222. Sonnabend, 20. Dezember 1884. I. Jabrg. i »MerVMW Krgan für die Interessen der Arbeiter. 4 Das„»eruner«ousotan- rscheiut täglich Morgen» außer«ach So««»«ad Festtage». Abo«»eme«tSprei» für perli« frei in'» Hau» vierteljährlich 4 Mark, moaatlich 1,85 Mark, wöchentlich 35 Pf. Kostabonnement 4 Mark. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eisgetrage« i» der PostzeitungSpreiSliste für 1885 unter Nr. 746.) JttfertUuSgebShr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größere« Aufträge« hoher Rabatt nach Uebereinkunst. Inserate werde» bis 4 Ohir Nachmittags i» der Expeditio«, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie vo« alle» Z»»o*c*»» Bureaux, ohne Erhöhung des Preise», angenomme«. WsSaKtton unö AXpeöMon Wertin SW., Iimmsrstraße 44. AdiMmelltsEmladMg. Mtt dem 1. Januar l. IS- eröffnen wir ein neues Abonne- "Berliner Volksblatt" der wöchentlichen Gratis-Beilage !�Jllustrirtes Sonntagsblatt". Wir blicken nunmehr auf ein Bestehen von dreiviertel ircn zurück, und der Anklang, den unser Blatt überall ge- den Hot, beweist, daß wir uns mit den Anfichten unserer er vollständig in Uebereinstimmung befinden. Wir werden vom 1. Januar t I». ab vor allen Dingen scre Aufmerksamkeit den parlamentarischen Vorgängen dmen; wir werden die Berichte aus den gesetzgebenden stperschasten so ausführlich bringen, daß wir mit den größten »Uner Zeitungen erfolgreich zu konkurriren im Stande find. Der Abonnementspreis beträgt für Berlin wie bisher Mark pro Quartal, 1,35 pro Monat, 35 Pf. pro Woche. Bestellungen nehmen sämmtliche Spediteure, sowie die Spedition dieser Zeitung an. Für Außerhalb nehmen alle oslanstalten Abonnements für das nächste Quartal zum Preise M 4 Mark entgegen. Die neu hinzutretenden Abonnenten erhalten den bisher Ichienenen Theil des feffelnden Romans „Gesucht und gefunden" Ken Vorzeigung resp. Einsendung der AbonnementS-Quittung unserer Expedition Zimmerstraße 44, |R einem Seperatabzuge gratis und franko nachgeliefert. Probcnummern stehen den Freunden unserer Zeitung selbst lI größerer Anzahl stets zur Verfügung. Wir bitten hiervon °?cht ausgiebigen Gebrauch zu machen, damit das„Berliner Nksblatt" in immer weiteren Kreisen Eingang finde. Der deutsche Neichötag £ m die Ferien gegangen, bevor er den geringsten Theil � Etats erledigt hat. Auch die DampfersubventionSvor- % liegt noch tief in de» KommisstonSwinkeln, aus denen |le erst in der zweiten Hälfte deS Januars herausgenommen Werden wird. 4. In den Ferien selbst wird eS in Vereine«, KafinoS M auch in den Famlien vermuthlich zu lebhaften Zusamm- �stoßen kommen, da so viele ungelöste Fragen i�ch der Erledigung harren. . Die DampfersubventionSvorlageist auch wieder in ein ungewifsercs Fahrwasser gerathcn, seitdem sich verboten.� Aeuitteton. Gesucht und gefuuöeu. Roman von Dr. Dux. (Forsetzung.) l. �Hier machte sie die Bekanntschaft— wie? weiß ich JLcht— von einigen jungen Offizieren— auch Felix Dodenburg, wenn ich nicht irre, lernte sie kennen— nament- M aber ward sie von einem jungen Wüstling, einem Herrn M Bredow, ebenfalls Offizier— denken Sie sich diese «'.chtfertigkcit, liebe Lucie!— verleitet, statt die Reise nach �Udenhain fortzusetzen, hier noch längere Zeit zu ver- ffkuen. Man sagt sogar, sie habe mit diesen Offizieren 'aen Ausflug nach der Sächsischen Schweiz gemacht... L...Die junge Dame ist nicht zurückgekehrt. Niemand re'B> was aus ihr geworden ist. Merkwürdig, daß seit Msf Zeit auch Rodenburg verschwunden ist. Man meinte �la« glich, xr habe die junge Dame entführt, allein man l!?1'hn später aus einer Reise nach der Residenz gesehen f we die Begleitung einer Dame. Vi/emujic Ilivui» y ......Fest steht aber, daß seit jener Reise Felix Rodenburg verschwunden war. Man erfuhr später, daß er nach a* gegangen und dort unter dem Namen O'Brran»n englische Freiwilligen-Regiment getreten sei.. ...Die erste gewisse Nachricht über ihn ist erst die ferne» ' gewesen." i..Meine Eltern," nahm Fräulein von Steinberg das »hegten anfänglich auch den Verdacht, daß meine jÄ�ster von Herrn Rodenburg entführt sei; allein die sMorschungen, welche sie anstellten, überzeugten sie, daß nicht der Fall sei." tri....Haben Sie denn keine Nachricht von Ihrer Schwester "alten?" fragte Lucie... w"Reine andere, als daß sie in Hamburg mit einem England fahrenden Schiffe, in Begleitung eines jungen �"nes, abgereist sei." der Hamburger Vertteter Wörmann nicht mehr völlig eins weiß mit den Regierungs vertreten». Erklärte doch in der Kommission ein konservatives Mitglied, daß er unter diesen Umständen den Abg. Dietz für einen besseren Vertteter Ham- burgS hielte, als den Abg. Wörmann. Vor allen aber werden die Ab st reichungen im Etat de» Auswärtigen Amtes die Gemüther auch noch in den Ferien beschäftigen, da dieselben gegen den ausdrücklichen Willen des Reichskanzlers und ttotz der ein- gehendsten Begründungen seitens desselben verweigert wor- den sind. Dies fassen viele Abgeordnete und auch weiters Kreise für eine persönliche Beleidigung des mächtigen Kanzlers auf. Aber all' diese Sache» sind nach den Ferien wieder gut zu mache»! Dann erst kommen die d r i t t e n L e f u n g e n, die entscheidend sind. Bis dahin kann Mancher anderen Sinnes geworden oder gemacht worden sein! Herr Wörmann hat in der Subventionsfrage schon einmal seine Meinung gewechselt, er wird es zur höheren Ehre Bismarcks nochmals thun und sich wieder mit seinem FraktionSgenossen Herr» H. H. Meier aus Bremen einigen, mit dem er wegen der speziellen Linien, welchen Zuschüsse gewährt werden sollen, in der Kommission hart aneinander gestoßen ist. Für die Dampfersubvention wird auf alle Fälle eine Majorität nach den Ferien herauskomme». Ob aber auch für die bisher abgelehnten Etatforderungen? Wahrscheinlich auch! Eine zielbewußte Opposition hätte den Hebel sicherlich nicht an dem Posten einer Direktorstelle im Auswärtigen Amte angelegt, sie hätte anders Positionen angreifen können. Und sollte gerade der Reichskanzler wegen seiner Haltung in der Eisenbahnfahrkarten- und Diätenfrage das Angriffsobjekt sein, nun, dann hätte man gleich aufs Ganze geizen und das Gehalt des Reichskanzlers selbst streichen sollen. Aber dazu fehlte den deutsch-freisinnigen Herren der Muth. Doch fern sei es von uns, die Majorität deS Reichs- tags in der vorliegenden Frage ins Unrecht setzen zu wollen. Der Reichstag hat nun einmal auch das Aus- gabebeivilligungsrecht, von dem er durchweg leider einen viel zu großen Gebrauch gemacht hat— er hat eben früher fast alle Forderungen bewilligt. Wenn er jetzt etwas kriti- scher geworden ist, wen» er selbst die Neigungen des Kanz- lerS nicht immer schont, so ist ihm deshalb durchaus kein Vorwurf zu machen, den» er ist in seinem verfassungS- mäßigen Rechte. Ganz anders aber liegt die Sache, ob er auf seinem Votum in dieser Frage beharren wird; ob er auch noch „Weiß man nicht, wer dieser junge Mann war?" „Das wissen wir nicht! Doch ist uns die Persönlich- keit genau genug beschrieben, so daß mein Vater nicht zweifelt, eS sei Herr von Wredow gewesen, der sie entführt habe." „Und seitdem haben Sie keine Nachrichten?" „O ja, doch I Meine Schwester Ludmilla hat einmal an meine Eltern geschrieben, hat sie um Verzeihung gebeten und versichert, daß sie glücklich sei, hat aber den Namen des Mannes, mit dem sie entflohen, und ihren Aufenthalt verschwiegen." „Mein Himmel!" jammerte Cordelia,„wohin doch der Leichtsinn ein junges Mädchen führt!— Mir ist der Fall eine Lehre gewesen. Wenn eine junge Dame, welche meinem Pensionat angehört, durch die Residenz reist, werde ich nie zugeben, daß sie sich schutzlos hier aufhalte." „Ich sehe ein, daß Sie Recht haben!" erklärte Frau- lein von Steinberg.„Ihre Fürsorge ist jedenfalls gerecht- fertigt; doch dürfen Sie überzeugt sein, daß mir dergleichen nicht begegnet wäre. Auch für mich ist daS, was meiner Schwester begegnete, eine Warnung gewesen. Der Charakter meiner Schwester ist auch ein ganz anderer als der meinige. Sie war viel selbstständizer und zu Extravaganzen viel mehr geneigt, als ich es bin." „O, se en Sie nicht so sicher!" ermahnte Cordelia. „Gerade diese Sicherheit wird oft dem Menschen am meisten verderblich. Denken Sie daran, wie viel Leute nach Berlin kommen und hinlänglich gewarnt sind vor allen Nachstellungen, die ihnen hier drohen, und doch, ehe sie sich's versehen, sind sie auf diese oder jene Weise den Nachstellungen in die Hände gefallen, welche hier an allen Ecken und Enden lauern." Fräulein Cordelia mußte ihre Ermahnungen hier un- terbrechen, denn die Zeit zur Abfahrt drängte. Man hatte den Vormittagszug gewählt, um in Potsdam in dem so romantisch belegenen und so schön eingerichteten Nestau- rant am Fuße des Brauhausberges zu Mittag zu speisen. In etwas mehr als einer halben Stunde brachte sie der Eisenbahnzug an Ort und Stelle. nach de« Ferien die 24 000 Mark für eine neue Di» reftorstelle im auswärtigen Amte ablehnen wird? Die Beantwortung dieser Frage liegt lediglich bei de» Deutsch-Freisinni�en; daS Zentrum mit feinen sogenannte« Anhängseln wird jedenfalls noch in der dritte» Lesung mit nein stimmen, dasselbe werden wohl die Sozial- demokraten und die VolkSparteiler thun. DaS wären bei vollbesetztem Hause 172 Mitglieder. Die Deutsch-Fceisinni» gen zähle» 61 Stimme», so daß mit ihnen immer eine Majorität von 32 Stimmen vorhanden wäre. Nu» aber hat sich in der vorliegenden Frage bei der zweiten Lesung schon ein Mitglied dieser Partei und zwar der bekannte Herr Dr. Horwitz von der Fraktion getrennt und trügt nicht Alle», so wird bei der drittm Lesung— ob auch auf Kommando?— ein so großer Theil der deutsch-freisinnigen Fraktion„umfallen", daß sich eine Ma- jorität für die vielbestrittene und heißumworbeene Position wahrscheinlich ergeben wird. Dazu werden auch die Ferien beittage». Mancher tapfere ReichStägler wird dem Ansturm seiner Gemahlin nicht Stand halten, wen» sie ihn beschwört, sich doch den mächtigen Bismarck nicht allzusehr zum Feinde zu machen, oder wenn dieses politischen Zwistes halber in dem Hei- mathSorte ei« gesellschaftlicher Streit auszubrechen droht, der dahin am Ende noch ausartet, daß der bismarckfeind- liche Herr Reichsbote nebst Familie nicht mehr al»„kasino- fähig" erachtet wird. Dabei schwindet denn aller deutsch-freisinniger, oppost- tioneller Heldenmuth zusammen und rasch entschlossen er- klärt der Herr Abgeordnete seiner zürnenden Gemahlin: „Ich will'S nicht w i e d e r t h u n!" Die„Kasino- fähigkeit" sst wieder hergestellt, und die deutsch-freisinnigen Töchterchen können wieder getrost mit den konservative» Offizieren und Referendarien wetter tanzen.— Auch ist da» Streberthum noch lange nicht aus den deutsch-freisinnigen Reihen verbannt; Beförderungen und Uebergehungen spielen bei derartigen Fragen auch eine Rolle— und gerade solche Umstände pflegen in den Ferien in Freunden- und Verwandtenkreisen lebhaft besprochen zu werden. So kommt es oft genug vor, daß bei de» dritte» Lesungen im Reichstage Resultats herauskommen, von denen man sich bei den zweiten Lesungen»och nichts geträumt hat.____ Nordamerika. Gegenwärtig find die wirthschastlichen Zustände in den Vereinigten Staaten von Nordamerika nickt vie günstiitsten. doch überwindet dieS hochgeftinete Land die Krisen viel leichter, Emundoreißigstes Kapitel. Der Anblick der herrlichen Parthien in Potsdam, dieser wundervollen Landschaften, welche sich, wohin sich auch das Auge wendet, den Blicken darbieten, machen daS Herz höher schlagen, stimmen selbst ein gedrückte« Gemüth zu einer frohen Laune, und machen den auch noch so um- düsterten Blick frei und die Brust leicht. In dieser Stim- mung saß die kleine Gesellschaft in dem Restaurant am Brauhausberge zu Tische. Man hatte eine allerliebste kleine, etwas entlegene Laube gewählt, in welcher man von der übrigen zahlreichen Gesellschaft der Restauration, die ja in Potsdam nie fehlt, abgeschlossen war. Für Lucie war dieser Tag eine wahre Herzenser» quickung; auch das junge Fräulein von Steinberg überließ sich in der unschuldsvollen Frische ihres Gemüths so ganz den herrlichen Eindrücken, den bis dahin unbekannten Ge- Nüssen der herrlichen Natur. So kam es denn, daß trotz Cordelia's Ermahnungen Fräulein Helene von Steinberg lauter lachte, als es wohl in dem Pensionat des Fräulein Rodenburg sonst üblich und in steifen Gesellschaften der lmts-voleg erlaubt war. Auch Lucie und Brand mochten sich animirter unter- halten, als Cordelia eS in einem so viel besuchten Nestau- rant für passend hielt, und die Letztere war daher in be- ständiger Sorge, daß der rechte Takt nicht verletzt werde; sie warf mitunter scheue Blicke zum Eingange der Laube hinaus, um sich zu überzeugen, daß Niemand darauf achte, wenn hier durch zu fröhliches Lachen, dort durch ein zu lautes Gespräch oder eine zu lebhafte Geste gegen den steifen Ton des Salons verstoßen sei, wodurch sie gewisser- maßen ihre eigene gesellschaftliche Bildung und die Würde ihre Instituts kompromittirt wähnte. Indessen es schien Niemand von der kleinen Gesellsckaft ,n der Laube Notiz zu nehmen, und jedes Mal begnügte sie als das alte Europa, gegen das Amerika im Allgemeinen immer im Vortheil ist. Heber die wlrthschaftlichen Zustände Amerika? im Allge- meinsn berichtet recht eingehend und treffend Richard Ober- länder in seinem lescnswerthen Buche:„Von Ozean zu Ozean." So hgißt es dort: Der Gesammtwerth des Viehbestandes in der Union ward am 1. Juni 1880 auf 1,500,464,609 Doll. abgeschätzt und umfaßt 10,357,488 Pferde, 1,812,808 Maul- thiere und Maulesel, 993,841 Zugochsen, 134,443,120 Milchkühe, 22,488,550 Stück anderes Rindvieh, 43 Millionen Schafe und 42,081,700 Schweine. Schweine wurden 1881/82 geschlachtet 14,825,822. Heber die Getreidekultur liest man unter Anderem: Fahrt man 36 oder 48 Stunden und noch länger und steht nichts als blühende Farmen, nichts als Wohlstand, wohlgenährte kräf« tige Leute, blühende Kinder, so fragt man stch, ob es auch wahr fei, daß die Menschen in vergleichsweise kurzer Zeit alles Das geschaffen, daß es möglich gewesen ist, alle diese Häuser, Brücken, Städte, Bahnen zu bauen und mit allen möglichen Bequemlichkeiten auszurüsten. Wo bleiben dagegen die Lei- stungen der alten Länder? Die Frage, weswegen stch die Landwirthschaft in Amerika viel beffer lohnt als beispielsweise in Deutschland, trotzdem die Ar- beitslöhne dorr viel höher stehen als hier und die Beköstigung der Arbeiter eine viel bessere als in Deutschland ist, läßt stch kurz dahin beantworten. In Deutschland hat der Landwirth es durchweg mit einem Boden zu thun, dem die Kraft, gute Ernten hervorzubringen, hauptsächlich durch Düngung gegeben werden muß, und der stch noch dazu zum Theil, seiner Lage und Zusammensetzung nach, gar nicht für den Ackerbau eignet, vielmebr nur in Kultur genommen wurde, weil im Berhältniß zu der steigenden Bevölkerung kein anderer zu haben war. In Amerika hat es der Landwirth dagegen durch- weg mit jungfräulichem Boden zu thun, der keine künstliche Hilfe bedarf, und jeder deutsche Landwirth wird bestätigen, daß die Düngung es ist, welche unfern Ackersleuten die meisten Kosten verursacht und bei schlechteren Bodenverhältniffen we- nigstens— eigentlich gar nicht im Berhältniß zu dem Werthe der Erträge steht. Ein anderer Grund liegt darin, daß die Viehzucht in Amerika viel höheren Gewinn bringt als in Deutschland. Der deutsche Landwirth kann ja sein Vieh fast nur im Stall oder auf kostbaren Weiden aufziehen; das Stück Vieh, was er auf- gezogen, hat ihm deswegen gewöhnlich soviel gekostet, daß er selbst kaum weiß, ob er Nutzen oder Schaden bei seiner Zucht erzielt hat. Der Landwirth in Amerika kann dagegen sein Vieh fast ohne Kosten aufbringen. Das Gras hat er fürs Mähen und die Weide kostet ihm weiter nichts, als daß er ab und zu nachsteht, ob die Thicre noch alle vor- Händen und gesund find. Trotzdem, daß die Menschenkraft, die der amerikanische Landwirth gebraucht, ihm viel mehr kostet als dem deutschen Laudwirthe, so kostet ihm deswegen doch die Gesammtbkstellung seines Ackers weniger als diesem; denn er spart die viele Arbeit, die in Deutschland auf das Düngwesen verwandt werden muß und ersetzt die meiste Handarbeit durch Maschinen- und Zugvieharbdt— welche letztere ihm wieder viel dilliger zu stehen kommt, als es unter den deutschen Ver- Hältnissen der Fall ist. Der amerikanische Landwirth Hai gegen den deutschen ge- halten, nur unbedeutende Steuern k. zu tragen. Da er ge- wöhnlick wirklicher Eigenthümer seines Anwesens ist, so hat er weder Pacht noch Zinsen zu tragen. Dann besttzt jeder ame- rikanische Farmer so viel Land, daß er den größten Theil seiner Erzeugnisse auf den Markt bringen kann. An einer anderen Stelle heißt es: Leider macht die Wald- Verwüstung gegenwärtig reißende Fortschritte. Der Staat New-Nork, welcher in den 60er Jahren große Mengen Fichten- holz ausführte, ist jetzt genöthigt, Holz einzuführen. Im nörd- lichen Illinois find zwer Drittel des alten Holzbestandes binnen weniger als zwei Jahrzehnten zerstört worden, und allein in den 3 Staaten Minnesota, Wisconsin und Michigan werden jährlich fast 3 Millionen Meter Fichtenholz geschlagen oder zerstört. Da der Gesammtbesiand derselben nach ziemlich ge- nauer Schätzung 20 Millionen Meter beträgt, so liegt es auf der Hand, daß hie Behauptung, es dürfte innerhalb 10 Jahren im Ostrn eine Holznoth eintreten, durchaus nicht der Begrün- dung entbehrt. Der Werth des BodenS wächst nicht überall im Lande und nicht in jedem Jahre gleichmäßig; aber er ist in neunzig Jahren im großen Ganzen um 6 pCt. im Jahre gewachsen, und daraus stnd die meisten großen Vermögen entstanden. Die Zukunft der Lohnarbeiter in den Vereinigten Staaten steht trübe aus und dürste stch bald von den Zuständen der alten Welt nicht ruehr unterscheiden. Als Geschäftszweige, bei denen für Lohnarbeiter das Emporsteigen unmöglich geworden ist, weil fie ganz in den Großbetrieb übergegangen find, führt Verfasser an: die Fischerei, die Goldgräberei, die Handwebcrei und Spinnerei, die Kleingärtnerei mit Blumen, Gemüsen und Wurzeln, die Schuh-, Kleider- und Hutmacherei auf Bestellung (nur Mckschusterei besteht noch), die Haustischlerei und Hau? ai. endet. Der letzte Gang war eben aufgetragen, und man erhob die Gläser, um anzustoßen„auf ein künftiges, glück- liches Zusammensein in Wildenhain," wobei Fräulein Cor- delia eine enthusiastische Schilderung der Annehmlichkeiten des Städtchens und ihres HauseS machte. Da plötzlich erstarrte ihr das Wort auf den Lippen. Sie wurde ernst, und blickte fast finster; und wie es unter ähnlichen Anzeichen fast immer zu geschehen pflegte, gab ein nervöses Schütteln des Kopfes ihre innere Aufregung zu erkennen und dokumentirte sich äußerlich durch eine ener- zische Bewegung der langen Locken. Ihr Blick war zornig auf einen Gegenstand außerhalb der Laube gerichtet.