Nr. 169. Sonntag, 19. Oktober 1884. L Jahrg. SMnVMl«» Organ für die Interessen der Arbeiter. Da»«Vcslise» 3a»r§SEalf-" ttscherx! zügiich Merze«» a»ß««ach So«»« w«b Festtage«. Sojasewe»»»»:«« für Setli» st-i ta'f Ha»? pierteltShrlich 3 Mark, monatlich 3 Mark,«söchsstlich 95 Pf. Eimsl«e Rmm«« i Pf. Postabsaneraent pro Quartal S Mark.(Kmgetrazen im VlU. Nachtrage der PostzeitusgspreiSliKe nmer Nr. 712».) J«s»rti»sSgebüh» bttrSgt fü, die SgefpaUeve Petitzeil« oder dere« Raum 40 Pf. Nrdeitimartt 10% Bei größere« Auftragen hoher Rabatt«ach Uebereinlunft. Inserate werde» bl» 4 Uh? Zlachmittag» m der Erpedit�», Berli» SW., Zimmerstraße 44, sowie vo« alle« Avusn-»?- Bureaux, ohne Erhöhung de» Preise«, angenommen. VeöaKtton und EXpeöMon WerLin SW., Zimmerstraße 44. Fraueuarbeit. Auf dem Kongreß für innere Mission, der mrzlich in Karlsruhe abgehalten worden ist, hat man auch die Frauenarbeit zum Gegenstande der Erörterungen gemacht und dabei manchen zutreffenden Gedanken zu Tage gefördert, obgleich daS Resultat der Verhandlungen gleich Rull war. Der Referent, Fabrikbesitzer St ei»heil, stellte zu- «ächst folgende Thesen auf: 1. Die Frau hat nach göttlicher Ordnung ihren Beruf vorzugsweise in der Familie. 2. Wie jede Familie, so geht auch die Arbeiterfamilie ihrer Auflösung entgegen, wenn d>e Frau ihrer ökonomischen und sittlichen Aufgabe nicht ge- wachsen ist. 3. Da die Industrie in manchen ihrer Zweige me Frauenarbeit nicht entbehren kann, so hat sie die Pflicht, dieselbe so zu ge st alten und zu be- tzrenzen, daß mit dem persönlichen Wohl der Arbeiterinnen das Wohl der Arbeiter- 1 am i l i e n durch sie gewahrt und gefördert wird. 4. Diese Pflicht ruht in besonderem Maße auf den Arbeitgebern. Dieselben haben in Bezug auf die arbeitenden Frauen nicht nur die Forderungen der Ge- werbe-Gesetzgebung mit Gewiffenhaftigkeit zur Ausführung M bringen, sondern auch über dieselbe hinaus die Forde- Zungen des christlichen Sittengesetzes den Arbeiterinnen gegenüber zu erfüllen. 5. Es liegt sowohl im Interesse d» Industrie, wie im Interesse der Arbeiterfamilien, daß, Ivwert irgend möglich, nicht verheirathete Frauen, Addern nur ledige in Fabriken beschäftigt werden. 6. Für «ka» lediger weiblicher Personen in Fabriken ist im unk-?8 �€8 FamilienwohleS geboten: a) Die ihrem Alter ar?.chrer LeistungSkrast entsprechende Beschränkung der . �fl�zeit. b) Die Fürsorge für gesunde Arbeitsräume. *1 re?e(möglichste) Trennung von männlichen Arbeitern. ,/ V lne strenge sittliche Haltung der Arbeit- ge der und de« AufsichtSpersonalS.«) Die frf.are.lun0 von Gelegenheit zu w i rt h- ch e r Auebildung, welche sie zur Führung k.!.."Mfiigen eigenen Hausstande« befähigt, k) Die Dar- nfi.?® uon heilsamer Erholung in Freistunden und Feier- bi.• l"',. Die Freigebung der Sonntagsruhe. 7. Für '"Mtmae Arbeit verheiratheter Frauen sind folgende >> Tfl�punkte als maßgebend anzuerkennen: a) Daß in r., uen verheirathete Frauen nur arbeiten dürften, 1 lan8e sie kinderlos find,— und Wittwen ih' �fnn gleichzeitig für die Beaufsichtigung und Pflege m v � während der Arbeitszeit ausreichend gesorgt i>, x• Daß verheirathete Frauen, die Kinder haben, nur dringendsten Ausnahmefällen, und bei gleichzeitig v-chdrua Ieuilleton. Ifaura. 6tne Erzählung aus dem südlichen Frankreich. �(Fortsetzung) am Sturmglocke rief unterdessen mit dröhnenden Klän- p*" DtJ* m.W--------* f cm r_____ W.I- vmnm,«. y.- vom Schlaf zur Wehre gegen die emge- T®a,te' die schon hier und da, den eigmtlichen lbr?s Kampfes vergessend, in die Häuser brachen, S die Bürger mungenen E s OWSe-AGM WMMKM Magonisckien Vetter— hatte vor längerer Zeil stellt, Dauphme Ausnahme gefunden und Werbungen qnjhme vorhandener Fürsorge für ihre Kinder, zur Arbeit in Fabriken zugelassen werden, e) Daß in solchen Ausnahmefällen Frauen, die einem Wochenbette ent- gegengehen und die ein Wochenbett überstanden haben, für eine entsprechende Zeit von der Fabrikarbeit unbedingt aus- zuschließen sind(und für diese Zeit einen ent- sprechenden Theil des Arbeitslohnes er- halten). 8. Am heilsamsten ist cS, wenn verheirathete Frauen der Arbeiter, die auf Miterwerb angewiesen sind, denselben inderHauSindustrie finden, welche ihnen die dauernde Fürsorge für ihren Hausstand und die Erziehung ihrer Kinder ermöglicht. 9) An aller Fürsorge für die in der Industrie beschäftigten Frauen resp. ihre Kinder fällt den Frauen der Arbeitgeber ein wichtiger Antheil zu. Ebenso hat die bezügliche kirchliche Gemeinde durch freie Kräfte resp. Vereine an dieser Fürsorge mitzuwirken.- So die aufgestellten Thesen. Die in denselben enthaltenen Vorschläge sind zum Theil recht beachtenSwerth; aber wenn die freie kirch- liche Thätigkeit oder das Eingreifen der Arbeitgeber diese Forderungen realisiren könnten, dann wäre eS eine himmelschreiende Schmach für die christlichen Gemein- schaften und für die Herren Arbeitgeber, daß solche Zu- stände, wie sie jetzt in Bezug auf die Frauenarbeit herrschen, immer noch bestehen. Wie kann aber die Frauenarbeit so gestaltet und be- grenzt werden, daß das Wohl der Arbeiterfamilien durch s i e gewahrt und gefördert wird? Und zwar soll dies durch die Arbeitgeber, durch den freien Willen derselben geschehen! Haben die Vereine für innere Mission noch niemals von der Konkurrenz gehört, unter der die Arbeitgeber stehen? Will aber die innere Mission erst alle Arbeitgeber zu obiger Ansicht bekehren, dann dürfte „der jüngste Tag" längst hereingebrochen sein, ehe sie ihr Ziel erreicht hat. „Soweit irgend möglich" sollen nur ledige, nicht verheirathete Frauen in den Fabriken beschäftigt werden. Jeder Fabrikbesitzer wird schon heut zu Tage sagen, daß er „soweit irgend möglich" dieS thue. DaS unverheiratheten Fabrikmädchen gegenüber eine sittliche Haltung der Arbeitgeber und deS AufsichtSpersonalS verlangt wird, ist ein Zugeständ- niß an die vielen Klagen der Arbeiter, daß diese sittliche Haltung sehr häufig nicht gewahrt wird. Mögen sich die Herren Arbeitgeber diesen Wink der„inneren Mission" nur zu Herzen nehmen, die christlichen sowohl, als die unchrist- lichen— diese Mahnung kann ihnen allen nicht schaden. Wie eS aber die Arbeitgeber anfangen sollen, den Fabrik- mädchen Gelegenheit zu hauSwirthschaft- «nd nun mit diesem Gclde. �das �hm�d?r schlaue König Philipp nur zur bereitwillig gab, ein großes Heer zusam- mcnbrachte. auf genuesischen Schiffen nach Mallorca führte — dort aber nach langer, blutiger Schlacht von den Ka- talancn gesungen wurde, viele Ritter aus Dauphinö, die seinem unglücklichen Sterne gefolgt waren, mit ihm I Die Geschichte dieses Königs, Don Jaymc, ist ein so düsteres Trauer- spiel, daß wir sie hier nicht weiter aufrollen, sondern nur sein Ende berichten wollen: er wurde in Mallorca enthauptet, mit ihm bluteten die vornchmsten Ritter, die ihn begleitet hatten. Aber Mehrere entkamen auch, und da sie heimkehrten, hatte man auf sie nicht mehr gerechnet: ihr Hab' und Gut war von den nächsten Erben in Besitz genommen, die gar keine Lust hatten, es wieder heraus zu geben. Da hatte denn Einer frisch zum Schwerte gegriffen und einen Haufen Kriegsgesellen, der gerade lungernd, weil leider Waffenstillstand zwischen den Engländern und Franzosen war, im Lande bettelte und stahl, für sich geworben, um den Vetter, der ihn voreilig für todt erklärt hatte, aus seinem Befitzthume zu werfen. Es hatte Blutvergießen zur Folge gehabt, mit Ueberfällen und Klopffechtereien, die sich in einzelnen Parthien weiter verzweigten: einer davon war der Herr von Fuccigny zu seinem Unglück in den Weg gerathen, Versprengte hatten sich vor ihren Verfolgern hier in dies Städt- chen geflüchtet, wo die Letzteren mit ihnen zugleich durch die offen gefundene Pforte eindrangen und zwar zum schlechten Ausgang für beide Theile. Als Moni Aynard die Erklärung hatte, fand er es für gut, sie bei der Heimkehr zu verschweigen. Er beruhigte die Dame über den Tumult— sie bedurfte wenige Worte, da sie nicht viel Theil nahm an Allem, was um sie her vorging. Dann brocken sie auf und verließen die Stadt, als eben ein Eilbote abgefertigt wurde, um dem Oberrichter von dem Vorfalle Mcl- dung zu lhun. Das Schicksal der Gefangenen konnte hiemach nicht zweifelhaft sein. Die Dame wurde in einer Sänfte getragen, deren Vor- hänge von allen Seiten heruntergelassen waren; zwei bewaffnete Knechte ritten weit voraus— denn nicht die friedlichste Reise konnte ohne Sicheiheitsmaßregeln unternommen werden- Dicht bei der Sänfte ritt der Herr von Moni Aynard, und ein lteincs Geschwader, nicht so stark, als er es gewöhnlich bei sich hatte, folgte in gedrängtem Zuge. Bei dem beschwerlichen Wege war cs nothwendig gewesen, eine doppelte Ablösung der Sänftenträger zu miethcn; dafür ging es aber auch so frisch vorwärts, als cs nur thunlich war. Ueber Mittag wurde eine Stunde Rast gemacht i» einem schattigen Thale— die Dame stieg aus und setzte sich mit Mond Aynard, fem von licher Ausbildung darzubieten, das ist uns völlig unbegreiflich. Da müßten sie schon den Mädchen täglich 3—4 Stunden von der Arbeitszeit freigeben und sie in einem besonderen Institute unterrichten lassen. Doch wir kenneu einen Ausweg: verheirathete Frauen arbeiten gar nicht außer dem Hause und gewinne» so nach und nach Zeit, ihre Töchter hauswirthschaftlich zu erziehen. Selbstverständ- lich dürfen dann die Menschen auch nicht den ganzen Tag in der Fabrik oder auf der Werkstätte sein. Verheirathete Frauen sollen nur in Fabriken arbeiten dürfen, wenn gleichzeitig Fürsorge für die Kinder vorhanden ist. Warum geht denn nicht lieber die„Für- sorge" zur Arbeit und läßt die Mutter bei den Kindern, für die Kinder sorgen? Arbeitgeber, laßt eS Euch sagen! Die Wöchnerinnen sind durch daS Gesetz„für eine entsprechende Zeit" von jeg- licher Arbeit in Fabriken ausgeschlossen, nun aber habt Ihr auch dafür zu sorgen, daß denselben ein entsprechender Theil de» Arbeitslohnes während der Ferienzeit ausgezahlt wird. Wenn ihr dies aber nicht thut, so wird die„innere Mission" kommen und Euch dazu zwingen! Die verheiratheten Frauen sollen in der H a u S i n d u- st r i e beschäftigt werden. Glaubt denn wirklich der Referent, daß gerade in der Hausindustrie die Frauen irgend einen nennenSwerthen Lohn erzielen könnten, wenn sie ihre dauernde Fürsorge auf ihren Haushalt und die Er- ziehuag der Kinder richten würden? Da kennt der Herr Referent die Löhne, welche grade in der Hausindustrie ge- zahlt werden, sehr schlecht. Und alle diese Forderungen sollen durch die christliche Gemeinde, durch freie Kräfte resp. Vereine, durch die Arbeit- geber und die Frauen derselben errungen werden. Wir haben schon angedeutet, daß die freie Konkurrenz hier ein mächtiger Gegner ist, mächtiger, als gegenwärtig die gesammte Kirche— und die steht ja noch lange nicht hinter der„inneren Mission". Im Gegentheil, die Mehr- zahl der Geistlichen verhält sich mehr oder weniger feindlich, mindestens gleichgültig gegen die„innere Mission"— und zwar natürlich keineswegs aus Abneigung gegen den kirch- lich-religiösen Geist diese» Institut»! Nicht mit einem Worte ist hier angedeutet, daß der Staat resp. die Gesetzgebung berufen sei, solche Forderungen zu verwirklichen; Alles, Alles soll der freie Wille schaffen! Da» geht ja noch fast über die Bam- bergerei, die doch der Gesetzgebung einzelne Fragen zur Lösung überläßt. Werfen wir nun noch einen Blick auf die Diskussion, welche über die angeführten Thesen stattfand. Der Rathsherr S o r a t i n schloß sich, nachdem er be- merkt hatte, daß unsere Zeit die Mitarbeit der Frauen dm Begleitern, aber noch gesehen von ihnen, unter einen mächtigen Ulmbaum, der seine Zweige weit in die Runde streckte. Wenig genoß die bleiche Frau von den Vorräthen, aus denen ein Mahl bereitet war; dann, als der Dimer sich wieder ent- femt hatte, sagte sie, dem Ritter die Hand reichend:„Ich will Dir beichtm, Raymond". „Nmne eS nicht so", erwiederte er mild.