B.- 3tg." meldet, bis zum 15. b. M. Mittags 2 Uhr zu verlassen. 2 mit einem Gast in einem dortigen Lokale in Streit, wobei leg terer dem Kraus ein Bierfeidel derartig über den Kopf schlug, daß ärztliche Hilfe nöthig wurde. Am 12. b. M. Nachmittags wurden zwei Männer in ihren in der Sorauer bez. Wilsnackerstraße belegenen Wohnungen er hängt gefunden. Beide Leichen wurden nach dem Obduktionshause geschafft.- An demselben Tage Abends wurde an der Ede der Berg- und Invalidenstraße ein Mann auf dem Bürgersteige liegend vorgefunden und mittelst Droschke nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht. Nach seiner eigenen Angabe hatte derselbe, um sich zu vergiften, Arsenik genommen. Gerichts- Zeitung. W. Unter der Anklage der Majestätsbeleidigung stand am 11. d. M. der Droschkentutscher Heinrich vor der Straflammer des Landgerichts II. Der Angeklagte führte im Juni d. J. in der Restauration des Gastwirths Furchner zu Königs- Wufterhausen ein politisches Gespräch und soll dabei, wie die Belastungszeugen befunden, geäußert haben: Nennen Sie das auch Arbeit, was der Kaiser thut, davon fann Keiner leben". Der An geklagte behauptet, er sei im Laufe der Unterhaltung auf die Bedeutung der Arbeit zu sprechen gekommen und habe gesagt, es gäbe verschiedene Arten der Arbeit nämlich produktive und nichtproduktive. Zu der ersteren gehöre die Arbeit des Bauern und aller derjenigen, welche die Rohprodukte verarbeiten, die Arbeit des Kaisers z. B. sei nicht als ,, produktive" aufzufassen. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten auf Grund feiner eignen Anführungen und den Beugenaussagen das Schuldig und eine Gefängnißstrafe von 6 Monate. Seitens des Vertheidigers des Rechtsanwalts Freudenthal wurde aus geführt, daß es bei dem vorliegenden Straffalle ankäme, den Gang des Gespräches festzustellen. Die Zeugen gäben nur Bruchstücke, aber selbst diese weisen darauf hin, daß der Angeflagte von produktiver und nichtproduktiver Arbeit gesprochen habe und es falle nach den Grundsäßen der Nationalökonomie bie Thätigkeit eines jeden Herrschers unter die unproduktive Arbeit. Vom Standtpunkte eines loyalen Staatsbürgers könne man in der Aeußerung des Angeklagten höchstens eine unpas sende Exemplifikation finden, ein Weiteres aber nicht. Dem Antrage des Vertheidigers auf Freisprechung gab der Gerichtshof unter Akzeptation der Ausführungen desselben statt. Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. " Aufruf an die Droschkentutscher und verwandten Berufsgenossen Deutschlands, als Omnibus, Bferdebahn-, Privat, herrschaftliche Kutscher und Dienstboten. Da mit dem 1. Dezember 1884 das Reichstrankenkassen- Gesez in Kraft tritt, wo jede Person, welche nicht selbstständig ist, einer Krankentaffe angehören muß, so hat der Verein Berliner Droschkenfutscher in den Vereins- Versammlungen am 15. Januar und 4. April d. J. beschloffen, eine Nationale Kranken- und Sterbe Kaffe, eingeschriebene ilfskaffe, zu gründen. Das Statut hierzu ist das erste Mal am 29. Mai d. I. der hiesigen Ge werbe- Deputation eingereicht, am 21. Auguft mit einigen Be merkungen zurückgesandt worden. Darnach ist dasselbe durch einen Rechtsanwalt, welcher Spezialist in Kaffen Angelegenheiten ist, umgearbeitet, und am 4. September dieses Jahres wiederum mit dem Antrage eingereicht worden, die Kaffe als eine Eingeschriebene Hilfskaffe genehmigen zu wollen. Somit ist die gefeßliche Frist von sechs Wochen am 16. Oftober abgelaufen, und hoffen wir, daß das Statut allen Anforderungen der Geseze entspricht, daß uns dasselbe in näch ster Zeit als genehmigt zurückerstattet wird. Kollegen! Wie fast in allen Gewerben vorgegangen worden ist mit Gründung einer Bentral- Kranken- und Sterbefaffe, so haben auch wir ge glaubt, nicht zurückstehen zu dürfen, um für die Kollegen und verwandten Berufsgenossen eine Kaffe, welche hoffentlich allen Anforderungen genügt, ins Leben zu rufen. Ueber die Vor theile einer Bentral- Kranken- und Sterbekasse gegenüber einer Lokal, Orts oder Zwangskaffe nur noch ein Wort zu verlieren, halten wir für überflüssig, darüber müßte fich ein jeder Bum Eintritt in unsere Kaffe ist, wie oben angedeutet, Jeder berechtigt, welcher gefund ist, das 16. Lebensjahr zurückgelgt und das 60. nicht überschritten hat. schritten hat. Der Eintrittspreis beträgt 1,00 Mart, der wöchentliche Beitrag 30 Pfennig. Als Krantenunterſtügung für jeden Arbeitstag, einschließlich des Sonntags, 60 Pfennig, außerdem im Falle der Erwerbsunfähigkeit vom dritten Tage nach der Erkrankung für jeden Arbeitstag, einschließlich des Sonntags, ein Krankengeld von 1,20 Mart, die ganze Woche 12,60 Mart, das Beerdigungsgeld beträgt 75,00 Mart. Kollegen! Ruft in allen Orten Deutschlands Versammlungen Die Beerdigung des Mitgliedes des Arbeiter- Bejirksverein des Often Hartelt fand Sonntag Nachmittag ein halb 4 Uhr, vom Trauerhause, Roppenstraße 74, unter Betheis ligung von 5-600 Personen, statt. Der Arbeiter Bezitfs- gekannten Art sind heute der Stadtreisende S. und der Verein des Dftens sowie der Rosenthaler Vorstadt legten Kränze auf das Grab nieder. Ferner wurde dem Dahinge schiedenen ein Kranz von den Parteigenoffen des 4. Wahltreises gewidmet, jedoch eine Ansprache seitens des Todten fahrung gebracht hatten, daß ste aus ihrer bisherigen Stellung Kollege schon klar sein. gräbers untersagt mit den Worten: ,, er habe schon viel zu viel geduldet." Einen recht fetten Fang hat in diesen Tagen die hiesige Ariminalpolizei gemacht. Schwarhaftigkeit und Habgier einer Frau haben ihr auf die Fährte verholfen. Unsere Leser werden fich noch darauf zu erinnern wissen, daß im Laufe des ver gangenen Sommers ein Falschmünzer derfelbe hatte sich a. Wegen raffinirter Betrügereien in einer bisher nicht Schlächter W. zur haft gebracht worden. Beide gaben fich als Agenten für Stellungs- Vermittelungen junger Kaufleute aus und suchten Handlungskommis, von welchen fie in Erausscheiden wollten, in den Geschäftsräumen auf, in welchen diese beschäftigt waren. Während der Unterhaltung mit den Kommis vor deren Pulten verschafften fich die Betrüger Einsicht in die Bücher Auszüge, welche gerade offen dalagen, brachten so die Geschäftsaußenstände bei einzelnen Kunden und die dazu gehörigen speziellen Rechnungsposten in Erfahrung und machten fich unbemerkt Notizen darüber. Nach ihrer Entfernung aus dem Geschäfte schrieben sie fälschlich unter dem Namen der Geschäftsfirma auf Rechnungsformularen die Rechnungen aus, mit der Anfertigung gefälschter Binscoupons zu Stadt- Obli gationen befaßt und, um sein verbrecherisches Gewerbe ohne Aufsehen verbreiten zu können, ein Souterrain des Hauses versahen die Rechnungen mit Quittungsvermerken und zogen Ranonierstraße 22 zur Führung eines Glas- und Porzellan- bei den betr. Runden unter Ueberreichung der quittirten Rech Beschäfts gemiethet der Behörde in die Hände fiel. Mit nungen die Beträge ein. Heute find beide Betrüger bei einem Betrugsversuch in einer Papierhandlung festgenommen und zur Das Geschäftslokal in der Kanonierstraße geschlossen. Doppelt haft gebracht worden. auffallend mußte es den Hausbewohnern erscheinen, als ste wurden, daß augenscheinlich ein oder mehrere Einbrecher in Ueber die Festnahme des an dem Büttnerschen RaubDOT etwa 10-12 Tagen von Straßenpassanten benachrichtigt morde in Ruhlsdorf betheiligten Arbeiters Maschunat finden ben verfchloffenen Räumen weilten. Es wurde auch ein statt- Namen Masurath schreibt, folgende Notiz: Am 3. b. Mts. Bebabter Einbruch es war eine Thür erbrochen worden fonstatirt, von den Einbrechern, die vermuthlich durch den Lärm Fischbrücke mehrere Kleidungsstüde, über deren rechtmäßigen faßt die Beschlüsse dahin, daß Ihr Euch unserer Kaffe anschließt, und richtet in allen Orten Deutschlands, wo die genügende Anzahl Kollegen vertreten ist, Mitgliedschaften derselben. BewahretEureSelbstständigkeit, beweist, daß Ihr einfichtsvoll genug seid, Euch auch ohne Zwang zu versichern. Wir machen Euch hiermit bekannt, daß am 24. Oftober d. J. Abends 9 Uhr im Berliner- Handwerker- Verein, Sophienstr. 