Nr. 183. Mittwoch. 5 November 18�4 i. Jahr«. berliner Dolkslilöll �rgan für dir Interessen der Ardritrr. Bureaux, ohne Erhühuug des Prerses, augewommen. Hleöaktion und KXpeöition Merlin SW., Mmmerstraße 44. lvas die Wahlen bringen. « k« Regierung so sehr gewünschte„Mittel- Li. ausgeblieben, da die Nationalliberalen weit tAn?n ett'�enit sind, den so prahlerisch angekündigten Auf- auch wirklich erreicht zu haben. Sie haben sich mit 9er"fl?n Antheil an der Siegetbeute begnügen müssen wu«, Meiste von dem, was die„Freifinnigen" abgeben Wo' r entschiedenen Parteien von rechts und links, konservativen und den Sozialdemokraten zugefallen. W. m Reichskanzler wird also fortfahren müssen, mit svielf... �9(:"Ouf ilwei Instrumenten" zu Nvd'» nwrb abwechselnd mit der k.nservatio-liberalen bab->� lonservatio-ultramontanea Mehrheit zu operiren Dazu kommt, daß die Linke als Ganzes schwächer 5,«. zll*si! sie wird nicht allzuviel über hundert Stim- zahlen. an• sich dabei ins Fäustchen lachen kann, ist Herr auf« benn seine Partei erscheint in alter Stärke ibr» parlamentarischen Kamgfplatze. Sie hat nicht nur oiL Q n®'�e behauptet, sondern auch einige neue hinzu» jx°nr,fn; das Schwergewicht der parlamentarischen Ent- �kivungen liegt also nach wie vor in der Hand deS schlauen � oatSmanneS von Meppen. «. Darnach sieht die Situation im Allgemeinen nicht be- «.?jr8 erfreulich aus; die Sache ist aber thatsächlich nicht 'chumm, als sie scheinen könnte. .Die Wahlen haben eine große Schwächung deS Man- iLJ. Mi.1 h u mS gebracht; die Partei, deren wirthschaft- Ideal die schrankenlose Konkurrenz ist, b« der sich schließlich immer die brutale Herrschaft deS �'-ri.ren über den Schwächeren herausstellt, hat ein ent- »he'dendes Treffen verloren und hat in ihre Niederlage noch die ihr verwandte Volkspartei hineingezogen. Der Gedanke, daß der Staat berufe» sei, das LooS der„Ent- ttnd�' ��'chtirn, ist zu stark gewesen, als daß da« öde I" sxi.7" uanzen großen wlrthlchasttlchen üsrage nur MI! oe Phrasen von„Selbsthilfe" und„freier Konkurrenz haben die Manchestermänner sich auch in den 0 M» du|«UV* yvi�vrvii; vv»p Ve�Manch-stetchunt ihm hätte Stand halten können. bf und Land seufzt AlleS nach Erleichterung und die k dlnd da sollte man sich an jene Partei halten, -..der oamen nrnfepn mirtblAafilitben-rraae nur mit den »och#J'fsschen Fragen zu sehr kompromittir't, als daß sie (Uno V,~ �?�ngen könnten. Sie haben die Verlänge- ÄhirA Sozialistengesetze« verschuldet, und mehrere ihrer fp'fchtn k �'n ihren Wahlreden dergestalt ausge- vvni»'.paß man nur eine Wiederholung deS Verfahrens �"laoiabr 1884 erwarten konnte. Nun, die„Frei- JeuMeton. Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dux. v i(Forsetzung.) Schloß, an welches fich zunächst ein Blumengarten v- hinter welchem ein ziemlich großer Park fich ausdehnte, »..Zerfalls anders aus wie sonst. � �. f,® bin waren die Kieswege gesäubert und geebnet, °«r Gaitner hatte fich alle n fichtliche Mühe gegeben, dem ? nn festliches Ansehen zu geben.,.*. "nem der größten und schönstm Blumenbeete stand "nges Mädchen und ließ sich von dem Gärtner die vcr- 'n>ien Blumen reichen, um fie zu einem mächtigen und n Strauße zu vereinigen; und der Gäitner, welcher zu- x 0cn Kopf schüttelte und verdrießlich aussah, wenn das gerade seine schönsten Lilien und Levkoyen verlangte, n baduich beruhigen, daß die Lippen der schönen, EWS ää**<ä g T bitte noch zur Ausschmückung des Randes um ern �.u'ch dieses Angebinde das Gemüth unseres Herrn zu r& „Wie? Ambera?" fuhr er beinahe wüthend empor- wagt es, über meine Schwelle zu kommen? Er, w*' at, Schuld ist an Allem? Wäre er nicht mein böser Dämo® � wesen, dann hätte ich wenigstens Verwandte um mick, Vater und Deine Brüder, und ich stände nicht vereinsam» Erden." m, Er zog die Glocke, um seinem Diener den Befehl zu(tt die lästigen Gäste abzuweisen.— Zu spät! Drittes Kapitel. jei Der Diener, welchen Rodenburg mit der Abweisung.� Gäste beauftragt hatte, wollte ehen die Thür öffnen, d® �'»4 in derselben bereits das runde Gesicht deS Pastors, wel« zu einem recht jovialm und fteundschaftlich herzlichen � zwang.„iil, Schon als er in der Thür stand, breitete er die Arm. neigte das Haupt auf eine Seite und blickte den Gur» � so versöhnlich, so mild und voll so namenloser Jnnrgla'„gf daß dieser das harte Wort zurückdrängte, das er bereu» den Lippen hatte.___ „Mein lieber, theurer, alter Freund," sagte jetzt der* � indem er mit ausgebreiteten Armen und dem noch hies Seite geneigten Haupte fich nahte,„Sie sehen uns d» mich und die Meinigen. Wir find gekommen fk�ss Gefahr hin, von Ihnen nicht empfangen zu werden u Freunde." „Das zu fürchten hatten fie alle Ursache, Herr Amb ich wünschte, Sie hätten uns heute nicht in die RmO �# keit gesetzt, Ihnen zu wiederholen, daß ich Sie»ng meinem Hause sehe." „O! der güiige Gott verzeihe Ihnen diese Sehen Sie bier meine Gattin! Sie, die Verwand jenigen, welche Sie ja brs heute noch lieben, Ihrer» lichen Frieda!" �,�5 „Es war zur rechten Zeit, Herr Pastor, daß Sie I diese erinnetten.— Um ihretwillen, um Friedas ß»» Ihnen vcrziehm, daß Sie meinen Befehlen zuwider m betraten." (Fortsetzung folgt.) 1 teil1 vom K W -er/ -uzirte sich Herr Wobig in stets gesteigerten Krastleistungen. welche ihm jedes Mal stürmischen Beifall eintrugen. Für das beitere Element sorgten die unglücklichen Figuren der stärksten Turner, welche es versuchten, mit Herrn Wobig's Hanteln »u operiren. Er begann mit Heben und Stemmen einer Hantel von 75 engl. Pfund ohne Aufschwung mit der rechten und «nlen Hand. Dann arbeitete er mit zwei Mal 75 Pfund, Uvrauf mit 103+ 75 Pfund, endlich mit 155+ 75 Pfund. Vrohartig war seine Leistung, zwischen 2 Stühlen'mit Genick und Hacken hängend, zwei Mal 75 Pfund 12 Mal aufzustemmen. «eine Experimente begleitete Herr W- mit steten Erklärungen. Hm von(Sohlet stellte an ihn zum Schluß eine Menge üMgtn, welche Herr W. dahin beantwortete, daß er studrrter Pharmazeut, 38 Jahre alt 1.06 Meter groß sei und 195 Pfund wuge. Er efie täglich nur 3 Mal. trinke wenig— Eier fast gar nicht, da fie Fett geben, aber keine Muskeln— schwimme wöchentlich mindestens 4 Mal und nehme wöchentlich ein Mal tm russisches Dampfbad. Man beginne die Hebungen amBesten •rit 40 Pfund und über wöchentlich 3 Mal eine Kalbe Stunde. «s war schon 10 Uhr Abends, als Herr von Goßler stch noch mmer mit Herrn Wobig unterhiell, so hatte ihn das Gesehene tlefeffelt. . d. Mr. Cumberland über. Der Gedankenleier Mr. xumderland bekommt als berühmter Mann im Karserhof täg- «ch Depeschen. Eines Tages sagte der Sekretär des Hotels V-em Dcpeschenträgcr:„Mr. Cumberland hat gewiß Ihre ««-anken»rrathen. Sie dachten, er werde Ihnen einmal mindestens eine Mark spcndiren."-„Ja, gedacht habe rch es mir,' erwiderte der Bote Stephans,„aber gegeben hat er mir mchts." Man steht, das Gedankenlesen ist nickst gar so schwer, "nd in diesem Falle scheint der Sekretär Mr. Cumberland entschieden über gewesen zu sein- g. Die Angler in der Umgebung von Berlin haben jetzt die'n oer umgeoung von«ernn yaven ievr den fc-rLf nus der Hand gelegt und viele gehen nun auf wird?us. welcher mit Speer und Schleife betrieben -■-me Hechte„stehen" gegenwärtig in demjrbgehauenen »»»-- r f! 1-- T7--- O' O""-----"O-------- f j, uud an den Ufern und werden leicht eine Beute des ge- ael»u m glers. Da diese Art des Hechtfanges selbst auf die (LJy Angelkarte hin nicht amtlich gestattet ist, so wird fie im mir l�en betrieben. Das wifien auch die Beamten, welche irnn~ hütung des unbefugten Fischfanges betraut find, Rfik," steht daher jetzt häufiger diese Beamten, von einem Ü«udert, die hecktreichen Gewäfier in der Umgebung fefieü defahren. Die Strafe, welche einen„abgefangenen" Wien? � itifft, ist nicht unbedeutend' nichtsdestoweniger der verbotene Fang doch eifrig betrieben. teofn io If, firötzere Verkehrsstörung entstand gestem Mittag »(»(L üh1 an der Gerlraudtendrücke dadurch, daß ein Brauer Ar"T Tesährt derartig gegen das eine Pferd des Omnibus das h. Linie Kottbuser Thor— Schönhauser Thor fuhr, , hetteffenden Pferde am oberen Theile des linken tende M � Stück Fleisch b-rausgeriffen wurde. Die stmk blu- tiibnc'ftlunde wurde nothdürftig verbunden, worauf der Om- »an« l unterbrochene Fahrt fortsetzen konnte. Ein Schutz- r7 Miiicvuiütycm; jyugii suiijc�cu luniut. vs-ui Ms}} �llte den Namen des Brauereiwagenführers fest. Un- «fori■"II dieselbe Zeit fiel an der Kurfürstenbrücke der Führer 'ilies'i«"rL�",w äe,t.nel Qn Dcr HUtrutlienoiuae oer.ruyier And/"°htt begriffenen Arbeitswagens vom Bock und täber« unglücklich, daß er zwischen Pferde und Vorder- r.. i lregen kam. Durch den glücklichen lUmstand, daß er � �' 1— � cl— wutt-Kfl*« Sei, � Pfetd � 1,1,1 016 2eint in&er �onÖ i,eh'eit' u>urden Uetbtn'fLlV PQttti und blieben auf dcr Stelle stehen, wodurch ben 4«2U' der Kutscher, welcher steh in die Leine Es'rUß«n verwickelt hatte, vom Wagen überfahren wurde. keines dtm Mann, fich mit Hilfe einiger Paffanten aus «tfähillchen Lage zu befreien. Sei dem Mundstück Zimmerstraste Abbruch der ' 70 alten wird Gebäude auf dem bei Privalbautcn «Wg riP�,?