„Vertraue mir Dein Leid— ich will Dir eines Freundes Trost geben, aber die wahre heilige Beichte vor Gott wird Dein Herz erst erleichtern". „Weißt Du noch, wie mein Vater mich zum ersten Mal mit zum Turnier nahm? Du warst auch dabei, und die— Söhne des Dauphins".(Die letzten Worte sprach sie mit halber Stimme) Dort Hab' ich mein langes Leid ver- schuldet". Sie hielt inne, und Moni Aynard schwieg schonend, bis sie von selbst fortfahrenl würde. Das geschah nach einer kleinen Weile., „Jacques von Vinay, mein Gatte, ist nun todt— sein edles Haupt habe ich auf einer Lanze gesehen und die Sara- zmmmädchen von Mallorca warfen es mit Blumen! Er war des unglücklichen Königs treuster Freund, ihn schlachteten sie zuerst, daS mußte der König mit ansehen, mir hat es der Mann erzählt, mit dem ich zmückackommm bin; er schwamm unter einem Pfeilhagel an unser Schiff, ach! und brachte die schrecklichste Kunde! Wir hatten die Schlacht am Strande ge- „Laßt unS nicht bei diesen traurigen Gedanken verweilen!" sagte Mont Aynard. „„Ich Hab' ihn nie geliebt— auch als sein Weib nicht!" fuhr Beatrice leise und vor sich hinstarrend fort.„Dort aber bei dem Turnier log ich's ihm, oder vielmehr ick glaubte eS selbst, bis-" sie schwieg wieder und fuhr mit der ßWWWAS«« MUMM der ihm den Pfeil a"| der Brust gezogen. (Fortsetzung folgt.) dem Jäger folgt, der Industrie verlange, den Thesen an und richtete nen Appell an die anwesenden Damen— nicht Frauen - hülfreiche Hand mit anzulegen. Fabrikant Metz war der einzige, der in sehr wesent- chen Punkten gesetzlicheBeschränkung der Frauen- rbeit wünschte, da die Frauen und Kinder den Männern Konkurrenz machten. Die Frage aber, ebensogut wie die irage der Sonntagsruhe, müßte international ge- egelt werden. Auch in die H a u s i n d u st r i e mit hren erbärmlichen Löhnen muß der Staat orrigirend eingreife». Man sieht, daß hier der Fabrikant mehr von der Zache versteht, als die Uebrigen, und die Gesetzgebung mruft. Das ist auch unser Standpunkt in dieser Frage, und mmerhin gut ist es, wenn dieselbe überhaupt angenommen vird und sei es auch von den Vereinen der„inneren Nission", von denen wir in der That sonst nicht viel Gutes wwarten.____ Politische Aeberstcht. Die Kriegervereine und die Politik- Unter dieser Uebersckrift bringt die„Berliner Zeitung" einen Artikel, dem wir folgenden Satz entnehmen:„Allenthalben haben die Kriegervereine beschlossen, keinen Sozialdemokraten aufzu- nehmen. In zahlreichen Vereinen ging unter den Mitgliedern eine Liste um, in welcher Jedermann bekennen mußte, der Sozialdemokratie nicht anzugehören, sie vielmehr mit allen Mitteln bekämpfen zu wollen. Vielfach muß man bei dem Eintritt in den Verein einen solchen Revers unterschreiben. Wir fragen, obwohl wir nicht der Sozialdemokratie angehörm: Mit welchem Rechte betreiben die Kriegervereine die politische Inquisition? Was geht sie das politische Bekenntniß ihrer Mitglieder an? Wird denn etwa beim Canton nur ausge- f loben,«er nicht Sozialdemokrat ist? Oder verschont die feind- iche Kugel den Sozialisten? Oder ist der Sozialdemokrat ein schlechterer Soldat, ein schlechterer Kamerad? Wir glauben, der sozialistische Unteroffizier wird, wenn der wundgeschossene Zünstür oder Schutzmann ihn um einen Trunk, um den letzten Trunk bat, nicht erst gefragt haben, ob der Bittende auch sein politischer Gestnnungsgenosse sei. Die politische Ueberzeugung hat mit der Waffenbrüderschaft garnichts zu thun, so wenig im Kriege wie im Frieden. Es ist daher schon vom allgemein menschlichen Standpunkte verkehrt, unschön und unedel, die Politik in die Kriegervereine zu tragen und die Mitglieder peinlich zu inquiriren, welches im bürgerlichen Leben ihr Glaube sei."— Soweit die„Berliner Zeilung". Das ist alles ganz brav gesagt und im Wesentlichen kann sich wohl Jeder, gleichviel welcher Partei er angehört, dieser Ansicht anschließen. Andererseits aber ist ja allbekannt, daß Niemand derartigen Vereinen auzugehören braucht; wer sich nicht in diesen Vereinen wohl fühlt, der braucht ja nicht bei- zutreten, eventuell kann derselbe austreten. In einzelnen Fällen mag wohl dem Austretenden, resp- dem Nichleintretenden ein Schaden aus seinem Verhalten erwachsen, das mag Alles sein, aber es ist dieses jedenfalls immer noch nickt so schlimm, als wie das Vorgehen der deutsch„freisinnigen" Gewerkvereine resp. Kranlenkassen gegen Andersdenkende und namentlich gegen Sozialdemokraten.—„Was geht die Kriegervereine das poli- tische Bekenntniß ihrer Mitglieder an?"— so fragt die„Berliner Zeitung".„Was geht die Hirsch'schen Kranienkassen das politische Bekenntniß ihrer Mitglieder an?"— so fragen wir! Ist es nicht ganz gleichgültig, ob der kranke Mitmensch Sozial- demokrat ist oder nicht? Und doch macht der Freund der „Berliner Zeitung", der d?utsch-„freifinnige" Dr. Max Hirsch einen Unterschied. Jeder der einer Hirsch's chen Krankenkasse beitreten will, mußeinenRevers unterschreiben, daß er nicht Sozialdemokrat i st!— Ist das nicht unerhört? Was hat die Politik mit dem Krankenkasscngesetz zu schaffen? und ist ein solches Vorgehen nicht noch mehr zu verdammen, als das der Kriegervereine? Wir müssen dieses entschieden bejahen und deshalb geben wir der Berliner Zeitung den Rath, zunächst einmal im eigenen Lager Umschau zu halten, sie wird dann wahrnehmen können, daß der Schmutz bei den DeuIsch-„Freistnnigen" auch noch thurmhoch vorhanden und daß ein großer Besen nothwendig ist, um den Kehricht bei Seite zu fegen. Der preußische StaatSrath wird wieder seine Thätigkeit beginnen und verschiedene Gesetzentwürfe zu begutachten haben. Die Vorlagen, welche demselben zugehen werden, sind: Das SckuldotationSgesetz, Gemeindcsteuergesetz und die Kanal- Projekte. Ueber das Gcmeindesteuergesetz ist eine Entscheidung vorbehalten, ob man einen größeren Entwurf oder jenes Roth- Gemeindesteuergesetz vorlegen soll, welches bekanntlich vom Henenhause kurz vor dem Schluß der vorigen Session durch Serliner Sonntagsplauderei. R. c. Wohl regnet es herbstlich— manchmal wolkcn- bruchartig, manchmal fein und zierlich, aber durchdringend und dauerhafr. richtiger Herbstregen. Und der Sturm, der vorgestern Abend wülhete,— bejahrte Leute, die in das sechste Jahrzehnt ihres Lebens eingetreten find, werden gut thun, jetzt einen Knoten in ihr Taschentuch zu machen, damit sie, wenn sie in die Kategorie der bekannten„ältesten Leute" kommen, nicht in den gewöhnlichen Fehler derselben verfallen, sich ähnlicher Stürme, wie sie augenblicklich wehen, nicht mehr erinnem zu können- Was so ein tüchtiger Herdstwind nicht alles für Un- heil anrichten kann! Im Thiergarten knickt er Bäume, die ihm höchstens die Widerstandsfähigkeit eines Streichhölzchens entgegensetzen, in der Stadt drückt er rücksichtslos ältliche Damen an die Wand, und das ängstliche Quietschen derselben übertönt er mit höhnischem Pfeifen, lein Regenschirm ist vor ihm sicher. und das neu ins Leben zu rufende„Paraplure-Verleihinstitut" hätte vorgestern sicher ein sPl-chtes Geschäft gemacht. Was wir in unserer vielgerühmten Rerchshauptstadt schließ- lich nicht noch Alles auf„Pump" erhalten werden. Der auf Miethe entnommene Frack und Zylinder entbehrte schon seit langer Zeit des Reizes der Neuheit, die„Muhspritze auf Pump läßt schon unbedingt einen Kultuifortschritt in dieser Beziehung er- kennen, wie wäre es schließlich mit Leibwäsche. Kravattm. Hosen- trägern und Pince-nez? Auch das Gebiet der Perrücken, der ganzen Stiefel, der Schnupftabaksdosen und Zigarrenetuis scheint uns noch einer durchgreifenden Reform zu dedürfen, und es wird hoffentlich nicht mehr allzulange dauern, bis sich speku- lative Köpfe auch dieser Jndustrieerzeugnisse als Verleihodjckte bemächtigt haben.„, r.,,, Nicht ganz zwecklos dürste es fernerhin sein, wenn sich in Berlin, vielleicht nach dem Muster der notkleidenden Millionäre, ein Konsortium oder besser noch eine Aktiengesellschaft bilden würde, die es sich zur Aufgabe machte, überall da, wo beispiels- weise„deutsch freisinnige" Staatsbürger eine sogenannte öffent- lich- Beisammlung abhalten, und wo sie es als im Interesse des Staates und zum Schutz manchesterlicher Ansichten für durchaus nothwendig halten, eingeladene Gäste vor die Thür zu werfen, daß überall da, wo derartige Liebenswürdigkeiten vorkommen, Leute postirt stehen, die vielleicht durch Uniformirung kenntlich gemacht weid-n, und die den Beruf haben, den Hinaus- geworfenen gegen ein entsprechendes Entgelt entweder wieder hineinzuwerfen, oder, falls er körperlich deschädigt sein sollte, für ferne Uedersührung nach der Wohnung oder dem nächst- gelegenen«rankenhause zu sorgen, oder daß ihm, wenn er dafür bezahlt, ein tüchtiger Knüttel und vielleicht noch einige belfende Arme zur freien Verfügung gestellt werden, wenn er sich viel- Verweisung an eine Kommission begraben wurde. Die viel- erwähnte Kanalvorlage ist seit drei Monaten Gegenstand der Verhandlungen zwischen den Ministerien für öffentliche Arbeiten und Finanzen-— Veröffentlicht find von den durch beide Häuser des Landtags angenommenen Gesetzen bis jetzt nur zwei noch nicht, nämlick das Gesetz betreffend einen Austausch von Gebietstheilen zwischen den Königreichen Preußen und Wütttemberg, und das Gesetz, betreffend die Abänderung der Städte- Ordnung für die sechs östlichen Provinzen vom 30. Mai 1853. Der Zusammentritt der Kongo-Konferenz findet An- fangs November in Berlin statt. Auch Portugal hat inzwischen die Einladung zur Konferenz angenommen. Die Einladung an die Vereinigten Staaten wird dieser Tage in Washington übergeben werden. Die Verhandlungen mit England dauern fort. Die an der Konferenz nicht direkt interesstttcn Groß- mächte Italien, Rußland und Oesterreich find, wie die direkt interessirten, ebenfalls schon zum Beginn der Konferenzoerhanv- lungcn eingeladen. Die internationale afrikanische Gesellschaft wird nicht vertreten sein. Das„Rheinische Wochenblatt", von welchem verschie- dene Blätrer behaupteten, daß es verboten sei, ist diesem Schick- sal nicht verfallen; es ist nur die Nr. 13 desselben verboten worden-— Das„Berliner Tageblatt" hat das Verbot des „Rheinischen Wochenblatts" zuerst in die Welt hinausposaunt. Die Arbeiten für die Aufstellung des Reichsetats pro 1883—86 wrrden in den nächsten Tagen im Reichsschatz- amt zum Abschluß kommen, und gegen Ende der nächsten Woche dürften, wie offiziös geschrieben wird, einzelne Spezial- etats den Bundesratsausschüssen zur Vorberathung überwiesen werden. Auf Grund des Sozialistengesetzes find nachstehende Wahlflugblätter verboten worden: 1.„An die Wähler des Reichstagswahlkreises Apenrade-Flens- bürg!" 2.„An die Wähler des 3. schleswig- holsteinischen Wahlkreises!" 