15, eine Delegirten Versammlung, behufs Wahl eines Central- Vorstandes stattfindet, damit nach der staatlichen Genehmigung des Statuts der Kaffe, sämmtliche Formalien resp. Vorbereitungen getroffen auf der Straße verscheucht worden waren, aber keine Spur entdeckt. Wenige Tage darauf erschien zu nicht minder großer selbst in Insterburg zu Hause sei. Um seine Identität festzus find alle Ortschaften, welche in der Lage sind, einen Delegirten Berwunderung der Bewohner des Hauses Kanonierstraße 22 in demselben die Ehefrau des inhaftirten Falschmünzers, allerwir in der Königsberger Hartungschen Beitung, welche den Am 3. b. Mts. verkaufte ein hier( in Königsberg) unbekannter Mann auf der Erwerb er sich nicht ausweisen konnte. Er gab an, daß er stellen, wurde seitens der föniglichen Staatsanwaltschaft dort hin telegraphirt und hierbei ermittelt, daß der inzwischen hier muthmaßlicher Mörder der Frau B. gesucht und verfolgt werde. Da die Kleidungsstücke, welche derselbe auf der Fischer dings in Begleitung von zwei Kriminalpolizisten und einer wegen Diebstahlsverdachtes Verhaftete von Berlin aus als händler Dritten Person, welche die Herausgabe einer dem Porzellan übergebenen Vase reklamirt hatte und auf zum Ritten diese Weise in die Lage versetzt worden war, wieder in den zu schicken, um an der Wahl des Vorstandes mit Theil zu nehmen, freundlichst eingeladen. Die Orte, welche dieses nicht fönnen, ersuchen wir, uns Ihre Wünsche resp. Anträge schriftlich zuzustellen, mit der ungefähren Angabe, wie viel Personen ge willt sind, der Kaffe beizutreten. Also auf! Kollegen and Befit ihres Eigenthums zu gelangen. Nachdem dieses Geschäft refognoszirt wurden, und es sich auch herausstellte, daß der lichen Sache zum Siege zu verhelfen. Mit Gruß Verein- Berliner erledigt war, hatten die Kriminalpolizisten nichts dagegen, daß Die Bizewirthin des Hauses, die bei Deffnung des geschlossenen so wurde er bebufs definitiver Feststellung seiner Jdentität mit Geschäftslotals hinzugezogen werden mußte, der angeblich un Verhaftete kurz vor Ermordung der Frau dort gearbeitet hatte, dem dort in Diensten Gestandenen per Eilzug durch einen fchuldig verfolgten Frau, die durch ihren Ehemann ins Unglüd Kriminalschußmann nach Berlin transportirt. Der Verhaftete gezogen worden sei, einen Teller warme Suppe fredenzte. Vor ist der Arbeiter Masurath aus Insterburg." Der Rüdfehr nach Moabit hatte die nunmehr erquickte Büßerin Belle- Alliance- Theater. Der Direktion find so zahlreiche niale Künstlerin Franziska Ellmenreich, welche hierin als Ka Droschkentutscher, Bureau Franzstr. 6. Der Vorstand, J. A. W. Schütte, Schriftführer. Eine Versammlung der Weber, Raschmacher, Tuchmacher, Posamentiere, Spinner, Appreteure 1c. behufs Anschluß an die Chemniger zentralisirte freie Hilfskaffe der be treffenden Berufe, fand wiederum am Sonntag in Bräuer's Salon, Gr. Frankfurterstr. 72/73, unter Vorfiz des Herrn Becker statt. Der Referent, Herr Bruno Scholz, führte in seinem Referate einleitend aus, daß die sogenannten selbst noch ein Geschäft zu erledigan, deffen Natur ihren offiziellen Gesuche um Wiederholungen des Lustspiels Bürgerlich und Begleitern nur eine Ueberwachung aus der Ferne gestattete, Romantisch" von Bauernfeld zugegangen, daß dieselbe die ge während die Gastfreundin in ihrer unmittelbaren Nähe blieb. Wichtige Geheimnisse wurden bei dieser Gelegenheit der Frau tharina von Rosen gerade unübertrefflich ist, bewogen hat, diese ständigen Arbeiter das größte Interesse an dem Zustandekom walter, als er bei seiner Heimkehr von der Gattin erfuhr, wie tag und Freitag zu spielen. Am Sonnabend findet die Pre zu derselben keinen Beitrag zu leisten haben. Jedoch scheine Rolle im Laufe der Woche noch 2 mal und zwar am Donnersmière der bereits annongirten 3 Novitäten mit Franz. Ellmen reich und Frau Marie Seebach statt. Polizeibericht. Am 11. d. M. Morgens wurde ein es nur in ihren Händen liege, ungefährdet in den Befis eines Bermögens zu gelangen, sofort der Kriminalpolizei von dem Gehörten Anzeige zu machen für gut befand. Hiernach sollte in einem der Möbelstücke des Kellerlokals, welches einen eigen artig angebrachten Geheimschluß habe, eine ganz erhebliche hängt vorgefunden. Die Leiche wurde nach dem ÖbduktionsSumme, theils echten, theils gefälschten Geldes verborgen sein. Bieberum ftatteten Beamte der Kriminalpolizei dem Hause Ka nonierstraße 22 einen Besuch ab. Alles stimmte und reich beMonats hierselbst eine große Anzahl von lohnenden Betrüge- hause gebracht. Ein gefährlicher Betrüger hat seit Anfang dieses unfähig. Er wurde noch lebend nach dem Elisabeth- KrankenGegen Hafeleid wurde zu derselben Zeit durch einen aus dem zweiten Stockwerk herabfallenden Stein nicht unerheblich am Kopfe verlegt.- An demselben Tage Nachrelen a. hause geschafft. Bu derselben Beit stürzte sich ein Mann aus dem Dachfenster eines vierstödigen Hauses in der Schwerinstraße und zog sich dadurch mehrere Knochenbrüche zu. Der Verlegte war seit Jahren frant und in Folge deffen arbeitsDer auf dem Neubau Lübeckerstraße 41 Schäft von Schr. in Nürnberg, welches sich eines guten Rufes mittags fand in dem, im Dachgeschoß des Seitenflügels des erfreut, furze Zeit bis zum 15. Septbr. cr. beschäftigt gewesen. Hauses Schwedterstraße 28 befindlichen Laboratorium des Bor feiner Entlassung notirte fich G. die Namen der Ber- Feuerwerkers Callwig eine Explosion von Pulver und Feuer liner Firmen, welche mit seinem bisherigen Prinzipal in Vers bindung stehen, und Anfang des laufenden Monats tam G. hierher. Er stellte sich bei den hiesigen von ihm notirten Fir men als der Sohn seines früheren Prinzipals Schr. vor, gab bor, auf der Rückreise nach Nürnberg begriffen zu sein und in Folge unerwarteter Ausgaben in Geldverlegenheit fich zu bewerkskörpern statt. Der in dem Raume allein beschäftigte Arbeitsbursche Max Meyer wurde dadurch sofort getödtet und außerdem vier Personen durch Trümmer verlegt. Das Dach sowohl, wie die Giebelwände wurden zerstört und ein kleines bewohntes Quergebäude auf dem Nachbargrundstück durch die herabstürzenden Mauertheile völlig in Trümmer geschlagen. finden. Er erhielt in den meisten Fällen von den angegangenen Zwei in diesem Hause befindliche Kinder blieben unverlegt. men einer freien Kasse schon deswegen haben müßten, weil sie in diesen Kreisen das Verständniß dafür nicht vorhanden zu sein, sonst hätte man es nicht den Gesellen überlassen, diese Angelegenheit in die Hand zu nehmen, und für die Meister mit in die Schranken zu treten. Der Redner ging dann weiter auf die Lasten ein, welche dem Meister durch das An- und Abmelden der Gesellen, welche einer Ortskaffe angehören, und durch die Verpflichtung, ein Drittel der Beiträge zu zahlen, auferlegt würden, und führte dann der Versammlung die Vor züge vor Augen, welche eine zentralisirte Hilfskaffe vor einer Ortskaffe habe. Ein bedeutender Vortheil ergebe sich für erstere Kaffe durch die fast unentgeltliche Verwaltung. Jeder mün dige Arbeiter sei aber auch moralisch verpflichtet, der selbststän= digen Verwaltung wegen ersterer Kaffe den Vorzug zu geben. Die Chemnizer Kaffe zable bei einem wöchentlichen Beitrage von 30 Pf. in 1., 20 Pf. in 2., 15 Pf. in 3. und 10 Bf. in 4. Klasse an Unterstützung für die 1. Klaffe wöchentlich 12, für die 2. 