Nr. 165 Mit.woch, 15. DTtobcr 1**4 1. Jahrg. Drgan für die Interessen der Arbeiter. A»serti»»«tedthr beträgt für die Z gespaltene Peftzeile oder deren Raum 40 Pf.»rbeit«markt 10 Bei größere» Austrägm hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werde« bi« 4.. Rachmittag» in der s&peditio», Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle» Annoncen. Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise», angenommen. Neöcrktton unö KXpeöitton Werttn SW., Iimmerstraße 44. Die Stellung des Zentrums iei den bevorstehenden Wahle« ist doch eine völlig ver- änderte geworden im Vergleich zu der bei den letzten , Das Zentrum unterstützte damals bei den Stichwahlen großer Vorliebe die konservative Partei, während e» bei den kommenden Wahlen die Parole aus- giebt, für die D e u t s ch- f r e i s i n n i g e n bei Stich- wählen zu stimmen- ja, eS kommt sogar vor, daß die «jentrumSv erstände in einigen Kreisen ihren Wählern an- tathen, gleich im ersten Wahlgange für den Deutsch-Frei- ßnnigen zu stimmen, auch in solchen Kreisen, wo bei den wjrtgen Wahlen auf den Zentrumskandidaten 6 bis 8000 stimmen gefallen find. Dadurch will das Zentrum vermeiden, selbst mit einem Nationalliberalen oder Konservativen in die Stichwahl zu '»mmen, weil eS wohl weiß, daß die Deutsch-Freifinnig n äann doch für die Letzteren stimmen wüiden und so der �haßteste aller Gegner in den Reichstag gelangte. Man Mt, das Zentrum versteht sich auf daS Kalkuliren, wo 2,°uch fem mag, innerhalb und auch außerhalb de» . Das Zentrumsprogramm habe» wir schon einer Be- Iprechung unterzogen und gefunden, daß dasselbe oppofitio- JUutr war, als vor drei Jahren. Diese Oppositionsstellung *«stäligte auch der jüngste rheinische Katholikentag in Köln, woselbst im großen, historisch-berühmten Gürzenichsaal nur atholische Oppositionsredner sprachen, am radi- Elsten der bekannte klerikale Abgeordnete Dr. Lieber, der wdirekt die Reichenspergerei und die Hertlingiaden ver- anheilte. i e beiden, früher wirklich liberalen, jetzt alt gewor- caen Herren Reichensperger waren bekanntlich die Führer «vjniigxn Klerikalen, welche für da« Sozialistengesetz ge- haben, gleichfalls Freiherr von Hertting, der aber Ul, �°uch die sogenannte Sozialreform mit bei den d Montanen �lten gekanntem Uebereifer im Sinne � Regierung aufgefaßt und kultivirt hat. k."nd hier zeigt sich der Umschwung deS CentrumS am felhfi len- Geringerer als Freiherr von Hertling der jedenfalls gleich dem Abg. Majunke, nur in an- Dichtung hin, eine Warnung zu Theil geworden ist, � sich nämlich in einer kürzlich erschienenen Broschüre: »(«. und Reden sozial-politischen Inhalts" über seine artige Stellung vernehmen. {{on � Absatz, den wir citireu, ist aber auch in sozial- sx, sicher Beziehung interessant genug, um denselben un- rtyn vorzuführen. Derselbe lautet: »Die bevor st ehenden Neuwahlen zum IeuMeton. Isaura. öin« Erzählung au» dem südlichen Frankreich. (Fortsetzung) ß�ichlüy�°'N-r, gnaorgrr«tu, ,ua» S�binbuno"°ch trÖ«nb Einer meiner Freunde denkt an eine Mtrch.ß Frankreich. Auch haben die Stände in Eurer - Nch auf keinerlei Antwort eingelassen." LÜH«fMvv«» V•-—--- stch auf keinerlei Antwort eingelassen. wäre auch Hochoerrath gewesen!' versetzte Humbert. kb* fionifi gelüstet es nach meinem schönen Lande— ich k®ul veräußern müssen in meiner Geld- «n ungeschmälertem Zustande dem Erben Habt Ihr meinen Guigo kürzlich gesehen. Die Vateifreude besänftigte die Aufregung des ü7s7°"v k" Die Vaterfreude desän tigte d.e Aufregung des werde. ks v»i»' 8""«» Troll, �hnte. um fr' ----- zu ,........ seinen Femden vu geben. '®u. wirst mich feinen Grund zu neuem in den Bergen „Ick. muß widerspenstig Betragen�entgelten in Kurzem bei Dir mmB#* GKWKW ii»,v wedr-.�4�.:-»'.'»- t'%%%%% Ql h®titn, f! Die braunen Löckchen kräuselten stch über hc,l,°"kkn' rein und hoch, daß sie einst der S'S großer * schon.•,»7tb.n versprach, die Augen des Knaben letzt ein Feuer, wie die seines Vaters, und Reichstag fordern naturgemäß dazu auf, einen Rückblick auf die politische Geschichte der jüngsten Vergangenheit zu werfen. Je nach dem Parteistande wird derselbe in der Auffasiung deS gesammten Herganges wie in der Würdi- gung einzelner Begebenhenen verschieden ausfallen; eine Thatsache aber müßte, so scheint mir, von Allen überein- stimmend anerkannt werden, die Thatsache, welche zukünftigen Historikern vielleicht als eine der merkwürdigsten in ver Geschichte der politischen Theorien in Deutschland erscheine« wird: der jähe Wandel der Meinungen über das Verhältniß deS Staates zum wirthschafilichen und sozialen Leben. Wie lange ist es her, daß die Lehren deS ökonomischen Liberalismus auf den Kathedern unserer Hochschulen, auf de» ParlamentStnbünen wie in der Presie nahezu unwider- sprachen herrschten; daß die Existenz einer sozialen Frage in politischenKreisen ganz ernst- hast in Abrede gestellt werden konnte; daß man gegenüber schüchternen Versuchen, hier und da die staatliche Gesetzgebung zur Abhilfe sozialer Schäden in Be- wegung zu setzen, sofort mit dem Vorwurfe sozialistischer Tendenzen bei der Hand war? Heute findet das extreme Manchesterthum selbst in den Reihen der alten Fortschrittspartei keinen unbedingten Vertheidiger mehr, die Parteien wetteifern förmlich mit Vorschlägen zur Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen, das Wort von der sozialen Reform' ist auf dem besten Wege, ein abgebrauchtes Schlagwort zu werden. Wer nun schon früher an die glückliche Harmonie nicht zu glauben vermochte, zu welcher daS ungehemmte Spiel wirthschafilicher Kräfte hinführen sollte, und vielmehr der Ueberzeugung war, daß an bestimmten Punkten ein Eingreifen der staatlichen Autorität berechtigt und geboten sei, der könnte sich vielleicht über solchen Umschwung der Ansichten freuen. Aber die Art und Weise und das Tempo der Bekehrung mahnen zur Vorsicht. Auch muß eS mißtrauisch machen, wenn man hört, wie die gleichen Stimmen, die noch vor wenigen Jahren jede an der freihändlerischea Theorie geübte Kritik nicht laut genug niederschreien konnten, nunmehr recht erbaulich von den großen sozialpolitischen Aufgaben der Gesetzgebung reden, so ganz, als verstände es fich von selbst, und hätten sie eS schon immer gesagt. In der That, nicht ein großes Ereigniß, welches daS Volks- leben in stinen tiefsten Tiefen erschütterte, hat, wie Aehn- licheS sonst wohl geschehen, jenen Wandel hervorgerufen. Nicht die siegreiche Kraft der Wahrheit hat langsam vordringend den entgegen st ehe n- den Jrrthum besiegt und vernichtet. Aber die übermächtige Hand deSerstendeutschen S t a at S m a n n e S h a t d e n K o ur S der inneren geschickt in jeder Bewegung war der Kleine und plauderte so klug! Wer kann eS dem Fürsten verdenken, daß sein Auge jedesmal vor Liebe überging, wenn es auf dem Kinde rubte, seinem einzigen! Dann stellte stch auch das Bild seiner früh Heimgegangenen Gattin vor die Seele— wie 8 lücklich hätte er an ihi er Seite noch lange Jahre leben können, e war noch nicht fünf und zwanzig Jahre alt gestorben, und er hatte vor wenig Tagen seinen acht und dreißigsten Geburts- tag gefeiert! „Weißt Du, Raymond," sagte er, als er selbander mit Moni Aynard das Zimmer verließ,„weißt Du, daß fie mir schon von einer Zwesten Heirath gesprochen haben? Was meinst Du dazu?" „Das Land kann es nur wünschen," erwiderte Mont Aynard ausweichend. „Wie so, daS Land?" rief Humbert und blieb stehen. „Kann es dem Lande lieb sein, wenn sein Fürstenhaus zahl- reich wächst, da es am Ende doch für den Hofhalt aller Prinzen sorgen muß?" „Verzeiht, das Land nicht! Die Güter der Krone find eS," erwiderte der Baron.„Dem Lande aber, das sein Fürstenhaus liebt, kann dessen Erstarken nur erwünscht sein." „Denkt Ihr an den Tod meines Guigo?" rief der Dauphin fast schreckhast. „Da sei Gott für!" entgegnete Mont Aynard schnell. „Der Prinz ist die Kraft und daS Leben selbst und wird zu Eurer und des Landes Freude heranwachsen. Aber selbst wenn er einst die Krone trägt, kann ihn Gott abrufen— vielleicht im ritrerlichen Kampfe— ehe er dem Hause weitere Sprossen gegeben hat." „Er muß heirathen— so bald als möglich!" sagte der Füist.„Laß sehen, Raymond— in zwölf Jahren— kaum! Kaiser Friedrich der Zweite war freilich erst scchszehn Jahre, als er über die Alpen nach Deutschland ging, und hinterließ sckon ein Eöhnlein in Sizilien— aber wenigstens in vierzehn Jahren kann auch mein Guigo Heirathen. Laß sehen, mit welchem Hause suche ich für ihn eine Verbindung? Ich werde mir dem heiligen Vater darüber spiechen, sobald ich wieder nach Aoignon komme.— Weißt Du, wen man für mich in Voischlag gebracht hat? Die Tochter des Herzogs von Bourbon. Kennst Du ste?" Mont Aynard zuckle die Achseln. .Und wenn ste ein Engel ist." sagte derDauph'N.„Merner Marie gleicht ste doch nicht.— Ich babe nur eine Einzige ge- kannt. Du weißt wohl noch, Raymond?" Politik plötzlich verändert— wa» bleibt denen, die nun einmal mst ihm die Reise machen wollen, übrig, als zu versichern, daß gerade sie sich auf dem gleichen Wege befänden und der Fahrt vorzüglich kundig seien? Eine der größten politischen Parteien hätte allerdings nicht nöthig, den Fragen der wirthschafilichen und sozialen Politik gegen- über eine veränderte Stellung einzunehmen oder auch nur eifrig zu ergreifen, wa« sie bis dahin gleichgültig hatte lie- gen gelassen. Bei Gelegenheit der Debatten über den Zoll- tarif am 3. Mai 1879 sprach der Abg. Bamberger da» geflügelte Wort au», nicht die CentrumSfraktion sei zum Hrn. Reichskanzler übergegangen, sondern der Hr. Reichskanzler zur CentrumSfraktion. Die Tragweite des Anspruchs geht über die spezielle Frage deS Schutzzolles hinaus. Auf dem Boden ihres Programms stehend, konnte die C e n t r n m s- partei das reformatorische Vorgehen der verbündeten Regierungen fteudig begrüße». An den Erfolgen, die bisher erzielt wurden, ist sie in erster Linie mit betheiligt. Daß ihr dafür in den offiziö- sen Kundgebungen kein Dank geworden ist, wird Nieman- den verwundert haben. Aber der Umschwung der Meinun- gen hat nicht so sehr zu dem sozialpolitischen Programm deS Zentrums hin, sondern vielfach bereits weit über dasselbe hinausgeführt. AuS der Periode des GehenlassenS sind wir in eine Periode der Verstaat- lichung hineingerathen. So völlig ist die Situation ver- schoben, daß dieselbe Partei, welche zuerst ein Eingreifen der staatlichen Gesetzgebung in sozialpolitischer Absicht verlangte, nunmehr wiederholt bedacht sein mußte, die berechtigte Freiheit gegen drohende Uebergriffe der Staatsgewalt zuschützen. Und die Aufgabe, die ihr damit zufällt, ist west schwieriger als die frühere. Denn schon wächst eine neue Generatio» heran, welche den Liberalismus nur au« den Verheerungen kennt, die er auf allen Gebieten de» Landes angerichtet hat, und in überwallendem Zorne allzuschnell bereit scheint, der anSUngeheuregesteigertenstaatlichenKom- petenzauchdie nothwendigen Freiheiten auszuliefern, für welche die Väter mit ihrem vollen Sein eingetreten sind. Wie die CentrumSfraktion zuvor gegen den schrankenlosen Individualismus Front gemacht hat, m u ß s i e si ch nunmehr staatSsozialisti« schen Bestrebungen entgegenstellen, und dieß um so allseitiger und nachhaltiger, als das neue falsche Extrem mit der propagandistischen Kraft einer aufsteigen- den Bewegung unter un» auftritt." So Freiherr von Hertling, der konservativsten Einer in der CentrumSfraktion! DaS ist eine ganz andere Sprache, wie früher,— nur „Gnädiger Herr, davon erlaßt Ihr mir wohl zu sprechen," erwiderte der Baron ernst. Der Dauphin drückte ihm die Hand und Beide schieden als Freunde. � � Als Mont Aynard durch die Straße Chalemont nach dem Thore zurückritt. wo seine Leute auf ihn warteten, kam ihm vom Ufer der Jssre, wohin fich die Redengärten zogen, ein stattlicher Herr entgegen, der in seiner Leibesstärke fast den Weg beengte. Beide grüßten fich schweigend: Mont Annard mit ruhiger Würde, der Andere mit einem stolzm und feindseligen Blicke. Es war der Schatzmeister des DauphinS, Herr von Fueigny. 