3.„An die Wähler des 7. schleswig-holsteinischenWahl- k r e i s e s!", gedruckt und herausgegeben von Dietz in Stutt- gart.— Ferner!„Wahlaufruf zur Reichstags- wähl. Andie Wähler!"— Druck und Verlag von A. Vogel und Comp, in Braunschweig.—„An die Wähler des R ei ch s t a gsw ah l k reis e s Saar- brücken".— Druck und Verlag von Dietz in Stuttgart. —„An die Wähler des ersten Hamburgischen Rcichstagswahlkreises!"— Unterzeichnet von A. Bebel, ohne Angabe des Druckers und Verlegers.—„An dieWäblerdeszweitenHamburgischenReichs- tagswahlkreises!"— Unterzeichnet: I. H. W. Dietz, ohne Angabe des Druckers und Verlegers. Belgien. Während bisher auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen die Ernennung der Bürgermeister und Schöffen des ganzen Landes auf Vorschlag der Gouverneure direkt durch den Minister erfolgte; das liberale Kabinet hatte daran fcftge- halten, um die K'ommunalverwaltung, welche in den meisten kleinen Gemeinden stets der Pfarrer an sich gerissen, zu einer weltlichen und unabhängigen zu-gestalten, verfolgt der jetzige Minister des Innern das entgegengesetzte Prinzip. Ein Erlaß vom 13. d. M. ordnet an, daß fortab der Bürgermeister aus der Majorität genommen werden muß und seine wie der Schöffen Wahl aus dem Kommunalrathc selbst hervorgehen soll.— Ein Kapitän der Artillerie, welcher nach dem Fort Zwyndrccht kommandirt worden, woselbst seine Kinder die Kommunalsckule besuchten, ist mit 10 Tagen Arrest bestraft worden, weil er eine die Erhaltung der Schule fordernde Pe- tition als Familienvater mit unterschrieben hatte.— Um die Lehrer- und Lehrerinnen- Seminare und Abtheilungen immer mehr dem Klerus dienstbar zu machen, hat der Minister des Innern die Anstellung der Priester als Religionslehrer auf das Drängen der Bischöfe zugesagt, aber gleichzeitig auch seine stets verfolgten Ersparnißgrundsätze geopfert- Diese Priester sollen nur wöchentlich je 2 Stunden ertbcilcn und jährlich dafür 2000 Francs erhalten. Da nur 40 Wochen Unterricht ist, kostet jede Stunde 25 Francs. Blätter Meldungen zufolge ist der Arbeiisminister van den Peeredoom, als er dieser Tage die Ortschaft Cuesmes im Hennegau besuchte, persönliiyen Insulten ausgesetzt gewesen: man warf mit Steinen nach dem Wagen, in welchem der Minister saß, die Wagenfcnster wurden zertrümmert, der ganze Wagen war mit Koth bedeckt. Frankreich. Der Senat wählte heute eine Kommission zur Vorberathung der Vorlage über eine Reform der Wahlen für den Senat; die Mehrzahl der Gewählten scheint geneigt, der Vorlage der Regierung mit einigen Abänderungen zuzustimmen.— Ueber den von den„Times" gemeldeten Sieg der französischen Truppen bei Tamsui ist der Regierung noch keine Nachricht zugegangen; die letzten Depeschen des Avmirals Courbet konstatiren, daß die franzö.ische Truppenabtheilung, welche Kclung besetzt hält, den Bau der Schanzen vollendet leicht für die menschenfreundliche Behandlung in passender Weise revanchiren will. Natürlich müßte für Verbandmaterial und ärztliche Hilfe in ausreichender Weise gesorgt sein. Das wäre doch entschieden ein günstiger Gedanke für diejenigen Leute, die von einer wahren Manie zur Gründung von Aktiengesellschaften defangen find. In der jetzigen Zeit würde ein solches Institut entschieden ebenso reusfiren, wie die „Regenschirm-Verleih- Anstalt". Der Platzregen, der vorgestem herrschte, soll namentlich in den Straßen, in denen Magistratus augenblicklich buddelt, großartige Ueberschwemmungcn hervorgerufen haben. So wird berichtet und eS ist auch merkwürdiger Weise wahr. Gerade jetzt wird nämlich soviel geschrieben und gedruckt, das sich des Vorzuges der Wahrheit durchaus nicht erfreut, daß man ordent- lich erstaunt ist, wenn man zufällig in die Lage kommt, auch einmal etwas Wahres registriren zu können. Am Freitag Abend konnte sich aber Jedermann selbst da- von überzeugen. Wenn man nämlich, wie es doch jetzt Pflicht eines jeden strebsamen Bürgers ist, sich allabendlich mehrfach „auflösen" oder„verbieten" läßt, und, um überhaupt nur noch in eine Versammlung kommen zu können, Berlin von einem Ende zum anderen durchwandett, um schließlich immer noch ge- rade zur reckten Zeit zu kommen, um in die verschiedenen Hochs der Aufgelösten einstimmen zu können,— und es herrscht eine solche Hochflvth von Regenwasser wie vorgestern Abend in Ber- Im,— dann, ja dann möchte man ja lieber Alles Andere sein als ein deutscher Wähler. Ja, Wählen ist garnicht so leicht, Mancher lernt es sehr schwer, Mancher aber nie. Wenn man nämlich die Vorbereitungen zu diesem wichtigen Akte dettachtet, kann einem harmlosen Menschen ganz gruselig werden. Dieses Phrasengeschwirr, diese heftigen Angriffe so- wohl in der Presse wie mit der Reitpeitsche, dieses Betonen deS eigenen Werthes, diese Betheuerungen, Alles thun zu wollen zum Wohle und Besten des Volkes,— wäre die Sache nicht so tiefernst, man wäre versucht, sie verteufelt lächerlich zu finden. Wer heut' zu Tage nicht Alles in Arbeiterfreundlichkeit Die„Deutsch-Freistnnigen Volksbeglücker"! Der größte Theil von ihnen seufzl selbst unter der despotischen Herrschaft eines einzelnen Mannes, der die Freiheit im Munde aber die Knute in der Hand führt. Der Führer der verkrachten Fortschritts- partei scheint seine Tiraven über militärische Dinge nicht um- sonst gehalten zu haben, er giebt wenigstens sprechende Be- weise von seinem vteldewunderten Feldherrntalent, indem er die Theorie des„Maulhaltens" mit kategorischer Strenge in seiner eigenen Partei durchführt.„Ich bin ein freier Mann hat, welche einem offensiven Vorgehen der Chinesen Halt ge« bieten sollen. In den Bureaus der Deputirtenkammer wurde gestem der Ausschuß zur Prüfung des Gesetzentwurfs über den Ein- gangszoll auf Vieh gewählt. Drei der gewählten Mitglieder daruntee Clemenceau, find gegen, vier für den Entwurf; diese verlangen unter Anderem aber auch Eingangszoll auf auslän- dische Brodfrüchte. Ein Mitglied ist für den Entwurf, aber gegen den Getreidezoll; zwei verwerfen den Entwurf, veriangen dagegen den Zoll auf ausländisches Getreide. Der Budgetausschuß hielt mit 7 gegen 3 Stimmen Tirard gegenüber seinen Beschluß aufrecht, die fehlenden 23 Millionen für die Eisenbahnen aus dem Sckuldentilgungs- fonds zu entnehmen, forderte aber zugleich die Regierung auf, zuzusehen, ob diese Summe nicht durch weitere Ersparnisse zu erlangen sei. Jerry und Tirard werden wegen der Sache nächsten Freitag vom Ausschuß vernommen werden. Ribot vertheidigte in der Sitzung nochmals seinen Antrag, das außer« ordentliche Budget abzuschaffen und eine große Liquidations- Anleihe zu machen; dies sei das einzige Mittel, um der gegen« wältigen höchst unerquicklichen Finanzlage ein Ende zu machen. — Der Verein deutscher Sozialisten in Paris, schloß einen Sprachlehrer aus, der seit Jahren das Gewerbe eines agent provocateur betrieben haben soll.— Die Nachricht, General Campenon wolle das Kriegsportefeuille niederlegen, weil er sich über die Absendung von Verstärkungen nach Tonkin nicht im Einklang mit dem Premierminister befinde, wird von allen Seiten bestätigt Der Kriegsminister will sich jedoch nicht zurückziehen, bevor er Gelegenheit gehabt hat, sein Ver- halten vor ver Kammer darzulegen und das Urtheil derselben zu befragen. Irland. Der Gemeinderath von Dublin hat nun in der That den vor einiger Zeit eingebrachten Antrag angenommen, alle Straßen der Stadt, welche englische Namen tragen, umzu- taufen und mit irischen Namen zu bezeichnen, damit kein Jr- länder gcnöthigt sei. die Namen der verhaßten englischen Usur- gatoren an allen Straßenecken vor sich zu sehen. An der Cholera starben am 16. d. Mts- in Italien 93 Personen, davon in der Stadt Neapel 41. Nord-Amertka. Weitere Nachrichten über die Staats« wählen in Ohio besagen, daß die Republikaner in Cincinnati eine Majorität von 2000 Stimmen haben und 2 Mitglieder in den Kongreß wählen— beides Gewinne- Die Deutschen stimmten im Allgemeinen für die Republikaner- Ohio wird jetzt im Kongreß von 14 Demokraten und 7 Republikanern ver- treten. Letztere werden wahrscheinlich 5 Sitze gewinnen- Bei der Wahl in Cincinnati wurde mehr Blut vergossen, als bei irgend einer früheren Wahl daselbst. Zehn Personen, darunter zwei Polizisten, wurden erschossen; und viele Verwundungen sind so ernst, daß sie ein fatales Ende nehmen dürften. Ueber 200 Personen wurden verhaftet, weil sie Gewalthätigkeiten ver- übten oder in ungesetzlicher Weise zu stimmen versuchten. Beide Parteien richten jetzt ihre Aufmerksamkeit auf Indiana und Newyork. Das Wahlresultat in West-Virginien(die Demo- kraten behaupten, daß ihr Gouvcrneurskandidat, Wilson, mit einer Mehrheit von 8000 Stimmen erwählt worden ist) zeigt, daß die Republikaner im Süden gar keine Ausfichten auf Er« folg haben. Aus Panama wird gemeldet, daß eine Anzahl Rebellen unter Ruiz sich eines britischen Bugfirbootes bei Morro in Ecuador bemächtigt und den Kapitän gezwungen habe, sie nach Costa Rica zu bugfiren. Wahlbewegung Dresden, 17. Oftober. Gestern sollte im benachbarte« Pieschen eine Wählerversammlung von Seiten der„freifinnigen" Partei stattfinden, in welcher der Kandidat dieser Partei, Herr Walter, sprechen wollte. Als die Versammlung eröffnet wurde, zeigte es sich, daß die Mehrzahl der Anwesenden Arbeiter waren; bei dieser Wahrnehmung fiel den„Freifinnigen" das Herz m vre Hoscn, sie zogen es vor, die Versammlung schleunigst zu schließen. Witten, 12. Oftober. Heute tagte im katholischen Ge- sellenbause Hierselbst eine polnische Versammlung, welche fich mit Wahlangelegenheiten befaßte. Da die Versammlung polizeilich angemeldet war, so sollte dieselbe überwacht werden- Aber guter Rath war hier theuer, denn die überwachenden Beamten verstanden das Polnische nicht. Endlich nach langem Suchen fand man einen Ersendahnbcamten, der polnisch ve» stand, und der die Versammlung mit der Polizei zusammen überwachte. Von dem, was dort gesprochen wurde, weiß man nur, daß die polnischen Katholiken fich für Schorlemer-AIst erftätten. In Hamburg hat die deutsch-„freisinnige" Partei tm 1. Wahlkreis den Herrn Sauer, im 2. Wahlkreis den Hert» Adloff und im 3. Wahlkreis Dr. R-e als Kandidaten auf« gestellt. und finge." das ist das Lied der..Deutsch-Freistnnigkeit". Die Lust an der Freiheit wird aber dem Arbeiter, der in diesen Sirenengesang miteinstimmt, ebenso schnell vergehen wte me Lust an dem Gesänge selbst, wenn er merkt, daß er unter den Klängen dieses schönen Liedes in aller Seelenruhe verhungrr kann, ohne daß ein Hahn danach kräht. r f t hr findet sich i" 1%%%� wk dn UnglüSRer ruellc� die Taschen voll Gold hat und mit diesem Golde auf unbewohnte Insel geworfen wird. Hier kann er sich K%%% was er will Genau so verhält es sich mit der Freiheit- ,Lch bin ein freier Mann und singe— � und freue Dich der Freiheit, bethörter Arbeiter, wenn Du lew Heller Dem eigen nennst-- ,. ÄÄ7ÄÄÄ!r. v t-lt. daß okie allen Zweifel die Kandidaten der konservan Parte, m Berlm gewählt werden müssen, weil- Namen auf„er" endigen. Dieser Einfall ist so brillant, �.natürlich sofort die Runde fast durch die 0 wj deutsche Presse macht. Selbstverständlich datt.