8, für die 3. 6 und für die 4. Klaffe 4 Mark; die Bes gräbnißtoften betragen 60 refp. 50, 45 und 40 Mark. Mehr fönne feine andere Kaffe leisten, weshalb er den Beitritt zu obiger Kaffe empfehle. In der Diskussion sprechen sich sämmt liche Redner, mit Ausnahme eines einzigen, welcher eine abwartende Stellung einnimmt, für den Anschluß an die Chem niger Kaffe aus. Es wurde auch eine dementsprechende Refolution angenommen. Anmeldungen zu der Kasse nimmt Herr Thome, Rüdersdorfcrstr. 41, Hof 3 Treppen, täglich entgegen. t. Die Allgemeine Stuhlarbeiter-Nereinigung hielt am Sonnabend Abend im Cafe Humboldt Brün. I Teppiche in sehr hübschen Farbenstellungen 6,50 u 1 7,50 Mark. Tavestrie-, Brüssel-, Piüsch-Teppiche 14. 16, 18 u 20 Mark. �..gl Kroße Salon-Teppiche 18, 20, 3s und Mark. Echte Tournay-Velvet inallenGröß j das Allerhaltbarste, zu billigen Preisen. Tischdecken. Manillu-Tischdecken mit Franzen 2, 2,50 I Tischdecken mit Schnur u Quasten 3, 3,50, 4, E I lin-Tischdccken 5, 6, 7 M.. Gobelin- Tischdecken v> Schnur und Quasten 7,50, 9, 10, 12 Mark- Tischdecken 4,50, 6, 7,50, 9 Mark. Gardinen. 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Oftober 1884, Vormittags 10 Uhr, in der Philharmonie", Bernburgerstraße 22 a. ( Nachdruck verboten.) I. Jm Frühjahr d. J. hat sich ein Komitee gebildet, welches es fich zur Aufgabe machen wollte, den freien Krankenkaffen bebufs Unterordnung unter das Krankenversicherungsgesetz Rath u ertheilen. Dieses Romitee bestand aus folgenden Personen: Reichstagsabgeordneten Büchtemann, Hirsch, Lipke, L. Löwe, Ridert, Schent, Schrader, Landtagsabgeordneten Flinsch und Rechtsanwalt Dr. Ed. Friedemann. Dieses Komitee hatte an alle Vorstände der freien Krankenlaffen Deutschlands eine Einladung zu einer Versammlung Der freien Krankentassen Deutschlands" am 12. Oftober in der " Bhilharmonie" zu Berlin ergehen lassen. Die Einladung lautete folgendermaßen: Das unterzeichnete Romitee, welches sich im Frühjahr d. J. gebildet hat, um den freien Krankenkassen behufs Unterordnung unter das Kranken- Berficherungsgeses Rath zu ertheilen, hat beschloffen, eine Versammlung der freien Krankenkassen Deutschlands, sowie aller derjenigen Personen, welche fich für die Angelegenheit intereffiren, auf den 12. Oktober d. J. nach Berlin zu berufen, um daselbst über wichtige Fragen gemeinsame Rüdprache zu halten. Indem wir Ew. Wohlgeboren umstehend ergebenst das Brogramm der Versammlung übersenden, bitten wir Sie, uns möglichst umgehend Mittheilung zugehen zu laffen, ob wir vor aussichtlich auf Ihr Erscheinen rechnen dürfen. Desgleichen bitten wir Sie ergebenst, uns etwaige Mits theilungen über die im Programm bezeichneten Fragen, sowie Vorschläge über weitere Bunkte, welche Sie angeregt wissen wünschen, gütigst machen zu wollen. Die Nachricht wollen Sie an den mitunterzeichneten Rechtsanwalt Dr. Edmund Friedemann, Berlin W. Potsdamer Straße 111 senden. Berlin, den 16. September 1884.( Folgen die Unterschriften oben genannter Herren.) Tagesordnung: 1. Berichterstattung über die bisherige Thätigkeit des Comitees für Errichtung freier Hilfskaffen. . Das Verhältniß der freien Hilfskaffen zum Krankenverficherungsgefet. Es werden hierbei insbesonders folgende Fragen zur Erbrterung fommen. a) Hindernisse, welche sich der rechtzeitig( bis 1. Dezem ber d. J.) zu erfolgenden Zulassung der freien Hilfskaffen auf Grund des Krankenversicherungsgefeßes entgegengestellt haben, sowie deren Be feitigung. b) Was ist unter den ,, auf Grund landesrechtlicher Vorschriften errichteten Kaffen"( 75 des Krankenver ficherungsgesetzes) zu verstehen und wie sichern fich dieselben ihr Vermögen? III. Wie tönnen die freien Kassen ihre gemeinsamen Intereffen am besten wahren? a) Kartellverhältniß. b) Periodische Versammlungen. IV. Vorschläge aus der Mitte der Versammlung. fich für die Angelegenheit intereffiren, gegen Vorzeigung dieses Programms oder der Eintrittskarten. Leptere find im Bureau Des Rechtsanwalts Dr. Edmund Friedemann, W., Potsdamer Straße 111 abzuholen, werden auch auf Wunsch zugesandt. Butritt zu der Versammlung haben alle Diejenigen, welche Dieser Einladung hatten viele Krankentafen Folge ge leiftet und das schöne Lokal war nahezu gefüllt von den Rrankenkassen- Borständen und Delegirten der freien Kaffen; aus fast allen größeren Städten Deutschlands hatten dieselben Vertreter entfandt. Die Versammlung wurde gleich nach 10 Uhr eröffnet; die Busammensetzung des Bureaus erfolgte nach den Vorschlägen übernahm Herr Lipke, derselbe ertheilte zu Punkt 1 der TagesBen. Eine Geschichte von H. Billinger. Ben war ein Hund ohne alle Race. Er hatte langes, jottiges Haar, eine Bulldoggschnauze und war stets schmuzig. Aber er hatte die schönsten Augen, die ein Hund haben konnte. Seines Berufes war er Karrenzieher und es lag ihm und feinem Herrn ob, eine Anzahl Straßen vom Unrath zu säubern. Ehriftlieb, so hieß sein Herr, zählte dreizehn Jahre. Wenn einer von ihnen unter dem Kehricht einen Knochen fand, war es nicht zu ermeffen, welcher sich mehr freute Ben, der ihn abnagte, oder Christlieb, der inzwischen von einem Bein aufs andere hüpfte. Eben das war das Schöne in ihrem Verhältniß, Christlieb Diebesgelüfte ankamen, oder wenn er wirklich etwas Stahl, so geschah es immer nur um Bens willen. Manchmal fonnte er vor einem Fleischerladen stehen, die Hände in den Taschen, und denken: Wenn ich den ausräumen dürfte!" Dienstag, den 14. den 14. Oktober 1884. ordnung dem Sekretair des Romitees, Rechtsanwalt Friedemann das Wort. Redner glaubt Punkt 1 und 2 zugleich erörtern zu können und geht dann zur Sache zunächst auf die Unklarheit des Kran tentafengesezes ein. Die Regierung so führte derselbe aus tam uns nicht immer liebevoll entgegen, wenn wir Statuten einreichten; manchmal erhielten wir zwar innerhalb 6 Wochen die Statuten zurüd, einzelne anstandslos, aber andere mit einer Fülle Monitas. Es ist uns nicht gelungen ein Normalstatut, welches für alle freie Kaffen maßgebend sein sollte, zu erreichen; ich habe gewirkt, so viel als in meinen Kräften stand und dennoch haben wir nicht das erreicht, was wir glaubten erreichen zu tönnen. Die verschiedenen Regierungen find sich selbst nicht einig über einzelne Bestimmungen des Gesezes, ſo z. B. nicht über das, was unter landesherrlichen Kaffen zu verstehen ist.- Redner erörtert die verschiedenen Schwierigkeiten und zeigt an Beispielen, wie eine Regierung da Monitas zieht, wo die andere anstandslos genehmigt. Wir haben- so sagt so sagt Redner weiter das Verwaltungsstreitverfahren nicht beschrit ten, weil während dieser Zeit der erste Dezember herannaht, deshalb wollen wir uns vorläufig fügen und nachher Beschwerde führen. Die Kaffen aber, welche am 1. Dezember noch nicht fertig sind, gerathen in eine schlimme Lage; diese müssen erwägen, daß ihre Mitglieder dadurch in die Lage kommen fönnen, ein Jahr lang zwei Kaffen angehören zu müssen, der freien und der Zwangstaffe. Wir find genöthigt, unsere Thätigkeit jezt einzustellen; Kosten und der herannahende 1. Dezember veranlassen uns dazu. Wir haben die Versammlung einberufen, um die Stimmen aus der Mitte dieser Versammlung zu hören, es können ja Vorschläge gemacht und eventuell ein Komitee gewählt werden. Der Vorfißende eröffnet nunmehr die Diskussion über Buntt I. und II. der Tagesordnung. 