No. 213. Süttend die andere uts DI. dschau: und 5 K. rie. ng des attions on einer Sportvers Bahlung, 2. Ein ergulden th. Ein wo fle ntentaffe Sie ar er Kran lverhält erden. Blattes illuftritte Mittwoch, 10. Dezember 1884. I. Jahrg. Berliner Volksblatt Organ für die Interessen der Arbeiter. Das ,, Berliner Boltsblatt" scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 f. Boftabonnement 4 Mart. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags- Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Insertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 f. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 thr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedition Berlin SW., Bimmerstraße 44. Die Wahlprüfungen enn sonst waren bisher ein wunder Punkt des Reichstags. Wir haben wiederholt über die Materie gesprochen. as Uebel nen wir ochen we noch mit port. Wie g Teute Sveierlei Momente sind dabei zu berücksichtigen und zu unterscheiden. Erstens die Thätigkeit des Reichstags selbst. weitens die Thätigkeit der Behörden. thun be= ersten Male sozialdemokratische Abgeordnete fizen, hat sich nun eingehender mit der Angelegenheit beschäftigt, und hat nach eingehenden Berathungen mit acht gegen sechs Simmen ( gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen) nachstehenden Antrag beschlossen und an das Haus gebracht: ,, Der Reichstag wolle beschließen: folgende Veränderung der Geschäftsordnung vorzunehmen: § 5 Abs. 2 fällt fort. § 5 a. Die Wahlprüfungskommission besteht aus sieben Mitgliedern und ist bei Anwesenheit von fünf Mitgliedern beschlußfähig. bestimmter Stellvertreter gewählt. Für jedes einzelne Mitglied der Kommission wird ein Ueber die ihr zugewiesenen Wahlverhandlungen ents scheidet die Kommission auf Vortrag des Referenten; die felben werden unter möglichster Berücksichtigung der bei figenden der Kommission unter Zuziehung von zwei Mitder Wahl hervorgetretenen Verhältnisse von dem Vorder Wahl hervorgetretenen Verhältnisse von dem VorWas die Thätigkeit der Behörden angeht, so lann nirt, ab der Reichstag nur sehr mittelbar eingreifen. Er fann die e werden Reichsregierung blos veranlassen, die nöthigen Schritte zu er hat aber keine Macht, diese Schritte zu eilen und leunigen. Eine gründliche Heilung auf diesem Geein sollte. biete ist nur dadurch zu erwirken, daß der Reichstag fich bas Recht erfämpft, die Untersuchungen felber zu führen. Das englische Parlament at dieses Recht. Kommt es bei Brüfung einer Wahl zu wird die Wahl des betreffenden Unterhausmitgliedes ber Ueberzeugung, daß Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind, assirt. Rommt das Parlament zu der Ueberzeugung, daß die Unregelmäßigkeiten eine Gesegesverlegung involviren, so wird die Sache an das Gericht verwiesen, mission nicht angehören. zwar an den obersten Gerichtshof des Landes: Die Dueensbench. Bei den Anschauungen, welche in unseren leitenden Regionen obwalten, ist nicht daran zu benken, daß die Reichsregierung freiwillig dem Reichstage derselben gewählt; für dieselbe sind die Bestimmungen der En hiermit ein solches Recht einräumen wird. Dasselbe muß erst er mpft werden, und, wie wir erfahren, beabsichtigen Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion dahin zielende Antrage zu stellen. e 812 Uhr, t. er Normal Diefer Ver tano. 1524 Lung Berlins. or, aße 37. erent Ser Rücksprache ferent Hen und la