� stellung, zum Grauen aller Zeitungssetzer, aus emzcln � stabtn bn Namen der konservativen Kandidaten den „Richter". Demnach müssen also die Anhänger siegen. Schade, daß die edle Kunst des Kartenlegens, mehr in Verruf gerälh, man könnte ja auf d'�m �agS« quemcn und nicht allzu theurem Wege die künftigen R-i» ,fi Abgeordneten viel leichter und viel früher.erfahren- �„ft nnö bleibt doch ein ganz eiqenthümiicher Re,z. in d Dai Staar gesehen haben. Doch jedes Thiercken s>°t MeS' rben. wir mißgönnen Niemandem ein unschuldiges � njr0fcff£ le bst darüber find wir nicht böse, wenn der standen werden, wenn wir sagen:„Adolf oder Ihr auch heißen mögt, uns jrault vor Euch!— im 28. Cl inen , i. zu wirken, wo eine öffentliche Wähleroersamm- «5 verboten ist, nachdem dieselbe bereits genehmigt -......* vv».vvitll\]l, Iiuujwtl» VlCI'.-."e-rr c. w" I, die 0*«"»etc Zeit annonzirt war. Der einzige Unterschied der In eb» Mwbole ist der, daß daffelbe in Altona durch das zler S'>» �"mgesey, in Hamburg gar nicht motivirt ist, was nach n ledigls w Vereinsgesetz für gewöhnliche Versammlungen mcht llung C« Mutzten unerbittlich aus den Listen reicht, MMN die Die V»"Miing auch eine noch so nnbedeutende und vorüber- r auf da% gewesen ist; derartige Reklamationen werden, ganz im Mutz zu unserer früheren Praxis, nicht berücksichtigt. Die tagswai» J* aber, freifinnige wie konservative, wagt es nicht, auf it(slos«wunde Punkte hinzuweisen" '\ä nn sagt! ireiheitl»! ffermaßZ Arbeiterbewegung. Vereine unü Versammlungen. dem.Die Werkstätten- Delegirten- Versammlung der »zialista'D�kider, welche am Freitag Abend in Gratweil's Bierhallen dem Vorfitze des Herrn Pfeiffer stattfand, P« rsk ichsgesq i Slat» Die' Nitgl lÜßUI l. mim 00*9 is hali! unter her so Z-B ngsgev ,U. un> Kr-m gung» i der& gliedtt. f.t deredi' r indi' Üoffetz Zhren- nait' t und isbu« ber» 5elb(t' tt in st. I« :c»if Kaff'' SO.: imeir irS 50>mNtze des Herrn Pfeiffer stattfand, war von « mU,«3>rttn. aber in nur sehr geringer Zahl von den zu »Äwrnlung speziell eingeladenen Arbeitern der Firma Prien!>i Es wurde daher von der beabsichtigt ge- ... �vsslcllung einer die Löhne bei dieser Firma gleich- '.»kffailcnden Forderung vorläufig Abstand genommen. Handlungen der Versammlung drehten sich alsdann um der Abänderung bedürftige Wcrlstellen- und Ge- lhaitnisse, wobei mehrfach der Wunsch laut wurde, in - wieder die flagrantesten diesbezüglichen Mißstände «Yen Versammlungen zu besprechen. Ein Redner to» � zweckmäßigstes Vorgehen der Lohnkommisfion �.�Bloßstellung durch öffentliche Namensnennung ! w �Mespersonen und„Arbeitgeber zweiter Klasse', ff-n all, �llerdniedrigsten Preisen von den Konfektions- m" r'�sdatbeiten übernehmen, welche fie dann um b cri* c.m schönes Stück Geld daran zu„verdienen", �..dämlicheren Arbeitslöhnen an die jüngeren Arbeits- "Reben, die durch Arbeitslosigkeit und Hunger ge- smivjd, zu jedem Preise zu arbeiten. Von den geschäft- ttttSjua nRcn des Vorsitzenden erwähnen wir. daß schon lten n« eine der gewünschten, vorstehend er- ttichen Schnciderversammlungen stattfinden wird. an die Bau-«nd Fabrikarbeiter Berlins! Kollegen! Wie Ihr wißt, ist unsere Lage von jeher die schlechteste und drückendste, und verschlechtert fich dieselbe von Jahr zu Jahr. Legen wir uns die Frage vor, wie geht das zu? Arbeiter, hierauf die einfache Antwort i Jeder wandelt seine eigenen Wege, bekümmert stch nicht um seinen Neben- Arbester. Deshalb ist unsere Lage eine so traurige. Darum ist es die höchste Zeit, daß wir uns eine Organisation schaffen. Sehen wir uns die übrigen Fachorganisationen an und nehmen wir uns dieselben zum Vorbild. Was haben dieselben be- zweckt und was haben fie während ihres mehrjährigen Be- stehcns errungen? Es find ja nicht große Errungenschaften, aber in Rückficht auf die heutigen wirthschaftlichen Verhält- nisse gewiß doch nennenswerthe. Seien wir uns des Sprüch- Wortes bewußt: Einigkeit macht stark, und die Zukunft wird uns eines Besseren belehren. Handeln wir mit Herz und Hand darnach, und unsere Lage muß eine bessere werden. Darum rufen wir Euch heute zu: Strebt im Emst darnach und tretet Mann für Mann dem Verein zur Wahrung unserer materiellen Interessen bei. Derselbe besteht seit einigen Mo- naten und wir werden sehen, daß es stch der Verein zur Auf- gäbe gestellt hat, bessere Zustände mit anzubahnen, in wirth- schaftlicher, sowie in geistiger Beziehung. Schließen wir mit dem Zuruf: Einer für Alle und Alle für Einen. Mit kameradschaftlichem Gruß: Der Vorstand.— Die nächste Versammlung findet am Mittwoch, Abends 8 Uhr, im Vereinshause Süd. Ost, Waldemarstraße 75 statt. Neue Mitglieder werden daselbst aufgenommen. Der Fachverein der Rohrleger hielt am 12. d. M. wie- verum eine zahlreich besuchte Mitgliederversammlung ab. Der erst seit wenigen Monaten existirende Verein erfreut stch bereits einer bedeutenden Mitgliederzahl, welche fich fortwährend ver- mehrt. Auf der Tagesordnung stand zunächst Kassenbericht. Nachdem dieser Punkt erledigt worden, wurde über eventuell festzustellende Lohn- und Aktordpreise diskutirt. Auch wurde eine Lohnstatistik in Ausstcht genommen. Herr Julius Müller referirte über diesen Punkt, legte der Versammlung denselben klar und erklärte fich bereit, bei Ordnung dieser Angelegenheit behülflich zu sein. Der Vorfiyende verlas nun ein Schreiben eines Arbeiterin oaliden, Namens Drehn, welcher nach dem Schreiben seit 12 Jahren in der Fabrik von Schäffer und Hauschner beschäftigt, theilt als Gürtler, theils Rohrlogcr und und ohne irgend welche Ausstcht entlassen worden war. Die Kollegen veranstalteten sofort eine Tellersammlung, die 14 M- ergab- Nachdem auch dieser Punkt erledigt war, wurden interne An- gelegenheiten verhandelt; schließlich machte der Vorfiyende noch bekannt, daß am 9. November eine Generalversammlung stattfindet, dann wurde die Versammlung geschlossen. Den Mitgliedern der Schneidergesellen-Kranken- und Sterbekasse tbeilen wir mit, daß laut Beschluß der Versamm- lung vom 9. Oktober er. die von der Knmmisfion bcrarhene Statutenvorlage in 400 Exemplaren gedruckt ist Die Aus- gäbe derselben erfolgt im Kaffenlokal Krausenstraße Nr. 11 so weit der Vorrath reicht. Etwa zu stellende Anträge müssen bis Dienstag, den 21. Oktober er., Mittags 1 Uhr im Kassenlokal eingereicht sein, da später eingehende n i ch t in der am 23. Oktober, Abends 3 einhalb Uhr in Jordans Salon, Neue Grünstraße 28 stattfindenden Generalversammlung zur Diskussion und eventuellen Beschlußfassung zu gelassen werden. Jedes Mit- glied, welches Interesse an der Kasse hat, wird aufgefordert, zu er- scheinen. Verein der Maschinisten und Heizer. Heute Nach- mittag 5 Uhr, Kommandantenstraße 20(Arminhallen), Versammlung. Tagesordnung: Berathung über die einzuführende Geschäftsordnung, Fragekasten und Aufnahme neuer Mitglieder- Gäste find stets willkommen. Die Mitglieder werden ersucht, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Beztrksveretn der arbeitende» Bevölkerung des sw. Berlins. Versammlung am Montag, den 20. Oktober, Abends präzise 8 Uhr, in Niest's Salon, Kommandantenstraße 71—72. T.-O-: Vortrag des Stadtv. Fritz Görcki. 2) Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Eine Mitglieder-Versammlung der Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Schuhmacher findet Sonntag, den 19. d- M, Nachmittags 5 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kom« mandantenstr. 77—79, statt. Nach der Versammlung gemüth- liches Beisammensein mit Familie. Erscheinen Aller noth- wendig. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Fachverein der Berliner Kürschner und Berufsge- nossen. Montag den 20. Oktober 1884, Abends 8 Uhr, Außerordentliche Generalversammlung im Saale des Herrn Seefcld, Grenadierstr. 33134. T-- O.: Rückblicke und Be- strebungen des Fachvereins der Kürschner und Benissgenoffen- Referent: Kollege Franz Wedemeyer. Verein zur Wahrung der Interessen der Maler Berlins. Dienstag, den 21. Oktober, Alte Jakobstraße 84, Generalversammlung. Die Kommission der Drechsler, Knopfarbetter und Berufsgenoffen(I. A. Jul- Müller) beruft auf Montag, den 20. d. M-, Abends 8 Uhr in's„Königstädtische Kastno", Holz- marktstr. 72, eine öffentliche Versammlung der Drechsler, Knopfarbeiter und Berufsgenossen ein, um über die in Aus« ficht genommene allgemein gewünschte gewerkschaftliche Ver- einigung der genannten Branchen endgiltig Beschluß zu fassen. Das Nähere über die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Neueste AMforieKtett. Herzog Wilhelm von Braunschweig ist Freitag Nacht gestorben. Mit seinem Tode tritt die Braunschweiger Erb- solgefrage in den Vordergrund- Vorläufig wird Braunschwelg von einem Regentschaftsrath regiert werden. Theaier. l?l!: lR: Königliche» Overuhaus: n/S?' JCvtskUung. Carmen. ��.Vorstellung. Undine.______________ Königliches Schauspielhaus: 211. Vorstellung. Was ihr wollt!. 212. Vorstellung. Die Erzählungen der Königin �NNavana Die Don Deutscht« Theater: große Glocke. Carlos. m...«ellealliance-Theater: der Königl. Hofschauspieleriii Franziska �nkng? ü � Verlangen: Bürgerlich und Romantisch. der Königl. Hofschauspielerinnen Franziska MMieich und Frl. Marie Seeback. Zum ersten'' ersten su'-�lulin. Zum ersten Male: Gegenüber. �--- Mafcj Eine anonyme Korrespondenz. ersten Male: Zum I Kinder-IMe Wollene Damen Kinder-Westen nnd Garnirte Konf-Töclier Kiedrich. Wilhelmstädttsches Theater: "" one. c Vorstclluna.___ Walhalla-Operetten-Theater: Lieselb Lum 305. Male: Nanon Lttselbe Vorstellung._ S'K' vftend-Theater: � r ±i= � Male: Ein Vampyr, Scnsations-Drama 3)0" und 5 Bildern nach dem gleichnamigen d umwe 1"', Berliner Lokal-Anzeiger von Alfred Seefew _ 2_ auf»».. Teutral-Theater: � m io 5 Takobstraße 30. Direktor: Ad. Emst. ' Aufführung: Jäger- Liebchen. Lttselbe Vorstellung. Anfang T/t Uhr.__ to, �..... mLMNW" ntag %to LgWfior. Vorstellung�__ Viktoria-Theater. ov.»ttirdenz-Theater: ""tag. Lstrektion: A. Anno. Blumenstraße 9._ 5 9if,um 1 Male wiederholt: Verirrungen. Drama in (ZiovltT 00n 3ofe� Trieb. Regie: Anwn Anno. W« 5 �lltn�-sf�iefllbe Vorstellung v.*9«itct: SonnwiT� Sonntag: Der Raub der Sabinerinnen. Montag: Dieselbe Vorstellung. . �-- r'"-"o•---------,_ ■�.amlra-Theater. ns g. Wallnertheatersttaße 15. -CiftÄ z�Lonntag, den 19. Oktober: Mädchen von Schöneberg mit Gesang in 3 Akten und 7 Bildern von K Manstävt. "-(4 �'-«��ichstagswahlkreis n, awch»Tqbo?rhfttsf�>,, 1 Meinen Freunde» und Bekannten empfehle mein Weiss- unü Unirilek Hier-KokAl. Gustav Henning, 1050] Waldemarstraße 23, Destillation. Allen meinen Freunden und Bekannten bringe mein Bier- lokal in gütige Erinnerung. Bestes Weiß- und Bairischbier. Berliner Vollsblatt" liegt aus. sl020 W. Schilk. Adalbertstiaße 23. Todes-Anzeige. Am Freitag, den 17. d., starb im städtischen Krankenhause (Friedrichshain) unser langjährige», treues Vereinsmitglied. der Maurer[HOO Emil Elininck im 51. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Montag, den 20. Oktober, Nachmittags 4 Uhr, vom städtischen Krankenhause (Friedrichshain) nach dem Kirchhofe zu Weißensee statt. Der Voistand des Arbeiter- Bezirksvereins im Osten. ArbeitMückL. Mamsells auf gute Knaben-Anzüge in und außer dem Hause verlangt_ lo69_ Metzerstr. 14, l. Ein Lehrling zur Kunstschlosserei wird verlangt Potsdamerstr. 86.__ 1077 Ein Lederarbeiter auf Tresors (gute Mittelwaare) findet dauernde Beschäftigung bei H Adam, jr., 1123 Buckowcrstr. 