9lr. 167. Freitag, 17 Oktober 1884. I. Jahrg. fiediiirrlolbliliill Krgan für dir Interessen der Arbeiter. Da»..Verlhur VsKSblatt" Pf. Poßabnimemeilt px» Quartal' Z Mark.(Eingetragen trag« d« Postz«itu»g»prei«liste unter Ztr. 719».) Berlin Einzelne Nach. Z»serti»»S>«b»h? beträgt für die Zaefpaltene Petweile oder deren Raum 40 Pf.»rbeitimarkt 10 Pf. Bei größere» Aufträge» hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werde» bi» 4 Uhr Nachmittag» in der Expedmon, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoneen» Bureaux, ohne Erhöhung de» Preise», angenommen. WeöclKLion unö KXpeöition Werttn SW., Iimmerstraße 44. Ülählt keinen„Veutsch-Freijinnigen.� Die„Berliner Zeitung", da» Organ de» Herrn Eugen Richter, fährt fort, für die„dcutfch-freisinnige" Partei in ° e r Art Propaganda zu machen, daß sie einige Programm- Punkte, welche Gemeingut aller Oppositionsparteien sind, H�ous greift, über dieselben leitartikelt und dann zn dem Schlüsse kommt, daß nur ein„deutsch-fteifinniger Mann ge- w°hlt werden müsse. . Diese Taktik ist ungemein bequem. Da» Blatt braucht oonn nicht auf die Differenzen aufmerksam machen, die in °er„deutsch-freisinnigen" Partei in einigen wichtigen Haupt- ttagen herrschen. Wir haben schon mitgetheilt, daß die Herren Dr. Hör- w>h und Dr. Frieß in Bezug auf die Verlängerung de» Sozialistengesetzes sich freie Hand vorbehalten haben, ganz RAelbe hat der Kandidat für Erfurt, Dr. Witte gethan, während fein Parteigenosse, der gegenwärtige Abgeordnete e! �urt, der aber nicht mehr kandidirt, Herr Professor .T'ongel da» Sozialistengesetz mit den schärfsten Worten ver- unh eilte. Wie sich nun derartige Vorbehalte mit den Versiche- ungen der Führer der„deutsch-freisinnigen" Partei decken, Riß kein Mitglied der Partei wieder für die Verlängerung iu betreff enden Gesetzes stimmen würde, darüber schweigt Hch auch die„Berliner Zeitung völlig aus. o Hat nun Herr Bamberger, oder Herr Richter oder Herr �n-ig Löwe das Parteikommando, oder sind die Doktorm �>tte, Horwitz und Frieß die führenden Männer der Partei? fT dieser Frage werden nun die Deutsch-Freisinnigen gleich die ersten sind die Parteiführer, waS sie bestimmen, 9 geschieht, während die Herren Witte, Horwitz und Frieß |®"3 unbedeutende Personen sind, um die sich die Partei . kuig kümmert. Deshalb wird auch nicht viel Aufhebens °»°« gemacht, daß diese Personen andre Meinungen haben, 018 die Führer. Gut! wir wollen diesen Einwand einmal gelten lassen. . Aber wie sieht eS denn aus mit dem Mitglieds der fc jsch'freistvnigea" Partei Herrn D r. von Forcken- ecf/ dem Oberbürgermeister von Berlin? »jj. Ist daS vielleicht auch ein unbedeutende«, einflußloses �"glied der Partei? DaS wird Niemand behaupten können r? wird auch Niemand behauptm. Wenn Herr von Forcken- nj owch selten im Reichstage redet, so gehört er doch unbe- dJ.. � den Führern der„deutsch-freisinnigen" Partei, eine Anzahl Mitglieder unbedingt Folge leistet. ttir dieser Führer der Partei hat sich auch, wie orf Jv" fura mittheilten, in Bezug auf daS Sozialisten- leb Hand behalten. In einer Wahlrede zu Höter»- en äußerte sich Herr von Forckenbeck folgendermaßen: Ieuilleton. Zsaura. Eine Erzählung auS dem südlichen Frankreich. (Fortseeung) wandte er sich denn. alS er, auf der Heimkehr von ZW Strnfzuge ins Gebirg- der mehr emem fahrenden «W �'ziemte, als dem Landesherrn- die Kunde von "etir!. der fernem Herrn anzukommen. Dem Schatzmeister foS* der Fürst die Sorge für die Gefangenen an, denn als »on» wußten sich Royan und Jsaura betrachten- Dann bog er ab lucr>. Staiße und ritt auf einem wenig gebahnten Wege Äz" durch das Gebirge, deffm Schluchten er als der erfrigste �z.S°n, genau kannte, wenigstens nach Gardcmont hm. IQ �tef in Gedank,n mi,(nnft nicht ferne Art war. rrtt" ..Hört Ah" den Mang, gnädiger Herr?" entgegnete der Durch' ��de�hielten ihre� Rosse an._ «» ä m'ää's „Meine Herren, waS zuvörderst das Sozialisten- g esetz anlangt, so habe ich ja diesmal für dasselbe ge- stimmt. Ich habe dabei in der Fraktion die Erklärung ab- gegeben, daß ich das Sozialistengesetz an und für sich al» ein Ausnahmegesetz als ein dauerndes in keiner Art accepti- ren könne, daß ich die Form desselben durchaus mißbillige, daß aber eine Beseitigung des Sozialistengesetzes nur durch eine Rückkehr zum gemeinen Recht her- beigeführt werden könne, daß meiner Ueberzeugung nach diese Rückkehr zum gemeinen Recht mit Beseitigung des Sozialisten- gesctzeS eines Zusatzes im gemeinen Recht be- dürfe, und daß ich, weil überhaupt die Diskussion de» Sozialistengesetzes durch dieFrage derAuflösung nicht mehr eine freie war, diesmal noch für das Gesetz stimmen würde. Die Ansichten, die ich damals auS- gesprochen habe, sind noch immer dieselben. Mehr, meine Herren, kann ich Ihnen nicht sagen. Ich kann keine bindende Versprechungen abgeben, daS streift an daS imperative Mandat und widerspricht einem ersten Grundsatz der Verfassung, welche sagt, daß der Abgeordnete an die Instruktionen seiner Wähler nicht gebunden ist. Meine Herren, eS ist zudem, ich muß das gestehen, eine ziemlich arge Zumuthung, von einem Politiker zu verlangen, daß er über ein Gesetz, welche» doch höchstens erst nach Jahresfrist vorgelegt werden kann, jetzt schon eine Erklärung abgiebt, wo er die thatsächlichen Umstände, die bei derVorlage jenesGesetzesobwalten können, gar nicht zu übersehen vermag. Ich habe eS immer abgelehnt, in dieser Beziehung eine de- stimmte Erklärung zu geben. Vertraut man meinem Ver- stände, meiner Einsicht, meinem Patriotismus und meinem guten Willen nicht, daß ich in dieser Beziehung daS Richtige finde, so wähle man mich überhaupt nicht! Hat man Ver- ttauen, und daS liegt gerade in der Wahl eines Abge- ordneten, so muß man auf Grund der Vorschriften der Verfassung dem Deputirten in dieser Beziehung Freiheit lassen." Somit hat sich auch dieser Führer der„dmtsch-frei- sinnigen" Partei von den anderen Führern in der Frage de« Sozialistengesetzes getrennt. Was sagt dazu Herr Ludwig Löwe, der wenigstens in Berlin am lautesten in die Freiheitstrompete gestoßen hat? Daß aber Herr von Forckenbeck im nächsten Jahre mit I a bei der Vorlage über die Verlängerung des Ausnahme- gesetze« stimmen wird, daS geht für den aufmerksamen Leser auS der Erklärung deS Herrn hervor. Er h a t für da» Gesetz gestimmt, weil im Strafgesetzbuch noch keiner die Preß- und Redefreiheit weiter beschränkender Paragraph enthalten ist, den er v o r Aufhebung des Sozialistengesetzes verlangt. Da nun voraussichtlich in Jahresfrist noch immer endlich seinem Rosse, daS keinen Athem mehr hatte und an allen Beinen vom scharfen Gestein blutig geritzt war, zu verschnaufen gestattete, sah er sich ganz allein auf einer kahlen Hochebene, ohne Weg und Steg. Wo der Page geblieben war, wußte er nicht; den Bergpfad, den er eine Weile verfolgte, hatte der Fürst selbst verlassen. Es focht ihn aber wenig an, daß er sich bei finkendem Abende in der unwirthlichsten Gegend fand — vielmehr reizte es seine Phantasie, welche mit den reiferen Mannesjahren noch nicht ihre exzentrischen Flügel verloren hatte, und er träumte sich irgend ein niebestandenes Adenteuer, ein Erlebniß, das seinen Helm mit einer Glorie vor allen Rittern schmücken mußte. Das wurde ihm jedoch nicht beschieden, son- dern nach langem nächtlichen Umherirren mußte er sich glück- lich preisen, gegen Morgen den Klang eine» klaren Glöck- leins zu vernehmen, das von irgend einer Kapelle kam. Er zog sein völlig kraftloses Pferd, das er jetzt zu Fuß am Zügel führte, in der Richtung, woher die Töne durch die frische Morgenluft zittetten, und hatte nur Besorgniß, daß sie auf- hören würden, ehe er die Kapelle erreichte, wo ihn der Meßner wieder zu Menschen führen konnte. Sie wurden schon schwächer, — schlugen nur noch einzeln an— der Fürst schleuderte den Zügel von sich, da[er das Pferd nicht rascher von der Stelle dringen konnte und setzte sich in vollen Lauf. Um eine Fels- wand biegend, stand er plötzlich vor einem alten Manne im Ordensgewande, fast Brust an Brust. Beide erschraken vor einander, doch faßte sich der Dauphin zuerst, während der Klausner noch mit allen Zeichen des Entsetzens auf ihn startte. „Frommer Vater," sagte er,„ich habe mich über Nacht in den Bergen verstiegm. Mein Pferd kann nicht weiter, es steht hundert Schritt von hier. Wollt Ihr mich nach Gardemont bringen?" Zweifelnd, mit düster flackernden Blicken sah der Eremit auf den Fürsten und erwiderte nichts. „Kommt zu Euch, Mann!" sagte Humbert lachend.„Ihr habt Euch erschrocken, nicht wahr? Ihr dachtet von einem Mor- der überfallen zu werden".. � ßEin Mörder!" wiederhatte der Greis schauernd und schlug „Jch�aber bin Humbett von Menne, daß Ihr es wißt; nun gebt mir ein Stück Brod, mag es noch so schwarz sein, oder Wurzeln, was Ihr habt, denn ich komme fast um vor �""�ie Nachncht von dem vomehmen Range seines uner- matteten Gastes schien den Eremiten nicht zu überraschen: in seinem Antlitze lag leine Zuvorkommenheit, und vor dem Blicke kein solcher Paragraph im Strafgeschbuch sich befinden wird, so wird Herr von Forckenbeck, da seine Ansichten„noch immer dieselben" sind, logischerweise bei der nächsten Be- rathung auch wiederum für die Verlängerung des Ausnahme- gesetzeS stimmen. Der„Politiker" Herr von Forckenbeck muß heute schon die thatsächlichen Umstände, die bei der demnächstige Vor- läge des Gesetzes obwalten", übersehen können,- sonst ist er eben kein Politiker. Ehrlicher hätte Herr von Forckenbeck sicher gehandett, wen« er offen erklätt haben würde, er werde für die Verlängerung deS Sozialistengesetze» stimmen, denn er wird für dieselbe stimmen/— Kann nun die„Berliner Zeitung", die so gern in demokrafischen und arbeiterfreundlichen Farben schildett, wirklich im Ernste ihren Lesern empfehlen,„deutsch-frei- sinnige" Männer zu wählen? Schlagen die von uns an- gefühtten Thatsachen nicht der ganzen„deutsch-freisinnigen" Partei ins Heuchlerangesicht? Deshalb rufen wir den Wählern zu:„Wohlan denn, seid bei der Wahl auf der Hut, lasset Euch nicht bethören, wählt Niemanden, als einen Vettheidiger Eurer Rechte, wählt nur einen deutschen, ä ch t fr e is i n n i g e n M an n, aber wählt keinen„Deutsch-Freisinnigen"! PoMscht«ederW. Die Krise in der Zuckerindustrie, welche sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Staaten bemerkbar macht, hat, so schreiben die„Verl. Pol. Nachr.", auch in hohem Maße die Aufmerksamkeit der Reichsbehörden auf sich gelenkt, und es finden gegenwättig Besprechungen über die auS den verschiedenen den Zuckerrübenbau und die Rübenzucker- fabrikation betreffenden Theilen Deutschlands hier eingelaufenen Bettchte statt.