M 215. Freitag. 12. Dezember 1884. l Jadrg. Brgan für die Interessen der Arbeiter. D-S„Berliner Volksblatt' «scheint täglich Morgen» außer nach Sonn» und Festtage». Abonnementtpreii Berlin frei in'» Hau» vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mark. Einzelne Nr. 5 Pf. SonntagS-Numm« mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in d« Postzeitungsvreisliste für 1885 unter Nr. 746.) JnfertionSgedühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile od« d«en Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größere» Austräge» höh« Rabatt nach Ueb«einkunst. Jas«ate w«den bi» 4 Uhr Nachmittag» in d« Expedition, Berlin 8W., Zimmerstraße 44, sowie von alle« Annoncen» Bureaux, ohne Erhöhung de» Preise», angenommen. HteöoMion un6 KXpeöition Wsrtin 8W., IimmerSraße 44. Die DiStenftage. Sie kann und wird so lncht nicht zur Ruhe kommen, diese heikle Frage, in der sich Regierung und Parlament so schroff gegenüberstehen. Daß die Regierung nicht nach- geben will, wiffea wir und da kaum anzunehmen ist, daß die ReichsiagSmajorität dieser Hartnäckigkeit in anderen Geldbewilligungsstagen ganz in derselben Weise gegenüber- treten wird, so kann man annehme«, daß die Frage, ob die Abgeordneten Diäten bekommen sollen, in dem Stadium d« vorläufigen Erledigung noch eine gute Weile verbleiben wird. Allein man wird sich doch mit den Diäten beschäf- tigen und e» scheint, als ob die Regierung wirklick, Ernst machen und gegen die Abgeordneten vorgehen wolle, die von ihrer Partei Diäten beziehen, was bei einer ganz er- heblicken Zahl der Mitglieder des Reichstage» der Fall ist. Wir sind mit Anderen der Ansicht, daß der auf die Diäten bezügliche Paragraph der Reichsverfassung etwas ganz anderes bedeutet, als was man regierungsseitig in denselben hineinintcrpretiren will. Es heißt, daß die Ab- geordneten als solche keine Diäten beziehen dürfen. Dies kann sich offenbar nur auf solche Diäten beziehen, die den Abgeordneten aus Staats- oder Reichsmitteln gezahlt werden würden. Auf das, was man heute Diäten »ennt, kann dies« Paragraph unmöglich Anwendung finden, wenn man bei der Logik bleiben will. Betrachte man den Fall im Einzelnen. Gesetzt, es würde ein Mann zum Abgeordneten ge- wählt, der keiner Partei angehört? und deffen Mittel ihm es nicht erlaubten, jährlich einige Monate in Berlin zuzu- bringen. Der Neugewählte hätte deshalb Lust, sein Mandat niederzulegen. Da fände sich nun ein wohlhabender Mann, der die Gesinnungen des unbemittelten Abgeordneten theilte und der sich bereit«klärte, die Kosten für den Aufenthalt des Abgeordneten in Berlin zu tragen. Könnte man dicS als„Diäten" oder als„Entschädigung" im Sinne der Reichsverfassung auffassen? Unserer Ansicht nach keines- wegs. wenn man nicht vollständig mit d« Logik brechen will. In solchem Falle wäre da» Geld, das für den Ab- geordneten ausgebracht wird, als ein Geschenk zu be- wachte», und woher wollte man die Berechtigung leiten, dem Abgeordneten die Annabme eines solchen Geschenkes zu verbieten? Wenn man diesen Grundsatz einmal akzeptirt baben würde, so näre kein ReichStagsmandat mehr sicher. Denn man könnte alle Geschenke alS„UntnstLtzung" oder„Ent- schädigung"deklarirln. Ein Abgeordneter feiert scinenGeburtS- tag und bekommt von einer Anzahl seiner Wählereine Reisedecke geschenkt. Einem findigen Juristen wird es dann kaum schwer fallen, die Annahme dieser Reisedecke al« eine„Unt«- stlitzung" oder al» eine„Entschädigung" zu erklären und so Nachdruck verboten.) 36 AeuilXetern. Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dux. (Forsetzung.) «Die Kälte, welche Sie ihm gegenüber an den Tag legen, raubt ihm auch den letzten Schimmer der Hoffnung, je eine Erwidnung seiner Liebe zu finden." � „Darf ich ihm zeigen, was hier vorgeht, Gabriele? Sie drückte die Hand auf das pochende Herz, und ttigte mit einem tiefen Seufzer hinzu:„Ach ich bin sehr, sehr unglücklich!"„.. „Ich bin weit entfernt, liebe Komtesse, in das Ge- hiimniß, daß Ihre Seele so schwer belastet, eindringen zu wollen; doch welcher Art es auch sein mag, darf ich Sie zwingen, das Glück Ihres Lebens von sich zu stoßen? Darf ich Sie zwingen, ewig unglücklich zu sein?" sn.»Ich bin zum Unglück geboren!... Zum Unglück! Nie darf ich glücklich sein!... Wenn doch diese Zeit der Prüfung erst vorüber wäre! Wenn er uns erst verlassen hätte!"—__ _ Fritz führte inzwischen seinen neuen Freund durch die «ale des Schlosses, namentlich in den Waftensaal und die Z'bliothck und machte ihn hier bekannt mit dem Zwerg Toby, welcher, zwischen Staub und Büchern begraben, nach wie ygx Studium der Familienchroniken oblag. Er wies ihm die Ahnenbilder und führte ihn vor das P'ld der Gräsin Clothilde, der ersten Gemahlin Donald des Wolfes. «Agathe!" rief O' Brian.„Sie ist es leibhaftig!" „Also finden Sie das auch?" fragte Fritz gespannt. _„Wie sollte ich nicht? Sind es nicht dieselben sanften �üge, die milden Augen?"- ..»Nun, so wndcn Sie noch mehr überrascht sein, wenn Ihnen sage, daß diese Frau vor vierhundert Jahren -dbte, und daß sie keine Nachkommen besaß, daß vielmehr Komtesse Agathe ein Nachkomme dieser Frau hier ist. Er deutete auf das Bild Hedwig«'», der zweiten Frau von Donald dem Wolf. den Verlust de» Mandats herbeizuführe», wean etwas Aehn- licheS beschlossen w«den sollte. Zwar könnten die mit Diäten bedachten Reichstags- Mitglieder sich sehr leicht jeder Kontrole entziehen. Für die Verabreichung der UntcrstützungSgeld« fänden sich hundert wechselnde Formen, au» denen sich niemals nachweisen ließe, daß sie die bezüglichen Gelder als„Diäten" beziehen. Wie wollte die Regierung es übnhaupt machen, um in dieser Sache etwas Sich«eS zu erfahren? Sie müßte über alle Mitglieder des Reichstages die peinlichste und genaueste Kontrole von deren Einnahmen und Ausgaben verhängen. Selbst wenn dieser Kontrole fast alle nur denkbaren Uamög- lichkeiten im Wege ständen— auch dann glauben wir, daß nicht der zehnte Theil der Abgeordneten e» über sich briv- gen konnte, eine solche Kontrole zu«tragen. Sie würden dann alle ihre Mandate niederlegen, wenn eS nicht möglich wäre, eine solche Art von Konttole abzuwenden. Schon gegenüber den heutigen Anschauungen vom Verhältniß des Einzelnen zu seinem Eigenthum ist die Auf- fassung von„Diäten", wie sie gegenwärtig in den Regie» rungSblätt«n zu Tage tritt, unhaltbar. Wir sind sicherlich keine Anhänger der Meinung, daß jeder Einzelne mit seinem Besitz uneingeschränkt thua könne und dürfe, waS ihm beliebe; allein eS als verfassungswidrig erklären zu wollen, wenn ein Abgeordneter von seiner Partei eine Entschädigung für seine mat«iellea V«lusts bei fein« parlamentarischen Thätigkeit bezieht, das däucht uns denn doch ein zu weitgehender Ein- griff in die persönlichen Rechte des Einzelnen. Wir halten e» für eine V«säumniß. daß man den Abgeordneten Diäten auSzuw«fen unterlassen hat; eine von einer Partei aus- gehende Unterstützung aber auch noch verfassungswidrig er- klären, heißt den mit jener Vetfäumniß begangenen Fehler noch vergröß«n. Gespannt sind wir darauf, ob die Regi«ung mit so! chen Maßnahmen h«antretcn wird und wann, in welcher Form, wenn der Reichstag einer solchen Maßregel gegenüber sich nicht seine Unabhängigkeit zu wahren vermag, so wird eS nur noch reichen Leuten möglich fein, ein Mandat zu besitzen und d« Parlamentarismus wäre zu seiner primitiv sten Form zurückgekehrt. Vorläufig halten wir eine solche Maßregel für un- möglich._ KoUtiseke Nebersickt. Die Stiefkinder des Reichstag«. Wir haben schon am Schlüsse der letzten Legielaturperiovc die Petitionen die Stieskmdcr des deutschen Reichstags genannt, weil dieselben allzu geringe Berücksichtigung finden, lieber 2000 Petitionen werden am Schlüsse jeder Session unerledigt wieder zurückge- schickt und von den„erledigten" Petitionen kommen die wenig- „Unmöglich!" rief O'Brian.„Wie kann eine Wölfin Nachkommen haben, welche dem Geschlecht der Engel ent- sprossen scheinen!" Toby reckte seinen Kopf über den Bücherhaufen her- vor. Er hatte diese Worte gehört und antwortete darauf: „Und dennoch ist es so! Ich habe eben den Passus der Chronik hier aufgeschlagen. Wenn e» Ihnen beliebt, so lesen Sie selbst»ach. Die erste Gemahlin Donuil» des Wolfes ward verstoßen und war kinderlos.... Da- gegen hatte die zweite drei Kinder, und d« älteste Sohn ist Stammvater unseres Grafen." Sie hatten nicht Zeit, sich von der Richtigkeit dieser Angaben zu überzeugen, d>nn eben kam Habicht und meldete mit freudestrahlendem Angesicht, daß Graf Fergu» sich entschlossen habe, heute den ersten Spazierritt zu machen, und daß er sie bitte, ihn zu begleiten. Jetzt erst schien das Schloß aus seinem Winterschlafe aufgewacht. Im Hofe, in den Ställen, in allen Räumen, welche Leben- digkeit, welche Regsamkeit!— Als Graf FerguS von dem Spazierritte zurückkehrte und erklärte, daß derselbe ihm vortrefflich bekommen sei, und daß er in der nächsten Woche die erste Wildschweinsjagd abhalten werde, da war es, als ob ein Zauberwort gesprochen sei, das hunderte von Wesen in Thätigkeit setzte, die so lange ein Bann der Unthätig- keit verdammt hatte. Das Mißbehagen schwand von allen Gisichtern, die Freude kehrte wieder. Mit Lust ging Jeder an seine Arbeit, und selbst von Agathe's marmorbleichem Antlitz schien die Trauer einen Augenblick zu weichen. Die Einladung an die Grundbesitzer der Nachbarschaft erging, und Vorbereitungen zum Empfang vieler Gäste wurden getroffen; Agathe zeigte, daß sie e» verstand, ein hoch- aristokratisches Haus zu rcpräsentiren, die Pflichten der Gastfreundschaft ebenso voitrefflich zu erfüllen, wenn es galt, großen Glanz zu entfalten, als wenn es galt, Freund- schaft und Theilnahme zu«weisen. Ihr Vater zog sie bei jeder Einladung zu Rathe. Sie widersprach seinen Wünschen niemals. Nur ein einziges Mal äußerte sie ein leises Bedenke», als es sich darum handelte, den Lord von Killmare einzuladen. sten an den Reibstrg selbst zur Bwathunz. Dieselben werden einfach mit der Note versehen:„Zur Vechandlung im Plenum nicht geeignet". Der Reichstag hat ja auch bekanntlich mehr zu thun. Regierungsvorlage drängt sich an RegierungS- vorläge, die schleunigst erledigt werden müssen, während die Anträge aus dem Hause selbst und besonders die V o l k s v o r« lagen, die Petitionen warten können,„bis sie schwarz wer- den" im buchstäblichen Sinne des Wortes. Wir wissen wohl, daß viele Pclüionen vollständig ungerechtfertigt find, aber das muß den Petenten nicht durch einfache Nichtbeiücksichtigung de» merkt, sondern durch eine kurze Erläuterung auch erklärt wer- den. Selbst die kaum volksfreundlich zu nennende„Magde- durger Ztg." klagt jetzt über den herrschenden Zustand in Be- zug auf die Petitionen und meint, der Reichstag sollte doch wenigstens den größten Theil aller ihm zuzeganzcnen Petitio- nen, also auch derjenizen, welche begründet find und sich zur Verhandlung im Plenum eignen, vollständig«ledigen. Nicht umsonst ist dem Reichstage rm Artikel 23 der Reichsverfassung ausdrücklich das Recht zugesprochen, an ihn gerichtete Petitionen dem Bundcsrathe resp. dem Reichskanzler zu überweilen. Zu- dem ist das Peritionsrechi, von welchem in allen Angelegen- heilen Gebrauch gemacht wird, die das öffentliche Wohl, den rechtlichen, wirthschaftlichen unv sittlichen Zustand des Landes berühren, ganz besonders geeignet, im Volke das Interesse am öffentlichen Leven zu erwecken und wach zu erhalten, also den jedesmal bei den Reichstagswadlen wiederkehrenden Klagen über Saumseligkeit der Wähler abzuhelfen. ES ist ja bekannt, daß alle öffentlichen Dinge stets den Einzelnen in irgend einer Weise berühren, daß die Gesammtheit resp. Mehrheit sich aus der Einzelheit zusammensetzt, daß also im Staatswesen das Wohl der Gesammtheit von der thätigen Theilnahme des Ein- zelnen abhängig ist. Das Petitionsrecht ist endlich auch inso- lern von großer Wichtigkeit, als es den einzelnen Reichsbürgem bei wichtigen Staatsaktionen, Gesetzvorschlägen, Reformen:c. die Möglichkeit bietet, ihre Wünsche und Erfahrungen zum Besten dn Allgemeinheit darzulegen, Gebrechen, Mängel und Uebelstände aufzudecken, also den gesetzgebenden Faktoren, dem Bundesrathe und Reichstage, einen beständigen lebendigen Kontakt mit den Bedürfnissen und Wünschen des Volkes ge- währt. Offenbar wird aber daS Petitwnsrecht dadurch ver- kümmert, wenn fast in jeder Parlamentssession nur ein ganz kleiner Theil der eingegangenen Petitionen seine Erledigung findet. Leider fehlt es an einer ausdrücklichen gesetzlichen Verpflichtung des Reichstages, alle bei ihm bis zu einem gewissen Zeitpunkte ein- gegangenen Anträge und Petitionen zur Erledigung zu bringen. Eine Anordnung des Ftnanzministers über Fristen geht dahin, daß künftig nach der im§ 200 Abs. 2 der deutschen Zivilprozeßordnung enthaltenen Bestimmung;„Fällt das Ende einer Frist auf einen Sonntag oder allgemeinen Fcierlag, so endet diel Frist mit Ablauf des nächstfolgenden Weiktages", auch hinsichtlich der in den Gesetzen über die direkten Steuern vo- geschriebinen Fristen, insbesondere für Anbringung der Reklamattonen, Remonst ationen, Rekurse u. f. v. zu verfahren ist. Der Tag der Zustellung einer Ver- fügung, eines Bescheides oder Beschlusses, beziehungsweise der „Auch diesen?" fragte sie fast bittend ihren Vater. „Warum ihn nicht?" „Du weißt!...." „Ah, ich verstehe, meine Tochter!" antwortete er. „Du fürchtest, er möchte seine Bewerbung um Deine Hand erneu«». Nein, fürchte da« nicht! Nachdem Du ihn einmal abgewiesen, ist er resignirt nnd viel zu sehr Ehrenmann, um noch einmal Dich mit seiner Bewer- buvg zu beunruhigen. Er ist ein braver, vortrefflicher Mann, Agathe, freilich nicht so schön, so elegant, so all- seitig gebildet wie O'Brian." „Sir O'Brian ist ein Mann von vielen vortrefflichen Eigenschaften," sagte sie nachdenkend vor sich hin. Doch— als hätte sie sich auf einer Schwäche ertappt— erröthete sie sofort und schwieg. „Ah, ich freue mich üb« Deinen Geschmack," sagte ihr Vat«,„Du giebst ihm den Vorzug vor dem Lord.— Nicht wahr, liebe Tochter, im Falle, daß er um Deine Hand werben sollte...." „Vater!" rief sie vorwurfsvoll und flehend. „Schon gut, mein Kind! Ich schweige.... Du hast nichts dawider, wenn ich den Lord einlade?" „Nicht meinetwegen, Vater, aber...." „Was hast Du für Bedenken?" „Er kennt eine Geschichte, Du weißt, welche ich meine." „Laß Dich da» nicht beunruhigen, Agathe. Hat er Dir jemals auch nur angedeutet, daß er von meinem früheren Verhältniß zu dem Hause Davis irgend welche Kenntniß hat?" „Das nicht aber unsere Gäste möchten erfahren...." „Mein Kind, Unehrenhaftes kann Niemand über mich berichten, und einer Lüge ist Edwin von Killmare un- fähig." „Wenn Du es durchaus wünschest, Vater, so lade ihn ein."—— Es war an einem Freitage, einem hellen und kalten Februartage, als d.e Gäste auf Schloß Donuil eintrafen. Die Räume füllten sich; die Dienerschaft war in Bewe- gung; m den Ställen wieherten hunderte von fremden letzte Tag der Offenlegung einer Steuerrolle wird bei Fest« stellung der Prällufivfiist, wie bisher, auch ferner nicht mit- gerechnet werden. Die Kongo-Konferenz wird vorousfichtlich die Be- rathungen bis zum 20. d. M. beendigen können, nachdem in- bezug auf die Kongo- und Niperschifffahrt eine Verständigung erzielt ist und der dritte Punkt der der Konferenz gestellten Aufgaben nur wenig Sitzungen in Anspruch nehmen wird. Die Fortsetzung des sog. deutschen Blaubuches dürfte in den letzten Tagen dieser Woche erscheinen: dieselbe wird Angra Pequena und die Eüdsee behandeln, lieber das söge- nannte Lüderitzland sollen ganz intercffante Aufschlüsse im Blaubuch enthalten sein, während der auf die Eüdsee be- zügliche Theil desselben insbesondere Hamburg interesstren dürfte. In Lindenau bei Leipzig siegten bei den Gemeinde- wählen die Sozialdemokraten auf der ganzen Linie. Von den Ansässigen wurden sämmtliche fünf Gemeinderathsmitgliedcr und die vier Stellvertreter aus den Reiben der Eozialoemo- traten gewählt, ebenso siegten die unanfäsfigcn Sozialisten über die anderen Parteien, indem sie zwei Mitglieder und zwei Lindenau ist bekanntlich das Schwester- liegt im Reichstagswahlkreisc Leipzig Stellvertreter ernannten. dorf von Plagwitz und Land. Würzbnra, Hier ist der originelleFall pasfirt, daß dem Regierungspräsidenten Grafen Luxburg, der über eine jährliche Rente von mindestens 36 000 3J(. neben seinem Einkommen verfügen soll, auf seine Anfrage seitens der Schuldehörde eine Ermäßigung des Schulgeldes für seine drei Sohne dewilligt wurde!! Diese Asfaire erregt hier großes Aufsehe«. Unter dem 7. d. M. erließ das Rektorat der königlichen Studien- anstalt eine öffentliche E'klärung und nahm das ganze Odium der Angelegenheit auf sich, indem es mittheilt, es habe eine bloße Anfrage des Regierungspräsidenten Grafen Luxburg irrthümlich als Wunsch desselben, für seine Söhne um die Er- Mäßigung des Schulgeldes nachzusuchen, aufgefaßt und dem- gemäß dre Sache im Lehrerrathe vorgebracht. Darmstadt. Nach einer uns gewordenen Mittheilung hat die WahlprüfungS-Kommission des Reichstags aus Anlaß der stattgehabten Reklamation gegen die hiesige Reichstags» wähl sich das seiner Zeit großes Aufsehen erregende national- liberale Flugblatt„Die Maske herunter" ausgebeten und auch bereits erhalten. Hiernach scheint die WahlprüfungS-Kommission dem betreffenden unerhörten Hetzblatte bei der Frage, ob die hiesige Wahl zu kasfiren sei, Bedeutung beizulegen und wird hierdurch die immer noch nicht völlig llargestellte Autorschaft des Pamphlets natürlich aufS Neue hier eifrig diSkutirt. Aus Thüringen wild der„Franks. Zeitung" geschrieben: Nichts würde geeigneter sein, ein belleS Licht auf die wirth- schaftliche Lage unserer Arbeiterbevölkerung zu werfen, als eine genaue, amtlich ftstgrstellte L o b n st a t i st i k. Denn das, waZ man jetzt über die Höhe der Löhne in den Berichten der tbü- ringischen Fabrikinspektoren findet, bietet für eine richtige Be- urtheilung durchaus keinen sicheren Maßstab. Wenn z. B. Altenburger Blätter nach dem amtlichen Berichte des Fabrik- inspektors, Bergrath Wohlfarth, mittheilen, daß der Wochen« verdienst der Männer in Dampfziegeleien 22 M. bis 7 M. 8 Pf. beträgt, der der Frauen 8, 5—6 M., daß in Porzellan« fabriken Männer 30—3,5 M. verdienen, Frauen 9—3 M., in Stein nußknopsfabriken 30 M. bis 4 M. u. s. w., und wenn der Herr Fabrikinspcktor dazu bemerkt, daß die Lebensmittel- preise dem Durchschnittsverdienste angemessen seien, so muß man doch immer fragen, wie doch ist der Lohn der Mehrzahl der Arbeiter. Daß Einhelne 30 und 35 M. wöchentlich ver- dienen, z. B. Vorschncidcr in der Handschuhbranche, ist immer der Fall gewesen. Die Hauptsache ist die, zu erfahren, wie viel verdient das Gros der Arbeiter, und dies kann nur durch eine ganz genaue Lohnstatistik der einzelnen Gruppen lesp. der einzelnen Arbeiter in den verschiedenen Fabrikationszweigen festgestellt werden. Der Herr Fabrikinspektor für das Herzog- tbum Altenburg scheint dies auch zu fühlen, denn er fügt ferner Angabe über das Berhältniß der Lebensmittelpreise zu den Durchschnittslöhnen folgende charakteristische Bemerkung bei: „Es lasse sich dies zwar nicht mit Zahlen beweisen ldaß der Durchschnittsvcrdienst den Lebensmittelpreisen angemessen sei), wohl aber mit der Wahrnehmung, daß in den meisten Arbeiter- kreisen eine freundliche, zufriedene Stimmung herrsche und daß allgemeine Klagen über Nothstände nicht bekannt geworden."