en Slech er Die Der ehrm nid ng uch Inge Se 7. f icht ber m ubig ung t is eran bett Batte en egeni Bormi 4a) Freifi Crag ur To be itern Luf urd Hebe tei ebri alchen Derma net Iin fein blic nen en S ellt hold anbi Finfie emot Barte ortid tel arbel e me beut fellid und alten ieten ngt 3weite Desi entge 878 andal eutic Gel Diejen Der balle piele Daf fo un Toted mi olle Die gen bat ften Bett Der ten gen n boa anya einer Haupt pen ger Stat Dier Mr. 177. Mittwoch, 29. Oktober 1884. I. Jahrg. Berliner Volksblall. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das ,, Berliner Boltsblatt feint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin fra in's Haus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Mart, wöchentlich 25 Pf. Einzelne Summern 5 Bf. Bostabonnement pro Duartal 3 Mart.( Eingetragen im VIII. Rachtrage der Botzeitungspreislifte unter Nr. 719a.) Fusertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 f. Arbeitsmarkt 103. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 the Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., 8immerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedition Berlin SW., Zimmerstraße 44. Resultate der Neichstagswahlen zu Berlin. I. Wahlkreis. Wahlberechtigt: 21 611. Stimmen erhielten: v. Vollmar 826, Löwe 8437, Wagner 6784. Zersplittert und ungültig 177. Löwe gewählt. II. Wahlkreis. Wahlberechtigt: 58869. Stimmen erhielten: Tugauer 9216, Virchow 16618, Stöcker 12545. 3ersplittert und ungültig 240. Stichwahl zwischen Virchow und Stöcker. III. Wahlkreis. Wahlberechtigt: 31682. Stimmen erhielten: Diez 6290, Munckel 9621, Dr. Brecher 6724. Zersplittert und ungültig 217. Stichwahl zwischen Munckel und Dr. Brecher. IV. Wahlkreis. Wahlberechtigt: 72 250. Stimmen erhielten: Singer 24928, Träger 13536, v. Köller 10518. Zersplittert und ungültig 331. Singer gewählt. V. Wahlkreis. Wahlberechtigt: 26729. Stimmen erhielten: Grillenberger 2446, Richter 8879, Cremer 6396. Zersplittert und ungültig 145. Stichwahl zwischen Richter und Cremer. VI. Wahlkreis. Wahlberechtigt: 74877. Stimmen erhielten: Hasenclever 24626, Klog 13672, Jrmer 12674. Bersplitert und ungültig 266. Das Abonnements- Einladung. „ Berliner Volksblatt" Stichwahl zwischen Hasenclever und Klozz. Bolte freventlicher Weise rauben wollen, auch die ,, Freiheit des Erwerbs" gehört. Das ist sicherlich die wichtigste Freiheit, die es giebt, soll da der brave Spießbürger denken und schleunigst die von der National Beitung" vorgeschlagenen Kandidaten loftet vierteljährlich 3 Mart; monatlich 1 Mark; wöchentlich wählen. Und welch ein vortreff liches Blatt, das so sehr für 25 Pfennige frei ins Haus. die höchsten Güter" seiner Leser besorgt ist! nommen. Bestellungen werden von allen Beitungsspediteuren und Botenfrauen sowie in der Expedition, Bimmerftr. 44, ange Für Außerhalb nehmen alle Bostanstalten Abonnements für die Monate November und Besemberten Abongalung Don 2 Mart entgegen. Die Redaktion des„ Berliner Volksblatt". Die ,, Freiheit des Erwerbs". Bur Beit, da wir dies niederschreiben, ist die Entschei bung an der Wahlurne im Gang und die Spannung einer spiels gerichtet. Wir ſehen ruhigan, denn wir haben ein inzen Nation ist auf den Ausgang des großen Würfel gutes Gewissen; dagegen macht es uns das größte Vergnügen, die tragikomischen Angstſprünge berjenigen zu beNationalNun, wir wollen feine Wahlpropaganda mehr machen; die Wahlen sind ja vorüber, wenigstens der erste Gang. Allein die foftbare Phrase von der Freiheit des Erwerbs" regt doch zu einigen Betrachtungen an. Was ist denn diese Freiheit des Erwerbs?" Nun, daß Jeder erwerben kann, wie er will und sowie er tann. Das klingt herrviel er will oder besser wie er tann. Das klingt herrlich und diese famose Freiheit des Erwerbs" verdanten wir bem Liberalismus. Keine Freiheit" ist noch jemals so sehr ausgenutzt worden wie diese und die Sache hat sich so gestaltet, daß Nichtkapitalisten äußerst schwer, manchmal geradezu unmög= für den Kapitaliſten der Erwerb äußerst leicht, für den lich geworden ist. Die Freiheit des Erwerbs" ist eben nichts Anderes, als die berüchtigte, freie Ronkurrenz" das Manchestersystem, der Krieg Aller gegen Alle, bei dem der Schwächere von dem Stärkeren schonungslos niedergetreten wird. Es hieße Eulen nach Athen tragen, die Schäden und verwüstenden Wirkungen dieser freien Konturrens", dieser sogenannten Freiheit des Erwerbs hier noch mals auseinanderzufeßen. fiffen ist, gehört sicherlich auch die Zu den Leuten, denen ihr Gewissen kein sanftes RuheBeitung". Welcher Partei dieses Preßorgan direkt angehört, ist aus seiner verschwommenen Haltung nicht zu ers grauen Färbung, die sich so ziemlich allen anderen Farbenfönen anzubequemen vermag. Jeht, vor den Wahlen, wird's für Börsenfpefulanten, für große industrielle Unternehmer, Sie ist in der That ein loftbares Gut für Banquiers, diesem braven Blatte unheimlich und in seiner Nummer für Wucherer und Auffäufer, und für alle jene Leute, die bam Sonntag ruft es feine Lefer auf zum Kampfe für die einst Jesus von Nazareth in heiligem Born aus dem Tempel höchsten Güter und Errungenschaften", wie man das zur hinausgejagt hat. Da muß doch ein gut liberales" Blatt Wahlzeit zu thun pflegt. Da hören wir denn, daß zu den für eine solche schmählich bedrohte" Freiheit" einstehen. höchsten Gütern", die jetzt böse Menschen dem deutschen Wenn sie verloren ginge, fönnte ja teine unbeschränkte Ausnutzung der Arbeitskräfte mehr stattfinden unb die Anhäufung von großen Rapitalien in den Händen Einzelner wäre er schwert. Und für diese Freiheit" soll sich auch der be schränkte Spießbürger des Mittelstandes in's Beug werfen, während der Mittelstand doch gerade durch die freie Rons kurrenz" nicht nur in seinen Grundfesten erschüttert, sondern einem förmlichen Vernichtungsprozeß preisgegeben wird. Das Alles find bekannte Dinge, die wir hier auch nur zu dem Zwecke vorführen, um zu zeigen, daß die Liberalen unverbefferlich find. Sie beharren auf dem Wahn, das Volk dahin täuschen zu können, daß seine Interessen und die Interessen des großen Kapitalisten identisch seien. Allein damit gräbt eben der Liberalismus nur sein eigenes Grab. Das Trugbild vom freien Erwerb" ist zerronnen, die unaufhörliche geschäftliche Nothlage, die Verdienst lofigkeit und die geschwächte Konsumtionskraft der Massen haben den Mittelstand und die Arbeiterklasse hinreichend dar über belehrt, baß der freie Erwerb" so ziemlich gleichbedeutend ist mit Erwerbslosigkeit. Man glaubt gerne, was man wünscht dieses alte und tiefe Wort trifft auch hier zu. Der Liberalismus frankt ent weder an der schwersten Selbsttäuschung oder aber sein Latein ist zu Ende und er weiß sich der neuen Zeitströmung gegenüber nicht anders zu helfen, als mit den alten, so über angebrachten Phrafen. Das ist auch ein Zeichen der Beit und kündigt an, daß das sinkende Gestirn des Liberalismus bald im Nebel verschwinden wird. Ronnte es eine gröbere Lüge geben, als die Phrase von begonnen; das wirthschaftliche Gebäude, das der Liberalismus der Freiheit des Erwerbs"? Nun, die Strafe Dafür bot aufgerichtet, fracht in allen Fugen und man weiß, daß seine Umwandlung und Umgestaltung nur noch eine Frage eine Beit ist. Niemanden bleibt dies verborgen, als dem Libe ralismus selbst, der, wie immer, blind darauf los steuert, die Gesetzgebung für die egoistischen Zwecke des Große nne ufe rap Bi kapitalistenthumS dienstbar zu machen, und der sich in der Hoffnung wiegt, das Volk werde darin die Wahrung der allgemeinen VolkSintereffen erblicken. Der Liberalismus lernt Nichts und vergißt Nichts. Uns kann das recht sein, denn der Liberalismus in seiner heutigen Gestalt ist von der Zeitentwickelung schon so sehr überholt, daß sein Verschwinden eine Nothwendigkeit ist. polittsche Ueberstcht. — In der am Montag stattgehabten Sitzung des B u n- d e s r a t h s wurde der Antrag des Reichskanzlers vom 23. d. M-,«der Bundesrath wolle beschließen, daß die von dem Regentschaftsrathe des Herzogthums Braun- schweig nach Maßgabe der Reichsverfassung »u bestellenden Bevollmächtigten als Vertreter Braunschweigs im Bundesrathe im Sinne des Artikels 6 der Reichsverfassung anerkannt werden," angenommen. — Die Polizeibehörden in allen Theilen des Reichs find angewiesen worven. bei allen Strafsachen, welche das po- litische Gebiet berühren und deren Entscheidung voraussichtlich dem Reicksgericht kompetirt, wie nämlich bei Hochoerrath und Landesverrath, schon bei den ersten Schritten der Prozedur dem Reichskanzler Anzeige zu erstatten, damit dieser in der Lage sei, die ihm gesetzlich obliegenden Verfügungen rechtzeitig �Nach�der Vorlage, betreffend die Postsparkassen, welche dem Staatsrath zur Berathung vorliegt, soll die Annahme der Spareinlagen bei den Postanstalten in Betragen von 1 Mk. oder dem mehrfachen einer Mark erfolgen. Bei der ersten Em- zahlung erhält der Einzahlende ein Sparkassenbuch, welches von der Postanstalt auf seinen Namen oder auf den einer anderen von ihm bezeichneten Person ausgestellt wird. Weitere Ein- Zahlungen zu Gunsten des berechtigten Sparers können unter Vorlegung des Buchs bei jeder Postanstalt hewirkt werden. Die erste Einzahlung zu Gunsten eines Minderjährigen oder einer unverbeiratheten Frauensperson kann mit der Maßgabe t eschchen, daß die Auszahlung nicht vor der Großjährigkeit des Minderjährigen oder der Verheirathung der Frauensperson er- folgen soll. Auf dasselbe Sparkassenbuch dürfen an einem Tage böckstens 100 Mk. eingezahlt werden. Beträge, durch deren Einzahlung ein Guthaben die Höhe von 1000 Mk- überschreiten würde, werden nicht angenommen. Die Einlagen werden vom ersten Tage des auf die Einzahlung folgenden Monats ab verzinst. Die Zinsen werden alljährlich bei Ablauf des Etatjahres dem Kapital zugeschlagen und mit diesem vom Beginn des neuen Etatjahres ab verzinst. Die Verzinsung ge- schiebt mit 3 vom Hundert. Aenderungen des Zinsfußes wer- den durch kaiserliche Verordnung mit Zustimmung des Bun- desraths festgesetzt. Die braunschweigische Landesversammlung hat, wie uns ein Privattelcgramm meldet, auf Antrag seiner staatsrecht- lichen Kommisfion heute folgende Resolution beschlossen:„Die Landesversammlung hat die seitens des Regentschastsraths und des herzoglichen Staatsministers in der Sitzung vom 21. d. M- ihr gewordenen Mittheilungen entgegengenommen, mit der vollsten Anerkennung des von denselben eingenommenen Rechts- standvunktes bei Constituirung des Regentschaftsrath sowohl der Reichsgewalt als auch der Kundgebung des Herzogs von Cumberland gegenüber. Die Landesversammlung spricht dem Regentschaftsrathe und dem Staatsministerium den Dank des Landes aus und erwartet mit demselben die weiteren Schritte, welche die ordnungsmäßige Erledigung der Frage der Thron- folge erforderlich macht, in der durch die vorläufige Aeußerung des Kaisers begründeten Hoffnung, daß dabei vaS aus der Verfassung des Landes ficki ergebende Recht nickt minder als die dem Kaiser und dem Reiche gebührenden Rechte werden gewahrt werden." Auf Grund deS Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 find verboten worden: 1. Das zu Halberstadt bei Franz Fischer gedruckte, im Verlage von G. Dunker zu Erfurt erschienene Flugblatt, welches mit den Worten:„An die Wähler des Reichstags-Wahlkreises Erfurt-S ch leu- Ingen und Ziegenrück. Bürger, Arbeiter in Stadt und !and!" beginnt und mit den Worten schließt:„Also auf zur Wahl! Erfurt, im Oktober 1881. Das Arbeiter-Wahlkomile". 2. Das von Dietzel und Sckwenk(Mainzer Nachrichten) ge- druckte, an die Wähler des Wahlkreises Wiesbaden gerichtete und den Schreiner und Holzschneider Franz Jost zu Mainz als Kandidaten zur diesjährigen Reichstagswahl empfehlende Flugblatt. 3. Die D r u ck s ch r i f t, überschrieben:„Auf zur Retchstagswahl! Organ für das arbeitende Volk: Kleinbauern, Gewerbetreibende, Handwerker und Ardeiter. Reichstagswahl 1881", herausgegeben von Jakob Willig in Mannheim, Druck von I. H- W. Dietz in Stuttgart. 3. Die von dem Gr. Bezirksamte Mannheim mit Beschlag belegte Druckschrift mit der Ueberschrift:„Auf zur Reichs- tags wähl!" unter der Unterschrift:„Herausgegeben von Jakob Willig in Mannheim". 4. Das ohne Angabe des Druckers, Verlegers oder Verfassers erschienene,„Zur Reichs- Nachdruck»«rd»te».Z s! 16 Ieuilleton. Isaura. Eine Erzählung aus dem südlichen Frankreich. (Fortsetzung) Mont Agnard war sehr erschrocken und hatte alle Mühe, fich zu fassen, um die näheren Umstände dieses Vorganges zu erfragen. Es waren»wei Herren vom Hofe gekommen, welche die Aebtisfin zwar nicht gekannt, die fich aber durch einen vom Dau- phin eigenhändig unterzeichneten und befiegelten Befehl gerechtfertigt, daß sie in seinem Auftrage handelten, wenn fie die Dame, welche der Herr von Mont Aynard kürzlich hierher ge- bracht, abzuholen verlangten. Die Fremde, der man die Nachricht mitgetheilt, sei Anfangs darüber sehr bestürzt gewesen und babe fich nicht fügen wollen; dann aber sei fie m.t einem Male verstummt und in fich gekehrt; ohne em Wort zu sprechen. ihre Schleier dicht um ihr Haupt legend, habe fie fich zur Ab- reise angeschickt, für welche die Herren eine Sänfte, nngS mit Vorhängen verhüllt, schon mitgebracht gehabt. Auf die Frage der Aebtisfin. wohin die Dame geführt werde, sei ihr nur die höfliche Antwort geworden, daß eS verschwiegen werden solle; den Grund der Abholung habe fie natürlich ebenso wenig er- �Al» Mont Aynard diese Nachrichten erhalten hatte, erwog er fie auf der Rückkehr zu dem Greise in seiner bewegten Seele und fand denn, daß nun die volle Klarheit all' dieser traurigen Verwickelungen demjenigen enthüllt werden müsse, welcher den unseligen Grund dazu gelegt hatte. 