4. In dem Eisenhammer von Oisan war eine Tbätigkeit wie man ste lange nicht gesehen hatte. Der Widerschein des Hochofens an den Bergen ließ stch bei Nacht weithin er- kennen, der Waldstrom, der die Räder trieb, war eine Zeitlang vom Froste gehemmt gewesen, nun aber frei, als seien die Naturkräfte mit dem alten Royan im Bunde, um ihn bei der thatsächlichen Bekundung seiner Eigenthumsrechte zu unter- stützen. Er selbst war so rüstig, wie ihn die Knecht- lange nicht gesehen hatten: daS Feuer des Frischheerdes, die Eluth der Elsenstangen schienen ihn gar nicht anzufechten; oft handhabte er selbst den Echrothammer und seine Muskeln zuckten kaum unter den Schlägen des Getriebes, die auf sein Werkzeua niederkrachten, das Stadeisen zu theilen. Nicht blos den Hammerleuten fiel es auf, daß Meister Royan, bei dem in den letzten Jahren das Alter merklich angeklopft hatte, wieder ganz frisch geworden war. sondern S-'.'L S. Ä« fich ein Geräusch hören Itesi"' bet 2�Ure winkend, wo datz sie nicht kärger anhält, als der Wind von Rom in dieser Richtung bläst. Jnter fsant übrigens ist das Geständniß des edlen Frei- Herrn, daß Fürst Bismarck, indem er erst die Ziele des CentrumS muanstrebte, weit über dieselben hinausgegangen sei und daS Centrum mit fortgerissen habe. Sonach wäre Fürst Bismarck doch noch früher aufgestanden als Dr. Wmdt- Horst. Man kann gespannt sein auf die Haltung des Centrums im nächsten Reichstage, wie sie sich gestalten wird, ehe Contreordre von Rom kommt. Der CentrumSaufruf. resp. Dr. Windthorst droht mit Opposition in der M i l i t ä r f r a g e, Dr. L i e b e r mit giündlicher Opposition in der Sozialistengesetz- Angelegenheit und Freiherr von Hertlrng in den S o z l a l r e sorm-Fragen. Emigt der preußische Staat ficht nicht mit Rom, so mögen diese Drohungen sich erfüllen, beugt sich aber der Staat vor Rom, so beugen sich wiederum die Centrums- Männer, die„Handlanger von Rom", tief unterwürfig vor dem Staate. Man kann also bis jetzt, ehe der„Kulturkampf" völlig entschieden ist, nicht viel auf die Deklamationen der Herren vom Centrum geben. Der englische VerfajjungsKoufliKt, wie man mitunter den Konflikt zwischen dem Hause der Lords 0' ergriff keck ihre weiße Hand und hielt fie trotz alles Sträuben� fest, all'(seine guten Porsätze eines bescheidenen Betrage»' vergessend. Da riß dem jungen Hammerschmidt die Geduld, er wP des Falkners Arm und zog ihn nicht eben schonend von vr» Mädchen ab, das jetzt nicht ging, sondern den Streit,»g um sie auszubrechen drohte— denn der Falkner legte zow i» die Hand an den Dolch— mit raschem Einsvruch zu schlick'� suchte. „Ich bitte Euch— haltet Frieden!" rief fie mit<»>.. Entschievendeit, welche den Falkner von Neuem übrnai® Laute Stimmen ließen sich in demselben Augenblick hol und durch die schnell aufgerissene Tbüre traten zwei Herren ein, wie ihre kostbar verbrämte Kleidung, das av" gehenk und die golvnen Sporen verriethen.„Bin ich auf Dich zu warten?" herrschte der Schlankere von B«' dem Falkner zu, der fich tief verbeugte.„Laß Dein B» jetzt, rch will keine von Deinen Reverenzen, verstehst D«y„j „Ist das Mont Aynard?" fragte Nikolette— wie sie � jüngere Royan genannt hatte— rasch und heimlich iOr*» n(Ii geblichen Vetter, während die Hausfrau die beiden Gäste, die so unerwartet in ihre Stube gebrochen waren- einiger Verwunderung willkommen hieß.,,..A«- „Mont Aynard? Wo dentt Ihr hin!" entgegnete m fragte eben so heimlich.__„w* Der Blick der Fremden hatte die reizende 8»%� unterdessen gefunden und hing mit unverkennbarem � gefallen an ihr.„Kennt Ihr mich?" fragte er, n* nähernd. stck. „Ich habe nicht die Ehre!" sagte das Mädchen, oh" � wie er gehofft, durch seinen Glanz imvonirt zu scigr», Worte sowohl, als die wohlklingende Stimme und der i � artige Accent, mit welchem fie sprach, machten crnen°$ Eindruck sowohl auf den Herrn, der sie angeredet va' 5flj auch auf seinen Begleiter, der die Augen weit aufriß« Mädchen anstarrte. t«Alfl»? „Ihr seid nicht auS Dauphins!" rief der® M und sah ihr tief in die dunkelolauen Sterne, m" nicht vor seinem Blicke senkten, sondern ihn sto's J jiiifi' zublitzen strebten.„Gesteht eS mir, Ihr seid_»u« �>�0- des alten rebellischen Hüttenn.anneS Enkelrn, wie wir m Hund dort aufschwatzen will"— dabei schlug er de»« pw Crespin scherzend, aber darum nicht weniger schmerzv der Reitgerte.— Kortsetzung folgst) W ersten Nachrichten erwarten ließen. Kantreadmiral LeS- M M bereits seit mehr als zehn Tagen bemüht, die Chinesen schien befestigten Positionen in der Umgegend von Tan-schui �"«treiben. Am meisten Schwierigleiten bereitet, wie bereits Maphisch»ignalistrt worden, die Torvedokette, welche den Mn von Tan-schui schützt. Ein französischer Schiffslieutenant, N stch erboten hatte, in Gemeinschaft mit fünf Mann diese Medokette zu rekognosziren, wurde ebenso wie seine Begleiter »n der Ausführung dieses Unternehmens getödtet. Hierzu kommt [S daß zahlreiche chinesische Infanterie, welche den Kopf- Mt der Torpedokette am Lande inne hat. sich im Dickicht ver- Än hält, so daß die Vertreibung dieser Truppen einen großen M'vand französischer Streitkräfte erfordern würde. Nun Mgt Admiral Lespös aber blos über drei Kompagnien Sftdungstnrppen, während der Hafen von Tan-schui nur die Maherung von Schiffen mit geringem Tiesgange gestattet. �mach wird es anscheinend noch längere Zeit dauern, ehe W�nch sich thatsächlich im Besitze des„Pfandes" für die ?n China geforderte Kriegskostenentschädigung besindet. Man Mnn denn auch an, daß der Oberstkommandirende, Admiral «mrbet, eines weit stärkeren Landungskorps bedarf, als ihm icklich zur Verfügung steht, zumal ein Theil der fran- Mchen Erpeditionstrupoen durch die Vertbeidigung Kelungs, ? anderen olkupirten Punktes auf der Insel Formosa, in .Wruch genommen ist. Um aber zu verhüten, daß die .Mesen in den an der Westküste der Insel gelegenen Häfen Ira und Tbai-wan Munition und Trupocn landen, hat •ural Courhet, wie nunmehr bekannt wird, den Blokade- und über diese beiden Häfen verhängt. Thai-wan liegt nicht unmittelbar am Meere, ist jedoch mit dem wenige «nomeicr entfernten Au-ying durch einen Kanal verbunden. -thai-wan haben die Chinesen im Jahre 1876 ein sehr Fort, unter der Leitung von Europäern erbaut; auch Hasen ist mit modernen Befestigungen versehen. Wahtbewegung. IN«errrn uno zwar: itn d. Waytllerie rn Thormann's i ,[ ac, Belfortelstraße; im 4. Wahlkreise in Sanssouci, Kott- i �süoße; im 3 Wahlkreise in Nieft's Salon, Komman- �ier große Wählerversammlungen tagten am Montag .»end m Berlin und zwar: im 6. Wahlkreise in IT kw":..........' S��ßraße, und im 5. Wahlkreis im Restaurant Rübsam, �bergerstcaße. Sämmtliche Versammlungen wurden auf ™ des Sozialistengesetzes aufgelöst. die Im � die Ungleichheit der ReichStagswahlkreise stellt 1�.."Weser Zeitung" folgende Betrachtungen an: Im Durch- 2v W, entfallen auf jeden deutschen Reichstagswahlkreis .�2 Wähler nach den Wahllisten von 1881. An der Wahl- d,„??'niheilung ist in Norddeutschland feit 1867 und in Süd- tzMchland feit 1871 nichts geändert. Seitdem sind aber die lisbr wichtig angewachsen, und relativ hat die Beoölkerunqs- auf dem platten Lande etwas abgenommen. Da- »etilt � aber eine Verschiebung des Wahlrechts ein- welche in schroffem Gegensatze steht zu der von den ii,""°nären meist beliebten Insinuation, daß das platte Land chstage zu kurz komme. Die Bevölkerung des platten tu;?®, ist ohnehin fast doppelt fo stark wie die der Slävte- ».."dieö haben oft 50 000 städtische Wähler einen Abgeord- !«i* haben wie die Städter. Ganz desond« ZUt/'lf Zeigt sich dies in Berlin, das jetzt 285! ich»?.« hat, aber nur sechs Abgeordnete wählt. Im Durch- Ä ä! entfallen also auf jeden Kandidaten 47 603 Wähler. Li Jlä Hinterpommcrn(der Regierungsbezirk Köslin) jxusiinf Abgeordnete und nur 100 710 Wähler, also auf L.' Abgeordneten nur 25 142 Wähler. Der Hinterpommer «ck 1; Jast das doppelte Wahlrecht wie der Berliner. Aehn- u, Berlin ergeht es Hamburg, Elberfeld-Barmen, Breslau -»?er Reihe größerer Städte. von% Vh** Recht für Alle! In Neuhaldensleben hielt Herr iün, U?rckcndeck eine Wahlrede und wurde über seine Stellung i>eni Z�sallstengeseye interpellirt. Herr v. F. erklärte, nach der„Magdeb. Ztg.", daß er zwar jetzt für die "us u �.bteses Gesetzes gestimmt habe, aber eine Rückkehr halt.„-Weg des gemeinen Rechts anzustreben für geboten n u v® 1 ne bestimmte Verpflichtung indeß müffe bi°s jMen wie in allen anderen Fragen ablehnen.— Es ist b-t ,avt,gens bereits der dritte„deulschfreifinnige" Kandidat, ilicki'?vn Bambergers an Richter gegebenes Versprechen,„es bh.wieder thun zu wollen", Lügen straft!— Und dock haben iiecki.�"..Freisinnigen den Much, die Forderung:„Gleiches a™ Alle" an die Spitze ihres Programms zu stellen. R,i5?l#ohl in Elberfeld-Barmen wie auch in Lennep- � Xj, 5"" ist— wie die ultramontane„Germania" schreibt llitz i'ivage, ob ch diesen Wahlkreisen die Zentrumspartei be- Cn. Mahlgänge für den Kandidaten der Deutsch- blir eintreten soll, schon eingehend erwogen worden. �oler c,?,, M�hlkreis Lenncp-Mcttmann ist, laut dem„Wupper- !' nuf den 20. d. eine Versammlung der Vertrauens- W,.,/"siberaumt, in der man sich über diese Frage schlüssig Sthtoj l�rh; In Elberfeld-Barmen macht noch ein Umstand Mm!:*_• ,.' hvr auswärts weniger bekannt ist: man glaubt [«m siisne,�' daß die Fortschrittspartei in die- «tu ifi"i)'l r eis c in den letzten Jahrensode- ?Ucb v 5." Terrain verloren habe, daß ihr vin-� n- Unterstützung der Zentrumspartei A" Erfolg verschaffen könne. N'hri�,, wird der„Franks. Ztg." unterm 10. Okt. Hiensi m, n'el.e Gendarmerie hatte heute Abend schweren �kanntlich war die auf heute Abend von sozialdemo- Nvorsm»�'/ die Zentralsäle einberufene allgemeine Wäh- �ütbr""'"ng polizeilich verboten worden. In den„Neuesten !lne liei,» ni P nun aber heute Nachmittag die Notiz, daß rla2'.,nlunß' ebenfalls auf heute Abend und mit uMaL.'