! j® Nr. 178. Dovrerstag� 30. Oktober 1884. I. Jahrg. Brgsn für die Interessen der Arbeiter. . Da«„LesZiuer tSglich Marge»« außer sach Svmr- u«d Festtage« SUjJütiKNMtspretS für Berli» 2"»'« Hau« vievtelzährlich 3 Marl, moaatlich 1 Marl,«ocheutlich 26 Pf. Stmdnc ""•wet*» Pf. Postabomiemeut pro Quartal 3 Marl.(Eingetrage» im VHI. Nachtrage der Postzeituugtpreisliste unter Rr. 719a.) Z»s«rti»«Sgiböhr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarlt 10 P. Bei größere« Aufträgen hoher Rabatt«ach Uebereinkunst. Inserate werden bi« 4 1% Rachmittag» in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von alle« Annonce*« Bureaux, ohne Erhöhung de« Preise«, angenommen. WeöttKtion und KXpeöition Vertin SW., Iimmerstraße 44. nl� % vi-! m AbliilucmcutsEillladllllg. Da« �„Berliner Voltsblatt" «nrt vierteljährlich 3 Marl; monatlich 1 Marl; wöchentlich Vftnnige frei ins Haus. »-..�/follumjen werden von allen Zeitungsspediteuren und 6mmaLUen in*** �kvedition, Zimmerstr. 44, ange- für nehmm alle Postanstalten Abonnements Um 5 an.nate November und Dezember gegen Zahlung -Narl entgegen. L Die Redaktion deS„Berliner Volksblatt". . Vom Wahltage. j», J?1* Wahlagitation ist, so schreibt die„National- Ztg.", ist Wahlkreise verhältnißmäßig ruhig verlaufen, sie ii»e 8�4 mit dem ersten und zweiten Wahlkreise als Elod"�8� anständige zu bezeichnen. Die Herren ��er und Wagner haben während der ganzen ',.on hier nicht ein einziges Mal gesprochen, und weit t«? Injurien und Jnvektiven an den Kopf zu »ch,„>1*' hatten sich hier die Kandidaten in den Wahl- gegenseitigen Hochachtung versichert. Auf diesen iii,b;teJ* letzten die Sozialdemokraten ihre größte Hoffnung, siebe v a"f,enhen strömten die Leute, welche sich mit Vor- alleinige Berechtigung zur Bezeichnung als Arbeiter »stran, �egen G Uhr Abends nach dem Lokale der ' weit draußen in der Wrangelstraße, in einer b« 11' welche noch der Droschkenhalteplätze entbehrt. Ja teilten» wird allsonntäglich gespielt, wie unserem Refe- deich, �i'chert wurde, von den besten„Privatkrästen", <�°°r dem Kottbuser Thor und am Kotibuser Damm iMiy, en Der schmucklose Saal war unverändert ,°er Vorhang war aufgezogen, die Kouliffen— an � Lust- und Trauerspiel, Oper und Posse, bin g y}*» wird hier geleistet— waren nicht entfernt. Schon 11t. � ycicijic*-»VW4VI» HlUf* u9r war nur noch mit Mühe ein unbesetzter Stuhl sä......... mm Um 7 Uhr trat ein Herr auS der rechten �aale� das Publikum, Tische und�Stuhle aus r.' � e zu entfernen, da andernfalls der Andrang ein c,�waltiqer sein würde. Ohne Widerspruch wurde in schien Minuten die Räumung vollzogen. Um 8 Uhr Sin K? Polizeilieutenant auf der Bühne, begleitet von xl»it �"hwann, jener unbedeckten Hauptes, dieser be- A> hL Unterhaltung wurde noch gedämpfter giführt. sich j,.�Zwischenzeit hatte sich auch Herr Singer eingefunden, �ben-s uon einem Nebeneingang auS nicht unmittelbar � �QQl, vielmehr in ein angrenzende« kleinere« Zimmer Ieuilleton. Isaura. ®lnt Erzählung aus dem südlichen Frankreich. �(Fortsetzung) ni�8lltckliche Fürst verfiel in eine schäumende Raserei, ? � stillen war, bis Moni Aynard ihn verlassen Mch».""sank er wieder betäubt zurück, und der Arzt, der 5° tard.�lassen wurde, erkläite ihn für bedenklich krank. c!A(n nuch«och der Erzdisckof von Lyon, welcher nach Mssen i?8/n ankam, als Mont Aynard längst das Schloß lchr am°hne die Erklärung herbeizuführen, welche ihm tzg t Jen'a8- b»« Wahn"?1?® lange, ehe die kräftige Natur in Humbert siegte, Jw ans �• die Wachsamkeit seiner Getreuen war unter- b° er J �hnche harte Probe gestellt worden. Einmal schon Ckn.% in den wilden Strom ,u seinem Krnde zu Mg fm"z«t«;ä WWWW 5?ö.e 5-- schon f,inm floftnen Schimm« MWIM WK-MMW � üur.,®Q!ieri- die Natur im Kreisläufe dtefelbe. ewrgen Herrlichkeit I begeben, in welchem noch einige bevorzugte Vertrauensmänner Platz gefunden hatten. Hierin wurden die Resultate au« den einzelnen Wahlbezirken gemeldet, hier wurden die ge- meldeten Zahlen addirt. Gegen 9 Uhr betrat der Stadtv. Herold die zur Tribüne gewordene Bühne und verkündete das Resultat der Wahl im vierten Wahlkreise. Nachdem er die Ziffer der für die Herren von Koller und Träger ab- gegebenen Stimmen mitgetheilt, fuhr er fort:„Nun aber bitte ich um Ruhe!" Es ward mäuschenstill. Und nun verkündete er, daß Herr Singer mehr Stimmen erhalten, als feine beiden Gegner zusammen und mit 321 Stimmen über die absolute Majorität den Sieg davongetragen habe. Die folgenden Worte und Bitten des Redners um Ruhe wurden durch den brausenden, tosenden, sich immer wieder erneuernden Applaus, durch HurrahS und Hochs erstickt. Immer wieder und wieder winkten die Herren vom Bureau und baten um Ruhe, eS dauerte eine geraume Zeit, ehe sich der Beifallssturm legte. Nun erst erschien Herr Singer, um wenige Worte an die Versammlung zu richten. Er be- gann abermals mit der dringenden Bitte um Ruhe. Darauf sagte er allen seinen Wählern Dank für ihre Hingebung und Opferfreudrgkeit.„Wenn Sie mich gewählt haben, so haben Sie damit lediglich der Ueberzeugung Ausdruck geben wollen, daß Sie vertrauen, ich werde Ihnen treu sein. Gewiß giebt cS viele bcffere Männer als ich, sicherlich keinen treueren. Ich bitte Sie mir zu glauben, daß ich stets das hasten werde, waS ich Ihnen versprochen habe. Wir wolle« unS des heutigen großen Erfolges freuen, als Bürger aber, die solche» Erfolges werth sind, dieselbe Ruhe und Würde, welche wir heute am Tage gezeigt, auch deS Abends be- weisen. Indem ich Sie bitte, ruhig nach Hause zu gehen, schließe ich mit dem Rufe: Die Arbesterpartei von Berlin, sie lebe hoch!" Die Freisinnigen hatten— wie genannte Zeitung weiter berichtet— zur Verkündigung be« Resultat« im 4. Wahlkreise eine Versammlung nach dem Böhmischen Brau- hause einberufen. Der geräumige Saal war um 7V« Uhr durchaus gefüllt. Die Wahlresultate aus den einzelnen Wahlbezirken liefen zuerst nur spärlich ein: der Wahlkreis ist ausgedehnt, die einzelnen Wahllokale vom Verfamm- lungslolal weit entfernt; aus allen einzelnen eingehenden Nachrichten ließ sich zuvörderst auch nicht annähernd ein Schluß auf das Gefammtresultat ziehen, denn während nach dem Resultat deS einen Bezirkes Konservativer und Sozial- demokrat zur Stichwahl kommen mußten, rangen im nächsten Bezirk Sozialdemokrat und Freisinniger, wieder in einem dritten zeigte sich die dritte der möglichen Kombinationen: Freisinniger und Konservativer hatten die höchsten der drei Ziffern erlangt; der Zentrumskandidat, geistliche Rath Müller — hatte eS überall nur auf wenige Stimmen, 1, 3, 5 etwa Das hatte der fromme Erzbrschof dem genesenden Fürsten gt, als sein Blick immer wieder die trostlose Nachtseite des aseins aufsuchte. Und nicht blos mit der Hoffnung auf Er- satz im ewigen Leben hatte er ihn getröstet, sondern auch für das Irdische seinen Geist wieder zu stählen unternommen. Es gelang ibm aber schlecht: die Nichtigkeit alles Erdenglückes— weil sein Besitz so unficher ist— hatte sich dem Dauphin so grell verkündigt, daß er kein Interesse mehr für irgend ein Gut, für ein Ziel zeigte, welches er noch erringen konnte. Als die bitterste Ironie des Schicksal« erschien es ihm, daß jene freudige Nachricht von einer Versöhnung der obersten geistlichen und weltlichen Macht eine Fabel gewesen, wenn nickt gar eine abstchtliche Lüge! Und er halte sich von dieser Nachricht zu einem En- thustasmus hinreißen lassen, welcher ihm sein Kind gekostet halte! Ein Herdes Zerwürfniß, selbst mit seiner relrgiösen Ueberzeugung, war die Folge davon, und dies gebar neue und aufreibende Kämpfe. Nur durch eine heilsame Erscküt- terung konnte er aus diesem gefährlichen Zustande gerissen werden. Der Erzbischof hielt es an der Zeit, ihm eine solche zu bereiten. Aber auch die Andern, die, ihre eigenen Zwecke ver- folgend, den Untergang des Hauses La Tour du Pin mit gleichgültigen Augen sahen, waren nicht müßig. Ihre Späher bewachten den Dauphin mit scharfer Aufmerksam- keit, und kein Moment wurde versäumt, ihm die Regierung lästig zu machen, seine Eifersucht auf das Ansehen des Erz- bischofs zu schüren und Mont Aynard zu verdächtigen. Wie der Fürst nur einigermaßen zu Kräften kam, erschienen neue Unterhändler Frankreichs, liefen Klagen ein über die Finanz- noth des Landes, welche der Schatzmeister künstlich vergrößerte, um den Dauphin zur Annahme der von Frankreich gebotenen Uebereinkunst zu bewegen- Fucigny hatte den schlauesten seiner Helfer ausgeschickt, Mont Aynard zu beobachten. Es war ein gefahrvoller Austrag gerade für den schönen Crespin; aber da er ihm den reichsten Lohn verhieß— jene Summe, welche ihm der Dauphin zur Zahlung angewiesen hatte, ohne daß letztere durch den Schatzmeister erfolgt war!— und da es überhaupt sein letzter sein sollte, ehe er mit dem Erlös seiner redlichen Bestrebungen dies Land verließ, um sich einen größern und passender« Wirkungskreis für sein Talent zu suchen, so hatte sich Crespia dazu verstanden. Seit der Ankunft des Erzdischoss. der seine Botschaft gleich als unwahr erklären mußte, hatte sich der Erfinder derselben versteckt ge- halten— nun war ihm noch ein gefährlicheres Spiel über« gebracht, auch die Zahl der zersplitterten Stimmen überstieg diese Höhe nicht. Die Spannung und Ungeduld der Ver» sammlung wurde, je länger die Nachrichten ausblieben, um so mehr gesteigert. Nach und nach kamen dann die Zahlen aus dem Kreis; die VenrauenSmänner hatten den ganzen Kreis in acht Gruppen eingetheilt und die kleineren Zentral- stellen zusammengestellter Gruppenresultate wurden allmälig bekannt— den Freisinnigen waren die Resultate nicht sehr erfreulich. Nun zeigte eS sich auch, daß viele Sozialdemo- kraten sich zu dieser nur für Freisinnige bestimmten Ver- sammlung Eintrittskarten zu verschaffen gewußt hatten; denn je trüber die Aussichten der Freisinnigen wurden, um so höher steigerte sich der Ausbruch der Freude bei einer großen Zahl Anwesender. Es war neun Uhr geworden, und noch wußte man nichts Gewisses, denn es fehlte das Resultat der letzten Gruppe, und die Summen der anderen Gruppe« waren so gestaltet, daß vor dem Bekanntwerden auch der letzten Zahl das Resultat unbestimmt blieb; allerdings war es wahrscheinlich, daß diese noch unbestimmte Zahl dem Sozialdemokraten den definitiven Sieg schon im ersten Wahlgange melden würde, denn die Gegend, um die eS sich dabei handelte, war eine als zahlreich von Sozialdemokraten bewohnte und von dieser Partei mit einer guten Wahl- Organisation versehene bekannt— und in der That ent- schied diese Gruppe den Ausgang für den Stadtverordneten Singer. Als das Resultat bekannt wurde, brachen die Sozialdemokraten in frenetische Beifallsrufe au«. Die Frei» sinnigen wollten diesen Jubel der Sozialdemokraten unter» drücken, doch wurden sie von dem Vorsitzenden der Ver- sammlung darauf aufmerksam gemacht, daß den Siegern boch schließlich der Siegesjubel zu gönnen fei. Zunächst möge man alle disponible Kraft auf die Agitation in den Berliner Kreisen konzentriren, in denen eS zu Stichwahlen kommen wird. Mit Hochs auf Träger und das Wahl- komitee, denen die Sozialdemokraten mit solchen auf Singer antworteten, löste sich die Versammlung verhältnißmäßig ruhig auf. Soweit die„N.-Ztg." Wir haben diese Ausführungen so genau wiedergegeben, um unseren Lesern den Bericht eines liberalen Blattes vor Augen zu führen. Ob derselbe in allen Punkten richtig ist, vermögen wir nicht zu beur- theilen. Ueber die Wahlbewegung im sechsten Wahlkreise geht uns von einem Berichterstatler noch folgender Bericht zu: Zur Verkündigung des Wahlresultatcs im sechsten Berliner Reichstagswahlkreise hatten sich am Dienstag Abend Tausende und Adertausende von Anhängern der Arbeiterpartei nach dem Alten Viehhofe in der Brunnenstraße begeben. Schon um 7 Uhr war der geräumige Börsensaal überfüllt und immer noch ergoß sich ein schwarzer Menschenstrom durch die weit ge- tragen worden, doch entledigte er sich dessen zu Fucigny's voller Zufriedenhest. „Ich weiß jetzt AlleS!" sagte er, von seinen Streifzügen heimlich zurückgekehrt, zu dem Schatzmeister, der ihn auf eine seiner abgelegenen Besitzungen bestellt hatte. „Alles? Auch wo sie hingebracht ist?" entgegnete Fucigny. „In einen Thurm, der meinem gestrengen Herrn von Mont Aynard gehört; ein Gemäuer, recht zu stillen Liebesfreuden geschaffen," antwortete Crespin mit frechem Lachen. „Hast Du sie dorr gesehen?" ftagte Fucigny begierig. „Wo liegt dieser Thuim? Kann man ihm beikommen, wenn etwa der Gestrenge anderwärts beschäftigt ist?" „Edler Herr, Ihr fragt Euch außer Athem," erwiderte Crespin, welcher sich durch sein Verhältniß mit dem Schatzmeister zu großer Unverschämtheit berechtigt hielt.„Laßt Euch also sagen, wie es steht. Nachdem Ihr die Donna, welche dem Kloster für eine schönere Laufbahn entrissen war, in Chateau- doux auf eine etwas übereilte Weise im Stiche gelassen, Eure liebe Person salvirend—" „Frecher Gesell!" rief der Schatzmeister zornig. „Verzeiht meinem Unverstände, wenn ich Euer plan- volles Benehmen falsch beurtheile!" sagte Crespin.