59 24 47 2328535 70 29 75 98 19 72 47 30) 88 95 06 53 0 99 55. 30 07 38 0% 00 47 37 87 16 90 10 133 0 H No. 202. Donnerstag, 27. November 1884. I. Jahrg. Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das ,, Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Mart, wöchentlich 25 Pf. Einzelne Nummern 5 Pf. Postabonnement pro Quartal 3 Mart.( Eingetragen im VIII. Nachtrage der Postzeitungspreisliste unter Nr. 719a.) Insertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 f. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedifion Berfin SW., Zimmerstraße 44. Abonnements- Einladung. Für den Monat Dezember eröffnen wir ein neues Abonnement auf das ,, Berliner Volksblatt". Frei ins Haus loftet dasselbe nunmehr 1 Mark 35 Pfg. ( pro Woche 35 Pfennige). Bestellungen werden von sämmt Kichen Beitungsspediteuren, sowie in der Expedition, Bimmer ftraße 44, angenommen. Den neuen Abonnenten wird der bisher erschienene Theil des hochintereffanten und spannenden Romans ,, Gesucht und gefunden" Don Dr. Dug gegen Vorzeigung der Abonnements Quittung in der Expedition, gratis verabfolgt. Bimmerstraße 44, Die Beitung erscheint vom 1. Dezember ab täglich mit acht Seiten Tert, und wird derselben wöchentlich eine reich illustrirte Sonntagsbeilage beigegeben werden. Um recht zahlreiches Abonnement bittet Die Redattion und Erpedition des „ Berliner Volksblatt". Die ultramontane Sozialreform. Herr Windthorst läßt ankündigen, daß seine Partei mit fozialen, refp. wirthschaftlichen Reformprojekten auftreten und bemnächst bezügliche Anträge im Reichstag einbringen werde. Im Moment liegen diese Anträge noch nicht vor und es wird sehr viel darauf ankommen, ob der vorsichtige Bentrumsführer diese Anträge in Form von Resolutionen oder in Form von ganz bestimmten und genau ausgearbeiteten Gefeßentwürfen einbringen wird. Im ersteren Fall wäre ber ganzen Aktion wenig Werth beizulegen; anders würde bie Sache erscheinen, wenn das Zentrum endlich einmal genau ausspräche, was es unter„ Sozialreform" versteht! Wenn Herr Windthorst etwas Gutes bietet, warum soll man es nicht auch von ihm nehmen? Es kann durchaus gleichgültig sein, woher das Gute stammt, wenn es nur et was Gutes ift. Allein hier müssen wir gestehen, daß wir Dieser zu Herrn Windthorst wenig Sutrauen haben. politische Proteus hat uns sein wahres Gesicht in der Unfallversicherungsfrage gezeigt und wir haben uns wohl ge merit, was wir da gesehen haben. Im Regierungsentwurf Aur Unfallversicherung war gegenüber den mächtigen Berufsgenossenschaften der Unternehmer auch eine Vertretung der Arbeiter, die Arbeiterausschüsse, beantragt, aus denen freilich bie Mitglieder der freien Hilfstassen ausgeschlossen fein sollten. Herr Windthorft aberblieb in diesem Punkt hinter der Regi rung zurüd; nicht einmal diese fümmerliche Vertretung I wollte er den Arbeitern lassen und er erklärte, wenn man die Arbeiterausschlüsse bewilligen würde, so würde er mit seiner Fraktion das ganze Unfallversicherungsgesetz zu Falle bringen. Und so geschah es, daß die Arbeiter im Unfallversicherungsgesetz um ihre Vertretung famen. Ueberhaupt beweist der Jubel der Freisinnigen" barüber, daß das Zentrum wieder eine oppofitionelle Stel lung eingenommen hat, nur die nun schon so oft bewährte politische Kurzsichtigkeit der Herren Richter und Genossen. Diese Herren hätten doch nun wahrlich Zeit und Gelegen heit genug gehabt, die pfäffische Taftit des Herrn Windts horft tennen zu lernen. Zu Anfang der Legislatu periode zeigt Herr Windthorst der Regierung feine Macht und seinen Einfluß und tritt oppofitionell auf, um nachher, wenn die Regierung seine Unterstügung braucht, als der bekannte un bequeme Bieter" erscheinen zu fönnen. Man wird dann Handelseins und Herr Windthorst leiht der Negierung seine Unterfügung. Das weiß nun bald Jedermann mit Ausnahme der Freifinnigen, die sich das findliche Vergnügen machen, darüber zu jubeln, daß Windthorst nun wieder einmal die oppofitionelle Maste vorgenommen hat. Ohnehin ist ja zu bebenken, daß gerade bezüglich der Sozialreform Zentrum und Freisinnige hart an einander gerathen müssen, da ja bie überwältigende Mehrheit des Sentrums entschieden gegen bas Don Freifinnigen vertretene Manchestergen trat man, seitdem das freundschaftliche Verhältniß zur Regierung eingetreten ist, in die Fußtapfen der fonfervativen Sozialpolitik. Zwar ist der eigentliche Sozialpolitiker der Sentrumspartei, Herr Hiße, liegt in den Reichstag gewählt worden. Allein selbst wenn derselbe neue Jbeen entwickeln sollte, so ist doch kaum anzunehmen, daß er neben der dominirenden Führerschaft Windihorsi's und innerhalb der strammea Parteidisziplin des Zentrums damit auffommen fönnte. Dhnehin war Hike bisher nur Theoretik.r; in der Pray's der Gesetzgebung nehmen fich sozialpolitische Ideen indeffen oft ganz anders aus als in der Theorie. Sonach fann man nicht viel mehr erwarten, als daß das Zentrum im Allgemeinen die konservativen Bahnen in der Sozialpolitik wandeln wird. Wenn aber Herr Windthorft und Genossen die Sonn- und Feiertagsarbeit abfchaffen, desgleichen die Kinderarbeit beseitigen und die Frauenarbeit einschränken wollen, so wäre das nur mit Freuden zn begrüßen. Schon vor vier Jahren hat das Zentrum erklären lassen, sein Ziel sei die Beseitigung der verheiratheten Frau aus der Fabrik, um der heute durch die Frau narbeit so sehr gefährdeten Berrüttung und Zerstörung des Familienlebens vorzubeugen. Und wie soll's mit dm Normalarbeitslohn werden? Wie viel Stunden soll er betragen? Und wie soll die Kontrole sein? Die Herren vom Zentrum mögen fich gesagt sein lassen, daß die Arbeiter, soweit sie selbständig politisch gebildet find, teine fonservative, sondern eine voltsthümliche So zialreform wollen, die weder den Anschauungen katholischer Meister, noch denjenigen fonservativer Junker und Regie runge beamten, sondern den Bedürfnissen der Ar= beiter ang paßt ist. Die Windthorst'sche Sozialreform wird jedenfalls stark mit christlichem Geiste verfeßt sein. Wir, die wir in wirthschaftlichen Fragen unser Augenmerk allein auf das Praktische gerichtet haben, werden es uns zur Aufgabe machen, die ultramontane Sozialreform ebenso eingehend und gewissenhaft zu kritisiren und zu zergliedern, wie die fonfervativen. Mögen die Arbeiter in den weitesten Kreisen ihr Auger mert auf die Diskussionen richten, die in diesen Fragen im Parlament bevorstehen, und mögen sie, wo sie nur immer fönnen, ihr Wünsche und Bedürfnisse aussprchen, um damit eine Richischnur für die parlamentarischen Verhandlungen zu geben. Politische Uebersicht. Der Kongo Konferenz widmet man von Nah und Fern große Aufnrertsamkeit. Es bandelt sich im Wesentlichen um die Frage, ob das Kongobeden und seine Umgebung in Bus tunft allen Nationen unter gleichen Bedingungen zugänglich fein foll. Würde die Einfahrt in den Kongo von einer Nation refp. einem Staate oder Gesellschaft beherrscht werden, so wür den ernstliche Vermidelungen faum zu vermeiden sein, denn bie Rongomür dung ist die Hauptstraße ins Innere Afrifas. Bekanntlich hat sich eine Assosiation gebildet, welche es fis zur Aufgabe gemacht hat, einen freien Kongostaat in dieJem Sinne zu begrünten und die Verfassung für denselben auszuarbeiten. Die Affoziation woll über den freien Rongostaat nicht herrschen, sondern nur Kontrole üben, daß die von ihr vorgeschlagene Verfaffung von allen Nationen Gesellschaften ena beobachtet wird; fle will ferner Die Und erkennung dieses Staates und daß derselbe unter den Schuß der Mächte gestellt werde. Die meisten Regierungen haben Denn auch bereits ihre Anerkennung offisiell abgegeben, und die noch feblenden werden sich dadurch schon gezwungen füh ler, ein Gleiches zu thun. Es wird nun freilich auf der KongoRonfer nz über diesen oder jenen Bunft noch gestritten werten, immerhin steht aber zu erwarten, daß sich dieselbe zu Gunsten Des freien Kongostaates entscheiden wird. Große Beachtung verdient diese Konferenz schon um deswillen, weil sie zeigt, daß internationale Fragen ganz friedlich, ohne Säbelgeraffel und blutige Kriege gelöst werden fönnen. Fabritanien- Wünsche. Seitens der Kattunfabrikanten ist vor einiger Zeit an den Bundesrath eine Eingabe gemacht, betreffs erlängerung der Arbeitszeit der jugendlichen Arbeiter für Baumwolldruckereien. Nach § 135 der Gewerbeordnung dürfen junge Leute zwischen 14 und 16 Jahren nicht länger als 10 Stunden beschäftigt werden, was durch Anschlag in allen Fabriken bekannt gemacht werden muß. Die Kattundruckereien finden diese Beschränkung der Arbeitszeit der Verwendung der Kinder fehr hinderlich, da in ten meisten derartigen Fabriken die offizielle Arbeitszeit für das ganze Etablissement mindestens 10%, bis 11 Stunden bes trägt, wenn schon die effektive Arbeitszeit doch nicht länger mie 10 Stunden dauert. Die Betenten haben nun an den Bundesrath das Ersuchen gerichtet, die tägliche Arbeitszeit für 14 bis 16 jährige junge Leute für Kaitundruckerei anstatt auf 10 auf 11 Stunden zu bestimmen, ähnlich wie dies den Spinnereien bewilligt worden ist. Der Bundesrath hat sich mit der Frage beschäftigt, und dem Direktorium des Zentralverbandes deutscher Industrieller ist nachstehender Bescheid zuge gangen: thum ift. Wir wollen über die in Nebe stehenden Anträge des Sentrums weiter nicht rechten, bevor dieselben uns im Wortlaut vorliegen. Allein man beurtheilt eine Partei gerne nach den Leistungen in ihrer Vergangenheit, und da müssen wir darauf zurüdt ommen, daß die Leistungen des Zentrums gerade auf fozialpolitischem Gebiet bis jt äußerst ärmlich Man beschränkte sich bisher auf nichtssagende Refolutionen und auf Gemeinpläße in den Debatten, im Uebri- jugendliche Arbeiter in Baumwolldruckereien, ist dem Bundesbaftehen. Berlin, den 20. November 1834. Die von dem Direttorium an den Bundesrath gerichtete Eingabe vom 22. März d. 3., betreffend die Erweiterun der täglichen Arbeitszeit für rath vorgelegt worden. Der lettere bat darauf in seiner Sigung vom 23. v. M. beschloffen, der Eingabe leine Folge zu geben, da nach§ 139 a der Gewerbeordnung nur in Spinnereien die Erstreckung der Arbeitszeit jugendlicher Ar Leiter auf 66 Stunden wöchentlich zulässig ist. Wir wun dern uns über die Wünsche der Rantunfabiilanten durchaus nicht, aber etwas befremdent ist es uns doch, daß man von Seiten der Regierung fich an dieselben Leute wendet, und sie ersucht, Vorschläge zur Abänderung der Fabritgefeßgebung zu machen! - Auf die Vorschläge sind wir neugierig! Ueber die Hirsch- Dunder'schen Gewerkvereine wird ben Hamb. Nachr." aus Berlin geschrieben: Die hirsch. Dunder'ichen Semertvereine versenden durch ganz Deutschland einen Aufruf an alle versicherungspflichtigen Ar beiter in Handwerk und Industrie, welche noch keiner auf Grund des§ 75 des Krantenversicherungsgeseßes zugelaffenen Hilfskaffe angehören. Es ist das richtig ein„ lester Schrei" vor Thoresschluß, da mit dem 1. Dezember die Beitragspflicht zu den Zwangskaffen beginnt. Wir haben berechtigte Zweifel, ob die kurze Zeit bis dahin genügen wird, um diesen Vereinis gungen des Herrn Hirsch noch Mitglieder in beträchtlicher Anzahl zuzuführen, zumal die Banterottertlärung der beiden Kaffengruppen, die nach seinen Prinzipien" wirthschaften, so furz vorhergegangen ist. Es gehört viel moralischer Muth dazu, um unter solchen Umständen eine solche Aufforderung zum Beitritt an die deutschen Arbeiter ergeben zu lassen. Um es nicht zu verschweigen: auch ganze Rorporationen und Kaffen, welche noch nicht zugelaffen sind, werden noch vor dem Die nicht informirten Arbeiter 1. Dezember aufgenommen." sehen nicht die Kehr und deren giebt es ja auch noch seite der Medaille und so wollen wir dieselben gewornt haben, dem harmlos klingenden und geschickt abgefaßten Aufruf Folge zu leisten. Wer auch der Schreiber dieses Artikels sein mag, er tennt offenbar die betreffenden Verhältnisse gut, und Herr Dr. Mar Hirsch mag fich freuen, daß seine Verdienste auch bereits von liberaler Seite so wohlverdiente Anerkennung finden. In Frankfurt am Main finden heute die Ergänzungs wahlen zu der Stadtverordneten Versammlung statt. Nach der Frantf. 8tg." hat die Arbeiterpartei 13 Standidaten aufgestellt; 23 Stadtverordnete sind im Ganzen zu wählen. über die Kollision des Hohenstaufen" mit der„ Sophie". Die Bremerhaven. Fortsetzung der Seeamis- Berhandlung Aussagen der Beugen vom Lloyddampfer Rhein" find günstig für den Hohenstaufen". Die Offiziere des oben staufen" werden ohne Widerspruch des Reichskommiffars be eidigt, womit die Beweisaufnahme geschloffen ift. Die Ver fündung des Urtheils erfolgt Dienstag, den 9. Dezember. Der Reichs tommiffär Romberg betont zunächst, die Beitungen hätten von einer Durchbrechung des Geschwaders als vorschrifts widrig berichtet; nies sei falsch, benn nirgends beftebt eine geset liche Vorschrift, welche dies verbietet. Es sei schwierig, bie vorliegenden Widersprüche zu erklären und er müsse annehmen, daß fich die Kurse beider Schiffe rechtwinklich geschnitten und daß das Mannöver des Hohenstaufen" so ausgeführt worden fei, wie Kapitän Winter ausgesagt habe; zu tadeln sei zunächst, daß Winter nicht gewußt, wo das Kiiegsschiff au pasitren und so durch seine Unschlüssigkeit die Sophie" im Zweifel über seine Absicht gelaffen babe. Die Entfernung sei aber nicht so groß gewesen, als er behauptet, und deshalb selen feine Manöver zu spät gekommen. Rapitän Stubenrauch babe gleichfalls eine Wendung gemacht, unglücklicher Weise gleichzeitig mit dem Hohenstaufen" und dadurch habe er eine Reihe Manöver veranlaßt, welche eine Kollision nothwendig gemacht hätten. Nach der Kollifton sei das Berhalten beider Schiffe tadellos gewesen. Kapitän Winter habe durch seine Unentschloffenheit die Rollifion zunächst verschuldet. Der Reichs tommiffar beantragt, damit das Secamt darüber erlennen fönne, die Entziehung des Schiffspatents dem Seramt anbeim gebend, so es die Unentschloffenheit als einen genügenden Grund Dafür zulassen wolle. Aus Konstanz wird der Frankf. Btg." geschrieben:„ Bor einigen Wochen meidete ich Ihnen, daß der wegen Berbreitung sozialdemokratischer Schriften und Widerstand gegen die Staatsgewalt in Untersuchung befindliche, 18 Jahre alte Schroff, beim Transport zum Untersuchungsrichter entsprang und von einem Gefangenwärter und einem Straßenwart bis auf Schweizer Gebiet verfolgt und dort in Emmighofen verhaftet worden sei. Diese Berbaftung hat nunmehr der schweizerische Bundesrath als unzulässig bezeichnet und dagegen remonstrirt. In Folge dessen hat man fich seitens der bieftgen Behörde veranlagt geseben, den Schroff heute an die Schweizer- Grenze bei Emmig bofen zu führen und ihn dort auf freien Fuß zu fezen. Selbst verständlich beeilte fich Schroff, dem deutschen Gebiet schleunigst den Rücken zu fehren." Der Statthalter von Elsaß- Lothringen, Hr. v. Man teuffel hat drei Zeitungen verboten. Die Begründung des Verbots geschieht mit dem Hinweis auf das deutschfeind lide Treiben derselben. Der Erlaß datirt vom 22. d. M.; er ist zunächst an den Staatssekretär Hofmann gerichtet und hat am Schluß folgenden Wortlaut: Auf Grund der mir durch § 10 des Gefeßes betreffend die Einrichtung der Verwaltung vom 30. Dezember 1871 in Verbindung mit§ 2 des Gefeßes, betreffend die Verfaffung und Verwaltung Elsaß- Lothringens Dom 4. Juli 1879, übertragenen außerordentlichen Gewalten verbiete ich hierdurch das fernere Erscheinen der Union Elsaß Lothringens", des Echo" von Schiltigheim, bes St. Obilienblattes" und ersuche Euer Exzellenz, hiernach das Weitere zu veranlaffen, gleichzeitig aber auch, da ich wünsche, daß das Land die Motive meines Handelns fenn Diesen Erlaß in seinem Wortlaute zu veröffentlichen." den Dienst an Bord dieser Fahrzeuge verwendet werden. Auf Grund des Sozialistengesetes ist das in Hottingen| Marine entnommen, im Uebrigen aber Farbige( Kruneger) für Bürich gedruckte Flugblatt: Das Keiner zu kurz Ersaz für das Gestohlene" verboten Comme! worden. " Schweiz. Nachdem im großen Rath von St. Gallen Sie Abschaffung des Impfzwanges beschlossen worden ist, sind nunmehr 8 Kantone vom Jmpfzwang frei. Die zwei Kantone Genf und Uri hatten überhaupt feinen Jmpfawang; die sechs Kantone Glarus, Baselstadt, Zürich, Luzern, Schaffhausen und St. Gallen hatten ihn schon früher abgeschafft. Die Konservativen haben beschlossen, bei der Nachwahl im V. Berliner Wahlkreise wiederum den Herrn Cremer als Kandidaten aufzustellen. Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. | von Diäten allein von 24 Abgeordneten unterschrieben worden ist, die in Berlin ihren Wohnsitz haben( heiterkeit), die sich doch bequem aus ihren Redaktionsbureaus, Fabrikräumen oder vom Ratheder abrufen lassen fönnen. So lange die sozialen Reformen nicht weiter vorgeschritten find, ist das Anwachsen der Sozialdemokratie nicht überraschend; aber ich glaube, daß Viele, welche Sozialdemokraten gewählt haben, darum noch nicht selbst Sozialdemokraten find. Wenn die Herren erst einmal pofitio auftreten und Etwas schaffen, tönnen sie noch viel zahlreicher werden. Man könnte ihnen ja für ihre Ver fuche eine Provinz einräumen.( Deiterkeit.) Ich glaube nicht, daß die Diäten einen Abgeordneten das erseyen tönnen, was er geschäftlich durch den Abgeordnetenberuf einbüßt. Die Diätenlosigkeit bildet ein Grundprinzip unserer Verfassung und ich möchte Sie bitten, nicht durch solche Anträge auf Ver fanungsänderung die Regierung in den Glauben zu versehen, als sei hier im Hause eine große Neigung vorhanden, die Ber faffung zu ändern. Den Diäten tann ich nicht einen so großen Einfluß auf die Personalveränderungen des Reichstags ein räumen, wie dies hier geschehen ist. Wenn ich die politische Konftellation in dem preußischen Landtage mit der in diesem Hause vergleiche, so kann ich nicht finden, daß für die Ne gierung die Diäten ungünstiger wirken. Lassen Sie fich die Verfaffung eine noli me tangere sein, eine zwingende Noth wendigkeit, fie zu ändern, liegt nicht vor, deshalb lehnen Sie aus Achtung vor der Verfassung diesen Antrag ab.( Beifall rechts.) 3. Situng vom 26. November, Mittags 12 Uhr. Präfident v. Wedell Piesdorff eröffnet die Sigung um 12 Uhr 25 Minuten. Am Tisch des Bundesraths Staats: sekretär v. Bötticher und andere Bevollmächtigte. Der Präfts dent theilt nach Erledigung der geschäftlichen Mittheilungen mit, daß ein Schreiben des Reichskanzleis eingegangen ist, in welchem um Steubildung der Kommission zur Leitung der Vor arbeiten für den Reichstagsbau ersucht wird. Der Abg. Dr. Braun hat das Mandat für Döbeln( 10. Sachsen) ange nommen und daß für Sagan- Sprottau abgelehnt, so daß dort eine Nachwahl statisinden muß. Dann tritt das Haus in die Tagesordnung ein. Frankreich. Die Kammer feste gestern die Tontin debatte fort. Bischof Freppel ermahnte, in der Distuffton Alles zu vermeiden, was China ermuthigen tönnte. Frankreich könne durch eine Vermehrung seines folonialen Bes figes nur gewinnen und als zweite Seemacht der Welt sei es Dazu verpflichtet, dies zum Besten der Bivilisation zu thun. ( Wenn der fromme Bischof doch erst für die eigenen Landesfinder eintreten wollte und nachher für die Tonkinesen, welche von ber Zivilisation des Herrn Freppel und seiner Missionäre gar nichts wiffen wollen!) Der Kanal von Panama werde Zontin und Cochinchina den größten Werth verleihen. Die Kolonialpolitik verhindere nicht, die Vogesen im Auge zu behalten und die Regierung sei daher zu unterstützen.( Cassagnac unterbricht Freppel mit der Bemerfung, er spreche nur in seinem eigenen Namen. Rufe rechts: Nein!) Alle Mächte, Alle Mächte, außer vielleicht England, wünschten einen Erfolg Frankreichs in Tonkin. Douville polemifitte gegen die geheime Politik als unwürdig der Republik; Frankreich brauche nicht die Sendlinge des Bapstes in Tonfin zu unterstügen. Millot habe sich über die Thätigkeit der Missionäre beflagt, welche Frankreich kompromittirten. Der Fall Baclé beweise, daß eine Oberleitung fehlte. " 1 Der Abg. Kanser( Sozialist) beantragt zu beschließen, daß das gegen den Abg. Heine( Sozialist) beim Reichsgericht schwebende Strafverfahren für die Dauer der Session auszusezen sei. Staatssekretär v. Bötticher weist darauf hin, daß außer diesem Strafverfahren auch bei dem Gericht in Halberstadt eine Untersuchung gegen denselben Abgeordneten schwebe und daß es wohl wünschenswerth set, den Antrag auch auf dieses Verfahren auszudehnen( Heiterfeit und Bustimmung.) Nachdem der Abg. Kayfer feinen Antrag dementsprechend er weitert hat, wird derselbe debattelos angenommen. taislas Abg. Freiherr v. Schorlemer- Ist( Bentrum) erfärt, daß seine Partei, um die Würde des Reichstages zu wahren, für den Antrag stimmen werde. Die Generaldebatte wird hierauf geschlossen. In der Spezialdebatte erklärt will, es ist hinein Mein unter Nicker Schrift allern find fie a fchein hier Bund ftändi befteh wenn werde ddd gen und ftüßt, uns i Reich Reichs und ertlär Stimm Sieg Siege Nade Scheint fonnte Abg. Dr. Hänel( deutsch- frelsinnig) er finde in der Rede des Reichslanglers eine flare Andeutung, das Sozialistengeses aufzuheben. Sobald es sich um die Beeinträchtigung der Rechte des Reichstags handle, habe der Bundesrath den Respekt vor der Verfassung nie gezeigt. Der Reichstanzler selbst habe bei der Berathung der Verfassung erklärt, daß die Billigung von Diäten ja fräter von der Gesetzgebung beschloffen werden tönne. Sämmtliche Verfassungen der Einzelstaaten gewähren ihren Abgeordneten Diäten und sei nicht gut, daß die Reichs verfaffung mit denen der Einzelstaaten in Widerspruch stehe in einem so wichtigen Punkte. In Preußen seien nur 2,49 pet Der Steuerzahler mit einem Einkommen von über 3000 Mt. veranlagt, bei solchen sozialen Verhältnissen sei die Diäten bewilligung dringend geboten, wenn die Vertretung im Reich tag nicht ein Privilegium einzelner begüterter Klaffen fein solle. Er sei gern bereit in das Gesetz die Bestimmung aufzunehmen, daß die in Berlin wohnenden Abgeordneten keine Diäten be ziehen sollen; auf solche Kleinigkeiten fönne es nicht ankom men. In Bezug auf die Freifahrtkarten bemerkt Redner, daß der Bundesrath, wenn er eine Alenderung in der Form der bisherigen Gewährung eintreten laffen wollte, es ihm wohl angestanden hätte, den Reichstag vorher zu verständigen und mit ihm darüber sich zu vereinbaren; das einseitige Vorgehen müffe den Reichstag verlegen, der nicht abhängig sein wolle von einseitigen persönlichen Ansichten. Wir wollen lieber feine Reisekarten haben als solche von dem Reichskanzler oder dem Bundesrath beliebig gewährten. Die Forderung nach Diäten sei eine gerechte und entspreche dem Rechts- und Billigkeits gefühl des Volles.( Beifall links.) Es folgt die Berathung des Antrages des Abg. Ausfeld auf Gewährung von Diäten an die Reichstags= abgeordneten. Zur Begründung dieses Antrages weist Abg. Frhr. v. Stauffenberg( deutsch- freifinnig) darauf hin, daß durch die Diätenlosigkeit die Wahlfreiheit außerordentlich beschränkt werde, weil sie die Zahl der Wählbaren erheblich beenge. Daß, wie die Regierung meine, durch solche Mittel die Sozialdemokratie bekämpft werde, sei, wie die legte Wahl beweise, ein Irrthum, und schwerlich habe wohl dte Diätenlosigkeit einen fojialistischen Abgeordneten verhindert, seinen Blaz im Reichstage einzunehmen. Dagegen würden gerade die Mittel flaffen der Wähler dadurch beengt. Ein beständiger Wechsel in den Personen der Abgeordneten sei die Folge der Diätenlosigkeit und das sei in der That für die Geschäfte des Reichstags nicht förderlich. Auch die Vertretung der Intereffen der einzelnen Stände werde dadurch nicht gefördert. Der Abgeordnete, welcher ein Mandat annehme, sei dadurch gezwungen, fich ein Drittel des Jahres auf seine Kosten in Berlin aufzu halten, das tönne nur Derjenige, der die Mittel dazu befize, und daraus entstehe ein Ansammeln der Geldaristokratie unter den Abgeordneten der äußersten Rechten und der Sozialde mokratie auf der äußersten Linken. Die Freifahrte farten seien nur eine geringe Entschädigung für die Abgeordneten. Das neuerdings von der Regiernng eingeschlagene Verfahren der Beschränkung derselben möge fich rechtlich wohl motiviren lassen, aber bei den früheren Verhandlungen, in welchen die entsprechende Etatsposition bewilligt worden, sei der Reichstag von ber Anficht ausgegangen, daß diese Fahrkarten uneingeschränkte Gültigkeit haben sollen. Das Verfahren der Regierung sei daber für das Etatsrecht des Reichstags sehr bedenklich. Auch die praltische Ausführung der neneren Regierungsmaßregel sei mangelhaft und habe schon mehrere Abgeordnete petuniär geschädigt. ( Der Reichsfanzler erscheint im Sigungsaal) Das ganze Verfahren sei eine Etappe in der Einschränkung der Rechte des Parlaments( Beifall links). Je mehr die Regierung diese Rechte beeinträchtige, um so enipfindlicher greife fte das Reich an. Von diesem Gesichtspunkte aus bitte er den Antrag zu betrachten und ihn anzunehmen( Lebhafter Beifall links). Großbritannien. In Glasgow wurde gestern unfer dem Vorsize Dr. Blackie's ein Entrüftungs- Meeting abge halten, dem städtische Bürger und Angehörige der freien Kirche anwohnten. Die Busammenkunft hatte den Zweck, die beflagenswerthe Lage der Kleinbauern auf der schottischen Insel Stye in Erwägung zu ziehen, und die zur Annahme gelangten Refolutionen erklärten, das in den Hochlanden herrfchende Gefühl laffe nicht mißverstehen, daß die Crofters billige Rente, Sicherheit der Bacht, mehr Land und Entschädigung für Werbefferungen beanspruchen könnten, sowie daß ein Suspenftrungs- Geses angenommen werden sollte, um weitere Ermissionen zu verhindern. Die Redner mißbilligten in starken Ausbrüden das Borgehen der Regierung, indem sie eine bewaffnete Macht nach Stye sandte, und zwar einfach auf Information der Fistal- Prokuratoren bin, welche die Gefchäftsführer der Hochlands- Grundherren feien. Das Meeting verlangte zu wiffen, auf Grund welcher Information die Regierung eingeschritten set. Die Dorkshire Post" meldet, fie babe aus zuverlässiger Quelle erfahren, daß Gladstone entschloffen sei, vom aktiven parlamentarischen Leben zurückzutreten, sobald die Wahlreformfrage endgültig gelöst sei. Das Blatt will ferner wissen, Gladstone beabsichtige für einen Sitz im neuen Barlament nicht an kandidiren, sondern werde wahrscheinlich, wie einst Lord Beaconsfield, mit dem Range eines Earls( Grafen) in den Pairsstand erhoben werden. Dieser Entschluß Gladstone's, fügt die Boft" hinzu, erklärt völlig feine Sehnsucht nach einem Ausgleich mit dem Oberhause, um die Wahlreformvorlage genehmigt zu erhalten, und ver breitet auch 2icht über seine unerwartete Bertheidigung des Hauses der Lords und des erblichen Prinzips dieser Kammer in der Unterbauskßung am Freitag. fusd Can Egypten. Die Bustände in Egypten find feineswegs fo günstig, als die englische Regierung fte hinzustellen sucht. Der Rhedive erhielt Nachrichten, daß die El Manaffr- Beduinen den Nil überschritten, in Dongola eingedrungen sind und in Wadi Game stehen, durch welches, zwischen Felsen, die schmale Straße von Wadi Halfa nach Dongola führt. Somit wäre also zu Wasser und zu Lande der Rückzug Lord Wolse leys auf Wabi Haifa bedroht. Das von allen Seiten ge meldete Vorgehen der Rebellen liefert den untrüglichsten Beweis, daß Khartum gefallen ist. Da die Verproviantirung der in Dongola stehenden englischen Truppen eine schwierige ist, so sucht man diesem Uebelstande dadurch abzuhelfen, die feit zwei Jahren iüdständig gebliebenen Steuern mit Gewalt einzutreiben und noch neue dazu auszuschreiben. Im Nichtzahlungsfalle wird abgepfändet. Die Haupt- Pfundobjekte befiehen aber in Nusthieren und Feldfrüchten, also in dem so gesuchten Proviantmaterial. Die ärmere Klasse Dongolas fieht sich deshalb gezwungen, entweder zum Wahbi zu gehen ober in Egypten Arbeit zu suchen. Unter solchen Um ständen dürften die in Dongola eingedrungenen El Manafft Beduinen der thatträftigen Unterstügung der dortigen Bevölkerung ficher sein. Auch in der Nähe von Sualin wird es wieder lebendig; Schaaren der Anhänger Deman Digma's beunruhigen fortgesezt die in dieser Stadt befindlichen englischen Truppen; es ist bis icht noch nicht gelungen, dies selben zu vertreiben. Der S 81 be mit 1 3 und S Der Debat Malg ligen Sozia des K Diesen Donn Etat Reichskanzler Fünft Bismard freut sich wenigsten ba rin mit dem Redner in Uebereinstimmung zu stehen, daß die in Berlin wohnenden Abgeordneten feiner Diäten bedürfen. Für uns handelt es sich nicht darum, die Berufsstellung der Abgeordneten zu sichern, sondern dafür zu sorgen, daß sie mit ihren Wählern im Busammenhange und in Fühlung bleiben. Der Vorredner sprach von den Forderungen der stets wachsen den Majorität. des Reichstags. Sie haben einstimmige Be schlüsse des Bundesraths abgelehnt, weil sie Ihnen nicht imponitten. Nun mir imponirt die Majorität des Reichstags nicht( Murren). Nach Ihrer Meinung soll der Reichstag herrschen, nach meiner Meinung Kaiser und Reich. Andere wünschen vielleicht eine Herrschaft der Kirche. Gegen die Herr schaft von Kaiser und Heich fämpfen aber auch die Stepublikanet, zu denen ich außer den Sozialdemokraten auch die Fortschrittler und die Volkspartei recone. Unter diesen Umständen sett fich die Majorität in einer Weise zusammen, die mir nicht imponit Wenn ich mich früher für die Diätenbewilligung günstiger aus g Frau vergar Durch lich au tnoche Sanit Abg. Graf zu Stolberg( Rastenberg)( deutsch- konservativ) wundert sich, daß die Antragsteller den Antrag nicht im vorigen Jahre eingebracht haben, wo sie doch zahlreicher in diesem Hause vertreten waren. Wenngleich die Beschränkung der Freikarten auch ihn unangenehm berührt habe, so meine er, daß es den Wählera gleichgiltig sei, ob die Abgeord neten ihre Reise bezahlen oder freie Fahrt genießen. Die Rechtsfrage aber sei zweifellos und die Regierung könne den Abgeordneten innerhalb des vom Parlament zugestandenen Rahmens die Freifahrtfarten ganz nach ihrem Belieben gemäh- sprach, so geschah dies mit Rüdicht auf den Zustand nationaler ren. Redner beruft sich auf die früheren Barlamentsverhand Jungen, in welchen u. A. Laster und Lucius ausdrücklich diefe Freifahrtfarten als kein Brivilegium der Abgeordneten betrachtet wissen wollten. Die Diätenlosigkeit sei nach Anschauung der Teutschkonservativen ein nothwendiges Correlat des allgemei Teutschkonservativen ein nothwendiges Correlat des allgemeis nen gleichen und direkten Wahlrechts. Den häufigen Personenwechsel halte er durchaus nicht für einen Fehler; er sei dem berufsmäßigen Barlamentarierthum vorzuziehen. Die Fortschritte partei fönne fich aber am wenigsten beschweren, denn sie befize anerkanntermaßen einen Diätenfonds von 50,000 Mart. Here v. Stauffenberg habe solche Fonds früher selbst für verweiflich ert'ärt. Die Konservativen würden gegen den Antrag stimmen.