frische Nr. 220. Ifsmittel. ige noch Ferner fein foll mn ift es 3. B. in rene Eier Waffer Sen fann ung von = bereitet en Tagen 8 feftge ffer last Stellen 7, fo b pier gift idet dann Pf. Sẞf. SBF. Bf. $ ẞf. aus= Bf. Pf. 1,50 Mart. Rart. en, 450] 1 M. Sen, wohl ng. ße. bar 584 nur cen. hen pfeble m Cofa Derfir. 8 S er Well r. cets 1. Schn dorffftt Dou tenerft angefe Donnerstag, 18. Dezember 1884. I. Jahrg. Berliner Volksblatt. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das ,, Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonns und Festtages. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Bf. Poftabonnement 4 Mart. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags- Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Insertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Naum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10. Bei größeren Aufträgen hoher Nabatt nach Uebereinkunft. Inserate werben bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Unnonces Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Redaktion und Expedition Berfin SW., Bimmerftraße 44. Arbeiter in fremden Ländern. Unsere Leser erinnern sich wohl noch, daß wir schon vor etwas längerer Zeit die Behauptung aufgestellt haben, daß die Einwanderung von Arbeitern in eine Gegend, in welcher die heimischen Arbeiter größere Bedürfnisse haben, bie Löhne drückt und kulturfeindlich wirkt. Wir remplifigirten damals auf die Chineseneinwanderung in Nordamerika, welcher aus obigem Grunde von dem größten und liberalften Bourgeoisstaate der Welt durch ein besonderes Gesetz gefteuert worden ist. Wir gedachten der Italienerplage im südlichen Frankreich, die alljährlich zu heftigen Zusammenstößen zwischen den französischen, an besseres Leben gewöhnten Arbeitern mit den bedürfnißlosen italienischen Arbeitern führe. Aber auch unser Vaterland hat derartige Exempel aufzuweisen. Wir erinnerten an die italienischen Erdarbeiter, welche am Maintanal beschäftigt waren und schwere, ungefunde Arbeit für täglich eine Mark Loha geleistet haben; auch slavische und polnische Arbeiter ziehen alljährlich in Deutschland massenhaft ein und drücken den Lohn der heimischen Arbeiter herab. " Wir sprachen von dem fortwährenden Geschrei: Schuß der nationalen Arbeit!" welches gerade von denen am lautesten erschallt, welche die fremden, billigen Arbeitskräfte gegen die nationalen deutschen Arbeiter am meisten ausspielen und den deutschen Arbeitern dadurch das Leben verkümmern. sondern sie heben dieselben nach und nach empor, wie dies in Westfalen vor einigen 20 Jahren geschah, als eine große Anzahl Franzosen und Belgier zur Bedienung neuer Mas schinen dorthin gezogen wurden. Wie die Italiener in Frankreich und Deutschland, so machen auch vielfach die deutschen Arbeiter den fremden unliebsame Konkurrenz; so die Erntearbeiter aus dem Lippe'schen und Waldeck'schen und aus den niederrheinischen Kreisen Wesel und Cleve den holländischen Arbeitern. Aber auch in England flagt man, daß die deutschen Arbeiter vielfach die Löhne drücken. So hat fürzlich der englische Richter Kerr bei einer Verhandlung, in welcher die Noth eines englischen Arbeiters scharf hervortrat, die Arbeitgeber aufgefordert, nur englische und feine deutschen Arbeiter zu beschäftigen, weil die deutschen Arbeiter zu billig arbeiteten. Darüber wird nun in der deutschen liberalen Presse großes Halloh gemacht. In der deutschen Arbeiterbevölke rung Londons soll große Erregung herrschen das ist allerdings wohl möglich. Aber auch im englischen Volte soll man mit der oben angeführten Aeußerung des Richters Kerr höchst unzufrieden sein; hierfür bringen unsere liberalen Blätter als Beweis eine Abfertigung Kerrs durch eines ber größten Bourgeois= blätter Londons, der ,, Daily News". Als ob das ein Beweis wäre für die Unzufriedenheit des englischen Volkes!? 11 Daß der Liberalismus uns fein Gehör schenkte, war Gewiß will die ,, Daily News" die Freiheit" vertheis natürlich, denn er flüßt sich auf die Freiheit, auf die digen, aber die Freiheit der größeren Ausbeutung der deutFreiheit der Einwanderung, des Verkehrs und der Ausschen und der englischen Arbetter durch englische Fabrikanten beutung. Daß aber eine nationale Regierung Kontrakte macht, in welcher diese Afterfreiheit gewahrt wird, das war uns nicht verständlich. Eine nationale Regierung sollte nimmermehr größere Bauten, wie den Maintanal an Unternehmer vergeben ohne die Bedingung, daß nur deutsche Arbeiter an diesen Bauten beschäftigt werden. Auch wir sind für Verkehrsfreiheit, für Einwanderungsfreiheit, auch wir gönnen den fremden Arbeitern Lohn und Brod in unserem Heimathlande, aber die fremden Arbeiter sollen sich nicht für einen billigeren Lohn verdingen, als ben ortsüblichen, sie sollen nicht in Erdhöhlen wohnen, mit Brod und Schnaps vorlieb nehmen und dann noch einen großen Theil des Lohnes in ihre Heimath schicken. Da hört in der That unser nationales nnd internationales Verständniß vollständig auf! Wenn allerdings englische Arbeiter oder französische nach Deutschland kommen, bagegen ist nichts zu sagen. Diefelben bringen zumeist höhere Bedürfnisse mit, als die Nachdruck verboten.] 41 Feuilleton. Gesucht und gefunden. Roman von Dr. Dur. ( Forsegung.) " Ich kann nicht anders, ich muß die Vaterschaft anerlennen; benn, thue ich es nicht, so riskire ich, daß das und mit dieser Freiheit" können sich wahrlich die Arbeiter nicht einverstanden erklären. Wenn es im eigenen Lande mehr Arbeitsgelegenheit und besseren Arbeitsverdienst giebt, dann brauchen diejenigen Arbeiter, welche Familie haben oder schon bei Jahren sind, nicht mehr im Auslande Nahrung zu suchen, den jungen Arbeitern mag es ja immer unbenommen sein, zur weiteren Ausbildung ins Ausland zu gehen, da wir den Umgang der Arbeiter verschiedener Nationen heilsam für die allgemeine Kulturentwickelung halten. Somit hat der Richter Kerr mit seinem Ausspruch gewiß so unrecht nicht, trotz des Geschreies unserer liberalen Blätter. Die Frage der Krankenkassen. Im deutschen Reichstag hatten die Vertreter Der Arbeiterpartei den Antrag gestellt, den Termin der Inkrafttretung des Krankenkassengefeßes bis zum 1. April 1885 hinauszuschieben, weil die Behörden selbst mit Monaten steht ihre Niederkunft bevor. Der Gang der Angelegenheit ist nun folgender: Nachdem die Taufe vollzogen ist, wird das Mädchen vor das Vormundschaftsgericht zitirt und dort um den Vater des Kindes befragt." So viel ich weiß, Baul, steht es ihr frei, zu erklären, daß sie den Vater des Kindes nicht nennen will." Ja, das ihr frei! Aber da kennst Du Lisette nicht. Mädchen mich öffentlich an den Pranger stellt, daß ich im Ich habe im Zorn und in Güte, durch Ueberredung und Munde der ganzen Stadt bin, daß meine Behörde davon erfährt und mein Ruin ist fertig." Aber ist es denn etwas anderes, wenn Du die Vaterschaft anerkennst?" Eigentlich nicht, denn die Anerkenntniß geschieht ja auch vor einem Richter, und ob diese Behörde schweigt, ist mehr als zweifelhaft. Ich bedaure Dich von ganzem Herzen, Bruder! Dein Leichtsinn ist sehr zu tabeln; Du hast sehr Unrecht gethan, Dich so zu vergessen . " Moralisire nur nicht, Georg! Es handelt sich hier nicht um Das, was geschehen ist, sondern um Das, was geschehen soll. Die fatale Lage, in welcher ich mich befinde, veranlaßt mich, eben Dich zum Vertrauten meines Geheimniffs zu machen. ganzen Welt, der hier helfen kann." Ich wüßte nicht, wie?" Du bist der Einzige auf der " Du sollst es gleich hören, gieb nur weiter Acht! Vor allen Dingen habe ich Bedacht genommen, das Mädchen aus Neustadt zu entfernen. Bestechung, in allen Tonarten und Gemüthsaffekten auf sie einzuwirken gesucht. Es ist vergebens! Sie wird mich als den Vater nennen!" ,, Dann bist Du verloren, Baul!" Ich bin's, wenn Du nicht hilfft!" ,, Aber wie soll ich helfen?" Ja, höre nur: Nachdem sie den Namen des Vaters gegenannt, zitirt das Vormundschaftsgericht den bezeichneten Ülebelthäter vor sein Forum; und erklärt er hier: Ich bin's,"" danr ist die Sache abgethan, wenn sonst die Alimentenzahlung regelmäßig erfolgt, und die gefallene Unschuld zufrieden gestellt wird." Ja, willst Du denn auf dem Vormundschaftsgericht erklären, daß Du der Vater bist?" Ich denke gar nicht daran! Das Einzige, was ich von bem Mädchen erreichen konnte, ist, daß sie auf die Frage des Richters zwar meinen Namen nennen wird, aber nicht meinen Stand. Ich werde zu derselben Zeit in Berlin sein und bei Dir im Hause, Philippinenstraße 74 logiren. Sie Der Vater meines Kindes ist AmKlatschmäuler erst ihren Zustand kennen, so fangen sie auch berg, Philippinenstraße 74,"" ohne Vornamen, ohne Stand an, Vermuthungen auszusprechen, und Lisette ist vielleicht hinzuzufügen. Nun tommt eine Vorladung an den beunvorsichtig oder boshaft genug, die Vermuthungen zu be- treffenden Amberg. Natürlich gelangt diese Vorladung an Dich. Begreifst Du jetzt, worin die Gefälligkeit besteht, die ich von Dir fordere?" ftätigen." Kindes ist AmGeorg sah seinen Bruder mit unruhevollen Blicken an. In der That nicht, Paul.... Nicht ganz! !" Nun, ich denke, die Sache ist sehr einfach. Du leistest der Vorladung Folge, gehst auf das Gericht und " Das sehe ich ein!- Wohin hast Du sie gebracht?" Wohin hast Du sie gebracht?" " Hierher nach Berlin, in eine Anstalt, wo junge Mädchen in aller Verschwiegenheit... und so weiter; Du Tennst ja den Inhalt der Annoncen dieser Art, welche tägs stotterte er. Anstalt habe ich sie gebracht; für ihren Unterhalt ist vor läufig gesorgt und wird auch später gesorgt sein. In zwei antwortest auf die Frage: Sind Sie der Vater des von ihren Einrichtungen noch nicht vollständig fertig sind und weil sich auch noch nicht sämmtliche freie Hilfskaffen den Bestimmungen des neuen Krankenkassengefeßes angepaßt haben. Theilweise scheiterte dieser Antrag an der kurzen Frist, die zu seiner Ec ledigung noch vorhanden war, theilweise an dem Widerstande des Bundesraths, der in eine solche Aenderung nicht zu willigen im Stande zu sein glaubte. Nunmehr hat auf Grundlage des Antrags der Arbeiterpartei der Abgeordnete Struckmann einen Gesezentwurf bei gebracht, nach welchem die Angehörigen solcher freier Hilfs taffen, deren Statuten vor dem 1. Dezember nicht genehmigt worden find, bis zum 1. Juli 1885 das Recht des Austritts aus den Dits und Gemeindekaffen haben sollen, wenn inzwischen die betreffenden Hilfskaffen die Genehmigung erhalten haben. Wenn dieser Antrag, der vom Reichstag einer Kom mission überwiesen worden ist, Rechtskraft erlangt, was nicht zu bezweifeln ist, so ist, wenn auch nicht Alles, doch ein Hauptpunkt, welchen der Antrag der Arbeiterpartei erzielen wollte, erreicht worden. Unter den Arbeitern selbst ist ein Jerih im in Bezug auf den Beitritt in die freien Hilfskaffen weit verbreitet. Es glaubt nämlich Mancher, daß seine Bugehörigkeit zu den Ortsfrankenkassen erlischt, nachdem er noch nach dem 1. Dezember in eine von dem Beitritt zu den Ortskrankenkasse befreiende Kasse eingetreten Dem ist nicht so. Denn wer vor dem 1. Dezember noch nicht den Nachweis gebracht hat, daß er einer solchen Kaffe angehört, wird ohne Weiteres zu den Beiträgen für die Ortskrantentassen herangezogen. Sein Austritt aus diesen kann erst mit dem Schlusse des Rechnungsfabres, also am 30. November 1885 erfolgen, wenn er denselben spätestens drei Monate vorher ans meldet und vor dem Ablaufe des Rechnungsjahres nachweist, daß er Mitglied einer von dem Beitritt zu den Ortsfrankenkassen befreienden Kaffe ist. Welche von den selbstftändigen Kaffen diese Eigenschaft befizen, darüber herrscht freilich immer noch viel Unflarheit. Vielfach wird von ein zelnen Krankenkassen, die den gefeßlichen Bestimmungen nicht faffen gefallen find, an den Vorstand des Verbandes das Angenügen und deren Mitglieder dadurch an die Ortskrankenfinnen gestellt, ihnen eine kurze Frist zu geben, in der ste noch nachträglich ihre Statuten den geseglichen Bestimmungen anpassen tönnten. Diesem Verlangen kann der Vorstand nach dem Gefeß in feiner Weise Rechnung tragen, er hat sich nur an den Wortlaut des Gefeßes zu halten, der einen Dispens nicht zuläßt. Würde er auf eigene Verantwortung troßdem einen solchen ertheilen, so hätte er für alle den Detskcantenkaffen erwachsenden petuniären Nachtheile eventuell aufzukommen. In Laufe des nächsten Jahres wird es sich nun genau herausstellen, welche freien Hilfskaffen dem( Besetze vollständig genügen. Diejenigen Kaffen, welche jetzt schon beanstandet worden sind, sollen nach dem Antrag Struckmann bis zum 1. Juli Beit haben, Borkehrungen und Einrichtungen zu treffen, daß fte genehmigt werden müssen. Zweckmäßig ist es natürlich, wenn diese Kaffen recht rajch diese Einrichtungen treffen, damit ihre Mitglieder, die jest den Ortskaffen einverder Lisette Kunze unehelich geborenen Kindes?"" mit einem lauten und vernehmlichen Ja!"" und schreibst Deinen Namen unter das betreffende Protokoll. Dann ist Alles gemacht." Aber, Paul, ich soll die Vaterschaft Deines unehelichen Kindes anerkennen? Das geht unmöglich!" ,, Und warum geht es nicht?" Bedenke, Paul, was würde Räthchen dazu sagen?" " Räthchen soll tein Sterbenswort davon erfahren; ich verlange sogar von Dir, daß Du ihr von dieser ganzen Unterredung und am wenigsten von meiner Bitte an Dich auch nur eine Silbe mittheilft." ,, Aber, wenn sie es doch erfahren würde?" Unsinn! Wie soll sie es erfahren? Das Mädchen wird schweigen, ich werde schweigen und Du wirst hoffent lich auch schweigen. Ich alimentire das Mädchen! Sie wird also niemals Ansprüche erheben; und wenn sie ja Dich lieber zum Schulbigen hätte, als mich, Deiner Bersönlichkeit wegen, mein Junge, weil Du ja einige Jahre jünger und ein hübscher Kerl bist, so weiß sie doch, daß Du so gut wie mittellos bist, daß eine Erekution bei Dir wegen etwaiger Forderung von sehr unbedeutendem Erfolg fein würde. Dagegen ist ihr bekannt, daß ich wohlhabend bin, sie wird also nie und nimmer Dich statt meiner beläftigen. Ja noch mehr, sie wird von der kleinen Täuschung, welche ihr gespielt ist, nie und nimmer auch nur ein Wort erfahren. Die Sache bleibt ganz und gar unter uns. Sie wird der Meinung sein, ich habe die Vaterschaft anerkannt, und wird auch nicht im Entferntesten vermuthen, daß das nicht der Fall sei, sondern, daß ich meinen Bruder vorgeschoben habe... vorausgesetzt immer, daß Du zu schweigen verstehst." " Ja, fönnte aber nicht meine Frau von dieser gerichtlichen Prozedur erfahren? Ich erhalte und schreibe keinen Brief, von dem meine Frau nicht Renntniß hätte." Das ist eine sehr schlechte Angewohn eit, mein Junge. Ich habe Dir heute schon einmal gesagt: Du hast Dich viel zu sehr in die Hände Deiner Frau gegeben, und das taugt nichts. Es giebt Dinge, welche nur den Mann ans gehen und der Frau verborgen bleiben müssen. Du mußt in leibt worden find, baldmöglichst dort austreten und wieder die Hilfslaffcn zurücktreten tonnen. Im Uebrigm aber empfiehlt es fich für a l l e A r b e i t« r, die durch irgend welches Vcrhältniß gezwungen, den Orts- oder Gemeindekrankenkafien beitreten zu müssen, sich bald schon nach einer geeigneten freien Hilfslasse umzusehen, damit fie nach Jahresfrist, also am 30. November 1883 dort eintreten lönnen. Dabei sei aber nicht zu vergessen, daß die K ü n d i- g u n g bei der Orts- oder Gemeindekasse vor dem nächsten 30. August erfolgen muß. Die Vorstände der freien Hilfskassen werden gut daran thun, recht bald schon ihre Agitation in dieser Rich« tung hin zu entfalten. -oUtiscke Nebersickt. Der„Rtichsfreund", jenes in Permanenz erklärte Wahl- flugdlatt der Herren Eugen Richter, Ludolf Parifius und Hugo Hermes, bringt in seiner neuesten Nummer einen Artikel de- titelt:„Maximalarbeitstag und Mintmallohnsatz". Ist schon und für sich der Versuch, ein derartiges Thema in einer on Tageszeitung zu behandeln, ein leichtfertiger, so muß man noch mehr erstaunen, wenn man sieht, wie der anonyme Artikel- schreiber fich der gestellten Aufgabe in 44 Zeilen entledigt. Sage und schreibe: 44 Zeilen! Mehr braucht dieser Weise nicht um die Werke bedeutender Männer über ven Haufen zu werfen. Doch lassen wir dem Herrn selbst das Wort. Er sagt gleich zu Anfang:„Denn über eine gewisse Arbeitszeit hinaus ruinirt das Arbeiten den Arbeiter und. fördert auch nicht die Arbeit-, unter einem gewissen Lohnsatz aber kann der Ar- beiterstand dauernd nicht gedeihen." Bravo! Das ist ganz gut, doch der hinkende Bote kommt nach. Nachdem der ge- lehrte Herr mit einigen Worten dagegen polemisirt„daß durch Etaatsgesctze und Polizeiverordnungen in das wirthschaftliche Leben eingegriffen werde," fährt er fort:„Was würde man andererseits wiederum sagen, wenn jetzt zur Weihnachtszeit Polizeibeamte die Werkstätten durchstöberten und überall die Lampen auspusteten, wo noch Abends spät zur Fertigstellung von Arbeiten für die Festtage gearbeitet wird? Mancher Hand- werker freut fich, wenigstens zur Weihnachtszeit etwas mehr zu verdienen, zumal er im übrigen Jahr desto mehr feiern muß und weniger Normalarbeitstage hat, als ihm lieb ist." Welch ein Unflnn birgt fich in diesen wenigen Worten! Erst jagt man dem Leser Furcht ein, indem man die„Polizei" die Lampen auspusten läßt, und dann wird darauf hingewiesen, daß Mancher schon mehr Normalarbeitstage im Jahre hat, als ihm lieb find.— Der Schlaukopf! Eben diese seine unfrei- willigen Feiertage werden durch übermäßige Ausdehnung der Arbcrtszeit noch vermehrt! Besitzt denn der Herr nicht einmal so viel Logik, um begreifen zu können, daß die namentlich zu den Feiertagen weit über das augenblickliche Bedürfniß aufge- thürmten Waaren die Waffen find, welche nachher ihre eigenen Erzeuger zu Boden strecken, resp. für lange Zeit in ihrer Thä- tigkeit lahm legen? Dock über derartige Sachen nachzudenken, hat der Reichsfteundschreiber wahrscheinlich keine Zeit, er findet sich Angefichis einer so tief in das wirthschaftliche Lebm ein- schneidenden Frage einfach mit der Behauptung ab:„In guten Zeiten steigen die Löhne auch ohne Staatseinmischung von selbst." Ja, das wissen wir auch, aber wir wollen nicht, daß gewissenlose Fabrikanten in Zeiten geschäfllichcn Aufschwunges die Arbeitszeit übermäßig ausdehnen, damit die Arbeiter, um mit dem Reichsfteund zu reden,„weniger Normalarbeitstage haben, als ihnen lieb find". Arn Schluß des Artikels wird dann auf England hinge- wiesen, wo ohne staatliche Eingriffe in das Erwerbsleben fich Alles auf's Beste regele.