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Dienstag, 18 November 1884. 1. Jahrg. Berliner Volksblatt Organ für die Interessen der Arbeiter. Das Berliner Volksblatt" fcheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Mart, wöchentlich 25 Pf. Einzelne Nummern 5 Bf. Postabonnement pro Quartal 3 Mart.( Eingetragen im VHI. Nachtrage der Postzeitungspreisliste unter Nr. 719a.) Insertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedition Berfin SW., Zimmerstraße 44. Parlamentarische Aufgaben. Am 20. November soll der neugewählte Reichstag zufammentreten und unter den Fragen, die der Erledigung harren, steht die Kolonialfrage mit obenan. ZweifelLos werden da verschiebene Roftenpunkte" auftauchen, denn die Besetzung eines so ausgedehnten Landstriches, wie ihn das Kamerun- Gebiet darstellt, erfordert viel Geld und viele Menschen. Die nächsten Rostenforderungen werben von Seiten der Marine fommen. Man wird selbstverRändlich in den afrikanischen Häfen einige Kriegsfahrzeuge Rationiren wollen und ein bezüglicher Antrag liegt denn auch schon bereit und wird dem Reichstage gleich nach seinem Busammentritt zugehen. Unferen Standpunkt, bezüglich der Kolonialfrage, haben wir in diesen Blättern schon eingehend dargelegt. Man hat so wollen wir unsere Anschauungen zusammenfassen übertrieben. schwerer Schlag gegen alle politische Opposition, wenn auch jene Kaufleute, wie wir früher schon einmal ausgeführt, damit Nichts bezwecken, als für ihre Faktoreien und Plantagen billige Arbeitskräfte beziehen zu können. Mit jenen Hamburger Raufleuten rechten und rechnen wir weiter nicht. Diese Herren sind eben die sonderbaren Patrioten", die sie immer gewefen sind, auch heute noch; fie kennen keine andere Politik, als Handelspolitil. Sie verfahren noch heute nach denselben Grundsägen, mit denen sie einst die stolze und mächtige Hanse ruinirt haben; sie haben immer gute Strämer, aber niemals Staatsmänner unter sich hoch kommen lassen. Was gilt diesen Herren das Intereſſe bes gemeinsamen Vaterlandes, wo ihre Handels- und Erwerbsinteressen im Spiele sind? Die Opposition wird mit allem Nachdruckt sich gegen die Errichtung von Strafkolonien zu wehren haben, wenn sie sich nicht selbst eine Ruthe binden will, die sie nachher sehr schmerzlich wird empfinden müssen. Vielleicht sind fämmt Bentrum nicht ausgenommen. Das letztere kann in diefer Frage entscheiden und vielleicht hilft ein letzter Rest gefunden Oppositionsgeistes dahin, daß sie zum Wohl der Gesammtheit entschieden wird. und für sich die Regierung moralisch zwingen, endlich einmal anzuerkennen, daß, um Arbeit und Brod für die Arbeitslosen zu schaffen, eine erhebliche Verkürzung der Arbeitszeit nothwendig ist. Also noch einmal: Der Gedanke ist uns sympathisch, wenn er in der von uns angegebenen Form praktisch verwerthet wird; aber auch nur dann würde er das Zutrauen der Arbeiter für sich haben und einen wenn auch nur Kleinen Fortschritt bedeuten. Die Eröffnung des Reichstages findet am Donnerstag, den 20. d. Mts., 11, Uhr Mittags im weißen Saale des Königlichen Schloffes statt. Das Defizit für den nächsten Reichsetat soll nach RechCorreſp." bemerkt dazu:„ Wir konnten dem schon hinzufügen, nung des Herrn E. Richter 36 Millionen betragen. Der Hamb. daß er diesmal fich feiner Uebertreibung schuldig gemacht haben dürfte. Er hat nunmehr indessen schon auf etwa 50 Millionen hinaufgegriffen. Natürlich wird für diesen Fehlbetrag Deckung geschafft werden müssen. Man schreibt darüber der ,, Nat.- 3tg" Ueber die Steuervorlagen für den neuen Reichstag werden geheim gehalten. Daß dem neuen Reichstag ein Steuerdie Verhandlungen mit Eifer fortgeführt, der Inhalt aber wird Bestimmtheit an, daß die Getreidezölle dabei eine Rolle spielen bouquet überreicht wird, ist zweifellos, und man nimmt mit die Bedeutung der ganzen Angelegenheit in's Ungeheuerliche Es giebt sogar Leute, die glauben, mit den Rolonien resp. mit der Befehung von Kamerun unsere ganen Ralamitäten beseitigen zu können. Man braucht das Irrthümliche und Ueberschwängliche solcher Ansichten nicht erst nachzuweisen. Wir glauben nicht, daß uns Kolonien etwas schaden tönnen, wenn sie uns weder Opfer auferlegen, noch gen. Allein wir glauben ebensowenig, daß, wenn wir eine wirthschaftliche Gesundung in unserem Inneren nicht finden fönnen, bann Kolonien im Stande sind, diese Gesundung Arbeits- Aemter einrichten, denen die Aufgabe zufallen soll, Vorlage über die Erhöhung einer Anzahl anderer Zölle gevon Außen fünftlich zu uns hereinzutragen. Politische Nebericht. Die Regierung will einer offiziösen Nachricht zufolge eine genaue Kontrole über das Angebot von Arbeit und die Nachfrage nach Arbeit in den einzelnen Industries zweigen und in den verschiedenen Landestheilen zu führen, so daß sowohl Arbeitgeber, welche Arbeiter brauchen, dort an erfahren können, wo fie möglicher Weise Arbeit finden können. Die Bestätigung ist abzuwarten.- Wir können uns mit dem Grundgedanken, Arbeitsämter einzurichten, nur befreunden; es Aber hier giebt es noch einen Punkt, auf den wir nochmale hinweisen wollen, bevor die Erwählten des Volkes zu jammentreten. Wir erwähnten früher schon, daß gewisse fragen fönnen, wo fie solche finden, als auch die Arbeiter selbst Hamburger Kaufleute den Gedanken einer Anlage von Straffolonien auf dem Ramerunbefize in die öffent liche Distuffion hineingeworfen haben. Gegenwärtig ist es bher fille davon; allein man darf annehmen, daß die Diskussion wird freilich ganz auf das Wie und darauf ankommen, welche wirb tommen. Angelegenheit nur erst eine bestimmtere Gestaltung angenommen haben dürfte. Und diese bestimmte Gestaltung Es ist nun Sache aller wirklich freifinnigen und oppoFitionellen Elemente, zufammenzuhalten und sich zu ver gewiffern, ob wirklich die Absicht besteht, auf dem Kamerungebirge eine Straffolonie zu errichten. Von dem Moment an, wo dies zur Wahrheit wird, kann keine wirklich freilegen will. Soll etwas in dieser Beziehung geschehen, so ist vor allen Dingen nothwendig, daß ein Institut, welches zu Gunsten der Arbeiter funktioniren soll, auch von Sachfennern verwaltet wird. Die Arbeiter wissen aber am Besten, wo ihnen der Schuh drückt, und folgerichtig müssen Arbeiter zur Verwaltung herangezogen werden. Freilich nicht ertra bazu herausgesuchte, sondern öffentlich dazu gewählte müffen es sein wenn zu einem solchen Institut Butrauen herrschen soll. Unter der Verwaltung öffentlich dazu erwählter Arbeiter, unter Weglaffung bekannter bureaukratischer Marimen, tönnte ein derartiges Institut und wir wünschen solche überall fegensreich wirken. Eine gründliche Statistik in diesen Aemtern Puntt mehr einnehmen, als den der entschiedensten Oppo- vorgenommen, wird den Beweis liefern, daß tausende, ja leute planen, wäre in der That nichts Anderes, als ein werden. Seit etlichen Tagen ist die Angabe verbreitet, daß man nur eine Erhöhung der Weizenzölle plane, den Roggenzoll aber einstweilen unangetastet laffen wolle, zumal die Regierung hier durch internationale Verträge behindert sei. Wir geben diese Nachricht, ohne eine Bürgschaft für ihre Richtigkeit zu übernehmen. Dagegen halten wir aufrecht, was wir von der beab fichtigten Erneuernung der in der vorigen Seffion unerledigten meldet haben." " Die Kongokonferenz hat am Sonnabend hier in Berlin ihren Anfang genommen. Die Sigungen finden im Palais des Reichskanzlers statt. Der Voff. 3tg." wird hierzu ge meldet: Bur Kongokonferenz laffen sich schon heute verschiedene Strömungen, wenn auch nur in den leisesten Bewegungen erkennen, obwohl die erst in lezter Beit, zum Theil sogar noch in voriger Nacht angekommenen Mitglieder heute der nicht fleinen Aufgabe obliegen mußten, alle die zahlreichen Besuche zu machen, welche bei solchen Gelegenheiten noth wendig find. Wie immer wird im Anfange eine noch größere Burückhaltung beobachtet, als man es überhaupt in diplo matischen Kreisen gewohnt ist; man beobachtet sich gegenseitig nach allen Seiten und Jeder erwartet von dem Anderen Etwas zu hören. Insbesondere fieht man mit Spannung Dem ent gegen, was der Leiter der deutschen Politik thun wird. Bus nächst erfährt man das Eine, daß von gewiffer Seite mit allen Kräften darauf hingearbeitet wird, daß die Konferenz nicht über Die drei in der Einladung angegebenen Berathungsvorschläge hinausgeht. Ob sich das wird durchführen lassen, wird der Gang der Verhandlungen lehren." fition; denn eine Straffolonie, wie sie die Hamburger Kauf- hunderttausende von Arbeitern zu Zeiten und oft lange Beit wärtige sozialdemokratische Agitatoren, nachdem fie an ihrem Radbrud verboten. 14 machen. Feuilleton. Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dur. ( Forseßung.) hindurch teine Arbeit erlangen fönnen; fie würde schon an Gleichgültigkeit, wie sonst, sondern Unwillen war in seinen Bügen zu lesen; und unfreundlich redete er fte an. ,, Was hat das hier zu bedeuten? In Brand's Rechnungsbuch finde ich in diesem Vierteljahre ein Tausend Thaler für die Haushaltung verzeichnet, und von Ihnen nur über sechshundert quittirt.' Gnädiger Herr," antwortete Charlotte mit einem sehr Sehen Sie, Emmy, daraus gerade müssen Sie Kapital devoten Knit, ich kann nicht mehr quittiren, als was ich Ich habe gesorgt, daß das Wirthschaftsbuch nicht erhalte." ,, Sie behaupten, nur sechshundert Thaler erhalten zu Mißtrauen erweden, dann fönnen Sie noch heute erleben, haben?" und wenn in dem menschenfeindlichen Herzen eines Mannes, auf. wie Robenburg, etwas wurzelt, dann gebt es auch üppig etwas erreichen ließe. Ich glaube, sicherlich daß sich auf diese Weise Troß der Gleichgültigkeit gegen Das behaupte ich, gnädiger Herr; und wenn ich darin irrte, so hat Fräulein Lucie die Kontrole. Wäre es nicht richtig, so hätte Fräulein Lucie gewiß meinen Jrrthum monirt." Eine Unordnung ist hier vorgekommen, das ist unzweifelDiese Unordnung fommt." feinen Reichthum und seine ganze Umgebung, trop seiner haft!" rief Rodenburg unwillig, und ich will wissen, woher verdrießlichen Stimmung ärgert es ihn doch, wenn nicht Alles ordnungsmäßig zugeht." " Das habe ich auch schon herausgebracht!" Nun, sehen Sie, wenn Sie also heute den Triumph baben, den Alten mit Mißtrauen gegen Lucie zu erfüllen, so ift das schon so gut, als hätten Sie diese gänzlich aus dem Felde fle wieder hervorzog." Charlotte nahm ihre Schürze und fuhr damit über die Augen. " ,, Ach, gnädiger Herr," sagte fie mit meinerlicher Stimme, Sie beschuldigen mich gar der Untreue. Wenn ich einen Fehler gemacht hätte, Fräulein Lucie würde ihn nicht geschlagen. Es macht sich dann ganz von selbst, daß haben durchgehen laffen, denn Fraulein Lucie ist eine sehr zurückfinkt in die Vergessenheit, aus welcher er sie gute Rechnerin und würde solchen Fehler nicht übersehen. Oder denken Sie am Ende, daß Fräulein Lucie mit mir im Komplott steht, um Ihnen etwas zu veruntreuen?" .. ,, Das dente ich nicht!" antwortete er barsch. ,, Meine Nichte macht tein Romplott zu meinem Nachtheil, und am wenigsten mit Ihnen, denn es ist mir sehr wohl bekannt, daß Sie eine Abneigung gegen meine Nichte haben. Man hörte eine Glode im Gange. Ah, er wünscht mich zu sprechen. Ich werde Ihnen vor arbeiten, Emmy!" Die Wirtschafterin entfernte fich. beitszimmer nannte, welches aber eigentlich für ihn zu weiter Der alte Rodenburg saß in dem Bimmer, daß er sein Arnidis biente, als zum Grillenfangen. Dort pflegte er brütend und schweigend zu fizen, nachzudenken über das, was er ver loren, und verzweiflungsvoll vorwärts zu blicken in die freudenleere Butunft. Nur selten nahm er eines der Schriftstücke, mißräth durch ihre Schuld, so habe ich's nur gesagt im In welche Lucie auf sein Bult gelegt hatte, zur Hand und warf einen flüchtigen Blick hinein. Die Verwaltung seiner Güter Ach, Du lieber Gott! Ich eine Abneigung gegen das betheuerte gute Fräulein die Nichte meines Herrn!" Charlotte. Wenn ich zuweilen gesagt habe, daß sie von der Wirthschaft nichts verstehe, und so manches in Küche und Keller tereffe des gnädigen Herrn." und feines Vermögens überließ er Brand, und die Besorgung diese Unordnung verschuldet hat!" Es widerte ihn Alles an, was ihn erinnerte, daß jeder Mensch wicht, und wenn wirklich Fräulein Lucie eine so fleine Summe Ich glaube Ihnen, Charlotte; aber ich will wiffen, wer ,, D, lieber, gnädiger Herr, Sie legen doch darauf kein Ge wie vierhundert Thaler zurückbehalten hätte, was ist denn das, Und Fräulein Lucie ift ja doch einmal Ihre Erbin!" „ Schweigen Sie!" unterbrach sie Rodenburg mit einem Dem Durchsehen der Wirthschafts Bücher beschäftigt. Gr empfing die Wirthschafterin nicht mit der mürrischen Als Charlotte eintrat, war er auffälliger Weise mit gnädiger Herr, bei Ihrem Reichthum.. Das Berliner Polizeipräsidium- so wird offiziös geschrieben macht neuerdings die Wahrnehmung, daß ausseitherigen Wohnorte mit den Behörden in Konflikt gerathen zornigen Blick. Welchen Verdacht wagen Sie gegen meine Nichte auszusprechen!" D, entschuldigen Sie nur, gnädiger Herr; ich wollte Fräulein Lucie ja nur vertheidigen. Jst nicht nöthig; meine Nichte bedarf keiner Bertheidigung, da ich nicht glaube, daß fie etwas Unrechtes gethan hat. Gehen Sie, schicken Sie Brand zu mir!" Der Alte durchschritt einige Male unmuthsvoll das Bimmer. Soll ich denn hier, wo ich ein Herz zu finden glaubte, das fich in Liebe an mich schließt, zweifeln?. Unmöglich! Lucie liebt mich uneigennüßig.. Albernes Geschwät, daß fie an die Erbschaft denken sollte! Sie ist eine Waife; fle fühlt das Bedürfniß, fich anzuschmiegen, Liebe zu geben und Liebe zu empfangen, und ich... wahrlich, ich habe dieses Bes dürfniß auch." Er nahm wieder am Schreibtische Plat und blickte in die Bücher. Es wäre entseglich, zu denken, daß fie mich täuscht. Weg mit dem Gedanken! Sie ist teine Heuchlerin!" Brand trat ein. Sie befehlen, Herr Rodenburg...?" Rodenburg nahm seinem Gutsverwalter gegenüber die Miene ruhigen Ernstes an; man merkte aber sehr wohl, daß er gewaltsam eine Aufregung niederkämpfte, und daß ihm viel baran lag, in dieser Sache flar zu sehen. Mit einer gewiffen Besorgniß, daß sein Vertrauen am Ende doch erschüttert mer ben möchte, ging er an die Untersuch dieser Sache. Um aber Niemandem Ünrecht zu thun, zwang er sich zu der möglichsten Leidenschaftslosigkeit. " Brand," sagte er ,,, Sie führen hier in Ihrem Rechnungsbuch einen Posten auf von tausend Thalern, die Sie im legten Vierteljahre an die Wirthschaftskaffe abgeführt haben wollen," Herr!" Ganz recht, Herr Rodenburg!" An wen haben Sie die tausend Thaler gegeben?" An Fräulein Lucie, Ihrer Anweisung gemäß, gnädiger Und Fräulein Lucie hat den Empfang quittirt?" " Wollen Sie gefälligst die Beläge nachsehen. Sie werden die Quittungen finden." Rodenburg, der fich sonst wohl nicht mit der Rechnungs Rontrole beschäftigt haben würde, unterzog fich in der That der ihm widerwärtigen Arbeit. Er erbleichte, und seine Hände zitterten heftig. Er hatte Lucie's Quittungen alle in der Hand. find oder sonstwie stch politisch kompromittirt haben, seit einiger Zeit mit Vorliebe Berlin zum Aufenthaltsort wählen, sei es, um hier ihre Agitationen in größerem Maßstabe fortzusetzen, oder auch in der Hoffnung, unter der Menge hier wohnhafter Gestnnungsgenossen der Aufmerksamkeit der Polizei zu ent- gehem Solche Personen werden sehr wohl daran thun, fich in dieser Beziehung keinen Illusionen hinzugeben, ebensowenig aber darauf zu spekulircn, daß fie ungeachtet der auf Grund des sogenannten kleinen Belagerungszustandes für Berlin de- stehenden Anordnungen hier dauernd geduldet werden. Es bedarf keiner