( Beifall rechts.) China. Nach einem Telegramm aus Hongkong sind in Folge des Monsuns( periodischer Wind) die Operationen auf Formosa eingestellt. Starter Stegen fällt beständig bei Kelung. Die Flotte des Admirals Lespès ist von Tamsui ans gelommen. Nord- Amerika. In einigen Distrikten von NordwestVirginien ist eine schwere Epidemie ausgebrochen. Die Be völkerung hat nämlich in Folge einer langen Trockenheit das Waffer mineralischer Quellen getrunken und man glaubt, daß dadurch die ansteckende Rrantheit hervorgerufen worden ist, welche ebenso verheerend, wie die Cholera wirken soll.in donarlamentarisches. " Abg. v. Benda( nationalliberal) erflätt fich gleichfalls gegen den Antrag und hält die Diätenlosigkeit für ein noth wendiges Correlat des allgemeinen Wahlrechts. Die Einschränfung der Freifahrtkarten werde bei der Etatsberathung ihre Erörterung finden. Begeisterung, in dem sich der damalige Reichstag befand. Einen solchen Reichstag habe ich aber seit 10 Jahren nicht wiederge fehen. Damals erklärte ich auch noch auf ausdrücklichstes Ber langen meiner Kollegen vom Bundesrath, daß der Bundesrath der Diäten bewilligung nicht zustimmen lönne und in diesem Sinne habe ich dann meine vom Vorredner erwähnte Aeußerung sofort eingeschränkt. Weil die einen ihrer in der davon beded fich do gerufe band X er nid Lomme Stunte Herrn 10. J auf de man i war e Der& Allger mie St für fei Don g gezoge Gefeit daber Betra Diefes bezabl bolte, men." Runte a Borga lichen begab Abg. Frhr. v. Schorlemer AIst( Bentrum): Dem Kanzler imponirten die Majoritäten des Reichstages nicht; nun seine Ausführungen haben mir noch weniger imponitt. Seinen Vorwurf der Reichsfeindlichkeit, den er meiner Bartel machte, weise ich mit Entschiedenheit zurück. Wahlen nicht den Erfolg gehabt, den der Reichstanzler wünschte, weil keine Mittelpartei aus denselben her vorgegangen, die ihm die Majorität sicherte und unbedingt folgte, darum geräth der Kanzler in Born ( Heiterkeit). Jegt find nun so ziemlich alle Barteien reichs feindlich gewesen die Nationalliberalen allerdings augen blicklich nicht, so lange fte fich ruhig verhalten. Auch die Kons fervativen werden noch reichsfeindlich werden, sobald sie eine eigene Meinung geltend machen. Die Sozialdemokraten find gegenwärtig ein Kulturprodukt der Regierung( Deiterkeit), und ich glaube, wir werden nächstens das dritte Dugend der So zialdemokraten hierber bekommen. Die Ausführungen Kanzlers über die Herrschaft der Kirche waren ein Schlag in Geficht aller Katholiken, den diese nicht vergessen werden. Wir find teine Oppofition quand même. Der Heichskanzler hat in der legten Beit versucht Nationalliberale zu säen und hat Sozialdemokraten geerntet( Beifall links). Des Abg. Frhr. Langwerth von Simmern( Welfe) erklärt fich für den Antrag und führt dann weiter in Bezug auf den Vorwurf der Reichsfeindlichkeit" aus, daß man in Hannover auf dem Standpunkt stehe, als Deutscher und auf Grund der deutschen Berfassung die Restauration des König reichs Hannover anzustreben. Abg. Auer( Sozialdemokrat): Die Abgeordneten müßten für ihre Arbeit im Reichstag Entschädigung erhalten. Das Ehrenamt", welches durch das Mandat gewährt werde, gewähre heutzutage der bestßenden Klasse sehr häufig nur persönliche Vortheile und werde von ihr in diesem Sinne ausge beutet. Das Prinzip der Diätenlosigkeit stimme auch gar nicht einmal mit der Fürsorge für den kleinen Mann" und den Anschauungen des Reichskanzlers überein, praktische Leute hier im Reichstage zu haben. hier im Reichstage zu haben. An Vertretern des Kapitals und der Börse habe es seither nicht gefehlt, wohl aber an Vertretern der Intereffen der Arbeiter. Falsch sei die Auf foffung, daß die Diätenlosigket die Sozialdemokratie gefördert habe. Die Sozialdemokraten würden auch bei der Gewährung der Diäten in derselben Stärke hier sein. Auch die Opposition werde dadurch nicht eingeschränkt. Mit Sparsamkeitsrücksichten fönne man die Diätenlosigkeit auch nicht befürworten, denn dazu sei diese Summe zu gering. Man eifert gegen die Berufeparlamentarier. Wenn es wahr ist, daß die Politik den Charakter verdirbt, was solle man dann von den berufsmäßigen Politikern sagen.( Sehr richtig! Heiterfeit.) Wenn man in der ausgedehnteren Benugung der Freifahrtfarten einen Mißbrauch erblicke, so müßte man es auch verbieten, daß hier ein Abgeordneter einen Brief an seine Frau schreibe, daß hier ein Abgeordneter einen Brief an feine Frau schreibe, das wäre dann ein Migbrauch amtlichen Bapieres 2c. Die Maßregel der Regierung sei nur ein Niederdrücken des Reichstags in dem öffentlichen Ansehen, und darum müſſe man dem eisernen Kangler einen flählernen Widerspruch entgegen setzen.( Beifall links.) 8u: Unterhaltung des Fürst Bismardschen Balais war seit Jahren im Etat die namhafte Summe von 20,000 Matt jährlich aufgeführt. Der neue Etat verlangt 30,000, also eine Erhöhung von 10,000 Mart und begründet Diese Forderung folgendermaßen: Wie bereits in den Moti virungen der legtjährigen Ueberschreitungen bei diesem Fonds A gesagt worden ist, hat sich die Erwartung, die bisherige Titel fumme werde den nothwendigsten Bedürfnissen genügen, nicht erfüllt. Die laufenden Kosten der baulichen Unterhaltung des Grundstücks find nach einem eingeforderten bautechnischen Gut achten allein auf 10,000 Mart jährlich, die der Bartanlagen auf 3000 Mart zu veranschlagen. Die Kosten für Erleuchtung, Heizung, Be und Entwässerung, für Steinigungsarbeiten und für Steuern( also unabweisbare Ausgaben) find nach den bisherigen Erfahrungen mit ppt. 11,000 Wait zu berechnen, so daß für die Unterhaltung resp. Ergänzug des umfangreichen Mobiliars, des Tafel- und Küchengeräthes und der sonstigen inneren Einrichtung auch bei der hier vorgeschlagenen Fondsverstärkung nur ein Betrag von 6000 Mait zur Verfügung stehen würde." Bekanntlich find in einem Nachtragsetat 180 000 M. zur Anschaffung eines Küstendampfers und einer Dampfbartasse für den Gouverneur im Gebiete von Kamerun verlangt worden. An Kosten der Unterhaltung und des Betriebes dieser Fabr zeuge werden in dem Etat 1885/36 41 330 D. verlangt. Da ber Umfang der Verwendung der Fahrzeuge und namentlich der Rohlenbedarf für dieselben und die Kohlenpreise nicht be erfolgen können. Diefelben sind vorläufig auf 62 000 M. für Das Jahr angenommen worden. Der Einstellung von zwei Drittel des Jahresbetrages liegt die Annahme zu Grunde, daß die Fahrzeuge im ersten Drittel des Jahres fertig gestellt und in Benugung genommen werden. Es wird ferner angenommen, daß nur die Führer der Fahrzeuge und ein kleiner Stamm ihrer Befagung aus dem Bersonal der kaiserlichen Den fo mit de fchließ nach d große fonber Dahin Abg. Ridert( deutsch- freis.) welst den Vorwurf der Meinung freier Männer neben der feinigen. Wir stehen eben so treu zu Kaiser und Reich, wie er selber. Redner weist den Vorwurf der Eigennüßigkeit von seiner Partei zurück. Die Herren, welche Landraths, Bräsidenten- und Botschafterposten innehaben, figen auf der Rechten. 3 Millionen Wähler denken so reichsfeindlich wie wir, ist das ein Erfolg der inneren Politik des Kanglers? Nach der heutigen Nede des Kanzlers wiesen. Begle Das durch über war S Beit, eines in Harmonie mit einander gehen und darum schmerzt uns ber Mangel an Nücksicht, den der Kanzler uns gegenüber be Reichskanzler Fürst Bismard: Ich werde so lange bie Anschauungen der Abgeordneten kritisiren, als die Herren eine Fraktion der Freifinnigen" kann hier gar nicht die Rede fer denn diese Partei eristut nur durch die Unterstügung anderer Parteien. Ich bestreite dieser Partei, den Namen zu führen, benn fie ist weder deutsch gesinnt, noch freifinnig; aber republikanisch ist sie, denn ich nenne republikanisch, wenn man den Monarchen durch eine Majorität des Parlaments zwingen Reichskanzler Fürst Bismard: In der FreifahrilartenUngelegenheit lönne von einem Herunterdrücken des Reichstags nicht die Rede sein. Man habe die Freikarten in dem Vertrauen gewährt, daß sie nicht gemißbraucht werden würden. Wenn aber festgestellt sei, daß ein einziger Abgeordneter auf feine Starte durchschnittlich 17 000 Stilometer fährt, ein anderer aber speziell über 40 000 kilometer gefahren tit, so fönne man wohl behaupten, daß ein Mißbrauch stattgefunden habe. Meinen die Herren, ein budgetmäßiges Recht auf die Freifahrtkarten zu haben, mögen ste daffelbe einklagen und die Sache wird dann zum Austrag kommen. Ueberraschend ist es, daß der Antrag auf Gewährung gar n unwal legun tere balten tutich nach in be gefabr aufger einem und Berlet gezabl Sticchit wabri Stadt Slath Sacho Dame hat. Neben hat, handel merder lichen babe, Tunn lauten g berri Den fich Der len fen Daß och erft och Ber ht vas Die und Ber en, Ber Ben ein Sche fem Res Die otb Sie fall ärt, ren, Der ede eses chte Dor bei Don den gren cha tehe Ct. M. ten cha olle. men, be om Daß Der wobl und hen molle eine dem iten Da bie fen. Der mit ben. fen Be nicht tags bere err net, ttler nirt. aus Stag fich aler will, feine Minister zu entlassen, das ist meine Ansicht und es ist mir ganz gleich, ob sie in Ihre wissenschaftlichen Theorien hineinpaßt. Es ist unrichtig, daß ich eine selbstständige daß ich eine selbstständige Meinung neben mir nicht dulde. Allen Parteien, die mich unterstügten, habe ich Folge gegeben, so weit es ging. Herrn Rickert erwidere ich, daß ich mir auch von ihm feine Vorschriften machen laffe und zwar mit viel größerem Recht, am allerwenigsten für eine Verfassungsänderung. Bet den Wahlen find alleroings Zentrum und Linke zusammen gegangen, ob fie auch im Reichstag geschlossen zusammen gehen werden, scheint mir noch sehr ungewiß. Die Grundsätze, welche ich hier vertrete, find nicht die meinigen, sondern diejenigen des Bundesraths und der Kaiserlichen Regierung. Bleibt ein beständiger Bwiespalt zwischen unseren gegenseitigen Anschauungen bestehen, so fönnen wir eben nicht weiter. Es wäre gut, wenn dieser Zustand im Volke bekannt würde. Bur Herrschaft werden Sie( lints) nie gelangen.( Beifall rechts.) Der Reichskanzler verläßt hierauf den Saal und das Haus. Abg. Richterhagen( deutsch- freis.): Die Beschuldigun gen des Reichsfanzleis gegen unsere Partei sind unzutreffend und kehrt er die Sache um. Wir haben ihn lange Zeit unterftüßt, ohne eine Gegenleistung zu verlangen, ohne Jemand von uns im Ministerium zu sehen. Der Sinn von dem, was der Reichskanzler heute sagte, ist ,, L'état c'est moi!" Wenn der Reichstanzler fich zu unserer Freude nicht vor den Franzosen und Ruffen fürchtete, so ist es doch nicht recht, wenn er heute erflärt: ich fürchte mich auch vor den Deutschen nicht!( Bus stimmung lints). Die Engländer fagten ihrem Wellington: Sieger von Spanien, Sieger von Waterloo! Du sollst nicht Sieger des englischen Voltes sein und uns den Fuß auf den Naden segen!" Das möge fich der Kanzler meifen. Ec scheint wieder einmal diktatorisch regieren zu wollen. Niemand fonnte dem Sinne der Thronrede mehr zuwider handeln, als Der Kanzler dies eben gethan. Die Debatte wird geschlossen. Bei der Abstimmung wird §1 des Gesezentwurfs( der Hauptparagraph) bei Ramensaufruf mit 180 gegen 99 Stimmen angenommen, ebenso die§§ 2 und 3 und der Rest des Antrages. Hierauf vertagt fich das Haus. Ueber die Tagesordnung der nächsten Sigung entspinnt sich eine GeschäftsordnungsDebatte, an der sich die Abgg. Stayser, Bebel und Frhr. v. Malzahn- Gülg, sowie der Staatssetretair v. Bötticher betheiligen und bei der cs fich darum handelt, ob der Antrag der Sozialdemokraten wegen Hinausschiebung des Intrajtiretens des Krankenkassengefezes schon morgen berathen werden soll. Dieser Antrag wird nicht auf die Tagesordnung der auf Donnerstag 12 Uhr anberaumten Situng gesezt, sondern der Etat pro 1885/86 und das Anleihegejep. Schluß 5 Uhr. Zokales. g. Die Glätte. Die in der Neuen Friedrichstr. 4 wohnende Frau U. pasfitte, aus einer Gesellschaft heimkehrend, in der vergangenen Nacht die vorgedachte Straße, als fie infolge der durch den Schneefall eingetretenen Glätte plöglich so unglück lich zu Fall fam, daß sie sich einen Bruch beider UnterschenkelInochen zuzog. Die vor Schmerz Ohnmächtige wurde nach der Sanitätswache in der Brüderstraße geschafft, woselbst man ihr einen Gipsverband anlegte und darauf ihre Ueberführung nach ihrer Wohnung bemitte. Nicht ganz so schlimm kam die in der Kochstr. 44/15 wohnende Frau des Handelsmann Hahm davon, welche gestern früh beim Betreten der mit Schnee be bedeckten Kellettreppe ausglitt, die Stufen hinabstürzte und fich dabei einen Bruch des linken Beines zuzog. Ein herbeigerufener Heilgehilfe legte der Verunglückten einen Ver band an Wie es einem verunglückten Arbeiter ergeht, wenn er nicht auf Grund des Haftpflichtgesezes zu seinem Rechte tommen fann, beweist folgender Voifall. Der Steinmes Jos. Runte arbeitete vom 26. April bis 10. Juli d. J. bei dem Herrn Steinſegmeister Schilling in der Mödernstraße. Am 10. Juli hatte Kunte das Unglück, daß ihm ein großer Stein auf den Fuß fiel, so daß er ins strankenhaus mußte, woselbst man ihm einen Behen amputirte. 