— Heberrascht folgten die Anderen diesem Blicke, um zu sehen, was die Hrsache ihrer Aufregung sei, und da gewahrten sie, daß diese Hrsache ein Mann sei, welcher unweit der Laube wie angewurzelt stand und mit halbgeöffneten Lippen seinen Blick gerade auf die Gesellschaft gerichtet hatte. Ja, Helene von Steinberg fühlte, daß dieser unver- wandte Blick ihr gelte, und ihr eben noch lachendes Auge senkte sich verlegen. Der Mann, welcher sich dieser Zudringlichkeit schuldig machte, hatte schon in seiner äußeren Erscheinung etwas ganz Besonderes, etwas Auffallendes.. Er war ein junger Mann, anscheinend noch rn den zwanziger Jahren, hoch und schlank gewachsen; die Züge seines'Gesicht» waren regelmäßig und von einer gewiffen edlen Schönheit, allein sie entbehrten so jeden Ausdrucks und hatten eine solche Starre, daß er in diesem Augen- blicke eher einer Wachsfigur denn einem Menschen glich. Das schmale, lange Antlitz, die schmale, etwa» vorstehende Nase, das lange, ovale, ein wenig hervorstehende Kinn, und der lange, nach unten herabgezogene, blonde Backen- bart, das dichte, blonde, kurz geschorene Haar— das Alles zusammen kennzeichnete den Sohn Albions. Konnte man noch im Zweifel sein, daß man es mit einem englischen Touristen zu thun habe, so wurde man davon vollends überzeugt durch die eigenthümliche aber ele- gante Reistbekleidung des jungen Mannes und die Jockey- -ütze von sch.-al jem Sammet; am meisten aber durch die welche eben so steif, eben so kerzengrade, eben so maurerei auf eigene Rechnung und die Nagelschmiederei, Schraubenmackerei, Schlosserei, kurz die meisten Gewerbe in Metallen.— Nahe daran, völlig in den kapitalistischen Groß- betrieb überzugehen, find die Hhrmacherei und alle mechanischen Kunstgewerbe, die Pianomacherei und Möbeltischlerei, die Erz- gießerei Ziegel- und Porzellanmacherei, Freskomalerei und Tapevererei, das Gas- und Wasseranlagengeschäft(Plumperei), Branntweinbrennern, die Bierbrauerei, der Weinbau und die der Tabaksbau und die Tabak- und Zigarrenfabrikation, die Butter- und Käsebereitung, ja die ganze Milchwirthschast, die Fruchteinmacherei, der Austernfang und— der Getreidebau sowie die Viehzucht für die Ausfuhr. Heberhaupt bemächtigt sich der kapitalistische Großbetrieb erstaunlich rasck aller Gewerbe und verdrängt die selbststän- digen kleinen Geschäftsleute daraus, so daß man, nachdem man binnen fünfundzwanzig Jahren einen so gewaltigen Wechsel erlebt hat, gar nicht absehen kann, wo der Klein- betrieb binnen weiteren fünfundzwanzig Jahren noch eine Zu- flucht suchen soll._ !oMtKcke Nebersickt. Zur Abkommandirungsfrage meldet die„Rheinisch- westfälische Zeitung":„Im Anschluß an unseren Ärtikel über die Abkommandirung„deutsch-freisinniger" Ab- geordneten bei der Abstimmung über das Sozialistengesetz find wir heute in der Lage, ergänzend mitzutheilen, daß die er- wähnten Briefe nichl vom Abgeordneten Rickert allein, sondern auch von dem dem jetzigen Reichstage nicht mehr angehörenden Herrn Otto Hermes, dem Direktor des Berliner Aquariums, an verschiedene Mitglieder der Fraktion gerichtet worden find. Wir haben heute selbst einen derartigen Brief in Händen gehabt. Damit ist denn die Sache selbst und die p o l i t i s ch e H e u ch e l e i der deutsch-fteistanigen Parteileitung vollkommen erwiesen.— Also auch Herr Rickert hat abkommandiren helfen! Die Sache wird immer widerwärtiger!— Reichstags-Auflösung? Seit einiger Zeit— so schreibt die„Rat. Ztg."— zi-kuliren wieder Gerüchte über eine bevor- stehende Auflösung des Reichstags. Wir können dem gegen- über mit Zuverlässigkeit behaupten, daß eine Auflösung zur Zeit nicht in Frage steht. In der gestrigen Sitzung des Bundesraths wurde der Gesetzentwurf wegen des Beitrags des Reiches zu den Kosten des Anschlusses Bremens an das deutsche Zollgebiet zur Aus- schußderathung verwiesen und das Poftsparkaffengesetz in zweiler Berathung angenommen. Zum Reichs-KrankenversicherungSgesetz wird der„Frkf. Ztg." aus Baden geschrieben:„Daß der Vollzug des Reichs- gesetzes, betreffend die Krankenversicherung der Ar- b e i t e r in einzelnen Gemeinden auf Schwierigkeiten stößt, ist nicht zu verwundem. Einige Vorstände von Lttskcankenkassen, ,. B. die Ortskaffenvorstände der Stadt Baden, vermochten sich ihrer Aufgabe mit Leichtigkeit zu entledigen, indem man bei der verschwindend kleinen Anzahl der noch keiner freien Hilfskasse angehörenden Arbeiter von der Gründung einer Ortskrankenkasse Abstand nahm. Ein interessantes und viel- leicht einzig in seiner Art dastehendes Geg-nstück liefert die Ortskassenvorstandschaft der Stadt Osfenburg. Daselbst stnd fünf Fadrikkassen und fünf Zahlstellen freier Hilfskassen, so daß das der Ortskaffe zufallende Arbeiterkontingent den Herren Kassenvorständen die Rentabilität des Instituts fraglich erscheinen läßt. Wie hilft sich der kluge Lffenburger Orts- kassenvolstand? Er erklärt sämmtlicke Arbeiter, welche den süns vertretenen freien Hilfskassen, nämlich: 1. der Zentral-Kranken- und Sterbekasse der Tischler(Eing. Hilfs- lasse Nr. 3 in Hamburg); 2) der Zentral-Kranken- und Be- gräbnißkaffe der Buchdrucker in Stuttgart' 3) ver desgl. der Schuhmacher(Eing. Hilfskasse Nr. 9 in Berlin); 4) der desgl. des Senefelder Bundes in Frankfurt a. M; 5) der desgl. der Schuhmacher(Eing. Hilfskasse Nr. 32 in Hamburg) angehören für gezwungen, der O r t s- Irankenkasse beizutreten. Warum er dieses Radi- kalmittel nicht auch auf die den Fabrikkaffen unterstellten Ar- beiter anwendet, ist uns uneifindlich. Der löbliche Ortskassen- vorstand zu Offenburg vermißt nämlich den Nachweis �seitens der fraglichen Kassenmitgiieder, daß die spezielle Hilfskaffe noch besteht und in der Lage ist, die dem Statut entsprechenden Unterstützungen dauernd zu gewähren. Außerdem wird bean- standet, daß in vier dieser freien Hilfskassen nur solche Arbeiter Aufnahme finden können, welche durch ärztliches Zeugniß ihre Gesundheit nachweisen und in einem Alter von 16—45 Jahren stehen. Heber diese Gesetzesinterpretation des Offenburger Ortskassenvorstandes muß man sich billig wundem. Die Vor- stände der Zahlstellen der fünf fraglichen Kassen reichten frühzeitig ihr Mitgiiederverzeichniß, sowie ein Eremplar ihres Kassenstatuts ein, welches dem Gesetze über Eingeschriebene Hilsskassen vom 7. April 1876 resp. 1. Juni 1884 entspricht und von der Ausstchtsdehörde deS Bezirkes, in welchem der Sitz der Kasse ist, die Rev�fionsvcrmerkang trägt, wonach diese Kasse dem§ 75 drs Reichsgesttzes für die Krankenverstcherung unbeweglich hinter ihm stand. Dieser zweite Mann war offenbar der Diener des Anderen. Er trug einen Rock von dunkelgrünem Tuch, der ihm fast bis auf die Knöchel herab- reichte und die Stiefel mit gelben Stulpen ganz bedeckte. Auf dem Kopse latte er einen Hut mit einer Kokarde welche aus Thierfell und Vogelfedern zusammengesetzt schien, über dem Arm eine kleine Tasche, einen Plaid und einen Mantel.— Ohne sich durch die Heberraschung und den Eindruck des Hnwill-ns, der sich auf Cordelia's Gesicht malte, und dem auch'Brand durch ein finsteres Stirnrunzeln Ausdruck gab, im Geringsten beirren zu lassen, ließ der Engländer ganz ruhig seinen Blick auf der Gesellschaft haften. Keine Muskel seines Gesichts, kein Augenblinzen verrieth. daß Leben in ihm sei; er hielt ein geöffnetes Buch in der Hand, in rorhem Einband, offenbar ein Reise- Handbuch, in welchem er gelesen hatte. Seine Lektüre war aber unterbrochen durch dasjenige, was seine Aufmerksam- keit dort in_der Laube fesselte. Nach mehreren'Minuten wandte er sich langsam nach seinem Diener um. Ein Blick genügte, um diesem den Wunsch seines Herrn kund zu thun und nun kam in diesen Stein Leben. Gravitätisch holte er den nächsten Stuhl herbei, stellte ihn so, daß er seinem Herrn die Aussicht auf das Innere der Laube gestattete, und— der Engländer nahm kaltblütig und gelassen auf demselben Platz, klappte das Buch zu, und daS bewegungslose Anstaunen begann von Neuem, während der Bediente, wieder steif wie ein Pagode, hinter seinem Stuhl Posto faßte. „Ein unausstehlicher Mensch!" murmelte Brand finster. „WaS diese Engländer für unkultivirte Manieren haben. Lassen Sie uns aufbrechen, meine Damen!" Fräulein Cordelia beobachtete mit einem ängstlichen und mißtrauischen�Bsick den Sohn AlbionS. „Wer weiß, Fräulein Helene, ob dieser Mann nicht auch ein Mädchenentsiihrer ist," flüsterte sie ihrer Elevin zu.„Sagte ich eS Ihnen nicht, eS lauert hier an allen Orten ein Hinterhalt für die Jugend?— Ein Sodom und Gomorrha ist dieses Berlin.— Ich bitte, Fräulein von Steinberg. sehen Sie nicht dorthin. Es scheint fast, dieser Mensch fixirt gerade Sie.... Um Gottes Willen, der der Arbeiter genügt. Interessant ist die Naivetät der Orts- kassenvorstände, welche den Nachweis einer perpetuellen Renta« bilität der Hilfskassen xerlangen, dagegen die zur RentabilitätS- ficherheit angewandte Vocstchtsmaßregel der freien Hilfskassen, nämlich bei der Aufnahme ein Gesundheitsattest zu verlangen, als Grund zur Verweigerung der Befreiung von der Zwangs» kasse anführen. Wir hoffen, daß diese Weisheit in Deutschland ohne Konkurrenz dasteht." In Sachsen haben die Sozialdemokraten, speziell in Volt marsdorf, Gohlis und P l a g w i tz wieder Wahl- siege zu verzeichnen: ihre Vertreter wurden in den Ge- meinderath gewählt. Dagegen find sie in der Fabrikstadt M e e r a n e, in ver bei der jüngsten ReichstagSwahl der sozia- listische Kandidat eine ganz erhebliche Majorität erzielte, bei der Stadtrathswahl unterlegen. Oesterreich. Das Abgeordnetenhaus trat gestern seine Weihnachtsferien an. In der letzten Sitzung wurde noch der AuSschußantrag betreffs der Zuckerkrifis angenommen. Heute hielt das Herrenhaus eine Sitzung; hierauf erfolgt die for- melle Vertagung des Reichsraths bis zum 20. Januar.— Ja Brunnberg bei Oedenburg stnd Arbeiterunruhen ausgebrochen; zwei Arberter wurden verhaftet. Dem schweizer Nationalrath ist folgender Antrag zu- gegangen: In Folge der dem deutschen Reichstage gemachten Vorlage betreffend die Subvention der Dampfer« linien und die Frage, od die Linien von Genua oder Trieft auszugehen haben, muß die Schweiz und die Gotthard- bahn wünschen, daß Genua als Ausgangspunkt gewählt werde. Deshalb ist der Schweizer BundeSrath zu ersuchen, durch geeignete Schritte bei der Entscheidung obiger Frage das Interesse der Schweiz zu wahren. Frankreich. In Paris erregen, wie uns ein Privat- Telegramm von dort meldet, die Vorgänge auf Corea fort- gesetzt die größte Aufmerksamkeit; man hofft jetzt auf das Ein- schreiten Japans gegen China, dem Corea ungleich wichtiger sei als Tonkin. Diese Hoffnung wird allem Anscheine nach zu Wasser werden, denn bereits wird der Londoner„Times" aus Hongkong von gestern gemeldet, daß man in Peking glaube, die japanische R-gierung werde fich mit der chinestschen Regierung betreffs der Angelegenheiten in Corea ins Einver- nehmen setzen, und daß man hoffe, die Angelegenheit werde auf gütlichem Wege geordnet werden. Rußland. Der Petersburger Korrespondent der„Daily News" erzählt, derHnteirichtsminister Deljanow babe besondere Inspektoren autoristrt, bei den Familien, deren Kinder öffent- liche Schulen besuchen, Haussuchungen zu veranstalten, um sich zu überzeugen, daß die Kinder keine verbotenen Büch« besitzen. HnglaubUch!— Ein Berichterstatter der„Schles. Ztg." giebt von dem Schlüsselburger Militär- gefängniß, in welchem jetzt die Nihilisten gefangen ge- halten werden, folgende Schilderung: DaS Gefängniß liegt nicht in Schlüsselburg selbst, sondern in bedeutender Entfer- nung von der Stadt auf einer der Inseln des Ladogasees. Dort find jetzt die umfassendsten Sicherheitsmaßregeln getroffen worden, sodaß die Möglichkeit einer Flucht so gut wie auS- geschlossen erscheint. Eine besondere, aus den zuverlässtgsten Leuten zusammengesetzte Gensdannerie-Abtheilung bewacht die kleine Insel, auf der sich nur das Gefängniß befindet. Käbnt zur Heberfahrt find nicht vorhanden und können nur im Be- darfefalle durch eine, von der Wohnung des Gefängniß-Kow- Mandanten ausgehende telegraphische G.'ockenleitung von Schlüffelburg aus requirirt weiden. Nicht legitimirte Fahr- zeuge dürfen an das Gefängwß nicht näher als 300 Ellen herankommen. Die Gefangenen befinden fich in Einzelhaft! die durch dicke Mauern von einander getrennten Zellen fino vier Ellen lang und drei Ellen breit. Das Essen wird den Gefangenen durch Schieber hereingereicht, wobei fie den Wärter nicht zu sehen bekommen: doch kann das Innere jeder Zelle von außen fortwährend beobachtet werden. Der im letzten nihilistischen Prozeß verurtheilte frühere O b e r st l i e u t e n a n t Aschenbrenner wurde auch in Schlüsselburg untergebracht, ist jedoch, da seine Gesundheft ohnehin schwach war, dem Vor- tigen rauhen Klima erlegen. Ausländische Zeitungen brachten das falsche Gerücht, er sei wegen Auflehnung gegen seinen Wärter erschossen worden._, Großbritannien. Bei dem Polizeigericht zu Great-M mouth hat gestern die von der britischen Regierung veranlaß« Hntersuchung gegen die englischen Fischer, welche am 29.% d. I. auf der Höhe der holländischen Küste den deutschen Kutln „Dicdcrich" geplündert hatten, begonnen. Die Fischer stnd d# Seeräuderei und des Diebstahls angeklagt.— In D o o e konfiszirten gestern Zollbeamte eine vom Kontinent angelang« Kiste, welche angeblich Zinn enthalten sollte, in Wirk'.rchftv aber 260 Pfund Dynamit enthielt. Nord- Amerika. Die internationale Ausstellung''s New-Orleans wurde am 16. d. M. unter großen tW lichkeiten eröffnet. Die Eröffnung erfolgte auf elektrisÄkw Wege durch den Präfidenten Arthur vom Weißen Hause% Washington aus. Präsident Arthur hielt eine Ansvrache," nach New-Orleans telegraphirt wurde, an deren Schlüsse die Ausstellung für eröffnet erklärte und setzte dann gleich«�' zweiten Schwester droht dasselbe Schicksal, welches die«lieft traf.",, ,, Helene sah wohl ein, daß die alte Dame Recht W' allein sie konnte es nicht unterlassen, beim Verlassen Laube ganz verstohlen seitwärts zu blicken. In ihrem Herft" dachte sie:_. „Er sieht gar nicht so gefährlich aus, wie$raU L sagt, und wenn er auch zudringlich sein mag, mich w•*» zustarren, so ist er doch ein recht hübscher, junger NW' „Ich hatte ursprünglich vor," sagte Brand, Wildparkstation zu fahren und von dort auS die Seye � zu(Ukjicii u«u uvu uu» vtv y � Würdigkeiten Potsdams zu besuchen; allein um diesem dringlichen Engländer zu entgehen, schlage ich vor, daß vom Nuinenberge auS diese Parthie machen." Die Damen waren natürlich mit seinen Anordnu» � einverstanden. /Sie stiegen ein. Als sie eben inr ihres Wagens Platz genommen hatten, bemerkten sie, � hart an ihrem Schlage steif und kerzengerade � Bediente des Engländers stand; als der Wagen am � trat auch der Mann mit der Jockeymütze heraus, um elegante, mit zwei feurigen Rappen bespannte Eqmpa» besteigen. „Wohin?" fragte er lakonisch den Bedienten.. „Nach dem Ruinenberge, Mylord!" antwortete ?e®ut!".......... Der Lord stieg ein. Der Bediente setzte JJJjLje* 'ruften davon. In fünf Bock, und die Rappen sausten davon. In füni war der Wagen der Anderen überholt.— Der Ru'". � erhebt sich zu ziemlich bedeutender Höhe hinter dem � von Sanssouci. Herrlich gewundene Wftft..,' ye* durch Parkanlagen hinauf, und das Platea....astj Berges trägt die durch Friedrich den Großen' ßch angelegte Ruine. Ein mittelalterlicher Thurm �7/ an der Front dieser Ruine, und von hier aus y ßi* ein« herrliche Aussicht auf den Spiegel der Ha"'-' Pfaueninsel, Babelsberg, Sanssouci und PotSdavr, � der Besucher von Potsdam versäumt die vf Ruinenberges zu besteigen, trotz der Anstrengung-� die 129 Stufen erfordern, welche zu dem Thurm y führen. ihn fick mittelst eines telegraphischen Drahtes die Maschinen der Aus stellung in Bewegung. Der Präsident war zur Zeit dieses ungewöhnlichen Vorganges im Weißen Hause von den frem- den Gesandten, dm Mitgliedern deS Kabinets, Delegirten des Kongresses und anderen Personen von Auszeichnung um- geben. Die Unruhen in Korea findm ihre allgemeine Er- klärung wohl zunächst in der Erregung, in welche ganz Ost- asien durch das wachsende Eindringm des Westens in die dortigen Verkehrsoerhältnisse versetzt ist: der französisch-chine- stsche„Krieg" hat dann vollends dm akuten Ausbruch dieser Erregung in Korea veranlaßt. Korea gehört nämlich zu dem ausgedehnten„chinesischen System", in welches, wenn schon unter verschiedmen Abstufungen auch Birma und Siam ein- geschlossen find. Die kriegerischen Vorgänge in Ostafien haben auch die lctztcrn Staaten in große Erregung gebracht, in Korea aber war die Gefahr gewallsamer Ereignisse größer, weil dort Japanesen und Chinesen schon lange um die Oberherrschaft rivalifiren. Die Koreaner selbst neigen zu China, während die Japanesen ihre Ansprüche darauf gründen, daß vor nahezu drei Jahrhunderten Korea thatsächlich in japanische Vasallen- schast gerieth. Ganz leise taucht auch schon der Verdacht auf, Frankreich könne die jüngste Revolution angerührt haben, um China's Kräfte zu zmheilen. Genauere Nachrichten über den Aufstand fehlen noch. Seinem Volke gegenüber ist der König von Korea so absolut, daß daS Volk ihm bis zu seinem Tode nicht einmal einen prrsönlisten Namen beizulegen sich erlauben darf. Aufstände find dort übrigens nichts Unerhörtes; erst im Sommer 1882 wurde bei einem solchen die damalige Gemahlin des Königs mit einer Anzahl Adeliger getödtet. Dommumw. Stadtverordneten- Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom 13. Dezember. Vorsteher Dr. Straßmann eröffnet die Sitzung um 5'/' Uhr. Schon lange vor Beginn derselben ist die Tribüne so dicht besetzt, daß der Zutritt zu derselben gesperrt werden mußte. Vor der Sitzung haben sich konflituirt: 1) der Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, betreffend die anderweitige Organisation der Verwaltung der Kanalisationswerke(Vors. St.-V. Dr. Stryck, Stellv. S!.-V. Nikolai): 2) der Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, betreffend die Feststellung der Baufluchtlinie für die Straße nördlich am Echlcfischsn Bahnhof(Vors. St.--V. Ripberger, Stellvertreter St.-V. Namslau); 3) die gemischte Deputation zur Vorberathung der Frage wegen Umgestaltung der Löschgeräthe der Feuerwehr(St.