1. Jahrgang. die Mitglieder und das Vermögen den Drts, resp. Gemeinde faffen zugewiesen werden würden. Sulz, Stuttgart. Ich holte ein Gutachten unserer Re gierung ein, um unsere Kaffe vor Schaden zu schüßen, wir hielten diesen Weg für den praktischsten. Nachdem wir den Wünschen unserer Regierung nachgekommen resp. dieselben tannten, schickten wir unser Statut an 23 Verwaltungsbehörden unserer 23 Hauptverwaltungsstellen. Ein Theil lehnte die Prüfung ab, andere zogen Monitas und wieder andere hielten unser Statut für ein Musterſtatut. Schmidt, Berlin, wünscht, daß die Reichstagsabgeord neten eine Verlängerung der Frist über den 1. Dezember herbei zuführen suchen. Lokales. a. Der Zwangserziehung find in Berlin auf Grund des Gefeßes vom 13. März 1878, betr. Die Unterbringung ver wahrloster Kinder, gerichtlich während der drei Jahre 1879, 1880, 1881 150 Rinder überwiesen worden, über welche- nament lich über den Ursprung der Verwahrlosung, sonstige Lebense verhältnisse und über die Ergebnisse der Zwangserziehung der neueste Berliner Gemeinde- Verwaltungsbericht folgende bemerkenswerthe Daten enthält. Von den 150 Kindern ist ein Drittel( 48) nicht in Berlin geboren. Unehelich geboren find 34 Kinder, fünf Kinder find vater- und mutterlos. Bei 59 Kindern fehlt der Vater und bei 21 Kindern ist die Mutter todt, bei 65 Kindern leben Vater und Mutter. Ueber die Hälfte der Kinder ist demnach in einem äußerlich nicht geord neten Familienleben herangewachsen. Die strafbaren Handlungen, welche zur Zwangserziehung Veranlassung gaben, waren bei 96 Rindern Diebstahl, bei 37 Kindern betteln, bei neun Kindern Unterschlagung, Hehlerei und Betrug, bei fünf Kindern Sittlichkeitsvergehen, bet drei Kindern Körperverlegung. Es find also 70 pSt. wegen Verlegung des Eigenthums der Zwangserziehung überwiesen worden. Die Verwahrlosung der Kinder ist zumeist durch die im elterlichen Hause herrschende Noth, in einzelnen Fällen aber auch durch das böse Beispiel der Eltern herbeigeführt worden. 25 Vater resp. Mütter der Kinder haben eine Zuchthaus- oder Gefängnißstrafe verbüßt und 7 Kinder be figen Geschwister, die gerichtlich bestraft worden find. Aus solchem Familienleben konnte sich ein gesundes Leben der Kinder nicht entwickeln. Diejenigen Böglinge, welche zum BaVa gabondiren und Gewaltthätigkeiten neigten, oder andere, in Familien schwer zu bekämpfende ftttliche Fehler zeigten, wurden in geschlossene Anstalten, größtentheils in der Erziehungsanstalt ,, am Urban", die übrigen zu Familien in auswärtige kleine Ortschaften hingegeben. Um einen schädlichen Einfluß der in Bwangserziehung gegebenen Kinder möglichst zu verhüten, find in feiner Stadt mehr als 4 und in keinem Dorfe mehr als 2 Bwangserziehungsfinder plazirt worden. Von den 150 Kindern haben sich nach den Berichten der Waisenväter 89 Kinder gut, 47 Kinder ziemlich gut und 14 Kinder schlecht geführt. Bunächst erhält ein Delegirter aus Darmstadt das Wort. Derselbe beklagt sich bitter über die ihm zu Theil gewordenen Scheerereien und schließt mit den Worten: Wenn man ein ganzes Jahr die Statuten unterwegs hat, dann wird man uns boch nicht zwingen fönnen, noch nach dem 1. Dezember einer Bwangstaffe anzugehören, weil die Statuten noch nicht anerkannt find! # Säuberlich Dresden schildert die sächsischen Verhält niffe; er hoffe, daß es nicht so schlimm tommen werde mit den noch nicht genehmigten Kaffen. Es stehe im Gefeß, daß die bestehenden freien Hilfskaffen, die bis 1. Januar 1885 ihre Statuten noch nicht geändert hätten, dann von der Regierung aufgefordert werden müßten, binnen einer bestimmten Frist thre Statuten dem neuen Gesez anzupassen. Kämen dieselben darn dieser Aufforderung nicht nach, so habe die Regierung das Recht, einzugreifen. Redner wünscht, daß aus der Mitte der Versammlung Vorschläge gemacht würden. Levisohn Altona beklagt ebenfalls die Schwierigkeiten, welche den freien Kaffen gemacht werden. Heute meint der Redner ist es zu spät, noch Schritte zu unternehmen; vor 3 Monaten hätten wir vorgehen müssen. Stein Breslau bellagt fich ebenfalls über Schwierig teiten. Scheps, Dresden. Bei Begründung der Gemeinde resp. Ortskaffen ist oft ein Fond nicht vorhanden, vielleicht glaubt man die Gelder der noch nicht genehmigten freien Kaffen werden dann sammt den Mitgliedern in die Zwangsfaffen hineingebracht werden können. Redner bedauert ebenfalls, daß die Beit jest zu kurz sei; er erkläre sich mit der Wahl einer Kommission einverstanden, obwohl er sich darüber flar sei, daß dieselbe nichts erreichen werde. Feldmann, Görlitz. Ich habe an den Bundesbevollmächtigten geschrieben und denselben gebeten, den Behörden besondere Anweisungen zu geben. Mein Wunsch ist abgelehnt worden. Redner schildert die großen Unannehmlichkeiten, die Laufereien nnd Bladereien, welche er durchzumachen hatte, bis er schließlich nach Monaten die Anerkennung des Statuts erlangte. Jm Uebrigen sei ihm der Bescheid geworden, daß am 1. Januar 1885 die Aufforderung an die freien Kaffen nur erst dann, wenn die Kassen dem nicht nachkommen würden, a. Bei dem Wohnungsumzuge des Kaufmanns A. von der Französischen Straße nach der Wilhelmstraße am 3. d. M. war eine Stuguhr im Werthe von 60 M. abhanden gekommen. Der Verdacht des Diebstahls richtete fich gegen den wohnungslosen Arbeiter" W., welcher beim Umzug mit beschäftigt war. Vorgestern Abend wurde W. auf dem Belle- Allianceplay be troffen und festgenommen. W. räumte den Diebstahl ein; er hat die werthvolle Uhr einem Trödler in der Lüßomstraße für 6 Mart verkauft. N. Von einem empfindlichen Verluste ist am Sonn abend Abend ein armer Droschkenkutscher in der Burgstraße vor dem Hause Nr. 16 betroffen worden. Beim Pafftren des Fahrdamms stürzte das Pferd so unglücklich zur Erde, daß es fich wichtige Blutgefäße zerplagte und auf der Stelle trepirte. Der Kadaver des Pferdes mußte durch einen sofort requirirten Wagen der Abdeckerei fortgeschafft werden, während der Kutscher die Droschke mit Hilfe eines Dienstmannes nach der Rüdersdorferstraße, wo sich die Stallräumlichkeiten befinden, schaffen mußte. ergehen würde, ihre Statuten dem Gesetz anzupassen, und daß selben verkehrenden zweifelhaften Subjekte, balten seit einiger Ben, hast Du gesehen, Ben, hat der Jung'' nen Hund pfui Teufel, den möcht ich nicht geschenkt da bist Du ein anderer Kerl- Du bist gar kein Thier, Ben, jeder Mensch könnte lachen, wenn er so flug wäre, wie Du es soll mir nur Einer fommen und sagen, Du wärest ein Thier Ben, mein Jung' Und Ben sprang verständnißvoll an seinem Herrn empor und leckte ihm die schmußigen Hände. Jm Uebrigen lebten fie in einem steten Wettkampfe, um sich gegenseitig das Biehen des Karrens so viel als möglich zu er leichtern, Anstrengungen, die zur Folge hatten, daß sie nicht felten über ihr eigentliches Biel hinausschoffen. Indes Vorwürfe machten fich die Beiden nie und unglücklich waren fte nur wenn sie nichts zu beißen hatten. Das