Ä 70 w,ro cm ver Prrvalvauicn jAuüg aui v c:.51??60 Msttel zur Fortschaffung des Bau- Rnb>—;'c?1.6. Straße benutzt. Vom Hofraum bis zum Trottoir Schienenstränge gelegt, auf veren kleine kastenförmige da»» i°ufen, in welche der Bauschutt geworfen wird und die vunn wir.— fi_t__ w__ W Liau'cn' in welche der: mao«,-suni Steaßendamm zum Vieagenoamm an die hier stehenden Arbeits- " n«um Aufladen gefahren werten. Miz ber"� e" Damen. Nachdem erst vor 14-vagen eine »Wlh.>"tr«nanftn It zu Dalldorf entsprungen gewesene sog. mau', die durch ihre zahlreichen Diebstähle dekannte riettorf wieder eingefangen worden war, ist gestern Illlp lieber uueder emgerangen woroen war, ,,t Niger"wilde" Frau Wächter in der Begleitung einer we- ��««fahrlichen„Wilden", der Frau Teschirmer, aus der der Frau Teschirmer, aus der ?a>a R§! entsprungen. Die Wächter war bekanntlich vor �etianft u0nQ,tn i" Gesellschaft mit der Riettorf auS der �rfa». und war kurze Zeit nach VerÜbung fo bie%% Betrügereien in Breslau festgenommen und wieder a Irrenanstalt eingeliefert worden. berbre».�" in Schneidemühl verübtes Kapital- Erlangte vorgestern gegen Abend an die hiefige «tftoeib JÜtffi ein Telegramm der Staatsanwaltschaft zu SW Sinral v"ach welchem der Eigenthümersohn Karl Klemp Wtz y..-w, Kreis Wirfitz, wegen Ermordung des Einwohners ?i(m;, würde- Heute früh langte auch der verfolgte Heivraih auf dem Schlefischcn Bahnhof, aus seiner " AiL,) menb, an und er wurde von einem ihn erwarten- �äup.« 5pii"amten sofort festgenommen. Klemp hat ein- Wflnet in Schneidemühl getödtet zu haben, er l�Pp for"' �rese That mit Ueberlegung ausgeführt zu haben. „. � N--- /l„f....n*k,(Xrh,ri Jr,*v'v HU* V*v vvvsvy>*•»»„ P, ,. r.. v, kerben �ute Abend nach Schneivemühl zurückbcfordert �Uie weo,n®ine geschiedene Frau Schmidt, geb. H., ist Önterfn* Meineides, Urkundenfälschungen und Betruges ."i iänp-,,, ungShast gebracht worden. Diese Frau bat sich wMüitm v � Berlin als eine unverehelichte Schmidt Mnunn„�nd fie hatte fich auch unter dieser falschen Be- <**> Tboi-,»> i� anmelden laffen. Unter dem Vorgeben, d-r ivbwoüc �"nrögen zu befitzen und erst 30 Jahre alt zu g/Ufz m,,,. fie 40 Jahre alt ist) hat fie einen jungen Mann ihr./�'chung an fich gelockt und demselben, um ihn „schein« jugendliches Lebensalter zu überzeugen, einen Mnb��gelegt. in welchem das Geburtsjahr 1843 in 1853 Rp ersten®2?r".�br Ehescheivunge-Erkenutniß, welches auf „.als ein RR einem großen Adler geziert ist, bezeichnete fc*1 fie n„o r. Thaler lautendes Hypotheken-Instrument, � steigie Aieide nie aus der Hand gab und von fern flüchtig le�iue-ieses Manöver erlangte fie auch von einer w Sedern-�i.�arlehne, bis endlich vor Kurzem den Dar- (tfi�iaffen„II gelang, das stets flüchtig vorgezeigte�Dokument >,N'>-araus die Schwindelmanöver dcr ixb. zu er- JMe Qia S1 Biochen nun war die Sch. in einer Zivilpro- -u-fo m/Vseugin vorgeladen, und trotzdem ihr von einer der »cÄ Schmir./" Maßgehalten wurde, daß fie die geschiedene llo�,li4,�e J,e!,orent G. sei, so blieb sie dock dabei, die un- L t A,, t Schmidt zu sein, und fie beschwor ihre falsche An- ''- � J.~ S i ä ♦ /%»% i»4 konf W, V 7"»»»» ctfplpt. Polizeibehörden find von einem L». zv.'will benachrichtigt worden, welcher in bedeutenden der Nacht zum benachrichtigt woroen, werever in v« i>>n. dtch°' p 1 dem Gastwirth März in Schönewerda mittelst la nhfr bie Thätcr nich�'kührt worden ist. Da dcr oder um Un. ne- werden konnten, so find die Polizei- � dei der Habhastmachung der an- ..„wtlgen Einbrecher ersucht worden. a Gestohlen M Kr, ln Silber, eine Htnofiipu,uuw,v..... SA gS ' �tiftftücfe'/0" SR°r[, außerdem mehrere Wcrth- geg�I K Die Rotzkrankheit ist ln dem Nachbarorte Rixdorf und zwar auf einem Gcundstück in der Berliner-Straße aus- gebrochen. Die noch in den Ställen befindlichen Pferde find sämmtlich der Abedeckerei übergeben worden- Eins dieser Pferde war, als Symptome der Rotzkrankheit fich noch nicht zeigten, bereits nach der Skalitzerstr. 117 verkauft worden, woselbst durch den Tbierarzt Herrn Gronefeld die Seuche testge- stellt, das Pferd sofort getödtet und stehen andere unter Odser- vation gestellt wurden. Die betreffenden Pferde sollen aus der Postbalterei Neu-Strelitz gekauft worden sein. Polizeibericht. Am 3. d. M. Nachmittags fiel der Kutscher Brandenburg in der Pankstraßc durch plötzliches An- rücken des Pferdes von seinem Arbeirswagen, wurde über- fahren und erlitt einen Bruch des rechten Fußgelenks. Er wurde nach dcr Charitce gebracht.— Um dieselbe Zeit wurde ein Mann, welcher fich zum Besuch hier aufhielt, auf einem Heuboden in der Torfstraße erhängt vorgefunden. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause geschafft.— Zu derselben Zeit fiel der Arbeiter Riecke beim Aufladen von Brettern vor dem Grundstück Engcl-Ufer Nr. 15 von einem etwa 1 Meter hohen Bretteistapel herab und erlitt dabei so schwere Ver- letzungen, daß er mitlelst Krankenwagens nach der Charitee ge- bracht werden mußte.— Am 4. d. M. früh entstand in einer Taveziererwerkstatt, Linienstraße Nr. 103, und demnächst in einer Tischlerei, Friedcnstraße Nr. 44, Feuer. Das erstere wurde noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr von Hausbewohnern gelöscht, während die Löschung des zweiten Feuers die Thätigkcit dcr Feuerwehr etwa eine Stunde lang in An- spruch nahm-_ ArbelMbeweguug. Pereiue und Perssmmluugeu. tr. Die Karten-, Kartonnage- und Luxuspapier-Fa- brikarbeiter hielten am Montag Abend in Feuerstein S Salon, Alte Jakobstr. 75 eine öffentliche Versammlung ad, behufs Be- sprechung der Frage■ Wie ist die Lage der Karten- und Luxus- papierarbeiter zu verbeffern? Wie daS Referat und die sehr ausgedehnte Diskusston ergaben, ist die Lage dieser gewerb- lichen Arbeiter eine der Aufbesserung dringend bedürftige und find nach den übereinstimmenden Ausführungen des Referenten, Herrn Schüler, sowie des Herrn Freudenreich die Lohnverhält- niffe in diesen Branchen sehr tcaurige. In den Karton- und Ka'tonnage- Fabriken werden die männlichen Ar- bester als Vorarbeiter resp. Zuschneider verwendet, während das Fertigmachen von weiblichen Arbeitskräften besorgt wird. Auf 2—3 Zuschneider kommen gewöhnlich 35— 40 Mädchen und bei der stch hieraus ergebenden angestrengtesten Thätigkeit ver- mögen Elftere doch nur 18—20 M zu verdienen pr. Woche. In vielen Fabriken muß sogar bis Abends 9 Uhr und Sonntags Vormittags von 3 bis 12 Uhr gearbeitet werden und zwar ohne jede Vergütigung. Ja sogar als Zuschneider werden Mädchen verwendet, sodaß die männ- ticken Arbeiter gänzlich überflüsfig werten. Die Verhältnisse in den Luxuspapierfabriken stnd die gleichen, wenn möglich noch schlechtere. Auch hier werden die männlichen Arbeits- kräfte von den weiblichen bei Seite geschoben, und find mehr- fach die männlichen Arbeiter der Leitung einer Directrice un- terstellt. Die Frauen und Mädchen verdienen in dieser Branche mehr als die Männer, welche einen Wochenlohn von 12 bis 16 M. erzielen. Diese Angaben wurden von einer großen Zahl von Rednern, die in der Tiskusfion sprachen, nickt nur bestätigt, sondern noch vielfach crweitet und bestimmte die Er- kenntniß der eigenen Lage die Versammlung, eine Resolution anzunehmen, in welcher fie fich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklärt und fich verpflichtet, veranlaßt durch die trostlosen Zustände in obengenannten Branchen, ein- müthig dem Unlerstützunasoereine der Buchbinder und ver- wandten Berufsgenoffen stch anzuschließen, um mit vereinten Kräften eintreten zu können für Erzielung besserer Lohn- Verhältnisse. Kr. Die Versammlung de» Fachverein» der Kürschner, welche am Montag Gienadierstr. 33 tagte, beschäftigte fich zu- nächst mit der Frage, wie für die öffentliche Versammlung sämmtlicker Kürfchner Berlins, welche am 16. November im Sckützenhause, Linicnstr. 