— Sonderbar, gerade jetzt macht eine Nacklicht die Runde durch die Presse, daß in dem Eldorado des Manchcsterthums, in England, die Lage der Arbeiter eine verzweifelte ist und der Pauperismus fich dergestalt vergrößert, daß selbst den englischen Manchestermännern die Situation etwas unheimlich wird. 15—20 Prozent der arbeitenden Be- völkerung dieses Landes find entweder arbeitslos oder Bettler. — Ter Hinweis auf England ist also sehr schlecht gewählt, gerade die Zustände dieses industriell am weitesten entwickelten Staates zeigen deutlich, daß das Manchesterthum bankerott ist. Das Geschreibsel des„Reichsfteund" ist also nur ein Beweis von der Unfähigkeit der Herrn Richter u. Genossen in national- ökonomischen Dingen; die Herren fühlen den Boden unter den Füßen wanken und glauben ihre Haltung durch derartige ab- genutzte Phrasen wieder zu befestigen. Das wird und kann nicht gelingen. Die Folgen der ungeregelten Produktions- weise lassen fick nicht durch Phrasen beseitigen, und darum wird der„Reichsfreund" mit solchen den Zusammenkrach der Manchester partei nicht abwenden können. Ueber die Verurtheilung jener Landwehrlente, welche fich geweigert hatten, in einen mit Bänken besetzten Viehwagen zu steigen, läßt fich die„Weser-Zeitung" schreiben: Di« Affaire hat durch ihre Anregung im Reichstage aufS neue Aufsehen erregt. Wohlgemerkt aber: nicht daß fie verurtheilt find, ist schmerzlich empfunden worden', vielmehr ist es im Gegentheil allgemeines Rechtsgefühl, daß die Unglücklichen sich haben hin- alle Sorge tragen, daß diese gerichtliche Korrespondenz ihr nicht vor die Augen kommt.— Um Dich aber, wenn Deine Frau doch davon erfahren sollte, vor jedem falschen Ver- dacht sicher zu stellen, als ob Du Dir einmal«ine kleine Freiheit mit Lisettchen erlaubt hättest, werde ich Dir be- scheinigen, daß Du die Anerkenntviß der Vaterschaft nur aus Gefälligkeit gegen mich abgegeben hast und keusch bist wie Joseph. So bist Du also auch vor häuslichen Unan- nehmlichkeitcn für alle Fälle gesichert."» „Das wäre das erste Mal, daß ich meiner Frau etwas verheimliche.— So weit das Geheimniß Dich betrifft, so werde ich es nicht ausplaudern; aber ich spiele ja selbst eine Rolle darin, das geht mich an; und was mich angeht, muß ich ihr doch mittheilen." „Du bist ein Sophist und verdrehst eine ganz klare Sache, Georg. Die Sache ist und bleibt immer nur mein Geheim niß, und von Deiner Ehrenhaftigkeit verlange ich, daß Du mir hiermit heilig versicherst, Deiner Frau nichts davon zu sagen; und nun, mein Junge, laß uns noch ein Glas Wein.trinken, und gieb mir mit Handschlag das Versprechen, daß Du thun wirst, was ich von Dir ver- lange.",.. „O, Paul, ich thue Unrecht, ein großes Unrecht gegen meine Frau!" antwortete Georg, mit Widerstreben sein GlaS erhebend. „Deiner Frau eine Geschichte zu verheimlichen, die sie ja in der Welt gar nichts angeht, das hältst Du für ein großes Verbrechen; aber Deinen Bruder aus Amt und Brot kommen zu lassen, ihm nicht zu helfen, wo Du ihm helfen könntest, das hälft Du für gar nichts." „Es ist freilich wahr. Dir muß geholfen werden, ich sebe es ein. Ich sehe auch ein, daß das von Dir er- sonnene Mittel der einzige Auswez ist, Dich vor Armuth und Schande zu bewahren/' «So? Siehst Du das ein?— Nun dann weiß ich auch, daß Dein gutes Herz sich nicht sträuben wird, zu helfen." „Laß mir Bedenkzeit, Paul, bis morgen." „Bedenkzeit bis morgen, das ist nicht nothwendig! Du könntest im Traume davon sprechen, und Käthchen reißen lassen, offen den Gehorsam zu verweigern, und daß fie dafür Strafe verdienen. Niemand hat gegen die Bestrafung protestirt. Aber, daß dieselbe auf sieben und achr Jahre Zuchthaus lautet,— das ist es, was die tief- gehende Bewegung hervorgerufen hat. Es bat auch Niemand gesagt, daß die Strafe nicht dem Gesetze entsprechend verhängt sei. Aber es ist ein weitverbreitetes Gefühl, daß das Urtheil eine tiefe Kluft zwischen dem bestehenden Militärftrafgesetzbuche und dem Gewissm der Nation verräth. Die Durchsuchung der Kasernen scheint fich nicht nur auf Berlin erstreckt zu haben. Schon gestern wurde ein Gleiches aus G n e s e n gemeldet und heute liegt aus N ü r n- b e r g folgende Nachricht vor:„Gestern fand dahier in sämmt- lichen Kasernen eine strenge Suche nach sozialdemokratischen Schriften statt. Die Leute mußten anfteten und wurden dann ebenso wie ihre Behälter in der Kaserne durchsucht. Die Re- cherchen hatten fich auch auf die außerhalb der Kaserne wohnen- dm Soldaten(Hautboisten rc.) erstreckt. Wie verlautet, soll in Folge einer generellen Anweisung verfahren sein, so daß nicht nur die Nürnberger Garnison davon betroffen wor- den wäre." Wer ist BetriebSbeamter im Sinne deS Gesetzes über die Krankenversicherung der Arbeiter? Nach§ 1 des Gesetzes unterliegen Betnebsbeamte der Verstcherungspflicht, wenn ihr Arbeitsverdienst an Lohn oder Gehalt 6,75 Mark für den Arbeitstag nicht übersteigt. Wer aber als Bet iebs- beamter zu betrachten ist, sagt das Gesetz nicht. Die Folge davon ist, daß in den betheiligten Kreisen große Unklarheit herrscht, und daß selbst die Behörden nach ganz verschiedenen Grundsätzen verfahren. Nach dem Sprachgebrauche und nach den auf Grund des Haftpflrchtgesetzes, in welchem der Begriff „Betrieb" vorkommt, gefällten Urtheilen des Reichsgerichts wird man als Betriebsbeamte nur solche Leute betrachten kön- nen, welche im direkten Fabrik- oder Handwerksbetriebe de- schäftigt sind, also beispielsweise Werkmeister, Werkführer, Vorarbeiter, Fabrikschreiber, Maschinenmeister, Ingenieure, Techniker u. dergl., auch Grubensteiger, Bauaufseher, Bau- sührer u. s. w., nicht aber Personen, welche lediglich! im Komtoir einer Fabrik, im technischen Bureau in der Expedition, als Reisende oder Ladengehrlfen angestellt find. In diesem Sinne fassen auch wohl die meisten Behörden den Begriff„Betriebs- beamte" auf, einige aber, z. B. die Landdrostei von Hannover, steht auch alle im Komtoir oder technischen Bureau einer Fabrik beschäftigten Personen als Betriebsbeamte an, und in Leipzig hat man sogar den Versuch gemacht, die Geschäftsreisenden von Firmen, welche gleichzeitig Inhaber von Fabriken find, als Betriebsbeamte im Sinne des Gesetzes zu behandeln. Wie mehrere Zuschriften, die uns aus unserem Leserkreise zugegan- gen find, beweisen, ist auch hier das Publikum noch vielfach zweifelhaft über den Begriff„Betriebsbeamte". So viel wir wissen, gehen die hiesigen Behörden von der Anficht aus, daß Komtoiristen, Geschäftsreisende, Ladengehilfen männlichen oder weiblichen Geschlechtes, Zeichner in technischen Bureaus rc. nicht als Betriebsbeamte im Sinne des Gesetzes zu betrachten find. Leider wird eine authentische Auslegu-g des Begriffes, welche Sache des Gesetzgebers hätte sein müssen, wohl erst nach längerer Zeit vom Oberverwaltungsgerichte gegeben wer- den können. Für ein Sandbuch für Gefängnihaufseher erläßt der Ausschuß der Rbeinisch-Westpbälischcn Gefängnißgesellschaft in Düsseldorf ein Preisausschreiben. Die drei tüchtigsten Ent- würfe sollen mit Preisen von 600 und 400 Mk. honorirt werden. Die Veröffentlichung der Gutachten bezw. der Ertheilung der Preise wird in der nächstjährigen Generalversammlung der Rheinisch-Westphälischen Gefängnitz-Gesellschaft erfolgen. Aus Ostrowo meldet die„Germania" einen neuen Fall von Anwendung der M a i g e s e tz e. In Ostrowo ist der Ka- puzinermönch?. Crescentius, welcher die dort stattfindende Mission leitete, durch Gendarmen verhaftet, jedoch nach Stel- lung einer Kaution durch den Vikar Brinzen Radziwill wieder auf freien Fuß gesetzt wrnden. P. Crescentius wird wegen unbefugter Vornabme priesterlicher Funktionen unter Anklage gestellt werden. Ferner theilt die„Germania" mit, daß der Regierungspräsident in Marienwerder an die mit der Seel- sorge beschäftigten Vikare die Aufforderung gerichtet habe, sich über den ihnen vom Bischof ertheilten Auftrag auszuweisen. Zu diesem Zwecke wird von ihnen verlangt, daß fie das bischöfliche Schreiben, durch welches fie kommissarisch mit der Eeelsorge deauftragt worden find, an die betreffenven Land- räthe einreichen. Das Blatt bemerkt dazu:„Eine gesetzliche Bestimmung, auf Grund deren der Regierungspräsident ein solches Verlangen stellt, giebt es nicht; die Vikare haben also keine Verpflichtung, dieser Aufforderung Folge zu leisten." Zur braunschweigische« Erbfolgefrage bringt die „Braunschw. Landeszeitung" einen Leitartikel, welcher fich nicht ungünstig für das Elbrecht des Herzogs v. Cumberland aus- spricht, aber mit Nachdruck verlangt, daß derselbe sich mit Preußen verständigt und vor Allem ohne jede Winkelzüge auf Hannover verzichtet. Oesterreich. Der Steuerausschuß des österreichischen Ab- geordnetenhauses hat den Bericht des Subkomitecs über die könnte ein Wort davon erlauschen.— Was bedarf es der Bedenkzeit? Bist Du nicht ein Mann, der sich dessen klar bewußt ist, was er thun will, und was er thun muß? Der seine Pflichten gegen seine Nächsten und noch dazu gegen seinen Bruder genau kennt? Was bedarf's der Be- denkzeit?— Deine Hand, Georg, Du läßt mich nicht zu Grunde gehen." Er reichte ihm seine Rechte hin. Georg blickte ihn mit seinen treuen Augen bewegt ins Gesicht und legte dann langsam seine Hand in die seines Bruders. „Ich will es thun!" sagte er mit einem Seufzer,„es bleibt ja kein anderer Ausweg. Ich muß eS thun, und wenn auch eine Stimme in meinem Innern mir unauf- hörlich zuruft: Du darfst eS nicht. Du thust Unrecht!" „Du bist ein vernünftiger Junge, Georg, ich danke Dir," sagte Paul, bedeutend erleichtert ihm seine Hand schüttelnd.„Da ich Dein Versprechen habe, weiß ich, daß Du es auch hältst, denn es wäre wohl das erste Mal in Deinem Leben, daß Du ein gegebene» Wort nicht hieltest. Noch ein Glas zum Abschied, dann geh' zu Deinem Käth- chen und schlummere sanft unter der Last eines Geheim- nisses; aber thue mir den Gefallen und träume nicht so lebhaft, daß Du im Traume plauderst, und mache nicht ein solch' Armsündergesicht, daß Käthchen Dir beim ersten Morgenkuß schon ansieht, daß etwas nicht richtig ist." Die Brüder trennten sich. Georg schlug den Weg nach seiner Wohnung ein, um eine große Sorge reicher. Paul bestieg erleichterten Herzens eine Droschke und ließ sich nach einem Vergnügungslokal fahren. Neunundzwanzigstes Kapitel. Amberg faß in einem der bekanntesten Lokale Berlins, vor ihm auf dem Tisch stand eine schon halb geleerte Flasche Wein. Er hatte sich in dem äußersten Winkel des schönen Lokals plazirt, um die Vorgänge in demselben ungestört beobachten zu können. Es war zwar nicht das erste Mal, daß er in diesen Räumen Erholung suchte, allein heute fühlte er hierzu ein ganz besonderes Bedürfniß. Er hatte viel, sehr viel nachzudenken und deshalb war es ihm be- Petition der Zuckelindustriellen angenommen, durch mW die Regierung aufgefordert wird, Vorlagen behufs Beseitig« der Zuckerkrifis einzubringen und möglichst bald eine Eng«» anzuordnen, welche eventuell auch Aenderungen für die Ziicto steuergesetze vorzuschlagen hätte. Belgien. In der gestrigen Sitzung der Kammer elllo» der Finanzminister, das laufende Eiatsjahr schließe mit eins Defizit von 19'/- Millionen ab; die Regierung werde lein» Zoll auf ausländisches Getreide einführen und Erspamisse b# beiführen. Der Minister beantragte femer 300000 Fron» Zuschuß zu ven Vizinalbahnbauten und erklärte, für die# werpener Ausstellung sei der Erfolg vollkommen aestchert.; Die Kammer bat ferner die von dem Minister des Innern die Wartegehälter der entlassenen Lehrer begehrten 500Ö® Frank» einstimmig bewilligt nnd in geheimer Sitzung beschloß den seit einigen Jahren veröffeniltchlen summarischen Sitzen»' bericht abzuschaffen und die damit beauftragt gewesenen dakteure mit 38 500 Franks zu entschädigen. Frankreich. Die monarchistischen Parteien rühren fr wieder. Beim Herzog von Broglie fand eine Versammle der royalistischen Rechien statt, um sich über die bevorstehend Wahlen zu verständigen. Da die den Konservativen günstig� Wahlergebnisse der letzten Zeit den Royalisten frischen Mm gegeben haben, so wurde deschloffen, aus der Zurückhält) die man seit 6 Jahren beobachtet, herauszutreten, überall Wv ausschüsse zu bilden und mit allen Mitteln für die royalistM Kandidaten einzutreten. Die Frage, ob man ein Bündniß# den Bonapartisten eingehen solle, wurde lebhaft besprM aber nicht gelöst. Dagegen beschloß man, in den WahlbeM wo der royalifiische Kandidat keine Ausfichten hat, für d radikalen Kandidaten zu stimmen. Prinz Viktor, der belang lich mit seinem Vater entzweit ist, tritt sehr thätig auf«j hat einen politischen Salon eröffnet, wo er jeden MiW seine Anhänger empfangen wird. Seine Hauptrathaeber P die Deputirten Paul de Cassagnac und Jolibois. Die R# rung ist aber über das Thun und Treiben dieses PrW» immer genau unterrichtet.— Die Deputirtenkam«� lehnte bei der Berathung deS Budgets des Ministeriums Innern ein Amendement auf Abschaffung der geheimen Fon? mit 308 gegen 194 Stimmen ab. Die Berathung des Buvp wird morgen Vormittag fortgesetzt werden.— Mehrere$ tungcn wollen wissen, im Laufe des Januar würden meh� Panzerschiffe und 3 Torpedoboote dem Admiral Courdet(s sandt werden. Es sei auch die Rede von einer außerord� lichen Aushebung von Marine-Jnskribirtm. üMjJ Rußland. Der Minister des Innern hat der Befehle ertbeilt, alle in Odessa, Kiew und anderen gm? Städten mit fremden Pässen ansäsfigen Juden auszuweip' falls fie nicht besondere Erlaubnißscheine besitzen, die fie r Wohnsitz daselbst berechtigen. Diese Verordnung hat# den jüdischen Firmen viel Bestürzung verursacht, und vieles selben werden wahrscheinlich gezwungen sein, ihre Geschäftes liquiviren-— Vorige Woche überreichte Graf Tolstoi Reichstage einen Vorschlag, Familienhäuptern unter den rtj sehen Bauern zu verbieten, ihre Ländereien unter die mW lichen Mitglieder ihrer Familie zu verlheilen, weil diese neu? Eigcnthümer unverzüglich das Stimmrecht und die ÄefuZ erhalten, Mitglieder der Gemeinderäthe zu werden. GeafV- stei fürchtet die wachsende Opposition gegen die RegierW Der Finanzminister Bunge und der Justiz minister Naboch� stets die Gegner von Graf Tolstoi's Politik, sprachen den Vorschlag, und der Reichsrath verwarf denselben mit g% Stimmenmehrheit.— Zwei Sludenten der Petersburger ü' vcrfität wurden jüngst von der Polizei verhaftet, während dem zur Zeit in Petersburg anwesenden Kurator ver Univerfl' von Kiew auflauerten, um ihn durchzuprügeln. Großbritannien. Die englische Admiralität bat eine. stätigung des Äufstandes in Korea erhalten. Das bei® Kriegsschiff„Espoir" erhielt Befehl, in der Nachbarschaft � Schauplatzes der Unruhen zu bleiben. Auch das Kriegss� „Flying fish" hält fich in der Nähe auf, um bei der Hand f sein, im Falle sein Beistand erforderlich werden sollte. Egypten. Ein Telegramm aus Korti meldet, Stewart sei mit seinem Generalstabe, der berittenen 0% Infanterie und dem Korps der Kameelreiter eingetroffen- ,* Weg von Dongola sei gut. Der Vormarsch der Engl®«' gestatte den verschiedenen Stämmen, ihre Aeckcr zu bestE ohne die Aufständischen fürchten zu müssen. Lebensmittel)?. reichlich vorhanden. Der Einfluß des Mahdi nehme 1% ab.— Aus Korti wird ferner gemeldet, eS sei dort ein£ aus Khartum angekommen, welcher 11 Tage zu seiner W gebraucht habe. Derselbe habe berichtet, daß General 0# fick wohl befinde und den Aufständischen eine schwere N"1! tage bereitet habe, indem er die Forts von Ondermann in Luft sprengen ließ.(?)_ omnmtmw. Außerordentliche Magistratsfltzung am DieM Im städrischen Kranlenhause zu Moabit ist die Durchschn? zahl der täglichen Kranken, welche früher etwa 350 betrug, sonders angenehm, so ganz ungestört seinen Gedanken i" hängen zu können., Inzwischen hatte sich dem Tische, an welchem AntKj saß, noch eine Person genähert; es war ein langer, hag� Mann, in langem, bis obenhin zugeknöpftem schwatz Rock; in der Hand hielt er einen niedrigen breitkrämp? Hut. Amberg war so in Gedanken versunken, daß et rj neuen Ankömmling erst bemerkte, nachdem dieser ihn auf die Schulter klopfte mit den Worten: „Guten Abend, lieber Freund Amberg, Sie hier?. Der Angeredete schien keineswegs über den Besuch freut zu sein, er machte ein recht verdrießliches Geficht" erwiderte:. „Ich glaubte nicht, Herr Nicodemus Sanftleben,' wir uns hier treffen würden." Der Ankömmling schien indeß die Verdrießlichkeit � berg's nicht zu bemerken, er setzte sich neben ihn und besst' für sich ebenfalls eine Flasche Wein. Wein löst die Zunge und im Wein liegt Wahri. Bald waren die beide» Herren in lebhafter Unterhalt begriffen. „Weißt Du, Freund Amberg, wann eS war, als zum letzten Male zusammen tranken?" „Ja, das war— ich weiß es— eS war kvN Deinem Abgang nach Indien, Du gingst dorthin, u« Heiden zu belehren." „Ganz recht, als ich Dir den Dienst geleistet hatte vcm jungen Rodenburg.— Weißt Du, als% Verschwinden vom Schauplatz nöthig wurde? � wahr? Glaubte der junge Mensch, er habe voa Wredow ermordet, läuft deshalb davon, vetz,., sich, glaubt die Häscher schon auf seinen sieht Galgen und Rad und weiß Gott wa« Alles 1« vor seinen�lugen.— Oh, wenn er gewußt hätte�, Herr von Wredow mit dem Mädchen, welchem der />/%**«O i% alten Rodenburg ¥ dienst damals galt, durchgegangen ist und jetzt vetgh mit ihr jenseits des Ozeans lebt, dann würdest D» Aussichten auf die Erbschaft des'~' — Freund Amberg!" Ireunde suchen. Ä 5 Eisler "'geben Al! "ahme ge IS % Sktl 1* auf 480 gestiegen. Für die Behandlung dieser Kranken sind beim Krankenhause fünf Assistenzärzte angestellt, so daß auf jeden Arzt jetzt 96 Patienten kommen- Da diese Zahl für einen Arzt zu groß ist, wenn eine gewiffenhafte und ordent- liche Behandlung der Kranken stattfinden soll, und da ersah- rungsmafjig für die Wintermonate noch ein größeres Anwachsen der täglichen Krankenzahl zu erwarten steht, so hat das Kura- torium des städtischen Krankenhauses in Moabit die Anstellung eines sechsten Arztes beim Magistrat beantragt. Der Ma- gistrat hat diese Anstellung vorläufig als Provisorium geneh- neigt.— Wie bekannt, wurden in Folge eines Antrages des Etadto. Dr. Bellcrmann vom städtischen Erleuchtungs-Kura- torium Versuche mit Doppel- Regenerator« Brennern, Patent Schülcke, auf dem Grundstücke der städtischen Gasanstalt am Stralauer Platze angestellt, und zwar brannte zu diesem Z-vecke eine mit einem derartigen Brenner versehene Straßenlaterne länge-« Zeit hindurch die ganze Nacht. Auch wurde eine der- artige Laterne vor dem Hause Friedrich straße 39 aufgestellt. Die>e Versuche find indeffen nichl günstig für den oben ge- nannten Brenner ausgefallen. Bei beiden Laternen fiel, wie das Erleuchtungskuratorium dem Magistrat berichtet, die Flamme oft nach wenigen Stunden in sich zusammen, so daß die Leucht- kraft erheblich sank oder die Flamme erlosch soweit, d rßern Verblaken der Laternen stattfand und die Zylinder sprangen. Es find daher weitere Versuche mit Schülckeschen Regencratorenbrennern aufgegeben worden, um so mehr, da auch die vom Patent- inhaber in Ausstcht aestellten Verbefferungen nicht ausgeführt worden find. Der Magistrat wird der Stadtverordneten-Ver- sammlung von den angestellten Versuchen Mittheilung machen. — Die Beilin er Echützengilde beabfichtigte ursprünglich, nach- dem die Schießstände derselben nach Schönholz verlegr, auch dort ein neues Echützenhaus erbaut worden ist, ihr Grund- stück in der Linienstraße zu paizelliren und zwei neue Straßen auf demselben anzulegen. Da indeffen die Verhandlungen wegen der Lage dieser Straßen eine den Wünschen der Gilde nicht entsprechende Richtung nehmen, so hat ste dieses Projekt aufgegeben, und beabfichtigt jetzt das Grundstück für den Preis von 1,310,000 M. zu verkaufen und hat hierzu die Ge- nehmigung des Magistrats nachgesucht. Dieser hat beschloffen, vorher noch die Vorlegung des KaufanbictenS zur Prüfung deffelben zu verlangen.— Der Magistrat hat beschlossen, � die städtische Kanalisations-Deputation anzuweisen, im sanitären Interesse eine Rcvifion der Be- und Entwässerungsanlagen in sämmtlichen hiefigen Schulen anstellen zu lassen.