— Dos soll jedenfalls heißen: Dem Herrn Fabrikinspektor sind keine Klagen bekannt geworden! Damit ist aber absolut nichts bewiesen, denn beim Jnspizicen der Fabriken wird sich selten ein Arbeiter dem Beamten nähern und ihm Uebelftände klagen, weil er weiß, daß einer solchen Klage die Entlassung folgen würde. Und außerhalb der Fabrik verkehrt der Herr Fabrik- rnspektor gewöhnlich in anderen als Arberterkreiscn. Oesterreich-Ungarn. Aus Anlaß des Unterliegens eines Antisemiten bei einer Vcreinswahl in Wien begingen in der Universität antisemitische Studenten arge Exzesse. Mit Stöcken überfielen sie ihre israelitischen Kollegen und die Balgerei er- griff bald weitere Kreise. ES kamen mehrfache ernste Ver- wundungen vor. Die Polizei ist nicht eingeschritten.— In Pferden; die Jagdlust der Rüden war kaum zu bändigen, und sie stimmten oft genug ein markdurchdringendes Geheul an; und in dem Waffensaal, wo das große Bankett herge- richtet, da saßen die Söhne de« schottischen Hochlandes und zechten und erzählten Jagdgeschichten, und gratulirten ihrem Wirth zu seiner Genesung, lobten seine Waffen, sein Jagd- gebiet, seine Pferde, seine Hunde— und priesen ihn glück- lich, daß er in seiner Tochter eine Perle besitze, wie sie in den drei Königreichen nicht mehr gefunden würde. Die Gläser klangen, und ein Hoch ward ausgebracht auf die junge Gräfin und den Glücklichen, dem sie einst ihre Hand reichen würde. Der Lord Edwin von Killmare stieß mit an und schaute traurig d'rein; O'Brian aber seufzte tief und zog sich zurück.— Am andern Morgen, noch lange bevor die Winter- sonne hinter den Bergen auftauchte, hörte man die Klänge von Segal'S Horn vor den Thoren, Klänge, welche heute nicht melancholisch, sondern hell und freudig ertönten; und eine Viertelstunde später war die glänzende Jagdgesellschaft auf dem Schloßhofe beisammen. Eine Jagdgesellschaft in Schottland gewährt einen überaus malerischen Anblick. Alle Herren, mit wenigen Ausnahmen, sind in dem schottischen Nationalkostüm gekleidet; die kleinen mit Federn oder Haar- kokarden gezierten Mützen, der phantastisch über die Schulter geworfene Plaid, die eng anschließenden Beinkleider, welche das Knie entblößt lassen— das war die Kleidung der meisten Jagdgenoffen, welche dem Ganzen ein pitoreSkeS, fast theatralisches Ansehen gab. Die Rosse wieherten und scharrten das Pflaster, Waffen klirrten, Hunde bellten da- zwischen.... und dann war daS Thor geöffnet. Habicht ritt voraus, den Zug eröffnend; an seiner Seite trabte Ajax, welcher kampfbegierig die Zähne fletschte und aus dem Auge seines Herrn den Befehl zu lesen suchte, welchen Feind er zuerst erwürgen solle. An der Seite des Ober- jägermeisters ritt Segal, das mächtige Horn um die Schulter. Sein sonst so melancholisches Antlitz glänzte heute vor Freude und Stolz, denn heute befand er sich in seinem Beruf. Dann folgte der Graf M'Donuil, an dessen einer Seite der Baronet O'Brian, auf der andern der Lord Killmare ritt; und dann schlössen sich alle übrigen Jagd- dem Anarchislenprozeß in Budapest wurden verurthellt: Prager wegen Preßvergehen und Hehlerei zu 3'/- Jahren Kerker, Fried wegen Hehlerei zu 1 Jahr Kerker und Novotny zu 6 Monaten Gefängniß. Die Verurtheilten appellirten. Fried wurde gegen 500 st. Kaution auf freien Fuß gesetzt. Belgien. Die„bescheidenen und berechtigten" Ansprüche, welche dre Kirche„als öffentliche Autorität" in Belgien im Untenichtswesen erhebt, stellt der„Brüsseler Kourier" heute auf Grund der päpstlichen Erlasse dahin fest: Vollständige Ueber- wachung und Beaufsichtigung des religiösen Unterrichts in den Familien, Privatinstituten, den öffentlichen Lehranstalten aller Grade, Wahl der Lehrer und der Bücher. Ferner Genehmi« gung der Lehrer und Bücher, die zur Erziehung der Jugend dienen! Ferner wird für die Pfarrer„die Leitung und Ueber- wachung" der Schulen" beansprucht,„denn es ist besser, das Volk und die Jugend in der Unwissenheit zu erhalten, als nicht die Religion und die Moral als die Basis des Unter- richts hinzustellen". Diese Forderungen erregen um so größe- res Aufseben, als jetzt alle Kommunalräthe des Landes über das Verhältniß der Schulen zum Klerus in Folge des neuen Schulgesetzes beschließen. Frankreich. Die Deputirtenkammer lehnte bei Beratbung des Kultusbudgets, entsprechend dem Antrage der Kommiifion, den Antrag des Bischofs Freppel auf Wiederherstellung ver Domherrcngebälter, sowie den Antrag, die von der Kommission gestrichenen Freistellen für Seminaristen wieder herzustellen, ab. Die Berathung des Kultuebudgets wird morgen fortge- setzt.— Der Senat wird morgen über die Kredite s ü r T o n- kin berathen. Rußland. Gewissermaßen zur Feier des zwanzigjährigen Bestehens der russischen Justizreform wird in russtsäien Blät- tern ein neues sensationelles Vorkommniß aus der Thätigkeit der Geschworenengerichte mitgetheilt. Aus Uman wird nämlich gemeldet, daß daselbst Ende vorigen Monats derBertteter der Prokuratur sich in seiner Anklagerede zum Schluß an die Ge- schworenen gewendet habe mit den Worten:„Gestern haben Sie offenkundige Räuber und KronSdiebe freigesprochen. Ich hoffe, daß Sie heute sich zur Sache ernster stellen werden." Die Geschworenen erklärten sich für beleidigt und ließen die Sache zu Protokoll nehmen.— In Folge einer Bekanntmachung der Ovessaer Kaufmannschaftsdirektion, wonach d'e ausländi- schen Kaufleute jüdischer Konfesston zum weiteren Betrieb ihrer Geschäfte in Odessa nicht nur das Zcugniß erster Gilde lösen müssen, sondern noch die Erlaubniß dreier Minister(des In- nein, des Auswärtigen und der Finanzen) einzuholen haben, entstand, wie die„Ovess. Ztg." schreibt, in der Odessaer Hon- dclswelt große Sensation, um so mehr, da die Maßregeln nur anderthalb Monate vor Beginn des neuen Jahres bekannt ge- geben wurden. Odessa wird als internationaler Handelsplatz den Einfluß dieser Maßregel besonders stark fühlen. Da jeden- falls einige Wochen vergehen werden, bis es gelingt die Cr- laubniß der drei Minister einzuholen, so steht eme Liquidation Ver Geschäfte bedeutender und alter Handelshäuser zu erwar« ten. Einer der bedeutendsten Odenaer Exporteure telegraphirte, wie der„Od. W." mittbeilt, nach Paris, wo sich sein Haupt- komtoir befindet, und beanspruchte von dort aus Hilfe zur schnelleren Erreichung der Erlaubniß. Die Vertreter einiger anderer Odessaer Handelshäuser beabsichtigen, aus ihrer Mitte eine Deputation zu wählen, welche in St. Petersburg um Aufschub der Einführung der bisher in Odessa nicht gcbräuch- lich gewesenen Vorschrift bitten soll. Wie man in der Türkei zu eine« Orden kommt! Als Raschid Pascha Statthalter von Smyrna ward, ent- faltete er den größten Eifer in der Jagd auf die Räuber und einer seiner ersten Erfolge war die Ergreifung des berüchtigten Kaptan Andrea. Die Gerichtsverhandlungen boten das giößte Interesse dar wegm der Schwierigiett, die Identität des Ge- fanaenen festzustellen. Eine Zeit lang schien das Gewicht der zahlreichen Zeugnisse eine Freisprechung wahrscheinlich zu ma- eben, da fast alle Zeugen in ihm den Roßtäuscher Lialukos aus Argoa erkannten. Raschid Pascha, welcher für den Fang de- rcits den Osmanie-Großkordon erhalten, ließ daher den Präses des KriminalgerichtS absetzen und die Verhandlungen von Neuem aufnehmen. In der Tbat erfolgte nun die Verurthei- lung zu 15 Jahren Galeeren. Acht Tage nachher ober trifft die Nachricht ein, daß die Polizei im Piräeus den wirklichen Kaptan Andrea verhastet hat, und daß auch nickt der mindeste Zweifel an der Identität des Jnhastirtm besteht.— Ba hri Pascha, welcher mit seinen Polizeiagenten jahrelang Pera und Galata unsicher gemacht hat und durch den berühmten Prozeß gegen dieselben schwer kompromittirt worden war, ist, wie offiziell angezeigt wird, aus der Untersuchung vor dem Staatsralh glänzend gerechtfertigt hervorgegangen. In Folge dessen wird er rehabilftirt und als Gouvcmeur von Fezzan im Süden von Tripolitanicn— aus der Hauptstadt rxilirt. Die Regierung scheute sich vor dem Eingeständniß, daß einer der wichtigsten Funktionäre der Hauptstadt und ehemals Günstling des Palais im Grunde nur der Patron der veratischcn Gauner- zunft war, gewährte jedoch der öffentlichen Meinung die Genug- thuung, ihn nach Fezzan, dem gewöhnlichen Deportationsort für Verbrecher, zu verbannen. genossen, unter ihnen auch Fritz Rodenburg an.— An der Brücke vor dem Thore stand der Zwerg Toby, als der Zug vorüberkam. „Glück auf die Jagd!" rief er dem voraufreitenden Habicht zu. Dieser aber machte ein sinsteres Gesicht und brummte vor sich hin. „Ich wollte. Du wärst, wo der Pfeffer wächst, statt hier auf der Brücke." „Was sagen Sie?" fragte Segal. „Es wird heute ein Unglück geben!" erwiderte der Gefragte.„Jedesmal, wenn ich beim Ausreiten auf die Jagd diesem Zwerge begegne, passirt etwas Verdrieß- liches." „Pah, ich bin nicht so abergläubisch," sagte Segal und ließ fein Horn lustig erklingen.— Zu einer Jagd in Schottland gehört gehört jene Race von schottischen Pferden, welche gewohnt sind, auf Wegen zu gehen, auf welchen jedes andere Pferd jede Minute straucheln und Gefahr laufen würde, die Beine zu zer- brechen, Pferde, welche mit derselben Leichtigkeit hohe Berge erklimmen, wie sie durch tiefe Sümpfe zu waten im Stande sind, jene kurz gebauten, gedrungenen Pferde, welche zwar nicht in Schnelligkeit, doch in Ausdauer und Kraft mit den besten ihres Geschlechtes zu wetteifern im Stande sind.— Nach einer Stunde war die Lisiere des Waldes erreicht. Hier stand ein Jagdhäuschen, in welches sich schon Tags zuvor der Haushofmeister Gilbert mit seiner Frau Jeanne und einige von der Dienerschaft begeben hatten, um ein solenne« Frühstück bereit zu halten. Ein mächtiges Feuer brannte im Kamin, und auf ver- schiedenen Büffets standen kalte und warme Speisen für die Gäste bereit. Nach dem Frühstück wurden die Rüden losgelassen, welche sich sofort in das Dickicht stürzten, um die Schlupfwinkel der Jagdopfer aufzuspüren. Die Jäger folgten ihnen, sich in den Theilen des Walde« haltend, welche das Durchdringen der Pferde möglich machten. All- gemeine Spannung herrschte. Man lauschte, bis endlich aus dem Dickicht das Geheul erscholl, das Zeichen, daß ein Wild gefunden; und nun gab das Gebell der Hunde dre I Richtung an, welche das fliehende Tqier nahm,— die Sgystteu. In der Nähe von Suakin gerieth ein englisches Kaoallcrie-Piquet unter Kapitän Gregorri in einen Hinterhalt, es gelang ihm jedoch zu entkommen. Man sandte Verstär- langen aus und ermittelte, daß sich 1500 Araber in dem un- ebenen Terrain unweit der Sandsack-Redoute festgesetzt hatten. Der Feind machte einen entschlossenen Angriff, um die Eisen- bahn zu zerstören. Kapitän Stovfoid engagirte mit der egyv- tischen Kavallerie die Rebellen und beschoß sie über eine Stande lang. Dann sammelte sich der Feind, und die Kavallerie, welche ihm an Anzahl unterlegen war, zog sich zurück, nachdem sie abgesessen noch mehrere Salven;abgegeben batte. T« „Delphin" und die Forts sandten ein hesliges Feuer in die feindlichen Reihen. Das Resultat ist noch nicht bekannt. Zanzibar. Die britische Schaluppe„Osprey" hat ein Sklavenboot mit Bcschlaa belegt. Als die Sklavenhändler das engliscbe Kriegsschiff in Sicht bekamen, warfen sie eine Anzahl von Sklaven über Bord, deren 6 ertranken. Gegenwärtig ist der Sklavenhandel an der Küste sehr belebt. Nord-Amerita, Die Schuhfabrikanten von Philadelphia haben 5000 Arbeiter entlassen, um dieselben zu zwingen, fisl von den„Rittern der Arbeit", einem mächtigen geheimen Ge- werkvereine. loszusagen.— Blaine beabsichtigt, c.ne Reise in's Ausland anzutreten und sich der Herausgabe mehrerer Ge- schichtswerke, darunter eine Geschichte des Krieges von 181% zu widmen-— General Grant hat brieflich erklärt, er wolle keine Pension annehmen, weshalb die im Senate dieserhal» eingebrachte Bill zurückgezogen worden ist. Dommun»les. Die MiethSsteuer betreffend. In Rückficht darauf, daß die Antwort des Oberpräfidenten der Provinz Brandenburg uim von Berlin an den Magistrat in Bezug auf die Anftagc dm Letzteren wegen Gestaltung einer Erhöhung der Miethssteuer, um die in den unteren Miethsstufen Befindlichen zu entlasnn, bald zu erwarten ist, dürfte es Manchen interesstren, die Am ficht der Majorität der 11 Antragsteller aus einer vergleichem den Ueberficht der verschiedenen MietbSsteuer-Rcformvorschlägj zu erfahren. Sämmtliche Antragsteller, mit Ausnahme dcs Stadtverordneten Grunert, legen ihren Anträgen die in dem Verwaltungsbericht des Magistrats durchgeführten Miethsad- stufungen zu Grunde. Was nun die verschiedenen Prozent- sätze betrifft, die in den einzelnen Stufen erhoben werden sollen, so will die Majorität(sechs) bis 200 M. Micthe 2 pG erheben, drei schlagen 3 pEt., einer V- pCt.. einer 4 pCt.»ol. Bei über 200—250 M. sollen nach vier Anträgen ebenfall* 2 pEt., nach drei Anträgen 3 pCt., nach drei Anträgen 4 pG- nach einem 3'/, vEt. erhoben werden. Die Mietben von bis 300 M. sollen nack vier Anträgen mit 2 pEt, nach lj dreien mit 3 pEt. beziehungsweise 4»Et, nach einem m» 6V1 pEt. steuern. Bei den Miethen von 300—450 M- m keine absolute Majorität erreicht; je fünf Antragsteller wollc* 3 beziehungsweise 4 pCt. erheben, einer 62/» pCt. Ueber w bis 600 M! Äiethe soll nach sieben Anträgen 6Vi»Ct.. W dreien 4 pCt., nach einem 3 vEt. steuern. Ueber 600—900 wollen sieben ebenfalls mit 6'/« vEt., je zwei mit 5 beziehuM weise 4 pEt. besteuern. Ueber 900—1200 M. sollen nach Anträgen 62/, pCr. zahlen; nur einer schlägt 6 pCt.»«, ebenso find bei 1200—1500 M zehn Anträge für 6-/, vf' einer für 7 pCt.; über 1500—2250 Ä. soll nach sieben% schlagen mit 8V*»Ct. besteuert werden. Bei über 2250—4� Mark, sowie bei über 4500 M. wollen je acht Anträge ebeM falls 8'/, vEt. erheben, nur ein Antrag geht in letzterem bis auf 10 pEt. Wenn bei der Berechnung die Untecscheiou� der voll- und der theilweise besteuerten Miethen beachtet nicht aber auf die geschäftlich benutzten Räume und die nungcn getrennt eingegangen wurde, so geschah dies deShü? weil ein sicheres Kriterium hierfür nicht exsstirt, wie denn au» alle in dieser Richtung etwa angestellten Berechnungen uu Vorschläge einer haltbaren Grundlage entbebren. Der Magistrat hat bezüglich der Ausführung der nj", Pscrdedahnlimen bei dem Polizeipräsidium die Einleitung miffarischer Beraihungcn beanttagt, und dieses hat sich bu.m gezeigt, darauf einzugehen. Es ist dies um so danken�erw,; als die Verhältnisse, welche bei der Niederlegung des damms in Frage kommen, theilweise recht verwickelter Art i'v z. B. die Veränderung der Lage des Spreebettes. Bei tung eines Schriftenwcchsels zwischen den Behöiden hätte>. die Sache ins Unabseddarc hinausziehen müssen. Indessen"' diese Fragen schon seit längerer Zeit Gegenstand derVerha � lung bei den einschlagenden Behörden gewesen und dürften nothwendigen Studien gemacht sein, so daß man baldiqerse scheivung entgegensehen darf, die für die gesammten stävtil»' Verhältnisse von so eingreifender Wichtigkeit sein wird. u, Die städtische Jdiotenanstalt, welche im Anschluß an Dalldmfer Irrenanstalt seit einiger Zeit eingerichtet ist, la wie sich immer mehr herausstellt, eine bis dahin vorbanden f weiene Lücke in der slädlischen Fürsorge für nicht Po äst trefflich aus. Die Anstalt ist im Laufe des vorigen 3�', über die ursprünglich angenommene Zabl von 100 3v01'> hinausgegangen, hat aber für einen mäßigen Zuwachs nofl� Reiter gaben ihren Pferden die Sporen. Im 0*'", ging« über den halsbrecherischen Boden vorwärts, � Hunden nach, welche ihr Opfer hinaustrieben aus' Dickicht, um es auf einem freien Platz den Büchsen Jäger zu stellen. � lir Keine leichte Arbeit für die Hunde, denn das schwein ist ein kühner Gegner, welcher selbst die große zahl der Feinde und die vielen und scharfen Zähne i fürchtet, sondern sich zur Wehre setzt, so lange e« � athmet. Die Hauer des Schweines hatten mehr seiner Verfolger unschädlich gemacht, und heulend unv � selnd lag hier und da einer auf dem Wege, de fliehende Thier genommen hatte. Ein Dutzend Hunve> an fernem Nacken. Rechts und links hieb daS � um sich, um die Feinde, welche ihre Zähne t.ef j vlersch geschlagen hatten, abzuschütteln, so lange, � endlnh gezwungen war. Halt zu machen; und nun l � dre Jäger herbei und— den ersten Schuß hatte he»'� Ferer seiner Genesung der Wirth selber. Fest st legte er die Büchse an, und eS war ein Biati'® kunstgerecht, wie ein geübter Jäger ihn nur zu � ji bringt. Das Thier brach unter demselben zusamw derselben Weise, wie daS erste Opfer erlegt wurde,„jJ ein zweites, ein drittes und noch ein Dutzend erleg*' F so ging eS Meilen weit vorwärts durch den Waw..«;«!! den Gebirgsrücken, welcher die Grenze bildet deS � von Donuil und von DaviStown.., K Arn Fuße dieses Gebirges zog sich eine tiefe,°% waldete Schlucht entlang, und hier gerade vermuty die schönsten Exemplare des Reviers' zu finden. kurze Zeit machte man Halt, um den Pferden unv V Ruhe zu gönnen. Die Jäger hielten auf der � sahen die malensch schöne und imponirende Land.« Hochlandes an, und der Stolz leuchtete jedem � au» den kühnen Augen.. irt"': O'Brian stand mit seinem Freunde Frsts �$0 abseits von den Uebrigen und deutete dorthin, schrägen Strahlen der Mittag«so°ne von dem � � deS Schlosse» DaviStown zurückgeworfen wurden, s�iv Schloß und die Umgegend in blead«dem Glanz schule kjeßei V jroutrn nüflcnben Raum. Die Erziehung durch Anhalten zur Thätig- keit, zu regelmäßigen Bewegungen in frischer Luft und zu ge-- ttßnetm gymnastischen Hebungen zeigt fortgesetzt ihre guten Folgen. So mancher apathische Zögling ist aus seinem dahin- brütenden Wesen durch die strenge Hausordnung, die fortwäh- renke geistige Anregung im Unterricht, wie in der Freizeit durch Spiel und anregende Epaziergänge, durch die immer wieder- kehrende Aufforderung zur Thäligkert in den Werkstätten auf- gerüttelt worden und zur Bekundung eines eigenen Willms gelangt. Exaltirte Individuen werden in der Anstalt ruhiger, schüchterne und scheue Zöglinge zutraulicher, und die zerstörungs- süchtigen Zöglinge werden so weit zu Menschen gemacht, daß sie ruhig mit ihrem Baukasten und ihrer Puppe spielen lernen. D o K» l e s. a. Unsere vor Kurzem gebrachte Mitthcilung über die Zulässigkeit des poltzetlichen Einschreitens gegen das unlautere Treiben der Hypotheken» und Grundstücks- Kommissionäre auf Grund des§ 35 der Reichsgewerbe Ordnung hat eine Reihe von Anzeigen aus dem bcthciligten Publikum über derartige Fälle zur Folge gehabt, um die Un- lersuchung des Gewerbebetriebes der gemeinschädlichen Per- Mittelungsagenten(im Verwaltungsstreitversahren) herbeizu- sühren.