k 70 0, 1000m en te es it 3= 34430 en 0 und rinnen Licht 16 und elerin, Deigert, n An einigen Fran hatte Strand fanten fie die Er Der de die Bhoto Bhotos Te vor Iten in lls die Deniger 920S L batte tel der Die be uriofer New Dies Schuß! gerblid bem D des mitliche Sie; t eben 7, die Thres enftige glaub rgeffes eing , thre bendo , fi bltreid 8. Den 3 im ng bel 1086 ba alber 18. Double pro tige nez llers 40. Nr. 171. Mittwoch, 22. Oftober 1884. I. Jahrg. Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das Berliner Bellablatt eint täglich Morgens außer nach Sonn- und Fefttagen. Woonnementspreis für Berlin fein's Saus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Mart, wöchentlich 25 Pf. Einzelne Rammern 5 Bf. Bostabonnement pro Duartal 3 Mart.( Eingetragen im VHI. Nach trage der Botzeitungspreisliste unter Nr. 719a.) Fasertionsgebühr beträgt für bie 3 gefpaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werben bis 4 the Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., 8immerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedition Berfin SW., Zimmerstraße 44. Arbeiterkammern. Ein sehr beliebtes Schlagwort moderner Sozialreformer lautet: die Arbeiter natürlich nur die aufgehegten und nicht die braven- flagen zwar fortwährend, räsonniren, fagen aber nicht, wie es besser zu machen sei. Es ist dieser Einwand durch Thatsachen zwar schon oft widerlegt worden, aber immer wieder wird er aufs Neue erhoben. Eine Forderung der Arbeiter nun, die Errichtung von Arbeiterlammern, wollen wir heute herausnehmen und zeigen, daß es an praktischen, diskutirbaren Vorschlägen nicht fehlt. Beitgemäß wäre eine Diskussion dieser Frage schon beshalb, weil jegt gerade die Kreise der Handels- und Gewerbetreibenden fich mit der Organisation der Kammern, welche ihre Interessen vertreten sollen, befassen. Aber nicht nur die Arbeiter im engeren Sinne haben ein Interesse an ber Erörterung dieses Gegenstandes, sondern auch insbesonbere alle Jene, welche wenigstens nach ihren Aussagen bereit sind, den berechtigten" Forderungen der Arbeiter zu genügen. Wenn alle Klassen nach einer Interessenvertretung rufen, warum soll dann die zahlreichste, die Arbeiterklasse teine solche haben? Und man wird zugeben müssen, daß diese Forderung nicht so ohne Weiteres negirt werden darf. Die Arbeiterkammern find nichts weniger als eine revolutionäre Institution, im Gegentheil. Wir theilen nun einen Vorschlag mit, der von berufener Seite in der Neuen Zeit" gemacht wurde. Es giebt eben noch eine Menge Wege, bie, beharrlich verfolgt, geeignet sind, eine Erleichterung der Lage des arbeitenden Boltes herbeizuführen. Am Betreten dieser Wege haben aber Jene das meiste Intereffe, welche die Erhaltung der heutigen wirthschaftlichen Berhältnisse wünschen müssen. Das schon bestehende Institut der Fabrikinspektoren müßte die Basis bilden, auf welcher die Arbeiterlammern als Rrone eines systematischen Ausbaues entstehen. Dies tönnte also geschehen: das Fabrikinspektorat wird in ein Arbeitsamt erweitert, an dessen Spiße ein Inspektor Reht, unterstützt von zwei Affiftenten. Auf je 300 000 Einwohner hätte ein solches Arbeitsamt da es sich auch um gründliche Untersuchung und Beaufsichtigung der ländlichen Arbeiter handelt zu kommen, was für die gegenwärtige Bevölkerung des Reichs ungefähr 150 Aemter ergäbe. Das Thätigkeitsgebiet des Arbeitsamt wäre folgendes: die Kontrole über die genaue Innehaltung der Gewerbepolizeilichen Arbeiter und Kinder; über die Nacht- und Sountagsarbeit; Aber bie Fabrik- und Arbeitsräume in Bezug auf Sicher heit und Gesundheit der darin Beschäftigten, SchutzmaßFeuilleton. Radbrud verboten.] 10) Isaura. Cine Erzählung aus dem südlichen Frankreich. ( Fortsetzung) Vor regeln an der Maschinerie und den Betriebseinrichtungen, Ventilation, genügender Raum, Beleuchtung, Tageslicht, der Zustand der Reinigungsanstalten und Aborte, etwaiger Eßund Ankleideräume, die Verwendung giftiger Farben und die gesundheitsschädlichen Arbeitsprozesse. Ferner die Anordnung von ärztlichen Untersuchungen, das Unfall- Anmeldewesen, Lohnzahlungen und Trucksystem. Weiter statistische Erhebungen über die Löhne und Arbeitsverhältnisse überhaupt, Staats- und Kommunesteuern, Schullasten, Unterstützungskassen, Untersuchungen über die Preise und die Qualität der Lebensmittel welch lettere auf seine Veranlaffung durch das Reichs- Gesundheitsamt zu geschehen hätte und über die Wirkung von Zollgesehen und Handelsverträgen auf die Erwerbsverhältnisse im allgemeinen und die Lohnverhältnisse im besonderen innerhalb seines Bezirks, über Kranheits- und Sterblichkeitsverhältnisse, das Faktorenund Zwischenhändlerwesen, über Verbesserungen und Veränderungen im Arbeitsprozeß. Es müßte ferner das Recht befißen, Untersuchungen vorzunehmen und zu diesem Zweck Sachverständige und Zeugen laden zu dürfen. Ueber alle diese Dinge wäre, soweit nicht spezielle Statistische Aufnahmen stattfänden, alljährlich ein gedrängter übersichtlicher Bericht zu erstatten, der zu den Selbstloften an Jedermann abgegeben würde und den interessirten Behörden und Verwaltungskörpern zuzustellen wäre. In jedem Arbeitsraum und auf jedem Arbeitsplatz des Arbeiteramtsbezirks wäre durch Tafel der Sitz, der Name des Inspektors, die Bureauzeit, die Funktionen des Amts und mit dem Hinweis anzubringen, daß bezügliche Anfragen und Beschwerden schriftlich oder persönlich innerhalb der Bureaustunden angenommen und beantwortet würden. Dies wären in allgemeinen Umrissen die Funktionen des Arbeitsamts. Damit nun richtige und tüchtige Leute ge= wonnen würden, hätten von Zeit zu Zeit öffentliche Prüfungen stattzufinden, bei welchen die sich bewerbenden Randidaten unter Aufsicht bezügliche schriftliche Arbeiten anzufertigen hätten, welche Zeugniß ablegten, daß sie die nöthigen sozial- ökonomischen, technischen und hygienischen Renntnisse befäßen. Zu diesen Prüfungen müßte Jeder zugelassen werden, der das Zeug in sich fühlte, den gehegten Erwartungen entsprechen zu tönnen. Damit andrerseits das Arbeitsamt seine Aufgaben voll erfüllen und in der am meisten dabei intereffirten Bevölterung eine entsprechende Stütze fände, empfiehlt sich die Errichtung einer Arbeiterkammer in jedem Arbeitsamtsbezirt, die etwa zwanzig Mitglieder zählte und aus den verschie densten Berufszweigen zusammengesett wäre. Diese Arbeiterlammer, jährlich mit der nöthigen Zahl von Erfagleuten terlammer, jährlich mit der nöthigen Zahl von Erfagleuten durch die Arbeiter gewählt, hätte am Sig des Arbeitsamts Jiaura dachte an einen Abend, wo sie allein wie heut beim Vollmond am Wasserfalle dort geseffen hatte, und wie die Erinnerung ihr dann zurückzauberte, was sich an jenen Abend knüpfte, wurde fte trauriger, als fie je gewesen war. In dieser Stimmung erregte es ihr einen tödtlichen Schreck, als fte auf einmal von einer fremden Stimme angeredet wurde. Sie schrie leicht auf und wollte fliehen, aber der sanst bittende Buruf des Fremden bannte sie an ihre Stelle. Shr seht einen Reuigen vor Euch, der nicht ruhig werden kann, bis er Sie erkannte ihn jest, es war der junge Falkner des Herrn von Mont Aynard. Zweifelnd blieb fie stehen auch er Ich verdiene es," sprach er, daß Ihr Mißtrauen und Haß gegen mich hegt. In unbegreiflicher Verblendung babe 6s that dem Lauscher, der sich im Gestrüpp ganz nahe geschlichen hatte, unendlich leid, daß der Alte diesen Ort nicht nannte, sondern nun grade auf sein Haus die Richtung seine Schuld wieder gut gemacht hat." nahm, wohin Crespin ihm nicht gleich folgte. dem Eingange des Hammerwerkes standen viele Menschen; fie waren, nach ihren Bewegungen, in lebhaftem Durch näherte sich ihr nicht, sondern hielt fich in ehrerbietiger Ent einanderreden, aber faum erblickte Einer das nahende Baar, fernung. als er die Andern aufmerksam machte, und ein lautes Ge wurde. Royan's Sohn fam aus dem Haufen gesprungen Die Frau des Hammermeisters eilte herbei Alle begrüßten ibn, wie Einen, den man schon verloren geglaubt. Es waren viele Nachbarn hier, und aus ihren Reden erkannte der Alte mißbilligend, daß sie nicht übel Luft gehabt, ihn mit Gewalt zu befreien, was er ihnen verwies, dann aber fie einlud, seine Heimlehr mit ihm durch einen fühlen Trunk festlich zu begehen. mich wirklich?" Auch Isaura, welche von den einfachen Hausbewohnern zärtlich geliebt wurde, fand stürmische Begrüßung- doch bald, nachdem ich Euren Werth verkannt und-hingeriffen von Euerm Liebreiz verzeiht, ich falle schon wieder in eine unziemliche Sprache! Nehmt denn offen das Geständniß, daß ich tief bereue, Euch durch mein Betragen getränft zu haben, und seid so gütig gegen den armen Crespin, der wider seine Absicht noch eine große Gefahr für Euch heraufgeführt. Hafſet Ihr " mit Speis' und Trant, und der Abend draußen seine duftigen Selbstvergessenheit, doch mäßigte er schnell seinen Ton: ,, Das Mädchen leise, um ihren Träumen in der Einsamkeit nachzu Tumult, der uns wie ein Wirbelwind faßte, glücklich entkoms bängen. Sie fette fich an den Rand des Wildstromes, da wo er in Treppenfällen stäubend und brausend in das Beden stürzte, aus welchem er in geregelter Senkung dem Getriebe entgegen flog: eine dienstbare Gewalt dem menschlichen Fleiße. Wo Siaura saß, war er noch das ungebändigte Kind der Ich haffe Niemand," erwiederte Isaura. Wollt Ihr zu Vater Royan?" Nur zu Euch!" rief der Falkner feurig, gleichsam in heißt, ich wollte vor allen Dingen sehen, ob Ihr aus dem men seid das habe ich zu meiner Freude gefunden! Dann wollte ich Eure Verzeihung ansprechen und mich ihrer werth machen." Siaura erinnerte sich dunkel, daß der Hammermeister bei des Falkners erster Begegnung im Thale von Saffenage nicht günftig über ihn gesprochen hatte, aber fie war überhaupt nicht Berge, und sein Tosen, einförmig, aber die Seele nicht mißtrauischer Natur, und seine Worte flangen so sanft und in Echlummer wiegend, erinnerte das Mädchen immer an einen ganz ähnlichen Wafferfall, der von den schönen Bergen, wo fie glückliche Tage der Kindheit verlebt, in den Sonne war heut schon versunken; noch glühten die Kuppen, aber immer tiefer wurde ihr Purpur, bis er im violetten Dufte erlosch; dann trat der Vollmond flar und ruhig über den scharfen Felsrand, den er schon eine Weile mit Silber ge Darum saß fie bier so gern. Die fäumt hatte. demüthig. Meine Verzeibung habt Ihr," sagte fte. so spät geworden begleitet mich zu meinem Das wollte ihr nicht recht über die Lippe." Es ist Better." ,, D nennt ihn doch nicht so!" versette der Fallner. Er ist weder Euer Better, noch Euer Großvater, wie er mir zuerst gefagt eben so wenig wird er Euch schüßen vor der Gefahr, die Euch droht. Ich beschmöre Euch, bleibt!" rief er leidenschaftlicher, da fie fich zum Gehen wandte. Nicht sicherer seid Jhr am Hochaltare Eures Klosters gewesen, als bei mir!" periodische Sigungen abzuhalten, in welchen alle Interessen der Arbeiterschaft erörtert, dem Arbeitsamt jede nöthige Ausfunft ertheilt, Vorschläge zur Verbesserung der Lage der Arbeiter gemacht oder solche von Seiten der Staatsgewalt beabsichtigte begutachtet würden. Zugleich hätten die Mitglieder der Arbeiterfammern abwechselnd die Schiedsrichter in allen gewerblichen Streitigkeiten Seitens der Arbeiterschaft zu stellen und wäre ihren Mitgliedern für alle Zeitverfäums nisse eine entsprechende Entschädigung zu gewähren. Diese Arbeiterkammern hätten ferner in Gemeinschaft mit gleichartig organisirten Gewerbekammern das Fachschulwesen, permanente Modell- und Mustersammlungen 2c. zu ordnen; sie hätten dem Arbeitsamt bei Aufstellung und Ausarbeitung der Statistiken an die Hand zu gehen und aus den Kreisen der Arbeiter die Mannschaften zu stellen, welche an freien Tagen das Austragen und die Einziehung der Zählfarten und Fragebogen übernehmen. Dies seßte natürlich wieder voraus, daß alle Hindernisse für die Gründung von Arbeiter- Organisationen gründlich beseitigt und die Ges winnung von Korporationsrechten sehr erleichtert würden. Als Zentralstelle über dieser ganzen Drganisation hätte ein Reichs- Arbeitsministerium zu stehen, das mit den nöthis gen Mitteln ausgestattet, die Berichte, Mittheilungen, Anträge und Vorschläge der Arbeiterkammern und Arbeitsämter zu prüfen und zu allgemeinen Berichten, Maßregeln, Gefeßentwürfen 2c. zu verarbeiten hätte. Ueber alle die Arbeiterklasse angehenden Gefeßentwürfe wären die Arbeiterfammern gutachtlich zu hören. Ein solches Urtheil würde ein anderes Gewicht haben, als das des jezigen Volkswirthfchaftsraths, und es ist anzunehmen, daß ein Barlament taum wagte Widerstand zu leisten, wenn eine von der Staatsgewalt eingebrachte Vorlage durch diese Arbeiterkammern energisch befürwortet würde. Der erste und eigentlich einzige Einwand, der mit etnem gewissen Scheinrecht gegen eine solche Organisation in uns ferer steuerüberladenen Zeit gemacht werden könnte, wäre jener der Kosten. Aber wären die Ausgaben denn so groß? Untersuchen wir. Wir haben 150 Arbeitsämter mit je einem Inspektor, zwei Affiftenten und einem Hilfsarbeiter für die gewöhnlichen Dienste. Wir unterstellen, daß das Durchschnittsgehalt des Inspektors 4200 M., jenes der Affiftenten 2400 M., jenes des Hilfsarbeiters 1100 m. betragen. Die Kosten der Bureaumiethe, Feuerung, Beleuch tung, des Materials, der Druckfosten für einen Bericht, Porto, Reisefpesen die letteren find nicht hoch, da die Bezirke nicht groß find und in größeren Städten und Industriebezirken dicht zufammengepackt liegen sollen per Bureau jährlich 4500 M. durchschnittlich betragen. Das sind in Summa 14 600 M. für jedes Bureau, für das ganze Reich 2 190 000 W. Wir unterstellen ferner, die Arbeiterkammern Was sprecht Ihr vom Kloster!" entgegnete fie. ,, Jch lenne. teins!" Es ziemt sich nicht für mich, daß ich Eure Geheimnisse zu durchdringen suche," sprach Crespin bescheiden. Nur so viel weiß ich: Ihr dürft den morgenden Tag nicht mehr in diesem Hause verleben." " Das sagt Vater Royan auch!" rief Isaura. ,, Sagt er das?" erwiderte der Faltner. Nun- und hat er eine Freiftatt für Euch gefunden? ,, Gewiß!" antwortete fte. Sch frage nicht: wo? und wünsche nur, daß Ihr dort ficher sein möget," sagte der Faltner. So viel ist gewiß, Shr seid umstellt von allen Seiten. Hätte ich Anspruch auf Euer Vertrauen, so würde ich sagen: gebt meiner Reue Gelegenheit, fich durch die That zu bewähren; mein Blut will ich vergießen für Euch, aber es bedarf deffen nicht; ich weiß den besten und gefahrlosesten Weg, allen bösen Folgen des Bus fammentreffens mit dem Dauphin zu entrinnen, die sonst schwer und wenn Euch Euer Vater Royan wirklich in eine sichere Freistatt brächte um so schwerer auf des alten Mannes Haupt fallen würden!" " 1 Was sagt Ihr?" rief Isaura erschreckt. Meinen treuen Hüter? Warum?" " ,, Das fönnt Ihr Euch selbst beantworten," erwiderte er ruhig. She tönnt gerettet werden er nie! Fliehen mit Weib und Kindeskind, Hab' und Gut im Stich laffen, das ist für ihn der einzige Weg, die Rache zu meiden ist das nicht Verderben genug?" " D Gott, Gott!" seufzte das geängstigte Mädchen, rang die Hände und schlug