„Viel- leicht thatet Ihr eS in weiser Absicht. Wie man Einem, dem man nicht wohl will, etwa einen brennenden Holzspahn in einen Winkel seines Hauses legt oder eine giftige Schlange heimlich hineinbringt, so ließt Ihr die schöne Jsaura zurück in Chateaudoux— daS Weitere, dachtet Ihr, wird sich finden, wie bei dem brennenden Span und der giftigen Schlange." „War's denn Jsaura wirklich?" fragte Fucigny. J* bin manchmal ganz irre geworden; ihr Gesicht habe ich nickt gesehen, und wenn ich mir das Mädchen zurückrufe, was wir droben auf dem Enenhammer gefunden haben, so gestehe ick daß mir meine verschleierte Dame ganz anders vorkam-(2 gedrückt, möchte ich sagen."' W Ä'ft&ÄÄ W-®" mlt ssasessB öffneten Pforten des Etabltffements. Kopf an Kopf gedrängt, stand die erwartungsvolle Menge, der Botschaft harrend, die Sieg oder Niederlage in dem schweren, heißen Wahltampfe verlünden sollle. Eine fieberhafte Erregung hatte fich der Menge bcmächiigt, welche noch gesteigert wurde, als Stadtv. Ewald die Mittheilung machte, daß das Wahlresultat von einigen fiekzig Wahlbezirken eine entschiedene Majorität für den Schr, fisteller Hasenclever aufweise. Stürmische hurrahs durchbrausten die Lüfte und verkündeten den Bewohnern des Nordens weithin die frohe Botschaft- Währendvcm liefen immerwährend die noch fehlenden Ergebniffe ein, Staffefte auf Stoffctte langte an, wurde abgefertigt und die Resultate, um die Menge zu beruhigen, von Zeit zu Zeit verkündet. Als aber endlich der langersehnte Moment gekommen, die letzte Staffette abgefertigt war und das Gesammtresultat vorlag, als nun Stadtv. Ewald bei lautloser Stille verkündete, daß Hasenclever beinahe die Hälfte sämmtlicher abgegebenen Stimmen auf fich vereinigt habe, da brach der nur mit Mühe zurückgehaltene Jubel fich gewaltsam Bahn, Hüte, Schirme, Stöcke flogen in die Hohe, minutenlange, aus dem Herzen kommende und zum Herzen gebende Hurrahs und Hochrufe erfüllten die Luft und in freudigster Erregung ergoß fich nunmehr die Menge, zu- frieden mit dem Gehörten, unter Gesang und Hochrufen ins sfreie, unbehelligt von der großen Polizeimacht, die den ganzen Viehhof besetzt hielt und jeder Einzelne der vielen Tausend nahm die frohe Zuverstcht mit: Der Sieg ist unser!" Das Gesammtresultat der gestrigen Wahlen in Berlin er- giebt nach der vorläufigen Aufstellung: Deutschfreisinnige 70 967. Sozialdemolrate n 68903, Konservative 55902. 1881: Fortiltirittspartei 89 216, Sozialdemokraten 40 010, Konservative 45385 Stimmen. politisch««ederlichi. Der Kontraktbruch ländlicher Arbeiter. Der„Reichs- Anzeiger" enthält folgende Ausführung: Es find in neuerer Zeit mehrfache Fälle zur Kenntniß des Ministers des Innern gelangt, in welchen eine Bestrafung kontraktbrüchi- ger ländlicher Arbeiter auf Grund des Gesetzes vom 24. April 1854 nicht hat stattfinden können, weil die von den diesseitigen Polizeidebörden gestellten Anträge auf vorläufige Festnahme von den Polizeibehörden in den außerpreußischen Hafenstädten, in welche flch die in Rede stehenden Personen zum Zwecke der Auswanderung begeben hatten, unbeachtet ge- lassen, bezw. als mit den in dem detreffenden Staate geltenden Gesetzen unvereinbar bezeichnet worden find. Der Minister macht deehalb die Ober-Präfidenten in einem Zirkularerlaß vom 8. August d. I. darauf aufmerksam, daß die vor- läufige Festnahme ländlicherDienstbotenund Arbeiter auf Grund des vorerwähnten Gesetzes durch die Polizeibehörden zulässig sei; auch daß die- selbe durch Requisition anderer Polizeibehörden bewirkt werden könne, unterliege an fich keinem Bedenken. Handele es fich aber um eine Requisttion, welche an die Behörde eines an- deren deutschen Staates gerichtet werden solle, so komme in Betracht, daß das Gesetz vom 24. April 1854 ein preußisches Landesgesctz ist, und daß, selbst wenn die außerpreußische Behörde dem Ansuchen auf vorläufige Festnahme Folge geben sollte, der Richter des betreffenden Ortes vorausfichtlich den Verhafteten wieder in Freiheit setzen würde, weil die polizeiliche Verhaftung auf Grund eines am Orte der Verhaftung nicht geltenden Stiafgesttzes erfolgt sei. Diese Möglichkeit sei aber jedenfalls ausgeschlossen, wenn die Verhaftung gerichtlich angeordnet sei, indem die Ausführung gerichtlicher Haftbefehle durch das ganze deutsche Reich zu geschehen habe, auch wenn die That, auf Grund deren die Verhaftung stattfinden soll, nur landcsgesetzlich mit Strafe bedroht ist. Hiernach werde es fich empfehlen, in ollen denjenigen Fällen, in denen die kontraktbrüchigen Dienstboten und Arbeiter in Preußen nicht mehr festgenommen werden können, behufs ihrer Festnahme und Bestrafung die Mitwirkung der zuständigen Gerichte in Anspruch zu nehmen.— Das„B. T." bemerkt hierzu: „Es bleibt dabei, daß das Gesetz vom 24. April 1854, welches die Bestrafung kontraktbrüchiger länd- licher Arbeiter regelt, in der Form, wie es vorliegt, den Widerspruch des Zeitgeistes herausfordert. Wenn die Per- sonalhaft in allen anderen Verhältnissen gesetzlich u n- zulässig ist, so sollte fie es folgerechter Weise auch hier sein." Bezüglich der Ausführung des Krankenkassengesctzes ist augenblicklich zwischen einzelnen Behörden und Bcrufsgruppen eine Meinungsverschiedenheit entstanden, welche von sehr er- heblicher Wichtigkeit— weniger ihrer materiellen als ihrer moralischen Bedeutung wegen— sein dürfte. Der Ausschuß des Verbandes detuscher Leinen-Jndustriellen hatte für das Krankenkaffenstatut die Bestimmung in Vorschlag gebracht, nach welcher„die den Wöchnerinnen zu gewährende Unterstützung, nur oerbeiratheten weiblichen Arbeitern" zu Theil werden soll." Die Ausfichtsvehörde hat diese Bestimmung beanstandet. Kommt bei dieser Frage immerhin in Betracht, daß den Krankenkassen eine Dame heimlich nach Sancta Klara gebracht. Habt Ihr Euch eine Falsche geben lassen, vielleicht Eine, die fie dort gern los sein wollten—" „Schweig! wenn Du nichts Besseres zu sagen hast!" rief der Schatzmcrster heftig.„Das Weib des Kastellans soll an mich denken; ich werde ihr zeigen, wen fie mehr zu fürchten hat, mich oder den Erzdischof, dem fie die Geschichte gebeich- tet hat." „Ei!" sagte Crespin.„Also der hochwürdige Herr hat dem Baron Mont Aynard sein Liebchen wieder zugestellt? Das nenne ich Jndulgenz." „Der Thurm aber? Der Thurm?" rief der Schatz- �"�.Ohne Gift!" ergänzt- Crespin schnell den Namen, welcher Fucigny augenscheinlrch betroffen machte. „Bist Du drinnen gewesen?" fragte er, fich bezwingend. und als Crespin es verneinte, setzte er mit frostigem Hohne hinzu:„Sonst hätte er auch seinen alten Rubm verloren, seinen Namen zur Lüge gemacht! Erne grftrge Kreatur, wre Du, würde ihn nicht ungestraft betreten. „Ha!" stieß der Falkner heraus nnen Blrck auf Fucigny sckießend, welchen dieser zum Gluck rncht bemerkte, denn er hatte eben, über seine Rede lachend. Vre Augen zu- geknifstn-�test etn)Qg?„ f�gte Fucigny, indem er ihn auf seinen Laut scharf ansah.....„ „Ich bedachte mir nur, ob wrr zwei nicht dennoch ernen Versuch machen wollen, die schöne Jsaura zu entführen— fie ist dort, ich habe fie selbst vor dem Thurm- a-sehen. Mich führte eine Aeußerung hinauf, die ein Knecht Mont Aynard s gegen meinen guten Freund dort hatte fallen lassen— Ihr wißt, ich habe noch einen guten Freund auf Gardemont, der mir manchmal erzählt, was fich dort zuträgt und was der ge- strenge Herr Baron unternimmt. So hörte ick denn, daß der Herr Erzdischof bei ihm gewesen, und daß Beide eine lange Unterredung über die Landesangelegenheiten gehabt, die mich wefter nichts angehen-" „Mich aber, Du Schurke! Bringst Du das Wichtigste zuletzt?" rief der Schatzmeister.„Was haben fie besprochen?" „Daß ein Exempel statuirt, einem oder dem Andern, der flch in heimliche Verbindung gegen seinen Herrn ein- ließe, der Kopf abgeschlagen werden müsse," sagte Crespin 0ela Der Schatzmeister schluckte ein Paar Mal, ehe die Ant- wort auf diese verfängliche Rede aus seiner Kehl« wollte. erhebliche Opfer dadurch entstehen könnten, daß fich Mädchen als Arbeiter engagiren lassen, welche ihren Zustand verheim- lichen, um fich nach einiger Zeit eine dreiwöchentliche Unter- stützung zu stchern, so wird man auch die große moralische Bc- deutung einer solchen Bestimmung nicht verkennen dürfen, und es wird interessant sein, die Entscheidung der angerufenen höheren Instanzen kennen zu lernen.— Wir haben diese Notiz einem liberalen Blatte entnommen, welches dem Anscheine nach den Wunsch hegt, daß die höhere Instanz zu Gunsten der In- dustriellen entscheide. Daß wir einen solchen Wunsch nicht haben können, ist selbstverständlich. Unserer Anflcht nach hat die Aufstchsbehörde korrekt gehandelt; die Einrede, daß event. Mißbrauch von Seiten der Arbeiterinnen getrieben werden könnte, ist einfach albern; wenn nur nicht das umgekehrte statt- findet! Die Elementarlehrer müssen bei Gehaltsverbesserungen und Alterszulagen einen höheren Beitrag zu ihrer W i t t w e n- und Waisenkasse zahlen. Ein bei dem Unterrichtsminister kürzlich gemachter Versuch, diesen Zuschuß in Wegfall bringen zu lassen, ist mißglückt, wie aus folgendem, vom 9. d. Mts- datirten Bescheide des Ministers hervorgeht- In demselben heißt es:„Auf das Gesuch um Aufhebung der von den Kassenmitgliedern der Lehrer-Wittwen- und Waisenkasse zu zahlendenden Besträge von 25 pCt. der Gehaltsverbesserungs- gelder und Altersmlagen erwidere ich, daß bei Berathung des am 24. Februar 1881 erlassenen Gesetzes, durch weiches der Mindestsatz für die Penstonen der Hinterbliebenen der öffent- lichcn Eiementarlehrer von 150 Mark auf 250 Mark erhöht worden ist, alle gegen die Erhebung der gedachten Beiträge geltend gemachten Gcfichtspunkte reiflich erwogen worden find- Auch find bei Ausführung dieses Gesetzes Erfahrungen nicht gemacht worden, welche mir hinreichende Veranlassung geben innten, schon jetzt auf eine Aenderung desselben hinzuwirken. Hierbei will ich nicht unerwähnt lassen, daß die jährlichen Zu- scküsse zu den Pensionen der Elementarlehrer-Wsttwen und -Waisen nicht unerheblich find." Nach den zur Ausführung des Staatsschuldbuch- Gesetzes vom 20. Juli 1883 ergangenen Bestimmungen können die königlichen Regierungs-(Bezirks-) Hauptkassen, sowie die außerhalb Berlins mit der Annahme direkter Staatssteuern betrauten königlichen Kassen(Kreiskaffen, Steucrkassen) von der Hauptverwaltung der Staatsschulden mit der Baarzahlung der Halbjährlich(mit dem 1 Juli und 2. Januar) fällig werdenden Zinsen der eingetragenen Forderungen beauftragt werden. Die aufgetragenen Zahlungen find bei den Regie- rungs-(Bezirks-) Hauptkassen vom 24. Juni und 24. Dezem- ber, bei den Epezialkassen vom 1. Juli und 2. Januar ab, bis zum Ablauf des mit dem Fälligkeitstermine beginnenden Ka- lenderquartals, also stets nur bis zum 31. März und 30. September einschließlich zu leisten; die Zahlung der bis dahin nicht abgehobenen Zinsen muß von dem Berechtigten direkt bei der Königlichen Staatsschulden- Tilgungskaffe nachgesucht werden. Die Zahlung erfolgt gegen Quittung des Empfangs- berechtigten unlei Benutzung von Formularen, von denen daS erste dem Berechtigten mit der von der Königlichen Hauptoer- waltung der Staatsschulden ausgehenden Benachrichligung über vre Eintragung des Kapitals in das Staatsschuldduch, das demnächst zu verwendende später an der Zahlungsstelle verabreicht wird. Auf Grund des Sozialistengesetzes find noch Wahl- flugblästem in Hannover, Cöln, Württemberg, Mainz und in Colmar verboten worden. Ungar«. Seit längerer Zeit ist eine Bewegung unter den 1848er Honved Offizieren im Zuge, Arthur Görgey zu re- habilitirm, da er nicht Berralh geübt, sondern nur einer Nolh- wendigkeft gehorchend lapitulirt habe. General Klapka derief diejenigen seiner Kameraden, die gleich ihm eine auf die Vila- goier Waffenstreckung bezügliche Erklärung zur Rehabilitirung Görgey's unterferiigt hatten, zu einer Konferenz. Nachdem nun General Klapka die Erschienenen, zwanzig an der Zahl, aufge- fordert hatte, fich über Zeit und Art und Weise der Veröffent- lichung der schon von Vielen unterschriebenen Erklärung zu äußern, wurde beschloffen, dieselbe sobald wie möglich sämmi- lichen Budapester Blättern, und in Uebersetzung auch den Wiener und ausländischen Blättern zuzustellen. Von den zwei Original-Erklärungen wird eine dem ehemaligen Feldherrn Arthur Görgey durch eine Deputation überreicht, die andere wird im Narionalmuseum aufbewahrt werden. Der kroatische Landtag, der seit längerer Zeit durch die von den Starcevicfianern hervorgerufenen tumultuarischen Szenen auch außerhalb der havsburgischen Monarchie viel von fich reden machte, ist zu einem Rumpfparlament geworden, was ihn indessen keineswegs hindert, weiter zu tagen. In der gestrigen Sitzung dieses„Musterparlaments" gab der Bonus e ne Erklärung ad über den Standpunkt der ungarischen Rc- gierung zu den Wahlen und dem ungarisch-kroatischen Aus- gleiche. Darauf erklärte Mazuranic, daß, nachdem die An- Hänger Starcevics von den Verhandlungen ausgeschlossen seien, auch die Unabhängigen nicht mehr an den Verhandlungen theilnehmen würden. Die Linke verließ sodann in corpore den „Mögen zusehen, mögen zusehen, ob ihre Köpfe fest stehen!" stolterte er dann.„Lassen wir Politik, und sprechen von dem Dimlein— Du hast fie also gesehen?" „Ja. Die Herren hatten noch über Euch gesprochen— auch nicht eben erbaulich! Dann waren fie auf Euer« Ce» wallstreich im Kloster gekommen, den Ihr ganz klug auf Be- fragen gleich dem Erzbischof als einen Befehl des Dauphins geschildert—" „Die Wahrheit!" warf der Schatzmeister ein. „Gut. Ten todtkranlen Herrn konnten fie wenigstens mcht fragen. Der Erzbischof hat darauf die Dame— wie Ihr fie immer titulirt- säuberlich selbst gesprochen und wieder hinweg geleiten lassen; Ihr glaubtet, nach Sankta Clara zurück. Ich aber erfuhr es durch meinen guten Freund, daß der Erzbischof gesagt: der Thurm ohne Gift soll durch die seligste Vereinigung entlühnt werden" Bei dem letzten Worte entfärbte fich der Schatzmeister wreder und fern Athemzug nahm eine merkwürdige Unruhe an.„Entsühnt! Ja, ja, entsühnt! Wenn das wäre!" sagte er. „Ich schlage Euch daher vor," sprach Crespin weiter, !.'.PH* etmm guten Rückhalt von Knechten uns so bald als möglich auf den Weg machen. Mont Aynard fitzt rn Grenoble und hat gesagt, daß er erst in acht Tagen nach Gardemont zurückkommen werde." »Mir nach dem Thurme!?" rief der Schatzmeister. „Habt Ihr vielleicht auch Eure kleine Besorgniß der alten sage?" fragte Crespin höhnisch lächelnd. „Bube, Tu wirst immer frecher!" schalt Fucigny. das- aber es bereitet fich etwas; ich sehe es klar/ Sie wollen den Dauphin, der ganz menschenscheu geworden ist, herausbringen; er soll eine Reise machen. es heißt: nach Avignon- und es könnte wahr sein. weil das Geldgeschäft mildem herl'gen Stuhl schr verdrießlich geworden ist; die Schuld drückt uns; leine Kleinigkeit, sechszehntausend Gold- gülden! Dortbin könnte ich ibn reisen lassen; aber wer steht uns dafür, daß es nur ein Vorwand ist, und daß fie den kranken Mann wo anders hin— ganz in ihre Gewalt!