— Es ist gewiß recht erfreulich, daß die Be- Hörden sich um die witthschastlichen Verhältnisse im Staate kümmern und Uebel zu beseitigen suchen, wo solche vorhanden find. Wir stehen auf einem anderen Standpunkt als der Liberalismus, welcher bekanntlich jede Einmischung des Staates. resp. der Behörden in wirthschastliche Verhältnisse, für ein Uebel erklätt. Unserer Ansicht nach hat die Staatsbehörde nicht nur das Recht zu solchen Eingttffen, sondern sogar die Pflicht überall da einzugreifen, wo es sich um das Wohl der Staatsbürger handelt. Freilich darf daS Wohl einzelner Staatsbürger nicht auf Kosten der übrigen erstrebt werden; es liegt deshalb den Regierungen ob, genau zu untersuchen ob und wie ein Eingriff des Staates am Platze ist. Wir haben in den letzten Jahren wahrnehmen können, daß verschiedenen Jndustnezweigen Staatshülfe in verschiedener Gestalt zu Theil geworden ist. Die eingefühtten Schutzzölle gereichten vielen Großindustriellen ganz besonders zum Vortheil, und die Korn- seines tiefliegenden Auges überkam den Dauphin plötzlich ein unheimliches Gefühl. „Ihr seid es, ja, seid Humbett von Menne, der Letzte deS Hauses La Tour du Pin!" sagte der Einsiedler mit langsam dumpfen Tönen. „Der Letzte?" rief der Dauphin, vom Grauen erfaßt. „Du lügst! Noch Hab ich einen Sohn, und La Tour du Pin wird fortblllhen, so lange diese Berge stehen!" „Hast Du einen Sohn?" entgegnete der Einsiedler, und schüttelte sein Haupt, daß der weiße Batt, von einem Windstoße erfaßt, als ein Silberschleier um ihn flattette, bis er sich still wieder auf die Brust legte, wie der Schnee auf ein Grab. In seinem Tone lag ein zermalmendes Weh. Der Dauphin bebte— er war keines Wortes mehr mächtig; ihm klang die Stimme, wie eines Propheten, der über kommendes Unheil klagt, von Niemand verstanden, von Keinem ge- glaubt. „Wollt Ihr essen, Herr Dauphin? Bei mir!! Dott nehmt ein karges Mahl— drüben sprudttt die Quelle, zwei Schritt vom Felsen läuft der Pfad nach Samt Laurmt hinab. Mehr fordert nicht von mir." So sprach jetzt der Eremit mit einer ruhigen Stimme, sprachS und wandte sich hinweg, ohne den Fürsten zu grüßen oder nur anzusehen. „Euren Segen, ehrwürdiger Vater l" bat der Dauphin. Zurück winkte der Klausner mit heftig abweisender Gederde, und es schlug dem Fürsten in's Mark, daß ihm der Segen versagt werde— doch mit einem Male schien sich der Greis anders zu besinnen, wandte sich um und schritt wankend auf den Dauphin zu; der sank überwältigt auf seine Kniee und der Greis sprach den Segen über sein Haupt wäb- rend ihm die Stimme brach und Thränen über seine farblosen (Fortsetzung folgt.) Me waren den(Zroßgrundbefitzern höchst angenehm. Auch die Expoetprämien für Zucker kamen tbeils den Rübenbauern, theils den Zuckerindustriellen zu Gute- Großindustrielle im Bunde mit Großgrundbesitzern ließen seit Jahren ihre Klage- rufe ertönen und sie thun es heute wieder ganz besonders in der Zuckerindustrie. Aber gerade diese Industriellen haben schon seit Jahren eine bevorzugte Stellung auf Kosten der Gesammt- heit der Staatsbürger eingenommen, und deshalb würde es am allerwenigsten im Jntcresie der übrigen Staatsbürger Iregen, wenn der Staat zu Gunsten der Zuckerindustriellen be- sondere Maßregeln ergreifen würde.— Scbon seit vielen Jahren werden von Seiten der Arbeiter und Handwerker be- rechtigte Klagen laut über ihre wirthschaftliche Lage, die freilich nicht unter so großem Geschrei in der Presse breitgetreten wer- den, als wie die Klagen der oben genannten Industriellen, die aber trotzdem weit begründeter sind. Wir glauben, daß es die höchste Zeit ist, daß der Staat hier einmal gründlich unter- sucht und dann nach besten Kräften Abhilfe schafft. Uns er- scheint die Lage der Handwerker und Arbeiter viel bedenklicher, als wie die Lage der Zuckerindustriellen, und deshalb halten wir es für unsere Pflicht, bei dieser Gelegenheit die Aufmerk- samkcit der Reichsbebörden von der minder wichtigen Zucker- industrie ab und auf die wichtigere Arbeiter- und Hanvwerker- frage hin zu lenken. Aus Stettin wird geschrieben: Man scheint es jetzt polizei- licherseils aufgeben zu wollen, die in unseren Hafen einlaufen- den Schiffe wie bisher auf etwaigen sozialdemokratischen Im- xo:t zu untersuchen. So nahm man heute auf dem dänischen Dampfer„Aarhuus", welcher am Vormittag eintraf, diesmal keine Nachforschung nach sozialdemokratischen Schriften vor, ob- wohl bei seiner vorigen Ankunft hier der Dampfer noch in dieser Hinsicht untersucht wurde. Auf Grund des Sozialistengesetzes find folgende Druck- schristen verboten worden: 1)„An die Wähler des Reichstaaswahlkreises Dortmun d." Druck und Verlag von Dietz in Stuttgart. 2) Ein Flugblatt mit der Ueberschrift„Arbeiter! Wähler! und beginnend mit den Worten:„Am 23. Oktober d. I. seid ihr wieder berufen". Unterzeichnet vom sozialdemokratischen Wahl- komitee des Kreises Speyer-Frankentbal; gedruckt in Hottingen, Zürich. 3)„Wahlaufruf zur Reickstagswahl an die Wähler," mit der Unterschrift„die sozialistischen Ar- beiter", Druck und Verlag von A Vogel u. Co. in Braun- schweig. 4)„Wahlaufruf zur Reichstags wähl" und unterzeichnet die sozialistischen Arbeiter, Druck und Verlag von Wörlein und Comp, in Nürnberg. 5)„21 n die Wähler des 10. badischen Reichstagswadlkreises" und unterzeichnet:„Die Vertretung der deutschen Sozialdemokratie." Druck und Verlag von Dictz in Stuttgart.— Außerdem noch Wahlflugblätter in Danzig und Stuttgart. Belgien. Die Wuth der klerikalen Gemeinderäthe gegen Schulen und Lehrer ist so groß, daß der Minister des Innern selbst ihr Einhalt tbun muß, indem er in einem Erlaß den Gemeinden auseinandersetzt, was sie thun dürfen und was nicht. Hiernach darf die Gemeinde 1) Bewahr- und Fortbildungsschulen gründen oder abschaffen; 2) Elementarschulen gründen oder abschaffen(muß aber mindestens eine beibebalten, und zwar für Knaben und Mädchen zugleich); 3) die Zahl der Lehrer und Lehrerinnen steigern oder vermindern(muß aber das für die eine beibehaltene Sckule erforderliche Personal ebenfalls beibehalten und den abgesetzten Lehrern, deren Stellen eingehen sollen, Wartegehalt bewilligen); 4) das Lehrergehalt verkürzen oder erhöben und 5) eine oder mehrere freie Schulen, soweit das Gesetz es gestattet, annehmen oder wieder abschaffen. Zu allem diesem braucht sie keine höhere Genehmigung, sie darf es sofort tbun Dagegen darf sie nicht, ohne vorher die Erlaubniß der Regierung eingeholt zu haben, jede Gemeinde- schule abschaffen und eine freie Sckule annehmen, deren Lehr- personal nickt mindestens zur Hälfte mit Fähigkeitszeugniß versehen(diplomirt) ist. In keinem Falle darf ein Lehrer ab- gesetzt werden, wenn nickt zugleich die Stelle eingezogen ist; wird die eingezogene Stelle wiederhergestellt, so tritt arrch der frühere Lehrer wieder in dieselbe ein. Für den Monat Oktober muß den zur Verfügung gestellten Lehrern und Lehrerinnen das volle Aktivgehall gezahlt werden. Es muß wirklich arg gekommen sein, da dieser Erlaß nöthig war. Brüssel, In Folge des Verhaltens der Führer der Rcr- dikalen zu den Arbeiter-Vcrbindungen haben diese sich ent- schlössen, auf einen Wahlkampf am 19 d. M- zu verzichten und keine Arbciterkandidaten der von der liberalen Vereinigung auf- gestellten Liste entgegenzustellen.— Da haben die Brüsseler Arbeiter wieder einmal gegen ihre eigenen Interessen gehandelt, von den Liberalen chabcn die Arbeiter niemals etwas zu er- warten. Rußland. Ter wichtige politische Prozeß, welcher am 11. d. M. in Petersburg beendet worden ist und dessen Aus- gang wir schon vor einigen Tagen mitgetheitt haben, wurde so geheim gehalten, daß man selbst in Petersburg von den Verhandlungen, welche eine ganze Woche dauerten, nichts ge- hört hatte. Das Gericht bestand aus 10 Garde Obersten unter dem Vorsitze des Präsidenten des Obersten Petersdurger Ge- richtshofes. Unter den angeklagten 6 Militärs— im Ganzen standen 14 Personen vor Gericht— befand sich der Oberst Aschenbrenner, welcher früher ein Regiment in Südrußland kommandirte, und angeblich zu den gefährlichsten Nihilisten gehört haben soll. Er und seine Partei sollen die Absicht ge- habt haben, ihre Truppen im Falle einer Revolution den Auf- ständischen zuzuführen. Ferner standen drei Frauen vor Ge- rickt, darunter die vielgenannte hübsche und intelligente Figner, welche seit 1878 fast in jedem Kompiot eine Haupi-olle gespielt. hat. lieber ihre Tbätigkeit unter den kaukasischen Truppen haben wir bereits früher berichtet, auch dürste noch erinnerlich sein, daß sie nach derErmordungKaiserAlexandersll. bei einemOffizier in derKiritschnistraße wohnte und dortSulkanow undSophiePcrowski versteckte. Sie ist jetzt 27 Jahre alt. Ihre beiden Melange- klagten sind die Wolkenstein und Jsä emodanowa, von denen die letztere als Köchin in dem Konspuationsquartier der Sap- peurst, aße sigurirte. 2Iuch drei Priestersöhne befinden sich unter den Angeklagten. Unter den 6 Militärs sind Artillerie- und Marine Ossiziere, welche angeklagt find, Degajew, den Mörder Sudeikins. verborgen zu haben. Als Vcrtheidiger fungirten die drei bekannten Advokaten: Spaffowitsch, Kaflm und Mazaraki. Die 6 Offiziere und die beiden Frauen Figner und Wolkenstein wurden zum Tode, die anderen zu Zuchlhausarbeit in Sibirien vcrurtbeilt. Nur 9 Personen wurden zu den Verhandlungen üugelaffm. Ein peinlicher Auftritt, der ein grelles Licht auf die rufst- sche Militärsdisziplin wirst, ereignete sich jüngst in Tavestebus in Finnland und erregt mit Recht Sensation im Lande. Em Trupp russischer Soldaten zettelte dort auf dem Jahrmärkte einen Krawall an von einer verhängnißvollen Wirkung. Meh- rcce Personen find getödtet, andere stark verletzt; ein russischer Artillerieoffizier schoß auf die Menge mehrere Male mit einem Revolver; die Häuser auf dem Kampfplatze wurden demolirt, das bewegliche Eigenthum der Bewohner geraubt. Das Kriegs- Ministerium hat gleich nach dem Bekanntwerden dieses Ereig- Misses eine Unteriuchung angeordnet, die angeblich sehr strenge geführt wird. Nischny-Aowgorod, 14. Ostober. Die kriegsgerichtliche Verhandlung gegen 72 an den Llussckrcitungen gegen die Juden m Kunowino betheiligte Personen hat heute begonnen. Dieselbe findet bei verschlossenen Thülen statt und wird vor- ausficktl'.ch zwei Wochen dauern. Norwegen. Nach dem norwegischen..Dagblad" hat der neue Staacsmmrster Johan Sverdrup, in Benutzung des ihm wie jedem andern norwegischen Bürger zustehenden Rechtes auf Stellung von Antragen an die Landesregierung, dem nor- wcgischen Kultusdepartement mehrere Vorschläge zur vesseren Förderung des Unterrichtswesens eingereicht. Vor- uehmlich darauf abzielend, den Unterricht der Landbevölkerung, der bisher unter mancherlei ungünstigen Verhältnissen zu leiden hatte, auf eine der nationalen Bedeutung des Bauernstandes gerade für Norwegen entsprechende Höhe zu bringen, verbreitet flch der sehr umfangreiche Entwurf hauptsächlich über Folgen- des: 1. Verlängerung der Schulzeit, welche zum Mindesten in mehreren sonst auf das beste eingerichteten Schulen auf dem Lande jährlich nur neun Wochen beträgt.< Diese geringe Schulzeit darf nach den oft ärmlichen Verhältnissen und unbe- quemen Verkehrszuständen des Landes nichi sehr auffallen.(?) Zu berichtigen ist auch, daß die eigentbümlrche Lebensweise und Veranlagung des Volkes manche Mängel hierin auszu- gleichen vermag.) 2 Erweiterung des Lehrplanes. 3. Be- günstigung der ländlichen Sprache nach Ort und Bevölkerung, auch durch Anschaffung geeigneter Lehrbücher. 4. Förderung des Turnens und der Waffenübungen, sowie der gewerblichen Handfertigkeit. In erstercr Beziehung steht leider, wie vielfach anderswo, z. Z. noch die Ausbildung des weiblichen Geschlechtes zurück. 5. Zweckmäßigeren Unterricht der Seminaristen; möglichste Verwendung geeigneter weiblicher Lehrkräfte. 6. Aufbesserung der Lohnverbaltnisse der Lehrer. 7. Bei der Schulverwaltung insbesondere möglichste Heranziehung kundiger Männer aus dem Volke zu prüfender wie anregender Wirksamkeit.(Außerdem Anstellung von Inspektoren für alle Schulen jedes„Amtes". Im Ministerium: Schuldireltoren statt der bisherigen„Erpeditionschefs".) 8. Neuordnung des An- stellungs- und Entlaffungsrechtes der Oderleitung. Nach Hin- weisen auf den besten Zusammenhang der Volksschule mit den sogen, höheren und Fachschulen, wie solcher in mehreren Staaten Europas und Amerikas angeregt bezw. ausgeführt ist, schließt der Premier seine Anregungen mit den gewiß berechtigten Worten:„Ich habe für die Selbstregierung des Volkes ge- sprochen und gewirtt; dies verpflichtet mich, ein Gleiches zu thun für seine Aufklärung".