Habers ist es mit den Arbeiten, welche der Reichstag Macht des Reichstags. gliedern derselben aus den Mitgliedern des Reichstages bestimmt, welche der kom Die Referenten haben bezüglich der ihnen zugewiesenen Wahlprüfung Sig und Stimme in der Kommission. Diese Kommission wird in jeder Session für die Dauer §§ 26, 27, 29-31 der Geschäftsordnung maßgebend,§ 27 Abs. 1 und 2 jedoch mit den aus obigen Bestimmungen fich ergebenden Modifikationen." felbft zu verrichten hat. Diese abzukürzen, liegt in der mung, daß die Referenten und Korrefenten aus der Bisher wurde die Wahlprüfung durch eine aus 14 Mitgliedern bestehende Kommission besorgt, welche alle Wahlprotefte und sämmtliche Wahlalten der bestrittenen Wahlen prüfen hatte. Eine riesige Arbeit, die beim angestrengtesten Fleiß nicht schnell zu bewältigen war. Der Schwerpunkt des Antrages liegt in der Bestim Mitte des Hauses genommen werden, daß also, was feiner Beit der sozialdemokratische Abgeordnete verlangte, wenigstens theilweise erfüllt, und ein sehr großer Theil der Arbeitslast auf das Haus gewälzt wird. Die Zahl der rechtzeitig eingelaufenen Wahlprotefte beträgt diesmal 85; die Arbeit von 170 Prüfungen der Wahlatten( bei doppeltem Referat für jede Wahl) ist der Kommission burch die vorgeschlagene Aenderung erspart; Mit Hinblick hierauf machte in der vorlegten Seffion ber Abgeordnete Liebknecht den Vorschlag, die Wahlprüfung Don fammtlichen Abtheilungen des Hauses be= 2. Dechan forgen zu lassen, also die Arbeitslast auf das ganze Haus traut werden, und dadurch ist eine sehr rasche Erledigung Schnup wälzen. Es wurde dagegen geltend gemacht, daß dies der Wahlaktenprüfung ermöglicht. ein sehr schwerfälliges Verfahren sei, und daß leicht von den verschiebenen Alltheilungen ungleichartige, einander widersprechende Entscheidungen getroffen werden könnten. Aller-Pfeifen ichüb. S 1134 ter Weise r. # " 1525 312 haben 30 Bf. 40 Bf. 50 f. 50 Pf. 45$ 3. ts, auß 60 f. 60 Pf tr. 1,50 5 Mart. 0 Mart ben, [ 1450] 8, 21 M Wird die Neuerung von der Geschäftsordnungskommission, vor welche der Antrag verwiesen ward, befürwor tet und vom Hause gebilligt, so erlangt die Wahlprüfungsbings ein nicht ftichhaltiger Einwand, denn in Bezug auf kommission mehr den Charakter eines Wahlgerichts= beh eichstags- Plenums erwirkt werden. Die Wahlprüfungskommiffion, in welcher jetzt zum Retro st. 84 Heuilleton. Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dur. Forseßung.) Lifette, Du bist es!" sagte Amberg. Gerade schleunige Erledigung der Wahlprüfungs- Geschäfte zu for gen hat. Du mußt Dich doch darin fügen; ich bin doch einmal nicht in der Lage, Dir helfen zu können." Ah, sich doch!" rief Lisette boshaft. Sie trodnete schnell ihre Thränen, und mit einem Blicke voll Verachtung maß sie ihn, während sie fortfuhr: Früher, da fanden Sie auf alle meine Bedenken und Einwendungen Gegengründe, mich zu beruhigen; und jetzt, haben Sie mir weiter nichts zu antworten, als ich soll aus dem Hause, und erklären nur, daß Sie mir nicht helfen heute, mein Kind, ist die Zeit schlecht gewählt; Du weißt, da es nun Alles so gekommen ist, wie ich fürchtete, jett Ah, ich habe zu studiren." " Ich weiß es," antwortete Lisette kurz, nahm einen Lisette, so nimm doch Vernunft an!" Stuhl und setzte sich sehr respektwidrig hart an seine Seite. tönnen!" um mit Ihnen wenige Worte zu sprechen." Ich tomme auch nicht, um