7.__ Ein tüchtiges Mädchen für Alles wird sofort verlangt Waterloo-Ufer 13, in rechts. 1122 4. Berliner� Reichstagswahlkreis. Wählcrversammlmgen » am Montag, den 20. Oktober, im Konzerthanse Sanssouci, Kottbuserstr. 4a, Abends 8V« Uhr. TageS-Ordnung: Wahl und Wähler. Referent: Stadtv. Herr Paul Singer. Jeder Wähler des 4. Wahlkreises ist hierzu eingeladen. 1074 Der Einberufet. II. Reichstags-Walilkreis. Wähler-Versammlung Dienstag, den 21. Oktober, Abend» 8 Uhr, in Reinhardts Gesellschafts- Haus Hasenhaide 9. Tages-Ordnung: Die deutsch-fteifinniae Partei. Referent: ftritz Goercki Alle Wähler des 2. Wahlkreises. ohne Unterschied der Partei, find freundlichst eingeladen. 1049]_ Der Einberufer. Hexirks- Pmi» tltv atb. Dcrölkrruug 4»s SW.§«Utts. i"20 MM» Versammlung am Montag, den L0. d. M., Abends präcise 8 Uhr, in Meft's Snion, Kommandantenstrasse 71 , m �_ Tagesordnung. 1. Vortrag des Stadtv. Fritz Görcki. 2. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht '72- Der Vorstand. Arbeiterbezirks Verein der Oranienburger Vorstadt und Wedding. Versammlung im Lokal„Wedding-Uark." Montag, 30. October d. J., Abends 8 Uhr. 1120 Der Vorstand. Große Versammlung der Drechsler, Kuops-Arbeiter und Bernfsgenossen. Montag, Abend 8 Uhr im KSnigstadt Casstno, Holzmarkstr, 72. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1062 der Einberufer. Lohn-Kommission der Schlosser und Berufsgenossen. Die Zahlstellen find besetzt: Sonntags von 9 bis 11 Uhr Vormittags und Sonntags von 7 bis 9 Uhr Abends; Schröder, Urbanstraße 80 v. 3, Ecke Kottbuserdamm. Pirch, Breslauerstraße 13 v. 4. Mille, Nauninstr. 81 0. 4. SteB, W* 10 I. A.: C. Marzahn, Schriftführer. 1 2 3 4. 5. 6. 1060 Dienstag, den 21. Oktober, Abend» 8'/> Uhr, Delegirten-Versammlung der Tischler Nr. 37. Alte Jakobstraße Nr. 37. Tages-Ordnung: 1. Wie organifiren wir zur nächsten Lohnbewegung die Bezirke. 2. Die Arbeitseinstellungen und Lohndifferenzen bei Gast und Brock und Geistenfeld. 3. Ver- waltungsangelcgenheiten. 4. Bei Weidene laufer. Zahlreiche vetheilrgung der Herren Delegirten erwartet 1075 Die Kommisston der Tischler Berlins. Die Anfnahmestelle für die Centtal- Kranken-». BeMbnißkasje für Araue« u. f. w.(eiugschr. Hiisekalic Nr. 28 Offcnbach a. ZH.) befindet sich Andreas- straße 20, Hof, r. 8 Treppen. 00-5 N Kthms Kwsse 28. Olilbr. Hauptgewinne lerth Mark Mm i 28. m\ Erste Lotterie der Großherzogl. Kreishauptstadt Kaden- Kaden. 50,000 20,000 15,000 10,000 5000, 3000 JC. Original-, n Voll L-os- a 6 Mk. 30 Pf. für alle Klaffen a a Mk. 20 pt aui ix. OViUTfc------- N"d durch die an allen Plätzen befindliche«! Kollektionen» sowie durch mich zu beziehen. I A. Mlollln � Berlin W., Friedrichstr.t� Arb.-Ktz.Verein f. d. Osten Kerlins. Für deffen Mitglieder und Familien find bei nachstehen- den Herrn Billets zu ermäßigten Preisen gegen daar zu haben 1) Panoptikum ä 30 Pf., 2) Aquarium ä 30 Pf., 3) Badeanstalt Schillingstraße. Warme Wannenbäder inkl. Handtücher ä 30 Pfg. stets vorräthig bei Herrn Meyer, Fruchtstraße 36a(im Freischütz), 1072 „ Wuthke, Weberstraße 10. _ Der Vorstand. Versammlung des Fachvereins der Schneider OMMUW ----— �-� Vorstand. gez. Taeterow. ver-> Faelivereln der Tischler. Montag, den 20. Oktober, Abends 8 einhalb Uhr, in JordanS Salon, Neue Grünstraße 28. CreneralT er Sammlung Tagesordnung: 1. Vierteljahrsbericht des Vorstandes, der Bevollmächtigten und der Arbeits oermittler. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes. 3. Wichtige Vereinsangelegenheiten. Quittungsbuch legitimirt. 1057 Der Vorstanv. SrMsverrin der arbeitenden Sevölkernng des SW. Berlins. Versammlung am Montag, den 20. Oktober, Abends, vrazise 8 Uhr, in Nieft'S Salon, Kommandantenstr. 71-72. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Fritz Görcki. 2. Verschiedenes.— Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1101 der Vorstand. Wilhelm Papke Scliuhmaclier BERLIK SO., Kaiiiiyn-Strassß 36, Hol 2 Troppen reclits, empfiehlt fich zur Anfertigung solider u. moderner Fussbekleidtin� für Herren. Damen und Kinder nach Maaß zu soliden Preisen in kürzester Zeit. SpeciaUtät für Fussleidende zur Verhütung und Heilung von Hühneraugen. Ballen und Urberbeinen, sowie allen sonstigen Fußleiden.[1076 20. d Reparaturen werden schnell und sauber ausgeführt. Allen meinen Freunden zur Nachricht, daß Montag, den M., ein großes[1079 stattfindet. 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Bei Gardinen wird mir bange Um den armen Ehemann,. JDcnn da geht,'s währt gar nicht lang Die Gardinenpredigt an.,. Ich werd' ihm'nen Schlafrock schenleir. Dann bleibt Ludeken zu Haus, Das muß man genau bedenken, Wenn man sucht Geschenke aus; Und so'n Schlafrock ist sehr dillig, Hier am„Grünen Wege" hol' Für 12 Mark, und solchen will ich, Mir den schönsten Kamisol. Ja, die„gold'ne 95" Hält, mein Freund, nun zweifle nichl- Billig einzuhüllen fein Dich Für die erste Bürgerpflicht: >-. S.t KYKS I" 4, 6. 8, 10, 11 Marl Prima. S«w»„-»zi. ÄMiS" ÄÄ Ii:&.& Einsegnungsanzüge zu 14, 18, 20, 24, 26 Mark ff-(j] Anzüge, Haus- undKomptoir-Joppen, Rersemantel i billigen Preisen nur allein in der „Gold'nen»»" 9», Grüner Weg 95, am Andrea Auch an Sonn- und Festtagen Jgnaz Weiland. � und Festtagen bis 7 Uhr Abcn�� Fr. Schläfst., sep. Eingang, Skalikerstr. 141 Die Nr. 9 der humoristischen Blätter, „Der wahre IaeK icntn und in der Ervcd. d...Berl. Volksbl�A� ist erschienen Abfälle S% SfinfSrCi� F. Qucduow. webe, **0 Kttdie v» S* -d? I; Ä 5,« S- S?' st % Ii" ze A k- s«; s; V 1030 Verantivonlicim Redacteur R. Cronheim in Berlin. Druck und Verlag von«stsx Badtag in Berün SW., Belttbktr-Se 1. Hierin tint' Mm iui Gerliuer Volksblutt. Rt. 169. Sonntag, den 19. Oktober 1884. 1. Jahrgang. Morituri te salutant. Wenn die Gladiatoren des alten Rom in die Arena Merngezogen, aus welcher viele von ihnen nicht wieder ndend herauskommen sollten, dann pflegten sie vor dem Sitz- des Kaisers sich zu verneigen und empor zu rufen: »Hell Dir Cäsar! Tie in den Tod Gehenden grüßen Dich!" An diesen Gladiatorengruß werden wir, so schreibt die "Hamburger Bürger-Zeitung", wenn man Komisches mit > selbst nicht in seiner besten Zeit. Jndeß e i n e P a r t e i mm t u die Nationalliberalen immerhin in früheren Zeiten: k. f.Uuchdcm es mit ihrer Herrlichkeit zu Ende gegangen, ein. m �( sie unter Bennigsens Führerschaft wenigstens noch vor. vor xZyS. keit Bennigsen, des hoffnungslosen Spieles müde, in Hinde desertirt ist und seine unglücklichen Mannen «�».vglsche gelassen hat, ist den nationallideralen Resten Zvj« vUttonalliberalismus nichts übrig geblieben als der Name. urn.. 1! Namen„Nationalliberale" wandeln fie zur Wahl- Übt,',"d wird die Wahlurne geöffnet, so wird der national- der»• verschwunden und nur noch ein Anhängsel Ä.igierungspartei, oder Partei Bismarck, übrig sein. schon t-lJ" einem gewissen Grade waren die Herren zwar ____■■____ pp vvv sich immer noch ein liberales Schlupfloch. Das hat iL�foehött. Bennigsen der„Idealist" ist fernem Ex- i."vUnbe Lasker nachgeworfen worden rn vre Rumpelkammer, f �, /r»... W- a... t f r. L'_ I�On av»v»nv..--------- a------ u— J tvattn.a �Regierungspartei und Partei Bismarck, aber fie �wakrtr«V*."ur bis zu einem gewissen Grade. Bennigsen 2. jyr---- er_ x. L.l Di QU1 meunde Und h«a'Cci8'er nacygeworfen woroen in vic Heidelberger Programm, welches das vollständige parte! beP nationalliberalen Partei in eine Regicrungs- 8 1 q m me Partei Bismarck, bedeutet, ist Parteipro- " a t j„„ geworden, und zugleich das Testament der n. In>..°")beralen Partei. Reste d.r Heidelberger Programm, daS von dem gesammten ir nationalliberalen Partei angenommen worden ist, 9or|wan|lg Jahren. (Am Bord eines Mississippi-Dampfers.) ver find viele Geschäf�ressende an Bord, weche sich -in europäischen Commisvoyageurs sehr vortheilhaft wen. In Amerika find es meistens gesetzte, vorsichtige ."che im Publikum niemals von ihren Geschäften londern sich reserviren. bis fie ihren Bestimmungs- bätigftll' allerdings entwickeln sie eine fieber- weit würde die Gesellschaft auf einem Misfisstppi- .. Wenigen auf einem Rhein-Dampfer sehr ähnlich es gtebt auch noch andere Gestalten, die man in �vergebens suchen würde. Dicht an dem Gitter. Promenadcverdeck einfaßt, haben fich fünf oder galten niedergelassen, welche wohl ein wenig Auf- "■ verdienen. Es find Jäger und Farmer, Leute, man früher den Namen„Hinterwäldler" gao, und immer mehr nach Westen zurückweichen, je weiter /Nation vordringt. Oestlich vom Misfisstppi findet f tietzt nur noch selten, dagegen halten fie fich viel «ichen Ufer, hauptsächlich in Kansas, in Leaoen- ,°uf, oder find aar an den Arkansa-fluß zurück- '.wo fie bei öffentlichen Veranlassungen in Littlc % das groß- Wort führen und den Ausschlag , J-c Hinterwäldler ist der republtkamscheste aller .wver, und sollte fich die Union jemals spalten- •««S;?"ä iJ' gethan. Die Bcwoynet--------- ... ite_ eigene, höchst pittoreske Sprache und find ,, 4eußerungen. Gesinnungen und Gewohnheiten jifeml- a hog on das heißt:„unabhängig. i� 5.uf dem„Eise". Sie trennen fick nie, nt«- s �'wehre. noch von dem langen Messer, dem Namen Bowiemesser, und find jeden ""t, eine Probe von ihrer Geschicklichkeit im «flßen. Als der Clerk zu ihnen heranttat und > nJ's£tff5m machte, daß die Handhabung von -an Bord nicht gestattet-sei und fie daher ihre Kabine lassen müßten, bemerkte Einer, cm bäum- llkulir? ö?�Kschcm Körperbau: MUMS» haben die Nationalliberalen fich und ihrer Pattei die seidene Schnur um den Hals gelegt, und am 28. Oftober dieses Jahres wird fie zugezogen werden. Der letzte Fetzen von Liberalis- mus ist mit dem letzten Fetzen von Selbstgefühl bei Seite ge- warfen, und was als nationalliberal am 28. Oktober in die Wahlurne hineingeht, und nicht darin hängen bleibt, wird als feigen blattloses Appendix der Regierungspattei, der Partei Bismarck, herauskommen. Und auch der Name„nationalliberal" wird dann bald verschwunden sein._ K o k» l e s. Der Justizminister hat unterm 14. Oktober d. I. fol- gende allgemeine Verfügung, detteffend die Anberaumung der gerichtlichen Termine, erlassen: Wiederholt find in Berichtm der Handelskammern und in Einzelnbeschwerden Klagen darüber zu meiner Kenntniß gekommen, oaß die zu gerichtlichen Ter- minen vorgeladenen Personen oft mehrere Stunden auf den Beginn der Verhandlung, bei welcher fie betheiligt find, zu matten haben und in Folge dessen durch den Aufenthalt im Gerichtsgebäude nicht nur belästigt, sondern auch durch den übermäßigen Zeitverlust in ihren witthschaftlichen und sonstigen Interessen geradezu geschädigt werden. Diese Klagen find in der Mehrzahl der Fälle darauf zurückzuführen, daß die Gerichte für sämmtliche, an einem Tage stattfindenden genchtlichen Ver- Handlungen eine und dieselbe Terminsstunde bestimmen. Eine solche Uebung ist nicht zu billigen, da fie auf das Interesse der Parteien, ihrer Vertreter und der sonst bei der VerHand- lung detheiligten Personen nicht die zulässige und darum auch gebotene Rücksicht nimmt. Es wird fich deshalb, abgesehen von Verhandlungen von zweifellos kurzer Dauer, als Regel empfehlen, die an einem Tage stattfindenden Termine in ge- eigneten Zwischenräumen, etwa von ganzen oder halben Stunden, anzuberaumen. Die ttchterlichen Beamten, denen die