5, stattfinden soll und für welcke ein Refeiat des Vorfitzenden der Lohnkommisfion Herrn Roedel über das Thema:„Wie ist die Besserstellung der Arbeiter in unserm Gcwerk zu schaffen?" auf die Tagesordnung gesetzt ist, eine möglichst zahlreiche Betheiligung herbeigeführt werden könnte. Das Ergcbniß der langen Dtskuifion war die Wahl einer Kommisfion mit dem Auftrage, dafür zu sorgen, daß das bereits fertige, in genügender Anzahl von Exemplaren gedruckte Flugblatt„An die Kürschner Berlins" womöglich einem jeden Kü, ichner in Berlin zugestellt werde. Weiler wurde beschlossen, daß das erste Stiftungsfest des Fachvereins im Januar in einer Weise, die geeignet fern würde, das Interesse für den Fachver- ein bei den Kollegen, die noch nicht seine Mstglieder find, gefeiert werden soll. Es wurde für diesen Zweck ein aus 12 Mitgliedern bestehendes Komitee gewählt. Kr. Polizeilich aufgelöst wurde am Montag die öffent- liche Versammlung des Fachoereins der Schneider bei Domak, Johannisstr. 20, für welche ein Vortrag des Stadtv. Goercki über das Thema:„Auf welchem Wege ist dem Großkapital im Echneidergewerbe erfolgreich gegenüber zu treten?" auf der Tagesordnung stand. Kaum hatte der zweite Vorsitzende Herr Taelercw die Worte gesprochen:„Ich erkläre die Versammlung für eröffnet," da erhob fich der Herr Polizeilieutenant und sprach:„Ich erkläre die Versammlung für aufgelöst." Vom Vorsttzenden nach dem Grunde der Auflösung gefragt, lehnte er es ab, darauf zu antworten, und wies er nur darauf hin, daß der Vorfitzende fich an daS Polizeipräfidium wenden könnte. Ihr Staunen in Mienen und Worten einander kund- gebend, entfernten fich langsam in bester Ordnung die Ver- sammelten aus dem Lokal. Eine große Versammlung des Arbeiter-Bezirks-Vereins vom 15. und 20. Kommunal Wahlbezirk findet am Mittwoch, den 5. d. M., Abends 8'/, Uhr, im neuen Vereinslokale „Urania," Wrangelstraße 9—10 statt. T.-O-: 1) Vortrag des Herrn Dr. Heimann über„Reform der Schule". 2) Verschiedenes 3) Fragekasten. Es ist nöthig, daß die Mstglieder in dieser Versammlung zahlreich erscheinen. Ferner werden die Mitglieder, welche ihre Wohnung gewechselt haben, ersucht, dem Kasstrer hiervon MirtheUung zu machen.— Gäste haben Zutritt. Versammlung de» Fachvereins der Tischler. Mist- wocb, den 5. November, Adenvs 87, Uhr, im Lokale von Müller, Acker str. 144. Vortrag des Stadtv. Herrn Görcki: Recsehrlder aus ver Schweiz. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste find willkommen. Diese Versammlungen finden jeyt regelmäßig wieder des Mist- wochs nack dem 1. und 15. jeden Monats statt. Der Louisenstädtische Bezirks-Vcrein Vorwärt» hält t Mitiwoch, den 5. November, Abends 87, Uhr, in Kon- heute rad's Saal, Wassathoistraße 68, seine statutenmäßige General Versammlung ab, in welcher der Reichstagsabgeordnete Herr P. Singer einen Vortrag halten wird. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes pünktlich zu erscheinen. Das Quiltungsbuch legitimirt. Der Gesang-Verein„Nord-Jubal" feiert sein dies- jahriges(ackres) Stiftungsfest am Sonnabend, den 8. d. Mts., in Randel's Salon, Jnvalidenstr. 1, durch Konzert, Ball, Gratis-Verloosung für Damen und andere Uederraschungen. Freunde und Könner des Vereins find zu diesem Feste be- fonders eingeladen. Einlaßkarten find bei sämmtlichen Vereins- Mitgliedern, sowie beim Kasstrer Herrn Germer, Rügener- Straße 5, l., zu haben. Tagesliste der Konigl. sachsischen Landeslotterie. Ziehung Ivom Dienstag, den 4. November. (Ohne Gewähr!) 594 619 315 6 284 121 491 965(300) 213(300) 963 696 134 749 44 193 521 935 908 821. 1331 175 314 817 495 275 784 496 30 582 85 793 891 462(3000) 747 344 445 77(1000) 129( 300) 956 567(500) 937 703 260 372. 2506 932 112 585 77 821(300) 183 201 534 109 296 903 689 200 218 683 569 293(500) 706 787 877 40(3000). 3540(300) 488(300) 589 337 486(300) 408 742 842 58 447 187 805 868 832 346 69 124. 4226 939 518 498 543 629 893 91 816(3000) 14(500) 381 630 444 446 402 247 667 309 597 299 976 550. 5678 52 172 939 291 36 483 957 858 583 42 619 442 371 812 932 788 102 971. 6719 738 310 662 42 250(500) 620 523 396 777 622(500) 4 484 637 470 174 239 993(300) 877 234 925 578(1000) 567(300) 275(300) 655. 7757 6 196 258(1000) 477 930 427 241 417 188 497 279 429 853 855(300) 722 783(300) 368 854 573 784(300) 189. 8608 992 114(300) 904 69 109 980 503(300) 257 14 133 547 694(500) 755 165 576 372 195 246 972 764. 9471 730 269 76 20 971 648 230 51 823 642 838 462 906 780 424 741 383 835. 10896 511 987 177 536 946(300) 927 99 595 362 651 269 661 342 231 657 314. 11676 725 792 657 121(300) 752 652 533(300) 90 12 613 469 555 183 191. 12247 217 923(1000) 489 71(3000) 998 629 457(3000) 72 75(500) 950 771(3000) 473 877 98 482 361 108 223(1000) 505 983 519 55 254(300) 982. 13926(3000) 70 966(500) 661 698 169 243 258 749 324 187 206(500) 977 843 865 167(300) 793. 14333 970 319 750 831 58 106 774 24 431 252 320 341 541 823 78 396. 15329(500) 221 468(1000) 339 822 (3000) 17 196 645 622(300) 926 217 234 393 249. 16645 854 467 393 939(500) 794 667(300) 630 735 299(1000) 511 599 561(1000) 70 668 102 264 214 900(300). 17614 572 568 671 516 694 166 673 480(500) 172 550(300) 36 926 947 831 712 622(1000) 548 891 871 971(300) 785 821. 18970 992 459 957 916(300) 647 518(300) 658 783 835 443 343 721 901 301 607 169 736(500) 338 690. 19419 113 550 682(500) 258 592 240 186 198 733 55 680 82 817 457. 20399 331 543 306 54 775(500) 66 699 381(500) 78 522 105 100 567 226. 21106 820 190 79(500) 897 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Klasse 171. Könistl. Preich. Lotterie. Aiehung vom 4. November 1884. Hut Me«ewiuiie übet 105 Morl slnv den detreffenden Nummern in Parenthese beigefügt. tOhne Gewähr.) 140 201 91 310 28 48 69[120] 440 500 4 38 61 676 728[120] 34 72 807 80 988 1148 50 52 53 55 61 66 235 89 367 93 459 531 51 62 608 43 58 64 738 825 96 902 31 47(1201 60 88 90 2105 243 309 449 52 583 650 712[120] 17 18 21 56 846 915[3001 89 3192 203 19 25 309 73 496 532[600] 40 87[120! 608 33 52 733[12') 800 73 85 920 46 78 97[120] 4001 2 107 14 16 35 89 242 77 84 313 34 419 50 73 61 621 63 98 705 M 825 27 jl201 55 63 69 939 65 « 5155 77 92[1201 232 57 66 88 301 30 68 66 67 72 412[120] 43 65 78[120] 92 518[1201 23 638[120] 46(120) 85 732 821 33 37 92(120] 909 26 56 73 99«221 38 310 46 60 426 30 44[120] 62 560 71 693 731 859 975 7003 27 49 69 92 119 69 209 37 43[180] 91 92 319 37 78 420[120] 25J120) 75 670 99 703 14 46(180) 8086 116 88 91[120] 263 96 370 448 536 56 605 59 69 753[120] 59 68 843 78 942 47 76 9000 30 31 398 403 24 44 698 709 33 846[1201 48 63 78 901 8 71 85 10037 80 189 218 22 72 82[150] 351 428 57[150] 64 665 67 80 704 16 850 88 92 961 80 99 1 1014[120] 41 46 80 163 231 382 407 14 76 89 525 28(180) 42 62 63 676 78 79 740 55 81[120] 86 844[120] 931[12000] 62 1 2122 67 92 244 80 89 331 66 406 16 18 77 86 636 68 624 47 796 870 1»027 41 103 54 67[180] 76 91 200 336 428 46 54 99[120] 660 732 35 42 79 808[120] 18 43 46 932 14006 26 106 9 87 274 338 67 71 400 40 52 548[1501 628 99 758 915 44 60[6000] ' l 5003 46 94 370 85 92 403 21 66(120) 60 72 605 53 716 85 848 95 4«003 250 332 33[120] 69 87 476 86 604 62 94 718 68[180! 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Die Nr. 163 des„Verl. Vollsdlatt" wird zurückgekauft in der Expedition, Zimmerstr. 44. Die Metallarbeiter-Kranken- und Eterdekaffe wird ge- beten, ibre Zahlstellen anzugeben. 8. 93. Der Betreffende wurde 1877 zum ersten Male ge- wählt, seine Wahl wurde jedoch für ungültig erklärt. Er wurde in demselben Jahre wiedergewählt und blieb Vertreter des Wahlkreises bis zur Auflösung des Reichstags im Jahre 1878. G. M. Die Eizählung eignet sich nicht für unsere Zwecke das Manuscript steht zu Ihrer Verfügung. St. H. Bis jetzt zweimal. A. P., Paris. Weshalb anonym? Nennen Sie doch Ihren Namen. Wir können anonyme Zusendungen nicht de- rückstcktigen. C. B. 20. Wenden Sie sich an den Vertreter der Tisch- ler-Kranken- und Sterbekaffc. Sie werden darin Aufnahme finden. Bevollmächtigter für Berlin ist Herr Ritter, Joseph- straße 14, Hof I. IV. Zwei Wettende. Das können Sie auf jedem Eisenb� fahrplan selbst nachsehen.. B. I Ritter, Bevollmächtigter, Josephsiraße 14,® links IV. M N. Nein durchaus nicht. � (&. W. Brunnenstr. Metallarbeiter-Kranken- u. kasse Zahlstelle z. B. Prinzen- und Moritzstraßen-« Destillation Ballwitz. K. Schr. Langest?. Nein fie wird Ortskaffe. Tro" Sie der Metallardeiterlasse bei. Theater. Mittwoch' Königliche« Oveenhau«: Oberon, König der Elfen. Königliches Lchauspiethan«: Mittwoch: Frau Aspafia.__ Deutsche» Theater: Mittwoch: Die Neuvermählten.— Der eingebildete Kranke.