Sie lange zu stören, sondern Amberg streichelte ihr zärtlich herablaffend die Wangen, Ich will, daß mein Rind einen Vater habe- geschehe -geschehe was da wolle. Alle Welt soll wissen, daß Sie der Vater Bist Du toll, Lisette?! Weißt Du nicht, daß ich mich um die Superintendentur in Weißenburg beworben und sein Blick ruhte einige Augenblicke mit Wohlgefallen meines Kindes find." auf dem hübschen Gesicht des Mädchens. Dein Besuch ist mir jeder Beit sehr angenehm, liebes Rind," sagte er dann, aber nur nicht in diesem Augen habe?" blid. Später Lisettchen, zwei Stunden später, wenn ich meine Arbeit beendet habe, dann, wenn es Dir gefällt, befuche ich Dich in Deinem Zimmer. Lisette schüttelte den Kopf. Das ist vorbei!" fagte fie traurig. Ich hätte nie barin, willigen sollen; aber ich habe Ihnnen leichtsinnig geglaubt. Nun bin ich unglücklich" ,, Das ist mir gleichgültig!" ,, Du willst mich ruiniren? Bedenke, daß wenn man mein Vers hältniß zu Dir auch nur argwöhnte, es um meine Beför berung geschehen wäre. Ja, meine ganze Existenz wäre bedroht. " Wie es die meinige ift!" antwortete fie. Dann find wir Beide unglücklich; aber mein Kind ist nicht ficht des Geistlichen. Er sah fast erschrocken aus, als er Das Lächeln verschwand augenblicklich von dem Ge- vaterlos." fragte: Unglücklich, Lisette? Wie so das?" feine Schulter. Herr Gott, Lisette! Du bist rasend! Bedenke doch, daß, wenn ich ruinirt bin, ich ja auch für Dich und Dein Rind nichts thun kann, während, wenn Du schweigst, ich namentlich nach meiner Beförderung zum Superintendenten im Stande bin, Dich einigermaßen zu Da fing fie an zu weinen und legte ihren Kopf an muß es Ihnen endlich doch gestehen, so schwer es mir auch Ach Gott, Herr Amberg," sagte sie schluchzend, ich unterstüßen." fühle, daß ich Mutter werden foll." Natürlich in diesem Falle ich muß unser intimes Verhältniß sofort gelöst werden Du mußt aus dem Hause!" Und was soll aus mir und meinem Rinde werden?" bin fein reicher Mann, Lisette, das weißt Du!" Aber ich will, daß mein Kind nicht vaterlos fei!" Ich foll Unglüd und Schande allein tragen? Ich soll dastehen in den Augen aller Welt als ein verachtetes Geschöpf, und Sie wollen in immer höheren Ehren hinaufsteigen, während Sie doch an meinem Unglück allein Schuld find? Ih, die Unschuldige, soll alle Schande allein auf mich nehmen, und Sie, der Schuldige, wollen mir nicht die Schande tragen helfen? Nein, das soll einmal nicht geschehen!" Die sozialdemokratische Fraktion wird auch in der neuen Geschäftsordnungskommission vertreten sein. Sind die eigentlichen Mitglieder am Erscheinen ver hindert, so haben sie ihre Stellvertreter zu schicken. Wir werden Gelegenheit haben, auf die Sache zurückzukommen. Jedenfalls ist es gut, daß endlich einmal ein ernstlicher Versuch gemacht wird, das Wahlprüfungswesen gründlich zu reformiren. 11 Politische Uebersicht. Das Arbeiterpensum der gegenwärtigen ReichstagsSession wird bezüglich der Sozialreform" nicht weiter ausgedehnt werden, als dies durch die Vorlagen an den Bundesrath bereits geschehen tit. An eine gesesgeberische Förderung der Arbeiter Altersversorgung wird vorläufig nicht gedacht; man wird viel erreicht haben, meint die Nat. 3tg", wenn es gelingt, die Ausdehnung des Krankenkassen- und Unfallversicherungs- Gefeßes auf die Transportgewerbe, sowie auf landwirthschaftliche und Forst Betriebe durchzuseßen. Auch