— In gleicher Weise könnte gegen das in der Presse tiüustg gerügte Unwelen der Etellenvermittler auf Grund des SJ35 der Gewerbe- Ordnung vorgegangen werden, welche die Stellungsuchendcn in unehrlicher Weise um das wenige Geld bringen, das fie vielleicht noch be ätzen, ohne ihnen Stel- lung zu verschaffen oder auch nur dazu in der Lage zu sein. Es gelangen häufig Anzeigen an die Kriminalpolizei, daß fich oerartige gewerbsmäßige Stellenvermittler von Stellungsuchen- om Provifionen in der Form von namhaften Einschreibege- vlihren für mit Sicherhert in Ausficht gestellte Stellen im -voraus zablen ließen, trotzdem diese Stellen bereits ander- meitig besetzt waren, und daß die Vermittler trotzdem die Zu- sückgabe der empfangenen Provistonen verweigerten. Trat die Behörde diesen Fällen näher, so stellte fich gewöhnlich heraus, oaß nicht der Inhaber deS Vcrmittlungsbureaus, sondern einer {einer Kommis die falschen Versprechungen an die Stellung- uchenden gemacht hat, und daß fich diesem Kommis, welcher m gutem Glauben gehandelt zu haben verfichert, die böse Ab- ochr nicht nachweicsn ließ. Ein strafgerichtliches Einschreiten wurde daher erfolglos gewesen sein, und ebensowenig würde vM gegen den Stellenvermittler selbst wegen Betruges ein- schreiten lassen, wenn er selbst, angeblich in gutem Glauben, oem Stellungsuchenden die falschen Versprechungen gemacht oatte. Wohl aber würde mit Erfolg gegen derartige Stellen- oermittler, welche in leichtfertiger Weise den Stellungsuchenden bestimmte, aber bereits besetzte Stellen anbieten, um sie zur pmung der namhaften Einschreibegebühren zu bewegen, auS s oo der Reichs- Gewerbe- Ordnung durch Untersaguna des {AewerbibitricoeS vorgegangen werden können. Behufs Besci- Uung dieses gemcinschädlichen Zustandes in der erwähnten ereile ist es wünschenswerth, daß die Stellungsuchendcn stets Mwauf achten, direkt mit dem Stellenvermittler, und nicht mit einem seiner Angestellten(Kommis, Buchhalter rc.), zu ver- ��eln; jeden Fall, in welchem sie durch eitle Versprechungen !i*T Vorauszahlung einer Provifion, gleichviel in welcher porm, verleitet worden, bei der Polizeibehörde zur Anzeige zu "»ngen. . Villiger Wein. In einem Hause der Wallstraße waren ;5rwn letzten Monaten einem Micther aus seinem wohlver- Wtoffenen, mit Latten versehenen Kellerraum: in ganz kurzer Ml über 50 Flaschen Rheinwein der Marke„Rüdesheimer tifiT entwendet worden. Der Dieb Halle sich zu dem ver- 'wlossenen Kellerraum dadurch Eingang verschafft, daß er e n- mne Latten von der Fußleiste des Killerraums abgebrochen. er Gestohlene, welcher nach Entdeckung seines Verlustes im �ouse von der Sache nichts merken ließ, war sofort davon erzeugt, daß ein Hausdieb unter seinem Weinvorrathe auf- «"°umt habe, und beschloß, den KeUerraum sorgfältig über- in?on zu lassen. Stach kaum dreitägiger Observirung wurde i» l 1 Abendstunde ein junger Mensch in dem Kellerraume f." Oem Augenblick ertappt, als er abermals und diesmal nur ourcb einfaches Durchgreifen niit den.Händen durch die von Fußleiste losgetrennten Latten sich zwei„Rüdesheimer" �eignete, mit welchen er sich nach dem ersten Obergeschoß des vaufes begeben wollte. Hier wurde er jedoch von dem Auf- »°yer des Bcstohlenen festgenommen, der ihm unter Zulauf er anderen Hausbewohner, welche durch den Lärm herbeige- tJL®orfn, die gestohlenen zwei Flaschen Wein aus der Tasche cj�holte und in dem Diebe den kaum 19 jährigen Sohn des MiWrthS feststellen ließ. Obgleich der Vater des jungen apliJf' fccc stch für die juristische Karriere vorbereitet, den an- Mhtetm Schaden sofort deckte, so bat doch die Königliche dj.?, anwallschaft Kenntniß von dem Vorfalle erhalten und Untersuchung gegen den jugendlichen Dieb eingeleitet. faeÄ diebischer Turner. In einer hiesigen Kommune 2 �'st die Turnhalle den Männer- und Jugenv-Abtheilnngen Ito&en. Er erzählte ihm, daß er dort gewesen, daß die libt h'tt" be8 Schlosses krank, und was er sonst dort er- S&a gesellte sich der Lord Killmare zu ihnen. .„Ein prächtiges Schloß", sagte der junge Mann,„und '"herrliches Gebiet, das dazu gehört, erne Jagd, welche der vom Donuil die beste im Hochlande ist." r.--Ich hörte bereits von meinem Freunde Habicht/ Mte Fritz,„daß früher der Graf Donuil dort ein stän- 8» Jagdgenosse war." --Ja früher," früher," antwortete Killmare,„als der alte ei �d Andrew Davis noch lebte. Ich war damals noch -„{{Jüngling, und mein Vater und ich, wir waren eben- Gi, häusig Gäste im Schlosse und trafen dort mit dem �rafen Fergus zusammen. Seit dem Tode des alten wrod ist'da« Schloß wie ausgestorben. Seine Ge- lebt vollständig abgeschlossen und sieht niemals % ?nahlin fcw"Ich höre, daß ihre Gesundheit sehr angegriffen ist," '°gte O'Brian. ..„Das ist der Fall!" bestätigte Lord Killmare;„ich übe aber noch mehr, daß ihr Gemüth angegriffen ist." fragte®at bie Besitzerin so reicher Güter Kummer?" .--Ich glaube wohl! Sie hat ihr ganzes Leben hin- «, ch Kummer gehabt, denn sie sah schon damals und melancholisch aus, als sie der Lord hab„te- Ich erinnere mich nie. sie lächeln gesehen zu n„Da der Lord schon zwölf Jahre todt ist und ohne . längere Zeit verheirathet gewesen ist, müssen Sie r«eit seiner Verheirathung noch sehr jung gewesen sein, werkte Fritz. i.--Ah. Sie müssen wissen," erwiederte der Lord, Ladv Davis die Wittwe, seine zweite ist. Die erste befand sich meistens auf '' Auf erner N- c.'vte erfre oesano ficy ..nfen ihrer Gesundheit wegen, wie man sagte. Ver Reisen ist sie auch gestorben. --Haben Sie die erste Gemahlin des Lord Davis ge- des Abends zur Ausübung ihrer Hebungen überlassen. In letzter Zeit vermißten die Mitglieder der Jugend-Abtheilunzen verschiedene Gegenstände, wie Messer, Stteichholzbüchsen:c., bis endlich der Verlust mehrerer silberner Uhren zu beklagen, und man auch darin einig war, daß unter den Mitgliedern der Abtheilung ein Dieb fich befände. Trotz aller erdenklichsten Vor- sichtsmaßregeln wurde dennoch vor drei Wochen einem Mit- gliede der Turn-Abtheilung eine goldene Ankce-Uhr im Werthe von 90 Mk. gestohlen, und dieselbe fand fich nicht wieder, ob- gleich sämmtliche Mitglieder des Vereins sich einer peinlichen Körpervisttation unterwerfen mußten. Einige Tage nach diesem Vorfall wurde ein 17 jähriger Drcchslerlehriing bei der dritten Abtheilung des Königlichen Leihamtes in der Linienstraße an- gehalten, als er eine goldene Ankce-Uhr ohne Legitimation zum Versay anbot Es war die dem Mitgliede der Turn-Abtbei- lung kurz vorher gestohlene Uhr. Der junge Mensch, der zuerst äußerst verlegen wurde, al« man ibm miltheilte, daß die Uhr als gestohlen der Polizei gemeldet sei, hatte sodann die Dreistigkeit, sich noch aufs hohe Pferd zu setzen, den unreellen Erwerb der Uhr abzuleugnen und die sofortige Rückgabe des Werthgegenstandes zu fordern. Bei seiner polizeilichen Ver- nebmung stellte es sich nunmehr heraus, daß man in dem Festgenommenen, dem 17jähriaen Dcechslerlehrling Z., Sohn einer achtbaren Familie, den Dieb ergriffen hatte, vor dem als Mitglied der jugendlichen Turn-Abtheilung die sämmt- lichen Diebstähle an Uhren in der Turunstalt ausgeführt worden waren. Die Uhren hatte er versetzt. Obgleich der Vater des jugendlichen Diebes den bestohlenen Turnern vollen Ersay bot, hielt man es doch für angezeigt, den leicht« finnigen Patron der Kriminal-Polizei zuzuführen, auf deren An- ordnung derselbe dann in das UntersuchungSgefängniß zu Moabit gebracht wurde. Aus der Schule. Eine junge Lehrerin hat in der Volks- schule das Weihnachts-Eoangelium durchzunehmen. Sie müht fich redlich, ihrer Klaffe von fünfundsiebzig Kindern zwischen sechs und acht Jahren anschaulich zu machen, waS fie im Liebe lernen sollen! „Vom Himmel hoch, vom Himmel bell, Da gehet aus ein Glanz gar schnell, Der strahlet in der Mitternacht Viel heller, als der Sonne Pracht." Da die Aufmerksamkeit der Kinder durch Alles gefesselt wird, was ihnen den Weihnachtsmann nahe rückt, glaubt fie auf den Gesichtern zu lesen, daß sie verstanden sei. Sie fragt also:„Run, Frida, weißt Du jetzt, wovon alles Licht ausgeht?" Frida(sehr schnell):„Ja, Fräulein! Von's Pusten!" Für den Aberglauben in Berlin ist folgende Reklame bezeichnend, welcher die—„Post" Aufnahme gewährt(den Namen der Firma streichen wir):„Neu und originell ist die Weihnachts-Novität, welche Herr Hof-Juwelier....... in diesem Jahre bringt. Em starrer Bleitropfen, unter dunklem Zauberwort gegossen, erschließt unS mit seiner magischen Kraft Cumberlands Gebiete. In einem vergoldeten Srlberring ist er als als Berloque an Kette und Armband zu tragen und wird so oft Veranlassung zu scherzhaftem Meinungsaustausch bieten. Der Preis ist trotz der reizenden kabbalistischen Em- ballage ein so geringer, daß die Nachfrage schon jetzt den Vor- rath übersteigt." Nun sage noch Einer, oaß Berlin nicht die Stadt der„Ausklärung" rst! N. Eine elegant gekleidete zirka 25 jährige Dame brach gestern Abend in der Holzmarltstcaße unweit der Mar- kusstraße plötzlich bewußtlos auf dem Bürgerstcig zusammen. Da alle sofort angestellten Belebungsversuche keinen Erfolg hatten, so mußte die Unbekannte mittelst deS schnell requirirten Krankentransportwagen nach der Charitee geschafft werden. N. Ein Ranbthier-Transport passirte gestern Abend in der 7. Stunde hier durch, um nach Hamburg weiterbeföcvert zu werden. Es waren dies drei prachtvolle bengalische Königs- liger, die in sickeren Käfigen eingeschloffen, durch einen Agenten der bekannten Handelsmenagcrie von Carl Hagenbeck in Ham- bürg via Röderau um G Uhr 28 Minuten auf der Anhalter Bahn eintrafen. Ein großer Rollwagen, der schon vorder von dem diesigen Vertreter beschafft worden, führte die Käfige mit den Bestien nach dem Lehrter Bahnhof, wo Abends 11 Uhr der Weitertransport erfolgte. N. Ein ganz kolossaler Dachstuhlbrand suchte in den ersten Morgenstunden des heutigen Tages das neuerbaute Eck- gebäude auf dem Grundstück des alten Restaurant Karlsbad an der Potsdamerblücke heim, das mit drei Fronten die Grund- stücke Schöneberger Ufer 25, Potsdamerstmße 123 b und Karls- bad 33 bedeckt. Das Haus besteht aus fünf bewohnten Etagen und einem darüber befinvlichen Bodenraum, der von Hausbe- wohnern zur Aufbewahrung von Spcichcrgegenständen resp. Brennmaterialien benutzt wird. Gegen halb 5 Uhr früh, bemerkte ein dort stationirtec Revierwächter aus dem nach der Seite Karlsbad gelegenen Theil des Dachstuhls dichte Rauch- wölken aufsteigen, denen bereits wenige Minuten später mäch- tiae Flammengarben folgten. Die sofortigen Meldungen „Mittel-Feuer" und„Groß-Feuer,, führten binnen wenigen Minuten den grüßten Theil der Feuerwehrmannschaften ver kannt?" fragte O'Bria» mit plötzlich erwachendem Jnter- ksss- „Ich habe sie gekannt! Ich war noch ein Knabe, als ich sie das letzte Mal sah." „Hatte diese Dame eine Gesellschafterin?" „Ich hörte, daß eine Deutsche sie auf ihren Reisen begleitet habe; diese ist aber nie in Davistown gewesen." „Und Sie wissen nicht, waS aus dieser Dame ge- geworden ist?" „Nein! Auf der letzten Reise der Lady begleitete sie außer der Gesellschafterin auch ihr Gemahl, und sie warm zwei Jahre abwesend. Ich glaube, daß sie sich in Italien oder Frankreich aufgehalten haben. Dem alten Lord muß es wohl übel behagt haben, so lange die Berge des Hoch- lande« und seine Jagden entbehren zu müssen. Als er zurück kam, war er bereits zum zweiten Mal ver- heirathet." „Mit einer Ausländerin?" „Ich glaube! Es war ebenfalls eine Deutsche, aber sie paßte nicht zu ihm." „Wiefern?" „Ja, sehen Sie, er war eine wilde, unbändige Natur, etwa» rauh und zuweilen mürrisch und finster; sie dagegen war ein zartes Wesen und liebte ein stilles, zurückgezogenes Leben. Als nach seiner Rückkehr die Jagden wieder be- gannm, da kam auch ich wieder nach Davistown und lernte Myladv kennen. Ich sagte gleich, sie passe nicht zu ihm." „Vielleicht hatte sie gar eine harte Behandlung von ihm zu erdulden," meinte Fritz,„weil sie sich in sein Temperament nicht zu finden vermochte." „DaS ist sehr wahrscheinlich, Herr Doktor!" ant- wortete der Lord.„Ich war sogar mehr als einmal Zeuge seiner Härte, und dazu kam noch, daß er von wüthender Eifersucht gequält wurde. Er wußte, oder glaubte zu wissen, daß sie ihn nicht liebe, und die schöne Frau fand natürlich von allen Seiten Verehrung und Anbetung, und das verbitterte ihm das Gemüth; da gab es heftige, sehr heftige Szmen." 3. 4. und 5. Kampagnie mit allem Zubehör auf die Brand- statte. Inzwischen hatte fich das Feuer angefacht von heftigem Winde über den ganzen Dachstuhl nach dem Grundstück Karlsbad 33 und nach dem Grundstück Potsdamerstcaße 123 b mit rapider Geschwindigkeit verbreitet, während die Bewohner der obersten fünften Etage in die größte Gefahr geriethm und schon stck anschickten, ihre Wohnungen zu räumen. Es mußten sofort zwei Dampfspritzen und mehrere große Handdruckspritzen, die theils aus dem Landwehrkanal, theils aus den mitgeführten Wassertonnen mit Wasser versorgt wurden, zur Bekämpfung des Feuers in Thätigkeit gesetzt werden. Erst nach dreistündi- ger Thätigkeit, nachdem die genannten Theile des Dachstuhls fast vollständig ausgediannt, tonnte die Gefahr für den übrigen Theil des Hauses als beseitigt betrachtet werden. Das Grund- stück ist Eigenthum der Berliner Bank für Bauten und dürfte der Brandschaden fast ausschließlich von der städtischen Feuer- Sozietät zu tragen sein. Ueber die Entstehung des Brandes verlautet vorläufig noch nickts.— Gleichzeitig wurde die Feuer- wehr nach der Carlstraße 19 gerufen. Es handelte sich dort um einen Schornsteinbrand, der jedoch beim Eintreffen der Löschmannschaften bereits abgelöscht war. Gerickts- Rettung. Der gestohlene Teppich. Vorsitzender zu dem 20 Jahre allen Möbelpolier Hugo Bernhard Stäotke: Sie haben ganz offenbar„Schmiere" gestanden und wurden ergriffen, während Ihr Komplize unter Preisgeben der Beute entkam. Mehrere Zeugen haben Sie wohl eine ganze Viertelstunde, müßig stehend, vor dem Hause beobachtet. Was hatten Sie dort zu thun?— Angeki.: Det is'ne Jewiffensfcage, Herr J-richtshof, indem keener sagen soll, det er von meine Seite im öffentliche Leben blamoren jeworden is. Denn liegt der Lenz aber ooch wieder so, det ick't janich nöthig habe, mir driedec auszuschweijen.— Vors.: Diese langen Auseinandersetzungen sind vollständig überflüssig. Es liegt in Ihrem Jrteresse, wenn Sie für Ihr Verweilen vor dem Hause einen stichhaltigen Grund-angeben können.— Angekl.: Ick were Ihnen schon den Jefallen vuhn, Herr Jerichtshof; worum nich? denn derf ick aber ooch ver- langen, det Se de ville Menschheet in de Zuhöcerbuchte uf wenije paar Ozenblicke'n bißken retourtreten lassen. Familien- anjelegenheeten derf keener vor son gemischtet Publikum aus- kramen.— Vors.: Hier wird öffentlich verhandelt. UebrigenS beanspruchen wir durchaus keine Gefälligkeit; es würde uns vielmehr sehr erwünscht sein, nicht in Ihre Familien- geheimniffe eingeweiht zu werden. Läßt sich dies jedoch nicht umsehen, so befleißigen Sie sich möglichster Kürze. In welcher Absicht hielten Sie fich also vor dem Hause auf?— Angeklagter, mit den Augen blinkend und in flüsterndem Tone: Ick befand mir'n bißken uf Flanellwache. Vors.: Drücken Sie stch deutlich aus.— Angekl.: Nr, wenn't denn doch find muß, denn were ick mir veitlich ausquetschen. Schrä- javis von det Haus wohnt son bißken wat vor meinen Schna- bei:'ne janz fermost polit'iche Krete, sag' ick Ihnen. Vors.: Sehen Sie'mal, die Sache scheint plötzlich einen romantischen Anstrich zu bekommen! Doch warum thaten Sie dieses Um- standes während der Voruntersuchung keine Erwähnung?— Angekl.: I, wo wer' ick denn! Det hätte doch nu schon ja keenen Zweck, indem hier janz allecne die Musikanten wohnen, die in'n Termin jeden Knaaisch rejulär befummeln. Nach de Pollezei ihr Jered jebt et hier doch nich. Vors.: Wir wollen die Zweckmäßigkeit Ihres Verhaltens unerörtert lassen. Wie beißt die Schöne, der Sie so viel Aufmerksamkeit widmeten? Angckl.: Det will ick unjelogen sind laffen, indem ick det jan'ch 'mac weißen kann. Die Jefiehle fragen ville nach Namens un Jeschäfte; die ioofen mu den Kopp durch de Dühre, wenn ihr son recht schnuddelicht-t Frauenzimmer derguere kommt. Vors.: W-nn anders auf Ihren Einwand Gewicht gelegt werden soll, so müssen Sie Angaben machen, welche die Voria- dung der von Ihnen bewunderten Schönen ermöglichen. Durch welchen Umstand wurden Tie miteinander bekannt?— Angekl.: Det is'ne janz putzije Jeschickte, Herr Jerichtshof. Ick iändere per Zufall durch den Dierjarten an Joethen sein Mojument vorbei; un wie ick nu'n Blick riskiere, da habe ick ihr ooch all int Ooge. Ick sage Ihnen, det det man wat vor'n Haus- bedarf is, wenn eener nach't Standesamt will.— Vors.: Aber schwatzen Sie vo.b nicht so ungereimtes Zeug. Wenn Sie den Namen des Mädchens nicht wiffen, so machen Sie wenigstens so genaue Angaben über deffm Wohnung, daß Ermittelungen angestellt werden können.— Angekl.: Na, ick habe mir doch nischt ufjenotiert; der Fall liegt überdem so, det ick ihr man so per Distanz jeliebt habe.— Vors.: Ihre Ausrede ist so lächerlich wie möglich und verdient daher nicht den mindesten Glauben. Warum entfernten Sie stch aber plötzlich in so schnellem Tempo?— Angekl.: Ais wie icke? Na, wat denn noch? Janz sachteken bin ick losjeländert.— Vors.: Sie schaden stch selbst, wenn Sie erwiesene Thatsachen abzuleugnen versuchen. Sie flohen schließlich in solcher Eile, daß Sie nur mit großer Mühe eingeholt werden konnten.— Angell.: Aber ooch keene blaffe Idee von Klabberjas, Herr Jerichtshof. Stimmen soll schon, det ick uf eenije Eine unbestimmte Ahnung dämmerte in der Seele deS Doktors auf. Er hatte sich die Aufgabe gestellt, der Krankheitsursache des Grafen Donuil auf die Spur zu kommen. Er wußte, daß diese Ursache in dem Gemüth des Grafen zu suchen sei, und um die Veranlassung zu finden, war es ihm nöthig, aus dem Leben des Grafen auch das kleinste Ereigniß zu erfahren. Nur so konnte er hoffen, dem Zusammenhang der Ereignisse, welche diese traurige Wirkung gehabt, auf die Spur zu kommen. „Sie sahen den Grafen damals oft im Schloß Davis- town?" fragte er den Lord. „Sehr oft!" sagte dieser.