tam aber selten vor, denn Christlieb war ein ordentlicher Kleiner Wirthschafter. Er war Angestellter und lebte von seiner Besoldung. Viel leicht, wenn er Ben nicht gehabt hätte, wär' er ein liederlicher Bursche geworden und hätte seine paar Grosmen verthan, wie er's beim Vater sah. Aber Ben war da und Christlieb sorgte Des Abends, wenn sie von ihrer Arbeit in die dumpfe, dentliches Hausmütterchen die Suppe. Und nicht immer die gleiche, dazu besaß er zu viel Erfindungsgeist. Die Knochen, welche Ben auf der Straße abgenagt hatte, Kartoffeln, Brod, altes Gemüse was tam nicht alles untereinander! Hielt Christlieb seine Suppe für fertig, so fostete er ste so tostete er fie mit Rennermiene und hierauf ließen es fich Beide so herrlich schmecken, daß für den Vater kaum ein Teller des köstlichen Gebräu's übrig blieb. Aber das fümmerte sie wenig. Der Vater tam immer erst spät und stets gänzlich betrunken nach Und so war auch Ben ein ganz selbstloser Hund. Abends tam er in hellem Galopp nach Hause gesprengt. Chrift für ihn beffer, als für sich selber. lieb stand schon eine Weile vor der Thüre und wunderte sich im Stillen, wo Ben bliebe. Nun tam er mit zwei prächtigen häßliche Kellerstube zurückkehrten, tochte Christlieb wie ein or Anadwürften an. Und fie dufteten so frisch! Redlicher haben nie zwei Kameraden getheilt, als Christlieb und Ben fich in ben eroberten Bissen theilten. Anders Ben; sein Sinn war auf's N. Der Rigdorfer Verbrecherteller, resp. die in dem Zeit wieder die Bewohner des Kottbuser Dammes und der fich abwechselnd in seinem schönen, großen Händeblick und mancher Vorübergehende hätte recht gut seinen innern Werth aus demselben herauslesen können. Aber Niemand nahm fich die Mühe, auf einen häßlichen Straßenköter zu achten. Einen besonders widerwärtigen Eindrud machte auf Ben die Begeg nung mit einem seidenen Hunde, der farbige Schleifen trug. Der demokratisch gesinnte Karrenzieher fand das nicht hunde gemäß. Er war fest davon überzeugt, daß diese saubern, blen bend weißen Fraßen auf der Welt nichts Anderes thaten, als freffen. Und in seinen Augen war bloßes Freffen ohne Ar beiten verächtlich. " Es war ein schöner, außerordentlich falter Wintertag. Christlieb war ganz erstarrt, aber in seiner Seele brannte ein um so lebhafteres Feuer. Er hatte wieder einmal in Betrach tung verloren vor seinem Uhrenladen gestanden, als plößlich der Herr desselben unter der Thüre erschien mit der Frage: Junge, was thust Du denn immer hier?" Ach," hatte Christlieb erwideri, ich befinne mich bloß, wie's in so' ner Uhr inwendig aussehen mag." Nun, wenn Du Dich Sonntags ein Bischen sauber machst," meinte der Herr in freund lichem Tone, so kannst Du ja mal herkommen, dann will ich Dir's zeigen." Christlieb sprang mit einem Sas auf seinen Ben zu. Ben Jung' uff, uff!" schrie er, ergriff die Deichsel des Heinen Karrens und heidi! ging's wie von Sinnen durch die Gaffen. Ein dichter Schnee fiel. Sie waren zur Stadt hinaus gekommen, ohne recht zu wissen, wie; der plößlich gefallene Schnee leitete fie irre, so daß fie die Kreuz und Quer über Anlagen und Fahrstraßen dahinjagten. Endlich standen fie still, Denn Chriftlieb fonnte nicht weiter; athemlos ließ er sich auf den ersten besten Stein im Schnee nieder, Ben tüchtig aus lachend, der sich gar wunderlich in seinem weißen Schnee gewand ausnahm. Das gute Thier leckte mitleidig die er ftarrten Finger feines Herrn, der nichts als das Uhrwert im Kopfe hatte und darüber die Effenszeit vergaß. Nicht so Ben. Der Aufenthalt im falten Schnee, zu einer Stunde, au welcher man sonst seine warme Suppe af, erschien ihm unmotivirt und er stieß demgemäß wiederholt seinen Herrn mit der Schnauze an. Aber dem guten Christlieb lag's mit einem Mal so bleiern in den Gliedern, allerlei Uhren tanzten ihm vor der Nase herum, er hörte deutlich ihr Tit- Tat und wollte nur warten, bis sie noch näher fämen, um sie zu fangen. Also träumend rutschte er gemächlich in den weichen Schnee, zum großen Kummer Bens, der nicht recht wußte, was er von dieser neuen Idee Christliebs halten sollte. tief beunruhigt, bellte den großen, blassen Mond an, der an Er war Dem falten Winterhimmel aufgestiegen war, und zerrte dann wieder an Christliebs Kittel. Aber der arme Bursche war ja Des Morgens um fleben Uhr besuchte Christlieb die VolksSchule. Ben wurde da nicht zugelaffen, er blieb deshalb beScheiden vor der Thüre fizzen. Nach der Schule gings zum Geschäft. Christlieb war mit seiner Seele nicht bei Schaufel fich für lauter Dinge, die ihn nichts angingen. Warum der und Kehrbesen; er war eine Art von Träumer und intereffirte Rauch aus den Schornsteinen manchmal emporstieg und auf Hause. Da wußte er gar nicht mehr recht, was und wie viel die Erde sant. Und warum die Sperlinge, wenn fie in ihren Mahlzeiten aufgestört wurden, nicht im Eifer den Vorüber gehenden ins Gesicht flogen? Er, Christlieb, stieß sehr oft aus Unachtsamkeit die Leute an und wurde dann immer durch unsanfte Büffe zurückgewiesen. Braftische gerichtet. Er sorgte dafür, daß er mit seinem Karren und seinem Herrn nicht überfahren wurde, indem er den träu menden Christlieb entweder anstieß, oder aus eigenem Antrieb nach rechts und links auswich. Seele des Geschäfts, denn instiktmäßig oder mit Bewußtfein, wer fann das wiffen?- hielt er gewöhnlich da still, wo fich der meiste Unrath angefammelt hatte. Christlieb seinerseits sprach sich über Alles, was seine Ge lang fonnte er vor ihn hinstehen, die Schaufel in der einen, den Besen in der andern Hand: Er war ohne Zweifel die er aß. Des Morgens, wenn er nüchtern war, machte er sich ein Vergnügen daraus, Ben, sobald er sich vor ihm blicken ließ, zu maltraitiren. Dafür haßten ihn Beide- der Hund und sein junger Herr. Aber glücklicherweise hatten sie nicht Zeit, dieses unliebsame Gefühl in fich zu nähren. Ihr Beruf nahm fte zu sehr in Anspruch, ebenso die Sorge für einander. Wenn Christlieb vor dem Uhrenladen stehen blieb( Uhren waren seine Leidenschaft), so versäumte er nie, erst dem guten Ben ein zerfestes Jädchen unterzubreiten, damit er auf den kalten Steinen feinen Schaden nähme. Ben interesfirte sich nicht für Uhren, aber er respektirte die Neigung seines Herrn und hielt regelmäßig vor dem Uhrenladen still, ohne daß ihn Christlieb erst dazu aufzufordern brauchte. Und während der Junge fich den Kopf zerbrach über das wunderbare Innere eines solchen Kunstwertes, gab sich Ben seinen eigenen Betrachtungen hin. Wohlwollen, Verachtung, Mitleid und Zorn spiegelten nächsten Umgebung in großer Aufregung, und zwar dadurch, daß mehrere dieser Individuen über ein am Rottbuser Damm gelegenes Haus einen förmlichen Belagerungszustand verhängt haben. Der Kutscher eines dort wohnenden Fouragehändlers hatte, wie uns geschrieben wird, einen jener gefährlichen Batrone, welcher sich auf dem Hofe des Grundstücs in ungehöriger Weise zu thun machte, fortgewiesen. Auf einen Signalpfiff erschien bald aus dem Eingangs genannten Verbrecherfeller eine ganze Bande zur Unterstüßung ihres Komplizen, die, als der Kutscher sich in seine Wohnung begeben wollte, über denselben herfielen und ihn in brutalster Weise mißhandelten. Seit jener Beit lauern die Vagabunden den Kutscher allabendlich auf, so daß er es nur besonderen Glücksumständen perdanken kann, wenn er unbehelligt in seine Wohnung gelangt. Wie wir hören, werden sich nunmehr dortige Anwohner in energischer Weise dafür verwenden, daß in Bukunft die dortigen heillosen Zustände dauernd beseitigt werden. waren, der Zutritt verweigert wurde, so erhob der erschienene Polizei- Offizier dagegen Einspruch und bemerkte gleichzeitig dem Vorfißenden des Berliner Arbeiter- Vereins, Schuhmachermeister Borsigenden des Berliner Arbeiter- Vereins, Schuhmachermeister Weidemann: er werde die Versammlung nicht stattfinden laffen, da dieselbe nicht vorschriftsmäßig angemeldet sei. Die polizeiliche Bescheinigung der Versammlungsanzeige lautet: Der Unternehmer Herr Weidemann hat angezeigt, daß am Sonnabend, den 11. d. W., Abends 81% Uhr, im Saale des Etablis fements Tivoli" eine Versammlung der Mitglieder des Berliner Arbeiter- Vereins stattfinden wird." Als nun der Borsigende Weidemann fich auf die Rednertribüne stellte und rief: Meine Herren, ich habe Ihnen eine Mittheilung zu machen und ich bitte namentlich die anwesenden Vertreter der Preffe.... da fiel ihm der Polizeilieutenant ins Wort und Vors.: rief: Haben Sie die Versammlung schon eröffnet? Sch eröffne hiermit die Versammlung.