15 und eine halbe Woche war er arbeitsunfähig und heute noch empfindet er Schmerzen. Der Herr Schilling hat seine Arbeiter bei der Magdeburger Allgemeinen Unfallversicherungs- Gesellschaft versichert, und hat wie Stunte mittheilt, von derselben einen bestimmten Beitrag für ſeine Berunglüdung erhalten, doch ihm nur 50 Mark da Don gegeben, wovon noch 3 Mait für ein ärztliches Attest abgezogen wurden. Kunte hörte, das Herr Schilling von der Gesellschaft bedeutend mehr empfangen habe und wandte sich daher an Herrn Schilling mit der Bitte, ihm doch den ganzen Betrag auszuhändigen. Herr Schilling erwiderte, daß er dieses nicht nöthig habe, da er überhaupt nicht verpflichtet sei, zu bezahlen. Als Runte jeinen Antrag zum zweiten Male wiederholte, wurde ihm gesagt: Machen Sie, daß Sie hinaustoms Wir theilen diesen Bericht nach den Angaben des Runte unter Reserve mit. men." inen rge Ber rath esem ung Dem icht; nirt. artet Die izler ber und Born ichs gens Rons eine find und Sos Des ins Wir it in bat elfe) ezug in auf inig ber Die a. Die Angaben des Krankenwärters Koch über die Borgänge der ihm zugefügten Verstümmelung haben sich bei lichen Theilen als unwahr herausgestellt. Gestern Vormittag begab sich der mit den Recherchen betraute Kriminalfommiffar nach dem angeblichen Thatort im Thiergarten. Roch zeigte eine große Unsicherheit bei dem Aufsuchen der Stelle und gab Schließlich an, daß er nicht in der Nähe des Louisen- Denkmals fondern erst weiter hinauf hinter der Hofjäger- Allee mit seiner Begleiterin rechts ab, in den Thiergarten hinein, gegangen sei. Dahin gebracht, bezeichnete er eine Stelle als den Thatort. Das unsichere Benehmen des Koch erregte Mißtrauen, welches durch die inzwischen eingezogenen forgfältigen Erfundigungen über die Vergangenheit des Roch erhöht wurde. Nach diesen war Koch in Berlin wohl bekannt, und er stand in früherer Beit, in welcher er in Berlin gewesen, nicht in dem Rufe eines soliden Mannes. Die Angabe des Koch, daß er Berlin unwahr. Auch ist Koch nicht drei Tage vor seiner Ver Heut Bormittag meldete sich der Droschlen " Menschenmenge vor den Bahnhof Börse" der Berliner Stadtbahn. Beim Nähertreten sah man eine laut jammernde Frauensperson, welche von einem Schugmann und einem Herrn nach dem 13. Polizeibureau in der Großen Hamburger straße fiftirt wurde. Aus den Klagen der Frauensperson ergab fich, daß ste eine Ausländerin ist, da sie sich nur der franzöftschen Sprache bediente. Aus den Erzählungen mehrerer Herren, welche dem Vorgange von Beginn an beigewohnt, war zu entnehmen, daß man es mit einer internationalen Gaunerin, einer Huffin, zu thun hatte, welche auf einer Eisenbahnfahrt mit dem Stadtbahnzuge einem Mitpaffagier das Portemonnaie entwendet, daffelbe beim Einlaufen des Trains in die Halle des Bahnhofs ,, Börse" aus dem Coupeefenster auf den Perron geworfen und, als fie fich ertappt sah, in dem Augenblick die Coupeethüre geöffnet hatte und aus dem Wagen gesprungen war, als der Bug hielt, um sich vor die Räder der Lokomotive zu werfen. Diese Absicht wurde jedoch durch das Bahnpersonal vereitelt und die Frauensperson tros ihres gewaltsamen Sträubens festgehalten und einem Schußmann übergeben. Die Frauensperson war von mittlerer Statur, elegant in Schwarz gekleidet und soll jung und hübsch gewesen sein. Es wird sich ja bald herausstellen, inwieweit diese Angaben der Wahrheit entsprechen. a. Zwei Zuhälter einer liederlichen Frauensperson find heut wegen Eipreffung gegen einen hiesigen Arzt zur Haft gebracht worden. Die Frauensperson hatte den Arzt wegen einer Rrantheit mehreremale in deffen Wohnung konsultirt, und die beiden Buhälter erpresten sodann dem Arzt, unter der Drohung ihn wegen einer gegen seine Patientin begangenen unfittlichen Handlung zu denunziren, 500 Mart. Gerichts- Zeitung. Unter der Auflage der wiederholten Verbreitung verbotener sozialdemokratischer Druckschriften standen heute der Tischlergeselle Wilhelm Langfeld und der Drechslergeselle Karl Ferdinand Louis Suchan vor den Schranken der ersten Straftammer hiesigen Landgerichts I. Der erste Ange flagte ist der politischen Polizei als eine Person denunzirt worden, an welche verbotene Druckschriften gesendet werden. Am 19. Juni cr. war dem Angeklagten eine Packetadresse über ein auf dem Backetpostamt lagerndes Badet eingehändigt worden, welches diefer am 22. von dort abholte. Als Langfeld dieses Packet nach Hause tragen wollte, wurde er unterroegs von einem Kriminalschußmann angehalten und mit dem Badet nach dem Moltenmarkt gebracht. Nach Beseitigung der Enves Toppe fand man noch einen zweiten Umschlag, auf dem die Worte ftanden: Nicht öffnen, wird abgeholt." In dem Packet felbst befanden sich eine größere Anzahl von Exemplaren der Nr. 15 Des ,, Sozialdemokrat" vom 10. April cr. Auf diesen Bes fund hin wurde in der Wohnung des Langfeld eine Haussuchung vorgenommen, bei welcher sich 6 Eremplare des verbotenen Antisyllabus" und 1 Eremplar der Nr. 18 des Sozial Demokrat" vorfanden. Der Angeflagte gab nun dem thn vernehmenden Bolizeibeamten Viauderobe an, daß er schon öfter gleichartige Badete aus den verschiedensten Orten erhalten habe, Das erste etwa um Weihnachten v. J. Dieses hatte er geöffnet und eine Anzahl Eremplare des nicht verbotenen Wigblattes Der wahre Jatob" vorgefunden. Dieses Packet sei dann von einer ihm nicht bekannt gewordenen Person in seiner Abwesenheit abgeholt worden. Da er angenommen, daß die übrigen Packete den gleichen Inhalt hatten, habe er fie bis auf das furz vor seiner Siftirung angekommene Badet nicht geöffnet. In dem gedachten Packet habe er Exemplate der Nr. 18 des ,, Sozialdemokrat" gefunden und eins davon herausgenom men. Auch dieses Packet sei in seiner Abwesenheit ab geholt worden. Als eine der Personen, welche die Packete abgeholt haben, bezeichnete er den Mitangeklagten Suchan, der ihn auch zum Sozialdemokraten gemacht habe. Die 6 Exemplare des Antifyllabus" feien ihm in einer sozial demokratischen Versammlung zugesteckt worden. Auf Grund dieser Bezüchtigung wurde Suchan mit unter Anllage gestellt. Derselbe bekennt sich als Anhänger der sozialdemokratischen Partei, er bestreitet aber, jemals ein Packet von Langfeld abgeholt zu haben. Dieser Angeklagte nimmt im Termin seine frühere Bezüchtigung als unrichtig zurück; er habe dieselbe nur frühere Bezüchtigung als unrichtig zurück; er habe dieselbe nur gemacht, weil er geglaubt habe, badurch aus der Haft entlaffen zu werden. Staatsanwalt Haad erachtet beide Angeklagte für überführt und beantragte gegen Langfeld 2 Monate, gegen Suchan 6 Wochen Gefängniß. Rechts anwalt Freudenthal als Vertheidiger des Lepteren erachtet das Belastungsmaterial gegen feinen Klienten doch für derartig verschwindend, daß daraufhin unmöglich eine VerAber auch aus urtheilung erfolgen könne. rechtlichen Gründen sei dieselbe nicht möglich und laut Auskunft des Polizei- Präsidii nach Ablauf der Gültigkeitsdauer des Sozias listengesetes im Jahre 1881 refp. 1884 das Verbot des Sozialdemokrat" nicht erneuert worden sei. Diese auf Grund des Gesetzes vom 21. Oftober 1878 erfolgten Verbote können sich selbstverständlich nur auf diejenige Beit erftreden, welche im Gefeße selbst als Dauer der Gültigkeit bezeichnet sei. Er bean trage daher Freisprechung seines Klienten. Der Gerichtshof rechtsgültig, als das Sozialistengeset selbst Geltung habe. In den beiden neuen Gesezen wird das Gefes als ein verlängertes erachtete zunächst die polizeilichen Verbote für so lange als bezeichnet, woraus folge, daß dasselbe noch fortdauernd bestehe. Demgemäß sei der Haustangeklagte zu einem Monat Gefängniß zu verurtheilen, der Mitangeklagte mangels einer thatsächlichen Unterlage freizusprechen gewesen. Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. tere Tage früher unter falschem Namen in Berlin aufge, Referat für den Abend hatte der Reichstags- Abgeordnete für futscher, welcher den verlegten Roch am Freitag früh Derselbe gab zunädst seiner Freude Ausdruck, in der Haupt nach t. Eine öffentliche Generalversammlung der Metallarbeiter Berlins fand unter sehr reger Betheiligung am Dienstag Abend in Nieft's Salon, Kommandantenstr. 71/72, statt, um über die wichtige Frage zu berathen;„ Wie baben fich die Metallarbeiter Berlins zu verhalten, um der im nächsten Jahre etwa stattfindenden Lohnreduktion vorzubeugen?" Das Magdeburg, Herr Hutmacher eine freundlichst übernommen. und Residensstadt im Kreise seiner Freunde weilen und sprechen zu dürfen, schirtte voraus, daß er mit den Verhältnissen der Metallbranche wenig vertraut sei und zog fonach eine Parallele aufgenommen habe. Die Anwesenheit einer älteren Dame mit zroischen seinem Metier,( But- und Filzschuhfabrikation) d. h. dem Geschäftsgange desselben und der Metallarbeiterbranche, Beo er gab auch Ben, Stopftuc de fum für die Fahrt 2 Win der sichtigen Borausseßung, daß es im Allgemeinen betal gezahlt habe. Da nun die Annahme, daß Koch fich mit feiner gleich ist und fand schließlich ein Schußmittel gegen die gewerblichen und gewerflichen Uebel und Misstände Dem städtischen Krankenhause am Friedrichshain gefahren hat, und gab an, daß er den Koch Unter den Linden in der Nähe der Neustädtischen Kirchstraße in seine Dioscle eben ben Die often nten teren Blers odes ment ber be die eine eren fein, Derer gren, aber man agen und Realifirung der Forderungen der Arbeiterpartei: Auf würden demzufolge den Fabrikinspektoren zur Seite gestellte Arbeiterkammern sich nicht nur ungemein nüßlich, sondern sogar als nothwendig erweisen. Betreffs der Alters- und Invaliden versorgung durch den Staat, geht seine Ansicht dahin, daß der Arbeiter, welcher fein Leben dem Staate als Arbeiter widmet, ebenso berechtigt ist, Benfion zu fordern, wie der Militär- In valide, und ist überzeugt, daß diese Forderung zur Geltung Tommen soll und muß und daß wir auf dem besten Wege dazu seien. Die Versammlung brachte dem Vortragenden enthus ftastischen Dank dar, sowohl in Form begeisterter Hochrufe, als auch in Form einer gefaßten Hesolution. In der folgenden Distuffton gingen die Herren Quintes, Hildebrandt u. A. näher auf die Tagesordnung ein und gipfelten deren Ausfüh rungen in dem Wunsche, daß der Verein der Metallarbeiter emporblühen möge zu ungeahnter Größe durch den Beitritt Aller und daß derselbe Geist der Solidarität und Kollegialität wieder Play greife, wie zu Anfang der Bewegung und die Metallarbeiter wieder einige zu Schuß und Truß gegen die Fabrikanten. Des weiteren berichtete Herr Rogan über die Maßregelung der Kollegen bei Schuster und Baer, welche in erster Reihe die Kommissions- und Vereinsvorstands- Mitglieder betroffen hatte, die indeß Alle wieder in Arbeit sind. Die Kongreßfrage murde vertagt und eine Unterstüßung für den ausgewiesenen Cunom nach Maßgabe der vorhandenen Bestände bewilligt. Da diese nicht bedeutend, wurde die regel mäßige Beisteuer zum General- Unterstügungsfonds jedem Metallarbeiter dringend an's Herz gelegt. Auch wurde der bisberige Vorfigende der Lohntommission, Herr Julius Müller, auf seinen Wunsch durch Beschluß der Generalversammlung feines Amtes enthoben. Aufruf an die Maurer Berlins! Kameraben! Der 1. Dezember ist vor der Thür; mit diesem Beitpunkt hat nach einer Verfügung des hiesigen Königl. Bolizei Präsidiums die ortsstatutarische Kaffe der Maurer Berlins( alte Gewertstasse) aufgehört zu existiren. Es steht von da ab Jedem frei, fich zu entscheiden, welcher Kaffe er ferner angehören will. Kame raden, wir empfehlen Euch die zentralisirte Krankenkasse der Maurer, Steinbauer, Gypfer und Stuckateure Deutschlands, Grundstein zur Einigkeit", welche an 50 Filialen in ganz Deutschland befigt, und deren revidirtes Statut bereits von der Behörde genehmigt ist, und in der günstigen Lage fich befindet, jeder anderen Kaffe in unserem Gewerbe die Spiße zu bieten. Sie gewährt bei einem monatlichen Beitrage von 1,30 M., nach Berliner örtlichen Verhältnissen, eine Unterflügung vom Tage der Erkrankung im Betrage von 12 M. wöchentlich bei Haustranten, sowie 80 M. Sterbegeld. Ferner ist jedes Mitglied berechtigt, sich auf Kosten der Kaffe einer Heilanstalt anzuvertrauen. Auch gewährt die Kasse leidenden Mitgliedern, welche arbeitsfähig sind, freien Arzt und Medizin fowie Bruchbänder, Brillen und Bandagen. Bei Arbeitslosigkeit wird auf schrifte liches Gesuch der Beitrag drei Monate geftundet. Die Kaffe bat ebenfalls für jugendliche Maurer( Lehrlinge) eine Staffe errichtet, somithin jeden Wünschen der Mitglieder entsprochen. Von bedeutender Tragweite ist ferner der von den Mitgliedern der freien Hilfskaffen gegründete Sanitätsverein, welcher bei einem monatlichen Beitrage von 25 Pfg. den Mitgliedern, sowie deren Familien freie ärztliche Hilfe, als auch Begünsti gung in der Medizin gewährt. Kameraden, der Entschluß fann Euch nicht schwer werden, das Selbstbestimmungsrecht ist Euch nur in der freien Hilfskaffe gewährt, dort gilt Euer Beschluß. In den Ortskaffen habt Shr zu zahlen und zu fchweigen. Kameraden, entschließt Euch, ehe es au spät ift. Die Aufnahme findet täglich im Kaffenlokal, Lothringerstr. 37, von 9 bis 4 Uhr, sowie in der Versammlung am nächsten Sonntag, Rottbuserstraße 4, Sanssouci", statt. 6. Heinte, Kafftrer, Forsterstr. 