••ul Cl I ä bW>----- f... r.i Chi K U'ch bjn'n t0* Referenten, einberufen sei. In Folge dessen Ae iz. heute Abend der Häuserblock, in welchem die Zentral- �ellai, ungefähr dem Schloß zu Skiernievice während der �es � Zusammenkunft; wohin man sah, blinkte die Helmspitze i'�eritliw�h�erer Gendarmen im Mondenscheine, sogar zwei �ssen* waren mobil gemacht- Der ganze Aufwand war S0* dem»..%"I?1'0' Reinere Gruppen von Arbeitern, die sich Nd wil oetf*Ioffencn Lokale bilveten, zerstreuten sich als- » /chen Nächste Woche soll Herr Grillenberger hier Ue"""d am künftigen Sonnabend endlich die große„libe- �aten iu�?lung statlstnden. in welcher die Kompromißkan- Programm entwickeln wollen. M o K» l k& SU.I Arbeiter Krüger in Nieder- Tagen eine Haussuchung ab- ....---- chsuchung wurde in der Woh- — in einem Jacquet— ein Paar N. Wahiflugblätter. ess« der Rache aus Mcinungsverschiedenherten -ahl wurde gestern Abend zwischen 7 und 8 Uhr �tiiarbcitpr snurWm 36. &*kL____ Kr s% h i*>'■ Ei« MaHlffugblätter. Ool 3en uns Äonn�n Arbeitern überfallen und derartrg Ar i»!»Ä% SäüJBs ####, Der Berichterstatter Alwin Böhme hatte gegen seine polizeiliche Ausweisung remonstcirt. Das königliche Bezirks- Verwaltungsgericht der Stadt Berlin, vor welchem in dieser Sache gestern Termin anstand, erklärte sich in derselben für inkompetent und legte dem Böhme die Kosten des Versah- rens auf. a. Ein nettes Pärchen. Ein mehrfach wegen Diebstahls vorbestrafier„Arbeiter" und eine wegen Hehlerei vorbestrafte Wittwe, bei welcher der Arbeiter bisher gewohnt hat, sind von der Kriminalpolizei unter dem Verdachte mehrfacher Diebstähle resp. der Hehlerei festgenommen und gestern der Staatsanwalt- schast vorgeführt worden. Nach der Angabe eines Hausbe- wobners hat der Arbeiter häusig größere Quantitäten von Kleidungsstücken, Gebrauchsgegenständen und Eßwaaren nach Hause gebracht, welche höchst wahrscheinlich aus Diebstählen herrühren. So brachte er im September unter Anderem nach Haute ein Paquet mit Fensterledern, Anfang d. M brachte er eine Mulde mit 15 Pfund Fleisch, einen Korb mit 45 Eiern und eine Kiste mit Bücklingen Die Bücklinge sind beschlag- nahmt und besinden sich auf dem Kriminalkommiffariat. Die Eigenthümer sämmtlicher angeführten Sachen find noch nicht ermittelt. Ueberfall. Der in der Büxenstein'schen Buchdruckerei beschäftigte Schriftsetzer H. wurde, wie der„B. B. C." be- richtet, in der Nacht zum«Sonntag auf dem Wege nach seiner Wohnung vor einem Hause der Prinzesstnnenstraße von drei Strolchen überfallen und zu Boden geschlagen, die sich dann in das Haus flüchteten und es hinter sich verschloffen. Trotz- dem von der Revierwache aus die Anordnung erging, das Haus zu öffnen und abzusuchen, gelang es nicht, die brutalen, dem Uederfallenen ftemden Menschen zu ermitteln. Der Um- stand aber, daß man sie nicht auf Flur und Treppen fand, ließ den Schluß zu, daß sie irgendwo im Hause einen Schlupf- Winkel haben- Um so wahrscheinlicher dürfte daher doch ihre schließliche Ermittelung sein- a. Eine unangenehme Reisegefährtin. Zu einem jungen Mäochen, welches am 11. d.M., Vormittags im Warte- saal IV. Klasse des Anhalter Bahnhofes sich aufhielt, um mit dem nächsten Personenzug nach Naumburg a. S. zu fahren, gesellte sich eine Frau im Alter von 30 Jahren, welche vorgab, dasselbe Reiseziel zu haben, mit dem Mäochen sich lebhaft unter- hielt und als die Zeit des Abganges des Zuges heranrückte, sich erbot für das mit vielem Gepäck versehene Mädchen das Billet zu lösen. Das Mädchen übergab der Fran zu diesem Zwecke 11 M., und die Frau entfernte sich mit dem Gelde ohne wiederzukehren. Die noch nicht ermittelte Frau hat dunkel- blonde Haare, eingefallene Backen und war mit dunklem und anschließendem Paletot, grauem Rock und schwarzem Kopftuch bekleidet. Unter dem Verdacht, einem Kinde von etwa sieben Jahren Gewall angethan zu haben, ist vorgestern Abend ein Kaufmann in der Ocanienstraße verhaftet worden. Das kleine Mädchen war, wie das„B. T." meldet, von seiner gegenüber wohnen- den Mutter in den Laden des betreffenden Kaufmanns geschickt, um dort eine Kleinigkeit einzukaufen. Da das Kind ungcwöhn- lich lange ausgeblieben war, wurde es bei seiner Heimkehr von den Eltern über das lange Verweilen streng zur Rede gestellt und machte nun Mitlheilung von dem an ihm begangenen Verbrechen, welches durch die Untersuchung eines sofort hinzu- gezogenen Arztes bestätigt wurde. Die hiervon in Kenntniß ge- setzte Polizei bewirkte die Verhaftung des angeschuldigten Mannes. g. Der unversteuerte„Mollh". Sehr theuer kam einem in der Kleinen Stralauerstraße wohnenden Restaurateur seine „Hundcfreundlichkeit" zu stehen. Der Restaurateur hatte einen Hund, Namens„Molly", den er nicht versteuerte, angeblich, weil der Hund ihm zugelaufen war und stets wieder zurück- kehrte, wenn der Restaurateur ibn aus dem Hause gejagt hatte. Nichtsdestoweniger wurde der Restaurateur wegen Steuerkon- travention belangt und da Zeugen aussagten, daß der„Molly" stets als der Hund des Restaurateu-s galt, auch festgestellt wurde, daß er den„Molly" bereits einmal„vom Schinder" eingelöst hatte, zu der einfachen Steuer als Strafe verurtheilt. Die gegen das Urtheil des erstinstanzlichen Gerichts erhobene Berufung ist nunmehr erfolglos ausgefallen. Dem Restaura- teur tostet der— übrigens inzwischen verstorbene— Molly einschließlich der Gerichtskosten bereits 87 Mk- g. Angehende Kneipgenies. Der Kaufmann B- in der Chorinerstraße hatte schon seit einiger Zeit einen, wenn auch nickt bedeutenden Abgang an dem im Keller unterm Laden befindlichen Flaschenbieroorrath bemerkt, ohne die Urheber dieses Mankos ermitteln zu können. Am letzten Freitag Abend wurde er nun von einem Kunden darauf aufmerksam gemacht, daß sich soeben ein kleiner Knabe aus dem Kellerfenster ge- zwängt habe und mit zwei erwachsenen Burschen davonlaufe. Der Kaufmann nahm sofort mit seinem Kommis die Ver- folgung der muthmaßlichen Bierdiebe aus und Letzterem gelang es denn auch, die beiden Burschen auf dem Boden eines nahe belegenen Hauses zu erwischen, wohin sie sich geflüchtet hatten. Die beiden Taugenichse wurden von dem Kommis zu dem Kaufmann B. gebracht, und hier, in ein strenges Verhör ge- nommen, machten sie denn das Äeständniß, daß sie den ge- dachten kleinen Knaben zu den Diebstählen verleitet hätten, weil dieser leichter durch das Kellerfenster gelangen konnte. Das Bier haben die Bengels dann auf dem Boden, wo sie ergriffen wurden, ausgetrunken und die leeren Flaschen in eine Tonne gestellt, wo fie auch aufgefunden wurden. Das reue- volle Geständniß veranlaßte den, wie gesagt, nicht nennens- werth geschädigten Kaufmann, die ca. 12jährigen Burschen nach einer tüchtigen Tracht Prügel laufen zu lassen. Groß Feuer wurde gestern Abend 8'/» Uhr von Schöne- berg gemeldet und standen bei Ankunft der Berliner Feuer- wehr das Depot und die Stallungen der Großen Berliner Pferdebahn in hellen Flammen. Ueber die Entstchungsursache sowie über den angerichteten Schaden können wir heute nichts berichten, da bei Schluß unseres Blattes das Feuer noch nicht gelöscht war. Das Alhambratheater war am Sonntag schon lange vor Beginn der Vorstellung total ausverkauft. Die Darsteller der lustigen Posse„Das Milchmävchen von Schöneberg" wurden mit Beifall überschüttet Am Montag war das Haus ebenfalls bis auf den letzten Platz gefüllt- Das mit so großer Spannung erwartete Drama„Der Vampyr" nach dem gleichnamigen Roman aus dem„Berliner Lokal- Anzeiger" von Alfred Seefeld und Karl Wegel bearbeitet, findet in den nächsten Tagen im Ostendtheater statt. Polizeibcricht. Am 13. b. Mts., Vormittags, entstand in der Mulackftroße zwischen mehreren Personen eine Scklägerei, bei welcher der Stellmacher Lindenbcrg mittelst eines Taschen- messers einen Stich in den Kopf erhielt, so daß er sich in ärzt- liebe Behandlung begeben mußte. Der Thäter wurde ver- baftet.— An demselben Tage, Nachmittags, war ein dem Namen nach unbekannter, etwa 40 Jahre alter Mann im Hause Leipziger-Platz Nr. 15 mit dem Reinigen einer Palme beschäftigt. Er siel dabei von der Leiter und brach den linken Unterarm. Der Verunglückte wurde nach Bethanien gebracht, weigerte sich jedoch auch hier, seinen Namen zu nennen.— Um dieselbe Zeit wurde im Neuen See im Thiergarten vre Leiche einer 60 Jahre alten Frau aufgefunden und nach dem Obduktionshause gebracht.— An demselben Tage, Abends, verstarb der Gas- und Wasserrohrleger Winter, Wasserthor- straße 61, während der Fahrt in einer Droschke plötzlich am Schlagfluß. Die Leiche wurde durch den Droschkenkutscher zur Wache des 42. Polizei- Reviers gebracht und später den An- gehörigen übergeben. Gerichts-Leitung. Eine erst auf Beschluß des Kammergerichts eingo» leitete Anklage wegen fahrlässiger Tädtung gelangte heute gegen den Bierkutscher Pense vor ver vierten Straf- kammer hiesigen Landgerichts I. zur Verhandlung. Der An- geklagte kam am frühen Morgen des 7. Oktober v. I. die Swinemllnderstraße heruntergefahren, während von der ent« gegengesetzten Seite, und zwar aus dem linken Fahrdamm, die Handelsfrau Jung mit einem mit zwei Hunden bespannten Fuhrwerk nach dem Arkonaplatz zu fuhr. Dicht an dem Platze bog Frau Jung links aus; der rechte Hund wurde aber durch einen Schlag des linken Pferdes des Angeklagten sofort ge- tödtet und im selben Augenblick Frau Jung zu Boden ge- rissen. Der Angeklagte vermochte seinen im starken Hinab- rollen begriffenen Wagen nicht sofort zum Stehen zu bringen, und beide Räder gingen über die Schenkel der am Boden liegenden Frau hinweg. Dieselbe wurde, schwer verletzt, nach dem nächsten Polizeibureau und demnächst nach dem kath. Krankenhause gebracht, wo sie am 25. Februar cr. in Folge ein- getretener Blutvergistung verstarb. Da nach den Aussagen einiger Augenzeugen der Unglücksfall durch ein Wildwerden der Hunde, welche direkt in den Wagen des Angeklagten hin- einliefen, verursacht worden ist lehnte Staatsanwaltschaft und Oberstaatsanwaltschaft ein Einschreiten gegen den Angeklagten ab. Auf die Beschwerde des Ehemanns der Verunglückten, der noch andere Zeugen genannte, welche ein für den Angeklagten ungünstigeres Bild von seiner Schuld gewonnen hatten, ordnete das Kammergericht die Einleitung des Vcrfuhrens an- Nach Vernehmung der Zeugen und Sachverständigen beantragte der Staatsanwalt 1 Monat Gefängniß, der