- Polizei- Offizier: Im Namen des Gesetzes schließe ich die Versammlung und fordere die Anwesenden auf, den Saal zu verlassen." Ein allgemeines Staunen bemächtigte sich der Versammlung, die aber sogleich in ein stürmisches, nicht endenwollendes Hoch ausbrach, als Profeffor Dr. Virchow an der Brüstung der Rednertribüne erschien. Nur langsam und unter größter Aufregung leerte fich der Saal. Die Hochs auf Virchow wollten noch auf der Straße fein Ende nehmen. Zu erwähnen ist noch, daß gleich, nachdem der polizeiliche Schluß der Versammlung erfolgt war, förmlich wie aus der Erde geftampft, eine große An N. Jnbetreff der Pulverexplosion auf dem Grundstück Schwedterstraße 28 hören wir des Weiteren, daß der verunglückte und die königliche Anatomie eingelieferte junge Mann Mar Mayer heißt und bisher Gartenstraße 27 wohnte. Der felbe war erst 17 Jahr alt und am Unglückstage selbst erst von C. als Arbeitsbursche engagirt worden. 6. hat den jungen Mann auf einen Augenblick ins Laboratorium geschickt, um selbst wenige Minuten später nachzukommen, als bereits die Katastrophe paffirte. Muthmaßlicherweise hat sich Meyer, der am Abend einer Privatfestlichkeit beiwohnen wollte, Feuerzahl von Schutleuten erschien. Auf der Straße waren werkskörper in die Tasche gesteckt und so unvorsichtigerweise eine Entzündung derselben herbeigeführt. C., der vor Schreck bei der Katastrophe selbst ohnmächtig wurde, und später polizeilich fistirt worden war ist bereits gestern wieder entlassen worden. Der Zustand des verunglückten Kindes mit Namen Bünger soll nach den heute Vormittag eingezogenen Erkun digungen noch ein derartiger sein, daß eine Gefahr für das Leben desselben nicht ausgeschlossen ist. Der verunglückten Frau des Maurers Feuer ist ein Gypsverband angelegt worden. Eine Gefahr für das Leben derselben scheint nach ärtztlichem Gutachten ausgeschloffen. a. Der mehrfach bestrafte Einbrecher P. versuchte vor gestern Abend gegen 8 Uhr in der Wohnung des Kaufmanns S. in der Gollnowstraße einzubrechen. Die Entreethür widerstand aber dem Brecheisen und ein durch die Arbeit" hervorgerufener lauter Krach veranlaßte den P., die Treppen herunterzugehen und vor der Hausthür abzuwarten, ob der Krach feine Menschen heranziehen werde. In diesem Augenblid gingen zwei Kriminalbeamte an dem Hause vorüber, welchen Der Aufenthalt des ihnen bekannten P. an der Hausthür ver dächtig erschien. Einer der Beamten nahm P. feft, während der andere das Haus durchforschte und den von P. versuchten Einbruch wahrnahm. Bei P. wurden mehrere Brecheisen und Dietriche vorgefunden und beschlagnahmt. P. ist gestern zur haft gebracht worden. ebenfalls zahlreiche Schußleute zu Fuß und zu Pferde postirt. Die Arbeiterpartei hatten zum vergangenen Sonntag nur eine einzige Wählerversammlung und zwar für den fünften Berliner Wahlkreis nach dem Restaurant Bärwirth( Rosenthalerstr. 4) berufen. Der Andrang zu dieser Versammlung war in Folge deffen ein ganz riesiger. Allein durch zahlreiche vor dem Lokale poftirte Schußleute und durch große, an der Eingangsthür angeheftete Platate wurden die Maffen in Kenntniß gefeßt, daß die Versammlung polizeilich verboten sei. Auf Auffordern zerstreute sich die Menge langsam in vollständiger Ruhe. | Reform- Pläne ein bemerkte: Bedauerlich ist es, daß die Arbeiter sagen: fte geben lieber mit den Konservativen, da diese ihnen die Aufbesserung ihrer sozialen Lage versprechen, während wir nur Redensarten hätten.( Ruf: Leider! Aber wir wählen auch nicht lonservativ, wir wählen Hasenclever!) Die Arbeiterpartei sollte es sich auch noch einmal überlegen, ehe fte ein Bündniß mit den Konservativen schließt.( Rufe: Thun wir nicht; aber mit der Fortschrittspartei auch nicht!) Mögen die Arbeiter bedenken, daß ohne politische Freiheit eine wirkliche Spebung der sozialen Lage der Arbeiter unmöglich ist, Mögen die Arbeiter erwägen, ob sie die Versprechungen, die hnen die Konservativen machen, nicht zu theuer bezahlen. Wenn die Arbeiter ihre soziale Lage verbessern wollen, bann müssen fte fich unserer Partei anschließen.( Rufe: Wir denken gar nicht daran!) Nur durch Schaffung wahrhaft freiheitlicher Einrichtungen in Staat und Kommune, für die ernsthaft seit nunmehr 25 Jahren unsere Partei eingetreten ist, fönnen die sozialen Verhältnisse bessere werden.( Heftiger Widers Meine Herren, ich bin überzeugt, die Wahl zwischen den drei Kandidaten, die sich in diesem Wahlkreife gegenüberstehen, kann für Sie nicht schwierig sein.( Lebhafter Beifall und Rufe: Wir wissen, wen wir wählen.) Meine Herren, wer den Frieden im Innern und den Glanz Deutsch lands nach Außen will...( Rufe: Der wähle Hasenclever! Lärm). Meine Herren, laffen Sie mich doch gefälligst aus sprechen und zeigen Sie, daß Sie Anstand beigen( Beifall und stürmisches Oho!). Meine Herren, das erste Erforderni einer politischen Partei ist Anstand. Ich hoffe umsomehr, daß unsere Partei den Sieg davon tragen wird, da fie die Haupt vertreterin der Freiheit und des politischen Anstandes iſt. ( Stürmischer, lang anhaltender Beifall und stürmische Hochrufe auf Hasenclever). Nach der Annahme der Resolution zu Gunsten der Kandidatur Kloß schloß die Versammlung unter vielfachen Hochrufen auf Kloß und Hasenclever. Spruch.) Am Sonntag Vormittag sprach wiederum Rechtsanwalt Mundel und zwar in einer Dom fortschrittlichen Wahlverein des dritten Berliner Reichstags Wahl freises nach dem oberen Saale des Buggenhagenschen Etablissements( Morigplag) einberufenen Versammlung. Auch hier war etwa ein Drittel der Versammelten Anhänger der Arbeiterpartei. Rechtsanwalt Mundel sprach der Hauptsache mehrfach durch stürmische Burufe seitens der Arbeiter unter nach dasselbe wie am Sonnabend Abend und wurde wiederum bromen. Ganz besonders erhob sich ein großer Tumult, als Rechtsanwalt Wundel sagte: Die Herren von der Arbeiter partei lönnen von den Deutsch- Freifinnigen noch sehr viel lernen. Als Mundel geendet hatte, verlangten mehrere Ar beiter zur Widerlegung das Wort. Der Vorsigende, Gas anstalts- Direttor Cuno, ließ jedoch lediglich über die einge gangene Resolution, laut welcher sich alle deutsch- freifinnigen Wähler des dritten Berliner Heichstagswahlkreises verpflichten, für die Wiederwahl Mundels einzutreten, abstimmen. Die Resolution gelangte mit Mehrheit zur Annahme, alsdann schloß der