10. J. Dietrich, Bevollmächtigter, Fürften bergerstraße 10. Im Fachverein der Schmiede( Gratweil'sche Bierhallen) bielt am Montag Abend Herr Dr. Baded einen Vortrag über die Lehre Darwins; derselbe führte ungefähr Folgendes aus: Der Darwinismus fei eine ganz grundumwälzende Lehre, denn gegenüber der Lehre der Ünabänderlichkeit der Art, wie fie uns die Schöpfungsgeschichte lehrt, stellte Darwin die Ver änderlichkeit feft, indem in jedem Körper der Ursprung in der Form der Belle nachgewiesen sei, und gebe es Geschöpfe, welche nur aus einigen, und andere, die aus Milliarden solcher Bellen bestehen. Redner zeigt alsdann an Beispielen, wie diese Beränderlichkeit von den Gärtnern und Thierzüchtern hervor gebracht wird. Ebenso, nur im großartigen Maße, thue es die Kraft der Natur, und zwar einmal im Kampfe ums Da sein, indem immer die Geschöpfe, welche irgendwie bevorzugt find, in diesem Kampfe fich weiter entwideln zu größerer Boll tommenheit, während die anderen verfümmern oder ganz unter gehen. Dann auch durch die Freundschaft oder Geschlechtswahl, welches beides vom Redner an Beispielen im Pflanzenund Thierreich bewiesen wird. Derselbe geht dann zu der Geselligkeit der Thiere über und zeigt, wie praktisch( z. B. bei den Bienen, Ameisen) ihre Einrichtungen sind. Der Mensch habe dieselbe Entwicklung durchgemacht. Die Gegner dieser Lehre behaupten zwar: Der Darwinismus predige den Kampf Aller gegen Alle, während derselbe doch nur die Entwickelungsges fchichte Ilarlegt. Der Urmensch sah in jeden Anderen seinen Feind, er war Kannibale, später wurde er Nomade und dann Ackerbauer und je weiter die Entwickelung fortschreitet, desto mehr wird er das Bedürfniß der Vereinigung fühlen, um der Natur sein Brod abzuringen. Herr Drewig sieht daraus den Schluß, daß der Mensch in mancher Beziehung von den Thieren lernen fönne, denn während die Thiere, wenn es ihnen an Nahrungsmitteln gebricht, vereint nach solchen ausziehen, machen die Menschen es oft, nur zu oft umgekehrt und empfiehlt er darum, sich Alle feft um das Banner des Fach vereins zu schaaren, um vereint sich bessere Existenzbedingungen zu verschaffen, denn der Einzelne werde immer unterliegen. Eine Anfrage, welche Art von Krankenkassen ist für den Ar beiter am vortheilhaftenen, wurde von Herrn Drewit, nach bezeichneten Kaffen babin beantwortet, baß es jedenfalls am vortheilhaftesten wäre, sich einer freien Hilfskaffe anzuschließen und empfahl dem Fragesteller, die Bentrallaffe der Wagenbauer event. Die allgemeine Metallarbeiter- Kaffe. Kr. Ju der von der Kommission der Tischler einberufenen Bersammlung, welche am Sonntag, den 23. d M., in Keller's Gesellschafts- Sälen unter Vorfis des Herrn Stell mann tagte, referirte Heir Künzel über die Bedeutung der Einführung der Minimal- Lohntarife. Er wies nach, daß jest in verschiedenen Werkstätten für ein und denselben Artikel der Preis um 30-40 Prozent differire, und es somit unmöglich sei, bei gleichmäßiger Arbeitszeit einen annähernd gleichen Lohn zu erhalten, daß fomit ein großer Theil der Tischler gezwungen sei, die Arbeitszeit von 9 einhalb Stunden zu überschreiten. Es ist aber eine Besserung der Lage der Arbeiter nur möglich, wenn die Arbeitszeit auf höchstens 9 einhalb Stunden verkürzt gelegenheit zu verschaffen, mit einem Male ließe sich aber nicht Stirchstraße geschleppt habe, völlig ausgeschloffen ist, so ist höchft in einer straffen wahrscheinlich die That nicht im Thiergarten, sondern in der und mittleren Weister und Fabrikanten, einer Vereinigung, Stadt, an einem nicht öffentlichen Ort, verübt worden. Um welche als Endzicl das allgemeine Wohl sich gesteckt habe, Klarheit in den leider von dem Beilegten selbst verdunkelten welches wiederum wesentlich gefördert werde, durch Erreichung daß diese Beit schon gering genug sei, um allen Tischlern Arbeits Sachverhalt zu bringen, ist es sehr erwünscht, daß sich die ältere Dame melde, welche dem Koch in bewußter Weise beigeftanden hebung der Gefängniß resp. Suchthausarbeit, Beschräns mehr erringen. Die Kommission habe sich genöthigt gesehen, hat. Diese Dame, welche fich wohl wegen ber unangenehmen fung der Frauen und Kinderarbeit, Magimalarbeitstag, Be Nebenmomente bisher bei der Kriminalbehörde nicht gemeldet schränkung refp. Aufhebung der Sonntagsarbeit, Erweiterung hat, tann versichert sein, daß fie mit größter Hüdficht be werden, daß auch die Angabe des Koch, wonach er sich bei dem ar geb lichen Ueberfall in der Gesellschaft einer Frauensperson befunden bandelt werden wird. Schließlich verdient noch erwähnt zu der Befugnisse der Fabrifinspektoren, Invaliden- und Altersversorgungskaffen mit Staatehilfe. Die Motivirung dieser Forderungen bot nur in Betreff der letzten beiden Buntte etwas Neues und war es interessant, die Ansichten des Herrn babe, zweifelhaft erscheint, da die von einem Reliner im Bifuß- Reichstagsabgeordneten Heine hierüber zu vernehmen. Ders Tunnel darüber gemachten Mittheilungen für ziemlich unsicher felbe sprach sich sehr zu Gunsten der Fabrikinspektoren aus, lauten und von den übrigen Kellnern nicht bestätigt werden. herrührend, rief gestern Abend gegen 11 Uhr eine große daß manche Unkentniß der Verhältnisse mit unterlaufe und g. Ein entfehliches Geschrei, von einer Frauensperson welche in den meisten Fällen wahre Freunde des Volkes zur Aufstellung von Minimal- Tarifen für alle Spezial Artikel zu schreiten, um so dem Mißbrauch jugendlicher ArbeitsSträfte vorzubeugen. Durch Einführung der Tarife werde jeder Tischler in den Stand gefeßt, zu wiffen, welchen Preis er mindestens für die geleistete Arbeit zu verlangen habe. Auch dadurch, daß nach allen Diten Deutschland diese Tarife ver fandt werden, würde sich die Aufmeiljamkeit aller Tischler auf dieselben lenken. Der Referent geht noch des Weiteren a das jetzt von der Tischler- Innung aufgestellte und an Meister gesandte Birkular ein, welches da lautet: Die Ha zahlung des Koftgeldes liegt in dem Belieben des Melfters Kündigung findet nicht statt." Wenn er auch den letzten| Baffus unterschreibe, so würde er, und dies rathe er allen Tischlern, unter feinen Umständen das ganze Birkular unterschreiben. Es sei zu bedauern, daß von der Jnnung die Unterzeichnung des Birkulars mit verwerflichen Mitteln zu erreichen gesucht würde. Bon den eingeladenen Werkstätten Krüger, Jungnifel, Bischof, Schumann, Bachmann, Richtmann, Mader, sowie der Pianoforto- Fabriten von Kuhle, Hielse, Kurth, war nur die von Schumann erschienen. In allen diesen Werkstätten wird bis 10 Uhr Abends gearbeitet, auch Sonntags. Nach lebhafter Disluffton wurde eine Resolution dahingehend angenommen, daß sich Jedermann mit dem Referenten einverstanden erkläre und dafür Sorge trage, daß die 91 stündige Arbeitszeit innegehalten würde. Die Tischler des Nord- Ostens tagten am Montag, den 24. b. Mis. in der Linienstr. 30, und zwar referirte zum erften Punkt der Tagesordnung Herr Rödel über: Wie und auf welche Weise erreichen die Tischler bessere Lohn- und Arbeitsverhältniffe?" Redner betont, daß die Verkürzung der Arbeitszeit das erste sei, was zur Befferung führen tönne. Bei der enormen Bahl der Tischler, die in Berlin beschäftigt werde, würde eine Herabsegung der Arbeitszeit ganz bedeutende Ers folge erzielen. Anstatt daß bet längerer Arbeitszeit mehr verdient würde, finke der Preis der Arbeit nur tiefer; als Beweis verwies Redner auf die Gemerke, die gerade die längste Ar beitszeit haben, z. B. Schuhmacher, Schmiede u. s. w. Diese Gewerke tennen außerdem einen Sonntag nur aus dem Kas lender. Einer vernichtenden Kritik unterzog der Referent die Verhältnisse der Werkstatt von Schild in der Münzstraße, wo 40 Mann arbeiten und beinahe die Hälfte teine Arbeitszeit tennt. Herr Schild wolle freie Arbeiter haben und wer Luft und Liebe zur A beit habe, der arbeite auch so lange er fann(!). Auch theilt er mit, daß in der Werkstatt von Krebsch in der Weinstraße und Büders, Linienstraße, am Sonntag bis Abends 6 Uhr gearbeitet worden ist. Während der Diskussion wurde eine Arbeitseinstellung bei Jeste, Weberstraße, wegen 20 pCt. Lohnabzug in Aussicht gestellt. Bum zweiten Punkt der Tagesordnung: Wahl von Vertrauensmännern, sprach Herr Krug. Derselbe legte die Pflicht derselben klar und appellirt an die Versammelten, daß die, die gewählt würden, frei und fest zur Sache halten und fich ihrer schweren Aufgabe auch bewußt sein müßten, denn nur durch einiges Zusammenarbeiten mit der Kommission sei legtere im Stande, beffere Lohn- und Arbeitsverhältnisse für die Berliner Tischler zu schaffen. Hierauf wurden 15 Vertrauensmänner gewählt. Zentral- Kranten- und Sterbe Kasse der Tischler u. s. w. Verwaltungsstelle Frankfurter Thor- Bezirk macht das Folgende, nach Beschluß der am Sonntag stattgefundenen Mitgliet ei- Verfammlung befannt: Da die Arbeitslast unseres Kaffterers von Woche zu Woche fich steigert und unbedingt eine Entlastung statifinden muß, so ersucht der Vorstand obiger Verwaltungs stelle alle diejenigen, die im Frankfurter Thor- Bezirk wohnen Theater. Königliches Opernhaus: Donnerstag: Hans Heiling. Königliches Schauspielhaus: Donnerstag: Rosenkranz und Güldenstern. Deutsches Theater: Donnerstag: Romeo und Julia. Bellealliance- Theater: Donnerstag: 49. Gastspiel der Königlichen Hof- Schauspielerin Franziska Ellmenreich. Donna Diana. Neues Friedrich Wilhelmstädtisches Theater: Donnerstag: Gasparone. Central- Theater: Alte Jakobftraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Auftreten des Fräulein Anna Grünfeld. Donnerstag: 8. 33. M.: Der Walzer- König. Residenz- Theater: Donnerstag: Bum 8. Male: Der Klub. Pariser Lebensbild in 3 Atten von E. Gondinet. Walhalla Operetten- Theater: Donnerstag: Gillette. Conifenstädtisches Theater: Donnerstag: 90. Gesammt Gastspiel der Liliputaner. Jeder Erwachsene hat das Recht, ein Kind frei mitzubringen. Kinder allein halben Kassenpreis. Bum 23. Male: Sneewittchen und die Zwerge. Hierauf, zum 4. Male: Singvögelchen. Liederspiel in 1 Att. Oftend- Theater: Donnerstag und folgende Tage: Jm Lande der Freiheit. Großes Sensations Ausstellungs- Schauspiel in 9 Bildern von H. v. Gordon. Mufit von Th. Franke. Donnerstag: Excelfior. Vittoria- Theater: Wallner Theater: Donnerstag: Der Raub der Sabinerinnen. Alhambra- Theater. Wallnertheaterstraße 15. Donnerstag und folgende Tage: Die Prinzessin aus Bulgarien. Romantisches Schauspiel in 4 Aufzügen nach dem Französischen. Bother: Großes Konzert, ausgerührt von der aus 20 tufttern bestehenden Theater- Rapelle, unter Leitung des Rapell netters Herrn Ludwig Clauftus. Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Borstellung 7% Uhr. Am 24. Trub 2 Ugr ve sateo unser ir uer sollege, Der Schrif sezer Ernst Julius Schneider, im Alter von 58 Jahren. Die Beerdigung findet am Donnerstag Nachm. 2 Uhr Dom Städtischen Krankenhause aus nach dem Nicolais tirchhof vor dem Brenzlauer Thor statt. 1403 Die Mitglieder der G. Bernstein'iden Dificin. Arbeitsmarkt. Schneiderin, die gut figende Kostüme arbeitet, empfiehlt fich in und außer dem Hause Naunynstr. 44, vorn 4 Treppen 1409 Kerwin. Mein seit 1877 bestehendes, als reell bekanntes Uhrengeschäft verbunden mit Reparaturwerkstatt befindet fich 157 Invalidenstraße 157 zwischen Brunnen- und Aderstraße, und empfehle dasselbe allen Befern dieses Blattes. 1350 Piano's Flügelton. Max Busse. Uhrmacher. ganz in Eisenrahm, im runden und vollen 1348 E. Niecksch, Dranienstr. 184. I. und geneigt sind, fich in unsere Kaffe einschreiben zu lassen,| Versammlung das vollauf gerechtfertigte Dißtrauen aufzu fich nur Sonntags von 9-11 Uhr, Langestr. 90, Restaurant sprechen und die Neuwahl des gesammten Ausschusses zu der Bolz zu melden. langen. Die gegenwärtig in Deutschland herrschende Wirthschaftsordnung, schreibt die Hamb. Bürger- 8tg.", hat gradezu die Wirkung, die deutsche Nation zu einer geringeren Raffe herabzudrücken. Bekannt ist, daß periodisch das Militärmaß herabgesetzt werden muß, weil der aljährliche Nachwuchs von Refruten im Durchschnitte um Theile eines, wo nicht um mehrere Millimeter hinter seinen Vorgängern zurückbleibt. Gelegentlich erfährt man aber auch, wie die verschiedensten förperlichen Gebrechen in den Industrie bezirken, namentlich den Sigen der vielgerühmten Haußinduftrie, in erschrecklicher Weise überhand zu nehmen beginnen. Vom Landrath von Oberfranken wurde z. B. fonstatirt, daß von den für das Schuljahr 1884,85 in Ob.rfranken vorhandenen 97 564 Werktagsichülern nicht weniger als 20 Blinde, 75 Taubstumme, 321 Rüppelhafte, 680 Schwerhörige, 775 Kurzfichtige und 596 Epileptische bez. Stumpffinnige sind! Solche Zahlen schreien zum Himmel, unsere Manchestermänner aber wollen ruhig Alles gehen lassen, und haben dabei noch die Liebenswürdigkeit zu behaupten, daß fie die beiligsten Güter der Nation" in Schuß nähmen, und Daß ein Anschluß an ihre Reihen geboten würde von der Gewiffenhaftigkeit!!! Es wäre beispiellos lächerlich, wenn es nicht auch so beispiellos unheilvoll wäre. Arbeiter gegen die Genossenschaften. Vor einigen Tagen fand in Gerholds Bierhalle in Wien eine freie Versammlung der Schlossergehilfen statt, die sehr zahlreich besucht war und stellenweise sehr erregt verlief. Die Tendenz der Versammlung war gegen die Genossenschaften und die sog. Geneffenschafts-( Bwangs-) Kaffen gerichtet. Die scharfen Aeußerungen der verschiedenen Redner, die sich gegen die ,, Ausbeutung" seitens der Genossenschaften wandten, veranlaßten Den Regierungsvertreter zu wiederholtem Einschreiten. Gehilfe Flemmich erstattete Bericht über die Schritte, die das am 9. d. bei der Delegirtenversammlung in der Voltshalle zum Zwede ter Schaffung einer legitimen Grundlage zum forporativen Anschlusse an die allgemeine beiter- Krankenkasse mit Um gebung der Genossenschaftskaffen resp. zur entsprechenden Inter pretation der Paragraphen 114 e und 121 der neuen Gewerbes Ordnung gewählte Komitee unternommen. Das Komitee war beim Statthalter in Deputation erschienen, der demselben ers flärte, es stehe dem Ansuchen der Arbeiter gesetzlich nichts im Wege.( Lebhafter Beifall) Zum Echluffe wurde folgende Re folution beantragt und angenommen: 1. Das Interesse der Schilfenschaft wird durch den Beitritt zur Allgemeinen Arbeiter- Krankenkasse am besten gewahrt, weshalb die heute vers fammelten Angel örigen der Genossenschaft der Schloffer den Delegiten für ihre baltung in dieser Frage den Dank aus brüden und fie auffordern, in gleicher Weise wie bisher, das Interesse der Gehilfen zu wahren. 2. Die Delegirten werden beauftragt, dem Gehilfen Ausschusse in der nächsten Delegirtens Große öffentliche Wander- Versammlung der Maschinenbau- Metallarbeiter und Berufsgenossen am Sonntag, den 30. November, Vormittags 10 Uhr, im Louisenstädtischen Theater, wozu sämmtliche Metall. arbeiter Berlins, sowie die Mitglieder der Ges werkschaften und Fach vereine freundlich eingeladen find. Tages Ordnung: 1414 Wie stellen sich die Berliner Metallarbeiter zu den Mannheimer Statuten und der Beschickung des Kongresses in Betreff der Sentralisation. Referent: Genoffe Friz Gördi. Der Vorstand. Zentral- Krankenkasse der Maurer 2c. ( Grundstein zur Einigkeit). Neue Mitglieder werden täglich aufgenommen bei folgenden Raffitern: G. Heinze, Lothringerftr. 37, Raffenlofal, von 9 bis 4 Uhr. C. Behrend, Steinmegstr. 58, of I. A. Springer, Friedrichsfelderstr. 8. 2. Geißler, Manteuffelstr. 86. vorn 3 Treppen. W. Ludwig, Perlebergerstr. 12, vorn 3 Tr., von Abends 6 Uhr an. 1411 J. Dietrich, Bevollmächtigter, Fürstenbergerstr. 10. 2 Nähmasch., Singer, bill. z. v. Rieder, Wienerstr. 20.