— bringen?" „Darum wäre es meine Idee, daß vielleicht gerade ein kleiner Passe-tems, die Erscheinung der schönen Jsaura den Herrn von seiner mönchischen Richtung wieder für Euch zugänglich machen könnte- Ihr stellt fie ihm vor als eine entlarvte Genossin seiner Feinde— das Weitere wird sich finden.— Wagt es also immerhin auf die Gefahr daß wegen »Nicht Saal. DaS Haus beschloß schließlich, in die Epeziald ebatte des von der Majorität beantragten Adreßentwurfs einzutreten- Nuflland- Die jüngst in Moskau stattgehabten Stuben- tenkrawalle haben einen weit ernsteren Charakter getragen, alt die bisherigen Mittheilungen erkennen lassen und die aus St. Petersburg verbreitete ofsiziöse Darlegung gestehen mag. Sie richteten flch nicht nur gegen die Univerfitätsverwaltung odll die eine oder die andere offizielle Persönlichkeit, sondern direkt gegen die Regierung und die bestehende Staatsform, fie waren milhin recht aufrührerisch und revolutionär. Dem„N- W. Tgbl." geht über diese Vorgänge die nachstehende, auS Moskau vom 16. Oktober datirte Darstellung zu, von der wir es dahin- gestellt sein lassen, ob fie nicht in Einzelheiten übertreibt- „Unsere Stadt befindet sich seit zwei Tagen in förmlichem Belagerungszustande. In den Gaffen und auf den Plätzen der Stadt wimmelt es von bewaffneten Soldaten, Gendarmen und Polizisten. Fast alle Amtsgedäude und hauptsächlich die Polizeiämter, die Gefängnißgebäude und endlich die Wobnun« gen des General-Gouverneurs Dolgorukoff, des Ober-Polizei- meisters A. A. Kosloff und des Geheimen Rathes M. N Kat- koff find von bewaffneten Kosaken-Abtheilungen und Polizisten eng eingeschloffen und streng bewacht. An den einzelnen Hau» fern und Amisgebäuden find Plakate angeheftet, in welchen der Ober-Polizermeister die Bevölkerung von Moskau„ew- ladet"(„priglaschajetsia"),„fich ruhig zu verhalten und Vit Obrigkeilsorgane in der Ausübung ihrer Dienstpflicht zu unter» stützen." In den Kasernen find die Truppen constgnirt und jeden Augenblick bereit, in Aktion zu treten. Diese Eventualität rfi denn auch höchst wahrscheinlich, denn seit den letzten achtund- vierzig Stunden wurden hier nicht weniger als fünf Brandt durch ruchlose Hände gestiftet und find unzählige revolutionart Proklamationen verstreut worden, ohne daß eS der PolW bisher gelungen wäre, die Urheber zu ermitteln und unschadü» zu machen. Ueberdies hatten wir seit den letzten achtundmerzig Stunden nicht weniger als steben Straßenkravalle, welche von Studenten arrangirt wurden und stets sehr lärmend waren- Bei einem dieser Kravalle, und zwar bei dem, welcher gest»» auf dem Platze hinter der Twerschen Mauth stattfand, feuerten die Tumuliuanten auf die Polizisten aus Revolvern, worauf Kosaken herbeieilten und auf die Exzedenten mit blanker MM einHieben.— Die ersten Straßen- Kravalle fanden vorgefiern statt, indem fich in der breiten Straße Dolgorukowskij PestuWi gegen zwei Uhr Mittags etwa 300 Studenten und Studenünnm ansammelten, von da unter Adfingung revolutionärer Lreoe- zu dem Univerfitätsgebäude zogen und revolutionäre Reden i halten anfingen. Erne Studentin wurde auf einen W geschafften Tisch gehoben und hielt von hier aus an vre> zwischen auf etwa 600 Köpfe angewachsene Studenterrmeng eine Brandrede, welche von den gröbsten Beleidtguufl gegen den Zaren und die Regierung strotzte. Die Revne ihre Rede mit dem Rufe:„Es lebe das st. gegen schloß republikanische Rußland! Ein donnerndes„Ura. Menge war die Antwort auf diese Brandrede. Nun W Studentenmenge, indem dieselbe nach der Melodie der Nationalhymne und der Kirchenlieder mehrere revolutiovare � kommunistische Lieder sang, über den Platz Straßnyj Bast in die Stadt. Hier wurde fie aber von Polizisten und ßo, eingeholt und zum Auseinandergehen gezwungen. D« 2"» zerstreute fick, um fich bald wieder zu sammeln.—% fleben Uhr Abends tauchten wie auf ein Kommando au,.. Straßnyj Buljwar etwa zweihundert Studenten und St (innen auf. welche fürchterlich zu pfeifen und zu lärmen anfing Einige Studenten versuchten in den Hof der daselbst ge»»� Redaktions- und Druckerei-Lokalitäten der„Moskowsklia domosti" einzudringen, jedoch vergeblich, denn die Tbore w verschloffen und von zahlreichen Dienern und Poliznie"" Ben Es kam unter den Thoren zu einem Handgemenge Zwü« ju, Stud-nten und den Tborwächtern, wobei Letztere sehr gerichtet wurden. Während dieser Exzesse ei schien ein?? (hundert Rester) Kosaken, welche auf die Studenten dreinhieben. Die Studenten erwiderten die Knutenhiebe tn � f AOW iir»T>(SsfßSMMidff am TT)) 11.1 H � � d« schlügen und Steinwürfen, worauf der Kosaken-Kommanva � fehl gab, blank zu ziehen und in die Menge Hinemzuw... Es folgte nun eine schreckliche Szene; wie wüthcnv l fich die Soloaten auf die Siudcntenmenge, hieben tn,�, krummen Säbeln nach rechts und nach links und vielen Studenten und hauptsächlich Studentinnen erm und Schulterwunden bei. Mehrere Tumultuanten niedergeritten. Einem Studenten, welcher auf /'P einHieb, wurde von demselben der Schädel förmlich Z.. fin Einer jungen Studentin, Namens Wera Wajsiljewa, l. Unteroffizier den Säbel in die Brust. Die Soldaten � alle Exzedenten, welche bei dem Gemetzel nicht zu■p u(tJ schlagen und liegen geblieben waren, in ein Karie_(g«f trieben fie so unter fortwährenden Säbelhieben nach o bannungs Zentralgesängnisse und in dasselbe otnc• wurden da 110 Studenten und 23 Studentinnen Die Polizei begnügte fich aber nicht mit ver Verbot �hr 134 Exzedenten, fie nahm im Laufe derselben Nackt" per als 150 Studenten fest und fie setzte die Verhastu g die ijalte Sage von dem Thurme ihr Recht beiiauvtt� � Ihr selbst müßt es thun; mir würden Vre Leute horten."„i,rici4t � Der Schatzmeister schwieg lange; er hatte vi■, jetfi nicht auf Crespin's Rede gehört, Venn er fuhr � Gedanken fort, dessen Aeußerung er abgedrock „Wo anders hin— auf irgend ein GrenflMoB, n, tt flch der Bourdon ein, die Verlobung tmrd Cotndb!? mag wollen oder nicht, und all' unsere schonen u„qp tionen find zu Ende. Dem müssen wir allerdtng.�gt kommen." Und nachdem er erst zu diesem Resulta �spgt war, entwarf er seine Pläne so klar und gcschtckt, oov eine wahre Hochachtung für ihn fühlte._... als ir Humdert war aber schon fern von Grenoote, �r, cigny dahin zurückkehrte. Ob er nach Avignon Ist schien zweifelhaft; der Erzbischof hatte ihn ti«t ää& UtÄ f.»«»..in»r h«- �osherren" pen euicu-uciuu) ve, oem jtzweryaupie oer. �ria»-' passend erachtete. Auch hatte einer der Hofherret � pert lassen, es gelte nur eine Lustparthie oder Ick!- gWu# semer Gegner die Reise veranlaßt habe- Thun � SNKMWVWtz Hand gewesen war, wieder verloren; das Vritt« dt Bctf« flck) ihrer besser veifichern. Nur daß er etne>- a>ar'd fick für das Unternehmen, das ihn seinem W näher bringen mußte. Z 3 � wkgun» hatten ihm wohl gcihan; er war»«a�sjät utfi�f 00* bletck. und sein Auge, vas so, st feurig un°" lang geblitzt hatte, hing tust sch.veimülhigkM«° detn. einer Stelle; aber er nahm dock, wieder 3% � 0* 'hm. während das Getolgc mir den Pferden adle (Fortsetzung folgt) Studenten auch gestern und heute fort. Die Soldaten und Polizisten wurden durchwegs von den Bürgern und Bauern Unterstützt."_ Wahlresultate. ..,DaS Wahlresultat des 4. Berliner Wahlkreises ist Win zu ergänzen, dah die Stimmenzahl iüc Singer, nicht wie N»r gestern meldeten 24 923, sondern 25 396 beträgt. Bei Auf- Wme des Resultats in unser Blatt fehlte ein Wahlbezirk, Wer der Jrrthum. Das Gesammtresultat des 4 Wahlkreises nellt fich demnach folgendermaßen: v. Koller 10 640, Träger "656. Singer 25 396. Zersplittert 283. co��iinchen l. v. Bollmar(S.-D.) 3229. Ruppert(Zentr.) �69. Sedlmayer(N.-L-) 6051.— Stichwahl zwischen C. und N.-L. a,,r II v. Bollmar(S.-D.) 6231. Westermayer(Zentr.) 7051. "'kcher(R.4'.) 5239. Landbezirk 2 steht noch aus. Mainz. Bis jetzt gezählt: für die Freifinnigen 1600. N-'L. 2700. Cent. 4000. S.-D 6600. n Hamburg I. Gewählt Bebel(S.-D.) mit 12280 St. �Gewählt Dietz(S.-D.) mit 14 276 St. III. Stichwahl MHen Heinzel(S.-D) mit 10 664 St. und Wörmann(L.) »M 7072 St. Elberfeld-Bärmen. Stichwahl zwischen Harm(S.-D.) »M 13031 St. und Fabri(kons.) mit 8934 St. Träger(freis.) «hielt 6148 St. � Salle a. S. Meyer(freis.) 3921. Täglichsbeck(N.-L.) **''• Hasenclever(S.-D.) 2443. Stichwahl. ,m.Frankfurt a. M. Sabor(J.-D.) 7967. Sonnemann Polksparte.) 7384. Hohenemi'er(N L.) 3601. Faßhauer tvandwerkerpartei) 1614. Dr. Lieber(Zentr.) 1358.— Stich« iunhl zwischen Sabor und Sonnemann. Leipzig. Dr. Tröndlin(N-L-) 12556. Bebel(S.-D.) Hänel(freis.) 2661.- Gewählt: Tröndlin- 8676: Zwickau. Gewählt Stolle(S.-D.) Chemnitz. Gewählt Geyser(S-D.) Kq,.Magdeburg. Heine(S.-D.) 8118. Büchtemann(freis) Partner(N.-L.) 4382. Wagner(kons.) 1080. Windihorst ätr.) 319. Stichwahl zwischen Heine und Büchtemann. Un>>?uesden»Altstadt. Stichwahl zwischen Bebel(S.-D.) und "nv Hartwig(kons.) (w e�uandenburg(Stadt). Rickert(freis.) 1508. Jerusalem ) 200'- Bornstedt(kons.) 610. Hasenclever (c �ultow-Veeskow-Storkow. Bis jetzt gezählt für Krohm y 3797. Wöllmer(freis.) 6042. Handjery(kons.) 6034. ß) o. �I�'Lauban. Lüders(freis) 7228. v. Schenkendorf »£P67. Keller(S.-D.) 1946. Reickensperger(Zentr.) 148. ber»(Stadlkreis). Ennecurius(N.»L) 1830. Schwarzen- 1632- Lötz(kons.) 1360. Pfannkuch(S.-D.) 2507. s?hl zwischen Pfannkuch und Ennecurius. Stettin. Aewäblt Brömel(freis). Au-r. Behm(lid.) 2338. Schlieffen(kons.) 734. 647. 181 n in"""' Dr. Schneider(freis.) 3122. Wagner(kons) «.Kuller(Zentr.) 74. Hasenclever(S.-D.) 186. 452.ri-cn ur9* Wohlfahrt(kons.) 4082. Herrmann(freis.) ~ Heine(S.-D.) 1592. Sßiit» a Sasenclcver(S-D.) 2713. Nobbe(?) 3085. % t454- Stichwahl? 88a->?.�Aätl-Meerane Leuschner(N-L.) 3278. Auer(S.-D-) 'inj Ctte ftbltn noch. Gewählt wahrscheinlich Auer. Liekkn.�UL- Meyer(N.-L.) 10496. Richter(freis.) 5205. 47) 4880. Windthorst(Centn) 176. Zersplittert • gewählt Meyer. Söse�un- Richter(freis.) 9566. Gerstein(N-L.) 5947. 1114 Schorlemer(Centr) 1619. Harm(S.-D.) �G�hlt wahe scheinlich Richter. Ullrich Utadt. Stichwahl zwischen Müller(S.-D.) und Z-'ppen Gewählt Windthorst. cr�Sen. Stichwahl zwischen Stöcker und Ullrich(N.-L.) lCentr?�uheBruchsal. Amsberger(N.-L) 5130. Gerber Stichwahl' Deesbach(S.-D.) 3011. Reiß(tonf.) 2098. '8' Gewählt Rickert(freis.) mit geringer Mehrheit. 8556 K?''nd. Lenzmann(Demokrat) 9721. Klein(N.-L) ä�umacher(S.-D.) 1619. Stichwahl. ». Cfurj, Fischer(N-L) 4711. Biel(kons.) 3964. Ör(45.J) j 2250 ltng(N�.. Bisher gezählt für Schwarz(S.-D.) 2428. Feh- . ßl:) 4o52- Stiller(freis.) 2976. Stichwahl zwischen Schumacher(S-D.) und Schonn(Volks- 6 Orte fehlen Löbener(kons.) 5472. R ffiett. (Senttum. %%%" Bronnemayer(S-D.) 3247. Trilschler(Mischmasch) 6675. D.) 5640. Schräder(?) �88«?,"schweig(Stadt). Blos(S.-D. »Sann«?). Stichwahl. iusamm-"iM°Grillenberg-r(S.-D.) 12568. Andere Parteien Stieb n)abl. 7373�ttnnoöet(Stadts. Meister(S.-D) 8181. Brüel(Weife) Und Siüeirnemann �'L.) 4223. Stichwahl zwischen Meister pMhme(S.-D.) 10 228. Karsten(fteis.) 5065. WÄ»->.«»*» Heinzel �' Wahrscheinlich Stichwahl zwischen Hänel ��Uezirk Leipzig. Heine(kons.) 7887. Viereck(S.) r Melkl?« Viereck. Mowiv f�'���unhain» Riesa. Schumann(fr.) 641. v. �Mtmahi/ 3570- Geyer(©.) 3028. Wahrscheinlich ��./�ida-Limbach. Penzig(kons.) 7449. v. Wollmar N.) ll�'�lsuitz.Adorf. Hempel(ft.) 1770. Hartmann - Rodiger(S.) 3453. , 5.«b« �tueste Wahlresultate. t�uaiiv hs �uzialdemokrat, nl.— Nationalliberal, k.--- kon- GMMWS �reiz. B��wischen Fuchs und Schuhmacher. St. Phillips(df) 1939, Ritlingbau �rti, Zl°?bl zwischen Fuchs und Schuhmacher. Re- 7570, Zittau. Buddeberg(df.) 6159, Dr. Löbner(k) 5472, Kayser(S) 1962 St. Stichwahl zwischen den beiden Elfteren erforderlich. Mainz. Stichwahl zwischen Wollmar(S.) 6193 und Sacke(Z.) 3330 St. Erfurt. Nobbe(nl) 3035. Witte(df.) 1454, Hasencleoer 2713 St. Stichwahl zwischen Nobbe und Hasencleoer. Offenbach, 29. Oktober. Weiteres Resultat aus 29 Ortschaften: Göll(df.) 206, Schloßmacher(nl.) 734, Wolz(Z.) 1875, Liebknecht(S.) 3441; fehlen noch 40 Prozent der Slimmen. Altena-Jserlohn. Bis jetzt Colsmann(nl.) 7033. Langer- Hans(df.) 6733, v. Schorlemer-Alt(Z.) 2464, Bebel(S.) 961 St. Stichwahl sicher. Waldenburg. Fürst Pleß(R.) 7150, Winkelmann(df.) 7900, Ritter(Z.) 1200, Müller(S.) 1200 St. Stichwahl erforderlich. Potsdam-Osthavelland. Dr. Schneider(df.) mit kleiner Majorität gegen Prof. Wagner(k.) gewählt. Gotha. Stichwahl zwischen Bock(S.) 6543 und Barth (df.) 4509 St. Klöppel erhielt 3017 St. Halle Stadt und Saalkreis. Bis jetzt Meyer(df.) 5809, Täglichsbeck(nl.) 6925, Hasenclever 3328 St. Bttterfeld, 29. Oktober. Wahlkreis Delitzsch-Bitterfeld: Wülfel(df.) 4397, Bodenhausen(f.) 2093, Sozialdemokrat 121. Ausstehend: Delitzsch Landdezirk und Stadt Brehna, zirka 3000 Stimmen. Stichwahl wahrscheinlich. Braunschweig, 29. Oktober. Erster Braunschweiger Wahlkreis Stichwahl zwischen Kulemann(nl.) und Blos(S). Zweiter Wahlkreis Römer(nl.) gewählt. Dritter Wahlkreis Stichwahlwahl zwischen Baumgarten(df.) und Weber(nl.) oder Baumgarten und von Cramm. Spezielle Gesammtzahlen fehlen noch. Schwerin, 29. Oktober. Haupt(nl.)5912, Herzog Johann Albrecht(k.) 4017, Hasenclever(£.) 