Bestimmung der Termine obliegt, wollen dem hier gegebenen Hinweis die entsprechende Beachtung schenken und damit, soweit es irgend thunlich, auf Beseitigung der laut gewordenen Klagen über eine das Maß des Nothwendigen überschreitende Zeit- versäumniß seitens der zu genchtlichen Terminen vorgeladenen Personen hinwirken. t-'. Im alte» Museum werden augenblicklich ganze Par- tien Oelgemälve ausrangitt um an die Museen anderer Städte abgegeben zu werden. Es find dies hauptsächlich diejenigen Stücke, die beim Ankauf ganzer Sammlungen miterworben und so werthlos fie als Duplikate waren, mitbezahlt werden mußten. g. In hiesigen Lehrerkreisen wird zur Zeit lebhaft ein Bescheid des Unternchtsministers von Goßler besprochen, welchen derselbe unterm 9. d. Mts. auf ein an ihn gettchtetes Gesuch um Aufhebung der Verpflichtung zur Zahlung von 25 pCt. Ge haltsverbeff erungsgelder und Alterszulagcn erthefit hat. Der Bescheid lautete:„Auf das Gesuch vom 18. September d. Js. um Aufhebung der von den Kassenmitgliedern der Lehrer- Wittwcn- und Waisenkassen zu zahlenden Beiträge von 25 pCt. der Gehaltsverbefferungsgelder und Alterszulagen erwidere ich Ihnen, daß bei Berathung des am 24. Februar 1881 erlassenen Gesetzes, durch welches der Minimalsatz für die Penfionen der Hinterbliebenen der öffentlichen Elemcntarlehrer von 150 auf 250 M. erhöht worden ist, alle gegen die Erhebung der ge- dachten Beiträge in der Eingabe geltend gemachten Gesichts- punkte reiflich erwogen worden sind. Auch find bei Aus- führung dieses Gesetzes Erfahrungen nicht gemacht worden, welche mir hinreichende Veranlassung geben konnten, schon jetzt auf eine Aenderung desselben hinzuwirken. Hierbei will ich nicht unerwähnt lassen, daß die jährlichen Staatszuschüsse zu den Penfionen der Elementarlehrer-Wittwen und-Waisen nicht unerheblich find. N. Behufs Anschluß an die Kanalisatsvn am Rosen- thalcr Thor ist die Stettiner- und Freienwalderstraße am Ge- fundbrunnen jetzt aufgerissen, um vor Eintritt des Frostes die Arbeit zu Ende zu führen. Es würde alsdann der ganze Ge- fundbrunnen in das System aufgenommen sein. fie mit uns, nnd Jhr braucht nicht zu fürchten, daß die Dinger von selbst losgehen. Seht nur, der Hahn ist in halber Ruh. Wir geben die Gewehre nicht ab". Und allerdings, die Hähne an allen Gewehren waren in halber Ruh, so daß keine Gefahr zu befürchten war. Außer diesen Gestalten, bei deren Schilderung wir uns viel- leicht zu lange aufgehalten haben, befand fich die übliche Anzahl von schwarzen Dienern und Dienerinnen an Bord, doch möchte ich keinem Menschen rathen, diese Leute etwa„Schwarze" oder„Neger" zu nennen, und ist mir persönlich in dieser Hin- ficht ein Vorfall zugestoßen, den ich in Kürze erzählen will und der mich für immer von der Gewohnheit befreit hat, einen Neger Dattie oder Nigger zu nennen. Auf einer meiner vielen Seereisen führte mich das Schick- sal in Gestalt eines kleinen hannöver'schen Segelschiffes zu der kleinen Stadt Minatitlan, 40 deutsche Meilen südlich von Vera- Cruz, im Golfe von Mexiko. Ich war Steuermann an Bord, und als solchem war mir die Aufficht über das Einladen un- serer Fracht übertragen, welche in schweren Blöcken von Maha- goniholz für Hamburg bestand. Unsere Leute waren an der Winde beschäftigt, um die schweren Blöcke aus dem Wasser zu heben und fie in den Schiffsraum hinabzulassen, während fünf oder sechs Neger,„freie Söhne der Republik Mexiko, das ein- geladene Holz im Räume wegstauen mußten, wofür Jeder per Tag 7 Dollars erhielt. Der Oberste dieser Neger war ein Kerl von fast sechs Fuß Höhe, breit und stark im Verhällniß seiner Größe, und ebenso faul, wie er groß. war. Ich hatte ihm schon einige Male gesagt, daß wir seine Dienste nicht mehr benöthig- ten; der Bursche war aber am folgenden Morgen immer wie- der gekommen und hatte so lange gebeten, bis wir ihn wieder aufnahmen: dazu kam, daß er über ganz außerordentliche Körperkräfte verfügte und im Stande war, einen sehr schweren Block, so lange er in der Kette hing, genau dahin zu dirigiren, wo man ihn brauchte. In Folge dieser Eigenschaften behielt man ihn regelmäßig wieder, bis daß offene Widerspenstigkeit gegen cthaltene Befehle das Maß voll machte und ich ihm im Namen des Kapitäns den Befehl gab, das Schiff sofott zu ver- lassen. Der Kerl, der im Räume war, während ich auf Deck stand, etwa sechs Fuß über ihm, that, als wenn er mich nicht gehört hätte: hiedurch aufgebracht, beugte ich mich über die Lücke und rief hinunter:_._ „Will der verfl- Neger wohl gleich auf Deck kommen, oder—" Weiter kam ich nicht, denn in der nächsten Sekunde stand er vor mir, wie Samiel vor Kaspar in der Wolfsschlucht. „Wen nennen Du verfl— Neger, Du weißer Hund?" Bevor ich mich vertheidigen konnte, lag ich schon, durch einen Faustschlag unter die Rase betäubt, auf Deck. Er selbst war gleich darauf vom Schiff verschwunden- Im Zentral-Theater findet heute die letzte Sonntagsauf« führung von„Jäger-Liebchen" statt, während am nächsten Sonn- abend die Mannstädt'sche Novität„Der Walzer-König" mit Frl. Anna Grünfeld in der weiblichen Hauptrolle in Szene geht. Mit einer Monstre-BetrugS-Anklaae wird sich dem« nächst die zweite Strafkammer des Landgerichts l beschäftigen. Die Anklage ist gerichtet gegen den hiesigen Buchhändler L. als Herausgeber eines sogenannten Hintertreppen- Romans und gegen ca. zwanzig seiner Kolporteure. Den Angeschuldigten wird zur Last gelegt, daß fie in nicht weniger denn 1050 Fällen die Abonnenten eines Echauer-Romans durch Vor- spiegelung falscher Thatsachen zur Abnahme des Werkes und der schwindelhaftcn Prämien bewogen haben. Welchen Umfang diese seit länger denn Jahresfrist schwebende Untersuchung angenommen, geht daraus hervor, daß bereits sieben statte Bände Akten vorhanden find, und zur Zeit über hundert lom- miffansche Vernehmungen bei auswättigen Amtsgerichten an- geordnet worden find. Für die Verhandlung in dieser Sache sind allein vier Tage in Ausficht genommen. So weit fich bis jetzt übersehen läßt, dürften 200 Zeugen zu dieser Haupt« Verhandlung geladen werden. a. Eine recht rohe Sachbeschädigung ist, wahrscheinlich aus Rache, gegen den Restaurateur B. in der Königstraße ver« übt werden. B. fand am 15. d. Mts., Abends auf seinem Hofe fünf Weißbierzober, die Innenwände mit Oel übergössen, vor. Glücklicher Weise hat er dies bemerkt, bevor Weißbier in die Zober gegossen worden, da das Weißbier dadurch völlig verdorben worden wäre. Die Zober find in Folge dieser Ver- unreinigung gänzlich unbrauchbar geworden. Im Hofe fand man auch eine Flasche, welche erfichtlich das Oel enthalten hat. Die Nachforschungen ergaben, daß die Flasche mit Oel von einem jungen, anständig gekleideten Manne bei einem benach- harten Matenalwaarenhändler am 15. d. M gegen Abend ge- kaust worden war. Die Verunreinigung kann nur in der Zeit vom 7 bis 7'/, Uhr Abends erfolgt sein, Der Thäter ist noch nicht ermittelt. a, In dem Chausseegraben neben der verlängerten Wik« mersdorferstraße find zwei ea. 40 ctm. lange und 23—46 mmtr. weite Fernrohre, das eine aus weißem Metall und das andere aus Messing, gefunden worden, die wahrscheinlich aus einem Diebstahl Herrübren und behufs Rekognition durch den Eigen- thümer bei der Polizei-Direftion in Charlottenburg verwahtt worden find. a. Schwindler. Zu der Geschästsinhaberin H. in der Breitestraße kam vor einigen Tagen ein junger Mensch, welcher fich als Laufbursche einer in der Brüderstraße bestehenden befreundeten Firma ausgab und im Namen der Inhaberin dieser Firma um 12 Mark für kurze Zeit bat, da der Socius des Geschäfts mit den Kassenschlüsseln sich für kurze Zeit ent- fernt hatte. Da der Bursche anscheinnend mit den Geschäfts- verhättnissen jener Firma recht vertraut war, so gab Fräulein H. demselben anstandslos die 12 Mark. Am folgenden Tage stellte sich heraus, daß ein Betrüger ihr die 12 Marl unter falschen Angaben abgeschwindelt hatte. Der noch nicht er- mittelte Bursche ist 16—18 Jahre all, er hat dunkle Haare und einen scheuen Blick. N. Auster zu dem Mittelfeuer, das bereits in den Mor- genzeitungen gemeldet worden, wurde unsere Feuerwehr wäh- rend des Unwetters noch viermal alarmirt- Bei zwei Alarmi- rungen nach Landsbergersttaße 76 und Brandenburgstraße 18 handelte es fich nur um blinden Feuerlärm, während die beiden Alarme nach Langestraße 44 und Krautsstraße 12 nur Schorn- steindrände betrafen. N. Der Sturmwind, der gestern Abend und theilweise auch schon während des Nachmittages über Berlin hinraste, soll namentlich in der Umgebung Berlins, wie beispielsweise im Thiergarten und anderen Pattanlagen nicht unerheblichen Schaden an Bäumen w. angerichtet haben. Genauere Fest- stellungen fehlen jedoch noch zur Zeit. In der Oberwallstraße wurde ein Fensterflügel aus einer der oberen Etagen los- gerissen und auf den Bürgersteig geschleudert, so daß er in lausend Scherben zerbrach, obne jedoch glücklicher Weise Jemand zu verletzen. An der Ecke der Oranien- und Kom- Am selben Tage traf ich ihn jedoch am Lande, wo er mich bei Seite nahm, fich wegen seiner Grobheit entschuldigte und mir folgende Rede hielt: „Siehst Du, Mafia, weil Du weiße Gesicht hast, glauben Du, Du können auf armen Schwarzen tanzen.'Ader hier nicht „Unde Sam"(U. S.: United States oder Bereinigte Staaten), hier Republik Mexiko, wo farbiger Mann so viele Rechte haben wie weiße. Siehst Du, weißer Mafia, hier freie Land und „farbige Gentleman" nicht mehr verfl— Nigger. Kann Samba morgen wieder zu weiße Massa an Bord kommen?" „Wenn Sambo morgen wieder an Bord kommt," ant« mottete ich ihm,„so lasse ich Sambo ins Waffer werfen." Jedenfalls habe ich seither einen„colored gentlemen" niemals wieder mit dem Worte„Nigger" angeredet; die erhaltene Lektion war zu derb. *.* Doch ich bemerke zu meinem Schrecken, daß ich ganz und gar von dem Gegenstande dieser Skizze abgekommen bin, und bitte den freundlichen Leser, resp. die liebenswürdige Lesettn, tausendmal um Vergebung. Da gerade auf beiden Booten die Dampfpfeifen und Glocken das Signal zur Abfahrt geben, so haben wir eigentlich nichts versäumt. Kaum hatte fich die Louistana" bis in den freien Strom herausgearbeitet, so erscheinen unter des„Clerks" Anführung einige zwanzig„farbige Gentlemen" auf dem Hurricane- Deck, und die Koffer, Kisten, Taschen ic. verschwinden im Handumdrehen durch bisher unfichtbar gebliebene Oess -*....... Gepäckst"* solcher stücke haben die nungen. In der ■Hü "''"Die erste Stimme brüllte von der„Flonda" herüber: „Ich wette 1090 Dollars, daß wir vor euch in Bato» �%ch"Üe die Wette." rief„Oberst" Willinson.