fie vor die Augen. Da näherte fich ihr der Falkner, sentte sein Knie vor ihr und sagte leise: Wollt Ihr mir vertrauen? Ich rette Euch und Aile! Sebt," fuhr er fort, da sie ihm unwillig aufzu ftehen winkte, worauf er sich erhob, ich kenne mehr von Eueren Geheimnissen, als Shr denkt. Ich weiß, von welcher Seite die Blige nach Euch zucken werden, und kann daher leicht das schüßende Schild über Euer Haupt halten! Wenn ich Euch mein heiliges Wort gebe, daß Vater Royan nicht der leifefte Unfall treffen soll?" " D, wie tönnt ich's Euch danken!" rief Isaura. ,, Sprecht." Ich bringe Euch, ohne daß es Einer ahnt, in Sicherheit Nicht in ein Kloster sondern zu meiner Mutter." ,, Und Vater Royan?" fragte ste. Würde ihn nicht den noch-844 - in denen der Inspektor den Vorsiz immer hat, die Assistenten berathende Stimme haben und das Protokoll führen halten an zwölf Tagen im Jahre Sizung und bekommt à Mann Tagesentschädigung durchschnittlich 8 M. 50 Pf., das würde per Kammer jährlich 2040 M. ergeben. Wir nehmen weiter an, daß das Schiedsgericht wöchentlich einen Tag zusammenkomme, an diesem zwei Mitglieder der Arbeiterkammer Theil nähmen und abermals eine Entschädigung von à 8 M. 50 Pf. erhielten; das machte per Jahr Schiedsgerichtskosten 884 M. Jn Summa an Arbeiterkammern- und Schiedsgerichtskosten für das Reich 438 600 M. Die Kosten des Arbeitsministeriums zu 200 000 m. veranschlagt, wäre die jährliche Ausgabe für diese vortreffliche Drganisation in Summa 2 828 600 Mart, fagen wir rund 3 Millionen Mark, d. h. ungefähr den hundertundsiebenzigsten Theil dessen, was alljährlich das Reichs- Militärbudget an ordentlichen und einmaligen Ausgaben erfordert. Auf der andern Seite wären aber die Kosten für die jetzt vorhandenen Fabrifinspektoren in Abzug zu bringen, auch würde bas Parlament durch gut vorgearbeitete Gesezentwürfe an Zeit und Arbeit ersparen. Auch wenn alljährlich eine Berathung von Vertretern sämmtlicher Arbeiterkammern von 6-8 Tagen in der Reichshauptstadt behufs genannter Begutachtung beliebt würde, würden sich die Kosten um höchstens 30-35 000 Mark erhöhen. Man sieht, die Kosten, auch wenn sie im Ganzen noch eine Million höher fich stellten angenommen, kommen gar nicht in Betracht, angesichts der großen Vortheile. Allerdings setzte die Einführung einer solcher Organisation voraus, daß die Staatsgewalt entschlossen wäre, alles, was sich aus diesem Zusammenwirken der Kräfte nach objettiver Beurtheilung des Materials als nothwendig herausstellte, auch ohne Rücksicht auf das Geschrei der in ihrem Intereffe Benachtheiligten durchzuführen. Alsdann würde die Sozial- Reform Fleisch und Blut gewinnen, sie würde das Interesse, die Begeisterung der Masse in den weitesten Kreisen erregen und so getragen ihr 8iel erreichen. Ob man diesen Weg einschlagen wird? Politische Uebersicht. Der Ertrag der Wechselstempelsteuer, der ein nicht unwichtiges Moment bei der Beurtheilung der Verhältnisse von Handel und Industrie bildet, hat in der ersten Hälfte des Etatsjahres 1884/85 nicht die Höhe des Vorjahres erreicht; es wurden im Reiche vereinnahmt 3 351 501 M. 60 Pf. gegen 3 356 545. 95 Pf. im entsprechenden Zeitraum des Jahres 1883/84. Für das Reichspostgebiet, also Bayern und Württemberg ausgeschlossen, betrugen die Einnahmen 2 960 935 m. gegen 2 996 294 M. im Vorjahre, so daß sich also hier ein Minus von über 25 000 M. ergiebt. Kein einzelner Oberpostdirektionsbezirk hat gegen das Vorjahr ein Plus von über 5000 Mt.( am meisten Frankfurt a. M. 4358 Mt.), dagegen haben Hamburg ein Minus von 19 150 M.( 5,0 pCt.) und Bremen ein solches von 12 325( 11,4 pt.), auch Berlin hat eine Mindereinnahme von 4657 Mart. In Braunschweig find in der Nacht zum Sonntag und am Sonntag Verhaftungen erfolgt, die man mit der Thatsache in Verbindung bringt, daß gegen die an den Straßenecken an geheftete Proklamation des Generals v. Hilgers Demonstrationen zum Theil efelster Art vorgenommen worden waren. Bu ernsten Weiterungen dürfte dieser nächtliche Sput nicht führen. Wenn auch eine gewisse Empfindlichkeit in der Bevölkerung seit der Proflamation des genannten Generals vorhanden ift. Möglich ist es, daß in der am 23. Oktober zur außerordentlichen Seffion einberufenen Landesversammlung auch diese Vorgänge gestreift werden. Neue Thatsachen wichtiger Art find außerdem nicht zu verzeichnen. Auf Grund des Sozialistengesetes find nachfolgende Wahlflugblätter verboten worden: 1. An die Wähler des 20. sächsischen Wahlkreises". 2. Das im Fürstenthum Reuß zur Verbreitung gelangte Flugblatt: Wahlaufruf zur Reichstagswahl. An die Wähler." 3. Das ohne Angabe des Druckers und Verlegers erschienene Flugblatt, 3ur Reichstagswahl 1884! An bie Wähler des 3. Hamburgischen Reichstags wahltreises!" Ungarn. Die Krise bei der hauptstädtischen Polizei, welche feit geraumer Zeit alle Kreise des Publikums beschäftigt, ist an einen entscheidenden Wendepunte gelangt. Der Minister des Innern hat heut folgende Verfügung erlassen: Im Interesse sowohl der Aufrechterhaltung der amtlichen Autorität als auch der geführten Untersuchung wurden bis zur Beendigung der Angelegenheit der Polizeirath Franz Somoghi und die Polizeifonzipisten Victor Stallay und Albert Minorich von ihrem Amte suspendirt. Außerdem hat der Minister des Innern den Ministerialrath Ludwig Jekelfaluffy zum Ministerial- Rom,, Nein denn er wüßte von Euch nichts, und, allen Heiligen sei Dant! in unserm guten Lande fiẞt jene Grausamfeit nicht zu Gericht, welche Geständnisse zu erpressen weiß. Ein Wort, eines geachteten Mannes Versicherung genügt. Vater Royan weiß von nichts, das rettet ihn." Unmöglich!" sagte Isaura. Ich sollte heimlich von ihm gehen, mit Euch?" Ganz unmöglich!" " Hund!" schrie in demselben Augenblicke des jungen Royan fräftige Stimme, und es war Crespin's Glück, daß Jener seinem Unwillen Luft machte, sonst würde ihn der Schlag des Schürbaums unfehlbar zu Boden gestreckt haben, um nie wieder aufzustehen. Jegt sah er ihn ausholen, sprang rasch zurück und wurde nur gestreift, aber immer stark genug, um auf sein Antlig zur Erde zu fallen. Jesus, was thut Ihr?" rief Isaura tödtlich erschrocken, taum fich zu halten fähig. Kommt, ich bitt' Euch" drängte Claude und trug fie mehr, als er fte führte, nach dem Hause, wo man fte längst vermißt hatte. Sie sträubte sich, ste klagte ihn des Mordes an und sprach heftig von dem Edelmuthe, der so furchtbar belohnt worden sei. Wollt Ihr ihn liegen lassen, verbluten, wo er noch zu retten wäre?" rief fie. Laßt mich los, Claude, oder " 1 " Still!" sagte der alte Hammermeister, der eben mit Mehreren herbeifam. Still, Mädchen! Ich hab's gehört, ich werde selbst nachsehen. Geht ruhig hinein die Mutter ängstigt sich um Euch." Von Crespin fand man feine Spur mehr. Er war gleich einem Fuchse, der für todt niedergestreckt und reglos eine Weile liegt, um seine Gelegenheit zur Flucht zu ersehen, verschwunden. Man suchte, man rief nach ihm, bot ihm Schonung und volle Sicherheit umsonst! Nur das Echo rief spottend seinen Namen nach. Gott, das ist schrecklich über Alles!" tlagte Jaura, als die Männer zurüctamen. Auch die andern Frauen, welchen fie Crespin's edles Benehmen geschildert hatte, sahen vorwurfsvoll auf den armen Claude, der sein Bestes gethan, um den glattzüngigen Schelm, der Isaura bethören wollte, augenblicklich verstummen zu machen. „ Er wird sterben! Er hat sich in irgend einen Winkel der Klippen geschleppt und muß dort verschmachten," riefen fie. Aber der alte Royan gebot Ruhe, ließ sich von Isaura nochmals Wort für Wort erzählen, was er gesprochen hatte und zog dann seine Augenbrauen zusammen, die Sache be denkend. ( Fortseßung folgt.) missar ernannt und demselben die Weisung ertheilt, mit Intervention des Ober- Stadthauptmanns Thaiß vor Allem die vention des Ober- Stadthauptmanns Thaiß vor Allem die Manipulation bei der Kriminal- Abtheilung der Polizei zu untersuchen, in welcher sich schon im Laufe der Voruntersuchung mehrere Ordnungswidrigkeiten und Lässigkeiten ergeben haben. Sodann wird die Ersetzung des Chefs dieser Abtheilung, des Bolizeiraths Somogyi, durch einen Andern erfolgen. Ministerialrath Jekelfaluffy wurde auch angewiesen, die Unterfuchung auf die gesammten administrativen Abtheilungen der Bolizei auszudehnen, und inwiefern die Nothwendigkeit einer Untersuchung auch gegen andere Beamte fich ergeben würde, dieselbe durchzuführen. Der Dber- Stadthauptmann wurde an gewiesen, an Stelle des suspendirten Polizeirathes Somogyi sofort einen Polizeirath zur Erledigung der keinen Aufschub bulbenden Angelegenheiten zu designiren und zum Bwede der Neuorganisation der Kriminalabtheilung eine Vorlage an den Minister des Innern unverweilt zu unterbreiten." Jm kroatischen Landtage gab es wieder einmal einen Standal; der bekannte Abgeordnete Starcevics hatte eine Adresse beantragt, von welcher der Präsident erklärte, daß fie wegen hochverrätherischer und majestätsbeleidigender Ausdrücke nicht diskutirbar sei. Das Haus nahm die Erklärung mit stürmischem Beifall entgegen. Hinkovic protestirte, worauf ein arger Standal entstand und die Sigung aufgehoben wurde. In Belgien fanden am 19. d. Mts. die Kommunal wahlen statt; wie es scheint, haben die Liberalen sich fast durchweg in ihren Bofitionen behauptet. Durch die statt gehabten Wahlen ist die Hälfte der Gemeinderäthe errneuert worden. Die liberalen Kandidaten haben in Ostende, Lüttich, Namur, Löwen, sowie in sämmtlichen Vororten Brüffels, mit Ausnahme von Etterbeck, mit großer Stimmenmehrheit gefiegt. Die Majorität der liberalen Partei in Brüffel betrug 3700 Stimmen. Ebenso erzielten die Liberalen in Antwerpen eine Majorität von mehr als 1500 Stimmen. Die katholische Partei hat nach den bisher vorliegenden Wahlergebnissen in Brügge, Mecheln, Nivelles, Hall, Oudenarde, Grammont und Fumes geftegt. In Brüssel hatten die Straßen am Abend ein bewegtes Aussehen, doch sind erhebliche Ruhestörungen nicht vorgekommen. Einige Trupps durchzogen fingend die Straßen. Bei dem Bureau des Patriote" wurden mehrere Fensterscheiben zertrümmert und in Folge deffen einige Erzedenten verhaftet. Die Bürgergarde, die den Tag über konfignirt war, fonnte um 81%, Uhr entlassen werden. In den Straßen In den Straßen Antwerpens herrschte den ganzen Tag über, namentlich aber Abends, große Bewegung, mehrere Trupps durchzogen mit Mufit die Stadt, wobei es zu größeren Busammen rottungen kam, die jedoch keinen drohenden Charakter hatten. Die Truppen waren in den Kasernen fonfignirt, ließen aber feine Patrouillen gehen. Die Bürgergarde fonnte gegen 9 Uhr außer Dienst gestellt werden. In Mecheln fam es zu nicht unerheblichen Ruheftörungen, in Folge deren die Bürgergarde requirirt werden mußte, welche bis 3 Uhr Morgens im Dienst blieb. In verschiedenen, den Mitgliedern der fatholischen Partei gehörenden Gebäuden wurden die Fensterscheiben eingeworfen. 17 Verhaftungen wurden vorgenommen. Frankreich. Einige Blätter werfen, gestüßt auf die Siegesdepesche des Obersten Donnier, die von 3000 todten Chinesen spricht, die Frage auf, wieviel Verwundete die Chinesen wohl verloren haben mögen. Die Regierung ist bisher die Antwort auf diese Frage schuldig geblieben, der heutige Figaro" aber glaubt das Fehlen chinesischer Verwundeter auf folgende Weise erklären zu fönnen: Weder auf der einen, noch auf der anderen Seite, so schreibt er, macht man überhaupt Gefangene, und jeder Verwundete ist ein todter Mann. Die Chinesen verschonen Niemanden und die Tongkingnesen huldigen demselben Brauche. Andererseits ist es aber auch wirklich unmöglich, Gefangene zu machen, weil die Hälfte unserer Armee zu ihrer Bewachung nöthig sein würde. Man würde gezwungen sein, dort, wo man chinesische Gefangene unterbrächte, die Besagungen des Delta zu verdoppeln. Auch find weder Forts, noch Gefängnisse, noch andere Baulichkeiten vorhanden, in denen man Gefangene unterbringen könnte und es würde geradezu eine Gefahr für das Land bedeuten, wenn man fie innerhalb seiner Grenzen interniren wollte." Wir wiffen nicht, ob die Regierung diese Anschauungen in amtlicher Weise theilt, aber es scheint allerdings, daß in Tongling nach ihnen praktisch verfahren wird. Sehr menschlich ist das ficher nicht, wenn aber einmal die Verhältnisse solcher Kriege aufhören, die Chinesen wegen Tödtung von Gefangenen es mit sich bringen, so sollten die Franzosn wenigstens Barbaren zu nennen. Der Senator Gavardie theilte mit, daß er die Regierung über die egyptischen Angelegenheiten zu interpelliren wünsche. Der Konseilpräfident Ferry erklärte, die Regierung sei davon verständigt worden, daß England Anfang November Mit theilungen bezüglich Egyptens machen werde, er bitte deshalb, die Interpellation bis zum 20. November zu vertagen. Dieser Antrag wurde angenommen. In St. Etienne explodirte vergangene Mitternacht an der Gensdarmerie- Kaserne eine Bombe, welche in die Außennische des Fensters einer Brigadier- Wohnung gelegt worden war. Die Fensterscheiben sind zerbrochen und die Möbel in der gedachten Wohnung beschädigt, aber Niemand verlegt. Später erfolgte die Verhaftung von neun Anarchisten. Rußland. Die deutsche ,, Petersburger Zeitung" meldet: Anläßlich der Beschlagnahme der am 11. d. Mets. in Riga auf dem englischen Dampfer Kelsoe" gefundenen verbotenen Schriften und Drucksachen wurde der vom Schiffe geflohene Schiffszimmermann, deffen Name Karl Melzer( aus Danzig oder Stettin) sein soll, in der Nacht vom 13. zum 14. d. Mts. wieder verhaftet. Gleichzeitig mit Melzer wurden dessen Wirth Karl Praat, genannt Frand, und fünf andere Personen vers haftet. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Praat wurde eine Menge verbotener Drucksachen, falscher Kreditbillets und anderer verdächtiger Schriften gefunden. Auf dem Dampfer ,, Relsoe" wurde außer den tonfiszirten Schriften und Drud fachen nichts weiteres Verdächtiges ermittelt. - Die Warschauer Polizeibehörde publizirt, wie ein Privat- Telegramm meidet, die Namen von einundvierzig Ausländern, die aus den Grenzen des russischen Reiches ausge wiesen werden. Unter den Ausgewiesenen befinden sich fiebzehn preußische und zehn österreichische Unterthanen. Moskau. Unter den verhafteten Studenten befinden sich mehrere, welche längst als politisch verdächtig angesehen worden find. Es gilt bereits als erwiesen, daß der Butsch nicht rein studentischen Motiven entsprungen ist. Es wurden hektographirte Broklamationen, welche einen Proteft gegen das Vorgehen Der Regierung enthielten, vertheilt. Die Bugänge zu der Unis versität sind durch die Polizei stark besegt und in den vorbeiführenden Straßen hielten Patrouillen die Ordnung aufrecht. Die Studenten werden nur einzeln zugelaffen.