Gerichtshof aber folgte der Auffassung des Vertheidigers Rechtsanwalts Munkel, daß hier ein unglückliches Zusammentreffen vorliege und erkannte auf Freisprechung des Angeklagten. Eine Anklage wegen Wuchers gelangte heute gegen den Handelsmann Hermann Döring vor der zweiten Straf« kammer hiesigen Landgerichts I zur Verhandlung. Der vor einiger Zeit verstorbene Handelsmann Wehr wandte sich an- fangs des Jahres 1881 an den Angeklagten um ein Darlehn von 100 Mark und erhielt solches gegen Akzeptirung eines Wechsels und einer Zinsvergütung von 10 Mark. Nach der Bekundung der Wittwe Wehr habe ihr verstorbener Mann all- vierteljäbriich 10 Mark Zinsen, im Ganzen etwa 120 Äk. gezahlt Es sei dem Angeklagten auch mitgetheilt worden, daß die Zinsen nicht mehr aufgebracht werden können, da die höchste Noth bei Wehr eingerissen sei. Nach dem Tode des Wehr machte der Angeklagte gegen die Nachlaßmaffe seine Wechsel- forderung geltend, und brachte darauf der Vormund der Wehr'schen Kinder, der Tischlermeister Schwindle, die An- zeige wegen Wuchers an. Der Angeklagte stellte entschieden in Abrede, daß er sich 40 pCt. Zinsen bedungen und erhalten habe. Im Ganzen seien 20 M. gezahlt, wovon 10 M. von dem Kapital abgerechnet worden find. Schwindle bekundet, daß der verstorbene Wehr ihm mitgetheilt, er habe beim An- geklagten schon 120 M. Zinsen bezahlt und könne nun weder Kapital noch Zinsen erschwingen. Der Gerichtshof schenkte mit dem Staatsanwalt der Zeugin Wehr, deren Aussage auch durch Schwindle unterstützt wurde, vollen Glauben und ver- urtheilte daher den Angeklagten wegen qualifizirten Wuchers zu drei Monaten Gefängniß, 1 Jahr Ehrverlust und 50 M- event- noch 5 Tagen Gefängniß. ArbeüerbeMgMg, unü WersAMMwuM. Aufruf an alle Fabrikarbeiter, sowie an die Mit» glieder der Allg. Fabrikarbetter-Kranken-, Sterbe- und UnterstützungSkasse. Kollegen! Mit Ablauf dieses MonatS (Oktober) läuft auch die Frist ab, welche Euch gestaltet, ohne Unterschied des Alters und ohne ärztliche Untersuchung in die neue zentralisirte Kranken- und Sterde-Kasse der Fabrikarbester und Arbeiterinnen(E- H.-K.) überzutreten. Kollegen, versäumt es nicht! Die Frist ist nur noch eine kurze, Eure Beitritts- crklärung an die unterzeichnete Kommission einzusenden. Auch diejenigen Herren bitten wir, welche noch im Besitz von Bei- triltslisten find, dieselben schleunigst einzusenden, da hoffentlich schon nächste Woche die neue Kasse ins Leben tritt. Versäume Keiner seine Pflicht, wer ein Interesse an der Sache, wer ein Interesse an seinem materiellen Wohle hat. Im Auftrage der Statnten-Kommisston: R. Denzig, Zossenerstr. 36, Wernieke, Adalbertstr. 75, O. Völkel, Wrangelstr. 98, H. Spiller, Zeug- hofstr. 8 Alle arbeiterfreundlichen Blätter bittet um Abdruck vorstehende Kommission. Die im Caf<- Sanssouci stattgehabte Versammlung von Wählern des vierten Berliner Reichstags-Wahl» kreiseS, in der der Arbeiter-Kandidat, Stadtverordneter Paul Singer eine sehr bemerkenswerthe Rede hielt, wurde nach dreivicrtelstündiger Dauer polizeilich aufgelöst. Der Andrang zu dieser Versammlung war ein solch' immenser, daß das große Lokal in allen seinen Theilen Kopf an Kopf gefüllt war und eine sehr zahlreiche Menschenmenge keinen Einlaß mehr fand. Stadtv. Singer, mit stürmischem Beifall begrüßt, äußerte sich etwa folgendermaßen: Den nächsten Reichstag wird u. A. das Militär-Scptennat beschäftigen, dasselbe wird selbstverständlich von den Abgeordneten unserer Partei umsomehr abzulehnen sein, da mit dem alljährlichen Gcldbewilligungsrecht für das Heer eine Reihe von Mißständen im Reichstage zur Bespre« chung gelangen können. Das Geld für Erhaltung des stehen« den Heeres scheint die Regierung hauptsächlich aus den Er« trägnissen der Zölle und indirekten Steuen nehmen zu wollen. Ich bin selbstverständlich ein Gegner d er indirekten Steuern, die hauptsächlich auf die ärmeren Klassen fallen. Dagegen bin ich für eine hohe Börsensteuer. Wenn man unserer Partei den Vorwurf macht, daß sie im Reichstage nur neairt, so be« merke ich, daß unsere Partei für die Aktien-Gesetz-Novelle, wie fie von der Regierung vorgelegt worden, gestimmt hat. In der- selben Weise werden wir auch der Vorlage der Regierung be- züglich der Besteuerung spekulativer Geschäfte an der Börse zu- stimmen.(Ledhafter Beifall.) Die Dampfersubventionsvorlage, die den letzten Reichstag beschäftigt hat, hat mich durchaus sympathisch berührt. Ich bin im Prinzip der Anficht, daß ebenso wie daS Verkehrswesen auf dem Lande auch das Verkehrswesen auf der See verstaatlicht werden muß. Wenn dies geschehen sein wird, dann wild das Auswanderungsgeschäft aufhören, einzel- nen Privat Unternehmern oder Privatgesellschaften als melkende Kuh zu dienen und die vielen schrecklichen Klagen der Aus- wanderer über zu großes Zusammenpferchen der Menschen auf den Schiffen, schlechte Verpflegung«. werden verstummen. Es ist ferner zu erwägen, daß durch Vermehrung von Postdamofern der Verlehr mit fremden Welttheilen in hohem Maße gefördert und somit der Civilisation sehr wesent- lich Vorschub geleistet wird. Die Liberalen haben deshalb auch keine Ursache gehabt, über diese Vorlage der Regierung ein so großes Geschrei zu machen. Es wäre zu wünschen, wenn diese Herren in anderen Dingen dieselbe Energie entwickelten.(Leb- hafter Beifall.) Der von der Regierung und den Konservativen geplanten Kolonialpolitik stehe ich kühl bis ins Herz hinein ■m mbeitstag schaffen und die industrielle Frauen- und Kinder- arbeit beschränken, damit die Existenz des Arbeiters im Vaterlande eine beffere werde, dann wird es nickt nothwendig sein, das Auswanderungswesen zu befördern.(Lebhafter Bei- fall.) Meine Herren, unsere Partei ist eine viel zu ziclbewuffte, um nicht zu erkennen, daß es auch noch eine Reihe anderer wirthschaftlicher Fragen giedt, denen wir unsere Aufmerksamkeit werden zuwenden muffen. Diese wirthschaftlichen Fragen zu fördern wird im nächsten Reichstage eine ganz besondere Auf- gäbe der Bertrcter der Arbeiter sein... Polizeioffizier: Auf Grund des§ 9 des Gesetzes vom 21. Oktober 1878 erkläre ick die Versammlung für aufgelöst und fordere die Anwesenden auf, fich zu entfernen. Unter unaufhörlichen Hochrufen auf Singer, leerte fich langsam der Saal. Als Singer aus dem Lokale trat, wurde ihm eine förmliche Ovation zu Theil. Wohl eine Viertelstunde dauerte es, ehe die Hochrufe auf der Straffe verstummten und die Ansammlungen fich zerstreuten. Eine groffe Anzahl von Schutzleuten war gleich, nachdem die Auflösung erfolgt, in den Saal geeilt. Die vom Wahlverein der deutsch-freistnnigen Partei des vierten Berliner Reichstagswahltreises zum Montag Abend nocy dem Etabliffement Ostend(Ri'dersdorferstr. 45) einberufene Wählerversammlung nahm durc die Anwesenheit vieler Gegner einen sehr stürmischen Ver! uf und wurde schließlich, nachdem fie bis 12 Uhr Nachts gedauert hatte, poli- zeilich aufgelöst. Redakteur Dr. N a t h a n s o n sprach des Längeren über:„Reaktion, Reform und Revo- l u t i o n". Seine fast zweistündige Rede wurde oftmals durch Beifall, heftigen Tumult, Zwischenrufe:c. gestört.— An den Vortiag schloff fich eine längere Diskusfion, in der zunächst Arbeiter Schlidemann das Wort nahm. Dieser wandte fich gegen die Ausführungen des Vortragenden und bemerkte: In der Stadtverordneten-Versammlung mußte erst der Stadtv. Singer die Herren von der liberalen Partei belehrm, daß die Lbdachelosen auch im Sommer Hunger haben. In einem Flugblatt der Fortschrittspartei wird nur daS gleiche und nicht das geheime Wahlrecht verlangt. Die Fottschriltspartei hat die demokratischen Prinzipien stets verleugnet. Die Ardeiter werden wissen, wem fie ihre Stimme zu geben haben.(Stürmischer Beifall und Lärm.)— Penfionirtcr Wachtmeister Raab: Die Fortschrittspartei ist stets für das gleiche Recht eingetreten und zur Ehre der Menschheit muff ich es sagen, daß es noch Leute giebt, die bemüht find, die Stöcker'sche Bewegung todt zu machen.(Beifall und Unruhe.) Im Fahre 1379 habe ich das versucht, indem ich drei Eingaben höheren Orts gemacht habe.(Beifall und Gelächter.) Vor den„deutschen Hieben", mit denen uns die Antisemiten gedroht haben, fürchten wir uns durchaus nicht.(Beifall und Lärm)— Kaufmann D ä h n e: Ich erkläre mit Stolz, daß ick schon seit sehr langer Zeit Mit- glied der christlich-sozialen Partei bin, deren Hauplbestreben darauf gerichtet ist, vernünftige soziale Reformen zu schaffen, um dadurch die gewaltsame Revolution zu verhindern.(Ge- lächter, Beifall und Lärm.) Der Fortschrittspartei ist es zu danken, daß man jetzt bei der geringsten Lappalie die Hilfe eines Rechtsanwalts in Anspruch nehmen muff. (Rufe: Minister Leonhardt, Beifall und Lärm.)— Arbeiter P ilaenroth: Die sozialen Reformen der christlich-sozialen Partei find von denen, die die Arbeiter erstreben, von Grund aus verschieden. Wir verlangen zunächst gleiches Reckt für Federmann und fragen nicht erst, welcher politischen Partei- richtung, oder welcher Konfesfion Jemand angehört. Aber auch die deutsch-freifinnige Partei hat im Uebrigen bei der Ab- stimmung über das Sozialistengesetz bewiesen, daß fie das gleiche Recht für Jedermann nur im Munde führt und wohl auch in ihr Programm aufgenommen hat. aber rn der Praxis keineswegs deldätigt.(Beifall und Widerspruch.) Mit der Theflung des EigenchumS und der Vernichtung der Ehe, die nach den Behariplungen des Herrn Vortragenden eine gewisse Partei anstreben soll, kann man die Arbeiter nicht mehr graulich machen. Die Arbeiter lassen fich nicht mehr irre machen, weder von Herrn Stöcker, noch von Herrn Engen Richter. Die Arbeiter haben erkannt, daß ihre Lage nur eine bessere werden kann, wenn sie selbstständig vorgeben. Von diesem Vorgehen werden Sie am Abend des 28. Oktober Kenntniff erhalten.(Stürmischer Beifall und Widerspruch.)— Arbeiter Echnürlein: Herr Eugen Richter hat fich nicht gescheut, die Arbeitcr-Fachvereine als sozialdcmo- kratiscke zu denunziren. Alle diese Anfeindungen werden nicht das Mindeste nützen: wir halten fest an unserm Kandidaten Paul Singer.