Vorsitzende die Versammlung. Es entstand danach ein wahrhaft betäubender Tumult. Die Wahlagitation in Berlin nimmt einen immer heftigeren Charakter an. Täglich finden in den verschiedensten Stadttheilen zahlreiche Wählerversammlungen statt, in denen es zumeist zwischen den verschiedenen Parteien zu heftigen Reibungen tommt. Am Sonnabend Abend sprachen der fortschrittliche Kandidat des 6. Berliner Reichstagswahlkreises, Landgerichtsrath Klog und Rechtsanwalt Munkel, welch Letterer belanntlich im 3. Wahlkreise Kandidat, in einer in der Ahrens'schen Brauerei zu Moabit stattgehabten fortschrittlichen Wählerversammlung. Obwohl der Eintritt nur gegen vorher ausgegebene Einlag farten gestattet war, so bestand jedoch ein Drittel der Versamm lung aus Anhängern der Arbeiterpartei. Landgerichtsrath Klos erörterte in eingehender Weise das Programm der deutsch- freifinnigen Partei. Als derselbe jedoch mit den Worten schloß: Dies ist mein Standpunkt, an dem ich unverbrüchlich festhalten werde und so stelle ich mich Ihnen wiederum zur Verfügung, riefen die Sozialisten aus vollen Leibesfräften;„ Suchen Sie fich einen anderen wirb Wahlkreis, hier Safenclever gewählt; er lebe hoch!" Die anwesenden Mittag Hasenclever gewählt; er lebe hoch!" Die anwesenden Mitglieder der deutsch- freifinnigen Partei, zeichneten ihren Kandi baten durch stürmisches Beifallsklatschen und Erheben von den Blägen aus. Rechtsanwalt Mundel ergänzt Herrn Klotz und äußert zunächst sein Bedauern, daß in Folge des Ausnabmegeseges es unmöglich sei, mit gewiffen Gegnern zu Diskutiren und ihnen ihre Anfichten zu widerlegen. Selbstvers Wilhelm N. Der Afrikareisende E. R. Flegel stattete mit seinen beiden afrikanischen Begleitern am Sonnabend dem Königlichen ethnologischen Muſeum einen längeren Besuch ab. Helle Freude leuchtete aus den Augen der Afrikaner, als fte die große Menge ihnen bekannter Gegenstände bewunderten und immer wieder fagte der ältere von ihnen:„ gut, gut." Herr Flegel packte bei dieser Gelegenheit einen Theil seiner Sammlung aus der von ihm bereisten Gegend, nämlich dem Quellgebiet der südlichen Buflüffe des Benne- Stromes, aus. Diese Sammlung birgt eine Fülle bisher nicht bekannter, eigenartiger Dinge. Besonders nennenswerth ist eine Reihe von Schilden für Krieg, für das Anrüden zur Kriegsversammlung, für Jagd, zum Spielständlich verbietet es der Anstand, Leute, die unter dem Ausu. s. w., dann ganz aus Eisen gefertigte Speere, zum Theil mit Mesfing oder Kupfer verziert, ähnlich denen, die Lieutenant Wißmann aus Zentral- Afrika überbrachte; Streitärte aus Eisen, die Stiele aus alten Flintenläufen gefertigt und in phatastische Köpfe aus Meffing endigend, sowie Schwerter mit sehr breiten, unten fich verbreiternder Klingen mit geradem Abschluß. Die Scheiden sind aus Holz und mit Fell überzogen. Diesen reihen fich Kleider an, die zum Theil sehr reich bestickt, zum Theil burch Färben gemustert sind. Hausgeräthe, Arzneien, Fetische, ferner die Werkzeuge zur Herstellung der Geräthe, sowie Ackergeräthe geben ein interessantes Bild von dem täglichen Leben der Bewohner dieses Theiles der heißen Zone. Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. Die zum Sonnabend Abend nach dem großen Saale der Tivoli- Brauerei am Kreuzberg seitens des fortschrittlichen Berliner Arbeiter- Vereins einberufene Versammlung, in der der Kandidat der deutsch- freifinnigen Partei für den zwei ten Berliner Wahlkreis, Prof. Dr. Virchow, sprechen sollte, wurde gleich nachdem fte eröffnet, polizeilich aufgelöst. Der Andrang zu dieser Versammlung, zu der der Zutritt nur gegen vorher ausgegebene Karten gestattet war, war ein ganz unendlicher. Da vielen Leuten, obwohl fie im Beftz von Karten so müde, er lag so bequem, nur noch ein Bischen wollte er ausruhen. In weniger als drei Minuten lag er in feftem Schlummer. Ben gerieth in Verzweiflung. Er schaute die Straße entlang, ging und lehrte zurüd. Bulegt sandte er ein wahres Schmerz gebeul zum Himmel empor, warf einen unbeschreiblichen Blick auf den schlafenden Chrifilieb und rannte spornstreichs mit feinem Karren in die Stadt zurück. Er stürzte an vielen Menschen vorbei, die ihm alle nachsahen und dachten, er sei toll geworden. Man rief hinter ihm her, man warf nach ihm, unbeirrt segte er seinen Weg fort. Nun bog er um die Ede - wenige Häuser davon war der Uhrenladen, auf den raste er zu. Ein Mann verließ eben das Haus; es war der Uhrenmacher. Nichts Böses ahnend, schickte er fich an, seinen abendlichen Klub zu besuchen. Da stürzte ihm ein Hund sammt seinem Karren entgegen. Er wehrte ihn ab mit einem fräfti gen Stoß: ,, Donnerwetter, Bestie!" Der arme Ben fiel rückwärts, der Karren stand so unglücklich, daß er gegen einen Laternenpfahl fuhr, die Deichsel brach entzwei und das spite Holz durchbohrte den Leib bes Hundes. Er stöhnte laut. Aber war's jezt Zeit zu verenden? Ben richtete sich auf, er winselte er ledte dem Manne, der ihn so mißverstanden, die Hand; er schwankte vorwärts und fehrte wieder zurück. Nichts war der Berebtsamkeit seiner Blide vergleichbar. " Der Mann stutte. Was ist mit dem Thier?" dachte er. Ist das nicht der Hund des kleinen Jungen, der immer vor meinem Fenster zu stehen pflegt? Mein Gott, was rennst Du auch auf mich zu, als wolltest Du mich bei der Gurkel packen," wandte er sich an den Hund ,,, da hast Du's nun " Mitleidig suchte er Christliebs Jäckchen aus dem Karren hervor und band es dem Thier um den blutenden Leib. Kaum daß ihm Ben Zeit dazu ließ er wollte weiter und ließ nicht ab mit Bellen und Jammern und Leden. Und er brachte es wirklich dahin Der Mann folgte ihm. Es muß dem Jungen etwas geschehen sein," sagte er topfschüttelnd. Bens Schwäche wahrnehmend. half er ihm den Karren ziehen; zulegt zog er ihn allein. Es war die höchste Zeit alle Augenblicke fiel der Hund zusammen, immer raffte er sich wieder auf. Endlich standen sie vor dem schlafenden Knaben. Und während der Munn diesen aufrichtete, ihn rüttelte und schüttelte und mit Schnee rieb, hauchte Ben in aller Stille seine treue Seele aus. Dem Uhrermacher gelang es nach einiger Zeit wieder Leben in die Glieder des Halberstarrten zu bringen. Chriftlieb fam langsam zu fich, schaute fich erstaunt um, betaftete den Mann, der ihn auf den Knieen hielt, und fragte endlich in nahmegesez stehen, anzugreifen, da diese sich nicht vertheidigen fönnen. Von den drei Parteien, die fich in Berlin bei den Wahlen gegenüberstehen, ist lediglich die deutsch- freifinnige Bartel mit einem offenen Programm hervortreten.( Lebhafter Beifall und stürmische Unterbrechung( Rufe; Das ist nicht wahr!) Mundel: Das ist doch wahr. Die Konservativen lassen das Volk über viele ihrer Biele im Untlaren, aus Furcht, fie könnten fich die Gunst des Boltes vollständig verschlagen. Die Konservativen werfen uns vor, wir seien Gegner von Deutschlands Macht und Größe. Nun, m. H., die Herren Stöder und v. Kleist- Rezow haben doch etwa nichts für Deutschlands Macht und Größe gethan.