— Der Etat der städtischen Grundstücke für das neue Etatsjahr 1885—86 schließt ad mit einer Einnahme von 370,625 M., gegen das Vorjahr mit einer Mindereinnahme von 47,677 M-, in welcher Summe allein 36000 M- Minderpacht für den Ratdskeller enthalten sind. Die Ausgabe bcläuft fich auf 101,145 M. Das städtische Krankenhaus in Moabit verzeichnet in seinem soeben erschienenen Verwaltunzsbericht für das ver- gangcne Jahr wiederum eine erhebliche Steigerung sowohl in der Zahl der Aufnahmen, wie auch in der Zahl der Ver» pfiegungstage. Der tägliche Durchschnitts-Krankenbestand stellte fich auf 342 d. h. 35 mehr a!s im Vorjahre. Im Ganzen wurden 3240 Personen behandelt, 1979 Männer, 779 Frauen, 244 Knaben und 238 Mädchen. Die Mortalität betrug im Berichtsjahre 19,6 pCt. aller Behandelten, ist also eine durch- ouS günstige zu nennen. Trefflich bewährt hat fich die Jsolir- baracke, welche im Laufe des vergangenen Jahres aus dem Terrain des Krankenhauses erbaut worden ist. Dieselbe ist Massiv aufgeführt und besteht aus 3 Zimmern, jedes für 4 Betten bestimmt. Aus den vergleichenden Zusammenstellungen, welche der Verwaltungsdireklor Herr Merke über die Ver- Vsiegungsverhältniffe im Vergleich zu anderen Krankenhäusern gegeben hat, geht hervor, daß innerhalb der regulativmäßigen Beköstigung in allen 4 Diätformen in der Anstalt mehr Stick- stoff-Substanz— und von dieser wieder mehr animalische, wie vegetabilische— und Fett verabreicht wird, als in den übrigen iur Vergleichung herangezogenen Krankenhäusern. Sämmtlrche Spezial-Einrichlungen dieses Krankenhauses haben fich gut be- währt und dienen bei Erbauung neuer Krankenhäuser oft als Muster._ D o k» l e s. Die geschäftliche Physiognomie der vorigen Sonntage war eine solche, daß anzunehmen ist, den meisten Geschäfts- leuten seien die ihnen während der Weihnachtszeit seitens der Polizeibehörde gewährten Erleichterungen nicht bekannt ge- Morden. Zahllose Schaufenster waren wie sonst verhängt, ob- wohl es sämmtlichen Gewerbetreibenden jetzt gestattet ist, während des ganzen Sonntags, mit Ausnahme der Haupt- Kvttcsdienststunden, ihre Waaren an den Thüren und in den Schaufenstern auszustellen. Es ist dies nicht allein im In- mteffe der Geschäftsleute gestattet worden, sondern auch mit Iückfichz darauf, daß ein großer Theil des kaufenden Publikums, namentlich der arbeitenden Bevölkerung, seine .-lueihnachtseinkäufe überhaupt nur an den Sonntagen be» 'vrgen kann; man konnte daher viele enttäuschte Gesichter Mahrnehmen, als diese auf ihren Wandcmngem durch „Das glaube ich selber fast." „Es traf sich nun wunderbar, daß an dem Tage Kerade der Invalide vom Königstein herabstürzte. Der junge Rodenburg denkt natürlich nicht anders, da er diese beschichte in der Zeitung las, als daß der Leichnam, Melchkn man gefunden, der Wredow's ist, den er ermordet 9at, und läuft davon."— . Da» Gespräch der beiden Herren zog sich sehr in die �üugp, der Wein löste immer mehr die Zungen und der Ton de« Herrn Nicodemus Sanftleben wurde schließlich 1° laut, daß Amberg, um Unannehmlichkeiten vorzubeugen, ernstlich zum Aufbruch mahnte. Amberg vetließ mit seinem Freunde das Lokal und M'nkte einem der draußen haltenden Droschkenkutscher. Beide Herren bestiegen die Droschke, um sich nach der Woh- j�ng von Amberg'« Bruder fahren zu lassen. In der irWippinenstraße trennte sich Herr Nicodemus von seinem Freunde mit dem Versprechen, ihn bald wieder aufzu- lUchen. ,, Am nächsten Morgen fühlte sich Herr Amberg ??bt, eine kleine Moraenvromenade in den Straf _____>_ veran» q,":' eine kleine Morgenpromenade in den Straßen der 5"sidenz zu machen. Er war eben im Begriff, sich wieder «urück nach der Wohnung seines Bruders zu begeben, als Elsler bemerkte, der um diese Zeit sich ins Bureau zu Körben pflegte. Elsler hatte Amberg ebenfalls bemerkt, und obgleich er immer einen Widerwillen gegen denselben a» t» 1° glaubte er doch nicht umhin zu können, ihn zum �such in seine Wohnung einzuladen. Ämberg hatte es bis zu der Wohnung Elslcr's nicht 5st>t und überdies trieb ihn die Neugierde, über Lucie I so*""o uc...________........_Ö------. Idenburg, von der er wußte, daß sie bei Elsler's Auf- uhwe gesunden hatte, Näheres zu erfahren. * Es war gegen elf Uhr als er die Wohnung Elsner s Frau Elsler war über den Besuch zwar etwas Unt, empfing ihn jedoch freundlich und beeilte Lfl' für ihn ein Frühstück zu serviren. Fräulein «tha Amberg und Fräulein Lucie Rodenburg waren emsig q?** Handarbeit beschäftigt. r., Amberg trat auf Letztere zu, nahm ihre Hand und Be in väterlichem Tone: die inneren Stadttheile die meisten Schaufenster ver- hängt fanden. Di« Geschäfte selbst waren ja zumeist geöffnet, doch genügt dies nicht, da das tauflustige Publikum, che es ihm unbekannte Läden betritt, fick vorher an den aus- gelegten Sacken über das, was im Laden zu haben ist, orientiren will und, nebenbei gesagt als Wink für die Ge- schäftsleute, im Allgemeinen denjenigen Geschäften den Vorzug giebt, wo es sich gleichzeitig über die Preise vorher zu orientiren Gelegenheit hat. Eine möglichst ausgiebige und klare Preisangabe der in den Sckaufenstern ausgelegten Gegen- stände dürste fich daher für die Geschäftsleute stets vortheilhast erweisen, dagegen kann nicht genug gewarnt werden vor den- jenrgen Geschäften, welche durch Vre Art der Preisangabe ftch von vornherein selbst als schwindelhafte kennzeichnen. Wir meinen jene Schaufenster, wo es unentschieden gelassen wird, ob die angegebenen Zahlen Thaler oder Mark bedeuten, und wo den Zahlen noch kleine, mit bloßem Auge kaum erkenn- bare Bruchtheile hinzugefügt find. DteS find auf Täuschung berechnete Anlockungsmittel, welche jedes reelle Geschäft selbst- verständlich verschmäht. Ein in unserem Klima überaus selten vorkommender Krankheitsfall wurde von dem Sanitätsrath Dr. Lehnerdt in der letzten Sitzung der„Medizinischen Gesellschaft" vorgestellt. Es bettifft ein zwölfjähriges Mädchen Marie£., das im Jahre 1872 in Kalkutta von deutschen Eltern— der aus Westfalen stammende Vater ist Missionar in Ostindien— als ältestes von fieben gesunden Geschwistern geboren wurde. Im Jahre 1877 zeigte fich auf der Brust des bis dahin völlig gesunden Kindes ein kleiner gelber Fleck, der fich allmälig vergrößerte, sich auf fast alle Kocpertherle ausdehnte und zu jenen charakte- ristischen Knoten, Verdickungen und Verschwärungen der Haut führte, die unter dem Krankheitsbilde des„Aussatzes"— Lepra — bekannt und gefürchtet find. Die englischen Aerzte, welche von den besorgten Eltern in Ostindien zu Rache gezogen wurden, erklärten das Leiden als„Ringworm"(eine Art tzaulflechte). Da eine Besserung nicht eintrat, schickten die Eltern das Kind zur Heilung in ihre westfälische Heimath, wo dasselbe indeß auch ohne Erfolg behandelt wurde. Im Sommer ds. Js. wurde nun das Mädchen in das hiestge Elisabeth-Krankenhau« übergeführt, woselbst endlich unter tztnzuziebung hervorragender Dermatologen die Diagnose auf Lepra richtig gestellt wurde. Die kleine Patientin zeigte bei ihrer Vorstellung in der Medi- zwischen Gesellschaft ein sehr gedrücktes und scheues Wesen; das Gefichtchen war in Folge der Verdickungen und Aufwul- stungen der Haut verunstaltet und ähnliche Verunstaltungen zeigten fich auf der ganzen Haut des Körpers. Dieses Leiden beruht auf einer Vergiftung des Blutes durch einen eigen- gearteten Lepra-Bazillus, welcher von dem als Mikroskopiker bekannten Direktor des städtischen Krankenhauses Moabit, Dr. Guttmann, der Gesellschaft demonstrirt wurde. Bei uns wird diese Krankheit höchst selten, und dann nur aus dem Auslande importirt, beobachtet, kommt dagegen häufiger in Norwegen, an der Küste des MittelmeerS und in tropischen Ländern vor. Es ist bemerkenswerth, daß die Krankheit von den englischen Aerzten in Ostindien, welche sie doch häufiger zu sehen Gelegenheit haben, nicht erkannt wurde, und daß das Mädchen erst nach Berlin kommen mußte, um eine richtige Diagnose zu er- fahren. Von Alters her gilt der Freitag als der Unglückstag in der Woche. Die Statistik weist aber nach, daß es der Montag ist, diesen sollte man im Kalender schwarz anstreichen, denn die meisten Unglücksfälle ereignen fich an jenem genannten Wochen- tage. Die Ziffernskala der in den Berliner Fabriken während des vorigm Jahres vorgekommenen Unglücksfälle lautet nämlich wie folgt: Montag 121, Dienstag 114, Mittwoch 118, Donneistag 107, Freitag 103, Eonnabend 97. Also fast ein Viertel weniger Unglücksfälle, als am Montage, find am Sonn- abend zu verzeichnen gewesen. Der Sonntag selbst weist natur- gemäß die geringste Unfallziffer, nämlich 27, auf. N. Ein Tobsüchtiger versetzte in der vergangenen Nacht die Bewohner des Hauses Neue Friedrichstraße 94 in große Aufregung. Ein dort in der 1 Etage wohnender, 42 jähriger Militärinoal-de Schulz, der schon seit einiger Zeit Spuren von Geistesgestörtheit zur Sckau trug, war In der vergangenen Nacht plötzlich ohne eine besondere Veranlassung in eine voll- ständige Raserei verfallen. In dem Wahne, ein Verbrechen verübt zu habm und nun von der Polizei verfolgt zu werden, zertrümmerte Sch. das Wohnungsinventar, während er die Thüren von Innen vernagelte. Nach einer gewattsamen Oeff- nung der Thüren fand man den Unglücklichen zusammenge- kauert an der Erde liegen in dem Glauben, daß man ihn hin- richten wolle, laut um Hilfe rufend. Der Aermste mußte, nach- dem seine Geistesgestörtheit ärztlicherseits festgestellt, auf An- ordnung der Polizeibehörde nach der Königl. Neuen Charitee geschafft werden. Wie wir nachträglich hören, hatte Schulz in der Schlacht bei Weißenburg eine Kugel in die rechte Brust- seit« erhalten und litt seit IV« Jahren an einem Lungen- leiden. n. In bewustlosem Zustande wurde am gestrigen Tage ein unbekannter Mann in unserem Nachbarorte Rixoorf auf der Straße gefunden und, da er innerlich erkrankt schien, zu- „Armes Kind! Nun sitzen Sie hier, und die hübschen Händchen arbeiten, während eigentlich Ihr Platz in Schloß Rodeaburg sein sollte, und ihre Hände fern bleiben sollten von allen Beschäftigungen, welche einer jungen Dame, die einst die Erbin eines großen Vermögen« sein wird, nicht anstehen." „Ich beklage mich nicht darüber," antwortete Lucie sanft und mit bewegter Stimme,„daß ich ein sorgenvolles Leben und eine Ungewisse Aussicht auf Reichthum habe vertauschen müssen mit einem Leben voll Arbeit und einer hoffnungsleeren Zukunft.— Aber daS schmerzt mich, und da« kann ich nie vergessen, daß ich von meinem Onkel ver- kannt wurde, und daß ich für undankbar, ja für unehrlich gehalten wurde, wo ich doch all' meine Liebe und all' meine Dankbarkeit ihm allein zuwandte." „Ja, das war eine fatale Geschichte, mein Kind!" ver- setzte Amberg.„Sie wissen, ich und meine Nichte Emmy, wir haben Alles gethan, um ihrem Onkel zu beweisen, daß eS am Ende nicht so schlimm sei, wie es den Anschein hatte; aber er, in dem Ungestüm seines Zornes, wollte nichts mehr von Ihnen wissen, seitdem er die unwiderleg- lichsten Beweise Ihrer Untreue in seiner Hand zu haben glaubte." „Ich danke Ihnen dafür, daß Sie der armen, ver» lassenen Waise zu Hilfe gekommen sind. Ich will suchen, es zu vergessen; ich habe jetzt nur den einen Wunsch, daß mein Onkel einst überzeugt werden möge, wie sehr er mir Unrecht gethan hat." „Mein liebes Kind," sagte Amberg, sich neben ihr niederlassend und ihre Hand ergreifend,„Sie müssen wie- der in das Haus Ihres Onkels zurück. Ich werde nicht eher ruhen, als bis Alles wieder im alten Geleise ist. Er wird sich von Ihrer Unschuld überzeugen lassen, und es wird Alles wieder so werden, wie es war." Sie schüttelte den Kopf. „Ach nein! Ein Vertrauen, d«s man einmal verloren hat, gewinnt man nicht so leicht wieder, ein Schatten des früheren Mißtrauens würde immer zurückbleiben; ich aber würde so oft ich diesen Schatten bemerkte, den ganzen nächst nach dem Amtsgebäude geschafft. Obwohl sofott ärzt- liche Hilfe zur Stelle war, so verstarb der Unbekannte doch bereits nach wenigen Stunden. Aus vorgefundenen Papierm wurde der Todte als ein Klempner Geißler aus Warmbrunn rckognoszirt. Recherchen nach den Angehören des Verstorbmen find eingeleitet. Von der Lokomotive überfahren wurde vorgestern Nachmittag gegen IV- Uhr ein älterer, feingekleiveter Herr auf dem Stadtbahnhofe Charlottenburg. Der erwähnte Herr war mit einem Billet von Westend gekommen und hatte in Char- lottenburg umzusteigen. Bei diesem Anlasse— man weiß nicht, ob Kurzfichtigkeit, Unachtsamkeit oder was sonst im Spiele war— wurde er von der Maschine eines nach der Stadt zu sich in Bewegung setzenden Zuges erfaßt und derart überfahren, daß das linke Bein über der Wade und der linke Arm vollständig zermalmt wurden. Außerdem erlitt der Un- glückliche eine starke Verwundung am Kopf. Der Bewußtlose wurde in einem Trazekorde, durch den das Blut heftig stckerie, nach dem Kcankenhause tcanspoctirt und dürfte wohl seinen Leiden schon erlegen sein. GericKts-Rettung. Das Dhnamit-Attentat bei der Enthüllangsfeier des Niederwald-Denkmals vor dem Retchs-Gericht. Leipzig, 16. Dezember. Die Verhandlungen werden fort- gesetzt mit der Vernehmung des Zeugen Palm, eines der früheren Genossen des Angeklagten. Palm erklärt auf Be- fragen, in welcher Weise er mit Reinsdorf bekannt geworden, daß sie hauptsächlich durch das gleiche Schicksal der Auswei- sung aus Berlin zu einandecgeführt worden seien. Zunächst sei ihm Reinsdorf durch sein exzentrisches Wesen aufgefallen; er habe ihn für den tollsten Anarchisten oder für einen Polizei- spion gehalten. Oft habe Reinsdorf gesagt, man müsse nicht nur vom Dynamit sprechen, sondern es auch anwenden. Ver- räther an der anarchistischen Sache würden— so sagte Reinsdorf— von England und Amerika aus getödtet werden. Reinsdorf erhielt auch wiederholt Beträge von 1—2 Pfd. Sterling aus England. Auf eindringliches Befragen giebt Palm auch zu, daß Reinsdorf im Sommer nach Wiesbaden gefahren sei und Dynamitpatronen mitgenommen habe, um sie im Kur- faale rxplodiren zu lassen. Reinsdorf habe nach seiner Zurück- kunft geäußert, er habe das Attentat nur deswegen unterlassen, weil im Kursaale zu viel Frauen und Kinder gewesen. Reins- dorf habe die mit seinem Ueberzieher verdeckt gewesenen Pa- tronen an einen Bekannten, einen Schweizer, in Wiesbaden gegeben. Der Ueberzieher blieb bei dem Schweizer, wurde von demselben versetzt und dann von Reinsdorf wieder eingelöst. Präk.: Was wissen Sie von dem Attentat in Elberfeld? Palm: Ich war in der zweiten Versammlung vor dem S-dan- feste mit bei Holzhauer, wo dann die Rede davon war, daß die Arbeiter das Sedanfcst Angesichts vis Elends der Zeit nicht mitfeiern dürften und daß deshalb eine Gegendemonstra- tion in Szene zu setzen sei; von der Anwendung von Dynamit war aber erst später die Rede. Präs.: Was ist am 2. Dezember bei Weidenmüller ge- schehen? Palm: Reinsdorf hatte mich dahin eingeladen und dort kam die Rede auf Dynamitanwendung. Reinsdorf lud uns ein, ihn in einen Busch zu begleiten, wo wir nach Dyna- mtt suchten, aber nichts fanden. Weidenmüller hatte das Dy- namit schon vorher bei Seite gebracht. Präs.: Hat Reinsdorf gesagt, daß er das Kriegsdenkmal in Elberfeld in die Luft sprengen wolle? Palm: Ja, davon hat er gesprochen. Präs.: WaS sagen Sie dazu, und zu dem Umstände, daß Sie notorisch aus London von einem gewissen Knauer, der Seele des dortigen revolutionären und anarchistischen Klubs wiederholt Geld erhalten haben? Reinsdorf: Wenn Geld aus London an mich gekommen ist, so habe ich es nicht erhalten, sondern Palm hat es unterschlagen; ich erfahre erst jetzt etwas von solchen Sendungen. Präs.: Leugnen Sie auch das Sachen im Busch nach Dy- namit? Reinsdorf: Gewiß; alle diese Zeugen, Palm, Bach- mann und die Anderen haben fich nach meiner Verhaftung in Hamburg ja sehr leicht gegen mich bereden können. Präs.: Welche Ursache sollten dieselben denn zu einer solchen Konspiration gegen Sie haben? Reinsdorf- Bach- mann ist erst durch Palm mit mir bekannt geworden, Palm besaß auch nie Geld und hatte doch ein ganzes Haus ge- mictbet.— Präs.(zu Bachmann): Sie haben ja doch gearbeitet. Palm: Gewiß; das ganze HauS mit Garten kostete 64 Thlr. und ich vermielhete trotz meiner starken Familie noch davon ad. Allerdings habe ich im letzten Jahre viel zugesetzt. Reinsdorf: Ich möchte noch die Frage an Palm richten, ob er Geld von der Polizei erhalten hat. Palm: Ich habe keinS erhalten. Präs.: Haben Sie auch das Geld auf die Postkarte, welche an Sie adresfirt, aber für Reinsdorf bestimmt war, an Schmerz empfinden, und dieser unaufhörlichen Folter mag ich mich nicht unterziehen." „Liegt Ihnen denn nichts daran, daß Sie mit Ihrem Onkel ausgesöhnt sind?" „O, gewiß! Ich möchte das sehr gern. Es würde mich unendlich glücklich machen, w'enn ich ihn zu über- zeugen wüßte, daß ich nicht undankbar und nicht treu- lo« bin." „Nun, ich dächte, die Aussöhnung hätte auch noch andere Vortheile! Bedenken Sie, daß Sie und Ihre Brü- der seine nächsten Erben sind." „Auf das Glück, wieder einmal den Wohlstand zu er- langen, in dem ich erzogen bin, wage ich nicht zu hoffen, Herr Amberg, und habe nie ein solches Glück gehofft." „Sie sind in der That ein bewunderSwerthes Mädchen! Ob wohl Ihre Brüder auch so denken wie Sie?" Amberg that diese Frage scheinbar ganz harmlos, doch richtete sich sein Blick fest auf Lucie. Man sah, daß ihm an ihrer Antwort mehr gelegen war, als er fich den An- schein gab. „Mein Bruder Fritz." versetzte Lucie,„bleibt bei seinem Vorurtheil, daß Onkel Rodenburg nicht verdient, von seinen Bruderkindern geliebt zu werden, und ich kenne ihn— er hat einen halsstarrigen Charakter. Ich weiß, daß er bei diesem Entschluß verharren wird, und ich bin überzeugt, wenn ihm Onkel Rodenburg ein Geldgeschenk anböte, er würde e« zurückweisen, und wenn er mit allen Entbehrungen des Lebens zu kämpfen hätte." Diese Auskunft befriedigte Herrn Amberg sichtlich. „Und Ihr jüngerer Bruder," fuhr er fort,„denkt der eben so von ihm?" „Von dem habe ich leider keine Nachricht." „Er war Seemann, nicht wahr?" „Er ging mit einem englischen Schiffe nach Canad». Das Schiff ist von dort zurückgekehrt, mein Bruder aber nicht. Es heißt, daß er auf einem andern Schiffe Dienst genommen. Weshalb er keine Nachricht von sich gegeben, weiß ich nicht. Möglich ist es indessen, daß er meinen und meines Bruders Aufenthalt gar nicht kennt." (Fortsetzung folgt.) legteren abgegeben? Balm: Ich habe das Geld stets an Reinsdorf abgegeben. Vertheidiger J. R. Fenner zu Palm: Wober wußten Sie denn, daß das Geld für Reinsdorf war? Palm: Er hatte es mir vorher gesagt. Der Angeklagte Bachmann des ponirt, daß Palm bei allen Berathungen, wo von Dynamit die Rede war, zugegen gewesen sei; gerade Balm sei es ges wesen, der ihn( Bachmann) heimlich mit Reinsdorf bekannt gemacht. Justizrath Fenner zu Palm: Ich möchte fragen, ob und wie lange Beuge mit dem Bolizeikommissar Gottschald betannt ist? Palm: Auf solche beleidigende Frage antworte ich nicht. Präs. Nun ich lege Ihnen die Frage vor, ob und seit wann Sie mit dem betr. Kommiffar bekannt sind. Palm: Seit den Haussuchungen, die er bei mir gehalten hat. Auf fernere Fragen leugnet Palm, fich je früher oder später als Agent der Polizei habe gebrauchen zu lassen. Er bekundet ferner, daß Reinsdorf sich wiederholt um Anschaffung von Der AnDynamit bemüht habe. Reinsdorf leugnet dies. Der Angeflagte Holzhauer will bei den verschiedenen Zusammenkünften, benen er beigewohnt, nichts von Attentatsplänen, sondern nur von einer Gegendemonstration gegen die Sedanfeier gehört haben. Der Präfident hielt ihm vor, daß er bei seiner früheren gerichtlichen Vernehmung auch Bläne des Werfens von Dynamit patronen befundet. Holzhauer erklärt dies jezt für einen Jrr thum. Beuge Schußmann Pfeiffenschneider aus Meß hat den Angeklagten Bachmann, welcher sich geflüchtet hatte, an der luxemburgischen Grenze von belgischen Gensdarmen in Empfang genommen und demselben unterwegs zugeredet, ein Geständniß abzulegen. Bachmann gestand denn auch, er wäre durch Reinsdorf's Versprechungen verleitet worden, durch die Explosion im Willemsen'schen Lokal eine Gegendemonstration gegen das Sedanfest zu bewirken. Reinsdorf habe ihm Geld versprochen, aber feins gegeben. Reinsdorf: Haben denn die Polizeibeamten Auftrag, die Gefangenen zu inquiriren? 