< Stürmischer Beifall.) Der beaufsichtigende Polizei-Offizier erklärte nunmehr die Versammlung für aufgelöst. Unter vielfachen Hockrvfen auf Träger, v. Köller, Stöcker und Singer leerte fich der Saal. Die zwei im sechsten Berliner Reichstagewahlkreise am Montag stattgehabten Arbeiter-Bersammlungen ver fielen nach sehr kurzer Dauer dem Schicksal polizeilicher Auf- lösung. In der in„Thormanns Cafino" Belforterstraße 15) stattgehabten, sehr zahlreich besuchten Wählerversammlung hatte Schriftsetzer Kunkel den Vortrag des Abends übernommen. Als dieser gleich bei Beginn seiner Rede bemerkte: Der Führer der deutsch-freistnnigen Pattei thut alles mögliche, da- mit uns das Großkapital wie eine Citrone auspressen kann, erklärte der Polizei Offizier die Versammlung für aufgelöst. Dasselbe Schicksal widerfuhr der zu gleicher Zeit im Börsen- saale des alten Viehhofes(Brunnenstraffe) stattgehabten, sehr zahlreich besuchten Versammlung des Arbeiterbezirksvereins der Roscnthaler Vorstadt. In dieser hielt Schriftsteller Dr. Heu- mann einen Vortrag über:„Die Bauernkriege." Als der Vorwagende äußert: Das Austreten Güntei's gegen die Ausbeutung des Volkes seitens des Adels und der Geist- lichkeit, gleicht dem Vorgehen der jetzigen Arbetter gegen die Ausbeutung des Groß Kapitals, da erklärte der beauffichtigende Polizei-Offizier die Versammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes für aufgelöst. Die Versammellen verließen unter stürmischen Hockrufen auf Hasenclever den Saal. Nock eine dritte Wählervcrsammlung von der deutsch-frei- finigen Partei einberufen, fand am Montag Abend im sechsten Berliner Reichstagswahlkreise und zwar im„Eiskeller- Etablissement"(Chausscesw. 88) statt. Der Kandidat der deutsch-frcifinnigen Partei für diesen Wahlkreis, Landgerichts- rath Klotz erörterte in eingehender Weise vie Prinzipren der deutsch-freistnnigen Partei und erntete lebhaften Beifall. Nach Annahme einer Resolution, in welcher fich die Versammelten verpflichteten, mit allen Kräften für die Wiederwahl Klotz ein- zutreten, schloß die Versammlung. Eine öffentliche Schuhmacher-Versammlung tagte«m Montag Abend bei Gratweil's mrt der Tagesordnung: 1. Die Zcntrallassen— 2. Verschiedenes. Herr Zaßke aus Hamburg legte in sachlicher Weise die Vottheile der Zenwalkasse gegen- über den lokalen Kassen klar, und forderte alle Schuhmacher auf, derselben beizutreten. Ein nächster Redner machte noch besonders auf die Gewerkvereinskaffen aufmerksam und warnte jeden, denselben beizutreten, da hier den Arbeitern erst ein entwürdigendes politisches Glaubensbekennlniff abgefordert werde. Bei Punkt 2, Verschiedenes, kam eS zu einer lebhaften Diskusfion, besonders als Herr Klätte das alte Zenttalwerk- stellen-Projekt, es sollte eine Wohnung ungefähr für 120 Thlr. aemiethet und als Werlstelle eingerichtet werden. �.anregt; die Arbeitenden hätten eine Abgabe resp. Schlasstellengeld zu bezahlen, und Herr Klätte ist nun der Meinung, daß diese Werkstelle fich so ausbreiten werde, daß fie nicht allein genügende Arbell, sondern sogar Lieferungen wie Kanalisatronsstiefel, Sckutzmannsstiefel übernehmen werde, daß die Zentralwerkstellen-Organisation sogar mit der Regie» rung verhandeln könne, um oie Zuchthausardeit für fich in Pacht zu nehmen. Herr Thiel führte aus, daß das Alles leicht gesagt aber nicht gemacht sei, und Mittel zur Besserung des Schuhmachergewerbes sei das ebensowenig; wie könne eine derartige Werkstelle ohne jede größere Mittel auf die Länge mit der Großproduktion konkurriren. wo jetzt ja auch wieder eine Maschine erfunden sei, die in einem Tage ganze Massen Stiefel auf den Markt liefern könne. Der Vorfitzende, Herr Povke, bezeichnete den Normalarbeitstag als die einzige vor- läufige Hilfe für die Arbeiter, und um diesen zu erstreden, müssen wir uns organifiren, richtig vereinigt, können wir alles, die Millionäre haben fich ja organifirt, und wie vielmehr hat der Arbeiter Ursache dazu, und da er 92 pCt. der Bevölkerung ausmacht, so wird es ihm leicht sein, seine Forderungen durch- zuführen. Herr Kördel empfahl dm Anschluß an den Fach- verein und den Unterstützungsverein deutscher Schuhmacher. b. Der Fachverein der Schmiede, der während seines zehnwöchentlichen Bestehens bereits auf 300 Mitglieder herangewachsen ist, hielt am Montag(bei Gratweil) seine eiste ordentliche Gmeralversammlung ab. Auf den Kassenbericht, der eine Einnahme von 237,56 und eine Ausgabe von 12Ü66 Mark ergab, folgte ein Vottrag des Herrn Tobler über:„Die Unterstützung der Arbeitslosen im Verhältniß zur Lohnfrage. Der Vortragende begann mit dem Hinweise auf die Aeußerung, welche der Deputirte für Berlin, Nauwerk, im Frankfurt« Parlamente im Jahre 1348 gethan:„Wir haben die Todes« strafe abgeschafft, schaffen wir auch die Lebensstrafe ab!" Weit« theilte er mit, daß die englischen Gewerkvereine bereits Uns«' stützungslassen für Arbeitslose haben, und daß der englische Gewerkverein der Schmiede in einem Jahre an Arbeitslos 361,000 Mark gezahlt habe, während die an Kranke gezahlten Unterstützungen nur 341,000 Mark betragen haben. Die Aus' führbarkcit des Projektes bei uns betreffend, wie? er nach, da« der Fachverein bei einer Mitgliederzähl von 1000 den ictzig'" wöchentlichen Beitrag von 10 Pf. nur auf 30.Pf- erhöhen hätte, um den nach den schon vorbandet«» statistischm Erhebungen durchschnittlich 30, im Jahre w Wochen hindurch arbeitslosen Mitgliedern eine wöchentuflU Unterstützung von 18 Mark geben und dabei auch noch eine» Reservefonds ansammeln zu können. Von einer solchen Unt«' stützungskassc würden auch die Kollegen, welche nicht arbcitsw» werden, einen Gewinn haben, da der die Löhne herabdrückea- den schlechten Konkurrenz welche jetzt die arbeitslosen Kolleg« denen, die Arbeit haben, leider machen müssen, entgegmgewim sein würde, und da die Anzahl der Kranken fich verringera würde, mithin die Beiträge zur Krankenkasse herabgesetzt w«' den könntm. Mit Ausnahme eines Redners, welcher m«u« daß zu viele Arbettsscheue kommm und die Kasse ausbeul« und ruiniren würden, sprachen alle Redner, die Herren Dre®™ Fellenberg, Kreutz u. A. für das Projekt; fie fügten aber w zu, daß bei Ausführung des Projekts das Ziel eine nanoa® Unterstützungskasse sein müsse. Das Ergebrnß der DiskufM j war der Beschluß, eine Kommisston einzusetzen mu � Aufgabe, die Ausführung des Projekts vorzubereiten- 3 Mitgliedern der Kommission wurden die Herren Tobler,. witz, Junge, Fellenberg. Schüler. Pasfienski, Rudsch, Jm? unv Westtahl gewählt. Ferner wurde auch noch der VorM deauftragt, einen Aufruf auszuarbeiten, in dem alle Koueg in Deutschland aufgefordert werden, Fachvereine zu grünl«® In der Bauttschlerei von Gast u. Brock, HalleM Nr. 13 haben die dort beschäftigten Tischler die Arbeit p x-—- c— r t.——■■■_.— r***■■.«. z r._x(11 c stellt, da denselben von den Herren zugemuthet wurde,_ o«, sehr reicher Ausstattung, für den Neubau des Königs«. ................ Doppelfenster, sü" [t. Wie uns ver solchen Fenstern aTS Päckhofe�bestimmtm, zweizölligen Doppelfenster, für den % l8.: «««S von 18 Marl per Stück zu fertigen. Wie uns vcrs hat ein tüchtiger Arbeiter, an 4 solchen Fcnste Wochen zu arbeiten, derselbe würde also, bei«n misstonsarbeit, 15—16 Mk. pro Woche verdienen und d«)� Arbeit, welche zu einem Königlichen Bau geliefert wird-. Kommisston der Tischler ersucht daher alle Tischler, Zuzug dieser Werkstatt fem zu halten., ntt, Eine Wählerversammlung der Wähler dcS» liner Reichetags-Wahlkreisr« findet heute Mtttwow' p 15. Oktober, Abends 8V> Uhr, im Louisenstädrischen K". � Hause. Alte Jakobsstraße 37, statt. T. L-: Wie stellt deutsch-freifinnige Partei zur Sozialreform. Ref. Herr G" meister Kreutz. Um recht zahlreichen Besuch wird gebeten-� Die Generalversammlung des Lausttzer-Platz-Bei jlV Vereins findet am Mittwoch, dm 15. Oktober, Abend» j halb Uhr, Mänteuffelstr. 9 statt. T.-O.: 1. Kassenbefi». � Politischer Vortrag des Herm Stadtv. F. Görcku-..hisi 3. Verschiedenes. Gäste, durch Mitglieder eingefübn. Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Erscheinen ist erwünscht. Theater. Königliches Opernhaus: Mittwoch: 204. Vorstellung. Die Königin von Saba. Königliches ickiauspieltiau»: Mittwoch: 207. Vorstellung. Hans Lange.__ Dentsche« Tveater: Mittwoch: Die Welt, in der man fich langweilt._ Vellealltanee-Theater: Mittwoch: Extra-Vorstellung zu halben Kassenpreisen zum 18. Male: Die Goldprobe, Lebensbild in 5 Akten von Augier und Eandeau._______ Neues Friedrich Mittwoch: Gasparone. - Wtlhelmstädttsches Theater: Mittwoch: Walhalla-Operetten-Theater: Rofina._ Ostend-Theater: Mittwoch; Zum ersten Male: Ein Vampyr, SensationS-Drama in 3 Akten und 5 Bildern nach dem gleichnamigm Roman im Berliner Lokal-Anzeiger von Alfred Seefeld _ und Carl Werxel._ Eentral-Thcater: Alte Jakobstraße 30. Direktor: Ad- Emst. Mittwoch: Vorletzte Woche: Jäger» Liebchen. Gesangspoffe in 4 Akten von L. Treptow; Couplets u. Ouodltvets v. G- Görß. Mufik von G. Steffms. Kassen- Eröffnung 6'/, Uhr, Anfang der Vorstellung 7'/, Uhr._ Loatsensiadttsaie» Thearer: Direktion: Josef FirmanS. Mittwoch: Zum 30. Male: Robert und Berttam. Mit neuen Einlagen. Anfang des Concettes 6 Uhr. Der Vorstellung 7V« Uhr. Mittwoch: 6. Nackmtttags-Kinder-Volstellung. Echneewittchm und die Zwerge. Ermäßigte Preise. v. Reichstags-Wahlkreis. Wähw-MrlÄMmlimg Mittwoch, dm 14. Oktober d. ZS., Abends 8 Uhr, im Restamant Siemund. Linienstraße Nr. 8. Mittwoch: Exc■..Di, �.....-*4 dm* ol?n Hilfskassen nehmen auch in Deutschland S«J5 Solidität und Leistungen eine hervorragende den m A. rin. Gegenüber den Zwangskassm find fie �Bedürfnissen besser angepaßt, garantiren dem Ar- � Doli? Stf iinh frei* ffllnhf her iRpfffcafitälinft ■»olle Freizügigkeit und freie Wahl der Beschäftigung Muschelgeld. Svl kiner�'�rigenthümlich, wenn man, eine Tagereise nur �Iliniti«.� ��metropole mit ihrm modernen Geld- und Mchfia""-«. auf Menschen stößt, bei welchen �noch die welchen Einen Tag die und lithrioer hinein, öS® stx'n bi�tn mirf, t ,ßeta�tn find, und weitere Nachforschungen rJrt � m dem menschenarmen Eiskipougebrrge, KM tm K�fichern. daß fie von ihrer 3 v,,,,.?nche gelassen werden, wenn fie i Hausen, die auf ien. Ich brauche Muschelwährung der Zivilidas Geld Ä'unb®1' Äckerbauer, der kunstf und heben die Selbstständigkeit und den genoffenschaft- lichen Geist. Es ist zu bedauern, daß Neubildung und Umbildung der Kassen vielfach bei den Behörden nicht die erwartete Förderung finden, um so mehr ist es den Arbeitern zu empfehlen noch vor dem 1. Dezember den freien Hilfskaffen beizutreten.—" (Dr. Hirsch. Büchtemann.) 4 a)„Die Reichstagsabgeordneten mögen dahin wirken, daß die Frist bis zu der die freien Kassen bestätigt fein müssen noch um 3 Monate hinausgeschoben werde." d)„Die heutige Versammlung freier Krankenkassen de- schließt, das destehende Komitee materiell und moralisch zu unterstützen damit es weiter fungiren kann" (Joachimson.) Es ist jetzt dem Vorfitzenden ein Anttag auf Schluß der Debatte des ersten und zweiten Punktes zugegangen. Büchtemann: Die Anttäge von Abgeordneten find keineswegs ausstchtslos, denn die Behörden haben ebenso große Schwierigkeiten als die freien Kassen. Der Bundesrath kann zwar keine Gesetze machen, hat aber doch die Macht der Dekla- ration derselben und könnte somit wohl eine bestimmte Form für Statuten geben, resp. zweifelhafte Fragen erledigen. Ich bitte, dieses bei Annahme der Resolution in Erwägung zu ziehen. Vorfitzender, Reichstagsabgeordneter L i p k e:„Ich werde jetzt über den eingegangenen Schlußantrag abstimmen lassen." Rufe: Nein! Nur Schluß der Rednerliste ist beantragt! Der Vorsitzende verliest die noch eingeschriebenen Redner und erklärt dann:„Meine Herren, wenn im Reichs- tage ein Schlußantrag eingeht, so bezieht fich derselbe immer auf Schluß der Debatte. Einen Schluß der Rednerliste kennt man im Reichstage nicht und deshalb glaube ich parlamen- tarisch zu handeln, wenn ich über den Schluß der Debatte ab- stimmen lasse. Rufe: Nein, das ist nicht parlamentarisch und wenn man im Reichstag so verfährt, dann kann uns der Reichstag kein Vorbild sein!