besonderen Motivirung, daß die Landespolizei- bchörde bei der Ausweisung auf Grund des§ 28 des Sozialistengesetzes weit weniger skrupulös zu Werke zu gehen braucht, wo es fich blos darum handelt, lästigen und gefährlichen Zu- zug Fremder fern zu halten, als in solchen Fällen, in denen fie es für nothwendig hält, die Ausweisung mit ihren Konse- quenzen über hier mit eigenem Hausstand angeseffene Ein- wohner zu verhängen. Die Beschränkung der den Neichstagsabgeordneten zu überweisenden Eisenbahn-Freikarten hat überall Miß- stimmung erregt. Die„Nat. Ztg." bemerkt dazu:„Als recht unverbindlich gegen. die Nationaloertretung muß die soeben beliebte Maßregel doch bezeichnet werden. Wenn fich Miß- stände ergeben haben, so wäre es höflicher gewesen, die An- regung zur Abstellung aus der Mitte des Reichstags zu er- warten: eine solche zu veranlassen, wäre der Regierung ja sehr leicht gewesen. Vielleicht denkt man aber, mit einem Reichs- tag, in welchem die Konservativen so stark und die Liberalen so schwach find, wie in dem jetzigen, brauchten nicht viel Um- stände gemacht zu werden." Auch die„Germania" ist mit der Maßregel nicht einoer- standen, fie schreibt:„Diese Maßregel ist gar zu radikal, denn außer der freien Fahrt zum Reichstag sollte den Abgeordneten doch wenigstens noch freie Fahrt nach ihrem Wahlkreise zu- stehen, da ja sehr viele Abgeordnete ihren Wohnst« nicht im Wahlkreise haben. Es wäre dies nur ein geringes Aequivalent für die Opfer, welche der Lebensunterhalt in Berlin von den Reichstagsabgcordnetcn fordert. Dieselben werden durch diese Beschneidung ihrer bisherigm Rechte lebhaft an das nunmehr auch von den Offiziösen in Höhe von 42241118 Mark zu- gegebene Reichsdefizit erinnert. Bei solcher Finanzlage muß freilich gespart werden und unsere Abgeordneten werden ohne Zweifel das gute Beispiel, das ihnen die Regierung in recht merklicher Weise vor Augen hält, nachzuahmen wissen; fie werden sich auch ihrerseits der Sparsamkeit befleißigen und hoffentlich größere Summen erübrigen, wie die von ihnen ge- sparten Reisekosten betragen," Bekanntlich berechtigten bisher die Karten zur freien Fahrt auf sämmtlichen deutschen Bahnen in der Zeit von acht Tagen vor dem Beginn und acht Tagen nach dem Schlüsse der Sesfion. In dem Reichstagsetat für 1885—86 war die Entschädigung der Privateisenbahnen für die Bewilligung der freien Fahrt u. s. w. an die Reichstagsabgeordneten auf 48000 Mark veranschlagt. Die Freifahrkarten wurden seiner Zeit eingeführt, um den Reichstagsabgeordneten den Mangel an Diäten weniger empfindlich zu machen. Schleswig. Etwa 20 geborene Dänen und ca 30 geborene Nordschleswiger sollen in den letzten Tagen AusweisungSordres erhalten haben. Bei vielen ist über die Ursache nichts in die Oeffcnllichkest gedrungen. Frankreich. Die Cholera scheint in Paris nachzulassen; das kalte Wetler der letzten Tage dürfte diesen Umstand her- beigeführt haben Am Sonntag Mittag befanden fich im Ganzen 373 Cholerakranke in Behandlung. Am Sonnabend starben insgesammt 72 Personen an der Seuche. Großbritannien. Sir John Hay wird heute demUnter- hause folgende Resolutionen unterbreiten, die als Grundlage für einen Plan zur Reueintheilung der Wahlbezirke dienen sollen: 1. Die Anzahl der Sitze beträat 658--2."" Me"@uh von London soll 5�'sknLr �Pertreter" stellen. 3. Die Uni- —»eil �Vertreter, wie bisher. 4 Die verbleibenden 645 S'«5. f�Lcn auf England, Irland, Schottland und Wales im Verhältniß zu deren Bevölkerung vertheilt werden. 5. Mit Ausnahme der Mitglieder für die City von London und die Universitäten soll die Anzahl der englischen Mitglieder stch auf 460 beziffern 6 Der irischen Mitglieder auf 87. 7. Der schottischen auf 73. 8. Der wallischen auf 25. 9. Die 645 Mitglieder, mit Ausnahme der Mitglieder der City of London und der Universitäten, sollen den resp. Grafschaften nach Ver- hältniß der Bevölkerung zugetheilt werden. 10. In jeder Grafschaft sollen die Flecken und Städte, welche eine Ein- wohnerschaft von mehr als 10000 haben, zur städtischen Wählerschaft gehören. 11- Der Rest der Grafschaft soll die ländliche Wählerschaft bilden. 12. Die auf die Grafschaften entfallenden Mitglieder sollen auf die städtischen und länv- lichen Wählerschaften nack Maßgabe der Bevölkerung vertheilt werden. 13 Bestehende Flecken dürfen nicht gänzlich wahlun- fähig gemacht werden. 14. Wo die städtische Wählerschaft zu Sie hatte die Summe von tausend Thalem vom Verwalter erhalten.... Sie hatte nur sechshundert Thaler abgeliefert, folglich— vierhundert Thaler unterschlagen! Es war unzweifelhaft! „Es ist gut," sagte Rodenburg, seine Auftegung nur mit Mühe niederkämpfend',„Sie können gehen." „Sie hat mich also betrogen!" mürmelte er schmerzvoll, als er allein war.„Was veranlaßtc fie dazu?.... Hm, vielleicht war ich zu karg in Bezug auf ihr Taschengeld. Sie ist mittel- los.— Es fiel Frau Amberg auf, daß ihre Toilette eine so elegante sei- Möglich, daß sie Neigung hat zur Putzsucht! Ich muß fie entschuldigen; fie ist ein Mädchen, und Madchen- herzen hängen ja gewöhnlich an solchem Tand.... Warum faßte fie aber nicht Vertrauen? Warum sagte fie mir nicht, daß fie das Geld zu haben wünsche? Ich hatte es ihr ja nicht vorenthalten. Nicht vierhundert, sondern viertausend, ja vierzig- � Das Selbstgespräch wurde unterbrochen durch den Ein- tritt Ehrlick's. des Schulmeisters. Der alte Mannstandin großen Ansehen bei Rodenburg und genoß sein besonderes selben Platz... einer Bitte." v, „Ei. mit einer Bitte;- so freue ich mich, Ihne!«, die Gewährung im Voraus zusagen zu können. Was betnyt es. „Gnädiger Herr! F:äulein Lucie hat durch Ihre Güte re gewisse Summe erhalten, um den Armen des Dorfes eine ihnachtsfreude zu machen."_.... „Ich wünsche nicht, oatz davon Aufhebens gemacht wird. „Ist auch nicht geschehen! Fräulein Lucie ist so zart ' rücksichtsvoll verfahren, daß weder Jqr Edelmuth da- ch kompromittirt, noch auch das Gefühl der Armen verletzt A lFortsetzung folgt.) klein ist, um sie zu einem Vertreter zu berechtigen, soll fie mit einem oder mehreren Flecken oder Städten gruppirt werden. 15. In Schottland sollen die königlichen und parlamentarischen Flecken mit den Städten gruppirt werden, die eine Einwohner- schaft von über 2000 haben und zur Manizipal-Regierung de- rechtigt find. Egypte«. Lebt er oder lebt er nicht? Der„General" Gordon nämlich, der bald todt sein soll, bald aber wieder mit aller Energie den Mahdi bekriegt. Dem„Reuter'schen Bureau" wird aus Dongola von heute telegraphirt: General Wolseley erhielt gestern Abend ein Schreiben des Generals Gordon, worin derselbe sein lebhaftes Bedauern über den Schiffbruch des von ihm nach Dongola abgesandten Dampfers und die Tödtung aller an Bord befindlichen Personen ausspricht, näm- lich des Obersten Stewart, der Konsuln Power und Herbin und dreißig Anderer. In dem Schreiben heißt es ferner, Gordon freue fich zu vernehmen, daß englische Truppen im Vormarsch begriffen seien, er hoffe, fich bis zu deren Ankunft behaupten zu können, und werde inzwischen fortfahren, die Truppen des Mahdi, die stch Khartum zu nähern suchten, durch seine Dampfer zu beunruhigen. Der Mahdi befinde fich eine Tagereise von Khartum.— Ob's wahr ist? New-Pork. Durch die offizielle Zählung der Stimmen im Staate Newyork ist nunmehr, wie ein Kabeltelegramm meldet, die fich für Cleoeland ergebende Mehrheit, unter Be- richtigung vorgekommener Jrrthümer, definitiv auf 1078 festgestellt, die Komitees der Demokraten und Republikaner haben nach Erledigung der Zählungsarbetten ihre Wirksamkeit für geschlossen erklärt, der republikanische Präfidentschaftskandidat Blaine ist von der fich für Cleveland ergebenden Stimmen- Mehrheit benachrichtigt worden und hat das Ergebniß der Zäh- lung als richtig akzeptirt. Die Wahl Cleoelands ist jetzt als definitiv feststehend anzusehen. Die Demokraten feierten ihren Wahlsieg Sonnabend Abend durch mehrere Festlichkeiten. Zu den Wahlen. Die Wahltage i« Ludwiashafen am Rhein. Unter dieser Ueberschrift bringt die„Volksztg." folgenden interessanten Arttkel: „Im Wahlkreise Speyer-Frankenthal, wozu Ludwigshafen als größte Stadt gehört, waren Nationalliberale, Deutschfrei- finnige, Ulrramontane und Sozialdemokraten durch Ausstellung von Kandidaten auf dem Plane erschienen. Versammlungen wurden von allen Parteien abgehalten, mit Ausnahme der sozialdemokratischen, welche trotz mehrmaligen Ansuchens stets auf Grund des Sozialistengesetzes verboten wurden. Ebenso erging es ihren Wahlaufrufen, selbst wenn dieselben, namentlich im Vergleich mit denjenigen der Nationallideralen, in beschei- denster Form abgefaßt waren. Zur besseren Aufrechterhaltung der Ordnung, obgleich gar nichts vorgefallen war, wurde die hiesige Gendarmeriestation um vier Mann verstärkt. Auf Sonn- tag, den 26. Oktober, Nachmittags 3 Uhr, war nun wieder eine sozialdemokratische Versammlung in dem Saal der drei Mohren ausgeschrieben und das Publikum war neugierig, ob dieselbe stattfinden dürfe oder nicht. Ruhig und friedlich brach dieser Sonntag an, nichts kennzeichnete ihn vor anderen Sonn- tagen des Jahres. Da, 11'/« Uhr, kommen unerwartel zweihundert Mann Soldaten in feldmäßiger Ausrüstung vom Bahnhofe anmarschirt und nehmen inmitten der Stadt Aufstellung. Ich eile sofort auf die Straße, um zu sehen, wo die Gefahr ist. Dock ich sehe.nichts, als verwunderte Gesichter und bedenkliche Mieyex, und höre, daß in vergangener Nacht auch noch 26 Genöarmen angekommen seien- So kam der Nachmittag her�g. Da kommen 2'/« Uhr abermals 400 Mann Soldaten rot Sack und Pack anmarschirt, auch Arzt und Sanitäter mit Verbandzeug waren nicht ver- gessen. und jeder� Soltzat hatte, was ich hier gleich beifügen V.'K.-�'Larfe" Patronen bei stch. Allgemeine Erregung malte fich auf allen Gesichtern. Bis 3 Uhr hatte stch nun eine große Menschenmenge vor dem Gasthause zu dm drei Mohren ange- sammelt, welche jedoch zum größten Theil aus Neugierigen und Anhängern der verschiedensten politischen Gesinnungen bestand, welche sich gruppenweise zusammeugepaart hatten und die Tagesereignisse besprachen. Die Thür zum Versammlungslokal war zugeschlossen und Gendarmen und Polizisten standen davor, die Versammlung war also wiederum vorboten, was vorher Niemand wußte. Auch für den pfälzischen Humor, der heson- ders Sonntags hier zur neum Weinzeit lebhaft zum Ausbruch. kommt, wurde gesorgt, indem z. B. Velocipedisten und Insassen von Droschken, die zufällig durch den Volkshaufen fuhren, ein ,H>och!" dargebracht wurde. Endlich kam auch der Kandidat der Sozialdemokraten, Kaufmann und Stadtverordneter August Drees bach von Mannheim, mit einigen Gefinnunasgmoffen in einer Chaise angefahren. Ihm wurde ein mehrmaliges„Hoch!" gebracht. Langsam fuhr die Chaise die Hauptstraße der Stadt entlang weiter, über dm Gemshof und die Gräsenau. welche Theile Vorstädte bilden, gefolgt von einer großen Menschen- masse. Viele kehrten unterwegs wieder um. Da kommt auf dem Gemshofe eiligen Schrittes eine Kompagnie Militär an- marschirt, geführt vom Hauptmann und neben diesem ein Regie- rungsrath. Ich sehe wie Letzterer zu Ersterem etwas sagt, gleich darauf giebt dieser Kommando und sofort bildet das Militär Kolonne in ganzer Straßenbreite. Da gab es ein arges Drängen und Stoßen und eine Masse Kinder wurden über den Haufen geworfen. Das Militär zog gerade aus nach Friesenheim, während Dreesbach links gefahren war und durch die Stadt wieder nach Mannheim zurückkehrte. Auch in der Stadt war das Militär in Straßenbreite vorgegangen. Nach und nach war das Militär im Schulhause neben der katho- lischen Kirche, in den Sälen der Gasthäuser zum Bairischen Hof, den 3 Mohren, dem Löweugartcn und Pfälzer Hof unter- gebracht, die Offiziere hatten fich im Deutschen Haus einquar- tirt. An allen diesen Lokalen waren Tag und Nacht Doppel- posten mit aufgepflanztem Bajonett aufgestellt. Abends gingen fortwährend Patrouillen mit aufgepflanztem Bajonett durch die Straßen, wie überhaupt von nun an auf der Straße stets die Bajonette aufgesteckt waren. Die Hauptstraße wurde an zwei Eingängen durch Gendarmen und Soldaten abgesperrt, wer hin- durch wollte, wurde mit dem stereotypen„Zurück!" angedonnert, und wer nicht schleunigst Folge leistete, setzte sich einer höchst unliebsamm BeHandlungsweise aus. Nachts 11 Uhr legte ich mich endlich zu Bett, doch an Schlafen war wegen des immerwährenden schweren Patrouillenschritts nicht zu denken. Mehrmals fuhr ich erschreckt empor, weil es auf der Straße laute Auseinandersetzungen zwischen Zivilisten und Patrouillen gab. Es mochte halb 1 Uhr sein, da hörte ich plötzlich ein starkes Laufen. Ich richtete mich auf und spitzte die Ohren, doch, Gottlob! fie kamen nicht in meine Straße. Nach einer Weile höre ich wieder so ein Laufen uud dies- mal kamen fie in meine Straße. Ich flink aus dem Bett und an's Fenster. Was ich da sah, glich der Aufführung der „Hugenotten". Es kam eine Anzahl Zivilisten gesprungen und hinterdrein Militär mit gefälltem Bajonett, in voller Straßenbreite. Links von meiner Wohnung wurde förmliche Jagd auf einen gemacht und mit den Bajonetten bald links, balv rechts gestoßen, während schwere Kolbenschläge dazwischen erdröhnten; rechts hörte ich die gleichen Vorgänge und da- zwischen schmerzliches Wimmem. Eine Gensvarmenpatrouille kam daher und einen solchen Wächter des Gesetzes hörte ich zu seinen Kameraden äußern:„Wenn ich zu befehlen hätt', drauf auf Jedermann, daß er die Kräm hätt'!" wobei er „Jedermann" besonders betonte. So ging die Nacht endlich herum. Als ich mich anderen Tages nach Viesen nächtlichen Vorgängen erkundige, erfahre ich, daß um 12 Uhr durch Polizei in Begleitung von Gendarmen und Militärpatrouille in sämmtlichen Wirthschaften Feierabend geboten worden und bald darauf das Mclttär in Laufschritt mit gefälltem Bajonett durch die Straßen gelaufen sei. Die armen Mißhandelten waren also wahrscheinlich nur späte Nachhausegeher gewesen. — Montags durchzogen wieder Tag und Nacht Patrouillen die Stadt, ohne daß etwas Besonderes zu meiner Kenntniß gekommen wäre. Abends 8 Uhr gehe ich aus. Da sche ich in rasendem Lauf das Militär aus dem Löwengarten kommen und in Mitte der Straße Aufstellung nehmen. Sofort sammelt fich auch ein Haufe Neugieriger an. Da hält der Lieutenant mit dem Säbel in der Faufl in altbaierischem Dialekt folgende Ansprache an die Umstehenden:„Daß mir nickt nachgelaufen wird. Heute Abend wird nicht gespaßt." Von 9 Uhr ab wurde die Hauptstraße wieder abgefperrt.— So kam endlich Dienstag, der Tag der Wahl, heran. Patrouillen durchzogen wieder von früh bis spät die Stadt. Die Wahl- Handlung verlief ruhig und das Resultat war Stich mal zwischen dem nationalliberalen Dr. Groß und dem Sozialdemokraten August Dreesbach. Diese fand vorigen Sonnabend, den 3. No- vember statt und Dr. Groß siegte mit ca. 300 Stimmen über seinen Gegner und wird nun seinen früheren Sitz im Reichs- tage wieder einnehmen- Das Militär wurde nach und nach zwischen Hauptwahl und Stichwahl auf 200 Mann reduzirt. Letztere blieben aber über die Stichwahl noch hier und mar- schirten erst am Sonntag, den 9. November, Vormittags 10 ein viertel Uhr, ab. Gemischten Gefühls sah ihnen die Beoöl- kerung nach und nicht ein Kind gab ihnen das Gelette, wie es fich doch sonst hier die Jugend nicht nehmen läßt.