„Dagblad" demerkt noch, daß Sverdrup z. Z. mit Erforschung der Arbeiterverhältnssse beschäf- tigt ist. England- Die von den englischen Konservativen in Bir- mingham veranstaltete Kundgebung ist, wie schon gemeldet, durch die Liberalen mit Vorbedacht in roher Weise gestört war- den und schließlich in lebhaftes Handgemenge mit fürchterlichem Tumult ausgeartet. Daily News, die ausführlich über die Ruhe- störungen berichtet, sucht dieselben dadurch zu entschuldigen, daß, obschon zu der ausgeschriebenen Versammlung alle Einwohner Birminghams eingeladen waren, am Eingange alle Liberalen, die durch Gladstone-Abzeichen kenntlich, trotz ihrer Einlaßkatten zurückgewiesen rvorden seien. Uebrigens hätten— setzt das Blatt höhnisch hinzu— die Konservativen sich früher stets über die Zahmheit der liberalen Kundgebungen lustig gemacht und solche als Turnerfahrten und dergleichen verspottet. Es hat jedoch allen Anschein, daß die Störung beabsichtigt war. 2lls Sir S. Notthcote, Lord R. Churchill und Sir H. Wolff gegen 3 Uhr in Birmingham ankamen, zogen junge Leute den Wagen Lorv Churchills von der Station nach fernem Gasthofe. Um 7 Uhr sollten die genannten Herren in den Aston Lower Grounds Reden halten- Gegen 4 Uhr wurde inzwischen auf der anstoßenden Wiese eine Gegenkundgebung des liberalen Pöbels in Szene gesetzt. Als hier die Köpfe durch mehrere Brandreden erhitzt waren, wurde die acht Fuß hohe Ver- binoungsmauer niedergerissen, und der liberale Pöbel drang in Massen in den Park ein; die Vorbereitungen zum Feuerwerk, unter andern: eine große Sonne, die das Bildniß Norihcote.s umschloß, und Abends abgebrannt werden sollte, wu-den zerstört, die Berichterstatter- und Rednerdühnen ein- gerissen. Unter Hochs auf Bright, Gladstone, Chamberlain wurde mit Stöcken auf die Konservativen eingehauen. Die Möbel wurden zerstört, viele der Anwesenden verwundet. Von den anwesenden Damen wurden viele ohnmächtig. 2Ils gegen 7 Uhr Northcote und Churchill anlangten, gelang es ihnen trotz wiederholter Versuche nicht, sich Gehör zu verschaffen. Die Ve.sammlung mußte unverrickteter Sache auseinandergehen. Später hielten Northcote und Churchill Reden in einem Gast- Hofe und im konservativen Klub, worauf ein Beschluß gefaßt wurde, der die von Chamberlain und dem Caucus eingeleitete unverantwortliche Störung der Versammlung verurtheilt. Der Heißsporn Churchill fordert seine konservativen Freunde auf, jetzc Gleiches mit Gleichem zu beantworten und liberale Ver- saminlungen unter Anzettelung von Prügeleien zu sprengen.— Nette Gesellschaft! Ader die Herren werden sich wieder vertragen, denn P... schlägt sich, und P... ver- trä�t sich. Egypten. Entsprechend dem Schreiben des Finanz- Ministers vom 18. September, durch welches derselbe die Sus- Pension der 2lmortifirung der unisizirten Schuld anordnete, hat das Ministerium heute Verfügungen erlassen, daß die Zahlung der Einnahmen der Eisenbahn- und Telegraphenver- waitung an die Staatsschuldenkasse morgen, und die Zahlung der übrigen Einnahmen und Einkünfte, welche speziell für die Staatsschuld bestimmt find, am 26. d. M. wieder aufgenommen werde. Die Engländer haben eine neue Station auf dem Wege nach ihrem indischen Reiche besetzt. Wie ein Privat-Tele- gramm aus Marseille meldet, nahnicn nach dort eingegangenen Berichten die Engländer den Hafen Berberah, an der afrikani- schcn Küste im Golfe von Aden belegen, in Besitz. Die egyptische Garnison, stedenbunden Mann stark, kehrte auf einem englischen Dampfer heim. Berberah liegt gegenüber der Stadt Aden an der südlichen Küste des gleichnamigen Golfes und ist ein neuer englischer Querstrich durch die donigen italienischen und fran- zösiscken Stationen. 2!ord-Amerika. Bei den gestrigen Staatswahlcn in Ohio siegten die Republikaner mit einer Majorität von 16,000 bis 20.000 Stimmen. Nach den auS West Virginien vorliegenden Wahlberichten erzielten die Demokraten eine Majorität von 5000 Stimmen." Nach einer Meldung der Londoner„Times" ist es zweifel- hast, ob die am Sonnabend stattgehabte Tynamit-Exvloston in Quebek das Werl von Feniern ist. Von einigen Seiten wird behauptet,� daß dieselbe von französischen Arbeitern ausgeführt worden sei, die angeblich Groll gegen den Bauunternehmer hegen. Die Auftegung in Qucber dauert fort, der Schaden ist größer, als es Anfangs den Anschein hatte, und man fürchtet, daß das neue Parlamentsgebäude nicht zeitig genug für die Wintersesfion fertiggestellt werden kann. In Mexiko ist eine Verschwörung gegen die jetzige Re- gierung von der Polizei entdeckt und die Theilnehmer hinter Sckloß und Riegel gebracht worden. Dieselben hatten die Absicht, den früheren Präsidenten Lerdo wieder an die Spitze des Staates zu stellen. Zu Gunsten der Jnhaftirten bat sich fast dre gesammte Presse Mexiko's an den jetzigen Präfidenten mit der Bitte um Begnadigung gcwand; der Präsident wird wahrscheinlich diesem Wunsche nachkommen. Wahlbewegung. Aufgelöst wurde eine Wählerversammlung, welche am M'ttwoch 2lbcnd Linienstraße 8(5. Wahlkreis) tagte. Der Re- fercnt, Herr Liefländer, kritistrte das Programm der Konserva- tiven und der Lrberalen, er wies nach, daß beide Parteien Sonderintereffen verfolgen und schloß mit den Worten:„Des- halb wählen Sie weder einen Liberalen, noch einen Konserva- tiven, sondern geben Sie ihre Stimmen dem Kandidaten un- sercr Partei."— Kaum hatte der Redner sich gesetzt, so erklärte der überwachende Beamte die Versammlung auf Grund des bekannten Para-graphen 9 für aufgelöst. Im 3. Wahlkreise tagte ebenfalls am Mittwoch Abend eine große Wählerversammlung im Louisenstäotischcn Konzert- Hause. Herr Stadtverordneter Görcki kennzeichnete treffend da? Gebahren der liberalen Partei und schloß mit der Aufforderung, für den wirklich freisinnigen Kandidaten, Herrn Dietz, einzu- tteten. Schließlich wurde eine Resolution zu Gunsten des Herrn Dietz einstimmig angenommen. Auch die sogenannten Freisinnigen hielten im 3. Wahlkreise am Mittwoch Abend eine Versammlung im Ko- loffeum ab. Gegner wurden nicht zugelaffen. Ein Ardeiter, Namens Hilvebrandt, der durch Zufall in die Versammlung gelangt war, bat um's Wort; doch kaum hatte derselbe einige Worte gesprochen, so erklärte der Vorsitzende, Herr Kassel= „Wenn Sie die„freisinnige" Partei an- greifen wollen, können wirJhnen das Wort nicht gebe n."—(Also nur derjenige darf sich bei den Herren„Freisinnigen" das Wort erlauben, welcher in das Hallelujah für ihren Kandidaten mit einstimmt.) Nette Gesell- schaft!— Wir können es nur aufrichtig bedauern, daß ver- ständige Arbeiter und Handwerker sich noch nach solchen Ver- sammlungen hinbegeben; man lasse die Herren ruhig M gegensestig beweihräuchern, denn dadurch, daß ein Ardester in solchen Versammlungen spricht, kommt in dieselben etwas Leben, während sonst Niemand mehr von dem dort gepflogenen Humbug Notiz nimmt-— Wir glauben aber, daß die Arbeiter besseres zu thun haben, als den freisinnigen Leichnam zu galoanifiren.(Im Uebrigen stehe Versammlungsbericht.) Erfurt, 14. Oktober. Die„Saale- Zeitung" läßt sich schreiben:„Die gestern Abend im Kaisersaale stattgefundene Wählerversammlung, in welcher Herr Hasen« clever redete, war von etwa 3000 Personen besucht. Die Versammlung verlief ruhig, die zweistündige Rede veranlaßt« laute Hochrufe." Lokales. Die Angelegenheit der Reinigung der Panke hat de- kanntlich die Kommunalbchörden bereits im Jahre 1882 zu dem Beschlüsse veranlaßt, daß mit der Ausführung eines Thciles des Radialsystems X der allgemeinen Kanalisation im Jahre 1885 begonnen werden soll, um dem dringendsten Be- dürfniß einer geregelten Entwässerung der Schönhauser Allee, sowie der angrenzenden stark bebauten Stadtgebiete zu nügcn, und um emer weiteren Verunreinigung der Panke vor- zubeugen. Zu diesem Zwecke ist von den Kommunalbebörden für das Etatsjahr 1885 86 die Summe von 2 100000 M bewilligt worden. Die Entwässerungsverhältniffe der vorerwähn- ten Stadtgebiete erforderten aber bereits im vorigen Jabr« die Anlegung eines Hauptsammlers, dessen Bau 400000 M gekostet hat, so daß nur noch 1 700 000 M. zur Verfügung stehen. Hiervon sollen im Jahre 1885/86 für die zu bauende Pumpstation des Radialsystems X und die Druckcohrverlegung nach dem Ricsclgute Blankenfeide-Rosenthal 1 000 000 M. und für die Aptirung des Rieselgutes 175 000 M. zur Verwendung gelangen. Die Deputation für die Verwaltung der Kanalisations- Werke hat beim Magistrat beantragt, ihr diese Summen zur Verfügung zu stellen. e. Taschendieb. Einem Dienstmädchen aus Tempelhotz welches sich gestern auf dem Jahrmarkt in der Großen Franl« furterstraße aushielt und den Bürgeisteig entlang ging, wurde aus der sog. Gretckentasche das daraus hervorragende Porte- monnaie mit 19,87 M gestohlen. Ein Knabe hatte den Diebstaht bemerkt, und dieser veranlaßte die Festnahme des Diebes, eine» „Arbeiters" B-, welcher beut zur Haft gebracht worden ist. g. Wegen Verdachts der Begehung eines Morde» sind sämmtliche Polizeibehörden seitens der Königl. Staats' anwaltschaft in Kottbus unterm 9. d. M. um die Festnahme des Schuhmachergesellen Johann August Scharnack, am � Mai 1858 in Friedrickshain geboren, ersucht worden. Eck m übermittelgroß, von schlanker Statur, hat hellblonde Haare uns Augenbrauen, einen im Entstehen begriffenen Bart, gram Augen und eine dicke Nase. Auf seinen Armen trägt Sck- E ein eintätowirtes Herz, von denen das eine die Buchstaben A. Seh. und einen Stiefel, das andere die Bezeichnung M Trupventheils enthält, bei dem er gedient: Füsilier-Regimew Nr. 35, sowie eine Krone.,. g. Wegen ein paar Flaschen Bier. Ein bedeutend# Bierverleger in der Änncnstraße, Namens Sch, nabm bereu» fest einiger Zest Unterschlagungen in seinem Geschäft gcwabr- dergestalt, daß mehr Bier aus dem Hause ging, als dafür o> Bezahlungen einliefen. Um nun endlich hinter die Betrügereien zu kommen, stellte er sich gestern hinter das Hoffenster fern» Wohnung, welches über dem Bierkcllerausgang belegen m und zählte die gefüllten Flaschenlasten, welche zum Ausfahren auf den Wagen geladen wurden. Als der Wagen den#»1 verlassen hatte, ging Eck. nach dem Ricrkeller, sah hier da vom Expedienten T. geführte KommisstonSbuch durck un fand, daß ein ganzer Floschenkasten zu wenig noliri rv«- Hierüber befragt, gab T. zur Antwort, daß ein Kunde rn o Nachbarschaft einen Kasten Bier bestellt, denselben nicht abg nommen habe. Sch. gab sich hiermst anfänglich zufrieden, a er aber bemerkte, daß T. bald darauf fortging und nach em Viertelstunde zurückkehrte, schöpfte er Verdacht unv Vieler o- stätigte sich auch insofern, als er bei einem sofortigen Besu bei dem betreffenden Kunden erfuhr, sein Expedient T- da diesen bewegen wollen, bei einer Nachfrage auszusagen,, (der Kunde) habe das bestellte Bier zurückgeschickt. Thalsack� hatte er 3 M. bezahlt und der Expedient den Betrag fnr n genommen. Da T. sich nicht bereit finden woltte,' Engägemcntsverhältniß sofort zu verlassen, brachte Vorgang zur Kenntniß der Polizeibehörde. Die eingcic Untersuchung wird feststellen, inwieweit T. bei den ubng Unterschlagungen betheiligt ist. T. ist festgenommen n>or N. Ein erschütternder Unglücksfall, der den sosorug � Tod eines Menschen zur Folge hatte, ereignete sick W, Vormittag gegen 11 Uhr auf dem Grundstück GenlHinerilr.. Daselbst war ein Vi aurer in der 3. Eluge damit veswal n Bretter, die von anderen Arbeitern von Etage zu Etage � reicht wurden, durch das nach der Straße gelegene Fentter das Innere zu ziehen. Hierbei verlor er, als er 0«�„«0 schweres Brett hinaufziehen wollte, das Gleichgewicht. stürzte so unglücklich auf das Trottoir, daß er sofort ver>/ Auf 2lnordnung der Behörde ist die Leiche nach dem L tionshaus geschafft worden., Oer N. Steckbrief gegen einen 13jährigen Knaben.� Staatsanwall beim Landgericht I in Berlin hat einen drief wegen„schweren Diebstahls" r,egen den in Mxvo>£ft borcnen, 13 Jahre alten Knaben, Otto Poscck erlassen. � hoffnungsvolle Junge hat röthliches, langes Haar und kleidet mit grauer Jacke mit großen Käreau's, schwarzer hose, Strohhut und Stiefeletten. Er hat eine Narbe au und eine solche am Handgelenk...„...