2 Präs.: Sie sagten vorhin aber doch, Reinsdorf habe Sie wiederholt inbetreff des Attentats instruirt.- Rupsch: Ja, das that er am 24.; er lag dabei noch im Bette. Präs. War die Höhlung in der Drainage trocken? Rupsch: Jawohl. 1 Nunsch Vertheidiger Justizrath Fenner macht darauf aufmerksam, daß es am 27. September mehrfach geregnet hatte. will ferner den Antrag auch ohne ernstliche Attentatsabficht nur aus dem Grunde angenommen haben, um billig eine Ver gnügungsreise nach dem Festplaße zu machen.- Der Vertheis diger Rechtsanwalt Thomsen hält dies Motiv für ganz unglaubwürdig. Geld. Ich glaubte, daß ich damit allein reisen nicht aber, daß Küchler noch mitreisen sollte. Holzhauer brachte mir eine Krufe voll Dynamit, worauf ich vorher noch zu Reinsdorf gehen voll Dynamit, worauf ich vorher noch zu Reinsdorf gehen mußte. Dieser sagte mir, Küchler werde mitmachen. Dadurch war allerdingß mein Plan, das Dynamit bei Seite zu schaffen. gestört. Wir sind dann zusammen nach Rüdesheim gereift. Auf dem Wege zum Denkmal fehrten wir in einer Weinwirthschaft ein. Küchler entdeckte in der Nähe des Denkmals eine massive Mauer, und schlug mir vor, wo das Dynamit dort hinzulegen, ich eB während der Rede des Kaisers zur Explosion bringen sollte. Ich ging aber nicht darauf ein. Nun entdeckte Küchler die Drainage, woselbst das Attentat vollführt werden sollte; ich ging darauf ein, hoffend, es noch im legten Moment verhin dern zu können. Die Leitungsschnur habe ich mit Laub, Gras und Erde verdeckt. Am andern Morgen, nachdem wir in Rüdesheim übernachtet hatten, gingen wir wieder den Berg hinauf, nach dem Festplaße zu. Es wurde nun zwischen uns verabredet, daß ich die Explosion bewirken sollte, wenn der Kaiser, bei dem wahrscheinlich auch der Kronprinz sein würde, sich mit dem Wagen der Explosionsstelle bis auf etwa 50 Schritte genaht. Endlich kam der Kaiser angefahren; ich brannte meinen Schwamm an. Der Kaiser, den ich grüßte, fuhr bei mir vorüber, aber ich ließ die Explofton nicht stattfinden. Küchler trat nun auf mich zu und machte mir Vorwürfe, worauf ich ihm sagte, daß ich die Leitung angezündet, daß diese aber nicht gebrannt habe. Dies sagte ich aus Angst vor Küchlers und Reinsdorfs Kache. Küchler gebot mir nun, bei der Rückfahrt des Kaisers das Attentat zu vollführen. Bei dem letzten Hoch auf den Kaiser follte ich die Vorbereitungen treffen. Als nun der Kaiser zurückfuhr, brannte ich allerdings die Zündschnur an, schnitt fie aber gleich darauf unterhalb durch und legte die beiden Enden weit auseinander, damit fein Unglück geschehen konnte. Ich traf dann an einer verab redeten Stelle Küchler, der leichenblaß vor Wuth war, daß das Attentat nicht stattgefunden. Ich beruhigte ihn und führte ihn an die Stelle, wo die Zündschnur lag, deren eines Ende abgebrannt war. Ich nahm das andere Ende unbemerkt in die Hand und vermochte ihn zu überreden, daß die Feuchtig feit an dem Nichtweiterbrennen der Schnur Schuld gehabt. Nun wollte Küchler, wir sollten mit dem Dynamit nach Wies baden, um dort im Schloffe ein Attentat auf den Kaiser außzuführen. Ich redete ihm dies wegen zu großer Gefährlichkeit aus, worauf er darauf bestand, wir sollten mit den zwei Quantitäten Dynamit, die wir hatten, zu gleicher Beit im Innern der Festhallen zu Rüdesheim eine Explosion hervorbringen. Ich wollte nicht, worauf er mich wieder zu überreden fuchte, die Festhalle von außen in die Luft zu sprengen. Da mir Küchler unter allerlei listigen Vorwänden inzwischen all' mein Geld abgelockt hatte, so daß ich ihm unbedingt folgen mußte, so gab ich meine Einwilligung und verfuchte die Kruke mit Dynamit in einiger Entfernung von der Festhalle anzuzünden, und es erfolgte auch eine Explosion, die wohl aber wegen der zu großen Entfernung des Dynamits von der Festhalle feinen Schaden thun tonnte. Ich traf nun Küchler, sagte ihm, um ihn zu be schwichtigen, daß die Explosion böse Wirkungen gethan, und reiste nun mit ihm nach Koblenz, wo wir übernachteten. In Koblenz war unser Gelo alle, worauf Küchler seine Uhr versette. Wir fuhren nun bis Köln und gingen von da bis Mül heim am Rhein zu Fuß. Hier trafen wir Holzhauer, der mich warnte, Jemandem etwas zu verrathen. Reinsdorf machte ich alsdann auch Mittheilung. Etwa eine Woche später fand ein Vortrag des Hofpredigers Stöcker in Barmen im Vereinssaale statt, dort follte ich wieder eine Kifte Dynamit zur Explosion bringen. Holzbauer aber war selbst dagegen. Im Garten bei Holzbauer entdeckte ich aber nach einigem Nachsuchen auch noch eine große Einmacheflasche ganz gefüllt mit Dynamit. Ich reifte nun ab und traf in Elberfeld Reinsdorf, der mir nach Hannover, wohin ich wollte, nachreisen und dann mit mir zu sammen reisen wollte. Seitdem habe ich weder mit Reinsdorf, noch den anderen etwas zu thun gehabt. Bräs.: Die Frage gehört nicht zur Sache. Schußmannswachtmeister Krischker hat den Bachmann gemeinschaftlich mit Pfeiffenschneider transportirt; er deponitt: Wir wollten den Bachmann durchaus zu einem Geständniß veranlassen, er war aber anfangs sehr verstockt, endlich sagte er, daß er sich durch große Geldversprechungen habe zu der verruchten That verleiten laffen; er zeigte dann auch große Reue. Auf näheres Befragen Des Präsidenten giebt Beuge zu, daß von keiner bestimmten größeren, dem Bachmann versprochenen Summe die Rede gewesen sei, sondern daß er( Beuge) fich die qu. Summe, da ste ja zu einer Reise ins Ausland langen sollte, als eine große gedacht. Reinsdorf: Also hat Zeuge doch mehr gesagt, als er gewußt. Präs.: Dazu find eben die Vernehmungen, um jedes Miß verständniß aufzuklären. Der Präsident verliest hierauf einen Brief Bachmann's an seinen Vater aus dem Gefängniß, in welchem Schreiben er tiefe Reue ausspricht und fich als unglüchlichen Verführten darstellt. Beuge Stuhlmann, Klemp ner in Elberfeld, wird darüber vernommen, ob Jemand Blechbüchsen bestimmter Art bei ihm bestellt babe. Er bekundet, daß ein Mann, der es sehr eilig hatte, im Sommer v. J. Büchsen haben wollte, deren äußere etwa 7 Boll im Quadrat haben follte und in welche 5 andere hineingingen. Diese Blechbüchsen wurden aber nicht rechtzeitig von mir abgeholt und dann von mir zu anderen Zwecken umgearbeitet. Bald darauf fragte mich der Polizeikommissar Gottschalt, ob nicht Blechbüchsen bei mir bestellt feien, fragte mich auch, ob der Besteller nicht dieselbe Berson sei, deren Photographie er bei fich habe. Thatsächlich stimmte dies auch. Präs.:( Auf Reinsdorf zeigend) zum Beugen: Ist es der selbe Mann, der damals bei denen gewesen, die Blechbüchsen bestellt, aber nicht abgeholt hat? Beuge: Ja wohl, es ist der felbe Mann. Reinsdorf: Wie kommt es, daß der Mann mich nicht beim Untersuchungsrichter, sondern erst jest erkannt hat? Beuge: Ich habe mir lange alle Nebenumstände vergewißfert und erkenne den Mann sofort an dem wilden herumschweifenden Blick wieder. Reinsdorf: Ich bin nie bei dem Manne gewesen und möchte fragen, ob die Polizei nicht auf ihn ein gewirkt. Beuge: Gott bewahre, ich täusche mich nicht über die Identität des Mannes. Beuge Otto Voß, Weber in Elberfeld, hat den Bachmann, während sich derselbe nach seiner Flucht in Belgien aufhielt, einen Brief erhalten, auf Grund deffen die Auslieferung Bachmanns ermöglicht wurde. Dieser Brief wurde bei Gelegenheit einer Haussuchung bei Voß gefunden. Auf Befragen giebt Beuge zu, daß Bachmann ihm einmal gesagt, die Sozialdemokratie fönne ihn nicht mehr sympathisch berühren, fie gehe nicht radikal genug vor. Weiteres weiß Beuge nicht zu befunden. Beuge Sammetweber Dahmer in Elberfeld weiß auch verschiedene anarchistische Aeußerungen Bachmanns zu befunden, z. B., es wäre am Besten, alle Fürsten zu beseitigen und die Fabriken mit Dynamit in die Luft zu Nr Kurze auf 2 welch Man Frau Man Der nun vom Präsidenten aufgerufene Küchler erklärt sich als unschuldig an dem geplanten und theilweise ausgeführten Attentat. Angeklagter verwahrt fich überhaupt gegen die ihm in der Anllage zutheilgewordene Charakteriftit, als ob er ein für die menschliche Gesellschaft gefährliches Subjekt sei. Daß Reinsdorf uno die Anderen Anarchisten gewesen, habe er nicht gewußt; er habe fie für Sozialisten gehalten. Einige Zusam menkünfte bilden noch keinen regen Verkehr. Reinsdorf habe ich unter dem Namen Penzenbach fennen gelernt und beher bergt und daraus fann man mir kein Verbrechen machen. Die verbotenen Schriften, die man bei mir fand, waren zu der Zeit, wo ich fie taufte, noch nicht verboten. In die Freiheit" habe er allerdings einen Artikel bringen wollen, aber nur um die Partei auf die Noth unserer armen barbenden Familien auf merksam zu machen. Meine Familie hat aber noch von Nie mand, auch nicht von der Armenbehörde Unterstützung bekom men. Küchler bleibt dabei, weder in theoretischer noch praktis scher Beziehung mit Reinsdorf übereingestimmt zu haben. Er habe deshalb anch keinerlei Direktive von ihm angenommen. Gr schien mir zulest so verdächtig, daß ich beschloß, ihn auszuforschen. Etwa 8 Tage vor dem Niederwaldfeste geftand er mir denn auch, er wolle an jenem Tage etwas ins Werk seßen und selbst hin reisen. Später sagte mir Reinsdorf, er wolle Rupsch zu dem bewußten Swede belegiren. Rupsch war auch sehr gern damit einverstanden und theilte mir dies leuchtenden Gefichts mit Weil ich nun das Attentat auf irgend eine Weise hintertreiben wollte, entschloß ich mich auch zum Mitgehen, Rupsch war sehr eifrig und sagte, die Sache muß gehen, und wenn ich, um Geld zu schaffen, meinen Koffer verseßen soll. Auch hatte er sich mit einem Revolver versehen. Als mich Rupsch abholte, that ich, als ob ich nicht mitgehen wollte, worauf er sagte, wenn ich mich fürchte, so wolle er allein gehen. Ich gab ihm auf sein Verlangen die Dynamitflasche und sann unterwegs nach, wie ich tas Attentat verhindern fönnte. Es paßte mir nun gerade das Unterbringen des Dynamits in der Drainage, denn ich tonnte ohne Vorwissen des Rupsch zu letterer gelangen und die Zündschnur aus dem Dynamit ziehen. Ueberhaupt habe ich mich gar nicht an dem Attentat betheiligt und nur die Zünd schnur gehalten. Nachdem wir am 27. September die Gelegen heit erkundet, gingen wir am 28. September wieder auf den Berg. Hier bezeichnete sich Rupsch die Stelle, wo die Zünd schnur lag. Dieselbe war aber meiner Ansicht nach durch den Hegen ganz durchweicht und wirkungslos. Rupsch sagte mir denn auch bald, die Sache sei nicht los gegangen und wollte Schwamm von mir haben. Ich hatte aber den Schwamm weg geworfen, do fand er noch ein Stüdchen und brannte damit die Zündschnur wieder an, Ich habe dann den Rupsch ve laffen; später bolte mich Rupich wieder ein und theilte mir mit daß die Zündschnur gebrannt habe; ich sah noch, daß dies det Fall bis zu der Stelle gewesen war, wo die Schnur offen lag also nag war. Rupsch hat die Schnur nicht durchschnitten, denn das einzige Meffer, welches wir besaßen, war in meine Tasche. Die feineren Auslaffungen des Küchler gehen dabi daß er nur als lebendiges Hinderniß mitgegangen und ba alle Initiative von Rupsch ausgegangen sei. Des Lettere entgegenstehende Angaben seien unwahr; auch habe derfelbe lediglich allein das Attentat an der Festhalle vorgeschlagen und ausgeführt.( Die Sigung wird um 5 Uhr bis Mittwoch vertagt.) Präs: Hat Ihnen Küchler ausdrücklich gesagt, Sie seien erkoren, den Kaiser, den Kronprinzen und viele Generale zu tödten?- Rupsch: Es ist nicht gerade gefagt worden, zu tödten", sondern das Dynamit in ihrer Nähe zu entzünden; Reinsdorf hat mir das wiederholt; im Falle ich gefaßt würde, sollte ich sagen, das Dynamit ſei mir von fremder Hand mit der Post geschickt worden. Rupsch bekundet ferner ausbrücklich, daß in der Gesellschaft wiederholt die Rede davon gewefen fei, bei Gelegenheit des Niederwaldfestes, wo die ganze Gesellschaft zusammen sei", ein Attentat vorzunehmen. Das Dynamit ftammte, wie die Aufschriften ergaben, aus der Dynamitfabrik Opladen. Als Rupich Reinsdorf das Mißglücken des Attentats wegen Feuchtigkeit der Bündschnur ge meldet, fagte jener: Bah, das fonnte rir auch paffiren!" Reinsdorf äußerte auch am 9. September, als von Attentaten die Rede wat: Wenn man so etwas machen will, muß man Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. fit 21. Mann Waffe Macht In 52 Also Lebens Wohn Licht Kleide Krant Eine S fchaffer D Arbeit tage m D pro M G Hausha Je heit, e Grund befchied 213 liegt ei fabrit " D einem Der vo bericht gemefen felbe ha Mart 31 Mart, fprechen gefchlag Don Der nommen Die vidende gleichwi t. Die von der hiesigen Tischler- Kommission and öffentliche Arbeiten unterbreitet werden wird, enthält u folgende, mit eingehendster Motivirung versehene Reformoo schläge zur anderweitigen Regelung des staatlichen Submiffione wesens: 1. Vor Ausschreibung der Submission läßt die Baubehörde von ihren technischen Beamten einen detailirten Kostenanfchla anfertigen, welcher sowohl insgesammt, als für jedes Einz stück resp. jede Einheit die dazu zu verwendenden Rohmateria forrektesten Weise angiebt. Der Kostenanschlag bleibt Am sprengen, dann würde es durch eine Arbeiterrevolution beffer unverheirathete Leute dazu nehmen, dann brauche man nicht lien, wie die zu zahlenden Arbeitslöhne in der genauesten unb werden. Bachmann stellt den Beugen als notorischen Branntweintrinker bar, von dem er sich stets zurückgezogen habe, und mit dem er nie etwas zu thun gehabt. Präfident: Es find bei Ihnen brei Nummern der Freis heit" und des Radikal", sowie eine Broschüre ,, Die Religions feuche und die Gottespeft" vorgefunden worden. Bachmann giebt zu, diefe Schriften besessen zu haben. Dr. Sintenis, Chemiter in Elberfeld, ist als Eachverständiger vorgeladen. Derselbe bekundet, daß bei der Explosion in Elberfeld thatsäch lich Blei verstreut worden sei, als ob Bleiplatten oder gehacktes Blei in der Dynamitbüchse enthalten gewesen sei. Ein Bleistück war mit großer Gewalt sogar tief in eine Wand hinein ge fabren. Die Explosion würde bei Weitem schwerer gewift haben, wenn damals die Thüren des Lokals nicht offen geftanben hätten. Beuge Major und Kommandeur Bagenstecher vom Rheinischen Pionierbataillon zu Coblenz als Sachverständiger giebt über die Entzündungsfähigkeit von Dynamit und Nitroalyzerin nähere Auskunft. Knallquecksilber sei das sicherste Mittel, Dynamit zur Explofton zu bringen.( Hierauf tritt eine Pause ein.) für ihre Frauen und Kinder zu sorgen." Präf.: Warum baben Sie die Uebernahme der Explosion nicht einfach abgelehnt?- Rupsch: Die Explofton wäre auch ohne mich erfolgt, Rüchler sagte mir ausdrücklich, er würde sie unter Umständen allein bewirken. geheimniß der Baubehörde resp. deren Vorgefesten. 2. Die sämmtlichen Arbeiten eines Hochbaues find nach Handwerken und so weiter geordnet, einzeln ur Submission zu bringen. Bei größeren Hochbauten find, went Präs. Sie standen früher mitten in der Sozialdemokratie fich dem technische Schwierigkeiten nicht entgegenstellen, bit Arbeiten eines Handwerkes in mehreren Loosen zur Submiffion " und vertheidigten fich später gegen die Anschuldigung des Diebstahls mit dem Say: Eigenthum ist Diebstahl."-Beuge schweigt. Präs. Sie waren Abonnent der Freiheit", tie alle diese Gräuelthaten predigt, Sie erboten sich sogar, wie anderweitig festgestellt isti zur Ausführung von Attentaten und Sie haben auch die Explosion an der Festeshalle zu Rüdesheim feines wegs in so weiter Entfernung bewirkt, daß schädliche Wirkun gen ausgeschloffen blieben, vielmehr war die Verwüstung in Folge der Explosion eine sehr große. Sie haben auch den Umgang mit Heinsdorf nicht aufgegeben und auch was doch nahe lag von dem Plan der Attentate feine Anzeige gemacht. Es erweckt nun den Argwohn, daß Sie nach dem Miglingen der Attentate, bei denen Sie so sehr betheiligt gewesen, nunmehr Ihre Gefährten so viel wie möglich verdäch tigen und alle Schuld auf fie abwerfen wollen.- Rupsch bleibt dabei, daß er die Altentate habe verhindern wollen. Anzeige habe er nicht gemacht, um nicht so viele Frauen und Kinder unglücklich zu machen. Der Angeklagte Rupsch wird jest aufgerufen. Derfelbe befragt, ob er fich schuldig fühle, ein Attentat gegen den deutschen Kaiser geplant zu haben, bekennt sich für nichtschuldig; er babe Das Dynamit, welches er in Rüdesheim habe zur Erplosion bringen sollen, in den Rhein werfen wollen. Angeklagter erklärt, weber Sozialift, noch Anarchist zu sein, und von deren Prin zipien bis jest nichts gewußt zu haben. Zuerst wurde er mit Holzhauer bekannt, bei dem ihm allerdings sozialistische Schrif ten in die hand gegeben wurden. Dort wurden auch öfters Laffalle's Schriften vorgelesen. Anfang September v. J. fam ich auch zu Holzhauer, da wurde dem Reinsdorf von einer Anzahl Anderer, worunter auch Rheinbach und Soebngen Geld gegeben; er nahm dann ein Ristchen mit und entfernte fich. In der Beit vom 13. September an hielt ich mich bei Holzhauer auf und wurde zu verschiedenen Aufträgen verwandt. Kurz vor dem 28. September wurde mir gefagt, ich solle nach Rüdesheim fahren und etwas machen". Reine dorf instruirte mich; ich sollte von Küchler Dynamit mitnehmen und auch eine Flasche mit Dynamit in den Fahrweg eingraben, die Zundschnur aber vou dort nach dem benachbarten Fußweg leiten. Präf.: Eagte Ihnen denn Reinsdorf, daß es fich darum handle, den deutschen Kaiser zu tödten? Anget!. Rupsch: Allerdings war ausdrücklich davon die Redet. Nach Verwicks Auf den Wunsch des Ober- Reichsanwalts v. Seckendorf muß Rupsch mit einem ibm gegebenen Federmesser er hatte gleichsfalls damals fich eines Federmessers bedienteine ihm vorgelegte Zündschnur gleicher Qualität wie die da mals gelegte zu durchschneiden suchen. Es gelingt ihm dies mit Leichtigkeit. Bräs. Wann ist Ihnen denn der tommen, das Attentat zu vereiteln? zu stellen. 