1117 Stimmen. Stichwahl wahrscheinlich. Nachrichten vom Lande fehlen viele. Sonneberg. Gegenwärtig Witte(Df.) 4573, Jerusalem (nl.) 1854, Viereck(S.) 2588 St., rückständig etwa noch 1500 Stimmen. Mannheim, 29. Oktober. Eckhardt(Z.) 5901, Kopfer(D.) 5358, Dreesbach(S.) 4975, Stockhorner(k) 532. Stichwahl zwischen Eckhard und Kopfer. Bruchsal, 29. Oktober. Das Resultat des ganzen Wahl- bezirls Karlsruhe-Bruchsal ist: Arnsperger(nl.) 5129, Gerber (ultr.) 3264, Reiß(k.) 2095, Dreesbach(S.) 3011, Lipp(D.) 1745. Stichwahl zwischen nat. und Zent. Zschoppau, 29. Oktober. Gehlert(nl.) 2935, Geier(S) 1374, Hirsch(df.) 333. Gehlerts Wahl gefickert. Freiberg, 29. Oktober. Melbach(f.) 8736, Kayser(S.) 5530. Es stehen noch neun Orte aus. Melbachs Sieg ficher. Die Sozialisten greifen die Wahl in Zug an; es sollen mehr Zettel vorhanden gewesen sein, als Wähler. Plauen, 29. Oktober. Hartmann(k.) mit großer Majori- tät im 23. Wahlkreise gewählt. Würzen, 29. Oktober. Kögel(S.) 761, Günther-Saalhausen(t.) 660, Wirckow(df.) 57. Harburg, 29. Oktober. Bis jetzt bekannt: Hastedt(ul.) 1973, Barth(df.) 344, Estorff(W) 955, Auer(S.) 1535. Striegau(Stadt), 29. Oktober, v. Forckenbcck(df.) 766, v. Kullmiz(k.) 227, Metzner(C) 232, Richter(S.) 541. Bielefeld, 29. Oktober, v. Ungern-Sternberg(k.) 3292, Elmendorf(ul.) 1637, v. Pilgrim(fk.) 427, Hänel(df.) 1533, tzegemann(S.) 2621. Naumdurg-Weißenfels-Zeitz. Außer den drei Städten find bis jetzt bekannt 89 Ortschaften: Rohland 2115, Annecke 499, Rüdiger 1786, Barth(I.) 1695. Jedenfalls Stichwahl zwischen Robland(df.) und Barth(k.). Buckow, 23. Oktober. Oberamtmann Struve(df.) 85, Amtsralh v. Rosenstiel(k.) 61, Hasenclever(S> 82. Sorau, 29. Okiober. Bis jetzt Witt(df.) 3333, John(k.) 3799, Schwager(S) 3299, Windthorst(6.) 154, also Stichwahl zwischen Liberal und Konservativ. Einige Dörfer fehlen noch. Pirna. Stichwahl zwischen Bake(kons.) 5656 St. und Eysold(Df.). Peters(S.) erhielt 2201 St. Dresden-Neustadt. Stichwahl zwischen Klemm(k.) und Kaden(S) wahrscheinlich. Weimar l. Ausfelvt(Dir.) 4354. v. Helldorf(k.) 3000. Döllstedt(nl.) 2507. Giery(S.) 1423 St. Stichwahl. Durlach Pforzheim. Klump(nl.) mit 6866 St. gewählt- Reichert(C) erhielt 3107. Blos(S.) 1338. Lichtenauer(V-) 653 St. Gotha W. Bock(S.) 8168. Dr. Barth(Dfr.) 5177. Dr. Klöppel(nl.) 3245 St. Aus einigen Orten fehlt das Re- sultat noch. Die Nationalzeitung bringt in ihrer gestrigen Abend- nummer einen Artikel mit der Uederschrift„d i e Wahle n", in welchem folgende Stellen enthalten find: „Während das Schicksal, welches gestern den übrigen Parteien zu Theil geworden, stch noch fast nirgends übersehen läßt, steht eine bedeutende Verstärkung der sozialdemokratischen Fiaktion des Reichstags bereits fest. Dieselbe war zuletzt 13 Mann stark, wir zählen bis heute Mittag aber, obgleich die Partei zwei Wahlkreise, Freiberg und Mittweida, verloren hat, bereits 8 Wahlsiege der Sozialdemokratie— während fie vor drei Jahren zunächst gar keinen solchen zu verzeichnen hatte und alle ihre Mandate erst in den Stichwahlen errang— und ferner zählen wir 18 engere Wahlen, bei denen die Sozialde- Iratie betheiligt ist und von denen mindesten 13 zu ihren Gunsten ausfallen dürften. Danach würden fie 21 Mann stark weiden; fie können es aber sehr wohl auch auf die 25 Mandate brin. en, die ihnen vor der Wahl prophezeit wur- den. Sie haben unter anderen zwei Hamburger Wahl- kreise, welche fie besaßen, im ersten Anlauf wieder gewonnen, ferner Greiz, Chemnitz und Zwickau' neu errangen fie Ber- lm IV., Altona und den Leipziger Landkreis. An Stichwah- Icn find fie fast in allen großen Städten belheillgt, so in Berlin VI., in zwei Breslauer Wahlkreisen, in einem Hamburger, in Königsberg, Elberfeld. Frankfurt a. M., Kaffel, Hannooer, Magdeburg, Dresden, Darmftadt, München, Mainz u. s. w. Die Zahl der großen S:ädte, in denen der sozialdemokratische Angriff im ersten Wablgang abgeschlagen worden, ist gering; es find bezeichnender Weise solche, wo die Liberalen noch am wenigsten durch„konservative" Agitationen geschwächt, so Dan- zig und Stettin, wo Herr Brömel neu gewählt ist. Was die einzelnen nichtsozialistischen Parteien betrifft, so haben die Deutsch-Freiflnnigerr bis jetzt etwa zehn sichere oder doch höchst wahrscheinliche Verluste zu verzeichnen; fie büßten Berlin 4 und wahrscheinlich Berlin 6 ein, ferner Elberfeld(Stichwahl zwischen Konservativen und Sozialdemokraten), Kaffel(Stichwahl zwischen Nationallibe- ralen und-Sozialdemokraten), Hamburg 3(ebenfalls), Darmstadt (desgl.), Braunschweig(desgleichen), ferner Meiningen, wo Herr Baumbach einem Nationalliberalen unterlag, Altona an die Sozialdemokraten; in Mainz, dessen fortschrittlicher Ver- treter die Fusion nicht mitgemacht hatte, findet Stichwahl zwischen Klerikalen und Sozialdemokraten statt. Wie weit diese Verluste der Deutsch-Freistnnigen— die eine Anzahl anderer Wahlkreise, so Berlin 2, 3 und 5, Königsberg i. Pr. jc. noch in Stichwahlen zu vertheidigen haben— etwa durch anderweite Gewinne weit gemacht werden, ist noch nicht zu übersehen. Unter andern hoffen fie auf Königsberg i. N.-M., in Waldenburg kommt ihr Kandidat mit dem Fürsten Pleß in die engere Wahl. Einer solchen haben fich von deutsch-frei- finnigen Führern, aber mit guter Ausstcht auf Erfolg, Frei- Herr v. Stauffenberg in Erlangen(gegen v. Schauß) und Hänel in Kiel zu unterziehen. Herr Richter ist in Hagen wieder gewählt, ebenso Herr Rickert in Danzig." D rn K» l e s. 5 Die amtliche� Feststellung des Wahlergebnisset zur Äeichstagswahl wird am Sonnabend den 1. November ct., Bormittags 10 Uhr, verkündet und zwar für den I. Wahlkreis: im Hörsaale des Friedrich- Werder'schen Gymnasiums, Dorotheenstr. 13114. n. Wahlkreis: in der Aula der 27.|44. Gemeinde- Schule, Wilbelmstr. 112. Iii. Wahlkreis: im Hörsaale des Louisenstädtischen Gymna« fiums, Brandenburgstr. 37. IV. Wahlkreis: in der Aula der 125. Gemeinde- Schule» Koppenstr. 75 a und Andreasstr. 16 a. V. Wahlkreis: im Hörsaale des Sophien- GymnafiumS, Weinmeisterstr. 15. VI. Wahlkreis: im Hörsaale des Humboldt- GymnafiumS, Gartenstr. 29. er. Der Kampf hat ausgetobt, die Waffen ruhe«, das deutsche Volk hat gesprochen, und heute noch ist man eifrig besckäftigt, alle Kundgebungen aus dem großen Vater« lande sorgfältig zu sammeln. Das offizielle Resultat der Wahl wird erst in einigen Tagen bekannt gegeben werden. Uns de« schäftigt vorläufig nur Berlin. Was sah man vorgestern Abend für lange Gestchier, wie kleinlaut waren die Herren, von denen man seit Jahren gewohnt war, daß fie Berlin als ihre un« bestrittene Domäne beherrschten! In die Hochburg des Fort« schritts ist eine Bresche gelegt, er hat in der Hauptstadt deS Deutschen Reiches eine Niederlage erlitten, die gefährlich für ihn ist, man hat ihm gezeigt, daß man seinen Lebensnerv zu be- rühren wagt, und das schmerzlich e Aufzucken bewies, daß der Hieb da gescffen hat, wo er treffen sollte. Einen Wahlkreis hat der „Freistnn" zu nehmen vermocht, einen gänzlich verloren, ein anderer ist so gut wie verloren, und in den übrigen gehen die Stützen dieser hoffentlich bald abgethanen Partei im Büßer« Hemde zur Stichwahl. Wie diese ausfällt, darüber kann vor- läufig noch kein endgültiges Urtbeil abgegeben werden, aber das ist ficher, daß die ersten Führer der Deutsch-Freistnnigen einen demüthigenden Schlag ins Gesicht erhalten haben. Was hat die großartige, gewaltige Agitation dieser Leute genützt? Die Berliner Arbeiter haben wenigstens ge« zeigt, daß fie stch von den manchesterlichen Phrasenhelden nicht mehr hinter das Licht führen lassen, die Antwort, die fie auf die Lockungen gegeben haben, war hart aber deutlich, fie wird den Herren vom Freistnn gezeigt haben, daß die Ber« liner Arbeiter nichts vergeffen, daß fie immer jener Treulostg« leit eingedenk sein werden, der fich der„deutsche Freistnn" mit der Ablommandirung jener 27 Abgeordneten schuldig machte. Das Berliner Wahlresultat spricht deutlich dafür, daß fich der Ardeiter mit der größten Entschiedenheit für die gepriesenen Freiheiten des Fortschritts bedankt, er will nichts von ihnen wiffen, es scheint aber, als ob jene Herren stch das Beglücken des Volles durchaus nicht verkneifen könnten, fie müssen in manchesterlichen Theorien machen, selbst wenn fie stch diS zur Unsterblichkeit blamiren. Selbst der große Eugen bat nichts erreicht wie eine gewöbnliche, ganz gewöhnliche Stichwahl. Und noch am Tage der Wahl leistete fich die zahme„Tante Voß" einen Leitartikel, in welchem fie ungefähr aussprach, daß ein Parlament ohne Richter eigentlich fast undenkbar wäre! Herr Richter hat ja nun die G-nugthuung, in Hagen gewählt zu sein, das deutsche Parlament kann also ruhig weiter tagen, in Berlin hat man jedoch den modernen Cicero in dem Wahl» kreise, der von jeher als ausschließliches Eigenthum der Fort« schrittspartei betrachtet wurde, höhnisch abgewiesen, ein über» wältigender Theil der Bürgerschaft dankt energisch für den de« rühmten Etats-Menschen, der es in Folge seiner unausgesetzten Nörgeleien hin und wieder einmal fertig gebracht hat, vielleicht einige tausend Mark vom Militär- Etat zu streichen. Was ein großer Theil der Berliner Bürgerschaft will, hat er bewiesen; es ist unnöthig, dem etwas binzuzu- fügen— Zahlen und Thatsachen sprechen immer besser als Worte. B. Die Arbeit der Reichspost während der letzten Wahl« Periode war, wie uns von postalischer Seite geschrieben wird, eine ganz enorme. Hunderttausende von Flugblättern und Programmen find innerhalb der letzten 4 Wochen unter Kouvcrt resp. unter Kreuzband von den einzelnen Parteien ver« fandt worden. Beispielsweise find in einem Postamte nicht weniger als 24 000 Kreuzbandsendungen an einem Tage ein« gereicht worden, deren Abstempelung und Bestellung ohne daß defondere Hilfsbeamte eingestellt wurden, auf dag prompteste besorgt worden find. Ebenso hat die Reichspost und Reichs« telegraphie am gestrigen Tage der Verkündigung der Wahl mit beinahe übermenschlicher Anstrengung gearbeitet, um die von Berlin resp. dem deutschen Reich eingehenden und ab« gehenden Mittheilungen über Wahlresultate auf das Schnellste in den Befiy des Adressaten gelangen zu lassen. g. Die gespannte Erwartung über das gestrige Wahlergebniß fand ihren Ausdruck am deutlichsten vor den Druckereien jener Zeitungen, welche in ihren Morgenausgaben das Erscheinen eines Extrablattes über das Wahlergebniß am Abend angekündigt hatten. Besonders vor dem Hause Breite« straße 8, in welchen fich die Bureaus und Druckerei der„Vosst- fchen Ztg." befinden, war der Andrang ein so starker, daß selbst zwei zur Hilfe herbeigeeilte Schutzleute die aufgeregten Gemfi« ther nicht im Zaum halten konnten und noch mehrere Privat« personen ihnen Beistand leisten mußten. Als endlich die ersten Extrablätter zur Vertheilung kamen, wmde es geradezu lebensgefährlich und Viele zogen es vor, stch rückwäits zu konzen- lriren. Ein charakteristisches Wahlbild! Ein tüchtiger Wahlrausch muß es gewesen sein, von dem ein Mann befangen war, den zwei Schutzleute in der vorvergangenen Nacht an der Ecke der Charlotten- und Koch- straße im finnlosen Zustande, aus einer Kopfwunde blutend, auf der Erde liegend fanden. Längerer Zeit bedurfte es, ehe der Mann, der stark berauscht war, aus seinem Bärenschlaf aufgerüttelt werden konnte. Da er weder anzugeben wußte, wo er fich die Verletzung zugezogen hatte, noch dereit war, über seine Persönlichkeit nähere Auskunft zu geben, so hielten die Schutzleute es wenigstens für ihre Psticht, die Wunde auf ihre Gefäbrlichkeit in der nahe belegenen Sanitätswache unter- suchen zu lassen. Da hier nur eine leichtere Verletzung kon- staliit wurde,>o ließ man den Mann auf seinen Wunsch nach Hause trollen. b. Am Halleschen Thore herrscht in den Morgenstunden große Noch, um nach der Gegend der Linden mit der Pferde- bahn mitzukommen. Wenn die Wagen, namentlich bei jetzigem Wetter, vom Kreuzberg am Belle-Alliance-Platz ankommen, find fie meist schon über und über besetzt. In den Abendstunden werden auf dieser Strecke Zwischenwagen eingestellt; fie haben stch aber in dieser Zeit viel weniger nothwendig erwiesen als am Morgen z-bischen 8 und 10 Uhr, wo fie einem Nothstande abhelfen würden. Auf einen unbekannten Verbreiter von falschen däni- sehen Hundertkronenscheinen fahndet nach einer von der Staatsanwaltschaft zu Lübeck hierher gerichteten Mittbeiluno diese Behörde unter Aussetzung einer Belohnung von 300 41»' »»»-in Ion,, bei einem Selbmeelilet in Sübeä S-ÄftfiS«ÄSU? denen 24 Stück fich als gefälscht ------i. erwiesen haben. Der'llnbei kannte hat ang-geben, aus Aarhus(Aarhus) gekommen sein, und eigentlich nach Wien gewollt»> benk.