- An: 19. ds. Mis. Abends hat hier ein großer Brand gewüthet, viele Mas gazine und Bauten, darunter auch das deutsche Theater find Durch denselben zerstört worden. Der Schaden ist sehr groß und wird auf 3 Millionen Rubel geschätzt. Großbritannien. Der parnellitische Er- Deputirte und Advokat Herr A. M. Sullivan ist heute Morgen in Dublin Duda Howaneer wurde vor den Polizeigerichtshof geftellt derselbe leugnete, irgendwelche verbrecherische Absicht gehabt zu haben. Die weitere Verhandlung wurde auf 8 Tage ver tagt. Türkei. Aus Konstantinopel wird berichtet, daß der Sultan alle deutschen Bascha's zu faiserlichen Adjutanten e nannt und Strecker Pascha mit einem Orden beschenkt hat. Lesterer ist außerdem mit der Reform der Flotte beauftragt worden. Egypten. Der Prozeß der Mitglieder der Staatsschulden kaffe gegen die egyptische Regierung ist bis zum 17. November vertagt worden, wie es heißt, in Folge Uebereinkommens der Parteien. In Folge der von der egyptischen Regierung ge machten Einwendungen gegen das Projekt Northbrooks ist die vollständige Abschaffung der egyptischen Armee aufgegeben und nur eine Reduktion der Armee bis auf 3000 Mann be schloffen worden. Durch diese Maßregel wird das Budget für Die Armee auf 150 000 str. verringert, das Budget für die Polizei wird auf 200 000 ftr. herabgesezt, obwohl eine Ber mehrung um 1200 Mann effektiv beabsichtigt ist. West- Afrika. Während die Engländer behaupten, daß das am 5. September unter deutsches Protektorat gestellte Porto Seguro( zwischen Bageida und Klein Popo, an der Stlavenfüfte) einige Tage vorher bereits von britischen Off sieren annettirt worden sei, verfichern offiziöse Bariser Blätter, daß Frankreich schon im vorigen Jahre sein Protektorat über diesen Drt, sowie über Klein- und Groß- Popo erklärt habe. Es sei bereits ein diesbezügliches Dekret zur Veröffentlichung im, Journal offiziel" abgefaßt worden, aber England habe Einspruch erhoben, weshalb Frankreich von der effettiven Be fibergreifung Abstand nahm. Wenn jedoch Englands Proteft unbegründet sei, so trete Frankreich in seine vollen Rechte ein und Fürst Bismard sollte sich an sein Versprechen vom 18. September halten, keine Punkte zu berühren, auf die Frank reich ältere Rechte geltend machen könne. In der Note vom 13. September heißt es bekanntlich, daß wenn gewiffe Atte der deutschen Kommissäre mit Frankreichs Rechten und Boliti in jenen Gegenden nicht im Einklang sein sollten, die deutsche Regierung nicht die Absicht habe, dieselben aufrecht zu e halten. " Aus Panama wird von vorgesterr. gemeldet: Eine Abtheilung Rebellen nahm am 14. d. den britischen Schlepp Dampfer Morro" in Beschlag und zwang den Kapitän, e nach Costa Rica zu befördern. Der Dampfer ,, Alajuela" wurde gleichfalls von Rebellen in Befiz genommen, die damit am nächsten Tage in See stachen. Daraufhin bemächtigte sich die Regierung des Morro" und entsandte ihn zur Verfolgung des Alajuela". Als die beiden Schiffe zusammentrafen, fam es zu einem Treffen, in welchem der Morro" zum Rückzuge gezwungen wurde, nachdem an Bord mehrere Personen ge födtet oder verwundet worden. Der Verlust der entkommenen Rebellen ist unbekannt. Heute wurde an Bord des Morro" bische aufgehigt. Ein britisches Kriegsschiff ist nicht in der die britische Flagge eingezogen und an deren Stelle die folum Nähe. New- Yort. Ueber ein Attentat auf den Gouverneur von Newport, Cleveland, wird unterm geftrigen Datum aus New Dort berichtet: Der Gouverneur Cleveland ist bei einem in Albany auf ihn gemachten Angriff unverlegt geblieben. De Angreifer ist sofort verhaftet worden. Die Schwester des Letteren war in der vergangenen Woche persönlich bei dem Gouverneur erschienen, um die Freilaffung ihres Bruders zu erbitten. Die felbe hatte hierbei in einem Nervenanfalle nach dem Gouver neur geschlagen, welcher den Schlag abwehrte. Die Frau wat darauf ohnmächtig zusammengestürzt und hatte fortgetragen werden müssen. Der Mann derselben behauptet, die Frau fei in einer solchen Weise mishandelt worden, daß sie jetzt mit dem Tode ringe. Zum französisch- chinefischen Konflikt. Die Einnahme Tamsuis durch die Franzosen ist noch nicht offiziell festgestellt der französischen Regierung ist eine Nachricht hierüber bis jest nicht zugegangen. Was die Ereignisse in Tonting anlangt, so geben jetzt verschiedene ministerielle französische Blätter a daß bedeutende Verstärkungen nöthig seien werden und es is leicht möglich, daß wir es hier mit einem von der Regierung ausgestreckten Fühler zu thun haben. Der Times" Korrespondent in Peking will aus zuverläs figer Quelle erfahren haben, die französischen Befehlshaber hätten für den Fall, daß sie auf Beking marschiren sollten, 40,000 Mann, 8000 Pferde und 120 Kanonen verlangt Aus Hongkong meldet man dem Standard", die Hongkong and Shanghai Bank habe der chinesischen Regierung eine aut dem Wege öffentlicher Subskription aufzubringende Anleihe von drei Millionen Dollars angeboten; das Resultat sei aber ein Mißerfolg gewesen, da im Ganzen nur 1%, Millionen ge zeichnet wurden. Viele Leute glauben, China werde ge schwierig sei, Geld zur Fortsegung des Krieges zu erhalten. zwungen sein, fich mit Frankreich zu verständigen, da es China Nach einer Depesche des Generals Brière de l'Isle aus pat feindlicher Truppen in der Gegend des Rothen Fluſſes ge phong von heute Vormittag 11 Uhr wurden große Maffen meldet. In dem Gefecht bei Tuyenquan am 13. d. M. wur den die Chinesen mit beträchtlichen Berluften zurückgeworfen, während die französischen Truppen teine Verluste erlitten; alle französischen Verwundeten seien außer Gefahr. Einer Depefche des Admirals Courbet vom 19. d. M. zufolge errichteten bie französischen Truppen in der Umgebung ihrer Stellung Blod häuser, das schlechte Wetter behindert jedoch diese Arbeit. Die legten Nachrichten stammen aus französischer Quelle und find daher nicht unbedingt glaubwürdig. Aus Mandalay, der Hauptstadt Kaltutta's, meldet ein Telegramm Einzelheiten über ein schauriges Blut bad im Gefängniß von Mandalay. Allem Anscheine nach was teine Revolte im Gefängnisse ausgebrochen, sondern d ganze Affaire war von den Ministern angeftiftet Dieselben wünschten nämlich, fich gewiffer Anhänger entledigen, die ihnen von dem Mengwun- Prinzen gefandt, und nachher ins Gefängniß geworfen worden waren. Es war Gefahr vorhanden, daß diese Leute, sobald sie der Tortur un ferworfen worden wären, die Minister kompromittirende G beimnisse entdeckt hätten. Die armen Opfer wurden gezwung gen, einen Widerstand zu versuchen. Man hatte deshalb bas Gefängniß angezündet, um in dem dadurch entstandenen Wire warr ungehindert die Gefangenen morden zu fönnen. Augenzeuge erklärte, er habe gesehen, wie drei oder vier Ber fonen niedergehauen wurden, als fte aus dem Gefängniffe terthanen in Birma werden vermißt und man glaubt, sie seien bei der Niedermegelung umgekommen. Der König Thebaw if so sehr in Schrecken verfeßt, daß Arrangements für seine Flucht nach der Provinz, von der er seinen Titel führt, getroffen werden. Wahlbewegung. Fin lichen Rath Müller als Zählkandidaten stimmen. In Berlin sollen die Ultramontanen für den geist 1882 legte er aus Gesundheitsrücksichten sein Abgeordneten deutsch- freifinnig" anzunehmen, hat man dort abgelehnt) ist Mandat für Meath nieder. Früher vertrat er Louth im Parla mente. Die Ausgaben für die Nil- Expedition wachsen täglich an und dieselbe wird England wahrscheinlich- nach Ansicht des Times"-Korrespondenten in Alexandrien 10 Mill. Lftr.( 200 Mill. Mark) kosten. Dafür muß John Bull natürlich einen fetten Biñen erhalten. Der bei der Ankunft des Dampfers Lord Clive" in Liverpool wegen Besizes einer Quantität Dynamit verhaftete ungarische Staatsangehörige ein Rig gekommen. Nachdem Herr Bloem in der legten Parteinersammlung erklärt hatte, eine Kandidatur nicht anzu nehmen, wurde von einem Theile der Versammlung der Rechts anwalt Träger aufgestellt. Der andere Theil nominirte de Schriftsteller Gilles zu seinem Kandidaten, und verließ man das Vereinslolal, um fich anderswo als Rheinische Volkspartei ju fonftituiren. Deft Вое - ชน Derr sty. ift hon eren Sloß lich gen Ind, Det I in hen feet, Out ers In foll die Derf Doch teb achfes art ng, end nen Doch Bon Sie ehr bei hrer en, nnt Ten. ge hun Derr tte, obr eißt, Bije Doch Der det ber in't he! e fe der ßen eine elte Ten enn in anz be ftid Bon mir blaf. hen Da Belt tzu we de enn be jenfen. age use daß alfo Den. ider be Sie tl.: mir wat Be ider luft ) und efer ben ge da leis eien Ar ihre ein Ien. wie fte, Iter ben. fte Le ein ge hne gen als nd an in bin ber eins stiff Lokales. N. Der sogenannte Schlesische Busch und das Stüd Chauffee bis zur Verbindungsbahn wird nunmehr, wie man uns schreibt, endlich auch Gasbeleuchtung bekommen. Ein Theil der dortigen Grundbefizer hatte schon mehrere Male im allseitigen Interesse um Gasbeleuchtung, bis jest ohne Erfolg, petitionirt. Es ist das umsomehr zu verwundern, als der Magistrat Befizer des Villenbauterrains und der Parkanlagen ift, und fich sagen mußte, je mehr Bequemlichkeiten dem Publilum geboten werden, desto eher finden die Grundstücke Liebhaber. Jezt ist eine Einigung insofern erzielt worden, als von den dortigen Grundbefizern durch freiwillige Beiträge 4000 M. aufgebracht worden find, die einen Theil der Roften decken; den andern Theil trägt der Magistrat, die Unterhaltung und die Stellung der Laternen die Gemeinde Treptow. Die Beerdigung des Mitgliedes des Arbeiter- BezirksBereins des Dften Berlins Maurers Emil Ehnisch fand vor seitern unter reger Betheiligung der Vereinsmitglieder vom Städtischen Krankenhause aus statt. Die Kunstausstellung an der Museumsinsel wird nur noch diese Woche und zwar bis fünftigen Sonntag einschließlich geöffnet sein. Dieselbe enthält eine überaus reiche Anzahl fehenswerther Annstwerke aus dem Gebiete der Malerei und Bildhauerei. Der Raum unseres Blattes gestattet uns nicht, biefelben einer eingehenden Besprechung zu unterziehen, doch möchten wir wenigstens denjenigen unserer lieben Leser und Leserinnen, denen Beit und Mittel zur Verfügung stehen, den Besuch der Kunstausstellung anrathen. Sehr wünschenswerth wäre es, wenn statt der Nummer und Name des ausstellenden Künstlers, gleich die Bezeichnung( Gegend der Landschaft, Erlärung des Genrebildes, Name des bez. Portraits) auf dem Etiquette angegeben wäre, da nicht jedem der Besucher die Muße gegönnt ist, einen höchst unbequemen Katalog nachzuSchlagen. Jedenfalls würde eine solche Neuerung angenehmer empfunden werden, als die Unfitte auf vielen Bildwerken zu lesen: ehrenvolle Erwähnung", verkauft" u. f. w., die gar zu fehr nach Reklame riecht! Die Premiere eines vierattigen Dramas ,, Verirrunsen" von Joseph Trieb hatte uns am Sonnabend nach dem behaglichen Musentempel in der Blumenstraße geführt. Ja, Berirrungen" waren es am guten Geschmad nämlich, und wir wiffen nicht, ob wir mehr die Kühnheit oder Aufrichtigkeit bewundern sollen, mit der die Verfafferin- denn eine solche berbirgt sich unter dem Pseudonym- ihr Jüngstes getauft ihr Jüngstes getauft bat. Freilich, wenn Selbsterkenntniß der erste Schritt zur Befferung ist, dann dürfen wir hoffen, daß uns die Verfasserin mit weiteren solchen ,, Verirrungen" nicht wieder beglücken wird. Wir verlangen heutzutage denn doch mehr von einem Drama, als eine ziemlich geschickte Mache, die wir der Verfasserin im Arrangement der Effekte und ihrer Steigerung nicht ganz abprechen wollen, wenn sie auch hinter ihren geiftsprühenden französischen Vorbildern weit zurückbleibt. Auch dieses Blauin venia verbo! leidet an denselben Gezu entkommen, ein berittener Schußmann war aber schneller wie er und es gelang diesem, den Kutscher mit seinem Gefährt in der Brunnenstraße einzuholen und ihn zum An halten zu bringen. Alsdann erfolgte die Sistirung des Kutschers nach der Polizeirevierwache. a. In Bezug auf den am 17. d. Mts. verübten Kindesmord, welcher die Kriminalpolizei zu eifrigen Nachforschungen nach dem Thäter resp. der Thäterin veranlaßt hat, find bis heut einige Spuren ermittelt worden. An der Einfahrt des Grundstücks Michaelfirchstraße Nr. 22-23, an welcher die Leiche des neugeborenen Kindes weiblichen Geschlechts mit durchschnittenem Halse gefunden worden ist, ist ca. 1 Stunde vorher gegen 62 Uhr Abends von mehreren Personen eine Frauensperson von großer Statur mit schwarzem Umschlagetuch, deren Kopf mit einem dunklen Tuch verhüllt war, gesehen worden. Diese Frauensperson, vermuthlich die Mutter des Kindes, hielt sich an der bezeichneten Stelle auf, während die Personen, von welchen sie bemerkt worden, vorübergingen, und man nimmt an, daß fie die Kindesleiche daselbst niedergelegt habe. Wahrscheinlich ist auch, daß diese bisher noch nicht ermittelte Frauensperson in der Nähe des Fundortes wohnt. Gerichts- Zeitung. Ein Hotelmarder der gemeingefährlichsten Art stand heute in der Person des Handlungsreisenden Berthold Rosenthal vor den Schranken der vierten Straflammer hiesigen Landgerichts I. Die gegen denselben erhobene Anklage lautet auf zwei vollendete schwere Diebstähle und einen versuchten schweren Diebstahl mittels Einschleichens. Der bisher unbeScholtene Angeklagte kam Anfangs Juli cr., von Mitteln fast entblöst, nach Berlin, um hier eine Stellung zu suchen, und fehrte im Hotel de l'Europe ein. Dort hat er sich geständlich, da er feine Stellung finden konnte, zu zwei verschiedenen Malen in die Zimmer von Reisenden begeben, fich unter das Bett gelegt und so lange in diesem Versteckt gewartet, bis die Inhaber nach Hause gekommen und fest eingeschlafen waren. Alsdann entwendete er die Portemonnaies und Pretiosen und entfernte fich unentdeckt. Einige Zeit darauf siedelte der Angefagte in Werner's Hotel über, wo er das begonnene Ge fchäft fortzusetzen beabsichtigte und sich in das von dem Kaufmann hitschhold aus Löbau bewohnte Bimmer einschließen ließ. Sein Bimmer hatte er verschlossen und die Stiefeln ver daffelbe gesezt, so daß dadurch der Glaube erweckt werden sollte, er sei bereits schlafen gegangen. Bei diesem Att hatte sollte, er set bereits schlafen gegangen. Bei diesem Att hatte fich aber der Angeklagte über den Zeitpunkt geirrt, zu welchem der Bimmerbewohner fest eingeschlafen sei. Bei dem Versuche, denselben zu bestehlen, wurde er von ihm überrascht. Herr Werner, dem sofort hiervon Mittheilung gemacht worden war, begnügte fich indeß damit, dem ertappten Dieb einen Theil feiner Sachen einzubehalten und ihn laufen zu lassen. Aus Verzweiflung gestellte sich derselbe auf dem nächsten Polizeibureau und bezüchtigte sich hier der mitgetheilten drei Strafthaten. Auch im Termin ist er derselben geständig. Der Gebrechen, wie die meisten seiner Genres. Die Handlung ist richtshof erachtet mit dem Staatsanwalt dafür, daß ein Einschleppend, die Diltion mit Romanphrasen verbrämt und un natürlich, die Helden weinerlich und rührselig. Wie kann nur die Verfasserin uns zumuthen, daß wir an die Unwiderstehlichleit dieses jämmerlichen Liebhabers Egon Biela glauben sollen. schleichen im Sinne des Gesezes nicht vorliege, da der Angeflagte in den Hotels gewohnt hat und das Einschleichen von außen her geschehen müsse und verurtheilte den Angeklagten wegen dreier einfacher Diebstähle zu einer Gesammtstrafe von Strafe habe nur deshalb so hoch bemessen werden müssen, weil Diese Art von Diebstählen zu den denkbar gemeingefährlichsten Unsere Frauen und Töchter würden für einen