-V- Geiter, Richter, Dopp, Degmeier, Böhm, Dr. Schwalbe, Dr. Langerhans, Hermann, Moses); 4) der Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage, betreffend die vro 1885 erforverlichen ErweiterungS- und Erneuerungsbauten in den stäv.'ischcn Gasanstalten und am Rohrsystem(Vors. St.-V. Banlc, Stell. St.-V. Reichnow). Ein Schreiben des Magistrats theilt mit, daß die Besol- dungsfestsetzungen für die neu zu besetzenden Stellen des Stadtbauraths Rospatt und des Stadtraths Neubrinl vom Oberpräsiventen genehmigt sind. Die Wahl wird deshalb auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt werden. Der Vorsteher theilt bei dieser Gelegenheit mit, daß die beiden nächsten ordentlichen Sitzungen ausfallen werden und an Stelle derselben eine außerordentliche Sitzung am 23. Dezember staitflnden wird. Die Ersatzwahlen für die ausgeschiedenen St.-V. Tappert und Müller im 5. und 3. Kommunal-Wahlbezirke finden am 7. Januar k. I. statt. Der Vorsitzende emennt hierzu die Beisitzer. Vom St.-V. Ewald ist folgendes Schreiben eingegangen: „Der oerehrl. Stadtverordneten-Versammlung theile ich er- Sebenst mit, daß ich am 13. d. M. durch Verfügung des Volizei-Prästdiums auf Grund des Gesetzes vom 23. Oktober *878 aus Berlin ausgewiesen und in Folge dessen verhindert bin, mein Mandat als Stadtoerordneter auszuüben- Ich Meide deshalb auf unbestimmte Zeit oder bis zum Austrag der Sache Urlaub an."— Der Vorsteher schlägt vor. die Frage der Stellvertretung für Bezirkssachen erst nach Neujahr zu er- Kdigen. Es folgt der Antrag des Stadlv. Spinola und 43 Gc- Nossen, welcher lautet:„Die Unterzeichneten beantragen bei der Stadtverordneten-Versammlung die Einsetzung eines durch die Abth-ilungen zu wählenden Ausschusses von 15 Mitgliedern behufs Berathung: ob und wie auf Grund des§ 48 der Städteordnung oder anderweitig in Ergänzung der bestehenden Geschäftsordnung Zuwiderhandlungen der Mitglieder der Vcr- jammluna gegen die zur Aufcechlerhaltung der Ordnung er- -offenen Vorschriften, msbesondere gegen die Wahrung des Amtsgeheimnisses, disziplinarisch zu ahnden sind." Begrün- dung: Wie schon früher, so ist es auch neuerdings wiederholt vorgekommen, daß über Verhandlungen und Vorgänge in den geheimen Sitzungen der Versammlung, darunter über Vor- Lange höchst persönlicher Natur, alsbald in den Tagesdlatiern r Brand, welcher ein kundiger Führer in Potsdam war, & 1 fanen Begleiterinnen bereits von der entzückenden «ussicht gesprochen, und so unternahmen denn diese mit großem Vergnügen das Besteigen des Thurmes. Die An- irengung ward ihnen nicht schwer, die Aussicht auf den .rnuß, der sich ihnen dort oben bieten sollte, erleichterte Wen die Mühe. c., Fräulein von Steinberg war die erste, welche die e0'e"«ichte, dann folgte Lucie. Brand hatte Cordelia Arm gereicht, um sie beim Ersteigen zu unterstützen. «um waren sie auf der Plattform des Thurmes �gelangt, als Cordelia einen Ruf der Ueber- I-i! x ausstieß. Da stand, an die Brüstung ge- hnt, der Engländer, den Bädecker in der Hand; allein sah weder auf das Buch, noch auf die Havel, noch die ijnl ien Anlagen in der Nähe derselben, sondern starr, ohne eine Miene zu verziehen, ruhte sein Auge auf Kraulern von Steinberg. Mit einer wahren Seelenangst ki» � �ordelia das junge Mädchen unter ihre Fittige, um L den Blicken des jungen ManneS, in dem sie im Geiste �o» den Eni- und Verführer erblickte, zu entziehen. Sie o"e von der Aussicht keinen Genuß, denn sie mußte ihre Aufmerksamkeit darauf richten, daß dem jungen Mäd- aL.n keine Fallstricke gelegt würden, und schon nach wenigen muten drängte sie zum Verlassen des Ruinenberges. Man .8 hinab und Alle waren— wenigstens, was Cordelia �o Brand betraf— ein wenig verstimmt. Fräulein von lo» erg ollein hatte an ihrer munteren Laune nichts vor- � auch Lucie wollte die Gefahr nicht einsehen, welche nThut nix! Meine Pferde sind gut... John, sage dem Kutscher Bescheid!" Die leichte Chaise sauste die Chaussee durch den Garten am Orangeriegebäude vorüber dem Neuen Palais zu. Die Rappen schienen zu fliegen.— Das Neue Palais, de? Prachtbau, welchen Friedrich der Große nach beendetem siebenjährigen Kriege mit einem Aufwände von über drei Millionen Thaler erbauen ließ, hat für den Besucher Potsdams eine besondere Anziehungs- kraft. Auch an diesem Tage befanden sich eine große An- zahl da, und in dieser Menge verloren sich Brand und seine Begleiterinnen sehr bald. Sie hatten bereits eine Reihe von Räumen besichtigt und befanden sich eben im Musikzimmer Friedrichs des Großen. Die in diesem Zimmer ausliegenden Gegenstände fessel- ten ihre Aufmerksamkeit in ganz besonderem Maße. Endlich mahnte Brand, daß eS Zeit sei, auch die übrigen Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen. Kaum aber hat en sie sich umgewendet, so sahen sie kerzengerade un- mittelbar hinter sich den Engländer stehen, mit dem Bä- decker in der Hand und Jeden von ihnen mit dieser ge- lassenen, kühlen Gleichgültigkeit, die wahrlich etwas Be- unruhigendsS hatte, mustern. merkung nicht gemacht habe; dies ist wohl eine irrthümliche Auffassung des RednerS.— St.-V. Pickenbach; Ich wiederhole, daß der Herr Vorsteher mir erwidert hat, er habe keine Veranlassung, das Amtsgeheimniß zu proklamircn.— Vorsteher Dr. Straßmann: Ich erkläre, daß dies eine absolut mW untergeschobene Behauptung ist.— St.-V. Pickenbach: Nach diesen Worten des Vorstehers habe ich überhaupt nichts mehr hinzuzufügen.(Unruhe und Gelächter.) Stadtv. Bellermann erklärt, daß er mit der Tendenz des Antrages Spinola im Allgemeinen einverstanden sei, denselben aber nicht für sehr praktisch halte und deshalb seinen eigenen An« trag empfehle. ES scheine jetzt die Tendenz vorzuwalten, so viele Gegenstände wie möglichstn die geheimen Sitzungen zu verweisen und deshalb sei es dringend geboten, daß sich der Ausschuß mit dieser Frage beschäftige. Der Ordnungsruf werde ja im Großen und Ganzen nur sehr selten zur Anwendung gebracht und er halte es nicht für der Würde der Versammlung entsprechend, daß die- selbe mit Geldstrafen oder mit theilweiser Ausschließung gegen ein Mitglied vorgehe. Was die Amtsverschwiegenheit detrifft, so unterscheide der Anwag Spinola nicht genug zwischen„nicht öffentlicher" und„geheimer" Sitzung. Er glaube nicht, daß sich derjenige, der über eine Sitzung Mittheilung macht, über welche nicht das Amtsgeheimniß proklamirt worden ist, fich einer Pflichtverletzung schuldig macht, ebenso glaube er auch, daß man nur über Beschlüsse die Ämtsverschwiegenheit pro- klamiren solle, nicht aber über die Verbandlungen in nicht öffentlichen Sitzungen. Nach seiner Austcht sollte man sich daoor hüten, in geheimer Sitzung prinzipielle Dinge zur Ent- scheidung zu dringen, welche in die Oeffentlichkeit gehören- Er empfehle seinen Antrag zur Annahme. St.-V- Dopp erklärt, daß(er auch den Antrag Spinola unterschrieben habe, aber die Motivirung desselben nicht billige. Was die Haltung des St.-V- Pickenbach einer geheimen Sitzung gegenüber betrifft, so erinnere er sich und glaube es beschwören zu können, daß Herr Pickenback die Erklärung ab- gab. er werde über die Vorgänge Stillschweigen nicht beobachten und daß der Vorsteher darauf geantwortet habe: eine solche Erklärung sei nicht nöthig gewesen, denn er habe die Amtsverschwiegenheit noch nicht proklamirt.(Un- ruhe).— Vorsteher Dr. Straßmann: Ich erkläre noch- mals, daß Sie sich im Jrrthum befinden. Ich habe damals Herrn Pickenbach nur erklärt:„Leider kann ich dieS nicht verhindern, denn die Geschäftsordnung giebt mir kein Mittel dazu an die Hand." Ich verbitte mir also eine solche Jnstnua- tion, denn sie ist nicht wahr! St-V. Görcki: Dieser Antrag sei auf alle Fäll: ein Symptom dafür, daß unsere Geschäftsordnung revisionsbedürftig ist. In der Tbat kommen oft Dinge in die geheime Sitzung, die auf alle Fälle in die Oeffentlichkeit gehören. Er und seine Freunde hätten fich manchmal mit der Idee getragen, einen Antrag auf Fortfall aller geheimen Sitzungen einzubringen, sie seien aber davon zurückgekommen, da sie sich überzeugt haben, daß einzelne persönliche Angelegenheiten in nicht öffentlicher Sitzung erledigt werden müssen. Was die Aeußerung des Stadtverordneten Spinola über ihn selbst betrifft, so erkläre er, daß bei ihm und seinen engeren Freunden entschieden die An- ficht vorwaltete, daß erst die Amtsverschwiegenheit vom Vorsteher proklamirt werden mußte und daß er nicht aus den Spalten einer Zeitung heraus, sondern mit seiner ganzen Person seine Angriffe erhoben habe. Die Wiederbelebung so drakonischer Bestimmungen, wie sie der Antrag Spinola intendire, erinnere an die dunkelsten Zeiten der Reaktion und man dürfe doch nicht vergessen, daß damit die Aufsichtsbehörde mehr, als der Versammlung lieb sein könne, in die Interna derselben hinein» gezogen werden müßte. Die Majorität habe daS Bestreben» immer mehr Gegenstände aus der öffentlichen Sitzung in die geheime zu drängen und es gehe doch zu weit, wenn man verlangt, daß die Mitglieder über alle diese Dinge, die viel- fach ein eminent öffentliches Interesse haben, absolutes Still- schweigen beobachten sollen. Der Antrag zeuge nicht von der Freifinnigkeit der Berliner Stavtoertretung und wenn man solche veraltete Bestimmungen wieder einführe, dann müsse man eigentlich verzichten auf die Bezeichnung einer„Metropole der Intelligenz." St.-V. Dr. Kürten: Es handle sich hier lediglich um die Niedersetzung eineS Ausschusses. Was das Materielle betrifft, ss verweise er darauf, daß in einer der letzten Sitzungen ein Mitglied(Görckil dem Leiter der Versammkung auf seine Mahnung, gewisse Insinuationen zu unterlassen, einfach ant- wortete:„Das wird von meinem Belieben abhängen!" Das sei doch unerhört und müsse Veranlassung zur Prüfung geben, wie sich die Versammlung gegen solche Vorkommnisse schützen könne. Ein Schlußantrag wird hierauf angenommen.— Es folgt eine Reihe persönlicher Bemerkungen. Stadtv. Büchtem an n: Ich erkläre, daß meine Be- merkungen in jener geheimen Sitzung von Herrn Görcki in der öffentlichen Volksversammlung falsch dargestellt sind. Ich habe nicht gesagt, daß die Arbeitnehmer nicht fähig find, in die Ge- werbedeputation einzutreten, sondern mit Rücksicht auf die Lage der Geschäfte der Gewerbedeputation hatte ich gemahnt, darauf Cordelia ergriff es mit wahrem Grauen. Es duldete sie jetzt im Neuen Palais nicht länger. Sie zog Helene fast mit Gewalt mit sich fort. Brand, dem zudringlichen Fremden einen zornigen Blick zuwerfend, bot Lucie den Arm, und sie verließen das Schloß. Zweiunddreißigstes Kapitel. Cordelia war fest entschloffen, in Potsdam jetzt nichts mehr sehen zu wollen, sondern sofort die Rückfahrt anzu- treten. Brand ersuchte die Damen, auf der Terrasse zu verweilen, bis er den Wagen herbeigeholt, der auffälliger Weise in der Nähe nicht zu finden war. Auf dem Platz vor dem Palais hielt«ine Menge theils glänzender Equi- pagen, worunter am meisten die mit zwei glänzenden Rappen bespannte Chaise deS Engländers auffiel, theilS jene Art von Lohnfuhrwerken, deren die weniger bemittelten Reisenden sich bedienten. Unter Letzteren hatte Brand seinen Wagen zu suchen. Indessen war derselbe nirgends zu finden. RathloS kehrte er zurück. „Es muß ein Mißverständniß obwalten," sagte er. „Erwartet unS der Kutscher vielleicht irgendwo anders, oder hat er sonst eine Veranlassung gehabt, diesen Platz zu verlassen?... Ich begreife es nicht— aber er ist nicht hier." „Mein Gott, was fangen wir da an?" jammerte Cordelia. „Es bleibt unS nichts übrig, wir müssen zu Fuß den Weg durch den ParadieSgarten und Sanssouci nach Pols- dam zurücklegen. Es ist freilich nicht unmöglich, daß wir uns da verspäten und den nächsten Zug versäumen.. „Gleichviel, lieber Brand," drängte Cordelia,„lassen Sie uns nur eilen, daß wir fortkommen. Ich zittere ja, und dieses arme Mädchen— sie meinte Helene— zittert auch schon aus Angst vor dem Mädchenentführer." (Fortsetzunz folgt.) zu achten, daß ein Mann gewählt wird, der auch in der Lage sei, die Geschälte wahrzunehmen. Stadtv. G ö r ck i: Ich muß doch dabei stehen bleiben, daß Herr Büchtemann gesagt hat:„Wir haben mit den Arbeit- nehmern schlechte Erfahrungen gemacht." Stadtv. Büchtemann: Ich erkläre dies nochmals für durchaus irrig, und der ganze Borgang zeigt nur, wie gefährlich es ist, solche interne Dinge, über welche stenographische Berichte nickt vorliegen, in die Ocffentlich- keit hinaus zu tragen. Bei der Abstimmung beschließt die Versammlung die Niedersetzung eines Ausschuffes von 15 Mitgliedern zur Berathung des Antrages Svinola und des Antrages Bcllermann.— Demselben Ausschusse werden auch noch zwei weitere Anträge der St.-V. Dr. Schulz und Dr. Inner auf Abänderung der Geschäftsordnung überwiesen. Die Projekte zum Neubau einer Gemeinde-Doppclschule nebst Turnhalle in der Kulmstraße und an der Prenzlauer Allee werden im Allgemeinen genehmigt und nur einzelne Theile nochmals an eine Kommission gewiesen. Mit der Bildung eines Vorstandes für die städtische Blin- denschule an der Stelle deS Kuratoriums erklärt sich die Ver- sammlung einverstanden. Vom St.-V. Virchow ist folgende Anfrage an den Ma- gistrat eingegangen:„Ist der Magistrat rechtlich der Anficht, daß die Giltigkeit des dem ausgewiesenen St.-V. Ewald von leinen Wählem übertragenen Mandats auch bei Jahre langer Dauer der Ausweisung und daß die Jondauer der demselben von der Versammlung angewiesenen Stellungen in der Ver- sammlung durch die Ausweisung in irgend einer Weise zweifel- Haft wird?"— Die Anfrage wird gedruckt und dem Magistrate überwiesen werden. Schluß der Sitzung 8 Uhr. Am Magistratstische: Stadt- sundikus Eberty, Stadibaurath Blankenstein, Etadtschulrath Dr. Bertram, Städträthe Borchardt, Stadthagen, Krause u. A. Dokales. dl.— Von ihrem eigenen Manne wurde gestern Mor- gen im Hause Brüderstr. 3 die Frau des Korbmachers K. aus der Etallschreibelstraße überfallen. Frau K., welche mit ihrem Manne erst seit 4 Wochen vcrhcirathet ist, hatte in Erfahrung gebracht, daß ihr Mann seiner ersten Frau das Vermögen von ca. 600 Thaler abgenommen und fie alsdann hinausgeworfen habe. Um nun nicht demselben Schicksal zu verfallen, verließ Frau K. ihren Mann heimlich vor 14 Tagen und ging ihrem früheren Erwerbe als Waschfrau wieder nach. Der Mann hatte darauf erfahren, daß seine Frau am Donnerstag bei dem Posamentier W., Brüderstr. 3 waschen helfen sollte, und be- schloß, seiner Frau dort aufzulauern. Gegen 6 Uhr Morgens hörte der Privatwächter vom Hofe her plötzlich laute Hilferufe. Er eilte sofort hinzu und fand Frau K. aus mehreren Wunden blutend auf dem Hofe vor. Frau K. gab an, daß ste von ihrem Manne überfallen und mit einem Messer gestochen wor- den sei. Bei näherer Untersuchung wurden 3 Messerstiche im Rücken und 2 Stiche im Gesicht konstatirt. Der Wächter brachte die blutüberströmte Frau nach der Wache des l. Polizei- Reviers an der Friedrichsgracht, von wo das Weitere sofort veranlaßt wurde. N. Sturz von einer Wendeltreppe. Ein schwerer Un- glücksfall trug sich am gestrigen Tage in der Fabrik für Gas- und Wasseranlagen von I., Bethanienufer 6, zu. Ein dort beschäftigter Metalldreher Barlhahn versuchte in übermüthiger Laune Turnübungen an der Wendeltreppe, verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte aus ziemlich beträchtlicher Höbe zur Erde. B. erlitt eine anscheinend nicht unerhebliche Verletzung am Kopf, in Folge dessen seine Ueberführung nach dem Kranken- Haus Bethanien erfolgen mußte. N. Durch Vitriol erlitt anr gestrigen Tage ein an der Friedrichsgracht in Kondition stehendes Dienstmädchen Marie Bader in der Materialwaarenhandlung von Sch. in derScharrn- straße anscheinend nicht unerhebliche Brandwunden im Gesicht. Dem Mädchen waren in dem genannten Geschäft beim Abfüllen von Vitriol(Oleum) einige Tropfen in das Gesicht, speziell ins rechte Auge gespritzt. Das vor Schmerz halb ohnmächtige Mädchen mußte sofort nach der Poliklinik des Dr. B. am Schloßplatz geschafft und dort in ärztliche Behandlung genom- men werden. Nach Anficht des Arztes dürfte, da die Pupille nickt verletzt scheint, die Sehkraft auf dem Auge erhatten bleiben. g. Ein bedauerlicher Mglücktfall ereignete stch gestern Mittag in der Brauerei Köniostadt, Schönhauser Allee 10/11. Mehrere Arbeiter waren im Flaschenbierkeller mit dem Ver- legen von Gasröhren beschäftigt, wobei Gas in großen Mengen ausgesttömt sein muß, denn plötzlich erfolgte eine heftige Ex- plofion, als ein Arbeiter Lickt anzündete. Hierbei erhielt der Kellermeister Wenger zahlreiche Brandwunden im Gesicht, nährend dem Schlosser Peters beide Arme nicht unbedeutend verbrannt wurden. Nachdem den Verletzten durch den herbei- gerufenen Heilgehülfen Greye Verbände angelegt worden waren, wurden Menger und Peters nach ihren Wohnungen in der Lothringer- bczw. Fehrbellinerstraße geschafft. N. Den sofortigen Tod eines Menschen hatte am gestrigen Tage ein Unglücksfall zur Folge, der sich gegen 8 Uhr Abends auf dem Grundstück ver Bank für Sprit- und Produkten- Handel, Neanderstraße 12, zutrug. Beim Einfahren eines Kohlenwagens hatte ein neben, dem Kutscher auf dem Wagen sitzender Arbeiter Klann, Fruchtstraße 31 wohnhaft, das Un- glück, vom Wagen herabgeschleudert zu werden, und derart auf den gepflasterten Hof zu stürzen, daß er einen Genickbruch er- litt und nach wenigen Minuten, ehe noch ein Arzt zur Stelle geschafft werden konnte, verstarb. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und 3 Kinder in größter Hilfe bedürstigkeit. g. Selbstmord. Der in der Blumenstroße wohnende Mödelhändler Eck. hat sich gestern Nachmtttag gegen 2 Uhr mittelst Erhängens das Leben genommen. Frau Sck. befand sich zum Rollen in einem Nachbarhause und als fie nach einer kurzen Zeit zurückkehrte, fand sie ihren Mann an dem Pfosten der Stubenttüre hängen. Auf ihr Hilfegeschrer eilte ein im Hause wohnender Äierverleger herbei, welcher den Sch. ab- schnittt Drm schnell herbeigerufenen Heilgehilfen und einem Arzt gelang es trotz angesttenatester Wiederbelebungsversuche nicht, den Sch. wieder zum Leben zurückzubringen. Das Motiv zur Tbat konnte bestimmt nicht festgestellt werden, doch ver- muthet man, daß Eck., gereizt durch viele Vorwürfe überfeinen Lebenswandel, die That vollführt hat. GerirKts-�ituug. Das Dtinamit-Attentat bei der Euthüllunakfeier des Riederwald Denkmals vor dem Reichs-Gertcht. Leipzig. 18. Dezember. Gegen 9 Uhr Vormittags eröffnet Präsid'nl Dl-nkmann wiederum die Sitzung.— Der Anae- klagte Reinsdorf beanttagt: die Frau Klempnermeister Stuhl- mann(Elb ei fr lv) als Zeugin vorzuladen. Er wolle dadurch den Beweis führen, in welch leichtfertiger Weise in dem gegen- wältigen Prozeß Zeugniß abgelegt werde.