«olle g. Das Messer hat wieder einmal eine recht traung � in einem Streit zwischen mehreren Freunden gespreu,. kurz vorher bei einer Parthie Billard die Zeit oerinebcn« � Am Montag Abend defanden sich in einem Reftary-jai£r> Markgrafenftraße mehrere Handwerker, darunter auch em gchilfe Sp. aus der Lindenstraße. Sp- hatte mst zw«'« xcs Bekannten Billard gespielt und war wegen Bezav u-m, Billardgelvcs in einen Wortwechsel gerathen. Als dw 0 schaft in später Nachtstunde das Restaurant verlreß,' sc � in der Wortwechsel auf der Straße fort und bald war ver"�5 NWZ Gcficht und auf dem Kopf, so daß er die Hülfe der mi �(e- ' Hauser entfernten Sanitätswache in Anspruch nehmen � Unter anderen hatte Sp. auch einen Msserstich über 0 Auge, welcher die Augenbrauen durchschnitt. sowre Wunde an der sinken Backe erhalten, welche von ernem' � et Instrument, anscheinend einem Hausschlüssel herrity-'• Polizei bereits gelungen ist, die' beiden Thcitcr zu ermit- �".un? ihre Namen festzustellen, so wird dieser rohe Akt seine verdrente Ahndung erfahren. Einbruchsdiebstahl wurde gestern Nachmittag ß'gen;> Uhr in der Mädchenstude des Hofkonditors Kranzler, den.. Linden- verübt. Als ein Dienstmädchen von den Mwastsräumen nach der höher gelegenen Mädchenstube sich Mab begegnete ihr auf der Treppe ein Mann, der eilig Nunterging und sich entfernte. Diesem folgte ein zweiter ji*®'®,» der ein Bündel in der Hand trug und dieses, als er X™ Mädchen sah, von sich warf. Auf den Hilferuf des Mäd- Wvj wurde der Verdächtige in der Paffage ergriffen. Der- .«n alter Zuchlhäusler, der ehemalige Gärlnergekilfe O., frnOUrL et1"' �it einem ihm unbekannten Komplizen, deffen Bc- LMHaft er in einem Verbrecherkeller gemacht hatte, einen «mvruchsdiebstahl gemacht und das sodann fortgeworfene iS* Mit Kleidungsstücken entwendet zu haben. Bei O- Bund Schlüssel und Dietriche gesunden, mit welchen Mntlrche Schränke und verschlossen� Behälter in der Mädchen- >Ulve geöffnet worden sind. �*stohlene Straußenfedern In der Nacht vom 10. v S"ii d. I. wurden mittelst Einsteigens in ein offen otC?. Frnster der parterre belegenen Wohnung der Feder- Mnterm Frau John, Gcorgenkirchstr. 8, neben einer Anzahl Moungsstücke eine Parthie Straußenfedern im Werthe von LUi an eine Paiinie«in oi,,..M- gestohlen, welche Frau I. von dem hiesigen bekannten ZUvsedernfabrikanten Fr. Reuter zum Kräuseln erhalten hatte. uon dem Diebstahl in Kcnntniß gcsetzen Kriminalpolizei es nach kurzer Zeit, die gestohlenen Straußenfedern bei nn Hehler Namens Köppen zu entdecken, welcher die Federn von einem gewissen Ehlers gekauft hatte. Diese Ent- in QUC� üur Ermittelung und Festnahme des Diebes sei«> B�son des Tuchmachergesellen Springer, welcher sich ffir s. �">0"«es-uucymacyergeieuen Tvrmger, wcrcyer nw 1' August d. I. wegen dieses Diebstahls in Unter- �yrngshast befindet. In der gestrigen Sitzung der 3. Straf- w.'nerwfigen Landgerichts kam der Kriminalfall zur öffcnt- Cr" Verhandlung. Aus derselben ging hervor, daß Springer der A f«i borgeredet hatte, er(Springer» beschäftige sich mit y,«vvyvnvci vuu«, et veiujustiHe(tu# u»vt tekn s 8.un® künstlicher Federn, eine Angabe, die dadurch sinwi n)'dcilcgl wurde, daß dem Springer während der ."wchungshasr Scidenpapier gegeben wurde, an welchem Kunst beweisen sollte. Er war natürlich zu er fc-K�btigen Leistung nicht im Stande. Jetzt gab er an, bi« gestohlenen Federn von einem„Unbekannten" für 4 r�' Muich erworben. Der Gerichte Hof schenkte diesen Flunkc- w�/Mstoelständlicht nicht den geringsten Glauben und ver- iRnrnf- m Springer mit Rücksicht auf feine bereits erlittenen SSaulv w D 3 Jahren Zuchthaus, Ehrverlust auf gleiche kam?» Md Stellung unter Polizeiaufsicht. Köppen und Ehlers Und u T'l st Zwei Jahren Zuchthaus, zwei Jahren Ehrverlust foi„�iafsung von Polizeiaufsicht davon, weil der Gerichts- tri�-M?�' baß Beide die Hehlerei nicht gewerbsmäßig be- Att �.Mben.— Interessant ist übrigens hierbei, auf welche flelenf»®st'fe die Kriminalpolizei auf die Spur des Diebes »ei �Pbde. Springer war zu einem gewissen Böhme, neben- lestmmf auch nicht der Beste, gekommen, und hatte diesen I: JöW.' 100 er einen Posten Straußfedern„verschärfen" könnte. Ä,, x verweigerte dem Springer eine bezügliche Auskunft. Kurze teef??tau! war Springer mit Böhme in einem Lokal in Streit ttotf..*' �i welchem Böhme schließlich aus dem Lokal ge- �«urde. Wuthschnaubend lief er zur Kriminalpolizei und sei dstr, ob nickt ein Diebstahl von Straußenfedern gemeldet fol'm? Ä vom 18. Polizeirevier die bejahende Auskunst er- Das~ I' H'■ ri M i Ende war, daß die Hehler sammt dem Diebe "schloß und Riegel gebracht wurde. .„(�kizeibericht. Am 14. d. Mts. fiel dem Kesselhcizer 1" der Holzschrauben-Fabrik von Winkelmann, Alt- tuij öi'; Ar. 92, ein etwa 150 Kilogramm schweres Gewicht fcÄtiu?"Uß und verletzte ihn derartig, daß er sich nach dem IS.\ ,e5n Krankenhause Moabit begeben mußte.— Am WiiTnK..- machte ein Handlungs-Kommis in einer Re- !»l°erü" der Klosterstraße den Versuch, sich mittelst Re- sliSen B«schießen, die Kugel blieb jedoch im Oberkiefer Nn inv.%« Verletzte ist außer Lebensgefahr und wurde nach �n>°'schm Krankenhause gebracht.— An demselben Tage IW,., vergiftete sich ein Mädchen in der Wohnung eines lvltr. in der Belle-Alliancestraße, wo es zum Besuch � jrm ,? Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft. ÜNi«,.d- Mts. früh entstand in der Tischlerei von Hoff- Kleine Markusstraße Nr- 24, Feuer, durch welches W: St„}} Mobiliar zerstört wurden. Die Feuerwehr war st und löschte den Brand in kurzer Zeit. GmeW- Zeitung. Ueber den Verbleib eines Theils der in der Nacht vom 5. zum 6. Dezember 1880 in Gera gestohlenen Staatseffekten wurde durch die heute vor der vierten Straf- kammer hiesigen Landgerichts l stattgehabte Verhandlung gegen den Holzhändler Rosenstiel und dessen Ehefrau wegen Hehlerei der bisher vollständig vorgezogene Schleier gelüftet. Als die Diebe waren seiner Zeit der Kellner Nürnberg und der Metall- dreher Wagener ermittelt, welche wegen einer großen Reihe von Diebstählen zu je 15 Jahren Zuchthaus verurtheilt wurden, welche diese Strafen gegenwärtig im Zuchthaus zu Lauenburg abbüßen. Mit Wagener saßen damals während der Unter- suchungshaft in einer Zelle der Handelsmann Bodien und der Albeiter Weißhuhn, der unter dem Spitznamen„der Springer" bekannt ist. Durch die Ebekrau des Bodien, der damals wegen einer anderen That zur 5 jährigen Zuchthausstrafe verurtheilt worden ist, ermittelte die Kriminalpolizei, daß zwischen Wagener und der Frau Rosenstiel Kassiber gewechselt wurden, welche sich augenscheinlich auf den Effektendiebstchl bezogen. Die wei- tere Untersuchung ergab nun, daß Frau Rosenstiel am 7. Dez. 1880 bei dem Banquier Hirschberg 4 Braunschweiger 20 Thlr.- Loose verkauft hat, welche ihren Nummern nach zu den ge- stohtenen Effekten gehörten. Ueber den Erwerb dieser Papiere gab Frau Rosensttel dem Käufer an, daß sie sie von dem Dr. Luder aus Gera, mit dem sie hinter dem Rücken ihres Ehe- mannes ein intimes Verhältniß unterhalte, zum Geschenk er- halten habe und diese Behauptung hielt sie auch im heutigen Termine aufrecht. Interessant waren die Aussagen der kom- missarisch vernommenen Zuchthäusler und des im Termine er- schienencn, aus dem Zuchthaus vorgeführten Zeugen Weißhuhn über ihren Verkehr in der gemeinschaftlich bewohnten Unter- suckungszelle. Für Frau Rosenstiel besonders belastend ist die Bekundung der Bodien'schen Eheleute, nach welcher ihr ein Kassiber des Wagner zugestellt worden war, in dem derselbe unter der Androhung, sie sonst reinzulegen, um Einzahlung zur Selbst- beköstigung aufforderte', Frau Roscnstiel soll auch, was sie in Abrede stellt, unter anderem Namen mit Wagener Unter- redungen beim Untersuchungsrichter gehabt haben. Gegen den Angeklagten Rosenstiel, der von dem Verkaufe der Effekten seitens seiner Ehefrau gar nichts wissen will, wurde nichts Be- lastendes erbracht, so daß Staatsanwalt Dr. Dacede dessen Freisprechung beantragt, während er die Ehefrau der Hehlerei sür vollkommen überführt erachtet. Höchstwahrscheinlich sei Dr. Luder und Wagener dieselbe Person und es könne keinem a weise! unterliegen, daß die Angeklagte über den Erwerb der ffekten genau unterrichtet war- Am Tage vorher waren sie in Gera gestohlen, und Dr- Luder solle auch von dort her- stammen. Als Strafmaß bringe er 6 Monate Gefängniß in Vorschlag. Der Gerichtshof verurtheilte die Angeklagte zu drei Monaten Gefängniß._ Atbel.erbeWeguug, Perems uml PersAMMwugen. Daß die deutsch-sreistnnige Partei in der reaktionärsten Auslegung des Sozialistengesetzes die Polizei bei Wertem übertrifft, das dewies zur Evidenz wieder der die vorgestern Abend im Kolosseum stattgehabte Wahlversammlung des Vereins „Walveck" leitende Rechtsanwalt Cassel und verdient der Vor- gang, in das duftende Bouquet freifinniger Agitationsblüthen eingereicht zu werden. Nach dem Referat des.Herrn Zelle kritistrte Herr Cassel, bezugnehmend aus die aufgelöste Tivoli- Versammlung des Berliner„Arbeiter"-Vereins, die ungleiche Handhabung des Vereinsgesetzes betr. die Verbindung politischer Vereine bei Freisinnigen und Konservativen und gab sich augenscheinlich die größte Mühe, die Versammlung vor dem Schlafengehen noch ein wenig zu begeistern, worin er von dem nächstfolgen- den Redner lebhaft unterstützt wurde, der nämlich, gegen ein- zelne draußen zurückgehaltene Arbeiter gewendet, diesen zurief: „Der Bürger gehört zum Bürger, warum kommt Ihr also nicht zu uns, Euren Freunden?"— währenddessen ein Piquet Gefinnungstüchtigcr Freifinniger die Thüren verrammelt hielt. Der Ruf, man solle doch die Leute dann auch hinein- lassen, wurde vor lauter Enthusiasmus für den phrasenhaften alten Herrn von den Maulhelden gänzlich überhört. Als aber von den ca. 10 im Saale anwesenden Arbeitern Herr Hildebrand das Wort erhielt und ungefähr begann, er sei hergekommen in dem Glauben, daß hier anständige Männer ihre Meinungen austauschen könnten und auch einem Gegner.. da donnerte ihm der freisinnige Rechtsanwalt entgegen:„Ich bedaure sehr, ich entziehe Ihnen das Wort.(Ruf:„ekelhast!") Das hat sicher noch kein Polizeiofstzier geleistet, was hier von der Partei für Volksfreiheit geschehen und man fleht deut- lich wie der Herr Rechtsanwalt immer mehr Karriere macht, so daß er vielleicht schon bei der nächsten Reichstagswahl— reif ist für ein deutsch-freistnniges Mandat. Wie sagte doch Herr Zelle? Stöcker reklamire sür seine Sache den Glauben und ein Jesuitengrundsatz laute „credo quia absurdum" zu deutsch eben, weil Unsinn, glaube ich es, aber das Volk sei nicht dazu da. Alles gedankenlos hinzunehmen, sonst müßten seine Abgeordneten schließlich gleich mit einer Livree in den Reichstag kommen! Nun, nach diesem das Andenken Waldecks entehrenden Vor- gange mußten Jedem, der bei diesen politischen Spiegelfechtern seinen normalen Verstand noch nicht gänzlich eingebüßt hat, diese Worte des Herrn Zelle die Schamröthe ins eigene Geficht treiben. Der Herr Rechtsanwalt aber, der neben seiner geschäft- lichen und politischen Thätigkeit auch viel in Volksbelehrung macht, ist bereits gegen kindliche demokratische Gewissensbisse gefeit, gerade wie sein Vorgänger Kaufmann. Die„selbstgemachten" Männer der Louisenstadt— wie sich Herr Zelle geschmackvoll in der Manchestersprache ausdrückte — und deren es nirgends auf dem Erdball so viele gäbe, wie gerade hier, werden am Wahltage zu zeigen haben, ob sie in in der Gesinnung in demselben Äiaaße herunter, wie materiell heraufgekommmen sind, die übrigen Wähler des 3. Wahl- kreises aber, die nach der freisinnig- reaktionären Auf- fassung es nur aus purer Faulheit noch nicht zu einem Haus- oder Fabrikbesitzer, Rentier oder Börsenmann oder sonst einem vor dem Forum dieser Volkszertreter stichhaltigen Beruf ge- bracht haben, werden auch ihren Mann finden. Köpnick. Am Sonntag den 12. Oktober fanden bei mehreren hiesigen Einwohnern Haussuchungen nach verbotenen Schriften statt, doch war das Resultat in den meisten Fällen ein negatives. Versammlnngsverbot. Die zu heute den 16. d. Mts. und zu morgen, den 17., angemeldeten Versammlungen der Wähler des 4. Berliner Reichstagswahlkreises sind gestern Nachmittag auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes verboten woiden. Eine große Wählerversammlung im 3. Reichstags- Wahlkreise findet heute Freitag, den 17. Oktober, Abends S'/s Uhr. in Mund's Salon, Kövnickerstraße 100, statt. T-O.: Wie stellt sich die deutsch-freistnnige Partei zur Sozial-Reform? Ref. Herr Tischlermstr. Mitan. Freie Diskusston. Zu dieser Versammlung find Vertreter aller Parteien eingeladen. Verein zur Wahrung der Interessen der Korbmacher Berlins und Umgegend, Sonntag den 19. Oktober, Generalversammlung, Vormittags ein halb 10 Uhr, bei Otto, Aval- bertstraße 21. Tagesordnung: 1. Vierteljährliche Rechnung- legung und Bericht der Kontroleure. 