solchen Donjuan 18 Monaten Gefängniß und 2- jährigem Ehrenverluste. Die Schönstens banken. Dabei berührt der Mangel einer zu Grunde liegenden höheren Jdee, welche eines der vielen sozialen Probleme uns menschlich näher rückt oder unergründliche Räthsel gehören und sehr leicht dazu führt, im Falle des Widerstandes der menschlichen Brust zu lösen sucht, doppelt empfindlich. Die Berfafferin macht wohl einen Anlauf zu einem poetischen Ronflitt, hat aber nicht den Muth ihn auszuführen. Dadurch einen Raub- Todtschlag oder Mord zu begehen. Röslin, 20. Oktober. Heute haben hier vor dem Schwurgericht die Verhandlungen wegen des in Neustettin im März wird die ganze Handlung unmotivirt und die eifersüchtigen Wuth- dieses Jahres anläßlich der Rücklehr der in dem Synagogenausbrüche des ehrsamen Handelsherrn Robert Willner unver= tändlich. tommt Die Sympathie, welche Dieser verliert, etwas unbeholfenen Ehehälfte aber Die Art und Weise, Prozeß freigesprochenen Angeklagten vorgekommenen schweren Landfriedenbruches begonnen. Des schweren Landfriedensbruches find angeklagt: die Maurer Karl und Friedrich Pazwald, Schneider Bausemer, die Arbeiter Pfirsich und Klabundi, die Steinfeger Bechert und Böhnte aus Neuftettin, sowie der Fischhändler Raag aus Stolp. Als Zeugen find 43 Personen nicht zu Gute und die Verfasserin thut sich selbst das Salimmste an, was einem Bühnenschriftsteller paffiren fann: he macht ihr eigenes Stüd intereffelos. fchieden verurtheilen. Wir tönnen uns wenigstens nicht gut vorgeladen und bis auf zwei, welche entschuldigt find, erschie nen. Die Angeklagten, welche einzeln vernommen werden, räumen nur unerhebliche Nebenumstände ein und leugnen alle furze Pause gemacht und nach Wiederaufnahme der Verhand Belastungszeugen bestätigen durchweg den Inhalt der Anklage. Uebertragung der Liebe von der Mutter auf die jugendliche Hauptpunkte. Nach Vernehmung der Angeklagten wurde eine Tochter, diese Geständnisse der ersteren gegen ihr Kind. Uns scheint dies nur eine Verrenkung von Gefühlen zu sein, denn felbst ein solches Jammerbild, wie dieser Maler Egon Biela lung das Verhör sämmtlicher Beugen bis zu Ende geführt. Die müßte doch noch einen Funken von Scham auf seinen Wangen Nach Feststellung der an die Geschworenen zu richtenden brennen fühlen. Beffer ist der Verfasserin das heitere episo dische Beiwerk gelungen, wenn es auch in gar feinem Bu jammenhang mit der Handlung steht und deshalb ziemlich überflüffig war. Dieser Kommerzienrath Schellborn ist das Brototyp eines jovialen Bankiers, ebenso die Frau Geheimrath Belling, die würdige Vertreterin der allbekannten Klatschbasenunft. Gespielt wurde im Allgemeinen sehr brav und können wir der rührigen Direktion Anno unsere Anerkennung nicht Derfagen für die sorgfältige Einstudirung und splendide Inentrung. H. L. Fragen begründet der Staatsanwalt die Anklage gegen jeden einzelnen Angeklagten, beantragt, alle Angeklagten der Theil nahme an dem Landfriedensbruch schuldig zu sprechen und Karl Bagwald, Raag, Bechert und Bausemer als Rädelsführer anzusehen, welche theilweise auch Gewaltthätigkeiten gegen Ber sonen begangen oder Sachen geplündert, vernichtet oder zerstört hätten. Die Vertheidiger plaidiren für Nichtschuldig oder Nichtvorliegen des Landfriedensbruchs resp. Vorliegen groben Unfugs, oder wenigstens für Annahme mildernder Umstände. Nach einer Replit des Staatsanwalts und Dupliken der Verschworenen zu richten, ob nicht blos grober Unfug vorliege. Der Gerichtshof beschließt, dem Antrage der Vertheidiger stattzurück. Das Urtheil werden wir morgen veröffentlichen. den Ein riesiger Schimpanse ist Montag im Zoologischen beibiger beantragen legtere, die eventuelle Frage an die Ge= Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. Liverpool und erreichte Sonntag Abend Hamburg, wo er von Dem dorthin gefandten Oberwärter des hiesigen Gartens, Herrn zugeben. Hierauf ziehen fich die Geschworenen in ihr Simmer Bechler, in Empfang genommen und ohne Aufenthalt weiter geschafft wurde. Die Reise scheint dem kräftigen Thier aber engen Transportläfig und macht sich nun erst mit seiner neuen Rachbarschaft bekannt, die nicht wenig erstaunt und erschrocken war, als der neue Geselle aus dem verschloffenen Kasten herque fam. Genaue Maaße laffen sich leider an dem neuen Edhimpansen nicht nehmen, doch schäßen wir seine Größe mit 1-1% Meter nicht zu boch, so daß er also fast ausgewachsen ft. Jedenfalls wird er sämmtliche bis jest in Berlin ausge ftellten Thiere dieser Art an Größe und Stärke übertreffen. Sein Kopf hat schon alles Menschliche verloren und durch das flarte Ueberwiegen des Gefichts über den Schädeltheil den ausgeprägten thierischen Charakter angenommen. Derselbe wird noch verstärkt durch die schwarze Farbe aber nadien Theile, Die beim Gorila Regel, beim Schimpansen aber unseres Biffens noch nicht beschrieben ist. Der Arbeiter- Kandidat des vierten Berliner Reichstags- Wahlkreises, Stadtverordneter Singer, sprach am Montag Abend in einer, im ,, Café Sanssouci"( Rottbuserstr. 4a), stattgehabten Wählerversammlung. Der große Saal des genannten Etablissements war in allen seinen Theilen Kopf an Kopf von zumeist dem Arbeiterstande angehörigen Leuten gefüllt. Singer, mit stürmischem Beifall begrüßt, äußerte sich etwa folgendermaßen: Ich muß zunächst mein Bedauern aussprechen, daß ich, anläßlich der in vergangener Woche mehrfach mehrfach erfolgten polizeilichen Versammlungsnicht schon eher wieder wieder einmal Gelegenheit hatte, zu den Wählern dieses Wahlkreises zu sprechen und ganz besonders die gegen mich gerichteten verläumderischen Angriffe zurückzuweisen. In diesem Wahlkreise wird gegenwärtig das mich der Bug. Zu den sensationellen Ereignissen, welche in letter verbote, Beit besonders die handelswelt in Aufregung bringen, dürfte auch die uns zugehende Mittheilnng gehören, daß die hiesige Agl. Staatsanwaltschaft vor einigen Tagen Veranlassung ge nommen hat, fich einmal den Geschäftsstand, die Bücher und fonftige Beweismittel für die gegenwärtigen Verhältnisse der hörden durch den Unternehmer S. gegeben, welcher vor Kurzem etwas genauer anzusehen. Anregung hierzu wurde den Be zu verkaufen. Diese leste Ansicht war allerdings eine irrige und als ich dies erfuhr, hielt ich es als anständiger Mann für meine Pflicht, den Frrthum iu öffentlicher Stadtverordneten Versammlung einzugestehen. Wie nun trozdem noch Jemand die Stirn haben fann zu behaupten, ich hätte in der Stadtverordneten Versammlung die Intereffen des Hrn. Pintussohn vertreten, ist mir allerdings unfaßbar. Eine solch widrige Agitationsweise richtet sich von selbst.( Lebhafter Beifall,) Das Flugblatt der Deutsch- Freifinnigen in diesem Wahlkreise ist nicht viel beffer. Man erzählt den Wählern geradezu: Wenn ich gewählt werde, dann ist die Ehe, die Familie, das Eigenthum, Der Staat 2c. gefährdet.( Rufe: Bfui!) Ich habe wohl nicht nöthig, die Freifinnigkeit der Deutsch- Freifinnigen noch einmal zu beleuchten. Charakteristisch für diese Partei ist es jedenfalls, daß sie im sechsten und vierten Berliner Reichstagswahltreife das Ersuchen der Arbeiter- Partei, mit dieser gemeinschaftlich gleichmäßige Stimmzettel anzufertigen, zurückgewiesen hat( Rufe: Bfut!) während die Konservativen bereitwilligst auf diesen Vorschlag eingegangen find.( Stürmischer Beifall.) Nachdem der Redner dann die Abstimmung der ,, deutsch- freifinnigen Partei" über das Sozialistengesetz einer vernichtenden Kritik unterworfen und nachgewiesen hatte, daß schon jetzt sich Stimmen in dieser Partei geltend machen, welche eine nochmalige Verlängerung dieses Gesezes herbeizuführen nicht prinzipiell abgeneigt seien, gab er seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß es Herrn Ludwig Löwe und wenn er mit Engelszungen spräche, nicht gelingen würde, der Berliner Wählerschaft klar zu machen, daß die deutsch- freifinnige Partei ihr Brogramm gleiches Recht für Alle" nicht mißachtet habe. Redner wandte fich dann zu den Forde rungen seiner Partei auf wirthschaftlichem Gebiete, besprach in furzen martigen Zügen die Forderung des Verbots der Frauen- und Kinderarbeit wie Regelung der Gefängnißarbeit und verweilte längere Zeit bei der Besprechung des Normal- Arbeitstages. Der Vortragende wies nach, daß alle Parteien, welche nach und nach diese Punkte in ihr Programm aufgenommen, dies dem Bwange der Nothwendigkeit folgend, gethan hätten, während die Arbeiterpartei sicheren Auges schon lange, bevor andere Parteien Daran gebacht hätten, Diese Forderungen gestellt und für deren Erreichung gestrebt und gelitten habe. Deshalb schloß der Red ner, möge beirren fich Niemand Dem laffen in Kampfe und mit aller Energie möge die Partei dafür sorgen, daß der Stimmzettel in vielen hunderttausend Eremplaren am 28. Oktober es dahin bringe, daß eine Schaar von Männern in den Reichstag tomme, welche die Befferung unserer wirthschaftlichen Verhältnisse erstrebe und fordere, und es sei zu wünschen, daß diese Männer einen fördernden heilsamen Einfluß auf die Gesetzgebung gewinnen mögen, damit die Schäden gebeffert und geheilt werden, und Jeder mit vollster Befriedigung auf seine Thätigkeit in der Wahlbewegung zurückblicken fönne. Jubelnder Beifall ertönte, als der Stadtverordnete Singer mit einem warmen Apell die Anwesenden aufforderte, ihre Wählerpflicht zu erfüllen, das Recht, welches die Verfassung ihnen gegeben, auszuüben und bei der Wahl selbst sowohl als auch noch in den legten Tagen des Wahlkampfes die Würde der Partei nach allen Richtungen hin zu wahren. Troß mehrfacher Aufforderungen meldete fich Niemand zum Worte um die gehörten Auseinandersegungen zu widerlegen, und da eine Diskussion nicht beliebt wurde, schloß der Vorftzende Stadtv. Herold nach einigen Worten die Versammlung. Die Anwesenden entfernten fich langsam unter fortwährend sich erneuernden begeisterten Hochrufen auf den Stadtv. Singer. Polizeilich aufgelöst wurde die vorgestern im Königstädt. Raftno" tagende öffentliche Versammlung nach kaum einstündiger Dauer. Der Referent, Herr J. Müller, sprach über das Thema: Wie organisiren wir uns." Nachdem Redner den Indifferentismus der Kollegen einem scharfen Tadel unterzogen hatte, ging er auf die von den Knopfmachern gestellte Vereinigungskommission über, welche er sowohl, als auch die Drechslerlommission, für annehmbar zu erklären im Stande feien. Hierauf stellte er als Ziel des zu bildenden Vereins fol gende Punkte auf: 1. Unterſtügung bei Arbeitslosigkeit, sowie an wandernde Kollegen. 2. Beibehaltung des Lohnbewegungsfonds, mit regelmäßigen, wöchentlichen Beiträgen zu demselben. 3. Bildung der Mitglieder. 4. Rechtsschutz in Gewerkschaftsstreitigkeiten. 5. Regelung des Lehrlingsunwesens. 6. Er reichung eines Normalarbeitstages. Als er unter Begründung des legten Punktes die Worte aussprach:„ Wir kämpfen nicht als Arbeiter gegen die arbeitgeber, sondern als Befiglose gegen das Kapital" erfolgte die polizeiliche zuflösung. Die verdugten Anwesenden gingen unter Hochrufen ruhig auseinander. Unsere Stellung zur Sozialdemokratie", so lautete das Thema eines Vortrages, den der konservative Kandidat des ersten Berliner Reichstagswahltreises, Professor Dr. Adolf Wagner am Montag Abend für eine Versammlung von Wählern des bezeichneten Wahlkreises angekündigt hatte. Da nun die Wähler aller politischen Parteien eingeladen waren, so war das betreffende Versammlungslokal ,, Rolloffeum" ( Kommandantenftr. 57), das allerdings im dritten Wahlkreise liegt, derartig überfüllt, daß gegen 81 Uhr Abends der Saal geschloffen werden mußte. Als Profeffor Dr. Wagner seinen Vortrag begann, vernahm man auf dem Hausflur einen solch furchtbaren Lärm seitens der noch Einlaß Begehrenden, ganz besonders wurde so heftig an die Thür gepocht, daß der Redner nicht weiter zu sprechen vermochte und man fich genöthigt sah, die Thür wieder zu öffnen. Nunmehr drängten hunderte von Personen in den Saal. Da dieser aber bereits überfüllt war, so wurde in stürmischer Weise das Herausschaffen der Tische und Stühle verlangt. Diesem Verlangen mußte schließlich nachgekommen werden und unter furchtbarem Tumult wurde das Hinausräumen der Tische und Stühle bewerkstelligt. Erst als Dies geschehen war, fonnte Prof. Dr. Wagner seinen Vortrag beginnen. Er bemerkte: Es hat sich zu meiner großen Freude innerhalb der Sozialdemokratie eine Wandlung vollzogen. Schon der Ausspruch ihrer Führer: Sie nehmen das Gute, woher es auch komme und seien bereit, die sozialpolitischen Vorlagen der Regierung, sobald sie ihnen gut erscheinen, zu afgeptiren, ist eine bedeutende Wendung zum Besseren. Ganz besonders dokumentirt sich die Wendung der Sozialdemokraten in ihren Wahlflugblättern, in denen fie Forderungen aufstellen, die fich wohl diskutiren laffen. Ich sage es frei und offen heraus: Die Sozialdemokraten stehen uns solchergestalt bedeutend näher als die Fortschrittspartei, die in wirthschaftlicher Beziehung eine reaktionäre Partei ist.( Lebhafter Beifall.) Allen Punkten ihres Wahlflugblattes kann ich allerdings nicht beipflichten, da ich fie in der Praxis für unausführbar halte. Ich bin für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht und hätte mit Cremer und Stöcker für den Ans anwesend gewesen wäre. Ich bin für Rede, Breß- und Versammlungsfreiheit, bin jedoch der Meinung, daß diese Forderung bereits erfüllt ist.