— Unter solchen Eindrücken fand hier die freie deutsche Reichstagswahl statt im vierzehnten Jahre seit Wiedererrichtung des Deutschen Reiches." lieber die Candidatur Forckenbeck« in Dattzia schreibt „man" der„Verl- Zeit."; Wie nach verschiedenen Zeitungen verlautet, soll von deutsch-freifinniger Seite für die in Danzig bevorstehende Ersatzwahl an Rickert's Stelle Herr v. Forckenbea aufgestellt werden. Wir können uns nickt denken, daß die Danziger Liberalm diesem in 8 Kreisen glänzend durchgefallenen Herrn noch die Thüre des Parlament« ösinen wollen. Es bricht fich in den unabhängigm Bürgerkceisen der großen Städte immer mehr die Uederzeugung Bahn, daß die Haltung der deutsch-freifinnigen Partei beim Sozialistengesetze den unglücklichen Wahlausgang herbeigeführt hat. Nur aus der Ab- stinimung der 26 ist das kolossale Anwachsen der Sozialdemo« kratie zu erklären und der Führer dieser 26 war— Herr von Forckenbeck. Der Kreis Wolmirstedt-Neuhalvensleben, der ihn seit Bestehen des Reichstages immer in den Reichstag sendete, hat ihn fallen lassen— und jetzt muthet man einem Kreise zu, mit dem Rickert's Name unauslöschlich verbunden ist, diesen Herrn zu wählm. Wir haben zu dem gesundm Sinne der Danziger Bürgerschaft das Verträum, daß fie diese Zumuthung mit Protest zurückweisen wird; hat fie doch in ihren eigenen Mauern Männer genug, die die Rechte des Volkes auf bessere Weise zu wahren wissen werdm, als Herr v. Forcken'-eck!"— Genanntes Blatt bemerkt dazu:„Wir haben dem nur htnzuzu- fügen, daß uns diese Worte aus der Seele(?) gesprochen find. Die schwächlicheUnentschiedenheit, welche Hr. v. Focckenbeck gezeigt hat, läßt ihn nach unserer Meinung als ganz ungeeignet zum libe- ralen Volksvertreter erscheinen. Ein Mann, der für das seit Jahren von der Fortschrittspartei bekämpfte Ausnahmegesetz stimmt, der heute noch nicht einmal weiß, wie er fich verhalten werde, wenn die Frage wieder zur Entscheidung steht, ein solcher Mann diskreditirt die freistnnige Partei und sollte keine Aufnahme da? in finden- Wo ist denn noch die Grmze zwischen deri rückgratlosen Mollustenthum des Nationalliberalismus und Hem entschiedmm Liberalismus? Die Abstimmung über das Sozialistengesetz hat der freisinnigen Partei unendlich geschadet. 0er Fehler muß korrigirt werden. Am allerwenigsten geschieht!dies aber dadurch, daß man Polttiker wie Herrn"■ Forckmbeck auf den Schild erhebt. Nein, wir verlangen ganze und entschiedene Männer, die nicht wan.'en und schwanken. sondern treu und unmtwegt vor Allem den ersten Grundsatz der Demokratie vertheidigm:„Gleiches Recht für Alle!" Ge- rade jetzt ist die Zeit dazu angethan, daß man das Kam von der Spreu, den„Unerschrockenen von dem Scheuen, dm ganzen von dem bahben Mann" sondem muß. Herr v. Forckmbeck hat die Ern'artungen der fteistnnigen Wählerschaft getäuscht und deshalb gehört er nicht in den Reichstag.— Wir wollen daS genannte. Blatt hierbei daran erinnern, daß Herr v- Forckendeck doch nicht der einzige Halbe gewesen ist, sondern W noch mehr dieser Leutchm ganz ungenirt in der Partei fich be- finden.— Neugierig find wir, ob die Herren den Math haben werden mit den sogen.„Halben" aufzuräumen?! Wir glauben kaum.... Braunschwcig, 15. November. Bis jetzt bekannt für Blos(Soz.) 10800, Kulemann(nl.) 9450 Stimmen. Vierzehn kleine Ortschaften fehlen noch, doch scheint Blos mit bedeutender Mehrheit gesiegt zu haben. Frankfurt a. O-, Montag, 17. November. Bei der Stich- wähl im hiesigen Wahlkreise find nach amtlicher Feststellung 19825 Stimmen abgegeben, hiervon erhielt Struve(dfr.) 11 26t», v. Rosenstiel(Reichsp.) 8559 Stimmm.... Gotha Bei der Stichwahl in dem hiesigen Wahlkreise m die Wahl Bock's(Soz.) nach definitiver Zählung mit 10 734 Stimmen erfolgt; Dr. Barth(dfr.) erhielt 6970 Stimmen. Hannover, 16. November. Bei der Stichwahl im 8 halt- noverjchen Wahlkreise(Stadt und Amt Hannover) wurden nach amtlicher Ermittelung im Ganzen 24 143 Stimmen abgegeben, hiervon erhielt Meister(Soz.) 12 352, Brüel(Wesse i 1 1 791 Stimmen. 9 D s k» l t!t. Von dem Stadtverordneten Herrn Tntzaner erhalten wir folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redakteur! In metz reren hiefigen Zettungen finde ich die dem„Reichsboten'«tu nommene Mittheilung, daß ich mich zweien, der konservative» Partei angehörenden Herren gegenüber durch Handschlag o« pflicktet hahe, bei der Stichwahl im zweiten Wahlkreise fti die Wahl des Herrn Hofprediger Slöcker einzutreten. Behauptung ist vollständig unwahr. Ich habe mich dem V« suche des Herrn Dr. Jobst und eines andern in seiner Begt«- tung befindlichen Herrn? der Namen desselben ist mir nicht nieo> erinnerlich), in diesem Sinne auf mich einzuwirken, entschicv'' ablehnend gegenüber verhalten und darauf hingewiesen. für mich in dieser Hinficht der Beschluß des Arbeitev-Wab komitecs event. einer Vertrauensmänner-Versammlung, die« mit dieser Frage beschäftigen werde, allein bestimmend y- könne. Auch einen, vom 30. Oktober datiiten Brief deS H«? Pfarrer Hapke, welcher mich zu einer Unterredung auffordert' habe ich aus vem angeführten Grunde gamicht beantwor' Sie um gefl. Aufnahme dieser Zeilen in der nächsten Nuwa'., des„Berliner Volksblatt" bittend, zeichnet HochachtunS�° Franz Tutzauer. S, Moritzstraße 22. u„ Für Unbemittelte. Die in der Dresdenersttaße-0 findliche Poliklinik für Ohrenkrankheiten, die dort sett cimll Monaten unter Leitung des Dr. L. Katz errichtet ist, 8«*%, Unbemittelten dreimal wöchentlich: Montag, Mittwoch u Freitag von 12 bis 1 Uhr unentgeltliche Hilfe, worauf hiermit im Interesse der Allgemeinkeit aufmerksam machen-. E. Bilder der Armuth in Berlin bieten fick tfl8ötr Unter den Linden und in der Friedrichstraße demjenigen, des Morgens in der sechsten Stunde bereits aus seiner%. nung fich begiebt und jene Straßen entlang geht. Dem. cheren allerdings pasfirt das nur, wenn er durch eine Neu zwungen ist, so früh das Haus zu verlassen und hierbei � diese Straßen kommt. Vor einem größeren Bäckerlaven\% den Linden steht man schon lange vor 6 Uhr Flauen' Handkörben am Arm aufgereiht stehen, welche des Augen � harren und mit Spannung erwarten, wo fie in den � e gelassen werden, um hier gegen ein Billiges die vom* ten en. Ten miß ich en Fort Der em nir Bon So Ten hl hen ten Ro ber hs ach irt. tar 10 wöl wie ter abl hen reibt gen zig bed Die alle len. ßen ung ult Ab mo Don ibn Dete, zu, efen Der ung enen Here uju Die hat, libe feit gefet alten ein Teine chen mus über ge gften In D. ganze nten, dias Be Don ingen nbed ufcht ollen For be aben uben für rzebn Daß ender 5tich lung 266, ſe iſt 734 han irden abge Belfe) alten meh ent tiven Der für Diese Ver eglei mehr leben baj Babl e fich fein berrn berte, ortet. mmer Booll O be nigen pährt und vorher unverkauft gebliebenen alten Badwaaren zu erstehen. Die Frauen werden nur einzeln in den Laden gelassen und so lommt es häufig vor, daß die Lezten das Nachsehen haben. Bon hier geht es nach den größeren Restaurationen Unter den Linden und in der Friedrichstraße, wo sie ebenfalls gegen wenige Groschen die übrig gebliebenen und vielleicht auch stehen gelaffenen Speisen in ansehnlichen Quantitäten faufen. Oft befinden sich darunter größere Stüden Wildpret, Braten 2c. und dann fann man die Freude dieser bemitleidenswerthen Armen sehen, welche sie in dem Gedanken empfinden, den hungrigen Shrigen ein leckeres Mahl bereiten zu können. Wohl aber noch Demjenigen, dem es seine Mittel" erlauben, fich einen derartigen Genuß zu verschaffen. Tausende gehen mit ungrigem Magen herum und müssen von der Gnade und dem Mitleide der wohlhabenderen Menschheit leben. b. Das Hallische Thor existitt zwar noch dem Namen nach, ist aber schon seit einer Reihe von Jahren verschwunden. Die Benennung desselben feiert in diesem Monat ihr 150jähriges Jubiläum. Durch Verfügung der kurmärkischen Königsund Domänenkammer vom 26. November 1734 erhielt nämlich die bisherige steinerne Brüde den Namen Hallisches Thor. Durch dieselbe Verfügung wurde die bisherige Schaafbrüde Botsdamer- und die bisherige Thiergartenbrüde Brandenburger Thor benannt. Jum 25. Male gelangt heute im Zentral- Theater die luftige Gesangspoffe,„ Der Walzer- König" zur Aufführung und nach den bisherigen Kaffen- Erfolgen zu schließen, dürfte die Novität noch auf Monate hinaus das Repertoire des ZentralTheaters beherrschen. Belle- Alliance Theater. Die beiden Novitäten, welche die Direktion noch für das Gastspiel der Frau Franziska Ellmenreich angenommen hat, sind ein 3 aftiges Schauspiel Eine alltägliche Geschichte" aus dem Italienischen des Giuseppe Coftetti und eine einaftige Plauderet ,, Der legte Bopf" von Wolzogen. Um Frau Ellmenreich Muße zum Studium dieser Rollen zu geben, segt dieselbe Mittwoch und Freitag ihr Gastpiel aus. Am Freitag geht das Schauspiel Bhilippine Welser" neu einstudirt in Szene. 11 a. Drei Arbeitsburschen im Alter von 15 bezw. 16 Jahten, von denen zwei wegen Diebstahls vorbestraft worden find, wurden vorgestern Abend in einer Laube des Vorgartens des Hauses Hochstraße 11 nächtigend betroffen. Dieselben führten zwei Pferdedecken nnd zwei Säcke bei sich, die sie nach ihrem Geständniß Tage zuvor von einem ohne Aufsicht in der Schle gelstraße stehenden Fuhrwerk gestohlen hatten. Da fie sämmt lich obdachlos waren, so wurden sie zur haft gebracht. 2. Freitag auf der Strecke Alexanderplat- Stromstraße ein Blod Bferdebahnbillets und eine größere Anzahl Billets des Etab liffements Flora" zu Charlottenburg im Gesammtwerthe von 200 M. aus seinem Behälter unter den Sigen des Wagens gestohlen worden. Von dem Dieb ist noch keine Spur era. Einem Pferdebahn- Kondutteur find am jüngsten mittelt. 8. Aus dem Gefängniß entsprungen und gleich darauf einen Diebstahl ausgeführt. Dieses Kunststückchen hat der Schneiderlehrling Friedrich August Gotthold Kasper fertig gebracht, welcher wegen schweren Diebstahls zu einer Gefängniß Strafe von 2 Jahren verurtheilt und zur Verbüßung derselben Dem Gerichtsgefängniß zu Neu Ruppin überwiesen worden war. Nachdem es ihm vor einigen Tagen gelang, am frühen Morgen aus dem Gefängniß zu entweichen, fegte er sich noch im Laufe deffelben Tages durch Diebstahl in den Besitz einer Anzahl von Kleidungsstüden und wurde darauf flüchtig. Dbgleich die Flucht des K. noch an demselben Tage entdeckt wurde, gelang es doch nicht, denselben wieder zu erwischen, wesbalb die Bolizeibehörden um Beihülfe zur Festnahme des Flüchtlings ersucht worden sind. K. ist 19 Jahre alt, von mittlerer Statur, hat dunkelblonde Haare, freie Stirn, dunkelblonde Augenbrauen, braune Augen, ovales Gesicht, gesunde Gefichtsfarbe und spricht den sächsischen Dialekt. f jett bier etablirt, wo Amerifaner in größerer Zahl Berlin befuchen. Er begrüßt fie, die leicht zu erkennen find, als lehnte. Plöglich fiel E. mitsammt dem Gitter vom Wagen und zwar so unglücklich, daß ihm die rechte Hand überfahren wurde, welche ihm mit einem Theil des Unterarmes völlig zermalmt worden ist. Der Kleine Finger ist ganz abgetrennt, der Ringfinger zu einem förmlichen Brei zerdrückt, der Mittelfinger mehrfach zerbrochen, und auch am Unterarme find mehrere Knochenbrüche konstatirt. Der abgetrennte Finger und einige Fleischfeßen wurden vom Geleise aufgenommen und mitsammt dem Verunglückten nach der I. Sanitätswache gebracht. Dort wurde demselben ein Nothverband angelegt, worauf feine Ueberführung nach der Klinit erfolgte. Der erste Schnee ist nun in der legten Nacht auch in Berlin einpasfirt, und damit hat für uns Hauptstädter die Winterzeit begonnen. Schon gestern Abend fielen einige mit Regen vermischte Flocken und machten den Aufenthalt auf den Straßen zu einem recht unangenehmen. Die Poefte des ersten Schnees geht in Berlin leider meist in dem Schmuẞe verloren, den die schmelzenden Schneefloden auf den Trottoirs erzeugen. Auch diesmal blieb keine Schneedecke auf den Straßen liegen, und nur die Dächer der Häuser und die Vorgärten zeigten sich am Morgen mit einer weißen Hülle versehen. Wie wir hören, hat es gestern auch in Dresden zum ersten Male geschneit, während uns Wien diesmal mit dem ersten Schnee" um vier Tage zuvorgekommen ist. Polizeibericht. Am 13. d. Mts. Nachmittags stieß der fünfjährige Sohn der Rosenstraße Nr. 27 wohnhaften Bauline Fischer beim Spielen gegen den geheizten eisernen Kohofen, so daß dieser umstürzte und mit einem Topf kochenden Waffers auf den Knaben fiel. Letterer wurde dabei derartig verbrannt bezw. verbrüht, daß er am 15. d. M. verstarb. Am 15. d. M. Morgens wurden in ihren Wohnungen Krausnickstraße und Sorauerstraße je ein Mann erhängt aufgefunden. Als Ursache wurden eheliche Bwiftigkeiten und Lebensüberdruß angegeben. An demselben Tage Morgens wurde die Leiche des Bootsmannes Bäthge von seinem Brodherrn, dem Schiffer des Bootsmannes Bäthge von seinem Brodherrn, dem Schiffer Limfa, im Landwehrkanal vor dem Grundstück Blan- Ufer Nr. 71 im Waffer gefunden und an das Ufer gezogen. Bäthle war vermuthlich während der Nacht über Bord gefallen und ertrunfen. Die Leiche wurde nach dem Obduktionshause gebracht. Gerichts- Zeitung. Eine neue Schwurgerichtsperiode" hat gestern unter dem Vorfize des Landgerichts- Direktors Schenk ihren Anfang genommen. Als erste Sache lag dem Schwurgericht jene Bluf that zur Beurtheilung vor, welche sich am Nachmittage des 2. September d. J. auf dem Bauplage des Reichstags- Gebäudes abspielte. Der schweren Körperverlegung mit tödtlichem Ausgange beschuldigt, befand sich der 42 jährige Arbeiter Ferdinand August Spieste auf der Anklagebank. Derselbe ist übrigens ein Mann, der ehemals andere Stellungen als die eines gewöhnlichen Arbeiters eingenommen, er ist früher Polizeisergeant in Eldena gewesen und dann zum Postdienst übergetreten. Als Postschaffner hat er sich aber mehrere Unterschlagungen zu Schulden kommen lassen und ist dafür mit einer einjährigen Gefängnißstrafe belegt worden. Er hat darauf zu Hacke und Spaten greifen müssen und schließlich beim Bau des Reichstags- Gebäudes Beschäftigung gefunden, wo er es bis zum Kolonnenführer gebracht hatte. Nach dem Geständniß des Angeklagten, welches auch durch die Beweisaufnahme beſtätigt wurde, hat sich der Vorfall, der so traurige Folgen nach sich gezogen, folgendermaßen zugetragen: Zwischen dem Angeklagten und dem bei seiner Kolonne arbeitenden Mittelstädt herrschte schon seit einiger Zeit eine gereizte Stimmung, weil der Lestere sich nur widerwillig den Anordnungen seines Vorgesetzten fügte. Als am Nachmittage des 2. September die Arbeit wieder aufgenommen worden war, fam es wiederum zwischen Beiden zu Reibereien; Mittelstädt antwortete dem Angeklagten, welcher ihm Vorwürfe darüber machte, daß er seine Karre nicht an der vorgeschriebenen Stelle entleerte, mit den Worten Sie haben mir garnichts zu sagen!" und als im Verlaufe des Wortmechsels Mittelstädt den Angeklagten mit dem Schimpfnamen ,, Laufjunge" belegte, da wurde dieser dermaßen von Wuth erLandsleute, und das Uebrige findet sich. Die Polizei ist ihm griffen, daß er mit dem Spaten, den er gerade zur Hand hatte, indeffen schon auf der Spur. Drei N. Ein grober Erzeß ist am Sonntag Nachmittag von reduzirt gekleideten Individuen in resp. vor dem Laden Des Kleiderhändlers Rob. Posnanzky an der Fischerbrüde 19 verübt worden. Gegen 2 Uhr Nachmittags betraten drei Män ner den Laden des genannten B. und verlangten einen Winterüberzieher zu faufen derartigen Ueberzieher vor und gab an, daß derselbe achtzehn Herr P. legte den Unbekannten einen einen heftigen Schlag gegen den Kopf feines Gegners führte. Dbgleich der Schlag nur mit dem Holzstiele des Spatens ge führt wurde, fiel der Getroffene auf der Stelle und mit einem bumpfen Stöhnen zu Boden, nur ein leises Röcheln verrieth, daß noch Leben in ihm war. Der Verlegte wurde sofort per Droschke nach der Charité geschafft, verstarb aber daselbst gleich