( Rufe: Die Fort schrittspartei auch nicht!) Dem Herren Rufer erwidere ich, daß er die Geschichte sehr schlecht fennt, denn sonst müßte er wiffen, daß für Deutschlands Einheit und Größe die liberalen Parteien, trotz aller Verfolgungen, Jahrzehnte lang gekämpft haben, und wenn in den dreißiger Jahren es auch noch feine deutsch- freifinnige Partei gab, so gehörten doch die Männer, die schon damals für Deutschlands Einheit und Größe eintraten, zu uns. Allerdings wollen wir nicht die Einheit Deutschlands mit der Freiheit bezahlen. Aus diesen Gründen hat 1866 die Fortschrittspartei gegen die Norddeutsche Bundess verfaffung gestimmt, weil sie der Meinung war, Einheit und Freiheit Deutschlands laffe fico sehr wohl vereinigen und ohne die Freiheit sei die Einheit nicht von dauerndem Bestand. Der Redner ging hierauf näher auf die sozialen verwundertem Tone: ,, Wo ist Ben warum tommt Ben nicht?" t. Im Wintergarten des Zentralhotels fand am Sonn Vormittag die große Generalversammlung der Berliner Tischler behufs definitiver Beschlußfaffung über die aufgestellten Minimaltarife statt, zu welcher alle Interessenten, Fabrikantén und Meister Einladungen erhalten hatten. Erschienen waren ca. 3000 Personen. Die Tischlerinnung war vertreten durch ihre beiden Obermeister, die Herren Brandes und Kastorf. Der Hauptkasfirer der Tischlerkommission leitete die Verhandlungen mit einer erschöpfenden Motivirung der Aufstellung von Minis maltarifen und dem Hinweis darauf ein, daß die Durchführung derselben nicht von heut auf morgen, sondern erst nach genügen Innungsobermeister der Vorbereitung werde zu geschehen haben, worauf der zweite noch nicht in Brandes das Sie der Versammlung anwesenden Herrn Wort ergriff. Derselbe bedauerte, daß in den legten 12 Jahren das Tischlergewerbe so sehr herunter gekommen sei. Der größte Fehler jei, daß es unter den heu tigen Tischlergesellen so viele gebe, welche nicht fähig feien, in besseren Werkstellen ihr Brod zu verdienen. Allerdings sei auch nicht zu leugnen, daß es auch unanständige Meister gebe. zu arbeiten. Heut sei aber nicht mehr die reelle Arbeit, son Pflicht der anständigen Gesellen sei es, Jeden abzurathen, dort dern der Schwindel auf dem Markt. Hr. Schmit griff in scharfer Weise die Innungsmeister an. Durch ihre Arbeits bücher werde nur die Vagabondage groß gezogen. sollten vor Allem darauf halten, daß bei ihnen die Sonn tagsarbeit aufhöre. Erst heute habe er Gelegenheit gehabt fich davon zu überführen, daß beim Obermeister Brandes des Sonntags gearbeitet werde, welcher Umstand von diesem, welcher wurde. Seine Ansicht ging dahin, daß die Sonntagsarbeit unterdessen erschienen war, auf die harmloseste Weise erklärt nicht aus der Welt zu schaffen sei, am allerwenigsten, wenn von den 13 000 Berliner Tischlergesellen 4000 vielleicht fich nach dem Programm der Kommission richten, die Uebrigen hin gegen machen, was sie wollen. Mit den Tarifen erklärte er fich im Allgemeinen einverstanden, doch konnten diefelben noch nicht geprüft werden. Wenn noch höhere Lohnfäge zu erzielen wären, würde er der Erfte sein, der dafür eintritt. Darauf hin bemerkte Herr Rödel ausdrücklich, daß allein 1100 Tischler gesellen durch Delegirte vertreten würden, daß fich ca. 11000 der Bewegung angeschloffen hätten, die Bahl der Indifferenten demnach verschwindend klein sei. Nachdem nunmehr noch die Herren Künzel, Stellmann, Kloose gesprochen und Obermeister Raftorf unter großer Unruhe der Versammlung die Innungs Arbeitsbücher als eine gerechte Forderung vertheidigt hatte, wurde die Distnffton über den ersten Punti der Tagesordnung geschloffen und einstimmig folgende Resolution angenommen Die heut im Wintergarten des Zentralhotels tagende Ver sammlung der Berliner Tischler beschließt: In Erwägung, daß durch die große Verschiedenheit der jetzt gezahlten Affordlöhne bei den Spezialarbeiten der Tischlerei einer unsoliden Kon Turrenz Vorschub geleistet und diese syftematisch von einer großen Zahl von Tischlermeistern und Möbelhändlern ausge bildet wird, diese auch bereits in vielen Drten Deutschlands dazu beigetragen hat, daß die Berliner Arbeit als unsolide Rälte noch etwas anhaben fönnte, deckte er ihn auf das Für wägung, daß durch die Fixirung und strikte Durchführung und Schwindelarbeit hingeftellt wird; in weiterer Er von Minimaltarifen diesem für alle ehrlichen Intereffenten der Tischlerei schädlichen Treiben ein Abbruch gethan werden tann, eine schleunige Abhilfe auch absolut nothwendig erscheint, der Kommission Vollmacht zu ertheilen, die von den Spezial Nein," fuhr Christlieb auf, Ben war kein Tbier- Ben Durchführung zu bringen, mit der Maßgabe, daß diejenigen Der Mann stellte den Burschen auf die Beine...Wie ist Dir," sagte er, fannst Du marschiren?" Da gewahrte Christlieb einige Schritte von ihm entfernt seinen Karren! Ben!" schrie er auf und wollte auf ihn zustürzen. Der Mann suchte ihn zurückzuhalten. Das arme Thier," sagte er. Er konnte nicht ausreden, schon lag Christlieb neben seinem Ben im Schnee; er rüttelte ihn, er gab ihm die zärtlichsten Namen, er riß ihn endlich an fich da gewahrte er die große Blutlahe auf der Erde. D Herr," schrie er und streckte dem Manne die gefaltenen Hände entgegen, machen Sie ihn wieder lebendig, Sie haben mich auch wieder gesund gemacht!" Der Uhrmacher schüttelte den Kopf. zu helfen." Mein Kind," sagte er, sei vernünftig, da ist nicht mehr Dem armen Burschen versette diese Gewißheit wahre Herzensstöße. Vorsichtig hob er seinen treuen Kameraden von der Erde auf und bettete ihn in den Karren. Als ob ihm die sorglichste zu Dann nahm er die Deichsel zur Hand und trabte, bitterlich weinend, davon. Der Mann vermochte ihn nicht so gehen zu laffen; er folgte ihm, beschwichtigende Worte zu ihm sprechend. Es war doch nur ein Thier," sagte er. " war flüger als ein Mensch Sammen " ich und Ben, wir gehörten zunun weiß ich nicht, wo ich hingehöre Aber Dein Vater" suchte ihn der Uhrenmacher zu beruhigen. " Der ist immer betrunken," unterbrach ihn der Bursche. Und Deine Mutter?" ,, Die ist toot- ich habe Niemanden als Ben- viel leicht wenn ich ihm recht die Wunde auswasche, wird er wieder lebendig " Der Junge fuhr rascher zu, laum daß ihm der Mann in dem bohen Schnee zu folgen vermochte. Allerlei Gedanken gingen diesem durch den Kopf, während er neben dem schluchzenden Rinde einherlief. Sein Weib war todt, er hatte für Niemanden zu sorgen wenn er den Jungen dafür, daß er ihm sein Alles geraubt, ein Handwerk lehrte er ging noch weiter wenn er ihm eine Heimath schenkte?" Ja wohl," sagte er mit einem Male und legte die Hand auf Chriftliebs Haupt ,,, Dein Ben war flug er soll nicht umsonst zu mir gekommen sein." ( Deutsches Montagsblatt.") branchen- Versammlungen festgesezten Minimaltarife zur ftriften Werkstätten, welche am weitesten unter den vorliegenden Ta rifen stehen, so schleunig wie möglich einen Ausgleich anzus bahnen haben; der Kommission ferner anheim zu geben, bie nothwendigen Schritte zu weiteren Maßnahmen vorzubereiten und mit alien gefeßlichen Mitteln dafür einzutreten, daß die im Frühjahr d. J. errungenen Vortheile bestehen bleiben. Die Versammelten verpflichten fich ferner, alle von ihnen gefor derten unsoliden Arbeiten unter möglicher Angabe, wohin die felben gelangen, der Kommission mitzutheilen; überhaupt allen an fie im Interesse der Lohnbewegung gestellten Anforderungen nachzukommen." Den zweiten Bunft der Tagesordnung bildete eine Besprechung der Strifeangelegenheit in der Piano fabrik von Weidenslaufer. Briefkasten der Redaction. 6. 2. 10. Klagen Sie auf Herausgabe der Sachen, Forderung verfährt in 30 Jahren. bie A. W. Streligerstr. Sie müssen den Werth der beiden Rohrstühle einklagen. Verantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin. Druck und Verlag von War Bading in Berlin SW. Beuthstraße 2.