„Er war immer dort, und er war einer von Denjenigen, auf welche die schöne, melancholische Frau einen tiefen Eindruck gemacht, und welche unter der Eifersucht des Lords zu leiden hätten." „Der Graf liebte Lady Davis?" „Mein Herr, das weiß ich nicht! Nur das weiß ich, daß einmal, wenn ich nicht dazwischen getreten wäre, Lord Davis ihm seinen Dirk'n die Brust gestoßen haben würde." „So hatte der Lord gegründete Ursache zur Eifer- sucht?" „Das glaube ich nicht! Lady Davis ist eine Dame, gegen deren Ehre man auch nicht den leisesten Zweifel hegen darf. Ich würde es für einen Frevel halten, an ihrer Ehre und ihrer ehelichen Treue zu zweifeln." „Seit jenem Tage ist unstreitig der Graf nicht mehr im Hause des Lord gewesen?" „Nein! Er ward vom Lord zum Duell gefordert das an d« Stelle stattfinden sollte, an welcher wir jetzt stehen.— Da der Lord den Augenblick der Rache nicht erwarten konnte, so setzte er alle Vorsicht aus dem Wege Statt den gewöhnlichen Pfad einzuschlagen, ritt er in wüthendem Galopp quer durch das Thal. Er stürzte mit dem Pferde und- wurde Tags darauf als Leiche in der Schlucht von Glenmore gefunden." (Fortsetzung folgt.) vaar Oogenblick« n bißken d-t Loosen kriegte; d.t war aber man bloß, weil ick det Jndifidibum mit den Teppich iibcrholen wollte. Der Bruder is scbcene'raus, det er nich mang meine Fingern jekommen iS; ick sage jut vor, seineKnochen hätte er in'nSchnuppduch zu Hause dragen müssen.— Vors.: Wenn Sie einen Dieb verfolgten und hier- bei irrthümlich für einen solchen gehalten und ergriffen wurden, so haben Sie allerdings über Mißgeschick zu klagen. Es ist aber sehr auffallend, daß Sie mit dem Diebe erwresenermaßen Zeichen wechselten, was schon ganz allein auf eine genaue Be- kanntschaft schließen läßt. Zum Ucberfluß warnten Sie clnr den Ihnen angeblich ganz unbekannten Menschen bei Beginn der Verfolgung noch durch die Worte:„Nu aber los, der Krempel wird windig I"— Angekl.: Äecne Ahnung, Herr Je- richtshof!— Im Laufe der Beweisaufnahme stellte sich heraus, daß von einem Hofe ein dortselbst der Durchlüftung wegen aufgehängter Teppich im Werthe von 50 Mark entwendet wurde. Der Bestohlene merkte so rechtzeitig seinen Verlust, daß dem Diebe nachgesetzt werden konnte, der schließlich den Teppich von sich warf und unter dem Schutze der mittlerweile eingebrochenen Dämmerung entkam. Dagegen wurde Städtke ergriffen, der sich unausgesetzt in unmittelbarer Nähe des Ver- folgten gehalten hatte. Sein Einwand, daß er nur den Dieb einzuholen versucht habe, fand deshalb keinen Glauben, weil er von mehreren Personen vor dem in Frage kommenden Hause bemerkt worden war. Jedenfalls war es seine Aufgabe ge- wesen, den entkommenen Komplizen vor von der Straße dro- hendcn Gefahren zu warnen. Der letztere hatte sich übrigens einige Zeit in der Retirade verborgen gehalten und von dort aus einen paffenden Augenblick zur Ausführung des Koups abgewartet. Städtke, der bis zum Schluß der Verhandlung hartnäckig leugnete, wurde in Rückficht auf mehrere Vorstrafen wegen Eigenthumsvergehen zu 4 Monaten Gefängniß und einem Jahr Eylverlust verurl heilt. lGer.-Ztg.) Arbeiterbewegung» Vereine uuü Versnmmlungeu. l. Eine Versammlung sämmtlicher Kommnnalwähler der südöstlichen Louisenstadt fand am Dienstag Abend im Konzerthause Sanssouci, Kottbuserstraße 4a, in welcher eine Petition um Errichtung von städtischen Santtätswachen berathen werden sollte, statt. Das Referat hatte Herr Stadtverordneter Görcki übernommen, und führte derselbe etwa Folgendes aus: ES ist kein Zweifel, daß die Errichtung von Instituten wie Sanitätswachen ein großes Bedüifniß für die Bürgerschaft Berlins ist. Deshalb ist es aber auch nöthig, daß dieselben in städtische Regie genommen werden. Es kommt der Arbeiter sehr oft in die Loge, ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen zu müffen. Wenn nun der Arzt aber nicht gezwungen ist, des Nachts die Arbeiter- Wohnungen zu besuchen, weil es ihm vielleicht nicht lohnend genug ist, so ist dies doch ein un- leidlicher Zustand, welcher beseitigt werden muß, und die höchste Zeil ist es wahrlich, daß die Wünsche der Bevölke- rung die Sanktion der städtischen Behörden erhalten. Redner weist im Verlauf seines Vortrages nach, daß die Unglücksfälle auf der Straße im Zunehmen begriffen find, damit also auch Verletzungen, welche schleunige ärztliche Hilfe erheischen. Daß da schcn die privaten Eanitätswachen sehr gut gewirkt haben, kann nicht bestritten werden- Wcßhalb weigert man sich nun also, die Eanitäts- wachen in städtische Verwaltung zu nehmen resp. solche zu er- richten? Man weist auf die schlechte Finanzlage unserer Kom- mune hin, wenn dies nun wahr ist, warum wird denn immer gerade über unsere gute Finanzlage so viel in die Welt hin- ausposaunt? Sind unsere Finanzen zenüttet, so sollte man dach keine Millionen in Markthallenbauten stecken. Sind sie es aber nicht, nun so wird es auf eine verhältnißmäßig so ge- ringe Ausgabe, wie sie die Sanitätswachen erfordern, nickt an- kommen können. Hier handelt es sich um ein großes Bedüifniß der gesainmten arbeitenden Bevölkerung, dort um eine Lieb- lingsidee einzelner Leute,— hier um eine kleine Summe, dort um Millionen.— Daß Redner es verstanden hatte, der Ver« sammluna aus dem Herzen zu sprechen, ersah man mtS dem reichen Beifall, welcher ihm am Schluß seiner Rede wurde.— Nachdem die Petition vom Schriftführer verlesen wor- den war, nimmt Herr Oskar Krohm das Wort und giebt derselbe seiner Freude darüber Ausdruck, daß endlich die Initiative ergriffen ist, um zu erwirken, daß der Berliner Bevölkerung Santtätswachen gegeben weiden. Redner meint: Wenn hier von der Stadtverwaltung immer behauptet wird, daß unsere santtären Verhältniffe muslergiltige seien, so muß dies enlschicden bestritten werden. Man braucht nur andere Staaten anzusehen, so z. B. Holland und Frankreich. In den beiden Ländern existiren die Sanitätswachen bereits über 100 Jahre; trotzdem sie namentlich in Paris nicht das find, was für Berlin gewünscht wird. Dort befinden fich die- selben in Kasernen, so daß es mindestens für weibliche Patienten genant ist, diese Wachen in Anspruch zu nehmen. Anders dagegen in Londons dort find dieselben sehr komfortabel eingerichtet, bestehen aus 4 Räumen mit allen möglichen Be- ouemlichkeiten für Verunglückte, haben zu jeder Zeit warme Bäder u. Vgl. m. Redner meint ferner, daß man sich doch darüber wundern muß, daß Männer, wie z. B. Virchow, in der Stadtverordneten« Versammlung nicht schon längst für Sanitätswachen gewirkt haben, da aus Virchow's Schriften doch hervorgeht, daß er die Nützli okett derselben an- erkennt. Um auch dem andern Einwände, daß die Sanitäts- wachen von Raufbolden und in Entbindungsfällen hauptsächlich in Anspruch genommen werden würden, entgegenzutreten, verliest R. die 39. monatliche Statistik der 1. Berliner Santtütswache. Es find 1618 Fälle zur Behandlung gekommen, darunter de- finden fich aber nur 300 Verwundungen und Verletzungen und nur 18 Entbindungen. R ermahnt zum Schluß recht nach Kräften zu wirken, daß auch in anderen Stadtgegcndcn petitionirt werde, uud wünscht ein solches Vorgehen namentlich von den verschiedenen Arbeiter-Bezirksvereincn.— Beifall.— Nachdem noch die Herren G. Sckul,, Sprotte und Kreuz für die Petition eingetreten sind, wird eine dahinzielende Resolu- tion einstimmig angenommen. Ebenso einstimmig wird der Vorstand der Versammlung, bestehend aus den Herren Herz- feldt und Schulz als 1. resp. 2. Vorsitzender und Lehmann und Zubeil als Schriftführer, beaustragt, noch eine Versammlung einzuberufen, um weitere Unterschristen zu sammeln. Auch wurde es Jedem zur Pflicht gemacht, Listen in seinem Hause zirkuliren zu lassen und dieselben dem Vorstand« in der nächsten Versammlung, welche voraussichtlich in nächster Woche statt- findet, zu überreichen.. t. Mit voltzeilicher Auflösung endete abermals die all- gemeine Wählerversammlang im 6. Reichstags-Wahlkreise, welche am Mittwoch Abend Gesundbrunnen, Badstr. 22, statt- fand, woselbst Herr P f a n n k u ch Vortrag hielt. Im Einver- ständniß mir seinen Parteifreunden, äußerte fich Redner, fei er als Kandidat für den 6. Berliner Wahlkreis aufgestellt und hege er keinen Zweifel, daß die Wähler desselben mrt demselben Vertrauen, wie Hasen clever, auch ihm ihre Stimmen geben wer- den und zwar in noch verstärkterem Maße, als in den dcrsen vorangegangenen Wablgängen. damit diesmal der Sieg sofort ein entscheidender sei. Zur Grundlage seiner Ausführungen nahm der Vortragende an das demselben Tage im 6. Wahlkreise verbreitete Flugblatt der koaservativeu Partei, in welchem dem Wadlkomitee der Arbeiterpartei der Vorwurf aemacht wird, daß •8 einen Mann alz Kandidaten aufgestellt habe, den kaum ein Tuyend Wähler kennen, kaum hundert gesehen haben. Seit seine:'' Hiersein, meinte Redner, hätten aber in den abgebalte- nm Versammlungen verschiedene Hundert von Wählern Gele- genheit gehabt, ihn zu sehen und kennen zu lernen, und die Beifallsbezeugungcn, die seinen Ausführungen gespendet worden seien, hätten Zeugniß dafür abgelegt, daß die Arbeiter des 6. Wahlkreises ihn als alten Bekannten begrüßen und betrach- ten, weil sie wissen, denken und fühlen, daß seine Anschauungen allein eine sittliche und materielle Besserstellung zu Wege zu bringen im Stande sind. Wenn die deutsch freisinnige Partei ihren Kandidaten gewechselt habe, nur weil der bisherige nicht mehr„zieht", so beweise dies nur, daß es mit der Organisation dieser Partei sehr schlecht bestellt sei. Wenn er in besagtem Flugblarte als„Sozialdemokrat" und die Sozialdemokrotw als „königsfeindlich" und„die Vernichtung des Eigenthums er- str,bend" bezeichnet werde, so wundere ihn das gar nicht. Seien doch in seinem siühern Wahlkreise den Sozialdemokraten noch viel ungeheuerlichere Dinge angedichtet worden, daß sie thcilen, die Republik wollten, daß sie Vaterlands- und religionslos seien. und an Stelle des Herrgotts den Satan setzen wollten! Wenn er seinem Gegenkandidaten mit nur 94 Stimmen unterlegen sei, so zeige dies, daß mit derartigen Schlagwörtern Nichts er- reicht werde, am allerwenigsten aber in Berlin. In bewegten Worten schilderte er sodann die herrschenden traurigen wirth- fchaftlichen Verbältniffe, die Roth des Arbeiterstandes und wies nach, daß die Manch. sterpartei es sei, welche die Theilerei in großartigem Maßstabe betreibe, in Folge deren% der ge- sammten Bevölkerung eigenthumslos sei. Er wolle nicht thcilen, nicht vernichten, er habe vielmehr seit 20 Jahren alle seine Kräfte angespannt, um zu ermöglichen, daß auch der Geringste in die Lage komme, Eigenthum erwerben zu können. Darnach streben Tausende und Adertausende, das wollen auch die 24 000 Wähler, welche Hasenclever ihre Stimmen gegeben hoben. Charakteristisch sei es, daß die Arbeiter auf der einen Seite als rolhe Republikaner, auf der anderm Seite als die Bannerträger der Bismarck'schen Politik be» zeichnet würden, da die Deutsch-Freifinnigen der Arbeiter- vartei vorwarfen, sie berufe fich auf die Autorität des Reicks- kanzlers. Dies sei aber nur die blasse Furcht davor, daß dieser Mann, der eine so gewaltige Macht in seinen Hänven vereinige, fich zum Anwalt des armen Mannes aufgeworfen habe. Wenn fich auch die Arbeiterpartei in großer Meinungsoer- schiedenheit mit dem Reichskanzler befinde, so nehme sie doch das Gute, selbst wenn es vom Fürsten Bismarck chr geboten würde und die Zukunft werbe ja lehren, wie wett sie ihm nachzufolgen oder ihn zu schieden habe. In ausführlichster Weise verbreitete er sich sodann über das Eigcnthumsrecht der besitzenden Klasse. Bei dieser Gelegenheit erhob sich der Vertreter der Polizei und erklärte:„Jetzt löse ich die Versammlung auf Grund des Sozialistengesetzes auf." Unter stürmischen Hochrufen auf Pfannkuch begab fich nunmchr der größte Theil der Anwesenden nach dem„Vorstädti- fchen Kasino" in der Ackerstraße Nr. 144, wo ebenfalls eine Wähleivnsammlung des 6. Wahlkreises stattfand. Der Saal war aber bereits derartig überfüllt, daß nur Wenige Einlaß fanden. Herr Pfannkuch und Stadiv Ewald hicltcn hicrselbsl ebenfalls längere Ansprachen, die Wähler des 6. Wahlkreises zur kräftigsten Agitation für Pfannkuch ermahnend, damtt er am Wabltagc als unbestrittener Sieger aus dem Wahlkampfe hervorgehe. Mit einem dreifachen Hoch auf Pfannkuch, in das die Anwesenden begeistert einstimmten, schloß der Vorsitzende, Tischler Fligge, die Versammlung. Zm Fachvmin der Schmiede(Vereins lokal Gratweil'sche Bicrhallen) hielt cm Montag Abend Herr Jul. Müller einen Vortrag üdcr Organisation der Arbeiter. Redner berührte in kurzen Zügen den Beginn der Albeiterbewegung in den KOer Jahren und wie dUselbe späterhin, weil angeblich politisch, durch gewisse Gesetze unterdrückt wurde, um dann im Anfang dieses Jahrzehnts kräftiger den je in Form der Fachvcreinc cmporzublühen. Jedoch wollen die Fachvcreine ihren Zweck auch ganz erfüllen, so müssen sie zuerst den Kastengeist brrchen, d. b. den Berufsgenoffen begreiflich machen, daß sie in erster Linie Arbeiter sind, alsdann wäre die Zentralisation ins Auge zu fassen, um arbeitslose und wandernde Genossen unterstützen zn können. Redner schildert den Vortheil solcher Einrichtungen, zuglrich betonend, daß eine dauernde Besserung nur auf vcm Wege der Gesetzgebung zu schaffen sei, denn es sei jltzt bedeu- tend schwerer durchzudringen, als im Mittelalter, Venn heute sei der Arbeiter in den Augen gewisser Leute nur noch leben- diges Material, doch könne auf die von dem Fachverein ange- regte Weise der Regierung eine Richtschnur zu einer gesunden Sozialreform gegeben werden, und sei der Normalarbeitstag das einzige Mittel, die sich stetig vermehrende Zahl der Arbeits- losen zu beseitigen. Redner tühit an, daß es schon jetzt Ma- schincn von inSgcsammt 14 Millionen Pferdekraft gebe, welche die Arbeit von 300 Millionen Menschen cntbehllich machen. Durch die heutige Ausnutzung der Arbeitskraft sinke die Gesund- bettsziffer unter dem Volke mehr und mehr, denn während im Jahre 1870 von 1000 Militärpflichtigen 293 tauglich und 707 untauglich, waren im Jahre 1878 von 1000 je 181 tauglich und 819 un- 3. Klasse 171. Königl. Prenss. Lotterie. Ziehung vom 11. Tczember 1884. 7!»r die Gewinne Uder 155 Mark sind de» delreffenden Nummern in Parenihelc beigefügt. (Ohne Gewähr.) 107 71 300 30 57 451 55 67 74 89 580 603 45 80 701 83 92 854 906 31 79 1005 167 98 377 81 87 493 515[170] 3.3 36 42 50 94 672 701 5 37 90 97 804 9o 909 70 78[170] 98 2092 106 221 81 90 97 327 43 98 464 79 501 25 92 601[1701 701 54 829 66 75 919 24»111 74 363 406 40 42 83 531 760 937 4037 59 175 78[170] 356 485 86 686 722 99 818 5062 126 74 76 86 641 1701 57 78 89 250 84 87 324 41 76 403 23 68 91[200] 527 " 00 15.85.89 838 69 98 964 81 86«675[200] 91 156 (1701 78 80 99 228 66 329 400 32 56 57 524 31 69 83 96 620 57 714 55 65 820 925[1701 43 7037 53 129 32 64 81 223 28 57 76 85 88 324 74 418 516 20 730[900] 41 56 77 864 83 84 937 85 S0I19 12 24[240] 41 51 70 108 202 12 317 402[170] 73 553 723 57 801 2»018 44 118 28 43 49 73 76[170] 392 441 528 38 90 94 645 59 702 20 805 25 967 WWM«» gm SWMSWWS «WWWM. 333 69 405 27 40[240] 86 594 884 901 27 i 73[240] 44037 109 44 Ä tauglich, also 112 v?r Tausend weniger. Darum zeig; der Staat auch bereits den guten Willen, uns zu Kelsen, um du Wehrkraft des Volkes wieder zu heben. Angebot und Raa- 1 frage regeln die Preise, und darunter baben am meisten die Arbeiter zu leiden, und müsse absolut die Arbeitszeit einge- schränkt werden. Herr Tobler bält Zentralisation für wünschens- 1 werth, vorläufig aber nicht für möglich, und tritt im ubiigen energisch für Staatshülfe ein. föerr Sellcnbcrg verlangt, daß alle Vereine um Einführung des NormalarbcilstageS peiitionüc» sollten, was Herr Drewitz bekämpft. Alsdann wurden L»' cinsangeleaenhciicn erledigt, sowie einem zum Militär einge- . zögeren Mitgliede des Vereins auf Antrag des Schiiftführcis| ein Geldgeschenk, welches auf Antrag des Herrn Halbek dm» Tellersammlung aufgebiackt wild, bewilligt. Interessant unS äußerst lebhaft gestaltete fich die Veisammlung bei Vcrlesiiiili verschiedener Fragen, Krankenkassen betreffend, welche am b.'slcü beweisen, wie wenig die meisten Interessenten die betreffende« Gesetze kennen. Alsdann machte ver Vorsitzende darauf auf- merksam, daß am Sonnabend den 30. Dezember im Salo» zum„Deutschen Kaiser" eine öffentliche Versammlung ffndct- Der Verein zähst 290 Mitglieder. Schluß 12# Nachts. t. Polizeilich verboten wurde die für Mittwoch Abeti» nach dem Salon zum„Deutschen Kaiser", Lothringerstr. 37 eu}; berufene östentlichc Versammlung der Zigarren- und Tadad arbeitcr Berlins, in welcher der Reichstagsabgeordnete Meifr1 1 über die Lage der Tabakarbeiter Deutschlands referiren sollte. Der Zugang zum Lokale war von Polizisten desetzt, welche M Kommenden zurückwiesen, da der sonst übliche, ven Aue'-- der Versammlung vtrkündende„weiße Zettel" diesmal WM Polizeilich verboten, auf Grund§ 9 des Sozioliste« gesetzes, ist das auf Sonnabend, den 13. d. Mts., in Bau#"! bachs Kasino anberaumte Stiftungsfest des Louisenstädtische� Berzirksvereins„Vorwärts." VermisMe?. Der Werth des Grundeigenthums in der City vo> I London hat ffch nach amtlichen statistischen Quellen fett% Anfange des Jahrhunderts mehr als versiebmfacht. Terstw betrug im Jahre 1801 nur 507 372 Pfund Sterling und d» sich bis jetzt auf 3 532 102 Pfund Sterling gesteigert. � schnelle und stärkste Zunahme fand im dritten Victtel* I Jahrbund« tts statt, denn noch 1857 bezifferte sich der Wio.| des Grundeigmthums in in der City auf 1 203 466 Sterling.,, Mathematik der Liebe. Ein mürrischer JunggesA Lehrer abstrakter Wissenschaften, sagte neulich:„Zwei»lw I machen ein Verlangen; zwei Verlangen machen einen ScuwM zwei Seufzer machen einen Walzer; zwei Walzer machen ew I Besuch; zwei Besuche machen eine Verblendung; zwei blendungcn machen einen Narren, dazu ein Bouquet,> einer Verlobung, gleich einer Heirat.".,, Ein undescheldencr Räuber. Aug Weng im SalzNI gischen wird erzählt:„Als der Taglöhner Mendl kiW. I Abends durch ven Schacherwald nach Weng ging, fP/rJ] plötzlich ein Mann, den er in der Dunkelheit mchr genau F, konnte, auf ihn zu.„Hast Du Geld, Lump?" rief> Räuber.„Drei Sechserln han i," war die rascve AntflP . Is m.r z'wcng, Lump," rief der Räuber und veischwan» Waidesdickicht.„ Für Feinschmecker. Der französische Gelehrte Pap> bat im Verein mit Dr. Lemaire unlängst an die Akademie der Wissenschaften einen Bericht erstatttt» welchem beide Gelehrte zu beweisen suchen, daß das � nießen von Wild in einem Zustande, der mit„haut g«"' � zeichnet wird, den Konsumenten einer großen Gefahr Hb# nämlich sich eine Blutvergiftung zuzuziehen. Sie behaup'. daß in dem halbveidoibenen Fleisch Organismen oo#» J seien, welche das Muskelgew-be weich machen und und daß der genaue Zettpunkr, zu welchem die Verwesung � finnt, stch nicht bestimmt st st stellen lasse. Die beiden genaN".J Rannet der W>ssenschaft haben bei ihren Untersuchungen weniger als 30 verschiedene Organismen entdeckt, von»e einige dieselben sein sollen, welche in lebenden von einer. steckenden Seuche befallenen Thieren vorgefunden Man muß natürlich erst abwarten, inwieweit sich diese liche Entdeckungen bewahrheiten. Bekanntlich wird gewoc. „haut gout" alö Erforderniß angesehen, und das Wf Gourmand ofcne diesen überhaupt nicht gewürdigt.