nach seiner Einlieferung. Wie die Obduktion ergeben, ist der Tod durch Erftidung erfolgt. Der Schlag traf den VerThaler toften follte; da nach viertelstündigem hin- nnd her- ftorbenen in die linte Schlafe und führte dessen sofortige Be täubung herbei. Dieser Bustand hat unter den vorliegenden Umständen gewöhnlich Brechneigung im Gefolge, bie Speise reste, welche der Bewustlose nicht zu erpettoriren vermochte, find in die Luftwege getreten und haben dadurch den Ers ftidungstod herbeigeführt. Die Sachverständigen erklären, daß der Schlag wohl taum so verhängnißvolle Folgen gehabt hätte, wenn der Vorfall nicht kurz nach der Mittagsstunde stattgefunden. Die Geschworenen billigten dem Angeklagten aber mildernde Umstände nicht zu, worauf ihn der Gerichtshof mit der zulässig niedrigsten Strafe, drei Jahre Gefängniß, beWahrnehmung zu machen glaubte, daß die Leute ihn nur zum Beiten haben wollten, so wieß er alle drei in energischer Weise aus feinem Laden. Zwei leisteten diefer Aufforderung auch Folge, während der dritte im Laden blieb und den P. handBreiflich bedrohte. Auf die Hülferufe des P. eilte sein Sohn herbei, mit deffen Hülfe er nun versuchte, den Renitenten aus Dem Laden herauszubringen. In diesem Augenblid eilten die beiden bereits auf der Steaße befindlichen Komplizen zur Hülfe und schlugen derart auf den alten B. ein, daß derselbe blutüberströmt zusammenbrach. Alle drei ergriffen, nachdem fie legte. Dorber noch die Jaloufien zertrümmert, die Flucht, doch gelang es dem Sohne des P. mit Hülfe eines Schußmanns einen der Attentäter an der Inselbrücke festzunehmen und zur Wache zu Ichaffen. Der alte B. hatte vei der Affaire einen derartigen nie wieder die Sehkraft erlangen wird. Von dem Beschädigten gegen die drei Raufbolde Strafantrag gestellt. ift Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. Aufruf an die Fabritarbeiter! Kollegen! Der erste Dezember rückt heran, mit ihm tritt das neue Reichs KrankenN. Ueber die Verhaftung des Gremmener Doppel faffengeses in Kraft. Jeder gewerbliche Arbeiter muß von morders, der die Frau des Gendarmen Sybelt und des Handels mann Leeft in Cremmen ermordete, werden uns folgende De Diesem Tage an einer Krantentaffe angehören, welche die gesegliche Mindestleistung(§ 75 des betr. Gefeßes) an Untertails berichtet. Der Mörder, ein Müllergeselle Johannes Laffe, stüßung gewährt, widrigenfalls er einer Ortsfaffe mit BeitrittsDeffen Einlieferung in Berlin bereits von Zeitungen gemeldet zwang angehören muß. Fabrilarbeiter! Wer von Euch dieses Beife festgenommen worden. Die Polizeibehörde in FürstenLestere nicht will, wer sich das freie Selbstbestimmungsrecht nicht rauben lassen will, der trete der Central- Kranken- und " Edritte lenten werde. Und wirklich es war am Freitag Raffe gewährt ihren Mitgliedern an Kranken- Unterstügung und bei. Kein Fabrikant tann ihn dann gefeßlich zwingen, einer Drtskaffe beizutreten resp. beizubleiben. Genannte CentralSterbegeld Folgendes: Unterstügung. Sterbegeld. I. Klaffe wöchentl. Beitrag 15 Bf. 6 Mart III. 22330 40 Mark II. " " 1 " 1 11 25 11 " " 11 8 10 12 " 52 66 11 " 1 11 80 11 " IV. berg batte Renntniß erhalten, daß Laffe, der selbst aus Fürsten Sterbekaffe der Fabril- und Handarbeiter( E..) Dresden" berg flammt, des Mordes dringend verdächtig war und glaubte annehmen zu dürfen, daß auch hierher der Mörder seine Sorgen gegen 7 Uhr, als der Polizei- Sergeant Roffa, der in hinterhalt gelegt hatte, den Laffe ankommen sah. Als Laffe feiner anfichtig wurde, zog er sofort seinen Revolver, in bem Augenblid hatte Hoffa fich jedoch schon auf ihn gestürzt, und es begann ein verzweifelter Ringkampf, bei welchem Lasse Dergeblich von seiner Schußwaffe Gebrauch zu machen ver fudhte. Der in größter Lebensgefahr schwebende Beamte rief nunmehr laut um Hilfe und es eilten der Sparkassen- Rendant Saneiber und ber Fischermeister Gustav Lange herbei, welche dem bebrängten Beamten Hilfe brachten und nach einem noch mehr als 5 Minuten andauernden verweifelten Kampfe, den Morber, der zum Schluß sich selbst vergeblich zu erschießen bemühte, zu Boden schmetterten, ihn entwaffneten und nach Dem polizei- Bureau transportirten. Roffa, der auf Leben und Bob mit dem Mörder gekämpft, dürfte auch hier nicht ganz unbefannt sein, da er früher Schußmann im 47. Berliner Bolizei Revier in der Grimmstraße gewesen ist. Beftrigen Sonntag in der neunten Abendstunde auf der PferdeSin beklagenswerther Unglücksfall ereignete fich am babnlinie Weißenfee- Berlin. Der in der Petriftraße wohnhafte, 64 Jahre alte Vergolder E. hatte sich gestern längere Zeit im benachbarten Weißensee aufgehalten und mag dabei des Guten obl etwas zu viel getban baben. Für den Heimweg nach Berlin benutte E. die Pferdebahn, wobei er fich auf dem Borberperron neben den Kutscher stellte und trop einer War wir 1. iglich Bobs ber Reis je ges burch Inter t mit blicks aden Tage Diese Unterstügung" wird ein volles Jahr gewährt" und zwar in den ersten 26 Wochen in voller Höhe, die ferneren 26 Wochen die Hälfte. Die Aufnahmen finden statt: Prinzen straße 93 bei Herrn Heilgans, Andreasstraße 3 bei Stange, Adalbertstraße 74 bei Rauna, Aderstraße 25( an der Invalidenstraße) bei Herzog, und zwar: Sonnabend, Montag und Dienstag, Abends von 8 bis 10 Uhr und Sonntags Vormittag von 9-12 Uhr. Diejenigen Personen, welche sich bereits in den zirkulirenden Listen haben eintragen lassen, werden ersucht, ihre Aufnahme in genannten Lokalen persönlich erwirken zu wollen. Mitglieder der ,, Allg. Fabrik- Arbeiter Kaffe( Ortslaffe), welche in gedachten Listen verzeichnet sind, wollen fich gefälligst nach Andreasstr. 3 begeben. Der provisorische Bevollmächtigte, R. Denzig, ist zu sprechen täglich von 121-1 Uhr, Sonntags nach 2 Uhr. Derselbe wohnt SW., Boffenerstraße 36, of 3 Tr. Der prov. Vorstand i. V. R. Denzig. hr. Der polizeilichen Auflösung verfiel nach etwa 1 stündiger Dauer die öffentliche Versammlung der Kürschner und Berufsgenossen, welche, wohl gegen 500 Theilnehmer zäb hauses tagte. Auf der Tagesordnung fland: 1. Wie ist eine Befferstellung der Arbeiter in unserem Gewerbe zu schaffen? 2. Wahl einer Lohnkommission. 3. Gründung eines Unterftügungs- Fonds. Herr G. Roedel, der Vorfißende der ohn tommission der Tischler, welcher das Referat übernommen hatte, legte in flarer eindringlicher Weise, indem er dabei auf das erfolgreiche Vorgehen der Tischlergesellen in den letten 2 Jahren hinwies, die Bedingungen und die Mittel für eine die Besserftellung der Arbeiter bewirkende Lohnbewegung dar: Busammenhalten womöglich aller Kollegen und solidarisches Eintreten für einander, eine permanente Lohnkommission zur Leitung der Lohnbewegung und zur Ausführung der Beschlüsse der Generalversammlungen, wöchentliche Beiträge zur Ansammlung eines Fonds zur Unterstüßung gemaßregelter und arbeitsloser Kollegen, Regelung bezw. Verkürzung der Arbeitszeit, Abschaffung der Sonntagsarbeit, Festsezung eines Minimallohns, Ver trauensmänner zur Kontrolirung über die Lohnverhältnisse in allen Werkstätten oder in den Bezirken der Stadt. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Zur Diskus fton nahmen die Herren Wedemeyer, Stoye und Jahaus( der Vorsitzende) das Wort, um auf Mißstände im Kürschnergewerbe und auf die Nothwendigkeit einer Organisation und des solidarischen Vorgehens der Arbeiter hinzuweisen. Es wurde dann eine Pause in den Verhandlungen gemacht, um den Kollegen Gelegenheit zu geben, ihren Beitritt zur freien Hilfskaffe der Schneider und Berufsgenossen zu erklären. Als der Borstzende die Bause für beendigt und die Versammlung für wieder eröffnet erklärte, erhob sich der überwachende Polizeilieutenant und erklärte die Versammlung für aufgelöst. Nach dem Grunde gefragt, lehnte er es ab, eine Antwort zu geben. Eine imposante Versammlung von Mitgliedern des Freundschafts- Klub der Cigarren Sortirer fand am Freitag Abend 9 Uhr im Holsteinischen Hause, Kohlhöfen 16, statt. Von den 250 Mitgliedern des Klubs waren nur sehr Wenige abwesend. Ursache zu derselben war die auf Wunsch der hiesigen Bigarren- Fabrikanten C. F. G. Schmidt. Bachst und Langenfeldersch- Altona veranlaßte Fabrikanten- Versammlung, und die von einzelnen Fabrikanten ausgesprochene Drohung, ihre Sortirer zu entlassen, wenn sich dieselben nicht vom Klub der Sortirer lossagen. In der Versammlung wurde von mehreren Mitgliedern darauf aufmerksam gemacht, daß über die Differenzen der Sortirer mit der Firma, um den Klub ber Sortirer in Mißtrebit zu bringen, unwahre Gerüchte verbreitet worden seien. Konstatirt wurde, daß es unwahr fei, daß die Deputation der Arbeiter der Firma feine Bedenkzeit gegeben, sondern daß dieselbe, um sich auf eine definitive Erflärung betr. der Forderung der Arbeiter, Abschaffung der Sortirer, Hausarbeit, zu befinnen, zwei Tage Bedenkzeit gewährte. Betr. des nothwendigen Arrangements der Ausführung der Forderung hätte selbstredend die Kommission eine den Umständen angemessene Beit bewilligt. Verschiedene Sor tirer, die bei den 4 Hausarbeitern, von welchen momentan 2 Derselben 5 Lehrlinge haben, das Sortiren erlernten, erklärten fich bereit, vor einem unparteiischen Schiedsgericht zu beweisen, 1) daß sie bei den Hausarbeitern das Sortiren nicht, wie es fich gehört, erlernt hätten; 2) daß die Hausarbeiter billiger arbeiten, wie die Arbeiter auf der Fabrik; 3) das es unwahr sei, daß die Hausarbeiter in 25 Jahren nur 9 Lehrlinge auslernten. Die Firma habe in diesem Jahre, die Lehrlinge und ausarbeiter mit eingerechnet, allein 11 Lehrlinge. Daß die meisten Sortirer, die dort gelernt, später wieder das Geschäft aufgeben mußten( entweder, meil fie teine guten Sortirer waren oder keine Arbeit finden konnten), sei doch kein Argus ment für Lehrlinge. Daß die Firma den Kampf mit aller Energie führe, könne man derselben nicht verargen; daß aber Fabrikanten, ohne einmal die Gegenpartei gehört zu haben, fich herbeiließen, dafür einzutreten, daß dieselbe eine Sonder stellung( Sortirer Hausarbeit in diesem Maßstabe ist nur bei der Firma C. F. G. Schmidt vorhanden) gegenüber allen anderen Firmen zu behaupten, sei jedenfalls furios. Die Ver sammlung beschloß, da dem Klub jeder andere Weg abgeschnitten sei, feine Meinung zur Geltung zu bringen, ein Birkulair bruden zu laffen, um bezüglich der vorhandenen Differenzen Aufklärung im Publikum zu verbreiten. Die Versammlung bot ein Bild der größten Einigkeit und Begeisterung für die Organisation der Bigarren- Sortirer. D tr. In der öffentlichen Versammlung der Tischler, welche am Sonntag Vormittag im Eisteller- Hestaurant ftatt fand, legte Herr Lenz, nachdem er einen Rückblick auf den Verlauf der Lohnbewegung seit ihrem Beginn vor 2 Jahren gegeben, die Gründe dar, durch welche die Lohnkommission fich bewogen gefühlt, Minimaltarife über Spezialitäten der Tischlerei aufzustellen. Die Vöhne, welche für manche Affordarbeiten in den verschiedenen Werkstätten gezahlt wurden, waren so sehr verschieden, daß, damit für die Arbeiter der festgesezte Wochenverdienst herauskäme, ein Preisaufschlag bis zu 50 Prozent nöthig war. Bum Beweise für die Bweckmäßigkeit der Minimaltarife führte er die Erfolge vor, welche das Einschreiten der Lohntommiffion in der Werkstätte von Gaft und Brod gehabt, und zum Beweise dafür, daß durch die gegenwärtige Lohnbewegung schon viel gewonnen sei, einen vor Kurzem in der Reinhard'schen Werkstätte vorgekommenen Fall, in welchem der Prinzipal die Entlassung zweier Arbeiter, die auf Extrabezah lung der Ueberstunden gedrungen hatten, zurücknahm, weil die übrigen 21 Kollegen mit Arbeitseinstellung drohten und der Vorsitzende der Lohnkommission die Erklärung abgab, daß alle 23 Gesellen aus dem Unterstüßungsfonds Unterfügungen betommen würden. Herr Künzel wies darauf hin, daß im Norden Berlins viele Gesellen noch mit einem Wochenverdienst von 12 bis 15 Mark fich begnügten, während bei human gesinnten Meiftern, wote z. B. bei denjenigen, bei welchen er( Redner) und Kollege Lenz in Arbeit sind, 24 Mart bei Lohnarbeit und bei 9 einhalb Stunden Arbeitszeit verdient werde. Auf Wunsch der Versammlung wurde dieser Meister namhaft gemacht; es ift Herr Eisenhardt in der Karlstraße. An Stelle des Herrn Heile, der wegen Krankheit das Amt niedergelegt, wurde zum Kassirer für den Norden Herr Reinicke gewählt. hr. In der Versemmlung des Fachvereins für Schlosser am Sonnabend( bei Gratweil) kam zunächst eine vom Vor stande ausgearbeitete Beschwerdeschrift, betreffend die in Werkstätten der Militärbüchsenmacher den Schlossern gemachte Konkurrenz, welche beim Königlichen Kriegsministerium eingereicht werden soll, zur Verlesung. Dieselbe wurde in allen Buntten gut geheißen und unverändert angenommen. Der Vorsigende theilte dann mit, daß der Vorstand beschlossen habe, am nächsten Sonnabend eine öffentliche Wanderversammlung des Fachver eins in Norden der Stadt abzuhalten, um den Mitgliedern des Vereins der Maschinenbau- und Metallarbeiter die Ge legenheit zu geben, die Bestrebungen des Fachvereins für Schloffer" fennen zu lernen und um eine Verständigung in Bezug auf das Nebeneinanderstehen der beiden Vereine herbeizuführen. Es folgte dann eine vorläufige Besprechung über das im Januar oder Februar zu feiernde Stiftungsfest. Es wurde eine Feier desselben in einem der größten Lokale Berlins, im Centralhotel oder in der Philharmonie, in Aussicht ge= nommen. Zum Feſtpräsidenten wurde Herr Krohn gewählt, zu Mitgliedern des Festkomités die Herren Miethe, Schulz John, Böttcher und Dietrich. Am Schluß wurde noch mitge theilt, daß am Montag über 8 Tage eine von der Lohnfommiffion einberufene Generalversammlung bei Ahlgrimm, Sophienstraße, stattfinden werde. t. Die Gewerkschaft der Maschinenbau- und Metallarbeiter vollzog am Sonntag Vormittag in der Norddeutschen Brauerei die Ergänzungswahlen zum Vorstande. Es wurden gewählt: zum 2. Vorsigenden Herr Klein, zum 2. Schriftführer Herr Briebe, zum 1. Kaſſtrer Herr Behrend, zum 2. Rafftrer Herr Wolf, zum Erfagmann Herr Reinide, zu Revisoren were ung bes Rontroleurs fich an das eingehängte Seitengitter| lend, am Sonntag Nachmittag im großen Saale des Schüßen- Brüggemann und Herr Brenner. Die in Folge eines VorHerr | .Biehung vom Montag, den 17. November. ( Ohne Gewähr!) trages des Schriftstellers. Schwennhagen stattgehabte polizeiliche Tagesliste der Königl. sächsischen Landeslotterie. Auflösung der vorhergehenden Versammlung wurde in Erwiderung einer von dem Vorftande eingereichten Beschwerde von dem Köngl. Polizei- Präfidium für gerechtfertigt anerkannt. -Die schon seit Längerem schwebenden Differenzen in der alten Maschinenbauarbeiter Kranten- und Sterbekaffe sind durch Entscheid der Aufsichtsbehörde dahin geregelt worden, daß es den Mitgliedern frei steht, aus der Krankenkaffe auszutreten, ohne daß dieser Austritt auch das Ausscheiden aus der Sterbetaffe bedingt. Eine eigenthümliche Versammlung der Berliner Zimmerleute, einberufen von einem unbekannten( Ver gnügungs?) Romitee fand am Sonntag Vormittag in Sansfouci statt. Herr Karl Finn referirte über die Dezentralisation Der Berliner Zimmerleute. Herr Finn bewies haarklein, daß nur Marzian der einzig fähige Mensch sei, der es verstände, die Berliner Zimmerleute zu organifiren. Der Schlußrefrain war, daß einstmals die Berliner Bimmerleute froh sein würden wenn Marzian wieder die Führung übernehmen würde.