( Stürmisches Oho! Rufe: Sosteuer, bin aber der Meinung, daß diese allein zur Bestreitung der staatlichen Bedürfnisse nicht genügt. Ich bin im Prinzip für die Regelung der Gefängnißarbeit, ein bestimmter Plan hierüber ist jedoch noch nicht gemacht worden. Alle anderen Forderungen in dem sozialdemokratischen Wahlflugblatt, wie Normalarbeitstag, Verbot der Frauen und Kinderarbeit, Aus dehnung des Unfallversicherungs Gefeßes auf alle Arbeiter, alzeptire ich. Allerdings wird der Normalarbeitstag die Einführung eines Minimallohnes nothwendig machen. Daß alle unsere industrielle Thätigkeit verstaatlich werden kann, beaweifle ich. Die staatliche Verwaltung ist dazu doch etwas zu Staates zu übende Sicherheit würde jeden industriellen Aufschwung verhindern. Alten Bichmarkts- Attien- Gesellschaft in der Brunnenstraße sohn zeiht. Ferner wird behauptet: ich sei ein Mitglied trag Stern im Abgeordnetenhause gestimmt, wenn ich Das der internationalen Vereinigung des Judenthums, welche fich gegenseitig mit Kapitalien unterstüße. Eine solche Ver große Volksfest auf dem Terrain des alten Viehmarktes einigung ist mir nicht bekannt und ich erfiäre ausSchaft übervortheilt worden ist. Der vor einigen Tagen er die hauptsächlich den Zweck hat, den vielfach bedrängten arrangirt hat und welcher begründete Ursache zu haben glaubt, drücklich, daß ich einer auch nur ähnlichen Vereinigung zialistengeset!) Ich bin für direkte progressive Einkommen daß er durch strafbare Manipulationen von der Aktiengesell- niemals angehört habe. Der„ Alliance israelite universelle", folgten amtlichen Revision der Bücher 2c. ist gestern die Be- Juden in Rumänien und Rußland Schuß angedeihen zu lassen, flagnahme derselben sowie des Geldschranks mit seinem Jn gehöre ich ebenfalls nicht an, weil die Prinzipien dieser Ver balt erfolgt. Die Untersuchung, welche mit großer Sorgfalt einigung meiner ganzen politischen Ueberzeugung widersprechen. Befchicht, wird erst ergeben, ob und in welchem Umfange die Begen die Aftien- Gesellschaft erhobenen Beschuldigungen zu mich in der Stadtverordneten- Bersammlung bemüht, die treffen. • Es wird in dem Flugblatt weiter behauptet: ich habe Interessen des Herrn Pinkussohn warzunehmen. Nun habe ich aber gerade die von Herrn Pinlussohn offerirten Grundstücke zu Markthallen Sweden als zu theuer g. Eine heftige Karambolage zwischen dem Wagen ich aber gerade die legteres nicht unbedeutend beschädigt wurde, fand gestern bezeichnet, gegen den Ankauf derfelben gestimmt und die VerDittag an der Ede der Jnvaliden- und Aderstraße statt. muthung ausgesprochen, daß Pinkussohn diese Grundstücke schwerfällig und die seitens des Der fahrlässige Kutscher suchte durch schnelles Fortfahren kurz vorher erworben, um fte zu hohen Preisen an die Stadt Trogdem wünsche ich, daß eine Anzahl Sozialdemokraten in den Reichstag gewählt werden, damit ihnen Gelegenheit gegeben werde, an der Gesetzgebung Antheil zu nehmen. Wenn die Sozialdemokraten aurhören werden, mit Gewalt zu drohen( Lärm. Rufe: Ist niemals geschehen!), wenn sie anstatt ihre revolutionären Phrasen ertönen zu lassen( Lärm), an die Bearbeitung sozialer Reformen geben, dann wird mit ihnen zu pattiren sein und das Sozialistengesetz überflüssig werden. Ehe letteres aber geschieht, müffen die Sozialdemo fraten Proben von ihrer reformirenden Thätigkeit geben. Die Sozialdemokraten werden anerkennen müffen, daß unser Kaiser und mit diesem die deutsche Reichsregierung ernsthaft bemüht find, eine Besserung der Lage der arbeitenden Klaffen herbeizuführen.( Beifall und Widerspruch.) M. H., ich bin überzeugt, daß die Sozialdemokraten mir ihre Stimmen nicht geben werden.( heiterfeit. Rufe: Sehr wahr!) Ich buhle auch feineswegs um irgend welche Stimmen. Ich wünsche nur, daß mich Diejenigen wählen, die auf dem Boden der kaiserlichen Botschaft stehen und glauben, daß sie in mir den geeigs neten Vertreter gefunden haben.( Stürmischer Beifall.) Hierauf wurde dem Stadtv. Gördi, obwohl dieser im dritten Wahlkreise wohnt, das Wort auf Wunsch des Prof. R. Wagner gegeben. Dieser bemerkte: Die Arbeiterpartei hat andere Forderungen als die in dem Wahlflugblatt nies aufgestellt. mals Ich weiß absolut nicht, welche Probe die Arbeiterpartei noch geben soll, um zu beweisen, daß fie feine revolutionäre Partei ist. Seitens der Vertreter der Arbeiter im Reichstage ist schon vor mehreren Jahren ein Arbeiterschutzgesetz ausgearbeitet worden; daß dasselbe nicht zur Annahme gelangte, ist wahrhaftig nicht unsere Schuld. Wir erklären uns ganz entschieden gegen die von Prof. Wagner empfohlenen indirekten Steuern, da diese erfahrungsgemäß zu meift von der arbeitenden Bevölkerung gezahlt werden. Eine Direkte progreffive Einkommensteuer mit zwangsweiser Selbst einschäßung dürfte zur Bestreitung der staatlichen Bedürfnisse vollauf genügen. Eine Bartei, wie die unserige, die jede lonfeffionelle und politische Ueberhebung bekämpft, die das gleiche Recht für Alles, was Menschenantlig trägt, verlangt, fann feine utopische oder gar revolutionäre Partei sein.( Stürmischer Beifall.) Wenn Herr Prof. Dr. Wagner sagt: Die Konservativen stehen den Arbeitern näher als die Deutsch- Freifinnigen, so bemerle ich, daß gerade die Konservativen die Einführung der Arbeitsbücher und die kriminelle Bestrafung des Kontratt bruches angeregt haben.( Stürmischer Beifall und Widerspruch.) Nachdem hierauf noch Prof. Dr. Wagner replizirt, schloß die Bersammlung unter Hochrufen auf Wagner. Die Arbeiter brachten Hasenclever und Gördi stürmische Hochrufe. stattet. Salon, Neue Grünftraße 28, eine sehr gut besuchte Versamm lung abhielt, wurde zunächst der Vierteljahrs- Raffenbericht erEs betrugen hiernach die Einnahmen 430,35 M., die Ausgaben 327,37 M., wonach fich unter Hinzurechnung des alten Kaffenbestandes im Betrage von 1056,63., beim Quartalsschluß ein Kaffenbestand von 1159 61 M. ergiebt, wovon 805 M. zinstragend angelegt und 354,61 M. Baarbestand in der Kaffe sind. Von der Vereinsbibliothek wurden während Die des abgelaufenen Quartals 50 Bücher ausgeliehen. Bibliothek enthält jest an fachgewerblichen Schriften 18 Werke in 36 Bänden; an wissenschaftlichen Schriften 27 Werke in 30 Bänden; an Schriften verschiedenen Inhalts 44 Werke in 53 Bänden. Aus den neuangeschafften Schriften heben wir als besonders interessant hervor: Unfallversicherung und Normalarbeitstag, Darwin's Kulturgeschichte der Menschheit, die Religion der Zukunft und eine Amerikanische Gewerbe- und Industrie Zeitung( neuester Jahrgang). Dem Kassirer und den Bibliothekaren ertheilte die Versammlung Decharge. In Anschluß an den Bericht der ArbeitsveimittelungsKommission, wonach von 159 Arbeitgebern, 223 Arbeiter( aller Branchen) verlangt wurden, sprach Herr Roedel den Wunsch aus, der Vorstand möge in Verbindung mit der Arbeitsvers mittlungskommission die Errichtung einer Tischlerherberge in Angriff nehmen und für die nächste Generalversammlung eins diesbezügliche Vorlage ausarbeiten. Die Mitglieder erklärten fich damit einverstanden. Bei der Ersagwahl des Vorstandes wurden die Herren Böhm zum 2. Vorfizenden, Krug zum 2. Echriftführer und Sieg zum 2. Raffirer wiedergewählt; die Wahl zu Bibliothekaren fiel auf die Herren Sprenger und Walther; die zu Ersatmännern auf die Herren Roedel und Pfeifer, die zum Rontroleur auf Herrn Grünwald. Eine lange Debatte rief eine von 40 Mitgliedern aus dem Nordbezirk er hobener Proteft gegen den von der jüngsten außerordentlichen Generalversammlung gefaßten Beschluß hervor, die Bezirksver sammlungen des Vereins nur noch einmal im Monat( statt wie bisher alle 14 Tage) stattfinden zu laffen. Die Protestirenden wünschten, daß es beim Alten bleibe und die BezirksVersammlung nur dann ausfalle, wenn an demselben Tage eine Generalversammlung stattfindet. Lettere wird, gleich den Versammlungen im Zentrum der Stadt, nur vom Vereinsvorstande einberufen, während die Einberufung der Versammvorstande einberufen, während die Einberufung der Versamm lungen in den übrigen Stadttheilen den betreffenden Bevoll mächtigten obliegt. Bulegt wurde in dieser Angelegenheit ein Antrag des Herrn Meißner angenommen, wonach den Vereinsmitgliedern im Norden der Stadt unbenommen bleibt, fich monatlich zweimal zu versammeln, nur dürfen diese Versamm lungen nicht an Tagen stattfinden, an welchen der Verein im Bentrum der Stadt( Neue Grünfstraße 28, in Jordan's Salon) tagt. Hierauf gelangte ein Antrag des Mitgliedes Rößler auf Vereins- Rechtsschutz in einer Klage wegen 39 M. gegen den Tischlermeister Bilasch zur Annahme. Ebenso ein solcher des Mitgliedes Ehling gegen die Bautischlerei von Gast und Brod, wobei es sich um einen 14tägigen Lohn( von ca. 50 M.) handelt. Auch wurde beschlossen, jeden Montag nach dem 1. eines jeden Monats im Bentrum( Jordan's Salon) zu tagen. Die Volksversammlung der Konservativen in Altermann's Salon am Montag Abend gestaltete sich recht intereffant. Herr Stöder sprach in längeren Ausführungen gegen die maßlosen Angriffe der Fortschrittspartei in ihren Versamm lungen und Flugblättern. Er sei für das gleiche und direkte Wahlrecht für indirekte nur nicht in der Kommune Steuern, das stehende heer soll unveränderlich in seiner Stärke bestehen bleiben und für die Beibehaltung des Ausnahmegefeßes weil die Sozialdemokraten noch die Kinderschuhe anhaben. Er brachte dann ein Flugblatt des Herrn Tußauer zur Verlesung und erklärte fich mit allen Forderungen des felben einverstanden, und schloß mit der Prophezeihung, daß die Zeit nicht mehr fern sei, wo fich die Arbeiter mit ihm ver einen würden.( Na, na!) Der erste Redner hiernach war der Glafermeister Dennier. Es freue ihn, daß er hier zu Wort gelaffen werde. Die Fortschrittspartei' scheue die Deffentlichkeit und es wird den Arbeitern keineswegs einfallen, einer solchen Partei, welche ihre Gesinnungen geopfert hat, irgendwie zu folgen aber ebenso auch Herrn Stöder nicht. Herr Stöder hat heut hier so wohlwollend für die Arbeiter gesprochen und dennoch will er für jenes zweifelhafte Gesetz stimmen, worunter die Arbeiter sehr zu leiden hätten und wenn herr Stöder ferner für die indirekten Steuern seiso trifft dies wieder den Arbeiter, der nicht will, daß der Biffen, den er zum Munde führt, schon versteuert ist; überhaupt sei die Sache ber Konservativen eine nicht schöne das hätte man bei Herrn Jrmer gesehen, der in der Stadtverordneten- Versammlung gegen Die Erhöhung des Tagelohnes der Arbeiter war. Großer Beifall erfolgte am Schluß, als Redner sagte, weder Herrn Stöder, noch Herrn Virchow werden die Arbeiter wählen, sondern ihren eigenen Kandidaten.( Rufe: Zugauer!) biernach sprachen noch zwei Redner zu Gunsten des Herrn Tugauer.- Nachdem Herr Stöcker noch Einiges richtig gestellt hatte, schloß die Verfammlung mit Hochrufen auf Stöder und Tugauer. h. Im Fachverein der Tischler, welcher am Montag Abend unter dem Voifige des Herrn Böhm in Jordan's Theater. Königliches Opernhaus: Mittwoch: 211. Vorstellung. Alessandro Stradella. Königliches Schauspielhaus: Mittwoch: 214. Vorstellung. Konradin. Deutsches Theater: Mittwoch: Die Welt, in der man fich langweilt. Bellealliance- Theater: Mittwoch: Ertra- Vorstellung zu halben Kaffenpreisen: I. Barquet 1 Mt. u. fs. w. Auf Verlangen, zum 19. Male: Die Wilden. Renes Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater: Mittwoch: Gasparone. Walhalla- Operetten- Theater: Mittwoch: Bum 308. Male: Nanon. Oftend- Theater: Mittwoch: Zum 8. Male: Ein Vampyr, Sensations- Drama in 3 Aften und 5 Bildern nach dem gleichnamigen Roman im Berliner Lokal- Anzeiger von Alfred Seefeld und Carl Werrel. Central- Theater: Alte Jakobfiraße 30. Direktor: Ad. Ernft. Mittwoch: Lezte Woche! Jäger- Liebchen. Louisenstädtisches Theater: Direktion: Josef Firmans. welche seitens der Innungsmeister und der Fabrikanten in Dresden und Leipzig über Mitglieder der dortigen Ortsvereine verhängt werden, veranlaßt wurde, führte dazu, daß die Noth wendigkeit, einen Unterstützungsfonds zu sammeln, allgemein anerkannt wurde. Ein von Herrn Driebe verfaßtes Flugblatt, in welchem die Einsetzung einer Lohnkommission als dringend geboten befürwortet wird, wurde gutgeheißen. Weiter wurde beschlossen, daß zur Wahl der Lohnkommission eine am 9. Ro vember im Rönigstadt- Rafino abzuhaltende öffentliche Versamm lung der Kürschnergesellen einberufen werden soll. hr. Im Fachverein der Berliner Kürschner und Berufsgenossen( Grenadierftr, 33) gab am Dienstag ein Mitglied des Vereins, Herr Wedemeyer, Rückblide" auf die bisherige Thätigkeit des Vereins. Referent sprach sich dahin aus, daß in Bezug auf die praktischen Aufgaben, welche der Verein fich gestellt, in Bezug auf Arbeitsnachweis, Einschränkung der Hausindustrie und der Frauenarbeit, Befeitigung der die Löhne herabdrückenden Echundproduktion der selbständigen kleinen Meister, die Erfolge bis jetzt deshalb so geringe gewesen oder gänzlich ausgeblieben seien, weil der Verein sich vielfach mit Dingen beschäftigt habe, die dem Zwed eines Fachvereins fern liegen, und weil die nöthige Einigkeit der Kollegen auch im Vereine noch nicht vorhanden ge wesen sei. Herr Lewin ein selbstständig arbeitender Meister, der zur Distuffton zuerst das Wort nahm, stimmte dem Referenten bei und hob noch besonders hervor, daß die Vorträge, die von Herien für Honorar gehalten worden find, meist eine politische Tendenz gehabt und für die nächsten praktischen Biele des Vereins nicht förderlich gewesen seien. Der Fachverein habe sich nur mit solchen Aufgaben zu be schäftigen, die er selbst, ohne die politische Gesetzgebung zu lösen vermöge. Dem gegenüber wiesen die Herren Januß, Mittwoch: 46. Gesammt Gastspiel der Liliputaner. Zum 37. Male: Robert und Bertram. Anfang 7% Uhr. Nachmittags 2% Uhr: Bum 9. Male: Sneewittchen und die Zwerge. Ermäßigte Preise. Mittwoch: Excelftor. Bittoria- Theater. Refidenz- Theater: Direktion: A. Anno, Blumenstraße 9. Der Fachverein der Metallarbeiter in Gas, Waffer- und Dampfarmaturen hielt am Sonnabend, den 18. bs. Mts. in Teicherts Restaurant, Neue Grünftr. 32, eine Versammlung ab in welcher Herr J. Müller einen Vortrag über Drts- und freie Hilfskaffen hielt, der den ungetheilten Beifall der Versammlung erhielt. In beredten Worten legte der Vortragende dar, wie es Pflicht eines jeden Arbeiters sei, für seine Selbstständigkeit einzutreten und jede Bevormundung in seinen Angelegenheiten von fich zu weisen. Redner führte dann die Mängel und Vor theile der Orts- und freien Hilfskaffen vor, legte die Unzwed mäßigkeit freier ärztlicher Behandlung flar und tabelte den Mangel freier Verwaltung bei den Ortskaffen. Redner machte darauf aufmerksam, daß Feder, der sich Vortheile freier Hilf faffen theilhaftig machen wolle,( bei einem wöchentlichen Beitrag von 35, 40, 50 und 55 Pf. eine Unterstügung von M. 12, 14 16 und 20 pro Woche) seine Ausscheidung aus den Ortskaffen bis spätestens 1. Dezember bewirken müsse, da sonst vor dem 1. Oftober t. J. feine Kündigung zulässig set. An der diesem Vortrage folgenden Diskussion betbeiligten sich die Sperren hi debrand, Teutsch und Eggert, die fich gleichfalls im Sinne des Referenten aussprachen und nahm hierauf die Versammlung folgende Resolution an: Die heutige Versammlung der Metall arbeiter 2c. schließt fich den Ausführungen des Referenten voll und ganz an, und verpflichtet sich dahin zu wirken, daß fic ihre Mitglieder nur der freien Hilfskaffe anschließen. h. Der Fachverein der Schneider hielt am Montag Abend bet Nieft, Rommandantenstraße 71 72 eine Versammlung ab, die fich hauptsächlich mit dem auf dem jüngsten Gothaer Schneiderfongreß beschlossenen, vom 1. November d. J. an in Kraft tretenden Bentral- Verband der Schneider- Fachvereine Deutschlands und dessen gemeinsamen Rechtsschutz beschäftigte In der nach einem Referate der Herren Täterow und Pfeiffer über diesen Gegenstand gepflogenen Diskussion gelangte mas zu dem Ergebnis, daß die Beschlußfaffung über den eventuellen Anschluß des Vereins an den Verband noch bis zum Januar ausgefeßt und bis dahin möglichst für weitere Vergrößerung des Vereins agitirt werden solle. Bugleich wurde auf Antrag des Herrn Pfeiffer eine Statutenberathungskommission ge wählt, welche die für den eventuellen Vereins- Anschluß an den Verband nöthig werdenden Statutenänderungen in Berathung zu ziehen hat. Die Wahl in diese Kommission fiel auf die Herren Pfeiffer, Täterow, Stäger, Biesel, Reichert, Frenze Fauft und Hartfuß. Schließlich forderte der Voifigende recht zahlreichem Besuch der am nächsten Donnerstag in der Neuen rünstraße 28 stattfindenden Schneider- Kranken- und Sterbelaffen- Versammlung auf, in welcher die Statuten- B rathung der fünftigen Berliner Drtskaffe der Schneider ftat findet und auch lein Anhänger der freien Hilfskaffe fehlen sollte Der Verein der Einfeger hat in seiner am Sonntag den 19. Oftober, im Vereinslotale Holzmarktstraße 8 abgeba tenen Versammlung beschlossen, daß die Montagsversammlu gen vom 1. November an nicht mehr stattfinden sollen, und ist dafür der Sonntag nach einem jeden 1. im Monat fe gelegt worden. Dies den Vereinsmitgliedern zur gefälligen Nachricht. Friedrichshagen. Nachdem am Sonnabend den 11. D eine am hiesigen Orte einberufene allg. Wählerversammlung durch den Amtsvorsteher Herr Drochholz aufgelöst wurde, der Borsigende dem Kandidaten der Arbeiterpartei, Herrn. Arndt aus Bernau das Wort ertheilte, wurde zum Sonn abend, den 18. Dktober abermals eine solche einberufen. Referent war Herr Bruno Scholz aus Friedrichsberg erschienen. acht Tagen erfolgte Auflösung und wies darauf hin, daß da man Herrn Arndt doch in anderen Drten des Kreises habe Irrthum vorzuliegen scheine, indem doch an dem einen Nr. ein fra in Ruma M Do feine Be In barauf F ben tonf zu bring dankbar eine nat tehen w Da nitiv zu außer lel zurü benn er Streber welches Au fervativ bie fon nöthige ficherlid Das An ift bas einfach burch g felbftita G ber bis fen fin belämp vo Einmal fchaftli Megibe der m Partei Dete seitens des betreffenden Beamten wohl ein Menzel und Stoye darauf hin, daß die Gesezgebung, insofern nicht verboten sein könne, was an dem anderen erlaubt if der arbeitenden Bevölkerung betrifft, die von dieser durch Vor ſammlung überwachenden Amtsvorsteher, um abermals die u flüßt werden müffe. Die Diskussion, welche durch Mittheis gefeges. Unter stürmischen Hochrufen auf Arndt gingen die Mittwoch: Bum 37. und vorlegten Male: Die Sirene. Schwant in 3 Atten von P. Ferrier und A. Valabrèque.