«w, Welche Summe faßt ein Literkrug? Ein Lttctt.� den ein unv dieselbe Perjon öfter leett, kann ein schönem � mögen ruiniren. Wenn man aber den Lttrrtrug eino"■ Zwanzigmailstücken füllt, faßt cr, bei sorgsamster RaU'» j, nützung, 22500 Mark. Davon überzeugte man sich neuu einem Münchener Gasthaus in Folge einer Wette._ 06 45015 89 159 286 329 442 92 541 28[200) 46020 153 230(1701 91 47 001 33[170] 59>4 126 81 84 844 914 25 35 39 4 Hl 18 (200) 817 939 4»211 20 36; 925 77 50132[170] 75 201 26 306 22 81 423 536 605 34 713» 5 1001 27 58 142 213 84 316 403(170] 8 61 77(3001511 13 51'.V-' 781 93 914 15 37 38[170) 97 52039 62 114[170] 15 38 89 396 606[2001 17 33 67 85 720 848 57 62 66 85 98946[2001»/„ z->% 31 84 88 l'il 24 40 82 91 232 428 569 80 94 661 743 82»H54»7 54008 19 54 78 114 68 74 82 201 55[170] 314 21 30 49 401 0 711 54 87 861 87 928 52 97.„ zj*. 55008 28 71 129 42[200) 58 62 7*"" ,iw" 00 3M 1-' 49(170] 87 97 580 613[170] 81 725 56006-4 183 269 335 86 492 545 9 41 50 92[240] 203 21(1701 41 351 413 4 i**«-'j„ _________ 1(1701 41 351 413 20 60 63 68 507 78 730 48 62 82 98 829 33 924 60 68089 151 226 35 63 KW zz 4 --''—----—-" 1«TAI 1 AO 04 0 IIA lv)•tU' #0(OU 4o MY y?5 ö_ J öö VZ-h DU OOUöy iOi ZZO ÖD L 4Ä7• 601[15000] 97 747 92.3 59029 36 75[170] 102 249 60 6u 40i 73 560 679 703 20 ««071 59 707 9 84 703 20 72 825 75 997 0, zz! 6 128 84 256 326 80 88 518 36 56 81 85 601»7 5z 841 95 932 62«1037 47 93 176 201 11 26% 41 S --------------- 387(170) 4>4 74 77 84 521 60 653 56[170] 86 87 758 891 CÜ038 71 92 133 47 48 85 206 47 444 46 508 Ol 73 86 91%; L. ji a? a, qiä, 77 95 117 ,.3(jjj) gg 228 61 80 486 606.2 jj v» )9[900] 27 215 376 91 463 505[170)*', 65020 27[170) 161919 64 87.335 432 94 545 S1.6S 6K�KH 626 33 20 607 49 723 75 90"816'963[170]«»040*fe"l38 86"ll, 93 303 62 405[1701 13 33 693 717 847 901 10 60 ort« 930 74009 25[240] 91 155[170] 64 230 49 63 69 86 9a 38- 505 7 28 61 80 707[240] 73 74 78 867 74 76[170] 945? j 75139 42 246 56 81 325 421 44 81 91 655 75 606. 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Wir sind überzeugt, daß Ihr Eure Stimmen nur den Männern geben werdet, die mit Herz und Hand für das Wohl deS Volkes einzutreten bereit sind. Der heutige Tag soll ein Ehrentag werden, er soll einen neuen Lorbeer bringen den intelligenten Wählern Berlins. Mitbürger! Euch fällt die schwere aber schöne Aufgabe zu, diesen Tag zu einem denkwürdigen und Herr- lichen Siegestage zu gestalten, die Augen vieler Tausenden richten sich heute auf Berlin, und darum rufen wir Euch zu: Tretet mit Ernst und Energie ein für Diejenigen, welche Euer Vertrauen haben, damit Ihr mit Stolz auf das Ergebniß dieses TageS zurückblicken könnt! Die Wiener Preßkorruption. (Aus„Die Neue Zeit".) „Tie nnzia wahre Geschichte eines Landes ist in dessen Zestur.gen zu finden." Dieses Wort Macaulay's mag wohl vur den politischen Ereignissen gegolten haben, in höherem Maße jedoch ist es heute auf die Wirthsckafts- und Sittengc- icklichte jeden Staates anwendbar. Die Presse ist eine gesell- fihaflliche Institution, welche wie olle andern als ein Prodult der stlossenhenschaft und der Klassenkämpfe gelten muh. Sie Nt ein Charakleristikum unserer Zeit. Für ihre Fehler und Gebrechen kann man fie ebensowenig vcrantworilich machen, man dem Einzel-Unternehmer die Ausbeutung der Arbeits- stttst seiner Toglöhner vei denken kann. Nicht den Abfichlen emzelner Personen find die gegenwärtigen Prcßverbältnisse Entsprungen, sondern den heutigen wirthschaftlichen Zuständen, der Aera einer maßlosen Kapitalherrschast. . So ist denn auch die ungeheure'iorruption der Presse in Oesterreich eine logische Nothwendigkeit, denn fie ist nichts anderes als ein Spiegelbild der herrschenden Korruption über- daupt. Und Oesterreich ist ein Land, in dem die Korruption besonders gedeiht. Schwindel, Betrug und Ausdeutung, so "Wge fie nicht die Aufmerksamkeit des Staatsanwalts erregen, Selten da im öffentlichen Leben als unvermeidliche Vorkonrm- bisse. Jene Kumpane, welche die Anwendung dieser Milte! Mm Lebensberuf« erwählen, find geniale Ehrenmänner, welchen Überall Dank und Anerkennung gezollt wird. Sie verstehen es, -trtel, Würden und Einfluß zu erwerben; fie lassen sich, um auch durch ihre soziole Stellung zu glänzen, in den Ritter- und Freiherrnstond erheben, was in Oesterreich gegen Be- Zahlung, in der Form von WohtthätlgkeitSspenden, nicht un- ■wwer zu erreichen ist.„Ein Diebstahl ins Große", schrieb vor 16. Jahren jDr. Alb. Schäffle, einst österreichischer Finanz- Deister,„wird heute in Europa betrieben, woneben das Manchesterlhum und die teokratische Auszehntung von ehedem Jble Metiers waren, und er führt zu Ehren, statt ins Zucht- haus." .. In den.Händen derartig gezeichneter Gclvmänner, in Ver- v'ndung mit streberischen Abgeordneten und aelvgierigen Jour- bansten liegt hiute die pohtische Presse Oesterreichs, nachdem Ne lange genug, durch absolutistische Machthaber eingeengt, ?ar n�t aufzukommen vermocht hatte. Es läßt sich leicht bsnfen, wie eine derartig korrumpirte öffentliche Meinung ihre «NNgen Einflüsse auf Volk und Etaatsleden in moralischer 5"e in wirthschaftlichrr Beziehung äußern muß. Heute ist es bahm gekommen, daß die Presse, deren Pflicht es fern sollte, 2!« Korruption auf das heftigste zu dekämpfen, ihr gefügiger �>kner, ihr bester Vertheiorger geworsen ist. Das Seefenster. Von Heinrich Rem. (Schluß.) UJeil v m 0 b>urde nach einigen Augenblicken abberufen, wünschte Rächerin ein paar Worte mit ihr zu sprechen C,. � ttlerweile»blickte der Mann auf dem bunten Und n ain zusammengefaltetes Papier. Er hob eS auf JrikJ.,?gte sich an, im dämmerigen Lichte zu lesen. Der ZUin«L bestand in einer Aufforderung an eine Frau, sich K-i» Stelldichein an eivcn bestiunnten Ort zu verfügen. Name war ersichtlich. sie,. chdem er die Zeilen überblickt hatte, reichte er befii... er Nachbarin, die so schön mit Reispulver LSch/s� Gor, und entschuldigte sich mit verbindlichem ßafe.P'6 Dunkelheit deS Zimmers und die Schminke ge- «ab r zu sehen, ob sie erröthete. Nach einer Weile sie, hm das Blatt zurück und sagte: an"" Fr8«eht offenbar Niemandm von den Anwesenden «lei»• 8 Wort„Anwesenden" betonte sie und warf zu- Seemen seltsamen Blick auf dm leer gebliebenen Stuhl eine �. Wann wurde durch dieses Stück Papier in der mT�te Stimmung versetzt. Er konnte kaum das Ende, zeio«, ahlzeit abwarten. Als er mit Elmonda allein war, habe*l.b'e Zeilen. Sie lachte und behauptete, er Brief unterschlagen, er müsse ihn dorthin zu- agen, wo er ihn aufgefunden. Ii».fsiefcs Lachen verbesserte die Stimmung nicht. Schließ- zu(»J.si4 der Mann zu dem Rufe hinreißen:„Derlei �>n>nt!" Bwgl Niemand, wenn man ihm uicht entgegen sei-st"�� nicht weiter, sonst glaube ich im Ernste, Du sie nii!v Schliß," erwiderte Elmonda. Sofort aber brach �der m ein schallendes Gelächter au». le. u-ußte nicht, was sie damit that. Sie kannte reizbaren Gattm noch zu kurze Zeit, um zu be- Einst, in den Zeiten der Reaktion, pr'es man in beg ister- tcn Reden die wohttbänge Macht der Presse, man eihosste von ihr eine Fülle des Guten, den Sieg der Wahrheit und Ge- rechtigkeit. Im Jahre 1847 schrieb der damals aus Oksteneich verbannte Journalist Kuranda in seinen in Oesterreich verbotenen, doch viel gelesenen„Grenz- boten":„Uns fehlt Eines, aber dieses Eine ist das Wichtigste, es ist der Sporn der Thatkrast, der Zügel der Uebergreifenden, die Ruthe drsZUnfähigen, der Pranger des Schlechten. Und dieses Eine ist die Oeffentlichkeit." Ein Jahr darauf hatten die Wiener in den glorreichen Märztagen des tollen Jahres mit Strömen Blutes die Prcßfrcihet, die Oeffent- lichkeit erkauft. Und dann? Die Abschicvsworte einer unab- hänaigen Zeitung, des„Osterreichischen Journals", das am 1. November 1871 zum letzen Male erschien, mögen zeigen, wie stch die Zukunft gestaltete.„Wir haben", so schreiben die .Herausaeber,„die Ueberzeugung gewonnen: eine ehrliche Zei- tung, die nicht raubt, ist hier— wenn überhaupt— nur möglich mit so ungeheuren Mitteln, daß daS Risiko in gar keinem Verhältniß steht zu dem schließlichen Ertrag. Wer so enorme Mittel nicht hat, der kommt nicht durch oder verfällt der Räuberer. Die Korruvtion wird bleiben, bis die Staats- macht dreinfährt." Was also Jgnaz Kuranda, der einst zu den gefeiertsten FreiheitSmännem zählte, von der Preßfreiheit erhoffte, es ist nicht in Erfüllung ge- gangen; aber nach Jahren saß derselbe Mann, der früher in so beredter Weise für die Freigabe der Presse eingetreten war, in der Dircklion einer Eisenbakngcsellschast, welche— wie noch gezeigt werden soll- das Unerhörteste auf dem Gebiete der Zeitungsbestechunz und Mcinungsunterdrückung leistete. Es mußte so kommen. In derselben Weise, wie in einem kapstolistrschen Staate die Proklamirung der politischen Freiheit zu nichts anderem führt, als zu noch größerer wirthschastlicher Unterdrückung des Volks, konnte auch die Freigabe der Presse keine andere Folge als die noch größere Vergewaltigung des öffentlichen Meinungsausdrucks mit stch bringen. Ter Grund ist einfach. Die Anforderungen, welche man in der Zeit der Fie'hestsdewegung an den Herausgeber einer politischen Zei- tung stellte, waren dreierlei: ein guter Kopf, ein ehrliches Herz und eine scharfe Feder; heutzutage braucht er, gleich Monte- cueuli, bloS Geld, Geld und wieder Geld. Die Presse ist ein Gesckäftsunternehmen geworden. Die Gründung einer Zeitung und besonders eines Tagesjournals beansprucht ein ungeheures Betriebskapital; das Kapital führt aber naturnothwendig das Streben mit stch, den höchsten Profit zu erzielen. Das öffent- liche Interesse ist dem Zeitungseigenthümer vollkommen gleich- giltia, wenn nur der Reingewinn seiner Unternehmung ein annehmbarer ist. Der Journalfabrikant will ein Geschäft machen. Zu diesem Zwecke muß er in doppelter Weise wirken. Er muß einerseits dafür sorgen, seinem Blatte großen Absatz und bedeutenden Einfluß zu verschaffen; andererseits jedoch muß er trachten, den erworbenen Einfluß zu den höchsten Preisen zu veräußern. So will es die Geichäftsraison.„Was wollen Sie", bemerkte einst Herr Landsteiner, der Heraus- geber der„Presse", zu einem Gsschäftsmanne, welcher sich verwunderte, daß er für die Veröffentlichung einer ge- meinnützigen Anregung auch noch zahlen solle,„was wollen Sie? Eine Zestungsrevaktion ist ein Laden, in dem Publi- zität verkauft wird." Es ist unmöglich, eine treffendere Definition zu liefern. Für den Zcitungsmachcr ist die öffentliche Meinung die Waarc, welche er zu den besten Preisen verkaufen muß. Nicht der Verkauf der Zeitung, sondern der Verkauf des Ein- flusieS der Zeitung ist es, der ihm den Profit bringt. Ein Blatt, das große Verbreitung anstrebt, muß bei billigem Preise, manmgfaltigen und interessanten Inhalt aufweisen, und dieser ist nur gegen gute Bezahlung zu erlangen. Professor Wutt'e derechnete, oaß 1873 die Herstellungskosten eines Jahres- exemplars der„Reuen freien Presse" über 34 Gulden betrugen, indcß das Abonnement für Wien nur 18 Gulden kostete. Die Abnehmer anderer wiener Journale zahlen tbatsächlich nur den Papierpreis. Trotzdem haben stch sämmtliche größere Zeitungseigenthümer Wien's bedeutende, mitunter auch enorme Vermögen gemacht. Man steht, die Waare Publizität wird gut bezahlt. Eine Zeitungsredaktion bietet ihre„Artikel" in den ver- schiedenen Sorten feil. Sie verkauft erstens dem inseri'.enden greifen, wie er in einem solchen Falle behandelt werden müsse.„Schone Dich," fuhr sie nach einer Weile fort, „Du siehst seit einigen Tagen recht angegriffen aus. Vielleicht bekommt Dir das Klima nicht. Du wirst zu aufgeregt." Der Mann faßte das als neue« Hohn auf. Doch be- zwang er seinen Ingrimm, indem er beschloß, sich an dem Schreiber der Zeilen zu rächen. In seinen Augen war dies der Maler gewesen, der Elmonda seinen Arm ange- boten hatte. Noch am Abende behandelte er ihn bei Tisch so spöttisch, daß der Maler Erklärungen forderte. Statt dieser gab es hochfahrende Reden zurück. DaS Ende war, daß Nachts Zeugen erschienen, welche im Namen des Malers eine Forderung überbrachten. Der Mann antwortete: „Was denkt dieser Lasse? Glaubt er, ich hätte keine andere Logik, als mich vor die Pistole eines jungen Tauge- nichts zu stellen, nachdem mich dieser in meinem Weibe>n- sultirt hat?" Wenige Augenblicke später befahl er Elmonda, An- stalten zum Packen der Koffer zu treffen und Alles für die morgige Abreise vorzubereiten. Diese, welche bereits durch die Cameriera von dem Vorgefallenen unterrichtet worden war, lobte seinen Entschluß, sich nicht zu schlagen, meinte aber, es sei klüger, de« Scheines wegen noch einige Tage zu verweilen. Der Mann fühlte, daß Elmonda Recht hatte, aber in der Uebcrreizung, in welcher er sich befand, trug diese Aeußerung dazu bei, seinen Verdacht und seine Ver- bitterung zu steigern. Als er noch spät am Abend allein hinabging, um den Frieden des einsamen Meeres aufzusuchen, in welchem sich die Gestirne spiegelten, kam er am Speisesaale vorüber. Er hörte dort lachen und seinen Namen nennen. Im Hausgange begegnete ihm die schwarzäugige Frau, die Tischnachbarin, halb vom Zendale, Schleier, verhüllt. Sie schaute ihn mit einem durchdringenden Blick an, in welchem Mitleid und Verlangen miteinander zu streiten schienen. Dann ergriff sie seine Hand, drückte dieselbe und sagte:„Muth!" Publikum den Aakündigungsraum ibr-s Bhtt's; fie verkauft awett ns ihren inhaltlichen Theit zu Reklamez veckc>; sie ver- kaufl drittens gegen Schweige- und Reveaetder das öffentliche Interesse, und endlich zu den höchsten Preisen auch ihre Ge- stnnung, ihre Ehre. Die ersteien drei Geschäfle werden arößtenthells ganz öffentlich abgemacht. Die„Neue freie Presse" bringt in ihrem„Jaseratentarif, giltig vom 1. Jänner 1382", zur allgemeinen Kenntniß, daß eine Nonpareillezerle oder deren Raum für gewöhnliche Anzeigen 15 Kr., tür„Banken, Eisenbahnen, Verfichemngs- und Aktien-Gesellschaften" jedoch 1 Gulden kostet. Bei letzterer Klasse heißt es ferner wört- lich:„Mittheilungen aus dem Publikum: Eine dreispallige Petitzeiie oder deren Raum 3 fl. ö. W.; Notizen oder Aitilel: Eine dreispaltige Petitzeile oder deren Raum 5 fl. ö. W" Es ist bezeichnend, daß die bedeutendste Wiener Zeitung auch Notiz m und Artikel in ihrem Jaseratentarif feilbietet, das muß rühmliche Offenheit genannt werden. Die„Neue freie Presse" b kennt Damit selbst, daß auch ihr texilicher Inhalt aus bezahlten Einschaltungen besteht, und daß sie gegen guten Lohn für jedermann zu haben ist. Daß eine Presse ihre Käuflichkeit zugesteht und dennoch nicht an Einfluß verliert, das zeuzt von einer unglaublichen Naivetät eineStheils des Publikums, von einer entsetzlichen Verderbnlß des andern Therls. Es wird hieraus klar, wie un- geheuer korrumvtrend eine verderbte Presse auf ihre Leser ein- wirken muß. Denn die weitaus größte Zahl derselben ist ja zur Prüfung des Gebotenen, zur SelbstdeurtHeilung äußerer Vorgänge nicht fähig; fie akzeptirt jene Anficht, welche ihr die Zeitung in den Mund legt und erregt durch ihre Zustimmung Strömungen, welche man sodann die„öffentliche Meinung nennt. Das große Publikum, welches freilich nicht wissen kann, was die Journale verschweigen oder entstellen, wird zum un- bewußten Sklaven derselben. Besonders gicbt sich der öfter« reichische Spießbürger in seiner gemülhlichen Sorglosigkeit nur allzuleicht der geistigen Führung oder richtiger Verführung jener namenlosen Individuen hin, welche die Zeitungen sabriziren. Es ist ja gar zu angenehm, politische Ansichten, Gedanken und Kritiken über Vorfälle des öffentlichen Lebens gleich fertig auS der Fabrik zu, beziehen! Durch diese Charakterschwäche ist die österreichische und namentlich die Wiener Presse thatsächlich die öffentliche Meinung geworden.<5x ist eine Macht, mit der gerechnet werden muß. Das Volk ahnt nicht, welchen ver- verblichen Folgen es durch die Bevormundung seitens der Journale ausgesetzt ist. Zehnmal schädlicher als die zensuürte wirkt die freie Presse in Oesterreich. Der einstige Zensor ver- mochte die Wahrheit nur zu untervrücken, der heutige Z-nsor, auch Kapitalismus genannt, fälscht sie. Namentlich sind es kleinbürgerliche Elemente, welche ja in Oesterreich die Masse der Bevölkerung bilden, die dem Einfluß der korrumplrten Presse unterliegen. Der Lohnarbeiter hat oft nicht die Mittel, regelmäßig eine Zeitung zu lesen; und wenn er das Bedürfniß nach einer solchen fühlt, gelangt er meist auch bald zur Erkenntniß seiner Klassenlage und tritt damit naturnothwendig in eine gewisse Gegnerschaft zur kapita- listischen Presse, der er stets mißtrauisch gegenüber steht. Die obersten Zehntausend andererseits wissen zu gut, wie es ge- macht wird, um die Presse zu viel Einfluß über sich einzu- räumen. So ist eS der unbeholfene und politisch haltlose Thcil des Kleinbürgarthums, welcher den Haupttheil der Massen bildet, die stch von der„öffentlichen Meinung" gängeln lassen; das Klein- dürgerthum ist es aber auck, welches die Kosten der Presse zu zahlen hat. Es muß die Inserate und Rcklamrn bezahlen im Preise der Waaren; es bezahlt die Korruptionsgeloer, welche Banken, Aktiengesellschaften-c. der Presse zukommen lassen, in- dem es seine Ersparnisse bei den von dieser angepriesenen In- stitution anlegt und— verliert. Einige Thatsachen mögen das beleuchten. Im Jahre 1870 sollten in Wien die sogenannten„Türken- loose", verlooSbare Schuldscheine der türkischen Eisendabn-An- leihe, durch die Anglobank emittirt werden. Da diese Werth- pzptere von Anfang an bei jedem Sachverständigen als schwin- delbaft und schlecht gelten mußten, verbot der damalige Finanz- minister Dr. Brestel die Kotirung. Einige Monate nach diesem Vorfall mußte Brestel dcmisfioniren, und kurze Zeit darnach war die Kotirung der Türkenloose eine vollendete Thatsache. Nach den Aeußerungen einiger unabhängigen Blätter sollte Die Cameriera erzählte belustige sich über ihren Duellfieber. Manchmal Darauf verschwand sie in einem Seitengemache und der Schlüssel knarrte hinter ihr in der Thüre. Am nächsten Morgen fieberte der Mann. Es war unmöglich, abzureisen. In seinen Phantasien sprach er vom schwarzen �eesenster, durch welches er in einen Ab- grund schaue. So vergingen zwei Wochen. Elmonda, die Gesellschaft unten Gatten und sage, er leide am— wurde sie von Einem der Gesellschaft um sein Befinden befragt. Aus jeder solchen Frage aber hörte sie einen spöttischen Ton heraus. Von den Lobeserhebungen, die oft der Erscheinung und dem Wesen ihres Gatten gespendet worden waren, vernahm sie fortan nichts. Schon nach zwei oder drei Tagen phantasirte er nicht mehr. Dagegen lag er theilnahmslos auf dem Rahebette. Er sprach nur wenig. Eines Tages sagte»: „Wozu brauchst Du denn jetzt immer das ttaltenische Wörterbuch bei Deinen Schreibereien? Du hast Dich doch sonst nie um diese Sprache bekümmert." „Ach, wenn Du wüßtest!" entgegnete sie lächelnd. Eines Tages erklärte der Mann, daß er sdfort ab- reisen wolle. Auf die Bemerkung, daß das Gepäck noch nicht in Ordnung sei, erwiderte er, man solle nur das Rothwendige mitnehmen, das Uebrige würde er sich nach einem Orte, den er noch nicht anzugeben vermöge, nach- senden lassen. Elmonda wollte Einwendungen machen, als sie aber den Blick ihres Mannes sah, hielt sie mit denselben zurück. Wenige Stunden vor der Abreise traf ein Brief von den Eltern Elmonda's ein, welche mittheilten, daß sie eine Reise nach dem Süden unternähmen und auf ein Zusam- mentreffen rechneten. Damit war die Wahl der Reiserichtung gegeben. Eine Woche später trafen sich Kinder und Eltern. Man ver- weilte in Neapel und Sizilien, man reiste zusammen nach Rom. diese Wandlung kein geringerer als der Reichskanzler Graf Beust, der als eifriger Börsenspieler bezeichnet wurde, bewirkt haben. Die folgen find selbstverständlich. Die Anglobank schlug in die Reklametrommel und zahlte an 73 Wiener Blätter koloffale Beträge zur Irreführung des Publikums und Anprei- sung der zweifelhaften Werthpapiere. Das„Tagblatt" erhielt 32 000 Gulden,„Presse" und„Neue freie Presse" je 25000, die„Vorstadt-Zeitung" 16 000, daS„Fremdenblatt" 12 000, die „TageSpresse" 10 600 und so weiter, bis hinab zu den letzten Sudclblättchen. Das Publikum, welches sich durch hohe Ge- winnstversprcchen verlocken ließ und überall nur das höchste Lob der Türkenloose singen hörte, kaufte dieselben zu exorbitan- ten Preisen. Doch die Herrlichkeit sollte nicht lange dauern. Schon nach einigen Ziehungen wurde die Auszahlung der Treffer verweigert. Die Loosbesitzer verloren beinahe ihr gan- zeS Geld, indcß die EntrcpreneurS, die Anglobank und der Bauunternebmer, Baron-virsch, den artigen„Geschäflsverdienst" von 200 Millionen Franken einstricken. Wer war es also, der die Echweiggelder bezahlte? Die Bank oder das„svarcnde" Publikum?