„Wer „General Thomas, Chef der Baumwollfirma ThomaS, Clayton u. Comp, in New-Orleans. Und Ihr?" „Oberst Willinson von Madison-Avenue in New-Bork." „Ist mir bekannt. Also settled?" Jawohl, abgemacht." Von allen Seiten wurden Wetten kontrahitt und i»an hätte glauben können, daß man fich beim Wettrennen in England befände, wenn einen nicht das Stöhnen der Mandantenstraße wurde eine ältere Frau vom Sturmwind in den Straßenrinnstein geworfen. Achnlicb erging es einem jungen Mädchen vor dem Hause Alte Jakobstraße 16. Dasselbe fiel so unglücklich zur Erde, daß es fich die linke Hand verstauchte. Der gegen 10 Uhr Abends dem Sturmwind fol- gcnde wolkenbruchartige Regen verursachte namentlich in den Straßen, in denen augenblicklich lanalifirt wird, größere Ueber- schwemmungen. Die Liebe, die Liebe! In einem Hause der Elsaffer- straße wohnen drei Familien seit Jahren friedlich bei einander. Der älteste Sohn der Familie L. ist Schornsteinfeger, der älteste Sohn der Familie M- Konditor. L., der Schornstein- feger, und M., der Konditor, haben nun zu der 18jährigen Tochter der dritten Familie W. eine heftige Neigung gefaßt. Am Sonntag, den 5. Oktober, begaben fich die beiden Lieb- Siaber mit der Anna W. zum Tanzboden nach dem Weimann- chen Volksgarten auf dem Gesundbrunnen. Der liebcglühende Konditor mußte hier die Wahrnehmung machen, daß trotz aller gespendeten Windbeutel und Limonaden seine angebete Anna W- den Schornsteinfeger in jeder Beziehung bevorzugte. Sie tanzte nicht allein fortwährend mit jenem, sondern ließ fich auch nach Beendigung des Tanzvergnügens von diesem nach ihrer Wohnung begleiten. Wuthschnaubend folgte der zurückgesetzte Konditor den Liebenden auf dem Nachhausewege und ließ durch mehrfache Schimpfworte deutlich erkennen, daß er mit seiner Zurücksetzung höchst unzufrieden sei. Endlich waren alle drei bis zu dem von ihnen bewohnten Hause in der Elsasserstraße angekommen, wo fich der Schornsteinfeger von seiner Tänzerin und Flurnachbarin durch einen Kuß verabschieden wollte, als fich plötzlich der Konditor zwischen daS Pärchen schob und bei dieser Gelegenheit der treulosen Anna auf die Füße trat. Am Tage darauf erhielt der ungestüme Konditor von seinem Freunde folgenden Brief.„Herausforderung. Ich fühle mir beleidigt, weil Du mir beleidigt und meine Anna auf die Beine getreten. Ich fordere Dir mit gezogene Pistolen mit Stecher, zehn Schritt Baniere. Avanzircn bis einer kampfunfähig wird. Wo, wann und wie wird Dir mein Sekundant aussagen. Gegrüßt L." Wenige Stunden nach Empfang dieses Briefes erschien in der Wohnung des Geforderten ein in demselben Hause beschäftigter Tapeziergehilfe im Auftrage des Schornsteinfegers als Sekundant mit der Aufforderung an den Konditor, fich zum Kampfe bereit zu halten. In seiner Bestürzung öffnet der Geforderte sofort das Fenster und ruft um Hilfe- Die Hausbewohner eilen aus den Vorder- und Hintergebäuden herbei, unter diesen auch der Herausforderer, der Schornsteinfeger, und die von dem Konditor beleidigte Anna sowie ein von Hausbewohnern herbeigerufenen Schutz- mann. Dieser machte kurzen Prozeß und spedierte die Haupt- Helden der Handlung, den Schornsteinfeger, den Konditor und den als Sekundanten aufgetretenen Tapezierer, nach der Wache des 12. Polizei-Reviers. Der Wachtmeister des Reviers hatte nicht übel Lust, die ganze Geschichte als Unfug aufzufassen, als der Herr Polizei-Lieutenant den Befehl crtheilte, über den Vorfall ein Protokoll aufzunehmen. Dieses Protokoll wurde an die Königliche Staatsanwaltschaft beim Landgericht I ab- gesandt, welche ihrerseits nach Vernehmung von Zeugen gegen den Schornsteinfeger und den Konditor wegen Herausforderung zum Zweikampf mit tödlichen Waffen auf Grund der§§ 201 und 202 sowie gegen den Tapezierer wegen Kartelltragens aus § 208 des Str.-G.-B. die Anklage erhoben hat. GericKts-Rettung. 'n Jtdanke von Schillern. Vor der zweiten Straf- kammer hicfigen Landgerichts l fand gestern eine Veihandlung �egcn einen Leichenfledderer statt, welche durch die begleitenden stände, sowie durch den drastischen Vortrag ves Belastungs- zeugen, Arbeiters Leo, ein charakteristisches Gepräge erhielt. „Ick were den Herrn jenau verzählen, wie fich der Spaß zu- gedragen hat-, da lachen ja die Hühner drüber," so hob Herr Leo an.„Ick jehe also den 16. August Abends durch den „Hain", allwo ick alle Abende durch muß, wenn ick von de Fabrik« komme. Et war jerade Sonnabend, ick hatte den janzen Pink in de Tasche und fühlte mir furchtbar reich. Nu fiel mir uff eenmal in, det stc ecnen von meine Kollegen vorn Wochencr viere sein janzet sauer verdientet Wochenlohn aus de Tasche jemopst hatten, wie er man blas so'n Bisken uff de Bänke injedruffelt war, und da kam mir denn'n Jedanke von Schiller'n, indem ick zu mir sagte:„Du mußt doch mal sehen, ob Du so'n Bruder nicht jreifen kannst." Also is jut, ick setze mir uff'ne Bänke in'ne verborgene Ecke, mache meinen Dusseligen, thue, als wenn ick schlafe, und nicke ooch janz natierlich mit mein' Kopp. Richtig, et dauert nich lange, da sehe ick mit't halbe Ooge zwee Lupenbläker von.Kerls an- kommen. Kommt man, Bengellens, so denke ick und säge so'n recht kräftigen Ast ah. Im Nu find de Kerls ooch Maschinen eines Besseren belehrt hätte. Die Balanciers der Maschinen, die zwischen den beiden Kaminen still- schweigend, aber ununterbrochen auf und ab gingen, sahen aus wie zwei mächtige Geisterarme, und ich glaube, an Bord der beiden Rivalen waren es nur die beiden Piloten, welche vorne in ihrem Pilotenhäuschen saßen, hoch über dem Hurricane-Deck, von wo fie den Lauf des Stromes über- wachten, welche die unumgänglich nöthige Ruhe bewahrten und auch bewahren mußten, denn die Schifffahrt auf dem Misfisfippi wird durch sogenannte Snags sehr gefährdet: Waldriesen, welche der obere Missouri in den Urwäldern von Montana entwurzelt und mit herunterbringt. Diese riefigen Bäume, welche durch den langen Aufenthalt im Strome ganz mit Wasser imprägnitt werden, sinken früher oder später auf den Grund des Stromes und strecken nur ihr oberes Ende zum Theil über Waffer hervor, oft aber befindet es fich auch einige Fuß unter der Oberfläche. Viele Boote, welche in rasender Eile den Strom hinabfliegen, spießen fich buchstäblich auf solche Baumstämme auf und find rettungslos verloren. Diesem Umstände ist es auch größtentheils zuzuschreiben, daß die Stromdampfer, meistens Räverdampfer, derart konstruirr find, daß bald das eine, bald das andere Rad augenblicklich außer Betrieb gesetzt werden kann, was vermittelst einer höchst einfachen Zahnvorrichtung bewirkt wird. Natürlich müssen die Flußlootsen, deren immer mehrere an Bord find, sorgfältig Acht geben und den Lauf des Stromes genau kennen, um Katastrophen zu vermeiden. Mit rasender Schnelligkeit fliegen wir den breiten Strom hinab. Wenn die„Louisiana" bei einer Haltestelle einige Minuten gewinnt, so ist die„Florida" ficher, bei der nächsten Hallestelle dieses Versäumniß wieder einzubringen. Die Auf- reaung an Bord beider Schiffe hat fich sowohl der Offiziere wie der Mannschaften und der Passagiere bemächtigt. Ueberall wird gewettet, und zwei Engländer an Bord der„Louisiana" gehen folgende Wette ein:„Ich wette 50 Pfund, daß die „Florida" springen wird", sagt Nr. 1. «Und ich wette 100 Pfund, daß die„Loufiana" in die Lust geht," sagt Nr. 2. „Angenommen", und Beide tragen die Wetten in ihr rothes Büchelchen ein, lassen fich dann vom Steward ein Triktrakbrett bringen und vertiefen fich in dieses geistreiche Spiel. Bis jetzt hat die„Florida" einen Vorsprung von etwa einer(engl.) Meile, da die„Louisiana" durch einige Snags aufgehalten wurde. Wir haben untcrdeß St. Louis schon seit drei Tagen verlassen, find an Louisville. Leavenwotth, Naichcz, �icksburgh-c. vorbeigeflogen und sollen im Laufe deS mar- ,:gen Toges Baton Rouge, die legislative Hauptstadt des Staates Loufiana erreichen.von Baton Rouge bis kom- merüellcn Hauptstadt des Staates, nämlich New- Orleans, bei mir un der Eene schüttelt an de Bänke. Ja, schüttele Du man immer zu, denke ick, und säge wieder'n ordentlichen Ast ab. Aujust, der is fett! hör' ick denn den Eenen sagen, und jleichzeitig krabbelt mir der Andere an de Hosen, als wenn er sehen wollte, wo Ladewigs jrößtcs Portemonnaie stechen duht. Ick bleibe steif, wie'ne Jliederpuppe, denn ick wußte, deß mein Jeld in die rechte Hosentasche stach, in welche ick ooch meine Hand jestochen hatte- Det hatte der eene der Spitzbuben ooch balde jemerkt, det er so ohne Weiteres nich an meinen Arn- heim könnte, denn er polkte erst'ne janze Weile an de Tasche rum und denn sagte er janz jemiethlich zu dem Andern: Aujust, jieb mir mal Dein Messer, ich muß schneiden! Alle Wetter, denk ick, nu aber raus! Un ick nehme meine Fauste, die nich von Pappe sein soll, un klebe den Bruder Eene, det er de Engel in' Himmel hat pfeifen hören und wie'ne Padde uff'n Rücken lag. Ick bin nich einjebildet, Herr Jerichtshof, aber det Zeugniß kann ick mir jeben, daß ick den Jungen jut jetroffen hatte. Der Andere hatte diesen Ritterschlag jesehen, er hatte mit eenem Mal jar keene Zeit mehr, sondern jing, haste nich jesehn, immer plängschasse durch die Büsche durch. Den konnte ick nick mehr jreifen und da Hab ick denn dem Andern noch so'n Paar Verjißmeinnichts anjehängt und ihn nach de Wache jebracht."— So der Zeuge Leo.— Derjenige, der auf diese Weise„eingegangen" war, der bereits mit Zucht- Haus vorbestrafte Bicrabzieher Emil Otto Bienert wurde wiederum auf zwei Jahre nach dem Zuchthause dirigirt. C,B. T.") Eine interessante Entscheidungüber die Berechtigung zur Führung des AdelpräditatS fällte kürzlich die sechste Strafkammer hiesigen Landgerichts I. in der Strafsache gegen Frau v. Schmcling, die vom hiesigen Schöffengericht wegen Anmaßung des Adcltitels zu 10 M event. 2 Tagen Haft ver- urtheilt worden war. Der Ehemann der Angeklagten war im Jahre 1360 zum Verlust des Adelstitels verurtheilt worden, die Angeklagte fühtte aber das Prädikat„von" ruhig weiter und wurde veshab durch ein vom Odertribunal bestätigtes Er- kenntniß des Kammergerichts rechtskräftig zu Strafe verurtheilt. Auf Berufung der Angeklagten gegen ihre jüngste Äerurtheilung hob der Gerichtshof daS erste Uttheil auf und erkannte auf Freisprechung der Angeklagten, da dieselbe zur Führung des Avelstllels trotz der rechtskrästigen Bestrafung vollständig de- rechtigt sei Durch ihre Verheirathung, so fühtte der Vor- fitzende Landgerichts-Direstor Schmidt aus, habe fie den Adel rechtmäßig erworben: durch die Schuld eines Andern könne fie nach den allgemeinen landrechtlichen Grundsätzen des er- wordenen Guts nicht wieder verlustig gehen, woraus ihre Berechtigung zur Weiterführung deS Titels von selbst folgt. Breslau. Vor Kurzem wurde hier in einer Schwurgerichts- fitzung gegen den früheren Agitator und Hauptvettreter der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine Ad. Schubert wegen Ver- untreuung von Geldern in seiner Eigenschaft als Vormund, welche er durch Urkundenfälschung zu decken gesucht, verhandelt- Der Angeklagte, welcher bereits vor längerer Zeit wegen Unter- schlagung von Gelvem aus der Kasse des Maschinenbauer-Orts- Vereins zu sechs Monaten Gefängniß veruttheilt worden war, erhielt 1'/: Jahr Zuchthaus. Arbeiterbewegung, Vereine unä Verfammkungen. Drei Wähler- Bersammlungen der Arbeiterpartei waren zum Freitag Abend anberaumt; von diesen wurde je- doch eine schon vorher polizellich verboten, die beiden anderen nach verhältnißmäßig kurzer Dauer polizeilich aufgelöst. Die ersterwähnte Versammlung war für die Wähler des vierten Berliner Reichstagskreises nach Dahlmann's Salon(Lands- bergcr Allee) einberufen, und sollte in dieser der Stadtverord- netc Singer sprechen. Trotz des heftigen Unwetters hatte fich eine ungeheure Menschenmenge vor jenem Lokale eingefunden; dieser wurde jedoch durch die zahlreich vor dem Lokal postirte Schutzmannschaft die Mittheilüng gemacht, daß die Versamm- lung verboten sei. Die Arbeiter entfernten fich