3. Jeder folvente und technisch dazu qualifizitte Unterneh mer, welcher das Gewerbe selbstständig betreibt refp. Snbabe eines Betriebes resp. einer Werkstatt ist, muß zur Submiffion zugelassen werden. Einzelforderung für jedes Stück refp. für jede Einheit; bic ben 4. Die eingereichte Submissionsofferte muß entbalten die Gesammtforderung 1. für Rogmaterialien, 2. für Arbeit lohn, 3. für sonstige Aufwendungen( Werkzeuge 2c.), ferner b Idafür zu zahlenden Arbeitslohn, sowie den Marktpreis und bal Quantum des zu der Einheit zu verwendenden Robmaterial Wo Stücklohn nicht angegeben wird, ist der Minimallohn, der Unternehmer zahlt, anzugeben. bestimmte Gedanke geRupsch: Gleich auf der ben 5. An staatlichen Bauten, sowie da, wo Theile dazu g fertigt werden, darf an Sonntagen nicht gearbeitet werden ebensowenig darf die ortsübliche Arbeitszeit überschritten w ben, es sei denn, daß dies dutch elementare Ereigniffe no wendig wird. Submi Ma Arbeiter 6. Die Uebernahme der gesammten Arbeiten in General entreprise ist unzulässig. Rein Unternehmer tann andere! beiten übernehmen, als solche, welche derfelbe im eigenen triebe resp. in eigenen Werkstätten anfertigen läßt. ftonsarbeiten dürfen nicht an einen anderen Unternehmer i tragen werden. tiber benußen könnte, um fort zu machen. Dem Kaiser und Kronprinzen mollte ich nichts anhaben, und habe auch deswegen die Schnur zerschnitten. Hinreise kam mir der Gedanke, daß ich das erhaltene Reisegeld Offerte( al. 4) dem Koſtenanschlage der Baubehörde( al, 1) Pas. Bei Ihrem ersten Verhör gaben Sie an, daß Sie Ihre Hoffnung lediglich darauf gesezt hatten, die Näffe werde eine Explosion verhüten. Rupsch geräth auf eindringliches Befragen des Präfidenten über die einzelnen Umstände, welche in dieser Episode in Betracht kommen, in mehrfache Widersprüche mit seinen früheren Angaben. Reinsdorf: Ich habe bis zum 24. September nie mit garnicht, was politische Dinge find. Nachgebote find ausgefchloffen. nehmer des Bauortes zuerst berücksicht werden. Die baltende gehalten nichts be jedenfall werden 1 Au 151 es dem tat ausg ift." Ent und schi batteur 1 audreden bichte n Dal es auf f barf ich " M ber Net Ramen barauf 8 fann's ei Ich glühende entschiede fonft auf nicht Wi wahrnah einzunehr 7. Den Buschlag erhält derjenige Submittent, bef Ganzen sowie in den Einzelpofitionen am nächsten tomm 8. Nach Möglichkeit sollen die Handwerker und Unt 9. Die bauleitende Behörde prüft nicht allein auf be Bauplag, sondern auch auf den Arbeitsplägen und in d Werkstätten, wo Theile der Arbeiten gefertigt werden, die verwendenden Rohmaterialen durch fachverständige Ferner fordert die bauleitende Behörde von den betheilig Unternehmern den Nachweis ein, daß die in dem Soften Arbeiter auch gezahlt werden. Beam lichung des Attentats sollte ich Geld von den Parteigenoffen Rupsch über politische Dinge gesprochen.-Rupsch: Ich weiß schlege angegebenen Arbeitslöhne an die Gehilfen, Gefellen erhalten, um zu flüchten; unter feinen Umständen sollte ich ein Geständniß machen. Bei diesen Zusammenfünften waren Rüchler und Palm immer zufammen. Bur Reise nach Rüdesheim Bur Reise nach Rüdesheim brachte Rheinbach 3 M. 50 Pf., Soehngen 8 M., ein Anderer Präs. Worüber haben Sie sich denn mit Reinsdorf unterhalten, wenn Sie ihn besuchten, was ja auch mehrfach im Hospital geschah, wo sich Reinsdorf eines franten Fußes wegen die Freiheit", die ich Reinsdorf ftets brachte. 10. Alle staatlichen Submissionen werden in ein gebene Offerten werden nach dem Submissionstermin Bentral- Submissionsanzeiger ausgeschrieben; sämmtliche a 2 M. 50 Pf. Schließlich wurde noch mein eigener Roffer bei befand? Rupsch: Wir unterhielten uns hauptsächlich über Anzeiger veröffentlicht. Derselbe ist zum Koſtenpreis an S einem Spediteur verseßt. Alles in Allem hatte ich 30-32 M. abzugeben. Berantwortlicher Stebatteur R. Gronheim in Berlin. Drud und Berlag von Rax Bading in Berlin SW., Bethäraks 2. Hierzu eine Beila ,, No mir Thr Ju überge mir nicht Regel ab behandeli Borten, felben Mie mung ini Sie das 1 ſam, insch Sficht Ver theis un fich hrten ihm rein Das nicht fam habe Seher Die Zeit, habe m die auf Nie etom praktis 1. Er n. Er schen. uch, et hin u dem damit Beilage zum Berliner Volksblatt. Nr. 220. Arbeitslöhne in Bayern. Unter dieser Ueberschrift brachte ein Augsburger Blatt vor Kurzem einen Artikel. Darauf erhielt daselbe, wie das ,, Recht auf Arbeit" berichtet, als eraänzenden Beitrag ein Augsburger Arbeiter- Haushaltbudget. Die Familie besteht aus Mann, Frau und 3 Kindern, welche in Nachfolgendem ihr fümmerliches Dasein fristen. Frühstück. Mann 1/2 Liter Milch und für 6 Pf. Brod Frau und Kinder 13 Liter Milch und für 15 Pf. Brod. Mittagessen. Mann, Frau und Kinder/ Pfd. Fleisch und Suppe Besper. Mann 2 Liter Bier und jedes Kind ein Stück Brod Abendeffen. Waffersuppe mit Brod à 8 Pf.= 5 mal Also Lebensmittel 578 M. 76 Pf. Macht die Woche in 7 Tagen In 52 Wochen. 8 mit. Busammenstellung: Lebensmittel jährlich reiben ar febr Geld ich mit at ich, enn ich ruf fein h, wie gerade enn ic n und t habe Bünd Selegen Bünd rch den gte mir Owollte auf den am meg e damit ich vers mir mit, Dies der Ten lag chnitten, Imeiner n dabin und daß Lepteren Derfelbe eschlagen Mittwoc on an nifter filt ält u. eformoor miffion tubebörde nanfchlag 3 Fing bmateria eften und bt Amt ues find zein gut nd, wenn Submiffion Unterneh ellen, bit Snbabes Submiffion enthalten: Arbeit ferner bie beit; be und bal materials Allohn, be Wohnung oder Wintel pro Monat 8 M. Licht pro Woche 12 Pf. Kleider im Jahr • Rrantenbeiträge pro Monat 1 M. Eine Zeitung( Kurier) 9 MS 14 35 50 20 40 1.59 11 13 578 76 578 76 6.24 96 30 12 4 727 Hola fann man feines laufen, das muß die Frau be schaffen, sowie auch etwas Rebenverdienst. Einnahmen: Der Mann verdient pro Tag bet angeftrengter 12 ftündiger Arbeitszeit 1 M. 90 Pf., macht in 300 Arbeitstagen( die Feier tage werben nicht bezahlt) 570 M. Die Frau geht an das Waschen und Bugen und verdient pro Mon at durchschnittlich 5 M, also jährlich 60 M. Einnahmen: 630 M. Ausgaben: 727 Defizit: 97 W. " 1 Dieses Defizit muß noch an den einzelnen Theilen des Haushaltsbudget abgespart werden. Jest ist noch fein Ausnahmefall vorgesehen, wie Krankheit, Sterbefall 2c. Wer da nicht fittlich wie moralisch zu Grunde gehen will, dem ist gewiß kein beneidenswerthes Lcos beschieden. Wie steht es nun mit den Profiten der Unternehmer? Es liegt ein Bericht über die Generalversammlung der Maschinenfabrik Augsburg vor. Darin heißt es: Die Generalversammlung war von 15 Aftionären mit einem Aktienkapital von 227 000 fl. und 28 Stimmen vertreten. Der von der Direktion zum Vortrag gebrachte Rechenschaftsbericht für das Jahr 1883/84 weist bis jetzt noch nicht da geoefene glänzende Resultate dieses Etablissements auf. Das felbe hat gegen das Vorjahr einen Mehrgerinn von 163 000 Mart zu verzeichnen. Der diesjährige Gewinn beträgt 425 000 Mart, also einen Prozentsatz von 41% des Aktienkapitals entsprechend. Die von dem Aufsichtsrathe zur Vertheilung vorgeschlagene Dividende von ca. 14 Prozent( 250 Mart) wurde von der beschlußfähigen Generalversammlung einstimmig angenommen und der Rest der Reserve zugeschrieben." Die Augsburger Gasbeleuchtungs- Gesellschaft hat die Dividende für 1883/84 auf 90 Mark pro Attie von 250 fl., gleichwie im Vorjahre, festgesetzt. Man sieht, der Unternehmer- Gewinn florirt, und der Arbeiter? Politische Webersicht. Die afritanische Konferenz hat auch gestern wegen anbaltenden Unwohlseins des Grafen Hazfeldt keine Sigung gebalten und ist bis jetzt über den Tag der nächsten Sigung nichts bestimmt. In diplomatischen Kreisen glaubt man, daß jedenfalls vor Ablauf dieser Woche eine Sigung abgehalten werden wird, um die beiden Schifffahrtsakte zu genehmigen.. Mein Redakteur. Frei nach dem Englischen des P. Dennis. Autorifirte Uebersetzung von Victor Schwarz. " Hm gerade wie ich mir's gedacht- ich habe s dem Manuskript sofort angesehen, daß es das Riful tat ausgiebigster Etubien in Heine's" Buch der Lieder" ift." Entrüftet aufspringend, griff ich nach meinem Manuskript und schickte mich an, das Zimmer zu verlassen, als der Redakteur lächelnd fortfuhr: Bitte, audreden geehrtes Fräulein- laffen Sie mich doch erst ich bin mit meinem Ürtheil über Ihre Gee dazu dichte noch nicht zu Ende." et werden ritten we niffe not General andere genen Be Submi bmer über nt, befe ( al, 1) en tomm und Unt in auf be tben, die Dabei nahm er mir das Packet aus der Hand, legte es auf seinen Schreibtisch und sagte dann: Buerst also darf ich um Ihren Namen bitten, mein Fräulein?" " Ich heiße Winter," entgegnete ich kurz. " " Wirklich? Wie man sich doch irren kann," bemerkte der Redakteur, mich forschend anblickend; als ich den Ramen Winter" auf Ihrem Manuskript las, hätte ich barauf geschworen, derselbe sei ein Pseudonym- nun, mir lann's einerlei sein. Also, Fräulein Winter" Ich fühlte, daß mir bei den Worten des Redakteurs glühende Röthe ins Gesicht stieg der Mann hatte es entschieden darauf abgesehen, mich zu ärgern, wie wäre er fonft auf die, leider wahre Vermuthung gekommen, daß ich nicht Winter heiße? Ob mein Peiniger meine Verwirrung wahrnahm, weiß ich nicht; er bat mich, meinen Platz wieder einzunehmen und fuhr halb lächelnd fort: obligeda Sie es vorgezogen haben, and in b te Beam betheilig n Roftend Befellen in ein ntliche ab Stermin is an Seb ne Bella Noblesse mir Ihr Opus persönlich zur Begutachtung, resp. Aufnahme zu übergeben, anstatt es durch die Post zu senden, bleibt mir nichts Anderes übrig, als auch meinerseits von der Hegel abzugehen und das kleine Manuskript glimpflicher zu bebandeln, als es sonst bei uns üblich ist mit anderen Borten, ich werde Ihre Gedichte erst lesen, bevor ich diefelben Bieber Donnerstag, den 18. Dezember 1884. 1. Jahrgang. ftimmung, weil sie sich von der Verantwortlichkeit fceihalten wolle. Hierauf nahm die Kammer mehrere Kapitel des Budgets des Innern mit 284 Stimmen an, wobei sich die Rechte der Abstimmung enthielt. Wie aus Shanghai gemeldet wird, hätten sich auf Korea die japanischen Truppen in Folge der bort startgehabten Unruhen noch Chumulpo zurückgezogen. Es geht das Gerücht, daß chinesische Kreuzer nach Korea abge gangen seien. Rußland. Unter den unlängst in Petersburg verhafteten Nihilisten befindet sich auch der Nihilistenführer Lovdin, der vor einiger Zeit seine Flucht aus Sibirien bewerkstelligte, und dessen Aufenthalt zu ermitteln die Behörden bisher außer Stande gewesen waren. Am lezten Freitag wurden 50 der jüngst in der St. Petersburger Zitadelle internirten Nihilisten unter starter Eskorte nach der Festung Schlüsselburg übergeführt. Danach würde die Konferenz sib bis nach Neujahr vertagen,| um im Januar ihre Arbeiten wieder aufzunehmen. Die Durchsuchung der Kasernen nach Schriftstücken und Bapieren scheint einem Bericht der Voss. Zeitg." zufolgefast überall in gleicher Weise zur Ausführung getommen zu sein. Ob in jüngster Zeit ein spezieller Anlaß zu diesem Vorgehen sich dargeboten hat, ist ebensowenig bekannt, wie das etwaige Resultat der vorgeftrigen Ermittelungen. Es liegen Berichte vor aus Potsdam, Wittenberg, Breslau, Kaffel, Düsseldorf, Frankfurt a/ M., Stuttgart u. s. w., aber von nirgend woher wird gemeldet, daß irgend etwas Verdächtiges ges funden sei. Ueberall wurden auch die Privatwohnungen der verheiratheten Unteroffiziere und der Einjährig- Freiwilligen von dazu kommandirten Offizieren durchsucht. In In Wittenberg war den Soldaten gesagt worden, es handle fich um abhanden gekommene scharfe Patronen, in Düsseldorf hatte die Konfignirung aller Truppen in den Kasernen Anlaß zu dem wie ein Lauffeuer die Stadt durcheilenden Gerüchte gegeben, der Kaiser habe die Regierung niedergelegt. Der Bericht der Breel. 8tg." über den Vorgang in Breslau besagt:„ Die Revision erstreckte sich auf die Unteroffiziere ohne Portepée, die Feuerwerker, Hautboisten, Einjährig Freiwilligen und die gesammten Mannschaften. Die vollständig unerwartet gekommenen Haussuchungen, die sehr eingehender Natur waren und von den Kompagnie- 2c. Difizieren geleitet wurden, fanden in der Weise statt, daß bei den einzelnen Kompagnien, Batterien und Schwadronen in ihren bezw. Kasernenhöfen Vormittags ein Appell mit vorgezogenen Chargen und Einjährig- Freiwilligen abgehalten wurde. Je ein Rompagnie 2c. Dffisier nahm nun die Haussuchungen in den Wohnungen der Einjährig- Freiwilligen, der andere in benen der außerhalb der Kaserne wohnenden Chargirien vor, wobei dieselben zugegen waren. Sämmtliche Schrifistücke und Briefschaften wurden einer genauen Durchficht unterworfen. Hierauf wurden in gleicher Weise die Spinden der kasernirten Unteroffiziere und Mannschaften, die auf ihren Appellplägen auf die Rückkunft der Offiziere warten mußten, revidirt." " 11 Aus Nordschleswig schreibt Vestslesvigsk Tidende": Am Sonnabend war Fräulein Thomine Disen, Lehrerin bei bem Hofbefizer Tyssen Hansen in Randrup, auf die hiesige Hardesvoigtei sitirt und wurde ihr der Befehl ertheilt, das preußische Staatsgebiet binnen 10 Tagen zu verlaffen. Dieser Befehl war mit der Androhung verknüpft, daß, wenn die Ausgewiesene nach der gedachten Freist in hiesigen Landen anges troffen werde, fte zum ersten Male per Gensdarm über die Grenze transportit, im Wiederholungsfalle aber mit Ge fängnißftrafe bel gt werden würde. Die Ausgewiesene ist die Tochter eines Bollbeamten und in Dänischwohlde geboren. Im Jahre 1864 verzog sie mit ihrem Vater nach Dänemark, wo lepterer nun in Stobborghus an der Grenze Bollbeamter ist. Seit 1881 ist Fräulein Olsen Lehrerin an einer Privatschule, welche vor 13 oder 14 Jahren von drei Hofbefizern in Randrup errichtet wurde. Sie hat an dem Ausfluge nach Seeland Theil genommen und erhielt kurz nach ihrer Hücklehr den Befehl, den Unterricht an besagter Privatschule einzustellen. Später wurde diese Drdre auf Veranlassung des Predigers und des Schulinspektors wieder zurückgezogen. Von dem Gemeindevorsteher wurde fte neuerdings wegen ihrer Unterthanenverhält niffe vernommen, bei weicher Gelegenheit fie die Meinung äußerte, daß fie, meti 1861 in Schleswig geboren, preußische Staatsangehörige sei. Das Ende vom Liede war, wie eben erwähnt, die Ausweisung." Mainz. Durch Verfügung des Gouverneurs ist den Soldaten der hiesigen Garnison der Besuch einer Anzahl Weinund Bierwirthschaften, und zwar im Ganzen achtzehn, in welchen vorzugsweise Sozialdemokraten verkehren, auf unbestimmte Zeit verboten worden. Frankfurt a. M. Die Arbeiterpartei beabsichtigte am Sonntag, 21. Dezember, einen Kommers zu Ehren ihres Reichstagsabgeordneten, Herrn Lehrer Sabor, abzuhalten. Das Polizeipräsidium hat jedoch mit Berufung auf§ 9 des Sozialisten gefeßes die Abhaltung der Festlichkeit nicht gestattet. Frankreich. In der gestern früh stattgehabten Sigung der Deputirtenfammer ertiärie Macau im Namen der Rechten, daß er vorgestern die namentliche Abstimmung gefordert babe, um den Beweis herbeizuführen, daß die Kammer beschlußunfähig sei und die Berathung des Budgets unter mislichen Verhältnissen stattfände; die Minorität enthalte sich der Abbichte?" blick an meiner Verlegenheit und dann plötzlich ernst were dend, fragte er: Fräulein Winter weshalb schrieben Sie Ge,, Weil weil ich es gern thue," antwortete ich trogig. ,, Aha das ist Frauenlogit," lachte er; ,, Sie schelten mich aller Wahrscheinlichkeit nach grausam, wenn ich Ihnen erkläre, daß die Kunst Herzen" auf ,, Schmerzen",„ Glüd" auf, Blick" und so weiter zu reimen, heutzutage sehr im Werth gefunken ist, aber selbst auf die Gefahr hin, von Ihnen verachtet zu werden, muß ich meine Behauptung aufrecht erhalten." Ich hätte vor Scham in die Erde sinken mögen, trotdem bemühte ich mich, sehr gleichgültig auszusehen und mit möglichst fester Stimme zu sagen: Bitte, geben Sie mir mein Manuskript zurück und verzeihen Sie, daß ich Sie helästigt habe es soll nie wieder geschehen!" ,, Unter b.esen Umständen werden Sie es mir nicht verdenken, Fräulein Winter, wenn ich die Gegenwart nach denken, Fräulein Winter, wenn ich die Gegenwart nach Kräften ausnute," versette der Redakteur, seine Linke auf mein unglückliches Manuskript legend und mit der Rechten feinen braunen Vollbart streichend, gleichmüthig, und als ich ihn bestürzt und verständnißlos anblidte, fuhr er spottend fort: Sie fürchten sich wohl gar vor mir? Es ist doch nur verzeihlich, wenn ich, da Sie mir so bestimmt erklären, mich nie wieder" besuchen zu wollen, die Gelegenheit ergreife, ein wenig mit Ihnen zu plaubern. Haben Sie greife, ein wenig mit Ihnen zu plaubern. Haben Sie schon mehr geschrieben, Fräulein Winter?" " Ja" nidte ich beschämt. " Nur Pofie?" " Nein auch Prosa", mußte ich zugeben. Um so beffer", rief er lebhaft. Schicken Sie mir etliche kleine Sachen zur Durchsicht- gute Prosa tann ich stets verwenden und es soll mich freuen, wenn Ihre Manuskripte brauchbar sind." Ich verbeugte mich, innerlich fest entschlossen, meine bem Papierkorb überweise." fiieg mir heiße Gluth, die Gluth der Beschä- Manuscripte eher zu verbrennen, als diefelben dem spotten Mung ins Geficht; der Redakteur weidete sich einen Augenden Blick seiner Augen auszusehen. Freilich waren es sehr Der Pos. Zeitung" wird aus Petersburg gemeldet: Ein am 7. D. M. auf den kaiserlichen Bug geplantes Attentat ist glücklich vereitelt worden. Einer der längs der Bahnlinie aufgestellten Boften ist ermordet und nicht weit von ihm das Werkzeug gefunden worden, womit der Versuch des Losschraubens der Eisenbahnschienen gemacht worden war. Das Werizeug ist als einem seitdem verschwundenen Bahnwärter gehörig erkannt worden." Nord- Amerika. Die Einwanderung von Fremden in die Vereinigten Staaten betrug im Jahre 1883 insgesammt 603 322 Personen; davon aus Deutschland 194,786.