(Fortsetzung folgt) DolitiKtKe RebersieKt. Der Verein für das„Wohl" der arbeitenden Klassen, — ein Veilchen welches im Verborgenen blüht— hat wieder einmal etwas von sich hören lassen. In einem AbtheilungS- zimmer des ReichktagShauses hielt derselbe unter dem Vorfitze deS Prost ssor Gneist seine diesjähre Gmeralversammlung ad. Dem von Letzterem erstatteten Bericht ist Folgendes zu ent- nehmen: Der Fonds des Vereins beträgt unverändert 53400 M., während sich der Baarbcstand von 1426 auf 276 M. vermindert hat. Die Einnahmen betragen 11 497 M, die Ausgaben 12 923 M.; unter letzteren finden sich Beiträge für die Berliner Ausstellung von Lehrlings-Arbeiten und für den Lette-Vercin von je 500 M, Kosten für Beschickung der Hygiene-AuSstellung 1335 M. und ähnliche. Die Zahl der Mitglieder, die bei Ab- fchluß des Berichts von 799 auf 758, also um 6 Prozent sich vermindert batte, ist in den letzten Wochen nach kräftiger Agi- tation des Vereins wieder um 132 vermehrt worden, so daß man von rund 900 Mitgliedern, der höchsten Zahl seit Be- stehen deS Vereins, sprechen kann. ES gehören dem Verein an 108 Behörden und Körperschaften, 66 Aktiengesellschaften, 6 permanente Mitglieder, 117 persönliche Mitglieder in Berlin, 283 in den preußischen Provinzen und 178 in den übrigen Theilen Teutschlands. Außer durch die obenerwähnte Unter- stützung gemeinnütziger Bestrebungen ist der Verein durch Herausgabe des„A r d e i t e r f r e u n d" und der„Sozial- korrcspondenz" thätig gewesen, welch letztere über 200 Zeitungen der Provinz und viele Private zu Abonnenten zählt. Die Arbeiter und die StaatSgesetzgebung— so führte Pro- fessor Gneist weiter auS— sind den Bestrebungen deS Ver- eins noch immer nicht entgegengekommen. Die Arbeiter glauben, sie brauchen den Verein nicht, und stehen ihm gleichgiliig ge- genüber. Die Staatsgesetzgebung habe zwar durch Postspar- lassen-, Krankenkassen- und ähnliche Vorlagen den Vereinszielen sich genähert, aber in Bezug auf die gewünschte Alters- und Jnvalidenverforgung könne der Verein ihr nicht zustimmen. — Nach der Berichterstattung wurden die Neuwahlen vorgc- nommen, und die drei ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes und sechs ausscheidende Mitglieder des Ausschusses wieder- gewählt.— Uns scheint es, als ob die Tbätigkeit des aenann- ten Vereins der Hauptsache nach darin besteht, alle Jahre ein- mal eine„Generalversammlung" abzuhalten, denn in Arbeiter- kreisen ist derselbe kaum dem Namen nach bekannt. Oder sollte die Thätigkeit für das„Wohl" der Arbeiter etwa in der Herausgabe des„Arbeiterfreund" zu suchen sein? Dann müssen wir das um so mehr bedauern, da es in Berlin, wie über- Haupt in Deutschland, wohl kaum 10 Arbeiter giedt, welche den„Arbeiterfreund" lesen. Die 200 ZeitungSredaktionen, welche denselben halten, werden sich wohl kaum der Viühe unterziehen, den Inhalt zu lesen. Also warum das schöne Geld für die Druckerschwärze verschwenden?— Her Gneist hat mit seiner Behauptung, daß die Arbeiter von dem Verein so- wohl, als auch von dem„Arbeiterfreund" nichts wissen wollen, vollkommen Recht. Um Spar- und Krankenkassen einzurichten, brauchen die Arbeiter keine Weisungen von dem Herrn Gneist und seinen Freunden, und weitergehende Ansprüche der Arbel- ter find den Herren ein Gräul— sogar die von der Regie- rung angeblich geplante Alters- und Jnvalidenvcrsorgung ist dem Verein zu weitgehend. Nach solchen Erklärungen halten wir es für viel richtiger, wenn der Verein das Geld, welches er unserer Ansicht nach für unnütze Druckerschwärze verpulvert, zur direkten Unterstützung bedürftiger Mitmenschen verwendet, dann erfüllt es einen weit besseren Zweck. Cchrecktiche Folgen des Leichtsinns! Unter dieser Ueberschnft erzählt die konservative„Höllische Zeitung" ihren Lesern Folgendes:„In dem Oertchen Negenborn bei Nordhausen hatte Frau B. ihr kleines in der Wiege schlummern- des Kind„leichtsinniger Weise" unter die Obhut des 4 einhalb- jährigen Schwesterchens gestellt und war zur Arbeit ge- gangen. DaS Schwesterchen hatte mit Streichhölzern gespielt, Der Herbst nahte. Man wollte die Heimfahrt ge- meinschaftlich antreten. Der Wirth, bei dem die Gepäcks- stücke hinterlegt waren, hatte auf verschiedene Briefe keine Antwort gegeben. Da entschloß sich der Mann, den Umweg über ihren früheren Aufenthaltsort zu machen, um diese Angelegenheit rasch zu erledigen. Elmonda wollte er nicht mitnehmen. Er ließ sie bei ihren Eltern und man verabredete das Zu- sammentreffen auf einige Tage später in einer Stadt am Südende der Alpen. Elmonda's Gatte verließ, dort angekommen, sein Zimmer nicht. Er ging nicht in den Speisesaal. Der faule Padrone hatte sich mit Lügen entschuldigt, Alles war in Ordnung, der herkömmliche Aerger überstanden. Die kleine, schielende Kameriera war heute geschwätziger als je. Sie trippelte, ohne irgendwo Hand anzulegen, im Zimmer herum. Endlich sagte sie: „Sind Euer Gnaden verheirathet?" Der Mann konnte vor Erstaunen keine Silbe ant- worten. Die Cameriera betrachtete ihn lächelnd. Endlich er- widerte er: „Sie sehen ja hier die Gepäckstücke meiner Frau----" „O, deßwegen! Ich dachte mir, Sie seien ebenso ein Pärchen, daS..." „Reden Sie," sagte Elmonda's Gatte. „Nun, ich dachte mir, es sei die Frau von Euer Gnaden nicht, weil ihr der kleine Spitzbube von Maler, der mir vorher immer schön gethan hatte, so viel gefiel!" Eine Viertelstunde später wußte de» Mann Alles. Die Dame mit dem Reispulver, der Diener, welcher Elmonda's Briefe zu besorgen hatte, und der Maler selbst hatten noch vor der Abreise geplaudert. Im Speise- zimmer gab die Sache späterhin wochenlang den Stoff der allgemeinen Belustigung. Die Zeilen, welche er einst vor seinem Stuhle liegen gefunden hatte, waren von der Hand jener Dame und harten nur den Zweck, ihn von Emonda abzuziehen und in ihr Garn zu lecken. Bis dahin hatte sich Elmonda nichts daS kleine Kind einige unerhebliche Brandwunden davon ge- tragen, die Mutter hatte bei ihrer Rückkehr daS größere Kind mit Schelten überschüttet, welches sich dies so)chr zu Herzen nahm, daß es in der nächsten Nacht am Herzschlage starb. Die„l e i ch t s i n n i g e" M u t t e r, welche durch ihre Arbeit die Kinder mit ernähren mußte, suchte nunmehr in der Verzweiflung mit ihrem jüngsten Kinde den Tod im Wasser."— O, über den Leichtsinn! Die„Hallesche Zeitung" ist ein notorisches Pastorenblatt— und ein solches Blatt wagt derartige Artikel zu bringen!— Der ganze „Leichtsinn" aber liegt darin, daß oerheiralhete Frauen, anstatt ihre Kinder warten zu düifen, auf Arbeit gehen müssen, um Brod fürs Haus zu schaffen. Frankreich. Ueber die gelegentlich der Erschießung deS Agenten Morin durch Frau Clovis Hugucs auf die Tagesordnung gekommenen Auskunft- Agenturen dringen mehr und mehr Ausschlüsse in die Oeffentlichkeft. Diese Agenturen werden meistens von früheren Polizeibeamten ge- leitet rind sie unterhalten rege Verbindungen mit den Polizei- behörden und Polizisten. Von letzteren stehen Manche in ihrem Solde, um sich einen meist ziemlich bescheidenen Neben- verdienst zu verschonen. Wo der Leiter der Agentur kein frü- herer Polizeibeamter ist, hat er einen solchen als ersten Helfer und Beratber neben sich. Die bedeutendste unter den jetzt be- stehenden ist die Auskunft-Agentur in der Rue du Pont- LouiS-Philippe, an deren Spitze der frühere Sickerheits-Agent Melin steht. Dieser war ein vortrefflicher, mit ungemerner Findigkeit und großem Spürsinn begabter Beamter, welcher namentlich von der Bank mehrere bedeutende Belohnungen für die Entdeckung von Banknoteirfälschern erhallen hatte. Aber er fand, daß er als Inhaber einer Auskunft- Agentur ungleich mehr verdienen würde. Ein anderer früherer Polizei- beamter, Fauche, verdient jetzt jährlich 30,000 Franks als Inhaber einer Wicken Agentur. Er hat wenig Unkosten, da er alle Schnüffeleien durch Agenten der Eicherheits- Polizei anstellen läßt, welche weirg dafür erhalten und meist während der Dienststundm zugleich auch für die Agentur arbeiten. Die AuSkunstsapenturen werden merkwürdiger Weise amtlich anerkannt und als kaufmännische Betriebe behandelt. Deshalb konnte letztes Frühjahr eine Agentur einenBankerott von 300 000 Fr. machen. Dieselbestand unter Leitung von zwei früheren Polizisten, die zu der Ab- theilung für Untersuchungen und Erhebungen gehört hatten. Im Grunde genommen verdanken die Auekunftagenturen ihren Fortbestand nur der Nachficht der Polizei-Präfetlur. Ohne die Mitwirkung von in Dienst stehenden, wenn auch nur niederen Polizeideamten wären die Agenturen gar nicht im Stande, Auskunft zu geben. Warum aber läßt die Präfektur unter allen Regierungen dieselben bestehen? Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Man darf annehmen, daß auch sie Dienste durch die Agenturen geleistet erhält. Ein Beispiel aus früherer Zeit mag dies erklären helfen. Zur Zeit, als noch Paßzwang bestand, fehlte es in Paris nicht an Agenturen, welche falsche Pässe ausstellten; sie waren von der Polizei ge- duldet, weil fie in deren Diensten standen. Die Polizei-Prä- fektur erhielt nicht blos Abschrift von allen ausgestellten Pässen, sondern auch alle sonstigen Ausschlüsse, welche die Agentur über die Jnhabrr sich zu verschaffen gewußt hatte, Mehr als ein Verdächtiger oder Verbrecher ist damals mittels eine? falschen Passes der Polizei in die Hände geliefert worden. Dänemark. Bei einer gestem Abend in Kopenhagen stattgehabten Versammlung von Vertretern der minrstericllen Fraktionen erörterte der Minister Estrup die innere Lage, und sprach fich dahin aus, daß der zwölfjährige Kampf gegen den Parlamentarismus des Folkethings zu Ende geführt werden müsse und solle. Die Regierung kämpfe für die verfassungs- mäßige Machtvertheilung, für Freiheil und Fortschritt. In Irland kommen wieder zahlreiche Agrarverbrechen vor. In Nord-Kerrp wurde das Gehöft eines mißliebigen Pächters in Brand gesteckt, und die Insassen entgingen mit genauer Noch dem Flammentode. In Westmeath wurde ein Ehepaar von einer Bande Vermummter gezwungen, nieder- zuknien und zu schwören, daß es den Dienst eines im schwarzen Buche der Landliza stehenden Pächters verlassen würde. Dann wurden mehrere Schüsse über ihre Köpfe abg feuert, als Zeichen, das Ungehorsam mit dem Tode destraft werden würde. In der Grafschaft Cork drangen mehrere Vermummte in daS Haus eines Farmers und bemächtigten fich dessen Gewehre und Munition: Die neueste aus Ostindien eingelangte Post bringt Be- richte über Unruhen, die unter den Chinesen zu Mandor(west- licher Theil Bornea's) ausgebrochen sind. Der holländische Resident hat telegraphisch bei der Kolonialregierung um Ver- stärkungstruppen angesuckt, die ihm denn auch eiligst gesandt sein sollen. Wie man hört, sollen einige Kompagnien Jnfan- terie und ein Detachement Geniesoldaten dorthin abgegangen sein. Mandor ist von Alters her durch die dort stattgefundenen Revolten der Chinesen berüchtigt. Im Jahre 1822 hat eine Expedition unter de Stuers, im Jahre 1825 eine solche unter Capt. Trip dorthin geschickt werden müssen, und es ist in beiden vorzuwerfen. Nachdem sie aber ihren Gatten zum Gegen- stand der Verhöhnung gemacht sah und ihn für feig hielt, wendete sie sich von ihm ab. Sie hatten tagtäglich Zu- sammenkünste mit dem ritterlichen Maler. „Du lügst," sagte der Mann. Die Kameriera verschwand auf einen Augenblick. Dann kam sie mit einem offenen Briefe zurück. „Dies war der letzte," sagte sie.„Die Dame hat ihn nicht mehr abliefern können, weil der junge Herr eben ab- gereist war." Der Mann erbleichte. „Wohin?" sagte er stammelnd. „Wer weiß es?" entgegnete die Kameriera achsel- zuckend. „Und jene Frau?" „Sie ist fort." „Wohin?" „Wer weiß es?" „Wer war sie?" schrie der Mann. Die Kameriera zuckte abermals die Achseln und sagte: „Solche Frauen sind bald von hier, bald von dort her. Aber Euer Gnaden trösten sich leicht, eS giebt so viel schöne Weiber."-- Einige Wochen später stand Elmonda's Gatte wieder vor dem Wasserbecken an der Scheide des Süd- und Nord- landeS. Diesmal war er allein. Die Blätter hatten sich herbst- lich gefärbt und einige Kraniche trieben fich auf seinem Spiegel herum, die von ihrem Fluge nach den Gefilden der Sonne ausruhten. Er beugte sich vor. Diesmal aber zeigte der Spiegel keine Rosenwangtn und goldene Locken, sondern ein ver- störtes Männergesicht. Unergründlich lag er da ausgebreitet. Vielleicht hängt er doch wirklich mit dem Meere zusammen, wie das M-mschenherz mit den Abgründen des Seins, wo es keine Treue und Liebe, sondern nur dunkle Berne- gung gibt. Eisenbahn 136 000 Mark, sowie für Feldeisenbahnbrücke» 875000 Mark- Die zur Ergänzung der Befestizunaen*» Elsaß-Lothringen geforderten 3 Millionen Mark zog der Kriegs' minister zur Hälfle zurück. Mrwmentsbenrkte. Deutscher Reichstag. 12 Sitzung vom 11. Dezember. Präsident v. Wedetl-Piesdorff eröffnet die Sitz»»? um 1 Ubr 15 Minulen.., Am Bundesrathstisch v. Böiticher, v. Schelling, Bronsan v. Schellendorff und zahlreiche Kommissare. l�ilDas Haus tritt sofort in die Tagesordnung ein und gt nehmigt den Antrag Liebknecht auf Sistirung deS gegen Abgeordneten Kaqser bei dem Landgericht zu Dresden schwebein den Strafverfahrens für die Dauer der Session.., Dann setzt das Haus die Debatte über die Anträge Abga. Munckel und Rcichensperger wegen WiedcreinführM des Berufungsverfahrens in Strafsachen fop Adg. Rintelen(Zentrum) erklärt sich für die Antiag� Wenn man alle gestem von Heim Payer ausgesprochen» Wünsche befriedigen wollte, so müßte man die ganze Str»i Prozeßordnung umarbeiten und würde dann auch namen«>« die Appellation gegen die Uri heile der Schwurgerichte nickt M entbehren sein. Auch in den altpreußiscken Ländescheilnr � die förmliche Berufung erst aus einem anfänglich nur zuläistg' Rekurse hervorgegangen. Heut weiß der Angeklagte, wenn � den Gerichtesaal vetrilt, oft noch nicht, auf welche Thatsack? es eigentlich ankommt, und gegen die sachlich vom Richter v gründete Verurtheilang giebt eS dann keine Berufung. die Begnadigung ist für solche Fälle nicht einmal flecrg»n< daher sei die Sache dringend. Er erklärt sich für koininissar»� Beratbung. Abg. v. Grävenitz(Reichspartei): Die Schäden o neuen Prozeßordnung, die ja nickt zu verkennen find, drans. zu einer Wiedereinführung der Berufung. Die neue ö"' vrozeßordnung Hab? ja viele alte Unzuträglichkeilen der ftWW Gesetzgebung beseitigt, aber sie sei trotzdem unvollkommen � alles Menschenwerk und zeitige neue Meßstände. Die allein könne zwar auch nicht alle Mängel, die der erste R"»L unbeachtet gelassen, beseitigen und um die Revision so weitem, daß fie diese Mängel thatsächlich beseitige, dazu dem Reichsgericht eine so weit gehende Kompetenz eingera«� weiden, daß der Charakter der Revistons- Instanz dabei kommen verloren gehen würde. Durch eine Novelle werde v, die Frage der Berufung nicht erledigen lassen, sondern werde dies eine völlige Umardeftung der Strafpcozeßordnu ��taatSsekietär Dr. v. Schelling möchte den Emd� den seine gestrige Mittheilung über die Intentionen. Reichskanzlers gemacht', in abschwächender Weite richtig W Wz Vor einiger Zeit wurden auf Veranlassung des Reichslanü die revistonsdedürftigcn Purkte zusammengestellt und � Kaiser dem Reichskanzler die Erlaubniß ertheilt, zunächst Preußen und den anderen größeren Einzelstaaten Erörterung zu pflegen über die reformbedürftigen Punkte. Diese-"7 formen sollten sich nicht blos beschränken auf die Prozeßordnung, sondern auch auf daS Zivilverfahren. � handelt es fich dabei namentlich auch um die Frage de? waltszwangcs und um das Gerichtsvollzieherweten, bei vew>j. erwägen ist, ob der Schuldner durch die zu weit gehende � "------' mcht zu sehr bedrückt�. Ich möchte aber bitten, anzuschlagen, weil das Zum Schluß"'»� besugniß des GerichtSvollziehrrs (Beifall und sehr wahr! reck's.) zu viel Töne mit einem Male gut ldun könnte. Die Debatte wird hierauf geschlossen. als Antragsteller das Wort der,. Abg. Munckel(freisinnig): Möge man Garantleo, welche man wolle, die Berufung können wir nicht enw.1$ In Baven und Württemberg, wo man die Berufung früher abgeschafft Halle, verlangt man jetzt, nach ElNw» jjjf. der neuen Strafprozeßordnung die Wiedtreinführuag"Lujfi rufung. R gesorgt. Die Ursache der gegenwärtigen Ruhestörungen ist wahrscheinlich in dem Umstände zu suchen, daß von der Regierung in der bisher fast gänzlich unab- hängigen chinesischen Verwaltung Veränderungen vorgenommen worden waren._ MMmeutansirkes. � Die