— Donnerstag: Die große Glocke__ Bell eater: Mittwoch: Extra-Vorstellung zu halben Kassenpreisen, 1. Parquet 1 M a r tu. s. w. Auf Verlangen: D und Stadt. orf Nene« Kriedrich Mittwoch: Gasparone. >«llhelmftädtische« Theater. Walhalla-Lperetten-Theater: Mittwoch: Gilette._ Osten d-Theater; Mittwoch: Ein Spiel des Zufalls-_ Ceatral-Theater: Alte Jakobstraßc 80. Direktor: Ad- Ernst. Mittwoch: Auftreten des Fräul. Anna Grünfeld. Zum 12. Male: Der Walzen König. GesangSpoffe in 4 Atten v- W. Mannstädt, Mufik v. G. Steffens(Novität!) Mittwoch: Excelstor. Btktoria-Theater: Refidenz'Theater: Direktion: A- Anno, Blumenstraße 9. Mittwoch: Zum 42. Male; Die Sirene. Voiher: Ich bin Wittwe-_ Wallner«Theater: Mittwoch: Zum 40. Male: ljDer Raub _ der Sabinerinnen._ Lontsenstädttsche« Theater: Direktton: Josef Jirmans. Heute Mittwoch; 65. Gastspiel der Liliputaner. 2 Vorstellun« gen. Zum 51. u. vorletzten Male: Robert und Ber- tram.— Nachmittags 27, Uhr, zum 15. und letzten Male: Sneewittchen und die Zwerge.(Ermäßigte Preise.)___ Alhamtou-Tlieater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Eine Berliner Nätherin. Volksstück mtt Gesang in 4 Abtb. von Heim. Hersch, Mufik von Thed. Franke. Vor der Vorstellung: Großes Konzert, ausgeführt von aus 20 Mustkern bestehender Kapelle, unter Leitung des Kapellmeisters Herrn Ludwig ClaufiuS. Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 7*1* Uhr._ Danksagung. Den Mitgliedern des EmseVer-(Tischler-)VereinS sagen für die zahlreiche Bctheiligung und die erhaltene Unterstützung bei Beerdigung des Bautischlers 1218 Gustav Heyne ihren tiefgefühltesten Dank _ Die trauernden Hinterbliebenen. Große Versammlung des Arbeiter-Bezirksverein v. 15, u. 20. Communal- Wahlbezirk Mittwoch, den 5. d. M., Abends 8'', Uhr, im neuen Vereins- Lokale, Urania�, Wrangelstraße 9110. Tagesordnung: 1) Vortrag des Herrn Dr. H e i m a n n öber„Reform der Schule". 2) Verschiedenes. 3) Fragekasten. NB. Es ist nöthig, daß die Mitglieder in dieser Ver- sammlung recht zahlreich erscheinen. Ferner werden die Mit- glieder, welche ihre Wohnung gewechselt haben, ersucht, dem Kasstrer hiervon Mittheilung zu machen. Gäste haben Zutritt. 1213 Der Vorstanv. In meinem Cigarrm- Geschäft find verschiedene R/L schirme stehen geblieben, um deren Abholung ich hiermit er>u«' 1215 Fritz Görcki, Avmiralstr. 40(frühere Lindes Im 6 ReichStags-Wahlkreis! Cigarren, Cigarretten, Rauch-, Kau- und Schnupsti sowie echte Euba- und Havanna- Cigarren 1384er Jmpo" 1217 M. Bernstein, Eichendorfstr. 13, vis-a-ris dem Stettiner Bahnhof.__. Die Nr. 10 der humoristischen Blätter ,Der wahre Jacob n ft* ill erschienen und in der Erved. d...Berk. Volksbl." zu Soeben erschien: b-b- Soeben erschien:.«i Sie Erlösung der darbenden Menscht von Ii. Theoel. Stamm. Preis 2 50 Mk. � u Zu haben in der Exved. d.„Berl Volksblatt". Zimmerfw H. Buldermann'S Fest-Saal, Kommandanten- straße 71/72, 1 Etage, hochelegant, 300 Personen fassend, mit anschl. Nedenräumen, hält den geehrten Ver. und Gescllsch. z sol. Bed. bestens em- pfohlen Th. Lammer'« Nachfolger. Besonderer Umstände halder ist noch Sonnabend, den 29. Novbr. frei. z Schlafsopha.L Vettst. m.Fd. dill. Alte Jakobst. 1 16 III, lk«.[1 192 Simon, Oranienstr. 159. gegeuüber Luckauerstr. Oranienstr. 207. Ecke Skalitzerstr. I Herren- Mode- Kam ,. 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U>ncn wird das Hauptgewickt aus Naturwissenschaften, Mmanl, neuere Sprachen und Latein gelegt. ifhiiiT.! J*' die erste Rolle in unserem Jugcndunterrichte . cäso auch hier nicht zu seinem Recht.— An- (i'iwii l- SebüHtt der Mathematik als einer rein formalen kahl o Raumes treibenden) Wissenschaft ohne materiell bil- der 5?. wohl eine Rolle, aber nicht eine Hauptrolle in Mdung. Dazu kommt, daß fie in viel zu schwie- �atim!®nm-I,en hinein getrieben wird') Wenn dagegen den miiti ilr�waften und neueren Sprachen mehr Zeit gegönnt m. o auf den Gymnasien, so ist das em entschiedener lch'Sn,?""�diesen. Aber dieser Vorzug kann doch nur in be- »Wh? 3No|e zur Geltung kommen, weil sich das Bleige- Eck, l. �..lateinischen von den untersten Klassen auf an diese »dhrpL l flt und ein frisches„reales" Vorwärtsstreden fort- vn� ud hemmt. Die aus der Betreibung dieses Fachs er- seil-,!ü.. Vildungsresultate müssen kläglich sein, weil einer- »w/'ne erngehendc Beschäftigung mit der griechischen Lite- &iiA, welcher die römische— wenigstens in künstlerischer °uid nuÄ8mr nnr ein Abglanz ist, für unöthig gehalten wird, Ein.„„. Langel an Zeit nicht möglich ist, andererseits diese s°nsi?."e, todte Sprache in ihrer Vereinzelung unter den dem �aarnrtlich dem modernen Leben angehörenden Fächern Schüler immer als eine Art Monstrosität erscheint, weil r>s�? isigen wesentliche Bildungselemente(vor allem arbeiten sich an dem für fie in dieser Reihen- Sateiniu Zubereitung unverdaulichen Bildungselemente des M-" zwecklos ab. Esserei S ifwdo des Unterrichts hat auch hier mehr Viel- ars Bildung im Auge. Ei. ri. höhere Bürgerschule. "iftenu retIt wit der Realschule die Vorliebe für Natur- Kiq„?««« und neuere Sprachen und hat vor ihr den Vor- S* R* nicht mit dem Lateinischen belastet, in richtiger VttnrÄ öasi die klassischen Studien einer Oberstufe des davon x V nordehalten bleiben müssen.— Aber abgesehen Utib h'ni-I uuch hier viel zu viel Malhematik getrieben wird, sehst. Deutsche schon deshalb nicht zu seinem Rechte kommt, Houpt Qn oinem einheitlichen auf Bildung gerichteten Ewf/.und einer eben darauf abzielenden Melhove an diesen �töbl!'t�on Qu- dem Grunde, weil fie wesentlich für die r Berechtigung arbeiten, und es im betreffenden b.,�uf Vielw.sserei(speciell in dem Fache, in welchem i�fomn.» Schulrath am Besten dewandert ist) weit mehr sÄtitrf.»»,, uuf Beobachtung und Kenntniß der Ziatur, auf miee.?5. Ausbildung des Geistes, auf Urthcilskrafl, auf dem �sprechende Kenntniß bedeutender literarischer Werke, "'ch nationaler. Die Volksschule. allen Schulen am meisten auf gesundem von ....„UU... 0% Sie macht Deutsch zum Mittelpunkte des Unterrichts «alttiz v!?1* Vorliebe in allen Fächern vom Nächstliegenden, dorstnm-.�on aus, um aufwärls steigend den geistigen �mom ü"!"'* WMÖf——— i-----, w ■"ie«' nufenivrife zu erweitern. Hier haben eben Genies »�'."ius und Rousseau theoretisch, humane Männer �ih�"/"Bzi vraktisch vorgearbeitet, deren Arbeit unsere �!>riil>.i.„>shoanstalten ein vornehmes„Non plus ultra" ent« C'e« haben. firf. 1 Volksschule aus muß unser Schul- und Erziehungs- w regcneriren und reorganifiren. h �Uegen wir abermals protestiren. Anm. d. Red- besser wohl: einer speziellen Richtung der Erziehung. Anm. d. Red. Der entscheidende Kuß. �ine wahre Geschichte von Wilhelm Revel. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) .e„ihren Studenten" mit Entsetzen Tag vor dem Examen einen Masken- er fiel ja dann str.(Si ?t; AUmers starrte„i M wollte einen Tag vor dem Exar Rötlich d" � das konnte nicht angehen, �nd wenn ich die tn""-»>» iu» vir zehn Thaler hätte, ich liehe dieselben solche Tollheiten und Bockssprünge als ehrbare nickt, Herr Rahmer. das könnte ich ja vor Gott 'U Ei. Ären achtbaren Eltern, die stets so weihevolle Bnefe e schreiben, nicht verantworten," rief fast erhitzt die alte schluckte darüber seinen Aerger hinunter, daß M„�irthin die Briefe seiner Eltern hinter seinem Rücken tlll»�w wiederholte seine Bitte nochmals. Als aber Frau Nfi. Wiederum verneinte, griff er zu Hut und Plaid und °rglichem Tone-„Sie haben ia auch die zehn Mtn"'cht einmal und können fie mir deshalb auch nicht Kz% r- nun, da muß ich mein Examen wohl noch em k£.W)t ausschieben!"- Mit diesen Worten wollte er an > vorbei zur Thüce hinaus. Frau Allmers versperrte £lfoW den Weg und sagte mit fast traurigem Tone- L«ien? kapert's! Das klingt allerdings ganz anders, als JSz und Bockssprünge— ich befitze das Geld aller- S�qr!' aber ich werde morgen früh versuchen, es mir zu HnJr m bekommen morgen früh das Geld, lieber Herr < kr' tüflte sie entschieden hinzu. Nbi„ � vertiefte fich in sein Studium, wahrend seine tu tzi. ln ,Set Wohnstube fich zum Ausgehen anschickte. 2? ein Körbchen unter den Arm und wollte zu Nen jr.«woister, der ihr gegenüber wohnte. Sie trug dem- ti Anliegen vor. aber fand kein Gehör— der reiche 3r eben kein Geld- Da kam ihr ein kluger Gedanke. Ntt„ wter die ungünstige Lage Rahmers, dem blos zehn ken" dem Examen fehlten, das er übermorgen glänzend ürde. Sie ließ durchblicken, daß die Backerstochter 'wer nicht vollständig gleichgültig und daß fie, d,e geneigt sei, auf ihn noch mehr einzuwirken- Das S Zwei Prinzipien von entscheidender Bedeutung find es vor Allem, die hier zu betonen find. Die Volksschule giebt uns nicht nur die richtige Grund- läge für Lchrplan und Methode unserer Bildungsanstalten, sondern auch für die äußere Organisation. Die Volksschulen find einerseits ihrem Prinzipe nach(ich kann auf die Ausführung des Prinzips in der Praxis hier nicht eingehen) wirkliche Bildungsanstalten, weil fie die Lehrfächer ricktig gruppirt haben: Deutsch, Natur- Wissenschaften, Geschichte und Geographie, 1 event. 