(!) Auch ein Flugblatt hat dieses Komitee verbrochen, dasselbe soll dazu beitragen, den schwer geschädigten Mann mit einer Anzahl von Reichsmart unter die Arme zu greifen vorzüglich deshalb, weil er 3 einhalb Wochen unschuldig verhaftet gewefen sei. Besonders interessant ist die Ausführung: Das Marzian nur aus reinem Interesse der BerIiner Bimmerleute gehandelt habe, als er seiner Beit die Auszahlung der Spartassenbücher des Generalfonds inhibirte." Nur seine Freunde, das Komitee, sehen ein, welch' uneigennüßige Gefühle damals Marzian gehabt hat, aber die meisten Bimmerleute wollen es nicht glauben! Ja Undank ist der Welt Lohn. Traurig aber wäre es für die Berliner Zimmerleute, die in der gewerkschaftlichen Bewegung stets an der Spize marschit sind, wenn die ganze Bewegung nur von der Person des Herrn Marzian abhängig sein sollte. Eine öffentliche Arbeiter- Versan.mlung, welche gut besucht war, tagte am Sonntag in der Urania. Herr Kühne sprach über das Thema: Wie verhalten sich die Berliner Ar beiter dem Fachverein zur Wahrung der materiellen Interessen gegenüber und welcher Organisation schließen sie sich an? Referent betonte, daß es nothwendig sei, sich dem Verein anzuschließen. In demselben Sinne sprachen sich noch mehrere Redner aus. Die freie eingeschriebene Hilfskaffe deutscher Bäcker und Berufsgenossen( Sig in Dresden) hat am 15. d. M. die behördliche Bestätigung erhalten und tritt vorgenannte Kaffe nunmehr sofort in Kraft. Aufnahmescheine sind in der Ver sammlung Berliner Bädergesellen im Universum, Brunnenftraße 29, am Donnerstag, den 20. d., Nachmittags 3 Uhr, entgegenzunehmen. Eine öffentliche Schneiderversammlung findet am Dienstag, den 18. November cr., Abends 8% Uhr, Johannisstraße 20 bei Domad, statt mit der Tagesordnung der lezten polizeilich aufglöften Versammlung des Fachvereins der Schnei der: Auf welchem Wege ist dem Großkapital im Schnei dergewerbe erfolgreich entgegen zu treten" und Diskussion. Referent Herr Stadtverordneter Fris Gördi. Sämmtliche Schneider find hierzu eingeladen. Siehe Inserat vom Sonntag. Eine Versammlung sämmtlicher Rolportagebuchhändler findet Dienstag, Abends 8%, Uhr, in Nieft's Restaurant, Kommandantenstraße 71/72, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn E. Malzahn über: Die allgemeine Geschäftslage und die neuesten Vorgänge im Kolportagebuchhandel. 2. Was haben wir angesichts dieser Thatsache zu thun?( Referent Herr Ernst Schulge.) 3. Geschäftliche Mittheilungen. 4. Fragetaften. Zutritt steht jedem Kollegen frei. 438 510 216 80 722 181( 500) 5 83 450 801 653 785 388 59 27 126 918 199( 300) 137 549 743 837 945( 1000) 87( 3000) 101( 3000) 309 954. 1640 123 676 405( 300) 973 500( 300) 635 513 44 800 99 558 384 880. 2423( 300) 938 745 328( 5000) 177 195 441( 3000) 140( 300) 956 646 881 969 42 951 687( 300) 548. 3810 122 38( 300) 317 793 865 126 302( 3000) 864 980 386 643( 3000) 735 512. 4238 796 178( 1000) 937( 500) 318 714 940 198 462 945 584 417 83 847 792 230 205 750. 5433 22( 300) 867 143 755 309( 300) 530 998 126 536 169( 300) 71( 1000) 44 746 947 847 979 393 437 422. 6422 806( 500) 705 630( 300) 296 432 668 241 831 442( 3000) 426 576 294 308 157 183 417 36 901 804( 300) 345. 7526 717 634 630( 1000) 459 57 204( 300) 649 928( 300) 995 214 240 501 544 313 407 466 482 2( 300) 198. 8267 535 666 378 563 347 801 533 197 51 487 521 876 467( 3000) 902 795. 9401( 300) 344 516 574( 300) 907 244( 3000) 761 573 846 616 228( 300) 92 143 139 910 623 930( 300) 235 934 88 102 153 181 629( 300) 147 ( 300) 385. Der Louisenftädtische Bezirks-Verein ,, Vorwärts" bält am Mittwoch, den 19. November in Konrad's Saal, Wafferthorstr. 68, Abends 8% Uhr, eine Versammlung ab, in welcher der Reichstagsabgeordnete Herr Singer einen Vortrag halten wird. Herr Singer war der Reichstagswahl wegen verhindert, in der Versammlung zu erscheinen, hat aber für diesmal sein Erscheinen bestimmt zugesagt. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Säfte ftets willkommen. Eine Delegirtenversammlung der Tischler findet heute Dienstag Abend 8%, Uhr im Louisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobstraße 37, ftatt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Abrechnung, Kaffenbericht, Revisionsbericht. 2. Mittheilung über die bei Reinhardt stattgefundene Arbeitseinstellung. 3. Verschiedene Mittheilungen. Abrechnungen und Minimal tarife gelangen dort zur Ausgabe. Arb. Bezirksverein vom 15. und 20. Kom.- Wahlbezirt. Die nächste Mitgliederversammlung findet am Mittwoch Tages den 19. November, Abends achteinhalb präcise statt. Tagesordnung: Vortrag. Berathung einer Betition an den Magiftrat und Stadtverordnetenversammlung. Verschiedenes. Fragetaften. Verein zur Wahrung der Interessen der Maler Alte Jakobstr. 83, 8 einhalb Uhr, Generalversammlung. Gäste haben Butritt. 10852 53 155 675 66 662 932 92 77 459( 500) 12 920 ( 300) 290 801 709 207 204 923. 11891 463 476 600 120 ( 300) 195 551 110( 300) 723 754 498 943 128 531 859 22 758. 12103 459 189 111 868 630 365 615 825( 3000) 992 920 679 568 101 795 862 107 964 86 105 267 691 788. 13286 959 162 420 803 393 115( 1000) 830 257 624 495 329 541 569 413 675 835 456 434 148 812 565 124 349( 300) 46 741 815 447 961 879. 14711 815 64 590 19 388 275 84 421 845 879 545( 300) 15945( 1000) 434 290 706 774 909 374 370 543( 300) 625 498 845 242 712 824 712 824 898( 500) 930 797. 16416 96 87( 300) 422 989 397 12 764 490 984 918 864 411 509 522( 300) 46 720 414( 300) 587. 17584 710 574 626 129 980 379 884 319 780 147 978 304 545 78 116( 300) 34 272 860( 300) 144 429. 18000 402 249 165 117 900 823( 500) 553 798 271 574 219 56 168( 300) 36 976( 300) 61 16 180. 19737 442 52 180 818( 300) 133 903 562( 300) 439 933 744 260 390 678 32 501 239. Bezirks- Verein des werkthätigen Volkes der Schönhauser Vorstadt. Dienstag, den 18. Nov., Abends 8 Uhr Schönhauser Allee 161, Große Versammlung. Vortrag des Stadtverordneten Herrn F. Goerki. Um zahlreiches Erscheinen bittet der Vorstand. Aufnahme neuer Mitglieder. " Deutscher Senefelder Bund," Mitgliedschaft Berlin, Alexanderstr. 31, Dienstag, den 18. d. M., Abends 8 Uhr, ( Restaurant Weid). Geschäftliche Mittheilungen. Aufnahme neuer Mitglieder. Theater. Königliches Opernhaus: Dienstag: Die Jüdin. Königliches Schauspielhaus: Dienstag: Das Testament des großen Kurfürften. Deutsches Theater: Dienstag: Der Hüttenbefizer. Bellealliance- Theater: Dienstag: 44. Gastspiel der Kgl. Hofschauspielerin Franzista Ellmenreich. Bum legten Male: Wera. Neues Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater: Dienstag: Gasparone. Walhalla- Operetten- Theater: Dienstag: Gillette. Oftend- Theater: 20535 160 914 143( 500) 424 265( 300) 867 640 758 332 129 936( 1000) 892 774 349 836 595 602( 1000) 504 919. 21922 680 756 532 24 133 281 632 895 288 494 172 530 771 991 352 609 368. 22740 758 341 147 933 746 676 583 43( 300) 851 410 934 300 80 437 834 306 403 55 980 198. 23832 436 585 751 481( 300) 100 33 994 121 574 ( 3000) 775 771( 300) 558. 24974( 3000) 801 39 333 216 255 997 331 364 168 444 194 747 266( 3000) 267 923 13 ( 300) 804 984 61 557 9 118( 500) 355 237 964. 25354 533 48 971 547 347( 1000) 63 135( 500) 233( 300) 719 589 253 68 916 209 947 22 889 373 890 716( 1000) 25 72 655( 300) 939 490 926 835 146 226 171 819. 26430 413 647 405 180 873 404 155 144 387 104 187 294 482 755 612 567( 3000) 138 463 364 273 453. 27525 738 442 284 380 702 604 404 355 450 33 219 792 396 386 47( 1000). 28579 64( 300) 480 509 619 438 977 794 868 572 963 971 982 13 246 139( 500) 540 330 301 783 899( 500). 29617 470 558 27( 500) 569 966( 300) 696( 300) 693 57 582 979 196 769 535 954 934 ( 500) 221 317 173 564 943 91 32 3 193( 500) 754. Dienstag: Bum 3. Male: Jm Lande der Freiheit. Gr. Sensations- Ausstellungs- Schauspiel in 9 Bildern von H. v. Gordon. Mufit von Th. Franke. Central- Theater: 99 888 643 386 986 237 27 5 817( 1000) 539 560 384 147 280 838 211( 300) 309 630 20 567 89( 300). 54417 997 182 627 806 80( 300) 211 489 667 233 671 747( 3000) 533 790 237 931 440 85( 300) 170. 55812 192 783( 1000) 648( 300) 252 760 377( 500) 411 971 864 688 44 446 575 424 93 426 675 117 551 296 981 705 130. 56036 753 148 803( 300) 53( 300) 725 705 784 823 358( 1000) 430 556 718 618 572 947 441( 150 000). 57854 537 809 864 522 499 125 811 734 492 273 114 364 906 824 758. ( 500) 53 215 64 340 548 917 184 134 470 444 726 249 420( 1000) 468 617 894 279 188( 300) 235 794( 300) 221 550. 59208 447 668 629( 300) 424 334 170 313 800 ( 1000) 88 871 130 400 943( 3000) 388 755 180 662 829 681 957 261. 58404 60996 123 908 444 683( 300) 522 684 931 357 312 588 127 56 652 146( 300) 965 20 565( 1000). 61206 892 344 413( 300) 259 55( 300) 438 313 168 850 513 18 435 863 307 464 897 285 790 27( 3000). 62633 353 339 417 380 11 474 599 944 188 212 956 446 120 129 746 424 260 285 270 878 372 894. 63992 361( 1000) 101 129 490 740 342 265 237 813 192 975 876 629 546 175 443 466 55 856 848. 64609 279 774 417 943 523( 3000) 465 264 117 602 232 876 755 975 940 108 415 324 590 27 939 467 487 608 466( 300). 65045( 300) 766 379 650 90 159 353 798 392 788 101 230 656 761 758( 500) 171 399( 300) 93 973 13 577 449 754 62 520. 66496 369 59( 300) 583 107 282 643 32 790 953 ( 300) 523 612 866 656 331 331 341 423 819. 67194 20 828 39 755 958 990 17 182 660 996 805 542 448( 300) 244 78 293( 1000) 953 748 530 939 49 455( 500) 791( 1000). 68414 951 686 563 946( 3000) 948( 3000) 27 179 173 125( 1000) 807 873 55 17 18 277 632 160 430 188 182 255. 69429 128 266( 300) 60 889 977 675 419 88( 300) 810 704 966 930 288 425 61 769 181 205. 30217 281 630 39 305( 300) 306 900 79 536 483 355 326 271 688( 500) 659( 3000) 142 797 855 356 813 7 107 530( 300) 75 366 223. 31681 353 315( 1000) 228 466 770 650 657 454 114 963( 500) 271 621 22 57 920 391 147 216 ( 500) 264 604 553 648 976. 32431 416 50 58 841 827 451 545( 1000) 149 864 491 953 720 160 428 699 622 710 798 834 753 102 310 701. 33530 649 712 573( 300) 240 88 261 587 167 85( 1000) 466 964 354 813 107 16 389 538 ( 1000) 572 678. 34793 649( 1000) 177 364( 300) 662 99 784( 500) 257( 500) 920 634 792 496 443 46 437 838 114 475 351 116 172( 300) 440. 35998 805 376 176( 300) 916 288 185( 1000) 833 478 430 37 852 771. 36790 497 499 418 586 249 962 941( 300) 610( 300) 603 695 124 518( 500) 479 760 286 459 354 337 502. 37839 193( 500) 444 837 166 323 430 252 218 56 654 33. 38078 975 818 816 379 ( 500) 124 221 288( 500) 897 459 570 191 951 57 42 380 113 ( 300) 519 529. 39681 457 262 42 450 281 501( 3000) 358 625 321 740 311 853 147. Alte Jakobftraße 3C. Direktor: Ad. Ernst. Dienstag: Auftreten des Fräulein Anna Grünfeld. Bum 23. Male: Der Walzer- König. Gesangspoffe in 4 Atten v. W. Mannstädt, Mufil v. G. Steffens( Novität!) Vittoria- Theater: 6.+ ze thr enftag: Excelfior. Residenz- Theater: Direttion: A. Anno, Blumenftraße 9. Dienstag: Bum 52. Male: Die Sirene. Schwant in 3 Atten von B. Ferrier und A. Valabrégue. Hierauf: Drei Frauen für einen Mann. 40606 727( 500) 679 25 720( 5000) 762 918 81 252 117 349 344 454 987. 41881 395 430 559 392( 3000) 79 224 344 265( 300) 297 719( 500) 460 361 858 891 887 669 558 ( 3000) 81( 500). 42873 533( 3000) 342 645 776 80( 500) 324( 500) 504 429 412( 300) 6( 300) 655 155 82 778 307 91 ( 300) 537 988( 300) 37 137 596 592. 43847 602 263 357 ( 300) 741 213 805 410( 300) 811( 300) 846 123 809 373 654. 44647 212 72 254 95( 3000) 539 868 454 125 458( 500) 692 169 967 658 653 269 904 991( 300) 748 594( 500) 747 728. 45990 187 602 100( 300) 799 90 74( 300) 513( 500) 938 443 317 194 417 265 704 493. 46699 116 516( 300) 615( 300) 420 64 987 333 941 110 779 905 300( 300) 984 135 412. 47507 205 72 207 758 310( 300) 740 851 471 857 342 797 134 846 339 341 654 405 537 287( 300). 48632 611 364 276 542 630 930 910 469 136 422 464 621( 300) 675 506 ( 500) 778. ( 500) 778. 49655 716 452 681 946 322( 500) 865( 300) 370( 300) 614 983 742( 1000) 245 57 738 114 554( 300) 414 395. 70203 860( 1000) 608 222 100( 500) 684 344 859 491 709 864 905 522 138 69 320( 300) 643 247. 71193 587 209 238 942 584 516 243( 1000) 708 137 592( 300) 594 659 503 451 990 531 195. 72226 843 263 346 821 338( 300) 311( 1000) 267 382 549 93 702 198 700 335 46 596( 300) 146 57 73617 527 978 799 66 136 945( 3000) 740 509 584 807( 300) 90( 1000) 218 841( 500) 403. 74133 980 83 788 566 528 579 425 949 417 238 283 580( 3000) 986 507 274 637 841 24 705 651 251 577 870 90 303 137 844 75161( 300) 230 362 454 670 231 102 421 492 343 514 674( 500) 59 177 297 27. 76622 485 129 918 28 50 468 188 243( 300) 105 462( 3000) 127 135 775 394 221 472 258 852 904 361( 300) 826( 300). 77469 886 440 291 638 162 749 682 171 475 41 721 911 21 459 438 874 79 614( 300). 78938 728 256 928 303( 300) 542 490 892 ( 300) 356 544 323( 1000) 192 648 985 102 141 862 826 860 446 569. 79109 687 894 182 380 798 131 714 236 276 952 ( 1000) 198 841( 300) 330 262 14 671 835 614. 50123( 5000) 433 665( 3000) 753 670 418 800 785 14 540( 1000) 226 640 561 799 815 954 828 479 735 212. 51178 803( 300) 875( 3000) 392 209 147 801 5 974 491 951( 3000) 400 724 956 499 834 747( 3000). 52:59 460 967 387 899 25 218 183 575 832( 500) 667( 1000) 803 482 330 61. 53924 783 79 790 768 141 121( 500) 748 64 889 Bonisenstädtisches Theater: Direktion: Josef Firmans. 84445 80524 914( 300) 562 932( 300) 821 192 773 583 736 875 784 127 993 159 278 445 758 324 595 634 488. 81500 785 854( 500) 865( 3000) 480( 500) 937 321 141 945 394 752 563 28 636 579 580 157 651 575 218 872 354 293 207 794 462. 82211 788 858 620 186 741 901 710 614 324 115 670 941 32 983 492 499 915( 500) 783 122 624. 83882 407 967 851 635 425 202 163 50 418( 500) 833 43 728 832 171 953 568 626( 1000) 541 411 932 795 831 682 228. 455 612 954 510( 3000) 928 637 356 309 976 4 156( 3000) 917( 1000) 574 9( 1000) 338 135 441 575. 85813 919 939 347 83 491( 3000) 652 142 965 847 645 899 237 286 697 392 902 222( 5000) 430. 86320 888 396 725( 500) 611 210 629 298 879 843 666 603 916 243 675 620. 87170( 300) 408 995 495 637 105 380( 300) 186 255 708( 1000) 270 92 ( 1000) 80 280 477 577 774 784 384 218 381. 88508 584 414 165 131 102 604( 300) 141 47 994( 3000) 642 573 356 818 987 202 998 132 811 344 186( 300) 883 698 728 336 762. 89141 274 811( 3000) 592( 1000) 707( 500) 302 ( 3000) 956 884 498 480 423 371 485 268 646 934 919. 90934 99 237( 300) 589 997 913 115( 300) 431 262 786 437 682 103 877 651 817 968 52 232 540 630 688 553 945 490( 300). 91165 764 481 268 793( 1000) 787 649( 1000) 678 568 377 467 883 626 767 464( 1000) 726 159 349 538 907 640 121. 92746( 3000) 332 630 941 366 322 689 115 212 486 205 195 849 290 286 399 744 170( 30 000) 43( 300) 93344 693 617 297 849 497 18 30 190 19 689 658 302 120 432 374 537 569( 300) 713 564 269 734 926. 94580 473 ( 1000) 608 55 720 622 468 892 749 581 876 894( 500) 809 786( 500) 816 83 29( 500) 304 437 142 765( 500) 181 985. 95275 146 837 449 196 345 302 454( 300) 626 750 684 18 96343 568 577( 1000) 911 366 420 776 313 326 315 130( 300) 982 552. 97508 511 455 631 405 744 344 762 43 449( 300) 252 819 749 992 4 336. 98916 273 737 24( 300) 192 135( 1000) 979 254 463 183 991 206 922( 300) 257 93 883 100 866 835( 500) 977 296 22 511 877 233 786 260. 99808 862( 1000) 892( 3000) 786 900 833 455 236 720( 1000) 508 638 739 545( 3000) 199 257 427( 300) 864. Dienstag: 81. Gesar mt Gastspiel der Liliputaner. Zum 54. Male: Robert und Bertram. Wallner Theater: Dienstag: Bum 52. Male: Der Raub der Sabinerinnen. Alhambra- Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute, Dienstag: Die Lieder des Musikanten. Bollsstüd mit Gesang in 5 Atten von R. Kneisel. Vor der Vorstellung: Großes Konzert, ausgerührt von aus 20 Mufikern bestehender Kapelle, unter Leitung des Kapell meifters Herrn Ludwig Clauftus. Anfang des Konzerts 7 Uhr, ber Borstellung 7% Uhr. Louisenstädt. Bez.