«- —„«..uuiiiuu zu mn, uno etgemitffl nam Wien gewollt zu haben, jetzt aber nach Berlin reisen zu wollen. Nach der Angabe des Geschädigten hat der Unbekannte eine erhebliche Menge Papieraelo in cmer Biieftasche bei fich gehabt. Derselbe ist etwa 25 I ihre alt, mittelgroß, von schlanker kräftiger Statur und gesunder Gc- stchtsfarbe; er hat blonde Haare, einen röthlich blonden Schnurr- bort und spricht deutsch und dänisch. Er trägt einen grauen Anzug und einen Regenmantel. a. Ein Pseudo-Seeosfizier. Ein junger Mann!am am 25- d. Mts. zu der Wittwe N. in der Borstgstraße, welcher unter dem Vorgeben ein Seeoffizier zu sein, bei ihr ein mö- blirtcs Zimmer miethen wollte. Er erzählte, auf Urlaub fich zu befinden und die Abficht zu haben, in Berlin Vergnügens- halber fich 4 Wochen lang aufzuhalten. Die Wittwe nahm den mit einem Seemannsanzug beklcivetcn Herrn auf, der so- fort fich daselbst häuslich nieveilicß. Nachdem er am folgenden Morgen bei seiner Wirtsin gefrühstückt hatte, bat er einen be- reits einige Zeit dort wohnenden Chambregarnisten um seine Visitenkarle, weil er deffen mündlich gehörten Namen angeblich im Gedächtnis nichl deHalten könnte, wobei er fich selbst Frie- drich von Rügen nannte. Hierauf verlieh er diese Wohnung unter Mitnahme einiger der Wirthin gehöriger Sachen, und ließ fich daselbst nicht wieder sehen. Unter Benutzung der er- haltenen Vrsttenkarte mielhete er vielmehr, wie die Kriminal- polizei festgestellt hat. am folgenden Tage eine neue Wohnung in der Veteranenstraße, ließ fich auch da einen Tag lang be- töstigen und verschwand aus derselben diesmal unter Zurück- laffung der gelben Mützentreffe, wie ste von Seeleuten getragen wird. Der bisher noch nicht ermittelte Pseudo-Seeosfizier ist etwa 18 Jahre alt, hat schwarze Haare, ist bartlos und pocken- narbig und svricht gebrochen deutsch. Er trägt eine Seemanns- mütze obne Treffe, ein diaues Tuchjaquet und braune Hosen. g. Ein heftiger Verehrer verursachte in der vergangenen Nacht in einem, unter dem Namen„Mutter K." bekannten Lokal mit Damenbedienung in der Krausenstraße einen groben Exzeß, welcher die rohe Gesinnung eines den besseren Ständen angehöiigen Herrn bekundete. In das gedachte Lokal war noch zu später Stunde der Hotelportier B- gekommen, um nach erfolgtem Hotelschluß ein GlaS Bier zu trinken. Während dieser Zeit hatte neben ihm eine Kellnerin des Lokals Platz genommen, mit der B. fich lebhaft unterhielt. Diese Unter- Haltung muß die Eifersucht eines im Lokal gleichfalls an- wesenden Herrn, einer Hünengestalt, erregt haben, denn er ergriff plötzlich einen unbesetzten Stuhl und schmetterte den- selben hinterrücks mit solcher Wucht auf den B. nieder, daß der Stuhl in Stücke zersprang und B. schwer getroffen und aus mehreren Wunden blutend, zur Erde stürzte, wo er be- wußtlos liegen blieb- Damit hatte fich aber keineswegs die Wuth des Eifersüchtigen gelegt er begann vielmehr wie ein Rasender Alles zu zertrümmern, was ihm unter die Hände kam: Gläser, Glocken jc. Dem Zerstörungswerke wurde erst durch zwei Schutzleute ein Ziel gesetzt, welche auf die Hilferufe der bedrohten Kellnerinnen und Gäste herbeigeeilt waren. Während der Schwerverletzte nach der Sanilälswache in der Markgrafevstraße gebracht wurde, woselbst man ihm die er- haltenen Kopfwunden zunähte und ihm einen Verband an- legte, wurde der Exzedent nach der Polizeirevierwache fistirt. Seine Eifersucht dürfte ihm wohl theuer zu stehen kommen- N. Die Siughalesen, die bekanntlich am 1. Oktober an Bord des China-Dampfers„Elestra" von Hamburg aus in ihre Heimath abdampften, find nach einer uns soeben zugegan- aenen Privatmilthellung glücklich am 18. Oktober in Port- Said angekommen. Einem Briefe des Manager Johannes Casteus, der bekanntlich die Leute in ihre Heimath zurück- begleitet, entnehmen wir folgende interessante Reiscschilderung: Am 2. Oktober, Nachmittags, nachdem wir vorher noch Ladung an Bord genommen halten, pasfirten wir Cuxhafen und kamen direkt in eine hohe See. Es war vorher> in der Elbe schon sehr kalter Wind und schienen fick un ere Schwarzen nicht sonderlich wohl zu fühlen. Der 3. Oktober war für die Singhalesen und die übrigen Paffagiere ein recht unangenehmer Tag. Die ganze Gesellschaft litt an Seekrankheit, was durch- auS erklärlich war, da wir bei starkem Nordwestwind sehr hohen Seegang hatten. Seitdem war die See immer mehr oder minder ruhig gewesen, was unserem an Bord befindlichen Misfionär die größte Freude zu machen schien, da er bei der Seekrankheit schon den ganzen Meeresgrund zu sehen wähnte. Gibraltar pasfirten wir bei starkem Nebel, so daß wir Nichts vom Lande sehen konnten. Am 11., Morgens, sahen wir die Stadt Algier in der Ferne liegen, aber das regnerische Wetter und der Nebel machten es uns unmöglich, dieselbe genauer zu erkennen. Am Sonntag, den 12. Oktober, pasfirten wir die Insel Galita, d. h- verschiedene kleine Felsenblöcke, die dm stolzen Namen„Insel" führen. Am 13., früh 7 Uhr, kamen wir an Tunis vorbei. Das Wetter war noch immer trübe und durchaus nicht warm. Es bot fich hier für die Pas- sagiere, die zum ersten Male auf See waren, ein schönes, echt seemännisches Schauspiel. Es war Apell für die Mannschaft und gleichzeitig Revidtren und Uebungsmanöoer mit den Ret- tungsboten, um zu zeigen, wie dieselben auf schnellste Art und Weise flott zu machen wären, wenn etwas pasfiren sollte. Das ganze Manöver machte einen ungemein beruhigenden Eindruck und schien bei den an Bord befindlichen Damen die letzte Furcht vor dem Wellentod zu beseitigen. Endlich heut, am 18., gingen wir bei unserer ersten Etation Port Said vor Anker, um Kohlen rc. an Bord zu nehmen, und von hier aus sende ich dieses Schreiben nach Europa. Einen weiteren Bericht über den Verlauf unserer Reise werde ich sobald wir Colombo erreicht haben, absenden. Ein Unglücksfall ereignete fich heute Mittag kurz nach 12 Uhr an der Ecke der Dorolhem- und Friedrichstraße. In demselben Augenblick, als ein bei der Charloltendurger Pferde- Eisenbahn angestellter Kontroleur nach beendeter Kontrole einen Wagen der Linie Charlottenburg— Kupfergraben verließ, kam ein Marktwagen in schnellem Tempo angefahren. Da ein Halten der Pferde so schnell nicht gut möglich war, gerieth der Kontroleur unter den Wagen und mußte bewußtlos von Passanten in den Hausflur des Hauses Dorotheenstraße 86 getragen werden, wo ihm die erste Hilfe geleistet wurde. Gmrkts- Rettung. Wegen Aufreizung eines Soldaten, dem Befehle seines Vorgesetzten den Gehorsam zu verweigern, hatte fich der Bureauhrlfsarbeiter Gustav H. vor der ersten Straf- kammer hiefigen Landgerichts I zu verantworten. Am 22 Mai Abends gegen 10 Uhr befanden fich der Angeklagte an den einen und der Füstlier Donebeck an dem andern Tisch in dem Lokal des Schankwirths Hübner in der Potsdamerstraße. Um 10 Uhr trat der Feldwebel Rumpf in das Lokul ein, um ein Glas Bier zu trinken und soll nach der Anklage den Füstlier zum Nackhausegehen aufgefordert haben. Im Begriff, diesem Befehle Folge zu leisten, soll ihm der Angeklagte zugerufen Huben:„Ach was, Sie bleiben hier und trinken mit mir noch einen Schnavs l" In der That blieb der Soldat noch einige Zeit in der Restauration und trank, bevor er fich entfernte, erst noch das Glas Branntwein aus, welches ihm der Angeklagte hatte einschenken lassen. Der Feldwedel Rumpf, auf dessen Anzeige hier die Sache zur Erhebung der obigen Anklage ge- langte, ist inzwischen verstorben, ohne gerichtlich vernommen worden zu sein. Der Angeklagte behauptet, daß er von dem Befehle des Feldwebels aarnichts gehört hat und daß er als ehemaliger Militär dem Füstlier, als fich derselbe zum Nach- Hausegeyen anschickte, noch einen Schluck auf den Weg mitgeben wollte. Dies würde er natürlich nicht gethan haben, wenn er eine Ahnung davon gehabt, daß der Feldwebel dm Soldaten fortgeschickt habe. Mit dieser Angabe stimmen die Aussagen der vernommenen Zeugen überein. Der Staatsanwalt bean- tragte daher die Freisprechung des Angeklagten, auf welche der Gerichtshof erkannte. Leipzig. Der Hochverrathsprozeß wegen des bei Ein- weihung des Niederwald-Tenkmals von anarchistischer Seite geplanten, aber mißlungenen Tynamit-Attmtates wird, wie das„Leipziger Tageblatt" vernimmt, aller Wahrscheinlichkeit nach in der erstm Hälfte des Monats Dezember hier im großen Landgerichtssaal zur Verhandlung gelangen. Die Anklage be- findet fich gegmwärtig noch bei der Ober-Reichsanwaltschaft und es wird dieselbe demnächst an den ersten Strafsenat des Reichsgerichts zur weiteren Entschließung gelangen: mit der Prozeßverhandlung selbst wird fich alsdann der vereinigte zweite und dritte Strafsenat zu befassen haben, die den Ange- klagten zur Last gelegt werden, die Tynamit-Attentate im Post- gedäude zu FrankfuN am Main und in einem Restaurant zu Elberfeld, gleichzeitig mit dem Hochverrathsprozeß hier zur Ab- uriheilung kommen oder od sie nicht vielmehr an die betreffen- den Landgerichte, zu deren Kompetenz ste wohl eigentlich ge- hören, verwiesen werdm. Die sämmtlichen Angeklagten, 8 an Zahl, an ihrer Spitze der schon bei einem früheren Hochverraths- prozeffe mehrfach genannte Anarchist Reinsdorf aus Pegau, find, wie schon erwähnt, im Laufe der letztm Tage von Elber- feld in das hiefige Gerichtsgefängniß übergeführt worden. Die Most'sche„Freiheit" hat dem zitirten Blatte zufolge An- deutungen gebracht, daß gegen das Gerichtsgebäude in Elberfeld, in welchem die Angeklagten gefangen saßen, irgend Etwas untemommen werden solle, und bet dem Vorhandensein zahlreicher zu Gewaltthätigkeiten geneigter Elemente in dem großen Bevölkerungszentrum von Elberfeld-Barmen und dem Umstände, daß daselbst Truppen nicht garnisoniren, hat man es wahrscheinlich für zweckmäßig befunden, die Angeklagten schon jetzt hierher zu transportiren. Wieder ein unschuldig Verurtheilter. Am 22. April d. I. wurde vom Ausnahmsgerichtshof in Wim unter Vorfitz des L-.G.-R. Dr. v. Karajan der Futteralmachergehilfe■ Erben wegen Todtschlages schuldig erkannt und zu fünf L. schweren Kerkers verurtheilt. Es wurde ihm zur Last gelegt, den Josef Blazekovsky durch einen auf die rechte Kopfseite ver- setzten Messerstich am 23. März Abends bei der Schönbrunnel Linie getödtet zu haben. Die Kameraden des Getödteten, ins- besondere die Zeugen Binder, Wrbanek und Zadelak bezeich' neten ihn bei der Verhandlung trotz seiner Betheuerungen, daß er unschuldig sei, als Thäter-— Ende September dieses Jahres nun wurde der 18 Jahre alte Steindrucker Josef Gurofsky bei einem Rauf- Exzesse polizeilich beanstandet. Er gestand, am 23. März Abends bei der Schönbrunner Linie während eines Slr.ites Jemandem in die rechte Kopfseite einen Misser- fich versetzt zu haben und entflohen zu sein. Wen er ge- stachen und ob der Entflohene getödtet wurde, wußte er nicht. Die Erhebungen stellten nun klar, daß der verurtheil« Erben in der That an dem Todtschlage unschuldig war und wurde derselbe nach Wiederaufnahme des Verfahrens steige- sprochen- Josef Gurofsky hingegen hatte fich gestern vor eine« Äusnahmsgerichte(Vorfitzender Vizeprästdent Graf Lamezan) wegen jenes Todtschlages zu verantworten. Er war geständig, Jdmanden während eines Streites am 23. März Abends u> der Nähe der Kapelle bei der Schönbrunner Linie in die rechte Kopfseite gestochen zu haben. Die Kameraden des Getödteten agnoszirten ihn als Thäter; ihre Aussagen in Bezug auf den dem Stiche vorhergegangenen Streit, wie auf die Alt un» Weise, wie derselbe entstand und fich entwickelte, waren so un- klar und zurückhaltend, daß der Vorfitzende bei Vernehmung des Zeugen Binder die Bemerkung machte-„Ich begreife nicht, wie man auf die Aussogen dieses Zeugen den Erben schulmg sprechen konnte."— Josef Gurofsky wurde im Sinne«r Anklage schuldig erkannt und zu drei Jahren schweren Kerkei» verurtheilt- ArbeUerwlveguug. Verewe uuÄ Verssmmluuge«. Die Firma S. D. Perl«. Sohn sendet uns in Bezug auf den in Nr. 175 enthaltenen Artikel„Die zahlreichen strafungen junger Kaufleute" folgende Berichtigung, der w« zur Aufklärung des Sachoerhalts gern Raum gewähren: Kommis Humig war vor ca. 2 Jahren zu seiner weiteren Au»- bildung, nachdem er wegen Unregelmäßigkeiten in einem'ch' deren hiefigen Hause seine Lehrzeit hatte vorzeitig abbrew« müssen, in unser Fabrikkomtoir eingetreten und hatte fffl0" nach kurzer Zeit unser Vertrauen derart aemißbraucht, daßch Unterschlagungen in Höhe bis zu 1200 Mark fich zu Ethulve« kommen ließ und darauf fleißig wurde; in Rückficht auf st'" Alter namentlich aber auf den Ruf seiner respektablen FastU� ließen wir uns gegen ein Abkommen mit seinem allen M»?' der fich verpflichtete, seinen Sohn für fernere zwei Fa&st 1. Wohnung, Kost und Kleidung zu erhalten, herbei, von em Verfolgung derSache abzustehen, und legten dem jungen Manne» Kompensation für den uns erwachsenen Schaden die st'st pflichtung auf. für ein geringeres Ealair zwei Jahre htnvut» bei uns zu arbeiten: daß diese Rückficht nicht am Platze, ha� wir durch spätere und fortgesetzte Leichtfertigkeiten des junS"' Mannes mit großem Schaden theuer genug erkauft. Die Erklärung der Herrn Gast und Brock, Straße 13, in verschiedenen Zeitungen, betreffend die Arde> einstcllung in dieser Werkstatt, hat der Kommission der Tu« Veranlassung gegeben, zu heut Abend 8 einhald Ubr 1 Versammlung der Tischler nach Rothackers Lokal, Belleallra" straße 5 einzuberufen. Die Kommisston wird in dieser sammlung, zu welcher die betheiligten Tischlermeister ew» laden find, die Sudmisstonsofferten aller Betheiligten öffentlichen. Der Verein der Einsetzer(Tischler) hätt am%% 2. November, Vorm. 10 Uhr, im Vereinslokal. Holzjna ie 8 seine regelmäßige Versammlung ab. T.-L-: den straße o teure regermavrge ajenoinmiung ao.- Stellung des Vereins zur jetzigen Bauthätigkeil. 2..�,� Vercinsangelegenheitcn. 3. Fragekasten. Neue Mjw werden aufgenommen. Die Mitglieder werden ersucht zahlreich zu erscheinen. Briefkasten äer KeäaKtion. uni Die Vorstände der steien Hilfskassen ersuchen tost, ihre Zahlstellen anzugeben. � A. M. Leider verspätet. Weshalb schicken Sie«w früher? Theater. Donnerstag; Königliches Opernhaus: Zweite Sinfonie-Soiree der königl. Kapelle. Königliches SchausKiethauS: Donnerstag: Ein Lustspiels Deutsches Theater: Donnerstag: Die große Glocke. velleaÜtanee-Theater:,,, Donnerstag; Vorletztes Gastspiel der Königl. Hofschauspielerin Frau Marie Seebach. Auf Verlangen: Gegenüber. Neue« Frredrtch. WUhelmstädttscheS Theater: Donnerstag: Gasparone.______ Walhalla-Operetten-Thcater: Dounerstag: Gilette.___ Ostend-Theater: Donnerstag: Die beiden Harfenmädchen- —~"stentral-Theater: Alte Jakobstraße 30. Direktor Donnersta 6 :\iuiw,t,wDv. Ad. Ernst, Auftreten des Fräul. Anna G r ü n f e l d. Zum o. inule; Der Walzer-König. Gesangsposse in 4 Alten _ v. W. Mannstädt, Äufik v. G. Steffens(Novität!) Louisenstädtisches Theater: Direktion: Josef Firmans. Donnerstag: 58. Gesammt- Gastspiel der Liliputaner. Zum 46 Male: Robert und Bertram.___ Viktoria-Theater. Donnerstag: Excelstor.__ Residenz-Theater: Direktion: A. Anno, Blumenstraßc 9. Donnerstag: Zum 6. Male: Drei Frauen für einen Mann, Schwank in 3 Akten von A. Valabreque und Grenet- Tancourt. Vorher: Herzogin Martin, Lustpiel in 1 ___ Akt von H. Meilhac._____ Wallner-Theater: Tonnerstag: Zum 34. Male: Der Raub _ der Sadinerirmcn._ Altamka-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Eine Berliner Nätherin. DolkSstück mll Gesang in 4 Abtd. von Herm. Hersch, Mufik m S rn n rr Thed. Franke. nn J)0c» Bmiullung: Konzert, ausgeführt von aus 20 Musikern bestehender Kapelle, unter Leitung des Kapell. meistcrs Herin Ludwig Claufius. Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 7'/. Uhr. Unseren herzlichsten Dank allen Denjenigen, welche fich so rege und liebevoll an der Beerdigung unseres so früh dabin- geschiedenen Sohnes und Bruders Carl Malchert bethei- ligt baden, sowie auch den Vorständen der Arbeiterbezirksvereine der Rosenthaler Vorstadt und des Ostens für ihre liebevolle Spenden. Die tieftrauernd Hinterbliebene Familie Malchert, 1171_ Jnvalidenstraße 148._ Ansserordeniliche Mitglieder- V ersammlung der Central Kranken- und Sterbekasse der Maurer und Steinhauer Deutschland«..Grundstein zur Einigkeit." Freitag, den 31. Oktober ct., Abends 3'/« Uhr, im Won„Sum Seutfcfien �aifW"£otfmnger|ltQj)e 87. Tagesordnung. Die Thellung Berlins in Zahlstellen. Stellung der Mit- glieder zu dem in's Leben zu rufenden Sanstäis Verein der freien Hllfskassen-Angelegenheit. 1167 Der Bevollmächtigte. _ I. Dietrich._ Arbtlttr-Kts.-Ntteind.MWchstM. Heute Donnerstag den 30. Oktober er., AbeudS 8 ein halb Uhr, im Lokal Wilhetm-Straße Nr. 105. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Max Kreutz. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder.— Gäste stets willkommen. Um zahlreiches Erscheinen bittet 1200____ Der Vorstand. Trotz alledem! 1172 Cigarren. im im- m, M. Meher. Fruchistraße 36a, im„Freischütz". 1 frdl. Schläfst, z. verm. b. Schulz. Louisenuser 7, H. l. 1 T. Jobanniterftr. 2, I L, kann ein Herr mit einwohnen.[1174 Die Nr. 10 der humoristischen Blätter „Der wahre Jacob" ist erschienen und in der Erved. d.„Bert. Volksbl." zu haben Im 6. Reichstagswahlkreis oerkauft gute Eigarren, Eigaretten, Nordh. Priew'T«� und Rauch-Tabak die Eigarrenfabrit von ,z. M. Bernstein. Eichendorfstraße Nr. 9 13_ vis-i-vis dem Etettiner Bahnhos�— � 1 frdl. Schläfst, z. v. b. 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Die Armen Neapels, dte haben nichts, weder eine Wohnung, noch sonst etwas, worauf fie mit Gewißheit bauen könnten- Erschwingen sie sich irgendwie einen Soldo, so kaufen sie entweder eine Schnitte Pk*a, eine aus dem schwärzesten Mehle, ohne Gährstoff, ohne Salz, nur mit rohen Paradiesäpfeln, Knoblauch und rothem Pfeffer versetzte Bäckerei, die so schwer und so unverdaulich ist, wie Quecksilber. Oder fie nehmen beim nächsten Garkoch um Zwei Kreuzer„spiritosa", eine dicke, schwarze Brühe aus Kürbis- siückchen, Esstg, Pfeffer, Wohlgemuth und Knoblauch, und wenn sie sieben Centimes besitzen, da verwenden fie zwei auf einen kleinen Laib Brod, öffnen ihn und lassen sich vom Wirthe rmen Löffel voll„scapece" hineingießen. Woraus diese un- saubere Jauche besteht, vermag nur der Eingeweihte zu er- gründen; fie stinkt nach Knoblauch und faulem Fische; allein ste gehört unstreitig zu den feineren Speisen, denn es ist auch etwas Käse darinnen— Käse aus den talabrischen Bergen, der ®wch seine Schärfe die Zunge und den Gaumen mit vielen Bläschen überzieht. Um sieben bis acht Centimes bekommt Man auch ein Stück Calmar, eine Art Tintenfisch, die in dem schmutzigsten Wasser des von unzählbaren Kloaken verunreinig- ten und vergifteten neapolitanischen Hafens gedeiht. Der ~®™ar wird in Seewasser gekocht und zählt zu den Lecker- mssen des kleinen Mannes, der ihn nur an hohen Festtagen m« Salat von unreifem spanischen Pfeffer, grünen Paradies- bpfeln und Zwiebeln verzehrt. So ißt das Volk von Neapel, tagaus, tagein..., wenn e- etwas ißt. Es giebt aber auch Zeiten, in denen es weder Arbeit noch Saldi befitzt; da brütet es in seinen Schlupf- mrnkeln, so lange das Sonnenlicht über die Stadt scheint, schleicht dann bei eintretender Dunkelheit nach den Markt- Men, sucht sich aus dem Kehricht Melonen- und Gurken- schalen hervor, mäirkt sie. so out es aebt. und beißt gierig y"'»«uu uu» wem.ewuww yy***- !?alen hervor, wäscht fie, so gut es geht, und beißt grerrg chnem, bis ver Magen voll ist und... die Uebelkeiten be- Mnen. Dann schleicht es wieder nach seinem Fondaco, nach oem Sackgäßchen, wo es in den bauchigen Falten von aiehreren aneinandergeklebten Häusern oder in den Kellerver- lußen sich zur Ruhe bettet— Wer dieses namenlose Elend (lu# ju[ UWiei— Wiejl» uuumuuie vsaviiv eigenen Augen gesehen, wer nur einen Tag lang mit biesen unglücklichen Geschöpfen verlebt uud ihre Klagen gehört, ber begreift alles: den Schmutz, die Unwissenheit, den Aber- Muben, welche in den unteren Schichten des nepolitanischen '°lies herrschen. Ihr Leben ist aus Elend und schössen Träumen Die Lottokollektur ist ihr Rettungsanker; die Nummern, fc. c z.'0!l0loucitur tji ryr meriungsanrer, vir ytuuim»», gesetzt, sind die Hoffnung, auf welche fie goldene Schlosser ausbauen. Kommt dann der Sonnabend und brrcht loh zusammen, dann dauert ihre dumpfe Verzweiflung w l bis zum nächsten Montag I denn am'Montag muß das ANch der süßesten Träume nothwendigerweise wieder beginnen. 2°.geht es fort, bis der Todtengräder auf Kosten des Ge- ?.?b°''arars an diesen menschlichen Ovfern das letzte Werk s.flsseht und fie hinausführt auf die schöne, palmengeschmückte, Anhöhe des Campo Santo. r�llnd.weiß man denn, was diese armen Leute unter Fleisch sei» 1.' Etwa wirkliches Fleisch, für dessen Beschaffung un- So Hausfrauen sich täglich so viele Sorgen machen 2 *®e,t reicht die Vorstellungsgabe selbst des phantafiereichsten 5°w°kners von Porto oder P-ndino nicht. Fleisch, das ist die Ii ��lchwarte, ein Stück Lunge oder Herz; Weisel) find der W°lreste der Scklachtbänke. Fleisch find die Emgewerde sLfbtete. Man trägt das zwerdeutige Zeug auf langen k>'°aen herum und läßt es herunterbaumeln; Tausende von Ich be»""mschwärmen es. lagern darauf; man läßt es ife iAä Mssamenverkäufer. das arme Weib, das von Haus zu Haus um für einen halben Soldo die Haare der Frauen in n�uung zu bringen; das ißt Alles, was da lebt und msekten- ||autn wabrnebmbar nach dem Meere schleicht. Und wie Die Auster*) WZZWM ZMMW M sich mmm das Essen so das Trinken. Am Sonntag, wenn das Lottospiel etwas abgeworfen hat, wird ein Liter Asprigno um vier Saldi getrunken— ein Wein, den jeder neapolitanische Wirth mit den ursprünglichen Mitteln im eigenen Keller bereitet— sauer- süß wie italienische Wildpretsauce, grau-grün gefärbt und trübe... einem Menschen würde übel dabei werden, aber diese Unglücklichen find keine Menschen, fie find es schon seit Jahrhunderten nicht, und fie leben danach. Was wir weg- werfen, das heben fie auf, mit den Abfällen der Artischocken würzen fie sich ihr Brod, und das Wasser, was wir fliehen, trinken fie an Wochentagen mit demselben Behagen, wie an den Feiertagen das saure, ätzende Getränk, dem fie in ihrer Gutmüthigkeit den Namen Wein gegeben. Das Wasser! Von der Mergellina kommt ein dünner Streifen in die Stadt herein; es ist gutes, frisches Wasser, ge- nügt aber kaum für zweitausend Menschen. Die Aequaroli, Wasserverkäufer, die ihre Holzbuden mit allerlei Tand aus- schmücken, entnehmen ihren Bedarf, wenn es sein kann, dem sogenannten Wasser des Carmignano, halb Quell-, halb Brun- nenwasser, das, man weiß nicht immer wie und woher, unter den Häusern durchfließt, vor dem Gebrauche geseiht werden muß und dessen Kanäle nur einer Klaffe von Menschen be- kannt, die seit alter Zeit mit ihrer Reinigung betraut find, eine feste Gilde bilden und mit jenen Hausbefitzern, die ihnen nicht zu Gesichte stehen, den undenkbarsten Unfug treiben. Hoch oben auf Capodimonte kann man überdies noch die Aqua del Leone trinken— etwas warm, aber nicht ungesund... Diese drei Quellen geben vielleicht tausend Hektoliter täglich, und in Neapel wohnen 600000 Menschen! Man muß also zum Brun- nenwasser seine Zuflucht nehmen... zum Grundwasser einer Stadt, die fich mitten in der herrlichsten Natur, statt sich frei und kraftvoll zu entfalten, so zusammengedrängt hat, daß den Armen weder Luft noch Licht zu theil wurde; einer Stadt ohne regelmäßige Kanalisation, ohne Schleusen, die das Vermischen des Salzwassers mit dem Süßwasser wenigstens mechanisch ver- hüteten, einer Stadt, wo der Boden alles aufnehmen muß, was die Menschen von fich stoßen, wo die meisten Straßen in unergründlichem Schmutze starren, weil fie die Wohlthat eines Besens nie empfunden, wo alles in Fäulniß begriffen, von den Kleidern, mit denen sich diese dedauernswerthen Geschöpfe be- kleiden, bis zu dem Brote, das fie essen. Das ist keine Rhe- torik; das ist die herbste Wahrheit, und es nicht die volle Wahrheit, lange, lange nicht! So ein neapolitanischer Brunnen in Santa Licia, in Porto, Mercato, in San Lorenzo und der Vicaria ist denn auch ein merkwürdiges Ding. Der Hof. in dem er steht, ist einen bis zwei Fuß hoch mit allerlei Unrat bedeckt und die Brunnenwand ragt um einiges, vielleicht um eine Handbreite daraus hervor. Die Oberfläche des Waffers schillert im Halb- dunkel; kleine Pünktchen schießen geschäftig hin und her, ziehen Furchen und Kreise. Ein Geruch von Schimmel und Moder dringt herauf... Die Flüsfigkeit, die man schöpft, ist nicht farblos, sondern leicht gelblich gefärbt, als ob fie Mangan ent- hielte; fie schmeckt nach Schwefel, nach Lehm, nach Salz. Das ist der Labetmnk des neapolitanischen popolano! Lokales. Die Kgl. Eisenbahndirektion zu Berlin ist gegenwärtig mit der Aufstellung eines generellen Projekts für eine Eisen- bahn untergeordneter Bedeutung von Grunow nach Beeskow beschäftigt, zu welchem die bereits vorhandenen generellen Vor- arbeiten der vormaligen Direktion der Kotlbus-Großenhainer Eisenbahn-Gesellschaft verwendet werden. Die bei der Auf- stellung dieses Projektes interesfirten Grundbesitzer find bereits hiervon mit dem Hinweis auf die einschlägigen Bestimmungen des Enteignungsgesetzes und dem Ersuchen benachrichtigt wor- den, den betreffenden Beamten, sowie deren Gehülfen und Arbeitern sowohl den Zutritt auf ihren Grund und Boden, als auch auf die Verrichtung sämmtlicher zur Erledigung ihres Auftrages e> forderlichen Arbeiten zu gestatten. Der den Grund- bcsitzern etwa erwachsende Schaden wird von der Kgl. Eisen- bahn-Direktion vergütet. Eine Zerstörung von Baulichleiten Sie hat kein Fortbewegungsorgan wie die meisten anderen Muscheln. Bei ihrem winzigen Umfange genügt die geringste Anschwemmung durch feinen Sand oder Schlamm, um fie datin zu vergraben und ihr Leben abzutödten- Sie vermag dann weder dem regelmäßigen Athmungsprozesse obzuliegen, noch in hinreichender Menge Nahrung aufzunehmen, deziehungs- weise zu finden, und geht elend zu Grunde. Auf ihrem Standorte aber steht es auch sonst keineswegs allzu idyllisch aus. Sie hat dort unzählige und keineswegs wohlwollende Mitbewohner, wie jeder Austernzüchter weiß, der mit dem Sckleppnetze außer Austern ein ganzes Gewimmel von Thier en mit auf die Oberfläche zieht. Alle diese Thiere stammen aber von einer und derselben Lagerstätte— der Austernbank. Taschen- und Einfiedlerkrebse trachten der Auster — sei fie nun jung und unentwickelt, oder vollwüchstg— unausgesetzt nach dem Leben, Seesterne und Seeigel tbun dies nicht minder. Der größte Austernvertilger ist aber der Taschen- krebs, der mit einer scheere die Auster festhält, während er mit der andern zwischen die beiden Klappen der Schale ein- dringt, um die Molluske zu erfassen und herauszuziehen. So lange das Thier klein und schwach ist, steht ihm immer die Eventualität eines solchen Endes bevor. Im ausgewachsenen Zustande aber, wo der Schließmuskel große Spannkrast besitzt, möchte es selbst größeren Taschenkredsen schwer fallen, mit den Scheeren in das Innere der Schale einzudringen. Ungefähr 1000 ausgewachsene Austern erzeugen in einer Brutperrode wenigstens 440 Millionen Schwärmlinge' aber neben 1000 ausgewachsenen Austern liegen in der Regel nicht mehr als- 421 halbwüchstge. Das ist wie Moebius nachweist—»beispielsweise bei der holsteinischen Auster der Fall. Für jede einzelne holsteinische Auster, die auf den Tisch kommt, gehen sonach mehr als 1 Million junge Schwärmaustern zu Grunde. Und das wird auch auf anderen Austerbänken der Fall sein. Die Durch- schnittsziffer von 440 Millionen Schwärmlingen und 421 übrig bleibenden Thieren ergiebt, daß von ungefähr 1 Million Schwärmaustern eine einzige die Reife erreicht! Da wird es begreiflich, wie wenig rentabel fich die künstliche Austernzucht erweist, und wie man den Erfolg— wie er in solchen An- stalten erreicht wird— von 10 Mutterthieren 7—8 junge Austern zu gewinnen, als einen verhältnißmäßig günstigen de- zeichnen jj�L��nde der freien Nordsee erstrecken fla, als ein ungefähr 15—22 Kilometer breiter Streifen, der bei Helgo- land deginnt und fich weit nach Westen erstreckt. See liegen meist 33—34 Meter tief. Holländische und deutsche Fischer be- treiben hier besonders in den Monaten August, September und Oktober Austcrnfischerei und erdeuten mit einem Zuge des Schleppnetzes oft an 1000 Stück. Im Allgemeinen find die jeder Art, sowie das Fällen von Bäumen ist nur mit Genehmigung des zuständigen Bezirksausschusses gestattet. Die„geisteskranke" unverehelichte Pauline Bieck, welche in der Landarmen- und siechenanstalt Wittstock unter« gebracht war, ist von dort entwichen, nachdem fie einer Wärterin eine Baarschaft von 130 M. gestohlen hatte. Da es bisher nicht möglich gewesen ist, die Flüchtige zu ermitteln, so find die sämmtlichen Polizeibehörden um Vigilanz und Festnahme der pp. B. ersucht worden. * Vorsicht bei Wegwerfung glimmender Zigarren« stummel. Eine junge Dame, welche gestern Vormittag die Charlottenstraße entlang ging, wurde von einem Herrn darauf aufmerksam gemacht, daß an der Seite ihres faltenreiches Kleides ein verdächtiger Rauch hervordringe- Die Dame begab fich sofort in einen Hausflur und entdeckte in einer der tiefen Falten einen noch glimmenden Zigarrenstummel, der bereits ein größeres Loch in den Wollstoff gebrannt hatte. Wahrschein« lich hat ein Herr den Zigarrenstummel achtlos fort- und der Dame in das Kleid geworfen. * Ein schlechter Scherz. In Bezug auf die mitgethMe „Herausforderung" des Schomsteinfegers auf„gezogene Pistolen mit Stecher" erfahren wir, daß eine Anklage wegen Heraus« forderung seitens der Staatsanwaltschaft nicht erhoben wird, nachdem sowohl der„Herausforderer" als der„Geforderte" er- klärt haben, es sei das Alles nur ein Scherz gewesen, als welchen die Handlung auch nur aufgefaßt wurde. L. N. Ein Unglücksfall durch Ueberfabren trug fich gestern Nachmittag auf der Schloßbrücke zu. Eine Dame, die später als eine in der Louisenstr. 