( Novität.) Regie: A. Anno. Vorher: Der erfte April. Wallner- Theater: Mittwoch: Der Raub der Sabinerinnen. Alhambra- Theater. Wallnertheaterstraße 15. Mittwoch, den 22. Oktober: Das Milchmädchen von Schöneberg. Volksstück mit Gefang in 3 Alten und 7 Bildern von M. Manstäot. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. sie das gewerbliche Leben und die wirthschaftlichen Verhältniffe arbeiten und durch Beibringung des nöthigen Materials unter lösung auszusprechen und zwar auf Grund des Sozialiste lungen eines Dresdener Kollegen über die Maßregelungen, 1097] Arbeitsmarkt. 3 Gefellen auf Militärröde werden verlangt Sellerstraße 4b, Hof im Keller. Einen Jungen f. d. Nachmittag sucht Bernauerstr. 3 of 4, r. H. Buldermann's) hochelegant, 300 Personen faffend, mit anschl. Nebenräumen, hält den geehrten Fest- Saal, Vereinen und Gesellschaften bestens emKommandanten pfohlen Th. Lammer's Nachfolger. straße 71/72, Besonderer Umstände halber find noch 1. 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Dereinst als wohlgebildete und denkende Glieder in den Gesell der große Kant auch hier sagen würde, wenn er heute wiederEs ist eine alte Streitfrage, ob der Schule das Recht, die thr übergebenen Kinder auch förperlich zu züchtigen, zu- oder abgesprochen werden solle. Die Freunde der Beibehaltung dieses sogenannten Rechtes und ihre Bahl ist in Deutschland noch ziemlich groß, da sie leider auch wohl noch den größten Theil der Lehrer selbst mit in fich schließt- stüßen stüßen fich theils auf die amtliche Stellung der Lehrer, theils auf die bistorische Ueberlieferung. Prüfen wir furz diese beiden Argumente auf ihren wahren Werth. Hinsichtlich des ersten Punttes meint man, in der Schule sei der Lehrer Stellvertreter des Baters und demnach auch im Vollbesitz des Büchtigungsrechtes deffelben; mit dem Eintritt des Kindes in die Schulräume sei es also der Jurisdiktion des Vaters entzogen und der des Lehrers unterstellt. So schön sich auch diese Begründung auf den ersten Blick ausnehmen mag, bei näherer Betrachtung jedoch fällt fie in fich zusammen. Wenn ein Geschäftsmann durch öftere Abwesenheit oder durch eine so große Erweiterung des Geschäftes, daß er nicht mehr im Stande ist, dasselbe allein zu verwalten, fich genöthigt fieht, einen Stellvertreter einzustellen, so überträgt er demselben bei Uebergabe des neuen Amtes auch nicht etwa zugleich das Recht, mit den ihm anvertrauten Gegenständen nun nach eigener Willkür schalten und walten zu fönnen, sondern die Uebernahme der Stellvertretung legt jenem die Pflicht auf, das Geschäft nach bestem Wissen und Gewissen ganz den Wünschen und Ansichten seines Auftraggebers entsprechend zu verwalten. Thut er das nicht, so ist er auch kein guter Stellvertreter. Daffelbe Verhältniß findet statt bei allen Beamten, welche besoldet werden, die Interessen des Volkes zu wahren, sei es im Staate, sei es in der Gemeinde. Die Minister als die ersten Beamten im staatlichen Gemeinwesen haben ihre ganz bestimmt begrenzte Rechtssphäre, die sie ohne ausdrückliche Autorisation seitens der Boltsvertretung- ich spreche hier natürlich von fonftitutionellen Staaten ohne Gefahr, in Anflagezustand versezt zu werden, nicht überschreiten dürfen. Nicht anders verhält es sich mit den Gemeindebeamten, von dem ersten Bürgermeister herab bis zu dem niedrigsten Angestellten. Auch die von der Gemeinde berufenen und besoldeten Prediger, denen die Pflicht auferlegt ist, die zu ihnen kommenden Gemeindeglieder in intellektueller, moralischer und religiöser Hinsicht zu fördern, beftzten heute durchaus nicht mehr das sonst angemaßte Recht, ihre Auftraggeber von der Kanzel herab oder sonst wo zu beschimpfen, zu verfluchen oder auch mit mehr oder weniger harten Kirchenstrafen zu belegen, wie dies ja hier und da bis zu Anfang dieses Jahrhunderts noch der Fall war. Mit der Pflege der schönen Künste und Wissenschaften hat auch der Geist der Aufklärung und Toleranz, der wahren Humanität und höhern Gefüttung bei dem deutschen Volle Einzug gehalten und eine Menge barbarischer Einrichtungen beseitigt, die unter dem Einflusse schlechter Gesetzgebungen bis in die neue Beit herein üppig fortwucherten. Kinder zu unterrichten, in alle dem, was ihnen nöthig ist, um schaftstreis der Erwachsenen eintreten zu können; sodann hat er aber auch fortwährend sein Augenmert auf ihre fittliche Entwickelung zu richten und fte zu erziehen, daß aus ihnen gute und brave Menschen werden. Die Erziehungsmittel, über welche dabei der Lehrer verfügt, sind der Unterricht, sein fittlicher Charakter, sowie sein eignes und guter Kameraden Beispiel. Insoweit ist der Lehrer der Stellvertreter des Vaters. In Fällen, wo jene Mittel nicht ausreichen und einmal törperliche Büchtigung nöthig erscheint, hat sich derselbe mit der Familie in Einvernehmen zu seßen. Die Demokratie fordert das im Intereffe der Lehrer, die sie nicht zu Bütteln und Profosen herabgewürdigt sehen möchte, sowie im Interesse der gesammten Voltserziehung, um in der heraufwachsenden Jugend das ficherste Schußmittel gegen alles, was roh und gemein ist, die Bildung des Ehrgefühls, nicht verfümmern zu laffen. " Das andere Argument, womit die Freunde der Stockprügel diese Strafart in der Schule zu rechtfertigen suchen, ist prügel diese Strafart in der Schule zu rechtfertigen suchen, ist historischer Natur. Die alten Griechen und Römer und die Juden haben ihre Kinder auf diese Weise gezüchtigt, warum sollen wir dasselbe nicht auch thun?" rufen uns die Fanatiker der Prügelstrafe zu, und was bleibt uns übrig? Es ist wahr, in Athen und Sparta wurden die Knaben, wenn sie nicht gehorchten, durch Schläge gezüchtigt, und Sokrates sagt:„ Wenn er gutwillig gehorcht, gut, wo nicht, so suchen ste( Vater und Lehrer) ihn wie ein Holz, das sich geworfen und gebogen hat, wieder gerade zu machen durch Drohungen und Schläge. Ebenso spricht sich der weise Römer Seneca aus:„ Gute Eltern und Lehrer pflegen ihre fehlenden Kinder anfangs liebreich, dann ernster zu ermahnen, im Notfalle auch durch Schläge an ihre Pflichten zu erinnern. Wir sehen aus diesen beiden Stellen, daß bei den Griechen wie bei den Römern die förperliche Büchtigung eines Kindes in Uebereinstimmung der Eltern mit dem Lehrer geschah. Ganz wie wir es wünschen. Wenn dies aber auch damals nicht der Fall' gewesen wäre, wofür man jedoch keinen Beweis herbeizuschaffen vermag, so wäre dies für uns ebensowenig ein bindender Grund, als unsre fleine schwächlichen Kinder auszuseßen oder nach vorgenommenem Oftrazismus unsere ersten Staatsmänner aus dem Lande zu weisen, nur weil dieses die Athener, jenes die Spartaner zu thun das Recht hatten. Bei den Juden bestand in früheren Zeiten die körperliche Büchtigung nach talmudischem Recht in der Geißelstrafe. Die Bibel findet dieselbe als bestehend schon vor und regelt fte nach dem Grundsatz der Humanität und der Schonung der Menschenwürde, zugleich aber auch nach dem der Gleichheit vor dem Gesez. Die körperliche Büchtigung der Kinder aber beruhte nur auf dem Recht der Eltern: Wer sein Kind lieb hat, scheuet die Ruthe nicht! Der denkende Leser findet, daß die Forderung der Demofratie: Weg mit dem Prügel aus der Schule! den Aussprüchen der Alten nicht nur nicht widerspricht, sondern mit ihnen in vollster Uebereinstimmung sich befindet. Auch die Gründer der neuen Pädagogik würden in unsern Ruf einstimmen, die Rousund Edle glühenden Herzen. Wir wollen nicht etwa der Verzärtelung und Schwäche, die man ja so leicht mit Humanität verwechselt, das Wort reden, nein, wir wissen, daß so ein ,, Jagdhieb" zu gelegener Zeit bei manchem Knaben recht wohl am Blaze ist, dann komme er aber von Vater oder Mutter, wenn fie fich nicht anders zu helfen wissen. In der Klasse vor sämmt In unseren heutigen wahrhaft tonftitutionellen Staaten hat die oberste Justizverwaltung, ohne durch ausdrückliche Bus seau und Pestalozzi mit ihren so milden, für alles Schöne, Wahre stimmung des Volts durch seine Vertreter bevollmächtigt wor ben zu sein, nicht mehr das Recht, über schwere Verbrecher in den Zuchthäusern die Strafe förperlicher Büchtigung zu ver= hängen. Um so weniger ist demnach die Oberschulbehörde be rechtigt, diese den Menschen entwürdigende Strafart an unsern noch unschuldigen Kindern vollziehen zu lassen. Geradezu tung zu Stettin unterm 12. Februar 1867 erlassene Verfügung lichen Kameraden diese Erelution zu vollziehen, schadet dem Bestraften wie den Zuschauern, stumpft fte ab, macht sie schadenfroh, in der Schule als Präparierung für den späteren RafernenDienst betrachten. Seit 1848 jedoch sind ja hier die Verhält niffe ganz andere geworden und eine derartige Vorbereitung und in aufleimenden Fällen zu leiblicher Büchtigung zu schreiten, so sollen sich die Funken von Ehrgefühl. Früher machte man die Prügelstrafe Lehrer dazu feiner andern Mittel bedienen, als bei fleinen Kindern bis zu neun Jahren einer aus dünnen Reisen bestehenden Ruthe und bei älteren eines biegsamen Stöckchens von der Stärke eines fleinen Fingers(?). Eine Entblößung nicht im mindesten mehr von Nöthen, Ringsum hat man dem des Körpers... wird ein für alle mal hierdurch untersagt. gerichtet werden darf, find der Rücken(?) und das Gesäß." Wir enthalten uns jeder Kritik dieses Erlaffes, ahnen aber die Beranlaffung zu demselben und erkennen daraus, daß auch heute noch der schwarze mittelalterliche Geist noch nicht zur Der Lehrer hat die Aufgabe, zunächst die ihm zugeführten Rube gekommen ist. Ein gefesseltes Genie. ( Erzählung nach einer wahren Begebenheit.) I. Geist der Humanität und Brüderlichkeit Thor und Thür geöffnet; nur das mit einem Fuß noch im vorigen Jahrhundert stehende Deutſchland fann ibn nicht begreifen. Holland und Belgien, Frankreich und die Schweiz haben den Prügel aus der Schule verbannt und Desterreich, auf daß man deutscherseits immer noch so mitleidig herabzuschauen gewohnt ist, hat uns auch hierin lange überflügelt und bereits in seinem Schulgefeß vom Jahre 1869 jede förperliche Büchtigung in der seinem Stuhle zurück und schlang die Hände hinter seinem Haupte in einander. Waffer zu malen ist, als wenn man es versuchen würde, eine Seele zu malen," bemerkte er nachdenklich, wie in Bezug ,, Kannst Du mir etwas Geld geben, Karl? Unser Baby auf seine Lektüre. muß Strümpfe haben. Ich fann es unmöglich länger aufschieben. Wir müssen etwas Anderes entbehren." Frau Rossiter hatte aus dem Rorbe eben ein KinderKleidchen von Kattun genommen und es betrachtet. Es zeigte mehrere gewaltige Riffe, die wohl andeuteten, daß das kleine welches es getragen, eine ganz besondere Befähigung befizen neues Bild sein." Und dieses Andere wird natürlich die Leinwand für mein Karl Roffitter gab diese Antwort in finsterem, mürrischem mußte, seine Garderobe zu Schaden zu bringen. Tene, zog eine zerknütterte Dollarnote aus seiner Tasche und legte fte auf einen Tisch neben seiner Gattin. Dann nahm er das Buch wieder, mit dem er beschäftigt gewesen war und las weiter. Es war ein Band von dem englischen Kunstkritiker Die arme Frau seufzte leicht, als sie ein Bündel mit Flicken von dem Stoffe des Kleidchens aufrollte und vergebens nach einem Restchen von geeigneter Größe suchte. Was meinst Du, mein Lieber?" fragte sie zerstreut. Rustin. Seine Gattin würde den Inhalt weder verstanden sagt, eine Seele zu malen. Was für eine grandiose Jdee! haben, noch hätte sie sich darum gefümmert, ihn zu verstehen. Sie hatte ihren Gatten nicht angesehen, als fie die Bitte that, und fte erwiderte nichts auf die mürrische Art und Weise, mit der er fte erfüllte, sondern neigte fich nur tiefer über ihre Räbarbeit meist Rinderkleidern lichen abgetragenen Kleidungsstüden Neben ihr auf dem Fußboden stand ein Korb mit ärm - und davon nahm fte Stüd für Stüd und befferte fte mechanisch aus. So faßen die Beiden, Gatte und Gattin, in freudloser schweigfamer Gesellschaft bis tief in die Nacht. Es war in einem fleinen ärmlichen Familienhause in Chicago. Alles, was fie umgab, trug den Stempel der Armuth an fich, von dem fadenscheinigen Teppich an bis zu dem verblichenen Kleide der jungen Frau. Die Tapete an der Wand war hie und da ausgebeffert worden, und zwar mit einer Tapete von anderer Farbe und Beichnung. Das alte Roßbaar Copba Dinette," fuhr er enthusiastisch fort, hast Du es je versucht, Dir vorzustellen, wie eine Seele aussehen könnte? Ich habe es gethan. Ich hatte einst einen Traum- vor Jahren. vor Jahren. Meine erste Liebe heirathete einen Mann, der sich später als ein Trunkenbold erwies, und ihr brach endlich das Herz. Ich träumte in einer Nacht nach ihrem Tode, daß ich ihren Geist sähe. Der Form nach war es wie eine menschliche Gestalt, aber wie aus einer blauen Flamme bestehend. Es fladerte und behielt doch immer die äußeren Umriffe. Der Geist schien an der Seite ihres Gatten hinzugleiten, und in irgend einer Weise, die von der gewöhnlichen Art des Gedankenaustausches ganz verschieden war, schien dieses überirdische Wesen mir zu fagen: Das ist meine Strafe." D, hätte ich es nur gleich am nächsten Morgen versucht, diese Vision auf die Leinwand zu bringen! Jept ist die Erinnerung zu schwach- es ist zu spät!" Ach, mein Lieber, wie schade!" seinen Kopf und blickte auf sein Weib. genügt und hie und da durchgerieben. Ueberrascht von diesem ungewöhnlichen Ausdruck der ein Ueberbleibsel aus besseren Zeiten war ab Be wenigen