11. Ein Lustschloß hatte sich einer der frühem Gebieter des schönen Landes am zürnenden Drac gebaut, da, wo er mit Brausen seine Flut in die Js-re stürzt. Die Lage konnte nicht romantischer sein, und kühn war der Bau des Schlosses, dessen Ballon grade hinaushing über den wilden Berg- ström. Wenn die Frühlingsstüme den Schnee schmolzen oder ein Hochgewiiter auf dem Gebirge die Wasser schwel- len ließ, dann konnte wohl ein festes Herz rascher pochen, wenn das Aug, vom Balkon in das tobende, kochende Fluß- bett blickte, dessen Staubregen bis zum Beschauer hinauf sprühte. In der milden Jahreszeil war es aber reizend hier, und die innere Einrichlung des Schlosses bot alle Bequemlichkeiten, welche nur Macht und Reichthum fich t a g S w a h l 1384! Dritter Mahnruf der-Sozialdemokratie an die Wähler im 3 hamburgischen Reichstags Wahlkreise" über- schriebene und„Hamburg im Oktober 1884" datirte Flugblatt. 5. Das ebenfalls ohne Angabe des Druckers, Ver- legers oder Verfassers erschiene,„W äh ler des ersten und zweiten Wahlkreises vonHamburg" überschriebene und mit der Unterschrift:„Mehrere Arbeiter des 1. und 2. Wahlkreises" versehene Flugblatt. Auf die Beschwerde des Bürgermeisters von Brüssel bei dem Polizeichef wegen Verwendung von Gensdarmen in Civil- kleidung ist ein Schreiben des Polizeichefs eingegangen, in welchem derselbe miitheilt, daß er auf Befehl des Justizmi- nisters gehandelt und nicht nöthig habe, dem Bürgermeister Rechenschaft abzulegen. Der Bürgermeister verlas dies Schreiben in der gestrigen Sitzung des Kommunalrathes und erklärte, daß diese Frage beim Zusammentritt der Kammern zum Gegenstande einer Interpellation gemacht werden solle. Wie eine weitere Depesche aus Brüssel besagt, hat der dortige Kommunal- rath gestern eine auf Aufhebung des Schulgesetzes gerichtete Resolution beschloffen. Motivirt wird dieselbe durch den Hin- weis, daß die Kommunalwahlen die klerikale Politik verurtbeilt und daß die zu den Kommunalwahlen Berechtigten den Pro- test des Kompromisses der Gemeinden auf das Entschiedenste ratifizirt hätten; es sei daher eine dringende Nothwendigkeit, den durch die Ausführung des neuen Schulgesetzes hervorge- rufenen Agitationen ein Ziel zu setzen. Der neue italienische Kriegsmintster Ricotti bat so eben sein Programm veröffentlicht, welches, wie ein Privat- tetegramm aus Rom meldet, folgende Punkte umfaßt: Achtung der Grundlagen der Heeresreorganisation im Rahmen der vo- tuten Gesetze; Erhöbung der Friedensstärke der Infanterie- kompagnien auf je 100 Mann; deshalb Vermehrung des or- deutlichen Kriegsbudgcts um zehn Millionen, aber Absetzung einer gleichen Summe im Extraordinarium, in dem die minder dringlichen Bauten verschoben werden. Englische Blätter stgnalifiren die Wiederaufnahme der regelmäßigen Zahlungen des egyptischen Fiskus an die Staats- schuldenlaffe- Damit ist der Status, wie er vor dem famosen Erlaffe Nubar Paschas bestand, wieder restituirt worden. Daß die Situation in Egypten nunmehr über das Schlimmste hinweg wäre, folgt daraus freilich noch lange nicht. Ein Be- obachter faßt sein diesbezügliches Urtheil in folgende Worte zusammen: „Der Handel ist ruinirt, die Geschäfte gehen sehr schlecht, die Verwaltung ist korrumpirt, die öffentliche Sicherheit be- droht, Raub und Gewaltthat find an der Tagesordnung. Wir haben keinen Kredit. Unser Ministerium ist die Schwäche selbst und fast alle Mitglieder haben zweifelhafte Antezedentien. Tie Engländer haben alle Stellen an fich gerissen und von allen Häfen des rolhen Meeres Besitz ergriffen, kurz, fie ge- beiden fich wie Eroberer. Rasche Hülfe thut noth, und wir erwarten fie von Europa." Nach den neuesten Berichten aus Wadihalfa erscheint jeder Zweifel an der Ermordung des Obersten Stewart und seiner Begleiter, darunter zweier Konsuln, ausgeschlossen. Großbritannien. In London hat gestern Nachmittag im Hydeparl eine von etwa 100 000 Personen desuchte Kundgebung gegen das Oberhaus stattgefunden. Es wurde eine Resolution angenommen, welche das Oberhaus für übe: flüssig und sogar für gefährlich erklärt und die Aufhebung desselben verlangt. Die Versammlung verlief durchaus ruhig, und die Menge, die an derselben theilgenommen hatte, ging ohne jede Unordnung auseinander.— Die von Chamderlam an 10000 Liberale von Nordwales in Denbigh gehaltene Ansprache enthält einen Pas- sus, der nicht geringe Aufmerksamkett hervorgerufen hat:„Ich habe keinen Groll gegen das Haus der Lords; aber als ein Ronconformist(lauter und anhaltender Beifall)— als ein Dis- senter habe ich mit ihnen abzurechnen, und ich verspreche Euch, ich werde die Abrechnung nicht vergessen(Beifall). Ich brüste mich einer Abkunft, auf die ich so stolz bin, als irgend ein Baron auf den Titel sein mag, den er dem Lächeln eines Königs oder der Gunst einer königlichen Maittesse verdankt, denn ich kann die Abkunft von einem der 2000 ausgestoßenen Geistlichen beanspruchen, die zur Zeit der Stuarts lieber ihre Heimat und ihr Alles verließen, als daß fie den vom Staate fabrizirtm Glauben annahmen, den man ihnen mit Gewalt aufzudringen versuchte; und aus diesem Grunde, wenn aus keinem anderen, theile ich Eure Hoffnungen und Eure Bestrebungen, und weise die Beleidigungen, die Beeinträchtigungen und die Ungerech- tigkeiten zurück, unter denen Ihr von den Händen einer prioi- legirten Versammlung so lange gelitten habt.(Beifall.) Aber das Maß ist nahezu voll, das hochbändig geübte Unrecht nähert fich seinem Ende. Das Haus der Lords hat Irland entfremdet, die Lords haben die Nonconformisten unterdrückt, und jetzt opponiren fie der Wahlberechtigung des Volkes. Wir find zu- lange eine von Pairs gegängelte Nation gewesen(stürmischer Beifall), und ich hoffe, Ihr werdet zu Ihnen sagen, daß, falls fie fich dem Mandat des Volkes nicht beugen wollen, fie für immer die Macht verlieren sollen, die fie so lange gemißbraucht haben."(Lang anhaltender Beifall.) Die„PaU Mall Gazette" fügt hinzu:„Wenn ganz Eng- land wäre, wie Wales es ist, dann würde Chamberiaini fehlbar unser nächster Premierminister sein. Aber selbst t es ist, find seine Ausfichten, wenn Lord Salisbury nicht Zeiten dereut, besser, als die meisten Leute fich einbilden." Frankreich. Die Kammer ist gestern mit der ersten rathung des Haftpflichtgesetzes zu Ende gekommen, ein rasches Resultat daß fast Niemand es erwartete; der En liegt nämlich schon seit drei Jahren vor und wiederholt Bericht über ihn erstattet, aber jedes Mal wies die O den Entwurf an den Ausschuß zurück oder es kam ein Hinderniß dazwischen. Der Entwurf bekundet einen Fortschritt- Bisher nämlich mußte der Arbeiter, wenn er! Entschädigung forderte, beweisen, daß der Arbeitgeber den Unfall verschuldet hatte. Nach der neuen Gesetzt muß im Gegentheil der Arbeitgeber, welcher im Prinzip antworilich erkannt wird, beweisen, daß das Opfer seiner! nen Ungeschicklichkeit den Unfall zuzuschreiben hat. Diefl. stützungen und Pensionen, zu welchen die Arbeitgeber verr tet werden, find nach den Ziffern der Unfallverficherungsl die durch ein Gesetz von 1868 gegründet wurde, bemessen. Artikel 1 bis 3 wurden mit großer Majorität, Artikel 1, das Prinzip feststellt, mit 318 gegen 31 Stimmen ang«> men. Der Art. 4, der dem Arbeitsgeber außer der allzO meinen Verantwortlichkeit für Leben und Gesundheit Verl ihm Beschäftigten noch eine desondere Haftpflicht für die der Natur seines Gewerdebetriebes entspringenden Gel« auferlegt, wurde mit 262 gegen 144 Stimmen angeno« nachdem der Berichterstatter auseinandergesetzt, daß diese anwortlichkeit die �Arbeitgeber keineswegs zu ruiniren% da die Unfallverficherungsgesellschaften den Unternehmer? jedes aus dieser Verantwortlichkeit erwachsende Rifiko jährlich für den Arbetter versicherten. Dieser Betrag einem industriellen Großbetrieb eine sehr bescheivene* ausgäbe. Hr. Malartre bekämpft die Vorlage und mein» selbe würde bewirken, daß neben den Arbeitern, welchen Gesetz bei Streitsachen über die Unfallentschädigung den waltsbeistand von Gerichtswegen, wie im Armenreed» spricht, auch die verarmten Arbeitgeber diese Gunst t» spruch nehmen müßten- In der zweiten Lesung der on» soll ein Artikel eingeschaltet werden, der den Arbeitgebein Verstcherung ihrer Arbeiter gegen Unfälle zur Pflicht Rußland. Die Regierung scheint das Dunkel, rm über dem letzten Nihilistenprozeß liegt, nicht aufklären zu»Jl Es ist das erste Mal, schie bt man der„Köln. Ztg.", einem politischen Prozeß eine größere Anzahl Lsfiziery? ihnen Männer von über dreißig Jahren, zum Tode verin" worden find, lieber den Verlauf des Prozesses selbst ißc in die Oeffentlichkeit gedrungen. Die interessanteste Ers� auf der Anklagebank war die Fiegener, die berüchtigte a#', die schon als 16 jähriges Mädchen vor den Richrern su�uj seither in fast jedem einzelnen politischen Prozeß ntfJJ •nun aucy kjne ganze fivnservati wch aus, Schlacht ß diesmal ai derschmäht W ihre 5 abtrünnig Stimme, lonservatii und Tri! °°n Tafel tsscher Fo aufgeführt wurde. Die Fiegmer, deren Wuchs und% sein sollen, wurde nebst ihrer in denselben� nicht uneben acht Personen waren sämmtlich der Theilhaberschaft a» Anschlag gegen Alerander II vom 13. März 1881 Von den secks Officieren gehören vier der Artillene#1% der Marine an. Die beiden Marineoffiziere wurden, fich vielleicht noch erinnert, vor zwei Jahren, im MnW oder Juli, in Renal verhaftet. Unter den Artillerie- 1- ,.,* fesselt ganz besonders die Aufmerksamkeit der Packitonow, der Sohn des General-Lieutenants und Artillerie des 1. Armeecorps Ed. Pachttonow-- hat die Artillerie- und Ingenieurschule mit Auszeran endet, den russisch-türkischen Feldzug mitgemacht und u""- Zeitlang beim Bcsatzungsheer in Bulgarien gestanden- ein überzeugter, unversöhnlicher Sozialist, ein hervd» Mitglied der revolutionären Partei. In seiner Vertdn rede erklärte er, der Gedanke, fich der sozialistischen zuschließen, sei ihm in Bulgarien gekommen, wo bade, wie„frei" das bulgarische Volk unter der i Rußland verliehenen Verfassung lebe, während%\ t traurigsten Zustände herrschten. Als er nach Rußwo, kehrte, schloß er fich der revolutionären Bewegung � aber in seiner dienstlichen Stellung, um unter den% für die revolutionären Anschauungen zu werben. D o k a i e s. d. Wahltag. Der bedeutsame Tag fing% Grau war die Landschaft gefärbt und dichter-n'?.. n Himmel herunter; man hätte keinen Huno o rn vom mögen mögen lieber die naßglänzenden Trottoirs sab j" festlich gekleidete Herren mit einer gewissen Würde. waren die zu Wahlvorständen bestellten M'tbiuß � 10 Uhr traten auch schon die ersten Wähler an den � Äontroleure aller drei Parteien hatten fick im' Wählerlisten neben dem Wahltisch postirt und n zur Wahl Erscheinenden. Die Konservativen hatiev�� zu bringen, dem Scharfblick seines Herrn die weitere ihrer fein angelegten Pläne überlassend. Wel»�"-«' Situation bereitete fich für Humbert nach sernen hätte er doch ahnen können, was ihm die nächste o gen sollte!.«ßdu Auf schäumendem Rosse sprengte dm staubig. � ein Reiter; der Fürst stand zufällig auf dem Ballon in das Land hinaus, wo er den Nahenden kowiner j Wichtiges mußte es sein, das ihm hier zugeldxw.. so war es auch. Crespin kehrte von Avignon eine große, eine segensreiche Nachricht! Drt�efl Unversöhnlichen Wortendes Dauphins seinLhs/«''"� Gesandten des Kaisers, welcher fast zugleich � non emgetronen war. in geheimer Audienz .. welches die Bedingungen warm, die � möglich gemacht hattm. wußte noch Niemand, � Thürmen hatten die Glocken das feierliche ErergN" Menge verkündigt. ~ Alles erzählte Crespin mit rascher Schilderung dem lauschenden Dauphin._ «unb wo ist das Antwort) chreiden des � der Fürst mit freudestrahlendem Angestckte- ,'�0 unrd mrr Alles berichten, was Du natürlich n'™1 ZaV Crespin warf fich auf die Knie � „Gnade, mein hoher Herr. Gnade einem Boten, der in dem Jubel seines Herzens. v ihm anvertraute Schreiben sicher zu verwayr« göttlich deglückende Kunde■-» ' ub achtete sonst auf N'dst* td» das Schreiben verlöre n." Bei dem gesprochenen Worte ließ er den Kopf finken u"» XlllbCll* j und sein Haus d,e glücklichsten Erwartungen groß, um nachhaltigen Groll zu dulden. mm schaffen kann, so daß der Erbauer ihm mit Recht den Namen Chateaudoux gegeben hatte. Humbert der Zweite hielt fich gern in diesem schönm Ge- bäude auf, wo er allen Zwang seines fürstlichen Ranges von fich abstreifte und nur seinem Vergnügen lebte. Bittsteller, welche ihres Erfolges gewiß sein wolllen, mußten ihn hier aufsuchen, wo er in seiner frohen Laune gern alle Welt gluck- lich gemacht hätte. Ein großer Theil seiner Verschwendung fiel immer auf seine Gutmüthigkeit zmück, die Niemand leichten Herzens etwas abschlagen konnte— daß er der Kirche eine so maßlose Freigebigkeil bewies, erwarb ihm nur Ruhm; darin suchten ihn nur Wenige, unter ihnen Mont Aynard, zu beschranken; aber auch Laien spendete er mtt vollen Händen, und nie mehr, als wenn er in Chateaudoux angesprochen wurde. Der Schatzmeister um- gab ihn daher mit Aufpassern, welche die Bittenden von ihm abhalten mußten, weil der würdige Fucigny desorgte, er werde endlich noch Alles verschenken, was er besaß. Nun war aber Fucrgny nicht daheim und der Dauphin nach Chateaudoux gere'st. Wehe dem karg dotirten Staatsschatze, wenn die Nach- licht, welcher der Fürst mit Ungeduld entgegen sah, eine gün- sttge ioor» Nicht für den Dauphin von Vienne-allein, sondern für lue ganze Christenheit des Abendlandes war die- Sache von Wichtigkeit, um die es fich handelte. Der Kaiser, der um vieler Ursachen willen mit dem Papst in argem fler- wurfn.