unter Hochrufen auf Singer. Die Wähler der Arbeiterpartei des dritten Berliner Reichstagswahlkreises waren in Mundt's Salon(Köpnicker- straße 100) äußerst zahlreich versammelt. Tischler- meister Mitan sprach des Längeren über die Stellung der deutsch- freisinnigen Pattei zur Sozialreform. Der Redner bemerkte zum Schluß: Die Deutsch- Frei- finnigen machen den Arbeitern zum Vorwurf, daß fie mit der Regierung und den Konservativen liebäugeln, das ist jedoch eine absolute Unwahrheit. Allein wir nehmen das Gute, auch wenn es von der Regierung kommt und behaupten= So lange die ökonomische Abhängigkeit besteht, es mit der persönlichen Freiheit Wind ist. Ferner muß ich gestehen, daß mir der ebr- liche Konservative viel lieber ist, als der Deutsch-Freifinnige. dauert die Fahet kaum noch zwölf Stunden, und die„Loufiana" muß fich anstrengen, den Unterschieds wieder einzubnngen. Demgemäß werden denn von den Schiffsoorräthen die Speck- feiten, Schinken, sogar Petroleum hervorgesucht, um als Brenn- Material verwendet zu werden. Man arbeitet zwar bereits mit ungeheurem Ueberdruck; wenn wir uns zum Essen im Salon nieversctzen, so klirren freilich die Gläser und die Teller von der gewaltigen Erschütterung, welche von dem Arbeiten her Maschine Herrührt— aber das thut nichts, die„Florida" ist voraus und muß überflügelt weiden. Und richtig, der neue Brennstoff vollbringt dieses Wunder! Die beiden Boote find wieder Bord an Bord und bleiben so bis zum frühen Morgen. Dann aber hat die„Louistana" einen kleinen Vor- sprung und mächtige Rauchwolken, die aus den Kaminen der „Florida" aufsteigen, verkünden, daß fich die letztere zu dem- selben verzweifelten Mittel entschließt, welches die„Louistana" mit Ettolg angewendet hat, denn einige Meilen unterhalb jener Wendung des Stromes kommt Baton Rouge in Sicht. Doch die„Louistana" läßt ihre Rivalin nicht mehr aus den Augen. Sobald drüben dunklere Rauchwollen eine Ver- mehrung der Anstrengungen der Heizer anzeigen, fliegen hier neue Speckfetten unter den Kessel und fott geht es, wie bei der wilden Jagd. Jetzt ist die Biegung erreicht und Baton Rouge liegt vor uns. Plötzlich ändert fich die Situation- Es erfolgt ein dumpfer Krach, und als fich die Passagiere der„Louisiana" umsehen, bemerken fie, wie einzelne Stücke der„Florida" durch die Lust wirbeln. Ein Kessel der letzteren ist in die Luft ge- flogen und daS vor einer Minute noch so stolz daherschwim- mende Boot treibt, ein hilfloses Wrack, auf dem Strome daher. Rasch wird nun der Druck auf der„Louisiana" vermindert und das Schiff zum Stehen gebracht; dann wird das Rettungs- boot über Bord gesetzt und nach zehn oder zwölf Fahrten be- finden fich gegen 200 Gerettete von der„Florida" an Bord der„Louistana". Gegen 300 Menschenleben sind durch straf- baren Leichtfinn zu Grunde gegangen, darunter auch der Kapitän der„Florida", James Äadison. Die„Louisiana" erreichte noch am selben Abende New- Orleans, und die New-Orleans Picayune brachte am anderen Tage unter der Rubrik„Verbrechen und Unglücksfälle" folgende lakonische Notiz:„Gestern flog bei Baton Rouge der schöne Misfisfippi-Dampfer„Florida" in die Luft, Verlust an Menschen- leben 300, worunter Kapitän Madison. Kapitän Adams von der„Louisiana" verliett durch Madison's unzeitiges Ende 5000 Dollars, Betrog einer Wette zwischen den beiden Kom- Mandanten. Dabei blieb eö, darum nochmals:„Es lebe die freie Kon- kurrenz!" Selbstverständlich werden wir den Konservativen ebensowenig Heeresfolge leisten, wie den Deutsch-Freifinnigen. Ganz de- sonders bekämpfen wir die von einigen Konservativen in vzem gesetzte Judenhetze. Die Berliner Arbeiter werden am 28.Lu. weder für einen Deutsch-Freifinnigen, noch für einen Kon- servaliven, sondern für die 6 Kandidaten stimmen, die von ihnen selbst aufgestellt sind.(Stürmischer Beifall.) In ahn- licher Weise äußerten fich Arbeiter Nikolai und Tischler 0% brandt. Als Letzterer äußerte: Die Kornzölle kommen lcdigu« der Großgrundbefitzem zu Gute, deren Söhne den Osfizierslano bilden und die das verdiente Geld ihrer Väter auf den Vpielus« werfen, ettlärte der Polizei-Offizier die Versammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes für aufgelöst. Die Ver» sammelten entfernten fich unter stürmischen Hochrufen auf den Arbeitcr-Kandidaten Dietz und die Sozialdemokratie. ,, Die Wähler des zweiten Berliner Reichstagswahl- lreises waren in dem Gratweil'schen Etablissement(ik# mandantenstraße) sehr zahlreich versammelt. Dott fpwjj Maschinenbauer Liefländer über das Programm der dnitsw- freifinnigen Partei. Als der Redner gleich bei Beginn sagte- In politischer Beziehung besitzen wir schon einige Freiheiten, dagegen find wir in wirthschaftlicher Beziehung gewiffcrmaM noch geknechtet, wurde auch diese Versammlung von dem„an- wesendcn Polizei-Offizier auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes aufgelöst. Die hiesige Filial-Verwaltung der Central-Krankeiv und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer(E. H Rr-a zu Hamburg) theilt uns mit, daß die neuen, dem Reichsgest» betreffend Kranlenverficherung der Aibeiter angepaßten Statu ten der Kaffe am 1. Oktober in Kraft getreten find. Die de- merkenswerthesten Neuerungen find folgende: Jedes Mitgueo hat vom Tage feines Eintritts ein Anrecht auf Unterstützung, diese beträgt in der 1. Klaffe täglich 1,59 Mark, 2. Kl-ff- 1,93 M. und 3. Klasse 2,25 M-, die Woche zu 6 Tage geregnet und wird 26 Wochen das volle und 26 Wochen das Haidt Krankengeld gezahlt. Hat ein in einem Krankenhaus unter' gebrachtes Mitglied Angehönge, deren Unterhalt es bisher von seinem Verdienst ganz oder größtentheils bestritten hat, so zah" die Kasse außerdem noch�an Letztere ein UnterstützunMtw von täglich 40 Pf. in der 1. Kl-, 65 Pf. in der 2. Kl. und 90 Pf. in der 3. Kl., neben freier Kur und Pflege im Kran- kenhause. Bei eintretenden Sterbefällen wird ein Beerdigung»- geld von 60 M.in der 1. Kl., 70 M. in der 2. Kl. und 90 M.in dcr o. Kl. gezahlt. Außerdem gewährt die Kasse an solche Mitglied«, welche zwar krank aber dabei arbeitsfähig find, freien Arzt uno Medikamente. Die Beiträge find erhöht auf 25 Pf. 1- Kl" 30 Pf. 2. Kl. und 35 Pf. in der 3. Kl. pro Woche- Berech tigt zum Eintritt ist: Jeder beim Wagenbau direkt oder ind> rekt hefchäftigte Arbeiter(Stellmacher, Schmiede, Schlosser, Sattler, Lackirer:c.) welcher im Besitz der bürgerlichen Ehrew rechte, seinen Gesundheitszustand durch ärztliches Attest naaß weisen kann, das 40. Lebensjahr nicht überschritten hat uno beträgt das Eintrittsgeld 1 M. und 20 Pf. für Mitgliedsbuch und Statut. Da das obengenannte Gesetz am 1. Dezember tt in Kraft tritt, werden die Interessenten, welche auf freie Selbfr Verwaltung halten, gut thun, fich baldigst zum Einttttt>» obige Kaffe, welche durch ganz Deutschland verbreitet ist, r melden. Meldungen werden entgegengenommen von E- Dreww, Bevollmächtigter, Gubenerstr. 61, Hos IV.,®. Seehaus, Kam rer, Memelerstr. 34 Ii, sowie in den Zahlstellen für den SO• Otto Matthces, Kottbuserstr. 10 a, SW.: H. Hoffmann, BlumA- thalstraße 5. für NW.: H. Junge. Borfigstr. 24. Hof ll, für N.; H. Pritzlow, Gerichtsstr. 63, sowie im Central- Verkehr sämmtlicher Gewerke Weberstr. 22, für Charlottenburg der äst- vollmächtigte H. Bieling, Leibnitzstr. 2 und der Kassir# H. Friedrich, Spandauerstr. 1. Erfurt, 15. Oktober. Die Montag, den 13. d- M-, Kaisersaal— dem größten Saal hier am Ort— vom Arbeiterwahlkomitee einberufene öffentliche Wählerversammlung, welcher Herr Schriftsteller Hasenclever seine Kandidatcnreoe hielt, war von 3000 Personen besucht. Hunderte von Wähl«» konnten schon eine halbe Stunde vor Eröffnung der Versami»- lung nicht mehr hinein. Treppen sowie alle Ausgänge wäre» undurchdringlich besetzt. Da die vorher stattgefundenen V«- sammlungcn der Gegner nur durch den starten Besuch d« Arbeiterpartei fich nicht durch eine bedenkliche Leere au»- zeichneten ist dieser ungeheuere Zudrang wohl ein sprechend« Beweis für die günstige Stimmung unter den Handwerker» und Arbeitern für den Kandidaten der Aibeitcrpattet W. Hase»- clever. Nach einer kurzen Einleitung ettheilte der Vorfitzenve Rcißhaus Herrn Hasenelever das Wort. Von der Versammlung mit stürmischem Beifall begrüßt, erklärte Herr Hasenelever>» l'i,stündiger Rede, die Gegensätze und Thätigkeit der verschi« denen Parteien und sein Programm. Daß der Redner die M deutsch-frcifinnig nennende Pattei ebenso auch die konservativ- nationalliberal-kompromiß Pattei treffend kennzeichnete, bewi« der wiederholte stürmische Beifall. Nachdem Redner sein Pr� gramm genügend cröttert hatte, erreichte der Beifall bei»- Schluß der Rede eine nicht zu deschreibende Höhe- Der W»' fitzende forderte wiederholt die anwesenden Gegner auf, ss® doch zum Wort zu melden, da vollständige Redefreiheit herrsch� Trotzdem meldete sich Niemand. Ja selbst ein Hinweis, da» die Gegner doch erst gestern in der liberalen Versammlung gl- sehen hätten, wie die Arbeiter fich vor zwei Professoren un» noch einem Rechtsanwalt nicht fürchteten, sondern ihrer tteb«- zeugung klar und deutllich Ausdruck geben, so sollten fie do« heute die Gelegenheit benutzen, fruchtete auch nichts- Die S«' »u IUI lonfis Mich fe Lk v» J?« geioe |SbcrW pounbe % b Ef«! Auf Hand «ne, lit-thött ki;# Ifctlicfy LA als Jgtälose Jen 3] »?. � Cwn nod 41 i-»' »».'naß' PWcnöff 5«fru| K?': R »on �ntaa I sammlung nahm schließlich einstimmig folgende Resolution a»- Kaisersaal von 3000 Personen besuchte Wähl«- Die heute im.............. v.,. Versammlung prollamirt Herrn Wilhelm Hasenelev.'r in Ha» a. S. als ihren alleinigen Kandidaten und erklärt für dessen Wahl mit allen gesetzlichen Mitteln willen zu wollen. Nachd«?. der Vorsitzende noch einige ermunternde und zur Thätigd auffordernde Worte wie seinen Dank im Namen des Kom"« für die musterhafte Haltung und für den so zahlreichen Beiu» ausgesprochen hatte, wurde die Versammlung mit einem drei- fachen stürmischen Hoch auf den Kandidaten geschlossen. K .ttftei ,*ea ■ag; und SS: fc F&ita, Kintaa 5 (9 K AritAaftea der Redaktion. ül\. I f.f....... p. rrv?. r...... ri.rx trt i «V4 UCV ait'UUUUUU» A H., Weistenburgerstr. Die Herrschaft ist berechtig' ethsgeld auf den Lohn abzurechnen, sofern ein andere« :##### R.a... o-v— vi-« �0-»,"" % Aoi cr._v---..... "folgt- Fordern Sie für zwei Wochen Ihren Lohn bez. H«! menft. Sie müssen fich zuerst an die Gewerbe- Deputaua» <« mV»»» M»»M /d!- w r rr /-,» i L r\r„». ♦'jfy* ■-- r»--- i•">»»,, v»»» v v' w»-•••, uf wenden und wenn Sie daselbst mit dem Ansprüche �r-b�nssen.müffm Sie innerhalb lOTagen seit Verkünd-« Verantwortlicher Redakleur«. Kronheim in Berlin. Druck und Verlag von Matz vading m VcrlmLW. B ulvttr.ge'" vuuuuungcn, munen Wie innerhalb lO Dagen fett Vettüno� deS Urthals bei der Gewerbe« Deputation durch Erhebung Klage die richteiliche Entscheidung beantragen-.„hl O. I.. Neichenbergerstr. Das Testament wird bei dem Kgl- Amtsgericht l. hier publizirt worden sein. find berechtigt, eine Abschrift desselben zu»«langen- Uebrigm thun Sie am besten, wenn Sie in der Eibsw Angelegenheit fich eines Anwalts bedienen. Weigmanu, Rüdersdorferstr. Mit erreicht«� G jähiigleit hört die Vormundschaft auf. Ihre Braut wegen der Hypothek an die im Grundbuch eingetragenen � v thümer zu halten. � I; m I