— Löwisohn-Altona zur Geschäftsordnung: „Ich muß gestehen, daß mir ein solches Verfahren neu ist. Ich habe bis jetzt immer und überall wahrgenommen, daß, wenn ein Schlußantrag eingeht, zunächst jemand für oder gegen denselben sprechen kann; auch ist ein großer Unterschied zwischen Schluß der Rednerliste oder Schluß der Debatte."— Fm Namen Derjenigen, welche ich hier vertrete, protestire ich hiermit gegen diesesVerfahren. Vorsitzender Lipke:„Meine Herren, als Reichs« tagSmitglied muß ich doch die parlamentarische Handhabung kennen, Sic werden doch zugeben, daß die Herren im Reichs- tag das am Besten verstehen." Rufe: Nein! Oho! Vorsitzender:„Zunächst lasse ich über den Anttag Feurig abstimmen, ich bitte diejenigen Herren, welche für denselben find, fich zu erheben."(Geschieht). Die Majorität erhebt fich. Der Anttag ist angenommen. Der Vorfitzende läßt uun über den Unteranttag Feurig abstimmen, ob ein neues Komitee gewäh werden oder das alteweiterfungiren soll.— D i e Abstimmung ergiebt, eine Majorität für NeuwahldesKomitees- Nun erfolgt die Abstimmung über den Anttag Sulz; derselbe wird mit großer Majorität angenommen. Punkt d des Antrages Joachims on ist durch Abstimmung über das Komitee erledigt. Punkt a wird angenommen. Die Resolution H i r s ch— B üchtema nn wird einstimmig angenommen._ � � Damit ist Punkt 1 und 2 der Tagesordnung erledigt. Ein Antrag auf Vertagung wird abgelehnt. Ebenso ist das Geld entstanden. Weit von einander woh- nende Völker, die fich nicht einmal dem Namen nach kannten, verfielen auf den Gedanken, dieselben Gegenstände als Geld zu benutzen, und auf tiefster Kulturstufe stehende Stämme, die nie mit Kulturmenschen in Berührung gekommen waren, und kaum einen Verkehr unterhielten mit den umwohnenden Wilden, erkannten den Vortheil einer Geldwährung instinktiv, denn Niemand konnte sie denselben gelehrt haben. Im Angefichte dieser Thatsache kann eS nichts Lächerlicheres geben, als die Anfeindung unseres GeldeS durch verschrobene Köpfe, die meinen, die Glückseligkeit der Menschen ließe fich durch Ein- führung des Tauschhandels und strenges Verbot des Geld- kaufeS vegründen. Wenn einsam hausende wilde Stämme daS Bedürfniß einer Gelvwährung au» fich selbst heraus erkennen und, wenn auch in urwüchfigster Weise, beftiedigen, wie will man eS da möglich machen, einem Kulturvolke den Tausch- Handel aufzuzwingen? Für die erwähnte Thatsache läßt fich ein interessanter, aber wmig gekannter Beweis mit einigen südkalifornischen Stämmen erbringen. Niemals find von den spanischen ConpuistadoreS. soweit fie auch nach allen Himmels- richtungen die neue Welt durchstöberten, auf tieferer Stufe stehende Menschen entdeckt worden, als in Südkalifornien. ES waren zwar keine Kannibalen, waS, wie das Beispiel der Azte- ken lehrt, auch keineswegs nothwendig ist zu Kennzeichnung jene« ZustandeS, in ihrer ganzen übrigen Lebensweise konnten ste aber nicht tiefer stehend gedacht werden, gingen doch beide Ge- schlechter unbekleidet und ließen durch ihr haufenweise» Zusam- menwohnen in einer Hütte die irrige Annahme entstehen, da» Institut der Ehe sei ihnen unbekannt. Namentlich waren eS die Bewohner der Inselgruppe in der Bay von Santa Leonia, welche den Spaniern durch ihre primitive Lebensweise auffielen, die erklärt wird durch die Abgeschiedenheit, denn nur selten ru- derten ste in ihren gebrechlichen Booten nach dem Festlande hinüber; fremde Einflüsse konnten fich daher weder in wohl- thätiger noch schädlicher Richtung geltend machen. Ganz für fich lebten diese Insulaner dahin, die nun längst ausgestorben find und Nichts zurückgelassen haben, wie ihre Küchenhaufen. Wenn man in denselben scharrt, wie ich e» vor einigen Jahren bei einem Besuche dieser Inseln that, findet man von dem Geld« dieser Wilden: e» find bunte Kieselsteine, gerundet, wie die Marmorkugeln unserer Knaben, wai bei dem Mangel an Werk- zeugen jedenfalls mtt großem Zeitaufwand und vieler Mühe geschah. Lägen nicht die glaubwürdigsten Berichte vor, daß diese Kugeln einst Geld waren, man würde eS stark bezweifeln, oder gar nicht auf die Vermuthung gerathen. Wohl find die verschiedenartigsten Gegenstände von unzivttifirten Völkern alS Gelb benutzt worden, Kieselkugeln aber gewiß nirgends, wie auf diesen Inseln. WaS diese Thatsache noch merkwürdiger macht, ist, daß diese Insulaner in nahezu völliger Adgeschreden- hcit lebten, das Geld also dem„innern Verkehr" gedient habm muß. Merkwürdig ist diese» Kugelgeld auch deshalb, weil Lokales. r. Mangelhaste Treppenbeleuchtung. In wie geradezu frivoler Weise von einzelnen Hauswirthen gegen die polizeiliche Anordnung einer ausreichenden Flur- und Treppenbeleuchtung gehandelt wird, dafür bot eines der neuen Häuser in dem süd- lichen Theile der Friedrichstraße ein Beispiel. Um 6 ein Viertel Uhr betraten zwei Herren dieses Haus, um nach einer zwei Treppen hoch gelegenen Wohnung zu gehen. Auf ihre ver- wunderte Bemerkung, in einem so eleganten Hause um diese Zeit und ttotz der herrschenden dichtesten Finsterniß noch kein Licht auf dm Treppen zu finden, bemerkte der Portier mit Bedauem, daß er angewiesen sei, vor halb 7 Uhr kein Licht anzuzündm. Mit diesem Bescheide versuchten die zwei die Stufen im Dunklen zu erklimmen. Man stelle fich aber die Ueberraschung der Beiden vor, als fie beim Scheine eines an- gebrannten Zündhölzchens entdecken, daß die Flurwände und die Treppenstufen frisch gesttichen find und an den Treppen das Geländer fehlt! Eine solche, geradezu frevelhafte Leicht- fertigkett bei der Hausverwaltung verdient den allerstrengsten öffentlichen Tadel. Für die pünktliche MiethSzahlung stchem fich die Herrm durch die weitgehendsten Maßregeln gegen den Miether, aber ob dieser durch Schuld des Wirthes seine Gar- derobe verdirbt oder den Hals bricht, das ist dem Hauswirth gleichgültig, der in jedem Falle für seine Miethe Sicherhett hat. Mögen doch die Herren bedenken, daß es in einem so großen Gemeinwesen, wie Berlin, nicht gut thut, den Egoismus so ganz nackt zur Schau zu tragen. N. Die Kanalisations-Arbeiten in der Belle-Alliance-, Gneisenau- und dm angrenzenden Straßen haben sett einigen Tagen begonnen und sollen, einigermaßen günstiges Wetter vorausgesetzt, so beschleunigt werden, daß der Anschluß noch vor Eintritt der kaltm Jahreszeit hergestellt ist. N. Die Kaiserstraße welche vom Kurftirstmdamm bi« nach Steglitz am Joachimsthalschen Gymnastum vorüberführt, scheint immer mehr in den Rayon der Großstadt hineingezogen zu werden, wie verschiedene in letzter Zeit entstandme Villen« rohbauten bekunden. Bekanntlich wurde das Terrain seiner Zeit von einer malischen Baugesellschaft erworben, welche die Sttaße angelegt hat und auch das Terrain in der Umgebung Zill« zu Villmanlagen erstanden hat. Die Romantik des Arbeitshauses. Am Sonntag Vor- mittag in der elften Stunde kamen in dem Ardeitshause zu Rummelsburg drei Frauenzimmer zur Enllassung, die dort eine längere Detentionshaft verbüßt hatten. Das eine der- selben, ein kaum 18 Jahre altes bildhübsches Mädchen, machte dadurch bei den anwesenden Beamten Aufsehen, daß fie, die in hocheleganter Tottette dastand, nur ungern das Haus, in dem fie so lange unfreiwillig zugebracht, zu verlassen schien, obgleich fie die sehnsüchtigsten Blicke nach der Sttaße warf, wo, wie gewöhnlich zur Entlassungszeit, mehrere Mannsper- sonen von zweideuttgem Aeußeren der Entlassenen harrten. Plötzlich kam eine Equipage bei der Anstalt vorgefahrm, in der fich ein Herr befand. Diese sehen, davonellm, hinein- springen, dem Insassen um dm Hals fallen, war für das Mäd« chen das Werk eines Augenblicks. Der Kutscher machte„Kehrt", schlug auf die Pferde loS, und im Flug verschwand das glück- liche Paar den verblüfft nachsehenden Augenzeugen dieser Szme. a. Pferdediebe Am 11. d. MtS kam an die hiestge Kri« minalpolizei au» Reu-Ruppin die telegraphische Mittheilung, daß in der letztm vorhergegangenen Nacht von einem Vorwerk bei Neuruppin ein Ackerwagen mit zwei Pferden gestohlen worden seien. Noch an demselben Tage Abmds wurde der gestohlene Wagen, ohne Aufficht dastehend, am Nordhafen ge« fundm, während die beiden Pferde am folgenden Morgen in einem Stall eines Gasthauses am Prenzlauer Thore gefunden wurden. Die beiden„Ardeiter" B. und W., wurden wenige Stunden später bei einem Sattler in der Müllerstraße betroffm, welchem ste daS Pferdegeschirr verkaufen wollten. B. und W. räumten den Diebstahl ein mit der Behauptung, daß fie dazu von einem hiefigen Pferdehändler verlettet worden, welcher fich es nicht, wie anderes primitives Geld, beispielsweise Muscheln, eine Verwendung zu nützlichen Gegenständen oder als Schmuck finden konnte. Die Besttzer mögen fich vielleicht über einen Topf, gefüllt mit diesen buntm Kugeln, gefreut haben, wie unsere Kinder über eine Schachtel voll Bleisoldaten. Sieht man von dieser Ausnahme ab, so diente oder dient noch alles Geld der Indianer an der Pacificküste zugleich al» Schmuck, und darin besteht sein„innerer Werth." Es ist nur solches primitive Geld gemeint, dessen Einführung nicht auf die Kulturmmschm zurückzuführen ist, wie beispielsweise Biberfell« und Wolldecken. So fand ich bei den erwähnten CahrocS außer Muscheln auch die rothen Schöpfe der kalifornischen Spechte al» Geld kurfiren, und wenn ich nicht zufällig einm jungen Indianer mit einem Halsbande dieser Schöpfe Parade hätte machen sehen, würde mein Grübeln über den„innern Werth" diese» Geldes Nichts gefruchtet haben. Jene Spechte find keineswegs selten, nnd doch stellt ein Schopf einen Werth dar von ungefähr fünf Dollars. Gangbarer aber ist doch daS Muschelgeld, und nochmals muß hervorgehoben werden, daß es dem inneren Geschäftsverkehre eines Stammei dient der so dedürfnißlo» lebt, wie eS wilde Fischernomaden zu thun pflegen. DaS Muschelgeld dieser Indianer wir': nur an den höchsten Festtagen, und auch da nur von den jüngeren Leuten als ein Schmuck getragen. Die Alten, so verficherte man mir, häufen ihren Schatz in irgend einer verborgenen Ecke auf und über» wachen ihn, wie echte Geizhälse, die fie auch in Wirklichkeit find, ähnlich wie ihre