2 neuere Sprachen, die Elemente der Mathematik(über die Stellung der Religion ist ja ein abschließendes Wort noch nicht zu sagen), und in prinzipiell richtiger Methode dem Schüler Kennt- niß und Verständniß vermitteln. Sie find aber zugleich an- dererseits nicht Bildungsanstalten für bestimmte Klaffen unseres Volkes, wie die Gymnasien und Realschulen für die Kinder höherer Beamten und reicherer Kaufleute, die höheren Bürger- schulen für die des einigermaßen bemittelten Bürgerstandes, sondern sie find Schulen für Alle, wenigstens theoretisch, in- sofern fie keinen Zensus zur Bedingung des Eintritts machen. Praktisch find fie allerdings nur Schulen für die Unbemittelten, die kapitallosen Arbeiter, die„Proletarier". Hier ist der eminent wichtigste Punkt, in welchem unsere Erziehungsfrage und soziale Frage zusammentreffen. Wenn Ihr, Ihr Liberalen, behauptet, die materielle Ungleichheit, wie fie jetzt besteht, sei eine Natur-Nothwendigkeit(Schreiber dieses ist nicht dieser Anficht), so hebt doch, die Ihr stets die Huma- nität aus den Lippen habt, wenigstens die Ungleichheit auf ideellem Gebiete, die Bildungs- Ungleichheit, auf. Eine Bil- dungsschule für Alle ist, was uns noch lhut, vollkommen unentgeltlich. So bekämpft man die soziale Ungleichheit da- durch, daß allen Kindern des Volks dieselbe Bildungs- Mög- lichkeit gegeben wird, daß alle Kinder des Volks unter den- selben Bedingungen mit einander unterrichtet werden und mit einander gesellig verkehren, so eint man die Nation inner- lich auf ideellem Gebiete in ihrer Keim- und Blüchezeit, in chrer Jugend. Tie Grundlage aber für diesen Neubau des Erziehunas- Wesens ist im Wesentlichen schon vorhanden, fie muß im We- sentlichen unsere jetzige Volksschule, natürlich in ihrer ent- wickeltesten vollkommensten Gestalt, sein. Erweitert den Unterrichts� Umfang der Volksschule zu dem etwa der jetzigen höheren Bürgerschule, indem Ihr den Lehr- fächern größere Fülle und eingehendere Tiefe gebt(neue ein- zuführen wird nicht nöthig sein), und sorgt, daß ein gewisser Abschluß der Schulbildung in diesem ersten Stadium erreicht wird. Nehmt dann die Bildungselemente der klasstschen Stu- dien aus Gymnafium und Realschule, erweitert und vertieft das im ersten Schulstadium erworbene Wissen, führt die Schü- ler vorfichtig in Religionsgeschichte und die Elemente der Phi- losophie ein, und Ihr habt die jetzigen Gymnasien und Real- schulen durch Besseres— ersetzt. So habt Ihr einen einheitlichen, planmäßigen Bau. Eine Bildungsanstalt für das ganze Volk. In Bezug auf Einrichtung des Lehrplans und auf Me- thode des Unterrichts in dieser Einheitsschule ist als relativ bestes Muster die jetzige Volksschule— soweit ihr Wirkungskreis eben reicht— zu empfehlen. Oberstes regulirendes Prinzip muß sein: Die Einheits- schule ist keine Anstalt für Vielwifferei, keine Fachanstalt, son- dern eine Bildungs- mittelbar also Erziehungsanstalt.(Die unmittelbare Erziehung wird immer Sache des Hauses sein.) Daraus ergicdt fich, daß hier Anschauung, Phantasie, Gefühl und Verstand möglichst gleichmäßig genährt, gekräftigt und geübt werden müssen. Diese zusammen bilden das Urtheil, und das Urtheil ist von wesentlichem Einflüsse auf den Willen, den unmittelbaren Dirigenten des menschlichen Handelns. Es entspringen daraus folgende Forderungen für Lehr- plan und Methode: a) für den Lehrplan: 1) daß Deutsch (deutsche Literatur. Geschichte, Geographie und Sprache) zum Brennpunkte des Untenichts gemacht werden muß, denn emen naturgemäßeren und klästigeren Bildungs-Faktor können wir unter jenem eben entwickelten Geficktspunfte nicht finden. 2) daß in den Sprachen die Kenntniß der Literatur, nicht die half! Das Bäckerfräulein stieg in ihr Kämmerlein und brachte auch bald die gewünschten zehn Thaler als Darlehn. Wer war froher, als Frau Allmers, der die List so gut gelungen! Sie eilte in ihr Haus zurück und nahm fich vor, „ihrem Studenten" die zehn Thaler aber nicht eher zu geben, als an dem Morgen des Examens. *** Im Hause des Herrn Oehlenschläger war ein großes Leben. Sollte doch ein Maskenball in den Prachträu- men des großen Kaufmannshauses stattfinden und hoffte der Kaufherr zugleich, daß es ihm gelingen würde, schon heute die Verlobung seiner Tochter Else mit dem Chef der Firma Pfefferkorn, dem Herrn Adolph Pfefferkorn, zu verkünden, eine Verbindung, welche die beiden ersten Häuser der Stadt, die geschäftlich fich schon nahe standen, noch näher rückm und ihren Einfluß noch erhöhen würde. Bisher hatte fich Else immer standhaft geweigert, Herrn Pfefferkorn als ihren Bräutigam anzuerkennen; fie hatte fich hinter ihre Jugend gepflüchtet, doch war fie am heutigen Tage 18 Jahre geworden. Eden trat Herr Emil Oehlenschläger in das Kabinet seiner Tochter, um ihr seine Gratulation dar- 1 Else war gar lieblich anzuschauen; sie erröthete und lächelte schalkhaft, indem fie ein kleines Billet verbarg, das in dem vor ihr stehenden Bouquet verborgen gewesen war, welches eben von einem Lohndiener zur Gratulatron überbracht wor- den war. „Du hast wohl Geheimnisse, mein Töchterchcn," sagte Herr Oehlenschläger, indem er einen Kuß auf ihre Stirn drückte, „nun, unser Pfefferkorn hat Dir aber einen sehr kleinen und ärmlichen Strauß geschickt."„Er ist von einer Freundin," sagte Else etwas verlegen. Oehlenschläger legte einige Geld- rollen auf den Tisch vor seinem Töchterchen nieder und sagte: „Hier ist mein Gratulationsaeschenk, Du weißt ja, Kind, daß ich keine Zeit und keinen Geschmack habe. Dir irgend Ge- schenke auszuwählen. Kauf Du Dir deshalb nach Herzens- lust. Doch ich habe einen Wunsch, den Du mir erfüllen mutzt. Diese heimliche Verlobung mit Pfefferkorn fängt mir an lang- weilig zu werden; denke doch, wenn Du so spröde blerbst, könnte er am Ende abspringen und das wäre ja ein Skandal. Also erlaube mir. heute auf unserem Feste Deine Verlobung öffentlich zu proklamiren.",,, Elfe erschrak fichtbar. Doch sofort durchschoß ein rettender Gedanke ihr Htm:„Meine Verlobung?" fragte fie.„Ader Papa," fuhr fie schmeichelnd fort,„geheime Liebe ist so süß, so unendlich süß, bring' es doch nicht heute schon zu emer Ver- offentltchung�st � � Aind," rief hocherfreut Herr Oehlen- der Grammatik, das oberste Ziel sein muß; in der Naturlehre möglichst reiche und lebendige Anschauung der Natur- wesen, möglichst reiche Beobachtung der Naturerscheinungen und, darauf gebaut, möglichst faßliche, nickt zu sehr in's Detail gehende Entwickelung der den Natur-Erschei- nungen zu Grunde liegend n Gesetze wie auch der auf diesen Gesetzen beruhenden menschlichen Erfindungen; in der Geschichte lebendige Darstellung hervorragender Zeitabschnitte, auf der obersten Stufe Motivirung von gesckicht- lichen Handlungen und Ereignissen; in der Geographie an- schauliche Schilderung der Erde und ihrer Bewohner. 3) daß Deutsch in erster Linie, Geschichte und Geographie, sowie Naturlehre in zwester, fremde Sprachen in dritter Linie als Haupt-Lehrfächer gelten müssen, b) für die Methode: daß immer vom Nächstliegenden, Seldstbeobachteten und Er- fahrenen ausgegangen werden muß, daß niemals Vor- bereitung für ein bestimmtes Fach in den Unterricht hinein spielen darf. So würde unsere Einheitsschule eine wahrhafte Bildungs- anstalt werden- Sie würde weit weniger Zeit erfordern, als der jetzige Gymnafial- oder Realkursus, keine Ueberbürdung der Jugend mit fich führen; Fachschulen aller Art könnten fich an fie an- schließen. Eine Menge Uebelstände unserer jetzigen Zustände wären beseitigt, ein pofitiv Gutes von weittragender Bedeutung wäre errungen._ Ksk«l»& N. Der Fischzug im Wilmersdorfer See, der wie be- reits mitgetheilt, gestern Montag Nachmittag stattfand, hat eine ganz unerwartet reiche Ausbeute ergeben. In 5 Zügen, die während des Nachmittags vorgenommen wurden, wurden über 700 Pfund Fische, zum größten Theil schöne Karauschen gefangen. Als Kuriosum sei mitgetheilt, daß fich unter den gefangenen Fischen ein außergewöhnlich starker, 6 Pfd. schwerer Goldfisch befand. Auch ein Wahlkuriosurn. In einem Städtchen Vor- pommerns wurden im Jahre 1848 die ersten Urwahlen abge- halten und zwar diente als Wahllokal die— Kirche des Orts. Die ganze Bürgerschaft war zur Stelle und so kribbelte und krabbelte es im Gotteshause. Die Wahl fiel zur nicht geringen Verwunderung des Ortspfarrcrs, der Wahlvorstand war, auf einen ehrsamen Schlossermeister. Zu Hause gab der Prediger seinem Erstaunen hierüber Ausdruck; er sollie jedoch am an- deren Tage den Grund der eigenrhümlichen Wahl erfahren- Die Frau eines Schiffskapitäns besuchte nämlich den Prediger und äußerte im Laufe des Gesprächs:„Aber Herr Prediger, deswegen brauchten doch nicht alle Leute in der Kirche zu wählen, das weiß doch ein jeder Mensch, daß Schlosser Paul das besser versteht, als Schmied Schnartendorf, das konnte ja der Bürgermeister allein bestimmen." Der Prediger konnte fich den mystischen Sinn dieser Worte Anfangs nicht deuten, bis die Dame mit der Erklärung hervortrat, die Bürgerschaft wäre der Meinung gewesen, es sollte ein Anderer gewählt werden, welcher die-- Thurmuhr besser in Ordnung hielte, als der frühere Schmied, unter dessen Verwaltung dieselbe nie richtig gegangen war. Einen Uhrmacher besaß der Ort noch nicht. Das waren aber auch Urzustände. Im Rummelsburger See ist am vorletzten Sonntag wieder ein Vergnügungsboot umgekippt und ein kleineres Segelboot gekentert. Es war böig und scheußliches, regnerisches Wetter, bei dem Niemand noch gern auf dem Wasser bleibt; um so mehr ist eigentlich die Ausdauer der obigen Fahrzeuge und ihrer Insassen anzuerkennen. Die Ruderer saßen später auf dem Kiel ihres Schiffs und kamen so glücklich an Land; die Segler schwammen ans Ufer- Es ist wiederum ein Glück zu nennen, daß hier kein Unfall pasfirte.