2. Rechnunglegung vom Stiftungsfest. 3. Vorstandswahl. 4. Vereinsangelegenheiten. Der 4. Kursus der Fachschule des Fachvereins der Schneider wurde gestern Donnerstag den 16. Okt. er. Abends 3V, Uhr im Lokal Mauerstr. 86 eröffnet. Derselbe dauert wie bekannt 3 Monate und sind drei Abende in der Woche mit je zwei Unterrichtsstunden festgesetzt. Das Honorar beträgt pro Kursus 15 Mark, wovon 3 Mark bei der Anmeldung zu zahlen find, der Rest kann innerhalb 4 Wochen in beliebigen Raten gezahlt werden. Anmeldungen werden von Taust, Taubmstr. 35 und Pinger, Mauerstr. 86, entgegengenommen. Ikkfl alten äer Keda&tion. Die Adresse des Berliner Vertreters der Zentral-Kranken- und Äegräbnißkasse für Frauen und Mädchen(Eingeschriebene Hilfskaffe Nr. 26) Offenbach ist: C. Richter. Andreasstr. 20, Hof r., 3 Tr., Vorsitzender, und Paul Schneider, Blumenstr. 27, pt. Kassirer. Diese Kasse zählt schon über 3000 Mitglieder: verzinslich angelegtes Vermögen ca. 6000 Matt; zahlt an Unterstützung 7 Mark pro Woche und 60 Mark Sterbegelb i die Unterstützung 26 Wochen lang; Karenzzeit 4 Wochen. Diese Kasse genügt dem Kranlenkassengesetz. H., Kleine Andreasstraße 8- Wenden Sie sich doch an die Polizei. V. S., Friedrichsfelde. Natürlich find Sie wähl- berechtigt. W. Z, Fruchtstraße. Wenn Sie nicht naturalifirt find, find Sie nicht wahlberechtigt. Rohrleger. Sie geben in Ihrem Bericht ja garnicht an, w o die Versammlung stattgefunden hat, das gehört doch auch dazu. Wir bitten um Mittheilung. Theater. _ Königliches Overnhaus: .j06. Vorstellung. Die Nachtwandlerin._ Königliches Schauspielhaus: Das Testament des großen � fötff"%ötWÜng Kur- #M. a""*"= m.-Oellealliance-Theater: (Eni Gastspiel der Königl. Hofschauspielerin Franziska v UMh SM'ch. Auf allgemeines Verlangen: Bürgerlich �W�Romantisch._______ Friedrich. Wilhelmstädtisches Theater; t�ttgpatone. �itag. 0 Walhalla-Lperetten-Thcater: - �pum 303. Male: Nanon. tta». a,. v. oktend-Theater: in 3**� Male: Ein Vampyr, Sensations-Drama so" Akten und 5 Bildern nach dem untwe" im Berliner Lokal-Anzeiger von -WjOCarl Werxel._ leichnamigen ed Seefeld Ksm«., kentral-Tyeater: > Alte Jakodftraße 30. Direktor: Ad. Ernst. in 4-!}-. Woche: Jäger- Liebchen. GesangSposse («--W/n von L. Treptow; Couplets u. Quovlidets v. 6'z.in.�'.Musik von G. Steffens. Kassen- Eröffnung Anfana der Vorstellung 7'/, Uhr.____ Louisen städtische» Theater: t; n„ Dttettton; Josef Firmans._ (j!n?"m 32. Male: Robert und Bertram. Mit neuen ®oncerteä® Uhr. Der VorViktoria-Theater. ki, Excelfior. . m 35. Male: Die Sirene.(La Flamboyante.) erste Aoril.___________________ - Freitag: Der Raub der Sabinerinnen. Alham/bra-Thoater. . Wallner theaterstraße 15. -Cftä c»>..»reitag. den 17. Oktober: �ksst��chulädchen von Schöneberg. Ans, wit Gesang in 3 Akten und 7 Bildern von M. Manstädt- my., ,,,-fl« X'tUIIIiUyt. 8' n Uhr.— Morgen dieselbe Vorstellung. Arbeits mnrkt. Ein Mädchen f. 21., welches kochen kann, wird sofort verlangt, Waterloo-Ufer 13, III rechts._ 1080 Ein anständiger Bursche, verschon in einer Tels- graphenbauanstalt gearbeitet hat, findet Beschäftigung bei F r i e d l ä n d e r, Zimmerstr. 33._ 1054 V. Reichstags-Wahlkreis. Sonnabend, den 18. Ottober, Abends 9 Uhr, Große öffentliche im Wähler-Versammlung Restaurant Rosenthalerstr. 11—12. Tages- Ordnung: Tages- Ordnung: Vortrag und freie Diskussion.— Sämmtliche Wähler, ohne Unterschied der Partei, sind hierzu eingeladen. 1053]_ Der Einberufer. 3. Reichstags-Wahlkreis. Wähler- Versammln» g. Heute, Freitag, den 17. Oktober, Abends 8'/- Uhr, in Mund's Salon, Köpnickerstr. 100. Tagesordnung: Wie stellt sich die deutsch-freistnnige Partei zur Sozialreform. Referent: Herr Tischlermeister Mitan. Freie Diskusston.— Zu dieser Versammlung find alle Parteien freundlichst eingeladen- 1053] Der Einberufer. Im 6. Reichstagswahlkreis oerkaust gute Cigarren, Cigaretten. Nordh. Priem-Tabak und Rauch-Tabak die Cigarrenfabrik von M. Bernstein, Eichendorfstraße Nr. 13, 913 vis-a-vis dem Stettiner Bahnhofe. Ein einfach möblirtes Zimmer wird sofort zu miethen gesucht. Gest. Off. unter P. 100 an die Exp. d. Bl.____ Eine Schlafstelle gesucht in ver Nähe ves Franks. Thors. Adressen P. T. abzugeben bei Meyer, Fruchtstraße 36a, Zt- garren laden.___ 1055 von Tuch, Tibet. Kammgarn, Double f wW»; und Wolle kauft und holt ad 1030 F. Ouednow, Wienerstraße 40. Die Nr. 9 der humoristischen Blätter II „Der wahre Jacob ist erschienen und in der Exped. d.„Berl- Volksbl." zu haben Die stattstischen Wahltafeln find soeben erschienen und in der Expedition des„Berliner Volksblatt", Zimmers». 44, zu haben. Sämmtliche Neuheiten in Kleiderstoffen für Herbst und Winter sind in reichster Auswahl zu bekannt billi- gen Preisen eingetroffen, wir stellen deshalb, um zu räumen, mehrere Serien Kleiderstoffe zum Ausverkauf. Berliner Warb glatt und gemustett zu Hauskleidern 1 Meter 30 und 40 Pf. Wool Cheviots kräftiger schw. Stoff Mtr. 40 Pf. Cheviot Diagonale glatt und in sehr hübsch. Mustern Meter 40 und 50 Pf. 1 Velour-Cheviot haltbarer Stoff für Haus- u. Straßen- kleider Meter 50 Pf. Carrirte dunkle Wollstoffe früher Meter 1 Mark, jetzt 50 Pf. iarrirte dunkle doppelt breite rein wollene Stoffe, früher Mtr. 3 Mark, jetzt Mtr. 1,50 Mk. Eine große Auswahl Broches, 110 Cmtr. breit, fr. Mtr. 2,50 Mk.. jetzt Mtr. 1,25 Ml. 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Verantwortlicher Redacteur«.«r-vhet» w«erlin Druck und Verlag von«ax»-diu« in Berlin SW., Beuthftraß«% est- m fittlter BolbiM. Rr. 167. Freitag, den 17. Oktober 1884. 1. Jahrgang. Chinejlsche Demokratie. (Aus dem„Hamburgischen Correspondent.") >>. �ben die politischen Ereignisie die Chinesen in oen Vordergrund des allgemeinen Interesses gestellt, und leb- V beschäftigt man sich daher mit den vielen Räthseln, Elches dieses merkwürdige Volk den westlichen Barbaren ftoch bietet. Kein Volk ist so wenig durchschaut worden, wns wird so wenig verstanden wie dieses. Zwei Gründe find 7 vorzugsweise, welche dieses Verständnis erschweren. Zu- nächst weil„„eh ejne gliiMjche Kennlnih des Genoffenschafts- ?v�ns der Chinesen fehlt und das, was man davon weiß, 'QHi Beurtheilung nicht in gebührende Berücksichtigung flogen wird. Nun ist aber das Genossenschaftswesen �hma ausgebildeter und weit umfassender als in mA"nem anderen Lande der Erde. Kein Kulturvolk hat ..,a> nur annähernd so viele und vorzüglich organifirte und 8«, genossenschaftliche Institutionen aufzuweisen, wie 5.1, �bsnesen— Institutionen, welche sich über das �"bleche und gesellschaftliche Leben hinaus auf das husche erstrecken. Sodann ist die irrige Annahme zu yBoHncn: asiatische Regierung und Despoten seien zwei Be- 2%*' die sich vollständig decken. Der Regierung von Peking ml allerdings kein Parlament zur Seite. Gesetzgebung und �erwaltung stnd von parlamentarischen Einflüssen jeder Art— romer tn europäischen Sinne gemeint— frei, und doch ist die roegrerungsgewalt keine unumschränkte. Sie ist eben gebundener, m�roan gemeinhin annimmt— gebunden durch den Mllen des b-k«'' � llch trotz des Mangels parlamentarischer Formen sehr f*« mt g�tend macht. Die Letzleren werden durch das Genossen- wesen ersetzt, welches sich wirkungsvoller zeigt als jene. bas Genossenschaftswesen ist nur deshalb mächtig, weil das romepsche Volk durch und durch demokratisch veranlagt ist; .ur wenige andere halbzivilistrte und barbarische Völker können !!�roro in dieser Beziehung gleichstellen, ein kultivirtes aber Jt*- Es find nicht einige Stände der oberen Volksschichten, welche sich wie in anderen Ländern zur Wahrung ihrer Jnter- Zusammenschließen, wie beispielsweise Avel oder Priester- »la'.sondern das gesammte Volk nimmt Theil an dem Ge- offenschaftswesen, und alle Genossenschaften stehen sich gleich- � gegenüber, denn es giebt keine vriveligierte Gesellschafts- s.?.lle, keinen Erbadel, keine Beamtenkaste, keine geschlossene, ü siefügte Priesterschaft Nur einen geistigen Adel anerkennt dlwc demokratische Volk, und als Adelsbrief gilt das Zeugniß hn.k�roinatoren, welche jedes dritte Jahr in den Provinzial- c°"ptftädten die großen Staatsprüfungen unter sehr erschweren- >»1.ständen aohalten müssen. Eine Bureaukratie kann sich J Wb nicht bilden, weil die Vergebung eines Amtes nur auf ,.«jauer von drei Jahren geschieht und kein Beamter in mner Heimatbprovinz Funktionen ausüben darf. Er ist Der stets genöthigt, unter Menschen zu wirken, die— �gleich seine Landslcute— ihm fremd gegenüberstehen. Die ■peamten find ferner jeden Augenblick absetzbar, falls ihnen „n* der Rath der Zensoren in Peking Pflichtveraessenheil s. roroeisen kann. Dir Zensoren überwachen das Verhalten [ romllicher Beamten, vom Kanalschleußenwärter bis hinauf zu ein Kajsxr auf dem Throne, zu welchem Zwecke sie in allen Provinzen eigne Beamte anstellen. Der Mutd dieser Zcnioren ü Manchmal bewundernswcrlh, fie verschonen selbst den„Sohn vs Himmels" nickt, wenn die Wohlfahrt seiner Unterthanen •De Kritik seines Verhaltens nothwendig erscheinen läßt, und mancher Zensor hat diesen Much schon mit dem Leben gebüßt. l.Mr sind ihre Namen in die Tafeln der chinesischen Geschichte DJ glänzenden Lettern eingetragen worden- In der Regel rohen aber die Kaiser die Kritik der Zensoren ruhig über steh rfieljen und schenken ihren Ermahnungen Gehör, denn so ge- �ut ihnen die Staatslluaheit, da das Volk fich noch in jedem "Rüte auf Seite der Zensoren gestellt hat. v. Von einer Pricsterlaste kann deshalb keine Rede sein, weil - � Staatsreligion, die im Wesentlichen aus der Moralphilo- „Die des Konfuzius besteht, überhaupt keine Priester kennt die Priester des Buddhismus und Taotismus kaum diesen .?>roen verdienen- Sic stnd mehr Tempeldiener und müssen JJrorfig noch ein Nebengewerbe treiben, gewöhnlich das eines Lieutenant v. FatKenstews örautfahrt. (Aus„Berliner Blut" von Paul Lindenberg.) raut-'-�'tternachtsstunde war weit vorüber und der Morgen -'D0n durch die hohen Fenster des Öisizierkastno zu M. Inwül c>c�eTen des langen Elchentisches saß noch eine Wiütf,., Jterf' die gefüllten Bowlengläser vor sich; die lütkm.., nmren schon erhitzt, das Gespräch laut und über- >ina?„ �d handelte von den tausendsten und abertauscndsten Uten ö* in die geschnitzten Stühle zurückgelehnt, Mpn. meisten Herren den Uniformrock aufgeknöpft und eschüffD beneidens werther Behaglichkeit die grünen, schön �end hnvord' denen der Duft des Maitrankes ver- >it k'e6'� 1lln' �alkenstein, erzählen," rief ein junger Offizier blonden Bärtchen, das er, verzweifelnd an fernerem lisch.„"ro, etwas keck in die Höhe gevreht hatte, über den Was f.ronem hoch gewachsenen, älteren Kameraden, der aus ie Verlobung die heutige Bowle gegeben,„erzählen st.!?'�ie von Dingsda, Berlin, von— von Verlobung. 'okk�e'»�°dlen, Falkenstein, erzählen, wir stnd ja diskret, .ettn lldn, na, nun los," so riefen auf Lieutenant von us Anregung einige Offiziere durcheinander. ntn a bisher so fröhlichen Mienen Falkensteins nahmen llnsteren Ausdruck an und ein hartes Wort der Zu- ie fs„ s8 schwebte schon auf seiner Zunge. Da legte sich trirn../1 seines neben ihm sitzenden Freundes Wrnterfcld -ttle°uf den Arm...Ereifrige dich nicht nutzlos, Ulrich," >re? ieise,.chcr Wein spricht aus ihnen; geh nicht auf nd 8-?� e'n, sie werden gleich ein anderes Thema finden." äber 1 Lecher hatte recht; die jungen Offiziere� waren rana.