Bücher Sympathie wendete Roffiter, beffen Augen wären eten, auf einem Gestelle füllten dieses nur halb. Ueberall in dem Bimmer hatten Sorgfalt und Reinlichkeit es vergebens vers fucht, die Armuth minder grell hervortretend zu machen; und mit forgfältig geglättetem Haar, fleckenlosem Halskragen und Manschetten, und über den Korb voll alter zerlumpter Kleider geneigt, erschien wie eine lebendige Illustration zu der ganzen " D, diese erbärmlichen kleinen Stückchen Stoff. Nicht Eines ist groß genug für den Rig. Ich werde noch erst einige Fliden zusammennähen müffen. Sagteft Du etwas, Sagtest Du etwas, mein Lieber?" O, nichts von Bedeutung," antwortete Roffiter falt, entSeine Gattin bemerkte feinen veränderten Ton, und sah Heimstätte. Mit bekümmerten Antlig, aber mit flinken Händen täuscht und ärgerlich über die legte Bemerkung. nähte fie eifrig -Stunde um Stunde. Endlich warf Rossiter sein Buch weg, lehnte fich auf empor in sein umwölftes Geficht. Schule aufs strengste untersagt. Weißt du, lieber Leser, was fäme und die dem Ruffen nur noch verwandte, echt deutsche Bucht erblickte? Schäme dich, Vaterland!" " ( Demokratische Blätter.) Lokales. N. Verschwundener Armenkommissionsvorsteher. Das Spurlose Verschwinden eines in der Adalbertstraße wohnenden Armenkommissionsvorstehers, Kaufmann L. hält seit Donnerstag voriger Woche die Bewohner des Südostdistrikts in größter Aufregung. Der Genannte hat sich am legten Donnerstag ohne Angabe wohin aus seiner Wohnung entfernt und ist bisher weder in dieselbe zurückgekehrt noch sonst trop aller einge leiteten Recherchen zu ermitteln gewesen. Da L., wie später festgestellt worden, sich am Tage vorher Gift verschafft hatte, angeblich um seinen Hund zu tödten, er aber den Hund nicht vergiftet hat, so wird angenommen, daß L. fich selbst ein Leides angethan. Diese lettere Annahme erscheint dadurch noch gerechtfertigt, daß nach seinem Verschwinden ganz bedeutende Schulden, man spricht von 154 000 Mart, zur Kenntniß der Behörde gekommen find. Täglich sollen Wechselproteste über Taufende von Matt eingegangen sein. Seitens der Kriminalpolizei find alle Hebel in Bewegung gesezt worden, um den Verbleib des Entschwundenen zu ermitteln. Die laufenden Geschäfte des L. als Armenkommissionsvorsteher sind dem Kaufmann Herrn Gustav Jacobi in der Adalbertstraße 81 bis auf Weiteres übertragen worden. Die weitere Untersuchung schwebt noch. In der Ruhlsdorfer Mordaffaire haben nunmehr die beiden Mörder, Maschunat und Benne, nachdem sie bei ihrer ersten Bernehmung sich mehrfach in Widersprüche verwickelt haben, ein mit den ermittelten Umständen übereinstimmendes Beständniß abgelegt, so daß die Untersuchung in den nächsten Tagen abgeschloffen werden kann. Hierbei hat sich herausge ftellt, daß die Ergreifung des Mörders Benne nur der glüd lichen Kombination des Berliner Kriminalkommissars Weien zu banken war. Maschunat, der Anstifter zu der blutigen That, befand sich bis zum 29. September d. J. mit einem Schuhmachergesellen Namens Fischer in dem Krankenhause zu Bernau, von wo sie an diesem Tage als geheilt entlassen werden konn ten. Beide hatten lein Geld und beschlossen, gemeinschaftlich nach Berpenschleuse zu wandern. Auf dem Wege dorthin machte Maschunat dem Fischer den Vorschlag, die Bauern gutsbefizer Wittwe Büttner in Ruhlsdorf, bei welcher er früher gearbeitet, zu ermorden. Fischer, welchem die Sache zu gefährlich erschien, lehnte anfänglich das Anerbieten ab, ließ fich aber später von Maschunat doch zureden und ging auf den Mordplan ein. Maschunat instruirte nun genau den gewonne nen Komplizen über die Lage des Büttner'schen Grundstücks in Ruhlsdorf, welches, eine Strecke außerhalb des Dorfes liegend, die Ausführung des Verbrechens insofern erleichtere, als niemand aus dem Dorfe etwaiges Geschrei der Frau Büttner hören, oder gar zum Beistande derselben herbeieilen könnte. So waren denn beide bis in die Nähe des Dorfes Berpenschleuse gekommen, als plößlich Fischer wankelmütig wurde und von der That zurücktrat. Dieser Entschluß war in ihm zur Reife gelommen, als beide in einem Chauffeegraben Rast hiel ten. Maschunat war darüber so aufgebracht, daß Fischer es für gerathen fand, die Wanderung allein fortzusetzen. Er lenkte seine Schritte nach Berpenschleuse, wo er sofort Arbeit fand. Zu Maschunat, der in dem Chauffeegraben liegen geblieben war, gesellie fich bald darauf der ebenfalls auf der Wanderschaft befindliche Schmied Benne. Der raublustige Maschunat machte sofort dem Benne, der ihm bisher völlig fremd war, den Vorschlag, die Wittwe Büttner zu ermorden, und Benne, der ebenfalls abgerissen war und kein Geld besaß, ging sofort auf den Plan ein. Wer uns in den Weg kommt, der kriegt eins auf den Kopf," mit diesen Worten betrat Maschunat in Begleitung des Benne am 30. September Nach mittags 3 Uhr, das Dorf Ruhlsdorf. Am Ausgange ves Dorfes, etwa 50 bis 80 Schritt vom Büttner'schen Gehöft entfernt, warteten beide erst ab, bis sich der Sohn der Wittwe Büttner mit einem Fuhrwert auf das Feld begeben hatte; dann schritten beide zur That, die nun in der bereits geschil derten Weise ausgeführt wurde, ohne daß die Mörder irgend Jemand dabei störte. Nachdem die alte Frau fich nicht mehr ,, Jch fann Dir nicht helfen, Karl," sagte sie mit einiger Ungeduld. ,, Wir sind so arm, daß ich eben an Lumpen denfen, von Lumpen sprechen und Lumpen zusammenfliden muß. Ich bebauere es, den Flug Deiner Phantaste gestört zu haben. Ich dachte so eifrig nach, daß ich gar nicht wußte, daß ich laut Sprach." Nun, es macht nichts. Komm! Du hast diesen Abend gewiß lange genug gearbeitet. Sieh' wie spät es ist!" Er sagte das mit seiner gewöhnlichen vorbedachten Ges duld und Freundlichkeit. Seine Frau legte ihre Arbeit mit einem leichten unterdrückten Seufzer zusammen und ging zu Bette, um Pläne zu machen, wie fie irgend eine Waffe gegen den schlimmen Feind ihres Haushaltes, die Armuth, finden und gebrauchen könne. Als es am frühen Morgen dämmerte und noch kaum licht genug war für ihre Arbeit, erwachte sie wie durch Instinkt und erhob sich aus dem Bette. Sie hüllte ein Zuch um ihre Schultern und erneute ihre Thätigkeit, die Kleidchen ihrer Kinder auszubeffern. Als das letzte Stüd fertig war, lehnte fie ihr Haupt an die Wand zurück und dachte über die Aufgaben des begonnenen Tages nach. Dann fleidete sie sich völlig an, tochte auf dem kleinen eisernen Dfen im Bimmer das Frühstück und half nebenbei ihren beiden älteren Kindern beim Anziehen. Es war dabei schwer, ste rubig zu halten, während fte dieselben waschen und ihnen das Haar fämmen mußte. Still, Mamie! Du wirst den Papa wecken! Frant, sei doch ruhig! Papa und das Baby schlafen noch!" Einer oder der andere dieser Säße war fast beständig auf thren Lippen. Aber die bei Weitem schwerste ihrer Morgenpflichten war die Aufgabe, ihren Gatten zu weden. Sie ging an sein Bett und bickte auf den Schlafenden. Er lag da, das Geficht ihr zugewendet mit seinen regelmäßigen, schön geformten Zügen. und feine langen braunen Auger Babe von seinen Wangen von seiner lichten Hautfarbe. Die Schönheit ihres Mannes, auf welche er ſelbſt geringen Werth zu legen schien, war für fie täglich eine Quelle des Vergnügens und des Stolzes. Daß ihre Kinder ihm glichen, war der größte Troft ihres armseligen, harten Lebens. Ihr Herz zagte, wie immer, vor dem oft wiederholten Brogramme ihrer Morgenwache, aber fie mußte es thun. Sie legte ihre Hand leicht auf seine Schulter. Karl! Karl!" fagte sie mit leisem, sanftem Tone. gerührt, hat Maschunat die geraubten Gegenstände zusammen- gesucht, aber die Hauptsache, das baare Gelv, nicht finden können, bis er endlich mit triumphircnder Miene einen Beutel mit Geld aus dem Bette der Ermordeten, wo dasselbe unter dem Kopf- Wen verborgen war, hervorholte. Maschunat schüttelte das Geld auf dem Bette aus und gab dem während der ganzen Affaire an der Küchenthür„Schmiere" stehenden Benne sofort 45 Mark mit dem Bemerken ab, daß nur 90 Mark in dem Beutel enthalten gewesen seien. Dann entfernten fich die Raubmörder mit dem gestohlenen Gute auf dem beschriebenen Wege nach Berlin, wo beide fich trennten. Gleich nach der Entdeckung des Mordes lenkte fich der Verdacht auf Maschunat, der in Begleitung eines zweiten Mannes im Dorfe gesehen worden. Dieser zweite Mann konnte kein anderer als Fischer sein, in dessen Begleitung Maschunat vom Bernauer Kranken- Hause aus auf die Wanderschaft gegangen und in der Nähe vom Thatorte noch gesehen worden. Es ist daher nicht zu ver- wundern, wenn die Königliche Staatsanwaltschaft hinter Ma- schunat und Fischer Steckbriefe erließ. Am 7. Oktober meldete fich bei dem Kriminalkommissar Herrn Weien ein Mann, wel- cher in den Zeitungen von dem Ruhlsdorfer Morde gelesen und in der Holzmarlt- und Raupachstraßcn-Ecke belegenen De- stillation einen Mann angetroffen, der viel Geld ausgegeben und im Befitz eines Paars rindlederner Stiefel fich befand und der Mörder der Wittwe Büttner sein konnte. Herr Kommissar Weien, in der Meinung, den gesuchten Fischer vorzufinden, verhastete daraufhin am 8. Oktober in der genannten Destilla- tion den Schmied Benne, in dessen Befitz fich das� mit Krüger gezeichnete Rastermesser vorfand. Benne räumte denn auch dem Kriminalkommissar Weien sofort die That ein, nachdem er erfahren, daß Maschunat nicht 90 M., sondern über 200 M. baares Geld in dem Beutel vorgefunden, mithin bei der Vertheilung des Geldes seinen Raubgenossen, dem er als Hälfte davon nur 45 M- abgegeben, übervortheilt hatte. Durch das Geständniß des Benne ermittelte Herr Kommissar Weien ferner, daß Maschunat bei Königsberg in Preußen einen zweiten Raubmord ausführen wollte und wahrscheinlich fich dorthin begeben hatte. Unverzüglich wurde, der„G-Ztg." zufolge, der Telegraph nach Königsberg in Bewegung gesetzt, der schon nach wenigen Stunden mit der Drahtantwort die Festnahme des Hauptmörders meldete- Vor dem Untersuchungs- richter versuchte Maschunat zuerst die That so darzustellen, als wenn er nur durch den Widerstand der Frau Büttner zu der Ermordung geschritten wäre. Erst als Benne sein dem Kri- minal- Kommissar abgelegtes Geständniß mit allen Einzelheiten wiederholte, da bequemte letzterer fich zu einer mit dem Ge« ständniß des Benne übereinstimmenden Aussage. Beide Mör- der befinden fich, gefesselt, im Untersuchungsgefängniß zu Moabit in den sogenannten Mörderzellen. Während Maschunat stumm vor fich hinbrütet, bezeugt Benne entschieden bittere Reue über die That und weint fortwährend. Erwähnenswerth ist noch, daß der zuerst als Theilnehmer am Morde gesuchte Echuhmachergcselle Fischer während der Verfolgung der Mör- der unbehelligt in Zerpenschleuse arbeitete. Mit welcher Leichtfertigkeit heutzutage falsche Eide geschworen werden, dafür liefert ein schreiendes Beispiel die Untersuchung, die gegenwärtig durch das Landgericht I gegen einen im Osten Berlins wohnenden Hausbefitzer ge- führt wird. Die Sache, um die es fich handelie, ist folgende: Zwei Rentiers,.A. u. B., find mit einander befreundet. Je besser es mit den Renten des A. bestellt ist, um so knapper steht es mit den Renten des B., obwohl derselbe Befitzer eines großen Hauses ist. Deshalb sieht fich B. auch veran- laßt, allerlei Gelegenheitsgeschäfte zu machen, die ein Profitchen abwerfen. Nun hatte A- vor einiger Zeit die Summe von 18 000 M. einzuziehen, die den Rest des Kaufgeldcs für ein früher dem A. gehöriges Gut in der Nähe von Görlitz dil- Veten. Der Schuldner hatte ursprünglich dafür einen Wechsel gegeben. Da der letztere aber am ersten Verfalltage nicht eingelöst wurde und prolongirt werden mußte, und A. über den Betrag schon anderweitig verfügt hatte, so hatte er dem Schuldner die Mittheilung gemacht, daß er das Accept weiter- gegeben habe, um dadurch den an fich durchaus ficheren und zahlungsfähigen Schuldner zu zwingen, auf jeden Fall die Deckung des Accepts bereit zu hallen. Natürlich konnte A. den Wechsel nicht selbst präsentiren und ersuchte deshalb seinen Freund B. die kleine Reise zu machen. B. ging um so bereit- williger hierauf ein, als A. fich bereit erklärte, sämmtliche Spesen, Fahrgeld U. Klasse, Hotelrechnung rc. und für Zeit- versäumniß(einen Tag) hundert Mark zu bezahlen. B. las- firte die 18000 Mark ein, zog aber außer den Spesen nicht einhundert sondern achtzehnhundcrt Mark ab, indem er gleich- zeitig mit der Behauptung hervortrat, A. habe ihm als Entschä- vigung für die Abwickelung des Geschäftes 10 Prozent zugesagt. Jetzt hatte natürlich die Freundschaft ein Loch. Es kam zum Prozeß. In dem gerichtlichen Termine führte B. seine Wirthschafterin als Zeugin vor. Diese behauptete, bei der be- treffenden Unterredung, die in des B. Wohnung stattgefunden hatte, zugegen gewesen zu sein und gehört zu haben, daß A. dem Ä. wirklich die streitigen 10 Prozent versprochen. Von der gegnerischen Partei wurde die Glaubwürdigkeit dieser Zeugin Langsam öffnete er seine großen, braunen Augen und blickte gedankenlos und träumerisch in ihr Antlitz. „Es ist gleich ficben Uhr. Das Frühstück ist beinahe fertig." „Ich träumte von einem herrlichen Bilde," sagte er, indem er fich träge auf einen Ellbogen stützte. Er sah auf das ärmliche Zimmer, und dann mit einem schwachen Lächeln auf seine Gattin.„O, Frau," sagte er,„Du kämest, um mir zu sagen, daß das Paradies wieder ver- loren ist!" Karl Rosstter begann den Tag immer mit solchen halb scherzhaften, halb ironischen Reden— ausgenommen die Sonntage. An diesen Tagen der Freiheit erhob er fich stich, und Palette und Pinsel ergreifend, sah er beständig an seiner Staffelei, bis ihn der Abend zwang, zögernd seine angenehme Aufgabe zu verlassen. Es war eine der schwierigsten Aufgaben seiner Gattin, in den Gemüthern der Kinder ihre Achtung vor der Sonn- tagsheiligung mit dem Respekt vor ihrem Vater aus- zusöhnen. Es gelang ibr aber dennoch. Sie lchite die Kleinen stühzeitig, daß„Papa" nicht nach den Regeln, vre man bei gewöhnlichen Sterblichen anwende, beurtheltt wer- den dürfe. Als Karl am Frühstückstiscke erschien, eilte seine Gattin zum Ofen und brachte ein paar Eier auf einer Unterschale, und eine Schnitte gebähtes Brod ohne Butter und etwas klein ge- schnittenes Fleisch vom Tage vorher, daS aber ihr Gatte mcht genießen mochte. �. „Soll ich die Eier Dir öffnen, mein Lieber? Sie find heiß und meine Finger find nicht so zart, wie die Deinen," sagte Minette..... Und während ihr eigenes Frühstück kalt wurde, beschäftigte sie fich mit dem ihres Mannes, biockte den Kindern Brod- krumcn in die Milch, und kam endlich zu ihrem kalten Kaffee und hachitten Fleisch. Vielleicht könnte es Manchem unnöthig erscheinen, diese zufälligen Kleinigkeiten zu berichten. Sie liefern aber eine Charakteristik zu dem häuslichen Leben unseres Helden. Als ste ihre Morgenardellen hastig zu Ende gebracht hatte, nahm Frau Ro, fiter das kleinste Krnd auf ihre Arme und schritt hinaus auf vre Straße, um einen Plan auszuführen, den ste während ihrer Nachtwachen gefaßt hatte. Sie war zu arm, um einen Wagen der Pferdebahn zu denützcn, und so schritt ste, oas Kind auf den Armen, von durch den Hinweis angefochten, daß dieselbe mit ihrem Dienstherrn in wilder Ehe lebe. Der Richter legte nun der Zeugin einen Eid vor, dahingehend, daß fie weder in wilder Ehe mit ihrem Dienstherrn lebe, noch überhaupt mit demselben in einem Zimmer schlafe. Die Zeugin leistete diesen Eid. Trotzdem verurtheilte der Richter den B. zur Herausgabe der widerrecht- lich zurückbehaltenen Summe, weil er es als jeder Logik wider- sprechend erachtete, daß jemand für Abwickelung eines derart einfachen Geschäfts 1800 M. zahlen werde; dies sei gerade, als wolle jemand für Umwechselung eines Tausendmarkscheines zehir Prozent zahlen. Jetzt wendete sich das Blatt; die Wirthschafterin des B. wurde wegen Meineides in Untersuchung ge- zogen, B. selbst wegen Anstiftung dazu. Das Ermittelungs- verfahren ist bereits adgeschloffen und hat eine Fülle geradezu erdrückenden Beweismaterials ergeben. So dürfte denn, meint die„G.