— An diese Mittheilung knüpft das Fachblatt der„Wassersport" nachstehende be- herzigenswerthe Mahnung: Den Ruderern, deren Boote durch- weg noch schwimmen, wenn fie füllen, möchten wir wiederholt den Rath geben, nicht auf ihre Fahrzeuge hcraufzuklettcrn, sondern fich seitlich an demselben festzuhalten, und zwar ver- theile sich die Mannschaft in gleicher Anzahl an jeder Seite, schläger,„Du sträubst Dich nicht mehr, bald schon zu hei- rathen?— Das ist gut, das werde ich noch heute Pfefferkom sagen. Doch weshalb soll ich die Verlobung nicht jetzt schon veröffentlichen?" „Ach Papa, ich sagte Dir ja, so ein geheimnißvolles Dunkel, welches über einem jungen Menschenlinde ruht, ist unendlich schön— aber wenn Du mit aller Gewalt," fuhr Else, einer augenblicklichen Eingebung folgend, fort,„meine Verlobung Deinen Freunden mittheilen willst, so verschweig nur noch den Namen des Verlobten, sage, er weile in unserer Mitte— Du spornst so die Neugierde der Gefellschaft an und improvistrst einen reizenden Fastnachtsscherz." Papa Oehlenschläger ging auf den Wunsch seiner Tochter um so leichter ein, als er auf Thränen und heftigen Widerspruch fich gefaßt gemacht hatte; besonders hatte es bei ihm jeden Zweifel gehoben, als Else sagte, daß er bei der Verlobungsproklamation bemerken solle, daß der Bräutigam auf dem Feste weilte. Er überschlug im Geiste die muthmaßlich Anwesenden und bekam beim schärf- sten Nachdenken nur den einen, seinen Freund Adolph Pfeffer- korn heraus, der für sein Töchterchen passen könne. Strahlend vor Freude wollte er das Boudoir seiner Toch- ter verlassen, als Herr Pfefferkom mit einem Riesenbouquet ihm den Weg vr sperrte. Mit gedrechselten Worten, in denen Wonne und Sonne, Herz und Schmerz, Liebe und Triebe fich abwechselten, brachte er seinen Glückwunsch dar und wischte fich nach gethaner Arbest die hellen Schweißtropfen von seinem aufgedunsenen Geficht, 10 daß das Geburtstagskind unwillkürlich in ein malitiöses Lächeln ausbrach. Der Papa und Freund Pfefferkorn hielten dasselbe für freudige Erregung; der elftere drückte ihr einen Kuß auf die Stirn, der zweite auf die Hand und beide gingen zum Comvtoir, wo Herr Oehlenschläger sei- nem Freunde die Mittheilung machte, daß am Abende die heißersehnte Ankündigung der Verlobung in der von Else ae- wünschten Form stattfinden würde. Pfefferkorn schied mit der Bemerkung, daß er unendlich erfreut sei und deshalb als Harlequin verlleidet am Abcnde erscheinen würde, um seiner Freude desto besser Luft machen zu können. ■Bil behalte also das Boot in der Balance, damit es nicht inS Rollen kommt. Es genügt für jeden Passagier, auck wenn er etwa nicht schwimmen kann, mit dem Kopf über Waffer zu bleiben; den Schwimmern wird es in dieser Lage möglich sein, das Boot durch Bewegung der freibleibenven Hände nach dem Lande zu derigiren; in den meisten Fällen wird ein anderes Boot behufs Hilfeleistung in der Nähe sein oder solche vom Lande aus gebracht werden. Auch bei kleineren Segelbooten, die gewöhnlich ohne oder mit so wenig Ballast fahren, daß fie vollgelaufen noch schwimmen, gilt es als Regel, stch an den- selben in der beschriebenen Weise festzuhalten.— Also nochmals als Regel, die auch allen Vergnügunoä-Sonntags-Gondlern eingeschärft werden sollte: So lange ein Boot noch über Waffer schwimmt, soll es von dm Paffagieren nicht losgelassen wer- den; man halte stch an demselben mit dem Kopf über Wasser, bis Hilfe gebracht wird. Niemals aber vertraue man auf die eigene Schwimmkunst! N. Um seine gesummten Ersparnisse ist vor einigen Tagm ein aus Amerika nach hierher zurückgekehrter armer Zimmergeselle mit Namen Eduard Krause von Berliner Bauer- fängern betrogen worden. K. war mit 3000 M, welche er stch in Amerika erspart hatte, in Hamburg angekommen, um stch hierher nach Berlin zu begeben. Unterwegs machte K. die Bekanntschaft einiger Unbekannten, die ihm nach und nach seine gesammten Ersparniffe abnahmen. Der Aermste arbeitet, da die Wiedererlangung des Geldes ausgeschloffen bleibt, in Moa- bit, um stch von Neuem Geld zur Rückreise nach Amerika zu ersparen, N. Entsprungener Zuchthäusler. Der bereits mehrfach mit Zuchtbaus vorbestrafte 33 jährige Schiffer Paul Felix Eugen Bohne, der kürzlich wegen eines neuen Diebstahls in das Amtsgefängniß in R'xdorf eingeliefert war, ist von dort in der Nacht vom Sonntag zum Montag entsprungen. Bohne ist noch gestern Vormittag an der Kottbuser Brücke gesehen worden, ohne daß es gelang, den gefährlichen Menschen fest- zunehmen. Die Berliner Kriminalpolizei und die Gensdarmerie der Umgegend sind mit dem Ersuchen um Verhaftung von der Flucht des Bohne in Kenntniß gesetzt worden. N. Ein recht gefahrvoller Brand, der leicht die unbe- rechenbarsten Dimenfionen hätte annehmen können, fand in vergangener Nacht 4 Uhr auf dem Grundstück Friedenstt. 44 statt. In dem betreffenden Gebäude, daß vom Erdgeschoß bis zur vierten Etage fast ausschließlich von Tischlereien zu Werk- statt- und Lage� Räumen benutzt wird, war um die angegebene Zeit in der Tischlerei von Szymanzik, die stch in der zweiten und dritten Etage befindet, auf bisher noch unaufgeklärte Weise ein Feuer ausgekommen, das bei dem dort viel lagernden, leicht brennbarem Material mit Vehemenz um stch griff. Die mit großer Präziston erschienene Feuerwehr hatte beinahe V/t Stunden mit Löscharbciten zu thun, während die Aufräumungs- arbeiten noch zirka eine volle'Stunde in Anspruch nahmen. Die übrigen Tischlereien konnten sämmtlich vor einer Mitinbrand- setzung bewahrt bleiben. Eine ausgestopfte Köchin. Anfangs Oktober d. I. en- gaginc der Restauraleur Herr Röhl für sein Restaurations- geschäft eine ihm von verschiedenen Seiten als tüchtig em- pfohlene Köchin. Dieselbe entsprach durchaus den gehegten Er- Wartungen nicht, weshalb Herr Röhl zum 1. November eine Lösung des Dienstvcrhältniffes für angebracht hielt. Am 31. Oktober, also einen Tag vor Ablauf des Kontraktes, bemerkten die in der Restaurationsküche beschäftigten Dienstmädchen, daß die zur Entlastung kommende Köchin einen gar nicht zu ver- kennenden Umfang an ihrer Garderobe entfaltete, der darauf schließen ließ, daß die entlassene Köchin von den ihr anvertrau- ten Küchcnvorräthen einen Theil unter ihre Kleider verborgen, dem Geschäftsinhaber entführte. In dem Augenblick, als ihr der Dienstherr einen Diebstahl auf den Kopf zusagte, flüchtete die Diebin nach dem Klosett, wo fie Gelegenheit fand, ge- mahlenen Kaffee, Fleisch u. s. w, in die Röhrenleitung hinab- zuwerfen, wobei es ihr pasfirte, daß fie die zu ihrer in der Dreede- nerstr. belegenen Wohnung dienenden Schlüssel mit in den Abort gleiten ließ. Ein herbeigerufener Schutzmann wurde nun Zeuge, wie der diebischen Köchin aus ihrem Unterrock, in welchem fie eine regelrechte Tiebestasche sich hergerichtet, 1 Pfund Talg, l'/i Pfund Mehl,'/, Pfund Bouillonfleisch, 3 Schachteln schwedische Zündhölzer, 12 Zwiebeln, zwei geschmierte Butterbrote, mehrere Käse, 2 Deffert- und 2 größere Solinger Messer hervorgeholt wurden. Nack der Polizeiwache gebracht, räumte fie den eben ausgeführten Diebstahl im ganzen Umfange ein, bestritt jedoch, schon ftüher ihre Dienstherrschaft brstohlcn zu haben. Eine polizeiliche Haussuchung in ihrer Wohnung lieferte noch andere Gegenstände als Meffer, Schuhanzieher rc. zu Tage, die eben- falls dem Restaurateur Röhl gestohlen waren. Trotzdem