- Ver. Vorwärts. Mittwoch, den 19. November, Ab. 8%, Uhr, in Konrads Saal, Wafferthorstraße 68, Versammlung. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Vortrag des Reichstagsabg. Herrn Singer. 4. Diskussion. 191 269 493 738 122. Briefkasten der Redaktion. 9 jon c 28 fete D fche ung trg wol Lie blei fich unb ben Reg geg geid ra Buf und bub pat theil freif unid brau bas teht Des Bar atla form amtl meni tebe Bay Unpo beba bas Ber Bilte ware WODO 80 S bem Daf Gotte net u Bettel es fe erit 1 Bettel Den 1 Den S Dafi auffer ihnen Huge wird gefet Dro. Nicht austl R. München. Der Betrag ist abgesandt. Friß Gr. Waldemarstraße. Sie schreiben uns nicht den Namen des betreffenden Arbeitgebers, auch nicht den Wahlkreis, in welchem der W. kandidirte! Am 31. Auguft wurde in Grünau ein goldenes Medaillon mit einem Herrenportrait gefunden. Dasselbe lann in unserer Expedition von dem Eigenthümer abgeholt werden. 6. K. Fruchtstraße 45. Eine derartige Berichtigung find wir aufzunehmen nicht verpflichtet. Hich te nicht Wab Aber freift Jahr Reile felber Snedt tige buat Self lange Edn theils feitge Durch unich bobe Bebe Hohe fichts hinde Man lin, 1 fopbi gefet Ling temb Birg aber pöbe bann Fachverein der Pußer. Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 19., Abends 8 Uhr, im Vereinslokal Inselstr. 10. Tagesordnung: Vortrag des Regierungsbaumeisters, Herrn Kennler, Vereinsangelegen heiten und Fragetaften. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1330 J. Dietrich, Vorsitzender. Arb.-Bz.-V. Lausitzer Plaz Versammlung der Mitglieder Mittwoch, den 19. Novbr., Abends 8% Uhr, Manteuffelftr. 9. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Stadtv. Ewald, Distusfion. 2. Kaffenbericht. 3. Verschiedenes u. Fragetaften. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist das Erscheinen eines jeden Mitgliedes nothwendig. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Vereins- Adreßfalender liegt aus. [ 1331] Der Vorstand. Fachverein der Tischler. Mittwoch, den 19. November, Abends acht ein balb Uhr Aderstraße 144. Tagesordnung: Vortrag, Verschiedenes und 1335 war mit i Der word bie f Hefer lebrt mit 9.8 mabl arbit lapel mabl 5. Verschiedenes und Fragelasten. Um zahlr. und pünktliches Fragelaften. Säfte willkommen. Neue Mitglieder werden auf Erscheinen wird ersucht. Gäste willkommen. [ 1329] 1333] Der Vorstand. Nähmaschinen, sämmtliche Systeme, auf Abzahlung. Reparatur- Werkstätte E. Franke, Linienftr. 9. Saubere Schlafft., separ., zu haben Reichenbergerstr. 182, v. 41. genommen. Der Bevollmächtigte Feine Wäsche wird sauber auf Neu geplättet a. W. a. g bei Frau Scholz, Püdlerstr. 51. Heute, Dienstag Abends, ladet zum ergebenft ein Wursteffen 1332 H. Stramm, Reftaurateur, Staligerftr. 18. Berantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin. Drud und Berlag von Mar Bading in Berlin SW., Beutbftrake 2. Bieran eine Bellas 47 97 33 00) 575 53 556 522 104 249 221 Nr. 194. 300 329 588 344 307 474 270 265 348. 376 00). 230 754 953 828 78 414 000) 429 966 491 238 451 000) 527 000) 949 651 231 485 394 440 874 892 860 952 736 1500 394 207 115 407 171 4445 3000) 939 697 210 ( 300) 0.92 584 356 5 336 302 786 S945 1000) 9538 9115 ( 300) 2120 O 473 0809 985. 34 18 6 420 5 631 336. 3 183 7.286 786 99257 nicht t ben aillon unferer gfind er. bends ortrag legen ap. Iftr. 9 wald, faften. beinen Neue lender 0. Ubr Bund n auf 1335 e a. g 1332 18. eilags Beilage zum Berliner Volksblatt. Rückblicke auf die Reichstagswahlen. II. Nachdem wir in unserm ersten Artikel gezeigt, wie die fonst gar schnell und vielseitig arbeitende GefeßgebungsMachinerie in Bunfto einer gerechten und gleichmäßigen Wahlkreisgeometrie sonderbarer Weise unterlassen hat, einzu feben, wollen wir die von liberalen, fonservativen und anderen Deganen berichteten ungehörigen Wahlvorkommnisse einer fritifchen Beleuchtung unterziehen. Bon Beeinfluffungen und Maßregelungen mancherlei Art, ungleicher Bertheilung des Lichts und des Schattens Seitens gend welcher Behörden oder deren Vertreter und Beamten, wollen gewöhnlich alle im Stampfe stehenden Barteien traurige Liedchen zu fingen wissen. Von der Arbeiterpartei abgesehen, bleibt ein wahrer Rattenkönig von jämmerlichen Klagen, der ich da breit macht: eine Bartel bezeichnet die andere als den unbarmherzigen Hammer, der fte und ihre wehrlosen Anhänger ben Amboß zu spielen in roher Weise zwingt hat man geRegt, so wird der moralische Erfolg durch Publitation dieser gegnerischen Unthaten ein um so größerer; unterlag man, fo geschah es nicht durch eigene Schwäche, sondern durch den Gebrauch dieser schimpflichen Mittel des Siegers. Dies gegenseitige Buſchreiben unwürdiger Waffen ist also ein probates System, und wie man steht, in allen Fällen anmendbar, daher aber auch haben wie drüben beliebt, jedoch nicht allzu ernst zu nehmen. at ein Dorfschulze oder Gemeindeältefter Stimmzettel vertheilt, oder ein Zirkular mit der Aufforderung, den deutschfreifinnigen Kandidaten R. N. nicht zu wählen, losgelaffen unschuldige Beschäftigungen, weil fein Wähler dem nachzukommen das Recht der Wahlagitation, welches jedem Staatsbürger zu Rebt, gestattet sein muß- so ist dies ein fürchterlicher Theil Hochdrucks" unter dem die rechtsberaubte, freifinnige" Bartei leidet, und flugs ist ein Protest auf Ungültigkeitsartlärung der etwa erzielter: fonservativen oder sonstigen Wahl formulirt und zum Absenden bereit! Dienstag, den 18. November 1884. derbaren Bahnbrecher der Freiheit mit ihren angeblichen Antipoden im Reichstage die Hände reichten, um einen gemeinsam bestgehaßten Gegner mit denschärfften Waffen zum Schweigen zu bringen, wagen Die elben Leute über ein Haar, was ihnen gekrümmt wird, Zetermordio zu schreien. Liberale" Beitungen registrirten täglich zahlreiche Fälle von Flugblatt- Konfistationen, Versammlungsverboten und Auflösungen, Prozessen und Verurtheilungen wegen angeblichen Sammelns von Geldern zu Wahlzweden, vereinzelten Ausweisungen 2c., ohne auch nur ein Wort der Verwunderung oder Mißbilligung hinzuzufezen, und dieselbe Preffe entwidelt jezt für die Intereffen ihrer Partei eine ge radezu lächerliche nervöse Peinlichkeit und sucht mit gefärbter Brille nach Chikane, die fich die Arbeiter schon an den Kinderschuhen abgelaufen haben. Ist das nicht verächtlich? Mußten denn nicht diejenigen, die Sturm gefäet, wenigstens Wind ernten, und konnte nicht die, wenn auch noch so getreue Oppofition" vorhersehen, daß fie mindestens mit annähernd gleichem Maß gemessen werden wird, mit welchem sie Andere maß? Das Wort: Was Du nicht willst" 2c. ist hier wie nirgendwo am Plage. Sonderbare Fronie des Schicksals! Kaum war das Resultat der ersten Wahl zu Halle a. S. zufammengetragen, da veröffentlichte die liberale Presse einen Protest gegen dieselbe, worin zu lesen war, daß ein Wahl vorsteher einen Bettel geöffnet, daß ein Amtmann vier Knechte mit Entlaffung bedrohte, wenn sie nicht national- liberal wählen und daß ein Gutsbefizer einem deutsch- freifinnige Bettel vertheilenden Dienstmann zwei resp. drei Mart geboten hatte, wenn er diese Beschäftigung einstelle. Das Alles ist nicht schön, aber es richtete sich gegen die Wahl des Herrn Dr. Alexander Meyer, einen der" 26", die für das SozialistenDr. Alexander Meyer, einen der" 26", die für das Sozialisten gesetz zu stimmen mit ihrer Freifinnigfeit" vereinbaren konnten! Und so scheint es, dieser Herr glaubt, daß nur für ihn die Gleichheit vor dem Gesetz zu herrschen braucht; er sollte beherzigen, daß was dem Einen recht, dem Andern billig ist. 1. Jahrgang. " heiten kommt. Dieser verweist sie an die wissenschaftliche Medizinal Deputation und diese Behörde weist in einem sehr geistreichen Gutachten nach, daß besagter Cyder" allerdings als Branntwein zu erachten sei, daß aber im Uebrigen der Begriff des Branntweins fein präziser sei. Man verstehe dar darunter allgemein Getränke mit einem starken Busaß von destillirtem Alkohol. Allein dieser werde auch vielen Weinforten zugesezt und sei haltbarer und schmackhafter zu machen und um den darin enthaltenen, durch Gährung erzeugten Alkohol zu stärken. Es wäre zweckmäßig, so meint die Be hörde, wenn durch obrigkeitliche Verordnung festgesezt würde, bei welchem Zusaße von destillirtem Alkohol ein Getränk als Branntwein zu betrachten ist. Daß also der„ Cyder" Branntwein ist, das wissen wir nun; was aber Branntwein ist, das wiffen wir nicht. N. Ueber eine neue Blutthat, die nahe an Mord grenzt, wird uns, nachdem fich die Bewohnner unserer Stadt über die beiden Verbrechen in der Jägerstraße und Invalidenstraße faum beruhigt haben, das Nachfolgende berichtet. Die in der Reinickendorferstraße 37 in der ersten Etage wohnende Frau Keßner, welche mit ihrem Mann, dem in der Schwedenstraße 13 wohnenden Schlächter Keßner in Scheidung liegt, unterhält seit längerer Zeit ein intimes Verhältniß mit einem in dem erstgenannten Hause parterre wohnhaften Kutscher August Steinmann. Die Frau Keßner, welche von ihrem Ehemann trop des noch nicht gefällten gerichtlichen Erkenntnisses separirt lebt, ernährt fich durch den Handel mit Hundefutter. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend war nun, wie die Seitens der Behörde eingeleiteten Recherchen ergeben, bei dieser Frau K. ein Diebstahl ausgeführt worden. Die R. glaubte nun, daß ihr Mann aus Rache denselben ver übt haben könne und veranlaßte fie daher den Kutscher Steinmann, ihrem Ehemann auf der Straße und zwar vor dem Reftaurationslokal von Bolz, Schulstraße 109, aufzulauern, und ben K. wegen des vermuthlichen Diebstahls zur Rede zu stellen. Als nun der Schlächter Keßner um die oben angegebene Beit aus dem Bolz'schen Lokal trat, wurde er von dem im Hinter halt stehenden p. Steinmann überfallen und mittelst umgekehrten Peitschenstiels bearbeitet. Inzwischen war der in dem gegenüberliegenden Hause Nr. 34 wohnende Bruder Heinrich Steinmann, seines Standes ebenfalls Kutscher, herbeigeeilt und wurde nun der sonst sonst so robuste Keßner von den beiden Brüdern Steinmann zu Boden geworfen und ihm mehrere anscheinend schwere Verlegungen beigebracht. In der Nothwehr zog Keßner ein Schlächtermeffer hervor, um sich mittelst des felben gegen seine Angreifer zu wehren. Hierbei stach er den bei der Hauptaffaire sonst unbetheiligten H. Steinmann so un glücklich in die Brust, daß derselbe tödtlich ins Herz getroffen zusammenbrach und nach Verlauf von wenigen Minuten ver starb. Der angegriffene und ebenfalls übel zugerichtetete sc. Reßner mußte fofort in die Charitee überführt werden, wäh rend die Leiche des Heinrich Steinmann behufs gerichtlicher Obduktion nach der Morgue geschafft wurde. Der Erstochene ist am 8. Februar 1852 in Eschwege geboren, ist verheirathet und hinterläßt Frau und Kind. Wie uns nachträglich mit getheilt wird, befindet sich der schwerverlette K. now am. Leben, doch soll sein Bustand ein im höchsten Grade Besorgniß erregender sein. K. wird sonst als ein durchaus ordent licher und nüchterner Mensch geschildert; er war früher hier als Schlächtermeister selbstständig und soll nur auf absolut Bei einer vors Doch genug hiervon. Ein großer Theil des Jammerns ist eben das allbeliebte Geschret nach der Polizei in anderm Sinne. Freilich fehlt es auch von fons. Seite nicht an Klage über den Terrorismus der Freifinnigen. Entziehung der Kundschaft und dergl. private Maßregelungen sind hier die Anklagen. Das schönste Bouquet solcher Blumen band man ja schon bei der Stadtverordnetenwahl zusammen, so daß dasselbe noch allerwärts im Gedächtniß und wir daher der Verzeichnung überhoben find. Das ganze Schauspiel zeigt eben, daß, wenn doch einmal eine Krähe der andern die Augen aushackt, es ohne erklecklichen Lärm nicht abgeht, während gemeinschaftlich im Stillen, unbewacht und ungehindert, auf gegnerischem Gebiet Wir könnten der Welk manche Geschichte erzählen, wie man Volksvertreter wird doch denken wir mit Hamlet:„ Der Damit wollen wir nun feineswegs jegliches Eingreifen amtlicher Personen in die Wahlagitation gutheißen, noch weniger aber direkte Ungeseglichkeiten beschönigen, nein, wir flehen hierin auf dem Boden des jüngst vom König von Bayern erlaffenen rühmlichst bekannten Schreibens, betr. die Unparteilichkeit der Beamten und Behörden bei der Wahl. Es das allerdings gern in Effekthascherei und entenjagdmachende bedarf einer strengen Untersuchung ob Mittheilungen, wie fte Berl. Tagebl." brachte, auf Wahrheit beruhen; 3. B. daß in Biltendorf( Kr. Guben) wo nur 203 Wähler eingeschrieben unverfroren, gern und viel gesündigt wird. waren, fich 204 abgegebene Stimmzettel in der Urne vorhanden, wovon 154 tons. und 50 deutschfreis., während an die 80 Personen schriftlich die Erklärung abgaben, daß fte Rest ist Schweigen." dem deutschfreifinnigen Kandidaten ihre Stimme gaben; bag im Kr. Löwenberg ein Rittergutsbefiger und Wahlvorsteher Cottenet den Stimmzettel eines gegnerischen Wählers geöff Bettel in die Urne geworfen zu sehen wünschte, diesem erklärte, es sei 6 Uhr und die Wahl zu Ende, während es thatsächlich erit 16 Uhr war; daß in hörde gefaltete Pappdeckel- Stimm jettel vertheilt und( meistens von Arbeitern) abgegeben wur den Namen des nat.- lib. Kandidaten deutlich lesbar zeigten; den und werden mußten, welche beim Anfaffen aufklappten und auffeher die Waldarbeiter in den Hof des Wahllokals führte, hnen dort gefaltete Bettel aufdrängte, welche sie unter seinen Augen abgeben mußten 2c. c. Kurz, solche Vorkommniffe wird der Reichstag zu prüfen haben und da auch kein Wahlgesetz( wie bei dem fürzlich angenommenen§ 100 e zur Gem. Drd., betr. das Nichthaltendürfen von Lehrlingen seitens der Richtinnungsmeister) ein Strafparagraph für ihr Amt unsolid Sokales. ch. r. Was ist Branntwein? Zwar wissen wir nicht, welche Antwort ein fräftiger Konsument dieses Getränkes auf die aufgeworfene Frage geben würde, aber bezweifeln müssen wir, daß seine Antwort den Wissensdurft unserer hohen und höchften Staatsbehörden befriedigen würde, weil diese in solchem Falle mit der feinen Bunge der Steuerbeftimmungen schmeden und so oft zu Resultaten tommen, mit denen der beschränkte Unterthanenverstand nicht übereinstimmt. Kommt da ein geni unschuldige Weise heruntergekommen sein. aler Destillateur auf die Jdee, ein stark mit deftillirtem Alkohol vermischtes Getränk, das außer diesem Alkohol hauptsächlich aus Waffer und einem geringen Busaz von Obstwein bestand, unter dem flangvollen Namen„ Gyder" zu verkaufen, ohne eine Ronzeffion für den Ausschant von Branntwein zu besitzen. Auf die deswegen gegen ihn erhobene Anklage macht er den Einwand, daß sein ,, Eyder" nicht unter der Rubrik des ple= ausübende Wahlfommissionsmitglieder und andere Ungeset bejischen Branntweins gerechnet werden dürfe, vielmehr ein Fichteiten treibende Personen, vergessen zu sein scheint, bleibt nichts weiter übrig, als durch event. Raffirung der betreffenden Wahlen derartigen Heißspornen einen Dämpfer aufzuseßen. Aber im Großen, Ganzen find die Jeremiaden der Deutsch freifinnigen wahrhaft tragikomisch. In einer Zeit, wo sich diese sonDer Gefangene von Hohen- Urach. Historische Stizze. In der Nacht vom Charfreitag auf den Samstag des Jabres 1590 ritten unter Fadelschein sechs reifige Knechte den Heilen Weg nach der Beste Hohen- Urach hinan. Einer der selben, der Führer des Zuges, ritt voraus; dann folgten vier Anechte, die einen Mann in ihrer Mitte hatten, dessen mäch Hige Gestalt in einen langen Mantel von schwarzem Tafft ge aus Obstwein bereitetes gesundheitliches Getränk