ß stand, sollte sich mit dem Statthalter Christi ver- söhnen. Humbert hatte den Vermittler gespielt, bisher mit geringem Erfolge- Seit es aber die Königskrone galt welche er nicht eher annehmen konnte, als bis der deutsche Ludwig von dem rechtmäßigen Papste aiä Kaiser anerkannt war, hatte fich Humbert des löblichen Zweckes etwas mebr angenommen, und desondern Erfolg versprach er fich von einem Schreiben, das er durch einen getreuen Boten nach Avignon Lohn um jeden Preis zu sichern! In Chateaudoux erwartete der Dauphin die Antwort- hier gaukelle ihm seine Phantasie noch andere schmeicheln�,' Bilder vor; der Schatzmeister hatte ihm gemeldet, daß er nun mit seinen Forschungen weit genug gediehen sei um die„Freundin" Mont Aynard's den heiligen Mauern' wo- hin fie nicht gehöre, zu entführen und nach Chateaüdour % I H •4% in erlain elbft nicht Den." iften ein Ent olt w Kam 8 Wahlkreise ein durch große Plakate gekennzeichnetes Wahlbureau etablirt, welches Protefte u. dgl. entgegennehmen sollte. Die Absicht zu protestiren, ist von vorn herein ein Zeichen der Schwäche. Die Wahllokale martirten sich schon weithin durch eine Korona von Neugierigen, meist Kindern; vor vielen sah man auch einen Schußmannshelm blinken. Im Hausflur stand eine ganze Kolonne von Zettelvertheilern aller Parteien, die der Konservativen zeichneten sich durch eine Kornblume im Knopfloch aus, als ob es gegen die Feinde des Königs in die Schlacht ginge. Ueberhaupt war das agitatorische Auftreten En and diesmal auf Seiten der Konservativen. Die Sozialdemokraten verschmähten diesmal jedes ostentative Auftreten; fte wußten, baß ihre Parteigenossen auf dem Wege zur Wahlurne nicht abtrünnig gemacht werden könnten und daß ihnen keine fegge Stimme, auf die ste zu rechnen hatten, verloren ginge. Der En gro an er er wi inzip einer Die U r verp rungs effen! tel 1, angen allge it der r die Gefe genom Diefe ren b mer g | weil jeder das Wahlergebnis wissen will, aus welchem Grunde die Händler mit genügenden Beitungsvorräthen versehen werden. g. Als Thierquälerei kann die Hartherzigkeit einer Anzahl von Vogelhändlern bezeichnet werden, welche fich nicht fcheuen, neben Tauben zc. mit Kanarienvögeln bei falter, naffer Witterung auf den Markt zu ziehen. Man muß nur einmal sehen, wie diese zarten, nur an Stubenluft gewöhnte Thierchen in ihrem frei und offen auf den Wochenmärkten stehenden Bauern bei naffer und kalter Witterung zusammengefauert fizen, ein Jeder, selbst wenn er fein Thierfreund ist, muß hier mit den armen Thierchen ein tiefes Mitgefühl haben. Richtig ist ia, daß die Vogelhändler fein Geschäft machen können, wenn fie ihre Kanarienvögel in der Wohnung zurücklaffen. Wir glauben aber, dem Mißstande könnte dadurch abgeholfen werden, daß man geschlossene Behältnisse zur Aufnahme der fleinen Holzbauer wählt, welche mit Deden umhüllt find, um so die Thierchen vor der Unbill der Witterung einiger maßen zu schüßen. | ämtern, über die Jugendfünde ist längst Gras gewachsen, Niemand weiß davon. Da will es, wie das jedem Menschen be= gegnen fann, das Unglück, daß der Mann als Zeuge vor Gericht erscheinen muß, die dabei in Frage stehende Sache geht ihn selbst nicht das Geringste an, er ist nur zufällig dabei gewesen. Er wird vereidigt und nun fragt der Richter, ob er schon bestraft set. Ob er das ist oder nicht, ändert den zur Verhandlung stehenden Fall nicht im Geringsten, hat bamit überhaupt absolut nichts zu thun, der Richter fragt vielleicht auch nur rein mechanisch, weil er es einmal so gewöhnt ist, der unglüdliche Beuge aber steht vor der entseglichen Alternative, entweder fich vor der vollen Deffentlichkeit als bestrafter Dieb, oder um was es fich bei einer Jugendfünde sonst gehandelt haben mag, zu bekennen, und sich damit seinen Feinden, dem Klatsch und der Verleumdung preiszugeben, oder aber meineidig zu werden. In jedem Falle ist es, wenn anders er ein Ehrenmann ist, mit seiner Ruhe für immer vorbei. Welche Qualen ein Beuge in solcher Lage durchzumachen hat, in wie unzähligen Fällen schließlich das Risiko eines Meineides der bürgerlichen Selbstvernichtung vorgezogen werden mag, das wollen wir unerörtert lassen. Dar über aber fann ein Zweifel nicht bestehen, daß mit dieser Barbarei, die ihr Seitenstück im mittelalterlichen Pranger findet nur mit dem Unterschied, daß der Pranger gerechter war, weil er gewöhnlich wohlverdient war- daß, fagen wir, hiermit endlich einmal gebrochen werden muß. Wer für ein Vergehen einmal eine Strafe erlitten hat, der muß damit seine Schuld ein für allemal gefühnt haben, kein Gesetz hat das Recht, ihm so etwas lebenslang an die Ferse zu heften, ihn zu brandmarken. Wenn der Zeuge nach dem gefragt wird, was zur Sache gehört, so ist das gerade genug, fragt wird, was zur Sache gehört, so ist das gerade genug, jede unnöthige Blosstellung ist ein Uebergriff, der sich mit den modernen Begriffen von Recht und Humanität nicht verträgt. Man sucht mit so vielem Eifer für das Wohl entlassener Sträflinge zu sorgen, sehr schön; man denke aber auch an Diejenigen, die durch das Gesez zu Märtyrern des Rechts gemacht werden: an die kleinen Handwerker, welche wegen der hohen Kosten ihren Schuldner nicht zu verklagen wagen, an die Opfer der Straflammer- Allmacht, an die durch das Gesetz in den Meineid getriebenen Beugen! fonservativen Agitation dagegen begegnete man auf Schritt und Tritt. Berliner und Kölnisches Rathhaus waren von Tafelträgern umftellt. Auf den Tafeln stand in katego tischer Form: Gewählt wird Prof. Wagner!" Stark demagogisch war das Gebahren der Conservativen im 4. Wahlkreise. An Bauernfang ftroste es, daß man das„ von" des konservativen Candidaten, auf welches man sonst so stolz ist, nahezu unterschlug. Innerhalb und außerhalb der Häuser flebten Bettel in allen Farben:„ Mitbürger, Handwerker, Arbeiter, wählt den Arbeiter- und Handwerker- Candidaten Ernit v. Köller!"( Das Heine v. verschwand unter den Riesenbuchstaben des Namens. So machen es gewiffe Geschäfte mit den Preisverzeichnungen; neben fett gedruckten drei Thalern steht noch ganz flein 119. Neben den Aufrufen für von Röller flebten Bampflete in Maffen auf Singer. Das eine lautete:„ Arbeiter, wird Euch der jüdische Kapitalist Singer helfen?"" Ein anderes: Arbeiter, Collegen! Singer ist ein Jude. Wollt Ihr einen Juden wäblen? Wollt Ihr einen Vertreter der jüdischen Verbindung wählen? Macht die Augen auf!" Man muß gestehen, daß, Dant den Konservativen, der Wahlkampf bei uns bisher so demagngisch noch nicht geführt worden ist. Der Ernst des Entscheidungstages machte sich dann auch dem Gleichgiltigsten fühlbar. Ein fleines Zeichen war es z. B., daß fast gar keine Auftionen stattfanden. Ein Baar Auktionatoren, welche nicht an den Wahltag gedacht, nud Auktionen angesezt hatten, hatten dieselben schleunigst abbestellt. o mit 8 ag fei ne Ne neinte elchen g den rechte ft in r Vork gebern icht el, wel Bu wol iere, t ift baf veruri Fridbei Soziali ftand names d Neu Iben B Cobe iliftin perurth ft an angel e und n, wie Ronal te- Offi Stabela Chef Badi cichnung Den dan vorrag theidi Pa er g r th Sau land an Rame e an egen binau man e cilen ger Wap V Die Erwerbung von Terrain zur Erweiterung des tädtischen Bentral Viehhofes betreffend, ersucht der Magistrat bie Stadtverordneten- Versammlung, fich mit dem Ankauf des ber Aktiengesellschaft Berliner Neustadt" gehörigen, im Ge meindebezirk Lichtenberg, unmittelbar an der Verbindungsbahn belegenen Terrains von ca. 112,256 Quadratmetern gleich 7914 Quadratruthen zum Preise von 30 ml. pro Quadratruthe, sowie des derselben Gesellschaft gehörigen, an der Südseite der Eldenaerstraße gelegenen Terrains von 1580 Quadratmetern gleich 111 Quaprafrutben zum Breise von 100 ME. pro Qua bratruthe einverstanden zu erklären und den Magistrat zu er mächtigen, mit der Aktiengesellschaft Berliner Neustadt" den projektirten Barzellenaustausch zweds günstigerer Gestaltung des an der Ecke der Thaerstraße belegenen, ehemals Cobienschen Grundstücks zu bewirken, und zwar unter der Bedingung, daß Quadratmeter gegen Quadratmeter ausgetauscht und für die Quadratmeter gleich 6,3 Quadratruthen 300 Mt. pro Quadratruthe erforderlichen Mittel sollen aus dem Erneuerungsfonds bezw. aus den disponiblen Ueberschüssen der Viehhofsverwaltung zur Disposition gestellt werden. Der Laftwagenverkehr in der Moltkestraße soll so bedeutende Erschütterungen des Generalstabsgebäudes, namentlich in dem Theile, in dem sich die Landesaufnahme befindet, verursachen, daß die Arbeiten dort wesentlich erschwert, ja oft unmöglich gemacht werden. Die Erschütterungen des auf schlechtem Baugrunde ruhenden Gebäudes find so stark, daß z. B. die mit Kupferstich, Lithographie und Zeichnen beschäftigten Beamten paufiren müssen, wenn Laftwagen vorüberfahren; auch die Arbeiten der photographischen Abtheilungen werden hierdurch start beeinträchtigt. Mit Rücksicht auf diese bedeutenden Uebelstände ist vom Generalstab an den Magistrat das dringende Ersuchen gerichtet worden, die. Moltkestraße zwischen der Bismardstraße und dem Kronprinzen- Ufer mit geräuschlosem Pflaster zu versehen, was um so nothwendiger erscheint, als nach Eröffnung des neuen Bachofes der schon jetzt bedeutende Lastenverkehr durch die Moltkestraße sich aller Voraussicht nach noch erheblich steigern wird. N. Ein Konkurrenz- Ausschreiben ist seitens des Preisrichter- Amtes in Amsterdam neuerdings an alle Architekten Deutschlands versandt worden. Es handelt sich in demselben um den besten und praktischsten Entwurf zu einem neuen Börsen- Gebäude in Amsterdam. In dem eigenthümlichen Kampfe, welcher in der Nähe der Botsdamerbrüde seit mehreren Wochen zwischen TeppichKlopfer und Leierkaften geführt wurde, ist, wie Herr Justizrath Gall als friegführende Partei dem ,, B. B.-C." in einem längeren Schreiben mittbeilt, foeben ein ehrenvoller Frieden geschloffen worden. Gewissermaßen als Kriegstoften" hat Herr Gall seinem Schreiben 10 Mark für die Seger des genannten Blattes beigefügt, welche bei der Herstellung seiner Kriegserklärung, Depeschen und sonstigen Streitschriften mitthätig gewesen sind. g. Den meisten der hiesigen Sanitätswachen stehen bekanntlich Heilgehilfen bevor, welche ein Barbier- und Friseurgeschäft befizen. In einer der legten Nächte klingelt es nun plöglich an der zur Sanitätswache in der Markgrafenstraße führenden Klingel. Der betreffende Heilgehilfe springt in der Annahme, ein Verlegter wünsche ärztliche Hilfe, eiligst aus dem Bett, öffnet die Thür und steht sich einem ganz gesunden, reiſemäßig angekleideten Herren gegenüber, der sich zaren - raftren laffen möchte, bevor er den Frühzug zur Abreise benußt. Der so aus seiner Ruhe gestörte Heilgehilfe empfahl dem Herrn, sein Geficht fünftig am Tage sich verschönern zu lassen und schloß wieder die Thür. Märtyrer des Rechts.„ Es erben fich Gesez und Rechte wie eine ewige Krankheit fort." Da haben die Vertreter des Bolles monatelang gesessen und hin und her berathen über die wird behaupten wollen, daß es ihnen etwa an gutem Willen, bas Beste, Vollkommenste zu leisten, gefehlt habe. Und wenn man fich nun das Resultat bei Lichte befieht, so findet man awei der allerbesten, werthvollſten Eigenthümlichkeiten Der alten Rechtspflege, die billige Rechtsprechung und die Be rufungsinstanz bei Seite geworfen, eine ihrer schlechtesten Seiten dagegen, den Zwang auch für den Beugen, in öffent licher Gerichtssigung seine Vorstrafen anzugeben, getreulich Lonfervirt. Die beiden erst erwähnten„ Errungenschaften" find in den letzten Jahren in Parlament und Bresse, in Vereinen wie am Stammtisch so viel besprochen worden, daß es überflüssig er scheint, das gänzlich Verfehlte derselben hier erst noch besonders nachzuweisen. Die fraffe Ungerechtigkeit, ja, geradezu Graufamkeit der britten Bestimmung wird Jedermann wieder einmal recht deutlich zum Bewußtsein gebracht durch die gestern bes richtete Berurtheilung Jemandes wegen fahrlässigen Meineids, weil er, in irgend einer Sache als Beuge vorgeladen, auf die Frage des Richters, ob er schon bestraft sei, einige viele Jahre zurückdatirende Strafen wegen Eigenthumsvergehens verschwiegen batte. Man denke nur, so schreibt die Berl. 8tg.", Jemand hat in seiner Jugend einen unbesonnenen Streich begangen, für den er nach dem Gesetz bestraft worden ist. Im Laufe der Jahre ist es ihm nun gelungen, fich zu einer geachteten Lebensftellung heraufzuarbeiten, er ist vielleicht im Befit von Ehrenweg. Humbert eilte in das Nebenzimmer; dort spielte sein Rind auf dem Estrich mit Vatergefühlen, die seine Bruft ftürmisch durchwogten, hob er den Knaben empor, trug ihn mit sich hinaus auf den freien Ballon: Für Dich, für Dich nur allein diese Krone! Du wirst fie tragen, wirst über diese weiten schönen Länder nach mir herrschen- König sein, wie der in Paris! Jauchze nur, springe nur auf meinem Arme! So hoch über Deinen Vater wirst Du Dich erheben, wie Entfegen! Das Rind, start und wild des Vaters Dor Aufregung zitternder Arm es schnellte fich aus seiBaterbrust! Der Knabe stürzte, der Hand entglitten; ver= aweifelnd warf sich der Dauphin auf das Geländer, faßte noch des Röckleins Saum, es riß- und unrettbar stürzte das Kind mit schwindelnd raschem Falle