weißen GestnnungSgenoffen, die alle blanken Goldstücke, die fie erübrigen können, jn einem ficher versteckten lt tVIMIW». M» vint-ll» JdWVi. VtlliCUltlt Strumpfe dergew Die wichtigste Rolle spielt diese» Muschel- ..... HeirathSkontrakten und weil die Eltern, welche, geld bei den,_____________ wie überall, so auch hier, da» konservative Element bilden, da» Geld des weißen Mannes gründlich verachten, die HeirathS- kandidaten jetzt aber nicht mehr so leicht in der althergebrachten Währung bezahlen können, wie früher, so haben fich die regel» rechten Eheschließungen in der Neuzeit in betrübender Weise vermindert. Manchmal finden die Parteien einen Ausweg indem ste eine sogennante Halbehe abschließen. Mag der Bräu� tigam nicht so lange matten, bis er den verlangten Muschel» betrag für den Gegenstand seiner Liebe vollständig zusammen» bringen kann, dann bezahlt er vorläufig die Hälft» mmmm «ÄÄt«ssir in den Besitz von guten Pferden billig hat setzen wollen. B. und W. find zur Haft gebracht worden: ob und in wie weit ihre Behauptung über die Betheiligung jenes Pferdehändlers begründet ist, hat sich bisher nicht feststellen lasien. r. Ein unter eigenartigen Umständen verübter Dieb- stahl ist am Montag bei der Polizei zur Anzeige gebracht und von den Kriminalbeamten der Thatbestand sofort festgestellt worden. Von zwei Tischlcrgesellen, welche ein gemeinsames Logis bewohnten, war der eine bereits längere Zeit ohne Be- schäftigung, was seinen Kollegen zu der Frage veranlagte, wo« von er denn eigentlich existire; der Gefragte erwiderte darauf etwas prahlerisch, dag er genügende Mittel besitze und es wohl noch ein Jahr aushalten könne. Am Montag früh erklärte er seinem Wirth, daß ihm von seiner Baarschafr 30 M. und zwar S Zehnmarkstücke fehlten. Obwohl der Beftohlene nichts weiter von der Sache machen zu wollen erklärte, waren der Wirth und deffen Eheftau damit nicht zufrieden, sondem er- statteten der Polizei Anzeige, um keinen Verdacht gegen sich auskommen zu laffen. Der LogiSgenoffe des Bestohlenen wurde zur Wache fistirt, doch ergab die Köroeruntersuchuna nichts Belastendes. Jndesien dem Scharfblick des Kriminal- beamten war eine gewisse Unruhe des Beschuldigten nicht ent- gangen, aus welcher er den Schlug zog, daß derselbe sich im Befitze des gestohlenen Geldes befinden müsse. Der Beamte nahm eine nochmalige genaue Körpervifftation vor und fand dann auch wirklich die drei Zehnmarckstücke an ganz versteckten Stellen im Hemd des Arrestanten eingenäht. Nach dieser Ent- deckung bequemte sich der Dieb zu einem Geständnig. Er wurde sofort in Haft behalten. Das Geld ist dem Bestohlenen sofort zugestellt worden. e. Auf eine eiaenthümliche Weise verunglückte gestern früh in der Schwarzkopf'schen Maschinenbauanstalt(Ackerstr. 96) der daselbst beschäftigte Tischler Hinze. H. benöthigte einigen Handwerkszeugs und wollte dieses seinem Arbeitsspinde entnehmen. Als er nun die Thüre desselben öffnete, fiel eine Feile ohne Heft heraus und so unglücklich auf den Fuß des H., daß die Angel(die Feilenspitze) durch den Stiefel und ein Zoll tief in das Fleisch des Fußes drang. Der vor Schmerz lautaufschrei- ende H. wurde mittelst Droschke nach dem LazaruSkrankenhause gebracht, woselbst ihm die nöthigc ärztliche Hilfe zu Theil wurde. N. Rekognoszirt. Vor einigen Tagen wurde auf den Treptower Wiesen die Leiche einer ca. 41 Jahre alten Frau, anscheinend den besseren Ständen angehörig, aufgefunden und auf Anordnung des Amtsvorstehers nach der Leichenhalle in Rixdorf geschafft, woselbst dieselbe gestem von dem Böttcher- Meister Eichwald(Zimmerstr. 47 wohnhaft) als seine von ihm seit einigen Tagen vermißte Frau rekognoszirt wurde. Da man vcrmuthet, daß hier ein unnatürlicher Tod vorliegt, so ist die gerichtliche Obduktion der Leiche angeordnet. Den in guten Verhältnissen lebenden und allgemein geachteten Mann und seine 4 Kinder im Alter von 7—16 Jahren trifft dieser Verlust schwer. a. Ein reumüthiger Betrüger hatte am 8. ds. Mts. einem hiesigen Fleischer auf dem Wochenmarkte am Dönhofs- platz Schweinefleisch im Betrage von 157 Mark verkaust und dieses Fleisch zu dem Stand des Käufers durch einen auf dem Markt beschäftigungslos sich herumbewegenden Schlächtergc- sellen hinbesorgm laffen. Der Geselle lieferte auch das Fleisch ab, aber nach kurzer Zeit kam er mit einer Quittung des Ver- käufers und kasfirte den Kaufpreis im Betrage von 157 Mk. ein. Als einige Stunden darauf der Verkäufer persönlich den Kaufpreis einziehen wollte, da stellte sich heraus, dag jener Geselle die von ihm präsentirte Quittung gefälscht und über- Haupt keinen Auftrag gehabt hatte, den Kaufpreis einzuziehen. Der mit dem Geldc durchgegangene Geselle war nicht zu er- Mitteln, diS endlich der geschädigte Fleischer vorgestern von dem Durchgänger, unter Nennung seines Namens, einen Brief erhielt, in welchem dieser seine Reue über die Unterschlagung aussprach und mit dem Versprechen, die unterschlagene Summe zurückzahlen zu wollen, die Bitte anknüpfte, von einer Anzeige bei den Strafbehörden Abstand zu nehmen. Da aber die An- «ige über den Vorfall derests erstattet war, so konnte diese Bitte nicht erfüllt werden. Der Schlächtergeselle ist gestem zur Haft gebracht worden. N. Ein räuberischer Ueberfall ist, wie unS geschrieben wird, am Sonntag Abend an einem in der Gneisenaustraße wohnenden Beamten verübt worden. Der betreffende Beamte, der Nachts gegen 2 Uhr von Wilmersdorf zurückkehrte, schlug, um näher zu gehen, den Weg über den Sandplatz zwischen den dortigen Kirchhöfen resp. der Eisenbahndrücke ein. Un- gefähr in der Mitte des WegeS kam plötzlich eine Frauensperson auf ihn zugelaufen und fragte ihn nach der Frobensttaßc. Im Begriff die gewünschte Auskunft zu geben, tauchten plötzlich zwei Bassermann'sche Gestalten aus dem Dunkel auf, die ihn zur Rede stellten, wie er es wagen könne, mit ihrer Braut zu liegt das unausgesprochene Verlangen: gieb mir den Gegen- werth in Arzneien und in deiner Hülfe- Diesem Rechte des DoktorS steht aber ein Recht des Patienten gegenüber: stirbt er, dann dürfen seine Freunde jenen tödten- Es ist kaum nöthig zu bemerken, daß nicht alle Muscheln, welche am Eeestrande aufgelesen werden können, alS Geld ver- wandt werden, sondem nur gewisse Arten die, wenn gerade nicht sehr selten, so doch auch nicht häufig find. Solche Unter- scheidungen wurden unv werden in allen Ländem der Muschel- Währung gemacht und ist auch in der Natur der Sache begründet. An der ganzen Nordpacificküste entlang ist eS die von der Wissenschaft Dcntaiium genannte Muschel, welcher die Ehre zu Theil wird, als Geld in Umlauf gesetzt zu werden. Ihr volks- thümlicher Name ist bezeichnend für ihre Form: Tuskshell, fie stellt nämlich den Stoßzahn eines Elephanten in Kleinem dar. Zutreffender ist der Vergleich mtt einem Hahnensporn, dem fie biS auf die Farbe vollständig gleicht. Eine bedcutmde Rolle spielten diese Muscheln früher bei den einzigen seefahrenden Urbcwohnern der neuen Welt: dm Indianern, welche von der Mündung des Columbia bis hinauf nach Alaska wohnm und im Pelzhandcl die untemehmendsten Stämme des Nord- Westens waren. Seit die Hudsonsbay- Gesellschaft anfing, Wolldecken in AuStau'ch zu geben, wurde das Muschelgelv auf den Aussterbeetat ge'st und dient jetzt nur noch selten dem Verkehr. Gegenwärtig ist ein Sklave, ein Kahn, eine Frau so und so viele Wolldecken werth, und das Muschelgeld wird als Zierrath gettagen, wodurch es aber ebenso wmrg entwerthet wird, wie die Perlen, welche zu einem Halsband zusammenge« reiht werdm, oder die Eilberstücke, welche fich die oderbaperi- schen Bauern an die Hosen nähen. Es ist von Interesse, daß die meisten Geldmuscheln, welche sich im Befitze dieser Stümme befinden, von europäischer Her- kunft find. In den europäischen Küstengewässem giebt eS nämlich eine Art Dcntaiium, welche der amerikanischen sehr ähnlich ist— Antalls entalis ist der wissenschaftliche Name— und mit ihr rüsteten fich, neben anderen Tauschartikeln die Schiffe aus, wenn fie nach der Nordpacificküste segeln wolltm um Pelzhandel zu treidm, ähnlich wie fie fich noch heute mit Kaurimuscheln versehen müssen, wenn fie mtt dm Neger- stammen Westafrikas in Verkehr treten wollen. Die Nach« bam jener Stimme, die Urbewohner von Alaska nehmen noch heute diese Muscheln, europäischer wie amerikanischer Art, an ZahlungSstatt an, jedoch nur die, welche im Binnenlande wohnen und fich ihrer Racegcnossen an der Küste als Handels- vermittler für gewisse Bedürfnisse bedimen müssen. Nebenbei sei bemerk s daß der Strand der Vancourinsel als der vor- züglichste Fundort für die amerikanische Art betrachtet wird und dort etwas langer werden soll als an anderen Küsten- gegmdcn. sprechen. Die Situation sofort übersehend, blieb dem Beamten nichts anderes übrig, als unter Zurücklassung vor Hut und Stock die Flucht zu ergreifen und nach der Eisendahnbrücke zu fliehen. Hier angekommen, sprangen plötzlich auf der Brücke, wo an ein Entkommen nicht mehr zu denken war, zwei neue Gestalten auf den vollständig abgehetzten Mann zu und hielten ihn fest. Glücklicherweise kamen in diesem Augenblick einige Soldaten des benachbarten Eisenbahn-Regimmts hinzu, bei deren Anblick die Strolche die Flucht ergriffen. Trotz sofortiger Verfolgung war es leider nicht möglich, einen der Wegelagerer festzunehmen._ Gerichts-Rettung. Münster, 10- Ottober. Die heutige Verhandlung des Schwurgerichts zeigt wieder einmal, welch einen verderblichen Einfluß häufig gewisse Geschäftsleute auf das Volk ausüben. Der Tagelöhner Gr. W. Backhove aus Werne war angeklagt des wissentlichen Meineids, die Gebrüder Karl und Salomon Cohn, ebenfalls aus Werne, von denen Elfterer eine Zucht« hausstrafe von zehn, Letzterer eine solche von vier Jahren ver- büßt, wegen Verleitung zum Meineid. Die Verbandlung ergab, daß Bockhove, der dem Karl Cohn eine Summe Geldes schuldete, von diesem durch Drohungen, ihn zu ruiniren, ge- zwungen worden war, den Meineid abzulegen. Bockhove hat vor dem Amtsrichter Grafen Schmifing zu Werne ein offenes Geständniß abgelegt, ist aber vor Gram geistig geschwächt. Die Geschworenen erklärten Bockhove und Cohn für schuldig, worauf der Gerichtshof Elfteren zu einem, Letzteren zu drei Jahren Zuchthaus verurthrilte-— Am Mittwoch erfolgte ebenfalls eine Verurthettung wegen Meineids zu drei Jahren Gefängniß. Ein salomonisches Urtheil ist jüngst vom Schöffen- aericht in Königshütte gefällt worden. Mehrere junge Leute hatten vor einiger Zeit in einer dortigen Restauration einen Kommers veranstaltet, bei dem es etwas laut zuging. Sie er- hielten daher einen polizeilichen Strafbefchl wegen VerÜbung ungebührlichen und ruhesiörenden Lärmens. Auf den von ihnen erhobenen Einspruch erkannte nun das Schöffengericht auf