Nachwahl in Greiz soll gutem Vernehmen nach am 17. Dezember stattfinden. — In der Kommisston des Reichstages zur Berathung des vom Abg. Grrllenberger eingebrachten Antrages auf Abänderung des Gesetzes über die Krankenversicherung der Arbeiter ist heute, nachdem Staatssekretär von Bötticher ftö zustimmend geäußert, folgender Antrag des Abg. Struckmann angenommen worden: Mitglieder solcher bestehenden Hilfskassen der in§ 75 des KrankenversicherungsgesetzeS vom 15. Juni 1883 bezeichneten Art, welche am 1. Dezember 1884 den daselbst festgesetzten Anforderungen noch nicht genügt, aber tc> reils vor diesem Tage die zur Erfüllung dieser Anfor- derungen erforderlich- Abänderung ihrer Statuten mit dem Antrage auf fernere Zulassung oder Genehmigung bei der zuständigen Stelle eingebracht haben, ist, soferii fie der Kasse schon vor dem 1. Dezember 1884 angehö» haben, der Austritt aus derjenigen Orts-, Betriedi-, (Fabrik-), Bau- oder Jnnungs Krankenkasse, welcher ste auf Grund des Krankenverficherungs- Gesetzes oel- möge ihrer Beschäftigung angehölen, auch>»> Laufe des Rechnungejahres und ohne die>» den§§ 19, 63, 72 und 73 vorgeschriebene Kündigung zu gestatten, wenn 1) die Hilfskasse, welch? fie angehören, die fernere Zulassung oder Genehm«- gung auf Grund abgeänderter Statuten, nach welchen fie den Anforderungen deS§ 75 genügt, bis zum 7 Juli 1885 erwirkt, 2) der Austritt innerhalb vier Woche» nach erfolgter fernerer Zulassung oder Genehmigung der Kasse bei der zuständigen Stelle angemeldet wirb- Der Austritt ist in diesem Falle mit dem auf die An- Meldung folgenden Zahlungslermine für die Kaffenbn- träge zu gestatten. — Dte Budget-Kommission berieth heute das zum Elm eingebrachte Anleihegesetz. Die Diskussion drehte fich nament- lich um die aus Anlaß von Truppenoerstärkungen und Diff lokationen un der russischen Grenze während des Jahre» 1884/85 gemachten Ausgaben, für welche in dem Gesetz nack- träglich durch eine Anleihe Deckung gefordert wird. Die Kam- miision bewilligte schließlich die geforderten Summen im Ee- sammtbettage von 10 055 134 M. Zum Extraordinarium über- gehend, bewilligte die Kommission 207 000 Mark zur GervÄ' rung von Zulagen an Unteroffiziere bei den Besatzungstruppe» in Elsaß-Lothiingen, Zulagen für die Offizier« in Kehl 1 1 04° Mark und letzt« Rate zur Erneuerung des Baues der Milirte- s birng richter übet ihm steht. Die Berufung, welche wir verlangm, wird sich leicht in den Rahmen deS Gesetzes einpassen lasten. Mg. Rayfei konstatirt hierauf vor dem Lande, daß in dieser Debatte kein Redner seiner Partei zum Wort ge- kommen ist. Dann werden die Anträge an eine Kommission von 14 Mitglieder verwiesen. Es folgt die Fortsetzung der zweiten Berathung d e s E t a l s. Bei Kapitel 20(Adjutantur-Osfijiere 851 412 Mark) beantragt der Abg. Frhrr. v. H u e n e den Tit. 3(Offiziere in besonde- ren Stellungen 450 000 Mark) an die Budgct-Kommisfion zu verweisen, und_ Abg. Richter(Hagen) stellt den Antrag, drese Position um 100000 MI- zu vermindern. Kriegsminister Bronsart v. Schellendorf erklärt sich gegen den letzteren Antrag. Es handle stch hie: nicht nur um voriibergehenoe Ausgaben, sondern um nothwendige und dauernde. Es handle fich in diesen Fällen um diejenigen Offi- ziere, welche noch nicht die Qualifikation zum Stabsoffizier er- warben haben und dann als Hauptleute längere Zeit als Kompagnicch.fs fungiren muffen, Um fie nun einigermaßen zu entschädigen, werden diese Hauptleute zu besonderen Stell- ungen verwendet und aus diesem Titel besoldet. Der Budget- - kommisfton könne hierüber jede nähere Auskunft gegeben werden. Abg. Richter(Hagen) meint, daß dieser Fonds demnach zu ganz anvcren als im Etat angegebenen Zwecken verwendet werden könne, worauf die Posttion an die Badgetkommisflon gewiesen wird. In gleicher Weise geht bei Kapitel 23(Inge- nieur-Korps) eine Gehaltserhöhung von 2100 Mk-, welche Abg. Richter zu streichen beantragt hatte, an die Budgetkommisston zur Vorberathung. Bei Kapitel 16(Unterhaltung der Bekleidung und Aus- rüstung der Truppen) fragt Abg. Richter(Hagen), ob und in wie weit die bereits früher in Äusficht gestellten Ersparungen an Tuch zu Unifor- wen eingetreten seien V und regt die Frage der Ermäßigung der Mannschaften der Militär-Musikkorps und die Frage der Oekonomie- Handwerker an. Er giebt zu erwägen, ob es nicht bester sei, den Wünschen der Handwerker Rechnung zu tragen und die Zahl der Oekonomie-Handwerker zu beschränken. Kriegsminister Bronsart von Schellendorff: Der Ersparnißfonds hat im vergangenen Jahre ca. 29000 JJi. ergeben. Was die Einrichtungen der Armee, so auch die der Musikkorps anlange, so seien dies ausschließliche Rechte Sr. Majestät des Kaisers und durch Art. 63 der Verfassung der Bestimmung des Reichstags entzogen. Es bleibe dem Reichs- tage überlasten, ob er die Gelder zu diesem Zweck bewilligen wolle. Die Frage der Oekonomie-Handwerker beschäftige un- ausgesetzt die Militärbehörde; diese Einrichtung bringe immer noch für die Armee bedeutende Vortheile. Die Strafanstalten zu den Lieferungen heranzuziehen, habe seine großen Bedenken, außerdem haben ja auch die Handwerker dagegen entichreden remonstrirt. In Folge der billigen Mbeitskcäfte der Oekono- wiehandweiker stellt stch die Ausrüstung eines Mannes(exklus. Waffen) d irchschnittlich auf 63,23 M.. daraus ergebe stch schon der erhebliche Vorlheil, welcher der Armee-Verwaltung daraus «wachse.(Beifall rechts.) . Abg. v. k ö l l e r(kons.) verweist auf die Petition des deutschen Schuhmackerbunves, welcher darum bittet, daß die Mrlitärverwaltung in den Zuchthäusern arbeiten lassen möge, um die Verbrecher in dieser Weise zu beschästigen und bedauert, daß den Wünschen der Petenten wohl nicht entsprochen werden tonne; er bitte aber den Kriegsminister zu versuchen, ob es nicht woglich sei, die Militärarbeiten in den Gefängniffcn herstellen zu lassen, die dort ebenso billig oder noch billiger als von den Oekonomie- Handwerkern hergestellt werden könnten. .. Abg. Richter- Hagen(freisinnig) hat nicht erwartet, Laß der Kriegsminister hier den Artikel 63 der Verfassung in Anspruch nehmen werde. Jedes Recht des Kaisers sei durch d°s Geldbewilligungsrecht deS Reichstags begrenzt.(Zu- fiunmung links.) ES frage fich übrigens, ob dre Starke der Mlitär-MusikkorpS, wie sie vom Kaiser festgesetzt worden, auch Mne gehalten werde. In Leipzig machen fich die.Militär- «apellen schon gegenwärtig Konkurrenz, indem sie ihre Per- mnen von 50 aus 57 Mann erhöhten. Wenn man sparen an dem einzelnen Mann, möge man an der Kleidung M nicht an dem Lebensunterhalt sparen. Ebenso erklärt stch A-dner nochmals für die Beseitigung der Oekonomie-Hand- mttker. L Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff: Wo Kaiser durch Gesetz in seinen Rechten begrenzt werde, Mde das auch von der Verwaltung anerkannt, wo aber kerne ff-sktze bestehen, ist das Recht des Kaisers unbeschrankt. Auch Ä's nicht richtig, daß diese Rechte überall durch das Gcldbe- ü; oaom. tHG iHU]UCl IÜCIU«!"'"V.~v fioonilen Stärke zugelassen, es komme aber vor, daß diezenigen Kufikm-ister. welchen die Eclaubniß zum Konzertiren erthctlt fich noch Ersatzmannschaften halten. Auch in Betreff der stonomie-Handwerker widerlegt der Minister die Anschauun- «'n des Abg. Richter. «il Abg. v. Aöller(konservativ) beantragt, den Antrag deS , Richter, die Ersparnisse für Bekleivungs- und Aus- �fiungzgegmstände zur drfferen Verpflegung der Truppen zu CP'oben. an die Budgetkommisfion zu verweisen. Dre Er- r»..r"oen, an vre»udgellommunon zu Urmsse. welche Herr Richter hierbei im Auge hat, betragen pro Mn und Jahr etwa 5'/. Pfennig. Dre Soldaten werden -Ä"lso bei Herrn Richter bedanken müssen, wenn sie sich alle �npre eine Schrippe mehr kaufen können.(Herterkert.) A„®undeskommiffar Major o.©cb Heben legt entschieden ß Uvahrung ein, daß bei den Leipziger Vorgängen, dre Herr W �erwähnt. gegen die kaiserlichen Anordnungen verstoßen jn Abg. Richter(Hagen)- Der Rede Sinn ist dunkel. Der bnfc>"klärt, er kenne die Vorgänge nicht und bestrerlel doch, Di» kaiserlichen Anordnungen zuwidergehandelt worden- v» E/sparniss? würden sich übrigens höher belaufen, a S Herr nw?er"«meine, denn an den Musikern könne viel mehr ioart werden «nf Ä 0«, wäre die Debatte ganz bedeutend abgekürzt worden. K o k N l e s. Die Kanalisations-Deputation hat dem Magistrat den Entwurf eines Vertrags der Stadt Berlin mit der Stadt Charlottenburg wegen Anschlusses mehrerer Gebietstheile des Charlottenburger Weichbildes an die allgemeine Kanalisation von Berlin vorgelegt. Charlottenburg wünscht den Anschluß an die Kanalisation des Radial-Systems VII.(Pumpstation in der Genthiner Straße) in möglichst großem Umfange, es möchte auch den Stadttheil einbeziehen, welcher durch den Zoologischen Garten, einen Thell der Stadtbahn, die Fasanen- straße und das Charlottenburg-Wilmersdorfer Weichbild be- grenzt wird; es kann aber nur ein erheblich kleinerer Theil genommen werden, nämlich der am meisten östlich gelegene, der fich eng an das Schöneberger Revier Berlins anschließt. Der Umstand, der die Stadt Berlin vielleicht veranlassen könnte, auf den Vertrag einzugehen, ist der, daß, wenn der Anschluß des Charlottenburger Gebiets gar nicht zugelassen wird, die Entwässerung des letzteren nicht ohne Nachtheii und schwerlich ohne Benutzung des Schifffahrts-stanals erfolgen kann. Es ist bei dem Abkommen selbstverständlich, daß Char- lottenburz die Anlagekosten tragen und daß seine Grundbe- sitzet für den Anschluß und die Entwässerung eine Kanalisa- tionsabgabe zahlen müssen. Der Magistrat wird schon in der nächsten Zeit die Vorlage der Kanalisations-Deputation in Berathung nehmen. Der Weihnachtsmarkt ist gestern auf dem Schloßplatze sc., der privilegirten Stätte weihnachtlichen Straßenlebens, und mit ihm gewissermaßen offiziell die fröhliche,»selige Weihnachts- zeit eröffnet worden. Hebet Nacht find dort die bekannten langen Budenreihen enstanden, eine Welt im Kleinen, das Eldorado der Berliner Kinderwelt. Am Abend, wenn das Lampenlicht seinen magischen Schimmer über die Herrlich- leiten breitet, die dort aufgespeichert sind, werden viele tausend Kinderaugen wieder verlangenden Blickes auf die Schätze schauen, ein buntes Gewühl wird stch wieder, wie in unserer Kinderzeit, drängend und schiebend die langen schmalen Gassen entlang bewegen. Wie damals wird der aus tausend Kehlen schallende Ruf wieder im Verein mit dem chaotischen Ton- gewirr der Knarren, Waldteufel, Nachtigallen und Pfeifen, dem Raffeln der Trommeln und den melodischen Klängen des durch sein Trommelfell erschütterndes„Mama" und„Papa" bekannten selbstthätigen Blasinstrumentes unsere Gehörwerk- zeuge auf eine harte Probe stellen; aber, wenn auch uns dieser Lärm nicht mehr gefallen will, aus tausend Kinderaugen blitzt bei diesen Klängen eine unendliche Freude, tausend Kinder- herzen schlagen in diesem Tongewirr doppelt hoch. Zur Jahreswende sind von neuem die Verjährungs- fristen zu beachten und wir machen daher darauf aufmerksam, daß am 31. d. M., wenn nicht bis dahin dem Schuldner der gerichtliche Zahlungsbefehl oder die Klage behändigt worden ist, alle Forderungen aus dem Jahre 1832 verjähren, und zwar: 1) der Fabrikunternehmer, Kaufleute, Krämer, Künstler und Handwerker für Waaren und Arbesten, sowie der Äpo- theker für Arzneimittel, mit Ausnahme solcher Forderungen, welche in Bezug auf den Gewerbebetrieb des Empfängers der Waare oder Arbeit entstanden find; 2) der Fabrikunternebmer, Krämer, Künstler und Handwerker wegen der auf die Arbeit gegebenen Vorschüsse; 3) der Schul- und Ecziehungskosten aller Art für Unterricht, Erziehung und Unterhalt; 4> der Lehrer für Honorare, mst Ausnahme derer, welche bei den öffentlichen Anstallen regelmäßig gestundet werden; 5) der Fabrikarbeiter, Gesellen und gemeinen Handarbeiter wegen rückständigen Lohnes; 6) der Fuhrleute und Schiffer wegen Auslagen; 7) der Gastwiithe und Speiscwirthe für Wohnung und Beköstigung, und endlich 8) alle Ansprüche auf Schaden- ersatz, insbesondere auch die Ansprüche, welche ein in seinem Berufe verunglückter Arbeiter gegen den Arbeitgeber zu er- heben hat. Die stühere Klageanmcldung beim Gericht genügt nicht mehr. n. Ei« interessantes ornithologisches Schauspiel bietet sich gegenwärtig den Passanten der Friedrichsbrück,: dar. Auf und üver den größeren Wasserbecken, welches die Spree zwischen der MuseumSinscl und dem Aktienspeicher bildet, tummeln fich ganze Sckwäcme von Mövcn(Larus ridebundus LJ und Seeschwalben(Sterna hirundo L.). Beide Vozelarlen leben an den Küsten Europas, find indessen fest einigen Jahren auch wieder vereinzelt auf unseren großen Seen zu treffen, nachdem sie eine Reihe von Jahren von letzteren ganz fern ge- blieben waren. In die Scädlc kommen sie selten: die jetzt hier weilenden, zur Vertilgung von Gewürm und Insekten nütz- lichen Vögel, die indessen auch kleine Fische nicht verachten, mag wohl die strenge Kälte zu uns, wo sie noch offenes Waffer finden, getrieben haben. Ihr graziöses Spiel auf dem Wasser, wie in der Lust bietet ein reizenves Schauspiel. Als außerordentlich schnelle Flieger bewähren sie sich namentlich, wenn ein Stößer ihnen nachstellt; pfeilschnell entziehen ste fich dem verderblichen Anprall deS aus der Hölle senkrecht auf fie herniederschießenden Räubers, der nach oft stundenlanger, ver- geblicher Jagd endlich ermüdet von bannen ziehen muß. DeS Kindes Schutzengel waltete wieder einmal ganz fichllich bei einem Unfall, der sich gestern auf dem Oranten- platz zutrug.UEin etwa 16 Jahre altes Dienstmädchen, das ein 1 einhalb jähriges Kind auf dem Arm trug, wollte— so berichtet das„B. T."— von einem jenen Platz paisirenden Pferdebahnwagen dir Linie Behrenstraße— Görlitzer Bahnhof noch über die Schienen gehen, wurde aber von der einen Ecke des Vorderperrons deS PferdcbahnwagenS erfaßt und auf die Seite in den Straßenschmutz geschleudert. Dabei entfiel dem Mädche« das Kind, das direkt unter die Räder des Pferde- dahnwagcnö geschleudert wurde- Noch eine Umdrchung der- selben und das kleine Wesen wäre zermalmt gewesen. Durch die Geistesgegenwart des Kutschers aber, der augenblicklich bremste und den wegen der nahen Weiche an sich langsam fahrenden Wagen zu sofortigem Stillstand brachte, wurde das Unglück verhütet, und das schreibende Kind konnte unversehrt zwischen den Rädern hervorgezogen werden. b. Auch die Stammseioel darf ein Gastwirth nicht auf Treu und Glauben als richtig geaichl übernehmen, sondern er muß ste selbst nachmessen. Am Velle-Alliance-Platz begannen dieser Tage die Revisionen der Schankgefäße mit erneuter Hestigkrit. Bei einem als sehr solide bekannten Wirth und Mteigenthümcr dcs Hauses wurde Alles in bester Ordnung gefunden bis auf ein bei ihm drponirtrs Stammseidel, dessen Füllstrich um ein paar Millimeter vifferirte. Bald darauf be- kam er ein Strafmandat, auf 3 Mk. Ordnungsstrafe lautend. das äraeite ihn aber noch weniger, als die Thatfache, daß Leute, bei denen Gläser in Massen konfiszirt wurden, es auch nur mit 3 Mk, büßen mußteir. Um sich Verdruß und Geld- kosten zu sparen, messe man also Stammseidel nach, auch wenn ste geaicht find. b. Auch in Künstler-Ateliers, die doch der heiteren Kunst gewidmet sind, spielen stch ergreifende Szenen ab. In einem Berliner Atelier steht jetzt auf der Staffelei vollendet das lebensgroße Bild eines zehnjährigen zarten Mädchens mit hellgelbem, langwallendem Lockenhaar. Die Kleine ist ganz in Weiß gekleidet und im Arm trägt fie ein Körbchen mit Blu- men, als ob fie eben gliickwünschend ins Zimmer trete. In der zarten Hand hält sie eine Rose, deren Stiel geknickt ist. Die Kleine weilt nicht mehr unter den Lebenden. Sie war das einzige Kind eines Hauptmanns in Gnesen. Vier Tage, nachdem fie dem Maler gesessen, fuhr ste nach der Heimath und starb trotz der Kunst von vier Aerzten an der Diphtyeritis. In diesen Tagen, als das Bild vollendet war, erschien der hier lebende Großvater der Kleinen im Atelier des Künstlers. Das Bild in seiner leibhaftigen Achnlichkeit schien zu dem alten Herrn zu sprechen. Er vegann in ergreifenden Klagen mit der Kleinen zu reden und sank dann dem hinter ihm Stehenden ohmächtig in die Arme. Sensibel wie Künstler find, ergriff den Maler die Szene so, daß er selber krank wurde. Es war ein Triumph der Kunst, aber ein schmerzlicher. Jetzt soll das Bild den stillen Weihnachtstisch der Eltern in Gnesen schmücken. Auch ein anderes Bild, durch Thränen geweiht, geht jetzt aus dem Atelier des Künstlers fort. Es ist das Porträt des bei Ascheisleben überfahrenen Kommandeurs deS 10. Husaren-Regiments, von Troschke. Der Sohn des Ver- storbenen ist Kadett in Lichterfelve. Jeden Sonntag kam der junge Mann in das Atelier und weinte stch vor dem sprechend ähnlichen Bilde aus. So hat auch der Künstler Antheil nicht blas an der Freude, sondem auch am Schmerze der Menschheit. t Bei einem der hiesigen Garderegimenter wurde bei der Herbsteinstellung ein echter B-rliner, mit Spreewaffer ae- taufte- Junge eingestellt, welcher in der in einem Vororte be- findlichen Kaserne des Regiments seine militärische Ausbildung erhielt. Er zeichnete fich durch Lernbegierde und guten Willen vor feinen Kameraden vorthellhaft aus und so konnte es nicht fehlen, daß er eines Tages ausnahmsweise Urlaub erhielt, um seine hier wohnhaften Angehörigen zu besuchen, von dem er nicht wieder zurückkehrte. Es gab für sein Verschwinden keine andere Erklärung, als daß ihm ein Unglück paistrl sein müsse und sein Schicksal erregte allgemeines Bedauern- In diesen Tagen wurde aber plötzlich das Räthsel auf ganz unerwartete Weise gelöst. Einem ver militärischen Vorgesetzten des Ver- schwundenen ging ein Brief aus einer amerikanischen Hafen- stadt zu, in welchem der ehemalige Rekrut schrieb, daß er glücklich in Begleitung seines Bruders dort angekommen und im Begriff sei, in das Innere Amerikas zu gehen; mit aller Aufopferung sei es ihm gelungen, trotz seines unüberwindlichen Widerwillens gegen das Soldatenleben, fich zu verstellen, um möglichst bald stch demselben zu entziehen. Unter dem dringenden Verdachte, d-n großen Ein- bruchsdiedstahl beim Kaufmann Pariser in der Großbeeren- straße verübt zu haben, wurden bald nach der That zwei Per- sonen Namens Schleyer und Schwerin in Untersuchungshast genommen. Dieser Verdacht scheint unbegründet gewesen zu sein, denn beide find vor wenigen Tagen auf freien Fuß ge- setzt worden; dagegen hat man zwei andere verdächtige Jndi- viduen zur Haft gebracht. Bezüglich des am Montag im Thiergarten aufgefun- denen Schwerverletzten, dessen in der Charitee erfolgten Tod wir bereits aemcidet, kurstren in der Stadt allerlei Gerüchte, wonach die Angaben des Sterbenden, daß er das Opfer eines räuberischen Ueverfalls geworden, doch auf Wahrheit beruhen sollen. Dem