die Frage der reichsgefeßlichen Regelung des Versicherungswesens bürste noch mindestens auf die nächste Sesston vertagt werden. Sie ist bis jest nicht weiter gediehen, als bis zur Aufstellung des ersten Entwurfes, der den Bundesregie rungen zur gutach lichen Aeußerung zugesandt worden ist. Die Frage ist bekanntlich seit mehr als einem Jahrzehnt zu verschiedenen Malen Gegenstand der Erörterung innerhalb der Reichsregierung gewesen. Die zwischen Deutschland und Holland abgeschlossene Literar- Konvention findet in holländischen Interessentenkreisen lebhaften Widerstand, und die holländischen Verleger- Vereine laufen in Petitionen an die zweite holländische Rammer Sturm, damit dieselbe der Konvention die gesetzliche Ratifikation vers sage. Als Gründe werden angegeben, daß die holländischen Verleger bei der Konvention im Nachtheil blieben, da mehr deutsche Bücher und Muñkwerke in Holland, als holländische in Deutschland nachgedruckt würden. Den Nachdruck deutscher Bücher in deutscher Sprache zum Schmuggel über die Grenze heißen die anständigen holländischen Verleger selbst nicht gut. Für die holländischen Uebersetzungen deutscher Werke wollen fie die bisherige Nachdruckfreiheit behalten, und fte behaupten, dieselbe öffne den deutschen Büchern erst recht den holländischen Markt, da die gebildete Welt Hollands die deutschen Originals " werke dann erst recht kaufe. Durch das Verbot der unbeschränk ten Ueberlegungsfreiheit werde eine bedeutende Industrie ver nichtet werden, ohne daß deutsche Verleger und Autoren Vors theil davon hätten. Das Berl. Tageblatt" bemerkt dazu: Die Gründe der holländischen Verleger können deutschen Beurtheilern nicht einleuchten. Wir geben davon nur Renni niß, damit schließlich eine Ablehnung der mit so vieler Mühe biplomatisch zu Stande gekommenen Konvention burch pie zweite holländische Kammer nicht plöglich hier zu Lande überrascht. Ein Scheitern der Konvention würde übrigens auf die Beziehungen zwischen Holland und Deutschland, die sich Kalter Schweiß trat auf die Stirn Amberg's. Ec sah ein, daß hier Troß und Hochmuth nichts ausrichten würs den, daß er hier allein durch kluges Nachgeben sich herauswideln fönne. Er legte seinen Arm um ihre Schulter. " Nimm Vernunft an, Lisette. Sieh', ich bin heute noch bereit, Alles für Dich zu opfern. Ich würde Dich zu meiner Frau machen, wenn ich in der Lage wäre, Dich heirathen zu können. Alles würde ich thun, was Du verlangst; aber der Zeitpunkt ist augenblicklich ungelegen, Deine Forderung ist. Ein Gedanke schoß ihm plöglich durch den Kopf. ,, Du willst einen Vater für Dein Kind?" fuhr er fort. Gut, ich werde Dir einen Vater für Dein Kind verschaffen." Sie blickte ihn fragend an. ,, Was meinen Sie damit? Können Sie meinem Rinde einen andern Vater schaffen, als den es hat?" Nein, nein, durchaus nicht. Ich bin bereit, die Baters schaft des Kindes anzuerkennen. Genügt Dir das?" ,, Aber Ihre Erifteng?" fragte Sie zweifelnd. Ich richte es so ein, daß meine Existenz dabei nicht Genügt Dir die Anerkenntniß?" bedroht ist! Sie genügt mir, denn ich habe dadurch die Gewißheit, daß mein Kind sie einst Bater nennen darf." Natürlich! Das soll geschehen; aber vor allen Dingen schweige vor Jedermann. Niemand darf vorläufig davon wissen." Das ist mir Recht," antwortete Lisette in viel verföhnlicherem Tone, als sie vorher gesprochen hatte.