häuptlings hinab. Ein dumpfes Alatschen der Fluth; hochauf sprigten die Wafer und schlossen Ropie artistes nin Frib Enter Bebante Sutunft Weg und Tab. G wurd er b Bater en, batt pin zu hempfa Ausfa er Don ber fo Leben als? H teb ba Fen a te faumle nem und trofla ein watta folgen pofte Rimm em pun Dir Deten legt über mein Haupt nem halt " jauchzend noch dann ein Angfischrei aus fich über ihrer Beute Don Dauphiné Inüpften, begrabend! Der Vater lag, seiner Sinne beraubt, auf dem Balkone laufenden Diener. Wo war der Knabe! Jn des Vaters krampfalle Hoffnungen, die fich an den Erben Sammtes von so fanden ihn die herbeigrauenhafter Ahnung erfaßt stürzten ein Paar Der Zeitungsverkauf sowohl an den Trinthallen wie bei den Beitungshändlern war noch niemals so ungünstig als am gestrigen Tage. Während sonst bis zum Mittage der größte Theil der vorräthigen Beitungen abgelegt worden war, blieben fie gestern bis auf nur wenige unverkauft. Unzweifelhaft übte hier der Wahltag seinen Einfluß aus, der alles Interesse in Im Belle- Alliance- Theater tritt die berühmte Künstlerin Frau Marie Seebach nur noch dreimal, und zwar in dem gemüth- und humorvollen Lustspiel Gegenüber" auf, in welchem fie als Amalie von Wahren geradezu unübertrefflich ist. Auf allgemeines Verlangen sollen noch einige Aufführungen des Voltsnückes Buchholzen's" stattfinden. Die nächste Gastrolle unserer ausgezeichneten Franziska Ellmenreich wird die Kathatina in Shakespeare's Die bezähmte Widerspenstige" sein. a. Einbruchsdiebstahl. Bei dem Kaufmann Ph. in der Neuen Friedrichstraße 20 ist am Abend des 26. d. Mts. ein Einbruchsdiebstahl verübt und dabei find Geld und eine Anzahl weiße halbseidene Tücher gestohlen worden. Nach den zurückgelassenen Spuren hatten fich die mit ihrer Beute enttommenen Diebe eines eigenthümlich geformten Brecheisens zur Eröffnung der Ph.'schen Geschäftsräume bedient. Etwa 1 Stunde nach diesem Einbruch wurden in dem Hause Münzstraße 16 zwei Männer bei einem Einbruchsversuch an einer in der 1. Etage belegenen Wohnung in flagranti ergriffen, in denen sodann auf der Wache die mehrfach schwer vorbestraften Kolporteur Sch. und Schlächter St. refognoszirt wurden. Bei dem Sch. wurden, als seine Kleider durchsucht wurden, sechs von den kurz vorher in der Neuen Friedrichftraße gestohlenen, weißen halbseidenen Tüchern und ein Brech eifen, welches in die bei diesem Einbruch zurückgelassenen Spuren genau hineinpaßte, vorgefunden. St. und Sch. find demzufolge sowohl wegen des Einbruchsversuchs in der Münzstraße, als auch wegen des Einbruchs in der Neuen Friedrichstraße zur Haft gebracht worden. In der Affaire des Baumeisters Nunge, welcher be lanntlich durch zwei Erkenntnisse der 3. Straffammer hiesigen Landgerichts I. wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit zu 6, bez v. 4 Monaten Gefängniß verurtheilt worden ist, dürfte das lezte Wort noch nicht gesprochen sein, falls die nachfolgende Mittheilung richtig ist, welche wir der Gerichts- Zeitung" entnehmen. Hiernach soll sich ein hiesiger, bochachtbarer Bürger dem früheren Sachwalter des Angeflagten, Herrn Dr. Friedmann, als auch der Behörde gegenüber bereit erklärt haben, den Doppelgänger des verurtheilten Runge nachzuweisen. Dieser Doppelgänger, welcher der wirkliche Thäter sein soll, ein früherer Kaufmann T. aus dem Köpenicker Stadttheil, ist seit dem Anfang der Affaire Runge angeblich nach Amerika gereift, nachdem er sein Geschäft über Hals und Kopf verkauft und schon damals den Verdacht erregt hatte, daß eine friminal gerichtliche Untersuchung gegen ihn wohl vorgelegen haben müsse. Wir müssen uns vorläufig mit dieser einfachen Mittheilung bescheiden, um nicht in die von privater und behörd licher Seite eingeleite Untersuchung störend einzugreifen, und uns vorbehalten, über den Verlauf der weiteren Untersuchung ausführlich zu berichten, wenn sich wirklich herausstellen sollte, daß der Verurtheilte froß seiner zweimaligen Berurtheilung unschuldig sein sollte. a. In dem verschlossenen Wäscherei- Gebäude der Haad'schen Dampf- Wollgarn- Färberei Mühlenstr. 68 und 69 war in der Nacht vom 18. zum 19. d. Mts. ein EinbruchsDiebstahl verübt worden. Die Diebe waren von der Spree aus über einen Stacetenzaun in den Garten des Fabrikgrundstücke und von da über einen Bretterzaun in die Wäscherei gedrungen und hatten von dort Stridgarne und Wolle im Werthe von ca. 600 Mark entwendet. Eine Spur der Diebe war zunächst nicht zu ermitteln. Vor einigen Tagen erhielt die bestohlene Firma von der Färberei Firma Thiele u. Sohn in Rummelsburg die Mittheilung, daß ihr Wolle zum Färben von zwei Personen überbracht worden, welche vermuthlich an dem Diebstahl betheiligt waren. Diese Wolle wurde von der bestohlenen Firma als die ihr gestohlene erkannt, und die weiteren polizeilichen Nachforschungen führten zur Ermittelung und Festnahme der beiden Diebe Färber J. und Arbeiter N. und zweier dabei betheiligter Hehler: Produktenhändler B. und Arbeiter J. Der Arbeiter R. und der Färber J, welcher mit den Lokalitäten der Haacke'schen Fabrik bekannt war, hatten sich in einem Kahn auf der Spree nach der Hinterseite des Anspruch nahm. Dafür wird heute der Bedarf ein großer sein, baade'schen Grundstüdes begeben. Einer von beiden blieb im den hatte. Die Augen des dicken Mannes traten weit aus ihren Höhlen hervor, als er die Kunde bekam jezt, das sah er ein, war Alles geändert; die frivolen Triebfedern, die er in Be wegung seßen wollte, ließ er flüglich ganz aus dem Spiele: wie hätte der Dauphin in seiner Berfnirschung Sinn dafür gehabt? Fast brachte es ihn nun in Verlegenheit, was er mit der stummen Gefangenen machen sollte, die er mit solchem großsein artigen Apparat in seine Gewalt geriffen hatte; schlauer Helfer war nicht zur Hand; er hatte sich mit den Geschenfen, die er sehr unverdient gewonnen, aus dem Staube gemacht was sollte nun mit der Fremden geschehen? Fucigny ließ fie in aller Stille nach einem wohlverwahrten Thurmgemache bringen, bestellte des Caftelan's Frau zu ihrer Hüterin und schärfte derselben ein Mährchen ein, so gut er es eben erfinnen tonnte, dann begab er fiches foftete ihm große Ueberwindung zu seinem Herrn. baft gefchloffener Hand erblickten fie ein Stücklein firschrothen züge der Brust verriethen, daß noch Leben in ihm war. Leise, wie er hinaus und boten die Schloßbewohner auf, während die An tam jetzt zu fich; ein entsetzlicher Schrei, welcher den Hörern bern den unglücklichen Fürsten auf sein Lager brachten. Er dann rief er den Namen seines Sohnes und stürmte selbst hin Der Dauphin lag in einer dumpfen Abspannung, wie fie auf ein Uebermaaß tobenden Schmerzes zu folgen pflegt. Er antwortete auf feine der wohlgesezten Reden seines Vasallen; vielleicht erkannte er ihn gar nicht, denn sein gläsernes Auge stierte in das Leere hinaus, und nur die schweren und furzen Athemgekommen war, schlich Fucigny wieder hinaus, um mit sich selbst zu Rathe zu gehen, wie diese Stimmung am besten für seine Pläne auszubeuten sei. Reifere Ueberlegung schien ein günstiges Licht auf die Verhältnisse zu werfen. Bei dem natürlichen lich, daß er nun in seinem Schmerze die Krone ganz niederthun? Eine schnelle oder heimliche Abreise erschien ihm das Beste, und so gab er denn, während Mont Aynard zu dem franten Landesherrn geführt wurde, Befehl, sein Roß wieder zu satteln, auf welchem er dann Gott dankte, als er das Thor von Chateaudour im Rücken hatte. Bei Mont Aynard's Eintritt erhob sich der Dauphin vom Lager, warf sich stürmisch an seinen Hals und brach in Thränen aus. Nun löste sich sein starrer Schmerz; dem Jugendfreunde fonnte er ihn flagen; er that es mit herzzer reißenden Worten, und verwarf allen Trost, der ihm gesagt wurde. In solchem Momente zu kommen, wo er ihm auch das Erschütterndste zu hinterbringen hatte, war Mont Aynard Anfangs entseßlich doch fand er bald das Rechte. Säumen durfte er feinen Augenblick, wenn die heilsame Wirkung nicht entkräftet werden sollte. Wir find hier allein, zwei Freunde, wie sonst!" sagte er. ,, Höre mich denn, Humbert. Ich spreche nicht zu meinem Lehnsherrn, sondern zu dem Genoffen meiner jüngern Jahre dem ich einen Ersay bringe für den schrecklichen Verlust, welcher ihn betroffen hat." ,, Erfat" rief der Dauphin mit neuem Ausbruch seiner Verzweiflung ,,, Was kann die Erde, was kann der Himmel Einem bieten, der sein Kind gemordet hat?" Und er warf fich wieder auf sein Lager und wüthete gegen sich selbst ohne auf Raymond zu hören. durch Mart und Bein drang, war sein erstes Lebenszeichen; Hange des Fürsten zu firchlichen Dingen war es leicht mög- legte, Dein Kind, Humbert?" sprach endlich Mont Aynard ab, wo doch keine Rettung mehr möglich war. Die tosenden legte und die Weihen nahm oder, da er keine Verpflichtung wohl gegen einen Erben mehr hatte, ließ er fich vielleicht bewegen, fein Land für eine reiche Jahresrente, die ihm die Mittel zum glänzendsten Leben gab, an einen guten Nachbar abzutreten; Das Erstere hätte die Pläne Fucigni's, die noch nicht reif waren, gestört; darum kam es vor Allem darauf an, den Fürsten aus seinem entnervenden Grame zu reißen, wo er dann, wie es bei Charakteren seiner Art der Fall ist, Trost in überHaar und bot die Hälfte seines Landes für sein Kind Imagten fich die kühnsten in die Fluth, um ihr wenigstens die Leiche zu entreißen, aber nicht die kleinste Spur fand sich, und halb mit Gewalt mußte endlich bei finkender Nacht der halbwahnsinnige Vater vom Ufer hinweggebracht werden. Welche Nacht fant auf sein Haupt! Nun aber war es vorüber mit all' den stolzen Entwürfen, raschender Schnelligkeit gefunden hätte. Schaffen und sorgen, fonnte die Königsfrone gewinnen was half es ihm? Für wen? Der Gedanke, fich noch einmal zu vermählen, widerte ihn an; er hatte nur et verlangte brünstig nach dem Erzbischofe von Lyon. In diese Unruhe hinein fiel die Ankunft des Schatzmeisters, wenige Stunden nachdem das grauenhafte Ereignis stattgefun noch eine Fernficht fte führte in eine stille Klosterzelle. Und Noch war der Schaßmeister mit sich uneins, wie er hier verfahren solle, als er von seinem Fenster einen Reiter in den Schloßhof sprengen sab, bei dessen Anblick ihm unheimlich wurde. Es war der Herr von Mont Aynard. Daß er ihn zur Rechenschaft ziehen werde, schien ihm gewiß; er fonnte fich zwar hinter die Autorität des Dauphins vers schanzen, aber das schirmte ihn nicht vor einem Kartel, welches er als Edelmann nicht ausschlagen durfte. Was war hier zu Wenn ich Dir aber ein Kind zum Ersatz an die Brust mit starter Stimme, indem er den Arm des Dauphins ergriff. Mein Kind? Wo ist es? Du hast es gerettet, der wilden Fluth entrissen gieb es mir," schrie der Dauphin und packte den Freund, wie im Wahnsinn. Gott hat Dein Söhnlein zu sich genommen, befiehl es ibm!" entgegnete Mont Aynard ernst. Ich bringe Dir das Kind Beatricens." Der Name machte einen momentanen Einbruck, aber er verging gleich wieder. Lüge, dreifache Lüge!" schrie der Dauphin wüthend. hat nicht das Weib auf der Folter gelegen, um zu betennen, wo Mutter und Kind geblieben? Und Beide waren todt! Kannst Du Todte erwecken, so gieb mir den Liebling zurück, meinen Buigo, den König von Burgund! Kannst Du es nicht? Oschweig' dann, hinaus mit Dir! Laß mich allein und tritt mir nicht über die Schwelle! Ich mag Dich nicht sehen, keinen Menschen sehen!" ( Fortsetzung folgt.) Rahn, während der Andere über die Zäune hinweg nach der Wäscherei gelangte und daselbst drei Säcke mit Wolle vollfüllte und sodann die Säcke nach dem Kahn trug. Mittelft bes Rahnes brachten fie sodann ihre Beute in Sicherheit. Am folgenden Tage veräußerten fie den größten Theil der ges stohlenen Wolle an den Produktenhändler B. und den Arbeiter J., welche heut zugleich mit den Dieben zur Untersuchungshaft gebracht worden sind. " Polizei Bericht. Am 22. d. M. wurde der Schloffers lebrling Bading in der Maschinenfabrit von Arndt, Fenn ftraße 21, als er eine Bange aus einem in der Nähe einer Maschinenwelle stehenden Raften nehmen wollte, von der Welle am Halstuch erfaßt, ins Getriebe gezogen und faft erwürgt. Durch das umfichtige Eingreifen eines Mitarbeiters wurde zwar die Welle alsbald zum Stehen gebracht, Bading jedoch hatte in Folge des gewaltsamen Zusammenschnürens des Halses eine Verlegung des Kehlkopfes erlitten, wegen der er nach dem Augustahospital gebracht werden mußte. Am 27. d. M. früh wurde im Landwehrkanal, unweit der Admiralsbrücke, die Leiche eines anscheinend dem Arbeiterstande angehörenden Mannes angeschwemmt und nach dem Obduktionshause geschafft, alle Diejenigen eingeladen werden, die der Kaffe bettreten wollen. In betreff der Vorstandswahl werden alle Mitglieder dringend ersucht, pünktlich zu erscheinen. Persönliche Ein ladungen, wie in der legten öffentlichen Versammlung bekannt gemacht wurde, erfolgen nicht. Um dieselbe Zeit wurde an der Rathswaage am Alexanderplag ein völlig erstarrter, etwa 40 Jahre alter Mann vorges funden; derfelbe verstarb schon auf dem Transport zur Wache des 20.' Polizeireviers in der Droschke. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause gebracht. Als zu derselben Beit ein Mädchen in einer in der Röpniderstraße im Quergebäude 1 Tr. hoch belegener Wohnung verhaftet werden sollte, sprang es, um fich der Verhaftung zu entziehen, aus dem Fenster auf das etwa 3 Meter tiefer liegende Dach der Veranda herab und erlitt dabei so schwere innere Verlegungen, daß es nach der Charitee gebracht werden mußte. N. Landfriedensbruch. Ein grober Erzeß, der noch ein sehr ernstes Nachspiel vor dem Straftichter finden dürfte, spielte sich gestern Abend in einem Schantlofale am Cottbuser Damm ab. Um die angegebene Beit betraten plöglich zwei reduzirt gekleidete Individuen, die später als ein Arbeiter" Carl Weber und ein ,, Arbeiter" Weglaff aus Berlin refognoszirt wurden, das qu. Lokal und fingen dort ohne besondere Veran laffung an, ersterer mit einem Knüttel, lepterer mit einer Latte auf die Gäfte einzuschlagen. Der Wirth und Mitglieder eines bort tagenden Gesangvereins eilten den Bedrängten zu Hülfe und warfen die Exzedenten zur Thür hinaus, bei welcher Gelegenheit der Wirth von dem p. Weber jedoch einen derartigen Schlag auf den Kopf erhielt, daß derselbe sofort zusammenbrach. Schnell hatten sich die Ruheftörer Sutkurs verschafft und brangen nun von Neuem in das Lokal ein, in welchem ste Alles demolirten und die Gäste in brutalster Weise mißhandel ten. Nach heftigem Kampfe gelang es, die Eindringlinge aber mals hinauszuwerfen und die Jalouften herabzulaffen, glüd licherweise aber auch den Haupti ädelsführer im Lokale zurückzubehalten. Hierauf eröffneten die Komplizen des W. ein förmliches Steinbombardement gegen die Jaloufien, ohne daß es ihnen gelang, von Neuem einzudringen. Beim Erscheinen der fchleunig it requirirten Gensdarmerie, machte das ganze Lokal einen förmlich chaotischen Eindrud. Sechs Personen waren anscheinend schwer verletzt. Der Haupträdelsführer, der Ar beiter" Weber und ein obdachloser Tüsterhoff find verhaftet, während gegen die anderen Betheiligten eingeleitete Recherchen noch schweben. Vermischtes. Nr. A Infeln Aber b Die Schreckniffe, mit denen die Löwenbändiger fämpfen haben, haben aufgehört, wenn die Erfindung Raupach eines nicht unbekannten Menageriebefizers, fich bewährt. G hat Experimente mit einem elektrischen Apparat angestellt welcher wie ein Stock geformt und etwa drei unb einen halben Fuß lang ist, und schildert den Effekt bei der Anwendung de felben auf die verschiedenen Thiere wie folgt: Drei der Löwen welche den elektrischen Schlag empfingen, gaben Beichen bel höchsten Schredens, begannen zu zittern und stießen dumpfe Laute aus. Der Tiger vertroch fich in einer Ede des Käfigs und schien betäubt, während der Bär erst nach wiederholten fermo sehr starken Schlägen Beichen einer unangenehmen Empfindung in von fich gab. Erstaunlich aber wirkte die elektrische Kraft be der Riesenschlange. Schon nach dem ersten Schlage wurde das 20 Fuß lange Thier vollständig gelähmt, blieb sechs Stunden lang regungslos und konnte eist nach drei Tagen seine volle Beweglichkeit wieder erlangen. Der Elephant brach, als man mit dem elektrischen Stode die Spige seines Rüffels berührte in furchtbare Wuth aus, so daß man fürchtete, er werde seine Ketten zerreißen. An demselben Tage Vormittags wurde im Schifffahrts lanal in der Nähe der Albrechtshofer Brücke die Leiche eines etwa 50-60 Jahre alten Mannes aufgefunden und nach dem Obduktionshause gebracht. Obduktionshause gebracht. Um dieselbe Beit wurde eine seit einigen Tagen vermiste Wittwe in ihrer Wohnung in der Waldemarstraße erhängt vorgefunden. Dieselbe foll an reli | giösem Wahnsinn gelitten haben. giösem Wahnsinn gelitten haben. An demselben Tage Nach mittags wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Friedrichsfelderftraße erbängt vorgefunden. Bu derselben Zeit fiel der Kutscher Wolff auf dem Michaellirchplage von seinem mit Mauersteinen beladenen Wagen, wurde überfahren und auf der Stelle getödtet. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft. Am Abend deffelben Tages wollte der Gürtler Gießmann aus Uebermuth, um fich den Weg abzukürzen, den Saal der Bockbrauerei durch das Fenster verlassen, ohne darauf zu achten, daß daffelbe fich etwa 5 Meter hoch über dem Erdboden befindet. Er ftürate in Folge defen herab und erlitt hierbei einen Bruch des rechten Fußes. Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. Eingesandt. machtig Deuter lage bi battan Der fle berrich aus Ne DOTT De Der bu aftoge Danbelt Sa Allen Fabrikarbeitern, ganz besonders aber denjenigen, welche ihren Beitritt zur Central- Kranken- und Sterbe- Kaffe für Fabritarbeiter bereits erklärt haben, zur Nachricht, daß de Statuten stündlich erwartet werden. Die Kollegen werden b her gebeten, fich noch bis dahin gedulden zu wollen. Sobald die Statuten zurüd kommen, wird die Kommission den Inte effenten durch dieses Blatt Nachricht zugehen laffen. Diejenigen Kollegen, welche noch im Befiz von Beitrittslisten find, werde ersucht, dieselben sofort an D. Böllel, Wrangelfir. 98, ab zugeben. Im Auftrage der Kommission: R. Dengig, Boffenerstraße Nr. 86 t. Die allgemeine Stuhlarbeiter- Bereinigung hatte, um vielfach geäußerten Wünschen Rechnung zu tragen, auf die Tagesordnung der am Montag Abend, Weberftraße 17, ftatt gehabten Generalversammlung Vortrag und Diskussion über ben für die Textilindustrie so hochwichtigen Normal- Arbeits tag gefeßt. Da aber in Folge der bevorstehenden Reichstags wahlen die Betheiligung nur eine sehr schwache war, so wurde der Vortrag des Herrn Klösterlein bis zur nächsten General versammlung vertagt. Es fanden demnach nur geschäftliche Angelegenheiten ihre Erledigung. Der erftattete RaffenreviftonsBericht wies gegen einen Bestand von 2073. 23 Pf. am 1. Oktober auf. Am 19. November findet eine Versammlung der Innungsvorstände statt, die nächste Wanderversammlung fünftigen Monat in Friedrichsberg. Der Zigarrenschwindler, dessen wir erst fürzlich wieder gedachten, wird immer dreifter und seine Gaunercoups mehren fich in immer rascherer Folge. Ganz nach dem bewährten und mehrfach beschriebenen Mufter hat er dieser Tage auch in der Bigarrenfabrit von J. am Hade'schen Markt sein Glüd probirt. Er erschien im Laden, ließ sich Muster vorlegen, stellte eine größere Bestellung für einen Verwandten in Freienwalde in Aussicht und sandte am folgenden Tage eine Postkarte, auf ber erunter Mißbrauch des Namens S., Dranienburger Straße die zwischen 5 und 6 Uhr Nachmittags auszu führende Uebersendung von zwei Mille näher bezeichneter Bigarren verlangte. Die Waare sollte in zwei Badete vers fandtmäßig verpackt und die quittiste Rechnung beigefügt sein. Der durch unsere Veröffentlichungen vorsichtig gemachte Fabrilant fandte zwei Leute seines Personals zur Ueberbrin gung der Waare. Der Schwindler stand auf der Treppe und wollte die Badete in Empfang nehmen, gab aber, da er aus dem Benehmen der Leute wohl Gefahr witterte, schleunigst über eine Hintertreppe Fersengeld, so daß es leider nicht gelang, ihn dingfest zu machen. Die uns vorliegende Bestellkarte des Schwindlers zeigt die nämliche Handschrift, wie die in Händen Der Kriminalpolizei befindlichen Karten auf Grund deren der faubere Batron bereits viele andere Betrugsversuche verübte. Uebrigens scheint er neuestens noch auf eine andere BetrugsSpesies verfallen zu sein. Der nämliche Cigarrenfabrikant J. fand nämlich schon zweimal während der Tischzeit im Brieffaften einen Bettel, der ihn zwischen 3 und 4 Uhr nach dem Cafe Bauer beftellte. Das erste Mal folgte er dieser Aufforberung und während seiner Abwesenheit wurde- höchst wahrscheinlich vom nämlichen Schwindler versucht, Sigarren für einen Kunden auf Credit zu entneh men. Die Leute händigten aber die verlangte Waare nicht aus. Das zweite Mal ging der zu Bauer Bestellte natürlich nicht mehr hin, aber auch der Schwindler aber auch der Schwindler ließ ich nicht fehen. Auch diese Bettel befinden sich in den Händen der Kriminalpolizei. Theater. Königliches Opernhaus: Mittwoch: Sardanapal Königliches Schauſpielhaus: Mittwoch: Ein Lustspiel Deutsches Theater: Mittwoch: Der Probepfeil. Bellealliance- Theater: Sentral Theater- Vereins- Bund. Nieft's Salon, Rom mandantenstraße 71-72. Mittwoch, den 29. Ditober 1884, Abends 9 Uhr Versammlung. Vortrag des Schriftstellers Aronau: Grundriß der deutschen Literatur. Nachher: Tanz Kränzchen bei freiem Entree. Mittwoch: Drittlegtes Gastspiel der Königl. Hoffchauspielerin Frau Marie Seebach. Zum 9. Male: Gegenüber. Renes Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater: Mittwoch: Gasparone. Walhalla- Operetten- Theater: Mittwoch: Gilette. Oftend- Theater: Mittwoch: Die beiden Harfenmädchen. Central- Theater: Wahlresultate. Beeskow- Storkow- Charlottenburg. oder n bungs giffe i Don D Rüden neues, um erf durch rogen Deutung jebenfall inft h Amerita Beit, u pruch n Der neue In Bebeutu find hä Befügt niedriger Handjery. Böllmer. Krobm Rigdorf Bris 674 646 1277 166 128 165 Tempelhof 167 93 200 Schöneberg 673 483 404 144 76 25 156 79 207 63 15 Sig ber Den Cha Init Die Chemniter Allgemeine deutsche Kranken- und Begräbnißtaffe für Witter, Weber, Spinner, färber und verwandter Berufsgenossen beiderlei Geschlechts, Mitgliedschaft Berlin, hält Sonnabend, den 11. Rovember, Abends 8 Uhr, in J. Schröders Restauration, Koppenstraße 9, am Frankfurter Bahnhof, ihre erste Mitgliederversammlung ab, zu welcher auch Mitglieder- Versammlung Friedenau Wilmersdorf Schmargendorf 81 4382. Wagner 1092. Windhorst 250. Bersplittert 20. der Central Kranken und Sterbekaffe der Tischler 2c. Berlin F( Schönhauserthorftadttheil) Alte Jakobftraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Mittwoch: Auftreten des Fräulein Anna Grünfeld. Bum 5. Male: Der Walzer- König. Gesangspoffe in 4 Atten D. W. Mannstädt, Mufik v. G. Steffens( Novität!) Boutfenstädtisches Theater: Direktion: Josef Firmans. Mittwoch: 55. Gesammt- Gastspiel der Liliputaner. Bum 48. Male: Robert und Bertram. Vittoria- Theater. Mittwoch: Excelfior. Residenz- Theater: Direktion: A. Anno, Blumenstraße 9. Donnerstag, den 30. Oktober d. Js., Abends 81 Uhr, Magdeburg. Heine 8113. Büchtemann 5911. Birine Dresden. Bebel 8723. Einsiedel 6930. Hartwig 7578 Breslau. Stichwahl zwischen Hasenclever und Dirigle Engel 1370. im Dstbezirk und Kräler und Friedländer im Westbezirk. nen erfte Regen Bmedte ter hat 2763, findet et rei, thei lung ha Lages fu len und Hamburg 1. Bebel 10404, Wörmann 5775, Sauer II. Diet 12 217, Adler 7216 Stimmen. Frankfurt a. M. Sabor 8250, Sonnemann 7260 Stim men( Stichwahl). Offenbach. Liebknecht 2761, Schloffmacher 920, Goll 651 Königsberg. Möller( freifinnig) 7695, Godau( Sosial demokrat) 4649, Schade( lonservativ) 3710 Stimmen. Sti im Lokale des Herrn Müller, Aderftr. 144. Z.- D.: 1. Abrech nung vom 3. Quartal. 2. Erfagwahl des Raffirers, Stellver treters und Beitragssammlers. 3. Verschiedenes.- Das Mits gliedsbuch legitimirt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht[ 1168 Der Bevollmächtigte Mittwoch: Bum 5. Male: Drei Frauen für einen Mann, Schwant in 3 Akten von A. Valabrèque und Grenet Dancourt. Vorher: Herzogin Martin, Luftpiel in 1 Aft von H. Meilhac. Wallner- Theater: Mittwoch: Bum 33. Male: Der Raub der Sabinerinnen. Alhambra- Theater. Wallnertheaterstraße 15. Soeben erschien: Die Erlösung der darbenden Menschheit von R. Theod. Stamm. Preis 2,50 Mt. Wolz 210 Stimmen. wahl zwischen Möller und Godau. Bu haben in der Expedition des Berliner Volksblatt", Simmerstraße 44. Heute und folgende Tage: Eine Berliner Nätherin. Bollsstück mit Gesang in 4 Abth. von Herm. Hersch, Mufik von Thed. Franke. Vor der Vorstellung: Groses Konzert, ausgeführt von aus 20 Mufikern bestehender Kapelle, unter Leitung des Kapellmeisters Herrn Ludwig Clauftus. Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 7% Uhr. Allen meinen Freunden und Bekannten empfehle mein Weiss- und Bairilch Bier- Lokal, 1098] E. Werschke, Adalbertstr 16. Im 6. Reichstagswahlkreis verkauft gute Cigarren, Cigaretten, Nordh. Priem- Tabat und Rauch- Tabaf die Cigarrenfabrit von 913 M. Bernstein, Eichendorfftraße Nr. 13, vis- à- vis dem Stettiner Babnhofe. Sämmtliche Neuheiten in Kleiderstoffen für Herbst und Winter find in reichster Auswahl zu belannt billigen Preisen eingetroffen, wir stellen deshalb, um zu räumen, mehrere Serien Kleiderstoffe zum Ausverkauf. Berliner Warb glatt und gemustert zu Hauskleidern Meter 30 und 40 Pf. Wool Cheviots fräftiger sám. Stoff Mtr. 40 Pf. 