gegenüber kann das„B. T." auf das Bestimm- teste verstchern, daß die kciminalpolizeilichen Nachforschungen fast zur Evidenz festgestellt haben, daß hier ein Selbstmord vorliegt und daß der Selbstmörder aus zur Stunde noch nicht aufgeklärten Gründen den Raubanfall nur fiagirt hat, um nicht als Selbstmörder zu erscheinen. Die Messerstiche in die rechte Schläfe, sowie in die reckte Seite des Unterleibs sind nur unbedeutend und rühren offenbar von demselben Jnstru- ment her, mll welchem der Mann sich die Pulsader der linken Hand geöffnet hat. Ein Raubmörder wird aber seinem Opfer doch unter keinen Umständen mittels Durchschneidung der Puls- ädern den Garaus zu machen suchen— eine Prozedur von so langsamem Erfolge, daß die Entdeckung des Verbrechens un- gemein erleichtert würde. Das Instrument, mit welchem der Selbstmord vollführt wurde, ist nachträglich von dem am That- orte recherchireirven Beamten gefunden worden. Es ist ein schmalkltngiges, scharfes Federmesser; der Selbstmörder hatte noch Krasl genug deseffen, es nach dem Schnitt in die PulS- aver neben fich in den Erdboden zu bohren und so nach Möa- lichk-it den Blicken der ihn Auffindenden zu verbergen. Der ganze ärmliche Anzug des Mannes giebt übrigens seiner Behauptung, er habe eine Baarschast von 300 Mark bei fich ge- habt, deren er deraubt worden sei, wenig Wahrscheinlichkeit. Recherchen über die Verhältnisse des Verstorbenen— Name und Wohnorr(Anders aus Demmin) haben stch als richtig er- wiesen— find im Gange. g- Wiederum ist ein schwerer Unglücksfall beim Herab- springen von einem in der Fahct begriffenen Pferdebahnwagen zu verzeichnen. Det" ca. 16 Jahre alte Kellnerbursche einer Studentenkneipe in der Jeruialcmerstraße hatte gestern Nach- mittag einen Studenten das Mrttagbrod nach der Wohnung gebracht ui.d bei der Rückk-chr mit dem Menagen koch die Pferdebahn denutzt. In der Kachstraße nahe dcr Jerusalemer Kirche sprang er vam Wagen und fiel so unglücklich mit dem Hinterkopf zuerst zur Erde, daß er völlig bewußtlos liegen blieb. Em Herr und ein Schutzmann hoben den Verunglückten auf und brachten ihn nach ver Sanitäiswache in der Mark- grafenstcaße, woselbst es den Bemühungen des Heilgehilfen nach einiger Zeit gelang, den jungen Menschen wieder zum Bewußtsein zu bringen. Eine nicht unbedeutende Wunde am Hinterkopf des Verletzten wurde verbunden. Ein grausiger Leichenfund ist am Dienstag früh in dem Abort des Gasthofs„Zum Hirsch" in Schöneberg gemacht worden- Der Gastwirth Ä hat der Gemeinde gegenüber die Verpflichtung, arme Reisende aufzunehmen, und zu diesem Zweck zwei besondere Zimmer, in denen die Reisenden, nach Geschlechtern getrennt, beherbergt werden. Der Abort für diese Rersenden ist von den anderen getrennt und besteht, wie dies auf dem Lande vielfach noch Sitte, aus einem oben offenen Sitz, welcher durch eine vorn angebrachte Latte gebildet wird. Dieser Abort wurde in der Nacht zum Dienstag gereinigt. Gegen Morgen, als die Arbeit nahezu vollendet war, stießen die Arbeiter auf den Leichnam eines erwachsenen Menschen, dessen Verwesung bereits in einem hohen Stadium stch befand, und der von den Ratten stark benagt war. An das Tages- l, cht des rdert, wurde die Leiche zunächst gereinigt, und es zeigte stch, daß dieselbe ohne Rock stch befand, dagegen auf den Füßen mit ziemlich guten Stiefeln bekleidet war. Das Gesicht war bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Stach ärztlichem Gutachten muß die Leiche mindestens vier Wochen an der ekelhaften Stelle stch befunden haben. Darüber, auf welche Weise dre Leiche in die Grube gelangt ist, fehlt jeder Anhalt. Daß der Mensch im Gasthos unter den„Pennbrüeern" Obdach gesucht, und von diesen an ihm ein Verbrechen verübt worden, ist bei der musterhaften Ordnung die der Wirth dort hält, nicht anzunehmen. Die Leiche ist in die Leichenhalle geschafft, und die Staatsanwaltschaft hat sofort Anzeige erhalten, von welcher Behörde auch bereits ein Termin zur Obduktion an- beraumt worden ist. Nicht unmöglich ist es. daß der Ver- stordene in trunkenem Zustande den Abort aufgesucht, dann nach hinten übergefallen ist und so seinen Tod durch Er- stickung gefunden yat. Polizet-Bericht. Als am 9. d. Mts. die Ehefrau des Hausdieners Seiler, Annenstraße 21 wohnhaft, ihr einjähriges Kind auf dem Arme tragend, in der Dresdenerstcaße spazieren aing, glitt ste dabei aus, fiel mit dem Kinde zu Boden und letzteres so stark mit dem Kopfe auf das Steinpflaster, daß eZ eure Gehirnerschütterung erlitt.- Am 10. d. Mts. Vorm sprang ein undekannter, anscheinend dem Arbeiterstande an, Nücke Kö?nrckerst°raße Nr? 16/l?von der Eise!?b?hnbÄck?in die Spree und erirank. Die Leiche wurde von Schiffern ans SW WLMLSM vlodirins einer Peirolevmlampe, ein bedeutendes Feuer, wcl- cheS die Thätiakeit der Feuerwehr etwa zwei Stunden in An- spruch nahm. Nachdem daflelbe bereits abgelöscht war, brachen am nächsten Morgen gegen einhalb 9 Uhr von Neuem Flam- men hervor und nahm der Brand solche Ausdehnung an, daß Nachmittags in Thätigkeit die Feuerwehr bis gegen 1 Uhr_._ bleiben mußte. Um 4 Uhr Nachmittags brach das Feuer noch- mal? aus, war jedoch nach einer viertel Stunde bereits wieder gelöscht. Das Gebäude ist bis zur 1. Etage herunter ausge- drannt und ein sehr bedeutender Schaden entstanden. GerieKts- Leitung. Eine in mehrfacher Richtung hin interessante Straf» fache beschäftigte heute in beinahe Sstündigcr Sitzung das Schwurgericht hiefigen Landgerichts l. Unter der Anklage der wiederholten schweren Urkundenfälschung, des Betruges und der Amtsunterschlagung in je einem Falle stand der erst 19 Jahr alte frühere PosthilfsunterbeamteMritz Niemetz vor den Schranken. Das gcsammte veruntreute Objekt beläuft fich auf 5 M. 80 Pf. Der Angeklagte, Kwelcher von der Postbehörde gegen 2 Mark täglicher Diäten angenommen war, erkrankte Fahrpostbeamte beim Ausfahren der Packete zu vertreten, ist geständig, auf drei Packetbegleitadrcssen 2 mal eine 7 in eine 9 und einmal die Zahl 110 in 140 verändert zu haben. Ferner hat er einmal von einem Adressaten sich anstatt 40 Pf. 50 Pf. zahlen lassen, und in dem letzten Falle ist ihm aus Versehen ein Zehnmarkstück für ein Fünfmarkstück gegeben worden. Dies will er aber nicht bemerkt, sondern erst am Abend beim Kassemachen wahrgenommen hoben, daß er ein Plus von S M. hatte. In setner großen Noth— denn von dm Diäten wurden ihm noch Abzüge gemacht, und er wurde auch nicht alltäglich zum Dienst herangezogen— habe er diese 5 M. und die übrigen kleinen Beträge in seinem Nutzen ver- wendet. Eine längere Kontroverse fand wegen der Qualifizirung der letztern That zwischen dem Etoatsanwalt Haack und dem Rechtsanwalt Rieß statt. Elsterer behauptete, daß er die frag- lichen 5 Mk. in seiner amtlichen Eigenschaft empfangen. Letztcrer, daß er nur irrlhümlich in deren Besitz gelangt ist.— Die Geschworenen treten in ihrem Verdikt auf die Seit« des Staatsanwalts und dilligten im Uebrigen dem Angeklagten durchweg mildernde Umstände zu. Der Staatsanwalt bcan- kragte eine Gesammtstrafe von sechs Monaten, der Gelia,.Zhof verurtheüte den Angeklagten zu neun Monaten Gefängniß unter Belassung der bürgerlichen Ehrenrechte. Die Gründung der deutschen Landeßbank sollte heute in der Strafsache gegen den ehemaligen Direktor derselben, Professor Clement, und den stüheren Redakteur Johannes Christian Hollander wegen Untreue resp. Anstiftung dazu und Betrugs resp. wegen Vergehens gegen das Aktimgesetz der richterlichen Prüfung unterzogen werden. Der sich gegenwärtig in Paris aufhaltende Angeklagte H o l l a n d e r war indeß zum Termine nicht erschienen und hatte sein Ausbleiben durch Krank- heit entschuldigt. Der Staatsanwalt beantragte Vertagung der Sache und stellte die Verhaftung des Hollander anheim. Hier- gegen erhob der Vertheidigcr Rechtsanwalt Dr. Sello Pro- test, da er das Ausbleiben seines Klienten aenüaend entschul- digt habe. Der Gerichtshof beschloß, dem Angeklagten aufzu- geben, seine Krankheit durch einen Pariser Gerchtsarzt und bc- '' durch die deutsche Botschaft in Paris binnen 14 Tagen Herr« olaudigt durch die deutsche Botschaft in Paris binnen 14 Tag bescheinigen zu lassen, und setzte bis dahin seinen weitergehe den Beschluß aus. In der Sache vertagte er die V er- handlung. Ueber den Begriff des„Landstreichens" fällte heute die sechste Etraskammer hiesigen Landgerichts I eine bemerkens- wrrthe Entscheidung. Der bei einer Razzia aufgegriffene Ar- bester Tann, der häusig wegen Bettelns und Landstreichens vorbestraft ist, wurde vom hiesigen Schöffengericht auf Grund seines Geständnisses, daß er sieb wochenlang in der Peripherie Berlins und dessen nächster Umgebung, in Charlottenburg, Schöneberg, Rixdorf, Weißcnsee und Pankow umhergetriebcn habe, zu ÄreiWochenHaft und Ueberweisung ins Ar- beitshaus oervrtheilt. Auf die wohl nur wegen des letzten Theils des ersten Urtheils eingelegte Berufung erkannte die Strafkammer auf Freisprechung des Angeklagten, da der Begriff des Landstreichens ein Wandern von Oit zu Ort, nicht aber der Aufenthalt an einem Ort und dessen nächster Umgebung erfordere. Arbeiterbewegung» Vereine unü Versammlungen. Der Fachverein der Gürtler und Berufsgenossen hielt am Dienstag, den 9., eine zahlreich besuchte Versammlung in Niest's Salon ab, in welcher Hr. Kreutz das Referat übernahm da da in Aussicht genommene Referent im letzten Augenblick abgeschrieben hatte. Derselbe erörterte die wirthschaftliche Lage die Bedeutung der Fachgewerks-Organisation, und betonte im Laust seiner Rede, daß die Innungen der alten wie der neuen Zeit nicht im Stande wären, das Loos des Arbeiters wie die wirthschaftliche Lage im Allgemeinen dem Großkapital gegenüber zu bessern. Ferner führte derselbe aus, daß in Folge der heutigen Produktionsweise es dahin gekommen ist, daß selbst weirliche. Arbeiter in verschiedenen Fabriken an der Dreh- bank zum Drücken verwandt werden, was in Folge ihrer Kör« perkonstitution schon vom sittlichen Standpunkt zu vemttheilen wäre. Zum Schluß forderte er Jedm auf, an den Forderun- aen des Normalarbeitstages, Abschaffung der Kinderarbeit, inschränkung der Frauenarbeit festzuhalten, und dem Verein neue Mitglieder zuzuführen, um diese Forderung nachhaltig zu icher Beifai unterstützen. Reicher Beifall lohnte diese Ausführungen. Zum Punkt 2: Dclegirtenwahl zum Metallarbeiter- Kongreß wurde, nachdem fich Hr. Ballmüller dafür, die Hrn. Kreutz und Klein dagegegen ausgesprochen, und noch verschiedene Redner an der Debatte theilgenommen, abgelehnt. Der Punkt 3: Arbeits« rung von Koupons und Abschaffung dcS bisher üblichen Markensystems bei der Krankenkasse zu befürworten. Verein der Berliner Buchdrucker uud Schriftgießer. Außerordentliche Versammlung am Sonntag, den 14. Dezember, Vormittags präc. 11 Uhr, im Louisenstävtischen Konzetthaus. Alte Jakobstr. 37. Tages-Ordnung: 1) Vereinsmittheilungcn. 2) Neuwahl deS Vorstandes und der Kommisstonen. 3) Be« sprcchung über die Krankenkassenfrage. Zn der freireligiösen Gemeinde, Rosenthalerstr. 38, spricht am Sonntag, Vorm. 10 Uhr Herr Schäfer über den Werth und die Wahrheit ver Eelbsttreue. Zutritt steht Jedem frei.— Am Montag Abend 8 Uhr findet Riede rwallstr. 20 eine beschließende Versammlung der Mitglieder statt, in welcher unter Anderem auch die Vorwahlen vorgenommen werden. Der Fachverein der Nähmafchinenarbeiter und Be- rufsgenossen hält am Sonnabend, den 13. d. Mts., in Feuer« nein's Restaurant, Alte Jakobstr. 73, Abends 81/- Uhr, eine Versammlung ab. T.-O.: 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Vcrgnügungs- Kommission. 3. Verschiedenes.— Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Den Mitgliedern des Verein» der Berliner Bau- An- schläger zur Nachricht, daß die Anmeldungen zur We>hvacdtS> bescheerung für die Kinder nur noch bis Sonntag früh 9 Uhr bei Herrn Opatz, Alte Jakobstr. 66, angenommen werden. Briefkasten der Itedaltion. Nachweis, wurde der vorgerückten Zeit und der Wichtigkeit des- selben wegen auf die nächste Tagesordnung gesetzt. Die Versammlung wurde um dreiviertel 12 Uhr geschlossen. Die Genossenschaft der Graveure in Wien kann nicht zur„Bildung" kommen. Für vorgestern halte Hr. Schrrerdtner die Graveure Wiens zur Beschlußfassung in dieser Angelegen- heit einberufen, doch waren von 240 nur 30 Graveure erschienen. Hr. Schwerdtner beschränkte sich darauf, mitzutheilcn, daß die von den Geaveurcn am 2. Februar ds. Js. gemochte Eingabe an den Magistrat, die Konstiluirung der Genossen- schaff betreffend, noch immer unerledigt sei und daß mittler- weile die Ziseleure, welche ursprünglich mit den Graveuren ge« gangen waren, in die Genossenschaft der Bronz�arbciter einge« treten seien. Auf Antrag des Graveurs Zapf wurde dann nach längerer Tiskutsion beschlossen, vorläufig die Dinge ruhen zu lassen, bis der Magistrat die nöthigcn Schritte zur Gründung der Genossenschaft getban haben wird. Echuhmachergehilfen-Versammlung. Vorgestern Vor- mittags fand in den„Drei Evgel-Sälen" in Wien eine vom Gehilfen Zesewiy einberufene freie Echuhmackergehilfen-Ver- sammlung statt, welche von zirka 1400 Personen besucht war. Auf der Tagesordnung stand:„Besprechung zur bevorstehen- den Gehilfen-Ausschußwahl und Aufstellung von Kandidaten." Der Referent Strohhich kritifirte in abfälliger Weise die Be- strcbungen des Gewerbetages und forderte die Einführung des Normalarbcitstagcs. Die Versammlung beschloß, die Emfüh- „. Es ist nicht möglich, zu entscheiden, welches System der Stenographie fich am Meisten zum Eclerne« empfiehlt, weil eS auf den Zweck des Lernenden ankommt Das System Gabelsberger dürfte den Vorzug größerer Deut» lichkeit und Zuverlässigkeit bei Entzifferung haben, Stoltze und Neu- Stoltze behaupten kürzer zu fein. Mit jedem Systei« werden gute Resuttate erzielt. X. U. Z Aus einem Zentner Weizen werden je na» Qualität des Weizens und den besseren oder schlechteren Mahl- nnrichtungen 70—80 Pfd. Mehl gewonnen. A. D- B. TaS ist eine sehr heikle Sache. Wenn& ihren Austritt nicht angezeigt haben, so werden Sie woh> zahlen müssen. ES muß doch im Statut Näheres darüds stehen? Wir vermögen daS so nicht zu beurtheilen. H. W. Ihre Frage ist uns nicht verständlich. Vorwärts. Die Parlamentsberichte werden vom nächste« Monat ab in der von Ihnen gewünschten Ausdehnung g» bracht werden. Wette. Der älteste Reichstagsabgeordnete ist nicht Gr» Moltke, sond-rn Herr Dollfus, der am 26. September 84 Iah' alt wurde. Molkte ist genau einen Monat jünger, oder bcsss gesagt,„weniger alt". Ueber 80 Jahre ist auch G-af Ber» norff, geb. am 23. Oktober 1803. Das jüngste Mitglied»s Rcichspartei ist der Abg. von Graeve(Pole), geboren am 1' März 1857. Außer ihm haben die Abgeordneten Graf Neif perg und Mühleifen das 30. Jahr noeö nicht erreicht. ,, 8. Z... I, Plan-Ufer. Die Anfragen werden natürl«! der Reihe nach beantwortet. Wer zuerst kommt, mahlt zuem H. L. Ouiltclsdorf. Ihre interessanten Beiträge M leider zu spät eingetroffen, um noch wirksam verwendet P werden. Vielleicht bietet sich fpäter die Gelegenheit hie# Vorläufig besten Dank G. G. 57. Die Adresse ist unS ebenfalls unbekannt- Alter Ahonnent. Nein. Die Zahl der Geschütze eisS Batterie der Feld- Artillerie hat fich seit 1871 nicht gcänd� sondern nur die Zahl der Batterien selbst. Eine Feldbattm hat 6 Geschütze, und wird in 3 Züge a 2 Geschütze eingelh� Wir haben Ihnen nun Ihren Willen gelhan, jetzt bitten aber, uns in Ruhe zu lassen. Nr. Nac Idd in 'säten, Hanibr gekehrt Heimli Theater. Königliche» Opernhaus: Freitag: Die Walküre. «övialiche» Echaufpielhan»: Freitag: Chttstoph Marlow. Deutsche« Freitag: König Richard der Dritte. Theater! Vellealliance-Theater: Freitag: Die Goldprobe. Rene« Friedrich» Wilhelurftädtische» Theater: Freitag: GaSparone. Centrat-Theater: Mte Jakobstraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Freitag: Zum 48. M.: Der Walzer-König._ «estdeaz-Theater: Direktion Anton Anno. reitag: Zweites Gastspiel des Sgr. Ernesto Rosfi. Kean. Wathalla»Lveretten»Theater: reitag: Gillette._ Souisenvitdtische» Theater: Freitag: Letzte Woche des Gastspiels der Liliputaner. Lum- pacivagadundus.„.. � Jeder Erwachsene hat das Recht ein Kind frei ein- zuführen. Kinder allein halben Kaffcnvreis. Sonnabend, den 13. d.M.: Große Adschieds-Kinder« Vorstellung zu halben Kassenpreiscn. Einmalige Auf- _ führung von: Aschenbrödel._ Ostend-Theater: Heute und folgende Tage: Im Lande der Freiheit. GroßeS Sensattons- AusstellungS- Schauspiel in 9 Bildern von H. v. Gordon. Musik von Th. Franke._ itag: Excelfior. Viktoria-Theater: WUner-Thra-er: itag Der Salontyroler._ AUumlia-Theater. Wallnettheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Der Blutrichter von London, oder: Die Kraft des Glaubens. vttginal-Schauspiel in 5 Abtheilungen von F W. Ziegler. Sei: Großes Konzett, ausge ühtt von der auS 20 Musikern enden Theater-Kapelle, unter Leitung deS Kapellmeisters erm Ludwig ClaufiuS. Anfang deS KonzettS 7 Uhr, der Vorstellung 7lU Uhr._ Hohe Belohnung demjenigen, der mir den Verbleib meines >ir am 5. d. M- in meinem Lokal abhanden gekommenen Kanarienvogels nachweist. W. Sauna, Adalberstr. 74.[lo42 Heute Abend Wahlresultat. Eichkatzen-Keller, Grüner Weg 13. Arbeitsumrkt. Ein Schuhmacher-Lehrling w. verlangt Anhaltstr. 16. [1527 Puppen w. gut u. billig angezogen bei Frau Eckenbrecht, Jö. Mattusstr. 16-17. 3 Tr.[1528 Kalbfleisch, Brust 85. Keule 4« Pf. 1510 Adalbertstr. 80 i Keller. Central-Kranken- und Sterbekasse der Maler und verwandten Bemssgenossen (E. H. Nr. 71.) 1544 Mitglieder-Berfammlung Montag, den 15. d. Mts., Abends 8 Uhr, Alte Jakobstr. 83. Tagesordnung: 1. Wahl der Krankenbesucher. 2. Statuten- berathung. 3. Verschiedenes. Der Bevollmächtigte. Mitglieder-Vers ammlung des Fachvereius der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- u. Dampf-Armaturen Sonntag, den 14. Dezember, Vormittags 10 Uhr, bei Gratwell, Kommanvantcnstraße 77—79. Tagesordnung: 1. Betheilig-n wir uns an dem Kongreß der Metallarbeiter Deutschlands? event. Telegirten-Wahl. 2. Wichtige Vereinsangelegcnheiten. 3. Verschiedenes und Fragekaften. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. 1545 Der Vorstand. Die Zahlstelle des Fachvereins der Gürtler und Berufsgenossen. befindet sich nicht mehr bei S. Föllner, sondern Mont� Abend bei Sühnhold, Reichenbergerstraße 174. Do(% werden auch neue Mitglieder aufgenommen.' Central-Kranken- und SterbeM der Tischler. nicht g deuten d°r lar Ar m #oimn Shi- Zahlstelle bei Wersch ke» Adalbettstraße 16. 1466 Prenssisches lieililians Benthstraste 14 deleiht Werthc aller Art in coulanter und discreter WeK Geöffnet 9—7 Uhr, Sonntags 10—12 Uhr. � Die Nr. 11 der humottstischen Blätter ,Ber wahre Jacob // ist erschienen und in der Exped. d.„Rerl. 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