-Z.", der„Voß-Schmidr'sche" Meineidsprozcß in der Kürze eine neue, nur wenig veränderte Auflage erlebeu. g DaS große Billardtnrnier um die Meisterschaft in Deutschland, welches im großen Vereinssaal der Grat- weil'schcn Bierhallen zwischen den Killardkünstlern Herrn Georg Mößlacher und Herrn Franz Etscher ausgefochten wird, nahm gestern Abend unter Anwesenheit einer großen Anzahl von Freunden des Billardspiels, darunter nicht unbedeutende Künstler auf diesem Gebiete, seinen Anfang. Bekanntlich wird eine Karambolagepatthie von 2500 Points dergestalt gespielt, daß an den drei ersten Abenden je 600 Points und am letzten, dem vierten Abend, 700 Points gemacht werden müssen. Den ersten Stoß hatte Herr Etscher, dem dieses Recht durch Eni- scheidung zuerkannt wurde. Dieser erste Stoß wurde um'!«9 Uhr gemacht, der letzte um'1-11 Uhr, mithin nahm die erste Parthie 2'h, Stunden in Anspruch. Die größte Serie, und zwar 106 Points, machte an diesem Abend Herr Mößlacher; demselben wurde dafür ein lebhafter Beifall des mit gespannter Aufmerksamkeit dem Spiel folgenden Publikums zu Thell. Aber trotz dieser Meisterleistung konnte Herr Mößlacher nur 301 Points aufweisen, als Herr Etscher bereits die ersten 600 Points gemacht hatte. Zur Illustration des Spiels geben wir hier den Rapport wieder: M ö ß l a ch e r: 0, 35, 7, 9, 9, 0, 7. 17, 0, 13, 12, 4, 1, 2, 5, 10, 11, 106, 34, 6, 1, 8, 1, 3--- 301; Etscher: 8, 16, 1, 79, 17, 16, 24, 65, 13, 40, 80, 20, 24, 5, 20, 0, 73, 16, 1, 6, 4, 54, 2= 600. Beide Billardlünstler machten oft Bälle, die geradezu für unmöglich gelten, mll größter Eleganz und Sicherheit, und gaben so zu erkennen, daß nicht die Franzosen und Amerikaner allein die größten Billardmatadore auszuweisen haben. Die einzelnen besonders gut ausgeführten Bälle fanden stets laute Anerkennung settens des anwesenden Publikums. a. Abgejagte Beute. Einem am 19. d. M festgenommenen Dieb« find 2 Pferdedecken— die eine lang, schmal und einfarbig grün, die andere gelb- und schwarzstreifig durch- wirkt— abgenommen worden. Der Thäter hat zugegeben, die Decken an dem Tage seiner Festnahme auf der Straße von einem da haltenden Wagen gestohlen zu haben. Da er aber betrunken gewesen, so sei er außer Stande, Näheres in Bezug auf die Art der That und die Bestohlencn anzugeben. Die Letzteren können ihr Eigcnthum im Kriminal-Kommissariat Zimmer 85 in Empfang nehmen. N. Ueberfahren wurde gestern Nachmittag vor dem Zenkal-Hotel ein dort fich gewöhnlich aufhaltender Dienstmann Karl Richter. Derselbe versuchte in demselben Augenblick den Fahrdamm zu überschreiten, als ein Arbeitswagen im schnellsten Tempo angefahren kam. R. wurde zur Erde gestoßen, über- fahren und derart verletzt, daß er in die Charitee geschafft werden mußte. N. Ein Unglücksfall mit tödtlichem Ausgange trug fich gestern in der Ralhenowersttaße zu. Ein dort auf einem Neubau beschäftigter Arbeiter hatte das Unglück, bei seiner Arbeit fehl zu treten und aus nicht unerheblicher Höhe auf den Bauplatz herabzustürzen. Der Unglückliche erlitt einen Schädel- bruch und verstarb auf der Stelle. Die Leiche wurde nach dem Odduktionshause geschafft. N- Eine schwere Kopfverletzung erlitt gestern Abend ein in der Joachimstraße wohnender Arbeiter August Hansen. Derselbe war vor der Abdeckerei in der Müllerstraße beim Ab- laden eines Rollwagens behilflich, als plötzlich ein schweres Kolli von oben herab dem Hansen derart auf den Kopf fiel, daß der Getroffene bewußtlos zusammenbrach. Hansen mußte sogleich nach einem Krankenhause überführt werden. N. Selbstmord durch Erhängen. Durch Erhängen machte gestern Abend gegen 5 Uhr ein in der Spreestraße 14/15 wohnender Glasermeifter. Otto Schmidt, seinem Leben ein ge- waltsamcs Ende. Ech., der kurz vorher einen häuslichen Zwist gehabt haben soll, wurde etwa eine Stunde später von seiner Ehefrau in der Werkstatt erhängt gefunden. Die angestellten Belebungsversuche hatten kein Resultat. Auf Anordnung der Behörde ist die Leiche nach der Morgue geschafft worden. Gericbts- Rettung. Der entführte«inderwagen.„Sie haben so lange Jahre hindurch Ihre Unbescholtenheit bewahrt, und nunmehr Roth und Sorge erschöpft, die Straße dahin, bis fie ihren Bestimmungsort erreichte. Sie nahm das Kind von einem Arm auf den anderen, stieg langsam eine schmale dunkle Treppe empor, und pochte dann scheu an eine kleine Thüre, die fich auf einen Absatz der Stiege öffnete. Eine Frau mit angenehmen Gefichtszügen und dunklen Augen erschien und lud die Ankommende ein, in einen Raum einzutreten, der als Küche diente und mit dem Duste von kochendem Fleisch und Gemüse angefüllt war. .»Habe ich die Ehre, Madame Tourtelotte zu sprechen? ftagte Mlnctte. „Ja, Madame! Womit kann ich Madame dienen?" Und die bewegstchz Franzöfln war bereits im anstoßenden Gemache und stellte emen Stuhl für die arme, ermüdete Besucherin zurecht. „Eine Lady- eine Ihrer Kundschaften- zeigte mir mehrere Stickereien, dre hier gearbeitet wurden, und fie in- formirte mich, daß cS für Sie. Madame, schwierig sei. alle Be- stellungen auszuführen, die Sie erhalten." Minette wechselte die Farbe, stammelte und hielt innc; die raschen, hellen Augen der Französin glitten schnell von ihrem aimlichen Hütchen über ihren altmodischen Shawl und das verschosiene Kleid bis hinab zu den abgetragenen Schuhen, die an dem Saume des Kleides hervorguckten. "Nun- wohl, Madame?" fragte ste. „Vielleicht— tch dachte— Sie könnten, oder würden— mögt ckerwcise Arbert abgeben." „Für Sir selber, Madame?" „?ia." _..Es ist wahr, ich habe mehr Aufträge, als ich im Stande bin, auszuführen—" Sie hielt inne, mit einem Schimmer von Verdacht in ihren dunklen Augen, aber nach einer Weile fuhr fie fort:„Jndcß Pardon, Madame, es wäre nölhig, daß ich zuvor etwas von Ihrer Arbeit sähe, damit ich wüßte, welche «Stickereien ich Ihnen anvertrauen könnte." Die Besucherin zog ein Stückchen Linnen aus ihrer Tasche. Ihr Angesicht rötbete fich, als fie es aufrollte, und ohne ein Woit zu sprechen, Madame Touitelotte überreichte. „Ist daS vollständig Ihre eigene Arbeit?" Frau Rosfiter nickte bejahend. „Nun, wohl, es ist gut gealbeitet. Ja, ich kann Sie be- schäftigen. Wie lange ist es her, seit Sie das gestickt haben? fragte die Franzöfln, noch immer die Arbeit prüsend. „Sieben Jahre," stammelte die Frau. Die Wahihrit war, die Stickerei war ein Theil ihrer Aus- fordern Sie wieder und wieder das Einschreiten der Behörden heraus. Sie steuern ja mit Gewalt dem Zuchthaus« zu. Wo- mit wollen Sie diese so plötzlich hervortretende Neigung zu verbrecherischen Handlungen erklären?" wandte fich der Herr Vorfitzende an den 57 Jahre alten Schuhmacher Julius Krasly. — Angeklagter, bedachtsam eine Prise nehmend: Die Sache ist sehr« zweideitig, Herr Jerichtshof, indem ick eenmal nu schon nich son Jndividubum bin, wo mir de Pollezci vor ästimieren duht, un denn haben an den janzen Zimt ooch man bloß Familjenanjelejenheeten schuld, wat doch de Schutzleite jänzlich schnurz find kann. Vors.: Sie wurden seit Anfang vongen Jahres zweimal wegen Diebstahls und mehrmals wegen Bettelns. auch wiederholt wegen Arbeitsscheu bestraft.— Angekl.: Det kann ick nich anders leugnen, det ick all een paar Mal in 'ne klcene Zerstreiung'n bisken'n Jejenstand beijestochen habe, Herr Jerichtshof; aber jänzlich ohne Rechtswidrigkeet, indem't man wenig war, un ick et überdem ooch noch retour- jebcn mußte. Vors.: Die wegen Bettelns und Arbeitsscheu er- littenm Strafen geben Sie doch auch zu?— Angekl.; Jn- jestochen hat mir de Pollezei unterschiedliche Male, det soll stimmen; aber den will ick sehen, der't die Brieden wat die Schutzleite find, wat zu passe machen kann. Die Torte den man'n Menschen int Ooge kriejen, det se ihm denn man ooch jleich int Jenicke hat.— Vors.: Sie sind wiederum des Dieb- stahls angeklagt, und zwar werden Sie bezichtigt, am Nach- mittag des 12. September d. I. von dem Flur des Hauses Blumenstraße 16 einen Kinderwagen im Werthe von 5 Mark entwendet zu haben.— Angekl.: Ooch nich de blasse Ahnung, Herr Jerichtshof.— Vor.: Da Sie im Befitz des Wagens betroffen wurden, so sollten Sie den Sachverhalt einräumen und sich hierdurch einer milderen Beurtheilung empfehlen. Doch wie kamen Sie in das erwähnte Haus?— Angekl.: Von wcjcn Familjenanjelejenheeten, Herr Jerichtshof. Vors.: See sind ja aber unverheirathet.— Angekl.: Da haben Sie sehr richtig; ick hatte doch aber die Person, wat die Lene is, bei mir ufjenommen. Vors.: Sie waren ja aber zur Zeit Ihrer Verhaftung obdachlos.— Angekl.: Det soll wieder stimmen. Herr Jerichtshof, indem ick mir jerade von die Person jetrennt hatte. Der Lenz konnte mir nu schon nich mehr passen. Vors.: Es ist immer noch nicht einzusehen, was die söge« nannten Familienangelegenheiten mit der Sache zu thun haben.— Angekl.: Der Fall liegt natierlich janz apartig, Herr Jerichtshof. Äo ick et jut mit die Person in'n Sinn hatte, fie mir ooch jammerte, indem se mit det Jefichte uf'n Robr- stuhl jescssen hat, wo denn doch schon keener so leichte anbeißt, loderte se fich nach eenije drei Wochen ne mächtig putzije Kruke an. Wie ick den Bachulkcn int Ooge krteje, det ick ooch man jleich denke, ick soll lang hinschlagen. Eenmal is ihn der Kopp jänzlich durch de Haare durchjewachsen, un denn hat det Beenekens wie de Kindersärje, sage ick Ihnen. Davor is aber det Schnäuzken so reichlich ausjefallen, deter sich allene watin t Ohr sagen kann. Vors.: Aber kommen Sie doch zur Sache! Angekl.: Na, ick bin immer vor'n Frieden un sagte nischt. Wiese mir denn aber beede rausschmeißen dahtcn, da konnte mir der Lenz denn doch nich mehr passen, indem sowat jewissermaßen schon etwas schre deitlich is. Ick dachte denn ooch in meine Jedanken:„Laß ihr schießen, et is'n Kulbarsch," un jondelte los.— Vors.: Was führte Sie nun aber in die Blumen- straße?— Angekl.: Weil't mir nu mächtig boßen duht, wenn Menschen jar keenen Pli nich haben, knöppe ick mir denn in 'ne Destille'n lleenen unter,«ooruf ick in det Haus janz jeschwinde'n paar Oogen Schlaf nehmen will un mir uf de Stufen setze. Wat nu aber die Bäljer von det Jrundstm find, ick sage Ihnen, Herr Jerichtshof,'n riedije Sorte. Von Schliff leene Idee. Sowie ick man tnduseln wollte, det mir denn man die Bande ooch jleich wieder det bißken Schlaf jänzlich verstörte. Wo doch Bildung ganz alleene den Menschen ziert, wächst det uf wie de Hottentotten un sone Art Volk- Da kann man sich nich verwundern, det't so ville Strolche in de Welt jebcn duht.— Vors.: Was veranlagte Sie aber nun, den Wagen zu nehmen?— Angekl.; Weil ick doch nu keenen von die Schwe« belbande steifen tonnte, indem se immer janz jeschwinde de Stufen rufloofen dahten, denke ick in meine Jedanken, wen» de mit den Wagen losziehst, denn wer'n se't schon mit de Angst kriejen un ihm retourholen kommen. Bei sone Jelejen- heet läßt sich denn aber von die Ruppsacke leichte cener steifen- Vors.: Das möchte fich hören lassen, wenn zu der in Frage kommenden Zeit überhaupt Kinder in dem erwähnten Hause tcspielt hätten. Hierzu tritt aber der auffällige Umstand, daß üe vom Zeugen Werner erst in der Panoramastraße, also etwa eine halbe Stunde Wegs vom Thatorte eingeholt wurden- Sie konnten doch nicht darauf rechnen, daß Ihnen die Kinder so weit folgen würden.— Angekl.; Ick hatte mir doch in de Destille'n bißken anjedummt, Herr Jerichtshof. Vors.: Sie waren bei Ihrer Festnahme vollständig nüchtern.— Angekl.'- Ick habe in die Beziehung'ne komische Natur; wenn ick mir 'n kleenen anjeschäkert habe, det denn man ooch kern Aas wat von merken duht. Die Verhandlung endete nach erfolgter Be- weisaufnohme damit, daß Krasky unter Annahme mildernder Umstände zu 4 Monaten Gefängniß und 1 Jahr Ehrverlust verurtheilt wurde.(„Ger. Ztg.") stattung gewesen. Wie viele glückliche Erinnclungcn" hnd sonnige Hoffnungen hatten ihr Gemüth erfreut während dieser Arbeit! Sie hatte immer gemeint, die besten Stücke ihr Leben lang als Andenken zu bewahren, aber die Roth hatte fie g� zwungen, Eines nach dem Andern in Gebrauch zu nehmen, d* ihr die Mittel fehlten, ihren Vorrath an'gewöhnlicherer Klei- dung wieder zu ersetzen, und nun diente eine ihrer Stickereien zugleich als Zeugniß ihrer Kunstfertigkeit, aber auch ihrer Ar- muth. Kein Wunder, daß ihr das Herz wehe that und ihre Augen nahe daran waren, von Thränen überzufließen. „Nun denn," sagte die Franzöfin lebhaft;„hier ist ein Packet Taschentücher, in die Monogramme gestickt werden sollen- Und da find Wolle und Nadeln. Lassen Sie mich sehen, m>t Sie daS machen würden. Nach dem— nun ja 1" schloß fir, indem fie den Kopf in eigenthümlicher Weise zurückwarf. Es war ein angenehmer Wechsel, von dem Ausflicken alter abgetragener Kinderkleider zu einer feinen Stickerei überzugehen- Und wenn fie dann des Abends saß und nähte, erinnerte fir diese Wiederaufnahme ihrer lange nicht benützten Geschickliü/" keit im Sticken an die schönen eisten Tage ihres ehelichen Le- bens. Sie wünschte, daß ihr Gatte auch jetzt ihr wieder ein- mal laut vorlesen würde, wie er es dcmals nahezu täglich(st' Ihatt;«8 war so ermüdend, dazusitzen. Abend für Abend, ohne ein Wort zu sprechen, wenn fie auch zuweilen einen ganzen Tag außer den Kindern Niemand gesehen hatte. „Was liest Du jetzt, Karl?" fragte fie eines Abends, als er inne hielt, um sich seine Pfeife zu füllen. „Ein Werk— über.das Uebei finnliche in der Kunst'- Frau Rosstter zögerte einen Moment. ,,,..Du liest jetzt aber nie wieder laut," wagte fie en» lich in zaghaftem Tone zu sagen. Ihr Gatte brannte ein Zündhölzchen an und hielt es an die gefüllte Pfeife. .„Ach. meine Liebe," sagte er, indem er mehrere Absätze w serner Rede machte, in denen er den Tabakrauch vor fich m': blies—„wir mußten wohl damit aushören, als die Kinve' immer drein schrieen— und Tu alle zehn Minuten— t"T mal— mir nicht zuhören konntest." , Er warf den Rest des Zündhölzchens von fich und ß™ wieder nach seinem Buche- „Könntest Du nicht diesen Abend ein wenig saut lesen- fragte fie schüchtern. (Fortsetzung folgt.) Verantwor, lieber Revakreur«.«ronhetm in Berlin. Druck mrd Verlag von Max Badtwg in Berlin SW. Beuthstraß« 2."