war der Bestohlcne gutmüthig genug, auf Bitten der Diebin auf dem Pol zei-Bureau sich zur Zurücknahme des Strafantrages, da ein Antragsvergchen vorlag, zu bequemen, worauf die seit zwölf Stunden in Haft gewesene Diebin wieder in Freiheit gesetzt wurde. Sehr schlecht berathen muß nun aber die Rahmer, daß er seine Sache des Abends schon gut machen werde. Else saß bei ihrer Mama und sprach mit derselben von allerlei Hoffnungen und Befürchtungen; die Mama selbst war etwas ernst und beklommen- Das Jntriguenspiel mochte der biedern guten Frau wohl nicht recht behagen, doch machte fie schließlich gute Miene zum bösen Spiel und sprach ihrer Tochter, die stch an ihre Brust geworfen, allerlei Trost zu. Der Abend nahte heran, die Damen eilten, Toilette zu machen. **« Was ist das für ein reizendes Paar, der Harlequin und die Tirolerin— lispelte man auf dem zahlreich von den Ho- noratioren besuchten festlichen Balle, den die Firma Ochlcn- schläger gab. Die Tirolerin ist die Tochter des Hauies, der Harlequin aber? Einige meinten, es sei der dicke Pfefferkorn, der muthmaßliche Bräutigam der schönen Else. Andere aber glaubten, daß dies unmöglich sei, da Herr Pfefferkorn viel um- fangreichere Leidesformen habe. Doch schon beim folgenden Tanze schien der Harlequin stärker geworden zu sein— es ist doch der Pfefferkorn hieß es allgemein. „Lieder Otto", lispelte Eise, als fie wieder in Tanz und in Wonne verschlungen dahinflogen,„bald wird meine Verlobung proklamirt werden— erschrecke nicht, ich will es schon so machen, daß Papa dabei auf � Dich zeigt. Stelle Dich gleich nach diesem Tanze in seine Nabe." � Rahmer that wie ihm geheißen. Die Mutter ElscS hatte hatte Herrn Pfefferkorn eben in einem Nebenzimmer in ein in- terestantes Gespräch verwickelt. Da lief Else zu ihrem Vater und bat ihn. ihre Verlobung zu proklamiren. Papa Oehlenschläger verließ mit seinen Freunden den Whifttisch und trat mitten in den Saal; er ließ einen leisen Ton mit einer filbemen Glocke erschallen. Alles wurde ruhig: „Geehrte Freunde und noch gechrtere Freundinnen! Ich möchte heute mein Herz erleichtern; es ist mir eine holde Toch- ter geboren worden(allgemeines Staunen), die ich zu verhei- rathen gedenke. Heute ist sie 18 Jahre geworden. Ich darf nur nicht den Namen ihres Bräutigams nennen, doch weilt er m dresem Saale. Laffen Sie uns das Brautpaar hochleben!" -.»I.«ie'tn Korten stürzte Papa Oehlenschläger mit einem gefüllten Ehampagnerglase auf Otto Rahmer zu und stieß mit dem- selben herzlich an. Der glückliche Harlrquin machte einen Freudensprung und verschwand in einem Vorzimmer, wohin p art i e� zur ü ckl e ir'lc� Papa Oehlenschläger zu seiner Whist- Nach einiger Zeit ttat Herr Pfefferkorn in den Saal, wo man ihn nun von allen Seiten beglückwünschte wunderbar diebische Köchin gewesen sein, als fie Tags darauf von ihrer bestohlenen Herrschaft die Herausgabe einer alten Küchenschürze und die Ausstellung eines guten Führungsattcstes verlangte, und als ihr schließlich das letztere verweigert wurde, die Frech- heit besaß, dem Bestohlenen anzudrohen, daß fie nunmehr auf Kosten desselben bis nach Ausstellung des Führunqsattestes in einem hiesigen Hotel Wohnung nehmen würde- Dieser Gipfel der Frechheit hat den Bestohlenen veranlaßt, die Bestrafung der diebischen Köchin nunmehr zu fordern. Gaur ungewöhnliches und erklärliches Aufsehen er- regt ein Vorgang, der sich zwiscben Herrn Geheimrath, Prof. du Bois Reymond und Herrn Prof. Schweninger abgespielt hat. Aus vertrauenswetther Quelle erfährt die„Vosfische Zeitung" darüber Folgendes: Herr Professor Schweninger gab am Sonntag, 19. Oktober, um die Mittagsstunde, in der Wohnung des Geheimratbs du Bois-Reymonv zwei Karten ab. Ter Besuch des Herrn Prof. Schweninger, in dieser Form abgestattet und unter Abgabe zweier Karten, konnte keine an- dere Bedeutung haben als die, daß Herr Schweninger den ge- sellschaftlicken Umgang mit der Familie des Herrn Geheimraths du Bois-Rer>mond wünschte oder beanspruchte. Zu einem solchen Anspruch hielt Herr Geheimrath du Bois-Reymond den Herrn Professor Schweninger nicht berechtigt und schickte ihm daher die beiden Karten zurück. Würde Herr Professor Schweninger als neu ernannter Professor cxtraordinarius an der medizinischen Fakultät, Herrn Geheimrath du Bois Reymond seinen Besuch im Geschäftszimmer des phystologischen Instituts gemacht haben, so hätte letzterer die Berechtigung dazu selbst- verständlich anerkannt und den Besuch des Herrn Prof. Schwe- ninger angenommen. Zu weiteren und näheren Beziehungen des Herrn Schweninger zur Familie des Herrn du Bois- Reymond lag nach Anficht des letzteren keine Veranlassung vor. Herr Prof. Schweninger hat Herrn Geheimrath du Bois- Reymond darauf eine Forderung"zugehen laffen, die Herr du Bois-Reymond jedoch mit der Motivirung abgelehnt hat, daß er stch überhaupt nicht schlage. Im Uedrigen giebt die neueste Nummer der klinischen Wochenschrift über die Ernennung des Herrn Prof. Schweninger folgende wohldeglaubigte Auskunft: In der betr. Mittheilung heißt es, daß Prof. Dr. Schweninger „der Arzt des Fürsten Bismarck", die Leitung der Abtheilung für Haurkranke in der königl. Chantee übernehmen und damit in den Verband der Charite-Aerzte eintreten wird.„Wie wir aus bester Quelle wissen, find die Wege dazu vollständig ge- ebnet."„Die Fakilltät", heißt es dann weiter,„hat gegen die Ernennung des Herrn Schweninger zum Extraordinarius zur Zeit Protest eingelegt. Die Bedeutung der darin vorgebrachten Momente koirnte der Herr Minister in seinem Antwortschreiben nicht verkennen, sah stch aber doch veranlaßt, die gedachte Er- ncnnung zu vollziehen. Es müssen also sehr schwerwiegende Gründe gewesen sein, die den, wie wir gerade an�dieser Stelle hervorheben wollen, um die Förderung der medizinischen Wissenschaften so verdienten Minister bewogen haben, das Patent auszufertigen. Wie wir mittheilen können, ist der weitere Verfolg der Angelegenheit in der Fakultätsfitzung ein- stimmig beschlossen worden. Durch die Ernennung des Herrn Schweninger zum außerordentlichen Professor, �welche im ausdrücklichen Gegensatz zur Fakultät und auf Gründe hin, die durchaus außerhalb der akademischen Sphäre liegen, erfolgte, ist die Geltung des Extraordinariats wesentlich verschoben. Es ist dadurch zu einer Prämie für irgendwelche, der Wissenschaft als solcher ganz fernstehende Leistungen gemacht worden." Für glückliche Kuren eines Arztes ließe sich wohl eine andere, wie die jetzt beliebte Anerkennungsform finden, die Stellung in der Cbaritce wäre aber mit einem akademischen Lehramte verbunden und die Stellung eines dirigirenden Arztes an derselben nur durch hervorragende und bewährte Kenntnisse in den betreffen- den Spezialfächern zu erlangen-„Die wissenschaftliche Be- rechtigung zur, Leitung einer Hautklinik i wird doch wahrlich nicht durch eine„Schweninger Kur", wie und wo fie auch immer gemacht wurde, erworben." Die Lehre von den Haut- krankheiten hätte fich in den letzten Jahren zu einem wesentlich erweiterten Zweige der Medizin gestaltet. Wer ohne längere Schulung an einer Klinik„von heute auf morgen zum Ver- treter dieses Faches gemacht wird, der beginnt damit, es aus- zuüben auf Kosten der Kranken, der Studirenden und— des guten Rufes der Univerfität!" Gerimts-Leitung. Wie der verbotene Berkehr der Strafgefangenen mit der Außenwelt hergestellt wird, zeigte fich in recht irtereffanter Weise in einer Verhandlung, die gestern vor der ersten Strafkammer am Landgericht II. stattfand. Wegen Ver- letzung der Amispflicht unter Annohme von Geschenken in drei Fällen nnd wegen Unterschlagung in zwei Fällen waren der Aufseher im Zcntralgefängniß am Plötzensee, Jobann, und wegen Beamtenbestechung die Strafgefangenen Siegfried Lcvy und Joseph Moser angeklagt. Anton war, wie wir der„Ger.- war ihm an der Sache nur, daß der Hausherr im Saale mit ihm angestoßen baden sollte, er hatte ja nur mit der Haus- stau über seine Verlobung gesprochen. Doch viel Kopfzerbrechen war seine schwache Seite nicht. Währenddrß standen die beiden Glücklichen in dem Vor- zimmcr. Die Mutter hatte zur Eile gemahnt. Else trieb deS- halb ihren Geliebten zum Aufbruch, damit der Papa die Ver- wechslung nickt merke. „Nun aber horche. Du heiß Geliebter," flüsterte Else ibm zu,„wenn Du morgen Dein Examen glück- lich bestanden hast, so gehe des Abends pünttlich 8 Uhr ins Neue Theater und komme in unsere Loge, in der fich Popa, Mama, Herr Pfefferkorn und noch verschiedene Freunde Papas befinden werden', ich als Hauptperson bin auch da und werde Dich bei Deinem EinKitt fragen, ob Tu Dein Examen glück- lich bestanden hast." „Was hast Du vor, Else, man wird mich höhnend zur Thür weisen!"