9 wohnende unverehelichte Johanna Poch rekognoszirt wurde, versuchte um die angegebene Zeit unmittelbar vor einer die Brücke pasfirenden Droschke den Fahrdamm zu überschreiten, strauchelte jedoch hierbei und wurde so von der Droschke überfahren. Sie erlitt so schwere Verletzungen an beiden Füßen, daß ste in ein Krankenhaus ge- schafft werden mußte. Den Führer der Droschke soll nach Aus« sage von Augenzeugen keine Schuld treffen.— Ein ähnlicher Unglücksfall trug fich fast gleichzeitig in der Landsbergerstraße zu- Ein anscheinend dem Arbeiter,>ande angehöriger Mann, der wohl des Guten etwas zu viel gethan hatte, wurde beim Betreten des Straßendamms von einem vorbeifahrenden Post- packetwagen gestreift und derart zur Erde gestoßen, daß auch er nicht unerhebliche Verletzungen davontrug. Auf der nächsten Sanitätswache mußte ihm die erste ärztliche Hilfe zu Theil werden. N. Durch herabstürzendes Mauerwerk erlitt gestern Nachmittag der Sohn des bekannten Hofjuweliers Paul Telge vor dem Hause Holzgartenstr. 8 anscheinend nicht unerhebliche Verletzungen. In dem Augenblick, als der genannte Herr sich aus dem erwähnten Hause auf die Straße begeben wollte, stürzte plötzlich ein in Folge des anhaltenden Regens und des heftigen Sturmwindes locker gewordenes Stück des DachfimseS auf die Straße, dabei den Telge jn an den Kopf und an den Händen streifend. Dem Verunglückten, dessen Verletzungen zu ernsten Besorgnissen glücklicherweise nicht Veranlassung' geben sollen, mußte ein Verband angelegt werden. r Von de« vor einigen Tagen als gestohlen gemel- beten Servietten, die dem Serviettenmarder abgenommen worden, ist bisher nur die Hälfte von den fich meldenden Be- stohlenen als ihr Eigenthum rekognoszirt worden, während stch zu der anderen Hälfte die bez. Eigentümer noch nickt gemeldet haben. 50 Stück der nock nicht rekognoszirten Servietten find mit L- W- und 10 Stück mit S- K. gezeichnet. Die resp. Eigenthümer können stch wegen dieser Servietten auf dem hie- figen Kriminalkommiffariat bei dem Kriminalkommissar Weien melden. t. Verunglückt. Von einer plötzlichm Ohnmacht be« fallen, stürzte gestern Mittag gegen 1 Uhr am Koppenplatz der Pferdebahnkutscher Nr. 537 so unglücklich zur Erde nieder, daß er eine klaffende Wunde am Hinterkopf davontrug und einen starken Blutverlust erlitt. Der Linienstroße 93 wohnende Heil« gehilfe Jelichmann eilte dem Verunglückten sofort zu Hilfe und stellte mittelst belebender Essenzen Wiederbelebungsversuche an, die auch soweit gelangen, daß der Verunglückte, von mehreren aus dem Pferdebahndepot Acketstr- 2 herbeigeeilten Beamten Tiefsee-Austern größer, als die Küsten-Austern, indeß lange nicht so schmackhaft wie diese. Der Uebcrschuß an Ernte wird in Deutschland an geeigneten Stellen im Wattenmeere nieder« gelegt und während des Winters nach und nach auf den Markt gebracht. Als Delikatesse am Tische des Reichen spielte die Auster sckon im Alterthume eine hervorragende Rolle. Vom Kaiser Vitellius, der ein großer Feinschmecker war, geht die Behaup« tung. er habe täglich in vier Mahlzeiten 4800 Austern verspeist. Da man derechnet hat. daß etwa anderthalb Dutzend Austern genau so viel an stickstoffhaltiger Substanz enthalten, als einem kräftigen Manne zu seiner täglichen Nahrung noth« wendig sei, würde sonach Vitellius das Nahrungsquantum für 25 Erwachsene zu stch genommen haben. Auch sonst wurde im alten Rom großer Luxus mit den Austern getrieben, wenn auch in den diesfälligen Berichten manches für Uebertreibung hinzunehmen sein dürfte, wie beispielsweise eine Angabe des Lucilius, der von einer einzigen Auster im Wette von 100000 Sestertien, d. i. zirka 7000 Gulden, derichtet. Plinius nannte die Auster den„Triumph auf den Tischen der Reichen". Sergius Orato, den Cicero den größten Scklemmer nennt, hat es sogar mit der künstlichen Züchtung der Auster in der Bucht von Bajä versucht. Mit welchem Erfolge, dar« über giebt Ii in römischer Kommisfionsbericht Auskunft. Daß der Nährstoff der Auster sehr bedeutend ist, wäre für ihren Genuß weniger entscheidend, als der ihr eigenthümliche feine Geschmack. Indeß hat man nicht zu ergründen vermocht, welche Stoffe die Austern so besonders schmackhaft machen. Man vermuthet, daß die Fette hieran einen wichtigen Anthell hätten. Die Leber der Auster enthält hauptsächlich Trauben- zucker. Eine ausgewachsene holsteinische Auster enthält in ihrem Weichthierkörper ungefähr 22 pCt. Nährstoff, also ungefähr so viel, wie die besseren Fleischsorten. Da aber die Austern unter allen thierischen Nahrungsmitteln am leichtesten verdaulich ist geht der Ernährungsprozeß durch ihren Genuß ausgiebiger vor ■■ unterstützt, ficb in die Offizin des Herrn Jelichmann begeben konnte, woselbst ihm der erste Verband angelegt wurde. N. Eine Zerschmetterung der Kniescheibe zog fich gestern Abend eine elegant gelleidete Dame in der Nähe der Marschallbrücke zu. Dieselbe war gerade im Begriff eine Droschke zu besteigen, als das Pferd plötzlich anzog und die Dame derart vom Trittbrett aus den Straßendamm fiel, daß sie, unfähig fich zu erheben, liegen blieb. Die Aermste mußte sofort in ihre Wohnung geschafft und dort in ärztliche Behandlung gegeben werden. N. Feuer. Das Grundstück Koppenstraße 59 schwebte nach einer heule früh 2'!- Uhr auf den Feuerwachen eintreffenden Meldung in Feuersgefahr. Auf bisher noch unaufgeklärte Weise war ein auf dem fraglichen Grundstück befindlicher Holz- schuppen, der zum Aufbewahren von Brennmaterialien benutzt war, in Brand gerathen. Der Angriff bot, da sich dieser Schuppen in der Tiefe des Grundstücks befand, der Feuerwehr große Schwierigkeiten. Erst nach Aneinanderfügung oon 10 Schläuchen war es möglich, Wasserstrahlen der in Thälig- keit gesetzten großen Handdruckspritze bis auf den Brandhecrd zu leiten. Nach angestrengter Arbeit waren um'/-5 Uhr die Lösch- und Aufräumungsarbeiten beendigt. Eine etwas später aus der Kleinen Markusstraße eintreffende Meldung betraf nur einen blinden Feuerlärm. Polizei-Vericht. Am 27. d. M. fiel der Pantinenmacker Raasch in der Trunkenheit die nach seiner Ackerstraße im Keller des Seitenflügels belegenen Wohnung führende 9 Stufen hohe Treppe hinab und erlitt dabei derartige Verletzungen, daß er am 28. d. M. Vormittags verstarb. Die Leicde wurde nach dem Obduklionshause geschafft.— Am 28. d. M. Abends ge- rieth in der Wohnung des Webers Berg, Kleine Markusstr. 18, ein Webstuhl durch das Zerbrechen einer an demselben hängen- den Lampe in Brand. Das Feuer wurde noch vor dem Ein- treffen der Feuerwehr gelöscht.— Am 29. d. M. früh brach in einer auf dem zweiten Hofe des Grundstücks Fruchlstr. 59 belegenen Remise Feuer aus, durch welches dort lagernde Holz- abfülle, sowie die Remise selbst zerstört wurden. Die Feuer- wehr war über eine Stunde in Thätigkeit. Gerickts- Zeitung, Reichsgerichtsentscheidung. Der Fis'us hastet im Gel- tungsdereich des Preußischen Allgemeinen Landrechts nach einem Unheil des Reichsgerichts, 5. Zivilsenats, vom 27. September 1884 bei der Erfüllung privatrechtlicher Verpflichtungen gleich Privatpersonen, mithin aus pflichtwidrigen Amtshand- lungen von Beamten nur unter denselben Voraussetzungen, wie eine Privatperson unter gleichen Umständen aus den Hand- lungen ihrer Vertreter.„Der Kläger war als Arbeiter der Bcrlin-Lehrter Eisenbahn von dem Bodenmeister Berendt an- gewiesen, mit anderen Arbeitern eine Kiste vom Abladcperron nach der Rampe des Güterbodens zu schaffen, und ist hierbei durch das Umschlagen der Kiste verletzt. Er hält in Folge dessen den Beklagten zunächst wegen eines Verschuldens des Bcrndt für haftpflichtig. Der Berufungslichter bezeichnet aber zutreffend die§§ 1 und 2 des Haftpflichtgcsctzes vom 7. Juni 1871 hier als unanwcndbar, vermißt ferner in unanfechtbarer Weise ein Versehen des Beklagten bei der Auswahl des Bcrndt zu den fraglichen Dienstleistungen und verneint dcßhald den Anspruch aus einem Verschulden des letztem. Wenn die Re- viston einen solchen dennoch aus der Stellung des Berndt als Beamten des Beklagten herleitet, so verstößt fie ihrerseits gegen den obigen Grundsatz. Denn nach§ 50 Theil I Titel 6 des Allgemeinen Landrechts haftet, wer einem Andern einen nicht gemißbilligten Auftrag ertheilt, für einen von demselben bei veffen Ausrichtung verursachten Schaden regelmäßig nicht und nach§ 53 daselbst nur dann subfiduarisch, wenn er fich beider Auswahl eines untüchtigen Bevollmächtigten ein grobes oder mäßiges Versehen zu Schulden kommen ließ. Dieses wäre da- Jer, wenn der Berndt im Dienste einer Privatperson gestanden ätte, derselben behufs Begründung eines Ersatzanspruches nach- zuweisen gewesen und mußte deshalb ebenso dem Beklagten, da er nur unter denselben Voraussetzungen, wie eine Privatperson haftet, bewiesen werden."(P- Fiskus 59/84.) Vermlscktes. Eine gestörte amerikanische Trauung. Sie verlebten ein paar schreckliche Augenblicke während ihrer Trauung in fietaluna, und der Vorgang zeigt, wie manchmal das kleinste reigniß den Schein einer außerordentlichen Begebenheit annehmen kann. Die Trauungs-Zeremonie schien fich zu einer großen Affaire zu gestalten. Es waren acht Brautjungfern anwesend, und die Kirche zeigte fich„vom Parterre bis zur Galerie gefüllt." Aber als fie die ihnen während der Feierlich- keit bestimmten Plätze eingenommen hatten, und der Bräu- lich, daß das Wasser des abschmelzenden Eises mit dem Weich- thiere selbst in Berührung kommt und den Geschmack desselben Von allen bisher gemachten Versuchen, die künstliche Austcrnzucht dauernd zu betreiben, d. h. Generationen auf Generationen Austern in abgeschlossenen Betten zur Ausbildung zu bringen, find nur wenige und auch diese nur für einen längeren oder kürzeren Zeitabschnitt gelungen. Wo aber— wie in Frankreich und England— die künstliche Austernzucht gleichwohl betrieben und der geerntete Erfolg als ausreichend betrachtet wird, Unternehmungen dieser Art überhaupt in Be- trieb zu erhalten, handelt es fich in erster Linie darum, die vorhandenen natürlichen Austernbänke in rationeller Weise zu bewirthschaftcn, damit diese die Bafis für die Austernzucht ab- geben könnten, Die gesetzlich festgesetzte Schonzeit ist demnach die wichtigste Vorbedingung einer rationellen Austcrnwirthschaft. Man hat gesehen, wie an manchen Austernbänkcn Frankreichs, z. B. an jener von Arcackon, durch unbegrenzte Ausbeutung die Loger so erschöpft wurden, daß fie als steril gelten konnten- Seitdem man diesem Verfahren steuerte, ist die Bückt während der Laichzeit mit Schwärmaustern förmlich ausgefüllt. An manchen guten Setzplätzen findet man nicht selten 1000 bis 1500 junge Austern beisammen. Nach einem im Sommer 1377 ersckienenen amtlichen Berichte über den Stand der franzofilchen Austern- zucht war im Jahre 1876 in den Mündungsteichen zu beiden Seiten der Seudremündung 80 Millionen Austern, bei Ottron 7 Millionen, bei Sables d'Olonne 10 Millionen, bei Lonent ebensoviel, und bei Courseulles-sur-Mer 20 bis 30 Millionen ���Jn Großbritannien beschäftigt die Austernwirthschaft eine Menge Menschen. Nach einer im Jahre 1870 veröffentlichten amtlicken Schätzung betrug der Werth der in einem Jahre daselbst verkauften Austern 4 Millionen Pfund Sterling. Nimmt man den Durchschnittspreis des Stückes zu 1 Penny an, was eher zu hoch als zu niedrig gerechnet ist. so crbatt man eine Summe von fast 1 Milliarde Austern. Von dieser Menge wird mindestens die Hälfte in London selbst verzehrt. c» Die größten Austerngründc Englands befinden fich an der Südseite der Themsemündung. Sie nehmen einen Flächenraum von zirka 60 englischen Geviertmeilen ein und liefern die weit- berühmten„Natives". Der Boden dieser Gründe aus Sand mit Geröll und feineren Sinkstoffen gemischt, ist als Standort für Austern ausgezeichnet. Das reicklick zuströmende Süß- wasser liefert den Tbieren ausgiebige Nahrung, die beständige Küstenströmung schützt die Bänke vor Verschlammung. In vorzüglicher Weise wird die Austernwirthschaft in Wbitstople betrieben, wo eine Austeingilde besteht, die fich ein Alter von 600 bis 700 Jahren zuschreibt. Tie Gründe best, hm theils tigam nach dem Ringe fühlte, bemerkte er, daß er ihn nicht an der Hand hatte. Nachdem der Geistliche dem armen Bräu- tigam eine Weile scharfe Blicke zugeworfen, entdeckte dieser, daß der magische Reif durch ein Loch in seiner Tasche geschlüpft war und fich bis in den Stiefel hinuniergearbeitet hatte. Er theilte dies seiner Braut mit, welche todtenbleich wurde und sich von einer Ohnmacht nur durch den Gedanken abhalten ließ, daß dann ihr Atlasmieder aufgeschnitten und hiedurck zu Grunde gerichtet würde.—„Warum bringen Sie den Ring nicht zum Vorschein?" flüsterte der lange Bruder der Braut, und in der Furcht, daß dieser schlechte Mensch von Bräutigam die Abficht habe, zurückzutreten, fühlte er bereits nach seinem Revolver.—„Ich kann nicht, er ist im Stiefel", erklärte der Bräutigam, während er bis unter die Haare roth wurde.— „Versuchen Sie, ihn auf irgend eine Art heraufzu- angeln.... aber rasch", brummte der Geistliche hinter seinem Buche.—„Ich will's versuchen", ächzte das Opfer und setzte den Fuß auf das Kanzelgitter, zog sein Bein in die Höhe und begann krampfhaft mit dem Zeigefinger nach dem Ringe zu fischen. Der Geistliche winkte dem Organisten, damit dieser zur Ausfüllung der Zeit ein Stück spiele. In- zwischen verbreitete fich unter der andächtigen Versammlung mit Blitzesschnelle das Gerücht, es sei soeben ein Telegramm eingetroffen, daß der Bräutigam bereits vier Frauen im Osten habe.