— Der Gerichtshof beschließt: Tiefen Antrag als unerheblich abzulehnen. Es wud alsdann nochmals Wrber Palm(Elbeifeld) ver- nommen: Küchler habe ihm einmal erzählt: Er sei mit Rupsch bei der Tenlmal-Enrbüllung auf dem Niederwald gewesen und . V dort in eine Drainage eine TynamittPatrone gelegt, diese sei jedoch in Folge des heftigen Regens nicht losgegangen. Arn 25. September 1883 seien Rupsch und küchler zu ihm ge- kommen und sagten: sie hätten Hunger. Er habe in Folge dessen dm Leuten Brod gegeben. Alstann habe Küchler zu ihm gesogt: er solle ihm Gerd leihen. Da er es nicht hatte, '.obe er eS sick b.schaffr und dem Kückler gegeben. "räi.: Wie viel gaben Sie ihm?— Zeuge: 40 Mk. Präs.: Sagte er Ihnen, wozu er des Geldes bedürfe?— Zeuge; Er sagte, er wolle nach London reisen, um eine große Anzahl„Freiheiten" und andere sozialdemokratische Schriften zu holen. Präs.: Wann wollte er Ihnen das Geld zurückerstatten? — Zeuge: Gleich nach seiner Rückkunft aus London; er sagte, er erhalte in London so viel Geld, daß er mir die 40 Mark sofort zurückgeben könne. Präs.: Küchler behauptet, er hätte Ihnen gesagt, Sie sollten ihm die 40 Mark leihen, da er nach Rüdesheim reisen wolle, um dort ein Attentat zu begehen. Sie sollen ge- antwortet haben, das ist gut, es muß aber tüchtig knallen?— Zeuge: Das ist nicht wahr. Küchler sagte mir allerdings ein- mal, wenn etwas pasfiren sollte, dann werde er es zu ver- hindern suchen. Präs: Hat Ihnen Küchler später einmal etwas mitge- theilt?— Zeuge: Im Monat Januar waren eine Anzahl Leute bei Eöhngen versammelt. Dort erzählte Küchler, er sei mit Rupsch bei der Enthüllungsfeier auf dem Niederwald ge- wesen, um ein Tynamyt-Attentat zu begehen. Die Explosion sei in Folge der großen Nässe jedoch nicht erfolgt. Sie hätten alsdann neuen Schwamm angemacht, um die Explosion er- folgen zu lassen, wenn der Festzug zurückkomme, allein auch diese Manipulation sei mißglücktt\ Präs.: Hat das Küchler laut erzählt, so daß eS alle An- wesenden hören konnten?— Zeuge: Ja, der es hören wollte, konnte es hören. Präs.: Zu welchem Zwecke erzählte das Küchler?— Zeuge: Ich nehme an, daß Küchler das gesagt hat, um 3 Mark zu erhalten, um seine Uhr einzulösen, die er anläßlich der er- wähnten Reise nach dem Niederwald versetzt hat. Präs.: Erhielt nun Küchler das Geld?— Zeuge: Ja, der Weber Veftmeber gab es ihm. Präs.: Gab ihm Vestweber das Geld aus eigenen Mitteln oder auS irgend einer Kasse?— Zeuge: Ich glaube, er gab es ihm aus den Einnahmen, die bei Gelegenheit eines am zweiten WeihnachtSfeiertage zu Elberfeld stattgehabten Arbetterfestes erzielt wurden. Präsident: Wurde Ihnen nicht einmal gedroht, wenn Sie etwas verriethen?— Zeuge: Wann das gewesen ist, weiß ich nicht mehr, ich glaube, es war am zweiten Ofterfeiertage, da kamen mehrere Arbeiter in Elberfeld zusammen, da sagte man mir, wenn ich zur Sache halten wolle, dann dürfe ich nichts verrathen, sonst könnte eS mir ans Leben gehen. Präs.: Wer sagte das zu Ihnen?— Zeuge: Das weiß ich nicht. Präs.: Bei Ihrer früheren Vernehmung sagten Sie: Küchler habe bemerkt: da das erste Mal die Zündschnur ver- sagt hatte, so beschlossen wir die Explosion erfolgen zu lassen, wenn der Festzug zurückkam. Wir banden deshalb neue Zünd- schnür an." Ist das wahr?— Zeuge: Das weiß ich nicht mehr genau. Ich will dabei bemerken, daß, als ich von dem Herrn Landrichter Schäfer vernommen wurde, er sagte, wenn ich nicht gestehe, werde ich angeklagt, wenn ich aber gestehe, sei ick blos Zeuge. Ich habe selbstverständlich die volle Wahrheit gesagt, ich halte jedoch diese Aeußerung deS Heim Landrichter für eine Drohung.>J Präs.: Wir werden den Herren Landrichter Schäfer dar- über vernehmen.— Küchler und Vestweber haben einmal einen Brief nach New-Bork geschrieben, der in der„Freiheit" veröffentlicht werden sollte?— Zeuge: Davon ist mir nichts be- kannt.— Das Zentral-Komitee zu New- Bork, zu dem auch mein Bruder und ein Weberssohn aus Borsdorf gehört, erfuhren von meiner Verhaftung. Sie schickten deshal' an mich, bezw. zur Unteistützung meiner Frau, 100 M. unter der Deck- adresse des Webers in Borsdorf. Inzwischen war ich aber schon entlassen und bedurfte der Unterstützung nicht mehr. Ich veranlaßte, daß das Geld unter einer anderen Deckadresse den Famflien der anderen noch in Haft Befindlichen zugehe. Präs.: Bei einer stüheren Vermhmnng haben Sie gesagt: Es wurde Ihnen bemerkt, über die Versammlung bei Söhngen nüsse Schweigen beobachtet weiden, wer etwas verrathe, dem würde etwas pasfiren?— Zeuge: Ich glaube, daß das so war. Landrichter Schäfer: Palm hat zum Theil Rechtt Ich bade zu ihm und allen Verhafteten gesagt, Sie können mir nichts wehr Neues sogen, da die Anderen bereits Alles ge- standen haben. Gedroht Hobe ich Niemandem, sondern ste bloS auf die Folgen des Meineides aufmeiksam gemacht. Ich be- merke jedoch, daß ich zunächst alle Verhafteten nichteidlich ver- nommen habe. Bei Palm hätte ich am allerwenigsten nölhiz gehabt, Drohungen anzuwenden, denn dieser erzähtte mir sehr viel. Wenn er nicht gleich etwas wußte, so dachte er nach und erzähtte mir immer wieder etwas Neues. Präs.: Zeuge Palm, Sie haben bei Ihrer früheren Vernehmung gesagt, Sie hätten nicht so viel erzählt, wenn Sie nicht einen Erv geleistet hätten?— Zeuge; Das ist wahr. Präs.: Dann haben Sie also die volle Wahrheit gesagt? Zeuge: Jawohl. Auf Befragen des Präsidenten erzählt Küchler: Da die Explosion zum ersten Male nicht erfolgt sei, so habe ihm Rupsch ein Stück Schwamm, daS angebrannt war, gebracht, um ihm zu zeigen, daß der Schwamm zu naß gewesen sei. Präs.: Rupsch, ick habe Ihnen schon einmal vorgehalten, daß es sehr unwahrscheinlich sei, daß Sie die Zündschnur mittelst einer kalten Zigarre angebrannt haben, um dem Küchler glauben zu machen, daß die Schnur angebrannt, aber wegen zu großer Pässe wieder erloschen sei?— Rupsch- Das ist nicht wahr. Präs.: Küchler, können Sie das dem Rupsch ins Geficht sagen?— Küchler(zu Rupsch gewendet): Das, was ich gesagt habe, ist wahr.— Rup ch: Dann lügst Du.— Reinsdorf: Je» richte an den Zeugen Palm die Frage, woher er die 40 Mark, die er dem Küchler gegeben, genommen hat? Ich behaupte nämlich, die 40 Ml. waren von der Polizei! Präs.: Sie haben nur Anträge zu stellen, ich will jedoch den Zeugen fragen, ob er hie übcr Auckunft geben will?— Palm- Ick verweigere hierüber die Aussage, da ich sonst eventuell selbst mit reinkomwen kann.— Reinsdorf: Ich bin befriedigtt Ter nächste Zeuge ist der Färber H ü l p m a n n(Barmen). An diesen ist folgender Brief angelangt: Newvort, den.... 1884. Weiche Freunde und Genossen! Ich will Euch hiermit benachrichtigen, daß ich den Brief bekommen habe von Euch, ich habe ihn direkr besorgt. Genosse I. M- ist jetzt nicht in Newyork. Er macht eine Agi- taticnSreise durch die Vereinigten Staaten. Als Justus Sch. den Brief gelesen hatte, hat er den Brief I. Ä- sofort nachgeschickt. Er hat zurückgeschrieben, daß 10 D. vorläufig geschickt werden sollen und ich werde auch sorgen, daß ich auf eigene Faust Euch bald was schicken werde. Der G. V. kann zu meinen Eltern geben und holt dasselbige ab, was ich Einem mitgab, der den 10. Juli nach hier abfährtt es sind Schriften. Dann seid so gut und schreibt mir, ob I. Sch. Euch dasjenige auch geschickt hat, er wollte auch Schriften über die deutsche Grenze bringen, denn es ist augenblicklich Niemand da, der sie von Belgien über die deutsche Grenze bringt. Es gehen jede Woche 1000 Exemplare der Fr. nach Europa. Wi Helm Weidenmüller ist schon einigemale bei mir gewesen, er hat direkt Arbeit bekommen. Ich habe ihn neulich in unsere Gruppe I. A. A. genommen. Millenbergcr ist auch hier. Sonst kann ich Euch nicht viel Neues schreiben bis nächstens. Schreibt nur immer andere Adressen, die nicht bekannt find. Ich werde Alles besorgen, macht nur voran. Mit sozial-revolutinärem Gruß gez. Fricdr. Erlenköller. Adr. Mr. Friedr. Erlenköllcr, care of Frowein& Brothers, 23 East 42 Street, New-Bork. An Mr. Richard Hülpmamr, Bismarckstraße Nr. 63. Unter-Barmen. Rheinprovinz. Germany. Der Zeuge bemerkt auf Befragen des Präsiventen, daß er nicht wisse, wie er zu diesem Bliese gekommen sei. Packer Vestweber(Barmen) giebt zu, dem Küchler in einer bei Eöhngen im Januar 1884 stattgehabten Zusammenkunst neun Mark gegeben zu haben. Zu welchem Zwecke er das Geld gegeben, wisse er nicht mehr. Von der Unternehmung eines Attentats wisse er nichts.— Polizeikommissar Gottsckalk (Elberfeld) bekundet, daß Rupsch ihm mit geringen Ab« weichunacn dasselbe gesagt, wie er es im Audienztermin erzählt. Rupsch hat ihm gesagt, die Schnur sei so naß gewesen, daß fie nicht brennen konnte. Er hat bei Küchler und Holzhauer Haussuchung gehalten, bei keinem sei aber Dynamit gefunden worden. In dem Garten von Holzhauer habe er Löcher ge- funden, die auf Tynamitvergrabungen schließen ließen.— Holz- Hauer bestreitet das. Auf Befragen des Reinsdorf bestätigt der Zeuge, daß in Folge der seifigen Gegend viele Hausbesitzer im Wupperthal Dynamit besitzen; daß dort auch Arbeiter Dynamit befitzen, stelle er in Abrede. Weidenmüller habe allerdings, wie er ge- Hört, Dynamit besessen, doch soviel er wisse, habe er es ver- kaust.— Reinsdorf: Von wem hat der Herr Polizeikommissar gehört, daß Weidenmüller Dynamit befitze, vielleicht von Weidenmüller selbst?— Zerme: Darüber verweigere ich die Antwort.— Polizeikommissar Wilstng(Barmen) hat dieselben Wahrnehmungen in dem Garten drs Holzhauer wie der Vor- zeuge gemachtt— Buchbinder Hocke(Barmen): Ich habe wasserdichte und nickt wasserdichte Zündschnur zum Verkauf. Die erste« kostet 75 Pf., die andere 30 Pf. Welche ich dem Rupsch und Küchler zur Zeit verkauft und ob ich diesem über« Haupt einmal eine Zündschnur verkauft, weiß ich nicht; ich kenne die Leute nicht. Färber Hülpmann(Barmen): Zur Zett der Enthüllungs« feier des Niederwalddenkmals habe er dem Eöhngen einmal Geld geliehen. Wie viel das gewesen und zu welchem Zwecke er es ihm geliehen, wisse er nicht.— Schlossermeister Lennarr (Barmen): Er habe im Sommer 1883 dem Rheinbach auf zwei Wechseln Geld geliehen. Etwa am 26. oder 27. September Mittags oder vielleicht Abends habe er dem Rheinbach 10 M. geliehen. Soweit er sich erinnere, habe ihm Rheinbach gesagt, er bedürfe deS Geldes, da ein Freund von ihm nach Amerika reisen wolle.— Rbeinbach: Ich gebe zu, die letzterwähnte Be- merkung zu dem Zeugen gethan zu haben, ich konnte ihm doch nicht sagen, ich bedürfe des Geldes, um eine Schuld zu be- zahlen.— Bürgermeister Alberti(Rüdesheim): Soweit er er- mittelt, sei durch die Explosion in Rüdesheim ein Schaden von mindestens 400 Mark entstanden' genau wisse er das nicht mehr. Es entstand zunächst die Vermuthung, daß die Explo- fion von einem Bahnwärter, alsdann daß fie von einem Gast- wirth aus Konkurrenzneid, im Weiteren daß fie von einem weggejagten Kellner aus Rache verübt worden sei. Er habe die ganze Umgegend untersucht, habe jedoch an der Stelle, an der Rupsch die Dynamitpotrone gelegt haben will, keinerlei Vertiefung gefunden, die des Rupschs Angaben bestätigen könnten. Er hätte eine solche Vertiefung, wenn fie vorhanven gewesen, finden müssen. Er sei der Ueberzeugung, daß die Dynamit'Patrone unterhalb einer zur Festhalle gehörenden Bretterwand gelegt worden sei. Diese Wand sei sofort einge« fallen und habe ganz besonders in der Vorrathskammer Ver- heerungen augericktet. Die ganze Festhalle bestand aus Bretter- wänden und der Vorrathsraum war von den übrigen Räumen auch nur durch Bretterwände geschieden.— Rupsch: Es ist ja möglich, daß auch von einem Anderen eine Explosion unter- nommen worden, ich habe das Dynamit 10 Schritte vor der Festhalle geleatt Präs.: Angeklagter Reinsdorf, haben Sie dem Rupsch ge« sagt: er solle den Wagen Er. Majestät des Kaisers auf 50 oder 150 Schritte herankommen lassen?— R.: Das weiß ich nicht m Hr. (Fortsetzung in der Beilage.) Arbeiterbewegung. Vereine unü Versammlungen. t. Eine kombinirte Versammlung von Aibeitgebem und Arbeitnehmern der Mappenbranche, welche, einberufen von der Lohnkommisfion der Buchbinder, am Donnerstag Abend in Feuersteins Salon, Alte Jakobstiaße 75, tagte, nahm sehr< nt« schieden Stellung gegen eine von den Prinzipalen beabsichtigte Reduzirung der Arbeitslöhne. In erster Linie ist es die Firma Zerbstmeier u. BrandeiS, welche, trotzdem dieselbe bereits be« deutend niedrigere Löhne als andere Firmen zahlt, eine Lohn- reduftion beabfichtigt, und bildete diese daber den Angelpunkt der sehr erregten Debatten. Herr Jost betonte in seinem Re« ferate, daß es Wunsch der Ardeiter sei, mit ihren Prinzipalen gemeinsam über ihre Lage zu berathen, denn verwerflich sei es. wenn Aib-itgeberoder Arbeitnehmer einseitigEtwas beschließen. Seiner Freude über das zahlreiche Erscheinen der Prinzipale Ausdruck gebend, gab er diesen zugleich die Verficherung, daß an den Löhnen nicht gerüttelt werden könne und dürfe, kein Arbeiter würde billiger arbeiten, dieselben hätten den Verein, genügende Geldmittel und viele Prinzipale hinter stch, von welchen namentlich hier Matern der Lohnkommisfion sogar materielle Hilfe zugesagt hat. Eine Aufbesserung der Löhne bei Zerbstmeier u. Bcandeis wurde allgemein für erforderlich erachtet und erklärten sich die zahlreich anwesenden Arbeiter dieser Fabrik bereit, eine diesbezügliche Forderung zu stellen event. einen Streik einzugehen, welcher voraussichtlich auch in kürzester Zeit ausbrechen wird, doch soll vorerst die Zustimmung des Unterstützungsvereins eingeholt werden. Nach mehr« stündigen, sehr lehhasten an Debatten, denen fick namentlich von den anwesenden Prinzipalen Hr. Mappenfabrikant Borcheft, von den Arbeitern die Herren Plötz, Mehncrt, Brandt, Freuden- reich, Anders u. A- detheiligten, gelangte folgende Resolution zur Annohme:„Tie am 13. Dezember in Feuerstein's Salon tagende Versammlung von Arbeitern der Mappenbranche be- schließt, in Erwägung, daß die Löhne der Mappenarbeiter schon an ihrer niedrigsten Grenze angelangt, ja thrilweise schon unter dieselben herunter gegangen find, in fernerer Erwägung, d B sei einem weiteren Sinken derselben die in der Branche be- schäftigten Arbeiter die ihnen wie jedem andern Staatsbürger obliegenden Pflichten gegen Staat und Gemeinde, gegen ihre Familie und gegen sich selbst nickt mehr würden erfülle» können, 1. die Arbeitslöhne dürfen kein« weitere Reduktion er- sah-en, weder direkt noch indirekt. 2. Sollte der Versuch einer Lohnreduktion, gemacht werden, so ist sogleich die Lohnkow- misfion zu benachrichtigen. Dieselbe hat, wenn ein voraufg«- gangener Emigunasv-rsuch sich als fruchtlos erwiesen hat, über die betreffende Werkstatt sofort den Etrike zu verhängen. 3. Verpflichtet sich die Versammlung resp. der Verein, einen etwa aufgedrungenen Etrike ihatkräftigst und mit allen gestv' lich erlaubten durchzuführen. Versammlung der„Freien Vereinigung der Graveure, Ziseleure und verwandten Berufsgenossen, Montag, ve" 22. Dezember, Abends 8'/z Uhr. Restaurgnt Sahm, AnneN- straße 16. Tagesordnung: l. Geschäftliches und AuinabrN» neuer Mitglieder. 2. Bericht der Kommission über die Weih' nachtsmeffe im Architektenhause. 3. Besprechung über au» wörtige, speziell Dresdener, Fackrelhättniffe. 4 Bericht der Aussiellungskommrssion. 5. Verschiedenes. Bericht des Na» weis-bureau. Der Tischler-Verein hält Sonnabend, den 20. Dezember- Abends 8'/, Uhr, Kottbuserstraße 4a, eine Generaloersanrw' lung ab._____ Hierzu eine»eiW Verantwortlicher Redakteur#L Sroutzr« tu Lrrtta. Druck und Verlag so« Ma» Brttttt i»«erlln SW., vemhftraß« 1 Beilage zum Nr. 222. Sonnabend, des 20. Dezember 1834. l. Jahrgang. Aeber die internationale Ausstellung in Nm-Orleans wird der„Voss. Ztff." unterm 20. November geschrieben: Aberwals eine Weltauistellunx, die zweite der amerikanischen Union, die in mancher Beziehung die Philadclphiaer Zentennialfeier zu überflügeln verspricht. Diese Ausdehnung und diesen Charakter hat die dem ursprünglichen Plan und Maße entwachsene Internationale Baumwollen- uns Jndustne-Ausstellung zu New-Lrleans, die am 16. Dezember ihre Pforten öffnet, an- genommen. �Zagend nur hatten die Bewohner von New-OrlcanS vor Zwei Jahren ihre Absicht, eine Baumwollausst-llung zu ver- mrstalten, angekündigt; doch der Norden der Union nahm ko- fort das regste Interesse an dem Plane und sagte seine ttfrigste Mitwukung zu. Die allmodische Halbmondstadt am Golf von Mexiko, die Hauptstadt des des romanisch-amrrikani- mien Südens, die bei Beendigung des Bürgerkrieges noch im Schlamm des legten Jahrhunderts stak, gerieth beinahe außer stch, als ein ganzer Kontinent und beinahe die Halste eines onbtrett sich sofort um Platz zu AuSstellungszweckcn bewarb. Doch hiell es nicht schwer, die nöthige»' Geldbewilligungen aufzubringen. Der Kongreß lieh 1 M.llion Dollars u d de- willigte 300 000 Dollars zur Veranstaltung einer offiziellen Kollektivausstellung seitens des Bundes. Der Staat Lonifiana kab 100000 Dollars her, New-Lrleans den gleichen Betrag, und eine halbe Million Dollars wurde durch Privatbeitiäge aufgebracht. Jeder Staat in der Union machte bedeutende Be« willigungcn. Die spaniscl-amerikanischcn Länder Südamerikas vekundeten ein überaus starkes Jnlerefie. Mexiko, das von allen Nachbarn der Nordamerika', ischen Repudlik das wenigste Nadelgeld zur Verfüg. in r hat und gegenwärtig kaum >m Stande ist, die Kosten des eigenen StactsoaushaltS Zu bestreiten, hat mchr weniger als 200000 Dollars fllr Vertretung seiner Interessen auf der New-Octeanser «usst/llung hergegeben, uno die beiden mexikanischen Pa- wllonS werden durch künstlerisch arrangirle Darstellung der Erzeugnisse und Industrien seiner vier.Ulimate das Staunen der Besucher erregen. Am 31 Oktober find die mexikaniswen Ausstellungsp odukte von Mexiko mittels der menkamichen Äentral-Eisendahn und von Et Paso ab mit der SüSpadfic- dahn abge'anvt. Die Kommissare von Frankreich, Mexiko, Spanien, Brasilien, Portugal, Japan, Honduras und Guate- Wala sind bereits am Platze und wessen Vor kehrung. n zum Aushau ihrer Adtheilungen. Kosta Rica veranstaltet eine großartige Ausstellung seiner Flora. Die nach Europa geschickten Kommissare, unter ihnen der berühmte Jnaemmc und Erbauer der Jettics an der Mündung des Misfisfirp', Kapilain Eads, baden von den -evkalauSstcllungen in London, Manchester, Edinburgh, Kork, el-urin und Kopenhagen werthvolle Kollektionen gesichert. Mna wird 10000 Fuß einnehmen. S'am und P isten haben ach um Raum beworben. Die gegenwärtigen Aussteller wer« den 400000 Quadralfuß Flächenraum einnehmen, und der be- wnnte Riesendampfec(Aceat Eastrrn befördert drn grögten Dheil der Beiträge aus Europa. � Jeder Staat, jedes Tcnitorium der Vereinigten Staaten !!