°">.?ettau gerückt und aus ihrer lebhaften Unterhaltung ilthll /ro Worte„Hindernißrcnnm",„erster Preis,„Ge- tstens r*; herüber. Dieser Sioff war rhncn min- �lobung ��ressant, wie ihres Kameraden Falkensteins ies/'�u kannst es ihnen nicht so sehr übel nehmen, daß sie rfeld e Bitte an dich richteten," meinte Herr v. Wm- n. fl-SS?"euem.„Tu fäh-st mit kurzem Urlaub nach Ber- "Nme iln�S halber, bist kaum eine Woche dort und da de- - sÄ: ÄS lÄÄ'l« Üer Jl0 d-e Bestätigung höre, denn daß Du Schmetterling Schmetterlinge, so schnell in das solide Fahrwasser steuern Beschwörers und Wahrsagers, um eine bescheidene Existenz zu fristen. Ihrem Berufe anzugehören, wird keineswegs als Ehre betrachtet, jedem ist derselbe zugänglich, und wenn er seiner überdrüssig geworden ist, mag er austreten, wann es ihm be- liebt, um sich irgend einem anderen Erwerb zuzuwenden. Würden nur Standesgenoffcnschaften Vorhandensein, selbst wenn fich das ganze Volk in solche zergliederte, dann könnte die Regierung eine gegen die andere ausspielen, wie es ja nicht selten geschehen rst in monarchischen Staaten des Abend- landes; so wie die Dinge aber in Wirklichkeit liegen, bilden die Genossenschaften eine mächtige Schranke für die Rcgierungs- Handlungen. Als wichtigste Genossenschaften kommen hierbei in Betracht: die Sippen oder Klane, die Landsmannschaften oder Distriktsgenoffenschaften und die Handelsgilden. In zweiter Linie verdienen erwähnt zu werden: vie Ver- eine, welche zu irgend einem bestimmten Zwecke dauernd oder vorübergehend gegründet werden, und die geheimen politischen Gesellschaften, welche fast alle Revolutionen und Putsche ange- stiftet haben- Die gefährlichste und mächtigste der Letzteren ist die„weiße Lilie", sie hat sich kein geringeres Ziel gesetzt als die Vertreibung der Mantschu- Dynastie vom Thron des Blumenreichs und ihre Ersetzung durch eine echte chinesische Herrscherfamilie. Sie ist nicht allein über ganz China verbreitet, sondern auch überall im Ausland, wo fich Chinesen in einiger Zahl niedergelassen haben. In der Fremde werfen diese Ge- heimbündler sogar die Maske ab; ging doch jüngst die Zweig- löge in San Francisco so weit, in festlicher Prozession an dem chinesischen Konsulat vorbei zu marschiren. Diese Gesellschaft soll die große Taivingrevolution in Szene gesetzt haben; jeden- falls bat sie dieselbe mächtig gefördert. Es giebt ungefähr 45» dieser„Stämme" und als ihre vier hauptsächlichsten Zwecke können bezeichnet werden: Zurückweisung der Uebergriffe der Zentralgewalt und eigene Gerichtsbarkeit in gewissen inneren Angelegenheiten; gegenseitige Hilfe und Be- schützung in geschäftlichen und anderen alltäglichen Perrich- jungen des Ledens: gemeinsame Feste; die Pflege des Kultus der Tobten, der bekanntlich allen chinesischen Religionsgesell- schaften eigen ist. Abzweigungen dieser Stämme findet man über alle Provinzen zerstreut, doch besteht niemals eine Ort- schaft aus den Angehörigen eines Stammes, weil fie nicht unter einander heiratben dürfen. Die Organisation ist so straff, daß einerseits dem Unschuldigen sein Recht erstritten, andererseits aber oft die Bemühungen der staatlichen Richter einen Schul- digen verdientermaßen zu strafen, brach gelegt werden. Ge- legentlich gerathen zwei Stämme in Fehde mrt einander, die in Erbfeindschaft ausarten kann, welche fich viele Geschlechter hindurch fortpflanzt. Diese Febden verlaufen manchmal blutig, häufiger jedoch wird die Rache durch die Zerstörung des feindlichen Eigenthums zu kühlen gesucht. Die Dämme der Reisfelder find ein gewöhnliches Angriffsobjekt, der härteste Schlag aber, der den Gegnern versetzt werden kann, besteht in der Verwüstung der Gräber ihrer Ahnen. Selbst ins Fremd- land werden diese Stammesfehden verpflanzt. So geschieht es nicht selten, daß in Kalifornien ein Chinese von einem Lands- mann ermordet, verstümmelt oder an seinem Eigenthum ge- schädigt wird, und der Missethäter vor den Schranken des Gerichts erklärt, er habe ein Recht zu dieser That gehabt, ja, die Pflicht sogar— auf Grund einer unausgetragenen Stam- mesfehve. Es ist dies die Vendetta in chinesischem Stil. Diesen Organisationen reihen fich bezüglich des Alters und der Wichtigkeit an die Landsmannschaften, was wohl die beste Uebersetzung eines Namens ist, der soviel bedeutet, wie Genoffenschast ernes Distrikts oder einer Gegend. Diese Korporationen können als eine Art Provinzialverbände mit weitgehenden Selbstreaierungsrcchten bezeichnet werden. An ihrer Spitze stehen Verwaltungsräthe, welche die niedere Justiz und eine gewisse Polizeigewalt ausüben, Steuern im Interesse der Landsmannschaft erheben unv in manchen anderen Dingen eine solche Lokalgewalt zur Erscheinung bringen, daß die kaiserlichen Beamten nur selten einen hartnäckigen, weitgehenden Wider- stand wagen. Die Vorsteher oder Aeltesten der Landsmann- schaft gehen aus allgemeinen Wahlen hervor, und wenn fie ihre Pflichten zur Zufriedenheit der Wähler erfüllen, behalten sie ihr Amt auf Lebenszeit- Die Vorsteher des Distrikts, der würdest, hätte ich nie und nimmer geglaubt. Dein Wohl, meine Junge, ich freue mich von Herzen!" Falkcnstein führte das Glas an die Lippen und lächelte dabei seelensoergnügt vor fich hin-„Ja, ja, lieber Hans," begann er dann,„Glück muß der Mensch haben, und ich habe Glück gehabt, namenloses Glück- Die schnelle Verlobung muß Dich und Euch allen sonderbar erschienen sein, mir selbst war es ja wie ein Traum— und zuerst fürchtete ich immer, es würde zerrinnen, wie es bei allen Träumen geschieht. Wenn eine Brautfahrt seltsam war, so war es die meinige, und ich glaube, meine Urahnen haben fich in ihren Särgen schon zehnmal umgedreht über diese moderne Verlobung ihres aus der Art geschlagenen Sprößlings. Nun, möchte es ihnen nur gut bekommen!— Dabei ist meine Verlobung oder viel- mehr das Vorspiel derselben durchaus romantisch, mindestens eigenthümlich. Dir kann ich's ja erzählen, also, höre und staune. Während der ersten Tage meines Berliner Aufenthaltes verkehrte ich viel mit einigen dortigen Kameraden und fie be- fleißigten sich anerkennenswerth, mir die lustige Weltstadt bei Tag und Nacht zu zeigen. Das war ja ganz nett. aber am drtttcn Tage wollte ich nun einmal auf eigene Faust mich amüfiren, wollte womöglich ein Abenteuerchen bestehen, eine Eroberung machen, na, ich brauche Dir ja nicht erst zu erklären, was ich wollte- Gegen Abend bummele ich also in Zivil die Straßen entlang und überlaß mich so recht mit Behagen ohne jegliches Ziel— wenn auch nicht ohne jeglichen Zweck — dem großstädtischen Tumult. Manch hübsches Lärvchen huscht vorüber, manchen freundlichen Blick erhalte ich— aber es war alles nichts für mich. Ich schlenderte die Leipziger- straße binunter, es mochte wohl schon neun Uhr sein— und biege in die Potsdamerstraße ein. Da sehe ich vor mir ein zartes Wesen in schnellem Schritt entlang gehen, ach, nicht gehen, schweben, eine zierliche, holde Figur, muthwillige Löckchen quellen unter dem weißen Kopf- »uche hervor und nun erdlickie ick im Schern der Laterne das halb zur Seite gewendete süße Gefichtchen. Hans— an langsam keimende Liebe glaube ich nicht mehr— mich durchzuckle es wie ein Blitz, ick war verliebt, sterblich verliebt und befand mich in einem fast fieberhaften Zustande- Eins wußte und dachte ich nur: die kleine Fee vor mir nicht aus den Augen zu verlieren. Ich mußte fie kennen lernen, sie durfte mw nicht spurlos entschwinden, ich hatte fast eine Vorahnung meines mit ihr verbundenen Glückes. Du kennst mich- ich bin sonst kern schüchterner Kerl und schmachtender Seladon, aber ich begreife und versiehe es heute noch nicht, daß ich fie anzusprechen wagte. Was ,ch zu- erst sagte, weiß ich nicht, wahrscheinlich ob sie nicht Fräulein aus 106 oder 150 Ortschaften bestehen mag, treten zu regel- mäßigen Berathungen in einer eigens für diesen Zweck erbauten Halle zusammen, fie erwählen fich einen Präfidenten, Sekretäre und andere ausübende Beamte, welche besoldet werden. Die großen Städte werden in Viertel eingetheilt, welche je einem Aeltestcnrath unterstehen, die aber durch Vertreter gemeinschast« lich handeln, wenn das Ersorderniß vorliegt. Die Verwaltung dieser Ausschüsse ist sehr wirkungsvoll, wie wohl alle Fremden in China erfahren haben, vielleicht ohne die Macht- quelle zu ahnen. Auf die Letztere find fast alle Vertrags- brüche und Vertragsumgehungen zurückzuführen, über welche die fremden Nationalitäten so häufig die Zentral- Regierung angeklagt haben. In allen Verträgen mit auswärtigen Mächten haben diese ihren Angehörigen das Recht ausbedungen, in gewissen Orten China's wohnen zu dürfen, allein was nützt ihnen dieses Recht auf dem Papier, wenn sie, wie es fich ereignet hat, für alles Gold in der Welt keine Wohnungen miethen konnten. Offenkundig war es, daß die Hauseigenthümer gern vermiethet hätten, wenn es ihnen nicht bei Todesstrafe verboten worden wäre; fälschlich hat man dieses Verbot, den kaiserlichen Beamten zugeschrieben, in Wirklichkeit ging es von den Rathskollegien der Landsmann- schaften aus. Ebenso ist den Christen freie Ausübung ihrer Religion zugesichert, und doch hören wir von gelegentlichen Er- stürmungen ihrer Kirchen, Mißhandlungen ihrer Missionäre u. s. w-, ohne daß ein Einschreiten der Behörde stattfand. Für solche Vorgänge wird die Zentralregierung beschuldigt, doppel- züngig, hinterlistig und vertragsbrüchig zu sein, während fie und ihre Organe in der Regel kein anderer Vorwurf treffen kann, als der der Machtlofigkeit, wenn das überhaupt ein Vorwurf sein kann. Ausnahmsweise mag es wohl vorkommen, daß kaiser- liehe Beamte die Unruhestifter heimlich begünstigen, gewöhn- lich find es aber jene Rathskolleaien, welchen man die ganze Ver- antwortung aufbürden sollte. Aian muß fich nur stets erinnern, daß die kaiserlichen Beamten im Gefühle ihrer Machtlofigkeit, so viel wie möglich einen Konflikt mit den Landsmannschaften zu vermeiden suchen, da diese, auf den Wink der Aeltesten hin, keinen Augenblick zögern, bewaffneten Widerstand zu leisten, wie bewiesen werden kann durch die zahlreichen Putsche und Revo- lutiönchen, unter welchen China wohl mehr als ein anderes Land, Mexiko nicht ausgenommen, zu leiden hat. Diese Konflikte sind dermaßen an der Tagesordnung, daß nicht viel Aufhebens von ihnen gemacht wird, daher auch das Ausland nur selten von ihnen Kenntniß erhält, eigentlich nur dann, wenn fie einen gefähr- liehen Charakter annehmen. Diese Konflikte werden von den Raths- kollcgien entweder direkt angestiftet oder doch gutgeheißen, Venn ohne ihre Zustimmung find sie nicht möglich, so stramm ist die Zucht der Landsmannschaften. Es giebt keine irrigere Charakteristik der Chinesen als die oft gehörte: fie seien ein sklavisches, unter- würfiges, fich jedem Tyrannen gehorsam beugendes Volk. Die Wahrheit ist, daß fie„Disziplin im Leibe" haben innerhalb des Rahmens ihrer Genossenschaften, deren Mitglieder in demokratischer Gleichheit«Schulter an Schulter stehen und Beamte aus freier Wahl hervorgehen lassen, welche nicht mehr find als die Willensvollstrecker ihrer Wähler. Außerhalb dieses Rahmens aber giebt es nicht leicht ein aufsässtgeres Volk, als die Chinesen und wer daran zweifelt, hat nicht nöthig, fich in die Geschichte des Reiches der Mitte zu vertiefen, er möge nur Umfrage halten bei den Seeleuten, welche fich mit dem Transport von Chinesen beschäftigen, und bei den Grundbe- fitzern des malayischen Archipel's, Australien's, Peru's, Cuba's und Kalifornien's, wie bei den Eisenbahngesellschaften, welche Kulis beschäftigen. Er wird dann bören, daß die Chinesen alles eher denn sklavisch-unterwürfige Menschen find, daß ste leicht zur Meuterei neigen, die ste stets, trefflich organistrt, zur Ausführung bringen, was freilich nicht immer den Erfolg ver- bürgt, der Auflehnung aber doch immer einen ernsten Charakter giebt. Das wankelmüthige Verhalten der Zentralregierung bei auswärtigen Verwickelungen, ihr anfängliches Zurückweichen, ihre Geneigtheit, zu unterhandeln und Kompromisse zu schließen, und das darauf folgende Annulliren von Zusagen unter dro- hendem Sädelgeraffel ist in der Regel den Einwirkungen der Landsmannschaften zuzuschreiben. Im Rache dieser Korporationen sitzen Männer von stark ausgeprägtem Patriotismus, von so und so wäre, die Schwester des Kameraden von so und so. Wir hätten ja einst so schöne Tage in Dresden ver- lebt. Sie würdigte mich natürlich keiner Antwort. Ich irre mick wohl, Hub ich von neuem an, aber diese Aehnlichleit— ob ich fie nicht ein wenig begleiten dürfte.