sei. Durch diesen geistreichen Einwand wird die Sache komplizirt; die Ministerial- Instanz wird um geneigte Auskunft gebeten, aber auch hier kann Niemand den Begriff des Branntweins definiren, bis die Sache an den Minister der geistlichen 2c. Angelegen schen Rede zum Lobe des Bauernstandes, welche er zum Ueberfluffe drucken ließ, einige heftige Angriffe gegen den Adelsstand im Allgemeinen erlaubt; er hatte die Adeligen ,, Baue nschinder und Leutfresser" genannt und brandmarkte fte als gottlose, unwiffende und treulose Menschen", bei welchen jedes Bubenftüd, Sünd' und Lafter" geübt werde. Dies rief einen wahren Sturm von Entrüstung unter den Adeligen des Landes hervor, besonders unter den in Tübingen und dessen nächster Umgebung Anfäffigen; an ihrer Spize der Hofrichter Burkhard v. Anweil und der schon genannte länge Abstand, in der einen Hand das blanke zweischneidige Frischlin's durch die Entgegnungen eines sächsischen Theologen, läufigen Vernehmung in der Charitee machte K. die mit unjerem Bericht sich vollständig bedende Angabe, daß er über fallen worden und nur in der Nothwehr zum Messer gegriffen habe. Diese Angabe erscheint auch insofern sehr glaubwürdig, da an dem Kopfe des K. von den Aerzten mehrere anscheinend durch Schläge mit einem stumpfen Instrument herrührende nicht unerhebliche Kopfverlegungen fonstatirt wurden. Die gerichtliche Obduktion des erstochenen Kutschers Heinrich Stein mann soll morgen stattfinden. N. Die Luruspapierfabrit von Jsrael, Schönhauser Allee 74 a, ist am vorgestrigen Sonntag Nachmittag 4 Uhr von einem ziemlich bedeutenden Schadenfeuer heimgesucht worden. Auf bisher noch nicht festgestellte Weise war in der schwülstigen Klagschriften an den Herzog von Württemberg und stellten das Verlangen an ihn, daß er den ,, unwahrhaften Diffamanten, der die gesammte deutsche Ritterschaft angetastet, geschmißt, geschmäht und geschändet habe," zum öffentlichen Widerruf anhalten und zu gebührender Strafe an Leib und Leven ziehen möge. Herzog Ludwig war höchst unangenehm berührt von der Bumuthung, gegen seinen lieben Boeten einzuschreiten. Er wies zwar die eingegangenen Klagschriften zurüd, aber Reifige endlich folgte dem Buge als Nachhut mit einer Pferde- Fris Herter v. Hertened. Bunächst suchten fte die Angriffe geständnisse zu machen. Er zog Frischlin nicht mehr, wie dies Markus Wagner, zu widerlegen, welcher gegen glänzendes Honorar von Seiten obgenannter Adeligen eine Schrift ver fonst häufig geschah, an den Hof, zur Tafel oder zur Jagd, ertheilte vielmehr den Befehl, ihm den Zutritt bei Hofe zu ver wehren und ließ ihn wirklich in Stuttgart, wohin Frischlin Smert, in der andern eine Fadel tragend. Diese ganze Ein heilung des Buges und der Umstand, daß dem an fein Pferd feitgebundenen Manne in der Mitte noch überdies die Augen faßte, betitelt: ,, Rurge, einfeltige bewrische Verantwortung auff geeilt war, um den Herzog zu versöhnen, durch den Thorwart durch eine sogenannte spanische Kappe verhüllt waren, ließ unschwer erkennen, daß es ein Gefangener war, welcher nach Cohen Urach verbracht wurde, und zwar ein Gefangener von Bedeutung, sonst hätte man weder eine so ungewöhn Habe Stunde zur Reise gewählt, noch solche umfaffende Vor fitsmaßregeln getroffen, um ein Entweichen deffelben zu ver hindern. das leſterliche, unnüße und fladdergeistertsche Geschmeis und Gewesch eines queckenden Fröschleins, so fich titulirt: Nic. Frischlinum, Poëtam laureatum, Comitem palatinum caesareum et Professorem in einer namhafftigen hohen Schul in Deutsch land". Aber diese Schrift, in welcher Frischlin geradezu des Aufruhrs beschuldigt und als ein zweiter Thomas Münzerschämt Maul halt, und nichts schreib, odir oder in Drud las dargestellt wurde, hatte nur zur Folge, daß noch mehr Staub lin, der einst hochberühmte Doktor der Medizin und Philo- jener Zeit durch eine nicht minder gehäffige ,, Grundfeste, wahr Und wirklich war der Transportirte ein bedeutender bes Schloffes abweisen, Die gedruckten Exemplare der oratio de vita rustica mu: den gleichfalls auf herzoglichen Befehl mit Beschlag belegt, und dem Senate der Universität Tübingen ging die Weisung zu, mit Ernst und Fleiß dahin zu laboriren und zu trachten, daß Frischlinus hinfüro sein unbehab, unver geben ohne Vorwissen des Herzogs und des Senats. Mann. Es war der kaiserliche Pfalzgraf Nikodemus Frisch Schmähschrift ganz im Geiste der unparlamentarischen Polemik leidenschaftliche Dichter und Gelehrte in leicht begreifliche Auf aber sic transit gloria mundi der württembergische war er von seiner einstigen gefeierte, mit dem Lorbeer gekrönte Dichter, der einstige Lieb ling, Hofpoet und Bechgenoffe des Herzogs Ludwig von Würt temberg. Dies alles war Frischlin Birgil, wie er mit Recht genannt wird einst gewesen; jest bobe herabgestürzt. Jahrelang war er aus Württemberg vers bannt umbergeirit, batte mit Noth und Elend gekämpft und mar endlich auf Befehl desselben Herzogs, der ihn einst so sehr mit feiner Bunst beehrt hatte, zu Mainz verhaftet und nach der Beste Hohenwürttemberg) in vorläufige haft gebracht die furchtbare württembergische Bwingburg Hohen- Urach abge lehrten und gefeierten Boeten hatte ein Berwürfniß desselben Den ersten Anlaß zum Sturze des berühmten Ge worden. Hefert. Heute aber wurde der unglüdliche Dichter in hafte und unvermeidenliche Antwurtt wider ein ehr- und fchandlos Gedicht Mary Wagner's, eines Prädicanten, der sich ein Theol. und Historicum nennt". In dieser Schrift be zeichnete er Mary Wagner als einen verloffenen Buben, der wegen Kirchendiebstahls und weil er in Schottland aus alten Büchern in Klöstern Blätter ausgeschnitten, hätte gebenkt werden sollen," und fertigte seinen Gegner in schönstem Grobdeutsch so gründlich ab, daß er für immer verstummte. Hierdurch aber hatte Frischlin nicht vermocht, wieder gut zu machen, was er durch seine Angriffe gegen den Adel verschuldet hatte. 8war suchte er jegt die Adeligen zu versöhnen, indem er eine besondere Apologie verfaßte, in welcher er das in seiner oratio de vita rustica gegen den Adel Gesagte abzuschwächen strebte, indem er behauptete, immer nur, particulariter, niemals aber universaliter" gesprochen zu haben; aber er ließ es dabel an einigen neuen Auslaffungen gegen den del nicht regung und wohl entschuldbaren Unwillen. Das herzogliche Gebot außer Acht laffend, ſette er nunmehr seinerseits eine Klagschrift auf an den deutschen Kaiser und legte ein Exemplar seiner mit Beschlag belegten angefeindeten Rede, wie seiner Apologie bei, und bat als Poëta laureatas und Comes palatinus*) feine römisch kaiserliche Majestät um Recht und Gerech tigkeit, wie um Schuß gegen die Angriffe und Verfolgungen des Adels. Aber dieser Schritt wurde für Frischlin höchst ver hängnißvoll. Herzog Ludwig gerieth in großen Born, als er vernahm, daß Frischlin gegen seine flaren und bestimmten Befeble gehandelt habe. Er ließ ihn ungesäumt im Senate zu Tübingen zur Rechenschaft ziehen und das Verlangen an ihn stellen, er folle reumüthig um Verzeihung bitten und zugestehen, daß er fortan als ein verpflichter Diener dem Herzog und dem Senat gehorsamen wolle". Aber stolz weigerte Frischlin sich deffen und bat gleichzeitig den Herzog um seine Entlassung, damit ich mich unter Raiserlicher Viajestät und des Römischen vor dem Senat, welcher im Beisein eines herzoglichen Abgefandten die Untersuchung zu führen hatte. Die Adlerflügel find stärker als die Hirschhörner," soll Frischlin nach seiner 1. Hertened, gegeben, von welchem Frischlin bei einem Gast- offenbar falsch verstanden hätten, da ja nur die Wenigsten Erwiderung an den Herzog. Daffelbe erklärte er auch tropig mable tödtlich beleidigt worden war. Auf's tieffte hierdurch dieses Standes Latein verständen. Ebenso gebrauchte er auch *) Sie stand an der Stelle, wo jest die griechische Grufts mahlin Ratharina ins Nedarthal hinabschaut. in dieser Schrift einige Kraftausdrücke, welche die angestrebte Berföhnung durchaus vereitelten, vielmehr die Adeligen noch mehr erbitterten. Die Edlen der deutschen Kreise, insbesondere die schwäbische und fränkische Ritterschaft, wie die der Wetterau und vom Rheine, wandten sich nunmehr der Reihe nach in 11 *) Poeta laureatus und Comes palatinus: Beschützer der Kunst und Wissenschaften. Je ersten Etage der genannten Fabrit ein Feuer ausgekommen, das bei dem viel vorhandenen leicht brennbaren Material mit einer derartigen Vehemenz um fich griff, daß beim Eintreffen der ersten Sprißen auch bereits die 2. Etage in Mitleidenschaft gezogen war. Zwei Dampfsprigen und mehrere große Handdrucksprißen mußten 11, Stunden in ununterbrochener Thätigkeit bleiben, bis die Macht des entfesselten Elements gebrochen. Die Aufräumungs- Arbeiten zogen fich bis gegen 7 Uhr hin. Der Schaden, den die Gothaer Feuer- Berficherungszahlen wollte. Bei dem Angeklagten wurden noch mehrere Gesellschaft zu tragen hat, soll nicht unerheblich sein. Ein Stillstand der Fabrit wird voraussichtlich nicht eintreten. Gerichts- Zeitung. Pantoffel und Messer. Der Spengler Wenzel Bospischil in Wien erstattete gegen seine Frau die Anzeige wegen gefähr licher Drohung und boshafter Beschädigung fremden Eigenthums, worüber gestern unter Vorfts des Landesgerichtsrathes Dr. v. Holzinger vor dem Erkenntnißgerichte die Verhandlung stattfand. Nach den Angaben des Mannes stellte Frau Bospischil an das Leben zu große Ansprüche; fte war eine besondere Freundin von Delikatessen, und wiewohl fte stets äußerte, fie dürfe fich das erlauben, denn sie habe Geld Frau Bos pischil befigt nämlich ungefähr 1000 fl. Privatvermögen babe fie für ihre Genüsse seinen Verdienst verwendet, ihn hingegen gar nicht gut gepflegt. Frau Pospischil führte aber auch sonst das Hausregiment und ihr Gatte durfte fich nicht mutsen, wogegen die Frau den Wochenlohn von 16 bis 18 fl. ftets mit Beschlag belegte. Pospischil wollte des Defteren fich als Herrn im Hause zeigen, doch scheiterten seine Versuche fläglich. Schließlich tam es zu standalösen Auftritten und Bospischil tam um gerichtliche Scheidung ein. Darüber war Frau Pospischil höchft erbittert und am 15. Juli d. J. brachte das Hilfegeſchrei des Pospischil das ganze Haus Johannisstraße 43 in Währing in Aufruhr. Frau Pospischil hatte nämlich ein großes Küchenmesser ergriffen und brang auf ihren Gatten mit der Drohung ein, daß er hin werden müffe". Herr Pospischil war darüber so entsegt, daß er die Flucht durch das Fenster ergriff, und obwohl Hausleute bereits in die Wohnung gekommen waren, wagte er fich boch nicht mehr zurück. Bald darauf wurde die Ehe gerichtlich geschieden. Als nun Pospischil um seine Effekten schickte, waren seine beften Kleider mit Flecken von einer äßenden Flüssigkeit bedeckt und seine Pendeluhr erhielt er gar nicht, weil die Frau fte auf die Erde geworfen und zertreten hatte. In der gestrigen Verhandlung führte Frau Pospischil die Auftritte auf das Bestreben zurück, ihren Gatten von der Scheibung abzubringen. Die Beschädigung der Kleider sei zufällig geschehen und die Pendeluhr ihr Eigenthum gewesen. Frau Boepischil wurde freigesprochen. Nach dem Urtheil begehrte fie die Rückgabe des als corpus delicti auf dem Gerichtstische liegenden Küchenmessers ,,, da fte es dringend benöthige". ( Der Perlentauf der Frau Wolter.) Zu der in der Dorotheergaffe etablirten Perlenhändlerin Frau Marie Giglione in Wien tam am 18. Oktober d. J. ein Dienstman und überbrachte eine Vifitkarte, welche auf den Namen ,, Gräfin D'Sulli wan" lautete. Auf der Rückseite der Karte war Folgendes geschrieben: Ich wünsche Perlen zu kaufen und ersuche mir heute Abends 6 Uhr welche zur Ansicht zu schicken. Wäre ich unmöglich zu sprechen, so bitte ich sie dem Portier des Hauses Nr. 3 am Lobkowißplas zu übergeben und Montag zur selben Stunde wieder hinzuschicken, indem ich mich ohnehin erst mit dem Grafen besprechen muß." Frau Giglione schöpfte Verdacht und schickte sofort in das Burgtheater, wo Frau Wolter sich bei der Probe befand. Die Künstlerin erklärte, daß ste keinen Berlentauf beabsichtige. Als der Dienstmann Abends bei dem Bortier des Hauses Nr. 3 am Lobkowisplay erschien, wurde er bereits von Detektivs erwartet und kurz darauf wurde als Absender der Visitkarte der vagirende Bediente Anton Weese eruirt. Weese war heute vor dem Schwurgerichte, dem Vize- Präfident Graf Lamezan präfidirte, wegen versuchten Betruges angeflagt. Die Geschworenenbank war gebildet aus den Herren Ludwig Polsterer, Dr. Alfred Freiherr v. Berger, Morig Bujatti, Ernst Ebenstein, Heinrich Bolliger, Dr. Hugo v. HofEmanuel Lohner mannsthal Hermann Lichnossky, Anton Petko, Adolf Fenauer, Karl Rauscher, und Leopold Adler. Der Angeklagte war vollkommen geständig und gab an, seine drei legten Gulden in einem Dienstvermittelungsbureau ausgegeben zu haben, wo ihm ein Blag bei der Frau Gräfin D'Sullivan versprochen wurde. Da er jedoch den Plaz nicht erhielt, sei er auf die Jdee gekommen, fich auf diese Weise Geld zu verschaffen. Es sei ihm bekannt gewesen, daß Frau Gräfin O'Sullivan, welche in hieging wohnt, in dem genann ten Hause am Lobinwisplay ihr Absteigequartier habe, damit fie bei schlechtem Wetter nach der Vorstellung nicht nach Hiezing fahren müsse. Es wurde beim Angeklagten auch ein falscher Bart gefunden, den er, seiner Angabe nach, benußen wollte, Damit ihn der Dienstmann, welcher die Perlen holen sollte, Feinde Behauptung beigefügt haben, und diese Anspielung auf das württembergische Wappen war nicht geeignet, den Herzog wieder gnädiger für seinen Hofpoeten zu stimmen, um so mehr, da nun auch Frischlin's Collegen an der Universität, insbesondere der giftige Profeffor Martin Cruftus, in gemeinem Neid gegen den geistig viel höher ftehenden Dichter und Ge lehrten agitirten und auf Deffen Entfernung von seinem Lehrstuhle drangen. Wiewohl Frischlin, seine Hiße bereuend, furze Zeit nach jener trogigen Antwort sich bereit erklärte, dem Verlangen des Herzogs nachzutommen, auch wirklich eine in obigem Sinne verfaßte Urkunde unterzeichnete, so ge nehmigte Herzog Ludwig doch, als die Stände von Krain den hochgelehrten Doktor Nikodemus Frischlin zum Rektor ihrer Landesschule nach Laibach beriefen, die Entlassung seines einstigen Lieblings. Der berühmte Mann schied im Sommer des Jahres 1582 von der Tübinger Hochschule, deren Zierde er während 14 jähriger Thätigkeit daselbst gewesen war, er schied und machte den ersten Schritt in's Elend. später nicht mehr erkenne. Frau Giglione deponirte, daß die ,, unorthographische" Visitkarte- es war der Name Sullivan mit, w" statt mit ,, v" gedruckt ihr sofort verdächtig vorge tommen sei; andernfalls hätte fte Perlen im Werthe von 600 bis 800 fl. geschickt. Weese behauptet dagegen, er habe erbis 800 fl. geschickt. wartet, daß höchftens für 30 bis 40 fl. Perlen geschickt werden. Dieser Behauptung widerspricht ein früheres Geständniß Weeses, daß er mit dem Erlöse der Berlen seine Schulden von 180 fl. Karten auf„ Gräfin D'Sulliwan" vorgefunden, von denen eine mit ähnlichem Inhalte bereits an den Juwelier Löw adresfirt war. Die Jury( Obmann Heinrich Bolliger) erkannte den Angeklagten des versuchten Betruges jedoch unter 300 fl. für schuldig. Der Gerichtshof verurtheilte ihn zu acht Monaten schweren Kerters. Vermischtes. Das tägliche Einkommen deutscher Fürften dürfte so sagt, Sch. FbL" in der nachfolgend gegebenen Nebeneinanderstellung manche irrige Anschauung beseitigen. Es haben von deutschen Fürsten täglich zu verzehren: Der König von Bayern 11 050 M., der König von Sachsen 5560 M., der König von Württemberg 5271 M., der Großherzog von