} vertreten und ihre Kommissäre sind mit Vorbereitungen und Arrangements beschäftigt. Texas hat sein eigenes Gebäude Und verwendet 100000 Dollars für Ausstellungszwecke. Ein •fi'esenweinstock gehört zu den iniereffant-sten texanischen Aus- «ellnngsgegenständen. Die östiich-n Staaten steuern vorzugS- 5�se Erzeugnisse ihrer Industrie die westlichen Erzeugnisse des Bodens bei. Kalifornien wird von sämtntlichen West- Uaaten die Palme davorr tragen. Die wunderbaren Frucht- und Weinerzeugnisse, die Riesendäume und kostbaren Metalle, we subtropische Flora und G.wächse, alles glänzende Beweise und Kundgebungen des unvergleichlichen Klimas des Gold- »uates der Pacificküste, werden hier zum ersten Mal in präch- ugcr Zusammenstellung zur Kenntniß der Welt gebracht wer- ?sn und die großen Vorzüge und unerschöpflichen Hilfsquellen �esez gesegneten KüstensirrchS am anderen Ente der zivilrstrten ————.. Von Sturm)U Sturm. (Eine wahre Geschichte.) . Ein lauer Wind kam als Vorbote des Frühlings in'S �and und küßte die schwellenden Knospen, rief die grünen Fräser aus der braunen Erde und streute dunkelblaue Jüchen zwischen die gestorbenen Blätter im Walde, die . u zu Füßen der mächügen Bäume moderten. Der Sohn .fr Sonne, der liebliche Prinz Frühling sollte einen freund- 'chen Empfang finden und der warme Hauch, der über die �rde striche schj� �ie Natur auf das Nahen des anmuthigen ,">zes vorzubereiten, der sich zum Antritt seiner dreimonat- '�rn Herrschaft anschickte. g». Es war ein herbcr Winter vorangegangen und dem �nnbe wurde es nicht leicht, die Blumen und Gräser aus cm Schlafe zu weckev, deshalb verdoppelte er bald darauf fr>ne Kraft und wurde zum rasenden Sturm und wuchs , winem Zorn zum v rheerendcn Orkan, der heulend und p'clfend durch die Straßen zog, die Bäume wachrüttelte »b die letzten Schneespuren vertilgte. �" solch' stürmischem Tage des Jahres 1870 ging „to ärmlich gekleidetes Weib über die Augartenbrücke, die toch damals noch als plumper, vielfach geflicker. unschöner Mzbau präsentirte. Nur mühsam kämpfte das Weib gegen °sto Sturm, der ihre Schritte hemmte und der sich mit vt'acht in ihre Kleider und das dünne Tuch legte, das um ÖT Schultern lag, als wollte er es nicht dulden, daß die Mau die Leopoldstadt erreiche. Der kleine, etwa 10 jährige ?toabe in ihrer Begleitung klammerte sich mit einer Hand 'nt an die Mutter, und hielt mit der anderen die Mütze ' die jeden Augenblick in Gefahr war, in's Schwarze k« zu schwimmen. ... Endlich war die Frau in der oberen Donaustraße; sie st, � emen Moment stehen, um die Kleider und die Haare o". Ordnung zu bringen, da fegte der Sturm eine Menge "jwgelst-ine von dem Dache des HauseS Nr. 61 herab, tl»«9e Stücke trafen den Kopf der Frau, welche zum Ueber- fii., �06 Tuch abgenommen hatte, und blutüberströmt A r�e die Arme mit einem Aufschrei zusammen. Der �Nob» mu tllllrn 0-,-— «rnb stch, laut weinend, auf die ohnmächtige Mutter dab»(.�0* Blut, das über ihre Wangen lief, und »az rlchltochzte er:„Net sterben, Murter, net sterben, �äk»b nachher aus mir werden, aus Deinem kleinen Welt in günstiges Licht sitzen. Angesichts der Verheerungen der Rebtaus in europäischen Weinbergen wird besonders die Ausstellung der lairfomischen Wernbaukommrsfion und Rebzüchter für den europäischen Besucher von großem Interesse sein.— Der Eröffnungsfeier, für die ein aroßartiges Programm in Ausficht genommen ist, werden Präsident Arthur und fein Kabinet, Präsident Diaz von Mexiko, der am 1. Dezember fein Amt antritt, und die Präfidenten der zentralamerikanischen Rtpubiiken nebst den diplomatischen KorpS und hohen Würden- trägem beiwohnen. Der Jndustriepalast nebst dem Maschinenbau hat eine Ge- sammtlänge von 1948 Fuß. Der Raum der Maschinenhalle ist vollkommen in Anspruch genommen. Während das Haupt- acbäude der Philadelphiaer Ausstellung bloZ 800 000 Fuß Flächen räum bot, hat die Neu-Ocleanser Halle 1 650 0C0 Fuß für Ausstellungszwecke, bedeckt nicht weniger als 50 Morgen Land und ist eins der größten Gebäude der Welt. Das Amßere ist geschmackoollcr und ansprechender als der Philadelphiaer Bau. Die andern Bauten stehen dazu im Verhällnisse. Die Mafikhalle hat einen Sitzraum für 11 000 Personen und ent- hält eine Riesenorgel, die. an Tonumfang und Macht ihres gleichen sucht. Das Ausstellungsgebäude der Bundesregierung hat eine Front von 885 Fuß und die Gartenbauballe mißt 600 Fuß in Länge. Die Kunstgalerie hat eine Länge von 250 Fuß und eine Breite von 120 Fuß. Die Abtheilung wi-d natürlich wieder die Achillesferse der Ausstellung sein. Die Baumwolleniaktorei ist 350 Fuß lang und 120 Fuß breit- Um die genannten Gebäude grvppirt flch eme Miniaturstadt mannigfachster Spezialhallen, Pavillons u. s. w. Dieser ganze Mikrokosmos, aus allen Weltqegenden in kleinen Raum gebrnat, entfaltet sich in einem Park, bis zu dessen Saum der größte Seedampfcr, dank der Eads'schen JetlieS, vordringen und feine Aussrellungsglltcr abladen kann. Das ausgezeichnete Eisenbahnnetz, das in Rew-O.leans seinen Ausgangspunkt findet, crleichrert außerdem den T' anSport van allen The-.lnr des Kontinents. Für die Vereinigten Staaten hat die AuS- stetlung einen bejonders praktischen Wenh und wird ohne Frage die Anknüpfung wichtiger neuer Handelsverbin- düngen mit den zentral- und südamerikanischen Staaten an- bahnen.__ DoMiBcke Uebersirkt. Der Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hat bekanntlich eine Eingabe an den BundesraZh gerichtet, in welcher um Beschränkung des Schnapsoerkauf's ersucht wird. In der Eingabe ist außerdem beiläufig die Beseitigung des Fuselöls im Branntwein als des gesundheitsv-rderblichsten Ä�standtdeiles desselben angeregt, und einem Vertreter des Vereins ist Aussteht eröffnet worden, daß im Neichs-Gesund- beitsamt neben der Bier-llntersuchung demnächst auch die Schnaps-Untersuchung an die Reihe kommen werde. Soweit cS in den Kräften des Vereins liegt, will er selbst gleichfalls der Aufgabe nähertreten. Es handelt stch einerseits darum, in welchem Umfang und Grave der im Kleinhandel und in den Schenken vorkommende TrinkschnapZ neben den feinen Gr- schmack bestimmenden aromatischen Zusätzen mit Amyl-Aikohol und den andern gewöhnlich als Fnscl oder Fuselöl be- zeichneten giftigeren Alkoholatten versetzt ist; andererseits um Konstatirung der medizinischen Wirkungen des Fusels im Schnaps. Em bekannter schwedischer Branntweingroßhändler, He r L. D. S m i t h, hat seine neue Laufbahn alz thätiger Arbeiterfreund damit begonnen, daß er auf Reinigung des Schnapses drang; und auf diese verfiel er, als ibm vor acht oder neun Jahren in Paris ein Buch eines französtschen Gelehrten zukam, welches nachwies, wieviele Menschen jährlich in den verschiedenen Ländern Europas dem übermäßigen Ge- nusse von Branntwein, namentlich von ungereinigtem erliegen. Herr Smith wollte nickt länger nocb so unmittelbar an dem vorzeitigen Tode von Tausendeu seiner Landsleute mitschuldig sein, soweir er umhin konnte, und sorgte fortan mit der ihn auszeichnenden Energie für völlige Reinigung—„zehnfach Alsbald hatten sich Leute um die Ohnmächtige gesam- melt, auch ein Wachmann war herbeigekommen und ein Arzt, und während Letzterer der Verwundeten die erste Hilfe leistete, fragte der Erstere den Kleinen:„Wem gehörst Du denn zu?"—„Meiner Mutter!"—„Und wo ist Dein Vater?"— Der Knabe schaut den Wachmann recht ver- wundert mit seinen klugen, großen Augen an. Er wußte offenbar nicht recht, was das Wort Vater bedeute; hatte er doch niemals seinen Vater aesehen und auch nie eine Silbe aus dem Munde der Mutter über den Mann ver- nommen, dem er daZ Leben verdankte. Der kleine Jakob Kadletz, der Sohn der zweiunddrei- ßigjührigen Bedienerin Anna Kadletz, war ein Kind der Liebe und als die Mutter im Allgemeinen Krankenhause an den Folgen der furchtbaren Verletzungen starb, wurde das Kind von dem Wiener Magistrat der Fuhrwerks- besitz' rin Leopoldine Ernst in der Leopoldsgaffe Nr. 15 zur Pflege übergeben. In dem Hause der braven Wittib genoß der verwaiste Jakob Kadlch eine liebevolle, einfach-bürgerliche Erziehung und die Ziehmutter mochte nicht so ganz Unrecht haben, wenn sie behauptete, in den Adern deS Schackerl, wie er kurzum im Hause genannt wurde, gar vornehmes Blut fließe. Der Junge hatte weiche, fast mädchenhafte Züge, und als auf seinen Lippen der erste Flaum eines dunklen Schnurrbartes sproßte, da sah der breitschulterige, hoch- gewachsene Jünglmu mit der eigenthümlich stolzen Haltung in dem ärmlichen Gewände wie ein verkleideter Fürst aus. Frau Ernst war glücklich, als sie bemerkte, daß Jakob sich recht energisch und tüchtig in dem Geschäfte benahm und daß er zum Fuhrwerken groß Lust zeige. Nach und nach wurde der Ziehsohn der eigentliche Leiter des ganzen Ge- schüfteS, er brachte mit feinem G'stetten-Fuhrwerk täglich recht viel Geld nach Haufe und hielt mit Eifer und Spar- famkeit das„Sacherl" d r Fmu Ernst zusammen. Von seiner armen Mutter, die er stets in treuem An- denken hielt, klangen ihm zwei ihrer„Sprücherl" in die Ohren, die zur Devise seines Lebens wurden. „Ehrlich währt am längsten I" hieß der eine Spruch und der andere lautete: „Nix wegstellen, nur weglahnen; m'r waß net, zu wa» ma a Ding no' brauchen kann!" Diese Sprüche führte er stet« im Munde und so oft er sie sagte, stand vor ihm das Bild der gute» Mutter, wie sie mit verklärtem Lächeln dem doppelte", wie man in Schweden lagt— des in den Kleinbe« trieb gelangenden ScknavscS. Die nordischen Schanlgesell- schasten haben diesem Impulse, oie eine früher, die andere sväter nachgegeben, so daß dort der bloS doppelt gereinigte SchnapS nun zur Ausnahme geworden ist. Auch der schweizerische Bundesraih bat bei seinem neuerdings einge- leiteten Angriff auf die Bc oiatweinsucht diesen Punkt inS Auge gefaßt. Drei Pcosifforen am eidgenösfischen Polytechnikum in Zürich, G. Lunge, Victor Meyer und E. Schulze, haben ihm ein Gutachten über„die analyiische Bestimmung und technische Beseitigung des Fuselöls im Sprit" erstatten müssen, das der Bundesversammlung im letzten Sommer mir vorgelegt worden ist. An Mater'al, auch an ganz frischem, fehlt es also nicht, wenn jetzt in Deutschland ebenfalls da:angegangen werden soll. Die Züricher Sachver« ständigen beziehen steh überdies mit Boilieve auf düefliche Mittheilungen deutscher Autoiitäten, als welche fie Professor Dcltnück in Verlin und Proscssor Maeicker in Halle bezeichnen. — Die Sacke läßt stch gut an. Nun werden also die deutschen Arbeiter wirklich in die Lage kommen, einen rcinen,„gesunden" Schnaps zu trinken, und vas haben fie nur ihren Freunden, welche in obigem Verein mitwlken, zu denken. Es ist wirklich rührend, wenn man liest, wie bereits in Schweden ein„Ar- beirerfreund" die Reinigung deS Schnapse! beireibt! Dieser Edle, Smith ist sein Name,„sorgt" mit aller Energie dafür, daß die Schweden einen guten, rcinen Trunk genießen können und giebt somit der Welt ein Beispiel, wie's gemacht werden muß. ES geht jedoch nichts üacr eine gute Thai und namentlich dann nicht, wenn man durch eine solche zunähst den nöthigen Mammon, und dann als Zugabe noch den Ruhm erhält, ein Freund der Menschheit zu sein.— W'an diese Leutchen doch zunächst ihre Thätigkeit auf die Aufbesserung der Lage der Arbeiter richten wollien. und dahin Wicken wllc- den, daß dieselben ein gutes Glas Bier konsumiren können, fie hätten dann gar nicht nöchig, fich über den Maffenkonsum von Branntwein durch die Arbeiter aufzuregen, da letztere dann auf den Genuß des„reinen" wie auch des„unreinen" gern verzichten würden. Auf Grund des Sozialistengesetzes hat die Königliche KreiShauptmannschaßt»u Leip.ig, die nicht periodische Druck- schrifl:„Vorwärts! Eine Sammlung von G-dichten für das arbeitende Volk" verboten. Aus Sachsen wiid der„Volkszeit." geschrieben: Den politisch vo geslüriltenen Elementen wirb vielfach vorgeworfen, daß durch ihr Auftreten auch die Uastitlichkett geförbert wü de, und überall, besonders aber auch in unserer LunoeShauprstadt Dresden ist man sofort bereit, poacisärsch auf Berlin zu blicken und zu rufen:„Seht, wir Dräsner sein boch bcssere Menschen!" Die konservativen„Dresben-r Nachrichten" üben viese Ge- vflogenheit im Jahre 365 Mil— das Blait erscheint auch MontagS. Auf Berlin dlickm die Dresdener Konservativen mit gut geheucheltem Grauen. Das liebe Dresden ist nun eine — gut konservative Stadt, wie es bei den letzten Reichstags- wählen bewiesen worden, aus denen bekanntlich ein konseivativ- antisemitischer Herr mit erheblicher Majorität hervorgegangen ist. Aus demselben Monare nun, in welchem die konservative Wahl gelang, aus dem Monat Oktober, liegen uns Nachrichten des statistischen AmteS der S>adt Dresden vor, aus denen zu ersehen ist, daß unter 716 Geburten in diesem Monat 122 uneheliche stch befinden. DaS sind etwas mehr als 16 Prozent, während die demokratische Stadt Berlin sich im Durchschnitt mit etwas über 16 Prozent fich begnügt. Also weg wit dem Splitter! Miine Dresdner loa ervativen Landeleute sollten den Balken im eigenen Auge nicht außer Acht lassen.— Die Herren Konservativen in Dresden hatten einen eigentbümlicken Koup vorbereitet. Sie wollien nämlich die Krankcnkaffen-Vo stünde am letzten Sonntag veranlassen, eine schon f.ührr beschlossene Petition an den Reichstag zuerst dem Herrn Reichst rgabgeord- neten Haittoig zu übermitteln, damit die Krankt nkasscn nach und nach in das reaktionäre Fahrwasser übergeleitet würden. Mit sehr großer Majorität aber beschloffen die Vorstände, nicht auf dirsen anrisemilisch.rcaktionären Leim zu aehen und ver- warfen den von einem Zanftb-uder gestellten Antrag. Daraus braven Sohn zuwinkt, und da schien sie ihm zu sagen: „So ist's recht! Ich Hab noch in der Ewigkeit drüben eine rechte Freud' mit Dir, mein lieber, guter Jakob!'' Die bösen Versucher drängten sich gar oft an den schlichten Gstettenfuhrmann heran und sagten»hm:„Dummer Mensch, der Du bist, waS plagst und schindest Du Dich denn so für eine Person, die Dir schließlich fremd ist. Warum legst Du ihr dag ganze Geld, das wir verdienen, ouf den Tisch! Wer kann Dir Etwas beweisen, wenn Dir einige Guldenzettel im eigenen Sack bleiben! Wen» die Alte einmal die Augen zudrückt, bist Du miede.' der Niemand und kannst Dich als Knecht verdingen. Dammer Kerl! Streif die paar Flör'l ein und leg' das Geld schön zusammen!" „Ehrlich währt am längsten!" sagte sich dann der Jakob, glättete die schönen Gulbennoten, legte sie sorgsam zu einem Häufchen zusammen und trug das Gelb der Zieh- mutier hin, die, von gichtischen Schmerzen geplagt, in dem großen draunledernen Lehnstule saß und ordentlich gesund wurde, wenn ihr braver Schackerl eintrat. Der Jakob ging dann in den Stall, schaute nach den P fersen und legte sich endlich zu Bette. Aber mit dem Schlafen hatte es sein„Hakerl"; so sehr sich der ermattete Ko.per nach Ruhe sehnte, die müden Lider über die Augen fielen, der Schackerl wälzte fich oft bis zum Morgengrauen auf seinem Lager, ohne daß er auch nur eine Sekunde geschlafen hätte. Und daran war nun niemand And rer schuld, als die herrliche Leopo'dine, die schöne Tochter der Ziehmutter de« frühverwaisten Jünzlings. Ge- rade so wie damals vor vielen Jahren seine Matter auf der Augartenbrücke mit dem Sturme gekämpft, so kämpfte er jetzt mit dem mächtigen Sturme, der in seinem Herzen tobte und das Nahen des Liebesfrühlings verkündete. «Narr! Narr!" sagte er sich wohl tausendmal...Wa» glaubst Du? Die Poldi wird Dich nehmen. Dich, einen Menschen, den man au« Gnad' uns Barmherzigkeit von der Straße genommen, und der verdorben wäre, hätte er nicht die brave Ziehmutter gefunden. Undankbarer' Du erhebst Dein Auge zur schönen Tochter des Hauses, die morgen einen reichen Hausherrn heirathen könnte, und willst ihr Gesch'ck an das Derne ketten, an Dein Geschick, Du arm- seliger Gftettenkutscher! Was ahnte der Schackerl, daß die Leopoldine-• selben Gefühle» für ihn deseeli sei, als er" geht jedenfalls die große Popularität hervor, an welcher gerade der erwählte Reichstag Abgeordnete für Dresden jetzt schon zu leiden anfängt.— Vor mehreren Jahren wurde ein junger Oesterreicher, Namens Greg«, vom Dresdner Gericht zu 18 Monaten Zuchthaus wegen Betrugs und Fälschung verurtheilt. Nachdem der Verurtheilre die harte Strafe„verbüßt" hat, stellt stch nunmehr seine Unscbuld heraus-— Zum Schluffe dieser Korrespondenz noch etwas HeitcreS. In einer kleinen Stadt bei Leipzig— die ,�eipz. Nachr." verichweigen den Namen— brach vor Kurzem um Mitternacht in einer Rübenzuckerfabcrl Feuer aus. Als der Nachtwächter den Verrn Branddirektor davon in Kenntniß setzt«, fiel dieser, ein kleiner dicker Mann, vor Schreck in Ohnmacht. Er erholte fich erst wieder, als dre G-fahr vorüber war- Die ,�eipz. Nachr." erklären, den Fall verbürgen zu können. In Württemberg hat die Abgeordnetenkammer ern neues Gesetz betreffend daS Gemeindebürgerrecht angenommen. Früher mußte dieses Recht durch eine vnhältmß- mäßig hohe Summe«kauft werden. In Zukunft soll jeder unbescholtene wü.ttewbergische Staatsangehörige gegen Zahlung von 2 Mark und einer weiteren ottsstatutarisch festzusetzenden Gebühr von 5—25 M. in jeder Gemeinde Bürger mit Ge» meindewahlrrcht werden- An den Gemeindenutzungen kann er indeß nur thellnehmen, wenn er noch ein besonderes„Einstands- geld" bezahlt. Gegen Ausweisung aus dn Gemeinde verleiht das Bürgerrecht Schutz. Nach einem von der Kammer zum Be'chluß erhobenen Amendement sollen auch Frauen das Bürgerrecht, das erblich sein soll, erwerben können. Frankreich. Die Kammer lehnte gestern in der Budget- debatle Paul Bett's Antrag, 7 Millionen zur Aufbesserung des Gehalts der Volksschullehrer zu dewilligen, ab und votirte dafür Klos anderthaib Millionen.— Angestchts Campenon's hartnäckigen Widerstands gegen die Mobllifirung einer einheit- lichen Aimceabtheilung will Ferry wieder versuchen, durch Heranziehung einiger Leute aus jeder Kompagnie der ganzen Armee Marschregimenter zu improvifiren.— Handelsministcr Rouvier dielt in der allgemeinen Versammlung d« Gewerbe- syndikatskammern eine Rede zu Gunsten des Freihandels. „Frankreich", sagte er.„steht an der Spitze der Zivilisation. Wir find geschickter als unsere Nachbarn; wir machen Alles bcsi« als sie: wir haben allen Vortheil vom Freihandel."— Da About's fortgesetzte Angriffe gegen die Gambettisten diesen unbequem wurden, lauften sie mit Hilfe ihr« Finanzleute die Aktien seines BlatteS„XIX. Swcle" auf und überrumpelten ihn in der gestrigen Generalversammlung mit dem Beschlüsse, das Unternehmen zu liquiviren. About strengte sofort einen Prozeß gegen diesen Beschluß an. den er für ungesetzlich er- klärt.