[ 1412 Gegründet 1870. Der Fachverein der Schuhmacher und verwandte Berufsgenossen feiert am Sonnabend, den 29. d. M., in der Sophienstraße 34, in Ablgrims Salon, sein erstes Stiftungs fest, zu welchem alle Mitglieder, Freunde und Gönner des Billets Vereins freundlichst willkommen geheißen werden. find zu haben bei den Herren Bapfe, Naunynstraße 36, Hof, II; Burisch, Langestraße 21, Seitenflügel, IV., Schroeder, Gartenstraße 17, Sof, I. Eine große öffentliche Fabrifarbeiter- Bersammlung findet am Freitag, den 28. d. M., Abends 8 Uhr, im Saale Sanssouci, Rotibuserstraße 4a statt. Z.- D.: 1. Puntt: Das Reichs tranfenfaffen Gefeß und wie stellen sich die Arbeiter zu der Allgemeinen Fabritarbeiter- Kranken- und Sterbekaffe, Holy marktstr. 4. Referent wird in der Versammlung bekannt ge macht. Punkt 2: Verschiedenes. Herr Anton Franke, Mit glied der Alten Meier'schen Kaffe wird gebeten, in der Vers fammlung zu erscheinen. Einberufer W. Wernicke, Adalbert straße 75 III. Die Metallarbeiter Berlins, welche gewillt find, in die Hamburger Metallarbeiterkaffe einzutreten, machen wir darauf aufmerksam, daß in sämmtlichen Bahlstellen die Beamten der Kaffe in dieser Woche jeden Abend ron 8 Uhr ab anwesend Der Be sein werden, um Aufnahmen entgegen zu nehmen. vollmächtigte der Kaffe, Otto Schulz, Bergmannstr. 97 of II. ift am Sonntag zu diesem Zwede ausnahmsweise von 10-2 Uhr zu sprechen. Die Bahlstellen der Kaffe find bereits in der Dienstag- Nummer bekannt gemacht. Briefkaften der Redaktion. A.. 1001. Die Aufnahmestellen der Bentral- Kranten und Begräbn skaffe für Frauen und Mädchen( Eingeschriebene Hilfslaffe) Offenbach a. M. find: E. Richter, Andreasftr. 20, Dof r. 4, P. Schneider, Blumenstraße 29 part. im Geschäft, Möhring, Oranienstr. 14a, v. 4 Tr. S. P. Dem Vater steht erst das Verfügungsrecht zu, wenn das Kind das vierte Lebensjahr erreicht hat. Glaub. Köpniderstr. Es giebt zwei Kaffen für Fabrik arbeiterinnen, die wir Ihnen beide empfehlen tönnen. Sie haben zwischen beiden die Auswahl. Die eine hat ihren Hauptfit in Offenbach und ist nur für Frauen und Mädchen. Sie finden Näheres über diese im Briefkasten unter A. R. 1001. Die andere nimmt Fabrikarbeiter und Arbeiterinnen auf. Sie hat ihr Domizil in Dresden. Bahlstelle der Letteren für Berlin ist: Andreasfir. 3, Restaurant Stange, Abends Don 7%, Uhr an. Sonntags von 9-1 Uhr. Den Mitgliedern der TischlergesellenKranten und Sterbekasse, sowie deren Arbeitgebern zeigen wir hierdurch an, daß die Kaffe vom 1. Dezember d. J. unter dem Namen: Ortskrankenkasse der Tischler und Pianoforte- Arbeiter" fortbesteht. Da auf Ver fügung der Aufsichtsbehörde bereits auch von diesem Beit punkt an die erhöhten Leistungen der Kaffe in Kraft treten müffen, wie wir dieselben in unserem Birkular vom 14. Auguft Dieses Jahres bekannt gemacht haben, so sehen wir uns auch veranlaßt, die erhöhten Beiträge( pro Woche 30 Pfennig) ebenfalls vom 3. Dezember d. 3. an zu erheben. Das neue Statut ist am 12. b. M. von dem Königl. Polizei.Bräfidium genehmigt und befindet sich im Drud, und wird den Mit gliedern sobald als möglich zugestellt werden. Die Beiträge pro Dezember d. J. ersuchen wir, noch in den alten Quittungs büchern abstempeln zu lassen. 1407 Berlin, den 26. November 1884. Der Kaffenvorstand. Central- Kranten und Sterbekasse der Schuhmacher. Bevollm.: Papte, Naunynstr. 36, of II. Kafftrer: Burisch, Langestraße 21, Seitenflügel IV. Aufnahme daselbst zu jeder Tageszeit. Mein Posamentier, Weiß- und Wollwaaren- Geschäft 1363 empfehle bei soliden und festen Preisen zur gefl. Benugung. J. Dörr, Solmeftr. 2. 1410 Siegfried Simon, Oranienstr. 159. gegenüber Ludauerstr. Gegründet 1870. Oranienstr. 207. Ede Staliterftr. Herren- Mode- Bazar. Bur Wintersaison empfehle[ mein Lager hocheleganter fertiger Herren Garderobe zu den denkbar solidesten Breisen, als: 30 Fracks werden verliehen. M. Winter- Paletots von 35, 40, 45-60 M. Kammgarn- Gesellschaftsanzüge 40, 50-60 m. Promenaden- Anzüge( englisch) 33-50 M. Kaisermäntel 24-45 M. Jagdjoppen, vorzüglich sizend, 15-20 M. 1416 && rbei bemerke, daß sämmtliche Stoffe den renommirtesten Fabriken entnommen find, so daß nur besonders günstige Maffen- Eintäufe es mir ermöglichen, bei wirklich reeller Bedienung solche Preise zu notiren. Das Stofflager ist mit den elegantesten Neuheiten der Saison ausgestattet und werden bestellte Sachen unter Garantie des vorzügl. Sigens geliefert. 0281 pound Siegfried Simon. Berantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin. Drud und Berlag von Max Babing in Berlin SW., Beuthittaße 2. Gegründet 1870. Sterzu eine Beting! 3822 ST m 03 I GERAR D f g a E T mm ßtrtikn Volksblatt. Rr. 202. Donnerstag, den 27. November 1884. 1. Jahrgang. I»r VerßaMchmg des Getreidehaiidel«. Bekanntlich hat die schweizerische Arbeiterpartei schon vor längerer Zeit der Verstaatlichung des Gctreidehandels das Wort geredet. Durch eine solche Verstaatlichung soll dem Wucher der Riegel vorgeschoben und dadurch das Getreide vor Verteuerung bewahrt werden. Die Durchführung eines solchen Vorschlags mag für die Schweiz auch gegenwärtig schon angängig sein, da die schwel- zerische Regierung nur geringe Rückfichtnahme auf die dortige Landwirthschaft zu nehmen hat, weil die Einfuhr von Getreide die Produktion im Lande mehrfach übersteigt. Somit würde die Regierung in der Lage sein, auswärtiges Getreide in gro- ßem Mähe billig einzukaufen und im Lande billig zu verkaufen. Die wenigen Schweizer Getreidebauern aber würden fich leicht auf einen anderen landwirthschaftlichen Produktionszweig werfen können. � �, Auch würde keine Partei im Lande der Regrerung einen wirlhschafllichen Jntereffenwiderstand entgegensetzen, der politische Widerstand aber dürfte leicht zu überwinden sein. Ganz..anders würde dagegen die Sache in Deutsch« land stehen.. � Bei einer Verstaatlichung des Getreidehandels müßte hrer allerdings der Staat zunächst mit der Getreideproduktion im Lande rechnen und dabei würde in erster Linie zu bedenken kein, daß die Landwirthschaft selbst nicht geschädigt werden soll. Der Staat müßte den Gctreideproduzenten im Lande zunächst das Getreide und zwar zu einem normalen Preise abkaufen, dann aber das feblende Getreide vom Auslände zu einem möglichst billigen Preise zu beziehen suchen. Daß der«Staat dann das Getreide möglichst billig im Jnlande verlaufen müßte, ist selbstverständlich. er dürfte l e i n e G e s ch ä f t e, wie zum Beispiel bei dem Tabaksmonopol, machen wollen, sondern darnach trachten, daß die Differenz, welche jetzt der private Zwischenhandel in die Tasche steckt, dem Volke zu Gute komme. Da nun aber die gegenwärtige Regierung in den Grund und Boden besitzenden konservativen ihre beste Stütze hat, da sie selbst als, eine eminent konservative bezeichnet werden kann, so ist natürlich garnicht daran zu Benken, daß sie sich dazu Herbeilaffen würde, den Getreidehandel in oben an- gedeutetem Sinne zu verstaatlichen. Ganz anders verhielte fich die Sache, wenn sie den Getreidehandel in der Art verstaat- Uchen könnte, daß von der Differenz, die der Zwischenhandel m die Tasche steckt, die Hälfte den Grundbesitzern und d,e andere Hälfte dem SteuersiSkus zu Gute käme-_ Einen solchen Vorschlag würde sich dre konservatroe Reichsregierung gewiß mit Freuden aneignen. . Wie sich aber die Reichsregierung zu einem andern Vor- schlage nach dieser Richtung hin. der aus agrarischen Krei,en stammt. verhalten wird. darüber kann man sehr zweifelhaft sLn. Dieser Vorschlag geht dahin, die Einfuhr von Getreide für Privatrechnung ganz zu ver- bieten. Der Reichskanzler soll ermächtigt werden, soviel Getreide, wie nach dem Gutachten der landwirthschaftlichen Verbände zur Deckung des Erntevefizits unbedingt erforderlich ln. vom Auslande einzuführen. Ein zum Schutz «r Reichs- Einnahme und der agrarischen Jnter- kssen ausgiebig bemessener Preiszuschlag beim Verkauf an die benöthigten Müller träte dann an die Stelle des fortlaufenden Zolles.. Im Prinzip ist damit die Verstaatlichung des Getreide- Handels vollständig zugegeben.. �.,,,, m Aber diese Verstaatlichung würde lediglich den Großgrundbesitzern zu Gute kommen. I-, d i e s e Vnstaat- «chung würde dem Volke zum Schaden gereichen, da sie das Brod verthcuerte. Ein solcher Vorschlag aber allein beweist. wle man in konservativen Kreisen nur den eigenen In- pressen dient, die Interessen des Volkes aber ganz bei Seite setzt. Und diese Wahrnehmung werden wir jetzt nach den Reichs- lagswahlen noch häufiger machen....._>, V o r den Wahlen wurde das Volk m lenen Kreisen em Vie Gerettete. sAus The Family Herald.) »Nun, Herr Crofton, können Sie es erkennen?" .»Ich halte es für ein Boot, in welchem irgend etwas wie 2 SKÄ SÄte DW« Ä". °°n Madeira nach England fahrenden Schiff. Der ,hn ftagte, & Kapitän des Fahrzeugs. a, Dieser schaute jetzt auch durch das Glas nach einem %?3Är ÄttÄf® SÄ 2% et fort:„Es find vier oder fünf Menschen dann. See % aber entweder tobt oder hilflos, denn keiner regt sich. r.Ätn-sÄ ate st'hmen." »Die Reisenden hatten sich um den Kapitän gesammelt. ItÄ aÄÄ'u;.% ÄÄ? Ä 'ernen Armen aufhob.,. �. £€ iÄtsf D". Falltreppe war Hinuntergelaffen, der Doktor und S�?n standen erwartungsvost oberen Ende dnselben. DZMMWZ Ä»ÄSÄ wohlerzogener Knabe genannt, den man mit Zuckerbrod de- dienen müffe, nach den Wahlen aber wird es oft genug wieder schallen: Du roher Bengel, Dir gebührt die Peitsche! Vor den Wahlen soll immer das Volk von den drücken- den Lasten befreit werden, nach den Wahlen aber siebt man es als Atlas an, auf deffen Schultern man den Steuer- berg legt. Und dies ist besonders von den Konservativen zu er- warten. Bor den Wahlen kein Gedanke an Erhöhung des Getreidezolls und jetzt sogar ein Stückchen Handelsmonopol auf Getreide. Möge die Nation immer solche Wahrnehmungen im Ge> dächtniß behalten, dann wird eS nach und nach schon beffer werden. Dann können alle derartigen Monopole und Ver- staatlichungen nur im Interesse des Volkes angestrebt und ausgeführt werden. Lokales. t Die Wahrnehmung von Zengenterminen in Straf- fachen gehört ohne Zweifel nicht zu den Annehmlichkeiten des Ledens, umsoweniger, als der Justizpalast am äußersten Ende Berlins gelegen ist und daher für die meisten der dothin Zitirten die Termine mit großen Zeitverlusten verknüpft sind. Letztere sollten deshalb billigerweise auf ein möglichstes Minimum beschränkt werden, und wenn auch der darauf hin- zielende Erlaß des Justizministers bezüglich der Zeitansetzung der Termine etwas Wandel geschaffen hat, so könnte doch noch vieles geschehen, um die Pflicht der Zeugnißablegung den von derselben Betroffenen zu erleichtem. Es ist selbstverständlich, daß die Richter nicht in der Lage sind, vorher beurtheilen zu können, wie lange Zeit die einzelnen Termine in Anspruch nehmen werden, daß mithin für die zu späteren Terminen vor- geladenen Zeugen ein Warten über die angesetzte Zeit nicht zu vermeiden ist, etwas anderes dagegen ist es mit der An- beraumung der ersten Termine. Diejenigen von den Straf- kammern beginnen in der Regel um 9 Uhr, es find aber häufig zwei bis drei Termine vor derselben Strafkammer für diese Zeit angesetzt, so daß also eine bis zwei Parteien von vorn herein zum Warten verurtheilt werden, selbst wenn die Ver- Handlungen in der ersten Sache ganz pünktlich beginnen. Wir sind der Meinung, sagt die„Staat�b- Ztg.", daß bei der derech- tigten Strenge gegen nicht pünktlich erschienene Zeugen die Richter mit derselben Strenge gegen fich selbst verfahren und der erste Termin pünftlich zur angesetzten Zeit beginnen müßte. Es ist dies um so mehr Pflicht, als die meisten der im Justiz- palast beschäftigten Richter in der Nähe desselben wohnen, es jedenfalls in der Hand haben, in nicht zu großer Entfernung von dem Ort ihrer Thätigkeit Wohnung zu nehmen, während die dorthin Geladenen nicht in dieser Lage find und häufig eine stundenlange Reise machen müssen, um dorthin zu ge- langen. Man kann es Personen, welche, um zu dem an- gesetzten Termine rechtzeitig einzutreffen— es ist dies bei den um 9 Uhr angesetzten Terminen häufig der Fall— genöthigt waren, noch vor Tage vonhause aufzubrechen, nicht verargen, wenn fich ihrer ein gewiffer Unmuth bemächtigt bei der Wahr- nehmung, daß ihre Sache die zweite oder dritte ist, für welche um ein und dieselbe Zeit Termin angesetzt ist, und daß selbst der als erster angesetzte Termin erst nach der festgesetzten Zeit seinen Anfang nimmt. Wir find der Meinung, daß hierin zweifellos ein Uebelstand liegt, welcher Abhilfe erheischt, so zwar, daß entweder die Richter so zeitig eintreffen, daß die Verhandlungen pünktlich zur angesetzten Zeit beginnen können, oder daß, was im Grunde auf dasselbe hinausläuft, die ersten Termine erst später unter Berückstchti- gung der zum Versammeln des Gerichtshofes und zur Vorbc- reiwng des nöthigen Materials erforderlichen Zeit angesetzt werden. Als ein Uebelstand muß es endlich noch bezeichnet werden, daß die Kaffe erst um 10 Uhr ihre Zahlungen deginnt. Dieselben bilden einen integrirendm Bestandtheil der Zeugen- Vernehmungen, und müßte unseres Erachtens die Zahlung der den Zeugen zustehenden gesetzlichen Entschädigungen unter Vor drei Monaten war Jacks Tante mit ihrem einzigen Kinde auf demselben Schiff, der„Alice" nach Madeira ge- fahren. Jetzt lehrte ste allein zurück. Die weiche Luft und der wflde Himmel hatten die Farbe nicht in Rose'S bleiche Wangen wiederbringen können, die unter den Nachwehen eines herben Schmerzes gewelkt waren. Sie war erst sechs Wochen verheirathet, als ihr Mann im Boerkriege bei Majuba Hill in Südaftika fiel. Von dem Augenblicke an sank der armen jungen Frau der Lebensmuth. Die Aerzte empfahlen Madeira. Sie konnte dort nur ihr Grab finden. Die betrübte Mutter kehrte jetzt auf der„Alice" mit ihrem Neffen nach der Heimath zurück, wo fie jetzt nach dem Tode ihrer Schwester, der Frau Crofton, mit deren Sohn zusammen wohnte. Jack Crofton ging auf dem Deck, wo er die Wache hatte, auf und ab.»Ich kann daraus nicht klu� werden," sprach er bei fich.