— Ich ging mit ihr, der Himmel mag wissen, was ich alles sprach— mein Gott, wie aufdringlich und fade mutz ich ihr vorgekommen sein. Aber eine dunkle Gewalt trieb mich, ich konnte nicht anders:— Sie bog in eine stille Nebenstraße ein, ich blieb an ihrer Seite, plötzlich stand fie vor einem vornehmen, ruhigen Hause still. Also adieu mon plaisir!— Aber ich war entschlossen, ihren Namen festzustellen und ste am nächsten Tage bei meinem Besuche um Entschuldigung zu bitten— die romantischsten Pläne schössen mir kreuz und quer durch den Kopf.— Ich erinnere mich nicht mehr, in welcher Weise ich um ihren Namen bat, es wird wohl ebenfalls gehörig taktlos «ewesen sein, ich habe auch nicht im Gedächtniß behalten, was e da zum erstenmale zu mir sagte, wadrsebeinlich:„Mein Herr, wenn Sie bisher so frech waren, so können Sie auch noch frecher sein und den Namen am Schild ersehen," und nur undeutlich besann ich mich nachher, welch ein allerliebster ironischer Zug bei ihren Worten um ihren kleinen Mund flog. — Und denke dir, HanS, ich— ich— ich ging auch die Treppen mit hinauf. Nur den Namen, nur den Namen wollte ich wissen!- Ein Diener öffnete im elften Stock— ich stand da wie ein Schuljunge und wußte nicht was thun. Bitterböse sah jetzt die Miene der kleinen Fee aus, maii konnte aus ihren Zügen lesen:„Wart, dir will ich einen Denkzettel geben, der dir ewig erinnerlich sein soll."— Auf dem Flur hingen eine Anzahl Paletots und die ganzen Vorkehrungen deuteten auf zahlreichen Besuch hin. Plötzlich wurde mir die Rache der kleinen Holden klar. Sie will dich für deine Unverschämtheit strafen, will dich in die Gesellschaft führen und etwa sagen' hier seht euch den frechsten Patron Berlins an. Und dann' Nun Adieu, mein Herr, wir brauchen Sie nicht mehr.—'1 Hans, denke dir nur diese Blamage!— Aber so wollte «W» „v. Franlenstein" ergänzte ich. „Ja, Papa, Herr v. Franlenstein,— der— Bruder— der hausig in Chauvinismus ausartet: fie wiegen sich in über- trieben? Borstellungen von China's Wehrkraft und dem Helden- muthe seiner Söhne, während fie andererseits nicht, wie die Staatsmänner, welche zunächst für die Geschicke des Reiches verantwortlich sind, die militärischen Hilfsquellen anderer Nationen zu beurlheilen vermögen. Sucht die Zentralregierung in weiser Würdigung des Gegners um jeden Preis einem Kriege vorzubeugen, dann schlagen die Landsmannschaften die Lärmtrommel, sprechen von Vaterlandsverrath und drohen die Angelegenheit in ihre Hände zu nehmen. Die kaiserlichen Rathgeber haben sich in solchem Falle zu erinnern, daß die Dynastie, trotz ihres Generationen langen Bestandes, als eine fremde betrachtet wird, und soll der Drachenthron von den Wogen des Volksunmuths nicht hinweggeschwemmt werden, ist eine Rücksichtsnahme auf den Willen der Landsmannschaften unerläßlich. Zusagen müssen zurückgenommen, militärische Vor- bereitungen unter vielem Geräusch getroffen, sogar zum Krieg muß geschritten werden. So ist das Vorspiel der Kriege China's mit England und Frankreich, so auch des noch m letzter Stunde glücklich vorgebeugten Krieges mit Rußland ge- wesen, und die Tonking-Angelegenheit ist bis dahin eine ge- treue Wiederholung desselben. K o k» l e s. Die dieSjährige�Ernte auf den Rieselfeldern ist, nach Mittheilung der„B. B. Z.", durchaus zufriedenstellend ausge- fallen. Auf Falkenberg wurde bis zum 1. September d. I. für 71,000 M- Gras verkauft. Das Pferdespital brachte bis 1. September d. I. 7000 M. An Roggen sind 7000 Mandel, Weizen 6000 Mandel. Hafer 6200 Mandel. Runkeln 60 000 Ztr. ä 75 Pf. von 300 Morgen, und Kohl 18000 Ztr. d 1,20 M. von 100 Morgen geerntet. Ferner find 4000 Ztr. Heu gewonnen. Auf Osdorf wurven 2000 Scheffel Raps ä 12 M. auf 100 Morgen, 1500 Scheffel Weizen auf 100 Morgen, 6000 Scheffel Hafer auf 300 Morgen, 37500 Ztr. Cichorie ä 1 M- auf 500 Morgen. 20 000 Ztr. Hanf- 2,50 M. auf 500 Morgen, 18000 Ztr. Weißkohl ä 1,20 M. auf 100 Morgen geerntet. Ferner wurden 6000 Ztr. Heu gewonnen und bis 1. September 20000 Mt. Gras verkauft. Osdorf ist auf der diesjährigen Auestellung vom Deutschen Gartenbauvercin namentlich für ausgezeichnetes Obst mit der silbernen Medaille prämiirt. Die jungen Acpfel- und Birncnbäume(meistens Winterobst), für freie Lage geeignet, repräsentiren in ihren 36000 Stück 70 der verschiedensten edlen Sorten. Auf den gesammtcn Rieselgütern werden in etwa zwei Jahren 100000 Stück Obstbäume, nur an den Wegen gepflanzt, sich befinden. Die ausgestellten Runkeln wogen das Stück durch- schnittlich 20 Pfd., die Kohlköpfe 16 Pfd. Auch waren 10 Sorten Flechtweiden ausgestellt, welche je nach der Gattung eine Länge von 1'/» bis 4 Meter haben. a. Die seit einigen Jahren auf hiesigen öffentlichen Plätzen errichteten Bedürfnistanstalten mit Kloseteinrich- tungen, welche zur Benutzung für beide Geschlechter bestlmmt find, haben, wie der neueste Gemeinde-Verwaltungsbericht er- aiebt, eine von vornherein kaum geahnte Frequenz und bilden demzufolge für den Privatz Unternehmer eine recht lohnende Finanzquelle. Die Stadt hat dem Unternehmer-auf 10 Jahre (bis Anfang 1890) unentgeldlich das für Errichtung der An- stalten erforderliche Terrain der öffentlichen Straßen und Plätze gewährt und liefert ihm, ohne Entschädigung dafür zu fordern, das zur Spülung der Anstalten benölhigte Wasser. Auch wurde ihm die Zuficherung ertheilt, daß die Gemeinde in unmittel- Nähe der von ihm errichteten ähnliche Anstalten nicht herstellen lassen werde. Dagegen mußte sich der Unternehmer verpflichten, in jeder Anstalt die Benutzung wenigstens eines Klosets gegen Zahlung von höchstens 5 Pf. pro Person zu gestatten. Im Jahre 1883 sind die 20 bestehenden Kloset-Anstalten durch 268 847 weibliche und 486 957 männliche Personen, zusammen 1 938 738 Personen besucht worden.„Wenn die Stadtgemeinde," bemerkt dazu der Verwaltungsbcricht des Magistrats,„bei der Anlage der von einem Privatunternehmer hergestellten Be- dürfnißanstalten für einen längeren Zeitraum auf ein Acqui- valent für die Hergabe des Straßentcrrains verzichtete, so ge- sckah dies, weil man bei der Zweifelhaftigkeit der Rentabilität durch eine Pachtforderung den Unternehmer für von der Aus- führung seines, einem anerkannten Bcdürfniß Befriedigung ver- sprechenden Projekts nicht abschrecken wollte. t. Die Stadtbahnstation„Zoologischer Garten", ist nunmehr auch für den Fern- und Vorort- Verkehr eröffnet worden und werden daselbst die im Winterfahrplan angcge- denen Fern- und Vorortzüge zum Ausnehmen und Absetzen von Paffagieren und Reisegepäck anhalten. N. Den Berliner Hundebesitzern steht, wenn das von gut unterrichteter Seite uns zugetragene Gerücht sich bestätigen sollte, in nächster Zeit eine höchst unangenehme Ueberraschung bevor. Man soll, wie uns unser Gewährsmann schreibt, an meiner— Penfionsfreundin in Dresden," und fie sah erröthend über ihre Lüge zu Boden. Und ich fiel schnell ein und log nun tapfer weiter:„Ja, ch traf das gnädige Fräulein ganz zufällig, wir haben früher inige schöne Tage verlebt.— Und da hatte ich den Muth, das gnädige Fräulein zu begleiten, ich hatte ihr so mancherlei ,on der Schwester zu erzählen."— Hans, ich sage Dir, in >em Augenblicke wußte ich, daß ich meine Retterin heirathen vürde!— Der alte Herr bewillkommnete mich auf das freundlichste; as wäre ja eine sehr angenehme Ueberraschung, wenn ich ickts weiter vorhätte, möchte ich doch den Abend bei ihnen erleben, seine Gattin würde sich ebenfalls sehr freuen, es wäre in kleiner Kreis Bekannter, u s. w. Was blieb mir weiter übrig— ach, und ich that es ja so -rn!— als zu bleiben. Ich wurde vorgestellt, alles sehr gute Emilien, höhere Beamte, auch einige Kameraden, Hans, denke -r nur meine Lage den ganzen Abend über. Ich wußte ja )erst nicht einmal den Namen meines Wirthes, nicht welchen (tand er bekleidete, nicht den Vornamen der Tochter. Erst llmählich erfuhr ich alles durch geschickte Fragen: er ist Kam- -erziemalh und Besitzer großer industrieller Etablissements. rirz, eine höchst respektable Familie— doch das brauche ich rr ja nicht ers! zu sagen. Nach und nach nur bewegte ich lt ch etwas sicherer in dem neuen Kreise, es waren wirklich ichtige Menschen da, und dann die muthwilligen Blicke aus svris Augen--. Nach dem Souper wurde getanzt und i konnte dabei Doris in wärmster Weise danken.— 2 Am folgenden Tage machte ich meine Aufwallung, wurde eh, Diner eingeladen, kam dann auch noch Abends hin, machte rüge Partien mit des Kommerzienralhs Familie, und bei �'rr solchen, in einem stillen herrlichen Winkel des Grüne» Rds, da— da— küßte ich meine Braut!"— d'Fast jubelnd klangen die beiden letzten Worte von den ivpen des Erzählers und seine Augen leuchteten vor Glück m Freude. 3„In einem Vierteljahr, Hans, ist Hochzeit!"— und hell igen die Römer aneinander. „Ordonnanz"— rief Hans v. Winterfeld. I Der Burscke kam heran. „Bringen Sie mir einmal sogleich einen Ouartbogen und « großes Couvert." „Was willst du denn damit?" fragte Herr v. Frankenstein nivundert. w'„An den Kommandeur schreiben und um Urlaub bitten," au Winterfeld heiter.„Ich fahre auch nach Berlin." w' Glück auf den Weg, Kamerad. Aber—" vjibet——" "(Ss giebt nur eine Doris in Berlin, und die ist mein!"— maßgebender Stelle beabsichtigen, eine seit Kurzem in Wien eingeführte Verfügung, nach welcher es den Einwohnern der Kaiserstadt an der Donau bei erheblicher Strafe untersagt ist, Hunde in öffentliche Gastwirthschaften mitzubringen, und in welcher gleichzeitig den Gastwirthen Anweisung gegeben, auf eine strikte Ausführung dieser Ordre zu achten, auch hier für den Berliner Polizeidezirk einzuführen. Wenn auch den Hundebesitzcrn, welche gewöhnt und gezwungen find, ihre Zeit außerhalb ihres Heims zu verbringen, manche schwer zu tra- gende Beschränkung hierdurch auferlegt wird, so läßt es sich nicht verhehlen, daß einer großen Anzahl anderer Gäste aus einer derartigen Bestimmung manche Bequemlichkeit erwächst. Gin seltener Gefangenentransport, bestehend aus einem Gendarmerie- Oberwachtmeister, welcher aus einem kleinen Städtchen der Nachbarschaft einen Gendarmen zum militärischen Untersuchungsgefängniß einzuliefern beauftragt war, traf am Sonnabend mit der Berlin-Dresdener Eisenbahn hier ein. Der als Arrestant einzuliefernde Gendarm hatte sich sckon früher wiederholt Dienstvergehen zu Schulden kommen lassen, die ihm mehrfach im Disziplinarwege Verweise, Arreststrafen und Strafoersetzungen eingebracht. Als diese trotzdem nichts fruchteten, wurde er hierher in das Garnisonlazareth geschickt, um, da sein Treiben derartig ausartete, daß Zweifel an seiner Zurechnungsfähiakeit entstanden, seinen Geisteszustand zu unter- suchen. Als völlig gesund aus dem Lazareth entlassen, ging er mit Denunziationen gegen seine Vorgesetzten vor, die äugen- scheinlich wider befferes Wissen angebracht waren. Diese und andere strafbaren Handlungen haben endlich die Einleitung einer gerichtlichen Untersuchung und die Verhaftung herbei- geführt. Vorläufig befindet er sich als Arrestant wieder im Lazareth. r Vom Hunde gebissen. In dem Grünkramkeller des Händlers M. in der Reichcnbergerstraße wurde das etwa vier- jährige Kind desselben in recht empfindlicher Weise von einem großen Ziehbunde gebissen. Man hatte dem Thiere sein Futter hingestellt und das Kind war zu dem fressenden Hunde hingelaufen, um mit demselben zu spielen. Das Thier fuhr plötzlich auf das Kind los und biß es in den Arm, in die Wange und in das Ohr, ehe die