„ Ich bachte mir's wohl, daß Sie nicht so schlecht sein können, mich und mein Rind hilflos zu verstoßen." Und ich meinerseits hätte nicht gedacht, daß Du einen so rachsüchtigen Charakter haft, Lisette." Wenn sich's um mich handelte, Herr Amberg, würde ich vielleicht Rücksicht nehmen; aber ich fühle, daß meine Liebe zu dem Kinde, das noch nicht einmal das Licht ber Welt erblickt hat, mich alle andern Rücksichten vergessen lassen würde." Du kannst also jest beruhigt sein, mein Kind. Geh jetzt und schweige." ollmählich«st gebtssert haben, kaum besonders förderlich ein- wirken." Zur Kongofrage. Unter den Milthcilungen der„Times" iUtr afrikanischen Konferenz findet fich folgendes Berliner Telegramm:„Es ist richtig, daß die englische Re- gierung auf das ernsteste Anratben des Fürsten Bismarck und des S>r E. Malet fich entschloffen bat, die Assoziation nach dem Vorgange Deutschlands und der Vereinigten Staaten anzuerkennen, aber ein Vertrag ist bis jetzt noch nicht unterzeichnet. Es ist indessen wahlscheinlich, daß Vollmachten zu diesem Zwecke bereits von London an den britischen Bot- schaftcr hier unterwegs sind, und sicher wird dieser Auftrag nicht einen einzigen Tag zu früh kommen, denn jede Woche ist kostbar."— Diese Angaben werden hier an unterrichteter Stelle als zutreffend bezeichnet. Die Quittung der Sozialdemokraten über die jüngsten fie betreffenden Worte des Reichskanzlers hat— so schreibt die „Volksztg."— nicht lange auf fich warten lassen. In einem jetzt seitens der Sozialdemokraten im 6. Berliner Wahlkreise verbreiteten Wahlflugblatte heißt es wörtlich: „Ihr Alle wißt, was die Arbeiterpartei will. Und wem es bis jetzt nicht klar gewesen sein sollte, dem hat Fürst BiS- marck in d.n Rcichstagsoerhandlungen der vergangenen Woche gewiß zur Erkenntniß vcrholfcn. Entgegen den öden Tiraden, welche die sogenannte deutsck-sreisinnige Partei gegen uns los- zulassen beliebt, hat er erklärt, daß ihn die erfolgte Vermehrung der Äibeiterabgeoidneten gar nicht unglücklich macht, da,„je größer die Zahl der sozialistischen Abgeordneten, je größer die Ehnnpflicht derselben, mit pofitivcn Plänen hervorzutreten"— welchem Verlangen des Herrn Reichskanzlers schon zwei Tage darauf auf dem politischen Gebiete entsprochen wurde und welchem in allernächster Zeit auch durch positive Vorschläge in wirthschaftlichcr Richtung nachgekommen werden wird. Es liegt also im Interesse einer gesunden Entwickelung unserer ge- sammten sozialpolitischen Verhältnisse, wenn das„nützliche Ele- went", welches Fürst Bismarck in dem Vorhandensein der sozia- listischen Arbeiterpartei entd.ckr hat, kräfiigst vermehrt wird. Und dazu giebt uns der 12. Dezember Gebgenheit." Ueber deutsch-afetkantsche Angelcgeuheiten enthält ein dem englischen Parlament zugestcllres Blaubuch(ein Buch, in welch m die Regierung dem Parlament die zwischen ihr und den Grsandtschaften oder Konsuln in fremden Staaten resp. militärischen Befehlshabern u. s. w. gepflogenen Verhandlun- gen zc mittheilt) eine Depesche Lord Derby's an denKapgou- verncur vom 11. November, in welcher demselben mitgetheilt wird, die englische Regierung habe den Bedingungen, unter welchen das deutsche Protektorat an der Küste des Ramaqua- und Damaralavdes hcrg-stellt wäre, zugestimmt-, es würde daher dem internationalen Brauche nicht entiprechen, daS Territorium, welches unmittelbar an das bestehende deutsche Gebiet grenzt, zu