—„Ich... ich kann ihn nicht erreichen", stöhnte der halb verheiralhete Mann in Todesangst;„er will durchaus nicht heraufkommen."—„Setzen Sie fich und ziehen Sie den Stiefel aus, Sie Esel", zischte die Mutter der Braut, während diese seufzte und die gepuderten Hände rang. Da nichts an- deres übrig blieb, setzte.fich der arme Dulder auf den Fuß- boden und begann an seinem Stiefel, welcher natürlich neu und eng war, zu zerren, während bereits wieder ein neues Gerücht umlief, demzufolge der Bräutigam höllisch angetrunken sei und darauf bestehe, seine Hühneraugen zu schneiden. Als der Stiefel herunter und der Ring gefunden war, demühte fich sein zerknirschter Träger, wenn auch ohne Erfolg, ein thaler- großes Loch in der Ferse seines Strumpfes zu verbergen, worauf der dieses Loch bemerkende Geistliche grimmig äußerte: „Wie es scheint, war es die höchste Zeit, daß Sie fich verhei- ratheten, mein junger Freund."— Die Ceremonie nahm hierauf ihren Fortgang, während der Bräutigam, auf einem Beine stehend, seinen Fuß unter den Schößen seines Frackes zu verbergen suchte, von Zeit zu Zeit mit einem Fluche mur- melnd:„Es wird schon gestopft werden." Ein Schwabenstreich aus Ulm. Aus Ulm wird einem Brünner Blatte von einem Abenteuer des Sängers Schmiedel, der dort mit vielem Erfolge gastirt, berichtet. Ulm ist bekannt- lich eine starke Festung, und Herr Schmiede! wollte fich die Wilhelmsburg, ein Vorwerk, zugleich kolossale Kaserne, reckt in der Nähe betrachten. Er kommt zur Burg hinauf— der Thorposten unterhält sich gerade in der freundlichsten Weise mit einigen Frauenzimmem— und läßt ihn pasfiren. Er durchschreitet einen großen Hof, wieder ein Thor und— befindet fich jetzt im eigentlichen Fort. Doch lassen wir den Sänger selbst erzählen: Ich bin noch einige Schritte gegangen, da kommt mir ein Soldat nachgelaufen und auf ein energisches„Halt!" blieb ich stehen. Er fragte mich, od ich einen Erlaubnißschein hätte, ich verneinte. „Da ischt's verböte, hier rumzulaufe; da müsse fie mit auf die Wachstube." Dort angelangt, schnauzte mich der Sergeant an:„Wissen Sie nicht, dasch man ohne Erlaubnißschein hier nicht herumlaufe darf? Ich werde Sie auf die Hauptwache schicken müsse." Erfaßte eine Meldung ab, ordnete zwei Mann mit Gewehren an, vorzutreten und kommandirte:„Ladet!" was auch geschah.„Bei dem geringschten Fluchtversuch oder Widersetzung häben die Leute das Recht, Sie niederzuschicße." schnauzte der Sergeant. Ein Mann mußte vor mir gehen, ein Man hinter mir. Anfangs lachte ich über diese Eskorti- rungi als wir aber in die Stadt kamen, da wurde ich natürlich von allen Seiten betrachtet, und es bildete fich auf dem Wege ein ganzer Zug Neugieriger, welcher uns folgte. Am Domplatze aad es einen förmlichen Volksauflauf. Man wollte den französischen Spion sehen, welcher auf der Wilhelmsburg gefangen wurde. Auf der Hauptwachc erzählte ich dem Hauptmann die ganze Geschichte; er bedauerte aber, nichts anderes thun zu können, als— mich auf die Polizei zu schicken. Nun mußte ick wieder, von den zwei Soldaten begleitet, weiter marschieren unter dem Halloh des Volkes, welches den„Spion" nicht genug betrach- ten konnte. Auf der Polizei konnte ich mich endlich legilimiren und ich wurde entlassen, aber nicht früher, bis man mir die Taschen durchsucht hatte, ob ich nicht Zeichnungen über die Festung gemacht hätte. Die Ulmer Zeitungen haben fich über diese Geschichte lustig gemacht und nannten fie den neuesten „Schwabenstreich". Von einem wüthende« Hunde gebissen. Ter Dampf- wäschereibefitzer Alois Weiner, Brigittenau bei Wien, Damm- straße Nr. 39, zeigte am 25. d. dem Polizeilommiffariate Leo- aus natürlichen Bänken mit Natives, theils aus Räumen, wo Austern aus der offenen See niedergelegt werden, um Brut zu erzeugen, theils aus Mästungsgründen, um fie daselbst fetter und wohlschmeckender zu machen. Auf diesen letzteren werden fortwährend große Massen junger Austern aus sranzöfifchen, holländischen, schottischen und riländischen Revieren eingelegt. um fie später als kostbare„common oisters" in den Handel zu bringen. Wie die atlantischen Küsten Europas, besitzen auch jene Nordamerikas ungemein ertragsreiche Austernbänke. Dieselben haben fast eine Ausdehnung von 3000 Miles. Die Buchten der Staaten New-Jerscy, Massachusetts, Delaware, Virginien, Nord- und Süd-Carolina, Georgien, Florida. Louisiana und Texas find mit Austern überfüllt. In New-Bork existirten im Jahre 1869 an 7000 Austernlokale, die 200&0 Menschen beschäftigten und eine tägliche Einnahme von 210000 Dollars, eine jährliche von zirka 500» Millionen Dollars erzielten. Ganze Flotten beschäftigten fich mit dem Austernfange. In Baltimore bringen 1000 Schiffe zirka 11 Millionen Fässerjähr- ttck ern und erzielen damit einen Gewinn von 10-15 Mill. Dollars. Für die nordamerikanische Küstenbevölkerung am Atlantic rst Vre Auster ein hochwichtiges, unentbehrliches Nahrungs- mittel geworden. Die Durchschnittsziffer der läglich in New-Bork verkauften Portionen Austernsuppe wird auf über V, Million, die Pmtionen gebackener Austern auf 200 000, roher Austern auf 175 000, gebratener Austern auf 75000 und gekochter Austern auf 25000, zusammen also auf zirka cme Million geschätzt. Daraus erklärt fich auch jener enorme Verbrauch von 50'|. Millionen Stück Austern per Jahr. Dabei ist aber zu bemerken, daß in dieser Summe nickt die in Hotels, Restaurationen und Familim verbrauchten Austern mit eingerechnet, sondern nur der Handel in den speciell für den Austernverkauf eingerichteten Lokalen berücksichtigt ist. Mit dem Engroshandel und dem Versand nach den benachbarten Städten dürfte fich der Konsum auf hundert Millionen Dollars im Jahre belaufen. Belläufig bemerkt, werden in Europa und Amerika jährlich circa 3000 Millionen Austern verzehrt. Auf den amerikanischen Bänken erreichen die Austern eine enorme Größe. Es'giebt Exemplare von'/, Fuß Durck meffcr. während die größten Holsteiner Austern kaum den Ilmfang einer kleinen Hand erreichen. Ein amerikanischer Bericht will vollends von Austernungeihümen vom Durchmesser eines Fußes wissen! Tie amerikanischen Naturforscher(hellen die eßbaren Austern, welche an den östlichen Küsten Nordamerikas gefunden werden, in drei Gattungen, und zwar: die virginische, die nördliche und die canadrlche- Der Unterschied zwiichen diesen und den europäischen ist so well ausgeprägt, daß eine Vcr- wechslung nicht gut möglich ist. poldstadt an, daß sein Hund Symptome von Wuthkrankheit zeige- Ein Wasenmeisterknecht, welcher den Hund abholen sollte, wurde von demselben gebissen. Das Thier wurde in das Thierarznei- Institut gebracht, dort als wuthkrank befunden und vertilgt. Der gebissene Wasenmeisterlnecht wurde sofort in prophylaktische Behandlung übergeben. Aus einem Pariser Polizeigericht. Der Präsident! Angeklagter, stehen Sie auf. Ihr Name?— Der Angeklagte: Ernest Follealle.— Präsident: Ihr Beruf?— Der Angeklagte: Organisator und Arrangeur öffentlicher Feste zum Besten aller Arten von Ueberschwemmten, Abgebrannten und Cholera-Opfem. Gemeinnütziges. Moderne Fleckenvertilgung. Welche sorgsame Hausfrau wäre nicht oft genug schon in die unangenehmste Aufregung versetzt worden, wenn fie in ihrer kostbaren Leinenwäsche od« in den theuren Kleidern, in den Anzügen des Ehegalten und denen der Kinder Flecken angetroffen hätte, welche durch eine Substanz hervorgerufen worden, die ihrer Entfernung den hart- näckigsten Widerstand entgegensetzte. Und wie oft, wenn dann endlich doch der Fleck wohl ertfemt worden, durch energische Anstrengungen oder mit Hilfe von allerhand Mitteln, wie oft zeigte sich dann nicht, daß der Schaden, anstatt gut gemacht, nur verschlimmert worden, daß wohl die fleckenverursachende Substanz weggegangen, mit ihr aber auch Farbe und Glanz, oder wohl gar das Gewebe zerstört worden. So manches gute und theure Stück ist durch solche fehlerhafte Manipulation schon derart ruinirt worden, daß es werthlos wurde und man es nicht mehr benützen konnte. Wer aber, durch den Schaden klug geworden, die befleckten Gegenstände einer Fleckreinigungsanstalt anvertraute, der mußte die dort vorgenommene Arbell hoch genug bezahlen und hatte dazu in nicht seltenen Fällen noch den Äerger, daß die Reim- gung auch nur eine recht mangelhaste war und noch immer von dem Fleck nur allzu deutliche Spuren zurückblieben. J» Berücksichtigung all dieser Umstände wird es vielleicht nicht un- erwünscht sein, menn wir in Folgendem eine kurze Anleitung der„W. A. Ztg." reproduziren, wie mit Hilfe der modernen Chemie jetzt die verschiedensten Flecke mit Leichtigkeit selbst aus Wäscke und Kleidern entfernt werden können. Oelfarbenflccke werden nicht mehr, wie früher, mit Terpen» tinöl, sondern ganz einfach mit Chloroform beseitigt; die An- wendung desselben ist eine ganz leichte: man befeuchtrt ern reines Läppchen mit dem Chloroform, reibt den Fleck damit ein und wird denselben alsbald verschwinden sehen. Da aber Choroform bekanntlich betäubend wirkt, ist das Verfahren m» Behutsamkeit vorzunehmen. Flecke von Ort, Firniß, Harzen, ! Fetten, Theer und Wagenschmiere entfernt man aus allen Stoffen mit Benzin, läßt dasselbe dann gut verflüchtigen und, wenn noch Spuren übrig bleiben sollten, wendet man ein wenig dünnes Seifenwasser, bereitet aus logt- nannter venetianischer Seife, an- Paraffin- und Stea« rinflecken werden aus Stoffen aller Art mit starkem Weingeist beseitigt, währeno man Siegellack mit Benzin be- tupft und dann vorfichlig mit dem Fingernagel die ganz er- weichte Substanz abkratzt. Flecke von Zucker, Schleim, Kleister, Stärke, Mehl und dergleichen gehen durch einfaches Auswaschen mit warmem Wasser, dem venetianische Seife zugesetzt ist, fort! ebenso verfährt man mit Blutflecken, eventuell muß man m» einer schwachen Lösung von Zucker- oder Kleesäure nachhelfen- Finden sich Flecken von Obst. Rothwein, rother Tinte rc. m Weißzeug, so Hot man den Stoff mit sehr verdünnter Schwefel- säure oder mit heißem Chlorwasse» zu waschen; hat man diese Art von Fleck.n hingegen in wollenen, baumwollenen oder seidenen Stoffen, dann wäscht man dieselben mit verdünntem Salmiakgeist oder nur mit lauem Seifenwasser aus venetiani- scher Seife. Sind diese letztgenannten Stoffe mit Alizarin- tinte beschmutzt, so wasche man fie, sofern es die echte Farve gestattet, mit verdünnter Weinsäure; Alizarintintenflccke# Weißzeug hingegen entfernt man bequem durch Waschen m» heißem Chlorwaffer. Flecke, die von Rost oder bekanntlich eben- falls Eisen enthaltender Gallustinte herrühren, entfernt man bei Weißzeug mit heißer Kleesäure oder stark verdünnter Sa«- säure, worauf man Zinnspäne ausstreut; aus wollenen ob» baumwollenen echtfardigen Stoffen beseitigt man dieselbe« durch wiederholte Anwendung von verdünnter Citronensäur� bei Seide ist aber jedwede Hilfe umsonst und jeder Verfn» würde das Uebel nur verschlimmern. Von Lauge, Kalk, über- Haupt von Alkalien herrührende Flecken beseitigt man b8 Weißzeug durch Waschen mit verdünnter Eistgsäure, bei Wolle und Seide aber mit verdünnter Citronensäure. Aus Siofie« aller Art kann man Bier-, Kaffee-, Grog-, und derlei Flecke« einfach durch Auswaschen mit Zuhilfenahme von ein wemS krystollifirter Soda entfernen. Schweißflccke lassen sich dur« l eine Mischung, bestehend aus einem Theil Salmiakgeist, dre> Tbeilen Alkohol und drei Theilen Echwefeläther beseitige«- Endlich mag noch erwähnt werden, daß, um Stockflecke am Glacehandschuhen herauszubringen, man letztere in einck- möglichst hermetisch verschlossenen Kasten legt und Hir'chhor«-, salz daraufstreut; man muß aber die Handschuhe so lang- liegen lassen, bis jede Spur der Flecken v.'rschwunden ist. Esstgbereitung im Haushalte. Für den Haue-Halt ka«« man fich selber einen guien Essig bereiten, wenn man 1 Honig, 750 Gr. pulv. Weinstein, 2 Maaß guten Kornbra««� wein in ein Vierteleimerfaß bringt, dasselbe mit Regenwam oder abgekochtem Brunnenwasser süllt und es 3 Monate l««« an einem warmen Orte ruhig stehen läßt. Nach Ablauf d>e>e Zeit kann man alle Monate 14 Schoppen des besten �'-0. aus dem Fasse nehmen, wenn man es aber wieder mit 1 Kornbranntwein und der nöthigen Menge lauen Regenwau� ersetzt.. Giftfarben auf Spielwaaren. Auf den bunten 0% waaren, die den Kindern als Spielzeug dienen, befinden P häufig Giftfarben und diese find gewöhnlich sehr unvollkom� befestigt Sie lösen fich meist mit Leichtigkeit durch Speichel des Mundes und die Wärme der Hand, so daß gefäbrltch ist, den Kindern solches Spielzeug zu geben., Man reiche denselben deshalb unbemalte Holzwaatt. Auch andere Sprelwaaren, besonders das beliebte KauistmP (Gummi-) Spielzeug find mitunter mit giftigen Farben vr- malt. Das Kautschuckjpielzeug kann ferner gefährlich rverd � wenn es, wre dies bei geringeren Sorten der Fall ist, P Zmtoriß behandelt ist. Die Tuschkästclen enihrltcn«P häufig grftige Farben, ebenso wurde Blciweiß in%%% Sprelwaaren, besonders in den sogen- unzerreißbaren 9% buchern sür Kinder, gefunden, deren Leinewandblätter<*« Blerweißüberzug besaßen., � r.«t Anfertigung sparsamen Brennmaterials. Dre � JS? e,n{s solckien geschieht wie folgt: ._ Man nmmt'/, feuchten Lehm, in dem fich keine St bennden, knetet denselben mit'/, Kohlenstaub gut durckern««„ formt Kugeln in beliebiger Größe daraus und trocknet d'rtrt Auf eine englische Tonne Lehm rechnet man 1'«—2 fe''„mJ Eingestoßene Kohlen. Statt des Kohlenstaubes kann m««'L Sagkspahne, Stroh, Pech, Theer:c. in Anwendung btt«0( und je nach der mehr oder minder leichteren Brennbar keu ,� letztgenannten Ingredienzen die Menge des LehmS ploport'o« nehmen."# fest und trocknet rasch. I Veraniworurrver Redakteur«. Srouherm m Berti*. Druck und Verlag von �«d ug tn BetlmSW. Beuthslratze 2."