— Ter von den pariser Blättern veröffentlichte Protest des Königs von Kambodscha gegen das Auftreten des Gouv rncurs von Cockinchina, der ihn durch die Drohung, ihn als Gefangenen wegzuschleppen, zwang, seinen königlichen Rechten zu' Gunsten Frankreichs zu entsagen, wurde dem Präfi- dentcn der Republik direkt eingehändigt und von seinem Schmie- gersobne Wilson an die Zeitungen gegeben. Der Präfident drauftragte Ferry, die Sache zu untersuchen, und dieser be- schloß, den Gouverneur von Cochtnchina, Thomsen, nach Paris kommen zu lassen, um nähere Ausschluss« zu erhalten.— Auß?r der Depesche des Generals Briere de l'JSle, in welcher der elbe von einem neuen Kampf zwischen Franzosen und Chinesen meldet, erhielt der Minister des Aeußern eine weitere Depesche, welche ihm mittheilt, daß die Chinesen große See- rüstungen machen und sich aus einen kräftigen Widerstand zur See vorbereiten. Das Kommando ihrer Schiffe haben fie europäischen Osfizi«en, namentlich englischen und italttnischen, anvertraut. Dre Depesche meldet serner, daß alle chinefiscken Kreuzer von Shanghai abberufen worden, die dortigen Behörden aber Befehl raben, einem jeden französischen Schiff die Verproviantirung mir Lel und Kohlen zu untersagen. Wu- Sung wird sofort abgeschlossen und dort nur noch neutralen Schiffen Zufall gewährt werden.— Louise Michel soll sehr leidend sein. Wie cs früher hieß, soll dieselbe am Neujahrs- tage begnadigt weiden. Auch Spanieu bleibt von der allgemeinen Bewegung, welche stch überall bemerkbar macht, nicht verschont. Aus Madrid wird vom Donnerstag telegraphirt: In Saragossa hat eine Monis. station von Arbeitern stattgefunden, welche Beschäftigung verlangten. Dieselbe trug einen durchaus friedlichen Charakter. DerPräftkt und der Maire versprachen, die öffentlichen Arbeiten zu vermehren, um die mißliche Lage der Arbeit« zu«leichtern. Freilich sind das nur Palliativ- mittel. Türkei. Die Unzufriedenheit unter den Truppen ist noch nicht verschwunden und die Militärbehörden finden es ange- zeigt, die Wacken in den hauptstädtischen Kasernen zu ver- doppeln. Die Soldaten, welche jüngst anläßlich der Beendigung ihrer Tnnstzeit abgelohnt wurden, haben sich geweigert, nach ihren Dörfern im Innern zurückzukehren, aus dem Grunde, daß ihrer dort nichts als Elend harre. Sie wollen nicht nach Mädcken wußte sich zu beherrschen und war kalt und frostiz gegen ihn, daß ihm gar oft die Thränen ,n die Augen traten, wenn es ihn barsch anfuhr oder gar ohne Gruß oder Gegengruß verließ. Aber die Mutter aar ja da und ihr Auge hatte tief in die Herzen der Kinder geschaut und das zarte Blümchen gegenseitiger, inniger Zuneigung ge- sehen, das da unter dem warmen Hauche dcS Liebesfrüh« lings lustig keimte und sproßte. Als Frau Ernst schwer krank daniederlag und fühlte,-daß an ihrem; Bette schon der unbarmherzige Sensenmann stehe, da rief sie die Poldi und den Jakob zu sich heran und sprach:„Kin- d«! Mir ist's heut' Nacht vorgegangen, daß ich die Geschichte zwischen Euch in'S Reine bringen muß." — Eine flammende Rothe zog auf dem Antlitze des Mäd- chens auf, d« Schackel fühlte, wie das ganze Blut stch ihm in die Wangen drängte.„Ich hab's seit Langem gesehen, daß Ihr Euch gern habt und mem letztes Wort sei ein Segen für Euren Herzensbund!" Die Liebenden hielten stch umfangen an der Leiche der Mutter. Mittwoch beim Morgengrauen spannte der Schackerl seine zwei schweren Salzburger Rosse in den Wagen und winkte der Poldi, die am Fenster stand, lachend mit der Peitsche zu. Er hatte eine Fuhr nach Simmerivg und unter seinem Kotzen lag, in Zeitungspapier eingewickelt, ein Stück Hanszeselchtes, das ihm die Braut mitgegeben. Ein Orkan raste durch die Straßen; da in der Haupt- straße des dritten Bezirkes flogen Ziegelsteine von einem Dache, eines der Trümmer fiel auf den Köpf des Gstettenkutschers Jacob Kadlitz, d« betäubt von seinem �'�Die'Poldi war entsetzt, als man ihren Bräutigam in solchem Zustande nach Hause brachte. Die Aerzte haben nicht alle Hoffnung aufgegeben und verlangen die größte Ruhe für den Kranken, der da in Fieber- Phantasien in seinem Bette liegt und ein über das andere Mal nach dem Kopse greife und ruft:„Der Wind— der Wind— meine Mutter ist todt— Poldi, ich will nicht so sterben wie meine Mutter gestorben ist."-- , c[■ ntl'ch ist dos Geschick gnädig und läßt den armen, braven E ckerl genesen. Muß es denn sein, daß er ster- � soll, wie seine arme Mutter?-- der Heimath zurückkehren, um Gegenstände d« Erpressung I seitens d« unt«geordneten Behörden zu weiden, und fie haben keine AuZstcht auf Verdienst durch landwirthschaftliche Arbeit. Großbritannien. Wie fich nackträal'ch hnausstellt, be- steht der Inhalt der gestern von der Polizei in Dover be- schlagnahmten Kiste nicht aus Dynamit, sondern aus Pulver, welches zur Sprengung von Minen angewandt wird. MMmeuwrterKes. — Nach"Dtm(jetzt im Reichstage eingebrachten) Gesetz- entwurf, betreffend die Ausdehnung der Unfall- und Krankenversicherung, soll das Gesetz vom 6. Juli 1884 auf den gesammten Betrieb der Post-, Telegraphen- und Eisenbahnvnwaltungen, sowie sämmtliche Betriebe der Marine- und Heeresverwaltungen, und zwar emschließeich der Bauten, welche von diesen Verwaltungen für eigene Rechnung ausge- führt werden; ferner auf den Bagg««betried, den gewerbs- mäßigen Fuhrwerks- Binnenschifffahrts-, Flößerei-, Prahm- und Fährbetrieb, sowie den Giw«bebetrieb deS Schiffziehens, den gewerdSmäßigen Speditions-, Speicher- und Kellereibetrieb und den Gkwervedetrieb der Güterpacker, Güterlader, Schaffer, Bracker, Wäger, Miss«, Slbauer und Stauer ausgedehnt wer- den. Indessen ist für die Post-, Telegraphen-, Marine- und Heeresverwaltungen, sowie für die vom Reiche od« von einem Bundesstaate für Reichs- oder Staatsrechnung verwalteten Eisenbahn-, Binnenschifffahrts- und Baggereibetliebe die berufs- genossenschaftliche Organisation beseitigt, in der Erwägung, daß die Staatseisenbahnb-triebe(und was von diesen gilt, gilt auch von den übrigen vorgenannten), wenn fie in Berufs- genossrnschaften eintreten, vermöge ihres Urnfanges und des sich daraus ergebenden UebergewichtS das aenossenschafllich: Leben beeinträchtigen würden", wahrend„dreselben als selbstständige Träg« d« Unfalloerfichnung den Vortheil bieten, daß ihre bereits vorhandene Verwaltungs- und Behörden-Ocganisation ohne Wntnes auch für die Unfallverficherung der tn diesen Betrieben beschäftigten Arbeiter verwerthet werden kann." Dieses Verfahren hat dann nach der Begründung den Vorzug, daß es ermöglicht, sämmtliche Betriebe der(vorgenannten) Ver- waltungen, auch die sonst nicht verficherungspfl chtigm. z B. die handwerksmäßigen und die landwirthschafttichcn(Gestüts-) Betriebe der Unfallverficherung zu unterwerfen. Dabei sollen die Interessen der Arbeiter auch hier rollen Schutz finden und demgemäß nicht nur eine Vertretung der Arbeiter und Schiedsgerichte gebildet werden, sondern es soll auch die richterliche Instanz des Verficherungsamts in vollem Umfange zur Geltung kommen." Die Unsallvnficherung auf Grund djeseS Gesetzes bezieht fich indessm nur auf die in den betr. Reichs- und Staatsverwaltungen beschäftigten Personen, in so weit sie nicht fest angestellte Beamte find.„In so weit diese letzteren in Frage kommen, nnt«liegt die Sicherung derselben gegen die Folgen von Unfällen im Wege der dienstpragmalischen Gesetzgebung zur Zeit der Erwägung." Auf die Privatbetriebe, welche unter das Gesetz fallen, findet die berussgenossenschafrliche Organisation mit der Abänderung Anwendung, daß für die Abglchrzung und Eintheilung der Eisenbahngenoffcnschasten völlig freie Hand gelassen ist. Die organisatorischen Bcstim- mungen des Gesetzes sollen mit dem Tage der Verkündigung desselben, die übrigen an dem durch einen mit Zustimmung des Bundesraths durch kaiserliche Verordnung bestimmten Zeit- punlt in Kraft treten. D o K tt l e s. Für die Bevflanzung d« Promenaden und Straßen find tn dem nächstjährigen Elatsentwutf der städtischen Park- und Garter.verwaitung für 1885—86 50000 Mark angesetzt urd es steht zu hoffen, daß damit zur Slraßenbepflanzung mit Bäumen, die seiner Zeit die Ursache zur Anlage der Baum- schule in Trevtow gewesen ist, in stärkerer Werse als bisher geschritten werden tarn. Die Anfänge hierzu, wie fie z. B. cm Schiffbauerdamm im vergangenen Jahre gemacht worden sind, haben wenigstens den Belheiligien bohe Befriedigung gewährt, und es giebt wohl kaum einen Theil der städtischen Verwaltung, der dcn Bewohnern dn Stadt mit verhällniß- mäßig gerinaen Kosten so v el Genuß und Freud: bereitet, als gerade die Park- und Gartenverwaltung. Und daß die Be- völkerung für diesen Genuß empfänglich und dankbar ist, geht doch wohl unzweifelhatt aus d« Thatsache hervor, daß Be- schädigungen an einer der vierzehnhundert Sitzbänke oder der unzähligen Bäume und Sträuchec in den stäotischen Garten- anlagen zu den allergrößten Seltenheiten gehören. Gewiß ein Beweis, daß der Berliner crkecn lich ist für jedes grüne Blatt, das durch Fürsorge der städtischen Behörden den Rcsioenz- bewohnern Ersatz für die sonst vielfach mangelnde Möglichkeil, sich an d« frischen Natur zu ersr uen, geboten wird. g- Um die Inhaber von Ttadtbahn-Btllets vor V«- Irrsten zu schützen, machen wir da auf aufmerksam, daß mit dem Ablauf des 31. d. Mts. die für den inneren Verkehr d« Berliner EtMbahn und der Berlin« Ringbahn, sowie die für dcn Stadtringvnkehr bestehenden Tourbilletg für Er- wachsene und für Kinder, einschließlich der Bündeldillkte, welche mit dem Ausdruck„Güliig bis 31. Dezember 1884" versehen sind, ihre Gültigkeit verlieren, desgleichen die mit demselben Ausdruck versehenen Billets für Hunde. d. Im Dezember und Januar sollte der Schulunterricht «st um 8'/- Uhr beginnen, damit die Kinder das Elternhaus wenigstens nickt eb« verlassen brauchten, als bis es vollständig hell ist. In den Morgenstunden ficht man in unseren Hinter- Häusern j.tzt überall die Lampen brennen und Eitern und Dienstboten stch abhasten, um die armen bald v«schlafencn Kleinen zu waschen und anzuziehen. Bei Lampenlicht jagen fie ihr Frühstück hinab— der Kaffee hat stch noch nicht einmal ordentlich gesetzt, tappen dann über die noch halb schlumn'.enge St aße nach d« Schule. Kein Wunder, daß sich in diesen beiden Monaten die Strafen wegen Unaufm«l>amkrtt so sehr häufen. .Zur Förderung und Erleichterung deS Neujahrs- Vriefverkehrt soll es, wie in den Vorjahren, gestatte! sein, daß Stadt bliese, Posikarien und Drucksache,!, dnen Bestellung in-«lin am 1. Januar früh gewünscht wird, bereiis vom 26. Dezember ab zur Eml.eferurg gelangen können. D.w Ab- send« hat derartige Briefe, welche«nzelnd-.rch Po, tweuhzeich-n stankrrt stm müssen, in einen Umschlag u. s. w. zu legen und dresen mit dem Vermerk:„Hierin srankirte Neujahrs-Briefe für den Ort"_ und mit der Ausschritt:„An das kaiserlich: Stadt- postamt hier, C." zu versehen. Die derartig hergest.llten Leu- dangen, für welche eine besondele Frankirung nich; in Anspruch genommen wnd, können entweder an den Annahm:schaliern der hlesigen Postanstalten abgegeben od«, soweit es d-r Umfang ötstaltet, rn die Bnefkasten grlegt werden. Hierbei muß aus- drückach bemerkt werden, daß die Einrichtung sich ledialich auf die tn Verlm veib'.nbenden srankirten Briete erstreck!. D« lalseillche Oder-Postdirektor ersucht, im Interesse des belheilig- tcn Hablikuins von dies« Eimichtung einrn möglichst ausge- dehnten G-b:auch zu machen. Unglückliche Liebe. Aus dem Hause Kursürstenstraße Nr. 4 tonten in vorvergangrner Nacht angstvolle Hilferuf- von emer weiblrchen Stimme. Dort wohnt nämlich eine sechSund- zwanzigjährige Näherin, eine sonst ganz ruhige Person, die vlotzlich wahnfinmg geworden war. Sie sollte nach einer Krankenanstalt gefahren werden, ab« drei Schutzleute waren nicht im Stande, dre Unglückliche in die Droschke zu bringen. Sie schrie unaufhorl'ch:„Ick weiß schon. wo cs hingehen soll. Nein, nem, nicht naa, dieser Mörd-rgrube 1" Erst nachdem cs gelungen war, fie durch eine Zwangsjacke zu fesseln, konnte ihr Tiansporl nach dem Kiankcnhause erfolgen. Un- glückliche Lüde hatte die Arme schon vor vier Jahren irr- finnig gemacht. Damals wurde fie gehellt aus der Neu« Chantee entlassen. Jetzt ist mit verstÄrn« Wuth ein Rückfall eingetreten. g. Zur See gegangen. Der 16 Jahre alte Sohn des in der Friedrichstraße wohnenden Herrenschneiders Klein iß plötzlich vnschwundcn und find die seitens der Polizeibebörde bisher angestellten Recherchen resultats geblieben. D« Vater glaubte Anhaltspunkte zu haben, daß fem Sohn fich zur See begeben habe und reiste sofort nach Hamburg, woselbst er auch in Erfahrung brachte, daß s-.in Sohn in einem dorrigen Hotel eine Nacht logirt hatte. K. hatte erst vor Kurzem seine Lehr« zeit beendet, und da er schon früh« geäuß«t, er wolle Schiffs« junge:c. wttden, so nehmen die Angehörigen an, daß es dem Vermißten gelungen ist, mit einem gerade in See gegangenen Schiff Europa zu verlassen. g. Das tragische Ende eine» jungen ManneS in Lichterselde, welch« dort vor einigen Tagen beerdigt wurde, «regt allseitig Theilnahme. Derselbe befand sich kurz vorher auf einem Tanzkränzchen, bei welchem ein Freund von Hinten plöslich auf den ahnungslosen Mann trat und ihn etwas heftig auf die Schultern schlug. Hierdurch erhielt er einen s» gewaltigen Schreck, daß er sofort nach feiner Wohnung geschafft werden mußte, woselbst er kurze Zeit darauf verstarb.> a. Ein reumüthiger Schwindler. In das H.'sche Farbenwaarengeschäft in d« Kleinen Hamburgerstraße kam am 17. d. MlS. ein jung« Mann, welcher ein Schreiben des mit dem H'scken Geschäft in Verbindung stehenden Malermeisters L. zu Groß-Lichterseldc überreichte. In diesem Schreiben er» suchte L. um ein sofortiges Darlehn von 100 Mark und um Sendung von ein Faß Firniß und ein Faß Zinkgrau nach dem neuen Packhof. Da Kaufmann H. die Handschrift seines Kunden L. kannte und sofort«kannte, daß der Blies von diesem nicht geschrieben worden war, so richtele er an den Boten die Frage, wer den Brief geschrieben hätte. Dieser be« zeichnete den Buchhalter des L. als den Schreiber. Dem Kaufmann war bekannt, daß L. bei dem neuen Packhof mit größeren Arbeiten b-schäftigt war und nahm deshalb keinen Anstand, dem Boten die 100 M. zu geben und die W raren nach dem neuen Packhof zu senden, wo fie von einem daselbst befindlichen Aufseher in Empfang genommen wurden. A« folgenden Tage«fuhr die Firma von dem üb« die Waaren« senoung erstaunten Mal« L., daß der Bestcllbrief nicht von ihm herrührte und daß er die 100 M., welche dem Boten ge« geben worden, gar nicht«halten hätte. Er bezeichnete als den vermuthlichen Thäter dcn früher bei ihm beschäftigt ge« wesenen Male, gehülfen R. Inzwischen hatte fich dieser Maler« gehülfe R. freiwillig bei der Polizeibehörde gestellt und einge« räumt, den erzahlten Betrug verübt zu haben. Nach scinel Darstellung wäre er dazu von einem ihm nur dem Vornamen („Gustav") nach bekanntm Mann in einer Destillation der Jnvalidenstraße angestiftet worden, welch« den erwähnten Brief geschrieben und ihm eingehändigt hatte, und mit welchem er solann die 100 Mk. gelhnlt hätte. Da vermuthl-ch R noch wettere ähnliche Betrupc.fälle verübt hat, so verdient er« wähnt zu werden, daß er die von ihm im H.'schen Geschäft ausgestellte Quittung über 100 Mk. mit dem Namen„Richard Giesen" Unterzeichner hat. Ein weiterer in gleicher Weise von R. vnübt« Äeuug wurde von ihm gegen ven Kaufmann K- in d« Louiser.straße mrtgesübrt. Bei diesem«schien er mit einem Briefe des Malermeisters K. am Leipziger Platz, in welchem er um Zusendung von Waaren und von 50 Mark baar als Darlehn«sucht wurde. Da der Bote stch mit den Verhältnissen des Malers K., der mit dem Adressaten in Ge« schäflsverbindung steht, vertraut zeigte, so wurden ihm die 50 Mark anstandslos ausgehäadigt. R, welcher ehemals bei dem Maler K. in Stellung gewesen war. hat auch diesen Be« trugsfall eingeräumt. Heut ist R. zur Unlersuchungehast ge« bracht worden. a. Kein Durchgänger aber Selbstmörder. Der vor einigen Tagen, am 16. d. M Abends, unter dem Verdacht der Unterschlagung vnschwucdene Lehrling in einem hiestge« Bankgeschäft, Watter Bernhardy, hat die vermuthele Unter« schlagung nicht begangen und er wurde gestern als Leiche auf' gefunden. B. hat die ihm von seinem Prinzipal iid«gibenen Geldsendungen sofort zu einem Postamt(welches allerdings nicht mit dem nächstgelegenen und von der Firma seines Prinzi' pals regelmäßig benutzten Postamt nicht iventrsch ist) g bracht und da aufgegeben. Das Eintreffen d« Sendungen ist von den Adressaten bereits hierher gemeldet worden. Nach der Besorgung der Sendnngen begab fich B. nach einem Gasthof in der Köpnickeistraße, woselbst er unter and«cm Namen ein Zimmer miethete und fich daselbst am folgenden Morgen mit Kleesalz««giftete. Ueber die Veranlassung zum Selbstmord konnte Näheres bis jetzt nicht festgestellt werven. Uebrrtiicbe« nes Ehrgefühl scheint den hoffnungsvollen jungen Mann ZU der Thai getrieben zu haben. g. Uever eine», mit großer Frechheit ausgeführte» Einbruch und die Verhaftung des Thäters wird uns sft' schrieben: In der Nacht zum letzten Dienstag gegen 12 Uhr bemerkte der Revierwächter der Prenzlauer Allee, daß an dek Ecke des früheren Taraschwitzscken Weges ein Mann den Kcllerhals des an dieser Ecke befindlichen Dosinskyilyen Hauses «stieg und fich durch Oeffncn eines Fenst«s Eingang in die Räume des Parterre-Restauiants verschaffte. Dn Wächte: be« merkte fern«, daß der Mann ein Licht anzündete, hinter den Ladentisch trat, die Kasse ausräumte und sich dann mit dein Licht nach dcn hinteren, den Schlafräumen des Restauratcurs, begab. Nun öffnete der observirende Wächter dos Haus, allal' mirte die auf dem Hofe des Grundstücks wohnenden Leu« eines Federviehhändlers und nachdem dies geschehen, rief# von der Straße aus durch daZ offene Partercekenster sebr lam den Namen des Rcftaurateus. Als dieser in Folge dessen er- wachte, sah er vor seinem Bette den Einbrecher, welch« detti» die auf einem Stuhle liegend! n Beinkleid« des Restaurateuis eingehend revrdirie und das dann befindlich gewesene Gel" sich angeeignet hatte. Der Restamateur svrang emvor und wollte fick auf dcn frechen Emdringling stürzen, aber dtftrt machte Miene, mit einem Brecheisen aus den Restaura eur ein' zuschlagen. Es gelang demselben, sich den Verbrecher wu einem großen Messer vom Leibe zu halten, das bei seinein Bette lag und mit welchem er ihn auch zu dem Fenster und durch dasselbe drängte, woselbst er von dem Wächter und mehreren anr«en Pnsonen in Empfang genommen ivurttt- Auf dem Wege zur Polirelwache wart stch d« Einbrecher, u" Mann in den dreißig« Jahren und sehr stark gebaut, wieder' holt zur Erde und konnte nur mit großen Anstrengungtir nach der Wache gebracht weiden. In seinen Taschen � fanden fich noch m.hrcre Wülste, welche er ebenfalls bei d«? Restaurateur gestohlen halte. Dem ihn vernehmenden Polizei' Lieutenant gcgenüb« gab er an, die Roth habe ihn zu dem Einbrüche getiieben. b. Ein Schwindler erster Größe macht fich in«inc� Laden der Friebrichstraße breit. Da der Zauber:„Ger. Aus« verkauf. Der Verwalter" nicht mehr zieht, so hat# drt G.schäftS-Jnhaber ein richtiges Formular eines ft«iÄ>lichcN Kon kurs-V, rwalters»«schaff!, ein Aktenzeichen fingi-t und eine» unleserlichen Namen darunter gesetzt. Nur das Fehlen®c' StemvelS verräth den Shwindei. Neber einen Eisenbahnunfall, welch« kürzlich auf de* h"sigen Stettin er Bahnbose dem Stettin« Person'"� widerfuhr und von dem bisher Nichts zur allgemetnen Ken*' gelangt«, schreibt ein Les« der„Neuen St-ttiner Zei'uog. ;«r den 12. d, von Stettin 6 Uhr 33 MiirU--" Ärfc* lg usammengtnommm, als es einen Krach und einen heftigen Ruck gab, durch welchen ich geqen daS offene Fenster des Waggons geworfen wurde, worauf ich betäubt zurückfiel- Dabei erhielt ick eine Wunde am linken Auge, und außer mir haben, so viel ich weiß, noch zwei Paffagiere leichte Kontusionen davongetragen. Als wir den Wagen verließen, sahen wir, daß die Maschine, welche weit über ihr Ziel hinaus gegangen, die am Ende des Geleises befindlichen Prellpuffer umgeknickt hatte und in die Granitsteine, die den Perron einfaffen, hineinge- fahren war. Nicht nur die Maschine, sondern auch ein Gepäckwagen, der in einen darauf folgenden Wagen sich hineinge- drängt hatte, war sehr rampomrt. Beide, sowie der Post- wagen, waren dabei aus dem Geleise gekommen."