— entgegnete Otto. „Dafür lasse mich sorgen, habe ich denn nicht schon heute meine Sache gut gemacht. Also Vertrauen!" Mit heißem Kusse scbiedcn die Geliebten. Das Examen war glänzend bestanden. Unser Freund hatte keine Bangniß gehabt. Ter Abend kam heran und mit ihm erst das Bangen. Wie würde Herr Oehlenschläger ihn ansehen, ihn vielleicht einen Unverschämten nennen, und dann gar der feiste Herr Pfefferkorn, wie würde er ihn höhnisch anstieren mit den wasser- blauen Augen. Doch ihm blieb keine Wahl. Er kleidete fich so gut an, wie seine Garderobe es erlaubte; von den zehn Tbalern war ihm genügend Geld geblieben, um fich ein Theaterbrllet kaufen zu können. Punkt acht Uhr ttat er in die Loge des Herrn Oeblen- schläger ein. Allgemeines Staunen! Herr Oehlenschläger hatte längst den Studenten vergessen, in den seine Else einmal „verliebt" gewesen war. Er wollte eben eine Frage an den Eintretenden lichten, doch kam ihm Else zuvor:„Nun, lieber Otto, hast Du Dein Examen glücklich bestanden?" fragte fie. „Ja, cum laude," antwortete Rahmer.„Dann gratulire ich Dir herzlich, als meinem vom Papa mir auserkorenen Bräu- tigam!" Und mit diesen Worten drückte fie einen fröhlichen Kuß auf seinen Mund. Das war entscheidend! Papa Oehlenschläger mußte der Oeffentlichkeit halber gute Miene zum bösen Spiel machen. Und Harlequin Pfeffer- korn mußte fich gar noch berbeilaffen, seinem glück- licheren Koufin zu gratuliren. Else aber und Studiosus Rahmer wurden schon bald ein prächtiges, viel beneidetes Paar. Ztg." entnehmen, kurz vor Pfingsten d. I. in den gerathen, daß er Durchstechereien mit den Gefangenen Mm" Er wurde beobachtet, darauf am 4 Juni auf eine a»� Station versetzt und am 9. Juni definitiv entlassen- Bei K® ersten verantwottlichen Vernehmung durch den Herrn. Inspektor Jcnnat legte er ein offenes Gcständniß% daß er von Levy und Moser in mehreren Fällen(WL halten, um Speck, Wurst, Zigarren, Kautabak rc. in das w fängniß einzuschmuggeln, und daß ihm die bezeichneten� fangenen jedesmal einen Theil des Geldes geschenkt K Levy und Moser wurden darauf ebenfalls vernommen, W aber damals noch keine Ahnung, daß fie fich durch das niß, welches fie ablegten, selbst der sttafdaren Handlung Beamtenbestechung bezichtigten. Daher versuchten fie au» der Hauptverhandlung, der Sache eine andere Wendnn? geben. Levy leugnete nicht, daß er dem Aufseher Beträge von 3, 2 und 1 Mk. gegeben; aber er habe � hinzugefügt, daß der Aufseher für ffch so und so viel d behalten könne. Es sei in der Strafanstalt ganz selbiiuei�. lich, daß die Aufseher und die freien Mecster in den � stätten für fich stets den größten Theil von den Summen, halten, welche ihnen zu Einkäufen eingehändigt werden- J,., mal habe er dem Aufseher eine Mark gegeben, damN°>� ihm einen Bleistift laufe; der Bleistift habe höchstens gelostet, der Aufseher aber den Rest nicht herausgegeben„ obendrein auch noch den Bleistift behalten. Moser bcM, überhaupt eine Ahnung davon gehabt zu haben, daß er es. einem Beamten zu thun hatte. Levy habe ihm ein».*"». beim Spaziergange gesagt, er hätte eine neue„Verdm�w — so lautet der Terminus technikus,— und wolle# mittels derselben einen Brief beforgen- Er, Moser, habe,. an seine Frau geschrieben und den Brief an Levy P � Nach einigen Tagen sei der Aufseher zu ihm gekommen � babe ihm gesagt, er sei bei seiner Frau gewesen, Ms j,, Brief bestellt und von derselben eine Flasche Wein un»� Mark erhalten. Moser habe dem Aufseher darauf einen gegeben, auf welchen er seine Wünsche bezüglich der nolirt hatte. Allerdings habe er dem Aufseher gesagt, die ö � Wein und zwei Mark Geld könne er für ffch behalten, zu der Zeit sei die Pflichtverletzung des Beamten schehen gewesen. Ober-Inspektor Jennat, als Zeuge vernom� erklärte, daß es in keiner Strafanstalt möglich sei, den kehr der Gefangenen mit der Außenwelr vollständig� � schneiden, da pflichtvergessene Beamte und die freien J" den Schmuggel aufrecht erhielten, wennschon dieseim", sofort entlassen würden, sobald die Sache bekannt w» � Mit Rückficht auf die bisherige Unbescholtenheit und d. j müthige Geständniß des Auffebers wurde diefer nur i � Monaten Gefängniß vermtheilt, während der Staats. Vit Jahre beantragt hatte. Levy erhielt zwei Mona � Moser wurde freigesprochen, weil dieser nicht gewußt hav, er es mit einem Beamten zu thun hatte. Wermisektes. Bon einem aus Gotha nach den Sandwiths-ö� Ausgewanderten ist ein vom 12. September vatuu � eingelaufen, dem das„Gothaer Tagebl." Folgendes ew', � „Bis Ende des Jahres 1883 waren wir mit unserem— so weit zufrieden. Im Laufe des Monats Januar aber wir Fleisch von einem gefallenen Siück Vieh nehm' � keiner von uns diesem Verlangen nachkam, so entP11 erste©freit. Im Monat Februar kamen wir, näml>® � Frau, mein Sohn und Otto Ludloff aus Döllstädt, das- � von einem gefallenen Ochsen bereits ein Stück abgezog, Beim Nachholen des vergessenen Stechens floß'«n, Von nun an gab es böses Blut bei uns, denn wir'- � auch von diesem Stück kein Fleisch; entgegnet wurde p unsere Vorstellungen: das Fleisch sei gut genug nun ab ließ man uns fühlen, daß wir Sklaven find- ß) Kinder wurden auf dem Felde geschlagen- Im unser Herr auf das Feld geritten. Er sprang vom/-� nahm die große Lederpeitsche und schlug den 13 iaflPLa VP von Heinrich Ludloff. Ich holte den Vater herber-.*# selbe indessen seinem Sohne zu Hilfe kommen wollte, der Herr ins„Kolubus" bringen und ihn vier ftctfCtl. htftt Q vtff �WlffhlCT arges Unwetter und mußte unterwegs übernachten. mußte fieben Dollars Strafe bezahlen, auch behielten lichc Sachen von ihm, auch die mir gehörige Reist.{ r ich demselben geliehen hatte. Freitag früh gingen Herrn und verlangten die Herausgabe unserer Sa®)-# vergebens Darauf stellten wir, Trüschler, mein® W ich, bis auf Weiteres die Arbeit ein, um in Honoi", ae zu führen- Jedoch schon Mittags wurden wir«n e# lubus" gesteckt; Trüschler bekam 35 Tage, ich 1- 3 Dollars Strafe. Da mein Sohn erklärte, daß er Vater geben wolle, so mußte er alle Leiden mit nv%# In der Nacht vom 15. auf den 16. Februar wurden Drei auf ein Schiff gebracht, mit dem wir fr.ü��-n,% Honolulu ankamen, wo wir sofort ins Gefängniß 1? Jj Ii'' wir waren zu jener Zeit noch Sklaven. Im Gfra 0? man uns alle Freiheit. Wir befanden uns aber in' mer Gesellschaft; denn in das betreffende Gefangn? �id> Mörder, Diebe rc. Alles mußte hier die farbige � kleidung tragen. Wir ließen sofort unseren Konsul. � t>. Beistand ersuchen, derselbe ließ uns aber sagen,%% nicht und wolle nichts mit uns zu schaffen haben- zeit war abgelaufen, aber wir kamen nicht aus dem heraus. Wir verlangten wiederholt, vor ein Geirtw-°„ii, werden, aber vergebens. Man sagte uns einfach,. jw, nach Waianan zurückkehren würden, sollten wir frei Air". wollten wir aber um deswillen nicht eingehen, m ein deutsches Kriegsschiff warteten, um da unl, suchen. Am Oster-Heiligenabend verlangten ein Gericht gestellt zu werden, wurden jedoch wir gJJaAj ein rserrcvi geireur zu weroen, wuroen leoo« UN*? pz iÄ in das Kellergefängniß geworfen, aus dem wir Am Acff. entfernt wurden. Wir waren unser 14 Thünnger niß, unter uns Kinder bis zu 13 Jahren! w®' r He-Q nur unser Reckt. Am zweilen Pfingsttag-.xpeit, Waianan die Neger und anberes Gefinvel aufg>£iiS'lk deutschen Häuser zu überfallen. Diese drangen � Haus ein und rissen die kranke Frau aus vew� Männer eilten zur Hilfe herbei, griffen zu bcn � pflj und verjagten die Neger. Ein Landsmann aus K». crff � Hering, ein Schneider, der zwei Meilen von Hon W wohnte, hatte meiner Frau Obdach gegeben, t8 � pn* j, deutscher Naturforscher aus Berlin, Dr. Neuhaus, � wesen, der hat Alles aufgenommen; unsere ß t# j geschickte habe ich demselben aufschreiben müssen, j, Buch darüber herausgeben. Wir find jetzt frei,«pflafr V Koburg jot für mich und meinen Sohn lür IW �?>n.� ivouig oui im. uuu} uno meinen-cowu I-".-.„cr, gesagt, Trüschler ist durch einen Dcuisch Ameni® � Fränk frei geworden, Kästner arbeitet seit dcrnj- s,;Un ff«,;)« auf der Plantage, wird aber auch frei gemacm- ,�0it y uf wir sehen, ob uns das Kriegsschiff wieder zu � ueiM■" fürs Freikaufen vei helfen wird; das Kiiegssch'N P im Jahre 1883 das Geld für die Betreffenden'o tR, geholt, die Herren haben sogar für jeden Tag.« treffenden rm Gefängniß verbringen mußten, mj Tiefe Angaben des Bliesschreibers find„als der„ an ständig entsprechend" außer von diesem noch n?" ,eflenS Auswanderern aus hieffger Stadt""d Um» schrieben. und Berantwortticver Redalreur tzt.«con&tiai in Berlin. Druck und Verlag von Max Badrug m Berlin�W. Beuthftraße 2,