HessenDarmstadt 2964 M., der Großherzog von Sachsen- Weimar 2301 M., Der Großherzog von Oldenburg 1385 M. Das fleinste Einkommen hat der Fürst Reuß älterer Linie, welcher nur 294 M. täglich zu verzehren hat. Obwohl überaus ehrenvoll in Laibach empfangen und obgleich die Schule ihres berühmten Rektors wegen sich eines außerordentlichen Besuches erfreute, so wurde Frischlin doch in kurzer Frift der Boden zu einer gedeihlichen Wirksamkeit untergraben und ihm der Aufenthalt in Laibach förmlich unmöglich gemacht. Die Ritterschaften der drei Kreise Schwaben, Franten und Rheinstrom sammt Wetterau, wüthend über die Abweisung ihrer Klageschrift von Seite des Herzogs von Württemberg, hatten fich nämlich an die Stände von Krain gewendet in einer gemeinsamen Eingabe, worin fie das Verlangen stellten ,,, die Krainer möchten Frischlin nicht in ihrem Lande dulden, viel mehr über ihre Grenzen schaffen, sonst müßten fie fich an den Kaiser wenden." Dbgleich nun auch die Krainer Stände diese Klagefchrift abwiesen, so hatte sie wenigstens doch nicht verfehlt, Frischlin auch unter dem dortigen Adel viele Feinde zu verschaffen, die ihn unausgesezt verleumdeten und verfolgten, so daß er endlich im Born über die vielfache ihm widerfahrende Ungerechtigkeit um seine Entlassung einlam, die ihm auch obwohl mit großem Bedauern von Seite der ihm vorgesezten Behörden genehmigt wurde. Nach taum zweijährigem Aufenthalte in Laibach griff Schlin zum Wanderstabe und wandte sich wieder seiner nath Tübingen zu, wo er seine frühere Lehrstelle wiederum halten hoffte. Unmittelbar nach seiner Ankunft stellte er 1 an den Herzog die ehrfurchtsvolle Bitte um Wiederung an der Universität. Aber es war zur Zeit keine baselbst frei, weshalb ihn der Herzog auf später vers Da widmete fich Frischlin wegen Mangels anderer t ganz der Boefte und beschäftigte sich besonders mit i Ein erschütternder Borfall in einer KommunalSchule erregt die allgemeinſte Theilnahme in Brüssel. Eine Schülerin von 8 Jahren, welche den Unterricht wiederholt geftört hatte und deshalb eine Stunde nachbleiben sollte, wurde von der Lehrerin in einem neben der Klaffe belegenen Raum eingesperrt. Nach Schluß der Schule vergaß die Lehrerin ihre eingesperrte Schülerin, fie unterließ es auch, der im Schulgebäude wohnenden Direktorin von der verbängten Strafe Kenntniß zu geben. So verrann Stunde auf Stunde, schon wurde es dunkel, das Kind bemüht sich, alle möglichen Zeichen geben, aber zu Niemand hörte es. Um fchließlich aus dem Gefängniß zu entrinnen, beschloß es den Weg durch's Fenſter zu nehmen. Wie es zu dem hohen Fenster gelangte, ist ein Räthsel. Es schwang fich hinaus, hielt fich am Fensterkreuz fest und hing in der Luft, furchtbare Schreie ausstoßend. Entfest eilten die Nachbarn hinzu, stürmten mit der nichts ahnenden Direktorin die Treppe hinauf aber zu spät; die Kräfte hatten das Kind verlassen; es lag bereits am Boden. Ein herzugeholter Arzt fonstatirte schwere innere Verlegungen, besonders des Gehirns. In hoffnungslofem Zustande wurde es zu den Eltern geschafft, vorgestern Abend ist es gestorben. Die Lehrerin ist suspendirt worden und eine Untersuchung eingeleitet. 11 ca. 100 Stimmen verfügte und ersuchten mich, ihnen Eintritis Karten zu ihren demnächst stattfindenden Jahresbällen abju taufen. Ich taufte jeder Gesellschaft für Doll. 10 Eintritts Karten ab. Kaum war diese Sache erledigt, so pacte mich ein riefiger Kerl an der Schulter und redete mich folgendermaßen an: Sieh bier, junger Mann, ich kommandire die Stimmgeber in Deinem Diftritt und Du kannst nicht erwählt werden, wenn Du Dich nicht mit mir ,, ins Einvernehmen seßest". Vorläufig werden Doll. 200 genügen, um die Stimmgeber zu Deinen Gunsten zu bearbeiten"." Nachdem Batrid auch diese For derung gebührend berücksichtigt, wurde ihm die Geschichte denn doch zu stark und er schlüpfte in das nächste Haus, von welchem aus er über die Dächer hinweg unbehelligt seine Wohnung erreichte. Kaum hatte er indeffen seine trauliche Heimather reicht, so wurde dem Alderman in spe von einem Mufitforp ein Ständchen gebracht. Selbstverständlich mußte er die Mu filanten zu einem„ Gläschen" einladen. In der betreffenden für Kneipe wurde er außerdem um Doll. 25 als Unterſtügung eine arme Familie in seinem Wahldistrikt geprellt. Mittler weile war Batrid derartig mit geistigen Getränken an gefüllt, daß er den Weg nach Haus nicht mehr finden fonnte und von einem Polizisten, welcher nicht zu feiner Partei ge hörte, nach der Polizeistation des Diftritts gebracht wurde. Der Richter entließ den zukünftigen Alderman, ohne ihm eine Strafe zu bittiren, und als der biebere Kandidat bas Gerichtszimmer verließ, hörte man ihn ärgerlich murmeln: ,, Die Geschichte habe ich satt!" Auch ein Kandidat. Eine gelungene Illustration für das Parteigetriebe in Amerika bietet folgende Szene, welche fich Anfangs voriger Woche im Tombs- Bolizeigericht in New- York Batrit Lefoe," so abspielte. Wir folgen der N.-V. Hölsz.“„ Patrik Lefoe," fo rebete Bolizeirichter Duffy einen elegant gekleideten Sohn der grünen Jnjel" an, auf welche Weise find Sie gestern Abend zu dem lannibalischen Rausche gekommen, wegen dessen Sie arretirt worden find?"" Pat" erwiderte dem Kadi, er sei Kandidat für das Amt eines Alderman und sei von seinen Parteididat für das Amt eines Alderman und sei von seinen Parteigenoffen am Tage, an welchem er fich den ungeheueren Affen geholt, für das Amt nominirt worden. Er habe die betreffende Versammlung um 5 Minuten Bedentgelt ersucht, ehe er fich zur Annahme der Nomination bereit erklärte, und sei nach Haus geeilt, woselbst er seine Gattin folgender maßen adresfirt habe: Anieparterre. Ein Theaterzettel aus dem Jahre 1734 der als Kuriosität im städtischen Museum in Braunschweig aufbewahrt wird, enthielt wörtlich folgende Schlußbemerkung: " B. B. Betwemlichkeit des Publikums ist angeordne tas bie erste Reihe sich hinterlegt, die zwende Reihe Inieth, die brübte fügt, die vührte steht; so tönnen's Alle sehen. Das Lachen i Verbothen, weils ein Drauerspiel ist". Bedentliche Konsequenz. Richter: Wie alt find Sie?" -Klägerin:„ Dreißig Jahre."- Richter: Ale Sie vor vie Jahren in der Erbschaftssache hier waren, haben Sie Sh D Alter auch mit dreißig Jahren angegeben." Klägerin: bitte, Herr Richter, ich gehöre eben nicht zu jenen Personen, die vor Gericht heute so und morgen so sagen." Amerikanisch. Vor drei Wochen war in den ameri tanischen Beitungen zu lesen, daß Miß Mary Elizabeth Garret in Baltimore augenblicklich das reichste Mädchen in Ameria und erst 27 Jahre alt sei. Infolgedeffen haben in der Baltimorer Poftoffice drei weitere Briefträger angestellt werden müffen! Pädagogische Sprüche. Aus einem empfehlenswerthen, jest in zweiter Auflage erschienenen Buche„ Pädagogische Blätter und Blüthen. Allgemeine Erziehungslehre in Aus sprüchen bedeutender Pädagen aller Zeiten und Völker. Ge sammelt von G. Coorbes"( Preis 1,20 M.) mögen hier einige beherzigenswerthe Broben Blag finden. und ein be Der Anfang ist der entscheidende Bunkt in der Erziehung es find die ersten Rinderjahre, in welchen sich die herrschende Richtung für unseren ganzen Lebenslauf birgt" anderer Schriftsteller sagt:„ Die Erziehung des Menschen wit größtentheils in den ersten sechs Jahren auf dem Schook de Mutter vollendet. Was sich in den späteren Lebensjahren in dem Kinde entwickelt, hat die Mutter vielfach in den erften Lebensjahren seinem Herzen eingepflanzt." Den Dienstboten," sagt Karl Oppel, sollten die Kinde so wenig, als irgend möglich ist, anvertraut werden. Jede andere Geschäft eher abtreten, als das der Kindererziehung! Erziehen ist nicht leich, strengt an, reibt auf." Nur die Liebe fann erziehen. Darum muß die Mutter das Meifte in der Erziehung thun, weil fie die meiste Liebe hat. Ohne Liebe bleibt das Erziehungssystem ein todtes Wiffen. fic ti de be ba Te fte er bl Do ni A fei ab A be 6 er de fei au th au auf's ob da Le Fle ein Tea mi die bel me der bie tur rei Mit lieblichen Worten und sanftem Bemühen, Vermagst Du am Haare den Löwen zu ziehen. Die Kinder brauchen schnellen, strengen Gehorsam Wort. Ohne diesen würde es unmöglich sein, fte zu führen und zu bilden. Sie müssen auf's Wort folgen; denn man fann ihnen nur selten die Gründe des Befehles erklären; würden sie nicht verfteben, und oft ist auch keine Beit dazu da Also fordere ich von Kindern Gehorsam. B. Villaume. Reicht das Wort die Ruthe fort; Reicht der Blid spare das Wort. D. Sutermeister. Die legte Tendenz aller Erziehung ist die fittliche Ber edelung des Charakters durch die Erhebung der Vernunft Gefesgeberin und die Unterwerfung des Willens unter the Gebote, in welchen zugleich die Stimme Gottes spricht. gethan. Niemeyer. Wolf Platon nicht nur anführen, Aeg. Jais. Rate, wenn ich zum Alderman erwählt werde, dann find wir schöne' raus. Wir können dann in der Fifth Avenue wohnen. Jest beantworte mir eine Frage der Wahrheit gemäß! Ist einer Deiner Angehörigen jemals wegen Diebstahls verhaftet worden? Wenn dies der Fall ist, sage es mir offen, denn die Zeitungen finden das morgen aus und dann fallen sie über mich her und ich bin geliefert. Im an- Zu Batrid's größter deren Falle werde ich ficher gewählt." Freude erklärte die Gattin, daß, soviel fie wifle, Niemand von thren Familien- Angehörigen jemals gestohlen oder gemordet habe. Er eilte sofort nach dem Versammlungs- Lolal zurüd und nahm die Nomination an, worauf er in der in demselben Gebäude befindlichen Schnapskneipe Dollar 20 für Getränke an seine Die nun folgenden Angaben Partei- Genoffen spendete". während des Verhörs Seitens des Kandidaten find so padend, daß wir fie hier wörtlich wiedergeben wollen:„ Als ich die Versammlung verließ, ersuchte mich ein Komitee eines ,, Junger Männer Klub" meiner Partei, Billette zu einer von dem Klub zur Aufbefferung seiner Fonds veranstalteten Benefiz Vorstellung Etwas kann aus jedem Menschen werden, je nach feiner zu laufen. Da die Delegation behauptete, über 500 Stimmen Natur. Der Erzieher muß früher abmerken, was die Natur für mich verfügen zu fönnen, ta ifte ich für Doll. 10 Billette. für einen Weg gehen will, und nach diesem auch das Mittel Raum war diese Angelegenheit erledigt, so meldeten sich Reprä mäßige heraus entwickeln. Nur dann erst hat er seine Pfliat sentanten von vier Bergnügungsgesellschaften, deren jede über Die gute Erziehung besteht nicht darin, daß man Verweile der Herausgabe seiner in lateinischer Sprache verfaßten in einem tadelnden Tone verlangen würde. dramatischen Dichtungen. Es waren die fünf Schauspiele: Man soll die Kinder nicht nur zum Guten unterrichten Rebella, Susanna, Hildegard, Priscian und Julius, welche sondern auch zum Guten anführen schon in früheren Jahren am Hofe des Herzogs Ludwig zu sondern auch angewöhnen. Stuttgart aufgeführt und mit größtem Beifall aufgenommen worden waren. Sie wurden in Straßburg bei Bernhard Jobin gedruckt und zwar auf eigene Roften, wie dies in das maliger Beit üblich war. Wenngleich er hierbei auch keine Verluste erlitt, so fab er fich doch in seiner Erwartung, daß thm das Unternehmen die Mittel zum Lebensunterhalte für fich und feine zahlreiche Famille liefern solle, bitter getäuscht. Er gerieth in große Noth und machte deshalb den Versuch, in Straßburg, wohin er übergefiedelt war, eine Lehrftelle an der dortigen Schule zu finden. Aber trotz der warmen Empfehlungen verschiedener hochangesehener Schulmänner, insbesondere des verdienstvollen Rettors des Straß burger Gymnaftums, Johann Sturm, gelang ihm dies auch hier nicht. Verzweiflungsvoll wandte er sich deshalb wiederum an den Herzog von Württemberg und bat ihn nochmals um Anstellung in Tübingen und zugleich um ein Darlehen von 100 Gulden. Da erbarmte fich Herzog Ludwig seines unglücklichen Poeten; er ließ ihm nicht nur die verlangte Summe auszahlen, sondern ernannte ihn, ungeachtet des Widerspruchs der von Gruftus bearbeiteten Tübinger Profefforen zum außerordentlichen Profeffor dieser Universität. Sein Gehalt als folcher war zwar sehr gering, immerhin aber bedeutend genug, um anftändig damit auskommen zu können, um so mehr, da der Herzog ihn bald darauf auch wieder zum württembergis schen Hofpoeten ernannte, wodurch ihm bei seinem eisernen Fleiße und seiner ungemeinen Fruchtbarkeit des Schaffens reichliche Gelegenheit zur Erhöhung seines Einkommens geboten wurde. So hätte er wieder ein rubiges und gesichertes Leben führen fönnen, aber seine Feinde gönnten ihm dies nicht. Der Gemeinnütiges. Räucher Effenz. Eine sehr billige Räucheressenz Stellt man dar durch Vermischen von gleichen Theilen Spiritus mit Waffer, dem man je eine Kleinigkeit Zimmt und Nelkenöl z führt. Gießt man etwas davon auf eine erhigte Metallplatte oder in die Röhre eines Kachelofens, so entsteht sogleich ein angenehmer Geruch. Es ist aber selbstredend, daß man durd Räuchermittel nicht etwa die Luft eines Bimmers reinigen ober verbessern kann, sondern es wird dadurch die Luft mit guten Gerüchen geschwängert. Medizinischer Werth der Salzsäure. Die Salzfäure giebt man da, wo man eine kühlende, durststillende Wirkung erzielen will und zwar in einer Auflösung von 1 g in 150g Zuckerwaffer, stündlich 1 Eßlöffel voll; will man ihre, die Ver dauung bestärkende Thätigkeit haben, so nehme man von 15 Tropfen Salzsäure auf 1 Glas Zuckerwaffer, täglich 2-3 mal Um Nostansah an Metall zu verhindern, bestreiche man dasselbe mit fetten Kautschouköl, das auf dem Metalle einen schüßenden Ueberzug bildet und das Anseßen von Rost durchaus verhindert. bis Rötheln nennt man einen höchst nngefährlichen, nur einige Tage andauernden Hautausschlag, der zumeist fieberlos und ohne jegliche Beschwerden verläuft. Es bilden sich linsen erbsengroße, über die Haut sich erhebende rothe Flecken, Kost nehmen. bie rasch ablassen und verschwinden. Eine Behandlung ist über Adel ließ ihn auch jest nicht zur Ruhe kommen und verfolgte flüfig; es genügt, wenn die Kranken im Zimmer, und wenn den Dichter, der wieder in vollen Gnaden bei Hofe angenom man sehr ängstlich ist, im Bette bleiben, sowie wenig und leichte men war, mit verdoppeltem tödtlichem Haffe. Ebenso hatte er unter dem Neide des Cruftus und einiger anderen Kollegen zu leiden, die ihre Einkünfte durch den geistreichen Gelehrten geschmälert sahen, in deffen Vorlesungen die Studenten fich drängten, während die thrigen vor leeren Bänken stattfanden. Der Adel sowohl wie die Profefforen suchten ihn daber um jeden Preis aus der erneuerten Gunst des Herzogs und von feiner Profeffur zu verdrängen, und da kein rechtliches oder redliches Mittel fie das Biel erreichen ließ, so scheuten sich diese Herren nicht, auch zu einem unredlichen zu greifen, nämlich zur Berleumdung und falscher Beschuldigung. ( Fortegung folgt.) Werth der Bauchpresse. Unter Bauchpreffe versteht man das gleichzeitige Sichzusammenziehen aller Bauchmuskeln, wo durch es zur Verkleinerung der Bauchhöhle tömmt. Durch diese Verkleinerung erfahren die Gedärme eine Zusammenpreffung in Folge deren Inhalt auf seinem natürlichen Wege nad außen befördert wird. Bei sehr hartnädiger Verstopfung tritt die Bauchpreffe lebhaft in Thätigteil. Daffelbe gefchiebt bel verschiedenen Frauenkrankheiten u. f. w. Die Bauchpreffe bat aber nur bei geschlossenem Munde Effelt und zwar aus diversen Gründen, deren Auseinandersetzung hier zu weit führen würde. Verantwortlicher Rebelteur St. Sconbeim in Berlin. Druck und Verlag von War Babing in BerlinSW. Beuthstraße 2. S Rad 15 nac füg Nic auf สิน ben find Es und thei meh ord wol bet ben Do cien Sa gut Lein Dief Dar lege Don mög