— Vorstehende Mittheilung wird uns von einem Abonnenten, der sich ebenfalls in jenem Zuge befand, vollinhaltlich bestätigt. N. Ein größerer Gcflügetdiebstaht ist in der v-rgange- nen Nicht bei einer Wittwe D. in dem benachbarten Britz verübt worden. Die Diele, nach dm Spuren zu urtheilen, müffen es mehrere gewesen sein, sind gewaltsam in den ver- schlossenm Hühnerstall eingedrungen und babm aus demselben 20 Hühner geraubt. Die Frechheit der Diebe war so groß, daß sie die Hühner in aller Ruhe an Ort und Stelle ab- schlachteten und dann eist mitnahmm. N. Ein bedauerlicher Unglücksfall, der die lebensge- fihrliche Verletzung eines Menschen zur Folge hatte, trug sich, w e nacktiäglich zur amtlichen Kenntniß gelangt, vor einigen Tagen in der Luxusmöbelfabrik von Sch. in der Naunynstraße zu. Ein doit beschäftigter Geselle Franz Kuntze hatte bei seiner Arbeit das Unglück, sich einen Behälter mit brennendem Ep'rttus auf den Leib zu werfen und dadurch seine Kleider in Brand zu seym. Obw hl sofoit ein anderer Geselle hinzu- sprang und den lichterloh Brennenden mit einem Tuche de- Wie, um die Flammen zu ersticken und andererseits die ent> ftandenen Brandwunden mit Baumöl bedeckt wurden, so mußte der Verunglückte doch in ärztliche Behandlung gegeben werdm. Sein Zustand soll ein sehr bedenklicher sein. Belle-Alliance-Theater. Auch die morgende Sonntags- Vorstellung findet zu gewöhnlichen WochentagSpreistn statt, wädrend zu den beiden letzten Vorstellungen vor Weihnacht (Montag und Dienstag) halbe Kaffenpreise gellen. An allen d Tagen kommt das effektvolle Vollsschauspiel„Deborah" von Mosentoal zur Aufführung. ., Polizei-Bericht. Am 18. d. M. Morgens steckte der Ar- bester Schmidtchen, Fliedenstraße 85 wohnhaft, im krankhaften Zustande die Strohsäcke seines Bettes und des Bettes seiner Jächestau in Brand. Das hierdurch entstandene Feuer wurde durch die Feuerwehr in kurzer Zeit gelöscht und Schmidtchen nach der Eha-ite gcb:acht.— An demselben Tage Mittags wurde eine Frau in ihrer in der Mühlenstraße belegenen Wohiung an einem Garvinenhaken und einige Zeit später ein Mann in seiner Wohnung, Blumenstraße, an der Thürangcl seines Schlafzimmers erbänat vorgefunden.— Am Nachmittage d'ffe den Tages siel ver Gürtler Kretschmann in der Prenzlauerstr. vlötzlich zur E? de und verstarb auf der Stelle, wahrscheinlich Ul Folge eines Herzschlages. Die Leiche wurde nach dem Ob- dultionsbause geschafft.— An demselben Tage Aderds fiel der Kutscher Ktaun auf dem Hofe des Grundstücks Neander- maße 11/12 von einem beladcncn Kohlenwagen und erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er kurze Zeit darauf "«starb. Gerickts-Leitung. ��Dchticrntt-iHttentat bei der EnthüllungSfeier des Aiederwald-Densmals vor dem Reichs-Gericht. tFortsetzung auS dem Hauptblatt.) v».:.H°ben Sie dem Rupkch gesagt: eine Zündschnur, # ste kaufen solle, brenne 15 bis 20 Minuten?— 3t.: a* weiß ich auch nicht mehr. Restamateur Porsberger(Mainz), der Wirth der zur Zeit v�vgoiisch rrbauten'Festhalle in RüdeSheim, giebt eine genaue �'lchreibunz der Einrichtung der Festhalle. Es sind bcschävigt . ordcn: Wein, Goulasch, Kalbekotelettes und Kalbsnieren- (Allgemeine Heiterkeit, in die auch die Angeklagten, besonders Reinsdorf einstimmen) Die Explosion erfolgte J/./s- September gegen 8 Uhr Abends, zu einer Zeit, zu M. t Konzert in ver Festhalte stattfanv und dieselbe mit Loschen gefüllt war. In den VorrathSraum kam hin und �os Kochperkonal hinein. 0.„ sslifer Lauter(RüdeSheim): Am 28 September, Abends Jv'k-8 �r' babe er aus der Vorrathskammer Wein geholt. «T.oorti«r plötzlich einen heftigen Knall, er wurde weit weg- iL, i"s und konnte viele Stunden lang nichts hören. '-?alb der Bretterwand sei eine Vertiefung gewesen. 9). sachverständiger, Major und Kommandeur des Rheinischen lui nhtetbainiUons Pagenstecher(Koblenz): Wenn die Explosion stl,.? Niederwald erfolgt wäre, dann wären die vorüber- ton« Üfe Wagm in böchstem Maße gefährdet gewesen und «»".bürfe wohl mit Sicherheit sagen, daß die in dem Wagen sehn,.. Menschen getövtet worden wären. Obwohl Zünd- regelmäßig brenne, so lasse fich doch eine Berech- Hiff.B nach Sekunden nickt machen und die Attentäter konnten ie? 0m't Sicherheit berechnen, daß der Wagen Sr. Majestät SiflWt, aerade getroffen werden würde. Die Explosion in Aerii t tm könne nur von der Stelle auS erfolgt sein, wo die ft.«efung gefunden worden. Minichen, die fich zur Zeit im v�.5"we der Festhalle befanden, seien aufs Aeußeiste gefährdet ti* Wenn der Killer Lauter fich an einer andern Stelle bg£�°�oume der Fisthalle befunden hätte, wäre seine Tödtung in wahrschei'nliw gewesen. Ein nasser Schwamm, wie er stin �55 öcö Regens auf dem Niedermaiv beschaffen gewesen in... D...1....!*♦«.rhr.nn-fl Ilm "'Uen ei u...vV.v.., aber nicht verbrennen. Um iu befestigen, sei es erforderlich gewesen, die Aknen zu durchschneiden Selbst wasserdichle Zündschnuren bar bn6®fnn �e sehr durchnäßt seien, versagen. Es sei denk- to-rx." ome total durchnäßte Zündschnur, wenn sie aufgehoben Hicke zufalle. bei Kretzschmer(Naumburg a. S.): Rupsch hat lich-n Sattlerhandwerk gelernt: er war ein sehr ordent- Rur, Filsch und soweit ich weiß, der Sohn braver Estern. »Nd(tlT s/'ner Verhaflung hat er wieder bei mir gearbeitet ttoiQ l,? Ebenfalls ganz ordentlich gefühlt qilä Vrrfiaf« nnd ich ihn fragte.—" | Als seine Verhaf- ' nno iw lyn iiuhic, was das fei, bemerkte er: ba kann Fever einmal dazu kommen." Ob Rupsch x° �"krat sei. wisse er nicht. "on, e"lirmetster Fellbecker(Barmen): Rupsch hat bei mir ord?niti!5®bor 1882 bis dahin 1883 gearbeitet und sich sehr �olisth-T e>?'?brt. Später vernahm ich, daß er zur sozialdemo- fc flu,, gehörte. Er gab dieS auch zu und sagte mir: Mtourmif.. �bcndS mit seinen Parteigenossen in einem o zusammen, um Parteianaelegenheiten zu "e fofnn«l®enn ein verdächtiger Mensch komme, begännen ."toai" gleichgiltige Dinge zu reden. Rupsch habe ihm ?ber 0-r„. entwendet. Er habe ihn nicht angezeigt, ihm | Wten Ä' scheine, daß die Sarialvemoki aten ton verführt '(n tnn-J4" a®Jft wahr, antwortete Rupsch. die Soiialdemokra- • m orfa /»eitrte) ihm k??"nien a?.?ihrt, antwortete er: N-Ut u........... He letzt euch nichts mehr zu thun haben." Einmal estere« e.„*u chm gesagt: Es gebe jetzt noch ein bcdiutend & Kl-iT,b als Dynamit. fopieh i.»? rmeister Brinkmann auS Barmen: Ich bin mit »I�okratin»'Ä gewesen. Dieser sagte mir, daß er zur Sofial- Mn-n."'«gebore und ei j, 1.��eirr iuhic>->>>, vun».„---, T"0ff.. und es ihm ein Leichtes sei. 500 GestnnungS. I �ttorin> Wmenzubnngen. Als ich ihm bedeutete, daß leine zur Sozialdemokratie einmal ein schlechtes Ende für ihn nehmen könne, antwortet« en Es ist mir gleichgiltig, auf welche Art ich zu Grunde gehe, sollte ich einmal bei einem Verbrechen ertappt werdm, dann nehme ich eine Niiro-Glyzerin Hülse in den Mund und tödte mich selbst. Ferner sagte er mir einmal: Er sei im Stande, aus Säuren Dynamit herzu- stelle� und habe auch Dynamit in der Werkstatt. Schneidermeister Cramer(Barmen): Ich bin ein streng kirchlicher Mann. Als Küchler bei mir eine Wohnung miethen wollte, erschien er, es war an einem Sonntage, mit einem Gebetbuch unter dem Arm. Er sagte: er komme direkt aus der Kirche; das Gebetbuch sei ihm das Heiligste, das babe ihm seine Mutier eingeschärst. Ich nehme an, daß dies Heuchelei war, denn ich habe ihn niemals in die Kirche gehen sehen. Auch habe ick einmal gehört, wie Küchler sagte: er glaube an nichts. Bei Küchier hadm sehr viele Leute verkehrt. Küchler sagte: Das seien alles Leute, die zur Buchdruckerkaffe gehören. — Küchler: Das ich mit einem Gebetbuch zum Zeugen ge- kommen bin und gesagt: ich komme aus der Kirche, ist unwahr. Im Uebrlgen werde ich den Zeugen gnichtlich belangen, weil er gesagt: ich sorge nicht in gehöriger Weise für meine Familie.— Der Präsident verliest hierauf einige Stellen aus der zur Zeit in Rüoesheim erschienenen Festzeitung und einen Bericht des Polizei-P.äsidenten von Wiesbaden über die Ord- nung des Festzuges.— Alsdann tritt gegen l'/e Uhr Mittags eine Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen wird Schrift- setz« Sammereisen(Barmen) vernommen. Ich war mit Rems docf bekannt; ich arbeitete mit ihm zusammen. Ueder sozia lntische Dinge habe ich mit Reinsdorf nickt gesprochen. Eines Sonntags sah ich, daß Reinsdorf einen Brief in französischer Sprache schrieb. Er bat mich, ihm zu gestatten, daß Briefe für ihn unter meiner Adresse ankommen könnten. Ich lehnte dies' jedoch ab. Einmal erhielt Reinsdorf einen B.ief aus Paris, in dem ein Hundert-Fccs.-Billet enthalten war.— Färb.-r Böllbof(Elberfeld)- Er habe eines TageS von Rew-Ioik 100 M. eihalten' er vermochte fich nicht zu «klären, wieso er zu dem Gelde komme, später erfuhr er, daß Palm ihn als D ckadreffe bezeichnet habe. Weber Schiebeck(Elberfeld): Ich wurde mit Reinsdorf durch Weidenmüller bekannt. Im Zürich«„Sonal-Demokcai" wurde Reinsdorf als Polizeispion denunzirt. Ich wollte des- halb Reinsdorf, dessen richtiger Name schon bekannt war, warnen: er möchte fich aus dem Staube machen, ehe die Elberfeld« und Barmer Sozialisten von diesem Artikel im „Sozial-Demokrat" Kenntniß«hielten. Eines Sonntags traf ich mit Reinsdorf bei Weidenmüll« zusammen. Da sagte er: ich denke nicht daran, Deutschland zu««lassen. Ich werde den Zürichem noch einen Streich spielen. Ich werde eine That begehen, so daß über Barmen-Elberfeld der Belagerungszustand verhängt werden und Deutschland an mich denken wird. Reinsdorf trug stets einen Revolver bei fich. Eines Tages trug Reinsdorf Schwefelsäure bei fich: er sagte: damit könne man Dynamit bereiten. Reinsdorf: Ich frage den Zeugen, ob« Sozialdemokrat ist?— Zeuge: Nein, ich gehöre gar keiner Patlei an. Reinsdorf: Der Zeuge glaubt vielleicht, daß« sich durch die Bejahung dies« Frage strafbar macht. Ich bemerke des- halb, daß man ver sozialdemokratischen Parier nicht mehr an- gehören darf, da diese aufgelöst ist, aber man kann deshalb Sozialdemokrat von Gesinnung sein'?— Zeuge: Ich gehöre gar keiner Partei an. Reinsdorf: War der Zeuge früher Sozialdemokrat?— Zeuge: Ja. Reinsdorf: Hat Jemand auf den Zeugen Einfluß auS geübt?— Zeuge: Nein. El werden nunmehr einige Artikel auS dem Züricher „Sozialdemokrat" verlesen, in denen Reinsdorf mit Neoe, dem früheren Expedienten der„Freiheit" und dem bekannten Nihi- listen Hanmann in«in« 3teche genannt wird. In einem Ar« titel der„Freiheit" heißt es:„Genosse Reinsdorf ist nicht ent- lassen, wie telegrapbisch gemeldet wurde. Dagegen wird uns berichtet: Reinsdorf leugnet hattnäckig, obwohl sich ein Mann gefunden hat. d« ibn furchtbar anschwärzt. Er legt ein der- arliges mannhafte? Benehmen an den Tag, daß der Unter- suchungiricht« einmal ausgerufen hak: Da möchte man ja alle Lust verlieren. Wir glauden's gern." Der„Sozialdemokrat" bezeichnete den Reinsdorf als Overspitzel und schrieb:„Wir stehen jetzt vor den Wahlen. Je mehr Anarchisten, desto weniger Stimmen, deshalb nieder mit den Anarchisten." In einem wetteren Artikel der„Freibcit" beißt es: Jeder, der fich zur sozial-revolutionären Partei bekennt, muß sich mit den technischen Fortschritten der Sprengstoffe, ganz besonders mit denen des Nttioglyzerin beschäfiigen, wenn sie gleich jenen edlen russischen Jünglingen handeln wollen." Ferner wird in eingehender Weise über einen in Newyork gehaltenen Vortrag berichtet, in dem technische Anleitungen zur Herstellung von Nitroglyzerin gegeben wird. Femer heißt es in der„Frei- heil":„DaS Nitroglyzerin steht auf einer Stufe mit der Er- findung der Buchdruckerkunst. Letzteres liefert uns die Mittel, um unsere Ideen zu verbreiten, Ersteres, um uns«e Ideen zur Verwirklichung zu bringen." In einem ferneren Artikel der„Freiheit" wird der Raub- anfall in Stuttgart besprochen und dabei der„Rebell", Organ der deutsch redendrn Anarchisten in Budapest, zitirt, in welchem der Überfallene Bankier ein privilegirter Räuber genannt und das Anbrechen als eine Heldenthar beznchnet wird. Die „Freihell" bemerkt dazu:„Wir find selbstverständlich mit un- secm Bruderorgan einverstanden. Wir sind der Meinung, daß im Kriege nicht blos hinüber und herüber geschossen w«den muß, eS müssen auch dem Feinde die M ttel zur Kcieglührung genommen werden. Die herrsckenden Klassen müssen einsehen, daß wir selbst vor dem Schaffst nicht zurück-chrcck-n. Die feig' Züricher Bande wird uns ja wieder nach Möglichkeit de- schimpfen." Je. einem weiteren Artikel der„Freiheit" wird beklagt, doß das Attentat auf das Frankfurter Voiizeigebäude mißglückt sei und dabei Ver Rath erlheilt, in Zukunft lieb« etwas mehr als wenig« Dynamit bei solchen Attentaten zu verwen- den.„Lange genug sind wir geknechtet worden; es ist hohe Zeit, daß wir zur That übergehen. Die herrschenden Klaffen sollen einschen, daß wir weder vor dem Beil noch vor dem Galgen zurück'ckrecken. Es lebe die soziale Revolution!" In dieser Weise geht es weil«. Die Beweisaufnahme wurde darnach für beendet erklärt und alsdann die Sitzung gegen'/«l Uhr Nachmittags auf Freitag Vormittag 9 Uhr vertagt. Leipzig. 19. Dezember. Prozeß gegen RcinSdorf und Genoffen. Die von d« Reichsanwallschafl gestellten Slrafan« trage lauten: Gegen Reinsdorf auf Todesstrafe und 15 Jahre Zachlhaus, gegen Bachmann auf 12 Jahre Zuchthaus, gegen Rupsch und Küchler auf Todesstrafe und je 12 Jahre Zuchthaus, gegen Holzhau« auf 10 Jahre Zuchthaus, gegen Soebn- gen und Rheindach auf je 5 Jahre Zuchthaus; bezüglich Tüll- n«s ist Freisprechung beantragt.' — Prozeß gegen Reinsdorf und Genoffen. D« flteichs- anmalt Treplin begründet die Strasanträge in anderthaldstün- diger Rede und betont, es könne nickt Wunder nehmen, wenn Breie anfänglich gezweifelt, ob nicht Uebertreibung oder Äystifi- kation vorliege. Die Zweifel seien leider geschwunden, man stehe vor einer ernsten und traurigen Wirklichleit. Die Aussagen des Angeklagten Reinsdorf seien in jeder Bc- ziehuig glaubhatt. Wenn er versuche, Mitangeklagte zu enilasten, so sei das ertlärlich. Die Grundsätze, von denen Reinsdorf ausgehe, und die Handlungen, die er begangen, ständen in enger Konkurrenz, darum seien seine politischen Be- merlungen ein Piülstcin zur Beurtheilung sein« Tnalen. Die Beweiserhebung habe«geben, daß Reinsdorf im Mittelvunkt der anarchistischen Bewegung, deren Zentralleitung sich im Auslände befinde, gestanden. Der R eich Zan malt hält die An- gäbe des Angeklagten Rapsch, daß er das A'tcntat am Nieder- wald habe vereiteln wollen und zu diesem Zoecke die Zünd« schnür durchschnitten habe, nicht für glaubhaft. Rapsch mache keineswegs den Eindruck eines reuigen Verbrechers, sondern trage eine trotzige Verbissenheit z rr Schau. Reinsdorf habe nicht ohne Geschick gehandelt, als« sich diesen Mann zur Ausführung der Attentate auserwählte. In Betreff des An» geklagten Küchler betont d« Reichsanwalt, Alles spreche idafür, daß sein eifrigstes Bestreben gewesen sei, die Sache zum Klappen zu bringen, er sei nicht ein Theilnehmer, sondern ein Mit- thäter. Holzhauer habe unbedingt gewußt, daß ein Verbrechen ausgeführt werden solle, er habe sich aber der Autorität Reins- dorfs unterworfen, auch das Dynamit dem Rupsch gegeben. Im Laufe der Vormittagsfitzang sprachen noch die Vertherviz« Dr. Thomsen, Buffenius und Seelig. *.