„Sie muß phantastrt haben. Sie rief mich bei mei- nem Namen und nannte mich ihren Geliebten." ES war allerdings eigenthümlich- Sobald Jack in das verlassene Boot gestiegen war, hatte sein schnelles Auge ein bleiches Geficht mit dunklen Augenwimpern und weichem brau- nem Haar entdeckt. Er fand, daß der Puls bei der Gefun- denen zwar schwach war, aber noch ging. Als er fie berührte, öffnete sie die Augen träumerisch; darauf blitzte es wie ein plöy- liches Wiedererkennen in ihnen auf, die Lippen zeigten ein Lächeln von seliger Zuftiedenheit und fie sprach:„Jack, mein Geliebter, kommst Du endlich? Es hat lange gedauert!" Darauf hatten sich die Augen wieder geschloffen und eine befinnungslose Bürde lag in Jacks Armen. Die vier Geretteten konnten alsbald Aufklärung über fich geben Sie gehörten zu dem Dampfer„Ludgate Hill", der von Bombay heimfuhr. In Malta war die junge Dame auf- genommen oorden Beim Vorgebirge Et. Vincent hatte ein starker Sturm das Schiff leck gemacht. Die Boote wurden hinuntergelassen, und hatten einander in der Nacht verloren. Am folgenden Tage besuchte Frau Denby ihren Neffen in seiner kleinen Kajüte- „Wie geht's der Dame?" fragte er fie,„und wer ist fie?" „Das Wie ist leichter zu beantworten als das Wer. Sie wird erst morgen aufstehen dürfen. Sie ist eine Waise und die Tochter eines Artillerieoffiziers. Sie ist zuletzt Erzieherin in Malta gewesen. Das Klima ist dort zu heiß für fie. Daher lehn fie nach England zurück. Sie heißt Helen'North. Als Du ste rettetest, hat ste Dich für ihren Bruder Jack ge- halten." „Wohin wird fie fich wenden, wenn wir gelandet find?" „Ich weiß es nicht. Sie hat natürlich alles, was fie be- saß, verloren. Wir werden daran denken müssen." „Thu das, Tante. Du hast immer die besten Gedankm." Weiter sprachen ste nichts, aber jeder errieth des andern Wünsche und Absichten. allen Umständen erfolgen, sobald der Zeugenpflicht genügt ist, nicht aber dürften die Zeugen dadurch zu weiterem Warten und Zeitversäumniß verurtheilt werden, daß die Kaffe nach Beendigung ihrer Vernehmung noch nicht geöffnet ist. Viel- leicht dienen vorstehende Ausführungen dazu, für die er- wähnten, allseitig schwer empfundenen U ebelstände Remedur zu schaffen. I« den hiesigen tssemeindeschulen zirkuliren gegenwär- tig Fragebogen, nach welchen statistisch festgestellt werden soll, welche Kinder mit körperlichen Gebrechen, und welcher Art behaftet find. Soweit diese Feststellungen bereits stattgefunden haben, ergiebt fich aus denselben, daß unter den verzeichneten Gebrechen die Kurzfichtigkeit die größte Zahl aufweist; dieser zunächst steht die Zahl der Schwerhörigen. Einen»echt lehrreichen Beleg zu den bei den Be« rathungen über die Abänderungen der Gewerbe-Ordnung im vergangenen Jahre erhobenen Bedenken, den Polizeibehörden erweitertete Befugnisse in Bezug auf die Paragraphen 33 a und 56 und 56 a zuzugestehen, liefert nachfolgende der„Volks-Ztg." als verbürgt mitgetheilte Thatsache. Ein hiesiger Gesangverein hatte zum Todtenfest eine Gesangsaufführung veranstaltet und, um einige Abwechselung in das Programm zu bringen, drei Deklamationsstücke, und zwar Fritz Reuter's„Sokrat'sche Method",„Die Glocke" und„De Wedd" auf dasselbe gesetzt. Abgesehen nun von der Frage, ob die Polizei überhaupt befugt ist, derartige Aufführungen zu verbieten oder zu beschränken— denn das Gesetz spricht nur von„gewerbsmäßigen Singspielen, Gesangs- und deklamatorischen Vorträgen", und auch der be- kannte Erlaß des Herrn v. Puttkamer läßt diese Frage vor- stchtiger Weise unentschieden— hat der Zensor die beiden Reutervorträge gestrichen, während er„Die Glocke" hat ruhig vortragen lassen. Nun ist aber diese„Glocke", bei welcher der polizeiliche Zensor sicher an das Echiller'sche Lied von der Glocke gedacht hatte, eine der launigsten Parodien, welche je auf ein Gedicht unseres Klasfikers gemacht worden, in welchem der Vor- tragende allen möglichen heiteren Unfinn zum Besten zu geben hat, während er über den Refrain:„Festgemaucrt in der Erven" überhaupt nicht hinaus kommt. Jedenfalls ist mit diesem an fich unwichtigen Beispiele ein drastischer Beweis dafür geliefert, wie wenig selbst eine gebildete Polizei, wie die Berliner, ge- eignet ist, den Tugend- und Sittenwächter zu machen. Für jeden Kenner der Reuter'schen Muse steht freilich außerdem fest, daß es harmlosere und unschuldigere Deklamationsstücke kaum geben kann, als die hier beanstandeten,„De Solratsche Method" und„De Wedd". Wie damit der Heiligkeit des Sonntags Schaden zugefügt werden soll, dürfte einem nicht polizeilich ge- schulten Gemüthe überhaupt unerpfindlich sein- z* Nur wenige Wochen noch trennen uns von dem ftöhlichen Weihnachtsfeste, der schöne Jugendtraum kehrt wieder — Alt und Jung regen wiederum die Hände zum fleißigen Schaffen, um finnige Geschenke unter den geschmückten Tannen- bäum legen zu können. Auch in den Geschäften hat man an- gefangen die Weihnachtsausstellungcn zu eröffnen und durch hübsches Arrangement der in den Schaufenstern ausgelegten Gegenstände zum Kaufe e nzuladen. Mancher von den Vorübergehenden betrachtet das Dargebotene und weiß nicht, was er kaufen und schenken soll, um seinen Lieben daheim eine Festfreude zu machen, denn sehr vieles ist angeboten und doch nur weniges dürfte geeignet sein dauernd zu erfreuen. Es wird besonders sehr viel Geld ausgegeben für Spiele und der- gleichen, welche zwar durch ihre Ausstattung das Kind für den Augenblick erfreuen, indessen bald wird das Geschenk bei Seite gelegt und nach einigen Tagen zum Leidwesen der Eltern oder der Bescheerenden nicht mehr beachtet. Einem Kinde sollte man nie etwas bescheeren, welches blas für den Augenblick be- stechend wirkt, sondern etwas Gutes und Solides und dabei Belehrendes, was demselben dauernde Unterhaltung bietet. Es hat fich nun die Leipziger Lchrmittel-Anstalt von Dr. Osk. Schneider, Leipzig, Schulstr. 6, schon seit Jahren bestrebt, derartige Spiele und Geschenkgegenstände in den Familien einzuführen und durch einen hübsch ausgestatteten Katalog— welcher jedem Interessenten kostenlos auf Verlangen Am Tage darauf erschien die Gerettete auf dem Verdeck und begrüßte Jack. Er schüttelte ihr herzlich die Hand.„Es freut mich, Sie wieder wohl zu sehen." „Sie haben eine wunderbare Aehnlichkeit mit meinem Bruder Jack. Ich muß Sie in dem Augenblick, da ich Sie zuerst sah, wohl für ihn gehalten haben." Zwischen Plymouth und Southampton wünschte Frau Denby ihren Neffen noch einige Augenblicke zu sprechen.„So mach schnell. Tante, ich habe nicht viel Zeit." „Jack, hast Du etwas dagegen, wenn ich das arme Ding auf eine Woche mit uns nach Hause nehme. Es bedarf der Ruhe und ist so verlassen." „Wie Du willst, Tante. In Gottes Namen. Ich hoffe, die alte Anne wird uns alle unterbringen können." »Ich habe von Plymouth an fie telegraphirt." Die Gerettete hörte die Mittheilung der Frau Denby, daß fie bei ihr wohnen sollte, schweigend an. Ihre braunen Augen füllten fich mit Thränen.„Wie soll ich Ihnen danien?" sprach fie endlich.„Sie wisien so wenig von mir. Vielleicht bin ick eine Abenteuerin." „Ich halte Sie nicht dafür. Ich weiß nicht viel von Ihnen, außer daß Sie allein, ohne Schutz dastehen und daß Sie einer furchtbaren Gefahr entronnen find. Sie wissen da- gegen, daß mein Mutterhcrz noch frisch blutet, und daß, wenn Sie mich begleiten, Sie den Schmerz desselben lindern werden" „So will ich mit Ihnen gehen. Der Himmel segne Sie!" Und so wurden ste handelseinig. In der nächsten Nacht schlief Helen North in dem Bette, das Rosa DenbyS gewesen. und Rosas Mutter küßte fie im Schlaf und die Thränen, die auf das Geficht der Echläferin fielen, wirkten auf das Mutter- herz wie heilender Balsam. Eine Woche verging und das Freundschaftsband zwischen Frau Denby und Helen North schloß sich immer fester. Jack Crofton war nicht viel zu Hause, denn er war den ganzen Tag über in den Docks beschäftigt. Helen hatte seit ihrer Landung nur zwei Briese geschrieben einen an ihren früheren Brodherrn in Malta, den andern an nnen Sachoerwalter in London, einen alten Freund ihres Ihre Geschichte war einfach folgende« Ihr Vater ein mmm ins Haus gesandt wild— Eltern und Erziehern einen Rath- gebet für dic Festeinkäufe geboten. Der diesjährige übertrifft im Arrangement und in der Ausstattung seiner vorherigen Ausgaben und Niemand sollte versäumen denselben zu ver- langen � Thiergarten, in der Nähe des Großen Weges und der Brücken-Allcc, wurde vorgestern Vormittag die Leiche eines unbekannten Vtannes im Alter von ca. 36 Jahren, schlank mit röthlichcm Haupthaar und Vollbart, aufgefunden, der die Uniform eines Königlichen Eisenbahn-Beamten trug. Da Spuren äußerer Verletzung, sowie Merkmale, aus welchen auf Selbstmord geschlossen werden könnte, an der Leiche nicht wahrzunehmen waren, so kann nur angenommen werden, daß der Tod durch Eifricren erfolgt ist. Bei der Leiche, welche zu dem Lbduktionshause geschafft wurde, fand man ein Notizbuch, in welchem auf einem Blalte der Name Willy Echönrock ge- schrieben war. N. Einen empfindlichen Verlust erlitt gestern der Führer eines Schneewagens� Vor dem Hause Wallstraße 84 und zwar vor der Eingangspforte des Lademannh'chen Eisenwaarenge- schäfls, stürzte ein Pferd in Folge der Glätte so unglücklich zu Boden, daß es dem Abdecker übergeben weiden mußte. Ter Kadawcr wurde an Ort und Stelle für 24 Mark verkauft. N. Von seinem eigenen Fuhrwerk wurde gestern Abend um dic ficbente Stunde der Kutscher eines dem Fuhrherrn Kitzerow gehörigen Gefährts überfahren. Als derselbe die Köpnickerblücke pasfiren wollte, löste sich die Kappe bei der Ortseite vom Wagen und trennte hierdurch die Pferde von dem Gefährt. Der Kutscher wurde von dem Bock des die Brücke herabrollenden Fuhrwerks geschleudert, wobei er so un- glücklich unter die Räder gericth, daß ihm beide Füße über- fahren wurden. Der Verunglückte mußte sofort nach Bethanien überführt werden. Der Zustand d-.ffelben soll ein höchst be- �"��Ein'bedauerlichtr Unglücksfall ereignete sich gestern Nachmittag gegen 5 Uhr auf dem GrundstückPrenzlaustraße 3, woselbst erst kürzlich ein Neubau aufgeführt worden ist, an dessen innerem Ausbau gegenwärtig noch gearbeitet wird. Um die gedachte Zeit fiel aus der zweiten Etage des neuen Ge- bäudes ein Brett nach der Straße hinab und traf mit solcher Wucht das rechte Schulterblatt eines hier stehenden Arbeiters auS Weißens«, daß der Acrmste vor Schmerz laut aufschrie und bewußtlos zur Erde sank. Ein im selben Hause bereits wohnender Heilgehülfe brachte den Verletzten inS Bewußtsein zurück und konstatirte eine Zerschmetterung des Schlüsselbeins der rechten Schulter. Mit Rücksicht auf dic schwere Verletzung erfolgte die Ueberführung des Arbeiters per Droschke nach dem städtischrn Krankenhause am Friedrichshain. B. Feuer. In der 3. Stunde der Nacht auf Mittwoch entstand in der Druckerei des Herrn Hertmann in der Beuth- straße 8 im 4. Stock auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise Feuer und brannte derselbe theilweisc aus. Dre Feuerwehr batte ziemlich eine Stunde zur Beseitigung der Gefahr zu thun.__ Genckts- Leitung. Eine reizende HochzeitSfeier. Die sämmtlichen Theil- nehmer einer HochzeitSfeier, welche am 7. September V. I. stattfand, hatten sich auf dem Kriminalgericht eingefunden, um Zeugniß gegen die 43 Jahr alte, separirte Emma Ottilie Kindler abzulegen. Die Angeschuldigte läßt nickt die mindeste Befangenheit erkennen, scheint vielmehr zu äußerster Ver- theidigung entschlossen, wie der herausfordernde Blick ver- muthen läßt. Vorsitzender nach Feststellung der Personalien: Sie sind bei den Vorbereitungen zur Hcchzeitsfeier behilflich gewesen?— Angell.; Eenmal un nich wieder, sage ick Ihnen. Son Volk hat mehrschtendecls'n riesijen Nagel in'n Ballon, un verweile läßt et sich de Sonne in'n Hais scheinen, wenn et'mal wat Warmet int Leid find soll. Ick sage jut vor/det die Nation noch'mal vierter Jiete uf de Bahne fahren duht. — Vors.: Beantworten Sie nur meine Fragen kurz und be- stimmt: alles übrige ist unerheblich. Sie sind schon längere Zeil mit Frau Dörfling bekannt?— Angekl.: Det jloob' ick schon; ick habe ihr in jänzliche Hilflofigkeet cenige paar Wochen wie'n Bruder ufjewartet, indem se nich mehr pips sagen konnte.— Vors.: Es ist richtig, Sie baben Frau Dörfling während einer Krankheit gepflegt, welche Dienste indessen auch angemessen bezahtt wurden.— Angekl.: So is't recht, Herr Jcrichtsbof. Nu möchte't sone Person ja noch unjenchm sind, det se vor meine ville Rackferei'n paar Kreten adjeladen hat. Bei sowat schlägt det aber janich zu Buch; det duht der Mensch woll aus Berjniejen, aber vor Geld nu schon janz jewiß nich.— Vors.: Auf geäußerten Wunsch waren Sie nun Frau Dörfling auch bei den Vorbereitungen zur HochzeitSfeier Stellung als Erzieherin in Malta an. Dies war ihr Lebens. weg gewesen, einfach, aber nur zu häusig vorkommend. Sie sagte, sie sei nicht ganz mittellos. Ihr Vater habe in Indien tausend Pfund gespart, so daß sie etwa fünfzig Pfund jährlich � �Während die Innigkeit zwischen der Pflegerin und der Gepflegten zunahm, wuchs gleichzeitig die Theilnahme, die Jack Crofton für baS Mädchen empfand, das er gerettet hatte. Es war nicht schön, aber besaß in seinem Wesen eine sanfte, ge- winncnde Gewalt, der sich der junge Mann nicht entziehen konnte. Schon die romantische Art, wie er Helens Bekannt- schaft gemacht, mußte sie ihm näher bringen. Ihre Liebens- Würdigkeit that das übrige. Auch Helen konnte sich des Ein- drucks nicht erwehren, den das ehrliche hübsche Gesicht JackS und die offenbare Gutmüthigkeit und Männlichkeit, die er zeigte, auf jedes weibliche Wesen machen mußte. Mehr als einmal hatte Helen davon gesprochen, daß sie gehen wollte, aber schon waren drei Wochen vergangen, und noch immer war sie ein Gast in Dublin Villa. Der Tag näherte sich da die„Alice" wieder in See gehen sollte und Jack war mehr als vorher bei den Vorbereitungen zur Abfahrt beschäftigt. Inmitten seiner Arbeiten beunruhigte ihn der Gedanke, ob er Helen naw drei Monaten— denn so lange dauerte es, bis er die Heimath wiedersah— noch finden würde. Er überlegte hin und her, ob er noch vor seiner Ab- fahrt mit ihr reden und sie fragen sollte, ob sie die Frau eines, wetten Offiziers weiden wollte, oder ob er besser daran thäte, mit diesem Antrag bis zu seiner Rückkunft zu �Wieder drängte Helen Frau Denby mit der Bitte, sie foitzulaffen. Jetzt aber legte sich Jack ins Mittel und er- suchie sie zu bleiben- Es war acht Tage vor seiner Ab: eise. Die Juninacht war so warm, daß die dre. Freunde bis nach zehn im Garten saßen- Als Frau Denby stch auf eine kurze Zeit entfernte, wollte Helen ihr folgen, aber Jack hielt sie '"�Einen Augenblick. Sie sprachen eben davon, daß Sie uns verluffen wollen- Ick habe, ebe ich meine lange Fahrt antrete, noch einen Abstecher nach dem Norden zu machen, um noch einem andern Schiff zu sehen. In drei �.agen komme ick»on dort zurück. Ich möchte Sie bitten, nicht »her von hier wegzugehen, als bis ich aus dem Norden wiedcr- ��„WeShalb nicht? wollte sie fragen. Als sie aber die Augcn aufschlug, genügte ihr der Blick, dem ste begegnete und die Frage blieb unaethan... o„ „Sie werden also bleiben, bis ich zurückkomme, Helen? Zum erstenmal nannte er ste bei Namen. „Bitte, Herr, das Abendbrot ist aufgetragen." Gleich Anna." Er stand auf und berührte Helens behilflich,— Angekl.: Jottc doch, Herr Jcrichtshok, det will immer'n Jroßkoozen'rausbeißen, un verweile is et doch man schre mau bei die Leite.