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Bartner wig 7578 Dirichle girl. 260 Stims Nr. 177. Beilage zum Berliner Volksblatt. Caffle Garden. Die Mittwoch, den 29. Oftober 1884. men und gewöhnlich mit demselben Schiffe, welches sie brachte, nach Europa zurüdgeschickt. Es ist eben bekannt geworden, daß einzelne Gemeinden in Europa ihre Armenhäuser leeren, indem fie für die Insassen derselben die Ueberfahrt nach Amerika bezahlen. Auf der Südspige der langen und schmalen ManhattanInseln, auf welcher die Stadt New- York liegt, gerade gegenber der engen Hafeneinfahrt, erhebt sich unmittelbar von der Ufermauer eine Gruppe schmuckloser Gebäude, aus deren Mitte in weitbauchiger, rotundenartiger Bau emporragt. michtigen Quadern in den unteren Theilen des Gemäuers deuten noch heute auf den einstigen kriegerischen Zweck der Anlage bin. Als die holländische Flagge noch auf der Manhattan Insel wehte, stand bier ein Kastell, errichtet zum Schuße lassen, werden meist schon durch die Beschwerlichkeiten und EntDie holländische berrschaft ist in diesem schnelllebenden Lande längst vergessen, Neu- Amsterdam ist die Weltstadt New- York geworden und on dem Kastell ist wenig mehr als der Name geblieben, der durch den Zusatz Garten" eweitert wurde, als der anstoßende Play, die Battery, fich in eine Parkanlage vers Dandelte. Wie dem auch sei, feineswegs tann geleugnet werden, daß die Kommission eine segensreiche Thätigkeit entfaltet. Das zeigt schon ein Blick auf die Hunderte von Bewohnern, die Castle Garden stets beherbergt. Denn der frohe Muth und die Zu verficht, mit der die meisten Auswanderer die alte Heimath ver behrlichkeiten der Reise im Zwischendeck gebrochen und gar Viele würden alle Spannkraft verlieren, in Verzweiflung und Elend verfinien und zu Grunde gehen, wenn sie schon an der Schwelle der neuen Heimat mit allen Widerwärtigkeiten der Fremde zu tämpfen hätten. Nur die Kinder treiben sich in munteren Schaaren spielend in dem weiten Raume der Rotunde umber. Die Väter und Mütter aber figen still ringsum, meist mit ernsten, sorgenvollen Mienen. Andere suchen draußen auf den Bänken des Battery Parts Berstreuung, indem sie hinausblicken auf die herrliche, hügelumtränzte Hafenbai mit den Hunderten von Schiffen oder nach der Stadtseite auf die vorbeirasselnden Spaziergang in die Stadt und gehen die Riesenstraße des Broadway eine Strede weit hinauf, zwischen den Bank- und Handelspalästen, dem stroßenden Reichthum und dem rastlos Castle Garden ist jetzt der Landungsplatz der Einwanderer oder nach der offiziellen Bezeichnung das Emigranten- Landungs Depot von New- York". Hier sezen alle Auswandereridiffe ihre menschliche Fracht ans Land und alle die Millionen Don Menschen, die seit Jahrzenten Europa unzufrieden den Biden gefehrt haben, um unter dem Sternenbanner ein hinzieht. Manche, frischeren Sinnes, machen wohl auch einen neues, befferes Heim zu suchen, ste haben in Castle Garden um ersten Male den Boden der neuen Welt betreten. Hierdurch ist das Gebäude zum ordentlichen Schauplatz eines toßen lebenfalls, als ihm die Kanonen hätten verleihen können, die eutung in der Geſchichte erlangt, eine größere Bedeutung inft hier standen. Castle Garden ist das Thor von Amerifa und dadurch das wahre Völkerthor" der neuen Beit, und es tann als solches ein größeres Intereffe in Anpruch nehmen, als so mancher ,, historische" Punkt der alten und Der neuen Welt. " 1 fagenden Gewühl der Menschen und Wagen, bis fte ermüdet umkehren, froh, in der fremden, finnverwirrend bewegten Stadt ein ruhiges Pläßchen zu haben und doch zugleich ungeduldig, ihr eigentliches Reiseziel, den Drt ihrer neuen Thätigkeit, zu erreichen. Alle die Tausende, die Woche um Woche über die Landungsbrücke nach Castle Garden strömen, haben ein Leben voll Mühsal und Sorge hinter sich, Allen schwebt das Bild einer befferen, glücklichen Zukunft vor Augen und doch, wie vielen von ihnen bringt diese Zukunft, nach der sie sich sehnen, nur neue herbe Enttäuschungen! Lokales. ( Büricher Post.") In der baulichen Anlage entspricht nichts dieser großen Bedeutung. An die fahlen Mauern des runden Hauptbaues ind Gäufer und Häuschen ohne jede ästhetische Rücksicht an geftigt und das ganze ist auf der Landseite von einer einfachen niedrigen Mauer umschlossen. Auch im Innern trägt Alles Den Charakter der Nüchternheit. Castle Garden ist eben als Sig der Einwanderungsbehörde in erster Linie ein humanitä tes Institut, bestimmt, den unerfahrenen Anfömmling bei sei nen ersten Schritten in dem fremden, rücksichtslosen Lande Begen Ausbeutung und Uebervortheilung zu schüßen. Diesem Swede entspricht auch die ganze Einrichtung. Der Einwande ter hat Gelegenheit alle seine ersten Bedürfnisse theils lostenfrei, theils so billig als möglich im Hause zu befriedigen. Er auer 2763, Inbet ein Arbeitsbureau, das stets Arbeitsstellen in Vormer lung hält, eine Wechselstube, in der er europäisches Geld zum Lagesturse umtauschen kann, eine Restauration, welche Spei- zum Theil an Stelle eleganter Villen, welche vordem in ihrer en und Getränke nach vorgeschriebenem Tarif verabreicht, ein Cijenbahnbureau, in welchem Fahrkarten nach allen Theilen des Landes verkauft werden, eine Expreß- Unternehmung, welche Bepad in New- York und Umgebung befördert, einen Arzt, einen Advokaten und Notar, endlich Post und Telegraphen. Alles dies steht unter der Aufsicht der Einwanderungs englischer und deutscher Sprache erlassen, aber auch die meisten anderen europäischen Sprachen sind unter den Beamten vertreten. Des Schreibens Unkundige fönnen ihre Briefe von den Beamten zwischen Bülow, Potsdamer- und Großgörschenstraße, welches Don welchen die Auswanderungszüge auslaufen. Diejenigen, leitung versehen wurde, bis auf wenige Lücken vollständig mit Beften weitergehen, werden kostenfrei zu den Bahnhöfen befördert, bauungszwecken mit Straßenzügen, Kanalisation und Gasdem Innern des Landes erwarten, ehe sie weiterreisen, erhalten mindestens vierzig Neubauten entstanden. Eine gleiche Bauluſt Boll 651 ( Sozial n. Sild ip age. t. = tbeften wird fertigt su baben 167, v t Fungs Preis und nken G The Beat unentgeltliche Unterkunft und im Bedarfsfalle auch unentgeltmit Kindern, die ihren Gatten nachreisen, wochenlang im Hause. Die Bebauung des Potsdamer Viertels jenseits des Kanals schreitet mit einer faum glaublichen Schnelligkeit vorwärts. An Stelle des niedergeriffenen Etablissements ,, AltKarlsbad" wachsen zwei gewaltige Neubauten empor. An der Ede der Potsdamers und Kurfürstenstraße werden zwei ältere Häuser von bedeutendem Umfange niedergerissen, um einem Prachtbau Platz zu machen. Weiter nach der Bülowstraße zu find ebenfalls mehrere Riesenbauten neuerdings emporgewachsen, frischen, grünen Umrahmung eine Bierde der dortigen Gegend bildeten. Das Grün der Vorgärten schwindet mehr und mehr, das geschäftliche Leben zieht sich bis nach Schöneberg hin, und Laden reiht sich an Laden. Der kurz vor dem Botanischen Garten unter Nr. 74 belegene Tanzsalon Bum Storchneft" von Menzel ist, wie schon mitgetheilt, ebenfalls der Baufpelulation zum Opfer gefallen. Die Bebauung einiger anderen Grundstücke steht noch vor Einbruch des Winters bevor. Ebenso ist, wie die Voff. Stg." schreibt, das gesammte Terrain vom ehemaligen Berliner Bankverein erworben und zu BeHäusern besetzt worden. Allein in diesem Sommer sind dort macht sich in dem rechts von der Potsdamerstraße gelegenen Theile der Göbenstraße, in der Verlängerung der Moßstraße, Der Genthinerstraße, wo die Quadratruthe mit 1800-2100 M. bezahlt wurde, in der Kurfürstenstraße und deren Seitenstraßen Aufgabe, Verschollene aufzufinden. Sie benüßt dabei ihre bemerkbar. Die Kurfürstenstraße hat in Folge der aufgeführten Bücher, in welchen Name, Alter, Beschäftigung, Heimatsort Riesenbauten ihren ehemaligen anmuthigen Villencharakter vollund Reiseziel eines jeden Einwanderers verzeichnet werden. Bohlthaten einigermaßen, indem sie gegen diejenigen Einwanderer, welche mittellos und erwerbsunfähig zu sein scheinen, reng vorgeht. Denselben, den sogenannten Paupers", wird Die Landung nicht gestattet, fte werden in Gewahrsam genomEin gefesseltes Genie. ( Erzählung nach einer wahren Begebenheit.) ( Schluß.) Antlig fo im Traume! Du weinft, Minette? Ewigen! D, wie oft sah ich Dein lee merden zu meiner Qual vor dem Richterstuhle des Dir expreßt in meinem Hochmuth, aber es wird ein Flammens Sem diese Stadt in Asche sant, und das Werk meines EhrEs ist ein Meer der Thränen, das Ja, ein Beiges mit ihr!" „ Nichts Flammensee, furchtbarer wie der, in welUnd wieder sant sein Haupt zurüd auf das Riffen. schente uns nur noch einen Blick, mir und Rarl, nichts Karl, tann ihn austilgen!" flüsterte er. Deinem Rinde. Segne Frank!" Und sie zog den Knaben, der fich scheu abgewendet hatte, an das Bett heran. Schwer hob sich die Brust Noffiter's, und es schien, als ob er feines Wortes mehr fähig fei. Seine Augenlider ständig verloren. Wer sich jetzt überhaupt eine Villa bauen will, muß schon recht weit zur Schöneberger, Wilmersdorfer oder Charlottenburger Feldflur hinauswandern, denn in unmittelbarer Nähe der letterwähnten Straße ist kaum noch Terrain zu derartigen Zweden zu erwerben. Erheben sich doch bereits die Häusermassen auf den südlich in die KurfürstenDas„ Evening Bulletin" brachte einen Nekrolog, in welchem es lautete: ,, Karl Rossiter ist todt. Diesen Morgen um fünf Uhr that er seinen lezten Athemzug. Verzweiflung über das Verbrennen seines großen Gemäldes, und die Leiden und Entbehrungen, denen er zur Beit des großen Feuers unterworfen war, vereinten fich als Ursachen seines Endes. Es ist unmöglich, den doppelten Verlust zu schäßen, welchen die moderne Kunst durch den Tod dieses Malers und die Berstörung seines größten und vollendetsten Werkes wir möchten sagen, seines die kleine erlitten hat; denn einzigen Wertes ren Bilder, welche von ihm noch vorhanden sind und fich in Privatбefit befinden, wurden von dem Künstler selbst immer nur als Studien betrachtet. Vor einigen Wochen hoffte man noch, daß Die Flucht der Seele" fich unter den aus der Kunstgalerie geretteten Bildern befinden würde; jest weiß man, daß dieses Meisterwert eine Beute des wüthenden Elementes geworden. Inmitten der Verwirrung, welche die große Ralamität vom 8. Oktober verursachte, verschwand der große Künstler, und jede Bemühung, ihn zu finden, war fruchtlos. Als der neugegründete Künstlerfond bier ein ging, wurde er endlich entdeckt, aber die Mildthätigkeit und waren geschloffen, aber jetzt schien ein besserer Gedanke in ihm Theilnahme seiner Freunde tam für den Sterbenden zu spät. Du, Minette, Du arme Verlassene- bringst mir unseren Sohn, daß ich ihn segne? meines Segens? Dann zählst Du mich nicht ganz zu den Glaubst Du denn an die Kraft Berworfenen?" Brant!" ich habe Dir schon längst verziehen! D, segne Eine felige Ruhe schien fich mit einem Male über das abgezehrte Antlig Roffiter's zu verbreiten. Seine Rechte lag nodo zitternd in der Hand feiner Gattin. Er erhob fte, legte he auf das Haupt seines Knaben und hauchte leise: Berföhnung! Verzeihung! Gott segne Dich und all' Die Meinen die ich verließ ve: geffend, daß euch eine erfte Pflicht gehörte." fein Saupt wendete sich auf dem Kissen. Dann erbebte er trampfhaft, seine Lider schloffen sich und lalte Stirne. Es war für den ehrgeizigen Künstler der Moment Frau Roffiter erhob sich und drückte einen Kuß auf seine gelommen, von dem er so lange geträumt, für deffen DarHellung er sein Glück und die Seinen geopfert, der Moment Dec Flucht der Seele". In Enropa und besonders in Rom wird die Nachricht von dem Verluste des Künstlers und seines Werkes gewiß mit tiefer Trauer vernommen und als eine der schmerzlichsten Erinnerungen an den großen Brand von Chicago be trachtet werden." Der dahingeschiedene Künstler wurde im Stillen und prunklos beerdigt, und nur seine Gattin und seine Kinder beteten an seinem Grabe. In jener Beit der allgemeinen Noth gab es fein Trauergepränge mehr, das Unglück war gleichsam der Lebensathem Aller geworden. Auch Mißreß Baffett und ihr Gatte waren nicht verschont geblieben. Das Flammenmeer, welches Chicago verheerte, hatte auch das Geschäftshaus des Legteren in Asche gelegt. Aber Mr. Bassett war von jeher die Vorsicht selber gewesen. Er war bei mehreren Affekuranzen in New- York und Baltimore versichert, und so war sein Berlust gering. Seine Battin aber fühlte fich in Folge des ungeheuren Ereig niffes so frankhaft aufgeregt und nervös, daß sie den Rath ihres Arztes einholen mußte, der ihr einen Winteraufenthalt in Florida, und zwar in dem klimatischen Kurorte St. Agustine anrieth. Mrs. Baffett erbat fich von ihrem Gemahl die Erlaub niß, Frau Rossiter und deren Kinder dahin mitnehmen zu " 1. Jahrgang. straße einmündenden Querstraßen, welche noch vor wenigen Jahren öde und verlassen da lagen. So dehnt sich Berlin energisch nach Südwesten aus, und die Verschmelzung mit Charlottenburg wird immer inniger. Berichtigung. Unter Bezugnahme auf§§ 11 und 19 Absatz 3 des Reichs- Preßgesezes vom 7. Mai 1874 ecfucht das Kgl. Polizei- Präsidium die Berl. 3tg." um wörtlichen Abs druck der nachstehenden Berichtigung: Die in Nr. 230 der Berliner Zeitung" vom 1. Oftober 1884 enthaltenen An gaben, daß der kürzlich aus dem Gebiet des Preußischen Staates ausgewiesene Ausländer Schneider Adolf Fonfe im Jahre 1865 zum Preußischen Militärdienst herangezogen, im Jahre 1868 beim Elisabeth- Regiment gestanden, dann zum Feldzug 1870 eingezogen und bei Meg verwundet worden sei, find unwahr. Nach amtlicher Auskunft des 3. Garde- GrenadierRegiments Königin Elisabeth hat ein Adolf Fonfe weder im Jahre 1868 bei diesem Regiment gestanden, noch den Feldzug 1870/71 mitgemacht. Fonfe selbst hat zu amtlichem ProWir tokoll die Frage, ob er Soldat gewesen, verneint." würden, bemerkt das Blatt hierzu, dieser Berichtigung auch ohne Berufung auf das Preßgesetz Raum gegeben haben; ja wir würden analog einem fürzlich vorgekommenen Falle den lügnerischen Berichterstatter namhaft gemacht haben, wenn die Manuskripte vom 1. Oktober noch vorhanden wären! Es kann den Redakteuren und den Abonnenten einer Beitung nur zum Vortheil gereichen, von zuverlässigen Berichterstattern bedient zu werden und es ist nichts für die Preffe dabei verloren, wenn die lügnerischen Berichterstatter durch öffentliche Nennung ihrer Namen auf ihre literarische Thätigkeit Verzicht leisten müssen. Achtzehn mal Acht. In der Birkenstraße zu Moabit be finden sich 18 Grundstücke, der Mehrzahl nach bebaut, zum Theil in der Bebauung begriffen, die sämmtlich eine und die selbe Hausnummer führen, nämlich Nr. 8. Die Nummerirung beginnt mit Nr. 8, segt sich mit 8a, 8b u. f. w. fort und endet mit 8r. Für die Bewohner entspringen daraus eine Menge Verwickelungen, ebenso für die Post und andere Behörden. So erwartete ein Herr, der in Nr. 8r, wohnt, fürzlich eine Geldsendung im Betrage von 7500 M. Das Geld traf