* Eine stille Theilnehmert«. Wie vorsichtig Geschäftsleute in d« Wahl ihrer Vrrkäaferinnen sein müssen, lehrte die heute vor der dritten Strafkammer hiesigen Landgerichts l stattge« habte Verhandlung einer Anklage wegen wiederholten Diebstahls nach mehrmalig« Voibcstcasuna wegen D edstahl und wegen Fälschung eines FührungSattestes oebufs bessern Fortkommens gegen die Verkäuferin Valerie Fmnzika Warnke. Dieselbe besiadet sich jetzt im Alter von 28 Jahren und hat fest ihrem 17. Jahre stets Stellungen in Fleischwaarengeschäften als Verkäuferin bekleidet. In drei Fällen find Diebstähle, die st: gegen ihre Prinzipale begangen hat, zur Anzeige gekommen und hat sie wegen derselben Strafen von 6 Wochen und zwei von je 6 Monaten Gefängniß erlitten Namentlich hatte die- selbe ihren Verwandten große Quantitäten von Fleisch vaaren zugesteckt und bei unbedeutenden Ankäufen größere Geldbeträge herausgegeben. Ihre letzte Strafe hat die Angeklagte am 30. Mai cr. verbüßt. Zum 15. Oktober cr. erlangte sie beim Schlächtermeister Hahn durch Vorlegen eines außerordentlich günstigen Führungsattestes des demselben als sehr achtungS- werth bekannten Schlächtermeisters A. Altmann, Alte Schön- Hauserstraße 44, eine Stellung als Verkäuferin. In dem Attest war fie als fleißig, treu, ehrlich und zuonlässig bezeichnet. Gleich nach dem ersten Tage ihres Dienstantrittes fiel Herrn Hahn auf, daß die Tageseinnahme, die früher bei der schwächsten Frequenz nie unter 110 M. betragen hatte, sich nur auf 70 M. betief. So ging es tagtäglich fort, so daß Herr Hahn sich ent- schließen mußte, die Angeklagte, der er bisher das größte Ver- trauen entgegengebracht hatte, zu beobachten. Hinzu wurde« auch durch eine Mittheilung auf den V'chhof veranlaßt, nach welch« seine Verkäuferin ihren früheren Prinzipal Schlächter- meist« Brandt um tausende von Mark bcstohlen halte. Am 5. November cr. machte der Kiempnermeister Schräder einen Einkauf und bezahlte mit einem Fünf-Mark-Schein. dessen Nummer vorher notirt worden war. Bei der kaum V: Stunde darauf vorgenommenen Revision war der Fünf- markichern nicht mehr in ver Kasse und fand sich zusammen- geknittert auf dem Fußboden vor. Nach anfänglichen Ausflüchten räumte die überführte Verkäuferin die Begehung des Diebstahls an dem Fünfmarkschein ein. Nach ihr« Ver- Haftung«reichten die Geschäitseinnahmen bei Haha wieder ihre bish«rge Höhe. Am 6. November cr. kam die aus einem früheren Prozeß bekannt gewordene Schwester der Angeklagten in das Hahn'sche Geschäft, wahrscheinlich um die früh« be- liebten Einkäufe zu machen, und war nicht wenig erschrocken, ibre Schwester im Geschäfte nickt mehr vorzusinden. Das vor- gelegte Führungsattest stellte fich als gefälscht heraus, und räumt die Angeklagte auch ein, die Fälschung selbst degangen zu haben. Urb« den Verbleib des gestohlenen Geldes ver- weigert die Angeklagte jede Angabe und will glauben machen, daß ste außer dem Fünfmarkschein, bei dessen Entwendung ste abgefaßt worden ist, nur noch ganz geringe Beträge gestohlen habe. Der Gerichtshof vcrurtheiite die Angeklagte, indem er mindestens 3 Fälle alS erwirsen annimmt, unter Ausschluß mildernder Umstände, zu zwei Jahren Zuchthaus, 2 jährigem Ehrverlust und Zulässtgkeit von Polizeiausflcht, außerdem«- hall sie für die Uebertretung eine Woche Haft, welche als v«- büßt erachtet wurde. Der Staatsanwalt hatte sogar eine fünf- jährige Zuchthausstrafe beantragt. Wien, 18. Dezember. Der Mädchenverfübrer Krebs ist zu zweimonallichem Kerker, sein Helfershelfer Kli« zu sechs» monatlichem Arrest verurtheilt. Emen sensationellen Eindruck machie, wie dem„B. B. C." tclegraphirt wird, das F-ikmm, daß die Anklage wegen des Falles Anna Radl«, die sich s. Z das Leben genommen hat— also derjenige Fall, der die Aufmerksamkeit der Behörden auf das Treiben des KcebZ lenkte — fallen gelassen wurde, da deren unsittlicher Lebenswanvel konstatirt worden ist. Ei» Ltebesdrama. Der in Maria Lanzendorf bei Him- bürg etabttrte Gastwirth Georg Frank, ein 43jähriger Mann von imposanter hoher Gestalt und s.hr einnehmendem Aeußer» war am 18. Oktober d. I. mit der sehr schönen To.dt« des dortigen Bürgermeisters, ver kaum 18jährigen Anna Wöhr«, verschwunden. Frank, wiewohl leit I ihren verheirathet, unter- hielt hinter dem Rücken seiner Gattin ein Liebesvcchältniß mit der Bürgecmeistersrochter. Das Mädchen halte dem Wirth alles geopfert und die Folgen waren nicht ausgeblieben. W rhr- schelnlich aus Kränkung über den begangenen Fehltritt be- schloffen die Liebenden gemeinsam zu sterben. Beide verließen ihren Heimatyeoit, reisten nach Wien und von h.ec aus rich« teten fie Brife an ihre Angehörigen in Larzendorf. In diesen Schreiben«klärten ste, daß ste getrennt von einander n'cht leben könnten, und deshalb vereint in den Tod zu gehen be- schloffen haben. Beide nahmen in den zärtlichsten Ausdrücken von den Ihrigen Abschied und baten sie um Verzeihung. D« Brief der nach der eigenen Schiioerung des Vaters schwärme- lisch veranlagten Anna Wöhrer, welche eine gure Erziehung genossen und zuletzt das Konservatorium besucht hatte— schloß mit den Worten:„Lebt alle wohl, seid glücklich auf ewig und immer— Sehen werdet Ihr mich nimmer!" Georg Frank sendete seiner Gattin nach seinem Verschwinden 2X> fl. baat und eine Staaksschuldoerschreibung per 2300 fl. Die einge- geleiteten Richforschungen find ohne jeden Ecfola geblieben. Anna Wöhrer hatte nun bereits im Monate Mit dieses Jahres den in Himberg wohnhaften Baumeister Wenzel Ezadek gerichtlich wegen Ehrenbetetvignng belangt, weil der- selbe fie öffenilich deS Einbruches mit Frank deschuldigt hatte. Bei der angeordneten Vwh molung war Ezadek dieser A:uße- rungen geständig, erbot sich jedoch, den Wahrheitsbeweis hierfür zu erbringen. Da jedoch nach dem Gesetz über öffentlich vor- gebrachte ehrenrührige, wenn auch wahre Thaisachen des Privat- und Familienlebens ein solcher Beweis überhaupt ausgeschlossen ast— wurde Wenzel Ezadek schuldig erkannt und zu ein« Arreststcafe von vierzehn Tagen, verschärft mit einem Fasttage in der Woche, bestraft. DaS Landesgericht in Wien, an welches Ezadek appellirle, bestätigte dieses Uttheil vollinhaltlich. In einem von seinem jetzigen Anwälte, D'. Winternitz, Mute Oktober eingebrachten Gesuche beantragte Ezadek, welcher bisher die S rase nicht abgebüßt hatte die Wiederaufnahme des Strafverfahrens, indem er anführte'seine damaligen Äußerungen hatten blos beabsichtigt, denVat« der «Är•«- «rtrft»Kit*»»«tssS'----• IU Iw zzcyevuniea für Ezadek wichtige, inzwischen eingetretene Umstände gerich stich ionstaUct nvuib'n. Auf Grund dies« neu erhobenen Toatsachnr schut« nun Dr. Wurternitz um nachträgliche Strasmildau'v*" rechtsliäftigen Urtheiles ein, well durch die bekannt gewordenen Thttsachen die Aeuß' Angeklagten in einem wesentlich anderen all?ur Zeit lilvigungen des UrtheilS, daß dmck die vorgebrachten Be- schuldtgnngen eine Gefahr für die Ehre und den Ruf der iL obrer mcbt hei beigeftibrt wurde, daß vielmehr Letztere selbst durch ihre Flucht auch ihre Ehre verwirkt habe. Das Ober- landeSgericht Wien hat nun auch in Stattgebung dieses An- AageS auf Grund deS§ 410 Et-P.-O. und unter Anwendung des nachträglichen außerordentlichen Milderungs- und Um» wandlungsrechteS die obige Arreststrafe von vierzehn Tagen in eine Geldstrafe von fünfzehn Gulden umgewandelt. Arbeiterbewegung, Vereine uuä Versnmmiuugen. r. Von der Kommission der Berliner Tischler find auf Beschluß der betreffenden Bronchenversommlungcn, sowie der Generalversammlung der Berliner Tischler nunmehr sammtliche Minimaliohn-Tarife für in den Tischlerwerkstätten Berlins zu fertigende Epezialarbeiten im Druck herausgegeben und zwar mit der Maßgabe, daß 1) sammtliche in den Tarifen aufgeführten Arbeiten so einfach, wie nur möglich gedacbt find, daß demnach bei vorkommenden Arbeiten die in den Tarifen nicht vorgesehenen Mehrarbeiten extra bezahlt werden müffen. 2) In den Tarifen gar nicht aufgeführte Arbeiten werden trotzdem nach den betr. Tarifen berechnet und zwar derartig, daß jeder Tischler, welcher solche übernimmt, als Mi- nimallohn denjenigen Lohn garantirt erhalten muß, den derselbe bei den Spczialarbeiten erzielt hat. 3. Sammtliche Minimallobn-Tarife finden nur Anwendung in den Werkstätten, wo bisher niedrigere Lonsätze gezahlt wurden, al« die Tarife besagen. 4. In Werkstätten, wo jetzt bereits höhere Lohnsätze gezahlt weiden, als die Tarife besagen, wird durch diesen Umstand Nichts geändert, da die Tarife die nie- drigsten Lohnsätze angeben, welcbe in Berlin deftchm sollen. Die Tarife umfassen Bauarbeit, Küchenmöbel, kienene Möbel, einfache Kastenmöbcl, Epiegelrahmen, Tische und geschweifte Arbeit und find zu beziehen durch Herrn Gustav Rödel, Oranienstraße 8.,, �, Elektrische Beleuchtung In der letzten Versammlung des Neuen Louisenstädlischen Bezirksvereins sprach Herr Willi Siemens(Sohn des Dr. Werner Siemens) über„Elektrische Beleuchtung". Im Verlaufe des äußerst interessanten Vortrages bemerkte der Vortragende, daß die meisten Länder, besonders Amerika, in der Benutzung der elektrischen Beleuchtung Deutsch- simd weit voraus seien.— In Berlin find gegenwältig 32 Bogen- und 16 Glühlichianlagcn, welche der ziemlich reifen Sache gegenüber von einer Passtvität zeugen, welche nur in der Kostspieligkeit der Einzelanlagen ihre Erklä- rung findet. Zwar sei das elektrische Licht theurer als daS Gaslicht, die Vortheile der großen Bequemlichkeit, sowie in sanitärer Beziehung wären jedoch so außerordentliche, daß die in Angriff genommene Anlage von Zentralstationen, wodurch es erwöglicht werde, jedem im Bereiche der Etation Wohnen- den mit Leichtigkeit clekirisches Licht zuzuführen, nur mit der größten Freude begrüßt werden kann-— Aus einer in An- wendung gebrachten Tabelle über die Gesammtkosten der ein- zelnen BeleuchtungSarien exklusive Anlage geht hervor, daß 100 Normalkerzen pro Stunde kosten: bei Bogcnlicht 2 Pf., Erdöl(Petroleum) 5,1 Pf„ Gas im Aiganddrenner 14,4 Pf., Klüblicht 20 Pf., Rüböl 67 Pf., Talg 160 Pf.. Stearin 166 Pf. und Wachs 308 Pf.— Diese Zahlen dürfen jedoch nur als annähernd bezeichnet werden, da sowohl die Elektrotechnik als auch die Gastechnik fich stark bemühen, durch mannigfache Verbesserungen und größere Ausnutzung des Lichteffeftes diese Kosten möglichst her- abzumindern. Auch dem Gase läßt der Vortragende volle Gerechtigkeit wiederfahren, indem er ausführt, daß wenn- gleich das elektrische Licht, besonders das Glühlicht, außeror« dentliche Vorzüge habe, das Gaslicht dagegen in jeiner Billig- leit und der Verwendbarkeit zu Betriebs- und Heizrweckm nicht zu unterschätzende Vortheile besäße, welche fich vielleicht durch Herstellung von zwei gesonderten Gassorten noch er- höhen ließen.— Wie fich das elektrische Licht und das Gas- licht in der Zukunft stellen werden, ist gegenwärtig mit Be- stimmthett nicht abzusehen, da beide technisch noch stark ent- wickeldar find. Der Herr Vortragende glaubt jedoch mit Zuverficht, daß schließlich das elektrische Licht für die Beleuch- tungezw cke odfiegen werde, nur wünsche er daß dos bisherige platonische Interesse des Publikums zur aktiven Theilnahme übergehen möge. Zum Schutze der Dienstboten iu Schweden tritt mit dem 1. April 1865 ein Erlaß in Kraft, der sich hauplsächlich gegen die Kommisfionäie richtet. Anlaß dazu haben die Klagen gegeben, daß die sogenannten„Kommisfions Komptoirs" keiner Kontrole unterstellt waren, wie ganz besondere Mißverhält- nisse, durch die starke Auswanderung schwedischer Dnnstbotcn nach Teutschland und Dänemark entstanden. Künftighin muß jeder Kommiifionär die Konzession nachsuchen, welche ihm mit dem Vorbehalt des Widerrufs ertheilt wird. Befaßt fich der Kommiifionär damit. Gefinde im Auslande unterzuaringen, so soll er mindestens 1000 Kronen deponiren. Zwischen ihm nnd dem Dienstboten, der außerhalb Schweden eine Stelle sucht, soll ein Kontrakt abgeschlossen werden, der genau die Lohn- bedingungen und die Angabe der künftigen Beschäftigung des Dienstsuchenden enthält. Außerdem muß sich der Kommissionär verpflichten, den fich Vermiethcnden, falls er inneihald dir ersten sechs Monate nach seiner Ankunft den versprochenen Lohn nicht erhält oder ohne geleylichin Grund enilasscn wird, zu entschädigen und seine Rückreise zu bezahlen. Ter Konsul hat in solchem Falle die Pflicht, auf eine Anzeige hin zu unter- suchen und dem Gefinde zu seinem Rechte zu verhelfen. Generalversammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der Klavier-Arbeiter. Eonnabend, den 20. d. M.. Abends 8V- Uhr pünktlich, Kommandanten straße 77/79, Grarweil's Bierbollen, unterer Saal. Tagesordnung: 1. Vor- standswahl. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Ouiltungsbuch legitimirt. Aufnahme neuer Mit- glieder. Der Tischlerverein hält heute Abend, den 30. d. M., seine Generalversammlung mit der Togrsoldnung: Wahl deS gesawmten Voistandes, in Sanssouci(oberer Saal), ab, wozu der Vorstand besonders einladet. Zu gleicher Zeit macht der Vorstand aufmerksam, daß der Verein, wie immer, am erste» Wcihnachtsfeiertage, Nachmittags 5 Uhr, eine Abend unter Haltung mit Tanzkränzchen in der Urania, Wrangelstraße 9—10, zum Besten seiner kranken und hilfebedürftigen Mitglieder veranstaltet. Hierzu ladet der Borstand alle diejenigen Mit« glieder und Freunde des Vereins, welche ein Herz für ihre kranken Kollegen haben, herzlich ein, fich recht zahlreich dara» zu betheiligcn, damit die Kranken auch im nächsten Jahre reichlich unterstützt werden können. Billet- 30 Pfg. find zu haben beim Kaifirer B a r e s e l, Laufitzer Platz 18, v. 3 Tr-, sowie bei sämmtlichen Vorstandsmitgliedern- Gemeinnütziges. Lickitpapier. Zur Darstellung eines solchen zerschmilzt man 6 Theile schwarzes Pech, 6 Theile Terpentin, 4 Thelle weißes Wachs und 10 Theile Kolophonium. Man gießt warm ab und streicht davon, soviel als man zu brauchen gedenkt, ab und schneidet Pflaster davon. Das Pflaster muß aber jcdeS« mal etwas angewärmt werden, damit es fest haftet. Schwarzer Firniß für Möbel u. s. w. Einen solchen zur Nachahmung des Ebenholzes, der ganz schwarz ist und aus« gezeichnet deckt, stellt man her, indem man in 1 Liter Alkohol» firniß 12 G amm Anilinblau, 3 Gramm Anilinfuchfin und 8 Gramm Picringelb unter Umrühren auflöst, wozu ea. 12 Etun» den nothwendig find. Lederappretur. Obschon die Benutzung derselben nach« thcilig dem Leder ist, weil es der Brüchigkeit Vorschub leistet, so kann fich Jeder, dem die Bequemlichkeit über Schaden gebt, eine billige L-derappretur selbst herstellen. Man kaufe fich für 50 Pf. hellen Sarglack und schwärze mit sprillöslicher Anilin« schwarzlösung. oder man hole sich gleich schwarzen Sarglock. Ein solches Quantum stellt fich insofern billig, als es langt Zeit vorhält. Man kann diese Flüssigkeit mit einem dicker» Schablonenpinsel auftragen, der aber nach Gebrauch immer wieder in Sviritus stehen muß, damit die Haare nicht steif zusammentrocknen oder man benutzt dazu ein Echwämmchen, in der Art, wie man es bei der käuflichen Appretur hat. Neueste N»rlmckteu. Der Millionendiebstahl bei derNiederöstemichische» Eskomptebank. Tie schöne Stadt Wien an der blauen Donau hat augenblicklich den Vorzug selbst Berliner Bläitern hin« reichei den Stoff zu einer ganzen Anzahl von Privattelegram- wen zu liefern- Ein diebischer B■mkdirelior bat es für gut be« funden, fast ein Dnucl des 7 Millionen betragenden Aktien« kapitals in seine Tasche verschwinden zu lassen. Wieviel Thränen armer Leute an diesen Millionen kleben mögen, weiß Niemand, nur soviel ist sicher, daß ungefähr dreihundert Menschen, in dem Augenblick, als der Diebstahl bekannt wurde, bei der Bank erschienen, um ihre Gelder zurückzufordern. ES waren das natürlich nur Leute, die fich die kleinen Kapitalien mühsam zusammengespart hatten. Der Dieb, Jauner ist der be- zeichnende Name desselben, sollte die Früchre seines Raubes nicht lange genieß-n, er hat fich gestern bereits erschossen. Be» seiner Leiche wurden 24 Gulden gefunden. Theater. KSuiglicheS OvernhauS: Sonnabend: Der Troubadour._________ Königliches Schaaspielhav«: Sonnabend: Christoph Marlow.____ Deutscht» Theater: Sonnabend: Don Carlos._ «elleuLtauce-Theater: Sonnabend: Das Stadtgespenst._ Kttu« Frtidri�'WtchelmstubtischeS Thtater: Sonnabend: GaSparone. v'entral-Theater; Alte Jakobstraße 30. Dir Sonnabend: Zum 56. M.: 30. Direktor: Ad. Ernst. Der Walzer-König. St efiden,-Theater: Direktion Anton Anno. Sonnabend: Der Club-____ »alhava-Lperettev-Theater: Sonnabend: Gillette.__ " LouijcnstädtischeS Theater: Direftion Jos. Firmanns. Sonnabend: Lebrecht u. Eomp.____ Ostend-Theater: heute und folgende Tage: Im Lande der Freiheit. Große« Sensations-Ausstcllungs- Schauspiel in 9 Bildern von H. p. Gordon. Mufik von Th. Franke._ Sonnabend: Viktoria-Theater: Sulfurina._ W Uner-Theater: Sonnabend: Halbe Dichter._ Alhamtoa-Theater. Wallnertheaterstraße 15. Heute und folgende Tage: Der Blutrichter von London. Original- Schau spiel in 5 Abtheilungen von F. W- Ziegler. Bor der Vorstellung: Großes Konzert, ausgeführt von der hauSkapelle. Anfang deS Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung _ 7'/< Uhr._ Arbeitsmarkt. Goldleisten. Ein z. Walzen u. Einlegen der Verzierungen durchaus sauberer, tüchtiger und selbstständiger Arbeiter gesucht. 1607 Braune«. Co., Grimm str. 35. Central-Kranken- und Sterbekaffe der Böttcher. im Sonntag, den 21. d. M., Nachm. präzise 2 Uhr, Lichten- berger str. 21, Versammlung. Tagesordnung: Wahleines neuen Lokal-Vmstanta und Ausgabe der neuen Bücher. Be- kanntmachurg der Zahlstellen. A. Trautmann. Der Fachverein d. Nähmaschinenarbeiter veranstaltet Donnerstag, d. 25. Dezember(1. Weihnachisfeiertag). im Schützentjause, Liuienstraße 3—5 eine«rohe Festlichkeit, Konzert und Ball, verbunden mit komischen Vorträgen vnv Gesanasaufführungen. Anfang Abends 6 Uhr. Billets- 30 Pf. find m den mit Pakaten belegten Hand- hingen und bei den Herren Warnst, Wiesenstc. 38; Beyer, sRautiy: str. 71, Hof ll. Eingang 2 Tr. und Wieland, Pückler- Zroße i, l Tr., zu haben. Die Veretnsversammlung am 27. d. M. fällt aus. Der Vorstand. Große Weihnachts-Ausstellung! Meinen Freunden und Bekannten beehre ich mich mitwtbeilen, daß meine sämmtlichen Weihnachtssachen, Präsent- Kistehen zu 35 und 50 Stück in reizender Verpackung eingetroffen sind. Die große Beliebtheit, welche fich ineine Cigarren in kurzer Zeit erworben haben, spricht wohl um Besten für die Vorzügtrckkeit meiner Warne Alle Sorten Rauch-, Kau- und Schnpstabake, Cigaretten in reichster Auswahl. Fritz Goercki, Tabak- Tl. Cigarren-Handhng. __ Ad TT» 1 retl-Straeee TdTo.»S-O(frühere Linde). ilfttt Welt. Jahrgänge 1879—83, elegant geb. a M. 5,50, als Festgeschenk bestens zu empfehlen. Zu beziehen bei ____ K. Arnold, Kockstr. 39. Prensslsclies Leihhaus Beuthstraste 14 beleiht Wcrthe aller Art in coutanter und discretcr Weise. 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Um es auch dem weniger bemrttelten Manne zu ermöglichen, seine Einkäufe mit geringen Mitteln bestreiten zu können, ohne in die Ab.ahlungs Gei-täfle gehen zu müffen, hat fich Prinzenetraeee No. 22 der unterzeichnete Volks-Bazar gebilver. und ist derselbe durch Ersparung der theneren Ladenrniethe und durch Abschluß mit größeren Fabrikanten rm Stande, sämm liche unten angeführten Wvaren bedeutend billiger■wie jedes andere Geschäft abzugeben. Einen geehrten Mittel- und Arbeiterstand auf unser wirklich reelles Unternehmen aufmnksam machend, steht es einem Jeden frei, ohne kaufen zu müssen, fick von der Wahrheit des oben Gesagten zu überzeugen.[1579] Herren- n. Knaben-Garderobe, Uhren n. Goldwaaren, Kannfaktnrwaaren, Betten, Singer- Nibrnasobinen, Wollwaaren, Hüte, Schuhe, Stiefel, Barnen- und hlädcben Mäntel. Berliner Volks-Bazar, r'rin.Ä.ea.stx. 22 pari., nade d.r Wusserchorstr. 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