sofort herzuspringenden Eltern dies verhindern konnten. Die Verletzungen sollen zwar nicht besorgnißerregender Natur sein; doch beweist der Vorfall, wie vorsichtig man mit den immer mehr zur Verwendung kommenden großen Ziehhunden umgehen muß. N. Ein Irrsinniger versetzte gestern Abend die Passanten des Sptttelmartts dadurch in große Auftegung, daß er ganz harmlosen Personen mtt dem Rufe:„Haltet den Dieb" nach- lief und dieselben festzuhalten versuchte. Auf der Wache des 40. Polizei-Reviers wurde der Unglückliche als ein augenblick- lich obdachloser Arbeiter Otto Duchhardt rekognoszirt. Schon bei seiner Ueberführung nach dem Polizei- Bureau erzählte er den Umstehenden, daß man ihm die Peitsche gestohlen habe und daß er deshalb den vermeintlichen Dieben derselben nachgelaufen sei. Da der hinzugerufene Arzt, den D. für zweifellos geisteskrank erklärte, so mußte der Aermste behufs Exvlorirung seines Geisteszustandes nach der Neuen Charitee geschafft werden. Ein Hamburger Kaufmann wünschte kürzlich während eines Aufenthaltes Hierselbst die Oper zu besuchen. Er kaufte daher von einem auf der Straße stehenden Händler ein Billet und bezahlte dasselbe mit einem Zwanzigmarlstück auf welches er den Ueberschuß heraus erhielt. Kaum hatte er darauf seinen Sitz eingenommen,als derHändlerdenFremdcn wieder herausholen ließ und behauptete, er habe kein Goldstück, sondern nur ein Zweipfennigstück erhalten. Der Kaufmann destritt dies, nachdem er dm Inhalt seines Portemonnaies nachgesehen, auf das ent- schiedenste und weigerte sich daher auch, die Forderung des Händlers, ihm Billet und Geld zurückzuliefern, zu erfüllen. Es wurde infolge dessm ein Schutzmann herbeigerufen, der beide zur Wache brachte, wo der Sachverhalt festgestellt, und der Kaufmann dann wieder cntlaffen wurde. Dieser Tage nun er- hält, wie die„Ref." berichtet, der Beschuldigte zu seinem größten Erstaunen eine Vorladung vor das Berliner Schöffen- gericht, um sich dort nächste Woche wegen Betruges zu ver- antworten._ Gerickts'Leitung. Eine That der Verzweiflung. Vor einem Sechsrichter- kollegium, dem LGR. Preyß vorsaß, hatte sich gestern die Maurersgattin Katharina Wimmer in Wien wegen Mord- Versuches an ihren Kindern zu verantworten. Die Angeklagte ist seit 23 Jahren verheirathet und es entstammen der Che fünf Kinder, von denen drei bereits erwachsen find, während die jüngsten zwei, Hermann und Karl, 4 und 3 Jahre alt find. In den letzten Jahren knüpfte der Gatte der Angeklagten, Alois Wimmer, welcher derzeit städtischer Kanalaufseher ist, ein Verbältniß mit einem Mädchen an, dem ein Kind entstammte. Später bezog er mit seiner Geliebten zusammen eine Wohnung, während seine Frau mtt den beiden Kindern nach Währing zog. Alois Wimmcr bezahlle dort für fie den monatlichen Zms und schickte ihr 6 bis 7 fl. wöchentlich für den Lebens- unterhalt. Die Angeklagte, welche ein Kopfleiden halte, war einige Zeit zu Verwandten auf das Land gegangen und hatte von dort auch ihre 16jShrige Tochter Marie mitgebracht. Nach ihrer Rückkehr suckle fie wiederholt ihren Mann zu be- wegen, wieder mit seiner Familie zusammen zu leben, und auch der älteste Sohn, ein Matrose, welcher zu jener Zeit auf Vir- loub zu Hause war, suchte seinen Vater dahin zu bestimmen. Allern vergebens! Katharina Wimmcr nahm sich dies so zu & jje beschloß, sich und ihre Kinder aus der Welt zu schaffen. Am 1. August, einem Sonntage, als ihre Tochter Marie abwesend war, nahm die Frau zwei Rebschnüre auS dem KWZMW MMMWW s?r ifÄÄ« anÄ den sie sich jedocy in ihrer Verzweiflung wieder heradriß, so mMWi mmm schämt, weil er nicht bei UNS wohnte! ich habe ihm erklärt, daß ich das Kmd, welches er auS jenem Verhält- nrffe hatte, selbst annehmen wolle und wie mein eigenes Kind pflegen werde; es sei Alles vergessen, er soll nur zu mir zurückkehren. Allein, er gab darauf keine Antwort und auch mein Eobn Christoph, der Matrose ist. ging täglich zweimal zu ihm. ohne etwas auszurichten. Am Sonntag, den 10. August war ich ganz verzweifelt. Wie es zugegangen ist. ist mir un- erklärlich; ich weiß nur das, daß ich die Schnur aus dem Kasten nahm, was weiter geschehen ist, weiß ich nicht Ich wollte mich zuerst mit den Kindern vom Fenster herunter- sät äs a» neli"Äprauni j Angekl.: Ja.— Präs.: Ich finde kein rechtes Motiv für die That! in Eifersuchtsfällen rich'et sich d:e Wuth gegen andere Peisonen und doch nickt gegen die eigenen Kinder.— Angell. (weinend): Ich habe keine Wuth gegen meine Kinder gehabt, ich wollte fie nur aus dem Wege räumen und mitnehmen, damit sie nicht in der Welt berumgestoßen werden.— Präs.: Haben Sie vielleicht gefürchtet, daß Ihre Kinder in die Obhut jener Person kämen, mit welcher Ihr Mann lebt?— Angekl.: Ja, freilief) fürchtete ich das.— Präs. Fühlen Sie sich nicht gluck- lich, daß die schreckliche That vereitelt wurde?— Angell (laut weinend): Ja, Gott ist mein Zeuge, daß ick nur für meine Kinder lebte und leben will! Der Zeuge Josef Mayerhoser, Hausmeister des Hauses Kreuzgasse Nr. 62 in Währung, deponirt über die Wiederbelebungsversuche an den Kinder», ebenso die zweite Zeugin, die Hebeamme Antonia Karvil Gerichtsarzt Dr. Doll deponirt, daß er die Angeklagte in un- gewöhnlicher Aufregung angetroffen habe; fie jammerte stets uin ihre Kinder. Der Pulsschlag sei sehr unregelmäßig geweu'N, überdies habe die Angeklagte auffallender Weise ungefähr 40 Alhemzüge in der Minute gemacht, während man sonst nur la bis 16 mache. Heber Befragen des Präfidcnten giebt Dr. Toll an, daß nach dem heutigen Stande der Wissenschan Epilepsie als eine Gehirnkrankheit aufzufassen sei und da« es jedenfalls sehr zweifelhaft sei, ob die Angeklagte tie That in zurechnungsfähigem Zustande verübt habe.— Staatsanwalt: Warum haben Sie das nicht dem Untersuckungs- lichter gesagt?— Dr. Doll: Ich habe mündlich den Un!«' suckungsrichter aufmerksam gemacht, daß eine Untersuchung des Geisteszustandes nothwendig sein dürfte.— Staatsanwali: Und ich habe öfters mit dem Untersuchungsrichter konferick, ohne daß er mich darauf aufmerksam machte.— In ähnlich« Weise giebt Dr Hasche! sein Gutachten ab.— Es wird aus von den Aerzten lonstatirt, daß 68 Prozent der Epileptische» nicht als vollkommen zurechnungsfähig angesehen werde» können. Ter Gerichtshof beschließt die Vertagung der V«- Handlung zu dem Zwecke, damit der Geisteszustand der Anzc- klagten mit Rückficht auf die von den Aerzten angebrachte» Thatsachen und Vermuthungen untersucht werde. Ist der Ankauf eines Rctonrbillets ein Betrug? I» Krefelder Blättern wurde s. Z. ein Retourbillet nach Berlin zum Kauf angeboten. Gegen den Verkäufer und Ankäufer wurde Anklage und zwar gegen den Letzteren wegen Beirugsversuchcs und gegen Ersteren wegen Verleitung zu demselben erhoben- Die Eisenbahnverwaltung war nämlich durch die fragliche Annonce aufmerksam gemacht morden und bewirkte, daß daS Billet konfiszirt wurde- Der Ankäufer mußte sich ein neues Billet lösen. Das Schöffengericht in Krefeld sprach beide Beschuldigte frei und der Staatsanwalt legte hiergegen Berufung ein, die am 10. d. Mts. vor der Strafkammer in Düffeldorf verworfen wurde. N. In dem Hanauer Monstre-Prozeß gegen die Firma Beyer Nachfolger wegen Nahrungsmittelverfälschung ist, wie uns privatim mitgetheilt wird, am gestrigen Tage, nachdem die Ver- Handlung bis 4 Uhr gewährt hatte, das Urtheil gefällt worden. Dasselbe lautete auf 3000 Mark und die Kosten, die in diesem Falle ganz erheblich sein dürften. Der Staatsanwalt hatte 7'i» Monate Gefängniß beantragt. Arbelterbewegung, Vereine«ml Versummkungen. Die Wähler der Arbeiterpartei des dritten Berliner Wahlkreises waren am Miitwoch Abend zahlreich im Louisen- städtischen Konzerthause(Alte Jacobstr. 37) versammelt. Stadto. Göicki sprach über das Thema:„Wie stellt sich die deutsch- freifinnige Partei zur Sozialrcform." Der Redner führte des Längeren unter großem Beifall der Versammlung aus. daß die Deutsch-Freifinnigen wohl thells für politische Freiheit, aber niemals für soziale Besserstellung der Arbeiter einge- treten seien. Nun ist aber die politische Freiheit den sozialen Reformen nickt dienstbar zu machen. Die Arbeiter haben zunächst eine Besserstellung ihrer sozialen Lage anzu- streben; deshalb sei es mit Freuden zu begrüß n, daß seitens der Regierung ein kleiner Anfang behufs Einführung sozialer Reformen gemacht worden. Wenn die Regierung den Arbci- lern etwas Gutes biete, so aeceptiren fie es selbstverständlich mit Freuden, denn es sei die Ansicht der Aibeiierpartei, daß der Staat nicht blos berufen sei, für das Interesse der Befitzendenden einzutreten. Im Uebri- gen sei es mit den freiheitlichen Bestrebungen der deutsck-freifinnigen Partei nickt weit her. Diese Paitet habe im Parlament jahrelang die Majorität gehabt, fie habe aber niemals den Versuch gemacht, das allgemeine, gleiche, di- reite und geheime Wahlrecht zu verlangen. Hätte nickt Fürst Bismarck dieses Wahlrecht dem Volke selbst gegeben, durch die Deutsch-Freifinnigen hätte man es wohl jetzt noch nicht erhalten- Die Deutsch-Freifinnigen haben den Forderungen der Arbeiter stets feindlich gegenübergestanden, fie haben Alle» bekämpft, was geeignet schien, die soziale Lage des Arbeiters zu bessern. Es könne deshalb für jeden denkenden Arbeiter nicht zweifel» Haft sein, welchem Kandidaten er am 28. Okrbr. seine Stimmt geben werde. �(Stürmischer Beifall.)— Nachdem fich noch Schneider Pfeiffer in demselben Sinne geäußert, wurde ein- stimmig resolvirt:„Die Versammelten verpflichten fich, im 3. Berliner Reickstagswahlkreise nach besten Kräften für den Arbeiter-Kandidaten einzutreten." Unter Hochrufen auf den „Arbeiter- Kandidaten Dictz" schloß die Versammlung. Am Mittwoch Abend fanden wirderuni mehrere Wählerversammlungen statt, die jedoch sämmtlich rubig verliefen. Nur die in der Manteuffelstraße 9 stattgehabte Versammlung des Lausttzcrplatz Bezirksoereins wurde nach etwa einstündiger Tauer von dem Schicksal der polizeilichen Auflösung ereilt. Prediger emer. Kendziora hielt einen längeren Vortrag über:„Die Bedeutung der Wissenschaft für die Ar- beiter." Der Redner erwähnte, daß es gerade Männer der Wissenschaft gewesen seien, die die traurige soziale Lage der Arbeiter erkannt haben und in Wort und Schuft für deren Hebung eingetreten seien. Tie Forderungen, die die Arbeiter bezüglich der Aenderung der Produktionsverhältnisse, der Ein- fübrung des stiormalarbeitstages sc. füllen, sei zunächst eine Forderung von Männern der nationalökonomiichen Wissen- schaft gewesen. Hieraus ergebe fich bereits die hohe Bedeutung, die die fort, chreitende Wissenschaft für die A-beiier habe.- Jiach Beendigung dieses nur in kurzen Umussen skizziiten Vor- träges bemerkte Arbeiter Hirsch: Ich stimme in der Haupt- fache dem Herrn Vortragenden bei, allein nur bin ich ich nickst flonz klar geworden, welche Wissenschaft Herr Prediger Kenv- Kdra meint. Wenn er, wie er anzudeuten schien, die theolo- Bsche Wissenschaft im Auge hat, dann erwidere ich ihm, daß diese Wissenschaft das Voll irre führt... Bei diesen Worten erhob fich der beausfichtigende Polizeioffizier und erkläite die Versammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes für ausgelost. Unter Hochrufen auf den Arbeite, kandidaien Singet leerte sich der Saal. In der letzten General-versammlung des Einsetzer- «2 /ü*(Tückler) betrug der Kassendestand nach dem Revt- Briden Revisoren und des Kasfireis am 6. u, rT i» I?' W' Nächste Versammlung Sonntag, den jW- Ottodlu Bernntttags 10 Uhr. im Vereinslokal. Hol, markt- Dt« Tagesordnung wird in der Veisammlung be- l,m..Veue Mitglieder werden daselbst aufgenommen- Um rege Betdeiligung wird ersucht o,..?'?' Wählerversammlung für den Nieder-Ba'nimer � T ven 19. d M. Vormittags 12 Uhr, Reinickendorf(Seeschloßchen), statt, in welcher der Kandidat, Schuhmachermeister Friedrich Arndt aus Bernau, spucke» Veranlw örtlicher Redalieur«.«r.nhetm in Berlin. Druck und Verlag von vadrag in Berlin SV--