nicht ein, alles Warten war vergeblich, da stellte sich denn auf wiederholtes Nachfragen heraus, daß das Geld eingetroffen, aber als unbestellbar" zurückgegangen war. Der Absender hatte das unscheinbare r neben der 8 fortgelassen und in Folge deffen war der Adressat nicht aufgefunden worden. Aehnlich ist es demselben Adressaten, wie verschiedenen anderen schon wiederholt ergangen. Aus diesen Umständen ergiebt sich die Nothwendigkeit, die Straße bald neu zu nummeriren. Allerdings ist die Straße noch nicht vollständig bebaut, indessen ist das Baustellen- Terrain schon vollständig abgegrenzt, so daß der Erneuerung der Hausnummern ein rechtliches Hinderniß nicht im Wege steht. b. Ein falsches Prinzip. In Theatern, Konzertlokalen u. dgl. find die Preise für Speisen und Getränke vielfach er heblich höher, als anderwärts, ja man hat nie einen Anhalt, was man wird zahlen müssen. Selbst ein Stückchen Kuchen toftet oft das Doppelte, wie im Konditorladen. In Folge dessen geben hier die Minderbesigenden mit einer gewiffen Scheu um die Büffets herum; die Wohlhabenden aber, welche gut diniren und soupiren, genießen in solchen Lokalen fast gar nichts. Die hohen Preise kommen daher, daß die Besizer zu hohe Bachten fordern. Ebenso machen sie aus den Garderoben eine Einnahme. b. Dem Transport von Fleisch in offenen Mulden hatte der Berliner Verkehrsverein vor einiger Beit seine befondere Beachtung zugewandt und dieserhalb an das Polizeis Präsidium petitionirt. Von demselben ist jetzt ein Bescheid ergangen, dahin lautend, daß das Präfidium der Angelegen heit näher getreten sei und in Erwägung gezogen habe, ob die Polizeiverordnung vom 18. Juli 1879 auch auf den Transport von Fleisch in offenen Mulden auszudehnen sei. b. Die Amerikaner begannen, sich in diesem Sommer schon in recht beachtenswerther Bahl in Berlin einzufinden. Aber die Verhältnisse sind nicht dazu angethan, fie zur Wies derkehr zu ermuntern. Man stellte ihnen einen Termin innerhalb deffen sie sich einen Pag verschaffen oder Berlin verlassen mußten. Und nahm einer für einige Monate Quartier, so fam die Einschäßungs- Kommission und erkundigte fich angelegentlich nach seinen Vermögens- Verhältnissen. dürfen. Sie erwartete beinahe eine abschlägige Antwort und war daher nicht wenig überrascht, als ihr Gatte er widerte: ,, Das ist es gerade, mein Kind, um was ich Dich er suchen wollte. Gloriose Jdee auf Ehre! Alles spricht von dem genialen Rofftter, und man beglückwünscht mich, daß er in meinem Hause so lange bedienstet war. Mr. Bassett, fagte mir gestern noch einer unserer ersten Finanzgrößen, Shr Name tömmt durch Rossiter in die Kunstgeschichte." Ich habe übrigens einen Plan, von dem Du, wenn er ges lingt, mehr hören sollst, wenn Du in den Drangengärten von St. Augustine lustwandelst, und die milde, weiche Luft des Südens Dich gesund gemacht hat." Frau Roffiter fonnte es sich und ihren Kindern nicht versagen, den Antrag der Mrs. Bassett anzunehmen. Es war im Februar des folgenden Jahres, als Mrs. Baffett und ihre Freundin in der Veranda einer reizenden Cottage in St. Augustine saßen, und über ihre baldige Rüc fehr nach Chicago sprachen, als der Ersteren ein Telegramm eingehändigt wurde. Es war von ihrem Gatten und enthielt die Worte: Mrs. Baffett in St. Augustine, Valdivia- Street Nr. Treffe nächsten Sonntag ein, Dich und Deine Freundin abzuholen. Die Ausstellung der in amerikanischem Privat des genialen Künstlers Mr. beft befindlichen Gemälde Rossiter, die ich unter freundlicher Mithilfe der Eigenthümer dieser Bilder in Boston veranstaltet, hat baare dreitausend Dollars zu Gunsten der Wittwe eingetragen. Hoffe ähnliche Resultate in New- York und Philadelphia. Gratulire Mrs. Roffiter! Dein Dich liebender Gatte." Der Ehrgeiz Mr. Bassett's seinen Namen mit dem Roffiter's in Verbindung zu bringen, hatte in der That guten Erfolg. Frau Roffiter befigt eine freundliche Cottage am Michigansee, und vollständig die Mittel, für die Ausbil bung ihrer beiden Kinder sorgen zu können. Hat das unverantwortliche Benehmen ihres Gatten bei deffen Lebzeiten ihr schmerzlich Wunden geschlagen, so hat doch die Ursache dieser unglücklichen Verhältnisse, feine fünstlerische Begabung, ihr nach dem Tode Rossiter's ein sorgenfreies Dasein ge fichert. Sein Sohn Frant zeichnet vortrefflich und schwärmt davon, wie sein Vater ein berühmter Dealer zu werden, boffentlich nicht auf Kosten des Glüces seiner Familie, sondern in Erreichung des Segens von der Hand seines Vaters, die dieser im Sterben auf deffen Haupt gelegt. b. Prämien für gute Behandlung von Znchtthieren. Der neue Berliner Tdierschutz-Verein, welcher sich durch sein Vorgehen gegen die jetzige Ärt des ftundefcnges so schnell allgemeine Sympathien erworben hat, beabsichtigt, zu Weihnach- ten an Droschkenkutscher und Hundefuhrwerls'Besitzer, welche ihre Thiere nicht überbürden und gut� pflegen, kleine Geldprämien zu vertheilen. Der Verein hofft dadurch den Ehrgeiz anzuspornen. Seine nächste öffentliche Versammlung hält der Verein am 5. November im Domkandidatenstift, Oranienbur- gerstraxe 76a. a. Ein dem Uhrmacher Sch. gehöriger Schaukasten in der Landsbergerstraße wurde in der Nacht vom 25. zum 26. d. Mls. erbrochen, und daraus wurden ein Dutzend Opern- gläser und 25 Stück Pincenez und Brillen aus Nickel und Gold entwendet. Am 26. d. M. wurde von einem Herrn, dem ein Kellner K. unter verdächtigen Umständen ein Opern- glas und inehrere Pincenez zum Kauf angeboten hatte, dies bei der Kriminalpolizei zur Anzeige gebracht, und der Kellner K. wurde festgenommen. K., bei dem noch weitere Operngläser und Pincenez gefunden wurden, ist unter dem Verdacht des Diebstahls zur Haft gebracht worden. Erwischter Gauner. Am 4. April d. I. erschien, wie wir seinerzeit berichteten, in dem in der Luisenstraße belegenen Hahn'schen Bankgeschäft ein der deutschen Sprache nur wenig kundiger Ausländer, der russische Rubelnoten gegen amerikanisches Papiergeld umtauschen wollte. Während der Kassirer des Bankgeschäfts die Dollarnoten auf den Tisch aufzählte, und der Fremde die russischen Scheine vorlegte, wurden die Be» dingungen vereinbart, unter welchen das Wechselgeschäft abge- schloffen werden sollte. W'der Erwarten erklärte der Fremde plötzlich, von der Umwechselung Abstand nehmen zu wollen, er steckte die aufgezählten Rubelnoten wieder ein und verließ das Geschäftslokal Als der Kassirer die aus dem Geldspindc genommenen amerikanischen Noten in den Tresor zurücklegen wollte, stellte sich ein Manko von einer Zehn- und von sechs Stück Fünfvollarnoten heraus, die nur der Fremde entwendet haben konnte. Die von dem Vorfalle sofort benachrichtigte Kriminalpolizei ermittelte nach wenigen Tagen den Dieb in der Person des aus Rußland gebürtigen jüdischen Handels- mannes Loebel Karachmannig, der, festgenommen, die That leugnete, aber dadurch schwer belastet erschien, daß in der Droschke, in welcher er von der Polizeiwache nach dem Molkenmarkt transportirt wurde, eine Zehndollarnote, unter dem Sitzkiffen versteckt, vorgefunden und von dem ehrlichen Rosselenker der Kriminalpolizei abgeliefert wurde. Trotzdem wurde der Ange- klagte, in welchem die Berliner Kriminalpolizei wohl nicht mit Unrecht einen der gefährlichsten russischen Gauner und Taschen» diebe vermuthete, drffen Vorstrafen demselben aber nicht nachzu- weisen waren, vom hiesigen Schöffengericht des Amtsgerichts I in der Sitzung vom 4. Funi d. I. freigesprochen und sofort in Freiheit gesetzt. Kaum hatte der Freigesprochene seine Freiheit und die ihm abgenommenen Werthsachen wiedererlangt, als er unvorsichtig genug war, sich des ausgeführten Gaunerstückchens hier zu rühmen. Die Königliche Staatsanwaltschaft hatte hier- von Wind alsbald bekommen, und sie gab der Kriminalpolizei die Wiederverhaftung deS russichen Spitzbuben auf. Dieser hatte es aber vorgezogen, sich schleunigst von hier auS dem Staube zu machen. Herr Kriminal Kommissar Weien vermuthete aber mit Recht, daß Karachmannig eine Spitzbuben-Tournee durch Deutschland und nach gutem Erfolg die Rückreise nach Rußland, seiner Heimat, dann antreten würde. Er telegraphirte nach allen Grenzstationen, lieferte eine genaue Beschreibung von dem internationalen Spitzbuben und hat jetzt die Genugthuung, daß Karachmannig vor einigen Tagen in Stallupönen festge- nommen werden konnte. In seinem B> sitz wurden 15(X) Rubel vorgefunden, über deren Erwerb der Verhaftete jede Auskunft verweigert. Allem Vermuthen nach stammt diese Summe aus Diebstählen her. Der sich bereits außer dem Bereich der preußischen Behörden glaubende Karachmannig ist unter sicherer Bedeckung wieder in Berlin angelangt und hat im Moabiter Untersuckungsgefängniß Quartier bezogen. g. Dem Droschkenkutscher, durch dessen Verschulden die in der Jobannrterstraße 15 wohnende Schneidermstr. Bock'sche Familie, Mann, Frau und Kind, am Freitag Abend an der Ecke der Koch- und Friedrichstraße überfahren wurde, ist sofort der Fahrschein entzogen worden. In dem Befinden des acht Bahre alten Knaben, der mehrere schwere Verletzungen auf dem opf und im Geficht durch Huftritte erhalten hatte, und dem sofort das ganze Geficht und die Augen verschwollen waren, befindet sich auf dem Weg? der Besserung und dürfte in wenigen Wochen wieder hergestellt sein. a. Ein raffinirter Betrüger. Bei einer Waarcnfirma in der Kurslraße kaufte am 24. d. M. ein von auswärts hier» her gekommener Herr 79 verschiedenfarbige seideneHerren» und Damenhalstücker, welche auf den Wunsch des Käufers nach dem Stadibahnhof Friedrichstraße gebracht und einem bestimmten, daselbst beschäftigten Gepäckträger in Ver- Währung gegeben werden sollten- Der Hausdüner der Firma begab sich mit dem Packet nach dem Stavtbahnhof Friedrich» straße, woselbst ein Herr in den dreißiger Jahren, mit dunklem Haar und dunklem Vollbart, in braunem Winter- Ueberzieher, mit den Worten auf den Hausdiener hinzutrat:„Haben Sie das Packet von der Firma ffi. N. da?" In der Annahme, daß der Herr der Käufer sei, überreichte der Hauediener dem- selben das Packet. Thatlächlich aber war der Empfänger nicht der Käufer, sondern ein Betrüger, welcher in bieder noch nicht aufgeklärter Weise erfahren hatte, daß dem wirklichen Käufer das beschriebene Packet nach dem Bahnhof Friedrichstraße ge- schickt werden würde. N Ein umgestürzter Mörtelwagen verursachte gestern Abend in der siebenten Stunde am Potsdamer Platz eine längere Verkehrsstörung. Der Wagen war beim Pasfiren des genannten Platzes in eine bei der Neupflasterung des Platzes entstandene Grube gerathen und derart umgestürzt, daß er ge- rade auf die Schienen der Pferdebahn zu liegen kam. Es dauerte beinahe'/< Stunden, während welcher Zeit sich auf beiden Seiten ein förmlicher Wagenpark ansammelte, bis es gelang, den umgestürzten Wagen zu beseitigen und die Geleise wieder frei zu machen. N. Sprung aus dem Fenster. In selbstmörderischer Abficht stürzte sich gestern Nachmittag die in der Manteuffclstr. wohnende unverheiiatbete H. aus dem Fenster der 1 Etage auf die Straße. Die Unglückliche erlitt dabei derartig schwere Verletzungen an beiden Füßen, daß sie sofort mittelst Lückschen Krankenwagens nach der Cbaritee befördert werden mußte. Die Unglückliche soll die verzweiflungsvolle That aus Furcht unter die Kontrole der Sittenpolizei gestellt zu werden, vollbracht i»aben. Messer. In der Nacht vom Sonntag zum Mon- tag wurde in ver Margrafenstraße, zwischen Krausen- und Echützenstraße, der in der Mohrenstraße wohnende Schuhmacher ®. von mehreren seiner Bekannten, Schuhmachern und Schnei- dein, überfallen! er erhrctt hierbei einen so erheblichen Messer- stich in den Vorderkopf, daß@ blutüberströmt von einem Wächter nach der Santtätswache gebracht werden mußte, wo- selbst ihm die erforderliche äizrliche Hrlfe zu Theil wurde. G. war mit seinen Bekannten bereits in einem Lokal, in welchem !ie gemeinschaftlich gewe>en, in Streit gerathen und hatte, an- chernend aus Rache, die Verletzung kurz nachdem er auf die Straße getreten war, erhalten. Der Thäler ist festgenommen und fiehr nun seiner Bestrafung entgegen. Ein Hochstaplerpaar Das plötzliche Verschwinden deS Theatersangers Sr. und seiner Frau aus der Keffelstr- erregt in gewissen kreisen Aussehen. Et. war seit 11 Jahren Chorsänger und Solo. Chorist an einem hrefigen Theater und wurde dort auch rn kleineren Rollen beschäftigt. Er bezog eine mo- natlrche Gage von 150 M., während seine Frau, ein Oester» reicherm, an demselben Theater Garde, obiere war. Trotz fernes guten Auskommens hatte das St.'sche Ehepaar, wie sich nun- mehr herausstellt, eine große Schuldenlast kontrahirt. Die Frau hatte eine Ärt Dachauer Bänkchen hier betrieben und soll unter der Vorspiegelung, daß sie für bekannte Theater- größen und distinguirte Persönlichkeilen Geld gegen hohe Zin- sen zu besorgen habe, aller Orten gegen Wechsel u. s. w. Geldbeträge aufgenommen haben. Vorzugsweise hatte Frau St. sogenannte„kleine Leute" in ihre Netze zu ziehen gewußt und denselben ihre Ersparnisse abgenommen. Fin Kaufmann aus der Chausseestraße soll übrigens mit 5000 M. hineingefallen sein. Wie die bereits eingeleitete Untersuchung ergiebt, soll die Frau auch falsche Wechsel in Kurs gesetzt haben- Auffallend ist. daß das St.'sche Ehepaar zwar eine elegant eingerichtete Wohnung besaß, jedoch keinen übermäßigen Auf- wand trieb, so daß die Annahme gerechtfertigt erscheint, daß dasselbe bei seiner Flucht eine gröößere Geldsumme mitgenom- men hat. Wie rafsinirt die Flucht, welche am 12. d. M. erfolgte, vorbereitet wurde, geht daraus hervor, daß die Frau in den letzten Tagen alle Bekannten nach Kräften noch an- pumpte, daß Beide noch am Abend im Theater beschäftigt wa- ren und unmittelbar nach Beendigung der Vorstellung mit einem der Nacht-Kourierzüge Berlin verließen. Wohin sie sich mit ihren vier Kindern gewendet haben, ist bisher noch nicht ermittelt worden. Gerickts- Rettung. Eine unglückliche Kremserpartie. Es find meistens Vertreterinnen des schönen Geschlechts, welche den Beistand des Jnjurienrichters anrufen. So hatte auch Frau Tischler Hulda Bändel ihre Flurnachbarin und seitherige intime Freun» din, die unverehelichte Rohrarbeiter Minna Postdorf, vor die Schranken laden lassen und forderte Sühne für am 8. August erlittene Kränkungen. Die Beklagte zeigte nicht die mindeste Reue und destritt jede Beleidigung.