Freisprechung, indem es ausführte, jener Lärm sei zwar ruhe- störend, nicht aber ungebührlicher Weise erregt worden, da er vom Wirthe geduldet worden sei. Nun ließ die Polizei dem Wirthe selbst einen diesbezüglichm Strafdefehl zugehm, aber auch hier erkannte das Schöffengericht auf kostenlose Frei- sprechung und legte auch die dem Angeklagten erwachsenen nothwendigen baaren Auslagen deshalb ebenfalls der Staats- lasse auf, weil§ 360, 11 Stt-G-B. nur den bestrafe, der selbst ungebührlicher Weise ruhestörenven Lärm errege, nicht aber denjenigen, der einen solchen Lärm dulde. Permiscktes. Folgende höchst verwunderliche Geschichte, die wahr- scheinlich nur alS die Ausgeburt eines von der Furcht vor der soeben an der Stadt Marseille vorbeigezogenen Cholera überreizten Hirnes zu betrachten ist, entnehmen wir der„Marseillaise": „Vor kurzem wurde bei Aix-le»@ibonnitr, einem kleinen Dorfe in der Nähe von Nimes, eine römische Leichenstätte entdeckt, auf der besonders das Grabmal des Präfekten Lucius Amertus, (dieser Name klingt schon verdächtig), das Interesse der Ge- lehrten in Anspruch nahm. Man öffnete dasselbe und fand unter anderem eine kleine, dickbäuchige Flasche bis zum vierten Theil mit einer dicken, rothen Flüsfigkeit gefüllt, aber nirgends eine Spur von der Leiche des alten Römers. Ein Professor wollte in der Flüsfigkeit aus gewissen Anzeichen mtt Sicherheit eine Probe des von Horaz so hoch gepriesenen Falerners erkennen, und da man gegen seine Autorität keinen Zweifel erheben durste, überdies Vre Annahme, daß man dem weinseligen Prä- fetten ein Fläschchm seines Lieblingsgettänkes mit ins Grab gegeben, durchaus annebmbar schien, so beschloß man, in einer ad hoc berufenen Versammlung von Gelehrten bei einem Mäcen der Wissenschaften in Marseille„in honorem Horatü' den Göttertrank zu versuchen. In kleinen Liqueurgläschen wurde die Flüssigkeit für die einzelnen vertheilt, und der Wein in an- dachtsvoller Erinnerung an den großen Sänger, seines Feuers und seiner Kraft herabgeschlürft. Wie er dem Einzelnen ge- schmeckt, hat keiner verrathen können; denn kaum hatten sie die Ceremonie beendet und daS Opfer den Manen des berühmten Todten gebracht als ein Telegramm aus N>mes eintraf, welches der Gastgeber arglos öffnete; aber kaum hatte er dasselbe ge- lesen, als er es mit einem Schrei des Entsetzens von fich warf und schneebleick auS dem Saale entfloh. Ein Gast nahm die verhängnißvolle Depesche und las unter wachsendem Entsetzen der Anwesenden;„Nimes— Marseille, 8 Uhr Abends; Inhalt der Flasche nickt trinken! Inschrift gefunden, nach welcher er der durch Chemikalien verflüchtigte Körper des Präfekten selbst ist!" Die armen Gelehrten hatten also den Präfekten selbst ausgetrunken." Bei uns, bei denen schon die kühlere Witterung eingetreten, dürften dergleichen Hundstagsnachrichten wenig Glauben finden. Stettin. Die graufige Mordgeschichte aus dem Krug zu Turzig bei Rummelsburg wird in einer dem„B- T." auS Newyork unter dem 21. v. M. zugegangenen Mittheilung noch einmal an das Licht der Ocffenttichkeit gezogen. Bekanntlich sollten in dem erwähnten Kruge, der einem gewissen, mittler« weile nach Amerika ausgewanderten Sievert gehörte, sechs menschliche Gerippe aufgefunden worden sein und an diese Thatsache wurden die abenteuerlichsten Kombinationen geknüpft: später stellten fich die vermeintlichen Mmschengerrppe als Knochengerüste mehrerer Hammel heraus, welche an dieser frei- lich nicht recht geeignetm Stelle vergraben worden warm. Nach der dem„B- T." aus Newpork gemachtm Mittheilung wäre nun an das dortige Polizei-Hauptquattier von der Siettiner Polizeibehörde am 20. v. M. das Ersuchen gestellt worden, auf dm betreffenden Sievert zu fahnden und eS würden deshalb auch Geheimpolizisten nach Newyork geschickt werden, um der dortigen Polizei bei ihren Nachforschungen behilflich zu sein. Ferner weiß der Bericht zu melden, dag die in dem Keller ge« fundmm, in den verschiedensten Stadien der Verwesung be- findlrchen sechs„Leichen" bereits als die von Handlungs- reisenden aus den entferntestm Gegenden Preußens„idmtifi- zirt" worden seien. Diese„sensationelle" Mit, Heilung" hat, wie dre„N. Stell. Ztg." schreibt, durch die aufgefundmen Hammelgenppe bereits vor einigen Wochen— kurz nach ihrem ersten Auftauchen— ihre harmlose Erklärung gesunden; von tiner Entsendung biefiger Geheimpolizisten nach Amerika dürfte also dre Polizeibehörde also wohl Abstand genommen haben. Mit der neuen SmsationSgeschichte des„B. T." war's also wieder ernmal nichts. , Zu wenig Frauen! Dies ist der Schrei, welcher fich, nach der Publikation der letztm Volkszählung in dem neuen Alben vernebmen läßt. Nach derselben deläuft fich die Ein- wohnerzahl Athens auf 84,906 Seelen, von denen sich 48.248 männlichen und nur 37,600 weidlichen Geschlechtes fich vorfin« dm, so daß 10,000 Athmische Jünglinge die wmig ver- sprechende Aussicht vor Augen habm, ihr Leben als Hagestolze zu beschließen. Ob sie fich geduldig in ihr Schicksal fügen werden, oder ob sie es vorziehen sollten, in den benachbartm Provinzen eine Maffmentsührung vorzunehmen, ist eine Frage. deren Lösung wir der Zeit überlassen müssen. Entdeckte Mördergrubt. AuS Bozen wird geschrieben: Seit alten Zeiten her weiß man, daß die Burg Sigmunds- krön am Einflüsse der Eisack in die Elsch im Verlause ihres Verfalles in den Ruf kam, allertei lichtscheuem Gefindel, ja sogar Räubern, zum Unterstände gedient zu haben, und es kurfircn aus jenen Zeiten, auch hmte noch, allerhand Schauer« geschickten in der Bevölkerung, welche die ehedem notorische Unsicher httt in der Nähe der Burg SigmundSkron und in dm nahen Hohlwegen,„Girlaner-" und„Paulsner Höhle' genanÄ zum Gegenstande haben. Die alten Traditionen haben nm vor drei Tagen durch einen unheimlichen Fund an 6« mundskroner Landstrage neuerdings eine schreckliche Bestalt» gefunden. Knapp oberhalb der Straße, etwa fünf Wimnw von der Burg SigmundSkron entfernt, entdeckten nämli« M arbeiter im Walde verscharrt ein menschliches Skelett; wma forschend, fanden sie kaum drei Schritte weiter reckts wlev zwei Skelette schief übereinander liegend; weitere fünf ein Skelett, den Kopf zwischen die Beine gepreßt, und so � wurden schließlich die Gerippe von ficbcn Leichen, nur iw aus morschen Knochen bestehend, zu Tage gefördert. An>0� stigen Gegenständen wurde merkwürdigerweise gar mQ" funden, als ein vom Roste ganz zerfressenes Stilet. Bon ow unheimlichen Funde wurde selbstverständlich sofort die behoi liche Anzeige gemacht, doch dürfte es kaum gelingen, in diese dunkle Affaire zu bringen, da sowohl die Zeitgenom � als auch die Mörder der im Walde zu Sigmunvskron-o scharrten wohl ebenfalls lange schon begraben und venoo» find. Höchst wahrscheinlich ist es, daß man es hier mit Opfern jener Mordgesellen zu thun hat. die in den. kriegen die durch die erwähnten Hohlwege, Girlaner- 0 Paulsner Höhle nach dem weinreichcn Unteretsch hinauffuyre Sttaße durch Jahrzehnte unsicher machten..... c, Die inhibirte Baby-Ausstellung in Paris, über. wir schon mehrfach berichtet haben, scheint, wie uns von. geschrieben wird, noch ein interessantes Nachspiel erleseo sollen. Die Unternehmer dieses allermodernsten AusWS, Projektes habm nämlich schon vor Einholung der bez.% niß, an deren Erlangung fie nicht im Geringsten -anri.....'Zj.iT____-—... Subskriptionslisten zirkuUren lassen, in welche denn aua,-, -------- von ihren Eltern inskribttt wurden.� praktischen Organisatoren fich für jedes Kind eine Einzahlung von 2 Fr. vorausbezoo� Die über 3000 csaugunge kommt aber der Haken. ) Einzahlung von 2 Fr. vorausor�, lassen, so daß fich ihre Kasse von vornherein mit der 0.. Summe von ca. 6 werden dürfte. Der französische Po'tminister hat durch RundM alle Postbeamten streng angewiesen, auf eingeschriebenen D � die Freimarken nie nebeneinander auszukleben. Es o" u nämlich herausgestellt, daß öster nebeneinander befindlrcheA'. abglöst und wieder aufgeklebt worden warm, nachven' � darunter eine Oeffnung gemacht, um sehr bequem den inhalt herauszunehmen. Da die Stempelzeichen auf Vena» wie auf dem Briefumschlag bei also bebandelten Bnstrn � genau paßten und äußerlich gar keine Verletzung wahrgeno� werden konnte, wurden die Diebstähle dieser Gattung st��r durch den Empfänger der Sendung entdeckt. Dm Tha�m ist nicht auf die Spur zu kommen. Langlebig. Ein Jrländer wurde von einem Arzt dehandelt. Dieser sah ihn forschend an und frag lich:„Ist ihre Familie eine langledige gewesen? lebig?" entgegnete der Kranke nachdenklich.„Ich 5''lic � Herr Doktor, sagen, wie eS damit steht. Unsere im Westen Irlands zu Hause und das Alter meiner i: hing ganz und gar von den Richtern und den Geslv� ab, die ihnen den Prozeß machtm."(Rastern Daily■" j Abgewöhnt. Frau:„Weegte, Heinrich, det 3%, � so scheen, woll'n wir nich bell abend'n biskm ausjetz � Mann:„Hm."— Frau:„Na, denn kennten wir ja Ile,$ 'ran jeh'n un mir'nm neien Hut aussuchm; du � ja schon lange emen koofen."— Mann:„Hm." T.L,ß: „Aber weeßte, Heinrich, det find' ick komisch, du sagst „Hm". Kannste denn nich wmigstens„Ja" Mann:„Weeßte, Olle, det Wort nehm ick nick jennm-. Seit ick vor'n Altar„Ja" jeiagt habe, kann ick det mehr leiden.(Humoristische Blätter.) ri» Gemeinnütziges. SvarsameS Brennen von Nachtkerzen._%, Licht, wie es z. B. bei Kranken während der J W wünschmswerth ist, kann man ohne Weiteres durck erlangen. Man braucht nur so viel sein gepulvertes � um den Docht herumzulegen, daß es an diesen 1»» �ifl' Durch dieses Verfahren wtrd eine kleine, sparsame, M Flamme erzielt und die Brennsubstanz nur in genngk& konsumirt, so daß auf die Weise ein Licht ziemlich iaS hält. Jedenfalls ist diese Anwendung der Beleuchtung � als wenn man während der Nacht die Petroleumlamv unterschraubt. ES entstehen dadurch Rauch, Dunst un liche Gase, die namentlich auf die Lunge sehr n �s» influiren, femer auch Kopfschmerz, Benommenheit oes u. s. w. herbeiführen. Der Zustand der PaUenten durch diese Unterlassungssünde nur noch verschlimmere � �0 Gegen Frostbeulen. Da wir dem Winter nnl a � Rau- und Herbheit entgegengehm, müssen wtt varam � st sein, Mittel auszustnncn gegen diejenigen Wunden, durch seine mehr oder minder große Härle(Kalte) d � V ivrnv Iiivyv UVV* kimivvv chmeW* schen schlägt. Dahin gehört namentlich ein sehr Uebel, eS führt den Namen: Frostbeulen. Man hatv � t ISÄ"'1 Z M �riefkasten der Jteda&tion. bettende No 100. Um den Untersch'-v —» a...«h PCL Itpl'K Zwei Wettende �.100. Um den Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte unv G. Eh, vic den Ste daS Gewünschte schon selb Lesen Sie die Zeitung aukmer .......... st finden. aufmerksamer. Lerantwonlicher Aevakteur tzt. Ero u her« in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin LW. Beuthftraße 2.