annektiren; die englische Regierung habe nicht die Absicht, von irgend welchen Theilen des Namaqua- und Damaralandcs Besitz zu ergreifen, dagegen sei fie geneigt, die Herstellur g der englischen Jurisdiktion über das Kalahariland in Erwägung zu ziehen. Hamburg. In Folge einer durch mehrere Zeitungen gegangenen Nachricht, wonach die Regierung von Queensland deutsche Landleute für dortige Zuckerplantagen suche, aing.n an den hiesigen Verein„Australia", welcher sich mit der Expedition von Arbeitern nach Australien defaßt, zahlreiche Gesuche um freie Ucbcrfahrt ein Der Vorstand des gedachten Vereins wandte sich an den Gesandten für Queensland in London mit der Anfrage, ob in Australien deutsche Landleute gesucht würden. Die Antwort des Gesandten in London, welche in der gestrigen Generalversammlung des Vereins „Australia" verlesen wurde, besagt, daß die durch die Presse gegangene Notiz, die Regierung von Queensland engagire deutsche Landleute unter Äibeitskontrakt für die Zuckerplan- tagen, unwahr sei, ihm selbst sei biS jetzt keine diesbezügliche Weisung zugegangen. AuS Baden. Ein Pfarrer im Bezirk Staufen hatte am Sonntag vor der Reichstags-Hauptwahl am Schluß der Predigt gesagt:„Am nächsten Dienstag findet die Wahlscklackt statt. Ich darf wegen des Paragraphen, der hinter Schloß und Riegel führt, über die Schlacht nichts sagen und weise deehalb auf das„Raihol. Volksbl." Nr. 43". In diesem Blatte war zur Wahl des Zcntrumskandidaten auf- gefordert worden. Der Pfarrer mußte für diese Versündigung gegen den Kanzelparagraphen 80 M. Strafe zahlen.— Hoffent- lich werten die frommen Pfarrkinder ihrem Hirten die Summe mit Zins und Zinseszins zurückerstattet haben. Frankreich. In der Deputirtenkammer bcan- tragte Lepöre die Beseitigung des K u l t u s b u d g e t S. Der Bischof Freppcl erklärte, die Kammer habe nicht das Recht, das Kuliusbudget zu beflitigen, denn das würde eine Auf- kündigung des Konkordates sein. Der erste Artikel des Kultus- budgets wurde hierauf mit 378 gegen 140 Stimnun angenommen. Sodann wurde trotz des Einspruches des Kultus- Ministers die von der Kommission vorgeschlagene Herabsetzung der Besoldung der Bischöfe und Erzbefchöfe genehmigt.— Der französische Senat genehmigte in seiner gestrigen Sitzung „Ich werde schweigen, wenn Sie Ihr Wort halten!" Sie verließ das Zimmer. „Das fehlte mir noch!" rief er, als er allein war.— „Kommt denn heute alles Unglück zusammen? Das ist ein Tag, den ich in meinem Kalender schwarz anstreichen muß. Und wenn ich alle die Wolken, die jetzt drohend über meinem Haupte schweben, zu verscheuchen vermag, dann kann ich mich glücklich preisen, aber früher nicht.— Wenn doch ein guter Gott einen Strahl seiner Sonne sendete, um diese drohenden Wolken zu zerstreuen." Dreiundzwanzigstes Kapitel. „Sagte ich nicht schon. Deine Anwesenheit allein bringt diesem Hause Glück, mein Junge?" rief der alte Habicht, als er eines Tages in das Thurmzimmer deS Donald-Thurmes trat, welches Fritz Rodenburg bewohnte. Der Doktor hatte sich eben von seinem Lager erhoben und war mit dem Ankleiden beschäftigt. Auf dem Gesicht des alten Oberjägermeisters glänzte die reinste, aufrichtigste Freude. „Also befindet sich der Graf besser?" fragte Fritz. „Er wird heute zum ersten Male sein Krankenzimmer verlassen und am Frühstückstische der Familie erscheinen. Schwach ist er noch immer, aber e» ist doch eine Spur