— Vors.: So erzählen Sie den Hergang.— Bell.; Ick muß allens unjelogcn lassen, in- dem't stockvuster war, wo doch der Mensch ooch mit'ne Brille nischt sehen kann.— Vors.: Zum Schimpfen und Schlagen bedarf es leiner Beleuchtung. Sie kehrten von einem gemein- samen VergnügungSausfluge zurück und geriethm beim Empor- steigen der Treppe in Streit.— Bell.- Na, wissen Se, een- mal un nich wieder in de la main, sage ick Ihnen. Wir hatten uns'neu Kremser jeleistet; aber, wat soll ick Ihnen sagen, et war der reene Ribbenbrecher. Sowie det losraffette, denn hörte man ooch schon de Engel in'n Himmel pfeifen. Det Manns- voll hat ja aber an den janzen Knaatsch schuld; warum schippen se jleich postpremerando ab, wo denn doch de Leite hernach mit eenen machen, wat se wollen. Jeden Se nich Beifall, Herr Jerichtshof?— Vors.; Das interesfirt durchaus nicht. Erzählen Sie nur, was sich nach Ihrer Heimkehr begab.— Bell.: Det war woll jut un jerne so Klockner zwölwen, wo denn doch die Bäljer merschtendeels etwas drömerich wer'n. Wat mein lieber Mann is, der seht voruf, jiebt aber natierlich keene Obacht uf de Kinder, wo denn ooch der Eve de Stufen runkejelt. Ick lasse nu schon janz jewiß jeden in Frieden; aber meine Mutterjesiehle derf keener zu nahe kommen. Vors.: Kurz und gut, Sie gaben Ihrem Manne eine Ohrfeige. Was geschah weiter?— Bell.: Herr Jerichtshof, sone kleenen Strei- tereien kommen doch in de feinsten Familjen vor un jehen { kernen wat an. Watt nu aber die Person is, die will meinen lieben Mann ufwiejeln un sagt zu idn, Postdorf sagt se, Se ' find in meine sämmtlichen Oogen'n Patentfatzke, wenn Se sone Beleidijung uf sich fitzen lassen. Schmieren Se ihr schon recht derbe'n paar Dinger, det is det eenzigste Mittel bei sone An- jelejenheiten. Wie finden Sie det, Herr Jerichtshof? Vors..: Kommen Sie aber zu Ende.— Bell.: Vor jeweniglich ästi- mire ick sone Quasselei int jeringste janich; aber meinen lieben Mann derf keener Ekelnamens an'n Kopp schmeißen, indem man mir da ooch mit beleidigt. Stimmt det nich, Herr Jerichts- hos? Vors.: Sie sollen nun die Klägerin„olle Zoddel, niederträchtijet Sticke, Oualmtule" u. s. k. geschimpft haben. — Bell.: Keene Ahnung, Herr Jerichtshof; int konträre Jejendeel, die Person bat ihre Revolverschnauze so weit ufje- rissen, det ick kernen Ton reden konnte. Klägerin einfallend: Watt sagt der Mensch nu? Det olle Jerecke is doch ooch riedig bis uf'n Knochen. Ick bitte in de Akten zu schreiben, det se Revolverschnauze gesagt hat, wovor ick ihr in'n neicn Termin noch extraig anklagen were.— Bell.: Wenn ick mir nich mehr dedächte, denn löschte ick det Diert eene, det se de Siejes- seile vor'ne Bratwurscht ansehen dähte. Wo kann son Sticke„Jerecke" sagen! Die schon wiederholt zur Mäßigung ermahnten Parteien wurden jetzt nochmals sehr ernstlich und unter der Bedrohung verwarnt, daß jede weitere Ungebühr mit einer sofort vollstreckbaren Haftstrafe geahndet werden würde. Vorsitzender zur Angeklagten: Die Klägerin behauptet auch, von Ihnen thätlich angegriffen zu sein.— Bell.; Die Person red't det Blaue von'n Himmel tun; unter'n gerichtet Maul voll duht se't nu schon nich. Vors.: Halten Sie ja Ihre Zunge im Zaum! UebrigenS ist es sehr thöricht von Ihnen, auch diesen Umstand in Abrede stellen zu wollen, da doch ärzt- licherseits an der Klägerin mehrere, wenn auch nur unbedeutende Hautabschürfungen tonstatirt worden find.— Bell.: Det is allenS Verstellung von die Person, indem se mir jerne int Essen rinsenken möchte. Da hat se nu aber keen Jlick mit, weil ick mächtig helle bin. Eenmal versteife ick mir an sone Person nu schon nich; denn war't stockenduster, wo keener wat jesehn hat, un wenn ick ihr doch'n bißken aus Versehn in det Jefichte jekommen find sollte, denn habe ick mir in de Notwehr befunden, indem se mir mit Hinterlistigkeet un wie 'n Reiber üderjefallen hat, wovor ick ihr noch bei'n Herrn Staatsanwalt anklagen were. Jetzt kam es abermals zu einer erregten Scene zwischen den Parteien, die nur durch das Da- zwischentreten des Nuntius in Schach gehalten werden konnten. Wegen dieser weiteren Ungebühr behielt sich der Gerichtshof den Beschluß vor. Durch die sonstige Beweisaufnahme konnte nicht festgestellt werden, wen der überwiegende Theil der Schuld treffe. Faktisch hatten sich die Parteien gegenseitig mit den gröblichsten Verbalinjurien überschüitet und waren dann in ein Handgemenge gerathen, welcher Kampf von den verständigen Ehemännern dadurch beendigt worden war, daß jeder seine bessere Hälfte an der Fortsetzung gewaltsam verhinderte. Die Verhandlung endete damit, daß die Beklagte zwar zur Hälfte der Kosten verurtheilt, im übrigen aber die Klägerin kosten- pflichlig abgewiesen wurde. Wegen ungebührlichen Betragens verurtheilte jedoch der Gerichtshof jede der streitbaren Amazonen zu einer Geldstrafe von 5 ML, beziehungsweise einem Tage Haft.(Ger. Ztg.) Wegen eine» seltsamen Unglücksfalle» hatte sich am Sonnabend der Rollkutscher Gallinger auf die Anklagt der fahrlässigen Körperverletzung zu verantworten. Der Angeklagte wollte am 15 Juli mit seinem Rollwagen von der Charlotten- in die Kronenstraße einbiegen, und da dies in etwas schnellem Tempo geschah, brachte er dadurch einen in demselben Moment den Damm pasfirenden fünfjährigen Knaben in Gefahr. Um den letzteren fortzujagen, schlug der Angeklagte mit der Peitsche nach ihm, dabei schlang fich aber der Pcitschenriemen so fest um den Hals des Knaben, daß der Angeklagte nun bei seinen Bemühungen, diese bedenkliche Schlinge wieder loszulösen, den Knaben erst recht unter den Wagen zog, so daß derselbe eine Quetschung des FußcS davon trug. Der Gerichtshof erhielt aus der Beweisaufnahme die Ueberzeugung, daß der Angeklagte bei größerer Aufmerksamkeit den Unfall hätte vermeiden können und verurtherlte ihn deshalb zu zwei Monaten Gefängniß. Uermiscdtes. Ein bekehrter Dieb„Vor Taschendieben wird gewarnt!" So lautete eine reckt in die Augen fallende Inschrift nahe dem Ausgange der Bahnhofshalle einer großen Stadt.„V«I dieben wird gewarnt", las halblaut ein feingekleivetnil Herr mit gutmüthigem, vertrauenerweckenden GefichtsM sich aus dem Coupefenster lehnte.„Es macht einen P Eindruck, wenn man so etwas lesen muß;— aber � nung wird doch wohl vonnöthen sein", äußerte er, stW einnehmend, zu einem jüngern Herrn, der kurz vork' stiegen war. Der Versuch, ein Gespräch anzuknüpfen, D auf unfruchtbaren Boden; denn der andere Reisende oi# sofort im verbindlichen Tone:„Leider ist die Mahnung i That nicht überflüssig; denn trotz aller Bemühungen K schenfreundlicken Vereine giebt es noch zahlreiche Venn«' das Mein und Dein nicht zu unterscheiden wissen,»t-. wenige werden durch Strafe und Fürsorge wirklich lp — Es pfiff, der Zug setzte sich in Bewegung; niemand war eingestiegen.—„Sollte denn die Umkehr von den des Lasters so schwer sein?" äußerte fich der alte Herr. dings ist sie das. Ich selbst kann am besten darüber uw erwiderte der jüngere.„Gegenwärtig bin ich Etadlw� aber früher war ich ein gewerbsmäßiger Dieb". Uniow rückte der jetzt hoch aufhorchende alte Herr in etwas? Entfernung von seinem Gegmüber.„Was— Sie.-' „So verhält es fich. Ich detrachte es als einen 2# Buße, daß ich stets offen erkläre, was ich ftüher furchtbares Erlebniß hat mich plötzlich der Laufbahn n>° auf der ich früher wandelte; heutzutage aber lafl» mir ungezähltes Gold anvertrauen; ich habe die tr fremden Eigenthums achten gelernt". Der alte W, wieder etwas näher, in fernen Zügen war der S" der Ueberraschung und des Mißtrauens demjenigen gier gewichen.„Ein furchtbares Erlebniß?" „Vielleicht haben Sie nichts dagegen, näheres theilen."—„O nein; wollen Sie mir nur Gebor 1% Ich war Dieb von Jugend auf, ein Kind gewissenloser�: unter unehrlichen Leuten erwachsen und großgezogen- als junger Mensch von 15 Jahren galt ich unter 00% Nossen als geschickler Taschendieb. Indessen vcn„ ich auch andere Arten der Entwendung nicht, und i" � mich eines Tages auf dem Bahnhofe umher, um nicp* unbewachtes Stück Handgepäck zu erbeuten. Da km' — wie ich später eifuhr, ein Naturalienhänvler aus Hoff i mit einem Korbe länglicher Gestatt, durch ein und einen derben Strick verschloffen; der Korb � Ecke nahe der Thür gesetzt, und der Herr unterhw'- einem anderen Reisenden. Ich hörte die Worte: es mir gelungen, d rs seltene und schöne Exemplar au!j., es kostet aber enormes Geld. Dann vernahm ich{ taufenden von Mark,— und dann ging der BcfiS" des mit der Bemerkung, er wolle jetzt rasch ein zum Schalter. Einen Äugenblick daraus wandte st» andere Herr zur Seite, und ich benutzte schnell den � um den Korb zu ergreifen und mit ihm zu Draußen vor dem Bahnhofe befanden sich Anwj',,1 schlüpfte zwischen eine Gruppe dichten Gebüsches, zoß% scharfes und starkes Einschlagemeffer und hatte Strick zerschnitten, sowie die Henkel, durch welche dlllQ, schloß gezogen war, beseitigt. Grade als ich den tönten Schritte nahe hinter mir... ich sah mich läng� indessen es war nichts: ein Gartenarbeiter besW% mit einer Staude und ging dann seines Weges- wandte ich mich zu dem Korbe, dessen Deckel ich Hand hielt, und blickte hinein. Zu meiner gro«Q wunderung war er leer. Sehr erstaunt sah ich Lj gänzlich werthlose Ding noch einmal genau an, � dessen nicht das Geringste und verließ dann, 8 ärgerlich über die nutzlose Mühe, das Gebüsch. lästerlich— ach, ich war damals noch ein großrf Da ward ich von hinten um den Leib gepackt, fast Moment hielt man auch meinen linken Arm fest ,, den rechten. Ich wollte mich losreißen und st�L) Sckntt vorwärts' das ging zwar; aber losgelassen nicht, und die Umschlingung meiner Brust wurve p j fester, so eng, daß mir die Rippen knackten und Oy j stockte. Aus meiner Kehle rang fich ein heistru � und zugleich schrien mehrere Leute, die jetzt auf 0'®.ji laut vor Entsetzen. Mein Körper war von einer| Schlange umwunden!"—„Eine Boa constricto'-.ij schaudernd der alte Herr.—„Ja, eine Boa, eine$ die aus dem Korbe geschlüpft war, als ich den und die fich dann auf mich gestürzt hatte. Ich sank,»pstj überwältigt, in die Knie. Da erschien im Bahnh-' der Naturalienhändler- ein Blick auf mich macht«'U die Sachlage klar.—„Aha. Sie haben eine Schlange p lief er laut,„und dieselbe wurde zum Diedsfäng; aber halten Sie fich ruhig, rühren Sie kein Glievi nur ein Mittel, Ihnen zu helfen."—„Nur schnell, Jt stöhnte ich;„ich ersticke."—„Ich muß eine haben," rief der Schlangen� Eigenthümer;„man l>0"„ p! eine solche." Mehrere Menschen eilten nach der Restauration. Im Uedrigen verhielten fich die aufregenden Szene mäuschenstill; sie waren wie V. Schrecken und Grauen. Herr, was ich in den wenig blicken, in den paar Minuten, welche vergingen, eh'„v' kam, ausgestanden habe, das läßt fich nickt' Todesangst jagte mir das Blut aus den Wangen-/ mir die Haare zu Berge; kalter Schweiß stand a Stirn. Endlich, endlich kam die Milch; die S*%/ meine Nähe gesetzt; die Schlange, nach deren � Haupte schwankenden Kopfe ich garnicht zu dli». ic hatte, ließ ihre um mich gewundenen Ringe elw werden und verließ schließlich meinen Körper, U0# Milch zu kriechen. Ohnmächtig brach ich zusawnn'N- � Gefängnisse erwachte ich. Lange Zeit hielt micb Fieber gefesselt. Dann ward ich ein anderer v% seines Hörers berührend,„hier war der- dort der andere und so(er umspannte die Taille) c# Leib umklammert. Doch der Zug hält; ich wu« ajln steigen." Höflich grüßend, entfernte sich der junge*' Ter alte Herr dachte noch lange über das Gehörte..� aber zu dem Schlüsse, daß die Reue des bekehrten � wohl Rückfälle in das Lasterleden nicht aus>chl>ev� bald darauf bemerkte, daß ihm Uhr, Brustnadel, und Portemonnaie gestohlen waren.*■" Gemeinnütziges.„„t Radikalmittel gegen Mäuse und Ratte». � lichen Vertreibung dieser unangenehmen, laingen nehme man zu gleichen Theilen Gyps und R«# i-ol ,, man nach gehörigem Vermischen mit 5 Tröpfln, und Alles zusammen tüchtig verreibt. Diese Mast.., an Unverdaulichkeit, weil das Wasser mit dem lich zu einer festen, unverdaulichen Masse sich% auf diese Weise geiödteten Nager kann man au«� dann auf ein flaches Sckalwen und stelle t,n J Wasser daneben. In Folge des sich bald daiaul DursteS denutzen die Thiere denJnhalt des d' Katzen zur Nahrung geben, ohne daß 511 schadet.' Bielen Hausfrauen dürfte der nachfolgende u �i.. sparung von Leuchtmaterial gänzlich unbekannt fe. nämlich den Docht einer Lampe in Wasser, welw hörig mit Salz gesättigt war. einweicht und Van. iT brennt derselbe heller als ein gewöhnlicher Do« spart Brennmaterial. den Veeanlu-vrurwer Reoalreur SK. fecauuetm tn Berten. Druck und Vertag von Utax Babing tn BerltnSW. Beuth straße 2.