— Vors.: Aber beantworten Sic doch meine Frage.— Angekl.: Det stimmt, Herr Jerichtsdof, wat die Dörflingen is, die sagte cenije paar Tage vor den Knaatsch, Kindlcern, sagte se, meine Docktcr is nu scheenc'raus un will stch us'n Sonntag in de Zionskircke verändern, wo se denn in 'ne feine Familje kommen duht. Ratierlich jeht det nich ohne; 'n kleener Fcez muß sind, un weil Se mir in meine Kranlheet so hibsch bcijestanden haben, kommen Se ooch schon uf'n Stundeten zu'ne Taffe Schockelade. Wie se nu aber all uf de Stieje is, kommt se noch'mal retour un meent, det ick man all vor't Mittag kommen un ihr bei't Rccnckiauen'n bißkcn helfen möchte.— Vors.: Sie entsprachen diesem Wunsche.— Angekl.: Ick wollte ihr den Jefallen dubn un war ooch punkte Klocke zehne da; aber, haben Se Worte, Herr Jerichts- hos? Da war ooch jänzlich noch janicht in de Reihe; ick steche mir denn aber janz jeschwinde meinen Rock hoch un, wat hast de, wat flehst de, rinn int Verjniejen Det fluschte mächtig, un wie't sonen Uhrencr eenen bis eenije paar Minuten 6 ruber hinkam, da war't mit den Zauber vor- bei. Allens blitz un blank. Vors.: Nun kamen die Hochzetts- gäste.— Angekl.: Kecne Ahnung, Herr Jerichtshof; ick mußte mir erscht etwas vernichtern. Na, det Mittag war man och so so. Zu Kohlrabi, der dock um die Jabreszeit immer stöckerig is, jab't'n paar Hottchühbouletten. Det war mir nu schon nich schnurz; ick wollte mir aber nich unnütze ufrejen und ekelte mir den Fraß rin. Det war überdem'n klätrijet Verjniejen. Von een haldet Fündeken Schockeladcnpulver wurde for etliche ficbenunzwanzig Mann Plansch jekocht, wozu denn zw« kleene Nappkuchen for zw« Jute det Stick un vor'n Vierfünder Kuchenmilckbrote uf den Disch kamen. Zudem hatte die Banse mächti'en Jcad, so det ick Rooch schnappen mußte. Vors.- Er- zählen Sie weiter.— Angekl.: Wat nu aber dic Dörflingen iS, die dachte an janischt. Wo doch uf den Abend jescherbelt wer'n sollte,'n Vtertelken Bier ooch all dastehen daht, muß doch zu't Abend ooch'n bißken wat zu schnabbelicren find. Wie ick ihr nu derentwejen vermahnte, denn kriegte se't ooch mit de Angst un sagt:„Dcrweile ick Stullen schneide, holen Se janz jeschwinde von de Fischelbrücke vor sechs Jute drei Mandel recht- schecne Bücklinge. Aber sputen Se sich schon, indem wir Klocke achten mit det Abend fertig find müssen. Um die Zeit kommen die Musik- machet, un ick were mir schwer Hirten, die Briedel ooch noch den Scklunk vollzuprumpsen." Wie ick nu aber'n Jroschen »u'n Omdebus haben will, meent se denn, det et in de Jammer- karren zu sehre stuckern dähte, ick sollte man schon nebenbei herloofen. Wie finden Sie sone Spitzen? Vors.: Fahren Sie fort.— Angekl.: Wie ick retourkomme, da find nu aber ooch de Musikmacker all da, wodrieber de Dörflingern na- ticrlich de Fledbc hängen läßt, un denn noch schimpt, det uf mir ja keen Verlatz sind dähte. Nu sage ick aber, Frau Törf- lingen, sage ick, da müßte ja mein Herz'n Affe sino, wenn ick mir vor meine Jutheet so dumm kommen laffen dähte. Wenn Sie nich zwee von die Briedel futtern können, dann machen Sic't doch so, wie'i bei'n Mittelstand Mode is, UN nehmen Sc sich eenen mit'n reckten hidschen Klaukastcn, der zieht vor zwee Mail de schwere Menge von sein Ding run, wat sich überdem noch feiner anhören duht, als wenn eener uf de Vijeline rumaibeet't, nn der andere uf sonen miserabclichicn Polkfchinkcn rumklimpert. Stimmt det nich?— Vors.: Gut, Sie erzürnten stch mit Frau Dörfling und verlangten vergeblich eine Mark für die geleisteten Dienste, worauf Sic sich nach einem kurzen Ausenthalt in der Küche entfemten.— Angekl.; Ick bade mir natierltch meinen Duch umjebunden.— Vors.: Die Anklage behauptet, Sie hätten sowohl die Bücklinge als auch das Bier durch Zasatz von Petroleum ungenießbar gemacht.— Angekl.: Ick habe janich mal jewußt, wo der Petrolj um stehen daht. Det soll Eener beschweren, det er mir bei jesehen hat. Die Beweisausnahme siel durchweg zu Ungunsten der Ängeschut- digten aus, so daß der Gerichtshof im Hinblick auf mehrere, einen gcwaltthätigen Charakter verralhende Vorstrafen sowie dic dokumentirte niedere Gesinnung wegen Sachbeschädigung auf eine Gefängnißstrafe von vier Wochen«kannte. Die Verur- theilte erklärte,„sich an einen jelernten Advokaten verwenden zu wollen, der würde den Lenz uf't Kammerjericht schon in't Loth bringen."(Ger.-Ztg.) Hochverrathsprozeß. Es fleht nunmehr fest, daß der große Hochverralhsvrozeß gegen die Anarchisten Reinsdorf und Genoffen am 15. Dezember vor dem Reichsgericht seinen An- fang nehmen wird. Die Verhandlungen sollen in dem Maße beschleunigt werden, daß man bestimmt hofft, es werde daS Urthcil noch vor Weihnachten gesprochen werden, wiewohl das Anklageinaterial ein ganz ungeheures ist. Gegen fünfzig Zeugen gelangen zur Vernehmung; es find im Ganzen acht „Helen, bleiben Sie?" „Wenn Sie es wünschen." Die Worte wurden gcflüstert, es war aber alles, waS Jack brauchte, und er sagte seiner Tante beim Abendbrot, daß Miß North noch da sein würde, wenn er vom Norden zu- rückkäme. Dic drei Tage der Abwesenheit Jack Croftons benutzte Helen, um einen Besuch bei Herrn Bernard, ihres Vaters altem Freunde und Sachwalter, abzustatten. Als sie von dort nach Dublin Villa zurückkehtte, war auch Jack schon da. Alle drei saßen wieder im Garten beieinander. Nur trug Frau Denby diesmal Sorge, die jungen Leute öfter allein zu lassen, denn sie schienen einander viel zu erzählen zu haben. Endlich gingen auch sie ins Haus, Helens Hand ruhte in der seinigen. Jack war froh erregt. Er neigte stch um ihre Wange zu küssen und trat seiner Tante mit den Worten entgegen: «Dies ist meine Helen, unsere Helen. Liebste Tante Besfie, fic wird bei uns bleiben und du brauchst nicht länger allein zu sein." Am folgenden Tage fand Jack bei seiner Rückkehr einen Fremden im Hause. Es war Herr Bernard, der Helens Be- such erwiderte. Er wäre, sagte er, in Geschäften in der Stadt anwesend, und wollte seiner kleinen Freundin, wie er fic nannte, und denen guten Tag sagen, die fic so herzlich aufge- nommcn. „Besonders auch Ihnen, Herr Crofton. O. Miß Helen. errötdm Sie nickt. Ich kenne Sie von Ihrer Kindhett an und Ihr Vater übergab sie meinem Schutz, wissen Sie wohl?" Der alte freundliche Herr gefiel Jack Crofton. Sie sprachen von des letzteren Ausfichten. Jack hatte sein Gehalt, etwa neunzig Pfund jährlich, außer hundert deS Jahres, die ibm von seiner Mutter zugefallen waren. Sein Vater, ein Geistlicher, war jung gestorben. Er hatte nur das kleine Haus hinterlassen, da» ihm einst und jetzt Jack gehörte. Dazu kamen dann Helens fünfzig Pfund, so daß sie schon dos nächste Mal wenn er zurückkam sich Heirathen könnten. Jack war überzeugt. sie hättm an dem was sie besäßen, genug. Seine Tante meinte, er solle warten, bis er Kapitän sei. Das konnte aber noch lange dauern. „Es wäre hübsch, wenn Helen mehr besäße, wie?" sagte Herr Bernard sinnend. „Ich denke nicht", entgegnete Jack entschieden,„sie bat gerade genug, um von mir unabhängig zu sein, behauptete ste. Und dann, Herr Bernard, werde ich nicht für sie arbeiten, so daß ich später die See aufgeben kann und sie nicht mehr zu verlassen brauche?" »Nun, Sie find wenigstens kein selbstsüchtiger Lieb> haber!" „Nein, dafür sage ich gut. Ich nähme sie und hätte sie auch nur die Kleider, die sie trug, als ich fic rettete." (Schluß folgt.) Angeklagte, welche bei dem Prozeß in Frage kommen. Den Haupttheil der Anklage betrifft dos bei Gelegenheit der Ein- weihung des Niederwald Denkmals gegen den Kaiser und die in seiner Begleitung befindlichen deutschen Fürsten geplante und auch vollständig vorbereitete Dynamil-Atientat, dessen Mißlingen nur einem außerordentlichen Zufall zuzuschreiben ist, indem durch atmosphärrsche Einflüsse die Zündschnur ver- löschte. Auf dieses entsetzliche Verbrechen steht die Strafe des Todes. Außerdem sind die Angeklagten noch zweier Verbrechen beschuldigt. Es sind von ihnen die nicht explodirten, mit Dynamit gefüllten Röhren wieder ausgegraben und nach Rüdes- heim hmab befördert worden, wo sie aldann in dem Lokal, in dem ein großes, patriotisches Festessen stattfand, eine Explosion in Szene setzten, bei der indessen, zum Glück Menschenleben ver- schont blieben und nur bedeutende Beschädigungen des Ge- bäudes bewirkt wurden. Das dritte Verbrechen sollte dazu dienen, in Elberfeld in einem dortigen Restaurant, in welchem sich patriotische Kreise zur Feier des Sedanfestes versammelt hatten, Störung und Unglück hervorzurufen, indem man eben- falls größere Dynamitmengen cxvlodiren ließ. Bei Gelegen- hcit der Hauptoerhandlung� werden jedenfalls außerordenlliche Sicherhcilsmaßregcln getroffen werden. Wermiscktes. Die Kondolenz-Visite. Herr Gutherz in Wien hatte eine unangenehme Morgcn-Ucderraschung. Seine schönste Tarokpartie, dic er an jedem Montag im Hause seines Freun- des— sagen wir Jobann Meyer— absolvirte, war durch den grausamen Tod zerrissen worden. Da stand cS schwarz umrändert in der Zeitung: Die Gefertigten geben hiermit in tiefster Trauer Nachricht von dem Ableben ihres Gatten, Vaters, Großvaters, Oheims k.— ist Einer einmal todt, dann kriegt er eine ganze Reihe von Verwandtschaftsgraden als Titel — Johann Meyer..... Quai Nr. so und so viel. Um Gottes- willen, Frau, da schau her, der Meyer ist gestorben."—„Nein, da muß ich gleich hin!"—..Laß' mich erst hingehen, komme Du in einer Stund' nach." Und Herr Gutherz geht und denkt im Gehen an allerlei traurige Sachen, damit er nur ja der untröstlichen Familie das passende theilnehmende Antlitz zeigen kann. Er hat eine Trauerrede komponirt, so schön, daß sie wie himmlischer Thau in die schmerzhafc be- wegten Gemüther stch senken muß, tröstend lind, so daß Herr Gutherz bei aller seiner wirklichen Ergriffenbett einen leisen Eitelkeitskitzel nicht verwinden kann, welches Ansehen ihm die wohl ausgedachte Kondolenzrede bei den Trauernden geben wird. So gelangt er an die Thü«, dic offen steht, davor das Stubenmädchen, das eben mit dem Diener des Nachbars htttcre Zwicsprach gehalten hat und jetzt Angesichts des Hausfreundes etwas gewaltsam das zum Lachen verzogene Antlitz in würdigere Falten legt. Bittere Gedanken steigen in Herrn Gutherz auf, während die Zofe die Entrecthürc öffnet. ,.Ge- zahlte Feinte, diese Dienstboten." Mit dem Trinkgeld ist es fortan aus! Er wird direkt in das Wohnzimmer geführt-- es ist noch so früh und die Frau vom Hause fitzt da und thut sich an einem Glase Bordeaux und einem Beefsteak gütlich.„Das ist hübsch von Ihnen, daß Sie einmal so außer der Zeit kommen— und so ernst, was itt Ihnen denn?" In Gutherz kämpfen Entrüstung, Unwille, Verlegenheit miteinander. Dieses herzlose Weib!— „Kommt Ihre Frau auch? Dann essen Sie heute bei uns, mein Mann muß auch gleich kommen!"— Jetzt ist Guiher» ganz ratblos. Der todte Mann kommt? Was geht denn da vor? Er murmelt einige höchst unverständliche Worte von freuen, und nicht rrwartcr, hoffentlich einJirthum.... Frau Meyer steht ihn einigermaßen erstaunt an, will ob« nicht son- dircn. was der Mann eigentlich hat— man liest jetzt so viel von Jnsinnsfällen in der Zeitung— und wirft ein enlfnnteres Gcsprächslhema auf.„Denken Sie, ist gestern der Meyer im zweiten Stock gestorben. Sie baden ihn nicht gekannt?" „Johann Meyer?" fragt Gutherz. dem plötzlich eine ganze Fackel aufleuchtet.—„Ja, Johann!" Und Alles war wieder gut. Wie aber nur zwei Leute mit demselben Namen in dem« selben Hause wohnen können!. Auch ein Wucherer. In Pariser Künstlerkreisen erzählt man fick folgende seltsame Geschichte. Ein dortig« Gemälde- mall« hatte mit einem armen Maler einen Verlrag abge« schioffen, wonach dies« für ihn malen sollte und pro Stund« honorirt wurde. Es handelte stch hauptsächlich um militärische Bild«. War ein Bilv fertig, so nahm der Händler daffcldc an stch und änderte den Namen des Künstlers in Gaudaull (Alfred Emile). Ganbault erlangte einen gewissen Ruj» wäb- rend der eigentliche Urheber für zwei Francs die Stunde arber- tetc und selbst nicht dahinter kommen konnte, daß er ein« Bk- rühmtheit geworden. Der Courlier wurde ein reich« Mann. Doch der Krug k. Eines TagcS geht der Maler in den Salon. Er entdeckt eines seiner Bilder und war also ohttf sein Wissen Aussteller. Erstaunt sieht er, daß das Bild einen anderen ats seinen Namen trägt. Dieses Erstaunen wäckst noch mehr, als er im Katalog angegeben findet, daß die Abreist des Künstlers bei dem bekannten Bilderhändl« Bernheim, Rue Lasfilte, zu erfragen sei. Er stürzt dortbin und dringt in da» Kabinet desselben mit den Worten:„Ich bin Gaubault." .Mein Kompliment, mein Herr. Sie haben sehr vielen Erfolg Seit 5 Jahren habe ick den Wunsch, Fhre werthe Bekannt- schast zu machen."—„Aber ich heiße ja gar nicht Gaubautt- Ich heiße— Beauquesne." Es kommt zu Auseinandersetzungen- Der Makler wird blosgestcllt. Gaubault v«ichwindcl»nb Beauquesne zeichnet leit drei Jahren mit seinem wahren Namen.__ Höchstes Ziel. Rabbi(seiner Gemeinde predigend):„Den Sabbat hciiigen, fromm lein und beten, die Spcrsegesctze folgen, daS paßt euch alles nickt, aber auf dem jüdischen Fnev- Hofe begraben werden— das schmecket euch!". Kennzeichen. Lehrer- Woran erkennt man gutes Biel' — Schüler: Man kann nie genug davon bekommen. Gemeinnütziges. Der Glühwein als Medizin. Glühwein n«lnt rnan. mtt Zrmmet, Gewürznctlen und Zucker aufgekockien Rothwem Man verabreicht ihn gegen Diarrhoe, in der Rekonvaiesstvi nach«schöpfend« Krankheit; er wirkt kräfiigend und Zettig die Verdauung anregend. Ein besonders gutes Resuu? gegen Diarrhoe erreicht man, wenn man dem Glühwein ein Stückchen Rhabarb«— etwa 2 Erbsen groß— zusetzt- Beschränkung der Wirkunz de« Höllenstein«. Manchem gewiß nock unbekannt, daß man in der Lage>>>'.% oft so sehr beißende Wirkung des ndigcn, deßwegen so gemiedenen Heilmittel«, zu paralyfrcn rcsp. aufzuheben, c" schon es nicht gut ist. dies zu lbun; denn wo HöllcnsterN i wirken hat. ist er ein unübertroynes Remedium. Will aber die Einwirkung deS Höllensrens nichtig machen, so* streiche man die betreffende Stelle mt Kochsalzlösung- üricflajlkn der i{cd«fition.. Zwei Wettende. ES ist richtij. daß Virchow zuerst mächtigen gegen Alles, waS uns übst widnsahren kar» emem Kulturkampf, in welchen dic größten und bei- langsam und quaivoll verblutet find Verantworrlick« Redakteur St.«roadtt» in Berlln. Druck und Vertag von Mar Badtna in ttittänSW. Beuthstraße 2.