- 1884 betrug die Einwanderung insgesamt 518 592 Personen; davon aus Deutschland 179 676. Parlamentarisches. Die Kommission zur Vorberathung der Dampferfubventionsvorlage hielt gestern wieder eine Sigung ab. Nach längerer Debatte, an welcher sich u. A. die Herren Radké, Dr. Stephan, von Böiticher und Bebel belheiligten, wurde beschloffen, die Weiterberathung bis nach den Weih nachtsferien zu vertagen. In der gestiigen Sizung der Wahlprüfungs= tommission wurde nach langen Verhandlungen beschlossen, die Wahl des Abg. Gottburgien( Flensburg) zu be an standen. In der Stadt Flensburg hatte die Polizeibehörde zweimal sozialdemokratische Bersammlungen verboten, ledig lich unter Bezug auf den§ 9 des Sozialistengesetzes. In der Beschwerdeinstanz war dies Verbot durch Bezug auf ein Flugblatt gerechtfertigt, das für den sozialdemokratischen Kandivaten erlaffen war, der Kommission aber vorlag. Die Kommiffion erachtete einstimmig das Verbot für ungerechtfectigt, falls nicht noch besondere Thatsachen für diesen fonkreten Fall dargethan roürden, die die Annahme rechtfertigten, daß der Redner in jenen Versammlungen beabsichtigt hätte, dort staatsumstürzende Thatsachen vorzutragen. Es wurde mit 7 gegen 6 Stimmen beschlossen, Beweis darüber zu erheben, ob solche fonkreten Thatsachen hier vorgelegen hätten, andernfalls aber die Wahl zu fassiren, weil sonst durch das Verbot die Wahlfreiheit ge= schädigt, und dies Verbot durch den Ausfall der Wahl, nach der abgegebenen Stimmenzahl um dem Resultat früherer dortiger Wahlen, relevant sei, indem es sonst eventuell zur Stichwahl zwischen dem deutschen und dem dänischen Kandidaten gekommen sein würde. Aus dem felben Grunde wurde die Wahl des Abgeordneten Ulrich ( Darmstadt) angefochten. Dieselbe wurde mit allen gegen eine Stimme für giltig erklärt, weil bei der großen Stimmenmehrheit des Gewählten und der stacken Wahlbetheiligung das Verbot der sozialdemokratischen Versammlungen für den Ausfall der Wahl nicht als ausschlaggebend anzusehen sei. Dagegen wurde, um event Remedur zu veranlassen, beschloffen, über die Gründe jenes Verbotes der Versammlungen Auskunft einzuziehen. Der Abg. Dr. Borsch hat beantragt, an die Stelle des§ 370 der Strafprozeßordnung die nachstehende Bestun mung zu seßen: Jst bei dem Beginn der Hauptverhandlung weder der Angeklagte, noch in den Fällen, wo solches zulässig, ein Vertreter desselben erschienen und das Ausbleiben nicht genügend entschuldigt, so ist über die Berufung zu verhandeln oder die Vorführung oder Verhaftung des Angeklagten anzuordnen. Die Rechnungs- Kommission des Reichstags fchöne blaue Augen, wie denn überhaupt das ganze Gesicht ein äußerst geiftvolles war, aber das konnte meinen Entschluß nicht ändern. Ich griff nach dem Manuskript, aber umsonst - der Redakteur erklärte mir mit kühler Gelassenheit, er werde sich nicht um den Genuß, Dichtungen in Heine'scher Manier durchsehen zu dürfen, bringen lassen und dann bat er in geschäftsmäßigem Tone um Mittheilung meiner Adresse, dieselbe auf dem Umschlag des Manuskripts no tirend. Ziemlich niedergeschlagen verließ ich das Bureau - ich hatte so große Hoffnungen auf meine Gedichte ges sett und nun mußte ich so trübe Erfahrungen machen! Während den nächsten Wochen beschäftigte ich mich in Gedanken sehr viel mit dem grausamen Redakteur. Anfänglich empfand ich nur Beschäung, wenn ich an ihn dachte, bald aber nahmen meine Gefühle eine andere Richtung. Es war Neid, der ihn meine poetischen Ergüsse so verächtlich behandeln ließ hatte ich nicht schon vor brei Jahren, als ich noch Schülerin der Selekta der höheren Töchterschule war, dafür gegolten, entschieden dichterischen Beruf zu haben? Wie unzählige Sonnette an unfern allverehrten Klassenlehrer waren meiner Feder entflossen und hatten bei allen Mitschülerinnen begeisterten Anklang ge= funden- nein, ich war nicht so thöricht, an meinem Tas lent zu zweifeln, weil jener Spötter es gewagt, meine Poesien mit dem Maß der Alltäglichkeit zu messen! Aber ich wollte ihn strafen ich wollte meinen Weg in der Welt machen, ohne mich an seinen Rath zu fehren und wenn ich dann berühmt war, sollte das von dem Unges heuer redigirte Blatt das einzige sein, welches keine Beile von mir erhielt nicht eine Sylbe und wenn sie mir mit Gold aufgewogen würde! Inzwischen freilich schien hierfür wenig Aussicht vors handen. Keine der unzähligen, in der Hauptstadt erschei nenden Zeitungen ließ sich bereit finden, meine Gedichte zu brucken ja, die meisten Blätter fandten diefelben nicht einmal zurück und doch war ich darauf angewiesen, das fleine Vermögen, dessen Zinsen nicht ausreichten, meine bescheidenen Bedürfnisse zu befriedig n, auf irgend eine Weise zu vergrößern. Freilich hätte ich irgend eine Stellung annehmen können, aber meine alte Tante, welche mich nach Jcfdlofc in ib'cr ßefüriflen Sitzung, dem Reichstage m empfehlen, die Entlastung des Reicbk kanzleis bezüglich der Reichs- Rechnungen für 1879/80 und 1880/81 ausmsprcchen und Venselben gleichzeitig um Vorlegung eineS Gesetzentwurfes betr. die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben des Reiches zu ersuchen._ MMmeutsberieKte. Deutscher Reichstag. 17. Sitzung, Mittwoch, 17. Dezember, Mittags 12 Uhr. PrSfident v. Wedell-Piesdorff eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 20 Minuten mit den üblichen geschäftlichen Mit« theilungm. Am Tische des Bundesraths: die Staatsminister von Puttkamer und v. Bötticher, der Staatssekretär v. Schelling und zahlreiche Kommiffare. DaS Haus tritt sofort in die Tagesordnung, deren erster Gegenstand ist die Berathung des Antrages der Abgg. v. Jazd« zcweki und Genoffen wegen Zulassung der polnischen Sprache bei den GerichtsvelhanVIungen rc.. Zur Emlestung der Debatte erhält das Wort der Antragsteller. Abg. v. Jazdzewski motivirt seinen Antrag in längerer Rede, indem er denselben als ein dringendes Bedürf- niß bezeichnet; die polnischen Wähler hätten ihren Abgeord- netcn es dringend ans Herz gelegt, im Sinne dieses Ankrages im Reichstage zu wirken. Allen nicht deutsch redenden Völker- schasten des Reiches müsse schon speziell gestattet sein, ihre Muttersprache bei jeder Gelegenheit des öffentlichen Verkehrs zu gebrauchen. Er habe seinen Antrag nur auf die polnische Sprache beschränkt, sei aber bereit, auch Anträge auf Zulassung anderer Sprachen in gleichem Sinne zu unterstützen. Die Gründe filr den Antrag seien theils staatsrechtlich- politischer, theils juristisch- praktischer Natur. Die Ungerechtigkeit, die man heute gegen die Polen übe, um fie unter das preußische Joch zu zwängen, rufe nicht blos Widerwillen gegen den Er- oberer, sondern auch Untreue gegen den Staat bei den polnischen Unterthanen hervor. Einer so bedrückten Nation dürfe man es nicht verargen, wenn fie immer wieder komme mit den- selben Beschweiden, um ihr Recht zu fordern- Die Polen würden deshalb immer wieder mit ihren Gründen und Beschwerden vor das HauS treten, bis man ihnen ihr Recht gewährt. Der heut bestehende Zustand verstoße gegen das Vertragsrecht und zugleich auch gegen das Naturrecht. Keine andere Macht, weder Rußland noch England verfolgen bei ihren Eroberungen gleiche Grundsätze wie Preußen, das seit der Annektion Polens be- ständig den Grundsätzen zuwider gehandelt habe, die Friedlich Wilhelm Ul. anerkannt habe. Darüber sei die staatsrechtliche Doktrin noch niemals in Zweifel gewesen, daß einem unter- worienen Volke das Recht verbleibe, sich seiner Strafe unbchin- dert bedienen zu können, die preußische Regierung ober unter- drücke die polnische Sprache und gehe systematisch mit der Ger- mamfirung Pollns vor. Die Unterdrückung der Sprache bringe der polnischen B volkerung moralisch und pekuniär großen Nach- theil. Bei der Besetzung höherer Richterstellen in der Provinz Posen werde kein Richter polnischer Nationalität zugelassen: in Folge der Germanistrungsdestcebungen herrsche in der Schule ein Verdummungslystem. Im Interesse der Regierung liege es, einem derartigen Zustande des Unterrichts bald ein Ende zu machen. In Bezug auf die geschäftliche Behandlung glaubt Redner, daß eine kommissarische Berathung nickt nothwendig sei. Er appellire an das Nechtsgefühl des Hauses, denn auch die Polen hätten zur Herstellung des Reiches das Ihrige bei- getragen. Staatssekretär Dr. von Schelling: Man habe bei der Berathung des GerichtsverfaffunasgesexeS alle hier in Betracht kommenden Gründe und Umstände wohl erwogen; die verbündeten Regierungen seien nicht geneigt, in eine Abän- derung des Grsctzcs zu willigen und werten bei einer solchen nicht mitwirken. Abg. Freiherr von Unruhe-Bomst(Reichkpartei) be- streitet die Behauptungen des Vorredners, besonders daß über- tricbene Germanistrungsversuche angestellt werden und daß eine Zurücksetzung polnischer Beamten stattfinde. Das Be- streben der narional- polnischen Partei sei daraus hin gerichtet, 'das jetzt zwischen Preußen. Oesterreich und Rußland ver- theilre Gebiet des ehemaligen Königreichs Polen wieder zu einem polnischen Reicke zu vereinigen. Dasselbe Ziel verfolge auch die polnische Presse, während Handel und Gewerbe, Kunst und Wissenschaft diesem Bestrehen feindlich gegenüber. stehen. In den Sckulen müssen jetzt allerdings die Kinder Deutsch lernen, das sei aber doch nicht als Vcrdummungssystem zu bezeichnen namentlich wenn man in Bestacht zieht, daß es noch in den fünfziger Jahren in der Provinz ganze Gemeinden gab, in denen Niemand weder polnisch noch deutsch schreiben konnte. Wenn winlich Uedelstände durch die Anwendung der deutschen Sprache bei den Gerichtsverhandlungen herbeigeführt würden, so seien diese doch nicht so groß, wie diejenigen Uebel- stände, die dadurch entstehen würden, wenn man die polnische Sprache wieder zulassen wollte. Mit dem G.rmanifirungs- dem Tode meine» Vaters zu sich genommen und mit treuer Mutterliebe und Sorge behütet hatte, gerieth außer sich, wenn ich davon sprach— sie war kränklich, durch einen lahmen Fuß an's Hau» gefesselt und konnte sich nicht in den Gedanken finden, meine Gegenwart zu entbehren. Sie war die Schwester meine» Vaters und lebte von einer klei- ncn Pension, die sie als Wittwe eines städtischen Beamten erhielt. Mein Vater war ein angesehener Kaufmann ge- wesen, aber unglrtcklrche Spekulationen hatten den Ruin seine» alten Geschäfts herbeigeführt und nach seinem Tode stellte es sich heraus, daß für seine Erben, meinen um zehn Jahre älteren Bruder, welcher Seemann war, und mich selbst, nur sehr wenig übrig blieb. Meine Mutter war früh gestorben, mein Bruder mit seinem Schiff in fremden Welttheilen und so dankte ich Gott, daß ich, das zwölf- jährige, verlassene Kind, im Hause der Tante eine Heimath fand.——— Etwa 4 Wochen nach meinem Besuche im Redaktion»- zimmer der„Post" erschien eine« Tage» zu meinem grenzen- losen Erstaunen der Redakteur in der Wohnung meiner Tante und fragte nach Fräulein Fischer, denn so hieß ich. Er stellte sich meiner Tante als Dr. Klein, Chefredakteur de«„Familien-Journals", vor und sich dann zu mrr wen- dend, sagte er mit jenem halb spöttischen Lächeln, welches ich bereit» kai nte und fürchtete:„Geehrte» Fräulein— meinem Versprechen gemäß habe ich Ihre Gedichte gelesen und bringe Ihnen dieselben hiermit zurück— sie sind wirklich vicht schlecht und erinnern häufig an Heine. Aber ich habe vergeblich auf Ihre Prosa-Sendungen gewartet— haben Sie andere Redakteure mit denselben beglückt?" „Nein— einstweilen habe ich es nur versucht, meine Gedichte zu plaziren", entgegnete ich würdevoll. „Ah— ich kann mir denken, daß das Resultat Sie befriedigt hat?" meinte er halb fragend. Welches Recht hatte er, mich in dieser Weise auszu- forschen? War er gekommen, mich zu verhöhnen? Aber ich wollte ihm-eigen, daß ich kein Kind mehr war— hatte ich doch bereus meinen achtzehnten Geburtstag gefeiert. Ich habe noch keine Entscheidung von den anderen Zei- verfahren könne es nicht so schlimm sein, wie der Antragsteller es darstellt, denn er habe niemals germanifirt und die preußi- sche Regierung habe ihn in seiner Stellung als Landrath des- wegen nicht rektifizirt. Abg. Junggreen(Däne) weiß aus den schleswiqschen Verhältnissen, wie weh es thut, wenn der Bevölkerung bei der Rechtspflege die Muttersprache verboten wird. Auch die dänisch redende Bevölkerung hat bei dem Kriege von 1870/71 ihre Schuldigkeit getban, das möge man nicht ver- gessen, wenn man hier Beschlüsse faßt.(Beifall links).' Abg. Stau dy(konservativ) erklärt sich im Namen seiner politischen Freunde gegen den Antrag und hält es für politisch böchst bedenklich, wenn man zu Gunsten eines bestimmten Landeetheiles eine Ausnahme von der Regel des§ 186 des Gerichtsoersassungsgesetzls machen wolle. Warum soll der Antrag nur auf die im Jahre 1772 am Preußen gefallenen Landeetheile beschränkt werSen; in Oberschlefien liegen die Ver- hältniffe ganz ähnlich. Will man sich aber auf Posen de- schränken, warum zieht man dann die nichtpreußischen Landes- theile mit in diesen Antrag hinein? Ob RtPoerhälinisse in der polnischen Rechtspflege stattfinden, können wir ohne spezielle Untersuchung nicht beurtbeilen; um diese vorzunehmen, beanstage ich Ueberweisung an eine Kommission. Abg. Liebknecht(Sozialdemokrat). Die polnischen Abgeordneten haben es durch ihr Verhalten selbst verschuldet, daß die Sympatbiren für fie im Hause geschwunden find; das kann uns aber nicht hindern, für ihre berechtigten Interessen einzutreten. Den Polen ist Unrecht geschehen, fie find unter- drückt ur-d ein solches Volk kann aus unsere Unterstützung und Hilfe rechnen. Abg. v. C u n y(nationallib.) ist gegen den Antrag und steht auf wesentlich anderem Standpunkte, als der Vor- redner, der Antrag stehe nicht auf nationalem Boden, ihm liegen antinationale Bestrebungen zu Grunde. West- preußen ist durch die deutsche Bevölkerung der Kultur erschlossen. Es liegt kein Grund vor, dies Land ven Polen zu überlassen. Was die Heiligkeit der Verträge betrifft, worauf man fich beruft, so find die Polen niemals ein vertragschließender Theil gewesen. Sie haben Anspruch darauf, ihre natürliche Stellung in einem Lande zu verbessern, in wel- chem schon zur Zeit des Vertragsabschlusses vas deutsche Element bedeutend im Zunehmen begriffen war. Jeder gebildete Pole spricht jetzt schon deutsch, dagegen ist es selten, daß der Deursche polnisch spricht. Von einer Gleichheit der Sprache ist also keine Rede. Wir haben ja das Beispiel an unseren Kollegen vor Augen. Redner wünscht Verweisung an eine Kommisfion von 14 Mitgliedern. Abg. Dr. Windthorst wendet fich gegen den Abg. v. Cuvy. Der Antrag enthalte nichts antinationales. Betone ich meinen nationalen Standpunkt so muß ick auch den andern Nationen diese« Recht zuerkennen. Kommisfion zur Vorberathung. ES sei eine Frage von hohem politischen Werth, um die es fick hier handele. Das die Abgeordneten Sozialdemokraten seien, könne auf die Be- Handlung der Angelegenheit keinen Einfluß ausüben; die Pri- vilegien des Hauses müssen für alle Mitglieder gleichmäßig gewahrt werden. Die Diskusston wird geschlossen. In einem Schlußwort führt Abg. v- Vollmar(Sozialdemokrat) au», daß es gerade am 3. April für die Abgeordneten von Wichtigkeit war, br> der damals stattfindenden Abstimmung über den Holzzoll zu- gegen zu sein. Die Rechtsanschauungen, welche man gegen den Antrag vorbringe, seien so künstlich aufgebaut, daß man an ihre Stichhaltigkeit garnicht glauben könne. Man könnt durchaus nicht annehmen, daß den Beamten der Dolus gefehlt habe. Die Beamten waren vom Berliner Polizeipräsidium ge- sendet und hatten gehofft, bei uns lompromittirende Papiere zu finden, auf Grunv deren wir hätten bestraft werden könne». Wenn so etwas geschieht, dann muß auch den betreffenden Be- amten der Dolus rnnewohnen. Gerade beider zweifellosen Tendc»! der Regierung, die Befugnisse de» Reichstages einzuschränke». ist hier ein strenges Wahren der Rechte des Reichstagas ge- boten. Wir sehen, wie eifersüchtig bei jedem Schein einer Be- einträchtigung die Regierung auf ihre Rechte hält. Wir sühle» uns nicht persönlich, sondern als Mitglieder des Reichstage- beleidigt durch die Verletzung seiner Immunität. Ob wir l- Stunden mehr oder weniger im G-fängniß zubringen, ist zie«' Der Antrag wird hierauf zur Vorberathung an die(R- schäftsordnungskommisston gewiesen., Es folgt die dritte Berathung des Antrages AuSfeld»w Gewährung von Diäten an die Abgeordneten.— Abg. Windtborst erklärt, daß er mit seinen politischen Freund* für den Antrag stimmen werde, ohne damit irgend erne ßo» zession gegen das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht i» machen._. Abg. Richter hat es für selbstverständlich gehalten, der Antrag auf der Grundlage des bestehenden Wahlrecht* beruhe. Absi. v. H e l l d o r f- Bedra(konservativ): Zwischen allgemeinen gleichen Wahlrecht und der Diätenlofigkeit best» eine historische Verbindung und deßhalb sei der Antrag annehmbar., Abg. Sab or(Soz.-Dem) vertheidigt unter wiederh»»* Heiterkeit des Hauses den Antrag. Der Reichskanzler sei gstst» den Antrag, darum sei auch Vre konservative Partei denselben Der Antrag wird hierauf auch in dritter Lesung nommen und dann die Sitzung auf Donnerstag 11 Uhr jr tagt. Tages- Ordnung: Präsidenten- Wahl. Krankcnkarl*' Antrag. Wahlprüfungen. Schluß 5 Uhr. D o k» l e s. Die Reorganisation de» hiesigen ArmenaritweWL welche bekanntlich zum 1. April 1885 geplant ist, scheim � jüngeren Aerzte in hohem Grade zu alarmiren; anders u'. wenigstens kaum zu erklären, daß die neuen Stellen, Vi« 900 M. eintragen und zum Theil in den entlegensten theilen liegen, so vielfach umworben weiden, sowohl von linern, wie aus der weitesten Umgebung unserer Stadt, v» Großen und Ganzen wird kein großer Personenwechsel gehen. Denn von den 56 bestehenden Armenarzlstellen»»> sich deren jetzige Beziike mit den neu zu bildcnven BW � in 49 Fällen. Es würden hiernach nur 7 Bezirke»*>5 1 besetzen sein, dazu tritt der durch Tod des Sanital«�' Lesstng erledigte Lindenstraßenbezirk, macht acht Stellen- iv endlich die sechs neuen Stellen, welche eist noch von der-?((| verordnctenversammlung bewilligt weiden müssen, so empfahl;„Redaktionsgeheimnisse müssen streng werden." � Von diesem Tage an erschien der Chefredakteur � I „Post" gar manchmal in dem bescheidenen Hau» meiner Die alte Dame hatte ihn rasch lieb gewonnen und bat».�,1 sein Besuch un» zur lieben Gewohnheit geworden. ,�>1 samer Weise indcß war nie mehr von meinen literarsLj.1 Bestrebungen die Rede— vermuthlich freute sichder ,�l tor, meiner Begeisterung für Poesie einen Dämpfer». � I setzt zu haben und ich meinerseits verspürte durchaus Lust, mich nochmals auslachen zu lassen.— Eege» Gewohnheit erschien der Doktor eines Tage» balv Tisch, während die Tante ihr gewohnte» Mittagssch i,r hielt. Es mußte wohl ein Ausdruck in seinen Äußres 1 gen, der mich befangen machte, denn ich blickte nach der Uhr, ob es noch nicht Zeit sei, die Tante zu?