seines früheren Aussehens schon wieder vorhanden." „Das Verdienst seiner Heilung darf ich mir leider nicht anmaßen, Onkel Habicht. Ich habe bis jetzt nichts dazu thun können; und wenn ich aufrichtig sein soll, so fürchte ich, daß da« Uebel sich im nächsten Jahre ebenso pünktlich und eben so heftig einstellen wird, wie bisher." «Da« glaube ich nicht, Fritz! Ich habe im Gegen« theil Hoffnung, daß das Uebel im nächsten Jahre sich viel weniger heftig einstellen oder vielleicht ganz ausbleiben wird." „Woher glaubst Du das?" „Ich habe meine Beobachtung so auf eigene Hand ge- macht, Fritz. Du host Dein Augenmerk auf den Puls des Kranken, auf seinen Athen,, seine Zun e und— was weiß .ch von Euren Manipulationen— gelenkt, ich aber habe �>exe beobachte. Nach dem gewöhnlichen Lauf der sämmtliche Artikel der W a h l r e f o r m v o r l a g e in der von der Kommission beschlossenen Fassung und nahm darauf die Vorlage im Ganzen mit 136 gegen 24 Stimmen an.— Auf spezielle Anordnung des Jufiizmmistels ist gegen die Haupt- redner des Anarchisten-Meetings im Saale Levis die gericht- liche Untersuchung eingeleitet worden. Die Anklage lautet auf Aufreizung zum Hasse, zum Morde und zur Plünderung, und es hat bereits eine Anzahl von Verbastungen stattgefunden. Nun hat es dem Untersuchungsrichter beliebt, mehrere Reporter, welche in ihren Journalen über das Meeting berichtet hatten, als Zeugen vorzuladen und von denselben zu verlangen, daß sie sich über die Genauigkeit ihrer Berichte auslassen und so- dann aussagen, was fie Weiteres über die verschiedenen An- geklagten in Erfahrung gebracht haben. Sämmtliche vorgeladenen Reporter oaben jede Aussage verweigert, und die Journale, der ministerielle„Temps" an der Spitze, protestiren energisch gegen das Bestreben des Untersuchungsrichters, die Reporter zum Zeugniß zu zwingen. Es wird sich zeigen, ob die Staatsanwaltschaft es wagen wird, gegen die Reporter die gesetzlichen Zwangemaßregeln anzuwenden. Großbritannien und Irland. DcrGem ein d erat h der City von London hat auf Antrag des Aldermans Sir F. Truscott den Beschluß gefaßt, dem Unterhause eine Peli- tion gegen die Klausel der Bill für die Neueinthellung der Wahlbezirke, welche die Zahl der Vertreter der City im Unter- Hause von 4 auf 2 reduzirt, zu übeneichen.— Der Rath der Stadt L i m e r i ck, dessen Mitglieder lieber ins Gefängniß wandern als die der Stadt auferlegte Exstra-Polizeisteuer zahlen wollen, find wider Clwarten glücklich aus der Klemme gekommen, da es sich herausstellte, daß der Anspruch verjährt war und somit ein gerichtliches Verfahren unzulässig sei.— Der oberste Gerichrshof bestätigte gestem das Urtheil der ersten Instanz in dem von der Krone gegen Bradlaugh wegen dessen Bctheiliguna an den Abstimmungen im Unter- Hause ohne vorherige Eidesleistung angestrengten Prozeß. Darnach muß Brndlaugh für drei Abstimmungen je 500 Lstr. Strafe zahlen. Bradlaugh meldete die Berufung an. Egypten. Ueber die Lage von C h a r t u m liegen zur Abwechselung wieder einmal beruhigende Nachrichten vor. Ein Londoner Privattelegramm meldet:„Wie der„Mor- ningpost" aus Shabadud, 5. Dezember gemeldet wird, ist ein Araber, der vor 10 Tagen das Lager des Mahdi verlassen hatte, am 4. d. M- in Handak angekommen. Nack seinen Äe- richten ist Chartum eng eingeschlossen und kleine Rebellen-Ab- theilungen greifen täglich die Stadt an. we.den aber st