�l und faßte endlich de» Entschluß, die« heute etwaS 1�1 als sonst zu thun. In dem Augenblicke indeß, in ��1 ich da» Zimmer verlassen wollte, stand der Doktor �,1 mir und sagte, indem er die Hand auf meinen»#( � „Helene, warten Sie noch ein Weilchen, bevor Sie � Dame wecken, ich möchte Ihnen Etwas sagen eine Frage vorlegen, von deren Beantwortung mein„ � glück abhängt." Seine Augen müssen wohl sehr b* wesen sein, denn noch bevor er gesprochen, wußte er mir zu sagen gekommen war. Ich wehrte als er jetzt meine beiden Hände faßte, mich an stck» mir leise zuflüsterte, wag ich längst geahnt. „Waren'» doch die Zauberworte, Daß ich ihm auf weiter Erde Die all-einzige Geliebte Sei und ewig bleiben werde\" Zwei Jahre sind seit jenem glückseligen verstrichen— der Chefredakteur der„Familren-ö„ � das Ungeheuer, dessen Spott ich einst so sehr ß. jj, ist längst mein Gemahl, und so habe ich wohl g(i ihn so zu nennen, wie es die Ueberschrist wer besagt! drän % Ebb' isf «Mein welch ft 70 oo Mens Eft fe 1 °u-fi Melle Meld. i Det Mits venig wert hat folche Eden , daß Oneten hmen. Abge Denn igung wefen, indige Dem Diese noch er hier Fragen chäfts Frage . Daß ie Be ie Pri mäßig ßwort gerade r, bei oll zu gegen - man tönne gefehlt um ge Bapiere önnen. Den Be Cendenz ränten, gas ge ner Be fühlen hetages wir 12 t ziem Die Ge feld auf bg. Dr. reunden The Kon Trecht zu en, daß Irechtes en bem beftebe ag night Derbolter ei gegen gegen ange Ihr vi entaffen twefen beint bit ers ift d Die nut n Stabl Don Ber adt. S vor fid en beden e neu AU Bezisten täterat 1. Folgen er Stabl daß d gewahr Iteur be er Tante bald wat 1. Gelt erarifden der Dob er aufge aus teint gen feint Salb nad fchläf ugen lie mehrfad zu weden as frühe a welche tor nebe rm legt ie bie all in Leben berebt ich, mal bm ni zog und Rachmitt Beitung Befürdi bas Red efer Beil fich im Ganzen um vierzehn Neubelegungen handelt. Die erst genannten Bezirke, wenigstens sechs, werden jedenfalls aus der Mitte der vorhandenen Armenärzte besegt werden, desgleichen höchst wahrscheinlich die Lessing'sche Stelle. Darnach find für neue ärztliche Ronkurrenten eigentlich nur steben Stellen( eine alte und sechs neue zu begründende) offen; gleichwohl laufen, wie angedeutet, maffenhaft alltäglich neue Bewerbungen ein. Um nicht unnöthige Hoffnungen zu nähren, wollen wir daher nicht unterlassen, auf diese Thatsache hierdurch hinzuweisen. a. Auf dem hiesigen Zentral- Biehhof beabsichtigt das Kuratorium des Viehhofs eine Kälber Impfstation zur Bes schaffung guter animalischer Lymphe für die in Berlin zu impfenden Kinder zu errichten und hat einen bezüglichen Antrag an den Magistrat gerichtet. b. Von dem eingereichten Bauplan abzuweichen, ist ein gewagtes Unternehmen. In der Friedrichstraße 246 sieht man jezt einen Neubau verödet daliegen. Die zweite Balfenlage ist bereits hinaufgebracht, die verlassenen Kallfasten der Maurer stehen daneben. Die Polizei bemerkte Abweichungen von dem eingereichten Plan und inhibirte den Bau, der sonst wohl noch bis zum Schluß des Jahres glücklich unter Dach und Fach gebracht worden wäre. Jest bildet es ein passendes Bendant zu dem gegenüber belegenen, ebenfalls inhibirten Bau der städtischen Markthalle. b. Vor Weihnachten tritt auf unseren Bahnhöfen eine große Stille ein, welche in demselben Verhältniß zunimmt, wie das Leben auf den Straßen. In dem sonst so belebten Bahnbof Friedrichstraße herrscht jest fast die Ruhe einer Kirche. Am Morgen des Heiligabend jedoch schwillt der Verkehr zu fommer licher Stärke an. Alles, was hier fremd ist, eilt dann auf Befuch in die Heimat. b. Der Einschägungs- Kommissar geht wieder um, ein Beichen, daß wir für 1885/86 wieder mehr Geld brauchen. Im vorigen Jahre erst wurden Tausende ungefragt um einige Stufen erhöht. Das war aber nur das Vorspiel, jest kommt die große Aftion. Buerst wird beim Hauswirth vorgesprochen, wo schon einige Auskünfte abfallen. Dann kommt der Herr Kommiffar in die Wohnung, natürlich wenn der Mann seiner Thätigkeit nachgegangen ist und inquirirt die Hausfrau. Das bei schweifen seine Blicke prüfend umber und tariren Möbel, Gardinen und sonstiges Inventar. Sicht Alles sauber und gut erhalten aus, weil es geschont wird, so ist der Befizer schon für eine Erhöhung reif. Aus der Frau ist gewöhnlich nicht viel herauszufriegen und so empfiehlt sich der Herr Kommiñar ziemlich unwirsch und bestellt den Mann nach Feier abend zu fich. Im Kreise seiner lieben Familie, die in behag licher Fülle dafigt, empfängt der Herr Rentier den Besuch und beginnt ihn zu inquiriren. Hier soll Jemand, der schwer seine Sorgen felbst vor seiner Frau in der Brust verschließt, hier bor Damen, die in Wohlleben erzogen sind, auspaden? Der Herr Kommissar entläßt den armen Sünder ziemlich ungnädig und deutet ihm an, daß er abermals für eine Steuererhöhung reif ist. Unsere städtischen Behörden scheinen bei der Wahl der Einschätzungs- Kommission allein Gewicht auf Energie zu legen. Daß ein solcher Wann auch Takt haben muß, danach scheint man nicht zu fragen. b. Die Weihnachts- Physiognomie der Berliner Straßen it nach den Staditheilen eine ganz verschiedene. Wenn man B. die Leipziger- und die Brunnenstraße unmittelbar paffirt, so tann man fast glauben, man befinde fich nicht mehr in derfelben Stadt. In der Leipziger Straße überwiegen die Lurus Alles ist stilvoll", geschäfte, Teppiche, Möbel, Borzezan- Alles ist, ftilvoll", Auch in der Brunnenstraße als einer Haupt- Verkehrsader drängt sich Laden an Laden. Aber schon die großgeblumten Leppiche in unvermittelten Farben- Gegensägen, welche an der Front eines Hauses uns in die Augen stechen, sobald wir die Straße betreten, belebren uns, daß hierber die neuen funftge werblichen Bestrebungen noch nicht gedrungen find. Die Schaufenster der Läden zeigen auch eine weihnachtliche Bhystognomie, aber fie enthalten vorwiegend nügliche Sachen: Bett- und Leib wäsche, Herrenkleider, Damenhüte, Wirthschafts- Gegenstände 1. dgl. m. Aber man findet hier große Detail- Geschäfte, deren Inhaber wohl mit manchem Geschäftsmann in der Leipziger Straße nicht tauschen würden. zwei am Potsdamer Thor haltende Pferdebahnwagen versperr ten die Aussicht auf den Botsdamer Plaz, über welchen auf der diesseitigen Seite des Inselperrons zwei hochbeladene Heuwagen, mit der Absicht, in die Leipzigerstraße zu biegen, fuhren. In der schärfsten Gangart fuhr die Sprize, hinter dieser ein Wafferwagen, an der linten Seite der baltenden Pferdebahn magen vorbei, da tauchten, taum fünf Schritte vor ihr, zwei magen vorbei, da tauchten, taum fünf Schritte vor ihr, zwei Pferdeköpfe auf, ein verderbenbringender Zusammenstoß scheint unvermeidlich, die Zuschauer sind vor Schreck erstarrt. Doch nein, eine Barbe von Funkten entsprüht dem Pflaster, auf der Stelle parirt der Fahrer die Pferde, die sich hoch emporbäumen, im nächsten Moment werden fie jedoch, ebenso wie die Pferde des Wafferwagens, von der Wucht der nachfahrenden Wagen zu Boden geriffen. Für die nächsten Augenblicke herrschte ein wüftes Chaos, alle vier Pferde der Feuerwehr lagen am Boden, doch der Bustammenstoß war verhütet. Nur einige Augenblicke dauert die Verwirrung, dann sind unsere braven Feuerwehrmänner von der Spriße und dem Wagen abgesprungen, in fürzerer Beit, als dies niederzuschreiben dauert, ist Alles wieder in Ordnung, mit Windesschnelle geht's weiter. Alle Achtung vor unserer Feuerwehr und speziell vor jenen Fabrern, die durch ihre Geistesgegenwart die eigenen Knochen risfirend, ein scheinbar unvermeidliches Unglück verhüteten. a. Ein jugendlicher Durchgänger. Der in einem hies. Bankgeschäft in der Klosterstraße beschäftigte Lehrling Walter Bernhardy erhielt gestern Abend von seinen Prinzipalen den Auftrag, einen Gelbbrief im Betrage von 2307 M. und eine Posteinzahlung von 100 M. nach dem Bostamt am Königsaraben zur Absendung zu tragen, was er jedoch nicht zur Ausführung gebracht hat. B. ist auch während der Nacht nicht in feine Wohnung zurückgekehrt und mit dem Gelde seither verschwunden. B. ift 16 Jahre alt, mittelgroß, schlank und fräftig gebaut, er hat schwarze Haare und einen Anflug von Schnurrbart. B. ist sehr kurzfichtig und trägt eine Brille. g. Einem glücklichen Zufall hat eine in einem Hause an der Stralauerbrücke wohnende Frau die Verhinderung eines unzweifelhaft in ihrer Wohnung beabsichtigten Einbruchs zu verdanken. Die Frau, deren Ehemann vor Kurzem gestorben ist und ihre Wohnung ganz allein inne hat, erhielt vor einigen Tagen einen Brief durch die Post, in welchem fie aufgefordert wurde, am Nachmittage zwischen 2 und 3 Uhr zu einer ihrer Bekannten zu kommen. Obgleich ihr die Handschrift fremd war, so wollte doch die Empfängerin des Briefes der Aufforderung nachkommen und verließ gegen 2 Uhr ihre Wohnung. Aber kaum war die Frau auf die Straße getreten, als sie der Betannten begegnete, von welcher der Brief herrühren sollte. fannten begegnete, von welcher der Brief herrühren sollte. Dieselbe stand eben im Begriff, die Mystifizirte zu besuchen, denn eine abfichtliche Frreführung lag hier vor, weil die Betannte gar keinen Brief des gedachten Inhalts geschrieben hatte. Anscheinend ist der Schreiber des Briefes eine Perfönlichkeit, welche mit den Verhältnissen der Wittwe ziemlich genau Bescheid weiß. N. Ein Einbruchsdiebstahl ist heute früh gegen 5 Uhr in dem Hause Fehrbellinerstraße 97 und zwar in dem dort belegenen Schankgeschäft von Walter in Szene gesetzt worden. Einbrecher, nach den Spuren au urtheilen, müssen es mehrere gewesen sein, haben die vom Flur nach dem Restaurant führende Jalouste emporgehoben und waren so in das Innere rende Jalouste emporgehoben und waren so in das Innere gedrungen. Durch das Geräusch erwachte der im Hinterzimmer schlafende Befizer, bei deffen Annäherung die Einbrecher unter Mitnahme eines Schinkens und einer Satte Schmalz die Flucht ergriffen Trotz sofortiger Verfolgung war es nicht möglich, ergriffen Trop sofortiger Verfolgung war es nicht möglich, die Diebe einzuholen. g. In dem Hause Ruheplatstraße 13 find an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zwei Diebstähle ausgeführt, welche darauf schließen laffen, daß der Thäter ein und dieselbe Pers son ist. In voriger Woche vermißte ein Bewohner der ersten Etage den mit Backwaren gefüllten Frühstücksbeutel, welchen die im Laden desselben Hauses wohnende Kaufmannsfrau gegen 6 Uhr früh selbst, wie gewöhnlich, an die Korridorthüre gehängt hatte. Tags darauf, gegen 27 Uhr Morgens, wäh rend die Ladeninhaberin wieder das Frühstück nach der ersten Etage gebracht und die Ladenthür offen gelaffen batte, hatte ein ftroldbartiges Individuum den Laden betreten, dort ein Brot im Werthe von 75 Bf. genommen und war damit geflüchtet. Obgleich die Ladeninhaberin noch rechtzeitig genug zurückkehrte, um den Dieb wahrzunehmen, war eine Verfolgung doch erfolglos, da fie allein war und ihr zufällig keine andere Hilfe zur Seite stand. a. Gestohlene Werthpapiere. Bei einem größeren, am 5. d. Mts. in Stettin verübten Einbruchs- Diebstahl find Werthpapiere gestohlen worden, welche vermuthlich in Berlin verwerthet werden könnten. Es befinden fich darunter ein Sparkaffenbuch Nr. 246255 über 900 Mart, ein HypothekInstrument über 1500 W. eine Lebensversicherungspolize der Teutonia über 1500 Mt, ein Militärpaß und ein Führungsattest von der Versuchskompagnie Berlin auf den Namen 〃 g. Ein Liebestrant hieß bekanntlich in früheren Beiten ein Baubermittel, welches nach der Vorstellung der alten Nationen die Kraft hatte, die Liebe nicht nur überhaupt zu er= regen, sondern sie auch auf einen bestimmten Bunft zu lenken. Einem solchen Liebestrank, dessen Bereitung theils aus efelbaften, theils sogar aus schädlichen Substanzen des Thier- und Pflanzenreichs bestand, verdankt der Tapezierergehilfe B. in der Zustand, obgleich er bereits acht Tage lang in einem KrankenDes Liebestrantes vergangen find. Ueber diesen kaum glaublichen Fall, welcher uns als durchaus den Thatsachen entsprechend verbürgt wird, erhalten wir folgende interessante Bibel". Mittheilungen: Der Tapezierergehilfe P, eine einnehmende Erscheinung, war bei einem Tapezierer J. in einer Stadt im Mecklenburgischen in Stellung, welcher eine Tochter hatte, die er gerne verheirathen wollte. Da P. ihm als Schwiegersohn sehr erwünscht war, so stellte er Alles an, um die Liebe Des B. zu seiner Zochter zu erwecken, aber B. blieb ohne Empfindung und den fortwährenden Einflüsterungen des Alten müde, gab er seine Abficht zu erkennen, Absicht zu erkennen, bie zurückzufebrer. We nige Tage darauf erfrankte P. an heftiger Uebelfeit, Erbrechen uno Ohnmachtsanfällen und diese Indispositionen nahmen schließlich einen so ernsten Charakter an, daß E. das dortige. Krankenhaus aufsuchen mußte. Nach etwa 8 Tagen wurde er, nothdürftig wiederhergestellt, entlassen. Während der Krankheit machte der Prinzipal, ein alter, abergläubiger Mann, dem P. einen Liebestr anf eingegeben, um den Unempfindlichen zu feffeln und sein Herz seiner Tochter zuzuwenden. Er soll sich nur beruhigen, er werde schon wieder gesund werden, weil die Wirkungen eines Liebestrants nicht schädliche seien. Die Wir fungen, welche ter zt.bestrant erzeugen sollte, blieben jedoch aus, denn P. fam vor mehreren Wochen nach Berlin; dagegen t er zum Hypochonder geworden, hat bereits wiederholt hiesige Aerate fonfullirt und fte mit der Geschichte seines Leidens bes a. Einbruch. Aus dem Geschäftsteller des Kaufmanns und Lederhändlers G. in dem Hause Alexanderplatz Nr. 2 wurden in der Nacht vom 15. zum 16. d. Mts. mittelft Einbruchs 14 Stück Rindleder im Werthe von 420 M. gestohlen. Die Diebe haben eine Scheibe eines nach der Straße führenden Kellerfensters eingedrückt und durch Rütteln an den innerhalb der Fenster angebrachten Holzladen die von Innen vorges legte eiserne Stange beseitigt und sich in dieser Weise von der Straße aus Eingang in den Keller verschafft. Die Diebe find bis jezt noch nicht ermittelt. Polizei- Bericht. Am 15. d. M. Vormittags wurde der 16 Jahre alte Dito Hornemann, als er vor dem Hause EngelUfer Nr. 4a. während der Fabrt aus der Krippe des von ihm begleiteten Rollwagens sein Frühstück nehmen wollte, überfahren und erlitt dabei einen Bruch des rechten Schienbeins und Knöchelgelenks; er wurde nach Bethanien gebracht. Am 16. d. M. früh stürzte sich eine Frau in selbstmörderischer Absicht aus dem Fenster ihrer in der Elisabethstraße 1 Tr. hoch belegenen Wohnung auf den Hof hinab, erlitt dabei einige nur leichte Verlegungen an der rechten Seite und wurde mittelst Droschte nach dem städtischen Krankenhause am Frie mittelst Droschte nach dem städtischen Krankenhause am Friedrichshain gebracht. An demselben Tage Vormittags wurde brichshain gebracht. im Landwehrkanal an der Schöneberger Brücke die Leiche einer unbekannten, etwa 25 Jahre alten Frauensperson aufgefunden und nach dem Obduktionshause geschafft. Um dieselbe Beit wurde auf dem Hofe des Grundstücks Landsbergerstraße Nr. 43, in einer auf einem Planmagen stehenden Hühnerfiste liegend, ein obdachloser, etwa 25 Jahre alter unbekannter Mann be sinnungslos und gänzlich erstarrt aufgefunden. Vermuthlich hat derselbe dortselbst übernachten wollen und ist durch die gekrümmte Lage des Körpers und die Kälte in diesen Buftand verfekt worden. Derfelbe wurde nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht. Am Nachmittage deffelben Tages fiel der Landgerichts- Direktor Hammer, Wichmannstraße Nr. 5 wohnhaft, vor dem Hause Potsdamerstraße Nr. 70 plößlich zur Erde und verstarb auf der Stelle, anscheinend in Folge eines Herzschlages. | Schmidt schon um deshalb als besonders geeignet erachtet worden, als derselbe in der ersten sechswöchentlichen Verhand lung als Beifißer und Kodezernent fungirt hat. Das Dezernat ift dem Landgerichtsrath Kandelhardt und die Vertretung der Anklagebehörde dem Staatsanwalt Dr. Daude und dem Ges richtsaffeffor Offermann übertragen worden.- In der Besetzung der Strafkammern fur das Jahr 1885, die nach dem Gerichtsverfassungsgeses alljährlich neu geschehen muß, haben nur ganz geringe Veränderungen stattgefunden. Die erste, vierte und fechste Straffammer bleiben in ihrer bisherigen Busammenfegung bestehen; in die dritte Straffammer tritt der bisherige Untersuchungsrichter, Landrichter Friedrich, an Stelle des zur fünften Rammer verseßten Landgerichtsraths Dr. v. Schweinig ein, während Landrichter Atthaus, bisher Mitglied der legt genannten Kammer, an Stelle des Landrichters Friedrich zum Untersuchungsr chter bestellt worden ist. Die Veränderungen in der Strafabtheilung des Amtsgerichts I sind auch nur ge ringer Natur. Die Amtsrichter Chirong( 98.), Späing( 99.) und Germershausen( 88.) treten in die Bivilabtheilung und werden durch bisherige Zivilrichter ersetzt. Nath Sadcoschinski ( 92.) und Amtsrichter Bigalle( 97.) tauschen in dem Vorsize ihrer Abtheilungen. Petersburg, Mittwoch, 17. Dezember. Das Bezirksgericht hat in dem Prozesse wegen der Ermordung der Sarah Becker auf Grund des Verdiktes der Geschworenen den verabschiedeten Oberstlieutenant Mironowitsch wegen Ermordung der Sarah Becker zu 7 jähriger 3wangsarbeit, und den verabschiedeten Lieutenant Besat wegen Verheimlichung dieses Mordes, wegen Verschwendung, Betruges und Diebstahls zur Verbannung nach Sibirien verurtheilt, während die Ssemenowa freigesprochen wurde. Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. h. In der Mitgliederversammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der Fabritarbeiter, welche am Montag Abend im Vereinshaus Süd- Ost", Waldemaritr. 75, unter dem Vorfiße des Herrn Rennthaler bei gutem Besuch und mit Betheiligung zahlreich erschienener Gäste stattfand, hielt der Klavierarbeiter Herr Zubeil einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über die bekannten Aufgaben und Ziele der fachgewerblichen Vereinigungen zur Wahrung und Förde rung der Arbeiterintereffen. Der Redner legte dabei das Hauptgewicht auf die Einführung und strenge Beachtung einer fürs geren Normals refp. Marimalarbeitszeit, beziehungsweise eines gesetzlichen Marimalarbeitstages, die Abschaffung der Kinder arbeit, Regelung und Verminderung der Frauenarbeit, Gefängnißarbeit u. s. w. Eine größere Anzahl von Gästen trat dem Berein, der bis jetzt ca. 130 Mitglieder zählte, als Mitglieder bei. Ein Antrag auf Statutenabändernng, b.treffend den Vereinsnamen und die Ausdehnung desselben resp. der Berech tigung zur Mitgliedschaft auch auf die Bauarbeiter wurde nach kurzer Diskussion vertagt. Die Angelegenheit soll erft noch in einer baldigft einzuberufenden öffentlichen Fabrik- und Bauarbeiter Generalversammlung, wie deren 2 am verflossenen Montag anberaumt, aber ohne Angabe von Gründen verboten worden waren, erörtert und zur Beschlußfassung gestellt werden, worauf fich alsdann auch der Verein darüber schlüssig zu machen haben wird. Ebenso wurde ein Antrag vertagt, welcher die Errichtung von Bahlstellen für die Erlegung der Vereinsmitgliederbeiträge in den verschiedenen Stadttheilen bezweckt. h. Jm Verein zur Wahrung der Interessen der Berliner Tapezierer hielt am Montag Abend in Gratweil's Bierhallen Herr Dr. W. Vngerstein einen außerordentlich ansprechenden Vortrag über Venedig". Aehnliche unterhaltende und belehrende, gehaltreiche Vorträge werden von nun an regelmäßig an jedem Vereinsa end gehalten werden. Hierauf referirte der Tapezierer Herr Nicolas in sehr beifällig aufgenommener Weise über die nächsten Zwecke und Biele der vorzubereitenden Tapeziererlohnbewegung. Daran schloß sich eine animitte Disfuifion an, welche fich hauptsächlich auf die Mittel zur raschen Füllung des Generalunterstüßungsfonds bezog. Dabei wurde fonstatit, daß trop der jetzt noch besonders schwachen Erwerbsverhältnisse doch schon die freiwilligen Gaben zu jenem Fonds in befriedigender Weise zu fließen begonnen haben. Auch wurde ein Antrag des Vereinsvorsitzenden, Herrn Wildberger, durch Birkular schon demnächst die übrigen Gewerkschaftsvereinigungen von dem im nächsten Frühjahr bevorstehenden Vorgehen der Berliner Tapezierer mit LohnerhöhungsForderungen zu benachrichtigen, resp. an deren eventuelle Hilfsbereitwilligkeit zu appelliren, von der Versammlung gebilligt. In einer der nächsten Vereinsversammlungen wird Herr Nicolas über Lohn- und Stückarbeit im Tapezierergewerbe" referiren. Mitgetheilt wurde, daß der Verein am Montag, den 29. b. Mte., bei Gratweil eine mit Kränzchen verbundene Weihnachtsfeier arrangirt, wozu Billets Seidelstraße 16 und in den Versammlungen zu haben sind. 11 h. In der öffentlichen General- Versammlung der Metallarbeiter( Klempner, Güriler, Drücker, Schnittarbeiter 2c.), welche, von 390-400 Theilnehmern besucht, am Dienstag Abend im Konzerthaus Sanssouci" unter dem Vorsitze des Herrn Nojahn mehrstündige sehr animirte Verhandlungen über die Stellungnahme zu dem am 25., 26. und 27. d. Mts. in Gera stattfindenden Kongreß der deutschen Metallarbeiter pflog, plaidirte Herr Medailleur Krohm in einem sehr beifällig aufgenommenen Referate für die Beschickung desselben auch feitens ciner öffentlichen Generalversammlung der Berliner Metallarbeiter durch einen oder mehrere Delegirte, sowie für die Schaffung einer gemäßigt zentralisirten Gewerkschafts Organi sation der deutschen Metallarbeiter. In der ungewöhnlich lebhaften Diskussion, an welcher sich verschiedene Redner betheiligten, widerrieth Herr Liefländer, als Mitglied des Fachvereins der Metallschrauben- und Façondreber, vom Standpunkte der praktischen Erfahrung aus und unter Hinweis auf die bes fannten beengenden Bestimmungen unseres Vereinsgefezes den Versuch einer zentralistischen Organisation der gewerkschaftlichen Vereine, welche eventuell stets als politische behandelt und be trachtet worden seien und auch ferner betrachtet und behandelt werden würden. Die eventuelle Auflösung einzelner Vereine sei unzweifelhaft mit geringeren Nachtheilen verknüpft, als die Auflösung aller gleichzeitig resp. auf einmal durch Auflösung des Zentralverbandes. So sehr er( Redner) theoretisch urd prinzipiell mit der Zentralisation einverstanden sei, ebenso sehr müffe er sich praktisch zur Beit noch dagegen erklären. Mehrere andere Redner, wie z. B. besonders Herr Schwennhagen und der Referent Herr Krohm, machten jedoch dagegen geltend, daß die Arbeiter nicht zu ängstlich jeder vermeintlichen oder wirklich drohenden Gefahr aus dem Wege geben dürften, wenn sie es zu Erfolgen bringen wollten. Das hatten fte bis jetzt auch noch nie außer Acht gelaffen und der Erfolg sei nicht ausgeblieben. Schließlich wählte die Versammlung 2 Delegirte zum Kongreß und zwar Herrn Medailleur Krohm und Herrn Groß, die je 7 M, 50 Pf. Diäten pro Tag nebst freier Heise bewilligt erhielten. Ueber die gleichfalls auf der Tagesordnung stehenden zwei Strife- UnterstüßungsAngelegenheiten betreffend strilende Kollegen aus der Rud. Sachs'schen Maschinenfabrik in Leipzig und der Rud. Fischerschen Metallwaerenfabrik in Nürnberg wird in einer wahr scheinlich noch zwischen Weihnachten und Neujahr stattfindenden großen Berliner Metallarbeiter- Generalversammlung Beschluß gefaßt werden. Eine weitere Unterstügungsangelegenheit, die Ersagwahl zweier ausgeschiedener Kommissionsmitglieder und Verschiedenes wurden in weit vorgeschrittener Nachtstunde vertagt. tannt gemacht. a. Eine zwanzigjährige Hochstaplerin, die unverebel. Glebeth General, ift zugleich mit ihrer Mutter wegen zahlreicher Betrügereien gestern zur Haft gebracht worden. Die Ermittelungen nicht mit Recht, ihr ursprünglicher und wohl allein berechtigter Name war, Müller." Die Hochftaplerin, welche mit ihrer Mutter, einer Wittwe, zusammengewohnt, hat zahlreichen Personen vorgespiegelt, daß fte von einem reichen Anverwandten eine große Erbschaft im Betrage von mindestens 70 000 Thlr. zu erwarten habe, und daß diese Erbschaft nach menschlichem Erwarten recht bald in ihren Befit gelangen werde. Durch diese vage Vorspiegelung hat sie zahlreiche Geschäftsinhaber und Brivatpersonen bewogen ihr namhafte Dar lehne( in einzelnen Fällen über 1000 R.) zu gewähren und Waaren zu kreditiren. Bisher find über 40 Fälle festgestellt, Die für das Geschäftsjahr 1885 beim hiesigen LandBetrügereien geglückt sind. Es scheinen beide schon seit mehrere gericht I errichtete fiebente( Dilfs-) Straflammer, mit deren Jahren die beschriebenen Betrügereien verübt und von dem Vorsiz der Landgerichtsdirektor Schmidt betraut ist, hat vorGlöse derselben auf großartigem Fuße gelebt zu haben. Vornehmlich den Zweck, Monstre prozesse zu verhandeln, damit die aussichtlich werden sich in Folge dieser Veröffentlichung noch weitere von der Tochter und ihrer Mutter Geschädigte in melden. Eine aufregende Szene spielte sich gestern Morgen lurz ab. Die Feuerwehr" kam die Leipzigerstraße herunter gerast, Gerichts- Zeitung. ordentlichen sechs Strafkammern ihre regelmäßigen Geschäfte ohne Etörung erledigen können. Die übrigen Mitglieder der Hilfskammer, welchen zunächst die schwierige Aufgabe geworden ist, den großen Sentralstraßen- Prozeß zu verhandeln, werden aus den regulären Straffammern entnommen. Bur Leitung dieser äußerst diffizilen Sache ist der Landgerichts- Direktor h. Die Generalversammlung des Unterstügungsvereins der Buchbinder und verw. Berufsgenossen am Montag Abend im Restaurant Feuerstein, Alte Jakobstraße 75, welche sehr zahlreich besucht war, erledigte unter dem Vorsize des Herrn Jost einen Antrag des Vorstandes auf Statutenände rung resp. auf Vereinfachung der Vereinsverwaltung dahin, daß nach dem von der Versammlung gefaßten Beschluß an Stelle der früher dem Vorstande koordinirten Kommission der Vorstandskörper vergrößert d. h. die Bahl seiner Mitglieder erhöht werde. Die hierauf vollzogenen statutarischen Neuwahlen des Gesammtvorstandes fielen auf die Herren Joft zum ersten und Linke zum zweiten Vorsitzenden; Rohmann zum Schriftführer; Freudenreich zum Kaffirer; Mehnert, Brand, Neumann, Höhne, Anders, Plöß, Kerkow, Becker, Floeter, Biaefch, Kugler, Schuler und Jahn zu Beifizern; Freymann und Jobae zu Revisoren. n. Eine vom Vorsitzenden der Schneider Lohn- Kommission nach Sommer's Ealon in der Potsdamerfiraße einberufene große außeroider tliche Echneiderverfammlung", in welcher der Gürtlermeister Mer Kreuß einen Vortrag balten sollte, und die, Lohn- und Weitstättenverhältnisse in der Pots Damer Vorstadt" besprochen werden sollten, wurde polizeilich verboten. Der Verein der Einsetzer( Tischler) hält Sonntag, ben 21. Dezember, Vormittags 10 Uhr, im Vereinslokale, Holzmarktstraße 8 seine regelmäßige Mitglieder- Versammlung ab. 2.- D.: Regelung des Stiftungsfestes, betreffs des VergnügungsKomitees. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gleichzeitig werden biejenigen Mitglieder, welche ihren statutenmäßigen Verpflich tungen noch nicht nachgekommen find, auf§ 4 des Vereins Statuts aufmerksam gemacht. Die Versammlung des Bezirksvereins des werkthätigen Bolles der Schönhauser Vorstadt, welche am 16. Dezember Abents 8 Uhr stattfinden sollte, wurde polizeilich verboten. Die Versammlung des Arbeiter Bezirks- Vereins vom 15. und 20. Kommunal: Wahlbezirk, die zu Mittwoch Abend noch Renz' Salon, Naurynstr. 27 einberufen war, wurde auf Grund des§ 9 des Sozialistengefeßes polizeilich verboten. Die zum Dienstag Abend einberufene Versammlung des Arbeiter Bezirks- Vereins, Giüdauf", in welcher Herr Schwennhagen einen Vortrag halten sollte, ist auf Grund des Sozialistengesetes verboten worden. Vermischtes. trächtlich. Wenn die Löschung des Grubenbrandes richt gelingt, so wird der Schaden hunderttausende von Gulden betragen. Der Schacht Kübed" ist isolirt, jede weitere Gefahr ist beseitigt. Sämmtliche 47 Leichen find jetzt zu Tage gefördert, so daß über die Größe des Unglücks leider kein Zweifel mehr besteht. Der eine öffentliche Meinung". Dies ist ein anderer Frithum. Di hiesigen gebildeten Klaffen haben im Gegentheil eine sehr aus geprägte Meinung in allen Dingen, die mit der auswärtige Volitik des Landes im Zusammenhange stehen; und ih Meinung, die in Regierungskeisen in Peking großes Gemid hat, ist durchaus gegen jedwede Gebietsabtretung. Die fran zösischen politischen und finanziellen Schwierigkeiten find i China ganz gut bekannt und nach ihrem wahren Werth gewürdigt. Die Ernennung des Marquis Tseng, ba einem unter höflichen Aeußeren Starte Ab neigung gegen Frankieich verbirgt, ist ein äußerst un günstiges Symptom für die Ausftchten auf einen baldige Frieden. Weder er, noch die aufgeklärteren Mandarinen hoffe zu sehen, daß die chinesischen Truppen die französischen Truppe in einer regelrechten Schlacht befiegen werden, aber fte find vollständig überzeugt, daß die Franzosen finanziell und pol tisch nicht in der Lage find, hunderte von Millionen au opfem oder aus Frankreich 50-60 000 Mann für eine Expedition gegen Peking zu entsenden, welches durch ein ausgezeichnete System von Befestigungswerten( ich spreche als Augenzeuge und eine mächtige Artillerie vertheidigt wird. Und doch würd dies der einzige Weg sein, die Schwierigkeiten zu lösen, went nicht Ferry, was mir fast unmöglich scheint, fich zu Bugeſtänd Eine mysteriöse Affaire. Neben den diversen Mord affaire und ähnlichen Tagesereignissen beschäftigt seit furzem die Geschichte eines ausgefeßten und auf dem Pariser Pflaster aufgefundenen mysteriösen Kindes, so eine Kaspar- Hauser- Affaire en miniature, die Blätter der franzöfifchen Hauptstadt. Sachverhalt ist der folgende: Ein Fräulein G. hatte im Bois de Boulogne in nächster Nähe des Jardin d'acclimatisation einen fleinen Knaben gefunden und ihn bei sich aufgenommen. Das Kind hat nunmehr einige Andeutungen gemacht, welche eventuell zur Entdeckung seiner Familie führen können. Nach seiner Aussage heißt er Fernand, er fennt außerdem die Namen Leron, Klotilde und Boulogne. Sein Vater, erzählt er weiter, besaß Pferde und Wagen; seine Mutter trug seidene Kleider und bewohnte ein Haus mit einem großen Garten. Vater und Muiter fonnten Klavier spielen. Aber eines Tages, fährt der aime Kleine fort, hatte sein Vater ein großes Loch im Kopf, keine Nase mehr und mit einem schweren Fall sei er zu Boden gestürzt und habe die Augen geschlossen. Seine Mutter sei bei desniffen bequemen sollte, die mit seinen früheren Prätenfiones Vaters Tode zugegen gewesen; fie hat dem Knaben auch die schmutzigen Kleider angezogen, in welchem er später gefunden wurde und hatte zu ihm gesagt:„ Nun scheere Dich fort!" Wenn der Kleine soweit in seiner Erzählung gekommen ist, fängt er immer zu weinen an; er hat Furcht, daß man ihn von neuem verstößt. Auf den Spaziergängen im Bois de Boulogne prägt fic auf seinem Gesicht deutlich Angst aus. Das Pfeifen ter Seinedampfer macht großen Eindrud auf ihn; er erzählt, feine Mutter habe ihn auf ein solches Schiff gebracht, und ihn darauf verlassen. Unter schreckhaften Be wegungen ruft er oft nächtlicherweile: Papa, Papa!- Die Polizeipräfekiur von Paris bittet, alle Mittheilungen, die zur Feststellung der Identität des Kindes führen können, an ihre Adresse gelangen zu laffen. Temesvar. Ueber das Gruber unglück bei Eteierdorf bes richtet das Budapester Tagebl." folgendes: Am 12. d. Mis. brach in dem Kübeckschachte der der ungarischen Staatsbahn gehörigen Aninaner Kohlenbergwerke ein Brand aus, der noch am selben Tage Nachmittags zu der Katastrophe führte. Mit ben Rettungsarbeiten wurde alsbald begonnen, aber da die Gruben, in welchen die schlagenden Wetter wütheten, in bellen Flammen standen, war es unmöglich, tasch Hilfe zu bieten. Erst am nächsten Tage, Freitag Mittags, war der Brand so met bewältigt, daß man die Rettung der unglücklichen Bergarbeiter thatsächlich in Angriff nehmen konnte. Es wurden zahlreiche zerschmetterte und verkohlte Leichname an das Tageslicht gefördert; aber es gelang auch, zahlreiche Männer aus ben abgesperrten und noch nicht in Brand gerathenen Stollen zu befreien. Bis Mittags wurde konstatirt, taß fünfund vierzig Grubenarbeiter fehlen, von denen man bisher vierzehn Todte gefunden urd agnoezit hat. Das Grubenunglüd ist, obgleich dasselbe schon Donnerstag, Nachmittags um 3 Uhr, zu einer Katastrophe geführt hat, bis zur Stunde nicht amtlich fonstatit worden, doch kann man mit aller Positivität bes haupten, daß schlagende Wetter die Katastrophe herbeiführten. Dbwohl die Rettungar beiten ununterbrochen und mit uners müdlichem Fleiße betrieben werden, ist wenig Hoffnung vor handen, daß die einunddreißig Arbeiter, welche noch vermißt werden, am Leben find. Freitag, Vormittag, fanden die erften Leichenbegängnisse der Verunglückten statt. Von den vierzehn Todten hinterlassen zen Frau und Kinder; auch die übrigen waren verheirathet, doch finderlos. Die Direktion der Defter reichisch Ungarischen Staatseisenbahn- Gesellschaft hat den Hinterbliebenen der Verunglückten reiche Unterfiügung zugesagt. Der Echaden, welchen die Etaatseijenbahn erleidet, ist sehr be Theater. Königliches Opernhaus: Rönigliches Ganspielhaus: Donnerstag: Der Freischüß. Donnerstag: Christoph Morlow. Deutsches Theater: Donnerstag: Romeo und Julia. Bellealliance- Theater: Donnerstag: Das Stadtgespenst. Reues Briebrich- Wilhelmstädtisches Theater: Donnerstag: Gasparone. Central Theater: Alte Jakobftraße 30. Direktor: Ad. Ernst. Donnerstag: Bum 54. M.: Der Walzer- König. Donnerstag: Kean. Refidenz- Theater: Direktion Anton Anno. Walhalla- Operetten- Theater: Donnerstag: Gillette. Bonisenstädtisches Theater: Direktion Jos. Firmanns. Donnerstag: Lebrecht u. Comp. Ditend- Theater: Heute und folgende Tage: Im Lande der Freiheit. Großes Sensations- Ausstellungs- Schauspiel in 9 Bildern von H. v. Gordon. Mufit von Th. Franke. Bittoria- Theater: Donnerstag: Excelfior. Wallner Theater: Donnerstag: Der Salontyroler. Alhambra- Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Mädchen von heute. Posse mit Gesang in 3 Alten von Dr. Bernhardi. Vor der Vorstellung: Großes Konzert, ausgeführt von der Hauskapelle. Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 7% Uhr. Das am Dienstag Abend 8 Uhr erfolgte Ableben unferes lieben Vaters und Großvaters des pens. Lokomotivführers Jacob Bernstein theilen wir hierdurch tiefbetrübt mit. Die Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Freitag, Nachm. 2½ Uhr, von der Leichenhalle des jüdischen Friedhofes, Schönhauser Allee, aus statt. 1596 Aus dem Reiche der Mitte. Bei den gegenwärtigen tüben Aussichten auf eine baldige gütliche Beilegung der französisch chinesischen Streitfrage durfie eine Charakterschilderung der Chinesen der Neuzeit, wie sie der ,, St. James' Gazette" von einem gut unterrichteten Berichterstatter zugeht, der längere Zeit in amtlicher Eigenschaft bei dem Arenal in Fuifchou beschäftigt war, nicht uninteressant sein. Der Korrespondent schreibt: Während der 8 Jahre, welche ich als Profeffor in der zu dem Arsenal in Futidou gebörigen Militärschule zubrachte, hatte ich jede Gelegenheit, den chinesischen Charakter gründlich zu studiren. Die darüber im Auslande herrschenden Anfichten find allgemein ganz irrige. So glaubt man unter Anderem, daß die Chinesen auf die Barbaren des Westens" mit gründlicher, gründlicher, auf Untenntniß bas fitter Geringsdätung blicken. Das ist ein vollständiger Frithum. Sie verachten nur unsere politischen Eysteme und " 1 unfere demokratischen Einrichtungen. In Allem, was die Wissenschaft betrifft, und insbesondere die auf die Kriegskunst anwendbare Wissenschaft, erkennen sie nicht nur willig unfere Ueberlegenheit an, sondern sie machen auch die größten Anstrengungen, uns zu erreichen. Was Arbeit und Ausdauer betrifft, so stehen sie einfach ohne Gleichen da. Ich habe zu verfchiedenen Zeiten zwischen 500-600 chine fische Schüler gehabt. Unter dieser Anzahl machten sich felbfiver ständlich verschiedene Grade geistiger Begabung bemeit bar, aber ich habe niemals einen Schüler gehabt, der nicht die eifrigste Lernbegierde bekundete und fich nicht der Arbeit mit der außerordentlichsten Hingabe widmete. Ich fann mit Sicher heit sagen, daß ich drei Dußend Schüler zurücklief, die sich ganz so viel theoretische Kenntnisse von der Artillerie angeeignet hatten, wie ich sie selber besaß; und bei dem Erz- und Kohlen reichthum des Landes ist mit Gewißheit anzunehmen, daß die Chinesen sehr bald, soweit dies Kanonen und Schußwaffen aller Art betrifft, von Europa absolut unabhängig sein werden. Tie Krupp'schen und andere Geschüße, welche sie geper.wärtig vom Auslande beziehen, werden hauptsächlich als Modelle ge braucht. Es wird oft gesagt: Es giebt in China feine Donnerstag, den 18. b. M. Versammlung. 1593 der Mappen- Arbeiter, Alte Jakobstr. 75. Tages- Ordnung: Wie verhalten fich die Mappen- Arbeiter einer beabsichtigten Lohnreduktion gegenüber. Die Lohntommission. Central- Kranken- u. Begräbnißkasse 1594 der Buchbinder u. s. w. Deutschlands. Den neu eingetretenen Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonntag, den 21., Vormittags von 9-12 Uhr, die Ausgabe der Bücher im Kaffenlokale stattfindet. Der Borstand. Mein seit 1877 bestehendes, als reell bekanntes Uhrengeschäft verbunden mit Reparaturwerkstatt befindet fich 157 Invalidenstraße 157 zwischen Brunnen- und Ackerstraße, und empfehle dasselbe allen Lesern dieses Blattes. 1350 Max Busse. Uhrmacher. Preussisches Leihhaus Beuthstraße 14 beleiht Werthe aller Art in coulanter und discreter Weise. Geöffnet 9-7 Uhr, Sonntags 10-12 Uhr. Piano's 1525 ganz in Eisenrahm, im runden und vollen Flügelton. in peinlichem Kontrast stehen würden. Kurz gefagt, die Lag ist niemals verwickelter gewesen als in diesem Augenblick. De die Zerstörung des Arsenals China nicht eingeschüchtert hat, f wird alles Andere, was an der Küste geschehen tann, feine beffere Wirkung haben. Wenn nicht die anderen Mächte fid entschließen, in Varis oder Peking, oder in beiden Hauptstädte einen unwiderstehlichen Druck auszuüben, dann dürfe der Krieg den Feny einen Krieg zu nennen ablehnt, fich Jahre lang hinschleppen. 1348 E. Niedsch, Dranienftr. 184. I. Brust 35, Keule 40 Pr. 1540 Kalbfleisch, balbertir. 80 i. Steller. Daß auch Urlaubsgesuche ihre Schicksale haben, e fieht man aus folgendem hübschen Histörchen, welches ein Mürchener ultramontanes Blatt erzählt: Ein Herr Pfarre aus der Diözese Eichstädt hatte Anfangs dieses Jahres um einen achttägigen Urlaub beim Ordinariai nachgesucht und nach dem er denselben nicht rasch genug erhalten, persönlich feine Bitte vorgetragen und dieselbe gewährt erhalten. Ende diese Sabres erhielt nun ter Herr Pfarrer laut Notifikation wiede einen achttägigen Urlaub gewährt, ohne nachgesucht zu haben Auf desfallfige Vorstellung wurde herausgebracht, daß te Kariolpofiführer das im Frühjahre ihm zur Poftaufgabe über gebene Schreiben in seinen Mantel fieckie, worin dasselbe fo lange blieb, bis es falt und der Wantel wieder gebraucht wurde. Als der Postillon das Schreiben wieder vorfand, hat er es der Post übergeben, worauf das Weitere verfügt wurde -Nicht das am wenigsten hübsche bei der Geschichte i übrigens, daß das Blatt, welches dieselbe erzählt, ihr die Spi marte: Ein vergeffener Postillon" giebt. Wo und von mem wohl der arme Postillon vergessen worden sein mag? Bo feiner vorgefepten Behörde schwerlich, nachdem er sich bei obiger Veranlaffung so polizeiwidrig vergeßlich gezeigt hatte. Preßtohlen, Marke E. L. 6,50, Jlse 7,00, Marie 7,50 á 1000 St. Desgl. 0,75, 100 lief. fret ins Haus A. Schent, Mustauerstr. 28. für 0,65, 0,70, Mk. Mk. 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An demselben Tage Abends aber hörte man an der Thür des Hauses winseln, und als dieselbe geöffnet wurde, stand vor derselben der ausgeheilte Hund mit einem anderen Hunde, dem das eine Bein gebrochen war. Det Thierarzt hat auch diesen zweiten Hund in Kur genommen und mag jebenfalls neugierig tarauf sein, wie viel Patienten ihm sein vierbeiniger Agent noch zuführen wird. Neuer Kaffeetrichter. Schufterjungen beim Kaffee Erster Junge:" Du, was ist denn des for Kaffee, wie fchmedt denn der?" Zweiter Junge:„ Na, sehre dinne is er, den wird de Meestern woll wieder durch die Sparbüchse haben loofen laffen, Stehbierhalle und Restaurant von MAX KREUTZ gegen in unse in eine P in grö Bolfsb recht a G Saale Publit räthfel tauchen feltfam A bie bef 1244 Propa ba un find. Admiralstr. 40. Cottbuserplatz ( Alte Linde.) Reichhaltiger Frühstückstisch, Gutes Bairisch Bier à Glas 10 Pig. Eine frdl. Schlafstelle Pücklerstr. 13. I. bei Ronkobl. 1590 Ein Paletot u. Anzug billig zu verf. Lehrteste. 14 i. 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